label;text Nicht-Wissenschaft;Seit zwei Wochen rücken die Enthüllungen zahlreiche Politiker, Sportler, Unternehmer und Funktionäre in ein schiefes Licht. Manche treten zurück, die meisten versuchen die Affäre auszusitzen: Vor zwei Wochen hat ein Netzwerk aus 400 Journalisten seine Enthüllungen über diverse Steuer- und Geldwäsche gestartet. In dieser Aufstellung finden sich die markantesten Ereignisse seit Bekanntwerden des Datenlecks: Die Tabelle ist nur eine Annäherung an die Gesamtheit aller Entwicklungen. Weil sich das Netzwerk über 80 Länder spannt können nicht alle Geschehnisse gelistet werden. Beispielhaft sind dieses markanten Ereignisse in sieben veschiedenen Staaten: Die größten innenpolitischen Zerwürfnisse lösten die Panama Papers in Island aus, wo Ministerpräsident Sigmundur Davíð Gunnlaugsson über die Rechercheergebnisse stolperte. Er war 2007 bis 2009 Miteigentümer einer Briefkastenfirma, die während der auf der Insel besonders turbulenten Finanzkrise zu den Gläubigern gestrandeter Banken wie Landesbanki und Kaupthing Bank zählte. Der spanische Industrieminister tritt zurück, nachdem bekannt wurde, dass er gemeinsam mit seinem Bruder als Geschäftsführer einer Offshore-Firma agiert habe. Argentiniens Präsident Mauricio Macri dementiert die Angaben über seine Beteiligung an zwei Offshore-Firmen, die Antikorruptionsbehörde springt ihm zu Hilfe und betont, dass die Gründung von Briefkastenfirmen keine Straftat darstelle. Ermittlungen wurden dennoch gegen Macri eingeleitet. Als besonders unglücklich gilt die Reaktion von David Cameron auf das Bekanntwerden von Offshore-Verstrickungen. Erst nach einer viertägigen Schrecksekunde räumte der britische Premier ein, an einer Briefkastenfirma seines verstorbenen Vaters beteiligt gewesen zu sein. Allerdings habe er nie Steuern hinterzogen, betonte der Regierungschef. Zur Untermauerung seiner Unschuld hat Cameron seine Steuerakte veröffentlicht. China unterdrückt Veröffentlichungen zu den Panama Papers: Die Suchmaschine Baidu, das chinesische Google-Äquivalent, zensiert alle Einträge zur Causa. Doch damit nicht genug: Ein Bürgerrechtsanwalt wurde gar verhaftet. Ge Yongxi hatte zuvor eine Montage veröffentlicht, in der Präsident Xi Jinping und die ehemaligen Staatslenker Jiang Zemin und Deng Xiaoping im Wasser pritscheln, das den Panamakanal symbolisieren soll. Auch das Wort Schwager fällt – der Verwandte des Staatsoberhauptes kommt ebenso in den Papers vor wie zahlreiche andere Parteikader der Volksrepublik. Auch in Russland dürfte es keinerlei Konsequenzen geben. Putin hat Berichte, laut denen Vertraute gut zwei Milliarden Dollar steuerschonend verbracht hätten, als Desinformation abgetan. Sein Jugendfreund und Cellist Sergej Roldugin hat indes zugegeben, an Offshore-Geschäften beteiligt gewesen zu sein. Er sagt, dass er damit russische Musik fördern hätte wollen. Auf internationaler Ebene wird an der Beseitigung von Schlupflöchern beim Datenaustausch über ausländische Bankguthaben gearbeitet. Und auch Konzernen soll die Steuervermeidung erschwert werden. Das wurde zumindest – wieder einmal angekündigt. Nicht-Wissenschaft;Zahl der Fluchtversuche am Eurotunnel zurückgegangen. London/Calais/Paris – Angesichts der Flüchtlingskrise am Eurotunnel haben Frankreich und Großbritannien Unterstützung der anderen EU-Staaten verlangt. Die Welt leide unter einer globalen Flüchtlingskrise – diese könne aber nicht von Frankreich und Großbritannien allein geschultert werden, erklärten der französische Innenminister Bernard Cazeneuve und seine britische Amtskollegin Theresa May am Sonntag. Für Paris und London habe das Vorgehen gegen illegale Grenzübertritte am Ärmelkanal oberste Priorität. In einer gemeinsamen Stellungnahme, die in der französischen Sonntagszeitung Journal du Dimanche sowie im britischen Sunday Telegraph veröffentlicht wurde, appellierten Cazeneuve und May an die europäische Solidarität: Viele von denen in Calais, die versuchen, den Ärmelkanal zu überqueren, sind durch Italien, Griechenland oder andere Länder gekommen, schrieben sie. Die Krise müsse da in Angriff genommen werden, wo sie anfange: Es müsse die Zahl der Migranten reduziert werden, die von Afrika nach Europa kommen. In den beiden Textversionen gab es leichte Differenzen. So heißt es in der französischen Version, London und Paris arbeiteten Hand in Hand mit den anderen Staaten der EU für eine Lösung. In der englischen Version heißt es, London und Paris würde andere Mitgliedstaaten – und die EU als Ganzes – drängen, das Problem an der Wurzel anzugehen. 2.000 Fluchtversuche pro Nacht Seit Wochen versuchen nahe dem nordfranzösischen Calais immer wieder Migranten, nachts zum Eurotunnel vorzudringen, um an Bord von Güterzügen nach Großbritannien zu gelangen. Mitunter wurden pro Nacht 2.000 Fluchtversuche registriert. Diese Situation anzugehen, ist die oberste Priorität für die Regierungen Großbritanniens und Frankreich, erklärten Cazeneuve und May. Beide Regierungen seien entschlossen, das Problem gemeinsam zu lösen. Unsere Straßen sind nicht mit Gold gepflastert, erklärten sie und fügten hinzu, dass aus beiden Ländern derzeit pro Monat rund 200 Migranten abgeschoben würden. Nach einem Treffen mit Cazeneuve am Dienstag hatte May angekündigt, umgerechnet zehn Millionen Euro zusätzlich für die Grenzsicherung bereitzustellen. Frankreich schickte 120 zusätzliche Polizisten nach Calais, insgesamt sind dort nun 550 Beamte im Einsatz. Diese Maßnahmen seien ein klares Signal, erklärten die Minister. Auch am Wochenende registrierten die Behörden in Calais Hunderte Fluchtversuche, doch nach der Verstärkung des Sicherheitsaufgebots waren es weniger als zuvor. In der Nacht auf Samstag wurden laut Polizei etwa 300 Fluchtversuche registriert, in der Nacht auf Sonntag 400. Alleine in der Nacht auf Freitag waren es noch etwa 1.000 gewesen. Seit Juni gab es bei solchen Versuchen mehrere Tote. Laut einer Eurotunnel-Sprecherin war der Tunnel in der Nacht auf Sonntag fünf Stunden lang gesperrt. Die Flüchtlinge hätten offenbar ihre Strategie geändert und seien nun in größeren Gruppen unterwegs gewesen, die schwerer zu kontrollieren seien. Unbehagen angesichts der Aufrüstung Die Lage in Calais erhitzt in Frankreich immer mehr die Gemüter, wobei sich der Zorn vor allem gegen die britische Regierung richtet. Der Oppositionsabgeordnete der konservativen Partei Die Republikaner, Xavier Bertrand, warf Premierminister David Cameron im Journal du Dimanche vor, das Problem nicht ernst zu nehmen. Mit Geld allein sei dieses nicht zu lösen. London müsse seine Gesetze ändern, die es möglich machten, ohne Papiere in Großbritannien zu arbeiten. Bertrand will Regionalpräsident in der Region um Calais werden. Auch die Bürgermeisterin von Calais, Natacha Bouchart, warf London vor, die Franzosen mit dem Problem allein zu lassen. Die Parteikollegin von Bertrand äußerte im Gespräch mit AFP zugleich Unbehagen angesichts der Aufrüstung mit immer mehr Beamten, Spürhunden und Zäunen. Der französische Präsident Francois Hollande hatte am Freitagabend mit Cameron telefonisch über die Lage beraten. Zuvor hatte er gesagt, Frankreich komme seiner Verantwortung nach, könne dies aber nicht allein tun. (APA/AFP, 2.8.2015) Wissenschaft;Physiker der TU Wien konnten klären, warum sich bestimmte Gase viel weiter abkühlen lassen, als man nach den klassischen Gesetzen der Physik erwarten würde. Wien – Wiener Quantenphysiker haben einen neuen Kühlungsmechanismus identifiziert: Erzeugt man nämlich ein sogenanntes eindimensionales Gas, dürfte sich dessen Temperatur eigentlich nicht mehr weiter absenken lassen – trotzdem passiert genau das. Verantwortlich dafür ist eine spezielle quantenphysikalische Art der Kühlung, über die die Forscher nun im Fachblatt Physical Review Letters berichten. In einer Flüssigkeit oder einem Gas tummeln sich Teilchen mit unterschiedlich viel Energie. Je heißer ein Gas ist, desto mehr Teilchen mit hoher Energie rasen darin umher. Um ein solches System abzukühlen, entfernen Wissenschafter mithilfe von elektromagnetischen Feldern gezielt die schnellsten Partikel mit den höchsten Energien. Die verbliebenen Teilchen mischen sich dann, und durch Wechselwirkungen stellt sich ein niedrigeres Energieniveau ein – die Temperatur sinkt. Dieser innere Temperaturausgleich wird als Thermalisierung bezeichnet. Das ist, was man bei Experimenten mit kalten Atomen standardmäßig anwendet, sagte Bernhard Rauer vom Atominstitut der Technischen Universität (TU) Wien. Die Forscher um Rauer und Jörg Schmiedmayer experimentieren aber mit eindimensionalen Gasen, die sich aufgrund ihrer speziellen räumlichen Struktur anders verhalten. Da die Teilchen in diesem Versuchsaufbau in einer derart engen elektromagnetischen Falle gefangen sind, können sie sich nur in eine Richtung bewegen und Energie nur untereinander austauschen, es kommt also nicht zur Thermalisierung. Hier stellt sich die Frage, ob man ab einem gewissen Punkt überhaupt noch weiter abkühlen kann, so Rauer. Es zeigte sich aber nicht nur, dass sich das durch Entfernung von Teilchen weiterhin bewerkstelligen lässt: die Temperatur sank sogar noch tiefer, als die klassische Physik erklären kann. Bei ihren Versuchen sind die Wiener Physiker auf einen neuen Mechanismus gestoßen, der nicht auf der Thermalisierung beruht, wie Rauer erklärte. In dem extrem kalten Zustand, in dem sich die Atome befinden, kann man ihr Verhalten eigentlich besser verstehen, wenn man sich nicht auf die Bewegung der einzelnen Teilchen konzentriert, sondern kollektive Wellen – ähnlich Wasserwellen – betrachtet, die sich auf mehrere Teilchen verteilen. Die Energie des Systems ist in diesen Quantenwellen gespeichert, die immer kleiner werden, je mehr Teilchen aus dem Gas entfernt werden. Beim Hinauswerfen dieser Teilchen kühlt das System also auf quantenphysikalische Weise ab. Rauer: Für uns ist das ein gutes Werkzeug, um noch kälter zu werden. Denn je kälter man diese Systeme bekommt, umso stärker treten ihre quantenmechanischen Eigenschaften heraus. Nicht-Wissenschaft;Diese Woche interessieren wir uns nicht nur dafür, was Sie aktuell lesen. Schicken Sie uns Ihre Bilder!. Im Bücherregal stehen, mehr oder weniger akkurat, zumeist jene Werke, deren Lektüre schon eine Zeit zurückliegt. Bücher, die es aufs Nachtkastl geschafft haben, haben hingegen gute Chancen, (wieder)gelesen zu werden. User Tagessuppe empfiehlt außerdem die Lektüre eines Buches als Vorbereitung für eine gute Nachtruhe: In den vergangen Wochen erzählten Prominente im STANDARD von ihren Bettlektüren. Bei dem deutsch-österreichischen Kabarettisten und Autor Dirk Stermann beispielsweise findet sich Erinnerungen eines Insektenforschers von Jean-Henri Fabre, bei der Schweizer Schriftstellerin Zoë Jenny liegt der Klassiker Orlando von Virginia Woolf am Nachtkästchen. Nach diesem Vorbild wollen wir unsere wiederkehrende Frage Was haben Sie in den letzten Wochen gelesen diesmal ein wenig variieren. Nicht nur möchten wir wissen, was auf Ihrem Nachttisch liegt, ergo was sie aktuell lesen. Ob neumodisches Modell oder Antikkastl, ob ein Stapel Bücher oder ein einzelnes Werk: Senden Sie uns Fotos Ihres Nachtkastl-Bücher-Arrangements an Userfotos@derStandard.at, wir gestalten daraus eine Ansichtssache! Und natürlich: Erzählen Sie uns, welches Werk Sie momentan beschäftigt und warum. Wissenschaft;'Die heutigen Dimensionen des Krieges sowie rasante Neuerungen in Wissenschaft und Technik stellen militärische Ausbildung vor enorme Herausforderungen. Im ewigen Ringen um Krieg und Frieden hat das Militär die Seiten gewechselt: Es ist – jedenfalls in aufgeklärten demokratischen Gesellschaften – nicht länger da, um Kriege zu führen, sondern um sie zu verhindern. Dazu muss es gleichwohl die Fähigkeit besitzen, Kriege zu führen. Militärische Rüstung und militärische Ausbildung an sich kennen keinen Unterschied zwischen Krieg und Frieden – ein Paradox, wie so vieles im Leben moderner Gesellschaften. Doch auch der Krieg hat sich verändert. Er hat seine alte Ordnung verlassen, die er nach dem Dreißigjährigen Krieg nunmehr in Form von Staatenkriegen, damit in der Verstaatlichung des Krieges, gefunden hatte. Die Stichworte lauten, um mit dem Militärtheoretiker Herfried Münkler zu sprechen, Entstaatlichung, Asymmetrisierung und Autonomisierung. An die Stelle der Staatenkriege, die über Jahrhunderte hinweg die Definition des Krieges bestimmten, sind kriegerische Konflikte getreten, die sich allen bisherigen Vorstellungen vom Krieg, so auch der geläufigen Formulierung als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, entziehen. Zugleich sind an die Stelle des Traums vom definiten Ende aller Kriege bzw., mit Immanuel Kant gesprochen, vom Eintreten des ewigen Friedens, den wir zuletzt nach dem Fall des Eisernen Vorhangs geträumt hatten, neue Albträume getreten. Die Rede ist von traumatischen Kriegsszenarien, von kriegerischer Gewalt, gekennzeichnet durch lokale Kriege, Terror, Massaker, zerbrechende staatliche Ordnungen, Das Geschehen heute bestimmen im Lokalen wie Globalen Guerilla, Warlords, Banden, terroristische Organisationen wie Al-Kaida und IS. Man spricht von wilden Kriegen (Wolfgang Sofsky), hybriden Kriegen (Uwe Hartmann) und (neutraler) kleinen oder neuen Kriegen (Herfried Münkler). Entstaatlichung bedeutet hier Privatisierung, Autonomisierung (gegenüber militärischen Ordnungsformen) und eine radikale Form von Asymmetrisierung. Auch der Begriff des Bürgerkriegs passt nicht mehr so recht; er setzt einen Rest Staatlichkeit voraus. Klassische Kriege waren symmetrische Kriege, nicht im Sinne gleicher Stärke, sondern vergleichbarer Kriegsführung, vergleichbarer Bewaffnung und vergleichbarer Rekrutierungsformen. Das Duell oder das Turnier und deren Regeln waren hier das Muster, auf das sich, angereichert mit einem hohen Maß an Idealisierung, die klassischen Formen des Krieges bzw. der entsprechende Kriegsbegriff beziehen, desgleichen die Existenz eines Kriegsrechts, mit dem der Krieg gewissermaßen seinen Platz in der Rechtsordnung der modernen Gesellschaft gefunden hat. Asymmetrisierung also nicht – was diese auch bedeuten kann – als Ausdruck militärischer oder waffentechnischer Überlegenheit, damit als Ausweis nicht vergleichbarer Stärke, sondern als Merkmal einer Kriegsführung, die sich außerhalb aller Regeln klassischer Kriege stellt. Aus der Möglichkeit, aus praktizierter Asymmetrie einen Krieg zu beenden (Beispiel: der Atombombenabwurf über Hiroshima und Nagasaki), wird die Möglichkeit, ihn überhaupt erst zu führen. Herfried Münkler: Die Reziprozität in den Fähigkeiten der Kriegsparteien, die unter den symmetrischen Konstellationen des klassischen Staatenkrieges typisch war, ist durch Konstellationen abgelöst worden, in denen vergleichbare strukturelle Ordnungsmuster nicht zu erkennen sind. Dem entspricht eine deutliche Diversifizierung des Kriegsgeschehens im globalen Maßstab: Auf der einen Seiten lassen sich Residualformen des klassischen Staatenkrieges beobachten, und auf der anderen Seite haben wir es mit der Asymmetrisierungskreativität schwacher substaatlicher Akteure zu tun, die auf diese Weise zu einer ernstzunehmenden Herausforderung auch von Weltmächten werden. Die neuen Kriege sind derart, dass sie mit allein militärischen Mitteln nicht mehr entschieden oder beigelegt werden können. Das zeigt sich heute in Afghanistan, im Irak und in Syrien. Nicht die große Entscheidungsschlacht beendet Kriege, sondern, wenn überhaupt, eine kluge Politik der Eingrenzung, des Aushaltens sowie ökonomischer wie rechtsstaatlicher kleiner Schritte. Langwierige Blauhelmeinsätze prägen die militärische Szene, nicht militärische Siege im klassischen Sinne. Deshalb gibt es auch keine Kapitulationsverhandlungen mehr. In gewisser Weise kehrt in der Ablösung staatlich geführter Kriege durch nichtstaatliche Kombattanten der Dreißigjährige Krieg wieder zurück; an die Stelle von strategischer Kriegsführung, von großangelegten militärischen Operationen treten Überfälle aus dem Nichts, terroristische Einzelaktionen, Massaker an der Bevölkerung, Grausamkeiten unvorstellbarer Art, auf die der (immer zynischer werdende) Begriff des Kollateralschadens nicht mehr zutrifft, sondern welche diesen zum eigentlichen Kriegsziel machen. Neben die Unberechenbarkeit der neuen Kriege tritt, als mächtigster Ausdruck dieser entstaatlichten Kriegsform, der Terrorismus. Dieser ist nicht auf Siegen aus, sondern auf Destabilisierung, auf die Demonstration permanenter Verletzlichkeit des ansonsten übermächtigen Gegners. Mittel ist der Schrecken, dessen Verbreitung keinerlei moralische oder humanitäre Skrupel kennt, der das Verbrechen als Zweck an sich selbst ansieht und auf jegliche Rechtfertigungsversuche, wie sie etwa noch die RAF in den 1970er- und 80er-Jahren für ihre Terrorakte anzuführen suchte, verzichtet: Den heutigen Tätern scheint das entbehrlich. Was an ihnen auffällt, ist das Fehlen aller Überzeugungen. (...) überall geht es vor allem darum, Wehrlose aus der Welt zu schaffen. (...) Was dem Bürgerkrieg der Gegenwart eine neue, unheimliche Qualität verleiht, ist die Tatsache, dass er ohne jeden Einsatz geführt wird, dass es buchstäblich um nichts geht. (Hans Magnus Enzensberger) Der moderne Terrorismus ist sinnlos, und er versteht sich als sinnlos. Das macht ihn nur noch um so gefährlicher. Der neue oder der wilde Krieg wird um seiner selbst willen geführt, denn er – und auch das ist neu – ernährt diejenigen, die ihn führen. Krieg ist ihr Leben, und ihr Leben ist der Krieg. Der Frieden brächte sie um die Grundlage ihrer Existenz. (Wolfgang Sofsky) Die apokalyptischen Reiter sind wieder unterwegs – wenn dieses Bild nicht zu schade ist, um hier Anwendung zu finden. Schließlich sind sie nach der Offenbarung des Johannes Vorboten des Jüngsten Gerichts und geht es um den letzten Willen eines im theologischen Sinne gnädigen Gottes, nicht um die Fieberfantasien steinzeitlicher Fanatiker und Nihilisten. Widerstand nimmt hier, in klassischer Terminologie, die Formen eines gerechten Krieges an. In diesem geht es nicht nur darum, sich einem Angriff entgegenzustellen, sondern auch darum, die eigene entwickelte Kultur vor barbarischen Übergriffen zu schützen. In diesem Sinne ist z. B. ein bewaffnetes Vorgehen gegen den IS gerecht, der Krieg gegen den Irak war es nicht (weil hier aufseiten des Gegners weder von einem Angriff im klassischen Sinne noch von der Gefahr einer Barbarisierung entwickelter Kulturen die Rede sein konnte). Wissenschaft ist methodisch gewonnenes und methodisch begründetes Wissen. Auf ein solches Wissen sind moderne Gesellschaften, die in ihrem Wesen zu technischen Kulturen geworden sind, zunehmend angewiesen. Das gilt für alle gesellschaftlichen Bereiche, also auch den militärischen Bereich. Dieser Umstand macht sich vor allem in technischen Dingen geltend und damit in einem zunehmend komplexer werdenden Verhältnis von Wissenschaft und Technik. Nach üblicher Vorstellung herrscht die Wissenschaft über die Technik, die ihrerseits in der Gesellschaft oder über die Gesellschaft herrscht. Doch diese Vorstellung erfasst die Gegebenheiten im Verhältnis von Wissenschaft und Technik und die Wirklichkeit moderner technischer Kulturen immer weniger. Das Verhältnis von Wissenschaft und Technik ist nicht einfach, jedenfalls nicht in dem Sinne, dass die Wissenschaft immer zuerst und die Technik immer später kommt, dass die eine (Wissenschaft) als Forschungsform autonom und die andere (Technik) als Anwendungsform heteronom ist, dass die eine eigenen Zwecken, die andere fremden Zwecken folgt. Was im Sinne wachsender Interdependenz im Verhältnis von Wissenschaft und Technik gilt, gilt auch im Verhältnis von wissenschaftlich-technischer und gesellschaftlicher Entwicklung. Maßgebend sind hier die unübersehbare Verselbstständigungstendenz wissenschaftlich-technischer Rationalitäten und der Umstand, dass der Mensch in diesen wachsenden Rationalitäten nur umso mächtiger sich selbst gegenübertritt. Die Welt, als wissenschaftlich-technische Welt ein Werk, ein Artefakt des Menschen, nimmt selbst produktive Züge an. Nicht immer zum Besten dieser Welt; auch Entwicklungen, die sich aus ihrer Sicht als Fortschritte deuten lassen, schließen ambivalente Momente ein. Das machen nicht zuletzt wissenschafts- und technologieinduzierte Überbevölkerung, Gefährdungen der Biosphäre, möglich werdende Eingriffe in die (biologische) Natur des Menschen und eben auch waffentechnische Entwicklungen deutlich. Mit anderen Worten: Wissenschaft, Technik und Gesellschaft sind keine getrennten Welten; sie interagieren auf eine unauflösliche Weise – auch in Sachen Krieg und Frieden. Nicht der Krieg ist der Vater aller Dinge, wie wir bei Heraklit, wörtlich genommen, lesen, sondern die Technik, die ihre Dinge, und dazu gehören eben auch Waffen, schafft. Das ist nicht technikfeindlich gemeint, sondern beschreibt nur die ungeheure Innovationsfähigkeit des technischen Verstands, Arm in Arm mit dem wissenschaftlichen Verstand, im Guten wie im Bösen. Eine Welt der (technischen) Verfügbarkeiten wächst, und eine Orientierungswelt, die sich der Vernunft verdankt, hat Mühe, ihr zu folgen. Dabei macht auch der Versuch, zwischen militärischer und nichtmilitärischer Forschung zu unterscheiden, heute keinen Sinn mehr (es sei denn im sehr Speziellen). Alles, was die wissenschaftliche Forschung ausmacht und die Technologieentwicklung mit sich bringt, hat auch militärische Relevanz. Das gilt im Allgemeinen für Mathematik und Informatik, Künstliche Intelligenz, Robotik, für Soziologie und Politologie bis hin zur Psychologie ebenso wie für die im engeren Sinne technischen Wissenschaften im Besonderen. Was sich heute in der Halbleiterphysik, in der Lasertechnologie, in der Informatik tut, ist morgen überall; technische und strategische Bedeutung hat heute alles, was sich als Innovation in Wissenschaft und Technik geltend macht. Nicht mehr die militärische Forschung treibt die Technologieentwicklung voran, sondern umgekehrt die Technologieentwicklung die militärische Forschung. Beispiele sind die Satellitentechnologie und das Internet der Dinge, d. h. technische Formen der Selbstoptimierung und der Selbstkonfigurierung. Militärische Entwicklungen machen Gebrauch von einem wissenschaftlichen und technologischen Wissen, aber sie bestimmen dieses nicht mehr. Davon zeugt übrigens auch der im Militärwesen heute zentrale Begriff der Technologiefrüherkennung. Es geht nicht mehr um Technologieführerschaft, sondern um Technologieadaption – auf prognostischen und heuristischen Wegen. Die Zeiten eines Archimedes, der mit seiner Entwicklung von Kriegsmaschinen der antiken Technik und Mechanik neue Horizonte eröffnete, und die Zeiten Leonardos, dessen visionäre Konstruktionen, gerade auch im militärischen Bereich, die Welt der Wissenschaft und die Welt der Werkstätten, der Ingenieure, zusammenführte, sind längst vorbei, auch wenn der tatsächliche Stand der Militärtechnik alles ehemals Visionäre bei weitem übersteigt. Der militärische Kopf übernimmt, verstärkt, entwickelt weiter, aber er lenkt Wissenschaft und Technik nicht mehr. Er entdeckt im Entdeckten, erfindet im Erfundenen, nicht weniger wirksam als früher, nicht weniger bedrohlich und abschreckend als früher, doch nicht außerhalb, sondern innerhalb janusköpfiger Entwicklungen von Wissenschaft und Technik. Die sorgen schließlich auch dafür, dass, wie schon erwähnt, auch auf anderen Feldern, in allem, das heute auf die Stichworte nano, bio und neuro hört, Gefahrenpotenziale wachsen, Wissenschafts- und Technikszenarien nicht heller werden. Von einer heilen Welt, deren Teil ein ewiger Frieden wäre, sind wir weit entfernt und werden – eine Lehre aus Geschichte und Gegenwart – das wohl immer sein. Bildung und Ausbildung Das über die Interdependenz von Wissenschaft und Technik und die obsolete Unterscheidung zwischen militärischer und nicht-militärischer Forschung Gesagte betrifft auch den Begriff der Militärwissenschaft (früher: Kriegswissenschaft). Die mit diesem Begriff nahegelegte Annahme, es handele sich hier um eine eigene wissenschaftliche Disziplin, ist irreführend, insofern Krieg und Militär wohl ihre eigenen Gesetze haben, nicht aber diejenigen wissenschaftlich unterlegten technischen Mittel, die dabei Anwendung finden. Oder anders formuliert: Der Begriff der Militärwissenschaft (im Singular wie im Plural) bezeichnet keine Disziplin, die sich der wissenschaftlichen Entwicklung selbst verdankt, also basierend auf einer disziplinär geschlossenen eigenen Forschungsform, sondern eine Zusammenführung disziplinären Wissens unter gegebenen Zwecken, nämlich der militärischen Bildung und Ausbildung, also eine curriculare Sonderform. Wichtiger als terminologische und klassifikatorische Aspekte sind die Bildungs- und Ausbildungsaspekte selbst. Hier wird man ohne große Übertreibung sagen dürfen, dass diese, mit militärischen wie mit wissenschaftlichen Augen betrachtet, noch nie so wichtig und für die Zukunft, sowohl mit Blick auf das Militärwesen als auch auf alle anderen gesellschaftlichen Sektoren, entscheidend waren wie heute. Wenn nämlich das unter dem Stichwort Krieg und Frieden über neue Kriege, hier wiederum unter den Stichworten Entstaatlichung, Asymmetrisierung und Autonomisierung des Krieges, und das über Wissenschaft und Technik, die Selbstorganisation beider, Gesagte zutrifft, dann stellen sich die Anforderungen, dem sich das Militärwesen und die Gesellschaft insgesamt ausgesetzt sehen, in gänzlich anderer und bedrohlicherer Weise als früher. Heute ist es der Kopf, der den Umgang mit wissenschaftlichen, technischen und gesellschaftspolitischen Verhältnissen, zugleich sich radikal verändernden Gewaltformen, beherrscht, welcher den Anforderungen eines modernen militärischen Denkens und Handelns zu entsprechen vermag. Handwerk nimmt ab, verschwindet natürlich nicht, Kopfwerk nimmt zu. Das gilt allemal für die militärische Führungsebene. Hier zwingen insbesondere die nichtklassischen Formen kriegerischer Konflikte zu einem neuen Denken nicht nur auf der Strategieebene, wohin es zunächst einmal gehören mag, sondern auf allen Ebenen militärischer und gesellschaftlicher Wahrnehmung. Aus einem Handwerk, aus einer Kunst der Kriegsführung, wie man einmal sagte und damit im alten Sinne die Beherrschung eines regelgeleiteten Könnens meinte, ist eine wissenschafts- und technologiebasierte Wissensform geworden, handlungsorientierend wie eh und je, aber in einem Ausmaß voraussetzungsreich wie nie zuvor. Wo Kriege nicht mehr im alten Sinne militärische Auseinandersetzungen zwischen regulären Streitkräften sind, ist ein Denken gefragt, das in Analyse und Tat einer völlig neuen Komplexität zu entsprechen vermag – als ein selbst komplexes Denken und Handeln. Dem hat ein militärisches Bildungs- und Ausbildungssystem, so auch das österreichische System, eingebettet in ein differenziertes allgemeines Bildungs- und Ausbildungssystem, zu entsprechen. Es ginge darum, in hoheitlichen Verhältnissen Raum für die für ein Hochschulsystem, speziell ein Universitätssystem, unabdingbaren Autonomieelemente zu schaffen. Das wiederum sollte bei einer systematisch klaren Trennung zwischen institutionellem Auftrag und seiner Durchführung, unter Beachtung der zu wahrenden, autonome Elemente einschließenden Hochschulförmigkeit, möglich sein. In diesem Rahmen sollte ferner die Kooperation mit der Universität Wien in der Doktoratsausbildung verstärkt und gleichzeitig auf eine breitere fachliche und disziplinäre Basis gestellt werden. Fachliche oder disziplinäre Engführungen leisten heute keine Bewältigung von Problemen mehr, die sich selbst nicht mehr fachlich oder disziplinär definieren lassen. Ein modernes Militärwesen hätte angesichts der erwähnten gewaltigen Herausforderungen seinen überzeugenden akademischen Anschluss an das Wissen in all seinen wissenschaftlichen und technologischen Aspekten gefunden. Oder anders gesagt: Denken und Handeln angesichts wachsender Komplexitäten in Sachen Krieg und Frieden hätten selbst jene Fähigkeit, auf komplexe Weise zu denken und zu handeln, gewonnen, ohne die alles vergeblich wäre. Der Krieg in seinen alten und neuen Formen wäre nicht besiegt, aber ihm könnte mit allem, was eine aufgeklärte Gesellschaft weiß und kann, entgegengetreten werden.' Wissenschaft;Soziale Defizite bleiben Jahrzehnte lang bestehen – nicht nur bei isoliert gehaltenen Tieren, berichtet ein internationales Forscherteam. Graz/Wien – Wurden Schimpansen noch vor ihrem zweiten Geburtstag von der Mutter getrennt, bleiben sie auch als Erwachsene in Gruppen isoliert und zeigen Defizite im Sozialverhalten. Bisher war dies nur von lange isolierten Laborschimpansen bekannt. Österreichische und niederländische Forscher beobachteten bei Einschränkungen im sozialen Fellpflegeverhalten nun auch bei Individuen, die in Gruppen leben, und berichteten darüber im Fachblatt Scientific Reports. Soziale Fellpflege spielt bei Schimpansen eine wichtige Rolle für den Aufbau und Erhalt sozialer Beziehungen. Die von den Wissenschaftern für ihre Studie beobachteten verwaisten Schimpansen hatten weniger Partner, denen sie das Fell pflegten und waren auch weniger aktiv im Vergleich zu Schimpansen, die mit ihren Müttern aufwuchsen, erklärte Elfriede Kalcher-Sommersguter von der Universität Graz. Die Defizite zeigten sich jedenfalls nicht nur bei in Gruppen eingegliederten Schimpansen-Waisen, die jahrelang beispielsweise in einem biomedizinischen Labor in Einzelhaltung lebten. Auch Tieren, die schon bald nach der Trennung von ihren Müttern in Gruppen in Zoos gelebt hatten, waren betroffen. Der Verlust der Mutter in früher Kindheit wirkt sich auch bei Schimpansen gravierend auf spätere Sozialbeziehungen aus: Selbst Schimpansen, die bereits seit rund 40 Jahren in einer Gruppe lebten, zeigten diese Defizite, erklärte Jorg Massen von der Universität Wien. Zwischen 1950 und 1980 wurden tausende wild lebende Schimpansenjunge von Westafrika nach Europa, Japan und die USA exportiert, wo sie etwa in der Forschung eingesetzt wurden. Auch viele Zoo-Populationen stammen direkt von Schimpansen ab, die im Zuge dieser Exportwelle dorthin verfrachtet wurden. Wissenschaft;Außergewöhnlicher Fund auf einer Baustelle in Rennes. Rennes - Im Nordosten Frankreichs sind in einem Bleisarg aus dem 17. Jahrhundert die erstaunlich gut erhaltenen sterblichen Überreste einer bretonischen Adeligen gefunden worden. Der etwa 1,45 Meter große Leichnam stamme aus einem Grab einer Kapelle des Klosters St. Joseph in Rennes, teilten mit der Erforschung des Fundes befassten Wissenschafter mit. Fotos finden Sie hier. Der Fund wurde im März des vergangenen Jahres auf einer Baustelle für ein Kongresszentrum gemacht. Danach fanden die Wissenschafter vor Ort noch vier weitere Bleisärge sowie 800 weitere Gräber. Diese enthielten allerdings nur noch Skelette. In dem Bleisarg hingegen blieben sogar die Schuhe, die Haube und die Kleider der Toten erhalten. Es handle sich wahrscheinlich um die Überreste von Louise de Quengo, der Witwe eines bretonischen Adeligen, teilten die Forscher mit. Sie starb 1656 im Alter von etwa 60 Jahren und hatte sich offenbar in das Kloster zurückgezogen, um dort ihren Lebensabend zu verbringen. Bei ihrer Bestattung trug sie schlichte Kleidung bestehend aus einem Leinenhemd, einer Kniehose aus Wolle, einem Gewand aus grobem Stoff, einem Umhang und Schuhen mit Korksohle. Ihr Gesicht wurde mit einem Leichentuch verhüllt. Sie und ihre Kollegen hätten gleich gesehen, dass es sich um ein besonderes Grab handelte, sagte die Archäologin Rozenn Colleter vom Pariser Forschungsinstitut INRAP. Unter dem Umhang hätten sie Hände erkannt, die ein Kruzifix hielten. Die Tote wurde aufwendig untersucht. Mit Louise haben wir eine Überraschung nach der anderen erlebt, sagte der Radiologe Fabrice Dedouit zu der Prozedur. Die medizinischen Untersuchungen ergaben Nierensteine und Verklebungen der Lunge. Das Herz der Frau sei nach ihrem Tod mit echtem chirurgischen Können entnommen worden. De Quengos Kleider wurden restauriert und sollen ausgestellt werden. Ihre sterblichen Überreste sollen in ein paar Monaten in Rennes neu beigesetzt werden. Wissenschaft;Eine strikte Haltung wird geschätzt, ergab eine Wiener Studie. Wien – Wenn eine Behörde rigoros straft, aber dabei die Richtigen erwischt, fühlen sich Bürger bei ihr gut aufgehoben und zahlen ihre Steuern, fanden Wiener Psychologen heraus. Der Schlüssel zu einer guten Zahlungsmoral ist, dass das Finanzamt als vertrauensvoller und unterstützender Partner erlebt wird. Die Forscher identifizierten eine negative und positive Seite der Behörden-Macht. Die Wiener Forscher gehen in ihrem sogenannten Slippery Slope-Modell davon aus, dass die Zahlungsmoral einerseits vom Machtgefüge zwischen dem Steuerzahler und der Behörde und andererseits vom Vertrauen in die Behörde abhängt. Weitere wichtige Aspekte in dem Machtgefüge sind die Steuerlast, die Höhe der drohenden Strafen und die Wahrscheinlichkeit überprüft zu werden. Vertrauen in das Steuersystem hänge stark davon ab, wie gut Menschen über die Steuerbestimmungen informiert sind und ob sie sich gerecht behandelt fühlen, erklärte die Wirtschaftspsychologin Eva Hoffmann. Sie untersucht Steuerehrlichkeit zusammen mit Kollegen um Barbara Hartl vom Institut für Angewandte Psychologie: Arbeit, Bildung, Wirtschaft der Universität Wien im Rahmen eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts. Dabei identifizierten die Wissenschafter zwei Arten von Macht: Einerseits eine klare, harte Macht, die mit Strafen und der Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden zusammenhängt, sozusagen die negative Seite der Macht. Andererseits gebe es aber auch eine positive Macht, die unterstützende Seite der Behörde, indem sie sich bemüht, Steuerzahlen möglichst einfach und angenehm zu gestalten. Es könne nämlich auch attraktiver sein, mit ein, zwei Knopfdrücken die Abgaben abzuführen, als sich lange und mühselig zu überlegen, wie ich hinterziehen kann, sagte Hofmann. Im Gegensatz zur negativen Seite der Macht, die sich auf Bestrafung stützt, könne es bei der positiven Seite sogar zu einer gewissen Identifikation mit der Behörde kommen, da sich viele Durchschnittssteuerzahler mit dem Gesamtziel – nämlich Einkommen gerechter zu verteilen – prinzipiell identifizieren könnten. In ihren Experimenten haben die Psychologen herausgefunden, dass die Konfrontation mit der negativen Seite der Macht nicht nur zu einem negativen Gefühl des Zwangs zum Zahlen führt. Diese Strafen können ein Sinnbild für etwas sehr Positives sein, so Hofmann. Hat man nämlich Vertrauen, dass die Behörde die Hinterzieher findet und bestraft, fühlen die Menschen sich und ihren Steuerbeitrag gewissermaßen beschützt. Wenn nun beispielsweise Ex-Politiker mit zweifelhaften Methoden konsequenzlos Steuervermeidung betreiben oder sich Großkonzerne der Besteuerung teilweise entziehen, wirke das natürlich nicht förderlich. Abseits davon führte in den Untersuchungen schon alleine der Umstand, dass die Steuerbehörde in den Experimenten mehr oder weniger unterstützend beschrieben wurde, zu einem anderen Verhalten der Testpersonen. Anscheinend sind die Information über eine Steuerbehörde, die auch stark von den Medien weitergegeben werden, hier wesentlich, erklärte die Forscherin. Diese Erkenntnisse seien in diesem Zusammenhang neu und etwas, das in der Steuerpolitik und in der Kontrolle mitbedacht werden sollte. Das passiere auch, denn einen Austausch zwischen den Wiener Psychologen und den Steuerbehörden gebe es schon seit einigen Jahren. Diese Zusammenarbeit habe zu massiven Verbesserungen des Service-Angebots geführt. Neben den Niederlanden sei die österreichische Steuerbehörde hier wirklich ein Aushängeschild, sagte Hofmann. Nicht-Wissenschaft;Palästinensischer Präsident drängt auf Einigung im Friedensprozess. Jerusalem/Ramallah – Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas haben erstmals seit einem Jahr wieder miteinander telefoniert. Netanyahus Büro teilte mit, der Ministerpräsident habe Abbas am späten Freitagabend angerufen, um ihm zum Ende des Fastenmonats Ramadan ein frohes Eid-al-Fitr-Fest zu wünschen. Der Mitteilung zufolge versicherte Netanyahu, dass Israels Bürger sich Frieden und Stabilität in der Region wünschten. Die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur WAFA bestätigte das Gespräch. Demnach habe Abbas erwidert, dass es wichtig sei, im nächsten Jahr eine Einigung zwischen den beiden Völkern zu erreichen. Der Zeitung Haaretz zufolge fand das letzte Telefonat der beiden Politiker im Juni 2014 statt. Im vergangenen Jahr waren die Beziehungen zwischen Netanyahu und Abbas angespannt. Grund waren unter anderem der Gaza-Krieg und der Beitritt der Palästinenser zum Internationalen Strafgerichtshof. Wissenschaft;Nasa präsentiert größte Zahl neuer Welten, die je auf einmal bekanntgegeben worden ist. Washington – Nasa-Astronomen haben in Washington über 1.000 neue Exoplaneten präsentiert. Zwar war die Existenz der mit dem Weltraumteleskop Kepler erspähten Welten bereits vermutet worden, eine neue Analyse bestätige nun aber, dass es sich bei 1.284 der Kepler-Kandidaten zu mehr als 99 Prozent tatsächlich um ferne Exoplaneten handle, teilte die Nasa am Dienstag in Washington mit. Das ist die größte Zahl von Exoplaneten, die je auf einmal bekanntgegeben worden ist, sagte der Hauptautor der im Astrophysical Journal veröffentlichten Analyse, Timothy Morton von der Princeton University (US-Staat New Jersey), auf einer Pressekonferenz in Washington. Mit der neuen Untersuchung habe sich die Zahl bestätigter Kepler-Exoplaneten mehr als verdoppelt, betonte Nasa-Chefwissenschafterin Ellen Stofan. Die Forscher um Morton hatten mit statistischen Methoden alle 4.302 Planeten-Kandidaten analysiert, die Kepler bis zum Juli 2015 entdeckt hatte. 984 davon waren bereits mit anderen Techniken als tatsächliche Exoplaneten bestätigt worden. 1.284 weitere identifizierte das Forscherteam nun als echte Planeten. Bei 707 anderen handelt es sich dagegen wahrscheinlich um einen Fehlalarm. Die verbleibenden 1.327 Kandidaten haben zwar eine größere Wahrscheinlichkeit, echte Planeten zu sein als ein Fehlalarm, ihr Status lässt sich aber noch nicht klären. 550 der nun verifizierten Exoplaneten sind klein genug, um Felsplaneten zu sein. Neun davon kreisen in der habitablen Zone um ihre Sterne, also jenem Bereich, in dem Wasser zumindest theoretisch flüssig sein könnte, was als Mindestanforderung für die Entwicklung von Leben, wie wir es kennen, gilt. Damit steigt die Zahl der bekannten potenziell lebensfreundlichen Welten auf 21. Das macht uns Hoffnung, dass wir irgendwann da draußen bei einem Stern ähnlich unserem eigenen eine weitere Erde entdecken, meint Stofan. Laut Natalie Batalha, Koautorin der Studie und Mitglied des Keplerteams am Ames Research Center der Nasa in Moffett Field, verhelfen die nun vorgelegten Erkenntnisse zu einer besseren Einschätzung, wie häufig Exoplaneten mit annähernd Erdgröße und mit lebensfreundlichen Bedingungen existieren könnten. Der nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler benannte Planetenjäger hat ab 2009 vier Jahre lang in einem kleinen Himmelsausschnitt die Helligkeit von rund 150.000 Sternen genau verfolgt. Nur falls ein Planet von der Erde aus gesehen genau vor seinem Stern vorbeiläuft, kann das Weltraumteleskop ihn entdecken. Unter dieser Voraussetzung lässt sich aus den von Kepler gefundenen Exoplaneten auf die tatsächliche Planetenhäufigkeit in der Milchstraße hochrechnen. Nach dem Ende der regulären Mission ging das Observatorium, das wiederholt mit technischen Problemen zu kämpfen hatte, mit der K2-Mission in die Verlängerung. Nachdem sich Kepler Anfang April vorübergehend in einen Notfallmodus versetzt hatte, arbeite das Teleskop inzwischen wieder normal, betonte NASA-Missionsmanager Charlie Sobeck. Der Treibstoff dürfte nach seinen Worten noch für zwei weitere Jahre reichen. 2018 will die NASA dann den Kepler-Nachfolger Tess ins All schicken, der mit derselben Methode 200.000 Sterne unserer direkten kosmischen Umgebung auf Planeten untersuchen soll. Nicht-Wissenschaft;Neuauflage des Prozesses wegen Kursmanipulationen bei der Telekom Austria. Wien – Für die Neuauflage des Prozesses in der Causa Kursmanipulationen der Telekom Austria (TA) im Februar 2004 hat sich Johann Wanovits aufmunitioniert. Der Broker, der dem damaligen TA-Management dienstbar war bei der Kurspflege und sohin bei der Erreichung eines Bonus-Programms für rund 95 TA-Führungskräfte, hat WU-Professor Stefan Pichler engagiert. Er kommt auf 74 Seiten zu dem Schluss, dass der Kurs der TA-Aktie damals eindeutig gewollt und gezielt nach unten gedrückt wurde, unter die für das Stock-option-Programm maßgebliche Schwelle von 11,70 Euro. Die Verkaufsorders kamen von der Deutschen Bank (die sich ihrerseits eines stillgelegten Fonds bediente). Und: Der für das Employee Stock Option Program (ESOP) der TA maßgebliche Durchschnittsschlusskurs im Zeitraum 20. bis 26. Februar 2004 wäre ohne gezielte Angriffe bei 11,712 Euro geblieben, sofern der Kurs von Dritten nicht nach unten manipuliert und von Broker Wanovits mittels Ankäufen nicht sofort wieder nach oben getrieben worden wäre, so die zentrale Aussage des Gutachtens. Wäre. Hätte. Die vom Obersten Gerichtshof (OGH) angeordnete Neuauflage des Hauptverfahrens ist sozusagen Wanovits letzte Chance, die Hintergründe des aufsehenerregenden Kurssprungs in den letzten drei Minuten des maßgeblichen Handelstags aufzuklären und somit einer Haftstrafe zu entgehen. In erster Instanz hatte er, wie berichtet, fünf Jahre Haft ausgefasst. Ob und wie Richter Wolfgang Ertl die neuen Fakten würdigt, bleibt abzuwarten. Fakt ist, sie stehen im Widerspruch zu den Aussagen der Finanzmarktaufsicht FMA, die den Vorgang damals von Amts wegen prüfte. Kursdrücken sei damals nicht erkennbar gewesen, wohl aber ungewöhnlich große Ordervolumina von Wanovits Brokerhaus Euroinvest, hatte die Prüferin im ersten Prozess zu Protokoll gegeben. Da Kursmanipulation damals nicht strafbar war, blieb der mysteriöse Vorgang ohne Folgen, die TA zahlte ihren Führungskräften rund 9,8 Millionen Euro an Erfolgsprämien. Letzteres allerdings unter dem von Kernaktionär ÖIAG erzwungenen Vorbehalt einer Rückzahlung im Fall des Nachweises von Unregelmäßigkeiten. Dass Verbotenes Crossing, also Kauf- und Verkaufsorders von ein- und demselben Händler (um den Kurs zu blockieren, also stabil zu halten), untersuchte die FMA damals ebenso wenig, wie sie Trader be- oder widersprüchliche Auskünfte ausländischer Depotbanken an die deutsche Aufsicht Bafin hinterfragte. Nicht untersucht wurde im ersten Verfahren die Rolle von Merrill Lynch. Die Investmentbank hatte den TA-Börsengang im Jahr 2000 begleitet und in ihren Büchern TA-Aktien – und von niedrigen Kursen profitiert. In diesem Sinne argumentierte auch der frühere TA-Vorstand Rudolf Fischer bei seiner Einvernahme. Er hatte seinerzeit die Hälfte der Wanovits zugesagten Erfolgsprovision für die Abwehr des Angriffs auf die TA-Aktie frei gegeben und das für die zweite halbe Million ersonnene Scheingeschäft gebilligt. Das war ein Fehler, reäumte Fischer, der die 2013 vom Erstgericht verhängte dreijährige Haftstrafe (wegen Untreue) bekämpft, ein. Die halbe Million Euro hat er ebenso zurückgezahlt wie seine Prämie. Zur Untermauerung versicherte Fischer mehrfach, dass der damalige TA-Vorstand für die Führungskräfte 2004 sogar ein alternatives Bonusprogramm aufgelegt hätte, falls das ursprüngliche nicht funktioniert hätte. Denn die Mitarbeiter hätten für die Restrukturierung hart gearbeitet und wären ohne Stock Options (für die sie selbst TA-Aktien kaufen mussten) entsprechend demotiviert gewesen. Der dreiköpfige Vorstand – angeklagt ist auch Ex-Finanzchef Stefano Colombo, während Ex-Chef Heinz Sundt 2013 frei gesprochen worden war – wäre in dem Fall aber leer ausgegangen. Wiewohl bereits im Pensionsalter muss Fischer jetzt wieder regelmäßig einer Erwerbsarbeit nachgehen. Sonst hätte er keine Fußfessel bekommen. Er büßt wegen illegaler Parteienfinanzierung sechs Monate ab. Wissenschaft;Experiment zeigt: Kaum etwas lässt sich so leicht anpeilen und schnappen wie etwas Gestreiftes. Cambridge – Die Hinweise verdichten sich, dass Zebras ihr auffälliges Streifenmuster zum Schutz vor Tsetsefliegen und anderen krankheitsübertragenden Insekten entwickelt haben. Für deren optische Wahrnehmung löst sich der Zebrakörper in Teilflächen auf, die den Insekten nicht als lohnenswerte Anflugziele erscheinen. Für diese These spricht das geografisch unterschiedlich stark ausgeprägte Streifenmuster bei Zebras und nah verwandten Arten, das mit dem Verbreitungsgebiet der fliegenden Schädlinge korreliert. So hatte das vom Menschen ausgerottete Quagga aus Südafrika nur einen gestreiften Hals und Kopf, während beim Wildesel Nordafrikas nur die Beine gestreift sind. Wo die Fliegen zuhause sind, herrscht hingegen ein vollständiges Streifenkleid vor. Früher wurde das Streifenmuster vor allem als Tarnung betrachtet, obwohl es kaum eine auffälligere Erscheinung zu geben scheint als ein Zebra. Hitzeflimmern und ein Hintergrund aus hohem Gras sollen – angeblich – zusammen mit den Streifen einen Tarneffekt ergeben. Sonderlich überzeugend wirkt diese Erklärung jedoch nicht. Eine andere Hypothese besagt, dass sich Zebras dadurch leichter Raubtieren entziehen können. Wenn beispielsweise eine Löwin in eine Zebraherde einfällt und die Tiere auseinanderstieben, finde sich die Jägerin plötzlich in einem sinnverwirrenden Wirbel aus Streifen wieder, der es ihr schwermache, ein einzelnes Zebra herauszugreifen. Motion dazzle nennt sich dieser Effekt im Englischen. In Tierdokumentationen kann man diese Erklärung immer noch häufig hören. Forscher der Universität Cambridge erteilen ihr nun jedoch eine Absage. Sie haben die Wirkung von Streifen auf einen Jäger nämlich im Experiment überprüft. Zwar nicht mit Raubkatzen, sondern mit Menschen – aber die Ergebnisse waren dennoch eindeutig, wie das Team um Anna Hughes im Fachjournal Frontiers in Zoology berichtet. In ihrem Experiment ließen die Forscher 60 Probanden am Touchscreen Jagd auf bewegliche und unterschiedlich gemusterte Objekte machen: horizontal, vertikal und diagonal gestreifte ebenso wie einfärbige. In der ersten Runde machten die Probanden Jagd auf einzelne Objekte – dabei erwiesen sich horizontal gestreifte Objekte stets als die leichteste Beute. Und wenn am Bildschirm mehrere Objekte herumschwirrten? Wo der Motion dazzle zum Tragen kommen sollte, machte die Orientierung der Streifen nun keinen Unterschied mehr. Ob horizontal, vertikal oder diagonal gestreift – alle Objekte wurden gleich schnell erwischt. Aber allesamt gingen sie den Jägern leichter ins Netz als die einfärbigen. (jdo, 16. 8. 2015) Nicht-Wissenschaft;Verletzt wurde niemand, die Suche nach den Tätern läuft. Verwendet wurde möglicherweise eine Gaspistole. Wien – In Wien-Liesing ist Mittwochabend ein Linienbus beschossen worden. Verdächtigt werden Jugendliche, die vom Fahrer und den 13 Fahrgästen gesehen wurden. Sie dürften den Bus verpasst haben, worauf einer der etwa 15- bis 16-Jährigen eine Faustfeuerwaffe zog und mehrere Schüsse abgab. Verletzt wurde niemand, die Suche nach den Verdächtigen läuft, berichtete die Polizei. Der Bus war kurz nach 18 Uhr unterwegs, als mehrere Kugeln die Heckscheibe durchlöcherten. Laut einem Mitarbeiter der Firma Gschwindl, die die Buslinie 60A im Auftrag der Wiener Linien betreibt, hielt der Lenker den Bus sofort an, als er die Einschüsse hörte. Zusätzlich nahm er Schreie von den Fahrgästen wahr. Es schießt jemand auf uns, soll eine Person gerufen haben. Während der Lenker die Fahrgäste beruhigte, liefen die Jugendlichen davon. Laut Polizei berichteten einige Mitfahrende, dass eine Gruppe von etwa fünf Jugendlichen dem Bus nach dem Verlassen der Station nachgelaufen war. Einer der Burschen soll dann auf den Bus geschossen haben. Die Einsatzkräfte stellten im Bus zwei 4,5 Millimeter große Metallkugeln sicher, insgesamt war die Scheibe viermal durchlöchert worden. Zur Waffe wird noch ermittelt. Angaben der Polizei zufolge könnte es sich um eine Gaspistole handeln. Konkrete Hinweise auf die Täter gibt es trotz der Personenbeschreibungen der Fahrgäste und des Lenkers derzeit nicht. Nicht-Wissenschaft;Der Autor sei einer der bedeutendsten und produktivsten Gegenwartsdichter deutscher Sprache. Weimar – Der Lyriker Uwe Kolbe erhält 2016 die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung. Sie ist mit 7.500 Euro dotiert. Kolbe sei einer der bedeutendsten und produktivsten Gegenwartsdichter deutscher Sprache, der in seinem Werk alle Fragen der menschlichen Existenz berührt, erklärte die Stiftung am Montag in Weimar. Kolbe, Jahrgang 1957, ist in der DDR aufgewachsen und lebt heute in Hamburg. Nicht-Wissenschaft;Fiskus verärgert, Mitarbeiter glücklich – und Großbritannien bald um 361 Aktien-Millionäre reicher. Facebook greift zu kreativen Methoden, um dem britischen Fiskus zu entkommen. Jeder der 361 Mitarbeiter erhält eine Aktienprämie (share bonus) im Gegenwert von 775.000 Pfund, was umgerechnet rund 990.000 Euro ausmacht. Diese soll bis 2018 ausgezahlt werden. Diese zusätzlichen Personalkosten vermindern die Steuerabgaben von Facebook massiv. Zuvor hatte Facebook auf Druck der britischen Behörden sein Einnahmenmodell umgestellt und britische Werbekunden, etwa die Supermarkkette Tesco, auch über die britische Tochterfirma abgerechnet. Durch die Bonuszahlungen revanchiert sich Facebook quasi beim Finanzamt. Der Independent schätzt, dass Facebook dadurch lediglich 4 Millionen Pfund abführen muss. 2014 hatte der IT-Konzern nur 4.326 Pfund gezahlt – weniger als der durchschnittliche Steuersatz eines normalen Briten. Und das, obwohl die Geschäfte des Unternehmens in Großbritannien glänzend laufen. Schon damals verschenkte Facebook intern 50 Millionen Dollar, um Steuern zu sparen. Unklar ist, ob Facebook auch den Kauf der weißrussischen App MSQRD zu steuerlichen Vorteilen nutzen kann. Eine beliebte Taktik: So soll etwa Microsoft den schwedischen Minecraft-Entwickler erworben haben, um weniger Steuern aus Europa abführen zu müssen. In den vergangenen Jahren hatte sich auch Google einen heftigen Clinch mit der britischen Steuerbehörde geliefert. Das resultierte schließlich in einem Deal, der aufgrund der milden Bedingungen für Google scharf kritisierte wurde. (red, 15.3.2016) Update, 18:45 Uhr: Der Artikel wurde hinsichtlich der Gehaltsaufstockung präzisiert. Es handelt sich um eine Aktienprämie im Gegenwert von umgerechnet 990.000 Euro, nicht um einen Geldtransfer. Nicht-Wissenschaft;Walisisches Krankenhaus kooperiert mit Williams-Team. Cardiff/Grove – Boxenstopp-Technik aus der Motorsport-Königsklasse Formel 1 soll helfen, das Leben von Neugeborenen zu retten. Die Geburtsstation des Universitätskrankenhauses von Wales in Cardiff (UHW) hat mit dem britischen Autorennstall Williams eine Kooperation gestartet, die bei der Reanimation von Babys hilfreich sein soll. Spezialisten auf der Neugeborenen-Station des UHW hatten Ähnlichkeiten zwischen den blitzschnell abgewickelten Service-Stopps bei Formel-1-Rennen sowie ihrer Arbeitsweise im Krankenhaus bemerkt. Deshalb wurde das Traditions-Team aus dem englischen Grove, das bisher sieben Fahrer- sowie neun Konstrukteurs-Titel gewonnen hat und zudem ein Technologie-Center betreibt, um Hilfe gebeten. Vor kurzem erfolgte ein Gegenbesuch in der Williams-Fabrik in Oxfordshire, um sich ein Bild aus erster Hand zu machen. Die Erkenntnisse waren laut einer Team-Aussendung aufschlussreich und hilfreich: In beiden Szenarios wird ein Team benötigt, das in einer zeitkritischen Phase und auf wenig Platz reibungslos zusammenarbeiten muss. In der Formel 1 kann ein aus 20 Personen bestehendes und synchron arbeitendes Boxenteam alle vier Reifen innerhalb von nur zwei Sekunden austauschen. Bei Williams hat man den Ablauf mittlerweile so perfektioniert, dass man in den ersten vier WM-Läufen des Jahres 2016 jeweils für die schnellsten Stopps sorgte. Bodenmarkierungen im Kreissaal Darauf aufbauend hat das Neugeborenen-Team in Wales nun einige Änderungen eingeführt, um ihre Reanimations-Prozesse zu optimieren. Ein Rollwagen etwa wurde so verbessert, dass man noch schneller auf die darauf liegenden Operations-Bestecke zugreifen kann. Wie in der Formel-1-Renngarage weisen nun Bodenmarkierungen in den Kreißsälen den OP-Teams exakt den Weg. Auch hinsichtlich Kommunikation und Analysen hat man wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Funk-Checks im Vorfeld, vermehrte Handsignale statt verbaler Mitteilungen sowie Video-Analysen und Einsatz-Nachbesprechungen gehören dazu. Die Wiederbelebung eines Neugeborenen ist sehr zeitkritisch und verlangt größte Effektivität, sagte Rachel Hayward vom Universitäts-Krankenhaus. Verzögerungen können markante Folgen hinsichtlich der Überlebenschancen beziehungsweise der Entwicklung von Langzeitschäden haben, erklärte Hayward, warum man sich mit dem Rennteam zusammengetan und Formel-1-Wissen implementiert hat. Claire Williams war als Co-Teamchefin des Rennstalls höchst erfreut, geholfen zu haben. Ihre Arbeit dort ist wirklich wichtig. Es geht jeden Tag der Woche um Leben oder Tod. Wenn wenigstens ein Teil unserer Ratschläge hilft, Leben zu retten, war das jeden Versuch wert, sagte die Tochter von Teamchef Frank Williams. Es ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich Technologie und Wissen aus der Formel 1 als zunehmend nützlich auch für viele anderen Branchen erweist. Nicht-Wissenschaft;Beispiel Karl-Marx-Hof 2010: SPÖ 54, FPÖ 33 Prozent – ÖVP, Grüne und diesmal wohl auch Neos haben wenig zu melden. Wien – Er gilt, auch wenn er schon mehr als 80 Jahre auf dem Buckel hat, noch immer als Prestigebau des Roten Wien: Im riesigen Gemeindebau Karl-Marx-Hof in Wien-Döbling leben in 1.272 Wohnungen rund 3.000 Menschen. Für die Errungenschaft des sozialen Wohnbaus zeigten sich die Mieter im 1,1 Kilometer langen Gebäude der Wiener SPÖ bis zuletzt dankbar: Eine detaillierte Auswertung des STANDARD ergab, dass bei der Gemeinderatswahl 2010 die Mieter im Karl-Marx-Hof überwiegend die Sozialdemokratie wählten. In den vier Wahlsprengeln, in die Wahlberechtigte des Karl-Marx-Hofes, aber auch Bewohner einiger benachbarter Gebäude fallen, erreichte die SPÖ mit 53,9 Prozent die absolute Mehrheit. Wienweit schafften die Roten 44,3 Prozent. Die Schlussfolgerung, dass die SPÖ ihr Gesamtergebnis in Wien vor allem dem signifikant besseren Abschneiden im Gemeindebau verdankte, ist zulässig: Laut einer Umfrage von 2010 haben 57 Prozent der Gemeindebaubewohner ihre Stimme der SPÖ gegeben. 500.000 Menschen leben in Wien im Gemeindebau. Eine gmahte Wiesn ist der Gemeindebau für die SPÖ freilich nicht mehr: Auch die FPÖ schnitt vor fünf Jahren bei den Bewohnern der städtischen Sozialbauten überdurchschnittlich stark ab. Eine Umfrage im Jahr 2010 unter Wählern in Wiener Gemeindebauten ergab 29 Prozent für die FPÖ. In den vier Wahlsprengeln des Karl-Marx-Hofs erreichten die Freiheitlichen damals 33,3 Prozent. Das ist weit mehr als das wienweit erzielte Ergebnis von 25,8 Prozent. ÖVP, Grüne und diesmal auch die Neos haben im Gemeindebau hingegen wenig zu melden. Das Match zwischen Rot und Blau dürfte bei der Wahl am 11. Oktober erst recht im Gemeindebau alles überlagern. Die große Frage wird sein, ob die SPÖ ihre prognostizierten Verluste in den einst uneingeschränkt roten Hochburgen in einem verkraftbaren Ausmaß halten kann. Vertreter der FPÖ sehen das blaue Potenzial im Gemeindebau und wettern gegen Überfremdung. Die Wichtigkeit des Gemeindebaus mit 220.000 Wohnungen in Wien spiegelt sich auch in den Wahlprogrammen wider. Die FPÖ fordert Integration und Deutschkenntnisse als Voraussetzung für die Wohnungsvergabe im Gemeindebau. Zudem sollen echte Wiener bevorzugt werden. Dieser Forderung kam Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) quasi nach: Seit 1. Juli 2015 werden Wiener bei der Vergabe von Sozialwohnungen bevorzugt. Sie werden neun Monate vorgereiht, wenn sie seit 15 Jahren in Wien gemeldet sind. Bevor sich Drittstaatsangehörige für eine Sozialwohnung bewerben können, müssen sie nachweisen, dass sie zwei Jahre in Wien und drei Jahre in anderen EU-Staaten hauptgemeldet waren. In der bisher wohl expansivsten Phase seiner Geschichte wächst Wien aktuell jährlich um etwa 25.000 Einwohner. Die SPÖ kündigte bis 2020 den Bau von 2.000 Gemeindewohnungen an. Pro Jahr will man 10.000 Wohnungen, darunter 8.000 geförderte, errichten, um den Bedürfnissen des Wachstums gerecht zu werden. Der FPÖ ist das zu wenig: Sie will jährlich 15.000 Sozialwohnungen bauen. Die Grünen treten für den Bau von 1.000 Gemeindewohnungen im Jahr ein. Eine geförderte Startwohnung mit 40 Quadratmetern soll – analog zum Öffi-Jahresticket – samt Betriebskosten 365 Euro Miete pro Monat kosten. Die ÖVP will Einkommensveränderungen bei den Gemeindebaumieten berücksichtigt sehen: Wer mehr verdient, soll mehr zahlen. Zudem sollen Mietkaufangebote leistbares Eigentum im geförderten Wohnbau ermöglichen. Auch die Neos treten für einen regelmäßigen Gehalts-Check im Sozialbau ein. Der Einzug junger Menschen in den Gemeindebau soll erleichtert, die Einkommensgrenze gesenkt werden. Letzteres fordern auch die Grünen. Die Liste Wien Anders hat im Wahlkampf einen Schwerpunkt auf leistbares Wohnen gesetzt und fordert etwa eine Leerstandsabgabe sowie die Entkopplung der Mieten im Gemeindebau von der Inflation. Nicht-Wissenschaft;Der Österreicher war zuletzt auf deutschen Bühnen aktiv. Wien – Der österreichische, zuletzt an deutschen Bühnen tätige Schauspieler Daniel Soran ist 41-jährig in Saarbrücken gestorben. Soran war zuletzt noch als Jonathan Brewster in Arsen und Spitzenhäubchen auf der Probebühne im Oststadt Theater Mannheim gestanden, konnte aber krankheitsbedingt nicht mehr die Premiere spielen. Als Schauspieler ausgebildet wurde Soran am Prayner Konservatorium Wien (Klasse Angelica Schütz). Nach verschiedenen Auftritten in Wien (u.a. am Theater der Jugend, und Gloria Theater) ging er für feste Engagements nach Deutschland, wo er an verschiedenen deutschen Bühnen (Theater am Puls Schwetzingen), bei Festspielen und auf Theatertourneen aktiv war. Zweimal führte ihn seine Arbeit zurück nach Wien, als er in den beiden Karl-Schönherr-Stücken Der Weibsteufel und Es hatte er im Theatercenter Forum mitwirkte. Nicht-Wissenschaft;Deutschen Verlagen droht nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs ein Eingriff durch Landesmedienanstalten – "Audiovisuelle Medienangebote" müssen gemeldet werden – Anlass war "tt.com". Hamburg/Wien – Eine Internetseite einer Tageszeitung mit Video-Material kann laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Herbst 2015 als anzeigepflichtiger audiovisueller Mediendienst eingestuft werden – der STANDARD berichtete. In Österreich hat bereits der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) das Urteil bedauert, jetzt sorgt es auch bei deutschen Verlagen für Unmut. Andreas Schoo, Chef der Bauer Media Group, sagte zum Branchendienst meedia.de: Wenn audio-visuelle Redaktionsleistungen von Pressemarken von einer staatlichen Genehmigung abhängig wären, bedeutete dies eine Verletzung der Pressefreiheit und eine Einschränkung der Meinungsvielfalt. Die von der Politik diskutierte und forcierte Gleichstellung von Bewegtbildern der freien Presse mit den Angeboten von Rundfunkanbietern sei falsch, so Schoo. Und: Redaktionelle audio-visuelle Angebote der freien Presse müssen streng vom Rundfunkrecht getrennt werden. Wird die Regelung vollzogen, könnten deutsche Verlage eine Lizenz für ihre Videoangebote von den zuständigen Landesmedienanstalten benötigen und unterlägen der staatlichen Aufsicht. Weiter müssten sie Werbebeschränkungen beachten, die etwa für Rundfunkanstalten gelten. Konkret geht es in der Causa um einen Rechtsstreit zwischen dem Betreiber der Internetadresse der Tiroler Tageszeitung Online, der Moser Holding, und der Medienbehörde KommAustria. Audiovisuelle Medienangebote müssen in Österreich der Medienbehörde KommAustria gemeldet werden und sind abgabepflichtig. Die Regulierungsbehörde sieht einen solchen anzeigepflichtigen Dienst darin, dass die Leser der Onlinezeitung (tt.com) über einen Link zu einer Subdomain gelangen, auf der zum Textangebot ergänzende Videos abgerufen werden können. Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) hat den Fall zur Klärung an den EuGH verwiesen. Ähnlich wie die deutschen Kollegen argumentierte in Österreich der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ). Das Urteil erkläre das Grundrecht auf Konzessionsfreiheit der Presse im Web für wertlos und bringt so einen 150-jährigen Rückschritt für die Pressefreiheit in Österreich, sagte VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger. Wissenschaft;Wisdom ist ein Laysanalbatros-Weibchen, das bereits 35 Jungvögel aufgezogen hat. Demnächst wird es wieder ein Ei legen. Washington – Die Midwayinseln liegen – nomen est omen – genau in der Mitte zwischen Kalifornien und Japan, sie haben einen Durchmesser von rund zehn Kilometern und dienen hunderttausenden Seevögeln als Brutstätte. Ende November hat sich eine buchstäblich alte Bekannte auf dem Atoll im Pazifik eingefunden – sehr zur Freude, aber auch zum Erstaunen von Ornithologen. Bei dem Vogel, der demnächst auf der Insel brüten wird, handelt es sich um einen einzigartigen weiblichen Laysanalbatros, der unter dem Namen Wisdom in Fachkreisen längst eine Berühmtheit ist. Wisdom wurde nämlich 1956 auf ebendiesen Midwayinseln erstmals beringt und ist erwiesenermaßen 64 Jahre alt. Der Vogel verblüfft uns immer wieder aufs Neue, wird Bruce G. Peterjohn in der Washington Post zitiert. Tatsächlich hat die Albatrosdame, die als einer der ältesten Vögel der Welt gilt, bereits etliche Annahmen über das Leben der gefiederten Freunde Lügen gestraft. So war man lange davon ausgegangen, dass die Lebenserwartung der Seevögel bei kaum mehr als 30 Jahren liegt. Kaum vorstellbar ist auch, wie weit Wisdom bis jetzt schon geflogen ist: rund fünf Millionen Kilometer, also rund sechsmal die Strecke von der Erde zum Mond. 2001 wurde Wisdom auf den Midwayinseln wiederentdeckt, seit 2006 hat sie sechs Jungvögel aufgezogen. Und mit 64 wird sie nun abermals brüten. Wissenschaft;Plecodus straeleni imitiert das Streifenmuster zweier friedlicher Barscharten, um seine Beute in Sicherheit zu wiegen. Wien – Aggressive, anderen Fischen die Schuppen vom Leib fressende Buntbarsche im Tanganjikasee sind in Sachen Tarnen und Täuschen ziemlich raffiniert: sie imitieren das Streifenmuster zweier friedlicher Arten. So verkleidet attackieren sie nicht wie bisher angenommen nur die jeweils imitierte Art, sondern alle möglichen Fische, fand ein österreichischer Zoologe heraus. Die Studie erschien im Fachblatt Biology Letters. Diese Buntbarsche der Art Plecodus straeleni nähern sich ihren Opfern von hinten und schießen dann blitzschnell auf sie zu, um ihnen mit dem Maul von der Flanke eine oder mehrere Schuppen herauszureißen, je nachdem wie groß diese sind, erklärte Walter Salzburger, der am Zoologischen Institut der Universität Basel forscht. Damit er nicht schon von weitem als Angreifer erkannt wird, bedient sich der Schuppenfresser aggressiver Mimikry: Er tarnt sich als harmloser Fisch, indem er das gleiche blaugestreifte Muster trägt wie zwei friedlich lebende Buntbarscharten. Gemeinsam mit Kollegen hat Salzburger die Schuppen in den Mägen von 38 auf Tauchgängen gefangengen P. straeleni-Buntbarschen untersucht. Die Forscher sequenzierten die DNA der Schuppen und konnten so anhand eines molekularen Barcodes herausfinden, welchen Fischen sie einst gehörten. Die Verteilung der Schuppen in ihren Mägen entsprach ziemlich genau der Fisch-Gemeinschaft, die im Lebensraum der Schuppenfresser vorkommt, und zwar sowohl in Bezug auf die Dichte der Individuen sowie der Vielfalt. Es hat sich also herausgestellt, dass diese Buntbarsche alle anderen Fische attackieren, sobald sie die Möglichkeit dazu haben, so Salzburger. Nicht nur die Schuppen anderer Buntbarsche endeten in ihren Mägen, sondern auch etwa welche von Stachelaalen. Bisher habe man angenommen, dass sich die P. straeleni-Buntbarsche tarnen, um sich ihren optischen Vorbildern unauffällig zu nähern, und vor allem deren Schuppen zu erbeuten. Bei den nachgeahmten Spezies handelt es sich um Neolamprologus sexfasciatus und Cyphotilapia gibberosa, die vorwiegend von kleinen Schnecken und Schrimps leben. Wenn die beiden Raubfische wären, würde es wenig Sinn machen, sie nachzuahmen, um andere Fische zu überfallen, so der Biologe. Denn dann hätten die sprichwörtlichen Wölfe das Fell eines anderen Raubtieres angezogen, mit dem sie ihre Opfer wohl kaum in Sicherheit wiegen könnten. Damit die Tarnung funktioniert, müsse die Zahl der getarnten Räuber deutlich geringer sein als die ihrer Opfer. Die anderen Fische würden nämlich schnell lernen und bald die Flucht ergreifen, sobald sie etwas blau Gestreiftes erblicken. Bei den Buntbarschen ist das Verhältnis von P. straeleni und seinen Vorbildern etwa Eins zu Zehn, so Salzburger. Wissenschaft;Hinweise auf organisches oder metallisches Material hinter den Wänden – Britischer Archäologe vermutet Grab von Nofretete. Kairo – Enthält das Grab von Pharao Tutanchamun geheime Kammern mit den sterblichen Überresten von Nofretete? Anfangs wurde die Idee von einigen Fachkollegen belächelt. Die Direktorin des Ägyptischen Museums in Berlin, Friederike Seyfried, etwa hält sie für reine Spekulation. Doch nun scheint sich abzuzeichnen, dass der britische Archäologe Nicholas Reeves mit seiner Theorie zumindest teilweise Recht behalten könnte: Nach Auswertung von im November angefertigten Radarbildern verdichten sich tatsächlich die Hinweise auf bislang unentdeckte Räume in der Gruft im ägyptischen Tal der Könige. Wir können mit mehr als 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit sagen, dass zwei zusätzliche Räume hinter der Grabkammer existieren, sagte Antikenminister Mamduch Damati am Donnerstag in Kairo. Um den nächsten Schritt anzugehen, brauchen wir aber 100 Prozent. Auch befinde sich entweder metallisches oder organisches Material hinter einer der Wände. Auf den am Donnerstag gezeigten Radarbildern des japanischen Experten Hirokatsu Watanabe sollen farbliche Unterschiede die Hohlräume und das unbekannte Material zeigen. Die Aufnahmen von Ende November allerdings ließen nicht erkennen, wie groß die Räume tatsächlich sind. Auch über die Ursprünge der organischen oder metallischen Strukturen wollte Damati nicht spekulieren. Aufklärung sollen erneute Messungen im Tal der Könige bei Luxor Ende des Monats bringen. Damati kündigte eine erneute Pressekonferenz für den 1. April an. Reeves hatte mit einem im vergangenen August präsentierten Aufsatz über Linienstrukturen in zwei Wänden der 1922 entdeckten Grabkammer von Tutanchamun (um 1330 vor unserer Zeitrechnung) weltweit für Schlagzeilen gesorgt hat. Der Wissenschafter will in ihnen vermauerte Durchgänge erkannt haben. Dass es gerade das Grab von Nofretete sei, das sich hinter der Kammer verbergen soll, erklärt Reeves unter anderem mit der Verbindung zwischen ihr und Tutanchamun. Nofretete war dessen Stiefmutter und – in Reeves Theorie – gleichzeitig seine Vorgängerin als Pharaonin. Wissenschaft;"World Science Conference Israel" findet von 16. bis 20. August statt. Jerusalem/Wien/Braunau am Inn – Im Rahmen der kommende Woche in Jerusalem stattfindenden ersten World Science Conference Israel (WSCI, 16. bis 20. August) haben Schüler aus aller Welt die Chance, sich mit hochdekorierten Forschern auszutauschen. Insgesamt 15 Nobelpreis- und Fieldsmedaillen-Träger treffen dort auf 400 Jugendliche. Die österreichische Delegation umfasst fünf Schüler aus Wien und Braunau. Die WSCI ist beispiellos, was einerseits die Möglichkeiten zur Überwindung fachlicher Grenzen und das Einbeziehen der Jugend, sowie andererseits die Anzahl der teilnehmenden Nobelpreisträger und hochkarätigen Wissenschafter betrifft, erklärte der US-Nobelpreisträger für Chemie (2006) und Vorsitzende des akademischen Komitees der Konferenz, Roger Kornberg. Die Konferenz soll zur fixen jährlichen Veranstaltung werden und Verbindungen von Grundlagen- und Angewandter Forschung sowie zwischen etablierten Forschern und vielversprechenden Talenten fördern. An der Hebräischen Universität Jerusalem können sich ausgewählte Schüler zwischen 17 und 21 Jahren aus 71 Ländern untereinander und mit Forschern wie dem US-Physik-Nobelpreisträger und ehemaligen Energieminister Steven Chu, der israelischen Chemie-Nobelpreisträgerin Ada Yonath oder dem mit der oft als Mathematik-Nobelpreis bezeichneten Fieldsmedaille ausgezeichneten Wissenschafter Elon Lindenstrauss austauschen. Aus den Interessenten für die Teilnahme an der österreichischen Delegation nominierte das Bildungsministerium vier Schüler der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien-Penzing sowie einen Schüler der HTL Braunau. (APA, 14. 8. 2015) Wissenschaft;Eine aktuelle Studie wartet mit verblüffenden Zahlen zu den fliegenden Aasfressern auf. Salt Lake City – Ihr Image ist nicht das beste, und vielleicht werden sie deshalb in ihrer Bedeutung für das Ökosystem unterschätzt. Geiern wird zwar der Titel einer Gesundheitspolizei zugestanden – was diese tatsächlich leistet, listet nun aber eine Studie der University of Utah auf. Zugleich weist diese darauf hin, dass Geier weltweit eine bedrohte Vogelgruppe sind. Als hochspezialisierte Aasfresser verfügen Geier über eine so stark konzentrierte Magensäure, dass diese die meisten pathogenen Keime abtötet. Und sie haben die günstige Angewohnheit, sich von menschlichen Siedlungsgebieten eher fern zu halten: Sie nehmen also ihre gesundheitsschädliche Beute dorthin mit sich, wo sie uns nichts anhaben kann. Ganz anders sieht es aus, wenn die Geierbestände schwinden und sich andere Raubtiere auf herumliegende Kadaver stürzen: Ob Hunde, Katzen, Krähen, Möwen oder Ratten: Solche Gelegenheitsaasfresser können die Keime in Siedlungsgebieten einschleppen. Die Wissenschafter um Evan Buechley und Çağan H. Şekercioğlua nennen als Beispiel Indien, wo Mitte der 1990er Jahre die Geierbestände einbrachen. Zugleich nahm die Zahl verwilderter Hunde extrem zu, die sich von dem Aas ernähren konnten, das sonst die Geier entsorgt hätten. Die dichter gewordene Hundepopulation wiederum ermöglichte eine Tollwutepidemie, der von 1992 bis 2006 auch 48.000 Menschen zum Opfer fielen. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich laut den Forschern in Subsahara-Afrika ab, dem jüngsten Problemgebiet, was Geier anbelangt. Und wie bei allen vorherigen ist auch hier Gift der zentrale Faktor. Der Kalifornische Kondor beispielsweise stand Anfang der 1980er Jahre kurz vor dem Aussterben, weil die Vögel an dem Blei verendeten, das angeschossene Wildtiere im Körper hatten. In Indien löste der medizinische Wirkstoff Diclofenac ein verheerendes Geiersterben aus: Dieser wurde in der Rinderzucht als Entzündungshemmer eingesetzt – auf Geier wirkt er jedoch tödlich. In Afrika sind es verschiedene Stoffe in Giftködern, die für Raubtiere ausgelegt werden. Ein grundlegendes Problem ist dabei das Sozialverhalten von Geiern. An einem Kadaver können sich Dutzende oder gar Hunderte Vögel einfinden. Das Kollektiv hilft ihnen, bodenlebende Aasfresser abzuschrecken – dafür sind anschließend aber auch alle Vögel vom Gift betroffen. Als extremes Beispiel nennen die Studienautoren den Fall eines vergifteten Elefantenkadavers in Namibia aus dem Jahr 2007, der insgesamt 600 Geier tötete. Da die großgewachsenen Geier eine relativ langsame Reproduktionsrate haben, plädiert Buechley dafür, jetzt in Schutzmaßnahmen für Geier zu investieren. Der Erhalt des Kalifornischen Kondors habe gezeigt, dass es möglich ist, eine Art zu retten. Der Aufwand werde jedoch immer größer, je länger man zuwartet. Wissenschaft;Wissenschafter sprechen von "substanziellen wissenschaftlichen Defiziten in Bezug auf Studiendesign, Protokoll und Interpretation der Daten". Wien – Bienenforscher haben in einer Studie zu Neonicotinoiden, die von den Pestizidherstellern Syngenta, BASF und Bayer in Auftrag gegeben worden war, gravierende Mängel gefunden. Die Konzerne wollten damit ihre Klage gegen die EU-Neonicotinoid-Verbote zu untermauern, die aufgrund des Bienensterbens erlassen worden waren. Nun weist ein internationales Forscherteam jedoch auf substanzielle wissenschaftliche Defizite in Bezug auf Studiendesign, Protokoll und Interpretation der Daten hin. Deshalb lasset die Studie keine Schlussfolgerungen über das Risiko des Neonicotinoids Thiamethoxam für Bienen unter realen Feldbedingungen zu, heißt es in der Publikation der Forscher aus Europa und Australien, die in Environmental Sciences Europe erschienen ist und auf die nun die Umweltorganisation Global 2000 hinweist. Der Hauptkritikpunkt der Wissenschafter ist, dass die von Syngenta beauftragte Studie mit Dosierungen arbeitet, die bis zu 70 Prozent unter den zugelassenen Höchstaufwandmengen für Thiamethoxam liegen. Statt einem handelsüblichen Pestizidpräparat verwendet die Industriestudie den isolierten Wirkstoff, der in der Regel geringere biologische Aktivität und Toxizität aufweist. Zudem seien in der Industriestudie wesentliche Expositionspfade unberücksichtigt geblieben und das Zeitfenster der Exposition deutlich zu klein. Nicht zuletzt kritisieren die Wissenschafter das Fehlen einer statistischen Auswertung, wie es für wissenschaftliche Arbeiten Standard ist. Industriestudien mit mangelhafter Aussagekraft und falschen Schlussfolgerungen hatten schon in den vergangenen Wochen wiederholt für Schlagzeilen gesorgt, kritisierte GLOBAL-2000-Chemiker Helmut Burtscher. Die Weltgesundheitsorganisation WHO erkannte in Industriestudien mit Mäusen eine eindeutige krebserregende Wirkung des Unkrautvernichters Glyphosat. Die Pestizidhersteller selbst hatten ebenso wie die europäischen Zulassungsbehörden die Häufung von Tumoren angeblich jahrzehntelang übersehen, da die statistische Auswertung der Versuche mangelhaft war. GLOBAL 2000 fordert deshalb, dass das europäische Zulassungsverfahren für Pestizide, insbesondere die Transparenz und Qualität der von der Industrie beauftragten und eingereichten Studien, verbessert werden. Ende Dezember läuft das von der EU-Kommission verhängte Moratorium für die drei Neonicotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam aus. Zur Zukunft dieser bienengiftigen und umweltschädlichen Pestizide hat sich die EU bis heute noch nicht geäußert. Wissenschaft;Forscher identifizieren 1700 menschliche Gene, deren Inaktivierung durch Mutationen für die Zelle tödlich ist. Wien – Etwa zehn Prozent der rund 23.000 Gene sind für menschliche Zellen absolut überlebenswichtig. Das ist das Ergebnis einer niederländisch-österreichischen Studie, die aktuell in Science publiziert worden ist. Die Erkenntnisse bilden ein Grundmuster für die essenziell notwendige Gen-Ausstattung menschlicher Zellen. Die Studie in Zusammenarbeit der Forschungsgruppe um Thijn Brummelkamp am Netherland Cancer Institute (NKI) und dem Team um Giulio Superti-Furga vom CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der ÖAW wurde anhand von zwei haploiden menschlichen Zelllinien (Zellen mit nur einem Chromosomensatz) durchgeführt. Dabei identifizierten die Wissenschafter rund 1.700 Gene, bei denen eine Inaktivierung durch Veränderungen im genetischen Code für die Zelle tödlich sind. Man kann wirklich sagen, dass diese Studie die Lebensgrundlage von menschlichen Zellen identifiziert, so Superti-Furga. Es sei zwar noch immer eine Erkenntnis aus der Petrischale. Aber die Kombination der Erkenntnisse von zwei unterschiedlichen Zelllinien biete schon ein hohes Maß an Sicherheit. Das ist eine unglaublich wichtige Informationsgrundlage. Quasi auf höherer Ebene habe man auch ein Netzwerk der Interaktion dieser Gene feststellen können. Im Rahmen der Studie haben die Forscher millionenfach Gen-inaktivierende Mutationen im Genom der untersuchten Zellen zufällig generiert und dann gemessen, welche Gene nicht inaktiviert werden dürfen, damit eine Zelle unter normalen Bedingungen wachsen kann. Darüber hinaus wurden einzelne Gene untersucht, bei denen erst die kombinierte Inaktivierung von einem weiteren Gen zur Unterbrechung grundlegender zellulärer Prozesse und damit zum Zelltod führt.Die Studie gebe den ersten grundlegenden Einblick in den Verband menschlicher Gene, die für das Leben notwendig sind. Wissenschaft;Gesamtmittel von 27 Mio. Euro bis 2020 für Realisierung zugesagt. Wien – Das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erhält ein Zentrum für Stammzellforschung. Bis 2020 sollen für direkte Kosten und Investitionen 27 Mio. Euro zur Verfügung stehen, heißt es in einem Papier des Wissenschaftsministeriums. Die nötigen Bundesmittel sind im neuen Finanzrahmen vorgesehen, der am Dienstag präsentiert wurde. Initialzündung dürfte das im Vorjahr öffentlich gemachte Liebäugeln von IMBA-Direktor Josef Penninger mit einem Wechsel ins Ausland gewesen sein. Er hatte das Angebot erhalten, Direktor des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in Berlin zu werden. Im Gegenzug für seine Zusage zum Verbleib stellten Wissenschaftsministerium und Stadt Wien zusätzliche Mittel in Aussicht. Konkret sollen nun 15 Mio. Euro vom Wissenschaftsministerium und 7,5 Mio. Euro von der Stadt Wien als Zusatzmittel bzw. Sonderförderung fließen. Die restlichen Mittel für das Centre for Stem Cell Research soll das IMBA aus seinem Basisbudget tragen. Im Endausbau soll es am Zentrum sieben unabhängige Forschungsgruppen geben, davon zwei Senior- und fünf Juniorgruppen mit jeweils fünf bis acht Mitarbeitern. Dazu kommen noch drei bis vier Technologiegruppen mit insgesamt zehn bis zwölf Mitarbeitern. Ein Neubau ist nicht erforderlich: Die neu zu rekrutierenden Forscher sollen im Plazageschoß des IMBA-Gebäudes untergebracht werden. Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sprach in einer Aussendung von einem in Europa einzigartigen Zentrum für Stammzellenforschung, mit dem der exzellente Life Science Standort Österreich gestärkt wird. Wissenschaft;Geordnete Kristallstrukturen aus mikroskopisch kleinen Tröpfchen, deren Existenz bislang nicht für möglich gehalten wurde. Stuttgart – Deutschen Physikern ist es gelungen, die Eigenschaften von Gasen, Kristallen und Supraflüssigkeiten zu einem einzigen neuen Materiezustand zu verschmelzen. Das Quanten-Ferrofluid vereint scheinbar gegensätzliche Eigenschaften und könnte ein erster Schritt zu einem sogenannten Suprakristall sein. In der Welt der Quantenmechanik gelten völlig andere Regeln als im makroskopischen Universum. Ganz unten auf der Größenskala sind die Bausteine der Materie halb Welle, halb Teilchen und haben nur noch eine gewisse Wahrscheinlichkeit an einem bestimmten Ort zu sein. Diese Effekte lassen sich in ultrakalten verdünnten Gasen beobachten. Hierfür werden Tausende bis Millionen Atome bis auf wenige Milliardstel Grad über dem absoluten Nullpunkt auf etwa -273,15 Grad Celsius gekühlt. Bei solch tiefen Temperaturen sind die Atome einzeln nicht mehr unterscheidbar, sie vereinen sich zu einer riesigen kollektiven Materiewelle. Dieser seltsame Zustand, man spricht vom sogenannten Bose-Einstein-Kondensat, verleiht dem Atomkollektiv erstaunliche Eigenschaften. Diese Materiewelle fließt als Quantenflüssigkeit praktisch ohne innere Reibung und wird deshalb Supraflüssigkeit genannt. Forscher um Tilman Pfau am Zentrum für Integrierte Quantenwissenschaften IQST in Stuttgart ist es gelungen, eine solche Supraflüssigkeit aus Dysprosiumatomen zu erzeugen. Sie nennen es Quanten-Ferrofluid, denn die neu entdeckte Materie ist nicht nur suprafluid, sondern zeigt ähnlich wie das in der klassischen Welt bekannte Ferrofluid erstaunliche magnetische Eigenschaften. Ferrofluid besteht aus winzigen Eisenpartikeln, die in Öl oder Wasser gelöst sind. Legt man ein starkes Magnetfeld senkrecht zur Ferrofluidoberfläche an, kommt es zur sogenannten Rosensweig-Instabilität. Die Oberfläche ist nicht mehr glatt wie bei üblichen Flüssigkeiten, sondern bildet regelmäßige Spitzen aus. Die Igelstruktur entsteht, da sich die Nord- und Südpole der einzelnen Magnetteilchen anziehen und es energetisch am günstigsten für sie ist, sich entlang der Feldlinien anzuordnen. Im Quanten-Ferrofluid übernimmt die Rolle der Eisenteilchen Dysprosium, das magnetischste Element im Periodensystem. Für die nun im Fachjournal Nature beschriebenen Experimente haben die Forscher Quanten-Ferrofluide aus 15.000 ultrakalten Dysprosiumatomen hergestellt. Ähnlich wie bei Ferrofluiden konnten sie geordnete Kristallstrukturen aus mikroskopisch kleinen Tröpfchen beobachten. Die Tröpfchen sind jeweils kleiner als ein Mikrometer und ihre Existenz wurde nach dem bisherigen Kenntnisstand nicht für möglich gehalten. Inzwischen vermuten die Forscher, dass Quantenfluktuationen, die durch die Heisenberg’sche Unschärferelation hervorgerufen werden, eine entscheidende Rolle für die Stabilität dieser Quantenmaterie spielen. Diese Quantenfluktuationen ermöglichen einen einzigartigen Materiezustand, in dem scheinbar gegensätzliche Eigenschaften von Gasen, Kristallen und Supraflüssigkeiten verbunden werden können. Diese Verknüpfung könnte ein erster Schritt zu einem sogenannten Suprakristall sein, ein räumlich geordneter Festkörper mit suprafluiden Eigenschaften. Wissenschaft;Dank eines neuen numerischen Modells können wichtige physikalische Faktoren der Hangstabilität kalkuliert werden. Wien – Die Stabilität eines Hanges wird durch das komplexe Zusammenspiel verschiedener Faktoren beeinflusst. In einem Projekt des Wissenschaftsfonds FWF haben Wiener Forscher in den vergangenen Jahren ein Modell entwickelt, mit dem sich die Prozesse modellieren und potenziell gefährliche Böschungen identifizieren lassen. Ein entscheidender Faktor für Erdrutsche und Murenabgänge ist der Wassergehalt einer Böschung. Mit zunehmender Wassersättigung eines Bodens steigt der Wasserdruck in dessen Poren. Gleichzeitig nehmen dabei die sogenannten Kapillarkräfte ab, die über die Oberflächenspannung des Wassers den Boden stabilisieren, erklärte Projektleiter Wei Wu vom Institut für Geotechnik der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien. Doch genau diese Vorgänge konnten bisher nicht berechnet werden. Grund dafür seien die hoch komplizierten Prozesse, die durch die Struktur eines Bodens noch komplexer werden, so Wu. Denn ein Boden ist ein Drei-Phasen-System aus Bodenkörnern, Luft und Wasser, und für jede Phase gelten andere Berechnungsgrundlagen. Bisherige Modelle scheiterten an dieser Komplexität, sagt Wu. Erst ein an der Stanford University (USA) entwickelter Computer-Code brachte den Durchbruch. Für die spezielle Anwendung weiterentwickelt, konnten die Wissenschafter damit erstmals wesentliche Kriterien der komplexen Vorgänge in die Simulationen aufnehmen. So gelang es ihnen zu berechnen, wie sich räumlich voneinander getrennte Bereiche unterschiedlicher Wassersättigung auf das Entstehen einer Bruchkante in Böschungen auswirken können. In experimentellen Versuchen mit einem Miniaturmodell einer Böschung belegten die Forscher, dass die theoretischen Modelle die realen Vorgänge sehr gut beschreiben. Erwartungsgemäß wichtig für die Stabilität einer Böschung ist die Niederschlagsintensität. Durch die Modellversuche lernten die Wissenschafter aber auch sehr viel über den Mechanismus, der zum eigentlichen Bruch im Hanggefüge führt. Es gelang uns, die dabei mobilisierte Energie zu berechnen und somit auch das Entstehen und Wachstum von instabilen Gleitfugen, sagte Wu. Wissenschaft;Das Sexleben von Pinguinen ist je nach Spezies unterschiedlich: Manche treiben es bunt, Felsenpinguine dagegen sind strikt monogam. London/Wien – Was Kaiserpinguine auf sich nehmen, um sich zu paaren, führte vor zehn Jahren die Dokumentation Die Reise der Pinguine eindrucksvoll, aber auch vermenschlichend vor. Christliche Fundamentalisten vermeinten darin einen Beweis für die Existenz Gottes und die Natürlichkeit von Heterosexualität und Monogamie zu erkennen. Biologen blieb da gar nichts anderes übrig, als auf das sehr bunte Sexualleben der Tiere zu verweisen: Bei Adélie-Pinguinen etwa wird masturbiert, es gibt Homosexualität und noch ganz andere Perversionen, die den britischen Antarktis-Forscher George Murray Levick 1911 so verstörten, dass er seine Beobachtungen verschämt verschwieg. An den südlichen Felsenpinguinen hingegen dürften christliche Sexualmoralapostel wieder ihre Freude haben. Bei dieser kleinen Pinguinart geht es nämlich sehr monogam und treu zu, wie ein internationales Forscherteam um Jean-Baptiste Thiebot im Fachblatt Biology Letters der britischen Royal Society berichtet. Dabei hätten die verhältnismäßig kleinen Tiere, die vom südlichen Südamerika bis nach Neuseeland vor allem auf subantarktischen Inseln verbreitet sind, einige Gründe zum Fremdgehen. Während die in Paarbeziehungen lebenden Tiere gemeinsam brüten, kommt es aufgrund der Migration im Winter zur räumlichen Trennung von männlichen und weiblichen Pinguinen. Und die kann erheblich ausfallen, wie die Forscher mittels GPS-Daten von 13 Pinguinen (davon sieben weiblich) herausfanden. Die Partner waren im Winter im Schnitt 595 Kilometer voneinander entfernt, die Distanz konnte bis zu 2500 Kilometern betragen. Dabei trafen sie durchaus auf Pinguine des anderen Geschlechts. Zudem blieben die Weibchen zwölf Tage länger im Meer. Doch obwohl Sex mit anderen Partnern die einfachere Lösung gewesen wäre, blieben die Paare einander treu: Alle sechs fanden nach der langen winterlichen Trennung wieder zueinander. Wissenschaft;MIT-Forscher nahmen die Käferschnecke Acanthopleura granulata unter die Lupe. Cambridge – Käferschnecken (Polyplacophora) gehören trotz ihres Namens nicht zu den Schnecken, sondern bilden eine eigenständige, urtümlich wirkende Klasse von Weichtieren. Auf den ersten Blick ähneln diese Meeresbewohner, die einen halben Zentimeter bis fast einen halben Meter lang werden können, dem Panzer einer Schildkröte oder Assel. Allerdings ragen daraus keine Gliedmaßen und kein Kopf hervor, stattdessen wird ihre Schale, die aus acht gegeneinander beweglichen Platten besteht, von einem Gürtel eingesäumt. Unterhalb der Schale liegt der eigentliche Kriechfuß der Tiere. Diese Schale hat es aber buchstäblich in sich – Augen nämlich, oder zumindest etwas Ähnliches. Die Schalen enthalten hunderte Linsen aus Aragonit, unter denen sich lichtempfindliche Zellen befinden. Laut Studien aus den vergangenen Jahren dürften diese einfachen Augen gut genug funktionieren, dass die Tiere nicht nur Umrisse erkennen können, sondern dass zumindest manchen Käferschneckenspezies sogar räumliches Sehen möglich sein könnte. Von einer solchen Spezies, der dies zugetraut wird, berichen Forscher um Ling Li vom Massachusetts Institute of Technology in Science. Die sieben Zentimeter lange Käferschnecke Acanthopleura granulata lebt in der Karibik und verfügt über ein offenbar recht empfindliches optisches Wahrnehmungssystem. Die Forscher führten mit den Tieren einige Experimente durch und zogen aus diesen den Schluss, dass ihnen die Mikroaugen tatsächlich einen Bildeindruck ihrer Umgebung liefern. Erkennen sie einen sich nähernden Räuber, können sie sich so rechtzeitig mit ihrem Kriechfuß am Boden festsetzen und präsentieren dem Angreifer nur mehr ihre stachlige Schale. Allerdings kommt nichts ohne Preis. Je empfindlicher dieses Wahrnehmungssystem ist, desto mehr weiches Gewebe wird dafür benötigt – was den Panzer, in dem es eingelagert ist, natürlich schwächt. Ling Li síeht darin ein Paradebeispiel für eine evolutionäre Kosten-Nutzen-Rechnung. Zugleich könne man daraus Schlüsse für technische Anwendungen ziehen, wenn es um die Entwicklung multifunktioneller Materialien geht – etwa leichte, mit Sensoren ausgestattete Panzerungen. Nicht-Wissenschaft;Sieg beim Millionenturnier in Miami an Australier Adam Scott. Miami – Bernd Wiesberger hat im Millionenturnier in Miami sein bisher bestes Golf-Resultat auf US-Boden erreicht. Der Burgenländer spielte beim Auftakt der World-Golf-Championships-Serie am Sonntag zum zweiten Mal eine Runde unter Par und beendete den Bewerb auf dem schwierigen Blue Monster Kurs mit dem Gesamtscore von 286 (2 unter Par) als 14. Der Australier Adam Scott gewann mit 276 Schlägen. Dass Wiesberger seinen 15. Platz von der PGA Championship aus dem Jahr 2014 (Major-Turnier) übertraf, verdankte er einem starken Finish auf der Schlussrunde. Nach zwei Bogeys auf der ersten Hälfte gelangen dem 30-Jährigen auf den Löchern zehn bis 17 bei nur einem weiteren Schlagverlust vier Birdies. Nach der 71er-Runde schloss Wiesberger den 9,5-Millionen-Dollar-Bewerb ex aequo mit Titelverteidiger Dustin Johnson (USA/am Sonntag 79) und einen Schlag vor dem Weltranglisten-Ersten Jordan Spieth (USA) ab. Nach zwei verpassten Cuts auf der US-PGA-Tour erhielt Wiesberger diesmal wieder Preisgeld – einen Scheck über umgerechnet rund 108.000 Euro. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, freute sich der Oberwarter. Er weiß aber, dass er durchaus Verbesserungspotenzial besitzt. Auf den ersten neun Löchern habe ich mit schwachen Putts leider einige Schläge liegen gelassen, aber mein langes Spiel war bei dem starken Wind erneut sehr gut. Wiesberger nützt nun zwei freie Wochen zum Training in der Heimat, danach steht das zweite WGC-Turnier – diesmal im Matchplay-Format – in Austin (Texas) auf dem Programm. Adam Scott gelang ein seltenes Double. Nach dem Erfolg im Honda Classic triumphierte der 35-Jährige auch in der Cadillac Championship. Am Sonntag mit drei Schlägen Rückstand auf Spitzenreiter Rory McIlroy gestartet, steckte Scott auch zwei frühe Doppel-Bogeys weg und setzte sich dank sechs Birdies in Folge an die Spitze. Er kassierte 1,62 Millionen Dollar (1,48 Mio. Euro) und verbesserte sich in der Weltrangliste um drei Positionen an die sechste Stelle. Bubba Watson (USA) schaffte als Zweiter (1 Schlag zurück) seine vierte Top-3-Platzierung in den jüngsten vier Auftritten im Trump National Doral. Der Nordire McIlroy vergab seine Siegchance mit einer 74er-Runde und wurde ex aequo mit Danny Willett (ENG) mit zwei Schlägen Rückstand Dritter. McIlroy ist in der Weltrangliste aber nun erster Verfolger von Spieth. (APA, 7.3.2016) Ergebnisse Cadillac Championship Miami (WGC-Serie, 9,1 Mio. Dollar, Trump National Doral, Par 72) – Endstand: 1. Adam Scott (AUS) 276 (68-66-73-69) – 2. Bubba Watson (USA) 277 (69-69-71-68) – 3. Rory McIlroy (NIR) 278 (71-65-68-74) und Danny Willett (ENG) 278 (68-69-72-69) – 5. Phil Mickelson (USA) 279 (67-72-70-70) – 6. Jimmy Walker (USA) 280 (69-72-73-66). Weiter: 14. u.a. Bernd Wiesberger (AUT) 286 (72-69-74-71) Europa-Tour – Race to Dubai: 1. Willett 1.100.957 Punkte – 2. Henrik Stenson (SWE) 967.648 – 3. Branden Grace (RSA) 847.474. Weiter: 16. Wiesberger 257.728 Golf-Weltrangliste vom Montag (7.3.2016): 1. (1) Jordan Spieth (USA) 11,35 Durchschnittspunkte – 2. (3) Rory McIlroy (NIR) 9,86 – 3. (2) Jason Day (AUS) 9,63 – 4. (4) Bubba Watson (USA) 9,01 – 5. (5) Rickie Fowler (USA) 8,18 – 6. (9) Adam Scott (AUS) 7,48 – 7. (6) Henrik Stenson (SWE) 7,18 – 8. (7) Justin Rose (ENG) 6,22 – 9. (8) Dustin Johnson (USA) 5,99 – 10. (10) Patrick Reed (USA) 4,89. Weiter: 36. (37) Bernd Wiesberger (AUT) 2,74 Nicht-Wissenschaft;Vorfall über Irland auf Flug von London nach New York – "Gesundheitliches Problem" eines Piloten durch Blendung. London – Weil ein Laserstrahl den Piloten geblendet hat, ist ein Passagierflugzeug auf dem Weg von London nach New York kurz nach dem Start zum Flughafen zurückgekehrt. Die Maschine der Fluggesellschaft Virgin Atlantic befand sich am Sonntagabend über Irland, als der Pilot die Umkehr nach London-Heathrow beantragte, wie aus den Flugdaten hervorging. Der Airbus A340-600 hatte 252 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder an Bord. Wie aus den Funkaufnahmen hervorging, informierte ein Crewmitglied die Flugsicherung, dass einer der Piloten ein gesundheitliches Problem wegen eines Laservorfalls nach dem Start habe. Die Airline erklärte am Montag auf ihrer Website, der Pilot habe über Unwohlsein geklagt. Beide Piloten hätten entschieden, dass es besser sei, umzukehren anstatt den Atlantik zu überqueren. Vertreter der britischen Pilotengewerkschaft forderten ein Vorgehen gegen starke Laserstrahlen, die ein zunehmendes Problem für die Luftfahrt seien. Zwischen 2009 und 2015 seien der britischen Luftfahrtbehörde 9.000 Vorfälle gemeldet worden. Allein in London-Heathrow habe es in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres 48 Vorfälle mit Laserstrahlen gegeben. Anfang Februar wurde nach Polizeiangaben ein Mann festgenommen, der in der Grafschaft Kent grüne Laserstrahlen auf die Cockpits von Passagierflugzeugen gerichtet hatte. Im November war laut der Pilotengewerkschaft ein British-Airways-Pilot an einem Auge verletzt worden, nachdem ein starker Laserstrahl ins Cockpit gestrahlt hatte. Wissenschaft;Zahlreiche Skelette und Sarkophage an der Kirche Saint-Germain-des-Pres entdeckt. Paris – Französische Archäologen rätseln über die Identität eines in Paris freigelegten Toten: Seit über tausend Jahren ruhte der Mann am Fuß der Kirche Saint-Germain-des-Pres im gleichnamigen Pariser Stadtviertel ehe er kürzlich wiederentdeckt wurde. War er ein Würdenträger der Merowinger oder ein Mönch aus der Zeit der Karolinger? Das Skelett lag mit verschränkten Armen im Grab, den Kopf zur der Kirche gewandt, die unter dem Merowinger-König Childebert I. im 6. Jahrhundert errichtet worden und die erste Grabstätte der französischen Könige war. Die ursprüngliche Kirche wurde von den Normannen zerstört und im 10. Jahrhundert als romanische Basilika neu errichtet. Das Skelett mit der Ausgrabungsnummer SPO10 ruhte nicht alleine in dem kleinen Garten der Kirche: Die Archäologen der Stadt Paris fanden seit Beginn der Ausgrabungen vor einem Monat vier Gräber aus der Merowinger-Zeit. Außerdem wurden elf Gräber aus der Ära der Karolinger freigelegt, die aus dem 10. und 11. Jahrhundert stammen (Bilder von der Fundstätte gibt es hier und hier) Ein rundes Dutzend Skelette wurde bereits exhumiert. Andere werden sicherlich noch folgen – denn bisher wurden noch nicht alle Merowinger-Sarkophage, die sich unterhalb der Karolinger-Gräber befinden, geöffnet. Die Ausgrabungen sollen bis September beendet werden. Anschließend sind umfangreiche Sanierungsarbeiten geplant. Sie sollen verhindern, dass Feuchtigkeit in die Mauern der Basilika steigt und diese beschädigt. Bereits im 19. Jahrhundert hatte der französische Archäologe Theodore Vacquer an der alten Kirche Ausgrabungen vorgenommen, als der Boulevard Saint-Germain angelegt wurde. Vaquer habe die Merowinger-Gräber schon damals entdeckt, sagt der Ingenieur Martial Braconnier vom Pariser Denkmalschutzamt. Er habe aber nur Grabschätze gesucht und sich nicht weiter um die Skelette in den Gräbern gekümmert. In der ehrwürdigen Kirche am heutigen Boulevard Saint-Germain wurden mehrere Jahrhunderte lang die französischen Könige und ihre adlige Gefolgschaft bestattet. Im 12. Jahrhundert sei die königliche Grabstätte dann in die gotische Basilika von Saint-Denis im Norden der Hauptstadt verlegt wurde, sagt David Coxall, Chefarchäologe der Stadt Paris. Wir hatten damit gerechnet, Merowinger-Gräber zu finden, berichtet der Leiter der Ausgrabungen, Jean-Francois Goret. Unerwartet sei hingegen der Fund von Grabstätten aus der Karolinger-Zeit gewesen. In diesen gemauerten Grabstätten wurden nach seinen Angaben ausschließlich männliche Skelette gefunden. Dies deute darauf hin, dass es sich bei den Toten möglicherweise um Mönche handle. Im Gegensatz zu den Gräbern aus der Merowinger-Zeit enthielten die der Karolinger keine Grabgaben. Um mehr über die Skelette aus dieser Zeit zu erfahren, darunter vor allem den Zeitpunkt ihres Todes, werden die französischen Wissenschafter unter anderem eine Radiokarbondatierung vornehmen. Neue Entdeckungen erhoffen sich die Forscher vor allem von den Merowinger-Sarkophagen, die in den kommenden drei Monaten geöffnet werden sollen. Denn in dieser Zeit wurden Aristokraten mit persönlichen Besitztümern begraben, etwa mit Schmuck, Gürteln oder Waffen. Die Erwartungen könnten allerdings auch enttäuscht werden – falls die Gräber im Laufe der Jahrhunderte bereits geplündert worden sind. Nicht-Wissenschaft;Welche Bücher befinden sich aktuell auf Ihrer Leseliste? Wo lesen Sie gerne, und wem folgen Sie bei Buchempfehlungen?. Einen Blick auf ihr Nachtkastl, genauer auf die dort versammelten Bücher, gönnten uns einige Userinnen und User im vergangenen Literaturforum. Damit wurde unsere wiederkehrende Frage nach Ihren aktuellen Lesevorlieben diesmal auch visuell beantwortet. Ein Blick ins Forum zeigte aber auch, dass ein Buch, nur weil es neben dem Bett platziert ist, nicht unbedingt gelesen werden muss: Diese Zweckentfremdung des Joyce-Klassiker ist vermutlich nicht im Sinne des Autors. Aber es wird wohl eine jede und ein jeder eine ähnlich beschwerliche Beziehung zu dem einen oder anderen Werk haben. Welche Bücher sind es bei Ihnen, die seit Jahren darauf warten, (zu Ende) gelesen zu werden? Welche anderen Bücher lesen Sie zurzeit tatsächlich? (jmy, 19.5.2016) Wissenschaft;'Ein gegen die Viruserkrankung wirksames Bakterium soll sich unter Moskitos ausbreiten. Bogota - Im Kampf gegen das Dengue-Fieber haben kolumbianische Wissenschafter Moskitos ausgesetzt, die ein gegen die Viruserkrankung wirksames Bakterium in sich tragen. Das von der Universität von Antioquia betreute Projekt, das Teil eines auch in anderen Weltregionen laufenden Programms zur Ausrottung des Dengue-Fiebers ist, startete nun im Nordosten Kolumbiens. Freiwillige und Forscher des Programms zur Erforschung und Kontrolle von Tropenkrankheiten (Pecet) ließen die Gelbfiebermücken (Aedes aegypti), die ein Bakterium der Gattung Wolbachia tragen, in verschiedenen Zonen der Stadt frei. Ein Pecet-Forscher erläuterte, wie das Bakterium im Organismus der Mücken wirkt: Es verhindert, dass das Virus sich in ihrem Körper entwickelt, sie können es daher auch nicht auf Menschen übertragen. In den kommenden Monaten sollen wöchentlich in gleicher Anzahl männliche und weibliche Mücken ausgesetzt werden. Erstes Ziel sei, dass sich die Mücken in der Region ansiedeln. Die Forscher hoffen dann, dass das auf den Menschen nicht übertragbare Bakterium von Mückengeneration zu Mückengeneration weitergegeben wird und im Endeffekt die Dengue-Infektionen unter den Bewohnern der betreffenden Viertel zurückgehen. In Kolumbien mit seinem tropischen Klima ist das Dengue-Fieber verbreitet. Seit Jahresbeginn wurden in dem lateinamerikanischen Land bereits fast 40.000 Erkrankungen erfasst. Die Viruserkrankung ist in Mittel- und Südamerika, Süd- und Südostasien sowie Afrika ein Problem. Es gibt keine Impfung dagegen. Die Symptome der Krankheit ähneln denen einer schweren Grippe; in schweren Fällen kann es zu inneren Blutungen kommen.' Wissenschaft;Förderung beträgt jeweils bis zu 2,5 Millionen. Wien – Elf Advanced Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC) gehen in der aktuellen Antragsrunde an Wissenschafter von österreichischen Forschungseinrichtungen. Das gab der ERC am Mittwoch bekannt. Mit einer Förderung von jeweils bis zu 2,5 Mio. Euro sollen anspruchsvolle und risikoreiche Projekte durchgeführt werden. Mit elf Förderpreisen wurde der bisherige Spitzenwert aus dem Jahr 2008 erreicht. 2012 und 2015 waren es nur drei, sonst schwankte die Erfolgsrate zwischen sechs und acht. Die Advanced Grants stellen das Flaggschiff-Programm des ERC dar, mit dem die EU Grundlagenforschung fördert. In Summe wurden in der aktuellen Runde 277 Wissenschafter mit 647 Mio. Euro gefördert. Bei knapp 2.000 Anträgen lag die Erfolgsrate bei 14 Prozent. Die meisten Förderpreise gehen nach Großbritannien (69), Deutschland (43) und Frankreich (30). Mit drei Advanced Grants am erfolgreichsten war diesmal das Institute of Science and Technology (IST) Austria. Dort können sich die beiden Neurowissenschafter Peter Jonas und Ryuichi Shigemoto sowie der Physiker Robert Seiringer über die Förderung freuen. Je zwei Förderpreise gehen an Forscher des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP) mit Tim Clausen und Jan Michael Peters sowie die Medizinische Universität Wien mit Tibor Harkany und Maria Sibilia. Über je einen Preisträger können sich das IMBA-Institut für Molekulare Biotechnologie (Jürgen Knoblich), die Uni Wien (Christa Schleper), die Veterinärmedizinische Universität Wien (Veronika Sexl) und das CeMM-Forschungszentrum für Molekulare Medizin (Giulio Superti-Furga) freuen. In der am Mittwoch veröffentlichten Statistik des ERC werden noch insgesamt 13 Advanced Grants für Österreich angeführt. Der Physiker Zvonimir Dogic von der Brandeis University (US-Bundesstaat Massachusetts) hat in seinem Antrag zwar das IST Austria als Gast-Institution angeführt, sich schließlich aber doch anders entschieden, erklärte man am IST. Und auch der Mitte März völlig überraschend 45-jährig in Wien verstorbene Informatiker Helmut Veith von der Technischen Universität (TU) Wien hätte einen Förderpreis erhalten. Wissenschaft;Ein Steinzeitmensch als Politikum: DNA-Analysen könnten ein jahrelanges Tauziehen beenden. Kopenhagen/Wien – Nur weil jemand jahrtausendelang im Boden gelegen ist, heißt das nicht, dass er ruhig noch eine Woche mehr warten könnte. Im Eilverfahren hat das altehrwürdige Wissenschaftsmagazin Nature abseits seines normalen Erscheinungsmodus eine Studie veröffentlicht, die einen jahrelangen Rechtsstreit in den USA neu aufflammen lassen dürfte. Und Archäologen werden ihr Ergebnis mit sehr gemischten Gefühlen aufnehmen. Im Mittelpunkt wissenschaftlicher, politischer und spiritueller Interessen steht der sogenannte Kennewick-Mann, der 1996 im Flussbett des Columbia River im US-Bundesstaat Washington gefunden worden war. Es handelt sich dabei um einen Mann, der vor etwa 8.500 bis 9.000 Jahren an der Pazifikküste gelebt hat, nicht zufällig verschüttet, sondern bestattet wurde und dessen nahezu vollständig erhaltenes Skelett die Spuren einiger Verwundungen trägt – darunter auch eine steinerne Pfeilspitze, die in seinem Hüftknochen steckt. Schon die paar Untersuchungen, die an dem Skelett vorgenommen werden konnten, boten faszinierende Einblicke in den steinzeitlichen Alltag. Ganz ähnlich also wie bei Ötzi – doch anders als bei unserer Gletschermumie sind hier nicht nur archäologische Interessen im Spiel. Vielen amerikanischen Ureinwohnern ist das Ausgraben und Untersuchen von Toten ein Gräuel. Und 1990 wurde in den USA ein Gesetz erlassen, das es ihnen ermöglicht, eine Übergabe von Funden zwecks Wiederbestattung zu verlangen. Genau das versuchten einige Stämme in Washington und Oregon seit der Entdeckung des Kennewick-Mannes zu erreichen. 2004 wurde diese Forderung jedoch mit der Begründung abgeschmettert, dass keiner von ihnen eine Verwandtschaft mit dem Steinzeitmenschen beweisen könne. In dieses Urteil waren nicht zuletzt Untersuchungen des Schädels und eine Rekonstruktion des Gesichts des Kennewick-Mannes eingeflossen: Ähnlichkeiten mit Polynesiern wurden konstatiert, mit Europäern und Ainu, den Nachkommen der Urbevölkerung Japans – alles, nur keine amerikanischen Ureinwohner. Ein 200 Milligramm leichtes Fragment eines Handknochens, das zur DNA-Analyse nach Dänemark geschickt worden war, setzt solchen Spekulationen nun ein Ende. Ein Forscherteam um Eske Willerslev und Morten Rasmussen von der Universität Kopenhagen hat das Erbgut des Steinzeitmenschen mit jenem von Ethnien aus aller Welt verglichen. Ihr in Nature vorab veröffentlichtes Ergebnis: Die DNA zeigt die mit Abstand größte Verwandtschaft zu der Gruppe von Menschen, die am Ende der Eiszeit von Sibirien her die Amerikas besiedelte. Umgangssprachlich ausgedrückt: Der Kennewick-Mann war eindeutig ein Indianer. Und nicht nur das: Die Forscher fanden eine besonders nahe Verwandtschaft zum Stamm der Colville in Washington. So nahe, dass die Colville Nachkommen des Volks sein könnten, zu dem der Kennewick-Mann gehörte – etwas Genfluss von Nachbarn, wie er sich im Verlauf der Jahrtausende ergeben kann, miteingerechnet. Und die Colville sind einer der fünf Stämme, die die Herausgabe des Skeletts verlangen. Man kann davon ausgehen, dass die Studie zu einer erneuten Prozesswelle führen wird. Doch nun haben die Kläger deutlich bessere Karten, den im Burke-Museum von Seattle verwahrten Kennewick-Mann erneut zu bestatten: Diesmal zu einer wirklich letzten Ruhe, um die ihn Ötzi vielleicht und einige exhumierte Pharaonen ganz sicher beneiden würden. So sicher, wie Archäologen am Tag der Bestattung trauern werden. Wissenschaft;Obelisken mit Zeichnungen? Strahlenkatzen? Mit welchen Botschaften künftige Generationen vor Atommüll gewarnt werden können, beschäftigt die Atomsemiotik. Wien – Der Dialog zwischen den Generationen fällt nicht immer leicht. Wie aber verständigt man sich dann erst mit Menschen, die in vielen tausend Jahren den Planeten bewohnen werden? Diese Frage stellt sich auch die Atomsemiotik: In diesem Bereich der Wissenschaft der Zeichensysteme überlegen Forscher, mit welchen Methoden man spätere Kulturen an Endlagerstandorten vor radioaktiven Abfällen warnen kann. Auch in 100.000 Jahren wird dieses Material seine Gefahr nicht eingebüßt haben. Was sich dagegen mit Sicherheit verändert haben wird, ist der Mensch und seine Sprache. Deshalb ist davon auszugehen, dass spätere Generationen auch heute übliche Warnhinweise nicht mehr als solche verstehen können. Warum gerade Zeichenwissenschafter helfen können, in ferner Zukunft die Bedrohung, die von radioaktivem Material ausgeht, zu kommunizieren, erklärt Christian Trautsch von der Arbeitsstelle für Semiotik an der Technischen Universität Berlin: Die Semiotik kann insofern im Rahmen der Atommüllproblematik hilfreich sein, da sie eine Vielzahl von Theorien für die Klärung kommunikationstheoretischer Schwierigkeiten bereitstellt. Die Kultur, die Sprache und auch der Mensch wandeln sich schließlich – vor allem über einen derartig langen Zeitraum. Genauso wie uns archäologische Artefakte heute noch Rätsel aufgeben und ein Neandertaler nicht in der Lage wäre, mit uns zu sprechen, werden auch die Menschen von morgen in dem uns heute bekannten Nuklearsymbol vielleicht etwas völlig anderes sehen. Um auf die Gefahren des Durchbrechens der Atommüll-Schutzbarrieren hinzuweisen, wird man nicht umhinkommen, sich mit semiotischen Begriffen und mit den zu verwendenden Zeichentypen auseinanderzusetzen und deren konkrete Realisierbarkeit zu prüfen, erklärt Trautsch und betont: Mitteilungen an eine ferne Zukunft müssten in der Lage sein, kodierte und dekodierbare Botschaften an antizipierte Adressaten zu richten. Wie das zu bewerkstelligen ist, darüber zerbrechen sich Zeichenwissenschafter seit mehr als drei Jahrzehnten den Kopf: Als Begründer der Disziplin gilt Thomas Sebeok, Semiotiker an der Universität Bloomington, der 1981 von der US-Regierung zum Leiter der Human Interference Task Force ernannt wurde. Sebeok wurde damit die Aufgabe zugeteilt, in einem Ausschuss aus Anthropologen, Geologen, Ingenieuren und Physikern eine Methode zu entwickeln, mit der Erdbewohner in der Zukunft vor den Gefahren der Endlager gewarnt werden sollten. Der Vorschlag des Arbeitskreises: Auf diesen Standorten sollten große Obelisken angeordnet werden – verziert mit Warnhinweisen in den sechs Uno-Sprachen und Zeichnungen von den Folgen atomarer Verseuchung. Seinerzeit wurde diese Idee nicht sonderlich ernst genommen – wie das ganze Fachgebiet lange Zeit insgesamt. Die Vorschläge der Wissenschafter waren schließlich häufig sehr bizarr. Das zeigte auch eine Umfrage, die der Vorreiter der Disziplin im deutschsprachigen Raum, der Semiotikprofessor Roland Posner von der TU Berlin, 1984 durchführte: Der Mediziner und Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem wollte die Warnung durch einen mathematischen Code, der auf lebendem Trägermaterial transportiert werden sollte, weitergeben. Die Linguisten Françoise Bastide und Paolo Fabbri schlugen die Züchtung von Strahlenkatzen vor, deren Fell sich in der Nähe von Atomabfällen verfärbt, während der Sozialwissenschafter Philipp Sonntag darüber nachdachte, Atomdatensätze auf einem künstlichen Mond im All zu speichern. Sebeok selbst steuerte sein Konzept von der Atompriesterschaft bei – ein elitärer Zirkel, der das Wissen um die Gefahr über die Generationen rituell weitergibt. Er bezeichnete den Vorschlag später als Fehler, da er damit dazu beigetragen habe, die junge Disziplin früh der Lächerlichkeit preiszugeben. Inzwischen bewegt sich auf dem lange Zeit als akademische Obskurität abgetanen Feld jedoch wieder etwas: So wird die derzeitige Einrichtung eines Endlagers in Schweden auch von zwei Archäologen der Linné-Universität in Kalmar betreut, die sich über die Kommunikation mit der Nachwelt Gedanken machen. In Frankreich wiederum arbeitet für die zuständige Endlagerbehörde ein Arbeitskreis von rund zwanzig Wissenschaftern bezüglich dieser Thematik, mit der sich vor einigen Jahren ebenso eine Studie des Instituts für nachhaltige Abfallwirtschaft in Zürich auseinandersetzte. Und auch Sebeoks einst belächelter Vorschlag eines Monuments zur Strahlenwarnung wird bald Wirklichkeit: Am Endlager für Abfälle aus der amerikanischen Atomwaffenproduktion in New Mexico soll sein Konzept in weiterentwickelter Form umgesetzt werden: Wenn dieser Standort 2033 versiegelt wird, werden 32 sieben Meter hohe Monolithen das Gelände abstecken – mit einem Informationszentrum über die atomare Gefahr in der Mitte. Nicht-Wissenschaft;Austria steht erstmals seit 2012 zur Halbzeit an der Spitze. Fink zur Meisterfrage: "Völlig falscher Zeitpunkt", Stürmer Kayode: "Alles ist möglich". Wien – Die Austria ist Herbstmeister. Darauf hätten die wenigsten vor Saisonbeginn gesetzt. Diesbezüglich auf die Schulter klopfen lassen darf sich hauptsächlich Trainer Thorsten Fink. Der im Sommer geholte Deutsche schaffte es, einem verunsicherten Team neuen Mut und die von ihm oft genannte Siegermentalität einzuimpfen. Spiele, die die Austria in den vergangenen beiden Jahren wohl verloren hätte, gestalten die mit deutlich mehr Selbstvertrauen ausgestatteten Violetten nun erfolgreich. Der Herbst der knappen Siege Minimalismus zeichnete die Austria in diesem Herbst aus. Der Sieg gegen Sturm Graz war der zehnte der Saison, der siebente mit einem Treffer Unterschied. Plus acht lautet die derzeitige Tordifferenz des Spitzenreiters. Von Zufall kann aber nicht gesprochen werden. Als Bestätigung harter Arbeit wollten die Austrianer die Tabellenlage interpretiert wissen. Es kann sehr schnell rauf und runter gehen. Aber wir sind bisher auf jeden Fall sehr zufrieden, sagt Kapitän Alexander Gorgon. Er war es auch, der den Pokal für den Herbstmeister aus den Händen von Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer annahm. Teamkollege Alexander Grünwald nüchtern: Sehr schön, aber kaufen können wir uns um den Titel nichts. Innerlich freuen durften sich die Favoritner trotzdem. Die Austria liegt erstmals seit ihrer Meistersaison 2012/13 zur Liga-Halbzeit wieder an der Spitze. Während die Titelfavoriten Salzburg und Rapid auch in Runde 18 Schwächen offenbarten, jubelten die Violetten einmal mehr nach einem späten Treffer. Richtig Eier Dass noch nicht alles Gold ist, was glänzt, wurde auch in der Anfangsphase gegen Sturm offenbart. Danach habe sein Team aber richtig Eier gezeigt, wie Fink meinte. Dennoch: Mehr als Platz drei will der Ex-Bayern-Profi als Saisonziel weiter nicht ausrufen. Dabei liegt die Austria voll auf Kurs. Der Abstand zum Vierten Admira beträgt acht Zähler, die als direkte Konkurrenten bezeichneten Grazer sind bereits zehn Punkte zurück. Auf die Meister-Frage winkte Fink mit Nachdruck ab. Die Ziele höherzuschrauben wäre der falsche Zeitpunkt, der völlig falsche, sagte der 48-Jährige. Nur einer im Austria-Lager wirkte nach den ersten Erfolg gegen Sturm nach fast exakt zwei Jahren euphorisiert. Aus Stürmer Larry Kayode sprudelte es vor den Mikrofonen nur so heraus. Es ist möglich, dass wir Meister werden. Im Fußball ist immer alles möglich. Wir müssen weiter pushen, das ist das Wichtigste, sagte der Nigerianer. Zum Jahresabschluss spielt die Austria noch gegen den WAC (auswärts) und Altach (heim). Am Samstag in Wolfsberg will Fink von seiner Mannschaft eine Top-Reaktion auf den Sieg sehen, sprich drei Zähler. Wissenschaft;Steirische Forscher wollen Algorithmen für Apps entwickeln, die die beste Route durch die Wildnis der Berge finden. Anwender sollen Bergretter und Jäger sein. Wien – Manche Wege entstehen erst beim Gehen. Das heißt aber nicht, dass sie irgendwo hinführen. Im Gebirge kann der Marsch durch unbekanntes Terrain leicht an einem Abgrund, einer Felsmauer, in undurchdringbarem Dickicht oder in einem unübersichtlichen Latschenlabyrinth enden. Rettungskräfte, die schnell zu einem Verletzten vordringen müssen, oder Jäger auf der Pirsch sollten aber auch bei schwierigem Gelände schnell von A nach B finden. Rainer Prüller, Geoinformatiker am Institut für Geodäsie der TU Graz und gleichzeitig Geschäftsführer des Spin-off-Unternehmens Pentamap, will ihnen dabei helfen. Für das Projekt RemoteNav, das im Rahmen des Weltraum-Programms Asap der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft vom Verkehrsministerium unterstützt wird, will er mit seinen Kollegen Geländeinformationen so aufbereiten, dass jederzeit die schnellste Route abseits des bestehenden Wegnetzes abgerufen werden kann. Nicht nur topografische Daten wie die Hangneigung sollen in das neuartige Navigationssystem, das auch als Smartphone-App laufen soll, einfließen, sondern auch Informationen über Pflanzenbewuchs oder Wasserläufe. Eine der Datenquellen sind Satellitenaufnahmen, wobei aber nicht nur relevant ist, was das menschliche Auge sehen kann. Im nahen Infrarotbereich steckt viel Information über die Vegetation, die das Land bedeckt, erklärt Prüller. Jede Oberfläche hat bestimmte Rückstrahleigenschaften. Ein Nadelwald hat andere spektrale Merkmale als ein Mischwald. Auch Wasser, etwa Bäche, seien so gut zu erkennen. Die Satellitendaten werden ergänzt durch 3-D-Geländemodelle, die durch Laserscans von Flugzeugen aus erstellt werden. Mittlerweile sind für große Teile der Alpen in Österreich bereits solche Daten in einer sehr guten Auflösung vorhanden, bei der jeweils vier Pixel einen Quadratmeter Bodenfläche repräsentieren, erläutert Prüller. Aus dem topografischen Abbild soll abgeleitet werden, ob ein Hang zu steil ist, um ihn zu Fuß zu bewältigen, ob Absturzgefahr besteht oder ob es an einer Felswand machbar ist, sich abzuseilen. Ein schmaler Graben kann ein Wasserlauf oder ein ausgetretener Pfad sein, so Prüller. Durch die Kombination von Satellitenbilden und Laserquellen kann man solche Details unterscheiden. Der Datenpool wird noch ergänzt durch das freie und in Europa bereits sehr detaillierte Kartenmaterial von OpenStreetMap sowie durch Informationen über anthropogene Faktoren, die eine Rolle spielen und aus den Satellitendaten nicht ableitbar sind – von Zäunen und Mauern bis zu Schutz- und Sperrgebieten. All diese Informationen laufen in einem zentralen Datenmodell zusammen. Jedem Bildpunkt, der einem halben Meter Terrain entspricht, werden auf diese Weise 30 Navigationsparameter zugeordnet, erklärt Prüller. In Feldversuchen soll in dem bis Ende 2016 laufenden Projekt untersucht werden, wie die einzelnen Parameter gewichtet werden. In einem lichten Nadelwald kommt man vielleicht dreimal so schnell voran wie in einem dicht bewachsenen Jungwald, erläutert der Entwickler. Um die einzelnen Gelände- und Bewuchsformen richtig einschätzen zu lernen, werden Forscher und Studierende mit GPS-Geräten ins Feld geschickt. Ihre Geschwindigkeit wird protokolliert und den einzelnen Geländeparametern wird auf diese Art eine Eignungskennzahl für eine Begehbarkeit zugeschrieben. Allerdings ist nicht jeder Mensch gleich geländegängig. Auch das soll bei der Anwendung berücksichtigt werden. Für einen betagten Jäger ist eine Hangneigung von 30 Prozent vielleicht schon zu steil. Ein Bergretter kann sich dagegen auch an einer Felswand abseilen, erläutert Prüller. Verschiedene individuell einstellbare Profile sollen den Möglichkeiten der unterschiedlichen Benutzer Rechnung tragen. Die größte Herausforderung liege aber in der automatischen Berechnung der schnellsten Route durch das Gelände, so Prüller. Die Anwendung soll aus den umfangreichen Daten Pixel für Pixel den besten Weg errechnen, also vom Start- bis zum Endpunkt die beste Aneinanderreihung von Zellen finden, an denen ein Fortkommen möglich ist. Der Navigationsalgorithmus ist raster- und nicht, wie bisher üblich, vektorenbasiert, so Prüller. Durch die hohe Zahl potenzieller Möglichkeiten der Wegführung ergebe sich ein hoher Rechenaufwand, der nicht leicht in Griff zu bekommen ist. Viele Details müssen für die Fortbewegung berücksichtigt werden, beispielsweise muss eine Zelle mit Latschenbewuchs noch nicht bedeuten, dass man hier nicht weiterkommt. Erst wenn die nächste und übernächste Zelle auch Latschen sind, kann man nicht mehr drübersteigen. Die Entwickler erwarten, dass für ein Jagdrevier oder Bergretter-Einsatzgebiet bis zu fünf Gigabyte an Daten zusammenkommen. Um zu demonstrieren, dass ihr Routingalgorithmus funktionieren kann, werden zuerst kleine Raster mit einfachen Hindernissen berechnet. Erst danach wird das System für große Datenmengen optimiert. Sollte sich der Rechenaufwand als nicht bewältigbar herausstellen, müsse die Auflösung reduziert werden. Wir müssen eine Waage zwischen Prozessierbarkeit und Praxistauglichkeit finden, sagt Prüller. Die rasante Hardwareentwicklung ist dem Konzept sicher zuträglich. Der Routingalgorithmus soll in die bestehende Bergretter-Applikation Sarontar des Forschungsunternehmens TeleConsult – ebenfalls Projektpartner bei RemoteNav – implementiert werden. Für Jäger soll die Navigationsanwendung Eingang in die Jagdrevier-Verwaltungsapp Deermapper von Prüllers Unternehmen Pentamap finden. Der Entwickler sieht auch in Outdoorenthusiasten, die sich abseits der Wege durch die Wildnis schlagen, eine potenzielle Nutzergruppe. Für Wanderer in Alaska wäre so eine Navigationslösung bestimmt hilfreich. Nicht-Wissenschaft;Der erfolgreichste deutsche Konzern wird bereits in vierter Generation von der mächtigen, aber medienscheuen Wirtschaftsdynastie Quandt geführt. Ökologie wird zur Ökonomie des 21. Jahrhunderts. Wem würde man eine solche Aussage zuschreiben? Dieselbe Person investiert seit einiger Zeit schwerpunktmäßig in Unternehmen, die sich mit dem Erhalt der lebenswichtigen Ressource Wasser beschäftigen. Ihr Name: Susanne Klatten. Sie und ihr Bruder Stefan Quandt verfügen seit dem Tod ihrer Mutter Johanna Quandt Anfang August 2015 gemeinsam über 46,6 Prozent der Stammaktien des deutschen Autoherstellers BMW. Marktwert im Frühjahr 2015: 31 Milliarden Euro. Der Publizist Rüdiger Jungbluth hat seine 2002 erschiene Familienbiografie überarbeitet und stellt nun die vierte Generation der Dynastie in den Fokus, allen voran die BMW-Großaktionäre Susanne Klatten und Stefan Quandt, die beiden Kinder aus der dritten Ehe Herbert Quandts. Der Industrielle, der 1954 mit seinem Halbbruder Harald ein Firmenkonglomerat im Wert von damals 55,5 Millionen D-Mark erbte, verhinderte, dass das industrielle Nationalheiligentum der Bayern 1959 nicht in die Hände der Daimler Benz fiel. Jungbluth hatte für sein Buch Gelegenheit, mit den öffentlichkeitsscheuen BMW-Erben zu sprechen. Susanne Klatten gibt darin auch Privates preis. Der Liebesbetrug durch einen vermeintlichen Liebhaber und der aufsehenerregende Prozess gegen den Mann ist allerdings kein Thema. Dafür erhält der Leser Einblicke in Wirken und Denken der Geschwister. Zugleich zeichnet der Autor den wirtschaftlichen Aufstieg einer Familie nach, ohne moralische Fragen auszusparen. Bis zu der Ausstrahlung des NDR-Films Das Schweigen der Quandts 2007 wollten sich diese nicht damit auseinandersetzen, dass Großvater Günther Quandt (er war in zweiter Ehe mit Magda Ritschel, der späteren Frau des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels verheiratet), mit nahezu allen Mitteln versucht hat, seinen Reichtum und seine wirtschaftliche Macht in der Hitler-Diktatur zu vergrößern. Nicht-Wissenschaft;Schuldspruch wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung – Mordversuch von Geschworenen knapp verneint. Wien – Weil er im vergangenen Sommer einen Landsmann am Wiener Praterstern niedergestochen und lebensgefährlich verletzt hatte, ist am Donnerstag ein Asylwerber im Straflandesgericht zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Verteidigerin Alexandra Cervinka nahm die Strafe an, der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab. Der 35-Jährige hatte beim Prozessauftakt Ende Jänner die Tötungsabsicht bestritten, aber eingeräumt: Ich war blind vor Wut. Der Angeklagte war im vergangenen Juli nach Wien gekommen, wo er um Asyl ansuchte. Wenig später wurde er beim Diebstahl von Markenkleidung im Wert von 1.000 Euro erwischt. Dafür wurde er Anfang August verurteilt. Nur wenige Tage später kam es zur nun gegenständlichen Bluttat. Nachdem er in einer Moschee seine Gebete verrichtet hatte, traf der Angeklagte am Praterstern einen 27 Jahre alten algerischen Landsmann, den er im Flüchtlingslager Traiskirchen kennengelernt hatte. Der Bekannte wusste, dass der Bruder des Angeklagten diesem zum Bestreiten des Lebensunterhalts 500 Euro überwiesen hatte. Der 27-Jährige soll ihn aufgefordert haben, ihm etwas vom Geld abzugeben. Als der 35-Jährige ablehnte, habe der Bekannte ihm ins Gesicht geschlagen und eine Kette vom Hals gerissen, schilderte der Angeklagte dem Schwurgericht (Vorsitz: Georg Olschak). Da habe er mit einem Klappmesser einfach auf ihn gestochen. Ich wollte ihm Angst machen, ihn einschüchtern. Sechs Stiche kassierte der 27-Jährige, darunter zwei in die Schulter und einen ins Gesäß. Am bedrohlichsten war ein Bauchstich, der laut Gerichtsmediziner zum Tod hätte führen können, wenn Augenzeugen nicht sofort die Rettung verständigt hätten. Eine Notoperation rettete dem 27-Jährigen das Leben. Die Geschworenen verwarfen am Ende den inkriminierten Mordversuch mit dem knappest möglichen Stimmenverhältnis. Vier Laienrichter waren für die Anklage, vier dagegen. Man einigte sich schließlich mehrheitlich auf eine absichtlich schwere Körperverletzung. Bei einer Strafdrohung von einem bis zu fünf Jahren erschienen dem Gericht drei Jahre angemessen der Schuld und der Schwere der Tat. Wissenschaft;Untersuchungen von Kalksteinproben weisen auf schwere Auswirkungen auf marine Ökosysteme hin. Berlin – Vor rund 252 Millionen Jahren, an der Grenze zwischen den beiden Erdzeitaltern Perm und Trias, ereignete sich das größte Massenaussterben innerhalb der vergangenen 500 Millionen Jahre. Paläontologen schätzen, dass dabei mehr als 80 Prozent der im Meer lebenden Arten und etwa 75 Prozent aller Landlebewesen ausstarben. Es ist überdies das einzige Massensterben, dem auch zahlreiche Insektenspezies zum Opfer fielen. Trotz umfangreicher Studien ist der eigentliche Grund für diese globale Katastrophe der Ökosysteme noch immer nicht bekannt. Nun haben internationale Wissenschafter rund um Martin Schobben vom Museum für Naturkunde Berlin Kalksteine, die im Grenzbereich dieser beiden geologischen Perioden Perm und Trias abgelagert wurden, untersucht und dabei eine Überraschung erlebt: Die Analysen enthüllten eine plötzliche Entfaltung des Lebens während der Zeit dieses Massenaussterbens. Allerdings bestand diese kurzzeitige Blüte des Lebens wahrscheinlich nur aus primitiven Organismen wie Bakterien und Archaebakterien. Hinweise darauf lieferten Gesteinsproben aus dem Iran, in denen die Zusammensetzung der Schwefel- und Sauerstoffisotopen gemessen wurden. Der durch die Mikroorganismen hervorgerufene Eintrag von sehr großen Massen organischer Substanz hatte schwerwiegende Auswirkungen auf die Meeresökosysteme. Er hat einerseits den O2-Gehalt stark gesenkt und, auf der anderen Seite, die Menge des giftigen Gases H2S in weiten Teilen des Ozeans erhöht. Der höhere Gehalt an Schwefelwasserstoff wurde durch Bakterien mit einem Stoffwechsel, welche nicht von der Anwesenheit von Sauerstoff abhängig waren, erzeugt. Diese Ergebnisse werfen ein neues Licht auf die Dynamik des Massenaussterbens. Es ist nicht unbedingt nur durch das Auslöschen des meisten Lebens, sondern hauptsächlich durch den Verlust bestimmter höherer Organismen charakterisiert. Diese Studie kann zudem dazu dienen, uns etwas über die Auswirkungen des gegenwärtigen, vom Menschen erzeugten Klimawandels zu lehren. Die treibende Kraft hinter dem skizzierten Szenario für die Perm/Trias-Grenze ist eine globale Erwärmung um etwa acht Grad (allerdings vermutlich hervorgerufen durch ausgedehnten Vulkanismus in Sibirien), der damit verbundenen erhöhten Verwitterungsrate auf den Kontinenten und dem Transport großer Mengen von Nährstoffen in den Ozean. Nicht-Wissenschaft;28-Jähriger durfte wegen fehlender Behandlungsgrundlage gehen. Berlin – Der 28-Jährige aus Hamburg, der in Berlin eine junge Frau vor eine U-Bahn gestoßen haben soll, wurde nur einen Tag vor der Tat aus der Psychiatrie entlassen. Das geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Hamburger FDP hervor, über die das Magazin Focus berichtete. Die FDP bestätigte am Sonntag die Angaben. Demnach war der in Hamburg aufgewachsene Mann vom 1. bis 18. Jänner freiwillig in einer psychiatrischen Klinik in Hamburg. Von dort sei er wegen fehlender Behandlungsgrundlage und fehlender akuter Eigen- oder Fremdgefährdung entlassen worden. Am Tag danach stieß er in Berlin eine 20-jährige Maturantin, die er nicht kannte, vor einen U-Bahn-Zug in den Tod. Die junge Frau wurde überrollt. Der 28-Jährige kam in Berlin in eine psychiatrische Klinik. Laut Staatsanwaltschaft soll er an einer schizophrenen Erkrankung leiden. Nicht-Wissenschaft;Stöck: "Heillos überfüllte" Ambulanzen der Spitäler entlasten und Patientenströme steuern – Ambulanzgebühr wurde vom VfGH wegen Formalfehler gekippt. Salzburg/Wien – Um die heillos überfüllten Spitalsambulanzen zu entlasten, sprach sich Salzburgs Finanz- und Spitalsreferent LHStv. Christian Stöckl (ÖVP) am Freitag für die Einführung einer Ambulanzgebühr aus. Diese solle die Patientenströme steuern, denn jeder zweite Patient wäre beim niedergelassenen Arzt besser aufgehoben. Allerdings wurde eine Ambulanzgebühr vor mehr als zehn Jahren vom VfGH gekippt. Die Gesundheitsreform des Bundes, die von den Ländern umzusetzen sei, schreibe vor, dass die Patienten nach dem Prinzip des Best Point of Service behandelt werden, untermauerte Stöckl seinen Vorschlag. Das bedeutet, dass die Patientenströme von den überfüllten Spitalsambulanzen, in denen im Durchschnitt 50 Prozent aller Patienten fehl am Platz sind, zu den Haus- und Fachärzten umgeleitet werden müssen. Grundlagen Obwohl es ein entsprechend dichtes Netz an niedergelassenen Ärzten gebe, verstärke sich der Trend, sofort die Ambulanzen der Spitäler aufzusuchen, konstatierte Stöckl, der auch Gesundheitsreferent ist. Er ortet neben überfüllten Ambulanzen auch unzufriedene Patienten und überarbeitete Ärzte. Die Vermeidung dieser negativen Effekte seien nur durch eine Ambulanzgebühr zu erzielen. Da österreichweit so gut wie alle Spitäler mit dieser Problematik konfrontiert seien, wäre es höchste Zeit, dass die Gesundheitsministerin ein Konzept zur Einführung von Ambulanzgebühren vorlegt. Falls dies der Bund nicht zustande bringe, müsse dieser wenigstens die Grundlagen schaffen, um die Länder zur Einhebung einer solchen Gebühr zu ermächtigen, erklärte Stöckl. Denn nachdem die Länder für die Spitäler zuständig sind, muss ihnen auch die Möglichkeit gegeben werden, die Patientenströme zu steuern. Und eine Ambulanzgebühr ist in meinen Augen die einzige Möglichkeit, das nachhaltig zu tun. Die Höhe der Gebühr müsse noch diskutiert werden. Ambulanzen entlasten Seit den 1990er Jahren seien in Salzburg die Spitalskosten jährlich bis zu einem zweistelligen Prozentsatz gestiegen. Die Einführung einer Ambulanzgebühr sei ein Faktor, um Kosten zu reduzieren, ohne dass ein Nachteil für die Patienten entstehe, hieß es aus Stöckls Büro auf Anfrage der APA. Es gehe aber nicht darum, Geld zu lukrieren, sondern die Ambulanzen zu entlasten. Die Millionenverluste durch den Salzburger Finanzskandal und auch die Erhöhung der Gehälter für Ärzte- und Pflegekräfte seien nicht der Grund, warum er sich für eine Ambulanzgebühr ausspreche. Viele Patienten würden gerade an den Wochenende oder an den Tagesrandzeiten mit Wehwechen in die Amublanzen kommen, obwohl sie der Hausarzt schon früher hätte behandeln können. Und wenn die Patienten in die Ambulanzen fahren statt zum Hausarzt zu gehen, wird dessen Ordination irgendwann nicht mehr wirtschaftlich zu führen sein. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Unsere Hausärzte verlieren damit auch ihre so wichtige Gatekeeper-Funktion, wenn sie in vielen Fällen gar nicht Bescheid wissen, welche Behandlungen durchgeführt oder Medikamente verordnet wurden. Das kann nicht im Interesse der Gesundheit des Einzelnen sein. Best Point of Service Stöckl beruft sich mit seiner Forderung auch auf die Europäische Union. Beispiele aus anderen EU-Ländern zeigen, dass es durch eine Ambulanzgebühr sehr gut möglich ist, die Patientenströme in die richtige Richtung zu lenken. In vielen EU-Ländern sei eine Ambulanzgebühr gang und gäbe und das System Best Point of Service funktioniere. Die Ambulanzgebühr war bereits unter der blau-schwarzen Koalition im Jahr 2000 in Österreich eingeführt worden. Sie wurde aber bald wieder vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) beseitigt: Am 16. März 2001 wurde sie wegen nicht ordnungsgemäßer Kundmachung aufgehoben. Bei einer neuerlichen Prüfung einer geänderten Fassung stellte der VfGH im Jahr 2003 eine Verfassungswidrigkeit fest: Die Ermächtigung für den Bundeskanzler, jede Abweichung des kundgemachten Textes von der im Parlament beschlossenen Fassung als Druckfehlerberichtigung zu behandeln, gehe zu weit. Dies dürfe innerhalb vorgegebener, verfassungsrechtlicher Grenzen nur der Gesetzgeber selbst verfügen. Die SPÖ und mehrere Einzel-Beschwerdeführer wollten mit neuerlichen Anträgen auch eine inhaltliche Prüfung des Selbstbehaltes. Dazu ist es damals aber nicht gekommen. Als Politik aus dem vorigen Jahrtausend bezeichnete Salzburgs SPÖ-Parteichef, Landtagsklubobmann Walter Steidl, heute die Forderung nach einer Ambulanzgebühr. Die Gebühr sei vom VfGH gekippt worden, die Lenkungseffekte seien gering aber der bürokratische Aufwand enorm gewesen. Ganz abgesehen davon, dass die Einführung einer Ambulanzgebühr diejenigen am härtesten trifft, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Stöckl will wohl von seinen Versäumnissen ablenken. Wissenschaft;Wilderer schlugen Rhinozeros vor zwei Wochen in der südlichen Region Kwazulu-Natal das Horn ab. Johannesburg – Ein von Wilderern verletztes Nashorn in Südafrika hat eine Hauttransplantation von einem Elefanten erhalten. Es sei das erste Mal, dass Haut eines Elefanten zur Behandlung einer Wunde bei einem Rhinozeros verwendet worden sei, erklärte der Tierarzt Johan Marais am Samstag. Es sei nicht darum gegangen, das von den Wilderern abgesägte Horn zu ersetzen, vielmehr wollte man mit der Maßnahme die Wunde bedecken. Das weibliche Tier war vor zwei Wochen in der südlichen Region Kwazulu-Natal angegriffen worden. Die Wilderer hatten das Haupthorn abgeschlagen, das in Asien in der traditionellen Medizin verwendet wird, und das Jungtier des Nashorns getötet. Die nun erfolgte Operation wurde durch die Organisation Saving the Survivors ermöglicht, die sich um durch Wilderer verletzte Tiere kümmert. Laut Marais stammte die Elefantenhaut von einem natürlich gestorbenen Tier. Es sei zuvor auch Haut eines Nilpferds getestet worden, doch sei der Versuch gescheitert. Laut dem Tierarzt wird sich binnen zwei oder drei Wochen zeigen, ob die Hauttransplantation erfolgreich war. Wissenschaft;Die Vorfahren der Aborigines haben vor 50.000 Jahren Australien erreicht und besiedelt. Doch gab es bis zur Ankunft der Europäer noch andere Zuwanderer?. Hinxton/Wien – Im Lateinischen bedeutet ab origine so viel wie von Beginn an. Daraus wurde im Englischen die generelle Bezeichnung für Ureinwohner. Australiens Urbevölkerung wurde 1803 erstmals so genannt – nur 15 Jahre, nachdem die Europäer begannen, Australien mit Strafgefangenen zu besiedeln. Von Beginn an heißt im Zusammenhang mit den Ureinwohnern Australiens, die der ersten Auswanderungswelle des Homo sapiens aus Afrika entstammten, vor rund 50.000 Jahren. Ungeklärt ist allerdings die Frage, ob die Aborigines bis 1788 völlig isoliert von anderen Kulturen lebten oder ob es insbesondere nach dem Ende der Landbrücke nach Neuguinea doch Verbindungen zu Zuwanderern aus dem Norden gab. Zwei Indizien sprechen dafür, dass vor etwa 5000 Jahren Menschen mit indischen Wurzeln Australien erreicht haben könnten: Zum einen tauchte in dieser Zeit der Dingo auf, eine verwilderte Form des Haushunds. Zum anderen veränderte sich damals die Steinwerkzeugtechnik. Um die Frage zu klären, haben Forscher um Anders Bergstrom (Sanger Institute in Hinxton) die DNA im Y-Chromosom von 13 Aborigines-Männern sequenziert und analysiert. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Die Aborigines-Erbsubstanz weist keine Ähnlichkeiten mit indischen Varianten auf. Laut Bergstrom stehen die Ergebnisse im Einklang mit den archäologischen Befunden einer Besiedlung vor 50.000 Jahren und nachfolgender Isolation. Vor Veröffentlichung der Resultate im Fachblatt Current Biology wurden diese auch Vertretern von Aborigines-Gruppen kommuniziert. Ihr Sprecher Lesley Williams zeigte sich erfreut darüber, dass die Wissenschaft bestätigt, was unsere Vorfahren uns über viele Generationen hinweg gelehrt haben: dass wir seit der Traumzeit hier gelebt haben. Um auf Nummer sicher zu gehen, soll nun das gesamte Genom der Aborigines sequenziert werden. Offen bleiben nämlich immer noch die Fragen, wie der Dingo nach Australien gelangte und warum die Besiedler Polynesiens keine Spuren hinterließen. Wissenschaft;Chinesischer Forscher untersucht die Entstehung des Y-Chromosoms. Wien – Mit einem hoch dotierten EU-Förderpreis wechselt der chinesische Evolutionsbiologe Qi Zhou an die Universität Wien. Der Wissenschafter erhält einen mit rund zwei Millionen Euro dotierten Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) und will damit die Entstehung des Y-Chromosoms untersuchen, teilte die Uni Wien mit. Die Geschlechtschromosomen X und Y bestimmen bei vielen Tierarten das Geschlecht: Weibchen verfügen über zwei X-, Männchen über ein X- und ein Y-Chromosom. Letzterem wurde lange Zeit nur die Funktion zugeschrieben, das männliche Geschlecht zu bestimmen und für die Fruchtbarkeit der Männchen zu sorgen. Seine Rolle ist laut Uni Wien jedoch weit weniger verstanden als jene des X-Chromosoms. Qi Zhou promovierte an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und arbeitete dann am Bejing Genomic Institute und an der University of California in Berkeley (USA). Er wird voraussichtlich 2016 von der Zhejiang University in Hangzhou an das Department für Molekulare Evolution und Entwicklung der Universität Wien wechseln. Voraussichtlich deshalb, weil noch kein Vertrag unterschrieben sei, hieß es von Seiten der Uni Wien. Er habe aber beim ERC beantragt, sein Projekt an der Uni Wien durchführen zu wollen. Der Evolutionsbiologe will unbekannte Funktionen und die Evolution des Y-Chromosoms anhand von Fruchtfliegen untersuchen. Dazu sollen verschiedene Fliegen-Arten verglichen werden, die unterschiedlich weit entwickelte Y-Chromosome besitzen. Speziell interessiert sich Qi Zhou für die zahlreichen DNA-Elemente am Y-Chromosom, die als Parasiten des Genoms bezeichnet werden, da sie innerhalb des Genoms springen und sich vermehren können. Er will untersuchen, wie diese DNA-Abschnitte gezähmt werden, um Schaden von anderen Teilen des Genoms abzuwenden. Mit dem ERC fördert die EU Grundlagenforschung in Europa. Vergeben werden Starting- und Consolidator-Grants für Nachwuchswissenschafter und Advanced Grants für etablierte Forscher. Nicht-Wissenschaft;Interne Splittergruppe der MHP will langjährigen Parteichef Bahceli stürzen und wieder vermehrt junge Wähler ansprechen. Ankara – In der ultra-rechten türkischen Partei MHP tobt ein Richtungskampf: Die Polizei hinderte am Sonntag eine Splittergruppe der Partei daran, in Ankara einen umstrittenen außerordentlichen Parteikongress abzuhalten. Dies sei angeblich auf Anordnung des Gouverneurs der Hauptstadt geschehen, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu. Gegner des langjährigen MHP-Chefs Devlet Bahceli wurden von Barrikaden und Wasserwerfern daran gehindert, sich in einem Hotel in Ankara zu treffen, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP beobachtete. Die Gruppe der parteiinternen Dissidenten möchte den 68-Jährigen nach schweren Wahlverlusten stürzen. Bahceli geht gerichtlich gegen seine Gegner vor, um so einen Parteikongress zu verhindern. Die MHP ist die viertgrößte Partei des Landes. Im November übersprangen die Ultrarechten nur knapp die 10-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament – sie verloren die Hälfte ihrer bis dahin 80 Sitze. MHP-Chef Bahceli, der die Partei seit 19 Jahren führt, will erst 2018 den nächsten Parteikongress einberufen und offenbar bis dahin an der Spitze bleiben. Seine parteiinternen Gegner wollen den Kampf nicht aufgeben. Niemand sollte sich die Hände reiben, erklärten sie am Sonntag. Die Basis und nicht der Chef werde das letzte Wort haben. Die Parteirebellen um Ex-Innenministerin Meral Aksener sehen in einem Führungswechsel die Chance, wieder mehr junge Wähler aus dem national-konservativen Milieu zu gewinnen, die zur Regierungspartei von Präsident Recep Tayyip Erdogan gewechselt sind. Der Machtkampf in der MHP könnte sich auch im Fall von Neuwahlen auf die Mehrheitsverhältnisse im Parlament auswirken. Die regierende AKP strebt ein Referendum über eine Verfassungsänderung an, es fehlt ihr dafür aber derzeit die notwendige Mehrheit. Nicht-Wissenschaft;Regisseur und Autor Mario Sixtus schneidet ZDF-Formate zu einer dramatischen Verfolgungsjagd. Am Montag um 23.55 Uhr im ZDF. Wien – Die Menschen im Web, die Masken tragen und Datenbrillen zerstören. Ein schlechter Scherz? Nein, ein TV-Experiment: Regisseur und Autor Mario Sixtus schneidet ZDF-Formate und inszenierte Moderationen zu einer dramatischen Verfolgungsjagd, angeführt von Sarah Rebecca Gerstner. Michelle Spark (Gerstner) hat ein körperliches Handicap: Sie kann Gesichter nicht erkennen. Die Hilfe, die ihr die moderne Computertechnologie stellt, wird zum Fluch. Denn die Datenbrille erkennt nicht nur Antlitze, sondern scannt die ganze Person: Privates wird öffentlich. Die ZDF-Medien sind dabei: Operation Naked am Montag, 23.55 Uhr im ZDF. Wissenschaft;Gebeine stammen von einer jungen Frau aus dem 16. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Stuttgart – Die im Juli in einer Baugrube für das Bahnprojekt Stuttgart 21 entdeckten Gebeine konnten mittlerweile zugeordnet werden: Sie stammen von einer Frau aus der Bronzezeit. Sie sei etwa 17 bis 19 Jahre alt, grazilen Körperbaus und knapp über 1,60 Meter groß gewesen, teilte das Regierungspräsidium Stuttgart mit. Archäologen datierten das vier Meter unter der heutigen Oberfläche gefundene Grab auf die Ältere Bronzezeit (etwa 1560 vor unserer Zeitrechnung). Wie die Frau ums Leben kam, ist vorerst noch unklar. Das Skelett sei leider nur unvollständig, hieß es zu den bisherigen Erkenntnissen. Zudem seien Tierknochen identifiziert worden, weitere menschliche Skelette wurden nicht gefunden. Zuerst waren die Wissenschaftler davon ausgegangen, drei Gräber entdeckt zu haben. Untersuchungen zeigten allerdings, dass es sich doch nur um ein Einzelgrab handelt. Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege hatten die Knochen Ende Juli in der S21-Baugrube gefunden. Seit mehr als einem Jahr begleitet das Amt den Erdaushub für den umstrittenen Neubau des Hauptbahnhofs. In den Baufeldern stießen sie öfter auf Funde aus römischer Zeit, aus der Völkerwanderung und auch aus der Renaissance. (APA, red, 16. 10. 2015) Wissenschaft;Das Pharaonengrab könnte auch letzte Ruhestätte der Nofretete sein, glaubt der ägyptische Antikenminister. Kairo – Mit modernen Methoden will Ägypten die Theorie überprüfen, Nofretete liege in einer Geheimkammer im Grabmal des Pharaos Tutanchamun begraben. Von Donnerstag bis Samstag werde mit leistungsfähigen Radargeräten und Infrarot-Wärmekameras untersucht, ob es in den Gemäuern von Tutanchamuns Grab geheime Grabkammern gebe, teilte der Minister für antike Kulturgüter, Mahmud Eldamati, am Montag in Kairo mit. Tutanchamun war nach neunjähriger Herrschaft 1324 v. u. Z. im Alter von 19 Jahren gestorben. Sein Grabmal befindet sich im Tal der Könige in der Nähe von Luxor im Süden Ägyptens. Es wurde 1922 von dem britischen Archäologen Howard Carter entdeckt und war anders als viele andere Pharaonengräber nicht bereits geplündert, sondern enthielt mehr als 5.000 intakte Objekte, davon viele aus Gold. Nofretete, von der eine weltberühmte Büste im Ägyptischen Museum in Berlin ausgestellt ist, war die Gemahlin von Pharao Echnaton, dem Vater Tutanchamuns. Die sterblichen Überreste der Königin, die für ihre Schönheit berühmt war, wurden nie entdeckt. Im September hatten Eldamati und der britische Archäologe Nicholas Reeves bereits angekündigt, dass sie nach unentdeckten Kammern im Grab des Tutanchamun suchen würden. Eldamati glaubt, dass in einer solchen Geheimkammer Nofretete begraben liegt. Reeves geht eher davon aus, dass dort eine andere Ehefrau von Echnaton beigesetzt wurde. Eldamati kündigte in jedem Fall die Entdeckung des 21. Jahrhunderts an und setzte für Samstag eine Pressekonferenz in Luxor an, um die vorläufigen Ergebnisse der Suchaktion zu verkünden. Nicht-Wissenschaft;Im Tiergarten Schönbrunn in Wien sind Luchs-Zwillinge zur Welt gekommen. Jetzt lockt die Mutter die Jungtiere für erste Ausflüge aus ihrer Hütte ins Freie Das Weibchen hat seinen Nachwuchs im Freien zur Welt gebracht, aber dann in die nicht einsehbare Hütte getragen. Dort hat die Luchs-Mutter ihre beiden Jungtiere die letzten zwei Wochen aufgezogen, berichtete Zoodirektorin Dagmar Schratter am Mittwoch in einer Aussendung. Bei der Geburt waren die Kleinen rund 300 Gramm schwer und blind. Nach etwa zwölf Tagen haben sie die Augen geöffnet. Erst drei Mal habe es bei den Luchsen bisher Nachwuchs gegeben, hieß es in der Aussendung. Die letzte Nachzucht liegt bereits neun Jahre zurück. Das letzte Jungtier, ein Männchen, lebte bis Februar 2015 gemeinsam mit seinem Vater im Tiergarten. Dann gab es im Rahmen des Europäischen Zuchtbuches einen Austausch. Die beiden Männchen wurden an den ungarischen Zoo Szeged abgegeben, wo sie sich wohlfühlen. Wir haben Mitte März ein Pärchen bekommen. Bei den beiden muss es sofort gefunkt haben, meinte Schratter. In Österreich galt der Luchs im Jahr 1892 als ausgerottet. Erst in den vergangenen Jahrzehnten wurden Tiere aus Zoos und Wildparks angesiedelt, einige wanderten aus Nachbarländern ein. Daher ist diese Wildkatze in heimischen Wäldern wieder vereinzelt anzutreffen. Der Luchs ist EU-weit streng geschützt. Schratter: Trotz dieser Schutzmaßnahmen ist sein Vorkommen in allen Alpenländern gering und die wenigen Populationen sind meist isoliert. Daher zählt der Luchs hierzulande nach wie vor zu den seltensten Säugetieren, deren nachhaltiger Bestand keineswegs gesichert ist. Nicht-Wissenschaft;Vergeben wird der Preis am 16. Mai. Seethaler ist der erste Österreicher auf der Liste. London – Der in Wien geborene Autor Robert Seethaler (49) hat es mit seinem Roman Ein ganzes Leben (englische Übersetzung: A Whole Life) als erster Österreicher auf die Shortlist des Man Booker International Prize geschafft. Das teilte die Jury des britischen Literaturpreises in der Nacht auf Donnerstag mit. Seethaler konkurriert mit fünf anderen Schriftstellern um die mit insgesamt 50.000 Pfund (63.000 Euro) dotierte Auszeichnung, die zu gleichen Teilen zwischen Autor und Übersetzer aufgeteilt wird. Neben ihm nominiert sind Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk (A Strangeness In My Mind), Jose Eduardo Agualusa (A General Theory of Oblivion), Elena Ferrante (The Story of the Lost Child), Han Kang (The Vegetarian) und Yan Lianke (The Four Books). Für das 2014 auf Deutsch erschienene Buch hatte Seethaler im Vorjahr den Grimmelshausen-Preis erhalten. Erfolg hatte er zuvor mit seinem Roman Der Trafikant. Seethaler ist ausgebildeter Schauspieler, zuletzt spielte er in Paolo Sorrentinos Film Die ewige Jugend mit. Die Bekanntgabe des Preisträgers findet am 16. Mai statt. Der Man Booker International Prize wird in diesem Jahr erstmals für ein fremdsprachiges und in Großbritannien in englischer Übersetzung veröffentlichtes Buch verliehen. Bisher wurde er alle zwei Jahre an ein Gesamtwerk vergeben. Bisherige Preisträger waren Ismail Kadare (2005), Chinua Achebe (2007), Alice Munro (2009), Philip Roth (2011), Lydia Davis (2013) und Laszlo Krasznahorkai (2015). Die Auszeichnung wurde 2005 als Ergänzung zum renommierten Bookerpreis geschaffen, für den allein englischsprachige Romane infrage kommen, die in Großbritannien und dem Commonwealth veröffentlicht wurden. Wissenschaft;Nicht nur bei Primaten wird die Verwendung einer Hand der anderen vorgezogen – Forscher haben das nun auch bei wildlebenden Kängurus beobachtet. Sankt Petersburg / Wien – Wir Menschen und die meisten anderen Primaten tun es mehrheitlich mit rechts. Vermutet wird, dass biologische Gründe für die Präferenz der rechten Hand ausschlaggebend sind: Eine bestimmte Stelle am Chromosom 2 dürfte bei uns dafür verantwortlich sein, wobei die Händigkeit anscheinend nicht nach den Vererbungsregeln Mendels weitergegeben wird, wie Zwillingsstudien zeigen. Doch nicht nur Menschen und Affen setzen eine Hand bevorzugt ein, auch einige Känguruarten tun dies, wie nun ein russisch-australisches Forscherteam herausgefunden hat – und sich mit dieser neuen Erkenntnis womöglich auch in eine gute Ausgangslage für die Verleihung des Ig-Nobelpreises für eher abseitige Forschung gebracht haben dürfte. Die neue Studie liefert freilich mehr als nur eine eher randständige Erkenntnis der Zoologie: Die Beobachtungen der Forscher stellen nämlich die Annahme infrage, dass sich eine ausgeprägte echte Händigkeit bei Säugetieren nur bei Primaten entwickelt habe. Ursprünglich waren die Zoologen Yegor Malashichev von der Universität von Sankt Petersburg nicht davon ausgegangen, eine Händigkeit bei Kängurus festzustellen, denn das Gehirn von Beuteltieren weist im Gegensatz zu dem anderer Säuger (und eben auch Primaten) keine Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften auf. Auch bisherige Beobachtungen in Zoos blieben ohne konkretes Ergebnis. Für die aktuelle, im Fachblatt Current Biology veröffentlichte Untersuchung beobachteten Malashichev und seine Kollegen vier Känguruarten in der freien Wildbahn Australiens und Tasmaniens. Tatsächlich fanden sie bei den zweibeinigen Arten eindeutige Präferenz für den Einsatz der linken Hand beim Östlichen Grauen und dem Roten Riesenkänguru: etwa wenn sie fressen oder sich die Nase putzen. Malashichev ist so etwas wie ein Spezialist für den Einsatz von Gliedmaßen bei Tieren: Er hat unter anderem bereits herausgefunden, dass springende Frösche seltener Zeichen von Händigkeit zeigen als laufende. Weitere Studien zur Händigkeit bei Tieren, die sich auf zwei Beinen aufrichten, sind in Vorbereitung. Wissenschaft;'Samuel Salzborn zählt zu den umtriebigsten Rechtsextremismusforschern Deutschlands. Weil seine Professur an der Uni Göttingen nicht verlängert wird, regt sich Widerstand: War Salzborn zu politisch?. Er hat sich bei Anton Pelinka mit einer Arbeit zur politischen Theorie des Antisemitismus habilitiert, zahlreiche Monografien in renommierten Wissenschaftsverlagen wie Nomos oder Campus vorgelegt, ist seit 2012 Professor für Grundlagen der Sozialwissenschaften am Institut für Politikwissenschaft der Georg-August-Universität Göttingen – und all das mit gerade mal 39 Jahren: Samuel Salzborn zählt wohl zu den umtriebigsten Antisemitismus- und Rechtsextremismusforschern Deutschlands. Salzborn publiziert viel, regelmäßig und in international anerkannten Wissenschafftspublikationen, ist fachlich über die Landesgrenzen anerkannt. Vor einem halben Jahr wurde er für seine Forschung im Bereich Demokratie, Rechtsextremismus und Kritik am Antisemitismus vom Stiftungsrat der Universität Göttingen ausgezeichnet. Zuletzt war Salzborn als Leiter einer geplanten Dokumentationsstelle in Göttingen im Gespräch, die sich mit Demokratie- und Menschenfeindlichkeit, mit Rechtsextremismus und Islamismus beschäftigen soll. Salzborn war an der Planung dieser Stelle zentral beteiligt. Ob und wann sie Stelle nun realisiert wird, ist unklar – denn das Präsidium der Universität Göttingen hat beschlossen, Salzborns Professorenvertrag nicht über das Sommersemester 2017 hinaus zu verlängern und die Professur neu auszuschreiben. Veto von oben Dagegen regt sich nun Widerstand – hatte sich doch der Fakultätsrat für Sozialwissenschaften geschlossen hinter Salzborn gestellt. Vom Präsidium allerdings kam ein Veto gegen den Professor. Salzborn zählt zu jenen Wissenschaftern, die sich mit ihrer fachlichen Expertise gerne politisch positionieren. Er forscht vor allem zu Rechtsextremismus, Antisemitismus, zu nationalkonservativen Bewegungen und Parteien, hat sich zuletzt etwa kritisch zur Pegida geäußert und immer wieder den Antisemitismus auch im linken politischen Spektrum thematisiert. Breiter Protest Seine politische Positionierung sei Salzborn nun zum Problem geworden, glaubt der Fachschaftsrat, die studentische Vertretung an der Universität Göttingen. Er hat einen offenen Brief für den Verbleib Salzborns als Professor in Göttingen initiiert, den zahlreiche nationale und internationale Fachverbände unterzeichnet haben, außerdem rund 350 WissenschafterInnen und Studierende. Auch Anton Pelinka ist unter den Unterzeichnern. Der Fachschaftsrat sieht Salzborns Absetzung auch im Zusammenhang mit einer generellen Marginalisierung der Sozialwissenschaften an der Universität. Die Universität schweigt Die Universität Göttingen selbst will zu Personalfragen öffentlich nichts sagen und hat sich auf bisherige Anfragen zum Fall nicht erklärt. Auch nicht dazu, ob für Salzborns Stelle etwa nur befristete Mittel zur Verfügung gestanden seien, die einem unbefristeten Vertrag im Wege gestanden wären. Was bleibt, sind viele offene Fragen. Etwa jene, wie viel politische Haltung die Sozialwissenschaften vertragen, wie viel davon sie vielleicht sogar brauchen. Politische Positionierung ist vielen Sozialwissenschaften ja gewissermaßen inhärent: Allein im Thematisieren bestimmter gesellschaftlicher Phänomene wie Rechtsextremismus oder Antisemitismus drückt sich eine spezifische Haltung zur Welt aus; speziell die Politikwissenschaft hat eine lange Tradition der politischen Einmischung. Wie sich Wissenschaft zur Einmischung in die Gesellschaft verhält – das ist vielleicht die große Frage, die hinter Fällen wie jenem von Samuel Salzborn steht.' Nicht-Wissenschaft;17-Jähriger unweit des Tatorts festgenommen. Salzburg – Nach einer Messerattacke in der Stadt Salzburg ist am Mittwoch in den Morgenstunden ein 50-Jähriger im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Mann war am Dienstag kurz vor 21.00 Uhr nach einer heftigen Auseinandersetzung zwischen zehn oder möglicherweise auch mehr Personen türkischer und afghanischer Herkunft am Eingang zum Lehener Park niedergestochen worden. Bei der Rauferei wurden Messer, Holz- und Eisenstangen verwenden. Nachdem der 50-Jährige niedergestochen worden war, flüchteten alle Beteiligten vom Tatort. Anrainer alarmierten die Polizei. Freunde des Schwerverletzten brachten den Mann ins Spital. Die Polizei stellten im Park zwei Messer sicher und konnte noch am Dienstagabend aufgrund einer Zeugenbeschreibung unweit des Tatorts einen 17-jährigen Afghanen festnehmen. Der Jugendliche ist in Haft, aber wir können noch nicht sagen, ob er tatsächlich der Täter ist. Derzeit konnten noch nicht alle Beteiligten ausgeforscht und einvernommen werden, sagte Polizeisprecherin Irene Stauffer zur APA. Unklar ist derzeit auch, warum es zu der Rauferei kam und wie die Tat im Detail abgelaufen ist. Die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion des Verstorbenen angeordnet. (APA, 23.9.2015) Wissenschaft;Neue Aufnahmen der Nasa-Sonde New Horizons enthüllen einen fantastischen Blick auf die eisige Pluto-Ebene Sputnik Planum. Washington – Das kürzlich veröffentlichte Fotomosaik zeigt einen rund 80 Kilometer breiten und mehr als 800 Kilometer langen Abschnitt, den die Sonde New Horizons im Sommer 2015 aus einem Abstand von etwa 17.000 Kilometern aufnahm. Mithilfe des hochauflösenden CCD-Kamerasystems Long Range Reconnaissance Imager (LORRI) entstanden die Bilder etwa 15 Minuten vor der größten Annäherung der Sonde an den Zwergplaneten. Die auffälligen Strukturen in Sputnik Planum deuten auf langsame thermische Konvektionsprozesse unter der Oberfläche hin. Dieser Teil von Pluto verhält sich wie eine Lavalampe, sagte der Nasa-Geologe William McKinnon. Denn die Ebene ist mit Stickstoffeis bedeckt, das in Reservoirs in einigen Kilometern Tiefe aufgeheizt wird und in Blasen nach oben steigt. Hier kühlt es ab und sinkt wiederum in die Tiefe, und der Kreislauf beginnt erneut. Nicht-Wissenschaft;Überlaute Premiere von Andrew Lloyd Webbers Musical: Regisseur und Choreograf Vincent Paterson sorgt immerhin für eine gediegene Fusion von Gruppenszenen und intimen Momenten eines Politpärchens. Wien – Intensität ist ein kostbares Musiktheatergut. Eigentlich das kostbarste. Kommt bei Aufführungen allerdings die Sehnsucht nach Trommelfellschutz auf, ist es ein Hinweis auf das Bestreben, Intensität mit Mitteln der Dezibelverschwendung zu erzwingen. Ebendies geschah im Ronacher bei der Premiere von Andrew Lloyd Webbers Evita. Für die kommenden Vorstellungen ist – im Sinne des Gesundheitsschutzes wie auch der Attraktivität der Aufführung – kalmierendes Drehen am Lautstärkeknopf zu erflehen. Es zog dieses in erheblichen Teilen düstere Werk, bei dem ein kritischer Zeuge namens Che die biografischen Evita-Themen vorgibt, lange Zeit wie ein rasender Erzählzug vorbei, der sich selbst zu übertönen sucht. Zwischen Beginn (Eva Peróns Begräbnis) und Ende (ihr Siechtum samt ihrem Krebstod) ergab sich denn auch zu viel an trommellastiger Aufdringlichkeit. Rätselhaft bei der verbürgt hohen Qualität des Orchesters. Zweifellos jedoch war – durch das Dickicht des akustischen Überengagements hindurch – die Professionalität der Regiearbeit zu erkennen: Choreograf und Regisseur Vincent Paterson bindet Gruppentanz und intime Szenen ohne Tempoverlust aneinander. Mit bisweilen satirischer Figurenzeichnung lässt er Generäle zu Schießbudenfiguren werden oder Vertreter der Upperclass zu – ihren Widerwillen gegen Eva eckig vermittelnden – Puppen. Das koaliert stringent mit dem Duktus der Musik und sorgt für pointierte Kontrapunkte zum natürlich oberflächlich erzählten Karrieredurchmarsch einer Dame, die – wie ihr nazifreundlicher Gatte – im wahren Leben wohl politisch eher ambivalent war. Das Musical ergibt sich der Ikonenverehrung nicht zu 100 Prozent. Der Erzähler soll einen Kontrapunkt bilden, als Evitas innerer Advocatus Diaboli womöglich oder zumindest ihr kleines schlechtes Gewissen. Und als dieser Che liefert Drew Sarich die ausgewogenste, stimmlich profundeste Performance. Er ist dabei, wie Eva den ersten Tangosänger ihres Lebens betört. Er ist dabei, wenn Eva hoch oben auf einem Treppengerüst mit Juan Perón dessen Schlafzimmer betritt und eine Vorgängerin verscheucht. Er ist Zeuge und Opfer von Polizeigewalt und glanzvollen Auftritten der resoluten Dame, die auf Hinweise zu ihrer volksnahen Herkunft eher unwirsch reagiert, um schließlich todkrank in den Armen von Juan Perón (respektabel Thomas Borchert) zu landen. Katharine Mehrling spielt resolut, straff und verfügt über ein markantes, herbes Timbre. Sie klingt ein bisschen wie Popchansonnière Patricia Kaas. Es ließe sich aber ebenso behaupten, sie tönte wie Maria Bill, die Édith Piaf singt und dabei an Schlagerveteranin Mireille Mathieu denkt. Eine eigenwillige Mixtur also, die Geschmackssache ist. Eine solide Leistung war das jedoch allemal. Als Evitas Kräfte nachlassen, wird natürlich auch ihre Stimme brüchig, doch nicht immer scheint dies im Rollenverständnis begründet. Es ist halt eine Schwerstpartie: Evita ist Rockröhre, Sprechsängerin, es wurden ihr explosive Höhen hineinkomponiert wie auch zarte Piani. Und während Mehrling Grelles gelang, blieb Subtiles eben unterbelichtet. Evita wurde oft Teil dieses lärmenden Ganzen, das sich bei der akklamierten Premiere hoffentlich ausgetobt hat und Treppen, Tribünen wie das schwebende Zimmer des Paars in Hinkunft nicht mehr akustisch erschüttern muss. Nicht-Wissenschaft;'Dass Paris Athen so massiv unter die Arme greift, hat einen einfachen Grund: Die Franzosen fürchten, sich im Grexit-Fall über höhere Zinsen noch stärker zu verschulden. Ein Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone stünde im Widerspruch zu allen Entscheidungen, die Frankreich getroffen hat, meinte Premierminister Manuel Valls vergangene Woche, um so kategorisch wie möglich anzufügen: Ich weigere mich, und Frankreich weigert sich, dass Griechenland aus dem Euro aussteigt. Nicht minder deutlich äußerte sich Präsident François Hollande: Frankreich unternimmt alles, damit Griechenland in der Eurozone bleibt, und scheut keinen Aufwand, um am Schluss doch noch ein Abkommen zu erzielen. Die neuen griechischen Vorschläge waren vergangenen Donnerstag kaum publik, da lobte sie Hollande bereits als seriös und glaubwürdig. Kein Wunder, sie haben französische Köche. Mehr als ein Dutzend Spitzenbeamter sorgte in Brüssel und Athen dafür, dass der neue Sparplan von Premier Alexis Tsipras in Brüssel durchgehe. Die Franzosen schauten den griechischen Ökonomen dabei nicht nur über die Schulter; sie gaben ihnen zum Beispiel ein, wie hoch sie die Mehrwertsteuersätze anlegen sollten, um das Plazet der Gläubiger zu erhalten. Aus Erfahrung und dank guter Kontakte weiß man in Paris sehr genau, was die deutsche Regierung oder der Internationale Währungsfonds gerade noch schlucken würden. Sogar die Zeitung Le Monde staunte: Der Einsatz des Präsidenten (für eine Lösung der Griechenland-Krise, Anm.) scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Herr Hollande kümmert sich nur noch darum. Ein Élysée-Berater fügt an: Ich habe Frankreich noch nie so involviert erlebt. Paris mobilisiert auch seine Kanäle nach Berlin. Hollande engagiert sich so massiv, weil er in einem Atemzug die Führungsrolle von Kanzlerin Angela Merkel und die europäische Austerität infrage stellen kann. Doch der linke Philosoph Etienne Balibar fragt darüber hinaus: Warum verfolgen die Franzosen die griechische Krise mit einer Leidenschaft, als hinge ihr eigenes Los davon ab? Hinter Hollandes und Valls imperativen Erklärungen verbirgt sich eine gute Dosis Angst vor einer Kettenreaktion. Die konservative Zeitung LOpinion nennt es den sanften Schauder vor dem Frexit, dem französischen Euroausstieg. Der Ausdruck mag übertrieben sein. Unbestreitbar ist aber, dass sich die französische Staatsschuld in Windeseile der Schwelle von 100 Prozent des Bruttoinlandprodukts nähert. In Zahlen beträgt sie ein Vielfaches der griechischen Schulden, nämlich mehr als 2.000 Milliarden Euro. Der Pariser Trésor (Schatzamt) zahlt dafür Zinsen, die so hoch liegen wie der ganze Bildungsetat Frankreichs. Und das, obwohl seine Zehnjahresanleihen nicht viel teurer sind als die deutschen. Nicht auszudenken, was geschähe, wenn die Zinsen dafür plötzlich stiegen. Präsident Hollande will den Anfängen wehren. Denn ein Grexit könnte, so die Befürchtung vieler Ökonomen, den Schuldenfokus auf andere Länder wie Portugal oder Italien und indirekt auf Frankreich lenken. Aus diesem Grund ist er bereit zu allem – außer einem Grexit. (Stefan Brändle aus Paris, 12.7.2015)' Wissenschaft;Internationale Archäologie-Experten beraten in München über die Zukunft einer der berühmtesten Ausgrabungsstätten Europas. München – Wissenschafter wollen dabei helfen, den Verfall von Pompeji zu stoppen und beraten über die Vorgehensweise in München. Forscher der Technischen Universität (TU) München und des Fraunhofer-Institutes für Bauphysik arbeiten unter anderem an Dächern für die labile Ausgrabungsstätte am Fuße des Vesuvs in der Nähe von Neapel sowie an Techniken zur Sicherung von Oberflächen an Gebäuden oder Grabstätten. Der erste Prototyp eines Schutzdaches sei entwickelt worden, sagte Albrecht Matthaei vom Fraunhofer-Institut am Freitag am Rande der internationalen Tagung Pompeji – Schutz und Bewahrung eines archäologischen Welterbes. Jahrelang galt die 79 nach Christus beim Ausbruch des Vesuvs verschüttete Stadt als Sorgenkind der Denkmalpflege. Der Verschleiß ist gewaltig, sagte der Restaurierungswissenschafter Erwin Emmerling. Heute gebe es dort aber eine Entwicklung zum Positiven. Überlegt wird allerdings auch, Teile der Ausgrabungsstätte wieder zuzuschütten. Für den Erhalt wäre das oft das Beste, wie Emmerling sagt. Das könne aber nur für kleinere Gebäude gelten. Es ist nicht daran gedacht, Pompeji, das man gerade ausgegraben hat, wieder zuzuschütten. Immer wieder wird nach Angaben der Experten auch diskutiert, ob weitergegraben werden soll oder nicht. Aus konservatorischer Sicht sollten neue Ausgrabungen zwar vermieden werden, aber: Ich muss die Leute immer wieder stoppen, sagte der Direktor des Internationalen Forschungszentrums für Denkmalpflege und Restaurierung von Kulturgütern in Rom, Stefano De Caro. Für die Archäologen sei es oft schwer, ihre Neugier im Zaum zu halten und nicht weiter zu graben, wenn sie ein neues, spannendes Gebäude entdecken. Ausgraben oder nicht ausgraben – das ist hier die Frage. Oft stünden dabei die Interessen der Bewahrer im Gegensatz zu den Interessen jener, die die Restaurierungsarbeiten zum Teil finanzieren. In Pompeji und dem ebenfalls verschütteten Herculaneum sind das nämlich zum Teil Privatleute – und die seien manchmal eher an spektakulären neuen Ausgrabungen interessiert als an der Bewahrung. Der Erhalt ist wertvoll, aber er hat keinen Nachrichtenwert, sagte der Leiter des Herculaneum Conservation Projects, Andrew-Wallace Hadrill. Wissenschaft;Israelische Forscher bestätigen nach Experimenten, dass 30 Prozent unserer "Geruchsgene" individuell sind. Rehovot/Wien – Wenn die Chemie zwischen zwei Personen stimmt, können sie einander riechen – oder eben gar nicht. Was umgangssprachlich einer Tatsache gleichkommt, ist wissenschaftlich seit langem hoch umstritten. Vor allem evolutionäre Psychologen versuchten in den vergangenen Jahren zu zeigen, dass unsere Körpergerüche potenziellen Partnern mehr oder weniger unterbewusste Hinweise auf die Kompatibilität der Immunsysteme geben würden und eine unterschätzte Rolle bei unserer Partnerwahl spielen würden. Tatsächlich hat man bei Tieren bereits recht gut abgesicherte Hinweise dafür gefunden. Beim Menschen tat man sich hingegen schwer, Evidenz für genetisch begründete wechselseitige Geruchssympathie zu finden. Individueller Geruchssinn Nun allerdings könnten israelische Forscher fündig geworden zu sein. Auf der Suche nach einem spezifischen olfaktorischen Fingerabdruck konzentrierten sie sich freilich nicht auf jene Personen aus, die Gerüche verströmen, sondern umgekehrt auf die Riechenden. Forscher um Noam Sobel vom israelischen Weizmann-Institut rekrutierten 89 Probanden, die im Schnitt 26 Jahre alt waren, und ließen sie 28 verschiedene Düfte bewerten – unter anderem von sehr maskulin bis sehr zitronig. Dabei zeigten sich individuelle Riechprofile, die daher rühren, dass etwa 30 Prozent jener DNA, die für Geruchsrezeptoren zuständig ist, sich individuell unterscheidet, wie Sobel und Kollgen im Fachblatt PNAS berichten. Und diese individuellen Riechprofile scheinen wiederum über die Immunkompatibilität die Partnerwahl zu beeinflussen. Darauf deuteten laut Sobel weitere Untersuchungen an 65 Paaren hin. Mit anderen Worten: Es scheint also nicht nur die Schönheit im Auge des Betrachters zu liegen, sondern auch die olfaktorische Attraktivität in der Nase des Riechenden – und das könnte wiederum dafür sorgen, dass sich vor allem Personen finden, deren Immunsysteme (für den gemeinsamen Nachwuchs) gut ergänzen. Dennoch darf aber getrost davon ausgehen, dass auch nach dieser kleinen Studie (mit insgesamt nur etwas mehr als 200 Probanden) die wissenschaftliche Frage nach der Bedeutung des Geruchs bei der menschlichen Partnerwahl umstritten bleiben wird. Nicht-Wissenschaft;Bericht: Geschoße stammten vermutlich aus Syrien. Istanbul – Durch mutmaßlichen Beschuss aus Syrien ist einem Medienbericht zufolge in der Türkei nahe der Grenze zwischen beiden Ländern mindestens ein Mensch getötet worden. Zwei Geschoße seien am Montag nahe einer Schule in der südlichen Stadt Kilis eingeschlagen, berichtete der türkische Fernsehsender NTV. Mindestens drei weitere Menschen seien verletzt worden. Der Sender zeigte Bilder von Verletzten, die in Krankenhäuser gebracht wurden. Unter Berufung auf den Bürgermeister von Kilis, Hasan Kara, berichtete NTV, alle Schulen in der Region seien vorsorglich evakuiert worden. Der Politiker gab demnach an, dass der Beschuss vermutlich aus Syrien erfolgt sei. Nicht-Wissenschaft;Auf begrenzte Zeit, mit klaren Regeln – Darf Kollektivvertrag nicht unterlaufen. Wien – Aus Sicht von Wifo-Chef Karl Aiginger wird Arbeitsmarktpolitik immer mehr zur Bildungspolitik. Das Arbeitskräfteangebot wachse durch die Zuwanderung, oft fehle es hier aber an qualifizierten Arbeitskräften, so Aiginger im Interview mit der Presse (Samstagsausgabe). Daher würde Österreich ein Hauch von Hartz IV guttun, wenn auch nicht so flächendeckend wie in Deutschland. Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts erklärt im Zeitungsinterview weiters, dass man die meisten Flüchtlinge nur dann auf dem Arbeitsmarkt wird unterbringen, wenn sie anfangs Jobs übernehmen, die bisher nicht ausgefüllt wurden, und das zu einem geringen Stundensatz. Aiginger schweben hierbei zum Beispiel kleinere Handwerksarbeiten in privaten Haushalten oder gemeinnützige Tätigkeiten vor. In Deutschland sei mit Hartz IV ein dauerhafter zweiter Arbeitsmarkt mit Niedriglohnjobs entstanden – diesen will ich auf Dauer in Österreich nicht haben. Aber in einer Notsituation kann das richtig sein – auf begrenzte Zeit, mit klaren Regeln und Ausbildungskomponente. Und es darf die Kollektivverträge nicht unterlaufen, so der Wifo-Chef. Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) hatte voriges Jahr Sympathie für das deutsche Modell gezeigt. Das Arbeitslosengeld hierzulande sei zu hoch. SPÖ, ÖGB, FPÖ und Grüne sparten daraufhin nicht mit Kritik am Vorstoß Schellings. Wissenschaft;Als vor 2000 Jahren der Vesuv ausbrach, wurden auch antike Schriftrollen verschüttet. Nun zeigte sich: Sie wurden bereits mit metallischer Tinte beschrieben. Grenoble/Wien – Es war das buchstäbliche Inferno: Nachdem am 24. August des Jahres 79 unserer Zeitrechnung der Versuv zu Mittag ausgebrochen war, kollabierte in der Nacht die gigantische Eruptionssäule. Das herausgeschleuderte Material raste in Form von mehreren mehr als 100 km/h schnellen pyroklastischen Strömen durch Herculaneum. Zuletzt war das Material schon dick und zähflüssig, füllte alle Häuser aus und begrub die antike Stadt unter einer bis zu 20 Meter dicken vulkanischen Schicht. Erst Jahrhunderte später wurden die bestens konservierte Stadt und ihre Opfer wiederentdeckt. 1750 grub man die Villa dei Papiri aus und fand darin mehr als 600 völlig verkohlte Papyrusrollen. Man wusste zwar, dass diese die Werke griechischer Philosophen enthielten, doch eine Entzifferung der Rollen aus dieser einzigen erhaltenen Bibliothek der griechisch-römischen Antike schien mit oder ohne Zerstörung der Rollen völlig unmöglich. Vor etwas mehr als einem Jahr allerdings gelang Forschern um Emmanuel Brun von der European Synchrotron Radiation Facility in Grenoble das schier Unmögliche. In der französischen Großforschungsanlage können unter anderem extrem starke Röntgenstrahlen erzeugt werden. Und damit wurde es möglich, einzelne Buchstaben des griechischen Alphabets und sogar einige Wörter zu entziffern. Mit dieser Untersuchung, die im Jänner 2015 im Fachblatt Nature Communications veröffentlicht wurde, war ein erstes kleines Fenster in die Schriftgelehrsamkeit der Antike geöffnet. Seitdem hofft man auf weitere Einblicke in diese rund 2000 Jahre Rollen. Nun warten die Forscher um Emmanuel Brun im Fachmagazin PNAS mit einer weiteren überraschenden Entdeckung auf: Sie fanden heraus, dass die antiken Schreiber metallische, konkret: bleihaltige Tinte verwendeten, was bisher ausgeschlossen wurde. Zwar wusste man vom Einsatz solcher Tinte für Geheimbotschaften. Die ältesten bekannten Pergamente, auf denen mit sogenannter Eisengallustinte geschrieben worden war, stammen aber aus dem Jahr 420. Bisher stammte das meiste Wissen über die antike Schreibpraxis aus den Werken von Plinius dem Älteren, der beim Ausbruch des Vesuvs ums Leben kam. Der antike Gelehrte berichtete, dass man in der Antike nur Tuschen benützte, die aus dem Ruß von Holzöfen gemischt worden waren. Fast 2000 Jahre lang glaubte man, alles über die Herstellung jener Tusche zu wissen, mit der man in der Antike auf Papyrus schrieb, sagt Daniel Delattre, französischer Papyrologe und Koautor der Studie. Die Untersuchung am europäischen Synchrotron würde zeigen, dass man die bisherigen Erkenntnisse wohl ergänzen und korrigieren müsse. Der verblüffende Fund hat aber auch einen hohen praktischen Wert für die Entzifferung der verkohlten Papyrusrollen: Mit dem Wissen um Blei in der Tinte lassen sich die computertomografischen Untersuchungen optimieren. Und womöglich wird man auf diese Weise sogar noch unbekannte Werke der Antike entdecken. Nicht-Wissenschaft;Flüchtlinge profitierten von Ebbe. Ceuta – Rund 90 Menschen ist am Samstag von Marokko aus die Flucht in die spanische Exklave Ceuta gelungen. Nach offiziellen Angaben nutzten die Flüchtlinge die ungewöhnlich flache Ebbe und überwanden einen Wellenbrecher, der normalerweise nicht erreichbar ist. Wir kümmern uns am Strand um sie, sagte ein Sprecher der örtlichen Regierung. Die Schutzsuchenden sollten anschließend in ein Zentrum für vorübergehende Aufenthalte gebracht werden. Ceuta ist ebenso wie Melilla eine spanische Exklave in Marokko, womit beide Gebiete zur EU gehören. Zahlreiche Flüchtlinge versuchen daher immer wieder, die teils meterhohen Grenzzäune zu überwinden oder durch das Meer zu schwimmen, um sie zu erreichen. Ende Dezember war es 185 Menschen gelungen, nach Ceuta vorzudringen. Die marokkanischen Behörden griffen zudem über hundert Menschen auf, die versuchten, in die spanische Exklave zu schwimmen, und entdeckten zwei Leichen im Meer. Wissenschaft;Autos, die sich wie Roboter auf der Straße bewegen, sind technisch kein Problem mehr. Die Fragen nach den Auswirkungen auf die Gesellschaft sind aber noch völlig offen. Wien/Boston – Wenn Experten auf Konferenzen von autonom fahrenden Autos sprechen und die große Revolution im Verkehrswesen ankündigen, dann kostet das Nicholas Negroponte ein mildes Lächeln. Alles schon längst passiert, sagt der mittlerweile legendäre Internetvordenker und Gründer des MIT Media Lab im November in Boston im Zuge der Tagung Disruptive Mobility. Und verweist auf Experimente mit selbstfahrenden Autos, die am MIT schon vor mehreren Jahren durchgeführt wurden, auf das Google Driveless Car, das in vier US-Bundesstaaten bereits auf öffentlichen Straßen fährt, und führt die Zuhörer in dieser Tour d Horizon sogar zu einem Fortbewegungsmittel, das in der Gegenwart längst selbstverständlich ist: Auch der Aufzug sei ein autonomes Fahrzeug, sagt Negroponte. Ein Vergleich, der hinkt. Aufzüge können sich nur in einer Richtung auf- und abwärts bewegen, wie man weiß. Autonome Autos sind da wesentlich flexibler. Aber genau das ist das Problem aus heutiger Sicht. Sie müssen den übrigen Verkehr wahrnehmen und darauf spontan reagieren, gerade so, als wären sie von Menschenhand gelenkt. Gefordert sind also kognitiven Fähigkeiten, auf die man vertrauen kann. Zu klären wären da auch noch ein paar andere Punkte: beispielsweise rechtliche Fragen. Wer zum Beispiel ist haftbar, wenn es zum Unfall kommt? Oder sozialwissenschaftliche, psychologische Fragen: Wie wird ein Autofahrer reagieren, wenn ihm ein fahrerloses Fahrzeug entgegenkommt? Es geht also vereinfacht gesagt um die Auswirkungen der Technologienutzung auf die Gesellschaft. Von Stadtplanern und Mobility-Experten kommt die eindringliche Warnung, dass eine teilweise Umstellung des Individualverkehrs auf selbstfahrende Autos auch zu einer weiteren Zersiedelung der Städte führen könnte. Denn dann könnte es heißen: Wir setzen uns in unser Auto und arbeiten während der einstündigen Fahrt zum Büro schon von unterwegs. Eine Art von mobilem Office, an die, als dieser Begriff aufkam, wohl niemand gedacht hatte. Negroponte nimmt wie gewöhnlich diese Sorgen zum Anlass, um provokante Äußerungen zu tätigen und sagt zum STANDARD: Die Menschen, die fürchten, dass die Vororte durch autonomes Fahren größer werden, denken nicht weit genug. Mit einem solchen Auto kann man am Land leben, wenn man älter ist. Jüngere und Menschen mittleren Alters, werden in die Stadt ziehen, weil ihnen in den Vororten langweilig ist. Wem wäre da nicht langweilig? Katja Schechtner, Research Fellow MIT Media Lab und Gastprofessorin der Angewandten in Wien, sieht das differenzierter spricht eher die Benutzbarkeit der Autos an: Autonome Fahrzeuge werden sich ihrer Meinung nach nur durchsetzen, wenn sie so gut sind, dass sie im Verkehrsfluss neben von Menschen gesteuerten Autos, Lkws, Fahrrädern und Fußgängern bestehen. Und wenn sie andererseits Chancen wahrnehmen, einen ganz neu gedachten, komfortablen Fahrgastraum, etwa mit Bett, Kaffeemaschine und Arbeitstisch – ein bisschen wie die 1. Klasse im Zug – anzubieten, sagt sie. Ein Nickerchen an der Straßenkreuzung? Derartige Fantasien dürften sich noch nicht so bald umsetzen lassen. Aber immerhin wird weltweit auf Teststrecken am autonomen Fahren getüftelt. Demnächst auch in Österreich: Die ersten selbstfahrenden Autos sollen heuer unterwegs sein, verkündete das Verkehrsministerium im vergangenen Jahr während der Technologiegespräche in Alpbach. Dabei soll es sich um neu gebaute und noch nicht für den Verkehr freigegebenen Straßen sowie um kurzzeitige Freigaben für autonomes Fahren auf bestimmten freien Straßenabschnitten handeln. Die Autozulieferindustrie – etwa Magna oder TTTech – hat offenbar deutlich gemacht, dass es solche Strecken braucht, um international mitzureden. Gemeinsam will man auch einen Beitrag für den Aufbau einer European platform for leadership in automated vehicles leisten. Dabei spielen Drohnen mit Sicherheit auch eine entscheidende Rolle: Sie sind schon heute im Einsatz, um Transporte zu erledigen, da sie aber nicht selten abstürzen – auch aufgrund zu geringer Energie in der Batterie – stehen Hersteller und Anwender vor einem Problem. Lösungen können überraschend einfach sein: Kurz vor der Disruptive Mobility-Tagung veranstaltete das Media Lab einen Wettbewerb, wo Ideen für eben diesen Bereich gefragt waren. Diesen Hackathon Autonomous Delivery gewannen fünf Studenten und Studentinnen vom MIT und von der Harvard University, die vorgeschlagen hatten, Delivery-Drohnen auf dem Dach von öffentlichen Bussen huckepack fahren zu lassen. Diese Flugkörper sollten auch durch einen einfachen Trick die Reichweite verbessern können. Auf Dächern mit Solaranlagen müsste man bloß Aufladestationen errichten, wo sie zwischenlanden könnten. Uns hat diese Idee am Besten gefallen, da sie ein reales Problem durch die Kombination mit dem bestehenden Verkehrssystem clever löst, sagt dazu Jurymitglied Katja Schechtner. Sie hofft, in Zukunft auf mehr Verschränkungen wie diese, um Mobilitätsprobleme lösen zu können. Stellt sich nur noch die Frage, wie autonom der Mensch in einem mit Robotern ausgestatteten Verkehrskonzept der Zukunft sein kann? Zur Erläuterung dieser Frage, wird unter Forschern nicht selten auf ein tragisches Ereignis im Jahr 2009 verwiesen. In der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni stürzte eine vollbesetzte Air-France-Maschine auf de Weg von Rio de Janeiro nach Paris ab. Der Autopilot fiel aus und die Piloten machten einen folgenschweren Fehler. Sie zogen die Maschine hoch. Alle 228 Insassen hatten dabei ihr Leben verloren. Eine Episode, die zeigt, wie abhängig man schon heute vom automatisierten Verkehr sein kann. Nicht-Wissenschaft;Deutschland will prüfen – Böhmermann-Unterstützung von Springer-Chef Döpfner. Berlin/Ankara – Die türkische Regierung hat in einer Verbalnote an das deutsche Außenministerium die Strafverfolgung des Satirikers Jan Böhmermann wegen seines Erdogan-Gedichts gefordert. Regierungskreise bestätigten am Sonntag einen entsprechenden Bericht des Tagespiegel. Der türkische Botschafter in Deutschland übermittelte die Forderung. Regierung will zügig entscheiden Die deutsche Regierung werde den Inhalt der Note sorgfältig prüfen und zügig entscheiden, wie mit dem Verlangen nach Strafverfolgung umzugehen sei, hieß es. Dazu würden Mitarbeiter des Kanzleramts, des Auswärtigen Amts und des Justizministeriums Anfang der kommenden Woche zusammenkommen. Schmähkritik in Neo Magazin Royale Böhmermann hatte das Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit dem Titel Schmähkritik am 31. März in seiner satirischen TV-Show Neo Magazin Royale präsentiert – und vorher ausdrücklich darauf hingewiesen, dass so etwas in Deutschland nicht erlaubt sei. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft. Unterstützung von Döpfner Am Sonntag erhielt Jan Böhmermann Unterstützung von Springer-Chef von Mathias Döpfner. Ich finde Ihr Gedicht gelungen. Ich habe laut gelacht, schreibt er in einem Offenen Brief, der am Sonntag in der Welt veröffentlicht wurde. Dass Ihr Gedicht geschmacklos, primitiv und beleidigend war, war ja – wenn ich es richtig verstanden habe – der Sinn der Sache, schreibt Döpfner, sie haben doch einfach alle beleidigenden, insbesondere alle in der muslimischen Welt beleidigenden Stereotype zusammengerafft, um in grotesker Übertreibung eine Satire über den Umgang mit geschmackloser Satire zu machen. Auch Komiker Dieter Hallervorden nimmt sich der Causa und legt mit Erdogan, zeig mich an! ein eigenes Spottlied nach. Hallervorden nennt darin Erdogan einen Terroristen und erinnert ihn: Viele User sind noch frei – auch in der Türkei. Nicht-Wissenschaft;Der meistgesehene Bewerb der vergangenen Saison war einmal mehr der Slalom der Herren in Schladming mit 1,550 Millionen. Wien – Die am Sonntag abgeschlossene Weltcup-Saison im Alpinen Skisport umfasste 86 Rennen, von denen das ORF-Fernsehen 280 Stunden lang berichtete. Laut Mitteilung des ORF vom Montag waren 5,9 Millionen Zuseherinnen und Zuseher (weitester Seherkreis), das sind 81 Prozent der heimischen TV-Bevölkerung ab 12 Jahren, live dabei. Der meistgesehene Bewerb der vergangenen Saison war einmal mehr der Slalom der Herren in Schladming mit 1,550 Millionen, gefolgt von der Kitzbühel-Abfahrt mit 1,531 Millionen und dem Herren-Slalom in Kitzbühel mit 1,357 Millionen. Das meistgesehene Damenrennen war der Super-G in Cortina dAmpezzo mit 883.000 Zuseherinnen und Zusehern. Wissenschaft;Ein mexikanischer Forscher glaubt, eine rätselhafte Hieroglyphe übersetzen zu können. Ein Experte aus Deutschland widerspricht. Mexiko-Stadt – Mehr als 60 Jahre nach der Entdeckung des Königsgrabs in der südmexikanischen Ruinenstadt Palenque glaubt ein Forscher eigenen Angaben zufolge den Namen der Grabstätte entziffert zu haben. Durch Vergleichsstudien sei es ihm gelungen, die Hieroglyphe Yej mit spitz zu übersetzen, sagte der Maya-Experte Guillermo Bernal Romero von der Universität von Mexiko (UNAM). Diese Schrift der klassischen Mayasprache besteht aus etwa 1.500 Hieroglyphen, von denen rund 20 Prozent noch nicht entziffert wurden. Die Welt der Schrift ist wunderbar. Der Mensch will Geheimnisse lüften und die Schriftkunde der Maya ist eine dieser romantischen Disziplinen, in der man dieser Sehnsucht folgen kann, sagte Bernal. Die Inschrift an dem Tempel im Süden Mexikos bedeute demnach: Haus der neun spitzen Lanzen ist der Name des Grabs von Kinich Janaahb Pakal, heiliger Herrscher von Palenque. Laut Bernal ähnelt das entzifferte Schriftzeichen dem Backenzahn eines Jaguars, eines heiligen Tiers der Maya. Die Dechiffrierung helfe auch bei der Übersetzung weiterer bislang unklarer Texte in den archäologischen Stätten in Tonina, Piedras Negras, Dos Pilas, Yaxchilan und Dzibanche, sagte Bernal. Der Bonner Altamerikanist Nikolai Grube zog die Interpretation seines mexikanischen Kollegen allerdings in Zweifel. Meines Erachtens ist die Lesung falsch, meinte er. Wir haben gute Argumente dafür, dass die Entzifferung (...) nicht richtig ist. Sie basiert auf einer falschen sprachlichen Analyse. Grube gilt als einer der führenden Maya-Experten und leitet ein Projekt zum Aufbau einer Textdatenbank und eines Wörterbuchs des Klassischen Maya. (APA, red, 17.6. 2015) Nicht-Wissenschaft;Karel Krejci (Pilsen-Trainer): Uns hat die Qualität im Angriff gefehlt. Und wir haben nach hinten Probleme gehabt und dem Gegner immer wieder Konter ermöglicht. Die Situation ist jetzt nicht gut für uns. Die Qualität von Villarreal und Rapid war besser. Die bessere Form hat entschieden. Die Spiele gegen Rapid sind durch Fehler von uns entschieden worden. Uns hat die Effizienz im Angriff gefehlt. Zoran Barisic: Mir fehlen die Worte. Ich bin überglücklich und sehr stolz, dass ich ein kleiner Teil davon sein kann. Die Mannschaft macht Spaß. Jeder ist über seine Grenzen gegangen, physisch und mental. Wir hatten einige angeschlagene Spieler in unseren Reihen, von denen die Öffentlichkeit nichts gewusst hat. Wir sind überglücklich, dass wir vier Siege einfahren konnten. In der zweiten Halbzeit haben wir gewusst, dass uns Räume zu Verfügung stehen werden, und wir haben einige Torchancen gehabt. An der Effizienz werden wir weiterhin arbeiten. Philipp Schobesberger (zweifacher Rapid-Torschütze): Ich wollte eigentlich rechts vorbeigehen, bin dann aber ausgerutscht. Irgendwie ist der Ball dann vom linken Fuß ins Tor gegangen. Es ist egal, wie er reingeht. Die Partie war sehr, sehr intensiv. Wir sind teilweise sehr tief gestanden. Der Gegner hat alles getan, um uns hinten reinzudrücken. Ich habe am Anfang etwas gebraucht, bis ich in die Saison reinkomme, aber jetzt bin ich gut drin. Ich bin froh, dass ich der Mannschaft jetzt wieder mit Toren helfen kann. Steffen Hofmann (Rapid-Kapitän): Es ist wunderschön, vor allem nach vier Spieltagen. Damit war nicht zu rechnen. Ich war gestern schon angeschlagen und habe versucht, so lange wie möglich durchzuhalten. Es ist wunderschön, dass wir weitergekommen sind. Es war ein schwieriges Spiel für uns. Wir haben ein super Ende gehabt. Wir hätten im Konter noch mehr Tore machen können, aber wir sind sehr glücklich. Stefan Schwab (Rapid-Mittelfeldspieler): Das hätte keiner geglaubt. Wir haben acht Spiele international gemacht und nur eines verloren. Und die Gegner waren alles keine Nasenbohrer. Das zeigt schon von Klasse. Sie haben viel Druck gemacht, wir haben aber gute Konter gefahren. Das ist das Karriere-Highlight für fast jeden Spieler von uns. Wir müssen das heute natürlich ein bisschen genießen. Ich glaube, da kann ganz Österreich auf uns stolz sein. Wissenschaft;Für seine kruden Thesen erhält der deutsche Biologe Stefan Lanka, der die Existenz von Infektionskrankheiten abstreitet, das Goldene Brett vorm Kopf 2015. Wien – Was haben der amerikanische Wundermittelhändler Jim Humble, die den Klimawandel leugnende FPÖ-Umweltsprecherin Susanne Winter und der deutsche Biologe Stefan Lanka gemeinsam? Die Antwort ist nicht allzu schwierig: Sie alle taten sich öffentlich mit kruden bis gefährlichen unwissenschaftlichen Behauptungen hervor – und qualifizierten sich so für das Rennen um das Goldene Brett vorm Kopf 2015. Mit ihrem Schmähpreis ehrt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) alljährlich den größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres. Am Mittwochabend gab die Jury in Wien ihre jüngste Entscheidung bekannt: Stefan Lanka (52), ein Biologe, der die Existenz von Infektionskrankheiten wie Aids, Ebola oder Masern leugne, habe den Preis (un)redlichst verdient. Lanka, Autor von Büchern wie Der Masern-Betrug oder Impfen und Aids: Der Neue Holocaust tritt als prominenter Impfgegner auf und behauptet etwa, Aids sei eine Erfindung der Pharmaindustrie, um neue Märkte zu erschließen. Er bestreitet ganz generell, dass Viren Krankheiten auslösen können, und unterstellt, Ärzte würden Patienten durch Impfungen aus Profitgier krankmachen. Mit seinen pseudowissenschaftlichen Positionen steht er der antisemitischen, verschwörungsideologisch geprägten Germanischen Neuen Medizin nahe, die unter anderem die medizinische Behandlung von Krebs ablehnt. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Lanka bekannt, als er im Jahr 2011 100.000 Euro für den Beleg der Existenz des Masernvirus auslobte oder besser gesagt: als er dann für den erbrachten Nachweis nicht zahlen wollte. Im März dieses Jahres wurde er schließlich gerichtlich zur Zahlung verurteilt – und kündigte Berufung an. Er sei ein Aushängeschild der Impfgegner-Bewegung, die durch Ablehnung von Vakzinationen maßgeblich zur Verbreitung von Krankheiten beitrage, begründete die GWUP ihre Entscheidung. In der Kategorie Goldenes Brett fürs Lebenswerk bedachte die GWUP heuer den deutschen Arzt und selbsternannten Wunderheiler Matthias Rath. Er vermarktet die sogenannte Zellularmedizin, die Krankheiten wie AIDS oder Krebs ausschließlich durch die Gabe hoher Dosen von Vitaminen und Mineralstoffen heilen soll. Eine Wirksamkeit dieser Behandlung konnte in wissenschaftlichen Studien nicht nachgewiesen werden. Stattdessen rückte der traurige Fall eines neunjährigen, an Knochenkrebs erkrankten Buben den Arzt und seine Therapie 2004 ins Licht der Öffentlichkeit: Die Eltern des Kindes brachen seine Chemotherapie ab und ließen ihn stattdessen zellularmedizinisch behandeln. Rath erklärte den Buben für geheilt, ehe er bald darauf an einem Herz-Kreislauf-Versagen infolge seiner Krebserkrankung starb. In Südafrika landete Rath mit seiner Stiftung vor Gericht, nachdem er Aids-Patienten von einer antiretroviralen Therapie abgeraten und ihnen falsche Hoffnungen gemacht hatte, sie mit Vitaminpräparaten heilen zu können. Nicht-Wissenschaft;"Nehmt einen Schluck von dem, was Muslime in Syrien und Irak jeden Tag erleben". Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und anderer extremistischer Gruppen haben die neue Terrorserie in Paris auf Twitter bejubelt. Nach den französischen Verbrechen in Mali und der Bombardierung in Syrien und im Irak hat der Kampf jetzt begonnen, hieß es Samstag früh in einem Tweet. Ein anderer Twitterer schrieb auf Englisch: Nehmt einen Schluck von dem, was Muslime in Syrien und Irak jeden Tag erleben. Weitere Sympathisanten drückten ihre Hoffnung aus, dass sich der IS zu den Anschlägen bekennt. Eine offizielle Erklärung der Miliz oder anderer Dschihadisten zu der Anschlagsserie gab es jedoch zunächst nicht. Der IS hatte Mitte März in einer Audiobotschaft mit Anschlägen in Washington, London, Paris und Rom gedroht. Viele IS-Anhänger zitierten auch die im Internet seit längerem bekannte Drohformel Der Kampf wird inmitten deines Hauses sein. Ein Twitterer schrieb: Jetzt versteht Frankreich, was das bedeutet. Viele IS-Anhänger nutzten auch den arabischen Hashtag Paris brennt. Allerdings wurde er schnell von Gegnern der Extremisten übernommen, die ihre Abscheu über den IS und die Terrorserie ausdrückten. Nicht-Wissenschaft;'In der Reihe "Belvedere Werkverzeichnisse" erschien eine Neuauflage zum Werk Franz Xaver Messerschmidts. Die angepriesene "akribische Bearbeitung" mag aus kunsthistorischer Sicht stimmen, bei Provenienzen allerdings nicht. Seine Zeitgenossen hielten Franz Xaver Messerschmidt für verschroben, wenn auch talentiert. 1755 war der gebürtige Schwabe nach Wien gekommen und machte hier Karriere. Berühmt wurde er jedoch weniger als Porträtist der Wiener Aristokratie oder für seine im Auftrag des Kaiserhauses geschaffenen Porträts und monumentalen Statuen, sondern für die Gruppe der ursprünglich 69 Kopf-Stükhe, wie er sie selbst nannte. Diese Charakterköpfe zeigen ein ins Groteske abdriftendes Panoptikum menschlicher Mimik, in dem geschrien, gegähnt und gelacht wurde wie in der Geschichte der Kunst kaum je zuvor. Dass sie im 19. Jahrhundert trivialisiert und im Jahrmarktumfeld präsentiert wurden, mag nur rückwirkend verwundern. Die Begeisterung für diese Meisterwerke war bis in das 20. Jahrhundert ein lokales Phänomen und setzte sich international erst spät durch. Einen Anteil daran hatte Maria Pötzl-Malikovas 1982 im Verlag Jugend und Volk veröffentlichte Monografie samt Werkverzeichnis, die jahrelang vergriffen war. In der Reihe Belvedere Werkverzeichnisse erschien jetzt eine Neuauflage. Mit 18 Köpfen (Alabaster, Metall, Holz inklusive Variationen) hält das Haus immerhin den umfangreichsten Bestand weltweit. 18 weitere sind auf internationale Museen verteilt, neun befinden sich in Privatbesitz, und zwölf gelten als verschollen. Im Vorwort bedankt sich Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco als Herausgeberin bei Pötzl-Malikova für die akribisch recherchierte Bearbeitung. Aus kunsthistorischer Sicht mag das zutreffen, jedoch weniger, wenn es um Provenienzen geht, wie STANDARD-Recherchen belegen. Im Gegenteil: Teils wurden historische Quellen falsch interpretiert oder ignoriert, anderes wurde gar nicht erst überprüft. Das ist insofern erstaunlich, als eine Herkunftschronik gerade vor dem Hintergrund in der NS-Zeit entzogener Kulturgüter von Relevanz sein sollte und für den Aspekt der Authentizität seit jeher war. Anders formuliert: Einstige Besitzer sind ebenso ein Teil der Biografie von Kunstwerken wie die Ausstellungsvita. Eine Zäsur in der Geschichte der Messerschmidt-Serie datiert auf das Jahr 1889, als im April Gemälde und Antiquitäten aus dem Nachlass von J. C. Klinkosch bei Miethke zur Versteigerung gelangten. Darunter eine Gruppe von 47 Charakterköpfen (Marmor, Blei), die nun filetiert worden war. Eine Ergebnisliste hat sich nicht erhalten, ein Bericht in der Österreichischen Kunst-Chronik vom 20. April 1889 zitiert auszugsweise und nennt bei den Köpfen einen Gesamterlös von 800 Gulden. Wer die Käufer waren, wurde vorerst nicht bekannt. 1893 erschien im Monatsblatt des Alterthums-Vereins zu Wien erstmals ein Hinweis: Demnach befand sich vier Jahre nach der Auktion ein Drittel dieser Gruppe beim Antiquitätenhändler Fürst in Wien; einige Stücke soll der Wiener Universitätsprofessor Herr Dr. Zuckerkandl besitzen. 1894 findet sich dort die Notiz, wonach in jüngster Zeit ein Theil der Köpfe für den öffentlichen Besitz gerettet wurde, konkret von Camillo Sitte, der die steinernen Köpfe für die Lehrmittelsammlung der k. k. Staatsgewerbeschule erwarb. Es sind dies die einzigen zeitnahen Quellen, die jedoch teils falsch interpretiert wurden. Für den Ankauf Sittes findet sich im Werkverzeichnis keine Jahresangabe, Ende 1893 oder Anfang 1894 gilt als wahrscheinlich. Allerdings waren es nicht, wie nun im aktuellen Werkverzeichnis angeführt, zehn Alabasterköpfe (2015, S. 126), sondern neun Büsten aus Stein (Inv.-Nr. 758-767) sowie eine aus Holz mit Wachsüberzug (Inv.-Nr. 768), wie ein Blick in das Aktenarchiv des Museums für angewandte Kunst verrät, das diesen Bestand 1908 übernahm. In weiterer Folge gelangten diese Exemplare in zwei Tranchen ans Belvedere. Pötzl-Malikova erwähnt auch, dass Sitte privat zwei Köpfe besessen haben soll. Eine These, für die sie auf einen Ankauf des Getty Museum in Los Angeles 2008 verweist: Der Verdrüssliche, den man, entgegen ihrer Angabe Privatbesitz, über Vermittlung des Kunsthändlers Sascha Mehringer in München aus dem Besitz seines Kollegen Reinhold Hofstätter (1928-2013) in Wien erwarb. Laut Getty-Datenbank sei der Alabasterkopf seit den 1920ern im Besitz der Familie Hofstätter gewesen und davor in jener Sittes. Trotz intensiver Recherche findet sich für diese Behauptung nicht der kleinste Beleg, auch nicht im Nachlass des 1903 verstorbenen Camillo Sitte, wie die Expertin auf Anfrage bestätigt. Während des NS-Regimes wurden auch Messerschmidt-Büsten entzogen, womit weitere Recherchen aus Sicht des Getty Museum wohl angebracht wären. Aber um die Genauigkeit ist es dort nicht besser bestellt: 2010 beteiligte man sich an einer Messerschmidt-Retrospektive in der Neuen Galerie in New York, die 2011 in den Louvre nach Paris wanderte. Antonia Boström, bis 2013 Kuratorin im Getty Museum, lieferte dazu einen ausführlichen Katalogbeitrag. In diesem baute die jüngst an das Victoria & Albert Museum in London berufene Kunsthistorikerin eine Interpretation im Werkverzeichnis von 1982 zu einem Fehler aus. Angesichts des 1893 publizierten Hinweises Universitätsprofessor Herr Dr. Zuckerkandl ging man davon aus, es handle sich um Emil. Das ist eine Vermutung, die auch Boström nicht überprüfte. Vielmehr argumentierte sie seitenweise über das erwiesene Kunstinteresse des Ehepaars Berta und Emil Zuckerkandl. Das ist verständlich, denn in der Retrospektive zeigte man die Zinnbüsten Der Missmutige (Museé du Louvre, Paris; 3,7 Mio. Euro) und Der unfähige Fagottist (Sammlung Etro, Mailand; 1,9 Mio. Euro). Sie waren 2005 bei Sothebys in New York versteigert und davor vom Wien-Museum an die Erben nach Richard Beer-Hofmann restituiert worden. Auch im Dossier des Wien-Museums war Emil als Vorbesitzer angeführt. Das ist falsch, denn tatsächlich waren diese Köpfe einst in der Sammlung seines Bruders Viktor. Der Doktortitel war 1893 irrtümlich dem Anatomen statt dem Industriellen zugeordnet worden. Der Beleg findet sich in der Datenbank der Digitalisate der Universität Heidelberg: dem Katalog zur Versteigerung der Kollektion Generaldirektor Dr. Viktor Zuckerkandl bei C. J. Wawra im Oktober 1916. Unter Nummer 257 waren drei lebensgroße Bleibüsten aus der Serie der Temperamente gelistet, zur Unterscheidung von Marmoririginalen als ein Guss nach Franz Xaver Messerschmidt bezeichnet. Laut einem Tageszeitungsbericht im Fremden-Blatt vom 29. Oktober 1916 erzielten die drei Köpfe den stattlichen Wert von 14.100 Kronen. Zwei davon gelangten in den Besitz Beer-Hofmanns und 1939 über den Nazi-Kunsthändler Oskar Hamel um je RM 2.000 in den Bestand des Wien-Museums. Und dort befindet sich bis heute eine Alabasterbüste, die bereits 2010/11 Gegenstand eingehender Provenienzforschung war, wenngleich ohne nennenswertes Ergebnis. Die Einfalt im höchsten Grade stammt vermutlich aus der Sammlung des Sanatoriumsbesitzers Anton Loew, die über den Erbweg an seine Tochter Gertrud (verehelichte Felsövanyi) kam. Laut ihrem 2013 verstorbenen Sohn besaß man insgesamt sechs Steinköpfe von Messerschmidt. Jeweils zwei zierten den Kaminsims und die beiden Türkonsolen des Salons im Palais Loew, wo sie Anthony Felsovanyi im Juni 1938 zuletzt sah. Auch beim Rückstellungsverfahren 1947 wurden die 6 Büsten von Messerschmidt erwähnt. In historischen Quellen scheint nur ein Hinweis auf, im 1902 publizierten Handbuch der Kunstpflege in Österreich, in dem die Sammlung Loew über Künstlernamen skizziert wird: unter anderem Messerschmidts (Plural). Das ist eine Literaturangabe, die im aktuell vorliegenden Werkverzeichnis freilich fehlt. Die der Vermögensanmeldung Gertrud Felsövanyis beigelegte Liste von Kunstwerken hat sich nicht erhalten, und der Verbleib der Sammlung (Bilder im Wert von RM 29.720, Antiquitäten und Gobelins im Wert von RM 18.240) ist bis heute ungewiss. Kurz nach ihrer Flucht im April 1939 waren jedenfalls beim Kunstverlag Wolfrum Kunstwerke aufgetaucht und an Museen vermittelt worden. Darunter der damals fälschlich als Der scharfe Geruch bezeichnete Alabasterkopf, der im Juni für 1500 Reichsmark angekauft wurde. Das einzige in der Familie erhaltene Dokument ist eine von Armin Horovitz gemalte Gouache, die das Innere des Salons zeigt. Im Detail sind auf dem Kaminsims zwei Büsten erkennbar, bei der linken dürfte es sich um jene im Wien-Museum handeln. Pötzl-Malikova verweigert wegen der Ungenauigkeit des Aquarells eine Identifizierung. Die Wiener Restitutionskommission urteilte daran anknüpfend, dass dies als Beweis nicht ausreichend sei. Im aktuell vorliegenden Werkverzeichnis ersucht man immerhin um sachdienliche Hinweise, die zur Klärung beitragen sollen. Vielleicht bringt ja die Akribie von Amateurforschern mehr Licht ins Dunkel.(Olga Kronsteiner, 24.10.2015)' Wissenschaft;Astronomen spekulieren über einen Ozean, der beim Gefrieren die Kruste des Mondes aufbrach. Washington – Es sieht aus, als ob Charons komplette Kruste aufgebrochen wäre, kommentierte John Spencer vom Southwest Reserch Institute in Boulder neue Bilder des großen Plutomonds. Nasa-Forscher diskutieren, ob womöglich ein unterirdischer Ozean auf Charon vor langer Zeit gefroren ist und durch die damit einhergehende Volumenänderung die Oberfläche des Mondes gesprengt hat. Die bisher detailreichsten Aufnahmen, die von der Raumsonde New Horizons geliefert wurden, weisen auf eine sehr bewegte Vergangenheit des eisigen Trabanten hin. Auf der Mondoberfläche findet sich unter anderem ein bis zu neun Kilometer tiefes Canyonsystem. Dieses Canyon-System zieht sich auf 1.600 Kilometern Länge quer über Charon und reicht vermutlich bis auf die Rückseite des Mondes. Es ist mindestens viermal so lang und an manchen Stellen doppelt so tief ist wie der Grand Canyon auf der Erde. Zudem dokumentierte die Sonde überraschende Farbvariationen auf der Oberfläche des Mondes – auch wenn sie nicht so stark ausgeprägt sind wie bei Pluto selbst. Wir hielten es für unwahrscheinlich, solche interessanten Merkmale auf diesem Trabanten einer Welt am fernen Rand unseres Sonnensystems zu sehen, betonte Projektmitglied Ross Beyer. Weitere Aufschlüsse über die geologische Aktivität des Mondes erhoffen sich die Astronomen von noch detailreicheren Aufnahmen, die die Sonde im Laufe des kommenden Jahres übertragen wird. Derzeit ist sie fünf Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. (APA, red, 2.10.2015) Nicht-Wissenschaft;Talibanchef Mohammed Omar befürwortet erstmals Verhandlungen mit Kabul. Seit 14 Jahren hat man ihn nicht mehr gesehen. Dennoch gilt Mohammed Omar, bekannt als Mullah Omar, immer noch als Führer der afghanischen Taliban. Nun hat er angeblich erstmals offen Friedensgespräche befürwortet, um den Krieg am Hindukusch zu beenden. In einer ihm zugeschriebenen Botschaft kurz vor Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan erklärt er im Internet, auch der Dialog mit dem Feind sei legitim, wenn er das Ende der Besatzung Afghanistans zum Ziel habe. Die Erklärung könnte einen Kurswechsel der Talibanspitze und ernsthaftes Interesse an Gesprächen signalisieren. Vor einer Woche hatten sich Vertreter der Taliban und Afghanistans im pakistanischen Ausflugsort Murree nahe der Hauptstadt Islamabad erstmals zu offiziellen Gesprächen getroffen, nach Ramadan ist ein zweites Treffen geplant. Bisher hatte Mullah Omar zu den Kontakten geschwiegen, Teile der Taliban lehnen Gespräche mit Kabul sogar strikt ab. In der Erklärung, die laut Experten vermutlich vom politischen Arm der Taliban formuliert wurde, verteidigt Mullah Omar nun die Gespräche ausdrücklich gegen Kritik im eigenen Lager: Nach den religiösen Bestimmungen sind Treffen und sogar friedliche Interaktionen mit dem Feind nicht verboten, erklärte er. Es ist unser legitimes Recht, alle legalen Wege zu nutzen. Zugleich betonte er, dass die Taliban herzliche Beziehungen mit Pakistan und dem Iran unterhielten. Vor allem Pakistan, das auch das Treffen in Murree organisierte, spielt eine Schlüsselrolle. Nach ihrem Sturz Ende 2011 war die Chefetage der afghanischen Taliban und auch Mullah Omar ins benachbarte Pakistan geflohen, das ihnen bis heute Zuflucht gewährt. Pakistans Geheimdienst ISI soll maßgeblichen Einfluss auf sie ausüben, manche behaupten: sie kontrollieren. Einige Experten glauben, dass Mullah Omar, wenn er überhaupt noch lebt, unter Hausarrest steht. Seine Erklärung dürfte daher auch den Segen Pakistans haben. Dennoch ist der Weg zu einer friedlichen Lösung noch weit. Die Taliban beharren weiter darauf, dass die ausländischen Truppen vollständig aus Afghanistan abziehen. Die USA wollen dagegen dauerhaft am Hindukusch eine Truppenpräsenz behalten. Auch Afghanistans Präsident Ashraf Ghani braucht ausländische Hilfe, um sich an der Macht zu halten. Doch auch die Talibanspitze steht unter Druck. Nach über einem Jahrzehnt in Pakistan muss sie um ihren Führungsanspruch fürchten. Mullah Omar selbst wirkt nur noch wie ein Phantom, ein nebulöser Geisterführer. In Afghanistan werden Zweifel lauter, ob der Führer der Gläubigen, so sein Titel, überhaupt noch lebt – oder ob er nur noch virtuell am Leben gehalten wird, weil die Talibanspitze ohne diese einende Führungsfigur um ihre Macht und ihre Autorität fürchten muss. Bereits jetzt sollen laut Medien Talibankämpfer in Afghanistan zusehends zum Islamischen Staat (IS) überlaufen und diesem Treue schwören, obwohl der IS tausende Kilometer entfernt in Syrien und im Irak sitzt. Einige Taliban werfen den Taliban-Führern vor, nur noch Marionetten Islamabads zu sein. Es ist kein Zufall, dass in der Mullah Omar zugeschriebenen Erklärung die Taliban zur Geschlossenheit ermahnt werden. Wissenschaft;Gesünder atmen im Sommer. Mehr Ruhe vor dem Sturm. Wir kennen oft die Gefahren nicht, aber wir wollen vorgewarnt werden.. Nicht-Wissenschaft;Präsident der Akademie der Wissenschaften: "Es kann so nicht weitergehen". Wien – Der Präsident der Akademie der Wissenschaften, Anton Zeilinger, erwartet vom neuen Bundespräsidenten kräftige Unterstützung für die Wissenschaft. Diese sei in einer kritischen Situation. Es kann so nicht weitergehen, dass der Wissenschaftsfonds FWF nicht mehr Mittel bekommt, sagte Zeilinger der APA anlässlich der traditionellen jährlichen Feierlichen ÖAW-Sitzung am Freitag. Der Bundespräsident ist oberster Schirmherr der Akademie der Wissenschaften, insofern verfolgt man auch an dort mit Interesse die Wahl am Sonntag. Zeilinger will nicht zu den beiden Kandidaten Stellung nehmen. Allgemein sei es aber für uns ganz wichtig, dass der Bundespräsident Verständnis dafür hat, dass Wissenschaft international ist. Vom neuen Amtsinhaber erwarte er sich daher, dass er uns hier ganz stark unterstützt, besonders bei europäischen Projekten. Ebensolche Unterstützung erwartet sich Zeilinger für die finanzielle Ausstattung des seit Jahren mit Budgetproblemen kämpfenden FWF. Die Junge Kurie der ÖAW hat erst kürzlich angesichts der Geldnot des FWF vor einer ernstzunehmenden Gefährdung des Forschungsstandorts Österreich gewarnt. Ich erwarte mir von der Politik, dass das ernst genommen wird, sagte Zeilinger speziell unter Verweis auf den wissenschaftlichen Nachwuchs, dem man reelle Chancen bieten müsse, seine Ideen umzusetzen. Er verstehe durchaus, dass man im Finanzrahmengesetz die Sicherheitsausgaben kräftig erhöht habe, ich verstehe aber nicht, dass man nicht gleichzeitig die Ausgaben für Wissenschaft kräftig erhöht hat. Damit komme man so weit, dass wir uns gut sichern können, aber nicht mehr wissen, was wir sichern sollen, so Zeilinger, der eine abnehmende Geduld in der Scientific Community ortet. Nach Jahren der – auch in der Öffentlichkeit geführten – Diskussion um die ÖAW-Reform habe man diese nun sehr kollegial abgeschlossen, sagte Zeilinger. Die Akademie hat sich eine neue Satzung und eine neue Geschäftsordnung gegeben. Damit werde die geplante Trennung von Gelehrtengesellschaft und Forschungsträgerorganisation weitgehend umgesetzt. Die Klammer zwischen diesen beiden Bereichen bildet der Präsident, die beiden Akademie-Klassen (als Gelehrtengesellschaft teilt sich die ÖAW in eine philosophisch-historische und eine mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse, Anm.) seien insbesondere für die wissenschaftlichen Aktivitäten der Mitglieder, aber nicht mehr für die Administration der ÖAW-Institute zuständig. Eine weitere notwendige Brücke zwischen den Bereichen bilde noch der Akademierat, in dem aber künftig keine Personen mehr sitzen dürfen, die an einem ÖAW-Institut beschäftigt sind. Mitglieder des Akademierats sind zwölf ÖAW-Mitglieder sowie vier externe Experten, die in ihren Entscheidungen aber nicht der Gelehrtengesellschaft verantwortlich seien. Mehr kann man die beiden Bereiche nicht separieren, das wäre nicht sinnvoll, sagte Zeilinger. Mit dem Vorschlag, künftig nur mehr eine Mitgliederkategorie in der Akademie zu haben (derzeit gibt es wirkliche und korrespondierende Mitglieder), ist das Präsidium gescheitert. Wir haben dafür die Mehrheit der ÖAW-Mitglieder gefunden, aber nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit. Das nehme ich demokratisch zur Kenntnis, sagte Zeilinger. Weitere Änderungen betreffen die Junge Kurie der ÖAW, die künftig Junge Akademie heißen wird, die Umsetzung des Public Corporate Governance Kodex, der eine weitgehende Entflechtung zwischen persönlichen Interessen und Entscheidungsstrukturen erfordert, sowie stärke Kontrollrechte des Finanzchefs. Das ist abgehakt, jetzt können wir uns noch stärker den aus meiner Sicht wichtigen Aufgaben zuwenden, sagte Zeilinger. Dazu zählt die weitere Internationalisierung der Akademie, auf die der ÖAW-Chef seit seinem Amtsantritt vor knapp drei Jahren setzt, zuletzt etwa durch ein neues Kooperationsabkommen mit Kuba. Von Beginn an hat Zeilinger auch das Ziel verfolgt, dass sich die Akademie verstärkt aktuellen Themen widmet und sich gegenüber der Politik öffnet. Zwei in diesem Sinn begonnene ÖAW-Studien sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Eine wird sich dem Thema Digitaler Stillstand widmen, die andere dem Thema Mobilität. Wissenschaft;Auch an der niederländischen Küste sind einige Tiere angeschwemmt worden und verendet. Amsterdam – An der Küste der niederländischen Wattenmeer-Insel Texel sind fünf Pottwale angeschwemmt worden und nach Angaben der Behörden alle inzwischen verendet. Experten sollten nun die Todesursache untersuchen, teilte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Den Haag mit. Eine Rettungsaktion musste in der Nacht wegen schlechten Wetters gestoppt werden. Die fünf Wale waren am Dienstag noch lebend in der Brandung an der Südspitze der Insel entdeckt worden. Warum sie bis ins Wattenmeer gelangt waren, ist noch unklar. Nach Angaben von Meeresbiologen hatten die Pottwale, die ihre Nahrung normalerweise in großen Tiefen finden, in dem seichten Wasser kaum eine Überlebenschance. In den kommenden Tagen sollten die Kadaver geborgen werden. Auch auf Wangerooge im niedersächsischen Wattenmeer und vor der deutschen Hochsee-Insel Helgoland sind in den vergangenen Tagen tote Pottwale gefunden worden. Wissenschaft;Polnische Angler stießen auf Münzen, die aus dem Samarkand des 9. oder 10. Jahrhunderts stammen dürften. Warschau – Polnische Angler haben am Ufer eines Sees nach Würmern als Fischköder gesucht und dabei einen Münzschatz gefunden. Wie der Nachrichtensender TVN 24 am Donnerstag berichtete, stießen die Männer am Seeufer in Szczecinek auf Gold- und Silbermünzen, die vermutlich im 9. oder 10. Jahrhundert in Samarkand geprägt wurden (Fotos finden Sie hier). Experten sollen die Münzen noch genauer untersuchen. Sie sind in einem fantastischen Zustand, sagte der Direktor des Regionalmuseums der westpommerschen Stadt, Ireneusz Markanicz, über den Fund. An die pommersche Ostseeküste gelangten die Münzen vermutlich dank der Waräger: Kaufleuten aus dem südlichen Schweden, die vom 8. bis 12. Jahrhundert ein weites Handelsnetz betrieben, das große Teile Osteuropa umfasste und auch Kontakte nach Vorder- und Mittelasien pflegte. (APA/red, 29. 7. 2015) Wissenschaft;Induzierte pluripotente Stammzellen entwickelten sich zu Blutgefäß-Zellen und formten funktionelles Gewebe. Wien/Cambridge – Forschern ist auf dem Weg zu biologischen Kunst-Organen ist ein entscheidender Schritt gelungen: Wissenschafter in den USA haben Stammzellen dazu gebracht, sich zu Blutgefäß-Zellen zu entwickeln und zu funktionellem Gewebe zu formen – konkret zu Blutgefäßen einer Lunge, wie der aus Österreich stammende Chirurg Harald Ott von der Harvard Medical School im Fachjournal Nature Biotechnology berichtet. Ott hat in den vergangenen Jahren mit seiner Arbeit an künstlichen biologischen Organen für Aufsehen gesorgt. Er baute in Bioreaktoren Herz, Lunge und Niere von Ratten nach, die – wenn auch in reduziertem Ausmaß – funktionsfähig waren und in lebende Tiere transplantiert teilweise für mehrere Wochen arbeiteten. Als Ausgangsmaterial für die Kunst-Organe verwendet der Forscher Organe toter Tiere oder Menschen, die mit einem speziellen Verfahren von allen Zellen befreit werden. Übrig bleibt dann nur noch ein Gerüst aus sogenannter extrazellulärer Matrix (ECM). Diese ist in hohem Maße biokompatibel und ruft – später in einem fremden Organismus verpflanzt – keine Abstoßungsreaktion hervor. Diese ECM wird dann in einem Bioreaktor mit frischen Zellen des entsprechenden Gewebes wieder besiedelt. Dafür verwendeten die Forscher bisher verschiedene Zellen, etwa noch nicht fertig ausdifferenzierte Zellen aus Ratten-Föten. So stellten sie etwa eine Kunst-Niere her, die im Labor bis zu 23 Prozent und nach Transplantation in eine lebende Ratte bis zu zehn Prozent der Funktion einer normalen Niere erreichte. Eine biologische Kunst-Lunge funktionierte bis zu zwei Wochen, nachdem sie einer lebenden Ratte transplantiert wurde. Nun ist es Ott und seinem Team gelungen das gesamte Gefäßsystem einer menschlichen Lunge mit Endothel-Zellen, die die Blutgefäße auskleiden, und Perizyten, die die Außenwand von Kapillargefäßen bilden, zu besiedeln. Der Durchbruch dabei: Die dafür notwendigen Zellen wurden aus humanen induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) hergestellt, sagte Ott. Bei iPS reprogrammieren die Forscher bereits fertig ausdifferenzierte Zellen in eine Art embryonalen Zustand, aus dem sich dann die gewünschte Zellart herstellen lässt. Bisher verwendeten die Wissenschafter ihnen gut vertraute Endothelzellen aus der Nabelschnur, um ihre Technik zu erproben. Für die Praxis würden sich diese vollständig differenzierten Zellen aber nicht eignen. Es sei kaum möglich, sie so stark zu vermehren, um damit eine humane Lunge herzustellen, und sie würden – weil von einem anderen Individuum stammend – vom Empfänger abgestoßen. Durch spezielle Protokolle zur Zellentwicklung und -vermehrung ist es uns nun gelungen, Zellen in ausreichender Reinheit und Anzahl herzustellen, um die Besiedelung einer humanen Lunge zu ermöglichen, sagte Ott. In der Organentwicklung sei das der nächste Schritt – von einzelnen Zellen im frühen Stadium bis zur Bildung von Gewebe, sozusagen das gezielte Formen von Gewebe, so Ott. Und dieses Gewebe zeigt wichtige Grundfunktionen des Gefäßsystems, insbesondere die Barrierefunktion, die Fähigkeit Durchblutung zu ermöglichen und Blutgerinnung zu verhindern, sagte der Wissenschafter. Die Forscher verwenden iPs auch bereits, um die Lungen-Oberfläche herzustellen. Hier sei man aber noch in einem frühen Stadium, weil das Differenzierungsprogramm komplizierter sei, sagte Ott. Die Wissenschafter hoffen, mit dieser Technik eines Tages eine humane Lunge mit maßgeschneiderten Zellen eines Patienten zu besiedeln und so die Abstoßung und die Nebenwirkungen der Immunsuppression nach einer Transplantation zu umgehen. Wissenschaft;Entscheidung über den neuen Direktor des Instituts für höhere Studien fällt Mitte Februar. Wien – Die Neubesetzung des Direktoriums am Institut für höhere Studien (IHS) geht in die entscheidende Phase. Auf der am Donnerstag kursierenden Shortlist stehen fünf Wirtschaftswissenschafter, einer kommt von einer österreichischen Universität: Bernhard Kittel, Vorstand des Instituts für Wirtschaftssoziologie der Uni Wien. Die übrigen vier Bewerber: der Verhaltensökonom Martin Kocher von der Ludwig-Maximillian-Universität München, der Makroökonomieexperte Leo Kaas von der Universität Konstanz, Michael Berlemann, Inhaber des Lehrstuhls für Politische Ökonomik und Empirische Wirtschaftsforschung an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg, und Klaus F. Zimmermann, Wirtschaftsprofessor an der Universität Bonn. Christoph Badelt, der ehemalige Rektor der Wirtschaftsuni Wien, hat sich nicht um die Leitung des IHS, sondern um die Direktion des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo beworben – und steht dort auf der Shortlist. Gottfried Haber, Wirtschaftsforscher an der Donauuni Krems, hat die IHS-Bewerbung, die ihn lange zum ÖVP-Favoriten machte, wie berichtet, zurückgezogen. Er wird nun an einem Visualisierungsprojekt der Australian National University teilnehmen. Die Entscheidung über den neuen IHS-Chef fällt Mitte Februar. Wissenschaft;'Verschiedene Projekte wollen den Zugang hochgebildeter Flüchtlinge und Asylwerber zu Universität und Forschung verbessern. Wien – Ob an den Unis, Fachhochschulen oder auch an außeruniversitären Forschungseinrichtungen: Die Initiativen und Projekte sind im Herbst an vielen Stellen aufgepoppt, erzählt Nadine Shovakar von der Universitätenkonferenz. Viele haben da einfach das Gefühl gehabt, dass sie etwas tun möchten. So entstand, teilweise gefördert durch die Chefetagen, teilweise über die Initiative einzelner oder vernetzter Gruppen, ein buntes Sammelsurium an Forschungsprojekten und Initiativen, Ringvorlesungen und Workshops für ehrenamtlich Helfende. Gleich mehrere Projekte bemühen sich dabei darum, hochqualifizierte Flüchtlinge zu unterstützen. Das umfassendste, das More-Programm der Universitätenkonferenz, bietet an allen Unis Sprachkurse an, teilweise wurden auch andere Lehrveranstaltungen für Geflüchtete geöffnet. 740 More-Studierende waren es im Wintersemester, die meisten davon aus Syrien, Afghanistan und dem Irak; für das Sommersemester werden ähnliche Zahlen erwartet. More gibt die Chance, an die Uni zu kommen, sich in einem ersten Schritt zu orientieren und die Wartezeit zu nutzen, erklärt Shovakar. Bis zur Anerkennung ihrer Studien sei es für gewöhnlich ohnehin noch ein weiter Weg. Damit kämpfen häufig auch die geflüchteten Wissenschafter und Wissenschafterinnen, die am Projekt Science in Asylum am Zentrum für Soziale Innovation (ZSI) teilnehmen: Das Ziel ist es, grob gesagt, dass die Doktorinnen und andere Hochqualifizierte die Chance bekommen, in ihrem Fachbereich zu arbeiten, und nicht einen Hilfsjob weit unter ihrer Qualifikation verrichten müssen, erklärt Projektkoordinator Constantin Scherer. 25 Hochgebildete werden in Vorträgen über die österreichische und europäische Forschungslandschaft informiert, verfassen ein englisches Paper und knüpfen Kontakte zu Fachkollegen. So können auch Asylwerbende die Zeit in der Warteschleife, während derer sie nicht arbeiten dürfen, bestmöglich nutzen, sagt Scherer. Gerade die erste Zeit ist schwierig, bestätigt Safwan Alshufi, der 2014 aus Syrien nach Österreich floh. Es fehlt einerseits an Deutschkursen, aber auch an professionellen Kontakten. Letztere baut Alshufi – der Trainer und Konfliktmanager schloss in Damaskus ein Kunststudium ab – derzeit auch über ein Praktikum am Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) aus: Die Akademie gibt uns quasi ,nur ein dreimonatiges Praktikum, aber es ist so wichtig!, sagt er. Wenn das in meinem Lebenslauf steht, kann ich danach viel machen. Zusätzlich habe er viel gelernt, Erfahrungen gesammelt, sein Deutsch verbessert. 22 solcher Praktika für Flüchtlinge schrieb die ÖAW Ende letzten Jahres aus – von der Archäologie bis zur Technikfolgenabschätzung ist alles dabei. Genau solche Profinetzwerke sind zentral, wenn es darum geht, dass die Flüchtlinge wirtschaftlich relativ schnell auf eigenen Beinen stehen, sagt Sebastian Eschenbach, Leiter des Studiengangs Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der FH Burgenland. Eschenbach startete im Herbst ein Forschungsprojekt, um aus Sicht des strategischen Managements die Kompetenzen und Netzwerke der Geflüchteten, aber auch der österreichischen Gesellschaft zu analysieren. Demnach sind weder die einen noch die anderen topkompetent, erklärt er, man müsse die Kompetenzen schrittweise entwickeln und Barrieren beseitigen. In den Teilen der österreichischen Gesellschaft, die sich mit den Neuankömmlingen beschäftigen, entsteht aber gerade richtig Kompetenz, betont der Wirtschaftswissenschafter. Essenziell sei vor allem die Möglichkeit, zu arbeiten, sonst verkümmern die Kompetenzen, warnt Eschenbach. Welche Qualifikationen und Erfahrungen die Geflüchteten mitbringen, ist auch Thema zweier weiterer Forschungsprojekte: Das ÖAW-Institut für Demographie befragte in Kooperation mit der WU Wien Flüchtlinge unter anderem zu Bildungshintergrund und Werten. Die Ergebnisse sollen demnächst veröffentlicht werden, laut ersten, Ende 2015 veröffentlichten Trends liegt das Bildungsniveau jedoch deutlich über dem, das vom AMS in den Kompetenzchecks erhoben wurde. Das andere Projekt – die Studie Bildment der Initiative Minderheiten – startet in Kürze. In 100 qualitativen Interviews will man den Bildungshintergrund von Geflüchteten sowie die Barrieren und Unterstützungssysteme in Österreich erfragen. Forschen werden dabei vor allem die Betroffenen selbst: Rund 15 Personen mit Fluchterfahrung werden in Workshops ausgebildet, um die Interviews zu führen, auszuwerten und Geflüchtete durch Mentoring zu unterstützen. Unsere Interviewer sind dadurch sprachlich flexibel und wissen über die Bildungssysteme der jeweiligen Länder gut Bescheid, betont Projektleiter Mikael Luciak Forscher vom Institut für Bildungswissenschaften der Universität Wien. Dabei gehe es auch darum, das Bild des Zuwanderers als Bedrohung für das Sozialsystem zu hinterfragen. Aktuelle Zuwanderer seien gebildeter und stärker durchmischt als früher: Die Wissenschaft hat die Aufgabe, auf Fakten hinzuweisen: Wir brauchen Zuwanderung, wir brauchen gut gebildete Leute. Ihnen müssen wir die Wege im Land öffnen und nicht versperren, so Luciak. Immerhin, zumindest in der Forschungslandschaft hat sich einiges geöffnet: Es gibt eine starke Vernetzung und viel Austausch – sonst ist es ja oft so, dass jeder sich abschottet, sagt der Experte. Damit dieser Hype nun nicht abflacht, hoffen die Forscher nun verstärkt auf öffentliche Förderungen – wurden doch viele Projekte über Crowdfunding, Spenden und von ihren Instituten vorfinanziert. (Heidi Weinhäupl, 31.3.2016)' Nicht-Wissenschaft;Junge Frau muss elf Monate und 20 Tage ins Gefängnis. Istanbul – Eine Studentin ist in der westtürkischen Stadt Bursa einem Medienbericht zufolge wegen Beleidigung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zu knapp einem Jahr Haft verurteilt worden. Zusätzlich zu diesen elf Monaten und 20 Tagen Gefängnis habe die 23-Jährige eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten wegen Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK erhalten, meldete die Nachrichtenagentur DHA am Freitag. Die Verurteilte sei aus der Untersuchungshaft entlassen worden und bleibe bis zu einem Urteil des Berufungsgerichts auf freiem Fuß. Verurteilt wurde die Studentin wegen Inhalten, die sie über soziale Medien verbreitet hatte, wie DHA berichtete. Die 23-Jährige habe zur Verteidigung angegeben, diese Inhalte nicht verstanden zu haben, da sie auf Kurdisch gewesen seien. Um welche Inhalte es sich handelte, wurde nicht bekannt. Nach Angaben des türkischen Justizministeriums wurden seit Erdogans Wahl zum Staatsoberhaupt im August 2014 mehr als 1.800 Verfahren wegen Präsidentenbeleidigung eröffnet. Nicht-Wissenschaft;Bundespräsident zu Starmoderatorin Amanpour: Annahme von Iran-Einladung "lange abgewogen". Wien – Bundespräsident Heinz Fischer hat den Plan von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker für die Verteilung von insgesamt 160.000 Flüchtlingen auf alle EU-Staaten als gut gelobt. Es sei fair und gerecht, wenn Österreich 2,5 bis drei Prozent der an der EU-Außengrenze ankommenden Flüchtlinge aus Konfliktgebieten aufnehme, sagte Fischer am Donnerstag gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN . In dem am Donnerstagabend (MESZ) ausgestrahlten Interview meinte Fischer, solche Quoten seien notwendig. Die von der EU vorgesehene Zahl könne entsprechend der österreichischen Bevölkerung und der Wirtschaftsleistung bewältigt werden. Österreich soll laut dem Plan 3.640 Menschen aufnehmen, den Löwenanteil schultern Deutschland mit 31.443 und Frankreich mit 24.031 Menschen. Fischer lobte auch die Hilfsbereitschaft und das Engagement der Zivilbevölkerung. Auf den Verweis von CNN-Starmoderatorin Christiane Amanpour, dass die österreichische anti-immigration party FPÖ in Umfragen sogar an der Spitze liege, meinte Fischer, die Regierungskoalition aus SPÖ und ÖVP würde andererseits von weiteren Oppositionsparteien wie den Grünen in ihrer Flüchtlingspolitik unterstützt. Wir haben da einen positiven und humanen Zugang, der die Ablehnung der Freiheitlichen Partei hoffentlich übertrifft. Österreich wird dieses schwierige Problem bewältigen, gab sich der Bundespräsident zuversichtlich und verwies auch auf ähnliche Situationen in den Jahren 1956 während des Ungarn-Aufstands und 1968 während des Prager Frühlings in der Tschechoslowakei. Diesmal handle es sich aber um weltweite oder europaweite Katastrophen, die viel menschliches Leid verursachen würden. Fischer hob auch das Engagement der ÖBB bei der Bewältigung des Flüchtlingszustroms hervor. Die Ursachen der Migrationsströme müssten aber bekämpft werden. Wir müssen alles tun, um den Krieg in Syrien zu stoppen oder die Turbulenzen im Irak und im Libanon. Die Flüchtlinge sind Opfer der Bürgerkriege im Nahen Osten. Auf seinem jüngsten Besuch im Iran angesprochen, berichtete Fischer dem US-Sender, er habe die Annahme der Einladung lange abgewogen. Der als moderat geltende iranische Präsident Hassan Rohani habe auf ihn den Eindruck eines verhandlungsbereiten Politikers gemacht. Er hat gesagt, er setzt sich mit jedem zusammen, das ist meiner Meinung nach wichtig. Wissenschaft;Bloggerin Esther Inglis-Arkell wirft eine Frage auf, die bei verbesserter Klontechnik eines Tages relevant werden könnte. Geklonte Urmenschen? Vorerst ist das Thema reinste Science Fiction – im wahrsten Sinne des Wortes: In seinem Roman Existenz erwähnt US-Autor David Brin am Rande auch eine Kontroverse um eine Frau, die ein Neo-Neandertalerbaby austrägt. Aber Existenz ist auch eine als Roman getarnte Diskussionsplattform, die Themen aufgreift, die zur Jahrhundertmitte relevant werden könnten. Und vollkommen aus der Luft gegriffen ist die Frage schon heute nicht: Ausgestorbene Spezies mittels Gentechnik wiederauferstehen zu lassen (respektive genetische Annäherungen an solche Spezies neu zu züchten), ist in der Wissenschaft längst zu einem ernsthaft diskutierten Thema geworden. Das Wollhaarmammut wird hier am liebsten als Beispiel genannt. In ihrem Buch How to Clone a Mammoth befasst sich die Molekularbiologin Beth Shapiro ausführlich damit: Nicht nur mit der technischen Möglichkeit oder Unmöglichkeit – Shapiro denkt auch an die Folgen und kommt sogar zu dem Ergebnis, dass es ökologisch gesehen sinnvoll sein könnte, die eine oder andere Schlüsselspezies zurückzuholen. Von da an ist es nur noch ein Schritt bis zu der Frage, die die auf Wissenschaftsthemen spezialisierte Bloggerin Esther Inglis-Arkell auf io9.com stellt: Wie sollten wir mit geklonten Urmenschen umgehen? Seien es Neandertaler, Hobbits oder Denisova-Menschen, um nur diejenigen unserer Verwandten zu nennen, die evolutionär gesehen gestern noch gelebt haben. Technisch gesehen macht es keinen Unterschied, ob man – vorausgesetzt man verfügt über verwertbares Erbgut – ein Mammut oder einen Neandertaler klont. Die ethischen Aspekte sind jedoch bedeutend komplizierter. In ihrem Blog-Eintrag listet Inglis-Arkell – soweit bekannt – die kognitiven Fähigkeiten verschiedener Menschen- und Vormenschenarten auf und überlässt ihren Lesern, welche Folgerungen sie daraus ziehen sollen. Den Artikel mit reger Userdiskussion finden Sie hier: --> io9.com: If We Cloned Early Humans, Should We Put Them in a Zoo or a School? (jdo, 25. 7. 2015) Wissenschaft;'Einer der einflussreichsten Denker rund um 1900 starb vor hundert Jahren. Auch Albert Einstein verehrte ihn. Wien – Das Ende kam nicht unerwartet: Seien Sie nicht zu sehr überrascht, hatte Ernst Mach seinem jungen Anhänger geschrieben, dem Physiker Friedrich Adler, wenn Sie hören, ich hätte mich in das Nirwana zurückgezogen, wozu es ja eigentlich schon Zeit wäre. Auf dem Partezettel, den Mach eigenhändig verfasst hatte, stand: Bei seinem Ausscheiden aus dem Leben grüßt Professor Ernst Mach alle, die ihn kannten, und bittet, ihm ein heiteres Andenken zu bewahren. Heiter hatte er sich auch bei seinem Abschied aus Wien von der Akademie der Wissenschaften abgemeldet: Sollte dieser Brief mein letzter sein, so bitte ich nur anzunehmen, dass Charon, der alte Schalk, mich nach einer Station entführt hat, die noch nicht dem Welt-Post-Verein angehört. Die letzten drei Jahre hatte Mach in häuslicher Pflege bei seinem Sohn Ludwig in der Nähe Münchens verbracht. Mach starb am 19. Februar 1916, am Tag nach seinem 78. Geburtstag. Friedrich Adler veröffentlichte einen mehrseitigen Nachruf für die von seinem Vater Victor Adler herausgegebene Arbeiter-Zeitung. Auch zahlreiche andere Zeitungen widmeten Machs Leben und Werk umfangreiche Betrachtungen. Sie verdrängten die üblichen Schlachtberichte von den ersten Seiten. Das Toben des Weltkriegs habe Ernst Mach in seiner Einsamkeit nur mehr ganz schwach vernommen, schrieb Friedrich Adler, abseits von jener Welt, in der alle Furien der Barbarei entfesselt sind. Auch Albert Einstein – gleich alt wie sein Studienfreund Friedrich Adler – ließ es sich nicht nehmen, einen Nachruf auf Mach zu verfassen, und zwar für das Fachblatt Die Naturwissenschaften. Einstein hatte nur wenige Monate zuvor sein Meisterwerk vollendet, die allgemeine Relativitätstheorie. Nun erklärte er, dass Mach schon ein halbes Jahrhundert zuvor nicht weit davon entfernt gewesen war, eine allgemeine Relativitätstheorie zu fordern. Ja, Einstein schrieb: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Mach auf die Relativitätstheorie gekommen wäre, als er jugendfrischen Geistes war. Einstein hatte Mach ein einziges Mal getroffen. Das war im September 1910, als Einstein, soeben nach Prag an Machs ehemaliges Physikinstitut berufen, im zuständigen Wiener k. u. k. Ministerium vorsprach. Der junge Gelehrte, knappe dreißig und seit fünf Jahren in kometenhaftem Aufstieg begriffen, ließ es sich nicht nehmen, dem legendären alten Hofrat Mach einen Besuch abzustatten – und übrigens am selben Nachmittag auch Victor Adler, dem nicht minder berühmten Vater seines Freundes. Sowohl Einstein als auch Friedrich Adler waren weniger von den Entdeckungen des Experimentalphysikers Mach fasziniert als von dessen philosophischen Überlegungen, die um die Frage kreisten, was Physik denn eigentlich sei. Lange hatte Mach das Gefühl, allein gegen den Strom zu schwimmen. Doch sein 1883 erschienenes Buch Die Mechanik in ihrer Entwicklung historisch-kritisch dargestellt bedeutete den Durchbruch für Machs antimetaphysische Wissenschaftsphilosophie. Naturgesetze sind nichts als umfassende, verdichtende Berichte von Tatsachen. Wissenschaft bezweckt die ökonomische Darstellung der Erfahrungen. 1895 wurde Mach als Philosoph nach Wien berufen, obwohl er bestritt, ein Philosoph zu sein oder auch nur heißen zu wollen. Er wolle keine neue Philosophie schaffen, erklärte er immer wieder, sondern eine alte, abgestandene daraus entfernen. Vielen ging er darin zu weit. So waren Atome für Mach bloße Gedankendinge, da nicht unmittelbar wahrnehmbar. Das stieß auf heftigen Widerspruch seines Wiener Kollegen Ludwig Boltzmann. Ihre Atomdebatte ging in die Wissenschaftsgeschichte ein. Eine der ersten Arbeiten Einsteins entschied diese Frage zugunsten Boltzmanns. Mach leistete zwar hinhaltenden Widerstand, aber Einstein gegenüber gab er zu, dass man von der Existenz von Atomen sprechen könne, solang es keine natürlichere denkökonomische Alternative gebe. Das klang nicht hundertprozentig überzeugt. Bei der Relativität jedoch standen Mach und Einstein Seite an Seite. Machs Untersuchung von Newtons Prinzipien hatte klargemacht, wie viel Metaphysik hinter den Begriffen von absolutem Raum und absoluter Zeit steckt. Solch eine leere Bühne für die Vorgänge dieser Welt ist grundsätzlich der Erfahrung nicht zugänglich. Häufig wies Einstein darauf hin, wie wichtig Machs Einsichten für ihn gewesen seien. Als ihn Einstein 1910 besuchte, lebte Mach zurückgezogen in Gersthof. Wenige Jahre nach seiner Berufung an die Universität Wien hatte er einen Schlaganfall erlitten, der ihn halbseitig lähmte. Geistig blieb er rege. Seine Schriften brachte er mit der linken Hand zu Papier, auf einer umgebauten Schreibmaschine. Und die Mathematik hinter Einsteins spezieller Relativitätstheorie ließ er sich von jüngeren Kollegen erklären. Grundlage der speziellen Relativitätstheorie war die Einsicht, dass physikalische Gesetze für Beobachter, die sich mit konstanter Geschwindigkeit zueinander bewegen, dieselbe Gestalt haben müssen. Ob einer ruht oder nicht, lässt sich nicht sagen. Keiner spürt seine Geschwindigkeit, solange sie unverändert bleibt. Doch wenn sich die Geschwindigkeit ändert, in Betrag oder Richtung, so spürt man die Beschleunigung als Trägheit oder Fliehkraft. Für Beobachter, die sich beschleunigt zueinander bewegen, ändern sich die physikalischen Gesetze. Wie, das sollte die allgemeine Relativitätstheorie klären. Dabei berief sich Einstein auf eine Idee, die er als Machsches Prinzip bezeichnete: Trägheits- und Fliehkräfte hängen von der Verteilung der Massen im Weltall ab. Die Kräfte, die bei Beschleunigungen auftreten, sind Gravitationskräfte. Wenn meine allgemeine Relativitätstheorie stimmt, schrieb Einstein 1913 begeistert an Mach, so erfahren Ihre genialen Untersuchungen über die Grundlagen der Mechanik eine glänzende Bestätigung. Einsteins Jubel war verfrüht – er musste noch zwei Jahre um die richtigen Gleichungen kämpfen -, aber er korrespondierte mit Mach und bedankte sich für dessen freundliches Interesse. Die zwei Physiker-Philosophen verband eine Seelenverwandtschaft. In Einsteins Nachruf spürt man diese Zuneigung: Bei Mach war die unmittelbare Freude am Sehen und Begreifen so stark vorherrschend, dass er bis ins hohe Alter hinein mit den neugierigen Augen eines Kindes in die Welt guckte, um sich wunschlos am Verstehen der Zusammenhänge zu erfreuen. Umso schlimmer dann die Überraschung, als 1921, fünf Jahre nach Machs Tod, dessen lang erwarteter Band zur Optik erschien. Im Vorwort verwehrte sich Mach barsch dagegen, dass ihm die Rolle eines Wegbereiters der Relativitätstheorie zugedacht wird. Diese Theorie werde immer dogmatischer; er bezweifle, dass sie in der Geschichte der Wissenschaft mehr als eine geistreiche Randbemerkung darstellen werde; und er lehne mit Entschiedenheit ab, den Relativisten vorangestellt zu werden. Für Einstein, der gerade den Höhepunkt seines Ruhms erreicht hatte, musste das Vorwort, das Mach ihm quasi aus dem Grab oder besser Nirwana nachschickte, wie eine brüske Replik auf seinen Nachruf klingen. Zwar unterstrich Einstein weiterhin, wie sehr Mach ihn beeinflusst hatte, doch wies er zunehmend auf dessen geniale Einseitigkeit hin. Guter Mechaniker, aber deplorabler Philosoph, entfuhr es ihm bei einem Vortrag in Paris. Sein Verdikt wäre nachsichtiger ausgefallen, hätte Einstein geahnt, dass es sich beim Machschen Vorwort um eine Fälschung handelte. Das wurde, Jahrzehnte nach Einsteins Tod, vom Wissenschaftshistoriker Gereon Wolters überzeugend nachgewiesen: Ludwig Mach, guter Sohn, aber deplorabler Physiker, hatte das Vorwort 1921 geschrieben und auf 1913 rückdatiert.' Wissenschaft;US-Forscher untersuchten das berühmte Gebiss von Smilodon fatalis: Eckzähne wuchsen fast doppelt so schnell wie ein menschlicher Fingernagel. Washington – Bis die mächtigen Eckzähne einiger Säbelzahnkatzen vollständig ausgebildet waren, hat es ungefähr drei Jahre gedauert. Sie brachen im Vergleich zu den Zähnen heutiger Großkatzen zwar erst später durch, wuchsen dann aber umso schneller. Sie legten jeden Monat etwa sechs Millimeter an Länge zu, wie US-Forscher im Fachjournal PLOS ONE berichten. Das sei etwa doppelt so schnell wie bei heutigen Löwen. Zum Vergleich: Auch ein menschlicher Fingernagel wächst nur etwa 3,4 Millimeter im Monat. Die Wissenschafter um Aleksander Wysocki von der Clemson University (US-Staat South Carolina) untersuchten die Entwicklung des Gebisses bei der bekanntesten aller Säbelzahnkatzen-Arten, dem Säbelzahntiger Smilodon fatalis. Dazu nutzten sie eine Kombination von Isotopen-Analyse und einem speziellen Computertomographie-Verfahren. Smilodon fatalis lebte bis vor etwa 10.000 Jahren in Nord- und Südamerika. Die Tiere waren etwa so groß wie heutige Löwen oder Tiger, aber etwas kräftiger im Körperbau. Ihre vorstehenden Fangzähne erreichten eine Länge von bis zu 18 Zentimetern. Die Forscher untersuchten fossile Überreste von Individuen, die aus den Teergruben von Rancho La Brea stammten – einer außergewöhnlich reichhaltigen Fundstätte mitten im kalifornischen Los Angeles. Die Analyse ergab, dass die bleibenden Zähne der Säbelzahnkatzen im Alter von 14 bis 22 Monaten vollständig ausgebildet waren – mit Ausnahme der oberen Eckzähne. Deren Wachstum war erst nach 34 bis 41 Monaten abgeschlossen. Für Raubtiere wie Großkatzen ist ein entscheidendes Kriterium für ihre Jagdfähigkeit, wie lange es dauert, bis ihre waffenähnlichen Zähne ausgebildet sind, erläutert Zhijie Jack Tseng, einer der Autoren. Das ist äußerst wichtig, um Säbelzahn-Räuber wie Smilodon zu verstehen. Die Untersuchung zeigt weiters, dass etwa zeitgleich mit der Fertigstellung des Milchgebisses zwei wichtige Knochen im Schädel der Tiere miteinander verwachsen waren. Dies sei eine wichtige Voraussetzung dafür gewesen, Fleischstücke oder größere Beute fressen zu können, da die Kiefermuskulatur an diesen Knochen ansetzte, erläutern die Autoren. (APA/red, 4. 7. 2015) Nicht-Wissenschaft;Zuma will Kosten der Luxussanierung seiner Privatvilla teilweise zurückzuzahlen. Pretoria – Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma will die Kosten der Luxussanierung seiner Privatvilla mit Steuergeldern teilweise zurückzuzahlen. Er habe aber zu keinem Zeitpunkt unredlich oder korrupt gehandelt, sagte Zuma am Freitag im Staatsfernsehen. Ich habe nie wissentlich oder absichtlich die Verfassung verletzen wollen, beteuerte der Präsident. Die überhöhten Kosten des Ausbaus von Zumas Privatresidenz in der Provinz KwaZulu-Natal, in den rund 250 Millionen Rand Staatsgelder (derzeit 14,8 Millionen Euro) flossen, sei die Schuld der angeheuerten Bauunternehmer, sagte Zuma während der Fernsehansprache. Die Regierung werde in Zukunft striktere Regulierungen für Zulieferer implementieren. Die Sache hat viel Frustration verursacht. Dafür entschuldige ich mich, so Zuma. Am Vortag hatte das Verfassungsgericht Zuma in einem harschen Urteil vorgeworfen, sich über Recht und Gesetz gestellt zu haben. Ombudsfrau Thuli Madonsela war nach einer langen Untersuchung im März 2014 zu dem Schluss gekommen, dass Zuma einen Teil der Sanierungskosten seines Anwesens im südlichen Ort Nkandla zurückerstatten muss. Zuma ignorierte die Aufforderung jedoch. Das Finanzministerium wird nun binnen 60 Tagen die zurückzuzahlende Summe festlegen. Oppositionsparteien fordern Zumas Rücktritt. Wissenschaft;Gesellschaftliches Klima reicht bis in Entscheidungs-Situation hinein, die davon eigentlich nicht beeinflusst sein müsste. Nottingham/Wien – Sind in einer Gesellschaft Steuerhinterziehung oder Korruption an der Tagesordnung, hat das auch einen gesamtgesellschaftlichen Einfluss: In einer groß angelegten Untersuchung haben Forscher nun herausgefunden, dass in solchen Ländern Menschen auch stärker dazu neigen, von sich aus unehrlicher zu handeln, ohne dass dafür etwa eine echte wirtschaftliche Notwendigkeit bestehen würde. In einer korrupten Gesellschaft gibt es natürlich viele Gründe, um korrupt zu sein, erklärte der aus Österreich stammende Verhaltensökonom Simon Gächter von der Universität Nottingham (Großbritannien). Daraus lasse sich aber nicht ableiten, ob Menschen auch dann unehrlicher handeln, wenn sie in einer Situation sind, in der die Umgebung keinen direkten Einfluss auf ihre Entscheidung hat – ob die Gesamtsituation also die intrinsische Ehrlichkeit beeinflusst. Gächter und sein Kollege Jonathan Schulz von der Yale University (USA) ging dieser Frage in 23 Ländern und mit mehr als 2.500 Experiment-Teilnehmern nach: Dabei warfen alle Versuchspersonen einen Würfel zwei Mal und wurden dann gefragt, welche Augenzahl sie beim ersten Wurf gewürfelt hatten. Zuvor wurde ihnen erklärt, dass sie einen bestimmten Geldbetrag erhalten würden, der mit der Augenzahl steigt. Beobachtet wurden sie allerdings nicht. Es lag also völlig in der Verantwortung der Teilnehmer, ob ihre Angaben der Wahrheit entsprechen und es drohten auch keine Konsequenzen bei Falschangaben. Da aber ein Würfel keinen natürlichen Hang zum Zeigen höherer Augenzahlen hat, konnten die Wissenschafter das Ausmaß an Unehrlichkeit daran ablesen, in wie weit die gesammelten Angaben pro Land der zu erwartenden statistischen Wahrscheinlichkeit zuwider liefen. Dem Prinzip der Geldmaximierung folgend müssten eigentlich alle Teilnehmer die höchste Punktezahl angeben. Den Wissenschaftern wurde aber sehr schnell klar, dass dem keineswegs so ist. Es wurde also nirgends unverhohlen gelogen, so die Forscher. Trotz des überall relativ hohen Anteils an Ehrlichen hätten den Angaben der Untersuchungsteilnehmer zufolge in manchen Ländern die Würfel eine deutlichere Tendenz zum Anzeigen hoher Augenzahlen als in anderen. Die von der erwartbaren Wahrscheinlichkeit deutlichsten Abweichungen wurden in Ländern registriert, für die die Wissenschafter anhand von internationalen Länderkennzahlen zu Korruption und Steuerhinterziehung ein hohes Maß an alltäglicher Regelüberschreitung errechnet hatten. So etwa in Tansania, Guatemala oder Georgien. Am anderen Ende der Skala lagen mit Großbritannien, Schweden, Deutschland oder auch Österreich wiederum großteils Länder mit niedrigeren Korruptionswerten. Dass das Ausmaß an Unehrlichkeit in der Gesellschaft, mit dem die Leute täglich konfrontiert sind, bis in eine derart weit davon entfernte Experiment-Situation ausstrahlt, sei jedenfalls erstaunlich, so Gächter: Es gibt scheinbar einen Einfluss der Umgebung auf die intrinsische Ehrlichkeit. Das werfe wiederum fundamentale Fragen dazu auf, was die Wissenschaft über Ehrlichkeit überhaupt weiß. Gächter: All diese Studien finden immer in wohlorganisierten westlichen Gesellschaften statt. Aber was man nicht macht, ist ein Vergleich mit Gesellschaften, in denen es tagtäglich Regelverletzungen auf allen Ebenen gibt. Die Studie, die sicher die größte ihrer Art zu dem Thema ist, zeigt nun, dass das auch eine große Rolle spielt. Nicht-Wissenschaft;Wahlsiegerin will vorerst Vertrauensperson für Präsidentschaftswahl nominieren. Naypyidaw/Rangun – Die Verhandlungen sind vorerst gescheitert – und auf eine Konfrontation mit dem mächtigen Militär will es Aung San Suu Kyi, Siegerin der Parlamentswahlen in Burma, nicht ankommen lassen. Wie mehrere burmesische Medien zuletzt unter Berufung auf Quellen in ihrer Nationalliga für Demokratie (NLD) berichten, will die Friedensnobelpreisträgerin in der nächsten burmesischen Regierung nicht mehr Präsidentin, sondern Außenministerin werden. Eigentlich hatte sie nach ihrem Wahlsieg versucht, mit der Armee über einen Aufstieg ins höchste Staatsamt zu verhandeln. Diese beharrte aber darauf, einen Passus in der Verfassung beizubehalten, der Suu Kyi wegen der britischen Staatsbürgerschaft ihrer beiden Söhne den Weg ins Amt versperrt. Während zahlreiche Abgeordnete in ihrer Partei auf eine Konfrontation mit dem Militär drängten und einen parlamentarischen Anlauf zur Änderung der Verfassung unternehmen wollten, hat sich Suu Kyi offenbar – zumindest vorerst – für die einfachere Lösung entschieden: Eine Vertrauensperson soll bei der – jüngst auf den 10. März vorgezogenen – Wahl für die Präsidentschaft nominiert werden. Konkrete Namen waren vorerst nicht zu erfahren, Beobachter gehen von einem kleinen Personenkreis aus. Wie es heißt, sucht Suu Kyi jemanden, der zu alt ist, um ihr nicht in Sachen Macht gefährlich werden zu können, der aber in der Partei fest genug verankert ist, um akzeptabel zu sein. Suu Kyi hatte vor der Wahl versprochen, ein Amt anstreben zu wollen, das über jenem des Präsidenten steht, wenn sie selbst nicht die Staatsführung übernehmen könne. Das könnte ihr als eine Art Super-Außenministerin gelingen. Dem Plan nach würde sie dabei nicht nur viele Repräsentationsaufgaben im Ausland übernehmen, sondern etwa auch an Sitzungen des vom Militär kontrollierten Verteidigungs- und Sicherheitsrats teilnehmen. Dass Suu Kyi offenbar die direkte Konfrontation mit den Generälen vorerst vermeiden wollte, hat auch machtpolitische Gründe: Das Militär kontrolliert laut Verfassung noch immer 25 Prozent aller Sitze im Parlament und hat damit eine Sperrminorität gegen Änderungen der Verfassung. Ein Änderungsplan hätte also wenig Chancen gehabt. Zudem braucht sie das Wohlwollen der Armee, die noch immer Innen- und Verteidigungsministerium kontrolliert: Erst kürzlich hat sie einen neuen Friedensplan für die ethnischen Konflikte angekündigt. Ein Deal mit dem Militär hätte diesem laut Gerüchten Posten in Regionalregierungen zugeschanzt und Gespräche so erschwert. Wissenschaft;Dem Mitorganisator des Holocaust wurde vor seiner Hinrichtung Besuch zugebilligt. Jerusalem - Die Frau von Adolf Eichmann hat den NS-Verbrecher einen Monat vor seiner Hinrichtung im israelischen Gefängnis besucht. Das israelische Staatsarchiv hat nun ein Dokument veröffentlicht, das den geheimen Besuch von Vera Eichmann am 30. April 1962 belegt. Sie habe damals etwa eineinhalb Stunden mit ihrem Mann gesprochen, hieß es in einer Mitteilung des Staatsarchivs. Das Archiv veröffentlichte erstmals einen Vermerk über den Besuch in einem Haftbuch des Gefängnisses in Ramla bei Tel Aviv. Die israelische Regierung habe den Besuch damals bei einer Sondersitzung gebilligt. Eichmann, Protokollführer der Wannsee-Konferenz und zentraler Mitorganisator des Massenmords an den europäischen Juden, war vom israelische Geheimdienst im Frühjahr 1960 in Buenos Aires aufgespürt und nach Israel entführt worden. Der Prozess gegen den NS-Verbrecher erregte damals international großes Medieninteresse. Nach seiner Verurteilung wurde Eichmann 1962 hingerichtet. Es war das erste und letzte Mal, dass Israel die Todesstrafe vollstreckte. Wissenschaft;Forschern ist es gelungen, die Menge des Wasser abzuschätzen, das durch Bruchzonen im Meeresboden verschwindet. Southampton – Der Meeresboden ist keine undurchlässige Grenzschicht, im Gegenteil: Er ermöglicht dem Wasser an vielen Stellen, tief in das Gestein des Untergrundes einzudringen. Dort beeinflusst das Wasser die Zusammensetzung des Gesteins und sorgt für einen Stoffaustausch. Einem internationalen Forscherteam ist es jetzt gelungen, die Menge des eindringenden Meerwassers an ehemaligen kontinentalen Bruchzonen genau zu bestimmen. Plattengrenzen, tektonische Verwerfungen, geologische Störungen – die angebliche so feste Hülle unserer Erde ist durchzogen von Rissen, Spalten und Öffnungen. Das gilt natürlich auch für den Meeresboden. Dort bieten diese Störungen dem Meerwasser einen Weg in tiefere Gesteinsschichten, teilweise bis hinunter zum Erdmantel. Diese Prozesse genauer zu kennen ist wichtig, weil das Meerwasser die Zusammensetzung des Gesteins verändern kann. Außerdem transportiert es auf dem Weg zurück Stoffe zum Meeresboden, die dort Grundlage für ganze Ökosysteme werden können. Einem internationalen Wissenschaftsteam unter Leitung der Universität Southampton ist es jetzt erstmals gelungen, einen direkten Nachweis zu erbringen, dass Störungsaktivitäten im direkten Zusammenhang mit der Menge des Meerwassers stehen, das in den Untergrund einsickert. Die Studie erscheint in der internationalen Fachzeitschrift Nature Geoscience. Grundlage der Studie ist eine umfangreiche seismische Forschungskampagne, bei der Projektpartner aus den USA, aus Großbritannien und vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel vor zwei Jahren den Meeresboden westlich von Galizien (Nordspanien) untersucht haben. Während der Entstehung des Atlantischen Ozeans vor etwa 150 Millionen Jahren wurden Portugal und Spanien von Neufundland getrennt. Spuren dieser Prozesse sind bis heute vor Nordspanien zu finden, erklärt Co-Autor Dirk Klaeschen vom GEOMAR die Wahl des Untersuchungsgebietes. Mithilfe von speziellen Schallwellen erhielten die Wissenschafter auf einer Fläche von 86 mal 22 Kilometer ein dreidimensionales Bild des Meeresbodens und der tieferen Strukturen in bis zu 12 Kilometer Tiefe. Da Meerwasser eine bestimmte Gesteinsart des oberen Erdmantels, sogenannter Peridotit, in eine andere Gesteinsart namens Serpentinit umwandelt, konnten die Wissenschafter die Menge und die Verteilung des Serpentinits als Indikator für die Wege und Mengen des Meerwassers im Untergrund nutzen. Die Untersuchungen zeigten, dass die Menge des umgewandelten Gesteins am unteren Ende jeder Verwerfung in direktem Zusammenhang mit ihrer Größe und der Dauer der geologischen Störungsaktivität steht. Die Wissenschafter waren außerdem in der Lage, die durchschnittlichen Mengen von Meerwasser abzuschätzen, die an den Verwerfungen bis zum Erdmantel eindringen. Diese Mengen sind vergleichbar mit denen in anderen tektonischen Umgebungen wie mittelozeanischen Rücken. Dort wird das Wasser im Untergrund stark erhitzt, löst zahlreiche Stoffe aus dem Gestein heraus und lagert sie später am Meeresboden ab, wo sich dabei die berühmten ‚Schwarzen Raucher‘ bilden können, erklärt Klaeschen. Offenbar gibt es an anderen Störungszonen ähnliche aktive Systeme, die bisher aber noch nicht bekannt waren. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, wie verbreitet dieses Systeme in den Weltmeeren sind. Nicht-Wissenschaft;Apple widersetzt sich angeordneter Entschlüsselung. CIA-Chef John Brennan hat sich im Streit mit Apple über einen Zugang zum iPhone des Attentäters von San Bernardino hinter die Bundespolizei FBI gestellt. Dem US-Radiosender NPR sagte Brennan am Mittwoch, das FBI sei eindeutig im Recht, wenn es im Zuge von Ermittlungen erfahren wolle, was in dem Smartphone stecke. Es dürfe keinen Ort geben, wo Terroristen oder Kriminelle oder Leute, die das Gesetz brechen wollen, vollkommen straffrei ausgingen. Apple widersetzt sich einer gerichtlichen Anordnung, dem FBI bei der Entschlüsselung des Handys des San-Bernardino-Attentäters Sayed Farook zu helfen. Der kalifornische Konzern beruft sich dabei unter anderem auf den Schutz der Privatsphäre von Smartphone-Nutzern. Unterstützt wird Apple von Facebook-Chef Mark Zuckerberg und Firmen wie Google, Yahoo, Mozilla und Twitter. Bei dem islamistischen Anschlag im kalifornischen San Bernardino hatten Farook und seine Frau im vergangenen Dezember 14 Menschen erschossen, ehe die Polizei sie bei einem Schusswechsel tötete. Den Ermittlern ist es bisher nicht gelungen, die Sperre von Farooks iPhone auszuhebeln. Der Fall hat in den USA zu einer neuen Debatte über Verschlüsselung und Sicherheit geführt. Nicht-Wissenschaft;Die Werbedauer kann der XXXLutz allerdings für sich entscheiden – werbestärkster TV-Neueinsteiger ist Bawag P.S.K.. Wien – Der Möbelkonzern XXXLutz wurde diese Woche von der Spar Handelswaren AG in Sachen Werbedruck überrumpelt. Bei Werbedauer liegt XXXLutz allerdings wie gewohnt auf Platz 1 in österreichischen TV-Kanälen. In der Woche 36 liegt der Möbelkonzern vor Kika/Leiner und T-Mobile Austria. Adspired liefert derStandard.at/Etat Woche für Woche Daten über die Bruttowerbevolumina der Marken und Branchen in ORF 1 und ORF 1, ATV und ATV 2 und Puls 4 – die rund die Hälfte des Markts repräsentieren dürften. Adspired misst die ausgestrahlten Werbespots in einer Reihe von Fernsehkanälen und rechnet ihre Dauer und Platzierung nach den Tariflisten der Sender um. Diese Bruttowerbevolumina können also Rabatte und andere Sonderkonditionen nicht berücksichtigen und liegen deutlich über real bezahlten Buchungen. Die stärksten TV-Werber der Woche nach Bruttowerbevolumen und nach Werbezeit laut Adspired-Daten. Mit den Buttons oben lassen sich die Kategorien umschalten: Wer stieg in Kalenderwoche 36 mit dem höchsten Werbedruck ein, war also in Woche 35 in den beobachteten Sendern nicht präsent? Wer war in Kalenderwoche 36 nicht mehr in ORF 1 und 2, ATV und ATV 2 sowie Puls 4 präsent – gereiht nach den Werbebudgets in der Woche zuvor? Rexona bremste sich dieses Mal am stärksten ein. Welche Branchen hatten in der vorigen Woche den höchsten Werbedruck? Nahrungsmittel liegen in ORF 1, ORF 2, ATV, ATV 2 und Puls 4 vor Möbelhandel und Telekommunikation. Wissenschaft;12 Stunden nach dem Start meldete sich die Sonde – Geplante Ankunft beim Mars Ende Oktober. Baikonur/Darmstadt – ExoMars ist auf gutem Kurs Richtung Roter Planet: Die von Europa und Russland am Montag auf den Weg gebrachte Sonde hat gestern Abend erstmals nach dem Start von sich hören lassen. Pünktlich um 10:31 Uhr MEZ hob ExoMars mit einer Proton-M-Rakete vom russischen Kosmodrom Baikonur in Kasachstan ab. 10 Minuten später hatte sich die Rakete von der ersten und zweiten Stufe getrennt. Die letzte Stufe mit ExoMars an Bord beendete eine Reihe von Triebwerksmanövern, ehe sie die Lander um 21:13 Uhr MEZ auf ihre Reise zum Mars schickte. Um 22:29 Uhr empfing das ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt die ersten Signale von ExoMars: Die Solarsegel sind ausgefahren, die Mission läuft nach Plan, lauteten die Nachrichten. Wir sind auf dem Weg zum Mars, sagte der per Telefon nach Darmstadt geschaltete Chef der europäischen Raumfahrtagentur, Jan Wörner. Von hier aus werden Satelliten im Raumfahrtkontrollzentrum Esoc gesteuert. Bei dem mehrere Milliarden Euro teuren Projekt ExoMars wollen die Esa und ihre Partnerbehörde Roskosmos nach Spuren von Leben auf dem Nachbarplaneten der Erde suchen. Eine russische Proton-Rakete hatte den Forschungssatelliten und ein Testlandemodul ins All gebracht. Der Satellit Trace Gas Orbiter (TGO) soll künftig unter anderem die Zusammensetzung der Mars-Atmosphäre analysieren. Die Landeeinheit Schiaparelli soll nach Plan am 19. Oktober auf dem Mars aufsetzen. Es wäre die erste erfolgreiche Landung der Esa auf dem Mars. Damit will die Raumfahrtagentur Erfahrung sammeln für die Landung eines Rovers, der 2018 starten soll. Dies könnte aber auch um zwei Jahre auf 2020 verschoben werden. Nicht-Wissenschaft;'Bei Griss'' Tour in Tirol zeigt sich: Wer sie kennt, ist von ihr und ihrem Mut beeindruckt. Nur kennen sie viele nicht. Innsbruck/Wien – Irmgard Griss ist die Streberin unter den Präsidentschaftskandidaten. Sie war die Erste, die ihre Kandidatur bekanntgab, sie ist die Erste, die die erforderlichen Unterstützungserklärungen abgibt, damit ist ihre Kandidatur offiziell. Die genaue Zahl hat die frühere Präsidentin des Obersten Gerichtshof nicht parat, da muss ihr Pressesprecher nachschießen: 7851 Unterschriften übergibt das Griss-Team am Dienstagvormittag der Wahlbehörde im Innenministerium. Doch das ist nicht genug. Griss will weitersammeln, ihr Ziel sind 10.000 Erklärungen. Unermüdlich warb die pensionierte Juristin in den vergangenen Wochen um Unterstützer zwischen Wien und Bregenz. Nicht immer wurde sie erkannt. In Innsbruck sind die beiden Italiener mit dem Selfiestick verwirrt. Sie stehen unter dem Goldenen Dachl neben einer kleinen Traube von Menschen und Kameraleuten und liebäugeln mit einem Foto mit der Prominenz, die sich doch in deren Mitte finden lassen muss. Bloß, wer ist der Star? Nach ein paar Minuten ziehen sie enttäuscht von dannen. Sie konnten Irmgard Griss nicht als die umgarnte Persönlichkeit ausmachen. Dabei geriert sich die ehemalige Höchstrichterin weniger streng als in ihren Videos, fast unscheinbar wirkt Griss. Sie plaudert mit sanfter Stimme, trägt bedacht die Positionen vor. Lob für ihren Mut nimmt sie dankbar, doch bescheiden an: Ach, sie habe doch nichts zu verlieren. Ihren Unique Selling Point muss Griss gar nicht erst selbst hervorheben: So toll, dass es endlich einen unabhängigen Kandidaten gibt – das ist der Satz, den sie derzeit am häufigsten hört. Bevor sie sich am Nachmittag unter das Volk mischte, traf sie den Tiroler Polit-Wutbürger Fritz Dinkhauser zum Kaffee. Er und seine Frau Heidi haben Griss 5000 Euro gespendet, die Kleinpartei Liste Fritz unterstützt ihre Kandidatur. Inzwischen hat Griss über 540.000 Euro an Sponsorgeldern lukriert – hauptsächlich von Kleinspendern. Die Republik braucht endlich jemanden wie Griss: Eine unabhängige Frau, sagt Dinkhauser. Die meisten Politiker sind ja Hosenscheißer. Das würde Griss in dieser Wortwahl wohl nicht unterschreiben, für Berufspolitiker hat sie aber auch wenig übrig: Politiker sollten diesen Job nur für ein paar Jahre ausüben, als Krönung eines erfolgreichen Berufslebens in einer anderen Branche, erklärt sie. Auf Nachfrage, wie man solche Leute locken könne, hat sie keine klare Antwort parat: Es kann da keine fixen Regeln geben. Das ist ein Prozess, das muss aus der Gesellschaft wachsen. Politiker müssten wieder mehr Wertschätzung erfahren. Es dürfe nicht sein, dass einem politisches Engagement zum Nachteil ausgelegt werde. Bei ihrem Stadtspaziergang durch das verregnete Innsbruck wird deutlich: Sie selbst hat da derzeit nichts zu befürchten. Jeder, der sie erkennt, gratuliert. Die meisten ihrer Begegnungen mit Bürgern sind werbevideotauglich. Ich freue mich, dass sie frischen Wind reinbringen, ruft ihr eine ältere Frau zu. Ein Mann mit Hornbrille will ihr gar nicht mehr von der Seite weichen. Das Geplänkel und Gezanke der Funktionäre interessiert die Leute einfach nicht mehr, sagt er. Ja, ja, stimmt Griss zu und nickt. Zu ihrem nächsten Bürgerdialog – ein von ihrem Wahlkampfteam entworfenes Format, für das sich Interessierte anmelden können, um mit ihr zu diskutieren – bringe er, so versichert ihr Gesprächspartner, einen ganzen Fanclub mit. Danach geht es zu einem Treffen mit dem Damennetzwerk Alpha-Frauen. Die Präsidentschaftsanwärterin ist unter den Anwesenden dort mit Abstand am legersten gekleidet. Bei uns im Westen kennt man sie nicht so gut, wird sie holprig angekündigt. Dann erzählt Griss von ihrer Zeit an der amerikanischen Eliteuniversität Harvard und von ihrer Kindheit auf dem Land in der Steiermark. Täglich sei sie damals eineinhalb Stunden lang mit einem Bummelzug zur Schule gefahren. Ich habe mir nie überlegt, ob ich benachteiligt bin, ob ich schlechtere Voraussetzungen als andere habe. Ich habe das einfach gemacht, sagt sie. Die Alpha-Frauen lauschen andächtig. Neben dem abgesperrten Bereich in dem Café sitzt an einem Hochtisch eine Gruppe 16-jähriger Mädchen. Wer ist die Frau?, fragt eines. Sie kennen Griss nicht, können nur einen aufzählen, der Präsident werden will: Richard Lugner. Aber wählen tu ma den nicht. Ob sie für die ihnen nun bekannte Griss stimmen, müssten sie sich noch überlegen. Zurück in Wien, mischt sie sich vor der Hofburg noch in einen anderen Wahlkampf ein. Eine Gruppe amerikanischer Touristen stellt Griss plötzlich Fragen, die sie erfreut beantwortet. Auch ihnen erzählt sie die Geschichte der unabhängigen Kandidatin und gibt ihnen eine Wahlempfehlung mit. Geht alles nach Griss Vorstellungen, wünscht sie sich Hillary Clinton als Amtskollegin. (Marie-Theres Egyed, Katharina Mittelstaedt, 8.3.2016)' Wissenschaft;Unterstützung für "außergewöhnlich innovative Vorhaben aus allen Bereichen der Akademie". Wien – Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat einen Fonds für innovative Projekte im Bereich Grundlagenforschung eingerichtet. Für die erste, derzeit laufende Ausschreibung steht ein Prozent des jährlichen Globalbudgets der ÖAW zur Verfügung, also rund eine Mio. Euro. Im kommenden Jahr soll der Innovationsfonds mit zwei Prozent und 2017 mit drei Prozent dotiert sein. Mit dem Innovationsfonds Forschung, Wissenschaft und Gesellschaft sollen außergewöhnlich innovative Vorhaben aus allen Bereichen der Akademie unterstützt werden, heißt es in der Ausschreibung. Es solle damit Forschung gefördert werden, die derzeit noch an keiner Forschungseinrichtung, weder an der ÖAW noch an den Universitäten, verankert ist. Das Programm stehe allen ÖAW-Bereichen offen, es können etwa auch neue Konzepte der Nachwuchs- und Frauenförderung unterstützt werden. Zentrales Kriterium ist die vom Projekt ausgehende Innovationskraft, betonte man seitens der Akademie. Antragsberechtigt sind alle ÖAW-Mitarbeiter und -Mitglieder. Projekte werden bis zu einer maximalen Höhe von 300.000 Euro für maximal zwei Jahre gefördert. Die Akademie betrachtet dies als Anschubfinanzierung, eine mögliche Weiterführung des Projekts soll dann über Drittmittel erfolgen. Die Einreichfrist für die erste Ausschreibungsrunde läuft noch bis 15. Dezember. Die Entscheidung über die Vergabe trifft das ÖAW-Präsidium. Wissenschaft;Forscher wollen Auswirkungen auf Muskeln, Knochen und Sinnesorgane testen. Köln – Zwölf männliche Probanden legen sich für die Wissenschaft zwei Monate lang ins Bett. Für eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Auftrag der europäischen Raumfahrtagentur ESA starteten die ersten beiden am Mittwoch, wie die DLR mitteilte. Sie dürfen nicht aufstehen, sich nicht einmal aufrichten: nicht zum Essen und nicht zum Duschen. Wie bei den Astronauten werden Knochen und Muskeln der unteren Körperhälfte abbauen. Die Wissenschafter wollen testen, ob ein intensives Training an einem neuen Gerät während der Bettruhe effektiver gegen den Abbau wirkt als das herkömmliche Training. Die Studie ist nach DLR-Angaben für alle Weltraummissionen wichtig, da der Abbau von Knochen und Muskeln relativ schnell einsetzt. Untersucht werden auch Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf Herz-Kreislauf-System, Gleichgewicht, Augen und das Nervensystem. Dafür sind die Betten leicht zum Kopf hin geneigt, damit die Körperflüssigkeiten wie in der Schwerelosigkeit Richtung Oberkörper geht. So simulieren wir die Auswirkungen der Schwerelosigkeit im All, sagte Studienleiter Edwin Mulder. (APA/red, 9. 9. 2015) Wissenschaft;Österreichische Delegationsreise nach Tschechien soll wissenschaftliche Kooperationen anregen. Wir vergessen gern, dass das Gute so nahe liegt. Laut Hannes Androsch ist das einer der Gründe, warum die Nachbarschaftsbeziehungen zwischen Tschechien und Österreich auch in der Wissenschaft nach 1989 noch nicht richtig in Gang gekommen sind. Als Vorsitzender des Österreichischen Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RTF) initiierte Androsch vergangene Woche eine Delegationsreise nach Prag mit der Absicht, diesen Mangel durch vermehrte Zusammenarbeit auszugleichen. In einer Pressekonferenz mit dem tschechischen Vizepremier und Wissenschaftsminister Pavel Belobrádek, Vorsitzender der christdemokratischen Partei KDU-CSL, wurden allerlei Ideen gestreut, wie die wissenschaftliche Zusammenarbeit künftig intensiviert werden kann. Von Technologietransfer und Hochschulkooperationen war die Rede, ebenso von Forschungsnetzwerken und gemeinsamen Förderstrukturen. Etwa sollen die anwendungsorientierten Christian-Doppler-Labors nach Tschechien expandieren. Belobrádek kündigte zudem an, Tschechien werde künftig in Forschungskooperationen mit Österreich rund 2,5 Millionen Euro investieren. Androsch sprach sich dafür aus, einen Innovationshub Zentraleuropa zu positionieren – durch gemeinsame Forschungsprojekte, Austausch von Studierenden und Forschenden sowie grenzüberschreitende Kooperationen zwischen Unternehmen. Als Nächstes will er Bratislava ins Boot holen. Wichtigste wissenschaftliche Station der RTF-Reise nach Prag war das Institute of Organic Chemistry and Biochemistry (IOCB) der Tschechischen Akademie der Wissenschaften. Dort wurden rund um den Chemiker Antonín Holý, der 2012 gestorben ist, bedeutende Beiträge für die Pharmaforschung erzielt, von denen das Institut bis heute profitiert – auch finanziell. Holý entdeckte etwa den Wirkstoff Tenofovir, der als wichtigstes Arzneimittel in der HIV-Behandlung gilt. Lizenzgebühren dafür und für andere Produkte machen 72 Prozent der Finanzen des IOCB aus. Zehn Prozent kommen vom Staat, zwölf aus Grants, sechs Prozent lukriert das Institut über andere Drittmittel. 2007 wurde das Institut restrukturiert – mit flacheren Hierarchien und stärkerer Konzentration auf den wissenschaftlichen Output. Damals wurde auch Ullrich Jahn als Gruppenleiter ans IOCB geholt, der zuvor an der Technischen Uni Braunschweig tätig war. Seine Gruppe forscht hinsichtlich synthetisch-organischer Verbindungen. Dabei wird untersucht, inwiefern biologische Verbindungen für medizinische Zwecke genutzt werden können. Jahns Gruppe erforscht insbesondere die Entwicklung sehr kurzer Synthesen von Naturstoffen, die so gestaltet sind, dass auch ein Zugang zu Abkömmlingen, die nicht in der Natur vorkommen, erreicht werden kann. Eine gerade vollendete Synthese ermöglicht den kürzesten Zugang zur Substanz Ardeemin, die pharmazeutisch interessant ist. Eine der größten Herausforderungen, mit denen sich der Direktor des IOCB, Zdenek Hostomský, konfrontiert sieht, ist jene, dass in Tschechien dynamischere Forscherkarrieren angestoßen werden müssten, damit Wissenschafter während ihrer Laufbahn mehrere Stationen im In- und Ausland durchlaufen – eine Kultur, die in Tschechien noch kaum verbreitet sei. Wissenschaft;New Brunswick – Viele von uns haben als Erwachsene Angst vor Schlangen und Spinnen. Doch bei Kleinkindern ist das ganz anders, berichten US-Forscher im Journal of Experimental Childpsychology nach Tests mit sechs bis neun Monate alten Kleinkindern. Die Kinder sind zwar an diesen Tieren besonders interessiert, wie die Forscher herausfanden, indem sie ihnen Bilder von Schlangen und zum Vergleich auch von Elefanten vorführten. Indes: die Kinder zeigten vor den Schlangen keine Angst. Die wird erst später erlernt. (red, 24. 10. 2015) Wissenschaft;Der aus Österreich stammende Physiker Gerald Holton erzählt, wie er vor Nazis flüchtete und warum er viel über Einstein publizierte. STANDARD: Sie haben viel über Albert Einstein geschrieben, auch über die Allgemeine Relativitätstheorie, die vor genau hundert Jahren publiziert wurde. Was fasziniert Sie an dieser Theorie? Gerald Holton: Diese Beschreibung der Wechselwirkung zwischen Materie einerseits sowie Raum und Zeit andererseits ist eine absolut wundervolle Zusammenführung von drei Bestandteilen der Physik! Jeder, der ein Handy in der Jackentasche hat, trägt damit auch eine Anwendung der Allgemeinen Relativitätstheorie mit sich herum: das Global Positioning System. STANDARD: Und wie kamen Sie zur Aufgabe, darüber zu schreiben? Holton: Philipp Frank, Physiker und Philosoph aus Wien, war Einsteins Nachfolger an der Deutschen Universität Prag. Nachdem er diese Hochschule 1938 verlassen musste, ging er nach Harvard und baute unter anderem eine kleine Gruppe im Bereich Wissenschaftsgeschichte auf, die später auf 200 Mitglieder anwuchs. Er brauchte einen Assistenten für die Lehre, ich bewarb mich. Wir wurden Freunde. Als Einstein 1955 starb, sagte er mir, ich sollte in einer Gedenkfeier eine Rede darüber halten, wie es zur Relativitätstheorie kam. Ich suchte Material – da war aber nichts. STANDARD: Hielten Sie den Vortrag? Holton: Ich sagte Frank, dass ich keine Rede halten könne. Er sagte mir, ich sollte Einsteins Sekretärin Helen Dukas in Princeton besuchen, die seit dem Ende der 1920er-Jahre bei ihm war. Ich traf sie in einer Art Safe mit 40.000 Dokumenten, die in einer gigantischen Unordnung waren. Nur sie hätte gewusst, wonach man suchen sollte. Ich habe dann zwei Jahre lang mitgeholfen, dieses Archiv zu ordnen, und habe alles gelesen. Da war zum Beispiel eine Arbeit, in der er die Möglichkeit beschrieb, von einem Dach herunterzufallen – diverse Dinge würden aus seinen Hosentaschen herausfallen und genauso wie er runterfallen. Das war der Moment, in dem er wusste, dass Gravitation und Beschleunigung dasselbe sein mussten. Das hat er oft getan: Dinge zusammenführen, die man nicht unbedingt als zusammengehörend erkennen musste. STANDARD: Haben Sie selbst nicht ähnlich gedacht? Sie waren ja Physiker und Wissenschaftshistoriker, das hat ja wohl auf den ersten Blick auch nicht viel miteinander zu tun. Holton: Es stimmt schon. Ich machte Hochdruckphysik und war Historiker, ich hatte zwei Fächer, zwei Professuren, auf die ich mich aufteilte – ich habe sie aber, so gut es ging, miteinander verknüpft. Bis heute gelingt mir das. STANDARD: Sie haben in Harvard studiert und leben dort seit langem – wie viele Wissenschafter, die vor den Nazis flüchteten. Warum dort? Holton: Boston ist ein guter Ort zum Leben. Hier gibt es viele Colleges und Universitäten, nicht nur Harvard und das MIT oder die Northeastern University. Die ersten dort ankommenden Flüchtlinge trafen sich eine Zeitlang regelmäßig. Der Philosoph Willard Quine schrieb dazu in seinen Memoiren: Das war der Wiener Kreis im Exil. Ein Irrtum: Er hätte der Wiener Kreis der Flüchtlinge schreiben müssen. Exilanten wollen aus meiner Sicht zurück. Die Menschen, die damals kamen, wollten das nicht. STANDARD: Wann konnten Sie Nazideutschland verlassen? Holton: Ich und meine Frau Nina waren in einer zweiten Flüchtlingsbewegung dabei – als Kinder. 1,6 Millionen Kinder, fast alle jüdisch wie wir, wurden damals verfolgt. Nur sieben Prozent, etwa 100.000, davon konnten flüchten. Die anderen verstarben. Ich kam über England in die USA. Viele landeten in New York, mit wenig Gepäck, ohne ihre Eltern. Viele von ihnen sahen Mutter und Vater nie wieder. Die USA waren damals wirtschaftlich angeschlagen. Und die flüchtigen Kinder wurden als Last bezeichnet, als Gefahr für die Gesellschaft. Ich frage mich, warum es doch einige von ihnen geschafft haben. Da waren spätere Nobelpreisträger darunter. STANDARD: Sie haben wohl nie daran gedacht zurückzukehren? Holton: Meine Frau und ich kommen gern nach Österreich. Wir haben aber hier einen schönen Platz zum Leben. Und wir haben schlimme Erinnerungen an die Nazizeit. Ich habe als Kind, als die Nazis in Österreich einmarschierten, gesehen, wie ein Arzt, der bei den Geburten aller Babys im Umkreis dabei war, von einer kreischenden Meute gezwungen wurde, die Straße sauber zu machen. Warum sollte ich nach Österreich? Ich habe hier außerdem angenehme Professuren erhalten, und niemand in Österreich hat mich jemals gefragt, ob ich zurückkommen wollte. STANDARD: Wie waren Ihre Eindrücke, als Sie in Österreich waren? Holton: Ich war ein paar Mal nach dem Zweiten Weltkrieg in Österreich. Als die Menschen meine Geschichte hörten, sagten einige aus der älteren Generation: Sie haben uns in Stich gelassen, Sie haben sich in Sicherheit gebracht, als die ganze Tragödie begann, als Bomben auf unsere Städte fielen. Das mussten Sie in den USA nicht erleben – wir dagegen waren die ersten Opfer der Nazis. Ich habe gesehen, wie die Leute gejubelt haben, als Hitler nach Österreich kam. Ein tragischer Moment. Hitler soll überrascht gewesen sein, wie einfach das ging – ein Land ohne Truppeneinsatz zu annektieren. Er wurde ermutigt, weiterzumachen. Der Mythos vom ersten Opfer kam übrigens von Otto von Habsburg. Er hat die Siegermächte überredet, das niederzuschreiben. Er dachte wohl, dass er so nach dem Krieg leichter den Thron als Herrscher besteigen würde. Wissenschaft;Forscher untersuchen Jugendsprachen, ihr Innovationspotenzial und ihre Ausprägungen in Stadt und Land. Graz – Als Arne Ziegler vor zehn Jahren an die Universität Graz berufen wurde, sah sich der gebürtige Deutsche in eine ihm fremde sprachliche Umgebung geworfen. Als Sprachwissenschafter ist man dabei höchst sensibilisiert, sagt Ziegler. Man erkennt sofort, was anders ist, Auffälligkeiten, die Einheimische vielleicht gar nicht bemerken. Obwohl er zuvor an der Universität Münster im Bereich der historischen Sprachwissenschaft geforscht hatte, wandte er sich in Graz bald einem neuen Forschungsfeld zu: der deutschen Sprache in Österreich. Aktuell arbeitet Ziegler unter anderem an einem Projekt zu Stadtsprachen in Wien und Graz. Außerdem beschäftigt er sich mit Jugendsprache in Österreich. Mit Kollegen und Mitarbeitern organisiert er den achten internationalen Kongress zu Jugendsprachen, der heuer von 26. bis 28. Mai an der Universität Graz stattfindet. Indem jugendliche Ausprägungen in verschiedenen Sprachen verglichen werden, gehen die Sprachwissenschafter der Frage nach, ob es prinzipielle Prozesse bei Jugendsprachen gibt, die unabhängig von den Einzelsprachen sind. Wenn man sich die Forschungsliteratur ansieht, scheint das so zu sein, sagt Ziegler. Ein Beispiel dafür ist die Rolle der Jugendsprache für sprachlichen Wandel generell. Jugendsprache hat ein enormes Innovationspotenzial, sagt Ziegler. Heutzutage regt sich niemand mehr über die Wörter cool oder geil auf – sie sind längst in der Alltagssprache angekommen. Weiters wird international das Phänomen diskutiert, dass sich Jugendliche zunehmend an der Standardsprache orientieren. Für Ziegler könnte das damit zu tun haben, dass Jugendsprachen meist im städtischen Umfeld studiert werden, selten am Land. In seinem Forschungsprojekt zu Jugendsprache in Österreich hat er in einem ersten Teil den urbanen Raum untersucht, in einem zweiten Teil will er sich der ländlichen Umgebung zuwenden. Bisherige Ergebnisse deuten daraufhin, dass Stadt und Land in der Jugendsprache zwei unterschiedliche Welten sind: Am Land scheint der Dialekt viel stärker ausgeprägt als in der Stadt – man spricht von Dialektabbau. Ein Beispiel dafür ist die Vorsilbe ge-: Während Jugendliche in der Stadt eher die Standardformen gelaufen, geschrieben oder gesagt verwenden, heißt es bei ihren Altersgenossen am Land glaufen, gschrieben und gsagt. Der Dialektabbau macht sich auch bei Verniedlichungsformen bemerkbar, die in Österreich mit der Nachsilbe -erl sehr verbreitet sind. Während bei Jugendlichen am Land fast ausschließlich von Pickerl, Sackerl, Gurkerl die Rede ist, sprechen Jugendliche in österreichischen Städten schon einmal vom Gürkchen. Ziegler schließt aus diesen Differenzen: Die Jugendsprache gibt es nicht, sondern je nach Lebenssituation bilden sich unterschiedliche Formen aus. Doch warum orientieren sich Jugendliche in der Stadt stärker am Standard? Die Stadt ist ein Melting Pot, sagt Ziegler. So gibt es in der Stadt viel stärker die Notwendigkeit sprachlicher Anpassungen, wenn sich Menschen mit unterschiedlicher Herkunft verständigen wollen. Die Sprachwissenschafter sprechen von Ausgleichsprozessen – der Dialektabbau ist ein Aspekt davon. Nicht-Wissenschaft;Magazin: Chefs von Citadel und Renaissance führen Liste an. New York – Die zehn erfolgreichsten Hedgefonds-Manager der USA haben im vergangenen Jahr trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten zusammen mehr als 10 Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro) verdient. Das geht aus der jährlichen Reichen-Liste des US-Magazins Alpha hervor. Die Liste wird von den Chefs von Citadel und Renaissance Technologies, Kenneth Griffin und James Simons, angeführt. Sie kommen demnach auf einen Verdienst von jeweils 1,7 Mrd. Dollar. Laut der am Dienstag veröffentlichten Liste nahmen noch drei weitere Hedgefonds-Manager vergangenes Jahr mehr als eine Milliarde Dollar ein. Dies waren Raymond Dalio von Bridgewater Associates, David Tepper von Appaloosa Management (je 1,4 Mrd. Dollar) und Israel Englander von Millennium Management (1,15 Milliarden). Das Magazin wies darauf hin, dass prominente Namen in den Top Ten fehlen, darunter John Paulson von Paulson & Co., Leon Cooperman von Omega Advisors und Daniel Loeb von Third Point. Diese drei Hedgefonds schrieben 2015 rote Zahlen. Insgesamt machte etwa die Hälfte der US-Hedgefonds dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr Verluste. Wissenschaft;Dass in den trockenen Hochtälern der Antarktis keine Mikroben gefunden wurden, lässt für den Mars nichts Gutes ahnen. Montreal – Es gibt Orte auf der Erde, die gewissen Regionen auf dem Mars durchaus ähnlich sind. Einige Trockentäler im Viktorialand der Ostantarktis gehören beispielsweise dazu. Diese extrem kalten, durchweg eisfreien Täler mit ihren versalzenen Böden zählen zu den lebensfeindlichsten Ecken auf unserem Planeten. Kanadische Wissenschafter von der McGill University in Montreal haben sich in dieser harschen Landschaft auf der Suche nach Mikroorganismen gemacht. Ihre These lautet: Wenn Einzeller unter diesen Bedingungen überleben können, dann würden die Chancen steigen, dass auch auf dem Mars Leben möglich wäre. Die Astrobiologin Jackie Goordial musste Kulturen aus den gesammelten Bodenproben in über 1.000 Petrischalen anlegen, ehe sie schließlich akzeptierte, was sich sehr bald schon abzeichnete: Zumindest der Permafrostboden des hoch gelegenen University Valley im Gebiet der antarktischen McMurdo-Trockentäler zeigte keine beobachtbaren Spuren von mikrobiellem Leben. Lyle Whyte, der ebenfalls an der Studie beteiligt war, hatte eigentlich mit einem anderen Ergebnis gerechnet: Als wir mit unserer Untersuchung begonnen haben, waren wir sicher, dass wir dort im Boden ein funktionierendes Ökosystem aus Mikroorganismen finden, so wie wir es auch vom Permafrost der Arktis und anderer Regionen der Antarktis her kennen. Es ist schwer für uns anzuerkennen, dass wir hier auf einen trockenen und kalten Grenzbereich gestoßen sind, wo selbst Mikroorganismen nicht mehr existieren können. Goordial und Whyte testeten im Rahmen des ASTEP-Projektes (astrobiology science and technology for exploring planets) der Nasa im University Valley den IceBite-Bohrer, ein Gerät, das speziell für den Permafrost des Mars entwickelt wurde. Die Forscher holten zahlreiche Proben aus zwei Bohrlöchern, die 42 bzw. 55 Zentimeter tief in den Boden reichten. Frühere Studien zu tiefer gelegenen antarktischen Trockentälern und subglazialen Seen haben reichhaltiges Leben nachgewiesen, erklärt Chris McKay vom Ames Research Centre der Nasa. Doch was wir hier vor uns haben, kommt letztendlich dem Mars schon ziemlich nahe. Weder konnten die Wissenschafter Kohlendioxid oder Methan im Boden des University Valley finden, noch gelang es Goordial und ihren Kollegen irgendwelche andere Hinweise auf tierisches, pflanzliches oder Pilz-Leben in den aus den Bohrlöchern geholten Bodenproben entdecken. Wir können zwar nichts darüber aussagen, ob es dort Lebewesen jenseits unseren Nachweismöglichkeiten gibt, meint die Mikrobiologin. Was allerdings feststeht, ist, dass wir alle uns zur Verfügung stehenden Methoden eingesetzt haben. Das Ergebnis zeigte, dass dieser Boden anders ist als alles, was wir bisher von allen anderen Permafrostböden kennen. Whyte hält auf Grundlage dieser Resultate Leben im Mars-Permafrostboden für eher unwahrscheinlich: Wenn schon auf der Erde unter besonders trockenen und kalten Umständen Leben keine Chance hat, dann sieht es für die noch trockeneren, kälteren Bedingungen auf dem Mars nicht gerade gut aus. Nicht-Wissenschaft;Wolfgang Kulterer berichtet in einer Notiz über eine Intervention bei Exkanzler Wolfgang Schüssel 2008. Der ist am Mittwoch Zeuge im Ausschuss. Wien – Wolfgang Schüssel, von 2000 bis 2007 in der schwarz-blauen Ära Bundeskanzler, wird heute, Mittwoch, einen Auftritt in der Öffentlichkeit absolvieren. Er ist als Auskunftsperson in den Hypo-U-Ausschuss geladen und wird dort unter anderem hinsichtlich eines Spaziergangs durch den Burggarten befragt werden. Am Nachmittag wird Ex-Hypo-Chef Tilo Berlin befragt. Den Spaziergang hatte Ex-FMA-Chef Heinrich Traumüller bei seiner Aussage aufgebracht. Er habe 2006 mit seinem Kollegen Kurt Pribil (davor Wirtschaftsberater Schüssels) und dem Kanzler ein oder zwei Runden durch den Burggarten gedreht, man habe dabei auch auf das Risiko der Bank hingewiesen. Pribil habe gemeint, die Hypo sei per Sportflugzeug im dichten Nebel unterwegs. Das Gespräch, so erinnerte sich Traumüller, sei hochkorrekt und hochprofessionell abgelaufen. Allerdings dürfte Exkanzler Schüssel auch zu seiner Beziehung zu Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer gefragt werden. Der hat in einem Aktenvermerk ein Gespräch mit Dr. Schüssel am 18. Februar 2008 festgehalten. Damals war Schüssel Klubobmann der ÖVP, diese Funktion hat er nach den Nationalratswahlen im Herbst 2008 zurückgelegt. Bis September 2011 war Schüssel noch Nationalratsabgeordneter. Geht es nach der Aufzeichnung Kulterers, hat er beim Exkanzler wegen seines Strafverfahrens wegen Bilanzfälschung rund um die 2006 aufgeflogenen Swapverluste interveniert. Schüssel und Kulterers Anwältin waren für den STANDARD nicht zu erreichen. Der Gerichtsprozess gegen Kulterer begann im Herbst 2008. Im Memorandum hielt er den Verfahrensstand fest. Demnach sei der Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft Klagenfurt auf dem Weg ins Justizministerium (Ministerin war damals Maria Berger, SPÖ). Der Bericht basiere auf dem Gutachten von Fritz Kleiner und berücksichtige die von ihm, Kulterer, beauftragten Gegengutachten nicht. Aus Kärnten übt Frau Gabriele Schaunig (SPÖ, Anm.) extremen Druck aus, um ein Verfahren unbedingt zu erzwingen. Seine rechtliche Vertretung bestehe aus Alexander Klaus für die Sacharbeit, Gabriel Lansky, der die strategischen Maßnahmen auf der Wiener Ebene übernimmt, und Wolfgang Brandstetter als Strafverteidiger, falls es zu einem Verfahren komme. Allerdings wurde Kulterer dann von Klaus verteidigt. Unter Mein Anliegen führte er aus, dass dieser Skandal (...) politisch gemacht wurde, Ziel sei es, Haider extrem zu treffen (...). Das Opfer Kulterer war in verschiedensten Kreisen sehr angenehm. Kulterers Ziel: Er wolle auf Basis der Privatgutachten, die ein völlig anderes Bild zeichnen, erreichen, dass ein Zweitgutachter bestellt wird. Das sollte bei einer groben Analyse der übermittelten Daten und Dokumente an die zuständige Beamtenschaft im Justizministerium – es handelt sich um einen Berichtsakt – erzielbar sein. Was Kulterer hoffte: Wenn eine faire Evaluierung stattfindet, besteht die Chance, dass dieses Verfahren eingestellt wird. Es kam anders, am 18. November 2008 legte Kulterer ein Geständnis ab. Wissenschaft;Österreichische Forscher erforschen die antimikrobielle Wirkung von Lärchenholz. Das Material könnte womöglich helfen, die Hygiene in Krankenhäusern zu verbessern. Wien – Sie sind bekannt für ihre Zähigkeit. Hochgewachsene alte Lärchen gedeihen mitunter auf mehr als 1800 Meter Meereshöhe. Die von Botanikern unter den Artnamen Larix decidua geführten Bäume haben sich im Laufe der Evolution an ein Leben unter harten Klimabedingungen angepasst, und werfen im Herbst sogar ihre Nadeln ab. In der Forstwirtschaft schätzt man ihre Stämme, vor allem im alpinen Raum. Lärche ist ein typisches, oft genutztes Holz, erklärt Bernhard Dürschmied von der FH Campus Wien. Es hat gute mechanische Eigenschaften sowie eine hohe Widerstandskraft gegen Umwelteinflüsse. Und es sieht gut aus. Dürschmied ist allerdings kein Bauingenieur, sondern biomedizinischer Analytiker. Sein professionelles Interesse an Lärchenholz gilt einer bisher unerforschten Eigenschaft des Werkstoffs: der antibakteriellen Wirkung. Kann das Material helfen, Keime in Schach zu halten? Diese Frage haben Fachleute lange recht skeptisch diskutiert. Holz galt oft als hygienisch äußerst problematisch, zum Beispiel im Küchenbereich. Hölzerne Schneidebretter, so hieß es, würden Bakterien in ihren Poren aufsaugen, wodurch die Mikroben für Desinfektionsmittel unerreichbar würden. Stattdessen pries man Plastik an. Das ließ sich angeblich leichter sterilisieren. Eine neue, gemeinsame Studie der FH Campus Wien und der FH Salzburg wirft jedoch ein ganz anderes Licht auf die Thematik. Bernhard Dürschmied und seine Kollegen haben den Einfluss von Lärchenholz auf das Wachstum zweier häufiger Krankheitserreger untersucht. Zum einen handelt es sich dabei um methicillinresistente Stämme von Staphyllococcus aureus, die gefürchteten MRSA, Schrecken der Spitäler. Die Keime können schlimme, nur schwer zu behandelnde Erkrankungen verursachen. Mit normalen Antibiotika ist ihnen kaum mehr beizukommen. Die Ansteckung erfolgt oft in Krankenhäusern und Pflegeheimen, Fachleute sprechen von nosokomialen Infektionen. Auch die zweite der von den FH-Forschern getesteten Bakterienspezies ist in diesem Kontext schon vielfach auffällig geworden: Klebsiella pneumoniae. Expertenschätzungen zufolge dürften allein in Österreich jährlich mehr als 50.000 Menschen von nosokomialen Infektionen betroffen sein. Die Zahl der Todesopfer könnte über 4000 betragen. Das Problem ist zumindest teilweise hygienebedingt. In medizinischen Einrichtungen werden logischerweise große Mengen Antibiotika eingesetzt. Manche Bakterien überleben den Kontakt mit diesen Wirkstoffen und entwickeln eine Resistenz, vor allem dann, wenn sie nur niedrigen Dosen ausgesetzt sind. Wenn solche Keime auf schlecht gereinigten Flächen oder Gegenständen landen, warten sie dort auf einen neuen Wirt. Holz, so zeigt sich nun, könnte helfen, diese Risiken zu verringern. Die Wiener und Salzburger Wissenschafter trugen bei ihren Experimenten Suspensionen der beiden obengenannten Bakterien auf Lärchenholzwürfel auf, und brachten diese entweder sofort oder nach drei beziehungsweise 24 Stunden mit Nährböden in Petrischalen in Kontakt. Anschließend wanderten Letztere für weitere 24 Stunden in die Brutkammer. Die Idee hinter dem Versuchsaufbau: Man wollte herausfinden, wie viele Keime wie lange auf dem Holz überlebten und noch vermehrungsfähig waren. Jeder davon würde in den Schalen eine neue, deutlich erkennbare Kolonie bilden. Parallel zu dieser Testreihe mischte das Team die Bakterien auch in Lösungen mit Lärchenholzspänen und strich nach den besagten Zeitspannen 20 Mikroliter davon ebenfalls auf Nährbodenplatten aus. Bei den Versuchen kamen zudem jeweils zwei verschiedene Typen von Lärchenholz zum Einsatz – Splintholz aus den äußeren Stammbereichen und Kernholz aus dem Inneren. Beide verfügen, wie Bernhard Dürschmied erläutert, über unterschiedliche Eigenschaften. Im Splintholz haben die Zellen bis zum Zeitpunkt des Fällens gelebt. Seine Poren sind größer. Es enthält jedoch weniger Phenole und andere, potenziell antibakterielle Inhaltsstoffe. Beim Kernholz liegen die Verhältnisse genau umgekehrt. Die Ergebnisse der Studie zeigen einen deutlichen Trend. Je länger die Krankheitserreger auf festem Lärchenholz verbleiben, desto weniger von ihnen überleben. Am stärksten zeigte sich der Effekt für Splintholz und Klebsiella pneumoniae. In dieser Kombination wuchs nach 24 Stunden gar nichts mehr. Die Anzahl der vitalen MRSA wurde derweil um etwa das Zwanzigfache dezimiert. In den Versuchen mit Spänen fielen die Resultate nicht so deutlich positiv aus. Hier überlebte vor allem Klebsiella pneumoniae. Die antimikrobielle Wirkung von Lärchenholz, erklärt Bernhard Dürschmied, basiert einerseits auf seinen Inhaltsstoffen und andererseits auf der sogenannten Hygroskopizität – dem Vermögen, Feuchtigkeit aufzunehmen. Eine physikalische Eigenschaft also. Die Bakterien werden dadurch schlichtweg ausgetrocknet. Anscheinend spielt dieser Faktor eine größere Rolle als die diversen chemischen Komponenten, sonst hätten in den Lösungen mit Spänen viel weniger Keime überdauert. Das war eine große Überraschung, berichtet Dürschmied. Weitere Details der Forschungsergebnisse wurden vor kurzem im Fachblatt International Journal of Wood Products (Bd. 73, S. 841) veröffentlicht. Die Erkenntnisse unterstützen den Trend zur verstärkten Nutzung von Holz für den Innenausbau von Altersheimen und ähnlichen Einrichtungen. Psychologen betonen immer wieder dessen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden der Bewohner. Aus hygienischer Sicht spricht offenbar nichts dagegen, meint Bernhard Dürschmied. Holz ist diesbezüglich genau so gut wie Kunststoff. Und in vielen Aspekten wahrscheinlich sogar besser. Weitere Untersuchungen sind in Vor- bereitung. Nicht-Wissenschaft;Drei onkologische Zentren mit "ganzheitlichem Ansatz" geplant – Hautärzte nicht dabei. Wien – Die Zahl der Krebspatienten wird in Österreich steigen – da die Bevölkerung älter wird. Gleichzeitig sind die Genesungschancen deutlich höher, 60 Prozent aller Erkrankungen können geheilt werden. In Wien soll die Versorgung neu aufgestellt werden, das wurde im Spitalskonzept 2030 festgeschrieben, das im Jänner vorgestellt wurde. Ihm zufolge soll es drei onkologische Zentren an den Wiener Gemeindespitälern geben: im Wilhelminenspital, im Donauspital und im Kaiser-Franz-Josef-Spital. Hier soll eine Vollversorgung angeboten werden, vereinfacht gesagt: Lungenkrebs wird künftig am gleichen Ort therapiert werden wie Brustkrebs. Nicht mehr das betroffene Organ ist Ausgangspunkt der Behandlung, sondern die Krebszelle steht im Fokus der Therapie, erklärt Christian Sebesta im STANDARD-Gespräch. Der Onkologe wird das Zentrum im Donauspital leiten. Von der Zelle ausgehend werden die Antigene erkannt und die Antikörper für die Immuntherapie bestimmt. Die Krankheit kann dadurch gezielt angegriffen werden. So weit der Stand der Forschung, der neue Ansatz in Wien ist eben die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Die Therapieentscheidung, also ob ein Tumor operativ entfernt wird, in welchem Ausmaß er bestrahlt wird oder wie die Chemotherapie auszusehen hat, wird im Tumor-Board festgelegt. Dort sind alle Fachrichtungen vertreten, vom Chirurgen, der das Krebsgeschwür entfernen soll, bis hin zum Radioonkologen, der die Bestrahlung veranlasst. Es wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt. Fachübergreifende Therapie Dabei geht es um die fächerübergreifende Verantwortung: Weg von der eminenz- hin zur evidenzbasierten Entscheidung, erklärt Sebesta – gemeint ist die gemeinsame Therapieplanung. Das hat auch Auswirkungen auf den Patienten. Denn für die Betroffenen ist auch personelle Kontinuität wichtig. Mit im Team sind Psychologen und spezialisiertes Pflegepersonal. Die onkologischen Zentren sind auf einen tagesklinischen Betrieb ausgerichtet. Spitalsbetten kosten, doch das ist für Sebesta nicht der Grund für die tagesklinische Betreuung, das falle bei den hohen Kosten bei der Krebstherapie kaum ins Gewicht. Vielmehr geht es aus seiner Sicht um den Patienten: Eine Chemotherapie dauert etwa vier bis sechs Stunden, der Patient kann dann im eigenen Bett schlafen. Die onkologischen Zentren sollen untereinander und mit dem AKH zusammenarbeiten. Gesondert betrachtet wird im Spitals-konzept der Stadt Wien die Dermatologie. Melanome sollen künftig in der geplanten zentralen Abteilung in der Rudolfstiftung behandelt werden. Für Sebesta nicht logisch. Für ihn wäre es sinnvoller, auch dieses Fach, wie alle anderen Organfächer, den Zentren anzuschließen. Nicht-Wissenschaft;'Ein Gesetzesentwurf des Bildungsministeriums sieht die Abschaffung der Ziffernnoten vor. Wien – Sitzenbleiben in der Volksschule soll künftig der Vergangenheit angehören. So sieht es zumindest das Bildungsministerium von Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) in einem Gesetzesentwurf vor. Die Änderung passiert im Rahmen der Bildungsreform, bei der SPÖ und ÖVP auch Alternativen zu Ziffernnoten möglich machen wollen, berichtete das Ö1-Mittagsjournal am Mittwoch. Bisher gibt es dazu mehr als 2.000 Schulversuche. Statt der Noten von 1 bis 5 sollen künftig alle Volksschüler verbale Leistungsbeurteilungen bis einschließlich der dritten Klasse bekommen. Wenn die Erziehungsberechtigten trotzdem Ziffernnoten wollen, können sie diese zusätzlich verlangen. Laut dem Entwurf für das Schulrechtspaket soll es Bewertungsgespräche mit Eltern oder Erziehungsberechtigten über Lern- und Entwicklungsstand, Lernfortschritte, Leistungsstärken sowie Begabungen geben. Am Ende jedes Semesters stehen schriftliche Semester- und Jahresbeurteilungen statt Ziffernnoten an. Die Gefahr des Sitzenbleibens entfällt. Derzeit fallen jedes Jahr rund 1.600 Kinder an den Volksschulen durch – das sind etwa 0,5 Prozent. Moderne Pädagogik darf ein Wiederholen der Schulstufen in diesem Altersbereich nicht zulassen, heißt es in dem Entwurf, der dem STANDARD vorliegt. Freiwilliges Wiederholen von Schulstufen soll es nur in Ausnahmefällen geben. Der Vorschlag des SPÖ-geführten Bildungsministeriums muss erst mit der ÖVP akkordiert werden, die Verhandlungen darüber laufen. Vom Entwurf irritiert zeigt sich ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank. Wir haben uns mit dem Koalitionspartner darauf geeinigt, dass der Schulstandort autonom entscheidet, ob es statt der Ziffernnote eine alternative Leistungsbeurteilung gibt, sagt sie mit Verweis auf den Ministerratsvortrag zur Bildungsreform, in dem es tatsächlich heißt, dass die Leistungsbeurteilung an Volksschulen zum schulautonomen Gestaltungsraum werden soll. Als ÖVP ist uns das Bekenntnis zu Leistung wichtig. Eine erstmalige Beurteilung, ob die Bildungsziele erreicht sind, in der vierten Klasse ist problematisch, weil dann das letzte Volksschuljahr wiederholt werden müsste, sagt Jank. Bildungspsychologin Christiane Spiel von der Universität Wien hält verbale Beurteilungen statt Ziffernnoten für sehr förderlich und unterstützend. Volksschüler hätten vor dem Schuleinstieg die Eigenwahrnehmung, ganz viel zu können. Nach dem Schuleintritt werde ihnen klar, dass andere Mitschüler bestimmte Dinge besser können. Ihr Selbstwertgefühl wird reduziert, sagt Spiel zum STANDARD. Eine differenzierte verbale Rückmeldung über das, was die Schüler gut und was sie besser machen können, ermögliche es, Selbstwertgefühl und Motivation wieder zu steigern. Zudem sei das Hauptproblem von Ziffernnoten, dass sie maßgeblich vom Maßstab der Lehrperson abhängen. Viele Lehrer würden ihre Schüler daran messen, wie gut die Kollegen in der Klasse sind. Das ist weder fair noch motivierend, sagt Spiel. Motivierender sei es für Schüler, wenn sie auch daran gemessen werden, ob sie sich im Vergleich zu ihren früheren Leistungen gesteigert haben. All das kann ich in einer Ziffernnote alleine nicht abbilden. Auch, dass das Sitzenbleiben abgeschafft werden soll, begrüßt die Bildungspsychologin. Positive Effekte beim Wiederholen einer Klasse sind sehr selten, sagt sie. Einerseits würden durch das Sitzenbleiben die sozialen Kontakte der Schüler zerstört, oft sei es aber auch nicht sinnvoll, ein ganzes Jahr zu wiederholen, wenn die Schüler nur in einem Fach Probleme hätten. Besser sei eine frühzeitige Förderung von schwachen Schülern; bei Bedarf auch durch Unterstützungspersonal wie Schulpsychologen oder Sprachlehrer. Änderungen soll es auch an ganztägigen Schulformen geben: Dort soll das Mittagessen nicht mehr verpflichtend sein. Wer eine Ganztagsschule besucht, soll also nicht unbedingt dort auch essen müssen. Außerdem soll der Besuch einer verschränkten ganztägigen Schule nun auch als Grund gelten, den Schulsprengel ohne Zustimmung des Schulerhalters wechseln zu dürfen.' Nicht-Wissenschaft;Irmgard Griss präsentiert sich als Garantin eines neuen Stils: Die Kandidatin für die Präsidentschaft beklagt Unsitten der Politik. Ein weißgetünchtes Loft mit Flohmarktmöbeln, kurioser Deckenbeleuchtung und hoher Laptopdichte: Der Impacthub ist eines dieser hippen Kreativzentren im Bobobezirk Neubau, von denen man nicht so genau weiß, was dort eigentlich passiert. Junge Menschen versuchen hier, soziologische und ökologische Probleme auf unternehmerische Art zu lösen, klärt Irmgard Griss auf – und das, findet sie, passe gut zu ihrem heutigen Auftritt. Griss ist zwar 69 Jahre alt, doch sie verspricht einen neuen Stil, sollte sie 2016 zur Bundespräsidentin gewählt werden. Für eine ehrlichere Politik will sich die ehemalige Höchstrichterin und Leiterin der Untersuchungskommission zum Hypo-Skandal einsetzen, und für mehr Sachlichkeit: Es darf nicht sein, dass aus parteitaktischen Gründen nicht nach Lösungen gesucht wird. Beginnen solle der Kulturwandel bereits im Wahlkampf, und zwar dank eines Fairness- und Transparenzabkommens. Die Kür der moralischen Instanz der Republik dürfe nicht zur Materialschlacht verkommen, sagt Griss und fordert – wie sie zugibt – durchaus eigennützig, das Kostenlimit für Kampagnen auf eine Million Euro zu beschränken. Kinospots, Wahlgeschenke und ganzseitige Inserate sollten ebenso verboten sein wie Negative Campaigning, dafür sei Transparenz Pflicht: Ihre Homepage werde in Kürze über jeden empfangenen Cent Auskunft geben. Bisher sei nur eine Großspende eingetrudelt, sagt Griss: Cattina Leitner, Ehefrau von Andritz-Chef Wolfgang Leitner, habe 100.000 Euro gezahlt. Insgesamt will die Kandidatin zumindest 500.000 Euro auftreiben, schließt Parteien als Spender aber aus.Werbeagentur hat sie noch keine engagiert, zumindest aber Berater: Kampagnenleiter ist Milo Tesselaar, nach Eigendefinition ein Mann fürs Neue. Der 33-jährige Grazer war Gründer des Magazins Biorama und führt die Agentur Freims, die Unternehmen berät, sich neu zu denken. Den ersten Ernstfall haben Griss und ihr Team bereits zu bewältigen. Alle sechs Parlamentsparteien haben sich im Untersuchungsausschuss beschwert, dass Griss nach getaner Arbeit als Leiterin der Hypo-Kommission deren Unterlagen vernichtet hat. Die Reaktionen reichten von Wahnsinn bis mir fehlen die Worte. Am Freitag kam etwas Licht ins Dunkel dieses Aktenmysteriums: Die Kommission hatte zu Beginn alle möglichen Unterlagen von Finanzministerium, Finanzmarktaufsicht (FMA) und Nationalbank bekommen. Nach getaner Arbeit schickte sie diese Dokumente – vereinbarungsgemäß – wieder zurück an die Absender. In der Finanzmarktaufsicht verweist man aufs Datenschutzgesetz. Man habe via Vertrag ausgemacht, dass alle Dokumente gesetzesgemäß nur zur Information dienten und nicht zur Veröffentlichung gedacht seien. Im Finanzministerium heißt es, man habe der Griss-Kommission den Zugriff auf ein Laufwerk gestattet und ihr diesen nach Zeitablauf wieder entzogen. Die Dokumente auf diesem Laufwerk seien übrigens vollinhaltlich dem U-Ausschuss zur Verfügung gestanden, sagt eine Sprecherin. Anders verhält es sich mit jenen Dokumenten, die Griss’ Kommission selbst produziert hat – also beispielsweise Protokolle der Interviews mit befragten Personen. Griss erklärte am Freitag, diese eigenmächtig vernichtet zu haben. Schließlich habe die Kommission alle Gespräche vertraulich geführt: Es sei vereinbart gewesen, die Ergebnisse nur im Endbericht zu verwerten. Abgesehen davon wäre es unsinnig gewesen, die Protokolle aufzuheben, sagt die Juristin: Alles Relevante sei in den Bericht eingeflossen, der Untersuchungsausschuss könne alle Personen nun unter besseren Bedingungen – etwa der Wahrheitspflicht – befragen. Warum sollte ich etwas unter den Tisch kehren wollen?, fragt Griss und sieht hinter der Kritik taktische Spielchen: Das zeigt leider den Zustand unserer Politik. (Gerald John, Maria Sterkl, DER STANDARD, 19.12.2015) Wissenschaft;Staatspreis Umwelt- und Energietechnologie: Wie man Leuchtstoffröhren und Flachbildschirme besser entsorgt. Wien - Die Forderung nach Energieeffizienz in allen Bereichen des Alltags hat der Leuchtstofflampe eine neue Konjunktur verschafft. Seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beleuchten die Röhren Fabrikshallen, Büros oder Tunnels, in den vergangenen Jahrzehnten haben sie in veränderter Form als Energiesparlampen auch in den Privathaushalten Einzug gehalten. Bei diesen sogenannten Gasentladungslampen fließt elektrischer Strom durch ein Gas, das dadurch ionisiert wird und Licht abgibt. Die Leuchtkörper enthalten Quecksilber und Seltene Erden und müssen daher fachgerecht entsorgt werden. Gerade das gefährliche Quecksilber darf bei der Verarbeitung der alten Lampen keinesfalls entweichen. Im steirischen Entsorgungsunternehmen Saubermacher hat man sich Gedanken darüber gemacht, wie man die Leuchtstofflampen am effizientesten wiederaufbereiten könnte. Das Unternehmen hat in Wien eine Anlage gebaut, die nicht nur stabförmige Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen, sondern auch Flachbildschirme verarbeiten kann. Glas, Metalle und Kunststoffe, die darin enthalten sind, können damit günstiger einer Wiederverwertung zugeführt werden, als das durch ein manuelles Zerlegen möglich wäre, sagt Entsorgungsexperte Alois Grinschgl von Saubermacher. Das Recycling-Projekt wurde bei der vergangenen Vergabe des Staatspreises Umwelt- und Energietechnologie in der Kategorie Umwelt & Klima ausgezeichnet. Die bisherigen Möglichkeiten der Verarbeitung von Leuchtstofflampen erforderten verschiedene Anlagen. Bei stabförmigen Modellen wurden Metallkappen abgetrennt und der quecksilberhaltige Leuchtstaub ausgeblasen und unter Tag endgelagert. Nicht stabförmige Sonderformen wurden separat geshreddert. Die Anlage von Saubermacher, die gemeinsam mit einem Schweizer Partnerunternehmen entwickelt wurde und als erste serienreife Anlage ihrer Art in Betrieb ging, hat die Verwertung der Leuchtmittel weiterentwickelt. Auch hier werden die Altwaren, die von den Endverbrauchern wieder eingesammelt werden, in Leuchtstoffröhren und Sonderformen getrennt. Beide Fraktionen werden der Anlage durch verschiedene Eingänge zugeführt, erläutert Grinschgl. In dem einen werden die stabförmigen Lampen in einem sogenannten Mischer gebrochen. Der quecksilberhaltige Leuchtstaub löst sich beim Mischvorgang von den Scherben und wird abgesaugt, sagt der Entsorgungsexperte. Ähnliches passiert in einem zweiten Zugang, in dem Energiesparlampen samt Fassungen sowie die LCD-Schirme ein spezielles Zerkleinerungsverfahren durchlaufen. Auch hier wird eine Feinfraktion aus Glaskörner und Leuchtstaub abgesaugt. Die weitere Abscheidung von Metallen und Kunststoffen erfolgt dann über eine gemeinsame Trennanlage. Das abgesonderte Glas dient der Produktion von Glaswolle, Flachglas oder neuen Lampen. Die kombinierte Anlage führt zu einer besseren Auslastung. Das hilft, die Entsorgung in einem kleinen Markt wie Österreich wirtschaftlicher zu betreiben, sagt Grinschgl. 1000 Tonnen Leuchtstofflampen, 250 Tonnen Sonderformen und 500 Tonnen Flachbildschirme würden jährlich anfallen. Gerade die Zahl der LCD-Schirme, aus denen höhere Anteile an Metall und Kunststoffen gewonnen werden können, werde noch stark steigen. Der Anteil an Flachbildschirmen an den zu entsorgenden Fernsehgeräten liege erst bei wenigen Prozent, der Rest sind noch alte Röhrengeräte. Die Saubermacher-Anlage kann pro Stunde 500 Kilo Bildschirme und dieselbe Masse an Lampen verarbeiten. Das Unternehmen strebe auch an, Quecksilber und Seltene Erden aus dem Leuchtstaub abzutrennen, so Grinschgl. In einem Forschungsprojekt wurden die entsprechenden Möglichkeiten untersucht. Weil bei den geringen Mengen in Österreich eine eigene Investition nicht gerechtfertigt sei, könnte das von einer Anlage in Frankreich übernommen werden. Der Staatspreis Umwelt- und Energietechnologie wird von Wissenschaftsministerium, Verkehrsministerium und Landwirtschaftsministerium gemeinsam vergeben. Die Einreichfrist für die aktuelle Ausschreibung endet am 5. Juni 2015. Nicht-Wissenschaft;Ausverkauftes Konzert im Wiener Theater am Spittelberg. Wien – Es kam, wie es kommen musste. Schifoan war die allerletzte Zugabe. Doch das zu singen hatte Wolfgang Ambros am Sonntagabend keine Lust mehr, also ließ er das Publikum zum Abschluss sich selbst vergnügen. Davor aber war das ausverkaufte Konzert einer der Höhepunkte des diesjährigen Wien im Rosenstolz-Festivals im Wiener Theater am Spittelberg. Ein wenig bange hatten vor knapp drei Wochen auf der gleichen kleinen Bühne Ernst Molden und der Nino aus Wien den Ambros-Song Wie wird des weitergehen? intoniert. Und die Antwort des 63-jährigen Austro-Urpoppers war: Geschichtenerzählen. Wir sollen uns um ihn, dessen Kreuz so bedient ist, dass er nur mit Mühe den hohen Hocker erklimmen kann, keine Sorgen machen. Wir sollen ihm einen Wunsch erfüllen, den er schon in jungen Jahren geäußert hat: A Mensch möcht i bleiben. Und wir sollen niemals nach Ludwigshafen fahren. Das sei die furchtbarste Stadt der Welt. Zumindest habe er sie so im Rahmen einer Watzmann-Tournee erlebt. Aber immerhin sind bei dieser Gelegenheit traurig-schöne Lieder entstanden, die Ambros nun in intimer Konzertatmosphäre vor nicht einmal 500 Zuhörern (darunter auch der Nino aus Wien) zum Besten geben kann. Aus der Dunkelheit seiner Gedanken hat Ambros überhaupt einige Andenken von seinem Album Weiß wie Schnee mitgebracht. Das selten gesungene Kaputt und munter etwa, oder Gezeichnet fürs Leben. Aber auch die mit geschlossenen Augen gesungenen Erinnerungen an ganz früher, an Original Clarks. Ambros pur, mittlerweile als Trio mit Günter Dzikowski am Keyboard und Roland Vogl an der zweiten Gitarre (Wehe, jemand sagt Hawaiigitarre zu einer Lap-Steel-Gitarre), gibt es bereits seit neun Jahren. Also fast ein Jahrzehnt, wie der Bandleader wehmütig vorrechnet. Sein Repertoire hat er sich nicht nur selbst geschaffen. Tom Waits steuert unter anderem Shiver Me Timbers bei, das Ambros, wie er zugibt, sehr frei mit Nach mir die Sintflut übersetzt. Und bei Die Reblaus von Ambros Hans-Moser-Album kommen die Bar-Pianist-Qualitäten von Tastenmann Dzikowski besonders gut zur Geltung. Weil Wolfgang Ambros und Georg Danzer zusammengehören wie Beatles und Stones, gibt es auch noch eine Geschichte von seinem 2007 verstorbenen Freund. Von dem habe er sich abgeschaut, manchmal einfach auf den Schlussakkord zu verzichten. Das halte die Spannung aufrecht, habe ihm der Schurl beigebracht. Andererseits: So eine mit der Inbrunst des Publikums gemeinsam gesungene Schlusszeile Weil die Leich da Hofa is hat schon etwas. (Michael Simoner, 26.10.2015) Nicht-Wissenschaft;Pool-Sieger bestreitet im Juni 2016 Play-off gegen EM-Teilnehmer. Wien – Österreichs Männer-Nationalteam trifft in der Qualifikation für die Handball-Weltmeisterschaft 2017 in Frankreich auf Finnland, Rumänien und Italien. Das ergab die Auslosung der sechs Gruppen am Dienstag in Wien. Die ÖHB-Herren sind damit im Pool zwei zu favorisieren, denn Rumänien und Italien schafften es zuletzt nicht in die Gruppenphase der EM-Qualifikation. Finnland war dagegen mit Österreich in einem Pool und verlor erst vor wenigen Wochen Hin- und Rückspiel gegen das Team von ÖHB-Cheftrainer Patrekur Johannesson. Österreich wird seine sechs Partien (Hin- und Rückspiel) in der WM-Qualifikation von Anfang November bis Mitte Jänner bestreiten. Nur der Gruppensieger qualifiziert sich für die Play-off-Runde im Juni 2016, in der ein EM-Teilnehmer wartet. Der nächste Lehrgang steht für das ÖHB-Nationalteam im September auf dem Programm. (APA, 23.6.2015) Die Auslosung der Handball-WM-Quali der Männer ergab am Dienstag in Wien folgende Gruppen: Gruppe 1: Bosnien-Herzegowina, Litauen, Slowakei, Kosovo Gruppe 2: Österreich, Finnland, Rumänien, Italien Gruppe 3: Lettland, Ukraine, Griechenland, Zypern Gruppe 4: Portugal, Israel, Estland, Georgien Gruppe 5: Tschechien, Türkei, Belgien Gruppe 6: Niederlande, Schweiz, Luxemburg Spieltermine des ÖHB-Teams: 04./05.11.2015 (Mi/Do): Österreich – Rumänien 07./08.11.2015 (Sa/So): Finnland – Österreich 06./07.01.2016 (Mi/Do): Italien – Österreich 09./10.01.2016 (Sa/So): Österreich – Italien 13./14.01.2016 (Mi/Do): Rumänien – Österreich 16./17.01.2016 (Sa/So): Österreich – Finnland Nicht-Wissenschaft;'Einweihungszeremonie unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Kairo – Mehr Platz für mehr Schiffe: Der Neue Suezkanal ist am Donnerstag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen offiziell eröffnet worden. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi fuhr in Gala-Uniform auf einer historischen Jacht an der Spitze einer Flottenparade auf dem Kanal, während Kampfflugzeuge und Hubschrauber über die Szenerie flogen. Das Land hofft auf steigende Einnahmen aus dem Kanalbetrieb und einen wirtschaftlichen Aufschwung. Der Neue Suezkanal wurde innerhalb von nur einem Jahr gebaut. Auf einer Länge von 37 Kilometern wurde eine neue Wasserstraße gegraben, auf weiteren 35 Kilometern wurde der alte Kanal erweitert und vertieft. Das Projekt kostete umgerechnet rund 7,9 Mrd. Euro. Der Suezkanal, seit 1869 in Betrieb, verbindet das Rote Meer und das Mittelmeer miteinander und ist für den Welthandel enorm wichtig. Für al-Sisi ist der Erweiterungsbau ein Prestige-Projekt. Der damalige Armeechef hatte vor zwei Jahren Präsident Mohammed Mursi gestürzt und gewann die Präsidentenwahl im vergangenen Jahr. Zu seinen zentralen Versprechen zählten die Verbesserung der Sicherheitslage und die Belebung der Wirtschaft. Bei letzterem soll der Neue Suezkanal helfen: Die Regierung hofft, dass sich die Einnahmen aus den Gebühren für die Kanalnutzung in den nächsten Jahren mehr als verdoppeln werden – von rund 5,3 Mrd. Dollar (4,9 Mrd. Euro) 2015 auf rund 13,2 Mrd. Dollar im Jahr 2023. Im gleichen Zeitraum soll sich auch die Zahl der Schiffe, die täglich auf der Wasserstraße unterwegs sind, fast verdoppeln. Analysten sehen die offiziellen Vorhersagen allerdings skeptisch. Er glaube nicht, dass Reeder bereit seien, für kürzere Wartezeiten höhere Gebühren zu zahlen, sagte Ralph Leszczynski aus der Forschungsabteilung des italienischen Schiffsmaklers Banchero Costa. Für die Reeder stünden niedrige Kosten an erster Stelle und nicht der Zeitfaktor. Derzeit befahren täglich 49 Schiffe den Kanal. Durch den Neuen Suezkanal reduziert sich die durchschnittliche Wartezeit der Schiffe von 18 auf elf Stunden. Für Ägypten sind die Kanalgebühren eine wichtige Einnahmequelle. Die Regierung hofft zugleich, dass sich die Gegend um den Kanal zu einem Industriezentrum entwickelt. Entsprechend groß fiel die Eröffnungszeremonie in der Hafenstadt Ismailia aus, zu der auch Frankreichs Präsident Francois Hollande anreiste. Spruchbänder mit Aufschriften wie Ägyptens Geschenk an die Welt und Das ägyptische Wunder waren zu sehen. Dutzende Busse brachten geladene Gäste zu der Veranstaltung. Für die Eröffnungszeremonie wurden strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen; zahlreiche Einsatzkräfte waren vor Ort. Überschattet wurden die Feierlichkeiten von der Drohung der Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS), einen Kroaten zu töten, der in der Nähe von Kairo entführt worden war. (APA, 6.8.2015)'