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33cc8881366b1142f22e01b8307bc3f9 | Primavera - Leichter lernen Geschenkset: endlich einfacher lernenSie oder Ihr Kind müssen Tag für Tag viel lernen? Wie wäre es da mit ein wenig Unterstützung? Beispielsweise in der Form eines Duftes? Das Label Primavera hält ein hochwertiges Leichter Lernen Geschenkset bereit, das Ihnen und dem Nachwuchs ganz bestimmt die Lust am Lernen zurückgibt. Das Set besteht aus einem Duft in der Form eines Duftöls sowie einem Aroma-Keramikstein. Verpackt ist das Ganze in einer tollen Box im Stil einer Schultasche. Das Duft-Öl befindet sich in einer Glasflasche mit Schraubverschluss. In der Flasche befinden sich 5 ml Inhalt.Edle Duft-Komposition aus Zitrone, Grapefruit und OrangeFruchtige Zitrone, umrahmt von Orange und Grapefruit, ist das ganze Geheimnis, aus dem sich das Leichter Lernen Geschenkset zusammensetzt. Die frische Mixtur aktiviert die Nervenzellen und hebt die Stimmung, allesamt wirkungsvolle Essenzen für eine deutlich verbesserte Lerneinstellung und -leistung. Versprühen Sie den Naturduft im Raum und überzeugen Sie sich von den ausgezeichneten Wirkungsweisen am besten gleich selbst. Das Label Primavera hat sich auf hochwertige Erzeugnisse aus reinen Naturessenzen spezialisiert. Neben den Geschenksets gibt es von dem Hersteller ebenfalls Pflegecremes und vieles mehr. Sie erhalten bei uns im Shop weitere Geschenksets des Labels Prinavera.
Der frisch-fruchtige Duft 100% naturreiner ätherischer Öle wirkt motivierend und fördert die Konzentration. Wird dieser Duft beim Lernen eingesetzt, kann sich das Gelernte besser verankern. Sobald der Duft wieder in der Luft liegt, lässt sich das Gelernte leichter abrufen. Die perfekte Begleitung beim Lernen. Zitrone | Der klare Duft der Zitrone wirkt konzentrationsfördernd und hilft klare Gedanken zu fassen. Grapefruit | Die fruchtig-herbe Grapefruit schenkt Motivation und verhilft zu neuem Tatendrang. Orange | Orangenduft verbreitet gute Stimmung und gleicht aus, um gelassen an neue Aufgaben heranzutreten.
Kurzinfo: Mcafee Video Training on Demand - Kurs für selbständiges Lernen - im Voraus bezahlt Gruppe Referenzmaterial Hersteller McAfee Hersteller Art. Nr. TRN-ELEARNA EAN/UPC Produktbeschreibung: Mcafee Video Training on Demand - Kurs für selbständiges Lernen Typ Kurs für selbständiges Lernen Titel Mcafee Video Training on Demand Preise Im Voraus bezahlt Ausführliche Details Allgemein Typ Kurs für selbständiges Lernen Klasse Netzwerksicherheit Referenzquelle Titel Mcafee Video Training on Demand Preise Im Voraus bezahlt
Karteikartenbox zum Lernen und Aufbewahren von 400 Karteikarten im DIN A8 Format. Die STYLEX Toppoint Lernbox ist in den Farben blau, rot, grün und pink erhältlich. Die Farbe ist nicht frei wählbar.
Kurzinfo: Mcafee Video Training on Demand - Kurs für selbständiges Lernen - im Voraus bezahlt - Associate Gruppe Referenzmaterial Hersteller McAfee Hersteller Art. Nr. TRN-ELEARN-Z1A EAN/UPC Produktbeschreibung: Mcafee Video Training on Demand - Kurs für selbständiges Lernen Typ Kurs für selbständiges Lernen Titel Mcafee Video Training on Demand Preise Im Voraus bezahlt Preisprogramm McAfee SecurityAlliance Reseller Partner Program - Associate Lokalisierung Südeuropa Ausführliche Details Allgemein Typ Kurs für selbständiges Lernen Klasse Networking / Kommunikation Lokalisierung Südeuropa Referenzquelle Titel Mcafee Video Training on Demand Preise Im Voraus bezahlt Preisprogramm McAfee SecurityAlliance Reseller Partner Program - Associate
Bei viel Stress im Job oder beim langen Lernen kann es schon einmal passieren, dass einem die Motivation abhanden kommt oder die Konzentrationsfähigkeit nachlässt. Gut, wenn Sie in diesem Fall den Leichter lernen Duft Roll-On von Primavera dabei haben. Dieses Produkt aus dem Bereich Bioraumduft Airsprays hebt mit seinem erfrischenden Duft die Stimmung und sorgt für neue Energie.Für mehr Konzentration, eine bessere Stimmung und viel LebensfreudeDie Bioraumduft Airsprays von Primavera für zu Hause erfreuen sich großer Beliebtheit. Jetzt gibt es die wohltuenden Düfte auch für unterwegs. Der Leichter lernen Duft Roll-On begeistert mit einem zitronig frischen Duft, der Ihre Sinne erfrischt und die Konzentrationsfähigkeit steigert. Essenzen der Grapefruit verleihen dem Roll-On ein spritzig herbes Aroma und stärken die Motivation. Das enthaltene Orangenblütenwasser hebt die Stimmung.Die Anwendung des Leichter lernen Duft Roll-On von Primavera ist denkbar einfach. Geben Sie bei Bedarf etwas davon auf Schläfen, Stirn und Nacken und atmen Sie den vitalisierenden Duft tief ein. Genießen Sie den süßen, warmen und zitronig frischen Geruch und spüren Sie die erheiternde Wirkung.
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Erstes Lernen: Bauernhof Dieses kunterbunte Lernbilderbuch begleitet Kleinkinder beim Spracherwerb und erweitert spielerisch ihren Wortschatz. Auf großen, farbigen Fotos erkennen die Kinder Tiere und Gegenstände rund um das Thema Bauernhof wieder und lernen, sie zu benennen. Eingestreute Fragen animieren zum Ansehen der Bilder und Nachsprechen der Wörter. Praktische Griffregister seitlich und oben wecken die Neugier und ermöglichen ein kinderleichtes Aufklappen und Suchen bestimmter Seiten. Besonders stabile Verarbeitung. Ab 1 Jahr
Primavera - Leichter lernen Raumspray für gute Leistungen in Schule oder BerufSie oder Ihr Kind müssen aktuell viel lernen? Was halten Sie von einem Raumspray, das Sie beim Nacharbeiten und Auswendiglernen unterstützt? Vom Label Primavera gibt es ein effizientes Leichter Lernen Raumspray, das die Konzentrationsfähigkeit verbessert und Ihnen in Bezug auf das Lernen neuen Auftrieb gibt. Der Duft befindet sich in einem kleinen Flakon mit Pumpmechanismus und enthält 30 ml Flüssigkeit. Das Spray lässt sich kinderleicht verwenden. Verteilen Sie einfach eine kleine Menge des Sprays in Wohnbereich oder Kinderzimmer. Am besten lüften Sie den Raum vorher gründlich und schließen dann das Fenster. Mit zitronigem Duft zu verbesserten LernergebnissenFrische Zitrone kombiniert mit Grapefruit und Orange ergibt einen einzigartigen Duft, der die Sinne weckt und den Verstand aktiviert. Damit sorgen Sie mit den Bioraumduft Airsprays des Labels Primavera für beste Lernergebnisse, übrigens sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Von dem Label erhalten Sie weitere Bioraumduft Airsprays sowie ebenfalls Pflegecremes und Accessoires. Sie können die verschiedenen Erzeugnisse bei uns im Shop bestellen. Daneben gibt es von dem Hersteller hochwertige Geschenkesets, die Sie an Freunde oder Bekannte weiterreichen können. Setzen Sie die Produkte zum Beispiel als Mitbringsel ein.
Leichter lernen Set (Packungsgröße: 5 ml) können in Ihrer Versandapotheke www.apodiscounter.de erworben werden.
Sicher und schnell in Kajak und Canadier Einstieg in den Kanu-Rennsport verständlich erklärt Für Kinder, Jugendliche, Eltern und Betreuer Zeichnungen und Bilder zur Paddeltechnik Autor/in: Katrin Sendelbeck, Tina Schmidt ISBN: 978-3-937743-58-5 144 Seiten | 2.96875 | 2.484375 | 2.203125 |
35d005c153d83452f7e9aa40114f828b | Ein unerzogener Hund, der ständig an der Leine zieht, kann, je nach Größe und Gewicht des Hundes, ganz schön viel Kraft beanspruchen. Gleichzeitig strapaziert das die Nerven desjenigen, der den Vierbeiner an der Leine führt. Dem Hund selbst kann das Zerren aber ebenso schaden. Ein spezielles Hundegeschirr für ziehende Hunde kann hier viel ausmachen und tut Mensch und Hund gleichermaßen gut.
Wieso zerren Hunde überhaupt an der Leine?
Es gibt Vierbeiner, die einfach nie schnell genug voran kommen können. Sie haben es besonders eilig beim Gassigehen, wollen entgegenkommende Spaziergänger immer zuerst begrüßen und anderen Hunden stets zuvor kommen.
Bei manchen Hunden liegt das daran, dass sie zu spät oder gar nicht erzogen wurden und das normale Gehen an der Leine nicht gewöhnt sind. Andere sind sehr charakterstark und so schwierig zu erziehen, dass die Besitzer entweder eine lange Erziehungszeit benötigen oder gar resigniert haben und den ziehenden Hund nun gezwungenermaßen akzeptieren.
Wieder andere Hundebesitzer wollen gerade ihren Welpen daran gewöhnen, bei Fuß zu laufen und eben nicht zu ziehen. Doch auch aggressive Hunde können beim Spazierengehen ein Dauerproblem darstellen.
Warum ein Hund zieht, ist also eine individuelle Angelegenheit. Diejenigen, die den Hund an der Leine führen, stört vor allem das Ziehen. Den Hund stört natürlich die lästige Leine und, dass er einfach nicht schnell genug voran kommt.
Besser Gassigehen mit einem speziellen Hundegeschirr für ziehende Hunde
Dass der Straßenverkehr unbehelligt an Hund und Mensch vorbeizieht, macht die Sache, den Hund zu bändigen, nicht einfacher. Da heißt es für den Besitzer: Ruhe bewahren und die Erziehung stur durchziehen, bis der Vierbeiner sie verinnerlicht hat. Das kann mitunter einige Zeit dauern und richtet sich, neben der eigentlichen Erziehungsmethode, vor allem nach der Konsequenz des Besitzers und der Charakterstärke des Hundes.
Unterstützend kann hier ein spezielles Hundegeschirr für ziehende Hunde wirken, welches auf schonende Art und Weise dem Hund zeigt, dass das Laufen ohne Zerren wesentlich angenehmer ist. Solche Geschirre werden selbst von Profis verwendet, die viele Jahre Erfahrung mit der Hundeerziehung vorweisen können. Es hat sich also einfach bewährt.
Das Geschirr wird um den Brustkorb angelegt, die Leine wahlweise vorne unterhalb des Halses oder hinten zwischen den Schulterblättern befestigt. Außerdem besteht die Möglichkeit, an beiden Ringen gleichzeitig die Leine anzuschnallen. So hat der Hundeführer noch mehr Kontrolle über die Bewegung des Vierbeiners.
Die Top-Seller unter den Hundegeschirren
Raining Pet Hundegeschirr
Das Anti-Zug-Geschirr von Raining Pet ist für kleinere, mittlere und große Hunde in den Größen M bis XL sowie in drei verschiedenen Farben erhältlich. Dazu passend ist die robuste Führleine mit gepolstertem Griff. Der Brustgurt ist variabel. Einmal eingestellt lässt sich das Geschirr einfach per Gurtschnalle an- und ausziehen.
- No Pull Design & Bessere Kontrolle : Das Anti Zug Design verringert die Belastung am Hals an der Leine beim Spaziergang oder Joggen, das die Gefahr vom Ziehen verkleinert. Die Zugkraft wird durchschnittlich auf den Körper verteilt. Individuell anpassbare Passform des Brustgeschirrs bietet mit der Einstellbarkeit die Bewegungsfreiheit
- EXTRA GRIFF UND 2 D-RINGE FÜR EINFACHE KONTROLLE: Mit dem Griff können Sie Ihr Haustier bei einigen gespannten Situation bequemer steuern. Die Metalringe an der Brust und am Rücken des Hundegeschirres bieten Ihnen mehr Möglichkeiten zur Kontrolle. Wenn Sie mit Ihrem Hund spazieren gehen, benutzen Sie den hinteren Ring. Wenn Ihr Hund zieht, nutzen Sie den Brustring zur Kontrolle.Einfaches An- und Ausziehen, 2 Befestigungsmöglichkeiten für die Leine für optimale Kontrolle: D-Ring aus Aluminium am
- KOMFORT GEPOLSTERTE GRIFF Hundeleine: Diese Hundeleine ist aus dem stärksten 1/2-Zoll-Durchmesserkletterseil und sehr haltbarem Metallklammerhaken, damit ist sicher genug für Sie und Ihre Hunde.Die Trainningsleine mit weichem, gepolstertem Griff kann Ihnen eine komfortable Haltenserfahrung anbieten, damit können Sie das Gefühl, mit Ihrem Hund entspannt spazieren zu gehen und Ihre Hand vor Verletzten, genießen
- Einfach zu Tragen und Anzupassen : Mit einstellbarem Brustgurt und der Schnalle ist das An- und Ausziehen für Hunde leichter und schneller. Komplett verstellbare Gurte an der Brust und am Hals ermöglichen individuelle Passform für Ihren Liebling, perfekt für Tägliches Laufen, Spazieren, Joggen, Wandern, Training, usw
- SAFTY IN DER NACHT: Das reflektierendem Material macht das Geschirr Ihren Hund im Dunkeln sichtbar: Damit halten Sie die Sicherheit Ihres Hundes während der Dämmerung, Nacht, Nebel oder Regentage durch Reflektoren
Rabbitgoo Hundegeschirr für ziehende Hunde
Dieses Geschirr eignet sich auch für Rettungs- und Arbeitshunde, die dank des Rückengriffs selbst ohne Leine zielgerichtet geführt werden können. Material und Schnallen sind besonders robust und wetterfest. Das Geschirr ist durch Brustgurt, Bauchgurt und Halsgurt dreifach gesichert, einfach verstellbar und engt nicht ein. Erhältlich in M und L.
- MESSEN VOR DEM KAUF: Bitte messen Sie Ihren Hund vor Bestellung nach der Größentabelle (Halsumfang48-61cm,Brustumfang 48-96cm,Bauchumfang 48-89cm,Gewicht 20-36kg) SICHER FÜHLEN: Mit dem Geschirr garantieren Sie die Sicherheit Ihres Hundes und lassen Ihr geliebte Hund sich wohl fühlen, auch wenn Sie es ziehen.
- HUNDEGESCHIRR MIT SICHERHEIT - Es ist perfekt für tägliches Spaziehengehen, Laufen, Wandern, Training, Jagd und anderes! Die helle Reflexstreifen macht Ihren Hund im Dunkeln sichtbar. Es garantiert die Sicherheit Ihres Hundes in der Dämmerung, Nacht, Nebel oder Regentage mit Reflektierenden Streifen.
- HILFREICHER GRIFF - Der stark gepolsterte Tragergriff ermöglicht ein bequemes und ausgewogenes Heben für Sie und Ihren Hund; Verwenden Sie es, um Ihren Hund bei Hindernissen zu unterstützen oder um Ihren Hund während eines Ausflugs oder Trainings bequemer und einfacher zu steuern.
- MÜHELOSE ANPASSUNG - Die voll einstellbare Hundeweste verfügt über 5 Einstellpunkte (3 um den Hals und 2 um die Brust / den Bauch), um sicherzustellen, dass Ihr Hund jederzeit sicher und bequem angelegt wird, ohne die Bewegung einzuschränken.
- BEQUEMES ANZIEHEN - Ein weiches und atmungsaktives Masche Design sorgt für optimalen Komfort bei ausgedehnten Spaziergängen, beim Training und bei Outdoor-Abenteuern; Langlebig, leicht und wetterfest.
Morpilot reflektierendes Anti-Pull-Geschirr
Das Morpilot Hundegeschirr für ziehende Hunde gibt es in den Größen M, L und XL. Es zeichnet sich durch ein wasserfestes, strapazierfähiges Material aus sowie durch viele reflektierende Details. Ist das Geschirr an den Körper des Hundes angepasst, kann es schnell und einfach per Gurtschnallen an- und ausgezogen werden.
- ✪ EINSTELLBARE GRÖSSE: M Größe für Brust mit 56-69 cm, L Größe für Brust mit 69-81 cm, XL Größe für Brust mit 81-107 cm. Die Abmessungen von Brust und Hals können angepasst werden, um die Flexibilität und den Komfort des Tieres zu maximieren.
- ✪ ANTI TRAKTION: Unser Hundegeschirr hat 2 Zinklegierungsringe auf Brust und Rücken des Hundes. Wenn Ihr Hund zieht, können Sie den Brustring anbringen, um Ihren Hund zu kontrollieren. Wenn Sie mit Ihrem Hund spazieren gehen, können Sie den Ring auf dem Rücken des Hundes verwenden. Keine Belastung des Halses des Hundes, kein Erwürgen, eine ideale Lösung, um Ihren Hund zu ziehen.
- ✪ HOCHWERTIGES MATERIAL: 100% Polyester + Oxford-Gewebe, langlebig und wasserdicht. Atmungsaktives Netzfutter mit einem weichen Schwamm zur Vermeidung von Verletzungen und reflektierendem Material für gute Sichtbarkeit während des Nachtrennens. Schützen Sie Ihr Haustier bei maximalem Komfort.
- ✪ EINFACHE BENUTZUNG: Schieben Sie einfach den Kopf des Tieres und befestigen Sie die Seiten an der Rückseite des Beins, um zu gehen, zu laufen, zu wandern, Hundetraining zu betreiben und andere Outdoor-Aktivitäten durchzuführen. Geeignet für Labrador, Shepherd, Dobermann, Golden Retriever und andere.
- ✪ GESCHENKE UND SERVICE: Jede Packung enthält eine zusammenklappbare Hundenapf. Wenn Sie Fragen zum Hundegeschirr haben, kontaktieren Sie uns bitte und Sie erhalten innerhalb von 12 Stunden eine Antwort.
Wie teuer sind Anti-Zieh-Hundegeschirre?
Einsteigermodelle gibt es bereits ab etwa 20 Euro im Internet. Wer aber spezielle Anforderungen hat oder ausgefallene Designs wünscht, kann auch deutlich mehr dafür ausgeben. Muss das Modell zudem auf Maß angefertigt werden, weil es für den Hund kein passendes Geschirr zu kaufen gibt, wirkt sich auch das selbstverständlich auf den Preis aus.
Sind Geschirre nur für große Hunde nötig?
Nein, die Größe des Hundes spielt keine Rolle, ob ein Hundegeschirr für ziehende Hunde sinnvoll ist oder nicht. Auch kleine Hunde zerren an der Leine, wenn sie nicht erzogen sind.
Der Unterschied besteht aber häufig darin, dass bei kleinen Hunden das Zerren eher akzeptiert und oft nicht durch richtige Erziehung unterbunden wird. Das hat den einfachen Grund, dass selbst ein Kind einen Chihuahua halten kann, wenn dieser zieht. Zerrt aber ein Deutscher Schäferhund an der Leine, hat so mancher Erwachsener seine Probleme, diesen in der Spur zu halten.
Ob ein Vierbeiner zieht oder nicht, hat also nichts mit der Größe zu tun, sondern vorrangig mit der Erziehung und ebenso mit der Rasse, genauso aber auch mit den Besitzern. Sind diese nicht konsequent genug oder zu unerfahren, nutzen viele Hunde die ihnen eingeräumte „Narrenfreiheit“ aus.
Ganz davon abgesehen ist generell ein Geschirr für den Hund, ob groß oder klein, angenehmer als ein schlichtes Halsband. Mehr dazu im folgenden Abschnitt.
So wird die richtige Größe ermittelt
Vor der Anschaffung von einem Hundegeschirr für ziehende Hunde ist Ausmessen angesagt. Geschirre gibt es in verschiedenen Größen, so dass sich für nahezu jede Rasse ein passendes Exemplar finden lässt.
Ausschlaggebend, welche Größe benötigt wird, ist der Brustumfang. Dieser wird wie folgt ermittelt:
- Der Hund sollte gerade stehen.
- Gemessen wird knapp hinter den Vorderbeinen an der breitesten Stelle des Brustkorbes.
- Verwendet wird hierfür ein flexibles Maßband, das locker um den Brustkorb gelegt wird.
Wichtig ist, dass das Maßband nicht fest umgelegt wird, aber ebenso nicht zu locker. Das Maßband sollte den Hund nicht beengen. Nur so ist sichergestellt, dass das Geschirr später passt und nicht doch zu klein oder zu groß ist. Zwar sind die Geschirre in der Regel in gewissem Maße variabel. Hat der Hund aber eine „Zwischengröße“, kann es im schlimmsten Fall bei einem groben Messfehler doch nicht passen.
FAQ
🐶 Direktvergleich Halsband und Geschirr - Was ist besser?
Trägt der Hund ein normales Halsband, drückt er sich hiermit beim Ziehen selbst die Luftzufuhr ab. Das ist nicht nur ungesund, sondern verleitet den Vierbeiner auch dazu, sich durch besonders geschickte Verrenkungen in einem unbeobachteten Augenblick aus dem Halsband zu befreien. Das schaffen selbst vermeintlich grobmotorische Hunde, die sonst nicht den gelenkigsten Eindruck machen. Wird das Halsband danach einfach enger gestellt, macht es das für den Hund natürlich keineswegs angenehmer. Trägt der Hund allerdings ein Geschirr, ist ein einfaches Befreien nicht möglich, denn dieses ist um Brust und Bauch gezogen. Alleine kann sich ein Hund daraus in der Regel nicht befreien. Zudem wird auch die Luftzufuhr nicht beeinträchtigt. Ein Hundegeschirr für ziehende Hunde ist also eine Überlegung wert, wenn der Vierbeiner immer sehr ungeduldig unterwegs und kaum zu kontrollieren ist.
🐶 Wo kann man ein Hundegeschirr für ziehende Hunde kaufen?
Im Internet gibt es eine große Auswahl verschiedener Ausführungen. Diese unterscheiden sich vom Design, von der Größe und von der Art der Anwendung. Selbstverständlich sind Geschirre genauso im Fachgeschäft erhältlich, wobei die Auswahl sich dann häufig auf die gängigsten Modelle und Größen beschränkt. Wer sich gar nicht auskennt oder genaue Vorstellungen hat, sollte sich am besten vor dem Kauf beraten lassen. Zum Beispiel ist das in einem Fachhandel möglich. Viele Hersteller bieten auch einen Kundenservice per Telefon oder Mail.
🐶 Ist ein Hundegeschirr für ziehende Hunde artgerechter als ein Halsband?
Rein von der Natur aus gesehen ist weder ein Hundegeschirr, noch ein gewöhnliches Halsband, artgerecht. Denn als Nachfahre des Wolfes ist es die Natur des Hunden, frei zu laufen. Und ja, auch jagen gehört durchaus dazu und ist ein Charakterbestandteil vieler Hunderassen. Brav neben dem Herrchen zu gehen und auf Kommando stehen zu bleiben, das sind Dinge, die sich erst seit der Domestizierung des Hundes durch den Menschen entwickelt und etabliert haben. Ein Geschirr ist gesünder für den Hund und ein Stück weit befreiender. Obwohl das Hundegeschirr für ziehende Hunde zunächst einschränkender aus Sicht des Menschen erscheint, ist es das keineswegs. Der Brustgurt schneidet nicht ein und die Bewegung wird, im besten Fall, nicht beeinträchtigt. Ist der Hund stattdessen an einem normalen Halsband angeleint, schnürt er sich selbst die Luft ab, sobald er daran zieht. Ob ein Geschirr artgerechter ist als ein Halsband, lässt sich auch noch drastischer erklären: Der Hals ist eines der empfindlichsten Körperteile, egal ob Mensch oder Tier. Für die meisten Menschen ist es sehr unangenehm, wenn eine andere Person ihren Hals mit beiden Händen umfasst, selbst wenn die Hände nur aufgelegt sind. Dass es einem Hund also unangenehm ist, wenn er am Hals zurück gezogen wird, sollte daher verständlich sein. Ein Halsband mit Leine ist darüber hinaus, wenn es auf den Menschen übertragen wird, ein Symbol der Sklaverei. Es gibt sicherlich Menschen, die auch oder gerade deswegen ein Geschirr einem Halsband gegenüber bevorzugen, weil sie ihren Hund als Freund und nicht als vermeintlichen Sklaven sehen.
🐶 Wie hilft ein Hundegeschirr, ziehende Hunde zu erziehen?
Vom Prinzip her erfüllen alle Geschirre den gleichen Zweck. Zieht der Hund an der Leine, wird er automatisch am Brustkorb zurück gehalten. Gleichzeitig verliert er die Kontrolle über die Vorderbeine, denn das Zerren bewirkt, dass diese in die Luft gehoben werden. Kleinere Unterschiede in den einzelnen Geschirren wirken zudem unterstützend beim Gehen an einer befahrenen Straße oder auch beim Joggen oder Fahrrad fahren. Damit der Vierbeiner lernt, bei Fuß zu gehen und nicht nach links oder rechts auszubüxen, gibt es die Möglichkeit, die Leine an zwei Punkten gleichzeitig zu befestigen. Der Hundeführer erhält nun mehr Kontrolle und kann einem Ausscheren durch die doppelte Leinenführung entgegen wirken. Hierfür wird die Leine in der Regel an einem Punkt hinter den Schulterblättern sowie an einer Seite befestigt. Soll der Hund rechts vom Hundeführer gehen, wird die Leine an der linken Seite eingehängt. Läuft der Hund links, ist die Leine rechts am Geschirr angebracht. Der Hundeführer kann mit der seitlichen Leine den Hund schonend dazu zwingen, auf seiner Seite zu bleiben. Möchte er auf die andere Seite wechseln, wird diese Leine verkürzt gehalten. Er kann dann zwar normal weiter laufen, aber aufgrund des Widerstands durch die straffe Leine nicht plötzlich ausscheren. Der Hund spürt also selbst, dass er keinerlei Chance hat, durch das Ziehen schneller voran zu kommen. Je nachdem, wie gut und schnell er daraus lernt, hat sich dieses Verhalten also bald von selbst erledigt.
🐶 Ersetzt ein Geschirr die Erziehung?
Keineswegs! Ein Hundegeschirr ist für ziehende Hunde nur ein unterstützendes Erziehungsmittel, aber kein Ersatz für eine Erziehung selbst. Wer sich einen (Problem-)Hund anschafft und diesem beibringen möchte, normal an der Leine zu gehen, sollte sich nicht nur auf das Geschirr verlassen. Wird der Hund nämlich abgeleint und läuft frei, wird er sich so verhalten, wie er es für richtig hält. Ist er dann unerzogen, wird es sehr schwer, ihn vom Jagen, Hochspringen an anderen Menschen oder von einer aggressiven Begrüßung gegenüber Menschen oder Hunden, abzuhalten. Anfangs ist ein Geschirr aber für Besitzer und Hund ein guter Einstieg in das Erlernen der Leinenführigkeit. Und selbst wenn der Vierbeiner brav bei Fuß läuft und alle Grundkommandos zuverlässig ausführt, ist ein Geschirr weiterhin besser als ein gewöhnliches Halsband. Das gilt im Übrigen auch für den Besuch in einer Hundeschule. Gerade dann, wenn es noch immer gelegentlich Situationen gibt, in denen der Hund plötzlich doch stürmisch wird, lohnt es sich, langfristig bei einem Hundegeschirr für ziehende Hunde zu bleiben.
🐶 Der Hund lässt sich das Geschirr nicht anziehen - Was jetzt?
Genauso wie ein Hund an ein Halsband gewöhnt werden muss, wird er sich auch erst an ein Geschirr gewöhnen müssen. Bei manchen Hunden dauert das einige Zeit, andere haben sich schnell damit abgefunden. Wichtig ist, als Besitzer nicht aufzugeben, wenn der Hund sich nicht anziehen lassen möchte. Selbst dann, wenn es anstrengend ist oder lange dauert. Konsequenz ist in der Hundeerziehung unverzichtbar. Kleine Ausrutscher in der Strenge spüren die meisten Hunde sofort und werden immer wieder versuchen, mit einem herzerweichenden Blick oder besonders dramatischem Verhalten erneut ein Bruch in der Konsequenz zu bewirken. Es gibt sogar Rassen, die sehr geschickt darin sind, ihr Herrchen oder Frauchen auszutricksen oder gegeneinander auszuspielen. Möchte sich der Hund partout nicht anziehen lassen, ist also gehöriges Durchsetzungsvermögen gefragt. Kann sich der Vierbeiner selbst nach einigen Wochen nicht an das Hundegeschirr gewöhnen, ist es vielleicht das falsche Modell. Manchmal ist es erforderlich, einfach eine andere Ausführung auszuprobieren. Das Bestechen mit einem Leckerchen hat sich darüber hinaus auch als wirksam erwiesen. Wird der Hund nach dem Anziehen belohnt, wenn er brav war, wird er sich das merken.
🐶 Kann man mit jedem Geschirr Hundesport ausüben?
Sicherlich ist nicht jedes beliebige Hundegeschirr für ziehende Hunde beim Sport geeignet. Wer speziell für den Hundesport ein Geschirr sucht, sollte darauf achten, dass es flexibel ist, den Hund keinesfalls einschränkt und der Vierbeiner darunter idealerweise nicht schwitzt oder sich gar Scheuerstellen bilden. Bei Sportarten, die durch unwegsames Gelände sowie durch und über Hindernisse führen, ist es zudem sehr wichtig, dass der Hund sich mit seinem Geschirr nirgendwo verfangen kann. Bleibt er mit seinem Geschirr hängen, kann das mitunter sogar zu Unfällen führen, die Verletzungen nach sich ziehen. Im schlimmsten Fall wird diese Situation lebensgefährlich. Schwimmt ein Hund sehr gerne, sollte das Geschirr darüber hinaus natürlich wasserfest sein. Als Ansprechpartner, welches Hundegeschirr für ziehende Hunde beim Sport geeignet ist, können hier andere Hundebesitzer dienen, die ebenfalls sportlich aktiv sind. Vielleicht können sie ein Modell besonders empfehlen oder andererseits von bestimmten Geschirren abraten, weil sie sich als unpraktisch oder weniger robust erwiesen haben. Gerne werden auch Hundetrainer oder das Personal im Fachgeschäft weiterhelfen.
Fazit zum Hundegeschirr für ziehende Hunde – Pros und Contras zusammengefasst
Letzte Aktualisierung am 10.04.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API
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c8c34fe3b471c11a8b2bd3069ccfecd8 | Vor 100 Jahren befand sich die junge Sowjetrepublik im Frontring und wurde zum Militärlager. 2 September 1918 wurde vom Allrussischen Zentralen Exekutivkomitee des Revolutionären Militärrats der Republik (RVSR, RVS, Revolutionärer Militärrat) unter der Leitung von Leo Trotzki gegründet.
Das Dokument sehr klar und genau das Wesen dieser Zeit definieren: „Face mit den imperialistischen Räubern zu Angesicht suchen die Sowjetrepublik zu ersticken und ihren Körper auseinander reißen, von Angesicht zu Angesicht mit seinem gelben Fahne Verrat der russischen Bourgeoisie erhoben, verriet die Arbeiter und Bauern auf die Schakale des ausländischen Imperialismus, Das Zentrale Exekutivkomitee der Sowjets der Arbeiter, Bauern, Roten Armee und Kosaken entscheidet: Die Sowjetrepublik verwandelt sich in ein Militärlager.
An der Spitze aller Fronten und aller militärischen Institutionen der Republik steht der Revolutionäre Militärrat mit einem Oberbefehlshaber. Alle Kräfte und Mittel einer sozialistischen Republik werden der heiligen Sache des bewaffneten Kampfes gegen Vergewaltiger zur Verfügung gestellt. Alle Bürger, unabhängig von Beruf und Alter, müssen diese Verpflichtungen zur Verteidigung des Landes, die ihnen von den sowjetischen Behörden übertragen werden, bedingungslos erfüllen.
Unterstützt von der gesamten arbeitenden Bevölkerung des Landes, wird die Rote Armee der Arbeiter und Bauern die imperialistischen Raubtiere zerschlagen und zurückweisen und den Boden der Sowjetrepublik verschlingen. Die allrussische KEK beschließt, ihre Entscheidung vorzulegen, um die breitesten arbeitenden und bäuerlichen Massen zu erreichen, und verpflichtet alle Land-, Volks- und Stadträte sowie alle sowjetischen Institutionen, sie an prominenten Stellen aufzuhängen. Genosse Trotzki wird einstimmig zum Vorsitzenden des Revolutionären Militärrats ernannt. Oberbefehlshaber aller Fronten - T. Vatsetis. "
Mit diesem Dokument wurde die PBC zur höchsten kollegialen Instanz für die Landesverteidigung erklärt. Der erste Vorsitzende des Revolutionären Militärrats der Republik wurde zum Trotzki ernannt, dem Volkskommissar für militärische und maritime Angelegenheiten, der die Aktivitäten der RVSR von September 6 1918 bis Januar 26 am Januar 1925 leitete. RVS war bis Juni 20 1934 die höchste kollegiale Militärbehörde des Landes, als sie abgeschafft wurde.
Seit Oktober 1917 bis März 1918 gab es in Sowjetrussland keine einzige Regierungsbehörde, die sich gleichzeitig mit der Bildung der Roten Armee, der Leitung ihrer Militäreinsätze und der Gewährleistung der Verteidigung des gesamten Landes befasste. Diese Fragen wurden behandelt von: dem Volkskommissariat für militärische und maritime Angelegenheiten der RSFSR (Kommissar für militärische Angelegenheiten), das vom II. Allrussischen Sowjetkongress gebildet wurde; Allrussisches Büro für militärische Organisationen unter dem Zentralen Parteikomitee; Das revolutionäre Feldhauptquartier des Oberbefehlshabers und das Komitee der revolutionären Verteidigung von Petrograd. Nach Auswertung dieser Zeit sagte V. I. Lenin: „Wir mussten die ganze Zeit tappen ... tappen, versuchen, auf welche Weise das Problem in einer bestimmten Situation gelöst werden könnte. Und die Aufgabe war klar. Ohne die bewaffnete Verteidigung der sozialistischen Republik könnten wir nicht existieren. “
Erst im März 4 1918 durch die Entscheidung der Volkskommissare (SNK), unterzeichnet von VI Lenin wurde Oberster Militärrat mit der Unterordnung aller zentralen Organe der Militärabteilung gegründet. Dieses Dekret hob das Amt des Oberbefehlshabers auf, löste das Revolutionäre Verteidigungskomitee auf, löste das Allrussische Kollegium für die Organisation und Verwaltung der Roten Armee und das Revolutionsfeldhauptquartier im GHQ auf. L. Trotzki wurde Vorsitzender des Obersten Militärrats. Gebiet der Verschärfung der Lage an den Fronten des Bürgerkrieges und dem Beginn der groß angelegten Intervention der Entente 2 September einen neuen Körper der höchsten Militärbehörde des Landes - die Revolutionären Kriegsrat, die die Funktionen des gelösten Obersten Militärrates und Volkskommissariat für die Militär- und Marine-Angelegenheiten kombiniert. Revolutionäre Kriegsrat zu allen Organen und Beamten der militärischen Abteilung vorgelegt - Chef der Streitkräfte, russisches Hauptquartier (Vseroglavshtab), Außendienst rvsR, Höherer Military Inspection, Allrussischen Bureau of Military Kommissare (später politischer Abteilung und politischer Steuerung rvsR), das Militärischen Revolutionstribunal und anderer große und zentrale Verwaltung.
Mit Beschluss des VIII. Parteitags im April 1919 wurde die Politische Abteilung unter dem Revolutionären Militärrat eingerichtet, der im Mai in die Politische Direktion (PUR) umgewandelt wurde. Die PUR war für die gesamte parteipolitische, kulturelle und pädagogische Arbeit in der Armee und darüber hinaus verantwortlich Marine, Armeepresse, Ausbildung politischer Arbeiter. Die politische Abteilung ernannte und genehmigte Militärkommissare und sandte die Kommunisten zur politischen Arbeit. Die Leiter der PUR zu verschiedenen Zeiten des Bürgerkriegs waren I.T. Smilga, L.P. Serebryakov, S.I. Gusev, V.A. Antonov-Ovseenko. Im Oktober 1919 wurde das Institut der politischen Führer von Unternehmen, Staffeln und Batterien eingeführt, um den Militärkommissaren der Regimenter zu helfen. Im Dezember 1919 wurde auf Initiative des Zentralkomitees der Partei und der RVSR der Allrussische Kongress der politischen Arbeiter einberufen, der die Bestimmung über die politischen Abteilungen der Fronten, Armeen und Divisionen verabschiedete.
Die Versorgungsabteilung der Roten Armee war verantwortlich für die Zentrale Versorgungsbehörde, die vor 1921 existierte. Es wurde mit der Nachschubverwaltung betraut, opyжия und Munition, Nahrung für die Bedürfnisse der Armee. Diese Kontrolle spielte eine große Rolle beim Sieg der Roten Armee. Die Ausbildung der Kommandeure für die Rote Armee wurde von der Hauptabteilung der Militärschulen durchgeführt. Weitere Abteilungen wurden geschaffen: die Generaldirektion für universelle militärische Ausbildung, die Generaldirektion der Militärluftwaffe.
Der Hauptapparat der RVSR, durch den er die Streitkräfte führte, war das Hauptquartier. Es wurde am 6. September 1918 anstelle des aufgelösten Hauptquartiers des Obersten Militärrates gegründet. Ursprünglich als Hauptquartier der RVSR bezeichnet, und am 8. November 1918 in Field Headquarters umbenannt. Das Hauptquartier sammelte und verarbeitete die Informationen, die für die Durchführung von Militäreinsätzen erforderlich waren, übertrug die Befehle des Oberkommandos an die Truppen, leitete Militäreinsätze und betrieb auch das Eisenbahnnetz des Theaters für Militäreinsätze. Das Hauptquartier bestand aus mehreren Abteilungen: Betrieb, Verwaltung und Registrierung, Registrierung, zentrale Verwaltung der militärischen Kommunikation, Feldverwaltung Luftfahrt, Direktionen der Inspektoren: Infanterie, Kavallerie (seit 1919), Artillerie, Ingenieure und Panzereinheiten (seit 1920). Darüber hinaus umfasste das Hauptquartier die militärisch-wirtschaftlichen und militärisch-hygienischen Abteilungen. Die Chefs des Außendienstes zu verschiedenen Zeiten waren N.I. Rattel, F.V. Kostyaev, M.D. Bonch-Bruevich, P.P. Lebedev. Am 10. Februar 1921 fusioniert das Feldhauptquartier mit dem Allrussischen Hauptquartier zu einem einzigen Hauptquartier der Roten Armee der Arbeiter und Bauern.
Im ersten Teil des PBC enthalten: Trotzki (Vorsitzender), Peter Kobozev Mechonoschin Konstantin, Fedor Raskolnikow, Carl DANISEVSKIJ, Ivan Smirnov, Arkady Rozengolts und Joachim Vatsetis (Oberbefehlshaber der Streitkräfte). In den ersten Sitzungen der PBC wurden die Zuständigkeiten auf ihre Mitglieder verteilt. So wurde Nikolay Podvoisky, der Mitglied des XII. September und Mekhonoshin wurde, Chef der Obersten Militärinspektion, Smirnov vereinigte die Führung der politischen Arbeit in der Armee, und Danishevsky wurde mit der Leitung des Revolutionären Tribunals betraut. Zu dieser Zusammensetzung des Revolutionären Militärrats gesellten sich bald Mitglieder des Kommissariats der Militärkommissare Ephraim Sklyansky, Semyon Aralov und Konstantin Yurenev. Sklyansky übernahm den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden des Revolutionären Militärrats, der Rest der PBC beteiligte sich aktiv an den Kampfarbeiten an den Fronten. Es ist erwähnenswert, dass viele der wichtigsten Fragen der militärischen Aufbau und Organisation von Kampfhandlungen gelöst wurden, in der Regel nicht alle Mitarbeiter PBC; da die Mehrheit seiner Mitglieder seit Monaten an der Front war.
8 Juli 1919 des Jahres Lenin unterzeichnete ein Dekret des Rates der Volkskommissare über die Genehmigung einer neuen, abgekürzten (6 Mann) PPC-Zusammensetzung. Es umfasst: Trotzki (Vorsitzender), Sklyansky (stellvertretender Vorsitzender), A. Rykow, S. Gusev, I. Smilga und den neuen Oberbefehlshaber S. Kamenev. Alle anderen wurden von ihren Pflichten als Mitglieder des Revolutionären Militärrates entbunden und blieben in verantwortungsvoller militärischer Arbeit - sie waren normalerweise Mitglieder der militärischen Frontgarde-Revolutionen. Seitdem sind die Sitzungen des Revolutionären Militärrats regelmäßig geworden. Sie fanden dreimal pro Woche statt: montags, mittwochs und freitags. Zukünftig bestand das RVS während der gesamten Zeit des Bürgerkriegs zu verschiedenen Zeiten aus: N.I. Podvoisky, D.I. Kursky, I.V. Stalin, V.M. Altfater, V.I. Nevsky, A.I. Okulov, V.A. Antonov-Ovseenko.
Während des schweren Bürgerkriegs gelang es dem Revolutionären Militärrat als oberster Militärbehörde in der Sowjetrepublik, alle militärischen Institutionen zu vereinen, eine gewaltige reguläre Rote Armee zu bilden, alle menschlichen und materiellen Ressourcen des Landes zu mobilisieren, die Oktobereroberung der Weißen Garde sowie verschiedene Nationalisten und Interventionisten zu schützen. Es genügt, zu beachten, dass nur die ersten vier Monate nach der Gründung des Roten Armee rvsR 60 mit neuen Divisionen aufgefüllt, die den Militärdienst von Zehntausenden von Militärexperten teilnahmen - Vertreter der Kommandanten der russischen kaiserlichen Armee. In der Roten Armee begannen sie, ihre Kommandokader massiv vorzubereiten - mit Hilfe von Sonderkursen der Roten Armee. RVS wird immer unter besonderer Kontrolle gehalten von den Kurse an den Roten Kommandanten arbeiten und in kritischen Momenten, wenn es notwendig war, den Verlauf einer Operation zu ändern, wurden in die Schlacht Zusammenfassung Kadett Brigade eingeführt, den Mut und Hartnäckigkeit im Kampf unterschied.
Die RVS bereitete auch Second-Line-Truppen vor - allein in Moskau waren es fast 100 Tausend Arbeiter, und im Moskauer Distrikt wurden ungefähr 100 Tausend Menschen in Petrograd ausgebildet - 50 Tausend Menschen. Außerdem wurde die Rote Armee zum friedlichen Aufbau eingesetzt. In 1920 wurde die erste revolutionäre Arbeitsarmee im Ural organisiert, und die ukrainische Arbeitsarmee wurde im selben Jahr geschaffen.
Interessanterweise begann Trotzki gleichzeitig, den Kern der zukünftigen "Weltarmee" zu bilden. Zu Beginn von 1919 bildeten sich im Auftrag des RVSR nationale und internationale Einheiten als Teil der Roten Armee. So gibt wurden Kavallerie-Brigade der Wolgadeutschen, Bashkirskaya Gewehr Brigade, Division lettischer Gewehr et al gebildet. Gleichzeitig Bataillon und Unternehmen aus Ungarn ausgelegt sind, Tschechien, Polen, Deutsche, vor allem aus der ehemaligen POW. Es wurden auch koreanische und chinesische Einheiten gebildet.
- Autor:
- Alexander Samsonov
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cc951a3814e45099906fe7fa14663843 | Werner Rätz vertritt die Informationsstelle Lateinamerika (ILA) als Mitgliedsorganisation im bundesweiten Koordinierungskreis von Attac. Er arbeitet bei Attac überwiegend zu Fragen sozialer Sicherheit, bedingungsloses Grundeinkommen und „Genug für alle“. Zum Zeitpunkt des Gesprächs war er mit den Vorbereitungen der Proteste anlässlich des G8-Gipfels in Heiligendamm beschäftigt.
Islamische Zeitung: Wie bewerten Sie die letzten 10 Jahre, seit die Globalisierung verstärkt ins das öffentliche Bewusstsein gerückt ist? Wo stehen wir heute, und was hat Attac seither erreicht?
Werner Rätz: Als wir angefangen haben – in Deutschland im Jahre 2000, in Frankreich im Jahre 1998 – sah es so aus, als gäbe es zur neoliberalen ökonomischen Globalisierung überhaupt keine Alternative. Sowohl der damalige deutsche Bundeskanzler Schröder als auch ein großer Teil der internationalen Öffentlichkeit waren der festen Überzeugung, dass Globalisierung eine Unausweichlichkeit sei, der man sich fügen müsse – auch in der konkreten Gestalt, in der sie uns begegnete. Das hat sich, so glaube ich, inzwischen ganz massiv geändert. Es ist völlig klar, und niemand bestreitet das mehr ernsthaft, dass eine andere Welt möglich ist. Es wird darüber diskutiert, ob dies nötig ist und wie diese andere Welt aussehen kann, aber dass eine Welt, die ausschließlich zum Wohle der Finanzanleger funktioniert, nicht die einzig mögliche ist, ist längst in den Köpfen angekommen. Es ist längst auch bei den Regierungen angekommen, weshalb man dann auch solche Schauspiele geliefert bekommt wie am vergangenen Wochenende, wo die deutsche Bundesregierung die russische Regierung für die Repression gegenüber Demonstranten kritisiert, und die russische Regierung die deutsche Regierung wegen der Repression gegen Demonstranten kritisiert, die nichts anderes tun, als diese andere Welt einzufordern.
Islamische Zeitung: Wofür steht aus Ihrer Sicht eigentlich der Begriff “Globalisierung“?
Werner Rätz: Das ist eine wichtige Frage, denn Globalisierung ist ja zunächst einmal ein Containerbegriff, in den man hineinstecken kann, was man will. Wenn wir bei Attac von Globalisierung reden, dann präzisieren wir dies oft in Richtung finanzmarktgetriebene Globalisierung. Damit beschreiben wir einen Prozess, in dem Weltwirtschaft immer stärker an den Interessen der Finanzanleger ausgerichtet wird. Es gibt im ökonomischen Bereich eine ganze Reihe von unterschiedlichen Interessen, und die Interessen der Kapitalgeber, der Finanzanleger sind nur eine davon. In der Vergangenheit haben Konzerne und auch Regierungen ihre Politik beispielsweise an langfristiger Produktstabilität ausgerechnet, an einer bestimmten Stellung im Markt, am Zugang zu Rohstoffen oder ähnlichen Fragen. Heute hingegen geht es im wesentlichen um die Dividende, um den Börsenwert eines Unternehmens. Das übt massiven Druck auf alle anderen Systeme und alle anderen Fragestellungen aus, wie Soziales, Bildung und ähnliches, die dann im wesentlichen nur noch als Kostenfaktoren wahrgenommen werden, die den Finanzanlegern verloren gehen. Unter dieser Art von Globalisierung ist eben keine menschliche Entwicklung möglich.
Islamische Zeitung: Gibt es aus Ihrer Sicht auch Phänomene einer Globalisierung im positiven Sinne?
Werner Rätz: Ich könnte mir eine positive Globalisierung vorstellen. Diese dürfte nicht finanzmarktgetrieben sein, nicht im Interesse der großen Kapitalgruppen und der großen Vermögen stattfinden. Selbstverständlich sind wir als internationales Netzwerk in mehr als 50 Ländern vertreten; ein Netzwerk von begeisterten Internationalisten – wir wollen eine Welt ohne Grenzen, wir wollen eine Welt, die näher zusammenrückt, eine Welt, in der Menschen unmittelbar den Weg zueinander finden, wo auch immer auf der Welt sie leben. Das wäre auch eine Globalisierung, aber eine im Interesse des menschlichen Kontakts und nicht im Interesse der Finanzanleger. Auch die kapitalistische Globalisierung bietet andererseits auch Möglichkeiten des Zusammenkommens von Menschen – die Welt ist kleiner geworden, und die Tatsache, dass wir auf einer einzigen Weltkugel leben, ist sehr viel mehr im Alltagsleben präsent. Die positive Seite davon ist, dass viele Menschen es sich erlauben können, Teile der Welt zu sehen, von denen unsere Eltern noch nicht geträumt hätten; die negative Seite davon ist, dass sie dafür so viel um die Erde herumfliegen, dass man nicht weiß, ob unsere Kinder dies noch können werden.
Islamische Zeitung: Was sind Auswirkungen der Globalisierung konkret hier in Deutschland?
Werner Rätz: In den letzten acht bis zehn Jahren hat ein massiver Umbau der deutschen Ökonomie und des deutschen Sozialsystems stattgefunden in Richtung eines Fitmachens für den internationalen, globalisierten Konkurrenzkampf. Man kann das an einem Beispiel schön zeigen: Im Bericht der Weltbank von 1994, „A World in the Old Age Crisis“, ging es darum, den entwickelten Ländern vorzuschlagen, ihre Altersversorgung auf Kapitaldeckung durch private Rentenfonds umzustellen. Dies wurde in der Europäischen Union im Jahre 2000 als „Strategie von Lissabon“ ausdrücklich beschlossen und in der Bundesrepublik im Jahre 2001 mit der Riester-Rente begonnen umzusetzen; der Prozess mit ständigen Rentenreformen und einer immer stärkeren Privatisierung setzt sich seither ja weiter fort. Man könnte dies auch in anderen Bereichen auf ähnliche Weise zeigen. Gerade der Umbau der Sozialsysteme ist ein ganz entscheidender Punkt; aber auch die Unternehmenskultur hat sich verändert. Es ist ganz offensichtlich, dass immer mehr Investitionen in Unternehmen und immer mehr Aufkäufe von Unternehmen lediglich zu dem Zweck stattfinden, sie nach den Interessen der Finanzanleger neu zuzuschneiden, Teile abzustoßen, und andere sehr schnell wieder auf dem Markt zu verkaufen. Die Orientierung an langfristiger Kundenbindung hat massiv abgenommen, und die Gesetzeslage, was die Versteuerung von Veräußerungsgewinnen von Einnahmen aus Aktienbesitz oder aus Unternehmensverkäufen betrifft, hat sich massiv zugunsten der Finanzanleger geändert. Da ist eine Menge in Bewegung geraten, und das ist auch noch längst nicht abgeschlossen.
Islamische Zeitung: Wie sehen Sie bewaffnete Konflikte insbesondere im Nahen und Mittleren Osten im Zusammenhang mit der Globalisierung? Gibt es eine Position von Attac dazu? Werner Rätz: Unmittelbar von Attac nicht, nur begrenzt. Wir verstehen uns zwar als Teil der Friedensbewegung, arbeiten aber so, dass wir im wesentlichen schon den „Mutterbewegungen“ den Vortritt lassen, weil bei denen eine höhere Kompetenz zu diesem Thema vorhanden ist. Aber natürlich hat Attac auch eine Meinung zu den Konflikten im Nahen Osten. Zum einen ist es selbstverständlich, wenn man sich als Teil der Friedensbewegung begreift, dass wir der Meinung sind, dass die zugrunde liegenden Konflikte, die etwa hinter dem Nahostkonflikt stehen, aber auch hinter dem Irak-Krieg, unbewaffnet und friedlich lösbar sein müssten und auch lösbar sind. Der zweite wichtige Punkt scheint mir, dass das, was seit dem 11. September 2001 im Westen als „Krieg gegen den Terrorismus“ definiert und formuliert wird, ein fataler Irrtum ist, und zwar auf einer doppelten Ebene: Nicht nur dass man das falsche Mittel anwendet, indem man selbst mit brutalen, manchmal terroristischen militärischen Methoden diesen Krieg führt. Sondern auch deshalb, weil das, was dort als Terrorismus definiert wird, etwas zusammenfügt, was so überhaupt nicht zusammengehört. Es gibt selbstverständlich in einer Reihe von Ländern des Südens und gerade im Nahen Osten, wo es teilweise durch das Öl auch großen Reichtum gibt, eine Menge an Armut und eine Menge von arm gemachten Menschen, die den Eindruck haben, Globalisierungsverlierer zu sein. Dort muss man soziale Wege gehen und soziale Programme finden, um dieses Problem zu lösen. Man hat zweitens eine Gruppe, wie sie sich etwa in Al-Qaida zeigt, die im Prinzip Globalisierungsgewinner sind, nur nicht auf der allerhöchsten Ebene. Was Leute wie Usama Bin Ladin Leuten wie George W. Bush vorwerfen, ist ja nicht, dass sie mächtig sind, dass sie weltweit führende Rollen einnehmen, dass sie Interessen haben, die eng mit den Herrschenden und den Konzernen verbunden sind; sondern was sie ihnen vorwerfen ist, dass sie nicht selber in dieser Rolle sind. Dort wird in der Tendenz mit den arm gemachten Menschen und einer kleinen Gruppe, die lediglich für ihre Macht kämpft, durch den Krieg gegen den Terrorismus etwas zusammengefügt, was überhaupt gar nicht zusammengehört und was man dringend trennen müsste.
Islamische Zeitung: Spielen nicht auch ökonomische Begehrlichkeiten, etwa auf Rohstoffe, eine Rolle?
Werner Rätz: Selbstverständlich, und zwar auf zwei Ebenen. Zum einen gibt es unmittelbare Rohstoffinteressen. Nun zeigt sich heute im Irak ganz deutlich, dass das nicht so richtig klappt – das irakische Öl steht heute den USA zu schlechteren Bedingungen zur Verfügung als vor dem Krieg. Dennoch gibt es natürlich diese Interessen. Es gibt ein zweites Interesse, das zu tun hat mit strategischen, militärischen Vorteilen und der Definition, was eigentlich internationale Macht ist. Auch innerhalb der NATO-Länder gibt es ja durchaus unterschiedliche Interessen und Rivalitäten darüber, wie Macht zu definieren wäre. Es war nicht zufällig, dass sich ein Teil der NATO-Länder von Anfang an nicht am Irak-Krieg beteiligt hat, weil sie eben wie Deutschland ihren Vorteil eher in einer Definition von Macht in einem internationalen Rahmen gesehen hätten, der nicht nur hauptsächlich militärisch festgelegt ist. Insofern bearbeiten die westlichen Länder und gerade die USA mit solchen Konflikten wie dem Irak-Konflikt immer auch die Frage ihrer Führungsrolle gegenüber den kapitalistischen Konkurrenten.
Islamische Zeitung: Welche Rolle nehmen die muslimischen Länder im Rahmen der Globalisierung ein, inwiefern sind sie davon betroffen? Werner Rätz: Ich bin mir nicht sicher, ob man so allgemein von muslimischen Ländern sprechen kann. Offensichtlich gibt es im Nahen Osten ein Konglomerat von übereinstimmenden Interessen und Gemeinsamkeiten einer Reihe muslimischer Länder; ich bin mir aber nicht sicher, ob man alle darunter fassen kann. Auch wenn eine gewisse rhetorische Feindschaft gegenüber Israel bei den Regierungen der meisten muslimischen Länder und auch bei den Bevölkerungen immer eine Rolle spielt, habe ich manchmal den Eindruck, dass die realen Interessen davon nicht wirklich abgedeckt werden, sondern dass dies mehr eine propagandistische Formel ist – so wie man hierzulande von Demokratie und Freiheit redet, und auch nicht unbedingt immer Demokratie und Freiheit meint. Real ist es natürlich so, dass gerade in der arabischen Welt ein großes Problem im Verhältnis gegenüber dem Westen darin besteht, dass speziell durch einen großen Teil der US-Politik, aber auch der europäischen Politik eine massive Abwertung der Länder, ihrer Erfolge und Möglichkeiten, ihrer Geschichte und ihrer Bedeutung insgesamt in der Welt stattfindet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Regierungen darauf anders reagieren als Individuen – wenn man eine systematische Abwertung erfährt, dann entsteht das Bedürfnis, zu zeigen, dass das ungerecht ist. Mir scheint, dass ein großer Teil der Konflikte, die es mehr oder weniger offensichtlich zwischen vielen muslimischen Ländern und vielen Ländern beziehungsweise Regierungen des Westens gibt, auf einer höchst unsensiblen, kulturell hochmütigen Haltung weiter Teile der westlichen Politik beruht. Das, was US-amerikanische Soziologen als „Krieg der Kulturen“ beschreiben, ist etwas im Westen hausgemachtes, das aber derzeit anfängt, reale Wirkungen in der Politik zu entfalten.
Islamische Zeitung: Es gab kürzlich seitens Attac deutliche Kritik an der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bezüglich ihrer Haltung zur Globalisierung und dem G8-Gipfel. Welche Rolle können Religionen gegenüber der Globalisierung spielen, und insbesondere der Islam?
Werner Rätz: Großreligionen haben natürlich immer das Problem, dass sie als Volksreligionen sehr unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und damit sehr unterschiedliche politische und kulturelle Interessen und Bedürfnisse abdecken. Deshalb ist eine eindeutige Haltung großer religiöser Gemeinschaften in politischen Fragen selten. Wir würden uns wünschen, dass dies häufiger der Fall wäre. Dass solche Prozesse möglich sind, zeigt zum Beispiel die Entwicklung im Reformierten Weltbund, wo es eine sehr deutliche Positionierung gegenüber der Globalisierung gibt und wo sehr deutlich gesagt wird, dass Christentum und Wirtschaftsordnung nicht zwei getrennte Dinge sind, sondern dass eine bestimmte Haltung zur Wirtschaftsordnung Voraussetzung ist, wenn man überzeugend reformierter Christ sein will. Ich kenne mich im Islam nicht sehr gut aus, aber soweit ich das wahrnehme, gibt es dort ähnliche Positionen, auch wenn dies nicht diejenigen sind, die in der hiesigen Öffentlichkeit in erster Linie ankommen. Es wäre aus unserer Sicht eine wesentliche Voraussetzung für einen engeren Kontakt oder eine engere Zusammenarbeit globalisierungskritischer Bewegungen und religiöser Gemeinschaften, dass in den religiösen Gemeinschaften eine klare Position in Richtung gerechte Weltordnung, soziale Weltordnung und weg von den Interessen der großen Finanzanleger eingenommen werden würde. Und was ich bisher wahrnehme, sowohl im Christentum wie auch im Islam, ist, dass dies zumindest für Minderheitenströmungen noch möglich ist. Islamische Zeitung: Haben Sie im Rahmen des globalisierungskritischen Netzwerkes auch Kontakte zu globalisierungskritischen Gruppen in muslimisch geprägten Ländern?
Werner Rätz: Ja, es gibt in einigen arabischen Ländern Attac-Gruppen, es gibt eine relativ aktive Gruppe von Attac in Marokko, die jetzt auch bei den Protesten zum G8-Gipfel in Heiligendamm eine Rolle spielen wird, eine Kollegin von dort wird auch hier sein; und im Rahmen der Migrationsarbeit und der antirassistischen Arbeit gibt es natürlich eine sehr enge Kooperation auch mit Menschen und Gruppen aus muslimisch geprägten Ländern.
Islamische Zeitung: Gilt der Satz „Globalisierung ist kein Schicksal“, den Attac vor Jahren geprägt hat, auch heute noch?
Werner Rätz: Aber selbstverständlich, vielleicht sogar mehr noch als früher, weil die Gegenkräfte, die Kräfte für eine andere Mobilisierung, weltweit deutlich stärker geworden sind. Ich bin ziemlich sicher, dass diese Form der neoliberalen, finanzmarktgetriebenen Globalisierung, wie wir sie bisher erleben, nicht mehr sehr lange durchgehalten werden kann. Die fatalen Folgen, sowohl ökologisch als auch sozial, sind zu offensichtlich. Es ist nicht zufällig, dass der diesjährige G8-Gipfel genau diese Themen noch aufgreift. Auch wenn er die falschen Lösungen präsentiert, so ist man immerhin schon so weit, dass man die wesentlichen Themen wie Klimawandel, Energie, Armut in Afrika, Patente, geistiges Eigentum oder Vorenthalten von Medikamenten für die Armen aufgreift. Das geht in die richtige Richtung. Die Ergebnisse sind noch ausgesprochen dürftig, aber ich bin sicher, dass das nicht mehr lange so funktionieren wird. Globalisierung in diesem Sinne ist kein Schicksal, das kann man anders gestalten.
Islamische Zeitung: Welche Aktionen planen Sie konkret für den G8-Gipfel?
Werner Rätz: Wir planen eine große Zahl von unterschiedlichen Aktionen. Die wichtigsten, die am breitesten von unterschiedlichen Gruppen und Zusammenhängen getragen werden, sind eine internationale Großdemonstration am 2. Juni in Rostock, ein Alternativgipfel vom 5. bis zum 7. Juni ebenfalls in Rostock, Blockaden in der Region um Heiligendamm herum am 6. und 7. Juni, noch einmal ein Sternmarsch als Zwischenhöhepunkt am 7. Juni und eine Abschlussveranstaltung am 8. Juni wiederum in Rostock. Wir haben eine ganze Reihe weiterer einzelner Aktivitäten, es würde jetzt zu weit führen, die alle darzustellen. Man kann sie auf www.heiligendamm2007.de nachlesen. Wir erhoffen uns, dass die große Zahl der Demonstrantinnen und Demonstranten und die Entschlossenheit und Klarheit in den Aktionsformen, und auch im Einhalten der eigenen Absprachen und der eigenen Disziplin zeigen wird, dass auch in Deutschland eine breite globalisierungskritische Mobilisierung möglich ist, was ja bisher hier noch nie der Fall gewesen ist – das war in Genua, in Seattle oder in Evian, aber nicht in Deutschland. Wir erhoffen uns, dass sichtbar wird, dass dies auch in Deutschland möglich ist und dass damit die Kräfteverhältnisse anders werden, dass eine Bewegung, die ausschließlich aus ihrer eigenen Kraft heraus und ohne die Unterstützung seitens gesellschaftlicher Großorganisationen, seien es Kirchen, Gewerkschaften oder Parteien, in der Lage ist, ganz am Rande der Republik, wo es keine weitere politische Infrastruktur gab, solche großen und gut funktionierenden Proteste aufzubauen, auch in der Lage ist, an anderen Stellen in politische Auseinandersetzungen einzugreifen. Und die Repression seitens polizeilicher Behörden in den letzten zwei Wochen mit verdachtsunabhängigen Durchsuchungen und dergleichen zeigt ja auch, dass die andere Seite recht nervös geworden ist.
Islamische Zeitung. Sehr geehrter Herr Rätz, wir danken Ihnen für das Gespräch. | 3.140625 | 2.328125 | 2.25 |
b6f98f3abed4ed5fe16103db48d6fdbc | Mitarbeiterführung als Onlineschulung oder Webinar
Weiterbildung, z.B. zu Mitarbeiterführung, steht hoch im Kurs. Tatsächlich sind viele Berufstätige daran interessiert, einen Step auf der Karriereleiter zu machen oder das eigene Fachwissen auf einen neuen Stand zu bringen. Viele sehen jedoch von einer Fortbildung ab, da diese in Vollzeit zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Hinzu käme ein Verdienstausfall, der einkalkuliert werden müsste.
Zum Glück gibt es berufsbegleitende Onlineschulungen und Webinare. Diese Form der Weiterbildung wird aufgrund ihrer großen Beliebtheit von mehr und mehr Akademien und Instituten angeboten. Webinare, beispielsweise im Bereich Mitarbeiterführung, finden meist nicht zu festgesetzten Terminen statt, sondern können von den Teilnehmern individuell abgerufen werden. Auf diese Weise ist man als Kursteilnehmer maximal flexibel und kann beispielsweise in den Abendstunden oder sogar von unterwegs, z.B. aus einem Zug, seinen Lernstoff durchnehmen.
Mitunter versammeln sich die Kursteilnehmer in virtuellen Klassenzimmern, um gemeinsam Fragen zu klären und von einem Dozenten Anweisungen und Aufgabenstellungen zu erhalten. Die meisten Onlineschulungen zum Thema Onlineschulungen für Mitarbeiterführung beinhalten auch einige Präsenztermine. Die Lernform wird dann häufig als Blended Learning bezeichnet. Prüfungen finden meist vor Ort statt. Nichtsdestotrotz spart man bei Webinaren und Onlinelehrgängen viel Zeit, indem man sich für den regulären Unterricht nicht punktgenau im Klassenraum der Akademie einfinden muss.
Mitarbeiterführung im Fernlehrgang
Jeder möchte in seiner Karriere vorankommen oder sich persönlich weiterentwickeln. Da die Zeit neben Beruf und Familie jedoch knapp bemessen ist, stellt sich die regelmäßige Teilnahme an der Fortbildung für viele als große Herausforderung dar. Kein Wunder, dass Fernlehrgänge darum immer beliebter werden. Sie ermöglichen den Kursteilnehmern von zu Hause aus oder sogar von unterwegs an einer Weiterbildung, beispielsweise im Bereich Mitarbeiterführung, teilzunehmen. Anders als beim klassischen Präsenzunterricht gibt es kein Seminarraum, in dem sich die Teilnehmer versammeln und dem Unterricht durch einen Dozenten folgen. Manchmal sind jedoch auch bei einem Fernlehrgang einzelne Präsenztermine angesetzt, in denen das erworbene Wissen zu Onlineschulungen für Mitarbeiterführung vertieft wird. Die meisten Bildungsträger organisieren den Fernunterricht per Lehrbrief. Diese werden den Kursteilnehmern regelmäßig zugesandt und müssen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgefüllt zurückgeschickt werden. Anschließend erfolgt die Erfolgskontrolle. Immer häufiger wird auch das Internet für Fernlehrgänge zum Thema Mitarbeiterführung genutzt. Webinare oder Onlineschulungen zum Thema unterstützen den Kursteilnehmer dann beim Lernen seiner Lektionen. Noch ein kleiner Hinweis: Oft wird der klassische Fernlehrgang in der Mundart als Fernstudium bezeichnet. Bei einem Fernstudium geht es allerdings immer um klassische Studiengänge zum Bachelor oder Master.
Seminare Mitarbeiterführung
An Manager und Führungskräfte werden heutzutage viele Anforderungen gestellt. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Mitarbeiterführung, denn
motivierte und engagierte Mitarbeiter erbringen deutlich
mehr Leistung und sind daher für jedes Unternehmen sehr wertvoll.
Aus diesem Grund gibt es für Führungskräfte eine große Auswahl an Seminaren und Kursen, die sich mit dem Thema Mitarbeiterführung beschäftigen. Im Fokus stehen dabei die Punkte
Kommunikation,
Konfliktlösung und
Motivation.
Arten der Mitarbeiterführung
Individualführung:
Bei der Individualführung wird ein Arbeitnehmer durch einen Vorgesetzten beeinflusst. Eine Zielvorgabe oder Zielvereinbarung legt einen gemeinsam zu erreichenden Erfolg fest. Der Vorgesetzte muss sowohl bei der Vereinbarung als auch bei der Auswahl der Führungsinstrumente auf die Persönlichkeit des jeweiligen Mitarbeiters eingehen. Dabei sollten nicht nur seine Kenntnisse und Fähigkeiten Beachtung finden, sondern auch seine
Soft Skills und
Persönlichkeit.
Teamführung:
Führt ein Vorgesetzter ein Team, muss er die Mitglieder der Arbeitsgruppe auf den gemeinsamen Gruppenerfolg ausrichten. Als Teamleiter gibt er die Rahmenbedingungen vor, in welchen s
ein Team die volle Leistungskraft entwickeln soll. Zu diesen Konditionen gehören organisatorische Dinge ebenso wie die erfolgreiche Zusammenarbeit mit externen Ansprechpartnern oder
gruppendynamische Belange.
Führungsinstrumente und -techniken
Beim erfolgreichen Führen einer Gruppe ist es wichtig, die Rollen der einzelnen Teammitglieder korrekt einzuschätzen. Gibt es einen informellen
Gruppenführer? Wer ist leistungsbereit? Wen muss man aus der Reserve locken? Gibt es einen Neuling oder einen Außenseiter, den man integrieren muss? Mittels Leistungsanreizen, Würdigung aber auch Strenge und Korrektur werden die einzelnen Mitglieder der Arbeitsgruppe zu Leistung ermutigt bzw. in kontraproduktivem Verhalten gebremst.
Das Teamverhalten insgesamt kann ebenfalls vom Führenden beeinflusst werden: Leistungsstarke Teams werden durch anspruchsvolle Tätigkeiten gefordert und durch Anerkennung im Gruppenzusammenhalt gestärkt. Leistungsschwache Teams hingegen müssen angespornt werden. Gleichzeitig sollte die Führungsperson die Ursachen der nicht zufriedenstellenden Leistung ergründen.
Die Rolle des Vorgesetzten ist entscheidend für den Erfolg der Gruppe. Nur wenn er regulierend eingreift, ermahnt, anspornt und aktiviert, kann er die Gruppendynamik so lenken, dass der Projekt- bzw. Unternehmenserfolg gefördert wird.
Die Bedeutung von Führungsstilen
Gut geführte Mitarbeiter sind in der Regel zufrieden und motiviert. Empirischen Untersuchungen zufolge agieren Unternehmen mit großer Mitarbeiterzufriedenheit erfolgreicher am Markt. Da das Wohlbefinden eines Mitarbeiters in hohem Maße vom Mikroklima in der Abteilung abhängt, ist die Bedeutung von Vorgesetztenverhalten und Führungsstil als entscheidender Faktor einzuschätzen.
Modelle, die den Führungsstil von Vorgesetzten beschreiben, gibt es viele. Nach dem bekannten Sozialpsychologen Kurt Lewin kann man Führungsstile als
autoritär,
demokratisch oder
Laissez-faire einordnen. Dazwischen existieren
zahlreiche Abstufungen.
Der demokratische Stil der Mitarbeiterführung
Welcher Führungsstil bei der Mitarbeiterführung angebracht ist, muss individuell bzw. situativ entschieden werden. Die moderne Betriebswirtschaftslehre propagiert für die meisten Branchen einen demokratischen oder auch kooperativen Führungsstil: Die Führungsperson bezieht die Untergebenen in das Geschehen im Unternehmen mit ein, sucht Rat oder erlaubt Diskussionen. Fehler werden nicht bestraft, sondern zum Anlass genommen, Verhaltensweisen oder Prozesse zu überdenken.
Entscheidungsprozesse sind bei einem demokratischen Führungsstil meist langwieriger als bei einer autoritären Führungsweise, bei welcher der Vorgesetzte
Ziele und Umsetzungen konkret vorgibt. Ein Vorteil des kooperativen Führungsstils ist allerdings die Motivierung der Mitarbeiter, das Zulassen von Kreativität und Selbständigkeit.
Seminare zu Mitarbeiterführung
Chef sein und Mitarbeiter zu führen ist eine Herausforderung, die eine hohe emotionale Intelligenz und Souveränität abverlangt. In Mitarbeiterführungs-Seminaren kann man sich Führungstechniken aneignen und anhand praktischer Übungen Alltagssituationen zwischen Vorgesetztem und Untergebenem trainieren.
Gerade für unerfahrene Führungskräfte bietet es sich an, eine
Weiterbildung in Mitarbeiterführung an, um an ihrem Führungsstil und an ihrem Auftreten gegenüber den Mitarbeitern zu arbeiten.
Unter Seminare, Ausbildung oder Weiterbildung vergleichen in Mitarbeiterführung finden Sie 55 Kurse in den Städten
und weitere Städte in Ihrer Nähe | 3.171875 | 2.3125 | 2.703125 |
8bdcc5f3f1ba400baaa5d8b76681cd20 | Die Geschichte von Billie Eilish Pirate Baird O’Connell ist die eines kometenhaften Aufstiegs. Mit ihrem Debütalbum „When We All Fall Asleep, Where Do We Go?“ hat die 17-jährige Künstlerin 2019 alle Rekorde gebrochen: Der Longplayer stieg nicht nur auf Platz 1 in unzähligen Ländern weltweit und wurde mit Mehrfachplatin ausgezeichnet, sondern hält aktuell auch den Titel des meistverkauften Albums 2019 in Nordamerika. 2020 geht das Ausnahmetalent auf „WHERE DO WE GO? WORLD TOUR“. Am 15. Juli gastiert Billie Eilish in der LANXESS arena.
Das Besondere bei dieser Welttournee, Billie Eilish hat sich mit der Umweltorganisation REVERB zusammengetan, um in der Konzertindustrie ein Zeichen gegen den Klimawandel zu setzen – vor der Bühne und auch Backstage. So wird zum Beispiel auf der gesamten Tour auf Plastikstrohhalme verzichtet und kostenlose Wasserstationen bereitgestellt, an denen sich die Fans mitgebrachte PET-Flaschen befüllen lassen können. Auch das Billie Eilish Eco-Village wird vor Ort sein und alle interessierten Fans darüber informieren, wie man als einzelner den Klimawandel bekämpfen und unsere Erde schützen kann.
Alles begann Anfang 2016, als ihr großer Bruder Finneas einen Song mit dem Titel „Ocean Eyes“ auf Soundcloud hochlud – geschrieben von ihm, gesungen von seiner Schwester. Die Single erspielt Platin. Von da an entzieht sich Billies Aufstieg jeglichen Gesetzen der Physik.
Die Frage, ob das Ganze nur ein kurzer Hype ist, beantwortet Billie Eilish Anfang 2019 mit ihrem Debütalbum „When We All Fall Asleep, Where Do We Go?“ selbst. Die Singles landen weltweit in den Charts. Songs wie „You Should See Me in a Crown“, „Bury a Friend” und „Bad Guy” werden zu Hymnen und haben unvorstellbaren kommerziellen Erfolg. Sie ist offiziell der erste in diesem Jahrtausend geborene Artist, dem es gelang, sowohl ein Album als auch eine Single auf Platz 1 der Charts zu platzieren. In der ersten Woche nach Release wird ihr Debüt insgesamt 14 Millionen Mal auf Spotify gestreamt, damit lässt sie selbst Megastar Ariana Grande hinter sich.
Wer Billie Eilish live erleben möchte und hören will, wie eine ganze Halle zu einer Stimme wird, kann das ihrer „WHERE DO WE GO? WORLD TOUR“ 2020 tun.
Am heutigen Dienstag, den 10. März 2020, verkündete Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, in der Landeshauptstadt Düsseldorf einen Erlass gemäß Infektionsschutzgesetz, nach dem fortan Großveranstaltungen mit über 1000 zu erwartenden Besuchern in Nordrhein-Westfalen abgesagt werden müssen. Die ARENA Management GmbH (AMG) informiert folgend über den Prozess der Ticketerstattung.
Die Vorbereitungen auf den nun eingetretenen Fall liefen bereits seit einigen Tagen. Die Koordination von Ersatzterminen hatte dabei höchste Priorität, weswegen die AMG zuversichtlich ist, dass die Großzahl der betroffenen Veranstaltungen nachgeholt werden kann.
Arena-Geschäftsführer Stefan Löcher zu der für die Eventbranche einschneidenden Entscheidung: „Die Gesundheit aller Besucher und Mitarbeiter hat Priorität, daher können wir die Entscheidung der Politik natürlich grundsätzlich nachvollziehen. Dennoch bedauern wir es für all unsere Gäste, die sich seit Monaten auf die Konzerte und Shows gefreut haben. Für uns ist der wirtschaftliche Schaden natürlich immens, da enorm hohe Fixkosten für den Betrieb unserer hundertprozentig privatwirtschaftlich betriebenen Arena anfallen und wir bis auf Weiteres ohne Einnahmen dastehen. Zudem sind die dramatischen Auswirkungen auf unsere Zulieferer und externen Dienstleister nicht von der Hand zu weisen. Daher arbeiten wir weiterhin gemeinsam mit allen Veranstaltern und Künstlern daran, schnellstmöglich Nachholtermine zu koordinieren, was aufgrund von Terminkonflikten im weltweiten Tourneegeschäft nicht trivial ist. Wir informieren dann stets über unsere Kanäle welches Konzert erfolgreich neu terminiert werden konnte.“
Bei einem etwaigen Ausfall einer Veranstaltung, für die kein Ersatztermin gefunden werden kann, erfolgt die Abwicklung der Erstattung des Ticketgrundpreises über den Veranstalter. Dieser regelt die Rückabwicklung gemäß seinen individuellen Geschäftsbedingungen, auf die die AMG keinen Einfluss hat.
Durch ihre zentrale Lage im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz ist die LANXESS arena einfach zu erreichen. Folgen Sie den Hinweisschildern „LANXESS arena“ und „Koelnmesse“. Sie finden die LANXESS arena in unmittelbarer Nähe des Deutzer Bahnhofs (Entfernung ca. 750 m, 10 Minuten Fußweg)
Ausreichende Parkmöglichkeiten direkt an der LANXESS arena sind ausgeschildert. Nähere Informationen zu allen Parkhäusern finden Sie hier.
Die erworbenen Eintrittskarten gelten als Fahrscheine im Streckennetz des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg, wenn dies auf den Eintrittskarten per VRS-Logo vermerkt ist. Alle weiteren Informationen zur Anreise mit dem ÖPNV finden Sie hier.
Einlassbeginn
Grundsätzlich empfehlen wir allen Besuchern eine frühzeitige Anreise zur LANXESS arena, um die jeweilige volle Einlasszeit zu nutzen. Genaue Einlasszeiten können Sie unserem Eventkalender entnehmen oder direkt dem jeweiligen Event. Weitere Informationen rund um Ihrem Besuch in der LANXESS arena finden Sie in den FAQs.
Personalisierte Tickets
Im Fall von personalisierten Tickets halten Sie bitte zusätzlich zu Ihrem Ticket Ihren Personalausweis oder Reisepass bereit.
Taschenverbot
Das Verbot betrifft Taschen und Rucksäcke sowie Turn-/Stoffbeutel bis zu einer maximalen Größe von DIN A4 (21 cm x 29,7 cm).
Taschenabgabe
Für Taschen und Rucksäcke, die unter das Verbot fallen, gibt es bei einem Großteil der Events gegenüber des Eingang Nord eine kostenfreie Taschenabgabe.
Wir führen stichprobenartig Körperkontrollen durch. Je nach Gefährdungseinstufung dehnen wir den Körpercheck auch individuell aus. Bitte beachten Sie vor dem Eintritt unbedingt die Liste der verbotenen Gegenstände.
Ob vor einem Konzert, einer Show oder einem Spiel der Kölner Haie: Das Henkelmännchen gegenüber Clubeingang West der LANXESS arena ist der optimale Treffpunkt vor dem Event. Treffen Sie sich mit Ihren Freunden, Bekannten und Verwandten und stoßen Sie auf das bevorstehende Erlebnis mit einem leckeren Getränk an. | 3.578125 | 1.921875 | 2.484375 |
6bcd01414fe379bd86a87169a91604a4 | Landratsamt präsentiert sich auf der Chamlandschau: Bürgerservice und Beratung
28.08.2017
„Die Bürgerinnen und Bürger sind unsere Kunden“ sagt Landrat Franz Löffler. Deshalb präsentiert sich das Landratsamt Cham auch in diesem Jahr mit täglich wechselnden Schwerpunkten auf der Chamlandschau. Themen sind Wirtschaftsförderung und Regionalmanagement, die Digitalisierung und der Breitbandausbau, Abfallwirtschaft und die Nutzung der Erneuerbaren Energien, unsere Heimat als attraktive Freizeitregion und Fragen rund um die Betreuung.
Digitalisierung als Schwerpunkt
Das Referat Wirtschaftsförderung und Regionalmanagement am Landratsamt informiert am Freitag über das Studium am Technologie Campus Cham, über Selbstständigkeit und Gründung eines Unternehmens, über verschiedene Förderprogramme für Unternehmen und seine umfangreichen Serviceangebote.
Ein besonderer Schwerpunkt ist die Unterstützung von Unternehmern und Gründern bei der Digitalisierung, damit diese national wie international konkurrenzfähig bleiben und neue Märkte erschließen können. Mit seiner Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH errichtet der Landkreis Cham ein „Digitales Gründerzentrum“. Dazu stellt er digitalen Existenzgründern in den Gründerzentren Furth im Wald und Roding Büro- sowie Gewerbeflächen mit umfassender Infrastruktur zur Verfügung. Am Technologie Campus Cham wird das Modell einer digitalen Produktionsfabrik und ein additives Fertigungszentrum entstehen.
In den nächsten drei Jahren wird im Landkreis Cham mit 4.010 Kilometer Länge das größte Glasfasernetz im ländlichen Raum gebaut. Finanziert wird das vom Landratsamt Cham betreute Projekt aus Bundes- und Landesmitteln sowie durch 37 Kommunen im Landkreis. Den Ausbau der Datenautobahn übernimmt die Firma M-net Telekommunikations GmbH, die auch mit einem eigenen Messestand auf der Chamlandschau vertreten ist.
Am Samstag wird zudem das Informationsmobil des Breitbandbüros des Bundes vor Ort sein, um den Ausbau des Breitbandnetzes sowie digitale Anwendungen und Geschäftsfelder, die sich insbesondere für Unternehmen eröffnen, vorzustellen. Besuchen Sie das Infomobil während der Messeöffnungszeiten am Vorplatz des Landratsamtes.
Samstag: Tag der Kreiswerke
An den Wertstoffhöfen im Landkreis können die Bürgerinnen und Bürger über 25 verschiedene Wertstoffe, gebrauchte Verkaufsverpackungen und sonstige Abfallarten überwiegend ohne zusätzliche Kosten abgeben. Damit kann jeder und jede seinen persönlichen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten! Warum das Wertstoffhofsystem die Umwelt schont und Kosten spart, erläutern Mitarbeiter der Kreiswerke Cham am Samstag.
Neue Herausforderungen bei der Nutzung erneuerbarer Energien und der Gebäudesanierung haben oft zur Folge, dass neue Förderprogramme aufgelegt oder bestehende Regelungen geändert werden. Immer auf dem aktuellsten Stand sind die Mitarbeiter des Zukunftsbüros der Kreiswerke Cham. Sie helfen gerne, die passenden Fördermittel für die Investitionen der Bürgerinnen und Bürger in erneuerbare Energien oder zur Reduzierung von Energieverbräuchen zu finden.
Die Mitarbeiter der Kreiswerke stehen an diesem Tag gerne für Fragen zu diesen, aber auch zu weiteren Themen der Abfallwirtschaft und der erneuerbaren Energien zur Verfügung. Es besteht außerdem die Möglichkeit, sich über die Aktivitäten der „Energielandkreis-Cham eG.“ informieren.
Natur, Kultur, Freizeit und Erholung
Am Sonntag können Sie den Landkreis Cham entdecken: Ausgezeichnet als Qualitätsnaturpark bietet er eine Fülle von Freizeit- und Erholungseinrichtungen, Sehenswürdigkeiten und kulturellen Einrichtungen, nicht nur für die vielen Urlaubsgäste, sondern vor allem auch für seine Bürgerinnen und Bürger. Die unverfälschte Landschaft mit ihren ausgedehnten Tälern, tiefen Wäldern, rauschenden Wildbächen, bizarren Felsformationen, klaren Seen, romantischen Dörfern und Städten sowie Burgen, Schlössern und Klöstern ist für Radfahrer und Wanderer ein echtes Erlebnis. Das Arracher Moor, der Kleine Arbersee mit seinen schwimmenden Inseln, die Hölle bei Falkenstein oder die Regentalaue mit ihrer faszinierenden Fauna und Flora sind Zeugen von intakter Natur. Im einzigartigen Bayerwald-Tierpark Lohberg warten über 400 heimische Tiere in 100 Arten, beheimatet im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet, auf Ihren Besuch. Zahlreiche Museen und Galerien geben unserem Lebens- und Wirtschaftsraum ein unverwechselbares kulturelles Profil. Sie werden sich wundern, was der Landkreis Cham alles zu bieten hat!
Das Betreuungsrecht geht jeden an!
Ob jung oder alt, gesund oder krank, jeder kann mit dem Betreuungsrecht in Kontakt kommen. Ein Unfall, Alter oder Krankheit können zur Hilfsbedürftigkeit im Sinne des Betreuungsrechts führen. Wer trifft die notwendigen Entscheidungen, wenn ich selber dazu nicht mehr in der Lage bin? Die richtigen Vorsorgeregelungen können eine gesetzliche Betreuung über das Amtsgericht entbehrlich machen und Kosten sparen. Über die Möglichkeiten der Vorsorge informiert am Montag die Betreuungsstelle am Stand des Landratsamtes auf der Chamlandschau.
An allen Messtagen können die Besucher an einem Quiz rund um die Angebote des Landkreises Cham teilnehmen. Mit etwas Glück wird die Teilnahme mit einem schönen Preis belohnt!
Kategorien: Gesundheit, Kultur, Natur & Umwelt, Politik, Tourismus, Verkehr, Wirtschaft, Facebook | 3.0625 | 2.296875 | 2.359375 |
90e3abff775eee9898afdb449db8aebb | Schwimmen ist wegen der Wirkung des Wassers auf den menschlichen Organismus eine der gesündesten Sportarten
Schwimmstadt Hamburg Was bringt die Bewerbung um die SchwimmWM der Schwimminfrastruktur in Hamburg?
Schwimmen ist wegen der Wirkung des Wassers auf den menschlichen Organismus eine der gesündesten Sportarten. Nahezu sämtliche Muskelgruppen werden beansprucht, die Ausdauer gefördert, das Herz-KreislaufSystem trainiert und die Lungenfunktion deutlich verbessert. Zudem ist Schwimmen im Vergleich zu vielen anderen Sportarten sehr Gelenk schonend.
Schwimmen zu können hat darüber hinaus nicht nur einen gesundheitsfördernden Aspekt, sondern hat auch präventiven Charakter beim Kämpfen gegen das Ertrinken. Jahr für Jahr ertrinken weltweit fast eine Million Menschen aus sehr unterschiedlichen Gründen. Der Lebensrettung kommt deshalb eine besonders hohe Bedeutung zu.
Statt aber die positiven Auswirkungen des Schwimmens zu fördern und auszunutzen sowie präventiv tätig zu werden, verliert das Schwimmen zunehmend an Bedeutung in der Gesellschaft.
Nur zwei Drittel der Hamburger Jugendlichen kann schwimmen. Hier muss insbesondere auch im Interesse der Gesundheitsvorsorge eine Kehrtwende eingeleitet werden.
Der Senat hat nun offiziell erklärt, dass Hamburg sich um die SchwimmWeltmeisterschaft 2013 und fortfolgende Jahre bewerben wird. Die Ambitionen einer Sportstadt und einer Schwimmstadt spiegeln sich jedoch nicht einzig und allein in den Bewerbungen und Ausrichtungen von Großveranstaltungen und einer stetig wachsenden Vermarktung von Sportereignissen wieder, sondern müssen nachhaltig und stimmig in ihrer Gesamtkonzeption sein.
Der Schwimmsport und die damit verbundenen infrastrukturellen Maßnahmen, wie zum Beispiel Sanierung von Lehrschwimmbecken, Ausbau von wohnortnahen und bezahlbaren Schwimmgelegenheiten für alle Bürgerinnen und Bürger, scheinen bei dem Streben um die Bewerbungen von Großveranstaltungen systematisch vernachlässigt zu werden.
Die Situation des Schwimmausbildung der Hamburger Schülerinnen und Schüler ist durch die Aufgabe des Senats, das Schwimmenlernen als staatliche Aufgabe an Schulen zu belassen, nur noch mittelbar nachvollziehbar und birgt die Gefahr in sich, dass immer mehr Hamburger Kinder nicht mehr in der Lage sein werden, schwimmen zu lernen.
Sich um eine Schwimm-Weltmeisterschaft zu bewerben, kann vor diesem Hintergrund nur für alle Hamburgerinnen und Hamburger nachvollziehbar sein, wenn dieses in ein stimmiges Gesamtkonzept des Schwimmsports über ein einmaliges Event hinaus eingebettet ist.
Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:
In Hamburg wird regelmäßig in erheblichem Umfang in Bäder investiert. In den letzten fünf Jahren sind zum Beispiel die Bäder Kaifu- und Holthusenbad grundlegend modernisiert worden, die Wasserflächen deutlich erweitert und das Bille-Bad am alten Standort durch ein vollständig neues Bad ersetzt, wobei ebenfalls auch die Wasserfläche deutlich erweitert wurde. In vielen weiteren Bädern sind Angebote erweitert oder verbessert worden. Jüngstes Projekt ist das neu eröffnete Bad „Festland" in Altona als Ersatz für das Bismarckbad mit mehr als der dreifachen Wasserfläche. Ein besonderer Schwerpunkt ist bei nahezu allen Um- und Neubauprojekten auch die Schaffung von Kapazitäten für das sportliche Schwimmen. Die Alster-Schwimmhalle ist zum Beispiel von einem Freizeitbad wieder zu einem reinen Sportbad umgebaut worden. In Niendorf, Bergedorf und Altona entstanden separate Schwimmhallen für die sportlichen Schwimmer. Auch die Lehrschwimmbecken der Bäderland Hamburg GmbH (BLH) sind in einem hervorragenden Zustand.
Die dafür erforderlichen Mittel wurden und werden ausnahmslos von der BLH erwirtschaftet. Seit Bestehen des Unternehmens ist nicht ein einziges Bad ersatzlos geschlossen worden, sodass Hamburg über eine Infrastruktur für den Schwimmsport verfügt, die bundesweit Beispiel gebend ist. Das Investitionsprogramm seit dem Jahr 1995 beträgt fast 200 Millionen Euro und ist zu beinahe zwei Dritteln umgesetzt worden. Hinzu kommen etwa 4 Millionen Euro jährlich für Unterhaltsmaßnahmen.
Durch die Übernahme des Hamburger Schulschwimmens durch BLH zum Schuljahr 2006/2007 ist die Situation der Schwimmausbildung der Hamburger Schülerinnen und Schüler verbessert worden. Es ist in Deutschland kein weiteres Beispiel bekannt, in dem alle Schulkinder nach einem einheitlichen, modernen Konzept, nach gleichen Maßstäben Schwimmen lernen und vergleichbare Daten bezüglich der Teilnahme und Kompetenzzuwächse der Schulkinder dokumentiert werden. Die Schwimmfähigkeit der Hamburger Schulkinder liegt bereits jetzt über dem Niveau, das vor der Neuorganisation des Schulschwimmens erreicht wurde.
Dies vorausgeschickt beantwortet der Senat die Fragen teilweise auf der Grundlage von Auskünften des Hamburger Schwimm Verband e.V. (HSV), der Bäderland Hamburg GmbH (BLH), der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Hamburg e.V. (DLRG) und des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Hamburg e.V. (BRS) wie folgt:
I. Zustand und Pflege sowie Nutzung der Hamburger Schwimmbäder
1. Wie viele Schwimmbäder, unterteilt nach Frei- und Hallenbädern, darunter Freizeit-, Lehrschwimm- und Thermalbäder, gibt es in Hamburg und welche Wassertiefe haben diese Bäder? (Bitte nach Bezirken aufgliedern.)
2. Welche dieser Bäder sind in kommunaler oder privater Trägerschaft?
(Bei privater Trägerschaft bitte Angabe bei wem.)
Die in der Anlage 1 aufgeführten Bäder gehören der BLH und werden bis auf die Freibäder Volksdorf, Farmsen und Neugraben von BLH betrieben und befinden sich somit in kommunaler Trägerschaft. Betreiber der drei vorgenannten Freibäder sind: Hamburger Bund für Freikörperkultur und Familiensport e.V. (Volksdorf), Strandbad Farmsen e.V. (Farmsen) und Passage GmbH (Neugraben).
Darüber hinaus gibt es in Hamburg zwei Frei- und drei Hallenbäder in nicht kommunaler Trägerschaft.
Freibäder: Freibad Olloweg (Eimsbüttel) in Trägerschaft des SV Poseidon (Wassertiefe 1,90 m) Freibad Neuwiedenthaler Straße (Harburg) in Trägerschaft der Gesellschaft für Arbeit, Technik und Entwicklung (Wassertiefe bis 3 m) Hallenbäder: Reemtsma-Bad/Bertrand-Russell-Straße in Trägerschaft des Vereins Aktive Freizeit (Wassertiefe 0,80 m bis 3,50 m) Hallenbad Clausewitz-Kaserne, Manteuffel-Straße 20 (Altona) in Trägerschaft der Bundeswehr (Wassertiefe 1,25 m bis 4,05 m) Hallenbad Douaumont-Kaserne, Holstenhofweg 85 in Trägerschaft der Bundeswehr (Wassertiefe 1,25 m bis 4,05 m)
3. Ist der Verkauf von Bädern in kommunaler Trägerschaft geplant?
Wenn ja, welche Bäder und in welche private Trägerschaft?
Nein.
4. Wie beurteilt der Senat den Zustand und die Erhaltungswürdigkeit der einzelnen Schwimmbäder in Hamburg? (Bitte aufschlüsseln nach Standorten und dem jeweiligen Sanierungsbedarf.)
Siehe Vorbemerkung. Nach heutigem Kenntnisstand bewertet der Senat dies für alle Standorte positiv.
5. Besteht nach Einschätzung des Senats ein Bedarf an neuen Schwimmbädern für Hamburg?
Wenn ja, in welchen Stadtteilen?
Wenn nein, welche objektiven Kriterien liegen dieser Einschätzung zugrunde?
Nein. Die bestehenden Kapazitäten sind ausreichend.
6. Welche Sanierungs-, Modernisierungs- und Neubaumaßnahmen wurden in den letzten fünf Jahren an welchen Standorten der Bäderland Hamburg GmbH durchgeführt und welche Kosten verursachten diese jeweils?
Bei den Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen sowie Investitionsmaßnahmen je Bad handelt es sich um eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen. Die Daten werden nicht gesondert statistisch erfasst. Eine Einzelfallauszählung ist in der für die Beantwortung einer Parlamentarischen Anfrage zur Verfügung stehenden Zeit mit vertretbarem Verwaltungsaufwand nicht möglich. Die standortbezogenen Kosten für Maßnahmen in den letzten fünf Jahren sind in der Anlage 2 dargestellt.
7. Welche derartigen Maßnahmen zu jeweils welchen Kosten laufen derzeit oder sind geplant?
Siehe Anlage 3. Die Planungen für weitere Maßnahmen sind noch nicht abgeschlossen. Im Übrigen gibt der Senat zu Sachverhalten, die Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse privater Unternehmen betreffen, keine Auskunft.
8. Wie haben sich die Betriebskosten in den durch die Bäderland GmbH betriebenen Schwimmbädern in den letzten fünf Jahren entwickelt? (Bitte aufschlüsseln nach den einzelnen Standorten.)
Zu Sachverhalten, die Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse privater Unternehmen betreffen, gibt der Senat keine Auskunft. | 3.59375 | 3.015625 | 2.59375 |
b6e3b0f107966a4ad90a4efb05c0e2db | Die gesellschaftlichen Verhältnisse im realen Sozialismus waren – trotz aller Probleme – sozialistisch. Ich habe vor mir die Wochenendbeilage zur „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 31. 12. 97. Dort gibt es ein Interview Krisztina Koenens mit Janos Kornai, einem aus Ungarn stammenden Harvard-Professor, dessen Hauptbeschäftigung der Kritik des sozialistischen Systems galt und gilt. Nach seiner Einschätzung hatte „absolute Priorität…der Abbau der politischen Institutionen“, war ein „fundamentales Kriterium…die….Zerstörung des antikapitalistischen ideologischen Monopols und seine Ablösung durch eine prokapitalistische Ideologie“. „Die Frage nach den Eigentumsverhältnissen ist das zweite grundsätzliche Kriterium des Wechsels…Was also die Eigentumsverhältnisse betrifft, ist das Ziel fast erreicht. Die dritte fundamentale Frage ist, durch welchen Mechanismus die gesellschaftlichen Tätigkeiten koordiniert werden.“ Er kommt auf die Frage des Markts zu sprechen, der zwar nicht der einzige Mechanismus, aber gegenüber anderen übergewichtig sei. Lobend sagt er, es sei innerhalb einer sehr kurzen Zeit gelungen, die Gesellschaft in eine solche umzuwandeln, „die auf dem Privateigentum basiert.“ Dies eben sei entscheidend, „dass sich die politischen Institutionen, die Eigentumsverhältnisse und die Mechanismen der Koordination geändert haben.“ Unsere Gegner sagen also genau, dass sie daran gingen, Sozialismus zu zerstören und worin dessen wesentlichen Merkmale bestanden bzw. bestehen.
Wie steht es um die Erörterung von „Sozialismus-Modellen“? In einem Interview, das ich 1981 mit Herbert Mies und Willi Gerns, dem Parteivorsitzenden der DKP und mit dem für die ideologische Arbeit zuständigen Mitglied des Parteipräsidiums dieser Partei über das Parteiprogramm von 1978, führte, und das unter dem Titel „Weg und Ziel der DKP“ als Buch erschien, wurde gefragt, warum sie sich nicht an der Diskussion über „Sozialismus-Modelle“ beteiligten. Hier ein Auszug aus der Antwort: „Von Spekulationen über Sozialismus-Modelle hält die DKP nichts“.(S. 94) Sie äußerten sich dann lediglich zu den aus der Theorie sich herleitenden allgemeinen Gesetzmäßigkeiten einer sozialistischen Gesellschaftsordnung und verwiesen auf die Abhängigkeit jedes sich herausbildenden Sozialismus vom Entwicklungsstand der Produktivkräfte, von der Geschichte und den nationalen Eigenarten, von den konkreten Bedingungen, unter denen die sozialistische Umwälzung sich vollzieht. Man befinde sich in völliger Übereinstimmung mit Marx und Engels, die es stets ablehnten, die „Rezepte für die Garküchen der Zukunft“ (so Marx in den „Grundrissen der Kritik der Politischen Ökonomie“) zu schreiben und dies damit begründeten, dass man gar nicht voraussehen könne, unter welchen Bedingungen der Kampf um den Sozialismus stattfände. Wir können also – um bei diesem von Marx geprägten Bild zu bleiben – nicht wissen, mit welchem Feuer, welchem Geschirr, welchen Zutaten die Gerichte der Zukunft gekocht werden können!
Daran hat sich nichts geändert. Natürlich können wir sagen, was wir möchten, was wir wollten usw. Nur: Die reale Geschichte zeigt, dass die Dinge sich nie so verhalten haben, wie die jeweiligen Akteure wollten oder wünschten. Wir haben es für eine lange Zeit mit ganz anderem zu tun als damit, unmittelbar für den Sozialismus zu wirken. Es geht darum, das an demokratischen und sozialen Rechten mit Zähnen und Klauen zu verteidigen, das in schweren Auseinandersetzungen errungen worden ist. Es geht sodann darum, aus diesen Verteidigungskämpfen heraus jene Kraft zu entwickeln, die fähig sein könnte, die bestehenden Rechte zu erweitern, und auch das mit dem Ziel, im Falle von Erfolgen, gemäß Tucholskys Wort zu verfahren: Nun gut, das ist der Flicken, doch wo bleibt der Rock? Das ist der Groschen, doch wo bleibt die Mark? Solche demokratischen Kämpfe können an Positionen heranführen, wo es um grundlegende Änderungen geht und dass sie schließlich sogar heranführen können an die Hebel der Macht. Doch diese müssen in Bewegung gesetzt werden. Und dazu bedarf es nicht nur sehr großer Kraft, sondern dem wird der Gegner auch all seine Kraft entgegensetzen. Was dies konkret bedeutet, kann niemand von uns heute sagen, und darum kann auch niemand von uns mit wissenschaftlichem Anspruch heute sagen.
In unserem Land haben bereits Zwölfjährige in großer Zahl Angst, später keinen Arbeitsplatz zu bekommen. Unsere Gesellschaftsordnung bietet der neuen Generation keine Zukunft. Diese kapitalistische Ordnung herrscht derzeit über den weitaus größten Teil der Welt. In dieser Welt des Kapitals sterben an Hunger und leicht vermeidbaren Seuchen etwa 50 Millionen Menschen pro Jahr. Also in einem Jahr etwa eben so viele wie während der fünf Jahre des zweiten Weltkrieges. Unter diesen 50 Millionen sind 15 Millionen Kinder unter 15 Jahren. Bei uns bietet der Kapitalismus der Jugend keine Zukunft, draußen nimmt er ihnen gleich das Leben. Und zu allem Überfluss vergiftet er auch noch mit seiner Industrie und Chemie immer mehr die Lebensgrundlagen nicht nur der Menschen, schaffet er immer neue Massenvernichtungswaffen. Das ist das wahre Gesicht des Kapitalismus, der „freien Marktwirtschaft“, des einstweiligen Siegers über den Sozialismus, der, wenn er sich weiterhin entfalten kann, die Menschheit in einer ökologischen Katastrophe oder in Kriegen, wie sie die Welt bisher noch nicht gekannt hat, dem Untergange preisgeben wird.
Die Schlussfolgerung, dass dieses System zu überwinden sei, liegt zwar auf der Hand, doch wäre sie sinnlos, gäbe es keine Hinweise darauf, dass dies auch möglich ist. Diese Hinweise deuten zugleich an, von welcher Art die auf den Kapitalismus folgende Ordnung sein wird. Bei diesen „Hinweisen“ handelt es sich um Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus selbst. Ich will wenigstes drei solcher nennen.
Da ist, worauf Marx und Engels vor hundertfünfzig Jahren bereits im „Kommunistischen Manifest“ aufmerksam machten, dass das Kapital sein eigenes Existenzprinzip, Privateigentum an Produktionsmitteln zu besitzen, für die überwiegende Mehrheit des Volkes zerstört hat, Dieser Vorgang der Enteignung der Eigentümer fand in einem äußerst qualvollen Prozess statt. Es kommt eigentlich „nur“ noch darauf an, das „Urteil“, das der Kapitalismus über die Volksmasse verhängt hat, nun auch noch an den Kapitalisten zu vollziehen, deren Eigentum in das des Volkes zu überführen.
Damit würde auch einem zweiten solchen Gesetz entsprochen, dessen Verletzung immer wieder zu schweren Krisenprozessen führt. Es geht darum, dass der Arbeitsprozess immer mehr von gemeinschaftlicher, gesellschaftlicher Art ist – kaum jemand kann noch sagen, dieses oder jenes Produkt allein hergestellt zu haben – aber die Aneignung findet, wegen des kapitalistischen Eigentums an den Brot- und Lebensquellen, eben nicht gemeinschaftlich, nicht gesellschaftlich statt. Dieser Widerspruch, mit seinen Krisenfolgen, würde durch die Lösung der Eigentumsfrage beseitigt.
Und die dritte innerkapitalistische Gesetzmäßigkeit? Jeder Unternehmer ist darauf bedacht, dass in seinem Betrieb so rationell und planmäßig wie nur möglich gearbeitet, weder Zeit noch Material vergeudet wird. Leuchtet es nicht ein, dass in der Gesellschaft der Zukunft, wenn die Betriebe Gemeinschaftseigentum sind, ebenfalls planmäßig, rationell gearbeitet werden, Arbeitskraft und Material nicht vergeudet werden dürfen? Freilich kann das nicht bedeuten, dass alles und jedes einem Plan unterworfen werden könnte, das müsste eine wahnsinnige Bürokratie und Gängelung verursachen, statt schöpferische Energien freizusetzen.
Es ist also nicht nur notwendig, den Kapitalismus zu überwinden, es gibt auch objektive Prozesse, die das ermöglichen. Freilich ist damit die Frage noch nicht beantwortet, ob es auch die dazu erforderlichen Kräfte gibt. Die DKP hat sich in die Diskussion solcher Fragen mit einem eigenen Vorschlag zum Thema „Sozialismus“ eingeschaltet. Ich hielt, aus oben dargelegten Gründen, zunächst die Erarbeitung einer solchen Konzeption nicht für notwendig. Dennoch habe ich mich davon überzeugen lassen, dass wir wenigstens aus Gründen auch heute die Sozialismus-Diskussion führen müssen:
1. Weil in den sog. Tagesfragen immer auch die Grundsatzprobleme enthalten sind – wer nicht darüber diskutieren will, wie wir den Kapitalismus überwinden können, kommt mit der Problematik der Arbeitslosigkeit nicht klar.
2. Weil wir noch lange im Reformkampf stecken werden und folglich im Reformismus ersticken, wenn wir nicht unser sozialistisches Ziel festschreiben und dazu sagen, dass dies nicht durch eine Summe von Reformen erreichbar sein wird. Verlören wir das sozialistische Ziel aus dem Auge, würden wir uns schnell in eine reformistische Partei verwandeln. Reformistische Kräfte gibt es in unserem Lande genug, für eine weitere solche Kraft besteht keine Notwendigkeit. Preisgabe des sozialistischen Zieles würde auf Beseitigung der kommunistischen Partei hinauslaufen.
3. Weil es nötig ist, dem Gegner, der jeglichen Dreck gegen die Idee und die Realität des Sozialismus verbreitet, entgegenzutreten. Wir haben es mit einer riesigen Gehirnwäsche zu tun. Wenn Politiker und Medien wirkliche oder erfundene Probleme der zerstörten DDR hochspielen, so geschieht dies in, weil es ihnen um einen von solchen Problemen gereinigten, eben besseren Sozialismus ginge. Es geht einzig und allein darum, in der Bevölkerung den Gedanken an eine mögliche Alternative zum Kapitalismus nicht entstehen zu lassen.
4. Weil es inzwischen siebzig Jahre positive und negative Erfahrungen mit einem Sozialismus-Modell gibt und wir diese Erfahrungen aufarbeiten müssen. Nach dem Erleben der Vergangenheit, angesichts aber auch der vielfältigen Bemühungen, den Sozialismus zu verteufeln, ist es nötig, sich zur Bilanz des in Europa zunächst untergegangenen Sozialismus zu äußern, zu seinen Leistungen aber auch zu den Gründen seines Scheiterns. Dabei kann ich natürlich nur jeweils einige der betreffenden Faktoren einführen.
5. Weil es, gerade angesichts unserer schweren Niederlage, nicht möglich sein wird, der Idee des Sozialismus neue Anziehungskraft zu verleihen, wenn wir nicht über sie in ernsthaftester Weise diskutieren. Es kommt noch etwas hinzu, was durchaus bedeutsam ist: Wir sagen etwa, wie sich Demokratie im Sozialismus darstellen soll. Daraus sind Folgerungen für unser Parteiverständnis heute abzuleiten. Wie soll uns jemand glauben, wir meinten es mit unseren Demokratie-Vorstellungen im Sozialismus ernst, wenn wir es in unserer Partei ganz anders trieben? Das Papier bindet uns also nicht erst in der Zukunft an gewisse Normen, sondern auch schon heute.
Ich sehe davon ab, die unerhörten Leistungen der jungen Sowjetunion, ihre gewaltige Aufbauarbeit etwa, zu bilanzieren und verweise nur auf weniges Grundsätzliche: Siebzig Jahre Sozialismus haben bewiesen, dass eine Gesellschaft ohne Kapitalisten und Profitscheffelei, ohne Kolonien, ohne Ausbeutung fremder Völker, ohne Arbeitslosigkeit möglich ist. Sie haben – vor allem angesichts der äußerst ungünstigen Ausgangsbedingungen etwa in der Sowjetunion – gewaltige Leistungen auf dem Gebiet der Bildungspolitik erbracht. Und trotz aller ungelösten Aufgaben: Nirgends wurden so große Fortschritte für die Besserstellung der Frauen und Mädchen erreicht wie etwa in der DDR. Der Sozialismus hat sich als eine sehr stabile Basis für den weltweiten antiimperialistischen Kampf, für die internationale Solidarität erwiesen und allein durch sein Dasein Jahrzehnte relativer Freiheit von Kriegen erwirkt. Und in unserem Land saß, wie es in Gewerkschaftskreisen richtig hieß, in Tarifauseinandersetzungen die DDR immer als dritter Verhandlungspartner mit am Tisch. Erst seit dem Wegfall des realen Sozialismus kann sich das Kapital jene Frechheiten erlauben, denen wir jetzt ausgesetzt sind. Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass die Zerstörung des realen Sozialismus eine Niederlage für die gesamte wirkliche Linke, nicht nur für die Kommunisten war bzw. ist.
Was wird nach unserer Überzeugung unverzichtbar zum Sozialismus gehören? Da ist zunächst die Frage der politischen Macht. Die bestehende politische Macht hat die Aufgabe, dem Kapital zu nützen. Das geschieht ideologisch – etwa durch Verteufelung des Sozialismus, durch die Predigt, der Mensch sei nicht gut genug für den Sozialismus, mit der bürgerlichen Ordnung sei die Geschichte an ihr Ende gekommen usw. usf. Das geschieht juristisch – Erklärung, die politische Macht der Arbeiterklasse verstoße gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung, durch vielfältige Gesetze zum Schutz des kapitalistischen Eigentums usw. usf. Es geschieht durch politisches Wirken: Aufbau von spezifischen polizeilichen Organen zur Unterdrückung möglicher sozialistischer Bewegungen (bestimmte Festlegungen über den Einsatz des Bundesgrenzschutzes als Beispiel), durch Verbote, z. B. durch das KPD-Verbot, das Bestimmungen enthält, nach denen sogar Streiks und Demonstrationen für hochverräterisch hingestellt werden und die notfalls herangezogen werden, um sozialistische Bestrebungen unterdrücken zu können usw. usf.
Es leuchtet doch ein, dass zur Schaffung einer sozialistischen Gesellschaft eine andere politische Macht errichtet werden muss, eine Macht, die nicht mehr die Aufgabe hat, den Kapitalismus, sondern den entstehenden Sozialismus zu schützen, und zwar ebenfalls ideologisch, juristisch und politisch. Ich spreche hier verkürzt von der Arbeitermacht, um das Wesentliche zu betonen. In der Wirklichkeit wird es ein breites Bündnis sein, das diese Macht errichtet und verteidigt, anders wird es gar nicht möglich sein, dem Sozialismus bei uns zum Durchbruch zu verhelfen.
Die politische Macht ist kein Selbstzweck sondern nötig für die Lösung der Eigentumsfrage. Damit bin ich beim zweiten wesentlichen Merkmal des Sozialismus: Diese Gesellschaftsordnung beruht auf dem Vorrang des gesellschaftlichen Eigentums an den nur gesellschaftlich in Bewegung zu setzenden Produktionsmitteln. Das bedeutet kein Eigentumseinerlei, es handelt sich durchaus nicht nur um staatliches, zentrales Eigentum. Diese Eigentumsform ist allerdings unabweisbar bei solchen Produktionsmitteln, deren Einsatz für die gesamte Gesellschaft notwendig und lebenswichtig ist oder die nur mit dem Einsatz gesamtstaatlicher Akkumulationsmittel möglich ist. Daneben kann es unterschiedliche Formen kollektiven Eigentums, wie z. b. Genossenschaften, geben. Zum Zeitpunkt des Ringens um den Sozialismus werden die objektiven, die sachlichen Produktivkräfte im Gefolge der wissenschaftlich-technischen Revolution eine verglichen mit heute zumindest erheblich andere Qualität erreicht haben. Unter diesen Bedingungen wird der Einsatz zumindest einer Reihe solcher Produktivkräfte unbedingt die gesamtgesellschaftliche Kontrolle erfordern. Andernfalls sind Gefahren gesamtgesellschaftlich äußersten Ausmaßes nicht vermeidbar. Es sind also gesamtgesellschaftliche Strategien ökonomischer, ökologischer und sozialer, wahrscheinlich auch politischer Art, Analysen, Planungen und Aktivitäten gesamtgesellschaftlichen Charakters nötig. Das bedeutet nicht, dass alles und jedes Problem der Regelung durch gesamtgesellschaftliche Strategie unterworfen werden muss oder auch nur kann.
Um eine Ahnung von der Größe des Problems zu vermitteln: 1957 gab es in der Sowjetunion 200 000 Großbetriebe, 100 000 Baustellen, 85 000 Kolchosen, 5 000 Sowchosen, mussten für die Industriebetriebe acht Millionen Kennziffern und etwa 25 Milliarden Materialwege beachtet werden! Dutzende von Millionen Einzelprobleme ökonomischer oder wirtschaftspolitischer Art können nicht auf zentralistische Weise gelöst werden. Das alles von einem einzigen Zentrum aus zu planen und zu leiten, schafft riesige Reibungsverluste, ist Brutstelle der Bürokratie. Zumindest hat die schließlich in der Bürokratie erstickende, immer mehr in Stagnation geratende dirigistische Leitungsmethode in der Sowjetunion eindeutig bewiesen, dass andere Formen der Planung und Leitung nötig sind. Denn nicht bewiesen hat es die Unmöglichkeit der geplanten Wirtschaft. Die Produktivkräfte der Mikroelektronik machen schon heute dezentrale Lösungen im Rahmen gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen möglich. Ein solches gesamtgesellschaftlich kontrolliertes Wirken von Produktivkräften setzt aber voraus, dass diese auch gesamtgesellschaftliches Eigentum sind. Es wird auf dieser Entwicklungsstufe – soweit wir das heute beurteilen können – landwirtschaftliche oder handwerkliche Produktionsgenossenschaften geben. Ihr kollektives Eigentum wäre nicht gesamtgesellschaftlicher Art. Das wird zu Problemen und Widersprüchen führen. Wenn sich solche Produktivkräfte im Eigentum des jeweiligen Produzentenkollektivs befänden und folglich das im Betrieb erarbeitete Mehrprodukt ganz oder teilweise von ihnen angeeignet würde, könnte es zu Sonderinteressen, zu Formen des Konkurrenzkampfes zwischen diesem Produzentenkollektiv und anderen etwa der gleichen Produktionspalette kommen. Unter diesen Bedingungen treten Widersprüche hinsichtlich z. B. der Solidarität der Klasse, also die Betriebskollektive übergreifend, auf. Es gibt hier also auch Probleme, die des weiteren Nachdenkens bedürfen. Zur Lösung solcher Probleme sind gesamtgesellschaftliche Organe nötig. Ob man diese als staatliche Organe bezeichnet oder anders, ist völlig gleichgültig. Aber es muss gesichert sein, dass ein solches gesamtgesellschaftliches Organ zentrale und demokratische Aspekte in sich vereinigt.
Es geht darum, das Organisationsprinzip des demokratischen Zentralismus nicht nur in der Partei, nicht nur allgemein im gesellschaftlichen Leben des Sozialismus, sondern vor allem auch in der Wirtschaftspolitik anzuwenden. Aber es müsste zugleich geklärt sein, dass selbst dann die Entwicklung auf Dauer ins Abseits führen wird, wenn nicht die „staatlichen“ Aktivitäten an den objektiven ökonomischen Gesetzen, und dazu gehört das Wertgesetz, orientiert werden. Zu den Fragen, wie Entartungserscheinungen vermieden werden können, sollten wir uns an jene Hinweise erinnern, die Marx in seiner Analyse der Pariser Kommune gab und die Lenin besonders betont. Mag sein, dass dabei hoch qualifizierte Kräfte nicht in Funktionen gelangen, da sie mit einer solchen materiellen Bedingung nicht einverstanden sind. Dafür aber bliebe der „Apparat“ des Staates und der Partei leichter „sauber“ zu halten (leichter, denn selbst unter solchen Bedingungen ist die Herausbildung von Strebertum nicht völlig auszuschließen!). Doch wer unter solchen Bedingungen ein „Amt“ annimmt, tut es eher aus Treue zur Sache, aus Idealismus als wenn Pfründen und Ähnliches wirken können.
Allerdings ergibt sich hier ein Problem: Die junge Sowjetmacht konnte gar nicht anders handeln, als dass sie den nicht geflohenen bürgerlichen Spezialisten – von der staatlichen Verwaltungstätigkeit über die wenigen im Management erfahrenen Spezialisten bis hin zu Offizieren der zaristischen Armee, die bereit waren, dem neuen Regime zu dienen, wirtschaftliche, finanzielle Privilegien gewährte. Wenn man aber erst einmal solche Präzedenzfälle schafft, schaffen muss, so bleibt es nicht aus, dass sie sich auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen herausbilden. Es sind offensichtlich Formen gesellschaftlicher Kontrolle, von der Basis bis zur Spitze nötig, um Sicherungen gegen die Herausbildung von Vettern- und Privilegienwirtschaft zu schaffen. Es liegen auf diesem Gebiet noch keine wirklichen Erfahrungen vor.
Des Weiteren geht es um die unbedingte Einhaltung der demokratischen Normen ein, z. B. Sicherung der Perioden für Rechenschaftslegung und Wahlen. In der KPdSU wurden solche Normen z. B. vom Sommer 1939 bis Herbst 1952 nicht beachtet! Das schließt ein die regelmäßige und nicht nur formale Rechenschaftslegung und Kontrolle, die Abwählbarkeit von Funktionären, die sich etwas zu schulden kommen ließen, sich nicht solidarisch, sich selbstherrlich verhalten. Unbedingt erforderlich sind die Einhaltung der Kollektivität in der Erarbeitung der Politik, der Beschlussfassung und Führung und – natürlich – die Beschlusstreue. Ohne ehrliche – nicht spießerhaft-kleinbürgerlich verbogene – Kritik und Selbstkritik. ist an einen richtigen Umgang mit Fehlern nicht zu denken.
Ein drittes unverzichtbares Merkmal des Sozialismus wird die Planung strategischer Bereiche des wirtschaftlichen und sozialen Bereichs sein. Die modernen elektronischen Produktionsinstrumente ermöglichen jene Flexibilität, die dem realen Sozialismus so sehr fehlte.
Besonderes Augenmerk legte das Diskussions-Dokument der DKP zum künftigen Sozialismus auf das Problem der sozialistischen Demokratie. Wir konnten hier in hohem Maße an frühere Materialien anknüpfen. Etwa an den Entwurf des Parteiprogramms der illegalen KPD vom Jahre 1967 oder an das Parteiprogramm des Mannheimer Parteitags von 1978 und das Büchlein von Willi Gerns und mir „Für eine sozialistische Bundesrepublik“, das bereits vorher erschienen war. Wir entwickelten Vorschläge hinsichtlich der verfassungsmäßigen und parlamentarischen Ordnung einer sozialistischen Bundesrepublik. Ich nenne nur stichwortartig: Wahrscheinlichkeit eines Mehrparteiensystems und einer auf dem Boden einer sozialistischen Verfassung wirkenden parlamentarischen Opposition. Trennung der gesellschaftlichen Gewalten. Sicherung der sozialen und individuellen Grundrechte (Einführung entsprechender Rechtspflegeorgane). Regelmäßige Rechenschaftslegung von Mandatsträgern einschließlich der Möglichkeit ihrer Abberufung, wenn solche Mandatsträger ihre gesellschaftlichen, gesetzmäßig festgelegten Aufgaben nicht erfüllen. Wir räumen den Gewerkschaften einen großen Stellenwert ein und haben überhaupt auf eine deutliche Kennzeichnung und Abgrenzung der Funktionen der Parteien, der anderen gesellschaftlichen Organisationen und der staatlichen Organe Wert gelegt. Zu unseren Sozialismus-Vorstellungen gab es kritische Einwände.
Was wurde eingewandt? Dies orientiere sich an der bürgerlichen Demokratie, wie sich in der Frage der Gewaltentrennung und der parlamentarischen Opposition in einer sozialistischen Ordnung zeige, missachte die Erfahrungen des Ringens um eine sozialistische Gesellschaftsordnung, also die reale Geschichte, unterschätze den Gegner und die von ihm ausgehenden Gefahren für den Sozialismus. Statt eines Zukunftsentwurfs solle man sich damit begnügen, die wirklichen Wesensmerkmale des Sozialismus zu benennen, was wir allerdings auch getan haben! So hieß es in dem Entwurf des Parteiprogramms, das die verbotene KPD 1967 erarbeitete (und den sie zuvor mit Bruderparteien abstimmte!): „In einer sozialistischen Ordnung der Bundesrepublik wird das Parlament zu einem wirklichen Organ des Volkswillens werden, das auf dem Mehrparteiensystem beruht. Die auf ein breites antimonopolistisches Bündnis und auf eine sozialistische Parlamentsmehrheit gestützte Staatsmacht und sozialistische Ordnung werden ihre Errungenschaften entschieden gegen konterrevolutionäre Anschläge der großkapitalistischen Reaktion zu schützen haben. Eine parlamentarische Minderheit, die die Verfassung und die vom Parlament beschlossenen Gesetze einhält, wird ihre Rechte wahrnehmen können.“
Dem Wesen nach gleichlautende Formulierungen finden sich in dem bereits benannten Buch von Willi Gerns und mir „Für eine sozialistische Bundesrepublik“ aus dem Jahre 1977. Es ist anzunehmen, dass unsere Kritiker diese Materialien nicht kennen, sonst müssten sie nicht erst der DKP dieser Tage, sondern der kommunistischen Bewegung in Deutschland seit Jahrzehnten den Vorwurf des Revisionismus machen. Wesentlicher aber ist, dass sich unsere Kritiker nicht die Mühe machen, sich mit unseren Argumenten zu befassen. Man tut diese einfach mit der Floskel ab, sie seien bürgerlich. Nun, es gibt viele Totschlagargumente. Eines kennt man in unseren Reihen besonders gut, das des sog. Stalinismus. Ist etwas erst mal als stalinistisch benannt, braucht man es nicht mehr zu prüfen. So ist es aber auch mit dem Totschlagargument bürgerlich. Ich erinnere mich noch an die wildgewordene Kleinbürgerjugend a la Joschka Fischer, Cohn-Bendit usw. – die heute alle unter die Rockschöße der Bourgeoisie gekrochen sind – was haben die doch alles als bürgerlich abtun wollen. Alle universitäre Wissenschaft war ihnen einfach bürgerlich, nicht nur ideologische Formen des Wissens, auch die Mathematik, die Logik usw. Die Frankfurter Universität sollte nicht mehr den Namen Goethes tragen, sondern Rosa Luxemburg-Universität heißen – na, die hätte den Bilderstürmern vielleicht die Lefiten gelesen!
Also machen wir es uns mit dem, was wirklich oder auch nur vermeintlich bürgerlich ist nicht zu einfach. Die Klassiker des Marxismus sollten es uns schon anders lehren: Die Wahrheit ist immer konkret! Also erstens wäre zu prüfen und daran zu erinnern, und zwar nicht nur die Demokratie-Pfaffen der PDS-Führung, dass es die bürgerliche Demokratie nicht gab oder gibt. Jene bürgerlichen Aufklärer – ich denke jetzt an Kant – die bestimmte Grundtheoreme einer bürgerlichen Verfassung erörterten, waren, sind nicht auf eine Stufe zu stellen mit den After-Theoretikern des Spätbürgertums. Lenins letztes Wort in Sachen Staat, gehalten auf der Swerdlowsk-Universität (das war die Parteischule der KPdSU) brachte den Genossen, die zuvor alles getan hatten, um den bürgerlichen Staat zu zerschlagen, doch auch in Erinnerung, in welcher Hinsicht die bürgerliche Demokratie historisch gesehen ein Fortschritt war. Oder muss man nicht auch an Lenins Wort denken von der Entwicklung der Demokratie bis ans Ende – wohlgemerkt, da sprach er zu deutschen, holländischen und englischen Ultralinken, ging es nicht – noch nicht – um das Problem der sozialistischen Demokratie. Oder an Engels, wir brauchten die (bürgerliche!) Demokratie wie die Luft zum Atmen.
Also wie ist unser Verhältnis zur bürgerlichen Demokratie? Wie unter den Bedingungen des Kapitalismus und da dann auch wieder, wie unter den Bedingungen, da eine bürgerliche Republik mit dem Hakenkreuz am Stahlhelm entsteht und wie unter Bedingungen, da diese Republik sich im Todeskampf gegen den Faschismus befindet? Wir haben doch daraus Lehren gezogen – wobei „unsere“ jetzige Republik sich nicht in einem solchen Todeskampf befindet, es dennoch eine Menge zu verteidigen gibt. Also lasst uns nicht im nebulösen Gerede über bürgerliche Demokratie das Geschäft der gründlichen Analyse und des Nachdenkens vergessen.
Ganz anders steht es dann um die sozialistische Demokratie. Da haben wir die Grundlehren der Dialektik missachtet, wegen des Verrats bürgerlicher Kräfte an ihren eigenen „geheiligten“ Werten, wegen ihrer Heuchelei in Sachen Demokratie nur dies gesehen, statt sich der Aufgabe der dialektischen Negation zu stellen, haben wir versucht, ohne die Aufgabe des Aufhebens zu meistern, lediglich unter Bruch mit der Geschichte etwas aufzubauen, das nichts Aufzuhebendes enthalten sollte. Daraus sind für künftige Wege zum Sozialismus Lehren zu ziehen.
Ich erinnere noch einmal darauf, dass unsere Vorstellungen davon ausgehen, es werde keinen Weg zum Sozialismus ohne breitesten Massenkampf geben. Das bedeutet, dass es nicht nur Kommunisten, nicht nur Marxisten sein werden, die zum Kampf für den Sozialismus antreten. Folglich wird es die unterschiedlichsten Motive für den Sozialismus geben, marxistisch-sozialistische, christliche, ökologische, allgemein humanistische usw. Wenn der Sozialismus durch ein solches breites Bündnis erkämpft werden wird, hat das einige Konsequenzen. Erstens wird der ideologisch-politische Überbau erheblich anders aussehen als jener, den es in der bisherigen Geschichte des Sozialismus gab. Die Kräfte, die gemeinsam den Sozialismus erstritten, werden in diesem Überbau politisch und ideologisch vertreten sein und selbstverständlich für ihre Motivationen eintreten wollen und dies auch können. Dabei können Differenzen auftreten, solche auf dem Boden des gemeinsam erkämpften Sozialismus!, seines Aufbaus, seiner Ausgestaltung. Das kann dazu führen, dass bestimmte Kräfte zeitweilig oder auch länger aus der Regierungsverantwortung austreten wollen, also in die parlamentarische Opposition wechseln. Das wäre etwas völlig anderes als eine konterrevolutionäre Opposition. Zweitens wäre zu beachten, dass dies alles auf dem Boden einer breiten, massenhaften Akzeptanz des Sozialismus stattfände, es für eine konterrevolutionäre Opposition keine Massenbasis gäbe.
Drittens muss man natürlich darauf gefasst sein, dass sich hinter einer zunächst auf dem Boden des Sozialismus wirkenden Opposition eine solche konterrevolutionären Charakters herausbilden kann. Doch darüber ist in entscheidendem Maße die Politik der Sozialisten verantwortlich. Wenn sie so arbeiten, dass sie die Massen verlieren, entwickelt sich die Konterrevolution, gleichgültig, ob sich diese auf parlamentarische Positionen stützen kann oder nicht. Hier liegt der Kernpunkt der Probleme, soweit es um die inneren Entwicklungsbedingungen des Sozialismus geht, hierauf können und müssen die Sozialisten einwirken. Von mehr ist hier nicht die Rede. Es wird auch keinen Weg zum Sozialismus geben, wenn es nicht gelingt (und auch das geht nicht ohne breitesten Massenkampf) wesentliche Fortschritte im antimilitaristischen Ringen zu erzielen.
Das sind aber doch Voraussetzungen, wie es sie in Europa beim Weg zum Sozialismus noch nirgends gegeben hat (denn die russischen Bauern waren zwar für die Revolution, weil sie nur von der den Frieden und den Boden kriegen konnten, aber für den Sozialismus?). Müssen daraus und aus Erfahrungen des realen Sozialismus nicht gründlich Lehren gezogen werden? Wie hätte sich beispielsweise Lenin gegenüber solchen neuen Erscheinungen, Prozessen, Erfahrungen verhalten? Hätte er sich damit zufrieden gegeben, einfach die früheren Positionen zu wiederholen?
Wie ist das mit der Gewaltenteilung und der Gewaltentrennung? Die Konzeption der Gewaltenteilung kam im vorrevolutionären bürgerlichen Denken auf, als die Bourgeoisie noch nicht stark genug war, ganze Macht, alle Gewalt für sich zu fordern, also die Feudalen aufforderte, die Gewalt mit der aufkommenden Bourgeoisie zu teilen – natürlich, von Ausnahmen abgesehen, eine illusorische Forderung. Sobald die Bourgeoisie dazu fähig war, die ganze Macht in ihre Hände zu nehmen, wollte sie diese keinesfalls etwa mit der entstehenden Arbeiterklasse teilen. Nun nahm diese Forderung eine andere Gestalt an: Die ganze Gewalt in die Hände der Bourgeoisie! Aber die Instrumente der Ausübung von Gewalt, das legislative, exekutive und das judikative Instrument sollten so voneinander abgetrennt, geteilt werden, dass keines von ihnen – die jedoch alle Instrumente der Bourgeoisie an der Macht waren und sind! – in die Kompetenzen des anderen eingreifen kann. So sollte jenen Willkürhandlungen etwa des Souveräns die Möglichkeit genommen werden, die man aus der Geschichte kannte. Gewaltenteilung nein! Gewaltentrennung ja! Aber es handelt sich bei aller Trennung um Gewalten der Bourgeoisie.
Wie stellen sich die Dinge in unseren Sozialismus-Vorstellungen dar? Abgesehen davon, dass wir nicht von Gewaltenteilung zwischen Klassen sprechen, wäre daran zu erinnern, dass es auch im Kampf der Arbeiterbewegung eine vergleichbare Position gab und gibt! Was anders ist die Forderung nach Mitbestimmung und Arbeiterkontrolle – wenn sie nicht von revisionistischen und opportunistischen Kräften verfälscht wird! – als das durch Massenkampf anzustrebende Eingreifen in Entscheidungsmechanismen des Kapitals – also als eine Form der „Gewaltenteilung“ ? Worum es uns geht, gerade auch angesichts von Erfahrungen mit dem realen Sozialismus, das ist die Trennung der legislativen, exekutiven und juridischen Gewalt als Gewalten ein und derselben politischen und sozialen Klassenkräfte des Sozialismus. Und auch da, um der Gefahr von Willkürhandlungen einen Pflock entgegen zu setzen. Zu verhindern, dass Staatsorgane Gesetze – Gesetze des sozialistischen ! Staates – verletzten. Was die Bourgeoisie konnte, sollten wir auch können: Eine Justiz eigenen Klassencharakters zu schaffen, die sich um die Einhaltung der sozialistischen Verfassung und der sozialistischen Gesetze kümmert. Ich wüsste nicht, was gegen die Einrichtung eines Verfassungsgerichts in einem sozialistischen Staat sprechen könnte!
Was die Missachtung historischer Erfahrungen angeht, wer missachtet die eigentlich, jene, die Lehren aus diesen Erfahrungen zu ziehen bemüht sind oder jene, die nicht einmal über diese Lehren nachdenken, darüber diskutieren, sondern dem Wesen der Sache nach empfehlen, so fortzusetzen, wie man aufgehört habe – und womit man in die Niederlage geraten ist! Nach meinem Dafürhalten wirkt hinter den eben angeführten Problemen ein weiteres als theoretische Grundlage. Es handelt sich darum, wie Kommunisten an das Problem der proletarischen Diktatur herangegangen sind, wie wir – undialektisch – uns zu Fragen verhalten haben, die vom revolutionären Bürgertum im antifeudalen Kampf entwickelt, später aber von ihm selbst mit Füßen getreten worden sind und bis zum heutigen Tag getreten werden. Es sind das Fragen der Menschenrechte (als ob es nicht in der „Internationalen“ hieße, wir erkämpften das Menschenrecht!), der (eben besprochenen) Teilung bzw. Trennung der Gewalten der jeweiligen Klassendiktatur, also einerseits der bürgerlichen, andererseits der proletarischen. Die Konzeption der Sowjets, im Prozess der russischen Revolution aufgekommen, überwand diese Theorie der Gewaltentrennung, da die Sowjets die legislative, exekutive und juridische Gewalt in sich vereinigten. Damit war aber ein Problemfeld entstanden, das sich im historischen Verlauf erst deutlich zeigen sollte: Dass nämlich eine der drei Gewaltmechanismen willkürlich in die anderen eingreifen konnte, was de facto zur Verletzung, gelegentlich sogar Außerkraftsetzung von Gesetzen der sozialistischen Staatsmacht, sozialistischen (!) Gesetzen, ihrer Ersetzung durch Willkürhandlungen möglich wurde.
Ein Blick auf die Parteiorganisation, auf die Art, wie wir selbst diese Frage in dem bei uns relevanten Bereich handhaben, sollte eigentlich zeigen, dass wenigstens auf dieser Ebene das Problem gesehen und Mittel dagegen geschaffen worden sind. Im Bereich der Partei würde etwa die Schiedskommission der juridischen Gewalt entsprechen. Sie wird bei uns direkt vom Parteitag gewählt, ist also eine Parteiinstitution eigenes Rechts, vom Parteivorstand durchaus getrennt. In der Wahl eines eigenen Sekretariats, das die Beschlüsse des Parteitags bzw. Parteivorstands auszuführen hat, drückt sich die Trennung von beschlussfassendem und ausführendem Organ in der Partei aus. Niemand wird daraus folgern, damit sollte das einheitliche Handeln der Partei gefährdet werden. Alle drei genannten Institutionen der Partei, Parteivorstand, Sekretariat und Schiedskommission sind Organe der einen Partei, wirken zusammen auf der Grundlage des Parteistatuts und der Parteibeschlüsse. Die Bourgeoisie macht uns vor, dass dies auch auf staatlicher Ebene machbar ist. Warum sollten wir dazu nicht fähig sein?
Auf der Ebene der eigenen Organisation also haben wir die „Trennung“ der „Gewalten“. Es gibt keinen plausiblen Grund – wegen des Umgangs der Bourgeoisie mit ihren „geheiligten“ Prinzipien – unsererseits darauf zu verzichten, uns von der Geschichte geradezu eingebläute Lehren zu missachten. Solche Missachtung war aber einer der Gründe, die zur Herausbildung autokratischer Züge der proletarischen Diktatur führte, mit den äußerst schwerwiegenden Folgen. Es handelt sich gewissermaßen um eine linke Abweichung bei der Behandlung des Problems der Diktatur des Proletariats. Darauf reagierten die sog. eurosozialistischen Parteien nicht mit Vorschlägen zur Korrektur des Fehlers, sondern durch das gleitende Übergehen auf die Position der bürgerlichen Demokratie – also einer Rechtsabweichung! -, womit sie zu Gefangenen der sozialdemokratischen Tendenzen wurden, was in der Zerstörung der kommunistischen Parteien geführt hat. Wenn ich es richtig sehe, läuft die Behebung der beiden Probleme auf eine Konzeption der sozialistischen Gesellschaft der Zukunft hinaus, welche die Staatsfrage auf der Grundlage der Macht der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten und der zu ziehenden Lehren aus unserer Niederlage zu lösen versucht. Ich halte die Sozialismusvorstellungen der DKP als Versuch, diese Probleme zu beantworten.
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ecee8fead6948baab0c0f8b01a18f4a1 | MEDIZINREPORT
Osteoimmunologie: Interaktionen zwischen Knochen und Immunsystem verstehen
Das Knorpel-Knochen-System ist enger mit dem Immunsystem verknüpft, als bisher bekannt. Beide nutzen gleiche Botenstoffe und Wachstumsfaktoren. Inwieweit sich dies therapeutisch nutzen lässt, untersucht ein DFG-Schwerpunktprogramm.
Erkrankungen mit hoher systemischer Entzündungsaktivität wie chronisch rheumatische und Autoimmunerkrankungen gehen mit einem erhöhten Risiko für Osteoporose und Frakturen einher. Schon lange steht dabei die Hypothese im Raum, dass es somit eine enge Verbindung zwischen dem Immunsystem und dem Knochen und Knorpel geben muss.
„Aus der Vorstellung heraus, dass eine Kommunikation zwischen dem Immun- und dem Skelettsystem besteht, hat sich als eigener wissenschaftlicher Bereich die Osteoimmunologie entwickelt“, erläutert Prof. Dr. med. Georg Schett (Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg), der als Sprecher des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) neu eingerichteten Schwerpunktprogramms „Osteoimmunologie“ berufen wurde.
Knochenmark ist Reifungsort für Entzündungszellen
Die Etablierung des Programms beruht auf Beobachtungen, wonach überschießende Immunreaktionen und die sich daraus ergebenden Entzündungskrankheiten die Knochen schädigen und die Gelenke zerstören können. Umgekehrt sind die Knochen und speziell das Knochenmark ein zentraler Reifungsort für Entzündungszellen und können damit möglicherweise deren Entwicklung beeinträchtigen. Wie sich jedoch Knochen und Immunsystem gegenseitig beeinflussen, ist in vielen Bereichen noch unklar. „Wir wollen untersuchen, welche Zellen konkret beteiligt sind und über welche Mediatoren die Kommunikation zwischen den beiden Systemen gesteuert wird“, erklärt Schett. „Wir hoffen dabei auf Basis eines besseren Krankheitsverständnisses, neue und effektivere Therapieansätze entwickeln zu können“. Denn bisher fokussiere man sich auf die Entzündung am Knochen, ausgelöst durch Botenstoffe und Zellen des Immunsystems, und versuche diese zu unterdrücken. Die Frage, warum und in welcher Weise Knochenstrukturen angreifbar würden, berücksichtige dieses Vorgehen jedoch nur indirekt.
Mit ihren Forschungen gehen die Wissenschaftler in zwei Richtungen. Sie wollen einerseits klären, über welche Mechanismen und Mediatoren die übersteigerten Immunreaktionen den Knochen schädigen. Andererseits stehen Fragen dazu an, wie das Skelettsystem seinerseits das Immunsystem moduliert und so möglicherweise direkt den Weg in die Entzündungskrankheiten bahnt. „Da das Knochenmark quasi die Heimstätte des blutbildenden Systems und damit auch der späteren Immunzellen darstellt, ist gut vorstellbar, dass bereits mit den Reifungsprozessen Einfluss auf die B- und T-Zellen genommen wird“, sagt Schett.
Konkret geht es primär darum, das komplexe Wechselspiel zwischen Knochen und Immunsystem besser zu verstehen. Wie eng die Verknüpfung der beiden Systeme ist, macht Schett am Beispiel der Osteoklasten deutlich: „Während die knochenaufbauenden Osteoblasten sich aus Bindegewebszellen generieren, entstehen die knochenabbauenden Osteoklasten aus Monozyten, was wiederum bedeutet, dass der Knochenumbau maßgeblich immunologisch gesteuert wird.“ Überwiegt zum Beispiel infolge chronischer Entzündungsreaktionen die Aktivität der Osteoklasten, dann ist der Knochenabbau programmiert.
Noch völlig unklar ist bislang, wie das Knochen-Knorpel-System zum Beispiel bei der rheumatoiden Arthritis regelrecht in die Gelenkdestruktion getrieben wird, was laut Schett ein aktiver immunologisch gesteuerter Prozess zu sein scheint, während jedoch beim Morbus Bechterew knochenaufbauende Prozesse, die zur Ankylose führen, im Vordergrund stehen.
Beide Prozesse scheinen durch Entzündungsmediatoren wie den Tumor-Nekrose-Faktor alpha gesteuert zu werden. Das Zytokin induziert die Expression des Mediators RANK-Ligand (Receptor Activator of Nuclear Factor kB Ligand), der an Osteoklasten-Vorläuferzellen anbindet und diese so zur Differenzierung in reife Osteoklasten stimuliert. Die Kenntnis dieser Zusammenhänge hat bereits zur Entwicklung eines RANKL-Antikörpers geführt, der für die Behandlung von Osteoporose zugelassen ist.
RANK und RANKL sind dabei nur ein Beispiel für Verknüpfungen zwischen Knochen- und Immunsystem. Es dürfte noch weit mehr Verbindungen geben, was Schett zufolge derzeit intensiv untersucht wird: „Wir suchen nach weiteren Regulatoren des Knochenstoffwechsels, die aus dem Immunsystem stammen, und hoffen, damit zugleich neue Ziele für potenzielle Therapieoptionen zu finden.“
Höhe des CRP ist Prädiktor für das Frakturrisiko
Das Augenmerk richtet sich dabei nicht nur auf rheumatische Erkrankungen, sondern auch auf die entzündlich bedingte Osteoporose, bei der nach Angabe von Schett ebenfalls enge Assoziationen zum Immunsystem bestehen: „Das zeigt sich bereits daran, dass die Höhe des C-reaktiven Proteins [CRP] ein Prädiktor für das Frakturrisiko darstellt.“
Ein weiteres Gebiet des Förderschwerpunkts ist die Arthrose. Denn auch bei der Knorpeldegeneration und -regeneration spielen Zytokine und damit vom Immunsystem gebildete Botenstoffe eine zentrale Rolle. Beispielsweise sind sogenannte hypertrophe Chondrozyten für die Bildung von Knochenspornen verantwortlich und werden in ihrer Aktivität maßgeblich durch Zytokine reguliert. Auch in diesem Bereich kann, so hoffen die Forscher, durch ein besseres Krankheitsverständnis der Grundstein für neue Behandlungsverfahren gelegt werden.
Das neue Schwerpunktprogramm, dessen voller Titel „Osteoimmunology – Immunobone – A Programme to Unravel Mutual Interactions between the Immune System and Bone“ lautet und das interdisziplinär die Immunologie, die Rheumatologie, die Orthopädie und die Grundlagenforschung verknüpft, wird von der DFG in einer ersten dreijährigen Förderperiode mit maximal 6,6 Millionen Euro unterstützt.
Christine Vetter
Leserkommentare
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d5cb3902701f3893b1dd534d55b4223b | Text: Marcus Bölz
Wie relevant ist authentische Kommunikation beim Start von Innovationsprozessen in Redaktionen?
Der Start innovativer Prozesse beginnt häufig mit der Unzufriedenheit über den Status Quo. Beim redaktionellen Erneuern ist es von hoher Relevanz, dass die Beteiligten ihr Verhalten früh auf sich verändernde Situationen anpassen. Dies gilt insbesondere für Redaktionsleiter, die Innovation managen müssen. Ein Zitat von Alfred Herrhausen macht dabei die Wichtigkeit einer authentischen Kommunikation deutlich: „Ich sage, was ich denke und ich tue, was ich sage“. Bedeutet: Als Redaktionsleiter ist es von hoher Relevanz, nicht nur von Authentizität zu reden, sondern die gesagten Worte auch in konkretes Agieren umzuwandeln. So schafft er eine gelebte Kultur der Weiterentwicklung. Studien belegen dabei ganz klar: Um eine Kultur der Innovation tatsächlich zu implementieren, benötigt es Menschen, die am Arbeitsplatz nicht als Duckmäuser oder gar dressierte Äffchen ihrer Vorgesetzen agieren, sondern die fachliche Kompetenz, die Vielfalt der Herangehens- und Sichtweisen, sowie die Fähigkeit zur Kombinatorik klug miteinander verknüpfen und kommunizieren können. Unsere Vermutung: Diese Ergebnisse könnten Insbesondere im Journalismus ebenfalls relevant sein.
Bedenken Sie: Nicht jeder Innovationsprozess wird von Journalisten mit Applaus begrüßt. Teilweise erleben Arbeitnehmer Veränderungsprozesse in ihrem gewohnten Jobumfeld traumatisch. Allerdings gibt es ebenfalls Journalisten, welche mit viel Überzeugung und Energie ein redaktionelles Produkt und deren Prozess erweitern oder erneuern möchten. Welche Persönlichkeitsmerkmale weisen innovative Menschen laut des aktuellen Forschungsstandes auf? Die Arbeits- und Organisationspsychologie hat sich mit dieser Frage intensiv beschäftigt und in Studien klar belegt, dass innovative Persönlichkeiten sich durch Offenheit für neue Erfahrungen sowie eine hohe Selbstwirksamkeit und Selbstsicherheit auszeichnen.
Zudem konstatieren die Forscher eine hohe Persistenz, eine hohe Selbstakzeptanz, eine ausgeprägt ambitionierte Einstellung sowie eine geringe Gewissenhaftigkeit (Patterson 2002). Ihr Verhalten ist sehr häufig geprägt von geringer Konventionalität, Impulsivität, Dominanz und divergentem statt konvergentem Denken und Agieren in Problemlösungsprozessen. Der Psychologe Weldon belegt zudem, dass innovative und kreative Menschen häufig aus einer Minderheitenposition heraus gegen den Strom persistent und gegen Widerstände in der Organisation an Plänen, die sie für gut und innovativ einschätzen, festhalten (Weldon 2000; Sternberg und Lubart 1991). Diese werden mit einem hohen Maß an Selbstsicherheit, Kontrollerwartung und Experimentierfreude umgesetzt – zumindest werden innovative Persönlichkeiten versuchen, ihre Pläne so zu realisieren (Frese et al. 1999). Wer als Personalverantwortlicher auf der Suche nach innovativen und kreativen Journalisten ist, sollte in den Gesprächen mit den Bewerbern gezielt auf diese Eigenschaften achten. Für die Führung innovativer Mitarbeiter ist es aber wichtig zu verstehen, dass diese nicht notwendigerweise sämtliche der aufgezählten Persönlichkeitsmerkmale ähnlich ausgeprägt entwickelt haben. Manch ein hochinnovativer Journalist hat nicht die Persistenz, seine guten Ideen gegen einen Redaktionsleiter durchzusetzen. Insbesondere, wenn dieser Führungsverantwortliche eher daran interessiert ist, seine Position und Arbeitsweise zu verfestigen, anstelle redaktionelle Strukturen, Dienstleistungen oder Produkte qualitativ infrage zu stellen. Unsere Vermutung: Als Führungsverantwortlicher vor allem in sehr rangorientiert aufgebauten Medienhäusern sollte man zunächst beobachten, wie Mitarbeiter dort insgesamt geführt werden.
Welche Rolle spielen monetäre Anreize, um die Innovationsbereitschaft von Journalisten zu steigern?
Gelingt es den Chefs beispielsweise, für Journalisten ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem eine Redaktion eine Heimat sein kann? In der sich Menschen wohlfühlen und über gemeinsame Erfolge freuen? Sehr häufig sind es laut Forschungsstand keine monetären Anreize, die Menschen dazu bringen, sich in Arbeitseinheiten kreativ und innovativ zu verhalten. Die Forschung zeigt, dass Innovation häufig von immateriellen Einflüssen bestimmt wird. Ulrich und Thom belegen mit ihren Studien, dass der Wille zur Mitgestaltung, die Möglichkeit zur Kosteneinsparung, im Journalismus vielleicht die Identifikation mit der redaktionellen Dienstleistung oder dem Produkt (und der häufig damit verbundene Wille zur Qualität), das Erkennen von potenziellen Arbeitserleichterungen oder sonstigen Optimierungen des Workflows wie der Erhöhung der Zeit für die Recherche der Mitarbeiter häufig zu sinnvollen Innovationen motiviert. Diese Gestaltungsoptionen, sowie Aspekte der Entwicklungsmöglichkeiten sind häufig auch sehr gute Argumente bei der Akquise innovativer Mitarbeiter. Es wäre zu prüfen, ob dies auch für Journalisten gilt.
Demgegenüber gelten trotz besserer Bezahlung Gleichgültigkeit von Führungspersonen, eine rangorientierte Organisationskultur, Furcht vor Nachteilen durch die organisationsöffentliche Formulierung von Verbesserungsvorschlägen als klassische Innovationshemmer (Thom 1996; Ulrich 1998). Amabile belegt wissenschaftlich valide, dass die Förderung intrinsischer Motivation, die gezielt den Spaß an der eigenen Kreativität, Enthusiasmus für die Aufgabe oder das Meistern von Herausforderungen fördert, die wichtigste Antriebskraft für innovatives und kreatives Verhalten in Organisationen ist (Amabile 1996). Gilt dies auch für Redaktionen? Extrinsische Motivatoren (wie beispielsweise monetäre Gratifikationen, Karrieregründe, Image) schneiden dagegen vor dem Hintergrund ihrer Auswirkung auf innovatives Verhalten am Arbeitsplatz uneinheitlich ab. Amabiles Studien zeigen auch klar auf, dass sich extrinsische Motivatoren eher negativ auf die Kreativität von Mitarbeitern auswirken (Amabile 1988). Sie haben mitunter aber einen positiven Einfluss auf die Quantität des Einreichens von Verbesserungsvorschlägen (Nickel und Krems 1998). Monetäre Anreize spielen nur eine geringe Rolle – zu dieser Schlussfolgerung kommen Frese und Ulrich in ihrer Untersuchung (Frese et al. 1999; Ulrich 1998). „Bei extrinsischen Motivatoren ist wichtig, in welcher Form und welchem Kontext sie erscheinen. Werden Belohnungen zum Beispiel als Instrumente wahrgenommen, die das eigene Verhalten kontrollieren und fremdbestimmen sollen, unterminieren sie intrinsische Motivation und wirken sich negativ aus. Signalisieren sie hingegen Kompetenz und Anerkennung, fördern sie kreatives und innovatives Verhalten“ (Frey et al. 2006).
Zudem gilt: Eine in Erfahrungen, Kenntnissen und Charakteren vielfältig aufgestellte Redaktion ist nicht immer einfach zu führen. Forscher der Arbeits- und Organisationspsychologie haben sich dezidiert mit dem Einfluss des Teamklimas auf den Innovationsgrad von Unternehmen auseinandergesetzt. Vier kreativitäts- und innovationsförderliche Dimensionen hat West dabei identifiziert: Partizipative Sicherheit, Innovationsunterstützung, Aufgaben- und Leistungsorientierung, vor allem aber die Dimension „Visionen“ (West 1990). Diese Faktoren wurden stabil in zahlreichen Untersuchungen bestätigt. Es gibt klare Zusammenhänge zwischen den benannten Teamklima-Komponenten und dem individuellen, innovativen Verhalten am Arbeitsplatz (West und Anderson 1996; West et al. 2003; Brodbeck und Maier 2001). Gerade diese Ergebnisse dokumentieren, wie relevant eine professionelle Mitarbeiterführung für den Innovationsgrad eines Medienhauses ist. Frey und seine Kollegen vergleichen die Führungsfähigkeiten mit denen eines Dirigenten: „Die Führungsperson muss sich quasi wie ein Dirigent verhalten, der nicht mit Brachialgewalt seinen Willen durchsetzt, sondern dem es gelingt, Menschen – darunter teilweise auch schwierige Charaktere – aus unterschiedlichen Disziplinen und Kulturen zusammenzuführen und sie für Höchstleistungen und Innovationen zu begeistern“ (Frey et al. 2006).
Welche Rolle spielt die interne Kommunikation in der Führung innovativer Sportredaktionen?
Die Führung innovativer Teams – und dies gilt mit Sicherheit auch für Redaktionsteams - erfordert ein hohes Maß an Inspiration und Überzeugungskraft. Wer Einsatz und Veränderungsbereitschaft von seinen Mitarbeitern einfordert, muss kommunizieren und darf sich nicht in seinem Büro verstecken. Journalisten müssen verstehen, wonach die Redaktionsleitung strebt und warum diese Haltung sinnvoll ist. Führungskräfte unterstützen innovative Prozesse in Redaktionen, wenn sie prinzipiell Sinn und Visionen vermitteln.
Sie sollten Journalisten einerseits die Möglichkeit eröffnen, ihre Tätigkeit als bedeutsam und insgesamt sinngebend oder sinnstiftend wahrzunehmen. Zudem sind Führungskräfte laut dem Forschungsstand der Organisationspsychologie für ihre Mitarbeiter Orientierungslotsen, die klare Ziele vorgeben müssen. Sie sollten eine klare Vorstellung davon haben, wie sich beispielsweise Abteilungen weiterentwickeln sollen. In dieser Gemengelage muss der Mitarbeiter sein Tun in das übergeordnete Ganze eingruppieren können. Die zwei Komponenten können dabei schlagwortartig so zusammengefasst werden:
Wer Leistung fordert muss Sinn bieten.
Nichts hat Bestand, was nicht gut begründet werden kann.
Hackman und Oldham belegen mit ihren arbeitspsychologischen Studien einen positiven Zusammenhang zwischen der Bedeutsamkeit der Aufgabe mit einem positiven Emotionserleben, einer ausgeprägten Arbeitszufriedenheit, erzielter Kreativität und Innovation, sowie einer hohen intrinsischen Motivation (Hackman und Oldham 1976). Die Gültigkeit ihrer Ergebnisse wurde in zahlreichen weiteren Studien überprüft und stets bestätigt (Saavendra und Kwun 2000; Champoux 1991). Das inzwischen zur Plattitüde gewordene Zitat von Altkanzler Helmut Schmidt, dass wer Visionen hat zum Arzt gehen sollte, gilt somit für Führungskräfte in innovationsfreundlichen Organisationen überhaupt nicht. Im Gegenteil: Die Vermittlung von Visionen und Sinn bildet einen zentralen Bestandteil bei Führungstheorien, wie beispielsweise dem Prinzip der transformationellen Führung, der visionären Führung oder der charismatischen Führung (dazu intensiver: Bass 1998). Dies sind Erkenntnisse, die auch auf den Journalismus übertragen werden können, aber noch in keiner Studie genau überprüft wurden.
Ähnlich wie der Begriff der Nachhaltigkeit wabert der in den vergangenen Jahren zum Modewort gedehnte Begriff der „Transparenz“ durch die Flure von Medienhäusern und anderen Unternehmen. Trotz der Unschärfe, mit der in jüngster Vergangenheit der Begriff häufig verwendet wurde, ist das generelle Prinzip der Transparenz tatsächlich sehr wichtig für Führungskräfte innovativer Betriebe. Nur Mitarbeiter, die ausreichend informiert sind, können verantwortlich und zukunftsorientiert agieren. Doch nicht nur das: Führungskräfte sollten im besten Falle ihre Mitarbeiter über den konkreten Arbeitsbereich hinaus mit relevanten Nachrichten aus der Organisation versorgen. Frey und Jonas nennen dieses Prinzip die Theorie der kognizierten Kontrolle (Frey und Jonas 2002). Ihre bestätigte Grundannahme: Der Mensch strebt am Arbeitsplatz nach Vorhersehbarkeit und Erklärbarkeit. Wenn jetzt beispielsweise ein Ressortchef Sport eines Medienhauses bewusst keine Kultur der Transparenz von Informationen lebt (beispielsweise aus Angst um den Verlust des eigenen Ranges oder der Identifikation ambitionierter Angestellter, die kompetenter sein könnten als man selbst), so führt dies belegbar zu einer innovationsfeindlichen und -abblockenden Organisationskultur.
Entscheidend ist dabei der reibungslose Informationsaustausch zwischen Mitarbeitern und ganzen Abteilungen mithilfe einer professionellen Informations- und Kommunikationspolitik, um die Bereitschaft zu erhöhen, lösungszentriert zu agieren statt Blockaden zu identifizieren, zu thematisieren und in der Konsequenz so die Motivation der Mitarbeiter systematisch abzuwürgen. Offene Kommunikation ist eine zentrale Voraussetzung für Innovation im Speziellen und Kreativität im Allgemeinen. | 3.625 | 2.375 | 2.84375 |
ef9a5ceeaac4a47aef8e25607c1425f4 | Ein weiterer Gastbeitrag zur Corona-Krise von Jonathan.
Endlich sollte es die Letzte verstanden haben: Stay@Home, keep calm, shut down and control yourself! Die eindringlichen Appelle von Behörden, aus Regierungskreisen, Gesundheitsinstitutionen und sich moralisch überlegen fühlenden linken Bürger*innen sind eindeutig. Die Argumente kennen wir und erscheinen plausibel: Wenn wir uns jetzt alle runter fahren, unsere Aktivitäten und Kommunikation ins Internet verlagern, anstatt in physischen Kontakt zu treten eine „soziale Distanz“ wahren und – für diejenigen, die eines haben – das traute Heim nicht mehr als absolut „notwendig“ verlassen, dann erhöhen wir spürbar die Chance, Menschen aus Risikogruppen zu retten. Um Leben oder Tod geht es. Des Weiteren wird auf die enorme Belastung der Arbeitenden im Gesundheitssektor geschaut, sowie auf jene Kranken, deren Leiden vorerst nur noch zweitrangig behandelt werden können. Das sind nachvollziehbare und durchaus soziale Anliegen. Doch sind wir bereit, für dieses höchste Ziel, unsere Freiheit und diejenigen von anderen zu opfern, uns abzuschotten und uns mit den Schwächsten zu entsolidarisieren? Wollen wir durch unser aktives Mitwirken einer in ihren Grundfesten untragbar gewordenen Gesellschaftsformation zur Transformation in eine neue Form verhelfen? Doch in welche wollen wir sie transformieren?
Bei diesen Fragen geht es nicht darum, irgendwelche Verschwörungen anzunehmen, noch gravierenden Auswirkungen und die Gefahr der Pandemie zu leugnen oder zu relativieren. Ebenfalls ziele ich nicht darauf ab, mich über das Bedürfnis von Menschen, anderen zu helfen und zu unterstützen zu erheben oder lustig zu machen. Im Gegenteil, ist dieses Kennzeichen und Voraussetzung des sozialen Fortschritts und damit Grundbedingung für eine emanzipatorische Transformation hin zu einer solidarischen Gesellschaft, einem libertären Sozialismus. Wer eine derartige Vision im Herzen und auf der Zunge trägt, kann sie jedoch nur in Abgrenzung zu den gravierenden totalitären politischen und sozialen Entwicklungen entfalten, welche mit starkem Interesse vorangetrieben werden.
Eine grundlegende Gesellschaftstransformation wird durch die akute Krise weit stärker von den herrschenden und verwaltenden Klassen nach ihrem Gefallen organisiert und mittels Sachzwanglogiken durchgepeitscht, als dass Veränderungsvorschläge von selbstorganisierten emanzipatorischen Bewegungen Einfluss nehmen könnten. In diesem Sinne hätte das Virus erfunden werden müssen, wenn es nicht „natürlicherweise“ auf den Menschen übertragen worden wäre. Es geht nicht darum, über Ursachen zu spekulieren, sondern zu beschreiben, was derzeit geschieht. Die Ziele der autoritären Bestrebungen bestehen in der Refeudalisierung der Arbeits- und Ausbeutungsverhältnisse, der weiteren Ausdehnung von Überwachung, Kontrolle und Sanktionsmöglichkeiten, einer undurchlässigen Grenzziehung, sowie der zunehmenden Internalisierung von Herrschaftslogiken durch die Subjekte, welche zu konformem, handzahmem und denunzierenden Verhalten angeregt werden.
Im staatlichen Kapitalismus des 21. Jahrhunderts hat sich das totalitäre chinesische Gesellschaftsmodell als Erfolg erwiesen. Das dort eingeführte „Social Credit System“ ist der Maßstab, an welchem sich der umfassende Umbau liberal-demokratischer Post-Industriestaaten orientiert, auch wenn diese ihre eigenen Wege zum Autoritarismus finden werden. Unser Handeln, Verhalten und unsere Einstellungen sollen getrackt und bewertet werden. Um Mitwirkung aller Mitbürger*innen wird dabei ausdrücklich gebeten. Es lohnt sich auch, weil es ihren score erhöht. Dieses Instrumentarium an Herrschaftstechnologien, die direkter und ungreifbarer denn je mit sozialem Verhalten verknüpft sind, erscheint als logische Konsequenz des Alptraumes der technischen Machbarkeit von totaler Überwachung, Konditionierung und Sanktionierung. Aufgrund seiner Effektivität wird es seine Wirkung nicht verfehlen. Aufgrund seiner tiefgreifenden moralischen Legitimierung, sowie seines wissenschaftlich-rationalen biopolitischen Gewandes, in welchem gegen den unmenschlichen, unsichtbaren, allgegenwärtigen Gegner vorgegangen wird, wird es kaum auf Widerstand stoßen.
Im Zuge seiner Implementierung schwindet die Perspektive der Autonomie wöchentlich, täglich, stündlich. Doch möglicherweise konnte es auch erst so weit kommen, weil sie schon längst verrinnt und lediglich noch als Rudiment, fast als bloße Erinnerung, an eine längst vergangene Zeit vorhanden ist – die freilich nicht „besser“ war, sich wohl aber verständlicher darstellte. Möglicherweise konnte bzw. wird auch das Virus nur dermaßen verheerende gesundheitliche und ökonomische Folgen zeitigen, weil wir die bestehende Gesellschaftsordnung, mit dem Wahnsinn der Profitmaximierung in ihrem Zentrum, nicht rechtzeitig überwinden konnten. Sonst nämlich gäbe es auf dem Gebiet der BRD und anderer Nationalstaaten ein Gesundheitssystem, was mit dieser großen Herausforderung – die das Virus zweifelsfrei darstellt – fertig werden würde. Sonst gäbe es mehr intakte Waldflächen, welche die Ausbreitung von Viren eindämmen würden. Es gäbe nicht die industrielle und monokulturelle Landwirtschaft und Massentierhaltung in der heutigen Form, wo sie auf kaum biologische Resistenz stoßen. Vermutlich gäbe es nicht die gigantischen Metropolen, in denen sich Millionen von Menschen und ihre Viren zusammendrängen und Reisen würden seltener – weil weniger notwendig – werden.
Stattdessen jedoch sehen wir uns einer bisher ungekannten harten Tendenz zum Totalitarismus konfrontiert. Diese versetzt uns alle in eine völlig neue Situation, weil mit ihr tatsächlich der gewohnte Alltag zusammenbricht. Daher ist die allgemeine Verunsicherung durchaus verständlich. Wer nicht verunsichert ist, tickt nicht ganz richtig. Doch die Gründe der Verunsicherung sind je nach Milieu und Individuum verschieden gelagert. Offenbar wird, wie brüchig, anonym und asozial die bestehende Gesellschaftsordnung – trotz der vielen Ablenkungsmöglichkeiten und Kompensationsleistungen – ist. Dies erklärt die vehemente Beschwörung der Volksgemeinschaft in musterbildlicher Kriegsrhetorik durch die Regierung. Unglaublich, wie viele Leute – über vernünftige, selbstbestimmte Vorsichtsmaßnahmen hinaus – dem vorlaufenden Gehorsam verfallen. Aufgrund jener, die bisher uneinsichtig waren, werden jedoch Ausgangssperren verhängt, die Bundeswehr im Inneren eingesetzt, DNA-Abdrücke der Corona-Tests rechtswidrig gespeichert, Kommunikationswege uneingeschränkt abgehört und Ungehorsame inhaftiert werden. Die Drohgebärden der Politiker*innen und der Ärzt*innen an der vordersten Front sind eindeutig und keine hohlen Phrasen: Wir sollen uns an die „Sonderregeln“ der größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg halten. Damit verschieben sich die Koordinaten für unsere Orientierung und die Bedingungen für unser Handeln wesentlich. In der derzeitigen Lage wissen wir noch nicht, wohin eigentlich. Klar ist jedoch, dass viele Maßnahmen, Gesetze und institutionellen Praktiken die Phase des Ausnahmezustands überleben werden – weil sie sich als funktional erweisen. Im kollektiven Bewusstsein wird sich die Einsicht in die Notwendigkeit der staatlich Beschneidung unserer Rechte, Freiheiten, unserer Konsum- und vielleicht auch Reisemöglichkeiten sedimentieren. Ebenso wird sich das Herrschaftsverhältnis von Regierenden und Regierten stabilisieren und wandeln. Und von vielen wird dies akzeptiert, gut geheißen und mitgetragen werden.
Doch was hat das mit dem Virus zu tun? Eigentlich in der Tat wenig. Dieses ist lediglich der Anlass, um die Entwicklungen Richtung Wohlfahrts-Diktatur in Siebenmeilenschritten voranzubringen. – Ist das alles übertrieben, alles Hysterie, Panikmache und Schwarzmalerei? Das werden mir all jene vorwerfen, die es nicht für möglich gehalten hätten, in wie kurzer Zeit die Staatsmaschine ihren Modus wechseln und auf Alarmstufe Rot umschwenken kann – weil sie das Wesen des Staates nicht verstanden haben. Jene, die bis vor Kurzem die Angst vor einer potenziellen Pandemie und vor den Spielräumen für die Erneuerung der Herrschaftsordnung, als völlig übertriebene Panikmache angesehen hätten. Jene eben, welche ihre Meinungen öfters wechseln als ihre Hemden und die jeder Erklärung Glauben schenken werden, die Inhaftierten aus ihrem Stadtviertel seien nach der großen Razzia zu ihrem eigenen Schutz und dem von anderen in „Quarantäne“ gebracht worden, wo es ihnen hoffentlich bald besser gehen wird – wenn sie denn bereit sind, an ihrer Genesung mitzuwirken. – Die Logik des Krieges durchdringt die Herzen und Köpfe der Mobilisierten wie Gift. Mit manisch überspielter Bitterkeit genießen sie das Versprechen apokalyptischer Reinigung. Voller falscher Vorfreude erwarten sie das harte und konsequente Durchgreifen, dass ihnen ermöglicht erneut zu verdrängen, auf welchen Grundlagen die bestehende Herrschaftsordnung aufgebaut ist und welche Konsequenzen, Verwerfungen und Entbehrungen ihr Normalbetrieb mit sich bringt. –
Grundsätzlich skeptisch gegenüber verkürzter Herrschaftskritik, hätte ich die jüngsten Entwicklung ebenfalls nicht für möglich gehalten – nicht in einem so raschen Tempo. Doch es handelt sich nicht um eine Verschwörung. Vielmehr haben wir es mit system-immanenten Tendenzen zu tun, welche staatliche Machtapparate und kapitalistische Verwertungsprinzipien mit sich bringen. In Krisenzeiten wollen ihre Vertreter*innen als Gewinner*innen hervorgehen und dafür haben sie die beste Ausgangslage. Die Aussage, die Krise als Chance zu nutzen, gewinnt in diesem Zusammenhang einen faden Beigeschmack. Immerhin lehrt die Erfahrung, dass die gesellschaftliche Erosion zu Lasten der Schwächsten und Ärmsten gehen und die Kosten auf sie abgewälzt werden.
Insofern ist von Interesse und Bedeutung, wie sich jene verhalten, welche sich die Solidarität auf ihre Fahnen geschrieben haben und die damit für eine andere Gesellschaft eintreten, wofür es viele verschiedene Wege, Mittel und Formen gibt. Dies ist heute verwirrender denn je, wird an das vermeintlich „solidarische“ Verhalten der Bevölkerung ja auch von staatlicher Seite massiv appelliert. Dem widerspricht die libertär-sozialistische Tradition, welche unter Solidarität nicht versteht, Gleichgemachte auf einem umgrenzten Territorium zu unterstützen, um das Elend zu kompensieren, für welches sie nicht verantwortlich sind – denn es wurde ihnen aufgebürdet und kann prinzipiell abgeschafft werden. Unter Solidarität ist vielmehr die Unterstützung von Anderen zu verstehen, indem auf diese in ihrer Andersartigkeit Bezug genommen wird, also Beziehungen gestiftet werden, welche über eine rein materielle oder ökonomische Dimension weit hinausgehen. Solidarität meint nicht die Kameraderie unter Bürger*innen an der zusammengeschweißten Front gegen das aus ihren Gesellschaftsformen und Lebensweisen vielfach Verdrängte. Solidarität entsteht stattdessen überhaupt erst in der Begegnung mit Anderen, der Entwicklung von wechselseitiger Sympathie in gemeinsamen Auseinandersetzungen gegen die Herrschaftsverhältnisse, unter denen wir jeweils zu leben gezwungen werden. Solidarität wird nicht in der bürgerlichen Kleinfamilie praktiziert oder in der kuscheligen Wohngemeinschaft, die ersterer oftmals wenig nachsteht, sondern in der Überwindung der zwischen uns gesetzten Grenzen und dem riskanten Sprung ins Unbekannte. Solidarität ist konkret im persönlichen Kontakt zwischen verschiedenen Menschen erfahrbar und kann gleichzeitig nicht auf diese begrenzt werden, sondern strebt danach, sich auszudehnen bis hin zu Menschen, denen wir gar nicht persönlich begegnen können, weil sie ganz woanders oder in anderen Zeiten leben. Auch wenn es schwer zu denken ist, übersteigt sie tendenziell sogar den Bereich menschlichen Lebens.
Schließlich sprengt echte Solidarität im libertär-sozialistischen Sinne, den wissenschaftlich-rationalen, den bürokratisch-gesetzlichen Rahmen von Ausgleichszahlungen, sozialen und technischen „Hilfswerken“, von behördlichen Appellen und den verschiedensten Eingliederungsmaßnahmen. Echte Solidarität ist nicht am Werk, wenn jene, die sich leidenschaftlich gern kümmern, organisieren und kontrollieren, in der Krise plötzlich manisch aufblühen, weil sie nun jene Selbstwirksamkeit erfahren können, die ihnen den Eindruck verschafft, mächtig zu sein. Unterstützung, Organizing, partizipatorische und horizontale Selbstorganisation, sind die Gebote der Stunde für das Projekt des libertären Sozialismus. Doch wenn sie allein als Selbstzweck und vor allem zur Selbstbestätigung betrieben werden, handelt es sich nicht um mehr als unbezahlte Sozialarbeit auf Kosten der Einbindung des eigenen Aktionismus in die totalitären Transformationsbestrebungen. Solidarität hingegen ist sich dieser starken Sogwirkung und ihres Missbrauchs bewusst. Um den Menschen zu dienen, muss sie daher herrschaftsfeindlich werden und nach der Überwindung der bestehenden Ordnung streben.
Ganz ähnlich ist es mit der sozialen Freiheit. Wir alle sind jeweils gefragt, uns dafür zu entscheiden, das Gute zu tun – nicht, weil es uns befohlen wird, sondern, weil wir es kennen und lieben, wie Michail Bakunin schrieb. Was aber „das Gute“ ist, wie wir es erkennen und lieben können, dessen können wir uns in der aktuellen Situation weniger denn je sicher sein. Wenn wir uns auf den Standpunkt der per se moralisch Überlegenen stellen, stehen wir jedenfalls mit Sicherheit falsch. Soziale Freiheit bedeutet, allen Menschen selbst zu überlassen, was sie als gut und richtig bewerten, wie sie sich Verhalten und auf wen sie sich beziehen wollen. Dies jedoch im bewussten Mitdenken und Mitfühlen mit den Anderen – seien sie ganz nah oder in weiter Ferne, ob wir sie kennen oder nur um ihre Existenz wissen und ahnen. Erst aus dieser – ganz „materialistisch“ begründbaren – holistischen Verbundenheit, kann ein Gefühl der unendlichen Verantwortung erwachsen, gegenüber dem das staatliche Krisenmanagement nichts als ein schlechter Witz ist. Soziale Freiheit heißt, Menschen aus eigenem Entschluss und aufgrund eigener Bedürfnisse zu unterstützen, helfen und heilen zu wollen. Sie heißt nicht, sich für den Dienst an der sozialen Front zu verpflichten, um dem Vaterland das Humankapital seiner Untertanen – deren Gehorsam, Verzicht und Partizipation –, sowie seiner Wirtschaft ihre Profite zu sichern. Soziale Freiheit schließt ein, dass wir nicht zu unserem Glück gezwungen werden, sondern es nur in Kooperation miteinander verwirklichen können. Aus unserer existentiellen Abhängigkeit voneinander entsteht die Grundlage, Gesellschaft ohne Herrschaft durch sich selbst bestimmende Menschen organisieren zu können. Darin verweist uns soziale Freiheit auch auf die Begrenztheit unseres Handelns – ja, unseres Lebens –, und macht uns damit erst zu dem, was wir sind. Gleichwohl spornt sie uns aber an, unsere Grenzen und unsere Handlungsfähigkeit gemeinsam zu erweitern. Die drängende, sehnsüchtige Forderung der soziale Freiheit beinhaltet damit, dass wir unsere Potenziale voll ausschöpfen. Mit diesen können wir prinzipiell erreichen, erarbeiten und erkämpfen, was uns oftmals so fern scheint: Eine Gesellschaft, frei von Herrschaft und grundlegenden Antagonismen, in der allen Menschen bedingungslos die Ressourcen und Möglichkeiten zukommen, ihre Leben selbst zu gestalten und zu bestimmen.
Mit diesen Begriffen von Solidarität und sozialer Freiheit liegen in der Krise durchaus auch Chancen für eine emanzipatorische Transformation der bestehenden Gesellschaftsform hin zu einem libertären Sozialismus. Dies ist nicht zuerst eine Frage der Quantität, sondern der Qualität. Es zählt nicht zuerst, wie viele wir sind, sondern was und wie wir Dinge betrachten und angehen. Wie Pilze schießen die Nachbarschaftsgruppen und Stadtteilinitiativen aus dem Boden. Die Solidarischen begeben sich auf die Suche nach neuen Formen der Selbstorganisation, auch wenn so vieles unklar und widersprüchlich erscheint. Das ist verständlich, denn lernen und organisieren können wir nur im Handgemenge. Das gilt für scheinbar stabile Zeiten genauso wie für jene des staatlich verordneten Chaos. In einem weiteren Schritt gilt es sich freilich mit den sozialen und politischen Kräfteverhältnissen der vorfindlichen Konstellation auseinandersetzen. Die Keimzellen der freiwilligen Gesellschaft-von-Gesellschaften-im-Werden sollen zugleich Kampforganisationen sein, welche. sich kollektiv selbst bestimmend, in die Konfrontation mit dem aufkommenden Totalitarismus gehen können. Dies war und ist eine asymmetrische Situation. Sie entspricht dem sozialen Krieg, dessen Bedingungen uns aufgezwungen werden. Deswegen müssen wir uns davor hüten, seine Logiken und Taktiken übernehmen zu wollen, mit der wir nur in den Abgrund stürzen können.
Der moderne Staat hat eine Rechte und eine Linke. Mit der Rechten teilt er Schläge aus und mit der Linken Brötchen. Heute zeigt sich, das viele, auf die ich mich vormals bezogen habe, den Weisungen der Obrigkeit folgen leisten, sie mittragen und sogar forcieren. Sie unterliegen den schwer durchschaubaren und neuartigen Herrschaftstechnologien. Sie scheinen bereit, ihre, unsere, geteilte soziale Freiheit aufzugeben und Solidarität zur farce verkommen zu lassen.
Geht es beim Argument des Schutzes von Risikogruppen und der Entlastung des Gesundheitspersonals tatsächlich um ein altruistisches Sich-selbst-Zurückstellen, zugunsten der vermutlich am stärksten Betroffenen? Geht es wirklich um ein Verzicht von Privilegien? Ja und nein. Beziehungsweise kurzfristig und unmittelbar: ja, langfristig und mit weiterer Reichweite gesehen: nein. – Zumindest, wenn wir davon ausgehen, dass wir heute das Leben europäischer Bürger*innen retten, für den Preis, dass wir anschließend in einem totalitären System aufwachen. Greift dieses Argument wirklich aus Sorge um die anderen? Oder ist es so schlagkräftig aus purer, aber völlig diffuser, Angst um die (berechtigte) eigene Gesundheit, welche mit der Sorge um die anderen verdrängt werden kann? Wenn Letzteres der Fall ist, wäre gegen diesen Egoismus keineswegs etwas einzuwenden. Nein wirklich, denn darin zeigt sich doch die Quintessenz von Solidarität und sozialer Freiheit: Nur, wenn es den anderen gut geht und sie gesund bleiben, kann es uns selbst gut gehen, können wir selbst gesund werden. Dies bedeutet jedoch, eine Gesellschaftsform zu überwinden, die nachgewiesenermaßen krank macht und tötet, weil sie – in der Vergangenheit, wie in der Gegenwart –, grundlegend auf der Ausbeutung, der Entwürdigung und Entfremdung einer mit keiner Statistik der Welt erfassbaren Zahl von Menschen, sowie der besinnungslosen Vernichtung des nichtmenschlichen Lebens, beruht.
Deswegen möchte ich mit einer offenen Frage enden, deren Antwort ich durchaus nicht parat habe: An wen denkt ihr wirklich, wenn ihr euch den Weisungen fügt, den hegemonialen Mediendiskurs reproduziert, die vermeintlichen Notwendigkeiten hinnehmt, auf Kritik verzichtet, den Widerstand scheut und den Standpunkt der moralisch Überlegenen einnehmt, mit dem ihr zu beurteilen können meint, welches Verhalten in der aktuellen Situation wirklich gut oder schlecht ist? Wie weit reicht eure Solidarität und welche Qualität besitzt eure Vorstellung von sozialer Freiheit?
Nachtrag zur Vermeidung von Missverständnissen:
– Die Schilderung des Textes ist keine Beschreibung „objektiver“ Tatsachen, sondern ein zeitdiagnostischer Eindruck. Dies ergibt sich bereits daraus, dass ihr Anlass die individuelle Weltverarbeitung ist.
– Wer bereit ist die Augen zu öffnen und zu suchen, wird jedoch die beschriebenen Tendenzen finden und belegen können.
– Im Text geht es nicht um die Kritik an Initiativen zur solidarischen Selbstorganisation. Im Gegenteil wird gerade in ihnen das Potenzial für eine libertär-sozialistische Gesellschaftstransformation, wie auch für eine Bekämpfung der Herrschaftsverhältnisse gesehen.
– Eine gewisse Zuspitzung der Formulierungen ist erforderlich, um die Botschaft anbringen zu können. Gleichwohl steht sie noch in keinem Verhältnis zur Kriegsrhetorik des Staats im Ausnahmezustand.
– Die Tendenz zum Totalitarismus zu beschreiben, ist nicht das Gleiche, wie zu behaupten, wir stünden unmittelbar davor. Immerhin handelt sich hierbei auch um das Ergebnis von sozialen Auseinandersetzungen.
– Noch einmal: Gesellschaftliche Tendenzen rückgebunden an Herrschaftsinteressen zu interpretieren und diese so zu benennen heißt nicht, Verschwörungstheorien anheim zu fallen oder sie zu produzieren.
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f6b57702e58fcf8282263cdceee2185f | In diesem Artikel dreht sich alles rund um das Thema Low Carb. Nach diesem Beitrag werdet ihr hoffentlich viele nützliche Tipps und Tricks kennen, um eine Low Carb Ernährung durchzuführen. Als erstes werde ich euch nochmal näher bringen, was denn Low Carb eigentlich ist, wie eine Low Carb Ernährung funktioniert und welche Vorteile man aus einer Low Carb Ernährung ziehen kann. Danach gebe ich euch ein paar Lebensmittel vor, die ihr in eine Low Carb Ernährung einbauen könnt und die ihr ohne schlechtes Gewissen verzehren könnt. Ein paar Rezepte werde ich euch natürlich auch noch vorstellen, damit ihr sofort mit dem Kochen anfangen könnt und nicht noch ewig im Internet recherchieren müsst. Um euch die Low Carb Ernährung schmackhaft zu machen, werde ich euch auch noch ein paar Gründe verraten, wieso eine Low Carb Ernährung für diene Gesundheit so positiv ist und zu guter Letzt gebe ich euch noch Tipps und Ratschläge, was ihr bei einer Low Carb Ernährung berücksichtigen solltet. Wenn ihr diesen Bericht also sorgfältig durchlest, dann kann nichts schief gehen.
Low Carb – Was ist das eigentlich?
Bei einer Low Carb Diät geht es darum, Kohlenhydrate in der Ernährung zu verringern oder ganz aus dem Ernährungsplan zu streichen. Ziel ist es also, den Anteil an Kohlenhydraten enorm zu reduzieren. Viele kommen aber mit der Funktionsweise der Low Carb Diät nicht klar und wissen nicht genau, auf was sie zu achten haben, folgt im nächsten Punkt nun die Funktion von einer Low Carb Ernährung.
Wie funktioniert Low Carb?
Pro Tag dürfen nur bis zu 150g Kohlenhydrate verzehrt werden, was sich am Anfang als sehr schwierig herausstellen lässt. Man muss den Ernährungsplan komplett umstellen, denn Lebensmittel wie Brot, Kartoffeln oder Nudeln kommen nun nicht mehr auf den Teller beziehungsweise nur in Low Carb Varianten, aber sdazu später mehr. Dafür dürfen Lebensmittel mit wertvollen Proteinen oder Fetten verzehrt werden, darauf sollte man in dieser Zeit also zurückgreifen.
Hier gibt es weitere Infos!
Low Carb Lebensmittel – diese Lebensmittel eignen sich für eine Low Carb Ernährung
Als Neuling in dieser Ernährungsumstellung ist es sehr schwierig Lebensmittel zu finden, die man in einer Lox Carb Ernährung essen darf. Es gibt schließlich viele Lebensmittel, die man jeden Tag verzehrt und in denen nun mal Kohlenhydrate vorhanden sind. Deswegen hier eine kleine Übersicht an Lebensmitteln, die ihr ohne Reue und schlechtes Gewissen in eure Ernährung aufnehmen könnt:
- viele Gemüsesorten (z.B. Zucchini oder Paprika)
- Fisch
- Fleisch
- Eier
- Milch
- Tofu
- Käse
- Öl
- Pilze
- … und viele weitere Lebensmittel
Rezepte für eine Low Carb Ernährung
Damit ihr sofort eure Ernährung umstellen könnt und euch dies so einfach wie möglich gelingt, gibt es hier gleich mal ein paar Rezepte, die ihr gerne ausprobieren könnt.
1. Zucchini – Nudeln
Hier nehmt ihr einfach statt normalen Nudeln Zucchini Nudeln, die sich ganz einfach Zuhause zubereiten lassen und zaubert dazu eine leckere Sahne-Soße zum Beispiel. Ihr werdet sehen, der Verzicht auf Nudeln ist gar nicht so schlimm. Hier gibt es viele Low Carb Nudeln Rezepte.
2. Steak mit Bohnen
Es muss nicht immer Kartoffeln als Beilage geben, Bohnen tun es auch und machen sich perfekt zu diesem Gericht. Das Steak kann ganz nach den eigene Wünschen zubereitet werden und wenn wünschenswert, kann auch noch eine Soße dazu serviert werden. Die Bohnen lassen sich ja auch super schnell zubereiten und so ist das 2. Rezept auch schnell fertig.
3. Salat mit Hähnchen
Hähnchen gilt ja als besonders gesund, da es kaum Fett und sehr viel Proteine enthält. Zusammen mit einem leckeren Salat, den man aus Tomaten, Radieschen, Mais, Eisbergsalat und Paprika zaubern kann, schmeckt das ganze sehr lecker und ist zudem noch sehr gesund. Wenn man möchte kann man den Salat auch noch mit einem selbstgemachten Dressing verfeinern.
4. Lachsfilet auf Spinat
Auch dieses Rezept ist ziemlich einfach zuzubereiten und man benötigt nur 2 Zutaten: Lachs und Spinat. Erst den Lachs schön anbraten und zeitgleich den Spinat zubereiten. Anschließend den Lachs auf das Spinatbett legen und wenn gewünscht kann man den Lachs auch noch mit Zitrone verfeinern.
Dies sind erstmal ein paar Vorschläge, im Internet findet ihr noch viel mehr dazu. Man sieht, für eine Low Carb Ernährung benötigt man nicht mal so viele Zutaten und kann schon aus den einfachsten Lebensmitteln etwas leckeres Zaubern. Zumal sind diese Gerichte auch sehr gesund und gut für den Körper und das Wohlbefinden.
Gründe, die für eine Low Carb Ernährung sprechen
Hier sind nun ein paar Gründe, wieso eine Low Carb Ernährung so sinnvoll ist und was sie für Vorteile hat:
- man hat weniger Hießhunger
- der Blutdruck ist geringer
- man hat einen konstanten Blutzuckerwert
- das Herzinfarktrisiko ist geringer
- man hat weniger Wassereinlagerungen
- die Konzentrationsfähigkeit ist erhöhter
- das Eenergielevel ist stabiler
- der Schlaf verbessert sich
- man nimmt weniger viszerales Fett auf
- die Triglyceridwerte im Blut sind besser
Und dies sind nur ein paar postive Auswikrungen einer Low Carb Ernährung.
Tipps und Tricks, damit ihr eine ausgewogene Low Carb Ernährung durchführen könnt
- Man sollte regelmäßig Nahrung zu sich nehmen. 3 Grundmahlzeiten (Frühstück, Mittag, Abend) und dann noch 2 Zwischenmahlzeiten (Vormittags, Nachmittags). Wenn man dem Körper nämlich regelmäßig Nahrung zuführt, kann man den Blutzuckerspiegel einigermaßen kosntant halten und er pendelt sich schneller auf die Normalkonzentration ein. Dies bewirkt auch das man Appetit reguliert.
- Ausreichend Vitamine und Mineralstoffe zu sich nehmen. Heißt also viel Gemüse und Obst essen, wobei man auch da vorsichtig sein sollte, denn viele Obstsorten enthalten viel Zucker, welches sich ja als Kohlenhydrate wiederspiegeln und im Rahmen dieser Ernährung nicht wünschenswert sind.
- Setze auf Eiweißsreiche und Fettreiche Lebensmittel, diese machen dich lange Satt und enthalten Nährstoffe, die dein Körper braucht.
Wenn du diese Regeln befolgst, dann sollte deiner Low Carb Ernährung nichts mehr im Weg stehen. | 3.671875 | 2.734375 | 2.5 |
e09f837f9a1ba8194d8e02f4e7e7ae17 | Wenn die Mehrheitsentscheidung in der politischen Praxis Europas allmählich durch konsentische Verfahren des Aushandelns in bürokratischen Gremien und parlamentarischen Ausschüssen verdrängt wird, droht ein zentrales Element unserer kulturellen Identität abhanden zu kommen. Die Rückbesinnung auf ihre Herkunft, Entstehungsbedingungen und kulturelle Dynamiken scheint dringend geboten. Hierzu wollte eine interdisziplinäre Fachtagung unter Leitung von EGON FLAIG (Rostock/München) im Historischen Kolleg München einen Beitrag leisten und erweiterte den traditionell rechtshistorischen Blickwinkel um Ergebnisse und Perspektiven der politischen Anthropologie. Man ging komparatistisch vor und bezog den Zusammenhang von Gruppenstruktur und Entscheidungsregel sowie ihre rituelle Dimension mit ein. Der Schwerpunkt lag auf der Alten Geschichte, da in ihren Zuständigkeitsbereich gleich zwei originäre Emergenzen der Mehrheitsentscheidung fallen (Hellas und Rom).
Einleitend nannte Flaig Eindeutigkeit und Schnelligkeit von Entscheidungen nach der Mehrheitsregel als Motoren für ihren unablässigen Gebrauch und beschrieb die Entwicklung einer Rhetorik des Dissenses als eine kulturelle Auswirkung. Da die Mehrheitsentscheidung als kontroverses Verfahren einer Argumentation mit scharfen Begriffen sowie einer expliziten Technik des Beweisens und des logischen Schließens bedürfe, stünden ihre Durchsetzung und die Entwicklung von Logik und systematischer Wissenschaft in Griechenland in engem Zusammenhang.
MARKUS RÜTTERMANN (Kyoto) untersuchte die Bedeutung der Mehrheitsentscheidung im mittelalterlichen Japan. Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. sei sie in Ordens- und Disziplinarregeln buddhistisch geprägter Klostergemeinschaften als bestimmtes Verfahren zur Streitbeilegung greifbar. Ob dies auf hellenistischen Einfluss zurückgehe oder sich unabhängig entwickelt habe, bleibt umstritten. Später lasse sich die Mehrheitsentscheidung – stets als eine Option unter anderen – vor allem in gerichtlichen Kontexten nachweisen. Eine Folgepflicht gegenüber der Mehrheit sei fast nur zu ökonomischen Fragen, etwa der Güter- und Lastenverteilung aus Eidbriefen, belegbar. Aus den Klöstern gelangte die Mehrheitsentscheidung auch in weltliche Gremien, wobei das Streben nach Mitbestimmung in bestimmten sozialen Gruppen dort das definitive numerische Urteil gegenüber traditionellen, hierarchisch geprägten und situationsbezogenen Formen der Entscheidungsfindung begünstigte.
Man diskutierte kontrovers, ob im mittelalterlichen Japan die Mehrheitsregel nur für „periphere“, nicht aber „zentrale“ Gegenstände angewendet wurde. Rüttermann kritisierte eine solche Unterscheidung. Die japanische Gesprächskultur lege oft erst im Deliberationsprozess selbst das Abstimmungsverfahren mit fest. Die tatsächliche Anwendung der Mehrheitsregel belegten erhaltene Abstimmungsdokumente eindeutig, wenn auch ihre graphische Semantik eine hierarchische Beeinflussung im Abstimmungsvorgang vermuten lasse.
THOMAS WAGNER (Berlin) thematisierte am Beispiel der Irokesenliga das Konsensprinzip als Verfahren der politischen Entscheidungsfindung. Er machte deutlich, dass die Entfaltung an eine egalitäre Gesellschaftsstruktur gebunden sei, wie sie sich bei den Irokesen etwa auch in den gemeinsamen Ritualen oder der Siedlungs- und Ämterstruktur abbilde. Eine weitreichende eigene Entscheidungs- und Handlungskompetenz der einzelnen Mitglieder, eine vergleichsweise geringe Verbindlichkeit gemeinsam getroffener Entscheidungen und eine hoch entwickelte Rhetorik der Deeskalation im Deliberationsprozess sind charakteristisch. Obwohl sie weitgehend auf zwischenhäusliche Herrschaftsinstanzen verzichtet, lassen ethnologische und soziologische Kriterien eine Bewertung der Irokesenliga als „frühe“ oder „primitive“ Gesellschaft nicht zu. Abschließend nannte Wagner moderne Beispiele für die heutige Relevanz des Konsensprinzips.
Das Plenum versuchte, notwendige von hinreichenden Voraussetzungen für die Durchsetzung des Konsens- bzw. des Mehrheitsprinzips in einer Gesellschaft zu trennen. Zur Frage nach Konkurrenz und Prestige in der politischen Entscheidungsfindung der Irokesen erläuterte Wagner, dass gemeinsame Institutionen wie die der Häuptlinge weniger als herrschaftliche denn als moderierende Instanzen zu begreifen seien.
WERNER HEUN (Göttingen) verband theoretische Überlegungen zu den Voraussetzungen für Entscheidungen nach dem Mehrheitsprinzip mit der Betrachtung von Beispielen aus Antike, Mittelalter und Früher Neuzeit in Europa. Er nannte die Gleichzeitigkeit der Entscheidung und die Gleichheit der Stimmen, die klare Abgrenzbarkeit und institutionelle Einheit des Gremiums der mindestens drei Abstimmenden sowie ein verbindlich geregeltes Abstimmungsverfahren als notwendige Charakteristika. Die letzteren machten es zumindest für den Beispielfall Athen wahrscheinlich, dass sich das Mehrheitsprinzip von aristokratischen Zirkeln aus verbreitet habe. Ferner seien mindestens – und, um relative Mehrheiten zu vermeiden, idealerweise zugleich höchstens – zwei realistische Entscheidungsmöglichkeiten für die Umsetzung des Mehrheitsprinzips vorauszusetzen. Bei ihrer Aufstellung und Formulierung aber liegt eine Möglichkeit der Steuer- und Manipulierbarkeit von Entscheidung. In der Diskussion war strittig, ob ein Grundkonsens an Werten notwendig sei für das Gelingen und die Verbindlichkeit von Entscheidungen. Zur Entstehung und Entwicklung der Mehrheitsentscheidung in Athen diskutierte man mehrere Hypothesen, die aufgrund der fragmentarischen Quellenlage aber wohl nicht abschließend bewertbar sind.
JOHANNES HELMRATH (Berlin) widmete sich der Bedeutung der Mehrheitsentscheidung in den Konzilien des Mittelalters. Durch ihre Entwicklung aus antik-römischen Gremien und die kirchliche Tradition seit dem Nicaenum war das Majoritätsprinzip dort zwar festgeschrieben. Da aber die Konzilien – als vom Geist beseelte Repräsentanten der Gesamtkirche – auf Einmütigkeit orientiert waren, blieb es stets problematisch. In Streitfällen beanspruchten numerische Minderheiten häufig das Argument der Saniorität (Höhergewichtigkeit der Stimmen Höherrangiger) für sich. Im Baseler Konzil (ab 1431) habe man das Mehrheitsprinzip durch die Dispensation klerikaler Hierarchien und die Ausweitung des gleichen Stimmrechts durchgesetzt. Doch als in einer zentralen Streitfrage (5. Dezember 1436) die Minderheit der großen Mehrheit nicht mehr folgte, sei das Konzil zerbrochen – und die theoretische Debatte um „Majorität“ und „Saniorität“ erneut aufgeflammt. Gemeinsam besprach man innerkirchliche und weltliche Einflüsse und Rechtfertigungsstrategien des Mehrheitsprinzips auf dem Baseler Konzil sowie unterschiedliche Entscheidungsformen zwischen den Gremien und der Generalversammlung. Am Sanioritäts-Argument wurde eine hierarchiestützende Dimension diskutiert, denn zur Festlegung unterschiedlicher Stimmgewichte verweise es auf eine übergeordnete Instanz.
KARL-JOACHIM HÖLKESKAMP (Köln) sprach über die Bedeutung der contio im politischen Gefüge der römischen Republik. Sie sei in der Geschichtswissenschaft bisher unterschätzt worden. Als einzig offizieller Ort der kontroversen Diskussion vielfältiger politischer Fragen in Rom war die contio zentral in der Interaktion und Kommunikation der politischen Klasse mit der Bürgerschaft. Das dort versammelte Volk gab den Referenzpunkt und die Quelle von Identität und Legitimität der Nobilität ab. Ihre Rhetorik sei doppelgesichtig: Einerseits inszeniere und stabilisiere sie die hierarchische Trennung von Volk und Nobilität, andererseits spanne sie beide unter dem höheren Interesse der gemeinsamen res publica zusammen. Die contio sei somit Ort der diskursiven Konstruktion umfassender concordia.
Man diskutierte den Zusammenhalt innerhalb der stark hierarchisierten Gesellschaft Roms und die Kommunikationssituation zwischen Redner und Volk in der contio. Zur Frage, wie wirksam die Konsensfiktion im politischen Tagesgeschäft mit zahllosen konkurrierenden contiones sein konnte, betonte Hölkeskamp, dass sich im Streit um Sachfragen, in dem sich die Parteien jeweils auf dieselben Exempla und Ideale beziehen, der Grundkonsens der Gesellschaft manifestiere und verstärke.
MARTIN JEHNE (Dresden) zeigte, ausgehend vom Begriff des_suffragium_, wie die Entscheidungsfindung durch Beifallslärm im frühen Rom systematisch ein zustimmendes Votum begünstigte. Er stellte einen Zusammenhang zur Entwicklung der Abstimmung in getrennten Kurien und deren Vertretung durch Liktoren in Ciceros Zeit her und beleuchtete die Einführung der Destinationszenturien im frühen Prinzipat. Ihr Zweck liege weniger in der Möglichkeit politischer Einflussnahme durch den Princeps als darin, die Fiktion des politischen Konsenses in der Abstimmung vorzubereiten. Die Abstimmungsergebnisse der einzelnen Stimmkörperschaften des populus wurden nur bis zum Erreichen einer Mehrheit gesammelt. Indem man dann abbrach, wurde zwar markiert, wo das Votum der Mehrheit lag, die Mehr- und Minderheitsverhältnisse im Volk selbst traten aber nicht prominent hervor. Noch in der Prinzipatszeit sei es eine relevante Funktion der Volksversammlung gewesen, die Fiktion eines breiten Konsenses bei der Abstimmung zu gewährleisten. In der Debatte wurden die Schwächen einer Abstimmung nach der Lautstärke und historische Entwicklungslinien hin zu anderen Verfahrensweisen besprochen. Die gleichsam korporative Vorstellung, das gesamte Volk bilde sich in der Summe auch geringfügig besetzter, doch vollständig repräsentierter tribūs ab, wurde als römische Besonderheit bewertet.
MARIA DETTENHOFER (München) beschäftigte sich mit Quorumsregelungen im römischen Senat und der Möglichkeit, durch gezieltes Fernbleiben Entscheidungen zu verhindern. Althistorische Hypothesen zu einem generellen Senatsquorum auch in der Zeit der Republik beleuchtete sie kritisch: In allen Fällen, für die literarische Quellen eine Mindestzahl von Abstimmenden verbürgen, lasse sich dies jeweils durch die spezifischen Umstände erklären. Insbesondere habe man Ausnahmegenehmigungen zu gültigen Gesetzen oder Gegenstände, die der Senat alleine behandelte, zunächst von Fall zu Fall, dann verbindlich durch Quoren legitimiert. In sich problematisch war eine Quorumsregelung im Senat, weil es der inneren Hierarchie desselben zuwiderlief. Dass Augustus ein verbindliches Abstimmungsquorum und die Anwesenheitspflicht für eine bestimmte Zahl an Senatoren einführte, sei ein Anzeichen für deren schwindende Bereitschaft, durch ihre Präsenz im Senat zum Schein der republikanischen Kontinuität beizutragen. Die Tagungsteilnehmer diskutierten die Rolle der Konsulare in Rom und die Frage, inwiefern Quorumsregelungen auf ihre Vorrangstellung im Senat abzielten und einwirkten. Dabei arbeitete man Elemente der Hierarchisierung des Senats – vor allem im Inneren – ebenso wie Elemente der Egalität – vor allem in der Repräsentation nach außen – heraus.
HANS-ULRICH WIEMER (Gießen) thematisierte Eigenheiten und Möglichkeiten der Akklamation in spätantiken Städten. In enorm wachsender Häufigkeit und stark ritualisierter Form brachte man sie dem persönlich, durch Vertreter oder nur im Bild präsenten Kaiser dar. Diese transportierten neben formelhaftem Lob auch konkrete Kritik, etwa an Magistraten, und waren damit eine Möglichkeit der scheinbar direkten Kommunikation von Volk und Kaiser unter Umgehung der bürokratischen Funktionäre. So könne man Akklamationen als Surrogat für politische Partizipation bewerten. Da sich der Wille des Volkes unmittelbar in den Akklamationen Ausdruck verschaffen konnte, höhlte dies die Legitimität örtlicher Kurien aus und gefährdete die lokale Autonomie. Häufige Akklamationen seien also zugleich Symptom und Faktor des Niedergangs spätantiker Städte. Man besprach die unterschiedlichen Kommunikationssituationen und Gegenstände bei Akklamationen in An- und Abwesenheit des Kaisers und ihre Bedeutung im Kontrast zu anderen zeitgenössischen Formen der Kommunikation mit dem Kaiser (Gesandtschaften, Eingaben). Der vielschichtigen Bürokratie sprach man im Zusammenhang mit Allmachtzuschreibungen und Defizitempfindungen der Reichsbevölkerung gegen den Kaiser eine dämpfende Funktion zu; die Akklamationen konnten als Ventil für Hoffnungen und Enttäuschungen dienen.
JOHANNES PREISER-KAPELLER (Wien) fragte nach der Anwendung der Mehrheitsregel in spätbyzantinischer Zeit. Er zeigte, dass die Mehrheitsentscheidung in der hauptstädtischen Synode in Konstantinopel autoritativ gesichert, doch keineswegs unumstritten war. In der Praxis löste man Minderheitenpositionen bereits vor der Abstimmung auf oder suchte den Konsens. Bei Personalentscheidungen erfolgte die Vorauswahl der Kandidaten oft durch die Mehrheitsregel. Eine Dreierliste (nach Reihenfolge) wurde dann dem Patriarchen zur endgültigen Entscheidung vorgelegt. In der Synode seien zentrale Kriterien für das Funktionieren der Einmütigkeitsregel – intensive Sozialisation, einheitlicher Normenkonsens, Homogenität der Gruppe und ein kontinuierlicher Entscheidungskontext – erfüllt und Grundlage für die ausgeprägt konsensualistischen Praktiken. Der Widerstreit von Mehrheits- und Konsensprinzip, von Majorität und Autorität wurde letztlich nie definitiv geklärt.
Die Vermeidung von Mehrheitsentscheidungen versuchte das Plenum mit einem sich wandelnden sozio-politischen Kontext sowie der zunehmenden Hierarchisierung und Zentralisierung in den kirchlichen Strukturen in Zusammenhang zu bringen. Die hierarchische Reihenfolge der Stimmabgabe in der Synode wurde mit Parallelen im römischen Senat, die Kandidatenrankings bei Personalentscheidungen mit Parallelen im modernen Universitätsleben verglichen.
ELKE STEIN-HÖLKESKAMP (Münster) beschrieb die Bedeutung der Volksversammlung und ihrer hervorragenden Redner im politischen Gefüge der Athener Demokratie anhand der Mytilene-Debatte im Jahr 427 v. Chr. Hier wurde eine mehrheitlich getroffene Entscheidung am Folgetag nach erneuter Debatte revidiert und ins Gegenteil gekehrt. Da sich die Volksversammlung täglich neu mischte, war die Vertagung einer Entscheidung kaum möglich. Der enge Zusammenhang von Deliberation und Abstimmung sowie die große Zahl der Abstimmenden machten Versuche systematischer Manipulation unmöglich. Eine umso größere Bedeutung bei der Beeinflussung der Abstimmenden kam der Rhetorik zu, die in bestimmten Argumentationsfiguren Positionen trennscharf abgrenzte und sich in jedem Argument auf die Förderung des Gemeinwohls beziehen musste. Thukydides’ Geschichtswerk zeige, wie die strukturbedingte Beförderung agonaler Tendenzen in der Volksversammlung von den Rednern selbst reflektiert und problematisiert wurde.
Man besprach Fragen der Akustik und der Abstimmungsdisziplin sowie das Fehlen einer inhaltlichen Beschränkung der behandelten Gegenstände in der Volksversammlung. Die rasche Abfolge von agonal geprägter Deliberation und Abstimmung verhindere eine adäquate Verarbeitung der Argumente und produziere, wie die Mytilene-Debatte zeige, zu rasche Entscheidungen.
Zum Abschluss der Tagung stellte WINFRIED SCHMITZ (Bonn) eine Neuinterpretation von Solons Stasisgesetz vor. Es sei nicht eine universelle Verpflichtung, im Bürgerkriegsfall bewaffnet für die Bewahrung der Ordnung einzustehen, sondern die Verpflichtung, in spezifischen Abstimmungssituationen eine Position zu beziehen. Schmitz zeigte, dass stasis zunächst nicht den Bürgerkrieg selbst, sondern eine politische Blockadesituation meinte, die gewaltsam zu eskalieren drohte. Das Stasisgesetz zielte auf den Areopag, der politische Entscheidungen gegen den drohenden Staatsstreich treffen musste. Zur breiteren Legitimierung der Maßnahmen habe Solon alle Areopagiten unter Strafandrohung zur Stellungnahme verpflichtet. Später wurde diese Entscheidungskompetenz auf die Volksversammlung als eine in die politischen Rivalitäten weniger verstrickte Instanz übertragen. Somit lägen Solons Stasisgesetz und der Athener Ostrakismos in einer rechtsgeschichtlichen Traditionslinie. Schmitz’ Neuauslegung wurde insgesamt positiv aufgenommen, sein kohärentes Bild der griechischen Verfassungsgeschichte gelobt. Zugleich wurde Besorgnis darüber geäußert, das bisherige Bild vom Athen des 6. Jahrhunderts v. Chr. derart grundlegend zu revidieren. Für eine abschließende Bewertung erbat man sich mehr Bedenkzeit.
Konferenzübersicht:
Egon Flaig (Rostock/München): Begrüßung und Einführung in das Thema
Markus Rüttermann (Kyoto): „Die Striche sind beisammen.“ Zur Mehrheisfindung im mittelalterlichen Japan
Thomas Wagner (Berlin): Anmerkungen zur Geschichte und zur Aktualität des Konsensprinzips
Werner Heun (Göttingen): Entstehungsvoraussetzungen des Mehrheitsprinzips
Johannes Helmrath (Berlin): Majorität oder Saniorität? Das Ringen um die Mehrheit im Mittelalter am Beispiel der Konzilien
Karl-Joachim Hölkeskamp (Köln): Concordia contionalis. Die rhetorische Konstruktion von Konsens in der römischen Republik
Martin Jehne (Dresden): Mehrheitsentscheidung und Konsensfiktion in römischen Volksversammlungen
Maria H. Dettenhofer (München): Verweigerung als Form der Abstimmung. Das Senatsquorum von der mittleren Republik bis zum frühen Prinzipat
Hans-Ulrich Wiemer (Gießen): Voces populi. Zur Semantik und Funktion spätrömischer Akklamationen
Johannes Preiser-Kapeller (Wien): H¬e ton pleionon psephos. Der Mehrheitsbeschluß in der Synode von Konstantinopel in spätbyzantinischer Zeit – Normen, Strukturen, Prozesse
Elke Stein-Hölkeskamp (Münster): Werben um die Mehrheit. Demokratie und Agonalität im klassischen Athen
Winfried Schmitz (Bonn): Mut zur Entscheidung. Überlegungen zum Stasisgesetz Solons | 3.515625 | 3.5 | 3.46875 |
0bc72aad69944798ae4c39b8c1c40d07 | Wie Honigbienenvölker in der Wildnis überleben –
Untersuchung der Bedeutung von kleinen Nestern und häufigem Schwärmen
Zusammenfassung
Die ektoparasitische Milbe Varroa destructor und die von ihr übertragenen Viren töten die von Imkern gehaltenen Völker der Europäischen Honigbiene (Apis mellifera), falls die Bienen nicht mit Mitiziden behandelt werden. Dennoch gibt es Populationen wilder Völker der Europäischen Honigbiene, die weiterbestehen, ohne mit Mitiziden behandelt worden zu sein. Wir stellten die Hypothese auf, dass das Fortbestehen dieser wilden Völker zum Teil auf ihre Gewohnheit, sich in kleinen Hohlräumen einzunisten und häufig zu schwärmen, zurückzuführen ist. Wir haben diese Hypothese getestet, indem wir zwei Gruppen von Völkern gebildet haben, die entweder in kleinen Bienenstöcken (42 l) ohne Schwarmkontrolle oder in großen Bienenstöcken (bis zu 168 l) mit Schwarmkontrolle lebten. Wir beobachteten die Völker zwei Jahre lang und verglichen die beiden Gruppen hinsichtlich Schwarmhäufigkeit, Varroa-Befallsrate, Auftreten von Krankheiten und Fortbestand der Völker. Die Völker in den kleinen Bienenstöcken schwärmten häufiger, hatten geringere Varroa-Befallsraten, weniger Krankheiten und einen höheren Fortbestand im Vergleich zu den Völkern in den großen Bienenstöcken. Diese Ergebnisse zeigen an, dass kleinere Nesthöhlen und häufiges Schwärmen der wilden Völker zu ihrem Fortbestand – auch ohne Milbenbehandlung – beitragen.
Einführung
In den letzten Jahrzehnten standen Imker weltweit vor zahlreichen Herausforderungen bei der Erhaltung gesunder Honigbienenvölker (Apis mellifera). Die jährliche Sterblichkeitsrate von über 20% der Völker gilt heute als typisch, und einige Imker berichten sogar von Verlusten bis zu 90%. Eine Vielzahl von Faktoren hat zu der erhöhten Sterblichkeitsrate der Völker beigetragen, aber der wohl bedeutendste ist die Einführung der ektoparasitischen Milbe, Varroa destructor, aus Asien, die als wirksamer Überträger von Viren der Honigbienenwirkt. Die Anzahl der Völkerverluste in Europa und Nordamerika hat sich nach der Ankunft von Varroa in den 70er und 80er Jahren fast verdreifacht [6]. Diese Milben haben einen neuen Übertragungsweg für Viren eingeführt, der die Virenlandschaft verändert hat und hat in dem Flügeldeformationsvirus (Deformed Wing Virus, DWV), dem Erreger, der mit dem Niedergang von Honigbienenvölkern zusammenhängt, einen massiven Verlust an Vielfalt verursacht. Ohne Behandlung der Varroa sterben bewirtschaftete Honigbienenvölker fast immer innerhalb von zwei bis drei Jahren.
Obwohl ein Varroa-Befall zum Tod von Bienenvölkern, die von Imkern bewirtschaftet werden, führt, sofern keine Behandlung gegen den Milbenbefall durchgeführt wird, haben mehrere Forscher über Populationen europäischer Honigbienenvölker, die in der Wildnis leben, berichtet, die ohne Varroa-Kontroll-Behandlungen weiterbestanden, obwohl sie mit Varroa befallen waren (Brasilien, Russland, Schweden, Frankreich und den Vereinigten Staaten). In all diesen Populationen hat der selektive Druck durch die Milben und Viren wahrscheinlich genetische Veränderungen bei den Bienen hervorgerufen, die ihnen eine intrinsische Resistenz gegen diese Parasiten und Krankheitserreger verleihen. Wir wissen zum Beispiel, dass die Population wilder Völker im Arnot Forest in den USA zwischen 1977 und 2010 eine massive Sterblichkeitsrate der Völker erfuhren und dass Hunderte der Kerngene in dieser Population starke Selektionszeichen aufweisen. Es kann jedoch auch Umweltfaktoren geben, die es wilden Völkern ermöglichen, einen Milbenbefall ohne Milbenbehandlung zu überleben, während bewirtschaftete Völker dies nicht können.
Wir stellten die Hypothese auf, dass die relativ kleinen Nisthöhlen wilder Völker ihre größere Fähigkeit teilweise erklären könnte, Varroa-Befall ohne Behandlungen zu überleben. In Nordamerika bewohnen wilde Honigbienen Baumhöhlen mit Volumina von 30 bis 60 Litern, während bewirtschaftete Völker normalerweise in Bienenstöcken mit Volumina von 120 bis 160 Litern untergebracht sind, so dass sie ausreichend Raum haben, um große Honigvorräte für Imker einzubringen. Da wild lebende Völker in kleinen Nisthöhlen leben, die das Schwärmen fördern, und nicht der imkerlichen Praxis der Schwarmkontrolle unterliegen, schwärmen wilde Völker wahrscheinlich häufiger als bewirtschaftete Völker. Wir stellten auch die Hypothese auf, dass häufigeres Schwärmen der wilden Honigbienenvölker zusammen mit ihrer verminderten Brutaufzucht (weil sie kleinere Nester haben) die Vermehrung der Varroa hemmt und diese wilden Völker daher weniger anfällig gegenüber den Milben und den von ihnen verbreiteten Krankheiten sind.
Die Formierung eines Schwarms trägt nicht nur etwa 35% der Varroa eines Volkes hinaus – denn 70% der erwachsenen Bienen ziehen weg, wenn ein Volk einen Schwarm bildet, und etwa 50% der Varroa eines Volkes sind auf den erwachsenen Bienen – es verursacht auch eine brutfreie Phase in dem schwärmenden Volk. Die Vermehrung der Varroa ist von Honigbienenbrut abhängig, und daher kann diese brutfreie Phase dazu beitragen, die Varroa-Population in einem Volk, das schwärmt, weiter zu verringern.
Um die Hypothese zu testen, dass kleine Nisthöhlen zur der Fähigkeit beitragen, dass wilde Völker ohne Varroa-Behandlungen weiterbestehen, führten wir ein Experiment durch, bei dem zwei Gruppen von Völkern miteinander verglichen wurden. In einer Gruppe lebten die Völker in kleinen (42 l) Bienenstöcken und blieben allein. Dies waren unsere „Völker im kleinem Bienenstock“, die wilde Völker von Honigbienen simulierten.
In der anderen Gruppe lebten die Völker in großen Bienenstöcken (bis zu 168 l) und wurden so bewirtschaftet, dass sie weniger schwärmten und ihre Honigproduktion steigerten: Königinnenzellen wurden regelmäßig entfernt, und den Völkern wurden zwei Zargen für den Brutraum gegeben sowie zwei weitere Zargen („Honigraum“) zur Einlagerung des Honigs. Dies waren unsere „Völker im großem Bienenstock“, in denen üblich bewirtschaftete Völker von Honigbienen simuliert wurden. Wir beobachteten die Brut und erwachsenen Bienenpopulation, die Milbenbefallsrate, das Vorkommen von Krankheiten, das Auftreten von Schwärmen, die Honigproduktion und den Fortbestand der Völker in beiden Gruppen über einen Zeitraum von zwei Jahren (Mai 2012 – April 2014). Wir sagten voraus, dass die Völker im kleinem Bienenstock häufiger schwärmen würden, eine niedrigere Varroa-Befallsrate, geringere Krankheitshäufigkeiten, eine niedrigere Honigproduktion und eine höhere Überlebensrate der Völker haben würden als die Völker im großem Bienenstock.
Diskussion
Die Ergebnisse dieser Studie stützen die Hypothese, dass der Fortbestand wild lebender Völker durch ihre Gewohnheiten gefördert wird, in kleinen Hohlräumen zu nisten und häufig zu schwärmen. Am Ende des zweiten Sommers der Studie wiesen die in kleinen Bienenstöcken lebenden Völker eine mittlere Varroa-Befallsrate der erwachsenen Bienen auf, die nur etwa ein Drittel der in großen Bienenstöcken lebenden Völker betrug. Während keines der Völker in den kleinen Bienenstöcken Anzeichen einer Krankheit aufwies, zeigten sieben der zwölf Völker ind den großen Bienenstöcken Symptome einer starken Infektion mit dem deformierten Flügelvirus (DWV), das eng mit einem starken Varroa-Befall verbunden ist. Darüber hinaus starben bis April 2014 alle sieben Völker mit Symptomen einer hohen DWV-Infektion. Es scheint klar zu sein, dass die in den großen Bienenstöcken lebenden Völker anfälliger für Varroa waren als die in den kleinen Bienenstöcken lebenden Völker. Die höheren Varroa-Befallsraten beeinträchtigten ihre Gesundheit und ihr Überleben, so dass am Ende nur noch 2 von 12 Völkern in den großen Bienenstöcken lebten. Im Gegensatz dazu wiesen die Völker in den kleinen Bienenstöcken relativ niedrige Varroa-Befallsraten auf, zeigten keine Symptome von Infektionen mit hohem DWV und hatten eine bessere Überlebensdauer mit 8 von 12 Völkern, die am Ende der Studie noch am Leben waren.
Ein merkwürdiger Befund in dieser Studie war der vorübergehende Anstieg der mittleren Varroa-Befallsrate bei den Völkern in den kleinen Bienenstöcken Mitte September 2013. Dieser Anstieg trat auf, weil 3 der 12 Völker in den kleinen Bienenstöcken plötzlich überraschend hohe Milbenbefallsraten aufwiesen: 15–17 Milben/100 Bienen. Diese 3 Völker hatten Mitte August nur 1–3 Milben/100 Bienen. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass eines der Völker in den großen Bienenstöcken kurz vor der Erfassung dieses Anstiegs eine hohe Varroa-Befallsrate (13 Milben/100 Bienen) entwickelt hatte und zusammengebrochen war. Vor dem Bienenstock dieses Volkes lag ein Haufen toter Bienen, und der Bienenstock war fast leer, außer Bienen, die Honig raubten. Vermutlich stammten die raubenden Bienen aus nahe gelegenen Völkern.
Der Raub des Honigs eines sterbenden oder toten Volkes ist nicht ungewöhnlich [24], besonders wenn der Verfall des Volkes mit einem Nektarmangel [25] zusammenfällt, wie es der Fall war, als das Volk in der Behandlungsgruppe in den großen Bienenstöcken Ende August und Anfang September zusammenbrach. Da Varroa auf räubernde Bienen klettern kann [25,26,27] und in der Tat zunehmend dazu neigt, auf Nahrungssammler/Räuber (nicht nur auf die Ammenbienen) in einem Volk zu klettern, wenn die Varroa-Häufigkeit zunimmt [28], ist es wahrscheinlich, dass der Anstieg der mittleren Varroa-Befallsrate in den Völkern in den kleinen Bienenstöcken Mitte September auf den Import von Milben durch die Völker in den kleinen Bienenstöcken zurückzuführen ist, die Honig aus den zusammenbrechenden Völkern in den großen Bienenstöcken geraubt hatten. Wenn ja, dann ist dieser Anstieg der Varroa-Befallsrate in den Völkern in den kleinen Bienenstöcken, die nur 60 m von den Völkern in den großen Bienenstöcken entfernt lebten, ein Artefakt des Versuchsaufbaus.
Dieser Anstieg der Varroa-Befallsrate könnte erklären, warum in der Gruppe der kleinen Bienenstöcke eine erhebliche Völkersterblichkeit (4 von 12 Völkern) auftrat.. Ein Volk in den kleinen Bienenstöcken starb, weil ihre Königin kein Sperma mehr hatte, so dass letztendlich nur Drohnen in diesem Volk hervorgebracht wurden. Interessanterweise waren die anderen 3 verstorbenen Völker in den kleinen Bienenstöcken die 3 Völker, bei denen im September ein starker Anstieg der Varroa-Befallsraten zu verzeichnen war. So könnte die mögliche Einfuhr von Varroa (und der damit verbundenen Viren) aus dem zusammenbrechen Volk in dem großen Bienenstock im September zum Tod dieser drei Völker in den kleinen Bienenstöcken im Winter geführt haben. Da Räuberbienen wahrscheinlich Krankheiten hauptsächlich zwischen Bienenstöcken in unmittelbarer Nähe übertragen, ist es bedauerlich, dass wir die beiden Bienenstände für die beiden Behandlungsgruppen nicht weiter räumlich getrennt haben. Eine kürzlich durchgeführte Studie über die Auswirkungen des engen Zusammenstellens von Völkern hat gezeigt, dass durch die enge Zusammenstellung die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Völker im Spätsommer einen hohen Varroa-Befall erlangen, wenn das Raubverhalten am häufigsten ist.
Wir haben diese Studie durchgeführt, um zu untersuchen, wie Populationen wild lebender Völker ohne Varroa-Behandlung überleben können, während bewirtschaftete Völker selten länger als zwei bis drei Jahre fortbestehen, ohne gegen Varroa behandelt zu werden.
Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die geringe Größe der Nisthöhlen wild lebender Völker dazu beiträgt, dass sie trotz Varroa-Befall bestehen bleiben. Wie wir vorhergesagt haben, schwärmten die Völker in dieser Studie, die in kleinen Bienenstöcken lebten und keine Schwarmpräventionsbehandlung erhielten, eher, aber die Völker, die in großen Bienenstöcken lebten und eine Schwarmpräventionsbehandlung erhielten, neigten dazu, nicht zu schwärmen. Dieses häufige Schwärmen bei den Völkern in den kleinen Bienenstöcken, das offensichtlich auf die engen Bedingungen in ihren kleineren Bienenstöcken zurückzuführen war, bedeutete, dass eher die Völker in den kleinen Bienenstöcken mitten im Sommer Unterbrechungen in ihrer Brutaufzucht erlebten. Da ein Schwarmereignis etwa 35% der Varroa eines Volkes ausführt und der Varroa vorübergehend die zur Fortpflanzung benötigte Brut entzieht, ist es wahrscheinlich, dass eine höhere Schwarmrate wilden Völkern hilft, den Varroa-Befall zu begrenzen und damit zu überleben und sich ausreichend zu reproduzieren, um eine Population von wilden Völkern in einer Region zu erhalten. Es ist auch möglich, dass das Nisten in einer kleinen Höhle den Bienen hilft, hohe Varroa-Befallsraten zu vermeiden, da Völker mit kleinen Nestern weniger Brutzellen besitzen und Varroa dadurch weniger Fortpflanzungsmöglichkeiten bieten.
Schlussfolgerung für die Imker-Praxis
Die Ergebnisse dieser Studie deuten auf eine Bewirtschaftungspraxis hin, bei der Völker in großen Bienenstöcken gehalten werden können, für die Honigproduktion bewirtschaftet, nicht mit Milbenbekämpfungsmitteln behandelt und dennoch nicht Varroa und den damit verbundenen Viren erliegen. Insbesondere legt diese Studie nahe, dass das Teilen eines Volkes – eine Praxis, bei der die Königin und ein Teil der erwachsenen Bienen und Brut aus einem Volk entfernt und in einen anderen Bienenstock gebracht werden, um eine zusätzliches Volk zu bilden, während das ursprüngliche Volk eine Ersatzkönigin aufzieht – ein wirksames Mittel sein könnte, die Milbenpopulation in großen Völkern, die für die Honigproduktion bewirtschaftet werden, zu reduzieren.[32]. Das Teilen eines Volkes führt zu einer brutfreien Phase in dem Volk, und dies kann die Befallsrate von Varroa in bewirtschafteten Völkern auf die gleiche Weise begrenzen, wie es das Schwärmen bei wilden Völkern offensichtlich tut. Es kann jedoch auch die Honigproduktion eines Volkes mindern. Wir schlagen vor, dass weitere Untersuchungen zur Anrwendung der Teilung eines Volkes als nicht-chemische Methode zur Reduzierung von Varroa bei bewirtschafteten Honigbienenvölkern durchgeführt werden sollten. | 4.0625 | 3.953125 | 3.734375 |
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CRM für Bildung
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Elinext Group CRM Softwarelösungen für Bildungsbereich gründen sich auf profunde technologische Kompetenzen, die als Ergebnis der vielfältigen Projekte, entwickelt für Kunden weltweit, erworben sind. Bildungseinrichtungen und Organisationen bevorzugen mit unserem Unternehmen dank folgenden Vorteilen zu arbeiten:
- 15-jährige Erfahrungen auf dem Softwareentwicklungsmarkt
- Persönlicher Zugang zu jedem Kunden und Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse und Anforderungen
- Perfekte Qualität der Softwarelösungen
- Nur professionelle und hochqualifizierte IT-Entwickler
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Profitieren Sie von der Nutzung unserer Softwareleistungen, die Ihnen helfen können, die Spitze im Bereich der Bildung zu erreichen. Wenn Sie sich entscheiden, ein Customer Relationship Management System zu implementieren, sind hier einige Handlungen, die Sie zu machen haben.
Rufen Sie uns an (+375-17) 237-53-65 (GMT+3) oder treten Sie mit uns in Kontakt. Wir sind auch via Email und Skype verfügbar.
- Sie können mit uns frei Kontakt via das Kontaktformular auf unserer Webseite, durch eMail, Telephon oder Skype aufnehmen
- Sie sind willkommen, uns alle Anforderungen, Spezifikationen oder jede zusätzlichen Details hinsichtlich Ihres Projektes zu senden
- Nachdem wir die Anforderungen analysiert und das Projekt eingeschätzt haben, können wir Ihnen einen Kostenanschlag für die Entwicklung anbieten
- Wir unterschreiben einen Geheimhaltungsvertrag und einen Vertrag und fangen das Projekt an
UNSERE ARBEIT AM PROJEKT
- Wir bestimmen einen Projektmanager und organisieren ein engagiertes Team von Softwareentwicklern und Designer
- Das Team ist den ganzen Arbeitstag online und ist via eMail, Skype, Telephon verfügbar
- Kunden wählen den Grad ihrer Beteiligung am Projekt
- Kunden teilen uns ihre Vorzüge und Empfehlungen hinsichtlich Designs und bestimmter Merkmale mit
- Wir führen Entwicklung durch. Einige Male pro Woche zeigen wir unseren Kunden die letzten Updates.
- Wir organisieren ein Team von Qualitätssicherung Tester, die helfen können, jede Codemängel und Fehler zu vermeiden
- Wir liefern die abgeschlossene Lösung mit allen Quellen und helfen mit online Verteilung.
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einen Webspace Vergleich
ein Webspace Lexikon
Tipps für die Webspacewahl
Informationen zu Webhostern
So finden Sie den passenden Webhoster
Heutzutage kann sich praktisch jeder seine eigene Webseite im Internet erstellen. Erfolgreiche Unternehmen kommen an einer eigenen Homepage eigentlich gar nicht mehr vorbei. Egal ob privat oder geschäftlich, wer sich mit dieser Thematik auseinandersetzt, hat zwangsläufig auch mit Begriffen wie Webhoster oder Webspace zu tun. Aber was bedeuten diese Begriffe eigentlich?
Unsere Webhosting-Pakete im Vergleich:
Wer eine eigene Homepage oder zum Beispiel einen Blog erstellen möchte, der muss alle Daten, und alles was damit zusammen hängt, ins Internet bringen, speichern und dort auch verwalten können. An dieser Stelle kommt dann ein Webhoster ins Spiel. Es handelt sich dabei um einen Anbieter, der diese Dienste im Internet anbietet. Dabei stellen sie meist mehr oder weniger umfangreiche Pakete zur Verfügung. In diesen sind häufig eine eigene Domain, Emailpostfächer, Webspace in verschiedenen Größen und viele weitere Inklusiv-Leistungen enthalten. Dabei gibt der Begriff Webspace den verfügbaren Speicherplatz für Daten an.
Wie auch bei anderen erfolgversprechenden Branchen, hat auch das Webhosting eine Vielzahl von entsprechenden Anbietern entstehen lassen. Wo es mehrere Anbieter auf dem Markt gibt, gibt es auch immer verschiedene Preise und Angebote. Allein deshalb sollte man immer vergleichen, bevor man sich irgendwo vertraglich bindet und dadurch eventuell einiges zu viel bezahlt. Besonders für Laien ist dieser Bereich häufig sehr undurchsichtig und auf den ersten Blick schlecht zu durchschauen. In verschiedenen Portalen oder Zeitschriften werden deshalb immer wieder verschiedene Anbieter mit einem genauen Webspace Vergleich gecheckt und vorgestellt. Unterschiede gibt es meistens im Bereich der Gebühren, der verfügbaren Speicherkapazität, bei der Geschwindigkeit der Datenübertragung und in zusätzlichen Service-Leistungen. Je nach dem was man benötigt und wie professionell es sein soll, muss man bei einem Webspacevergleich natürlich genau auf diese Dinge achten. Häufig werben Webhosting Anbieter mit unterschiedlichen Angeboten für Neueinsteiger, bei denen man innerhalb der ersten 12 Monate verschiedene Dienste völlig kostenlos in Anspruch nehmen kann. Bei diesen Paketen sollte man aber unbedingt auf, teilweise versteckte, einmalige Gebühren achten. Des Weiteren kann man diese Angebote meist nur in Zusammenhang mit einer vertraglichen Bindung in Anspruch nehmen. Deshalb ist es genauso wichtig, sich vorab über die regulären monatlichen Beiträge, die spätestens nach Ablauf der ersten 12 Monate fällig werden, zu informieren.
Wer sich dann für einen Anbieter, ein passendes Paket und einen entsprechenden Tarif entschieden hat, der kann sich eine Domain aussuchen und bestellen. Wenn die gewünschte Domain zur Verfügung steht und freigeschaltet ist, kann der Nutzer im Prinzip bereits loslegen und seine Webseite mit Emailkonten und Daten einrichten. Für Anfänger, die sich mit dieser Materie noch nicht auskennen, gibt es meist bestimmte Programme, mit denen sich kinderleicht in wenigen Schritten eine Homepage erstellen lässt. Die meisten Webhosting Anbieter stellen einen Kundensupport rund um die Uhr zur Verfügung, der mit Rat und Tat zur Seite steht. Sollte man über einen weiteren Webspace Vergleich einen anderen Anbieter zu günstigeren Konditionen entdecken, so ist es eigentlich kein großes Problem, den alten Anbieter nach Vertragsablauf zu wechseln. In den meisten Fällen steht der neue Anbieter bei dieser Angelegenheit unterstützend zur Seite.
Insgesamt ist es häufig schwieriger die einzelnen Begriffe zu verstehen und sich durch den Webhosting Dschungel hindurch zu kämpfen, als das zu durchschauen, was eigentlich dahinter steckt. Die eigentliche Durchführung und Erstellung einer Homepage ist meist selbst für Laien kein allzu großes Problem.
Was ist eine Domain?
Unter Domain versteht man einen zusammenhängenden Teilbereich vom hierarischen Domain Name System, kurz DNS genannt. Im DNS verfügt jeder Rechner einer Domain über eine individuelle Bezeichnung wie beispielsweise www. Durch einen Punkt getrennt (www.) wird die individuelle Bezeichnung, um die Bezeichnung einer Domain erweitert, wie z.B. muster.de. Der auf diese Art konstruierte Fully Qualified Domain Name -www.muster.de- kann vom DNS in eine IP-Adresse umgewandelt werden. Diese kann dann verwendet werden, um zu diesem Rechner Netzwerkverbindungen aufzubauen. Dadurch wird der Zugriff auf eine Webseite, wie http://www.muster.de/index.html ermöglicht. Ein Bestandteil der URLs ist sehr oft der Fully Qualified Domain Name und somit natürlich auch die Bezeichnung der jeweiligen Domain. Ein Domain Name besteht immer aus mehreren Namensteilen bzw. Labels, die durch Punkte getrennt werden. Wenn eine Domain in der Hierarchie unter einer anderen liegt, handelt es sich um eine Subdomain. Das heißt, es handelt sich um eine Domain die in der dritten oder einer weiteren Ebene angesiedelt ist. Um DNS Namen im Internet bekannt zu machen, muss die zugehörige Domain registriert werden, denn in der Domain wird der DNS Name verwaltet. Bevor der Name einer Domain festgelegt wird, sollte überprüft werden, ob dadurch evtl. die Rechte von Dritten verletzt werden.
Was ist ein Webspace?
Webspace wird von Internetdienstanbietern meistens zusammen mit einer Domain angeboten. Bei Webspace handelt es sich um einen Speicherplatz für die Dateien auf einem Server, auf den der Zugriff über das Internet dauerhaft gewährleistet wird. Mit Hilfe von Webspace können die Kunden Dokumente und Datenbestände, Internetpräsenzen bzw. Teile davon speichern und veröffentlichen. Die Bereitstellung von Webspace ist auch als Webhosting oder Nethosting bekannt. Bei Webspace handelt es sich um ein immaterielles Produkt. Dieses wird in der Regel charakterisiert durch die Menge an Speicherplatz, die Datenverkehr-Höchstgrenze sowie Sonderfunktionen wie beispielsweise Skriptsprachen die serverseitig ausführbar sind. Webspace wird kostenpflichtig und kostenfrei angeboten. Internetdienstanbieter die Webspace kostenlos anbieten finanzieren diese Leistung meistens mit Werbebannern oder mit Pop-up-Werbefenstern. Mitunter wird auch eine Beteiligung im Forum ausgesetzt. Die Nutzer der kostenlosen Webspace-Anbieter müssen hinsichtlich der Verfügbarkeit und der Geschwindigkeit ihrer Webseiten zudem Abstriche machen.
Bevor Sie sich für einen Webhoster entscheiden sollten Sie unbedingt einen Webspace vergleich durchführen.
Was ist ein FTP?
FTP ist die Kurzform von File Transfer Protocol. Es handelt sich dabei um ein Netzwerkprotokoll zur Datenübertragung. Im OSI-Schichtenmodell ist FTP in der Anwendungsschicht angesiedelt. FTP wird für die Übertragung von Dateien vom Server zum Client sowie vom Client zum Server, bekannt als Herunterladen und Hochladen. Die Dateien können aber auch clientgesteuert zwischen zwei Endgeräten übertragen werden. Mit FTP können darüber hinaus Verzeichnisse angelegt und ausgelesen, aber auch Verzeichnisse und Dateien können umbenannt und gelöscht werden. Für die Steuerung und die Datenübertragung verwendet FTP separate Verbindungen Sobald vom Client zum Control Port eines Servers eine FTP-Verbindung aufgebaut wird beginnt die FTP-Sitzung. Die Befehle zum Server werden über diese FTP-Verbindung gesendet. Pro Vorgang wird beim Senden und Empfangen von Dateien und für die Übertragung von Verzeichnislisten eine eigene TCP-Verbindung verwendet. Für den Aufbau dieser Verbindungen kennt FTP zwei Modi, das aktive FTP und das passive FTP. Beim aktiven FTP wird vom Client zufällig ein Port geöffnet, dem Server mitgeteilt wird, der zusammen mit der eigenen IP-Adresse vom PORT-Kommando dem Server mitgeteilt wird. Beim passiven FTP wird ein PASV-Kommando vom Client gesendet. Danach wird vom Server ein Port geöffnet und diesen mit der IP-Adresse an den Client übermittelt.
Was ist Traffic?
Traffic ist die englische Bezeichnung für Datenverkehr. Genauer gesagt ist damit das Datenaufkommen bei Computernetzwerken gemeint. Im engeren Sinne werden die Zugriffe auf eine Seite als Traffic bezeichnet. Internetdienstanbieter bzw. Internet Service Provider bevorzugen den Begriff Traffic für die Kostenabrechnung. Sie stellen für ihre Kunden die Ressourcen für die Datenübertragung bereit und stellen diesen die Kosten in Rechnung. Meistens werden in Einsteigerangeboten Freitraffics oder Freivolumen angeboten. Wenn der Datenverkehr die Freitraffics übersteigt übersteigen müssen die Kunden extra bezahlen, in diesem Fall wird von Traffic gesprochen. Mitunter werden auch Traffic-Flatrates angeboten und die Kunden bezahlen einen vereinbarten Preis, egal wie viel Datenmenge tatsächlich verbraucht bzw. umgesetzt wird. Die Netzanbieter für den Datenverkehr werden Provider genannt. Die Funktion eines Rechnernetzes für die Steuerung vom Datenfluss der IP-Pakete, ATM-Zellen, Ethernet-Frames und sonstigen Transfereinheiten nach genau definierten Kriterien bezeichnet man als Traffic-Shapping. Außerdem gibt es noch die Bezeichnung Traffic-Diebstahl, auch Hotlinking oder Inline Linking genannt. Dabei handelt es sich um die Einbettung von Medien, wie Bilder, in eine Webseite, die auf einem anderen Host gespeichert sind.
Was ist eine Datenbank?
Mit einer Datenbank wird die elektronische Datenverwaltung ermöglicht. Mit dem System für die elektronische Datenverwaltung wird die effiziente, widerspruchsfreie und dauerhafte Speicherung von großen Datenmengen ermöglicht. Außerdem werden benötigte Teilmengen in verschiedenen und bedarfsgerechten Darstellungsformen für die Anwendungsprogramme und die Benutzer bereitgestellt. Eine Datenbank besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil ist die Verwaltungssoftware, das sogenannte Datenbankmanagementsystem, kurz DBMS genannt. Der zweite Teil ist die eigentliche Datenbank durch die die Menge der Daten die verwaltet wird. Es gibt verschiedene Formen von Datenbanksystemen. Auf welche Art und Weise ein Datenbanksystem die Daten speichert und verwaltet, hängt vom Datenbankmodell ab. Das Relationale Datenbanksystem ist die bekannteste Form der Datenbanksysteme. In Unternehmen und Behörden ist die Datensicherheit gesetzlich vorgeschrieben. Ein Datenbanksystem ist in der Unternehmenssoftware ein zentraler Bestandteil und stellt somit ein kritischer Teil von Unternehmen und Behörden dar. Ein Datenbanksystem stellt die persistente Speicherung und die Konsistenz der Nutzdaten sicher. Mit Datenbanksystemen arbeiten alle Versicherungen und Banken, denn dadurch werden die strukturierte Ablage der Konteninformationen und Buchungen ermöglicht.
Die Anzahl der Datenbanken ist nicht bei jedem Webhoster und Webhostingpaket gleich. Deshalb sollten auch bezüglich der Datenbanken immer einen Webspacevergleich durchführen!
Was ist PHP?
PHP ist eine Skriptsprache, die vor allem für die Erstellung von dynamischen Webseiten sowie Webanwendungen Verwendung findet. PHP verfügt über einen Syntax der an C und Pearl angelehnt ist. Die Verbreitung von PHP erfolgt entweder als freie Software oder PHP-Lizenz. Das besondere an PHP ist die breite Datenbankunterstützung, die Internet-Protokolleinbindung und die Verfügbarkeit von zahlreichen Funktionsbibliotheken. Als serverseitige Programmiersprache wird PHP heute etwa auf 75% sämtlicher Webseiten verwendet. Das macht PHP zu der am häufigsten verwendeten Sprache für die Erstellung von Webseiten. PHP wurde vom Grönländer Rasmus Lerdorf im Jahr 1995 entwickelt. Ursprünglich sollte PHP der Ersatz für eine Sammlung von Pearl-Skripten sein. Damals stand PHP für Personal Home Page Tools. Die Programmiersprache C wurde kurz darauf geschaffen und in dieser wird PHP auch heute noch entwickelt. Die heute verwendete PHP5 Version wurde im Jahr 2004 entwickelt und seitdem ständig verbessert. Die Version 5.4 steht voraussichtlich Ende 2011 zur Verfügung.
Was ist Confixx?
Unter Confixx versteht man ein umfassendes Control Panel. Neben höchster Qualität und der bewährten Technik bietet Confixx umfangreiche Funktionen und einen qualifizierten Support. Mit den leistungsstarken Features wird das Control Panel den Bedürfnissen aller Webhoster gerecht. Den Hosting-Dienstleistern und deren Kunden hat Confixx zahlreiche Vorteile zu bieten. So ist zum Beispiel die umfassende Funktionalität wesentlich besser, als bei Konkurrenzprodukten. Hosting-Dienstleister können, dank der leitungsstarken Features, mit Confixx Zeit und Geld sparen. Die leicht verständlichen Funktionen machen Confixx für Profis und Laien interessant. Hosting-Dienstleistern ermöglicht Confixx eine robuste Administrator-Oberfläche mit der umfangreiche Arbeiten mühelos durchgeführt werden können, wie das erstellen von Resellern oder die leistungsstarke Traffic-Erfassung. Für Endbenutzer steht die Benutzeroberfläche mit zahlreichen Confixx-Funktionen zur Verfügung.
Was ist Debian?
Debian ist die Bezeichnung für eine Linux-Distribution. Seit der Version 6.0 enthält Debian nur noch freie Software. Im Jahr 1996 wurde die erste stabile Version 1.1 Buzz veröffentlicht. Bis zur Version 5.0.8 Lenny basiert Debian auf dem Linux-Kernel. Seit der Veröffentlichung der Version 6.0 Sqeeze unterstützt Debian auch ein FreeBSD-Kernel. Wenn von Debian GNU/Linux die Sprache ist, hängt das damit zusammen, dass die zahlreiche wichtige Systemwerkzeuge vom GNU-Projekt abstammen. Mittlerweile enthält Debian mit mehr als 29.000 Programmpaketen eine umfangreiche Auswahl an Anwendungsprogrammen und Werkzeugen. Sehr viele deutsche Unternehmen verwenden das freie Server-Betriebssystem Debian GNU/Linux. Mit rund 30% liegt das freie Desktop-Betriebssystem Debian GNU/Linux auf dem zweiten Platz hinter dem ebenfalls von Debian abstammenden Ubuntu. Wegen der großen Auswahl an Paketen sowie dem zuverlässigen Paketverwaltungs-System ist die Ableitung von weiteren eigenständigen Distributionen möglich. Möglich macht das die Lizenz, die weitgehende Freiheit für alle Komponenten gewährt.
Was ist ubuntu?
Ubuntu wird eine Linux-Distribution, basierend auf Debian genannt. Die erste Version von Ubuntu ist im Jahr 2004 erschienen. Mit Ubundu wurde ein Betriebssystem mit einer aufeinander abgestimmten Software geschaffen, das leicht zu installieren und einfach zu bedienen ist. Für jedes einzelne Programm wird dafür ein Programm zur Verfügung gestellt. Heute ist Ubuntu die meistgenutzte Linux-Distribution. Seit der Version 11.04 wird die Oberfläche Unity, als Desktopoberfläche, standardmäßig eingesetzt. Neben Ubuntu existieren noch verschiedene Abwandlungen. Ubuntu Studio ist zum Beispiel speziell auf die Anforderungen für die Grafik-, Audio- und Videobearbeitung ausgerichtet. Weitere offizielle Unterprojekte, als Desktopumgebung sind Kunbuntu mit KDE sowie Xubuntu mit Xfce. Ubuntu 11.04 ist die derzeit aktuelle Version. Ubuntu wird weltweit von Millionen Menschen eingesetzt. Das Betriebssystem ist kostenlos und kann einfach, als Ersatz für das bisherige System, installiert werden. Für Unternehmen ist Ubuntu das ideale Produkt, um Kosten zu senken und die Leistung zu steigern, Darüber hinaus ist Ubuntu sicher, zuverlässig und wird ohne Lizenzgebühren angeboten. | 3.53125 | 3.1875 | 2.875 |
251376ca415f263859121bf297d2fdc4 | Zollbericht
WTO
Internationale Handelsabkommen
13.08.2019
EU schließt bilaterale Verträge - fordert dennoch eine WTO-Reform
Ein zukunftsfähiges Handelssystem ist notwendig: Die EU strebt eine WTO-Reform an. Derzeit schließt die EU zahlreiche bilaterale Abkommen ab.
Von Melanie Hoffmann
Die Welthandelsorganisation (WTO) sowie die EU streben einen Handel ohne Zollschranken an, um den Handel zwischen den Mitgliedern zu fördern. Die Grundsätze des EU-Binnenmarktes gleichen an manchen Stellen denen der WTO, dennoch ist die EU als Integrationszone zu verstehen und nicht wie die WTO als Freihandelsordnung. Zahlreiche Rechtsakte der EU haben mittelbare Wirkung in den Mitgliedstaaten. Das WTO-Recht entfaltet dagegen keine mittelbare Wirkung in den Mitgliedstaaten, sodass sich einzelne Bürger und Unternehmen nicht vor nationalen Gerichten auf das WTO-Recht berufen können.
EU schließt zahlreiche Handelsabkommen
Derzeit schließt die EU zahlreiche bilaterale Abkommen ab, um trotz stockender Prozesse in der WTO den Freihandel fortzuführen. Im Februar 2019 trat das Freihandelsabkommen mit Japan in Kraft und Ende Juni einigten sich die EU und Vietnam ebenfalls auf ein Freihandelsabkommen. Weitere Freihandelsabkommen mit zum Beispiel Neuseeland und Australien werden angestrebt, wobei die ersten Verhandlungsrunden bereits stattfanden.
Die EU hat sich jahrelang für die Förderung multilateraler Abkommen eingesetzt, um den Handel großflächiger zu liberalisieren. Bilaterale Abkommen sollten die Ausnahme darstellen und durch multilaterale Abkommen ersetzt werden. Aufgrund der stockenden Doha-Runde und der Gegebenheit, dass immer mehr Mitglieder bilaterale Abkommen schlossen, veranlasste auch die EU zunehmend bilaterale Abkommen.
Schließt die EU mit einem anderen WTO-Mitgliedstaat ein Abkommen ab, so handelt es sich um ein bilaterales Abkommen. Die EU wird dabei durch die Kommission vertreten, die als ein Akteur für alle EU-Mitgliedstaaten auftritt. Die Europäische Kommission erstattet dem Rat und dem Europäischen Parlament regelmäßig Bericht über die Verhandlungsgespräche. Die Kommission tritt auch bei Auseinandersetzungen im Namen der EU auf und vertritt folglich die Interessen aller EU-Mitglieder vor dem Streitschlichtungsgremium der WTO.
Abschluss internationaler Übereinkünfte nach festen Regeln
Nach Art. 216 I AEUV obliegt der EU die Kompetenz, mit Drittländern oder internationalen Organisationen Verträge zu schließen. Eine gemeinsame Handelspolitik unter einheitlichen Grundsätzen wird in Art. 207 I AEUV vorgeschrieben, wobei Abkommen mit internationalen Organisationen unter Art. 207 III 1 AEUV i.V.m. Art. 218 AEUV fallen.
Themen, die die gemeinsame Handelspolitik nach Art. 207 AEUV betreffen und somit auch das WTO-Recht selbst, unterliegen der ausschließlichen Zuständigkeit der EU (Art. 3 AEUV). Darüber hinausgehende Themen unterliegen einer geteilten Zuständigkeit, d. h. die der EU und der Mitgliedstaaten. Eine ausschließliche Zuständigkeit kann der EU aber auch hier zugesprochen werden, wenn Art. 3 II AEUV greift.
Das WTO-Recht ist in der Normenhierarchie des EU-Rechts zwischen dem Primär- (EUV und AEUV) und Sekundärrecht (Verordnungen, Richtlinien, Entscheidungen und Empfehlungen) einzustufen und muss mit dem primären EU-Recht stets in Einklang stehen. Nach Art. 216 II AEUV sind die Organe der Europäischen Union sowie die Mitglieder an die geschlossenen internationalen Verträge gebunden, jedoch besteht keine unmittelbare Anwendbarkeit völkerrechtlicher Abkommen.
Eine schwierige Zeit für die Welthandelsorganisation
Die Veränderung im internationalen Handelssystem stellt die WTO vor eine neue Herausforderung. Die steigende Anzahl bilateraler Abkommen geht mit der steigenden Zahl von Akteuren einher, die aktiv an WTO-Verhandlungen teilnehmen. Die Anzahl an Schwellenländern ist heute ebenso groß wie die Zahl der möglichen Vetogruppen. Bis Mitte der 1980er Jahre war es zumeist möglich, ein Verhandlungsergebnis zu erlangen, wenn sich bereits die EU und die USA einig waren. Heute ist dies nicht mehr möglich, da sich der Kreis der sich aktiv an Verhandlungen beteiligenden Akteure stetig vergrößert. Da es einfacher ist, sich innerhalb eines bilateralen Abkommens, also zwischen zwei Parteien, auf eine Lösung zu einigen, als innerhalb eines multilateralen Abkommens mit mindestens drei Parteien, steigt die Anzahl der bilateralen Abkommen weiter an. Bilaterale Abkommen unterscheiden sich jedoch voneinander, sodass der Welthandel dadurch verkompliziert wird und nicht wie nach dem Prinzip der multilateralen Abkommen vereinfacht wird.
Das Übereinkommen der WTO wurde seit 1995 nicht überarbeitet, sodass zahlreiche Regeln nicht mehr zeitgemäß sind. Aktuelle Themen, wie zum Beispiel Berücksichtigung kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) im Welthandel, E-Commerce, Nachhaltigkeit und Arbeits- und Umweltstandards gewinnen in der heutigen Zeit zunehmend an Bedeutung. Da diese Themen derzeit nicht im Rahmen der WTO geregelt sind, schließen auch aus diesem Grund immer mehr Länder und Regionen bilaterale Abkommen ab, in denen sie auf die oben genannten Themen eingehen können.
Des Weiteren wenden sich die USA zunehmend von den Verhandlungen ab. Die USA verweigern eine Nachbesetzung des Appellate Body, indem sie der Ernennung neuer Richter nicht zustimmen.
WTO-Reform zur Rettung des internationalen Handels
Um einen noch effizienteren Handel zu ermöglichen, strebt die EU eine Modernisierung des WTO-Rechts an. Dabei sollen die Regeln des Welthandelsrechts an die Veränderungen der Gesellschaft und des Handelssystems angepasst werden, um ein zukunftsfähiges System zu generieren und Herausforderungen besser bestehen zu können. Die einschlägige Pressemitteilung der Europäischen Kommission können sie hier nachlesen. | 2.921875 | 2.609375 | 2.921875 |
29c410a9aebaeb938a9513b8f10f1e73 | das NRW-Milchmaskottchen Kuh Lotte erinnert sich noch gern an die Schulen, Kindergärten und an all die Kindern, die sie in den letzten Jahren besucht hat. Da Besuche aufgrund der aktuellen Situation zur Zeit leider nicht möglich sind, hat sich Lotte für die Osterferien etwas ganz Besonderes ausgedacht, um ihren Fans ein bisschen Abwechslung direkt nach Hause zu bringen:
„Ich komme direkt zu den Kindern ins Wohnzimmer und zeige ihnen dort meine tollen Bewegungspause-Übungen!“, hat sie beschlossen. „Dann können die Kinder meine Übungen mit mir zusammen zu Hause machen.“
Lotte präsentiert vor der Kamera – wie immer gut gelaunt – ihre Bewegungspause-Übungen zunächst ohne und dann mit Musik. Als i-Tüpfelchen schwingt das beliebte Maskottchen die Klaue zu flotter Musik und lädt die Kinder zum Mittanzen ein. Start des 1. Videos war Freitag, der 3. April pünktlich zu Beginn der Osterferien. Das zweite Lotte-Video folgte am Dienstag, 7. April und das dritte kommt am Donnerstag, 9. April 2020. Alle drei Videos sind auf dem Youtube-Kanal "GesundesWissenfürSchule" veröffentlicht. Lotte freut sich über jeden, der sich zum Mitmachen motivieren lässt. Lotte und das ganze NRW-Milchteam wünschen allen ein schönes, schwungvolles Osterfest!
Weitere Infos über Lottes Bewegungspause finden Sie hier >
Soll ich Milch auf Vorrat kaufen? Diese Frage stellen sich zur Zeit viele Verbraucher. Und der Blick auf die Regale im Supermarkt spiegelt die Verunsicherung wider. Die Landwirte und die Lebensmittelindustrie haben umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um die Produktion sicher zu stellen. Deshalb ist in Deutschland die ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln gesichert. Die Lieferketten funktionieren weiterhin, auch über die Grenzen hinweg. Die deutschen Landwirte produzieren genug Lebensmittel, um die Bevölkerung ernähren zu können. Messen lässt sich dies mit dem Selbstversorgungsgrad. Er drückt in Prozentzahlen aus, welcher Anteil der Bevölkerung mit dem entsprechenden Lebensmittel durch die Eigenproduktion versorgt werden kann. Bei 100 % kann der Bedarf der gesamten deutschen Bevölkerung mit dem Lebensmittel gedeckt werden. Die Grafik zeigt, dass bei Fleisch, Milch, Zucker und Kartoffeln mehr erzeugt wird als wir für den Eigenbedarf benötigen. Allerdings besteht bei Obst, Gemüse und Honig Importbedarf.
Eine funktionierende Landwirtschaft gilt es zu unterstützen – nicht nur in Krisenzeiten!
Zu viele Reste vom Vortag? Oder wieder einmal zu viel eingekauft, weil der Magen knurrte? Was dann tun mit Resten und Lebensmitteln, die wie Milch und Milchprodukte schnell verderblich sind? Neben einer richtigen Lagerung sind Kreativität und Lust auf Ausprobieren gefragt! Hier ein paar Tipps zur Resteverwertung:
Weitere Tipps zur Resteverwertung gibt es auf der Internetseite Landgemachtes https://www.landgemachtes.de/
Kinder können unseren Alltag im Home-Office gut unterstützen! Leicht von Kindern zubereitet sind vitaminreiche Snacks wie Milchshakes oder Lassi mit frischem, saisonalem Obst. Ebenso kann den Kindern die Zubereitung kleinerer Gerichte zugetraut werden. Nach dem Homeoffice und am Wochenende bringt das gemeinsame Kochen mit Kindern nicht nur leckere Mahlzeiten hervor, sondern sorgt auch für viel Spaß und jede Menge Kochwissen!
Anleitungen zu vier einfachen Rezepten für Kinder sowie zum richtigen Umgang mit dem Messer oder mit heißen Gegenständen in der Küche geben unsere Kinderköche in den Tutorials auf dem Youtube-Kanal GesundesWissenfürSchule
Übrigens: Frisches saisonales Obst und Gemüse sowie so manches leckere Milchprodukt bekommt man auch beim Direktvermarkter um die Ecke!
Da frische Milch und Milchprodukte sehr leicht verderblich sind, findet man sie im Handel ausschließlich im Kühlregal. Nach dem Einkauf sollten sie direkt in den heimischen Kühlschrank – optimal im mittleren Fach bei etwa 5 °C – gestellt werden.
Bei geschlossener Verpackung gibt das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) eine Orientierung, wie lange sich die Milchprodukte aufbewahren lassen. Das MHD gibt an, bis zu welchem Termin ein Lebensmittel bei sachgerechter Aufbewahrung ohne wesentliche Geschmacks- und Qualitätseinbußen sowie gesundheitliches Risiko verzehrbar ist. In der Regel sind Milchprodukte – vor allem gesäuerte wie z. B. Joghurt – auch eine Zeit lang nach dem angegebenen Datum noch genießbar.
Bei frischen Milchprodukten stellt man schnell fest, ob sie noch zum Verzehr geeignet sind. Riecht oder schmeckt die Milch sauer, ist die Konsistenz flockig oder klumpig oder bildet sich sogar Schimmel an der Verpackung, dann sollte die Milch entsorgt werden. Bei gesäuerten Milchprodukten wie Joghurt und Buttermilch ist der Schimmel- oder Hefebefall das ausschlaggebende Kriterium. Wenn Joghurt bitter schmeckt oder klumpig geworden ist, gehört er ebenfalls in den Müll.
Bei geöffneter Verpackung hält sich Milch, unabhängig vom Wärmebehandlungsverfahren, gekühlt 3 – 4 Tage. Vor allem bei wärmeren Umgebungstemperaturen sollte sie nicht zu lange außerhalb des Kühlschranks stehen.
Von heute auf morgen ins Home Office – dies stellt so manchen vor die Aufgabe, sich nicht nur arbeitstechnisch umzustellen, sondern auch seine Essensgewohnheiten ohne Kantine und Kiosk anzupassen. Nicht ganz einfach, wenn das Essen bis dato fertig serviert wurde. Um sich nun ausgewogen und lecker zu ernähren und zudem nach der Home Office-Zeit nicht ein paar Kilos mehr auf die Waage zu bringen, gibt es hier ein paar Tipps:
Übrigens…
wer gerne Salate mag, sollte einmal Juttas Joghurtdressing ausprobieren! Lässt sich schnell zubereiten und gut im Kühlschrank für mehrere Portionen aufbewahren. (Hier geht's zum Rezept >)
Milch und Milchprodukte sowie frisches Obst und Gemüse, saisonal und regional, sind Garanten für viele Vitamine und Mineralstoffe, welche unser Immunsystem optimal unterstützen! Gerade in Zeiten, wo unsere Immunabwehr stark gefordert ist, helfen Rezepte mit frischen Zutaten - wie die „Power-Bowl“ - uns gesund zu erhalten. Sind diese dann noch einfach und schnell zubereitet – perfekt!
Hier ein paar Tipps, wie das Immunsystem auf Vordermann gebracht werden kann:
Hast du schon die Hände gewaschen? Diese Frage werden Sie vermutlich besonders den Kindern zurzeit häufig stellen. Besonders wichtig ist es daher, Kindern zu erklären, dass Händewaschen den Übertragungsweg von Krankheiten und Viren unterbricht. Hier die wichtigsten Punkte, die man beim Händewaschen beachten sollte, um Infektionen vorzubeugen: | 3.828125 | 3.421875 | 2.9375 |
4cd4e3a8645edadcfa74d95435dcd8e2 | 9 Die Krise des Bewußtseins (2)
Der Selbstbehauptungsdrang des Individuums ist zu listig, um sich mit einer bloßen Bestätigung seiner selbst zufriedenzugeben. Er ist wandlungsfähig und bahnt sich seinen Weg sowohl durch den persönlichen Ausdruck als auch durch die Haltung innerhalb sozialer Beziehungen. Der Selbstbestätigungsdrang, gewöhnlich “Ego” genannt, kann sowohl innerhalb der eigenen Person als auch über soziale Beziehungen dämonische Formen annehmen, wenn er sich zur Erfüllung seiner Begierde, sich selbst so vehement wie nur möglich durchzusetzen, bis an den Rand der Krankhaftigkeit steigert. Menschen können sich selbst in aller Öffentlichkeit zu außergewöhnlichen Unanständigkeiten hinreißen lassen, wenn es um ihr Prestige oder ihren Status geht, wobei es sich ja um nichts anderes als die Forderung nach Anerkennung handelt. Sollte eine solche Anerkennung ausbleiben, so kann es zu heftigen Reaktionen kommen, die sich entweder in der Form einer Verurteilung der Tugenden und des Ansehens anderer ausdrücken oder zur lautstarken Darstellung der eigenen Errungenschaften und Wichtigkeit führen. Kritik an anderen ist offensichtlich eine Form der Selbstbestätigung und eine Art der Selbstbeweihräucherung als ein unter den Mitmenschen herausragendes Individuum. Dieses Feuer wird noch geschürt, indem man sich selbst lobpreist und die eigene Position und Wichtigkeit über die von anderen Individuen herausstellt. Die Vorliebe für Ruhm, Status, Prestige, Schmeichelei und Verehrung ist eine teuflische Leidenschaft, die, wenn man ihr freien Lauf läßt, sogar noch gefährlicher werden kann als der Geschlechtstrieb. Die soziale Moral - eine Erfindung des Menschen, die ihm sehr gelegen kommt, mit der man verdammt, was angenehm vermieden werden kann, und mit der man billigt, was man nicht vermeiden kann, und die man mit einem Hauch von Heiligkeit verziert - scheint diese gierigen Formen der Selbstverehrung samt ihrer beiden Aspekte der Selbstrechtfertigung und der Abwertung anderer jedoch zuzulassen. Selbstrechtfertigung und Abwertung anderer müssen nicht immer in der offenkundigen Form einer äußeren Handlung des Individuums erscheinen. Vielmehr sind sie weitaus wirksamer, wenn sie in ihrer subtilen Verkleidung als sozial akzeptierte Haltung auftreten, wie in der Form von Taktgefühl, Gesellschaftsetikette und kultiviertem Benehmen. Der Teufel gewinnt sogar noch an Einfluß und Macht, wenn er als Heiliger erscheint, da er in diesem Fall mit etwas verwechselt wird, was er mit Sicherheit nicht ist. Auch wenn dies den Augen der leichtgläubigen Massen nicht sichtbar sein mag, kann man sich das Ausmaß der Krankhaftigkeit leicht vorstellen, die hinter jeder Art von Selbstbestätigung steht, indem man sich nur einmal die Intensität vor Augen hält, mit der man sich dadurch dem Unendlichen entfremdet.
Der Selbstbestätigungsdrang entspringt dem kausalen[13] Körper des Individuums, er wirkt durch den feinstofflichen Körper und manifestiert sich schließlich als fertiges Produkt fachmännischer Intelligenz durch den materiellen Körper. Dieses komplexe Phänomen der Selbstbehauptung ist nicht einfach nur eine isolierte Einheit, die sich fröhlich in der Abgeschiedenheit des geschlossenen Raums der Selbstgefälligkeit bestätigt. Vielmehr ist Selbstbehauptung höchst vital mit dem sozialen Instinkt der Sehnsucht nach Anerkennung von außen verbunden, so daß der Akt der Selbstbestätigung ein unmittelbarer Effekt eines zweiseitigen Prozesses ist, der sowohl aus der größtmöglichen Selbstverherrlichung des eigenen Geistes und Körpers besteht, als auch aus dem zwingenden Verlangen danach, von anderen Mitgliedern der Gesellschaft auch die Bestätigung für diese angenommene Selbstherrlichkeit zu erhalten. Dieses Verlangen nimmt ebenfalls verschiedene Formen an, nämlich: zu denken, daß die eigenen Gedanken, Gefühle und Entscheidungen richtig sind und niemals falsch sein können; daß diejenigen, die den eigenen Gedanken, Gefühlen und Entscheidungen widersprechen, im Unrecht sind; daß die erhabenen Gefühle, die man sich selbst gegenüber hegt, logisch gerechtfertigt und sozial notwendig sind; daß das eigene Verlangen nach Anerkennung durch andere nur das Verlangen nach einer selbstverständlichen Gerechtigkeit ist, die einem die Gesellschaft schuldet; daß die verschiedenartigen Formen, die der eigene Selbstbestätigungsdrang annehmen mag, nicht Akte der egoistischen Selbstbestätigung sind, sondern tugendhafte Handlungen, die dem eigenen spirituellen Fortschritt und dem selbstlosen Dienst an anderen zugute kommen; daß man von der Welt völlig mißverstanden wird und in der Nichtanerkennung des eigenen Handelns und Verhaltens falsch beurteilt wird. Wie mysteriös die menschliche Persönlichkeit doch ist!
In den Upanishaden heißt es, daß die unmittelbare Konsequenz eines Sturzes aus dem Unendlichen die Empfindung der eigenen Begrenztheit und ein intensives Hungergefühl sind, die einen sofort laut nach Nahrung rufen lassen. Dieser Hunger ist nichts anderes, als der außerordentlich schwer faßbare Instinkt der Selbsterhaltung. Dieser Selbsterhaltungstrieb ist nicht nur einfach ein Verlangen des Magens nach physischer Nahrung oder nach Wasser zum Stillen von Hungers oder Durst, sondern vielmehr das Verlangen nach allen Dingen, die notwendig sind, um den psycho-physischen Organismus zu erhalten, der den Körper, den Geist und das Ego umfaßt. Einige der Eigenschaften des Ego beziehungsweise der Funktion des psychischen Anteils des Organismus haben wir bereits ausführlich erörtert. Der physische Anteil verlangt nach materieller Nahrung. Die dahinterstehende Absicht ist jedoch offensichtlich eine Suche nach Faktoren, die zur Erhaltung der Individualität als Ganzheit beisteuern, die sich in der traditionellen Sprache der Veden aus dem Komplex der Panchakosas, den fünf Hüllen der Individualität, zusammensetzt, nämlich der kausalen, intellektuellen, mentalen, vitalen, und physischen Hülle. Dieser “totale Drang” zur Selbsterhaltung ist der Schrei des Individuums nach Wiedergutmachung des Verlustes, den es sich durch seine Trennung von der Lebensenergie der unendlichen Substanz zugefügt hat. Es kämpft, weint und versucht, Mittel und Wege zu finden, die ihm zur Befreiung aus diesem unerwarteten Todeskampf verhelfen, der das Individuum quasi wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen hat. Was aber kann es tun? Es kann nicht zum Unendlichen zurückkehren, selbst wenn dies sein tiefstes und intensivstes Verlangen ist. Es kann nicht zurückkehren, da dieser Sturz aus der Unendlichkeit beinhaltet, daß man nicht weiß, was tatsächlich passiert ist. Daher gibt es auch keine Möglichkeit, dorthin zurückzufinden, woher man kam. Andernfalls hätte eine sofortige Umkehr vom Begrenzten zum Unbegrenzten stattgefunden, was jedoch durch die Unwissenheit unmöglich gemacht wurde, die allen bewußten Bemühungen auf geheimnisvolle Weise vorausgeht. Folglich kann das Begrenzte nicht zum Unendlichen zurückkehren. Deshalb findet es einen Weg, sich mit einer falschen Unendlichkeit zu identifizieren, die es sich aus seiner eigenen Fehleinschätzung der Dinge heraus erschafft. Diese falsche Unendlichkeit entspricht dem Verlangen nach der größtmöglichen Menge an materiellem Besitz und dem Verlangen nach Selbstverewigung, für die man sich einer unendlichen Vielfalt von Bemühungen unterzieht.
Um die gesamte Angelegenheit zusammenzufassen: Die Geschichte des menschlichen Sturzes ist mikroskopisch verkleinert in den tief verwurzelten Trieben nach Nahrung, Selbstbestätigung und Sexualität enthalten, wobei die ersten beiden nur Aspekte einer einzelnen Haltung sind, die in bezug zur Selbsterhaltung eingenommen wird. Die dritte dagegen ist eine unabhängige Abart der Selbsterhaltung in Form der Zeugung von Nachkommenschaft, in der man die eigene Gattung zu verewigen versucht. Wie wir an früherer Stelle bereits festgestellt haben, ist der Geschlechtstrieb in Wirklichkeit nur ein Ventil für einen wahrhaftig überindividuellen Drang, der von den aufgespaltenen Teilen einer einzelnen Zelle in Richtung Vereinigung und Selbstverewigung empfunden wird. Vielleicht verbirgt sich dahinter jedoch eine noch tiefer liegende Ursache. Da das Individuum im allgemeinen das gesamte Universum als sein Objekt betrachtet, ist es durchaus verständlich, daß das Universum einen entsprechend gewaltigen Druck auf das Individuum ausübt, der nach einer Vereinigung des Universums mit dem Individuum verlangt. Dieser Druck wird jedoch mißverstanden und dahingehend fehlinterpretiert, die psycho-physische Individualität räumlich-zeitlich fortzusetzen, wodurch der Fortpflanzungstrieb leicht als die Errungenschaft einer objektiven Unsterblichkeit und als das eigene Fortbestehen in alle Ewigkeit mißverstanden wird. Das Ewige und Unsterbliche ist dasselbe wie “Bewußtsein”, da nur Bewußtsein diese Eigenschaften haben kann. Irgendwie verirrt es sich jedoch immer wieder einmal in das irregeleitete Gefühl der Notwendigkeit, im eigenen Leben Ewigkeit zu manifestieren. Dieser blinde Drang ist allgemein als Geschlechtstrieb bekannt. Das Ewige, das die Unendlichkeit aller Existenz beziehungsweise die Unendlichkeit des Bewußtseins ist, wird vom Individuum verzerrt, indem dieses im Akt der Kinderzeugung und der daraus resultierenden falschen Selbstverewigung in Raum und Zeit die Unendlichkeit der eigenen Form sucht. Der Nahrungstrieb, der Selbstbestätigungstrieb und der Geschlechtstrieb sind die drei heftigen Formen einer hartnäckigen Verhaftung am empirischen Leben, für welches das in die Erscheinungswelt verwickelte Individuum keine Lösung finden kann. Die Liebe der Geschlechter ist nicht wirklich eine Liebe zwischen Mann und Frau, wie für gewöhnlich angenommen wird, sondern eine Tarnung des Dranges nach Elternschaft, der sich notwendigerweise in der Vereinigung der Geschlechter seinen Ausdruck sucht.
Die Schönheit, die die Geschlechter ineinander sehen, ist der Glanz, den dieser überindividuelle Trieb in die Form der Geschlechter hinein projiziert, so daß man mit Sicherheit sagen kann, daß die geschlechtliche Schönheit, die der Mann in der Frau und die Frau im Mann erblickt, ein Ausdruck jener verlorengegangenen Identität der Unisexualität ist, die den nachfolgenden Stufen bisexueller Individuen vorausging. Aber was bedeutet dies für die geschlechtliche Schönheit? Existiert sie wirklich? Ja und nein. Sie existiert, denn man kann sie wahrnehmen; sie existiert nicht, denn das, was man wahrnehmen kann, ist nicht Schönheit an sich, sondern etwas anderes, was fälschlicherweise für die sogenannte Schönheit gehalten wird. Die sichtbare Schönheit der Geschlechter ist die Folgeerscheinung einer Ähnlichkeit der Schwingungen, die sich in den vitalen- und physischen Organismen der Persönlichkeiten ausbreiten, so daß man vom anderen Geschlecht magnetisch angezogen wird. Man sieht im anderen Geschlecht nämlich nicht nur eine Person wie sich selbst, sondern eine seltsame “Bedeutung”, die in den Körper der Person hinein gelesen wird, wobei eher diese “Bedeutung” als die Person selbst die Ursache für die Wahrnehmung von Schönheit ist. Dies zeigt sich sehr deutlich in der Beobachtung, daß sich ein Jüngling sexuell weder zu einem neugeborenen Mädchen hingezogen fühlt noch zu einer Hundertjährigen. Ein junger Mensch sucht nur andere junge Menschen und nichts anderes, da “Jugend” die Bedeutung ist, die von jungen Menschen gesucht wird und Schönheit als nicht von Jugend trennbar empfunden wird. Anhand dieser Diagnose der Ursache entdecken wir, daß der Geschlechtstrieb ein Druck der Gattung ist, der als verdecktes Motiv hinter der offensichtlichen Anziehung der Geschlechter wirkt; so wie man es in den Machenschaften gerissener Politiker sehen kann, die Studenten zu Werkzeugen revolutionärer Handlungen machen, um damit ihre eigenen verdeckten Absichten durchzusetzen, indem sie die Studenten wie Marionetten für ihre Zwecke benutzen. Das Wissen um diese Wahrheit über den Geschlechtstrieb verringert die Heftigkeit seines Ausdrucks im persönlichen Leben jedoch nicht, denn während die Analyse mit rationalen Mitteln erfolgt, äußert sich der Trieb als Ausdruck der Gefühle, die ja für gewöhnlich nicht mit dem logischen Verstand Hand in Hand gehen. Es gibt zweierlei Geschlechtsmerkmale: primäre und sekundäre. Die primären werden hauptsächlich im primitiven Stammesleben in den Vordergrund gestellt; wohingegen die moderne Zivilisation den sekundären Geschlechtsmerkmalen die Hauptaufmerksamkeit schenkt. Die primären Geschlechtsmerkmale sind jene, die direkt mit dem Fortpflanzungsakt zusammenhängen, der ja die Hauptabsicht des Triebes ist, dem in primitiven Zivilisationen auf natürlich-naive Weise die primäre Bedeutung zugemessen wurde. Der moderne Mensch ist dagegen “kultivierter”, mit dem Ergebnis, daß er absichtlich versucht, den primären Zweck seines Sexuallebens zu verbergen, so daß er die Hauptbedeutung auf die sekundären Geschlechtsmerkmale der physischen Persönlichkeit legt, obwohl diese Merkmale lediglich Anzeichen der reproduktiven Fähigkeit des Individuums sind. Dieses Verhalten hat das moderne Leben weiter von der Wirklichkeit entfernt und zunehmend künstlicher und demzufolge auch unglücklicher gemacht. Denn wie kann man die Tatsachen leugnen und dabei Frieden finden?
Selbsterhaltung und Selbstreproduktion sind die räumlich-zeitlichen Formen, die der absolute Ewigkeitscharakter des Bewußtseins annimmt. Der “Sturz” des Menschen ist ein einziges Ereignis, das den dreifachen, nach unten führenden Druck der (1) psychischen und (2) physischen Selbstbestätigung, sowie (3) den Drang zur Selbstverewigung in sich trägt. Dieser dreifache Instinkt wirkt simultan, manifestiert jedoch jeweils nur einen einzelnen Aspekt, wenn ein Zeitpunkt mit den für ihn günstigen Bedingungen gegeben ist, so daß die psycho-physische Selbstbehauptung und der Geschlechtstrieb nur unter bestimmten Umständen eine spezielle Betonung erfahren, obwohl alle die ganze Zeit im Individuum versteckt oder sichtbar vorhanden sind. Die Situation entspricht hier der eines in die Erde gelegten Samens, der nur dann zu keimen beginnt, wenn sich die zu seinem Sprießen geeigneten Bedingungen im Ablauf der Zeit einstellen. Hierin liegt der entscheidende Punkt, der vor allem von all jenen zur Kenntnis genommen werden sollte, die ihr Leben dem Beschreiten des “Pfades der Heimkehr” hin zum Absoluten gewidmet haben, wofür einige weitere Überlegungen von Nutzen sind:
Das Bewußtsein, das sich selbst in das erkennende Subjekt und das erkannte Objekt aufgespalten hat, wird in seinen Teilen von einem vermittelnden Aspekt verbunden, der als Aufsichtführende Gottheit (Devata) bekannt ist. Diese Gottheit überwacht die Funktionen des Individuums in bezug zu seinen entsprechenden Objekten in der äußeren Welt. Wahrheitssucher oder Yoga-Schüler haben ihre eigenen menschlichen Schwächen, aufgrund derer sie leicht in Versuchung geraten, den subjektiven Aspekten ihrer Persönlichkeit eine ungerechtfertigte Wichtigkeit zuzusprechen, ohne dabei jedoch in der Lage zu sein, die Tatsache zu berücksichtigen, daß ihre eigenen subjektiven Persönlichkeiten sowohl untrennbar mit ihren Objekten, als auch mit den Aufsichtführenden Prinzipien verwoben sind, die sie mit ihren Objekten verbinden. Diese natürliche Schwäche der menschlichen Natur, die sogar in fortgeschrittenen Suchern und Yogis oft deutlich wahrgenommen werden kann, führt dazu, daß sie das Ziel aus den Augen verlieren, das sie ursprünglich zweifellos in frommer Absicht anvisiert haben. Doch Frömmigkeit allein wird in einer Welt der unpersönlichen Kräfte nicht zum Erfolg führen. Gute Absichten sind freilich gut, doch die Welt ist aus solchem Stoff, daß man mit noblen Absichten allein nicht sehr weit kommt. Die Welt ist niemandes Freund - zumindest nicht so, wie ein Vater oder eine Mutter, von denen man erwarten würde, daß sie ihren Kindern selbst schwere Fehler verzeihen. Auch wenn es manchmal so aussieht, als sei die Welt in bezug auf das Verhalten ihrer Bewohner viel zu nachsichtig, heißt das noch lange nicht, daß die Welt ihren Bewohnern gegenüber Zuneigung empfindet. Dies käme einer Verwechslung von “mütterlicher Zuneigung” und “Gerechtigkeit” gleich, wobei “Gerechtigkeit” oder “Fair Play” Güte und Freundlichkeit nicht ausschließen. Um dies zu veranschaulichen, kann man den Richter des obersten Gerichtshofes als Beispiel anführen. Doch was ist ehrbarer? Die Liebe einer Mutter für ihr Kind oder die Liebe des Richters für seine Mandanten? Hat die Welt die sentimentalen Zuneigungen des öffentlichen Publikums nicht ungezählte Male rücksichtslos frustriert, das sich danach sehnte, den großen Helden der Menschheitsgeschichte die Leiden des Abtretens aus ihren großartigen Rollen zu ersparen, die sie in dem schönen Drama der menschlichen Geschichte spielten? Wer kann auch nur ein einziges Beispiel dafür nennen, daß die Kräfte der Geschichte selbst dem größten Genie und der edelsten Seele gegenüber sentimentales Mitleid gezeigt hätten, die die Menschen in ihren Herzen so sehr bewundern? Warum müssen selbst die großartigsten Auftritte der Heroen aller Zeiten ein solch lächerliches Ende finden? Ist das Leben letztendlich doch nur eine Tragödie? Gibt es überhaupt so etwas wie Liebe, Freundschaft und fortwährende Kooperation von Personen? Kann die Geschichte auch nur eine dieser begehrten Ziele des menschlichen Fühlens bezeugen?
Auf diese Frage scheint es eine einfache Antwort zu geben: Das Universum ist eine riesenhafte Arena voll wirkender Kräfte, deren einziges Ziel es ist, die Struktur der gesamten Schöpfung in die letztendliche Unteilbarkeit des Absoluten zu integrieren. Wer das Absolute sucht, würde trotz seiner ansonsten noblen und lobenswerten Bemühungen einen furchtbaren Fehlschlag erleiden, sollte er sich damit zufrieden geben, allein auf dem menschlichen Niveau der Werteeinschätzung zu verbleiben. Das Universum ist weder aus Persönlichkeiten wie Männern, Frauen und Kindern zusammengesetzt, noch aus Dingen im Sinne von Objekten, die wir gerne besitzen oder vermeiden würden. Es ist völlig anders gestaltet. Das Universum besteht nicht aus Objekten oder Dingen sondern aus dem Drang oder der Tendenz zur Selbstvereinigung in der allumfassenden Unendlichkeit der Existenz. Genaugenommen müßte man sagen, daß das Universum eher ein wirkendes Gesetz ist, als ein existierendes Etwas. Dieses Gesetz könnte man mit dem Gesetz eines Staates vergleichen, das seine Bewohner nicht als Brüder und Schwestern, Mütter und Väter betrachtet, sondern als Subjekte, die seiner unpersönlichen Ausübung gleichermaßen unterworfen sind. Sucher, die sich darum bemühen, ihr Bewußtsein auf das Absolute hin auszurichten, könnten diesen Punkt übersehen und selbst in sehr fortgeschrittenen Stufen ihrer Praxis den subjektiven Aspekt ihres Seins die Oberhand gewinnen lassen, womit der Wagen vor das Pferd gespannt und der eigentliche Zweck verfehlt würde. Es ist menschlich nahezu unmöglich, die eigene Verbundenheit mit der äußeren Atmosphäre der sogenannten Personen und Dinge um einen herum immerzu vor Augen zu haben. Man glaubt instinktiv, sich mit den Objekten in Form von Personen oder Dingen auf irgendeine Art und Weise “beschäftigen” zu müssen, das heißt, man hält sich beständig für ein völlig isoliertes Subjekt, so daß alle Bemühungen im Beschreiten des eigenen Lebensweges zum Scheitern verurteilt sind. Es scheint überall nur Versagen zu geben, ohne jegliche Hoffnung auf Erfolg. Und dies nur deshalb, weil man die eigene Beziehung zur objektiven Welt vollkommen falsch interpretiert.
Die subjektive Selbsteinschätzung bildet die Wurzel aller Schwierigkeiten. Man betrachtet sich selbst stets als das “Ich” und handelt in allen Lebenslagen als solches. Unglücklicherweise existiert dieses “Ich” jedoch nicht wirklich. Es ist lediglich ein Emporkömmling, der ungerechtfertigterweise aus der um Subjekt und Objekt entstandenen Verwirrung hervorgegangen ist. Die Lage ist hier so ähnlich, als würde ein “Niemand” in einem der Anarchie verfallenen Land plötzlich zum Anführer der Massen werden. Dieses “Ich” ist jedoch nur eine Vorstellung und kein wirklich existierendes Etwas. Es ist die Einbildung, daß es so etwas wie ein aufgeteiltes oder gespaltenes Bewußtsein gäbe, was aber, wie bereits früher erklärt, unmöglich ist. Diese falsche Vorstellung ist äußerst trickreich und verschafft sich sogar in die Herzen von Yogis, Heiligen und Weisen Einlaß, so daß man selbst von einem himmlischen Wesen nicht sagen kann, es wäre frei von der Idee des “Ich”, dem großen Verursacher aller nachfolgenden Verirrungen und Probleme des Lebens.
Die Vorstellung eines “Ich” läßt nicht nur ein zu kontemplierendes Objekt entstehen, sondern hat auch andere Konsequenzen, die aus dieser Sicht der Dinge resultieren. Die Triebe nach Nahrung, Ruhm und Sex können sich leichten Zutritt in den neu erbauten Wohnsitz verschaffen, in dem sich selbst die suchende Seele irgendwie mit den Dingen versöhnt, die sie ursprünglich vermeiden und transzendieren wollte. Das Bewußtsein, das sich weigert, in irgendwelche Teile aufgespalten zu werden, sucht sich von den Folgen dieser Aufspaltung zu befreien, unter der es leidet, indem es in der Yoga-Praxis und der Meditation über die höchste Wirklichkeit Zuflucht nimmt. Leider läßt sich das aufgespaltene Bewußtsein jedoch nicht so einfach von seinen Vorstellungen befreien, die aus der akzeptierten Tatsache hervorgehen, daß es so etwas wie die Aufspaltung von Bewußtsein überhaupt gibt. An diesem interessanten Aspekt scheitern meist sogar die ansonsten frommen Bemühungen von selbst aufrichtigen und hingebungsvollen Wahrheitssuchern, da sich dieses Problem mit eben dieser Aufrichtigkeit identifiziert. So kann es passieren, daß die Sehnsucht nach Ruhm und sozialer Anerkennung zum organischen Bestandteil des ehrlichen Glaubens wird, tatsächlich mit Yoga und der Meditation auf die großartige spirituelle Wirklichkeit beschäftigt zu sein. In diesem Fall hat sich genau das, was man zu vermeiden suchte, äußerst intelligent in die Zielscheibe eingeschlichen, die man zu treffen versucht. Auf die gleiche Art und Weise gelingt es auch allen anderen Impulsen, sich in das Bewußtsein des Strebens nach der letztendlichen Freiheit von all den Schmerzen und Leiden einzuschleichen, die durch eine Teilung innerhalb des unteilbaren Bewußtseins verursacht worden sind. Es gibt viele Impulse, doch sie lassen sich, wie wir oben bereits festgestellt haben, in den körperlichen Hunger nach Nahrung, das psychische Verlangen nach Ruhm und den vitalen Trieb nach Sex zusammenfassen. Im allgemeinen wird behauptet, daß das Streben nach Reichtum ebenfalls ein primärer Impuls sei. Nach einer sorgfältigen Untersuchung dieser Aussage läßt sich jedoch erkennen, daß Reichtum nicht um des Reichtums willen gesucht wird. Vielmehr begehrt man ihn als nutzbringendes Werkzeug zur Erfüllung der Haupttriebe, die nach Nahrung, sozialer Anerkennung und Sex verlangen. Man mag darüber erstaunt sein, daß ein solch enormer Wert wie “Wohlstand” plötzlich auf den Status eines simplen Handlangers der drei genannten Primärinstinkte reduziert werden kann. Ja; man wird feststellen, daß sehr viel von der Bedeutung, die wir den sogenannten wertvollen Dingen in dieser Welt zusprechen, nichts weiter ist als ein Kind ohne Eltern, das behauptet, der Thronfolger zu sein. So können wir die spezielle Bedeutung des materiellen Wohlstands im Licht der Tatsache getrost beiseite stellen, daß er dort keinerlei Bedeutung hat, wo die Gesellschaft nicht besteht, wo es also nicht zu dem Mechanismus des “Gib und Nimm” kommt. Selbst wenn wir annehmen, daß die Gesellschaft ein vom Individuum unabhängiges und selbst existierendes Etwas ist, fließt ihre Existenz in die des Individuums ein, da soziale Werte nicht verschieden von jenen sein können, die mit den Bedürfnissen des menschlichen Individuums verknüpft sind. Und worin bestehen diese Bedürfnisse? In den Instinkten und Trieben.
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0aac46a3c284791eebbf4a3c75272989 | Über mittel- und langfristige Erfolgsstrategien, den Wert von Mitarbeitenden und die herausragende Bedeutung von Bildung in der Schweiz sprachen wir mit Josef Maushart, CEO und Präsident des Verwaltungsrats der Fraisa SA in Bellach.
SMM: Welche Bedeutung hat für Sie die Qualität der Aus- und Weiterbildung speziell für Unternehmen in der Schweiz?
Josef Maushart: Für die Schweizer Industrie ist das duale Berufsbildungssystem sicher einer der herausragenden Standortvorteile. Wir kennen das duale Ausbildungssystem aus den deutschsprachigen Ländern Schweiz, Deutschland und Österreich. In allen anderen Ländern ausserhalb der Schweiz hat es eher an Bedeutung verloren. Der hohe Stellenwert, den wir dem dualen System in der Schweiz beimessen und einhergehend die Durchlässigkeit – vom Lehrberuf bis zum promovierten Ingenieur – sind europaweit einzigartig. Wir haben etwas ganz Besonderes. Wir spüren das ausserordentliche Interesse des Auslands. Was für die Schweiz allgemein ganz wichtig ist, spielt speziell für Hochtechnologieunternehmen wie Fraisa eine besondere Rolle. Der Grundstein für den beruflichen Werdegang in unserem Unternehmen wird im dualen Berufsbildungssystem gelegt. Wir messen dem eine ganz besondere Bedeutung bei. Hier in Bellach beschäftigen wir derzeit 23 Lernende. Für sie haben wir die Befreiung von den ÜK-Kursen bekommen. So können alle Lernenden in Mechanik sämtliche Ausbildungselemente bei uns im Hause absolvieren und durchlaufen. Damit können wir die neuesten Entwicklungen – Digitalisierung, Industrie 4.0 – in die Ausbildung noch schneller und besser integrieren.
Was hat Sie veranlasst, bei Fraisa eine Nachholbildung zu installieren?
J. Maushart: Wir haben im Jahr 2012, angesichts der extrem starken Währung, erkannt, dass wir mit der bestehenden Produktionstechnologie nur sehr schwierig auf Dauer für den Weltmarkt wettbewerbsfähig produzieren können. Eine Lösung haben wir in der Höchstautomatisierung der Fertigung gesehen. Gleichzeitig haben wir die Situation gehabt, dass wir aus dem ehemaligen Schichtbetrieb viele nicht ausgebildete, nur angelernte Personen beschäftigten. Skeptisch waren wir, ob diese Personen den Schritt mit zur Höchstautomation gehen könnten. Daraus entstand der Ansatz, mit diesen Personen, die zum Teil über viele Jahrzehnte bei uns waren und sind, einen zukunftsorientierten Weg zu gehen und sie zu befähigen. Dazu haben wir mit einem konkreten Projekt begonnen. Wir wollten mannlos über die Nacht und über das Wochenende Werkzeuge produzieren. Die geeigneten Anlagen und Strategien dazu haben wir mit einem Maschinen- und einem Steuerungshersteller zusammen entwickelt und verwirklicht. Es hat allerdings drei Jahre erfordert, bis wir fähig waren, auf wenige Mikrometer genau unbeaufsichtigt, mannlos und dennoch flexibel Werkzeuge automatisiert über ein Wochenende produzieren zu können. In diesen drei Jahren haben wir die erste Gruppe aus neun Personen, die alle keine abgeschlossene Berufsausbildung hatten und nur angelernt waren, in die berufsbegleitende Nachholbildung eingeschleust. Das Konzept dazu hatten wir zusammen mit den Bildungseinrichtungen des Kantons Solothurn entwickelt und ausgearbeitet. Wir haben es geschafft, eine separate Ausbildung für erwachsene, berufserfahrene Menschen aufzubauen. Die Personen besuchen eigene Klassen. Sie durchlaufen die Ausbildung innerhalb von zwei Jahren. Sie können so die Lehre zum Produktionsmechaniker, die ansonsten drei Jahre dauert, innerhalb von zwei Jahren absolvieren. Das hat sich als erfolgreich erwiesen. Die neun Personen haben alle in den gegebenen zwei Jahren diese Nachholbildung mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis als Produktionsmechaniker abgeschlossen. Zeitlich hat das korreliert mit unserer Entwicklung der Produktionstechnologie. Zum Ende des Jahres 2014 konnten wir die erste Produktionslinie zum Werkzeugschleifen auf die vollständige Automation umstellen. Mit nur sieben Maschinen haben wir ab dort die gleiche Produktionsmenge bewältigt, für die wir zuvor noch 14 Maschinen benötigt hatten. Diese Umstellung gelang mit bestehendem Personal. Wir konnten von 14 auf neun Stellen reduzieren. Der Abbau erfolgte ausschliesslich über Fluktuation und Pensionierungen. Wir glauben, dass die Nachholbildung für die Mitarbeitenden ein wesentlicher Schlüssel dazu war, mit den neuen, komplexen Technologien umzugehen, ohne sich überfordert zu fühlen. Sie haben auf der einen Seite viel Fachkompetenz erlangt. Auf der anderen Seite hat die Ausbildung ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Sie haben gemerkt, dass sie noch lernen können. Sie sind sich bewusst geworden, dass sie auch die neuen Technologien verstehen und bewältigen können. Das war sehr wesentlich für den Erfolg unseres Projekts zur wirtschaftlichen, hochautomatisierten Produktion.
Tragen Sie mit Ihren Bildungskonzepten dazu bei, die Nachwuchssorgen zu bewältigen, die sich aus den geburtenschwachen Jahrgängen ergeben?
J. Maushart: Ja, sicher leisten wir damit einen bedeutenden Beitrag. Wir wissen, dass es heute in der Schweiz bis zu 500 000 Personen im erwerbsfähigen Alter ohne abgeschlossene Berufsausbildung gibt. Viele davon sind sicher intellektuell und in ihrer Sprachkompetenz ohne weiteres fähig, eine Nachholbildung zu absolvieren. Natürlich ist das nur ein Teil des gesamten Projekts. Wir sind gefordert, junge Menschen vor allem wieder verstärkt für die Berufe der Technik und der industriellen Produktion zu begeistern. Dazu benötigen wir innovative und kreative Ideen. Wir haben im Kanton Solothurn ein sehr interessantes Projekt installiert. Die Veranstaltung heisst IBLive – Industrieberufe live erleben. Durchgeführt wird sie von den Industrievereinen Grenchen sowie Solothurn im jährlichen Wechsel. Wir laden Schulen ein, unsere regionalen Unternehmen und deren Berufe kennenzulernen. Das geschieht mit jeweils mehr als zehn Unternehmen an rund fünf Standorten. Zwischen den Unternehmen verkehren Buslinien, die die interessierten Jugendlichen zu allen Standorten bringen. So erreichen wir, dass die Schulklassen an nur einem Tag drei Standorte besuchen und mindestens 25 Industrieberufe in der Praxis kennenlernen. Dabei können die Schüler aktiv mitmachen. Unsere Auszubildenden können den Gleichaltrigen ihre Gründe für die Berufswahl erklären, die Ausbildung und die Tagesarbeit ausführlich schildern. Hier spricht die Jugend mit der Jugend. Anlässlich der vierten Solothurner Ausgabe der Veranstaltung hatten wir im März 2019 2850 Besucherinnen und Besucher, für die Schüler und die Lehrer wird Industrie konkret erlebbar. Üblicherweise hat man kaum Gelegenheit, Industriebetriebe und deren interne Abläufe kennenzulernen. Zudem schwindet der Kontakt zu Industriebetrieben, da immer weniger Kinder über ihre Eltern eine Verbindung zum Industriebetrieb haben. Wir sehen die Veranstaltung IBLive als sehr gut geeignet, junge Menschen mit Industrie wieder verstärkt in Verbindung zu bringen. Derzeit entscheiden sich nur etwa sieben Prozent eines Jahrgangs für eine Ausbildung in der Industrie. Daraus kann man schliessen, dass es eigentlich genügend Personen gibt, die potenziell als Auszubildende zur Verfügung stehen. Man muss nur dafür sorgen, dass Berufe in der Industrie wieder attraktiver werden. Wir müssen Jugendliche wieder mehr für unser Umfeld begeistern. Dazu müssen wir Industrie sichtbar und erlebbar machen. Nur so können sich die Jugendlichen überhaupt vorstellen, welches anspruchsvolle und interessante berufliche Umfeld sie heute in der Industrie vorfinden. Das gelingt uns sehr gut mit den Projekttagen IBLive.
Wie profitiert Fraisa vom grossen Engagement in der Aus- und Weiterbildung?
J. Maushart: Unser grösster Erfolg ist, dass wir heute hier am Standort Bellach eine neue Produktionshalle erstellen können. Wir investieren 17 Millionen Schweizer Franken. Wir wollen ganz bewusst in der Schweiz Produktion erhalten und weiter ausbauen und damit unsere Investition im Ausland ergänzen. Das ist nur möglich, weil wir hier wettbewerbsfähig produzieren können. Gelungen ist das mit dem Umbau unserer gesamten Schleiffertigung. Ehemals fertigten wir im dreischichtigen Betrieb mit 105 produktiven Stunden und Stundensätzen von 80 bis 90 Franken. Inzwischen arbeiten wir mit einem System, das die Präsenz der Maschinenbediener nur in einer Arbeitsschicht am Tage erfordert. Die Anlage produziert aber 24 Stunden. Die Maschinen arbeiten sieben Tage rund um die Uhr, die Einrichter und Bediener aber nur acht Stunden am Tage. Das hat die Stundensätze auf 40 Franken verringert. Damit sind wir international für unsere hochinnovativen Produkte absolut wettbewerbsfähig.
Damit beschreiben Sie Ihre Investition, aber welchen Anteil am Erfolg haben das Anwerben von Nachwuchskräften und die Nachholbildung?
J. Maushart: Wir sind überzeugt, dass wir das Problem des fehlenden Nachwuchses dank unseres dualen Ausbildungssystems wesentlich besser als umliegende, hoch industrialisierte Länder lösen können. Wir werden in unserem Land wesentlich einfacher ausreichend Menschen finden, die sich dank unseres dualen Ausbildungssystems für alle beruflichen Tätigkeitsfelder und alle hierarchischen Stufen in der Industrie qualifizieren können. Der Schlüssel zum Erfolg ist allerdings, dass wir international wettbewerbsfähig sind. Dazu trägt entscheidend die Nachholbildung bei. Denn wir müssen kurzfristig menschliche, innere Widerstände überwinden, die einer Hochautomation entgegenstehen. Dazu müssen wir das Verständnis bei den Mitarbeitenden für die neuen Technologien – wie Automatisierung, Digitalisierung und Industrie 4.0 – fördern. Wir müssen sie heranführen, dass sie mit diesen Technologien umgehen können und deren Vorteile erkennen. Wir müssen den Menschen Ängste nehmen. Das gelingt uns mit Nachholbildung.
Können Sie dafür ein Beispiel nennen?
J. Maushart: Wir nehmen gerade eine vollständig automatisierte Anlage zum Beschriften und Verpacken unserer Werkzeuge in Betrieb. Wir haben hunderte unterschiedliche Werkzeugtypen und -grössen in flexiblem Wechsel von einigen wenigen Einzelwerkzeugen bis zu Serien von einigen hundert Werkzeugen zu verarbeiten. Die nunmehr installierte Anlage kostet 1,5 Millionen Schweizer Franken. Sie verpackt etwa 80 Prozent unseres gesamten Werkzeugspektrums. Sie wird dazu führen, dass wir drei bis vier Mitarbeiter weniger im Bereich Beschriften, Verpacken und Etikettieren benötigen. Einhergehend haben die in diesem Bereich beschäftigten vier Damen, die ehemals sämtliche Werkzeuge noch manuell verpackt haben, eine berufsbegleitende Nachholbildung absolviert. Sie haben dort gelernt, mit den nunmehr automatisierten Anlagen umzugehen und diese Technologie zu beherrschen. Für diese Damen hat sich der Arbeitsalltag radikal verändert, von ehemals manuellen Tätigkeiten zum heutigen Bedienen eines gewissermassen riesigen Computers mit angeschlossener Mechanik. Sie äussern sich sehr zufrieden mit dem neuen Tätigkeitsfeld. Dieses Beispiel beweist den umfassenden Erfolg unseres Konzepts zur berufsbegleitenden Nachholbildung. Mit ihr gelingt es uns, die Mitarbeitenden mitzunehmen auf dem Weg zu einer wettbewerbsfähigen, weitgehend automatisierten Produktion. Nur so können wir Produktionsstandorte in der Schweiz langfristig erhalten und damit unseren Wohlstand sichern.
Wie beurteilen Sie die Aussichten für die kommenden Jahre hinsichtlich der weltpolitischen Lage und der Entwicklungen aufgrund der Klimadiskussion?
J. Maushart: Für die Werkzeugbranche gehen wir langfristig von einem weiteren Wachstum aus. Kurzfristig sehe ich einen Wandel in der Automobilindustrie und in der Energiewirtschaft. Solche Phasen der Transition verunsichern immer und führen zu einer Zurückhaltung bei Investitionen. Beim Wandel in Technologien, beispielsweise von dem Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb, gibt es immer Verwerfungen. Das verursacht Phasen mit reduzierten Investitionen und damit Rückschläge für die Maschinen- und Werkzeughersteller.
Für uns hat der Automobilsektor mit nur etwa zehn Prozent Anteil am Umsatz nur eine untergeordnete Bedeutung. Langfristig beurteile ich die Entwicklung für Fraisa sehr positiv. Wir sind innovativ orientiert und haben ein umfassendes Potential für künftige Innovationen. Letzteres betrifft vor allem den Dienstleistungsbereich, zum Beispiel die gesamte Logistik und die Bereitstellung von Daten rund um das Werkzeug. Aber das gilt auch für Produktionsverfahren. Derzeit sehen wir dort sehr grosse Fortschritte, die dazu führen, dass wir die Produktionszeiten teilweise halbieren können. Speziell für ein mittelständisches Produktionsunternehmen in der Schweiz kann es nicht sinnvoll und zielgerichtet sein, in grossen Serien möglichst kostengünstig zu produzieren, sondern es muss sich durch Innovation differenzieren. Ich glaube, dass wir in dieser Hinsicht bei Fraisa aus einer Vielzahl an Gründen sehr gut aufgestellt sind. Deshalb sind wir auch sehr zuversichtlich. Auch international sind wir gut aufgestellt mit inzwischen insgesamt über 550 Beschäftigten, davon 205 in der Schweiz, und mit Standorten in allen Weltregionen. So sehen wir uns zum einen für Zukunftsmärkte, zum anderen aber auch hinsichtlich der Verteilung auf unterschiedliche Währungsräume gut gerüstet. Letzteres ist für uns wichtig, da wir zu 80 Prozent exportieren. Unter all diesen Aspekten sind wir sehr zuversichtlich. Sogar vorübergehende Schwächen beim Umsatz werden wir dank einer starken Bilanz gut bewältigen, das bereitet uns keine Sorgen.
Welche Rolle spielt die Internationalisierung in Richtung der wichtigen Märkte USA, Indien und Asien?
J. Maushart: Diese Länder haben einen grossen Einfluss auf unsere weitere Geschäftsentwicklung. Bisher waren unsere grössten Umsatzanteile im Export auf Europa konzentriert. Jüngste wirtschaftliche Indizes deuten auf starkes Wachstum in den USA und auch in China – dort allerdings kurzfristig abhängig von den Ereignissen rund um die weitere Ausbreitung des Corona-Virus. Europa ist derzeit eher stagnierend bis rückläufig! Kommt ein fundamentaler Wandel in der Mobilität, wäre das speziell für die Industrie in Deutschland und in der Schweiz nur schwierig zu verkraften. Deshalb ist es wichtig, in Zukunftsmärkten präsent zu sein. Nach wie vor sind die Medizintechnik und die Automobilindustrie in Europa stark, spezifisch in der Schweiz auch noch die Uhrenindustrie.
Für Industrieunternehmen wie Fraisa ist es für die längerfristige Entwicklung unabdingbar, in Märkten ausserhalb Europas deutlich stärker präsent zu sein. Nur so können wir über die nächsten zehn Jahre hinaus erfolgreich agieren. Als ein mittelständisches Unternehmen haben wir dabei einen grossen Vorteil. Wir haben es selbst in der Hand, den Weg für die nächsten Jahre zu bestimmen, beispielsweise Vertriebs- und Serviceniederlassungen in den erfolgversprechenden Ländern zu eröffnen und zu betreiben. Deshalb haben wir bei Fraisa keine Sorgen um unsere Zukunft.
Allerdings muss ich anmerken, dass ich als Präsident des Industrieverbands Solothurn und Umgebung mich um eine Vielzahl kleinerer Unternehmen sorge, die nicht internationalisiert sind. Diese benötigen einen Wechselkurs zum Euro von etwa 1.10. Nur dann können sie im Export noch wettbewerbsfähig und nachhaltig wirtschaften. Speziell betrifft dies Zulieferunternehmen. Sie können einzig in der Produktion ihre Effizienz steigern, sie haben keine Chance, durch Produktinnovation ihre Wettbewerbssituation zu verbessern.
Auch als Mitglied des regionalen Wirtschaftsbeirats der SNB appelliere ich immer wieder und auch an dieser Stelle klar und deutlich an die Verantwortlichen der Nationalbank. Sie mögen sich ihrer Verantwortung gegenüber der heimischen Industrie in allen ihren Entscheidungen bewusst sein. Industrieunternehmen in der Schweiz benötigen aus meiner Sicht einen Mindestwechselkurs von etwa 1.10 gegenüber dem Euro, um im internationalen Umfeld und zuvorderst im wichtigsten Absatzmarkt Europa wirtschaftlich bestehen zu können.
Herr Maushart, vielen Dank für diese interessanten Ausführungen.
Das Interview führte Konrad Mücke, Redaktor SMM. SMM | 3.40625 | 2.6875 | 2.546875 |
4af33ed76f0f36dc092ee29235e6bcf3 | Es hat unfreiwillig Symbolgehalt, dass das demolierte Knie der tragischen Tanzkoryphäe Dore Hoyer hier als Röntgenbild präsent und solchermaßen ein Ausstellungsstück ist: Die Exposition „Das Jahrhundert des Tanzes“ in der altehrwürdigen Akademie der Künste (AdK) in Berlin-Tiergarten traut sich nicht so richtig vor und zurück, sie tritt auf der Stelle und bleibt auch im Großen minimalistisch. Sie feiert weniger den Fortschritt, als dass sie in strengen und melancholischen Bildern rührselig Abschied vom Vergangenen nimmt. Die Moderne bedeutet hier faktisch keine Entfesselung oder hymnische Freude ans Neue, sondern eine zaghafte Erneuerung, die vor allem aus Reduktion, also aus Verzicht, besteht. Mary Wigman, Rudolf von Laban, Gret Palucca, Valeska Gert – das sind hier die zentralen Künstlernamen aus dem 20. Jahrhundert, denen weitere zur Seite gestellt werden. Trotz hoch interessanter Einzelstücke handelt es sich insgesamt um eine geschickt gemachte Mogelpackung. So suggeriert der Titel weltumspannende Internationalität. Doch dann geht es vor Ort nur um Tanzkunst, die aus Deutschland oder von deutschstämmigen Künstlern stammt. Ballett spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Immerhin: So eine Retrospektive könnte man sich auch viel größer und natürlich ballettfreundlicher angelegt vorstellen, diese Anregung gibt „Das Jahrhundert des Tanzes“ allemal. In der AdK allerdings darf sie gerade mal einen Raum für sich beanspruchen – und der ist viel zu klein.
Man hat derweil ästhetisch und historisch faszinierende Fundstücke aus den verschiedenen Tanz-Archiven zusammengetragen, um punktuell einen Abriss der „revolutionär“ genannten Bühnentanzentwicklungen in Deutschland im 20. Jahrhundert zu geben.
Das Ausland bleibt allerdings, bis auf überwiegend in Deutschland wirkende Künstler, außen vor. Eine Entwicklung wird auch nicht aufgezeigt, weder chronologisch noch stilistisch – es bleibt beim Anhäufen als Sammlungsprinzip.
Weil zudem stumme Exponate (etwa Tanzmasken und Fotografien) gemeinsam mit lärmenden Videoprojektionen auf engem Raum versammelt sind, empfiehlt es sich unbedingt, Ohrstöpsel mitzunehmen!
Denn gerade die kleineren, feinen Exponate lohnen es, dass man sich ihnen in aller Ruhe widmet und sich in ihren Anblick kontemplativ versenkt. Das wird von den lauten Tanzmusiken, die von den laufenden Großbildvideos rühren, indes stark erschwert.
Allen voran sind die Masken berühmter Ausdruckstänzerinnen jeweilig ein Blickfang. Sie sind hell leuchtend in Vitrinen platziert, um die herum kontrastierend das schummrige Dunkel herrscht.
Handwerklich und künstlerisch am stärksten: Die „Gesichte“-Maske von Arila Siegert. Sie entführt in eine Ära der Expressivität, der Begeisterung für andere Kulturen auf hohem Niveau.
Die Maske ist zudem den Gesichtszügen der Siegert nachempfunden: volle Lippen, schmale Augen, hohe Brauen. Rot leuchtet der Mund – und man kann sich gut vorstellen, wie sich die Tänzerin mit der Maske zugleich zeigte und verstecken konnte.
Die 1953 in Rabenau bei Dresden geborene Arila Siegert – die in letzter Zeit vor allem als Opernregisseurin tätig war – tanzte aber außerdem den legendären „Hexentanz“, der ursprünglich von Mary Wigman stammt, mit Verve und wirklich hoher Intensität.
Wigman hat das Solostück in seiner ersten Version schon vor 1917 aufgeführt, es ist aber in seiner zweiten Version von 1926 aufführungsfertig erhalten. In der Ausstellung gibt es ein Foto von Wigman in dieser Paraderolle.
Wer Siegert mit diesem Sitztanz mal live sah – die unheimlich-faszinierende Hexe aus dem Titel zaubert im Sitzen am Boden, ihre Beine wie Vehikel einer bösen Macht stampfend benutzend – wird das nie vergessen können.
Weitere Masken bezeugen die Liebe der frühen Moderne zum asiatischen Stil, zum passioniert Stilisierten, zu allem, was streng und sanft zugleich anmutet.
In einemFoto-Leoporello glänzt Gret Palucca: aus Portraits von ihr entfaltet sich ein Bilderfächer.
Von Isadora Duncan– die immerhin zeitweise eine bemerkenswerte Tanzschule in Berlin-Grunewald leitete – würde man gern mehr sehen als nur die deutsch-englische Erstausgabe ihrer Schrift „Der Tanz der Zukunft (The Dance of the Future)“ in Buchform.
Rudolf Laban und Johann Kresnik sind zwar präsent, aber Gerhard Bohner, der tanzgeschichtlich längst nicht so bedeutend ist, erscheint dagegen fast übermächtig.
Noch mehr Aufmerksamkeit gilt Oskar Schlemmer, der indes als bildender Künstler und Gelegenheitstänzer lediglich „Das Triadische Ballett“ mitgeschöpft hat und somit zwar einen Stellenwert im experimentellen Tanz hat, der keineswegs aber als jemand gelten kann, der den Bühnentanz an sich nachhaltig beeinflusste oder weiterentwickelte.
Filmische Dokumentationen belegen aber, dass „Das Triadische Ballett“ in den historischen Schwarz-weiß-Aufnahmen recht anmutig und niedlich einherkam – und gar nicht so wuchtig und plump wie in der späteren Rekonstruktion von Gerhard Bohner, die zu allem Übel ja auch noch mit Jazz-Musik der 70er-Jahre bestückt wurde.
Harald Kreutzberg und Kurt Joos, die beiden großen Herren des Ausdruckstanzes, sind auch da, und ich darf anmerken, dass Joos als Entdecker und Förderer von Pina Bausch gelten muss, die er an der Folkwang-Schule in Essen unterrichtete. Leider gibt es zu Bausch nur einen Videoausschnitt in dieser Ausstellung, der nicht immer läuft – und vielleicht ist das doch ein bisschen zu wenig, wenn man sich in einer Schau, wie hier, auf die zeitgenössische Bühnentanzentwicklung in Deutschland im 20. Jahrhundert konzentriert.
Es ist halt eine Tendenz-Ausstellung, mit nicht immer nachvollziehbaren Schwerpunkten und Lücken.
Die Ballett-Leute werden denn auch gleich ganz „untergebuttert“ und lediglich mit Kleinigkeiten eingebracht; Ballett wirkt in dieser Ausstellung wie ein notwendiges Übel, wie ein Anhängsel, das man eigentlich gar nicht dabei haben möchte.
So gibt es zwar eine Fotoprojektion aus dem Jahrhundertballett „Ein Sommernachtstraum“ von John Neumeier, aber sie stammt im nostalgischen Layout aus den 70er-Jahren und lässt vermuten, das Werk sei in Schwarz-weiß ganz passend abgelichtet. Was bei der expressiven Farbstärke, die Licht und Kostüme im „Sommernachtstraum“ abgeben, natürlich gar nicht stimmig ist.
Bedenkt man zudem, dass nicht nur dieses Werk von Neumeier weltberühmt ist und es wie viele andere schon in etlichen Hauptstädten Europas und anderer Kontinente aufgeführt wurde, wirkt es irgendwie völlig schräg, wenn der Ballett-Tycoon Neumeier nur mit so einem Foto präsent ist, während vergleichsweise unbekannte Künstler wie Dominique Bagouet und Édouard Lock, Maguy Marin und Hwai-min Lin mit Videoprojektionen vertreten sind.
So eine Gleichmacherei hilft niemandem, zumal die Ausstellung auch nichts wirklich erklärt. Sie stellt nur aus, ohne Zusammenhänge zwischen den einzelnen Exponaten zu schaffen.
Eine Entwicklung wird in der Ausstellung sowieso nicht aufgezeigt, weder chronologisch noch stilistisch. Das ist ein großer Makel, womöglich ist er auch von der Raumenge bedingt.
Der dazugehörige Katalog hatimmerhin eine Systematik, er geht alphabetisch vor: Es handelt sich um ein praktisches Handbuch, das Choreografen und andere Tanzkünstler mit Statements ihrer selbst vorstellt.
Lobenswerterweise ist es in großen Lettern gedruckt, ältere Leute brauchen hier also keine Lupe!
Oft muten die Beiträge auch wie gekonnte Ergänzungen zu dem an, was zum Beispiel bei Wikipedia zu lesen ist.
Aber wenn man sieht, dass zur Präsentation von John Neumeier – um bei diesem Beispiel zu bleiben – nur ein paar Zeilen über die „West Side Story“ zu lesen sind, obwohl der Mann mit über 160 Balletten weltbekannt wurde und ganz sicher nicht mit seiner einzigen Musical-Inszenierung, dann kommen einem doch Zweifel an der Redlichkeit dieses Projekts.
Womöglich geht es hier nur um pflichtschuldige Bewerbung dessen, was der deutsche Staat in den letzten Jahren mit immensen Fördergeldern auf dem Gebiet des zeitgenössischen freien Tanzes gepusht und finanziert hat, ohne sich auf ein Mindestmaß qualitativer Hochwertigkeit noch auf qualitativ auch nur erwähnenswerte Resonanz verlassen zu können.
Die staatlich geförderte Ballettkultur der Opernhäuser bleibt hier jedenfalls auffallend klein, zumal, wenn man bedenkt, dass ihre Reichweite um ein Vieles größer ist als all die Tanz-Performances, die in Jahrzehnten keine zehntausend Zuschauer haben.
Dass es an den Instituten für Tanz- oder Theaterwissenschaft reichlich Professuren und Lehraufträge dafür gibt, unbedeutende experimentelle Kleinkünstler dokumentarisch zu begleiten, ist sowieso ein versteckter Skandal in unserer Bildungsvielfalt.
Professuren für Balletttanz hingegen, der immerhin eine jahrhundertealte Tradition in Europa – auch in Deutschland – hat, gibt es nur sehr wenige, in Berlin und vielen anderen Städten zum Beispiel gar nicht.
Dieses Missverhältnis, das die öffentliche Hochschulbildung in Sachen Tanz in Deutschland betrifft, spiegelt sich hier in der öffentlichen Ausstellung, die der Allgemeinheit gilt.
Da zeigt sich noch, wie gründlich die Nazis in den 30er- und 40er-Jahren dem Ballett zusetzten und es – als angeblich dekadent und ansonsten natürlich vorgeblich verschwult – als ernstzunehmende Kunstform zu Gunsten der tänzerischen Gymnastik auszurotten trachteten.
Aus dem öffentlichen Bewusstsein der Bildungselite scheint Ballett seither teilweise immer noch wie verschwunden.
Während die Musikwissenschaftler sich mit Ballettmusiken etwa von Peter I. Tschaikowsky wie selbstverständlich beschäftigten, verweigern die Tanz- und Theaterwissenschaften oftmals den entsprechenden Dienst, sich etwa der Choreografie von Marius Petipa zu „Dornröschen“ oder auch anderen Versionen dessen zu widmen.
Leider weiß dieses AdK-Projekt davon überhaupt nichts; aber es profitiert davon, indem es völlig unbekannte Künstler als angeblich sehr bedeutend präsentiert.
Dabei erblühten erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit John Cranko und John Neumeier wieder die Werke wirklicher Größen auf dem Gebiet des Bühnentanzes in Deutschland – gegen deren reichhaltiges Schaffen grandioser, großartiger, zudem moderner Ballettabende wirkt die in der AdK groß abgehandelte liebenswerte Kleinkünstlerin Valeska Gert doch eher peinlich.
Vieles andere aber bleibt oberflächlich hier: Über die nicht weltbewegende, aber durchaus spannende Ballettchoreografin Tatjana Gsovsky zum Beispiel erfährt man eigentlich nur, dass sie in Berlin choreografierte. Dabei war so interessant, dass die erwiesene Erotomanin einst von Prag nach Berlin zu Fuß marschierte, nicht aus sportlichen Gründen, sondern weil keine Züge fuhren.
Und von Vaslav Nijinsky, der als bedeutendster Tänzer aller Zeiten gilt und das Zugpferd der Ballets Russes zu ihren besten Zeiten war, kann man nur nachlesen, dass er bei Beendigung seiner Tanzkarriere psychische Probleme hatte, denn es gibt nur einen lapidaren Auszug aus seinen Tagebüchern von 1919 zu lesen.
Wer sich auskennt, entdeckt aber interessante Parallelen und Ähnlichkeiten.
So ähneln die schwungvollen Zeichnungen von Mary Wigman, die sie in ihre Arbeitsbücher kritzelte, den prägnanten Schlieren und Linien, die man aus den Skizzen und Zeichnungen von Nijinsky kennt, die dieser unter großer seelischer Anspannung als Tanzersatz anfertigte.
Die Maßstäbe dieser Ausstellung sollte man sich dennoch nicht aneignen, denn sie kommt nicht darüber hinaus, ein beliebiges Sammelsurium zu sein.
Aber: Es sind hübsche, vor allem sehr selten zu sehende Stücke hier ausgesucht und in schönes theatrales Licht gesetzt worden, und darum lohnt sich der Ausstellungsbesuch.
Schon durch die Anzahl der Exponate wird Mary Wigman als modernem Stern und als schöpferische Pionierin hier ein sehr starkes Gewicht zugesprochen.
Fotos und Arbeitszeugnisse von ihr beschwören ihren freien Geist, dem sich viele damals aktive Künstler begeistert anschlossen.
Der selbstverständlich künstlerisch immer noch herausragende Maler Emil Nolde (der als Erster wirklich expressive Farben erschaffte, auf dem derzeit aber alle herumhacken, weil er zeitweise eine völlig haltlose, antisemitische Einstellung hatte, er wäre nämlich liebend gern ein Mitläufer der Nazis gewesen) war hier sehr hilfreich und schickte Wigman als junges Ding zum Unterricht zu Rudolf von Laban.
Ihre hier ausgestellten Notate zu ihren Arbeiten sind eine Delikatesse, man erkennt die Person und das Werk der Wigman in durchaus erhellender Vielfalt.
Es sind aber auch andere Petitessen zu entdecken, die lexikalisch nachzuforschen durchaus interessant sind.
Die eher unbekannte Compagnie „Les Ballets Weidt“ ist zum Beispiel mit einem französischen Programmzettel von 1934 vertreten.
Jean Weidt– der bürgerlich als geborener Hamburger Hans Weidt hieß – war in Deutschland als „der rote Tänzer“ bekannt und ein Arbeitervorbild.
Die Nazis vertrieben ihn aus Deutschland. In Paris konnte er dann immerhin seine Truppe aus professionellen und halbprofessionellen Tänzern zusammenstellen. Sein Stil war expressiv, erkennbar aber vom Ballett kommend. In gewisser Weise könnte man in ihm einen Vorläufer von Maurice Béjart erkennen.
Von diesem wiederum gibt es ein Werkstattgespräch zu entdecken, aber man muss schon gut suchen, um es zu finden.
Insgesamt aber bleibt der Schleier der Trauer, der über dieser Ausstellung hängt wie ein Menetekel. Es ist den Kuratoren nicht gelungen, Visionäres auch visionär zu präsentieren.
Die juvenile Kraft des Ausdruckstanzes übermittelt sich kaum, und die notdürftig an der Rückwand arrangierten großflächigen Videos wirken eher aufdringlich als eindringleich.
Um die Geschichte von Dore Hoyers tragischem Knie zu erfahren, muss man den Horizont dieses Projekts sogar ganz verlassen.
Denn der Katalog druckt zwar ihren Abschiedsbrief ans Leben ab, den sie in der Silvesternacht 1967 schrieb, bevor sie ein aus Südamerika während einer Tournee dorthin mitgenommenes Gift einnahm.
Aber dass sie noch im Alter von 56 Jahren auftrat – zuletzt zwölf Tage vor ihrem Tod – und somit viele Möglichkeiten nutzte, die der Ausdruckstanz im Gegensatz zum Ballett reiferen Menschen bietet, erklärt die Ausstellung nicht.
Das desolate Knie der Tänzerin und Choreografin wurde indes bei exaltiert-berauschenden Sprüngen geschändet, weil sie direkt auf dem Knie statt auf den Füßen landen wollte. Das ist etwas, dass die Damen im Ballett nur sehr selten vollführen müssen. Bei Hoyer aber muss es richtig gekracht haben, was sie nicht davon abhielt, manisch und allein weiter hart an sich zu arbeiten.
Dore Hoyers „restlos aufgebrauchtes Knie“ nennt sie dann selbst als Grund dafür, ihrem Schaffen – und somit ihrem Leben – ein Ende zu bereiten.
Ein trauriges Schicksal, dennoch ein würdevolles.
Vielleicht hätte sich die Ausstellung aber auch auf solche Hintergrundaspekte einlassen sollen, um mehr mitzuteilen, als es die Exponate ohne Kontext machen können.
Doch die Ausstellung ist nur ein Steinchen im Gesamtmosaik des Projekts, das ansonsten aus Performances und Diskussionen, aber auch aus für die Öffentlichkeit geschlossenen Meisterklassen besteht.
„Was der Körper erinnert. Zur Aktualität des Tanzerbes“ nennt sich das ganze Projekt.
Das Veranstaltungsprogramm müffelt dann und wann zwar ein wenig nach notdürftig hingefummelten historischen Rekonstruktionen der Moderne, aber dafür werden etliche Stücke gezeigt, die sonst gar nicht mehr zu sehen sind. Ob dabei das Temperament und der Ausdruck stimmen, steht in Frage, aber allein schon die tanztechnische Rekonstruierbarkeit mag für manchen Fan hochinteressant sein.
Etwa der „Danse Macabre. Totentanz I und II“ von Mary Wigman, den das Dance Company Theater Osnabrück am 28. August 2019 imTheatersaal der AdK präsentiert. Patricia Stöckemann hat hier die Projektleitung inne, während Henrietta Horn für die Rekonstruktion verantwortlich ist.
Eher als Ringelpiez mit Anfassen nimmt sich dagegen „LIGNA: Tanz aller – Ein Bewegungschor“ aus, der am 5. und 8. September 2019 mittags im Hanseatenweg stattfinden soll. Tatsächlich hat Rudolf von Laban, der sich gern freizügig zeigte und mit zwei Frauen in einer Menage à trois als Familienverbund lebte, sich Mitte der 20er-Jahre im letzten Jahrhundert auch als Einheizer der Massen versucht. Die Zuschauer sollten durch Mitmachaktionen „in Schwingungen“ versetzt werden und selbst zu Künstlern werden.
So alt sind die Versuche also schon, Menschen ohne tänzerische Vorbildung dazu zu bringen, ihr natürliches körperliches Phlegma zu Gunsten rhythmischer Bewegungen spontan zu überwinden.
Allerdings hatte Rudolf von Laban noch nicht die bei LIGNA wesentlichen Instrumente zur Inspiration und Transpiration zur Verfügung: kabellose Kopfhörer, aus denen die tanzenden Zuschauer ihre Anweisungen erhalten.
So ganz frei wird dieser Tanz der Willigen dann also nicht sein. Dafür aber kostenlos, als Ausnahme der Regel (normalerweise kostet es hier schon auch Eintrittsgeld).
Begreift man solche Projekte nicht als vollendete Kulturprodukte, sondern als Bespaßung mit dehnbarem Seriositätsfaktor, ergibt sich vielleicht tatsächlich zumindest ein Anklang an den großspurigen Anspruch, den eine der sechs KuratorInnen so formuliert: Die Ausstellung würde „im Futur II erzählen“, man hoffe sogar auf ein „Futur III“.
Das ist natürlich ganz großer Unfug und allenfalls geeignet, ungebildeten Politikern Fördergelder für weitere Projekte dieser Art aus der Tasche zu ziehen.
Jeder, der sich in der Grammatik von Ausstellungsinszenierungen auskennt, weiß, dass eine historisierende Ausstellung – die zweifelsohne ihre Berechtigung hat – sich nicht ohne weiteres in eine Zukunftsweisung verwandeln lässt. Da mag man noch so dran drehen und drehen und drehen…
Verantwortlich für diese mühevollen Versuche ist das sechsköpfige Kuratorenteam:
Nele Hertling, die einst auch Veranstaltungsreihen wie „Tanz im August“ und „Tanz im Winter“ groß machte, Johannes Odenthal, Heike Albrecht, Madeline Ritter, Gabriele Brandstetter und Ong Keng Sen.
Beratend tätig waren weitere fünf scheinbare Koryphäen, darunter die unselige und mich immerzu nur langweilende Tanztheatermacherin Reinhild Hoffmann.
Nun können so viele Köche einen Brei schon mal verderben…
Vor allem aber wünscht man dem historischen wie dem zeitgenössischen freien Tanz in Deutschland mal wieder absolut neuen, erfrischenden Wind.
Gisela Sonnenburg
Bis zum 21. September 2019 | 3.515625 | 2.515625 | 2.53125 |
64e1caa77160c0c842d85582d36e1691 | Schwerbehindertenrecht
Alle rechtlichen Regeln des Schwerbehindertenrechts für die Rechtsverhältnisse von Schwerbehinderten in Deutschland wurden im Januar 2018 von Teil 2 in den Teil 3 des SGB IX verschoben. Es umfasst ab § 151 SGB IX die „Besonderen Regelungen zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen“
Zum Schwerbehindertenrecht zählen jedoch nicht die durch militärische oder militärähnliche Dienstverrichtungen gesundheitliche Schädigungen erlitten haben.
Die Arten der Behinderungen können folgende sein:
Geistige Behinderung, Körperbehinderung, Lernbehinderung, Hörschädigung (Gehörlos oder Schwerhörigkeit), Sehschädigung (Blindheit oder Sehbehinderung), Sprachbehinderung, Schwerstbehinderung, Verhaltensstörung, Mehrfachbehinderung
Das Schwerbehindertenrecht regelt eine Reihe von Maßnahmen
Schutz des schwerbehinderten Arbeitnehmers am Arbeitsplatz, hier besonders den Kündigungsschutz und die Urlaubsregelung/Anspruch. Für eine Kündigung muss vorher zuerst die Zustimmung des zuständigen Integrationsamtes vorliegen, außerdem gelten für diese Arbeitnehmer das Kündigungsschutzgesetz. Der Schutz beginnt 6 Monate nach der Arbeitsaufnahme und es gilt die Beweislastumkehr bei Tatsachen einer Diskriminierung vermuten zu lassen. Schwerbehinderte bekommen grundsätzlich 5 Tage zusätzlichen Urlaub. Auch bei längerer Krankheit haben Schwerbehinderte das Recht auf Abgeltung ihres Jahresurlaubes.
Schwerbehinderte haben Anspruch auf eine ihrer Behinderung entsprechende Beschäftigungsart
Dieser Anspruch auf Beschäftigung ist sogar einklagbar. Das kann bedeuten, dass Unternehmen ohne Arbeitsplatz für Schwerbehinderte, für diese,, mit einem nicht Behinderten tauschen müssen. Weiterhin ist eine Bevorzugung von internen Weiterbildungsmaßnahmen ein Anspruch für die Integration im Unternehmen.
Frage nach Schwerbehinderung laut Antidiskriminierungsgesetz unzulässig
Schwerbehinderte müssen dem Arbeitgeber beim Vorstellungsgespräch nicht über Ihre Behinderung in Kenntnis setzen, auch dann wenn diese bereits amtlich festgestellt ist. Es empfiehlt sich allerdings den Arbeitgeber nach der 6 Monatigen Wartefrist in Kenntnis zu setzen, da ja dann automatisch der Kündigungsschutz beginnt. Manchmal ist es aber auch von Vorteil dem Arbeitgeber gleich über die Behinderung zu informieren, insbesondere dann, wenn er bevorzugt Behinderte bei der Bewerbung bevorzugt.
Bildung einer Schwerbehindertenvertretung
Ab einer Unternehmensgröße bis 20 Arbeitnehmer sind laut Schwerbehindertenrecht 5 Prozent Schwerbehinderte verpflichtend zu beschäftigen. Tun sie das nicht, müssen sie eine Ausgleichsabgabe an das zuständige Integrationsamt entrichten. Ab 5 Schwerbehinderte im Unternehmen ist eine Schwerbehindertenvertretung zu bilden. Bei weniger als 5 Schwerbehinderten übernimmt der Betriebsrat diese Aufgaben.
Antrag auf finanzielle Förderung zur behindertengerechten Ausstattung von Arbeitsplätzen möglich
Arbeitgeber haben die Möglichkeit für Umbaumaßnahmen hin zu behindertengerechten Arbeitsplätzen finanzielle Mittel zu beantragen. Zuständige Stellen sind dazu das Integrationsamt oder die Arbeitsagentur.
Gleichstellung von Schwerbehinderten
Ab einem Schwerbehindertengrad GdB (Grad der Behinderung) von 30 % hat der Arbeitnehmer das Recht auf Gleichstellung. Dazu muss er bei der zuständigen Agentur für Arbeit einen Antrag stellen und wird dann mit Menschen ab einem GdB ab 50 % gleichgestellt. Denn man erhält erst ab GdB 50 einen Schwerbehindertenausweis.
Rechte und Pflichten
Jeder schwerbehinderte Mensch hat das Recht einen Antrag beim zuständigen Versorgungsamt zu stellen. Der Antrag sollte so ausführlich wie möglich ausgefüllt werden. Alle relevanten Befunde und Ärzte sind dazu anzugeben. Hier ist es wichtig, dass der oder die Ärzte angegeben werden, die zum Gesundheitszustand bzgl. des Schwerbehindertengrades am Besten Auskunft erteilen können. Die Angabe des Hausarztes ist in den meisten Fällen die schlechteste Option, da dieser in der Regel zu allgemein Befundberichte verfasst. Ein Facharzt geht dabei sehr oft ausführlicher und konkreter dabei vor. Der Schwerbehinderte hat jedoch nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten, so z. B. hat er sich wenn eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eintritt selbst zu melden und dies dem zuständigen Versorgungsamt mitzuteilen. Oft werden Schwerbehinderungen erst befristet, wenn die Krankheiten eine Aussicht auf Verbesserung beinhalten. Ansonsten wird der Grad der Behinderung unbefristet festgestellt. Bei einer Befristung ist der Verlängerungsantrag rechtzeitig und fristgerecht zu stellen. Anträge auf Verschlimmerung sind wie der Erstantrag genau auszufüllen und die ärztlichen Befunde die das begründen sind lückenlos beizufügen. Das Versorgungsamt kann bei einem Folgeantrag oder einem Verschlechterungsantrag auch zu der Erkenntnis kommen, das es eine Verbesserung und keine Verschlechterung gibt. Somit könnte der GdB auch herabgesetzt werden. In diesem Fall, sollte der Betroffene aber gleich Widerspruch einlegen und weitere fachärztliche Unterlagen besorgen. Grundsätzlich sollte man gegen einen abgelehnten Bescheid erst einmal Widerspruch einlegen. Sollte dieser nicht das Ergebnis bringen, steht natürlich auch der Rechtsweg über ein Sozialgericht zur Verfügung. Diesen sollte man auch auf jeden Fall beschreiten, wenn man der Überzeugung ist, dass Fehlentscheidungen getroffen wurden.
Im Schwerbehindertenrecht sind auch Nachteilsausgleiche beschrieben
Bestimmte Merkzeichen berechtigen zur Inanspruchnahme von Steuervergünstigungen, Parkplätze und Parkerleichterung für Behinderte, Vergünstigungen im öffentlichen Nahverkehr, Zusatzurlaub und den besonderen Kündigungsschutz für schwerbehinderte Menschen.
Schwerbehinderung und Parken
Alleine der Schwerbehinderten Ausweis berechtigt nicht außergewöhnlich zu parken, oder gar Behindertenparkplätze zu benutzen. Eine Parkerleichterung auch besser bekannt unter „Orangener Parkausweis“ ist erst ab einem GdB von 70 % und dem Merkzeichen G, G+ B möglich zu beantragen. Dazu muss das Versorgungsamt dann prüfen, ob die Voraussetzungen für diese Parkerleichterung bestehen. Ab einem GdB von 90 % und dem Merkzeichen aG bekommt der Schwerbehinderte den blauen Parkausweis, der die Nutzung von Behindertenparkplätzen möglich macht.
Die nachfolgenden Seiten informieren über die Details zum Schwerbehindertenrecht. Selbstverständlich stehen wir Ihnen direkt oder über eine unserer Selbsthilfegruppen gerne mit Rat und Tat zu Verfügung. Wir dürfen ihnen keine Rechtsberatung anbieten, stehen aber für fachliche Fragen und zur Unterstützung gerne zur Verfügung. | 3.1875 | 2.078125 | 2.8125 |
ef9c3c42a311dd1c302d00cfac32533b | Darum lohnt sich ein Wasserspender für die Gastronomie
Wasserspender in der Gastronomie sind nicht nur günstiger als Wasserflaschen, sondern schonen die Umwelt. Mit ein paar Kniffen servieren Sie das Wasser aus dem Spender als eigenes Markenwasser - und bleiben dem Kunden im Gedächtnis.
Warum in einen Wasserspender in der Gastronomie investieren?
Wasserspender sind in Zeiten des Klimawandels eine wunderbare Alternative zur Trinkflasche. Sie liefern nicht nur unbegrenzt frisches Trinkwasser, sondern sparen eine gesamte Logistik-Kette. Das Beschaffen, Lagern und die Rückgabe von Wasserkästen ist zeitaufwendig und kostet Lagerfläche. Daher sind Trinkwasserspender auf Dauer kostengünstiger. So versorgen Sie Ihre Gäste und Mitarbeiter gleichzeitig mit frischem Wasser. Je nach Modell bieten Zapfanlagen Ihnen das Leitungswasser gekühlt, raumtemperiert, erhitzt, mit Kohlensäure oder still an. Ob für die Schänke, den Restaurantbetrieb, die Kantine temporäre Veranstaltungen - die Einsatzmöglichkeiten eines Wasserspenders sind vielfältig. Sie zweifeln noch wegen den Anschaffungskosten? Das Geld für die Investition in einen Wasserspender fliest Ihnen ganz automatisch wieder in die Kasse. Wer bei den Einnahmen nachhelfen möchte, für den lohnt sich folgender Tipp: Unter bestimmten Konditionen darf gezapftes Leitungswasser abgefüllt und als Eigenmarke verkauft werden. Dadurch bieten sie ihren Gästen hauseigenes Wasser an und stärken Ihre Marke. Ein kleiner Zusatzfakt am Rande: Wussten Sie schon, dass Leitungswasser laut Stiftung Warentest oftmals gesünder ist als Mineralwasser von herkömmlichen Marken? Ein echter Pluspunkt für Ihre Gastronomie!
Der Vergleich: Wasserspender gegen Wasserflaschen
Sie hadern noch, ob sich der Wasserspender wirklich lohnt? Dann lassen Sie die Zahlen für sich sprechen: Ein Liter Wasser aus dem Wasserspender mit Festwasseranschluss kostet durchschnittlich 0,17 Cent. Mineralwasser aus dem Supermarkt dagegen kostet zwischen 50 und 80 Cent pro Liter. Somit ist Wasser aus dem Spender deutlich günstiger - und spart zusätzlich Fahrtkosten, Arbeitszeit und Lagerraum. Die anfänglichen Investitionskosten eines Wasserspenders rentieren sich im Vergleich schnell. Demnach lohnt sich die Anschaffung eines Trinkwasserspenders bereits ab einem Tagesverbrauch von drei bis vier Litern! Die Lieferungs-, Installations-, Wartungs- und Reparaturaufgaben übernehmen die Experten unserer Partner. Die Kosten für die genannten Serviceleistungen sind im Vertrag inklusive. Ein weiterer Bonus: Wasserspender geben nur so viel Wasser aus, wie benötigt wird. Angebrochene und abgestandene PET-Flaschen gehören der Vergangenheit an! Das schont die Umwelt und vermeidet unnötigen Wasserverbrauch.
Welches Wasserspender-Modell eignet sich für die Gastronomie?
Wasserspender gibt es in den verschiedensten Ausführungen: Als kompaktes Tischgerät, praktisches Standgerät oder Einbaugerät für die Theke. Zudem wird allgemein zwischen Wasserspender mit Festwasseranschluss oder Gallone unterschieden. Die unterschiedlichen Wasserspender sind für jeden Bedarf angepasst. Wir vergleichen für Sie die Vorteile und Anwendungsbereiche:
Wasserspender mit Festwasseranschluss oder Gallone?
Für die Gastronomie ist der leitungsgebundene Wasserspender die beste Option. Denn er ist hygienischer und kostengünstiger als der Gallonen-Spender. Generell ist ein Trinkwasserspender mit Gallone nur dann sinnvoll, wenn es keinen Zugang zur Wasserleitung gibt.
Wasserspender als Standgerät
Am üblichsten sind Wasserspender als Standgeräte. Für den Einsatz im Büro, der Arztpraxis oder Schule ist dieses Ausführung vorteilhaft, denn sie fällt direkt als kostenloses Trinkwasser-Angebot ins Auge. Für die Gastronomie ist ein Standgerät wiederum zu sperrig. Zumindest dann, wenn Sie den Spender in der Küche oder hinter der Theke platzieren wollen. Ein Standgerät ist nur dann sinnvoll, wenn Gäste sich Wasser selbstständig nachzapfen sollen. In diesem Fall stellen Sie den Wasserspender einfach frei zugänglich im Restaurant auf.
Wasserspender als Tischgerät
Das Tischgerät wird auf eine Küchenzeile oder Theke montiert. Mit seinen kompakten Abmessungen nimmt es kaum Platz weg. Wie alle leitungsgebundenen Wasserspender wird es an die hauseigene Wasserleitung angeschlossen. Die CO2-Flasche für Sprudel wird in einem Unterschrank geschickt verbaut. Die Vorteile des Tischgeräts sind der dezente Look, das platzsparende Format und die einfache Bedienung. Ein kurzer Tastendruck genügt, den Rest erledigt das Gerät: Sprudel und Mineralstoffe werden im Handumdrehen hinzugesetzt und das Trinkwasser auf die gewünschte Temperatur runter gekühlt.
Wasserspender als Einbaugerät
Einbaugeräte werden - ähnlich zu den Tischgeräten - an der Theke verbaut. Allerdings ist nur das sogenannte Ausgabeelement an der Arbeitsplatte montiert. Ein Ausgabeelement ist ein klassischer Zapfhahn oder eine Zapfsäule mit mehreren Wasserausläufen. Die Hauptkomponenten sind in einem Unterschrank versteckt und mit der Zapfeinheit verbaut. Dazu gehören eine CO2-Flasche zur Aufbereitung sowie das Kühlaggregat. Da sich ausschließlich der Zapfhahn auf der Küchenzeile befindet, nehmen Einbaugeräte den geringsten Platz in Anspruch. In der Zapfeinheit ist ein Filter verbaut, der das Trinkwasser reinigt. Ebenso wie das Tisch- und Standgerät bieten Einbaugeräte eine hohe Getränkeauswahl - je nach Modell sogar Heißwasser für Teeliebhaber! Wenn Sie eine eigene Tafelwasser-Marke To-Go anbieten wollen, eignen sich besonders Zapfhähne zur Flaschenabfüllung. Sie sind schmaler als gewöhnliche Zapfeinheiten und erleichtern den Abfüllprozess.
Wasserspender im Restaurant - was ist zu beachten?
1. Tafelwasser in der Speisekarte richtig deklarieren
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Leitungswasser und Mineralwasser! Leitungswasser gilt als aufbereitet, wenn es mit Mineralstoffen und Kohlensäure versetzt wird. In der Industrie wird Tafelwasser meist aus Mineral- und Leitungswasser gemischt. Unerwünschte Inhaltsstoffe werden entzogen, um im Nachhinein Mineralstoffe und Spurenelemente beizufügen. Auf dem Etikett darf anschließend nicht natürlich stehen. Bieten Sie eigenes aufbereitetes Wasser in Ihrem Restaurant an, muss es in der Karte als Tafelwasser deklariert sein. Sie dürfen das Wasser aus Ihrem Gastro-Wasserspender jederzeit als eigene Marke verkaufen. Tafelwasser benötigt keine explizite Zulassung, muss sich natürlich trotzdem an die Trinkwasserverordnung halten. Ein weiterer Vorteil: Sowohl Tafel- als auch Leitungswasser dürfen offen im Glas ausgeschenkt werden. Dagegen muss Mineralwasser in einer geschlossenen Flasche serviert werden - so die Mineralwasserverordnung. Erhält der Gast eine bereits geöffnete Flasche, hat er das Recht auf Umtausch. Mineralwasser muss außerdem direkt an der Quelle abgezapft werden. Es gilt zwar als natürlich, hat aber je nach Marke einen starken Eigengeschmack, der nicht jedem Gast behagt. Besonders der Genuss eines guten Weins wird durch den bitteren Mineralwaasser-Geschmack schnell getrübt. Tafelwasser dagegen hat den großen Bonus, dass es im Eigengeschmack milder ist und selbst Weinkennern mundet. Für welches Wasser Sie sich auch entscheiden: Denken Sie am Ende daran, Ihr Wasser korrekt in der Speisekarte zu bezeichnen!
2. Trinkwasserspender und Hygiene
Hygiene ist in der Gastronomie ist ein absolutes Muss. Wir verraten Ihnen, was in puncto Hygiene beim Wasserspender zu beachten ist. Zuallererst sollten die Gegebenheiten stimmen: Lassen Sie hauseigene Leitungen und den Zulauf für den Wasserspender überprüfen. Beides muss einwandfrei funktionieren und hygienisch sein. Bei der Installation misst ein professioneller Installateur den Reinheitsgrad Ihres Wassers. In der Regel werden folgende Werte bestimmt:
- Der Säuregehalt - mittels pH-Wert
- Die Anzahl freier Elektronen - mittels Redox-Wert
- Die Salzbelastung - durch die Leitfähigkeit des Wassers
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55df74a6a3ceca269d004c5b90999c81 | Von der Idee zur Realisierung: Eine Einrodnung eines besonderen Gremiums
1. Einleitung
Seit dem 30. Oktober 2018 gibt es in Deutschland wieder eine dritte Kinderkommission. Bis-lang gab es die des Deutschen Bundestages und die des Bayerischen Landtages. An diesem Tag konstituierte sich die Niedersächsische Kinder- und Jugendkommission unter der Schirmherrschaft und im Beisein der Niedersächsischen Sozialministerin Carola Reimann und nahm damit ihre Arbeit auf. Sie folgt damit der ersten niedersächsischen Kinderkommis-sion, die ihre Arbeit im Dezember 2016 begann und deren Amtsperiode mit dem vorzeitigen Ende der 17. Wahlperiode des Niedersächsischen Landtages am 30. November 2017 been-det wurde. Die Niedersächsische Kinder- und Jugendkommission hat eine andere Zusammensetzung als die beiden anderen Kinderkommissionen und nimmt dabei eine deutlich unterschiedene Stel-lung ein. Sie ist – das sei bereits an dieser Stelle erwähnt – keine Parlamentskommission, sondern eine Expertinnen- und Expertenkommission mit parlamentarischer Anbindung.
2. 2011 – 2015: Von der Idee zur Realisierung
Die Diskussion zur Einrichtung einer Kinderkommission in Niedersachsen hatte einen länge-ren Vorlauf. Grundlegend und Auslöser dafür war die Aufnahme von Kinderrechten in die Niedersächsische Verfassung (Art. 4a) im Jahr 2009 gewesen. Darauf und auf die UN-Kinderrechtskonvention bezogen sich im Folgenden auch die entsprechenden Anträge und Debatten im Niedersächsischen Landtag der 16 bis 18. Wahlperiode. Bereits in der 16. Wahlperiode des Niedersächsischen Landtages gab es im Jahr 2011 einen Antrag der Fraktionen von SPD, Bündnis 90/ Die Grünen und DIE LINKE, der die Einrichtung einer Kinderkommission des Niedersächsischen Landtages forderte . In der Beratung des Landtages wurde deutlich, dass alle Fraktionen des Landtages die Wahrung der Rechte der Kinder für wichtig und erforderlich hielten, es aber unterschiedliche Auffassungen zur instituti-onellen Verankerung gab. Die Regierungsfraktionen von CDU und FDP begründeten die Ab-lehnung der Einrichtung einer Kinderkommission vor allem damit, dass sie die Einsetzung eines Kinderschutzbeauftragten für die sinnvollere Lösung hielten. Aus diesem Grund lehnte der Landtag in seiner 106. Plenarsitzung am 26. Mai 2011 die Einrichtung der geforderten Kinderkommission ab.
3. 2013 – 2017: die erste Niedersächsische Kinderkommission
In der darauffolgenden Wahlperiode gab es erneut eine Initiative im Landtag, eine Kinder-kommission einzurichten. SPD und Bündnis 90/ Die Grünen hatte in ihrer Koalitionsvereinba-rung festgeschrieben: „…nach dem Vorbild des Deutschen Bundestages eine Kinderkommis-sion ein(zu)richten, die sich um die Interessen der niedersächsischen Kinder kümmert.“ Die Fraktion der CDU griff dieses Thema als erste im Landtag erneut auf und setzte mit ei-nem Entschließungsantrag die Regierungsfraktionen unter Zugzwang. Sie forderte in ihrem Antrag eine Änderung der Geschäftsordnung des Landtages, um eine „Kommission zur Wahrnehmung der Belange der Kinder (Kinderkommission)“ einzurichten. Auch hier war – wie bei dem Antrag aus der vorangegangenen Periode und angelehnt an die Vorbilder des Deutschen Bundestages und des Bayerischen Landtages – eine Kommission vorgesehen, die aus Landtagsabgeordneten bestehen sollte. In der Begründung dieses Antrages wurde auch darauf hingewiesen, dass die Kinderkommission nicht nur ein Unterausschuss des „für sozial-politische Themen zuständigen Ausschusses sein“ sollte . Mit dieser Formulierung wurde auf die Konstruktion der Kommission des Deutschen Bundestages, die formal ein Unteraus-schuss des zuständigen Ausschusses für Soziales ist, Bezug und davon Abstand genommen. In der ersten Beratung des Antrages im Landtag wurde von Seiten der Regierungsfraktionen kritisch angemerkt, dass die CDU in der vorangegangenen Periode statt einer Kinderkommis-sion einen Kinderschutzbeauftragten habe einsetzen wollen, dies dann aber nicht realisiert habe. Die Einrichtung einer Kinderkommission sei in der Koalitionsvereinbarung festgehalten, es sei aber erforderlich, so die Abgeordnete Julia Hamburg von Bündnis 90/ Die Grünen, eine Klärung des Verhältnisses zum Landesjugendhilfeausschuss herbeizuführen, um damit Dop-pelstrukturen zu vermeiden . Dies war der Anlass für die Regierungsfraktionen, im Rahmen der Beratungen dieses Antra-ges, ein eigenes Modell zu entwickeln, das anstelle einer Kinderkommission beim Landtag eine Mischung aus einer Parlamentskommission und einem Expertinnen- und Expertengre-mium vorsah, welches im Einvernehmen mit dem Landesjugendhilfeausschuss gebildet wer-den sollte. In einem entsprechenden Entschließungsantrag wurde die Landesregierung aufge-fordert, eine Kinderkommission aus zehn Mitgliedern einzurichten, der neben Abgeordneten des Landtages weitere externe Mitglieder angehören sollte. In der abschließenden Debatte im Landtag am 17. September 2015 wurde insbesondere die Verzahnung mit dem Landesjugendhilfeausschuss thematisiert und problematisiert. Vor allem die CDU befürchtete dadurch eine Einengung der Tätigkeit der Kinderkommission, während die Regierungsfraktionen ausdrücklich darauf hinwiesen, dass damit erreicht werden solle, keine Doppelstrukturen aufzubauen und Synergieeffekte zu erzielen . In den folgenden Monaten erarbeiteten das Sozialministerium, der Landesjugendhilfeaus-schuss und die Verwaltung des Landesjugendamtes einen Umsetzungsvorschlag zur Einset-zung einer Kinderkommission, der nach der Diskussion und Verabschiedung im Landesju-gendhilfeausschuss dann dem Landtag als Unterrichtung vorgelegt wurde . Zentrale Eckpunkte des vom Landesjugendhilfeausschuss verabschiedeten Umsetzungsvor-schlages waren - die Betonung der Unabhängigkeit der Expertinnen und Experten der Kinderkommission - die Verknüpfung mit dem Landesjugendhilfeausschuss mit der Kinderkommission durch ein Mitglied dieses Gremiums als Mitglied der Kinderkommission - das Vorschlagsrecht des Landesjugendhilfeausschusses für die „freien Mitglieder“ der Kinderkommission - sowie die Einrichtung einer Geschäftsstelle für die Kinderkommission. In dieser Form wurde schließlich die Kinderkommission offiziell beschlossen. In einer Be-kanntmachung des MS vom 12.10.2016 wurden die wesentliche Eckpunkte der Aufgaben, der Zielsetzung, der Zusammensetzung und der Arbeitsweise der Kinderkommission veröf-fentlicht und die Einrichtung einer Geschäftsstelle beim Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie festgelegt. Diese Geschäftsstelle wurde innerhalb des Landes-amtes dem Landesjugendamt zugewiesen. Die Kinderkommission nahm im Februar 2017 ihre Arbeit auf. Zum Vorsitzenden wurde Prof. Dr. Waldemar Stange, zu seiner Stellvertreterin Prof. Dr. Gunda Voigts gewählt. In der relativ kurzen Zeit, die dieser Kommission bis zum Ende der 17. Wahlperiode zur Verfügung stand, war die Beteiligung junger Menschen das Schwerpunktthema. Dafür wurde eine umfangrei-che Befragung durch das Niedersächsische Studieninstitut NSI in Auftrag gegeben . Über ihre Tätigkeit, die durch die vorzeitige Auflösung des Niedersächsischen Landtages noch etwas kürzer, als vorgesehen ausfiel, legte die Kinderkommission dem Landtag einen Bericht vor. Dieser ging dem Landtag der 18. Wahlperiode als Unterrichtung am 16.01.2018 zu.
4. Seit 2018: die Niedersächsische Kinder- und Jugendkommission
Nach dem Ende der 17. Wahlperiode dauerte die Konstituierung einer neuen Kinder- und Ju-gendkommission einige Zeit. Die Tätigkeit und Existenz der Kinderkommission war an die Wahlperiode des Landtages geknüpft. Eine Übergangsregelung, die wie auf der kommunalen Ebene die Geschäftsführung dieser Kommission bis zur Konstituierung der neuen Kommissi-on vorsah, gab es nicht, so dass eine Tätigkeitslücke entstand. Grundsätzlich hätte es ohnehin erst der Konstituierung des Nds. Landesjugendhilfeausschus-ses der 18. Wahlperiode bedurft, weil dieser nach der bis dahin geltenden Erlasslage das Recht hatte, Mitglieder für die Kinderkommission vorzuschlagen. Der Landtag der 18. Wahlperiode, der seine Tätigkeit im Januar 2018 aufnahm, ging aber den Weg, die Kinderkommission gesetzlich zu verankern, was wegen der erforderlichen Bera-tungszeit im Landtag die Konstituierung der neuen Kinderkommission verschob. Die entspre-chende Änderung des Ausführungsgesetzes zum SGB VIII dauerte bis zur dritten Lesung im Landtag am 20. Juni 2018, so dass die Neuregelung für die Konstituierung des nun Kinder- und Jugendkommission genannten Gremiums erst in der zweiten Jahreshälfte 2018 erfolgen konnte. Dabei gab es einige weitere Veränderungen gegenüber der Vorgängerkommission, so dass die neue Kommission sowohl von der Zusammensetzung als auch den Aufgaben kei-neswegs eine einfache Fortsetzung der bisherigen Kommission ist. Die nachfolgenden Ausführungen zur gesetzlichen Umsetzung beruhen u.a. auf dem ausführ-lichen schriftlichen Bericht des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Nds. Landtages vom 19.06.2018.
4.1. Die Regelungen des § 16 d Nds. AG SGB VIII im Einzelnen
Die Regelungen zur Kinder- und Jugendkommission wurden in einem neuen Abschnitt (Ab-schnitt 9) des Niedersächsischen Gesetzes zur Ausführung des Achten Buches des Sozialge-setzbuches getroffen. Mit dieser Regelung als separatem Abschnitt wird verdeutlicht, dass es sich um einen eigenständigen, von den anderen Regelungen des AG SGB VIII unabhängigen Bereich handelt. Obwohl eine Kinder- und Jugendkommission kein originärer Regelungsbe-reich des SGB VIII ist, wollte der Landtag offenbar kein eigenständiges Gesetz zur Einrich-tung einer Kinder- und Jugendkommission schaffen. Er verdeutlicht jedoch mit der Einfügung eines eigenen Abschnitts im AG SGB VIII, dass die Kinder- und Jugendkommission Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe in erheblichem Umfang berührt.
4.1.1. Überschrift „Niedersächsische Kinder- und Jugendkommission“
Die Überschrift des Abschnitts 9 macht zunächst – so unscheinbar das klingt - deutlich, dass es sich um eine Landeskommission handelt. Zudem wird klargestellt, dass sich der Aufga-benbereich der neuen Kommission auf Kinder und auf Jugendliche bezieht. Politisch gemeint sind damit Jugendliche bis zu einem Alter von 21 Jahren, wie die SPD-Abgeordnete Glose-meyer in der Landtagsdebatte feststellte . Diese Altersspanne geht über die formale gesetzli-che Definition hinaus. Die UN-Kinderrechtskonvention legt im Artikel 1 das Höchstalter eines Kindes auf 18 Jahre fest. Im SGB VIII wird im § 7 Abs. 1 unter der Ziffer 3 mit dem Begriff „Jugendlicher“ eine Person zwischen 14 bis unter 18 Lebensjahren definiert. Zu empfehlen ist – auch mit Blick auf die Kongruenz mit bestehenden rechtlichen Bestimmungen, dass sich der Aufgabenbereich der Nds. Kinder- und Jugendkommission im Wesentlichen auf die Al-tersspanne bis zu 18 Jahren bezieht. Im Alltag wird es allerdings nur bei formalen Anträgen z.B. an die Landesregierung und den Landtag erforderlich sein, auf die Einhaltung dieser Al-tersbestimmung zu achten.
4.1.2. Die organisatorische Einbindung der Kinder- und Jugendkommission
Der Absatz 1 legt fest, dass eine Kinder- und Jugendkommission „bei dem für Kinder- und Jugendhilfe zuständigen Ministerium eingerichtet“ wird. Damit wird einerseits der Organisationshoheit der Landesregierung Rechnung getragen, die den Geschäftsbereich der Kinder- und Jugendhilfe auch anders als aktuell organisieren kann. Andererseits wird damit die enge fachliche Verknüpfung der Kommission mit der Kinder- und Jugendhilfe sichergestellt. Diese Regelung soll einerseits die enge Verzahnung mit dem Ministerium ermöglichen, andererseits wird damit auch die Zusammenarbeit mit den beiden Säulen des Landesjugendamtes sichergestellt, das i.R. im Geschäftsbereich des zuständigen Ministeriums angesiedelt ist. Nach dem aktuell gültigen Geschäftsverteilungsplan der Nds. Landesregierung vom 28.01.2014 sind dem Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung unter den Ziffern 4.17 bis 4.20 die Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe zugewiesen. Diese Regelung des § 16 d Abs. 1. Satz 1 des AG SGB VIII ist insofern eine Besonderheit, weil die Kinderkommissionen des Deutschen Bundestages bzw. der Bayerischen Landtages Parlamentskommissionen sind. Sie sind nicht nur dem jeweiligen Parlament unmittelbar zugeordnet, sondern auch aus Abgeordneten zusammengesetzt. Damit werden die Fragestellungen über die Zusammensetzung ebenso einfach geregelt, wie die Möglichkeit, gegenüber dem jeweiligen Parlament unmittelbar zu agieren. Die niedersächsische Konstruktion hat in-folge ihrer Zuordnung zum exekutiven Bereich eine Reihe von Besonderheiten, ermöglicht aber in der Zusammensetzung (siehe dort) eine breitere Aufstellung und eine Kombination von fachlicher und politischer Zusammensetzung. Die Formulierung „beim“ zuständigen Ministerium legt zum einen fest, dass die Kinderkom-mission im Geschäftsbereich eingerichtet werden soll, macht aber auch deutlich, dass es nicht um eine Kinder- und Jugendkommission handelt, die im Ministerium angesiedelt ist. Das würde die Unabhängigkeit und Freiheit einer derartigen Kommission einschränken, was vom Landtag nicht gewünscht ist. Zu klären ist allerdings, wie mit Fragestellungen umgegangen werden muss, die den Bereich der Tageseinrichtungen und Tagespflege für Kinder berührt, da dieser Jugendhilfebereich dem Niedersächsischen Kultusministerium zugeordnet ist. Möglicherweise müssen entspre-chende Anträge und Fragestellungen, die den Geschäftsbereich des Kultusministeriums betreffen, über das Sozialministerium an dieses weitergeleitet werden. Der Landtag hat ausdrücklich festgeschrieben, dass es eine Geschäftsstelle geben muss. Zwar mag es eine Selbstverständlichkeit sein, dass für eine erfolgreiche Arbeit einer solchen Kommission auch eine Geschäftsstelle erforderlich ist, dem Landtag war es aber offenbar wichtig, diese Entscheidung nicht im Ermessen der Landesregierung zu belassen. Es ist eine Geschäftsstelle der Kommission, die nur an Weisungen und Beschlüsse der Kinder- und Ju-gendkommission gebunden ist. In der Unterrichtung des Landtages zur 1. Kinderkommission war die Formulierung „angemessen ausgestattet“ enthalten . Das ist zwar nicht näher be-stimmt, macht aber deutlich, dass die Ausstattung so bemessen sein soll, dass unter norma-len Umständen eine sachgerechte Arbeit der Kinderkommission erfolgen kann.
4.1.3. Der inhaltliche Auftrag der Kinder- und Jugendkommission
Der Absatz 2 beschreibt den Auftrag der Kinder- und Jugendkommission. Der Landtag hat es nicht dabei belassen, der Kinderkommission ihre Arbeit völlig freizustellen, sondern mit der Nennung bestimmter Gesichtspunkte verdeutlicht, welche Aufgaben ihm besonders wichtig sind. Es sind insbesondere vier Themenbereiche, die den inhaltlichen Auftrag der Kinder- und Ju-gendkommission darstellen. Sie soll sich - für die Belange von Kindern und Jugendlichen - deren gesellschaftliche Teilhabe - deren Schutz - und die Weiterentwicklung der politischen Beteiligungsmöglichkeiten einsetzen. Damit hat der Gesetzgeber der Kinderkommission ausdrücklich inhaltliche Aufträge mitgege-ben. Diese knüpfen in weiten Teilen an die bisherigen Diskussionen in den Landtagen der vo-rangegangenen Wahlperioden an. Die Formulierung „insbesondere“ ist als Öffnungsklausel zu verstehen und erlaubt der Kinder- und Jugendkommission, weitere Arbeitsbereiche und Aufgabenfelder aufzugreifen. Sie ist aber beauftragt, die explizit genannten Punkte vordringlich zu bearbeiten; sie kann diese nicht ignorieren und sich gänzlich anderen Themen zuwenden. Allerdings sind die Aufgabenberei-che umfassend genug formuliert, um der Kinder- und Jugendkommission einen breiten Aus-gestaltungsspielraum zu ermöglichen. Damit greift der Landtag zudem auch wesentliche Eckpunkte seiner Entschließung vom 17.09.2015 wieder auf. Auch damals war insbesondere die Partizipation ein zentrales Anliegen bei der Einrichtung einer Kinderkommission. Ausdrücklich ist der Kinder- und Jugendkommission die Öffentlichkeitsarbeit als Arbeitsauf-trag zugewiesen worden. Aber auch diese ist mit einer definierten Zielsetzung versehen und in der Ausgestaltung nicht frei Der Auftrag lautet ausdrücklich, das Bewusstsein für die Belange von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Es geht also nicht allein darum, bei der Öffentlich-keitsarbeit die Arbeit der Kinder- und Jugendkommission bekannt zu machen, sondern diese soll in die Gesellschaft mit einem bestimmten Auftrag hineinwirken. Bei der Tätigkeit der Kommission, z.B. bei öffentlichen Veranstaltungen oder Veröffentlichungen besteht dieser Grundauftrag immer und muss berücksichtigt werden. Die Kinder- und Jugendkommission ist ein Gremium, das sowohl der Exekutive als auch den im Landtag vertretenen Fraktionen Vorschläge und Empfehlungen unterbreitet. Diese Empfehlungen richten sich auf die Verwirklichung des Auftrages aus § 16 d Abs. 1 Satz 1 Nds. AG SGB VIII. Die Kinderkommission muss dabei nicht auf eine Anforderung warten; die aktive Formulierung stellt deutlich klar, dass es im Ermessen der Kinderkommission liegt, wann und welche Vorschläge und Empfehlungen sie unterbreitet. Dabei ist nicht näher ausgeführt, um welche Art von Vorschlägen und Empfehlungen es sich dabei handelt. Diese werden sich adressatengerecht gestalten müssen. Vorschläge und Empfehlungen, die im Wesentlichen den Charakter exekutiver Ausgestaltung haben, sind in erster Linie dem Ministerium zuzuleiten. Vorschläge und Empfehlungen, die insbesondere gesetzgeberischen Charakter haben bzw. haben müssen oder einen politischen Auftrag formulieren, werden sich an die Fraktionen des Landtages richten. Im schriftlichen Bericht des Ausschusses für Soziales, Integration und Gleichstellung heißt es dazu: „Zugleich soll auf Wunsch des Ausschusses ausdrücklich klar-gestellt werden, dass die Kinder- und Jugendkommission ihre Vorschläge und Empfehlungen sowohl dem Fachministerium als auch den einzelnen Fraktionen zuleitet. …es obliege der Landesregierung, gegebenenfalls gesetzgeberische Aktivitäten zu entwickeln und den Fraktionen, parlamentarische Initiativen zu ergreifen.“ Die Kinderkommission hat kein eigenes Antragsrecht gegenüber dem Landtag als Verfas-sungsorgan. Da die Kinderkommission mehrheitlich aus Nicht-Abgeordneten besteht und zu-dem außerhalb des Parlaments angesiedelt ist, ist ein eigenständiges Antragsrecht an den Landtag als Organ nicht begründbar. Die Fraktionen des Landtages sind als Adressaten ausdrücklich benannt und in dieser Form können Anträge „über Bande“ in den Landtag einge-bracht werden. Diese Vorschläge und Empfehlungen müssen durch die Kinder- und Jugend-kommission nicht einstimmig beschlossen sein. In der Entschließung des Landtages vom 17.09.2015, die zur Errichtung der ersten Kinderkommission geführt hat, war noch ausdrück-lich geregelt, dass die Anträge der Kinderkommission konsensual zustande gekommen sein mussten. Bei der Kinderkommission des Bayerischen Landtages ist in dem Antrag, der zu deren Einsetzung geführt hat, in der Ziffer 5 die Einstimmigkeit festgeschrieben. Bei der Kin-derkommission des Deutschen Bundestages gilt eine doppelte Zwei-Drittel-Mehrheit. Diese Regelung findet sich in der aktuellen gesetzlichen Regelung ausdrücklich nicht. In ihrer Ge-schäftsordnung hat die Kinder- und Jugendkommission im § 3 Abs. 2 dann auch festge-schrieben, dass die Beschlüsse mit einfacher Mehrheit erfolgen. Das ist für das Zustande-kommen von Beschlüssen sicherlich eine pragmatische Regelung. Es ist aber davon auszu-gehen, dass Beschlüsse mit größerer Tragweite mit größerer Mehrheit gefasst werden sollten, weil sie dann gegenüber den Empfängern auch ein größeres Gewicht haben. Darüber hinaus hat die Kinder- und Jugendkommission den Auftrag und auch das Recht, das Ministerium „zu allen Belangen von Kindern und Jugendlichen“ zu beraten. Diese Regelung geht weit über den Regelungsbereich des SGB VIII hinaus und ist als Generalklausel zu ver-stehen. Nicht geregelt ist dabei das Verfahren dieser Beratung. Es kann sich einerseits um eine Beratung handeln, die das Ministerium im Rahmen von aktuellen Prozessen von der Kommission erbittet, andererseits kann sich aber auch um Beratungen handeln, die aus deren Sicht erforderlich sind, ohne dass sie vom Ministerium zu einer entsprechenden Beratung aufgefordert worden wären. Insofern hat die Kinder- und Jugendkommission ein eigenständi-ges Initiativrecht bei der Beratungstätigkeit. Praktischerweise wird sich die Beratungstätigkeit der Kinder- und Jugendkommission auf wesentliche und zentrale Themen und Aufgaben beschränken müssen. Es wäre eine Über-forderung der Kommission, wenn sie zu allen, im Ministerium angesiedelten Themen und ak-tuellen Prozessen beraten sollten. Es wird sich angesichts der Aufgabenstellung auch nicht um Detailfragen z.B. bei der Gesetzesvorbereitung oder der Vorbereitung von Verordnungen und Erlassen handeln können. Eine derartige Detailarbeit entspricht weder dem Auftrag und der Intention der Kinderkommission, noch wäre sie praxisgerecht.
4.1.4. Die Zusammensetzung der Kinder- und Jugendkommission
Die im Absatz 3 des § 16 d AG SGB VII geregelte Zusammensetzung sorgt für eine Anbindung der Kinder- und Jugendkommission an den Landtag, eine Verknüpfung mit der Arbeit des Landesjugendhilfeausschuss und für die fachliche Kompetenz. Jede Fraktion des Landtages entsendet ein Mitglied in die Kinderkommission. Dabei muss es sich um Abgeordnete handeln (aus der Mitte); diese Funktion kann z.B. nicht auf Mitarbeite-rinnen oder Mitarbeiter der Fraktionen übertragen werden. Die Vorschläge und Empfehlungen der Kommission können auf diese Weise auch unmittelbar in den Fraktionen vertreten wer-den, wenn ein Mitglied der jeweiligen Fraktion auch die Tätigkeit der Kinder- und Jugend-kommission beurteilen kann. Die feste Obergrenze von 10 Mitgliedern ist entfallen, da die Zahl der Fraktionen von Wahlpe-riode zu Wahlperiode wechseln kann. Diese bisherige Obergrenze hätte zur Folge gehabt, dass die Erhöhung der Zahl der Landtagsfraktionen zur Reduzierung der Anzahl der freien Mitglieder und damit zu einer Veränderung der Gesamtzusammensetzung der Kinder- und Jugendkommission geführt hätte. Das hätte wiederum Auswirkungen auf den Charakter als Expertinnen- und Expertengremium. Die Zahl der weiteren Mitglieder ist dabei immer um eine Person höher, als die von den Fraktionen und dem Landesjugendhilfeausschuss benannten Mitglieder. Der Landesjugendhilfeausschuss (NLJHA) ist als Teil des Landesjugendamtes ein zentraler Baustein der fachlichen Kompetenz der Kinder- und Jugendhilfe auf Landesebene. Eine per-sonelle Verknüpfung der beiden Gremien auf Landesebene soll dafür sorgen, dass die Gre-mien nicht unnötig in Konkurrenz zueinander treten und ihre Tätigkeiten und Aufgaben besser aufeinander abstimmen können. Darüber hinaus ist durch diese personelle Verknüpfung ein Informationsfluss in beide Gremien gewährleistet. In jedem Fall aber muss es sich, wie bei den Landtagsfraktionen, um ein Mitglied des NLJHA und nicht z.B. ein Mitglied aus einem der Unterausschüsse handeln. Die weiteren Mitglieder der Kinder- und Jugendkommission werden auf Vorschlag des Lan-desjugendhilfeausschusses berufen. Damit soll sichergestellt werden, dass bei der Auswahl der Personen vor allem der Blick auf die fachliche Kompetenz gelegt wird. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Mitglieder des Landesjugendhilfeausschusses einen umfassenden Überblick über die entsprechenden Fachpersonen haben bzw. Vorschläge fachlich kompe-tent bewerten können. Die Mitglieder der Kommission werden alle vom Ministerium bestellt, aber nicht benannt. Die-ser formale Akt hat insofern eine Bedeutung, als damit erneut eine Bestätigung der Mitglieder durch das Ministerium erfolgt, was die Bedeutung ihrer Funktion symbolisch erhöht. Allerdings hat das Ministerium, folgt man dem Wortlaut des Gesetzes, kein eigenes Auswahl- und Be-nennungsrecht; es hat den Benennungen der Fraktionen und des Landesjugendhilfeaus-schusses zu folgen. Die zuvor dargestellt Zusammensetzung der Niedersächsischen Kinder- und Jugendkommis-sion ist eine Besonderheit. Sie verknüpft die Anbindung an den Landtag und den parlamenta-rischen Betrieb mit der unabhängigen Fachlichkeit. Das ist gegenüber der Kommission des Deutschen Bundestages und des Bayrischen Landtages eine deutliche Akzentverschiebung. In der Summe kann das die fachliche Qualität der Kommission und ihrer Vorschläge und Empfehlungen deutlich erhöhen, weil nicht nur politische bzw. fachpolitische Sichtweisen sondern auch die fachliche Kompetenz einfließen. Das kann die Durchschlagskraft dieser Vorschläge deutlich erhöhen, weil deutlich mehr Gesichtspunkte berücksichtigt werden kön-nen. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass die Erarbeitung der Vorschläge und Stel-lungnahmen mühsamer wird, weil eben auch weitaus mehr Gesichtspunkte bei der Erarbei-tung berücksichtigt werden müssen und eine Einigung auch zu Lasten einer Formulierungs-schärfe gehen kann.
4.1.5. Die Dauer der Amtsperiode der Kinder- und Jugendkommission
Die Amtsperiode der Kinder- und Jugendkommission ist an die Amtsperiode des Landtages gebunden. Diese Regelung ist wegen der Verschränkung mit den benannten Landtagsabge-ordneten auch nachvollziehbar. Allerdings führt die Kommission ihre Geschäfte bis zur konsti-tuierenden Sitzung einer neuen Kommission fort. Damit wird sichergestellt, dass es keine Lü-cke zwischen den Kommissionen der verschiedenen Wahlperioden gibt. Da die Benennung der Mitglieder der Kommission u.a. vom jeweiligen Landesjugendhilfeausschuss vorgenom-men wird, muss dieser sich ebenfalls erst nach Beginn einer neuen Periode konstituiert ha-ben. Das setzt voraus, dass der jeweilige Landtag seine Arbeit aufgenommen hat und die Fraktionen ihre Vertreterinnen und Vertreter im Landesjugendhilfeausschuss benannt haben, ebenso wie die Verbände, die zur Benennung von Mitgliedern erst nach Beginn der Wahlperi-ode aufgefordert werden. Diese müssen dann noch vom zuständigen Ministerium bestellt werden. Daher kann einige Zeit, ggf. mehrere Wochen oder gar Monate nach Beginn der Wahlperiode vergehen, bis der Landesjugendhilfeausschuss seine Arbeit aufnimmt und Vor-schläge für die Mitglieder der Kinderkommission machen und sein eigenes Mitglied benennen kann. In dieser Zeit führt die bisherige Kinder- und Jugendkommission die Geschäfte weiter und stellt auf diese Weise z.B. auch sicher, dass begonnene Projekte weitergeführt bzw. be-endet werden können. Die bisherigen Mitglieder, auch die Abgeordneten bleiben so lange Mit-glieder der bisherigen Kommission, bis sich die neue Kommission konstituiert hat. Das bedeu-tet aber auch, dass die bestellten Landtagsabgeordneten auch dann Mitglieder der Kommissi-on bleiben müssten, wenn sie durch die Wahl ihr Mandat verloren haben und dem Landtag der dann neuen Wahlperiode nicht mehr angehören. Außerdem ist davon auszugehen, dass die Kinder- und Jugendkommission in dieser Vakanz-zeit geschäftsführend im Amt ist und keine Vorschläge und Empfehlungen an den neuen Landtag mehr abgeben sollte. Zwar wird im Gesetz nicht von „geschäftsführend“ sondern von „Tätigkeit“ gesprochen; es wäre aber nicht sachgerecht, wenn eine Kommission, die nur noch besteht, um eine zeitliche Lücke zwischen zwei Wahlperioden zu überbrücken, noch neue Aktivitäten beginnt. Ausgeschlossen ist das allerdings nicht, sondern eher eine Frage des Umgangs miteinander. Darüber hinaus ist der jeweils neue Landtag noch nicht in seiner kon-kreten Arbeitsphase angekommen, so dass es auch nicht als sinnvoll anzusehen ist, in dieser Zeit Vorschläge und Empfehlungen zu machen, die zunächst keinen Widerhall im Landtag finden können. Die Mitglieder der Kinderkommission sind nicht hauptamtlich bestellt, sondern nehmen ein Ehrenamt wahr.
4.1.6. Die innere Organisation der Kommission
Das Gesetz verzichtet darauf, die Binnenstruktur der Kinderkommission im Detail zu regeln. Allerdings wird festgelegt, dass es eine Vorsitzende/ einen Vorsitzenden und eine Stellvertre-tung gibt. Diese müssen ordentliche Mitglieder der Kinder- und Jugendkommission sein. Wei-tere Regelungen gibt es nicht. Daher können z.B. auch die Vertreterinnen / Vertreter der Frak-tionen den Vorsitz oder die Stellvertretung übernehmen, Gleiches gilt auch für das vom Lan-desjugendhilfeausschuss benannte Mitglied. Die Kinder- und Jugendkommission gibt sich selbst eine Geschäftsordnung. Dafür macht das Gesetz keine formale Vorgaben, und es gibt auch keinen Genehmigungs- oder Anzeigevor-behalt gegenüber dem Ministerium, wie beim Landesjugendhilfeausschuss. Auch das ver-deutlich noch einmal die Unabhängigkeit der Kinder- und Jugendkommission. In dieser Ge-schäftsordnung legt die Kommission ihre Arbeitsmodalitäten fest. In der aktuellen Geschäfts-ordnung vom 30.10.2018 ist festgehalten, dass der/ die Vorsitzende die Kommission nach außen vertritt und die Sitzungen leitet. Auch sind im § 7 dieser Geschäftsordnung die Modali-täten der Sitzungen geregelt und im § 3 die entsprechenden Abstimmungsregelungen.
4.1.7. Die Verknüpfung mit dem Ministerium und dem Landtag
Die Kinder- und Jugendkommission hat die Verpflichtung, auf Wunsch des zuständigen Land-tagsausschusses, derzeit dem Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Be-richt zu erstatten. Der Ausschuss beschließt darüber in einer Sitzung, dass die Kommission Bericht zu erstatten hat („auf dessen Ersuchen“). Die Berichterstattung der Kommission er-folgt in einer Sitzung des Sozialausschusses. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die Kin-derkommission offiziell einem Gremium des Landtages berichtet. Dabei liegt das Initiativrecht beim Ausschuss. Bei dem Bericht ist allgemein über die Tätigkeit der Kinder- und Jugend-kommission zu berichten, aber das Hauptaugenmerk sollte auf den Vorschlägen und Emp-fehlungen und damit auf den inhaltlichen Ergebnissen liegen. Damit soll sichergestellt werden, dass der Landtag darüber informiert wird, wo und aus welchem Grund er ggf. initiativ werden sollte. Ubrigens sollte auch der Kultusausschuss als „zuständiger“ Ausschuss im Sinne des Gesetzes gewertet werden, da der Bereich der Kindertageseinrichtungen im Kultusministeri-um ressortiert, und es daher logisch ist, den Ausschuss für diesen Bereich der Jugendhilfe und des Aufwachsens von Kindern als im Sinne des Gesetzes als „zuständigen Ausschuss“ anzusehen. Gekoppelt mit der Mitgliedschaft von je einem Mitglied jeder Landtagsfraktion wird auf diese Weise in doppelter Weise sichergestellt, dass die Arbeit der Kinder- und Jugendkommission in die Tätigkeit des Niedersächsischen Landtags einfließt. Damit ist eine erhebliche Bedeutung dieser Kommission verankert; sie ist zwar keine Parlamentskommission, wie im Bundestag oder im Bayrischen Landtag, hat aber dennoch eine starke Bindung an den Niedersächsischen Landtag. Der Kinderkommission ist auch die Verpflichtung auferlegt, dem Landtag im letzten Jahr der Wahlperiode einen schriftlichen Bericht ihrer Tätigkeit zuzuleiten. Weder über Umfang noch über geforderte Inhalte gibt es Vorgaben, es ist aber davon auszugehen, dass mit diesem Be-richt ein Tätigkeitsnachweis erfolgen soll. Es ist vor allem ein Bericht, der deutlich zu macht, wie die Arbeit der Kinder- und Jugendkommission abgelaufen ist, ob und wennja, wo es Ver-besserungs- und Veränderungsbedarfe gibt. Dabei wird die Kinder- und Jugendkommission auch Vorschläge machen, welche Themen die jeweils nächste Kommission aufgreifen oder weiterführen sollte.
5. Fazit
Die niedersächsische Kinder- und Jugendkommission hat als Expertinnen- und Experten-kommission eine besondere Stellung in Deutschland. Sie kann gerade durch diese Zusam-mensetzung aus politischen und fachlichen Expertinnen und Experten einerseits die Diskussi-onen im Landtag zu der Situation, den Rechten und Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern- und Jugendlichen ermöglichen. Sie wirkt andererseits in die Gesellschaft hinein. Zudem er-höht diese Zusammensetzung die Bedeutung der von der Kinder- und Jugendkommission erarbeiteten Stellungnahmen und Expertisen. Die mit dieser Zusammensetzung unweigerlich verknüpfte besondere Einbindung in die Strukturen der Landespolitik ist eine Herausforderung, kann aber bei entsprechender Ausge-staltung die Wirksamkeit der Kommission ebenfalls stärken, weil sie eben nicht nur dem Landtag, sondern auch dem zuständigen Ministerium und dem Landesjugendamt gegenüber wirken kann. Die Kinder- und Jugendkommission wird nicht alle an sie gerichteten Erwartun-gen alleine erfüllen können, sondern bedarf dazu auch der Unterstützung durch das Landes-jugendamt und das Sozialministerium; vor allem aber offene Ohren und die Bereitschaft im Landtag und den zuständigen Behörden, die Vorschläge und Empfehlungen ernsthaft umzu-setzen. Es liegt an der Kommission und seinem Vorsitzenden, den Spielraum zur Ausgestaltung, der jetzt wegen der noch neuen Gesamtsituation groß ist, im Interesse der Kommission, vor allem aber im Interesse der Kinder- und Jugendlichen zu nutzen. Damit würde sie den gesetzlichen Auftrag erfüllen, den ihr der Landtag aufgetragen hat.
Dr. Dirk Härdrich | 3.03125 | 2.390625 | 2.765625 |
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Nur mit wandlungsfähigen, modularen Anlagen kann die Prozessindustrie schnell genug auf die sich ändernden Marktanforderungen reagieren. Klassische prozesstechnische Anlagen sind hierfür zu unflexibel und damit zu teuer. Zur Umsetzung eines modularen Anlagenbaus fehlt es derzeit aber noch an technischen Lösungen für die Automatisierung dieser Anlagen. Somit ist die Innovationskraft der Automatisierer gefordert. Denn sie dürfen nicht zum Hemmschuh bei der Realisierung neuer Anlagenkonzepte werden.
Für die Prozessindustrie spielen Themen wie Digitalisierung, Vernetzung und Automatisierung eine zunehmend wichtige Rolle. Insbesondere die chemisch-pharmazeutische Industrie entwickelt daher Modularisierungskonzepte für ihre Prozessanlagen. Neben verkürzten Produkteinführungszeiten will man so die Flexibilität der Prozessanlagen steigern. Untersuchungen zeigen, dass die Modularisierung von Prozessen möglich ist und gewinnbringend für die chemische Industrie sein kann; ein Beispiel ist das öffentlich geförderte EU-Projekt f3 Factory (flexible, fast, future). Dass eine modulare Automatisierungstechnik in Sachen Anlagenflexibilität Vorteile gegenüber einer konventionellen Automatisierung hat, zeigen verschiedene Studien von Automatisierungstechnikherstellern. Mit dem Dima-Konzept wird der Spezialist für elektrische Verbindungstechnik und Automatisierung Wago hierbei zu einem der Vorreiter. Dima steht für „Dezentrale Intelligenz für modulare Anlagen“ und viele Experten glauben, dass dieser Ansatz den verfahrenstechnischen Anlagenbau revolutionieren kann. „Auf der Namur-Sitzung 2014 zeigte die Firma Wago das erste Mal den Prototypen eines Engineering-Systems für modulare Anlagen. Basierend auf diesem Ansatz haben sich unterschiedliche Arbeitskreise der Namur und der Arbeitskreis (AK) „modulare Automatisierung“ des ZVEI zusammengetan, um gemeinsam eine herstellerneutrale Beschreibung von Modulfunktionalitäten, das Modul Type Package (MTP), zu definieren“, berichtet Dr. Jens Bernshausen von der Invite GmbH in Leverkusen und Sprecher des AK 1.12 „Automatisierung modularer Anlagen“ der Namur. Denn nur mit einer einheitlichen Beschreibung sei eine Integration von Prozessmodulen über Herstellergrenzen hinweg möglich. Die Ergebnisse aus diesem Kreis werden laut Bernshausen auf der diesjährigen Namur-Hauptsitzung präsentiert.
Flexibilisierung der Produktionsanlagen
Die Gründe für die Automatisierung modularer Anlagen in der chemischen Industrie und damit auch die Nutzenpotenziale für den Anwender sind laut Dr. Eckhard Roos, bei Festo, vielfältig. „Diese reichen von einer Flexibilisierung der Produktionsanlagen durch den schnellen Austausch von einzelnen verfahrenstechnischen Modulen, über einfache Kapazitätserweiterungen der Produktion für steigende Nachfragen im Markt, bis hin zu einer Verringerung der Komplexität von Produktionsanlagen bei Engineering, Inbetriebnahme und Instandhaltung“, erklärt der Leiter Process Automation Management bei Festo. Dadurch erwarte man Produktivitätsschübe in allen Phasen des Lebenszyklus von Produktionsanlagen. Gleichzeitig seien jedoch die Anforderungen an Automatisierungssysteme neu. Dr. Roos: „Das heißt, es geht weg von einem zentralen Prozessleitsystem hin zu intelligenten Modulen mit eigenen Automatisierungsfunktionen und Steuerungen.“ Das Konzept sehe vor, dass die Automatisierungsfunktion durch den Modulhersteller bereitgestellt wird mit eigener Hardware und dass der Modulhersteller statische Strukturinformationen zur Darstellung des Moduls im überlagerten HMI mitliefert. „Die Leitebene muss natürlich alle Module überwachen und auch die Bedienung der Module sollte möglich sein“, so der promovierte Ingenieur.
Und damit wird auch die Komplexität der Aufgabe klar, denn der Modulhersteller soll keine Vorgaben bekommen in Bezug auf zu verwendende Hardware und die Art der Darstellungen zum Beispiel von Messwerten in der Visualisierungsebene, der Anwender möchte natürlich die Darstellung von Messwerten in der Visualisierungsebene harmonisiert haben. Für Stephan Weidenfeller, Strategic Business Development Manager CEE bei Schneider Electric, gehören modulare Anlagenkonzepte in der Prozessindustrie mittlerweile zum A und O. „Anwender wollen generell schneller auf sich ändernde Marktbedingungen reagieren können – gerade wenn sie noch ausbauen oder hochskalieren wollen“, verdeutlicht er. Dies erfordere vor allem die Standardisierung der Schnittstellen zwischen den verschiedenen Automatisierungsmodulen.
Numbering-up statt Scale-up
Was genau muss man nun unter modularen Prozessanlagen verstehen und wie ordnet sich die Automatisierungstechnik in diesen Kontext ein? Es geht den Unternehmen der Prozessindustrie um ein verändertes Anlagendesign, das sich letztendlich hin zu modulbasierter Produktion entwickelt. Bei diesem Produktionskonzept wird die Kapazitätserhöhung der Anlagen nicht mehr durch den Bau kompletter, großer Anlagen, dem sogenannten Scale-up, verfolgt. Im Trend liegt das Betreiben bestehender Anlagen nach einem flexiblen Baukastensystem. Dahinter steckt das Konzept des sogenannten Numbering-up. Das Ziel von Numbering-up der Anlagen ist die Steigerung der Produktionsflexibilität durch parallel arbeitende Prozessanlagen, die nach dem Baukastensystem zugefügt oder entfernt werden können. Dabei steigt die Bedeutung für intelligente Automatisierungstechnik, denn sie unterstützt die Umsetzung dieses flexiblen Anlagenkonzepts.
Wie bedeutend das Thema für die Branche ist, zeigen die bereits erwähnten Aktivitäten der Verbände Namur und ZVEI. So hat letzterer das Whitepaper „Modulbasierte Produktion in der Prozessindustrie – Auswirkungen auf die Automation im Umfeld von Industrie 4.0“ herausgegeben und einen Arbeitskreis „Modulare Automation“ ins Leben gerufen. Und hierbei arbeitet man intensiv mit der Namur zusammen, die ebenfalls einen Arbeitskreis „Automatisierung modularer Anlagen“ hat. Dieser beschäftigt sich im Rahmen eines Erfahrungsaustausches von Konzeptentwicklungen, der Formulierung von Anforderungen an Automatisierungslösungen und der Beteiligung an der nationalen und internationalen Normung unter anderem mit einer Vielzahl an Themen. Dazu zählen beispielsweise die Beschreibung der Anforderungen an die Automatisierungstechnik für modulare Anlagen aus Sicht der Namur, die Darstellung der Chancen, des Nutzens und des Aufwands einer Modularisierung aus Sicht der Automatisierungstechnik, die Untersuchung zum Stand der Technik mit Augenmerk auf fehlende oder zu erweiternde Bausteine hinsichtlich einer vollen Modularität sowie die Beschreibung einer Roadmap der notwendigen Entwicklungsschritte aus Sicht der Anwender im Bereich Automatisierungstechnik. Thematisiert werden dort auch die Positionierung der Namur hinsichtlich eines sinnvollen Maßes von Modularisierung der Automatisierung modularer Anlagen sowie die Förderung herstellerübergreifender Standards für die Modularisierung von Automatisierungssystemen und deren Schnittstellen. Beide Verbände stellen aus dieser Arbeit Anforderungen (Namur Empfehlung NE 148) an beziehungsweise geben Empfehlungen für die Automatisierungstechnik bei modulbasierter Produktion und leiten daraus verschiedene Thesen ab.
Intelligente Module flexibel integrieren
Basierend auf der NE 148 hat Wago mit seinem Dima-Konzept eine Lösung für die modulare Automation mit dezentralen Intelligenzen vorgestellt. Die wesentlichen Anwendernutzen liegen dem Automatisierungsspezialisten zufolge in der offenen Architektur des Systems. Auf diese Weise können intelligente Module im laufenden System flexibel integriert oder abgekoppelt werden. Ein weiterer Anwendernutzen ist das kostengünstige Engineering der Gesamtanlage. Dazu erfolgt die Kommunikation zwischen der übergeordneten Leitebene und dem dezentralen Modul über eine herstellerneutrale Semantik.
Welche weiteren Vorteile bietet die modulare Automatisierungstechnik gegenüber einer konventionellen Automatisierung und was unterscheidet die beiden Ansätze? „Wenn wir über konventionell automatisierte Anlagen sprechen, müssen wir zunächst die Unterscheidung zwischen vollständig integrierter Automation und der konventionellen Integration von Package Units in ein Prozessleitsystem machen“, macht Bernshausen deutlich. Bei der vollständig integrierten Lösung seien alle prozessnahen Komponenten in ein zentrales Automatisierungssystem eingebunden. Der Operator habe Vollzugriff auf die Anlage. Gleichzeitig bedeute dies natürlich einen hohen Integrations- und Inbetriebnahmeaufwand nicht nur bei Erstinbetriebnahme, sondern auch bei nachträglichen Änderungen. „Die Integration von PUs, also dezentral automatisierten Komponenten mit einer proprietären Schnittstelle zur Integration, ermöglicht hier eine flexiblere Lösung“, verdeutlicht der Fachmann und fährt fort: „Leider verbietet dieser Ansatz den Zugriff auf die Feldebene.“ Die modulare Automatisierung versuche die Vorteile beider Ansätze zu kombinieren, ohne deren Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. „Die einzelnen Prozessmodule werden eigenständig automatisiert. Durch geeignete herstellerunabhängige Schnittstellen können diese dezentral automatisierten Einheiten in ein übergeordnetes Prozessführungssystem integriert werden, in welchem die Prozessmodule orchestriert werden“, erklärt er. Diese Schnittstellen würden zum einen eine variable Integrationstiefe, bis zum Vollzugriff auf das Modul, und zum anderen natürlich eine Kapselung der Modulfunktionalitäten ermöglichen. Dies führe zu einer Verringerung des Integrations- und Inbetriebnahmeaufwands und somit zu einer hohen Flexibilität.
Schwerpunkt liegt auf Algorithmen
Bei einem modularen Aufbau der Automatisierungstechnik liegt der Schwerpunkt auf verteilten Algorithmen in den Modulen und auf Vereinbarungen im Bereich der Modulschnittstellen“, erläutert Schneider-Electric-Experte Weidenfeller. Dies solle den Aufwand zum Aufbau einer Anlagenautomation verringern. „Bei einem klassisch-monolithischen Ansatz sind alle Details der Automatisierung immer zu konfigurieren“, nennt er den Unterschied dieses Konzeptes. Das bedeute mehr Aufwand, Zeit und Kosten. Festo-Manager Dr. Roos sieht den wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Ansätzen darin, dass bei der modularen Automatisierungstechnik das verfahrenstechnische Modul die Automatisierungsfunktionen bereits beinhaltet. „Der Modullieferant liefert die erforderlichen Hardwarekomponenten und SoftwarefunktIonen mit und auch die erforderlichen Informationen, um das Modul inklusive der Messwerte in dem übergeordneten Bedien- und Beobachtungssystem möglichst automatisiert zu integrieren“, so Dr. Roos. Dadurch würden Projekte schneller realisierbar, wirtschaftlicher und die eigentliche Produktion flexibler durch die Möglichkeit, Modulwechsel schnell vorzunehmen.
Wertschöpfung verlagert sich
Die Vorteile liegen also auf der Hand, aber wie sieht es mit dem Aufwand der Modularisierung aus Sicht der Automatisierungstechnik aus und welchen Nutzen birgt sie? „Der Aufwand und damit auch die Wertschöpfung verlagern sich“, macht Dr. Eckhard Roos klar. Der Lieferumfang der Modulbauer erweitere sich um die Automatisierungskomponenten. Durch Standardisierung der Module, etwa auch in Bezug auf die physischen Abmessungen, ließen sich neben einer schnelleren Lieferfähigkeit Module auch auf Lager fertigen und damit Kostenvorteile durch Economy of Scale erzielen. „Die Integration mehrerer Module zu einer Produktionsanlage ist die eigentliche Aufgabe“, so Dr. Roos. Aber auch hier stünden mittlerweile mit OPC UA und Automation ML Werkzeuge zur Verfügung, die eine hochgradig automatisierte Erstellung der Bedien- und Beobachtungsebene ermöglichen würden und natürlich auch den Transfer der Echtzeitdaten von der Steuerung zur Visualisierung in der Produktionsphase. Sein Kollege Weidenfeller gibt sich hinsichtlich des Aufwands skeptisch: „Hier gibt es noch einige Punkte, die Arbeit erfordern. Bestehende Automatisierungsplattformen müssen ertüchtigt werden, um den Anforderungen der modularen Automation zu genügen.“ Mit derzeitigen Lösungen seien umfangreiche applikative Anpassungen erforderlich – dennoch würden die Ziele von modularer Automation nur teilweise erreicht. „Hier gibt es definitiv noch Verbesserungsbedarf“, so sein Fazit.
Wenn es um die Automatisierung modularer Anlagen und deren unternehmensübergreifende Vernetzung geht, spielen auch standardisierte, herstellerübergreifende Schnittstellen eine wichtige Rolle. Automatisierer und Prozessindustrie machen hier ihre Hausaufgaben. „Die Zusammenarbeit von Anwendern und Herstellern funktioniert bei diesem Thema in Deutschland sehr gut“, verdeutlicht Dr. Roos. Die Namur habe mit der NE 148 vorgelegt und der ZVEI habe einen Spiegel-AK gegründet, der Möglichkeiten der technischen Umsetzung diskutiert. Als Ergebnis wurde laut Roos bereits zu Beginn des letzten Jahres ein White Paper des ZVEI vorgestellt, das die technische Umsetzbarkeit beleuchtet. „Kurz gesagt: der ZVEI-AK hält die „Modulare Automation“ für machbar und technologisch umsetzbar“, so der Festo-Manager. Durch die Beteiligung aller namhaften deutschen Hersteller im Bereich Leitsysteme, Sensorik und Aktorik in diesem Kreis sei die Nutzung von Standards sichergestellt, proprietäre Lösungen würden vermieden werden. Auch Schneider Electric hält standardisierte, herstellerübergreifende Schnittstellen für wichtig. Weidenfeller: „Die Zusammenarbeit von Herstellern und Anwendern ist ein zentraler Punkt.“ Einzelne Hersteller würden momentan versuchen, ihre Lösungen als Standard zu etablieren. „Derzeit existieren verschiedene Ideen, aber es gibt noch keine vereinbarten Standards“, schränkt er ein. Auch die Namur sieht hier die Automatisierer gefordert. Insbesondere die Forderung nach standardisierten herstellerunabhängigen Schnittstellen verlangt laut Verbandsexperten die Zusammenarbeit aller Hersteller.
Noch fehlen technische Lösungen
Die Experten sind sich also einig, nur mit wandlungsfähigen, modularen Anlagen kann die Prozessindustrie schnell genug auf die sich ändernden Marktanforderungen reagieren. Zur konsequenten Umsetzung eines modularen Anlagenbaus fehlt es derzeit aber noch an technischen Lösungen für die Automatisierung modularer Anlagen. Wie weit sind die Automatisierungsbranche und Prozessindustrie hinsichtlich der technischen Umsetzung einer Automatisierung modularer Prozessanlagen nun wirklich? Für den Schneider-Electric-Experten Weidenfeller stehen die Branchen noch am Anfang hinsichtlich der technischen Umsetzung. „Der Grad modularer Automationskonzepte ist auf jeden Fall ausbaufähig“, ist er überzeugt. Es gebe vielversprechende Ansätze, aber es fehle eine allgemeinverbindliche Einigung auf herstellerunabhängige technologische Standards. „Nach wie vor gestaltet sich beispielsweise bei Package-Unit-Anlagen die Integration der einzelnen Anlagenmodule in die Leitebene der Anlage als sehr aufwendig“, nennt er ein Beispiel.
Umsetzung auf gutem Weg
Und auch Dr. Eckhard Roos sieht die technische Umsetzung auf einem guten Weg. „Die ZVEI- und die Namur-Mitgliedsunternehmen arbeiten hier eng zusammen. Im Rahmen eines gemeinsamen Arbeitskreises wurde eine Modellanlage mit wenigen Behältern inkl. Sensorik und Aktorik definiert, für die ein sogenanntes Module Type Package (MTP) – eine herstellerneutrale Modulbeschreibung – entwickelt wurde“, erklärt er. Dieses MTP werde als Information von den Modullieferanten zukünftig erwartet. Auf der diesjährigen Namur-Hauptsitzung werden dann laut Dr. Roos mehrere Hersteller zeigen, dass diese MTP-Informationen bereits in die jeweiligen Zielsysteme zur Bedien- und Beobachtung mit wenig Aufwand importiert werden können. Damit werde die Machbarkeit des Ansatzes des modularen Anlagenbaus gezeigt. Und dies sei gut, denn die Automatisierungstechnik darf hier nicht der Bremsklotz sein, der eine schnelle Umsetzung der neuen Form des Anlagenbaus ver- oder behindere.
Ein modularer Anlagenbau führt also zu vollkommen neuen Möglichkeiten bei der Gestaltung der gesamten Wertschöpfungskette. Dabei sprechen Experten wie Dr. Eckhard Roos von der Flexibilisierung der Produktion in Bezug auf Kapazität und Prozess. Aber auch im Bereich des Engineering und der Beschaffung ergeben sich neue Möglichkeiten. Durch die Standardisierung ist es zudem einfacher, Module global zu beschaffen und diese marktnah zu einer Produktionsanlage zu integrieren. „Anlagen in modularer Bauweise können Containerformat haben und beispielsweise bei neuen Verfahren am Standort eingefahren werden, wo das Verfahrens-Know-how des Anwenders sitzt“, verdeutlicht er. Durch die Transportfähigkeit der Anlagen könne dann nach dem Einfahren die Produktion weltweit einfach verlagert und entsprechend marktnah produziert werden, woraus wieder Vorteile in der Logistik entstünden. Für Jens Bernshausen bietet der Modulare Anlagebau nicht nur Vorteile für den Anlagebauer und -betreiber, der zukünftig seine Anlage aus einem wachsenden Portfolio an Prozessmodulen „zusammenstecken“ kann. „Auch die Wertschöpfungskette der Prozessmodulbauer, heutigen Anbietern von ‚Package Units‘ wird sich erheblich verändern“, ist er sich sicher. Der Modulhersteller werde zukünftig in der Lage sein, seine Module unabhängig der beim Anlagenbetreiber vorhandenen Automatisierungsinfrastruktur zu automatisieren. Somit reduziere sich auch hier der Engineering-Aufwand. Ferner ergebe sich durch die automatisierungstechnische Kapselung der Prozessmodule die Möglichkeit für den Modulhersteller, zusätzlich Wartungs- und Instandhaltungsverträge anzubieten.
Prozessindustrie im Wandel
Die Experten sind sich einig, die Prozessindustrie ist im Wandel. Die Produktlebenszyklen werden immer kürzer. Produktionsanlagen wie wir sie heute kennen, werden zukünftig nicht mehr rentabel sein. Durch die Modularisierung von Produktionsanlagen wird eine Flexibilität im Produktionsprozess erreicht und damit langfristig die weltweite Wettbewerbsfähigkeit der Branche gesichert.
Freier Journalist
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c79d8aa9e42812e9c3abff798757d3b3 | erneuerbare Energien: Windenergie
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Windenergie ist, gleich der Wasserkraft, Biomasse und Umgebungswärme, mittelbare Sonnenenergie. Wind entsteht, wenn Temperaturunterschiede in der Atmosphäre Druckunterschiede nach sich ziehen, die über Luftströmungen den Ausgleich suchen.Eine ganze Reihe verschiedener Faktoren beeinflusst den Wind in Stärke und Richtung, so etwa die jahreszeitlichen Unterschiede, die Drehung der Erde und die Taumelbewegung ihrer Achse (Nutation), die Konzentration von Treibhausgasen und Meeresströmungen von unterschiedlicher Temperatur. Besonders aber die Topographie der Erdoberfläche hat großen Einfluss auf die Windgeschwindigkeit. Je rauer der Boden, desto niedriger ist die Windgeschwindigkeit in den bodennahen Atmosphärenschichten.Die daraus resultierende globale Windverteilung in den niederen Atmosphärenschichten lässt sich vereinfachend so beschreiben, dass im Inneren der Kontinente eher Flauten vorherrschen, die an den Küsten, auf See und auf den Kuppen der Gebirge auffrischen. Wind kennt sekundliche zeitliche Schwankungen aufgrund der Bodenturbulenz, minütliche durch Böen, stündliche und tageszeitliche durch den Tag-Nacht-Rhythmus, schließlich saisonale durch den Sonnengang und Großwetterlagen.Wenn auch Windenergieangebot und Energienachfrage der Menschen in der Regel zeitlich und örtlich nicht deckungsgleich sind, steht doch außer Zweifel, dass das Windenergiepotenzial der Erde um ein Mehrfaches größer ist als die gesamte derzeitige Energienachfrage; allein Patagonien im Süden Argentiniens könnte theoretisch den Energiebedarf der ganzen Menschheit decken. Ergiebig sind vor allem auch die pazifischen Küstensäume Nord- und Südamerikas und Asiens, die Nordmeerküsten Kanadas und Sibiriens sowie die Atlantikküste Nordafrikas, Frankreichs, Irlands und Schottlands.Weltweite Windenergienutzung ist nicht so sehr eine Frage der Technik der einzelnen Windenergieanlage, sondern der Anpassung von Energienachfrage und Energieangebot sowie des Transports des elektrischen Stroms über Verbundnetze kontinentaler Ausdehnung.Geschichtlich gehört Windenergie, zusammen mit Sonnenenergie und Biomasse (Holz, Gras, Schilf), zu den ältesten Nutzungsformen erneuerbarer Energien, ja, zu den ältesten genutzten Energien schlechthin. Von Windrädern wird schon 2000 vor Christi berichtet, vieles ist den Segeln von Segelschiffen verwandt, welche die Flüsse und Randmeere befuhren; die Physik beider ist dieselbe.Windenergie und wie man sie nutzen sollteDie ersten modernen Windparks wurden in den 1970er-Jahren in Kalifornien errichtet, auf den Pässen der pazifischen Randgebirge, über die der Wind kräftig und — wichtiger noch — ziemlich sicher vorhersagbar bläst. Das kommt daher, dass die auf der dem Pazifik abgewandten Seite der Randgebirge liegenden Wüsten regelmäßig am frühen Vormittag von der Sonne dermaßen erwärmt sind, dass die entstehende Thermik über die Pässe und Einschnitte des Gebirges große Luftmengen vom Pazifik nachzieht. In diesen Luftstrom werden die Windenergieanlagen gestellt. Der Wind flaut erst in der Nacht ab, lange nach Sonnenuntergang, dann, wenn die Oberflächen der Wüste als Folge der nächtlichen Abkühlung wieder Umgebungstemperatur angenommen haben, häufig erst weit nach Mitternacht!Dieser Vorgang wird aus zwei Gründen hier so ausführlich geschildert: zum einen, um zu zeigen, dass die Natur für die ansonsten nicht speicherbare erneuerbare Energie (hier Windenergie) eigene Speicher bereithält und — der zweite Grund — dass diese Speicherfähigkeit besonders dann willkommen ist, wenn sie dazu genutzt werden kann, Höchstverbrauchszeiten und Höchstangebotszeiten für Energie zusammenfallen zu lassen. Dies ist beispielsweise in Kalifornien, am Abend nach Sonnenuntergang, der Fall, wenn die Menschen von der Arbeit zurückkehren und die Klimaanlagen einschalten. Solche natürlichen Speicher erneuerbarer Energien gibt es viele. Das Gebot ist, sie zu finden und sie sich zunutze zu machen, so- dass Lastangebot und Lastnachfrage aneinander angepasst werden können.Das technische Potenzial der WindenergieHeute, 25 Jahre nach Wiederbeginn der modernen Windenergienutzung, gibt es weltweit Windenergieanlagen mit einer elektrischen Leistung von zusammen 8000 Megawatt, mit Schwerpunkten in den USA und in Europa, in Deutschland mit fast 3000 Megawatt (1999), zunehmend aber auch in Ländern rund ums Mittelmeer, in Indien, China und anderswo. Die Leistung pro Anlage ist mit den Jahren gestiegen. Am Anfang wurden Maschinen mit wenigen Kilowatt aufgestellt, danach mit zehn Kilowatt, heute mit mehreren 100 Kilowatt, ein bis zwei oder drei Megawatt pro Maschine werden erwartet. Je nach der Windleistung am Standort kann pro installiertem Kilowatt mit einer erzeugten elektrischen Energie von 2000 bis 4000 Kilowattstunden pro Jahr gerechnet werden. In Deutschland sind die bevorzugten Standorte an den Küsten von Nord- und Ostsee, im küstennahen Hinterland sowie auf den Mittelgebirgen des Binnenlandes. Aus einer neueren Potenzialabschätzung für die erneuerbaren Energien in Deutschland ergeben sich für das technische Potenzial der Nutzung der Windenergie zur Stromerzeugung bis zu 83 Millionen Megawattstunden pro Jahr; verglichen mit der Bruttostromerzeugung von 1996, die sich insgesamt auf etwa 548 Millionen Megawattstunden belief, sind das gut 15 Prozent. Dabei bleiben Offshore-Standorte, in denen die Windgeschwindigkeiten umso höher sind, je weiter sie vor der Küste liegen, bislang unberücksichtigt. Sie versprechen zwar, besonders hohe Potenziale zu nutzen, allerdings auch nur mit Anlagen, die dem rauen Betrieb auf dem Meer gewachsen sind. Ihre Zuverlässigkeit muss hoch, ihre Wartungsaufwendungen müssen klein sein.Im Vergleich zu anderen Energiewandlern erneuerbarer Energien sind Windkraftwerke — wie Wasserkraftwerke — auf sehr gutem Wege, sich ihre Marktposition zu erobern und zu halten. Weltweite jährliche Zuwachsraten von 20 bis 30 Prozent sind in den 1990er-Jahren zur Regel geworden.Das WindkraftwerkEine Vielzahl von Windkraftwerkstypen ist im Versuch erforscht worden. In der Praxis durchgesetzt hat sich letztlich nur ein Typ, die den Auftrieb nutzende Horizontalachsenmaschine mit zwei, drei oder vier Blättern aus faserverstärkten Kunststoffen, allenfalls ergänzt durch die Vertikalachsenmaschine nach Darrieus, die aber wohl eher ein Schattendasein fristet.Ein Windkraftwerk besteht aus drei Baugruppen, dem Rotor, dem Maschinenhaus und dem Turm. Im Maschinenhaus befinden sich als wichtigste Komponenten das Getriebe und der Generator. Mit dem Getriebe wird die Drehzahl des Rotors so weit heraufgesetzt, dass der Generator die benötigte Drehzahl erhält. Die maschinenbaulichen Komponenten machen die Hälfte der Kosten aus, die Elektrik ein Viertel. Neuere Entwicklungen werden die Kosten zu höheren Elektrik- und Elektronikanteilen verschieben, weil das mechanische Getriebe zugunsten elektronischer Regelung entfällt.Zurzeit zeichnen sich in der technischen Entwicklung fünf Tendenzen ab, die mit den Begriffen laminare Rotorblätter, überkritische Türme, freie Rotordrehzahl, Megawattmaschinen und windenergetische Wettervorhersage umrissen werden können.Laminare RotorblätterDie laminare Umströmung von Blattprofilen ist ein allgemeines Forschungsziel in der Strömungsphysik, gleich, ob es um die Konstruktion von Flugzeugen, Turbinen oder Blättern von Windenergieanlagen geht, da bei laminarer Umströmung mehr Strömungsenergie auf die Blätter übertragen wird als bei turbulenter. Der anströmende Wind hat jedoch immer turbulente Anteile, die durch eine geeignete Profilgebung und durch die Minimierung der Oberflächenrauigkeit zumindest teilweise geglättet werden können. Das hat Grenzen, denn betaute oder regennasse Rotorblätter und solche mit Eisansätzen oder Verschmutzung und Insektenbefall sind immer rau. Daher müssten die Blätter der Windkraftwerke, genau wie Flugzeugflügel, regelmäßig gewaschen werden.Unterkritische und überkritische TürmeWindkraftwerke wurden bislang in aller Regel mit unterkritischen Türmen gebaut, deren erste Biegeeigenfrequenz oberhalb der Rotordrehzahl liegt, also beim Anfahren des Rotors nicht durchfahren zu werden braucht. Was ist der Grund hierfür und gibt es Möglichkeiten, diese Einschränkung zu umgehen?Turm, Gondel, Rotor und Rotorblätter eines Windkraftwerks sind enormen dynamischen Kräften ausgesetzt, welche die einzelnen Bauteile sowie die Gesamtkonstruktion zu Bewegungen anregen. Besonders die Windanströmung, die mit Böen behaftet sein kann, sowie die Rotordrehung beeinflussen das Schwingungsverhalten der Windkraftwerke. Alle Bewegungen der Konstruktion müssen gedämpft sein, damit die Stabilität gewährleistet bleibt.Ein besonderes Augenmerk der Konstrukteure gilt den Biegeschwingungen des Turms. Wie jedes schwingende Bauteil hat er Eigenfrequenzen, bei denen die Dämpfung besonders gering ist. Stimmt die Drehfrequenz des Rotors mit der ersten Eigenfrequenz überein, so kommt es zur Resonanz: Der Turm beginnt stark zu schwingen, wodurch er im Extremfall sogar zerstört werden kann.Kurze, gedrungene Türme haben meist Biegeeigenfrequenzen, die oberhalb der Rotordrehfrequenz liegen (unterkritische Türme); die Gefahr der Übereinstimmung der Rotordrehfrequenz mit der Biegeeigenfrequenz des Turms ist nicht gegeben, Resonanz ist ausgeschlossen.Anders lange, schlanke Türme mit großem Gewicht auf der Turmspitze (überkritische Türme): Ihre erste Eigenfrequenz liegt unterhalb der Drehfrequenz des Rotors, sie muss bei jedem An- und Abfahren des Rotors beschleunigt durchfahren werden, um Verweilen in der Resonanzfrequenz zu vermeiden. Der Vorteil der überkritischen Türme liegt in der höheren Windgeschwindigkeit in größeren Höhen. Da die Leistung eines Windrotors in allererster Linie von der Windgeschwindigkeit abhängt, sind die überkritischen Türme gegenüber den unterkritischen wesentlich leistungsstärker; dies rechtfertigt die höhere Bauweise vollauf.Freie RotordrehzahlBei netzgekoppelten Anlagen gibt die Netzfrequenz die Drehzahl des Generators und über das Getriebe auch die Drehzahl des Rotors vor. Sie ist starr, ungeachtet dessen, dass das Windenergieangebot zeitveränderlich ist. Teile des Angebots müssen also ungenutzt vorbeistreichen, weil der drehzahlstarre Rotor keine Drehzahländerung erlaubt, die nötig wäre, um dem vermehrten oder verminderten Angebot zu folgen. Hier helfen Maschinen freier Rotordrehzahl, die dem Windenergieangebot folgen und bei denen die Frequenz des erzeugten Wechselstroms elektronisch auf die Netzfrequenz eingeregelt wird. Das Mehr an Energieausbeute rechtfertigt das Mehr an Investition bei weitem.MegawattmaschinenMegawattmaschinen werden Leistungen von einigen Megawatt haben. Auf zwei bis sechs der zurzeit üblichen Maschinen mit einigen Hundert Kilowatt Leistung käme dann eine der Megawattmaschinen. Wo sind die Vorteile? Die Zahl der Maschinen pro Aufstellungsfläche sinkt, und die spezifischen Investitionskosten können sinken. Dadurch wird die Nutzung der Windenergie lukrativer, vorausgesetzt, die leistungsstärkeren Anlagen sind genauso beherrschbar, zuverlässig und wartungsarm wie die heutigen kleineren. Zudem nimmt die Sichtbeeinträchtigung durch die Vielzahl von Türmen ab.Windenergetische WettervorhersageVielleicht ist die letzte der Entwicklungen die wichtigste: die windenergetische Wettervorhersage. Derzeit ist Windstrom aus Einzelanlagen zu nur sehr kleinen Teilen sichere Leistung. Es müssen andere Kapazitäten, in der Regel fossile Kraftwerke, vorgehalten werden, die einspringen, wenn der Wind abflaut. Windkraftwerke sparen also eigentlich nur punktuell Brennstoffe ein, ersetzen aber keine anderen Kraftwerke. Das könnte — zumindest teilweise — anders werden, wenn durch das Mittel einer verlässlichen, satellitengestützten windenergetischen Wettervorhersage sichere Leistung zeit- und mengengenau vorhergesagt werden könnte. Beispiel: Mit welcher Leistung eines Windkraftwerks etwa an der schleswig-holsteinischen Küste kann der Betreiber zu welcher Zeit rechnen, wenn ein Tief über Irland sich in West-Ost-Richtung mit bestimmter Geschwindigkeit nähert? Sollte diese Frage einst befriedigend beantwortet werden können, liegt der Nutzen auf der Hand: Teile der vorgehaltenen fossilen Reservekapazitäten könnten abgeschaltet, die Kapitalkosten gespart werden.Umweltaspekte der WindenergieWindkraftwerke sind nicht ohne Einwendungen geblieben: Sie seien laut, sie zerhackten das Sonnenlicht, wenn der Rotor sich zwischen der Sonne und dem Betrachter dreht, sie seien eine Gefahr für durchziehende Vogelschwärme, schließlich, sie verdürben das Landschaftsbild. Diese Kritik ist nicht unberechtigt, kann aber durch geeignete Maßnahmen zumindest teilweise entkräftet werden.Im Einzelnen: Eine der Geräuschquellen der Windkraftwerke ist das Getriebe. Für getriebelose, elektronisch geregelte Anlagen — und solche könnten die Regel werden — entfällt das Getriebegeräusch. Mit der aerodynamischen Optimierung der Rotorblätter wird auch das Geräusch kleiner, das entsteht, wenn sich bei turbulenter Strömung Wirbel von den Blättern lösen. Nur die Turbulenzgeräusche des Turms sind kaum zu beeinflussen, es sei denn, der Turmquerschnitt würde aerodynamisch profiliert und der jeweiligen Windrichtung nachgeführt — eine teure Lösung.Gegen das Zerhacken des Sonnenlichts gibt es nur die Lösung, auf Standorte zwischen einer Siedlung und der Hauptsonnenrichtung zu verzichten.Die Gefahr für Vögel ist weit überschätzt worden. Es hat Vogelunfälle gegeben, die gleichwohl nicht über die allgemeinen Risiken menschlichen Tuns für die Tierwelt hinausgingen. Die Vögel erkennen offenbar das Hindernis und umfliegen es.Schließlich, die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes ist objektiv gegeben, wird aber subjektiv sehr verschieden empfunden. Nach Gesichtspunkten der Landschaftsästhetik und der Sozialpsychologie ausgewählte Standorte, höhere Leistung der einzelnen Türme, mit der die Anlagenpopulation im Windpark klein gehalten werden kann, ästhetisch befriedigendes Design des einzelnen Kraftwerks, farbliche Anpassung des Turms an seinen Hintergrund, strikt synchrone Drehung der einzelnen Rotoren und dieselbe geometrische Ausrichtung der Rotoren eines Windparks bei Flaute — das sind einige Möglichkeiten, die dazu beitragen können, die landschaftliche Beeinträchtigung verantwortbar zu halten.Die Einwände sind letztlich nicht vollständig auszuräumen. Schließlich aber sollte die Güterabwägung den Ausschlag geben. Die Vorzüge der Windkraftwerke gegenüber den erschöpflichen, aber auch gegenüber den anderen erneuerbaren Energieformen sind unübersehbar: Sie verzehren keine betrieblichen Energierohstoffe, emittieren keine Treibhausgase oder sonstige Schadstoffe, erzeugen keine radioaktiven Spaltprodukte und radiotoxisches Plutonium und verursachen einen nur minimalen Landschaftsverbrauch, der dem Turmquerschnitt am Boden und den Zufahrtswegen entspricht; die landwirtschaftliche Nutzung unter den Rotoren bleibt möglich.Stetige Leistung mit Windenergie?Ganz zuletzt bleibt ein technisches Problem, für das es mancherlei Lösungsansätze gibt, das aber wohl noch geraume Zeit ungelöst bleiben wird: Die Verstetigung des fluktuierenden Stromangebots aus Windkraftwerken und damit die Anpassung an die prinzipiell stetigere Stromnachfrage der Nutzer. Solange die eingespeiste Menge an Windstrom im Verhältnis zur Kapazität des aufnehmenden Netzes klein bleibt — wie in aller Regel heute noch —, stellt sich das Problem kaum. Wird sie größer, müsste zwischengespeichert werden. Elektrische Batterien kommen nicht in Betracht, weil ihre Größe aber auch nicht im Entferntesten ausreicht. An der Entwicklung von supraleitenden Großspeichern wird zwar gearbeitet, sie wird aber noch geraume Zeit brauchen. Pumpspeicherkraftwerke setzten entsprechende Topographien voraus, die häufig nicht gegeben sind (wie in Norddeutschland). Schwungräder werden zwar entwickelt, jedoch auch wieder nur für verhältnismäßig kleine Leistungen.Was einstweilen bleibt, ist ein Quasispeichereffekt, der sich bei der Aufstellung von Windparks in so großen Entfernungen voneinander ergibt, dass der eine in einem Starkwindfeld arbeitet, während bei einem anderen Flaute herrscht. Ein ähnlicher Effekt stellt sich in manchen Weltgegenden bei der Kombination von Windkraftwerken und Photovoltaikanlagen ein. Wenn nachts die Sonne nicht scheint, mag der Wind wehen; wenn im Winter der Wind stark bläst, ist das Sonnenenergieangebot klein. Empirisch sind für solche Kombinationen bis zu 25 Prozent sichere Leistung nachgewiesen worden.Prof. Dr.-Ing. Carl-Jochen WinterWeiterführende Erläuterungen finden Sie auch unter:erneuerbare Energien: Perspektiven der NutzungHoffmann, Volker: Energie aus Sonne, Wind und Meer. Möglichkeiten und Grenzen der erneuerbaren Energiequellen. Leipzig u. a. 1990.Bennert, Wulf / Werner, Ulf-Jürgen: Windenergie. Berlin 21991.Betz, Albert: Wind-Energie und ihre Ausnutzung durch Windmühlen. Göttingen 1926. Nachdruck Grebenstein 1994.Hanus, Bo: Das große Anwenderbuch der Windgeneratoren-Technik. Grundlagen und Selbstbau von Windgeneratoren. Feldkirchen 1997.Heier, Siegfried: Nutzung der Windenergie. Ein Informationspaket. Köln 31996.Klöppel, Dieter / Krause, Christian L.: Windkraftparks in der Erholungslandschaft. Standortprobleme unter dem Aspekt von Landschaftsbild und Erholungsqualität. Sankt Augustin 1996.Windenergie 1998. Marktübersicht, Fachbeiträge, Adressen, Betriebsergebnisse 1997, herausgegeben vom Bundesverband WindEnergie e. V.Bearbeitet von Bernd Neddermann u. a. Osnabrück 1998.Windenergieanlagen. Nutzung, Akzeptanz und Entsorgung. Eine gemeinsame Arbeit der Programmgruppen der Forschungszentrum Jülich GmbH, bearbeitet von Manfred Kleemann u. a. Jülich 1998.Windkraft. Eine Alternative, die keine ist, herausgegeben von Otfried Wolfrum. Frankfurt am Main 21998.
Universal-Lexikon. 2012.
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Erneuerbare-Energien-Gesetz — Basisdaten Titel: Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien Kurztitel: Erneuerbare Energien Gesetz Abkürzung: EEG Art: Bundesgesetz Einspruchsgesetz … Deutsch Wikipedia
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) — 1. Allgemein: Das Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (ursprüngliches EEG vom 29.3.2000 (BGBl I 305), abgelöst durch das EEG, das der Bundestag am 2.4.2004 als Art. 1 eines Gesetzes zu Neuregelung des Rechts der Erneuerbaren Energien im… … Lexikon der Economics
Forschungsverbund Erneuerbare Energien — Der Forschungsverbund Erneuerbare Energien (FVEE) ist eine bundesweite Kooperation von Forschungsinstituten. Die Mitgliedsinstitute erforschen und entwickeln Techniken für erneuerbare Energien und deren Integration in Energiesysteme, für… … Deutsch Wikipedia
Aktienindex für erneuerbare Energien — Der Aktienindex für erneuerbare Energien, engl. Renewable Energy Industrial Index (RENIXX) bildet nach Aussage seiner Herausgeberin die „Performance der 30 weltweit führenden börsennotierten Unternehmen auf dem industriellen Zukunftsfeld der… … Deutsch Wikipedia
Europäischer Dachverband für erneuerbare Energien — Der European Renewable Energy Council (EREC) (dt. Europäischer Dachverband für erneuerbare Energien) ist der europäische Branchenverband der im Bereich erneuerbare Energien tätigen Hersteller, Händler und Forscher. In EREC zusammengeschlossen… … Deutsch Wikipedia | 4.21875 | 3.6875 | 3.5625 |
77c1fbe7e581e7de4047c5a42babb658 | Angesichts der aktuellen Krise an der Grenze zwischen Griechenland und der Türkei äußern sich mehrere Wohlfahrtsverbände und fordern einhellig eine europäische Verständigung und einen Verzicht auf Gewalt. Die Caritas appelliert, sich insbesondere auf die Aufnahme der geflüchteten Kinder und Jugendlichen zu einigen. Diakonie und Paritätischer fordern einhellig einen Stopp der Gewalt an Europas Außengrenzen. In einer „Erklärung von Lesbos“ weisen verschiedene Organisationen auf die dramatischen Zustände vor Ort hin.
Anlässlich des Treffens der Innenministerinnen und –minister der EU am 4. März 2020 appelliert der Deutsche Caritasverband, sich schnell auf die Aufnahme von geflüchteten Kindern und Jugendlichen von den griechischen Inseln zu einigen. Dazu Caritas-Präsident Peter Neher: „Die Forderung stellen wir schon länger, aber die dramatische Lage und die zunehmende Gewalt insbesondere auf Lesbos machen sie umso dringlicher“. „Die Sicherheit und die Gesundheit der geflüchteten Kinder sind auf den griechischen Inseln absolut nicht gewährleistet – das trifft auf alle zu, die sich dort aufhalten, aber für die Kinder hat es besonders gravierende Folgen.“
Neher begrüßt die Bereitschaft von Bundesinnenminister Horst Seehofer, bei seinen EU-Kolleginnen und Kollegen für die Aufnahme der geflüchteten Kinder und Jugendliche zu werben, die sich auf den griechischen Inseln befinden. „Eine Lösung mit 27 Ländern wird es vermutlich nicht geben, aber wenn einige bereitwillige Länder mitmachen, wäre schon sehr viel geholfen“, so der Caritas-Präsident. „Die Europäische Union muss sichtbar machen, auf welchen Werten sie gründet.“
Aus Sicht der Caritas dürfen die Kinder nicht von ihren Familien getrennt werden. Nicht nur in Deutschland haben mehrere Kommunen und Organisationen ihre Bereitschaft signalisiert, Menschen aufzunehmen. Die Caritas wird die Aufnahme im Rahmen ihrer Einrichtungen und Dienste aktiv unterstützen. „Klar ist aber“, betont Neher, „dass diese begrenzte Aktion die europäische Flüchtlingsfrage nicht lösen wird. Die freigewordenen Plätze, werden schon bald durch nachkommende Menschen besetzt werden.“
Das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, Caritas international, wird zudem vor Ort auf den Inseln Lesbos und Chios sowie am Grenzfluss Evros, wo die Flüchtlinge auf der türkischen Seite ausharren, in den kommenden Tagen mit Nothilfemaßnahmen beginnen. Die Caritas wird hierfür 100.000 Euro bereitstellen.
Unabhängig von diesen Schritten muss Griechenland weiterhin unterstützt werden, damit das Land den Geflüchteten menschenwürdige Lebensbedingungen bietet und die Wahrnehmung ihrer Grundrechte erlauben kann.
Die Umstände in Syrien, insbesondere in und um Idlib, und in Afghanistan, wo die meisten Menschen an der türkisch-griechischen Grenze herkommen, sind verantwortlich für die aktuelle Situation. „Seit Jahren wird beispielsweise das Ende der terroristischen Attacken in Afghanistan und des Krieges in Syrien angemahnt; die politischen Aktivitäten dazu sind eindeutig zu wenig“, so Neher, „da sind aber die Probleme und da müssen sie von der Politik, auch von der EU, angepackt werden“.
Weitere Informationen zur Flüchtlingshilfe in Griechenland finden sich bei der Caritas.
Nach Informationen der Diakonie Deutschland erwartet die EU-Grenzschutzorganisation FRONTEX, dass sich die Flüchtlingssituation an der türkisch-griechischen Grenze weiter stark zuspitzt. Nach der Ankündigung der Türkei, die Grenzen zur EU zu öffnen, könnte die Zahl der Menschen in den griechischen Flüchtlingslagern drastisch steigen. Derzeit wird von 13.000 Menschen auf der türkischen Seite zu Griechenland gesprochen, darunter viele Kinder.
Dazu sagt Diakonie-Präsident Ulrich Lilie: „Die derzeitige Gewalt durch die griechische Grenzpolizei und FRONTEX hat ein noch nie dagewesenes Ausmaß gegenüber Flüchtlingen erreicht. Wir fordern Griechenland und die EU auf, den Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern gegenüber Menschen, die Schutz suchen, sofort zu beenden. Das Abhalten von Militärmanövern mit scharfer Munition in der Ägäis als Drohkulisse ist angesichts teilweise traumatisierter Personen unverantwortlich. Eine quasi-militärische Sicherung der EU-Außengrenzen gegenüber Flüchtlingen verträgt sich nicht mit unseren europäischen Werten. 13.000 Menschen sind kein Grund, einen Notstand auszurufen und Asylanträge auszusetzen. Wir brauchen dringend eine politische Lösung und europäische Verständigung in dieser in jeder Hinsicht gefährlichen Krise, aber keine weitere Gewalt. Die Bundesregierung muss helfen, eine europäische Verständigung vorzubereiten, um die Situation nachhaltig zu entschärfen.“
Die Diakonie Deutschland ist gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der SEEBRÜCKE Unterzeichnerin der „Erklärung von Lesbos“. Gemeinsam mit vielen Verantwortlichen aus Kommunen, Kirchen und der Zivilgesellschaft spricht sich die Diakonie Deutschland für ein gemeinsames Einstehen für mehr Mitmenschlichkeit aus. Kommunen, Städte, Landkreise, Kommunen und diakonische Einrichtungen müssen Zufluchtsorte für alle Menschen bleiben, die Anspruch auf Hilfe und Schutz haben.
Als „schamlos“ kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband den aktuellen Kurs der Europäischen Union in der Flüchtlingspolitik und warnt vor einer weiteren Eskalation der humanitären Lage an den europäischen Außengrenzen. Der Verband fordert die deutsche Bundesregierung auf, sich für eine sofortige Aufnahme der Flüchtlinge vor Griechenlands Grenzen, eine solidarische Verteilung innerhalb der Europäischen Union und eine angemessene Unterstützung der Türkei einzusetzen.
„Das, was gerade an der griechisch-türkischen Grenze passiert, ist eine wahre Bankrotterklärung und des europäischen Gedankens unwürdig. Griechenland hat mit Billigung der EU das individuelle Asylrecht, geltendes EU-Recht, außer Kraft gesetzt. Das stellt eine echte Zäsur dar und darf nicht unwidersprochen bleiben“, kritisiert Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbands.
Der Paritätische sieht Deutschland und die Europäische Union in der Verantwortung, aktiv zu werden und Verantwortung im Flüchtlingsschutz zu übernehmen. Griechenland dürfe in der Situation nicht länger alleine gelassen werden, sondern müsse befähigt werden, sich auch an geltendes EU-Recht zu halten. „Das individuelle Asylrecht ist ein Menschenrecht und darf nicht ausgehebelt werden. Wer Schutz sucht, hat ein Recht auf ein faires und rechtsstaatliches Verfahren und muss dieses auch in Europa bekommen“, so Rosenbrock.
Außer der Bereitschaft, Schutzbedürftige aufzunehmen und Lasten und Verantwortung innerhalb der Europäischen Union solidarisch zu teilen, fordert der Paritätische die Schaffung weiterer legaler Wege der Zuwanderung nach Deutschland und Europa. Dazu gehörten auch humanitäre Visa und verbesserte Regelungen des Familiennachzugs. „Es kann nicht sein, dass die Europäische Union den Flüchtlingsschutz komplett in die ohnehin schon überbelasteten Krisen- und Transitstaaten abschiebt“, so Rosenbrock. Die „solidarische Aufnahme von Schutzsuchenden in der EU statt nationaler Abschottung“ seien das Gebot der Stunde.
Quellen: Deutscher Caritasverband e.V. vom 04.03.2020, Diakonie Deutschland - Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. vom 02.03.2020 und Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e.V. vom 02.03.2020 | 3.265625 | 2.234375 | 2.390625 |
4bdb08c6e80bc2aa6f3ed26195c93dfc | Personalrecruiting, Personalentwicklung als Onlineschulung oder Webinar
Weiterbildung, z.B. zu Personalrecruiting, Personalentwicklung, steht hoch im Kurs. Tatsächlich sind viele Berufstätige daran interessiert, einen Step auf der Karriereleiter zu machen oder das eigene Fachwissen auf einen neuen Stand zu bringen. Viele sehen jedoch von einer Fortbildung ab, da diese in Vollzeit zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Hinzu käme ein Verdienstausfall, der einkalkuliert werden müsste.
Zum Glück gibt es berufsbegleitende Onlineschulungen und Webinare. Diese Form der Weiterbildung wird aufgrund ihrer großen Beliebtheit von mehr und mehr Akademien und Instituten angeboten. Webinare, beispielsweise im Bereich Personalrecruiting, Personalentwicklung, finden meist nicht zu festgesetzten Terminen statt, sondern können von den Teilnehmern individuell abgerufen werden. Auf diese Weise ist man als Kursteilnehmer maximal flexibel und kann beispielsweise in den Abendstunden oder sogar von unterwegs, z.B. aus einem Zug, seinen Lernstoff durchnehmen.
Mitunter versammeln sich die Kursteilnehmer in virtuellen Klassenzimmern, um gemeinsam Fragen zu klären und von einem Dozenten Anweisungen und Aufgabenstellungen zu erhalten. Die meisten Onlineschulungen zum Thema Webinar und Fernlehrgang Personalentwicklung beinhalten auch einige Präsenztermine. Die Lernform wird dann häufig als Blended Learning bezeichnet. Prüfungen finden meist vor Ort statt. Nichtsdestotrotz spart man bei Webinaren und Onlinelehrgängen viel Zeit, indem man sich für den regulären Unterricht nicht punktgenau im Klassenraum der Akademie einfinden muss.
Personalrecruiting, Personalentwicklung im Fernlehrgang
Jeder möchte in seiner Karriere vorankommen oder sich persönlich weiterentwickeln. Da die Zeit neben Beruf und Familie jedoch knapp bemessen ist, stellt sich die regelmäßige Teilnahme an der Fortbildung für viele als große Herausforderung dar. Kein Wunder, dass Fernlehrgänge darum immer beliebter werden. Sie ermöglichen den Kursteilnehmern von zu Hause aus oder sogar von unterwegs an einer Weiterbildung, beispielsweise im Bereich Personalrecruiting, Personalentwicklung, teilzunehmen. Anders als beim klassischen Präsenzunterricht gibt es kein Seminarraum, in dem sich die Teilnehmer versammeln und dem Unterricht durch einen Dozenten folgen. Manchmal sind jedoch auch bei einem Fernlehrgang einzelne Präsenztermine angesetzt, in denen das erworbene Wissen zu Webinar und Fernlehrgang Personalentwicklung vertieft wird. Die meisten Bildungsträger organisieren den Fernunterricht per Lehrbrief. Diese werden den Kursteilnehmern regelmäßig zugesandt und müssen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgefüllt zurückgeschickt werden. Anschließend erfolgt die Erfolgskontrolle. Immer häufiger wird auch das Internet für Fernlehrgänge zum Thema Personalrecruiting, Personalentwicklung genutzt. Webinare oder Onlineschulungen zum Thema unterstützen den Kursteilnehmer dann beim Lernen seiner Lektionen. Noch ein kleiner Hinweis: Oft wird der klassische Fernlehrgang in der Mundart als Fernstudium bezeichnet. Bei einem Fernstudium geht es allerdings immer um klassische Studiengänge zum Bachelor oder Master.
Um den Personalbedarf in einem Unternehmen zu ermitteln und geeignete Mitarbeiter zu finden, muss die Personalabteilung über sämtliche Vakanzen innerhalb der Firma in Kenntnis gesetzt sein.
Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel ist es unerlässlich, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und durch geeignete Maßnahmen langfristig an Ihr Unternehmen zu binden. Um einen optimalen Nutzen für das Unternehmen zu erhalten, müssen alle Prozesse der Personalentwicklung sorgfältig geplant, durchgeführt und evaluiert werden.
Was sind Ziele der Personalentwicklung?
Die Personalentwicklung stellt für Unternehmen ein Mittel zu Erreichung und Sicherung der strategischen Unternehmensziele dar. Durch eine systematische Personalentwicklung erreichen Sie eine Verbesserung der Wettbewerbssituation und des Unternehmenserfolges. Sie als Unternehmer oder Mitarbeiter im Bereich Personalmanagement profitieren genauso wie der geförderte Mitarbeiter. Es entsteht die sprichwörtliche win-win Situation.
Wichtige Fragen für Personalrecruiter:
- Wie viele Mitarbeiter werden benötigt?
- Was muss die Mitarbeiter auszeichnen bzw. welche Anforderungen weist die Vakanz aus?
- Zu welchem Zeitpunkt werden die Mitarbeiter benötigt?
- Wo werden die Mitarbeiter eingesetzt?
Personalverantwortliche können auf verschiedene Möglichkeiten der Personalbeschaffung zurückgreifen. Grundsätzlich unterscheidet man die interne Besetzung von Vakanzen und die aktive
Personalbeschaffung von außen.
Nutzen der Personalentwicklung für Mitarbeiter
Ihre Mitarbeiter profitieren in vielfacher Weise von den entsprechenden Maßnahmen. Durch die Verbesserung Ihrer fachlichen und persönlichen Qualifikation werden bisher ungenutzte Potenziale und Fähigkeiten aktiviert. Daraus ergeben sich intern wie extern bessere Karriere- und Einkommenschancen. Ihre Mitarbeiter minimieren das Risiko, den Arbeitsplatz zu verlieren, erfahren einen Zugewinn an Motivation, Zufriedenheit im Beruf, persönlicher Anerkennung und die Möglichkeit einer Einkommenssteigerung.
Nutzen der Personalentwicklung für Unternehmen
Sie profitieren ebenso in vielfacher Weise von den Maßnahmen Ihrer Personalentwicklung. Durch die Qualifikation Ihrer Mitarbeiter wächst deren Zufriedenheit, Motivation, Leistungsbereitschaft und Loyalität Ihrem Unternehmen gegenüber. So sichern Sie Ihre Wettbewerbsfähigkeit, Ihren unerlässlichen Fach- und
Führungskräftebestand und entwickeln Ihre Nachwuchsführungskräfte. Sie binden Ihre Fachkräfte erfolgreich an Ihr Unternehmen. Durch die geringere Fluktuation reduzieren Sie auch Ihre Personalbeschaffungskosten.
Weiterbildung Personalentwicklung
In unserer Seminardatenbank befinden sich zahlreiche Kurse zum Thema Personalentwicklung. Die hier angebotenen Seminare beinhalten breit gefächerte Themen zur Verbesserung der fachlichen und sozialen Kompetenz Ihrer Mitarbeiter, wie zum Beispiel Office Management, Software Trainings,
Motivationstrainings, Präventionsmanagement, Personalcontrolling und
Personalorganisation.
Weiterbildung Personalrecruiting
Personalrecruiting-Maßnahme können sich Personaler in Weiterbildungen aneignen. Während inerne Personalbeschaffung meist über Stellenausschreibungen im Intranet, in der Mitarbeiterzeitung oder über anderweitige interne Medien funktioniert, muss die externe Personalbeschaffung über Stellenbörsen oder die Agentur für Arbeit vorgenommen werden.
Methoden des Personalrecruiting sind beispielsweise:
- Stellenausschreibungen über Jobbörsen
- Hinzuziehung von Personalvermittlern
- Ansprache über soziale Medien
- Vermittlung über die Agentur für Arbeit
Unter Seminare, Ausbildung oder Weiterbildung vergleichen in Personalrecruiting, Personalentwicklung finden Sie 12 Kurse in der Stadt und weitere Städte in Ihrer Nähe | 3.046875 | 2.15625 | 2.625 |
908f51020ce6a2550f44b3cf6a2a1a16 | Vom Klein-Sein zum Einstein
Die naturwissenschaftliche Bildung ist für die Entwicklung von Kindern zentral. Daher gilt es, die kindliche Neugier und den Forschergeist aufzunehmen und sie gemeinsam mit Kindern, Eltern und pädagogischen Fachkräften in Bildungsprozessen umzusetzen.
Bei „Vom Klein-Sein zum Einstein“ werden Kinder durch lebensnahe Experimente an das naturwissenschaftliche Denken herangeführt. Das Projekt ermöglicht es den teilnehmenden Kindertagesstätten, dem kindlichen Interesse an Naturphänomenen Rechnung zu tragen und Gelegenheiten zum Beobachten und Schlussfolgern, zum Experimentieren und Erklären, zum Zählen, Messen und Vergleichen, zum Erfahren und Erfassen von geometrischen Objekten zu schaffen.
Darüber hinaus wird dazu angeregt, die lernmethodische Kompetenz der Kinder zu fördern und damit das Bewusstsein der Kinder für ihre eigenen Lernprozesse geschärft. Durch den Einbezug der Eltern wird es möglich, die Lernprozesse in der Kita mit dem Alltag zu Hause in Verbindung zu bringen und dort zu vertiefen. Eltern und pädagogische Fachkräfte werden so zu Erziehungspartnern der Kinder.
Kinder stellen Fragen, möchten ihre Welt verstehen, sind Forschende und Erfinder*innen. Mit „Vom Klein-Sein zum Einstein“ wird die Neugier und der Forschergeist bei Kindern, Eltern und pädagogischen Fachkräften geweckt.
Befunde aus der Hirnforschung bestätigen: Kinder sind zwischen 3 und 6 Jahren äußerst neugierig und experimentierfreudig. Sie interessieren sich für Naturphänomene und suchen nach Zusammenhängen von Ursache und Wirkung. Sie beobachten Veränderungen genau und konfrontieren Erwachsene mit Warum-Fragen.
Das Projekt „Vom Klein-Sein zum Einstein“ ermöglicht eine wesentliche Erweiterung des naturwissenschaftlichen Angebotes für Kindertagesstätten und verankert eine interdisziplinäre Konzeption ganzheitlichen Lernens situativ im pädagogischen Alltag.
„Vom Klein-Sein zum Einstein“ ermöglicht es, Kindern früh ihrer Begeisterung für naturwissenschaftliche Themen nachzugehen. Hierzu werden die pädagogischen Fachkräfte in den Kindertagesstätten weitergebildet, Eltern-Kind-Workshops durchgeführt und Lernwerkstätten eingerichtet.
Die pädagogischen Fachkräfte werden in entwicklungspsychologische und pädagogische Erkenntnisse zum naturwissenschaftlichen Denken bei Kindern eingeführt und darin unterstützt, selbst für ausgewählte Phänomenbereiche Lerneinheiten zu entwickeln. Diese Fortbildungen helfen dabei, Berührungsängste zu überwinden, und ermutigen dazu, eigene Bildungskonzepte im Team umzusetzen.
Auch die Eltern werden in die Projektarbeit einbezogen. Sie werden über die laufenden Bildungskonzepte und den Projektverlauf regelmäßig informiert und erhalten darüber hinaus in Eltern-Kind-Workshops Anregungen dazu, wie sie die Lernerfahrungen ihrer Kinder im Alltag zu Hause unterstützen können und auch zu Hause mit ihren Kindern zu experimentieren. So gelingt es, die Lernprozesse in der Kindertagesstätte mit dem Alltag zu Hause in Verbindung zu bringen und zu vertiefen.
Um die Lernprozesse in den Kita zu unterstützen, werden im Projekt, abgestimmt auf den spezifischen Bedarf, Lernwerkstätten eingerichtet. Lernwerkstätten sind Orte, an denen Kinder mit unterschiedlichen Interessen und Voraussetzungen mit bereitgestellten Materialien mit allen Sinnen forschen, entdecken, spielen und reflektieren können.
Die beiden Projekte („Erzählwerkstatt“ und „Vom Klein-Sein zum Einstein“) können mittlerweile deutschlandweit von Mitgliedsunternehmen der Wissensfabrik in Kindertagesstätten umgesetzt werden.
Die „Wissensfabrik – Unternehmen für Deutschland e.V.“ ist eine Initiative von Unternehmen und Stiftungen, die sich für Bildung von Kindern und Jugendlichen sowie Unternehmertum in Deutschland engagiert. Das bundesweite Netzwerk der deutschen Wirtschaft zählt mehr als 140 Mitglieder aller Branchen und Größen. Ziel ist es, den Austausch zwischen Wirtschaft, Bildungseinrichtungen und Wissenschaft zu fördern, um so die Innovationsfähigkeit Deutschlands zu stärken. In rund 2.900 Bildungspartnerschaften engagiert sich der gemeinnützige Verein mit Sitz in Ludwigshafen für Wissenstransfer und Kompetenzentwicklung in Naturwissenschaften, Technik sowie wirtschaftlichem Denken und Handeln. Ein Schwerpunkt sind Bildungsprojekte für Kindergärten und Grundschulen, die gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern entwickelt wurden. Außerdem begleitet die Wissensfabrik junge Unternehmer bei der Umsetzung ihrer Geschäftsideen mit einem Mentoringprogramm und mit der Gründerinitiative WECONOMY. Die Wissensfabrik ist eine besonders wirkungsvoll arbeitende Organisation: Für ihr Technik-Projekt KiTec hat sie das Phineo Wirkt-Siegel erhalten.
„Es war für uns pädagogische Fachkräfte einfach schön, den Kindern beim Experimentieren zuzusehen.“
„Ich bin selber viel geduldiger geworden. Wir haben jetzt eine Woche nur mit Luftballons experimentiert.“
„Ich kann das Zitat von Donata Elschenbroich – man könnte es Sauerei nennen, aber wir nennen es Experimentieren – jetzt sehr gut verstehen“.
„Die Umsetzung des Mathe-Konzeptes zog sich wie ein roter Faden durch die Kindertagesstätte. Es wurde in alle Bereiche integriert: Bewegung, Waldtage, Musik, Kreativangebote ...“
„Toll, wie man mit haushaltsüblichen Materialien experimentieren und forschen kann.“
„Der Umgang meines Kindes mit Naturphänomenen hat sich während des Projektes verändert. Mein Kind beobachtet und beschreibt alles viel genauer und will jetzt auch zu Hause mit allem möglichen experimentieren.“
„Die Nachhaltigkeit ist uns ein besonderes Anliegen. Aus dem Projekt ‚Vom Klein-Sein zum Einstein‘ ist u. a. der Eltern-Kind-Forschertag im HPH entstanden. Hier kommen alltägliche Dinge unter die Lupe, wenn Eltern und Kinder gemeinsam mit Experimenten ‚die Welt verstehen‘ lernen.“
Dieses Projekt wurde in enger Zusammenarbeit zwischen dem Heinrich Pesch Haus und Frau Prof. Dr. Pauen, Psychologisches Institut der Universität Heidelberg, konzipiert, in Piloteinrichtungen unter Einbeziehung von Trägervertretern und Kita-Leitungen erprobt und von der Uni Heidelberg wissenschaftlich.
Die Evaluation konnte herausstellen, dass das Projekt „Vom Klein-Sein zum Einstein“ bei allen beteiligten Zielgruppen (Kita-Fachkräfte, Kinder, Eltern) bedeutsame Effekte erzielt hat: Bei den Kita-Fachkräften besteht der wichtigste Erfolg in einer Verbesserung ihres Kompetenzerlebens als Vermittler von mathematisch- naturwissenschaftlichen Inhalten. Bei den Eltern wurde erreicht, dass sie das Bildungsangebot der Kita an ihre Kinder wahrnehmen und erkennen, dass die Kinder dabei Spaß haben. Am wichtigsten aber sind die Effekte der Projektarbeit auf die Kinder selbst: Hier dokumentieren die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung, dass die Kinder auf allen Ebenen von der Frühförderung profitiert haben. Nicht nur ihr Wissen über Mathematik und Naturphänomene ist gewachsen sondern auch ihr naturwissenschaftliches Denken hat durch die Mitwirkung im Projekt Vom Klein-Sein zum Einstein wichtige Fortschritte gemacht. Eine ausführliche Darstellung des Projektes und sämtlicher Fortbildungskonzepte findet sich in Pauen und Herber (2009).
Wie lässt sich „Vom Klein-Sein zum Einstein“ mit dem Situationsansatz vereinbaren?
Die Kinder experimentieren selbständig und machen dabei viele Lernerfahrungen. Es ergeben sich Ideen und Fragen, die dann von den pädagogischen Fachkräften aufgegriffen werden. Beispiele sind hier das statische Aufladen der Haare, wenn Kinder ihre Mütze abziehen, Wasserspiele im Waschraum, Schneeschmelze in der Gruppe, Butterbrottüten knallen, Papierflieger oder auch die warme Luft, die über der Heizung aufsteigt. Die pädagogischen Fachkräfte orientieren sich an der Lebenswelt der Kinder.
Die pädagogischen Fachkräfte schauen mit der Zeit durch eine „naturwissenschaftliche Brille“, die es ihnen ermöglicht, die Lernumgebung für die Kinder anregungsreich zu gestalten. Das selbständige Experimentieren und Ausprobieren und die Beteiligung der Kinder bei der Raumgestaltung sind wesentliche Kennzeichen des Situationsansatzes. Regeln für die Lernwerkstatt und das Experimentieren werden gemeinsam mit den Kindern aufgestellt und reflektiert.
Insbesondere der Bedeutung der eigenen Aktivität wird im Projekt Rechnung getragen, da dies für die Entwicklung und Entfaltung der Kinder entscheidend ist. So werden die Kinder nicht mit „Wissen“ und „Fakten“ überschüttet, sondern vielmehr dazu motiviert, Antworten selbst herauszufinden und Sinnzusammenhänge zu erfassen. Dadurch wird der Forschergeist der Kinder geweckt. | 4.21875 | 4.40625 | 3.59375 |
00a7a25495d555aa6c80e868a2243929 | Jedes Datenprojekt muss mit der Suche nach einschlägigen Daten beginnen. Welche Daten zum Feld unserer Fragestellung stehen zur Verfügung? Können eventuell einschlägige Daten aus bestehenden Anwendungen gewonnen werden? In welchem Format sind die Daten verfügbar und müssen sie eventuell aufbereitet werden, um für unsere Zwecke genutzt werden zu können?
In unserer Beispielapplikation brauchen wir Daten, die uns erlauben:
Im Folgenden beschreiben wir, wie wir die Probleme angegangen sind.
Aufgrund der Anregung von Alex beschliesst der Verband ‚Bibliothek Information Schweiz‘ eine Karte zu erstellen auf der alle Bibliotheken verzeichnet sind. Da der Verband selbst nur über eine Liste der Bibliotheken hat, die auch Mitglied im Verband sind, stützt er sich auf die Bibliotheksstatistik, in der wesentlich mehr Bibliotheken erfasst sind. Noch fehlen dem Verband jedoch die Geodaten zu diesen Bibliotheken.
Für unsere Bespielapplikation suchen wir nach Datensätzen, aus denen wir diese Geoinformation beziehen können. Potentiell gibt es verschiedene Dienste, die diese Information liefern könnte: Von local.ch über google.maps bis hin zu OpenStreetMap (OSM) stehen verschiedene Verzeichnisse zur Verfügung, die auch Geoinformationen zu den Verzeichnungseinheiten vorhalten. Da die Daten der beiden ersten Datenprovider privat und nur mit Einschränkungen nutzbar sind, haben wir uns entschieden, die Daten von OSM zu nutzen. Die Daten von OSM sind offen und sie sind über verschiedene Dienste (z.B. Citymap2go oder Naviki) aufzufinden. So haben die Bibliotheken selbst ein grosses Interesse, hier präsent zu sein und der Verband könnte davon ausgehen, dass sich viele Bibliotheken auf OpenStreetMap eintragen. Für unsere Applikation haben wir die Stammdaten aller in der Statistik verzeichneten Bibliotheken der Kantone Graubünden und Aargau selbst erfasst. Damit verfügen wir für diese Kantone sowohl über die Statistikdaten wie auch die OSM-Daten. Das erlaubt es uns, allenfalls notwendige Validierungen (Korrektur der Bibliotheksnamen etc.) jetzt vorzunehmen. Das ist allerdings ein notwendigerweise manueller Prozess, der nicht zu unterschätzen ist.
Die Daten von OSM sind zwar offen, doch sie liegen nicht in RDF vor. Mit dem Online-Dienst LinkedGeoData.or können die Datensätze aus OpenStreetMap in korrespondierende RDF-Datensätze umgewandelt werden. Über die Programmierschnittstelle (Application Programming Interface, API) von LinkedDeoData kann dies sogar "on the fly" geschehen. Der Online-Dienst stellt auch einen SPARQL-Endpoint mit Weboberfläche zur Verfügung. Leider funktionierte der Online-Dienst nicht zuverlässig. Wir haben deshalb die zu Grunde liegende open source Software genutzt, um Sparqlify lokal zu betreiben und damit die benötigten RDF-Datensätze zu generieren.
Alex wünschte nicht nur eine Karte, auf der alle Bibliotheken verzeichnet sind, sondern auch eine erste Auswertung, die die Bibliotheksdichte in verschiedenen Regionen zeigt. Um diesem Bedürfnis entgegen zu kommen, suchen wir nach Daten, die es uns erlauben, die Bibliotheksdaten zu sinnvollen Clustern zusammenzufassen. Zweifellos wäre es sowohl für Alex als auch für Livia von Interesse, wenn wir die Bibliotheken nach Wirtschaftsregionen zusammenfassen könnten. Leider haben wir aber keine Datensätze gefunden, die diese Zusammenfassung ermöglicht hätte. So haben wir uns entschieden, auf die politischen Regionen auszuweichen.
Wir suchten somit nach Daten, die es erlauben, die Bibliotheken einem Bezirk resp. einem Kanton zuzuordnen. Die Suche nach Daten beginnt üblicherweise in der LOD Cloud. Unter den zentralsten LOD-Beständen der Cloud finden sich zwei, die uns für die Gruppierung dienlich sein könnten:
Der erste Bestand ist Geonames. Geonames ist ein wichtiger Dienst, da er zahlreiche geographische Entitäten geographisch verortet. In Geonames finden wir die Koordinaten von Gemeinden und derer übergeordneten Einheiten (Bezirken, Kantonen). So finden wir bei Geonames zu jeder Postleitzahl aus der Statistik die Zugehörigkeit zu Bezirken und Kantonen und gewinnen auch die Koordinaten der Grenzen derselben.
Der zweite Bestand ist DBpedia. DBpedia stellt die Infoboxen von Wikipedia im RDF-Format zur Verfügung. In DBpedia findet sich die Zuteilung aller Gemeinden zu Bezirken und Kantonen. Nicht systematisch erfasst sind hier jedoch die Koordinaten der Bezirke. Die Darstellung der Ergebnisse in einer Karte ist somit nicht gewährleistet.
Nicht in der LOD-Cloud verzeichnet sind die Dienste der schweizerischen Bundesämter, die für unsere Zwecke aber auch dienlich sein können. Zu erwähnen sind hier insbesondere die Daten von Swisstopo, die eine Zuordnung eines Ortes zu Bezirken und Kantonen erlauben und die Daten des Bundesamtes für Statistik BfS. Das BfS stellt neu Mappingtabellen von Gemeinden und Bezirken zur Verfügung.
Schliesslich will Livia die Bibliotheksdaten auch in Zusammenhang mit Sozialdaten bringen. Um ihr dies zu ermöglichen suchen wir nach Daten, die solche Korrelationen ermöglichen. Die naheliegendste Quelle für solche Daten ist wiederum das Bundesamt für Statistik. Zu unserer Freude hat das BfS kürzlich in einem Pilot erste Datensätze der Bevölkerungsstatistik auch als RDF publiziert. Wie wir unten zeigen werden, können wir mit einer föderierten SPARQL-Abfrage diese Daten mit unseren Bibliotheksdaten in Verbindung bringen. | 3.203125 | 2.78125 | 2.53125 |
08349c1351e46b5f2ee2fc48458a9b46 | Eigentlich war mein Plan nicht schon über die ersten beiden Tage mehr als 2.000 Wörter zu schreiben, aber die Jerusalem hat auch noch weitaus mehr zu bieten als ich in einem Beitrag hätte behandeln können. Obwohl in den nachfolgenden Tagen das Programm nicht weniger straff geplant war, entwickelte sich das Programm mehr in politischere Themen als touristische.
Der Dienstag stand fast ganz im unternehmerischen Sinne. Mit einem Bus ging es zwei Stunden Richtung Norden zu Beth-El Industries. Dieses Unternehmen ist ein Kunde von Würth, dem Unternehmen bei dem ich mein Duales Studium mache. Beth-El Industries ist eine Fabrik, die einer Glaubensgemeinschaft gehört. Obwohl diese sich selbst keinen Namen gibt würde ich sie als Beth-El titulieren, was so viel wie Haus Gottes bedeutet. Diese Gemeinschaft hat sich zum Ziel gesetzt dem Land Israel zu helfen. Dazu bilden derzeit knapp 900 Menschen einen Verbund, der versucht möglichst vieles alleine zu schaffen. So besitzt die Beth-El mehrere Kindergärten und Schulen, in denen nur Kinder der Gemeinschaft sind. Auch die grundsätzliche medizinische Versorgung ist durch eigene Krankenschwestern und Ärzte sichergestellt. Ein Krankenhaus gibt es allerdings noch nicht. Beth-El Industries ist derzeit Weltmarktführer in Belüftungs- und Filterungstechnik für Schutzräume und Zelte. Ohne es zu wissen wurde dieser Status erreicht und wir seither durch konsequente eigene Forschung weiter gefestigt. Mittlerweile musste das Unternehmen aber auch Arbeitskräfte einstellen, die nicht der Glaubensgemeinschaft angehören, um die Aufträge annehmen zu können. Besonders an der Firma wie auch der Glaubensgemeinschaft ist, dass alle Mitarbeiter, die Mitglieder sind kein volles Gehalt bekommen, sondern lediglich ein kleines Taschengeld. Es ist eine Philosophie der Gemeinschaft Vermögen zu teilen und gemeinschaftlich über neue Investitionen abzustimmen.
„Wer in Israel ein kleines Vermögen erhalten will, muss vorher ein großes besitzen.“ Dieser Spruch, der von dem Mitarbeiter von Beth-El Industries gesagt wurde, würde ich bisher vollkommen unterschreiben. Außer dem öffentlichen Nahverkehr ist hier nichts wirklich billiger als in Deutschland. Da bin ich doch ganz glücklich mit meinem Taschengeld in Malaysia gewesen, das mir dort auf jeden Fall ein komfortables Leben ermöglicht hatte. Für die Mitglieder von Beth-El ist Wohlstand jedoch nicht wichtig wie uns gesagt wurde. So war damals auch nicht beabsichtigt das führende Unternehmen in der Branche zu sein, aber durch wenige Zulieferer und viel Eigenfertigung schafft es das Unternehmen doch.
Nach einer kleinen Führung war der Vortrag vorbei und wir stiegen wieder in den Bus. Während der Fahrt überlegte ich mir, was ich von dem ganzen halten sollte. Auf der einen Seite wirkt dieses Leben sehr sozial und gerecht. Jeder in der Gemeinschaft kümmert sich um den anderen und man möchte eine ausgeglichene und faire Lebensweise. Doch leider schwingt für mich immer eine Vorstellung an eine Art Sekte mit. In einem Halbsatz wurde erwähnt, dass man sich wünscht, dass die eigenen Kinder in der Gemeinschaft heiraten. Außerdem kann man auch selbstverständlich austreten, aber genau diese beiden Aspekte waren mir nicht ganz so überzeugend.
Nach einer kurzen Busfahrt erreichten wir Landesgesellschaft Würth Israel. Vielleicht sollte an dieser Stelle kurz eingeschoben werden, dass ich normalerweise am Stammsitz arbeite wie etwa 2.000 andere Angestellte. Hier in Isreal arbeiten insgesamt um die 40 Mitarbeiter und davon nur ein knappes Dutzend im Büro. Man kann sich also in etwa vorstellen, wie der Kontrast für uns war. Es handelte sich gefühlt um eine etwas größere Garage mit einer Hand voll Büros und nicht um einen Teil einer Gruppe, die im Jahr über 10 Mrd. € umsetzt. Begrüßt wurden wir von dem Leiter von Würth Israel, Jonathan Keren. Er gab uns einen kleinen Überblick zur Entstehung der Gesellschaft, dem Werdegang und die aktuelle Situation inklusive einiger Geschäftskennzahlen. Natürlich etwas ganz anderes als der Mutterkonzern in Deutschland, aber wie gesagt ist die Größe auch eine ganz andere. Dies waren auch die abschließenden Worte des Vortrags. Wir sollten uns bewusst machen, wieso manche kleine Unternehmen nicht gewisse Entscheidungen anders fällen als man vielleicht erwartet, aber jede Kultur ist anders und so auch der Kundenmarkt. Die Philosophie ist vielleicht gleich, die Ansätze jedoch unterschiedlich. Klarer wurde das für uns als wir durch die Garage gingen und uns die vertrauten Produkte anschauten. Während wir so durch die Gänge schlenderten erklärte Jonathan Keren welches Wachstum in Israel steckt. Man kann das Land scheinbar sehr gut mit Österreich vergleichen, da das BIP recht gleich sei. Um das wirklich beurteilen zu können fehlt mir die nötige Expertise aber es ist interessant zu hören, dass es ein kräftiges Wachstum gibt. Aus diesem Grund wird die Landesvertretung von Würth dieses Jahr noch in ein größeres Gebäude umziehen und dort mit mehr Platz arbeiten können. Bevor es weiterging gab es noch israelische Spezialitäten als Mittagessen.
Wieder im Bus ging es zur letzten Station für diesen Tag, zu der ehemaligen Stadt Caesarea. Erbaut von König Herodes als eine Art Sommerstadt am Meer und um die Römer glücklich zu stimmen kann Caesarea auf eine lange Geschichte zurückblicken. Auch hier wurden wir wieder von einer Führerin durch die alten Ruinen geführt. Nachdem Herodes mit viel Mühe aus dem nördlichsten Stück Land, der er besaß, eine Hafenstadt erschaffen hatte, konnte er nur noch sechs Jahre dieses Meisterwerk bewundern. Der Hafen, der vollkommen künstlich als Bucht angelegt worden war, konnte, dank guter Planung, sogar mit dem Hafen von Alexandria mithalten. Doch nach dem Tod von Herodes fiel die Stadt an die Römer, die sie umgestalteten und ausbauten. So wurde z. B. der alte Tempel zerstört und ein neuer errichtet, der den römischen Götter geweiht wurde. Caesarea wurde 600 Jahre Provinzhauptstadt. Mit dem Fall des römischen Reiches fiel auch die Bedeutung der Stadt. Die Muslime eroberten die Caesarea und bauten eine Moschee da, wo vorher der Tempel war. Im 11. Jahrhundert erreichten dann die Kreuzritter das geheiligte Land, nahmen Caesarea ein und errichteten eine Kirche, die wie die gesamte Stadt, von dicken Mauern umgeben war. Auch für sie sollte nach knapp 200 Jahren die Stadt gehören, bevor sie wieder in andere Hände fiel und weiter an Bedeutung verlor. Heute findet man vor allem Ruinen aus der Zeit der Templer und die Grundpfeiler der Stadt, die einst Herodes plante. So viel aber nun mal zum Geschichtlichen.
Nach gut 2 Stunden Führung und vielen interessanten Fakten, wie dass man Herodes nachsagt den zweiten und dritten Platz erfunden zu haben, war unsere Führung vorbei. Da wir allerdings noch etwas Zeit hatten, nutzten wir die Chance um etwas im Meer zu baden, bevor es zurück nach Jerusalem ging.
Nachdem wir die letzten Tage immer sehr früh aufgestanden waren, war der Donnerstag mit etwas mehr Zeit bemessen und wir konnten etwas später aufstehen als sonst. Das Thema des Tages war „Perspektiven auf den Nahostkonflikt“. Dazu sollten wir einige Gespräche im Verlauf des Tages hören. Die erste Station war Ostjerusalem, das eine vornehmlich arabische Prägung hat. Hier trafen wir Ulrich Wacker und Suleiman Abu-Dayyeh von der Friedrich Naumann Stiftung. Beide erläuterten uns in groben Zügen, wie es zu der Entstehung der derzeitigen politischen Situation gekommen ist. Dabei versuchten sie so neutral wie möglich den Sachverhalt darzustellen, der wohl unter Diplomaten so etwas wie der gordische Knoten sein muss. Ein exemplarischer Streitpunkt sind die 440.000 israelischen Siedler, die in den Westbanks (das Westjordanland) leben. Israel wird in drei Zonen geteilt, die in den Osloer Verträgen beschlossen wurden. Zum einen gibt es die A-Zonen, die unter vollkommener israelischer Herrschaft kontrolliert werden, zum anderen die B-Zonen, die offiziell gemischt kontrolliert werden, jedoch in der Regel trotzdem israelisch sind und zu guter Letzt die C-Zonen, die von Palästinänsern kontrolliert werden. A- und B-Zonen machen dabei gut 72% des ursprünglichen Landes aus, obwohl die Population der beiden Volksgruppen nahezu gleich ist. Trotzdem sehen sich die Israelis immer noch stark bedroht und so wird die EU beispielsweise als pro-palästinensisch angesehen wird. Das ist in dieser Hinsicht bizarr, da Deutschland Israels zweitwichtigster Verbündeter nach den USA ist. Unser Heimatland ist allerdings auch in Palästina sehr hoch angesehen, sodass man auch hier wieder einen Konflikt spüren kann. Ulrich Wacker versuchte dabei die Seite der Israelis darzustellen, während Suleiman Abu-Dayyeh, der christlicher Palästineser ist, die Gegenseite darzustellen. Ich muss den beiden meinen höchsten Respekt zollen. Obwohl dieses Thema sehr emotional und brisant ist, versuchten beide immer sehr sachlich zu bleiben und nicht ihre Emotionen in die Diskussion einzubringen. Trotz allem konnte man natürlich die unterschiedlichen Positionen erkennen und ebenso, dass keine einfache Lösung auf der Hand liegt. Etwas ratlos und hilflos gingen wir nach einem kleinen Mittagssnack wieder und fragten uns, wie sich die Situation in Zukunft wohl entwickeln würde auch im Hinblick auf die anstehenden Neuwahlen des Parlaments im September.
Obwohl wir schon gegessen hatten, gab es für uns eine Mittagspause, die in Ostjerusalem und der Altstadt verbringen konnten. Einige von uns zog es zum Gartengrab, von dem ebenfalls behauptet wird, dass dort das offizielle Grab von Jesus ist. Hier war es allerdings deutlich ruhiger als in der Grabeskirche. Der andere Teil der Gruppe machte sich auf Schnitzel zu essen. Hier zeigte sich, dass die vegetarische Ernährung doch nicht jedermanns Sache ist. Nachdem sich alle gestärkt hatten und noch etwas vom der Atmosphäre der Altstadt aufgesogen hatten trafen wir uns alle wieder vorm Damaskustor, um mit dem Bus zum nächsten Ort zu fahren. An einer Haltestelle stoppte der Bus auf einmal und Soldaten mit Sturmgewehren betraten den Bus. Scheinbar handelte es sich hier um eine reguläre Ausweiskontrolle, auch wenn der ein oder andere fürchtete es könnte schlimmeres sein. Allerdings wurden wir als Touristen nicht nach einem Pass oder Ausweis gefragt. So schnell die Soldaten im Bus waren, standen sie nach der Kontrolle auch wieder draußen und unsere Reise ging weiter.
Das Ziel war „Kids4Peace“, eine Organisation, die versucht die verschiedenen Völkergruppen zusammenzubringen. Gestartet wurde die Organisation 2002 von einem amerikanischen Bischof, der zunächst mit vier Familien startete. Heute zählt die Organisation über 500 Mitglieder und unterhält auch Austauschprogramme bspw. in die USA. Auch hier ist es ähnlich wie bei der Stiftung vom Vormittag. Niemand möchte das der Status quo so bleibt oder sich verschlechtert. Deswegen werden ab der 6. Klasse die Kinder über ihre Eigenwahrnehmung und das Erscheinungsbild von Nachbarn unterrichtet. Später, in höheren Klassen, gesellen sich Themen wie kulturelle Identität und Konfliktverhinderung dazu, die auch zum Bewusstsein über sich selbst und andere beitragen sollen. Ein Mitglied von Kids4Peace, Thalia, erzählte uns von ihren Erfahrungen und wie sie im Alltag mit den Unterschieden umgeht. Alle waren sich aber einig, dass der Konsens in den USA, Waffen kann man nur mit größeren Waffen bekämpfen, keine Alternative ist.
Mit einer Menge Gedanken im Kopf ging es zurück zum Beit-Ben Yehuda, unserer Unterkunft. Nach dem Abendessen sollte noch ein Highlight auf uns warten. Es war einer der Staatsanwälte, der damals im Prozess gegen Adolf Eichmann, beteiligt war; Gabriel Bach. Mit einer Mappe voller Bilder und Zeitungsartikel erzählte er uns zuerst, wie knapp er dem Holocaust entflohen war und gleich mehrere Male Glück hatte, dass er lebend in Israel ankam. Für mich ist es nach wie vor schwer zu begreifen, dass der Mann der in zahlreichen Zeitungen und Fotografien zu sehen ist, ein Teil des wohl bekanntesten israelischen Prozesses ist. Genauso ging es mir allerdings auch mit den Geschichten, die Gabriel Bach über den Prozess erzählte. Er hatte Adolf Eichmann relativ wenig gesehen, da er sonst nicht den Fall hätte bearbeiten dürfen und das Beweismaterial sichten können. So erfuhren wir mehr darüber wie Gabriel Bach in Dokumenten Beweismittel und Geschichten von Schicksalen gefunden hat. Besonders betont wurde von ihm, dass es immer wieder Gnadengesuche von deutschen Soldaten und Offizieren gab, bestimmte Juden nicht ins Konzentrationslager zu bringen, die jedoch allesamt von Eichmann abgelehnt wurden. Dieser Mensch durfte über Leben und Tod entscheiden und wählte jedes Mal letzteres. Erschütternd war auch die Tatsache, dass Eichmann sich über Befehle und Anweisungen von Adolf Hitler hinwegsetzte, um wirklich jeden einzelnen Juden zu töten und den Glauben auszulöschen. Um einen fairen Prozess zu garantieren, schickte er auch alles was er als wichtig für die Verteidigung von Eichmann empfand weiter. Doch natürlich kann man nicht alle Dokumente, die man im Laufe eines Verfahrens besitzt im Prozess verwenden. So erfuhr Bach auch sehr viele Schicksale, die er allerdings nie verwenden konnte. Bis heute ist mir ein Rätsel, wie dieser Mann abends einschlafen kann und auch etwas Witz in solche Vorträge zu bringen. Wahrscheinlich ist es die Routine, die er im Laufe der Jahre über zahlreiche Vorträge gesammelt hat. Auch über diesen Teils seines Lebens wollte Gabriel Bach uns erzählen. So pflegte er beispielsweise eine sehr gute Freundschaft mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann.
Nach zwei unglaublich spannenden Stunden und einem Abschlussbild diskutierten wir in kleinen Gruppen in der lauen Sommernacht von Jerusalem weiter über das, was wir an diesem Tag alles erfahren hatten. | 3.578125 | 2.65625 | 2.453125 |
762b12167103cb2225e3c68a11670b7f | Husten ist ein natürlicher Schutzmechanismus des Körpers, um die Atemwege von Fremdkörpern zu reinigen. Der Hustenreflex schützt auch vor dem Ersticken. Die Bronchitis ist eine Entzündung der unteren Atemwege des Hundes und zählt zu den häufigsten Atemwegserkrankungen. Unbehandelt kann sich eine verschleppte Bronchitis zu einer Lungenentzündung entwickeln. Die Symptome einer Bronchitis sind häufiges Husten, hervorwürgen von Schleim, eine beschleunigte Atemfrequenz, Atemgeräusche, Fieber und Abgeschlagenheit. Häufig sind auch die oberen Atemwege (Rachen, Kehlkopf und Luftröhre) entzündet. Bei einer Allergie, zum Beispiel auf Gräser und Pollen, tritt die Bronchitis zu bestimmten Jahreszeiten auf. Was uns Menschen hilft, kann auch bei Tieren erfolgreich eingesetzt werden. Wer seinem kranken vierbeinigen Freund ohne Chemie und mögliche Nebenwirkungen helfen möchte, sollte es deshalb mit der Homöopathie und den Schüsslersalzen (Biochemie) versuchen. Beide Therapien aktivieren die Selbstheilungskräfte und bringen den Hund wieder ins Gleichgewicht. Niemand kennt seinen Hund so gut wie der Halter selbst. Deshalb findet er schnell das passende Mittel, um einen Husten zu behandeln. In diesem Ratgeber erhalten Sie Empfehlungen, wie Sie eine Bronchitis beim Hund mit Hilfe der Homöopathie und den Schüsslersalzen behandeln und vermeiden können. Vorgestellt werden die bewährtesten Schüsslersalze und homöopathischen Heilmittel mit der entsprechenden Potenz und Dosierung. Jedes Tier ist eine Einheit aus Körper, Seele und Geist. Die Naturheilkunde wirkt ganzheitlich und behandelt nicht nur einzelne Symptome. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, Lebensfreude und vor allem Gesundheit für Ihren Hund.
Leiden auch Sie an den typischen Allergie-Symptomen wie geröteten und juckenden Augen, Fließschnupfen, verstopfter Nase, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und vielleicht sogar schon allergischem Asthma? Dann wird es höchste Zeit, dass sich das endlich ändert, damit Sie nicht nur Frühling und Sommer wieder so richtig genießen können! Fakt ist: Es gäbe die meisten der sogenannten Zivilisationskrankheiten nicht, würde der zivilisierte Mensch sich gesund und artgerecht ernähren! Und was Ärzte meist verschweigen: Auch Pollen-, Hausstaub- und Tierhaarallergien sind solche Krankheiten, die sich durch eine relativ einfache Ernährungsumstellung ganz leicht in den Griff bekommen lassen. Lesen Sie in diesem Erfahrungsbericht, wie die Verfasserin des kleinen Ratgebers, A. M. Weiss, die selbst jahrzehntelang unter schwerem Heuschnupfen und allergischem Asthma litt, es geschafft hat, sich vollkommen ohne die Anwendung von mehr oder weniger kostenintensiven Mitteln und nebenwirkungsreichen Medikamenten innerhalb von nur wenigen Tagen von ihren schlimmsten Allergie-Symptomen zu befreien. Die Umsetzung der in diesem Buch enthaltenen Empfehlungen ist im Übrigen bei ALLEN Allergien angeraten! 'Laut Arzt gelte ich als 'starker Allergiker'. Mit 30 habe ich Heuschnupfen gekriegt und über die Jahre immer mehr Allergien (z.B. gegen Apfel, Haselnüsse usw.). Ab Frühling musste ich immer mind. eine Cetirizin-Tablette pro Woche nehmen. Vor einigen Monaten habe ich auch noch Schuppenflechte an den Knien bekommen. Ich habe mich gefragt, ob ich eventuell durch Hypnose oder sonstige alternative Methoden diese lästigen Krankheiten loswerden kann. Ich bin auf dieses kleine Buch gestoßen und habe nach einer Woche bereits tolle Ergebnisse erzielt. Ich musste seitdem keine Tablette mehr nehmen. Wenn ich in der Früh aufwache, ist meine Nase komplett frei. Meine Schuppenflechten sind weg und ich habe außerdem abgenommen ...' (Luis) 'Es ist echt super, nur einen Tag [...] und ich musste während des Großputzes der Kaninchen nicht einmal niesen und meine Bronchien sind frei.' (Christiane K.) 'Letzte Rettung für mich und meinen Hund. Danke, dass dieses Buch geschrieben wurde [...] Sonst hätten ich und meine Familie uns nämlich von unserem superlieben Hund trennen müssen, gegen den ich leider allergisch reagierte. Ein Jahr mit Akkupunktur, Bioresonanz, Nahrungsergänzungsmitteln und natürlich Medikamenten halfen kaum bis nichts. Alleine die Umstellung meines Essens nach diesem Buch brachte nach knapp einer Woche den ersten deutlichen Unterschied. Heute nach 5 Wochen bin ich sehr glücklich, da ich ohne Medikamente prima klarkomme und nur noch selten unseren Hund merke.' (Simone)
Natur pur aus Schweden: Die Inhaltsstoffe von Bozita stammen aus nachhaltiger, schwedischer Landwirtschaft und entstehen mit Respekt gegenüber Mensch, Tier und Umwelt. Dabei verzichtet die Rezeptur auf unnötige Zusatzstoffe und setzt zu 100% auf natürliche, kontrollierte Qualität. Gleichzeitig gelten in Schweden strenge Richtlinien hinsichtlich Tierschutz und Hygiene. So bieten Sie Ihrem Hund eine hochwertige, sichere und schmackhafte Mahlzeit, frei von Antibiotika und Kadavermehl. Bei der Rezeptur von Bozita Häppchen in Gelee hat man sich auf das Wesentliche konzentriert: ein besonders hoher Fleischanteil und Rohstoffe in Bester Qualität! Auf den Zusatz von Getreide wurde bei den meisten Sorten ganz verzichtet, auch enthält die Zusammensetzung kein Soja, Zucker oder künstliche Zusätze. So eignet sich Bozita auch bestens für ernährungssensible Hunde und Hunde mit Getreide-Allergie oder Gluten-Unverträglichkeiten. Für ein starkes Immunsystem sorgt im Bozita Nassfutter MacroGard®, ein natürliches Kohlenhydrat aus Hefe gewonnen. Das Futter enthält alle Vitamine und Mineralstoffe, die ein Hund benötigt und kann sowohl als Alleinfuttermittel, als auch als Ergänzungsfutter verwendet werden. Die praktische und umweltfreundliche Tetra Recart-Verpackung gewährleistet einen optimalen Schutz für den Inhalt und ist einfach zu öffnen. Die Bozita Tetra Recart Packungen lassen sich auch einfach wieder verschließen, indem die Ecken wieder zurückgeknickt werden. So bleibt das Futter im Kühlschrank bis zu 2 Tage frisch und lecker. Leere Verpackungen werden zum Recycling in das bestehende Recyclingsystem gegeben. Die leere, flachgedrückte Verpackung beansprucht in der Abfallsortierung nur wenig Platz. Die Produkteigenschaften im Überblick: Alleinfuttermittel für ausgewachsene Hunde Auch für ernährungssensible Hunde und bei Getreideallergie geeignet Natürliche Rezeptur: ohne unnötige Zusatzstoffe, Rohstoffe aus nachhaltiger, schwedischer Landwirtschaft im Einklang mit der Natur Made in Schweden: Herstellung erfolgt nach strengen schwedischen Tierschutz-Richtlinien ohne Verwendung von Antibiotika und Kadavermehl Fleischhäppchen in Gelee: für eine hohe Akzeptanz und besten Geschmack Hoher Fleischanteil: frisches Fleisch aus Schweden in bester Qualität zur Deckung des Proteinbedarfs, hohe Verdaulichkeit Ohne Getreide: für beste Verträglichkeit und leicht verdaulich (Außer der Sorte Hühnchen Reis) Mit MacroGard®: aus der Hefe gewonnen, für ein starkes Immunsystem Praktische und umweltfreundliche Tetra Recart-Verpackung: wiederverschließbar, bleibt bis zu 2 Tage frisch im Kühlschrank Der Bozita Mix Lachs, Hühnchen Reis, Rentier enthält folgende Sorten: 4 x 370 g Lachs 4 x 370 g Rentier 4 x 370 g Hühnchen Reis Der Bozita Mix Lachs, Elch, Hühnchen Reis, Rentier enthält folgende Sorten: 3 x 370 g Lachs 3 x 370 g Elch 3 x 370 g Rentier 3 x 370 g Hühnchen Reis Leichtes Öffnen der Tetra Recart-Verpackung:
Ich habe einen Hund zuhause daher wären familien ohne allergie am besten, da auch an meiner Jacke hundehaare kleben. Ich habe viel Erfahrung mit Kindern von neu geboren bis 10 Jahren durch Freunde und Familie. Ich arbeite hauptberuflich als reinigungskraft in Kitas und Schulen.Freizeitlich reite ich gerne, male gerne und treffe mich mit Freunden. Bei weiteren Fragen, Fragen sie mich gerne. LG S.D.
Ob Heuschnupfen, Neurodermitis oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Immer mehr Menschen reagieren allergisch auf alle möglichen Dinge Ihrer Umwelt. Aber hat eine Polle oder ein Grassamen nicht ausschließlich die Funktion, Gras oder ein Baum zu werden?Der Autor dieser CD geht davon aus, dass sich bei einer Allergie das Immunsystem des Patienten irrt: Es deutet normal in unnormal um. Dieses Selbsthypnosetraining möchte Ihnen helfen, den Irrtum wieder zurechtzurücken damit die Polle wieder zu einer Polle wird und der Hund zu einem Hund und der Baum dort auf der Wiese steht und nicht in Ihrem Immunsystem. Die CD möchte Ihnen zeigen, wie Sie mit Hilfe von Selbsthypnose Ihr Immunsystem stärken können. Sie (und nur Sie!) können mit Ihrem Unterbewusstsein verhandeln lernen und es fragen, unter welchen Umständen es bereit ist, einen allergiefreien Weg zu beschreiten. Nehmen Sie also selbst wieder das Ruder in die Hand und beenden Sie die Vorherrschaft Ihrer Allergie! Hypnose kann Ihnen Wege dazu aufzeigen Schritt für Schritt in Ihre allergiefreie Zukunft!
Wolfsblut Deep Glade Puppy ist ein köstliches Nassfutter für Ihren jungen Hund. Das Welpenfutter mit Hirschfleisch und Kürbis ist angereichert mit natürlichen Vitaminen und Superfoods. Diese schmackhafte Mahlzeit ist auch für Welpen mit einer Allergie geeignet, da es ohne Getreide und Gluten hergestellt ist.
Natur pur aus Schweden: Die Inhaltsstoffe von Bozita stammen aus nachhaltiger, schwedischer Landwirtschaft und entstehen mit Respekt gegenüber Mensch, Tier und Umwelt. Dabei verzichtet die Rezeptur auf unnötige Zusatzstoffe und setzt zu 100% auf natürliche, kontrollierte Qualität. Gleichzeitig gelten in Schweden strenge Richtlinien hinsichtlich Tierschutz und Hygiene. So bieten Sie Ihrem Hund eine hochwertige, sichere und schmackhafte Mahlzeit, frei von Antibiotika und Kadavermehl. Bei der Rezeptur von Bozita Häppchen in Gelee hat man sich auf das Wesentliche konzentriert: ein besonders hoher Fleischanteil und Rohstoffe in Bester Qualität! Auf den Zusatz von Getreide wurde bei den meisten Sorten ganz verzichtet, auch enthält die Zusammensetzung kein Soja, Zucker oder künstliche Zusätze. So eignet sich Bozita auch bestens für ernährungssensible Hunde und Hunde mit Getreide-Allergie oder Gluten-Unverträglichkeiten. Für ein starkes Immunsystem sorgt im Bozita Nassfutter MacroGard®, ein natürliches Kohlenhydrat aus Hefe gewonnen. Das Futter enthält alle Vitamine und Mineralstoffe, die ein Hund benötigt und kann sowohl als Alleinfuttermittel, als auch als Ergänzungsfutter verwendet werden. Die praktische und umweltfreundliche Tetra Recart-Verpackung gewährleistet einen optimalen Schutz für den Inhalt und ist einfach zu öffnen. Die Bozita Tetra Recart Packungen lassen sich auch einfach wieder verschließen, indem die Ecken wieder zurückgeknickt werden. So bleibt das Futter im Kühlschrank bis zu 2 Tage frisch und lecker. Leere Verpackungen werden zum Recycling in das bestehende Recyclingsystem gegeben. Die leere, flachgedrückte Verpackung beansprucht in der Abfallsortierung nur wenig Platz. Die Produkteigenschaften im Überblick: Alleinfuttermittel für ausgewachsene Hunde Auch für ernährungssensible Hunde und bei Getreideallergie geeignet Natürliche Rezeptur: ohne unnötige Zusatzstoffe, Rohstoffe aus nachhaltiger, schwedischer Landwirtschaft im Einklang mit der Natur Made in Schweden: Herstellung erfolgt nach strengen schwedischen Tierschutz-Richtlinien ohne Verwendung von Antibiotika und Kadavermehl Fleischhäppchen in Gelee: für eine hohe Akzeptanz und besten Geschmack Hoher Fleischanteil: frisches Fleisch in bester Qualität zur Deckung des Proteinbedarfs, hohe Verdaulichkeit Ohne Getreide: für beste Verträglichkeit und leicht verdaulich (Außer der Sorte Hühnchen Reis) Mit MacroGard®: aus der Hefe gewonnen, für ein starkes Immunsystem Praktische und umweltfreundliche Tetra Recart-Verpackung: wiederverschließbar, bleibt bis zu 2 Tage frisch im Kühlschrank Der Bozita Mix, 3 Sorten mit Lachs, Hühnchen Reis, Rentier enthält folgende Sorten: 2 x 370 g Lachs 2 x 370 g Rentier 2 x 370 g Hühnchen Reis Der Bozita Mix , 4 Sorten mit Lachs, Elch, Hühnchen Reis, Rentier enthält folgende Sorten: 2 x 370 g Lachs 2 x 370 g Elch 1 x 370 g Rentier 1 x 370 g Hühnchen Reis Leichtes Öffnen der Tetra Recart-Verpackung:
Simpsons Premium Adult Sensitive Ente & Kartoffel ist ein hypoallergenes und natürliches Trockenfutter für ausgewachsene Hunde, in bester Premiumqualität. Haut- und Fellprobleme oder ein empfindlicher Verdauungstrakt deuten oft auf eine Allergie oder Futtermittelunverträglichkeit hin. Auch auf Futter mit einer minderwertigen Qualität der Rohstoffe sind oft Krankheiten, Allergien, Hyperaktivität und unerwünschtes Verhalten zurückzuführen. Simpsons Premium Adult Sensitive enthält ausschließlich leicht verdauliche Zutaten in bester Premiumqualität. Das in Großbritannien hergestellte Futter ist komplett frei von Getreide, da es von Hunden oft nicht vertragen wird, oder nur schwer verdaut und kaum verwertet werden kann. Als Energielieferant und Kohlenhydratquelle werden Kartoffeln verwendet, die sehr fettarm und reich an Kalium sind. Simpsons Premium Adult Sensitive enthält einen hohen Anteil an frischen, hochwertigem Entenfleisch, das als einzige tierische Proteinquelle dient. Ente hat kaum allergenes Potential, ist reich an natürlichen Mineralstoffen und durch den kräftigen Geschmack auch bei wählerischen Hunden sehr beliebt. Der Zusatz von Präbiotika fördert die guten Bakterien im Darm und unterstützt so eine ausgewogene Darmflora. Die enthaltenen Cranberries können unter anderem die Produktion aggressiver Bakterien in den Harnwegen hemmen. Weitere essentielle Zusatzstoffe wie Glucosamin, Chondroitin, Vitamine und Mineralstoffe sorgen dafür, dass Ihr Hund eine ausgewogene Nahrung zu sich nimmt, die Ihn mit allem versorgt, was er von Natur aus benötigt. Besonders geeignet ist dieses Futter also für Allergiker, ernährungssensible und zu Übergewicht neigende Hunde. Die Produkteigenschaften im Überblick: Für ausgewachsene und junge Hunde Hergestellt in Großbritannien Nur beste, leicht verdauliche Zutaten Hoher Anteil an frischem Entenfleisch in bester Qualität Gut bei Haut- und Fellproblemen Hypoallergen: Für ernährungssensible Hunde und Allergiker Ohne Zusatz von Getreide Kartoffel als Energie- und Kohlenhydratquelle Präbiotika zur Unterstützung der Darmflora Lachsöl: Liefert wertvolle Omega-3-Fettsäuren, trägt zur Haut- und Fellgesundheit bei Cranberries: Können die Produktion aggressiver Bakterien in den Harnwegen hemmen Komplett gentechnikfrei Ohne Zusatz von künstlichen Konservierungsmitteln, Farb- oder Aromastoffen Reich an Glucosamin, Chondroitin, Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen
Dr. med. vet. Vera Biber berichtet von Hunden, bei denen alle üblichen Erziehungsversuche scheitern. Sie zeigt, dass solche Verhaltensstörungen oft in der Ernährung begründet sind. Viele Fütterungsweisen, vor allem mit Industriefutter, können bei Hunden nämlich Allergien auslösen, und diese wiederum können hyperaktives Verhalten bewirken.Dieses Buch, jetzt in 4. Auflage, ist unser erfolgreichster Titel. Laufend rufen begeisterte Leser im Verlag an und wollen uns und der Autorin danken. Immer wieder heißt es: »Die Tipps der Autorin funktionieren tatsächlich! Dies ist das beste Hundebuch, das ich je gelesen habe!«Das Buch deckt den genauen Zusammenhang zwischen Fütterung, Allergien und Verhaltensstörungen Ihres Hundes auf. Welche Futtermittel für Ihren Hund unverträglich sind, können Sie selbst leicht austesten. Die Autorin erklärt genau, wie Sie dabei vorgehen müssen.Wie die Verfasserin selbst bei mehreren Tieren in ihrer Tierarztpraxis und in ihrer Hundezucht erleben konnte,führt eine Futterumstellung zu durchschlagenden Erfolgen! Sobald der Hund nicht mehr unter seiner Allergie leidet, ist er auch zugänglich für Ihre Erziehung. So kann doch noch ein guter Kamerad aus dem ehemaligen Problemhund werden!
Hallo, wir sind eine kleine Familie mit 2 Kindern im Kindergartenalter und suchen ab und an mal eine Unterstützung bei der Kinderbetreuung am Nachmittag und gelegentlich auch mal am Wochenende. Die Termine können wir z. B. im 2-Wochen-Rhythmus planen. Unsere zwei Mädchen sind sehr lieb, mögen Bücher, basteln, malen, Musik aber auch spielen auf dem Spielplatz und manchmal auch ein Eis essen ,) Wir haben auch einen Hund (kleiner Dackel) zuhause. Darum musst du dich nicht kümmern, aber das solltest du trotzdem wissen, falls es eine Allergie gibt. Viele Grüße Julia
Allergische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch, weltweit leiden etwa 300 Millionen Menschen unter Asthma und etwa 250 Millionen unter Nahrungsmittelallergien, Tendenz steigend. Tierische Allergene unterschiedlichster Herkunft sind häufig Auslöser von Allergien. In diesem Buch werden wichtige Quellen der tierischen Allergene behandelt, Hausstaubmilben, Tierepithelien und Vogelfedern, Insekten und Insektengifte, sowie Nahrungsmittel am Beispiel von Fischen und Meeresfrüchten. Klinische Symptome und verfügbare Prävalenzdaten sowie Informationen zu den wichtigsten Allergie-auslösenden Molekülen werden vermittelt. Weitere wichtige Themengebiete sind der aktuelle Stand der Diagnostik, in-vitro sowie in-vivo, aber auch die therapeutischen Ansätzen, die entweder derzeit verfügbar sind oder aber sich in der Entwicklung befinden. Analog werden ebenfalls Allergien bei Tieren, Hund, Katze und Pferd, in den diagnostischen und therapeutischen Kontext gesetzt. Dieses Sammelwerk an Übersichtsartikeln zu Allergen auf Tiere und Allergien bei Tieren soll Bewusstsein für diese allergischen Erkrankungen schaffen und den erfolgreichen Forschungsfortschritt der letzten Jahrzehnte in diesem Gebiet bewusst machen.
alsa-nature Schafspansen Kauartikel, 3 x 500 g - Hundefutter Kauartikel Adult. Leckerer Pansen jetzt auch für den empfindlichen oder allergischen Hund aus leicht verdaulichem Schafspansen. Der Knabberspaß für Gourmets und Sensible. Zusammensetzung: 100% Schafspansen, getrocknet Analytische Bestandteile: Protein 68,5%, Fettgehalt 9,5%, Feuchtigkeit 6,5% Futtertyp: allergie-neutral | 3.5625 | 2.421875 | 2.328125 |
63661634a51ccc52b42d70ea495c8f04 | Gehirn Jogging bietet nämlich „nur“ eine Handvoll simpler Denk- und Rechenaufgaben in einer noch dazu nüchternen Präsentation. Das ganze macht es einem Redakteur nicht ganz so leicht Dr. Kawashimas Gehirn Jogging zu testen – das normale Wertungsmuster greift hier einfach nicht so richtig. Deshalb versuche ich in diesem Fall an meinem eigenen Beispiel zu vermitteln, was man in Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging geboten bekommt.
Die ersten Schritte
Nachdem das Modul in meinem DS-Schacht verstaut war begrüßte mich auch schon direkt der Namensgeber des Spiels: Dr. Kawashima oder vielmehr sein virtuelles Abbild – welches auch im späteren Spielverlauf immer wieder neue alltagsgeeignete Tipps parat hat, wenn man sein Gehirn auf Vordermann bringen möchte.
Bevor es jedoch an die ersten Übungen geht werden noch einige Einstellungen von mir gefordert. So werde ich gefragt wie mein Geburtsdatum lautet und ob ich Rechts- oder Linkshänder bin. Der Nintendo DS wird dabei seitlich gehalten, ähnlich wie ein Buch, und je nach gewünschter Schreibhand noch einmal gedreht. Das Gerät liegt dabei recht gut in der Hand und auch nach einer Weile ließ es sich fast noch bequemer halten als beim normalen zocken.
Nachdem ich die Einstellungen hinter mich gebracht hatte fing auch schon der erste Test an, vor dem ich gefragt wurde ob ich in einer ruhigen Umgebung bin und sprechen kann. Da ich schon durch Nintendogs jegliche Hemmungen abgelegt hatte, was das laute kommunizieren mit meinem DS angeht, bejahte ich auch gleich die Frage und begann den ersten Test.
Ziel war es die Farbe der dargestellten Wörter auszusprechen. Knackpunkt dabei war das die Farben gleichzeitig auch die Wörter waren die ausgesprochen werden mussten. So erschien abwechselnd mal ein roter Schriftzug „Blau“ oder das Wort Gelb in der Schriftfarbe Schwarz. Hört sich nicht nur verwirrend an sondern ist es auch. Und so kam es direkt zu dem ein oder anderen Stottern. Wobei zu Anfangs auch die Spracherkennung bei dem Wort Blau auszusetzen schien und mich aufforderte es erneut auszusprechen. Und dann stand es da so vernichtend und niederschmetternd: Ihr geistiges Alter entspricht 56 Jahren.
Ganze 36 Jahre über meinem realen Alter von 20 lenzen und zugleich auch 36 Jahre über dem idealen Wert welcher ebenfalls bei 20 Jahren liegt.
Nach dieser ersten Ernüchterung standen in meinem Profil zunächst nur Drei Modi zu Verfügung welche ebenfalls simpler nicht sein könnten. Zum einen „Rechnen (20)“, „Rechnen(100)“ und „Lesen“. Bei den ersten beiden Varianten handelt es sich um simple Rechenaufgaben wie 7x8, 9+4 oder 12-6, je nach Modus mit zwanzig oder hundert Aufgaben hintereinander. Beim Lesen gilt es einen Text laut oder, falls nicht möglich, im Stillen auf Zeit mit zu lesen.
Mit verhaltenen 3,6 Silben die Sekunde brachte ich auch gleich den ersten Text der Gebrüder Grimm hinter mich und durfte den Stempel für diesen Tag auf dem Kalender platzieren. Nun blieb noch Rechnen über. Um die ganze Sache locker anzugehen begann ich mit der kürzeren Variante mit zwanzig Aufgaben hintereinander. Auf dem linken Bildschirm wurden die jeweiligen Aufgaben gestellt während ich auf dem Touchscreen die Lösungen aufschreiben musste. Obwohl einem kein Zeitlimit gesetzt war, verspürte ich einen ungemeinen Druck die Aufgaben möglichst schnell zu lösen und verhaspelte mich schnell bei den leichtesten Aufgaben. Dazu kam, dass das Gerät leichte Schwierigkeiten hatte meine vier zu erkennen und so beendete ich den ersten Lauf mit 42 Sekunden und zusätzlichen 15 Strafsekunden die ich mir durch drei falsche Lösungen eingehandelt hatte; nicht nur, dass mein Gesamtergebnis von 57 Sekunden schlecht genug war, zusätzlich lachte mir der virtuelle Kawashima-Kopf hämisch ins Gesicht und vertröstete mich mit einem Tipp, wie ich auch ohne den DS einzuschalten, einige leichte Übungen ausüben kann um mein Gehirn zu trainieren.
Über das Ergebnis der hundert Rechenaufgaben möchte ich keine weiteren Worte verlieren. Lesefehler konnte ich vermeiden weil ich mir mehr Mühe beim schreiben gab - aber nach den ersten fünfzig Aufgaben machten sich bereits leichte Konzentrationsmängel bemerkbar und schnell wird man durch eine falsch gelöste Aufgabe aus der Ruhe gebracht. Zum Glück kann man die Aufgaben am Tag beliebig oft wiederholen, sodass ich mich den restlichen Tag ran machte mich in das Spiel einzuarbeiten und etwas zu trainieren. Die Zeiten und Ergebnisse werden jedoch nur einmal pro Tag gespeichert, ganz gleich ob Erfolg oder Misserfolg.
Nach ein paar Tagen
Nachdem die ersten bescheidenen Ergebnisse abgehandelt waren, verzeichnete sich auch schon bald ein deutlicher Anstieg auf der Leistungskurve. Nicht nur hatte sich mein geistiges Alter schon am 8. Tag bei 24 Jahren eingependelt; ich war auch immer mehr darauf bedacht aufgestellte Zeitrekorde beim Rechnen und auch bei neu dazu gekommenen Aufgaben zu brechen. Obgleich das eigentliche Ziel des Spiels darin liegt, die Aufgaben überhaupt zu machen um das Gehirn zu beanspruchen, wird einem schnell der eigene Ehrgeiz zum Verhängnis auch möglichst das beste Ergebnis erzielen zu wollen. Mit zunehmender Anzahl der Stempel gesellen sich auch immer mehr Aufgaben der Liste hinzu. Diese beschränken sich jedoch auch auf einfaches Merken von Zahlen an einer bestimmten Positionen oder dem zählen von Menschen die ein Haus betreten und verlassen um dann sagen zu können wie viele Personen am Ende im Haus sind (also eine Art bildhafte Rechenaufgabe). Dabei war ich gerade von den Gedächtnis-Übungen sehr angetan, da ich öfter Sachen vergesse und mir Dinge schlecht merken kann. Nach kurzer Zeit konnte ich aber auch hier eine deutliche Verbesserung meiner Ergebnisse verbuchen, welche alle in Form einer Grafik abgespeichert werden. Nachdem ich auch einen Freund dazu überreden konnte ein Profil zu erstellen, konnten wir sogar unsere Ergebnisse und Verbesserungen miteinander vergleichen. Das ganze schön ausgewertet in Statistiken und Graphen.
Ganz ohne Statistik aber genauso unterhaltsam gestaltet sich auch das beinahe tägliche Zeichnen von drei Motiven die einem der nette Onkel Doktor vorgibt. Auch hier gilt: Wer einen Freund oder ein Familien-Mitglied zur Seite hat kann sich nach dem Zeichnen auch die Kunstwerke der anderen ansehen, was je nach Umsetzung für den ein oder anderen Lacher sorgt.
Wer gleich Zwei Nintendo DS zur Hand hat kann mit nur einem Modul auch in einem kleinen Wettrechnen mit menschlichen Gegnern zeigen wer der wahre Graf Zahl ist. Konnte ich mich nicht daran erinnern in der Schule jemals Spaß mit Subtraktion und Division gehabt zu haben entwickelt man in Dr. Kawashimas Gehirn Jogging ganz von selbst einen Antrieb möglichst gut zu sein – wenn das meine ehemaligen Lehrer wüssten. Auch die Sprach- und Zeichenerkennung funktioniert nach einer Weile immer besser, hat man sich erst einmal daran an ein paar Eigenheiten bei der Wort- und Zahlerkennung gewohnt.
Zu guter letzt
Nach zwanzig Tagen in denen ich das Spiel regelmäßig jeden Tag eine Zeit lang gespielt habe, konnte ich zuletzt mein geistiges Alter über mehrere Tage bei zwanzig Jahren halten und auch beim Rechnen über zwanzig Aufgaben ist es oft nur eine Frage von zehntel Sekunden ob ich meinen Rekord von zwanzig Sekunden übertreffe oder nicht. Auch die letzten Aufgaben und Geheimnisse die in dem Spiel geschlummert haben sind nach dem 20. Stempel aufgedeckt. Dies bedeutet jedoch nicht „das Ende“ von Dr Kawashimas Gehirn-Jogging, es ist vielmehr der Anfang auch weiter regelmäßig immer ein wenig durch die Aufgaben bestimmte Gehirnregionen zu aktivieren. Neben den Hauptübungen bietet sich zudem die Möglichkeit sich an einhundert Sudoku Aufgaben zu messen, die in drei Schwierigkeitsstufen aufgeteilt sind und ebenfalls dazu dienen die grauen Zellen fit zu halten und mit dem fesselnden Spielprinzip für Knobelfreunde durchaus einen nicht gerade geringen Teil des Spiels ausmachen. Hierbei wird auf dem linken Bildschirm eine Übersicht des Sudoku Feldes angezeigt, während man auf dem Touchscreen eine Nahansicht der Felder sieht in die man direkt Zahlen eintragen kann. Alles in allem eine Prima Ergänzung zum Spiel und obendrein mit erhöhtem Suchtpotenzial verbunden.
Auf einen Blick
Neben den bereits erwähnten Übungen gibt es noch einige andere Aufgaben, mit denen man sich täglich auseinander setzen kann.
Insgesamt gibt es 9 normale Übungen und 6 verschiedene Aufgaben auf die man im Alterstest Modus treffen kann. Je nachdem ob man sich für die "laut Sprechen" Variante entschieden hat oder ob man sich auf den Touchscreen Einsatz beschränkt, ändert sich die Zusammenstellung der Tests.
Im folgende ein kurzer Überblick über alle im Spiel enthaltenen Aufgaben, die sich nach und nach freischalten lassen.
Rechnen 20:
Dieser Modus ist von Anfang an verfügbar. Ziel ist es rasch die auf dem rechten Screen angezeigten Rechenaufgaben zu lösen. Dazu wird einfach das entsprechende Ergebniss über den Touchscreen eingegeben. Pro Fehler werden einem 5 Sekunden von der Zeit abgezogen.
Rechnen 100:
Die selbe Prozedur wie im Rechnen 20 Test. Hier lässt sich jedoch nach einer Weile eine schwerere Variante freischalten, in der neben Addition, Subtracktion und Mulitplikationsaufgaben auch Divison dazukommt.
Lesen:
Ebenfalls eine der ersten zur Verfügung stehenden Übungen. Durch lautes Vorlesen der auf beiden Bildschirmen angezeigten Texte, sollen die Stirnlappenstimuliert werden. Obwohl lautes lesen als die effektivere Nutzung beschrieben wird, lässt sich der Text auch still und möglichst schnell mitlesen. Am Ende wird ermittelt, wieviele Silben pro Sekunde gelesen wurden.
Merken:
Bei dieser Aufgabe, wird auf dem linken Bildschirm eine gewisse Anzahl an Zahlen angezeigt. Diese müssen in aufsteigender Reihenfolge und Anordnungen gemerkt werden. Nach kurzer Zeit verschwinden die Zahlen auf dem linken Screen und müssen nun auf dem Touchscreen angefangen bei der kleinsten Zahl wiedergegeben werden.
Silben:
Bei der Übung Silben geht es wieder ums lesen, jedoch muss man nebenbei die Anzahl der Silben in den Vorgegeben kurzen Sätzen zählen und die entsprechende Zahl auf den Touchscreen schreiben.
Haus:
Auf dem linken Bildschirm ist ein Haus abgebildet, in welches nach und nach Menschen betreten und wieder verlassen. Die Abläufe werden dabei immer schneller und es gilt am Ende aufzuschreiben wieviele Personen noch im Haus sind.
Genauso wie schon bei Rechnen 100, gibt es auch von diesem Spielchen einen schweren Modus, bei dem nicht nur Figuren von der linken Seite das Haus betreten sondern ganz weihnachtlich durch den Kamin ins Haus schlüpfen.
Magisches Dreieck:
Es gilt hierbei die Oben stehenden Zahlen zu addieren oder subtrahieren und dann die Ergebnisse nocheinmal zu addieren oder subtrahieren um letztendlich das Ergebniss einzutragen. Dabei können auch negative Zahlen als Zwischen- oder Endergebniss herauskommen.
Zeit:
Auf dem linken Screen, werden Zwei Uhren dargestellt. Es muss nun der Zeit unterschied zwischen der oberen und unteren Uhr, in Stunden und Minuten notiert werden.
Laut Rechnen:
Die letzte der normalen Übungen. Wie schon die ersten Rechen Aufgaben mit dem Unterschied, dass diesmal nicht geschrieben sondern gesprochen wird.
Alterstest:
Farbtest:
Wie schon oben beschrieben ist es nötig die richtige Textfarbe der angezeigten Farbnamen ins Mikrofon zu sprechen.
Gedächtnis:
Eine etwas anspruchsvoller, aber sehr motivierender Test, bei dem man sich innerhalb von 2 Minuten möglichst viele der insgesamt 20 abgebildeten Wörter merken muss. Danach verschwinden die jeweils nur 4 Buchstaben langen Wörter und man bekommt 3 Minuten Zeit die Wörter aufzuschreiben.
Zählen:
Vergleichbar mit der Übung lesen, ist es lediglich die Aufgabe möglichst schnell von 1 bis 120 zu zählen. Dabei sollten alle Zahlen möglichst deutlich ausgesprochen werden, um die Ergebnisse nicht "mutwillig" zu verfälschen.
Linien:
Dieses mal reicht es sich voll und ganz auf den Touchscreen zu konzentrieren. Es werden eine Fülle an Buchstaben und Zahlen angezeigt die man der Reihe nach verbinden muss. Dabei gilt, auf "A" folgt "1", dann "B" und "2" usw. möglichst ohne eine Ziffer zu berühren, die noch nicht an der Reihe ist.
Zahlen:
Beim letzten vertretenden Test, sind auf dem linken Bildschirm Zahlen unterschiedlicher Farbe und mit verschiedenen Bewegungsmustern zu sehen. Die Antwort auf die Frage die ebenfalls im oberen Teil des Screens steht, wird dann wie gewohnt per Touchscreen eingegeben.
Bisher gibt es 21 Kommentare
Das witzigste war noch, fand ich, das Tiere dressieren xD
ich finde es genial. Nur ein paar Sachen närfen mich wie nicht schwimmen gehen können was jedoch in der 3ds version verbessert wurde. 9 Punkte von meiner Seite
"Ashley Mizuki Robins ist dreizehn Jahre alt und auf der Suche nach ihren totgeglaubten Eltern. Schließlich verschlägt es sie auf eine verlassene Insel, wo sie es auch noch mit einem (zum Glück) freundlichen Geist namens D zu tun bekommt. Er ist seit fünfzig Jahren tot und kann sich nicht an sein Leben erinnern. Gemeinsam ziehen Ashley und D los um das Geheimnis uber Ashleys Familie und Ds Erinnerung zu lüften.
Im Rahmen dieser Hintergrundstory spielt sich "Another Code: Doppelte Erinnerung" ab, ein klassisches Point&Click-Adventure für den Nintendo DS. Man steuert Ashley aus der Vogelperspektive auf dem Touchscreen durch eine detaillierte, liebevoll gestaltete 3D-Welt. Ladezeiten sind praktisch nicht vorhanden, nicht eine Sekunde muss man warten, bis der nächste Raum der Villa geladen ist. Einziger Kritikpunkt sind dabei die groben Texturen, die erfreulicherweise nur bei gelegentlichen Kamerafahrten ins Auge fallen. Zur Steuerung kann man mit dem Stylus einfach in eine Richtung auf dem Bildschirm tippen - Ashley geht sofort dorthin. Auch die Nutzung des Steuerkreuzes ist möglich und fühlt sich etwas präziser und gewohnter an. Auf dem Topscreen wird in wunderschön gestalteten Standbildern die Villa aus Ashleys Sicht gezeigt. Ein Druck auf den "Untersuchen"-Button am Bildschirmrand überträgt diese Ego-Perspektive auf den Touchsreen. Nun kann man mit dem Stylus verschiedene Gegenstände ansehen und natürlich kombinieren. Oft werden dabei auch kleine Minispiele eingeschoben, in denen der DS voll auf seine Kosten kommt. Man pustet oder haucht ins Mikrofon, dreht einen Schlüssel mit Hilfe des Stylus im Schloss herum und manchmal muss man den Nintendo DS zusammenklappen, um zum Beispiel einen Stempel auf ein Blatt Papier zu drücken! Diese Minispiele sind aber immer logisch mit der Story verbunden und wirken nicht fehl am Platze wie bei anderen Spielen. Außerdem verfügt Ashley über eine Kamera, um ihre Umgebung zu fotografieren oder zwei Gemälde so übereinander zu legen, dass sie eine geheime Botschaft offenbaren! Das Zusammenspiel dieser leicht zu erlernbaren, intuitiven Steuerung ist der Trumpf von ?Another Code.?
Während des Spielens bekommt man auch Hintergrundmusik zu hören, die einen gewissen Wiedererkennungswert aufweist, sich bald jedoch leider allzu sehr wiederholt. Die Geräuschkulisse ist auch sehr eingeschränkt, immerhin hört man sehr schön, auf welchem Untergrund Ashley gerade läuft: Parkett knarrt, Teppich federt, Kies knirscht unter ihren Füßen, und im Wald hört man einen Vogel zwitschern. Insgesamt ist der Sound nicht überwältigend, aber in Ordnung.
"Another Code: Doppelte Erinnerung" lebt nicht zuletzt von Gesprächen. In diesen wird die komplexe, aber nicht gerade überraschende Story weitergeführt. Die Charaktere, die auf der Oberwelt eher grob dargestellt werden, werden in den Gesprächen in einem Animé-ähnlichen Zeichenstil gezeigt. Hier wirken die Charaktere außer Mundbewegungen und Augenzwinkern sehr statisch, verfügen aber über eine breite Auswahl an Ausdrucksformen wie Überraschung, Freude oder Zorn. Die Gespräche laufen meist nach einem festen Schema ab; die Auswahlmöglichkeiten sind sehr eingeschränkt. Tatsächlich wirken die oft langen Gespräche aufgepumpt und sind voller Wiederholungen oder überflüssiger Dialogzeilen. Das Gefühl, das die Macher von diesem Spiel die leider sehr kurze Spieldauer bewusst in die Länge gezogen haben, wird bestärkt durch die Tatsache, dass Ashley einen Gegenstand erst in ihr Inventar aufnimmt, wenn sie es für sinnvoll erachtet. So muss man oft noch einmal quer durch die ganze Villa rennen, nur um ein Item zu holen, die man für ein Rätsel benötigt.
Ein etwas dynamischeres Spielerlebnis mit mehr Gegenständen, Rätseln und Charakteren hätte das Spiel um einiges aufgewertet. So bleibt dennoch ein handfestes Point&Click-Adventure mit spaßigen, lösbaren Rätseln und einer mysteriösen Story, das selbst beim zweiten Mal Durchspielen noch neue Überraschungen bietet. "
Ist schon ein Nachfolger angekündigt? | 3.5 | 2.703125 | 2.453125 |
f2f7f71ae0f57f2e27cbf805252e55da | Refine
Year of publication
Die Anforderungen an die Brückenbauwerke im Bestand haben sich in den vergangenen Jahren infolge steigender Verkehrszahlen vor allem im Bereich des schweren Güterverkehrs deutlich erhöht und werden laut aktuellen Studien in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Weist man die betroffenen Brücken nach DIN-Fachbericht 102 nach, ergibt sich eine deutlich höhere erforderliche Querkraftbewehrung als die tatsächlich in den Stegen vorhandene. Dies alles geht einher mit der Tatsache, dass viele der Bestandsbauwerke in einem schlechten Zustand sind. Die Nachrechnungsrichtlinie lässt einige Modifikationen der Querkraft- und Torsionsnachweise zu, die teilweise in den alten Normengenerationen üblich waren. Andere Modifikationen, die im Rahmen von Gutachten angewendet werden, wurden in der Nachrechnungsrichtlinie nicht berücksichtigt, da sie noch nicht hinreichend verifiziert schienen. Außerdem gibt es in einigen Fällen keine einheitlichen Regelungen, sondern deren Auslegung liegt weitgehend im Ermessen des Anwenders, wie z. B. bei der Abminderung der Torsionssteifigkeit des Längssystems. Daher wurden in einem vorherigen Forschungsvorhaben kurzfristige Lösungen zur Modifikation bestehender Bemessungsansätze auf Grundlage bisher durchgeführter Forschungsvorhaben und gesammelter Erfahrungen bzw. Gutachten zur Nachrechnung von Bestandsbrücken erarbeitet. Zu anderen erweiterten Bemessungsmodellen für Querkraft- und Torsion von Spannbetonbrücken sowie speziellen Problemen des Brückenbaus konnten im Vorläuferprojekt dagegen keine abschließenden Festlegungen getroffen werden, da entsprechende theoretische und experimentelle Untersuchungen - vor allem an Durchlaufträgern - noch nicht im nötigen Umfang vorlagen. Ziel dieses Forschungsvorhabens ist die Herleitung und Verifikation verfeinerter Bemessungsansätze für Querkraft und Torsion, die auf ingenieurmäßigen Modellen mit mechanischer Grundlage beruhen. Dabei sollen die wesentlichen Fragestellungen zur Nachrechnung von Betonbrücken im Hinblick auf die Querkraft- und Torsionstragfähigkeit des Längssystems im Rahmen dieses Projektes abschließend geklärt werden. Auf der Basis von experimentellen und theoretischen Untersuchungen werden praxisgerechte Bemessungsansätze für Querkraft und Torsion hergeleitet werden, die eine genauere Vorhersage der Tragfähigkeit von Bestandsbauwerken ermöglichen.
Im Rahmen von durchgeführten Bauwerksprüfungen an Brücken mit vollverschlossenen Seilen wurden auch an diesen Bauteilen Schäden identifiziert. Bei diesen Schäden handelt es sich im wesentlichem um Korrosionsschäden und ganz vereinzelt aber auch um Drahtbrüche. Teilweise werden diese Schäden erst dann sichtbar, wenn der Korrosionsschutz entfernt oder aber bei Kabeln, wenn die einzelnen Seile gespreizt werden. Im Rahmen dieses Forschungsvorhabens wird die Bewertung solcher Schäden hinsichtlich der Ermüdungssicherheit und Restlebensdauer durchgeführt. Im Anschluss an eine Erläuterung der Bauweise der vollverschlossenen Seile werden aktuelle Schäden dieser Seilart bei Schrägseilbrücken und Hängebrücken vorgestellt. Es wurden insgesamt fünf Bauteilversuche mit vollverschlossenen Seilen durchgeführt, wobei die Probestücke aus den ausgebauten Seilen der Rheinbrücke Flehe entnommen wurden. Die Rheinbrücke Flehe wurde 1979 unter Verkehr genommen, Korrosionsschäden und hier insbesondere Drahtbrüche führten 2006 dazu, dass Seile ausgetauscht werden mussten. Die Versuche wurden an 5m-Seilabschnitten durchgeführt, die hierfür mit neu vergossenen Seilköpfen an den Enden versehen wurden. Diese Bauteilversuche bestehen aus zwei Komponenten, d. h. es wurde zunächst ein Ermüdungsversuch zur Prüfung der Betriebsfestigkeit durchgeführt. Anschließend wurde die verbleibende Bruchlast in einem Zerreißversuch ermittelt. Die sehr unterschiedlichen Versuchsergebnisse werden dargestellt und bewertet. Weitergehende Untersuchungen zum Korrosionsverhalten von verzinkten Seilen, chemischer Zusammensetzung und Alterungsverhalten einzelner Drähte werden durchgeführt. Zusätzlich wurden Seilabschnitte lagenweise entfernt und der Zustand der inneren Drahtlagen untersucht. Eine Bewertung der Korrosionsschäden zur möglichen Verringerung der Restlebensdauer wird vorgenommen. Es werden Vorschläge für die Bewertung von festgestellten Schäden für SIB-BW (Straßeninformationsbank Bauwerke) gegeben. Die Hintergründe der deutschen Festlegung einer Kerbfalleinstufung für vollverschlossenen Spiralseile werden in einem Anhang erläutert. Hiernach liegt die Kerbfalleinstufung 112 auf der sicheren Seite. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Korrosionsschäden durch die Querschnittsminderung zu einer Erhöhung der Beanspruchung im Restquerschnitt führen, jedoch nicht zwangsläufig Drahtbrüche verursachen. Dies konnte sowohl in den Versuchen als auch bei der Auswertung der gefundenen Schäden an den Bauwerken bestätigt werden. In Anbetracht der bisher durchgeführten Bemessung und den tatsächlich auftretenden Ermüdungsbeanspruchungen eines einzelnen Seiles kann, selbst bei erheblichen Korrosionsschäden, von einer schadenstoleranten Konstruktion ausgegangen werden.
Zur Prüfung fertiger Straßenbauleistungen werden Bohrkerne/Ausbauproben entnommen, die prinzipiell eine Schwächung der Straßenkonstruktion verursachen. Qualitativ minderwertige Verschlüsse von Bohrkernentnahmestellen führen häufig zu offenen Löchern in der Straßenbefestigung bzw. zu Schäden an der umgebenden Originalkonstruktion. Um eine fachgerechte und qualitativ hochwertige Ausführung des Verschlusses zu erzielen, wurden Recherchen zu unterschiedlichen Verfahren und Materialien durchgeführt und eine Auswahl von 14 Verschlussvarianten evaluiert. Die Varianten bestehen aus einem Deckschicht-/Deckenersatz und einer Unterkonstruktion. Sie wurden mit zweckmäßig modifizierten und angepassten Prüfverfahren hinsichtlich Dichtigkeit und Dauerhaftigkeit unter zyklischer Last untersucht. Im Labor hergestellte Heißmischgutverschlüsse (HMG) sind dicht und ermöglichen einen guten Verbund zur Originalkonstruktion wohingegen im Labor hergestellte Kaltmischgutverschlüsse (KMG) undicht waren. Trotz gleichartiger Verdichtung sind die Oberflächenbilder zwischen den im Labor und den in situ hergestellten Verschlüssen unterschiedlich. Die Dauerhaftigkeitsprüfungen (zyklische Belastung) verformen die Bohrkernverfüllungen im Verlauf der Konsolidierungsphase unterschiedlich und korrelieren mit der Steifigkeit der Unterkonstruktion bzw. der Verdichtungswilligkeit der eingesetzten Materialien. Zwei Verschlussvarianten (HMG, KMG) wurden auf dem duraBASt in ein Versuchsfeld eingebaut und mit dem MLS30 belastet. Es wurden kontinuierlich Querebenheits- und FWD-Messungen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass bei einem fachgerechten Verschluss der Bohrkernentnahmestelle keine Beeinträchtigung der Tragfähigkeit zu erwarten ist. Des Weiteren wurde ein Dokumentationskonzept entwickelt, das eine Georeferenzierung von Bohrkernentnahmestellen per GPS ermöglicht. In die Entnahmestelle werden RFID-Transponder eingesetzt, auf denen vor Ort Daten gespeichert und abgerufen werden können. Durch eine vorgesehene Verknüpfung der Entnahmestelle mit einer Datenbank kann auf weitere Daten des Asphaltaufbaus zugegriffen werden. Abschließend sind die Erkenntnisse in einem Entwurf für eine Verfahrensanweisung zusammenfassend dargestellt worden.
Aufgabe der Studie war es, die Ausstattung der Pkw in Deutschland mit Fahrzeugsicherheitssystemen umfassend zu erheben. Nach 2013 und 2015 hat infas die Studie in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kraftfahrzeuge (ika) 2017/2018 erneut durchgeführt, um Veränderungen bei der Marktdurchdringung der Systeme festzustellen. Dazu wurden 5.207 Haushalte zur Ausstattung eines ihnen zur Verfügung stehenden Fahrzeugs befragt. Für die Befragung wurden insgesamt 59 Fahrzeugsicherheitssysteme ausgewählt. Die weiteste Verbreitung haben passive Sicherheitssysteme wie Airbags. Sowohl Front- als auch Seitenairbags gehören inzwischen zur Standardausstattung in allen Fahrzeugsegmenten. Neuere passive Systeme, insbesondere zum Fußgängerschutz, sind dagegen überwiegend in neueren Modellen der oberen Mittel- und Oberklasse vorhanden. Zur Fahrzeugausstattung gehören gleichzeitig aktive Systeme, die Risiken vermeiden oder einzelne Fahraufgaben übernehmen. Die häufigsten Vertreter aus dieser Gruppe sind Bremsassistent, ESP und Tempomat. Bereits über 80 Prozent der Fahrzeuge sind mit ESP ausgestattet, das seit 2011 gesetzlich vorgeschrieben ist. Auch die Tagfahrleuchte ist aufgrund einer EU-Richtlinie bereits in knapp der Hälfte aller Fahrzeuge verbaut und wird in Zukunft eine volle Marktdurchdringung erreichen. Zu den neuesten Entwicklungen gehören Systeme, die bereits den Automatisierungslevel 1 der Norm SAE J3016 aufweisen, wie der erweiterte ACC oder der Lenkassistent. Diese sind aufgrund der teuren und aufwendigen Technik jedoch bislang nur bei einem kleinen Teil der oberen Mittel- und Oberklasse sowie in Geländewagen/SUV zu finden. In den letzten Jahren nimmt besonders die Ausstattung im Segment SUV stark zu, so dass Fahrzeuge dieses Segments inzwischen bei vielen Systemen ähnlich hoch ausgestattet sind wie Fahrzeuge der oberen Mittel- und Oberklasse. Dies hängt auch mit der hohen Anzahl der Neuzulassungen in diesem Bereich zusammen. Die Anzahl der Sicherheitssysteme nimmt mit der jährlichen Fahrleistung und der Nutzungshäufigkeit ebenso zu wie bei jüngeren Fahrzeugen und Dienstwagen. Betrachtet man die Ausstattungsraten nach Fahrzeugsegmenten zeigt sich ein Muster: Sind Systeme insgesamt selten, unterscheiden sich die Anteile zwischen den verschiedenen Fahrzeugsegmenten teilweise erheblich.
Notbremsassistenzsysteme für Lkw können einen großen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten, indem sie Unfälle, die von schweren Lkw verursacht werden, wirkungsvoll vermeiden helfen. Die aktuellen Anforderungen für diese Notbremsassistenzsysteme wurden allerdings vor über zehn Jahren festgelegt. Der Stand der Technik hat sich seitdem stark weiterentwickelt. Aufgabe der Bundesanstalt für Straßenwesen war daher, zu überprüfen, ob die technischen Anforderungen für Notbremsassistenz noch zeitgemäß sind oder ob eine Anpassung sinnvoll für die Verkehrssicherheit ist. Der technische Fortschritt im Bereich der Fahrerassistenzsysteme ist so groß, dass die vor knapp 10 Jahren festgelegten Anforderungen an Notbremssysteme heute nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen – sowohl hinsichtlich der in den derzeit geltenden Vorschriften explizit erlaubten Abschaltbarkeit der Notbremssysteme als auch hinsichtlich der geforderten Bremsleistung beziehungsweise des Geschwindigkeitsabbaus. Es war daher zunächst zu prüfen, ob die derzeit zulässige Abschaltbarkeit erforderlich ist, und falls ja, ob sie auf bestimmte Verkehrssituationen und Fahrzeugtypen eingeschränkt werden kann. Es war weiterhin zu prüfen, ob höhere Mindestverzögerungswerte gefordert werden können, ob insbesondere im Falle von stehenden Fahrzeugen vor dem Fahrzeug (z. B. am Stauende) Notbremsungen mit deutlich höherer Geschwindigkeitsreduktion eingeleitet werden können und durch die Systeme auch kleinere Fahrzeuge als bisher vorgeschrieben erkannt werden müssen. In Notbremssituationen ist es denkbar, dass Fahrer unabsichtlich eine Übersteuerung (und damit eine Abschaltung des Notbremssystems) vornehmen, indem sie beispielsweise „in das Pedal fallen“. Es sollte daher untersucht werden, ob dieser Fall relevant ist und Abhilfe bedarf. Auch eine Anpassung der Regelkriterien an unterschiedliche Straßenverhältnisse (Niedrigreibwert) sowie die Möglichkeit einer Warnung von Fahrern bei geringen Sicherheitsabständen sollte geprüft werden. Insbesondere die erforderlichen automatischen Geschwindigkeitsreduktionen bei bevorstehenden Kollisionen auf stehende Ziele können deutlich angehoben werden. Aus fahrdynamischen Grundlagen wurden, je nach Ausgangsfahrgeschwindigkeit, unterschiedliche Zeitpunkte für Bremseingriffe bestimmt. Als Voraussetzung für automatische Bremseingriffe wurde angenommen, dass diese spätestens dann gerechtfertigt sind, wenn ein menschlicher Fahrer keine Möglichkeit mehr hat, einem Zielobjekt auszuweichen. Messungen zeigen eine gute Übereinstimmung eines aus den Annahmen abgeleiteten Simulationsmodells mit den tatsächlichen Bremseingriffszeitpunkten und Bremseingriffen eines mit einem modernen Notbremssystem ausgerüsteten Lkw. Als Ergebnis wurden durchaus erzielbare Geschwindigkeitsreduktionen in Abhängigkeit von Ausgangsgeschwindigkeit und Fahrbahnoberfläche ermittelt, die sich als Anforderung für internationale Vorschriften eignen. Bezüglich der Abschaltbarkeit von Notbremsassistenzsystemen wurde anhand der durchgeführten Untersuchungen festgestellt, dass sich Fehlwarnungen im Fahrbetrieb, selbst unter Nutzung eines der derzeit am weitesten entwickelten Notbremssysteme, nicht gänzlich vermeiden lassen. Grund dafür ist im Wesentlichen die unzureichende Erkennbarkeit der Fahrerintention in bestimmten Verkehrssituationen. Fehlwarnungen in ungestörter Autobahnfahrt (= außerhalb von Autobahnbaustellen) konnten aber nicht gefunden werden. Aus technischer Sicht ist es daher sinnvoll, die Deaktivierbarkeit eines Notbremssystems nur in solchen Verkehrssituationen zu erlauben, in denen es durch Fehlinterpretationen seitens des Systems (Objekte abseits der Fahrbahn) zu Fehlfunktionen kommen kann. Ein Indikator hierfür kann eine bestimmte Geschwindigkeitsgrenze sein. Für eine zusätzliche frühzeitige Warnung des Fahrers bei zu geringem Mindestabstand ist gegebenenfalls eine Verbesserung der Verkehrssicherheit denkbar. Der tatsächliche Nutzen einer Abstandswarnung hängt aber davon ab, ob der Abstand irrtümlich oder bewusst gering gehalten ist und ob die Lkw-Fahrenden auf eine Warnung durch eine Vergrößerung des Abstands reagieren.
Die Begutachtungsleitlinien sind eine Zusammenstellung eignungsausschließender oder eignungs-einschränkender körperlicher und/oder geistiger Mängel und sollen die Begutachtung der Kraftfahreignung im Einzelfall erleichtern. Sie dienen als Nachschlagewerk für Begutachtende, die Fahrerlaubnisbewerber oder -inhaber in Bezug auf ihre Kraftfahreignung beurteilen. In der 6. Auflage im Jahr 2000 wurden die Begutachtungsleitlinien „Krankheit und Kraftverkehr“ (5. Auflage 1996) und das „Psychologische Gutachten Kraftfahreignung” von 1995 zusammengeführt. Für die weitere Überarbeitung wurden unter der Federführung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und unter Beteiligung der jeweiligen Fachgesellschaften Expertengruppen einberufen, die die Leitlinien kapitelweise überarbeiten. Die überarbeiteten Leitlinien werden nach Zustimmung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur online veröffentlicht. Im allgemeinen Teil der Leitlinien werden grundsätzliche Beurteilungshinweise, Auswahl und rechtliche Stellung der Begutachtenden sowie die Anforderungen an die psychische Leistungsfähigkeit und die Möglichkeiten der Kompensation von Mängeln dargelegt. Im speziellen Teil werden in einzelnen Kapiteln körperliche und geistige Krankheiten und Mängel behandelt, die längerfristige Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit beim Führen eines Kraftfahrzeugs haben, und somit die Sicherheit im Straßenverkehr gefährden können.
Die Festlegung der Salzdosierung (Streudichte) wird in der aktuellen Winterdienstpraxis zumeist vom Einsatzpersonal auf den Fahrzeugen vorgenommen. Das von der Bundesanstalt für Straßenwesen (Bergisch Gladbach, Deutschland) in Auftrag gegebene Pilotprojekt „Automatisch gesteuerte Streustoffausbringung durch Nutzung neuer mobiler Sensoren“ hatte die Minimierung von „subjektiven Faktoren“ bei der Taustoffanwendung zum Ziel. Der Forschungsauftrag knüpfte an das Vorprojekt „Optimierung der Streustoffausbringung – Modell der objektiv notwendigen Streudichten im Straßenwinterdienst“ an und nutzt zusätzlich die Möglichkeiten eines neu entwickelten berührungslosen Sensors. Mit diesem Sensor besteht die Möglichkeit, die Wasserfilmdicke auf der Fahrbahn und den aktuellen Fahrbahnzustand in die Berechnung der optimalen Streudichte einzubeziehen. Die Testinstallationen wurden in den Autobahnmeistereien Greding und Münchberg erprobt. Die Einführung von Assistenzsystemen zur parametergesteuerten Ermittlung der optimalen Streu-dichte sollte als wichtiger Schritt angesehen werden, um den Straßenwinterdienst zukünftig noch wirtschaftlicher, sicherer und mit geringsten Umweltbelastungen durchführen zu können. Die mit den derzeitig verfügbaren technischen Mitteln durchgeführten Feldversuche haben erste Erkenntnisse und Lösungen aufgezeigt. Es wurde aber auch deutlich, dass kurzfristige Lösungen nicht zu erwarten sind. Praxistaugliche Lösungen erfordern Sensoren, die präzise Messwerte liefern und eine noch komplexere Erfassung der Bedingungen auf der Straßenoberfläche. Das kann wahrscheinlich nur mit einer größeren Zahl von Sensoren an einem Fahrzeug kombiniert mit Verfahren der Bilderkennung erfolgen. Damit könnte alles Wesentliche erfasst und ausgewertet werden, was die Fahrer der Winterdienstfahrzeuge heute im Sichtfeld haben, kombiniert mit der Möglichkeit, die numerischen Daten automatisiert zu verarbeiten.
Zur Überwachung der Verkehrsentwicklung und zur Ermittlung der Verkehrsstärken auf den Bundesfernstraßen - Bundesautobahnen und Bundesstraßen - fand im Jahre 2000 wieder eine bundesweite Straßenverkehrszählung (SVZ 2000) im Rahmen des üblichen Fünfjahres-Turnus statt. Zusätzlich wurden in allen Bundesländern Landesstraßen und in den alten Bundesländern auch Kreisstraßen in einem solchen Umfang in die Zählung einbezogen, dass repräsentative Aussagen auch zu den Verkehrsstärken auf diesen Straßen möglich sind. Der vorliegende Bericht beinhaltet eine detaillierte Beschreibung der Erhebungs- und Hochrechnungsmethodik zur Ermittlung der durchschnittlichen täglichen Verkehrsstärken (DTV) sowie eine Darstellung der Berechnung von Kenngrößen (maßgebende stündliche Verkehrsstärken, MSV und Tag-/Nacht-Werte für „Lärmberechnungen", MT, MN, PT, PN), für die eine vorherige Ermittlung der DTV-Werte Voraussetzung ist. Die methodischen Erläuterungen werden ergänzt durch beispielhafte Berechnungen. Am Ende des Berichts steht ein Vergleich mit der Straßenverkehrszählung 1995, in dem auf wesentliche Änderungen und deren Auswirkungen eingegangen wird.
Menschen mit geistiger Behinderung sind – trotz vorhandenem Hilfe- und Unterstützungsangebot – häufig in ihrer Mobilität eingeschränkt und verfügen über weniger umfangreiche Mobilitätskompetenzen, weshalb ihre selbstständige Teilhabe am öffentlichen Personennah- und Straßenverkehr erschwert ist. Durch die Anbahnung, Erweiterung und Festigung verkehrsspezifischer Kompetenzen mittels einer Mobilitätsförderung, basierend auf der Handreichung MobiLe – Mobilität lernen, soll es Erwachsenen mit geistiger Behinderung ermöglicht werden, mehr Sicherheit und Teilhabe im Straßenverkehr und somit am sozialen Leben zu erlangen. Innerhalb der MobiLe-Handreichung werden für die Planung der Mobilitätsbildung und -förderung die Mobilitätsarten zu Fuß gehen, mit dem Rollstuhl fahren, mit dem Bus fahren, mit der Bahn fahren und mit dem Fahrrad fahren explizit herausgegriffen. In Zusammenarbeit und Kooperation mit Partnereinrichtungen der Behindertenhilfe, Schulen, Eltern und Erwachsenen mit geistiger Behinderung wurde das Curriculum erstellt, empirisch erprobt und ausgewertet. Für die Erfolgsbewertung des Projekts wurden die Personen befragt, die für die Förderung zuständig waren. Die TeilnehmerInnen selbst wurden ebenfalls befragt, aber auch die Erfahrungen und Wünsche der Eltern von Menschen mit geistiger Behinderung wurden mit einbezogen. Die Entwicklung der MobiLe Handreichung gliederte sich in folgende Phasen:
• Phase 1 – Ist-Analyse
Ist-Analyse bestehender Ansätze und Konzeptionen zur Schulung von verkehrsspezifischen Kompetenzen für Menschen mit geistiger Behinderung. Weiter folgte eine bayernweite Online-Vollerhebung im Hinblick auf vorhandene und durchgeführte Förderkonzepte der eigenständigen Mobilität und Mobilitätsbildung von Erwachsenen mit geistiger Behinderung sowie eine Abfrage von Mobilitätskompetenzen und -verhalten einzelner Personen mit geistiger Behinderung an ausgewählten Einrichtungen, um mögliche Lerninhaltsbereiche festzulegen.
• Phase 2 – Konzeptualisierung der Handreichung mit Curriculum
Ableitung konkreter (Optimierungs-)Bedarfe bezüglich Förderkonzepte und Mobilitätskompetenzen, sowie vorläufige Entwicklung der Handreichung MobiLe.
• Phase 3 – Erprobung der Handreichung mit Curriculum in der Praxis und Evaluation
Praktische Erprobung und Evaluation des Entwurfs des Curriculums mit 16 Einrichtungen und insgesamt 109 TeilnehmerInnen im schulischen und außerschulischen Bereich von Juli 2017 bis März 2018. Die Ergebnisse wurden festgehalten und wissenschaftlich ausgewertet. Handlungsempfehlungen in Bezug auf Mobilitätsbildung und -förderung für MitarbeiterInnen wurden ab-geleitet.
• Phase 4 – Optimierung der Handreichung mit Curriculum und Bewertung
Auf Basis der in Phase 3 gewonnenen Erkenntnisse wurde die Handreichung mit Curriculum MobiLe überarbeitet und schließlich im Hinblick auf (weiterhin) bestehende Limitationen kritisch bewertet.
Als Bindeglied zwischen Forschung und praktischer Verkehrserziehung wurde mit VertreterInnen aus Schule, Berufsausbildung und Eltern ein Expertenrat eingerichtet. Ein wesentliches Ziel dieses Gremiums war es, die Projektarbeit kritisch zu begutachten und beratend zu unterstützen. Das Endprodukt des Forschungsprojekts ist eine Handreichung mit Curriculum zur Mobilitätsförderung von Erwachsenen mit geistiger Behinderung, die in der Praxis (Berufsschule, Behindertenwerkstätten, Wohnheimen etc.) gut umsetzbar ist. Durch die Erweiterung und Festigung verkehrsspezifischer Kompetenzen, soll es zukünftig Erwachsenen mit geistiger Behinderung ermöglicht werden, mehr Sicherheit und Teilhabe im Straßenverkehr zu erhalten.
Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wurde im Oktober 2013 vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beauftragt, im Rahmen einer Projektgruppe weitere Maßnahmenvorschläge zur Absenkung des Fahranfängerrisikos zu erarbeiten. Der Projektgruppenauftrag umfasste zwei Aufgabenstellungen: Im Rahmen von Aufgabe A sollten weiterführende Maßnahmen zur Absenkung des Unfallrisikos von Fahranfängern in der Phase ihrer Höchstgefährdung unmittelbar am Anfang des selbständigen Fahrens (sogenannte „Hochrisikophase“) erarbeitet werden. Als Maßnahmenarten in der Hochrisikophase sollten berücksichtigt werden: Möglichkeiten 1. des erweiterten Fahrerfahrungsaufbaus unter risikoarmen Bedingungen, 2. der Verstärkung protektiver Regelungen und 3. der edukativen Intervention.
Im Rahmen von Aufgabe B sollten Konzepte zur Institutionalisierung einer breiteren wissenschaftlichen Abstützung von Fahrausbildung und Fahranfängermaßnahmen entwickelt werden. Die BASt richtete entsprechend eine Projektgruppe „Hochrisikophase Fahranfänger“ (PGHR) ein. Beteiligt an dieser Gruppe waren Vertreter der verkehrspolitischen Fachebene von Bund und Ländern, Experten der Praxisverbände (z.B. ADAC, DVR, Fahrlehrerverbände) sowie externe Wissenschaftler und die Fachreferenten der BASt. Die Projektgruppe traf sich zur Bearbeitung beider Aufgabenstellungen mehrfach zwischen Februar 2014 und Oktober 2018. Der vorliegende Abschlussbericht stellt die Ergebnisse der Projektgruppenarbeit dar. Er wurde von den Fachreferenten der BASt erstellt und mit den Projektgruppenmitgliedern abgestimmt.
Teil I des Abschlussberichts geht auf die Projektgruppenergebnisse zu Aufgabe A ein. Im Kern steht hier ein gemeinsamer Vorschlag der Projektgruppenmitglieder für eine zukünftige Ausrichtung des deutschen Systems der Fahranfängervorbereitung in der Phase nach der obligatorischen Fahrausbildung und Fahrerlaubnisprüfung. Der Projektgruppenvorschlag für die Hochrisikophase umfasst im Wesentlichen: • Eine generelle Verlängerung der Probezeit – Die Probezeit beträgt derzeit zwei Jahre. Es wird vorgeschlagen, die Probezeit auf drei Jahre auszudehnen, um Fahranfänger länger zu einem vorsichtigen und regelkonformen Fahren anzuhalten. • Probezeitreduzierungen bei freiwilliger Teilnahme an qualifizierten Maßnahmen – Als Anreiz zur freiwilligen Teilnahme an solchen qualifizierten Maßnahmen werden Probezeitreduzierungen vorgeschlagen. Das vorgeschlagene Schema sieht als maximal zu erreichende Probezeitreduzierung 12 Monate vor. Somit ergibt sich als Untergrenze eine zweijährige Probezeit entsprechend der derzeitigen Probezeitregelung. • Qualifizierte Maßnahmen – Begleitetes Fahren und edukative Maßnahmen werden als qualifizierte Maßnahmen vorgeschlagen. Diese einzelnen Elemente des Projektgruppenvorschlags werden sowohl detailliert beschrieben als auch begründet.
Teil II des Abschlussberichts geht – ebenfalls im Rahmen von Aufgabe A – ausführlich auf die im Projektvorschlag enthaltenen edukativen Maßnahmen für die Hochrisikophase ein. Hier sind zwei eigenständige Berichte enthalten, die – zusätzlich zur Projektgruppenarbeit – von den Erstellern der edukativen Maßnahmen in Auftrag gegeben wurden. Der erste dieser beiden eigenständigen Berichte stellt die zwei erarbeiteten edukativen Maßnahmen vor. Hierzu wird eingegangen auf zentrale Fragen zu Nutzenerwartungen für die Fahranfängervorbereitung, zu wissenschaftlichen Grundlagen der Gestaltung der edukativen Maßnahmen sowie zu organisatorischen Anforderungen an eine Implementierung der edukativen Maßnahmen. Der zweite dieser beiden eigenständigen Berichte beinhaltet eine Gegenüberstellung der beiden edukativen Maßnahmen des Projektgruppenvorschlags mit den früheren „Freiwilligen Fortbildungsseminaren für Fahranfänger“, um erstere von letzteren anhand von fünf Kriterien abzugrenzen.
In Teil III des Berichts werden die Ergebnisse der Projektgruppenarbeit zu Aufgabe B berichtet. Aus derzeitiger Sicht grundsätzlich realisierbar erscheint die dauerhafte Implementierung und Finanzierung einer Fachkommission "Fahranfängervorbereitung" aus Bundesmitteln.
Die vorliegende Untersuchung gibt einen zusammenfassenden Überblick über die Leistungen des öffentlichen Rettungsdienstes in der Bundesrepublik Deutschland im Zeitraum 2016/17. Das Forschungsprojekt 87.0014/2015 „Analyse des Leistungsniveaus im Rettungsdienst für die Jahre 2016 und 2017“ erfasst und analysiert eine repräsentative Stichprobe von Einsatzdaten zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit des öffentlichen Rettungsdienstes in der Bundesrepublik Deutschland.
Die wesentlichsten Ergebnisse des Forschungsprojektes sind: Bundesweit wurden im öffentlichen Rettungsdienst im Zeitraum 2016/17 jährlich rund 13,9 Mio. Einsätze mit insgesamt 16,4 Mio. Einsatzfahrten durchgeführt. Die Einsatzrate beträgt rund 169 Einsätze pro 1.000 Einwohner und Jahr. An einem mittleren Werktag gingen bundesweit rund 41.000 rettungsdienstliche Hilfeersuchen in den Rettungsleitstellen ein. Am Wochenende sank die Zahl der eingehenden Hilfeersuchen auf rund 31.800 an einem mittleren Samstag und auf rund 29.700 an einem mittleren Sonntag. 52,5 % des Einsatzaufkommens wurden vom Leitstellenpersonal als Notfall eingestuft, 47,5 % entfallen auf die Kategorie Krankentransport. Über zwei Fünftel aller Notfalleinsätze wurden unter Hinzunahme eines Notarztes durchgeführt (Notarzteinsatz). Rund ein Viertel der Notfälle zu Verkehrsunfällen (24,8 %) wurde von einem Notarzt bedient. Das Rendezvous-System hat sich mit einem Anteil von 99,6 % gegenüber dem Stationssystem bundesweit etabliert. Rund 2,0 % der Notfalleinsätze galten einem Verkehrsunfall, was bundesweit rund 145.000 Einsätzen entspricht. Die Verteilung der übrigen Einsatzanlässe bei Notfällen mit und ohne Notarztbeteiligung betrug: Sonstiger Notfall 56 %, Internistischer Notfall 29 %, Sonstiger Unfall (z. B. Haus-, Schul- und Sportunfall) 12 % und Arbeitsunfall unter 1 %. Die Verteilung der Rettungsmitteltypen am bundesweiten Einsatzfahrtaufkommen im Zeitraum 2016/17 betrug: RTW 60 %, KTW 21 %, NEF 18 %, NAW und RTH/ITH rund 1 %. Beim Einsatzfahrtaufkommen wurden rund drei von fünf Einsatzfahrten mit Sonderrechten auf Anfahrt durchgeführt. Dies entspricht bundesweit jährlich 9,67 Mio. Einsatzfahrten unter Sonderrechten auf Anfahrt. Das Einsatzfahrtaufkommen wies im Bundesgebiet 2016/17 einen Fehlfahrtanteil von unter 5,4 % auf. Bundesweit waren dies jährlich rund 0,884 Mio. Fehlfahrten. Die Dispositions- und Alarmierungszeit bei Einsatzfahrten mit Sonderrechten auf Anfahrt betrug im Mittel 2,8 Minuten. Bei Einsatzfahrten ohne Sonderrechte auf Anfahrt lag die Dispositions- und Alarmierungszeit im Mittel bei 17,5 Minuten. Bei Einsätzen mit Sonderrechten auf Anfahrt errechnete sich nach dem zuerst eingetroffenen Rettungsmittel am Einsatzort eine mittlere Hilfsfrist von 9,0 Minuten, wobei 95 % der Notfälle innerhalb von 17,7 Minuten mit einem Rettungsmittel bedient wurden. Die Unterscheidung der Einsatzzeit nach Notfällen und Krankentransporten unter zwei Stunden ergab eine mittlere Einsatzzeit von 55 Minuten für Einsatzfahrten mit Sonderrechten auf Anfahrt und 59 Minuten für Einsatzfahrten ohne Sonderrechte auf Anfahrt. Die Transportzeit bei Einsatzfahrten mit Sonderrechten auf Anfahrt betrug im Mittel 14,1 Minuten. Bei Einsatzfahrten ohne Sonderrechte auf Anfahrt lag die Transportzeit im Mittel bei 18,9 Minuten. Die Verweilzeit am Transportziel/Wiederherstellungszeit bei Einsatzfahrten mit Sonderrechten auf Anfahrt betrug im Mittel 19,5 Minuten, während bei Einsatzfahrten ohne Sonderrechte auf Anfahrt der Vergleichswert im Mittel bei 17,6 Minuten lag. Die Ergebnisse einer weiterführenden Studie zur gemeinsamen Auswertung von Daten aus GIDAS (German In-Depth Accident Study) und Daten der Leistungsanalyse zu Verkehrsunfällen für die Jahre 2012/13 zeigen zum einem die Identifizierung zugehöriger Datensätze zu Verkehrsunfallereignissen und zum anderem die Vergleichbarkeit der Klassifizierung der Verletzungsschwere der Verkehrsunfallopfer zwischen beiden Erfassungsverfahren.
Entsprechend dem Kreislaufwirtschaftsgesetz sollen bis 2020 mindestens 70 % der nicht gefährlichen Bau- und Abbruchabfälle einer Vorbereitung zur Wiederverwendung, dem Recycling oder einer sonstigen stofflichen Verwertung zugeführt werden. Um dieses Ziel zu erreichen müssen Materialien, die bisher als mineralischer Abfall abgelagert wurden, deutlich stärker als Sekundärbaustoffe verwendet werden. Für drei dieser Stoffgruppen sollten durch dieses Forschungsprojekt die Grundlagen für eine nachhaltige Materialverwendung im Erdbau erweitert und Vorbehalte abgebaut werden. Bei den Stoffgruppen handelt es sich um: a) organogene Böden bzw. Böden mit organischen Bestandteilen, b) Böden mit geringer Konsistenz sowie c) Sekundärbaustoffe (RC-Baustoffe, Böden mit Fremdbestandteilen, industrielle Nebenprodukte). Die Möglichkeiten und Grenzen der Verwendung von organogenen Böden bzw. Böden mit organischen Bestandteilen wurden im ersten Teil des Projektes erörtert. Neben der umfassenden Auswertung von Literaturquellen stehen mit den eigenen Untersuchungen nun umfassende Ergebnisse und ein Schema für eine erste Beurteilung bautechnischen Verhaltens solcher Böden zur Verfügung. Möglichkeiten zur Verbesserung und des Einsatzes von Böden mit geringer Konsistenz wurden im zweiten Teil dieses Projektes näher untersucht. Die Untersuchungen erfolgten anhand ausgewählter fein- und gemischtkörniger Böden. Anhand der Ergebnisse wurden die möglichen Einsatzbereiche unterschiedlicher Strategien zur Verwendbarmachung (z. B. Bodenverbesserung, Entwässerung) bewertet und Hinweise auf Einschränkungen gegeben. Im letzten Teil des Forschungsprojektes wurden die erdbautechnischen Eigenschaften von Recyclingmaterialien und HMV-Aschen untersucht. Grundsätzlich bestätigen die Untersuchungen die durchaus hochwertigen bautechnischen Eigenschaften dieser Materialien. Gleichzeitig zeigen Sie auch typische Schwächen solcher Materialien auf.
Für die erweiterte grafische Darstellung der KiST-Zonen ist ein einfaches Verfahren zur Berechnung stündlicher Werte der Fahrbahnoberflächentemperatur entwickelt worden, das mit meteorologischen Beobachtungen der Lufttemperatur, der Globalstrahlung und der Luftfeuchte arbeitet. Die Berechnungsgleichungen wurden anhand der Messwerte von Glättemeldeanlagen ermittelt. Aus den Fahrbahnoberflächentemperaturen lassen sich sog. KiST-Raten, die äquivalent zu den Schadenssummen sind, ableiten. Diese KiST-Raten, berechnet für 380 Standorte und den Zeitraum 2001 bis 2015, sind auf Gitterpunkte im Abstand von 1 km in W-O und in N-S-Richtung unter Berücksichtigung der Höhenabhängigkeit interpoliert worden. Sie bilden die Grundlage für die flächendeckende Ausweisung von KiST-Zonen in der Bundesrepublik. KiST-Zonen sind Zonen mit ähnlichen KiST-Raten, die sich untereinander durch die Dicke der Asphaltschicht unterscheiden, die nötig ist, um dieselbe KiST-Rate (bzw. Schadenssumme) zu erreichen. Daher ist die Einteilung der Bundesrepublik in KiST-Zonen so vorgenommen worden, dass zwischen den Zonen bei Anwendung der Kalibrierasphalte jeweils eine Schichtdickendifferenz von mindestens ± 1 cm auftritt. Das Ergebnis unterscheidet sich deutlich von der bestehenden Zonen-Karte. Das liegt im Wesentlichen daran, dass die Schadenssummen für die bestehende Karte mit Fahrbahnoberflächentemperaturen aus einem Modell berechnet wurden, das den Austausch der Luft über der Fahrbahn mit der Umgebungsluft in Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit bestimmt. Das hier benutzte Verfahren geht hingegen von einem konstanten Austausch durch den fließenden Verkehr aus. Daher ergeben sich vor allem für Süddeutschland, wo es warm und windstill ist, höhere Schadenssummen als KiSTRaten. Aus diesem Grunde sind die Häufigkeitsverteilungen der Temperaturzustände für die KiSTZonen neu berechnet worden. Auch die Anpassungsfaktoren (Harmonisierung mit den Erfahrungen der RStO) sind neu zu bestimmen.
Im deutschen Straßennetz existieren Hochleistungsstraßen, die sowohl dem Fernverkehr dienen als auch innerstädtische Verkehre auf sich ziehen und damit das nachgeordnete Straßennetz entlasten. Dabei verfügen diese Straßen, die hohe Verkehrsstärken abwickeln und entweder urban oder autobahnähnlich gestaltet sind, über breite Straßenquerschnitte mit mindestens zwei Fahrstreifen je Fahrtrichtung. Hochleistungsstraßen sind dabei keine eingeführte Kategorie in den Regelwerken der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen und entsprechende Entwurfsempfehlungen existieren bislang nicht. Die im Bestand zu verzeichnenden Entwurfselemente weichen teilweise erheblich von den derzeit gültigen anerkannten Regeln für bestehende Kategorien von Stadtstraßen oder Autobahnen ab. Wesentliche Aufgabe dieses Forschungsvorhabens war die Entwicklung von geeigneten Entwurfsparametern für Hochleistungsstraßen, die die Anforderungen der Verkehrssicherheit, der Fahrtgeschwindigkeit, des Lärmschutzes sowie der städtebaulichen und stadtplanerischen Qualität möglichst weitgehend erfüllen. Auf Basis einer Literaturanalyse erfolgte zunächst die Entwicklung einer Begriffsdefinition von urbanen und autobahnähnlichen Hochleistungsstraßen. Darauf aufbauend wurde eine Befragung von Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern zu Straßen dieses Typs durchgeführt. Festzuhalten ist, dass zahlreiche Hochleistungsstraßen in vielen Städten wesentlicher Bestandteil des Straßennetzes sind. Auf Grundlage der Befragung der Städte wurde ein Untersuchungskollektiv von 13 Hochleistungsstraßen für weiterführende Analysen ausgewählt. Durch Detailanalysen konnten Erkenntnisse zu den verschiedenen Analyse- und Wirkungsbereichen gewonnen werden. Dabei war grundsätzlich festzustellen, dass Hochleistungsstraßen ihre Verkehrs- und Erschließungsfunktion weitestgehend leistungsfähig und sicher erfüllen. Niveaufreie Knotenpunkte erwiesen sich im Vergleich zu niveaugleichen Knotenpunkten bei der Untersuchung der Fahrtgeschwindigkeit als auch der Verkehrssicherheit zunächst als vorteilhafter. Dabei ist zu berücksichtigen, dass an niveaufreien Knotenpunkten im Vergleich zu niveaugleichen Knotenpunkten der Fuß- und Radverkehr oftmals auf das umliegende Straßennetz verlagert ist und sich somit keine entsprechenden Auswirkungen auf die Fahrtgeschwindigkeit und die Verkehrssicherheit ergeben. Sofern jedoch Aspekte der Zugänglichkeit für Verkehrsteilnehmer des nicht motorisierten Individualverkehrs (NMIV), der städtebaulichen Integration oder Lärmschutzaspekte hinzugezogen werden, sind niveaugleiche Knotenpunkte als geeigneter einzustufen. Vorfahrtgeregelte Einmündungen und Grundstückszufahrten, an denen nur Rechtsabbiegeverkehre möglich sind und die geringe Verkehrsstärken aufweisen, wirkten sich nicht nachteilig auf die Fahrtgeschwindigkeit oder das Unfallgeschehen von Hochleistungsstraßen aus. Auch hinsichtlich der Zugänglichkeit für Verkehrsteilnehmer des NMIV und der städtebaulichen Integration waren keine negativen Auffälligkeiten festzustellen. Bei der Betrachtung der Lärmimmissionen der Hochleistungsstraßen erwiesen sich geschlossene Gebäudestellungen mit mehr als drei Geschossen auch im Hinblick auf städtebauliche Aspekte als geeignet, die nachgelagerten Bereiche abzuschirmen. Die entwickelten Entwurfsparameter und Empfehlungen sollten dazu beitragen, den bislang nicht existenten Straßentypus der Hochleistungsstraße in die Regelwerke der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen einzuführen, wobei neben verkehrlichen Belangen auch städtebauliche sowie stadtplanerische Aspekte berücksichtigt werden sollten.
Eine der derzeitigen Schwierigkeiten bei dem Einsatz von gummimodifizierten Asphalten (GmA) liegt in der nicht hinreichend genauen Bindemittelgehaltsbestimmung durch Extraktion bei der Kontrollprüfung nach den [TP Asphalt-StB, Teil 1, 2007]. Das Ziel dieses Forschungsprojektes war es daher, Hinweise und Empfehlungen zur Verbesserung der Präzision bei der Bestimmung des Bindemittelgehaltes von GmA zu erarbeiten. In einer ausführlichen Untersuchungsreihe wurden im Labor hergestellte SMA 8 S und PA 8, die sowohl im Nass- als auch Trockenverfahren unter Variation des Grundbitumens, des Gummimehlanteils und unter variierenden Mischtemperaturen, Misch- und Lagerungszeiten modifiziert wurden, nach den [E GmBA, 2012] extrahiert. Da sich nur ein Teil des Gummimehles im Bindemittel löst, galt es die im Gesteinskörnungsgemisch verbleibenden ungelösten Gummipartikel möglichst präzise zu erfassen. Dabei stieß die angewendete Vorgehensweise an Grenzen. Das Verhältnis zwischen gelösten und ungelösten Gummipartikelanteilen ist in Abhängigkeit von dem eingebrachten Gummimehlanteil und aufgrund von unvermeidbar unterschiedlicher Gummimehlqualitäten nicht konstant. Eine weitere Ursache für Schwankungen war, dass sich nach der Extraktion Fülleranteile in dem ungelösten Gummipartikelanteil und Gummipartikel im Gesteinskörnungsgemisch wiederfinden ließen. Die Ermittlung des Mittelwertes der ungelösten Gummipartikel aller durchgeführten Extraktionen ergab einen Wert von 75 %. Wie durch die vorherigen Bewertungen zu erwarten, ergab sich jedoch eine große Spannweite von 43 bis 107 %. Mit dem Extraktionsverfahren nach den [E GmBA, 2012] scheint demnach prüftechnisch kein hinreichend genaues Vorgehen zur Ermittlung des Bindemittelgehaltes von GmA und zum ungelösten Gummipartikelanteil zu erzielen zu sein. Als alternative Methode wurde die Veraschung solcher Asphalte eingesetzt und eine empfohlene Vorgehensweise entwickelt. Dieses Verfahren ist unabhängig von der bisherigen Extraktion mit dem Lösemittel Trichlorethylen und den damit verbundenen einzuhaltenden Arbeitssicherheitsbestimmungen. Erste Versuche im Rahmen dieses Forschungsprojektes zeigen plausible und vielversprechende Ergebnisse, die durch weitere Untersuchungsreihen zur Optimierung und zur Validierung des Verfahrens ergänzt werden müssen.
Es ist davon auszugehen, dass automatisiertes Fahren künftig zum Großteil auf der vorhandenen Infrastruktur zusammen mit nicht-automatisierten Fahrzeugen erfolgen wird. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob mit der Verbreitung automatisierten Fahrens auch besondere Anforderungen an die Infrastruktur entstehen bzw. wie die Infrastruktur ggf. weiterentwickelt werden sollte. Das übergeordnete Ziel des vorliegenden Grundlagenprojektes war daher die Beantwortung der Frage, welche Infrastrukturmaßnahmen (straßenbaulich, verkehrs- und informationstechnisch) für die verschiedenen Level des automatisierten Fahrens erforderlich sind. Das Projekt fokussierte hierbei auf die Fahrt auf der Autobahn und der Landstraße. Neben einem Standardszenario für die Fahrt auf der Autobahn (Autobahnchauffeur) und der Landstraße (Pendlerchauffeur) wurden auch ausgewählte Szenarien mit größeren Herausforderungen an die Fahraufgabe betrachtet, welche dann ggf. auch erhöhte Anforderungen an die Infrastruktur stellen. Aufbauend auf Grundlagen und Standards für den Bau und Betrieb der Straßenverkehrsinfrastruktur wurden im Projekt die bzgl. des automatisierten Fahrens auftretenden Herausforderungen erarbeitet, Szenarien mit besonderen Herausforderungen entwickelt, Infrastrukturmaßnahmen zur Unterstützung des automatisierten Fahrens abgeleitet und anschließend hinsichtlich der Aspekte Notwendigkeit, Wirksamkeit, technische, organisatorische und zeitliche Realisierbarkeit sowie des entstehenden Aufwands bewertet. Die Ergebnisse der Bewertung tragen dazu bei Empfehlungen zu erarbeiten, die helfen sollen, die Straßeninfrastruktur hinsichtlich automatisierten Fahrens zukunftsfähig zu machen. Es hat sich dabei herausgestellt, dass die Infrastruktur des Straßenverkehrs durchaus Potenzial besitzt, das automatisierte Fahren an ausgewählten Punkten bzw. in speziellen Situationen zu unterstützen. Eine zentrale und vielversprechende Maßnahme, die in den meisten Szenarien unterstützend für das automatisierte Fahren wirken kann, ist die Nutzung einer hochgenauen, geschichteten digitalen Referenzkarte. Durch diese lassen sich sowohl langfristige Situationen, als auch mittel- und kurzfristige Änderungen der Verkehrslage darstellen. Mit dem heutigen Stand der fahrzeugseitigen Technologie sowie der vorhandenen Straßeninfrastruktur erscheint hochautomatisiertes Fahren auf Autobahnen ohne Veränderungen bzw. große Anpassungen der Infrastruktur grundsätzlich vorstellbar. Für die weitere Entwicklung und den Erfolg der Automatisierung des Verkehrs ist zu sagen, dass das Zusammenspiel vor allem auf einer organisatorischen Ebene von Automobilindustrie und Straßenbetreibern als auch Diensteanbietern unerlässlich ist.
In den nächsten Jahren ist mit einer steigenden Anzahl autofahrender Seniorinnen und Senioren (1) im Straßenverkehr zu rechnen. Mit zunehmendem Alter gehen jedoch zahlreiche fahrrelevante Leistungsveränderungen und Einschränkungen einher. Ein relativ neuartiger Ansatz zur Kompensation altersbedingter Einschränkungen und zur Senkung des Unfallrisikos ist der gezielte Einsatz von Fahrerassistenz- und -informationssystemen (FAS/ FIS). Im Rahmen dieses Projekts werden die personalen Voraussetzungen älterer Autofahrer für Erwerb und Nutzung derartiger Systeme untersucht. In einer Literaturanalyse werden Möglichkeiten zur Erhöhung der Verkehrssicherheit durch den Einsatz von FAS/FIS dargestellt. Basierend auf einem Überblick über Akzeptanzuntersuchungen von FAS/FIS werden Faktoren herausgearbeitet, die speziell für Senioren von hoher Bedeutung sind. Im empirischen Teil des Projekts werden über zwei verschiedene methodische Zugänge Informationen über die personalen Voraussetzungen des Erwerbs und der Nutzung von FAS/FIS durch ältere Autofahrer gesammelt. Zum einen über Einzelinterviews von Autohändlern, die in Kontakt mit älteren Kunden stehen, zum anderen über Fokusgruppendiskussionen direkt mit der Zielgruppe. Die Autohausbefragungen zeigen, dass der Verkaufsberater eine entscheidende Rolle bei der Information älterer Fahrer spielt. Das Thema „Fahrerassistenzsystem“ wird selten von den Kunden selbst angesprochen, sondern muss vom Kundenberater gezielt adressiert werden. Während jüngere Kunden sich Fahrerassistenzsysteme oft aus Komfort- und Prestigegründen kaufen, ist bei älteren Kunden der Sicherheitsaspekt das bedeutendste Argument für den Kauf eines Systems. Sehr große Bedeutung messen die interviewten Verkaufsberater Probefahrten zu: Sie können Ängste und Bedenken nehmen und teilweise auch Skeptiker überzeugen. Als Kauf- und Nutzungsbarrieren nannten die Berater Zweifel hinsichtlich der Zuverlässigkeit des Systems und die relativ hohen Kosten für FAS/FIS. Anliegen der Fokusgruppendiskussionen ist es, Vertreter der Zielgruppe „ältere Autofahrer“ direkt zu befragen. Der Großteil der Fokusgruppenteilnehmer hat sich bis zum Workshop mit dem Thema FAS/FIS noch sehr wenig auseinandergesetzt und entsprechend auch nur sehr wenig Vorwissen zum Thema aufgebaut. Interessanterweise lässt sich aber bei sehr vielen Teilnehmern bereits durch eine sehr knappe Information zur Funktionsweise einzelner Systeme zumindest eine Nutzungs- bei manchen sogar eine Kaufintention erzeugen. Basierend auf den Erkenntnissen der Literaturanalyse, der Autohausbefragungen und der Fokusgruppendiskussionen wird ein Arbeitsmodell zum Einfluss personaler Faktoren auf die Nutzungsintention älterer Autofahrer von FAS/FIS entworfen. Dieses Arbeitsmodell soll OEMs, Verbände usw. darin unterstützen, konkrete Maßnahmen zu einer weiteren Verbreitung von FAS/FIS unter älteren Fahrern abzuleiten. Zur Quantifizierung einzelner Einflussfaktoren wurde ein Fragebogen entwickelt, den mittels einer Online-Umfrage 585 Personen beantworteten. Mittels logistischer Regression werden die im Arbeitsmodell spezifizierten Prädiktoren daraufhin überprüft, ob sie einen relevanten Einfluss auf die Nutzungsintention verschiedener FAS/FIS haben. Die Ergebnisse zeigen, dass ein einziges Modell zur Vorhersage einer Nutzung von FAS/FIS im Allgemeinen fehlschlagen muss. Jedes FAS/FIS weist gewisse Merkmale auf, die es von anderen FAS/FIS unterscheidet und die offensichtlich auch einen Unterschied hinsichtlich einer Nutzungsintention machen. So werden an ein sehr selten agierendes Notsystem andere Kriterien angelegt, als an ein System, das kontinuierlich in das Fahrgeschehen eingreift. Bereits heute sind einige Voraussetzungen gegeben, die eine weitere Verbreitung von FAS/FIS unabhängig vom Geschlecht und Alter potenzieller Nutzer in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich machen. Beschleunigen lässt sich dieser Prozess durch weitere gezielte Informationsverbreitung hinsichtlich der Möglichkeiten, bestimmte physische/ kognitive Einschränkungen (die nicht unbedingt nur eine bestimmte Altersgruppe betreffen) mithilfe vom FAS/FIS zu kompensieren. Über eine Analyse des Mobilitätsverhaltens und potenzieller Einschränkungen sollten potenziellen Neuwagenkäufern FAS/FIS gezielt und bedarfsgerecht angeboten werden. Zentrale Bedenken hinsichtlich FAS/FIS hatten viele Befragte in Bezug auf zu erwartende Folgekosten sowie zu Fragen der Datensicherheit. Hier ist eine transparente Informationspolitik hilfreich, die den Kunden Sicherheit bezüglich zu erwartender Folgekosten und der Datensicherheit vermittelt.
(1) Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text weitgehend die männliche Form gewählt. Die Angaben beziehen sich jedoch auf Angehörige beider Geschlechter, sofern nicht ausdrücklich auf ein Geschlecht Bezug genommen wird.
Mit der Umsetzung des Allgemeinen Rundschreibens Straßenbau ARS Nr. 11/12 und den ergänzenden Ausgaben der TL Asphalt-StB 07/13 und der ZTV Asphalt-SB 07/13 wurden erweiterte Prüfvorgaben an Bindemittelproduzenten und Asphaltmischguthersteller bezüglich der Produktüberwachung sowie an Straßenbaubehörden bezüglich der Kontrollprüfungen festgelegt. Diese umfassen die Prüfung des Erweichungspunktes Ring und Kugel und der Nadelpenetration sowie Prüfungen mit dem Dynamischen Scherrheometer (inkl. MSCR-Prüfung) und mit dem Biegebalkenrheometer (BBR) an vier verschiedenen Straßenbaubitumen und drei polymermodifizierten Bitumen. Teilweise werden diese Prüfungen zusätzlich an den kurzzeit- und langzeitgealterten Bindemitteln durchgeführt. Die Prüfdaten wurden im Rahmen dieses Forschungsprojektes über die Jahre 2013 bis 2015 gesammelt. Dazu wurde eine Datenbank mit einem entsprechenden Webserver eingerichtet. Neben den Bindemitteldaten wurden von den Mischgutherstellern die gemäß den TL Asphalt-StB 07/13 als „ist anzugeben“ gekennzeichneten Asphaltkennwerte proportionale Spurrinnentiefe, Hohlraumausfüllungsgrad und dynamische Stempeleindringtiefe beschafft. Anschließend wurden die Daten einer statistischen Analyse unterzogen, mit der eine hohe Übereinstimmung der Ergebnisse der Untersuchungsjahre 2014 und 2015 belegt werden konnte. Für die verschiedenen Prüfergebnisse wurden unterschiedliche Bewertungsansätze verfolgt. Es wurden systematische Änderungen der Bindemitteleigenschaften durch die Kurzzeit- und die Langzeitalterung anhand der Änderung des Erweichungspunktes Ring und Kugel und der Nadelpenetration festgehalten. Die BBR-Prüfdaten wurden anhand der Temperaturen TS300 und Tm0,3 bewertet. Die DSR-Ergebnisse zeigen ein hohes Potenzial zur Differenzierung der Straßenbaubitumen auf. Hier konnten mithilfe der Äquisteifigkeitstemperatur und des entsprechenden Phasenwinkels Erfahrungswerte in Abhängigkeit von der Bitumensorte formuliert werden. Für die Asphaltkennwerte proportionale Spurrinnentiefe, Hohlraumausfüllungsgrad und dynamische Stempeleindringtiefe wurden ebenfalls Erfahrungswerte formuliert.
Das Projekt „Einfluss gleichaltriger Bezugspersonen (peers) auf das Mobilitäts- und Fahrverhalten junger Fahrerinnen und Fahrer" untersucht, inwiefern riskantes Verhalten im Straßenverkehr durch Merkmale des Freundeskreises (Peergruppe) erklärt werden kann. Dieser Forschungsansatz ist als Ergebnis neuerer theoretischer und empirischer Entwicklungen entstanden, die zur Erklärung individuellen Verhaltens zunehmend auch solche Faktoren bemühen, die nicht auf der Ebene der einzelnen Person liegen, sondern die Normen (das Verhalten und die Einstellungen) im sozialen Nahraum integrieren. Ein zweiter Fokus dieser Studie lag auf der Identifikation verhaltensspezifischer und differenzieller Einflussfaktoren, weshalb drei unterschiedliche Arten des Risikoverhaltens junger Fahrerinnen und Fahrer adressiert worden sind, die für die Verkehrssicherheit alle hochgradig relevant sind: Fahren mit deutlich erhöhter Geschwindigkeit, Fahren nach dem Konsum von Alkohol und Handybenutzung während des Fahrens. Im Rahmen dieses Projekts wurden zunächst 311 Personen repräsentativ ausgewählt, die einen Pkw-Führerschein besitzen und zwischen 18 und 24 Jahren alt sein mussten. Diese haben jeweils drei gute Freunde bzw. Freundinnen genannt, die anschließend ebenfalls ausführlich befragt worden sind. Die Ergebnisse basieren also auf einem Stichprobenumfang von 1.244 Personen und belegen einen starken Einfluss der Peergruppe auf das Risikoverhalten junger Fahrerinnen und Fahrer. Die Ergebnisse der Analysen auf individueller Ebene zeigen, dass die wahrgenommene Häufigkeit des Risikoverhaltens im Freundeskreis einen deutlich stärkeren Effekt auf die selbstberichtete Prävalenz des Risikoverhaltens hat als die wahrgenommene Einstellung der Freunde zu diesem Risikoverhalten. Die Befunde der vorliegenden Studie verweisen in vielfältiger Hinsicht darauf, dass die Peergruppe mit Blick auf die Entwicklung verkehrssicherheitsstrategischer Kommunikationsmaßnahmen zu adressieren ist.
Unter Radschnellverbindungen (RSV), oft als Radschnellwege bezeichnet, werden Radverkehrsverbindungen verstanden, die vorrangig auf den Alltagsradverkehr ausgerichtete Zielbereiche des Radverkehrs mit hohen Potenzialen über größere Distanzen verknüpfen und ein sicheres und attraktives Befahren mit hohen Fahrtgeschwindigkeiten ermöglichen. RSV kamen bisher vor allem in europäischen Nachbarländern zur Ausführung, insbesondere in den Niederlanden. Die Entwicklungen in Deutschland sind sehr dynamisch: In zahlreichen Bundesländern bzw. (Metropol-)Regionen und Ballungsräumen werden derzeit Machbarkeitsstudien und Potenzialanalysen erarbeitet, sind in der planerischen oder ersten baulichen Umsetzung. Mit dem vorliegenden Forschungsprojekt werden zwei Schwerpunktthemen betrachtet: Im Schwerpunkt 1 erfolgt die Erarbeitung eines praxisorientierten Verfahrens zur Potenzialanalyse bzw. –abschätzung von RSV sowie hierauf aufbauend die Erarbeitung einer Nutzen-Kosten-Analyse. Schwerpunkt 2 umfasst die Untersuchung sicherheitsrelevanter Elemente von RSV. Auf Basis einer Bestandsaufnahme einschließlich Verkehrsbeobachtung vor Ort erfolgt die Erarbeitung von inner- und außerörtlichen Entwurfselementen von Strecken und Knotenpunkten.
Schwerpunkt 1
Zur Erarbeitung der Potenzialanalyse wurden zunächst bestehende Ansätze deutscher und europäischer Studien untersucht. Das Hauptaugenmerk, insbesondere in Verknüpfung mit der Nutzen-Kosten- Analyse, liegt hier in der Bestimmung der Verlagerungspotenziale. Je nach Datenverfügbarkeit der zu untersuchenden Region wurden zwei verschiedene Verfahren entwickelt, die sich im Detaillierungsgrad unterscheiden. Ein detailliertes Verfahren setzt auf bestehende Verkehrsmodelle auf und berechnet mithilfe eines definierten Berechnungsverfahrens die Verlagerungspotenziale. Mit einem überschlägigen Verfahren zu Projektbeginn werden das Verkehrsaufkommen im Untersuchungsgebiet grob berechnet und Verlagerungspotenziale überschlägig abgeleitet. Für die Nutzen-Kosten-Analyse (NKA) wurden u.a. die Verfahren des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) 2030, die NKA zur Bewertung der Effizienz von Radverkehrsmaßnahmen (NKA-Rad) und die standardisierte Bewertung von SPNV-Maßnahmen als Grundlagen verwendet. Die für RSV relevanten Komponenten wurden geprüft und hinsichtlich ihrer Anwendung auf RSV gegebenenfalls angepasst.
Schwerpunkt 2
Eine Sicherheitsbewertung an Streckenabschnitten wurde mit dem Ziel durchgeführt, das Konfliktniveau auf RSV zu untersuchen und die Wirksamkeit unterschiedlicher Arten der Trennung zum Gehweg hin zu prüfen. Dazu wurden an sieben Untersuchungsstrecken in Deutschland und den Niederlanden eine Verhaltensbeobachtung und eine Unfallanalyse durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Breite einer RSV von mindestens 4,00 m zuzüglich eines separat geführten Gehwegs grundsätzlich geeignet ist, um hohe Radverkehrsmengen aufzunehmen, da die Interaktionen zwischen den Radfahrern untereinander, welche auf der freien Strecke dominieren, ab dieser Breite reduziert werden können. Der Kenntnisstand zur Sicherheit an Querungsstellen mit Bevorrechtigung für den Radverkehr ist derzeit noch gering, so dass zehn innerörtlicher Knotenpunkte dieser Art Gegenstand der hier vorliegenden Untersuchung waren. Neben einer Verhaltensbeobachtung wurde eine Unfallanalyse durchgeführt. Tendenziell lässt sich aus den Ergebnissen ableiten, dass die bevorrechtigte Querung grundsätzlich als sicher zu bewerten ist und bei einer Verkehrsstärke von bis zu 2.000 Kfz/Tag auf der untergeordneten Straße eingesetzt werden kann. Die Erkennbarkeit der Querungsstelle sollte durch zusätzliche Ausstattungselemente verstärkt werden. Weiterhin wurden im Rahmen der Untersuchung rechnerische Verlustzeiten und Einsatzbereiche für typische Knotenpunktformen im Zuge von RSV ermittelt.
Die im folgenden Bericht dargelegten Ergebnisse aus den Jahren 1986 bis 1993 sind vor dem Hintergrund und den Randbedingungen der Untersuchungen auf den offenporigen Asphaltdeckschichten auf Außerortsstraßen zu sehen. Weiterentwicklungen in der Straßenbautechnik, Änderungen an den Kraftfahrzeugen und Änderungen des Verhaltens der Verkehrsteilnehmer erfordern, die Versuchsergebnisse zu überdenken; dies gilt insbesondere, weil die offenporigen Asphaltdeckschichten, die den Untersuchungen zugrunde lagen, Ende der 80er Jahre entsprechend dem damaligen Stand der Technik konzipiert und gebaut wurden. Der Ergebnisbericht beruht auf Untersuchungen mit den damals geltenden Randbedingungen des Verkehrs, der Verkehrsmischung und den hierbei verursachten Lärmemissionen. Diese Bedingungen gelten heute nicht mehr in demselben Umfang. So lassen die aus Lärmmessungen sich ergebenden Pegelanstiege auf Deckschichten mit langjährig bewährten Bauweisen vermuten, daß die Geräuschemissionen der Pkw angestiegen sind. Die Frage, in welchem Umfang der Pegelanstieg auf Eigenschaftsänderungen der Deckschichten zurückzuführen ist bzw. durch den Anstieg der Pkw-Geräuschemissionen verursacht wird, läßt sich zur Zeit nicht genau beantworten. Die Untersuchungen haben nicht die erwarteten Ergebnisse hinsichtlich der Lärmwirksamkeit und der bautechnischen Nutzungsdauer hervorgebracht. Aus den Untersuchungen wurden jedoch Erkenntnisse zur Auswahl der Baustoffe, zur Zusammensetzung der Baustoffgemische (Kornform, Bindemittelqualität, Hohlraumgehalt) und zur Herstellung der Deckschichten im Hinblick auf Verbesserungen der bautechnischen Nutzungsdauer und dauerhaften Lärmwirksamkeit gewonnen. Beim Bau offenporiger Asphaltdeckschichten werden die gewonnenen Erkenntnisse bereits umgesetzt. Zur gezielten Weiterentwicklung der lärmmindernden Wirksamkeit von Deckschichten sind ergänzende Untersuchungen zur Abschätzung und Trennung der Lärmerzeugungsmechanismen erforderlich.
Nach der im Jahre 1993 aufgrund der Wiedervereinigung und der Öffnung der Grenzen zu den Nachbarstaaten außerplanmäßig durchgeführten Straßenverkehrszählung fand im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr auf den Bundesfernstraßen - Bundesautobahnen und Bundesstraßen - 1995 wieder eine bundesweite Zählung im Rahmen des üblichen Fünfjahres-Turnus statt. Zusätzlich wurden in allen Bundesländern Landesstraßen, in den alten Bundesländern auch Kreisstraßen, in einem solchen Umfang in die Zählung einbezogen, daß repräsentative Aussagen auch zu den Verkehrsstärken auf diesen Straßen möglich sind. Der vorliegende Bericht beinhaltet detaillierte Angaben zu den Verkehrsbelastungen der einzelnen Zählabschnitte.
Alle fünf Jahre finden auf Bundesfernstraßen - Bundesautobahnen und Bundesstraßen - Straßenverkehrszählungen im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr statt. Der vorliegende Bericht beinhaltet die erhobenen Verkehrsbelastungen der einzelnen Straßenabschnitte. Im Jahr 1990 erstreckten sich die Zählungen erstmals auch auf die Autobahnen und Fernstrecken der neuen Bundesländer. Dabei konnte jedoch für die alten und neuen Bundesländer noch kein einheitliches Verfahren angewandt werden, so daß sowohl die Zählungen als auch die Auswertungsergebnisse wegen der unterschiedlichen Methoden nicht unmittelbar miteinander verglichen werden können
Im Jahre 1983 wurde in Hamburg ein Konzept zur Verlangsamung des Verkehrs in Wohngebieten erarbeitet, das die Einrichtung von Tempo 30-Zonen außerhalb eines vorher festgelegten "Vorbehaltsnetzes" von Verkehrsstraßen vorsah. Im Jahre 1985 hat das Land Baden-Württemberg einen Versuch Tempo 40/60 initiiert. Im Rahmen dieses Versuchs sollten ausgewählte Gebiete als Tempo 40-Zonen eingerichtet werden, gleichzeitig sollte auf geeigneten peripheren Verkehrsstraßen die zulässige Höchstgeschwindigkeit von vorher generell 50 km/h auf 60 km/h angehoben werden. Zur wissenschaftlichen Begleitung des Hamburger Tempo 30-Konzeptes und des Versuchs Tempo 40/60 in Baden-Württemberg hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) einen Untersuchungsplan aufgestellt. Die Untersuchungen, die von mehreren Forschungsstellen im Auftrag der BASt durchgeführt wurden, waren vornehmlich auf folgende Gesichtspunkte gerichtet: - Veränderung der gefahrenen Geschwindigkeit und Beachtung der jeweiligen Geschwindigkeitsbeschränkung; - Veränderung von Unfallhäufigkeit und –schwere; - Einstellung der Bevölkerung (Anlieger, Kraftfahrer) und betroffener Betriebe zur Zonenregelung. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden im vorliegenden Bericht zusammengefaßt. Darüber hinaus wurden Untersuchungen zu Unfallentwicklungen in einigen Tempo 30-Zonen in Baden-Württemberg und in Darmstadt sowie Erfahrungen von 25 weiteren Gemeinden für den Bericht ausgewertet. Ebenso wurden veröffentlichte Ergebnisse aus anderen Untersuchungen zu Zonengeschwindigkeiten einbezogen. Berichtet wird ferner über Einflüsse der Zonengeschwindigkeit auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sowie auf Lärm und Abgas.
Bei Stützkonstruktionen aus Gabionen fehlt bisher ein realitätsnahes, rechnerisches Nachweisverfahren für den Nachweis des Versagens eines einzelnen Elementes (Bestandteil der sog. „inneren Standsicherheit“). Daher wurden in Anlehnung an die Empfehlungen aus dem Projekt FE 15.0559/2012/ MRB [2] drei Belastungsversuche an einzelnen Gabionen durchgeführt. Die Gabionen mit den Abmessungen von 1 x 1 x 1 [m] wurden unter Zuhilfenahme von Vliesbahnen mit einem enggestuften Fein- bis Mittelsand gefüllt, mit einer Stahlrahmenschalung u-förmig umstellt und schließlich stufenweise mit einer zentrischen Vertikalkraft belastet. Bei den Versuchen wurden die Kräfte in den Drahtkörben, die Erddruckspannungen in der Sandfüllung sowie die äußeren Verformungen der Gabionen und der Stahlrahmenschalung messtechnisch erfasst und ausgewertet. Durch das aktuelle AP-Projekt wurde ein geeignetes Konzept für die Durchführung und die Auswertung derartiger Belastungsversuche an einzelnen Gabionen (Tastversuche) entwickelt. Zusätzlich konnten für das Tragverhalten von Gabionen wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden. Die beispielhafte Anwendung von bekannten Näherungslösungen für den Nachweis des Versagens eines einzelnen Elementes hat ergeben, dass keine der Näherungen das festgestellte Tragverhalten von Gabionen bzw. die ermittelten Versuchsergebnisse in ihrer Größenordnung abzubilden vermag. Außerdem hat sich gezeigt, dass die für die Näherungslösungen angesetzten statischen Systeme teilweise diskussionswürdig sind. Die in diesem Zusammenhang mitgeteilten Ergebnisse sind allerdings als Zwischenstand zu verstehen, da sie bisher nur auf einer geringen Anzahl von Versuchen basieren und sich ferner gezeigt hat, dass die Sandfüllung inkl. Vliesauskleidung in Teilen zu einem anderen Tragverhalten geführt hat als von einer üblichen Füllung mit Gestein zu erwarten ist. Aus diesem Grund wird empfohlen, die Belastungsversuche an einzelnen Gabionen mit einer Füllung aus Gestein fortzusetzen. Das entwickelte Konzept für die Belastungsversuche kann hierfür grundsätzlich beibehalten werden. Im Detail wurden Empfehlungen für die Auswahl und den Einbau der Materialien sowie die Anpassungen der messtechnischen Ausstattung gegeben. Sofern sich durch die Auswertung dieser Versuche die bekannten Näherungslösungen, insbesondere der durch das Projekt FE 15.0559/2012/MRB favorisierte Vorschlag von WEBER (enthalten in [2]), eindeutig bewerten und ggf. weiterentwickeln lassen, können die geplanten Belastungsversuche an Stützkonstruktionen aus Gabionen (Großversuche) vorbereitet werden. | 3.734375 | 3.359375 | 3.625 |
6e3f3d982da742f83f254fd45fb82f04 | Coronavirus: Aktuelle Informationen und Unterricht
Sehr geehrte Eltern,
Ich hoffe, Ihnen und Ihren Kindern geht es gut, wir leben und arbeiten momentan unter besonderen Umständen, die uns allen Einiges abverlangen.
Um mit dieser Situation möglichst gut umgehen zu können, halten wir uns das Ziel vor Augen: es geht darum, die Infektionsrate mit dem Coronavirus möglichst flach zu halten, damit keine exponentielle Zunahme an Erkrankungen erfolgt. Zentraler Hintergrund ist, dass geschwächte und ältere Personen besonders anfällig sind und gegebenenfalls mit gravierenden Folgen zu rechnen ist. Würden dann bei einem sehr hohen Krankenstand notwendige Kapazitäten, insbesondere im Intensivbereich, in den Krankenhäusern fehlen, wäre dies fatal. Dies könnte bei einem exponentiellen Wachstum der Fall sein!
Insofern drehen sich alle Bemühungen darum, durch Vermeidung sozialer Kontakte auftretende Infektionen auf einen möglichst langen Zeitraum zu strecken, davon ausgehend, dass ein Großteil der Bevölkerung nach und nach die Erkrankung durchleben wird.
Daher handelt es sich um einen Akt der Solidarität, den wir als Schulgemeinde tragen wollen. Dies bedeutet natürlich, dass wir gewohnte Strukturen und Arbeitsprozesse von jetzt auf gleich ändern und umstrukturieren müssen, wohl wissend, dass es Reibungsverluste geben wird, offene Fragen und Ängste bestehen bleiben und erst sukzessive abgebaut werden können. Wir müssen also mit Einschränkungen sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich zurechtkommen.
In ihrem privaten oder beruflichen Umfeld haben Sie sicher auch mit den neuen Herausforderungen zu kämpfen. Weder Zuhause noch in den Schulen liegt ein Plan A oder ein Konzept vor, auf welches wir zurückgreifen könnten. Wir müssen improvisieren und warten, bis Grundlagen geschaffen werden. Dies gilt auch für Handlungsanweisungen und Richtlinien, die von der Bildungsaufsicht erst erstellt werden müssen, dies ist in einem solchen schwierigen Prozess nicht anders zu erwarten.
Und als Schule müssen wir natürlich die entsprechenden operativen Vorbereitungen treffen, um Lernchancen zu ermöglichen.
Ein paar Informationen:
- Über die Möglichkeit einer Notbetreuung wurden sie informiert. Bitte folgen Sie den Angaben und melden Sie Ihr Kind möglichst umgehend an, falls Sie eine Berechtigung haben. Kinder, die keine autorisierte Genehmigung vorweisen, werden nach Hause geschickt.
- In einer Klasse wurde eine Infektion nachgewiesen. Natürlich stellen sich Eltern und Kinder die Frage, ob sie infiziert sind. Diese Frage können wir nicht beantworten, wichtig ist, dass mit Schüler, Familienangehörige und Lehrkräfte auf Symptome achten, die mit dem Coronavirus in Verbindung stehen könnten. Treten typische Symptome auf - bitte informieren Sie sich, welche das sind - wenden Sie sich bitte an ihr Gesundheitsamt oder telefonisch an Ihren Hausarzt. Es wird dann versucht, die Infektionskette zurückzuverfolgen und mit betroffenen Personen Kontakt aufzunehmen. Dies erfolgt dann durch das Gesundheitsamt.
- Sämtliche Fahrten, Exkursionen, Austauschfahrten usw. sind bis zum Ende des Schuljahres abgesagt. Über Möglichkeiten der Erstattung bzw. Stornogebühren werden sie von den betreffenden Lehrkräften informiert, sobald konkrete Handlungsanweisungen durch die Schulaufsicht vorliegen.
- Das Schulfest wird nicht stattfinden.
- Die Schule darf nur nach telefonischer Anmeldung und im Notfall betreten werden.
- Klassenarbeiten, Leistungsmessung, Versetzungsbestimmungen u.a.m.: Diesbezüglich wird es seitens der Schulaufsicht noch entsprechende Regelungen geben, nach dem Grundsatz, dass Schülerinnen und Schüler nicht die Leidtragenden sein sollen. Inwiefern die bis zu den Osterferien vorgesehenen Klassenarbeiten, Lernkontrollen, Klausuren etc. nachgeholt werden müssen, steht noch nicht fest.
- Die Abiturprüfungen finden statt! Natürlich müssen wir alle Pläne neu verfassen, aber das Abitur hat mit die höchste Priorität! Unsere Schülerinnen und Schüler haben jahrelang auf dieses Ereignis hingearbeitet, sie sind selbstverständlich aufgeregt und betroffen vor dem Hintergrund der Ereignisse. Deswegen werden wir alles dafür tun, um ein möglichst normales Ambiente herzustellen. Ein Hinweis hierzu: die Verpflegung durch Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe elf wird nicht stattfinden können, die Abiturienten müssen sich selbst versorgen!
Unterricht und Kontakt zu Lehrkräften:
- Um bis zu den Osterferien einen interaktiven und kontinuierlichen Austausch der Lehrkräfte aller Fächer mit den Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, leiten die Klassenleitungen E-Mail-Verteiler ihrer Klasse an alle Fachlehrkräfte, die in der Klasse unterrichten, weiter. Der Austausch mit den Schülerinnen und Schülern erfolgt entweder per E-Mail oder im sogenannten Forum durch die Fachlehrkräfte. Einerseits sollen dabei Arbeitsaufträge versendet werden, andererseits sollen die Lehrkräfte mit den Schülerinnen und Schülern möglichst in einen Dialog treten, um Rückfragen beantworten zu können. D.h., die Lehrkräfte versuchen, den Lernfortschritt zu begleiten. Hierfür sehen wir zunächst Wochenpläne vor, damit die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeit einteilen können. Über den Vorsitzenden des Schulelternbeirates, Herrn Matteo, wurden die Klassenelternbeiräte bereits am Freitag gebeten, Listen mit E-Mail-Adressen zu fertigen, um sie sodann den Klassenleitungen zuzustellen. Falls dies noch nicht erfolgt ist, bitte ich um rasche Bearbeitung, da dies die Grundlage für ein elektronisches kommunizieren ist.
- Die Lehrkräfte treten in Kontakt mit Ihnen bzw. den SchülerInnen. Falls dies nicht erfolgt, wenden Sie sich bitte an den Klassenelternbeirat und prüfen Sie, ob die E-Mail Listen erstellt wurden. Ansonsten kontaktieren Sie bitte die Lehrkraft.
- Ist der Prozess erst einmal angelaufen können Sie sich jederzeit an die Lehrkräfte wenden, bitte verfolgen auch Sie den Lernprozess, damit Sie einen Eindruck von der Arbeit ihrer Kinder gewinnen.
- Anfänglich kann es zu Verzögerungen kommen, der Prozess muss erst anlaufen.
Bleiben wir der Hoffnung, dass die Maßnahmen bald Wirkung zeigen und wir zur Normalität zurückkehren können. Andererseits machen unsere Schülerinnen und Schüler aktuell Erfahrungen, die sie in ihrer Selbstständigkeit und in ihrer persönlichen Entwicklung einen Schritt weiter bringen können.
Wahrscheinlich habe ich hier Aspekte vergessen, dies bitte ich zu entschuldigen! Aktuell müssen wir uns in einem völlig unbekannten Terrain zurechtfinden. Wir sind bemüht, auf allen Ebenen Vorbereitungen zu treffen, am Donnerstag beginnen die schriftlichen Abiturprüfungen.
Ich wünsche Ihnen nur das allerbeste, Gesundheit und, falls möglich, Gelassenheit.
Herzliche Grüße,
Siegfried Ritter, OStD
Schulleiter des Adolf-Reichwein-Gymnasiums
in Heusenstamm
06104 - 96230 | 3.875 | 2.78125 | 3.03125 |
db4fd978bbdd6a1aac653ac31d04be6d | Die Corona-Pandemie wird nicht nur als Paradefall für Wissenschaftskommunikation gehandelt, sondern sie gibt auch einen besonders interessanten Fall für die empirische Wissenschaftskommunikationsforschung ab [i] . Selten waren Wissenschaftlerinnen derart präsent in den Medien wie in der aktuellen Krisensituation. Besonders der Podcast von NDR-Info „Das Coranavirus-Update mit Christian Drosten“ hat sich zum Publikumsmagneten entwickelt. Gestartet Ende Februar 2020, hat der werktägliche Podcast von Beginn an eine enorme Reichweite entwickelt mit inzwischen rund acht Millionen täglichen Downloads. Drosten, Professor und Leiter des Instituts für Virologie an der Charité Berlin, ist hierzulande die Stimme und das Gesicht der Wissenschaft in der COVID-19-Krise. Aber gerade der Hype um seine Person wird, wie er selbst betont, inzwischen zu einer besonderen Bürde. Aus der Medialisierungsforschung sind solche Personalisierungseffekte in der Wissenschaftskommunikation bekannt. Es stellt sich hier die grundsätzliche Frage, ob ein Mehr an Wissenschaftskommunikation nicht auch nichtintendierte Nebenfolgen produziert, die dem Vertrauen in Wissenschaft und damit der Legitimation politischer Entscheidungen eher schaden als nützen.
Die Medialisierung von Wissenschaft
Ende der 1990er Jahre hat Peter Weingart die zeitdiagnostische These von der Medialisierung der Wissenschaft formuliert: In dem Maße, in dem Wissenschaft zunehmend in den Massenmedien verhandelt wird und mediale Sichtbarkeit zum Wettbewerbsfaktor geworden ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Orientierung an massenmedialen Selektionskriterien zwecks Aufmerksamkeitsgenerierung auch die wissenschaftliche Wissensproduktion beeinflusst. Dieser These liegt ein differenzierungstheoretisches Paradigma zugrunde, das Wissenschaft und Massenmedien als eigenlogische Systeme fasst. In Zeiten von Medialisierung heißt es für die Wissenschaft: „Das abstrakte Wahrheitskriterium der Wissenschaft gilt nicht mehr allein, sondern ihm stellen die Medien das Kriterium der Zustimmung des öffentlichen Publikums gegenüber“ (Weingart 2001: 239) [ii] . Im Band „The Sciences’ Media Connection – Public Communication and its Repercussions“ haben wir 2012 die empirischen Befunde zur Medialisierung von Wissenschaft verschiedener Autorinnen zusammengetragen, um empirisch genauer zu prüfen, ob und inwiefern Medialisierungseffekte tatsächlich bis in den epistemischen Kern der Wissenschaft nachweisbar oder nicht doch eher auf der Ebene der Organisation oder der Rollen angesiedelt sind.
In meiner eigenen Arbeit habe ich die Medialisierungsthese auf das basale Element der Wissenschaft, die Publikation, angewendet und gezeigt, inwieweit bereits die Darstellung wissenschaftlicher Ergebnisse in Fachzeitschriften von der Medienlogik affiziert sein kann und damit wissenschaftliche Anschlussprobleme erzeugt. [iii] Zu den Ergebnissen meiner empirischen Untersuchung der Stammzellforschung gehörte auch, dass Politisierung und Medialisierung von Wissenschaft nicht getrennt voneinander betrachtet werden können, sondern sich wechselseitig bedingen. „In einem hoch medialisierten Forschungsfeld erweitert sich das Publikum der Wissenschaft von der Fachwelt zur Politik und anderen Öffentlichkeiten.“ (Franzen 2011: 251) Inmitten der politischen Regulierungsdebatte zur Forschung an embryonalen Stammzellen in den 2000er Jahren wurde jede interessante Neuerscheinung sofort medial verhandelt und auf politische Entscheidungsoptionen hin ausgelotet. Während also in der ethisch umstrittenen Stammzellforschung einzelne Zeitschriftenpublikationen direkte Stellungnahmen des US-Präsidenten evozierten und politische Entscheidungen wie die einer weltweiten Konvention zum Verbot des Klonens beeinflussten, wird in der gegenwärtigen Corona-Pandemie das deutsche Regierungshandeln von einzelnen Experteneinschätzungen abhängig gemacht. Dies war die Aussage von Bundeskanzlerin Merkel in ihrer Videobotschaft vom 11. März 2020: „Die Maßstäbe für unser Handeln, unser politisches Handeln ergeben sich aus dem, was uns Wissenschaftler und Experten sagen.“ Expertinnen aus der Virologie und Epidemiologie berufen sich auf ihr Erfahrungswissen und können dabei nur auf erste vorläufige Ergebnisse zu COVID-19 rekurrieren, da die Erforschung des neuen Virus erst am Anfang steht. Die Beratung von Politik und Öffentlichkeit findet aufgrund fehlender gesicherter empirischen Befunde unter Vorbehalt statt – wie immer wieder von wissenschaftlicher Seite betont wird. Dies gilt im Übrigen aber auch für begutachtete, publizierte Ergebnisse, die erst im Nachgang auf ihre Validität und Replizierbarkeit durch die Fachcommunity überprüft werden können, auch wenn häufig so getan wird, als sei die Publikation selbst bereits ein wissenschaftliches Faktum.
Im Unterschied zum wissenschaftsbezogenen Anlass für die Medienberichterstattung wie die Verkündung von wissenschaftlichen Durchbrüchen in Publikationen, handelt es sich in diesem Fall um einen gesellschaftsbezogenen Anlass der Wissenschaftskommunikation, den Ausbruch einer weltweiten Pandemie. Wissenschaft in den Medien zu COVID-19 folgt somit nicht dem Muster, „die Wissenschaft hat herausgefunden“ wie üblicherweise auf den Wissenschaftsseiten der überregionalen Presse. Vielmehr greift das Thema Coronavirus auf alle Ressorts durch. Wissenschaft, inzwischen nicht mehr allein die Virologie, tritt hier mit Namen und Gesichtern auf. Wissenschaftsjournalismus, in Medienorganisationen eher stiefkindlich behandelt, blüht zu neuem Leben auf. Die Medienorganisationen nutzen hierfür ihr gesamtes Repertoire an Medialität von Radio, Presse, Talkshows, Videos, sozialen Medien und Podcasts, um über die Corona-Krise in Echtzeit und umfassend zu informieren. Das Gesicht der Stunde ist aber der Virologe Prof. Dr. Drosten.
Zum Verhältnis von Wissenschaft und Medien
Wissenschaftlerinnen wird immer noch nachgesagt, sie würden im Elfenbeinturm forschen. Im Unterschied zu Politikerinnen oder Sportlerinnen sind sie in der Regel keine Personen öffentlichen Lebens, man kennt vielleicht mitunter ihren Namen, nicht aber ihr Gesicht. Der Wissenschaft aber implizit oder explizit vorzuwerfen, sie würde nicht kommunizieren, ist genauso falsch wie der Ansatz, jede Forscherin zur Wissenschaftskommunikatorin ausbilden zu wollen. Vergessen wird in der Debatte um Wissenschaftskommunikation stets, dass das genuine Publikum der Wissenschaft nicht im Mediensystem, sondern im Erziehungssystem liegt; Studierende sind der primäre Adressat von Wissenschaftskommunikation. In der Lehre geht es um die Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte und Praktiken, in der Forschung darum, die Kollegen von der Relevanz der eigenen Ergebnisse zu überzeugen.
Wenn Wissenschaft jedoch medienöffentlich auftritt, dann steht neben den Inhalten auch immer die Person im Rampenlicht. Beim journalistischen Umgang mit Wissenschaft geht es einerseits um die Glaubwürdigkeit der Experten, die in der Regel durch Titel, Ämter und Publikationen nachgewiesen wird und andererseits um die Medientauglichkeit der Personen wie klare Sprache, Eloquenz, Haltung und Position. Eine Diskussionsrunde im Fernsehen zum Klimawandel oder zur Corona-Pandemie ist jedoch kein genuines Ereignis von Wissenschaftskommunikation, sondern Teil der politischen Kommunikation, selbst wenn auf eigene oder fremde wissenschaftliche Ergebnisse rekurriert wird. Es ist ebenso ein Irrglaube, dass mediale Prominenz und wissenschaftliche Reputation zwangsläufig zusammenfallen. Im Gegenteil, zu viel öffentliche Prominenz kann dem persönlichen Ansehen in der Wissenschaft ebenso schaden, die Gründe dafür sind vielfältig. Eine der Gründe aber liegt in der medialen Inszenierungslogik, die mit den wissenschaftlichen Darstellungskonventionen kaum vereinbar ist. So werden persönliche Aussagen medial oft derart zugespitzt, sei es in der Pressearbeit der Institutionen oder der journalistischen Berichterstattung, dass die betreffende Wissenschaftlerin oder der Wissenschaftler im Nachgang leicht ins Zentrum der Kritik der Fachcommunity geraten kann, sobald er (!) [iv] den Boden der gesicherten Tatsachen und den Rahmen seiner eigenen Fachexpertise verlässt.
Auf diese Gratwanderung zwischen wissenschaftlicher Aufklärung und medialer Logik muss man sich als Wissenschaftlerin im Umgang mit Journalisten einlassen. Die mediale Sichtbarkeit bleibt für einen Wissenschaftler in in der Regel nicht folgenlos. Auch hier greift der Matthäus-Effekt: ein Medienauftritt zieht häufig den nächsten nach sich. Im Falle des Virologen Drosten lässt sich dieser Prozess gewissermaßen im Zeitraffer nachvollziehen. Mitte Februar 2020 ließ er sich auf einen täglichen Podcast mit dem NDR ein, um die virologische Sichtweise auf COVID-19 zu erläutern. Einen Monat später titelte ZEIT online samt großflächigem Porträtfoto bereits: „Ist das unser neuer Kanzler?“ Dies ist somit ein sehr prägnantes Beispiel für den oben erläuterten Befund, dass sich Medialisierung und Politisierung von Wissenschaft wechselseitig bedingen. Aber was bedeutet die Medialisierung für Status und Rolle des Wissenschaftlers?
Vom Wissenschaftler zum Medienstar
Medienhypes um Wissenschaftlerinnen sind selten, aber natürlich gibt und gab es sie immer wieder. Auch in der Stammzellforschung gab es in der Hochzeit politischer Regulierungsdebatten solche Medienstars. Der auffälligste unter ihnen war der Südkoreaner Hwang Woo Suk, der damals in der hiesigen Presse zum ‚König des Klonens‘ erklärt wurde. Vom südkoreanischen Forschungsministerium bekam Hwang den eigens für ihn geschaffenen Titel des ‚Supreme Scientist‘ verliehen und avancierte schnell zum ‚Pride of Korea‘. Vermutlich ist er der einzige Wissenschaftler, für den jemals zu Lebzeiten ein offizieller Fanclub („We love Hwang“) gegründet wurde. So rasant damals sein Aufstieg verlief, so dramatisch war jedoch sein Abstieg. Hwangs Prominenz beruhte auf zwei spektakulären Artikeln in der Zeitschrift Science, in denen er als jeweiliger Hauptautor einen wissenschaftlichen Durchbruch im therapeutischen Klonen verkündete. Als 2006 mit der Vorlage des Untersuchungsberichts der Universität von Seoul markiert wurde, dass es sich bei beiden Veröffentlichungen um Wissenschaftsbetrug handelte, wurden ihm Ämter, Titel und Forschungsgelder sofort entzogen.
Vom Spitzenforscher zur persona non grata – ohne mediale Aufmerksamkeit wären solche Karrieren in die eine oder andere Richtung
kaum möglich. Ohne den damaligen politischen Druck auf die Stammzellforschung wären solche Studien mitsamt all ihrer noch ungeklärten Fragen vermutlich nicht in einer der Spitzenzeitschriften veröffentlicht worden. Es war aber vor allem die Pressearbeit von Science, die aus der ersten vorläufigen Studie einen brisanten wissenschaftlichen Durchbruch machte, der als solches dann weltweit politisch verhandelt wurde und als nationaler Vorsprung Südkoreas im Wettrennen um wissenschaftliche Technologien markiert wurde, science by press release. Indem Medien einzelne wissenschaftliche Ergebnisse derart exponieren, steigt zugleich die Wahrscheinlichkeit, dass wissenschaftliche Fehler entdeckt und Fehlverhalten öffentlich angeprangert wird (Franzen 2011: 255). Wissenschaftliche Reputationsverluste sind die Folge bis hin zu gravierenden persönlichen Konsequenzen, die aus solch einer öffentlichen Schmach gezogen werden. Aber Medien sind auch vergesslich. Heute wird Hwang wieder ein wenig medial gefeiert, doch nicht mehr als „Supreme Scientist“, sondern als erfolgreicher Geschäftsmann. Mit seiner Firma Sooam Biotech kloniert er inzwischen verstorbene Haustiere, der Markt scheint riesig.
Der Starrummel um den Virologen Drosten ist anders gelagert. Seine mediale Präsenz ist an seine wissenschaftliche Expertise geknüpft, aber nicht an ein singuläres Ereignis wie ein bestimmtes wissenschaftliches Paper, sondern an seine mehrjährigen Forschungsarbeiten zu SARS-Viren. Ihm zu Ehren wurde im Unterschied zu Hwang zwar (noch?) keine Sonderbriefmarke gedruckt. Aber er verfügt inzwischen ebenso über einen riesigen Fanclub, wenn auch noch nicht per Vereinsgründung formalisiert. Hier spricht sein Twitter-Account Bände: Drosten hat heute 217.781 Twitter-Follower, der CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn hat mitten in der Coronakrise zum Vergleich nur 142.917 Follower (Stand 3. April 2020). Drosten ist die Stimme der Krisenbewältigung, so dass bereits jede redaktionelle Einmischung in seine wissenschaftlichen Erläuterungen fast als Störung erlebt wird. Bei der NDR-Redaktion ging nach Selbstauskunft eine Forderung wie diese ein: „Bitte lassen Sie diese lästigen Zwischenfragen.“
Dass die Medialisierung der Wissenschaft zu einem derartigen Personenkult um Drosten ausartet, wird in den sozialen Medien mehr oder weniger ironisch verhandelt.
Gerade weil politische Entscheidungen in Krisensituationen oft auf die Wissenschaft und in diesem Fall scheinbar auf einzelne Wissenschaftler ausgerichtet werden, demonstriert dieser Fall sehr eindrücklich, welche retroaktiven Effekte aus der Rollenübernahme des medialen Experten resultieren können. So kann ein Wissenschaftler kaum die „Verantwortung für die gesamte Nation“ übernehmen, wie einzelne Medienaussagen suggeriert haben. Ein solcher Anspruch verkennt nicht nur die Merkmale wissenschaftlicher Politikberatung, sondern setzt die beteiligten Forscher unter einen kaum vertretbaren Druck. So berichtet Drosten, dass ihm nicht nur unzählige positive Rückmeldungen, sondern vereinzelt sogar Drohbriefe zugehen. So wurde er bspw. per Email persönlich für den Suizid des hessischen Finanzministers verantwortlich gemacht. Er wertet im Podcast eine solche Reaktion als Medialisierungseffekt, der ihm persönlich langsam zu heikel wird. Ähnliche Zumutungen kennen wir bereits aus der biomedizinischen Forschung, und zwar häufig dann, wenn es um umstrittene Tierversuche geht. Es gab sogar Forscher, die zeitweise unter polizeilichen Personenschutz gestellt werden mussten, weil Zeitungen im Zuge einer Kontroverse ihre Privatadresse veröffentlicht hatten.
Dank sozialer Medien besteht für Wissenschaftler aber heute die Möglichkeit, sich auch jenseits der journalistisch vermittelten Angebote öffentlich zu äußern und manches richtig zu stellen. Diese Chance nutzt Drosten wie kaum ein anderer, wenn er die journalistische Verzerrung seiner Aussagen punktuell ankreidet und z.B. bei Twitter veröffentlicht:
In Folge 24 des Podcast hat Drosten zu einer weiteichenden Kritik an den Medien und ihren Inszenierungspraktiken ausgeholt. Mediale Strategien würden dazu tendieren, die aktuelle Krisenstimmung noch künstlich anzuheizen. So appelliert er hier an die gesellschaftliche Verantwortung des Journalismus, auch in Respekt vor den Personen:
„Es gibt Zeitungen, die malen inzwischen nicht nur in den Wörtern, sondern in Bildern, Karikaturen von Virologen. Ich sehe mich selber als Comicfigur gezeichnet und mir wird schlecht dabei. Ich bin wirklich wütend darüber, wie hier Personen für ein Bild missbraucht werden, das Medien zeichnen wollen, um zu kontrastieren. Das muss wirklich aufhören.“ (Christian Drosten im Gespräch mit Anja Martini, NDR Info 30. März 2020)
Lässt sich die Wissenschaftskommunikation zur Corona-Pandemie nun also als Best- oder doch eher als Worst-Practice fassen? Pauschal lässt sich das nicht beantworten, hier ist eine differenzierte Betrachtung der medialen Praktiken im Detail vonnöten [i]. Es ist jedoch wichtig, an dieser Stelle bereits festzuhalten, dass die Medienlogik Wissenschaftskommunikation sowohl befördern als auch behindern kann. Auf die retroaktiven Effekte medial gesteuerter Wissenschaftskommunikation hat die Medialisierungsforschung zwar schon oft hingewiesen. In diesem Fall aber erreichen die vorgeführten Mechanismen nun eine gesellschaftliche Thematisierungsschwelle, was angesichts der politischen Absichtserklärung zur breiten Förderung von Wissenschaftskommunikation den richtigen Zeitpunkt trifft.
Wissenschaftskommunikation und die Rolle der Massenmedien
In den letzten Jahren wurden die klassischen Massenmedien gegenüber den sozialen Medien fast totgesagt. In der Coronakrise zeigt sich nun sehr deutlich, welche Bedeutung den Massenmedien nach wie vor in der Verbreitung und Kontextualisierung aktueller Informationen innewohnt. Die Tagesschau sahen am Sonntagabend, als die Kontaktsperre verkündet wurde, mehr als 17 Millionen Zuschauerinnen. TV Talkshows erreichen Einschaltquoten wie sonst höchstens zur Bundestagswahl. Digitale Angebote der Zeitungen erleben derzeit einen sprunghaften Reichweitenzuwachs [v]. Überraschend ist jedoch der Erfolg von Podcasts im Journalismus und speziell im Wissenschaftsjournalismus. Mit dem werktäglichen Corona-Update in Form eines 30-minütigen Podcast mit einem Wissenschaftler hat der Norddeutsche Rundfunk ein Role Model für die Wissenschaftskommunikation geschaffen. Der Programmdirektion zufolge ist der Podcast auf allen gängigen Kanälen abzurufen und wird in rund 50 Ländern gehört. Dass dieses Format allerdings auf so große Resonanz stoßen wird, haben die Programmmacherinnen selbst nicht vorhergesehen. Aber auch in der Wissenschaftskommunikationsforschung wurde das Potenzial von Podcasts bisher so nicht erahnt. Hier rächt sich gewissermaßen die methodische und empirische Engführung der Wissenschaftskommunikationsforschung, die nach wie vor mehrheitlich auf schriftliche Kommunikation und auf Pressemedien fokussiert ist.
Aber was genau zeichnet diesen spezifischen Wissenschafts-Podcast aus? Wenn wir die Ubiquität des Themas einmal außen vor lassen und lediglich die Form in den Blick nehmen, fallen einige Besonderheiten auf. Es handelt sich um ein eng getaktetes serielles Format, das werktäglich ausgestrahlt wird. Es entsteht bei regelmäßigem Konsum mit der Zeit eine parasoziale Beziehung zu dem Interviewpartner, ähnlich wie wir das aus TV-Serien kennen. Als Audio-Format kann man den Inhalt unterwegs per Kopfhörer konsumieren, die Verschriftlichung schafft eine zusätzliche Ebene der inhaltlichen Vertiefung. Die Moderation überlässt dem Experten durch relativ lange Redezeiten ganz die Bühne, ohne journalistisch reinzugrätschen. Dass diese Komplementärrollen hier geschlechtsspezifisch verteilt sind, sollte als Hinweis vielleicht vorerst genügen. Besonders hervorzuheben und bislang kaum genannt sind die Namen hinter der Moderation, die beiden Wissenschaftsredakteurinnen Korinna Hennig und Anja Martini, die dem Format überhaupt erst zum Erfolg verholfen haben – ohne Profilierungssucht in der Interviewführung.
Einige empirische Fragen an die Macher des Podcast wurden erfreulicherweise bereits beantwortet, und zwar in einer separaten Folge „Behind the Scenes“. Hennig präsentiert hier im Gespräch mit Kolleginnen aus dem NDR Think Thank „Think Radio“ sowie der NDR Info Chefredaktion die Geschichte dieses Podcast, und zwar von der ersten Idee über die Konzeption bis zur Umsetzung und Resonanz. Cover, Pressemitteilung, Soundverpackung wurden bemerkenswerterweise im Zeitraffer innerhalb von 24 Stunden realisiert.
Über stereotype Bilder von Wissenschaftler_innen wurde schon viel geforscht und geschrieben. Mit Blick auf das von NDR Info gewählte Cover belasse ich es vorerst bei der Bemerkung, dass der bis dato einer breiten Öffentlichkeit unbekannte Mann aus der Wissenschaft nicht von ungefähr im weißen Kittel erscheint.
Die Programmacherinnen erläutern, dass die Wahl für den richtigen Experten hinsichtlich der wissenschaftlichen Expertise relativ schnell auf Drosten gefallen war, der auch prompt zusagte. Die Länge von 30 Minuten war so jedoch nicht geplant, der NDR ging eher von einem täglichen fünfminutigen Update aus. Der Wunsch nach einer genaueren wissenschaftlichen Erläuterung seitens des Interviewpartners stieß in der Programmredaktion zunächst auf die verbreitete journalistische Sorge, dass es leicht zu lang und damit auch zu komplex werden würde: „Das können wir den Hörern nicht zuzumuten.“ Erst mit der Resonanz des Publikums auf den ersten Testballon zeigte sich, dass genau diese ausführlichen Erläuterungen erwünscht und erforderlich sind. Neben der Vermittlung einer komplexen Materie lebt der Podcast aber inhaltlich wie kaum ein anderes Medienformat von den Rückäußerungen des Publikums. Das zehnköpfige (!) Team hinter Hennig und Martini sondiert dafür die Emails, die täglich eingehen, um daraus Fragen an den Experten für die nächsten Folgen zu entwickeln. Angesichts der enormen Resonanz von bis dato insgesamt 16.000 Emails ist dieses Vorhaben bereits früh an Kapazitätsgrenzen gestoßen. Aus dem Hintergrundgespräch erfährt man noch eine weitere redaktionelle Entscheidung, die besonders hervorzuheben ist: Hennig erläutert, dass redaktionell an dem Titel jeder einzelnen Folge gefeilt wird, um ja keine Schlagzeilen zu produzieren.
Was den NDR-Podcast somit zusammenfassend auszeichnet, ist nicht nur in inhaltlicher Hinsicht ein anspruchsvoller Wissenschaftsjournalismus, sondern zugleich auch ein Format, das ohne jede aufmerksamkeitsheischende Inszenierung eine unvergleichliche Reichweite entfaltet hat. Wissenschaftskommunikation, die nicht primär auf PR, sondern auf Inhalte setzt. Die besondere Kunst gelungener Wissenschaftskommunikation besteht also darin, sich selbst im Journalismus der Medienlogik im Sinne der Aufmerksamkeitsökonomie zu entziehen und sich ganz auf die inhaltliche Substanz und ihre kritische Einordnung zu fokussieren.
Dass die Vermittlung komplexer wissenschaftlicher Inhalte so gut funktionieren kann, scheint nun selbst für die Praxis von Wissenschaftskommunikation ein Aha-Erlebnis. Die als problematisch anzusehenden Medialisierungseffekte entstehen erst, so der vorläufige Befund, durch die fortlaufende Überbietungsdynamik der Medien, die im Wettbewerb um Aufmerksamkeit Wissenschaft und ihre Protagonisten instrumentalisieren und auf Soundbites festzurren.
In den nächsten Teilen dieses Blogsposts werde ich auf das in dieser Krise artikulierte Selbstverständnis von Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsjournalismus sowie die mediale Überbietungsdynamik näher eingehen.
[i] Ich stecke gerade mitten in der Materialsammlung für eine empirische Studie zur Wissenschaftskommunikation in der Corona-Krise und bin deshalb über jeden Hinweis, auch auf weitere Veröffentlichungen zum Thema sehr dankbar. In der derzeitigen Informationsexplosion übersieht man so manches leicht.
[ii] Weingart, Peter (2001): Die Stunde der Wahrheit? Zum Verhältnis der Wissenschaft zu Politik, Wirtschaft und Medien in der Wissensgesellschaft. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft.
[iii] Franzen, Martina (2011): Breaking News: Wissenschaftliche Zeitschriften im Kampf um Aufmerksamkeit. Baden-Baden: Nomos.
[iv] Die Rolle des öffentlichen Experten unterliegt aufgrund der doppelten Selektion sogar noch stärker als die Wissenschaft einem Gender Bias, dazu vielleicht später einmal mehr.
[v] Damit soll nicht gesagt werden, dass das Zeitungsgeschäft von der Krise finanziell profitieren würde. Das Gegenteil scheint der Fall, da in dieser Situation viele Anzeigenkunden wegbrechen und insbesondere Regionalzeitungen um ihre Existenz bangen. | 3.265625 | 2.828125 | 2.609375 |
eaacbd5210c243c75fa077871c0a12a2 | Ende August war der Auftakt eines neuen internationalen Schulungsprogramms für multikulturelle Gemeindearbeit (Institute for Multicultural Ministry). Eingeladen dazu waren Verantwortliche von Gemeinden, in denen Migranten eine neue Heimat gefunden haben und die dadurch mit unterschiedlichen kulturellen Gewohnheiten konfrontiert sind. Zu dieser vom internationalen Missionswerk der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK; General Board of Global Ministries, GBGM) zusammen mit der EmK in Deutschland und der Theologischen Hochschule Reutlingen ausgerichteten Schulung trafen sich in Stuttgart fünfzehn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Gemeinden aus neun verschiedenen europäischen Ländern sowie aus Nordafrika und den USA. Aus Deutschland waren Pastorin Anne Detjen aus Hamburg und Pastor Robert Hoffmann aus Fürth unter den Teilnehmern, aus Österreich Martin Obermeir-Siegrist (Linz-Ried) und Matthew Laferty (ESUMC Wien).
Mitmachen dürfen ist wichtig
Die einwöchige Intensivschulung war durch thematische Vorträge, Gruppendiskussionen sowie Praxisteile und Exkursionen geprägt. Damit sollten die Teilnehmer ermutigt werden, ihre Gemeinden als Modelle dafür zu sehen, wie interkulturelle Begegnung und Zusammenarbeit gelingen kann, wie es in der Zielsetzung des Schulungsprogramms heißt. Zwei Referate beschäftigten sich damit, wie christliche Mission in einer säkularen und immer stärker multikulturellen Umgebung möglich ist. Die globalen Aspekte betrachtete die an der Theologischen Fakultät der Universität Boston in den USA lehrende Professorin Dana L. Robert. Aus ihrem Fachgebiet für Weltweites Christentum und Missionsgeschichte vermittelte sie die Grundlagen einer Missionstheologie, die »Grenzen überwindet«. Robert legte dar, dass der christliche Glaube sich immer »durch Gottes Liebe für die Welt in Worten, Zeichen und Taten« erwiesen habe und damit schon immer Kulturen verbunden und Gesellschaften transformiert habe.
Auf die lokale Situation zugespitzte Folgerungen dieser Grundlagen christlicher Mission stellte Achim Härtner vor, der an der Theologischen Hochschule Reutlingen (THR) Praktische Theologie lehrt. Am Beispiel der Protestantischen Kirche in den Niederlanden (PKN) beschrieb er, wie eine Kirche in einer inzwischen fast gänzlich säkularisierten Umgebung ganz neu ihren Missionsauftrag entdeckt und umsetzt. Was Methodisten von der Arbeit der PKN lernen könnten, formulierte Härtner in fünf ermutigenden Erkenntnissen. Das Beispiel der PKN zeige, dass Mission auch heute noch möglich ist. Außerdem sei die Erfahrung aus den Niederlanden eine erneute Erinnerung daran, dass Glaube, gepaart mit Gottvertrauen, Auswirkungen habe. Am Anfang, so Härtners dritte Erkenntnis, seien »offene Augen« nötig, um Ansatzpunkte für die konkrete missionarische Situation vor Ort zu entdecken. Als vierte Erkenntnis betonte der Reutlinger Theologe den einladenden und selbstverständlichen Umgang mit Vielfalt in der Gemeinde. Das bedeute auch, dass neue Formen gefunden werden müssten und dass auch kirchliche Strukturen angepasst werden müssten. Außerdem komme es für eine missionarisch gesonnene Gemeinde darauf an, so Härtners fünfte Schlussfolgerung, dass »mitmachen« zu dürfen ganz wichtig sei. Im wesleyanischen Sinne sei dies als »Gnadenmittel« zu verstehen. Dafür müsse geworben werden.
Es geht um die Zukunftsfähigkeit der Kirche
»Die erfolgreichsten Gesellschaften der Welt sind diejenigen, die am meisten von den sie umgebenden Kulturen aufgenommen haben.« Mit diesem Zitat von Johnny Clegg verband Stephan von Twardowski, Professor für Systematische Theologie an der THR, die Notwendigkeit und die Herausforderung der »Integration des Anderen«. Dafür stehe das Leben und Wirken Cleggs, eines in diesem Jahr verstorbenen bekannten südafrikanischen Sängers, der auch als Songwriter, Tänzer, Anthropologe und Musikaktivist weit über Südafrika hinaus bekannt war. In England geboren, der Vater Engländer und die Mutter aus Simbabwe, wuchs er in Simbabwe auf und kam im Alter von sieben Jahren nach Südafrika. Diese und weitere soziale, gesellschaftliche, politische und kulturelle Erfahrungen machten ihn sowohl in seinem musikalischen Schaffen und gesellschaftspolitischen Engagement zum Grenzgänger, der sich aus vielen Quellen bediente und ursprünglich nicht Zusammengehöriges verband. Daran anknüpfend legte von Twardowski dar, dass sich die Gemeinden und die gesamte Kirche heute damit auseinandersetzen müsse, wie wichtig es sei »das Andere« zu integrieren. Gemeinden, in denen Migranten neue Heimat gefunden hätten, würden das konkret erleben. Letztlich gelte das aber für die ganze Kirche. Nur so werde die Kirche zukunftsfähig sein und nur so könne sie mit dazu beitragen, die direkte Umgebung und damit die Welt positiv zu verändern.
Stimmen von Teilnehmern
Der Brasilianer Luiz Cardoso, der seit knapp zehn Jahren in England lebt, entdeckte, dass es nicht nur darum gehe, Menschen in die Gemeinde zu integrieren oder in Teilen des Gottesdienstes andere Sprachen zu verwenden. Es gehe vielmehr darum, »dass Menschen sich in ihrer ganz eigenen Art im Gottesdienst beteiligen und ausdrücken dürfen, die anders ist als meine«. Diese Menschen müssten »ihre eigene Geschichte mit Gott einbringen« dürfen.
Bodil Eriksson nimmt viel von den theologischen Grundlagenvorträgen mit. Für ihre Arbeit als Pastorin im mittelschwedischen Sundsvall kann sie diese in ihre Arbeit vor Ort integrieren. Auch die Bereicherung durch unterschiedliche Kulturen will sie noch viel stärker in ihrer Gemeindearbeit fördern. »Es ist ein Segen, Teile von jeder Kultur aufzugreifen, damit sich daraus ein ganzes Bild ergibt«, sagt sie. So könne die Kirche wachsen.
»Singen ist eine Sprache oder eine Art zu kommunizieren, die wir alle verstehen« war dem Fürther EmK-Pastor Robert Hoffmann bei der Tagung in Stuttgart wichtig geworden. Der Ansatzpunkt über das Singen sei für kulturell gemischte Gemeinden leichter zu bewerkstelligen als sich über theologische Wahrheiten, oder wichtige Wörter oder Begriffe zu verständigen. »Es ist wesentlich einfacher, über Musik gemeinsam einen Weg zu finden.«
Martin Obermeir-Siegrist ist klar geworden, »wie sehr die Sprache ausschlaggebend dafür ist, wo ich mich zuhause fühle, wo ich mich zugehörig fühle«. In ähnlicher Weise gelte das auch für die Musik. Beides würde in seiner Gemeinde im österreichischen Linz, wo er als Pastor tätig ist, in der interkulturellen Arbeit bereits berücksichtigt. »Aber da sehe ich noch ganz viel Luft nach oben und ganz viel Potential, dass wir die Musik, die die Menschen mitbringen und einbringen wollen, auch in den Gottesdienst mit hineinnehmen.«
Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Zur Information
Institute for Multicultural Ministry – Ausbildung für multikulturelle Gemeindearbeit
Erstmalig fand 2005 auf Initiative des inzwischen verstorbenen Pastors Heinrich Meinhardt eine Begegnung und Schulung für Verantwortliche in Internationalen und Migrantengemeinden methodistischer Gemeinden aus ganz Europa statt. Daraus entwickelte sich ein jährliches Treffen, bei dem der Erfahrungsaustausch in Verbindung mit Schulungseinheiten im Vordergrund stand. Auf Erfahrungen dieser Begegnungen basierend wurde das aktuelle Schulungsprogramm entwickelt, das auf eine ganze Woche angelegt ist. Der Aspekt der Aus- und Weiterbildung ist in Verbindung mit Vorträgen, Unterrichtseinheiten und Praxisteilen stärker ausgeprägt als zuvor. Die Gruppengröße von rund fünfzehn Teilnehmern ermöglicht intensiveres Lernen und persönlicheren Austausch. Geplant ist die jährliche Wiederholung und eine stufenweise Weiterentwicklung mit zusätzlichen Modulen für Absolventen des jetzt angebotenen ersten Moduls. Tagungsort ist das Bildungs- und Begegnungszentrum der Evangelisch-methodistischen Kirche in Stuttgart.
Unter anderen waren bei der Tagung Ende August in weiteren Vorträgen und Seminaren beteiligt: David Scott, der Direktor für Missionstheologie im internationalen Missionswerk der EmK (General Board of Global Ministries, GBGM); Neil Christie, Stellvertretender Generalsekretär für Bildung und Leiterschaftstraining in der internationalen Kommission für diakonische und gesellschaftspolitische Verantwortung (General Board of Church and Society, GBCS); Jorge Lockward, musikalischer und künstlerischer Leiter der EmK-Gemeinde »Church of the Village« in New York; HiRho Park von der internationalen Kommission für Erwachsenenbildung und theologische Dienste (General Board of Higher Education and Ministries, GBHEM); Yvette Hovsepian Bearce, Leiterin des Referats für internationale und Migrantengemeinden der EmK in Deutschland; Wilfried Röcker, Leiter des Bildungswerks der EmK in Deutschland; Alfiado Zunguza, Leiter der Leiterschaftsentwicklung im internationalen Missionswerk der EmK (GBGM). | 3.546875 | 2.84375 | 2.65625 |
46da3a94e4c9c12a7e89c7cc614d515f | Der Gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Sebastian Ehlers, und der Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt, der in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion unter anderem als Berichterstatter für Adipositas und Diabetes zuständig ist, haben heute einen Masterplan „Gesundes Mecklenburg-Vorpommern 2020“ gefordert: „Übergewicht und Adipositas sind ein mittlerweile ernstes Problem in Mecklenburg-Vorpommern. Nicht nur, dass die Häufigkeit von Adipositas in unserem Bundesland von 2010 bis 2015 deutlich zugenommen hat, auch im Ländervergleich schneidet Mecklenburg-Vorpommern alles andere als gut ab“, sagte Dietrich Monstadt. „Die Lebensqualität und das körperliche und psychische Wohlbefinden leiden unter Adipositas. Weil Mecklenburg-Vorpommern besonders betroffen ist, ist ein Masterplan „Mecklenburg-Vorpommern 2020 – Gesundheit, Sport, Ernährung“ notwendig. Wir wollen Adipositas mit präventiven Maßnahmen frühzeitig entgegen treten. Aber auch eine gezieltere und bessere Versorgung für Betroffene ist dringend notwendig“, sagte der Gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Sebastian Ehlers.
Forderungen:
(1) Gesundheitsfördernde KITAS – frisch und saisonal, in der KITA gekocht: Im KiFög muss der Aspekt „gesunde Ernährung“ verbindlicher an den Grundsätzen der deutschen Gesellschaft für Ernährung ausgerichtet werden. KITAS mit eigener Küche sollen besonders unterstützt werden. Die Zertifizierung „gesundsheitsfördernde KITA“ sollte stärker publik gemacht werden. Hierbei muss mit relevanten Akteuren, wie Kassenärztlicher Vereinigung, Hebammenverband, Krankenkassen etc. zusammengearbeitet werden.
(2) Ausbau und Stärkung der Vorbeugung – Früherkennung von Adipositas. Vielfach wird zu spät in die Früherkennung von Adipositas eingegriffen. Lehrer müssen in ihren Einflussmöglichkeiten gestärkt und im Umgang mit Adipositas sensibilisiert werden. Gesundheitsmanagement sollte Gegenstand des universitären Curriculums werden, insbesondere bei Lehramtsstudentinnen und -studenten.
(3) Gesundheitsmodul und Kochen. Nach neueren Studien kochen 30 Prozent der Bevölkerung nicht mehr. Fertigessen und Zeitdruck tragen nicht zu einem besseren Bewusstsein für gesunde Ernährung bei. Das Thema „Gesunde Ernährung“ soll deshalb fester Bestandteil des Schulunterrichts werden.
(4) Bewegungsdrang fördern – mehr Sport an die Schulen bringen. Um Freude an Bewegungen besser vermitteln zu können, muss die Anzahl an Sportstunden an den Schulen pro Woche deutlich erhöht werden. Dabei müssen Kooperationsmodelle mit Sportvereinen gefördert werden. Auch Bewegungsangebote in der Schule (Nachmittagsangebote an Ganztagsschulen) sollen die tägliche Bewegung begünstigen.
(5) Zuckersteuer einführen. Die Auswirkungen von Zuckersteuern wie in Großbritannien, Ungarn und Mexiko sollten in Deutschland im Hinblick auf deren Übertragbarkeit geprüft werden. Entsprechende Initiativen im Bundesrat werden wir unterstützen.
(6) Quengelfreie Supermarkt-Kassen . Die Verantwortung für gesunde Ernährung liegt in erster Linie beim Verbraucher. Insbesondere Kinder werden durch Angebote von Süßigkeiten an Supermarktkassen unnötig in Versuchung geführt. Der Verkauf von Süßigkeiten an Supermarktkassen muss deshalb eingeschränkt werden.
(7) Präventionsgesetz umsetzen – Leitfaden Prävention anpassen. Mit Einführung des Präventionsgesetztes 2015 steht der GKV-Spitzenverband in der Pflicht, die Leistungen im Bereich Prävention an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse anzupassen, damit er den Krankenkassen als Handlungsmaxime zur Verfügung steht.
(8) Transparente Kalorienangaben auf Lebensmitteln. Am Ende zählt auch die Gesamtkalorienzahl. Verbraucher können nicht immer erkennen, wie viele in einem Lebensmittel enthalten sind. Zwar sind auf jedem verpackten Lebensmittel Nährwerte angegeben, aber nicht jeder rechnet es auf die Kalorienzahl pro Portion um. Auf Verpackungen sollte daher eine realistische Portionszahl und eine Gesamtkalorienzahl angegeben werden. Weiterhin soll bei stark zuckerhaltigen Lebensmitteln oder Limonade die Anzahl der Zuckerwürfel pro Portion graphisch auf dem Etikett festgehalten werden.
(9) Adipositas als chronische Krankheit anerkennen – Stigmatisierung beenden. Adipositas nicht als chronische Krankheit anzuerkennen, wird den komplexen Faktoren, die zu Adipositas führen können, nicht gerecht. Die Schuldzuweisung, unter der die Betroffenen oft leiden, kann nicht nur die Krankheit gravierend verschlechtern, sondern auch mit sozialen und psychischen Problemen einhergehen. Eine Anerkennung als chronische Erkrankung erleichtert spätere Abrechnungen mit den Krankenkassen.
(10) Spielerische Anreize schaffen – Motivation fördern – Fehlende Prävention, geringe Motivation und mangelnde Kenntnis über Langzeitfolgen bewirken und begünstigen gesundheitliche Fehlentwicklungen in der Bevölkerung. Hier kann also die Anwendung spieltypischer Elemente in einem spielfremden Kontext unterstützend eingesetzt werden. Spielmechaniken können komplizierte Sachverhalte besser kommunizieren, die Motivation durch Wettbewerb Spielerfolge verbessern und nicht sichtbare Langzeiteffekte im Zeitraffer simulieren.
(11) Übergewicht frühzeitig erkennen – Anschaffung von Körperkompositionswaagen fördern. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns ist übergewichtig. Bedarfsgerechte Maßnahmen zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Übergewicht gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund dramatisch steigender Fallzahlen bei der Volkskrankheit Diabetes. Standardisiertes Wiegen durch Anschaffungen von Körperfettwagen soll an Kitas, Schulen, Krankenhäusern und bei niedergelassenen Ärzten gefördert werden. | 3.28125 | 3.21875 | 2.609375 |
437801d6c3a984e973ebed4cf3eeba82 | Im Alltag sind wir öfter Feedbacksituationen ausgesetzt, als wir auf den ersten Blick feststellen würden. Zuerst denken wir vielleicht an formalisierte Mitarbeitergespräche im Beruf. Unsere Vorgesetzten laden uns zum jährlichen Gespräch und sprechen über die Erreichung von vorher vereinbarten Zielen. Dieses sehr formalisierte, von den Vorgesetzten gesteuerte Gespräch, ist jedoch nur eine Option, wie man Feedback geben kann.
Im Mitarbeitergespräch stehen in vielen Unternehmen zusätzlich auch die jährlichen Bonuszahlung auf dem Plan. So wird zusätzlich zu der Rückmeldung auch ein monetärer Anreiz zur Leistungsverbesserung gegeben. Ein Großteil der Kurse im edubreak®SPORTCAMPUS findet ohne eine Abschlussprüfung mit einer numerischen Leistungsbewertung statt. Aus diesem Grund nimmt ein qualitatives Feedback hier einen besonders hohen Stellenwert ein.
Wo sind wir mit Feedback konfrontiert?
In Hobby und Beruf sind wir oftmals mit Feedback, formell oder informell konfrontiert. So sind es die Trainer und Chorleiter, die regelmäßig Rückmeldung zu Lernprozessen und Lernergebnissen geben. Diese Rückmeldung hilft den Menschen dabei, ihre Leistungen zu verbessern und schließlich bessere Ergebnisse zu erzielen.
Feedback muss nicht rein verbal übermittelt werden. So spielen Mimik, Gestik und Artikulation eine wichtige Rolle in der Kommunikation. Oft wird man unbewusst zum Feedbackgeber. Auch eine ausbleibende Reaktion des Empfängers kann als Feedback gedeutet werden. Stellt euch vor, du erzählst in einer Gruppe den besten Witz, den du kennst und keiner der Anwesenden lacht. Wahrscheinlich wirst du daraufhin entweder einen anderen Witz erzählen oder an deiner Fähigkeit Witze zu erzählen arbeiten.
Allein an diesem Beispiel wird sichtbar, dass wir im Alltag öfter als erwartet mit Feedback konfrontiert sind. Jede Feedbacksituation bietet eine Chance zur Verhaltensänderung. Damit diese einsetzen kann sind verschiedene Faktoren bestimmend.
Fünf kleine Schritte zu besserem Feedback
- Auf eine persönliche Ebene kommen
Um unseren ersten Schritt zu erläutern kommen wir auf das Beispiel mit dem Witz zurück. Stellt euch nun vor, ihr erzählt euren Witz vor einer Gruppe, die ihr gar nicht so gerne mögt. Werdet ihr das Feedback aufnehmen? Stellt euch vor, ihr bekommt eure Abschlussarbeit zurück, welche mit einer 1.0 bewertet wurde und euer Betreuer möchte mit euch die wenigen gemachten Fehler besprechen.
Beide Situationen sind für eine nachhaltige Verhaltensänderung nicht dienlich. Es kommt auf das Verhältnis zum Feedbackgebenden und die Situation, in der die Rückmeldung gegeben wird an. Versucht daher mit den Lernern, die ihr als Online-ReferentIn betreut auf eine Ebene zu kommen, auf der ihr beide in einer geeigneten Situation miteinander sprechen könnt.
- Nur kurz zurückliegende Ereignisse zum Thema machen
Je präsenter ein Ereignis, welches Gegenstand des Feedbackgesprächs ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich der Feedbackempfänger noch genau an die Situation erinnern kann. So kann die Handlung dieses Moments tiefer reflektiert werden und die Notwendigkeit einer Verhaltensänderung besser nachvollzogen werden.
- Raum für Gedanken des Empfängers lassen
Es passiert oft, dass sich ein Feedbackempfänger unmittelbar nach der Übermittlung der Botschaft rechtfertigen möchte. Dies ist ein zunächst natürlicher Prozess. Als Feedbackgeber sollte man diese Reaktion zulassen und mit etwas Abstand den weiteren Dialog suchen. Der Umgang mit Rückmeldungen ist stark von der Persönlichkeit und der Feedbacksituation abhängig. Eine Verhaltensänderung muss nicht immer unmittelbar nach dem ersten Gespräch eintreten.
- Nicht nur Fehler aufzeigen
Häufig wird Feedback mit Kritik gleichgesetzt. Diesen Fehler solltet ihr auf keinen Fall machen. Eine ganze Reihe von Handlungen werden von dem Feedbackempfänger richtig ausgeführt. Zählt ruhig fünf bis zehn positive Punkte auf, bevor ihr auf einen negativen Punkt zu sprechen kommt. Gerade in Gruppensituationen ist es besonders sinnvoll positive Punkte aufzuzählen, da die Zuhörer direkt einige positive Beispiele an die Hand bekommen, ohne dass dazu ein formalisiertes Gespräch notwendig ist.
- Angemessene Verabschiedung
Ziel eines Feedbackgesprächs sollte eine positive Verhaltensänderung sein. Im besten Fall motiviert ein Feedbackgespräch sogar den Feedbackempfänger. Aus diesem Grund ist die Verabschiedung besonders wichtig. Eine Person, die erhobenen Hauptes aus dem Gespräch geht wird sicher in den kommenden Tagen eine deutlich bessere Leistung zeigen als vor dem Feedbackgespräch.
Besonderheit des Online-Feedbacks
Feedback in Online-Umgebungen weist verschiedene ganz eigene Herausforderungen auf - das gilt insbesondere für Lehr-Lernsettings, die ganz oder teilweise (also im Sinne des „Blended Learning“) online umgesetzt werden. Während sich in face2face-Lernsituationen mehr oder weniger automatisch Anlässe für Feedback ergeben, gilt es im virtuellen Raum Feedback bewusst als didaktisches Mittel einzuplanen. Denn die Chancen durch Feedback für den Lernprozess sind immens: Lernende bekommen nicht nur eine Rückmeldung dazu, wo sie im Lernprozess stehen, sondern erleben idealerweise auch noch einen Motivationsschub, wenn sie sehen, dass ihre Online-Aktivitäten wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Außerdem bietet Feedback wertvolle Anknüpfungspunkte für den virtuellen Dialog, der manchmal etwas „Anfahrhilfe“ braucht, um richtig in Schwung zu kommen. Aber wie schafft man solche Anlässe für Feedback? Wie sieht lernförderliches Feedback aus? Und wie setzt man es technisch um? Die Expertin für Lernen und Lehren mit Medien, Silvia Hartung, setzt sich mit deinen ganz individuellen Herausforderungen beim Feedback-Geben in Online- und Blended-Learning-Kursen auseinander. In einer Kleingruppe von höchstens 6 Personen erarbeitet ihr Lösungen für eure individuellen Herausforderungen.
Herzstück dieses Kurses in der edubreak® Academy ist ein dreistündiges Webinar. Zusätzlich findet auch nach dem Treffen im Online-Raum eine gründliche Nachbereitung der Arbeitsergebnisse statt. Der erste Kurs im Jahr 2020 findet vom 27.04.-19.05. statt. | 3.75 | 3.234375 | 3.09375 |
277b5eaeb5e2540e873c97e92774a092 | Ich diskutiere nicht gerne. Für gewöhnlich habe ich meine Meinung und respektiere die Meinung anderer, denke gerne auch über die verschiedenen Sichtweisen nach und wäge ab, ob meine Meinung die einzig richtige für mich ist. Obwohl ich polarisierende Themen lieber vermeide und es eher nach dem Prinzip „Leben und Leben lassen“ handhabe, konnte ich zum Thema Bluttest nicht ganz schweigen. Diese ganze Diskussion fiel mir sehr schwer. Ich habe lange an einem Blogbeitrag geschrieben und meine Argumente für und gegen diesen Test erläutert und dann wieder den ganzen Beitrag verworfen. Niemanden würde ich meine Meinung aufzwängen und niemanden „belehren“ wollen, welche Entscheidung im Falle einer gestellten Diagnose in der Schwangerschaft die Richtige ist. Wer hier schon lange mitliest, weiß das sicherlich. Es gibt einfach kein pauschales richtig oder falsch. Als Mutter eines Kindes mit Behinderung und eines ohne Behinderung kann ich nur sagen, dass die Erzieherischen Herausforderungen woanders liegen, dass es nicht unbedingt das Kind mit Behinderung sein muss, das einem schlaflose Nächte bereitet und einen manchmal in die Verzweiflung treibt. Die ganzen Diskussionen in …
Letzte Woche war Welt Down-Syndrom Tag. Der einzige Tag, an dem meine Tochter einfach sie selbst sein darf und dafür auch noch gefeiert wird. Einfach, weil sie ein toller Mensch ist. Bei uns zu Hause lieben und feiern wir sie in gewisser Weise natürlich jeden Tag. Genau so wie sie ist. Bedingungslos. Obwohl sie gerade eine ECHT anstrengende Phase hat. Aber vielleicht bin auch ich das. Oder Soneas Bruder. Und der Papa sowieso. Am Welt Down-Syndrom Tag setzt sich die ganze Welt für das Down-Syndrom ein. Das Netz wird überflutet mit positiven Berichten über Menschen mit Extra-Chromosom, die Wunderbares geleistet haben. Obwohl sie ein Chromosom mehr haben. Oder eben genau deshalb. Menschen mit dem schönsten, herzschmelzenden Lächeln strahlen einen von Plakaten an und man kann gar nicht anders als dieses Lächeln zu erwidern. Das Netz wird überschwemmt von Videos über und mit Menschen, die das Down-Syndrom haben und es wird positiv hervor gehoben was diese Menschen alles können und dass sie grundsätzlich unterschätzt werden. Die ganze Welt schwärmt von Menschen mit dem Down-Syndrom. Und irgendwer …
Es gibt so Phasen, in denen habe ich das Gefühl meinen grauen Haaren wachsen graue Haare. Und wenn ich dann in den Spiegel schaue, weiß ich auch wieso. Der letzte Friseurbesuch ist schon wieder drei Monate her. Nicht, weil ich mich gehen lasse, sondern weil ich der Zeit hinterher renne und so viele Dinge IM Kopf habe, dass ich mir nicht auch noch Gedanken um das Gestrüpp AUF dem Kopf machen kann. Gestern war ich endlich wieder beim Friseur. Alleine… mit beiden Kindern im Schlepptau. Es dauerte eine ganze Weile bis die ganze Anspannung ein bisschen abfiel. Zumindest waren die Kinder total entspannt und alleine das war dieser Friseurbesuch schon wert. Zu Hause habe ich nämlich gerade das Gefühl, dass nur noch die Fetzen fliegen. Wegen Nichtigkeiten. Aber das ist das, was ich denke. Für die Kinder ist es jedes Mal ein „ICH. RASTE. GLEICH. AUUUUUS!“ und die oder der hat aber angefangen. In den letzten Wochen war es sehr, sehr still auf dem Blog. Das hatte Gründe. Keine (un)erfreulichen, keine dramatischen und doch uns …
Auf den Tag genau sind heute 10 Jahre vergangen, seit dem Tag, an dem mir ein Kinderarzt im Krankenhaus die Diagnose Down-Syndrom mit allen Fakten und völlig schonungslos um die Ohren pfefferte. Soneas Papa war gerade auf dem Weg zu uns ins Krankenhaus. Voller Vorfreude auf seine beiden Mädels. Es ist nicht so, dass ich während der Schwangerschaft keine Vorahnung gehabt hätte. Ich hatte sie im Kreissaal nach der Geburt und auch am Abend nach Soneas Geburt. Aber glücklicherweise wurde uns ein Tag geschenkt, in dem wir glückselig glaubten, es sei alles in Ordnung. Ein Tag als ganz normale, kleine Familie. Dieser Moment, der Dir den Boden unter den Füßen wegreißt und sich die Welt für einen kleinen Augenblick aufhört zu drehen Diesen Tag, diese abrupte Leere und Stille, die den Raum nach den knallharten Worten des Arztes füllte, dass ich instinktiv einfach nur mein Kind schnappte und den Raum verließ, werde ich nicht vergessen. Es fühlte sich alles so seltsam an und ich hoffte auch Tage und Wochen danach nur aus diesem scheiß …
Ich liebe die Vorweihnachtszeit, obwohl es nicht gerade meine Schlafreichste Zeit ist, weil ich 1.000 Dinge zu erledigen habe. Tagsüber bis tief in die Nacht. Und am nächsten Tag wieder von vorne. Vielleicht liebe ich gerade deshalb die Gemütlichkeit dieser Zeit und weiß die stillen Momente umso mehr zu schätzen. Man ist viel mehr mit Menschen zusammen, die man mag und für die das restliche Jahr einfach zu wenig Zeit bleibt. Ich liebe es den ganzen Tag Weihnachtslieder rauf und runter zu hören. Dänische Weihnachtslieder aus meiner Kindheit. Weihnachtslieder, die die Kindheit meiner Kinder prägen werden. Aber auch Weihnachtslieder, die auf den Weihnachtslieder-Index gehören, weil sie in den vergangenen Jahrzehnten einfach zu viel gespielt wurden. Egal, an Weihnachten darf es immer ruhig ein bisschen mehr sein. Und statt einfach mal besinnlich zu sein und mich auf das Nichtstun zu konzentrieren und zu entschleunigen, kündige ich für die Weihnachtsfeier in der Schule noch einen Kuchen an und trage einen Termin nach dem anderen in den Kalender ein, dass ich morgens schon Meldungen bekomme, wie „Passen Sie …
Die Tante meines Vaters sagte immer, dass ich mal Autorin werde. Geschrieben habe ich zumindest schon immer gerne. Ich hatte während meiner Kindheit so viele Berufswünsche. Hebamme wollte ich werden, später doch lieber Polizistin. Und dann hatte ich sogar schon eine Zusage für eine Ausbildung zur Ergotherapeutin, allerdings an einer sehr teuren Privatschule. Designerin wollte ich insgeheim werden, hatte aber nicht den Mut diesen Schritt zu gehen. Und wenn ich mir die Entwürfe unserer Designer heute anschaue, dann schlackern mir vor Ehrfurcht die Ohren. Niemals hätte ich da mithalten können. Inzwischen habe ich einen Beruf, der meine Interessen und Fähigkeiten optimal vereint. Und das wünsche ich mir für meine Kinder natürlich auch. Dass sie nicht nur einen Job haben, sondern eine Berufung. Einen Beruf, den sie gerne machen. Tatsächlich mache ich mir um die Zukunft von Sonea nicht so viele Gedanken, wie um die ihres Bruders. Ganz einfach aus dem Grund, dass ihr Weg in gewisser Weise vorgegeben ist. Und die Ansprüche an sie von der Außenwelt niemals ihre Kompetenzen übersteigen werden. Sie wird immer …
Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Lotte Martens entstanden. Die Inhalte, Meinungen und Bilder in diesem Beitrag sind unsere eigenen. Als Sonea geboren wurde, waren wir die ersten in unserem Freundes und Bekanntenkreis, die ein Kind bekommen hatten. Und natürlich auch die ersten, mit einem Kind mit Behinderung. Statistisch gesehen waren alle anderen aus dem Schneider, witzelten wir rum und waren uns auch sicher, hofften natürlich für alle, dass sie sich auf die Geburt ihres Kindes bedingungslos freuen können. Dass die ersten Wochen schlafloser Nächte nicht auch noch geprägt sein würden von Traurigkeit und Angst. Statistisch gesehen hatten wir eine Chance von 1:10 auf ein Kind mit Down-Syndrom. Das wussten wir aber zu jenem Zeitpunkt noch nicht. Und auch nicht, dass genau diese Wahrscheinlichkeit bei uns sofort zuschlagen würde. Auch in unserem Freundeskreis gab es später die Wahrscheinlichkeit hier und da und sogar die ganz bestimmte Diagnose von 99 % Wahrscheinlichkeit. Die Statistik fragt nicht wo sie anfangen soll zu zählen. Und die Pränataldiagnostik kann manchmal ein ganz schöner Miesepeter sein. Während ich mir nach Soneas Geburt …
Soneas drittes Schuljahr neigt sich dem Ende und Sonea kann es kaum erwarten, wenn sie laut eigener Aussage „Sechs Tage Sommerferien hat“. Natürlich möchte sie nichts davon wissen, wenn ich sie in „Wochen“ korrigiere. Denn es ist doch völlig klar, dass ich „Quatsch erzähle“. Wie auch immer – sie wird die sechs Wochen lieben und wahrscheinlich auch nach diesem aufreibenden Jahr brauchen. Das dritte Schuljahr war kein leichtes. Wir lernten die unangenehmen Seiten der Inklusion so richtig kennen und oft haderte ich mit mir, ob wir Sonea ein Gefallen mit der inklusiven Beschulung tun. Wir arbeiteten in den vergangenen Monaten mit den Lehrern und der Schulbegleitung stark daran Sonea den Schulalltag so angenehm wie möglich zu gestalten, ihr die Freude an Schule wieder zurück zu bringen und vor allem daran Ihr das Gefühl zu geben, dass sie genau so ist wie die anderen. Denn ihre Sonderstellung und ihr Anderssein wurde in diesem Jahr zu einer großen Barriere, vor allem für sie selbst. „Wieso haben alle anderen ein Zebra-Heft und ich nicht? Wieso steht bei mir …
Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Aktion Mensch entstanden. Die Inhalte und Meinungen in diesem Beitrag sind meine eigenen. Kurz bevor Sonea geboren wurde, trat die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft, in der die Inklusion geregelt ist. Doch was hat sich seitdem verändert und was war vorher anders? Welche Hürden man mit einem behinderten Kind nehmen muss und dass Inklusion auch 10 Jahre später keine Selbstverständlichkeit ist, stellen wir fast tagtäglich fest. Was muss passieren, damit Inklusion kein lästiger Begriff mehr ist, über den viele Menschen, aber vor allem Pädagogen, Betroffene und alle anderen, die sich mit ihr auseinander setzen „müssen“, schimpfen? Es fehlt an Geld, es fehlt an Personal, aber vor allem fehlt es meiner Meinung nach oft auch an Bereitschaft. Und nicht zuletzt an Selbstverständlichkeit. Durch meine beiden Kinder habe ich die Inklusion in den letzten Jahren von beiden Seiten kennengelernt. Das Inklusionskind und das Kind, das mit Inklusionskindern um sich herum aufwächst. Beide haben von der Inklusion profitiert und tun es jetzt noch. Ich habe vor einiger Zeit einmal diesen Beitrag geschrieben, ich war zum Frühstück …
Das 16. Down-Sportlerfestival fand vergangenen Samstag statt. Ein Spektakel auf das sich Sonea das ganze Jahr über riesig freut. Wir alle, denn es ist jedes Mal ein fröhliches, aber auch sehr emotionales Ereignis. Dass sich dieses Jahr nicht nur positive Emotionen in unseren Tag schleichen würden, daran war während des Sportlerfestivals nicht zu denken. Für uns war es das vierte Mal, dass wir uns in aller Frühe auf den Weg nach Frankfurt machten. Alleine die Tatsache, dass wir am Wochenende freiwillig morgens um Kurz vor Sechs aufstehen, lässt erahnen, dass es sich lohnen muss. Für Sonea war es das dritte Mal in Folge, dass sie mit 650 anderen Sportlern im Alter von 4 bis 65 um die goldene Medaille kämpfte. Und auch, wenn wir nun bereits viermal dort waren, ist das Down-Sportlerfestival immer wieder anders. So dieses Jahr auch. Während die Mädchen sich in Soneas Altersklasse in den Disziplinen 100 Meter Lauf, Weitwurf und Weitsprung behaupten müssen, gibt es parallel auch noch zahlreiche Workshops, für die man die Kinder anmelden kann. Sonea wollte bereits in … | 3.65625 | 2.328125 | 1.96875 |
ada7a0766b307687864f57949b0a07e8 | Apologie für das Alter des Judentums
Bitte beachten Sie, dass es sich beim folgenden Text um eine vorläufige Übersetzung ohne kritischen Apparat und Fußnoten handelt!
(c) Institutum Judaicum Delitzschianum, Münster 2003
1. Buch, 1. Hauptteil
Hinreichend meine ich schon, hochangesehener Epaphroditos, in meiner Schrift Altertumskunde denjenigen, die sie lesen werden, deutlich gemacht zu haben, dass unser jüdisches Volk (erstens) sehr alt ist und seinen ursprünglichen Bestand für sich bekam, und wie es (zweitens) das Land, das wir nun innehaben, bewohnte; ich habe nämlich eine fünftausend Jahre umfassende Geschichte aus unseren heiligen Büchern in griechischer Sprache abgefasst. Da ich aber viele sehe, die den übelwollenden Nachreden, die von einigen geäußert wurden, Beachtung schenken und dem in der "Alten Geschichte" von mir Geschriebenen misstrauen und es als Beweis für das geringe Alter unseres Volkes anführen, dass es bei den anerkannten Geschichtsschreibern der Griechen keiner Erwähnung gewürdigt wurde, glaubte ich über dies alles kurz schreiben zu müssen, um den Lästerern die Böswilligkeit und vorsätzliche Lüge nachzuweisen, der Unwissenheit der anderen abzuhelfen, alle aber zu belehren, die die Wahrheit wissen wollen, (und zwar) über unser Alter. Als Zeugen für meine Ausführungen werde ich diejenigen anführen, die von den Griechen selbst für die verlässlichsten bezüglich der gesamten Altertumskunde gehalten werden, diejenigen aber, die lästerlich über uns und falsch geschrieben haben, werde ich sich selbst widerlegen lassen. Ich werde aber auch versuchen, die Gründe anzugeben, deretwegen nicht viele Griechen unser Volk in ihren Geschichtswerken erwähnt haben, zusätzlich werde ich freilich auch diejenigen herausstellen, die unsere Geschichte nicht übergangen haben, für die, die sie nicht kennen, oder vorgeben, sie nicht zu kennen.
Zunächst einmal überkommt mich große Verwunderung über die, die meinen, man dürfe sich in Dingen der Frühgeschichte (der Menschheit) nur an die Griechen halten und von diesen die Wahrheit in Erfahrung bringen, uns aber und den anderen Menschen müsse man misstrauen; ich sehe nämlich, dass das genaue Gegenteil zutrifft, so wahr man denn nicht bloßen Meinungen folgen darf, sondern aus den Tatsachen selbst das Rechte entnehmen muss. Denn alles bei den Griechen dürfte sich als unlängst - sozusagen ^'gestern und vorgestern', geschehen erweisen, ich nenne nur die Gründungen der Städte, technische Erfindungen und die Kodifizierung der Gesetze. Das Allerjüngste beinahe aber ist bei ihnen die Pflege der Geschichtsschreibung. Dass nun aber die Ägypter, Chaldäer und Phönizier - ich will es nämlich an dieser Stelle unterlassen, uns mit ihnen zusammen zu nennen - die älteste und dauerhafteste Überlieferung des Erinnerten besitzen, gestehen die Griechen selbst doch wohl zu. Sie bewohnen ja auch allesamt Gegenden, die am wenigsten den verderblichen Einflüssen der Umgebung ausgesetzt sind, und sie haben große Sorgfalt darauf verwendet, nichts von dem, was bei ihnen beschlossen wurde, dem Vergessen anheim fallen zu lassen, sondern stets von den Weisesten in Tempelaufzeichnungen amtlich festgehalten wird. Den griechischen Raum aber haben einerseits unzählige Katastrophen heimgesucht, welche die Erinnerung an das Geschehene ausgelöscht haben, da man aber immer neue Lebensweisen einrichten musste, glaubte man, dass jeweils die eigene am Anfang von allem stehe; erst spät lernten sie endlich die Buchstabenschrift kennen; selbst diejenigen, die ihren Gebrauch sehr alt sein lassen wollen, rühmen sich, sie von den Phöniziern und von Kadmos gelernt zu haben. Doch selbst aus jener Zeit könnte niemand eine auf sakralen oder öffentlichen Monumenten erhaltene Inschrift vorweisen, wo es doch schon bezüglich derer, die so viele Jahre später gegen Troja in den Krieg zogen, viel gelehrten Streit gegeben hat, ob sie Buchstabenschrift gebraucht hätten, und es setzt sich mehr und mehr die Wahrheit durch, dass jene den heute üblichen Gebrauch der Schrift nicht kannten. Es findet sich aber bei den Griechen kein Werk, das anerkanntermaßen älter ist als die Dichtung Homers. Dieser (Dichter) wurde aber offensichtlich nach dem Trojanischen Krieg geboren, und es heißt, dass auch er sein eigenes Werk nicht in schriftlicher Form hinterlassen hat, sondern dass es (nur) in Erinnerung tradiert und aus den Gesängen nachträglich zusammengefügt wurde und deshalb die vielen inneren Unstimmigkeiten aufweise. Die aber, die sich bei ihnen mit Geschichtsschreibung befasst haben - ich meine etwa Kadmos von Milet oder den Argiver Akusilaos, oder welche es nach ihnen noch gegeben haben soll - lagen zeitlich erst kurz vor dem Perserzug gegen Griechenland. Vollends geben auch diejenigen, die bei den Griechen als Erste über die himmlischen und göttlichen Dinge philosophiert haben, etwa Pherekydes von Syros, Pythagoras und Thales, alle übereinstimmend an, dass sie nur als Schüler der Ägypter und Chaldäer weniges aufgeschrieben hätten. Diese Schriften gelten bei den Griechen als die ältesten von allen, und sie glauben nicht einmal ernstlich, dass sie von jenen geschrieben wurden.
Ist es da nicht unsinnig, dass sich die Griechen einbilden, allein sie wüssten über die Alte Geschichte Bescheid und überlieferten die Wahrheit darüber genau? Oder wer könnte nicht direkt von ihren Schriftstellern mit Leichtigkeit erfahren, dass sie nichts aus sicherem Wissen aufgeschrieben haben, sondern entsprechend den Vermutungen, die jeder über die Ereignisse anstellte? Größtenteils nämlich widerlegen sie einander durch ihre Bücher, und das genaue Gegenteil über die selben Ereignisse zu äußern, zögern sie nicht. Ganz überflüssig wäre es, wenn ich die, die sich besser auskennen als ich, darüber belehrte, in wie vielem Hellanikos mit Akusilaos in den Genealogien auseinander geht, in wie vielem Akusilaos Hesiod berichtigt, oder auf welche Weise Ephoros den Hellanikos in den meisten Punkten als irreführend erweist, den Ephoros aber Timaios, den Timaios aber diejenigen, die nach ihm kamen, den Herodot aber allesamt. Aber nicht einmal über die sizilischen Ereignisse mit solchen (Historikern) wie Antiochos, Philistos oder Kallias überein zustimmen, hielt Timaios für angebracht, noch folgten bezüglich der attischen Ereignisse die Schriftsteller der Atthides einander oder bezüglich der argolischen Ereignisse die Historiker der Argolika einander. Und was soll man sagen über die Geschichte einzelner Städte, und wäre es auch nur in Kürze? Wo selbst bezüglich des Perserkrieges und die Ereignisse desselben die Vertrauenswürdigsten sich widersprechen, in vielen Punkten sogar Thukydides von einigen der Irreführung bezichtigt wird, obwohl er als derjenige gilt, der seine Zeitgeschichte am genauesten geschrieben hat.
Ursachen für eine derartige Unstimmigkeit dürften sich vermutlich viele nach und nach denen zeigen, die danach suchen wollen, ich aber traue den beiden, die jetzt genannt werden sollen, die größte Beweiskraft zu, und als erste nenne ich diejenige, die mir die entscheidende zu sein scheint; dass man sich nämlich von Beginn an bei den Griechen nicht bemühte, amtliche Aufzeichnungen über das jeweils Geschehene zu machen, dieses führte also am ehesten zum Irrtum und zur Freiheit der Irreführung bei denen, die danach über die alten Begebenheiten etwas schreiben wollten. Denn nicht nur bei den anderen Griechen wurde das Anfertigen von Aufzeichnungen vernachlässigt; sondern sogar bei den Athenern, die als Ureinwohner gelten und als bildungsbeflissen, erweist es sich, dass nichts derartiges geschah, vielmehr sagen sie, dass von ihren amtlichen Aufzeichnungen die ältesten die von Drakon für sie verfassten Gesetze über Mordfälle seien - dies ist ein Mann, der wenig vor der Tyrannis des Peisistratos gelebt hat. Was soll man über die Arkadier noch sagen, die ihr hohes Alter rühmen? Diese haben selbst in späterer Zeit gerade einmal das Alphabet gelernt.
Da also offensichtlich keine Aufzeichnung niedergelegt worden war, die sowohl diejenigen, die lernen wollten, belehrt als auch die Lügner überführt hätte, ist die große Unstimmigkeit entstanden unter den Schriftstellern. Man muss zu dieser Ursache jene zweite hinzustellen: Diejenigen, die sich an das Schreiben machten, bemühten sich nicht um die Wahrheit, obwohl dieses Versprechen stets zur Hand ist, sondern stellten die Macht ihrer Worte zur Schau; und auf welche Weise sie dabei jeweils die anderen an Ruhm zu übertreffen meinten, danach fügten sie es zusammen, die einen, indem sie sich auf das Fabulieren verlegten, die anderen, indem sie aus Gefälligkeit die Städte und die Könige rühmten; wieder andere schritten zur Kritik der Taten oder derer, die über sie schrieben, weil sie damit Ruhm zu erlangen meinten. Insgesamt aber treiben sie fortwährend das genaue Gegenteil von Geschichtsschreibung; denn das Kennzeichen wahrer Geschichtsschreibung ist es, wenn über dieselben Dinge alle ein und das selbe sagen und schreiben. Wenn jene aber das selbe verschieden beschrieben, so meinten sie gerade darin als die wahrhaftigsten von allen zu erscheinen. Den Stil und die Wortgewalt betreffend, müssen wir hinter den griechischen Schriftstellern zurücktreten, freilich nicht bezüglich der Wahrheit der Frühgeschichte und besonders der Wahrheit der jeweiligen Regionalgeschichte.
Dass also bei den Ägyptern und den Babyloniern seit ältesten Zeiten die Sorge um die Aufzeichnungen den Priestern anvertraut war und sie darüber nachsannen, die "Chaldäer" aber bei den Babyloniern, und dass von denen die mit den Griechen verkehrten besonders die Phönizier die Schrift benutzten, sowohl für die private Haushaltung als auch für die Überlieferung von Dingen des öffentlichen Interesses, meine ich, da es ja alle zugestehen, übergehen zu können. Dass aber unsere Vorfahren die gleiche Sorgfalt - um nicht zu sagen eine größere als die der Genannten - für die Aufzeichnungen walten ließen, indem sie diese den Hohepriestern und Propheten auftrugen, und wie sie bis in unsere Zeit bewahrt worden ist mit großer Genauigkeit, ja - wenn ich mutiger reden soll - auch (in Zukunft) bewahrt werden wird, will ich versuchen in Kürze darzulegen.
Denn sie haben nicht nur von Beginn an dafür die Besten und mit dem Dienst für Gott befassten eingesetzt, sondern dafür Sorge getragen, dass das Geschlecht der Priester unvermischt und rein bleibt. Es darf nämlich derjenige, der der Priesterschaft angehört, nur mit einer Frau aus dem selben Volk Kinder zeugen, und weder auf Geld noch auf sonstige Vorzüge blicken, sondern er muss die Abstammung prüfen, indem er sich aus den Archiven die Erbfolge geben lässt und viele Zeugen aufbietet. Und dieses halten wir so nicht nur in Judäa selbst; sondern überall, wo immer eine Gruppe unseres Volkes sich befindet, dort wird gleichfalls die genaue Regel bezüglich der Priesterehen gewahrt; zum Beispiel die in Ägypten und Babylonien, und wo sonst in der Welt welche aus dem Geschlecht der Priester verstreut sind: Sie schicken nach Jerusalem eine Niederschrift über die väterliche Linie sowohl der Frau als auch ihrer entfernteren Vorfahren, und wer dafür die Zeugen seien. Bricht aber ein Krieg herein, wie es schon oft geschah, als Antiochus Epiphanes in das Land einfiel und Pompeius Magnus und Quintilius Varus, besonders aber in unserer Zeit, so stellen die Priester, die noch übrig geblieben sind, wieder neue (Dokumente) aus den Archiv(beständen) her und überprüfen die noch übrigen Frauen. Denn sie lassen die in Gefangenschaft geratenen nicht mehr (zur Ehe) zu, da sie den Verdacht haben, es sei häufig zum Geschlechtsverkehr mit Fremdstämmigen gekommen. Der beste Beweis für die Sorgfalt ist folgender: Die Priester bei uns sind seit zweitausend Jahren namentlich als Söhne ihres jeweiligen Vaters in den Dokumenten verzeichnet. Wer irgendeine der besagten (Vorschriften) übertreten hat, der darf weder den Altardienst versehen, noch am übrigen Zeremoniell teilnehmen. Begreiflicherweise also, besser gesagt notwendigerweise – da nicht jeder von sich aus Aufzeichnungen machen durfte, noch eine Unstimmigkeit in den vorhandenen Dokumenten vorliegt, sondern allein die Propheten, die das Älteste und das Früheste aufgrund von göttlicher Inspiration erfahren hatten, klar und deutlich die Ereignisse der eigenen Zeit niederschrieben, wie sie geschehen waren – gibt es bei uns nicht Tausende von Büchern, die nicht übereinstimmen und sich widersprechen, sondern nicht mehr als zweiundzwanzig Bücher, welche die Niederschrift des ganzen Zeitraums enthalten und zu Recht Vertrauen gefunden haben. Und von diesen stammen fünf von Mose, die die Gesetze umfassen und die Überlieferung vom Ursprung des Menschen bis zu seinem eigenen Ende; dieser Zeitraum ist nur wenig kürzer als dreitausend Jahre. Vom Tod des Mose bis zu Artaxerxes, dem König der Perser nach Xerxes, haben die auf Mose folgenden Propheten die Begebenheiten ihrer Zeit in dreizehn Büchern aufgezeichnet; die übrigen vier enthalten Hymnen an Gott und Lebensanweisungen für die Menschen. Von Artaxerxes bis in unsere Zeit ist jegliches aufgezeichnet, es wird aber nicht gleichen Vertrauens gewürdigt wie die früheren (Bücher), weil keine exakte Aufeinanderfolge der Propheten mehr stattfand. Die Tatsachen aber erweisen, wie wir mit unseren eigenen Schriften umgehen: Denn obwohl schon eine so lange Zeit vergangen ist, hat es keiner gewagt, etwas hinzuzufügen oder von ihnen wegzunehmen oder umzustellen; vielmehr ist es allen Juden von Kindesbeinen an eingepflanzt, diese als Gottes Satzungen anzuerkennen und an ihnen festzuhalten und für sie, wenn es nötig sein sollte, mit Freuden zu sterben. So konnte man schon oftmals und in großer Zahl Kriegsgefangene sehen, die Folterungen und unterschiedlichste Todesarten in Theatern auf sich nahmen, um nur kein einziges Wort gegen die Gesetze und die mit diesen verbundenen Schriften äußern zu müssen. Wer von den Griechen würde wohl derartiges um seinetwillen auf sich nehmen? Im Gegenteil: Nicht einmal um die Gefahr, dass ihr gesamtes Schrifttum vernichtet würde, wird jemand auch nur einen geringfügigen Nachteil hinnehmen - glauben sie doch, dass es (nur) Worte sind, nach der Willkür ihrer Verfasser leichtfertig geschrieben; und dies denken sie zu Recht auch über die älteren Autoren, da sie doch sehen, dass auch einige ihrer Zeitgenossen sich erdreisten, über diejenigen Geschehnisse zu schreiben, denen sie weder selbst beigewohnt haben noch sich ernsthaft bemüht haben, darüber von den Kundigen etwas in Erfahrung zu bringen. Natürlich haben einige auch über den Krieg, der uns jetzt entstanden ist, Geschichtswerke verfasst und veröffentlicht, ohne in der Gegend gewesen zu sein, noch diesen Geschehnissen aus der Nähe beigewohnt haben; vielmehr haben sie, indem sie vom Hörensagen weniges zusammenschrieben, den Begriff ‘Geschichtsschreibung’ in die Gosse gezogen.
Ich aber habe sowohl über den Krieg als ganzen wie auch über das, was in ihm im Einzelnen geschehen ist, meine Niederschrift wahrheitsgetreu angefertigt, weil ich ja bei allen Ereignissen persönlich dabei war. Ich war nämlich Befehlshaber derjenigen, die bei uns Galiläer heißen, solange es möglich war, Widerstand zu leisten; jedoch wurde ich Kriegsgefangener der Römer, nachdem sie mich ergriffen hatten; und Vespasian und Titus hielten mich unter Bewachung und nötigten mich, immer in ihrer Nähe zu bleiben - zuerst als Gefangener; dann aber, freigelassen, wurde ich zusammen mit Titus von Alexandria zur Belagerung Jerusalems geschickt. Es gibt kein Geschehnis dieser Zeit, das meiner Wahrnehmung entging; denn sowohl die Ereignisse im römischen Kriegslager habe ich beobachtet und sorgfältig aufgeschrieben, wie ich auch die Berichte der Überläufer als einziger verstand. Als ich dann in Rom Muße fand, hatte ich das gesamte Material zur Verfügung, zog einige Mitarbeiter für die griechische Sprache hinzu und sorgte so für die Überlieferung der Ereignisse. Ich hatte dabei ein so enormes Vertrauen in die Wahrheit (meines Berichts), dass es mir angemessen schien, zuallererst die obersten Feldherrn des Krieges, Vespasian und Titus, zu Zeugen zu nehmen. Ihnen gab ich nämlich als ersten die Bücher und nach jenen vielen Römern, die auch Teilnehmer des Krieges gewesen waren; dann aber verkaufte ich sie auch an viele der Unseren, Männer, die auch griechisch gebildet waren: unter diesen Julius Archelaos, der verehrungswürdigste Herodes und selbst der bewundernswerteste König Agrippa. Diese nun haben alle bezeugt, dass ich mich der Wahrheit sorgfältig angenommen habe, wobei sie sich nicht zurückgehalten und geschwiegen hätten, wenn ich etwas von den Geschehnissen aus Unkenntnis oder Gefälligkeit verdreht oder übergangen hätte.
Gewisse verächtliche Leute allerdings haben sich daran gemacht, meine Geschichtsdarstellung zu verleumden, die meinten, etwas wie eine Stilübung für halbwüchsige Schüler vor sich zu haben, irgendeine groteske Anklage oder Verleumdung, obwohl man doch merken müsste, dass, wer anderen eine Darstellung von wahren Begebenheiten verspricht, diese zuerst selbst genau kennen muss, entweder dadurch dass er den Geschehnissen nachgegangen ist oder bei den Kundigen nachfragt. Und dies glaube ich besonders bei meinen beiden Geschichtswerken getan zu haben: Die Altertumskunde, wie ich schon sagte, habe ich aus den heiligen Schriften verdolmetscht, bin ich doch Priester von Abstammung und habe die Philosophie jener Schriften aufgenommen; das Geschichtswerk über den Krieg aber habe ich geschrieben als mithandelnde Person bei vielen Begebenheiten, als Augenzeuge bei den meisten, und überhaupt als einer, dem nichts entging von allem, was gesagt oder getan wurde. Wie sollte man da nicht diejenigen für unverschämt halten , die mir die Wahrheit streitig machen wollen, die, auch wenn sie behaupten, die Kriegsberichte der Feldherrn nachgelesen haben, jedenfalls nicht bei den Vorgängen auf der Gegenseite, wo wir kämpften, zugegen waren.
Was das angeht, musste ich diesen Exkurs verfertigen, weil ich die Leichtfertigkeit derer, die vollmundig ankündigen Geschichtswerke zu verfassen, als solche kennzeichnen wollte. Nachdem ich aber, wie ich meine, hinreichend deutlich gemacht habe, dass Aufzeichnungen über die frühen Ereignisse mehr bei den Nichtgriechen als bei den Griechen beheimatet sind, will ich zunächst ein kurzes Wort mit denen wechseln, die versuchen unsere Verfassung als jung zu erweisen aufgrund dessen, dass nichts über uns, wie jene behaupten, gesagt ist bei den griechischen Autoren. Sodann aber werde ich die Zeugnisse für unser Alter aus dem, was bei anderen geschrieben ist, beibringen und aufzeigen, dass diejenigen, die unsere Nation schmähen, uns weitab von jeder Begründung schmähen.
Wir bewohnen nämlich weder eine Küstenregion, noch liegt uns der Fernhandel, noch der daraus entstehende Verkehr mit anderen; unsere Städte liegen vielmehr fern vom Meer, hoch im Landesinneren, und da wir gutes Land besitzen, bebauen wir dieses; auch sind wir ja in vorzüglicher Weise auf das Aufziehen von Kindern bedacht und haben uns die Beachtung der Gesetze und der in diesen überlieferten Gottesverehrung zur notwendigsten Aufgabe des ganzen Lebens gemacht. Da zu dem Gesagten nun noch die Besonderheit unserer Lebensführung hinzukommt, gab es in den alten Zeiten nichts, was uns solchen Verkehr mit den Griechen eingebracht hätte wie den Ägyptern ihre Aus- und Einfuhr und den Bewohnern der phönizischen Küste ihr Interesse an Klein- und Großhandel aufgrund ihres Gewinnstrebens. Und ganz sicher verlegten sich unsere Väter nicht auf Raubzüge, wie so manche andere, oder auf das kriegerische Beanspruchen von mehr Macht, wiewohl es dem Land nicht an einer Vielzahl von durchaus wagemutigen Männern mangelte. Deswegen wurden die Phönizier, weil sie in Handelsgeschäften selbst zu den Griechen hinfuhren, sofort bekannt, und über sie die Ägypter und alle diejenigen, von denen sie Fracht zu den Griechen transportierten, große Meere durchquerend. Später dann traten die Meder und Perser auf den Plan, als sie die Herrschaft über Asien gewannen, wobei die Perser ihre Feldzüge bis an das andere Festland heran durchführten. Die Thraker aber wurden aufgrund der Nachbarschaft (den Griechen) bekannt und der Stamm der Skythen durch diejenigen, die den Pontus befuhren. Generell sind nämlich all diejenigen, die unmittelbar am Meer, sowohl nach Osten wie nach Westen zu, wohnen, denen, die ein (Geschichts-)Werk zu schreiben beabsichtigten, ganz gut bekannt geworden, die aber, die weiter im Landesinneren ihre Wohnsitze haben, sind weithin unbekannt geblieben. Und dies scheint auch auf Europa zuzutreffen, da doch die Stadt Rom, obgleich sie sich eine solch weit ausgedehnte Macht erworben hatte und so großartige Kriegstaten vollbracht hatte, weder bei Herodot noch bei Thukydides noch auch bei einem ihrer Zeitgenossen erwähnt wird, sondern erst spät und dann noch spärlich die Kenntnis (von der Existenz) der Römer zu den Griechen gelangte. Über die Kelten und Iberer waren die, welche als die genauesten Geschichtsschreiber gelten, zum Beispiel Ephoros, so in Unkenntnis, dass dieser (letztere) glaubt, die Iberer, die doch einen so großen Teil des Westens bewohnten, bildeten nur eine einzige Stadt; und sie gingen so weit, Gebräuche, die bei ihnen gar nicht vorkamen und von denen auch keine Rede ist, aufzuschreiben, als würden sie bei ihnen praktiziert. Ursache aber für die Unkenntnis der Wahrheit ist die gänzliche Abgesondertheit, und für das Verfassen von Lügen die Absicht, als einer zu gelten, der mehr als die anderen zu berichten hat. Wie darf man sich da also noch wundern, wenn unser Volk vielen unbekannt war und auch keinen Anlass für eine Erwähnung in den Geschichtswerken gab, wo es doch so fern vom Meer wohnt und sich zudem für diese Lebensweise entschieden hat?
Angenommen, wir hielten es für richtig, als Beweis für das geringe Alter des griechischen Volkes den Umstand zu nehmen, dass in unseren Aufzeichnungen über sie nichts gesagt ist. Würden sie darüber nicht laut lachen, und, so glaube ich, gerade die von mir genannten Gründe beibringen, und ihre Nachbarn anführen als Zeugen ihres hohen Alters? Auch ich nun werde versuchen, so zu verfahren: Die Ägypter nämlich und die Phönizier werde ich in erster Linie zu Zeugen nehmen, wobei wohl niemand dieses Zeugnis als falsch wird verleumden können; denn es ist doch ganz offenkundig, dass uns gegenüber ganz besonders die Ägypter feindlich eingestellt sind, und zwar allesamt, von den Phöniziern aber die Tyrer. Über die Chaldäer freilich könnte ich schon nicht mehr dasselbe sagen, da sie doch am Anfang (der Geschichte) unseres Volkes stehen und wegen dieser Verwandtschaft die Juden in ihren Aufzeichnungen denn auch erwähnen. Sobald ich aber die von diesen kommenden Beweise beigebracht habe, werde ich auch diejenigen unter den griechischen Autoren anführen, welche die Juden erwähnt haben, damit die Verleumder auch diesen Vorwand für ihr Reden wider uns nicht mehr haben.
Den Anfang werde ich machen mit dem Schrifttum der Ägypter. Leider ist es nicht möglich, deren Schriften selbst hier herzusetzen; Manetho immerhin war Ägypter, dabei ein Mann, der ganz offenkundig über griechische Bildung verfügte: Er hat nämlich in griechischer Sprache die Geschichte seines Landes verfasst, wobei er, wie er selbst sagt, aus heiligen Tafeln übersetzt hat, und er weist nach, dass Herodot vieles von seinen Berichten über Ägypten aus Unkenntnis frei erfunden hat. Dieser Manetho also schreibt im zweiten Buch seiner Geschichte Ägyptens das Folgende über uns. Ich werde seine eigenen Worte hier wiedergeben, gewissermaßen um ihn persönlich als Zeugen auftreten zu lassen:
† ... †.
Unter dessen Herrschaft hat uns - ich weiß nicht wie - eine Gottheit Gegenwind gegeben: Unerwartet führten von Osten her Menschen eines unbekannten Volkes mit großer Dreistigkeit Krieg gegen das Land und brachten es mit Leichtigkeit kampflos in ihre Gewalt; und nachdem sie die darin Herrschenden überwältigt hatten, brannten sie des weiteren die Städte schonungslos nieder und zerstörten die Heiligtümer der Götter, gegen alle Einwohner aber verhielten sie sich ganz und gar feindselig, indem sie die einen niedermetzelten, von den anderen auch noch die Kinder und Frauen in die Sklaverei führten. Schließlich machten sie sogar einen der ihren zum König, einen gewissen Salitis. Dieser residierte in Memphis, wobei er Ober- wie Unterägypten mit Steuern belegte und eine Besatzung an den geeignetsten Orten zurückließ. Am meisten aber sicherte er die östlichen Landesteile, weil er voraussah, dass, wenn einmal die Assyrer mehr Macht hätten, ein Angriff aus Gier nach seinem Königtum stattfinden werde. Als er aber im Sethroitischen Gau eine sehr günstig gelegene Stadt gefunden hatte, östlich des Nilarmes von Bubastis, der nach einer uralten Götterlehre Avaris benannt ist, befestigte er diese und machte ihre Mauern sehr stark, wobei er in ihr auch noch eine etwa 240 000 Mann zählende Menge von Bewaffneten als Vorposten stationierte. Dorthin ging er jeden Sommer, um Getreide auszuteilen und Sold auszuzahlen, sowie um zur Abschreckung der (Völker) außerhalb (der Grenze) planvoll Manöver abzuhalten. Nach neunzehnjähriger Herrschaft starb er. Nach ihm herrschte ein weiterer (fremder) als König für 44 Jahre, sein Name war Banon, nach ihm ein anderer, Apachnan, 36 Jahre und 7 Monate, danach Apophis 61 (Jahre), und Iannas 50 Jahre und einen Monat, nach all diesen noch Assis 49 Jahre und 2 Monate. Und diese sechs nun waren die ersten Herrscher unter ihnen, die stets und mehr und mehr darauf bedacht waren, die Wurzel Ägyptens auszureißen. Ihr ganzes Volk wurde Hykusos (Hyksos) genannt, das heißt "Hirten-Könige". Hyk nämlich bedeutet in der Priestersprache "König", usos "Hirte" und "Hirten" in der Volkssprache, und wenn man es so zusammensetzt, wird daraus Hyk(w)sos.
Einige sagen aber, dass sie Araber seien, und ferner, dass in einem anderen Textexemplar nicht "Könige" durch das Wort hyk bezeichnet werde, sondern im Gegenteil "kriegsgefangene Hirten" damit gemeint seien. Hyk nämlich und das aspirierte hak bezeichnet – wiederum in ägyptischer Sprache – ausdrücklich "Kriegsgefangene". Dies scheint mir überzeugender und mehr in Übereinstimmung mit alter Geschichtsschreibung. Diese vorher genannten Könige, die der so genannten Hirten und deren Nachkommen, haben, sagt er (Manetho), fünfhundertelf Jahre über Ägypten geherrscht. Danach aber, sagt er, habe es eine Erhebung der Könige von Theben und des übrigen Ägypten gegen die Hirten gegeben und es sei ein großer und lange andauernder Krieg ausgebrochen. Zur Regierungszeit eines Königs mit Namen Misphragmuthosis seien, sagt er, die Hirten nach einer Niederlage zwar aus dem ganzen übrigen Ägypten vertrieben, aber (endlich) eingeschlossen worden an einem Ort mit einem Umfang von zehntausend Hufen; der Name dieses Ortes sei Avaris. Diese Stätte nun, sagt Manetho, hätten die Hirten ganz mit einer großen und starken Mauer umgeben, um ihren gesamten Besitz und ihre Beute an einem sicher befestigten Platz zu haben. Der Sohn des Misphragmuthosis, Thummosis, habe zwar versucht, sie durch eine Belagerung in seine Gewalt zu bringen, indem er mit einem Heer von vierhundertachtzigtausend Soldaten vor ihren Mauern aufgezogen sei; nach Aufgabe der Belagerung, habe er jedoch das Abkommen geschlossen, dass sie Ägypten verlassen und ohne Schaden gehen könnten, wohin sie wollten. Diese nun seien, entsprechend den vertraglichen Regelungen, mit ihren Familien und ihrem Besitz – nicht weniger als zweihundertvierzigtausend – von Ägypten aus durch die Wüste nach Syrien hindurchgezogen. Aus Angst vor der Herrschaft der Assyrer – jene sollen nämlich damals über Asien geherrscht haben – hätten sie in dem Gebiet, das heute Judäa heißt, eine Stadt erbaut, die ebenso viele Tausende von Menschen fassen konnte, und diese Jerusalem genannt. In einem anderen Buch seiner Ägyptischen Geschichte sagt Manetho, dass dieses Volk, die so genannten Hirten, in dessen heiligen Büchern als "Gefangene" bezeichnet sei, zu Recht; auch unsere frühesten Vorfahren haben nämlich traditionell Herden geweidet, und da sie ein Nomadenleben führten, hießen sie eben "Hirten". Als Gefangene wiederum wurden sie von den Ägyptern nicht ohne Grund bezeichnet, da ja unser Vorfahr Joseph sich selbst vor dem König der Ägypter einen Gefangenen nannte; später dann ließ er seine Brüder nach Ägypten kommen, nachdem der König ihm dies erlaubt hatte. Über diese Dinge aber werde ich an anderer Stelle eine eingehendere Untersuchung anstellen.
Nun aber will ich speziell für das hohe Alter (der Juden) die Ägypter als Zeugen anführen. Und wieder will ich zitieren, wie die Schriften des Manetho es mit der zeitlichen Ordnung halten. Er sagt nämlich folgendes:
Nach dem Auszug des Volkes der Hirten aus Ägypten in Richtung Jerusalem herrschte der König, der sie aus Ägypten vertrieben hatte, Tethmoses, noch fünfundzwanzig Jahre und vier Monate, und starb, und es übernahm die Herrschaft sein Sohn Chebron für dreizehn Jahre. Nach ihm (herrschte) Amenophis für zwanzig Jahre und sieben Monate, dessen Schwester Amessis für einundzwanzig Jahre und neun Monate, deren Sohn Mephres für zwölf Jahre und neun Monate, dessen Sohn Mephramuthosis für fünfundzwanzig Jahre und zehn Monate, dessen Sohn Thmosis für neun Jahre und acht Monate, dessen Sohn Amenophis für dreißig Jahre und zehn Monate, dessen Sohn Oros für sechsunddreißig Jahre und fünf Monate, dessen Tochter Akencheres für zwölf Jahre und einen Monat, deren Bruder Rathotis für neun Jahre, dessen Sohn Kencheres für zwölf Jahre und fünf Monate, dessen Sohn, ein weiterer Akencheres, für zwölf Jahre und drei Monate, dessen Sohn Harmäis für vier Jahre und einen Monat, dessen Sohn Ramesses für ein Jahr und vier Monate, dessen Sohn Harmesses Miamoun für sechsundsechzig Jahre und zwei Monate, dessen Sohn Amenophis für neunzehn Jahre und sechs Monate. Dessen Sohn war Sethos, auch Ramesses genannt; er verfügte über eine Reiterarmee und eine Seestreitmacht. Er setzte seinen Bruder Harmäis als Verwalter über Ägypten ein und stattete ihn mit allem weiteren aus, was zur Königsvollmacht gehörte, nur verbot er ihm, ein Diadem zu tragen und der Königin und Mutter seiner Kinder zu nahe zu treten; auch solle er sich von den anderen königlichen Nebenfrauen fernhalten. Er selbst aber zog gegen Zypern und Phönizien in den Krieg, und ferner gegen die Assyrer und Meder, und unterwarf sie alle, die einen mit dem Schwert, die anderen kampflos, nämlich aufgrund ihrer Furcht vor der großen Streitmacht. Stolz geworden über diese Erfolge unternahm er einen noch kühneren Feldzug um die Städte und Gebiete im Osten zu unterwerfen. Einige Zeit nachher verfuhr Harmäis - in Ägypten zurückgelassen - ohne Scheu allem entgegen, was sein Bruder ihm verboten hatte. Er vergriff sich an der Königin und er gebrauchte die übrigen Nebenfrauen fortwährend und rücksichtslos; überredet von seinen Freunden trug er das Diadem und erhob sich gegen seinen Bruder. Der Oberaufseher der Heiligtümer Ägyptens verfasste einen Bericht und schickte ihn dem Sethos, worin er diesem alles anzeigte, auch dass sein Bruder Armäis sich gegen ihn erhoben hatte. Unverzüglich kehrte dieser bis Pelusium zurück und bemächtigte sich seiner eigenen Königsherrschaft. Das Land aber wurde nach dessen Namen "Ägypten" genannt. Man sagt nämlich, dass Sethos auch Aegyptos und Harmais, sein Bruder, Danaos hieß.
Soweit also Manetho. Offensichtlich ist aber, wenn man aus den genannten Jahresangaben die Zeit berechnet, dass die so genannten Hirten, unsere Vorfahren, nachdem sie sich aus Ägypten abgesetzt hatten, dieses unser Land besiedelt haben dreihundertdreiundneunzig Jahre früher, als Danaos in Argos ankam; und doch halten die Argiver Danaos für sehr früh. Zwei Dinge also, zwei sehr wichtige, hat uns Manetho aus dem ägyptischen Schrifttum bezeugt: erstens die Ankunft in Ägypten von anderswoher, sodann den Weggang von dort in so früher Zeit, dass er den Geschehnissen bei Troja doch wohl nahezu um tausend Jahre vorausgeht. Hinsichtlich dessen aber, was Manetho nicht aus dem ägyptischen Schrifttum, sondern - wie er selbst zugibt - aus herrenlosen Sagen (seiner Darstellung) beigefügt hat, werde ich später den Gegenbeweis führen, indem ich im Detail die Unglaubwürdigkeit seiner Fabeleien aufzeige.
Ich will also von diesen Dingen jetzt übergehen zu dem, was bei den Phöniziern über unser Volk aufgeschrieben ist und die daraus zu gewinnenden Zeugnisse anführen. Es gibt nun bei den Tyrern seit sehr vielen Jahren Schriften, unter amtlicher Aufsicht abgefasst und überaus sorgfältig bewahrt, über das, was bei ihnen an Denkwürdigem geschah und anderen gegenüber getan wurde. Darin steht geschrieben, dass der Tempel in Jerusalem vom König Salomon hundertdreiundvierzig Jahre und acht Monate früher gebaut wurde als die Tyrer Karthago gründeten. Es wurde aber bei jenen mit gutem Grund die Errichtung unseres Tempels schriftlich festgehalten: Hirom nämlich, der König der Tyrer, war ein Freund unseres Königs Salomon; er hatte die Freundschaft seines Vaters zu ihm übernommen. Dieser, in gleicher Weise wie Salomo um die prächtige Ausstattung des Bauwerks bemüht, gab hundertzwanzig Talente Gold, dazu ließ er wunderschönes Holz aus dem Gebirge, das Libanon heißt, schlagen und für das Dach übersenden. Salomo schenkte ihm dafür unter anderem Land im Gebiet Galiläas, das Kabol heißt. Am meisten verband sie in Freundschaft das Streben nach Weisheit: Sie pflegten nämlich einander wechselseitig Aufgaben zuzusenden mit der Aufforderung, sie zu lösen; darin war Salomo überlegen, der auch sonst weiser war. Bis zum heutigen Tage werden bei den Tyrern viele der Briefe aufbewahrt, die jene einander geschrieben haben. Dafür aber, dass mein Bericht von den tyrischen Aufzeichnungen nicht meine Erfindung ist, werde ich einen kompetenten Zeugen anführen, einen Mann, der dafür gilt, die phönizische Geschichte genau beschrieben zu haben: Dios. Dieser nun schreibt in seiner Darstellung der Geschichte der Phönizier folgendermaßen:
Als Abiba‹al gestorben war, wurde sein Sohn Hirom König. Dieser ließ die östlichen Teile der Stadt (Tyros) aufschütten, vergrößerte so das Stadtgebiet und verband das Heiligtum des olympischen Zeus, das für sich auf einer Insel lag, mit der Stadt, indem er den Zwischenraum aufschütten ließ, und schmückte es mit goldenen Weihgaben; auch zog er in den Libanon hinauf und ließ Holz fällen für den Bau der Heiligtümer. Der Herrscher über Jerusalem, Salomo, so sagt man, habe an Hirom Rätsel geschickt und darum gebeten, von ihm solche zu erhalten, und der von ihnen, welcher sie nicht lösen könne, habe dem, der sie gelöst hatte, Geld bezahlen müssen. .Hirom habe zugestimmt, die Rätsel aber nicht lösen können, und viel von seinem Geld für die Wettschuld ausgeben müssen. Dann aber habe ein gewisser ‹Abdemun, ein Tyrer, die gestellten Aufgaben gelöst und selbst andere vorgelegt, die Salomo nicht habe lösen können, so dass er dem .Hirom noch mehr Geld habe zurückzahlen müssen.
So also hat Dios das vorher von mir Gesagte bezeugt. Aber ergänzend werde ich noch Menander aus Ephesus anführen. Dieser hat, von König zu König fortschreitend, die Begebenheiten bei Griechen wie Nichtgriechen aufgeschrieben, darauf bedacht, aus den jeweiligen einheimischen Aufzeichnungen den Geschichtsverlauf in Erfahrung zu bringen. Bei der Darstellung der Königsreihe von Tyros, da wo er auf .Hirom zu sprechen kommt, sagt er folgendes:
Nach dem Tod des Abiba‹al übernahm die Königsherrschaft sein eigener Sohn .Hirom, der 53 Jahre lebte und 34 Jahre König war. Dieser ließ den Eurych¯oros aufschütten und die goldene Säule im Heiligtum des Zeus aufstellen; er ging in den Hochwald und ließ aus dem so genannten Libanongebirge Zedernholz schlagen für die Dächer der Heiligtümer, und er ließ die alten Heiligtümer einreißen und neue bauen, auch das des Herakles und der ‹A∨start; zuerst veranstaltete er die "Auferweckung des Herakles" im Monat Peritios und zog dann gegen die Itykäer zu Felde, weil diese ihre Abgaben nicht entrichteten; nachdem er sich diese unterworfen hatte, kehrte er wieder zurück. Unter seiner Herrschaft lebte ‹Abdemun, ein ziemlich junger Mann, der stets die Fragen löste, die Salomon, der König von Jerusalem, aufzugeben pflegte.
Die Zeit nun von diesem König bis zur Gründung Karthagos wird folgendermaßen berechnet: Nach dem Tod des .Hirom übernahm die Herrschaft Ba‹albazer, sein Sohn, der dreiundvierzig Jahre lebte und siebzehn Jahre König war. Nach diesem kommt sein Sohn ‹Abd‹a∨start, der neununddreißig Jahre lebte und neun Jahre König war. Auf diesen verübten die vier Söhne seiner Amme einen Anschlag und töteten ihn; von ihnen wurde der Älteste König: Metu‹a∨start, der Sohn des Dele‹a∨start (?), welcher vierundfünfzig Jahre lebte und zwölf Jahre König war. Nach diesem kommt sein Bruder ‹A∨starum, der achtundfünfzig Jahre lebte und neun Jahre König war. Dieser wurde von seinem Bruder Pelles getötet, der, nachdem er die Königsherrschaft übernommen hatte, acht Monate herrschte, fünfzig Jahre alt geworden. Diesen beseitigte Itoba‹al, der Priester der ‹A∨start, der achtundvierzig Jahre lebte und zweiunddreißig Jahre König war. Diesem folgte sein Sohn Ba‹al‹ezor, der fünfundvierzig Jahre lebte und sechs Jahre König war. Dessen Nachfolger wurde sein Sohn Metten, der zweiunddreißig Jahre lebte und neunundzwanzig Jahre König war. Dessen Nachfolger wurde Phygmalion, der achtundfünfzig Jahre lebte und siebenundvierzig Jahre König war. Im siebten Jahr seiner Herrschaft nun erbaute seine Schwester, die geflohen war, in Libyen eine Stadt, Karthago. Es beläuft sich der gesamte Zeitraum von der Regierungszeit des Hiroms bis zur Gründung Karthagos auf 155 Jahre und acht Monate. Da aber im zwölften Jahr seiner Herrschaft der Tempel in Jerusalem erbaut wurde, verstrichen von der Erbauung des Tempels bis zur Gründung Karthagos 143 Jahre und acht Monate. Was also sollte man jetzt noch von dem Geschichtszeugnis aus dem phönizischen Bereich weiter hinzufügen? Man sieht doch, dass die Wahrheit kräftig und einmütig bezeugt wird und dass der Errichtung (jenes) Tempels die Ankunft unserer Vorfahren in das Land offenkundig weit vorangeht; als sie es nämlich durch einen Krieg ganz in Besitz genommen hatten, da (erst) errichteten sie den Tempel. Und dies ist klar aus den heiligen Schriften von mir erwiesen worden in meiner Altertumskunde.
Ich werde aber nunmehr auf das zu sprechen kommen, was bei den Chaldäern über uns aufgeschrieben und berichtet ist, und worin große Übereinstimmung, auch in den anderen Dingen, mit unseren Schriften besteht. Zeuge aber dafür ist Berosos, ein Chaldäer zwar von Abstammung, bekannt aber den Gebildeten: Er ist ja derjenige, der sowohl über die Astronomie als auch über die philosophischen Lehren der Chaldäer den Griechen die (einschlägigen) Schriften vermittelte. Dieser Berosos also hat im Anschluss an die ältesten Aufzeichnungen über das Ereignis der Überschwemmung und die in ihr geschehene Vernichtung der Menschen gerade so wie Mose berichtet, insbesondere über den Kasten, in dem Noah, der Urvater unseres Volkes, gerettet wurde, als dieser an den Gipfeln der armenischen Berge auflief. Bei der anschließenden Aufzählung der Nachkommen Noa.hs fügte er ihnen Zeitangaben bei, und wo er zu Nabopalassar kommt, dem König Babylons und der Chaldäer und dessen Taten berichtet, sagt er auch, wie er seinen Sohn Nebukadnezar mit einer großen Streitmacht gegen Ägypten und gegen unser Land entsandte, da er von ihrem Abfall erfahren hatte, und wie er sie alle besiegte und den Tempel in Jerusalem in Brand steckte und wie er unsere gesamte Bevölkerung deportierte und nach Babylon umsiedelte. Es geschah aber, dass auch die Stadt (Jerusalem) entvölkert wurde für eine Zeit von siebzig Jahren bis zu Kyros, dem ersten Perserkönig. Der Babylonier aber, sagt Berosos, habe Ägypten, Syrien, Phönizien und Arabien unterworfen, und darin alle, die vor ihm über Chaldäer und Babylonier König waren, übertroffen. Ich werde nun Berosos wörtlich zitieren; er sagt es so:
Als aber sein Vater Nabopalasar gehört hatte, dass der (neu) eingesetzte Satrap sowohl in Ägypten als auch im Gebiet von Coelesyrien und Phönizien abtrünnig geworden war, da er selbst nicht mehr Strapazen auf sich nehmen konnte, unterstellte er seinem noch jugendlichen Sohn Nabukodrosor einige Abteilungen seiner Streitmacht und ließ ihn gegen ihn zu Felde ziehen. Beim Zusammenstoß mit dem Abtrünnigen in voller Schlachtordnung vermochte Nabukodrosor ihn zu besiegen und das Gebiet von neuem unter seine Herrschaft zu bringen. Genau zu dieser Zeit fügte es sich, dass sein Vater Nabupolassar in Babylon krank wurde und aus dem Leben schied, nachdem er einundzwanzig Jahre lang König gewesen war. Kurz darauf erfuhr Nabukodrosor vom Tode seines Vaters, ordnete die Verhältnisse in Ägypten und im übrigen Gebiet und überstellte die Kriegsgefangenen aus den Judäern, Phöniziern, Syrern und den Volksgruppen in Ägypten einigen seiner Vertrauten mit dem Auftrag, sie nebst den schwerstbewaffneten Truppenteilen und dem übrigen Tross nach Babylonien zu bringen; er selbst eilte mit nur wenig Begleitung durch die Wüste nach Babylonien. Er übernahm die (Staats-) Geschäfte, die von den Chaldäern verwaltet wurden, sowie die Königsherrschaft, die vom Ranghöchsten unter ihnen versehen wurde, bemächtigte sich so der ungeschmälerten väterlichen Machtfülle und ordnete an, den eingetroffenen Kriegsgefangenen Wohnsitze in den geeignetsten Gegenden Babyloniens zuzuweisen; er selbst aber schmückte aus der Kriegsbeute das Heiligtum Bels und die übrigen (Tempel) prächtig aus; die ursprüngliche Stadt erneuerte er und eine weitere baute er von außen vor, so dass etwaige Belagerer nicht mehr durch Aufstauen des Flusses (einen Anschlag) auf die Stadt ins Werk setzen konnten, und ließ drei Umfassungsmauern um die innere Stadt, sowie drei um die Vorstadt anlegen, die einen davon aus gebrannten Ziegeln und Asphalt, die anderen aus bloßen Ziegeln. Nachdem er die Stadt in bemerkenswerter Weise mit Mauern befestigen und die Torbauten hatte ausschmücken lassen wie es Heiligem gebührt, ließ er zusätzlich zu dem Königspalast des Vaters einen anderen, der daran anstieß, errichten, dessen Größe und übrige Pracht darzulegen wohl zu weitläufig sein wird, außer dass er, wiewohl von überragenden und großartigen Ausmaßen, doch innerhalb von fünfzehn Tagen fertiggestellt wurde. Nachdem er in diesem Palast hohe Aufbauten aus Stein hatte errichten lassen und sein Aussehen so dem Gebirge sehr ähnlich gemacht hatte, bepflanzte er diese mit vielen Baumarten und brachte so den so genannten hängenden Garten zustande - seiner Frau zuliebe, die sich das Gebirge als Umgebung wünschte, da sie in Medien aufgewachsen war.
Dies also hat Berosus so über den gerade genannten König berichtet und viel anderes dazu im dritten Buch seiner Chaldäischen Geschichte, in dem er die griechischen Schriftsteller kritisiert, weil sie wähnten, die Assyrerin Semiramis habe Babylon gegründet und die wunderbaren Bauwerke rings um Babylon fälschlich als von ihr errichtet angäben. Auch hierin muss man den Bericht der Chaldäer für glaubwürdig halten, um so mehr, als sich auch im Archiv der Phönizier Aufzeichnungen finden, die mit dem von Berosos Mitgeteilten übereinstimmen, was den König der Babylonier betrifft, dass er sich nämlich sowohl Syrien als auch Phönizien vollständig unterworfen hat. Darin jedenfalls stimmt auch Philostratos überein, wenn er in seinen Berichten die Belagerung von Tyros erwähnt, und Megasthenes im vierten Buch seiner Indischen Geschichte, in dem er darzustellen versucht, dass der gerade genannte babylonische König den Herakles an Tapferkeit und Größe der Taten übertroffen habe; er sagt nämlich, dass er sich auch den größeren Teil Libyens sowie Iberien unterworfen habe. Das vorher über den Tempel in Jerusalem Gesagte, dass er niedergebrannt wurde von den Babyloniern, welche die Stadt angegriffen hatten, dass aber sein Wiederaufbau begann, als Kyros die Herrschaft über Asien ergriffen hatte, dies wird klar erwiesen werden aus (folgenden) Stellen in den Schriften des Berosos; es heißt nämlich in seinem dritten Buch:
Was Nebukadrezar betrifft, so wurde er nach dem Beginn des erwähnten Mauerbaus von einer Krankheit befallen und schied aus dem Leben, nachdem er dreiundvierzig Jahre lang König gewesen war; Inhaber der Königswürde wurde sein Sohn Evilmerodach. Dieser, der seine Regierung gesetzlos und ausschweifend gehandhabt hatte, wurde in einem Anschlag von dem Mann seiner Schwester, Neriglisar, getötet, nachdem er zwei Jahre lang König gewesen war. Nach dessen Ermordung übernahm der, welcher auf ihn den Anschlag ausgeführt hatte, Neriglisar, die Herrschaft und war vier Jahre lang König. Dessen Sohn Laborosoardoch wurde noch als Knabe König für neun Monate; er fiel aber einem Anschlag zum Opfer, weil er viele schlechte Charaktereigenschaften erkennen ließ; seine Vertrauten beseitigten ihn gewaltsam. Nachdem dieser umgekommen war, versammelten sich die Attentäter und übertrugen gemeinsam die Königswürde einem gewissen Naboned, der zu den Babyloniern gehörte/aus Babel war, zu derselben Verschwörergruppe. Unter diesem wurden die flussseitigen Mauern, der babylonischen Hauptstadt, in prächtiger Weise aus gebrannten Ziegeln und Asphalt verstärkt. Im siebzehnten Jahr von dessen Herrschaft zog Kyros mit einer großen Streitmacht aus Persien heraus und rückte nach der Unterwerfung des gesamten restlichen Asien auch gegen Babylonien vor. Naboned bemerkte dessen Anmarsch, trat ihm mit seiner Streitmacht entgegen und lieferte ihm eine Schlacht; er unterlag, entkam mit wenigen Leuten und wurde in der Stadt Borsippa eingeschlossen. Kyros aber nahm Babylon ein und ordnete an, die äußeren Mauern der Stadt niederzureißen, weil die Stadt ihm allzu wehrhaft und uneinnehmbar erschien; dann zog er weiter gegen Borsippa, um (dort) Naboned durch Belagerung niederzuzwingen. Weil aber Naboned der Belagerung nicht standhielt, sondern sich vorher schon selbst ergab, zeigte sich Kyros großzügig und wies ihm Karmania als Exilwohnsitz zu; so verbannte er ihn aus Babylonien. Naboned nun verlebte den Rest seiner Zeit in jenem Land und beschloss dort sein Leben.
Dieser Bericht enthält in Übereinstimmung mit unseren Büchern die Wahrheit: Dort steht nämlich geschrieben, dass Nebukadnezar im 18. Jahr seiner Herrschaft unseren Tempel verwüstet hat und dieser über fünfzig Jahre nicht mehr existierte; im zweiten Jahr der Herrschaft des Kyros seien jedoch die Fundamente neu gelegt worden, und ebenfalls im zweiten Jahr der Herrschaft des Dareos sei er vollendet worden. Ich werde aber noch die Aufzeichnungen der Phönizier hinzufügen; denn keinesfalls sollte man die große Fülle der Beweise unbeachtet lassen; dort ist die Zeitrechnung folgende: Zur Zeit des Königs Itoba‹al belagerte Nebukadnezar Tyros über 13 Jahre hin. Nach diesem war ba‹al 10 Jahre lang König. Nach diesem wurden Richter eingesetzt, und es sprachen Recht Edniba‹al, Sohn des Ba‹al∨slek zwei Monate, Keleb, Sohn des ‹Abdai zehn Monate, Abba‹al der Hohepriester drei Monate; Mutton und Ger‹a∨start, Söhne des ‹Abdelim, waren sechs Jahre lang Richter; zwischen ihnen war Ba‹altor für ein Jahr König. Nach dessen Tod ließen sie durch Gesandte Merba‹al aus Babylon zu sich kommen, und er war vier Jahre lang König. Nach dessen Tod ließen sie seinen Bruder Hirom kommen, der zwanzig Jahre lang König war. Zu dessen Zeit gelangte Kyros zur Herrschaft über die Perser.
So beläuft sich doch der gesamte Zeitraum auf vierundfünfzig Jahre und drei Monate; im siebten Jahr seiner Herrschaft nämlich begann Nebukadnezar, Tyros zu belagern, im vierzehnten Jahr der Herrschaft des Hirom wiederum übernahm der Perser Kyros die Macht. Es harmonieren also bezüglich des Tempels mit unseren Schriften diejenigen der Chaldäer und Tyrer, anerkannt und unanfechtbar ist vollends aufgrund des von mir Angeführten die Bezeugung des Alters unseres Volkes. Denen jedenfalls, die nicht ganz und gar rechthaberisch sind, wird, wie ich glaube, das bisher Gesagte genügen.
2. Hauptteil (1:161-218): Das Zeugnis griechischer Autoren für die Juden
So bleibt nur noch, denen, die den Aufzeichnungen der Barbaren keinen Glauben schenken, sondern nur diejenigen der Griechen glaubwürdig finden, ihr Verlangen zu erfüllen und darzulegen, dass auch von diesen viele unser Volk kennen und, wie sich ihnen die Gelegenheit ergab, es auch erwähnen in ihren eigenen Schriften. Pythagoras von Samos jedenfalls, einer der Klassiker, der in dem Ruf steht , an Weisheit und Gottesverehrung alle zu übertreffen, die jemals Philosophie trieben, erweist sich nicht nur als informiert über unsere eigenen Überlieferungen, sondern auch als einer, der größtenteils nach ihnen zu leben suchte. Von ihm gibt es zwar keine authentische Schrift, doch haben viele über ihn berichtet; von diesen der bekannteste ist Hermippos, ein Mann, der auf allen Gebieten Forschung trieb. Der nun sagt in dem ersten seiner Bücher über Pythagoras, dass Pythagoras, als einer seiner Lebensgefährten gestorben war, Kalliphon mit Namen, aus Kroton gebürtig, von dessen Seele sagte, sie sei um ihn bei Tag und bei Nacht; sie mahne ihn beständig, keinen Ort zu überqueren, auf dem ein Esel sich niedergelassen habe, und sich stehenden Wassers zu enthalten und jeder Blasphemie. Danach macht er noch folgenden Zusatz: "So handelte und sprach er, indem er Auffassungen der Juden und der Thraker nachahmte und auf sich übertrug." - Man sagt ja ganz richtig, dass jener Mann vieles von den Bestimmungen der Juden in seine Philosophie übernommen habe. Doch war auch in diversen Städten unser Volk von Alters her nicht unbekannt, und vieles von unseren Gebräuchen war schon bis zu einigen von ihnen durchgedrungen und galt in manchen als nachahmenswert. Das macht Theophrast deutlich in seinem Werk Über Gesetze; er sagt nämlich, die Gesetze der Tyrer verwehrten es, fremdländische Eide zu schwören - unter welchen er neben einigen anderen auch den so genannten Korban-Eid aufzählt: Bei niemandem dürfte sich dieser sonst noch finden als allein bei den Juden; und zwar bedeutet (das Wort) aus dem Hebräischen übersetzt so etwas wie "Geschenk an Gott". Ja auch Herodot von Halikarnassos hat unser Volk keineswegs ignoriert, sondern erwähnt es offenbar in indirekter Form; in seinem Bericht über die Kolcher im zweiten Buch sagt er nämlich so:
Von allen Völkern sind die Kolcher, die Ägypter und die Äthiopier die einzigen, die sich von jeher die Geschlechtsorgane beschneiden. Die Phönizier hingegen und die Syrer Palästinas geben zu, dies ihrerseits von den Ägyptern gelernt zu haben. Die Syrer aber, die im Flusstal des Thermodon und des Parthenios siedeln, sowie die Makroner, ihre Nachbarn, geben an, dies unlängst von den Kolchern gelernt zu haben. Das also sind die einzigen unter den Menschen, die sich beschneiden, und sie tun es offenbar nach dem Vorbild der Ägypter. Von den Ägyptern selbst jedoch und von den Äthiopiern kann ich nicht sagen, wer es von den anderen gelernt hat.
Er sagt also, die Syrer Palästinas würden sich beschneiden: doch von den Bewohnern Palästinas sind die einzigen, die dies tun, die Juden; folglich spricht er in Kenntnis dieser Dinge (eigentlich) über sie. Auch Choerilos ferner, ein recht früher Dichter, erwähnt von unserem Volk, dass es mit dem Perserkönig Xerxes gegen Griechenland in den Krieg gezogen sei; nach der Aufzählung all der Völkerschaften hat er als letzte auch die unsere einbezogen in den Worten:
Hinter denselben marschierte ein Volk von seltsamem Anblick,
welches zwar im Munde die Sprache Phöniziens führte,
doch in Solymischen Bergen beim weiten Binnensee wohnte,
ringsum geschoren die struppigen Häupter; über den Schultern
trugen sie Häute von Pferdeköpfen, getrocknet im Rauche.
Da scheint mir nun für alle klar zu sein, dass er uns meint, da sowohl die Solymischen Berge, die wir bewohnen, sich in unserem Land befinden, wie auch der so genannte Asphalt-See; dieser ist nun einmal weiter und größer als alle Seeen Syriens.
Klearch von Soli begegnet einem jüdischen Weisen
Choerilos jedenfalls erwähnt uns in dieser Weise. Dass die Juden aber nicht nur bekannt waren, sondern auch bewundert wurden von denjenigen Griechen, die ihnen begegneten - und das waren nicht eben die verächtlichsten, sondern die wegen ihrer Weisheit am meisten bestaunten -, ist leicht festzustellen. Denn Klearchos, der Schüler des Aristoteles, der unter den Philosophen des Peripatos keinem nachsteht, sagt im ersten Buch Über den Schlaf, Aristoteles, sein Lehrer, habe über einen Juden folgendes berichtet, wofür er Aristoteles selbst in wörtlicher Rede anführt; so steht es geschrieben:
"Nun, das alles zu sagen, wäre zu lang; was aber an diesem (Menschen) Staunenerregendes und Philosophisches ist, das darzustellen kann nicht verkehrt sein. Du sollst jedoch klar wissen, Hyperochides, es wird dir wie ein Traum vorkommen, was ich sage." Darauf Hyperochides respektvoll: "Eben darum begehren wir alle, es zu hören." "Also," sprach Aristoteles, "lasst uns nach der Vorschrift der Rhetoriker erst seine Abstammung genauer angeben, um nicht ungehorsam zu sein gegenüber den Lehrern der berichteten Rede." "Sage es," antwortete Hyperochides, "wenn es dir so recht ist!" "Jener also", sprach er, "war seiner Abstammung nach ein Jude aus Coelesyrien. Dies aber sind Abkömmlinge der Philosophen Indiens. Es heißen aber dem Vernehmen nach bei den Indern die Philosophen Kalanoi, bei den Syrern aber Ioudaioi, von der Region her so genannt; denn die Region, die sie bewohnen, heißt Judäa. Der Name ihrer Stadt ist ganz bizarr: Sie nennen sie Hierusal¯em¯e'. Dieser Mensch nun, der bei Vielen als Gast weilte und aus dem Binnenland allmählich zur Küstengegend herabkam, war griechisch nicht nur in seiner Sprache, sondern auch in seinem Denken. Zu der Zeit nun, als wir uns in Asien aufhielten, suchte dieser Mensch dieselbe Gegend auf, traf uns und einige andere Bildungsbeflissene und stellte ihre Weisheit auf die Probe. Als einer, der mit vielen Gebildeten vertraut geworden war, gab er uns (noch) eher etwas von dem Seinen ab."
Solches spricht Aristoteles bei Klearchos, und zusätzlich stellt er die große und ausführlich erstaunliche Disziplin des jüdischen Mannes in seiner Lebensführung dar und seine Selbstbeherrschung. Wer will, kann die vollere Information aus dem Buch direkt erhalten; ich jedenfalls hüte mich, mehr als nötig hierher zu setzen.
Die Nachricht des Hekataeos über die Juden
Klearchos also sagt dies in einem Exkurs - sein Thema war ein anderes; immerhin erwähnt er uns auf diese Weise. Hekataeos von Abdera aber, Philosoph und zugleich sehr tüchtig in der Praxis, der gleichzeitig mit König Alexander wirkte und (noch) Zeitgenosse des Ptolemaeos, Sohn des Lagos, war, hat nicht nur nebenbei, sondern speziell über die Juden ein Buch geschrieben, aus dem ich summarisch einiges dort Berichtete durchgehen möchte. Und zwar will ich zunächst das Datum klarstellen: Er erwähnt die Schlacht des Ptolemaeos gegen Demetrios bei Gaza; diese ereignete sich im elften Jahr nach Alexanders Tod sowie in der hundertsiebzehnten Olympiade, wie Kastor mitteilt. Unter der Überschrift dieser Olympiade sagt er nämlich: "In dieser besiegte Ptolemaeos, Sohn des Lagos, bei Gaza im Kampf Demetrios, Sohn des Antigonos, mit dem Beinamen Poliorketes." Von Alexander geben alle einhellig an, er sei gestorben in der hundertvierzehnten Olympiade. So ist nun klar, dass sowohl zu seiner wie des Alexander Zeiten unser Volk in Blüte stand. Nun sagt Hekataeos wiederum, dass nach der Schlacht in Gaza Ptolemaeos sich des syrischen Raumes bemächtigte und dass viele Menschen, die von der Milde und Menschenliebe des Ptolemaeos erfuhren, mit ihm nach Ägypten ziehen und an seinen Aktivitäten teilnehmen wollten:
Unter diesen war einer, .Hezekia, Oberpriester der Juden, ein Mann von etwa sechsundsechzig Jahren, hochgeschätzt bei seinen Volksgenossen und mit besonderen Verstandesgaben versehen, zusätzlich auch redegewandt und praxiserfahren wie kein anderer. Und zwar ist die Gesamtzahl der Priester der Juden, die den Zehnten der Erträge empfangen und die gemeinsamen Angelegenheiten verwalten, ungefähr tausendfünfhundert.
Wieder zurückkommend auf den eben genannten Mann, sagt er:
Dieser Mensch, dem solche Ehre zuteil geworden und der unser Gefährte geworden war, nahm Einige aus seiner eigenen Begleitung mit sich und las ihnen sowohl die ganze Einstufungsliste vor; diese enthielt nämlich ihr Siedlungsgebiet und ihre Bürgerrechte verzeichnet...
Hekataeos über jüdische Gesetzestreue
Danach macht Hekataeos wiederum deutlich, wie wir uns zu unseren Gesetzen verhalten - dass es uns lieber ist, alles (Erdenkliche) zu ertragen, um diese nicht zu übertreten, und dass wir hierin etwas Gutes sehen:
Schließlich können sie selbst durch Schmähungen ihrer Anrainer und aller, die in ihr Land kommen, oder durch häufige Anwürfe von Seiten der persischen Könige und Satrapen in ihrer Gesinnung nicht wanken gemacht werden; sondern nackt ausgezogen, ertragen sie um deretwillen sowohl Verhöhnungen, wie auch allerschlimmste Todesarten, ohne die väterlichen Gesetze zu verleugnen.
Er liefert nicht wenige Beweise der Gesinnungstreue in Bezug auf unsere Gesetze; so sagt er, es hätten, als Alexander einst in Babylon weilte und sich vornahm, das eingestürzte Heiligtum des Bel wieder benutzbar zu machen, und allen seinen Soldaten gleichermaßen Befehl gab, den Schutt wegzutragen, nur die Juden nicht darauf gehört, sondern viele Schläge hingenommen und große Strafen erduldet, bis der König Nachsicht zeigte und ihnen Straffreiheit gewährte. Er sagt:
Ferner, als die Leute, die zu ihnen in ihr Land kamen, Tempel und Altäre erbaut hatten, rissen sie diese sämtlich nieder; dafür haben sie teils den Satrapen volle Strafe zahlen müssen, teils jedoch auch Nachsicht erfahren.
Und er fügt hinzu, dass man sie zu Recht dafür bewundern muss. Er spricht des weiteren über das sehr starke Anwachsen unseres Volkes:
Viele Zehntausende von uns waren zuvor durch die Perser gewaltsam nach Babylon umgesiedelt worden; nicht wenige Zehntausende sind ferner nach dem Tod Alexanders nach Ägypten und Phönizien ausgewandert wegen der Unruhen in Syrien.
Nachrichten des Hekataeos über Judäa und Jerusalem
Dieser selbe Mann berichtet auch über die Größe des Landes, das wir bewohnen, und seine Schönheit; er sagt:
Beinahe drei Millionen Aruren besten und an allen Früchten ertragreichsten Landes bewohnen sie; so weiträumig ist Judäa.
Ja, dass wir auch die derart schöne und große Stadt, Jerusalem, von jeher bewohnen, sowie über ihre Fülle an Menschen und über die Beschaffenheit des Tempels äußert sich derselbe Autor folgendermaßen:
Die Judäer haben viele Festungen übers Land verteilt und Dörfer sowie eine befestigte Stadt, ungefähr fünfzig Stadien im Umfang, die von hundertzwanzigtausend Menschen bewohnt wird; sie nennen sie Hierosolyma. Dort ist ungefähr in der Mitte der Stadt eine steinerne Umfassung, etwa fünf Plethren in der Länge und hundert Ellen in der Breite, mit doppelten Toren, innerhalb welcher sich ein viereckiger Altar befindet aus unbehauenen, zusammengelesenen Rohsteinen, einfach zusammengesetzt, von dem jede Seite zwanzig Ellen misst, die Höhe aber zehn Ellen. Und neben ihm (steht) ein großes Gebäude, worin (gleichfalls) ein Altar ist und ein Leuchter, beide golden, zwei Talente schwer. Auf diesen befindet sich ein unauslöschliches Licht bei Nacht und bei Tag. Es gibt jedoch keine Bildsäule, überhaupt keine Weihegabe und nichts wie eine heilige Anpflanzung von der Art eines Haines oder etwas Derartiges. In dem (Gebäude) aber halten sich Nacht und Tag Priester auf, die bestimmte Reinigungsriten vollziehen; und Wein trinken sie im Heiligtum überhaupt nicht.
Ein weiteres (Ps.-)Hekataeos-Zeugnis: Die Mo∨sollam-Episode
Ferner, dass sie auch mit König Alexander zu Felde zogen und danach mit seinen Diadochen, bezeugt er. Was er nach seiner Aussage selbst miterlebt hat als (Tat) eines Juden auf diesem Feldzug, das will ich hierher setzen. Er spricht folgendermaßen:
Als ich auf das Rote Meer zumarschierte, begleitete mich einer in der Gruppe von Reitern, die uns Geleit gaben, ein Jude mit Namen Mo∨sollam, ein Mensch von besonderer Sinnesschärfe und ein Bogenschütze, über den alle Griechen wie Nichtgriechen (auf diesem Feldzug) einig waren, er sei der beste. Dieser Mensch nun - es zogen viele die Straße entlang, und irgendein Wahrsager hielt Vogelschau und bat alle, stehen zu bleiben - fragte, warum sie warteten. Als der Wahrsager ihm den Vogel zeigte und sagte, wenn er auf der Stelle bliebe, sei es gut für alle, auch zu bleiben, wenn er jedoch weiterflöge - zu gehen, flöge er zurück - wieder zurückzugehen, da sagte er nichts, spannte nur den Bogen, schoss, traf und tötete den Vogel. Auf die Entrüstung des Wahrsagers und einiger anderer und auf ihre Verwünschungen gegen ihn entgegnete er: "Was seid ihr so außer euch, ihr Unseligen?" Dann nahm er den Vogel in die Hände und sagte: "Wie hätte wohl dieser, der (das für) sein eigenes Heil (Nötige) nicht voraussah, uns etwas Gescheites sagen können über unseren Marsch? Wäre er in der Lage gewesen, die Zukunft im voraus zu erkennen, wäre er nicht hierher gekommen; er hätte befürchtet, es töte mit seinem Bogen ihn Mo∨sollam, der Jude."
Das Zeugnis des Agatharchides von Knidos
Damit genug von den Zeugnissen des Hekataeos; wer mehr wissen will, kann leicht das Buch selbst einsehen. | 3.609375 | 3.296875 | 3.890625 |
95c086d2c5bc3d5e87d0a62dc684e630 | Allgemeines
Zusammen mit den Eltern begleiten wir unsere Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg in Studium und Beruf. Wir suchen den Austausch zwischen Schule und Wirtschaft und vermitteln mit Hilfe von Unternehmen, Verwaltung und Bildungseinrichtungen der Region vielfältige Einblicke in betriebliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge.
In den Jahrgängen 5-9 erleben die Schülerinnen und Schüler an dem bundesweiten Zukunftstag die Arbeitswirklichkeit in einem Unternehmen oder in einer Verwaltung. Die Teilnahme am Zukunftstag ist als eine wesentliche Maßnahme der Berufsorientierung am AMG verbindlich.
Das Fach Politik-Wirtschaft wird erstmalig im Jahrgang 8 unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler unternehmen erste Schritte in die systematische Erkundung ihrer persönlichen Interessen und Talente. Dabei kommen Kompetenzfeststellungsverfahren und Potenzialanalysen wie z.B. Profil AC zur Anwendung. Außerdem beginnen sie ihre persönlichen Erfahrungen und Arbeitsergebnisse zu dokumentieren. Dabei greifen wir auf den bundesweit bewährten Berufswahlpass zurück.
Zusätzlich zum Zukunftstag und zu weiteren Modulen der Potenzialanalysen werden im Deutschunterricht des Jahrgangs 9 Grundkenntnisse rund um das Thema Bewerbungen vermittelt.
Im Jahrgang 10 werden die zuvor erworbenen Kenntnisse vertieft. Hierbei unterstützen externe Referenten die Bewerbungstrainings mit ihrer Expertise und geben praxisnahe Tipps. Die Schülerinnen und Schüler können z.B. ihre selbst formulierten Bewerbungsanschreiben von Experten begutachten lassen und ggf. für ihr im 11. Jahrgang anstehendes Betriebspraktikum nutzen. Außerdem sind für die einzelnen Klassen des 10. Jahrgangs Besichtigungen hiesiger Betriebe in und um Friesoythe sowie der Besuch der Ausbildungsbörse des örtlichen Handels- und Gewerbevereins geplant. Auf freiwilliger Basis können Interessierte in den Osterferien Praxiserfahrungen im sozialen Bereich sammeln. Wir kooperieren hier mit dem Projekt Szenenwechsel, das Caritas und Diakonie zusammen mit der Evangelischen Jugend Oldenburg (ejo) und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend Oldenburg (bdkj) ins Leben gerufen haben. Schließlich stellt sich der/die für uns zuständige Berufsberater/in der Bundesagentur für Arbeit den Schülerinnen und Schülern in den einzelnen Klassen vor und steht ihnen mit festen Sprechzeiten bei uns im Haus zuverlässig zur Verfügung.
Das zweiwöchige Betriebspraktikum absolvieren die Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs i.d.R. in den letzten beiden Wochen vor den Osterferien. Die Suche der Praktikumsstelle erfolgt selbstständig und in Absprache mit dem/der unterrichtenden Politiklehrer/in bzw. dem Praktikumsleiter des AMG. Am Ende verfassen die Schülerinnen und Schüler eine schriftliche Ausarbeitung auf der Grundlage ihrer Praktikumserfahrungen. Diese wird bewertet und ersetzt eine Klausur im Fach Politik-Wirtschaft.
Im 11. und 12. (künftig 12. und 13.) Jahrgang werden die Schülerinnen und Schüler kursweise und in Einzelgesprächen von dem Studienberater der Arbeitsagentur in Vechta beraten.
Zusätzlich zu den Pflichtveranstaltungen erhalten die Schülerinnen und Schüler vom 10. Jahrgang an Hinweise auf Bildungsmessen und Vortragsveranstaltungen, an denen sie freiwillig und selbstorganisiert teilnehmen können. Im 11. und 12. Jahrgang können sie einen freiwilligen Berufseignungstest machen.
Die Politik/Wirtschaftskurse erhalten Gelegenheit zur Teilnahme an wirtschaftlich orientierten Planspielen. Politisch und sprachlich interessierte Schülerinnen und Schüler können an der Model UN in Oldenburg teilnehmen. Für Schülerinnen und Schüler, die sich für medizinische Berufe interessieren, wird in jedem Jahr ein Chirurgie-Workshop in Zusammenarbeit mit dem St. Marien-Krankenhaus Friesoythe angeboten.
Der Szenenwechsel des Landes-Caritasverbandes und des Diakonischen Werkes der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg bietet Jugendlichen ab 15 Jahren die Möglichkeit, für eine Woche in den Osterferien in sozialen einrichtungen zu hospitieren und mitzuhelfen.
Schülerinnen und Schüler, die nach dem Abitur ein Orientierungsjahr absolvieren wollen, erhalten Hinweise auf die entsprechenden Organisationen.
Betriebspraktikum
Das Betriebspraktikum in Jahrgang 11 ist eine große Chance, einen Einblick in die Arbeitswelt zu gewinnen. Es wird in den Fächern Politik/Wirtschaft vor- und nachbereitet; das Bewerbungsschreiben ist auch in dem Fach Deutsch Gegenstand des Unterrichts. Für Organisation und Auswertung des Betriebspraktikums gelten folgende Regelungen.
Organisation
- Die Schülerinnen und Schüler kümmern sich ab Klasse 10 darum, geeignete Praktikumsplätze zu finden. Die Fachlehrkraft berät und entscheidet in Absprache mit dem Praktikumsleiter, ob der Platz geeignet ist.
- Ziel des Praktikums ist es, die Arbeitswelt kennenzulernen. Die konkrete Berufsorientierung ist zweitrangig.
- Praktikumsbetriebe werden so gewählt, dass sie für die Schülerinnen und Schüler vom Wohnsitz oder von der Schule aus zumutbar erreichbar sind und eine schulische Betreuung sichergestellt werden kann (in der Regel höchstens 40 Kilometer von Friesoythe). Über den Besuch weiter entfernt liegender Praktikumsbetriebe entscheidet die Schule. Die hierbei entstehenden Kosten für die Schülerbeförderung tragen die Erziehungsberechtigten.
- Das Praktikum soll nicht im elterlichen Betrieb oder in einem Betrieb, in dem die Eltern tätig sind, stattfinden.
- Ein Praktikum in weiterführenden Schulen ist nicht zulässig.
- Die betreuende Lehrkraft besucht in Abstimmung mit dem Praktikumsleiter die Schülerin/den Schüler im Betrieb und spricht dabei auch mit der zuständigen betrieblichen Betreuerin/dem zuständigen betrieblichen Betreuer. In der Regel reicht ein Besuch.
- Praktikantinnen und Praktikanten, die in Einrichtungen tätig sind, in denen Lebensmittel hergestellt, behandelt oder in Verkehr gebracht werden, müssen an einer Unterweisung teilnehmen, die vom Gesundheitsamt Cloppenburg durchgeführt wird.
Schülerinnen und Schüler, die ihr Praktikum im Landkreis Cloppenburg außerhalb von Friesoythe ableisten, können die entsprechenden Antragsvordrucke (Doppelkarten) für die Inanspruchnahme öffentlicher Verkehrsmittel entweder über die Fa. Hanekamp Busreisen, Cloppenburg, oder über das Sekretariat des Albertus-Magnus-Gymnasiums beziehen. In der Regel führen auch die Busfahrer die entsprechenden Vordrucke mit sich.
Schülerinnen und Schüler, die ein Praktikum im Landkreis Oldenburg, der Stadt Oldenburg und den angrenzenden Gemeinden bestreiten, finden die entsprechenden Antragsformulare mit allen erforderlichen Hinweisen und Hilfestellungen hier.
Schülerinnen und Schüler , die ihren Praktikumsplatz wegen fehlender Bus-/Bahnverbindungen über anderweitige Verkehrsmittel (Privat-PKW, Motorrad, Moped, Fahrrad) erreichen, finden den entsprechenden Antrag auf Erstattung der notwendigen Aufwendungen mit allen erforderlichen Hinweisen hier.
In allen Fällen bestätigt die Schule die getroffenen Angaben zu dem Praktikumsplatz durch Schulstempel und Unterschrift des Praktikumsleiters.
Verantwortlich für die Richtigkeit der Angaben (Entfernung von der Wohnung zum Praktikumsplatz, Häufigkeit der in Anspruch genommenen Fahrten etc.) wie auch die Antragstellung sind ausnahmslos die Antragsteller (Eltern/Erziehungsberechtigte).
Praktikumsmappe
Zur Vor- und Nachbereitung des Praktikums wird eine Praktikumsmappe geführt.
- In der Praktikumsmappe sollen die Erwartungen an das Praktikum enthalten sein. Diese Erwartungen sind vor dem Praktikum zu verfassen. Dabei soll sich die Schülerin/der Schüler mit dem Betrieb beschäftigen und darlegen, was sie/er im Praktikum lernen oder erfahren möchte.
- Die Mappe soll eine schriftliche Bewerbung für den Praktikumsplatz enthalten.
- Im Protokoll reicht es in der Regel, einen typischen Arbeitstag ausführlich zu beschreiben.
- Zentral ist der Bericht. Dabei kann die Schülerin/der Schüler z. B.auf Folgendes eingehen: Struktur des Unternehmens, Ausbildungsmöglichkeiten, Berufe im Unternehmen, Reflexion eigener Beobachtungen und Erkundungen.
- Die Erstellung der Praktikumsmappe ist eine gute Vorbereitung auf die in der Oberstufe zu erstellende Facharbeit.
- Die Praktikumsmappe ersetzt die schriftliche Lernkontrolle im Fach Politik/Wirtschaft im zweiten Halbjahr der Klasse 10.
Formulare
Rechtsgrundlage | 3.375 | 3.796875 | 3.140625 |
536ff9c507d934ba8cfa82ba48d11c34 | 1) Von was müssen wir MENSCHEN GERETTET werden?
2) Bist du schon auf dem ERRETTUNGSWEG?
3) Hast du FRIEDEN mit GOTT & kennst du GOTT persönlich?
Friede sei mit dir lieber Leser oder liebe Leserin. Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen dass das Wort Gottes uns lehrt dass alle Menschen Verbrecher sind, also Sünder Römer 3; 23, jeder Mensch der in seinem Leben also nur einziges mal gelogen hat oder etwas gestohlen hat und wenn es nur ein illegaler Download aus dem Internet war oder wenn jemand nur einmal Unzucht getrieben hat (Sex vor der Ehe) ist somit schuldig, Jesus sagte sogar; wer eine Frau nur mit Begierde ansieht hat im Herzen schon Ehebruch getan, 2.Mose 20; 1-17 & Matthäus 5; 27-28. Für manche mag es nicht so schlimm sein eventuell ab und an mal ein Lüge zu erzählen oder ein Lied illegal aus dem Internet runter zu laden oder Sex vor der Ehe zu haben oder Menschen zu begehren die nicht der eigene Ehepartner sind, doch es gilt zu verstehen das der Standard Gottes HEILIGKEIT ist, dieses hohe moralische Gesetz von dem in der Bibel die rede ist bei dem es sogar schon ein Verbrechen also eine Sünde ist wenn man nur in Gedanken einen anderen Menschen begehrt als seinen eigenen Ehepartner ist nicht von Gott ausgedacht worden, sondern dieses hohe moralische Gesetz basiert auf Gott selbst, Gott ist nämlich HEILIG, Gott ist vollkommen rein, so rein das für Gott sogar nur ein liebloser Gedanke gegen Gott oder seinen Nächsten Sünde ist, es sollte also erkennbar sein das wir alle vor dem heiligen einen Gott schuldig sind und Sünder in seinen Augen sind, egal also ob du selbst oder dein Nachbar wenn du einen hast alle sind schuldig vor dem heiligen dreieinen Gott soviel zu unserem Problem. Das Problem das die Menschheit nun hat könnte wie folgt formuliert werden: Gott ist gut und wir sind es nicht. Gott ist heilig und gerecht und kann als gerechter Richter nicht anders als gerecht richten. Wenn wir also aus der Sicht Gottes alle Verbrecher sind so zu sagen also Sünder, dann wäre eine wichtige Frage: Was können wir tun um nicht in die Hölle zu kommen, obwohl das rechtlich gesehen genau der Ort wäre den wir verdient hätten?!
Durch EIGENE GUTE WERKE kommt KEINER zu GOTT!
Jetzt gibt es viele Menschen und Religionen die der Meinung sind man könne durch gute Taten in den Himmel kommen und seine Sünden quasi abarbeiten oder zumindest müssen die guten die schlechten überwiegen, doch dass ist weit gefällt, das Wort Gottes lehrt uns, es ist unmöglich von sich aus die Gerechtigkeit zu erlangen die bei Gott wohlgefällig ist diese Gerechtigkeit die vor Gott zählt können wir niemals durch eigene Werke erreichen egal wie viele GUTE Taten wir auch machen würden, Gott sagt uns in der Bibel, es gibt nicht einen gerechten nicht einmal einen guten unter uns und hier zählt der Standard Gottes (vollkommene Heiligkeit, Gerechtigkeit und Liebe) und nicht die Standards dieser Welt. Römer 3; 11-12, Römer 3; 22-26.
Vor was müssen wir eigentlich GERETTET werden?
Kurz gesagt, vor uns selbst. Das Problem des Menschen ist seine sündige Natur und seine dadurch begangenen Sünden. Jetzt verhält es sich so, das Sünde den Menschen von Gott trennt Jesaja 59; 1-2. Weil der Mensch also ein Sünder, also so zu sagen ein Verbrecher in Gottes Augen ist, gibt es ein Problem für den Menschen. Das Problem das der sündige Mensch nun hat, ist, das Gott GUT ist Lukas 18;19, und genau dass ist die schlechte Nachricht in der Bibel für jeden Sünder, jetzt sagen einige vielleicht, häää was soll daran schlecht sein, die Antwort ist einfach; da GOTT GUT ist, das heißt Gott ist unter anderem HEILIG 3.Mose 19;2 und auch vollkommen GERECHT Psalm 145;17, kann Gott gar nicht anders als das er immer jede Sünde bestrafen muss und immer ein gerechtes Urteil fällen muss, egal also ob es sich um gute Taten handelt von uns oder schlechte, Gott wird gerecht richten. Gott kann also niemals ungerecht sein. Ich denke es ist sehr hilfreich zu wissen das Gott immer gerecht richtet, doch das Problem ist, wenn Gott immer gerecht richtet und wir auf der Anklage Bank sitzen und Gott alle Sünden von uns kennt, sogar alle Sünden die wir nur in Gedanken begangen haben, dann haben wir echt ein großes Problem vor einem heiligen, makelosen und grechten Richter.
Jetzt ist es aber so, das wenn wir vor Gottes Gericht sind es nichts bringt einfach zu sagen; ach lieber Gott, ich habe doch soviel gutes getan auf Erden kann ich nicht doch in den Himmel bitte? Stell dir mal vor jemand macht das vor einem WELTLICHEN GERICHT und sagt dann nach dem er jemand getötet hat zu dem Richter, ach Herr Richter, ich spende regelmäßig Geld an Menschen die es benötigen können und gebe Armen wenn ich kann was zu essen und vieles andere tue ich auch noch, können sich mich nicht einfach gehen lassen. Der Richter könnte eventuell sagen, es ist ja schön Herr Soundso wenn sie gute Taten machen, doch Herr Soundso sie sind nicht angeklagt wegen ihren guten Taten sondern wegen Ihren schlechten Taten und genau für die werden sie Ihr Urteil bekommen, und genauso ähnlich verhält es sich mit GOTT, wir haben SEIN GESETZ übertreten und nun sind wir schuldig und Gottes Gefängnis für Menschen die gesündigt haben ist ein Ort Namens HÖLLE und eines Tages dann geht es von der Hölle in den Feuersee. Es dürfte also klar sein das jeder Mensch ganz dringend dem besten Anwalt braucht den es gibt, einen Retter der den Mensch vor dem Zorn Gottes bewahrt sofern dieser Mensch ewiges Leben haben möchte und somit mit Gott leben möchte und vieles mehr Römer 5; 9. Wenn wir also alle schuldig sind und unsere guten Taten rein gar nichts bringen damit wir die makellose Gerechtigkeit haben die wir vor dem Gericht Gottes benötigen um zu bestehen, damit wir eben nicht in die Hölle und dann in den Feuersee kommen, wäre eine berechtigte Frag dann; wie soll dann überhaupt irgend ein Mensch EWIGES LEBEN BEKOMMEN UND GERETTET werden!???
DIE LIEBE GOTTES
Die Antwort ist: Wir brauchen einen Retter. Und jetzt kommen wir zu der guten Botschaft der Bibel. Gott hat etwas außergewöhnliches und einzigartiges gemacht um uns Rettung zur verfügung zu stellen. In der Bibel heißt es, das GOTT LIEBE ist 1.Johannes 4; 8, Gott ist also nicht nur heilig uns gerecht, sondern auch Liebe und vieles andere natürlich auch noch. Gott wusste also er muss uns für unsere Sünden verurteilen wegen seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit, weil er auch wusste das wir es nicht aus eigener Leistung schaffen können und da wieder raus zu holen, hat er einen Plan entworfen um uns alle vor seinem GERECHTEN ZORN zu retten damit er uns nicht in die Hölle und eines Tages in den Feuersee werfen muss. Sondern sein Wille ist es dass wir zu IHM in den HIMMEL kommen können und eines Tages dann in dem neuen Universum und der neuen Erde die Jesus machen wird mit dem dreinenen Gott auf dieser neuen Erde leben können wenn wir dies wollen. Da Gott aber nicht einfach seine Augen zu machen kann bei Sünden oder schummeln kann wie es Menschen können, musste jemand anders für alle Sünden der Menschheit bezahlen, es gab hier nur eine Antwort auf das Dilemma, und zwar GOTT selbst, GOTT hat in seiner LIEBE entschlossen seinen einzigen VOLLKOMMENEN UND HEILIGEN SOHN JESUS CHRISTUS (der wie der Vater und der Heilige Geist auch göttlich ist) auf die ERDE zu senden. Jesus kam dann vor nicht ganz 2000 Jahren auf diese Erde, die zweite Person des einen Gottes wurde also Mensch und Jesus lebte das perfekte Leben dass wir hätten leben sollen, also im perfekten gehorsam gegenüber Gott und somit vollkommen heilig, ohne eine einzige Unreinheit hat er gelebt und zu diesem Plan gehörte es das Jesus als unschuldige Mann den ganzen ZORN GOTTES abbekommt der uns hätte treffen sollen wegen all unserer Sünden. Zu Gottes Plan gehörte es dann auch das Jesus dann am Kreuz sterben sollte, dann sollte er begraben werden und am dritten Tag sollte er physisch von den Toten auferstehen und genau so ist es dann auch passiert. JESUS hat sich also freiwillig aus LIEBE zu uns, von den Menschen misshandeln lassen auf verschiedene Weise und nachdem er unter anderem 39 mal ausgepeitscht wurde haben sie ihn dann lebendig an ein KREUZ genagelt und weil das nicht schon schlimm genug ist für einen unschuldigen Mann, wurde er noch abgelehnt von seinem eigenen Vater damit wir nun angenommen werden können. Er war also nie von Gott dem Vater und Gott dem Heiligen Geist getrennt, niemals, doch auch dieses Leid nahm er in kauf für uns und somit ist er dann an gebrochenen Herzen gestorben. Geprießen seist du Jesus in alle Ewigkeit für das was du für uns Menschen getan hast.
Jesus nahm also all den Zorn Gottes für die SÜNDEN aller Menschen auf sich Johannes 3; 16-18. Da er selbst HEILIG und PERFEKT LEBTE und auch IST, war dieses OPFER das Jesus brachte, sich selbst, so WERTVOLL und FÜR ALLE SÜNDEN DIE JE BEGANGEN WURDEN UND NOCH WERDEN, ABSOLUT AUSREICHEND. Denn Jesus war nicht nur Mensch sondern er war zu 100% Gott und zu 100% Mensch. Nachdem Jesus von den Toten wieder auferstanden ist war er dann noch 40 Tage auf der Erde und ist danach zu seinem himmlischen Vater in den Himmel aufgestiegen und sitzt nun zur rechten Seite Gott des Vaters im Himmel.
Gott will dich retten durch Jesus Christus!
Durch diesen LIEBES AKT GOTTES, kann jeder der dieses GESCHENK annimmt EWIGES LEBEN erhalten ,dass heißt eine persönliche Beziehung mit Gott und nach diesem Leben gibt es keine Verdammung wegen unserer Sünden mehr, sondern wir sind bei Gott im HIMMEL wenn wir bis zum Ende durchhalten, dies nennt sich dann Gnade, wir bekommen etwas was wir nicht verdient haben.
Frieden mit Gott und leben mit Gott
Du gibst also dein Leben Jesus, du machst ihn zum Herrn, König und Retter deines Lebens und dazu beginnst du mit der Buße, das griechische Wort ist: uetavoeῖte (metanoeó) = seine Meinung oder sein Zweck ändern1. Wenn Jesus uns also zu metanoeó aufruft dann möchte Er das wir unser Denken ändern, unsere Einstellung, unsere innere Haltung und somit auch unsere äußere Haltung, unser Verhalten. Mal angenommen du hast heute noch gelogen, dann würde Buße davon bedeuten so wie Jesus es meint, du entscheidest dich aus deinem freien Willen dich von dieser Sünde abzuwenden und ab jetzt sofort, nicht erst morgen, ab jetzt sofort auf zu hören zu lügen und die Wahrheit zu sagen, also das zu tun was in Gottes Augen richtig ist. Du änderst also dein Denken, deine innere Haltung. Ob jemand also Buße getan hat von einer Sünde erkennen wir dann an dem Verhalten der Person. Es geht also darum sich von allen Sünden abzuwenden und sich Gott hin zu wenden und alles zu tun was Jesus gesagt hat, also alles was auf einen halt zu trifft, dies beginnt im gedanklichen Bereich, denn bevor wir etwas tun haben wir es gedacht, also ist der Beginn der Veränderung immer im gedanklichen Bereich. Wir entscheiden uns also gegen die Dunkelheit und für das Licht, gegen die Rebellion gegenüber Gott und statt dessen für den gehorsam gegenüber Gott. Buße tun bedeutet also nicht nur sein Denken zu ändern, also sich gegen die Sünden und für Heiligung sich zu entscheiden, sondern das auch zu leben, in Gedanken also, in den Worten dei man spricht und in den Taten die man tut, das ist echte Buße (Umkehr).
Sobald man sich also entschieden hat sich abzuwenden von dem sündigen Lebensstil und sofort beginnt ab jetzt anders zu leben und zwar so wie Gott es will und wohl gemerkt weis Gott auch wie es am besten ist für dich und jeden für uns, kommt dann der nächste Schritt und du vergibst nun allen die dich mal verletzt haben egal auf welche Weise und dann bekennst du deine eigenen Sünden bei Gott und bittest Ihn um Vergebung dafür. Der nächste Schritt ist dann der das du getauft wirst mit deinem ganzen Körper unter Wasser und das auf den Namen Jesus Christus zur Vergebung deiner Sünden (unter anderem). Danach bittest du Jesus dich zu taufen mit dem Heiligen Geist Gottes und derjenige der dich im Wasser getauft hat kann dir dann die Handauflegen udn beten für dich. Der Heilige Geist ist dann dein persönlicher Beistand und Lehrer (es kann aber auch sein das du den Heiligen Geist schon bei dem Übergabegebet erhalten hast) wenn du das jeden Falls getan hast dann bist du zu 100% ein Kind GOTTES und auf dem Errettungsweg und GERECHT GESPROCHEN DURCH das vollbrachte Werk das JESUS für dich und uns alle tat. Dadurch hast du dann FRIEDEN mit GOTT. Nach dem wir unser Leben Jesus also gegeben haben, heißt es nun ihm zu folgen und sich somit vom Heiligen Geist leiten zu lassen Römer 8; 14 und somit auch das Wort Gottes, also die Bibel zu lesen und danach zu handeln und das ganze so gut es dir gelingt geführt vom Heiligen Geist Gottes.
1) https://biblehub.com/greek/3340.htm
ZÖGERE NICHT LANGE LIEBER LESER ODER LIEBE LESERIN, wenn du dir nicht sicher bist ob du schon auf dem ERRETTUNGSWEG bist, oder wenn du zum ersten mal DIE WAHRHEIT hörst dann warte nicht lange GOTTES GESCHENK ANZUNEHMEN, du weißt nicht wann du stirbst, also verspiel dein LEBEN IN EWIGKEIT nicht, KEHR UM von dem LEBEN in SÜNDE, es bringt uns allen auf lange Sicht keine Freude, die wahre FREUDE ist NUR IN DER WAHRHEIT, IM LICHT ZU FINDEN durch und bei JESUS CHRISTUS.
ERST LESEN BITTE BEVOR DU BETEST:
Bevor du allerdings dieses Gebet sprichst überlege dir ob du wirklich Jesus nachfolgen willst, also ob du mit deinem ganzen Leben Gott nach folgen willst, nicht einfach aus der Laune heraus oder wegen Angst vor der Hölle, sondern als ernsthafte Wahl, sei der bewusst diese Welt wird dich hassen wenn du Jesus ganz nachfolgst den die Welt liebt die Sünde und wie du vielleicht schon festgestellt hast sind Christen nicht überall beliebt, dieses Gebet ist also der Beginn deiner RETTUNG, es hat nur Sinn wenn du auch echte BUßE tust und jetzt beginnst die Sünde zu hassen und das zu lieben was Gott liebt, das Wort Gottes ruft dich dazu auf deine EINSTELLUNG zu ändern und dich jetzt für den Weg der Wahrheit, also Jesus zu entscheiden, also ihm nachzufolgen. Solltest du also wirklich erkannt haben das du wie wir alle schlecht mit all diesen Sünden bist und schuldig bist vor Gott und du dieses Leben in Sünde nicht mehr leben willst und dich umkehren möchtest, Gott persönlich kennen lernen willst, dann sprich dieses Gebet, sprich es nur wenn du es wirklich aus deinem Herzen willst, Gott will keine Sklaven solltest du verstehen, Gott will Kinder die ihn frei lieben aus ihrem Herzen und mit ihm das Leben leben dass er für jeden einzelnen geplannt hat bevor er die Welt erschuff. Gott ist anders als die meistens glauben, durch die Massen Medien und viele andere Medien unter anderem, ist ein falsches Gottesbild verbreitet worden so dass viele einfach gar nicht wissen wie liebevoll aber auch heilig, Gott in Wirklichkeit ist und warum die Welt so ist wie sie ist und warum Gott manches Leid zu lässt, wenn du also gerettet werden willst von Gott und ihn persönlich kennen lernen willst, so beginne diesen Errettungsprozess doch mit diesem Gebet aus deinem Herzen.
Lieber Gott Vater
ich komme heute zu dir mit all meiner Verzweiflung, meinen Sorgen, Problemen und Sünden, ich bitte Dich aus ganzem Herzen mir zu helfen, schenke mir ein neues Leben ,ich brauche deine Hilfe und ich bitte Dich mich anzunehmen durch Jesus, denn ich möchte ein Kind Gottes sein, lange genug habe ich versucht auf eigenen Wegen mein Glück zu gestalten. Bitte hilf mir heute Vater dabei. Ich entscheide mich jetzt aus meinem freien Willen jedem Menschen zu vergeben der mir je was angetan hat und ich entscheide mich diese Menschen zu lieben. Ich segne diese Menschen Jesus und bitte dich mich von allen negativen Verbindungen die eventuell zwischen Ihnen und mir an Geist, Seele oder Körper vorhanden sind, jetzt sofort bitte zu durchtrennen, ich danke dir. Ich vergebe mir nun auch selbst für alles böse was ich je getan habe, sei diese gegen Gott oder gegen jemand anders. Ich lasse von allem Selbsthass und aller Enttäuschung über mich selbst jetzt los und ich liebe mich selbst und ich erkenne meine Kostbarkeit nun an und ich wende mich von allem bösen ab und lebe jetzt für das gute. Vater, ich bitte dich jetzt, das auch du mir alle meine Sünden vergibst, alle Sünden die mir bewusst sind und alle Sünden die mir nicht bewusst sind, bitte wasch mich rein durch das kostbare Blut deines Sohnes Jesus von alledem und ich bitte dich Vater und dich Jesus und dich Heiliger Geist, offenbart euch mir bitte. Jesus, ich nehme dich an als mein Herrn und mein Retter und gebe dir mein Leben heute und vertraue es Dir an, bitte hilf mir in meinem Leben, ich danke Dir. Ich lade dich jetzt nun ein lieber Heiliger Geist in meinem Leben und wünsche mir das du in mir lebst für alle Ewigkeit. Ich bitte Dich Jesus aus ganzem Herzen mich jetzt mit dem Heiligen Geist und mit Feuer zu taufen, bitte schenke mir ein neues Herz, nehme mir meine alten Gefühle die mir nicht gut tun und komm in mein Leben und bitte heile mich, ich vertraue dir Jesus.
Ich danke euch für das neue Leben und die Vergebung meiner Sünden und bitte euch mir zu helfen eine persönliche Beziehung mit euch zu haben, danke. Ich bete dieses Gebet im Namen von Jesus, Amen.
Wenn du nun zu der Ehre Gottes und zu deinem Wohl dein Leben Jesus Christus gegeben hast und das Gebet gesprochen hast, dann ist es jetzt wichtig dass du biblisch getauft wirst, also komplett unter Wasser mit deinem ganzen Körper und das auf den Namen Jesus Christus (Apostelgeschichte 2:38). Schau dir die Videos auch gerne an die unter diesem Text sind und suche dir dann einen Täufer oder eine Täuferin in deiner Nähe, solltest keinen finden und dich nicht auskennen, dann kontaktiere uns doch bitte und wir helfen dir liebend gerne dabei einen Täufer oder eine Täuferin zu finden, denn selbst taufen ist nicht möglich. Die nächsten Tage und Wochen wirst du merken wie Gott durch denn Heiligen Geist an dir arbeitet wenn du ihn schon empfangen hast und Dinge und Gewohnheiten die du bist jetzt getan hast und die für Dich “normal” waren, nicht mehr so tun kannst und auch nicht willst, dass ist unter anderem ein Anzeichen das der Heilige Geist bei dir ist und Jesus dich jetzt durch ihn leitet und dich von innen her verändert dein Leben lang, allerdings nur wenn du es zulässt.
Gott Segne Dich Im Namen Jesus Christus amen.
Teil 1) Das Evangelium von Jesus Christus
Teil 2) Die Buße
Teil 3) Die Wassertaufe auf den Namen Jesus Christus
Teil 4) Die Taufe mit dem Heiligen Geist Gottes
Die biblische Wassertaufe auf den Namen unseres Herrn Jesus Christus ist nicht einfach nur ein Symbol wie manche vielleicht meinen, sondern ein Begräbnis unter anderem, ein Begräbnis des alten Menschen und ein auferstehen des neuen Menschen der rein gewaschen ist und gekreuzigt worden ist und nun ein neues Leben erhalten hat durch das vollbrachte Werk am Kreuz von unserem Herrn Jesus Christus.
Das Wort Gottes zum Thema Wassertaufe (einige Verse) manche Aussagen wurden Anhand des Textes sinngemäß wiedergegeben:
Markus 16:16 | Bringt Rettung
Apostelgeschichte 2:38 | Für die Vergebung der Sünden (auf den Namen Jesus Christus)
Apostelgeschichte 22:16 | Abwaschung der Sünden
Römer 6:3-8 | Das Begräbnis des alten Menschen, der alte Mensch wird gekreuzigt dadurch und der menschliche Körper wird der Sünde außer Wirksamkeit gesetzt somit und gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, so wandelt dann jeder in einem neuen Leben
Galater 3:27 | Wir ziehen Christus an durch die Taufe (wir alle sind einer in Christus Jesus)
Titus 3; 4-7 | …erettet durch das Bad der Wiedergeburt
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FAQs zum Coronavirus im Zusammenhang mit der Kindertagesbetreuung
Auf dieser Seite beantworten wir Ihnen häufig gestellte Fragen zum Coronavirus im Zusammenhang mit der Kindertagesbetreuung.
Ausführliche Informationen und Informationsblätter zur Kindertagesbetreuung erhalten Sie auf der
Informationsseite zum Coronavirus.
Kinder, deren Erziehungsberechtigte in Bereichen der kritischen Infrastruktur tätig und aufgrund dienstlicher oder betrieblicher Notwendigkeiten an einer Betreuung ihrer Kinder gehindert sind, werden in ihrer gewohnten Kindertageseinrichtung betreut. Die Eltern dürfen diese Kinder auch in die Einrichtungen bringen und von dort wieder abholen, es gelten entsprechende Ausnahmen von den Ausgangsbeschränkungen.
Eine Notbetreuung wird angeboten, wenn
- ein Erziehungsberechtigter im Bereich der Gesundheitsversorgung oder der Pflege tätig und aufgrund dienstlicher oder betrieblicher Notwendigkeiten in dieser Tätigkeit an einer Betreuung seines Kindes gehindert ist oder
- beide Erziehungsberechtigte des Kindes, im Fall von Alleinerziehenden der oder die Alleinerziehende, in sonstigen Bereichen der kritischen Infrastruktur tätig und aufgrund dienstlicher oder betrieblicher Notwendigkeiten in dieser Tätigkeit an einer Betreuung ihrer Kinder gehindert sind. Voraussetzung ist in diesem Fall, dass kein anderer Erziehungsberechtigter verfügbar ist, um die Betreuung zu übernehmen.
Alleinerziehend bedeutet, dass das Kind mit ihm oder ihr in einem Haushalt wohnt und in diesem Haushalt keine weitere volljährige Person wohnt, die als Betreuungsperson dienen kann. Das Kind bzw. die weitere volljährige Person gehört zum Haushalt, wenn die Person in derselben Wohnung mit Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet ist.
Ja, es gelten zusätzlich folgende Voraussetzungen:
- Ihr Kind weist keine Krankheitssymptome auf,
- Ihr Kind war nicht in Kontakt zu infizierten Personen bzw. seit dem Kontakt mit infizierten Personen sind 14 Tage vergangen und Ihr Kind weist keine Krankheitssymptome auf,
- Ihr Kind hat sich nicht in einem Gebiet aufgehalten, das durch das Robert Koch-Institut (RKI) im Zeitpunkt des Aufenthalts als Risikogebiet ausgewiesen war oder innerhalb von 14 Tagen danach als solches ausgewiesen worden ist, oder seit seiner Rückkehr aus diesem Risikogebiet 14 Tage vergangen sind und es keine Krankheitssymptome zeigt.
In der Gesundheitsversorgung und der Pflege kann es aufgrund der aktuellen Krisensituation und der in diesem Rahmen ergriffenen Maßnahmen zu einem steigenden Personalbedarf kommen. In diesen beiden Bereichen besteht daher ab Montag, dem 23. März 2020 die Berechtigung zur Notbetreuung schon dann, wenn nur ein Elternteil in der Gesundheitsversorgung oder der Pflege tätig ist.
Die Gesundheitsversorgung umfasst beispielsweise neben Krankenhäusern, (Zahn-) Arztpraxen, Apotheken und den Gesundheitsämtern auch den Rettungsdienst einschließlich der Luftrettung. Hier geht es aber nicht nur um Ärzte und Pfleger, sondern um alle Beschäftigten, die der Aufrechterhaltung des Betriebs dienen: Dazu zählt etwa auch das Reinigungspersonal und die Klinikküche. Die Pflege umfasst insbesondere die Altenpflege, aber auch die Behindertenhilfe, die kindeswohlsichernde Kinder- und Jugendhilfe und das Frauenunterstützungssystem (Frauenhäuser, Fachberatungsstellen/Notrufe, Interventionsstellen).
Zu den sonstigen Bereichen der kritischen Infrastruktur – also den Bereichen in denen es auf beide Eltern ankommt – zählen insbesondere alle Einrichtungen, die der sonstigen Kinder- und Jugendhilfe (insbesondere zur Aufrechterhaltung der Notbetreuung in Schulen und Betreuungseinrichtungen), der öffentlichen Sicherheit und Ordnung einschließlich der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr (Feuerwehr und Katastrophenschutz), der Sicherstellung der öffentlichen Infrastrukturen (Telekommunikationsdienste, Energie, Wasser, ÖPNV, Entsorgung), der Lebensmittelversorgung (von der Produktion bis zum Verkauf), des Personen- und Güterverkehrs (z. B. Fernverkehr, Piloten und Fluglotsen), der Medien (insbesondere Nachrichten- und Informationswesen sowie Risiko- und Krisenkommunikation), der Banken und Sparkassen (insbesondere zur Sicherstellung der Bargeldversorgung und der Liquidität von Unternehmen) und der Handlungsfähigkeit zentraler Stellen von Staat, Justiz und Verwaltung dienen.
Wenn Sie das erste Mal die Notbetreuung in Anspruch nehmen wollen, versichern Sie bitte mit dem Formular "Erklärung zur Berechtigung zu einer Kinderbetreuung im Ausnahmefall (Notbetreuung)", 21.03.2020 (PDF), dass die Voraussetzungen der Ausnahmeregelung gegeben sind. Bringen Sie dieses Formular am ersten Tag mit zu Ihrer Kita.
In Zweifelsfällen kann die Einrichtungsleitung von Ihnen eine Bescheinigung des Arbeitgebers oder bei Selbständigen einen geeigneten Nachweis einfordern.
Die Kinder werden in der Einrichtung betreut, die sie gewöhnlich besuchen. Jede Kindertageseinrichtung, Kindertagespflegestelle oder Heilpädagogische Tagesstätte stellt eine entsprechende Betreuung sicher.
Ob Sie die Beiträge weiter entrichten müssen, hängt von Ihrem jeweiligen Betreuungsvertrag oder der jeweiligen Satzung ab. Der Beitragszuschuss in Höhe von 100 Euro für den Kindergarten, den der Freistaat monatlich zur Reduzierung der Elternbeiträge zusätzlich zur regulären Förderung leistet, wird auf jeden Fall weitergezahlt.
Soweit trotz Betretungsverbot weiterhin in voller Höhe Elternbeiträge zu entrichten sind, wird auch das Krippengeld in der regelmäßigen Höhe weiter gewährt. Das Gleiche gilt, soweit nur verringerte Elternbeiträge zu entrichten sind. Sofern die Elternbeiträge für einen bzw. mehrere Monate vollständig entfallen sollten, wird für die entsprechenden Monate kein Krippengeld gezahlt. Das vollständige Entfallen des Elternbeitrags müssen Sie gegenüber dem ZBFS unverzüglich mitteilen.
Bitte beachten Sie, dass gut gemeinte Angebote bei denen für mehrere Kinder eine alternative Fremdbetreuung angeboten wird, in aller Regel nicht zulässig sind. Hierdurch werden neue Infektionsketten in Gang gesetzt und das Ziel der Kita-Schließungen verfehlt. Individuelle Einzellösungen wie „Babysitting“ bleiben aber zulässig.
Berufstätige Eltern, die nicht unter die Ausnahmeregelung der Allgemeinverfügung fallen, werden durch die Betretungsverbote vor eine große Herausforderung gestellt. In der aktuellen Ausnahmesituation gilt es im Einzelfall für beide Seiten tragbare Lösungen zu finden.
Sei es durch die Gewährung von Urlaub, den Einsatz von Arbeitszeitkonten oder eine flexible Gestaltung von Arbeitszeiten und Arbeitsort, zum Beispiel durch mobiles Arbeiten. Auch Nachbarschaftshilfe hat hier eine große Bedeutung. Wir müssen hier als Gesellschaft zusammenhalten und solidarisch sein. Die Großeltern sollten momentan allerdings keine Kinder betreuen, da ältere Menschen ungleich stärker durch den Virus gefährdet sind. | 3.375 | 1.882813 | 2.625 |
16ee98bc29e1d64cd80166fa3fdbd142 | Bücher veröffentlichen mit CreateSpace
In diesem Artikel erzähle ich dir von meinen Erfahrungen vom Erstellen von Büchern mit CreateSpace. Selfpublishing finde ich schon seit längerem interessant, daher probiere ich es jetzt einfach aus. Ich habe Kinderbücher mit Illustrationen entworfen und werde es auf CreateSpace hochladen. Das hat den Vorteil, dass ich mich hier mein eigenes Projekt mit meinen eigenen Ideen und Vorstellungen veröffentlichen kann. Genutzt habe ich hierfür eine Internetplattform von Amazon, welche ohne direkte kosten genutzt werden kann. Wenn auch du Bücher veröffentlichen möchtest, hoffe ich, dass du von den folgenden Themen profitierst.
Was ist CreateSpace?
CreateSpace ist eine Plattform, mit der du unter anderen Printbücher veröffentlichen kannst. Es handelt sich dabei um eine Tochter von Amazon, das Weltweit agiert. Das Erstellen von Büchern inklusive ISBN ist kostenlos. Wobei es Zusatzangebote gibt, die etwas kosten. Obwohl du dein Buch für den deutschen Markt anbieten kannst, ist die Plattform nur auf Englisch verfügbar. Die kostenpflichtigen Angebote habe ich bisher noch nicht ausprobiert, diese sind jedoch aus meiner Sicht beim Erstellen noch nicht notwendig.
Erstellen eines Buches
Nach dem Einloggen auf CreateSpace kannst du gleich mit dem ersten Buch beginnen. Um dein Buch zu erstellen, gibst du erst die grundlegenden Informationen an. Dazu gehören Titel, Untertitel, Autor usw. Die ISBN wird dir automatisch zugewiesen, darüber musst du dir keine Gedanken machen. Die ISBN dient zum Beispiel dazu, dass auch Büchereien das Buch bestellen können und sie einfach identifiziert werden können. Danach geht es an das Hochladen deines Buches. Dafür stehen dir verschiedene Formate zur Verfügung. Vorsicht, lass dich nicht von der Größenangabe in INCH verwirren, die cm Angabe steht in blasser Schrift darunter. Zum Formatieren deines geschriebenen Werkes steht dir auf dieser Seite ein Word Template mit den von dir gewählten Maßen zu Verfügung. Hochladen kannst du pdf, doc, docx und rtf Dateien. Dein Buch muss mindestens 18 Seiten lang sein. Doc und docx sind Standard Word Dokumente welche automatisch beim Abspeichern erstellt werden. PFDs können ebenfalls mit Word aber auch mit zahlreichen anderen Programmen erstellt werden und sind normalerweise etwas kompakter und können nicht ohne weiteres bearbeitet werden.
Bücher mit Bildern
Vorallem wenn du Kinderbücher veröffentlichen willst, sind Bilder sehr wichtig. Doch beim Hochladen deines Manuskriptes ist einiges zu beachten. Die Ränder des Buches sind nicht bedruckbar, laut CreateSpace. Doch sind in meinen Büchern keine weisen Ränder zu sehen. Amazon druckte meine Bilder bis zum Rand. Zusätzlich schlägt das Programm vor, nur Bilder mit einer Auflösung von mindestens 300 mal 300 dpi zu verwenden. Geringere Bildgrößen können schnell pixelig erscheinen, weshalb deine Bilder mindestens diesen Standard erfüllen sollten. Eine deutlich bessere Auflösung bringt dir hier allerdings auch nicht, da die Druckqualität zwar meiner Erfahrung nach gut ist, allerdings ist der Unterschied für mich persönlich fast nicht mehr sichtbar. Meine Tipps an dich sind daher: nutze eine gute Auflösung von mindestens 400 dpi aber übertreib es nicht, da hierdurch die Größe deiner Datei deutlich zulegt, was bei mir immer wieder Abstürze von Word verursacht. Das Hochladen ist bei einer durchschnittlichen Internetverbindung kein großes Problem, falls es mal etwas länger dauert, überbrücke ich die Wartezeit gerne bei einem Kaffee.
PDF Dateien kann ich dir hier nicht empfehlen, zwar ist die Dateigröße hier deutlich reduziert, aber leider leidet die Qualität der Grafiken. Darüber hinaus entdecke ich immer wieder in letzter Sekunde noch einen Fehler, den man in Worddokumenten auch schnell mal korrigieren kann. Doch schau dir auf jedenfall deine Seiten in der Vorschau an. Beim Hochladen können sich einige Seiten verschieben.
Zusätzliches zu beachten
In Deutschland gibt es für Druckwerke eine Impressumspflicht. Das ist nicht aus dem Template ersichtlich. Das Impressum steht normalerweise auf der zweiten Seite. In der Vorlage, ist an der Stelle die ISBN Nummer, die du ebenfalls eintragen musst. Die ISBN Nummer bekommst du wie oben beschrieben bereits automatisch vom System gestellt. Nach diesem Gesetz muss der Standort des Druckers ebenfalls angegeben werden. Dies Übernimmt CreateSpace und setzt diese Information auf die letzte Seite.
Cover Design
CreateSpace stellt dir für das designen verschiedene Vorlagen zu Verfügung. Diese Vorlagen kannst du mit eigenen Texten und Bilder verändern. Die Option eigene Cover hochladen habe ich nicht gefunden. Komplett selbstständig geht an dieser Stelle leider noch nicht.
Wo kann man mein Buch kaufen?
Wo dein Buch zu kaufen sein soll, stellst du unter „Channels“ ein. Zur Auswahl stehen erst mal Amazon.com und Amazon Europe. Wenn du das Häkchen bei Amazon Europe setzt, dann ist dein Buch in England, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien im Amazon Shop verfügbar.
Zusätzlich kannst du dein Buch für Buchläden, sowie für Schulen und Bibliotheken und für den CreateSpace Direktverkauf verfügbar machen. Für E-Books wirst du auf eine entsprechende Seite weitergeleitet.
Bei CreateSpace ist zusätzlich zu beachten, dass es Bücher nicht im Vlb auflistet. Das ist das Verzeichniss lieferbarer Bücher. Mit Hilfe dieses Verzeichnisses bestellen Buchhändler. Es zeigt auch an, ob ein Buch derzeit lieferbar ist oder nicht. Dieser Eintrag ist unter anderem die Grundvorraussetzung um beim Selfpublisher Preis teilzunehmen. Wenn du einen Eintrag möchtest, musst du entweder selbst dich bei Vlb anmelden und Beiträge zahlen. Oder du wählst einen anderen Anbieter zum Bücher veröffentlichen.
Preise festlegen
Für den Preis deines Buches gibt Amazon einen Mindestpreis an. Dieser Preis darf nicht unterschritten werden. Er steht direkt unter den Eingabefeldern. Anzugeben ist der Preis in Dollar, Pfund und in Euro. Diese Preise dürfen sich nicht um mehr als 20 % unterscheiden, sonst gibt es eine Fehlermeldung.
Bücher veröffentlichen
Nachdem du dein Inhalt und Cover hochgeladen hast, wird dieser von Amazon geprüft. Dies dauert in etwa 24 Stunden. Bei mir gab es nichts zu beanstanden, daher kann ich nicht viel dazu sagen. Nachdem mein Buch akzeptiert wurde, konnte ich es direkt veröffentlichen. Bis es Online bei Amazon zu sehen war, vergingen nochmals 24 Stunden. Bestellen war kein Problem. Zwar druckt Amazon das Buch erst nach dem bestellen, doch zwei Tage später lag es bereits in meinem Briefkasten.
Das ist der vierte Teil, Bücher veröffentlichen, meiner Blogreihe: Mein Weg zum Selfpublisher. Ich halte ich dich mit meinen Erfahrungen auf dem Laufenden. Wenn du selbst Erfahrungen gesammelt hast oder ein eigenes Projekt hast, dann hinterlasse mir eine Nachricht. Ich freue mich, dass du Interesse an meinem Weg zum Selfpublisher hast. Danke fürs Lesen ?
Hier geht es zum ersten Teil der Reihe: Ideen finden,
der zweite Teil: starte dein Buchprojekt,
der dritte Teil: Charaktere erstellen.
Möchtest du sehen, was mein Selfpublishing Projekt ist? Dann schau bei Amazon vorbei (Affiliate Link)
[…] Der vierte Teil: Bücher veröffentlichen […] | 3.15625 | 2.34375 | 2.375 |
d729fcf3b818a99085bebc117c7336e4 | Die kalte Jahreszeit kommt bestimmt und mit ihr der Wunsch nach Wärme und Geborgenheit.Gehören auch Sie zu denjenigen, die sich in den kalten Monaten nach einer Wolldecke und dicken Socken sehnen und am liebsten vor dem Kamin Winterschlaf halten würden? Dann gibt es eine Möglichkeit, sich zu wärmen und gleichzeitig etwas für die eigene Gesundheit zu tun: eine eigene Saunakabine!
Inhalte
Vorteile des regelmäßigen Saunagangs
Wer regelmäßig die Sauna besucht, beugt hervorragend Erkrankungen vor. Dies ist sogar wissenschaftlich erwiesen. Die Abwehrkräfte werden gestärkt und das gesamte Immunsystem angeregt. Sicherlich ist auch derjenige, der zweimal pro Woche in die Sauna geht, nicht vor Grippe und Co. gefeit. Doch es ist nachweislich so, dass die Zahl der Antikörper im Blut erhöht wird. Der Wechsel von warm und kalt bewirkt, dass die Durchblutung angeregt wird und somit alle Zellen des Körpers besser mit Sauerstoff versorgt werden.
Leider steht einem häufigen Saunabesuch der innere Schweinehund oft entgegen. Er stellt sich knurrend vor die Tür und verhindert, dass Sie bei Wind und Wetter die Sauna aufsuchen. Was tun? Schlagen Sie dem nervigen Tier ein Schnippchen und bauen Sie sich eine eigene Sauna. Dabei gibt es allerdings einige Dinge zu beachten.
Planung ist das A und O
Wenn Sie sich für den Bau einer eigenen Saunakabine entschieden haben, ist Planung das Wichtigste. Die Sauna soll nicht nur der Vorbeugung von Krankheiten dienen, sondern sie soll Ruheort und Hort der Entspannung werden. Ein schönes Ambiente gehört daher einfach dazu. Heute wird die Sauna daher nicht mehr in den Keller verbannt, sondern teilweise sogar in das Wohnzimmer integriert. Natürlich spielen hier Ihre eigenen Vorlieben eine Rolle. Doch es ist erwiesen, dass die Sauna häufiger aufgesucht wird, wenn sich die Nutzer wohlfühlen und die Kabine nicht in der hintersten Ecke des Hauses versteckt ist. Wenn Sie über ein großes Badezimmer verfügen, ist das einfach perfekt. Hier können Sie die Saunakabine gut integrieren. Aber auch im Garten, im Wintergarten oder auf einem ausgebauten Dachboden ist die Kabine gut aufgehoben. Das Wichtigste ist nur, dass Dusche oder Badewanne rasch erreichbar ist. Als sehr entspannend wird der freie Blick in den Garten oder die Natur empfunden, daher ist eine Sauna mit großer Glasfront vielleicht eine Überlegung wert.
Voraussetzungen für die Saunakabine im eigenen Haus
Die Hersteller der Saunakabinen setzen auf Funktionalität und Design. Doch gerade das Design bewirkt, dass Saunakabinen selbst im Wohnambiente hervorragend einpassbar sind. Einige Punkte gilt es dennoch zu beachten.
1. Der Platz
Eine Sauna braucht Platz, außerdem Anschüsse für Wasser und Strom. Überlegen Sie, ob Sie den nötigen Platz aufbringen können und eine Sauna wirklich Sinn für Sie macht. Bedenken Sie auch den Untergrund, dieser muss glatt und wasserresistent sein. Fliesen sind hier die beste Wahl.
2. Die Belüftung
Damit es nicht zu Feuchtigkeitsschäden im ganzen Raum oder Haus kommt, muss die Sauna eine dampfdichte Isolierung besitzen. Dadurch wird allerdings sehr viel Feuchtigkeit in der Kabine gehalten. Die Sauna muss daher eine gute Belüftung besitzen. Ein Muss ist eine mechanische Belüftung, als Alternative eignet sich ein Fenster.
3. Die Abkühlung
Hitze und Kälte müssen sich abwechseln, damit der positive Effekt des Saunierens einsetzt. Es empfiehlt sich, dass sich in unmittelbarer Nähe zur Saunakabine eine Dusche befindet. So können Sie direkt nach dem Saunagang den Körper abkühlen. Wichtig ist auch, dass Ihr Körper Sauerstoff braucht, wenn er aus dem „Schwitzkasten“ kommt. Im Idealfall besitzen Sie die Möglichkeit eines direkten Zugangs zur frischen Luft. Eine Terrassentür ist die beste Lösung.
4. Entspannung nach der Sauna
Der Körper braucht nach dem Saunieren Entspannung. Sorgen Sie daher dafür, dass sich Liegen oder Sofas in der Nähe der Saunakabine befinden.
5. Erhitzen der Kabine
Richten Sie eine finnische Sauna ein, so herrschen dort Temperaturen von bis zu 90 °C oder sogar noch darüber. Wie schnell solch hohe Temperaturen erreicht werden, hängt von der Größe der Kabine ab. Ein Saunaofen von 6 kW erwärmt eine Kabine mit einer Größe von 4,5 m³ schnell. Für eine Saunakabine von bis zu 14 m³ brauchen Sie einen Saunaofen mit einer Leistung von 9 kW. Wenn Ihnen Aufgüsse nicht so wichtig sind, bietet sich der Einbau eines Unterbankofens an. Dieser ist besonders platzsparend.
6. Der Stromanschluss
Für die Sauna brauchen Sie in der Regel einen Starkstromanschluss. Elektrische Zuleitungen betragen meist 400 Volt – dies ist Sache für einen Fachmann. Er verlegt die Leitungen und sorgt dafür, dass der Saunaofen korrekt angeschlossen wird.
7. Und die Umwelt?
Sicherlich haben Sie auch schon an die Umweltaspekte gedacht. Wenn Sie mit gutem Gewissen saunieren wollen, kaufen Sie eine Saunakabine, die das FSC-Siegel trägt. Bei diesen Produkten wurde darauf geachtet, dass die Rohstoffe umweltgerecht beschafft wurden. Außerdem unterliegen sie ständigen strengen Kontrollen.
Sonstige Überlegungen
Die Kosten für eine eigene Saunakabine spielen ebenfalls eine Rolle. Sie variieren je nach Hersteller, Größe, Eigenleistung und Design und betragen zwischen 800 und mehreren Tausend Euro.
Möchten Sie mit der ganzen Familie saunieren, sollte die Kabine allen gerecht werden. Das bezieht sich vor allem auf die Liegemöbel. Wählen Sie als passende Größe die, die auch dem größten Familienmitglied entspricht. Wenn Sie die Liegemöbel selbst bauen, wählen Sie Abachiholz. Dieses heizt sich nur wenig auf.
Für den Bau der Saunakabine können Sie natürlich Holz aus dem Baumarkt nutzen, sofern Sie die Sauna in Eigenregie erstellen. In Rahmenbauweise sind Kanthölzer zu empfehlen, die eine Stärke von 40 x 40 mm aufweisen. Zusammen mit Querhölzern und der nötigen Verkleidung kommen Sie damit auf eine Wandstärke von 85 mm. Für die Außenwand sind Spanplatten genügend.
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90758124166748c66df5ec96a351f7e7 | Kapitel 5:
Hindernisse in der Yogapraxis und wie man sie überwindet
Die Yogapraxis besteht aus zwei Seiten, denen der Schüler besondere Beachtung schenken muß. Einerseits ist es die Praxismethode, die pedantisch genau befolgt werden muß, andererseits sind es die Hindernisse, die auf dem Weg aus den verschiedensten Gründen auftauchen. Während die positive Praxis wichtig ist, so ist ein Gewahrsein der Hindernisse auf dem Weg ebenso wichtig. Es reicht nicht aus, daß jemand seine Stärken kennt, sondern es ist auch wichtig, die Schwierigkeiten zu kennen, mit denen man auf dem Weg aus den verschiedensten Umständen heraus konfrontiert werden kann, - Schwierigkeiten, die je nach Fortschritt auf der Stufenleiter des Yogapfades, von unterschiedlicher Färbung sind. Es ist eine bekannte Tatsache, daß es einen bemerkenswerten Unterschied in der Haltung zwischen einem Yogaschüler und einem nüchternen denkenden Menschen mit weltlichen Instinkten und Launen gibt. Während jeder in der Welt sein tägliches Programm und seine Routine hat, so ist das Programm eines Yogaschülers von einem bemerkenswerten Unterschied. Er hat sich noch nicht vollständig an das neue Gesetz der Selbstintegration angepaßt, was für Yoga wesentlich ist, und unterscheidet sich bei der täglichen Routinearbeit von der Allgemeinheit in Gefühl, Gesellschaft und praktischer Anpassung. Darum versucht der Yogaschüler sich einem Gesetz anzupassen, was ihm weit mehr Integration abverlangt, als die Lebensbedingungen unter denen er zuvor gelebt hat. Auf diese Weise wird im positiven Sinn ein Versuch unternommen, um ein neues Kapitel innerer Lebensführung aufzuschlagen und nicht nur das äußerliche Verhalten zu verändern, sondern eine Art psychologische Veränderung findet in seinem Körper als Ergebnis mentaler Wandlung statt. Eine allgemeine mentale Veränderung oder Veränderung des Gedankengutes, berührt nicht den Körper. Dieses wäre eine zu kleine Veränderung, die zu schwach wäre, um die Psyche zu beeinflussen. Doch eine intensive Konzentration des Geistes auf eine vollkommen neue Weltanschauung beeinflußt den ganzen Körper, was der Körper manchmal kaum in der Lage ist zu ertragen. Dies kann die verschiedensten Krankheiten verursachen, denen ein normaler Mensch in der Welt kaum begegnet. Es kann viele Gründe für Krankheiten geben. Besonders bei ernsthaften Yogaschülern ist es die Unfähigkeit des Körpers, sich sehr willensstarken Gedanken anzupassen, die sich von normalen Gedanken, mit denen wir vertraut sind, unterscheiden.
In Anbetracht dieser Schwierigkeiten, denen man möglicherweise bei der Yogapraxis begegnet, werden wir durch Schriften, wie die Bhagavad Gita, dazu angehalten, uns in unserer Zielstrebigkeit moderat zu verhalten und die Praxis nicht zu übertreiben. Wenn sich jemand dem Yoga verschreibt, versucht dieser Suchende in übertriebener Weise, seine Gefühle für Heiligkeit und Religiosität zu wecken, was ihn dazu bringt, ausnahmslos zu fasten, den Schlaf zu verringern, weniger zu essen, zu schweigen usw.. Während all diese Praktiken zusammengenommen vorteilhaft und vielleicht auch notwendig sind, so sollten doch nicht alle auf einmal und in übertriebenem Maße angegangen werden. Moderates Vorgehen ist eine größere Tugend als vollkommene Enthaltung. Vollkommene Enthaltung mag nicht so schwierig sein wie Mäßigung. Mäßigung ist weitaus schwieriger. Eine gemäßigte und angenehme Sprechweise ist für einen Menschen weitaus schwieriger als vollkommenes Mauna oder Stillschweigen. Yoga bedeutet Mäßigung im Verhalten und eher eine innere Anpassung, denn ein extremes Voranschreiten, obgleich sich Suchende manchmal, entsprechend ihrer Natur unvermeidlich, extrem verhalten. In dem Augenblick, wo wir an Spiritualität, Religion, Gott oder Yoga denken, sind bei uns innerlich bestimmte Gefühle geweckt, die konträr zu den Gefühlen in unserem täglichen Leben sind. Deshalb laufen wir auch zu den Ashrams und ausgesuchten Plätzen. Niemand kann so ohne Weiteres vor diesem inneren Gefühl, in heiliger Art und Weise berührt zu sein, davonlaufen, was dem armen Körper, dem diese Gedanken und Gefühle nicht vertraut sind, als etwas Extremes vorkommt.
Im System des Patanjali-Yoga, heißt es in einer Sutra (Vers), daß der Yogaschüler auf Hindernisse vorbereitet sein muß; und Patanjali erwähnte viele Hindernisse. Die Hindernisse, von denen er sprach, sind körperliche Krankheiten. Man muß sich auf solche Möglichkeiten einstellen. Es muß nicht erst betont werden, daß Gesundheit sehr wichtig ist. Falls der Yogaschüler erkrankt und einen physischen Zusammenbruch erleidet, kann man in dem Augenblick nichts dagegen tun. Alles geschieht innerhalb von Sekunden. Daher sollte er bei der Suche nach dem Spirit nicht übertreiben und seinen eigenen Körper vernachlässigen, denn der Körper ist so lange eine unvermeidliche Begleiterscheinung des Spirits, wie der Spirit durch die Persönlichkeit in der empirischen Welt fungieren muß. Franz von Assisi bezeichnete den Körper als "Bruder Esel". Nun gut, er mag ein Lastesel sein, doch ist er ein wirklicher Bruder. Wir können ihn nicht vermeiden, denn er ist unser Bruder. Wie ein Esel, trägt er seine Lasten; darum laßt es gut sein. Wir müssen damit leben.
Wir müssen einigen Problemen, denen wir im Yoga begegnen, noch genügend Aufmerksamkeit schenken,. Dies ist notwendig, denn die Schwierigkeiten, denen wir möglicherweise begegnen, sind nicht nur auf jene beschränkt, die in den Sutras von Patanjali erwähnt werden. Patanjali lenkt unsere Aufmerksamkeit nur zu den allgemeinen philosophischen Schwierigkeiten. Wir begegnen jedoch vielleicht auch täglich persönlichen und scheinbar belanglosen Schwierigkeiten, die wir auf intelligente Weise mit Hilfe des Gurus angehen müssen. Die Sutras von Patanjali allein sind als Führung für uns nicht ausreichend, wenn wir tief in die Yogapraxis einsteigen. Doch, im Allgemeinen gesprochen, hat uns Patanjali eine Übersicht über die Probleme gegeben, mit denen wir meistenteils konfrontiert sind.
Neben körperlichen Krankheiten, denen sich der Yogaschüler bei der Yogapraxis gegenübersieht, findet man auch eine Art von Lethargie oder Dumpfheit des Geistes. Der anfängliche Enthusiasmus kühlt nach einiger Zeit ab. Obwohl der Übende anfangs auf dem Yogaweg mit einem intensiven Verlangen begann, um etwas höheres später zu erreichen, kühlt sich dieser brennende Wunsch aufgrund seiner schlechter werdenden geistigen Verfassung ab. Von den drei Eigenschaften der Natur, weckt Sattva den Wunsch nach einem göttlichen Leben. Obwohl der Wunsch gut und ehrenwert ist, kann niemand die Gegenwart der anderen beiden Eigenschaften Rajas und Tamas, die immer wieder zu ihrem Recht kommen wollen, verleugnen. Wenn man der einen Seite zu viel Aufmerksamkeit schenkt, melden sich die anderen beiden vernachlässigten Aspekte der Persönlichkeit zu Wort. Es ist nicht richtig, wenn man die Eigenschaften untereinander vergleicht, denn niemand kann sagen, daß irgendeine Eigenschaft besser als die andere ist, obwohl man normalerweise sagt, daß Tamas schlecht ist und Sattva und Rajas gut sind. In Wahrheit sind alle drei Eigenschaften der Natur weder gut noch schlecht, und sie scheinen unter den verschiedenen Lebensbedingungen mal mehr oder mal weniger sinnvoll zu sein. Wir verfügen über alle drei Eigenschaften. Von ‘Tamasisch’ sagt man, daß er schwer, wie ein Holzklotz sei. Er ist in seiner Eigenschaft hauptsächlich schwerfällig und beständig. ‘Rajas’ ist bekannt für seine aktive Natur, die Unruhe verursacht, Wünschen nachläuft und permanent aktiv ist. Jeder spürt diesen Drang in sich. Während wir alle einen Funken des Verlangens nach einer Art höherem Leben in uns haben, so haben wir auch einen Wunsch, in der Gesellschaft für andere und uns selbst aktiv zu sein. Und es gibt auch den lethargischen Aspekt. Auf diese Weise steigt bei launenhaften Naturen manchmal, wenn nicht besonders darauf geachtet wird, dieses Verlangen nach Melancholie an die Oberfläche. Dieses gibt es bei allen Menschen. Es geschieht selbst dann, wenn täglich der Göttliche Name mit Hilfe eines Rosenkranzes wiederholt gesungen wird, denn dies heißt nicht, daß wir immer jeden Tag gleich gut aufgelegt und konzentriert sind. Manchmal gleitet die Maala aus der Hand, weil wir übermüdet oder erschöpft sind. Wer kann schon drei, vier oder fünf Stunden lang Japa üben? Obwohl es sich um den Namen Gottes zur Verehrung des Absoluten handelt, verweigert sich der Verstand, denn dieser trägt noch anderes in sich, als nur das Verlangen nach Gottesverwirklichung. Manchmal kann das, so sagt Patanjali, zu einer obsiegenden Dumpfheit oder Stumpfheit des gesamten Geisteskomplexes führen, - hier muß man sehr wachsam sein.
Dann kommt ein anderes Problem, eine Schwierigkeit von psychologischer Natur, von der in den Sutras von Patanjali berichtet wird. Es regen sich Zweifel. Dies ist ein wirklich schlimmes Problem, mit dem viele Suchende konfrontiert werden. Es sieht so aus, als ob die Mehrheit der Suchenden diese Schwierigkeiten hat. "Ist das richtig? Oder bin ich zu dumm, verschwende ich meine Zeit mit etwas in der Erwartung, daß etwas Großes daraus wird? Vielleicht liege ich vollkommen daneben. Vielleicht habe ich auch nicht den richtigen Lehrer, vielleicht bin ich dafür auch nicht geeignet. Ich bin im Augenblick total ungeeignet." Hunderte dieser Zweifel kommen dem Suchenden in den Kopf, und dies kann unter ungünstigen Bedingungen dazu führen, daß er selbst die Existenz Gottes anzweifelt. Es kann soweit kommen. Die Menschen verfluchen selbst Gott, wenn sie große Probleme haben und darunter leiden. Dann geben sie jede spirituelle Praxis auf, und es kommt beim Sadhana automatisch zu einem Bruch. Jeder kann, wenn dieses geschieht und alles schief läuft, Gott zürnen. Nun, gelegentlich können Zweifel auftreten, die sich langsam aufgrund mangelnder Erziehung und mangelndem Trainings unter einem richtigen Lehrer in den Verstand einschleichen. In solch einem Fall muß der Suchende plötzlich und ohne Führung in das Yoga hineinspringen.
In früherer Zeit gab es ein Lehrsystem, das "Gurukulavasa" genannt wurde, und das sich vom heutigen System völlig unterscheidet. Vom Guru oder Lehrer, Führer oder Meister wurde dabei sehr wenig Wissen über den Verstand des Schülers erwartet, weil nur unter dieser Bedingung das Geeignete gelehrt werden kann. Und wenn der Schüler in die Irre geht, weiß der Guru, was mit ihm geschieht und welches Gegenmittel sinnvoll ist. Doch heutzutage in der Neuzeit sind die Umstände anders, denn dieses System scheint nicht zu funktionieren. Darum erwächst selbst bei ernsthaftem Yogastudium oder sogenannter Praxis kein nennenswerter Vorteil daraus. Es wurde praktisch nahezu zu einer akademischen Angelegenheit oder einem Spaß.
Aus diesem Grund müssen wir darauf achten, wenn es sich um ernsthafte Arbeit an unserem Verstand handelt, wir etwas Spürbares anstelle des Gegenteils erreichen wollen und wenn wir uns selbst in eine ehrenwertere Existenzform verwandeln möchten, daß sich keine Zweifel in unseren Verstand einschleichen. Darum kann man selbst heutzutage nicht auf einen Guru verzichten, denn niemand ist so weise, alles über die Zukunft zu wissen. Alle Probleme, die auf uns zukommen, sind neu. Wenn sie vor uns erscheinen, nehmen sie eine neue Form an. Es mögen altbekannte Probleme sein, doch wenn sie auf uns zukommen, sehen sie neu aus. Und wir wissen nicht, wie wir mit ihnen umgehen sollen. Aus diesem Grund benötigen wir eine höhere Führung. Die richtige Führung ist auf dem Yogaweg unbedingt erforderlich. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, daß wir den Yogaweg gewählt haben, und wir sollten wissen, was wir tun und an wen wir uns im Falle von Schwierigkeiten wenden können. Wir müssen uns wirklich darüber im Klaren sein, und es sollte keine Zweifel geben. Es ist unmöglich, sich der Yogameditation zu widmen, wenn irgendwelche Zweifel bestehen. Es kann sich um metaphysische bzw. persönliche Zweifel oder es kann sich um Zweifel bei der Einstellung im täglichen Leben handeln. Fehleinstellungen können nicht durch das Studium von Schriften korrigiert werden, denn Bücher können nicht zu uns sprechen oder unsere Fragen beantworten. Das Bücherwissen ist zweifellos Wissen, doch es ist totes Wissen. Wohingegen der Suchende lebendige Antworten auf seine ihn quälenden Fragen haben möchte, die direkt jetzt, beinahe jeden Tag, von seinem Herzen kommen. Darum ist, und das kann niemand leugnen, ein Lehrer erforderlich, und niemand sollte glauben, er könnte bei dem Yogaweg auf seinen eigenen Füßen stehen. Niemand kann es, es sei denn, er ist ein gesegneter Meister und als Inkarnation gekommen. Dies ist etwas anderes. Normalerweise ist es nicht möglich. Bevor jemand mit Yoga beginnt, sollte er sich selbst fragen: "Hege ich irgendwelche Zweifel über den Yogaweg, den ich im Namen der Spiritualität eingeschlagen habe?" Falls es Zweifel gibt, müssen diese ausgeräumt werden, selbst wenn dieses Monate dauern sollte, dies macht nichts. Er muß zusehen, daß er keine Zweifel mehr hegt. Alles sollte klar wie das Tageslicht sein. Dann wird er Fortschritte machen.
Es werden in den Patanjali Sutras noch andere Schwierigkeiten erwähnt. Nachdem alles klar zu sein scheint, entsteht eine gleichgültige Haltung. Eine Selbstzufriedenheit setzt ein. Der Suchende sagt zu sich selbst: "Nach alle dem, habe ich Fortschritte gemacht. Was macht es schon, wenn ich heute nicht meditiere? Ich werde morgen meditieren, denn heute habe ich viel zu tun." Es ergeben sich Fragen, die sich der Verstand selbst beantwortet. In der Mahabharata gibt es eine große Episode, die als Sanatsujatiya bekannt ist, wo der große Meister Sanatsujata den unsterblichen Rat an Dhritarashtra gibt, daß es nichts Schlimmeres geben kann, als seine Pflichten zu vernachlässigen. ‘Pramada’ ist das Wort, das in den Patanjali Sutras für das ‘Vernachlässigen der Pflichten’ benutzt wird. Und unsere Yogapraxis als Pflicht zu vernachlässigen, ist schlimmer als der Tod oder Mrityu. Es ist wirklich schlimmer als der Tod. Wir müssen uns Yoga genauso zuwenden, wie wir uns dem Frühstück, dem Mittagessen oder Abendessen zuwenden. Wir müssen es wie unsere eigene Mutter oder unseren Vater, Bruder oder Schwester lieben. Es gibt nichts wertvolleres als unseren Yoga. Yoga ist kein abstrakter Gedanke, sondern eine lebendige, substantielle Existenz, und wenn Yoga wie ein abstrakter Gedanke behandelt wird, so ist dies ebenfalls eine Art Zweifel, der ausgeräumt werden muß. Bei Yoga handelt es sich nicht um eine Idee, es ist auch kein Name, der einer konkreten, substantiellen Offenbarung des Absoluten Selbst verliehen wurde, mit dem wir uns stufenweise vereinen müssen. Auf diese stiefmütterliche Weise sollte man sich Yoga gegenüber nicht verhalten. Die tägliche Yogapraxis sollte möglichst immer wieder zur gleichen Zeit stattfinden. Der Zeitrahmen sollte nicht verringert werden. Es ist besser Zeit für andere Aktivitäten als für die Meditation zu verringern, denn Meditation ist die göttliche Berufung des Suchenden. Doch der innere Drang, der nicht sorgfältig beachtet, verfeinert oder erfüllt wird, kann unvorhersehbare Schwierigkeiten hervorrufen, engelhaft sprechen oder uns wie ein Teufel bedrohen. All das ist möglich, und wir müssen genau hinschauen, wen oder was wir vor uns haben, wenn sich eine Stimme meldet oder ein Objekt sich selbst vor uns aufbaut.
Wenn der Suchende sich zur Meditation, Japa oder gar zum Studium setzen möchte, mag er sich gelegentlich schläfrig fühlen. Der Schlaf ist für die Gesundheit des Körpers sehr wichtig, und man sollte den Schlaf nicht über ein bestimmtes Maß hinaus verringern, da womöglich mangelnder Schlaf die Verehrung oder die Gebete stört. Wenn der Suchende übermäßig seinen Nachtschlaf kürzt, indem er gegen 1 oder 2 Uhr nachts aufsteht, so hat dies einen ungünstigen Einfluß auf seine Meditation. Er kann sich nicht richtig konzentrieren. Er mag eine Art schleichendes Gefühl krabbelnder Ameisen in seinen Kopfnerven empfinden; er fühlt sich schlecht und unglücklich dabei, und er wird seine Meditation so schnell wie möglich beenden. Der Zeitaufwand für die Meditation ist nicht so wichtig wie die Qualität der Konzentration, die einfach nicht vorhanden sein kann, wenn der Geist nicht richtig darauf vorbereitet ist. Und wenn unser Geist nicht glücklich ist, wie könnte ich ihn benutzen? Wenn wir dem Geist nicht geben, was er braucht, kann er nicht glücklich sein; und wenn er nicht glücklich ist, kann er auch nicht bereit sein. Wir müssen ihn so wie ein weiser Psychologe, Psychoanalytiker oder Schulmeister unterrichten, damit er sich selbst damit identifizieren und von seiner Warte aus auch verstehen kann. Auch, wenn sich der Suchende matt oder schläfrig fühlt, mag er sich selbst ermahnen: "Weshalb habe ich mich ernsthaft dem Yoga zugewendet? Welche Absicht steht dahinter? Wenn meine Absichten heilig, fromm und klar genug waren, warum verschließen sich meine Augen jetzt vor dem Ziel und verringern den Drang danach?"
Theoretisch ist Yoga sehr einfach, doch wenn der Suchende tatsächlich mit der Praxis beginnt, merkt er, daß es nicht so leicht ist. Ein Anfänger kann letztlich kein unabhängiges Yogaleben auf längere Zeit führen. Aus diesem Grunde wird er gebeten, Kontakt mit Gleichgesinnten zu suchen und mit ihnen gemeinsam am SATSANGA teilzunehmen. Sie können dann miteinander diskutieren. Leute mit gleichen Interessen können sich zusammensetzen und unterhalten oder vielleicht miteinander diskutieren. Zusätzlich zum Austausch von Gedanken untereinander, können sie zum eigenen Vorteil und je nach Bedarf, Zeit für Studien einplanen. Yoga bedeutet nicht immer nur Meditation mit geschlossenen Augen, sondern es kann vieles bedeuten, was letzten Endes irgendwie damit zusammenhängt. Kleine Studien sind ebenfalls notwendig. Vielleicht muß dieses auch zur regelmäßigen Routine werden. Ein gewisser Anteil an Yogatexten ist erforderlich, um den Geist auf etwas Höheres vorzubereiten. Anders können wir nicht permanent noble Gedanken hegen. Es ist nicht so einfach, den Verstand den ganzen Tag über immer mit hehren Gedanken zu beschäftigen. Das ist undurchführbar. Auf diese Weise gehen wir viele Wege, um den Verstand mit der Gewohnheit höheren Denkens vertraut zu machen. Diskussionen mit guten Menschen und Freunden ist hilfreich und wie ein zweites SATSANGA. Ebenso hilfreich ist ein Studium von Yogatexten großer Meister, Inkarnationen, Propheten und Gottheiten der Vergangenheit.
Wenn ein Yogaschüler bemerkt, daß mit ihm etwas nicht stimmt, er nicht weiß, was mit ihm geschieht, und er weder in der Lage ist zu meditieren noch mit jemandem zu sprechen, mag er seine Yogapraxis für drei Tage unterbrechen. Dies schadet nicht, denn er muß zunächst selbst herausfinden, ob er unter Erschöpfung leidet oder irgendwie behindert ist. Wenn ein Soldat auf dem Schlachtfeld kampfunfähig wird, bedeutet dies nicht, daß er dieses für alle Zeit bleibt. Andererseits wird ein verwundeter Soldat, wenn er sich selbst nicht wieder fit machen kann, aus der Schlacht genommen, versorgt und darf ausruhen. Ähnlich verhält es sich auf dem Schlachtfeld des Lebens, in diesem Yogakrieg ist es möglich, daß sich jemand erschöpft und nicht mehr in der Lage fühlt, den permanenten, täglichen, ohne Unterlaß stattfindenden Kampf aufzunehmen. Obwohl Patanjali lehrt, daß die Yogapraxis unaufhörlich, ohne Unterlaß und mit ständiger Bemühung stattfinden sollte, so müssen wir doch umsichtig sein. Ein Krieg mag weitergehen, doch wenn ein Soldat kampfunfähig wird, dann muß selbstverständlich der Kampf an dem Tag ohne ihn stattfinden. Der Soldat muß eine Pause einlegen, denn diese Pause ist auch ein Teil des Kampfgeschehens. Ebenso verhält es sich mit einer Pause bei der Yogapraxis. Auch hier wiederum ist ein Guru notwendig, um den Schüler beim Pausieren und bei der Wiederaufnahme der Praxis anzuleiten.
Dann kommt das Geflüster des ‘Teufels’. Es kommt in einem weit fortgeschrittenem Stadium des Schülers. Der ‘Teufel’ sagt nichts, wenn sich der Schüler noch in einem Anfangsstadium befindet. Der ‘Teufel’ interessiert sich nicht für Anfänger. Doch wenn er befürchten muß, daß der Yogaschüler tatsächlich mit Hilfe seiner Aktivitäten seine niedere Ebene verläßt, wird er reagieren. In Wahrheit gibt es keinen ‘Teufel’. Es ist nur ein gebräuchlicher Begriff aus der Theologie, denn es gibt niemanden, der irgendwo einen ‘Teufel’ hat sitzen sehen. Es ist lediglich eine natürliche Reaktion der niederen Natur, wenn der Yogaschüler versucht, über diese hinauszuwachsen. Um ein Beispiel zu geben: Wenn jemand mit dem Strom schwimmt, gibt es keine Schwierigkeiten, denn der Strom trägt ihn fort. Doch, wenn jemand versucht, gegen den Strom zu schwimmen, bekommt er Schwierigkeiten. Der Strom stellt sich ihm entgegen, versucht ihn gar zu ertränken, denn er versucht sich, gegen ihn zu stemmen. Unsere normale natürliche Bewegung ist - von den Sinnen gesteuert - auf äußere Objekte gerichtet, sie dient dem Zufriedenstellen der Instinkte und Bedürfnisse, dem körperlichen Besitz und unterschiedlichsten Freuden, was egoistische Befriedigung einschließt. Nun, insoweit, wie die Notwendigkeit besteht, den großen Fehler zu verstehen, der mit dieser Art von Befriedigung verbunden ist, und je mehr sich darum der Suchende stufenweise zur Ebene einer größeren Integration eines höheren universalen Verstehens hinbewegt, desto mehr schaut es aus, als wäre jede weitere Stufe in diese Richtung gegen die normalen Gesetze der Natur. Natürlich bedeutet dies nicht, daß der Suchende gegen die Natur arbeitet. Doch sieht es aufgrund einer kleinen Unordnung, als Ergebnis extremer Methoden, so aus, als ob er sich in die Natur einmischt. Die Natur reagiert, wenn der Suchende zu große Schritte auf einmal machen will. Es handelt sich dabei nicht um einen Fehler der Natur, selbst wenn der Suchende seine instinktiven Bedürfnisse überwinden möchte, - die ihn in Richtung äußerlicher Objekte drängen, - was sehr vorsichtig geschehen muß, so als würde ein Arzt langsam eine Injektionsnadel einführen und der Patient nichts dabei spüren. Kein Arzt stößt einem Patienten eine Klinge in das Fleisch, nur um eine Injektion vorzunehmen.
Es ist sehr wichtig, daß der Yogaschüler sich nicht für zu weise hält. Auch sollte er mit seinem Wissen sehr sorgsam umgehen. Weisheit, die unbedacht angewendet wird, hört auf Weisheit zu sein, darum sollte die Weisheit mit Bedacht angewendet werden. Dieses ist eine Besonderheit in der Kunst der Yogapraxis und fällt in die Verantwortlichkeit des Gurus. Der Schüler weiß nicht, was mit dieser Methode gemeint ist. Wenn er sich falsch verhält, wird er es erst feststellen, wenn er negative Auswirkungen verspürt. Erst, wenn er einen ‘Tritt’ bekommt, wird er merken, daß etwas schiefgelaufen ist, sonst weiß er gar nicht, was er falsch gemacht hat. Das Wünschen und die allgemeinen Bedürfnisse sind die Aktivitäten der äußeren Natur, die unsere Aufmerksamkeit im Yoga erzwingen. Wir können mit dem Strom der äußeren Natur schwimmen oder uns ihm entgegenstellen. Yoga erzählt uns, daß wir sehr aufmerksam sein müssen und den ‘Goldenen Mittelweg’ beschreiten sollen. Yoga sagt uns, daß wir weder ausschließlich mit der Natur, noch vollständig gegen den Strom schwimmen sollen. Beide Extreme sind unerwünscht, denn sie machen uns in den Augen der Prakriti zum Anziehungspunkt. Es ist besser unbeachtet zu leben, als ein attraktives Objekt zu werden; denn ein attraktives Objekt bekommt immer irgendwelche Schwierigkeiten. Wohingegen jemand, der unbemerkt ist, unbehelligt und glücklich leben kann. Darum sollte der Yogaschüler, selbst durch die Yogapraxis unbeeinflußt, seinen normalen Lebensgewohnheiten mitten in der Natur nachgehen, und nichts darüber verlauten lassen, wie beispielsweise: "Ich bin ein Yogaschüler!" Diese Art von Verlautbarung wird von der Prakriti (Natur) nicht gern gesehen. Falls die Reaktion der Natur streng ist, gibt es eine Umkehrung der Praxis. Ein innerer Wunsch kann die Sinne derart aktivieren, daß sinnliche wie auch egoistische Wünsche, heftiges Verlangen, von denen sich der Suchende im Namen des Yoga befreien möchte, ihn in die umgekehrte Richtung drängen können. Und diese aufgestauten Kräfte können stärker sein, als jene unterstützenden Kräfte in einem Menschen auf diesem Yogapfad. Umkehrkräfte sind immer stärker als jene Energien, die ein wenig Freiheit geben. Laßt uns festhalten, daß Yoga nichts mit aufgestauter Energie zu tun hat, sondern weise Anwendung der Energien bedeutet. Wenn Wasser, ohne jeden Abfluß, hinter einem Damm aufgestaut wird, wird der Damm eines Tages brechen, doch Dämme werden nicht so gebaut. Sie werden für die optimale Wassernutzung gebaut. Doch, wenn das Wasser nicht derartig genutzt wird, und es sich hinter dem Damm unkontrolliert aufstaut, wird der Damm brechen, und das Wasser das Land überschwemmen.
Wir sind als ein Teil der Natur automatisch in jene äußerlichen Aktivitäten dieser Natur in Raum und Zeit eingebunden, und können daher unseren äußerlichen Drang nicht so ohne Weiteres zügeln. Dieser Drang muß schrittweise kontrolliert werden. Bei Patanjali handelt es sich um ein Yogasystem von insgesamt acht Stufen. Der Yogaschüler kann weitere Stufen, falls notwendig, mit Hilfe seines Gurus kreieren. Zu seinem eigenen Vorteil kann das durchaus einhundert oder mehr Stufen umfassen. Wann immer ein Wunsch sich auftut, können wir einen Riegel im Namen von Yoga davorschieben, und ihn als Gegner verurteilen. In den Religionen werden alle Wünsche verdammt. Jede Religion ist gegen die normalen menschlichen Wünsche eingestellt. Es ist jedoch ein Fehler, alle Wünsche vollständig zu verdammen. Selbst wenn wir auf einen Gegner treffen, wäre es nicht weise, sich ihm sofort entgegenzustellen. Um den Gegner niederzuringen, bedarf es einer sehr geschickten und gut durchdachten Vorgehensweise. Und damit unser Vorgehen von Erfolg gekrönt wird, müssen wir unmerklich, wie ein Spitzel aus der Politik oder ein Spion im Krieg, vorgehen. Yoga ist mit den Aktivitäten auf dem Schlachtfeld vergleichbar. Wir ziehen nicht in die Schlacht, um als Verlierer den Platz zu verlassen, oder gar getötet zu werden. Die Absicht ist, im Krieg einen Sieg davonzutragen. Es liegt nicht in unserer Absicht, Yoga zu praktizieren, um uns die Schamröte ins Gesicht zu treiben, sondern wir wollen etwas erreichen. Solange wir nicht jedes Detail der Gegenseite genau kennen, wobei es sich hierbei um Prakriti (Natur) handelt, und solange wir kein richtiges Mittel gefunden haben, uns selbst bezüglich der Taktik der Natur richtig einzuschätzen, werden wir scheitern. Darum ist es besser, uns viele Tage und Monate auf diese Yogaschlacht vorzubereiten, als plötzlich in die Ebene der Meditation hineinzuspringen, die gemäß Patanjali eine der letzten Stufen darstellt. Häufig leben wir in der Vorstellung, fortgeschritten zu sein, und daß es keine Vorstufen mehr gäbe. Dies ist wiederum eine Selbstüberschätzung. Die Welt ist für jeden viel zu mächtig. Wir sollten diese Macht der Welt nicht unterschätzen. Wir sollten uns vor Augen führen, wie riesig und machtvoll die Welt in ihrer Natur ist, und welch eine außerordentliche Energie die fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther in sich selbst tragen! Wir sollten uns im Klaren darüber sein, warum selbst die Vorurteile der menschlichen Gesellschaft stark genug sind, sich uns entgegenzustellen, wenn wir einen unklugen Schritt im Yoga machen.
Patanjali erwähnte noch eine andere Schwierigkeit, die dem Yogaschüler begegnen kann. Dies ist die Wahrnehmung von Illusionen. Der Yogaschülern mag den Eindruck haben, daß er in seiner Meditation Gottesvisionen, himmlische Lichter, zu ihm sprechende Engel oder Düfte der Parijata-Blume aus Indra’s Garten wahrnimmt. All dies kann sich in seinem Verstand abspielen, was als Illusion bekannt ist. Es sind Illusionen, weil es keine göttlichen Visionen oder Wahrnehmungen sind, obwohl sie als etwas Außergewöhnliches und Übernormales ausschauen. Die meisten Farben oder Klänge, die bei intensiver Konzentration wahrgenommen werden, sind das Ergebnis des Druckes der auf dem Prana liegt, sei es aufgrund durch Pranayama oder durch Konzentration. Wenn wir unsere Augen fest zudrücken, sehen wir auch Farben. Selbst wenn jemand einen Schlag an den Kopf bekommt, sieht er Farben. Wir können sie nicht als göttliche Farben bezeichnen, denn sie sind das Ergebnis von einem Druck, der auf Prana ausgeübt wird. Der Druck kann von einem Schlag oder Stoß, einer Atemverhaltung (Kumbhaka) oder gar von einer einfachen psychologisch ausgeübten Konzentration des Geistes auf irgend etwas herrühren. Wenn so etwas geschieht, wird man sofort Farben des Pranas sehen und manchmal hört man eine feine Schwingung, die vom Anahata Nada (Tonschwingung in der Herzgegend) ausgehen. Sie sind insoweit lobenswert, wie sie das Ergebnis einer Konzentration sind. Doch man darf sie nicht als göttliche Wahrnehmung ansehen. Auf diese Weise ist Bhranti-Darsana oder das Wahrnehmen von Illusionen und deren fälschliche Annahme als Wirklichkeit, ebenfalls ein Fehler, der den Suchenden vom Sadhana abhalten sollte.
Nun gibt es noch andere Bhrantis oder Illusionen, die manchmal vom Suchenden Besitz ergreifen. Er glaubt zu fühlen, eine Inkarnation zu sein, und daß es seine einzige Pflicht sei, die Welt vor der Hölle zu retten. Viele aufrichtige Sucher beginnen zu fühlen, daß sie hier in der Welt sind, um die Menschheit vor der Verdammnis zu retten, und dann verlassen sie ihre eigene Yogapraxis. Zuvor studierten sie die Upanishaden, die Bhagavad Gita und praktizierten Yoga. Alles ist in Ordnung, nichts blieb übrig, mit Ausnahme der Aktivität des Erretters! Aus diesem Grund übernahmen sie die Verantwortung eines Propheten oder einer Inkarnation, strebten danach, die Menschheit vor der Hölle zu retten und danach betraten sie selbst die Hölle. Yogasuchende sollten nicht, aufgrund ihres Erfolges im Yoga, die Absicht solch falscher Vorstellungen hegen, Erretter der Menschheit zu sein. Es gibt keine Pflicht dieser Art. Und falls dies seine Pflicht ist, wird es ihm so klar wie das Sonnenlicht sein. Es gibt darüber keinen Zweifel. Es ist von derart hoher Klarheit, wenn Gott, einen Menschen mit dieser großen Verantwortung - die Menschheit zu retten - betraut. Darum sollte der normale Yogasuchende nicht glauben, daß es seine Pflicht sei, die Menschheit zu retten. Er ist ein sehr kleiner Schwächling, so wie eine Fliege. Diese unangebrachten Ideen sollten sich in seinem Verstand nicht erheben. Dies falsche egoistische Gefühl, ein großer Yogameister oder Erretter der Menschheit zu sein, sollte vollständig aufgegeben werden.
Die nächste Schwierigkeit, die Patanjali erwähnt, ist die Unfähigkeit des Verstandes, sich auf das gedachte oder auserwählte Objekt zu konzentrieren. Wie oft sich man auch konzentrieren mag, der Verstand ist nicht in der Lage, an einem Objekt festzuhalten. Einer Quecksilberkugel gleich, die man nicht in der Hand halten kann oder wie ein glitschiger Fisch, den man nicht ergreifen kann, entgleitet der Verstand seiner Kontrolle und will immer an etwas anderes denken. Und wie sehr man sich auch bemüht, er will sich nicht konzentrieren. Er ist wie ein Stier, der uns lieber mit seinen Hörnern durchbohren will, anstatt unsere Ermahnungen oder Belehrungen zu akzeptieren. Der Verstand kann sich derartig wild gebären, daß es in antisoziales Verhalten, nach innen wie nach außen münden kann. Es ist eine sehr schlimme Situation, wenn der Verstand wild wird! Es kann einen wahnsinnig machen. Aufgrund des außerordentlichen Drucks, den der Suchende entweder absichtlich oder durch die äußeren Umstände auf sich selbst ausübt, werden viele Menschen auf dem Yogaweg geisteskrank. Aus diesem Grunde muß der Yogaschüler sehr behutsam und vorsichtig vorgehen.
Die letzte Schwierigkeit, die Patanjali erwähnt lautet wie folgt: Selbst wenn der Yogaschüler einen Konzentrationspunkt erreicht, kann er seinen Verstand nicht für längere Zeit dort ruhen lassen. "Ja, ich konnte den Konzentrationspunkt erreichen, doch ich konnte dort nicht lange verweilen!" - Dies ist eine häufige Klage. Der Verstand kommt sofort zurück. Durch schrittweises Bemühen, täglicher Übung und verschiedene andere Methoden, bekommt der Verstand schrittweise die Fähigkeit, sich für immer längere Zeit zu konzentrieren.
Selbst wenn es zehn Geburten braucht, Gott zu erreichen, macht dieses nichts. Der intelligente Yogaschüler sollte seine Schritte nicht zurückverfolgen und zurückfallen. Er sollte langsam voranschreiten. Es gibt Schwierigkeiten einer zweiten Kategorie, die von Patanjali erwähnt werden, die anders als jene sind, auf die wir uns bereits bezogen haben. Ein Zustand der Verzweiflung, wenn die Praxis irgendwie schiefläuft, wird von dem großen Yogalehrer als Schwierigkeit der zweiten Kategorie bezeichnet. Melancholie und Selbstzweifel können sich selbst erst nach Jahren und nicht unbedingt gleich zu Anfang der Praxis einstellen. "Was soll das alles? Ich habe genug getan. Ich habe es satt." Der Geist spricht nach Jahren der Praxis in diesen Begriffen. "Alle Gebete sind ins Leere gegangen; die Meditation war für mich ohne jeden Erfolg. Ich habe die Welt und alles das verloren. Was soll gut daran sein?" So oder ähnlich spricht der Geist eines Tages, und der Suchende sagt nichts, weil er tief in seinem Herzen darüber bekümmert ist, daß er alles verloren zu haben glaubt. Dies eine Stufe des Kummers, die jeder große Meister durchschreiten mußten. Es wird berichtet, daß selbst große Denker und beharrliche Schüler, wie Buddha einer war, an einer Stufe in einen Zustand der Sorge und des Kummers kamen, wo sie glaubten, nichts erreicht zu haben. Wir können in der Biographie Buddhas lesen, daß er selbst einen Tag vor seiner Erleuchtung, keine Anzeichen dafür hatte. Er hatte entschieden, daß der Tod das einzige wäre, das Erlösung bringen würde. Das Ergebnis all diesen Leidens im Namen von Yoga ist Zerstörung und Verlust von allem. Diese Zustände von Melancholie, Niedergeschlagenheit, süßsaurer Miene und Rizinusöl-Gesicht, wie Swami Shivanandaji Maharaj zu sagen pflegte, mögen sich in den Geist schleichen. Dies sind Dhuhkha und Daurmanasya - Sorge und Niedergeschlagenheit. Wann immer sich ein solcher Zustand einstellt, sollte der Suchende die Zustände aufmerksam überleben und ihnen nicht unterliegen.
Die Hindernisse der zweiten Kategorie, die von Patanjali erwähnt werden, sind von unterschiedlicher Natur. Er betrachtet sogar das Atmen als Hindernis. Ein normaler Schüler wird nicht verstehen, was all dies bedeuten soll. Warum sollte das Atmen eine Schwierigkeit sein? Wir können ohne die Atmung nicht leben. Doch muß angemerkt werden, daß Patanjali vom Atmen als Hindernis spricht. Dies kann nur der fortgeschrittene Schüler mit außerordentlicher Wahrnehmungsfähigkeit verstehen. Patanjali betrachtet die Ein- und Ausatmung deshalb als Hindernis, weil diese Wechselbewegung der Atmung eine beruhigende Wirkung auf das Atmen selbst hervorruft, was sich auf die Gedankenbewegung auswirkt. Niemand kann aufgrund der wechselnden Atembewegung fortgesetzt, beharrlich denselben Gedanken fassen, und darum wird Pranayama als Teil der Yogapraxis beschrieben. Pranayama bedeutet Verhalten des Atems und ein Verhindern der normalen Wechselbewegung des Atems. Es wird angenommen, daß das Verhalten des Atems direkt zur Zielstrebigkeit des Geistes, zur Konzentration des Bewußtseins und zur Befreiung von der Gedankenbewegung führt, die den Sinnesobjekten zustrebt. Als Ergebnis beharrlicher Yogapraxis, wird sich früher oder später der Atemprozeß mit dem Gedankenprozeß verbinden, und die Lebensenergie des Yogi wird ‘EINS’ mit seinem psychologischen Sein. All dies führt dazu, daß seine Persönlichkeit in ein Bewußtseinszentrum konzentriert wird, wo keine Atmungbewegung mehr stattfindet. Dies ist der Zustand des Samadhi, der letzte Zustand.
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cf9fff04c8bec702745faf6716f67c78 | Gastbeitrag von joboo
Kinder begegnen der Welt und allem was sie umgibt mit Neugierde. Was macht dieses Ding, wenn ich mich draufstelle? Wie schwer ist es? Kann ich es in die Ecke werfen, ohne dass es beschädigt wird? Viele Fragen tun sich auf, wenn ein unbekanntes Objekt im Leben eines Kindes erscheint. Woher soll man wissen, ob ein Teller bricht oder ein Ball rollt, ohne es zuvor erlebt zu haben? Erst das praktische Erfahren lässt Kinder Zusammenhänge begreifen. Die Neugier der Kinder treibt sie dabei zur ständigen Bewegung an, um sinnliche Erfahrungen mit ihrer Umwelt zu machen. Der Bewegungsdrang von Kindern wird allerdings oft eher als Störung statt als Ausdruck kindlicher Lebensfreude empfunden. Deshalb werden körperliche Bedürfnisse, vor allem im Zusammenhang mit Schule, Lernen und Unterricht, oft diszipliniert und Bewegung unterbunden, da Bewegung als konzentrationshemmend angesehen wird. Doch gerade beim Lernen hat Bewegung durchaus viele positive Auswirkungen. Was bewegtes Lernen bewirkt und wie du es mit dem Stapelstein einfach in deinen Unterricht einbinden kannst, wollen wir Dir in diesem Artikel vorstellen.
Was ist bewegtes Lernen?
Der Kopf braucht zum Lernen den ganzen Körper. Gleichförmigkeit und langes Stillsitzen im Unterricht führen eher zu geistigem Stillstand. Dagegen sind die vielen spontanen Bewegungshandlungen aus dem Alltag der Kinder von entscheidender Bedeutung nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für das Leistungsvermögen und die Entwicklung von Kindern.
Bewegtes Lernen bedeutet, den Schulunterricht so zu gestalten, dass die Schüler Inhalte durch Erleben, Denken und Handeln erfahren und so Zusammenhänge erkennen können. Wie genau bewegtes Lernen im Schulalltag umgesetzt werden kann ist vielfältig: Bewegungspausen in den Unterricht einbauen, Bewegungssitze oder Bewegung als didaktisches Mittel in Lernprozesse einbinden – der Kreativität sind hier fast keine Grenzen gesetzt. Hauptsache, Bewegung wird in den Unterricht integriert, um Aufmerksamkeit und Konzentration aufrecht zu erhalten.
Erfahrungen mit dem eigenen Körper sind beispielsweise wichtige Grundlagen für das Erlernen von Schreiben, Lesen, Rechnen und der sozialen Kompetenzen. Im Fachunterricht kann Bewegung eine didaktische Hilfe beim Verstehen von Sachinhalten sein. Zudem ist Lernen auf mehreren Sinnesebenen effektiver als die ausschließliche Förderung der kognitiven Fähigkeiten, da die Verknüpfungen und Assoziationen auf mehreren Ebenen stattfinden und abgerufen werden können.
Welche positiven Aspekte hat bewegtes Lernen?
Motorische und kognitive Lernprozesse bedingen und stärken sich gegenseitig. Sie finden nicht getrennt voneinander, sondern in Wechselwirkung miteinander statt. Das bedeutet: Wenn Lernen mit Bewegung verbunden wird können Kinder effektiver Lernen und erinnern. Allgemein gilt außerdem: je mehr Sinne in den Lernprozess eingebunden sind, umso besser ist schlussendlich der Lerneffekt.
Das Addieren und Subtrahieren von fassbaren Objekten ermöglicht zum Beispiel die differenzierte, sinnliche Erfahrung einer Rechenaufgabe. Zusätzlich wird durch den bewegten Lernprozess die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit ausgebildet.
Das sind die Vorteile von bewegtem Lernen:
- Durch Bewegung wird das Gehirn besser durchblutet, dadurch steigt die geistige Leistungsfähigkeit
- Kinder bewegen sich heute zu wenig. Mit bewegtem Lernen wird Bewegung vermehrt in den Alltag der Kinder eingebunden, was wiederum positiv nachhaltig auf die physische und psychische Entwicklung wirkt
- Gemeinsame Bewegung im Unterricht fördert soziale Kompetenzen
- Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf die Konzentrationsfähigkeit der Schüler aus
Bewegtes Lernen mit dem Stapelstein
Der Stapelstein ist ein Hilfsmittel für Pädagogen, um unmittelbar und einfach Bewegung in den Alltag von Kindern zu integrieren und durch variable Schwierigkeitsstufen eine individuelle Förderung im Gruppenverband zu realisieren. Die Grundfunktionen des Stapelsteins decken unter anderem das Balancieren, Schwingen, Springen, Laufen, Rollen, Transportieren, Strukturieren, Symbolisieren und die vielfältigen Formen des Platznehmens ab. Dadurch ergeben sich für dich unzählige Möglichkeiten mithilfe des Stapelsteins Bewegung in deinen Unterricht einzubinden.
Somit ist der Stapelstein der perfekte Begleiter für bewegten Unterricht: mit dem Stapelstein kannst du handlungsorientierte Lernsituationen bedarfsgerecht und ergonomisch unterstützen. Außerdem kannst du raumunabhängige Lerneinheiten oder Angebote im Freien einfach organisieren.
Bewegtes Lernen in der Schule: Spiele mit dem Stapelstein
Die Stapelsteine ermöglichen unzählige Spielideen und laden zum Erfinden von neuen Spiel-Variationen ein, auch und vor allem für einen bewegten Unterricht. Die Spanne der Bewegungsangebote mit dem Stapelstein reicht dabei von ruhigen, konzentrativen bis zu energiegeladenen, koordinativen Spielen.
Die Spiele decken verschiedenste Bildungsbereiche ab: neben Motorik und Koordination kannst du mit dem Stapelstein auch Kreativität, Kognitive Fähigkeiten, Soziale Kompetenzen, Sprache und Mathematische Fähigkeiten fördern.
Silbengang
Aktivität: aktiv
Fokus: Kognition, Motorik, Sprache
Übung für: Sprechen, Zuhören, Schreiben
Aufbau und Ablauf:
Unterschiedlich lange Balance-Pfade werden nebeneinander aufgebaut. Der Spielleiter sagt ein beliebiges Wort (zum Beispiel „Sal-to“). Die Kinder müssen im Kopf nachzählen, wie viele Silben das Wort hat und dann schnell zum entsprechenden Balance-Pfad laufen. (Für „Sal-to“ also zum Pfad mit zwei Stapelsteinen.) Zur Kontrolle gehen die Kinder im „Silbengang“ über den Balance-Pfad und sprechen bei jedem Schritt eine Silbe des Wortes aus.
Varianten:
- Kreativspiel: Der Spielleiter bestimmt einen der Balance-Pfade, also zum Beispiel den mit drei Stapelsteinen. Nun müsst ihr ein dazu passendes Wort finden. Im Silbengang über die Stapelsteine könnt ihr prüfen, ob ihr richtig lagt und euer Wort tatsächlich drei Silben hatte.
- Die Spieler bekommen verschiedene Worte zugeteilt und versuchen passend zum jeweiligen Wort den Balance-Pfad zu legen.
- Sätze bauen: Wenn ihr schon ein bisschen geübt habt, könnt ihr auch ganze Satz-Pfade bilden. Hierfür denkt ihr euch einen Satz aus und legt jeweils in einer Farbe die Silbenanzahl jedes Wortes. Zum Beispiel ein roter Stapelstein für „der“, anschließend zwei grüne Stapelsteine für das Wort „Fuß-ball“, dann ein gelber für „ist“ und schließlich zwei blaue für „ka-putt“. Am Schluss könnt ihr im Silbengang testen, ob der ganze Satz richtig ist.
Wunderturm
Aktivität: ruhig
Fokus: Kognition, Kreativität, Mathematik
Übung für: Problemlösen, Wahrnehmung, Kopfrechnen
Aufbau und Ablauf:
Alle Spieler stapeln gemeinsam aus beliebig vielen Stapelsteinen einen großen, bunten Turm. Dann schauen sie sich den Wunderturm noch einmal ganz genau an. Ein Spielleiter kann auch Fragen dazu stellen. Zum Beispiel: Wie viele blaue, rote, gelbe, grüne Stapelsteine sind im Turm? Welche Farbe kommt am häufigsten vor? Wie oft kommt dieselbe Farbe direkt nacheinander vor? Gibt es vielleicht sogar einen Drilling?
Varianten:
- Veränderung: Nachdem ihr den Turm genau betrachtet habt, schließt ihr die Augen und der Spielleiter verändert den Stapel. Augen auf! – Was hat sich verändert?
- Zwillingsturm: Am Anfang baut ihr zwei genau gleiche Türme nebeneinander. Dann Augen zu, , während der Spielleiter einen Turm ein kleines bisschen verändert oder auch zwei Steine zwischen den Türmen austauscht. Augen auf! – Welcher Turm und was genau wurde verändert?
- Rechenturm: Ihr könnt euch auch kleine Rechenaufgaben aus dem Wunderturm ableiten. Wenn zum Beispiel zwei blaue Stapelsteine aufeinander folgen und ihr weiter oben im Turm noch einen blauen Stapelstein findet, ist die Rechnung: 2 + 1 = 3
Neugierig geworden?
Ab Ende März 2020 findest du im Kübler Sport Onlineshop zusätzlich zu den Stapelsteinen auch eine Stapelstein-Spielesammlung. Diese Sammlung enthält neben den grundlegenden Möglichkeiten mit dem Stapelstein zu spielen auch viele verschiedene Ideen und Anregungen, wie du den Stapelstein für bewegtes Lernen oder die individuelle Förderung verschiedener Fähigkeiten nutzen kannst. | 5.03125 | 4.6875 | 4.09375 |
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Steißbein tut weh
Steißbein tut weh - Was tun bei Steißbeinschmerzen
Schmerzen im unteren Ende der Wirbelsäule sind häufig Steißbeinschmerzen. Spezialist Doktor Peter Sigg informiert über "Kokzygodynie" = das Steißbein tut weh!
Das Os kokzygeus oder Os coccygis oder kurz "Coccyx" ist der dreieckige, gebogene, kleine, unterste Abschnitt der Wirbelsäule. Die Form ähnelt einem Kuckucksschnabel und wird deshalb Kuckucksbein genannt. "Dynie" ist die Bezeichnung für "Schmerz". (Schmerzen z.B. der Achilles-Sehne nennt man Achillodynie).
Steißbeinschmerzen (Kokzygodynie) können verschiedene Ursachen haben. Weshalb die Schmerzen chronifizieren, lässt sich in sehr vielen Fällen jedoch durch den Spezialisten sicher feststellen und beheben. Mögliche Auslöser für Steißbeinschmerzen sind akute oder andauernde kleinste Prellungen der Knochenhaut, des Periosts. Ein Sturz auf das Gesäß kann die primär auslösende Ursache sein. Unser modernes Leben ist sehr häufig mit Sitzen verbunden - mehr als je zuvor. Einige Positionen und Übungen des Yoga sind für das Steißbein und sein "Wurzel-Chakra", dem "Muladhara" eine ziemliche Belastung. Momentan erdulden wir die Corona-Krise: kleinste andauernde Mikrotraumata und Überdehnungen der Knochenhaut mit den Spinalfaszien um das Steißbein können sich vor allem bei zusätzlichem Dauerstress sehr ungünstig auf die gesamte Region um das Steißbein auswirken. Steißbeinschmerzen aus der Knochenrinde können sich sowohl auf harten als auch auf ungünstig weichen Polsterungen entwickeln. Schwangerschaft und Geburt, oder ein in schon länger zurückliegender Sturz auf den Hintern, können sich jetzt auch noch nach vielen Jahren wieder mit Schmerzen im Steißbein, einer Coccygodynie, aber auch im anatomisch angrenzenden Kreuzdarmbeingelenk ("ISG-Syndrom") und auch mit sehr schmerzhaften Ausstrahlungen über die Hüften ("Ischias"/"Piriformissyndrom") bemerkbar machen.
Mögliche Ursachen für Steißbeinschmerzen sind
- Steißbeinprellung,
- Steißbeinstauchung,
- Steißbeinverrenkung
- Steißbeinbruch mit und ohne
- Steißbeinfehlkrümmungen
- Arthrose und Bandscheibenschäden wie
- Bandscheibenvorfall
- Gynäkologische Erkrankungen
- Entbindungen (Dammschnitt, Sectio)
- Nervenschmerzen (Neuralgie) im Steißbeingeflecht (Ganglion impar!)
- Reizung der Nervengeflechte zwischen Steißbein und After
- Tumoren im Bereich des Steißbeins
- Chirurgische Eingriffe im unteren Rücken, Becken und Bauchraum
- Psychosomatische Ursachen z.B. als Folge von anhaltendem Stress.
Ständiger Stress kann die Nervengeflechte im Bereich des Kreuzbeins und des Steißbeins empfindlicher werden lassen und auch ein hyperreagibles, ständig "feuerndes" Immunsystem liefert oft die Grundlage für Schmerzen im Steißbein mit ISG-Blockaden.
Steißbeinschmerzen (Kokzygodynien) äußern sich durch meist sehr intensive Schmerzen im Bereich des Steißbeins mit Spasmen der Umgebung. Die Symptome müssen also nicht auf die Region des Coccyx / Steißbeins allein begrenzt sein, sondern können auch bis in den Beckenboden, in das Becken, in die Hüften und in den Lendenbereich und sehr häufig sehr leidvoll auch in die Genitalregion ausstrahlen.
Die Schmerzen am Steißbein nehmen in der Regel im Sitzen oder auch beim Aufstehen aus einer sitzenden Position zu. Zum Teil machen sie das Sitzen sogar unmöglich. Steißbeinschmerzen verändern die gesamte Körperhaltung und das Gangbild. Außerdem führen Steißbeinschmerzen oft auch zu Schmerzen beim Stuhlgang oder beim Geschlechtsverkehr. Das Steißbein ist an seiner Spitze und an seiner Vorderseite extrem sensibel!
Um bei einer Kokzygodynie, also bei Schmerzen im Steißbein und in seiner anatomisch-biologischen Umgebung eine definitive Diagnose zu stellen, untersucht der Coccyx- / Steißbein- Spezialist die Steißbeinspitze und den Übergang von Steiß- und Kreuzbein. Bei gezieltem, dosiertem Druck löst dieser eine schmerzhafte Reaktion aus.
Bei einer Röntgenuntersuchung lassen sich bei den Patient*innen (es sind übrigens viel mehr weibliche Patientinnen als männliche Patienten) meist schon weitere Anhaltspunkte feststellen. Die Form des Steißbeines in stehender Position kann zu gerade oder zu sehr gebogen sein. Bei der "Sitz-Aufnahme im seitlichen Strahlengang" zeigt sich dann oft auch eine (im Übrigen auch schmerzhafte!) Überbeweglichkeit.
Die spezielle Computertomografie CT kann weitere Auffälligkeiten wie feine knöcherne "Spiculae" des Steißbeins, aber auch Veränderungen der Organe vor dem Steißbein aufzeigen. Zusätzlich kann auch sogar ein MRT (Magnetresonanztomogramm) zur Darstellung etwaiger entzündlicher Aktivierungen angefertigt werden. Weitere strukturelle pathologische Veränderungen der Region und sogenannte Sakral-Zysten/Tarlov-Zysten spielen mitunter eine zu berücksichtigende Rolle.
Bei Steißbeinschmerzen (Kokzygodynie) besteht die Therapie vor allem darin, die Schmerzen zu lindern.
Schmerzmittel
Schmerzmittel = Analgetika und NSAR wie Ibuprofen können das Symptom Steißbeinschmerzen lindern (unterdrücken). Zu häufig eingenommen, können sie aber sehr negative Nebenwirkungen verursachen. Die Ursache schwelt aber weiter.
Lokalanästhetika mit oder ohne Steroide
Zur Therapie der Steißbeinschmerzen können in die betroffene Stelle örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) gespritzt werden. Das muss sehr diffizil durch einen Spezialisten erfolgen, denn die Region ist sehr verletzlich und kann unwiederbringlich geschädigt werden. Ein Bild-Kontrolle ist zwingend erforderlich. Wirkstoffe aus der Gruppe der Steroide können entzündliche Reizungen in diesem Bereich hemmen. Auch BotulinumToxine in geringster Dosierung am Impar-Ganglion etc. sowie Plasmaproteine und Blutplättchen aus dem Eigenblut werden gezielt angewendet.
Physiotherapie und Physikalische Therapien
Physiotherapeutische Optionen wie eine Mobilisation oder Manipulation des Steißbeins können manchmal hilfreich sein. Ich selbst behandle als ausgebildeter Manualtherapeut und Osteopath das Steißbein nie osteopathisch sondern immer gleich sehr gezielt und mölichst nachhaltig über gezielte minimalinvasive kleine Interventionen mit den bereits erwähnten verschiedenen BioSubstanzen.
Sitzkissen
Ein weiches Sitzkissen, ein weiches U-förmiges Sitzkissen, ein O-förmiges Donut oder auch ein weicher Sitzkeil mit Aussparung können bei akuten Schmerzen am Steißbein das Sitzen erleichtern. Sitz-Hilfen helfen leider nicht bei allen Steißbeinschmerzen, sollten natürlich immer auch in Betracht gezogen werden.
Psychotherapie
Wenn Steißbeinschmerzen tatsächlich psychosomatische Ursachen haben, bietet sich als weiterführende Maßnahme eine Psychotherapie an, wobei auch hier das Sitzen oft ein erhebliches Hindernis zu sein scheint!
Eine sichere Prophylaxe von chronischen und immer weitere Folgen nach sich ziehende Steißbeinschmerzen (Kokzygodynien) ist oft kaum möglich. Steißbeinverletzungen (nach einem Sturz oder nach einer Geburt) sollten möglichst rechtzeitig sofort mit der entsprechenden Expertise gezielt behandelt werden. Organische Probleme im Becken, in der Hüfte und im unteren Rücken sollten rechtzeitig definiert und dann gezielt therapeutisch angegangen werden.
Im Team stark! Spezialisten für Bandscheibe, ISG und Steißbein
Durch Kooperationen mit spezialisierten Kliniken und Fachärzten aus Oberschwaben, dem Allgäu und der Bodensee Region wird die Versorgung der Patienten mit Bandscheibenvorfall, Iliosakralsyndrom, Facettensyndrom, Hexenschuss, Spinalkanalstenose, Rheuma, Arthrose oder Ischias ständig verbessert. Das Einzugsgebiet für auserwählte Kooperationen umfasst Kliniken und andere Spezialisten in ganz Süddeutschland. | 3.234375 | 2.59375 | 2.578125 |
96d3ddf39ea0bd9a44ce852a5f204934 | Industrie 4.0 Transformation setzt die transkulturelle Kompetenz voraus
© Prof. Dr. Fehmi Alagün Graz / Bosporus
"Die Kulturen sind hochgradig miteinander verflochten und durchdringen einander. Die Lebensformen enden nicht mehr an den Grenzen der Nationalkulturen, sondern überschreiten diese und finden sich ebenso in anderen Kulturen. Die neuartigen Verflechtungen sind eine Folge von Migrationsprozessen sowie von weltweiten materiellen und immateriellen Kommunikationssystemen (Digitalisierun, internationale Mobilität) und von ökonomischen Interdependenzen."
Seit Mitte der 90er plädiert Prof. Dr. Wolfgang Welsch für ein anderes Bild vom Verhältnis der Kulturen. Anstelle der Isolierung und des Konflikts, stellt er die Verflechtung, Durchmischung und Gemeinsamkeit in den Mittelpunkt. Sein Konzept befördert nicht Separierung, sondern Verstehen und Interaktion.
Das Internet hat die Grenzen zwischen Abendland und Morgenland technologisch aufgehoben. Die Grenze existiert jedoch in den Köpfen. Wer sich mit den Themen wie Digitalisierung, Internet der Dinge, Industrie 4.0, Big Data, Cloud Computing befasst, muss die Grenze im eigenen Kopf abbauen.
Dafür müssen wir zuerst die Begriffe multikulturell, interkulturell, transkulturell beschreiben. Ich finde die theoretische Annäherung von Wolfgang Welsch in sich konsistent, so dass sich meine Definition für transkulturelle Kompetenz fit for 2020 an ihn orientiert.
Kulturen, die wie einsame Inseln oder einzelne Kugeln verfaßt sind, können sich der Logik ihres Begriffs gemäß eben nur voneinander absetzen, sich gegenseitig verkennen, ignorieren, diffamieren oder bekämpfen, nicht hingegen sich verständigen und austauschen.
Multikulturalität
Die Multikulturalität bezieht sich auf die Probleme des Zusammenlebens verschiedener Kulturen innerhalb einer Gesellschaft. Es geht von der Existenz klar unterschiedener, in sich homogener Kulturen aus, nur jetzt innerhalb ein und derselben staatlichen Gemeinschaft, z.B. in Deutschland.
Wenn die Kulturen tatsächlich noch immer inselartig und kugelhaft verfaßt wären, dann könnte man das Problem ihrer Koexistenz und Kooperation weder loswerden noch lösen. Die Auffassung der Kulturen als abgeschirmte Kugeln oder einsame Inseln im Pazifik ist zur Bechreibung der Tatsachen falsch und zur Definition von Normen irreführend. Die Kulturen haben im digitalen Zeitalter nicht mehr die unterstellte Form der Homogenität und Separiertheit.
Die Menschen, die in Parallelgeselschaften leben, orientieren sich an diesem nicht mehr gültigen Kultur-Verständnis. Dabei beschränkt sich die Orientierung nicht nur auf bestimmte, in den Medien und von den Politikern oft thematisierte Minderheiten. Auch die Gruppen aus der Mehrheitsgesellschaft, die in ihrem Kokon leben wollen und keine Nachbarn aus anderen Herkünften dulden, bilden eine eigene Parallelgesellschaft.
Die Sätze "die Multi-Kulti ist tod" oder "die Multi-Kulti ist gescheitert" sind demnach falsch. Solange solche Parallelgesellschaften -egal ob in der Mehrheitsgesellschaft oder in der Minderheitsgesellschaft- existieren, lebt die Multikulti in den Köpfen und im Alltag weiter.
Dass man gelegentlich durch die Küchen der Erde Spaziergänge macht oder in anderen Ländern Urlaub verbringt, löst das Problem nicht. Es geht um das Bewusstsein und nicht um den Bauch.
Wenn ein Kokonbewohner nach dem Verzehr vom Döner mit allem ohne scharf sagt: "Wir sind Multikulti", hat er recht. Die einzige Interaktion findet an der Döner-Theke statt. Döner mit allem ohne scharf hindert diesen Kokonbewohner nicht, dass er um den Wertverlust des eigenen Reihenhauses befürchtet, wenn der Dönerbudenbesitzer das Reiheneckhaus an der gleichen Zeile kauft.
Die Fachleute, die in ihrer Parallelgesellschaft leben, sind für Industrie 4.0, Internet der Dienste, Internet der Dinge nicht geeignet. Das Internet der Dienste setzt kulturenübergreifende Kommunikation voraus.
Die Misere des Konzepts der Interkulturalität
Sie rührt daher, daß es die Prämisse des traditionellen Kulturbegriffs unverändert mit sich fortschleppt.
Das Konzept der Interkulturalität versucht die traditionelle Multi-Kulti-Vorstellung nicht zu überwinden, sondern will sie bloß ergänzen, um ihre problematischen Folgen aufzufangen. Es reagiert auf den Umstand, daß die Kugelverfassung der Kulturen notwendig zu interkulturellen Konflikten führt. Kulturen, die wie Inseln oder Kugeln verfaßt sind, können sich der Logik ihres Begriffs gemäß eben nur voneinander absetzen, sich gegenseitig verkennen, ignorieren, diffamieren oder bekämpfen, nicht hingegen sich verständigen und austauschen.
Die meisten interkulturellen Trainings orientieren sich an diesem Verständnis: "Achte darauf, dass Du in einem anderen Kulturkreis nicht ins Fettnäpfchen trittst!"
Die interkulturelle Kompetenzentwicklung sucht nach Wegen, wie Menschen aus unterschidelichen Kulturkreisen sich gleichwohl miteinander vertragen, wie sie miteinander kommunizieren, einander verstehen oder anerkennen können. Hier hat die Suche nach interkulturellen Konstanten ein unerschöpfliches (weil ergebnisloses) Betätigungsfeld.
Es geht noch immer von einer insel- bzw. kugelartigen Verfassung der Kulturen aus. Eben deswegen vermag es zu keiner Problemlösung zu gelangen, denn die interkulturellen Probleme entspringen der Insel- bzw. Kugelthese der Kulturen.
Das klassische Kulturkonzept schafft durch seinen Primärzug, den separatistischen Charakter der Kulturen, das Sekundärproblem der strukturellen Kommunikationsunfähigkeit und schwierigen Koexistenz dieser Kulturen. Daher sind die Empfehlungen zur Interkulturalität zwar gut gemeint, aber ergebnislos. Das Konzept versäumt es, die Wurzel des Problems anzugehen. Es ist bloß kosmetisch.
Abdelkarim (ja der Abdelkarim aus Bielefelder Bronx) auf Facebook am 28. Januar 2015:
»Ich finde es sehr lustig, dass einige ernsthaft darüber diskutieren, ob der Islam zu Deutschland gehört. Dann lieber Bachelor gucken.
Im Grundgesetz gibt es die Religionsfreiheit also gehört der Islam wie jede andere Religion auch zu Deutschland. Bei der ganzen Debatte fehlt mir so ein bisschen der Respekt vor unserem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland.
Und natürlich braucht Deutschland den Islam. Ohne Islam wären einige Islamexperten arbeitslos. Außerdem hätten viele Zeitschriften ohne Islam kein Titelbild mehr.
Lasst Euch nicht verarschen. Und seid nett zueinander.
Alles andere ist im Moment schamlose Geldmache mit Pseudodebatten.«
Wenn Sie Mehmet Gürcan Daimagüler immer noch an seinen Deutschkenntnissen bewundern, dann ist es an der Zeit, dass Sie aus Ihrem Kokon ausbrechen, um fit für 2020 zu werden. Bevor Sie meinen nächsten Beitrag lesen, lohnt es sich vorher nach dem Werdegang von Mehmet Gürcan Daimagüler zu googeln.
Plädoyer für die transkulturelle Kompetenzentwicklung
Vier Rezepte für eine transkulturelle Pädagogik:
- differenzieren,
- entschematisieren,
- historisieren,
- kontextualisieren
»Transkulturelles Lernen heißt, lernen, über kulturelle Differenzen hinauszudenken. Seitdem wir wissen, dass wir in einer Einwanderungsgesellschaft leben, denken wir immer häufiger in kulturellen Differenzen. Das ist an sich eine begrüßenswerte Entwicklung, denn über die lange Zeit, da Deutschland sich weigerte, sich als Einwanderungsland zu verstehen, war auch das nicht nötig. Die Einwanderungsgesellschaft hat uns für die Vielfalt von Kulturen sensibilisiert. Wir wissen heute viel mehr über andere Kulturen als vor ein paar Jahrzehnten, und wir sind auch viel besser in der Lage, kulturelle Differenzen zu erkennen und zu verstehen. Aber sind wir damit auch als Gesellschaft insgesamt zusammengerückt? Das ist die entscheidende Frage, die sich nach einem halben Jahrhundert Einwanderung in Deutschland stellt. Ich sehe, dass das Denken in kulturellen Differenzen auch die Gefahr mit sich gebracht hat, die Bedeutung von Kultur überzubewerten. Worte wie „kulturbedingt“ und „kulturspezifisch“ haben in unserem Vokabular Hochkonjunktur. Dinge, die so bezeichnet werden, sind in Wirklichkeit viel komplexer, aber Kultur macht das Erklären von Dingen einfacher, bequemer.«
Nach Dr. Takeda können Lehrerinnen und Lehrer sich vier Kontrollfragen stellen, um zu sehen, ob sie sich auf dem transkulturellen Weg befinden:
- Spreche ich im Umgang mit Schülerinnen und Schülern von Kulturen als etwas, worauf sie ihr Leben lang Einfluss nehmen können, statt als etwas, woran sie nichts ändern können?
- Messe ich im Umgang mit Schülerinnen und Schülern Faktoren wie sozialer Schicht, Geschlecht, Religion, sozialem Umfeld und sexueller Orientierung vergleichbare Bedeutung bei wie dem Faktor „Kultur“?
- Achte ich genauso darauf, welche Wege die Schülerinnen und Schüler in ihrem bisherigen Leben zurückgelegt haben, wie darauf, woher sie, ihre Eltern oder ihre Großeltern stammen?
- Achte ich genauso darauf, was bei den Schülerinnen und Schülern an außerkulturellem Potential vorhanden ist, wie darauf, was bei ihnen an kulturellen Ressourcen da ist?
Die vier Fragen empfehle ich auch den Fachleuten, die sich mit der Kompetenzentwicklung für Industrie 4.0 Transformation befassen.
Die transkulturelle Kompetenzentwicklung bietet große Wettbewerbschancen von Deutschland im Neuland Internet der Dienste inkl. Industrie 4.0. | 3.765625 | 3.234375 | 2.890625 |
09b1edba74b388cc728e9a24c8fc4b05 | Ein Bericht zur Tagung Literatur im skandinavischen Exil, 1933 bis heute
Tagungsbericht von Daniel Nagelstutz
Die Göttinger Nachwuchstagung Literatur im skandinavischen Exil, 1933 bis heute, organisiert von den Doktorandinnen Leonie Krutzinna vom Skandinavischen Seminar der Universität Göttingen und Judith Wassiltschenko, tätig an der Theodor Fontane-Arbeitsstelle des Seminars für Deutsche Philologie Göttingen, fand am 23. und 24. September 2016 in den Tagungsräumen der alten Universitätsbibliothek statt. Die Tagung widmete sich der Exilliteratur Dänemarks, Norwegens und Schwedens während der NS-Diktatur und den Prozessen des Kulturtransfers infolge der Migrationsbewegungen seit 1933. Finanziell unterstützt wurde sie vom Skandinavischen Seminar, der Abteilung Komparatistik des Seminars für Deutsche Philologie und der Graduiertenschule für Geisteswissenschaften Göttingen (GSGG).
Das Anliegen der Organisatorinnen und Vortragenden war es, neue Theorien und Methoden anzusetzen, um an die letzte Hochphase der Exilforschung in den 1970er-Jahren anzuknüpfen und dabei den engen Exilbegriff zu erweitern. Moderiert wurden die thematisch zusammengefassten Panels von den Veranstalterinnen sowie Friederike Schruhl vom Graduiertenkolleg Literatur und Literaturvermittlung im Zeitalter der Digitalisierung und Niels Penke vom Seminar für Germanistik der Universität Siegen.
SprachexperimenteZu denen, die ihr literarisches Schaffen einer sprachlichen Innovation verschrieben, sind Werner Lansburgh und Kurt Schwitters zu zählen, die durch ihre Lebensumstände gezwungen waren, sich ihre Exilsprache anzueignen. Ersterem widmete sich Anne Benteler, tätig an der Walter A. Berendsohn Forschungsstelle für deutsche Exilliteratur, Hamburg. Sie legte den Fokus auf die sprachlichen Experimente Lansburghs. Lansburgh thematisiert in seinem im Exil entstandenen Werk die Abspaltung vom »lebendigen Fluss der deutschen Muttersprache«. Anhand seines Briefromans Dear Doosie erörterte Benteler, wie die Exilsituation die literarische Sprache des Autors beeinflusste. Dear Doosie weist eine experimentelle Mehrsprachigkeit auf, indem die Erzählinstanzen zwischen Deutsch, Englisch und Schwedisch wechseln. Ein weiteres literarisches Verfahren des Autors besteht zudem im übersetzenden Erzählen. Lansburgh sah sich mitnichten in der Rolle des konservativen Sprachbewahrers. Stattdessen erzeugte er eine Sprachästhetik mit der Konsequenz, weder als schwedischer noch als deutscher Autor zu Lebzeiten Anerkennung gefunden zu haben. Lansburgh kehrte erst 1977 nach Deutschland zurück, wo er aufgrund seiner Unbekanntheit keinen Verleger fand. Trotz seines produktiven literarischen Schaffens in Schweden blieben zahlreiche seiner Texte unveröffentlicht. In Deutschland, so Benteler, sei Lansburgh beinahe unerforscht.
Wie für Lansburgh spielt auch für Kurt Schwitters die Sprachlosigkeit im Exil eine Rolle für seine literarische Produktion. Noch bevor er der Sprache seiner Exilheimat mächtig wurde, entschied er sich dafür, sie auch für seine Texte nutzbar zu machen. In diesen Texten zu Beginn des Exils spiegelt sich die auditive Adaption des Norwegischen wider. Norwegische Vokabeln sammelte der Autor, um sie als lautliches Material wiederzuverwenden. Den Erwerbungsprozess des Norwegischen zeigte Leonie Krutzinna in einem Gedicht von Schwitters. Sie stellte zudem die Wirkungsgeschichte von Schwitters’ Schaffen in Norwegen vor und veranschaulichte diese anhand einer kurzen Vorstellung der 2012 im Osloer Verlag No Comprendo Press erschienenen Graphic Novel zu Kurt Schwitters von Lars Fiske. Obwohl Schwittersʻ in Deutschland entstandenes Werk gut erforscht sei, merkte die Referentin an, gebe es in Hinsicht auf seine im Exil entstandene Dichtung noch Forschungslücken. Gleiches gilt für Lansburgh: Die wechselnden Diktionen seiner Protagonisten entsprachen nicht den Lesegewohnheiten des deutschsprachigen Publikums. Lansburghs Werk geriet in Vergessenheit.
Kampf um die PublikationNeben der Betrachtung einzelner AutorInnen nahmen Prof. Dr. Julia Benner, u.a. forschend im Bereich der Kinder- und Jugendmedien an der Humboldt-Universität zu Berlin, und Judith Wassiltschenko auch ein Genre in den Blick, die Kinder- und Jugendliteratur. Diese sei, so betonten die Referentinnen, ein marginalisiertes Genre unter den Exilliteraturen. Benner beschäftigte sich in ihrem Beitrag mit der Kinderbuchreihe Mimff von Hildegard Johanna Kaeser, die, heute weitestgehend unbekannt, zeitweise zu den produktivsten Schriftstellerinnen Schwedens gehörte. In alle vier Bände der betreffenden Reihe könne ein Exilbezug hineingelesen werden, wenn man das Entstehungsdatum der Bücher und die Exilsituation der Autorin in die Betrachtung einbezieht. Benner rückte in ihrem Beitrag den dritten Band Mimff Takes Over in den Fokus, der einige interessante Fragen aufwirft. Der 1954 veröffentlichte Band handelt von einem Jungen, der vor den gesellschaftlichen Umbrüchen im kommunistischen Ungarn nach England flieht. Dabei erwähnte Benner, dass Kaeser wohl kaum über Informationen zur politischen Lage des osteuropäischen Landes verfügt haben dürfte, drangen doch immerhin fast keine Informationen aus dem abgeschotteten Land nach außen. Auffallend sind zudem auf inhaltlicher Ebene zahlreiche Ellipsen. Unklar ist, ob Oxford University Press, der einzige Verlag, der das Buch publizierte, die Autorin zu Streichungen veranlasste oder ob schlichtweg Wissenslücken für die unvollständige Kohärenz auf inhaltlicher Ebene die Ursache waren. In Deutschland wurde Mimff Takes Over nicht veröffentlicht. Benner vermutet, dass ein Kinderbuch, das von Verfolgung, Krieg und Terror handelt, keinen Platz in der idyllischen Kinderbuchlandschaft der jungen Bundesrepublik gefunden hätte.
Auf ähnliche Widerstände stieß Lisa Tetzner, die im Schweizer Exil die Kinderbuchreihe Erlebnisse und Abenteuer der Kinder aus Nr. 67. Odyssee einer Jugend in neun Bänden schrieb. Am Beispiel von Tetzners Schweizer Verlag Sauerländer wird deutlich, wie sehr AutorInnen im Exil zu Kompromissen und Konzessionen in ihrem künstlerischen Schaffen genötigt wurden. Da in ihrer Kinderbuchreihe der Nationalsozialismus zwar aus kindlicher Perspektive aber dennoch sehr explizit beschrieben wird, fürchtete der Sauerländer Verlag politische Konsequenzen mit Hitler-Deutschland. Im Gegensatz zu Kaeser – in deren Fall eine vom Verlag angeordnete Zensur reine Spekulation ist – wurde Tetzner von ihrem Verlag und der Zensurstelle des Schweizer Armeekommandos zu Streichungen und Umschreibungen gedrängt. Im Exil nahm Tetzner Kontakt mit dem schwedischen Verleger Axel Holmström auf, der bereits vor 1933 ein Buch von ihr veröffentlicht hatte. Holmström ermutigte Tetzner, die Kinderodyssee weiterzuführen und veröffentlichte einige der Bände noch bevor sie auf Deutsch erschienen, ohne die explizit politischen und kritischen Textstellen zu tilgen oder sprachlich abzuschwächen. Nur auf diese Weise konnte Tetzners Reihe in der richtigen chronologischen Abfolge und fast simultan mit den darin beschriebenen historischen Ereignissen erscheinen, wodurch sie in der Rezeption ihre bis heute betonte Stärke entwickelte.
Späte Anerkennung oder keineZu den AutorInnen, deren Möglichkeit zur Publikation ebenfalls nur außerhalb der Exilheimat zu finden war, zählt auch Maria Lazar. Wie bereits Bertolt Brecht und Helene Weigl folgte Lazar 1933 einer Einladung der dänischen Schriftstellerin Karin Michaëlis nach Thurø in Dänemark. Obwohl Lazar im Gegensatz zu anderen ExilliteratInnen über ein scheinbar ideales literarisches Netzwerk verfügte, fand sie in Dänemark keinen Verleger für ihren Roman Leben Verboten. Dieser erschien 1934 im britischen Wishart Verlag unter dem Titel No Right to Live, ein Kapitel ihres Romans Die Eingeborenen von Maria Blut veröffentlichte sie im Jahr 1937 in der Moskauer Exilzeitschrift Das Wort. Simone Ketterl, Mitarbeiterin am Institut für Germanistik an der Universität Leipzig, weitete mit ihren Ausführungen zum internationalen Exilnetzwerk und den oftmals nötigen Umwegen der Publikationen wie auch einige andere BeiträgerInnen also die geographische Perspektive der Tagung. Darüber hinaus erinnerte sie auch an Lazars doppelte Marginalisierung als Exilautorin in der früheren Forschung, als Jüdin und als Frau wurde ihr publizistisch und wissenschaftlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Die Eingeborenen von Maria Blut wurde 1958 in der DDR und erst 2015 in Österreich veröffentlicht.
Wie in diesen Beispielen schon anklang, herrschte Einigkeit unter den Vortragenden über das Hinausreichen des Begriffes »Exilliteratur« über das Jahr 1945, anders noch als dies frühere ForscherInnen postulierten. Etliche AutorInnen verblieben nach Kriegsende in ihrer Exilheimat, andere begannen erst dort literarisch tätig zu werden und letztendlich wirkte sich die Exilerfahrung auch auf nachfolgende Generationen aus. Aber auch in thematischer Hinsicht hat die Forschung neue Maßstäbe gesetzt: Exilliteratur wird nicht mehr auf Widerstandsliteratur reduziert. Anerkannt wird das vielgestaltige Schaffen von AutorInnen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, die die Fluchterfahrung eint bzw. deren Leben essentiell davon bestimmt war und ist. Als Beispiel für Literatur, die sich einer solchen zeitlichen und thematischen Eingrenzung entzieht, dient der bereits erwähnte Band Mimff Takes Over von Kaeser aus dem Jahre 1954. Und auch das Werk Lansburghs, der erst 32 Jahre nach Kriegsende aus Schweden in die Bundesrepublik zurückkehrte, wurde in die Tagung mit einbezogen. Zu Recht, denn seine Erfahrungen in der Fremde bestimmten sein literarisches Schaffen bis zuletzt.
In diesem Rahmen warf Dr. Giorgia Sogos, tätig am Bonner Institut für Migrationsforschung und interkulturelles Lernen, die Frage auf, inwieweit Hanne Kaufmanns Die Nacht am Öresund. Ein jüdisches Schicksal als Beitrag zur Exilliteratur verstanden werden kann. Das Buch, in welchem die Literatin ihre Erinnerungen an die Flucht von Dänemark nach Schweden schildert, erschien mit großer zeitlicher Verzögerung 1968 in Dänemark, ehe es 1994 auch in Deutschland verlegt wurde. Darüber hinaus sind Kaufmanns Erinnerungen weder politisch, noch können sie als literarisches Aufbegehren gegen den Nationalsozialismus geltend gemacht werden. Und dennoch muss dieses Werk nach heutigen Maßstäben der Exilliteratur zugerechnet werden. Moderator Niels Penke stellte zusammenfassend noch einmal heraus, dass wie bei Lazar auch bei Kaufmann der Aspekt der zeitlichen Verzögerung zentral ist und machte deutlich, dass der im Tagungstitel inhaltlich gesetzte Zeitrahmen (1933 bis heute) notwendig ist, um beiden Autorinnen umfassend und vollständig gerecht zu werden.
Zentren und PeripherienHartmut Hombrecher, Masterstudent der Komparatistik und tätig an der Theodor Fontane-Arbeitsstelle des Seminar für Deutsche Philologie in Göttingen, beleuchtete ein Literatursystem nicht-deutschsprachiger ExilautorInnen im skandinavischen Raum – die estnische Exilgemeinschaft in Schweden und ihre AutorInnen und LiteraturvermittlerInnen. Die Beiträge zu Hildegard Johanna Kaeser, Lisa Tetzner und Maria Lazar haben gezeigt, dass die Exilsituation die Suche nach einem Verlag oft erschwert hat. Anders hingegen gestaltete sich die Situation für estnische ExilautorInnen in Schweden, welche 1950 in Lund den Schriftstellerverlag Eesti Kirjanike Kooperatiiv (EKK) gründeten, der bis 1994 bestand. Erscheint Skandinavien manchen in mehrfacher Hinsicht peripher für die Exilforschung, konnte Hombrecher zeigen, dass gerade Schweden neben Deutschland und Kanada ein wichtiges Zentrum für die estnische Exilliteratur war. Ziel des EKK war es, die literarische Tradition der vorsowjetischen Zeit im schwedischen Exil fortzuführen und sich vom sowjetisch kulturell dominierten Estland abzusetzen. Insgesamt waren 80% aller Veröffentlichungen des Verlages Erstveröffentlichungen, was von der literarischen Schaffenskraft der EstInnen in Schweden zeugt. Zudem erleichterte das EKK estnischen SchriftstellerInnen, ihre Bücher zu publizieren, indem ein Buchclub etabliert wurde. Hombrechers Vortrag ließ den Eindruck entstehen, dass das EKK die Entwicklung estnischer Parallelstrukturen förderte; immerhin waren die publizistischen Netzwerke vor allem auf die estnische Gemeinschaft beschränkt. Nach außen wurden im Wesentlichen die kulturellen Leistungen der EstInnen vermittelt, darüber hinaus allerdings kaum Übersetzungen ins Schwedische realisiert. Ein äußerst produktives, aber hermetisches System, das erfolgreich die Zeit des Exils überlebte.
Sichtbar machen und in Beziehung setzenBereits im ersten Panel der Tagung wurde die Betrachtung einzelner AutorInnen und -verlage erweitert um Aspekte der Verschränkung von damaligen und aktuellen Fluchtbewegungen und gegenwärtiger Bemühungen, der Exilforschung mittels digitaler Techniken neue Instrumente und Methoden an die Hand zu geben. Moderatorin Friederike Schruhl stellte die die Referierenden Anna-Lena Markus vom Buddenbrookhaus Lübeck und Daniel Burckhardt, Mitarbeiter am Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg, vor und leitete zu der Frage über, wie Literatur im öffentlichen und digitalen Raum sichtbar gemacht werden könne. Markus erörterte die grundlegenden Aspekte der Konzeption zur Sonderausstellung Fremde Heimat. Flucht und Exil der Familie Mann, die noch bis zum 08.01.2017 im Buddenbrookhaus besucht werden kann. Die Ausstellung beinhaltet zwei Perspektiven: Zum einen wird die Exilgeschichte sowie das politische Engagement der Familie um Thomas und Heinrich Mann beleuchtet, zum anderen stellt die Schau einen Bezug zur aktuellen Fluchtbewegung her.
Die Lübecker Präsentation inszeniert die Romane Mario und der Zauberer, Doktor Faustus, Mephisto und Die Jugend des Königs Henri Quarte der Schriftsteller Thomas, Klaus und Heinrich Mann in sogenannten »Literaturinseln« im Raum und setzt sie mit Ereignissen aus der Zeit der NS-Herrschaft und aktuellen Geschehnissen der Flüchtlingskrise in Beziehung. Indem die gegenwärtige Fluchtbewegung thematisiert wird, sollen die BesucherInnen die historischen Ereignisse, welche die Biographien der Manns geprägt haben, nachvollziehen können. Der Fokus liegt hierbei auf der emotionalen Erfahrung der BesucherInnen. Plakatwände, welche in einer Collage historische Bilder und Dokumente mit Zitaten der Familie Mann in einen Dialog setzen und weitestgehend auf einen kuratorischen Text verzichten, sollen den Besuchenden, so Markus, bewusst auch überfordern und verunsichern. Durch eine leibliche und atmosphärische Vermittlung sowie interaktive Elemente soll Identifikation ermöglicht und Distanz zu den historischen und aktuellen Ereignissen verringert werden.
Daniel Burckhardt stellte darüber hinaus die Anwendbarkeit des von ihm mitgestalteten Webportals www.verbrannte-und-verbannte.de für die skandinavische Exilforschung vor. Das Projekt, das auf Grundlage der sogenannten Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums, seit 1935 von der Reichsschrifttumskammer regelmäßig herausgegeben, basiert, fokussiert eine Digitalisierung der bio- und bibliographischen Daten von 1933 bis 1945, jedoch ohne einer konkreten Forschungsfrage nachgegangen zu sein. Stattdessen sollen sich auf Grundlage der Ergebnisse, die in Karten, Statistiken, Netzwerken etc. visualisiert werden, Anschlussfragen in Forschung und Vermittlung auslösen.
Der Mathematiker Burckhardt ging gleichzeitig selbstkritisch auf Defizite des Webportals ein: Einige Daten zu AutorInnen und Werk seien unvollständig, falsch oder trivial. Deshalb wünschte sich Burckhardt eine Bereinigung fehlerhafter und die Ergänzung fehlender Daten. Hier würde sich eine Zusammenarbeit zwischen MathematikerInnen, InformatikerInnen und LiteraturwissenschaftlerInnen sicherlich lohnen, um diese Techniken für die Exilforschung besser nutzbar zu machen – ein Anspruch, den das Webportal, hervorgegangen aus dem Kultur-Hackathon {COD1NG DA V1NC1} in Berlin 2014, ja nicht hatte. Zu klären wäre in diesem Zusammenhang, welche AutorInnen überhaupt in die Darstellung aufgenommen werden sollten, denn der Zusammenhang von »Publikationsverbot« und »Exil« ist durchaus problematisch. Schließlich gibt es ExilautorInnen, deren Werke in Nazi-Deutschland nicht verboten gewesen sind, andererseits auch AutorInnen, die in Deutschland blieben, obwohl ihre Werke verboten wurden.
Transkulturelle AutorschaftIm Mittelpunkt des Rahmenprogramms stand die Lesung und das Gespräch mit Aris Fioretos, moderiert von der Direktorin des Skandinavischen Seminars Prof. Dr. Karin Hoff. Der schwedische Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Essayist mit österreichisch-griechischer Abstammung gilt als Kulturvermittler zwischen Schweden und Deutschland. Wohnhaft in Stockholm und Berlin, Professor für Ästhetik an der Hochschule Södertörn bei Stockholm und Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, verkörpert und lebt er eine transkulturelle Autorschaft. Fioretos präsentierte seinen 2015 im Hanser Verlag auf Deutsch erschienenen Roman Mary und seine Forschung zur deutsch-schwedischen Schriftstellerin Nelly Sachs. In diesem Zusammenhang hob Fioretos hervor, dass er selbst mit der Psychopathologie des Exils und der Migration bestens vertraut sei: Sein Vater floh in den 1950er-Jahren aus politischen Gründen aus Griechenland nach Schweden. Der Roman Mary handelt von einer schwangeren Studentin, die im Zuge von Studentenprotesten in einem Land, in dem das Militär regiert, verhaftet, verhört und gefoltert wird. Zwar wird Griechenland in dem Roman nicht explizit erwähnt, doch die Bezüge zu den dortigen Studentenunruhen Anfang der 1970er-Jahre sind deutlich. Fioretos las Auszüge aus seinem Roman in deutscher und schwedischer Sprache.
Das weitere Gespräch zwischen Fioretos und Hoff berührte dann auch die Schriftstellerin Nelly Sachs und die von Fioretos im Suhrkamp Verlag herausgegebenen vier kommentierten Bände zu der deutschsprachigen Exilautorin. Im Gespräch mit Hoff ging er auf Vita und Schlüsselerlebnisse Sachs‘ ein. Er warf die Frage auf, wer sich denn überhaupt für das Werk von ExilautorInnen zuständig fühlt. Nelly Sachs begann ihr literarisches Schaffen im schwedischen Exil. Dort musste sie, wie alle emigrierten AutorInnen, eine Entscheidung treffen: entweder die neue Sprache anzunehmen und zu versuchen, sich lesbar zu machen, oder die Muttersprache in der Fremde konservieren. Zwar übersetzte Nelly Sachs aus dem Schwedischen. In dem Land ihres Exils wurde sie dennoch nicht kanonisiert; ihre eigenen Werke verfasste sie auf Deutsch. Nach Kriegsende blieb Sachs in Schweden, zu tief war die Angst vor Deutschland. Einen Zugang zur deutschen literarischen Öffentlichkeit suchte die Autorin 1947 mit ihrem Gedichtband In den Wohnungen des Todes (Aufbau-Verlag). Jedoch fand sie für ihre Lyrik keine Anerkennung. Zu dominant war beispielsweise die Literatur der Gruppe `47. Nelly Sachs war nicht mehr gefragt, sie empfand sich als abgekoppelt und vergessen. Schließlich fragte Hoff Fioretos nach der Exilsituation von SchriftstellerInnen im heutigen Schweden. »Ja, es ist einfacher geworden«, bestätigte der Autor. Die Integration von EinwanderInnen in Schweden sei vor allem im Kulturbetrieb und in der Medienlandschaft, allem voran im Fernsehen, offensichtlich. Dort seien SchwedInnen mit Migrationshintergrund, »die unsere Sprache und Kultur teilen«, omnipräsent.
Komplexes Feld mit weißen FleckenZum Auftakt der Abschlussdiskussion hoben die Veranstalterinnen hervor, dass dank der unterschiedlichen eingereichten Beiträge viele konzeptuelle und inhaltliche Ansprüche an die Tagung umgesetzt werden konnten. Es wurde jedoch betont, dass das Forschungsfeld Exilliteratur noch immer weiße Flecken hätte, die es zu entdecken gelte. Frau Prof. Hoff appellierte an die TeilnehmerInnen der Tagung, dass die Gesamtheit der Lebens- und Arbeitsbedingungen der AutorInnen in den Blickpunkt genommen werden müsste. Autorzentrierte und autonomieästhetische Vorstellungen hingegen seien nicht mehr zeitgemäß. Auch unveröffentlichte Exilliteratur in die Forschung zu integrieren, stellte sich als weiteres Desiderat heraus, über das sich die Diskussionsteilnehmenden einig waren. In der Exilliteraturforschung fehlten häufig interkulturelle und interdisziplinäre Kompetenzen der Forschenden, schließlich sei die Exilliteraturforschung ein komplexes Feld. Julia Benner hatte ihre Keynote mit folgender Frage eröffnet: Ist das Thema Exilliteratur schon abgearbeitet oder besteht noch Forschungsbedarf? ReferentInnen und ModeratorInnen machten in den Vorträgen und Diskussionen einhellig klar: Ja, es besteht noch Forschungsbedarf. Alle BeiträgerInnen konnten an diesen zwei Tagen in Göttingen neue Forschungsergebnisse präsentieren, verwiesen aber auch auf noch ungeklärte Fragen. Dabei müssten, so Benner, auch bereits erforschte Themen wieder aufgegriffen und in neue Kontexte gefasst werden. Prof. Hoff mahnte an, dass es zudem unumgänglich sei, die Grenzen zwischen den Philologien einzureißen, ansonsten führe die Exilforschung, die sich immer mit dem Kulturtransfer zwischen mindestens zwei Sprach- und Kulturräumen beschäftigt, in eine Sackgasse. | 3.625 | 3.421875 | 3.25 |
f706f11409c483e1bc58a777f083344a | Ursachen für Mundtrockenheit
Klar – wenn der Mund zu wenig Speichel produziert, werden die Schleimhäute trocken. Aber woran kann es liegen, dass überhaupt zu wenig produziert wird? Die möglichen Ursachen für Mundtrockenheit (Xerostomie) reichen von Stress über Schnarchen bis hin zu ernsthaften Krankheiten.
Zu wenig getrunken?
Der Körper reguliert seine Wasserbilanz über die Ein- und Ausfuhr. Wenn man nicht genug trinkt, versucht er, entsprechend weniger Flüssigkeit abzugeben, um mehr für die wichtigen Körperfunktionen aufzusparen. Da auf den Speichel zunächst verzichtet werden kann, produzieren die Speicheldrüsen weniger Flüssigkeit
Der häufigste Grund für den Flüssigkeitsmangel ist simpel: Zu wenig gegessen, zu wenig getrunken. Erhöhter Wasserverlust durch Schwitzen oder Durchfall führt ebenfalls zu einer negativen Wasserbilanz. Auch das Alter spielt eine Rolle: In der Regel nimmt die Speichelproduktion im Laufe des Lebens ab. Ältere Menschen trinken und essen zudem oft weniger als junge Menschen. Dadurch sinkt die Flüssigkeitszufuhr. Ein Defizit im Wasserhaushalt des Körpers zählt zu den häufigsten Ursachen für Mundtrockenheit.
Mundatmen und Schnarchen
Wenn permanent ein Luftstrom an den Schleimhäuten vorbeizieht, trocknen diese aus – obwohl die Drüsen genug Speichel produzieren. Diesen Effekt bemerken Menschen, die häufig durch den Mund atmen. Gerade Schnarcher schlafen oft mit offenem Mund, da das bei der Atmung den geringsten Widerstand bietet. Da im Schlaf gleichzeitig die natürliche Speichelproduktion verringert ist, trocknen die Schleimhäute noch leichter aus, sodass die Schnarcher nicht selten mit trockenem Mund aufwachen. Wenn die Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer zu niedrig ist, verstärkt das den austrocknenden Effekt zusätzlich.
Schnupfen, Erkältung, Grippe
Bei einer Erkältung oder einer fiebrigen Infektion klagen manche Patienten über stärkere Mundtrockenheit. Bei viralen Infekten der oberen Atemwege sind meist die Nasenschleimhäute geschwollen und die Nase verstopft. Die Nasenatmung fällt dann schwerer, gerade im Schlaf wird also durch den Mund geatmet – und das begünstigt, wie auch bei Schnarchern, das Austrocknen der Schleimhäute. Auch Durchfall und Erbrechen, etwa bei der klassischen Magen-Darm-Grippe, lassen den Körper viel Flüssigkeit verlieren und sorgen so unter anderem für Mundtrockenheit.
Stress und trockener Mund
Nicht nur körperliche Probleme sind Ursachen für Mundtrockenheit, auch die Psyche spielt oft eine entscheidende Rolle. Anspannung und Nervosität können zu einem trockenen Mund führen, etwa bei einer wichtigen Präsentation oder wenn Sie über einen längeren Zeitraum unter Stress stehen. Der Grund ist unser autonomes Nervensystem, das sich aus zwei großen Bestandteilen zusammensetzt. Das “Stress-System” (der sogenannte Sympathikus) steht mit seinem Gegenspieler, dem Entspannungs-System Parasympathikus, normalerweise in einem ausgewogenen Verhältnis. Bei körperlichem und psychischem Stress sorgt der Sympathikus dafür, dass der Körper in Alarmbereitschaft versetzt wird, lässt Herzfrequenz und Muskeltonus steigen und fährt gleichzeitig entbehrliche Körperfunktionen wie die Speichelproduktion herunter. So entsteht die akute Mundtrockenheit bei belastenden Situationen. Steht man permanent unter Druck, ist der Sympathikus ständig stärker aktiv, sodass die Mundtrockenheit andauernd auftritt. Auch bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und Panikstörungen ist dieser Mechanismus bekannt.
Trockener Mund durch Medikamente
Sie haben Bluthochdruck? Allergien? Depressionen? Diese Krankheiten sind keine Ursachen für Ihre Mundtrockenheit – vielleicht aber die Medikamente, die Sie dagegen einnehmen. Manche Mittel gegen Bluthochdruck steigern die Harnproduktion der Niere, die über den Wasserverlust den Blutdruck reguliert. Durch diesen Wasserverlust kann es zu Mundtrockenheit kommen.
Andere Arzneimittel, wie bestimmte Antidepressiva und Psychopharmaka oder auch Antihistaminika (gegen Allergien), beeinflussen direkt das Regulationssystem der Speicheldrüsen. Sie hemmen über bestimmte Rezeptoren die Speichelproduktion oder verhindern, dass die Herstellung des Speichels angekurbelt wird. Auch bei den Mitteln, die bei einer Chemotherapie für Krebspatienten zum Einsatz kommen, findet sich in der langen Liste der Nebenwirkungen häufig die Mundtrockenheit.
Kognak, Kippen, Kaffee: Genussmittel als Ursachen für Mundtrockenheit
Wie bei so vielen medizinischen Beschwerden sind auch bei der Mundtrockenheit die Raucher häufiger betroffen. Zwar wird die Speichelproduktion hier nicht direkt gestört, aber der Tabakrauch sorgt dafür, dass sich die winzigen Blutgefäße in der Mundschleimhaut verengen. Dadurch wird die Schleimhaut schlechter durchblutet und trocknet so von innen aus. Eine einzelne Zigarette hat diese Wirkung nur vorübergehend, aber bei langjährigen starken Rauchern haben sich die Gefäße an das Nikotin gewöhnt und sind chronisch eng gestellt. Diese Menschen haben dann ständig trockene Schleimhäute.
Auch Kaffee kann zur Mundtrockenheit beitragen – obwohl er ja eigentlich eine Flüssigkeit ist. Die Inhaltsstoffe des Kaffees regen jedoch die Nieren an, vermehrt Wasser auszuscheiden. Ähnlich verhält es sich mit alkoholischen Getränken, die dem Körper ebenfalls Flüssigkeit entziehen.
Mundtrockenheit wird auch bei Konsumenten bestimmter Drogen beobachtet. Cannabisprodukte mit dem Wirkstoff THC oder Amphetamine bewirken eine Verminderung der Speichelproduktion.
Mundtrockenheit als Symptom einer Erkrankung
In manchen seltenen Fällen ist die Mundtrockenheit kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung. Hier liegt das Problem meist direkt bei den Speicheldrüsen.
- Die Speicheldrüsen können sich – so gut wie jedes andere Organ auch – entzünden. Hierfür sind meist Viren (wie zum Beispiel bei der Kinderkrankheit Mumps) oder Bakterien verantwortlich. Die Entzündung stört die Drüsenzellen bei ihrer eigentlichen Aufgabe. Zudem kommt es dabei oft zur Verlegung der Drüsengänge, sodass der Speichel nicht richtig abfließt. Dies macht sich meist in einer Schwellung der Drüse bemerkbar.
- Sehr selten kommen auch Geschwüre (sprich Tumore) der Speicheldrüsen vor. Diese sind häufig gutartig, können aber auch bösartig sein. Durch die Wucherung kommt es zur Verlegung einiger Drüsengänge. Außerdem sind die Tumorzellen häufig gar nicht mehr in der Lage, Speichel zu produzieren, weil ihre DNA mutiert ist
- Wenn die Zusammensetzung des Speichels fehlerhaft ist, können sich die Bestandteile zu Speichelsteinen verklumpen können. Liegt dieser in einem Ausführungsgang, kommt der Speichel nicht mehr aus der Drüse hinaus. Dann kann sich die betroffene Speicheldrüse entzünden. Meist ist jedoch nur eine Drüse betroffen, sodass die anderen deren Funktion übernehmen können und es zu keiner Mundtrockenheit kommt.
- Das Sjögren-Syndrom gehört zur Gruppe der Autoimmunerkrankungen. Dabei bilden die Abwehrzellen des Körpers Antikörper gegen körpereigenes Gewebe, sodass sich der Körper selbst angreift. Das Sjögren-Syndrom richtet sich vor allem gegen Speichel- und Tränendrüsen, die sich dann entzünden und nicht mehr richtig arbeiten. Deshalb kommt es bei dieser Krankheit oft zur sogenannten Sicca-Symptomatik – das gleichzeitige Auftreten von Mundtrockenheit und trockenen Augen.
- Das Heerfordt-Syndrom beschreibt ebenfalls eine chronische Entzündung der Speicheldrüse, meist der Ohrspeicheldrüse. Die typischen Symptome sind eine Schwellung der Ohrspeicheldrüse, Fieber, Entzündung der Regenbogenhaut des Auges und einer Lähmung der mimischen Muskulatur. Diese Erkrankung tritt vor allem im Zusammenhang mit der Bindegewebserkrankung Sarkoidose auf.
Im Allgemeinen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, wenn Sie die Beschwerden durch die Mundtrockenheit stark stören. Außerdem können folgende Symptome der Mundtrockenheit unter Umständen ein Hinweis auf eine zugrundeliegende Erkrankung sein, wenn sie zusammen mit Mundtrockenheit auftreten:
- trockene Augen
- Unfähigkeit zu weinen
- Sehstörungen
- Juckreiz
- länger anhaltende Heiserkeit
- häufig wiederkehrende Mund- oder Atemwegsinfektionen
- starke Schwellung der Speicheldrüse
Literatur
Für den detaillierten Literaturnachweis zu diesem Text sehen Sie sich bitte unsere Bibliographie an. | 4.03125 | 3.96875 | 3.078125 |
df54fe8ae970d3fc66b97d48b0b3aa48 | Fibromyalgie ist eine Schmerzstörung mit Symptomen, die von Muskelschmerzen und Taubheitsgefühl in den Extremitäten bis zu Schlafstörungen reichen. Bei Fibromyalgie spielen Entzündungen und die Reaktion des Körpers auf Stress durch die komplexe Wechselwirkung zwischen Gehirn und anderen Organen eine Rolle. Es kann schwierig sein, die Einschränkungen des modernen Lebens zu vermeiden, aber es gibt sicherlich viele Dinge, die wir kontrollieren können, um die Symptome dieser Krankheit zu lindern, einschließlich Lebensstil und Ernährungsgewohnheiten.
Gewalt ist die Hauptursache für Fibromyalgie.
Es gibt keine einfache Antwort, da psychische Gewalt oder Stress Fibromyalgie auslösen können. Emotionaler Stress kann Ihre Fähigkeit schwächen, sich vor verschiedenen chronischen Krankheiten wie FMS-Schmerzen zu schützen. Es wird auch angenommen, dass es einen Zusammenhang zwischen emotionalem Trauma, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Schmerzen und anderen Symptomen gibt. Eine Immunisierung in jungen Jahren kann erhebliche langfristige Auswirkungen haben.
Es scheint, dass psychische Gewalt weniger ernst genommen wird als körperliche Misshandlung, da sie keine äußeren Anzeichen wie Prellungen oder Knochenbrüche aufweist. Die höchsten Fälle von psychischer Gewalt, insbesondere im Kindesalter, aber auch im Erwachsenenalter, die mit Menschen mit Fibromyalgie verbunden sind, weisen jedoch auf die Notwendigkeit hin, das Potenzial der Entwicklung von Fibromyalgie zu kennen.
Kindheitstrauma
Traumatische Erlebnisse und Stress in der Kindheit wurden immer als prädisponierende Faktoren für die Entwicklung mehrerer chronischer Schmerzstörungen und psychiatrischer Störungen wie Fibromyalgie, Reizdarmsyndrom, Schlaflosigkeit, Depression, Angstzustände, Post-Stress-Syndrom, traumatisches und chronisches Müdigkeitssyndrom vernachlässigt . Die Gezeiten ändern sich, da die Forschung einen signifikanten Zusammenhang zwischen Kindheitstrauma und Gesundheit von Erwachsenen aufzeigt.
Das Zentralnervensystem entwickelt sich im Kindesalter schnell und ist konditioniert, um auf verschiedene Reize und Belastungen im Leben zu reagieren. Während eine Vielzahl von Umweltreizen behandelt wird, werden als Reaktion auf jeden Reiz neue Wege zwischen Gehirnzellen geschaffen.
Zum Beispiel schafft eine angenehme Erfahrung, wie die Umarmung oder Süßigkeiten eines Vaters, Wege, die dem Gehirn beibringen, auf diese Reize mit Vergnügen zu reagieren. Auf die gleiche Weise wird eine gruselige Erfahrung Formen schaffen und ausüben, die mit Angst reagieren.
Dieser Prozess der Schaffung neuer Wege als Reaktion auf Reize wird als Neuroplastizität bezeichnet. Mit zunehmendem Alter nimmt die Neuroplastizität ab, was bedeutet, dass es schwieriger ist, neue Kanäle zu entwickeln und die Reaktionen des Gehirns auf Reize anzupassen. Kinder haben einen hohen Grad an neuronaler Plastizität.
Es wird jedoch auch hervorgehoben, wie wichtig es ist, einen signifikanten Stimulus für das sich entwickelnde Gehirn bereitzustellen, um die Entwicklung auf positive Weise sicherzustellen.
Mehr „Fibromyalgie ist mit Stress bei Kindern verbunden und negative Emotionen werden nicht als
sexueller Missbrauch behandelt.
Studien zufolge erlitten etwa 30 bis 40 Prozent der Erwachsenen irgendwann in ihrer Kindheit physischen, psychischen oder sexuellen Missbrauch. Andere Studien legen nahe, dass die realen Statistiken viel höher sein und gemeldet werden können. Mehrere Studien untersuchten speziell die Rolle von sexuellem Missbrauch und Fibromyalgie, und die Ergebnisse sind überraschend. In mehreren Studien berichteten etwa 65 Prozent der Frauen mit Fibromyalgie über sexuellen Missbrauch.
Obwohl die Forscher nicht wissen, wie oder warum Kindesmissbrauch mit Fibromyalgie zusammenhängt, ist es wichtig, die Rolle von Gewalt bei den Maßnahmen zur Heilung und Kontrolle der Symptome von Fibromyalgie zu berücksichtigen. Ein Großteil der Forschung zu Gewalt und Fibromyalgie ist in den letzten 5 bis 10 Jahren entstanden. Dies bedeutet, dass es kaum Anhaltspunkte dafür gibt, dass Kuchen wie Gewalt in Zukunft die Symptome der Fibromyalgie beeinflussen können.
Eine 1995 von der McGill University in Kanada durchgeführte Studie ergab, dass in einer Gruppe von 83 Frauen mit Fibromyalgie und 161 Frauen in der Kontrollgruppe 37 Prozent der Frauen in der Fibromyalgie-Gruppe sexuellen Missbrauch erlitten.
Nur 22 Prozent der Frauen in der Kontrollgruppe gaben sexuellen Missbrauch an. Frauen in der Fibromyalgie-Gruppe berichteten auch über ein höheres Maß an körperlicher Gewalt (18 Prozent gegenüber 4 Prozent), Drogenmissbrauch (16 Prozent gegenüber 3 Prozent) und Leben mit sexuellem Missbrauch (17 Prozent gegenüber 6 Prozent). Prozent).
Alabama, das darauf hinwies, dass Menschen mit Fibromyalgie statistisch gesehen häufiger sexuellen oder körperlichen Missbrauch in der Vorgeschichte hatten, obwohl andere Studien diese Ergebnisse zu widerlegen scheinen. Die Ergebnisse einer Studie, die vom American College of Rheumatology in seiner Zeitschrift Arthritis and Rheumatism veröffentlicht wurde, ergaben, dass 65% der Patienten mit Fibromyalgie sexuellen Missbrauch in der Vorgeschichte berichteten, verglichen mit 52% bei guten Teilnehmern der Gesundheitskontrollgruppe. Diese Studie ergab, dass Patienten mit Fibromyalgie eine Missbrauchsgeschichte hatten, die mehr Symptome berichtete als Patienten mit Fibromyalgie ohne diese Kindheitsgeschichte. Die Forscher schätzen, dass die Studie gezeigt hat, dass nur eine Vorgeschichte von Gewalt eine größere Schwere der Fibromyalgie-Symptome aufweist als solche. Der Missbrauch scheint nicht die Ursache des Syndroms zu sein.
Patienten mit Fibromyalgie haben in der Vergangenheit einen solchen Missbrauch erlebt, der gut mit ihren Dienstleistern spricht. Die Therapie wird immer als Mittel gegen Gewalt empfohlen, und Patienten mit Fibromyalgie sind keine Ausnahme von der Regel. Niemand kann mit Sicherheit sagen, aber es ist sinnvoll, sich mit den Folgen dieser Missbräuche zu befassen, die Patienten mit Fibromyalgie zu einer besseren Lebensqualität verhelfen könnten. Zu den empfohlenen Behandlungen gehören: Beratung, kognitive Verhaltenstherapie, Hypnotherapie, Störungen nach Stress, traumatische Behandlungen und Antidepressiva wie Cymbalta (Duloxetin) und Effexor (Venlafaxin). Vor allem bei der Pflege einer Person mit Schmerzen ohne transparente Gewebepathologie oder verstärkte Behandlung verstärken Sie den emotionalen Schmerz, versichern Sie der Person, dass die Erfahrung des Schmerzes nicht in ihrem Kopf ist, aber in ihrem Nervensystem verwandt: traumatisch. Im Zusammenhang mit Fibromyalgie: Fibromyalgie wird durch ein Kindheitstrauma verursacht? | 3.78125 | 3.421875 | 2.78125 |
2369ab3c731d1462d206b16e00692b03 | Auf was reagieren wir und was spricht uns emotional an. Wir haben uns mit Daniela Dihsmaier unterhalten. Sie ist Triathletin und hat das Buch “Brutal Mental” geschrieben.
Wann hast du die Entscheidung getroffen als systemischer Mentalcoach zu arbeiten und welche Ausbildungen hast du in diesem Bereich absolviert?
Ich habe wirklich sehr viele Ausbildungen gemacht, studiert, und vor allem später zwei Coaching Ausbildungen absolviert – eine über zwei Jahre hinweg als systemischer Coach an der Universität und eine als Sport Mental Coach. Außerdem habe ich eine Fortbildung zur Ernährung und eine Trainer B-Lizenz abgeschlossen, um die Grundzüge der körperlichen Leistungsgrenzen noch besser zu verstehen.
Zunächst aber begann alles bereits während meines Medienwirtschafts-Studiums an der TU Ilmenau. Ich arbeitete parallel viel im Musik-, Film- und Medienbereich und lernte dort sehr viel darüber, worauf Menschen reagieren und was sie emotional anspricht. Nachdem ich als Diplom-Wirtschaftswissenschaftlerin über zehn Jahre erst als Junior Consultant und später als Projektleiterin für Change Projekte in einem Konzern gearbeitet habe, wurde mir immer klarer:
Veränderung beginnt im Kopf und wie dieser Kopf so funktioniert, das fand ich unglaublich spannend.
Als Petra Müssig, meine Ausbilderin im Sport Mental Coaching, nach meiner erfolgreichen Abschlussprüfung zu mir sagte: „wenn du dich nicht selbstständig machst, bist du selbst schuld!“, war mir klar, ich setze alles auf eine Karte und fange als Coach und Berater für Athleten und Berufstätige neu an. Ohne einen einzigen Kontakt. Das war ein großes Risiko, aber ich glaubte daran.
Es gibt etliche Mentalcoaching Bücher auf dem Markt. Was hat dich bewogen, in die Tasten zu hauen und wie unterscheidet sich „Brutal Mental“ von anderem Lesestoff, den es gibt?
Während meiner ersten Zeit als Coach hatte ich das Glück, dass ich gleich für einige Fachzeitschriften, unter anderem für die tritime, Fachbeiträge schreiben durfte. So wurde ein Verlag auf mich aufmerksam, der auch Fachbücher verlegt. Immer wieder fragten sie mich, ob ich nicht ein Buch zu mentalen Themen veröffentlichen wolle. Ich zögerte lange. Ich habe im eigenen Bücherregal schon so viele Bücher zu mentalen Themen im Sport stehen, dass ich der Meinung war, ein weiteres Buch, braucht kein Mensch. Doch je länger ich als Coach tätig war, desto mehr wurde mir bewusst, dass ich die meisten Bücher zu kurzgefasst fand: sie konzentrieren sich häufig sehr stark auf das Wettkampfgeschehen oder auf die Willensstärke. Das war mir zu wenig. Ich wollte es ganzheitlicher schreiben und auf all die Aspekte eingehen, die mir bis dahin im Coaching begegnet sind. Bei dieser Erkenntnis half mir meine Ausbildung als systemischer Coach, der ganzheitlich und möglichst lösungsorientiert das gesamte Umfeld eines Menschen betrachtet.
Ist es von Vorteil, dass du selbst leistungsorientiert Sport betreibst oder macht das in deinen Beratungen keinen Unterschied? Auf welchen Erfahrungsschatz kannst du zurückgreifen?
Ich denke schon, dass es meinen Klienten was bringt, dass ich an mir selbst viel beobachtet habe. Ich war im Sport (heute: Triathlon, früher: Basketball, Hochsprung, Tanzen, etc.) selbst neben einem verantwortungsvollen Job immer recht erfolgreich und ich habe schon immer vieles „mental“ durch meine große Willensstärke gemeistert – auch Krankheiten und Verletzungen. Aufgrund meiner Kraft des Fokussierens bringe ich sehr viel Selbstdisziplin mit. Allerdings kommen manchmal Albernheiten und Leichtigkeit zu kurz. Nichtstun kann bei mir schnell zu Unruhe führen. Das half mir zu verstehen:
Es braucht mehr als die Willensstärke, es braucht eben auch die Gegenkraft: die Lässigkeit auch mal loszulassen, ohne Angst zu haben, damit gleich die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren.
Das ist meine Aufgabe, immer wieder dieses Gleichgewicht aus Willensstärke und Leichtigkeit zu finden. So trainiert jeder von uns eine Haltung mehr in seinem Leben: easy-peacy oder all-in. Jeder von uns braucht etwas andere „Zutaten“, um die innere Balance zu finden.
Du arbeitest in deinem Buch viel mit Fallbeispielen – Welches Beispiel magst du ganz besonders gern und warum?
Oh wow. Am liebsten möchte ich die Frage an dich zurückspielen. Ich habe nur echte Fallbeispiele aus meiner Coaching-Praxis herangezogen. Jedes Beispiel ist für mich besonders, weil ich um die tolle Entwicklung all dieser Menschen weiß.
Zu Triathleten fällt mir folgendes Fallbeispiel ein: Ein Amateur-Triathlet, ich nenne ihn Henry, kontaktierte mich zwei Wochen vor seinem Ironman-Rennen auf Lanzarote. Er hatte in den Rennen zuvor seine Erwartungen nicht erfüllen können und war sehr deprimiert. So hatte er eine Mentaltechnik angewandt, die ihm ein Triathlon-Profi verraten hatte: Er solle sich seine Rennen aufschreiben, wie er es sich den Verlauf im Idealfall wünscht. Doch ab dem Startschuss erlebte er, dass es gar nicht nach seinen Wünschen lief. Das deprimierte ihn und er verlor schnell die Lust am Rennen. Im Coaching-Gespräch stellte sich heraus, dass er ein höheres Machtmotiv hat. Das ist nicht besser und auch nicht schlechter als ein Leistungsmotiv, es ist aber sehr wohl entscheidend dafür, wo mental die Arbeit liegt zum Beispiel bezüglich Visualisierung und Selbstgesprächen. Als sehr guter Schwimmer schwamm er die 3,8 Kilometer so schnell er konnte, er fuhr auf dem Rad mit jedem Athleten um die Wette. Nach 90 Kilometern, also gerade mal der Hälfte, gingen ihm die Körner aus. Beim Marathon lief er als starker Läufer die ersten zehn Kilometer viel zu schnell an, was natürlich im Hinblick auf den gesamten Marathon kontraproduktiv war. Es fehlte ihm an Selbststeuerung im Rennen, da er zu stark ins Duell mit anderen Teilnehmern ging (Macht-Motiv).
Henry hatte sich nie mit einer Rennstrategie befasst, nicht überlegt, worauf er mental den Fokus legen möchte, um mehr zu seinen eigenen Stärken zu finden. In Kooperation mit dem Trainer besprach ich mit ihm, seine Rennstrategie zur verbesserten Selbststeuerung. Ich achte dabei auf die mentalen Hürden: wie spricht er in den entscheidenden Momenten mit sich selbst, was kann er den aufkommenden Zweifeln und den Heißsporn-Gedanken entgegensetzen? Ich arbeite auch gerne mit situationsbezogenen Vorbildern, die der Athlet heranziehen kann: wie würden die in seiner Situation handeln und mit sich sprechen? Zudem haben wir mentale Erinnerungsstützen in sein Training und Rennen installiert, um die neuen Denkmuster zu festigen. Mittels einer Sporthypnose haben wir außerdem neue erwünschte Assoziationsmuster hinzugefügt. Obwohl er gar nicht an Hypnose glaubte. Aber die Hypnose-Geschichte, die ich für ihn geschrieben hatte, funktionierte und er fühlte sich insgesamt im Rennen besser als in jedem Ironman-Rennen zuvor.
Wie unterscheidet sich deine Arbeit, wenn du mit Sportlern oder mit Führungskräften arbeitest?
Sportler haben die Möglichkeit, eine Veränderung sehr schnell zu beobachten: oft schon beim nächsten Wettkampf. Führungskräfte und alle Menschen, die sich beruflich weiter entwickeln wollen, haben oft aufgrund des Umfelds sehr viel höhere Hürden, da das Umfeld die Veränderung oft gar nicht erkennen kann oder akzeptieren will. Da jede Veränderung auch ihren Preis hat. Manchmal verlässt meine Klienten der Mut. Da braucht es mich als Beobachter, diese Veränderung zu sehen und zu bestärken, bis das Verhaltensmuster sich durchgesetzt hat, dann werde ich überflüssig … In selten Fällen fehlt leider Klienten die Durchhaltekraft durch dieses manchmal anstrengende Tal der Veränderung zu gehen. Irgendwann wird’s für jeden Klienten „brutal mental“. Unser Hirn belohnt uns für die Beibehaltung der eingeübten, alten Verhaltensmuster. Es braucht viel Geduld und Belohnung, um dem etwas Neues entgegenzusetzen.
Denkst du im Wettkampf selbst oft an Aussagen im Buch oder Erlebnisse aus deinen Coachings und was macht das mit dir?
Natürlich denke ich daran. Allerdings beeinflussen mich meine Coachings in solchen Fällen mehr als das Buch. Daher finde ich es auch so wichtig, dass ich selbst ab und an Wettkämpfen teilnehme: so kann ich immer wieder voller Respekt spüren, was ich von meinen Klienten erwarte.
Welche Arbeitsweise kennzeichnet dich und deine Arbeit und was macht dich glücklich und zufrieden?
Ich liebe meinen Beruf und bin sehr dankbar für das Vertrauen meiner Auftraggeber. Dass ich als Coach mehrmals jährlich von einem Beratungsunternehmen gebucht werde, das zum dritten Mal in Folge zu den Besten im Bereich Personalentwicklung zählt (laut Brand eins), ist toll. Der Weg war kein leichter. Triathlon war für mich manchmal eine schöne Ablenkung, wenn es auch oft zu kurz kam. Aber ich habe die Hürden bisher gemeistert, sehe es allerdings keinen Tag als selbstverständlich an. Ich freue mich, wie viele Menschen im Sportbereich mir inzwischen vertrauen. Manchmal staune ich selbst, wie groß die Entwicklungssprünge sind, die meine Klienten machen. Zumal ich mich sehr freue, dass meine Athleten stolz darauf sind, (anonym) ein Teil des Buchs “Brutal Mental” geworden zu sein. Und jeder meiner Klienten ist in seiner Einzigartigkeit für mich ein Superheld, den ich darin unterstützen durfte/darf, die eigenen Superkräfte weiterzuentwickeln. Ich lehne mich da an das Bild der Edna Mode, so haben mich die Asics FrontRunner getauft: sie schneidert den Superhelden in „The INCREDIBLES“ die ideale Ausstattung auf den Leib.
Danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg, liebe Daniela.
Mehr zum Buch “Brutal Mental” von Daniela Dihsmaier:
Interview: Meike Maurer
Foto: Marathon-Photos und Yuto Yamada | 3.40625 | 2.28125 | 2.109375 |
f1204d541f513fb10a570d06cabab5e0 | Post Europa in Thessaloniki
In Thessaloniki fand im LABattoir in Zusammenarbeit mit ArtBOX am 19.-22.10. der erste Workshop zur zweiten Phase des Projektes Freiraum statt. Mit Partner/innen aus ganz Europa wurde über die Grundprinzipien der Freiraum-Plattform sowie über ihre Zukunft gesprochen. Auch über Post Europa wurde intern und bei einer öffentlichen, live übertragenen Konferenz debattiert. Es gab auch Performances, um die Bürger/innen dazu einzuladen, ihre Sicht und ihre Träume von Europa zu artikulieren. Wir danken ArtBOX für die inspirierende und gute Partnerschaft.
FREIRAUM WIRD ERWACHSEN: WIE SOLL ES WEITERGEHEN?
Drei Jahre nach Start des Projekts mit 42 teilnehmenden Städten geht Freiraum im Rahmen eines intensiven viertägigen Treffens in Thessaloniki unter Leitung des LABattoir Projects in seine nächste Phase über. Im Mittelpunkt dieser vier Tage standen lebhafte Diskussionen über die Zukunft der Initiative sowie Aktionskunstveranstaltungen, Ausstellungen, eine Konferenz und Workshops, die das Potential von Freiraum und seine kreativen Möglichkeiten deutlich machten. Darüber hinaus erkannten alle Beteiligten, dass einer kreativen Partnerschaft dieses Kalibers nahezu keine Grenzen gesetzt sind.Von Kalliopi Kati
Am Hafen von Thessaloniki ist die Luft an diesem Sonntagabend frisch, aber nicht zu kalt (immerhin ist es schon Oktober). Die Anwesenden scharen sich um eine glänzende und hell erleuchte Metallbühne, auf der nur ein Mikrofon platziert ist. Im Hintergrund hört man sanftes Meeresrauschen und den Lärm der Stadt. Langsamen Schrittes betritt ein Mann mit Hut, Trenchcoat und Taschen voller Sand die Bühne. In den Ohren der Zuschauer*innen erklingen dazu die Worte ehemaliger EU-Staats- und Regierungschefs.
„Ich möchte über die Tragödie Europas sprechen“, sagt der Mann, der in die Rolle von Joseph Beuys geschlüpft ist.
Anschließend fordert er die Menschen mit ruhiger Stimme auf, von ihren Träumen zu erzählen, ganz gleich ob es sich um persönliche Erinnerungen an das Unbewusste oder um ihre Visionen für Europa handelt. Immer mehr Menschen betreten zunächst scheu und zurückhaltend die Bühne, bis zum Schluss die fröhlichen Gesichter ganz rot vom vielen Lachen über einen doch recht absurden Traum sind.
Die Performance „Sandmen: Dreaming in/of Europe“ (Sandmann: Träumen in/über Europa) des Schauspielers und Regisseurs Thomas Velissaris war nur ein kleiner Teil des reichhaltigen viertägigen Programms in Thessaloniki. Und doch sagte es sehr viel aus über das Wesen dieses Projekts, das in seine zweite, entscheidende Phase übergeht. Mit der Performance im Hinterkopf bot das Forum, das für die neuen und alten Mitglieder von Freiraum einberufen wurde, Gelegenheit, über Post-Europa – die gegenwärtige und künftige Situation in Europa – zu diskutieren und ausgehend von dieser Perspektive eine Vision für das Freiraum-Projekt zu formulieren. Unter dem starken Eindruck der politischen Turbulenzen und Unsicherheiten, die sich in Europa immer weiter ausbreiten, werteten die 15 Vertreter*innen einen „geschützten Raum/Freiraum“ mehr denn je als dringende Notwendigkeit.
„Wie können wir Mikro-Utopien entwerfen, wenn uns lediglich unser Menschsein miteinander verbindet?“
Besser hätte die Künstlerin und Kuratorin Jane Dudman die Dynamik einer Gruppe von Menschen mit unterschiedlichem kulturellen und sozialen Hintergrund nicht zum Ausdruck bringen können. Während der Konferenz fasste sie in ihrer performativen Lesung „Post Europe: 3 approaches on the future of Europe through a global perspective“ (Post-Europa: 3 Ansätze zur Zukunft Europas aus globaler Perspektive“) viele frühere Diskussionsbeiträge des Tages zusammen, in denen sich die Mehrzahl der Teammitglieder auf die Notwendigkeit verständigte, mit einem gemeinsamen Projekt „zu provozieren“. In kleinen Gruppen vertieften sich die 15 Mitglieder in sehr persönliche und vertrauliche Gespräche und fühlten sich „wie in einer Therapiegruppe in einem geschützten Raum“, um mit den Worten der Künstlerin, Kuratorin und Kulturberaterin Edit Pula aus Tirana zu sprechen. Der Wunsch, sich in einem Raum mit Gleichgesinnten auszutauschen, wurde von allen Teilnehmenden der Workshops und der geschlossenen Gesprächsrunden geteilt. Dabei ging es um Berichte aus unterschiedlichen Ländern und Erfahrungen aus eigenen Projekten, die allesamt den Schutz der Demokratie, „die Erfahrung von Freiheit“ und den „Protest gegen die Kultur der Notwendigkeit“ zum Thema hatten.An den darauffolgenden Tagen wurden alle Teilnehmenden aufgefordert, der Gruppe ihre Projekte und ihre Erwartungen an das Projekt mitzuteilen. Iskra Geshoska, Künstlerin, Aktivistin und Gründerin des Verbands Kontrapunkt in Skopje, konzentrierte sich dabei auf die Bedeutung von unterdrückter Wut und die Umleitung dieser Wut in produktive Protestformen und verwies darauf, dass „Wut ein Symptom für ein wachsendes Bewusstsein von Menschen ist, die sich zu sozialen Wesen entwickeln wollen“. Dagegen betonte der slowakische Kurator, Kulturmanager und Aktivist Milan Zvada die Bedeutung der satirischen Aktionskunst, um Kritik an der gegenwärtigen politischen Situation in seinem Heimatland zu äußern. Prokop Cech, nach eigenen Worten „kein Künstler, sondern Vermittler“, analysierte die komplexen Zusammenhänge von Wahlalgorithmen und konsensorientierten Methoden und berichtete von seiner Arbeit für die unabhängige Prager Stiftung H21, die sich auf eine „Umkehr des politischen Desinteresses konzentriert und die Welt vor weiteren Trumps und Brexits retten will“. Zu guter Letzt äußerte sich der griechische Journalist für Umwelt- und Europafragen, Vasiliki Grammatikogianni, zum Ausmaß des Klimawandels und zu den damit verbunden Folgen für Europa. Die Gastgeber*innen, Christos Savvidis und Lydia Chatziiakovou, Kurator*in und Leiter*in von ArtBOX Creative Arts Management und Gründer*in des LABattoir-Projekts, gingen schließlich auf die Durchführung von Maßnahmen der „Art for Social Change“ (Kunst für gesellschaftlichen Wandel) in der Stadt Thessaloniki ein. Natürlich waren die Präsentationen der Teilnehmenden nicht die einzigen Informationen, die es in diesen Tagen zu hören gab. An der Konferenz „Post Europe: 3 approaches on the future of Europe through a global perspective“ nahmen mehr als 15 Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Fachleute teil, die Fragen zum Europa von heute aus einer weiteren, ganzheitlicheren Perspektive beleuchteten.
Alle im Vorangehenden aufgeführten Ideen dienten als Impulse für Veränderungen und als Einladung, „Frieden mit sozialen und politischen Traumata“ zu schließen, um auf diese Weise eine Identität für ein Netzwerk zu entwickeln, dass „die Narrative ändern und den Menschen eine Stimme geben“ könnte. Die Notwendigkeit, „die Freiraum-Flamme weiterzuverbreiten und an mehr Menschen weiterzugeben, um unsere Brüder und Schwester an den Gesprächen zu beteiligen“ wurde sowohl von Milan Zvada als auch von der dänischen Kunst- und Architekturhistorikerin Signe Sophie Boggild betont. Unterdessen führte ein Nachdenken darüber, wie man von der Vielfalt der Gruppe profitieren könnte, zu der Überlegung, dass ein Netzwerk möglicherweise nicht ausreicht, um das Freiraum-Projekt weiterzuführen. Vielmehr müsste es durch offenere, flexible und dynamische Komponenten ergänzt werden, die alle nach denselben ethischen Grundsätzen und Zielsetzungen miteinander verbunden sind.
„Wir brauchen Ehrgeiz und hohe Ziele!“
Nach ausführlichen Gesprächen über die Identität des Projekts verständigte sich das Team darauf, in den nächsten Tagen noch einmal auf diesen Punkt zurückzukommen, um zunächst eine andere wichtige Frage zu erörtern: Wie können wir uns um Finanzierungsmöglichkeiten im Allgemeinen und EU-Finanzmittel im Speziellen bemühen? Christos Savvidis stellte diese Frage bei mehreren Gelegenheiten, weil eine Antwort immer dringlicher werde, um die Fortsetzung des Projekts zu sichern. Da sich das Goethe-Institut Ende 2020 aus der Projektförderung zurückzieht, besteht das Hauptziel der Phase 2 darin, ein dauerhaftes, unabhängiges Konzept zu entwickeln, zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen und gleichzeitig die Verbindung zum Goethe-Institut weiter aufrechtzuerhalten. Simone Rudolf vom Goethe-Institut in Brüssel leitete am 3. Tag eine vorbereitende Schulung zu europäischen Förderprogrammen, um den Teilnehmenden das strategische Vorgehen bei der Ausarbeitung von Finanzierungsanträgen für Kulturprojekte zu erläutern. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden produktive Gespräche über die beteiligten Partnerschaften und den Grad der Beteiligung jedes einzelnen Teilnehmenden geführt.„Eine mobile Bühne als Symbol für Freiraum“
In diesen vier Tagen, in denen sich Workshops, Aktivitäten, Konferenzen und Performances nahezu nahtlos aneinanderreihten, gab es ein Element, das bei allen Veranstaltungen zum Einsatz kam: Die Freevolous City Stage, die vom LABattoir Projekt als Mittel zur Aktivierung von Gemeinschaften und öffentlichen Räumen entwickelt und gebaut wurde. Damit zeigte sich, welche Bedeutung dieser innovativen, mobilen und flexiblen Konstruktion zufällt, mit der jede*r einen geschützten Raum in Form einer Bühne an einem beliebigen Ort – im Innen- wie im Außenbereich – errichten kann. Der Aufbau eröffnet unzählige Gestaltungsmöglichkeiten, wodurch bei allen Performances, öffentlichen Diskussionen, Konzerten usw. eine Theateratmosphäre entsteht, die keine Bühne im herkömmlichen Sinne benötigt. Die mobile Bühne erwies sich an diesen vier Tagen bei vielen Gelegenheiten als nützlich und kam bei der Veranstaltung in verschiedenen Formen zum Einsatz: Bei der Konferenz, einer partizipativen Performance am Hafen von Thessaloniki, einer audiovisuellen Performance und einer musikalischen Improvisation in Verbindung mit einer visuellen Kunstinstallation. Zudem berichteten Initiator*innen, Designer*innen und Künstler*innen, die bereits mit der Bühne gearbeitet hatten, im Verlauf der Konferenz von ihrem erfolgreichen Einsatz. Für Thomas Velissaris war die Nutzung der Bühne „die lehrreichste Erfahrung, die ich seit meiner Zeit an der Schauspielschule machen durfte“. Lydia Chatziiakovou räumte ein, dass „die mobile Bühne sogar Möglichkeiten in Formaten eröffnet, die wir bei ihrer Entwicklung nicht einmal vorgesehen haben“. Die Koordinatorin des Freiraum-Projekts, Maud Qamar, zeigte sich davon beeindruckt und erklärte, dass sie sich „in die mobile Bühne verliebt“ habe.„Freiraum muss organischer werden”
Kurz vor Abschluss des Forums in Thessaloniki sahen die Diskussionsteilnehmer*innen die dringende Notwendigkeit, Freiraum mit einer eindeutigen Identität auszustatten, um die Fortsetzung des Projekts zu sichern. Im ständigen Austausch und mit Unterstützung einer durch die Evaluatorin des Freiraum-Projekts Anke Schad eingerichteten Fokusgruppe erkannten die Teilnehmenden des Forums, dass in diesen vier Tagen, trotz einer etwas unkonventionellen Organisation, auf ungezwungene Weise und ergänzend zu den persönlichen Beiträgen der einzelnen Teilnehmenden ein Einblick in die Zukunft von Freiraum vermittelt werden konnte. Davon ausgehend soll vor dem nächsten Treffen in Bratislava eine Identität entwickelt werden, die auch die Veranstaltung eines jährlichen Festivals nach den (im gemeinsamen Gespräch festgelegten und in einer Art „Manifest“ zusammengefassten) Grundsätzen von Freiraum beinhaltet, das sich nicht nur an Kreative richten, sondern auch Seminare, Konferenzen und andere Aktivitäten für Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Kunst, Soziologie oder Politikwissenschaften oder an dem Konzept interessierte Menschen aus der Öffentlichkeit anbieten soll. Das jährliche Festival soll den Hauptbeteiligten auch Gelegenheit bieten, in verschiedenen Städten das Programm in geschlossenen Veranstaltungen fortzusetzen. Außerdem wird es parallel über das gesamte Jahre verteilt Nebenveranstaltungen in verschiedenen Städten geben. Darüber hinaus werden Informationen zum Projekt und zu den Teilnehmenden sowie ein Online-Archiv mit Videos zu vergangenen Veranstaltungen und Vorschlägen für künftige Seminare/Interviews mit Vertreter*innen aus Kunst und Gesellschaft auf einer Online-Plattform des Programms für die Allgemeinheit zugänglich gemacht. Parallel zum Projekt läuft eine Mentoring-Initiative, bei der die Hauptteilnehmenden jüngere Kreative in die Welt von Freiraum einladen und mit den wichtigsten Projektgrundsätzen vertraut machen. Residenzen für Künstler*innen in verschiedenen Städten sollen zusätzliche Forschungsmöglichkeiten eröffnen. Die nachvollziehbare Interpretation eines „geschützten Raums“, der durch das Konzept einer mobilen Bühne verkörpert wird, sollte dabei nicht vergessen werden. Wie im Vorangehenden beschrieben, wurde diese Bühne ursprünglich vom LABattoir-Projekt entwickelt und wird von allen beteiligten Städten verändert und an ihre Bedürfnisse angepasst, um den einzigartigen kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen vor Ort Rechnung zu tragen.Bei strahlender Mittelmeersonne verabschiedeten sich die Teilnehmer*innen voneinander, voller Zuversicht für die Zukunft von Freiraum und mit Plänen für die kommenden Monate im Gepäck. | 3.40625 | 2.375 | 2.484375 |
bbc7448fdbe6a24cf728cf254929aa0d | Die AG „Coolrunning“ war wieder unterwegs und hatte einen Einsatz zum Naturschutz. Den Bericht findet man auf der Seite der Stadt Osnabrück: https://www.osnabrueck.de/start/aktuelles/news/mit-saege-hammer-und-spaten-im-einsatz-fuer-die-natur/
Selbstgebackenes Brot, mediterrane Tomatensuppe oder ein fruchtiger Quark zum Nachtisch – jeden Mittwoch bereiten die Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen das Catering für das Studienseminar der Lehramtsanwärter in Osnabrück vor. Wir haben das Team einen Tag begleitet.
In der aktiven Auseinandersetzung mit den vielfältigen Lebensmitteln und Zubereitungstechniken erfahren die Schülerinnen und Schüler, wie sie weitgehend selbstständig verschiedene Gerichte schmackhaft und ansprechend zubereiten. Der Jahreszeit entsprechend werden saisonale Produkte aus der Region verarbeitet. Im Angebot stehen frisch zubereitete Salate, wärmende Suppen mit selbstgebackenem Brot, liebevoll hergerichtete Pesto Schnecken sowie abwechslungsreiche Nachtische. Das Angebot variiert, schon deshalb, weil der Cateringservice gern mal was Neues ausprobiert und mit viel Lust und Liebe beim Zubereiten der Speisen dabei ist. Angepasst an die individuellen Fähigkeiten vertiefen die „Köchinnen und Köche“ ihre Kompetenzen im Umgang mit unterschiedlichen Lebensmitteln: Worauf muss ich beim Anbraten achten? Wie lange muss ich mixen, bis die Sahne steif geschlagen ist? Wie viel Druck übe ich beim Schneiden einer Tomate auf das Messer aus? Neben dem Erlernen praktischer Fähigkeiten und Techniken sowie dem Einhalten von Hygieneregeln während der Zubereitung des Essens entwickeln die Schülerinnen und Schüler auch ein Gespür für Ästhetik, ganz nach dem Motto „Das Auge isst mit“. Es geht schließlich um den Verkauf ihrer selbst hergestellten Leckereien, die sie ansprechend zum Verzehr anbieten.
Der Verkauf findet in den neuen Räumlichkeiten des Studienseminars statt. Versehen mit Schürze und Namensschild üben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Cateringservices mit Höflichkeit, Zurückhaltung, Freundlichkeit und erworbener Sachkompetenz selbständig im Verkauf ihrer Delikatessen.
Beide Seiten profitieren von diesem Catering: Die Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter genießen die frisch und lecker zubereiteten Speisen und das Cateringteam erfährt Anerkennung und Wertschätzung für ihre Arbeit.
Josephin Hoppe
Seit mittlerweile mehreren Jahren setzt sich die Gruppe der Klimabotschafter*innen an der Montessori-Schule Osnabrück über verschiedene Zugänge aktiv mit dem Thema „Plastik“ auseinander. Dabei gestalteten die Klimabotschafter*innen für die Aktion „Plastiktütenfreies Osnabrück“ ausrangierte Altpapiertonnen zu PlastiktütenMonstern um, welche zur Sammlung gebrauchter Plastiktüten in diversen Ladengeschäften in Osnabrück aufgestellt wurden. Außerdem produzierten die Schüler*innen zwei Kurzvideos zur Darstellung ihrer Anliegen und setzten sich schließlich intensiv mit der Frage auseinander, wie der Plastik-Müll ins Meer gelangt, welche Folgen damit verbunden sind und welche Einflussmöglichkeiten sich daraus für die Klimabotschafter*innen selbst ergeben. Es schloss sich die engagierte Erarbeitung der hier ausgestellten Meeres-Szenerie an. Begleitend zur Installation der Ausstellung im Foyer der Schule regten die Klimabotschafter*innen innerhalb der Montessori-SchuleOsnabrück zu einer Gemeinschaftsaktion an. Mit dem Aufruf „Prima Klima an der Monte – Wir machen PlastikPause“ und dem Anliegen, das Bewusstsein im alltäglichen Gebrauch von Plastik zu schärfen, riefen sie im September 2019 ihre Mitschüler*innen dazu auf, das eigene Konsumverhalten hinsichtlich des anfallenden Plastik-Mülls zu beobachten und auszuwerten. Den Schwerpunkt bei der Erarbeitung der Installation bildete neben der künstlerischen Auseinandersetzung ein emotionaler Zugang, der u.a. in der Bildgeschichte „Eine Tüte auf Reisen“ auf besondere Weise zum Ausdruck kommt.
Projektbegleitung: Sarah Büchel (KlimaLab.Osnabrück) , Katja Woppowa (Montessori-Schule Osnabrück)
Projektberatung: Henrik Peitsch (KlimaLab.Osnabrück), Karin Bludau (Montessori-Schule Osnabrück)
Das Monte Schwimmteam nahm am 1. Hallensportfest von Special Olympics in Hannover mit Sara Kreuter, Muhammed Ali, Jan Luca Gedigk, Tim Schaber und Luca Rabe teil.
Mit über 80 Sportler und Sportlerinnen aus 12 Förderschulen und Werkstätten fanden an zwei Tagen spannende Wettkämpfe im Sportleistungszentrum von Niedersachsen im Bereich Schwimmen statt. Daneben wurden noch Leichtathletikwettbewerbe und ein Tischtennisturnier mit zusammen 150 Aktiven organisiert.
Wie immer hieß es „Ladies first“ und Sara lieferte mit engagiertem Auftreten den 1. Platz im 25m Freistilfinale. Mit dieser Motivation ging Neuling Jan Luca an den Start und erreichte überglücklich den 2. Platz genau wie Luca Rabe in seinem Lauf. Am Abend freuten sich die Schüler und Schülerinnen trotz anstrengender Wettkämpfe auf ein gemeinsames Abendessen und anschließender Disco im VIP-Bereich der großen HDI-Arena. Nach dem wohlverdienten Schlaf ging es frühmorgens im strammen Fußmarsch entlang des Maschsees zurück ins Sportzentrum, wo die Finals der 50m Disziplinen und das Staffelschwimmen auf dem Programm standen. Ein sehr zufriedener Tim Schaber freute sich über seinen 1. Platz. Sara und Jan Luca belegten jeweils den 3. Rang. Der abschließende 4x50m Freistilwettbewerb bot Spannung pur. In der Aufstellung Sara, Jan Luca, Tim und Luca gab es ein Herzschlagfinale um den 3. Platz. Eiskalt zog Luca in letzter Sekunde noch an seinem Konkurrenten vorbei und sicherte somit den Podestplatz. Mit vielen Eindrücken, Gesprächen mit anderen Sportlern und Einladungen zu weiteren Schwimmveranstaltungen endete das Hallensportfest.
O. Stein
Bereits zum zweiten Mal hat die Montessori-Schule einen Segeltörn in Holland ihren Schülerinnen und Schülern angeboten.
4 Jungen und 2 Mädchen der Sekundarstufe II sind vom 23. – 26. September haben auf dem
Vereinsschiff DIALOG II des Vereins Klar zur Wende
erleben dürfen, was es heißt bei stürmischen und regnerischem Wetter Segeln zu dürfen.
Das Erlebnis war groß. Alle Schülerinnen und Schüler haben das Schiff selbst gelenkt. Sie sind durch Schleusen und Brücken gefahren, haben in den Häfen ab- und angelegt und hissten die Segel.
Auch Regen und Starkwind konnte die gute Laune nicht trüben. Für alle Beteiligten waren es Tage, die lange in Erinnerung bleiben werden
von Lydia Gervelmeyer:
So lautete das Motto am Dienstagmorgen in der Primarstufe. Zu Besuch war Frau Ulrike Umland von der Firma Fielmann, die für die Kinder eine besondere Überraschung dabei hatte. Mit Unterstützung der Eule Rosi wurde den Kindern auf beeindruckende Weise vorgeführt, wie wichtig es ist, im Straßenverkehr möglichst früh gesehen zu werden, besonders in der dunklen Jahreszeit. Um diese Sichtbarkeit zu verstärken, überreichte Rosi allen Kindern Sicherheitsreflektoren in Eulenform, die sie an ihre Schultasche oder Kleidung befestigen können.
Herr Schomaker unterstützte diese Aktion und sagte: „ Unsere Schülerinnen und Schüler nehmen auf verschiedene Weise am Straßenverkehr teil – als Fußgänger, Fahrradfahrer oder als Mitfahrer in Pkw und Bulli. Der Sicherheitsaspekt ist dabei von besonderer Bedeutung. Die Eule Rosi und Frau Unland von Fielmann haben den Kindern spielerisch verdeutlicht, wie wichtig es ist im Straßenverkehr frühzeitig gesehen zu werden, um gefährliche Folgen zu vermeiden. Durch das Tragen heller Kleidung und die Verwendung von Reflektoren tragen die Kinder zu ihrer eigenen Sicherheit bei.“
Von Christian Albrecht:
Seit knapp drei Wochen besuchen unsere 4 Erstklässler und 3 Zweitklässer aus der MontessoriSchule nun die neu gegründete Kooperationsklasse 1,2kE. Einen Katzensprung entfernt von der Montessori-Schule lernen sie in zwei gemeinsam genutzten Klassenräumen im Neubau der Elisabethschule Buchstaben, Zahlen und was noch wichtig ist um die Welt für sich zu gestalten. Mit 19 Grundschülern nehmen sie aktiv am Morgenkreis teil und lauschen unserem Klassenmaskottchen Jan & Henry bei Ihren Hörrätseln. Im Wochenplan vertiefen alle 26 Schüler der Kooperationsklasse ihre Fertigkeiten an verschiedenen handlungsorientierten Stationen und bearbeiten Seite für Seite in ihrem Zifferntrainer oder im Silbenlehrgang mit Einsterns Schwester Lola. Ganz im Sinne von Robert Metcalfs Lied zeigt diese neu gegründete Kooperationsklasse, dass Inklusion, Integration, Kooperation oder wie auch immer man gemeinsames Lernen noch nennen will, immer dann gelingt wenn man es gelingen lässt.
Ich bin anders als
Du bist anders als
Er ist anders als sie
Sie ist anders als
Er ist anders als
Du bist anders als ich
Wir, wir, wir sind anders als
Ihr, ihr, ihr seid anders als wir
Na und? Das macht das Leben eben bunt.
Der erste gemeinsame Elternabend findet am Dienstag, den 03.09.2019, um 19.00 Uhr ind er Montessori-Schule statt!
Die Montessori-Schule hat eine neue Kooperation mit dem Berufsschulzentrum am Westerberg. Schon seit ein paar Jahren nehmen Schülerinnen und Schüler der Montessori-Schule am Kurs „Metalltechnik“ im Berufsschulzentrum teil. Seit diesem Schuljahr gibt es dort auch eine Kooperationsklasse. Die Klasse 12c kooperiert dort mit einer Klasse im Berufsvorbereitungsjahr in der Fachpraxis „Ernährung“ und Fachpraxis „Körperpflege“. Die Schülerinnen und Schüler mussten erst einmal das neue, große Schulgebäude erkunden. Nach einem ersten Kennenlernen haben sie schon gemeinsam mit der Klasse BVJ6 die ersten leckeren Gerichte zubereitet.
Am Donnerstag, den 15.08.2019, startet das neue Schuljahr.
Die neuen Erstklässler werden am 16.08.2019 mit einer Einschulungsfeier aufgenommen.
Wir wünschen allen eine guten Start! | 3.65625 | 3.671875 | 2.734375 |
06fc6ac76d32494c92b5a1fdaa54454b | Felix und Sylvie Heiser
Ein Ehepaar zieht auf eine stürmische Nordseeinsel und arbeitet dort gemeinsam im Internat. Wie fühlt sich das an?
An welchem Internat arbeiten Sie – und wie lange?
Wir arbeiten seit August 2016 an der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog. Felix ist als Lehrer für die Fächer Geschichte, Erdkunde und Politik tätig. Sylvie arbeitet sowohl als pädagogische Mitarbeiterin im Internatsalltag als auch im Sekretariat im Bereich der Schülerakquise, -aufnahme und Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam betreuen wir seit Januar 2017 auch eine Internatsfamilie.
Was haben Sie vor Ihrer Tätigkeit im Internat getan?
Sylvie arbeitete nach ihrem Studium der Politik- und Geschichtswissenschaften an der Universität Heidelberg und in den USA für die Bildungsinitiative „Teach First Deutschland“ an einer Mannheimer Hauptschule und engagierte sich dort unter anderem in Integrationsklassen für geflüchtete Kinder und Jugendliche. Anschließend war sie im Bildungsbereich für die Gemeinnützige Hertie-Stiftung in Frankfurt am Main als Projektreferentin tätig.
Felix studierte an der Universität Heidelberg Geschichte, Geographie und Politikwissenschaften auf Lehramt und absolvierte sein Referendariat an einem Heidelberger Gymnasium. Danach arbeitete er an einer Mannheimer Privatschule und hatte dort die Leitung des Technischen Gymnasialzweiges inne.
Warum haben Sie sich für diese Aufgabe entschieden?
Da wir beide gute und interessante Jobs hatten, ist uns die Entscheidung nicht leicht gefallen. Dennoch hatten wir Lust, etwas Neues auszuprobieren. Nach dem hektischen Leben in der Mannheimer Innenstadt und der täglichen Pendelei zur Arbeitsstelle war es in unseren Augen Zeit für eine Veränderung. Darüber hinaus sind wir beide der Insel Spiekeroog schon seit vielen Jahren sehr verbunden. Der Standort auf einer kleinen Insel in der Nordsee, der für viele vielleicht zunächst abschreckend klingen mag, war für uns ein spannendes Abenteuer. Wir beide haben Spaß an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, aber unserer Erfahrung nach ist diese Arbeit besonders effektiv, wenn man die Möglichkeit erhält, eine gute Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen. Das ist im Kontext Schule oft schwer. Felix, der Fächer unterrichtet, die meistens mit wenigen Wochenstunden in der Stundentafel veranschlagt sind, sieht Schülerinnen und Schüler oft nur eine Stunde in der Woche. Das macht es unmöglich, eine solide Basis für eine gute Zusammenarbeit mit den Schülern herzustellen. Ebenso überzeugte uns das reformpädagogische Konzept der Hermann Lietz-Schule.
Welche Erwartungen an die Tätigkeit wurden erfüllt?
Die Arbeit am Internat ist spannend, abwechslungsreich und jeden Tag warten neue Herausforderungen auf uns. Wir schätzen besonders die gute Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern, den Kollegen und den kurzen Draht zur Schul- und Internatsleitung. Die kleine Gemeinschaft, in der wir leben, schafft ein vertrauensvolles Lebens- und Arbeitsklima, in dem wir uns sehr wohl fühlen. Ebenso ist es in diesem Job für uns möglich, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, wie es sonst für berufstätige Eltern nur selten möglich ist.
Was sind für Sie besondere Herausforderungen Ihrer Tätigkeit
Die Herausforderung für uns im Internatsleben ist es, unsere Privatsphäre – trotz engem Zusammenleben mit Schülern und Kollegen – zu bewahren. Anders als in einem normalen Bürojob oder als Lehrer an einer Regelschule, ist man als Internatspädagoge auch außerhalb der „regulären Arbeitszeiten“ ansprechbar. Das kann in Zeiten mit hohem Arbeitsaufwand stressig sein, dennoch haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein aktives Einfordern von Privatsphäre sowohl von Schüler- als auch von Kollegenseite akzeptiert wird.
Welche drei Vorteile sehen Sie in Ihrer Tätigkeit im Internat gegenüber der Tätigkeit an einer normalen Schule?
- Man kennt jeden einzelnen Schüler persönlich.
- Die Klassen sind kleiner und überschaubarer als an Regelschulen.
- Es findet ein täglicher, enger Austausch im Kollegium statt.
Welche Eigenschaften finden Sie besonders wichtig, wenn sich jemand für eine solche Aufgabe interessiert?
Wichtig sind Humor, Gelassenheit und Offenheit gegenüber den – auch außerschulischen – Bedürfnissen junger Menschen. Der wertschätzende gegenseitige Umgang ist unserer Meinung nach sehr wichtig, da die Schülerinnen und Schüler ein sehr gutes Gespür dafür haben, ob sie ernst genommen werden oder nicht.
Wer sollte sich auf diese Aufgabe auf gar keinen Fall bewerben?
Menschen, die sich als reine „Fachlehrer“ verstehen und keine Lust darauf haben, ihren Schülern auch nachmittags über den Weg zu laufen.
Betreuen Sie nur Schüler eines Geschlechts und einer Altersgruppe oder eine gemischte Gruppe?
Unsere derzeitige Internatsfamilie besteht aus sieben internen und zwei externen Schülerinnen und Schülern. Vier Mädchen und fünf Jungs im Alter von 11 bis 17 Jahren; von Klasse 6 bis Klasse 11. Diese gemischte Zusammensetzung macht das Zusammenleben lustig und abwechslungsreich.
Erhalten Sie für Ihre Tätigkeit im Internat eine Entlastung im Unterricht?
An unserem Internat wird die Internatsarbeit mit der Anrechnung einer halben Deputatsstunde pro internen Familienschüler entlohnt.
Wie sieht eine durchschnittliche Woche, ein Arbeitstag bei Ihnen aus?
Felix unterrichtet derzeit 18 Wochenstunden in den Klassen 8 bis 12. Einen Tag die Woche hat er frei, dafür unterrichtet er auch am Samstag. Sylvie arbeitet vormittags im Büro und ist – neben Verwaltungstätigkeiten – verantwortlich für die Schülerakquise und Öffentlichkeitsarbeit und unterstützt teilweise am Nachmittag die Hausaufgabenbetreuung/Studienzeit. Unsere Schulfamilie sehen wir täglich bei den drei Mahlzeiten von Montag bis Samstag. Aber natürlich sind wir für die Schülerinnen und Schüler auch Ansprechpartner für schulische und außerschulische Belange. Alle zwei Wochen haben wir außerdem auch einen Familienabend, an dem die Familie gemeinsam etwas unternimmt. Daneben gehören auch die Kommunikation und der regelmäßige Austausch mit den Eltern zu unseren Aufgaben. An ca. vier Abenden im Monat haben wir Abenddienst und sind dafür verantwortlich, die Schülerinnen und Schüler eines Internatsflügels ins Bett zu bringen und für Ruhe auf den Gängen zu sorgen. Der Sonntag ist unser gemeinsamer freier Tag.
Wie beurteilen Sie Ihre Arbeitsbelastung?
Zweifelsohne ist die Arbeitsbelastung während der regulären Schulzeit nicht zu unterschätzen. Durchaus hat man dann auch abends und am Wochenende Gespräche mit Schülern, Kollegen und Eltern sowie Berichte und E-Mails zu verfassen. Dennoch hat man im Internat die Möglichkeit, Leben und Arbeiten so miteinander zu verknüpfen, dass man sich auch seine Freiräume schaffen kann. Darüber hinaus genießen wir die gemeinsamen Schulferien, die bedingt durch den Samstagsunterricht länger ausfallen als an regulären Schulen.
Wie oft dürfen Sie das Internat während der Schulzeit verlassen?
Jeder Kollege hat bei uns unter der Woche einen freien Tag. Den Sonntag haben wir beide frei. An diesen freien Tagen haben wir die Möglichkeit das Internat zu verlassen und eigene Termin wahrzunehmen. Für unsere Schulfamilie sind wir allerdings auch an den freien Tagen in Notfällen zu erreichen oder organisieren eine Vertretung.
Was sollte jeder Bewerber wissen?
Das Arbeiten im Internat bietet viele Vorteile: Wir sind unbefristet angestellt und werden tariflich bezahlt, haben eine günstige und schöne Dienstwohnung, erhalten Vollverpflegung und leben auf einer wunderschönen Nordseeinsel. Dennoch bedeutet das Arbeiten im Internat ein enges Zusammenleben in einem Mikrokosmos, in dem man Konflikten nur schlecht aus dem Weg gehen kann. Daher sollte man als Bewerber Kommunikations- und Konfliktfähigkeit mitbringen.
Was ist ihr Tipp für Bewerber, Neueinsteiger in diesem Beruf?
Sie sich die Schule vor Ort genau ansehen, im besten Fall einen oder mehrere Tage im Internatsalltag verbringen und mit Schülern, Lehrern und Mitarbeitern ins Gespräch kommen. Für uns waren der persönliche Besuch und die guten Gespräche mit den heutigen Kollegen an der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog ausschlaggebend für unsere Entscheidung, den Schritt ins Internat zu wagen. | 3.53125 | 2.75 | 2.859375 |
d6379ed5c55596c72412d1e7a72218ec | Artikel zitiert von Alexander Freund /
Männer, Frauen und Kinder infizieren sich gleich häufig mit dem neuen Coronavirus. Aber die Folgen sind sehr unterschiedlich. Entscheidend sind das Alter, das Geschlecht und mögliche Vorerkrankungen.
Das neue Coronavirus wird sich in den kommenden Wochen und Monaten rasant ausbreiten und zwei Drittel der Bevölkerung werden sich infizieren. Daran wird sich vermutlich auch nichts ändern, wenn es wieder wärmer wird und die klassische Erkältungs- oder Grippezeit endet, so Christian Drosten, der führende Virologen von der Berliner Charité. Allerdings wird die Infektion bei den Meisten nur einen milden Verlauf nehmen. Diese Menschen werden im Herbst, wenn die nächste Erkältungswelle kommt, bereits Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet haben.
Wieso müssen vor allem Ältere geschützt werden?
Gefährdet bleiben vor allem die Älteren, bei denen die Sterblichkeitsrate ab etwa 65 Jahren exponentiell steigt. In China beispielsweise liegt die Sterblichkeitsrate bei Infizierten bis 40 Jahren bei 0,2 Prozent, zwischen 70 und 79 Jahren liegt sie allerdings bereits bei 8 Prozent, ab 80 Jahren bei 14,8 Prozent.
Entsprechend müssen in den kommenden Wochen und Monaten besonders die Älteren geschützt werden, vor allem wenn sie unter Vorerkrankungen leiden (siehe Grafik). Diese Risikogruppe sollte Menschenansammlungen, Konzerte oder die vertrauten Vereinstreffen tatsächlich meiden.
Oma und Opa sollten definitiv nicht für die Betreuung der Enkel bei Quarantäne oder in ähnlichen Ausnahmesituationen eingesetzt werden. Stattdessen sollten Angehörige den Älteren die Einkäufe nach Hause bringen, damit sie unnötige Besuche im Supermarkt vermeiden können.
Welche Vorerkrankungen erhöhen das Risiko bei einer Corona-Infektion?
Fast alle Verstorbenen waren bereits vor ihrer Infektion mit dem Coronavirus krank. Gefährdet sind nach einer WHO-Analyse der Fälle in China vor allem ältere Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck, Chronischen Atemwegserkrankungen und Krebs.
Warum sind Männer häufiger als Frauen betroffen?
Nach WHO-Angaben sterben Männer deutlich häufiger als Frauen an SARS-CoV-2. Die Todesrate lag in China Mitte Februar für Männer bei 2,8 Prozent, für Frauen bei 1,7 Prozent. Eine ähnliche Verteilung gab es bereits 2003 beim SARS-Ausbruch in Hongkong. Und selbst eine normale Grippe trifft Männer gewöhnlich härter als Frauen.
Im Vergleich ist das weibliche Immunsystem widerstandsfähiger als das der Männer. Verantwortlich ist vor allem das weibliche Geschlechtshormon Östrogen, das das Immunsystem anregt und so schneller und massiver gegen Krankheitserreger ankämpft. Das männliche Testosteron dagegen hemmt das Immunsystem.
Außerdem gibt es “genetische Gründe”, so der molekulare Virologe Thomas Pietschmann gegenüber der DW. Grund sei, dass “einige immunrelevante Gene, beispielsweise Gene, die dafür verantwortlich sind, Erreger zu erkennen, auf dem X-Chromosom kodiert werden”. Weil Frauen zwei X-Chromosomen besitzen und Männer nur eines, sind Frauen hier im Vorteil.
Neben der genetischen Disposition ist aber auch der Lebenswandel ausschlaggebend. Männer leben oftmals ungesünder als Frauen, in China zum Beispiel rauchen rund 52 Prozent aller Männer, aber nicht mal drei Prozent aller Frauen. Eine durch das Rauchen geschwächte Lunge ist eben anfälliger für Atemwegsinfektionen.
Warum sind Kinder weniger gefährdet?
Beim neuartigen Coronavirus zählen Kinder überraschenderweise nicht zu den Schwächsten der Gesellschaft – entsprechend sind bisher auch keine Kinder unter den Todesopfern.
Natürlich stecken sich auch Kinder mit dem Virus an, sie werden allerdings nicht krank oder zeigen nur leichte Symptome. Woran das liegt, ist noch nicht abschließend geklärt. Mediziner nehmen an, dass bei Kleinkindern das bereits angeborene “unspezifische System” wirkt.
Als Schutz vor den ersten Krankheitserregern übergibt die Mutter bereits dem Fötus und später dem Neugeborenen über die Muttermilch ihren eigenen spezifischen Immunschutz. Zu dieser angeborenen Immunabwehr gehören beispielsweise Fress- und Killerzellen – das sind weiße Blutkörperchen, die alle Krankheitserreger angreifen, die über die Schleimhäute oder die Haut in den Körper eindringen.
Diese “passive Immunisierung” reicht gewöhnlich, bis Kinder ihr eigenes Abwehrsystem aufgebaut haben. Bis etwa zum 10. Lebensjahr entwickeln Kinder ihre spezifische Immunabwehr. Und auch danach bleibt ihr Abwehrsystem das ganze Leben lang lernfähig, wenn neue Krankheitserreger auftauchen.
Fazit Dr. Kupferberg
Am meisten sind chronisch kranke Personen und Menschen ab dem Alter von 60 Jahren betroffen und das höchste Risiko einer schweren Erkrankung oder des Todes besteht bei Menschen, die älter als 80 Jahre alt sind. Für diese Personen wird es empfohlen, Gruppenaktivitäten wie Flugreisen, Kinobesuche, Familienfeiern, Einkaufen in überfüllten Einkaufszentren sowie den Besuch von Gottesdiensten zu vermeiden. Auch ist es ratsam, eher früher am Tag und unter der Woche einkaufen zu gehen, um Menschenmassen zu vermeiden. Leider wiederspricht diese Empfehlung, sich selbst von den Menschen zu isolieren, genau dem, was HNO-Ärzte den Patienten mit Schwerhörigkeit und Gedächtnisstörungen empfehlen – nämlich, dass man sich unter die Menschen begeben soll, an Sportveranstaltungen teilnehmen und gesellige Stammtischrunde besuchen soll. Um das Sprachverstehen, die Merkfähigkeit und die kognitive Fitness dennoch zu trainieren und geistig aktiv zu bleiben, ist es ratsam, ein kognitives Training, wie die Koj-Gehörtherapie, zu machen. | 4.25 | 3.8125 | 3.109375 |
6e7de2fdd919b57a0783b04017009ecd | Emanzipation und Reaktion
Die neuere Geschichte der Juden in dem Zeitabschnitt zwischen 1789 und 1905, vom Beginne der ersten französischen bis zur ersten russischen Revolution, bietet uns zwei einander parallellaufende Reihe von Prozessen.
In der politischen Geschichte des Volkes wird die bürgerliche Emanzipation (oder der Kampf um diese) von der Reaktion (einer allgemeinen oder speziell antijüdischen) abgelöst. Dementsprechend geht in der Kulturgeschichte die Ablösung der Assimilation durch die nationale Bewegung oder wohl ein Wetteifern der einen mit der anderen vor sich. Diese zwei Reihen, die ihrerseits ihren Ursprung in den früheren Stadien des geschichtlichen Bebens der Judenheit haben, werden in der Verkettung der Geschehnisse der neueren Geschichte durch zahlreiche Fäden ineinander verwoben. Der Ausdruck. Emanzipation« zur Bezeichnung einer auf gesetzgeberischem Wege durchgeführten rechtlichen Gleichstellung der Juden mit allen anderen Bürgern des Bandes ist ein Erzeugnis der neuesten Zeit. Unter der Herrschaft der alten Gesellschaftsordnung, in der die Juden die Stellung nicht einer Gruppe von Bürgern, sondern die einer außerhalb der Bürgerschaft stehenden Kaste einnahmen, die vom Staate kraft einer besonderen Vergünstigung ein beschränktes Quantum von Rechten zuerteilt bekam, konnte wohl die Rede von Rechten nicht aber von einem Rechte, von bürgerlicher Gleichberechtigung sein.
Erst mit dem Moment des Entstehens des modernen Rechtsstaates, der den alten Polizei- und Ständestaat ablöste, konnte die »Emanzipation« zu einem politischen Faktum werden. Dieser Moment trat in Europa für Frankreich im Jahr 1789, für die anderen Bänder des Westens im Verlaufe des 19., für Russland tritt er im 20. Jahrhundert ein.
In dem Maße, wie die neue konstitutionelle Ordnung in verschiedenen Bändern Wurzel fasste, machte der Emanzipationsprozess in der Regel eine ganze Reihe von Stadien durch. Schon bei der Festlegung der neuen Ordnung wurde die Emanzipation bloß mitgedacht, als eine Folgerung aus dem in den Grundgesetzen vorgezeichneten allgemeinen Dogma von der bürgerlichen Gleichheit (»Deklaration der Rechte«, die ersten Paragraphen der europäischen Konstitutionen). Die allgemeinen Formeln der bürgerlichen Gleichheit erwiesen sich jedoch als ungenügend für die juridische Fixierung der Gleichberechtigung, der Juden. Es erhoben sich laute Stimmen, dass das Grundgesetz der Gleichheit auf die Juden nicht ausgedehnt werden dürfe. So lagen die Dinge nach der Veröffentlichung der Deklaration der Rechte, als die bürgerliche Gleichheit eben im Entstehen begriffen war. Dann entspann sich eine spezielle Erörterung der jüdischen Frage (in der französischen Nationalversammlung der Jahre 1789—1791 und.in den deutschen und. österreichischen Parlamenten des Jahres 1848), und nach einigem Schwanken wurde die Gleichberechtigung kraft der Notwendigkeit in formeller Weise gesetzlich bestätigt, denn es erwies sich als unmöglich, die Rechtlosigkeit des einen Teils der Bevölkerung mit der erneuerten staatlichen Ordnung, zu vereinbaren. Aber auch diese spezielle Anerkennung der jüdischen Gleichberechtigung stieß auf Hindernisse zweifacher Art: entweder war es die nach der Revolution einsetzende Reaktion, die die Grundgesetze aufhob, nachdem die erstere der Regierung die konstitutionelle Gesetzgebung abgerungen hatte, oder es war die christliche Gesellschaft, die sich mit der faktischen Gleichberechtigung der Juden nicht abfinden konnte.
Im ersteren Falle wurde die Gleichberechtigung auf juridischem Wege abgeschafft, im letzteren wurde deren praktische Verwirklichung faktisch verhindert. Reaktionen, die von Regierungen ausgehen, tragen einen vorübergehenden Charakter, und die abgeschafften Konstitutionen treten nach einiger Unterbrechung in voller oder eingeschränkter Gestalt wieder in Kraft. Einen bei weitem dauernderen Charakter nehmen die gesellschaftlichen. Reaktionen an, die der Widerstand, den die christliche Gesellschaft der Verwirklichung der juridisch bereits anerkannten Emanzipation entgegensetzt.
Eine derartige Reaktion tritt oft in der Form eines organisierten Kampfes auf (der Antisemitismus im Westen). Mancherorten ist sie nicht gegen die bereits‘ gesetzlich anerkannte Emanzipation gerichtet, sondern gegen den von den Juden ‚eingeleiteten Kampf für ihre Freiheit mit einem sich zäh behauptenden alten Regime (Russland). Auf Grund all dieser vorhin erwähnten Prozesse lässt sich eine Einteilung der neuesten politischen Geschichte der Juden in Zeitalter vornehmen, die im allgemeinen mit der der neuesten Geschichte Europas zusammenfällt, und die folgendermaßen dargestellt werden kann:
Das Zeitalter der ersten Emanzipation, der französischen (1789—1815), als. Frankreich seine Juden emanzipierte, und die anderen Staaten unter dem Einfluss der siegreichen Republik und des napoleonischen Kaiserreiches die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz konstituierten oder Schritte zur Besserung der« bürgerlichen Rage der Juden machten (Holland, Teile Italiens und Deutschlands, bis zu einem gewissen Grade Russland zu Beginn der Regierung Alexanders I.);
2. Das Zeitalter der ersten Reaktion, einer allgemeinpolitischen (1815—1840), als die Emanzipation allerorten, Frankreich und Holland ausgenommen, von einer gänzlichen oder teilweisen Rückkehr zur ersten bürgerlichen Entrechtung der Juden abgelöst wurde; .-D.as Zeitalter der zweiten Emanzipation der deutschen (1848—1881), als die Festlegung des konstitutionellen Regimes vornehmlich in den Ländern deutscher Kultur zur juridischen (aber nicht überall faktischen) Gleichberechtigung der Juden im Westen führte, und als die »Epoche der großen Reformen in Russland« die Emanzipationsbewegung und den Kampf um die Emanzipation innerhalb der östlichen Judenheit ins Leben rief. 4. Das Zeitalter der zweiten Reaktion, der antisemitischen (1881—190Z), als der gesellschaftliche Antisemitismus des westlichen Europas zu einer Macht wurde, die in vielen Ländern der faktischen Durchführung der vollen bürgerlichen und politischen Gleichberechtigung der Juden Hindernisse in den Weg legte, und die Judenfeindschaft des reaktionären Russlands für den Kern der Judenheit ein Regime von Pogromen und der schändlichsten Entrechtung schuf.
Assimilation und nationale Bewegung
In engem Zusammenhänge mit dem zwiespältigen äußeren Prozess der Emanzipation und Reaktion befindet sich der zwiespältige innere Prozess der Assimilation und der Nationalisierung. Unter Assimilation versteht man entweder das naturnotwendige Verschlungen werden des Juden von der Kultur der herrschenden Umgebung, das zu der Einbuße des jüdischen national-kulturellen Typus führt, oder auch das formelle Verzichtleisten des Juden auf seine von der Religiosität als solcher unabhängige nationale Eigenart und das Angegliedert werden an die herrschende Nation in jedem einzelnen Lande.
Dieser Entnationalisierung liegen zwei verschiedenartige Triebfedern zugrunde – die humanitäre und die utilitäre. Die erstere ist in der jüdischen Geschichte nicht neu. Unter dem Einfluss großer weltumspannender Kulturbewegungen entfaltete zu verschiedenen Zeiten die zentrifugale Tendenz in gewissen Schichten der Judenheit eine intensivere Energie als die zentripetale, die Hinneigung zu der »allgemein-menschlichen« Kultur der Peripherie überwog die zur urwüchsigen nationalen Kultur. So war es in Palästina in. der Zeit der Vorherrschaft der phönizischen und dann der assyrisch-babylonischen Kultur, so war es in ganz Vorderasien und Ägypten unter der Herrschaft der griechisch-römischen Kultur, so war es auch in der Zeit der arabischen Renaissance im Orient und in Spanien. Die westliche Judenheit, die jahrhundertelang ein vollständig in sich abgeschlossenes Dasein führte, konnte der europäischen aufklärerischen Bewegung des 18. Jahrhunderts und dessen kosmopolitischer Ideologie nicht widerstehen.
Die Epoche Mendelssohns und die der französischen Revolution entwickelten in «den oberen Schichten der jüdischen Gesellschaft eine ungeheure zentrifugale Kraft. Ihr Losungswort lautete: Vom Nationalen zum Allgemein-Menschlichen. Es begann der Prozess des Anschlusses der Juden an die westliche Kultur.
Da es aber im Westen in der Wirklichkeit gar keine einheitliche Kultur gab, sondern immer nur eine deutsche oder französische und überhaupt eine solche, die dieses oder jenes nationale Gepräge je nach dem Typus der Sprache, der Schule und der Literatur der herrschenden Nation trug, so machten sich auch die verschiedenen Gruppen des jüdischen Volkes in jedem Lande die entsprechende nationale Kultur zu eigen, d. i. sie verschmolzen mit den Franzosen, den Deutschen usw.
Die humanistische Bewegung artete in den Verzicht auf die jüdische Nationalität zugunsten der fremden Kultur des gegebenen Landes oder der gegebenen Provinz aus. Wäre nun diese natürliche zentrifugale Bewegung (bei der unnatürlichen Lage des jüdischen Volkes in der Diaspora) sich selber überlassen geblieben, so wäre sie mit der Zeit durch die normale Gegenwirkung ihrer Nebenbuhlerin in Schach gehalten worden; der verderbliche Prozess der Assimilation wäre in den dichten Massen des Volkes auf die alte elementare Tendenz nach dem Nationalen hingestoßen. Aber hier kamen zu den humanitären Beweggründen solche utilitäre Natur hinzu. In das Ringen um die Emanzipation wurde auch die Assimilation mit hineingezogen und diente als eine Kampfeslosung.
Die christlichen Gegner der Emanzipation suchten nachzuweisen, dass die Gleichberechtigung unmöglich einer abgesonderten Menschengruppe mit allen Merkmalen einer selbständigen Nationalität verliehen werden könne. Das Argument des Abbe Maurice in der berühmten Sitzung der Nationalversammlung im Dezember 1789: »das Wort Jude ist nicht der Name einer Sekte, sondern der einer« Nation« wurde von den Gegnern der Emanzipation im Verlaufe des ganzen 19. Jahrhunderts in allen Ländern ausgenutzt.
Darauf erwiderten die Verfechter der Emanzipation mit den charakteristischen Worten des Clermont-Tonnerre in derselben Sitzung: »Den Juden als Nation ist alles zu verweigern, den Juden als Menschen ist alles zu gewähren.« Nach langwierigem Kampfe trugen die Verfechter der Emanzipation den Sieg davon: die bürgerliche Gleichberechtigung wurde den Juden in der Annahme gewährt, dass sie in dem gegebenen Lande keine nationale; sondern eine religiöse Gruppe innerhalb der herrschenden Nation bilden würden.
Als Napoleon I. bereits nach dem Erlasse des Emanzipationsaktes.im Jahr 1791 über das Verhalten der Juden selber zu dieser Frage in Zweifel geriet, ließ er in Paris eine Versammlung jüdischer Vertreter aus dem ganzen französischen Reiche einberufen und rang ihnen unter Androhung der bürgerlichen Entrechtung die Formel der nationalen Selbstverleugnung ab (»Aujourd’hui que les juifs ne forment plus une nation1 et qu’ils ont l’avantage d’etre incorpores dans la grande Nation«…). Das Pariser Sanhedrin stand vor dem Dilemma: entweder das Judentum zu einer Nationalität und nicht Konfession zu erklären und der Wohltaten der bürgerlichen Freiheit, die sich auf das gesamte Napoleonische Reich erstreckte, mit einem Male verlustig zu gehen, oder aber sich durch das Eingeständnis, nichts weiter als Bestandteile der umgebenden Nationen des jeweiligen Staates zu sein, von seiner Nationalität loszusagen, und auf diese Weise die Gleichberechtigung zu erringen. Die utilitären Erwägungen gewannen die Oberhand, und der Abdikationsakt wurde unterzeichnet.
Übrigens konnten viele einen derartigen Akt für sich und für ihre Gesinnungsgenossen bona fide unterschreiben, denn die Zahl der kulturell assimilierten Juden im Westen war schon damals sehr bedeutend und nahm mit jedem Jahre zusehends zu. Eine der wichtigsten Ursachen dieses Wachstums der Assimilation bestand darin, dass die gebildeten Klassen der deutschen und der französisch-elsässischen Judenheit ihren Volksdialekt aufgegeben hatten, was durch die Propaganda der Mendelssohnschen Schule seit der deutschen Bibelübersetzung vorbereitet worden war. Die allgemeine Landessprache ebnete der Verdeutschung und Französierung den Weg in die jüdische Familie und die jüdische Schule. Die neuen Generationen wurden schon durch die Erziehung dem Judentum entfremdet. Die Generationen des »Berliner Salons«; Börne und Heine; Lassalle und Marx – das sind drei Etappen einer mehr und mehr zunehmenden Entfremdung. Wahr ist es allerdings, dass sich eine parallel laufende Strömung in der Generation der Erbauer des erneuerten Judentums, der eines Friedländer und Jakobsohn, eines Rießer und Geiger herausbildete, aber was war es denn, was diese den umgebenden Nationen im Namen des eigenen Volkes sagten? Sie wiederholten das Losungswort des Pariser Synhedrions: »Wir gehören der Nationalität nach den umgebenden Nationen an; es gibt keine jüdische Nation, sondern nur Deutsche, Franzosen, Engländer, die sich zur jüdischen Religion bekennen.« In diesen Erklärungen, die für gewöhnlich im Eifer des Kampfes abgegeben wurden, verwachsen humanitäre und rein utilitäre Erwägungen derart miteinander, dass es schwer wird, zu ermitteln, wo die einen enden und die anderen beginnen. Überall, wo die Emanzipationskämpfer des völligen Verschwindens des Judentums als Nation nicht ganz sicher waren, befahl ihnen ein gebieterischer Instinkt: so soll geredet werden – sonst werden wir nicht imstande sein, für die Gleichberechtigung zu kämpfen und den Kampf glücklich durchzuführen. Der Gedanke, dass eine Nation ohne Staat und selbst ohne Territorium berechtigt sei, staatsbürgerliche Rechte in vollem Maße samt solcher nationalen Art zu fordern, ist in den Köpfen noch nicht aufgedämmert. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die nationale Frage in der politischen Geschichte Europas noch nicht an die Reihe gekommen; sie tritt erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts nach den vielen, im Jahr 1848 einsetzenden nationalen Freiheitskämpfen in den Vordergrund. Für einen Moment konnte es den Anschein gewinnen, dass das 19. Jahrhundert in der jüdischen Geschichte eine tiefe Furche, gezogen habe. Es schien, dass die älteste Nation, die ihren Bestand im Verlaufe von Jahrhunderten durch alle Stürme der Weltgeschichte hindurch rettete, gegen den Ansturm des 19. Jahrhunderts nicht mehr aufzukommen vermochte, dass sie nachgab, sich selber verleugnete und zu einer religiösen Sekte degradierte, deren Bruchteile in die umgebenden Nationen versprengt sind?‘ Es schien, dass die bona fides der einen und die pia frans der anderen in den Erklärungen der nationalen Selbstverleugnung, oder richtiger gesagt, die aus diesen beiden Elementen bestehende Mischung von den Völkern in gutem Glauben hingenommen wurde, dass die im Westen bereits zustande gekommene Krisis auch im Osten ihrer Verwirklichung unvermeidlich entgegenschreitet. Hier aber vollzog sich eine Krise der Krise. Der angehende Prozess des nationalen Zerfalls wurde, durch zwei Faktoren, von denen der eine negativer, der andere positiver Natur war, gebieterisch zum Stillstand gebracht – durch den westlichen Antisemitismus einerseits und durch das Schicksal des Kerns der Judenheit in Russland andererseits. Die Antisemiten aller Ränder sagten den Juden, die die Emanzipation auf dem Wege der nationalen Selbstverleugnung erworben hatten: »an eure Selbstverleugnung glauben wir nicht; bei all euren Bemühungen, mit uns zu verschmelzen, bleibt ihr uns fremd; ihr seid nicht nur Andersgläubige, sondern auch Fremdstämmige.«
Das Schicksal der russischen Judenheit wiederum verhalf vielen zu einer klaren geschichtlichen Erkenntnis, die sie eingebüßt hatten. Seit der kulturellen Umwälzung der Epoche Mendelssohns und der französischen Revolution gingen die Wege der westlichen und östlichen Judenheit auseinander; die frühere, auf einer strengen bürgerlichen und nationalen Absonderung aufgebaute Vorherrschaft der deutsch-polnischen Juden erfuhr eine Entzweiung ihres Wesens; die deutschen Juden verwarfen ihre alte Grundlage und schlugen den Weg der Aufklärung und der Assimilation ein; die polnischen Juden hingegen, die inzwischen unter vornehmlich russische und österreichische Herrschaft gerieten, bewahrten ihre Eigenart und erwiesen sich den neuen kulturellen Einflüssen schwer zugänglich. Diese vom Westen hinüberkommenden Einflüsse, die auch in den Osten eindrangen, verschafften auch hier der Assimilation, dem Kampf um die bürgerliche Gleichberechtigung und sogar den bewährten Methoden der Selbstverleugnung Eingang. (Die Periode zwischen 1860—1880.) Aber kaum fasste die kulturelle Krise in den tieferen Schichten der Gesellschaft festen Fuß, als die Reaktion der Jahre 1881—1905 mit ihren mittelalterlichen Verfolgungen und Pogromschrecken ausbrach. Die Schläge hagelten auf den östlichen Kern der Judenheit in einem Moment nieder, als einerseits in der dichtesten Masse der Bevölkerung der alte Vorrat an nationaler Energie noch nicht versiegt war, andererseits an den intelligenten Spitzen der Gesellschaft sich ein gewisses Quantum neuer sozialer Energie ansammelte, die zu einem Kampf um die Freiheit drängte. Die Verbindung dieser beiden Elemente rief eine kompliziertere Form des Daseinskampfes ins Leben, als es im Westen der Fall war: die nationale Freiheitsbewegung.
Die neue Bewegung fiel in zwei Richtungen auseinander: die eine ist auf die Ausscheidung der Judenheit oder eines Teiles derselben aus der Welt der Diaspora zum Zwecke einer Reorganisation auf autonomer Grundlage gerichtet. (Zionismus, Territorialismus); die andere, die eine derartige Ausscheidung in einem Maße, das fähig wäre, das ganze Leben der Nation zu beeinflussen, für undurchführbar hält, strebt auf dem Weg eines gleichzeitigen Kampfes lim, bürgerliche und nationale Rechte in jedem Lande eine national-kulturelle Wiederbelebung des jüdischen Volkes in der Diaspora an. Die-Vertreter der beiden Richtungen sind sich darin einig, dass die Juden den Kampf um ihre Freiheit nicht als Partikelchen fremder nationaler Organismen, sondern als Teile einer geschichtlich einheitlichen jüdischen Nation auszufechten haben. Im Momente der russischen Revolution des Jahres 1905, als der Kampf um die Emanzipation von der Mehrheit der jüdischen politischen Parteien unter jüdisch-nationaler Flagge geführt wurde, fanden diese Bestrebungen in bestimmten politischen Losungen ihren vollen Ausdruck. Wenn diese ganze Freiheitsbewegung durch die fatalen Bedingungen der russischen Wirklichkeit nicht diesen schweren Stoß erlitten hätte, so wären wir Zeugen einer dritten »Emanzipation«, der russischen, geworden, einer Emanzipation, die nicht unter einem russisch-nationalen Deckmantel, sondern Millionen russischer Bürger jüdischer Nationalität dargeboten worden wäre. Aber das Schicksal wollte es, dass der Moment dieser dritten Emanzipation hinausgeschoben, und einer neuen grausamen Reaktion der Weg geebnet wurde. Die innere Krise hat sich jedoch vollzogen. Der kulturelle Einfluss des jüdischen Westens auf den Osten machte gegen das Ende des Zeitalters dem entgegengesetzten Einfluss des Ostens auf den Westen Platz; die assimilatorische Strömung überlässt nach und nach der nationalen in ihrer modernen Gestalt die Führung; die erstere war typisch für das 19., die letztere verspricht es für das 20. Jahrhundert zu werden.
Simon Dubnow
Die neueste Geschichte des jüdischen Volkes 1789 – 1914
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8455317df42083849677e9ec6de0e22e | Bürgerkonvente sorgen nicht nur dafür, dass wir politische Entscheidungen in einem informierteren Zustand treffen als uns dies bei Volksabstimmungen oder anderen Wahlen möglich ist, sie sorgen vor allem dafür, dass wir unsere politischen Entscheidungen in einem empathischeren Zustand treffen.
Man kann das möglicherweise noch einmal eigens betonen. Ist man sich völlig im Klaren darüber, dass wir Menschen „hypersoziale Lebewesen“ sind, wie der Emotions- und Stressforscher Ad Vingerhoets in seinem Ted Talk betont, so wird auch deutlich, dass eine so große und differenzierte Gesellschaft wie die unsere einen erhöhten Empathiebedarf hat – Und damit auch an Orten regelmäßiger politischer Zusammenkunft:
Es macht einen großen Unterschied, ob wir politische Gespräche in einem Zustand der Zugewandtheit führen oder im Modus verbaler oder ritueller Kriegsführungen gegeneinander.
Traditionell wurde Politik immer als Antithese zu einem feindschaftlichen und kriegerischen Verhältnis zwischen uns Menschen gesehen: Politik als Institution, die wir uns selbst schaffen, um uns anders als feindselig begegnen zu können und stattdessen unsere natürlich angelegten Fähigkeiten zur empathischen Verbindung zum Einsatz zu bringen und zu kultivieren.
Wir scheinen diese ursprüngliche Wurzel und diesen ursprünglichen Zweck von Politik heute zwischenzeitlich vergessen oder in den Hintergrund gedrängt zu haben. Denn unsere sogenannten „politischen“ Institutionen gleichen eben mehr rituellem Lagerdenken und symbolischer Kriegsführung, mit „Sieg und Niederlage“, „Strategien“ und „Durchsetzung“. Alles Qualitäten, die der Politik eigentlich fremd sein sollten, weil sie Zugewandtheit, Zuhören und Kultivieren wechselseitiger Empathie zwischen den Bürgern systematisch blockieren und erschweren.
Bürgerkonvente sind daher aus meiner Sicht ein überaus vielversprechendes Element einer Demokratie, die sich auf die friedliebende Wurzel von Politik zurückbesinnen möchte. Und das vor allem dann, wenn sie wirklich alle Bürger aktiv einschließt, wie es möglich wird, wenn wir diese Bürgerkonvente wirklich repräsentativ gestalten, das heißt, wenn wir das Losverfahren einsetzen, um zu bestimmen, wer genau dort gerade zusammenkommt.
Emotionalität in der Politik hat einen schlechten Ruf, weil wir die negativen Effekte von emotionaler Verbundenheit in der Politik falsch zurechnen: Wir nehmen an, es Läge an der emotionalen Verbundenheit selbst, was wir an „Korruption“ oder „Voreingenommenheit“ in der Politik erleben, wenn Emotionen im Spiel sind. Doch der eigentliche Grund ist ein ganz anderer: Bisher gestalten wir Politik exklusiv, bestimmte Gruppen der Gesellschaft systematisch exkludierend. – Und unter diesen Bedingungen ist emotionale Verbundenheit dieser politischen In-Group tatsächlich ein Problem, weil sie Unverbundenheit mit allen anderen triggert. Und damit Parteibildung und Feindseligkeiten in der Politik. Politik wird dann ein System von „Herrschaft und Ohnmacht“. Doch der Grund dafür ist eben nicht die emotionale Verbundenheit an sich, sondern gerade die institutionell begrenzte Verbundenheit, die nicht alle Bürger einschließt, sondern nur bestimmte, während andere zuverlässig außen vor bleiben.
Politische Entscheidungen, bei denen „die Entscheider“ sich vorher emotional miteinander verbunden haben, sind dann besser als Entscheidungen ohne solche emotionale Erdung, wenn die Entscheider nicht bestimmte-beliebige Bürger sind (also keine bestimmte Gruppe der Gesellschaft, die dann andere aus der politischen Entscheidungsfindung ausschließt), sondern systematisch-repräsentativ alle Bürger.
Denn dann kommt die Gesellschaft als Gesellschaft bei Bürgerkonventen in Kontakt mit sich selbst: Niemand wird von dieser Verbindung, von diesem Verband ausgeschlossen. Das politische Gemeinwesen ist dann nicht exklusiv. Wir erkennen den Menschen als Bürger an und sagen: „Auch Du sollst eine hörbare Stimme haben. Wir wollen, dass auch Du über unser gemeinsames Schicksal mitbestimmst.“
Diese institutionelle Setzung hat eine transformative Kraft. – Nach meiner Auffassung wird diese transformative Kraft, die durch Losverfahren und Bürgerkonvente in unsere Gesellschaft und in unsere Politik kommen würde, derzeit noch systematisch unterschätzt.
Bürgerkonvente sind Orte, an denen „Bürgerfreundschaft“ überhaupt erst entsteht. Und ohne solche Institutionen entsteht sie nicht. Ein Fehlen von Institutionen, in denen wir unsere Bürgerfreundschaft miteinander kultivieren können, bedeutet für uns, dass wir mit „Feinden dealen“ müssen und Politik für uns nur zu einer verkappten oder offenen Form von Kriegsführung gegeneinander wird. Mit allen desaströsen Folgen, die das für uns hat.
Ich persönlich habe wenig Vergnügen daran, in einer Gesellschaft zu leben, in der Feindseligkeit die Regel und ein Gefühl der Verbundenheit die Ausnahme ist. – Aber möglicherweise ist das einfach nur meine private Meinung. Eine Meinung, mit der ich allein bin.
Allerdings darf ich mir dabei zugute halten, dass ich bisher noch keine Gelegenheit erhalten (oder mir verschafft) habe, diese meine private Meinung mit anderen meiner Mitbürgern abzustimmen. Also von einer privaten zu einer wirklich politischen Meinung zu machen.
Ich möchte hier also die möglicherweise zunächst verstörende Meinung vertreten, dass Meinungen, die nicht in allgemeiner Verbundenheit der Bürger entstehen, gar keine politischen Meinungen sind. Politik setzt, um Politik zu sein, Empathie voraus. Und das heißt auch: Sie setzt die Möglichkeiten voraus, dass bürgerschaftliche Empathie zwischen uns überhaupt entstehen und von uns miteinander gepflegt werden kann.
Das ist der Grund, aus dem ich Bürgerkonvente und Losverfahren für absolut unverzichtbar halte, um den Raum des Politischen zwischen uns aufzuspannen und dem Wort „Bürger“ eine wirkliche Bedeutung zu geben. | 3.390625 | 2.46875 | 2.328125 |
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Das fröhlich-kunterbunte Gute-Nacht-Buch für kleine Frühaufsteher und Langschläfer!Alle Tiere schlafen schon. Oder etwa doch nicht! Ein Blinzeln, ein Zucken - wer ist wohl noch wach? Auf jeder Seite verändern sich die Bilder im Handumdrehen, wenn man den Schieber herauszieht. Löwe, Lama, Flamingo, Igel und Pinguin schlafen erst, erwachen dann aus ihrem Schlaf und machen sich bemerkbar. Mal mit einem leisen Piepen, mal mit lautem Gebrüll - immer mit einer Überraschung. Mit dem orginellen Spieleffekte auf jeder Seite wird das Buch zu einem schönen Abendritual vor dem Einschlafen.Mit diesem lustigen Schiebeeffekt ist auch erschienen:Nastja Holtffeter: Versteckt? Entdeckt!Nastja Holtfreter wurde 1977 in Berlin geboren, wo sie noch heute lebt und arbeitet. Sie studierte Graphikdesign und arbeitete viele Jahre als Illustratorin fürs Kinderfernsehen, bevor sie sich 2012 selbständig machte. Sie hat sich seitdem auf Illustrationen für Postkarten, Papeterie und Geschenkartikel spezialisiert, am liebsten aber entwickelt und illustiert sie eigene Bilderbücher. Nastja Holtfreter wurde 1977 in Berlin geboren, wo sie noch heute lebt und arbeitet. Sie studierte Graphikdesign und arbeitete viele Jahre als Illustratorin fürs Kinderfernsehen, bevor sie sich 2012 selbständig machte. Sie hat sich seitdem auf Illustrationen für Postkarten, Papeterie und Geschenkartikel spezialisiert, am liebsten aber entwickelt und illustiert sie eigene Bilderbücher.
Das umfassende Programm für ein mutigeres IchMutübungen für jeden TagNach dem Ratgeber zum Mutmuskeltraining legt Tanja Peters jetzt das Praxisbuch vor: das umfassende Programm für ein mutigeres Ich. Mut ist ein Muskel, der sich trainieren lässt. Dass wir uns oft fremdbestimmt fühlen und nur noch die Wünsche unserer Mitmenschen erfüllen, liegt meist daran, dass es uns an Mut mangelt, andere in die Schranken zu weisen oder Nein zu sagen. Wir haben Angst anzuecken und wagen es nicht, für unsere Bedürfnisse einzustehen. Das Buch lädt dazu ein, von Übung zu Übung unseren Mutmuskel zu stärken, Fräulein Mut begleitet uns beim Training.Peters, TanjaTanja Peters sammelte über zwanzig Jahre Erfahrungen als Einkäuferin in mittelständischen Unternehmen und Großkonzernen, um mit 40 zu wissen: Ich will noch mal etwas ganz anderes machen! Gesagt, getan! Sie nahm all ihren MUT zusammen und machte sich selbständig und ist seitdem erfolgreich tätig als Beraterin, Trainerin und Rednerin - mit dem Hang zur großen Bühne. Sie selbst musste vor diesem Schritt schmerzhaft erfahren: Wenn wir den eigenen Rhythmus verlieren und nur nach der Pfeife der anderen tanzen, dann verlieren wir unsere Selbstwirksamkeit, unsere Freiheit und sind weit davon entfernt, glücklich unseren Weg zu gehen und unser Ding in dieser Welt zu machen. Tanja Peters hat das #MUTmuskeltraining für sich entdeckt und lädt die Menschen ein, mit ihr zu trainieren. Für mehr MUT und ein selbstbestimmtes und glückliches Leben.
Mut ist die Grundlage für Veränderungen - das Mitmachbuch mit TrainingsprogrammJeden Tag ein bisschen mutigerSie wollen besser für Ihre Bedürfnisse einstehen? Sich auch mal abgrenzen und sich trauen, Nein zu sagen? Etwas wagen, was außerhalb der eigenen Komfortzone liegt? Das erfordert eine ordentliche Portion MUT. Die gute Nachricht: MUT ist ein Muskel und lässt sich jederzeit trainieren.Im Buch finden Sie alles, was Sie für Ihr MUTmuskeltraining brauchen: eine motivierende Wegbegleiterin, viele Übungen und Anregungen, die zum Ausprobieren einladen, jede Menge mutige Geschichten, Meditationen und Übungen, die die Selbstliebe stärken, damit Sie wieder der wichtigste Mensch in Ihrem Leben werden.Lassen Sie sich von Tanja Peters und dem kleinen Fräulein MUT inspirieren, genau Ihr Ding in dieser Welt zu machen und jeden Tag ein bisschen mutiger zu werden.Peters, TanjaTanja Peters sammelte über zwanzig Jahre Erfahrungen als Einkäuferin in mittelständischen Unternehmen und Großkonzernen, um mit 40 zu wissen: Ich will noch mal etwas ganz anderes machen! Gesagt, getan! Sie nahm all ihren MUT zusammen und machte sich selbständig und ist seitdem erfolgreich tätig als Beraterin, Trainerin und Rednerin - mit dem Hang zur großen Bühne. Sie selbst musste vor diesem Schritt schmerzhaft erfahren: Wenn wir den eigenen Rhythmus verlieren und nur nach der Pfeife der anderen tanzen, dann verlieren wir unsere Selbstwirksamkeit, unsere Freiheit und sind weit davon entfernt, glücklich unseren Weg zu gehen und unser Ding in dieser Welt zu machen. Tanja Peters hat das #MUTmuskeltraining für sich entdeckt und lädt die Menschen ein, mit ihr zu trainieren. Für mehr MUT und ein selbstbestimmtes und glückliches Leben.
" Looking for JJ " handelt von der zehnjährigen Jennifer Jones, die, während eines Wutausbruchs, ein anderes Kind tödlich verletzt. Wegen Totschlags verurteilt, muss Jennifer sechs Jahre in einem Gefängnis für jugendliche Straftäter verbringen, wo sie sich für eine Universitätsausbildung qualifizieren kann. Jennifer erhält eine neue Identität und versucht, mit der Hilfe von Sozialarbeitern, mit ihrer Vergangenheit umzugehen und sich in ihrer Umwelt zu Recht zu finden. Ihre neue Existenz ist aber ständig bedroht von einer unverantwortlichen Presse.Der Roman behandelt grundsätzliche moralische und ethische Fragen. Ein fesselndes Buch, das sicher Anstoß bieten wird für Diskussionen, die Schülerinnen und Schüler sensibler für moralische Probleme machen werden.Diese Ausgabe beinhaltet gut recherchierte Annotationen und zusätzliches Hintergrundmaterial , das den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, sich selbständig, oder in Gruppen, auf mündliche und schriftliche Prüfungen vorzubereiten.Anne Cassidy wurde 1952 in London geboren. Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, war sie Lehrerin und arbeitete mehrere Jahre in einer Bank. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn. Anne Cassidy hat in England mehrere sehr erfolgreiche Romane für Jugendliche veröffentlicht.
Am Anfang steht der alte Kinderreim: "Es war einmal ein Mann, der hatte einen Schwamm." Dann aber machen sich Reim und Handlung selbständig, und der Mann mit dem Kindergemüt und der seltsamen Kleidung geht auf anarchisch-witzige Weltreise. Er trifft einen Biber mit Ottilie, ein Schiff, das auf sechs Füßen läuft, und ein Hemd, "das war ihm seltsam fremd". Auf dem Mond schließlich begegnet ihm ein Mann, "der hatte einen Schwamm / und so fängt die Geschichte von vorne an." Hans Traxler, Autor und Illustrator dieses Kultbuchs, war Mitarbeiter der legendären Zeitschrift "pardon" und Gründungsmitglied des Satiremagazins "Titanic". Gemeinsam mit Robert Gernhardt, F. W. Bernstein u. a. schrieb er als "Neue Frankfurter Schule" ein Kapitel deutsche Philosophiegeschichte ("Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche"). Nach "Die Wahrheit über Hänsel und Gretel" erschien 1979 im Insel Verlag mit "Es war einmal ein Mann" ein Buch, das zum Familienklassiker wurde. Wir legendieses lange vergriffene Standardwerk der Nonsense-Literatur als schöne, gebundene Ausgabe zum Schenken und Wiederlesen neu vor.- illustriert und mit einem Nachwort von Hans TraxlerTraxler, HansHans Traxler, 1929 in Herrlich, einem Dorf in Nordböhmen, geboren, ist Maler, Illustrator und Autor und war langjähriger Mitarbeiter der Satirezeitschriften Pardon und Titanic. Er wurde mit vielen Preisen für sein Lebenswerk ausgezeichnet, u. a. 2015 mit dem Wilhelm-Busch-Preis und zuletzt mit dem Sondermann-Preis 2017.
Begleitendes Tonmaterial zum Kauderwelsch-Sprachführer. Die wichtigsten Sätze und Redewendungen aus dem Buch, gesprochen von Muttersprachlern. Zuerst ist der Satz auf Deutsch zu hören, dann in der Fremdsprache, mit anschließender Nachsprechpause und Wiederholung des fremdsprachigen Satzes. So kann man sich die Sätze einprägen, ohne im Buch mitzulesen. Wer mit Einheimischen Bekanntschaft machen will, der muss mit ihnen reden, und man wird erstaunt sein, wie schon ein paar Brocken Norwegisch das Eis brechen. Natürlich verstehen fast alle jüngeren Leute Englisch, einige auch Deutsch, dennoch sind sie positiv überrascht, wenn jemand anfängt, Norwegisch zu sprechen. Kauderwelsch "Norwegisch" soll eine Grundlage zur Verständigung vermitteln, darum wurde auch auf eine komplizierte Grammatik verzichtet und mehr Wert auf praktische Konversationsbeispiele in alltäglichen Situationen gelegt. Ziel ist es, möglichst schnell selbständig Sätze zu bilden, um sich mühelos mit Norwegern zu unterhalten. Ganz nebenbei erfährt man auch einiges Wissenswertes über Land und Kultur der Norweger. Da sich Dänisch, Schwedisch und Norwegisch sehr ähnlich sind, können sich Skandinavier mühelos untereinander verständigen, auch wenn jeder seine Muttersprache gebraucht. Natürlich gilt das auch für Touristen - kann man erst einmal etwas Norwegisch, wird man sich auch in Schweden oder Dänemark besser verständigen können. Kauderwelsch Sprachführer von Reise Know-How: handlich, alltagstauglich, für über 150 Sprachen. 1. Sprache: Deutsch. Erzähler: Harald Solem, Kerstin Belz. Hörprobe: http://samples.audible.de/bk/edel/003861/bk_edel_003861_sample.mp3. Digitales Hörbuch im AAX Format. | 3.5 | 3.125 | 2.46875 |
d8596991d2ab21c36a8f85ed8de284b2 | In vielen Situationen bestehen keine Aussichten, den bisherigen Beruf weiterhin auszuüben. Dafür kann die Situation am Arbeitsmarkt oder eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch eine Krankheit oder einen Unfall verantwortlich sein. In diesen Fällen kann eine Umschulung sinnvoll sein, um in einem neuen Beruf einen Neuanfang durchzuführen. Schwierig kann es mit einer Umschulung jedoch werden, wenn Sie keinen Schulabschluss oder keine Berufsausbildung abgeschlossen haben.
Das Gesetz (SGB III) geht davon aus, dass Interessierte über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen, um eine Umschulung durchführen zu können. Wenn jedoch keine Erstausbildung besteht, kann es schwierig sein, eine Umschulungsmaßnahme finanziert zu bekommen. Selbstverständlich können Sie in Eigenverantwortung für die Kosten des Lehrgangs aufkommen, und so selbstständig die Umschulung durchführen.
In vielen Fällen ist dies jedoch nicht möglich (auch gar nicht nötig!), sodass eine Finanzierung der Umschulung notwendig wird. Ebenso herausfordernd ist es, wenn Sie bisher noch gar keinen Schulabschluss absolviert haben und sich beruflich umorientieren müssen.
Die Situation bei einer abgebrochenen Ausbildung
Wenn Sie eine Ausbildung begonnen haben, diese jedoch nicht abschließen konnten, sind die Aussichten für eine Finanzierung der Umschulungsmaßnahme in vielen Fällen recht gut. Allerdings hängt dies stets davon ab, aus welchem Grund Sie die Ausbildung nicht beenden konnten. Wenn Sie beispielsweise einen Arbeitsunfall erlitten oder an einer Berufskrankheit leiden, muss die Berufsgenossenschaft für die Umschulung aufkommen.
Wenn Sie hingegen die Ausbildung vorzeitig beendeten, weil sich die Arbeitsmarktsituation so verändert hat, dass die entsprechenden Fachkräfte nicht mehr benötigt werden, können Sie sich wegen der Umschulung an das Arbeitsamt wenden. Hier müssen Sie genau begründen, weshalb die Chancen auf eine Anstellung im Beruf, den Sie in der Erstausbildung erlernen wollten, schlecht sind und weshalb sich diese durch eine Umschulung verbessern würden.
Relativ schlechte Erfolgsaussichten haben Sie immer dann, wenn kein triftiger Grund dafür bestand, dass Sie die Erstausbildung abgebrochen haben. Wenn Sie beispielsweise feststellten, dass Ihnen der erlernte Beruf keinen Spaß macht und Sie deshalb die Erstausbildung abgebrochen haben, kann es recht schwer sein, eine Finanzierung der Umschulung zu erhalten.
Ist eine Umschulung ohne jegliche Ausbildung möglich?
Ja, auch ohne erste Berufsausbildung ist eine Umschulung möglich, aber es ergeben sich hier Besonderheiten. Die Situation stellt sich anders dar, wenn überhaupt keine Ausbildung begonnen wurde. Die Umschulungsmaßnahme zielt immer darauf ab, eine mit der ursprünglichen Situation vergleichbare Ausgangsposition zu schaffen. Wenn Sie beispielsweise in einem Ausbildungsberuf arbeiteten, diesen jedoch aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr ausüben können, soll Ihnen durch die Umschulungsmaßnahme ein neuer Beruf vermittelt werden, in dem Sie dann weiterhin arbeiten können.
Wenn Sie jedoch nur eine Anlerntätigkeit ausüben und diesem Beruf nicht mehr weiter nachgehen können, dann kann bei Ihnen ein Förderbedarf bestehen. Das Jobcenter und die Agentur für Arbeit finanzieren nach § 81 Abs. 2 SGB III auch Umschulungen für Arbeitnehmer, die
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nicht über einen Berufsabschluss verfügen, für den nach bundes- oder landesrechtlichen Vorschriften eine Ausbildungsdauer von mindestens zwei Jahren festgelegt ist; Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne einen solchen Berufsabschluss, die noch nicht drei Jahre beruflich tätig gewesen sind, können nur gefördert werden, wenn eine Berufsausbildung oder eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme aus in ihrer Person liegenden Gründen nicht möglich oder nicht zumutbar ist oder die Weiterbildung in einem Engpassberuf angestrebt wird.
Soll die Umschulung über eine Berufsgenossenschaft oder über die Rentenversicherung finanziert werden, gelten im Ergebnis ähnliche Vorgaben. Diese Regelung soll Sie auf keinen Fall davon abhalten, beim Arbeitsamt hinsichtlich einer Finanzierung nachzufragen, insbesondere wenn Sie bereits seit drei Jahren in einem ungelernten Beruf tätig sind. Erfahrungsgemäß sind die Wahrscheinlichkeiten einer Finanzierung viel höher, als es das Gesetz suggeriert und der gesetzliche Ausnahmefall (“Umschulung auch ohne erste Berufsausbildung”) trifft in der Praxis bei vielen Umschulungsanbietern auf die Hälfte der Umschüler zu.
Ist eine Umschulung ohne einen Schulabschluss möglich?
Ja, auch wenn Sie über keinen Schulabschluss oder keinen in Deutschland anerkannten Schulabschluss verfügen, können Sie eine Umschulung machen. Das Gesetz zur Förderung von Weiterbildungen und Umschulungen unterscheidet nicht zwischen Arbeitnehmer mit oder ohne Schulabschluss. Wenn Sie keinen Schulabschluss haben und bislang unqualifiziert Berufserfahrung sammeln konnten, dann ist auf der Grundlage dieser Erfahrung eine Umschulung möglich.
Ohne Schulabschluss besteht bei Ihnen ein hoher Bedarf an beruflicher Qualifizierung. Insbesondere wenn Sie im Ausland einen Schulabschluss gemacht haben und die Grundfähigkeiten (Schreiben in deutscher Sprache, Grundrechenarten) beherrschen und berufserfahren sind, ist eine Umschulung möglich. Wenn es an den Grundfähigkeiten fehlt, werden Sie durch das Jobcenter gefördert und können den Schulabschluss nachholen. Erst im Anschluss ist eine berufliche Qualifizierung möglich.
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Hallo Helena,
ich weiß zwar nicht ob die BA in Uelzen nur für Niedersachsen zuständig ist oder Bundesweit. Ich bekomme ebenfalls Post aus Uelzen (zuständiges Amt Nienburg-Verden), wenn ich diese 0800 Hotline anrufe, hat sich bisher immer max. 48 Stunden später meine zuständige Sachbearbeiterin gemeldet. – So wurde es auch immer bei der Hotline gesagt –
Mein Tipp, fahrt direkt zu Eurem zuständigen A-Amt. Rein zur Anmeldung, das Problem an der Info erläutern und in der Regel landet man dann im Empfangsbereich bei einem Mitarbeiter/in. Ich habe das große Glück das ich dort sehr nette Menschen sitzen habe, die sich Zeit nehmen mein Anliegen anzuhören und leiten dann alles in die Wege. In der Regel geben sie einem gleich einen Termin mit oder rufen fix beim zuständigen Kollegen an und fragen nach ob man kurz reinkommen kann.
Hoffe ich konnte etwas helfen.
Grüße aus Nienburg
C.
Guten Tag,
ich bin eine Mutter, die inzwischen völlig verzweifelt ist.
Mein Sohn ist 25 Jahre alt, ist seit über fünf Jahren krank. Er hat einen Realschul Abschluß. Zur Zeit geht es ihm besser. Er hat ein Angebot bekommen eine Ausbildung in einem Betrieb zu machen. Leider ist die Inhaberin des Betriebes nicht Ausbildungsberechtigt. Sie darf aber weiterbilden oder umschulen. Mein Sohn versucht seit sechs Wochen Informationen über das zuständige Job Center in Uelzen zu bekommen. Wird da aber nur abgewimmelt.Der Anruf wird nicht weitergeleitet, es gibt keine Durchwahl Nummer von der Sachbearbeiterin Fr. T., es wird ihm versprochen einen Termin zu zuschicken, es kommt aber kein Termin. Wenn ein Vertretter des Betriebes dort anruft, wird ihm zugesiechert, dass die Sachbearbeiterin meines Sohes sich innerhalb von 24 Stunden meldet, es passiert aber nichts. Eine Durchwahl wird nicht gegeben.Wenn ich dort anrufe, bekomme ich gar keine Auskunft, kein Termin und der Anruf geht nicht weiter, als die Zentrale. Somit bekommen wir keine Auskunft. Mein Sohn hat eine Chance bekommen endlich mal im Leben weiter zu kommen. Einen Beruf zu erlernen und bekommt keine Unterstützung dabei.
Ich bitte hiermit um einen Ratschlag oder einen Tip, wie er zum erlernen des Berufes kommen kann. Es geht um einen Personaldienstleistungs Unternehmen. Mein Sohn hat dort Anfang Mai 2018 ein Praktikum gemacht und hat danach das Angebot bekommen dort zu lernen. Allerdings wissen wir nicht auf welchem Weg. Ich bitte um Unterstützung und bedanke mich im Voraus!
LG Helena | 3.03125 | 2.5 | 2.28125 |
1583db8bef990e44ebac29ba92663ba9 | - Beschreibung
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Details
MAQS® Ameisensäure 68,2 g, 20 Streifen
imprägnierte Streifen für den Bienenstock, zur Behandlung der Varroose der Honigbiene
Die MAQS® sind über die letzten Jahre in Kanada von einem professionellen Imker entwickelt worden und helfen mit dem Wirkstoff Ameisensäure die Milbenbelastung zuverlässig und schnell zu reduzieren.
Die Ameisensäure wirkt besonders auf die Varroa in den verdeckelten Brutzellen. Die Varroa-Milben werden abgetötet und allenfalls überlebende Varroa Männchen können die Weibchen nicht mehr befruchten.
Es entsteht ein Unterbruch bei der Vermehrung der Varroa.
Durch Viren und Varroa bereits geschwächte Brut oder Bienen gehen ebenfalls ab und das Volk wird entlastet.
Ein kurzfristiger Legestop der Königin und Brutunterbruch wird nach der Behandlung schnell kompensiert.
Eigenschaften:
• Inhalt: 20 Streifen (68,2 g)
• Ameisensäure, Klasse 8, II
MAQS ist ein Tierarzneimittel. Rücknahme gegen Rückerstattung des Kaufpreises ist nicht möglich
Haltbarkeit 12 Monate ab Herstelldatum
Anwendungszeitpunkt:
• Juli bis September
Lagerbedingungen:
• frostfrei lagern
• nicht über 30°C lagern
• vor Sonne schützen
• von Kindern fernhalten
Anwendung:
Je nach Befallsgrad ist eine erste Behandlung unmittelbar vor Saisonbeginn oder bei frühem Befall in Trachtlücken und bei starkem Befall nach der Honigernte für die Dauer von 7 Tagen angezeigt.
Die Streifen sind in Beuteln zu je 2 Stück verpackt. Die Beutel werden mit der Schere längs aufgeschnitten.
Ein bis zwei Streifen werden quer zu den Wabengasse aufgelegt.
Die beste Wirkung ist bei maximalen Tagestemperaturen von 20 – 25 °C.
Beipackzettel:
Bezeichnung des Tierarzneimittels:
MAQS Ameisensäure 68,2 g Imprägnierter Streifen für den Bienenstock für Honigbienen.
Bezeichnung des Tierarzneimittels in anderen Mitgliedsstaaten:
MAQS 68,2 g (ltalien)
MAQS (Estland)Wirkstoff(e) und sonstige Bestandteile:
Ein imprägnierter Streifen für den Bienenstock enthält:
Wirkstoff: Ameisensäure 68,2 g
Gebrochen weißer bis karamellfarbener Gel-Streifen, der in ein weißes, biologisch abbaubares Hartpapier eingewickelt ist. Jeder Streifen ist ungefähr 10 x 20 x 0,4 cm groß und wiegt 146 g.
Anwendungsgebiet(e):Behandlung der Varroose bei Honigbienen (Apis mellifera), hervorgerufen durch Varroa destructor.
Gegenanzeigen:
• nicht anwenden bei Temperaturen außerhalb des angegebenen Bereichs (10 bis29,5 °C).
• nicht anwenden zur Behandlung kleinerer als auf dem Etikett angegebener
Bienenvölker (ein- oder zweizargige Völker, standardmäßige Langstroth-Beute oder gleichwertige Beute, voll entwickeltes Bienenvolk mit einer Größe, die sich über mindestens 6 Brutwaben erstreckt [ungefähr 10.000 Bienen]).
Nebenwirkungen:
Ameisensäure stört zunächst die Aktivität des Bienenvolkes und kann innerhalb von einem Tag nach der Aufbringung zu einem Verlust der Königinnen- akzeptanz oder einem leichten Anstieg der beobachteten Mortalität von adulten Bienen führen. In der Anfangsphase der Behandlung kann es zu Brutmortalität kommen.
Bei den empfohlenen Außentemperaturen (siehe Abschnitt 12) ist nicht zu erwarten, dass die Allgemeingesundheit des Bienenvolkes beeinträchtigt wird, und die Aktivität des Bienenvolkes normalisiert sich wieder nach dem Ende der Behandlung.
In einer Studie, in der die Außentemperaturen einen Spitzenwert von 37,5 °C am Tag der Aufbringung erreichten, wurde jedoch ein Völkersterben beobachtet. Falls Sie Nebenwirkungen, insbesondere solche, die nicht in der Packungsbeilage aufgeführt sind, bei lhrem Tier feststellen, teilen Sie diese lhrem Tierarzt oder Apotheker mit.
Zieltierart(en)
• Honigbiene
Dosierung für jede Tierart, Art und Dauer der Anwendung
• Dosierung: 1 Beutel (2 Streifen) pro Bienenstock.
• Der Behandlungszeitraum beträgt 7 Tage.
• Der Abstand zwischen den Anwendungen soll mindestens einen Monat betragen.
• Zur Anwendung im Bienenstock.
AUFBRINGUNGSZEITPUNKT:
Das Tierarzneimittel sollte nur im Rahmen eines integrierten Varroa- Bekämpfungsprogramms angewendet werden.
Tierarzneimittel in einer standardmäßigen Langstroth-Beute mit einem oder zwei Bruträumen oder einem gleichwertigen voll entwickelten Bienenvolk mit einer Größe, die sich über mindestens 6 Brutwaben erstreckt (ungefähr 10.000 Bienen), aufbringen.
Die Tageshöchstwerte der Außentemperatur sollten am Tag der Aufbringung zwischen 10 und 29,5 °C liegen.
Hinweise für die richtige Anwendung - AUFBRINGUNG:
Die beiden Streifen mit dem Tierarzneimittel vorsichtig aus dem Beutel entfernen, indem zunächst ein Ende aufgeschnitten wird. Anschließend die Schweißnaht anheben, um den Kunststoff vom Streifen zu entfernen, und den Beutel entlang der Schweißnaht der Länge nach aufschneiden. Streifen vorsichtig voneinander trennen. NICHT DIE PAPIERUMHÜLLUNG ENTFERNEN. Bei Bienenstöcken mit einem Brutraum die beiden Streifen so über die Oberträger der Rähmchen im Brutraum anordnen, dass sie flach über der gesamten Breite der Zarge zu liegen kommen und ca. 5 cm zwischen den Streifen und 10 cm zwischen den Enden der Bruträume und den Außenkanten der Streifen aufweisen. Bei Bienenstöcken mit zwei Bruträumen werden die Streifen wie oben beschrieben so auf den Oberträgern in der unteren Zarge platziert, dass die Streifen zwischen den Bruträumen liegen. Die geeignete Aufbringung der Streifen für den Bienenstock ist in den nachstehenden Abbildungen für vier verschiedene Bienenstockkonfigurationen angezeigt.Bei Bedarf können ein oder mehrere Honigräume angelegt werden, um großen Bienenvölkern ausreichend Platz zur Ausbreitung zu bieten, oder wenn eine Tracht erwartet wird. Es können Absperrgitter eingesetzt werden. Die Zutaten/ Hilfsstoffe der Formulierung bestehen überwiegend aus Zucker und Stärke in Nahrungsmittelqualität mit einer biologisch abbaubaren/kompostierbaren Papierverpackung. Nach der Anwendungsdauer von 7 Tagen müssen die Streifen nicht aus dem Stock entfernt werden, da die Honigbienen die verbrauchten Streifen abbauen. Bei Entfernung können die Streifen kompostiert werden.
Wartezeit:
• Honig: Null Tage
• während des 7-tägigen Behandlungszeitraums darf kein Honig zum menschlichen Verzehr gewonnen werden
Besondere Lagerungshinweise
• Arzneimittel unzugänglich für Kinder aufbewahren
• unter 25 °C lagern
• vor direktem Sonnenlicht schützen
• trocken lagern
• das Polypropylenfass fest verschlossen halten zum Schutz des lnhalts vor Herausfallen oder Kontamination
• im fest verschlossenen Originalbehältnis und an einem gut belüfteten Ort, abseits von Schwefelsäure, starken Oxidationsmitteln (z. B. Salpetersäure, Peroxide, Perchlorate, Chlorite) und Zündquellen, lagern
• Sie dürfen das Tierarzneimittel nach dem auf dem Etikett angegebenen Vertalldatum nicht mehr anwenden.
Besondere Warnhinweise
Besondere Warnhinweise für jede Zieltierart:
• Während der Aufbringung darf das Bienenvolk nur so wenig wie möglich gestört werden.
• Während der Behandlung müssen die Bienenvölker ausreichend belüftet sein.
• Alle Völker des Bienenstandes müssen gleichzeitig behandelt werden.
• Die Bienenvölker sollten regelmäßig auf das Ausmaß des Befalls durch die Varroa-Milbe kontrolliert werden. Die Anwendung erfolgt gemäß den örtlichen
• Behandlungsempfehlungen, sofern vorhanden.
• Das Tierarzneimittel sollte nur im Rahmen eines integrierten Varroa-Bekämpfungsprogramms angewendet werden.
• Damit eine ausreichende Wirksamkeit sichergestellt ist, sollte das Tierarzneimittel bei Außentemperaturen von mehr als 10 °C angewendet werden.
Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung bei Tieren:
Die Streifen können während der Tracht angebracht werden. Bei Erwartung der Tracht Honigräume anlegen, damit sich das Bienenvolk entsprechend ausbreiten kann.
Das Bienenvolk 7 Tage lang nicht stören.
Temperaturen:
Die Tageshöchstwerte der Außentemperatur sollten am Tag der Aufbringung zwischen 10 und 29,5 °C liegen. Temperaturen über diesem Bereich in den ersten drei Behandlungstagen können zu einer übermäßigen Brutmortalität und Königinnenverlust führen. Wenn solche Temperaturen mit einer Mangelperiode (Nahrungsknappheit) zusammenfallen, besteht ein erhöhtes Risiko für Königinnenverlust, ein plötzliches Austauschen der Königin oder eine Verzögerung beim Eierlegen. Die Behandlung sollte verschoben werden, bis die Temperaturen sinken oder wieder eine Tracht herrscht.
Während der Behandlung müssen die Bienenvölker ausreichend Zugang zu Frischluft haben. Es muss ein Eingang bereitgestellt werden, der sich über die gesamte Breite des Bienenstocks erstreckt. Typischerweise wird hierfür der Eingang am Boden genutzt. Der untere Stockeingang muss über den gesamten Behandlungszeitraum (7 Tage) vollständig offen sein (gesamte Stockbreite und Mindesthöhe von 1,3 cm). Fluglochschieber müssen entfernt werden, um eine übermäßige Schädigung der Bienenvölker zu vermeiden. Während der Aufbringung darf die Aktivität des Bienenvolkes nur so wenig wie möglich gestört werden.
Die Bienenvölker sollten zum Zeitpunkt der Behandlung über ausreichend Nahrungsreserven verfügen und dürfen während der Behandlung nichtgefüttert werden.
Vor oder nach der Behandlung festgestellte Königinnenzellen dürfen nicht zerstört werden. Der Austausch von Königinnen ist, auch wenn er durch die Behandlung veranlasst wird, ein natürlicher Vorgang und sollte aus Gründen der Gesundheit des Bienenvolkes zugelassen werden. Einen Monat nach der Behandlung muss die Weiselrichtigkeit des Bienenvolkes überprüft werden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass nach der Behandlung Alt- und Jungköniginnen vorkommen.
Es ist zu erwarten, dass die Bienenvölker den Cluster zur Kontrolle der Dampfkonzentration in den ersten 3 Behandlungstagen ausbreiten; es kann zu Bienentrauben kommen.
Besondere Vorsichtsmaßnahmen für den Anwender
Bei der Handhabung und Anwendung des Tierarzneimittels ist die übliche lmkerschutzkleidung zu tragen. Wasser bereithalten.
Bei versehentlichem Augenkontakt unverzüglich mit reichlich Wasser spülen, einen Arzt zu Rate ziehen und die Packungsbeilage vorzeigen.
Hautkontakt durch Tragen von Schutzhandschuhen gegen Chemikalien (EN 374) vermeiden. Bei versehentlichem Hautkontakt die betroffene Haut unverzüglich mit Wasser waschen und einen Arzt zu Rate ziehen, wenn die Reizung anhält.
Dämpfe nicht einatmen. Behälter des Tierarzneimittels und Streifen nur imFreien öffnen bzw. auspacken und dabei windwärts zum Tierarzneimittel stehen. Bei versehentlichem Einatmen an die frische Luft gehen und einen Arzt zu Rate ziehen, wenn die Reizung anhält.
Kinder während der Aufbringung des Tierarzneimittels fernhalten.
Bei der Handhabung und Aufbringung des Tierarzneimittels nicht essen, trinken oder rauchen.
Unmittelbar nach der Anwendung stets die Hände mit Seife und Wasser waschen.
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und andere Wechselwirkungen
Nicht zusammen mit anderen akariziden Mitteln gegen Varroose anwenden.
Überdosierung
Die Anwendung höherer als der empfohlenen Dosen kann zu übermäßigem Brutverlust, Mortalität adulter Bienen, Königinnenverlust und/oder Abschwärmen (Absconding) führen. Bei einer Überdosierung Belüftung des Bienenstocks durch Anlegen zusätzlicher Eingänge in verschiedenen Höhen von oben nach unten verbessern. Tierarzneimittel nicht aus dem Bienenstock entfernen, da dies das Bienenvolk zusätzlichem Stress aussetzen könnte. Zwei Wochen nach der Aufbringung auf Vorhandensein einer Königin kontrollieren.
Weitere Vorsichtsmaßnahmen:
Dieses Tierarzneimittel ist ätzend. Tierarzneimittel von metallischen Oberflächen ferzuhalten
Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Entsorgung von nicht verwendetem Arzneimittel oder von Abfallmaterialien, sofern erforderlich Keine Tümpel, Wasserwege oder Gräben mit Streifen oder benutzten Verpackungen kontaminieren. Nicht aufgebrauchte Tierarzneimittel sind vorzugsweise bei Schadstoffsammelstellen abzugeben. Bei gemeinsamer Entsorgung mit dem Hausmüll ist sicherzustellen, dass kein missbräuchlicher Zugriff auf diese Abfälle erfolgen kann. Tierarzneimittel dürfen nicht mit dem Abwasser bzw. über die Kanalisation entsorgt werden.
Weitere Angaben
Die Ameisensäure des Tierarzneimittels wirkt durch Begasung (Dampfwirkung). Ameisensäure wirkt gegen Milben auf adulten Bienen und tötet die Nymphenstadien der Milbe in verdeckelten Brutzellen ab. Darüber hinaus wurde eine unterschiedlich starke Wirkung gegen männliche und weibliche adulte Milben in verdeckelten Brutzellen gezeigt, was Auswirkungen auf die Fortpflanzung der Milben haben könnte, da Paarung und Befruchtung innerhalb der Zellen stattfinden. Der Wirkmechanismus von Ameisensäure ist nicht vollständig bekannt. Die verfügbaren Daten lassen vermuten, dass die Schädigung von Varroa destructor auf lokale Effekte zurückgeht, die auf der ätzenden Wirkung der Ameisensäuredämpfe beruhen. Zusätzlich kann resorbierte Ameisensäure eine Azidose verursachen und die Energieversorgung der Milben beeinträchtigen, indem es die Atmungskette in den Mitochondrien hemmt. Die Pharmakokinetik von Ameisensäure bei Honigbienen wurde nicht untersucht. Verteilung und Elimination im Bienenstock: Die Ameisensäure verdunstet Iangsam von den Streifen in den Bienen-stock. Die Honigbienen bestimmen die Konzentration an Ameisensäure in der Luft des Bienenstocks, indem sie den Brutbereich auf ein für sie komfortables Niveau belüften. Überschüssige Ameisensäuredämpfe in der Luft des Bienenstocks werden rasch durch frisch einströmende Luft ersetzt. Ameisensäure ist ein natürlicher Bestandteil von Honig. Ameisensäure ist nicht lipophil und hinterlässt daher keine Rückstände in der Honigwabe. - Zusatzinformation
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Zusatzinformation | 3.453125 | 2.640625 | 2.96875 |
5f15280cbfc6b54a53f173673524338d | Meta-Typ gerechte Ernährungstipps*
Um ihr Wunschgewicht zu erreichen, gehen Menschen die unterschiedlichsten Wege. Diäten und Ernährungspläne geben vor, auf welche Lebensmittel verzichtet werden soll und wie Kalorien am einfachsten gespart werden können. Ein radikaler Verzicht auf bestimmte Lebensmittel kann allerdings zu Heißhungerattacken führen, welche den gefürchteten Jojo-Effekt hervorrufen. Rückschläge dieser Art können aus der Gewichtsabnahme einen belastenden Prozess machen. Um dies so gut wie möglich zu vermeiden, wird eine Gewichtsabnahme von 0,5 – 1 kg pro Woche empfohlen. Diese sollte durch eine dauerhafte, abwechslungsreiche und vielseitige Ernährung, die eine ausreichende Kalorienzufuhr sicherstellt, erreicht werden. Eine langfristige Ernährungsumstellung und Gesunderhaltung setzt bestimmte Lebensstil- und Verhaltensänderungen voraus, die mit ein paar Tipps und Tricks leicht umgesetzt werden können. Neben einer Meta-Typ* gerechten Ernährung sind folgende Aspekte zu berücksichtigen:
Lebensstil
Eine Gewichtsabnahme wird oftmals mit dem Gedanken an Verzicht verbunden. Das Verzichten und Einsparen von Kalorien ist allerdings nicht der einzige Faktor, der für den Erfolg einer Gewichtsabnahme ausschlaggebend ist. Flüssigkeitszufuhr, Achtsamkeit während der Nahrungsaufnahme, sowie Motivation und Einstellung eines Menschen können ebenfalls eine Rolle spielen. Einige Tipps hierfür sind:
- Stressbewältigung Cortisol ist das wichtigste Antistress-Hormon des Körpers, dessen Spiegel im Blut durch Stress erhöht wird. Dies hat zur Folge, dass Fettsäuren aus den Fettzellen freigesetzt werden und Glucose vermehrt als Fett gespeichert wird. Ausreichend Schlaf, Entspannung, sowie Sport - bevorzugt in der Natur - können helfen den Cortisolspiegel niedrig zu halten.
- Mahlzeiteneinnahme ohne Ablenkungen Heutzutage ist es nicht unüblich sein Essen auf der Couch vor dem Fernseher oder Computer einzunehmen. Durch die Ablenkung fällt es schwer das natürliche Sättigungsgefühl zu spüren. Um nicht mehr als nötig zu essen, kann es helfen seine Mahlzeiten achtsam und am Tisch einzunehmen.
- Gründlich kauen Durch Enzyme im Speichel des Menschen beginnt die Verdauung der Speisen schon im Mundraum. Je länger und gründlicher gekaut wird, desto besser verdaulich ist die Mahlzeit und der Magen-Darm-Trakt wird entlastet. Ein Nebeneffekt ist es, dass die Mahlzeit durch das längere Kauen mehr Zeit in Anspruch nimmt und dadurch tendenziell weniger Nahrung aufgenommen wird.
- Organisation des Einkaufs Die Gewichtsabnahme beginnt schon im Supermarkt. Was im Einkaufswagen landet, steht früher oder später auch auf dem Tisch. Mit einer genauen Einkaufsliste ist die Versuchung kalorienhaltige Lebensmittel wie Süßigkeiten oder Knabbereien zu kaufen, geringer. Auch der wohl bekannteste Tipp nicht hungrig einkaufen zu gehen, kann sehr effektiv sein. Wer nicht ohne Süßes auskommt, kann eine gesunde Süßigkeiten-Alternative beim Erstellen des Speise- und Einkaufplans direkt mit einplanen.
- Mahlzeitenorganisation Jeden Tag frisch zu kochen, kann im Alltag eine Herausforderung darstellen. Deswegen kann es helfen Porridge-Mischungen, Salatdressings oder auch ganze Mahlzeiten in größeren Mengen vorzubereiten. Vieles lässt sich 2-3 Tage problemlos im Kühlschrank aufbewahren. Trockenmischungen, wie selbst zusammengestelltes Müsli, können sogar bis zu zwei Wochen haltbar sein.
- Motiviert bleiben Um Rückschläge so gut wie möglich zu vermeiden, kann es helfen kleinere Etappenziele zu definieren, durch dessen Erreichen man konstant Erfolgserlebnisse hat. Sich für das Erreichen bestimmter Ziele zu belohnen, kann ebenso helfen die Motivation zu steigern. Dabei sollte die Belohnung nicht aus Essen, sondern beispielsweise einer Auszeit in Form von Massagen oder einem neuen Kleidungsstück, bestehen.
Ernährung
Neben einer günstigen Lebensmittelauswahl spielt auch die Zubereitung der Mahlzeiten eine große Rolle. Die folgenden Tipps können helfen Kalorien einzusparen und Nährstoffe der Lebensmittel optimal zu nutzen.
- Clean Eating Die Grundsätze des Ernährungskonzepts „Clean Eating“ fassen eine gesundheitsfördernde Ernährung zusammen. Künstliche Zusätze, sowie stark verarbeitete und unnatürliche Lebensmittel werden vermieden. Stattdessen wird viel Wert auf die Verwendung unbehandelter Lebensmittel in ihrer ursprünglichen Form gelegt.
- Flüssigkeitsversorgung Die Zufuhr mit ausreichend Wasser kann den Stoffwechsel ankurbeln und sich positiv auf die Fettverbrennung auswirken. Empfohlen wird es ca. 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee am Tag zu trinken. Ein großes Glas Wasser vor dem Essen oder zwischen den Mahlzeiten kann helfen die Nahrungsaufnahme zu verringern. Wem es schwer fällt Wasser pur zu trinken oder auf süße Softdrinks zu verzichten, kann versuchen einige Scheiben Zitrone, Orange, Ingwer oder Minze hinzuzugeben.
- Alkoholische Getränke vermeiden Alkohol enthält nicht nur viele Kalorien, sondern hemmt zusätzlich die Fettverbrennung zu Gunsten des Alkoholabbaus. Ein niedriger Alkoholkonsum kann sich somit auf zwei Wegen positiv auf eine Gewichtsabnahme auswirken.
- Verwendung von Obst und Gemüse Die meisten Nährstoffe sind in frischem und unverarbeitetem Obst und Gemüse enthalten, aber auch schockgefroren bleiben Zellstrukturen und Vitamine gut erhalten, sodass diese eine geeignete Alternative bilden. Es sollten außerdem Zubereitungsarten bevorzugt werden, bei denen Obst und Gemüse so wenig Hitze und Wasser wie möglich ausgesetzt werden. Auch wird der Verlust von Vitaminen reduziert, wenn man Obst erst kurz vor dem Verzehr anschneidet oder mit Zitronensaft beträufelt.
- Verwendung von Antihaft-Pfannen Um Fett und dadurch Kalorien zu sparen, bietet es sich an Antihaft-Pfannen zu verwenden. Wird eine herkömmliche Pfanne verwendet, ist es wichtig auf gute pflanzliche Öle wie Raps- oder Olivenöl zurück zu greifen.
- Salzmenge einschränken Ein hoher Salzkonsum soll mit erhöhtem Bluthochdruck in Zusammenhang stehen und dadurch das Risiko für Schlaganfälle erhöhen. Deswegen wird empfohlen die Aufnahme auf 6 g pro Tag zu reduzieren. Das meiste Salz, sowie Zucker und Fett, kann eingespart werden, indem Fertigprodukte vermieden werden. Beim Kochen kann Gerichten mit einer Vielzahl an Gewürzen Geschmack verliehen werden.
- Darmgesundheit Eine ungünstige Zusammensetzung der Darmbakterien kann dazu führen, dass mehr Kalorien aus Lebensmitteln gewonnen werden und eine erfolgreiche Gewichtsabnahme erschwert wird. Um die Aufrechterhaltung einer gesunden Darmflora zu unterstützen, bietet es sich an regelmäßig natürliche pro- und präbiotische Lebensmittel, wie beispielsweise Naturjoghurt, Buttermilch, Artischocken oder Bananen, aufzunehmen.
Körperliche Aktivität
Fester Bestandteil einer gesunden Lebensweise ist ebenso die Bewegung. Sportliche Betätigung verbrennt nicht nur Kalorien und unterstützt somit die Gewichtsabnahme, sondern kann auch weitere positive Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden haben. Folgende Tipps helfen die körperliche Aktivität zu steigern.
- Regelmäßige Bewegung Empfohlen werden 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche. Mithilfe des MetaChecks kann der individuelle Sport-Typ ermittelt und die Sporteinheiten daran angepasst zusammengestellt werden.
- Mehr Bewegung im Alltag Neben den weit verbreiteten Tipps, wie beispielsweise die Treppe, statt dem Fahrstuhl zu nehmen oder mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, gibt es noch andere Möglichkeiten, mit denen man nach und nach mehr Bewegung in den Alltag einbauen kann. Dazu kann es beispielsweise gehören einen Teil der Mittagspause für einen kleinen Spaziergang oder sogar einige Sportübungen zu nutzen. Auch das abendliche Fernsehen bietet sich an, um eine Sporteinheit einzulegen.
- Gemeinsam Sport treiben Bei fest eingeplanten Terminen sind das Verantwortungsbewusstsein und die Motivation oftmals höher. Die Anmeldung in einem Verein, Teamsportarten oder Verabredungen, um mit Freunden Sport zu treiben, können hierbei helfen.
- Gelenkschonende Sportarten Wenn eine längere Sportpause oder eine Erkrankung der Gelenke vorliegt, bietet es sich an mit gelenkschonenden Sportarten zu beginnen. Hierzu zählen neben Schwimmen auch Aqua-Jogging und Wassergymnastik, sowie Skilanglauf, das Trainieren auf dem Crosstrainer oder Tai-Chi und Pilates.
Mithilfe der vorliegenden Tipps kann eine ausgewogene und gesundheitsfördernde Lebensweise unterstützt werden. Um allerdings zu bestimmen, welche Makronährstoffe von jedem Einzelnen individuell verstoffwechselt werden, bietet sich unserer Überzeugung nach die genetische Stoffwechselanalyse der CoGAP MetaCheck® an. Basierend auf dem Meta-Typen können individuelle Ernährungs- und Sportpläne zusammengestellt werden, die Abnehmwilligen beim Erreichen ihres Zielgewichts helfen können. | 4 | 3.40625 | 3.03125 |
1c78b12d3340bb6ed39fea2fa185d5c8 | Ablatio Mammae steht als Synonym für Ablatio Mammae und bezeichnet die operative Brustentfernung, Brustamputation und/oder Brustdrüsenentfernung.
In den letzten Jahren hat die Zahl der Frauen, die sich für eine Ablatio Mammae- die chirurgische Entfernung der gesamten Brust zur Behandlung von Brustkrebs - oder eine Doppel Ablatio Mammae- die Entfernung beider Brüste - entschieden haben, stark zugenommen.
Es gibt verschiedene Arten von Mastektomien, je nachdem, wie die Operation durchgeführt wird und wie viel Gewebe entfernt wird.
Bei diesem Verfahren entfernt der Chirurg die gesamte Brust, einschließlich Brustwarze, Warzenhof und Haut. Einige Achsellymphknoten können je nach Situation entfernt werden.
Bei diesem Verfahren bleibt der größte Teil der Haut über der Brust intakt. Nur das Brustgewebe, die Brustwarze und der Warzenhof werden entfernt. Die Menge des entfernten Brustgewebes ist die gleiche wie bei einer einfachen Mastektomie, und Implantate oder Gewebe aus anderen Körperteilen können während der Operation zur Rekonstruktion der Brust verwendet werden.
Viele Frauen bevorzugen eine hautschonende Mastektomie, da sie den Vorteil von weniger Narbengewebe und einer rekonstruierten Brust bietet, die natürlicher erscheint. Es ist jedoch möglicherweise nicht für größere Tumoren oder solche geeignet, die sich nahe an der Hautoberfläche befinden.
Das Risiko eines erneuten Auftretens von lokalem Krebs bei dieser Art von Ablatio Mammae ist das gleiche wie bei anderen Arten von Mastektomien.
Die nippelschonende Ablatio Mammae ist eine Variation der hautschonenden Mastektomie. Das Brustgewebe wird entfernt, aber die Brusthaut und die Brustwarze bleiben an Ort und Stelle. Darauf kann eine Brustrekonstruktion folgen. Der Chirurg entfernt häufig das Brustgewebe unter der Brustwarze (und dem Warzenhof) während des Verfahrens, um nach Krebszellen zu suchen. Wenn in diesem Gewebe Krebs gefunden wird, muss die Brustwarze entfernt werden.
Es ist häufiger eine Option für Frauen, die einen kleinen Krebs im Frühstadium in der Nähe des äußeren Teils der Brust haben, ohne Anzeichen von Krebs in der Haut oder in der Nähe der Brustwarze.
Wie bei jeder Operation gibt es Risiken. Danach hat die Brustwarze möglicherweise keine gute Blutversorgung, wodurch das Gewebe schrumpft oder deformiert wird. Da auch die Nerven geschnitten sind, kann es sein, dass sich in der Brustwarze oft nur wenig oder gar kein Gefühl mehr befindet. Wenn eine Frau größere Brüste hat, kann die Brustwarze nach der Rekonstruktion der Brust fehl am Platz aussehen. Viele Ärzte sind daher der Meinung, dass diese Operation am besten bei Frauen mit kleinen bis mittelgroßen Brüsten durchgeführt werden sollte. Dieses Verfahren hinterlässt weniger sichtbare Narben, birgt jedoch auch das Risiko, mehr Brustgewebe zurückzulassen als andere Formen der Mastektomie. Dies könnte zu einem höheren Krebsrisiko führen als bei einer hautschonenden oder einfachen Mastektomie. Verbesserungen in der Technik haben dazu beigetragen, dieses Risiko zu senken, und Experten betrachten die Brustwarzen-schonende Ablatio Mammae als eine akzeptable Behandlung für Brustkrebs bei richtig ausgewählten Frauen.
Eine modifizierte radikale Ablatio Mammae kombiniert eine einfache Ablatio Mammae mit der Entfernung der Lymphknoten unter dem Arm (sogenannte axilläre Lymphknotendissektion).
Diese umfangreiche Operation wird derzeit selten durchgeführt. Der Chirurg entfernt die gesamte Brust, die Achsellymphknoten (Achsel) und die Brustmuskeln (Brustwand) unter der Brust. Diese Operation war früher sehr häufig, aber weniger umfangreiche Operationen (wie die modifizierte radikale Mastektomie) haben sich als ebenso effektiv und mit weniger Nebenwirkungen erwiesen. Diese Operation kann immer noch bei großen Tumoren durchgeführt werden, die in die Brustmuskulatur hineinwachsen.
Wenn beide Brüste entfernt werden, spricht man von einer doppelten (oder bilateralen) Mastektomie. Die Doppel Ablatio Mammae wird als risikomindernde Operation bei Frauen mit sehr hohem Brustkrebsrisiko durchgeführt, z. B. bei Frauen mit einer BRCA -Genmutation. Die meisten dieser Mastektomien sind einfache Mastektomien, aber einige können nippelschonend sein. Es gibt andere Umstände, unter denen eine Doppel Ablatio Mammaeals Teil eines Brustkrebs-Behandlungsplans für Frauen durchgeführt werden könnte. Dies erfolgt nach sorgfältiger Prüfung und Diskussion zwischen dem Patienten und seinem Krebsbehandlungsteam.
Viele Frauen mit Krebs im Frühstadium können zwischen einer brusterhaltenden Operation (BCS) und einer Ablatio Mammaewählen. Möglicherweise haben Sie eine anfängliche Darmpräferenz für eine Mastektomie, um "den gesamten Krebs so schnell wie möglich zu beseitigen". Tatsache ist jedoch, dass die Ablatio Mammaein den meisten Fällen keine bessere Überlebenschance bietet als BCS. Studien, die mehr als 20 Jahre lang Tausenden von Frauen folgten, zeigen, dass das Ergebnis einer Ablatio Mammaebei BCS zusammen mit Bestrahlung dasselbe ist wie bei einer Mastektomie.
Obwohl die meisten Frauen und ihre Ärzte BCS (mit Strahlentherapie) bevorzugen, wenn dies eine vernünftige Option ist, gibt es Zeiten, in denen eine Ablatio Mammae wahrscheinlich die beste Wahl ist. Zum Beispiel könnte eine Ablatio Mammae empfohlen werden, wenn Sie:
Für Frauen, die sich Sorgen über die Rückkehr von Brustkrebs machen, ist es wichtig zu verstehen, dass eine Ablatio Mammae anstelle einer brusterhaltenden Operation plus Bestrahlung nur das Risiko senkt, einen zweiten Brustkrebs in derselben Brust zu entwickeln. Es verringert nicht die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs in anderen Körperteilen, einschließlich der gegenüberliegenden Brust, zurückkommt.
Nach einer Ablatio Mammae sollte eine Frau in Betracht ziehen, den Brusthügel wieder aufzubauen, um das Aussehen der Brust wiederherzustellen. Dies nennt man Brustrekonstruktion . Obwohl jeder Fall anders ist, können die meisten Mastektomie Patienten eine Rekonstruktion haben. Die Rekonstruktion kann gleichzeitig mit der Ablatio Mammae oder einige Zeit später erfolgen.
Wenn Sie über eine rekonstruktive Operation nachdenken, ist es eine gute Idee, diese vor der Ablatio Mammae mit Ihrem Chirurgen und einem plastischen Chirurgen zu besprechen. Auf diese Weise kann das Operationsteam die für Sie am besten geeignete Behandlung planen, auch wenn Sie warten und später die rekonstruktive Operation durchführen. Versicherungsunternehmen decken normalerweise die Brustrekonstruktion ab, aber Sie sollten sich bei Ihrer Versicherungsgesellschaft erkundigen, damit Sie wissen, was abgedeckt ist.
Einige Frauen verzichten auf eine rekonstruktive Operation . Das Tragen einer Brustprothese (Brustform) ist eine Option für Frauen, die die Kontur einer Brust ohne Operation unter ihrer Kleidung haben möchten. Einige Frauen fühlen sich auch wohl, wenn sie einfach nur flach gehen . | 3.84375 | 2.34375 | 3 |
f6a0bfe9f69fc65469f21f948e27a57f | Elektrostatik frisch gespritzter Kunststoffteile beim Spritzgießen
Einfluss der Elektrostatik beim Spritzgießen
Elektrostatik entsteht bereits während des Formens
Elektrostatik als Trennladung während der Entformung
Frisch gespritzte Kunststoffteile entladen
Vereinfachte Darstellung einer Spritzgießmaschine
Mit der Entformung des Kunststoff-Spritzgiessteils beginnen die Probleme mit der Elektrostatik und allen ihren Folgen. Diese sind vielschichtig. Sie beginnen bereits bei der Entstehung des Teils während des eigentlichen Spritzvorgangs und reichen bis zur späteren Endbestimmung. Folgende Störungen kann die Elektrostatik frisch gespritzter Kunststoffteile verursachen:
- Direkt nach dem Öffnen des Werkzeugs, während der Entformung können kleine, leichte Teile
an den Auswerfern oder am Werkzeug selbst haften bleiben.
- Frisch Entformte Teile können an Greifern oder Saugern hängen bleiben.
- Frisch entformte Teile bleiben an Maschinenelementen oder dem Transportband kleben.
- Im Sammelbehälter baut sich ein hohes Ladungsniveau auf, das zum Kleben und Verklumpen
der Teile führt.
- Personen können am Sammelbehälter einen vom angesammelten Ladungsniveau ausgehenden elektrischen Entladungsfunken ab bekommen.
- Frische Kunststoffteile ziehen Staubpartikel an. Die Oberfläche verschmutzt.
Anhand der folgenden kleinen Skizzen, die sehr vereinfacht eine Spritzgießmaschine darstellen,
sollen die Einflüsse der Elektrostatik verdeutlicht werden.
Bereits während das Kunststoffgranulat in das Werkzeug herein gepresst wird, entsteht auf den Oberflächen der Kunststoffmoleküle elektrostatische Ladung die quasi in das Kunststoffteil mit herein gespritzt wird. Dies geschieht während die Moleküloberflächen des Kunststoffes während des Zusammenpressens und Formens aneinander und im Werkzeug reiben. Diese Ladung ist zwar in die Kunststoffmasse mit herein gepresst, selten jedoch diffundiert sie an die Oberfläche eines Kunststoffteils und wird dann damit nachträglich zu Beeinträchtigungen führen. In Einzelfällen kann es allerdings geschehen, dass je nach Zusammensetzung des Kunststoffes und seiner Additive der Effekt einer nachträglichen Ladungsdiffusion auf die Oberfläche heraus auftritt. In diesem Fall ist es durchaus möglich, dass ein frisch dem Werkzeug entnommenes Kunststoffteil direkt kurz nach dem Spritzgießen zwar mittels Ionisationsgeräte elektrostatisch entladen wird, aber wenige Sekunden oder Minuten später erneute Ladung auf dessen Oberfläche nachgewiesen werden kann. Diese an die Oberfläche eines Kunststoffteils heraus diffundierende Ladung kann auch über einen längeren Zeitraum hinweg zu nachträglichen Beeinträchtigungen führen.
Beobachtungen führten zu dem Schluss, dass so ein Kunststoffteil unmittelbar nach der Entformung die höchste natürliche elektrostatische Ladung, genauer gesagt Trennladung hat, die es während seines Lebens wohl jemals haben wird. Begründet kann dies hierdurch werden, dass die gesamte Kunststoff-Oberfläche dieses Teils während der Entformung schlagartig von der Metalloberfläche des Werkzeugs abgerissen, getrennt wird. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass das Werkzeug ja aus Metall ist und daher überhaupt keine elektrostatische Ladung entstehen könnte. Das Werkzeug ist aus Metall, na und? Wir haben es doch mit Trennladung zu tun. Auch auf der Oberfläche des Metalls entsteht während des Trennvorgangs elektrostatische Ladung. Das Metall selbst aber ist elektrisch leitfähig und die fehlenden oder überschüssigen Elektronen können hinzu oder abfließen, je nach entstandener Polarität. Das Kunststoffteil selbst aber ist in den meisten Fällen elektrisch hoch isolierend. Auf dessen nicht elektrisch leitfähiger Oberfläche bleibt die frisch entstandene Trennladung stehen. Da kann das Werkzeug noch so gut elektrisch leitfähig und geerdet sein, es ändert nichts daran, dass das Kunststoffteil nach dem Trennvorgang elektrostatisch geladen bleibt. Es sei denn, Sie unternehmen etwas dagegen.
Es gibt mehrere Möglichkeiten Kunststoffteile direkt nach der Entformung elektrostatisch zu entladen. Dazu sollte ein Ionisationsgerät zum Einsatz kommen, das mit Hilfe einer leichten Luftströmung seine generierten Gasionen auf die Oberfläche des Kunststoffteils befördert. Die Verwendung sogenannter ionisierter, strömender Luft ist zur elektrostatischen Entladung räumlicher Gegenstände ratsam. Während man eine ebene Fläche durchaus ohne strömende ionisierte Luft entladen kann, nur indem man diese Fläche durch das vom Ionisationsgerät ausgehende Streufeld hindurch bewegt, ist das mit einem dreidimensionalen Objekt schon schwieriger. Eine Möglichkeit wäre natürlich dieses Objekt in dem Streufeld hin und her zu schwenken und zu drehen. Dies dann solange bis die komplette Oberfläche mal in den Genuss einiger Gasionen aus dem Streufeld kommt und komplett entladen ist. Unter dem Aspekt, dass die gesamte Oberfläche so eines Kunststoffteils elektrostatisch entladen werden sollte, gestaltet es sich einfacher mit strömender ionisierter Luft von zwei Seiten her das Teil zu entladen. Ob dabei beide Seiten dieses Teils gleichzeitig entladen werden oder hintereinander weg, ist unerheblich. Es gilt: Hauptsache komplett entladen. Noch etwas mehr Informationen hierzu finden Sie dazu auch auf der Seite Tipps für Profis.
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Beispieldarstellung einer Spritzgießmaschine
1 Granulatzufuhr
2 Granulatschmelze
3 Einspritzdüse
4 Fest stehende Werkzeugseite
5 Bewegliche Werkzeugseite
6 Schiebetür als Zugriffsschutz
7 Schaltschrank, Steuerung
8 Hydraulikzylinder
9 Frisch gespritzte Kunststoffteile im Sammelbehälter
Ionisierte Druckluft während der Entformung
Während der Entformung bleiben die Teile durch ihre elektrostatische Ladung am Spritzgießwerkzeug oder dem Auswerfer kleben. Sie fallen nicht aus dem Werkzeug heraus. Meistens bleiben sie im unteren Bereich des Werkzeugs kleben. Das Werkzeug schließt dann erneut und quetscht das Teil ein. Dabei wird das Teil zerstört und eventuell das Werkzeug beschädigt. Besonders anfällig für diese Art Probleme sind leichte, kleine Teile aus isolierendem Kunststoff. Sind diese dazu auch noch flach geformt, steigt deren Neigung massiv an, irgendwo am Werkzeug oder am Auswerfer kleben bleiben zu wollen. Ionisierte Luft strömt aus einem luftunterstützten Ionisationsgerät das in Position 1 über dem Spritzgießwerkzeug oder seitlich angebracht ist. Ein ionisierter Luftstrom verläuft in diesem Besipiel von oben nach unten zwischen die sich öffnenden Werkzeughälften herein während die Teile entformt werden. Um schnell genug die Gasionen zwischen die Werkzeughälften herein, auf die entformten Teile zu bringen, wird hier ein kräftiger Stoss ionisierter Druckluft benötigt. Ein leichter Hauch bringt nicht viel. Die nach unten strömenden Gasionen würden die Teile kaum noch rechtzeitig erreichen um sie zu entladen. Vorher würden sie sich selbst gegen das metallische Werkzeug entladen.
Luftunterstützte Ionisation über dem Werkzeug 1
und über dem Sammelbehälter 2
Ein Ionisierter Luftstrom über dem Sammelbehälter
Zusätzlich empfiehlt sich die Installation einer weiteren Ionisations Luftschleuse oder eines Ventilators mit integrierte Ionisation an einer der beiden Positionen 2. Die Teile können während des Entformens und Fallens nicht komplett entladen werden. Eine Seite des fallenden Teils zeigt immer nach unten, weg vom Ionisationsgerät, wird also nicht entladen. Daher kann durch die verbleibende Restladung im Sammelbehälter das Ladungsniveau trotz eines funktionierenden Ionisationsgerätes ansteigen und zum Kleben und Verklumpen der Teile führen. Jedes einzelne Teil bringt ein klein wenig Ladung mit in den Sammelbehälter. Zunächst, bei wenigen Teilen stört diese Ladung nicht. Aber viele hunderte oder tausende kleiner Teile, deren Ladung sich praktisch zu einem Kondensator summierte, "strahlen" ein sehr starkes Feld ab. Die Teile bleiben nicht nur an der Innenwand des Behälters kleben. Sie ziehen auch zusätzlich in der Raumluft vagabundierende Stäube, Partikel, Fussel und Haare an. Kommt jemand dieser elektrostatisch geladenen Kiste zu nahe, dient er als Blitzableiter. Die Installation eines weiteren luftunterstützten Ionisationsgerätes ist also in diesem Falle unbedingt notwendig. Diese Luftschleuse könnte in einer der Positionen 2, schräg über dem oberen Rand des Behälters angebracht werden. Hier genügt dann ein noch am Boden des Sammelbehälters wahrnehmbarer, leichter Luftstrom um eine sukzessive Summierung der Ladung zu vermeiden.
Ein Ionisierter Luftstrom über dem Transportband
Die frisch entformten Teile fallen auf das Transportband. Durch die Positionierung eines luftunterstützten Ionisators in Position 1 können diese auf dem Band liegenden Teile auf ihrer nach oben sichtbaren Seite entladen werden. Allerdings kann das nur die halbe Miete sein. Die Unterseite der Teile ist nach wie vor geladen. Die Teile können dann trotz funktionierendem Ionisationsgerät am Transportband kleben bleiben. Das Transportband sollte eigentlich dafür sorgen, dass die frisch gespritzten Teile unbeschadet aus der Maschine heraus den Sammelbehältern zugeführt werden. Bleiben sie durch Ladung am Transportband kleben, kann es geschehen, dass sie endlos auf dem umlaufenden Band mit fahren. Die Elektrostatik und die daraus resultierende Klebkraft, die die Teile am Band hält, lässt jedoch früher oder später nach. Unkontrolliert fallen die Teile vom Band ab, meistens neben dem Sammelbehälter auf den Boden. Als praktikable Lösung zeigt sich hier die Installation eines luftunterstützten Ionisationsgeräts. Diese Ionisationsluftschleuse wird an der Stelle über dem Band angebracht, an der darunter die Teile in die Sammelboxen fallen sollen. Der austretende ionisierte Luftstrahl sollte tangential am Band vorbei nach unten blasen. Ein Teil der Luft sollte dabei an der Umlenkstelle auf das Band treffen um die Teile zu lösen. Der andere Teil der ionisierten Luft sollte in den Sammelbehälter 2 strömen um die ansteigende Kondensatorladung, die mit zunehmender Anzahl der Teile ansteigt, zu minimieren. Der Luftdruck sollte dabei etwas stärker eingestellt werden damit die anhaftenden Teile rein mechanisch vom Band gelöst werden können.
Ionisation über dem Transportband 1
und dem Sammelbehälter 2
Ein Ionisierter Luftstrom an Entnahmesystemen
Soll das Teil in einer definierten Position auf ein Transportband abgelegt, einer Verpackung oder einem weiteren Verarbeitungsschritt zugeführt werden, wird es von einem Greifer oder Sauger aus dem Werkzeug entnommen. Diese Greifer oder Sauger sitzen am Ende eines Roboterarms, dem Handlingsystem. Haben die Spritzgiessteile kaum Eigengewicht, können sie bereits an diesem Greifer oder Sauger hängen bleiben und später irgendwo unkontrolliert abfallen.
Wenn das Werkzeug öffnet ist zunächst nur eine Seite des Kunststoffteils sichtbar. Die andere Seite ist noch im Werkzeug versteckt und kann hier noch nicht entladen werden. Erst in Position 1 kann durch eine oben auf dem Werkzeug installierte Luftschleuse die nun sichtbare Seite entladen werden. Der Greifer oder Sauger entnimmt die Teile. Nun tritt die Ladung der vorher noch verdeckten, im Werkzeug steckenden Seite zu Tage. Alternativ kann statt über dem Werkzeug eine Luftschleuse in Position 2 quer zum Transportweg des Handlings angebracht werden. Die Teile werden hier auf dem waagerechten Weg an der Ionisationsluftschleuse vorbeigeführt. In beiden Positionen 1 und 2 kann aber nur eine Seite der Teile entladen werden. Nach dem Ablegen in ein Magazin oder in ein Ablagemulden sollte hier ein zusätzlicher Strom ionisierter Luft aus einer der Positionen 3 dafür sorgen, dass die zweite Seite der Teile entladen werden kann. Dieser zusätzliche ionisierte Luftstrom dient auch gleichzeitig noch dazu das mit zunehmender Anzahl der Teile ansteigende Niveau eventuell noch vorhandener Restladung im niederen Bereich zu halten.
Bei der elektrostatischen Entladung der noch im Greifer oder am Sauger befindlichen Kunststoffteile gilt es allerdings genau zu beobachten wie stark die Oberfläche der Teile vom Greifer oder Sauger umschlossen sind. Ist lediglich ein kleiner Teil der Oberfläche sichtbar muss davon ausgegangen werden, dass hier an dieser Stelle eine elektrostatische Entladung definitiv nicht möglich ist. Erst wenn der Greifer öffnet und die Teile frei heraus fallen wird deren Oberfläche sichtbar und kann auch in diesem Moment mit strömender ionisierter Luft entladen werden.
Stand 20.05.2019
1 Entladung der ersten Seite über dem Werkzeug,
quer zum senkrechten Hub
2 Entladung der zweiten Seite quer zur
waagerechten Förderstrecke
3 Entladung nach dem Ablegen zur Vermeidung ansteigender Kondensatorladung
Wir freuen uns wenn Sie aus unseren Seiten Nutzen ziehen können und mit dem einen oder anderen Hinweis vielleicht sogar in Ihrer Produktion Schaden vermeiden können. Oder vielleicht konnten Sie mit unseren Tipps Ihre Produktion auch nur ein klein wenig optimieren. Auch darüber würden wir uns sehr freuen, und natürlich auch über eine kleine Anerkennung,
Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!*
Ihr Elektrostatik Hilfe Team
* Selbstverständlich erhalten Sie gegebenenfalls einen Spendenbeleg
für Ihre freundliche Unterstützung dieses freien und privat finanzierten Projekts. | 3.578125 | 3.421875 | 3.0625 |
dd1dfbc6d99fa00770caa91f89b04c35 | Zitronenöl – mehr als ein schmackhafter Raumduft
Wenn man den Begriff Zitronenöl liest, fallen einem als erstes die Duftkerzen oder Raumdüfte ein. Tatsächlich kann verdampftes Öl neben dem angenehmen Geruch wirklich eine Vielzahl von Wirkungen haben. Es hat auch eine gesunde Wirkung in Nahrungsmitteln oder Getränken und kann auch von außen eine heilende Wirkung auf die Haut und die Haare haben.
Anwendung und Wirkung
Die Anwendungsbereiche sind sehr unterschiedlich und haben ein breites Wirkungsspektrum. Als Parfüm wird es in der Parfümerie und in der Lebensmittelindustrie verwendet, im pharmazeutischen Bereich ist es denkbar, dass es zur Verbesserung der Haut oder zur Vorbeugung von Darmkrebs eingesetzt werden kann. Es wird auch in vielen Haushalts- und Kosmetikprodukten verwendet. Dies ist vor allem auf seine antibakterielle und durchblutungsfördernde Wirkung zurückzuführen. Beispielsweise können orale Bakterien, die Entzündungen verursachen, aber auch die Ursache für Mundgeruch sind, erfolgreich bekämpft werden.
Zitronenöl eignet sich auch als Entgiftungsmittel. Für eine solche Entgiftung des Körpers kann auf zwei Arten nützlich sein. Einerseits stimuliert es die Leber, die zusammen mit den Nieren eine zentrale Rolle bei der Ausscheidung von Giftstoffen spielt. Andererseits hat es eine extrem harntreibende Wirkung, die die Entfernung der freigesetzten Giftstoffe beschleunigt.
Neben der Körperpflege und dem Einsatz bei Krampfadern und Besenrissen kann das Öl auch zur Pflege von Gitarren, insbesondere deren Stiele, verwendet werden.
Mit Hilfe von Duftlampen können die Dämpfe des ätherischen Öls im ganzen Raum verteilt werden und so nicht nur das Raumklima und den Duft verbessern, sondern auch bestimmte Bakterien und Viren entfernen. Einigen Studien zufolge hat die mit diesen Dämpfen angereicherte Luft auch eine entspannende Wirkung und fördert die Konzentration.
Herkunft und Anbau
Die größten Zitronenanbaugebiete liegen im europäischen Mittelmeerraum und in Südamerika. Erstens das Gebiet um San Miguel de Tucumán im Norden Argentiniens, das auch der weltgrößte Exporteur von Zitronenöl ist. Aber auch in Italien, vor allem in Sizilien und an der Amalfiküste, und in Spanien wird das Öl produziert und exportiert.
Der Zitronenanbau hat in Europa eine lange Tradition. Sie wird im Mittelmeerraum vor allem seit dem 13. Jahrhundert angebaut.
Im Vergleich zu anderen Zitrusfrüchten ist die Zitrone eine relativ empfindliche Pflanze, die Wärme und Trockenheit gleichmäßig liebt. Richtig angebaut blüht ein Zitronenbaum das ganze Jahr über und trägt das ganze Jahr über Früchte.
Um die Ernte zu beschleunigen, werden die Bäume in der Regel einmal im Jahr einer sogenannten Stressperiode ausgesetzt. Die fehlende Bewässerung führt zu einer größeren Bildung von Blüten und Früchten.
Sammlung und Produktion
Zitronenpflanzen sind kleine und mittelgroße Bäume. Mit ihrer – in Ausnahmefällen – bis zu 15 Meter hohen Wuchshöhe sind sie jedoch im Vergleich zu anderen Zitruspflanzen relativ groß.
Charakteristisch sind die gelbgrünen bis orangefarbenen Früchte, aber auch die rötlichen und dornigen Triebe und die eher unangenehm riechenden weißen Blüten.
Da sowohl die Frucht als auch die Blätter zahlreiche aromatische Drüsen besitzen, durch die sie den bekannten aromatischen Zitronenduft verbreiten, kann der Duft der Blüten nur wahrgenommen werden, wenn man ganz nahe an die Blüte herankommt oder sie separat untersucht.
In den Früchten gibt es acht bis zehn Segmente, durch die Saftleitungen verlaufen. Dieser Teil der Frucht wird daher hauptsächlich für die Herstellung von Säften und Konzentraten verwendet. Die raue Kruste kann dagegen in Zitronenöl weiterverarbeitet werden.
Zu diesem Zweck werden die Schalen in der Regel industriell vom Fruchtfleisch getrennt, zerkleinert und dann in Mühlen, meist kalt, gepresst.
Dieses Verfahren kann im Prinzip auch zu Hause kopiert werden.
Um einen Liter reines Zitronenöl herzustellen, benötigt man jedoch die Schale von bis zu 4000 Zitronen, da die Ausbeute des Öls in der Regel 30-60% nicht übersteigt.
Für die heimische Produktion wird ein Mischöl empfohlen. Zu diesem Zweck kann ein möglichst neutrales Naturöl als Extraktionsmittel verwendet werden. Die gehackte Schale wird in dieses Öl gegeben und einige Wochen lang gelagert. Während dieser Zeit schmelzen die ätherischen Öle der Zitrone im neutralen Öl und reichern es mit den wertvollen Inhaltsstoffen der Zitronenschale an. Die Zitronenreste müssen dann gefiltert werden, um eine Haltbarkeit von bis zu 6 Monaten zu gewährleisten.
Mineralien und Vitamine
Zitronenöl ist vor allem für seinen hohen Vitamin-C-Gehalt bekannt. Sie beträgt 83,2 mg pro 100 g Öl. In einer solchen Menge Öl sind aber auch 0,7 mg B-Vitamine und 32,4 mg Beta-Carotin, die Vorstufe von Vitamin A, enthalten. Darüber hinaus konnten auch folgende Mineralien nachgewiesen werden: Magnesium, Kalzium, Phosphor, Kalium, Natrium, Kupfer, Zink und Eisen.
Inhaltsstoffe
Neben den oben genannten Vitaminen und Mineralien besteht das Öl hauptsächlich aus den Substanzen Limonen (65%), Pinen (10%), Gamma-Terpinen (10%) und Citral (5%). Die Mischung dieser Stoffe ist für das Aroma des Öls verantwortlich.
Limette ist hauptsächlich als preiswerter Duftstoff bekannt. Es wird unter anderem auch als Lösungsmittel, Verdünner und Konservierungsmittel in Kosmetika verwendet. Da der Geruch von Kalk für die meisten Insektenarten eine echte Abschreckung darstellt, kann er als „natürliches Insektizid“ verwendet werden. Vor kurzem wurde Limonen auch für die Herstellung von natürlich zersetzbaren Kunststoffen getestet.
Pinienkerne werden in der Lebensmittelindustrie als Aromastoffe verwendet. Sie haben eine entzündungshemmende und antimikrobielle Wirkung. Dank ihrer gefäßerweiternden Eigenschaften werden sie auch häufig zur Behandlung von Asthma eingesetzt.
Gamma-Terpinen ist auch antimikrobiell, entzündungshemmend und wird wegen seines aromatischen Duftes hauptsächlich in der Parfüm- und Kosmetikindustrie verwendet.
Citral ist auch ein häufig verwendetes Parfüm und Aroma.
Darüber hinaus enthält Zitronenöl auch verschiedene Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Diese sind jedoch nur ein sehr kleiner Teil, so dass sie in Bezug auf Ernährung und Anwendung fast vernachlässigt werden können.
Wirkung von Vitaminen
Beta-Carotin ist die Vorstufe von Vitamin A. Diese ist im Körper in erster Linie für die Funktion des Immunsystems als Radikalfänger verantwortlich. Der menschliche Körper ist auch notwendig, um gesunde Gewebe, Nervenzellen, Blutzellen und Knochen zu bilden und zu erhalten. Es ist bekannt, dass Vitamin A, insbesondere Retinol, für den menschlichen Sehvorgang unentbehrlich ist. Der Tagesbedarf an Vitamin A beträgt bei einem Erwachsenen 1 mg.
Alle B-Vitamine sind wichtige Vorstufen bestimmter Coenzyme im menschlichen Körper. Vitamin B1, auch Thiamin genannt, ist für das Nervensystem notwendig. Der Mangel an Thiamin führt zum Beispiel zu neurologischen Störungen, aber auch Herzerkrankungen sind denkbar. Niacin oder Vitamin B3 ist am Stoffwechsel beteiligt, wird aber auch für die Verdauung und die Hormonbildung benötigt. Es hat auch eine anregende Wirkung auf die Blutzirkulation. Vitamin B5, auch bekannt als Pantothensäure, ist an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt.
Dazu gehören die Anhäufung und der Abbau von Kohlenhydraten, Fett und Cholesterin. Mehrere Stoffe werden mit „B6“ bezeichnet. Zusammen bilden sie die Vorstufe eines Coenzyms, das maßgeblich am Aminosäurestoffwechsel beteiligt ist. Der Anteil der oben genannten B-Vitamine im Zitronenöl variiert zwischen 0,1 und 0,3 mg pro 100 g Öl.
Vitamin C, oder Ascorbinsäure, hat eine antioxidative Wirkung und schützt die Zellen. Es wird zur Behandlung, aber auch zur Vorbeugung von Infektions- und Erkältungskrankheiten eingesetzt. Außerdem schützt es die Zellen vor oxidativem Stress und reduziert die Ermüdung. Vitamin C ist auch für den menschlichen Körper notwendig, um die geistigen Funktionen, das Immunsystem und den Energiestoffwechsel aufrechtzuerhalten. Sie ist für den Menschen lebenswichtig, weshalb Unterernährung auch zu den als Skorbut bezeichneten Symptomen führen kann.
Wirkung von Mineralien und Spurenelementen
Magnesium wird im Körper hauptsächlich in wichtige Enzyme und Coenzyme umgewandelt. Dank seiner vielfältigen Wirkungen kann es zur Vorbeugung verschiedener Erkrankungen der Blutgefäße, des Herzens oder des Nervensystems eingesetzt werden. Sie schützt unter anderem vor Herzinfarkt, Thrombose, Unruhe und Nervosität. Aber seine wahrscheinlich wichtigste Wirkung ist die Muskelentspannung. Auf diese Weise fungiert sie sozusagen als Gegenstück zum Fußball. Für Erwachsene wird eine tägliche Dosis von 300 mg empfohlen. Zitronenöl enthält 13 mg pro 100 g.
Kalzium ist für die Gesundheit von Zähnen und Knochen notwendig. Zum Beispiel kann Osteoporose durch gezielte Kalziumzufuhr verhindert werden. Sie übernimmt aber auch andere Aufgaben im menschlichen Körper. Sie ist unter anderem wichtig für die Übertragung von Nervenimpulsen, die Muskelspannung und die Regulierung der Blutgerinnung. Im Durchschnitt wird eine tägliche Einnahme von 1000 mg empfohlen. 100 g des Öls enthalten 66 mg.
Phosphor ist an der Struktur der RNA (Ribonukleinsäuren) und der DNA (Desoxyribonukleinsäuren), die unser genetisches Material darstellen, sowie an ATP (Adenosintriphosphat), der zentralen Energiequelle des menschlichen Körpers, beteiligt. Darüber hinaus besteht die Knochensubstanz hauptsächlich aus Kalzium und Phosphor. Durch die Ernährung sollte ein Erwachsener 750 mg pro Tag einnehmen. Zitronenöl liefert 16 mg pro 100 g.
Kalium und Natrium sind für die Reizübertragung im Körper verantwortlich. Während Kalium weiterhin eine Rolle beim Zellwachstum und bei der Regulierung des Blutdrucks und der Insulinsekretion spielt, ist Natrium weitgehend für den menschlichen Elektrolythaushalt verantwortlich. Mit Hilfe von Zitronenöl können dem Körper 157 mg Kalium und 3 mg Natrium pro 100 g Öl zugeführt werden. Die empfohlene Tagesdosis beträgt 550 mg Natrium und 2 g Kalium.
Sowohl Kupfer als auch Eisen tragen zur Bildung von roten Blutkörperchen bei. Kupfer ist auch für die Wundheilung sowie für die Bildung und Erhaltung des Bindegewebes und des Immunsystems notwendig. Eisen hingegen ist für den Transport von Sauerstoff im Blut unerlässlich.
Zink ist ein wesentlicher Bestandteil eines funktionierenden Immunsystems.
Kupfer, Zink und Eisen sind Spurenelemente. Deshalb sollten sie nur in kleinen Mengen eingenommen werden. Das Öl enthält im Durchschnitt pro 100 g 0,3 mg Kupfer, 0,1 mg Zink und 0,8 mg Eisen.
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- Erfrischend und belebend
- Bei fettiger Haut
- Kann die Lichtempfindlichkeit der Haut vorübergehend erhöhen. Übermäßige Anwendung kann zu Hautirritationen führen
- Mischt sich gut mit Pfefferminze oder Lavendel
Verwendung, Darreichungsform und Dosierung
Achten Sie immer darauf, dass das Öl niemals unverdünnt verwendet wird.
Für den Einsatz im Freien werden z.B. maximal 2% Lösungen empfohlen. Diese können zur Bekämpfung von Pickeln und Warzen, aber auch zur Linderung von Juckreiz – verursacht durch Insektenstiche – oder Blutungen eingesetzt werden.
Zitronenöl kann auf viele verschiedene Arten intern verwendet, d.h. verbraucht werden. Es ist jedoch nicht nur die Grundlage für eine Vielzahl von Produkten, sondern kann auch direkt als Öl verwendet werden. Dies kann zum Beispiel Erkältungen verhindern, da Öl aufgrund seiner Inhaltsstoffe viele Keime abtöten kann. Hier empfehlen wir die Zugabe von fünf Tropfen Öl zu 400 ml Leitungswasser, Mineralwasser oder sogar Tee, um eine optimale Dosierung zu erreichen.
Produkte auf der Basis von Zitronenöl
Neben reinem Öl gibt es auf dem Markt eine breite Palette von Produkten, die auf diesem Öl basieren. So ist es neben Raumdüften, Haarölen und anderen Kosmetika auch als natürliches Insektizid erhältlich.
Als Raumduft hat das Öl eine antibakterielle Wirkung und kann daher die Raumluft reinigen. Diese Düfte wirken sich auch auf die Stimmung und die Konzentrationsfähigkeit aus. Sie können gebrauchsfertig gekauft werden, oder reines ätherisches Öl kann direkt in Duftlampen gegossen werden. Zusätzlich zu der oben erwähnten Wirkung dieser Luftanreicherung kann sie auch Entzündungen der Atemwege lindern und das Immunsystem stärken. Ein weiterer Effekt ist die Abwehr von Insekten wie Mücken und Fliegen, die durch den Geruch des ätherischen Öls abgeschreckt werden.
Als Haaröl kann es unter anderem zur Behandlung von Schuppen verwendet werden. Sie dient aber auch der Stärkung und Aufhellung der Haare. Zu diesem Zweck können Sie auch fertige Produkte kaufen oder bestehende Produkte durch Zugabe von reinem Öl veredeln.
In kosmetischen Produkten wirkt das Öl einerseits als „Weichmacher“, hat aber auch eine antimykotische, schrumpfende, gefäßverengende und deodorierende Wirkung. Sie kann daher einerseits zur Behandlung von Spinnenrissen, andererseits aber auch zur Reduktion von Schwielen und zur Behandlung von Pilzerkrankungen der Haut beitragen.
Um das Öl als organisches Insektizid zu verwenden, kann es in Duftlampen verwendet, auf Wattebällchen gesprüht oder direkt auf Tür- und Fensterrahmen aufgetragen werden, um Insekten fernzuhalten.
Nebenwirkungen
Nebenwirkungen können insbesondere bei einer Überdosierung des Öls auftreten. Das Auftragen von übermäßig konzentrierten Lösungen auf die Haut kann zu Reizungen und Ausschlägen führen. Das Einatmen übermäßiger Dosen kann die Atemwege reizen.
Einige Inhaltsstoffe, insbesondere die genannten Aromastoffe, gelten als Allergene und können daher bei manchen Menschen allergische Reaktionen hervorrufen. Wenn Sie immer noch an Allergien leiden, ist es ratsam, die Verträglichkeit des Öls vor dem Kauf testen zu lassen. Wenn eine allergische Reaktion durch die Verwendung von Zitronenölprodukten hervorgerufen wird, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.
Grundsätzlich sollten die Dosierungsempfehlungen entsprechend den Produktbeschreibungen befolgt werden.
Studien
Studien haben gezeigt, dass die Verdunstung in Parfümlampen zum Absterben bestimmter Bakterien und Viren geführt hat. Auch die Verwendung von Zitronenöllösungen könnte zu diesem Ergebnis führen. Je länger das Öl in seiner jeweiligen Form wirken durfte, desto mehr Bakterien und Bakterienstämme konnten abgetötet werden.
Über 50 Studien deuten auf eine krebshemmende Wirkung des ätherischen Öls hin. Insbesondere soll Limonen in der Lage sein, Darmkrebs zu verhindern. Aber auch das Hautkrebsrisiko sollte reduziert werden. Dies ist wahrscheinlich auf die Eigenschaften von Beta-Carotin als Radikalfänger und UV-Blocker zurückzuführen.
Darüber hinaus haben viele Studien gezeigt, dass die Anreicherung der Luft in Räumen mit Zitronenöldämpfen zur Entspannung, zur Verringerung von Depressionen und zur Stärkung des Immunsystems beitragen kann.
In der Küche
Das ätherische Öl kann in kleineren Dosen Zitronensaft und Zitronenschale ersetzen. Dies ist insbesondere bei Gebäck und Kuchen möglich.
Darüber hinaus kann Zitronenöl zur Herstellung von schmackhaften Fischsoßen und Salatdressings verwendet werden. Viele Rezepte sind auf den entsprechenden Seiten im Internet zu finden.
Das Öl kann auch in Süßspeisen verwendet werden.
Besonders empfehlenswert ist jedoch die Verwendung in Mineralwasser und Tee. Einige wenige Tropfen genügen, um diese Getränke nicht nur geschmacklich, sondern auch ernährungsphysiologisch aufzuwerten.
Aus diesem Grund werden industriell hergestellte Limonaden in der Regel auch mit Zitronenöl geliefert. Der größte Verbraucher von argentinischem Zitronenöl ist beispielsweise der weltgrößte Hersteller von Limonade, der das Öl in allen seinen Produkten verwendet.
Braten und Frittieren
Zitronenöl ist für heiße Kochzubereitungen, d.h. zum Braten und Frittieren, eher ungeeignet, da es durch hohe Temperaturen zerstört würde. Es ist besser geeignet für Saucen und Gewürze. Es wird aber auch oft als Aromastoff beim Backen verwendet.
Kauf und Lagerung
Alle genannten Produkte können in allen gängigen Supermärkten sowie im Versand- und Onlineshop erworben werden. Das Öl selbst ist auch im Online-Versandhandel, aber auch in Geschäften für gesunde Lebensmittel erhältlich. Es kann auch mit Zitronen selbst gemacht werden.
Hausgemachtes Öl kann nicht länger als sechs Monate verwendet werden. Die gekauften Öle haben in der Regel eine etwas längere Mindesthaltbarkeitsdauer. Dies ist jedoch von Produkt zu Produkt unterschiedlich.
Das reine Öl muss trocken und kühl gelagert werden. Für Produkte auf Ölbasis beachten Sie bitte die entsprechenden Produktinformationen.
Schlussfolgerung
Wie sich herausstellt, hat Zitronenöl eine breite Palette von Anwendungsmöglichkeiten. Es kann als parfümiertes Öl, zur Verfeinerung von Getränken und Lebensmitteln, zur Haut- und Haarpflege, aber auch zur Vorbeugung verschiedener Krankheiten verwendet werden. Sein aromatischer Geruch ermöglicht den Einsatz in einer Vielzahl von Anwendungen und Produkten, ebenso wie seine vielen verschiedenen Inhaltsstoffe – allein der Vitamin-C-Gehalt eröffnet viele Möglichkeiten. Ein weiterer Grund für die umfangreiche Nutzung von Öl ist die Tatsache, dass es relativ billig und – zumindest in Fertigprodukten – fast überall erhältlich ist. Die Möglichkeit, das Öl selbst zu fördern, ist sicherlich auch für viele Menschen interessant. In diesem Fall sollten Sie jedoch daran denken, dass Sie entweder viel Obst benötigen oder sich mit einem gemischten Öl zufrieden geben sollten. Der Kauf eines entsprechenden Produktes scheint für die meisten Menschen die am wenigsten zeitaufwendige Alternative zu sein. Dies ist besonders wichtig, da es eine korrekte Dosierung entsprechend den Empfehlungen des Produktes ermöglicht, so dass unerwünschte Nebenwirkungen weitgehend ausgeschlossen werden können.
Einkaufsmöglichkeiten
– Zitronennaissanceöl 50ml 100% reines natürliches ätherisches Öl.
- 100 % NATURREIN: wasserdampfdestilliertes ätherisches Zitronenöl (Citrus Limon). HERKUNFT: Italien
- FÜR FETTIGE HAUT: Wird in Kosmetikprodukten als natürlicher Toner und Reiniger für fettige Haut verwendet.
- BELEBEND und REVITALISIEREND: Bei der Anwendung in der Aromatherapie wirkt es belebend und revitalisierend
- SPRITZIGER und ERFRISCHENDER DUFT: Dieses wunderbare Öl hat einen spritzigen und erfrischenden Duft. Es kann auch zur Herstellung von selbstgemachten Beauty-Produkten und natürlichen Reinigungsprodukten verwendet werden.
- Tierversuchsfrei und vegan.
– ArtNaturals Reines ätherisches Zitronenöl – (4 Fl Oz/118ml) – mit Bonusset – Aromatherapie und Stickereien – Desinfektionsmittel – Anti-Insektenmittel
- 100% REIN - ArtNaturals 100% reines und natürliches Zitronenöl ist ein beliebtes und vielseitiges Öl von therapeutischer Qualität, tierversuchsfrei und vegan. Durch Kaltpressung aus den Fruchtschalen gewonnen ist eines der am intensivsten duftenden, erfrischenden ätherischen Öle auf dem Markt
- TRÄGERÖl - Verdünnt mit einem Trägeröl bestens geeignet zur Massage, als Gesichts- und Körperöl, in der Fußpflege, als Badeöl und hilfreich für eine Vielzahl von Hautproblemen. Seine desinfizierenden Eigenschaften können Akne lindern und Hautentzündungen wieder ins Lot bringen. Einfach ein paar Tropfen verdünnt in die betroffenen Hautzonen einreiben. Gleichzeitig bietet es einen natürlichen Insektenschutz
- AROMA-DIFFUSER - Ideal zur Verwendung in der Aromatherapie und hoch geschätzt für seinen belebenden, frischen und fruchtigen Duft. Ein paar Tropfen in den Diffuser haben positiven Einfluss auf Körper und Seele. Ideal zur Raumluftreinigung
- DIY (DO IT YOURSELF) - ArtNaturals bietet eine große Auswahl von ätherischen Ölrezepten und Mischungen an, die Sie in unserem Händlershop finden. Sei es für Drinnen, Draußen, zur Hautpflege oder Wohlbefinden, wir haben ein perfektes Rezept für Sie
- ZUFRIEDENHEIT GARANTIERT: ArtNaturals Produkte werden aus hochqualitativen pflanzlichen Inhaltsstoffen hergestellt, sind vegan, tierversuchsfrei, gentechnisch frei, umweltfreundlich und ohne Parabene und Sulfate. Wir bieten 100% Zufriedenheit oder Ihr Geld zurück. Sie haben nichts zu verlieren und Ihre Gesundheit zu gewinnen
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0e058bc55808aa3800a63aab0383406c | Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir Ihnen den größtmöglichen Nutzen bieten können. Denn Sie bauen nicht nur ein Haus - Sie treffen eine Lebensentscheidung. Haben Sie Lust herkömmliche Wege zu verlassen und etwas Besonderes zu schaffen? Möchten Sie in der Atmosphäre echter Natur fernab vom üblichen Hausbau-Standard leben?
nach obenWir bauen grundsätzlich nur nach individuellen Vorgaben, also nach Ihren Wünschen. Daraus resultiert nicht nur eine absolute Identifikation mit dem eigenen Haus, sondern auch eine auf Ihre persönlichen Möglichkeiten zugeschnittene Kostenkalkulation. Sorgfältige Beratung vom Grundriss bis zur Ausführung sind für uns selbstverständlich.
nach obenOvalbalken in 14 cm, 17 cm, 19 cm und 23 cm.
Vierkantbalken in 14 cm, 18 cm querverleimt oder 2 x 9 cm mit Isolierung (Niedrigenergiehaus)
Was macht ein "echtes" Blockhaus aus? Alle "tragenden" Wände, also besonders die Außenwände, setzen sich aus waagerecht geschichteten Blockbohlen (oval oder eckig) zusammen, die durch " Verkämmung" mit angrenzenden Wänden formschlüssig verbunden sind. Die Außenwände eines "echten" Blockhauses sind diffusionsoffen, d.h. im Wandquerschintt stören keine Dampfbremsen wie PE-Folien oder senkrechte Verleimungen der Bohlen -> das Blockhaus atmet.
Die Besonderheit besteht im zweischaligen, patentierten Wandaufbau. Die innere Schale (4) ist die tragende Bohle. Sie ist aus 92 mm dickem kerngetrenntem, finnischem Kiefernholz. Durch die Außenverschalung (2) sind die innenliegenden Blockbohlen keinen Witterungseinflüssen ausgesetzt. Die tragende Blockbohle "steht" und hält dicht. Die Außenverschalung ist aus 28 mm dickem Fichtenholz, da Fichte den verschiedenen Witterungseinflüssen besser als Kiefernholz standhält (Abbildung 1). Alternativ liefern wir die tragende Bohle auch als Ovalbalken. Auch die Außenverschalung ist entsprechend lieferbar (Abbildung 2). Der Wandaufbau atmet. Das meint, dass die in der Wand auftretende Feuchtigkeit durch die äußere Schale sieben mal besser verdunstet werden kann, als durch die Blockbohlen nach innen. Feuchtigkeit wird also immer nach außen abgegeben. Die Außenwand ist damit konstruktiv vor Feuchtigkeit geschützt. Die Zellstoffdämmung (3) hat dieselben baubiologischen Eigenschaften wie Holz. Damit wird eine kompakte hölzerne Konstruktion geschaffen, mit einem ausgezeichneten Wärmedurchgangswert.
nach obenBlockhäuser gibt es seit einigen tausend Jahren, wobei sich an der Grundkonstruktion nur wenig geändert hat. Dank des Trends zu natürlichen Baumaterialien ist diese Holzbauweise wieder aktuell, dank perfektionierter Holzbearbeitung ist sie technisch auf der Höhe.
Ruhe.
Geborgenheit.
Ausgeglichenheit.
Was macht es aus, das Wohnen in einem massiven Blockhaus aus Nordischer Kiefer?
Ist es die wohlige Wärme, die ein Kamin oder Kachelofen ausstrahlt?
Die kühlen Raumtemperaturen im Sommer?
Vielleicht der Harzduft der Nordischen Kiefer?
Dieses schwer zu beschreibende Gefühl der Ruhe und Geborgenheit?
Der Wunsch, in einem Wohnhaus im Blockhaus-Stil zu leben, hat nichts mit Mode oder Zeitgeist zu tun; denn schon immer fühlte sich der Mensch in einer solchen Umgebung geborgen, daheim.
Wer einmal in einem echten Blockhaus gewohnt hat, der wird diese gemütliche Atmosphäre nicht mehr vergessen. Unsere Vorfahren hatten solche Erkenntnisse schon vor vielen hundert Jahren, als Blockhäuser aus Rundholz, von Hand bearbeitet, erstellt wurden.
Da diese Art des Blockhaus-Bauens in den Nordischen Ländern besonders angewandt wurde, haben wir uns in Finnland umgesehen und sind deshalb in der Lage, ohne Wenn und Aber den massiven Hausbau aus gesundem Kernholz der nordischen Kiefer zu vertreten.
Ein Baum, der in der eisigen Kälte sehr, sehr langsam wächst, dadurch eine extrem hohe Dichte erhält und reichlich Harz bildet: den natürlichsten aller Konservierungsstoffe. Zum Bau Ihres Hauses verwenden wir nur ca. hundertjährige Stämme für das besonders wertvolle Mittelstück mit dem außenliegenden Kernholz. Wussten Sie, dass in Finnland der Waldbestand seit Jahrzehnten zunimmt? Die Waldpflege der eine Millionen privaten Forstbesitzer hat Tradition.
Holz ist Leben.
Kein Baustoff der Welt kann Ihnen und Ihrer Familie mehr Wärme, Wohlbefinden und Geborgenheit vermitteln. Im Gegensatz zu nacktem, kalten Stein ist Holz ein natürlich warmes Material. Holz hat in der Tat von allen Baustoffen die höchste Körpertemperatur. Und der positive Einfluss massiver Holzwände auf Körper und Seele hat sich gerade in jüngster Zeit erwiesen.
Seit 1978 haben wir unsere Blockhäuser vom Konzept und Qualität auf einen Stand gebracht, der höchsten Ansprüchen gerecht wird. Es ist unser Bestreben, die Erfahrungen der finnischen Blockhaus-Hersteller mit den Möglichkeiten der Architektur in Einklang zu bringen.
Ohne Holz geht nichts beim Bauen: Wohl kaum ein anderes Material ist so vielseitig wie der Baustoff aus den Wäldern. Sorgfältig verarbeitet, ist er so zuverlässig wie jeder Mauerstein - und hält eine ganze Ewigkeit. In den USA bauen nur Außenseiter auf Stein, und auch in Deutschland hat der nachwachsende Rohstoff durchaus Tradition. Doch anders als in den Vereinigten Staaten, wo neun von zehn Gebäuden Holzhäuser sind, führt hierzulande die Holzbauweise immer noch ein Schattendasein. Ursache ist wohl das Vorurteil, Holz besitze nicht die gleiche Dauerhaftigkeit wie Mauerwerk oder Beton - ganz zu Unrecht, wie der Bestand jahrhundertealter Fachwerkhäuser zeigt. Doch vor allem im Zusammenhang mit der Diskussion um Formen des ökologischen Bauens hat der Baustoff Holz für Planer, Architekten und Bauherren zunehmend an Attraktivität gewonnen. Und aus gutem Grund, denn von Bauökologen erhält der Baustoff Holz die besten Noten:
Finnland, das Land der tausend Seen, ist auch ein Land mit Hunderttausenden Wäldern. Seit über 200 Jahren wird in Finnland mit der Rohstoffquelle Wald äußerst verantwortungsbewußt umgegangen. So hat sich die Waldfläche in dieser Zeit mehr als verdoppelt. Systematische Forstpflege unterstützt das Wachstum von hervorragendem Holz mit exzellenter Astqualität. Finnland liegt im Bereich des nordischen Nadelwaldgürtels, wo sich die Bäume unter rauhen Wachstumsbedingungen bewähren müssen. Wegen des rauhen Klimas und des kargen Bodens dauert es 80 bis 120 Jahre, bis die Kiefer geschlagen wird. Wenn Bäume so langsam wachsen, sind ihre Jahresringe sehr eng (1,5 - 2 mm). Kiefern aus Finnland sind erwiesenermaßen gerader als Kiefern aus eher südlich gelegenen Gebieten. Wuchsspannungen und Innenrisse sind minimal, da die Winde in Finnland nicht sehr stark sind. Im Splint der finnischen Kiefer sind relativ wenig Harz und kein Silizium enthalten. Das Festigkeits-/Gewichtsverhältnis im Splint ist daher höher als bei Nadelhölzern aus südlich gelegenen Wuchsgebieten.
Langsam gewachsenes und eng fibröses Holz. Die Dichte steigt vom Kern ausgehend nach außen an. Dadurch ist das Holz zäh und hart. Wegen der hohen Qualität verwenden wir dieses Holz für unsere Blockhäuser. Es wird in Finnland bereits passend zugeschnitten und bearbeitet.
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41ca29f3fa277885baa7c4ab14045993 | Zwischen Ostsee und BoddenFischland Darß Zingst
Wer Lust auf einen romantischen Aufenthalt an der Ostsee hat, ist auf Fischland Darß Zingst gut aufgehoben. Weitläufige Sandstrände, Kultur in hübschen Fischerorten und eine einzigartige Fauna laden an der Ostsee zum Entdecken und Erholen ein. Ob im Ferienhaus, in einem der Hotels oder in der Ferienwohnungen: Ein Urlaub an der Ostseeküste bietet für Kulturinteressierte, Outdoor-Fans und Familien viel Abwechslung. Hier erfahren Interessierte, was es alles zu erleben gibt.
Erholsamer Urlaub an der Ostsee
Fischland Darß Zingst befindet sich an der Ostseeküste und liegt zwischen Stralsund und Rostock. Die langgestreckte Halbinsel trennt den Bodden bei Darß und Zingst von der offenen Ostsee. Geprägt ist die Region vom feinen Sandstrand, Dünen und Deichen. Der südwestliche Teil der Insel gehört z Fischland, darauf folgt Darß und Zingst schließt die Insellandschaft im Osten ab. Einst handelte es sich bei allen drei Abschnitten um eigene Inseln an der Ostsee, die erst durch menschliches Einwirken im 14. und im 19. Jahrhundert mit dem Festland verbunden wurden. Zunächst schlossen die Bewohner die Flutrinnen zwischen Fischland und Darß, später wurde eine Festlandverbindung bei Zingst geschaffen. Seitdem sind die drei ehemaligen Inseln miteinander und im Süden von Fischland sowie zwischen Darß und Zingst mit dem Festland von Mecklenburg-Vorpommern verbunden. Die Gemeinden auf Fischland Darß Zingst verzaubern mit je eigenem Charakter. Die größten Orte sind die Ostseebäder Ahrenshoop, Wustrow und Prerow, außerdem gehören Born am Darß, Wieck am Darß und natürlich Zingst zu den Zentren von Fischland Darß Zingst. Dazwischen finden sich weite Wälder, romantische Buchten mit Leuchtturm, wilde Dünen und kleinteilige Ackerflächen, was zu einer abwechslungsreichen Landschaft beiträgt. 45 Kilometer ist die Halbinsel an der Ostsee lang, die mehrere Ostseebäder beherbergt.
Die Gemeinden an der Ostsee sind klassische Fischerdörfer, deren Charme Besucher schnell in ihren Bann zieht. Wustrow auf Fischland ist der älteste Ort der Halbinsel und war bis in die 1990er Jahre Stützpunkt für die Seefahrtausbildung an der Ostsee. Im Hafen von Wustrow finden sich noch viele Zeesboote. Die breiten Segelschiffe wurden früher an der Ostsee zum Fischen eingesetzt und dienen heute Liebhabern für Regatten oder als Ausflugsboote – eine Bootsfahrt ist für Besucher auf Fischland beinahe ein Muss. Kunstliebhaber fühlen sich vor allem in Ahrenshoop auf Fischland pudelwohl, schließlich gibt es hier verschiedene Galerien und Museen. In der ehemaligen Malerkolonie versammelte Ende des 19. Jahrhunderts der Künstler Paul Müller-Kaempf viele Mitstreiter um sich, von denen viele Ateliers und Kunstschulen unterhielten. Im Kunstmuseum Ahrenshoop lässt sich das rege Künstlerleben an der Ostsee, auf Fischland und in den Ostseebädern am besten nachvollziehen. Bis heute prägen die Maler das idyllische Dorf. Prerow, eines der offiziellen Ostseebäder, sticht mit den wunderschön bemalten und geschnitzten Türen der Seemannshäuser hervor – sie sind wie die Darßer Haustüren berühmt und ein beliebtes Fotomotiv. In Born am Darß wie auch in den anderen Gemeinden sind es die Reetdächer der Häuser, die eine einzigartige Atmosphäre schaffen, wie sie nur an der Ostsee zu finden ist. Hier in Born befindet sich übrigens auch der Runder, der zweitälteste Leuchtturm Mecklenburg-Vorpommerns an der Ostsee. 1848 wurde er fertiggestellt und weist seither vom Strand aus den Seeleuten den Weg. Daneben im Oberwärterhaus befindet sich heute ein gemütliches Café. Zingst beherbergt den Boddenhafen, von dem aus verschiedene Ausflugsboote zu abwechslungsreichen Touren in die Ostsee starten. Wie wäre es beispielsweise mit einer nostalgischen Boddenrundfahrt mit dem Raddampfer? Von der kurzen Tour bis zu Tagesausflügen können Besucher von hier aus zu verschiedenen Abenteuern auf Fischland Darß Zingst aufbrechen.
Typische Flora und Fauna
Die einzigartige Landschaft macht den besonderen Reiz der Halbinselkette an der Ostsee aus. Aus diesem Grund bemüht man sich auch vor Ort, die für die Ostsee typische Flora und Fauna am Strand und im Inland zu schützen. Das Gemeindegebiet Darß und Zingst liegt im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, die sich am besten auf den weitläufigen Wanderwegen im Darßer Urwald erkunden lässt. Das 6000 Hektar ist im Herbst Standort eines großen Spektakels, nämlich dann, wenn die Kraniche auf dem Weg gen Süden an der Küste der Ostsee rasten. Aber auch Hirsche lassen sich mit etwas Glück beobachten. Während der Hirschbrunft im Herbst machen sie vor allem mit ihrem eindrucksvollen Röhren auf sich aufmerksam. An den Dünen sind insbesondere die Windflüchter beliebte Foto-Motive vom Urlaub an der Ostsee. Diese Bäume sind in Windrichtung geformt und sehen dadurch sehr ungewöhnlich aus. Eindrucksvolle Exemplare finden sich auf Fischland Darß Zingst am Darßer Weststrand, ein Küstenabschnitt, der den Naturgewalten der Ostsee besonders ausgesetzt ist. Hier können Natur- und Strandliebhaber die Ostsee auf kilometerlangen Spaziergängen erleben.
Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft an der Ostsee ist der drittgrößte Nationalpark Deutschlands und umfasst Teile des Darß und von Zingst. Seehunde und Kegelrobben sind immer wieder am Strand zu sehen. Seit einiger Zeit werden weite Teile der zum Nationalparks gehörenden Wälder vollständig sich selbst überlassen, sodass Besucher wie Fachleute sich mit den natürlichen Entwicklungen eines Urwaldes direkt an der Ostsee beschäftigen können. Wer sich für die Vogelwelt begeistern kann, ist an den Vogelbeobachtungsstationen gut aufgehoben. Immerhin 163 Vogelarten sind hier ansässig, davon stehen über 60 auf der Roten Liste. Den Vögeln sagen insbesondere die Windwatten der Ostsee zu – Strandbereiche, die aufgrund natürlicher Wasserstandschwankungen regelmäßig trockenfallen und ein für die Tiere reichhaltiges Nahrungsangebot vorhalten. Die Kraniche machen meist zwischen September und Oktober in Deutschland an der Küste der Ostsee halt. In dieser Zeit gibt es ein großes Angebot an Führungen, bei denen Urlauber zu den besten Beobachtungsstellen geführt werden.
Die Halbinselkette wird von der Ostsee ständig verändert. Fischland verliert aus diesem Grund jedes Jahr etwa einen halben Meter Land am Weststrand, während der Strand bei Darß wieder Fläche dazu gewinnt. Diesen Einfluss der Natur können Urlauber bei einer Wanderung oder Fahrradtour auf Fischland und dem Darß nachgehen. Natur- und Themenpfade bieten spannende Infos zur Tierwelt der Ostsee und eröffnen sogar einen künstlerischen Blick auf die Landschaft. So gibt es in Wieck einen liebevoll gestalteten Postkarten-Pfad, der historische Grußkarten präsentiert, sodass sich der Bildausschnitt mit der heutigen Situation vergleich lässt. So lernen Besucher ganz anschaulich viel über die Entwicklung des Orts. Am besten lassen sich diese und andere Wege per Fahrrad erkunden. Die meisten Hotels an der Ostsee bieten bereits Leihfahrräder an, auch bei vielen Ferienwohnungen sind Räder inklusive. Alternativ gibt es Verleihstationen, wo für jede und jeden das passende Rad dabei ist.
Für Familien, Singles und Paare
Auf Fischland Darß Zingst ist für alle Interessen und Urlauber viel geboten, sodass Langeweile nicht aufkommt. Erholung und Wellness, Sportangebote und Kulturprogramme bieten für jeden Geschmack das richtige. Entspannte Nachmittage am Strand bilden die Basis eines Urlaubs an der Ostsee. Im Strandkorb sitzt es sich sehr gemütlich und auch an frischen Tagen wunderbar windgeschützt. An den Stränden von Zingst, Fischland und Darß gibt es verschiedene Anbieter, die sportlich interessierten verschiedene Aktivitäten wie das Windsurfen, Zeesboot-Segeln oder Stand Up Paddeling ermöglichen. Oder warum nicht einmal das Kite-Surfen an der Ostsee ausprobieren? Bodden ist gerade für Anfänger ideal, da hier keine allzu heftigen Winde herrschen und sich Urlauber an der Ostsee entspannt an dem neuen Sport versuchen können.
Wer die Neubildung der Inselfläche auf Fischland Darß Zingst hautnah beobachten möchte, kann von Prerow aus mit der Darßbahn bis Darßer Ort fahren, der sich an der Nordspitze befindet. An diesem Strandabschnitt ist die Anlandung eindrucksvoll nachzuvollziehen. Die Fahrt mit der hübschen Bahn führt mit Blick auf die Ostsee mitten ins Nationalparkgebiet und ist der ideale Start für eine abwechslungsreiche Wanderung, die auch Kindern viel Freude bereitet. Überhaupt ist an der Ostsee für Kinder viel geboten. Beliebt sind die Reiterhöfe, die Reitkurse und Ponyreiten anbieten. Auf dem Rücken der Pferde lässt sich aber auch als Erwachsener die Schönheit der Natur an der Ostsee und auf Fischland Darß Zingst noch viel eindrucksvoller erleben. Und im Vogelpark Marlow kommen Kinder verschiedensten Vögeln ganz nah. Für den Familienurlaub an der Ostsee bieten sich Ferienwohnungen in den Ostseebädern an, in denen Sie ganz unabhängig sind. Natürlich darf auch dann der Wellnessaspekt hier an der Ostsee nicht fehlen. Die Hotels verfügen über eigene Wellnessbereiche, die manchmal auch Externen gegen eine Gebühr offenstehen.
Wer sich für die Kultur der Ostsee interessiert, sollte sich neben dem Künstlerort Ahrenshoop einen Besuch im Darß-Museum nicht entgehen lassen. In der liebevollen Ausstellung erfahren Besucher nicht nur alles über die historische Entwicklung der Ostseeküste von der steinzeitlichen Besiedlung bis zum heutigen Badetourismus, sondern auch über die Segelschifffahrt, Schifffahrtskirchen, die lokale Baukultur und die naturräumlichen Gegebenheiten an der Ostsee und Fischland Darß Zingst. Wer einmal echtes Plattdeutsch hören möchte, dem regionalen Dialekt der Ostsee und auf Fischland Darß Zingst, sollte freitags ins Museum kommen, wenn alle Mitarbeiter „plattdütsch“ sprechen. Im Bernstein Museum in Riebnitz-Damgarten findet sich übrigens die größte Sammlung des wertvollen Steins Deutschlands und Europas. Bernstein können Urlauber auf einer geführten Wanderung suchen und mit etwas Glück ein originelles Mitbringsel finden.
Unbedingt zu empfehlen ist die lokale Küche. Denn neben Fischbrötchen bietet die Region leckere Spezialitäten, die Besucher nicht nur in den Restaurants der Hotels probieren können. Verschiedene gastronomische Einrichtungen auf Fischland Darß Zingst laden dazu ein, Gerichte wie Labskaus, Zingster Steckrübeneintopf und natürlich Wild zu probieren. Frischer Räucherfisch gehört ebenfalls zu den Klassikern auf Fischland und an der Ostsee. Ihn finden Urlauber unter anderem auf den verschiedenen Frischemärkten in Zingst und andernorts – hier können sich auch die Nutzer von Ferienhäusern versorgen. Ein solcher Regionalmarkt findet beispielsweise donnerstags im Künstlerort Ahrenshoop statt. Frischen Räucherfisch gibt es jeden Tag um 12 Uhr im Wustrower Alten Hafen zu kaufen. Zu den Ausstellern auf den Märkten gehören regionale Landwirte und Lebensmittelproduzentenvon der Ostsee, die kleine Mengen produzieren. Auf den Märkten in Zingst oder Darß gibt es auch Sanddornmarmelade und regionalen Honig zu kaufen – das perfekte kulinarische Mitbringsel von der Ostseeküste.
Für die Übernachtung in Fischland Darß Zingst bietet sich nicht nur romantische Ferienhäuser mit Reetdächern oder eines der vielen verschiedenen Hotels an, sondern auch die Campingplätze an der Ostseeküste. So kann man am Campingplatz Regenbogen Ferienanlage Prerow direkt am feinen Sandstrand campen – ob mit Bulli oder Zelt. Anlagen wie diese bieten Rundum-Komfort mit WLAN, Wassersportangeboten, Strandkorb und gelegentlicher Live-Musik. Ideal für den Familienurlaub an der Ostsee auf Fischland Darß Zingst! | 3.34375 | 2.03125 | 2.46875 |
74e5df46c9a53b0f09cadddb03d2f8c9 | Meerumschlungenes Schleswig-Holstein.
Die Nordseeküste im Winter - Abwechslung für die Sinne!
Jede Jahreszeit hat an der Nordsee ihren ganz besonderen Reiz. Es muss nicht immer Sommer sein – die herb-frischen Nordseebrisen im November/Dezember eröffnen die Saison für Kenner, Naturverbundene und Aktive!
Die Zeit um den Jahreswechsel gilt an der Nordesse als besonders gesund. Die starken Winde verwirbeln das salzhaltige Meerwasser viel mehr als im Sommer und so kann die heilende Wirkung für die Atemwege besser entfaltet werden. Auch das Herz-Kreislaufsystem wird optimal gefordert und somit gestärkt. Viele Menschen sagen sogar, dass ein Urlaubstag in dieser Zeit genauso wertvoll sei, wie drei Urlaubstage im Sommer. Ausgedehnte Spaziergänge, bei denen man so richtig durchgepustet wird, lassen die Hektik des Alltags schnell vergessen.
Sonne, Wind, Wasser und Luft – jetzt besonders reizend.
Die heilenden und gesundheitsfördernden Kräfte der Nordsee werden gerade zu dieser Jahreszeit von Erholungsuchenden seit Generationen geschätzt. Wenn die Badehandtücher von den Stränden verschwunden sind zeigt sich die schöne Naturlandschaft von ihrer besten Seite, das heilende Meerwasser und die speziellen klimatischen Verhältnisse bieten dazu die perfekten Voraussetzungen für einen gelungenen Wellness- und Gesundheitsurlaub. Das besonders intensive Reizklima fordert einerseits unseren Organismus heraus und stärkt somit das Immunsystem, andererseits haben Wasser und Luft einen kräftigenden und reinigenden Effekt. Die jodhaltige Luft ist fast frei von Schadstoffen und Allergenen und das Meerwasser birgt einen umfangreichen Schatz an gesundheitsfördernden und pflegenden Stoffen. Also, auf geht´s in die steife Brise, lassen Sie sich ordentlich „durchlüften“ – und geniessen Sie das anschliessende Aufwärmen in einem der vielen Cafés oder Teestuben mit einem heissen Glas „Pharisäer“.
Der „Pharisäer“ – Kult und „Medizin“ an der Küste.
Der "Pharisäer" ist eine nordfriesische Kaffee-Spezialität die es in sich hat - denn unter der Sahnehaube verbirgt sich nicht nur heißer Kaffee,
sondern auch ein ordentlicher Schuss Rum. Der Legende nach ist der „Pharisäer“ im 19. Jahrhundert auf der Nordfriesischen Insel Nordstrand entstanden.
Bei der Feier zu einer Kindstaufe war damals der Pastor der Gemeinde anwesend, der in jeder Sonntagspredigt den Alkohol verteufelte. Aber die
rustikalen Inselbewohner wollten dennoch nicht auf Ihren Schuss Rum zur Feier des Tages verzichten und versteckten diesen im Kaffee unter einer Sahnehaube.
Das Sahnehäubchen war nicht nur ein leckerer Zusatz, es verhinderte auch den Geruch nach Alkohol und die Verdunstung des Rums.
Selbstverständlich bekam auch der alkoholfeindliche Pastor seinen Kaffe mit Sahne – natürlich ohne Rum. Es kam, wie es kommen musste, der Kaffe
für den Pastor wurde im Eifer der Feier verwechselt und die List bemerkt. Erbost rief da der Pastor aus: “Oh, ihr Pharisäer!” Dies war natürlich eine
Anspielung auf das gleichnamige biblische Volk im Neuen Testament, das später häufig als Sinnbild für “Heuchler” verwendet wurden. Mittlerweile ist
dieser Kult-Kaffee mit Schuss aus der Region nicht mehr wegzudenken.
Weltnaturerbe in Nordfriesland!
Seit 2009 ist das Wattenmeer an der Nordseeküste UNESCO Weltnaturerbe. Erleben Sie die Faszination Wattenmeer selbst, entdecken Sie die platte Schlickfläche, durchzogen von Prielen, garniert mit den spaghettiartigen Häufchen der Wattwürmer. Auch wenn sich dies zunächst nicht so spektakulär anhört, im schleswig-holsteinischen Teil des UNESCO Weltnaturerbes Wattenmeer tobt das Leben! Sie müssen nur Auge und Ohren offenhalten, dann blubbert und knistert der Boden bei Ebbe, denn ein Quadratmeter Watt beherbergt bis zu zwei Millionen Organismen. Auf den regelmäßig überfluteten Salzwiesen haben unzählige Lebenskünstler ihren individuellen Lebensraum gefunden und können nur dort existieren – und nirgends sonst in Europa leben so viele verschiedene Vögel wie im Wattenmeer. Mit über 4.000 Quadratkilometern Fläche ist das Wattenmeer Europas größter Nationalpark. Diese Wunderwelt des Meeres können Sie je nach Lust und Laune zu Fuß, per Kutschfahrt oder mit dem Ausflugsschiff für sich erschließen.
Nordfriesland ist auch auf den Hund gekommen.
Auf den Nordseeinseln und dem nordfriesischen Festland hat man sich auf einen gelungen Hundeurlaub bestens eingerichtet. Schließlich möchte der
Hundeliebhaber in seinem Urlaub auf seinen treuen Gefährten nicht verzichten. Muss er auch nicht, hier werden Sie sich mit Ihrem Vierbeiner rundum wohl fühlen.
Ausgiebig Löcher im Sand zu buddeln und lange am Meer spazieren zu gehen lassen nicht nur das Hundeherz höher schlagen. Ob Sie lieber als Selbstversorger
in einem Ferienhaus oder einer Ferienwohnung Ihren Urlaub verbringen, oder sich lieber in einer Pension oder einem Hotel verwöhnen lassen möchten –
an der Nordseeküste finden Sie garantiert ein hundefreundliches Quartier.
Und wer es genau wissen möchte, hier wird ihm geholfen: www.hundeurlaub-in-nordfriesland.de
Wahre Tierliebhaber haben hier viele nützliche Informationen für den perfekten Hundeurlaub zusammengetragen.
Moin, Moin – sind Sie reif für die Insel?
Moin ist übrigens der Gruß der Friesen, der sich mehr und mehr auch im Süden ausbreitet.
Der Norddeutsche gilt, zumal wenn er auf dem platten Land lebt, als wortkarg. Bei Gelegenheiten, zu denen in anderen Regionen des Landes langatmige
Begrüßungsformeln wie "Guten Tag" oder gar "Grüß Gott" gesprochen werden, bescheiden sich die Marschbewohner mit einem einsilbigen "Moin". Ab und an ist auch
die Doppelvariante "Moin, Moin" geläufig. Wer so grüßt, steht aber unter dem Verdacht der Geschwätzigkeit. Praktischerweise ist "Moin" zu jeder Tageszeit
einsetzbar. Ein Universalgruß sozusagen.
Aber kommen wir zurück zur Nordsee, die mit Sicherheit das Zugpferd des Fremdenverkehrs in der Region Nordfriesland ist. Die touristischen
Highlights sind natürlich die vier nordfriesischen Inseln, Sylt, Föhr, Amrum und Pellworm, sowie die zehn Halligen - eine weltweit einmalige
Landschaftsformation inmitten des Nationalparks Schleswig- Holsteinisches Wattenmeer. Die breiten Sandstrände auf den Inseln, aber auch auf dem Festland
bei St. Peter-Ording sind auch in dieser Jahreszeit ein Paradies für Erholungssuchende und laden zum intensiven Kontakt mit der Natur ein. Auch kulturell
hat die Region im Norden Deutschlands einiges zu bieten. Jedermann bekannt ist mittlerweile das Schleswig-Holstein Musik Festival, eines der bedeutendsten
Musikfestivals Europas, um nur ein Beispiel zu nennen.
Alle kennen Sylt – wer kennt eigentlich Pellworm?
Das Nordseeheilbad Pellworm (Betonung auf der zweiten Silbe) ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein und eine nordfriesische Insel im Wattenmeer. Zum Gemeindegebiet gehören neben der Insel Pellworm die Halligen Süderoog und Südfall. Pellworm bezeichnet sich selbst als grüne Insel mitten im Watt.
Einer Pressemitteilung des Kur- und Tourismusservice ist nichts mehr hinzuzufügen: „ Die weitläufige Nordseeinsel (37qkm) mit bäuerlichem Charakter und landschaftlicher Schönheit gilt unter Urlaubern als absoluter Geheimtipp. Himmlische Ruhe, überdurchschnittlich hohe Sonnenscheindauer, Natur pur und freundliche Gastgeber kennzeichnen dieses einmalige Paradies fernab vom Festland – genau das Richtige um auszuspannen, abzuschalten und zu sich selbst zu finden. Tourismus spielt hier eine wichtige, aber keine beherrschende Rolle, sondern die Gäste harmonieren mit dem Tageslauf der Insel und werden im Urlaub „Einheimische auf Zeit“. Familien mit Kindern und Jugendlichen freuen sich über Kinderfreundlichkeit in allen Bereichen (Quartiere, Gastronomie). Die Lage Pellworms „mitten im Watt“ bietet den Menschen die einmalige Möglichkeit, diese Naturlandschaft zu erkunden. Auch die Vogelkundler kommen auf Pellworm nicht zu kurz, gilt doch das Wattenmeer als zentrale Drehscheibe des ostatlantischen Vogelfluges. Besonders in der Zeit von April/Mai und August/September lassen sich riesige Vogelschwärme beobachten.“
Die Halligen – „Schwimmende Träume“ hat sie Theodor Storm genannt
Tatsächlich sind die zehn weltweit einzigartigen Halligen etwas ganz Besonderes. Vom Meer umspült und manchmal sogar überspült, liegen diese nicht eingedeichten Inseln kreisförmig um die Insel Pellworm. Ob für einen Tagesausflug oder einen längeren Urlaubsaufenthalt, die Reise in die Halligwelt erleben Sie zu jeder Jahreszeit in einem anderen Licht. Jede einzelne Hallig lockt mit ihrem eigenen und unverwechselbaren Charme: Gröde, Hooge, Langeneß, Oland, Nordstrandischmoor, Süderoog, Südfall, Hamburger Hallig, Norderoog und Habel. Auch ihre Entstehungsgeschichte liest sich mehr als spannend: Teils sind sie Reste des Festlandes oder von Inseln, teils sind sie durch den Wechsel von Ebbe und Flut als Aufschwemmungen entstanden. Als Geburtsstunde der Halligen gilt eine verheerende Sturmflut am 16. Januar 1362. Sie überspülte ein riesiges Landstück, die sogenannten Uthlande, und riss große Teile des Bodens mit sich fort – die ersten Halligen. Erst in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gelang es, die zehn verbliebenen Halligen zu sichern. Die gefährdeten Ufer werden inzwischen gegen Erosion geschützt. Die größte der Halligen ist Langeneß, die kleinste die Hallig Habel. Die Halligen Hooge, Langeneß, Oland, Gröde und Nordstrandischmoor sind bewohnt. Gut 300 Menschen leben hier, viele Familien seit Generationen. Die Hallighäuser sind auf sogenannten Warften gebaut, auf aufgeworfenen Erdhügeln. Sie bilden den wesentlichen Schutz gegen gefährliche Fluten. Bei "Land unter" ragen nur noch diese kleinen Erdhügel aus dem Wasser. Seit den umfangreichen Küstenschutzmaßnahmen in den 1960er Jahren erhielten außerdem fast alle Hallighäuser im oberen Stockwerk einen Schutzraum auf Stahlbetonpfeilern.
Die traditionelle Küsten-Küche.
Der Schleswig-Holsteiner gilt als tatkräftiger, bodenständiger und mitunter etwas eigenwilliger Mensch. Gleiches sagt man auch über seine traditionellen Essgewohnheiten. Denn so einzigartig wie das Land zwischen den Meeren, so außergewöhnlich sind auch die klassischen Rezepte der Norddeutschen. Ob Schwarzsauer, Meelbüdel oder Labskaus, für manch Auswärtigen klingt das eher nach Fremdwort als nach regional verankertem Menüs.
Söötsuur
Bekannt und beliebt ist vor allem die Geschmackskombination "söötsuur" (süßsauer). Gerichte wie die süßsaure Gänsekeule, das Holsteiner Sauerfleisch oder das süßlich angemachte Rübenmus erhalten ihren typischen Geschmack bereits durch die Art der Zubereitung.
Süßes und Deftiges
Bei vielen anderen Gerichten entsteht die "Brooken Sööt" erst durch eine norddeutsche Eigenart: Die Kombination von würzigen Fleischgerichten mit süßen Beilagen. Das spätsommerliche "Birnen, Bohnen und Speck" vereint süße Kochbirnen mit einer deftigen Speckbrühe. Und wer den traditionellen Meelbüdel bestellt, den erwarten zu der süßlichen Mehlspeise nicht nur Früchte sondern auch würzige Kochwurst und gehaltvolle Schweinebacke.
Fliederbeersuppe
Im Herbst und Winter, wenn es windig und kalt wird, weht beizeiten ein fruchtiger Duft durch die schleswig-holsteinischen Küchen. Will man nach einem langen Spaziergang wieder richtig warm werden, kann nur eine leckere Fliederbeersuppe helfen. Die traditionelle Fruchtsuppe wird mit reichlich Fliederbeersaft und Apfelstückchen zubereitet. Dazu werden Mehl- oder Grießklößchen serviert.
Grünkohl
Das Grünkohlessen hat in ganz Norddeutschland Tradition und gehört zur Nordseeküste wie das Krabbenpulen. Mit dem ersten Herbstfrost beginnt in Schleswig-Holstein traditionell die Grünkohlzeit. Entgegen weit verbreiteter Meinung hat der Frost jedoch keinen Einfluss auf den Geschmack des Kohls. Wenn es im Herbst auf den Feldern kälter wird, verbraucht die Grünkohlpflanze einfach weniger Zucker. Durch die Photosynthese wird jedoch weiter Zucker gebildet und die Pflanze schmeckt insgesamt süßer. Nach landestypischer Art wird der Grünkohl meist deftig-süß zubereitet. Zusammen mit Kochwurst, Kasseler und Schweinebacke wird das winterliche Gemüse so lange geschmort, bis es ein kräftiges Fleischaroma annimmt. Dazu werden in vielen Teilen Norddeutschlands kleine, karamellisierte Kartoffeln serviert. Und auch der Zuckerstreuer darf auf dem Tisch nicht fehlen, denn für viele Schleswig-Holsteiner gehört auf den deftig-würzigen Grünkohl eine ordentliche Portion Zucker.
Sagen und Legenden – Ekke Nekkepenn
Auf dem Meeresgrund treibt das nordfriesische Rumpelstilzchen sein Unwesen. Die Sage um die Gestalt des Ekke Nekkepenn ist ein beliebtes Motiv
in der norddeutschen Literatur und erinnert stark an das Rumpelstilzchen. Der Sage nach bat Meermann Ekke Nekkepenn die Frau eines Sylter Kapitäns,
seiner Frau Rahn bei der Geburt zur Seite zu stehen. Er nahm sie mit auf den Meeresgrund und beschenkte sie nach der Geburt seines Kindes reichlich.
Später sorgte Ekke Nekkepenn dafür, dass der Sylter Kapitän mit Mann und Maus unterging. Am Sylter Strand bei Rantum begegnete er der jungfräulichen
Tochter des Kapitäns. Er war von ihrer Schönheit geblendet und erklärte sie kurzum zu seiner Frau.
Das Mädchen aber verzweifelte und bat unter Tränen, es wieder frei zu geben. Der Meermann willigte ein, stellte aber ein Bedingung:
Das Mädchen müsse bis zum nächsten Abend seinen Namen wissen. Doch keiner der Inselbewohner kannte den Fremdling. Die Tochter war betrübt und ging am
Strand entlang, bis sie an der Südspitze bei Hörnum eine Stimme vernahm:
Heute soll ich brauen;
Morgen soll ich backen;
Übermorgen will ich Hochzeit machen;
Ich heiße Ekke Nekkepenn.
Meine Braut ist Tochter Inge von Rantum,
Und das weiß Niemand als ich allein.
Inge konnte das Rätsel lösen und der genarrte Meermann tobte vor Wut. Seither hegt Ekke Nekkepenn einen großen Groll gegen die Sylter und treibt nach Lust und Laune sein Unwesen. Er lässt Schiffe kentern oder beschädigt die Küste durch starke Fluten.
Der Fototip - 60 Leuchttürme warten darauf, von Ihnen abgelichtet zu werden
An der Nord- und Ostseeküste Schleswig-Holsteins stehen insgesamt 60 Leuchttürme, von denen rund 50 noch betrieben werden. Der wohl berühmteste Leuchtturm ist Westerheversand und ist seit über 100 Jahren im Dienst! Eingebettet in einer Salzwiesenlandschaft ist der weithin sichtbare Leuchtturm besonders reizvoll. Er wurde im Jahre 1906 auf einer 4 m hoch aufgeschütteten Warft mit Pfahlgründung (127 dicke, lange Eichenpfähle) und Betonsockel errichtet. Das Bauwerk hat eine Höhe von 41,5 m über dem mittleren Tidehochwasser. Innerhalb des Turmes befinden sich neun Stockwerke. Im Jahre 1908 wurde das Leuchtfeuer in Betrieb genommen.
Die Reichweite der Lichtbogenlampe beträgt 22 Nautische Seemeilen (1 NM = 1,852 km), nachts bei guter Sicht an die 50 km. Durch die Automatisierung ging der Leuchtturmwärter im Jahre 1979 vom Turm. Die Häuser werden heute von Zivildienstleistenden der Schutzstation Wattenmeer bewohnt. Wenn man die 157 Stufen in Richtung Himmel erklommen hat, bietet sich dem Besucher ein Weitblick über weite Teile von Eiderstedt und die Insel- und Halligwelt, der wohl unvergesslich bleibt.
Sie suchen noch eine passende Location für Ihre Hochzeit?
Für Brautpaare gibt es auch die Möglichkeit, sich im dafür hergerichteten "Hochzeitszimmer" auf dem Turm im Beisein eines Standesbeamten das "Ja-Wort" zu geben. (Anmeldungen hierfür Amt Eiderstedt in Garding, Tel. (0 48 62) 1000 38.)
Also, auf nach Nordfriesland!
Ein freundliches „Moin“ und gute Reise – das wünscht Ihnen Ihr Opel Rent-Team. | 3.59375 | 2.296875 | 2.78125 |
17b4fd75d4f2e3c988ca8c1f3f7d7953 | Eine Reiseroute zum Erkunden
Kalabrische Küsten
Ein Land, das vom Meer umgeben ist, tausend Farben und tausend Düfte; Die Küsten Kalabriens sind eine Route, die es zu erkunden gilt! Nicht zufällig ist jeder Küstenstreifen, abhängig von seiner Vegetation, der Farbe seines Meeres, seinen Sonnenuntergängen und seinen Sonnenaufgängen, mit einer Farbe definiert: Die lila Küste, die Jasminenküste, der weiße Sand von Tropea, der rote Sand von Crotone. Von April bis Oktober wird das Kalabrien von einem süßen Klima verwöhnt und bietet die Möglichkeit eines angenehmen Urlaubs in allen Jahreszeiten.
“Ich liebe euch Kalabrien für die absorbierten Stille eurer Wälder, die die Träume der Hirten und die Ekstase der Eremiten versöhnen. Ich liebe Sie für den Fluss der Bäume, die von den Berg TIMPs kommt zu den beiden Meeren, um den Wind der breiten gemischt mit dem Aroma der Myrte zu trinken. Ich liebe dich für die einsamen Calanques, die von Klippen geschlossen werden, die Farbe der Algen nehmen, die aus dem Spray der Welle geboren werden.
– Leonida Rèpaci –
Westlicher Charme
westlich
AMANTEA
Die faszinierendste Präsenz ist sicherlich die des Tyrrhenischen Meeres, klar und mit türkisfarbenen Reflexionen am Ufer, wo es den goldfarbenen Sand offenbart, zu den bevorzugten Zielen derer, die mit dem Boot von diesem Gebiet aus zu bewegen, sind die Felsen von Isca, klein Aus den Wellen entstehen felsige Fragmente, in denen man den wunderschönen Meeresboden erkunden kann.
DINO ISLAND
Einige glauben, dass der Name von der Anwesenheit eines Tempels (Aedino) stammt, der von den Matrosen der Venus geweiht wurde, die sich mit Pracht füllen und ihre Kreuzungen entlang der Küste günstig machen mussten. Die Göttin gab diesem Ort dann die Pracht der Sonne und das fast bewegungslose Glitzern des Meeres. Der Umkreis der Insel, ohne Strand, misst 3 Kilometer, entlang der gleichen gibt es sehr interessante Höhlen zum Teil durch Wellengang erodiert.
COAST DER GODS
Die Küste der Götter gehört sicherlich zu den schönsten Küsten westlich des unteren Tyrrhenischen Meeres. Es erstreckt sich über etwa 55 km, gekennzeichnet durch weiße Strände mit zerklüfteten Felsen, die nur zu Fuß oder mit dem Boot besucht werden können. Die Küste der Götter ist geprägt von üppiger Vegetation und wunderschönen Landschaftslandschaften und von einem hügeligen und gebirgigen Hinterland, das noch ausgenutzt werden muss. Entlang der Küste der Götterküste gibt es ein einzigartiges Spektakel für seine Art, einzigartig, weil Sie alle Arten von Küsten in Italien zu finden. Von den breiten und miteinander verbundenen Sandstränden bis zu den umliegenden Ebenen, bis zu den hohen Küsten, denen Sandbuchten mit felsigen Bergrücken durchsetzt sind. Die Küste zeichnet sich durch hohe Tiefen bis zu einer kurzen Entfernung vom Boden aus. Die morphologischen Merkmale des Küstenstreifens zeigen eine breite Sandküste – kiesig, wild und zerklüftet, häufig durch urbanisierte Propagarkie, durch bewaldete Grünflächen (in der Regel von Eukalyptus und maritimen Kiefern oder durch ausgedehnte Bands von mediterranen Flecken).
Die Schönheiten im Osten
IM OSTEN
COSTA JONICA
Die ionische Küste ist eine der spektakulärsten Küsten Italiens. Das bietet nicht nur ein Meer mit klarem Wasser und faszinierenden Landschaften, sondern auch Wege, um die Geschichte zu entdecken, mit den zahlreichen Stätten Archäologen, Dünen, Küstentürme, Buchten und Weiten aus weißem Sand, spektakuläre Meeresboden und nicht zuletzt für die Sein Essen und seine Traditionen.
GULF DER SQUILLACE
Der Golf von Squillace, der sich von der Insel Capo Rizzuto bis nach Monasterace erstreckt, ist zweifellos einer dieser Orte, an denen man Halt machen kann, um die einzigartige Atmosphäre Kalabriens zu genießen. Hier gibt es zwei der schönsten Strände der gesamten Region: Die Küste von Jasmin, von der tief mediterranen Luft, und die Küste der Orangen, die von Granitfelsen, kleinen naturalistischen Oase und eindrucksvollen Dörfern geprägt ist.
CAPE RIZZUTO ISLAND
Die Klippen der Banken, die riesigen Prärien von Posidonia, charakterisieren stattdessen das Meer von Isola Capo Rizzuto, aber auch die alten Wracks und Überreste der griechischen Mauern. Sie sind wirklich nicht zu übersehen, den Meeresboden rund um das Vorgebirge von Capo Rizzuto, wo sie sich auf dem klaren Meer und unwiderstehlichen kleinen Buchten zwischen den Klippen öffnen. Auch der Strand (der von Le Castella zum Beispiel) ist wegen seiner ungewöhnlichen Farbe, die sich auf dem Rot dreht, einen Besuch wert.
BEACH OF ROSETO CAPE SPULICO
Charakteristisch für eine Küste aus Kieselsteinen und Kies, umgeben von riesigen Pinienwäldern, verbirgt sich in ihrer Landschaft, die manchmal zerklüftet und wild ist. Der faszinierendste Punkt dieses Strandes ist der, in dem sich die mittelalterliche Burg Roseto befindet, die sich durch eine ausgeprägte Vertikalität auszeichnet, an deren Fuße die Wellen des Ionischen Meeres brechen.
SIBARI
Sibari, ein geschichtsträchtiges Land, angesichts seiner flachen Gegend zwischen dem massiven Pollino, sah den Aufstieg der Geburt eines wichtigen Zentrums von Magna Grecia. Es ist ein ideales Ziel für die dynamischen Touristen, die vom Meer, wo die Schönheit in der Breite seiner Strände ist, in den Berg deutlich sichtbar an klaren Tagen, und nicht weit entfernt bewegen können.
Auf der Küste der Götter
NORD NACH SÜD
Entlang der Küste von Norden nach Süden sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten: Pizzo Calabro, Vibo Valentia, Briatico, Zambrone, Parghelia, unsere Tropea, Ricadi, Joppolo und Nicotera.
Pizzoist ein kleines Dorf auf einem Tulier mit Blick auf das Meer. Berühmt für seine Trüffel und für den Thunfischfang; Heute ist die moderne Stadt Pizzo das Ziel vieler Touristen, angezogen von ihren Stränden und ihrem kristallklaren Meer.
Briatico, liegt an einer felsigen Küste und ist ein Anziehungspfaller für seine Panoramen und für seinen weichen und fast weißen Sand.
Zambrone, ist heute eine Stadt, die aus der Sicht der Empfänglichkeit und des Tourismus gut bedient ist, wo Sie ihre Spezialitäten (berühmt für ihr Öl und die Produktion von Bohnen, genannt “Butter”) und alle Annehmlichkeiten und Dienstleistungen genießen können.
Pargheliaist ein weiteres sehr beliebtes Küstenzentrum, berühmt für den Strandabschnitt “La Pizzuta”, so genannt für die Gipfel des Granitfelsens, die aus dem Meer Silhouette sind.
Nach Tropea ist ein riesiges Touristengebiet der Kopf des Vatikans, in der Gemeinde Ricadi , die zu den 100 schönsten Stränden der Welt zählt. Die markanteste Bucht ist die von Grotticelle, die von drei Stränden in der Nähe gebildet wird. Das Meer ist wunderschön und der Meeresboden ist alles zu erkunden.
Es ist nur zehn Minuten von Tropea entfernt und ist wegen seiner wilden und unberührten Natur und seiner atemberaubenden Aussicht, die bis zu den Äolischen Inseln reicht, eines der meistbesuchten Gebiete.
Joppololiegt auf einer tuffaceous Klippe mit Blick auf die Bucht von Gioia Tauro und von hier aus kann man das historische Zentrum bewundern, das reich an Zeugnissen einer Vergangenheit ist, die manchmal von Mysterien umgeben war. Der Strand ist aus groben und glatten Kieselsteinen und wird von einem kristallinen Meer und hohem Meeresboden umgeben. Für diejenigen, die nach feinem Sand suchen, können Sie den Strand von Marina di Coccorino wählen, umgeben vom Grün des Mittelmeerraumes.
Das kleine Dorf Nicotera Marina verbirgt viele Reichtümer aus Geschichte und Naturschönheiten. Die breiten Strände und der feine goldene Sand ermöglichen es, lange Stopps auch mit Dörfern, Hotels und Lidos ausgestattet zu haben, ein Strand, wie manchmal “in dem Maße der Kinder” für sein sauberes Wasser und seine Strände mit jedem nützlichen Service ausgestattet wurde.
Aber das Kalabrien ist viel mehr, dass ein einfacher Reiseführer nicht erklären konnte, dann kommen, leben, teilen und vor allem Amatela.
Ein malerischer Küstenabschnitt
COSTA BELLA
Das Meer ist die Kulisse für kleine und malerische Dörfer, die diesen Teil der Costa Rica machen, wird auch Costa Bella genannt, nur wegen seiner wunderbaren Küste, seine eindrucksvolle naturalistische Landschaft, die einander auf seinem Weg folgen und für seine wunderbare Mit Blick auf die Äolischen Inseln, die etwa dreißig Kilometer entfernt liegen. | 3.203125 | 2.234375 | 2.3125 |
17b995c39a49f89df100c2e4f96a9fab | "Phänomene von Zusammenarbeit"
Friedensforscher über die schwierige Rolle der Kirchen im Kalten Krieg
Podcast abonnieren- Die Berliner Mauer - trennte auch die Kirchen in Ost und West (AP)
In der kommenden Woche findet eine Tagung statt, die sich mit der Rolle der Kirchen im Kalten Krieg beschäftigt. Im früheren Ostblock war diese oft von einem grundlegenden Konflikt geprägt: Anpassung gegenüber dem Staat auf der einen, Vertretung kirchlicher Interessen auf der anderen Seite.
Anne Françoise Weber: "Kein Vorhang – sei er aus Gold, Silber oder Eisen – darf uns voneinander trennen. Alle nationalen und klassenmäßigen Vorurteile müssen ausgelöscht werden." Das sagte der tschechische Theologe Josef Hromádka bei der ersten Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen 1948 in Amsterdam. Wie stark die Trennung durch den Eisernen Vorhang in Europa und in der Welt war, das ist in weiten Teilen bekannt. Aber wie war die Rolle der Kirchen im Kalten Krieg? In der kommenden Woche findet in Frankfurt am Main eine Tagung zu diesem Thema statt. Organisiert wird sie unter anderem von dem Münsteraner Professor für Ökumenik und Friedensforschung, Thomas Bremer. Mit ihm habe ich vor der Sendung gesprochen und ihn zunächst gefragt, ob Hromádka recht behalten hat und es wirklich keine Blockbildung in der Ökumene gab?
Thomas Bremer: Man kann die Frage mit Ja und Nein beantworten. Natürlich hat die politische Situation in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg, also die Zeit des Kalten Krieges, die Zeit der politischen Blöcke, dazu geführt, dass die Kirchen eben einem Block sozusagen angehörten und in einem Block zu Hause waren. Andererseits ist es so, dass die Kirchen und vor allem eben die ökumenische Bewegung tatsächlich eines der sehr, sehr wenigen Foren waren während der Zeit des Kalten Krieges, indem es Begegnungen und Kontakte und Austausch über die Blöcke, über die Grenzen zwischen Blöcken hinweg gegeben hat.
Weber: Und dieser Austausch war produktiv und hat auch politisch etwas bewegt?
Bremer: Das ist natürlich schwer zu messen, was er politisch bewegt hat. Man müsste da noch mal überlegen, was die Konferenz von Helsinki von 1975 und dann anschließend die Betonung der Menschenrechte bedeutet hat, die umstrittene Haltung der ökumenischen Gremien zu den Menschenrechten. Was man aber auf jeden Fall sagen kann, ist, dass es eine Möglichkeit für die Kirchen im Osten Europas, in kommunistischen Regimes gewesen ist, Kontakt zu haben mit Glaubensgenossen im Westen und dass es Austausch gegeben hat. Es hat auch eine wichtige Rolle gehabt, wenn zum Beispiel den sehr zentralen Dialog zwischen der EKD und der orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats seit 1959 sieht, es hat also auch eine wichtige Funktion gehabt für die politische und zwischennationale Aussöhnung. Der Dialog wurde gar nicht so sehr aus theologischen Gründen im engeren Sinne, sondern eben tatsächlich aus Gründen der Aussöhnung nach den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges aufgenommen und so weiter. Also es gab doch eine ganze Reihe von solchen positiven Folgen.
Weber: Haben sich die Kirchen gleichzeitig doch auch ein wenig instrumentalisieren lassen? Sie sprachen schon die Frage der Menschenrechte an, da gab es ziemlich unterschiedliche Interpretationen der Menschenrechte in Ost und West – haben das die Kirchen auch übernommen?
Bremer: Ja, das gab es natürlich. Das ist eine Frage, die nach dem Ende des Kalten Krieges sehr, sehr umstritten gewesen ist, also ob die Kirchen sozusagen, vor allem die westlichen Kirchen und die ökumenischen Gremien beide Augen zugedrückt hätten gegenüber den Kirchen aus dem kommunistischen Machtbereich. Für viele Kirchen in Osteuropa war die einzige Möglichkeit, mit den Kirchen im Westen in Kontakt zu sein und sich an der ökumenischen Bewegung zu beteiligen, daran, dass man eben wenigstens grundsätzlich loyal den Staaten gegenüber gewesen ist. Und das ist eine sehr schwierige Situation gewesen. Es ist für uns heute leicht, da positiv odernegativ zu urteilen, aber das waren sehr schwierige Entscheidungen für die Kirchen. Und wir wissen heute, dass es in manchen Kirchen in der früheren Sowjetunion oder in Rumänien enge Zusammenarbeit von Kirchenvertretern mit den staatlichen Organen gegeben hat. Wir wissen auch …
Weber: Auch mit den Geheimdiensten?
Bremer: Auch mit den Geheimdiensten, ja, das meinte ich, mit den staatlichen Organen ohnehin, das war gar nicht anders möglich, aber ich meinte eben mit den Geheimdiensten … dass es auch natürlich Märtyrer gegeben hat, diejenigen, die sich der Zusammenarbeit mit dem Staat verweigert haben und das zum Teil mit dem Leben bezahlen mussten oder lange Zeit im Gefängnis saßen, und dass die Haltung der Christinnen und Christen im Westen eben auch unter ihnen selber umstritten war. Es gab Menschen, die gesagt haben, die Alternative zu diesem Dialog ist Schweigen und keinen Kontakt zu haben, und deswegen ist es besser, auch wenn wir wissen, dass die Vertreter der östlichen Kirchen eigentlich die staatliche Position vertreten müssen, ist es besser, mit ihnen Kontakt zu haben und dann auch auf informellen Wegen sich auszutauschen, etwa bei Spaziergängen oder bei informellen Gelegenheiten, die nicht so überwacht worden sind. Und es gab andere Leute im Westen, die gesagt haben, nein, wir sollten mit diesen Kirchen überhaupt keinen Kontakt haben, um deutlich zu signalisieren, das ist etwas, was wir nicht akzeptieren und was außerhalb unserer Vorstellungen von politischer Aktivität liegt.
Weber: Diese Position hat sich aber nicht wirklich durchgesetzt, der Dialog hielt ja wirklich an bis zur Wende.
Bremer: Ja, aber er war auch immer umstritten. Es gab immer auch Leute und Organisationen im Westen, die einen scharf antikommunistischen und antisowjetischen Kampf geführt haben und die da eben die Kirchen mit einbezogen haben und die eigentlich gegen diese Art von Ökumene und von Kontakten gewesen sind.
Weber: Sie haben schon die Märtyrer angesprochen und die Kollaborateure – zieht sich dann bis heute eigentlich ein Riss durch so manche Kirche, weil man eben genau weiß, der hat damals kooperiert und ich war damals im Gefängnis?
Bremer: Das ist ein Thema, das in manchen Kirchen tatsächlich wichtig ist und von Bedeutung ist. Man muss dazusagen, dass es eine Reihe von Ländern gibt, wo wir das gar nicht genau wissen und wo die Kirchen das selber auch nicht wissen, weil eben die Akten nicht öffentlich sind und nicht zugänglich sind und man vermutet das, es gilt vor allem für Russland, für die orthodoxe Kirche in Russland. Eine besondere Situation, an der man das vielleicht etwas illustrieren kann, ist die griechisch-katholische oder sogenannte unierte Kirche in der Ukraine, die in der Sowjetzeit verboten war und erst im Zusammenhang mit der Perestroika wieder offiziell wirken konnte. Da ist es so, dass es Priester gab, die im Untergrund waren, und Gläubige, die im Untergrund waren, weil sie eben nicht offiziell existieren durften, es gab solche, die sich der orthodoxen Kirche angeschlossen haben, und es gab solche, die im Westen, im Ausland im Exil gelebt haben. Und man kann das heute noch in dieser Kirche merken, dass es manchmal Spannungen gibt zwischen diesen drei Gruppen.
Weber: Sind denn insgesamt die orthodoxen und protestantischen Kirchen, die ja grundsätzlich pluraler aufgestellt sind, anfälliger dafür gewesen, sich vor einen politischen Karren spannen zu lassen als die katholische Kirche, die immer als Weltkirche all ihre Mitglieder im Blick haben musste?
Bremer: Die – Sie sprechen das an – die Organisationsform der katholischen Kirche hat vieles dazu beigetragen, dass nicht immer, aber in vielen Fällen es mehr Zurückhaltung gegenüber den staatlichen Regimes gegeben hat. Das hängt weniger – ich würde das nicht so sehr mit einer Anfälligkeit begründen, sondern ich glaube, das hängt damit zusammen, dass man mit der Beeinträchtigung oder der Verfolgung einer katholischen Ortskirche eben dann sofort den Weltkatholizismus sozusagen gegen sich gehabt hat. Es gab aber auch in katholischen Ortskirchen manchmal Phänomene von Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden und mit den Geheimdiensten. Die orthodoxen Kirchen sind in Osteuropa eben so organisiert, dass sie auf eine Nation bezogen sind und dass deswegen immer eine – unabhängig vom politischen System – es immer eine gewisse Solidarität mit dem Staat gegeben hat, egal wie er nun beschaffen sein mochte. Und es gibt keine orthodoxe Kirche, die irgendwie für Kommunismus gewesen wäre, aber man war eben für den eigenen Staat und man hat dann doch das sehr stark betont. Bei den evangelischen Kirchen, die in den meisten Ländern Osteuropas Minderheitskirche gewesen ist, hat es auch beide Phänomene gegeben.
Weber: Auf dem Kirchentag, der in zwei Wochen in Dresden beginnt, gibt es ein Begegnungszentrum Mittel- und Osteuropa. Da werden Teilnehmende aus Polen, aus der Tschechei, aus der Slowakei, aus der Ukraine und noch anderen osteuropäischen Ländern erwartet. Denken Sie, dass bei so einer Begegnung immer noch das Erbe des Kalten Kriegs mitschwingt, dass da vielleicht auch Deutsche und Osteuropäer sich doch noch begegnen, ja, über Blockgrenzen irgendwie hinweg, auch wenn diese Blockgrenzen politisch längst nicht mehr so bestehen?
Bremer: Was ganz anders ist – und das steckt ja in der Frage schon drin –, ist natürlich, dass es überhaupt Begegnung geben kann. Es gab Begegnungen von Gläubigen, von Gemeinden, gegenseitige Besuche praktisch nicht in der Zeit des Kalten Krieges, sondern diejenigen, die sich getroffen und besucht haben, das waren Kirchenleitungen oder Kirchenleiter – kann man sagen, es waren fast immer Männer –, sodass das natürlich etwas Neues ist. Erfreulich ist, dass dadurch doch aber eine gewisse Tradition des gegenseitigen Interesses entstanden ist. Und was man heute in manchen Kirchen, ich sag mal jetzt Osteuropas, aber ich meine eben auch Mitteleuropas, also diejenigen, die Erfahrung haben, unter kommunistischen Systemen zu leben – was man dort bis heute manchmal beobachten kann, ist ein gewisses Unverständnis oder eine gewisse Fremdheit gegenüber der Art, wie Christentum im Westen gelebt wird. Und deswegen sind solche Begegnungen, glaube ich, von sehr großer Wichtigkeit.
Weber: In Jamaika tagt zurzeit die Internationale ökumenische Friedenskonvokation, einberufen vom Ökumenischen Rat der Kirchen. Bisher taucht das Thema in den Medien kaum oder gar nicht auf. Wäre so etwas zu Zeiten des Kalten Krieges anders gewesen, ist die große Zeit des Ökumenischen Rats der Kirchen im Grunde mit dem Fall der Mauer zu Ende gegangen?
Bremer: Das würde ich nicht so sagen, weil die Sichtweise doch sehr auf Europa konzentriert ist. Wenn wir das sagen, mit dem Fall der Mauer ist das zu Ende gegangen, wenn man die Geschichte des Ökumenischen Rates anguckt, dann sieht man, dass immer auch oder wenigstens seit den 60er-Jahren nicht nur der Ost-West-Gegensatz, sondern der Süd-Nord-Gegensatz, arme Länder, reiche Länder, unabhängig vom politischen System, eine Rolle gespielt hat. Das Friedensthema, das eben jetzt in der Konvokation wieder aufgenommen wird, das Friedensthema war immer ein zentrales Thema natürlich. 1948 wurde der Ökumenische Rat der Kirchen gegründet, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, die Gründung war für 41 vorgesehen, musste wegen des Krieges verschoben werden. Also beides sind Dinge, die immer schon wichtig gewesen sind, und ich glaube nicht, dass man jetzt sagen kann, durch die politischen Entwicklungen, die Gott sei Dank das Ende der Blöcke bewirkt haben, hat sich die Rolle des Ökumenischen Rates überholt, das ist sicher nicht so.
Weber: Wenn Sie nächste Woche auf diese Tagung gehen oder diese Tagung leiten zur Rolle der Kirchen und des Christentums im Kalten Krieg, wo sind die Forschungslücken, wo Sie wirklich denken, da müssen wir jetzt rein, da muss wirklich noch viel ausgegraben werden? Und kann das überhaupt ausgegraben werden, wenn Sie sagen, die Akten sind zum Teil unter Verschluss?
Bremer: Die Zeit des Kalten Krieges ist momentan in der Geschichtswissenschaft sozusagen ein In-Thema, das wird relativ intensiv erforscht, und interessanterweise die Rolle von Religion und Kirche kaum. Und die Tagung, die nächste Woche stattfindet, hat auch den Hintergrund, eine Art Sichtung erst mal darzustellen, also zu sehen, zu welchen Bereichen wird denn geforscht. Und wenn alles gut läuft, dann werden wir versuchen, danach auch einen Verbund einzurichten und einen Zusammenschluss von Menschen zu haben, die sich wissenschaftlich mit der Rolle von Kirchen im Kalten Krieg beschäftigen. Die Bedeutung der Ökumene gehört sicher dazu – Sie haben am Anfang Hromádka erwähnt und die christliche Friedenskonferenz, die sehr umstritten gewesen ist. Dann interessant auch die Frage nach dem Einfluss der Politik auf das kirchliche Geschehen und umgekehrt auch der Einfluss der Kirchen auf die Politik, also etwa der Widerstand von Katholiken in den USA – das wird ein Thema sein – gegen den Vietnamkrieg, und der Versuch der katholische Kirche in den USA oder von Teilen der katholischen Kirche in den USA die Politik in dieser Hinsicht zu beeinflussen. Also solche Themen sind, glaube ich, von Wichtigkeit, und da ist noch viel zu erforschen. Es stimmt, dass wir nicht an alle Archive kommen, aber es gibt natürlich auch doch eine ganze Reihe von Material, das zur Verfügung steht und mit dem man da, glaube ich, ganz gut arbeiten kann.
Weber: Also jede Menge Stoff für Wissenschaftler.
Bremer: Wir hoffen das.
Weber: Vielen Dank, Thomas Bremer! Sie sind Professor für Ökumenik und Friedensforschung an der Universität Münster, und die von Ihnen mitgeleitete Tagung "Die Rolle der Kirchen und des Christentums im Kalten Krieg" findet am 27. und 28. Mai, also nächsten Freitag und Samstag, in Frankfurt am Main statt.
Linktipp:
Infos zum Workshop "Die Rolle der Kirchen und des Christentums im Kalten Krieg" an der Goethe Universität in Frankfurt am Main | 3.4375 | 3.625 | 2.578125 |
b78ad88a1c28d831d2783c6f06ce3d49 | Wir sind alle anfällig für Scham und Verlegenheit, dieses Potenzial besteht, wann immer und wo immer Menschen interagieren. Scham entsteht in den Lücken und bei den Fehlschlägen menschlicher Kommunikation, wenn unterschiedliche Erwartungen aufeinandertreffen. Jede peinliche Situation ist mit enttäuschten Erwartungen zwischen zwei Personen verbunden. Verlegenheit ist eine unmittelbare Schockreaktion auf Missverständnisse und Fehlwahrnehmungen, die in einer sozialen Situation erfahren werden. Scham ist ein länger anhaltender Schmerz, der aus der Erinnerung an den Ort der Verlegenheit erwächst.
Dass wir mit Scham und Verlegenheit auf Kommunikationsstörungen und enttäuschte Erwartungen reagieren, ist ein fest programmierter Grundzug des menschlichen Gehirns. Diese Reaktion tritt schon bei Babys in der präverbalen Entwicklung auf, wie die Still-face-Experimente zeigen. Dabei wurden Mütter gebeten, Augenkontakt zu ihren Babys aufzunehmen, jedoch nicht zu lächeln oder durch andere Gesichtsmimik zu reagieren. Die Babys reagierten mit Verzweiflung und wandten ihren Blick auf eine Art ab, die ein Vorläufer der Scham von Erwachsenen zu sein scheint.
Einige der Bereiche des Ich, die am ehesten vom sozialen Diskurs ausgeschlossen werden, sind die der Sexualität – und Sexualität ist seit jeher aufs Engste mit Scham verbunden gewesen. Im Deutschen heißt der Genitalbereich „die Scham“, man spricht von „Schamberg“, „Schamhaaren“ und „Schamlippen“. Aus irgendeinem Grund gelten die Genitalien universell als privat, sie dürfen nicht öffentlich zur Schau gestellt oder erwähnt werden. Warum ist das so?
Eine meiner Patientinnen, Jeanette, berichtete, wie sie im Alter von sieben Jahren lernte, zu masturbieren und sich einen Orgasmus zu verschaffen, und wie sie sich in den darauffolgenden Jahren regelmäßig diesem hingegeben habe, hinterher jedoch immer ein Gefühl von Scham verspürt habe. Dass sie sich ihrem Körper zur Lusterregung zuwandte, lag zum Teil daran, dass sie sich einsam fühlte und mangelnde emotionale Zuwendung erfuhr – ihre alleinerziehende Mutter war zumeist beschäftigt und oft betrunken. Als sie 14 war, wurde Jeannette in der Schule eines Tages das Sexuelle an ihren Handlungen klar, und sie wurde von heftigen Schamgefühlen und der furchtbaren Angst ergriffen, dass andere ihr Geheimnis herausfinden könnten. Sie ging sofort nach Hause, um ihrer Mutter davon zu berichten diese reagierte beunruhigt und ablehnend. In der Folge entwickelte Jeanette hemmende soziale Ängste, die auf der Furcht basierten, dass in Gesprächen das Wort „Masturbation“ fallen und sie rot werden könnte. Jeanettes Schamgefühle als Erwachsene kreisten nicht nur um das Masturbieren in der Kindheit, sondern auch um ihr Selbstbild als jemand, der ein abnormes Interesse an Sex hat.
Eltern mischen sich oft in die Autonomie des Kindes ein, wenn es um seine Erkundung der körperlichen Sexualität geht. Beulah Kramer Amsterdam und Morton Levitt sagen, dass die negative Reaktion von Eltern, die ängstlich oder missbilligend schauen, wenn das Kind seine Genitalien erkundet, die häufigste Ursache für peinliche, betretene Gehemmtheit bei den Kindern ist. Die beiden Forscher behaupten, dass die Missbilligung der kindlichen autoerotischen Erkundung durch die Mutter eine der ersten narzisstischen Verletzungen sein könnte, die das Kind erfährt. Ihrer Ansicht nach wird der Traum des Kindes von seiner Perfektion auf diese Weise zerstört und die Quelle des Vergnügens – seine Körperempfindungen – rufen nun Scham hervor. Man könnte sagen, dass das Kind in jenem Moment lernt, dass nicht alle Erfahrungen und Begierden im gemeinsamen oder sozialen Diskurs erlaubt sind. Im Ich tritt eine Spaltung auf zwischen dem, was im Diskurs erlaubt ist, und dem, was nicht erlaubt ist, und Letzteres ist mit Scham verbunden.
Sexualität ist die paradigmatische Eigenschaft, die aus dem Diskurs verbannt werden muss. Sie ist meiner Ansicht nach für das Kind grundsätzlich verstörend – auch deswegen, weil sie für das Kind keinen Sinn macht. In der Sexualität steckt etwas Mysteriöses, das das Kind undeutlich wahrnimmt, aber nicht versteht. Das Kind mag körperliche Erregung wahrnehmen, sie als lustvoll und verwirrend erleben, doch diese kann oft in Gesprächen mit Eltern oder anderen Kindern nur schwer beschrieben werden. In unserer heutigen Gesellschaft beobachten Kinder selten, wie Tiere sich paaren oder ein Junges gebären. Daher lässt sich die Frage „Woher kommen Babys?“ nicht so leicht auf eine Weise beantworten, die das Kind zufriedenstellt. Das große Rätsel der Sexualität und der Neugier, die damit einhergeht, wird als beschämend empfunden.
Wir können dies einer anderen lustvollen körperlichen Aktivität gegenüberstellen, die öffentlich und sozial ist: dem Essen. Das Kind sieht Erwachsene essen und weiß, dass es im Wesentlichen die gleiche Tätigkeit ist, die es selbst tagtäglich ausübt. Essen und der Wunsch zu essen können öffentlich, explizit und ohne Scham benannt werden. Ginge ein Mann auf eine Frau zu und sagte „Hallo, möchtest du vögeln?“, dann wäre dies keine besonders erfolgreiche Art und Weise, Intimität herzustellen – wohingegen „Hallo, möchtest du mit mir essen gehen?“ wahrscheinlich zu einer positiven Reaktion führen wird. Obwohl dies im Kontext unserer kulturellen Erfahrung und Erwartungen vollkommen klar ist, möchte ich behaupten, dass der Grund für diesen Gegensatz zwischen oralen und genitalen Aktivitäten nicht unmittelbar ersichtlich ist. Warum wird das orale Verlangen eher sozial akzeptiert und anerkannt? Es ist nicht peinlich zu sagen „Ich habe richtig Hunger – ich muss unbedingt etwas essen!“ – dagegen muss man ein bestimmtes Maß an Intimität mit einer Person hergestellt haben, um zu sagen „Ich will dich vögeln“.
Sexuelle Freiheit wird häufig als Aushöhlung kultureller Leistungen betrachtet und daher von Religionen und ideologischen politischen Gruppen verurteilt. Diejenigen, die die bestehende Kultur zu Fall bringen wollen, werden an sexuelle Freiheit appellieren. Doch ein Zusammenbruch von Kultur und Gesellschaft führt immer zu Vergewaltigung. Der sexuelle Missbrauch von Kindern gilt zu Recht als Bedrohung von Kultur und Zivilisation. Davon erzählt schon die Geschichte von Adam und Eva. Das Feigenblatt steht stellvertretend für Kultur. Die Geburt der Kultur begann mit der Scham angesichts von Sexualität und der Entstehung einer verbalen Bedeckung. Anstatt Sexualität oder sexuelle Handlungen direkt zur Schau zu stellen, begannen die Menschen, stellvertretend für Sex Töne und Bilder zu benutzen, die auf Sex anspielten, aber als solche kein Sex waren. Dies war die Geburtsstunde der Sprache. Die Entstehung von Sprache und Kultur bedeutete ebenfalls, dass die Menschen nicht nur einen physischen Körper besitzen, sondern auch ein sprachliches Ich – ein Ich, das sich aus den Bildern und Rollen zusammensetzt, die auf dem Markt der kulturellen Angebote verfügbar sind. Bei unserer Geburt erhalten wir einen Klang, ein Wort und man erklärt uns, dass wir dieses sind. Später bauen wir auf dieser ersten sprachlichen Identität viele Bilder und Rollen auf, die uns die Kultur zur Verfügung stellt – und dann glauben wir, dass wir dieses falsche Ich sind. Alle Menschen sind falsche Ichs – die verbale Verkleidung, die unsere essenzielle Leere versteckt.
Die Kleidung unseres Körpers wärmt und schützt uns nicht nur, sie hat auch eine sprachliche Funktion: Sie signalisiert Rang und Status auf dem Markt kultureller Angebote. Bei Folter besteht ein Teil der Erniedrigung darin, dem Menschen seine Kleidung, seine leibhaftige und sprachliche Bekleidung – und seine sprachliche Identität zu nehmen. Er wird auf einen biologischen Prozess reduziert. Jemanden bloßzustellen bedeutet ihn nichtig zu machen – ihn nicht zum Leben der Gruppe und nicht zum menschlichen Diskurs zuzulassen. Wir empfinden genauso viel Scham, wenn wir verbal bloßgestellt und unserer semiotischen Bekleidung beraubt werden, wie wenn man uns unsere leibhaftige Kleidung nimmt – wenn man uns außerhalb der von anderen anerkannten Rolle und Identität betrachtet, wenn man uns mit verbal heruntergelassenen Hosen ertappt. Scham ist mit all dem verbunden, was außerhalb des Diskurses liegt, worüber wir nicht sprechen können. Menschen mit Sozialphobie erleben vielleicht ihr ganzes Ich als beschämend – vor allem deshalb, weil sie im wahrsten Sinne des Wortes keinen Zugang zum Diskurs finden.
Ich werde nun noch ein bisschen mehr über die Gründe spekulieren, warum Sexualität Menschen Angst macht – wie sie, wenn man sich ihr auf zu direkte und unmittelbare Weise nähert, mit einem Abstieg aus der symbolischen Welt droht sowie mit dem Verlust aller Orientierungen in der sozial konstruierten Welt. Mir scheint, dass die nackte Sexualität mit ihrem biologischen Imperativ im Wesentlichen das ist, was uns zu dieser angsterregenden Jouissance hinzieht – wie Lacan das Genießen der unmittelbaren Befriedigung durch die Sexualität nannte. Deshalb müssen wir diese auch mit so vielen Feigenblättern behängen, sie mit Schichten von Signifikanten bedecken. Freud hat meiner Ansicht nach zu Recht Sexualität als grundlegend für die Probleme des Geistes in Bezug auf den Körper betrachtet. Und meiner Ansicht nach neigen wir ebenfalls dazu, von Formen der Sexualität schockiert zu sein, die normalerweise als pervers gelten, eben weil sie uns an unsere universelle Angst vor der Sexualität erinnern, die jenseits des Symbolischen liegt, hinter dem Feigenblatt.
Aus dem Englischen von Claudia Kotte | 3.140625 | 2.96875 | 2.859375 |
4bfa112a9a813ca5684ebf93dc14ca2f | Die Politik des Neoliberalismus als neue Form der Dominanz, wachsender Widerstand gegen diese Politik
Lateinamerika wurde in den 90-er Jahren zum Experimentierfeld neoliberaler Politik. Nach Noam Chomski wurde an die Stelle der Militärherrschaft die Diktatur des Marktes gesetzt. Besonders die Regierungen Menem in Argentinien, Fernando Henrique Cardoso in Brasilien, Fujimori in Peru, aber auch die PRI-Regierungen in Mexiko wurden zu Trägern des Konsenses von Washington und setzten neoliberale Politik in großem Maßstabe durch. Unter dem Militärregime Pinochets verwandelte sich Chile in einen Musterschüler der Politik der „there isn´t alternative“. Mit der Schaffung der Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA) erlangten die US-amerikanischen Unternehmen ungehinderten Zugang zum mexikanischen Markt. In Argentinien und Brasilien wurden umfassende Privatisierungen von Staatsunternehmen im Energie-, Rohstoff-, Kommunikationssektor und Banken zum Markenzeichen der Liberalisierungspolitik. Angesichts des in den letzen Jahrzehnten erfolgten Bevölkerungswachstums (z.B. Brasilien von 80 Mio. Menschen 1970 auf 180 Mio. 2006) sind die Folgen neoliberaler Politik besonders gravierend. Mindestens 36% der Gesamtbevölkerung Lateinamerikas leben unter dem Existenzminimum. Als Folge neoliberaler Politik ist die Zunahme der sozialen Differenzierung bes. deutlich. Waren es 1980 136 Mio. so werden von der CEPAL im Jahre 2006 194 Mio. Menschen als unter dem Existenzminimum lebend eingeschätzt. Dagegen verfügen dreißig Multimillionäre über ca. 120 Mrd. $ . Das entspricht dem Einkommen von ca. 200 Mio. Menschen. Lateinamerikaweit formiert sich gegen diese Politik der Widerstand von unten. 1994 erheben sich in Chiapas (Mexiko) die Zapatisten. Ein Jahr später geht von ihnen die Losung „Eine andere Welt ist möglich“ aus, die vom ersten Weltsozialforum im Jahre 2000 in Porto Alegre, Brasilien, aufgegriffen wird und den Beginn des sich weltweit vernetzenden Widerstandes symbolisiert. Kennzeichnend für die Zeit des wachsenden Widerstandes ist das Erstarken sozialer Bewegungen, die mit dem Weltsozialforum beginnen, sich einen Raum des gemeinsamen Kampfes zu schaffen. Mit den sozialen Bewegungen betreten neue soziale Akteure die politische Bühne. Charakteristisch für diese Bewegungen ist ihre sehr unterschiedliche soziale Gliederung. Sie sind basisdemokratisch organisiert, verfolgen in der Regel ein bestimmtes Ziel (.z.B. gegen die Wasserprivatisierung in Cochabamba, Bolivien) und verstehen sich als autonome soziale politische Kräfte, die zwar mit politischen Parteien zusammenarbeiten, sich aber nicht als parteipolitisch bestimmt, betrachten. Die Palette der in der Auseinandersetzung mit den Militärdiktaturen und dem Neoliberalismus entstandenen Bewegungen ist beachtlich. Neue Gewerkschaften entstehen in Brasilien, Chile und Argentinien. Der Kampf der landlosen Bauern in Brasilien mündet in der Gründung der Landlosenbewegung MST, die sich später als Via Campesina auf dem lateinamerikanischen Kontinent konstituiert. Im Widerstand gegen die Schaffung der gesamtamerikanischen Freihandelszone ALCA entsteht die Alianza Social Continental, deren Widerstand gemeinsam mit anderen Kräften, einschließlich Regierungen, im Jahre 2006 die USA zwingt, diese Pläne aufzugeben, bzw. zu modifizieren. Bedeutsam ist der Widerstand, der vorwiegend in den letzten Jahren von den indigenen Völkern ausgeht. Nach mehr als 500 Jahren kolonialer Unterdrückung erheben sich diese Völker gegen ihre Ausgrenzung und Ausmerzung. Den Zapatisten in Mexiko folgen indigene Bewegungen in Bolivien, Ecuador und Perú. Ihr Widerstand gegen neoliberale Politik und korrupte Regime zwingt eine Reihe Regierungen in Bolivien und Ecuador zum Rücktritt und mündet auf dem Wege demokratischer Wahlen in der Regierungsübernahme volksnaher Regierungen in Bolivien (Evo Morales) und Ecuador (Rafael Correa). In Venezuela wird in demokratischer Wahl 1998 Oberst Hugo Chavéz Präsident. Die von ihm proklamierte bolivarianische Revolution findet Unterstützung durch die in Venezuela erstarkenden sozialen Bewegungen. Die im Kampf gegen die Militärdiktaturen entstandenen Bewegungen in Brasilien, einschließlich der Partei der Werktätigen (PT), beseitigen die neoliberale, korrupte Regierung Color und sichern schließlich im Jahre 2002 Luíz Ignacio Lula da Silva, der 1980 zu den Mitbegründern der linksorientierten PT gehörte, den Wahlsieg. In Uruguay führen die Frente Amplio (ein Zusammenschluss von siebzehn linksgerichteten Parteien) und die sozialen Bewegungen (Gewerkschaften, Wohnkooperativen, Stadtteilbewegungen) einen harten Kampf gegen die Privatisierung staatlicher Energie-, Erdöl- und Wasserunternehmen und setzen sich 2004 im Wahlkampf gegen den neoliberalen Flügel durch. Der Repräsentant der Frente Amplio, Távares Vàzques, wurde als Präsident gewählt. Scharfe soziale Kämpfe während der tiefen Wirtschaftskrise in Argentinien führen zum Sturz der Regierung de la Rua und enden in der Wahl des dem linken Flügel der Peronisten angehörenden Nestor Kirchner. In Mexiko wird im Jahr 2000 nach mehr als siebzig Jahren Herrschaft die Partei der Institutionellen Revolution (PRI) abgewählt, was auf tiefgreifende Veränderungen im Lande schließen lässt. Dieser „Linksruck“ in Lateinamerika ist Ergebnis eines höheren Grades des Widerstandes neuer und alter Akteure gegen die Politik des Neoliberalismus. Es beginnt eine Periode der Suche nach Alternativen zu den existierenden Herrschaftsformen und der Einleitung grundlegender politischer und wirtschaftlicher Reformen (verfassungsgebende Versammlungen in Venezuela, Bolivien, Ecuador). Gleichzeitig existieren in Lateinamerika aber auch gefährliche Konfliktherde wie der kolumbianische. Der dort geführte Bürgerkrieg stürzte nicht nur das Land in eine tiefe politische und soziale Krise, sondern droht auch auf Nachbarländer überzugreifen. Eine Beendigung des Konfliktes durch Friedensverhandlungen ist nicht abzusehen. Soziale Konflikte und scharfe politische Auseinandersetzungen bewog die UNO 2004 die von ihr geleitete Mission MINUSTAH durch die Endsendung von ca. 10.000 Soldaten und Polizeikräfte weiterzuführen. Soziale Konflikte und politisch instabile Verhältnisse kennzeichnen die Situation ebenfalls in anderen Ländern. Der Ausbruch sozialer Gegensätze in Oaxaca (Mexiko) und die Militarisierung solcher Konflikte durch die herrschenden Klassen kennzeichnet die Instabilität der gegenwärtigen Herrschaftsverhältnisse. Ungelost ist der Konflikt zwischen Chile und Bolivien, das einen Zugang zum Pazifik anstrebt. Nach wie vor besteht Argentinien gegenüber dem Vereinigten Königreich auf der Rückgabe der strategisch wichtigen Falkland-Inseln (Malvinen). Lateinamerikas Platz in der Weltwirtschaft ist bedeutend. Der Kontinent ist in den Prozess der neoliberalen Globalisierung voll einbezogen, nimmt aber immer noch die Rolle des Rohstofflieferanten ein. Der Kontinent verfügt über 18% der Welterdölreserven und hat einen bedeutenden Anteil an Mineralressourcen. Über den Rohstoff Wasser verfügt es mit 31% aller Weltsüßwasservorräte. Mit 23% besitzt Lateinamerika einen hohen Anteil an Waldreserven. Die Zunahme ausländischer Direktinvestitionen um 8% im Jahre 2004 verdeutlicht, dass es eine beliebte Anlagesphäre für ausländisches Kapital darstellt. In den Hauptländern Brasilien, Argentinien und Mexiko waren es 2004 66 Mrd. US-$ Direktinvestitionen.
Politische und strategische Veränderungen in Lateinamerika
Die Periode der neoliberalen Politik zeigt, dass der Kapitalismus nicht in der Lage ist, die sozialen und politischen Probleme Lateinamerikas zu lösen. Der Kontinent ist zum Beginn des XXI. Jahrhunderts an einem kritischen Punkt seiner Entwicklung angelangt. Nach der mexikanischen Soziologin Ana Esther Cecena sind in Lateinamerika „weitere Episoden offener Gewalt mit zunehmender Brutalität zu erwarten, gleichzeitig jedoch ergeben sich neue innovative Momente, die Wege zu alternativen Lösungen eröffnen.“ Ana Esther spricht vom Vorhandensein simultaner Prozesse, „ die in ihrer Gesamtheit den Weg für eine Reihe zivilisatorischer Veränderungen eröffnen.“ Darunter wird verstanden, dass es den Volksbewegungen und emanzipatorischen Kräften gelungen ist, den Neoliberalismus zu delegitimieren, ohne ihn im Kampf überwinden zu können.Die Stärke der US-Hegemonie ergibt sich eben auch aus der relativen Schwäche der Gegenhegemonie. Faktisch führen die USA in Lateinamerika einen asymetrischen Krieg, der in seiner neoliberalen Phase dazu führte, dass große teile der Bevölkerung bis an den Rand ihrer physischen Existenz zurückgedrängt. Ihre Territorien erobert, die Bodenschätze geplündert, ihre Kulturen verdrängt oder v ernichtet wurden und sie in ihrer sozialen Existenz radikal bedroht sind. Das Lager des Widerstandes hat jedoch an Kraft gewonnen, da sich – auch im Ergebnis der Weltsozialforen als Raum der Suche nach Alternativen – die Bewegungen gegen den Neoliberalismus und die unilaterale Hegemonie gefestigt haben.
Dazu einige Beispiele:
- Scheitern des Planes zur Durchsetzung der ALCA, dagegen Festigung des Mercosur (südamerikanische Freihandelszone),
- Beginn eines alternativen Integrationsprojektes, der „Bolivarianischen Alternative Amerikas“ (ALBA), das von Venezuela vorgeschlagen wird,
- Ablehnung des US-Planes zur Schaffung einheitlicher lateinamerikanischer Polizeikräfte zur Terrorbekämpfung (Tagung der Verteidigungsminister 2004 in Lima),
- Nichtbeteiligung am Interventionskrieg der USA im Irak,
- reguläre Rückzahlung, bzw. stornierte Rückzahlung von Auslandsschulden an den IWF durch Brasilien und Argentinien, dadurch Schwächung der Position des IWF,
- wachsender Widerstand gegen eine Okkupation nationalen Territoriums (Amazonasgebiet).
- In elf Präsidentenwahlen, die zwischen November 2005 und Dezember 2006 in Lateinamerika durchgeführt wurden, setzten sich in einigen bedeutenden Ländern liberale und linksgerichtete Kandidaten durch.
- Brasilien und Argentinien, die sich stärker auf ihre eigene Entwicklung konzentrieren (dazu wären auch Chile und Uruguay – allerdings mit Abstrichen – zu zählen).
- Venezuela, Bolivien und Ecuador, die eine Neufassung ihres Staatswesens, bes. durch verfassungsgebende Prozesse, anstreben.
- Gefolgsstaaten der USA wie Kolumbien, Mexiko und eine Reihe mittelamerikanischer Staaten.
Dieser den bisherigen Gegebenheiten entgegengesetzte Prozess demokratischer Willensbildung ist nicht mehr dem Staat untergeordnet. Die herrschenden Eliten werden gezwungen, sich im Rahmen demokratischer Verhältnisse zu bewegen. Der Prozess der Neufindung des Staates/ der Nation wie in Bolivien und Ecuador, wo es um die Sicherung der Rechte der großen Mehrheit der indigenen Bevölkerung geht, ist das Streben nach einer erneuerten Identität. Keineswegs sind diese Entwicklungen durchgehend in Lateinamerika zu beobachten. Politische Reformprozesse werden z.B. in Brasilien bewusst von den herrschenden Eliten gebremst oder verhindert. Ihr Streben ist vor allem auf den Ausbau ihrer eigenen wirtschaftlichen und politischen Positionen ausgerichtet. Die „nationale Bourgeoisie“ solcher Länder wie Brasilien, Argentinien, Mexiko will am Globalisierungsprozess partizipieren. Die Weltkonjunkturlage begünstigt gegenwärtig diese Bestrebungen und sichert ihr hohe Gewinne und Einflussmöglichkeiten. Das schafft neue politische und soziale Spannungen in der Gesellschaft, da der Staat mit seinen Konflikten nicht verschwunden ist. Gleichzeitig entstehen in einem bisher nicht bekannten Maße Konflikte zwischen den Staaten.
Entwicklung des Kräfteverhältnisses in Lateinamerika
Wie bereits festgestellt, haben unterschiedliche Entwicklungswege zu politischen Differenzierungsprozessen geführt, die sich auf die Beziehungen einzelner Länder untereinander auswirken. Neben Tendenzen einer verstärkten Zusammenarbeit in Integrationsprojekten haben sich Konfliktlinien herausgebildet, die sich in zunehmenden Rivalitäten und gegensätzlichen politischen Positionen niederschlagen. Brasilien Brasilien ist weltweit der fünftgrößte Flächenstaat. Es erbringt 1/3 der Wirtschaftsleistung Lateinamerikas und nimmt den 11. Platz in der Welt ein. Es ist eine Regionalmacht, die in Lateinamerika der eigentliche Rivale der USA ist. Brasilien hat nach Beendigung der Militärdiktatur außenpolitisch den Weg des Dialoges und der Kooperation beschritten, spielt eine Vermittlerrolle in Lateinamerika und hat sich unter der Regierung Lula einer verstärkten Süd-Südkooperation zugewandt (insbesondere zu den BRIC - Staaten). Brasilien trat auf der WTO – Tagung in Cancun als Wortführer der Gruppe der 20 auf und fordert den Abbau von Agrarsubventionen seitens der Industrieländer. Das Land setzt sich für eine Politik des Multilateralismus ein und strebt einen Sitz im UN - Sicherheitsrat an. Brasilien verfügt im Ort Rezende ( Bundesstaat Rio de Janeiro) über eine Uranwiederaufbereitungsanlage. In den siebziger Jahren wurden mit Unterstützung der deutschen Firmen Siemens und KWU in Angra dos Reis (Bundesstaat Rio de Janeiro) zwei Kernkraftwerke errichtet (gegenwärtig laufen Verhandlungen über den Bau von Angra 3). Es wird ein Ausbau der Nuklearindustrie angestrebt. Brasilien kann als potentielle Atommacht angesehen werden. Brasilien verfügt über eine relativ gut entwickelte Rüstungsindustrie. Es besteht eine 300.000 Mann Armee, die nach Meinung von Experten allerdings nur über veraltetes Kriegsmaterial verfügt. Im Oktober 2007 wurde eine Erhöhung des Rüstungsbudgets auf 10 Mrd. U$-$ verkündet. Angestrebt wird eine Modernisierung der Armee, wofür Waffenkäufe in Russland und der Kauf von 36 Jagdflugzeugen vorgesehen sind. Dazu der Verteidigungsminister: „ Es soll gesichert werden, dass niemand es wagt, in unser Territorium weder in der Luft, noch zu Wasser oder am Boden einzudringen.“ Besondere Aufmerksamkeit wird dem Schutz des brasilianischen Amazonasbecken gewidmet. Die Armeeführung lehnt eine Übergabe der Militärbasis Alcantara an die USA ab (Verhandlungen der Regierung Fernando Henrique Cardoso darüber wurden gestoppt). Seit einigen Jahren hat sich Brasilien der Entwicklung der Bioenergie gewidmet, worüber gegenwärtig im Lande heftige Auseinandersetzungen geführt werden. Von dieser Entwicklung profitiert vor allem der sog. Agrobussines. Vorrangiger Abnehmer des Biodiesels wollen die USA sein. Daneben hat Brasilien Partner in Mittelamerika und Afrika eingebunden. Neue Erdölfunde im Amazonasgebiet (bis neun Mio. Fass werden geschätzt) machen das Land unabhängiger von ErdölimportenNach neuesten Angaben (November 2007) hat Brasilien seine Auslandsinvestitionen um 147% gesteigert, das sind insgesamt 265 Mio. US$. Diese wurden v.a. in Öl- und Gasprojekte in Bolivien, Argentinien, Ecuador investiert. Die PETROBRAS ist einer der führenden Erdölkonzerne auf dem Kontinent. Brasilien setzt vor allem auf die Realisierung des sog. IIRSA-Projektes (Regionale Infrastrukturintegration) mit den Nachbarländern, für das 2,3 Mrd. US$ Investitionen in den nächsten fünf Jahren vorgesehen sind. Es umfasst ein Transportintegrationsprogramm, das Zugang zu den Märkten und Ressourcen der Nachbarländer schaffen soll (Bekannt wurde gerade eine Vereinbarung mit Chile und Bolivien, eine transkontinentale Trasse vom Atlantik bis zum Pazifik zu bauen).
Venezuela
Die in Venezuela vor sich gehenden Veränderungen wurden auf demokratischem Weg eingeleitet. Präsident Chavéz setzte sich sowohl in den Präsidentschaftswahlen wie auch im Referendum mit der Unterstützung der Mehrheit der Wähler durch. Die bolivarianische Revolution, die mit friedlichen Mitteln eingeleitet und durchgeführt wird, hat direkte Auswirkungen auf die Entwicklung in Lateinamerika. Sie ist Bestandteil der ebenfalls auch in anderen Ländern des Kontinents sich vollziehenden Transformationsprozesse. Im Mittelpunkt der Veränderungen steht die Bekämpfung der Armut, die Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten und des Gesundheitswesens. Erste Ergebnisse auf diesem Wege wurden erzielt: Der Anteil der armen Bevölkerung wurde von 40 auf ca. 30% verringert. Ebenfalls ist die Arbeitslosenquote auf 15% gefallen. Eingeleitet wurde ein solides Wirtschaftswachstum, das allerdings noch nicht wesentlich zur Senkung der Inflationsrate führte. Es gelang auch noch nicht, die Versorgungslage der Bevölkerung wesentlich zu verbessern. Die durch den Streik im Jahre 2004 stark beeinträchtigte Erdölförderung konnte noch nicht wieder auf normale Fördermengen zurückgeführt werden. Trotzdem erarbeitete das Land beachtliche Devisenreserven, die in bestimmtem Umfange in die Förderung des Bildungs- und Gesundheitswesens investiert werden. Außenpolitisch engagiert sich Venezuela in verstärktem Maße auf die Entwicklung der Beziehungen zu den lateinamerikanischen Nachbarn und baut seine Kontakte vor allem zu wesentlichen Schwellenländern (China, Russland) und den Mitgliedstaaten der OPEC (einschließlich Iran) aus. Von Venezuela geht die „Bolivarianische Alternative Amerikas“ (ALBA) aus. Sie stellt ein alternatives Integrationsprojekt zur US-amerikanischen Freihandelszone ALCA dar. Bislang ist jedoch noch kein ausgearbeitetes Projekt zu erkennen, wie diese Initiative langfristig verwirklicht werden soll. Im Mittelpunkt stehen Werte wie Komplementarität, Kooperation und Solidarität. Ihr gehören Venezuela, Kuba, Bolivien und Nikaragua an. Erkennbar sind konkrete Schritte, die gegangen werden: Geschaffen wurde die Petrocaribe, der 13 Länder angehören, Petroandina und Petrosur, wobei vorgesehen ist, diese Unternehmen in einem Petroamerica zusammenzuführen. Realisiert werden über diese Unternehmen gemeinsame Projekte, vergeben werden günstige Kredite und verkauft werden Erdölprodukte zu günstigen Preisen und Bedingungen. Im Rahmen der ALBA strebt Venezuela die Zusammenarbeit seines Staatsunternehmens PVDSA mit denen Brasiliens und Argentiniens an. Das Staatsunternehmen PVDSA ist mit 51% im nationalen Besitz und bildet mit ausländischen Unternehmen wie Exxon, British Petrol u.a. gemischte Unternehmen.Kuba
Das Land befindet sich im Zustand eines Transformationsprozesses, in dessen Verlaufe sowohl die Auswirkungen des langjährigen US-Embargos überwunden wie auch die inneren Strukturen verändert werden. Die Debatte über den kubanischen Entwicklungsweg ist eröffnet. Die kubanischen Erfahrungen werden in die Diskussion über den „Sozialismus des XXI. Jahrhunderts“ mit einfließen. Es ist offensichtlich, dass die Veränderungen in Lateinamerika keinen geringen Einfluss auf die Entwicklungsprozesse in Kuba haben. Venezuela unterstützt Kuba mit Erdöllieferungen, womit die Energiekrise des Landes überwunden werden kann. Die außenpolitische Isolierung Kubas in Lateinamerika ist weitgehend aufgehoben. Kuba spielt in den lateinamerikanischen Beziehungen nach wie vor eine bedeutende Rolle. Kubanische Ärzte und Lehrer sind in einigen Ländern Lateinamerikas solidarisch tätig. Eine Reihe außeramerikanischer Staaten beginnen, ihre Beziehungen zu Kuba neu zu gestalten. Die inneren wirtschaftlichen Schwierigkeiten werden sukzessive überwunden. Wesentliche äußere Partner für den Prozess der wirtschaftlichen Stabilisierung sind Venezuela und China.Argentinien
Argentiniens natürliche Einflusszone sind seine Nachbarstaaten Chile, Bolivien, Paraguay und Uruguay, mit dem es wegen des Baus eines Zellulosefabrik im heftigen Streit liegt. Argentinien hat die Wirtschaftskrise Anfang des Jahrtausends weitgehend überwunden. Gegenwärtig erreicht das Land beachtliche wirtschaftliche Zuwachsraten. Argentinien erhebt Anspruch auf einen Teil der Antarktis und fordert die Rückgabe der Falklandinseln. Eine gewisse Rivalität baut sich mit Chile auf, das sich mit einer zunehmend größer werdenden Armee stark macht.Chile
Nach Beendigung der Militärdiktatur wurde von den Regierungen der „concertación“, einschließlich der von Sozialisten geleiteten, der neoliberale Wirtschaftskurs verstärkt fortgesetzt. Der Ausverkauf der nationalen Bodenschätze erreichte bisher nicht da gewesene Ausmaße: Die chilenische Kupferproduktion wird fast ausschließlich von transnationalen Unternehmen beherrscht. Obwohl die chilenische Wirtschaft wesentliche Wachstumsraten aufweist, wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer.Chile beherrscht mit seiner Kriegsflotte faktisch die Pazifikküste, von der das Land über die 3.000 km besitzt. Das chilenische Militär ist voll auf die USA orientiert. Die Aufarbeitung der Diktaturzeit und die Verfolgung der Täter gehen nur schleppend voran. Nach wie vor garantiert die nach Beendigung der Militärdiktatur angenommene Verfassung den Militärs Sonderrechte.
Mexiko
Mit einer fast 2000 km langen Landgrenze steht das Land in engster Beziehung zu den USA. Seit Inkrafttreten (1994) der Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA) wird Mexiko vor allem wirtschaftlich von den USA dominiert. Gemeinsam mit den USA realisiert Mexiko den Plan Puebla - Panama, mit dem es seinen Einfluss in Mittelamerika ausdehnt, was es als sein Einflussgebiet betrachtet. Diese Darstellung gestattet eine Übersicht über die Beziehung der lateinamerikanischen Staaten untereinander. Das Maß ihrer Einordnung sind zweifellos zwei Kriterien:Einmal das Verhältnis zu den USA wie zum anderen der von einzelnen Ländern gegenwärtig eingeschlagene Entwicklungsweg: In Bezug auf Kriterium Nummer eins muss festgestellt werden, dass sich Lateinamerika in zwei Lager gespalten hat. Das zeigte sich nach dem Gipfeltreffen der Präsidenten 2006 in Mar del Plata, auf dem durch die Ablehnung der ALCA seitens Brasilien, Argentinien, Venezuela diese Spaltung deutlich sichtbar wurde. Die drei Länder erwirtschaften zusammen ca. 2/3 des BSP Lateinamerikas. Das Lager der Befürworter der ALCA, einschließlich Mexiko und Kolumbien, hat deutlich weniger Gewicht. Die Bush – Administration erlitt beim Versuch der Durchsetzung der ALCA eine eindeutige Niederlage. Die Bedeutung der Länder, in denen stärker nationale Ziele verfolgt werden, hat zugenommen. Kriterium zwei: Die durch den Widerstand gegen neoliberale Politik erreichten Veränderungen bewirken Differenzierungen zwischen einzelnen Ländern. Obwohl in Brasilien und Uruguay, z.B., linksgerichtete Regierungen gewählt wurden, setzen sie im Wesentlichen neoliberale Politik fort. Die Veränderungen, die in Venezuela, Bolivien und Ecuador vor sich gehen, tragen dagegen antineoliberalen Charakter. Von Venezuela vorgeschlagene Projekte finden nicht in jedem Falle die Unterstützung der südlichen Nachbarn. Die Eliten dieser Länder sind bestrebt, selbst an den Prozessen der Globalisierung in geeigneter Weise zu partizipieren. Sie sind in solcher Weise erstarkt, dass sie als Konkurrenten bisheriger Nutznießer auftreten und von der für sie günstigen Weltwirtschaftslage profitieren. Brasilianische Unternehmen, z.B., haben ihre Wirkungsbereiche sowohl in Lateinamerika wie auch in Afrika und Asien stark ausgeweitet. Diese Entwicklung mindert kaum die im Inneren vorhandenen sozialen Konflikte, noch trägt sie dazu bei, zwischen den lateinamerikanischen Ländern ausgeglichene Verhältnisse zu schaffen, bzw. Disparitäten abzubauen. Das schafft Rivalitäten, die in dieser Art für Lateinamerika neu sind. Zweifellos versucht Brasilien, einen bestimmten Führungsanspruch in Lateinamerika zu verwirklichen, begegnet dabei aber den Bestrebungen Venezuelas, seinen Einfluss auszuweiten. Angestrebte Integrationsprozesse werden dadurch durch unterschiedliche Interessen bestimmt. Brasilien sucht Absatzmärkte, stärkt seinen Einfluss im Mercosur und orientiert sich auf Sicherung seiner Energieversorgung. Dagegen verhält es sich zurückhaltend, wenn es um das Integrationsprojekt ALBA geht, dem es bisher noch nicht beigetreten ist. Nach wie blockieren andererseits rechte Kräfte im brasilianischen Senat die Aufnahme Venezuelas in den Mercosur. Die Schaffung der gemeinsamen Banco del Sur zeigt aber, dass Brasilien sich in nicht nur auf den Mercosur konzentriert, sondern sich auch punktuell am ALBA – Projekt beteiligt. Schwerpunkt für Brasilien bleibt aber die Suche nach eigenen Lösungen, die es ihm gestatten, sich gleichberechtigt mit den Industrieländern zu bewegen. Brasilien hat nach der Energiekrise 1973/74 auf die Entwicklung der Biokraftstoffe gesetzt, Erfahrungen gesammelt und setzt sie gegenwärtig gezielt zur Schaffung einer Alternative zum Erdöl ein. Wachsendes nationales Selbstbewusstsein bestimmen nicht nur das Verhältnis der lateinamerikanischen Staaten untereinander neu, sondern verändern auch ihr Verhältnis zu den USA und außerlateinamerikanischen Mächten. Einige Länder Lateinamerikas verweigern den USA ihre Gefolgschaft, entwickeln eigene Projekte und lehnten mit breiter Unterstützung der sozialen Bewegungen – wie oben gezeigt - die ALCA ab. In Venezuela wurde der Putschversuch gegen Präsident Chavéz, der mit aktiver Unterstützung der USA erfolgte, verhindert. Geschwächt wurde die Position der USA durch das einseitig von Präsident Kirchner (Argentinien) 2002 erklärte Moratorium. Versuche der USA, die Streitkräfte einzelner Länder in Polizeieinheiten umzuwandeln, um sie unter US-Führung in den sog. Terrorkampf einzubeziehen, wurden von der Mehrheit abgelehnt. Neue Konstellationen ergeben sich durch die verstärkten Aktivitäten Chinas in Lateinamerika und die wachsende Zusammenarbeit mit aufstrebenden Mächten wie China und Indien. Im Rahmen der Gruppe der 20 vertreten diese Länder gemeinsame Auffassungen im Rahmen der WTO und der Doha- Runde. Die Lage auf dem lateinamerikanischen Kontinent zu Beginn des XXI. Jahrhunderts hat sich verändert.
Die Beziehungen Lateinamerikas zu den USA
Seit Mitte der 90-er Jahre verfolgen die USA eine Strategie der „Beherrschung des gesamten Spektrums“, d.h. Prävention von möglichen Krisen und Unruhen, Politik der Abschreckung, Verfolgung von progressiven Kräften und Kontrolle sozialer Bewegungen und, wenn erforderlich, ihre Beseitigung. Nach Brzezinski streben die USA die Beherrschung des gesamten Planten an, weil „die geografische Situation der Ausgangspunkt für die Bestimmung aller äußeren Prioritäten ist.“ Es ist eine Strategie des Strebens nach der Weltherrschaft, das nicht ausschließlich nur auf die militärische Variante setzt. Die Neubestimmung der USA – Position schließt auch Lateinamerika ein.
Lateinamerika als spezielle Interessenzone
Wurde Lateinamerika schon seit jeher als Hinterhof der USA betrachtet, so kann festgestellt werden, dass es in seiner Bedeutung für die USA keineswegs hinten angestellt wird. In der März 2006 veröffentlichten „Nationalen Sicherheitsstrategie der USA“ wird der Platz der „westlichen Hemisphäre“ eindeutig bestimmt: Sie stellt die Hauptlinie in der „Verteidigung der nationalen Sicherheit“ der USA dar. Erkennbar wird die neoliberale Orientierung, wenn „die Schaffung offener Märkte, Finanzstabilität und die weitere Einbeziehung des Kontinents in die Weltwirtschaft“ postuliert werden. „Unsere Strategie zielt auf die Vertiefung der Beziehungen zu Kanada und Mexiko, die Durchsetzung gleicher Werte und einer kooperativen Politik, die auf die gesamte Region ausgedehnt werden kann.“ „In unserer Hemisphäre wollen wir die Vision einer amerikanischen Freihandelszone durchsetzen“, wie sie schon in der Gestalt der Nordamerikanischen (NAFTA) und der Mittelamerikanischen (CAFTA) existiert. Weiter geht es um die Vertiefung der Zusammenarbeit „mit regionalen Führungsmächten“, um ihr Engagement für Demokratie zu stärken. Und faktisch drittens und deutlich: „Wir wollen versuchen Einfluss auf Überlegungen zu nehmen, auf Grund derer sie ihre Entscheidungen treffen. Wir müssen entsprechend reagieren, wenn Staaten unkluge Entscheidungen treffen.“ Im eigentlichen Sinne ist das die Neuauflage der Monroe-Doktrin für das XXI. Jahrhundert und bedeutet, dass die USA den gesamten Kontinent zu ihrem Einflussgebiet erklären. Veränderte Kräfteverhältnisse in der Welt und größere Eigenständigkeit der Staaten Lateinamerikas bedrängen diese Politik und beschwören Gefahren herauf, die den Einfluss der USA auf dem Kontinent einschränken. Die historisch entstandene vor allem wirtschaftliche Abhängigkeit hat zu einer engen Verflechtung der Volkswirtschaften mit den USA geführt. Lateinamerika ist nach den arabischen Staaten die Bezugsquelle für Erdöl. Aus Mexiko und Venezuelas beziehen sie täglich ca. 4 Mio. Fass Erdöl., das ist ein Drittel des gesamten Imports, Lateinamerika verfügt über enorme Wasserressourcen (Amazonasbecken, Wasserreservoir Guarani mit ca. 50 Mrd. m³ Wasser und einer Ausdehnung von 1,2 Mio. km². Strategisch wichtig sind ebenfalls die genetischen Reserven des Kontinents mit der großen Biodiversität. In Lateinamerika ist ein erheblicher Teil der Auslandsinvestitionen konzentriert. US-amerikanische transnationale Unternehmen erzielten seit Öffnung des mexikanischen Marktes 17,2 Mrd. US$ (1997) Gewinne (1980 waren es 180 Mio. US$). Ein großer Anteil des Außenhandels wird mit den südlichen Nachbarn realisiert. Nach der Schaffung der Nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA (USA, Kanada, Mexiko) nahmen die USA schon unter der Clinton – Administration Kurs auf die Schaffung eine gesamtamerikanischen Freihandelszone ALCA. Mit dem Scheitern dieser Politik liegt der Schwerpunkt auf dem Abschluss von Freihandelsverträgen mit einzelnen Ländern u.a. mit Chile, Kolumbien, Peru u.a. Diese Verträge sind auf die Öffnung der Märkte dieser Länder für Waren und Kapital der USA ausgerichtet und verfolgen das Ziel, Lateinamerika der US-Wirtschaftskontrolle unterzuordnen. Pläne wie der Plan Colombia, Plan Puebla – Panama (PPP), Plan Andino verfolgen neben der Ausweitung der militärischen Kontrolle den Ausbau der Infrastruktur zu Gunsten transnationaler US-Unternehmen, den Bau von Staudämmen, der Kontrolle der Kommunikationswege und der Sicherung von Rohstoffvorkommen.Die mexikanische Soziologin Ana Esther Cecena kommt nach detaillierten Untersuchungen zum Schluss, dass besonders dort, wo sich Widerstand gegen die Einschränkung des Lebensraumes indigener Völker und ihrer Vertreibung entwickelt, wo Energieressourcen und Wasserreserven vorhanden sind, Militärbasen entstehen, eine striktere Kontrolle ausgeübt und der Widerstand bekämpft wird. Die sichtbar werdende enge Verknüpfung von geopolitischen Interessen und der Sicherung der Märkte und Naturressourcen ist eng mit einer zunehmenden Militarisierung des Kontinents verbunden. Die zentrale Zone der US-Interessen umfasst das Gebiet der Karibik und des Amazonasbeckens in seiner ganzen Ausdehnung. Zu verfolgen ist das am Ausbau US-amerikanischer Militärbasen von Guantánamo bis Feuerland. Das Epizentrum dieser kritischen Zone ist Kolumbien. Nach dem Ausbleiben von Erfolgen einer Strategie „mit niedrigen Kosten“ wurde mit dem Plan Columbia 2000 ein Strategiewechsel eingeleitet, der das Schwergewicht auf die Kombination politischer und militärischer Mittel legt. Unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Drogenhandel wird ein Antiterrorismuskampf geführt.
Der Plan Columbia II weitet diese Strategie auf den gesamten Andenraum aus. (Schaffung der Basis Manta, Ecuador, kolumbianisch - ecuadorianische Grenze San Miguel – Putumayo am Amazonas). Der Aufbau der Militärbasis Arauca mit Nähe zu Venezuela verdeutlicht den Versuch, eine Destabilisierung Venezuelas einzuleiten. Begleitet werden diese Maßnahmen mit einer verstärkten militärischen Aufrüstung Kolumbiens, das damit auch zukünftig das instabile Zentrum der Zone des Nordens des Kontinents und der Karibik bleibt. Plan Columbia II zielt aber auch auf den Ausbau der militärischen Präsenz im Raum Paraguay. Die US- Strategie betracht Paraguay als Schlüsselposition im Südkegel des Subkontinents. Strategisch wichtig, weil im Länderdreieck Brasilien, Argentinien, Paraguay der Zugang sowohl zu den Andenländern (Bolivien, Ecuador) wie auch der Zugang zu Südbrasilien und dem Amazonasbecken gegeben ist. In Paraguay wird seit Januar 2006 die Basis Santa Cruz de la Sierra ausgebaut.
Nach der erzwungenen Aufgabe des Panamakanals haben die USA somit neue Basen in El Salvador, Ecuador, Aruba-Curacao, Haiti geschaffen und über den gesamten Kontinent Radar- und Beobachtungsstationen verteilt. Dazu gehört auch ein Vertrag über den Bau einer Basis in Feuerland. Der Griff nach der brasilianischen Militärbasis in Alcántara scheiterte, weil Regierung und Militär den Abschluss eines Vertrages verhinderten (Alcántara ist die Raketenversuchsbasis Brasiliens). Die von der Bush-Administration eingeleiteten politischen Initiativen, sich stärker den lateinamerikanischen Ländern zuzuwenden, blieben Einzelaktionen. Die Lateinamerikareise Bush´s (März 2007) stellte einen späten Versuch dar, Einfluss auszuüben. Bezwecken sollte die Reise vor allem, Venezuela zu isolieren. Im State Department unterscheidet man gegenwärtig nach „guten“ und „schlechten“ Verbündeten und versucht, mit den „guten“ eine neue Allianz aufzubauen, die vor allem mit Kolumbien und Mexiko gebildet wird. Es wurde ein Medizinschiff entsandt, das Hilfe für Arme in Belize, Guatemala und Panama brachte und ca. 85.000 Patienten versorgte. Weiterhin wurden 75 Mio.$ für die Ausbildung von Jugendlichen, 385 Mio.$ für Eigenheimbauten zur Verfügung gestellt. In die gleiche Richtung zielte die Reise Bush´s 2007 nach Brasilien, wo Einzelverträge über die Lieferung von Bioalkohol abgeschlossen wurden. Der angestrebte Abschluss von Freihandelsverträgen mit Kolumbien, Peru und Chile ist der Versuch, die Ablehnung der ALCA auf dem Wege bilateraler Abkommen zu umgehen. In der nach 1990 neuen strategischen Situation nahmen die USA Kurs auf die Neuordnung ihrer Beziehungen zu Lateinamerika. Seine Bedeutung ist in keiner Weise geringer geworden. Es stellt im Gegenteil im Hinblick auf die neuen Entwicklungen auf dem Kontinent eine Bedrohung der USA – Interessen dar. Das selbstbewusstere Auftreten Brasiliens, Argentiniens, die progressiven Entwicklungen in Venezuela, Bolivien und Ecuador beunruhigen die US – Politik. Allerdings verzichteten die USA auf Einmischungsversuche, wie sie vormals aktuell waren. Möglicherweise bedingt durch die In Afghanistan und im Irak geführten Kriege, ist die USA-Politik als zurückhaltend zu beurteilen. Stärker als je zuvor sind die USA mit einer gewachsenen internationalen Konkurrenz in Gestalt der EU und auch Chinas in Lateinamerika konfrontiert.
Die Beziehungen Lateinamerikas mit der Europäischen Union
Im „Medienhandbuch der Entwicklungspolitik 2006/2007“ des BMZ wird ausgeführt:„Wir können in der Zusammenarbeit mit Lateinamerika an die kulturelle Nähe und die gemeinsamen Werte anknüpfen.“
Die Realität relativiert diese Aussage: Zwischen Europa und Lateinamerika existieren erhebliche politische, wirtschaftliche und kulturelle Unterschiede. Die wirtschaftliche Situation ist durch eine tiefe Asymmetrie geprägt. Die gravierende Armut in den Ländern Lateinamerikas verbietet es, von „gemeinsamen Werten“ zu sprechen. Diese Aussage verwischt die real existierenden Unterschiede und ist Ausdruck eines unhinterfragten Eurozentrismus. Im Januar 1999 fand das erste Gipfeltreffen der Staatschefs der EU und Lateinamerikas in Rio de Janeiro statt. Verkündet wurde die Orientierung auf eine „strategische Partnerschaft“.
Ausgestaltung der Beziehungen Europäische Union - Lateinamerika
Auf der politischen Ebene stehen die Wahrung der Menschenrechte, die Durchsetzung demokratischer Grundsätze und die Führung einer Politik des Multilateralismus im Mittelpunkt. Die erweiterte EU ist ein wichtiger wirtschaftlicher und politischer Partner für Lateinamerika und die Karibik: Sie ist führend im Bereich der Entwicklungshilfe und der Auslandsinvestitionen und ist für manche lateinamerikanischen Länder der wichtigste Handelspartner. Die Politik der EU gegenüber Lateinamerika konzentriert sich aufspezialisierte Dialoge. Im Rahmen dieser breiten Partnerschaft finden zwischen der EU und spezifischen Subregionen (Andengemeinschaft, CARIFORUM, MERCOSUR, Zentralamerika) beziehungsweise der EU und einzelnen Ländern (Chile und Mexiko) Verhandlungen statt. Es wurden inzwischen eine Reihe Handelsverträge (Mexiko, Chile) abgeschlossen. Es existieren auf verschiedenen Ebenen eine Vielzahl von Kooperationsabkommen zwischen Ländern und Ländergruppen Lateinamerikas. Auf dieser breit angelegten Grundlage gibt ein institutionalisierter politischer Dialog zwischen der EU und Lateinamerika die strategische Richtung vor. Die EU-Kommission beschrieb etwa den Abschluss des dritten Gipfeltreffens in Guadalajara (Mexiko) im Mai 2004 und Wien Mai 2006 als große Erfolge und wichtige Schritte zur Armutsbekämpfung. Die EU hat jedoch mit der Lissabon-Strategie nicht Armutsbekämpfung und Verbesserung der Sozialstandards als ihr oberstes Ziel definiert, sondern die globale Wettbewerbsfähigkeit. Vorrang hat der Kampf um die Vormachtstellung im lateinamerikanischen Raum, die angesichts der Bestrebungen der USA Freihandelsverträge abzuschließen und dem US-Kapital freie Märkte zu schaffen, in Frage gestellt wird. In den Verhandlungen zum Abschluss von Freihandelsabkommen bietet die EU 90% Zollfreiheit auf einige Produkte, ausgeschlossen allerdings eine Reihe wichtiger Agrarprodukte. Hier stoßen die lateinamerikanischen Länder auf die Grenzen der europäischen Agrarsubventionspolitik Europas. Das besondere Interesse der EU gilt den Verhandlungen mit der südamerikanischen Handels- und Zollvereinigung Mercosur (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay, Venezuela, mit assoziierten Mitgliedern Bolivien, Ecuador, Chile, Perú). Er ist der viertgrößte Wirtschaftsblock der Welt, erbringt ca. 75% des BSP Lateinamerikas und hat eine Bevölkerung von 235 Mio. Menschen. Mercosur ist weltweit der größte Lebensmittelproduzent. Seine Mitglieder verfügen über reiche Rohstoffvorkommen. 26% seines Außenhandels werden mit der EU (USA – 20%) realisiert. Darin sind enthalten ca. neun Mrd. € Agrarprodukte (das sind 17,9% der gesamten Agrarimporte der EU) jährlich. Davon werden nur 60% zollfrei in Europa eingeführt. Neben Agrarprodukten nimmt der Rohstoffimport den größten Umfang ein. Im Gegenzug umfassen die Exporte der EU in die Länder des Mercosur nur 1,85%. Das Interesse der wichtigsten Mitglieder am Abschluss eines Freihandelsabkommens mit dem Mercosur wird bestimmt durch die starke Präsenz ihrer transnationalen Unternehmen. Ca. 2000 deutsche Unternehmen sind in Lateinamerika tätig, die mit 42 Mrd.$ Direktinvestitionen einen führenden Platz unter den EU-Staaten einnehmen. Mit 65 Mrd.$ Produktionsvolumen dieser Unternehmen liegt es viermal höher als die Exporte der BRD nach Lateinamerika. Im Zuge der Privatisierung staatlicher Unternehmen der lateinamerikanischen Länder waren bes. spanische, französische und niederländische Unternehmen aktiv und erfolgreich. Diese Unternehmen haben ein besonderes Interesse am Abschluss des Freihandelsabkommens mit dem Mercosur, da den in den Mercosur - Ländern tätigen Ablegern große Vorteile daraus erwachsen. Auf dem Gipfeltreffen 2006 in Wien wurde allerdings deutlich, dass es kaum Fortschritte in den Verhandlungen zum Abschluss eines Freihandelsabkommens gab. Die Länder des Mercosur lehnen die Forderungen der EU nach kompletter Öffnung ihrer Märkte für den freien Kapitalfluss, nach Fischerei-, Produktions- und Handelsrechte, bes. in der 200 – Meilenzone, ab. Besonderer Streitpunkt sind die Beschränkungen im Agrarexport und die von den EU realisierte Agrarsubventionspolitik. Forderungen der Mercosur – Länder nach Schutzmaßnahmen für ihre nationale Industrie stoßen auf Widerstand der europäischen Verhandlungspartner. Gleichfalls sind die Verhandlungen über die Auslandsschulden ins Stocken geraten. Die angestrebte Zusammenarbeit der Parlamente und auch der zwischen ihnen geführte politische Dialog sind schwach entwickelt. Störend wirkt sich ebenfalls noch die Zurückhaltung der EU in der Entwicklung ihrer Beziehungen zu Kuba aus. Obwohl es beiderseits Interesse am Ausbau der Beziehungen gibt, sind die gegensätzlichen Verhandlungspositionen das Haupthindernis. Illusionen, die auf lateinamerikanischer Seite hinsichtlich des „guten Partners“ EU existieren, wurden durch die Realität des Vorgehens der EU abgebaut. Deren dezidiertes Interesse an regionaler Integration in Lateinamerika erweist sich mehr und mehr als ein Versuch, mit moderateren Mitteln als die USA die Vormachtstellung im lateinamerikanischen Raum zu erobern. Ein Assoziationsabkommen EU – Mercosur soll helfen, die subalterne Einbindung in die internationale Arbeitsteilung abzusichern. Das bedeutet: Fortführung des ungleichen Handelsaustausches, Sicherung der Direktinvestitionen und des Kapitalexportes, des Importes der im Handel überwiegenden Rohstoffe und Export von Technologie und moderner Technik.Die EU ist bestrebt, ihre führende Stellung im Außenhandel, im Kapitalexport und der Entwicklungshilfe beizubehalten und ist ein direkter Konkurrent US-amerikanischer Wirtschafts- und Kapitalinteressen. Politisch folgen die EU – Staaten aber im Wesentlichen den Vorgaben der nordamerikanischen Politik (Beispiel: Isolationspolitik gegenüber Kuba), bestimmt durch die Interessen des Nordatlantischen Bündnisses, weniger durch eine Politik gleichberechtigter auf gegenseitigen Vorteil beruhender Beziehungen. Die Entwicklungen in Venezuela, Bolivien und auch in Ecuador werden mit Argwohn verfolgt. Versucht wird, zwischen den lateinamerikanischen Ländern zu differenzieren, wobei Brasilien die Rolle eines ausgleichenden Faktors spielen soll. Die Entwicklung in Lateinamerika, bes. In Südamerika, stellt sich für EU (auch für die Bundesrepublik) zunehmend komplizierter dar:
- Seit Beginn der Verhandlungen 1999 wurden keine Fortschritte im Abschluss eines Assoziierungsabkommen mit Mercosur erreicht,
- Die USA sind mit der Durchsetzung des Planes ALCA gescheitert,
- Die Veränderungen in Brasilien und Argentinien in ihrer Haltung zum Mercosur bedeuten, dass Südamerika auf stärker auf die Entwicklung des Mercosur setzt und sich dem Abschluss von Freihandelsverträgen mit den USA widersetzt,
- Mit den Veränderungen in Venezuela, Bolivien und auch Ecuador steht jetzt ein eigenes Integrationsprojekt mit die „Bolivarianische Alternative Lateinamerikas“ (ALBA) auf der Tagesordnung, was auf die Verstärkung der Kooperation zwischen lateinamerikanischen Ländern und eigene Anstrengungen setzt und erst dann Assoziierungen anstrebt.
Chinas Position in Lateinamerika
Schon 1988 unternahm Deng Xiaoping eine Lateinamerikareise, die er zum Beginn des „Pazifischen Jahrhunderts“ erklärte und mit der eine neue Etappe der Süd-Südbeziehungen eingeläutet werden sollte. Realisierte China 1990 mit Lateinamerika einen Handelsaustausch in Höhe von drei Mrd.$, so waren es 2005 ca. 50 Milliarden US$ im Im - und Export. Gleichzeitig steigerte China seine Kapitaldirektinvestitionen auf ca. fünf Milliarden US$. Ebenfalls steigerte Lateinamerika seine Exporte auf 56 Mrd. US$ (2004). Davon sind 80% Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Brasilien (Soja), Peru, Chile und Argentinien. Zustande gekommen sind eine Reihe gemeinsamer Projekte in Form von joint-ventures. Diese bestehen vor allem in der gemeinsamen Ausbeutung von Rohstoffen, z.B. Kupfer mit Chile und Peru, Eisen mit Peru, Eisen und Stahl mit Brasilien, Nickel mit Kuba oder Aluminium mit Jamaika. Inzwischen hat sich eine Zusammenarbeit auf technologischen Gebieten mit Brasilien entwickelt, die sich auf die Luftfahrt, die Raumtechnik und den gemeinsamen Bau von Satelliten konzentriert. Nach den Besuchen hochrangiger Vertreter der chinesischen Seite besuchten sowohl Lula da Silva und Hugo Chavéz die Volksrepublik China. Mit dem Präsidenten Brasiliens wurde der Abschluss eines Freihandelsabkommens eingeleitet und Schritte zum Abschluss eines Vertrages mit dem Mercosur eingeleitet. Vereinbart wurde mit Brasilien ein 10 Mrd.-Investitionsabkommen in Energie- und Infrastrukturprojekte vereinbart. Mit Chavéz wurden chinesische Investitionen von 350 Mio. US$ in der Aufschluss von Erdölfeldern und 60 Mio. in die Gasförderung vereinbart. China importiert täglich 100.000 Fass Erdöl, drei Millionen Tonnen Benzin und 1,8 Mio. Tonnen Ölemulsionen. Chinas Führung erklärte, dass sie bereit ist, in den nächsten Jahren 100 Mrd. US$ in Projekte in Lateinamerika zu investieren. China tritt in Lateinamerika immer stärker als direkter Partner auf und setzt auf die Sicherung seiner Rohstoffinteressen und den Export seiner Billigwaren, d.h. Textilien, Elektronik und Haushaltswaren. Realisiert wird diese Politik mit der direkten Investition von Kapital. Im politischen Bereich haben beide Seiten oft identische Interessen und Standpunkte. China unterstützte die Errichtung der 200-Meilen-Zone, setzte sich für die Souveränität des Panamakanals ein (dort nimmt China inzwischen einen bedeutenden Platz bei Investitionen und dort tätigen chinesischen Unternehmen ein), vertritt gemeinsam mit den lateinamerikanischen Ländern das Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten. China unterhält zu 24 Staaten diplomatische Beziehungen und dringt auf Abbruch diplomatischer Beziehungen mit Taiwan. Konzentriert hat sich China zuerst auf die Länder der Karibik und Mittelamerikas, da diese mit Präferenzabkommen Zugang zum US-amerikanischen Markt bieten. In der Entwicklung der Beziehungen zu den lateinamerikanischen Ländern stellt China keine politischen Bedingungen. Es tritt ein für Multilateralismus und Anerkennung gleichberechtigter Handelsbeziehungen. Mit der Annäherung an Venezuela steht ein Land im Mittelpunkt, dessen antiimperialistische Haltung bekannt ist. Mit der Entwicklung der Beziehungen zu China schafft sich Lateinamerika ein Gegengewicht zur Minderung der Abhängigkeit vom den USA und der EU. Im Falle Mexikos ist China dabei, mit Erdölderivaten und Textilien amerikanische Firmen vom Markt zu verdrängen. China ist zum echten Konkurrenten anderer Mächte auf dem lateinamerikanischen Kontinent herangewachsen. Die Befürchtungen in den USA über die wachsenden Anteile chinesischer Unternehmen und des politischen Einflusses wachsen.Einige Schlussbemerkungen
Die deutlich hervortretenden Veränderungen in Lateinamerika haben das Erscheinungsbild des Kontinents. Lateinamerika ist dabei, sich aus historischer Abhängigkeit zu lösen und setzt neue Maßstäbe für eine Entwicklung im Zeitalter vertiefter kapitalistischer Globalisierung. Es hat den Anschein, dass sich zwei Prozesse parallel zu einander abspielen. Einerseits eine vertiefte kapitalistische Entwicklung in den Hauptländern, die den jeweiligen Eliten Möglichkeiten erschließt, sich selbstständiger in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht in die Weltvorgänge einzuschalten. Entwicklungsmodelle in Brasilien und Argentinien, auch Chile, sind nicht in jeder Weise nachholende kapitalistische Entwicklung. Sie weisen Besonderheiten auf, die sowohl die Zufriedenheit der neuen und alten Eliten mit den Regierungen widerspiegeln als auch Versuche kennzeichnen, einen „humaneren Kapitalismus“ (z.B. Argentinien) oder „sozialeren Kapitalismus“ (Brasilien) zu gestalten. Andererseits sind die Linksentwicklungen Ausdruck des wachsenden Widerstandes breiter Volksmassen und ihrer Unzufriedenheit mit den neoliberalen Verhältnissen und stellen einen neuen Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Modelle (u.a. Debatte „Sozialismus des XXI. Jahrhunderts“) dar. Sowohl die Wahlerfolge linksgerichteter Parteien wie der PT in Brasilien und der Frente Amplio in Uruguay wie auch die tiefer gehenden Entwicklungen in Venezuela, Bolivien und Ecuador sind Ausdruck einer neuen politischen Situation. Hegemonieverhältnisse scheinen sich umzukehren. Die verfassungsgebenden Prozesse in diesen Ländern sind eine Hinwendung zu einer Demokratie von unten, in denen nicht mehr die alten herrschenden Kräfte den Ton angeben, sondern soziale Bewegungen (indigene, demokratische, Volkskräfte) sich als hegemoniale Akteure bewegen. Das geschieht in heftiger Auseinandersetzung mit alten Strukturen und Kräften. Insofern sind diese Prozesse nach vorne hin offen und reversibel. Dauerhaftigkeit und Überlebenschancen hängen von der Fähigkeit der neuen Akteure ab, sich in dieser Auseinandersetzung zu behaupten. Die neue Situation in Lateinamerika wird aber ebenfalls von zunehmender politischer „Konkurrenz“ gekennzeichnet. Kuba ist nicht mehr alleiniger Bezugspunkt politischer Veränderungen. Präsident Hugo Chavéz diktiert mit seinen Ideen und Maßnahmen das politische Bild und die Tagesordnung Lateinamerikas. ( s. Vermittlerrolle Chavéz in Kolumbien). Die Reaktion anderer Staaten darauf ist zögerlich und zurückhaltend wie das Beispiel Brasiliens zeigt (u.a. kein Beitritt zur ALBA). Gleichzeitig agiert Brasilien gemeinsam mit Venezuela auf internationaler politischer Ebene vorwiegend im Gleichklang, was die Entwicklung der Süd-Südbeziehungen betrifft. Brasilien als regionale Macht wird im Verbund mit anderen Ländern Lateinamerikas zu einem „global player“, der sich selbstbewusst und zielstrebig der Entwicklung auf dem Kontinent und außerkontinentaler Beziehungen widmet (BRIC, WTO) und eigene Ziele in diesem Rahmen verfolgt. Genutzt wird die gegenwärtige Konjunktur der Nachfrage nach Rohstoffen, die den Ländern Spielräume für wirtschaftliche Entwicklung eröffnet. Nicht wenige Gegensätze existieren im Rahmen der WTO und Doha – Runde mit den Interessen der Industrieländer. Die Beziehungen der USA zu einem Teil der Länder Lateinamerikas ist in eine Krise geraten. Sie haben ihre Beziehungen zu Lateinamerika in die generelle Zielstellung des Ausbaus ihrer Vormachtsstellung eingebaut und versuchen, ihre politischen Vorstellungen den Ländern aufzuzwingen. Dagegen entwickelte sich sowohl moderater wie auch radikaler Widerstand. Sie sind nicht mehr in der Lage, mit alten Methoden zu herrschen. Sie reagieren mit einem breitem Arsenal von Herrschaftsmethoden.Die von der EU offerierte „Alternative“ stellt eine abgeschwächte Variante der amerikanischen Freihandelszone dar, was durch die in den Verhandlungen auftretenden Schwierigkeiten von einem Teil der lateinamerikanischen Länder mehr und mehr erkannt wurde. Die EU als politischer Akteur wirkt vor allem über die existierenden Wirtschaftsbeziehungen und versucht, ihre Position über bilaterale Abkommen und Verträge auszubauen. Andere, außereuropäische Kräfte wurden in Lateinamerika tätig, die nicht nur wirtschaftlich Alternativen bieten, sondern auch in einigen politischen Fragen der Süd-Südkooperation mit lateinamerikanischen Positionen übereinstimmen.
Die geopolitische Situation Lateinamerikas hat sich zu Beginn des XXI. Jahrhunderts grundlegend verändert. Es beginnt, weltweit eine aktivere, unabhängigere Rolle zu spielen. | 3.296875 | 3.109375 | 3.546875 |
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Fragestellung: Ist es sinnvoll im Kindesalter restriktiv einen UV-Schutz für die Augen anzuwenden, obwohl UV-Strahlung eine schützende Wirkung für das Entstehen einer Myopie hat?
Einleitung: Die Myopie ist eine typischerweise durch Längenwachstum des Augapfels verursachte Fehlsichtigkeit mit stark steigender Prävalenz in den letzten Jahrzenten. UV-Strahlung hat auf die Haut und die Augen eine Vielzahl negativer Auswirkungen. Nebst der akuten Photokeratitis sind Pinguecula, Pterygium, Plattenepithelneoplasie, Katarakt, AMD und maligne Melanome chronische Veränderungen. Andererseits bremst UV-Strahlung das Fortschreiten des Augenlängenwachstums.
Modellrechnung: Mittels dem evidenzbasierten Modellrechner kann das Risiko einer Myopie und deren Stärke anhand des Jahrgangs, der Sonnenschutzanwendung, der familiären Prädisposition, der Zeit im Freien und des Bildungsgrades berechnet werden. Gelegentlich angewandter Sonnenschutz hat gegenüber häufig angewandtem Sonnenschutz einen Schutzfaktor für die Myopieentstehung von 1.03. Das grösste Risiko einer Myopie kommt von der familiären Prädisposition.
Diskussion: Zeit im Freien hat einen grossen hemmenden Effekt auf die Myopie, Sonnenschutzanwendung nur einen leicht Fördernden. Zudem hat Sonnenschutz einen stark hemmenden Effekt auf UV-bedingte Augen- und Hauterkrankungen. Auf Sonnenschutz der Augen zu verzichten, um eine Myopie zu verhindern oder im Fortschreiten zu bremsen, scheint unvernünftig.
Neben der subjektiven Bewertung der Hörsystemanpassung durch die Kunden und die Verifikation durch die Akustikerin/den Akustiker, in der Regel insitu, ist auch die Validierung einer Hörsystemanpassung nötig bzw. vorgeschrieben.
Der in der Hörgeräteakustik verbreitetste Test, um das Sprachverstehen zu testen, ist auch weiterhin der Freiburger Sprachtest.
Dieser findet nicht nur Anwendung bei Akustikerinnen und Akustikern, sondern auch bei HNO Ärztinnen und Ärzten. Somit ist er aus der Praxis nicht wegzudenken.
Neben den bekannten Problemen der ungleichen Listen und der mangelnden Eignung des Freiburger Sprachtests für Messungen im Störschall, haben jedoch alle Sprachtests gemein, dass sie nur akustisch und nicht visuell dargeboten werden.
Viele Schwerhörige, auch HörgeräteträgerInnen, nutzen jedoch im realen Leben neben der reinen akustischen auch die visuelle Information über das Mundbild der Sprecherin / des Sprechers. Diese Zusatzinformation kann die subjektive Höranstrengung deutlich reduzieren.
In dieser Studie wurde die Sprachverständlichkeit (SV) im Freiburger Sprachtest im Freifeld mit und ohne Videomaterial bei insgesamt 22 Personen und 6 Normalhörenden untersucht.
Das Ausmaß der Beeinträchtigung durch eine Schwerhörigkeit ist eng mit dem Verlust des Sprachverstehens verbunden.
Das oberste Ziel einer Hörsystemversorgung ist deshalb das Wiederherstellen der Kommunikationsfähigkeit.
Beim Nachweis des Versorgungsnutzens stellt die Sprachaudiometrie einen wesentlichen Bestandteil dar.
In dieser Bachelorarbeit geht es um den Vergleich von Oldenburger Satztest und Oldenburger Kindersatztest in der Sprachaudiometrie Erwachsener.
Im Fokus der Untersuchungen standen dabei die Dauer der Messdurchführungen, der damit verbundene Konzentrationsaufwand für den Kunden und die Höranstrengung. Ziel der Bachelorarbeit war es aufzuzeigen, dass der Oldenburger Kindersatztest eine geeignete sprachaudiometrische Methode zur Ermittlung der Sprachverständlichkeitsschwelle bei Erwachsenen darstellt, da er aufgrund seiner reduzierten Durchführungsdauer den Kunden weniger belastet und anstrengt.
In dieser Bachelorarbeit geht es darum, ein System zu bauen, mit dem die Augenbewegungen gemessen werden können bei Verwendung von GS und im Vergleich dazu bei Verwendung von Einstärkengläsern (ES). Das System soll eine natürliche Lesesituation simulieren. Es sollen die Grenzen herausgefunden werden, wo der astigmatische Fehler beim Tragen von GS gerade noch akzeptiert wird. Hierfür soll keine Augentrackingbrille verwendet werden, sondern aufgrund der Kopfbewegungen (KB) und dem Wissen wo der Proband hinschaut, die Augenbewegungen (AB) berechnet werden.
Das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit ist es, das Kaufverhalten der Vorgängergenerationen mit dem der Generationen Y und Z zu vergleichen und daraus resultierende Informationen über die Auswirkungen auf die Augenoptik in Deutschland zu erhalten, um den Markt besser zu verstehen und daraus zu lernen.
Dazu wurden zunächst das Kaufverhalten im Allgemeinen und die zugehörigen Segmente spezifiziert und alle Generationen mittels Literaturrecherche definiert und ihre Merkmale analysiert. Darauffolgend wurde das Kaufverhalten der einzelnen Generationen miteinander verglichen und die prägenden Merkmale der Generation Y und Z auf die Marktsituation in der Augenoptik übertragen.
Die im Rahmen dieser Bachelor Thesis "Verzeichnung und Brillenanpassung - Eine Visualisierung in Form von Drehbüchern" erarbeiteten Drehbücher dienen als Vorlage zur Erstellung von Lehrvideos in Form von Kurzfilmen mit einer Länge von drei bis vier Minuten.
Diese Kurzfilme sollen Kunden und Mitarbeitern der Firma Schneider das Verständnis für das jeweilige optische Thema erleichtern.
Es wurden Drehbücher zu den Themen "Anpassung und Zentrierung von Brillen" und "Verzeichnung und Schaukeleffekt bei Gleitsichtgläsern" erstellt.
Die angefertigten Drehbücher ermöglichen mit genauen Regieanweisungen und Layouts die spätere Umsetzung durch Dritte. Verschiedene Situationen und Darstellungen werden mit Skizzen und Anmerkungen vertieft. Die jeweiligen Bilder unterstützen die Veranschaulichung der einzelnen Szenen und erleichtern die Umsetzung vom Drehbuch zum Film. Zusätzlich gibt es in beiden Drehbüchern einen Text für den Sprecher.
Mit dieser Erzählstimme werden im Video die einzelnen Abbildungen und Szenen für den Betrachter leicht verständlich erklärt. Zudem wurde von beiden Drehbüchern ein Storyboard angefertigt, welches mit Kameraanweisungen und Szenenbeschreibungen den zeitlichen Ablauf des Videos darstellt.
Zusätzlich zu den Drehbüchern wurden die Grundlagen beider Themen in jeweils einem theoretischen Teil zusammenfassend erklärt.
Das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit ist es, einen Überblick über die Einsätze der Virtual Reality Brillen Technik in der Augenoptik und Optometrie zu geben und
gleichzeitig auch auf die Technik hinter der Virtual Reality Brillen einzugehen.
Hierzu werden zu Beginn die Arten und Funktionsweisen der unterschiedlichen Geräte auf dem Markt vorgestellt und miteinander verglichen. Anschließend werden Problematiken bei der Verwendung von Virtual Reality Brillen diskutiert. Die Basis der Arbeit bildet die Darstellung und Aufführung von bereits erfolgreichen Einsätzender Virtual Reality Brillen in der Augenoptikbranche, sowie die Vorstellung von gelungenen Einsätzen der Technik in Studien, hinsichtlich therapeutischer Maßnahmen in der Optometrie.
Ableitend daraus werden eigene Nutzungsmöglichkeiten erarbeitet, die als Ideen und Denkanstöße für zukünftige Virtual Reality Anwendungen in der Augenoptik, dienen sollen.
In dieser Arbeit wird speziell nur auf die Technik der Virtual Reality Brillen und nicht auf die gesamte Virtual Reality Technik eingegangen.
Die Bachelorarbeit ist sowohl für Schüler und Studierende in der Augenoptik, als auch für alle Interessenten des augenoptischen Fachgebietes interessant. Alle aufgeführten Einsätze entsprechen dem aktuellen Stand 2018.
Wie das bekannte Sprichwort sagt: „Übung macht den Meister“, geht es in der augenoptischen Werkstatt häufig um das Üben von Fähigkeiten und Fertigkeiten.
Die größten Herausforderungen an einer Schule sind dabei die umfangreichen Versuchsbeschreibungen, die meist in der Darstellung nicht ausreichen und noch
zusätzliche Vorführungen der Lehrenden erfordern. Dazu kommt, dass bei größeren Gruppen in der Werkstatt unterschiedliche Versuche parallel laufen müssen und somit mehrere Lehrende gleichzeitig Vorführungen durchführen. Dies ist auf dem begrenzten Raum einer Werkstatt nicht möglich.
Als grundlegende Frage stellt sich hierbei, wie kann genügend Übung bei einem begrenzten Personalaufwand und begrenzter Werkstattgröße gewährleistet werden? Eine hervorragende Lösung dafür sind Lehrvideos.
Lehrvideos können von den Studierenden zu jedem Zeitpunkt abgerufen werden und ermöglichen außerdem das selbstständige Üben. Zudem ermöglichen die Lehrvideos einen optimalen Ausgleich zwischen der klassischen Vorlesung und dem selbstorganisierten Lernen und können auch bei etwas größeren Gruppen eingesetzt werden.
Dieses wird Blended Learning genannt und passt sich dem
digitalen Wandel dieser Zeit an.
Ziel dieser Bachelorthesis ist es, ausführliche Arbeitsabläufe für die augenoptische Werkstatt in Form von Lehrvideos zu erstellen. Diese sollen den
Studierenden den Einstieg in das Werkstattpraktikum erleichtern und individuelle Lücken füllen. Des Weiteren bieten sie die Möglichkeit, Lerninhalte selbstständig zu erarbeiten, zu wiederholen und zu üben.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, zu überprüfen, ob die optische Korrektur einer hydrophilen Freiformkontaktlinse bei Keratokonus durch einen zusätzlichen peripheren quadranten-spezifischem Anteil verbessert und zentrale Freiformflächen zu designen, berechnen, drehen und anzupassen. Diese Linse wird anschließend im Vergleich mit einer Linse mit identischer Freiform, aber ohne peripheren quadrantenspezifischen Anteil in Bezug auf das Sitz-und Zentrierverhalten und einer idealerweisesphärischen Vorderfläche untersucht. Jeweils zwei baugleichehydrophile Freiformkontaktlinsen mit und ohne peripherem quadrantenspezifischem Anteil werden mit gleichem sphärischem Vorderflächendesign und mit identischen Stabilisationszonen berechnet (Softwareentwicklung sagreader, HS Aalen). Alle Freiform-Kontaktlinsen für den Keratokonuspatienten werden mit einer Diamantdrehmaschine mit fast oscillation tool gefertigt (DAC Intl, USA). Mit Hilfe der Pentacam HR (Oculus, Wetzlar) werden Scheimpflugaufnahmender linsenfreien Hornhaut des Probanden, sowie Topographien mit den gefertigten Kontaktlinsenauf dem Augegemacht. Aus den ermittelten Datenwird mit einem Differenzprogramm (Matlab, Softwareentwicklung HS Aalen) die Abweichung der Scheiteltiefen von der besten Sphäre berechnet und graphisch dargestellt. Das Ergebnis zeigt, dass die Abweichung(„Oszillation“)der Vorderfläche von der besten Sphäre bei den Linsen mit zentraler Freiformrückfläche und ohne quadranten-spezifisch emperipherem Anteil im Vergleich zur Vorderfläche der Hornhaut des Probanden sich von 0,23 mm auf 0,18 mm reduziert. Bei den Linsen mit peripherem quadrantenspezifischem Anteil jedoch ist eine deutliche Erhöhung der irregulären Vorderflächenverformung festzustellen.
Als Schlussfolgerung der Pilotstudie ergibt sich, dass eine zusätzliche periphere quadrantenspezifische Rückflächengeometrie die optimale Korrektur durch die zentrale Freiformrückfläche nicht verbessern muss. | 3.75 | 3.28125 | 2.96875 |
d03a768de81ce52da3021bda9e2edbfb | Die Schmierung von natürlichen Gelenken
Da das Thema meiner Doktorarbeit „Biophysikalische Aspekte der Schmierung natürlicher Gelenke“ lautete, möchte ich dieses Thema und die Resultate hier noch einmal darstellen.
Ziel der Arbeit war es zu untersuchen, wie der Schmiermechanismus in natürlichen Gelenken auf molekularer Ebene funktioniert. Derzeit verwendete Gelenksimplantate haben eine Lebensdauer von ca. 10 – 15 Jahre, ein natürliches Analoga kann es auf bis zu 100 Jahre bringen. Um einen Einstieg in dieses interessante Thema zu finden, zeigt Abbildung 1 ein Beispiel für ein solches Gelenk.
Abb. 1: Derzeit verwendete künstliche Hüftgelenke, bestehend aus einer Gelenkkugel und Gelenkpfanne; Abbildung /1/ entnommen
Das Hauptproblem von derzeit verwendeter Implantate ist die Auswahl der Materialien. Meist besteht die Gelenkkugel aus Edelstahl und die Pfanne aus einem Kunststoff (Teflon, Nylon, Polyethylen). Hauptprobleme dieser Konstruktionen sind, das die Kugelpfanne und die Kugel gegeneinander reiben und so allmählich die Oberflächen der Teile beschädigen. Wenn man die Belastung des Gelenkes hochrechnet, kommt man zu folgenden Ergebnis:
350 Bewegungen am Tag * 365 Tage im Jahr * 15 Jahre = ~ 2.000.000 Bewegungen (2 Millionen)
Wenn man das ganze auf das natürliche Gelenk überträgt und eine Lebensleistung von 70 Jahren annimmt, sind wir bei der gleichen Anzahl von täglichen Bewegungen bei 9 Millionen Bewegungen. Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass man sich in jungen Jahren viel mehr bewegt.
Wenn wir uns nun mit dem Gelenk im Detail beschäftigen wollen, soll hier ein Schnitt durch das Gelenk betrachtet werden. Den Aufbau einen solchen Gelenks zeigt Abbildung 2.
Abb. 2: Aufbau eines künstlichen Gelenkes (Knie oder Hüfte). Basis des Gelenkes ist ein Knochen, auf welchen der Knorpel aufgewachsen ist. Der Knorpel besteht hauptsächlich aus dem Biopolymer Kollagen, weiterhin beherbergt er 40 % Wasser und lebende Knorpelzellen. Später wurde bewiesen, dass die Knorpeloberfläche mit Lipidmembranen behaftet ist.
In der eigenen Arbeit wurde die Rolle dieser Lipide für die Architektur und Funktionsweise des Gelenkes studiert. Die Gelenkkugel und –pfanne sind durch den Gelenkspalt getrennt, der mit der Synovialflüssigkeit gefüllt ist. Hauptbestabteile neben Wasser, Kochsalz und Proteinen sind die Hyaluronsäure (HS) und das Lipid DPPC.
Abbildung 3 illustriert für den interessierten Leser die Strukturen der Hauptkomponenten der Synovilaflüssigkeit.
Abb. 3: Moleküle der Synovialflüssigkeit. A zeigt eine Monomereinheit der Hyaluronsäure. Es ist zeitgleich ein Polysaccharid (umgangssprachlich: Zucker) und ein Polyelektrolyt (enthält saure, dissoziierte Carboxylgruppe und ist daher geladen). Die Hyaluronsäure hat ein Molekulargewicht von 1.000.000 g/mol. Das Molekulargewicht ist ein Maß, wie schwer ein Molekül ist. Zum Vergleich: Wasser (H2O) hat ein Molekulargewicht von 18 g/mol, die Schwefelsäure (H2SO4) von 100 g/mol und Uran (U) von 240 g/mol. Daran kann man erkennen, dass 1 Million sehr groß ist. Abbildung B zeigt das Phospholipid DPPC. Es hat wie alle Phospholipide einen geladene Kopfgruppe und einen lange, hydrophobe Schwanzgruppe, welcher aus zwei Strängen besteht. Die Kopfgruppe kann positiv, negativ oder bivalent (positiv und negativ) geladen sein. Viele in der Natur vorkommende Phospholipide haben eine zweifache Ladung. Eine wichtige Eigenschaft von Lipiden ist, dass sie bei physiologischen Bedingungen sowohl in der festen, kristallinen Phase als auch in der flüssigen Phase vorliegen können. Der Übergang von der einen Phase zur anderen ist durch die Phasenübergangstemperatur gekennzeichnet. Das DPPC hat eine Phasenübergangstemperatur von 41 °C, es liegt im Gelenk also in der festen (kristallinen) Form vor. Eine oberhalb der Phasenübergangstemperatur vorliegende Lipid Doppelschicht wird auch als zweidimensionale Flüssigkeit bezeichnet, da sich in der flüssigen Phase die Lipid in zwei Raumrichtungen bewegt werden können (also in x und in y Richtung im Koordinatensystem). Bei einer dreidimensionalen Flüssigkeit wie Wasser können sich die Moleküle in drei Raumrichtungen bewegen (x, y und z Richtung). Für weitere Informationen über die Lipide sei auf den Artikel „Präparationen von Lipidvesikeln“ in der Rubrik „Präparationen“ auf dieser Homepage hingewiesen. C: zeigt zum Vergleich zum B ein Tensid. Wie der Leser erkennen kann, besitz auch dieses Molekül eine geladene Kopfgruppe und einen hydrophoben Schwanz. Bei dem in C abgebildeten Tensid ist erkenntlich, das es wesentlich einfacher aufgebaut ist. Es hat nur einen geladen Gruppe, die Schwanzgruppe ist nur 40 % so lang wie beim DPPC und es hat nur eine Kohlenwasserstoffkette. Anionische und kationische Lipide finden Anwendung in Seifen, Waschmittel, Shampoos und anderen Waschmittel und Körperhygieneprodukten. Aber es ist weiterhin bekannt, dass Tenside auch als Schmiermittel fungieren können. Dem interessierten Leser sei folgendes Experiment vorgeschlagen: Man weiche ein Stück Seife (und damit Tensid) in Wasser auf, legt es auf den Fussboden, nimmt Anlauf und springt auf die Seife. Man wird erkennen, dass es einen deutlichen Unterschied besteht zwischen dem Fussboden und dem Stück Seife.
Nach dem wir uns angeschaut haben, wie so ein Gelenk aufgebaut ist und aus welchen Materialien es besteht, wollen wir uns nun der Funktionsweise und eventuellen Ursachen für das Gelenkserkrankungen beschäftigen. Gehen wir noch einmal zurück zum Aufbau des Gelenkes. Wichtig für das funktionieren des Gelenkes ist die Schnittstelle zwischen Knorpel und Synovialflüssigkeit, welches ein sehr sensibles System darstellt.
Für die eigenen Arbeiten war es also nötig, das Verhalten des Gelenkes unter mechanischer Belastungen (Druck und Scherkräfte) zu untersuchen. Dabei wurde in teils sehr aufwendigen Neutronenstreuexperimenten (siehe Artikel „Reflektometrie“ in der Rubrik Techniken) ein Modelsystem unter Druck studiert. Ich möchte hier nur kurz auf das Ergebnis eingehen. Es wurde eine Hyaluronsäure-Lösung (3,6 mg/ml, 0,15 mol/l NaCl, pH = 7, 37°C) bei 50 bar gegen ein dem Knorpel ähnlichen Polymer gedrückt. Als Hauptergebnis der Druckversuche wurde beobachtet, das der Knorpelersatz etwa 30 % an Wasser und Schichtvolumen verloren hat. Anschließend wurde der Druck auf 100 bar erhöht und anschließend wieder auf Normaldruck entspannt. Dabei konnten keine Veränderungen im System festgestellt werden. Der im Experiment vorherrschende Druck von 50 bar kann jederzeit lokal im Gelenk auftreten. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass die hygroskopische (wasserentziehende) Hyaluronsäure dem Knorpel bei einem leichten Druck Wasser entzieht. Über den Nutzen dieser Entdeckung wird später eingegangen. Dies war also das Experiment von dem System Knorpel / ohne Lipidfilm an Grenzfläche. Im nächsten Versuch wurde die HS-Lösung gegen einen Lipidfilm mit bis zu 600 bar gedrückt, ohne das sich im Modelgelenk ein Parameter geändert hat.
Was hat dieses Ergebnis in Hinblick auf die Schmierung von den Gelenken zu tun? Fassen wir noch einmal zusammen: Bei den intakten Gelenk mit voll ausgebildete Lipidfilm ist der Knorpel ein sehr stabiles System und wird nicht von der wasserentziehenden Hyaluronsäure angegriffen. Fehlt diese Schutzschicht, so greift die Hyaluronsäure den Knorpel an. Doch wodurch kann der Schutz- und Schmierfilm angegriffen werden? Schädigung der Synovialflüssigkeit und dadurch im gesamten Gelenk können durch Fett, Alkohol, schlechtes Essen oder Mangelernährung (z. B. in der Kriegsgeneration), Rauchen und Umwelteinflüsse eintreten. So gelangt beispielsweise bei übergewichtigen Personen Fett in das Gelenk, welches aufgrund seiner hydrophoben Natur in den Lipidfilm eindringen können und den Film beschädigen. Es können sich Ablagerungen der Schadstoffe an der Knorpeloberfläche bilden, die den Lipidfilm schädigen. Günstig für ein Gelenk ist ausreichend Bewegung, da dadurch die Hyaluronsäure wieder neu gebildet wird.
Für eingehendere Darstellung dieser These sein an dieser Stelle auf meine Dissertation verwiesen, die unter der Rubrik „Download“ herunter geladen werden kann
Um das Schmierverhalten der Synovialflüssigkeit zu untersuchen, wurden rheologische Studien mit Hyaluronsäure / Lipidmischungen durchgeführt. Bei der Rheologie wird die Viskosität von Flüssigkeiten („Zähflüssigkeit“) untersucht, in unseren Fall die scherabhängige Viskosität. So hat Wasser eine sehr geringe Viskosität und ist sehr dünnflüssig, beispielsweise die Zahnpaste hat eine hohe Viskosität und ist sehr dickflüssig. Um solche Messungen durchzuführen, benötigt man ein Rheometer. Dabei handelt es sich um ein Kegel, der in einen Gehäuse rotiert, welches am Ende einen Spalt mit 1 mm hat und dieser mit der Probelösung gefüllt ist. Wenn der Kegel rotiert, muss eine Kraft aufgewendet werden, um die innere Reibung zu überwinden. Je mehr Kraft aufgewendet wird, desto höher die Viskosität der Lösung. Als variablen Parameter hat die Viskositätsmessung die Geschwindigkeit, welche einen wichtigen Informationsgehalt über die Probe hat. Die Viskosität ist in der Regel konstant, es gibt aber auch Moleküle, die verändern ihre Viskosität mit steigender Scherrate (Bewegung des Kegels). Ein solches Beispiel ist die Hyaluronsäure. Es handelt sich bei dieser Säure um eine große, zusammengeknäulte Molekülkette. Erhöht man nun die Scherrate, so strecken sich die Moleküle, sie werden länger und ihre Viskosität sinkt. Man nennt dieses Phänomen „Scherverdünnung“. Abbildung 4 zeigt, wie sich dieses Verhalten bei der Hyaluronsäure darstellt.
Abb. 4: scherabhängige Viskosität der Hyaluronsäure unter physiologische Bedingungen
So viel zur Hyaluronsäure, doch nun schauen wir uns die Synovialflüssigkeit (Hyaluronsäre, DPPC, Natriumchlorid 0,15 mol/l) an. Abbildung 5 zeigt die scherabhängige Viskosität Bei verschiedenen Lipidkonzentrationen.
Abb. 5: Einfluss der Zugabe von DPPC auf die Viskosität der der Hyaluronsäurelösung (respektive der Synovialflüssigkeit). Im gesunden Gelenk herrscht eine Konzentration 1 mg/ml (entspricht grüner Kurve)
Man erkennt bei Abbildung 4, dass die DPPC Vesikel einen sehr starken Einfluss auf die Viskosität der Lösung hat. Wie unter Abbildung 2 andiskutiert, haben die Lipide eine sehr starke Schmierfunktion. Aber wenn wir zurückgehen zum Versuchsaufbau bedeutet das, dass die Kraft für die Bewegung des Kegels drastisch abnimmt. Wodurch kommt dieser Effekt zustande? Möglicherweise haften die Liposomen in der Lösung an der Oberfläche des Rheometeraufbaus und dadurch wird die „scheinbare Viskosität“ veringert. Aber das ist genau das gleiche Phänomen wie im Gelenk. Auch dabei haften die Lipide and den Oberflächen und es befindet Liposomen in der Synovialflüssigkeit. Für ein hauptsächliches Grenzflächenphänomen spricht, das sich verschiedene Konzentrationen der Lipide kaum auf die Viskosität auswirken (siehe rote, grüne und magentafarbene Kurven in Abbildung 4). Das Lipidvesikel in der HS Lösung oberflächenaktiv sind, wurde in eigenen Messungen mittels QCM-D bewiesen (für QCM-D siehe Rubrik Techniken).
Nun soll noch die Idee einer Therapie für die Behandlung von Gelenkserkrankungen besprochen werden. Gegenwärtige Praxis bei der Behandlung solcher Erkrankungen ist es, eine Hyaluronsäurelösung in das Gelenk zu applizieren, um die Schmierwirkung wieder zu erzielen. Diese Therapie berücksichtigt jedoch nicht, dass das Lipid DPPC eine wichtige Rolle bei der Schmierfunktion spielt. Die Therapie mit der eingespritzen Hyaluronsäure ist höchst umstritten, es gab bisher keinen wissenschaftlichen Beweis für einen therapeutischen Nutzen. In vielen Ländern, darunter auch den USA, ist diese Form der Behandlung von Rheuma und Arthritis nicht zugelassen, weil der Nutzen nicht nachgewiesen ist. Das Hauptproblem der applizierten Hyaluronsäure ist, dass es sich dabei um ein Polysaccharid (umgangssprachlich Zucker) handelt. Dieser wird von den Knorpelzellen als Nahrung verwendet und ist ca. 14 Tage nach der Injektion von den Knorpelzellen sozusagen „aufgefressen“. Nun haben wir aber gelernt, dass die Lipide eine wichtige Rolle spielen. So wäre es denkbar, dass der injektierten Hyaluronsäure ein Teil Lipid Liposomen beigemischt werden, in der Hoffnung, dass sich dieser Schutzfilm für den Knorpel wieder aufbaut.
Zusammenfassung:
Durch die eigene Arbeit konnte ein verbessertes Verständnis für die Funktion von natürlichen, menschlichen Gelenken erarbeitet werden. Hauptsächlich konnte der Nutzen von oberflächenaktiven Lipiden, die auf der Knorpeloberfläche sitzen, heraus gearbeitet werden. Diese Lipide bilden sowohl einen Schmierfilm durch ihre „ölige Natur“ als auch einen Schutzfilm als Sperre zwischen dem Kollagen des Knorpels und der hygroskopischen Hyaluronsäure. Der Schmiereffekt von den DPPC wurde in rheologischen Messungen (siehe Abbildung 4) nachgewiesen. Mit diesem Wissen könnte in Zukunft ein künstliches Gelenk aufgebaut werden, die das Prinzip der Flüssigschmierung umsetzen. Ferner kann die derzeitig Therapiepraxis mit dem Einspritzen von Hyaluronsäure in erkrankte Gelenke verbessert werden, in dem Lipidvesikel zugesetzt werden.
Referenzen:
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Sie machen also eine Urlaubsreise in die Karibik und suchen vielleicht sogar nach Schnorchelplätzen auf den Jungferninseln. Aber wenn Sie schon dabei sind, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass Schnorcheln, das eine hervorragende Möglichkeit ist, eine Facette der Natur zu genießen, die wir nicht jeden Tag sehen, auch ziemlich gefährlich sein kann. Hier sind einige Tipps, damit Ihr Schnorchelerlebnis Spaß macht und sicher ist.
Haben Sie die entsprechende Ausrüstung
Die grundlegende Schnorchelausrüstung besteht aus der Tauchmaske, Schnorcheln und Schwimmflossen, auch Flossen genannt. Für zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen wird Kindern und Schwimmanfängern empfohlen, Schwimmer zu tragen. Die meisten Resorts vermieten Schnorchelausrüstung und die meisten Bootscharterfirmen stellen sie kostenlos zur Verfügung. Schnorchler werden jedoch aufgefordert, ihre eigenen Masken mitzubringen. Je weniger Zeit Sie für das Anpassen der gemieteten kostenlosen Ausrüstung aufwenden, desto mehr Zeit müssen Sie genießen, um die Aussicht unter Wasser zu genießen.
Wenn Sie Geräte mieten oder diese bereits bereitgestellt werden, ist es wichtig, vorab auf Lecks, Risse, Löcher und andere unwahrscheinliche Öffnungen zu prüfen. Dies gilt auch für die Einstellung der Maskenbänder. Das Durchgehen der kleinen Details vor dem Eintauchen trägt wesentlich dazu bei, Probleme und Beschwerden unter Wasser zu vermeiden.
Halten Sie Ihre Maske von Nebel fern
Maskennebel aufgrund der Kondensation auf der Glasplatte ist für neue Schnorchler ärgerlich und frustrierend. Um dies zu vermeiden, verwenden viele Taucher die Speichelmethode, bei der sie in die Maske spucken und den Spieß um den inneren Teil der Linse wischen und mit etwas Wasser auswaschen. Als Alternative zu dieser Methode können auch kommerzielle Produkte wie Johnsons Baby-Shampoo ohne Tränenformel verwendet werden.
Verwenden Sie ein Buddy-System
Das Buddy-up beim Schnorcheln erhöht in erster Linie die Sicherheit der beiden Schnorchler im Wasser. Vorbeifahrende Boote, Beinkrämpfe und Meerestierbisse sind einige der Gefahren beim Schnorcheln und können in einigen Fällen sogar lebensbedrohlich sein. Ohne einen Partner, der hilft oder um Hilfe ruft, können die Dinge sehr schnell hässlich werden. Ein weiterer Vorteil eines Buddy-Systems besteht darin, jemanden zu haben, mit dem er einen ruhigen und einzigartigen Moment teilen kann, während er in eine fremde, aber erstaunlich schöne Umgebung eintaucht.
Kümmere dich um deine Umgebung
Starker Schiffsverkehr, Regen, starke Strömung und Ebbe beeinträchtigen nicht nur die Sicht unter Wasser, sondern können auch Probleme verursachen. Guides warnen Sie normalerweise vor einem bestimmten Bereich, wenn dieser zum Schnorcheln zu gefährlich ist. Es ist auch wichtig, die Ein- und Ausgänge des Wassers sowie alternative Routen zu kennen, falls das Schnorcheln unterbrochen wird.
Entspannt euch und genießt es
Zu viel Aufregung unter Wasser könnte von Fischen und anderen Meerestieren als Aggression angesehen werden, die sie abschreckt. Verbrauchen Sie so wenig Energie, während Sie durch den Unterwasserraum reisen, mit sanften Tritten gegen die Flossen und leichten Bewegungen der Arme.
Es spielt keine Rolle, ob Sie sich auf den Jungferninseln oder im tropischen Pazifik befinden. Schnorcheln folgt denselben Regeln. Die Orte und das Leben im Meer mögen etwas anders sein, aber die Tipps für Spaß und Sicherheit beim Schnorcheln bleiben gleich. Es gibt viele Schnorchelmöglichkeiten auf der ganzen Welt. Vielleicht stellt sich jetzt die Frage, ob Sie Ihren Lieblingsplatz gefunden haben.
Jeder ist sich der Auswirkungen alltäglicher Dinge bewusst, die sich auf die Erde und die lokale Umwelt auswirken. Immer mehr Menschen sind grün und aus diesem Grund hat sich der Ökotourismus weiterentwickelt. Ökotourismus ist eine Art Urlaub von besonderem Interesse, bei dem Touristen sich der Auswirkungen auf die Erde bewusster sind. Sie versuchen, Abfall usw. zu reduzieren, indem sie Urlaub machen, der neu, anders und hilfreich für die Sache ist. Umweltfreundliche Ferien von besonderem Interesse können den Reisenden aufklären oder sein Wissen erweitern sowie dazu beitragen, Spenden für den ökologischen Schutz zu sammeln. Wenn diese Arten von Feiertagen populär werden, wird auch das Bewusstsein für die Bedeutung und die Ursachen für andere geschärft, über die viele vor diesen einzigartigen Feiertagen nicht nachgedacht haben. Viele Menschen waren sich der Schäden nicht bewusst, die in einigen Gebieten durch Massentourismus und Ökotourismus verursacht wurden.
Urlaub machen ist eine Zeit, in der Sie neue Dinge ausprobieren, sich amüsieren und Ihre Träume ausleben. Special Interest Holidays können alles sein, von der Eroberung eines monumentalen Berges über die Verkostung von Whisky oder Wein bis hin zur Vereinigung mit der Tierwelt. Aktivitäten sind zu einem wichtigen Bestandteil des Urlaubs geworden und viele entscheiden sich während ihres Urlaubs für mindestens eine Aktivität. Es ist auch möglich, eine Reihe von Aktivitäten auszuprobieren. Kombinieren Sie all Ihre Lieben und Interessen und passen Sie Ihren Urlaub genau nach Ihren Wünschen an. Es gibt keine Regeln für Feiertage mit besonderen Interessen. es liegt an dir und was du magst. Sie müssen für einen dieser Feiertage nicht weit gehen, da es in ganz Großbritannien, Irland und dem Rest Europas viele Angebote gibt. Mit dem Aufschwung des Ökotourismus nehmen viele Reiseveranstalter und Ferienzentren dies an und bieten umweltfreundliche Ferien für alle Interessen an. Bio-Küche, Botanik, Wildlife Park-Ferien sind nur einige der großartigen Optionen für einen unvergesslichen Urlaub von besonderem Interesse. Es gibt natürlich auch viele andere.
Urlaub ist eine Zeit zum Entspannen und mit einem umweltfreundlichen Urlaub könnte es ein Hauch frischer Luft sein. Loswerden und alles andere vergessen. Sie viele gewinnen eine neue Perspektive und werden für zukünftige Ferien süchtig. Wenn Sie sich stärker engagieren und mehr über das Gebiet, das Sie besuchen, und die natürliche Umgebung erfahren, kann dies sowohl erfrischend als auch sehr lehrreich sein. Ein grüner Urlaub könnte das Leben verändern! | 3.78125 | 2.578125 | 2.421875 |
6d955a17a28ef5f631fefcb768d03f4a | Über den nervösen Charakter/Praktischer Teil
Ich will zuerst von Charakterzügen sprechen, die sich mit gewisser Regelmässigkeit bei allen Nervösen nachweisen lassen, und die in der Weise zum Ausdruck kommen, dass der Patient mit grosser Gier, direkt oder auf Umwegen, bewusst oder unbewusst, durch zweckmässiges Denken und Handeln, oder durch das Arrangement von Symptomen nach vermehrtem Besitz, nach Vergrösserung seiner Macht und seines Einflusses, nach Herabsetzung anderer Personen und Verkürzung derselben strebt. Meist finden sich alle diese Formen des Eigennutzes beisammen und erst nach besserer Einsicht erkennt man das gewaltige Überwiegen der Umwege, durch die der Patient sich und seine Umgebung täuscht. Er täuscht auch die Wissenschaft. Denn während er beispielsweise den Uneigennützigen spielt, findet man in seinen Anfällen, in seiner Neurose, zugleich aber in dem durch letztere erzielten Endeffekt die verstärkte Gier wieder, von der wir eingangs gesprochen haben; er erweckt so den Eindruck eines Doppel-Ichs, an Spaltung des Bewusstseins Leidenden, und während ein fiktiver Endzweck ihn stärker als den Gesunden das Schema des Geizes, des Neides, der Herrschsucht, der Bosheit, der Rechthaberei, der Gefallsucht auf verborgenen Wegen einhalten lässt, darf er offen, — auch aus Gefallsucht etwa, — den Wohltäter und Gönner, den Friedensstifter und uneigennützigen Heiligen spielen. Nicht ohne dass dieses Spiel gewöhnlich zum Unheil ausschlägt, etwa wie Gregor Werles Wahrheitsfanatismus in Ibsens „Wildente“. Man kann die Sucht des Neurotikers, alles haben zu wollen, nicht stark genug ansetzen, seine Gier, der erste sein zu wollen, unmöglich übertrieben darstellen, — wenn auch die offen zutage liegenden Charakterzüge das widersprechendste Bild dazu liefern. Was den Patienten wirklich treibt, ist das eindeutigste Verlangen nach ausschliesslicher Macht, und da sein Persönlichkeitsgefühl an vielen seiner Mittel Anstoss nimmt, auch die Macht anderer seinen Triumph hindern könnte, verbirgt er die verwehrten Charakterzüge vor sich und den anderen, und als verständnisvoller Kenner feindseliger Regungen und deren Unbeliebtheit, lässt er sich im Tageslicht, in seinen „bewussten Regungen“ von dem Ideal der Tugend leiten. Dabei verrät sich sein verstärkter Aggressionstrieb dennoch, und zwar im Traume, in unbeherrschten Handlungen, in Haltung, Mimik und Geberde und in jenem psychischen Geschehen, dessen Ausdruck die Neurose ist.
Bezüglich der Frage der Vererbung derartiger Charakterzüge, ja auch ihrer antagonistischen Anordnung, stellt sich in der Regel [64] heraus, dass sie als sekundäre Leitlinien nach dem Bilde des Vaters, der Mutter oder stellvertretender Personen erworben und keineswegs angeboren sind. Die neurotische Psyche findet sie im eigenen oder in einem vorbildlichen Material vor, als welches für viele Fälle auch das Doppelspiel, die Bewusstseinsspaltung der menschlichen Gesellschaft zu gelten hat. Der Kunstgriff der Neurose aber ist es dann, die für den fiktiven Zweck der Persönlichkeitserhöhung oft ungeeigneten, feindseligen, aggresiven Züge zu verbergen, zu verändern, den gleichen Zweck vielmehr noch intensiver auf Umwegen, oft durch entgegengesetzte Charakterstimmungen und durch neurotische Symptome zu erreichen. Man überzeugt sich dann leicht, dass die übertriebene Freigebigkeit solcher Patienten dem gleichen Ziel des „Willens zur Macht“ gehorcht, dem sich der Kranke auch durch Steigerung seines Aggressionstriebs, seiner Begehrlichkeit, seiner Sparsamkeit zu nähern versucht.
Einer meiner Patienten, der wegen Stottern und Depressionszuständen in meine Behandlung kam, liess für seine Umgebung nur die Züge der Freigebigkeit erkennen. Eines Tages übergab er einem Institut eine grössere freiwillige Spende, und erzählte mir dies, indem er scheinbar unvermittelt daran die Bemerkung knüpfte, er sei heute besonders deprimiert. Dabei trat auch sein Stottern stärker hervor. Der verstärkte Zustand seiner Neurose erwies sich als eine Folge seiner Freigebigkeit, durch die er sich nun verkürzt fühlt, und man ist berechtigt, den wahren Charakter in weiteren Handlungen, Gedanken oder Träumen, parallel laufend den hervortretenden neurotischen Symptomen zu erwarten, nicht etwa, weil er den Geiz oder eine entsprechende Sexualregung „verdrängt“ hatte, sondern weil er sich von seinem Ziel: Vermehrung des Besitzstandes, zu weit entfernt hatte. Er muss nun etwas tun, um wieder dahin — zurückzukehren. „Es war schon spät in der Mittagszeit“, so erzählte er weiter, „ich verspürte starken Hunger, und zudem erwartete mich mein Freund in einer Restauration, wo wir zusammen speisen wollten. So musste ich also den (weiten) Weg dahin gehen. Mein Freund wartete noch. Nach dem Essen wurde es mir etwas besser.“ Das heisst, er begann sofort wieder zu sparen und ging zu Fuss, trotz Hunger, Depression und Rendez-vous. Nebenbei konnte er so den Freund warten lassen, was für viele Neurotiker die verdeckte Art ist, ihre Herrsucht zu betätigen.
Die allerersten Äusserungen, Handlungen, Mitteilungen des Patienten beim Arzte enthalten oft das Wesentliche aus dem Krankheitsmechanismus und aus der Charakterbildung. Es rührt dies daher, weil der Patient noch nicht die Vorsichtsbereitschaft dem Arzt gegenüber besitzt. Als obiger Patient sich mir vorstellte, erzählte er mir unaufgefordert, sein Vater sei nicht wohlhabend, und er könne für die Behandlung keine grossen Opfer bringen. Nach einiger Zeit kam während der Behandlung notgedrungen das Geständnis zutage, dass er mich in diesem Punkte belogen habe, um einen geringeren Honoraransatz zu erzielen. Auch in vielen anderen Beziehungen erwies er sich als geizig. Aber gleichzeitig versuchte er sich und insbesondere andere darüber zu täuschen. Beide Züge besass auch der Vater, und unser Patient war von diesem mit besonderem Nachdruck auf die Sparsamkeit hingelenkt worden. Oft hatte man es ihm vorgesagt: „Geld ist Macht, für Geld kann man alles haben!“ So konnte es nicht fehlen, dass unser Patient, der bereits in der Kindheit sehr ehrgeizig und herrschsüchtig [65] war, als er später in eine unsichere Situation geriet und das Mass des Vaters auf geradem Wege nicht erreichen zu können glaubte, unter dem Drucke seines Ehrgeizes zu dem Kunstgriff Zuflucht nahm, durch Beibehaltung eines Kinderfehlers, des Stotterns, den Vater von dessen Ohnmacht, vom Fehlschlagen seiner Erziehungspläne zu überzeugen. Er verdarb durch das Stottern dem Vater das Spiel, weil er nicht der erste sein, weil er ihn nicht überflügeln konnte.
Unsere Kultur gibt aber den Kindern grossenteils recht, die in der Ansammlung von Geld den Weg zur Macht erblicken. Also geleitet nahm sein Wille zur Macht die äussere Form der Sparsamkeit und des Geizes an, indem er diese noch überspannte. Erst der Widerspruch zwischen offenen niedrigen Geizbetätigungen und dem Persönlichkeitsideal zwang zum Verstecken der Geizregung, mit deren Hilfe er dem Vater überlegen werden wollte, und erzwang das Stottern als Ersatz.
Im weiteren Verlaufe der Analyse zeigte sich der Ausgangspunkt seines verstärkten Strebens nach Besitz. Er litt in den ersten Lebensjahren fast unausgesetzt an Magen- und Darmbeschwerden, die sich als Ausdrucksform einer angeborenen Minderwertigkeit des Ernährungstraktes geltend machten. Auch in der Familie spielten Magen- und Darmerkrankungen eine grosse Rolle. Der Patient erinnerte sich sehr genau, wie oft er trotz Hungergefühls und Begehrlichkeit wohlschmeckende Speisen entbehren musste, während Eltern und Geschwister sie behaglich verzehrten. Wo er konnte, sammelte er Speisen, Bonbons und Früchte, um sie später schmausen zu können. In dieser Neigung zum Sammeln sehen wir bereits die Wirkung der vorbauenden Sicherungstendenz, die beständig daran arbeitet, das Verkürzungsgefühl irgendwie auszugleichen.
Wie weit sie aber reicht, kann uns etwa ein konstruiertes Beispiel zeigen, das ich mit Analogien aus unserem Fall belegen kann. Die Gier nach Macht und damit nach Besitz kann durch das Gefühl der Minderwertigkeit so aufgepeitscht werden, dass man sie an Stellen der psychischen Entwicklung trifft, wo man sie kaum vermutet. Ein derartiger kleiner Patient wird wohl anfangs den Apfel wünschen, der ihm verwehrt ist, wenn er dem Vater oder Bruder beim Essen zusieht. Es wird sich der Neid regen, und nach kurzer Zeit kann ein solches Kind in seinen Überlegungen und im Vorausdenken soweit sein, — aus Gleichheitsbestrebung — es zu verhindern, dass der andere etwas voraus haben könnte. Es wird auch den Ausbau dieses gewiss wenig bedeutungsvollen Gedankens bald so weit vollzogen haben, dass es Vorbereitungen und Bereitschaften parat hält, es wird sich, besonders bei ursprünglicher muskulärer Unfähigkeit, das ganze Jahr im Klettern und Springen üben, um im Herbst als Meister einen Baum erklimmen zu können. Die menschliche Psyche ist nicht imstande, jederzeit über fiktive Endziele Rechnung zu legen, und so kann dieses Kind, scheinbar losgelöst von seinem Endziel, seine Bereitschaft für Sport und Gymnastik in den Dienst anderer Tendenzen stellen, die auf andere Weise dem Persönlichkeitsgefühl dienen, etwa wie unsere modernen Staaten Kriegsrüstungen betreiben, ohne auch nur den künftigen Feind zu kennen.
Der Vater unseres Patienten konnte leicht von dem Knaben als beiläufiges Vorbild genommen werden, da er an Grösse, Kraft, Reichtum und sozialer Stellung seine Umgebung überragte. Wollte der kleine Junge [66] aus seiner Unsicherheit heraus, in die ihn seine konstitutionelle Minderwertigkeit gestürzt hatte, so musste er wie nach einem Plan, auf einen fixen Punkt zu, seine Vorbereitungen fürs Leben treffen. Das starke Hervortreten der Leitlinie zum Vaterideal ist bereits ein neurotischer Zug, denn in ihm können wir die ganze Not dieses Kindes begreifen, das aus seiner Unsicherheit herauswill. Die Sicherungstendenz der Neurose führt so den Patienten aus dem Bereich seiner eigenen Kräfte und zwingt ihn auf einen Weg, der aus der Wirklichkeit herausführt: 1. weil er seine Fiktion, dem Vater zu gleichen oder ihn zu übertreffen, zu seiner Aufgabe macht und nun gezwungen ist, sein Erleben der Welt unter ihrem Zwang zu formen, zu gruppieren und zu beeinflussen; 2. weil es nie gelingen kann, eine derartige abstrakte Fiktion in der Wirklichkeit durchzusetzen, ausser in der Psychose. Es kommt so in die Psyche des Kindes ein intensiv suchender, messender, abwägender Zug, von dem ich noch einiges hervorheben muss.
Was nach meiner Erfahrung das zu scharf gefasste Leitbild des Vaters bei neurotischen Kindern zuerst verschuldet, zeigt sich, wie ich in meinen Arbeiten gezeigt habe, beim Suchen nach der Geschlechtsrolle. Das neurotisch disponierte Kind, oder wie ich sagen kann, das Kind, das unter dem Druck eines Minderwertigkeitsgefühls steht, will ein Mann werden, — sobald die Neurose ausbricht, ein Mann sein. In beiden Fällen kann es sich nur um ein Gebaren handeln, als ob es ein Mann wäre oder werden sollte. Die verstärkte Sicherungstendenz zwingt auch in diesem Falle die Haltung des angehenden Nervösen in den Bann der Fiktion, sodass zum Teil auch bewusste Simulation zustande kommen kann, und z. B. ein Mädchen, um seinem Minderwertigkeitsgefühl zu entgehen, anfänglich in bewusster Nachahmung männliche Gesten des Vaters entlehnt. Es liegt kein Grund vor, anzunehmen, dass sie dazu in den Vater verliebt sein muss. Die Höherschätzung des männlichen Prinzips genügt dabei, kann allerdings zuweilen von dem Mädchen sowie von der Umgebung als Verliebtheit empfunden werden, wenn die Vorbereitung für die Zukunft in spielerischer Weise eine Hindeutung auf Liebe oder Ehe verlangt. In unserem Falle setzte sich die Leitlinie zum kompensierenden Persönlichkeitsideal im Wandel ihrer Form und ihres Inhalts in ein ehrgeiziges Streben um, den Vater an Reichtum, Ansehen und — damit im Zusammenhang — an Männlichkeit zu übertreffen. Das Suchen nach der eigenen Geschlechtsrolle setzte intensiv und in typischer Weise, als sexuelle Neugier ein, wobei der Patient im Gefühle seiner Minderwertigkeit die Kleinheit seiner kindlichen Genitalien gegenüber der Grösse der väterlichen als eine herbe Zurücksetzung, als Mangel an Männlichkeit empfand. Sein Ehrgeiz, der ihm ermöglichen sollte, von der Stufe der Minderwertigkeit aufzusteigen, zwang ihn zur Steigerung seines Schamgefühls, damit man nicht bei einer Entblössung seine kleinen Genitalien sehen sollte. Dazu kam noch, dass er jüdischer Abkunft war. Er hatte von der Zirkumzision manches gehört und hegte die Vorstellung, dass man ihn auch bei dieser Operation verkürzt habe. Sein männlicher Protest trieb ihn zur Entwertung der Frau, als ob er auf diese Weise seine Überlegenheit erweisen müsste, und er kam mit seiner Mutter in das denkbar schlechteste Verhältnis. Aber auch dem Vater gegenüber, dessen Vorliebe für ihn er durch diplomatische Anpassung nährte, hegte er [67] feindliche Gefühle, die besonders dann zutage traten, wenn der Vater seine Überlegenheit forcierte, wozu er eine grosse Neigung hatte. In diesem Wirrwarr der Gefühle suchte er Orientierung und fand sie nur in dem Gedanken, dem Vater überlegen zu werden, männlicher zu werden wie er. Folgerichtig hätte er, wie es häufig in ähnlichen Fällen geschieht, Versuche unternehmen müssen, um sein Genitale zur Vergrösserung, zur Erektion zu bringen. Dieser Weg, der zu sexueller Frühreife und Masturbation führt, wurde bald von ihm verlassen, weil ihn der Vater mehrmals davon abschreckte. So blieben ihm als Ersatz des männlichen Protestes bloss die Versuche, reicher, angesehener, klüger wie der Vater zu werden, und seine Umgebung herabzusetzen.
Sein Vater hatte grosse Hoffnungen auf des Patienten Rednergabe gesetzt, die sich in der Kindheit schon gezeigt hatte, hatte sich auch durch das geringfügige Stottern des Knaben nicht beirren lassen und hoffte, dass er die juristische Laufbahn ergreifen werde. Hier konnte er den Vater an der wundesten Stelle treffen, und so verfiel er in immer heftigeres Stottern, eine neurotische Äusserung der Sicherung gegen die Überlegenheit des Vaters, zu der ihm die Anregung durch einen stotternden Hauslehrer gekommen war. In der Folge bekam dieses Symptom eine Unzahl anderer Verwendungen, beispielsweise die, dass er durch das Stottern immer Zeit gewann, seinen Partner zu beobachten, seine Worte abzuwägen, Forderungen der Familie an ihn abzulehnen, das Mitleid Anderer auszunützen und ebenso das Vorurteil, womit man nur geringe Erwartungen an ihn stellte, die er dann leicht übertraf. Interessant ist, dass ihm sein recht auffälliges Stottern in der Liebeswerbung kein Hindernis war, dass es ihn eher förderte, was von unserem Standpunkte begreiflich erscheint, nach welchem ein weit verbreiteter Typus von Mädchen von der Liebesbedingung nicht lassen kann, der Mann ihrer Wahl müsse unter ihnen stehen, damit sie ihn sicher beherrschen können.
Besonders feindselige Regungen gegen Eltern, Geschwister und Dienstboten beendete er mit der Aufstellung einer neuen Leitlinie, die ihn zum gütigen Menschen machen sollte. Diese neue Entwicklung vollzog sich unter allabendlicher Ablegung einer Selbstbeichte, bei der er sich seine Bösartigkeit vorwarf und Gewissensbisse arrangierte. Sein wachsendes Verständnis hatte ihn so auf einen kulturellen Umweg zur Erhöhung seines Persönlichkeitsgefühls hingewiesen.
Der Mangel einer geradlinigen Aggression zeigte sich auch darin, dass er seinen Ehrgeiz in Gedanken und Phantasien, allerdings auch in guten Fortschritten in der Schule bewies, sodass er die meisten seiner Mitschüler besiegte. Eine zunehmende Neigung zu Sarkasmus und Verhetzung anderer wurde jetzt der einzig sichtbare Ausdruck seiner früher oft gewalttätigen Aggression, die ihm den Spitznamen „Blutegel“ eingetragen hatte. Eine wichtige Rolle spielte seine kämpferische Stellung für das Judentum, die sich in einer um das 12. Lebensjahr auftretenden Zwangshandlung widerspiegelte. Wenn er ein Schwimmbad betrat, so musste er die Genitalien mit den Händen verdecken und sofort den Kopf unter Wasser stecken, wo er ihn so lange hielt, bis er bis 49 gezählt hatte, sodass er oft schwer nach Luft schnappend und erschöpft auftauchte. Die Auflösung ergab als gedanklichen Inhalt die Bestrebung [68] seiner Phantasie, die Gleichheit der Genitalien herzustellen. Das 49. Jahr hat in der alten jüdischen Gesetzgebung, die er kurz vorher kennen gelernt hatte, die Bedeutung des Jubeljahres, in dem alle Äcker wieder gleichgemacht wurden. Einfälle dieser Art und das gleichzeitige Verstecken der Genitalien wiesen der Deutung den Weg. Man konnte nun bereits den Schluss machen, dass auch sein Stottern eine Überlegenheit wett machen sollte, die Überlegenheit des Vaters, aller Menschen, indem es ihnen zum Hindernis, oft zur Pein wurde.
Sein Geiz, seine Sparsamkeit waren demnach in der gleichen Richtung tätig, Überlegenheiten Anderer aus dem Felde zu schlagen, ihn vor Demütigung und weiterer Verkürzung durch Verarmung zu sichern, und so musste er diese sekundären Richtungslinien stark ausdehnen und seine Erlebnisse nach ihnen formen und werten, um zur Erhöhung seines Persönlichkeitsgefühls, zum männlichen Protest zu gelangen. Nur bei Anlässen, wo ihm durch Lautwerden dieser Charakterzüge eine Beeinträchtigung seines Selbstgefühls erwachsen wäre, unterdrückte er ihre offene Betätigung.
Es wäre ein Unding, in einer medizinisch-psychologischen Frage einen Standpunkt der Moral einnehmen zu wollen, etwa Personen wie die obige als moralisch minderwertig zu beurteilen. Diejenigen, die Neigung dazu verspüren, erinnere ich an die überaus starken, kompensatorischen, wertvollen Charakterzüge, im Übrigen aber an die weise Sentenz Larochefoucaulds, der also urteilte: „Ich habe nie die Seele eines schlechten Menschen untersucht, aber ich habe einmal die Seele eines guten Menschen kennen gelernt: ich war erschüttert!“
In einem, anderen Falle zeigt sich der Charakter des Geizes nicht allein als Hilfskonstruktion, um ein Gefühl der Verkürztheit zu kompensieren, sondern vor allem als Kunstgriff, der der Sicherungstendenz dient. Ein 45jähriger Patient, der zeitlebens an psychischer Impotenz litt und von Suicidgedanken verfolgt war, zeigte eine besonders starke Neigung, Andere herabzusetzen. Wir kennen diesen Charakterzug aus der Schilderung des vorigen Falles, wo er, wie immer, dazu diente, das eigene Gefühl der Minderwertigkeit aufzuheben. Mit dieser Tendenz sind regelmässig gesteigertes Misstrauen und Neid verbunden, die als neurotische, psychische Bereitschaften das Aufsuchen und Werten der Erlebnisse zu verfälschen haben. Auch eine Neigung, anderen in irgend einer Weise körperlichen oder seelischen Schmerz zu bereiten, wird sich dabei in versteckter Weise immer durchzusetzen wissen. Der abstrakte leitende Gesichtspunkt des Patienten, seine herrschende Stellung zu sichern, „oben zu sein“, schien offenbar bedroht und zwang zur Verstärkung fiktiver Richtungslinien. Aus der Kinderzeit kamen Erinnerungen zur Verwendung in der Neurose, denen zufolge er einem Homosexuellen fast zum Opfer gefallen wäre. Er war unter Schwestern als einziger Knabe aufgewachsen, eine Situation, die nach meiner Erfahrung das Verständnis für die eigene Geschlechtsrolle häufig beeinträchtigt. Wichtig war seine Stellung zum Vater, weil sie ihn auch zu verstärkten Sicherungen zwang. Der Vater war nämlich brutal, egoistisch, tyrannisch, so dass es dem Knaben schwer fiel, sich neben ihm in offener Weise zur Geltung zu bringen. Einige Liebesabenteuer hatten den Vater in recht schwierige Situationen gebracht, die unser Patient in seiner entwickelten Neurose als Memento verwendete. Sein Misstrauen wendete sich gegen alle Frauen. Seinen [69] Schwestern gegenüber blieb er zeitlebens aufopferungsfähig, aber diese Tatsache apperzipierte er schon mit überaus starker Empfindung und entwickelte daraus mit Tendenz Gedankengänge, wie leicht er Frauen gegenüber nachgäbe. Und er konnte auch gelegentlich in dieser Richtung weit gehen, um diesen Eindruck bei sich recht scharf hervorzuheben. Dann war er vorbereitet, sich von den Frauen zurückzuziehen.
Aus seiner Kindheit hatte er Gefühle der Minderwertigkeit in ein sexuelles Bild gebracht. Die Ursache seiner unmännlichen Haltung, — hatte ihn doch der Homosexuelle als Mädchen nehmen wollen! — suchte und fand er in einem gelegentlichen Kryptorchismus, der durch einen offenen Leistenkanal verschuldet war. Als er 8 Jahre alt war, beobachtete er einen Knaben bei der Masturbation. Hic puer ei semen ejaculavit in os, was er als ein weiteres Zeichen seiner weiblichen Rolle empfand. Solange er den Vater zum Leitpunkt gemacht hatte, zeigte er die gewöhnlichen Vorbereitungen, ihm gleich zu werden. Er trank ihm heimlich den Schnaps aus, versuchte die Mutter auf seine Seite zu ziehen, und wählte frühzeitig den Beruf seines Vaters, in welchem er auch seine durch das Gefühl seiner Minderwertigkeit und durch das Hinstreben zum Leitbild des Vaters gereizten sadistischen Neigungen befriedigen konnte, er wurde Fleischhauer. Rohe Neigungen betätigte er auch gerne an Mädchen und Frauen, er biss sie, schlug sie und nahm auch einmal an einer Vergewaltigung teil, bei der er den Coitus per anum ausführte, um nicht etwa zu Alimenten verpflichtet zu werden. Dieses Erlebnis aber, das ihn noch ganz in der brutalen Manier des Vaters zeigte, drängte ihn durch die drohende Konsequenz vor strafrechtlichen Folgen und durch die damit verbundene Herabsetzung seines Persönlichkeitsgefühls auf einen neurotischen Umweg. Er verwendete sein ohnehin gesteigertes Misstrauen gegen Mädchen dazu, sie mit eifersüchtigen Anwandlungen zu quälen, sie ganz unter seinen Einfluss zu beugen und sich auf diese Weise den Schein seiner Herrschaft zu sichern. Seine Ejaculatio praecox und die damit verbundene Impotenz dienten seinem Sicherungsbedürfnis ebenso wie seiner Gehässigkeit gegen die Frau. Mit Vorliebe versuchte er verheiratete Frauen zu verführen, um ihnen durch seine Impotenz Enttäuschungen zu bereiten, gleichzeitig aber, um in spielerischer Weise Bestätigungen zu erlangen, dass „alle Frauen“ schlecht seien. Auch in Zwangsideen äusserte sich diese Neigung, weh zu tun. So hatte er während der Kur noch Anwandlungen, eine Sprachlehrerin während des Unterrichts zu beissen und zu schlagen, weil ihm Gedanken aufgetaucht waren, sie hätte einen Geliebten, den sie ihm vorzöge. Diese sadistische Reaktion auf ein Gefühl des Unterliegens, als männlicher Protest gegen die Empfindung, unmännlich, weiblich zu sein, stammt aus der Kindheit und durchzieht seine ganze Neurose. Es war nicht schwer, nachzuweisen, dass seine Impotenz in gleicher Weise dem Endzweck gehorchte, eine Art zu finden, um der Liebeshörigkeit, der Unterstellung unter ein Weib zu entkommen, eine Tendenz, die aber ihre Fortsetzung darin fand, immer wieder Frauen auf irgend eine Weise herabzusetzen. Als er bei seiner Lehrerin keine Aussicht zu reussieren hatte, verliess er sie brüsk, da er wusste, dass das Mädchen auf Stundengeben angewiesen war. Vorher aber stellte er kritische Berechnungen über die Kosten seiner Sprachstunden auf, fand sie für seine Verhältnisse unerschwinglich, was als falsche, tendenziöse Wertung des sehr wohlhabenden [70] Mannes deutlich in die Augen sprang. — In gleicher Richtung verwendete er gelegentlich auftauchende Erinnerungen an inzestuöse Gedanken, um sich seiner Schwäche, seiner verbrecherischen Neigung, sobald Frauen ins Spiel kamen, mit Schrecken bewusst zu werden. So stellte er seine Operationsbasis her, von der aus er sich vor dem weiblichen Geschlechte sichern musste, wodurch ihm eine dauernde Überlegenheit im Leben gewährleistet schien.
Der tiefste Kern seines Zwangs zur Sicherung vor der Frau war, er könnte in der Ehe, in der Liebe Enttäuschungen erfahren, die er seiner Unmännlichkeit zugeschrieben hätte. Da er sein neurotisches Ziel im Beweis seiner Macht suchte, musste er vorsichtig und zu neurotischen Umwegen geneigt werden. Auch bei diesem Patienten lagen frühzeitige Magen-Darmstörungen vor und als peripheres Minderwertigkeitszeichen der fatale Leistenbruch. Bei seiner Art der Liebesbetätigung bot sich der übertriebene Geiz als das brauchbarste Mittel zur Sicherung gegen eine zuweitgehende Hingabe. Sollte aber dieser Geiz etwas leisten können, so musste er den ganzen Kreis seiner Lebensbeziehungen umfassen und allgegenwärtig sein. Er musste selbst wieder gestützt und durch allerlei Winkelzüge befestigt werden. Unter anderem geschah dies durch das Arrangement von Zwangsgedanken. Wenn er ein Automobil benützte, kam ihm der Gedanke, es möge ein Zusammenstoss erfolgen. Ein näheres Eingehen auf diese Zwangsidee ergab, dass er nicht im Entferntesten an diese Möglichkeit glaubte, dass er aber allen teuren Fahrgelegenheiten auswich. Ja sogar, wenn er eine längere Strecke mit der Trambahn fuhr, kam ihm am Ende der billigeren Zone der Gedanke an einen Zusammenstoss, oder an das Einstürzen einer zu befahrenden Brücke, so dass er fast immer den geringeren Fahrpreis bezahlte, einige Heller ersparte und den Rest des Weges zu Fuss ging. Er war auf der Linie, sich jede Ausgabe zu verbittern.
So kam es auch, dass er, um eine einheitliche Haltung zu gewinnen, in gleicher Weise die Herabsetzung des Mannes anstrebte. Schon bei seiner Jagd auf verheiratete Frauen kam dies zum klaren Ausdruck, und es befriedigte ihn die Bestürzung und Enttäuschung der verführten Frauen, die Schimpfworte, die er ihr nachträglich gab, nicht weniger als die Genugtuung, sich wieder einmal als der Stärkere gezeigt zu haben. Dies wurde nachgerade zum Inhalt seines Lebens, die Formverwandlung, in der sich seine ursprüngliche Fiktion, der Männlichste zu werden, annähernd erfüllt hatte. Nur die Furcht vor der Frau, die ihn ursprünglich, gleichgerichtet mit der Empfindung seiner eigenen Weiblichkeit, zu seinem übertriebenen männlichen Protest gebracht hatte, fand sich wieder in der übergrossen Sicherung vor der Überlegenheit der Frau, und liess ihn als Schutzdamm sein Misstrauen und seinen Geiz, die beide trefflich argumentieren konnten, masslos verstärken. Von dieser Sicherungstendenz fortgerissen fixierte er zudem noch die psychische Impotenz, die er bei seinen ersten Versuchen kennen gelernt hatte. Ein Dienstmädchen, das er als Jüngling verführen wollte, leistete ihm Widerstand und weigerte sich ihm mit geschlossenen Beinen. Er war damals unerfahren und hielt sich für impotent. Später, als er gelehriger geworden war, empfand er seine Unerfahrenheit so, als ob das Weih für ihn ein Rätsel, unergründbar sei. In der ursprünglichen Impotenz aber und in seiner Ratlosigkeit der Frau gegenüber fand er [71] die neurotischen Umwege, sich einer endgültigen Niederlage, einer Entscheidung zu ungunsten seiner Männlichkeit zu entziehen. Das Messen mit anderen Männern setzte nun verstärkt ein. Er ertappte sich beispielsweise in einer psychischen Situation, wo er mit einer Gesellschaft bei Tische sitzend, bevor noch jemand ein Wort gesprochen hatte, bereits lauerte, was er entgegnen sollte, wie er dem Sprechenden unrecht geben könnte. Sprach er über ein Buch, über ein Theaterstück, eine Gesellschaft, über einen Ort, so drang stets seine herabsetzende Kritik in schärfster Form durch. Und so war es auch zu erwarten, dass er in jeder ärztlichen Behandlung nach einer kurzen Einleitung die Charakterzüge des Misstrauens, des Geizes, der Entwertung, oft kunstvoll in einander verschlungen zum Ausdruck brachte. Dies nicht etwa im Sinne der Liebesübertragung Freuds, sondern weil seine festgefrorene psychische Geste, seine Attitude der Angriff, die Herabsetzung des anderen waren und bei näherer Betrachtung zum Vorschein kommen mussten. Dazu kam noch ein verschärfendes Moment. Seine Absicht, wenn er den Arzt aufsuchte, konnte ja nicht sein, pure et simple von seiner Impotenz befreit zu werden, da er dadurch in das Chaos seiner Befürchtungen gestürzt worden wäre. Er wollte vielmehr den Beweis seiner Unheilbarkeit oder einen Weg finden, auf dem er ohne Furcht vor einer Niederlage potent sein konnte. Um zum ersten Ziel zu gelangen, war die Entwertung des ärztlichen Könnens Vorbedingung. Den Weg aber konnte er nur finden, wenn er die Furcht vor der Frau bis zu ihren Quellen zurückverfolgt hatte, bis zum Gefühle seiner Unmännlichkeit, in dem sich das Gefühl seiner Minderwertigkeit konkretisiert hatte. Einer seiner Träume aus der Zeit vor Beendigung der Behandlung zeigte diesen Sachverhalt sehr genau. Ich muss vorher kurz bemerken, dass ich wesentliche Bestandteile der Breuer-Freudschen Deutungstechnik benütze, den Traum aber als die Spiegelung eines abstrahierenden, simplifizierenden Versuches auffasse, aus einer mit einer Niederlage drohenden Situation durch Vorausdenken und Ausprobung der Schwierigkeiten an einem dem Patienten eigentümlichen Schema einen sichernden Ausweg für das Persönlichkeitsgefühl zu finden. Deshalb wird sich auch in jedem Traume das signifikante Schema der gegensätzlichen Apperzeptionsweise: „Männlich-weiblich“ und „oben-unten“ als jedem Menschen ursprünglich anhaftend, beim Nervösen aber verstärkt wieder finden. Die zutage tretenden Einfälle und Erinnerungen müssen erst in dieses Schema eingereiht werden, um den Sinn des Traumes zu ergeben, der nicht — oder nicht prinzipiell — einen infantilen Wunsch zu erfüllen hat, dessen Aufgabe es vielmehr ist, einleitende Versuche zu begleiten, die unter Reduktion auf ein kleineres Mass das Soll und Haben des Patienten in dessen neurotischer Art zugunsten des Persönlichkeitsgefühls zur Verrechnung bringen. Der Traum lautete: „Ich handle mit alten Sachen in Wien oder in Deutschland oder in Frankreich. Ich muss aber neue Sachen kaufen und sie abwaschen, weil dies dann billiger kommt. Dann sind es wieder alte Sachen“.
Die neuen Sachen bedeuten ein neues, potentes Genitale im Gegensatz zu den „alten Sachen“, seiner Impotenz, die noch niemand geheilt hatte. Hier schimmert der Gedanke an ein neues Leben, an die Möglichkeit einer Erlangung der Potenz durch. Die Worte, „weil dies [72] dann billiger kommt“, decken oben klargelegte Gedankengänge, seine Furcht vor Geldausgaben im Falle seiner Potenz. Dieser Gedanke ist aber nur in einem Falle haltbar, wenn nämlich der Patient von der Überzeugung durchtränkt ist, er sei masslos in seinem Liebesdrang, kenne keine Grenzen und jage sinnlos den Frauen nach. Diese Überzeugung nun holt er sich tendenziös aus Erinnerungen der Kindheit, der Pubertät und des Mannesalters. Dabei hilft er auch der Gestaltung seiner kindlichen Inzesterinnerungen nach und bringt sie wie jeder Nervöse, wenn sie ihm taugen, in die Form, als ob er die Mutter oder die Schwestern in sexueller Absicht begehrt hätte. Das heisst, er arbeitet mit einer aus dem Endzweck abgeleiteten Fiktion, um sich zu sichern, ähnlich wie Sophokles die Ödipussage formt und ausgestaltet, um die heiligen Gebote der Götter zu festigen. Unser Patient ist ein williges Opfer seines mangelhaften Verständnisses für Dialektik, für die Gegensätzlichkeit des primitiveren Denkens geworden. Der leitende Gedanke seines Persönlichkeitsideals: ich darf Blutsverwandte nicht begehren, — enthält dialektisch den Gegengedanken von der Möglichkeit eines Inzests. Da der Nervöse sich sichern will, hält er sich an den Gegengedanken, spielt mit ihm, unterstreicht ihn und verwendet ihn in der Neurose wie alle erschreckenden Erinnerungen, die ihm für seine Sicherung nützlich erscheinen. Im Leben unseres Patienten und aller Nervösen hat es noch viel mehr Erlebnisse gegeben, die ihnen die Überzeugung hätten beibringen können, dass sie frei von Inzestregungen, dass sie überhaupt immer äusserst massvoll, vorsichtig und zaghaft waren. Da er sich aber sichern will, stossen sein Gedächtnis und seine neurotische, fälschende Apperzeptionsweise diese Züge tendenziös von sich. Er hat viel mehr Eindrücke davon, dass er die Mutter und die Schwestern nicht begehrte, — er kann sie aber zur Sicherung nicht verwenden. So bleibt ihm bloss eine Erinnerungsspur an ein vorbereitendes, spielerisches Unterfangen, und weil ihm dies als Warnung dienen kann, macht er daraus einen Popanz, mit dem er sich erschreckt. Genau in der gleichen Weise entstehen die neurotische Angst, die Platzangst, Hypochondrie, Pessimismus und Zweifelsucht, indem die Patienten bloss die zur Sicherung dienenden Eindrücke und Erlebnisse heranziehen, die ihre Affektlage verstärken, und die übrigen speziell die entgegengesetzten entwerten. Die Fähigkeit der Sophisten, von jedem Ding „in utranique partem dicere“, hat auch der Nervöse und der Psychotische, und sie verwenden sie je nach Bedarf.
Die scharf zugeschliffenen, tendenziös verstärkten Bereitschaften des Nervösen und die ihnen beigeordneten neurotischen Charakterzüge bringen es mit sich, dass jede neue Situation verwirrend wirkt. (Lombrosos Misoneismus.) Am meisten fürchtet unser Patient die ihm unbekannte Situation der Sexualbefriedigung und des gelungenen Koitus, weil er sich in dieser vorausempfundenen Situation — aus Sicherungsgründen — als den unterliegenden Teil gesetzt hat. Nun stellt diese Furcht, die als Furcht vor der Impotenz empfunden wird, eine weitere Sicherung dar gegen die Möglichkeit, von der Frau gefesselt, festgehalten, betrogen zu werden, ihr nicht gewachsen zu sein, gegen eine Rolle, die seinem männlichen Ideal widerspricht, und die er deshalb als weiblich wertet. Aus harmlosen ubiquitären Zügen der Selbstsucht, des Geizes und der Sparsamkeit, arrangiert er eine tiefgreifende, [73] scheinbar immanente, in Wirklichkeit fiktive Leitlinie des Geizes, weil ihn diese am besten zu behüten scheint. Bekommt er, wie im Traume, was er schon in der Kindheit gewünscht, neue Genitalien, eine gesunde Potenz, dann muss er sich dagegen wehren. Und er greift zu einem Mittel, das er schon lange kennt, das ihm oft schon vergebens empfohlen wurde, zunächst immer aber seine Erektionen abschwächte, statt sie zu stärken, zu kalten Waschungen. Dieser in seiner Erfahrung mangelhaften Kur setzt er meine Behandlung gleich. Die Kur soll das Gegenteil von dem bewirken, was sie anstrebt, und der Arzt soll ebensowenig einen Erfolg erzielen wie die früheren Ärzte. So zeigt der Traum dem Patienten den Ausweg, sich vor der Heilung zu schützen und damit dem Arzte überlegen zu sein. „Dann sind es wieder alte Sachen“.
In anderen Fällen von psychischer Impotenz gelingt die Heilung leicht, und wie wir wissen, mit den verschiedensten Mitteln. Oft handelt es sich nämlich um nervöse Patienten, die schon durch ihren Gang zum Arzt zu verstehen geben, dass sie geneigt wären, diese Art von Sicherung aufzulassen. Nun helfen Medikamente, Kühlsonden, Elektrizität, hydropathische Kuren und insbesondere jede Art von Suggestion, auch die durch eine unvollkommene Analyse. Es genügt dann zuweilen die Autorität des ärztlichen Wortes, damit bestimmte Bedenken fallen. In den schweren Fällen ist eine Umwandlung der auf Sicherung allzu stark bedachten Psyche nötig.
Das Alter treibt oft den Neid und Geiz stark hervor. Psychologisch ist dies nicht schwer zu begreifen. Wie schön auch Dichter und Philosophen die Zeit des Alters auszuschmücken versuchen, nur den erlesenen Geistern dürfte es gegeben sein, ihr Gleichgewicht zu bewahren, wenn sie die Pforte, die zum Tode führt, aus der Ferne auftauchen sehen. Und die Entbehrungen und Einschränkungen, die natürlicherweise das Alter mit sich bringt, die fühlbare Überlegenheit jüngerer Menschen, Angehöriger, wie sie oft in harmloser Weise oder harmlosscheinend zu Zurücksetzung älterer Personen Anlass gibt, werden fast immer zur Herabdrückung des Persönlichkeitsgefühls führen. Die sonnige Bereitschaft Goethes, im „Vater Kronos“ erquickend zum Ausdruck gebracht, ist wohl für die meisten Menschen eine unerreichbare Illusion, und glücklich sind die zu preisen, die ohne schwere Beeinträchtigung des Gemütes den Verlust ihrer besten Zeit überdauern.
Nach unseren Voraussetzungen ergibt sich folgerichtig, dass die Zeit des Alterns wie eine dauernde Herabsetzung ein starkes Minderwertigkeitsgefühl auslöst. Insbesondere werden alle darunter leiden, bei denen neurotische Disposition vorliegt. Zuweilen bringt das Alter erst, das Klimakterium bei Frauen, Gefühle der Insuffizienz geistiger oder physischer Art, Anzeichen von Impotenz, Auflösung der Familie, Verheiratung eines Sohnes oder einer Tochter, auch Geldverluste oder Entsagungen von Ämtern und Würden den Zusammenbruch. Meist finden sich in der Vorgeschichte schon Spuren oder Ausbrüche neurotischer Erscheinungen. Das Alter mit seinen Einbussen wirkt wie andere Herabsetzungen des Persönlichkeitsgefühls. Der Aggressionstrieb sucht andere Wege, um eine Ausgleichung herbeizuführen, andere Wege, die leider in diesen Fällen nicht leicht zu haben sind. Leichter wäre der Verzicht, wenn gleichmässig mit dem Sinken körperlicher und geistiger [74] Kraft das Empfindungsleben sich einengte. So kommt es selten. Und um den Ersatz zu finden, peitscht der durch Unsicherheit gereizte Aggressionstrieb alle Regungen des Begehrens noch einmal auf. Das allgemeine Urteil stemmt sich diesen Versuchen oft allzusehr entgegen. Die Haltung, das Leben, das Begehren, die Kleidung, die Arbeit, die Leistungen alternder Personen unterliegen in zu hohem Masse der Kritik. Wer zur Neurose geeignet ist, wird diese Kritik leicht als Sperrung empfinden, und wird dort schon zurückschrecken, wo noch Befriedigungsmöglichkeiten bestehen. Er wird sich zur Unterwerfung nötigen, wird seine Gefühle und Wünsche morden wollen, ohne mit ihnen fertig zu werden. Ja heftiger noch lodern diese auf, wenn ohne Ausgleich ein Verzicht erzwungen wird. So kommt es, dass die aktiven, feindlichen Charakterzüge hervortreten, dass Neid, Missgunst, Geiz, Herrschsucht, sadistische Regungen aller Art Verstärkungen erfahren, und, nie befriedigt, eine Ruhelosigkeit erzeugen, die ununterbrochen auf Abhilfe, auf Ersatzmöglichkeiten, auf Sicherungen dringt. „Dort wo du nicht bist, dort ist das Glück!“ Denn die reale Position alternder Personen ist in unserer Gesellschaft schwer bedroht, da der Wert der Arbeit fast ausschlaggebend für die Schätzung der Persönlichkeit ist. Der Schein der Macht aber, das Prestige, ist das Brod des Neurotikers. Auch Selbstmord als letzten Ausdruck des männlichen Protests im Alter haben wir schon erlebt.
Stärker noch als bei Männern wirkt der Eintritt des Alters bei Frauen. Schon die Bedeutung des Klimakterium wird meist phantastisch übertrieben. Aber für die Frau war Jugend und Schönheit Macht, und dies mehr als beim Manne. Ihre Reize konnten ihr Herrschaft geben, Siege und Triumphe, wonach die neurotische Gier unausgesetzt verlangte. Das Alter trifft sie wie ein Makel. Dabei sinkt ihr Wert stärker als der des alternden Mannes, und die herrschende Psychologie ist der alternden Frau gegenüber geradezu feindselig zu nennen. Dieser bedauerliche Zug stammt aus der uns bekannten Entwertungstendenz des Mannes gegenüber der Frau, kooperiert mit dem psychischen Niederschlag aus unserem gesellschaftlichen Erleben, und bis zum Grab während, zeigt sich dieser neurotische Spross unversöhnlich und unausrottbar. Bewusst und unbewusst, oft durch die Natur der Verhältnisse unüberwindlich, drückt die herabsetzende Tendenz derer, die das Recht zum Leben haben, auf das Persönlichkeitsgefühl alternder Frauen. Kindesliebe und Ehrfurcht vor dem Alter als Hilfsmethoden und leitende Gesichtspunkte im Umgang der Menschen leisten oft nur das Mindestmass und können dem aufgepeitschten Wollen von Menschen, denen die Kraft schwindet, nie genügen. Da setzt der neurotische Zug zur Verstärkung der Leitlinien ein. „Ich bin verkürzt, ich habe zu wenig vom Leben gehabt, ich werde nichts mehr erreichen“, das hört man aus den Klagen alternder Neurotiker regelmässig heraus, und sie vertiefen diese Art, das Leben zu betrachten, so sehr, dass sie misstrauisch und argwöhnisch einem oft widerlichen Egoismus verfallen, wie er ihnen früher nie so deutlich geworden ist. Damit aber ist die Unentschlossenheit und der Zweifel stabilisiert. „Handle so, als ob du doch noch zur Geltung gelangen müsstest“, so ungefähr hebt sich eine andere Leitlinie aus der Psyche ab, und damit steigt nun die neurotische Verschärfung der Gier, und die geizigen, neidigen, herrschsüchtigen Regungen treten gewaltig in den Vordergrund, fast stets aber gehemmt durch die erstgenannten Leitlinien, gemäss welcher die Patienten vor [75] jedem Begehren und Beginnen zurückschrecken. So liegen förmlich unter einer Decke, mühevoll dem Bewusstsein entrissen, die Regungen, welche andauernd Unzufriedenheit, Ungeduld, Misstrauen unterhalten, und lenken die Aufmerksamkeit unausgesetzt auf das Unerreichte und oft Unerreichbare. Recht häufig wird dieses im Bereich des Erotischen gesucht, oder das Sexuelle wird als Symbol des unerreichbaren Zieles aufgerichtet. In letzterem Falle, zu dessen Gelingen die grosse Eignung des sexuellen Symbols einerseits beiträgt, ferner aber auch der Umstand, dass der Beweis einer sexuellen Unbefriedigung jedem wohl gelingen dürfte, worauf es schliesslich ankommt, wird das ganze Wollen sexualisiert. Es ist leicht zu verstehen, dass diese Personen auf Grundlage einer sexuellen Analogie apperzipieren. Aber es muss der Fehler vermieden werden, die sexuelle Fiktion, sozusagen einen Modus dicendi oder wie ich es genannt habe, einen sexuellen Jargon für ein ursprüngliches Empfinden zu nehmen. Im theoretischen Teil habe ich auseinandergesetzt, warum beim Neurotiker die sexuelle Leitlinie so deutlich hervortritt: 1. weil sie wie alle Leitlinien beim Neurotiker erheblich verstärkt und sozusagen real empfunden wird, während sie nur arrangiert wurde, um als sichernde Richtungslinie zu wirken, 2. weil sie in die Richtung des männlichen Protestes führt. So kommt es, dass jedes Begehren der alternden Neurotikerin nicht bloss von ihr, sondern bei einiger Bemühung auch vom Arzte auf eine sexuelle Analogie bezogen werden kann. Auch dass der Arzt das immanente Bedürfnis des Neurotikers nach einer sichernden Analogie durch voreilige Darbietung der sexuellen Leitlinie im Stile der orthodoxen Freud’schen Schule befriedigen kann, geht aus dieser Betrachtung unzweifelhaft hervor. Ein Gewinn ist dies insolange nicht, als es nicht gelingt, den Patienten von seiner Fiktion loszulösen, was erst möglich ist, wenn er sicherer geworden ist und seine scheinbar libidinöse Regung als fälschende Fiktion erkennt.
Eine solche Fiktion ist beispielsweise das von früheren Autoren, von Freud und von Kurt Mendel beschriebene Klimakterium des Mannes. Das Klimakterium der Frau wirkt psychisch unbekümmert um Stoffwechselvorgänge durch die Steigerung des Minderwertigkeitsgefühls. Gleichzeitige Stoffwechselstörungen können bloss den neurotischen Aspekt verändern oder verstärken, sobald sie sich spezifisch, durch Verstärkung der Unsicherheit fühlbar machen. Die Basedowneurose bei klimakterischen Frauen gibt ein solches gemischtes und verstärktes Bild. Die Neurose des männlichen Klimakterium ist ebenfalls nur mittelbar durch die Genitalatrophie beeinflusst, kann aber eine Verstärkung erfahren durch die verschärfende Abstraktion: ich bin kein Mann mehr, ich bin ein Weib! — Da von diesem ideologischen Standpunkt aus die männliche Richtungslinie mit Aufmerksamkeit und arrangierten Erregungen verstärkt, hypostasiert wird, kommen die wunderlichen Erscheinungen des Johannistriebs zustande, für deren häufigen Bestand bei Frauen sich Karin Michaelis im „Gefährlichen Alter“ mit Recht eingesetzt hat. Nur dass die sexuelle Richtungslinie nicht die ausschliessliche oder gar die grundlegende ist, etwa wie sie eine biologische Betrachtungsweise zu erledigen versucht, sondern sie muss als eine Ausdrucksform, die andern Formen des Begehrens gleichgeordnet ist, betrachtet werden, wenn man den Tatsachen gerecht werden will.
[76] Die klimakterische Neurose zeigt uns demnach ein anderes Gesicht der durch den männlichen Protest bedingten Neurose, und die in ihr nachweisbaren Charakterzüge, — sekundäre Leitlinien, die in die Hauptlinie einzumünden bestimmt sind, — gleichen den uns bekannten Hypostasierungen. Ich habe nie einen Fall gesehen, bei dem die Neurose erst im Klimakterium ausgebrochen wäre. Und es ist ja auch nach unseren Voraussetzungen zu erwarten, dass die „klimakterische“ Neurose schon früher gelegentlich ihr Gesicht gezeigt hat. Manchmal in mässiger Weise, wenn die Gunst der Verhältnisse oder kulturelle Betätigungen durch teilweise Befriedigung des Machtkitzels den Ausbruch mildern konnten. Meist findet man eine seit Jahren währende Steigerung, ein Weitergreifen der neurotischen Symptome, das von vorneherein eine notwendig gewordene Verschärfung der Sicherungstendenz erraten lässt. Ein Beispiel wäre die Transformation von Kopfschmerzen und gelegentlicher Migräne in Trigeminusneuralgie. Oder die Steigerung der neurotischen Vorsicht in Angst, gelegentlich durch Eskomptierung eines zu erwartenden Unheils in Melancholie. Für diese 3 Stufen der Sicherung ist das im theoretischen Teil angedeutete Schema in Anspruch zu nehmen: | 2.796875 | 2.09375 | 3.4375 |
30e3491d831594d8b0a52bbb90110cfb | Begegnungen
Schriftenreihe des Europa Institutes Budapest, Band 21: 221–225.
ZSIGMOND RITOÓK
Sprachkultur in der Zeit der Globalisierung
Es ist ein Gemeinplatz, dass wir uns in der Zeit der Globalisierung befinden. Von den zahlreichen Bezügen würde ich jetzt nur einige im Zusammenhang mit der Sprache erwähnen.
1. Die Internationalisierung der Kontakte in den Wissenschaften und in der beruflich-fachlichen Kultur (auf den internationalen Beratungen ist der Sprachgebrauch geregelt, eventuell nur auf eine Sprache beschränkt; dies gilt auch für die Sprache der Fachliteratur, die Termini einer Sprache werden zu Internationalismen).
2. Die Internationalisierung der Kontakte in den Massenmedien, in den Medien (Rundfunk, Fernsehen, Film). Im umfangreichen Genuss dieser genießen jene einen Vorteil, die über die Kenntnisse gewisser Sprachen verfügen.
3. Den Gebrauch des Fachwortschatzes der Fachsprache, von unverändert aus Fremdsprachen übernommenen Fachwörtern unterstützen psychologische Faktoren: man braucht nicht darüber nachzudenken, wie diese in einer anderen Sprache auszudrücken sind, darüber hinaus wird noch der Anschein der Eingeweihtheit vermittelt.
4. Die Sprache widerspiegelt naturgemäß eine gewisse Betrachtungsweise, Denkweise, trägt eine gewisse Wertordnung, was in lokaler (nationaler) Beziehung abschwächend auf das Identitätsbewusstsein der Gemeinschaft einwirkt.
5. Demgegenüber wirken die lokalen (nationalen) Identitätsbewusstseine, das Bestehen auf der Nationalsprache, der sich in dieser äußernden Betrachtungsweise, der Wertordnung, auf den eventuell historisch determinierten, begründeten Formen des Sich-Verschließens vor den anderen Sprachen, den anderen Sprachen gegenüber.
Aus den beiden gegeneinander gerichteten Faktoren kann sich im glücklichen Falle eine günstig wirkende Spannung entwickeln – aus den Gegensätzen kommt die schönste Harmonie zustande, sagten die Griechen, im unglücklichen Falle eine ungünstige. An der ersteren zu arbeiten, letztere zu umgehen, darin besteht die Sprachenpolitik.
„Kleine” Sprachen und „große” Sprachen
Offenkundig sind die Sprachen nicht gleich. Es gibt von vielen gebrauchte „große” Sprachen und von wenigeren Sprechern verwendete „kleine” Sprachen. Es gibt Sprachen, die in solchen Ländern gesprochen werden, die in der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung ein großes Gewicht bedeuten, in der Weltpolitik eine wichtige Rolle spielen, und es gibt solche Länder, die – eventuell trotz der großen Zahl ihrer Bevölkerung – nicht determinierend sind. Es besteht kein Zweifel daran, dass im Zeitalter der Aufklärung, im 17.–18. Jahrhundert, das Französische eine solche Sprache war, obzwar es in Europa Sprachen gab, die von einer an der Zahl bedeutenderen Bevölkerung gesprochen wurden. Es besteht kein Zweifel daran, dass heutzutage, auch infolge des wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Gewichts der USA, das Englische eine derartige Sprache ist. Das, was ich vorstehend in Punkt 1 und 2 angeführt hatte, gilt in erster Linie hierfür, doch kommt dagegen auch die in Punkt 5 erwähnte Gegenwirkung zur Geltung.
Theoretisch gibt es für jedes Land die Möglichkeit des Sprachwechsels – in einigen Ländern befasst man sich damit auch in der Praxis –: die Aufgabe einer kleinen Sprache und die Übernahme einer großen Sprache, im konkreten Fall des Englischen. Hierfür gibt es ein Beispiel, wenn es auch nicht vollkommen und vor allem nicht freiwillig war: der Übergang der Iren zum Gebrauch der englischen Sprache. Dennoch gibt es auf dem Weg hierhin Schwierigkeiten. Die eine: nicht einmal in den entferntesten Perspektiven ist es wahrscheinlich, dass die Sprecher einiger großer Sprachen (z. B. die Franzosen, Spanier oder gerade die Araber, ganz zu schweigen von den Chinesen) die Verwendung ihrer eigenen Sprache aufgeben werden, auch wenn sie im internationalen Verkehr das Englische annehmen. Die zweite Schwierigkeit liegt im Raum näher: in Osteuropa, wo die Nationalsprache traditionell an das Nationalbewusstsein gekoppelt ist („in ihrer Sprache lebt die Nation”) wäre der Sprachwechsel kaum leicht realisierbar. Die andere Möglichkeit, dass wir diese Frage einfach nicht zur Kenntnis nehmen, und die in unsere Sprache auf dem Wege des wissenschaftlichen oder sonstigen Sprachgebrauchs eindringenden fremden Elemente einfach als Fremdkörper auffassen, diese an entsprechender Stelle verwenden, und uns übrigens mit dem vorhandenen ungarischen Sprachzustand zufrieden geben, indem wir darauf vertrauen, dass die erwähnten Fremdkörper im Laufe der Zeit als Lehnwörter in die ungarische Sprache Einzug halten. Es ist hier üblich, sich auf die bulgarisch-türkischen oder slawischen Lehnwörter des Ungarischen zu berufen. Die Parallele ist aber nicht ganz überzeugend. Zur Zeit der Übernahme der bulgarisch-türkischen oder slawischen Lehnwörter war die ungarische Gesellschaft in Bezug auf die Lebensweise viel einheitlicher als heute, also konnten die Lehnwörter leicht in den Sprachgebrauch der gesamten Gesellschaft einziehen. Heutzutage werden die fremden Ausdrücke einer Fachsprache nur von gewissen Teilen der Gesellschaft verwendet, und aus Fachbüchern können ganze Sätze zitiert werden, in denen außer dem bestimmten Artikel und den Konjunktionen kein einziges ungarisches Wort enthalten ist. So kann also eine besondere Zwei- und Mehrsprachigkeit zustande kommen.
Was für benachteiligende Folgen dies von gesellschaftlichen, Unterrichts- und Anschlussgesichtspunkten aus haben kann und hat, darauf wurde von Ferenc Glatz mehrmals hingewiesen, ich möchte es jetzt nicht wiederholen, sondern nur darauf verweisen. Im Falle einer derartigen Zweisprachigkeit wird die ungarische Sprache an den Rand verdrängt, und die nur Ungarisch sprechenden Personen können sich die höhere fachliche Bildung nur schwieriger aneignen, dadurch wird das Zerreißen der Gesellschaft in zwei Teile, das übrigens auch aus wirtschaftlichen Gründen droht, auch kulturell vertieft. Hierzu muss ich aber noch etwas hinzufügen. Nach dem ungarischen Schriftsteller Sándor Márai kann jemand nur in seiner Muttersprache Schriftsteller werden. Márai, der den größeren Teil seines Lebens im Ausland verbracht hatte, nach 1948 in der Emigration, der sich für einen Europäer, für international gehalten hat, der kaum Heimweh nach dem ungarischen Lande verspürte, jedoch nach der ungarischen Kultur, nach der ungarischen Sprache immer. Und nicht nur er, der Schriftsteller, der Übermittler von Gedanken hatte dieses Gefühl, sondern auch z. B. Joel Alon, der ehemalige Botschafter des Staates Israel in Budapest, der Ungarn als erwachsener junger Mann verlassen hatte, und der sagte, dass er keine besondere Ergriffenheit in der Stadt seiner Jugend verspürt, in der ungarischen Literatur aber ja. Für ihn ist auch jetzt die ungarische Literatur die Literatur. Die „Zweisprachigkeit” hat also nicht nur vom Gesichtspunkt der fachlichen Bildung aus nachteilige Folgen, sondern auch vom Gesichtspunkt des literarischen Werkes und der Wirkung aus. Ein einziges Beispiel dafür, wenn die Zweisprachigkeit zur Einsprachigkeit wird. Der berühmte Dichter der Mansen (Wogulen), Juwan Schestalow, der sein Studium in Moskau absolvierte, schrieb seine ersten Gedichte noch in seiner Muttersprache, später dann in russischer Sprache. Von hier aus gesehen ist es verständlich, wenn von der anderen Seite aus die Gefahr des Nationalismus erwähnt wurde. Dies war die Gegenwirkung. Es gibt aber noch eine Frage.
Minderheitensprachen, Mehrheitssprachen
Es gibt nicht nur große und kleine Sprachen, sondern es gibt auch kleine Sprachen und noch kleinere Sprachen, verständlicher formuliert: Minderheitensprachen, wo diese Fragen noch schärfer aufgeworfen werden. Eine kleinere Sprache ist immer mehr oder weniger eingeschlossen, isoliert, denn in einer fremdsprachigen Umgebung bewahrt sie notwendigerweise ihre Besonderheiten, die dort, wo diese Sprache die Mehrheitssprache ist, schon aufgegeben wurden. Dies sind nicht unbedingt „archaische” Wendungen, einstweilen sind sie nur aus der Mode. Dadurch sind sie als die nahe Vergangenheit der Sprache vom sprachgeschichtlichen Gesichtspunkt aus lehrreich. Die Minderheitssprachen aber verändern sich selbst als Sprachinseln zum Teil auch unter dem Einfluss der sie umgebenden Sprache, nicht nur deshalb, weil sie von dieser Wörter, Wortformen, Strukturen übernehmen, sondern weil sie fremde Elemente (den Fachwortschatz!) selbst anders assimilieren oder ersetzen wie dort, wo die Sprache die Mehrheitssprache ist. So können sie auch diese bereichern.
Insofern bedeuten sie für die beschreibende Linguistik und für die Dialektologie ein interessantes Forschungsthema.
Es geht aus dem vorstehend Gesagten hervor, dass sie nicht nur als Forschungsgegenstand wichtig sind, sondern auch als Mittel der leichteren Aneignung der Kultur – näher formuliert, der fachlichen Bildung (Fachausdrücke) – und als Ausdrücke der Gefühlswelt, des Wertesystems der betreffenden sprachlichen Gemeinschaft, einfacher formuliert als Literatur in der Minderheitssprache. Die Möglichkeit der geistigen Selbstverwirklichung ist dazu erforderlich, dass sich eine irgendeine Sprache sprechende Gruppe innerhalb der sie umgebenden Sprache wohl fühlt.
Dies ist vielleicht nirgendwo so wichtig wie gerade hier in den östlichen Landschaften Europas, wo die Sprachen aufeinander stoßen, einander berühren, und mit ihnen zusammen berühren sich auch die Denkweisen und die Traditionen, das historische Bewusstsein. Hier ist die Lösung der Probleme die Aufgabe der Sprachpolitik, weil dies keine sprachwissenschaftliche Fragen sind. Die Traditionen, die Vergangenheit ist von Erinnerungen beladen. Das Ungarische war bis zum Ende des Ersten Weltkrieges eine Mehrheitssprache, das Ungartum war als staatsbildende Nation eine herrschende Nation. Die Erinnerung hieran wirkt, manchmal auch verzerrend, auch bis heute noch, der ungarische Sprachgebrauch kann Empfindlichkeiten reizen. Das kann nicht bejaht werden, ist aber verständig. Trianon hat Ungarn empfindlich gemacht, und ob das nicht mindestens in der Form der Gleichgültigkeit für die Kulturen anderer Sprachen auch bei uns bis heute gilt?
Empfindlichkeiten, manchmal übermäßige Empfindlichkeiten, manchmal auch künstlich am Leben erhalten, können genau so auch im Falle von Mehrheitssprachen bemerkt werden wie im Falle von Minderheitssprachen. Im Falle von Mehrheitssprachen auch noch die Gleichgültigkeit. Obzwar das Eingehen ineinander auch die Quelle der gegenseitigen Bereicherung sein könnte. Mit Béla Bartók wurde auch die rumänische Volksmusik bereichert. Mit Hviezdoslav auch die ungarische Dichtung. Das ist es, was ich weiter oben als befruchtende Spannung bezeichnet habe.
Die erste Frage ist also, ob wir die noch kleineren Sprachen als eine wichtige, wenn nicht gerade als die wichtigste Grundlage der kulturellen Vielfalt bewahren sollen, und was sollen wir für sie unternehmen? Die hier auftretenden Probleme werden in der Zukunft offensichtlich wieder auftreten: muttersprachlicher Unterricht auf der Unterstufe und auf der Mittelstufe, muttersprachliche Lehrer, Presse, usw.
Dies hängt natürlich auch mit der Frage zusammen, wie sehr wir die fruchtbaren Beziehungen haben wollen, wie fruchtbar wollen wir die Spannungen machen, damit daraus die schönste Harmonie entsteht. Das ist nicht nur eine sprachliche Frage, deshalb höre ich auch damit auf. Kurz nur zwei Dinge: die Beziehung setzt zwei Seiten voraus, kann also nur wechselseitig sein, wer was vom anderen erwartet, dass muss er den Möglichkeiten nach auch selbst geben. Nicht nur in Paragraphen, sondern auch in der Praxis, im gesellschaftlichen Bewusstsein. Das andere: hier hat immer die Mehrheit, die größere Sprache die größeren Pflichten. Ganz einfach deshalb, weil sie die stärkere ist. „Wir aber, die wir stark sind, sollen das Unvermögen der Schwachen tragen und nicht Gefallen an uns selber haben.” (Römer 15,1) Der Apostel Paulus schrieb dies nicht in Bezug auf die größeren und kleineren Sprachen, doch gilt dies mutatis mutandis auch für sie. | 3.84375 | 3.734375 | 3.3125 |
d7f6a0fa0fcfb144c4aae75ac6f587da | Die Stadt steht immer mehr im Visier von bösen Hackern
Cyber-Angriffe auf die Stadt Winterthur nehmen von Jahr zu Jahr zu. Dabei gehen kriminelle Hacker sehr perfide vor. Darum setzen die Informatikdienste der Stadt vermehrt darauf, nach einer Attacke mit den Systemen so schnell wie möglich wieder online gehen zu können.
Winterthur Eigentlich ist man bei den Informatikdiensten der Stadt Winterthur (IDW) höchst ungern in der Öffentlichkeit – vor allem wenn es um IT-Sicherheit geht. Wer damit prahlt, wie gut geschützt seine Computersysteme sind, der fordert seine Gegnerschaft heraus. Und davon gibt es genügend: Kriminelle Hacker, die Cyber-Angriffe durchführen und, wenn erfolgreich, Lösegeld erpressen wollen.
Hacker werden immer gewiefter
Das weiss insbesondere Markus Freuler, CIO und Leiter der Informatikdienste: «Wir stellen seit Jahren einen markanten Anstieg von Cyber-Angriffen fest. Früher wurden eher Finanzinstitute angegriffen, heutzutage attackieren Hacker auch öffentliche Verwaltungen.» Das grösste Problem ist gemäss André Ringger, Chief Security Officer bei den IDW, aber nicht die schiere Menge an Hackerangriffen: «Die Qualität hat über die Jahre stark zugenommen. Hacker gehen mittlerweile extrem professionell vor.» Dabei würden die Kriminellen der virtuellen Welt oftmals mit psychologischen Kniffen arbeiten. Der oberste Winterthurer IT-Sicherheitschef Ringger macht ein Beispiel: Ein Hacker greift einen Personaldienst an, indem er eine E-Mail an diese verschickt als Reaktion auf ein real existierendes Stelleninserat. In der Nachricht schreibt der Täter, dass er seine Bewerbungsunterlagen auf der Webseite nicht habe hochladen können und diese deshalb per Link zustelle. Klickt nun ein Mitarbeitender des Personaldiensts auf den Link, infiziert er seinen Rechner mit einem Virus. Ob es tatsächlich zu solchen Fällen auch bei der Stadt Winterthur gekommen ist, will und darf Ringger aber nicht sagen.
Der Reiz, auf solche Links zu klicken, ist gross. Das wissen auch kriminelle Hacker. Deshalb zielen sie auf diese Schwächen ab. «Das sind die ganz fiesen Angriffe. Der nigerianische König, der uns angeblich sein Vermögen vermachen will, hat uns schon lange nicht mehr geschrieben», kommentiert Ringger.
Stadt nutzt 800 Programme
Offenkundige Spammails werden laut dem Chief Security Officer sowieso durch einen Filter bereinigt, den die Stadt von einer darauf spezialisierten Firma beschafft hat und unterhalten lässt. Es schlüpfen nur qualitativ hochstehenden Angriffe per E-Mail durch. Gerade eine Stadtverwaltung, die im Spontankontaktbereich agiert, ist besonders anfällig, wie IDW-Leiter Freuler betont. «Die Bevölkerung will mit unseren Ämtern in Kontakt treten. Dadurch sind wir grundsätzlich offen für Menschen mit guten, aber auch solche mit bösen Absichten.»
Und die Stadt Winterthur bietet eine grosse Angriffsfläche. Die Informatikdienste betreuen in IT-Fragen total 55 Ämter, Behörden oder weitere städtische Stellen. Insgesamt sind sie für rund 4'000 Benutzende und rund 800 Computerprogramme zuständig, wobei 250 davon spezifische Branchenlösungen von Lieferanten sind. Um die gesamte Datenmenge der Stadt zu sichern, wird diese jeweils doppelt in zwei Rechenzentren abgelegt.
Schulung fürs Stadtpersonal
Damit die städtischen Mitarbeitenden eben nicht dem erwähnten Reiz erliegen und auf einen Link mit Schadsoftware klicken, ist für alle städtischen Mitarbeitenden, die mit einem Computer arbeiten oder über einen IT-Account verfügen, Pflicht, eine Schulung zu absolvieren. Es ist eine Art Fähigkeitsausweis für die Computernutzung, den der Stadtrat Anfang 2019 beschlossen hat. «Damit gehören wir zu den fortschrittlicheren Schweizer Städten», merkt CIO Freuler an.
Er und sein Mitarbeitender Ringger ziehen dazu regelmässig wie Wanderprediger durch die Abteilungen, um gebetsmühlenartig auf mögliche Cyber-Gefahren aufmerksam zu machen. Dazu sagt Ringger: «Wenn sich jemand ungeschickt verhalten hat, kontaktieren wir diese Person und weisen sie darauf hin, wie sie sich richtig verhalten muss.» Wer etwa eine E-Mail eines Vorgesetzten mit einem ungewöhnlichen Auftrag erhalte, solle bei diesem lieber nochmals telefonisch nachhaken.
Frage ist nicht ob, sondern wann
Trotz aller Vorsicht: Man dürfe nicht davon ausgehen, dass man nie erfolgreich angegriffen werde, so Freuler. Deshalb legen die Informatikdienste nun vermehrt Wert auf die Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit der Systeme. «Wir haben unsere Lektion gelernt», sagt der IDW-Leiter, «wir konzentrieren uns darauf, nach einem Hackerangriff so schnell wie möglich wieder online zu sein.» Das sei effizienter und auch kostengünstiger. Sein IT-Sicherheitschef Ringger ergänzt: «Für den Schutz vor Cyber-Attacken kann man Millionen ausgeben. Aber wenn uns jemand wirklich schaden will, dann schafft er das.»
Ist ein Hackerangriff erfolgreich, wird das sogenannte Security Board eingeschaltet, dem der Chief Security Officer Ringger vorsteht. Stellt sich der Vorfall als kritischer heraus, dann wird der Notfallstab unter der Leitung des IDW-Chefs Freuler herbeigezogen. Ein Einsatz dieses Stabs war gemäss Freuler wegen eines Cyber-Angriffs noch nie nötig. Erfolgreiche Attacken habe es hingegen schon gegeben. Mehr sagen Freuler und Ringger dazu wohlweislich nicht.
Michael Hotz | 3.484375 | 2.21875 | 2.3125 |
8193af20cb138e84213527aab2366c18 | Aktualisiert: 30. Juli 2019
"Ich möchte historisches Fechten lernen aber diesen ganzen Quatsch mit den ritterlichen Tugenden und diesen Ritualen, wie bei asiatischen Kampfkünsten, den lasst ihr ja zum Glück weg?!"
"Wo muss ich denn nun hinhauen, um meinen Gegner schnellstmöglich zu töten?"
"Wenn ich ihn dort treffe, dann blutet er also am schnellsten aus!?"
"Ich bin ein Krieger."
So oder ähnlich habe ich in den letzten Jahren schon mehrfach Leute argumentieren sehen, die sich dem "Historischen Fechten" nähern wollten. Diese und einige weitere Beobachtungen, wie etwa der Umgang mit tödlichen Techniken, die Freude an der möglichen, tödlichen Effizienz der eigenen Fechttechniken, sowie das Interesse an effizienten Wunden im Fechten, um seinen Gegner schnellstmöglich zu töten, lassen mich in letzter Zeit sehr nachdenklich werden. Gerade wenn man selbst aus jenem Berufsfeld kommt, bei welchen man sich mit diesen Themen stets beschäftigen muss, weil sie als schlimmste aller Folgen geschehen können, fällt es mir oft schwer zu verstehen, warum man seinen Zornhau im Training so hauen und treffen möchte, dass man seinen Gegner im Ernstkampf möglichst schnell töten könne. Dabei geht es auch oft um den Kontext dieser Fragen, also in welcher Weise und zu welchen Zeitpunkt so etwas vorgetragen wird. Darüber hinaus zeigt sich dieses Phänomen auch darin, dass es Fechter gibt, welche nicht von Siegern sprechen, sondern Toten und Verwundeten. Für mich ist das eine sehr markabere Entwicklung, die sich vielleicht aus der fehlenden Einbindung von Werten und Normen in die Fechtausbildung erklären lässt?
Als beruflicher Kämpfer ist man mit dem Thema sehr gut vertraut und setzt sich regelmäßig mit Tot und Verwundung auseinander. Ebenso mit der Frage von effizienter Kampfführung. Allerdings ist dieses handeln stets in einen rechtlichen Rahmen eingebunden, an einer ethisch-moralischen Werteordnung Orientiert über welche Staat, Vorgesetzte, Juristen, das Parlament und die Gesellschaft wachen. Eine Intensive Ausbildung in Rechte, Gesetz, Werten und Normen ist dabei absolute Grundlage, ebenso wie psychologische Aufarbeitungen.
Diese "Erziehung", wie sie heute beim Militär üblich ist, ist aber keine Neuerfindung des 21. Jahrhunderts, wenngleich sie in Deutschland seit den 50er Jahren die Innere Führung und andere Neuerungen eine neue und bedeutende Aufwertung bekam. Doch ist es eher eine Notwendigkeit und lange Tradition, dass Menschen die sich mit Kampf auseinandersetzen stets mit besonderen Regeln und besonderem Augenmerk auf ein sozial anerkanntes Wertesystem erzogen wurden. Auch in Europa finden wir diese Werteorientierung im Rittertum des Mittelalters und seinem Übergang zum Offizierswesen im 15./16. Jahrhundert, die stets auch auf das Bürgertum ausstrahlte und somit in der ganzen Gesellschaft präsent war. Die ritterlichen Tugenden, die sich aus kämpferischen, kriegerischen, sozialen/ höfischen, rechtlichen und religiösen Komponenten zusammensetzten, waren es erst, die das Idealbild/Vorbild für den Abendländischen Ritter bildeten, der stets eine Mischung aus blutigem Krieger und sozialem Vorbild war. Inwiefern diese Bilder erreicht wurden, ist natürlich eine andere Seite der Medaille. Die sich dabei herausbildenden Tugenden habe sich bis heute erhalten. Gesellschaftliche und religiöse Werte und Normen sind in unser Rechtssystem eingeflossen, wobei natürlich das Grundgesetz als Grundlage zu nennen ist. Aber auch im Soldatengesetz, dem Traditionserlass der Bundeswehr und vielen mehr Gesetzen, Regelungen etc. finden sich diese alten Tugenden wieder, die stets dazu dienten und dienen Konflikte und schließlich auch den Rahmen für Kampf und die Anwendung von Gewalt zu reglementieren. Aber auch um jenen, der Krieg und Kampf wirklich erlebt hat zu helfen, seine Seele und Menschlichkeit zu behalten.
Aus diesem Grund erachte ich es nicht als Last sondern als unerlässlich, dass in der Fecht-Ausbildung sehr viel Wert auf eine charakterliche Bildung und Erziehung gelegt wird, welche Werte, Normen, Rechte und Pflichten mit einbezieht. Die Auseinandersetzung mit den ritterlichen Tugenden, die wir sie ja auch in den Fechtbüchen finden, über die Epochen hinweg kann dabei ein großer Mehrwert sein, der ein Verständnis schaffen kann.
Schließlich darf man nicht vergessen, das Fechter heute weder "Kämpfer" noch "Krieger" sind. Wir sind Sportkämpfer, Sportler, Fechtsportler etc.. Aber wenn wir Fechtkunst oder Fechtsport betreiben, dann darf dies nie über den sportlichen oder den Charakter der Selbstverteidigung hinaus gehen. Dies steht klar im Gegensatz zum Krieger oder Kämpfer, dessen Beruf es ist Gewalt rechtlich legitimiert notfalls auch in höchstem Maß anzuwenden. Wenngleich dies eine tatsächliche Notwendigkeit sein kann, so ist jeder tatsächliche Krieger froh, wenn es nicht dazu kommt. Denn ihm sind dabei auch alle Konsequenzen bewusst und verinnerlicht, die mit einem ernsten Kampf oder Krieg verbunden sind. Denn nicht umsonst steckt in den Worten Krieger oder Warrior eben Krieg und War drin. Und die Ausbildung dazu muss unter staatlicher, rechtlicher, juristischer, psychologischen und fachlicher Kontrolle stehen.
Hier einige Beispiele aus dem spätmittelalterlichen "Katalog" von ritterlichen Tugenden.
Bezugnehmend zu den eingangs beschriebenen Situationen, die ich erlebt habe, glaube ich nicht, dass die Menschen, die solche Aussagen getroffen haben, tatsächlich einen fehlgeleiteten Werte-Kompass haben. Allerdings glaube ich, dass in weiten Teilen das Thema Gewalt und deren Realität kaum noch greifbar ist, was schließlich dazu führt, dass Leute unbewusst Aussagen treffen, die für sie erst bei näherer Betrachtung ethisch-moralisch greifbar werden. Für mich was es erschreckend zu sehen, wie gern und freudig sich Menschen mit der zielführenden Verwundung des Gegners beschäftigt haben. Bei Militär und Polizei habe ich so was nie erlebt.
Daher kann ich mir vorstellen, dass ein erzieherisches einwirken sowie eine stärkere Kontextualisierung von Kampf und Gewalt im Unterricht und die Schaffung von mehr Sensibilität helfen können, mögliche Dissverhältnisse im Bereich Gewalt zu beseitigen.
Wie ich bereits auf den Trainertagen 2016 in Hamburg sagte, halte ich diese Auseinandersetzung, Reflexion und Kontextualisierung für dringen notwendig.
Ich erarbeite daher für IN MOTU auch Ausbildungsziele im affektivem Bereich, um diese Erziehung zu fördern. Gerade, wer zukünftig mit Kindern und jugendlichen Arbeiten möchte, darf diese große Verantwortung als Fechtlehrer nicht vergessen.
"Die Beschäftigung mit Kampf ist stets mit Werten und Normen verbunden. Ein Kampf findet stets zwischen zwei oder mehr Personen statt, wodurch es automatisch zu komplexen sozialen Beziehungen kommt. Seit Menschen Kämpfen, geben sie sich Regeln für den Kampf und für das Verhalten bei Konfliktsituationen. Legitimierte Kämpfer hatten dabei stets einen Katalog an Tugenden, der sich spätestens seit dem Mittelalter klar herausstellte und beim Militär auch heute noch in den soldatischen Tugenden zu finden ist. Kampf bzw. Fechten bei IN MOTU besteht aus Sportkampf, Kampfkunst oder Übungen zur Selbstverteidigung. Diese Übungen werden von Menschen aus verschiedensten Gründen betrieben, wie etwa Fitness/Gesundheit, Abschalten vom Alltag, Stressresilienz aufbauen, Ausgleich zur Arbeit, Wettkampfgedanken, soziale Beziehungen pflegen oder eben auch um sich auf Ernstsituationen vorzubereiten. In keiner Weise werden Techniken unter der Zielstellung vermittelt, seinen Gegner zu töten oder schwer zu verletzen. In der Selbstverteidigung muss im Vordergrund der Eigenschutz und die schnellstmögliche Beendigung des Kampfes mit verhältnismäßigen Mitteln sein, sodass der Gegner den geringsmöglichen Schaden von sich trägt. Kampf stellt also stets eine gewaltvolle Auseinandersetzung auf körperlicher und geistiger Ebene dar, die den Normen und Werten der sozialen Gruppe unterworfen ist. Diese soziale Gruppe, an der wir uns orientieren, ist unsere Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland, der Europäischen Union und der Weltgemeinschaft. Der kleinste gemeinsame Nenner muss hierbei das in unserem Land und der EU geltende Rechte und Gesetz sein und darüber hinaus auch die mehrheitlichen gesellschaftlichen Umgangsformen. Gerade weil der Kampf ein Extrem darstellt, welches im schlimmsten Fall die Ausübung von Gewalt auf einen anderen Menschen beinhalten kann, müssen sich Ausübende von Kampftechniken stets ihrer besonderen Verantwortung bewusst sein und zu einem werte orientierten Handeln erzogen werden. Erst wenn Erziehungsziele in die Kampfkunstausbildung eingebunden werden, kann Kampfkunst/Kampfsport vollständig sein. Denn Ziel einer Kampfausbildung bei IN MOTU ist es nicht einen Gegner schwer zu verletzen, sondern zu lernen sein eigenes Gewaltpotential zu kennen und beherrschen zu lernen, sodass man jederzeit in der Lage ist eine richtige Entscheidung über deren rechtmäßige und verhältnismäßige Anwendung oder Unterlassung zu treffen. Die Körperliche Beherrschung ist demnach die Grundlage, um seinen eignen Geist für Entscheidungen frei zu haben. Das gibt einem guten Kämpfer den Vorsprung, den er braucht um einen möglichen Kampf gar nicht erst kämpfen zu müssen oder seinem Gegner geistig voraus zu sein. Kampfausbildung ist demnach stets Erziehung und charakterliche Bildung."
Hier noch Tugenden aus der aktuellen Fassung des Traditionserlasses der Bundeswehr.
"Historische Beispiele für zeitlos gültige soldatische Tugenden, etwa Tapferkeit, Ritterlichkeit, Anstand,Treue, Bescheidenheit, Kameradschaft, Wahrhaftigkeit, Entschlussfreude und gewissenhafte Pflichterfüllung," ( DIE TRADITION DER BUNDESWEHRRICHTLINIEN ZUM TRADITIONSVERSTÄNDNISUND ZUR TRADITIONSPFLEGE S.5)
Hier noch ein paar Auszüge aus Fechtbüchern, die Werte, Normen und mentale Einstellung beschreiben oder nennen.
" Jung man nu lern Gott liebhaben und Frauen ehren, rede Frauen wohl und bist männlich, wo mann soll. Hüte dich vor Lügen und vor schämlichen Krügen [Kriegen?]. Setze deine Sinne auf ehrliche Sachen und gedencke nach Ritterschaft. "
(Hans Talhoffer 15. Jahrhundert, Hs. XIX, 17–3 im gräflichen Schloß Königseggwald fol. 2)
" Nun habe eines Mannes Mut, gegen jeden, der dir Unrecht tut. Willst Du bei Ehren bleiben, so sollst du die Wahrheit üben. Hüte dich vor den Bösen, die keine Treue halten können. Hast du dies verstanden, so geselle dich zu den Guten [Frommen]. Wenn man dir einen Rat geben will, so überdenke diesen gut. Dann kannst du erkennen, ob er dir nützt oder schadet.Traue nicht jedermann. Steh fest wie ein Bär und gleite nicht hin und her [sei aufrichtig und nicht wankelmütig].Das merke dir und verwende deine ganze Kraft im rechten Maße."
(Hans Talhoffer 15. Jahrhundert, ebenda)
" Auch mit ungestüm kein Wehr zerschlagen / mit sitten ewr arbeit vortragt. Solt auch durch aus keins anderen spotten / In der Übung / es ist verboten. Auch solt ihr keinen blutig schlan / Der erst zu fechten fehet an. " (Christoff Rösener, 16. Jh., BSB München, Res/Gymn. 244 t )
In Christoff Röseners Gedicht finden sich noch viele weitere interessane Aspekte. | 3.84375 | 3.59375 | 3 |
89ddfa9be2680f568265ef049c227b68 | Der gedankliche Prolog der bolschewistischen Revolution von 1917 wurde 15 Jahre zuvor verfasst: Lenins Schrift: Was tun? Sie steht am Beginn des totalitären Zeitalters.
Die bolschewistische Revolution vom Oktober 1917, die das „totalitäre Zeitalter“ einleitete, hatte einen gedanklichen Prolog, der 15 Jahre vor ihrem Ausbruch verfasst wurde. Es handelte sich hierbei um die 1902 entstandene programmatische Schrift Lenins „Was tun?“, die für die Entwicklung der marxistisch orientierten Arbeiterbewegung eine ähnlich einschneidende Bedeutung besaß wie das „Kommunistische Manifest“ von Marx und Engels. Dieser theoretischen Grundlage der Umwälzung vom Oktober 1917 ist die folgende Kolumne gewidmet.
Der Revisionismusstreit
Als Lenin seine Schrift „Was tun?“ verfasste, befand sich die gesamte II. Internationale mitten im Revisionismusstreit, der zeigte, dass die utopischen Energien, über welche die marxistische Bewegung in den früheren Jahrzehnten noch verfügt hatte, allmählich versiegten. Die sozialdemokratischen Parteien des Westens befassten sich immer stärker mit den parlamentarischen, gewerkschaftlichen oder kommunalpolitischen Fragen und keineswegs mit revolutionären Endzielen. Dieses Versinken in Alltag und Routine empörte viele Sozialdemokraten, die sich dem Vermächtnis des „Kommunistischen Manifestes“ noch verpflichtet fühlten. Dennoch gerieten sie innerhalb ihrer jeweiligen Parteien in eine immer größere Isolation. Besonders deutlich spiegelte sich dieser Sachverhalt am politischen Schicksal Rosa Luxemburgs und Alexander Helphands (Parvus) wider, die zu den originellsten sozialdemokratischen Theoretikern der Jahrhundertwende zählten. Beide wiesen mit einer besonderen Schärfe die „revisionistischen“ Thesen Eduard Bernsteins zurück. Die Revision der Parteigrundsätze sei nur nach links, nicht nach rechts möglich, schrieb Parvus im SPD-Organ „Die Neue Zeit“. Für Rosa Luxemburg wiederum bedeutete der Verzicht der Industriearbeiter auf den revolutionären Klassenkampf eine Hinnahme der bestehenden Herrschaftsverhältnisse, eine Kapitulation vor ihnen. Zugleich warf sie Bernstein Folgendes vor:
Bernstein hatte damit angefangen, das Endziel um der Bewegung willen aufzugeben. Da es aber tatsächlich keine sozialdemokratische Bewegung ohne das sozialistische Endziel geben kann, so endet er notwendig damit, dass er auch die Bewegung selbst aufgibt.
Die Schärfe, die Rosa Luxemburg und Parvus in die innerparteiliche Polemik einbrachten, galt manchen westlichen Sozialdemokraten als Zeichen der „russischen Unduldsamkeit“ (Rosa Luxemburg stammte aus dem russischen Teil Polens, Parvus wurde in der Nähe von Minsk geboren). Beide galten innerhalb der SPD als exzentrisch und konnten sich mit ihren Standpunkten nicht durchsetzen. So wurde Rosa Luxemburg mehrmals von der SPD-Führung für ihre allzu radikale Haltung gerügt. Parvus seinerseits verließ 1910 resigniert Deutschland und ließ sich in der Türkei nieder, um eine völlig neue Seite seiner Biographie aufzuschlagen.
Die Visionen des „Kommunistischen Manifestes“ von der Abschaffung des Privateigentums und von der Errichtung einer klassenlosen Gesellschaft inspirierten etwa 1914, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, lediglich radikale Ränder der Arbeiterbewegung. Drei Jahre später wurden indes Vertreter dieser Richtung zu Alleinherrschern in einem der größten Reiche der Erde.
„Das Privileg der Rückständigkeit?“
„Die Utopie gelangte an die Macht“. Ich paraphrasiere hier den Titel des Buches der russischen Exilhistoriker Alexander Nekritsch und Michail Heller über die Geschichte der Sowjetunion. Warum wurde ausgerechnet Russland zum Experimentierfeld der marxistischen Utopisten? Aus der Sicht der Klassiker des Marxismus war dieses Land für eine Verwirklichung der Visionen des „Kommunistischen Manifestes“ denkbar ungeeignet. Um die Jahrhundertwende war es im Wesentlichen noch ein Agrarland, in dem die Industriearbeiterschaft nur eine verschwindende Minderheit der Bevölkerung darstellte. Abgesehen davon war Russland zu Lebzeiten von Marx und Engels noch eine autokratische Monarchie, die das Prinzip der Gewaltenteilung, wenn man von der unabhängigen Gerichtsbarkeit (seit 1864) absieht, nicht kannte. So fehlten Russland alle Voraussetzungen für die Entwicklung einer erfolgreichen sozialdemokratischen Bewegung nach westlichem Muster. Russland stehe am Vorabend einer Revolution, meinte 1875 Friedrich Engels, aber es werde keine sozialistische Revolution sein, weil das russische Bürgertum und das Industrieproletariat sich auf einer sehr niedrigen Entwicklungsstufe befänden. Die Umwälzung, die sich in Russland anbahne, sei eine Revolte gegen „die letzte bisher intakte Reserve der gesamteuropäischen Reaktion“. Während der Revolution von 1848 riefen Marx und Engels in ihrem Blatt „Neue Rheinische Zeitung“ die westlichen Völker zu einem revolutionären Kreuzzug gegen das Zarenreich auf. Engels erinnert sich:
Die auswärtige Politik (der „Neuen Rheinischen Zeitung“ – L.L.) war einfach: Eintreten für jedes revolutionäre Volk, Aufruf zum allgemeinen Krieg des revolutionären Europas gegen den großen Rückhalt der europäischen Reaktion – Russland.
Die Ironie der Geschichte, von der Marx und Engels so oft gesprochen hatten, sollte sich an ihnen rächen. Denn ausgerechnet in diesem Land, das aus ihrer Sicht für eine proletarische Revolution völlig ungeeignet war, sollte zum ersten Mal in der Geschichte eine marxistische Partei an die Macht kommen.
Die ersten marxistischen Gruppierungen entstanden in Russland in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Sie befanden sich von Anfang an in einer paradoxen Situation. Als unerbittliche Kritiker des kapitalistischen Systems mussten sie zugleich für die Entwicklung des Kapitalismus in Russland eintreten. Denn nur auf diese Weise war das notwendige Fundament für die Schaffung der späteren sozialistischen Gesellschaft zu errichten. Als kompromisslose Gegner der Bourgeoisie mussten sie zugleich für den Sieg einer bürgerlichen Revolution in Russland kämpfen, denn nach den klassischen Lehrbüchern des Marxismus mussten bürgerliche Revolutionen den proletarischen vorausgehen. In dieser bürgerlichen Revolution sollte aber das Industrieproletariat paradoxerweise eine maßgebliche Rolle spielen. 1891 sagte der Ahnherr des russischen Marxismus, Georgij Plechanow, das russische Industrieproletariat stelle die erste revolutionäre Kraft in der russischen Geschichte dar, die imstande sei, die Autokratie zu stürzen.
Die Hoffnungen, die die russischen Marxisten mit dem Industrieproletariat verknüpften, waren nicht unbegründet. Die entwurzelten Industriearbeiter waren viel beweglicher und für die revolutionäre Propaganda wesentlich empfänglicher als die Bauern, welche traditionellen Weltbildern verhaftet waren. Die Verbreitung der revolutionären Propaganda unter den russischen Industriearbeitern wurde auch dadurch begünstigt, dass es sich bei den russischen Industriebetrieben oft um gigantische Unternehmen mit Tausenden von Beschäftigten handelte. So konnten sich revolutionäre Parolen hier wie ein Lauffeuer verbreiten. Dass die Industriegiganten die russische industrielle Landschaft derart stark prägten, hatte mit der verspäteten Industrialisierung Russlands zu tun. Man spricht in diesem Zusammenhang sogar vom Privileg der Rückständigkeit. So müssen Nationen, die sich später als andere modernisieren, nicht unbedingt den gesamten Entwicklungsweg ihrer Vorgänger wiederholen. Sie stützen sich von Anfang an auf die Ergebnisse des Modernisierungsprozesses der hochentwickelten Staaten, übernehmen sofort die letzten technologischen Errungenschaften. Und die Produktionskonzerne stellten im Westen zur Zeit der Industrialisierung Russlands – also um die Jahrhundertwende – das letzte technologische Wort dar. So übernahm das Zarenreich die modernsten technologischen Strukturen des Westens, lehnte aber eine Modernisierung seiner gesellschaftlichen und politischen Strukturen ab. Auch dies trug zur Radikalisierung der Lage im Lande bei.
Bis zur Revolution von 1905 existierten in Russland keine unabhängigen Gewerkschaften, kein Streikrecht. Deshalb war eine Kanalisierung bzw. Institutionalisierung des gesellschaftlichen Protestes nicht möglich. Beinahe jede Arbeiterdemonstration führte zu gewalttätigen Zusammenstößen mit der Polizei. Nicht zuletzt deshalb zeichnete sich die russische Industriearbeiterschaft durch eine außerordentliche Militanz aus. Auf diese radikal eingestellten Industriearbeiter stützte sich auch die 1898 entstandene Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands. Nach dem Abflauen der revolutionären Woge im Westen nach 1849 verlagerte sich das revolutionäre Zentrum des Kontinents nach Russland. Hier fand eine ununterbrochene Verschärfung der politischen Konflikte und eine Polarisierung der Gesellschaft statt, so wie Marx und Engels dies für den Westen vorausgesagt hatten. Dessen ungeachtet schien der gigantische zarische Machtapparat zu Beginn des 20. Jahrhunderts beinahe allmächtig und den revolutionären Gruppierungen unterschiedlichster Couleur erdrückend überlegen zu sein. In dieser Konstellation entstand die Schrift Lenins „Was tun?“, die für die Geschichte der marxistischen Bewegung eine nicht weniger prägende Bedeutung haben sollte als das „Kommunistische Manifest“. Ähnlich wie Marx glaubte auch Lenin an die Gesetzmäßigkeit der geschichtlichen Entwicklung, wollte aber zugleich die spontanen historischen Prozesse voluntaristisch beschleunigen.
„Die Partei neuen Typs“
Evolutionäre Lösungen der Arbeiterfrage für die sich westliche „Revisionisten“ und ihre russischen Gesinnungsgenossen einsetzten und die in erster Linie für eine allmähliche Verbesserung der wirtschaftliche Lage der Proletarier kämpften, lehnte Lenin rundweg ab. Dies lenke vom eigentlichen Ziel, der Zerstörung des bestehenden Systems, nur ab. Lenins Heilserwartungen waren denjenigen von Marx und Engels, die sich im „Kommunistischen Manifestes“ spiegelten, nicht unähnlich. Auch er schien in einer beinahe frühchristlichen Manier zu verkünden: Die Erlösung ist nah. Wer aber ist der Erlöser? Für Marx und Engels verkörperte das Proletariat, das von der Ursünde der Menschheit – der Ausbeutung anderer Menschen – frei war, den neuen Heiland. Beide erwiesen sich aber als falsche Propheten. Denn das Ziel der überwältigenden Mehrheit der Industriearbeiter war keineswegs die Errichtung eines „Reiches der Freiheit“ anstelle einer Klassengesellschaft, sondern ein bescheidener Wohlstand innerhalb der bestehenden Gesellschaft, den sie um die Jahrhundertwende, zumindest im Westen, auch erreichten. Sie waren für utopistische Entwürfe weltfremder Intellektueller kaum zu gewinnen.
Diese „Erosion des Utopischen“ konnte Lenin, der die Jahre 1900-1917, mit kurzer Unterbrechung, im westlichen Exil verbrachte, aus nächster Nähe beobachten. Die Enttäuschung über den Marxschen „Heiland“ stellt den roten Faden der Schrift „Was tun?“ dar. Spontan, aus eigener Kraft, gelangten die proletarischen Massen nur zu einem „trade-unionistischen“ Bewusstsein, führt Lenin aus. Das sozialistische Bewusstsein, das Streben nach der Erschaffung einer neuen, nie dagewesenen Welt, könne ihnen nur eine Avantgarde vermitteln:
(Die) Arbeiter konnten ein sozialdemokratisches Bewußtsein gar nicht haben. Dieses konnte ihnen nur von außen gebracht werden.
Um diese Avantgarde-Theorie vom Geruch des Ketzerischen zu befreien, berief sich Lenin auf eine der wichtigsten theoretischen Instanzen in der damaligen marxistischen Bewegung – auf Karl Kautsky –, der, in der „Neuen Zeit“ von 1901/02 Folgendes sagte:
Das moderne sozialistische Bewusstsein kann nur entstehen auf Grund tiefer wissenschaftlicher Einsicht … Der Träger der Wissenschaft ist aber nicht das Proletariat, sondern die bürgerliche Intelligenz; in einzelnen Mitgliedern dieser Schicht ist auch der moderne Sozialismus entstanden und durch sie erst geistig hervorragenden Proletariern mitgeteilt worden….. Das sozialistische Bewusstsein ist also etwas in den Klassenkampf des Proletariats von außen Hineintragendes, nicht etwas aus ihm urwüchsig Entstandenes.
So war Lenins Skepsis in Bezug auf die Fähigkeit des Proletariats zum eigenständigen, spontanen Handeln auch anderen marxistischen Theoretikern eigen. Diese Skepsis und die Hervorhebung der Rolle der Avantgarde allein hätten die bahnbrechende Bedeutung von „Was tun?“ kaum begründen können. Dazu trugen in erster Linie andere Thesen Lenins, so vor allem diejenigen über die revolutionäre Taktik, bei. Denn im Gegensatz zum „Kommunistischen Manifest“ stellten nicht ideologische, sondern taktische Fragen den Kern von „Was tun?“ dar. Dabei führte Lenin eine Art „Zweifrontenkrieg“: sowohl gegen die ideologische Unbeholfenheit der Massen als auch gegen die organisatorische Unbeholfenheit der marxistischen Intellektuellen in Russland. Die letzteren haben es nicht vermocht, eine Organisation zu gründen, die imstande gewesen wäre, sowohl die Massen zu führen, als auch die zarische Autokratie herauszufordern. Deshalb träumte Lenin von einer straf disziplinierten, zentral geführten Verschwörerorganisation von Berufsrevolutionären:
Gebt uns eine Organisation von Revolutionären, und wir werden Russland aus den Angeln heben!
Auf den ersten Blick schien Lenins Vorhaben völlig utopisch zu sein. Wie konnte die soeben entstandene sozialdemokratische Bewegung Russlands, die aufgrund des autokratischen Charakters der Zarenmonarchie so gut wie keine Möglichkeit besaß, öffentlich zu agieren, den damals als übermächtig geltenden zarischen Militär-, Polizei- und Staatsapparat herausfordern? Lenin räumt selbst ein, dass die Sozialistengesetze Bismarcks im Vergleich zum Unterdrückungssystem des Zarenregimes lächerlich anmuteten:
Dem russischen Proletariat … steht der Kampf gegen ein Ungeheuer bevor, mit dem verglichen das Sozialistengesetz in einem konstitutionellen Lande als wahrer Zwerg erscheint.
Dessen ungeachtet hielt Lenin die Lage der russischen Marxisten keineswegs für aussichtslos. Denn es gab in der russischen Geschichte bereits einen Präzedenzfall, als eine kleine, aber straff organisierte Verschwörergruppe imstande war, den mächtigen russischen Staat in Atem zu halten und ihn in seinen Grundfesten zu erschüttern. Dies war die Bewegung der Narodniki, nicht zuletzt die 1879 gegründete Terrororganisation „Narodnaja Wolja“ (Volkswille), die 1881 den Zaren Alexander II., der in die russische Geschichte als „Zar-Befreier“ einging, ermordete. Lenin bewunderte die Taktik der „Narodnaja wolja“ und prangerte lediglich deren „falsche“ Ideologie an. Sie waren eben keine Marxisten. Die dagegen in „Was tun?“ konzipierte Organisation von Berufsrevolutionären – die „Partei neuen Typs“ – sollte den revolutionären Impetus, der die „Narodnaja Wolja“ ausgezeichnet hatte, mit dem marxistischen Programm verbinden. Dies werde sie unbesiegbar machen.
Lenins Voraussage sollte sich auch erfüllen. Denn die Verbindung der chiliastischen Träume der russischen Intelligenzija mit dem marxistischen Utopismus unter dem Dach einer Organisation von Berufsrevolutionären, die Lenin ein Jahr nach der Veröffentlichung von „Was tun?“ gründen sollte, stellte einen Wendepunkt in der Geschichte Russlands wie auch der gesamten Arbeiterbewegung dar.
Der Paradigmenwechsel in der Geschichte der Arbeiterbewegung nach der Gründung der bolschewistischen Partei
Bis dahin galt die SPD als Vorbild für alle marxistischen Parteien Europas. Ihre organisatorische Stärke, ihre Effizienz machte sie zu einem ebenbürtigen Kontrahenten des preußischen Staates, an dessen Aufbaustrukturen sie sich, wie der Münchner Historiker Thomas Nipperdey hervorhebt, in mancher Hinsicht anlehnte. Preußen bzw. das Deutsche Reich war allerdings, trotz der Sozialistengesetze Bismarcks, ein Rechtsstaat, der den politischen Parteien unzählige Möglichkeiten bot, sich legal zu betätigen. Alle diese Möglichkeiten existierten in Russland bis 1905 (bis zum Oktobermanifest des Zaren, das den Untertanen die Grundrechte versprach) nicht. So konnte die von Lenin 1902 konzipierte „Partei neuen Typs“ sich nicht an die legal agierende SPD anlehnen. Dies war allerdings nicht der einzige Grund, warum die SPD für Lenin als Vorbild nicht in Frage kam. Als er die Sozialistengesetze Bismarcks, die den Höhepunkt der Unterdrückung der deutschen Arbeiterbewegung verkörperten, der Lächerlichkeit preisgab, wollte er quasi sagen, dass die SPD sich unter „Treibhausbedingungen“ entwickele. Der deutsche Staat erzeuge also keinen ausreichenden Druck, um die SPD zu einem entsprechenden revolutionären Gegendruck zu zwingen. Ein derartiger Gegendruck könne im Grunde nur in Russland entstehen, denn nur hier nehme die Repression für europäische Verhältnisse beispiellose Ausmaße an. Diese Ausnahmesituation verleihe dem russischen Proletariat eine Sonderfunktion. Sollte das russische Proletariat seiner Aufgabe gewachsen sein, werde es eine führende Rolle in der internationalen Arbeiterbewegung übernehmen, werde zu ihrer Avantgarde, schreibt Lenin:
Die Geschichte hat uns jetzt die nächste Aufgabe gestellt, welche die revolutionärste von allen nächsten Aufgaben des Proletariats irgendeines anderen Landes ist. Die Verwirklichung dieser Aufgabe, die Zerstörung des mächtigsten Bollwerks nicht nur der europäischen, sondern … auch der asiatischen Reaktion, würde das russische Proletariat zur Avantgarde des internationalen revolutionären Proletariats machen.
Diese 1902 ausgesprochenen Worte Lenins klangen ketzerisch. Für die traditionsbewussten Arbeiterparteien des Westens waren die damaligen Entwicklungen im vormodernen, autokratischen Russland auf die hochentwickelten Industrieländer des Westens nicht übertragbar und daher im Grunde irrelevant.
Lenin selbst schien die These vom russischen Proletariat als Avantgarde nur en passant formuliert zu haben. Er hat sie nicht weiter vertieft und äußerte immer wieder seine Bewunderung für die SPD und träumte davon, dass die russischen Sozialdemokraten eines Tages auch ihre Bebels und Liebknechts haben würden. Handelte es sich also bei Lenins Traum von der führenden Rolle des russischen Proletariats lediglich um einen kurzen emotionalen Ausbruch ohne Folgen? Wohl kaum. Seine beißende Kritik am britischen trade-unionismus und am deutschen Revisionismus zeigt, dass er am revolutionären Temperament der westlichen Marxisten immer stärker zu zweifeln begann. Und diese Zweifel waren nicht unbegründet. Um die Jahrhundertwende schien der Marxismus in einem immer stärkeren Ausmaß den Charakter einer behäbigen Wirtschaftslehre anzunehmen. Immer weniger klang er nach einer revolutionären Anleitung zum Handeln. Nicht zuletzt aus diesem Grund hatten die zarischen Behörden zunächst keine allzu großen Einwände gegen die Verbreitung des Marxismus in Russland, der im Vergleich zu manchen anderen revolutionären Strömungen im Lande, gemäßigter schien. Ohne Lenin und dessen 1903 gegründete bolschewistische Partei – „Partei neuen Typs“ – hätte der russische Marxismus wahrscheinlich in der Tat einen ähnlich reformistischen Charakter wie im Westen angenommen. Lenins Kontrahenten auf dem 2. Kongress der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (1903), der mit der Spaltung der Partei endete – die „Menschewiki“ -, wollten sich buchstabengetreu an die auf den Westen zugeschnittenen marxistischen Modelle anlehnen. Sie, und nicht Lenin, waren die eigentlichen orthodoxen Marxisten. Lenin hingegen, der revisionistische Strömungen im Marxismus in Bausch und Bogen verdammte, war in Wirklichkeit ein „Revisionist“. Dies zuzugeben, kam aber für ihn nicht in Frage. Trotz umwälzender Veränderung mancher Grundsätze des klassischen Marxismus, hielt er sich selbst für einen orthodoxen Marxisten, gelegentlich sogar „für den einzigen orthodoxen Marxisten auf Erden“, wie der amerikanische Sowjetologe Bertram Wolfe dies formulierte. Den Versuchen der Menschewiki, sich an den eher gemäßigten westlichen Marxismus anzupassen, sagten Lenin und die Bolschewiki einen unversöhnlichen Kampf an. Und gerade wegen ihrer Unversöhnlichkeit übte diese, zunächst winzige Partei, eine beinahe unwiderstehliche Kraft auf diejenigen Gruppen in Russland aus, die die bestehende wirtschaftliche, politische und soziale Ordnung gänzlich zertrümmern wollten. Lenin profitierte davon, dass das Zarenreich seit etwa dem gescheiteren Dekabristenaufstand von 1825 von einer immer radikaler werdenden revolutionären Gärung erfasst wurde. Kein Wunder, dass die aus dem Westen importierten Lehren in Russland eine besonders radikale Interpretation erfuhren. Gemäßigte Kräfte im oppositionellen Lager, die vor den gefährlichen Folgen der Verklärung der Revolution warnten, konnten eine zunehmende Polarisierung im Lande nicht verhindern. Russland steuerte, wenn auch nach einigen Umwegen, auf eine totale Konfrontation zwischen Staat und Gesellschaft, zwischen Oben und Unten zu. Lenin fühlte sich in seinem Element. Trotz der weitgehenden Isolierung der Bolschewiki innerhalb der politischen Klasse Russlands gelang es ihnen, insbesondere nach dem Sturz des Zaren im Februar/März 1917, das Land in die von Lenin gedanklich vorweggenommene Richtung zu drängen. Den Gipfel der Exzentrik schien Lenin im April 1917 erreicht zu haben, als er zur sofortigen Ablösung der soeben errichteten Provisorischen Regierung – der ersten demokratischen Regierung in Geschichte Russlands – durch die basisdemokratischen Sowjets aufrief. Wegen solcher Thesen wurde er nicht nur von seinen politischen Gegnern, sondern auch von vielen Bolschewiki der Weltfremdheit bezichtigt. Ein halbes Jahr später befand sich indes dieser „weltfremde Exzentriker“ bereits an der Macht und leitete damit eine der tiefsten Zäsuren in der russischen und nicht nur in der russischen Geschichte, ein. Dies geschah nicht zuletzt deshalb, weil Lenins radikale Kampfansage an das Bestehende, zumindest so wie er sie 1917 formulierte, den Wünschen großer Teile der russischen Unterschichten durchaus entsprach. Der russische Philosoph und Akteur der damaligen Ereignisse, Fjodor Stepun, schreibt: Lenin habe 1917 verstanden, dass ein Führer sich in gewissen Situationen dem Willen der Massen beugen müsse, um zu siegen. Obwohl er ein Mensch von ungewöhnlicher Willenskraft gewesen sei, sei er gehorsam in die von den Massen gewählte Richtung gegangen.
Dieses Bündnis Lenins mit den von ihm so skeptisch betrachteten Massen war allerdings nur vorübergehender Natur. Sofort nach dem Sieg der bolschewistischen Revolution strebte nun die „Partei neuen Typs“ danach, ihre „Verbündeten“ zu entpolitisieren und lediglich in ein Rädchen des totalitären Mechanismus zu verwandeln. Da der Freiheitsrausch des Jahres 1917 noch sehr lange nachwirkte, stießen die Bolschewiki bei ihrem Versuch, die störrische russische Wirklichkeit an die marxistische Utopie anzupassen, auf erhebliche Widerstände. Die Antwort der Partei hieß: Terror, der, mit kurzen Unterbrechungen, bis 1953 (bis zum Tode Stalins) zu einer der wichtigsten Grundlagen des neuen Regimes werden sollte.
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Was ist Speiseröhrenkrebs?
Speiseröhrenkrebs ist zwar selten, gehört aber zu den häufigsten Ursachen für Krebsbedingte Todesfälle, da er oft in einem Stadium diagnostiziert wird, in dem er nicht mehr zu heilen ist. In der Vergangenheit war das Platten Epithelkarzinom der Speiseröhre als häufigste Form mit dem Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum verbunden. In den letzten Jahren wurde es vom Adenokarzinom überholt, das oft mit langfristigem Säure Reflux und Fettleibigkeit einhergeht. Schwierigkeiten beim Schlucken sind oft die ersten Symptome des Speiseröhrenkrebs. Tests wie z. B. eine Endoskopie helfen deinem Arzt, eine genaue Diagnose zu stellen.
Bei frühzeitiger Erkennung kann eine Operation dein Speiseröhrenkrebs heilen. Dennoch kommt es oft vor, dass die Erkrankung bereits so weit fortgeschritten ist, das nur eine Chemo- und Strahlentherapie zu den Hauptstützen der Behandlung werden.
Krebs an der Speiseröhre variiert weltweit enorm, sowohl in der Häufigkeit als auch in den bekannten Risikofaktoren. Derzeit nimmt der Speiseröhrenkrebs in entwickelten Ländern zu, obwohl die genauen Gründe hierbei unklar sind.
Wie deine Speiseröhre funktioniert
Deine Speiseröhre ist der Muskelschlauch, der deinen Mund mit deinem Magen verbindet. Sie liegt hinter deinem Brustbein und deiner Luftröhre und vor deiner Brustwirbelsäule. Der Bereich in deiner Brustmitte, durch den deine Speiseröhre verläuft, wird als Mediastinum bezeichnet. Das ist der Bereich, wo sich dein Herz, große Blutgefäße (deine Aorta) und viele Lymphknoten befinden.
Innerhalb deiner Speiseröhre gibt es einige wichtige Strukturen, die feste Nahrung und Flüssigkeiten beim Schlucken von deinem Mund aus in deinen Magen gelangen, steuern. Der obere Schließmuskel deiner Speiseröhre ist ein Muskelstrang in der Nähe deiner Speiseröhre, der den Rückfluss von Nahrungsmitteln aus deiner Speiseröhre zu deinem Mund verhindert und auch das Absaugen (Einatmen von Nahrungsmitteln in deine Luftröhre) verhindert. Der untere Schließmuskel deiner Speiseröhre ist ein Gewebestrang nahe der Verbindung deiner Speiseröhre mit deinem Magen. Wenn der Ton dieses Schließmuskels entweder hoch oder niedrig ist (aufgrund von Erkrankungen oder Medikamenten), kann dies die Art und Weise beeinflussen, wie du Lebensmittel aus deiner Speiseröhre in deinen Magen gelangen. Vor Erreichen deines Magens passiert die Speiseröhre das Zwerchfell. Wenn dieser Bereich deines Zwerchfells geschwächt ist (ein Hiatus Hernie), kann sich dein Magen in deine Brusthöhle hoch bewegen.
Deine Speiseröhre ist, fast vollständig, mit Zellen ausgekleidet, die als Plattenepithelzellen bekannt sind. Diese sind gleiche Art von Zellen, die in deinem Mund, deinen großen Atemwegen und sogar in deiner Haut vorkommen. Beginnt ein Tumor in dieser Region, spricht man von einer Plattenepithelkarzinom. Der Bereich am Ende deiner Speiseröhre, in dem sie sich mit deinem Magen verbindet, ist mit säulenförmigen Zellen ausgekleidet. Wenn in dieser Region ein bösartiger Tumor entsteht, spricht man von einem Adenokarzinom.
Plattenepithelkarzinome sind weit verbreitet und sind nach wie vor die häufigste Form von Speiseröhrenkrebs. Derzeit sind Adenokarzinome entwickelten Ländern gängiger.
Speiseröhrenkrebs Symptome
Die Symptome deines Speiseröhrenkrebs werden oft erst erkannt, wenn der Krebs schon ziemlich weit fortgeschritten ist. Im Nachhinein stellst du fest, dass du bereits seit einiger Zeit Symptome hast, sie aber unbewusst ignoriert hast. Ein Beispiel dafür wäre, dass du weicheres Essen bevorzugst, die dir beim Schlucken weniger Schmerzen bereiten.
Mögliche Warnzeichen deines Speiseröhrenkrebs könnten Folgende sein:
- Schluckbeschwerden (Dysphagie). Das häufigste Symptom, das normalerweise mit festen Nahrungsmitteln beginnt und sich schließlich auch bei Flüssigkeiten entwickelt. Du könntest auch Schmerzen beim Schlucken haben sowie ein Gefühl, dass Lebensmittel in der Speiseröhre stecken bleiben.
- Unerklärlicher Gewichtsverlust (Gewichtsverlust ohne es zu versuchen)
- Aufstoßen von unverdauten Lebensmitteln
- Sodbrennen (Brennen oder Druck hinter deinem Brustbein)
- Erbrechen von Blut oder altes Blut mit Stuhlgang (schwarzer Stuhl )
- Anhaltender Husten
- Rückenschmerzen zwischen deinen Schulterblättern
- Heiserkeit oder Verlust deiner Stimme
Da einige dieser Symptome bei saurem Reflux auftreten können. Dein saurer Reflux ist ein nicht zu verachtender Risikofaktor für Speiseröhrenkrebs. Von daher ist es wichtig, dass du dich nicht nur der neuen Symptome bewusst bist, die du erlebst, sondern auch über jede Veränderung deiner chronischen Symptome.
Speiseröhrenkrebs Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen sind bisher nicht bekannt, obwohl, laut Forschern, deine Genetik eine Rolle zu spielen scheint. Mehrere Risikofaktoren für Speiseröhrenkrebs wurden identifiziert und variieren je nach Art.
Das Plattenepithelkarzinom deiner Speiseröhre ist oft mit einer Kombination aus Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum miteinander verbunden. Obwohl es auch andere Risikofaktoren gibt, ist Speiseröhrenkrebs weltweit bei Männern häufiger als bei Frauen zu entdecken.
Eine Ernährung, die reich an Obst und Gemüse und wenig rotes und verarbeitetes Fleisch enthält, kann dich schützen.
Das Adenokarzinom deiner Speiseröhre ist oft mit chronischem Säure Reflux (gastroösophageale Reflux-Krankheit oder GERD) sowie mit Barrett Syndrom und Fettleibigkeit verbunden.
Speiseröhrenkrebs Diagnose
Zur Diagnose deines Speiseröhrenkrebs kann dein Arzt verschiedene Tests anordnen. Bei Verdacht auf Speiseröhrenkrebs wird eine Endoskopie (Ösophagus Magen Duodenoskopie) dein primärer Test für deine Diagnose Erstellung. Bei diesem Verfahren wird ein Schlauch durch deinen Mund in deine Speiseröhre eingeführt. Eine Kamera, am Schlauchende, ermöglicht deinem Arzt, das Innere deiner Speiseröhre direkt zu visualisieren und bei Bedarf eine Biopsie durchzuführen.
Die Bestimmung des Krankheitsstadium ist für die Auswahl deiner Behandlung sehr wichtig. Frühe Stadien sind in deinen Epithelzellen und deiner Speiseröhre enthalten. Mit fortschreitendem Krebs breitet sie sich auf deine nahe gelegenen Lymphknoten, Gewebe und Organe aus.
Häufig verwendete Tests für die Bestimmung sind CT, PET und manchmal sogar zusätzliche Studien wie Bronchoskopie, Thorakoskopie und andere, notwendig.
Deine Möglichkeiten hängen vom Stadium deines Krebses, die Lage und einer Reihe anderer Faktoren ab.
Bei Tumoren im Frühstadium kann eine Operation (Ösophagusoperation) deine Chance auf eine Heilung bieten. Allerdings handelt es sich um eine große Operation, bei der ein Teil deiner Speiseröhre entfernt und dein Magen wieder mit den Resten deiner oberen Speiseröhre verbunden wird. Oder, was ebenfalls getan werden kan ist, dass ein Abschnitt deines Darms hinzugefügt wird, sollte ein großer Teil deiner Speiseröhre entfernt werden.
Chemo- und Strahlentherapie werden oft vor deiner Operation durchgeführt, um deinen Tumor zu schrumpfen. es kann aber auch nach der Operation eingesetzt werden, um sicherzustellen, dass alle verbleibenden Krebszellen behandelt werden konnten.
Wenn du kein Kandidat für eine Operation bist, gibt es noch zusätzliche Optionen. Eine Chemotherapie in Kombination mit Medikamenten könnte dein Leben verlängern. Eine Strahlentherapie wird häufig zusammen mit der Chemotherapie vorgeschlagen. Dies geschieht entweder:
- Vor deiner Operation
- Nach deiner Operation
- Zusammen mit deiner Chemotherapie, sollte eine Operation nicht möglich sein
Gezielte Therapien können dir auch helfen, deine Krankheit zu überwachen, z.B. wenn du Tumore hast, die für HER2 positiv sind (ähnlich wie Brustkrebs). Deine Immuntherapie umfasst eine Vielzahl von Behandlungen, bei denen dein körpereigenes Autoimmunsystem zur Krebsbekämpfung genutzt wird und manchmal sogar fortgeschrittene Krebsarten kontrolliert werden könnten.
Es gibt auch viele Behandlungen, die in klinischen Studien untersucht werden und uns allen die Hoffnung geben, dass in Zukunft bessere Behandlungen verfügbar sein werden.
Dein fortgeschrittener Krebs sollte Behandlungen zur Verbesserung deiner Lebensqualität nicht unterschätzen. Die Palliativ Medizin ist hierbei oft das Ziel deiner Therapie. Sie ist nicht dasselbe wie ein Hospiz. Palliativ Medizin ist darauf ausgerichtet Menschen mit Tumoren zu behandeln, die sehr wahrscheinlich geheilt werden können. Sie zielt auch darauf ab, deine körperlichen und emotionalen Symptome eines Lebens mit Krebs zu managen. Du siehst, dass die Palliativ Medizin nicht nur deine Lebensqualität erhöht, sondern sie verbessert deutlich dein Leben mit fortgeschrittenem Krebs.
Speiseröhrenkrebs Bewältigung
Dein Umgang mit Speiseröhrenkrebs kann sich als sehr schwierig gestalten. Aus körperlicher Sicht sind deine Schluckbeschwerden nicht nur unangenehm, sondern sie können deine Ernährung erheblich beeinträchtigen. Emotional wirft der Ruf von Speiseröhrenkrebs als aggressiver Tumor mit schlechter Prognose viele Probleme auf, darunter Bedenken Angst davor, dass dein Leben vorbei ist.
Die Bewältigung deiner Ösophaguskarzinom Diagnose erfordert viel Unterstützung und es ist für dich auch sehr wichtig, dir Hilfe zu suchen. Die Unterstützung einer Online Community für Speiseröhrenkrebs kann ebenfalls von großem Nutzen sein, da sie dir die Möglichkeit bietet, mit anderen Menschen und dessen Familienangehörigen zu sprechen, die vor einer ähnlichen Herausforderung stehen.
Zusammengefasst
Speiseröhrenkrebs wird erst erkannt, wenn es sich bereits im fortgeschrittenen Stadum der Erkrankung befindet. Doch viele Betroffen geben zu, dass sie bereits Symptome, lange bevor sie diagnostiziert wurden, bemerkten. Ein Bewusstsein für die Anzeichen und Symptome zu entwickeln und zu wissen, ob du Risikofaktoren hast oder nicht, kann für dich hilfreich sein, deine Krankheit so früh wie möglich zu entdecken. Du solltest beachten, dass solange dein Krebs nicht frühzeitig erkannt wird und eine Operation nicht möglich ist, es Behandlungen gibt, die deine Symptome mindern und deine Lebenserwartung verlängern können. | 4.1875 | 3.1875 | 3.328125 |
34ea8a1c5aec6e005ba6550c65ef93d4 | 19. März 2020 von Eva-Maria Kynast
UX Design in der Softwareentwicklung
Warum braucht adesso UX Designer?
Ich behaupte, dass jeder von uns bereits gute sowie schlechte Erfahrungen mit Software gesammelt hat - vom System beim Fahrkartenkauf bis hin zu einer Website. In jedem Fall wird es vom User positiv wahrgenommen, wenn die Bedienung einfach ist und er leicht und schnell die gewünschten Waren oder Dienstleistungen bekommt. Negativ könnte es sich dagegen auf die User Experience auswirken, wenn beispielsweise Daten angegeben werden müssen, die keinen Einfluss auf die gewünschte Aktion haben.
Bleiben wir kurz beim Fahrkartenkauf am Automaten. Am Bahnhof lässt sich regelmäßig folgendes beobachten: Menschen mit roten Köpfen und aggressiven Zeigefingern, die auf dem Bildschirm der Fahrkartenautomaten tippen. Selbst Vielfahrer verzweifeln nur zu oft beim Versuch, das richtige Ticket mit den gewünschten Vergünstigungen kurz vor der Abfahrt zu kaufen. Abgesehen von den unpräzisen Touchscreens, gibt es beim Kauf eines Fahrscheins häufig zu viele Optionen und keine erkennbare Logik in der Anordnung der Bedienelemente sowie in der Benutzerführung. Hinzu kommt noch die Besonderheit jeder Stadt mit eigenen Tarifen, Zonen oder Gruppen- und Tagestickets. Ein einheitliches Muster ist nicht existent. Oft haben Nutzerinnen und Nutzer lediglich die Wahl, ganz schnell ein Ticket zu kaufen, das vermutlich viel zu teuer ist, weil es einfach zu viele Optionen gibt. Oder der User müsste zwei bis drei Bahnen durchgehen lassen, ehe er das passende Ticket gefunden, ausgewählt und bezahlt hat.
Das ist nur ein Beispiel, das negative Erfahrungen auslöst und wiederum für eine negative User Experience sorgt.
Was macht ein UX Designer?
Wie in dem Beispiel zu erkennen ist, machen sich durch eine negative User Experience meist Frustration und eine grundnegative Stimmung breit. Dementsprechend haben UX Designer häufig mit Usability-Fehlern zu kämpfen, die das Gesamterlebnis stören und beschäftigen sich deshalb mit diesem und anderen Problemen aus Sicht des Users. Als UX Designer lernt man die Ursachen kennen und beseitigt diese gezielt, indem die Abläufe und Funktionen nutzerfreundlich gestaltet werden. Hilfreich bei dieser Aufgabe ist die UX-Pyramide, die auf der folgenden Abbildung zu sehen ist.
Die Stufen eins bis drei der Pyramide konzentrieren sich auf die Fähigkeiten eines Users, eine gewünschte Aufgabe zu erfüllen. Die Stufen vier bis sechs konzentrieren sich hingegen auf die Erfahrungen des Benutzers bei der Verwendung des Produkts oder der Dienstleistung. Viele Unternehmen sehen den eigentlichen Wert darin, die dritte Stufe zu erreichen. Ist diese Stufe das primäre Ziel, bleibt jedoch eine verbesserte Kundenbindung oder die Kundenwerbung leider aus.
Vier essenzielle Aspekte für einen UX Designer
1. Schnell und sicher ans Ziel
UX Designer achten darauf, nicht jede Funktion in eine Anwendung zu packen, um wirklich jeden Edge Case abzufangen. Durch solch einen Funktionsoverload würde sich nämlich nur die Komplexität der Anwendung erhöhen und die Oberfläche würde entsprechend unübersichtlich wirken – ein Umstand, der eigentlich beseitigt werden soll. Ein gutes User Experience Design zeichnet sich vor allem durch die Fokussierung auf die eigentlich benötigten Funktionen sowie auf den schnellen und unkomplizierten Weg dorthin aus.
2. Die Lösung unter den Problemen
Bei allem, was ein UX Designer tut, geht dieser lösungsorientiert vor. Nichts ist unangebrachter, als Programme, die zu den eigentlichen Anwendungsfällen des Users keine Lösungen präsentieren, sondern im Gegenteil noch zusätzliche Arbeit verursachen. Wird das wirklich relevante Problem allerdings erkannt und gelöst, steigt die Nutzerakzeptanz und der User verwendet die Anwendung im besten Fall sogar gerne.
3. Intuitive Interaktion – und alle sind happy
Je intuitiver die Software, desto günstiger ist sie. Eine steile These, jedoch steckt hier viel Wahrheit drin. Kann der User die Anwendung ohne viel Vorwissen bedienen und kommt er zudem auch an sein gewünschtes Ziel, sind zusätzliche Kostentreiber - etwa eine Schulung oder ein Benutzerhandbuch - oft sogar gänzlich hinfällig. Prinzipiell gilt also: Die Grundfunktionen einer Software müssen einfach und intuitiv bedienbar sein.
4. Manchmal kommt es doch auf die äußeren Werte an
Der erste Eindruck zählt! Oft reichen wenige Sekunden, die darüber entscheiden, ob der User die Anwendung schön und ansprechend oder langweilig und trist findet. Die Gestaltung einer Software unterliegt - wie viele andere Dinge auch - ganz klar dem eigenen Geschmack und kann nicht pauschal als schön oder hässlich beschrieben werden. Jedoch gibt es allgemeine Regeln, die dabei helfen, den Großteil der User zufrieden zu stellen. Werden diese Regeln oder auch Gestaltungsgesetze eingehalten, hat man schon einen Teil der User für sich gewonnen.
Zudem steigt das subjektive Empfinden für Wertigkeit mit einem ästhetisch ansprechenden Erscheinungsbild. Dieses spielt daher eine fundamentale Rolle für die wahrgenommene Qualität einer Software und damit auch für die Außenwirkung des Unternehmens.
Spaß statt Frust
Zusammengenommen sind die Aspekte von noch größerer Bedeutung, denn dann beherrscht der User nicht nur die entwickelte Software, er hat auch noch Freude an der Bedienung. Und entwickelt er sich von einem einfachen zu einem glücklichen und zufriedenen User, kann sogar schon von erfolgreicher Softwareentwicklung gesprochen werden.
Kommen wir nun zur Königsdisziplin: dem Fun-Faktor oder wie er im Web auch genannt wird, der „Joy of Use“. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um den Spaßfaktor einer Anwendung zu erhöhen: Es können zum Beispiel kleine Animationen oder winzige, aber sorgfältig ausgewählte Details in die Anwendung eingebaut werden. Gleiches kann auch mit Hilfe von spieltypischen Elementen in einem spielfremden Kontext, der sogenannten Gamification, erreicht werden.
Egal, welcher Weg gewählt wird, das Hauptziel ist in jedem Fall, dem User im Gedächtnis zu bleiben, auch wenn er die Anwendung schließt. Dann wurde das perfekte Nutzererlebnis geschaffen.
Ihr möchtet mehr über spannenden Themen aus der adesso-Welt erfahren? Dann werft doch einen Blick in unsere bisher erschienen Blog-Beiträge. | 3.515625 | 2.484375 | 2.734375 |
cf9c3a4ed5e88f5ae1b3c1350c76f76f | »Anfang des 20. Jahrhunderts haben zwei neue Theorien unsere Vorstellungen von Raum und Zeit, ja der Wirklichkeit selbst, gründlich verändert. Mehr als fünfundsechzig Jahre später sind wir noch immer damit beschäftigt, ihre Konsequenzen zu sondieren und die beiden Systeme zu einer einheitlichen Theorie zusammenzufassen, die - wenn dies gelänge - alles im Universum beschriebe.« —S.W. Hawking
Unsere kleine Geschichte - wir wissen nicht genau, ob es sich um eine Komödie oder Tragödie handelt - spielte sich an der Schwelle zum Jahr 2000 ab. Ein Jahr, das mit trockener Vernunft betrachtet ein Jahr wie jedes andere hätte sein müssen. Es war ein Jahr mit 12 Monaten, 4 Jahreszeiten, vielen Umweltkatastrophen und einigen Kriegen. Ein Jahr also, das sich von den vorhergehenden genauso wenig unterscheiden lässt wie von den darauffolgenden und doch war es ein ganz besonderes Jahr. Die trockene Vernunft ist des Menschen Sache nämlich nicht. Der trotzige Eifer und die sture Beharrlichkeit, mit der der Mensch bemüht ist, sich selbst als ein vernünftiges Wesen zu definieren, sind hierfür die besten Beweise. Das Besondere an diesem Jahr war genau betrachtet eigentlich nur die Zahl: 2000. Der Mensch schien nicht glauben zu können, dass ein Jahr mit so vielen Nullen ein gewöhnliches Jahr sein sollte, und so ließ er es sich nicht nehmen, dieses Jahr besonders freudenvoll zu begrüßen. Bereits zweieinhalb Jahre zuvor, genau gesagt 1000 Tage - vermutlich wieder wegen den vielen Nullen - begann man, an großen Plätzen den Countdown auf digitalen Anzeigen zu zählen. Feuerwerke nie gesehener Größe und Farbenpracht erhellten dann, endlich bei Null angelangt, die Neujahrsnächte aller Metropolen der Welt. Während das gemeine Volk sich damit begnügte, tanzend, tobend und trinkend durch die Straßen zu ziehen, behielten sich einige Reiche das Recht vor, sich von der Masse abzugrenzen, indem sie sich ein Neujahrsvergnügen der besonderen Art gönnten. Um auch wirklich die Allerersten zu sein, die das neue Jahrtausend begrüßen, flogen sie so nah wie möglich an die Datumslinie heran und ließen auf einer Insel mitten im Pazifik die ersten Sektkorken knallen. Kaum die erste Flasche geleert bestiegen diese seltsamen Reiselustigen erneut das Flugzeug, um diesem einmaligen Erlebnis die Einmaligkeit zu rauben. Der Erdbewegung entgegeneilend erlebten sie das Silvesterspektakel immer wieder aufs Neue: In Sydney, Jerusalem, Berlin, New York und Los Angeles Halt machend gelang es ihnen so, gleich sechs mal dem neuen Jahr und vor allem sich selbst ihres genialen Treibens wegen zuzuprosten.
Was hatte es auf sich mit diesem neuen Jahr, Jahrhundert, Jahrtausend, dass sich die Menschen zu solchen Kindereien gehen ließen? Diese Zahl: 2000 muss stimulierend gewirkt haben, sie belebte die Phantasien der einfachsten Gemüter und rief Visionen hervor bei denen, die sich für intelligenter hielten. Im Vorfeld dieser Silvesternacht wurde ein jeder zum Propheten, zum Hellseher, Kartenleger, Kugelschauer, Weltenuntergangbeschwörer oder Paradies-auf-Erden Orakelnder. Irgend etwas musste geschehen, wenn die Uhr 2000 schlägt. Eine Zahl mit drei Nullen, ganz klar, das konnte nicht ohne Folgen bleiben.
Ein neues Zeitalter würde hereinbrechen, darüber waren sich alle einig. Diskussionen fanden nur darüber statt, wie dieses wohl aussehen werde. Das eine Lager sah in der Jahrtausendwende die Apokalypse voraus. Um sicher zu gehen, dass diese Prophezeiung auch in Erfüllung gehen wird, halfen manche schon vor der Jahrtausendwende mit ein paar Giftbomben nach, während andere aus Vorfreude über das kommende Ereignis kollektiven Selbstmord begingen. Das andere Lager glaubte, bei Jahresende die Pforte zu einem neuen, goldenen Zeitalter der Naturwissenschaft und Technik aufzustoßen. Das neue Jahrtausend werde dank Naturwissenschaft und Technik endlich zu Allwissenheit, Allmacht und allumfassenden Wohlstand führen. Es herrschte Aufbruchstimmung, man las viel von einer neuen industriellen Revolution durch Computer und Mikroelektronik, die das Leben erleichtern werde. Man hörte von Anzeichen, die darauf hindeuten sollten, dass der Mensch die nötige Vernunft und die nötige Technik entwickeln werde, um die Probleme der Zeit in den Griff zu bekommen und schließlich glaubte man sich bei der Suche nach der Weltformel kurz vor dem Ziel.
Mit diesem bunten Treiben hatte der Held unserer Geschichte wenig gemein. Wenn wir zu Beginn gesagt haben, dass die Vernunft des Menschen Sache nicht ist, so dürfen wir bei diesem nüchternen Kopf getrost eine Ausnahme machen. Unser Held ist Physiker und nicht nur das, er ist theoretischer Physiker. Dieser Mann schien überhaupt nur ein Organ zu besitzen und das war sein trockener, unbestechlicher, alles messerscharf analysierender Verstand. Seine Arbeit und sein Charakter bedingten, dass er so gut wie kein anderer mit Zahlen umzugehen wusste, und so ist es nicht erstaunlich, dass er die ganze Euphorie, die man mit dem Jahr 2000 verband, nur mit einem gelangweilten, ja mitleidigen Lächeln registrierte. Er betrachtete es allenfalls als ein bemerkenswertes Phänomen, wie dumm, wie naiv, wie unlogisch die Menschen sein können, dass sie sich zu solchen Spektakeln hinreißen ließen nur weil ein neues Jahrtausend beginnt. Schließlich sei alles eine reine Definitionssache, mehr nicht. “Würden wir zum Beispiel nicht die Geburt Jesu, sondern die Geburt Newtons als Nullpunkt unserer Zeitskala wählen, so befänden wir uns heute nicht im Jahre 1999, sondern im Jahre 356, und die Welt sähe deswegen nicht anders aus”, bemerkte er einmal einem Journalisten gegenüber. Während also die Welt Kopf stand, arbeitete er unbekümmert weiter, weil er ein vernünftiger Mensch war. Während die Menschheit am 31. Dezember 1999 um 0.00 Uhr von einer kollektiven Hysterie ergriffen wurde, blieb er ruhig sitzen, weil er gelähmt war. Er hätte gar nicht tanzend, tobend und trinkend durch die Straßen ziehen können, selbst wenn er es gewollt hätte. Tanzen lässt es sich nur schwer, wenn man im Rollstuhl sitzt, an toben und lärmen ist überhaupt nicht zu denken, wenn Kommunikation nur noch mittels eines Computers möglich ist, und trinken macht auch nicht so viel Spaß, wenn man dazu eine Pflegerin benötigt. Unser Held war von den Fußspitzen bis zum Kopf gelähmt, er litt an einer bizarren Krankheit, die langsam aber unaufhaltsam ein Körperteil nach dem anderen lahmlegte. Eigentlich hätte er schon längst tot sein müssen. Nach der Diagnose seiner Krankheit teilte man ihm mit, dass er bestenfalls noch fünf Jahre zu leben hätte, doch das war vollkommen inakzeptabel. Im Jahr 1999, 36 Jahre nach dieser Diagnose, konnte er zwar nicht mehr als einen Finger seiner rechten Hand, seine Mundwinkel und ein Auge bewegen, aber mehr benötigte dieser Mensch auch nicht, da sein Gehirn tadellos funktionierte. Ja man ist geneigt zu sagen, dass sein Verstand immer besser und immer schärfer arbeitete, je mehr sein Körper im Verfall begriffen war, so als ob die mangelnde Beweglichkeit durch immer schärferes Denken kompensiert würde. Was machte es, dass er die Luft durch eine Kanüle unterhalb des Kehlkopfes atmete, wenn er dafür mit Einstein und Newton verglichen wurde. Wenn man das gesamte Universum in seinem Kopf herumträgt, ist es nicht schlimm, dass man morgens nicht joggen gehen kann.
Unser Held war also alles andere als Durchschnitt, er fiel aus dem Rahmen in jeder Beziehung. Wir sagten bereits, dass er mit den ganzen Jahrtausendwende-Kindereien nichts zu tun hatte. Er hatte wahrlich wichtigeres zu tun, als sich mit solchem Firlefanz abzugeben. Im Grunde genommen war die ganze Welt für ihn Firlefanz, die ihn vom Denken abhielt. Den Kopf voll mit Superstrings, schwarzen Löchern und Singularitäten übersah er einfach seine Mitwelt und trotzdem schaute diese ununterbrochen auf ihn. Es gab nämlich doch etwas, dass ihn mit seiner Zeit verband, und das war der Traum von der Weltformel, dem endgültigen Verständnis des Universums.
Die Weltformel - sie zu entdecken würde wahrlich einen besonderen Erfolg der Wissenschaft markieren. Eine solche Formel wäre nicht einfach eine neue Theorie, die den Menschen wieder mal um ein paar Erkenntnisse reicher machen würde, sondern vielmehr der Weisheit letzter Schluss. Eine Antwort - die Antwort - auf alle Fragen. Wer die Weltformel kennt, der weiß alles! Keine Frage - keine -, die nicht durch sie zumindest theoretisch beantwortet werden könnte. Alles ließe sich aus dieser Formel berechnen, egal ob man nach dem Wetter nächster Woche auf Neptun oder nach der Erwiderung einer sehnsüchtigen Liebe fragt. Es bliebe zuweilen wohl das Problem, dass einige Parameter nur schwer zu bestimmen sind und eine Berechnung daher nicht immer absolute Aussagen liefern würde. Aber was bedeutet das schon im Vergleich zu der alles bestechenden Tatsache, dass es dem Menschen mit der Entdeckung der Weltformel gelingen würde, sich mit einem Schlag zum würdigen Herrscher und Bezwinger der Natur zu erheben. Die Weltformel wäre die Siegesurkunde, die schwarz auf weiß dokumentiert, dass der Mensch eben doch schlauer ist. Wer sollte sich mit dem Menschen dann noch messen können, was gäbe es darüber hinaus noch zu wissen? Kurz gesagt: Die Weltformel ist der Schlüssel, der in jedes Schloss passt. Sie aufzuspüren ist der Menschheitstraum schlechthin.
Man rannte dieser Formel hinterher seit es Wissenschaft gab, doch noch nie wähnte man sich so kurz vor dem Ziel wie zu Lebzeiten unseres körperlich gelähmten aber geistig freien Physikers, und dass dem so war, war im wesentlichen sein Verdienst. Er war die Leuchte seiner Zeit, neben dem alle anderen Naturwissenschaftler abgebrannten Teelichtern glichen, die von seinem strahlendem Glanz völlig überdeckt wurden. Wenn jemand diesen Universalschlüssel finden würde, dann musste er es sein. Alle Hoffnung der Menschheit endlich Allwissenheit zu erlangen, endlich alle plagenden Fragezeichen, die sich noch hinter so vielen Dingen verbargen, wegradieren zu können, lag auf ihm, und er selbst hatte keinen sehnlicheren Wunsch, als dieser Hoffnung gerecht zu werden. Sein ganzes Leben widmete er dieser Suche, und er wollte nicht eher aufgeben, bevor das Ziel seiner Bemühungen erreicht war. Wie sonst hätte er 37 Jahre lang einer Krankheit trotzen können, die eigentlich schon nach drei Jahren in den Tod führen sollte, wenn nicht durch den unerschütterlichen Willen dieses Geheimnis aller Geheimnisse zu lüften und der Geschichte der Menschheit seinen Fingerabdruck aufzustempeln?
In besagter Silvesternacht war unser Rollstuhl fahrender Kopf also nicht am Feiern. Er konnte es nicht, und er wollte es nicht. Seine Zeit wurde langsam knapp, das spürte er, und er verwendete jede freie Minute, die ihm blieb, für seine Forschungen und Berechnungen. Um so ärgerlicher war es, dass selbst die einfachsten Rechenschritte für ihn ein mühseliges Unterfangen waren. Die Krankheit hatte sich schon vor langer Zeit auf sein Sprachorgan gestürzt und vollständig lahmgelegt. Vom Hals abwärts blieb überhaupt nur noch der Mittelfinger seiner rechten Hand, der auf seine Befehle hörte. Dieser Mittelfinger wurde so zu seinem Mund und einzigen kommunikativen Draht zur Außenwelt. Durch ihn bediente er einen von ihm selbst erdachten Computer, der an seinem Rollstuhl befestigt war. Für jede Lebensäußerung, sei es der Wunsch, seinen Kopf in eine bequemere Lage bringen zu lassen oder die Mitteilung eines neuen Geistesblitzes, war er auf diesen Finger angewiesen. Mit ihm bediente er einen Cursor, um aus einem abgespeicherten Wörterbuch die geeigneten Wörter herauszusuchen und zu Sätzen zusammenzufügen. Weniger gebräuchliche Wörter wie etwa Fluoreszenzspektroskopie musste er Buchstabe für Buchstabe eintippen. Unter solchen Bedingungen zu arbeiten war nicht nur mühsam, sondern auch zeitraubend, und gerade letzteres ärgerte ihn besonders. Gerade er, von dem der Tod schon den größten Teil zu sich geholt hatte und dem nicht mehr viele Jahre bleiben würden bis die Lähmung auch in sein Hirn gekrochen kommt, gerade er musste sich bei seinen Bemühungen mit solchen Hindernissen herumschlagen.
Seine Jagd nach der Weltformel kam ihm manchmal vor wie ein Versteckspiel. Sie kokettierte mit ihm, ließ ihn in ihre Nähe kommen und ihn ihren kalttrockenen Atem der Vernunft, den er so liebte, verspüren. Doch jedesmal wenn er zupacken wollte verschwand sie wieder und hinterließ eine öde Landschaft neuer ungelöster Fragen und Probleme. Er schoss seine Geistesblitze in alle Richtungen und landete so machen Treffer aber nie gelang es ihm, ihren letzten Schleier von ihrem Haupt zu reißen. Sie hatte unzählige Schleier und immer einen zuviel. Unser Held war aber ein überaus zäher Bursche, der, obwohl ihm die Zeit knapp wurde, in einem anderen Sinne über unendlich viel Zeit verfügte. Aufgrund seiner Lähmung war ihm Zerstreuung oder Ablenkung von seiner Arbeit kaum möglich. Sein Körper funktionierte nicht, er verweigerte ihm den Dienst. Nirgendwo konnte man die oft zitierte Trennung von Körper und Geist so plastisch, so real erleben wie in diesem Menschen. Sein Körper war nicht mehr als eine bloße Hülle, ein baufälliges Haus, in dem ein genialer Geist wohnte. Er konnte nichts anderes tun als denken, das heißt seinen Geist auf Expeditionen in die entlegensten Ecken des Universums und darüber hinaus zu schicken. Dabei war er so sehr auf Korrektheit des Gedankenfluges bedacht, dass er bei der Lektüre unserer kurzen Geschichte mit Sicherheit moniert hätte, dass das Universum über gar keine “Ecken” verfügt.
Er ließ sich also nicht entmutigen von der Zickigkeit, mit der sich die absolute Erkenntnis einer Eroberung immer wieder entzog und entwickelte eine gewisse Abgebrühtheit in diesem Spiel. Früher, am Anfang seiner Forschungen raste noch jedesmal sein Herz in wilder Erregung als er sich kurz vor der Lüftung des Geheimnisses wähnte. Später, mit der Routine vieler Misserfolge blieb er ganz gelassen und unbeeindruckt, wenn seine Untersuchungen ihn wiedermal einen Schritt, einen Schleier, weiterbrachten. Es ist fraglich ob er zu dem Zeitpunkt, an dem unsere Geschichte spielt überhaupt noch wirklich daran glaubte, dass er jemals das Objekt seiner Begierde erreichen würde. Sein Leben ist so sehr eins mit der Suche nach der Weltformel geworden, dass es schwer zu sagen ist, ob die beschriebene Abgebrühtheit nicht vielleicht besser den Namen der Gewohnheit verdient hätte. Eines lässt sich jedoch mit Gewissheit sagen: Er ist vorsichtiger geworden. Vorsichtiger in dem Sinne, dass seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen im Laufe der Zeit immer weniger wurden und schließlich ganz aufhörten. Die Fachwelt, und nicht nur diese, sah darin ein Zeichen, dass unser Held kurz vor dem Durchbruch stehen musste, ihn vielleicht schon geschafft hatte und nun dabei war, die letzten Brocken beiseite zu räumen, bevor er den Blick freilegen würde für des Menschen größte Tat. Seine nächste Veröffentlichung würde seine letzte sein, da dann alles - ja alles - gesagt sein würde.
Hatten diese Leute recht mit ihren Vermutungen beziehungsweise Befürchtungen (denn bei so manch einem waren diese Gedanken eher mit dem Gefühl der Angst als der Hoffnung oder Befreiung verbunden)? Ja und nein! Unser Forscher hatte tatsächlich große Fortschritte gemacht und kam seinem Ziel bedrohlich nah. Aber sein Schweigen hatte andere Gründe: Unser Geist auf Rädern wusste nicht wie weit vorgedrungen er schon war. Jahrzehntelang grub er sich nun schon durch ein Meer von Fragezeichen mit jedem Spatenhieb mindestens so viele Fragen freilegend wie beseitigend. Wir vermuteten es bereits, er war müde geworden und in Zweifel geraten, ob sein Spaten jemals auf Grund stoßen würde, ja ob es diesen überhaupt gibt. Es ist tatsächlich kaum mehr als eine Vermutung, da von ihm selbst nie eine Äußerung zu vernehmen war, die darauf hätte schließen lassen. Im Gegenteil, in den wenigen Interviews, die er auserlesenen Journalisten gewährte, bekundete er absolutes Vertrauen in die Fähigkeiten des menschlichen Verstandes, namentlich des eigenen, das hochgesteckte Ziel zu erreichen. Aber wenn wir von Zweifel und Müdigkeit sprechen, dann von solcher Art, dass sie dem Betroffenen nicht zu Bewusstsein kamen. Tiefsitzende Zweifel, die er sich selbst niemals hätte eingestehen können, da sie nichts geringeres als sein Lebenswerk und den Triumph der menschlichen Vernunft über Aberglaube und Scheinwissen betrafen. Diese Zweifel und diese Müdigkeit ließen sich nur durch neue ungewohnte Verhaltensweisen in seinem Leben erahnen: Es kam vor, dass er seinen Rollstuhl von seinem Schreibtisch weg an das Fenster steuerte, seinen Gehilfen hinaus schickte und so eine halbe Stunde oder länger hinausblickte mit einem weichen, melancholischen Ausdruck in seinen starren Augen. Manchmal saß er auch in seinem Rollstuhl und es kam Außenstehenden vor als würde er arbeiten, da sein Körper beziehungsweise das, was hiervon noch als sein bezeichnet werden konnte, in einer Pose des Denkens verharrte. In Wirklichkeit kreisten seine Gedanken um sein Leben und den Tod, der wohl nicht mehr allzulange auf sich warten lassen würde. Verhaltensweisen, die wenig verwunderlich erscheinen, so mag man denken, erst recht für einen Menschen mit einem so ungewöhnlichen Schicksal. Und doch waren diese äußerst verwunderlich, da in seinem bisherigen Leben noch nie dagewesen. Wir haben es schließlich mit einem Wissenschaftler zu tun, dessen übernatürlicher Ehrgeiz und unbeschreibliche Leidenschaft untrennbar mit eben diesem ungewöhnlichen Schicksal verbunden sind und der ein solches Verhalten, wenn es ihm denn zu Bewusstsein käme, sicherlich als unwürdige Schwäche interpretiert hätte. Seine unbewusst gehegten Zweifel waren aber wohl der eigentliche Grund für den Rückgang der Veröffentlichungen in der Fachpresse. Seine Vorsicht war nichts anderes als Skepsis. Skepsis darüber ob er den richtigen Weg ging, ob sein Weg zu dem Ziel führen würde. Er war ein gewissenhafter Wissenschaftler, der stets voller Jähzorn und Verachtung auf die Flut von halbfertigen und schöngeschliffenen Ergebnissen blickte, die in der Fachliteratur von seinen sogenannten Kollegen veröffentlicht wurden. Wenn er selbst eine neue Theorie oder ein neues Ergebnis publizierte, dann nur wenn sie absolut “wasserdicht” waren, wie man in Fachkreisen eine hieb- und stichfeste Veröffentlichung nannte und genau diesbezüglich war unser Held der theoretischen Physik, der sich anschickte zum Held der Menschheit zu werden, unbewusst ins Zweifeln geraten. Seine Veröffentlichungen blieben aus, da seine Ergebnisse seinen hohen Ansprüchen immer um einer Kleinigkeit wegen nicht genügten. Er war nah dran, sehr nah. Er konnte sein Ziel sehen aber nie greifen. Mit jedem Schritt, den er vorwärts ging wich es einen Schritt zurück, und so ging es schon seit Monaten, eigentlich schon seit Jahren. Unermüdlich schritt er vorwärts, ohne den Abstand verringern zu können. Der Prozess hatte sich im Laufe der Zeit verselbstständigt, er wurde zum Selbstzweck und wie bereits erwähnt, wissen wir nicht, ob unser Held noch an eine Wendung in diesem sisyphusähnlichem Treiben glaubte.
So saß er da, in der Nacht zum Jahre 2000, seiner einzigen Beschäftigung nachgehend, die er noch ohne fremde Hilfe durchführen konnte: denkend, jagend, versuchend alle Theorien dieser Welt zu einer einzigen allmächtigen zusammenzufassen. Er verfolgte einen neuen Ansatz, wir wissen nicht der wievielte es war. Unzählige waren ihm vorausgegangen. Sie zu zählen käme dem Schäfchenzählen gleich, man würde einschlafen bevor man das letzte Schaf gesehen hätte. Plötzlich passierte es! Er hatte gerade wieder eine Pause am Fenster eingelegt, wo er die Vorbereitungen zur Jahrtausendwende beobachtet hatte, und suchte nun, die Spur wieder aufzunehmen, die er seit einigen Tagen verfolgte. Es war eine vielversprechende Idee, der er da nachging, so vielversprechend wie alle vorhergehenden auch “und so vielversprechend wie alle kommenden”, schoss es ihm unwillkürlich durch den Kopf. Unser neuzeitlicher Sisyphus rollte wieder seinen Fels den Berg hinauf. Er formte Gleichungen um, fasste zusammen, definierte Randbedingungen, führte Variablen ein, vereinfachte, formte wieder um, fasste wieder zusammen immer weiter und tiefer in die komplexe Materie hinein, immer höher den Berg hinauf. Seinen Computer benutzte er hierzu praktisch nie, nur in seltenen Fällen hielt er ein komplexes Zwischenergebnis fest, um dann an einer anderen Stelle dieser gewaltigen Gedankenbaustelle weiter zu basteln. Längst kannte er alle Bausteine, die es zu vereinigen galt, auswendig. Seit Jahren jonglierte er mit ihnen, immer auf der Suche nach dem einen Geistesblitz, nach der einen Hypothese, die alle Teile zu einem Gebilde zusammenfügen sollte. Er kam gut voran. Wie ein Radfahrer, der einen hohen Gang eingelegt hat, ging es anfangs zwar nur schwierig und nicht sehr zügig vorwärts, doch mit jedem weiteren Tritt in die Pedale ging es leichter und schneller und immer schneller voran. Gleichungen monströsen Ausmaßes fielen in sich zusammen, schrumpften auf Kleinstmaß und ließen sich miteinander verbinden und weiter vereinfachen. Umformungen, über denen er seit Jahren brütete, an deren Möglichkeit er kaum noch geglaubt hat, vollzogen sich jetzt innerhalb von Sekunden. Mit jedem Schritt, mit jedem Tritt ging es immer leichter und schneller. Ja man möchte sagen, dass er kaum noch hinterherkam, so schnell ging es. Es kam ihm vor als ob aus allen Ecken und Enden des Universums die einzelnen Puzzlestücke auf sein Hirn zugeflogen kamen und sich dort von ganz alleine, wie von Geisterhand geführt, zusammensetzten und auf einmal - zisch bumm - war sie da! Glasklar, eisig klar hatte er sie vor seinem geistigen Auge stehen, die Weltformel. Zisch bumm. Er wusste ganz genau, dass es hieran überhaupt nichts mehr zu zweifeln gab, denn so etwas hatte er noch nie erlebt. Sisyphus hatte den Fels den Berg hinaufgerollt und diesmal blieb der Fels liegen. Zisch bumm. Sein Herz raste wieder wie es das früher getan hatte, mehr noch als damals. Sein Finger und sein eines Auge - sein ganzer Körper also - zitterten. Speichel lief ihm aus dem Mundwinkel, er konnte es nicht verhindern, bemerkte es wohl auch nicht, und obwohl er sich so sicher war, lautete die erste Reaktion seines Großhirns: “Was habe ich falsch gemacht, wo liegt der Fehler?” Seine Vernunft und seine Routine im Versagen geboten ihm noch einmal zu beginnen, das Erreichte zu überprüfen, doch er war zu aufgeregt - zisch bumm -, und außerdem bestand nicht der geringste Zweifel, dass hier ein Irrtum vorliegen könnte. Zisch bumm. Es war alles so einleuchtend, so einfach, dass er sich wundern musste, wie er das so lange hatte übersehen können. Zisch bumm, zisch bumm. Was war das? Zisch bumm. Er schaute zum Fenster hinaus und sah Raketen zischend aufsteigen und mit lautem Knall explodieren, es war 0:00 Uhr, das Jahr 2000 hatte begonnen.
Ein Feuerwerk unvorstellbaren Ausmaßes breitete sich vor seinem Antlitz aus. Der Himmel, er war silbern, golden, grün und gelb, von Nachthimmel keine Spur, so hell erleuchtet war er. Sein Herz raste immer schneller, sein eines Auge tanzte in seiner Höhle hin und her und strahlte mit dem Feuerwerk um die Wette. Es wollte aus seiner Augenhöhle hinausspringen, so sehr freute er sich über das, was er sah. Sein Finger krümmte sich, er wollte schreien vor Freude und stieß dabei einige unverständliche Laute aus. Er, dessen Sprachorgan seit fünf Jahren als vollkommen lahmgelegt galt, brüllte seine Freude in das neue Jahrtausend hinein. Es war unglaublich, es war vollbracht und die ganze Welt feierte. Was feierte sie da? Es bedurfte ihm einige Zeit, um zu realisieren, dass das Feuerwerk, die Jubelschreie und die Hupkonzerte nicht ihm und seiner Entdeckung galten. “Diese Tölpel da draußen feiern, als ob sie sich soeben den Thron über die Natur, ja über das Universum erobert hätten und wissen noch nicht einmal, dass sie damit recht haben!“, dachte er, als er gewahr wurde, dass er bislang allein mit seiner Entdeckung war. Was war zu tun? Er dachte an seinen getreuen Gehilfen, der ihm so viele Jahre bei seiner Suche zur Seite stand und sich für nichts zu Schade war. Er hatte ihm monatlich die neuesten Veröffentlichungen herausgesucht, die er für seine Arbeit benötigte, und vorgelesen. Er nahm ihm stets die einfacheren aber zeitraubenden Arbeiten ab ohne zu murren. In mancher durchgearbeiteten Nacht sprang er sogar für die Pflegerin ein und übernahm ihre unangenehmen aber notwendigen Aufgaben und das alles obwohl er sich in so vielen Diskussionen als nahezu gleichwertiger Kollege erwiesen hatte. Der Gute, er sollte der Erste sein, der es erfährt, doch unser siegreicher Held hatte ihn in dieser Nacht schon früh nach Hause geschickt, damit auch er an den Feierlichkeiten teilnehmen konnte. Was sollte er unternehmen? Noch ehe er hierüber einen klaren Gedanken fassen konnte öffnete sich die Tür und hereingestürzt kam sein Gehilfe zusammen mit einigen anderen Kollegen und Familienangehörigen. Sie wollten ihn abholen, wenigstens einmal für kurze Zeit von seiner Arbeit losreißen, wenigstens in diesem besonderen Moment sollte er sich doch auch mal eine Pause gönnen. Oh und was für ein besonderer Moment es war! Das dachte auch unser Held, wenn auch aus anderem Grund als wir es tun, denn er wusste noch nicht was ihm bevorstand.
Ihre Stimmen überschlugen sich. Sie wollten ihn entführen, er sollte das Feuerwerk sehen und mitfeiern. Einige von ihnen trugen Papphüte auf dem Kopf und Luftschlangen hingen um ihre Schultern herum. Schon waren sie dabei auch unseren Helden im Rollstuhl ähnlich zu dekorieren. Für ihn hatten sie passenderweise einen stilisierten Doktorhut mitgebracht, den sie ihm eh er sich versah neckisch, schräg auf den Kopf gesetzt hatten. Konfetti regnete auf seine Schultern, er wusste nicht wie ihm geschah. Er wollte sich Platz schaffen, sich frei machen von diesem lächerlichen Treiben, er wollte ihnen verkünden was geschehen ist, ihnen die Augen öffnen für die historische Tat, die er vollbracht hat und deren erste Zeugen sie unverdienterweise werden durften. Er wollte seinen Rollstuhl aus diesem Getümmel herausfahren ungeachtet dessen, ob ihm dabei jemand im Weg stehen würde oder nicht. Er wollte mit ihnen sprechen, von seinem Gehirn aus über seinen Finger, über seinen Computer, über seinen Bildschirm ihnen mitteilen, das von nun an die Welt ein neues Gesicht bekommen habe, aber er konnte nicht! In geübter Manier forderte er seinen Finger auf seinen Befehlen zu gehorchen, doch dieser rührte sich nicht! Über ein fiebriges Zittern kam dieser nicht hinaus. Panik breitete sich in seinem Gehirn aus. Was war geschehen? Er wollte direkt seinen Computer bedienen, den Rollstuhl stehen lassen, wo er war, egal, wenn er nur die Tastatur erreichen konnte, um seine Botschaft zu verkünden und die Weltformel einzutippen, doch nichts, nichts dergleichen geschah.
»Ja, wir freuen uns doch auch über diese tolle Nacht«, sagten sie. Sie konnten nicht nachvollziehen, dass er sich so sehr aufregte. Speichel rann ihm aus dem Mund, lief sein Kinn herunter und tropfte auf sein Hemd. Sein Finger, der einzige, den er noch bewegen konnte, sein Sprachrohr, seine einzige und letzte Kommunikationsmöglichkeit mit der Welt, er zitterte, verkrümmt wie er geblieben war. Sein eines Auge starrte entsetzt und fassungslos auf ihn hinunter. Er musste ihn bewegen, seine Entdeckung damit eintippen. Er musste verkünden, dass er gefunden hat, was die Menschheit sucht seit sie zu denken gelernt hat (das war zumindest seine Meinung). Er hatte es doch geschafft, die Welt musste doch erfahren, was passiert ist, doch sein Finger bewegte sich nicht, er wollte seine Krümmung nicht aufgeben. Solange der Finger noch zitterte bestand Hoffnung, das wusste er. Unser Physiker, dem Wahnsinn nahe, starrte auf ihn hinab beschwor ihn, bettelte, flehte, er solle sich bewegen. Er rief Gott zu Hilfe - Gott! -, dessen Überflüssigkeit er mit der Entdeckung der Weltformel zu beweisen geglaubt hatte, doch es half alles nichts. Das Zittern wurde schwächer und hörte schließlich ganz auf. Der Tod hatte auch ihn zu sich geholt. Die Verbindung zu seinem Hirn war gekappt. Unser Meister der theoretischen Physik hatte in seiner Aufregung nicht gemerkt, wie die Lähmung weiter in seinen Körper gekrochen kam und seinen zum Mund umfunktionierten Finger lahmgelegt hatte. “Das war’s”, dachte er augenblicklich als er seinen Finger verstummen sah, verkrümmt wie er geblieben war zeigte er direkt zu ihm hoch, als wollte er sagen “Du …!”
Die Weltformel, sie stand noch immer in seinem Hirn eingebrannt. Höhnisch lachte sie ihn aus. Er hatte sie gefangen, endlich. Nach so langem und zähem Kampf hatte er sie endlich erwischt, doch wer war nun der Wächter und wer der Gefangene? Er hatte sein Ziel erreicht und doch verloren. Was war das für ein Triumph, an dem er niemanden teilhaben lassen konnte und von dem niemand etwas wissen würde? Er kam sich verspottet vor, gedemütigt und zurechtgewiesen. Wie ein dummer, vorlauter Schüler hatte er eine Lektion erhalten.
Seine Freunde, die gekommen waren, um mit ihm zu feiern, stellten mit Befriedigung fest wie er sich beruhigte. Auch wenn ein beunruhigender somnambuler Glanz in seinen Augen zurückblieb, der von dort nie mehr verschwinden sollte, betrachteten sie die Situation als weitestgehend entspannt und beschlossen, nichtwissend über die Vorgänge in des Physikers Kopf, nun endlich zum Feiern hinauszugehen. Sie dekorierten ihn mit einigen Luftschlangen, die sie ihm neckisch um den Hals legten, und trugen ihn mit viel Lärm und Tam Tam in die hell erleuchtete Nacht hinaus. Sie forderten ihn auf, sich zu freuen und das schöne Feuerwerk zu bewundern. Sie wünschten ihm Glück für das neue Jahr und Erfolg für seine Forschungen. Ohne Anteilnahme ließ er alles über sich ergehen und starrte ununterbrochen der Weltformel in ihr zufrieden grinsendes Gesicht.
NACHTRAG
Irgendwann am nächsten Tag, es war schon der zweite des neuen Jahrtausends, begriffen die Menschen seiner näheren Umgebung, dass sein Finger gelähmt war und er nicht mehr mit ihnen kommunizieren konnte. Sie forderten ihn auf, mit seinem Auge zu blinzeln, um so auf vorher gestellte Fragen mit ja oder nein zu antworten, doch er verhielt sich überaus störrisch und antwortete nie. Man zog die Konsequenzen und sein Tagesablauf richtete sich von nun an nicht mehr nach seinen Bedürfnissen, sondern nach den Launen seiner Mitmenschen. Er aß und trank nicht mehr wenn er Hunger oder Durst hatte, sondern wenn die Pflegerin ihm das Essen beziehungsweise Trinken zuführte. Man spielte ihm Wagner vor, wenn man meinte, ihm etwas Gutes tun zu müssen, egal, ob er in Laune dazu war oder nicht, und man stellte seinen Rollstuhl vor das Fenster, “damit er die schöne Aussicht bewundern” konnte, wenn man sich um seine eigenen Dinge kümmern wollte. Da er nie irgendwelche Regungen zeigte, weder in positiver noch negativer Art, verlief das Leben seiner physikalisch ungebildeten Mitmenschen schon bald wieder in gewohnten Bahnen.
Etwas anders sah das in der Fachwelt aus. Sein Assistent hatte, beunruhigt darüber, dass nun die Suche nach der Weltformel ihr Zugpferd verloren hatte, dessen letzte Aufzeichnungen noch einmal durchgesehen. Dabei hat er so manche unbekannte Formel, mit der er nichts anzufangen wusste, im Speicher des Computers seines Meisters gefunden. Viele Tagungen und Kongresse wurden abgehalten, auf denen diskutiert wurde, ob diese mysteriösen Formeln einen Sinn hätten und wenn ja, welchen. Längst ist der Verfasser dieser neuartigen Hieroglyphen verstorben und noch immer ist kein neuer Champollion aufgetaucht, der sie entziffern könnte. Die absurdesten Spekulationen halten sich in dieser Diskussion am Leben und so weit hat man sich bereits von der tatsächlichen Bedeutung entfernt, dass wir beruhigt feststellen können, dass man dieser auch nicht mehr auf die Schliche kommen wird. | 3 | 1.984375 | 2.8125 |
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Papier-Sektor treibt Nachhaltigkeit voran
Der Austrian Paper Day, der am 14. Juni im Tech Gate hoch über den Dächern Wiens stattfindet, spannt den inhaltlichen Bogen von Green
Printing und der Nachhaltigkeit von Papier, über aktuelle Markperspektiven und Branchenstrategien wie der "2050 Roadmap to a
low-carbon bio-economy", bis hin zu Verpackungstrends der Zukunft und der Innovationskraft von Papier & Co.
Bundesministerin Doris Bures: Innovation, Nachhaltigkeit und effizienter Einsatz von Ressourcen
"Die Wertschöpfungskette Papier ist ein Sektor mit Tradition und Zukunft. Von der nachhaltigen Waldbewirtschaftung über die Holz-,
Zellstoff- und Papierindustrie als Rohstoff- und Recyclingdrehscheibe, den Produkten und Verpackungen aus Papier, Karton und Wellpappe, den Groß- und Einzelhandel, bis zum Bereich Druck und Medientechnik - der nachhaltige und effiziente Einsatz von Ressourcen sowie die Innovationskraft für intelligente Produkte und Dienstleistungen stehen im Fokus der unternehmerischen Exzellenz", so Doris Bures, Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie, die den Ehrenschutz für diese neue Veranstaltung übernommen hatte.
Papierindustrie fordert schlankes und wettbewerbskonformes Energieeffizienzgesetz
DI Oliver Dworak, Geschäftsführer der Austropapier - Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie, fordert von der Regierung
höchste Aufmerksamkeit für das Thema Energieeffizienz: "Die Wertschöpfungskette Papier wird mit dem erneuerbarem Rohstoff Holz
und dem umfassenden Recycling der Fasern als Altpapier wichtige Beiträge zu einer CO2-armen, energie- und ressourceneffizienten
Wirtschaft und Gesellschaft leisten. Energiepolitik ist für die Papierindustrie ein entscheidender Standortfaktor - einseitige Belastungen schädigen die im internationalen Standortwettbewerb stehenden Unternehmen schwer. Die heimischen Betriebe liegen mit ihrem niedrigen Verbrauch von Strom und Wärme für die Herstellung von Zellstoff und Papier mit an der Weltspitze. Effizienzsprünge waren meist eng mit Produktionssteigerungen verbunden, etwa der Inbetriebnahme neuer Papiermaschinen. Aufgrund der langen
Investitionszyklen und der schwierigen Marktlage kann aber dieser Trend nicht automatisch Jahr für Jahr fortgeschrieben werden. Wir
unterstützen daher den Wirtschaftsminister in seinen Bemühungen für ein intelligentes und flexibles Energieeffizienzgesetz, das auf
Vorleistungen der Betriebe und reale Investitionszeiträume Bedacht nimmt. Starre Investitionsverpflichtungen und unflexible
Einsparungsziele lehnen wir ab. Auch einer aufgeblähten Effizienzverwaltungsstruktur und einem Fördertopf, der die von der
Industrie eingezahlten Gelder nach dem Gießkannenprinzip verteilt, erteilen wir eine klare Absage." Die heimische Papierindustrie, die
aktuell fast 4.000 Green Jobs bereitstellt, erzeugt rund 80% des benötigten Stroms in Eigenanlagen an den Standorten, fast ausschließlich mit der hocheffizienten KWK-Technologie (Kraft-Wärme-Kopplung). Über 50% der eingesetzten Brennstoffe sind biogen und somit für den Klimaschutz nicht CO2-relevant.
VÖZ-Grünberger: Presseförderung braucht mehr Mittel, um Titelvielfalt zu sichern
"Papier und Zeitungen - das ist keine Zweckehe, sondern eine Liebesheirat. Herr und Frau Österreicher lesen ihre Tageszeitungen zum überwiegenden Teil auf Papier", betonte Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ), "und
auch die Verleger verdienen mit den Druckausgaben der Zeitungen den größten Teil ihrer Umsätze, schließlich wird jeder zweite Werbe-Euro
in Print investiert." Das werde im Wesentlichen auch in den kommenden Jahren so bleiben, prognostiziert Grünberger. Doch die Politik müsse für faire Rahmenbedingungen sorgen: Die Werbeabgabe benachteilige Print gegenüber Online massiv. Während Werbung in Papier-Zeitungen dieser fünfprozentigen Abgabe unterliegt, ist Online-Werbung davon ausgenommen. Grünberger bekräftigte die langjährige Forderung des VÖZ, diese "europaweit einmalige" Abgabe abzuschaffen, was auch Teil des aktuellen Regierungsprogrammes ist. Realpolitisch sei die Umsetzung dieser Forderung aufgrund der angespannten Budgetsituation fraglich, daher plädiert Grünberger für die Gleichbehandlung aller Werbeformen: "Es kann nicht sein, dass eine Werbeform völlig frei geht." Im Gegenzug solle die Regierung die Kürzung der Presseförderung rückgängig machen bzw. die Mittel dieses Förderinstruments weiter aufstocken. Durch die Kürzung um 1,35 Mio. Euro könne sie ihren Förderauftrag - die Sicherung der Titel- und Meinungsvielfalt - mit den verbleibenden 10,8 Mio. Euro nicht mehr
erfüllen. "Eine Presseförderung, die ihren Auftrag ernst nehmen will, muss um ein Vielfaches höher dotiert sein, als dies jetzt der Fall
ist." Dies würde sich mit den Mehreinnahmen aus der Werbeabgabe "leicht" finanzieren lassen. Allein durch die Besteuerung der Werbeeinnahmen von Google Österreich würde der Fiskus schätzungsweise sieben Mio. Euro zusätzlich einnehmen.
Papiergroßhandel als ökologische Drehscheibe zwischen Industrie und Endkunden
Agnes Bergler-Stelzl, Corporate Marketing & Sustainability, PaperNet GmbH: Der österreichische Papiergroßhandel beschäftigt sich in den letzten Jahren eingehend mit dem Thema Nachhaltigkeit. So war PaperNet 2006 der erste österreichische FSC- und PEFC-zertifizierte
Papiergroßhandel, Europapier, Antalis und Stiassny folgten umgehend. Beide Zertifizierungen, die dem Waldschutz dienen, sind heute Standard, denn im Zuge der "Chain of Custody" muss jedes Unternehmen der Produktkette und somit auch der Großhandel zertifiziert sein, um das letztendliche Druckprodukt zertifiziert auszuloben. Mit den Zertifizierungen einhergehend ist eine ökologisch orientierte Sortimentspolitik, die eine Vielfalt nachhaltiger Produkte umfasst. Dazu zählen auch Papiere, die für den Druck des Österreichischen
Umweltzeichens geeignet sind und somit verschiedene Umweltparameter während der Produktion erfüllen müssen. Auch CO2-neutrale Papiere gewinnen an Bedeutung. Die bei der Produktion entstandenen CO2-Emmissionen werden bei diesen Papieren mittels
Klimaschutzzertifikaten kompensiert. Neben der ökologischen Produktpolitik sieht es der Papiergroßhandel als wesentliche Aufgabe,
seine Kunden zum Thema Nachhaltigkeit zu beraten. Dazu finden kundenindividuelle Schulungen und Workshops statt. Zum Beispiel wurde
im Herbst 2011 durch PaperNet die Print & Paper Academy ins Leben gerufen, die gemeinsam mit Druckpartnern veranstaltet wird. Ziel ist
es, Print-Entscheidungsträger für die Themen "Papier-Druck-Ökologie" zu sensibilisieren und Aufklärungsarbeit zu leisten.
Verband Druck & Medientechnik: Schluss mit Ökoschwindel bei Gedrucktem
Umweltfreundliche Printprodukte liegen im Trend, doch der derzeitige Logo-Wald an Umweltzeichen ist für Druckereien und deren
Kunden unübersichtlich. Was ist wirklich nachhaltig bei Foldern, Katalogen, Geschäftsberichten, Werbemitteln und Co? Mag. Werner
Neudorfer, Geschäftsführer des Verbandes Druck & Medientechnik Österreich, fordert eine differenzierte Sichtweise zum Green
Printing ein: "Die Druckbranche hat in den letzten zehn Jahren viel zur umweltfreundlichen Produktion beigetragen. Gerade deswegen ist es
erforderlich, sich kritisch mit dem auseinanderzusetzen, was heute unter Green-Printing am Markt firmiert. Wichtig ist ein seriöser und
authentischer Umgang mit dem Thema - das gilt sowohl für Druckdienstleister als auch für Kunden. Nachhaltigkeit als Standortvorteil zu etablieren ist nur dann möglich, wenn sich ökologische Zielsetzungen auch kaufmännisch gut darstellen lassen - unsere Branche hat dazu das Know How und Green Printing als Philosophie hat dazu das Potenzial." Der Verband Druck & Medientechnik forciert die Entrümpelung des Logo-Waldes. Die Alternative: Print-CO2-kompensiert, das künftig als Dach alle Umweltmaßnahmen der Druckereien nachvollziehbar und transparent machen soll.
Neue Two Sides-Kampagne zur Nachhaltigkeit von Papier startet im Juni 2012
Michael Radax, Präsident Print Power Austria und Geschäftsführer der Österreichischen Kuvertindustrie ÖKI, stellte im Rahmen des Pressegesprächs die neue Two Sides-Kampagne vor, die im Juni 2012 in Österreich startet: "Print Power Austria kommuniziert die Vorzüge von Papier und Printprodukten. Dazu zählt natürlich auch das Thema Nachhaltigkeit, das ganz im Fokus der Kampagne Two Sides steht", so
Radax. Im Juni startet Two Sides mit neuen Anzeigensujets, die die ökologischen Aspekte von Papier und Printmedien ins Zentrum der
Aufmerksamkeit rücken. Radax: "Wir haben im Vorfeld der neuen Kampagne umfangreiche Marktstudien und eine europaweite Umfrage
durchgeführt. Die Umwelt-Themen, die die Konsumenten im Zusammenhang mit Papier und Printmedien am meisten beschäftigen, betreffen Recycling, Wälder und Klimaschutz. Diesem Interesse der Papierkonsumenten und Mediennutzer tragen wir mit Two Sides
Rechnung."
Papierverarbeitende Industrie legt Fokus auf erstklassige Mitarbeiter und Wettbewerbsfähigkeit
Angesichts der Prognose für das Gesamtjahr 2012 mit einem flachen Wachstum von + 1% richtet die PPV Industrie ihre Strategie auf
Effizienzsteigerung, Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität aus. Um im internationalen Konkurrenzkampf bestehen zu
können, benötigt die Industrie vor allem gut ausgebildete Arbeitskräfte, die durch ihre Leistung und KnowHow die Vorteile angrenzender Billiglohnländer wettmachen. Gerade die Rekrutierung qualifizierten Personals gestaltet sich aber zunehmend schwieriger, wozu neben der demographischen Entwicklung und dem ausgetrockneten Arbeitsmarkt auch der geringe Bekanntheitsgrad von Branche und Lehrberuf beitragen. Die Branchenverbände PPV entwickeln daher in einem gemeinsamen Projekt "Employer Branding", ein Toolkit, das die
Firmen bei der Rekrutierung nach ihren individuellen Bedürfnissen unterstützen soll. Damit wird sich die PPV Industrie in der Öffentlichkeit als attraktiver, moderner Arbeitgeber, der anspruchsvolle, abwechslungsreiche und nachhaltige Arbeitsplätze mit guter Ausbildung und Entwicklungsmöglichkeiten für engagiert Mitarbeiter bietet, präsentieren.
Das Industriewissenschaftliche Institut - IWI zeigt die PPV-Industrie in einer neuen Studie "Struktur und wirtschaftliche Bedeutung der
Papierverarbeitenden Industrie in Österreich" als bedeutenden Wirtschaftsakteur (der volkswirtschaftlichen Beitrag beträgt knapp
vier Milliarden Euro, die Branche generiert 29.500 Beschäftigungsverhältnisse), der sich deutlich von den benachbarten Industrien unterscheidet und bescheinigt der Papierverarbeitenden Industrie einen Wachstumsvorsprung gegenüber vergleichbaren Branchen.
Ziel ist, in einem schwierigen Umfeld mit gut qualifizierten Mitarbeitern wettbewerbsfähig zu bleiben und - auch mit flexiblen
Arbeitszeitmodellen - durch ausreichende Wertschöpfung künftige Investitionen und letztlich den Standort Österreich abzusichern.
paperdimension auf facebook: was Papier alles kann Papier-Fans haben von nun an die Möglichkeit, interessante Projekte rund um das Thema Papier auf Facebook mitzuverfolgen: die Plattform paperdimension zeigt, was Papier alles kann - im Mittelpunkt stehen dabei die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Papier z.B. in der Kunst, in der Werbung, als Verpackung oder völlig neue Zugänge im Umgang mit Papier. paperdimension findet man unter www.facebook.com/paperdimension und ist eine Initiative von Austropapier, der Vereinigung der österreichischen Papierindustrie.
Abends findet in der Gasometerhalle die printissimo|emballissimo Award Gala statt, bei der die österreichische Papierindustrie die
kreativsten und innovativsten Druck- und Verpackungslösungen aus Papier, Karton und Wellpappe auszeichnet. Im 25. Jahr der
Veranstaltung wurde der österreichweit ausgeschriebene Wettbewerb unter dem Motto "Die Zukunft gestalten" um die neue Kategorie
fibrePLUS erweitert. Damit werden die faszinierendsten Produkte aus Zellulosefasern, der nachhaltigen und erneuerbaren Faser der Zukunft,
prämiert. | 3.359375 | 2.390625 | 2.375 |
42075608790539309bd1ce218cf4b219 | Erfolgsstory Onlinehandel - Die Auswirkungen des Versand-Booms
Wenn man gerade etwas Bestimmtes braucht, nach Geschenken für Freunde und Familie sucht oder auf der Jagd nach dem nächsten Schnäppchen ist – für viele geht es bei diesen Anliegen als erstes ins Internet.
Der Onlinehandel ist weltweit eine riesige Branche geworden. Der Trend scheint sich auch nicht zu verlangsamen, denn der Sektor verzeichnet immer noch starkes Wachstum. Dadurch hat sich das Gesamtbild des Handels als übergreifender Sektor weitreichend verändert. Die Expansion des E-Commerce hatte Effekte auf unser Einkaufverhalten, die Shopping-Möglichkeiten die sich uns bieten und möglicherweise sogar auf das Bild der klassischen Fussgängerzone – folgende Auswirkungen auf unseren Alltag sind unbestreitbar.
Onlinehandel – mit Vorzügen zum Erfolg
Der Versandhandel an sich ist nichts Neues – Kataloge zum Bestellen aller möglichen Waren und Güter gibt es schon lange. Doch seit der weiträumigen Verbreitung des Internets hat sich dieser Sektor enorm gewandelt und konnte riesige Erfolge feiern. Erst kürzlich hat das Versandhaus Otto bekanntgegeben, dass der Katalog, der lange Jahre fast synonym mit dem Versandhandel genannt wurde, eingestellt wird. Nun verlässt sich das Unternehmen vollständig auf den Onlineshop als einzigen Vertriebskanal. Der Siegeszug des Onlinehandels hat zwei Ausprägungen, die man getrennt voneinander betrachten kann:
- das enorme Wachstum des Online-Versandhandels als gesamter Sektor
- die Etablierung riesiger, allumfassender Marktführer-Portale
Im Grunde sind beide Aspekte auf die gleichen Gründe zurückzuführen: Konsumenten profitieren in mehreren Punkten davon, dass das Einkaufen über das Internet nun zum alltäglichen Standard geworden ist.
Bequemes Shoppen von zuhause aus
Die Grundlage für den Erfolg des Onlinehandels kommt durch die Lieferung der gekauften Produkte bis zur Haustür zu Stande. Die Bequemlichkeit, nicht vor die Tür zu müssen um in einem Laden danach zu suchen, ist sicherlich ein wichtiger Grund.
Dieser Faktor war zwar auch beim klassischen Katalogvertrieb vorhanden, konnte jedoch die Nachteile, die gleichzeitig dabei vorhanden waren, nicht überwiegen. Produkte aus dem Katalog waren nicht viel günstiger oder sogar teurer, als im stationären Handel. Ausserdem bestand der Bestellvorgang und das Zusammensuchen der Bestellung aus mühseliger Blätterarbeit. Vor der Ankunft des Internets war das Shoppen aus der Ferne also noch nicht wirklich komfortabel genug, um zum alltäglichen Phänomen zu werden.
Doch nun ist es möglich, an allen möglichen (auch mobilen) Endgeräten innerhalb weniger Sekunden das Wunschprodukt zu finden und zu bestellen, selbst beim Zahlungsvorgang keinen Finger krumm machen zu müssen – und noch dazu sehr gute Konditionen und gute Preise zu erhalten.
Günstige(re) Preise im Internet
Dazu kommt noch, dass durch geringere Geschäftskosten und grössere Umsätze die Margen vor allem bei den ganz grossen Versandhäusern auf ein Minimum gedrückt werden können. Das wird durch möglichst niedrige Preise an die Konsumenten weitergegeben – dadurch kommen besonders bei zusätzlichen Aktionen in Form von Rabatten für Gutscheininhaber oder Bestandskunden Einsparungen zusammen, mit denen der stationäre Handel nicht konkurrieren kann. Der letzte Punkt hängt auch mit eben diesen grossen quasi-monopolistischen Verkaufsportale zusammen – allen voran die gigantische Seite mit dem Namen der weiblichen Kriegerinnen aus der griechischen Mythologie. Da insbesondere dort wirklich fast alles erhältlich ist, was das Herz begehrt, wird es für Konsumenten wesentlich einfacher und bequemer, einzukaufen. Egal, um welche Produktgruppe es sich handelt, alles ist erhältlich und es sind keine weiteren Konten auf anderen Seiten notwendig. Dadurch wurde die Phrase „auf Amazon Einkaufen“ fast schon zum Synonym für Onlineshopping.
Der Onlinehandel als starker Wachstumsmarkt
Die Wachstumsrate bewegte sich in den letzten Jahren etwa um zehn Prozent. Besonders auffällig: Auch Käufe im Ausland, vor allem Kleinstpakete mit sehr günstigen Artikeln aus Übersee, nehmen immer mehr zu. Der Vorteil, dank des Internets ohne grossen Aufwand überall auf der Welt einkaufen zu können, scheint also ein wichtiger Aspekt für das Wachstum zu sein. In der Schweiz kaufen deutlich über 70 Prozent aller Menschen regelmässig online ein – so eine Befragung von Personen zwischen 16 und 74 Jahren, die sogar noch auf den Zahlen von 2017 beruht. Demnach dürften es nun sogar noch mehr geworden sein. Der Marktanteil von Gebrauchsgegenständen nimmt dabei noch den grössten Anteil ein – etwa 16 Prozent der Umsätze von allen so genannten „Non Food“ Waren wurden über das Internet geordert. Für Nahrungs- und Genussmittel liegt die Quote mit 2,5 Prozent zwar deutlich niedriger, doch auch hier ist ein langsames, aber konstantes Wachstum zu verzeichnen.
Der Effekt auf den klassischen Detailhandel
Dass immer mehr Menschen immer mehr Produkte aller Art über das Internet beziehen, hat natürlich Auswirkungen auf die traditionellen Bezugsquellen. Da die Zahl der Käufer, die das Internet bevorzugen, immer mehr wächst, sinkt entsprechend der Umsatz im stationären Handel. Besonders junge Menschen, die mit der Technik vertraut sind, waren Vorreiter und sind frühzeitig den Schritt zu mehr Einkäufen über das Internet gegangen. Aber bereits seit einiger Zeit wurde die kritische Masse erreicht und Onlineshops erfreuen sich immer grösser Beliebtheit in allen Altersklassen. Für immer mehr Menschen ist es demnach selbstverständlich, zuerst online nachzuschauen, wo ein bestimmtes Produkt verfügbar ist und es direkt zu kaufen, anstatt in stationären Läden danach zu suchen. Das hat natürlich einen spürbaren Effekt auf die Umsätze im Detailhandel, vor allem für kleine individuelle Läden. Auch der Fachhandel verschiebt sich dank besser werdenden redaktionellen und informativen Inhalten und Beratungsmöglichkeiten immer mehr ins Internet.
Herausforderungen für den stationären Handel
Das führt dazu, dass viele Marktteilnehmer im Handel entweder ihr Angebot und ihr Vorgehen verändern, oder im schlimmsten Fall sogar schliessen müssen. Ein Wachstumsmarkt ist der stationäre Handel daher schon seit längerer Zeit nicht mehr. Vielerorts ist er bereits spürbar rückläufig. Das lässt sich anhand von zwei Symptomen leicht erkennen:
- Läden müssen in immer grösserer Zahl schliessen. Besonders in der Schweiz ist dies sehr klar spürbar – lange Zeit hatte die Schweiz eine der höchsten Ladendichte in ganz Europa.
- Unternehmen, die typischerweise im stationären Handel angesiedelt sind, sind dazu gezwungen, sich den neuen Anforderungen anzupassen. Immer mehr Detailhandels-Unternehmen gehen den Schritt zum so genannten Multi-Channel-Vertrieb, also einem zusätzlichen Onlineshop zum lokalen Angebot.
Neue Möglichkeiten
Die Entwicklungen auf dem Onlinemarkt sind immer noch in Bewegung. Mit mehr technischen Möglichkeiten, einer Etablierung neuer Logistikstrukturen und der immer noch wachsenden Akzeptanz der Bevölkerung scheinen sie auch vorerst kein Ende zu finden. Der frühe Boom des Onlinehandels baute auf dem initialen Erfolg von Amazon auf dem Büchermarkt auf. Traditionell führte der Versandhandel eher spezialisierte Konsumgüter, die man einmalig oder in grösseren Abständen periodisch kauft. Doch das ist schon lange nicht mehr zutreffend – wirklich jedes erdenkliche Produkt lässt sich bereits über das Internet bestellen. Erst nach und nach entwickelte sich die Akzeptanz dafür – besonders frische Lebensmittel sind noch eine Randerscheinung, kaufen doch immer noch 61 Prozent aller Schweizer hauptsächlich im Laden ein. Doch es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich auch hier der Versandhandel durchsetzt. Amazon Pantry und Amazon Fresh sind Programme, die in einigen Ländern bereits angelaufen sind. Der wöchentliche Lebensmitteleinkauf, den man für gewöhnlich in Supermärkten erledigt, lässt sich damit erledigen. Selbst frisches Gemüse ist darüber erhältlich – wie schnell die Bevölkerung diese Art des Einkaufs akzeptieren wird, muss sich jedoch noch zeigen. Einige der Branchenriesen haben zudem bereits in eine eigene unabhängige Logistik investiert. Auch hier bestehen Wachstumsmöglichkeiten auf der einen Seite – andererseits bekommen die traditionellen Dienstleister in diesem Bereich zusätzliche Konkurrenz. So übernimmt Zalando in Frankreich derzeit im Rahmen eines Pilotprojekts auch die Auslieferung von Paketen anderer Anbieter.
Aufschwung durch technische Innovationen
Eine weitere technologische Entwicklung, die auf dem E-Commerce Markt für Unruhe gesorgt hat, ist die lückenlose Verbreitung von Smartphones und Tablets mit flächendeckendem Breitband-Empfang. Wie auf alle anderen Aspekte des Lebens hatte dies auf unser Kaufverhalten einen grossen Einfluss. Mobiles Shopping, im Idealfall noch mit einfach zu bedienenden Apps, welche die Shop-Funktionen für das Smartphone optimieren, ist mittlerweile überall. So kann man ohne Zeitverzögerung von Überall in Sekundenschnelle einen Kauf tätigen. Weitere Neuerungen auf diesem Gebiet sind ebenfalls zu erwarten. Am Horizont der Produktentwicklung scheinen sich bereits die ersten Smart-Kühlschränke abzuzeichnen, die fehlende Produkte automatisch erkennen und sie womöglich sogar sofort bestellen können. Das würde den Trend zu immer mehr Bequemlichkeit auf die Spitze treiben, ist aber entsprechend kürzlicher Entwicklungen alles andere als undenkbar.
Verändertes Konsumverhalten
Die Möglichkeiten zum Einkaufen haben sich in den letzten Jahren enorm verändert. Das hat selbstverständlich Auswirkungen darauf, wie wir verschiedene Dinge kaufen können – und als Konsequenz der regelmässigen Nutzung von Onlineshops auch auf unser Konsumverhalten und unsere Einstellung zum Thema Einkaufen an sich.
Ein grosser Faktor diesbezüglich entsteht durch die riesige Auswahl, auf die jeder Online-Shopper ohne grosse Anstrengungen zugreifen kann. Das konfrontiert uns mit neuen Möglichkeiten, die bei entsprechender Nutzung einen Effekt auf das Kaufverhalten haben.
- Präzises Einkaufen durch Auswahl: Da die enorme Angebotsbreite vieler verschiedener Portale für jeden verfügbar ist, ist es problemlos möglich, eine Bezugsquelle für jedes erdenkliche Produkt zu finden. Ersatzprodukte werden weniger relevant – im Detailhandel muss man häufiger zu diesen greifen, wenn sie die einzige Option sind. Die Alternative hier ist, einen Laden zu finden, der das Produkt führt und sich in akzeptabler Reichweite befindet. Zwei Vorteile kommen also zusammen: Zum einen ist man von dieser örtlichen Bindung im E-Commerce nicht mehr abhängig, wodurch es kein Problem ist, einen beliebigen anderen Shop zu wählen. Zusätzlich kann man dank der Suchfreundlichkeit im Internet sehr simpel einen Anbieter der gesuchten Waren finden. Es ist also wesentlich einfacher geworden, sehr gezielt einzukaufen.
- Wechselnde Bezugsquellen dank Vergleichbarkeit: Jeder hat seinen Laden des Vertrauens. Dort wird grösstenteils eingekauft, ausser es kommen besondere Umstände ins Spiel. Das ist beim Einkaufen im Internet jedoch häufig nicht der Fall. Aufgrund der einfachen Vergleichbarkeit von Konditionen und Preisen mit Vergleichsportalen und Shopping-Suchfunktionen findet man schnell und einfach verschiedene Shops und kann darunter beispielsweise den günstigsten aussuchen. Daher kommt es eher zu einem Wechsel des Händlers, was es für diese schwieriger macht, auf Bestandskunden zurückzugreifen.
Die Art und Weise, wie wir bestimmte Einkäufe planen und durchführen hat sich also grundlegend verändert. Wer beispielsweise einen Computer sucht, geht nun nicht mehr zum Händler des Vertrauens und kauft das beste und passendste dort verfügbare Gerät. Stattdessen sucht man sich nun das absolut beste Produkt für die eigenen Anforderungen heraus und recherchiert dann, bei welchem Shop man dieses zu den besten Konditionen erhalten kann.
Psychologie im Online-Shopping
Für Marktteilnehmer im Detailhandel spielt es eine grosse Rolle, die Umsätze pro Kunde und die Anzahl der Kunden möglichst zu erhöhen. Dafür wird auf verschiedene Marketingmassnahmen zurückgegriffen. Eine davon ist die Optimierung des Ladenlokals und des Angebots im Hinblick auf die Psychologie, die bei Kaufentscheidungen von Bedeutung ist. Wie andere klassische Vermarktungsstrategien ist auch diese ebenfalls im E‑Commerce wichtig. Doch sie nimmt aufgrund der vollkommen unterschiedlichen Abwicklung einer Transaktion eine völlig andere Form an. Da die Interaktion mit dem Händler sich zumeist auf die audiovisuellen Eindrücke der Internetseite und des Online-Shops begrenzt, muss diese möglichst auf den ersten Blick dafür sorgen, dass der Kauf angeregt, vereinfacht und schliesslich abgeschlossen wird. Im Internet gibt es nicht die Möglichkeit, den Kunden einen Verkäufer zur Seite zu stellen, der die Kaufentscheidung beeinflussen kann. Dennoch ist dieser Aspekt hier bedeutsam – denn die gesamte Nutzererfahrung vom ersten Klick bis zur Versandbestätigung erfüllt diese Funktion. Shop-Seiten und die darauf befindlichen Inhalte sind also dementsprechend optimiert, eine Kaufentscheidung wahrscheinlicher zu machen – Nutzer sollten sich dieser Sache bewusst sein.
Die Gefahr der Spontankäufe
Ein Problem, das mit der komfortablen Abwicklung und der psychologischen Optimierung der Shops Hand in Hand geht: Nicht eingeplante Opportunitätskäufe, die von den Händlern begünstigt werden. Die günstigen Angebote, die sich online finden lassen, sind eine zweischneidige Klinge. Auf der einen Seite bekommt man damit zwar die Möglichkeit, ohnehin notwendige Käufe sehr günstig durchzuführen, was grundsätzlich nur Vorteile hat. Auf der anderen Seite werden Käufer aber auch dazu ermuntert, spontan zuzuschlagen, obwohl es nicht dringend notwendig ist. Gerade während Aktionstagen und -wochen der grossen allumfassenden Händler, locken ständig neue, zeitlich begrenzte und dadurch künstlich exklusiv wirkende Angebote zum schnellen Kauf. Dadurch werden häufig Produkte gekauft, die eigentlich nicht auf der Einkaufsliste standen. Durch die komfortablen Aspekte, die den E-Commerce so erfolgreich und kundenfreundlich gemacht haben, entsteht die Möglichkeit innerhalb weniger Sekunden in einem Moment der Schwäche einen Kauf durchzuführen. Einfache Abwicklung mit möglichst wenigen Klicks, komfortable Zahlungsmethoden und leichte Navigation auf der Seite, um Angebote zu finden – das hat für uns Endkunden zwar Vorteile, birgt aber auch Gefahren.
Die Angst der Innenstädte
Der Siegesszug des Online-Versandhandels steht aber nicht nur in der Kritik, weil es intrinsische Probleme gibt. Das Wachstum des Sektors E-Commerce an sich und die sich daraus ergebenden Effekte auf den Detailhandel ist in den Augen vieler ein grosses Problem. Wer kurzsichtig denkt und nur den eigenen Komfort beim Einkaufen bedenkt, übersieht die Nachteile, die durch einen immer erfolgreicheren Onlinehandel entstehen. Wie bereits erwähnt, hat das Volumen von Onlinekäufen einen rückläufigen Effekt auf die Zahlen im Detailhandel. Diese Entwicklung ist bereits so stark ausgeprägt, dass die Konsequenzen bereits spürbar sind. Immer mehr Läden müssen schliessen, da sie mit den Versandhäusern nicht konkurrieren können. Somit stehen also Existenzen und Karrieren von Ladeninhabern auf dem Spiel. Einzelschicksale, die durch Veränderungen in der Gesellschaft ihre Lebensgrundlage verlieren, gibt es zwar in der Geschichte der Menschheit immer wieder – doch die Auswirkungen gehen noch weiter. Sie haben nämlich zusätzlich zwei weitere Effekte, die sich negativ auf Stadtbilder auswirken als Ganzes könnten:
- Wenn weniger Leute überhaupt aus dem Haus gehen, um einzukaufen, bleiben die Innenstädte leer. Das wirkt sich auch auf alle anderen Einrichtungen und Unternehmen im Stadtbereich aus, die ihr Angebot an Passanten und Besucher der Fussgängerzonen ausgerichtet haben.
- Wenn Läden tatsächlich in grosser Zahl schliessen geht die Attraktivität von Fussgängerzonen und Geschäftsstrassen eventuell vollständig verloren. Die Zentren vieler Städte sind traditionell darauf ausgelegt, dass diese Stadtteile grosse Besucherzahlen erhalten und entsprechend versorgen müssen.
Die Attraktivität der Innenstädte steht also ebenfalls auf dem Spiel, wenn man sich ausmalt, dass mit weiteren Entwicklungen der E-Commerce-Markt einen noch grösseren Anteil der Verbraucher abdecken wird.
Ladensterben macht vor keiner Branche halt
Das Ladensterben erstreckt sich mittlerweile auf alle möglichen Branchen im Fachhandel. Dabei sind sowohl kleine Läden von selbstständigen Unternehmern betroffen, aber auch die Filialen grosser Ketten. Diese können selbst mit dem Marketing-Rückhalt der Konzerne nicht mehr mithalten. Das führt beispielsweise bei Modehändlern zur Schliessung von immer mehr Filialen. Laut dem Marktbericht sind kleinere Stadtzentren aktuell am stärksten betroffen – hier droht in wenigen Jahren schon das vollständige Verschwinden von Fachgeschäften, sollte sich der Trend nicht umkehren. Besonders der Domino-Effekt, den die Gastronomie und Unterhaltungsbranche im Stadtbereich spürt, ist tragisch. Gerade Unternehmen, die auf Laufkundschaft angewiesen sind, spüren die nachlassenden Besucherzahlen im stationären Handel deutlich – und das, obwohl sie eigentlich einen völlig anderen Marktsektor bedienen. Städte und Gemeinden müssen bereits heute über Lösungen nachdenken, wie die Attraktivität ihrer Stadtzentren bewahren können. | 3.40625 | 2.5 | 2.734375 |
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Trading-Plan: So entwickeln Sie einen Handelsplan
(Werbemitteilung): Ein Trading-Plan bzw. Handelsplan ist eine Strategie die jeder Trader, egal, ob Einsteiger, Fortgeschrittener oder Profi führen sollte.
Was ist ein Trading-Plan?
Ein Trading-Plan ist ein Gesamtplan, der sämtliche Aspekte Ihrer Handelsziele, Ihrer Motivation und Ihrem Risikoverhalten bis hin zu Regeln des Risiko-Managements und Analysen vergangener Handelsgeschäfte umfasst. Er sollte sowohl Ihre Strategien als auch Ihre Selbstverpflichtung zum Führen eines Tagebuchs beinhalten.
Es gibt keine Schablone für den perfekten Handelsplan - jeder Trader ist anders und besitzt seinen individuellen Handelsstil. Diesen gilt es dann dem Handelsplan entsprechend anzupassen. In diesem Kontext gibt es universelle Faktoren, die bei der Planung jeder Handelsaktivität berücksichtigt werden sollten.
Warum einen Handelsplan erstellen?
Ein Trading-Plan erleichtert das Handeln
Dieser Plan dient Ihnen zur Orientierung - vom Ausgangspunkt wie Sie kaufen und verkaufen sollten bis zu ihrem vordefinierten Ziel. Alle Trading-Aspekte sind vorstrukturiert und durchdacht, sodass Sie strategisch vorgehen können. Sie sparen sich viel Zeit da Sie sich nicht ständig Gedanken machen müssen auf welchem Markt Sie handeln sollten, wie Sie mit Gewinnen oder Verlusten umgehen müssen oder die Gefahr, dass Sie bestimmte Chancen auf anderen Märkten verpassen.
Traden Sie mit Disziplin
Emotionale Handlungen beeinflussen Ihr Denken und Handeln. Ein Handelsplan ermöglicht Ihnen schon im Vorfeld über Gewinn und akzeptablen Verluste im Klaren zu sein und somit auch Ihre Disziplin während dem Handeln zu bewahren.
Ihr Trading-Plan bringt Verbesserungspotenzial mit sich
Durch historische Trading-Daten können Sie verfolgen, welche Ihrer Trading Ausführungen erfolgreich waren und welche nicht. Mit einem kompletten Trade Entwicklungszyklus für jeden einzelnen Handel können Sie Ihre eigene Performance analysieren und auch aus Fehlern lernen um sich als Händler zu verbessern.
Wer braucht einen Handelsplan?
Die Antwort auf diese Frage ist noch kürzer: Jeder. Egal ob Unerfahren im Handel, Fortgeschrittener oder professioneller Trader: es gibt niemanden, der zweifelsfrei sagen kann, dass er über einem Trading Plan steht oder keinen braucht.
Wie Sie Ihren Trading Plan nutzen, ist Ihnen überlassen. Wir haben an dieser Stelle ein paar Tipps zur Erstellung eines Handelskonzepts zusammengefasst. Zudem finden Sie hier Vorteile und Beispiele für einen Handelsplan.
Vorteile eines Handelsplans
Ein Trading-Plan hat den großen Vorteil, dass Sie Ihre eigenen Handlungen besser strukturieren und messen können. Dieser Plan kann auf unterschiedliche Art und Weise von Nutzen sein:
Richten Sie Strukturen ein, um Ihr Risiko besser zu verwalten
Was bedeutet ein hohes oder geringes Risiko für Sie? Wenn Sie dies im Voraus beziffern, können Sie auch evaluieren, ob ein beabsichtigter Handel sich vielleicht als zu risikoreich entpuppt. Ihre Risikobewertung pro Trade, bezogen auf die Kapitalisierung Ihres Depots (= Depotgröße) könnte bspw. folgendermaßen aussehen:
Geringes Risiko: 1-2% des gesamten Eigenkapitals
Mittleres Risiko: 2-5% des gesamten Eigenkapitals
Hohes Risiko: Mehr als 5% des gesamten Eigenkapitals
Sehr hohes Risiko: Mehr als 20% des gesamten Eigenkapitals
Beispiel: Bezogen auf eine Depotgröße von 10.000,- €, lässt sich ein Risiko von 3% mit einem Betrag von 300,- € quantifizieren (mittleres Risiko). Bei dem beabsichtigten Trade müssen also der Stop-Loss und die Größe der Stückzahl derart justiert werden, dass das maximale Verlustpotential den Betrag von 300,- € nicht übersteigt.
Eine detailliertere Erläuterung bzgl. der Formen des Risiko-Managements finden Sie in unserem Abschnitt Risikomanagement.
Entwickeln Sie vorab Einstiegs- und Ausstiegskriterien
In den meisten Fällen gehört das Timing des Einstiegs und des Ausstiegs zu den stressigsten und zeitintensivsten Phasen des Börsenhandels.
In diesem Kontext besteht ein erhöhtes Risiko, dass eine Entscheidung nicht mehr rational, sondern emotional getroffen wird. Deswegen kann es extrem hilfreich sein, klare und verbindliche Einstiegs- und Ausstiegskriterien zu definieren, an die man sich hält.
Sie können zum Beispiel die Charttechnik (Technische Analyse) nutzen, um bestimmte Markttrends zu verfolgen und sich verpflichten, nur dann in einen Trade ein- oder auszusteigen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind (z.B. signifikanter Widerstand oder Unterstützung erreicht oder gebrochen o.ä.). Alternativ können Sie sich zwecks Ausstieg auch an bestimmten Gewinn/Verlust-Limits orientieren.
Bleiben Sie fokussiert und rationalisieren Sie Ihre Entscheidungsprozesse
Die Finanzmärkte bewegen sich manchmal sehr schnell und drastisch. In solchen Momenten kommt es nicht selten vor, dass hastige und überstürzte Entscheidungen getroffen werden.
Ein Handelsplan hilft dabei, die Emotionen aus Ihrem Trade herauszuhalten. Manche schreiben ihren Erfolg den Emotionen oder ihrem Bauchgefühl zu, aber langfristiger Erfolg basiert fast immer auf einer Strategie, die im Vorfeld ausgearbeitet wurde.
Bewerten Sie kontinuierlich Ihren Handel und verwalten Sie Ihr Kapital
Zu einem Handelsplan gehört auch ein Handelsprotokoll bzw. Tagebuch, das Sie nutzen können, um die jeweilige offene Position zu verfolgen.
Die Protokollierung Ihrer Strategie innerhalb eines Handelsplans erinnert Sie konstant an Ihre Ziele und auch an Ihre selbstauferlegten Grenzen: Beispielsweise bleibt der Stop-Loss stets dort, wo Sie ihn ursprünglich platziert haben.
Ein Handelsprotokoll ist ein exzellentes Werkzeug, um den größeren Kontext im Auge zu behalten. In einem Bild können Sie einen Überblick über Ihren Handelsverlauf bekommen und Erfolge und Fehler, die Sie gemacht haben, identifizieren, analysieren und beim nächsten Mal entsprechend korrigieren.
Ehrlichkeit, Selbstwahrnehmung und Lernfähigkeit sind hier wichtige Fähigkeiten. Die kontinuierliche Bewertung Ihres Handels ist eine der besten Strategien, um Fehler zukünftig nicht zu wiederholen und sich daran zu erinnern, was in der Vergangenheit funktioniert bzw. nicht funktioniert hat.
Damit wird es schwieriger von Ihrem Trading-Konzept abzuweichen, wenn dieses die ganze Zeit deutlich vor Ihnen liegt. Legen Sie es auf den Schreibtisch oder kleben Sie es an die Wand. Das klingt banal: Aber es wirkt.
Wie man einen Handelsplan entwickelt
Lernen Sie sich als Trader kennen in dem sie nicht nur Ihre Handelsziele festlegen, sondern auch Ihre Fehler und Schwächen in Ihrem Handelsplan notieren. Verschiedene Aspekte der Entwicklung eines Trading Plans wird hier beschrieben.
Schlüsselfragen zum Handelsplan
Hier sind einige wichtige Fragen, nebst möglicher Antworten, die in einem Handelsplan thematisiert werden sollten:
In den nächsten Abschnitten erläutern wir allgemeine Regeln, die Ihnen dabei helfen Ihren individuellen Handelsplan zu entwickeln.
Allgemeine Handelsplanregeln
Wie bereits erwähnt gibt es nicht einen perfekten Handelsplan. Jedoch existieren einige allgemeine Regeln, die für den langfristig erfolgreichen Börsenhandel berücksichtigt werden sollten. Eine Checklist der Allgemeinen Trading Plan Regeln:
Setzen Sie Ziele
Sie sollten sich vor jedem Trade über den Kaufgrund und das Handelsziel im Klaren sein und sich diese Faktoren notieren. Dies hilft Ihnen Ihre Gedanken, sowie die Solidität Ihres Plans zu organisieren.
Führen Sie Buch und erstellen Sie eigene Kontrollpunkte, wie zum Beispiel
Welche Einstiegskriterien erwiesen sich langfristig als lukrativ? In welchen Anlageklassen waren die Stops auf Grund der hohen Volatilität zu eng gesetzt? Protokollieren Sie also Ihre Handelsaktivitäten. Auf diese Weise lernen Sie nicht nur die Märkte, sondern auch sich selber besser kennen. Wenn Sie Ihre Trades entsprechend nachhalten, sind Sie in der Lage Ihre Handelstrategien auf lange Sicht zu optimieren. Versuchen Sie aus Ihren eigenen Fehlern zu lernen.
Kontrollieren Sie Ihre Finanzen
Risiko- und Money-Management sind elementare Aspekte eines jeden Handelsplans. Dies gilt umso mehr, wenn Sie mit Hebelderivaten handeln. Welchen Anteil Ihres Kapitals wollen Sie für welchen Trade aufwenden? Und wieviel Kapital wollen Sie für welchen Trade riskieren? Reicht Ihre Liquidität überhaupt aus? Haben Sie einen ausreichenden Kapitalpuffer? Ein wesentlicher Bestandteil Ihres Plans dreht sich also um die Verwaltung Ihrer Investitionen und im besonderen um die korrekte Einschätzung des eingegangenen Risikopotentials.
Wie sieht ein Handelsplan aus?
Ein Trading-Plan lässt sich Ihrem persönlichen Handelsstil anpassen. Dabei brauchen Sie lediglich jene Elemente hinzufügen bzw. verwenden, die Sie für nützlich erachten. Folgende neun Bausteine sollten bei der Entwicklung eines Handelsplans jedoch berücksichtigen werden.
1. Lernen Sie Sich als Trader kennen
Zuerst sollten Sie diesen Satz fortführen können: „Ich möchte ein erfolgreicher Händler sein, weil... “
Zweitens sollten Sie ehrlich Ihre Stärken und Schwächen beurteilen, insbesondere im Hinblick auf den Handel, aber auch im Hinblick auf persönliche Wesenszüge, die Ihren Handel beeinflussen könnten.
2. Definieren und verstehen Sie Ihre Handelsziele
Die Definition der Handelsziele ist einer der wichtigsten Schritte in der Entwicklung eines Handelsplans. Dieser wesentliche Punkt wird jedoch häufig vernachlässigt.
Sie sollten versuchen, Ihre Ziele so genau wie möglich zu spezifizieren. Die meisten Handelspläne schlagen vor, dass Sie detaillierte Handelsziele für den Tag, die Woche, den Monat, das halbe Jahr, das ganze Jahr und für Ihr Leben definieren.
Nur wenn Sie Ihre Ziele definieren und beziffern bzw. quantifizieren, können Sie feststellen, inwieweit Sie diese erreicht haben.
3. Finden Sie heraus, welcher Handelsstil zu Ihnen passt
Wenn Sie an den Finanzmärkten handeln möchten, haben Sie mehrere Strategie-Optionen. Ist Ihr Anlagehorizont kurz- oder langfristig? Defensiv oder offensiv? Konservativ oder Spekulativ? Sind Sie News-Trader, Position-Trader, Swing-Trader oder Scalper etc? Oder halten Sie es eher mit 'buy and hold'?
Manche bleiben lieber bei einer einzigen Handelsmethode, andere haben erfolgreich mehrere Handelsarten im selben Plan vereint. Ganz gleich wofür Sie sich entscheiden, wichtig ist, dass Sie Ihre Optionen im Vorfeld kennen und sich im Zuge Ihres Handelsplans für ein bestimmtes System entscheiden.
4. Identifizieren Sie die, für Sie, geeigneten Märkte und Handelszeiten
Genauso, wie Sie herausfinden sollten, welcher Handelstyp am besten zu Ihnen passt, sollten Sie auch die Märkte identifizieren, die am besten zu Ihnen passen.
Ein Hauptaugenmerk liegt auf dem Kenntnisstand, über den Sie für einer bestimmten Anlageklasse verfügen und die korrelierenden Faktoren, die diese Märkte beeinflussen. Als aktiver Trader sollten Sie darüber hinaus in der Lage sein, zeitnah agieren zu können. Sprich: den Märkten Ihrer Wahl zu den relevanten Kern-Handelszeiten auch die volle Aufmerksamkeit schenken können.
5. Erstellen Sie Ihr persönliches Handelssystem
Ein Handelssystem wendet ein Regelset an, aus dem sich Ihr Trading ableitet. So wird das Handeln fast zu einem automatisierten Prozess. Sie entscheiden also, ob Sie eher mechanisches Handeln innerhalb eines festen Regelsystems bevorzugen, das Sie bei allen Handelsentscheidungen leitet; oder ob Sie lieber diskretionär vorgehen und Entscheidungen von Fall zu Fall treffen.
6. Zu wissen, was Sie riskieren möchten
Risiko-Management ist möglicherweise der wichtigste Bestandteil eines Handelsplans. Techniken zum Risikomanagement finden Sie hier Risiko-Management.
7. Entscheiden Sie sich, wie Sie Ihren Handel verwalten möchten
Dieser Teil des Handelsplans befasst sich mit Ihren offenen Positionen. Hier sind Sie möglicherweise am anfälligsten für emotionale Reaktionen - Sie sehen, wie der Markt abfällt und wollen Ihre Verluste reduzieren, oder es läuft gut am Markt und Sie sehen sich versucht, Ihre Position noch länger zu halten oder gar auszubauen.
In diesen emotional geladenen Situationen ist es sehr wichtig, schon eine Strategie parat zu haben, auf die Sie zurückgreifen können.
8. Wissen, wie Sie Ihren Handel protokollieren möchten
Es ist bemerkenswert, wie oft dieser Aspekt des Handelsplans außer Acht gelassen wird, vor allem, weil es ein wirkungsvolles Lern-Instrument ist.
Ein einfaches Arbeitsblatt ist alles, was Sie brauchen. Eine Kommentarspalte ist darüber hinaus besonders nützlich. Schreiben Sie alles auf: wie gut Sie sich an Ihre Strategie gehalten haben, was funktioniert hat und was nicht. Wie Sie sich an diesem Tag oder zu dieser Zeit gefühlt haben, welche Faktoren zum Erfolg oder Misserfolg geführt haben.
9. Testen Sie Ihr System
Sie können ein, auf bestimmte Einstiegs- und Ausstiegs-Kriterien basiertes Handelssystem auch auf der Grundlage historischer Daten testen (sog. Backtest). Der daraus resultierende Report gibt Ihnen detailliert Auskunft, wie erfolgreich Ihr Handelssystem innerhalb einer bestimmten Anlageklasse oder eines expliziten Underlyings in einem bestimmten Zeitraum in der Vergangenheit funktioniert hat und ob es neueren Bewegungen auf dem Markt standgehalten hätte.
Eine andere Option zum Testen, ist ein Demokonto. Bei IG haben Sie die Möglichkeit einen Account mit imaginären Depotkapital (Spielgeld) anzulegen und Ihre Handelsstrategie für eine begrenzte Zeit anzuwenden, um die Funktionsfähigkeit zu testen.
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Einleitung (Seite 4) 1. ber die ideologischen Grundlagen des Stalinismus (Seite 6) Wir Stalinisten werden ber den Anti-Stalinismus siegen ! Nieder mit dem Berijanertum ! Den Stalinismus kann man weder entstalinisieren, noch stalinisieren; noch restalinisieren ! (Seite 38) 2. Fragen zur Person Stalins (Seite 78) Personenkult und Kritik an ihm Zwillinge der sogenannten Entstalinisierung. Die Verschwrung gegen Stalin begann schon mit der Verschwrung gegen Lenin. (Seite 113) Ich habe ihn erledigt ! Ich habe euch alle gerettet! [Berija, 1. Mai 1953]; (Seite 130) Enver Hoxha verteidigte Stalin gegen Berija Swetlana ihren Vater. (Seite 145) 3. ber den Stalinismus und die nationale Frage (Seite 162) Die Mingrelische Verschwrung die Entstalinisierung im Kaukasus. 4. ber die konomischen Grundlagen des Stalinismus (Seite 223) Zur so genannten Leningrader Affre. 5. ber die innenpolitischen Grundlagen des Stalinismus (Seite 289) Die Diktatur des Proletariats strkt sich im Kampf gegen die Restauration des kapitalistischen Staates. Stalin und die Frage der Intelligenz, die Frage der Aufhebung des Gegensatzes zwischen geistiger und krperlicher Arbeit und die Frage der Theorie. (Seite 342) 6. ber die auenpolitischen Grundlagen des Stalinismus (Seite 391) Stalin, der Kosmopolitismus und der Zionismus. Berijas sozialimperialistisches Abenteuertum. (Seite 420) Putin steigt wie Phnix aus der berijanischen Asche ! (Seite 479) (ber die internationalen, menschewistisch-sozialdemokratischen Wurzeln des Berijanertums). Wie Shdanow die 2-Welten -Theorie von Lenin und Stalin revidierte (und Mao sie in eine 3-WeltenTheorie verwandelte). (Seite 515) 7. ber die welthistorische Bedeutung des Stalinismus (Seite 543) Zusammenfassung, historische Lehren, Schlussfolgerungen. Der heutige Stalinismus und die globalisierte, sozialistische Weltrevolution. (Seite 577)
Einleitung.
Dieser Beitrag entstand im Zusammenhang mit unserem ursprnglichen Artikel ber die Ereignisse in Georgien im August 2008. Um diese Ereignisse besser zu verstehen, hatten wir einen kurzbiographischen Beitrag ber Stalins erste Schaffensperiode im Kaukasus hinzugefgt. Das historische Bild wird nun mit diesem dritten, letzten (und leider wieder einmal viel zu langen!) Teil abgerundet, denn die Spuren seines Kampfes vor seinem Tod fhren uns wieder in den Kaukasus zurck. Der Text sollte eigentlich mit dem Kapitel ber die Mingrelische Verschwrung enden, aber dass mit diesem letzten Kapitel die Spuren zur Auffindung der Wahrheit ber Stalin unvermeidlich wieder zurck nach Moskau fhrten, verleitete den Verfasser dazu, die Entdeckungsreise nicht mit dem Thema Georgien abzuschlieen, sondern sie mit dem Thema der so genannten Entstalinisierung fortzusetzen. Daraus ist nun etwas ganz anderes entstanden: ber die Grundlagen und zu den Fragen des Stalinismus. Der Leser mge fr sich selber entscheiden, ob er nun das Studium des Georgien-Textes mit dem Kapitel ber die Mingrelische Verschwrung thematisch beenden mchte (Kapitel III) oder neugierig genug ist und sich weiter durch den ganzen Text durchbeien und sein Studium ber die Grundlagen und Fragen des Stalinismus vertiefen mchte. Das zentrale Verbindungsstck beider Themen bildet das Berijanertum. Berija spielte nicht nur in Georgien eine verbrecherische Rolle gegenber Stalin. Seine Verbrechen gehen sogar weit ber die Grenzen der UdSSR hinaus, weswegen wir die Verteidiger Berijas, die Berijaner, die Verbreitung ihres Berijanertums, kritisch ans Licht gebracht haben. Diese reaktionre Strmung in der marxistischleninistischen Weltbewegung hat ideologische Verwirrung gestiftet und unserer Bewegung nicht geringen Schaden zugefgt. Und deswegen mssen wir das Berijanertum entlarven und seinen Einfluss in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung zerschlagen. Dieser Aufgabe widmet sich der folgende Artikel, der somit als ein in sich geschlossener, selbstndiger Text aufzufassen ist. Zu Tage getreten sind dabei ganz nebenbei einige weltpolitische Grundlagen und Frage des Stalinismus mit aktuellem Ausblick. Doch genug der Vorrede ! Woran sollte der Kommunismus scheitern ? Am Verrat in den eigenen kommunistischen Reihen ! Wie vollenden wir den Kommunismus ? Im Kampf gegen seine Verrter ! Woran ist das Werk Stalins gescheitert ? Am Verrat an Stalin ! Wie vollenden wir das Werk Stalins ? Im Kampf gegen seine Verrter ! Wir Kommunisten werden stets Opfer von Betrug und Selbstbetrug sein, solange wir nicht lernen, hinter stalinistischen Phrasen die Interessen der Ausbeuter- und Unterdrckerklassen zu suchen!
Es wird viel vom Stalinismus gesprochen, aber was ist denn nun eigentlich Stalinismus, was sind die Grundlagen des Stalinismus ? Htten wir aber einen vollen berblick ber Stalins Ttigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wrden wir noch besser seine titanenhafte marxistisch-leninistische Gre erkennen (Enver Hoxha: 3. Januar 1967, aus seinem politischen Tagebuch). Dieser besondere Satz Enver Hoxhas, des 5. Klassikers des Marxismus-Leninismus, ist so zu sagen unser Ausgangspunkt. Wir meinen, an diesem vollen berblick muss unbedingt weiter gearbeitet werden und deswegen haben wir hierzu einen kleinen Beitrag leisten wollen. Wie werden die Grundlagen des Stalinismus erarbeitet ? Stets durch Entlarvung und Abgrenzung von Opportunisten, die in Worten den Stalinismus verteidigen, aber ihn in Taten verraten haben. Wer heute den Stalinismus gegen den Opportunismus verteidigen will, der muss ihn auch gegen solche Opportunisten verteidigen, die uns die Anti-Stalinisten Berija und Malenkow als MarxistenLeninisten verkaufen wollten. Die Chruschtschowianer sind ausgebrannt aber die Berijaner whlen noch !! Wir haben uns daher entschlossen, die Grundlagen des Stalinismus im Kampf gegen den Anti-Stalinismus des Berijanertums zu entwickeln.
forum durch unsere Genossen in ein marxistisch-leninistisches Forum verwandeln wrde - so zog Hari Kumar die Notbremse und warf uns raus. Es waren auch Bill Blands Schriften, die zur Ausbreitung des Berijanertums beigetragen haben, so dass wir diese endlich einer lngst berflligen Kritik unterziehen mussten. Wir haben festgestellt, dass leider nicht nur wir allein, sondern auch andere marxistisch-leninistischen Organisationen in der ganzen Welt vom Virus des Berijanertums angesteckt worden waren. Die positive Haltung der Albaner zu Bill Bland war eine orientierende Grundlage unseres Vertrauens zu ihm. Die Freundschaft, die die Albaner mit Bill Bland verbanden, flte uns eine wohl gesonnene Haltung gegenber Bill Bland ein. Und tatschlich lernten wir den Genossen Bill Bland als einen aufrechten Genossen kennen und an dieser Haltung hat sich auch nichts nach seinem Tod gendert. Wir sind sehr froh darber, dass in London, in seinem eigenen Haus, das bedeutsame Communiqu zwischen der Communist League und der KPD / ML im Jahre 1999 zustande gekommenen war, deren Inhalt wir auf der Homepage der Komintern / ML verffentlicht haben und das auch heute noch auf der homepage der Communist League verffentlicht ist wohl nicht ohne ausdrcklichen Willen des Genossen Bill Bland. Anscheinend ist es Hari Kumar nicht gelungen, die Communist League davon zu berzeugen, dieses Kommuniqu wieder von deren homepage zu lschen. Bezeichnend ist, dass dieses Dokument weder von Hari Kumar, noch von der ISML oder von irgend einer anderen marxistisch-leninistischen Organisation auch nur mit einem Wort erwhnt wird, obwohl Hari Kumar von sich behauptet, dass er Bill Bland verteidigt. !! Was ist von so einer Verteidigung zu halten, wenn er unser gemeinsames Communiqu mit keiner Silbe erwhnt ? Es mssen zwischen Hari Kumar und Bill Bland also Meinungsverschiedenheiten bestanden haben, die Hari Kumar jedoch vehement abstritt, um seinerseits auf Meinungsverschiedenheiten zwischen uns und Bill Bland anzuspielen, die wir jedenfalls noch zum damaligen Zeitpunkt - genauso wenig sahen wie Bill Bland. Auch von Bill Blands Seite aus war hierber nie etwas bekannt. Das Kommuniqu von 1999 ist also das Band, mit dem wir bis heute mit Bill Bland verbunden sind und ewig verbunden bleiben. Es ist und bleibt ein wertvolles Dokument, mit dem immerhin die Grndung der Komintern / ML begann. Deswegen lsst sich auch Bill Blands Bedeutung, die er damals fr uns hatte, nicht wegradieren. Es war also grundstzlich richtig, dass wir den Genossen Bill Bland gegen die ISML und ihren trotzkistischen Dunstkreis in der Welt, der bis Indien reicht, verteidigten gegen deren neo-revisionistischen, neo-trotzkistischen Kurs. Selbst bei unserem Besuch in London fiel uns unangenehm auf, wie sehr die intellektuellen Genossen Bill Bland dort herablassend behandelt hatten. Als wir Bill Bland unseren Eindruck mitteilten, stimmte er uns zu und er senkte bedrckt den Kopf. Mit solchen Leuten hatten wir uns in Deutschland auch jahrelang genug herumgeschlagen, aber sie damals lngst die Tr gewiesen. Sicher ist, dass diese arroganten Intellektuellen in London einen zersetzenden Einfluss ausgebt hatten, den wir in Deutschland nicht geduldet htten. Bewundernswerter Weise aber zeigte sich Bill Bland schnell von seiner humorvollen Seite und gab uns zu verstehen, dass man diese Situation durchstehen und die Arbeit mit diesem Gelumpe geduldig weiter fortsetzen msse. Okay. Das war seine Sache, nicht unsere. Und in der Tat hatte er in seinem Leben eine ganze Reihe von Attacken seitens seiner Gegner berstanden, so auch seinen Ausschluss aus der Stalin-Gesellschaft, die in unseren Augen eine opportunistische Gesellschaft war. Sich nicht von irgendwelchen Leuten etwas vormachen zu lassen, sondern seinen eigenen Kopf zu gebrauchen und selber zu entscheiden, was richtig und falsch ist, das hat uns an Bill Bland fasziniert. Diese grundstzlich kritische Haltung hat sehr zu seiner Kritik am modernen Revisionismus beigetragen. In unserem Herzen fhlen wir uns mit der Person Bill Blands tief verbunden. Aber seine Schriften haben wir ernsthaft studiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass er eine Reihe von schwerwiegenden Fehlern gemacht hat, die sich mehr aus seinen Quellen selbst als aus deren Studium ergeben. Bill Bland hatte ja den Standpunkt vertreten, ohne Vorurteile sich widersprechende Standpunkte sachlich zu berprfen, ob sie richtig oder falsch sind.
Es ist manchmal viel schwerer, ein revolutionres Herz von einem Irrtum zu berzeugen als einen revolutionren Verstand. Das trifft auch auf unsere Haltung gegenber dem Genossen Bill Bland zu. Wir hatten den Genossen Bill Bland von seiner Person her als einen liebenswerten, herzlichen, bescheidenen und aufrechten internationalistischen Genossen kennengelernt, der unseren Zielen und Wnschen zu unserem Erstaunen weitestgehend entgegengekommen war. Und an dieser Haltung hat sich bis heute nichts gendert und wird sich nichts ndern. Bill Bland schien uns unsere marxistisch-leninistische Haltung regelrecht vom Gesicht abzulesen, worber wir uns damals sehr freuten und ehrlich gesagt, das verblffte uns. Wir sagten ihm daher damals, dass wir es aufrichtig bedauern wrden, dass wir erst so spt Freundschaft geschlossen htten. Im gemeinsam verfassten Kommuniqu von 1999, diesem Dokument der marxistisch-leninistischen Weltbewegung, wie es zu jener Zeit durchaus als wegweisenden Lichtblick bezeichnet werden konnte, ist weder etwas Trotzkistisches noch Revisionistisches zu entdecken es steht auf dem festen Boden des Marxismus-Leninismus. Es ist ein prinzipienfestes Dokument von historischer Bedeutung fr die marxistisch-leninistische Weltbewegung, das wir verteidigen und das uns weiter als Grundlage und Anleitung unseres revolutionren Handelns dient. Es gab damals lediglich kameradschaftlich geuerte Meinungsverschiedenheiten ber die Einschtzung der KLA im Kosova, die darin bestanden, dass der Genosse Bill Bland diese vorbehaltlos und uneingeschrnkt untersttzte, whrend die KPD / ML eine sympathisierende, aber eher kritischdistanzierte Stellung zu gewissen nationalistischen und maoistischen Kreisen in der KLA einnahm. Das war also die einzige Position, wo ein Kompromiss gesucht und gefunden wurde. In allen anderen Punkten, die von prinzipieller Bedeutung fr uns waren - wie unseren Wunsch, den Aufbau der Komintern / ML voranzutreiben und im Kommuniqu unbedingt zum Ausdruck zu bringen gab es vllige bereinstimmung. Bill Bland war fr den Aufbau der Komintern / ML. Wir haben das gute Verhltnis zu Bill Bland nicht zuletzt an dem Zustandekommen dieses Kommuniqus gemessen, aber kannten damals seine Schriften noch nicht so genau. Er gab uns welche zum Lesen mit und einige andere waren natrlich auch in englischer Sprache auf der homepage der Communist League und der ISML verffentlicht. Erst mit den von G. v. Scheven ins Deutsche bersetzten Bill Bland-Texten, die wir verffentlichten, wurden wir misstrauisch ohne uns jedoch ernsthaft und kritisch damit auseinanderzusetzen und sie etwa im Widerspruch zum gemeinsamen Kommuniqu von 1999 zu sehen. Wir interpretierten die Angriffe seitens Hari Kumars und der ISML auf uns also auch als Angriffe auf den Genossen Bill Bland und verteidigten ihn. Erst spter wurde uns der Widerspruch bewusst, dass wir nicht Bill Bland verteidigen konnten, ohne so manche seiner theoretischen Thesen und Schlussfolgerungen als Fehler zu kritisieren. Wir durften im Grunde genommen nicht Bill Blands Fehler gegen die richtigen Auffassungen von Bill Bland verteidigen. Wir mussten uns selber in die Materie, in den Stoff, den Bill Bland behandelte, hineinknien. Das war nicht so einfach und hat eine Menge Zeit und Kraft gekostet. Doch wir meinen, dass es sich fr uns alle gelohnt hat, denn je tiefer wir in die Materie eindrangen, desto klarer traten Bill Blands Schwchen zu Tage, desto mehr begannen wir, uns von seinen falschen Positionen zu distanzieren, desto notwendiger erschien es uns, unsere eigenstndige Position dagegen herauszuarbeiten. Wir haben uns also zu einer Distanzierung von Bill Blands Positionen regelrecht hindurch qulen mssen. Ob Marx und Engels, Lenin, Stalin oder Enver Hoxha, sie alle hatten ein berechtigtes kritisches Verhltnis zur anglo-amerikanischen Physiognomie des Marxismus. Seine Strke war die rein sachliche Herangehensweise, war ein nchterner und effektiver Arbeitsstil. Aber er wies theoretische Schwchen auf. Es mangelte an der klaren Linie, an der konsequenten Abgrenzung von brgerlichen Einflssen. Der angloamerikanische Marxismus war nie konsequent, drang nicht genug in die Tiefe vor. Er vermochte nicht den dialektischen Zusammenhang der Dinge zu erkennen. Vor allem der bolschewistische Charakter der Parteilichkeit war schwach ausgeprgt. Er war ungeeignet, fr die gesamte marxistische Weltbewegung eine Anleitung zum Handeln zu sein und daran hat sich bis heute leider nichts gendert, wenn man die anglo-amerikanischen Marxisten-Leninisten genauer unter die Lupe nimmt . Stalin hob am leninschen Arbeitsstil die amerikanische Sachlichkeit als Besonderheiten hervor:
Die amerikanische Sachlichkeit ist wiederum das Gegengift gegen `revolutionre` Manilowerei und phantastische Projektmacherei. Die amerikanische Sachlichkeit ist jene unbndige Kraft, die keinerlei Schranken kennt noch anerkennt, die mit ihrer sachlichen Beharrlichkeit alle wie immer gearteten Hindernisse hinwegfegt, die jede einmal begonnene Sache unbedingt bis zu Ende durchfhrt, selbst wenn es eine kleine Sache ist, und ohne die eine ernste aufbauende Arbeit undenkbar ist. Doch hat die amerikanische Sachlichkeit alle Aussicht, in engen und prinzipienlosen Praktizismus auszuarten, wenn sie nicht mit dem russischen Schwung verbunden wird. (...) Vereinigung des russischen revolutionren Schwungs mit amerikanischer Sachlichkeit darin liegt das Wesen des Leninismus in der Partei- und Staatsarbeit (Stalin, Grundlagen des Leninismus). Es war Stalin, der nach Lenin den leninschen Arbeitsstil meisterhaft anwendete. Zweifellos gehrt der Arbeitsstil Stalins zu den Grundlagen des Stalinismus, werden wir von seinem Arbeitsstil lernen, werden wir danach streben, ihn uns anzueignen, ihn zu meistern. Heute finden wir Revolutionre globale Bedingungen vor, um uns einen globalisierten stalinistischen Arbeitsstils aneignen zu knnen, einen neuen weltbolschewistischen Arbeitsstil, den Arbeitsstil der Weltrevolutionre, mit dem die internationalistische Weltanschauung des Proletariats in die Tat umgesetzt wird, wo nicht nur russische und amerikanische, sondern die ntzlichsten Arbeitsstile aller Lnder der ganzen Welt zu einem globalisierten Arbeitsstil in sich vereinigt werden. Konsequente Demarkationslinien zu ziehen und trotz prinzipienfester Haltung gegenber dem Opportunismus elastisch genug zu bleiben, damit hat die angloamerikanische, marxistische Bewegung schon immer ihre Probleme gehabt. Da gibt es ein breites Spektrum des rechten Opportunismus auf der einen Seite und auch genug Sektierertum auf der anderen Seite, aber diesem breiten opportunistischen Spektrum stand stets eine viel zu schwache eigenstndige Position des Marxismus-Leninismus gegenber. Es ist den angloamerikanischen genossen nie richtig gelungen, sich vollstndig vom brgerlichen Einfluss frei zu machen und sich zu bolschewisieren. In England und Amerika ist der MarxismusLeninismus im Grunde genommen nie richtig emanzipiert gewesen- von lblichen Ausnahmen abgesehen. Das lsst sich geschichtlich dokumentieren vor allem an Hand der Lehren der Klassiker des Marxismus-Leninismus. Es sollte sich zeigen, dass auch wir mit dem anglo-amerikanischen Schrifttum ber den Marxismus-Leninismus so unsere Probleme hatten und nun erst nach knapp 10 Jahren Klarheit zu schaffen versuchen, indem wir uns mit den Schriften Bill Blands nher beschftigten und leider lngst noch nicht mit allen. Der anfnglichen Euphorie und Hoffnung folgte Ernchterung und Distanz. Beim Studium seiner Schriften machten wir eine Phase durch, in der wir an Bill Bland zu zweifeln begannen, aber wir berzeugten uns schlielich davon, dass wir Bill Bland nicht in Bausch und Bogen fallen lassen konnten, dass man ihn nicht kritisieren kann, ohne seine positiven Seiten zu verteidigen. Obwohl er unserer Meinung nach Fehler gemacht hatte, wollen wir ihm seine Verdienste nicht absprechen. Aber trotz seiner Verdienste gab es schlielich solche schwerwiegenden Fehler, die mit dem Marxismus-Leninismus berhaupt nicht vereinbar sind und deswegen von uns unbedingt zurckgewiesen werden mussten. Es war unserer Meinung nach ein Fehler von Bill Bland, dass er sich mit Leuten wie Hari Kumar berhaupt eingelassen hatte. Hari Kumar ist einer jener geschickten Neo-Trotzkisten in der Welt, der es verstanden haben, einigen Marxisten-Leninisten den verkappten, also den in Marxismus-Leninismus eingewickelten Trotzkismus unterzujubeln. Er hat sich zweifellos der Fehler Bill Blands dabei bedient. Wenn wir hier also vom Berijanertum sprechen, dann ist dieser zu einem nicht geringen Teil gefrdert worden durch Bill Blands Fehleinschtzung ber die Rolle Berijas, Malenkows usw., aber diese Fehleinschtzung im Interesse des Klassengegners auszunutzen, das haben ganz Andere getan. Wir knnen jedenfalls hinter Bill Blands Fehleinschtzung ber Berija, so folgenschwer sie auch fr die Reinhaltung und Verteidigung der Grundlagen des Stalinismus sind, keine hinterhltige Absicht feststellen und wollen ihm ein bewusstes Tuschungsmanver oder die Erfllung eines geheimdienstlichen Auftrags nicht unterschieben. Aber Fehler sind nun mal als Fehler zu kritisieren, ob sie nun willentlich oder unabsichtlich begangen wurden. Mit der Verteidigung der Berijaner hat das Bild, mit dem Bill Bland die Verteidigung Stalins zu zeichnen versuchte, fr uns eine niederschmetternde Wirkung. Wir knnen und wollen uns mit dem Bild, das Bill
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Bland von Stalin zeichnete, nicht anfreunden. Fassen wir unsere Haltung zu Bill Bland wie folgt zusammen. Die Revisionismuskritik von Bill Bland ist aus unserer Sicht insgesamt mangelhaft und daher kritisch zu beurteilen. Was sollen wir als Stalinisten von einer Revisionismuskritik halten, die von der ungeheuerlichen These ausgeht, dass die Herrschaft der Revisionisten bereits im Jahre 1934 bestand ? In unseren Augen ist das keine Kritik am Revisionismus, sondern ein Zurckweichen vor dem Revisionismus, einfach eine kapitulantenhafte Haltung gegenber dem Revisionismus ! Dagegen herrscht unter uns Stalinisten allgemein bereinstimmung darber, dass die Diktatur des sowjetischen Proletariats mindestens bis zum Mord an Stalin, also noch bis zum Jahre 1953, existiert hat und nicht etwa die Diktatur der Bourgeoisie, denn was anderes kann solcher Art Herrschaft der Revisionisten sein als eben ein Stalinismus unter der Diktatur der Bourgeoisie? Wir anerkennen nur einen Stalinismus unter der Diktatur des Proletariats. Wer also Axiome des Bolschewismus in Frage stellt, der verleumdet den Stalinismus, der verflscht die Geschichte der Sowjetunion ber einen Zeitraum von immerhin zwei Jahrzehnten, der demontiert die tatschlichen Verdienste des Genossen Stalin im Kampf gegen den Revisionismus und vor allem, der unterschtzt die Kraft des Stalinismus gegenber dem Revisionismus. Mit so einer Selbstentwaffnung aber kann man den Revisionismus nicht ernsthaft besiegen. berhaupt: Die Diktatur des Proletariats mit der Diktatur der Bourgeoisie zu verwechseln, hat unserer Meinung nach nichts mehr mit wissenschaftlicher Analyse zu tun. So ein Fehler ist mehr als nur eine kleine Bagatelle, ist kein Pappenstiel. Und deswegen ist es unsere Pflicht als Stalinisten, diesen wissenschaftlichen Analysen Bill Blands deutlich zu widersprechen, da sie ein gefundenes Fressen fr die Trotzkisten sind, ihren alten Plunder unter neuer Maske in die marxistisch-leninistische Weltbewegung einzuschmuggeln, den wir mit dem Begriff Berijanertum gekennzeichnet haben. Jeder Versuch, die Verbrechen Berijas mit Stalinzitaten in marxistisch-leninistische Taten ummodeln zu wollen, ist Wasser auf die Mhlen der Berijaner, fhrt in den Sumpf des Berijanertums und stt unvermeidlich auf den Widerstand von uns Stalinisten. Aber wir wrden einen Fehler machen, die Schriften Bill Blands in Bausch und Bogen zu verurteilen. Bill Blands Schriften enthalten durchaus gewisse Vorzge, brauchbares Quellenmaterial, Zitatensammlungen, ntzliche Hinweise usw. usf., die uns bei unserer eigenen Revisionismuskritik weiter geholfen haben. Bill Blands Schriften waren und sind lehrreich, weil wir uns nicht nur besser von seinen falschen Schlussfolgerungen abgrenzen, sondern dadurch auch unseren eigenen Standpunkt festigen und neue Ideen entwickeln konnten. Insofern, und nur insofern, empfehlen wir das Studium seiner uns vorliegenden Schriften, bilden sie eine (mit reichlichen Vorbehalten und Kritiken versehene) Bereicherung fr die Weiterentwicklung des anti-revisionistischen Kampfes der marxistisch-leninistischen Weltbewegung. Wir weisen darauf hin, dass man sich nicht so wie Bill Bland es getan hat auf das Zusammentragen von Quellenmaterial ja nicht einmal auf Tatsachenmaterial beschrnken darf, sondern dass ein Marxist-Leninist darauf achten muss, das zusammengetragene Material theoretisch zu analysieren und wissenschaftlich zu verallgemeinern, um die objektiven Gesetzmigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung in der Periode des Stalinismus nachzuweisen und daraus Schlsse im Dienste des aktuellen weltrevolutionren Befreiungskampfes des Proletariats zu ziehen. Eben dies ist der schwache Punkt bei Bill Bland.
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Zu diesem Ergebnis ist die Komintern/ML mit ihren Nachforschungen gekommen, die wir im Folgenden ausfhrlich wenn auch noch nicht erschpfend - dargelegt haben. Wir mssen uns weiter mit den Schriften Bill Blands auseinandersetzen, knnen hier noch keinen endgltigen Schlussstrich ziehen, dafr ist sein Material viel zu umfangreich. Fehlerhaft ist auch unsere Einschtzung auf Grund eigener unzureichender Informationen. Aber nur deswegen weiter zu schweigen, das kann die marxistischleninistische Weltbewegung nicht vorwrts bringen. Wir mssen endlich unsere Meinung sagen, auch wenn wir uns unserer Schwchen bewusst sind. Wir sind jetzt nicht zuletzt an Hand der Schriften Bill Blands - selber erst in der Lage, die Ideologie des Berijanertums aufzudecken. Bislang hatten wir lediglich Tendenzen wie Neo-Trotzkismus und Neo-Revisionismus festgestellt, was ja durchaus der Wahrheit entspricht. So weit uns bekannt ist, sind wir hiermit die Ersten und damit die bislang Einzigen auf der ganzen Welt, die die Ideologie und mit ihr den Begriff des Berijanertums berhaupt als solchen benannt haben. Wir befassen uns deswegen nicht nur damit, was wir am Berijanertum fr falsch halten, sondern weisen auch auf seinen klassenbedingten Ursprung und seine gesellschaftliche Funktion hin, um verstndlich zu machen, was Berijanertum wirklich in der Praxis bedeutet. Immerhin haben wir in Abgrenzung von der Alliance-Kanada und der ISML im Jahre 2000 unsere Komintern / ML gegrndet, haben wir den Genossen Enver Hoxha in den Rang eines 5. Klassikers des Marxismus-Leninismus gehoben, um den Marxismus-Leninismus besser zu verteidigen, um den Stalinismus besser zu verteidigen. Und in den zurck gelegten Jahren haben wir versucht, einiges zur Verteidigung des MarxismusLeninismus, zu seiner Weiterentwicklung in Richtung Weltrevolution beizutragen. Wir waren also trotz unseres winzigen Daseins bemht, unseren ideologischen bescheidenen Beitrag zur Strkung der marxistisch-leninistischen Weltbewegung zu leisten, ihr den Weg aus der Krise zu weisen, so gut wir es nur konnten. Wir haben uns im Kampf von diesen ISML-Leuten immer schrfer abgegrenzt, haben unseren eigenen Weg dadurch immer klarer vor Augen gesehen, haben uns eine eigenstndige weltrevolutionre, marxistisch-leninistische Position erarbeitet, obwohl wir bis jetzt von der Existenz des Berijanertums keinen blassen Schimmer hatten. Unsere Theorie ist jetzt stark genug geworden, um die ISML und ihren ideologischen Dunstkreis als anti-marxistisch-leninistische Strmung in der marxistischleninistischen Weltbewegung anzugreifen und zu entlarven. Wir rechnen hier jetzt mit diesen Leuten ab. Mag sein, dass wir bei der Aufdeckung des Berijanertums um ein oder anderes Mal daneben gehauen haben, aber schwer getroffen haben wir diese feindliche Ideologie ganz sicherlich. Man kann den Marxismus-Leninismus nicht widerlegen, auch nicht auf dem Boden des Marxismus-Leninismus. Diesen Zahn haben wir den modernen Revisionisten bereits gezogen. Entscheidend ist hier jetzt das Aufspren des Berijanismus. Das Fokussieren auf die Person Berijas macht leider eine berbewertung seiner historischen Rolle unvermeidlich, wofr wir um Verstndnis bitten, denn nur mit erhhter Aufmerksamkeit bezglich seiner verbrecherischen Taten werden wir die ideologische Gefahr des Berijanertums erkennen und zerschlagen knnen, werden wir solche Fehler der ersten Periode des Sozialismus berwinden und aus den gemachten Erfahrungen von damals richtige Schlussfolgerungen ziehen. Wir sagen es ganz offen und wir werden das niemals zurcknehmen: Berija hat nicht aus eigener berzeugung gehandelt, sondern wurde von einer fremden Hand gegen Stalin gelenkt , von der brgerlichen Ideologie und ihren bezahlten Adepten. Berija ist von allen mglichen brgerlichen Positionen berfhrt worden, ob nun von den Positionen Chruschtschows oder anderer brgerlicher Positionen (- zu denen nicht zuletzt die brgerliche Position der heutigen Berijaner selbst gehrt, nmlich dass Berija angeblich ein Marxist-Leninist gewesen sei). Es gibt auch revisionistische Stimmen, die Berija genauso kritisieren wie Chruschtschow, um sich in ein antirevisionistisches Licht zu stellen (siehe website: red channel, Artikel in englischer Sprache: The Carrierist-Revisionist Berija). All das hatte uns auf die falsche Fhrte gefhrt. Es gibt nur einen mar-
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xistisch-leninistischen Standpunkt, mit dem man den Schleier lftet, hinter dem sich die Berijaner nach Berijas Tod zu verbergen suchen das ist der marxistisch-leninistische Standpunkt der 5 Klassiker Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha. Erst jetzt haben wir angefangen, uns darber bewusst zu werden, mit welchem gefhrlichen Gegner es Stalin in seiner nchsten Nhe zu tun gehabt haben musste. Mit unserer Kritik an Berija haben wir Stalins titanenhafte marxistischleninistische Gre noch besser erkannt. Berija seiner Verbrechen anzuklagen ist nicht schwer. Das haben auch schon Andere vor uns gemacht. Darum allein geht es uns nicht, uns geht es um das Berijanertum, um die ideologischen Wurzeln. Wenn man nicht das Berijanertum vernichtet, dann geistert der Irrglaube ber diesen angeblichen Marxisten-Leninisten ungehindert weiter umher. Ja, indem dieser Irrglaube stndig aufs Neue geschrt wird, werden nur noch mehr Genossen davon gerhrt, ihn vor seinen Chruschtschowianischen Beschuldigungen instinktiv in Schutz zu nehmen. Dass wir Stalin vor den Chruschtschowianern in Schutz nehmen, dass Chruschtschow Berija erschieen lie und wir deswegen unwillkrlich Berija auch in Schutz nehmen wrden, (nmlich ohne Berija kritisch unter die Lupe zu nehmen !!), - genau hierauf spekulieren die Berijaner ja, nmlich darauf, dass sie von uns sehr wohl wissen: Die Stalinisten verteidigen Stalin gegen die Dreckschleudern der brgerlichen Propaganda. Und so haben sich dann die Berijaner die Aufgabe gestellt, uns Stalinisten den Marxisten-Leninisten Berija als Kuckucksei ins Nest zu legen. Die Berijaner verfolgen dabei das Ziel, dass uns der in einer marxistisch-leninistischen Eierschale verborgene Feind aus unserem eigenen Nest rausschmeit, sobald wir ihn stark genug hochgepppelt haben. Das Berijanertum ist also eine parasitre Ideologie, die man dem Stalinismus einzupflanzen versucht hat, um diesen schon von innen in seiner Weiterentwicklung zu zerstren. Das Berijanertum als Ideologie zu berwinden, ist also viel schwerer, viel komplizierter, aber um so notwendiger und effektiver als sich nur mit der Kritik an der Person Berijas zu begngen. Wenn man es also versumt, den Boden der berijanischen Ideologie tief und grndlich umzupflgen, werden immer wieder neue Berijas aus der Erde hervor wachsen, die von uns Marxisten-Leninisten in gutem Glauben gehegt und gepflegt werden, wodurch aber das Wachstum des Marxismus-Leninismus, das uns am Herzen liegt, keine Chance mehr bekommt. Wir sind also noch selber dran Schuld, wenn wir uns pltzlich in den Hnden des Klassenfeindes befinden. Diesen Gefallen haben wir auch Mao nicht getan mit seiner Losung: Lasst 1000 Blumen blhen! Wir reien dem Berijanertum, das sich mit seiner Aura der Nhe zu Stalin umgeben hat, die Wurzeln aus, um es auf den Misthaufen der Geschichte zu werfen. Die Wahrheit verschweigen und von ihr ablenken durch Verwischen von Spuren, durch Anlegen falscher Fhrten das ist die Methode des Geheimdienstchefs Berija, die die Berijaner von ihm abgeguckt haben. Man kann aber den Marxismus-Leninismus nicht berlisten, man kann ihn nicht willkrlich manipulieren oder ihn gar geheimdienstlich behandeln. Auch Stalin ist dem Berija auf die Schliche gekommen, aber da war es schon zu spt. Der Marxismus-Leninismus ist nicht dazu da, um die Spuren unserer Gegner zu verwischen, sondern um sie aufzudecken! Man kann versuchen, die Marxisten-Leninisten einer berijanischen Gehirnwsche zu unterziehen, aber man kann den Marxismus-Leninismus selbst nicht einer Gehirnwsche unterziehen. Und damit endet dann auch schon die ganze Herrlichkeit des Berijanertums, was die Berijaner um so wtender macht. Den Marxismus-Leninismus kann man weder hinter sozialfaschistische Gitter stecken und ihm dort Gestndnisse ablocken, noch kann man eine Suberungsaktion gegen den MarxismusLeninismus vornehmen. Die Wahrheit lsst sich nicht verbieten, lsst sich nicht wegsubern, sie ist unzerstrbar, unsterblich. Der Marxismus-Leninismus richtet sich immer gegen denjenigen, die ihn missbrauchen mssen, um die Befreiung des Weltproletariats, um den Weltkommunismus zu bekmpfen. Wir von der Komintern / ML haben den Mut, offen als Anklger aufzutreten und vor der ganzen marxistisch-leninistischen Weltbewegung, vor dem ganzen Weltproletariat die volle Verantwortung fr eine solche Anklage gegen Berija und das Berijanertum zu bernehmen! Dies ist
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in jeder Hinsicht fr uns ein schwerwiegender Schritt, aber der einzig prinzipienfeste, revolutionre Weg. Lgenmrchen ber Berija aber sind billig; Prinzipienlosigkeit kostet nichts. Sollen die Berijaner mit ihrer Prinzipienlosigkeit ruhig untergehen. Aber wir erlauben niemandem , sich mit seinen Lgenmrchen hinter Stalins Rcken zu verstecken, um uns von dort aus mit der Maske Stalins anzugreifen! Wir versuchen mit Kritik und Selbstkritik aus unseren Fehlern zu lernen. Es ist nie zu spt aus seinen Fehlern zu lernen. Allerdings ist die Kritik vollkommen berechtigt, warum wir so lange dafr gebraucht haben zumal wir uns als treue Stalinisten verstehen. Wir hoffen, unsere strflich vernachlssigte marxistisch-leninistischen Wachsamkeit durch diesen lngst berflligen Schritt zu berwinden. Wir wnschen uns aufrichtig, dass alle anderen Genossen aus unseren Fehlern lernen mgen, nmlich sich ber den tdlichen Unterschied zwischen wahrer Treue und geheuchelter Treue zu Stalin vollkommen bewusst zu werden, diesen Unterschied aufzudecken und die Drahtzieher der Vertuschung dieses Unterschiedes zu verurteilen. Und, liebe Genossen, dies gilt nicht nur gegenber Stalin, sondern gegenber all unseren geliebten Fhrern der kommunistischen Weltbewegung, gilt gegenber der ganzen Weltanschauung des Weltproletariats, gilt auch gegenber den Genossen Enver Hoxha. Fr Berijanertum gibt es unzhlige Beispiele. Geheuchelte Treue ist die eine Sache, offener Treuebruch und offener Verrat eine andere Sache. Beides geht Hand in Hand, aber das Eine ist viel schwieriger zu durchschauen als das Andere. Uns hierber Klarheit zu verschaffen, das waren wir Stalin schon lange schuldig und wir sind ehrlich froh und erleichtert, dass wir uns aus der Umklammerung dieser Ideologen endlich befreien konnten, dass wir Stalin ein Stck aus dem Verrat des Berijanertums befreien konnten und ihm dadurch etwas nher gekommen sind. Mit dem Kampf gegen das Berijanertum haben wir uns nach 40 Jahren Kampf fr den Stalinismus unseren stolzen Namen, Stalinisten, ehrlich verdient. Ohne Berija wren die Chruschtschowianer wohl nicht so leicht an die Macht gekommen. Berija hat ihnen erst den Weg dazu geffnet. Bis zu seinem Tod war Berija der grte und brutalste Antistalinist der UdSSR. Das Berijanertum von heute ist in seine antistalinistischen Fustapfen getreten. Stalin verteidigen, das heit fr uns daher: nicht beim Kampf gegen die Chruschtschowianer stehen zu bleiben, sondern unseren Kampf gegen das Berijanertum fortzusetzen. Der Kampf gegen den modernen Revisionismus schliet den Kampf gegen die Wegbereiterrolle des Berijanertums nicht aus, sondern setzt ihn voraus. Wie kann man denn sonst wirklich den Revisionismus bekmpfen, wenn man seine Aufmerksamkeit nur einseitig auf die eine Hand lenkt, mit der Berija von den Chruschtschowianern erschossen wurde und nicht bemerkt, was die andere Hand der Chruschtschowianer machte, die sich nmlich in Wahrheit schtzend ber das am Leben gelassene Berijanertum gelegt hatte. Den hinterlistigen Fuchs Berija konnten die Chruschtschowianer nicht vom Teilen seiner Beute berzeugen. So zogen sie ihm das Fell ber die Ohren, denn damit konnten sie sich viel besser tarnen als mit ihrem eigenen verlausten Pelz. Das Prinzip, das dahinter steckt, hatte Lenin seinerzeit aufgedeckt. Oder besser gesagt, Lenin hat konterrevolutionren Spionen auf die Finger geklopft. Sie hoben aus ihrem Nhkstchen hervor, dass es taktisch unklug sei, die marxistische Organisation vollstndig zu zertrmmern, weil man bei deren Wiederaufbau erst wieder neu eindringen muss. Vorteilhafter ist die Beibehaltung einer marxistischer Organisation, da man sie dadurch weiter von innen kontrollieren und lenken kann, ohne dass irgendjemand Verdacht schpft. So arbeiteten die Berijaner in unseren Reihen. Warum versucht das Berijanertum seine geheuchelte Treue zu Stalin ber seinen Tod hinaus als ehrliche Treue lebendig zu halten ? Um sie den treuen Marxisten-Leninisten unterzujubeln, um das an Stalin exerzierte gemeine Beispiel an uns zu wiederholen. Wer, wie die Berijaner, den Mrder Stalins zum stalintreuen Marxisten-Leninisten macht, macht sich selber zum Feind Stalins, macht sich zum anti-stalinistischen Helfershelfer des Revisionismus, ist eine erbrmliche Kreatur des Lakaientums gegenber dem Weltimperialismus. Wer Berija verteidigt, stellt sich gegen Stalin. Wer das Berijanertum verteidigt, stellt sich gegen den Stalinismus. Wer sich gegen den
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Stalinismus stellt, hat in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung nichts zu suchen und gehrt auf die andere Seite der Barrikade, steht im feindlichen Lager, das wir vernichten. Die Berijaner haben sich recht geschickt unseren marxistisch-leninistischen Hass auf den Chruschtschowismus zunutze gemacht- sind unter unserer Flagge mit gesegelt, nicht etwa damit wir am Heiligenschein von ihrem Berija mit putzen, sondern damit wir ihnen helfen, den Marxismus-Leninismus durch das Berijanertum zu ersetzen natrlich im Namen des MarxismusLeninismus. Diesen Gefallen haben wir den Berijanern nicht getan, wir haben sie an den Pranger der marxistisch-leninistischen Weltbewegung gestellt an den einzigen Platz, wo sie hingehren. Genosse Enver Hoxha hat die marxistisch-leninistische Weltbewegung im Kampf gegen die Titoisten, gegen die Chruschtschowianer, gegen die Maoisten, gegen die Eurokommunisten, gegen den modernen Revisionismus rehabilitiert und sie auf eine hhere Stufe gehoben. Die Komintern / ML wird die marxistisch-leninistische Weltbewegung im Kampf gegen die Berijaner, gegen die Neo-Trotzkisten,gegen den Neo-Revisionismus rehabilitieren und sie im Geiste Enver Hoxhas auf eine hhere Stufe heben ! Der Kampf zur Rehabilitierung der marxistisch-leninistischen Weltbewegung wird permanent weiter gehen ! Die marxistisch-leninistische Weltbewegung ist strker als alle ihre Feinde zusammen genommen ! Der ideologische Kampf gegen den modernen Revisionismus bleibt immer aktuell, bleibt immer eine erstrangige Aufgabe, die bis zu Ende gefhrt werden muss, bis zu seiner vollstndigen Zerschlagung (Enver Hoxha, VI. Parteitag der PAA). Mit der Erschieung Berijas konnten die Chruschtschowianer alle ihre eigenen Verbrechen am Proletariat bequem in sein Grab versenken. Die Person Berijas zu beseitigen, bedeutet aber nicht, dass damit seine Ideologie, der Geist des Berijanertums beseitigt ist ! Das Berijanertum blieb den modernen Revisionisten indes erhalten als sicherer Wegweiser fr die Restauration des Kapitalismus, als eine Reserve-Tarnkappe im Kampf gegen den Marxismus-Leninismus. So konnte das Berijanertum mit Hilfe der Chruschtschowianer weiterleben, um uns Stalinisten zu desorientieren, sogar noch 17 Jahre nach dem endgltigen Aus der Sowjetunion ! Dies ist ein wirklich gefhrliches Scheinmanver der Sowjet-Revisionisten und alles Andere als etwa eine Schmlerung der Verbrechen der Chruschtschowianer an Stalin und an der kommunistischen Weltbewegung. Die Argumente Chruschtschows gegen Stalin sind zweifelsfrei wesensgleich mit den Argumenten der Berijaleute gegen uns Marxisten-Leninisten, nur dass die Einen ihre Argumente hinter dem Feigenblatt des Leninismus und die Anderen ihre Argumente hinter dem Feigenblatt des Stalinismus verdeckt halten ! Chruschtschow vermochte Berijas Kopf abzuschlagen, aber das Berijanertum knnen nicht etwa die modernen Revisionisten selbst, sondern nur wir MarxistenLeninisten besiegen ! Der Revisionismus kann niemals von Revisionisten geschlagen werden und wenn sie noch so sehr ihren Anti-Revisionismus beteuern und uns noch so sehr als Sektierer und Dogmatiker zu diffamieren versuchen ! Die wahren Sektierer und Dogmatiker sind sie selbst die Berijaner! Ihr Fehler ist nur, dass sie von sich auf Andere schlieen. Chruschtschow war nur einer der Kpfe der Hydra Berijas ! Schlgt man seine revisionistische Ideologie ab, so wachsen der Hydra neue Kpfe nach. Insofern bedeutete der von Chruschtschow abgeschlagene Kopf Berijas nicht wirklich den Tod der Hydra, sondern ganz im Gegenteil, verschaffte sich die Hydra damit fr sich selber die besten Tarnkappen, die es fr sie geben konnte,
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um ihr revisionistisches Unwesen bis heute unerkannt und unbeschadet fortzusetzen ! Sollen die Marxisten-Leninisten ruhig glauben, dass die Hydra erledigt sei, mgen sie ruhig dem Chruschtschowismus den Kopf abschlagen, der moderne Revisionismus wird dank Berijanertum berleben. Die Berijaleute glaubten sich also sicher! Bis wir ihnen begegneten ! Erinnert ihr euch, Genossen ? Stalins Kurzer Lehrgang endete mit einer Metapher aus der griechischen Mythologie, nmlich dass die Bolschewiki unbesiegbar sind, wenn sie - wie Antus mit der Mutter Erde - also mit den Massen, verbunden bleiben. Was tat Berija ? Er lauerte Stalin auf. Und in einem schwachen Moment ermordete er ihn. Damit machte er das Sowjetland, die Partei, den Staat, die Armee, die Diktatur des Proletariats, das Weltproletariat fhrerlos und gab den Weg frei zur Unterwerfung des Sozialismus unter den Kapitalismus. Berija griff nach dem Schlssel der Unbesiegbarkeit der bolschewistischen Fhrung und die Hydra rief: Ich habe ihn erledigt ! Ich habe euch alle gerettet! (Berija, 1. Mai 1953). Wir beziehen uns auf Stalins Tochter Swetlana, die Berija treffend als Hydra bezeichnete und wollen mit dieser Metapher Stalins Reise in die griechische Mythologie weiter folgen, nmlich wie Herkules die Hydra ttete: Hydra, diese hinterhltige, grausame Schlange, drang aus ihrem gut getarnten Versteck unverhofft aufs Land vor, erwrgte und verschlang Menschen und setzte das Volk so in Schrecken, dass die ganze Gegend allmhlich verdete. Berija war so eine Hydra, die sich der Sowjetunion bemchtigte von ihrem sichersten Versteck aus, nmlich welches sich hinter Stalins Stuhl befand. Sie drang durch Stalin hindurch, um die unliebsamen sowjetischen Menschen zu erwrgen und sie in ihren Konzentrationslagern zu verschlingen. Berija versetzte das sowjetische Volk in Schrecken. Das Sowjetland wurde in eine de, verarmte Gegend verwandelt. Chruschtschow war kein Herkules, und so wurde der Hydra nur der eine Kopf abgeschlagen. Sie kroch wohlbehalten in ihr Versteck hinter Stalin zurck, um sich erneut auf die Brger zu strzen, sobald diese den Schrecken der Hydra vergessen und ihren Sozialismus wieder im Geiste Lenins und Stalins aufgebaut haben. Herkules schoss brennende Pfeile in ihre Hhle, um sie heraus zu locken. Bse zischend schoss sie auf ihn zu, aber er packte sie und umklammerte sie mit eisernem Griff unterhalb ihres neunfachen Rachens. Ihren Riesenleib schlang sie da um ihn, aber Herkules gab nicht nach. Nun nahm er die Sichel, die er im Grtel hatte und hieb ihr einen Kopf nach dem Anderen ab, aber immer wuchsen fr einen Kopf zwei andere nach. Mit einer Fackel brannte Herakles [griechisch] Stumpf auf Stumpf aus, bevor wieder ein neuer Kopf hervorschieen konnte. Mit einer Faust hielt er die Bestie fest. Zuletzt blieb nur noch der neunte Kopf, der mittlere brig, den er gleichfalls abschlug, der aber weiterlebte und ihn immer wieder ansprang. Aber er ergriff ihn und vergrub ihn in einem tiefen Erdloch, ber das er einen schweren Fels wlzte. Darunter rumorte nun der Kopf, aber der Stein war zu schwer. Den Rumpf der Schlange zerstckelte er, und in sein giftiges Blut tauchte er seine Pfeile. Die Wunden, die sie stachen, waren unheilbar. Was sagt uns Stalinisten das? Das Weltproletariat muss dem Herkules gleich brennende Pfeile des Anti-Berijanertums in die Hhlen der Berijaner schieen, um die Schlange des Verrats aus der Reserve zu locken. Dabei darf es keine Furcht haben, durch alle Masken von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha hindurch zu schieen, hinter denen sie all ihre Kpfe verbirgt zu unserer Abschreckung und ihrem Schutz. Das Weltproletariat darf weder zgern noch zittern wie ein Hase vor der Schlange ! Das Weltproletariat muss restlos alle Verrter auf der ganzen Welt an ihrem Kragen packen und darf keinen von ihnen wieder loslassen. Die Sichel symbolisiert die armen Bauern, mit deren Hilfe die Arbeiter den Verrtern den ideologischen Kopf abschlagen mssen. Die Fackel symbolisiert den Marxismus-Leninismus. Damit muss die Ideologie des Verrats mit Stumpf und Stiel ausgebrannt werden, bevor sie nachwachsen kann. Die werkttigen Massen, die Vlker der Welt verschmilzt das Weltproletariat zu einem riesigen Fels, unter
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dem der neunte Kopf, der zentristische Kopf der Hydra begraben wird. Das giftige Blut der Verrter aber benutzt das Weltproletariat, um damit die Konterrevolution selbst unheilbar zu vergiften. In der Vernichtung des globalen Verrats am Kommunismus, darin liegt der Schlssel der Unbesiegbarkeit des Weltbolschewismus. Die Verrter am Kommunismus - das sind die bezahlten Agenten des Weltimperialismus ! Und zu seinen ideologischen Schreiberlingen und Lakaien dazu gehren die Berijaner ! Entstalinisierung beginnt mit der Verhinderung der Offenlegung, also mit der Geheimhaltung der vollstndigen Dokumente und Schriften Stalins. Wir fragen euch, Genossen: Wer hatte Zugang ? Wer war denn fr die sowjetischen Archive verantwortlich? Wer berwachte sie? Wer konnte sie manipulieren oder vernichten? Wer konnte Stalins Dokumente verflschen oder verschwinden lassen ? Wer konnte die Verbrechen an Stalin, am russischen Volk, an den Vlkern der Sowjetunion verschwinden lassen ? Wer konnte seine eigenen Spuren verwischen ? Wer beaufsichtigte die Amnestien und Rehabilitationen nach Stalins Tod ? Das konnte nur ein Minister, dem das Innenministerium und smtliche Geheimdienste unterstehen das konnte nur Berija ! Und er konnte es nicht nur, sondern er tat es und zwar noch genau am selben Tag als Stalin im Sterben lag ! Und die Akte Berija selbst ? Sogar bis hin zu Gorbatschow blieb die Akte Berija angeblich unauffindbar (?!). Das Geheimnis des Berijanertums wird immer noch sorgsam vom ehemaligen KGB gehtet. Von wem? Von immer noch aktiven Berijanern ! Immer noch ist der geheimnisvolle Geist Berijas im heutigen russischen Staat allgegenwrtig. Selbst brgerliche Historiker beklagen sich ber die lckenhafte, sprliche Herausgabe von Dokumenten aus den Archiven. Wer entscheidet darber, was herausgegeben werden darf und was nicht ? Brisante historische Tatsachen werden weiterhin strengstens unter Verschluss gehalten. Ja, historische Dokumente wurden in Moskau dem Flammenmeer preisgegeben ! Wer sind die Brandstifter ? Was haben sie zu verbergen ? Warum gibt es nirgends den Redebeitrag von Stalins Sekretr Poskrebychew auf dem XIX. Parteitag?! Darin soll ber die Wachsamkeit die Rede gewesen sein und ber die Rolle der USA im Kampf gegen den Bolschewismus. Vermutlich war das Stalins Rede oder zumindest unter seiner Anleitung geschrieben. Von den Revisionisten unterschlagen? Es wird Zeit, Genossen, dass die Welt die ganze Wahrheit ber Berijas weltweites konterrevolutionre Netzwerk erfhrt ! Die Wahrheit ber Berija ist einer der vielen Schlssel zur Wahrheit ber Stalin ! Das Weltproletariat will die Wahrheit wissen, nichts als die volle, die reine, die ganze Wahrheit !!!! Hat es je einen Berijaner gegeben, der sich fr die Verbreitung der Werke Stalins, fr die Offenlegung der Dokumente Stalins eingesetzt htte ? Nein, die gibt es nicht und wird es auch nicht geben. Sie begngen sich damit, Stalin aufzuarbeiten - an Hand des (nicht etwa von ihnen, sondern von brgerlichen Historikern) offen gelegten Materials, um damit im Trben zu fischen ! Die Werke Stalins haben wir Stalinisten nach dem Verrat der modernen Revisionisten in mhseliger Arbeit verbreitet nicht die Berijaner und sie haben sehr wohl ihre guten Grnde dafr, uns zu hassen ! Genossen, nun sind Millionen Dokumente aus den Archiven der Sowjetunion angeblich offen gelegt worden. Darber wurden wiederum Millionen brgerliche Beurteilungen und Kommentare verfasst. Ein Wust von Desinformation. Das Weltproletariat und wir Kommunisten haben dazu nur eine klitzekleine Frage: Wenn so viel aufgetaucht ist, wieso sind da keine Dokumente von Stalin mit dabei? Warum sind die fehlenden Schriften Stalins nunmehr 55 Jahre (!!!) nach seinem Tod - immer noch unter Verschluss oder verschollen? Warum muss man um jedes einzelne stalinsche Dokument einen unnachgiebigen, zhen Kleinkampf fhren? Wer hat ein Interesse daran, die Werke Stalins nicht endlich einmal vollstndig der ganzen Welt freizugeben? Wenn das keine Zensur ist, was dann? Darf sich die ffentlich-
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keit denn ber Stalins Schriften selber keine eigene Meinung bilden? Braucht die ffentlichkeit die Hilfe von historischen Fachleuten, um zu verstehen, was Stalin gesagt, geschrieben und gemeint hat? Oder frchtet man sich, dass alle Lgenmrchen des Antistalinismus wie ein Kartenhaus zusammenstrzen wrden, wenn man Stalin selber zu Wort kommen liee ? Lauter berechtigte Fragen oder? Gibt es denn einen greren Skandal in der brgerlichen historischen Wissenschaft, einen Skandal der Weltherrschaft des Kapitals, als die Geheimhaltung der vollstndigen Schriften Stalins??!! Allein diese Geheimniskrmerei bedeutet ein Schaden fr unsere kommunistische Sache in den Augen der Proletarier. Ohne vollstndige Verffentlichung smtlicher Werke Stalins knnen wir Stalin nicht vollstndig verteidigen, kann er sich nicht selbst vollstndig verteidigen ! Die erste Forderung, die wir Stalinisten also unbedingt zu stellen und zu erfllen haben, das ist die vollstndige Freigabe aller Dokumente nicht nur ber Stalin, sondern zu allererst ja wohl die Freigabe all jener uerungen, die aus seinem eigenen Mund und aus seiner eigenen Hand stammen. An seinen eigenen Aussagen, an seinen eigenen Schriften soll man Stalin messen und beurteilen knnen. Solange diese Forderung nicht restlos erfllt ist, bleibt auf der brgerlichen Wissenschaft ein riesengroer Schandfleck haften, womit sie selber an allen ihre wissenschaftlichen Arbeiten ber Stalin das sie selbst entlarvende Etikett der Unglaubwrdigkeit und Unseriositt geklebt haben. Sie fhren die Lakaiendienste ihrer Auftraggeber aus und diese bleiben dabei im Hintergrund. Und diese Schande, diesen Skandal, vermgen die wissenschaftlichen Lakaien des Kapitals niemals mehr von sich rein zu waschen. Die andere Sache ist die, dass wir hier vor und nach Stalins Tod nur lcken - und fehlerhaft schreiben knnen ein wichtiger Grund, warum Stalin zensiert wird. Auf jeden Fall sind wegen Mangel an Stalins Dokumenten eine Menge weiterer Korrekturen und berarbeitungen unserer eigenen Auffassungen unvermeidlich. Um so befremdlicher ist die Tatsache, dass es im Lager der Marxisten-Leninisten auer uns von der Komintern / ML und der KPD/ML des Genossen Ernst Aust) nur Wenige in der Welt gibt, die diese grundlegende Forderung der Freigabe berhaupt aufgestellt haben. Unsere Genossen haben sich seit 40 Jahren redlich bemht, die Werke Stalins zu verffentlichen (Band 1 17 haben wir in deutscher Sprache bereits herausgegeben!!) und wir tun heute alles, um fehlende Dokumente zusammenzutragen und zu verffentlichen. Nehmen wir das sagenumwobene Plenum des ZK der KPdSU nach dem XIX. Parteitag Oktober 1952. Stalin hat dort viele Stunden lang mit groer Leidenschaft ein wichtiges politisches Statement (wohl sein wichtigstes berhaupt!!) bekannt gegeben. Darin sind die Schicksalsfragen der Zukunft der UdSSR und des Kommunismus behandelt worden. Darin uerte er sein Meinung ber die Zukunft des Kommunismus nach seinem Tod. Stalin hat in seiner Kritik an ausnahmslos allen Prsidiumsmitgliedern kein Blatt vor den Mund genommen. Seine Kritik vor den Ohren der Zuhrer war fr diese so niederschmetternd, dass sie erstarrten und verstummten. Sie konnten auf dem XIX. Parteitag nicht Stalins Kritik an der Restauration des Kapitalismus verhindern, weil er sie damit erst einen Tag zuvor berrumpelt hatte. Also verhinderten sie nun die Bekanntgabe seines Feldzuges gegen die Restauration des Kapitalismus in der UdSSR, um dessen welthistorische Bedeutung fr den Kommunismus totzuschweigen. Welch eine Unverfrorenheit ! Erinnern wir uns, wie die ganze antibolschewistische Welt mit Lenins angeblichen Testament ihren schmutzigen Zeigefinger auf Stalin richtete ! Welch eine feige Bande von Verbrechern, die Stalins politische Abschiedsrede mit in sein Grab versenkten ! Verrat auf der ganzen Linie Verrat beim Amtsantritt des 4. Klassikers des Marxismus-Leninismus und Verrat an ihm am Tag der Bekanntgabe seines Rcktritts !!! Verrat, Verrat, Verrat ! Gebt Stalin seine politische Abschiedsrede zurck !! Rckt sie uns raus !!! Sie gehrt nicht euch Verrtern am Kommunismus ! Sie gehrt allen Menschen auf der Welt, fr deren Befreiung Stalin gekmpft hat und fr deren Befreiung wir weiter kmpfen !!!! Kmpft so lange, bis die Stalinwerke endlich vollstndig verffentlicht sind !!!!
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Es ist also die Tatsache gut nachvollziehbar, dass ber diese historische Periode - vor und nach Stalins Tod - immer noch relativ wenig wirklich marxistisch-leninistische Literatur in die ffentlichkeit gelangt ist, die sich auf authentische Dokumente Stalins sttzen kann in unserem Fall speziell vor dem Hintergrund der heutigen Kaukasus Ereignisse... und das bei einer sintflutartigen berschwemmung von antikommunistischer, verwissenschaftlichter, fundierter Dokumentenforschung nach dem Jahr 1991. Tatsache ist ferner, dass diese marxistisch-leninistische Literatur noch nicht einmal zu einheitlichen und geschlossenen Schlussfolgerungen gekommen ist, dass vielmehr die unterschiedlichsten, ja widersprchlichsten Standpunkte und Meinungen herauskamen, die mit neu dokumentierten Enthllungen und einigen Halbwahrheiten angereichert und dann mit altem wie neuem anti-stalinistischen Gedankengut krftig durchgemischt worden sind, um die Marxisten-Leninisten damit zu verwirren, so wie es auch die Berijaner treiben. Es bleibt fr uns also die groe Sisyphusarbeit, die Spreu vom Weizen zu trennen. Alles in allem schrt die Weltbourgeoisie ihren brodelnden Kessel voll eklektisch-zher, revisionistischer Lavamasse, die sich ber die marxistisch-leninistische Weltbewegung ergiet, um die wirklich kommunistischen, also unsere eigenen (!) Dokumente ber unsere Geschichte nach dem Erkaltungsprozess frmlich einzubetonieren sie fr immer fr das Weltproletariat unzugnglich zu machen. Der hier von uns vorgelegte Text ist Beweis genug dafr, dass wir uns, dass sich das Weltproletariat noch lngst nicht vollstndig vom Einfluss des modernen Revisionismus, vom Trotzkismus und anderen stalinfeindlichen Einflssen - wie hier im Falle des Berijanertums - befreit haben, dass der Kampf gegen den modernen Revisionismus immer noch ein internationaler Klassenkampf auf Leben und Tod ist, dass er mhselig und entschlossen ausgefochten und gewonnen werdenund auch dann noch jahrzehntelang fortgesetzt werden muss. Aber die Dialektik der antikommunistischen Konterrevolution wurde auf schlummernden Vulkanen der Weltrevolution errichtet, die um so heftiger zum Ausbruch kommen, je mehr man ihren Ausbruch zu verhindern sucht. Der Vulkan der Oktoberrevolution war nach Jahrzehnten gerade noch mal von der konterrevolutionren Weltfeuerwehr mit Hilfe des revisionistischen Lschmittels unter Kontrolle gebracht, jedenfalls hoffte die Konterrevolution das. Aber mit der ausgeklgelsten Beherrschung der Gesetzmigkeiten der Konterrevolution lassen sich die Gesetzmigkeiten der Revolution nun mal nicht auer Kraft setzen. Im Gegenteil: unter einer globalen Konterrevolution muss sich die Oktoberrevolution in eine globale Weltrevolution verwandeln, werden auf der ganzen Welt revolutionre Vulkane ausbrechen und die Konterrevolution unter ihrer heien Lava begraben. Das ist die Dialektik des Weltkommunismus ! So hat die Konterrevolution auch die Wahrheit ber Stalin mit Lgen zuzuschtten versucht, mit dem Ergebnis: der Vulkan des Stalinismus bricht nunmehr global aus und er wird den Antistalinismus unter seiner gewaltigen Lavamasse begraben ! Wer sich weigert, vom Stalinismus, von Stalinisten, zu sprechen, der soll das tun. Bitte sehr. Das bleibt jedem selber berlassen. Aber wir Genossen von der Komintern / ML verachten diese Haltung als kapitulantenhaft gegenber dem Anti-Stalinismus der Bourgeoisie. Wenn man sich nicht Stalinist nennen will, warum nennt man sich dann Marxist ? Das ist doch inkonsequent. Damit diffamiert uns die Bourgeoisie doch auch oder etwa nicht ? Wenn man also Marx verteidigt, dann ist man ein Marxist und wenn man Stalin verteidigt, dann soll man etwa kein Stalinist sein ? Wie soll man einen solchen unsinnigen Unterschied jemandem plausibel machen ? Das ist doch lcherlich. Ohne einen Marx gbe es keinen Anti-Marxismus ohne Stalin gbe es keinen AntiStalinismus. Wie kann man sich da zum Marxismus bekennen, aber das Bekenntnis zum Stalinismus verschweigen oder gar leugnen ? Woher mgen die Genossen wohl ihre Bauchschmerzen haben, wenn sie sich nicht trauen, sich ffentlich als Stalinisten zu bekennen ? Sie mgen darber ruhig einmal selbstkritisch nachdenken ! Wir Kommunisten nennen uns jedenfalls Stalinisten genauso wie wir uns Marxisten, Leninisten oder Hoxhaisten nennen, denn wir verschmhen es, unsere Verbundenheit mit allen Klassikern des Marxismus-Leninismus zu verheimlichen (siehe Kommunistisches Manifest von Marx und Engels)..
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Der Begriff Stalinismus wurde von der Bourgeoisie in Verruf gebracht, diente der antikommunistischen und revisionistischen Hetzpropaganda, aber sie verfngt historisch nicht und konnte das auch ebenso wenig beim Marxismus oder beim Leninismus. Schon zu Stalins Zeiten betrachteten sich die Genossen nicht nur in der Sowjetunion, sondern in der ganzen Welt als Stalinisten, war der Name Stalinist ein Ehrenname und das wird er bleiben, auch und gerade unter dem Druck der antistalinistischen Hetze. Insbesondere mit dem Kampf gegen den modernen Revisionismus bildete sich eine neue marxistisch-leninistische Weltbewegung heraus, die sich vor allem auf die Lehren Stalins sttzte und sie als eigenstndige Lehren des 4. Klassikers des Marxismus-Leninismus begriff. Die Lehren der 4 Kpfe waren schlielich die Lehren, von denen sich die Marxisten-Leninisten von allen anderen brgerlichen Strmungen innerhalb der kommunistischen Bewegung ideologisch abgrenzten. Mit den 4 Kpfen fhrte die marxistisch-leninistische Weltbewegung unter Fhrung des Genossen Enver Hoxha den Kampf gegen den modernen Revisionismus. Mit der Verteidigung Stalins verteidigten wir den Marxismus-Leninismus gegen den modernen Revisionismus. Stalin ist und bleibt ein Prfstein, eine Demarkationslinie. Man muss Stalin als 4. Klassiker der Marxismus-Leninismus verteidigen, anders kann man Stalin nicht verteidigen. Also genauso wie wir uns nicht schmen mssen, sondern stolz darauf sein knnen, uns Marxisten-Leninisten zu nennen, brauchen wir uns auch nicht als Stalinisten zu schmen und drfen zu Recht stolz darauf sein, diesen Namen zu tragen. Aber nur wer in Wort und Tat fr den Stalinismus kmpft, darf sich zu Recht Stalinist nennen, nur wer in Worten und Taten fr den Hoxhaismus kmpft, darf sich zu Recht Hoxhaist nennen und nur wer in Worten und Taten fr den Marxismus-Leninismus kmpft, darf sich zu Recht MarxistLeninist nennen. Das sind doch eigentlich alles Selbstverstndlichkeiten. Die Begriffe Leninismus, Stalinismus und Hoxhaismus sind im Wesen identisch mit dem Begriff der Weiterentwicklung der Lehren des Marxismus. Man kann nicht vom Marxismus-Leninismus sprechen und um den Stalinismus einen Bogen machen ! Es sind also alles Begriffe, die die Entwicklung und Weiterentwicklung der kommunistischen Weltanschauung, der kommunistischen Weltbewegung, im historischen Verlauf des Klassenkampfes gegen den Kapitalismus geprgt haben und weiter prgen werden (ausfhrlicher zum Thema Klassiker des Marxismus-Leninismus siehe unser Artikel: Enver Hoxha, der 5. Klassiker des Marxismus-Leninismus). In unvershnlicher Abgrenzung dazu stellen alle anderen Begriffe wie Maoismus, Trotzkismus usw. usf. lediglich brgerliche Ideologien dar, die dazu dienten und weiter dazu dienen, die kommunistische Weltanschauung der brgerlichen Weltanschauung, die kommunistische der brgerlichen Weltbewegung, anzupassen, sie zu assimilieren und sie erst einmal in die Hnde des Klassengegners gelangt gegen die kommunistische Weltanschauung, gegen das Weltproletariat und seine Revolution zu richten. Der Kopf von Mao Tse-tung wurde von Enver Hoxha aus der Reihe der Klassiker des MarxismusLeninismus verbannt, allein dafr htte Enver Hoxha damals schon als 5. Kopf aufs Banner der marxistisch-leninistischen Weltbewegung gehrt. Seit seinem Tod mussten noch einmal 15 Jahre vergehen bis die Komintern / ML im Jahre 2000 das 4 - kpfige Banner der hoxhaistischen Weltbewegung durch das 5 - kpfige Banner ersetzte. Und dieser Kampf um die 5 Kpfe ist in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung auch zehn Jahre danach noch nicht endgltig entschieden, muss er siegreich zu Ende gefhrt werden. Und so lange Hoxhaisten mit dem 4 kpfigen Banner herumlaufen, kann dieser Kampf niemals zu Ende sein. Ohne das 5-kpfige Banner war die marxistisch-leninistische Weltbewegung nach dem Tod des Genossen Enver Hoxha recht kopflos, konnten sich unter dem 4-kpfigen Banner eine Menge Revisionisten hinberretten, die mit dem Zusammenbruch der revisionistischen Sowjetunion eine neue Heimat suchten, wo sie untertauchen konnten. Seit Grndung der Komintern / ML im Jahre 2000 haben Hoxhaisten, die sich mit Neo-Revisionisten vershnt haben, in der marxistisch-leninistischen Bewegung nichts zu suchen (Anti-Revisionismus nur in Worten ist Revisionismus in Taten).
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So, wie Berija 1953 den 4. Kopf abschlug, weigern sich heute die Berijaner, den 5. Kopf anzuerkennen, womit sie sich mit jenen Opportunisten in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung auf gleiche Stufe stellen, die sich nicht von ihrem 4-kpfigen Banner trennen wollen. Enver Hoxha nicht als 5. Klassiker des Marxismus-Leninismus anzuerkennen, darin sind sich heute alle Opportunisten in der hoxhaistischen Weltbewegung genauso einig wie die Opportunisten, die mit dem 3-kpfigen Banner weiterhin ihr Unwesen treiben. Einig wird die hoxhaistische Weltbewegung erst von dem Augenblick an sein, wo sie Enver Hoxha in Wort und Tat als 5. Klassiker des Marxismus-Leninismus anerkennt, wo sie das 5-kpfige Banner der Komintern / ML verteidigt und voran trgt und den berall wie Pilzen aus den Boden sprieenden Scheinorganisationen, die sich das 5-kpfige Banner der Komintern / ML unter den Nagel zu reien versuchen und damit gegen die Komintern / ML anzutreten, eine gehrige Abfuhr erteilen. Das 5-kpfige Banner wurde im Jahr 2000 von der Komintern / ML gehisst und keiner wird es ihr aus der Hand reien, diese historische Tat anzweifeln oder rckgngig machen knnen ! Das 5-kpfige Banner haben wir im Jahre 2000 als erste erhoben und niemand sonst. Genossen, wir haben doch den Begriff Marxismus auch nicht dem Antikommunismus berlassen, weswegen sollte wir das beim Begriff Stalinismus ndern ? Aus welchem Grund sollten wir das tun? So wie wir nicht verschmhen, vor den Arbeitern als Kommunisten Flagge zu zeigen, so tun wir das auch als Stalinisten. Wie sollen wir den Arbeitern die Lehren Stalins erklren, wenn wir einerseits den Begriff Marxismus zulassen, aber uns andererseits vom Begriff Stalinismus distanzieren wrden. Der Arbeiter wrde doch den berechtigten Verdacht schpfen: am Marxismus halten die Kommunisten alles fr in Ordnung, aber beim Stalinismus scheinen sie wohl gewisse Zweifel und Bauchschmerzen zu haben also kann es beim Stalinismus nicht mit rechten Dingen zugehen, ist dem Stalinismus nicht ber den Weg zu trauen, sollte man sich vor ihm in Acht nehmen. Genauso wie sich ein wahrer Marxist nicht vom Leninismus distanzieren kann, kann er sich unmglich vom Stalinismus oder Hoxhaismus distanzieren. Die Lehren der Klassiker bauen aufeinander auf, bilden eine dialektische Einheit und drfen weder auseinander dividiert, gegeneinander gesetzt, noch gleich gesetzt werden. Nur zusammen genommen garantieren ihre Lehren den Sieg des Weltproletariats ber den Kapitalismus, kann man berhaupt von den Lehren des MarxismusLeninismus sprechen. Den Marxismus-Leninismus verteidigen, das kann doch nicht etwa heien, ihn historisch unverndert, also in seiner ursprnglichen Entwicklungsstufe zur Zeit von Marx und Lenin auf die heutigen Bedingungen zu kopieren. Der Marxismus wre lngst tot, wenn er nicht von Lenin, Stalin und Enver Hoxha weiter entwickelt worden wre. Was heit also, mit dem Marxismus-Leninismus auch seine Weiterentwicklung zu verteidigen ? Das eben heit doch, den Stalinismus zu verteidigen. Wer sich weigert, den Stalinismus zu verteidigen, der leugnet die Weiterentwicklung des Leninismus. Wer aber sich weigert, die Weiterentwicklung des Leninismus zu verteidigen, der weigert sich auch die Weiterentwicklung des Marxismus zu verteidigen und leugnet damit den Leninismus. Wer die Weiterentwicklung des Marxismus durch die Lehren von Lenin, Stalin und Enver Hoxha leugnet, der leugnet berhaupt den Marxismus. Wir Stalinisten halten den Stalinismus fr eine Weiterentwicklung des Leninismus, nicht blo fr Leninismus und dessen Anwendung durch Stalin. Nur der Punkt ist, dass wir nur selber fr die Weiterentwicklung sorgen knnen, und eben das haben wir strflich vernachlssigt zum Gefallen der Bourgeoisie. Der Anti-Stalinismus folgt unvermeidlich seiner inneren Logik und zwar gesetzmig: Je schwcher der Stalinismus weiter entwickelt wird, desto schwcher die Position des Stalinismus und desto strker die Position des Anti-Stalinismus. Je weiter die Stalinzeit zurckliegt, desto be-
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quemer kann die Bourgeoisie ihn beruhigt - mit ihren eigenen Worten ausgedrckt - historisch vergammeln lassen. Aber in dem Ma, wie er mit seiner Weiterentwicklung neue Nahrung bekommt, wieder belebt wird, und also zu einem handfesten, aktuellen, subjektiven Faktor fr die Revolution des Weltproletariats wird, erreicht der Anti-Stalinismus jenen Punkt, wo die Weiterentwicklung des Stalinismus fr ihn gefhrlicher wird , als selbst der Stalinismus in seinem ursprnglichen Entwicklungszustand. An diesem Punkt verlagert der Anti-Stalinismusmus seine Hauptaufgabe auf den Kampf gegen die Weiterentwicklung des Stalinismus, wird versucht, diese dem ursprnglichen Stalinismus entgegenzusetzen, um ihre Einheit voneinander los zu trennen, zu spalten und die Weiterentwicklung als illegitim zu brandtmarken. Vor allem aber versucht die Bourgeoisie dann, das alte Banner des Stalinismus aufzugreifen, um damit dessen Weiterentwicklung tot zu schlagen. Die Bourgeoisie will sich damit selber ein Sieger-Denkmal errichten als Vorkmpfer fr die Befreiung des Stalinismus vom Unkraut der ihn berwuchernden Legitimations-theorien. Je besser es die Bourgeoisie dabei versteht, alles am Stalinismus zu verteidigen, was ihr am wenigsten weh tut, desto grer die Chance, ihren Klassengegner in die Irre zu leiten und zu betrgen. Diese Aufgabe bernehmen gegenwrtig die anti-revisionistischen Revisionisten. Und wie dieses anti-kommunistische Gesetz bei Stalin angesetzt wird, so ist es beim Marxismus, beim Leninismus schon vorher so gelaufen und wird es beim Hoxhaismus noch kommen. Wir mssen uns darber im Klaren sein, was es bedeutet, dass Stalin ber die Grundlagen und zu den Fragen des Leninismus bereits kurz nach Lenins Tod alles Wichtige fertig gearbeitet hatte, whrend wir heute 56 Jahre nach Stalins Tod immer noch mit den Grundlagen und Fragen des Stalinismus in den Anfngen stehen. Damit wollen wir gesagt haben, dass der anti-stalinistische Kampf und wir sprechen hier ja nur von dem theoretisch-ideologischen Kampf - noch lange nicht beendet, geschweige denn gewonnen ist, was wir nie oft genug wiederholen knnen. Wir Stalinisten richten uns zum Beispiel gegen solche Leute, die den Stalinismus aus einer internationalen proletarischen Lehre in ein Produkt spezifisch russischer Verhltnisse verwandeln. So wie der Leninismus den Bolschewismus als Taktik fr ALLE definierte, so baute der Stalinismus eben auf dieser Taktik auf. Er blieb aber nicht auf dem Entwicklungsniveau des Bolschewismus in einem Land stehen. Auf der ersten, also auf der leninistischen Entwicklungsstufe, basierte der Bolschewismus auf einer einzigen bolschewistischen Partei an der Macht, auf der Partei Lenins und Stalins, whrend alle anderen Kommunistischen Parteien der III. Internationale nicht an der Macht waren. Der Stalinismus verwandelte den Bolschewismus dadurch in eine hhere Qualitt, dass er zur Taktik mit einer Basis eines sozialistischen Weltlagers ausgerstet wurde, wodurch eine viel grere internationale Entfaltung des Bolschewismus als Taktik fr Alle hergestellt werden konnte. Diese neue Basis des bolschewistischen Weltlagers versetzte eine Reihe von kommunistischen Parteien in die Lage, diese Taktik als Bolschewismus an der Macht anzuwenden. Das ist natrlich gegenber der Zeit der Komintern ein gewaltiger Fortschritt und damit ein entscheidender Schritt in Richtung Weltbolschewismus an der Macht. Zwischen der Taktik des Bolschewismus im Allgemeinen und der Taktik des Bolschewismus an der Macht im Besonderen besteht ein dialektisches Verhltnis, das Stalin meisterhaft anzuwenden verstand und eben darin spiegelt sich das ganze Wesen des Stalinismus wider. Der Weltbolschewismus an der Macht ist diejenige Form des Bolschewismus, in der mit der Taktik fr alle ihre hchste Qualitt erreicht wird. Erst auf dieser Entwicklungsstufe hat der Bolschewismus seine grte Wirkungskraft als weltproletarische Taktik erreicht, wofr Stalin kmpfte und wonach er sein Leben lang gestrebt hatte. Stalinismus ist die Verallgemeinerung der Erfahrungen der revolutionren Bewegung aller Lnder unter den Bedingungen des ersten sozialistischen Weltlagers.
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Da kann man sich drehen und wenden wie man will. Um die Anerkennung des Stalinismus als Weiterentwicklung der internationalen proletarischen Lehre des Leninismus kommt man nun einmal nicht herum. Und was machte der Genosse Bill Bland? Er schreibt ausgerechnet einen Artikel ber den negativen Begriff des Stalinismus, aber nicht um den Begriff des Stalinismus der Bourgeoisie zu entreien, sondern um ihn dieser getrost zu berlassen. Auf welche Seite hat er sich da nur gestellt ? Wir kommen doch auch nicht daher gelaufen, einen Artikel ber den negativen Begriff des Marxismus zu schreiben, um diesen Begriff der Bourgeoisie zu berlassen. Wo, bitte, ist da der Unterschied ? Der Begriff des Marxismus gehrt - genauso wie der Begriff des Stalinismus dem Weltproletariat. Darber kann es bei uns Stalinisten berhaupt keinen Zweifel geben. Und wer die Weltanschauung des Weltproletariats verbreiten will, der kann noch nicht einmal den Begriff des Marxismus verteidigen, wenn er gleichzeitig den Begriff des Stalinismus verwirft, also den Stalinismus als Begriff fr einer der Weiterentwicklungen der Marxschen Lehre ablehnt ! Seit wann ist der Marxismus dem Wesen nach eine fertig abgeschlossene Weltanschauung ? Marx hat doch nicht den Marxismus geschaffen, um ihn mit in sein Grab zu nehmen ?! Das httet ihr wohl gern !!! Wre der Marxismus seinem Wesen nach nicht weiter entwickelbar, wre er tatschlich lngst gestorben, und das trifft brigens auf den Stalinismus genauso zu. Wird der Stalinismus nicht weiter entwickelt, stirbt er bliebe von ihm nur noch der anti-stalinistische Nachgeschmack der brgerlichen Hetzkampagnen brig. Und auch das httet ihr wohl gerne, ihr AntiStalinisten !! Wir knnen und wollen Bill Bland nicht an diese Messlatte der Weiterentwicklung der Lehren Stalins stellen, aber mit der Ablehnung des Begriffs Stalinismus hat er sich als Mitbegrnder der englischen Stalingesellschaft wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Nicht der Marxismus als solcher ist stark, sondern in seiner Weiterentwicklung ist seine eigentliche Strke begrndet, weil nur diese Weiterentwicklung des Marxismus die Lage des Weltproletariats wirklich grundlegend und also revolutionre verndern kann. Nicht der Stalinismus ist stark, sondern seine Weiterentwicklung ist das, was seine eigentliche Strke ausmacht. Das hat jeder Genosse begriffen und das wissen auch unsere Klassenfeinde ganz genau. Das Weltproletariat braucht den weiterentwickelten Stalinismus JETZT und HEUTE, um sich zu befreien. Es kann ihn aber in seinem heutigen Befreiungskampf nicht in seiner alten, engen Uniform anziehen. Die Uniform des Stalinismus ist der Gre des heran gewachsenen Weltproletariats anzupassen und nicht umgekehrt die Gre des Weltproletariats an den Stalinismus (wie er noch in der Stalinzeit blendend gepasst hatte). Wir haben Verstndnis, wenn Genossen irgendwann ihren Unmut uern, sich stndig mit der Auseinanderpflckerei des Marxismus-Leninismus auseinandersetzen zu mssen, dass sie die Zitatenschlachten satt haben und sich lieber in die praktische Arbeit flchten wollen. Sie machen sich ein bestimmtes Bild vom Stalinismus, den sie sich im Laufe der Jahre angeeignet haben und meinen nun, dass dies eine ausreichende Grundlage sei, an der nicht mehr gerttelt werden drfe. Das ist so eine Art trotziges Verhalten wie man es bei Kindern hufig beobachtet, eine Art Gegenwehr, sich wenigstens nicht das letzte Hemd nehmen lassen zu wollen. Der Stalinismus als letzte Hemd der Stalinisten ?! Nun gut, halten wir fest, dass so etwas frher oder spter unbedingt ins Auge gehen muss: Ein ungewollter Rckzug auf dogmatische und sektiererische Bruchstcke des Stalinismus hat bse Folgen. Der Stalinismus wird bekanntlich von der Bourgeoisie als Rckzugsstrategie zum Erhalt ihrer Macht missbraucht, wie wir das von der Restauration des Kapitalismus, von den Revisionisten her kennen. Aber der Stalinismus ist die Weltanschauung einer Klasse, die schlielich die Klassengesellschaft abschaffen und den Kommunismus aufbauen will dafr kann man sie nicht wie sein letztes Hemd behandeln. Wie soll man mit so einer deftistischen Einstellung in der Lage sein, den Stalinismus im Kampf gegen die Revisionisten weiter zu entwickeln ? Wie hat Stalin denn den Leninismus weiter entwickelt ? Htte er den Leninismus ohne seinen erbitterten Kampf gegen die Rechten und Trotzkisten etwa einen Millimeter weiter entwickeln knnen - ohne Zitatenschlachten zu fhren ? Man studiere die Werke Stalins, um sich vom
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genauen Gegenteil zu berzeugen. Zitatenschlachten und Zitatenschlachten sind also lngst nicht das Gleiche. Es kommt im Wesentlichen darauf an, ob sie von Stalinisten oder von ihren Gegnern gefhrt werden, also welche politische Absicht damit verfolgt wird, welcher Klasse sie dienen und welcher Klasse sie schaden usw. usf. . Zugegeben, die meisten aller gefhrten Zitatenschlachten sind sicherlich vermeidbar gewesen, ist jeder ernsthafte Kleinarbeit hundert Mal wertvoller, aber es ist erstens zweifellos unvermeidlich berhaupt ohne Zitatenschlachten auszukommen zu knnen, zweitens ausgesprochen dumm oder anarchistisch, ohne sie auskommen zu wollen und drittens unheimlich gefhrlich, ihren absoluten Verzicht mit marxistischen Phrasen zu rechtfertigen. Auch dies ist nebenbei ein Lehrsatz des Stalinismus in seinem Kampf zur Verteidigung des Leninismus. Schauen wir, wie Bill Bland sich hierzu verhlt. Es fllt auf, dass sich in seinen Schriften ein Zitat nach dem anderen reiht (wobei allein das berwiegen von brgerlichen und revisionistischen Zitaten dem unvoreingenommenen Leser zu Denken geben sollte) , dass seine eigenen Schlussfolgerungen und Kommentare dagegen verblffend dnn ausfallen, ja teilweise erschpfen sie sich in einem einzigen Satz. Das ist jedoch nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass der in diesem Schlusssatz zum Ausdruck gebrachte Standpunkt unseren inhaltlichen Unmut, ja unsere ideologische Ablehnung hervorruft. Bill Bland vermeidet, seine eigene Meinung aufzudrngen und lsst den Leser entscheiden das sieht auf den ersten Blick einnehmend und sympathisch aus. Der Leser hat den Eindruck, mit der Darstellung verschiedener Standpunkte informiert zu sein und ist dem Autor dankbar, informative Denkanste geliefert zu bekommen, um sich daraufhin leichter seine eigene Meinung zu bilden. Aber sich leichter seine Meinung bilden zu knnen oder sich eine falsche Meinung mit Sachlichkeit versen zu lassen, sich die Denkarbeit vom Autor abnehmen zu lassen, um diese all zu leicht unkritisch und unbewusst zu bernehmen, das ist fr uns ein gravierender Unterschied. Tatschlich ist ein Leser ohne marxistisch-leninistisches Hintergrundwissen all zu sehr geneigt, diese Vertrauen erweckende sachlich-wissenschaftliche Darstellung fr bare Mnze zu nehmen und all zu leichtfertig abzukaufen, d.h., sie nicht kritisch oder nicht kritisch genug zu hinterfragen. Hat der Leser sich aber erst einmal durch gerungen, sich das Dargelegte kritisch zu erarbeiten und sich immer tiefer in die ununterbrochenen Zitatenreihen hineinzudenken, vor allem sich die Autoren der Quellen unter der Lupe zu betrachten, so bleiben immer mehr Fragen offen, ist es sehr schwer, selber herauszufinden, was denn nun eigentlich richtig und was falsch ist. Man kann die Dinge all zu leicht so oder so auslegen. Etwas so oder so auslegbar zu machen, das ist das Handwerkzeug der Opportunisten, nicht der Stalinisten. Stalin zeichnet sich als Klassiker des Marxismus-Leninismus durch unbertroffene Klarheit und Logik aus, mit der er alle So-oder-soOpportunisten entwaffnete. Es scheint bei Bill Bland eine aneinander gereihte Linie zu geben, etwa so wie in einem Tunnel, den man durch schreitet, indem man sich auf das Licht am Ende des Tunnels fokussiert, das einem immer heller erscheint. Aber man muss diesen Tunnelblick berwinden fr Dinge, die aus dem Dunkel hervortreten, wenn man nicht geblendet ist. Das heit, man muss all die bislang verborgen gebliebenen, neu zu Tage getretenen Informationen im Prisma des MarxismusLeninismus untersuchen, muss sich an die Arbeit machen, diese Neuigkeiten richtig zu bewerten und zu beurteilen. Das kann und muss man von einem ernsthaften Marxisten-Leninisten erwarten, denn nur kritisch betrachtet lsst sich mit Sicherheit sagen, was die Wahrheit erhellt und was sie im neuen, grellen Licht verdunkelt. Mancher Leser mag sich mit den Zitanensammlungen von Bill Bland zufrieden geben, aber sind das wirklich zuverlssige Quellen, die er benutzt hat ? Von wem stammen seine Informationen ? Was will der Autor mit diesen Informationen beweisen oder widerlegen ? Die von Bill Bland aufgefhrte Unmenge von Quellen zu studieren und die Leute kritisch zu hinterfragen, von denen diese Quellen stammen, das ist fr einen Marxisten-Leninisten unverzichtbar, aber nicht fr einen denkfaulen Leser, der es gewohnt ist, sich alles vorkauen zu lassen. Er ist zufrieden, so wie es ist. Seinen eigenen Kopf anzustrengen, dazu ist er entweder zu bequem oder er hat es einfach nicht anders gelernt. Genossen, zweifellos kann es sich dabei nicht um
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einen aufmerksamen marxistisch-leninistischen Leser handeln. In der Zeitung Komsomolskaja Prawda Nr. 12 vom 15. Januar 1939 schreibt Jaroslawski, warum sich Stalin direkt mit Geringschtzung zu jenen Genossen verhlt, die zu trge sind, sich mit der Theorie abzugeben, die Angst davor haben, theoretisch khn zu denken und neue Fragen aufzuwerfen, die Feigheit im Denken an den Tag legen. Wenn man sein Leben dem Kampf der Arbeiter fr ihre Befreiung weiht, muss man sein Leben lang um die Beherrschung des Marxismus-Leninismus ringen, muss man ihn der Arbeiterklasse zugnglich machen, so wie Stalin es getan hat, aber nicht alles unkritisch nachplappern. Und in der Tat, die ganze Bewegung scheint von der Seuche des Widerwillens befallen zu sein, sich mit etwas auseinandersetzen zu mssen, was hundert Mal durchgekaut worden ist. Das hat zu einer Vulgarisierung des Marxismus-Leninismus gefhrt. Und bleiben wir ruhig beim Vorwurf des durchgekauten Marxismus-Leninismus: Die Vulgarisierung des Marxismus-Leninismus fngt da an, wo man aufhrt zu kauen. Und wo man aufhrt zu kauen, beginnt man nur noch runterzuschlucken, bis man nur noch einzelne, mundgerechte Brocken herunterwrgen kann und schlielich dazu bergeht, sich vorgekauten Brei vorsetzen zu lassen, denn nur Brei kann man ohne Kauen herunterschlucken. Genau an diesem vorgekauten Brei krankt die heutige marxistisch-leninistische Weltbewegung, ja kann man sogar von einem chronischen Leiden sprechen. Hren wir, mit welchen groartigen Worten Karl Marx das zeitlose Ringen um Wissenschaftlichkeit umschrieben hat: Es gibt keine Landstrae fr die Wissenschaft, und nur diejenigen haben Aussicht, ihre hellen Gipfel zu erreichen, die der Ermdung beim Erklettern ihrer steilen Pfade nicht scheuen (Karl Marx, Das Kapital, Dietz Verlag Berlin, 1947, Band I, Seite 19). Die Bewegung lsst sich heute stattdessen lieber von den Tagesereignissen ins Schlepptau nehmen als die theoretische Arbeit ernsthaft anzupacken, ohne die es nun einmal keine weltrevolutionre Bewegung gibt. Ist es da ein Wunder, wenn die Bewegung an ihrem Spontaneismus leidet, dass sie die Kommunismusdebatte oder die Sozialismus-Fragen als besondere Fragen von der gesamten Ttigkeit der Kommunisten loslst, verselbstndigt, entfremdet und als lstigen Grundsatzdebatten - Ballast abtut und den man fernab des Klassenkampfes in eine Schublade packt, die man mal bei der einen oder anderen Gelegenheit ffnet und schliet (wenn es dazu wieder einmal zu spt ist !) Das Wesen des (lebendigen) Marxismus-Leninismus ( und toter Marxismus-Leninismus ist Dogmatismus) besteht doch niemals darin, ihn als Dogma fr ewige Zeiten, ihn als vollendete und abgeschlossene Lehre zu betrachten, ihn als vorgekauten Brei zu sich zu nehmen. Der revolutionre Geist des Marxismus-Leninismus besteht doch gerade darin, dass er zu einer Entwicklung fhig ist, den vernderten Bedingungen, den heutigen Bedingungen der Globalisierung, zu entsprechen. Die Klassiker knnen darauf nicht die richtigen Antworten mehr geben, das mssen wir Marxisten-Leninisten heute schon selber tun. Wir mssen uns im wahrsten Sinne des Wortes selber durchbeien. Der Hoxhaismus ist die bislang hchste Stufe in der Entwicklung des Marxismus, aber deswegen noch lange nicht seine Endstufe. So htten es unsere Gegner gern. Es ist ein Wesensmerkmal des Marxismus, dass ihm eine Endstufe, eine Abgeschlossenheit und Endgltigkeit seiner Entwicklung fremd ist. Unter den Bedingungen der Globalisierung kommen wir mit dem Hoxhaismus allein auch nicht mehr recht weiter. Wir Marxisten-Leninisten sind aufgefordert und berufen, den Marxismus-Leninismus eigenstndig auf den Grundlagen der Lehren der 5 Klassiker nicht nur weiter zu entwickeln, sondern diese, unsere eigene, Weiterentwicklung auch zu verteidigen gegen unsere Gegner. Erinnern wir uns an die These Enver Hoxhas, die er auf dem 7. Parteitag der PAA aufgestellt hatte, dass sich die Welt in einer Phase befindet, da die Frage der Revolution ein Problem ist, das zur Lsung ansteht! Wir meinen, dass es vollkommen dem Hoxhaismus entspricht, uns mit den Grundlagen des Stalinismus zu beschftigen, da sie ein unverzichtbarer Kompass zur praktischen Lsung des Weltsozialismus ist. Aber mit den Grundlagen des Stalinismus, allein und fr sich genommen, werden wir die Probleme des globalisierten Sozialismus nicht vollstndig lsen knnen,
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mssen wir fr diese neue Aufgabe den Marxismus-Leninismus selber weiter entwickeln. Das war beim Marxismus nicht anders als Lenin und Stalin das Problem des Sozialismus in einem Land zu lsen hatten. Ohne Weiterentwicklung des Marxismus, ohne Leninismus, ohne Stalinismus wre dieses damals zur Lsung anstehende Problem niemals gemeistert worden. Wenn Trotzki mit dem Schimpfwort Stalinismus angefangen hat, dann hat er sich damit nur selber eine Ohrfeige verpasst, hat er sich damit vom Marxismus-Leninismus abgegrenzt. Wir sind keine Trotzkisten und haben daher keinen Grund, uns etwa vom Stalinismus abzugrenzen. Umgekehrt : wir grenzen uns von den Gegnern des Marxismus-Leninismus ab, indem wir sie vom Stalinismus abgrenzen. Man kann den Anti-Marxismus nicht mit irgendetwas bekmpfen, sondern nur mit dem Marxismus. Man kann den Anti-Leninismus nur bekmpfen mit dem Leninismus. Man kann den AntiStalinismus nicht allein mit Marx, Engels und Lenin bekmpfen. Man muss ihn mit den Lehren Stalins bekmpfen. Das klingt alles wie ein Wortspiel, aber in Wirklichkeit ist das eine sehr prinzipielle und grundlegende Frage, die wir Stalinisten hier sorgfltig zu beantworten haben und worber sich jeder Genosse unbedingt und absolut Klarheit verschaffen muss. Nicht unsere proletarische Sache reduzieren oder gar verwerfen, nur weil unser Gegner sie mit Schmutzkbeln berhuft hat, sondern Beseitigung der Schmutzkbel und Reinigung und Weiterentwicklung unserer proletarischen Sache das ist die einzig richtige, das ist die revolutionre Haltung. Alles Andere ist Zurckweichen vor dem Klassenfeind, ist eine kapitulantenhafte Haltung gegenber dem Stalinismus, gegenber dem Marxismus-Leninismus, ist der Weg in den opportunistischen Sumpf. Wir haben durchaus nichts dagegen, wenn sich die einen Genossen am Begriff des Stalinismus stoen, aber die Lehre Stalins verteidigen. Im Gegensatz dazu haben wir jedoch etwas gegen solche Genossen, die sich ber den Begriff des Stalinismus nur deswegen aufregen, weil sie in Wirklichkeit nicht zugeben wollen, dass sie sich Im Grunde vom Inhalt des Stalinismus distanzieren bzw. dessen eigenstndige Existenz als untrennbaren Bestandteil des Marxismus-Leninismus in Frage stellen. Dass Stalin der beste Leninist aller Zeiten war, ist die eine Sache. Darauf aber die Bedeutung Stalins, die Bedeutung des Stalinismus zu reduzieren, ist eine ganz andere Sache, ist revisionistisch. Ja, es reicht noch nicht einmal aus, sich mit der blo abstrakten Feststellung zu begngen, dass Stalin den Leninismus (irgendwie) weiter entwickelt habe. Viel wichtiger ist doch die Frage: Worin besteht denn diese Weiterentwicklung eigentlich, was haben wir uns darunter konkret vorzustellen, was sind die Grundlagen des Stalinismus ? Fragt man die Genossen ber die Grundlagen des Stalinismus, bringen sich so manche von ihnen selbst in Verlegenheit, weil sie sich dabei jedes Mal ertappen, dass sie bei allen Antworten nie ber die Lehren des Leninismus hinauskommen. Alles, was sie Stalin so zuschreiben, ist in Wirklichkeit schon von Lenin entwickelt worden (zum Beispiel: Sozialismus in einem Land). Also, mit dem Leninismus allein kann man nun wirklich nicht den Stalinismus wissenschaftlich erklren. Dazu gehrt schon ein Bisschen mehr. Was also ist ein Marxist-Leninist, ja gar ein Stalinist wert, der zwar lauthals auf die Lehren der Klassiker des Marxismus-Leninismus los schwrt, aber nicht in der Lage ist, die Lehre Stalins gegen jene zu verteidigen, die die Lehren Stalins in revisionistischer Weise auf die Lehren Lenins reduziert haben ?! Wer den Stalinismus auf den Revisionismus reduziert ist auf keinem anderen Weg, als den Stalinismus mit dem Leninismus zu bekmpfen la Chruschtschow. Man kann weder die Berijaner noch die Chruschtschowianer, man kann berhaupt den modernen Revisionismus unmglich ohne die Grundlagen des Stalinismus bekmpfen. Das ist eine Messlatte, an dem Enver Hoxha die Seriositt von Anti-Revisionisten ma, unter die die Maoisten prompt hindurch fielen. Htte sich Enver Hoxha nicht auf die Grundlagen des Stalinismus gesttzt, htte es gar kein sozialistisches Albanien, htte es gar keine hoxhaistische Weltbewegung gegeben. Nur auf den Grundlagen des Stalinismus konnte sich die hoxhaistische Weltbewegung entwickeln und wird sie sich weiter entwickeln. Dem Wesen nach ist der Hoxhaismus genauso stalinistisch wie der Stalinismus leni-
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nistisch und wie der Leninismus marxistisch ist. Aber zwischen Leninismus und Stalinismus einfach nur einen Gleichheitsstrich zu setzen, beider Identitt anzuerkennen, aber beider Besonderheiten, nmlich wie sie sich denn berhaupt voneinander unterscheiden, zu leugnen, das ist genauso unstatthaft wie den Leninismus auf den Marxismus zu reduzieren. Und so grenzen wir uns auch von allen Genossen ab, die den Hoxhaismus auf die marxistisch-leninistischen Lehren der vier voran gegangenen Klassiker reduzieren wollen ( wir meinen alle 4-Kpfe Marxisten-Leninisten!). Wie der Stalinismus ist auch der Hoxhaismus = (gleich) Marxismus-Leninismus, aber ihre beiden Besonderheiten bestehen in der aufeinander folgenden Weiterentwicklung des MarxismusLeninismus. So wie der Leninismus die Weiterentwicklung des Marxismus und der Stalinismus die Weiterentwicklung des Leninismus, ist der Hoxhaismus die Weiterentwicklung des Stalinismus. Wer dies nicht begreifen will, hat von der Bedeutung der 5 Klassikern des Marxismus-Leninismus keine Ahnung, kann das Weltproletariat nicht zur siegreichen sozialistischen Revolution fhren. So wie Stalin die Grundlagen des Leninismus ausarbeitete, so haben wir das Werk Enver Hoxhas zu vollenden, die Grundlagen des Stalinismus auszuarbeiten. Man kann den Genossen Stalin nicht verteidigen, wenn man nicht seine Lehren verteidigt, wenn man nicht den Stalinismus verteidigt. Dazu muss man aber erst einmal wissen, was Stalinismus ist. Entscheidend ist doch, das Wesen dessen zu begreifen, anzuerkennen und praktisch umzusetzen, was diese leninistische Weiterentwicklung zum Stalinismus ausmacht. Man muss die Weiterentwicklung des Leninismus wissenschaftlich begrnden knnen, muss nicht nur beweisen, dass der Weg Stalins leninistisch war, sondern was den Stalinismus eigentlich darber hinaus als Weiterentwicklung des Leninismus auszeichnet. Stalin begngte sich doch auch nicht damit, den Leninismus als marxistisch zu bezeichnen, sondern erstens die Besonderheiten des Leninismus gegenber dem Marxismus hervorzuheben und zweitens die veralteten Formeln des Marxismus ber Bord zu werfen. So ergeht es auch dem Stalinismus. So wie es dem Marxismus, und dem Leninismus erging, so ergeht es auch dem Stalinismus und dem Hoxhaismus weiterhin gltige Leitstze dieser Lehren werden angewandt und andere, veraltete Leitstze ber Bord geworfen oder modifiziert bzw. recycelt. Um es mit den Worten von Stalin zu sagen, als er seine Vorlesung an der SwerdlowUniversitt ber die Grundlagen des Leninismus hielt: Die Grundlagen des Stalinismus darlegen heit noch nicht die Grundlagen der Weltanschauung Stalins darlegen. Die Weltanschauung Stalins und die Grundlagen des Stalinismus sind dem Umfang nach nicht ein und dasselbe. Stalin ist Leninist und die Grundlage seiner Weltanschauung ist selbstverstndlich der Leninismus. Daraus folgt aber durchaus nicht, dass die Darlegung des Stalinismus mit der Darlegung der Grundlagen des Leninismus begonnen werden muss. Den Stalinismus darlegen bedeutet, das Besondere und Neue in den Werken Stalins darlegen, womit Stalin die allgemeine Schatzkammer des Marxismus-Leninismus bereichert hat und das natrlicher Weise mit seinem Namen verknpft ist. Nur in diesem eingeschrnkten Sinn soll in dieser Schrift der Komintern / ML von den Grundlagen des Stalinismus die Rede sein. ( Was hier gesagt wird, muss brigens in gleicher Weise fr den Hoxhaismus gelten, sobald wir unsere nchste Schrift ber die Grundlagen des Hoxhaismus herausgeben werden). Niemals drfen wir Stalinisten es zulassen, dass unsere Gegner die Beantwortung der Fragen des Stalinismus ungestraft fr berflssig erklren knnen , um den Stalinismus als unwissenschaftliche Lehre hinzustellen mit der fadenscheinigen Begrndung: der Stalinismus existiere eigentlich gar nicht, er sei nur ein Symbol der Hetzpropaganda des Anti-Kommunismus. Euer AntiStalinismus ist aus dem Kampf gegen unsere Lehren des Stalinismus hervorgegangen, nicht umgekehrt !
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Der Begriff Stalinismus ist fr uns Marxisten-Leninisten also und wir entschuldigen uns nicht, uns stndig zu wiederholen - eine wichtige, unverzichtbare wissenschaftliche Bezeichnung fr die Weiterentwicklung des Leninismus jener Zeit als Stalin lebte und wirkte. Das ist alles andere, als nur eine Frage des Geschmacks oder der Auslegung, ist keine subjektive Frage, (an die ausschlielich die Person Stalins geknpft ist), sondern Stalinismus ist der wissenschaftlicher Ausdruck einer bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungsstufe des herrschenden Proletariats in der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution. Fehlt die Lehre des Stalinismus, so ist der Marxismus unvollstndig, ist er gestutzt, kann er seine Aufgabe nicht erfllen, ist er fr die revolutionre Befreiung des Weltproletariats wertlos. Wer kein Stalinist ist, kann auch kein Marxist sein, ist ein Anti-Marxist. Der Leninismus ist jenes Instrument des Marxismus, mit dem Stalin die Demarkationslinie gegen die revisionistischen Restauratoren des Kapitalismus beim bergang zum Sozialismus zog. Die rcksichtslose Bekmpfung der Gefahr der Restauration des Kapitalismus unter den Bedingungen des aufgebauten Sozialismus und des bergangs zum Kommunismus in einem Land , unter den Bedingungen des gewaltig anwachsenden sozialistischen Weltlagers, unter den Bedingungen des vom Untergang bedrohten kapitalistischen Weltlagers, musste daher eine der wichtigsten Aufgaben des Stalinismus sein. Marx hat sich selber nicht als Marxist bezeichnet, - das hat sein engster Freund und Kampfgefhrte Friedrich Engels getan, das haben die Anhnger von Marx und Engels getan, das hat die marxistische Bewegung in den kapitalistischen Lndern getan, die sich im Klassenkampf von den Lehren von Marx und Engels leiten lieen und sich um sie zusammenschlossen und vereinigten. Marx und Engels waren nicht nur diejenigen, die die Weltanschauung des Proletariats erschufen, sondern auch die Fhrer im proletarischen Klassenkampfes in der vor-imperialistischen Phase der Entwicklung des Kapitalismus. Viele Lehrstze des Marxismus sind ber die Lebenszeit von Marx und Engels hinaus aktuell und also heute noch unbedingt gltig geblieben . Andere Lehrstze wiederum waren nur in ihrer Zeit gltig und verloren ihre Bedeutung mit der der kapitalistischen Entwicklung zum Imperialismus. Einige Lehrstze mussten fallen gelassen werden, andere modifiziert, das heit den sich vernderten Bedingungen des Klassenkampfes angepasst werden. Lenin selber hat sich nicht Leninist genannt, aber die Genossen, die sich um ihn scharten, seine Anhnger verstanden sich als Leninisten, allen voran Lenins Schler Stalin: Marx und Engels wirkten in der vorrevolutionren Periode (wir meinen vor der proletarischen Revolution), als es noch keinen entwickelten Imperialismus gab, in der Periode der Vorbereitung der Proletarier zur Revolution, in jener Periode, als die proletarische Revolution praktisch noch keine unmittelbare Notwendigkeit war. Lenin dagegen, der Schler von Marx und Engels, wirkte in der Periode des entwickelten Imperialismus, in der Periode der sich entfaltenden proletarischen Revolution, als die proletarische Revolution bereits in einem Lande gesiegt, die brgerliche Demokratie zerschlagen und die ra der proletarischen Demokratie, die ra der Sowjets, erffnet hatte. Deshalb ist der Leninismus die Weiterentwicklung des Marxismus (Stalin, Grundlagen des Leninismus). Im Kampf gegen die Menschewiki, im Kampf gegen den opportunistischen Verrat der II. Internationale am Marxismus, im Kampf gegen die brgerliche Revision des Marxismus, entstand die eigenstndige leninistische Bewegung. Der Leninismus erwuchs und gestaltete sich unter den Bedingungen des Imperialismus, als sich die Widersprche des Kapitalismus bis zum uersten zugespitzt hatten, als die proletarische Revolution zu einer Frage der unmittelbaren Praxis wurde, als die alte Periode der Vorbereitung der Arbeiterklasse zur Revolution an die neue Periode des direkten Sturms auf den Kapitalismus heran rckte und in sie hinber wuchs (Stalin, Grundlagen des Leninismus).
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Stalin bezeichnete sich selbst nicht als Stalinist, aber die Bolschewiki, die ihm im Kampf gegen die Trotzkisten, Bucharinisten und spter gegen die parteifeindlichen, brokratischen Elemente und Fhrer der Apparatschiks folgten, nannten sich Stalinisten. Es entstand die stalinistische Weltbewegung in einer Zeit als der erstarkende Sozialismus zu einer existentiellen Bedrohung fr den Weltkapitalismus anwuchs, als die Frage: Wer wird siegen, das kapitalistische oder das sozialistische Weltlager ? sich als eine Aufgabe stellte, die zur praktischen Lsung anstand. Enver Hoxha hat sich selber auch nicht den Namen Hoxhaist zugelegt. Aber die MarxistenLeninisten, die ihn als Fhrer des Kampfes gegen den modernen Revisionismus an der Macht ansahen, die ihm im Kampf gegen die revisionistische Weltbewegung folgten, nannten sich Hoxhaisten, insbesondere seit dem Kampf gegen den chinesischen Revisionismus, gegen den Maoismus, an dessen Spitze Enver Hoxha steht. Die Hoxhaisten sind Marxisten, die den Sozialismus trotz der Bedingungen des Revisionismus an der Macht aufbauten, die eine marxistische Weltfront gegen die imperialistischrevisionistische Umkreisung bildeten, die im Kampf gegen die beiden Supermchte, gegen die Zusammenarbeit der Imperialisten und Sozialimperialisten, gegen den wieder erstarkenden Weltimperialismus antraten, die die Frage der Weltrevolution als eine Aufgabe begriffen, die es praktisch zu lsen galt, die die stalinistische Weltbewegung auf die Hhe ihrer Zeit hoben und die Untersttzung der proletarischen Revolution in den revisionistischen Lndern zur Tagesaufgabe des lebendigen proletarischen Internationalismus machten, um die Diktatur des Proletariats in den ehemals sozialistischen Lndern zurckzuerobern. Hoxhaisten sind heute solche Marxisten, die fr die Restauration der Diktatur des Proletariats, fr die Weltdiktatur des Proletariats, fr den Sozialismus im Weltmastab kmpfen. Als Marxisten-Leninisten bezeichnen sich alle Genossen, die fr die proletarische Weltrevolution kmpfen, um die Epoche des Weltimperialismus fr immer zu beenden und das Weltproletariat auf den Weg zum bergang in den Weltsozialismus zu fhren. Nur die Marxisten-Leninisten kann man als Kommunisten bezeichnen, weil sie die Einzigen sind, die sich auf die Wissenschaft des Kommunismus sttzen und diese weiter entwickeln knnen. Stalin war am weitesten fortgeschritten, um diese welthistorische Aufgabe der MarxistenLeninisten in die Tat umzusetzen. Deswegen muss das heutige Weltproletariat an seinem Werk anknpfen, muss es sein Werk zu Ende fhren. Wir mssen vor diesem welthistorischen Hintergrund als Stalinisten selbstkritisch Bilanz ziehen wie weit wir unserer Verantwortung gerecht geworden sind und gerecht werden, Stalins Leben und Werk ehrenvoll vor die anti-stalinistischen Sintflut unseres globalen Klassengegners zu befreien. Ohne die Verbreitung des Stalinismus in der proletarischen Weltbewegung, ohne Studium der Lehren Stalins, ohne eine gro angelegte propagandistische Gegenoffensive, ohne Vereinigung und Globalisierung all unserer Krfte, ohne Heranbildung neuer stalinistischer Kader, ohne die Schaffung eines weltumspannenden Netzes neuer stalinistischer Organisationen, ohne eine stalinistische Weltpartei, ohne Untersttzung seitens der fortschrittlichsten Proletarier - ist an einen Sieg in dieser grten Propagandaschlacht der Geschichte des Klassenkampfes gegen den Anti-Stalinismus nicht zu denken. Wir drfen uns niemals mit Opportunisten vereinigen, die den Antistalinismus in unsere Reihen offen einzufhren und heimlich einzuschmuggeln versuchen. Dieser Gefahr des verkappten, des stalintreuen Opportunismus, die unter dem Druck des Antistalinismus weiter anwchst, drfen wir keinen Millimeter nachgeben! Den Druck des Antistalinismus auf uns Stalinisten begegnen wir, indem wir die Opportunisten nicht in unsere Festungen (die wir bislang vllig ungengend aufgebaut haben!) hineinlassen. Wir nennen hier nur als Beispiel den Maoisten Ludo Martens (WPBelgien), der vorgibt, Stalin zu verteidigen, um ihm in Wirklichkeit in maoistischer Manier Taten und Unterlassungssnden anzudichten, die Stalin niemals begangen hatte. Es gibt Verteidiger
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und so genannte Verteidiger Stalins, die sich feindlich gegenberstehen. Wir von der Komintern / ML hatten ber Mao und seiner sogenannten Stalinfrage im Jahre 2003 einen kritischen Artikel zusammengestellt hier der Hyper-Link: Wie der Genosse Enver Hoxha den Genossen Stalin gegen Mao Tsetung und den chinesischen Revisionismus verteidigte. Was Ludo Martens ber Stalin schreibt, ist aus der Sicht eines Anti-Stalinisten geschrieben, der vorgibt, auf dem Boden des Stalinismus zu stehen. Von uns wird dieses neo-revisionistische Machwerk schrfstens verurteilt. Ludo Martens und seine internationalen Freunde und Anhnger sind Erz-Revisionisten, die im Lager der marxistisch-leninistischen Weltbewegung auch nicht das Geringste zu suchen haben. Und wenn es Opportunisten gibt, die es trotzdem geschafft haben einzudringen, dann strken wir die Geschlossenheit unserer stalinistischen Reihen dadurch, dass wir die Opportunisten aus unseren Organisationen gnadenlos hinaussubern und damit unser Verstndnis vom Stalinismus vertiefen. Wir wurden immer nur dann geschwcht und in unserer Existenz bedroht, wenn wir uns von den Lehren des Marxismus-Leninismus, von Stalin entfernt hatten - entweder unsere Wachsamkeit und Entschlossenheit vernachlssigt hatten oder ber das Ziel hinausgeschossen waren nmlich das Kind mit dem Bade auszuschtten und also das Zusammenspiel zwischen rechten und linken Opportunismus, das Vershnlertum und den Zentrismus nicht kapiert und nicht gekappt hatten. Das Vertrauen des Weltproletariats zurckzuerobern, wird nur gelingen, wenn wir es bei der prinzipienfesten Verteidigung Stalins nicht in Stich lassen, wenn es sich auf unsere Prinzipientreue gepaart mit Elastizitt und Manvrierfhigkeit , also auf unsere weltbolschewistische Linie verlassen kann. Unsere Kampfaufgabe ist also klar definiert: Stalin ist einer der grten revolutionren Fhrer des Weltproletariats. Mit seinen Lehren ist die wankende Herrschaft der Weltbourgeoisie unter Beschuss zu nehmen, ist der Stalinismus in einen globalen Sieg zu verwandeln. Stalinismus bedeutet Sieg des Kommunismus. Antistalinismus bedeutet Sieg des Kapitalismus. So stehen die Dinge. Ohne bolschewistische Kritik und Selbstkritik ist der Kampf um Stalin allerdings nicht zu gewinnen. Aber mit bolschewistischer Kritik und Selbstkritik sind wir in der Lage, unsere fehlerhaften Versuche, das Werk Stalins vor und nach seinem Tod vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus immer besser einzuschtzen, zu korrigieren. Nur wir Marxisten-Leninisten sind in der Lage, die Wahrheit ber Stalin ans Licht der ffentlichkeit zu bringen und die brgerlichen Lgen ber Stalin zu entlarven. Niemand sonst auf der Welt. Haben wir den schwersten Brocken, den Antistalinismus besiegt, werden wir auch den ganzen Antikommunismus besiegen. Der Kampf gegen den Antistalinismus ist das Hauptkettenglied unseres revolutionren Kampfes gegen den Antikommunismus. Fr die Komintern /ML gilt daher der Grundsatz: Je sauberer der anti-revisionistische Abschluss der Geschichte der ersten Periode des Sozialismus, desto sauberer knnen wir das darauf folgende Kapitel in Angriff nehmen, die anti-revisionistische Geschichte des Weltsozialismus. Das kann nichts Anderes heien, als den gesamten Abschnitt der Ttigkeit Lenins und Stalins als einen groartigen und bedeutsamen historischen Abschnitt des heroischen anti-revisionistischen Kampfes, als die einzig gesicherte Grundlage des bergangs vom Kapitalismus zum Kommunismus zu begreifen. Der anti-revisionistische Kampf des Weltproletariats ist die wichtigste Grundlage fr den weltrevolutionren bergang des Weltkapitalismus zum globalen Sozialismus, der eben nur auf den Trmmern der brgerlich-revisionistischen Welt, auf den Trmmern der Restauration des Kapitalismus, auf den zertrmmerten neuen revisionistischen Strmungen, zum Sieg fhrt. Je tiefer wir in die revisionistischen Abgrnde blicken an Hand immer neuer Enthllungen ber die anti-hoxhaistischen, anti-stalinistischen , anti-leninistischen und anti-marxistischen Verbrechen der
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modernen Revisionisten, die niemals losgelst von der gesamten antikommunistischen Politik des Weltkapitalismus, sondern als deren Bestandteil betrachtet werden mssen, desto leichter gelingt es uns, an die Wurzeln des modernen Revisionismus heranzukommen, um den ins Kraut geschossenen Antistalinismus anzupacken, herauszureien und ihn als Dngemittel fr das bessere Wachstum des zuknftigen Weltsozialismus zu verwerten. Je vollstndiger und tief gehender unsere Enthllungen ber die Verbrechen der modernen Revisionisten, desto deutlicher kommt die Wahrheit ber Stalin ans Tageslicht. Aber mit der Wahrheit ber die Verbrechen der modernen Revisionisten allein genommen - wird niemand auf automatischem Wege von den Verdiensten Stalins als 4. Klassiker des Marxismus-Leninismus, von der tatschlichen, historischen, nachhaltigen Bedeutung des ersten sozialistischen Staates fr den Weltkommunismus berzeugt. Dies knnen nur wir Weltbolschewisten auf marxistisch-leninistischer Grundlage neu herausarbeiten. Niemand auer uns kann und wird das Stalinbanner der sozialistischen Weltrevolution erheben und vorantragen. Es hat sich gezeigt, dass das ganze Lgengebude um Stalin nicht automatisch mit dem Zusammenbruch der Macht der modernen sowjetischen Revisionisten zu Staub zerfiel. Im Gegenteil, das Lgengebude, das die modernen Revisionisten in Zusammenarbeit mit dem Weltimperialismus einmal aufgebaut hatten, um an die Macht zu kommen, blieb trotzdem weiter bestehen, dafr hat die Weltbourgeoisie gesorgt und sie wei selber am besten, warum. Das Lgengebude ber Stalin wurde aber nicht nur noch schwrzer angemalt, sondern (!) seine Hintertrchen mit noch leuchtenderen roten Tarnfarben angestrichen, um auch Stalinisten selber leichter hineinzulocken, damit sie sich darin verirren, darin umkommen oder besser noch: als getarnte, umgedrehte Stalinisten, als Agenten der Konterrevolution gegen die Stalinisten wieder herauskommen. Kein Antistalinist ist fr die Bourgeoisie wertvoller im Kampf gegen den Stalinismus als ein von ihr umgedrehter Verrter in unseren stalinistischen Reihen. Nur mit Hilfe solcher hinterhltigen Tricks der Entsendung von Agenten in unsere eigenen Reihen hat der Antistalinismus die Mglichkeit, ins Lager der Stalinisten vorzudringen, um es von innen in ein brgerliches Lager zu verwandeln, und ansonsten zu liquidieren. All das wird gemacht, weil der Stalinismus dem Kapitalismus einst seine empfindlichste Niederlage beigebracht hatte, und das trotz tausender konterrevolutionrer Verschwrungen, Morde, Diversionen und Spionageakte, trotz militrischer Massenvernichtung, politischer, wirtschaftlicher und ideologischer Versuche, die stalinistische Gesellschaft, den Kommunismus zu zerstren. Der Kapitalismus hat jahrzehntelang vergeblich versucht, den Kommunismus mit allen Mitteln zu besiegen. Und als es ihm schlielich doch mit Hilfe der modernen Revisionisten gelungen war -, brauchte er nochmal eine ganze historische Periode, um den Sozialismus wieder in den Kapitalismus zu verwandeln. Der Kapitalismus wei also aus eigener schmerzvoller Erfahrung: es gibt keine ernstzunehmendere Gefahr fr ihn als die Nachfolgegenerationen der Stalinisten. Die Weltbourgeoisie hat also nach wie vor groe Angst vor uns Stalinisten und deswegen kann sie es sich auch nicht leisten, jemals im Klassenkampf gegen Stalin nachzulassen. Nur wir Stalinisten selber knnen der Weltbourgeoisie ihre Angst vor Stalin nehmen, nmlich indem wir dem Weltproletariat dabei helfen, sich vom Antistalinismus, von der Herrschaft der Weltbourgeoisie zu befreien und die Herrschaft des Weltproletariats zu errichten, die mit dem Banner Stalins gekrnt wird. Nach 1991 - als die Geschichte ihr Urteil ber die verbrecherische Wahrheit des modernen Revisionismus besiegelt hatte (Sozialismus in Worten Kapitalismus in Taten) - erkannte nur eine winzige Minderheit in der ffentlichkeit Stalin und uns Stalinisten, die marxistisch-leninistische Weltbewegung und vor allem das Weltproletariat und nicht zuletzt die Sowjetvlker als eigentliche Opfer der Lgenmrchen der Revisionisten. Das heit, das Jahr 1991 fhrte nicht automatisch zur Rehabilitierung Stalins, zur Wiedergeburt des Sozialismus auf sowjetischem Boden. Im Gegenteil. Das Gift des Antistalinismus wird dem Weltproletariat weiter verabreicht, um es vom Weg seiner historischen Mission abzuhalten, um seine revolutionren Krfte zu schwchen. Aber so wenig wie die Konterrevolution das Weltproletariat liquidieren kann, genauso wenig kann sie den Stalinismus aus der Welt schaffen. Ohne Stalins Lehren kann man heute keinen Sozialismus wieder aufbauen.
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Der moderne Revisionismus hat dieser antistalinistischen Gehirnwsche konsequenterweise den Weg bereitet und damit um so mehr Menschen der ehemaligen UdSSR von ihrer wahren historischen Identitt entfremdet, aber auf hherer dialektischer Stufe werden die Sowjetvlker zu Stalin zurckkehren und sich wieder mit ihm identifizieren. Die Bourgeoisie und ihre Lakaien mssen befrchten, dass mit dem Zusammenbruch des Weltkapitalismus unvermeidlich alle ihre Lgengebude also auch das Lgengebude des Antistalinismus zusammenbrechen, und dass sie in dem von ihnen selbst erzeugten antistalinistischen Strudel schlielich jmmerlich ertrinken. Je gigantischer der Antistalinismus aufgebaut wird, desto tiefer strzt er in den Abgrund und desto grndlicher wird das Weltproletariat davon im Endeffekt geheilt sein, wenn auch schmerzvoll. Jene, die sich jahrzehntelang in den antistalinistischen Dienst der brgerlichen Ideologie, in den Dienst der modernen Revisionisten gestellt hatten, schulen sich inzwischen brigens um - nmlich ihren Antistalinismus im Gewand des Stalinismus fortzusetzen und damit der Taktik zu folgen, den Stalinismus mit seinen eigenen Waffen zu besiegen. Die antistalinistischen Revisionisten, die wir seit ber 50 Jahren verdroschen haben, geben sich vergeblich der Hoffnung hin, sie knnten vor unseren Schlgen sicher sein, wenn sie sich unter unser Stalinbanner stellen. Nichts da! Wer sich unter unser Stalinbanner zu stellen wagt in der wahnwitzigen Hoffnung, uns vom Stalinbanner zu vertreiben, der wird mit unserem Stalinbanner niedergeschlagen. Weder haben wir uns, noch werden wir uns das Stalinbanner aus der Hand reien lassen niemals und von niemandem! Genauso wie wir aus den Tuschungsmanvern der modernen Revisionisten gelernt haben, Marxisten-Leninisten von Marxisten-Leninisten zu unterscheiden, wissen wir auch wie sich die revisionistischen Stalinisten von uns Stalinisten unterscheiden, werden wir nicht in ihre, sondern sie in unsere Falle tappen, werden sie elendig darin krepieren. Wir werden das Weltproletariat schulen, was es mit der so genannten Stalin-Frage auf sich hat, warum und gegen wen die Kapitalisten so eifrig am Schreckgespenst Stalin herum putzen. Im Klassenkampf selbst wird das Weltproletariat seine eigenen Erfahrungen sammeln, um seine Feinde besser zu durchschauen, die sich nur deshalb als seine Freunde auszugeben versuchen, weil sie die Proletarier von ihrem revolutionren Befreiungskampf gegen den Kapitalismus abhalten wollen. Um zu verhindern, dass sich die Proletarier die stalinistische Lehre von der Befreiung vom Kapitalismus aneignen, sollen sich die Proletarier die von den Kapitalisten geflschten, verzerrten und verstmmelten, von ihnen frisierten und von ihren Agenten unter die Proletarier verteilten Pseudo-Lehren Stalins aneignen, die kommunistisch und echt stalinistisch klingen, aber die sich im Kampf gegen die Kapitalisten als wirkungslos und ungefhrlich erweisen sollen. Den Arbeitern wird etwas als Stalinismus verkauft, was in Wahrheit das genaue Gegenteil von Stalinismus ist. Die Kapitalisten bezahlen eine ganze Armee von Agenten, die nur damit beschftigt werden, wie sich die Kapitalisten der Lehren Stalins in einer Weise bedienen knnen, um damit die Proletarier zu betrgen und in die Irre zu fhren. Besonders diejenigen Agenten werden von den Kapitalisten gut bezahlt, die es schaffen, die Stalinisten vor den Augen der Proletarier als gefhrliche Agenten des Kapitalismus abzustempeln und sich selber als Stalinisten bei den Proletariern lieb Kind machen knnen. Und die hchsten Lhne zahlen die Kapitalisten solchen Agenten, denen das Kunststck gelingt, die Proletarier anzustiften, sich im Namen Stalins gegen die Stalinisten zu stellen. Aber selbst wenn dies Kunststck nicht immer vollbracht werden kann, so sind die Kapitalisten schon zufrieden damit, wenn sie mit ihren Agenten innerhalb der stalinistischen Reihen vertreten sind, darber Informationen abliefern, hier und da heimlich Sand ins Getriebe streuen und insgeheim alle mglichen Arten Schdlingsarbeit unter den Stalinisten anrichten und Verwirrung bei der Auslegung der Lehre Stalins stiften. In einer fr den Weltkapitalismus so brenzligen Situation wie 1953 waren die Kapitalisten sogar in der Lage, mit dem Mord am Stalin das gesamte Prsidium der KPdSU in die Hand zu kriegen, um smtliche sozialistischen Machthebel auf Kapitalismus umzuschalten zuerst getarnt, dann offen. Egal, mit welcher Maske sich die Revisionisten zu tarnen versuchen, wir reien sie ihnen vom Gesicht. So bleibt ihnen nichts anderes brig als rckschrittliche Elemente unter ihren eigenen stalinistis-
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chen Dchern zu sammeln, um sie als 5. Kolonne gegen uns in die konterrevolutionre Schlacht zu fhren. Wir werden ihre wahren Absichten entlarven und ihnen aufs Haupt schlagen, sobald sie es wagen, ihren stalinistischen Kopf aus ihren Rattenlchern zu strecken. Der moderne Revisionismus ist also lngst nicht tot, er wartet auf seine Erlsung, wartet darauf, dass wir seinen Kopf vom Rumpf trennen. Solange stellt er fr uns eine reale Gefahr dar, weil er die Fhigkeit besitzt, sich zu huten, jedenfalls solange ihm der Kapitalismus dazu die Kraft verleiht. Der moderne Revisionismus hat zwar sein Wesen nicht gendert, aber seine Form, in der er sich neuerdings prsentiert, ist eben im Gegensatz zu frher = stalinistisch - ohne dabei seine alten Formen - leninistisch, aber antistalinistisch oder marxistisch, aber nicht leninistisch, sozialistisch, aber nicht marxistisch; stalinistisch, aber nicht hoxhaistisch; 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus in Worten Anti-Marxismus-Leninismus in Taten; usw. usf. aufzugeben . Das Werk und die Person Stalins hat 50 Jahre modernen Revisionismus berdauert und wird auch die nchsten 50 Jahre berdauern, wird ewig im Glanz erstrahlen. Mit dem Personenkult-Vorwurf sollte nicht Stalin selbst, sondern das revolutionre Bewusstsein der Vlker entfremdet, der Stalinismus erschttert und vergiftet werden. Doch dazu spter. Stalin stellte sein ganzes Leben bedingungslos und konsequent in den Dienst der Sache des Proletariats. Nie wurde das mchtige, rote Banner der siegreichen, sozialistischen Arbeiterklasse so weit ber den Erdball getragen wie unter Stalin. Nie hatte das Proletariat grere Macht besessen als unter Stalin. Nie hat das Proletariat seinen Klassenkampf gegen den Weltkapitalismus schrfer und unerbittlicher gefhrt als unter Stalin. Nie hat der Weltimperialismus jmmerlicher ausgesehen als unter den Schlgen Stalins. Nie hat der Sozialismus eine so hohe Blte erreicht, nie war die Menschheit dem Kommunismus nher als unter Stalin. Kein Wunder, dass er die kapitalistische Welt bis aufs Mark erschtterte und Stalin zum grten und schrecklichsten Feindbild in der Geschichte der Menschheit machte. Durch Stalin war es nicht mehr das Gespenst des Kommunismus, das in Europa umging, sondern die reale Wirklichkeit des Kommunismus auf einem Sechstel der Welt. Dank Stalin stand dem Proletariat zum ersten Mal die ganze Welt zu Fen, hatte es wirklich nicht mehr viel gefehlt und der Kapitalismus wre vom Erdball gefegt worden. Diese welthistorische Wirklichkeit, die Stalin geschaffen hatte, hinterlie in der Bourgeoisie das schwerste Trauma ihrer Klassengeschichte. Bis heute reagiert sie daher mit ihrer chronischen Krankheit des Antikommunismus allergisch auf alles, was sie auch nur im Entferntesten an den Kommunismus, an Stalin, erinnert. Und obwohl der moderne Revisionismus der Bourgeoisie die Aufrechterhaltung ihrer Macht, die Verlngerung der Epoche des Kapitalismus, den Sieg ber den Kommunismus nicht ohne groe Opfer ermglicht hatte, fllt es der Bourgeoisie trotzdem schwer, dem modernen Revisionismus weiterhin Vertrauen zu schenken, zumal ihm jetzt nur noch die Mglichkeit bleibt, sich hinter der Maske des Stalinismus zu verbergen. Die Bourgeoisie willigt nicht freiwillig ein, Stalin als Maske zu akzeptieren, denn sie riskiert damit, selber zur Wiedergeburt des Stalinismus beizutragen aber der Bourgeoisie bleibt gar keine andere Wahl. In der Not frisst der Teufel Fliegen ! Die Bourgeoisie wird sich also im Selbsterhaltungsinteresse hten mssen, ihre Taktik aufzugeben, den Kommunismus mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Sie ist alt und schwach geworden und braucht ihr Gewand des Kommunismus heute um so mehr, denn wenn sie die Wiederkehr des Kommunismus diesmal nicht mehr abwehren kann, ist ihr Schicksal fr immer besiegelt. Gegen ein sozialistisches Land hatte die Weltbourgeoisie noch eine Chance gehabt zu berleben sie wei, dass der Weltkommunismus ihren endgltigen Untergang bedeutet. Der Kampf um Stalin wird heute also in der zweiten Periode des Sozialismus zu Ende gefhrt werden mssen. Die Niederlage muss in einen Sieg verwandelt werden. Der moderne Revisionismus hat sich vor den Augen der Arbeiter, die ihm vertrauten, als Lug und Betrug erwiesen. Die Bourgeoisie ist also gezwungen, ihre alte Doppeltaktik gegen den Stalinismus durch eine neue zu ersetzen. Und eben diese erneuerte, noch verlogenere brgerliche, konterrevolutionre Doppeltaktik des Antistalinismus muss im revolutionren Kampf um Stalin durch eine weltbolschewistische Taktik des Weltproletariats nieder geschmettert werden.
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Nehmen wir die immer wieder von Neuem aufgetischten angeblichen Verbrechen, die Stalin begangen haben soll. Wenn Verbrechen begangen wurden und es wurden schlimme Verbrechen (gegen die Kommunisten !!) begangen -, so gehen sie nicht auf das Konto von Stalin und des Kommunismus, sondern auf das Konto der Bourgeoisie und des Kapitalismus, die ihre eigenen Verbrechen Stalin in die Schuhe zu schieben versuchen. Wenn es Verbrechen im Namen des Sozialismus gab, dann waren es die hinterhltigen Verbrechen der Feinde am Sozialismus. Es handelt sich um Verbrechen der Kapitalisten und ihren Lakaien: In Worten stalinistische Verbrechen am Sozialismus in Taten kapitalistische Verbrechen am stalinschen Sozialismus! Das ist die Definition fr das Wesen der Verbrechen der modernen Revisionisten, den Lakaien des Weltimperialismus, an Stalin. Die Weltherrscher besitzen die materielle Macht und damit sind sie auch im Besitz der geistigen Waffen gegen das Weltproletariat, verfgen sie ber die globale Macht des Antikommunismus, die globale Macht des Antistalinismus, die globale Macht darber, was ein stalinistisches Verbrechen ist und was nicht , bzw. was als stalinistisches Verbrechen zu gelten hat oder nicht zu gelten hat. Nur in den Augen von Ausbeutern und Unterdrckern ist die Befreiung von Ausbeutung und Unterdrckung, ist der Kommunismus ein Verbrechen. Und umgekehrt: In den Augen der Ausgebeuteten und Unterdrckten ist der Kapitalist und sein Ausbeutersystem verbrecherisch. Insofern ist nicht Stalin ein Verbrecher, sondern seine politischen Gegner sind es. Das Verbrechen ist an sich noch kein Klassenbegriff, nur die verschiedenen Klassen geben ihm ihre entsprechend entgegengesetzte Bedeutung. Bevor man also berhaupt von Verbrechen sprechen kann, muss man seinen klassenspezifische Bedeutung klren, denn es gibt in einer Klassengesellschaft keine Verbrechen, die ber den Klassen verbt werden auch nicht in der sozialistischen Klassengesellschaft, auch nicht in der Stalinra. Es sind nicht persnliche Verbrechen von Stalin, sondern Verbrechen gegen den Kapitalismus, die gerechtfertigt sind, solange sie im Interesse des sich vom Kapitalismus befreienden Proletariats verbt worden sind. Die kommunistische Moral hlt Verbrechen an der Bourgeoisie nicht fr unmoralisch und unethisch, sondern fr die Befreiung vom Kapitalismus, fr die Befreiung von jeglicher Klassenherrschaft, fr unvermeidlich und damit fr notwendig, fr moralisch gerechtfertigt. Verbrechen werden stets auf Grund der Moral und der Gesetzlichkeit der jeweiligen Klassengesellschaft definiert, die im antagonistischen Klassenkampf unvermeidlich sind, die den Klassen aufgezwungen sind, um ihre Interessen durchzusetzen und zu verteidigen. Das Wesen des antagonistischen Klassenkampfes liegt ja gerade darin, dass er unvershnlich ist, das heit, dass der Tod der einen Klasse den Tod der anderen Klasse bedeutet. Es ist also klar, warum die Bourgeoisie den Klassenkampf des Proletariats kriminalisieren muss, denn das Proletariat ist der Totengrber der Bourgeoisie. Doch das trifft noch nicht ganz den Kern der Sache. Die brgerlichen Verbrechen von den proletarischen Verbrechen unterscheiden sich schlielich sehr wesentlich in einem entscheidenden Punkt: Das Weltproletariat ist nicht nur die einzige Klasse, die die Verbrechen der ausbeutenden und unterdrckenden Klassen beseitigt, sondern die ganze Klassengesellschaft selbst und damit jedes Verbrechen, das von Menschen an Menschen verbt wird. Wenn man den revolutionren Kampf gegen die Verbrechen der Konterrevolution allerdings als Verbrechen verurteilt, dann wird man uns Stalinisten dieser Verbrechen solange bezichtigen, bis das Weltproletariat die Verbrechen des herrschenden Weltkapitalismus mit der siegreichen sozialistischen Weltrevolution beendet hat. Eben damit schafft sich das Weltproletariat die Grundlage zur Verwirklichung ihres Endzieles: die Verbrechen von Klassen an Klassen, die Verbrechen von Menschen an Menschen fr immer vom Erdball zu vertilgen. Da, wo der Marxismus-Leninismus herrscht, ist der Revisionismus machtlos, werden die Verbrechen an der Arbeiterklasse, an den werkttigen Massen beseitigt ! Die Berijaner und die Chruschtschowianer mussten zugeben, dass sie machtlos waren, so lange Stalin noch lebte und das ist eine historische Tatsache, von der wir Marxisten-Leninisten alle ausgehen. Wenn der Feind seine Machtlosigkeit gegenber der Macht des Stalinismus zugibt,
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dann wird klar, warum so groe Anstrengungen erforderlich sind, um sich vor dem Stalinismus und vor allem vor seiner Wiederbelebung, vor neu heranwachsenden Stalinisten, vor der Renaissance der Stalin-ra, zu schtzen. Die grte Hrde auf dem Weg zur revisionistischen Macht war die Person und die Rolle Stalins unter der Diktatur des Proletariats. Erst nachdem sie Stalin ermordet hatten, gelang ihnen ihr Putsch, konnten die revisionistischen Sowjetfhrer Position fr Position besetzen und ausbauen. Je weiter sie sich vom Marxismus-Leninismus zu entfernen wagten, um so offensichtlicher wurde ihr Verrat und damit auch ihr Verbrechen, deren Entlarvung wir vor allem dem 5. Klassiker des Marxismus-Leninismus, Genosse Enver Hoxha, zu verdanken haben. Seine Enthllungen besttigten sich endgltig mit dem Ende der revisionistischen Herrschaft und der Auflsung der Sowjetunion. Je offener die Revisionisten auf ihrem kapitalistischen Weg voranschritten, desto weniger konnte verschwiegen werden, dass die Wahrheit ber ihre Verbrechen durch Dokumente und Zeitzeugen ans Tageslicht sickerten. Einige gaben ihre Verbrechen selber zu, andere nahmen sie mit ins Grab, wieder andere gaben die Verbrechen ihrer Vorgnger zu insbesondere die Verbrechen der revisionistischen Schlsselfigur Chruschtschow. Er spielte die Hauptrolle im Kampf des modernen Revisionismus gegen den MarxismusLeninismus. Wir haben bereits in unserem hier verlinkten - Artikel 50 Jahre Kampf gegen den modernen Revisionismus in aller Ausfhrlichkeit und groem Umfang darber geschrieben, worauf sich der hier verffentlichte Text lckenlos anschliet: Der moderne Revisionismus Chruschtschows und der Revisionismus der heutigen NeoRevisionisten unterscheidet sich kurz gesagt - dadurch, dass der Erstere gezwungen war, den Stalinismus mit dem Leninismus zu schlagen, whrend der Letztere nunmehr in verschiedenste Gewnder des Stalinismus schlpfen musste ( Gewnder von links [Trotzkisten, Berijaner usw.] bis rechts [Nationalbolschewisten]), weil wir ihm die leninistische Maske vom Gesicht gerissen haben und er sich dahinter nicht mehr verstecken kann. Dieser Artikel richtet sich also in erster Linie gegen den gehuteten modernen Revisionismus, gegen den Neo-Revisionismus, gegen den globalisierten Revisionismus, gegen den Revisionismus mit stalinistischer Maske, also auch gegen das Berijanertum. Der moderne Revisionismus in der Sowjetunion diente der neuen sowjetischen Bourgeoisie als ideologische Grundlage der bergangsperiode vom Sozialismus zurck zum Kapitalismus. Die Lehren aus unserer Niederlage im Kampf gegenber dem modernen Revisionismus aber wird dem bergang zum Weltsozialismus dienen (Negation der Negation des Anti-Revisionismus). Der Kapitalismus ist heute in Russland Realitt und alles revisionistische Gerede vom Sozialismus ist durch diese historisch gewordene Tatsache wie eine Seifenblase geplatzt. Wir Stalinisten hatten Recht behalten als wir den modernen Revisionisten die Maske vom Gesicht rissen. Revisionismus fhrt zum Kapitalismus. Mit der ffnung der Parteiarchive knnen unsere marxistisch-leninistischen Voraussagen im Groen und Ganzen bewiesen und besttigt werden. Uns Stalinisten war die Dokumentation des Kampfes gegen die putschistische Machtbernahme der Revisionisten durch deren Vertuschungs- und Verflschungstaktik fr Jahrzehnte versperrt geblieben, aber das hatte unseren Glauben an Stalin nicht etwa verhindert, sondern nur noch mehr gefestigt. Je mehr und je geschickter vertuscht wird, um so mehr und geschickter wird aufgeklrt. Mchten die Revisionisten das etwa bezweifeln? Das bestrkte unser Bemhen, den revisionistischen Schleier der letzten Periode Stalins weiter zu lften, uns selber ein immer objektiveres und konkreteres Bild der Ereignisse von damals zu machen und daraus die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen: Es stellte sich heraus, dass der parasitre, revisionistische Wurm sich viel tiefer in die sozialistische Gesellschaft hineingefressen hatte, als wir uns das vorstellen konnten, und dass wir im Nachhinein Stalins letzte Suberungs-Schlacht - obwohl sie mit einer Niederlage endete politisch um so hher und bedeutsamer einzuschtzen haben. Wir gehen aber dabei nicht so weit wie Bill Bland, der die These von der Macht der Revisionisten seit 1934 aufstellte. Wir haben viel von Stalin gelernt, aber am meisten knnen wir von seinem Kampf kurz vor seinem Tod lernen. Hier bewies er seine grte Strke, seine grten Erfahrun-
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gen, seine grte Meisterschaft. Neo-Revisionismus bedeutet hier konkret nichts anderes als mit Worten den anti-revisionistischen Kampf Stalins in seinem Endstadium anzuerkennen, um dahinter seine tatschliche Fortsetzung des Revisionismus zu verbergen. Neo-Revisionismus ist Fortsetzung des Revisionismus mit neuen Mitteln, mit den Mitteln eines vorgetuschten anti-revisionistischen Kampfes. Der moderne Revisionismus war der Totengrber der ersten Periode des Sozialismus. Der Kapitalismus wei, dass er nicht genug Sargngel haben wird, um die Wiederauferstehung Stalins in der zweiten Periode des Sozialismus zu verhindern. Darum sind die Lakaien des Weltkapitalismus intensiv damit beschftigt, ein neues, brgerliches Ebenbild des Stalinismus zu erschaffen, um den getarnten Kampf gegen den wieder erwachenden Stalinismus fortzusetzen, nmlich Stalin und die Stalinisten mit den Waffen Stalins und der Stalinisten zu bekmpfen. Eben dazu war das Berijanertum gezwungen, sich der als brauchbar erwiesenen Tarnkappe Berijas zu bedienen, weil die leninistische Tarnkappe der Chruschtschwoianer von uns niedergerissen war. Insofern kann man auch von einer berijanischen Hutung des Chruschtschow-Revisionismus sprechen. Aber nicht Berija, sondern Stalin war der grte Meister des illegalen bolschewistischen Kampfes. Er selber war der grte Meister des Verwischens von Spuren gegenber dem Klassenfeind selbstverstndlich im Interesse der Revolution ( bei Berija im Interesse der Konterrevolution) und Stalin hat damit der Sache des Weltproletariats, dem Kommunismus, einen unschtzbaren Dienst erwiesen. Stalins Methode war: Enthllung = beste Methode, um Geheimnisse zu verhllen.Und die hat Berija ihm abgeguckt und sie sich gegen Stalin zu Nutze gemacht. So war das. Der Weltbourgeoisie blieb bis auf den heutigen Tag nichts anderes brig, als im Trben zu fischen und sich irgendwelche Schauergeschichten ber Stalin aus den Fingern zu saugen. Und je mehr sich die Weltbourgeoisie in ihre eigenen Lgenmrchen verstrickt, desto unglaubwrdiger wird sie in den Augen des Weltproletariats, desto eher geht sie samt ihrer Hetze gegen Stalin unter, desto mehr kommt die Wahrheit zu Tage. Es sind die aufgeklrten, revolutionren Massen, die der Wahrheit in der Geschichte, die der Wahrheit ber Stalin, zum Durchbruch verhelfen und historische Tatsachen schaffen. Was wir jetzt zur historischen Erhellung beitragen knnen, bleibt noch relativ begrenzt. Das letzte Wort fehlt uns immer noch. Aber wir sind der Wahrheit wieder ein kleines Stck nher gekommen und das ist ein kleiner Sieg, den man uns nicht mehr nehmen kann. Letztendlich wird erst restlos alles aufgedeckt werden knnen, wenn die Arbeiterklasse in Russland wieder an der Macht sein wird und die alleinige Verfgungsgewalt ber die historischen Dokumente hat, jedenfalls ber all die Dokumente, die noch nicht vernichtet sind. Und genau deswegen, um dies zu verhindern, wird die Wahrheit ber Stalin, die Wahrheit ber die Verbrechen der Revisionisten, von der jetzt herrschenden russischen Bourgeoisie natrlich weiter verdunkelt, verzerrt und verflscht nur eben anders nmlich zur Verhinderung der unvermeidlich bevorstehenden Restalinisierungsperiode. Aber genau das verhilft uns wiederum , noch intensiver fr ein klareres und tieferes Verstndnis der Lehren Stalins, der Lehren des MarxismusLeninismus zu kmpfen (Parallele zum Politikum des StaSi-Archivs). Am Antistalinismus in Russland hat sich bis heute im Wesen nichts gendert, nur die Methoden hat man den sich verndernden Verhltnissen entsprechend angepasst nmlich damit die Gefahr einer erneuten Oktoberrevolution, eine neue Sowjetunion im Geiste Lenins und Stalins, die aus ihren Fehlern gelernt hat, erfolgreich abzuwenden. Trotzdem knnen wir Marxisten-Leninisten im begrenzten Umfang und mit begrenzten Mitteln der Bourgeoisie durchaus ber die Schultern schauen, wenn sie die von den modernen Revisionisten verschlossenen Akten wieder geffnet haben. Vor allem aber mssen wir an Hand der offen gelegten Dokumente uns selber berprfen, mssen wir prfen, ob diese Dokumente echt oder geflscht sind, ob unsere bisherige Einschtzung richtig war, ob und was wir daraus lernen knnen, ob wir unsere bisherigen Auffassungen berarbeiten und revidieren mssen usw. usf natrlich ausschlielich, also nur vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus aus. Wir drfen dabei nicht nach unseren
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subjektiven Wnschen und Vorstellungen urteilen, drfen nichts beschnigen aber auch nichts vertuschen. Eine neue Beweislage ist stets Prfstein fr jeden wahren Historiker, der auch bereit sein muss, frhere Fehlinterpretationen einzugestehen, wenn bislang unzugngliche Akten sich als unwiderlegbare Zeitdokumente erweisen. Jedoch, so einfach ist das alles nicht, da machen wir uns nichts vor: Bis heute wird es genug Dokumente geben, die bereits erneut geflscht sind, und es sind mit Sicherheit reichlich Dokumente weiter unter Verschluss geblieben, die der heutigen russischen Bourgeoisie gefhrlich werden knnten. Viele Dokumente bleiben verschwunden oder sind unvollstndig. Vor allem mssen wir auf folgenden Umstand eingehen, auf Bedingungen, die der Klassenkampf damals diktierte: Es gab zur Zeit Stalins keine geringe Anzahl von nicht dokumentierten Befehlen, die unter hchster Geheimstufe - ausschlielich mndliche Befehle waren. Und bei manchen geheimen Aktionen durften keinerlei Spuren hinterlassen werden, um sich vor dem Zugriff des Klassengegners zu schtzen. Es war fr Stalin unter den Bedingungen des verschrften Klassenkampfes im eigenen Land unvermeidlich, auch mit Scheindokumenten zu arbeiten, um Spuren vor dem Gegner sogar in den eigenen Reihen zu verwischen. Unsere gezielten Desinformationen in Dokumenten, sind ein Mittel, um Feinde zu verunsichern und in die Irre zu fhren, damit sie fr uns Dinge tun, von denen sie glauben sollen, dass sie in ihrem eigenen Interesse also gegen uns gerichtet seien. Mit den von uns lancierten Desinformationen tut die Konterrevolution das, was wir von ihnen wollen, machen wir sie zu unserem Werkzeug. Gerade die damit erzielten Kriegserfolge gegen den Hitlerfaschismus hat Churchill an Stalin bewundert. Besonders schlau war es, Desinformationen mit stimmigen Fakten zu vermischen, um damit die Glaubwrdigkeit der Desinformation zu erhhen. Desinformationen sind nicht nur eine effektive Angriffs -, sondern auch eine uerst wirksame Verteidigungswaffe des Proletariats. Diese hat Stalin insbesondere im Groen Vaterlndischen Krieg meisterhaft anzuwenden verstanden. Die Frage von Form und Inhalt von Dokumenten, die heute auftauchen, mssen parteilich, im Interesse der Arbeiterklasse geprft werden. Die Klassenfrage darf man nicht auen vor lassen. Die Geheimdienste selbst wurden insgeheim berwacht. Selbst die berwachung der berwachung musste berwacht werden, um den Kampf gegen die Restauration des Kapitalismus bis in die tiefsten Tiefen fhren zu knnen. Die meisten Genossen mssen noch lernen, diese stalinistischen Methoden gegen den Klassenfeind auszunutzen. Wir haben weiter damit zu rechnen, dass die heutigen Revisionisten der Bourgeoisie bei der Sichtung, Auswahl und Beurteilung der Dokumente selbstverstndlich behilflich gewesen sind und dies weiter sein werden, vor allem was die Frage des Berijanertums anbelangt, die wir auf die Tagesordnung gestellt haben. Nach dem August 1991 begann ein regelrechter Run auf die Dokumente die Plnderung der Archive war ein Bombengeschft. Wer die materielle Macht hat, der hat sie auch ber historische Dokumente, wird sie im Interesse der Aufrechterhaltung der materiellen Macht entsprechend nutzen, verflschen bzw. manipulieren oder verschwinden lassen. Im Klassenkampf, der mit und ber historische Dokumente ausgetragen wird, bedient man sich heute vervollkommneter Vertuschungs- und Manipulationsmethoden globalisierter Methoden des Desinformations-Klassenkampfes wie sie heute in der weltimperialistischen Raubkriegsfhrung angewandt wird. Die Ergebnisse liaufen wie kannes auch anders sein auf alles Mgliche hinaus, nur nicht auf eine Rehabilitierung Stalins im Gegenteil, man malte das Bild von Stalins Schreckensherrschaft noch dokumentarischer , noch realistischer, noch berzeugender aus. Heute auf neu zu entdeckende historische Dokumente zu stoen, bedeutet das Betreten eines Minenfeldes - jeder Fehltritt, jede Fehlinterpretation, kann schwerste Verletzungen und sogar den politischen Tod bedeuten. Wir verpflichten uns daher selbst, auf keinen Fall bereilte Statements abzugeben und falsche Schlussfolgerungen zu ziehen. Wir bleiben dem Prinzip von Kritik und Selbstkritik treu bei der Bewer-
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tung und Beurteilung von neu auftauchenden Dokumenten sie knnten eine Falle sein. Wir drfen auf die brgerlichen Sensationsmedien mit ihrem heimlich gesteuerten Enthllungswahn nicht hereinfallen, drfen uns nicht aufs Glatteis fhren lassen, mssen uns auf unsere eigene marxistisch-leninistische Urteilskraft verlassen, mssen uns weiter ins Studium der Lehren und des Lebens Stalins vertiefen, mssen die tatschlichen Verhltnisse in der sozialistischen Gesellschaft vor und nach Stalins Tod besser analysieren deswegen soll dieser Text dabei helfen, die Diskussion anzuregen. Aber Vorsicht walten lassen heit nicht, sich ins Schneckenhaus zurckzuziehen, vor lauter Angst, sich mit Fehlinterpretationen bei seinen Feinden in die Nesseln zu setzen oder sich vor Freunden zu blamieren. Wenn wir gelernt haben auszuteilen, mssen wir auch lernen einzustecken! Fr unsere Fehler mssen wir selber einstehen. Die knnen wir nicht anderen unter mogeln, wie es Berijas politischem Alltag entsprach. Wenn sich neue Erkenntnisse aus der Geschichte ergeben, dann sind wir verpflichtet, sie zu bewerten, auch auf die Gefahr hin, dass wir dabei zunchst Fehler machen und falsche Spuren verfolgen. Nur wer die Geschichtsschreibung revolutioniert, kann sie weiterentwickeln und damit fr die Weltrevolution nutzbar machen. Die Verteidigung Stalins ist nach wie vor eine unverzichtbare und verantwortungsvolle Aufgabe aller Marxisten-Leninisten. Das verlangt groe Umsicht und Sorgfalt, aber auch Parteilichkeit und Prinzipienfestigkeit (nicht zu verwechseln mit Sektierertum, Dogmatismus und Personenkult das sind brgerliche Auffassungen von Parteilichkeit und Prinzipienfestigkeit) . Die meiste Arbeit haben wir noch vor uns. Momentan sind wir rein krftemig gar nicht in der Lage, die Aufarbeitung dieses Geschichtsabschnittes der revisionistischen Machtbernahme und des Antistalinismus (einschlielich jeglicher !!! Form des Antistalinismus, die sich mit angeblichem Stalinismus zu maskieren versucht) der modernen Revisionisten durch Studium der neu verffentlichten Dokumente im erforderlichen Umfang zu bewltigen. Diese Aufgabe kann man nur mit hochqualifizierten gut organisierten marxistisch-leninistischen Krften bewltigen. Und die gilt es heranzubilden. Auf eins mssen wir dabei immer achten: Jede Einschtzung der Dokumente ber die Ereignisse kurz vor und nach Stalins Tod, die nicht vom Gesichtspunkt des Klassenkampfes aus geschieht, ist falsch, anti-marxistisch, schadet der Sache des Sozialismus schwer, nutzt den Feinden des Sozialismus und ist gegen die Interessen der Arbeiterklasse und des Sozialismus gerichtet. Das lehrt uns Genosse Enver Hoxha. Die Geschichte des modernen Revisionismus in der Sowjetunion ist die Geschichte der Vertuschung der Verbrechen der revisionistischen Fhrer, die nichts anderes sind als Verbrecher an der Sowjetunion Lenins und Stalins. Die Geschichte der revisionistischen Vertuschung der Wahrheit ber Stalin ist die Geschichte eines der grten Verbrechen am Kommunismus. Wir fordern daher alle wahren Stalinisten der ganzen Welt auf, sich an der Aufklrungsarbeit selbstndig und eigenverantwortlich zu beteiligen und uns ber ihre Arbeitsergebnisse aufzuklren, damit wir sie sammeln, verffentlichen und diskutieren knnen. Wir mssen uns gegenseitig helfen, der Wahrheit ber Stalin immer weiter aufzudecken, um gegen die Desinformationsflut der Herrscher dieser Welt einen Damm zu errichten. Ist euch klar, Genossen, dass der Antistalinismus bis heute das grte Hindernis fr uns Kommunisten ist, das Weltproletariat fr den Kommunismus zu gewinnen ? Die vollstndige und wahrheitsgetreue Aufdeckung der historischen Vertuschungen und Verflschungen der Revisionisten ist ein Kampf fr unseren Genossen Stalin ! Wir wren schlechte Stalinisten, wenn wir nicht mit aller Energie unseren Kampf gegen den Antistalinismus zu Ende fhren das sind wir dem Genossen Stalin und der Sache schuldig, der er vorbildlich gedient hat ! Es ist mit dem Opportunismus gegenber dem Stalinismus Schluss zu machen. Lassen wir uns nicht von der Krankheit anstecken, die Furcht vor der Wahrheit ber Stalin heit. Es gibt nur eine Linie, die weltrevolutionre Linie der Bolschewiki, die Linie Stalins. Alle anderen Linien sind in Wahrheit kommunistenfeindliche Linien.
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Unser Kampf fr die Wahrheit ber Stalin ist ein Kampf fr die Gewinnung, Organisierung und Mobilisierung des revolutionren Weltproletariats, ist ein Kampf fr ihre ideologische Bewaffnung mit dem Marxismus-Leninismus, an dessen Weiterentwicklung Stalin groen Anteil hatte. Stalin gehrt dem Weltproletariat. Ohne Stalin vollstndig zurckerobert zu haben, ohne den tief eingegrabenen Antistalinismus der Weltreaktion aus den Kpfen der Arbeiter herauszureien, wird sich das Weltproletariat nicht vom Weltkapitalismus befreien knnen, wird es fr das Weltproletariat keine siegreiche proletarische Weltrevolution geben, wird es keine neue weltproletarische Sowjetunion Lenins und Stalins geben, die aus den Verbrechen des modernen Revisionismus gelernt und ihn vollstndig berwunden hat.
Der Stalinismus lsst sich nicht entstalinisieren, nicht stalinisieren , nicht restalinisieren !
Wir hatten uns eingehend mit der ersten, der kaukasischen Schaffensperiode Stalins befasst und wollen nun direkt zu seinem letzten Kampfabschnitt unmittelbar vor seinem Tod bergehen, ohne dabei den Bezug zum aktuellen Thema Georgien aus den Augen zu verlieren. Dieser georgische Zeitabschnitt bis in die Jahre 1912-1913 wurde wohlgemerkt nur deswegen gewhlt, weil es uns hier um das Heimatland, um den ersten historischen Wirkungsort Stalins im Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen in Transkaukasien, in Georgien geht. Und hier beginnt auch die Spur des Berijanertums [Berija war ein Mingrelier], die es bis 1953 und darber hinaus zu verfolgen gilt. Diese Zeiteinteilung darf politisch jedoch nicht fehlinterpretiert werden. Wenn wir sagen, dass man in dieser Zeit von Stalins Kampf gegen den Opportunismus lernen muss, um zu siegen, dann darf daraus nicht der falsche Schluss gezogen werden, dass man etwa auf Stalins Erfahrungen und Lehren im Kampf gegen seine opportunistischen Feinde nach den Jahren 1912 1913 getrost verzichten knne. Mit der Person Berijas knnen wir den ganzen stalinschen Kampf gegen den Opportunismus nachverfolgen. Die Jahre im Kaukasus waren Stalins Lehrjahre des Kampfes gegen den Opportunismus. Meister im Kampf gegen den Opportunismus wurde Stalin erst danach und zwar in Russland. Berijas Lehrjahre begannen ebenfalls im Kaukasus. Meister im Kampf gegen Stalin wurde er erst in Russland. Und auch ihn fhrte der Kampf gegen Stalin zurck in den Kaukasus. Diese beiden Entwicklungslinien von Stalin und Berija berschneiden sich nicht rein zufllig, sondern sind auf Leben und Tod mit Georgien verknpft geblieben. Will man den Kampf gegen den Opportunismus meistern, kommt man nicht umhin, nicht nur die Lehrjahre, sondern vor allem die Meisterjahre Stalins zu studieren. Die Stalinisten mssen stets von der gesamten Schaffensperiode Stalins lernen, mssen die historischen Schlge, die Stalin den Opportunisten versetzte, miteinander im Zusammenhang, in ihrer Entwicklungsgeschichte, studieren. Das gilt ganz besonders fr seinen allerletzten Schlag, den er gegen die revisionistischen Parteifeinde fhrte, insbesondere gegen Berija. Die Literatur ber diesen Zeitabschnitt seitens der Marxisten-Leninisten ist wie bereits im Vorwort erwhnt - recht dnn geblieben, was nicht zuletzt auch auf die Nachhaltigkeit des revisionistischen Einflusses in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung zurckzufhren ist. Es macht Sinn, Stalins erste Schlge mit seinen letzten Schlacht zu vergleichen und miteinander in Beziehung zu bringen, um damit sowohl die Bedeutung von Stalins ersten Kmpfen in Georgien als auch seine letzten Kmpfe gegen seine Feinde besser zu verstehen, die auch in den Kaukasus zurckfhren (Berijas Mingrelische Affre). Stalins Suberungsperiode gegen die berijanischen Parteifeinde in Georgien 1950/51 darf man keineswegs auer Acht lassen, wenn man verstehen will, wie die Bourgeoisie in der Sowjetunion an die Macht kam. Im Kampf gegen ihre eigene revisionistische Entartung hat die KPdSU (B) unter Stalins Fhrung 1950-1952 insbesondere aus dessen Kaukasus-Periode wichtige Lehren des Kampfes gegen die Whlarbeit der Menschewisten gezogen. Es drfte den wenigsten Genossen bekannt sein, dass Stalin bis zu seinem Tode
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intensivst gegen die Menschewisten gekmpft hatte, insbesondere gegen die Menschewisten, die als georgische Emigranten ihre nationalistische Whlarbeit in der georgischen KP organisierten, um von Georgien aus gegen die Sowjetunion Lenins und Stalins und gegen Stalin persnlich - vorzugehen. Es gab verdeckte sowjetfeindliche Aktivitten georgischer Emigranten, die von westlichen Regierungen und Wirtschaftsunternehmen finanziert wurden und unter Berijas Fhrung der Moskauer Verschwrer von 1953 standen. In Georgien verteidigte Stalin kurz vor seinem Tod den Internationalismus der Bolschewiki gegen den anti-sowjetischen Nationalismus, gegen den menschewistischen Geist der II. Internationale, den sich die angloamerikanischen Imperialisten vor ihren Karren spannten. Dieser Kampf bildete fr Stalin eine dialektische Einheit gegen den westlichen Kosmopolitismus und den sowjetischen Gromachtchauvinismus, die beide das Erstarken des Nationalismus in den Randzonen unvermeidlich hervorriefen. Kappte man nun den anti-sowjetischen Nationalismus im Kaukasus, so zerschlug man damit auch die Instrumente der Whlarbeit des Kosmopolitismus und des russischen Gromachtchauvinismus gegen die UdSSR und vor allem gegen ihr revolutionrs Zentrum in Moskau. Das waren fr Stalin zwei Seiten einer Medaille nmlich den begonnenen Kalten Krieg, der von innen und auen gegen die Sowjetunion Lenins und Stalins gefhrt wurde und der gegen die sozialistische Revolution und den Kommunismus in der ganzen Welt gerichtet war, in einen Sieg des Kommunismus zu verwandeln. Stalin vor und nach der Machtergreifung der Bolschewiki - und Stalin vor der Machtergreifung der modernen Revisionisten, das ist das Bild Stalins, das hier in diesem Artikel im Zusammenhang mit den Ereignissen in Georgien, Anfang der 50er Jahre und heute aufgezeigt werden soll. Der Kritik an Berija kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Die Geschichte Stalins ist die ruhmreiche Geschichte seines lebenslangen Kampfes gegen seine inneren Feinde, gegen die Opportunisten, die zuerst versuchten, die Eroberung der Macht der Bolschewiki zu vereiteln und dann als sie geschlagen wurden damit begannen, die Macht der Bolschewiki zu strzen - mit Untersttzung der ueren Feinde - und die schlielich ihr Ziel, die Sowjetunion in einen brgerlichen Staat zu verwandeln, erreichten - trotz seines erbitterten Widerstandes, den Stalin ihnen entgegengestellt hatte. Insbesondere seine alte bolschewistische Garde, die Enver Hoxha treffend als Leichen des Bolschewismus bezeichnete, Molotow, Kaganowitsch, Woroschilow usw. forderte er auf , sich wie in alten Zeiten ins Zeug zu legen und kompromisslos und mit der gefrchteten Hrte und eisernen Disziplin der alten Bolschewiki gegen den gehuteten Menschewismus, den modernen Revisionismus anzutreten und sich diesem Kampf auf Leben und Tod zu stellen. Aber diese kapitulierten unter dem Druck der Feinde von innen und auen, nahmen eine vershnlerische und zentristische Haltung ein und entfernten sich immer mehr vom Bolschewismus. Seine so genannten Kampfgefhrten waren nunmehr mit der Personenkult-Taktik gegen ihn aufgetreten mit einem Tross ihrer Apparatschiks in den Ministerien und in der Partei. Die am lautesten Stalin schrien und vor Allem jene, die Stalin am heimtckischsten schmeichelten, waren seine rgsten und gefhrlichsten Feinde, seine Verschwrer und Mrder. Mit dem Tod des vierten Klassikers des Marxismus-Leninismus fhrten die revisionistischen Verschwrer und Machthaber auch den Tod der Sowjetunion herbei, des ersten sozialistischen Landes auf der Welt. Viele Lehren dieses Kampfes der KPdSU gegen den Opportunismus wurde bereits 1938 von Stalin in der Geschichte der KPdSU (B) [Kurzer Lehrgang] niedergeschrieben. Und selbst dieser Kurze Lehrgang war Stalins Produkt aus einem scharfen Kampf gegen die trotzkistischen Entstellungen und Verflschungen ber die Rolle Lenins und der bolschewistischen Partei (Stalins Kritik an Sluzki, Jaroslawski usw.). Auf allen Parteitagen, insbesondere zuletzt auf dem XIX. Parteitag wurde zum Kampf gegen die Gefahr der Restauration des Kapitalismus in der UdSSR aufgerufen, wurden hierzu verbindliche Parteibeschlsse gefasst, die es diszipliniert umzusetzen galt. Aber all das wurde besonders nach Stalins Tod ignoriert und ber den Haufen geworfen, verdreht und verzerrt, so wie es die parteifeindlichen Gruppierungen innerhalb der KPdSU brauchten, um die revisionistische Macht zu bernehmen und den proletarischen in einen brgerlichen Sozialismus zu verwandeln - im Namen des Leninismus .
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Den offenen Frontalangriff auf Stalin und seine Lehren wagten die Chruschtschow-Revisionisten erst drei Jahre nach seinem Tod 1956. So stampfte der XX. Parteitag Stalins Kurzer Lehrgang ein (ab 1938 war es das Standardwerk der Schulung der Parteigeschichte und nach 70 Jahren fr die Komintern (ML) immer noch das Standardwerk, das aber noch bis Stalins Tod vervollstndigt werden muss, denn im Jahre 1938 endet nicht die Geschichte der KPdSU [B] als marxistisch-leninistische Partei, sondern erst mit dem Jahre 1953). In der Parteigeschichte der Revisionisten tauchte Stalin damals erst mit der Oktoberrevolution namentlich auf. Seine Rolle im Brgerkrieg und seine Ernennung zum Generalsekretr 1922 sowie die Rede an Lenins Grab wurde bergangen. Alle Schriften Stalins, die von den Revisionisten noch auf dem vorangegangenen XIX. Parteitag berschwnglich gepriesen wurden, unter anderem die konomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR ( die Stalin gegen sie gerichtet hatte!), durften von nun ab nicht mehr erwhnt werden und fielen der Zensur zum Opfer. Stalins Schriften waren nicht nur in der Sowjetunion, sondern auch in den revisionistischen Ostblocklndern verboten. Die Wiederherausgabe und Verbreitung seiner Gesammelten Werke durch die KPD/ML war damals ein Schlag ins Gesicht der Revisionisten! Der einstige Block der Rechten und Trotzkisten im Kampf gegen Stalin und seine Wiederbelebung und Fortsetzung durch die gemeinsame Front von Neo-Trotzkisten und Neo-Revisionisten im Kampf gegen die Marxisten-Leninisten Wir wollen Missverstndnissen vorbeugen und auf die Gefahr hinweisen, welche eine Zweiteilung des Lebens- und Wirkens Stalins in sich birgt. So ist die Methode der historischen Zweiteilung ein beliebtes Steckenpferd des Trotzkismus und des modernen Revisionismus, um einen Zeitabschnitt gegen den anderen auszuspielen und als Rechtfertigung fr Stalins Aburteilung zu verwenden. Unsere Kurzbeschreibung des zeitlichen Kampfabschnittes Stalins, den wir nochmals nachgezeichnet hatten, die Zeit an Lenins Seite wird von den Antistalinisten mehr oder weniger als eine gerade noch hinnehmbare Vorgeschichte des Diktators heruntergespielt. Die Zeit kurz vor und kurz nach dem Tod Lenins jedoch wird von den Antistalinisten selbstkritisch als schon zu spt erkannte Unterschtzung der Gefahr des Machtmissbrauchs Stalins interpretiert, nachdem Lenin in einem angeblichen Brief vor Stalins Alleinherrschaft gewarnt haben soll. Darauf haben sich spter alle Antistalinisten, einschlielich Chruschtschow, berufen. Dieser Zeitpunkt wird als Wendepunkt datiert. Der Kampf gegen den Trotzkismus, den Linksopportunismus der 20er Jahre wird schon als persnliche Machtberschreitung eingeschtzt ab 1929 = Alleinherrscher. Sptestens aber mit den Suberungen Mitte der 30er Jahre, wo Stalin entschieden zu weit gegangen sei, beginnt fr die Antistalinisten die eigentliche Periode der Stalinschen Schreckensherrschaft. Es darf deswegen auch nicht verwundern, warum die Gegner Stalins in den Reihen der Partei an einer Verffentlichung der Werke Stalins ab 1934 nicht mehr sonderlich interessiert waren. Mit Band 13 war fr sie die Fahnenstange erreicht. In Wirklichkeit aber glaubten sie mit diesem plumpen Trick leichteres Spiel zu haben, um dann nach Stalins Tod Mistkbel ber ihn auszuschtten. Stalin aber bewies bis in den Tod bolschewistische Unvershnlichkeit gegenber den Feinden des Sozialismus. Er zerschlug die bucharinsche-trotzkistische Bande von Spionen, Schdlingen und Mrdern, die im Dienste der Spionageorgane kapitalistischer Staaten standen und vereitelte deren Plne, die Sowjetunion in eine Kolonie des Weltimperialismus zu verwandeln und dort die kapitalistische Sklaverei wieder herzustellen. Klar, dass die Stalingegner vor Wut schumten und ihn zur Zielscheibe ihrer Verleumdungen machten. Am einfachsten machten es sich solche Leute, die das historische Fossil kommentarlos begraben wollen: Wer Stalin auch immer gewesen sein mochte, jedenfalls sei er eine Persnlichkeit seiner Zeit gewesen und fr die heutige Zeit nur noch als abschreckendes Beispiel brauchbar. Es lohne also nicht, sich mit seinen Anschauungen zu befassen. Er habe den Marxismus viel zu sehr missbraucht und der Stalinismus ist es daher nicht wert, dass man sich damit berhaupt noch abgeben sollte. Die Stalinisten von heute sind unbelehrbare, arme Irre, die so blind sind, dass sie nicht mehr die Zeichen der Zeit erkennen, dass sie unverbesserlich verbohrt sind in ihre Ideologie und sich nicht eingestehen knnen, dass sie ihr
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Spiel schon lngst verloren haben und nun auf einsamem Posten untergehen. Der Stalinismus ist heute fr nichts mehr zu gebrauchen, am allerwenigsten fr den Marxismus. Nun, so plump gehen nicht alle Antistalinisten vor. Gefhrlicher sind solche Leute, die ihren Antistalinismus geschickt hinter Sympathien fr Stalin verbergen, aber vom Stalinismus nichts wissen wollen. Sie versuchen die Person Stalins vom Stalinismus zu trennen, um seiner Person ihren eigenen politischen Vorstellungen aufzupfropfen. Sie fllen die Person Stalins mit ihm angedichteten Eigenschaften, die angeblich beweisen sollen, dass er alles gewesen sei nur kein Marxist-Leninist. Umgekehrt gibt es Leute, die ihn angeblich als Marxisten-Leninisten verteidigen, ihm aber Eigenschaften andichten, die sich mit dem Marxismus-Leninismus nicht vereinbaren lassen, also in Wirklichkeit gegen den Marxismus-Leninismus gerichtet sind. Alle diese verschiedensten Strmlinge kochen mit dem Namen Stalin ihr eigenes anti-stalinistisches Sppchen. Es gibt ein riesiges Spektrum verkappter Antistalinisten, das wir hier nicht in allen Einzelheiten darstellen knnen. Sie alle vereint das illusorische gemeinsame Ziel die Entstalinisierung Stalins. Whlen wir eine antistalinistische Gruppierung heraus, die unser grtes Lob verdient, sich mit Stalin zu tarnen, um unerkannt zu bleiben: Es gibt diese Leute, die Stalin in seiner letzten Kampfphase vorwerfen, er habe die Gefahr des modernen Revisionismus nicht klar genug erkannt, ihn nicht gengend bekmpft, habe nicht den konsequenten Bruch mit den modernen Revisionisten vollzogen und sie nicht rechtzeitig hinausgejagt, er htte sich als zu schwach erwiesen und htte sich nicht konsequent vom Marxismus-Leninismus leiten lassen usw. usf., htte im Kampf gegen die Restauration des Kapitalismus kapituliert, htte sich in die Isolation zurckgezogen und sei ein Gefangener seines eigenen Landes gewesen, usw. usf.. Tatsache ist, dass die modernen Revisionisten mit dem Mord an ihm die Macht eroberten. Daraus aber die Schlussfolgerung zu ziehen, dass ausgerechnet Stalin ihnen dabei geholfen habe, ist hirnrissige Spekulation, die natrlich niemand mit Tatsachen zu belegen vermag. Die Kritiker Stalins trauen sich noch nicht einmal, diese Kritik offen auszusprechen das verbergen sie hinter ihren stalinschen Phrasen. Sie haben von den modernen Revisionisten gelernt, dass man Stalin nur mit den Waffen Stalins schlagen kann und mssen dabei uerst vorsichtig vorgehen, um nicht enttarnt zu werden ! Diese Leute erdreisten sich, Stalins Verdienste im Kampf gegen den modernen Revisionismus indirekt zu leugnen oder geringzuschtzen, nur um sich selber auf das Podest der entschiedensten Kmpfer gegen den modernen Revisionismus zu stellen. Sie wollen Stalin berholen und uns Marxisten-Leninisten ber den Kampf gegen den Revisionismus belehren, wollen uns von der angeblich zu schwachen anti-revisionistischen Generallinie Stalins abhalten, wollen in Wirklichkeit eine solche Art von Anti-Revisionismus, die die Wunden des Revisionismus heilt. Wissen diese Leute nicht oder wollen sie nicht zu Kenntnis nehmen, dass eine ganze Reihe von modernen Revisionisten von Stalin bereits liquidiert worden waren, dass weitere Todesurteile von Stalin schon aufgelistet worden waren ( darunter Mitglieder des Prsidiums der KPdSU !), dass er die Vollstreckung der Todesurteile bereits in Angriff genommen hatte und dass die modernen Revisionisten im Prsidium ber ihr Todesurteil Kenntnis hatten, also selber wussten, was ihnen da blht? Dass Stalin bis zum Schluss der bolschewistische Weltfhrer im Kampf gegen den modernen Revisionismus war, das kann geprft werden eben an diesen Taten ( eben nicht nur gegenber Tito sondern auch in seinen eigenen Reihen!) und nicht nur an Stalins letzten Schriften, von denen lngst nicht alle verffentlicht sind, wodurch diese Freunde Stalins natrlich weiter schn im Trben fischen knnen !! Wir Stalinisten werden den anti-stalinistischen Schmugglern keine Waren abkaufen! Wir werden nicht zulassen, das Stalins Lebenswerk gegen die Restauration des Kapitalismus, die Geschichte Stalins, die Geschichte der bolschewistischen Partei im Interesse Stalins, im Interesse der Geschichte der bolschewistischen Partei zu verflschen ! Wer Wasser auf die Mhlen der Geschichtsflscher Stalins leitet, dem wird in unseren Reihen kein Platz fr derartige Diskussionen eingerumt.
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Stalin begann im Kaukasus mit dem Kampf gegen den Menschewismus und setzte ihn dort permanent fort. Es wre also falsch anzunehmen, dass ihn der Kampf gegen Berija erst kurz vor seinem Tod wieder in den Kaukasus zurck gefhrt hatte. Im Laufe der Jahre stie Stalin dabei auf einen vernderten Menschewismus, auf einen gehuteten Menschewismus. Das war ein viel komplizierterer Kampf gegen den bereits geschlagenen Menschewismus, wie er in seiner Anfangszeit noch in Georgien regierte, denn nun befand er sich heimlich mitten unter uns. Es war ein Menschewismus geworden, der seine parasitre Kraft aus dem blhenden sozialistischen Georgien heraussog, um zu einer bedrohlichen Gefahr fr die ganze Sowjetunion heranzuwachsen. Die Menschewisten durften sich zur Stalinzeit in Georgien nicht mehr ffentlich blicken lassen und hatten sich deshalb inzwischen ein stalinistisches Mntelchen umhngen mssen, aus dem sie nun herausplatzten. Sie waren jetzt zu mchtigen und einflussreichen stalinistischen Menschewisten geworden, zu Menschewisten wie Berija sie gebrauchte, um die an die Bolschewiki verlorene Macht zurckzuerobern und den Bolschewismus endlich aus Georgien zu vertreiben. Der Menschewismus in Georgien war das sozialistische Tribut an seine sozialdemokratischen Urahnen im Westen. Den im Kampf gegen den Menschewismus aufgebauten sozialistische Wohlstand des georgischen Volkes wollte Berija an den Westen verschachern. Berija war der Hauptfeind des georgischen, sozialistischen Volkes, und stand im Dienste der weltimperialistischen Versklavung Georgiens wie wir im Kapitel ber die Mingrelische Verschwrung sehen werden. Andere Leute schufen die Legende von dem zunchst guten ( der Revolutionr Stalin) und von dem dann bsen Stalin (der Diktator Stalin). Das ist ein typisches Aufteilungsmuster, das die Bourgeoisie an allen kommunistischen Fhrern statuieren. Revolutionren, die von der herrschenden Bourgeoisie verfolgt wurden, denen zollt man gewisse Bewunderung als Widerstandskmpfer. Die gleichen Revolutionre aber, sobald diese die Macht erobert hatten und nun ihrerseits die Bourgeoisie verfolgten, werden ans Schreckensherrscher an die Wand gemalt. Selbst Gorbatschow gab zu, dass es ohne die proletarische Sowjetunion Lenins und Stalins auch keine solche sptere brgerlich-sozialistische Sowjetunion gegeben htte, dass die neu entstandene Bourgeoisie ihren Siegeszug ohne das Proletariat und seine Diktatur, ohne die Verteidigung der Sowjetunion im Groen Vaterlndischen Krieg, ohne Stalin nie htte antreten knnen. Stalin ist aber nicht der Urvater einer sowjetisch-imperialen Supermacht wie Berija ihn brauchte, er ist nicht etwa der Begrnder der brgerlichen Diktatur in der Sowjetunion, der Vater der sozialimperialistischen Supermacht. Stalin gehrt dem Weltproletariat und nicht der neuen russischen Bourgeoisie ! Und auch der lenin-stalinsche Bolschewismus ist nicht die Urquelle, aus dem die radikalisierten kleinbrgerlichen Nationalbolschewisten schpfen, sondern der Kapitalismus. Lenin und Stalin grndeten ihre Lehren auf dem Marxismus, auf den Internationalismus des Weltproletariats und auf nichts Anderem ! Wir lassen keine Diskussion darber zu, ob der Leninsche Bolschewismus marxistisch war oder nicht. Und wir lassen ebensowenig eine Diskussion darber gelten, ob der stalinsche Bolschewismus leninistisch war oder nicht. Wir diskutieren nicht auf Kosten der ureigensten Interessen des Weltbolschewismus, die im len-stalinschen Bolschewismus begrndet sind, im Marxismus-Leninismus begrndet sind. Heute sind Russland und Albanien die einzigen beiden kapitalistischen Staaten auf der Welt, die aus einem sozialistischen Staat hervorgegangen sind und das haben alle anderen kapitalistischen Staaten auf der Welt natrlich nicht vergessen und das werden sie nicht vergessen insbesondere nicht die USA nach wie vor das antikommunistischen Zentrum der Weltreaktion. Da nun damals aber die militrische Einverleibung der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg scheiterte und stattdessen eine weitere Verbreitung, Festigung und Weiterentwicklung des Sozialismus folgte, bedeutete jeder Mistkbel, der ber Stalin ausgeschttet wurde, eine weitere Festigung der Verbindung der Partei Lenins und Stalins mit den Menschen der sowjetischen Gesellschaft, eine Festigung der Verbindung zwischen dem Weltproletariat und den unterdrckten Vlkern mit dem neu entstehenden sozia-
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listischen Lager. Anti-Stalinismus polarisiert die Krfte des Stalinismus. Also blieb den Feinden Stalins, die identisch mit den Feinden der Sowjetunion und des Kommunismus waren, nichts anderes brig als zu versuchen, Stalin im Namen Stalins zu schlagen, u.a. mit Hilfe des Personenkults, den besonders die Gruppe Chruschtschows, Berijas usw. verbreitete. Der Weg der Restauration des Kapitalismus musste also gezwungenermaen ins Gewand der Person und der Lehren Stalins gekleidet werden, was Stalin durchschaute. Und so lange Stalin lebte, scheiterte auch dieser Versuch der Saboteure denken wir nur an das Werk Stalins Die konomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR. Das war ein gezielter Schlag gegen die Restauration des Kapitalismus ! Auf dem XIX. Parteitag, vom 5. - 14. Oktober 1952, - hielt er vor seinen revisionistischen Feinden, die den Vorsitz fhrten seinen letzten Redebeitrag. Kurz nach dem Parteitag rechnete er mit den Restauratoren des Kapitalismus ab und wies sie in ihre Schranken darunter auch Chruschtschow. Dieser wurde auf dem XIX. Parteitag gergt zum Beispiel wegen seiner Propagierung der Agrostdte. Schon im Frhjahr 1951 wurde er deswegen in der Prawda zurechtgewiesen. Wenn man sich den Rechenschaftsbericht von Malenkow, die Abnderungen am Statut der KPdSU (B) von Chruschtschow, den Diskussionsbeitrag von Bulganin, den Bericht Saburows ber den Fnfjahrplan usw. auf dem XIX. Parteitag ansieht, dann wird einem kotzbel, denn ihre demonstrative Treue zu und Einheit mit Stalin war auf dem XIX. Parteitag eine einzige Lge, eine einzige Heuchelei, wie sie selber nach seinem Tod ffentlich zugaben und es in verbrecherischen Taten schlielich unter Beweis gestellt hatten. Man muss schon genau hinsehen, um zu erkennen, dass die modernen Revisionisten schon im Beisein Stalins auf ihren verrterischen Kurs zusteuerten ! Es war aber noch nicht einmal eine Woche vergangen seit dem Tod Stalins, als sie begannen, aus ihren heuchlerischen und doppelznglerischen Lchern zu kriechen, wo sie als Fhrer des modernen Revisionismus den Weg der Restauration offen beschritten - mit den heute bekannten Folgen. Sie trennten Wirtschaft von Politik, verstrkten die Wirtschaft unter Beeintrchtigung der politischen Ziele des Sozialismus usw. usf. Wir werden darauf noch im Einzelnen einzugehen haben. Kurz: Die Revisionisten verbargen sich noch auf dem XIX. Parteitag hinter der von ihnen selbst aufgestellten Pappfassade des Personenkults , die sie auf dem folgenden XX. Parteitag offiziell fallen lieen, um sich hinter ihrem neuen leninistischen Pappschild zu verstecken. Eine Entstalinisierung vermittels eines offenen, jhen und unvermittelten Bruchs mit dem MarxismusLeninismus war zum damaligen Zeitpunkt so gut wie unmglich, so dass Lenin schlielich fr die Revisionisten herhalten musste, um ihren Sndenbock Stalin abzustrafen. Die Revisionisten der UdSSR machten Chruschtschow zu ihrem Fhrer der so genannten Entstalinisierung. Chruschtschowismus, das ist die brgerliche Revision des Stalinismus unter Anwendung der konterrevolutionren Losung: Mit Lenin gegen Stalin. Die Sowjetrevisionisten an der Macht vollzogen also mit der Entstalinisierung einen entscheidenden Schritt zur brgerlichen Revision des Marxismus-Leninismus. Sowjetrevisionismus heit brgerliche Zweckentfremdung des Marxismus-Leninismus zur Ausbeutung und Unterdrckung der restaurierten ausgebeuteten Klassen der Arbeiter und Bauern im Kapitalismus, heit Lohnsklaverei und kapitalistische Knechtung unter dem Banner des Marxismus-Leninismus. (Der Nationalbolschewismus bedient sich wiederum des Banners Lenins und Stalins in seinem konterrevolutionren Kampf gegen den Marxismus, gegen den Weltsozialismus, gegen den proletarischen Internationalismus der UdSSR Lenins und Stalins). Es handelte sich bereits um hher entwickelte Formen des Klassenkampfes, die aus niederen Formen, die irgendwann nicht mehr griffen, entwickelt werden mussten und diese schlielich ablsten. Es kam nicht nur darauf an, dass der Klassenkampf im Sozialismus gegen Leute gefhrt werden musste, die ihn offen oder versteckt abzuschaffen versuchten oder gegen Leute, die ihn missbrauchen oder zweckentfremden wollten, sondern dass seine Formen und Inhalte auf hherer Stufe weiter entwickelt wurden, das heit gegen solche Sozialisten, die die Entwicklung des Sozialismus entweder bewusst und verdeckt hemmten oder ihr absichtlich vorauseilten beides schdliche Formen, gegen die der Klassenkampf auf hherer Stufe gefhrt werden musste. Und es
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ist nun einmal einfacher, gegen den Kapitalismus und seine berreste mit offenem Visier zu kmpfen als gegen zurckgebliebene oder vorauseilende Genossen, die nicht bereit oder nicht in der Lage waren, ihre Vorstellungen und Handlungen den Entwicklungsgesetzen des Sozialismus und des Marxismus-Leninismus anzupassen und mit ihrer stalinistischen Tarnkappe einen viel greren Schaden fr die Weiterentwicklung der sozialistischen Gesellschaft anrichteten, als es der Kapitalismus je vermocht htte. Es gab Genossen, die waren einst hervorragende Klassenkmpfer im Kapitalismus, waren Stalins beste und treuste Mitstreiter, aber im Klassenkampf der sozialistischen Gesellschaft versagten sie in jenem Moment, wo die kapitalistischen berreste im Sozialismus bereits beseitigt waren. Sie versagten in jenem Moment, wo Stalin gegen die Verbrokratisierung der sozialistischen Klassen, gegen die Herausbildung einer neuen privilegierten Schicht, gegen die Entstehung einer neuen sozialistischen Bourgeoisie, gegen die eigene Degeneration des Sozialismus von Innen, nicht mehr nur gegen die Gefahr, sondern gegen die tatschlich voranschreitende Restauration des Kapitalismus selbst zu kmpfen hatte. Es gab auch solche Genossen, die leisteten an Stalins Seite einen heldenhaften antifaschistischen Kampf und besiegten im Groen Vaterlndischen Krieg die wild gewordendsten und mrderischsten Horden faschistischer Gromchte, aber sie versagten im darauf folgenden Kalten Krieg, wo es um die Fortsetzung des weltrevolutionren Kampfes mit allen Mitteln gegen den gesamten zivilisierten, vom Faschismus befreiten, demokratischen Weltimperialismus ging mit den USA an der Spitze. Sie versagten im Kampf um den Sieg des sozialistischen Weltlagers ber das kapitalistische Weltlager. Und es gab wiederum Genossen, die waren die grten Helden und Pioniere in der Aufbauphase des Sozialismus, Erbauer einer starken Sowjetunion, aber als die Sowjetunion wieder nach dem Krieg erstarkt war, begriffen diese Genossen nicht, dass nun die Voraussetzungen fr die Erreichung des Kommunismus herangereift waren und dass man zu neuen Ufern des Kommunismus noch viel weiter vorstoen und neue Opfer bringen musste. Diese Genossen waren entweder mde oder selbstgengsam geworden, oder wollten sich mit dem Erreichten, mit ihrer Karriere, ihrem Luxus usw. usf., zufrieden geben und nicht auf der nchsten opferreichen Stufe zum Kommunismus vorwrts schreiten. Diesen Genossen, deren internationalistischer Elan zu erlschen drohte, deren revolutionrer Geist allmhlich erschpft war, deren Bewusstsein als Vorhut der sich weiter entwickelten Arbeiterklasse immer mehr zu wnschen brig lie, diesen Genossen ins Gewissen zu reden, sie notfalls degradieren zu mssen und eine neue Kaderauswahl zur energischen Umsetzung seiner Generallinie zu treffen, das war schlielich die schwierigste Aufgabe fr den Genossen Stalin. Er war unmittelbar damit beschftigt, auch diese schwierigste Aufgabe selbst noch im Alter von immerhin 73 Jahren zu meistern, als sich seine engsten Kampfgefhrten gegen ihn verschworen und ihn heimlich ermordeten. Solche extrem verschrften Klassenkampfformen bilden sich erst mit den hheren Entwicklungsformen des Sozialismus heraus noch heute sind die mysterisen Umstnde der Ermordung Stalins und vieler kommunistischer Fhrer in der Sowjetunion und in den volksdemokratischen Lndern, ja selbst der Ermordung Enver Hoxhas im sozialistischen Albanien, nicht aufgeklrt, ist es den verbrecherischen Mrderbanden der modernen Revisionisten bis heute gelungen, ihre blutige Spur hinter einer Nebelwand verschwinden zu lassen. Nun, es tauchten rzteberichte auf, die zumindest unsere Vermutung untermauern, dass Stalin nicht eines natrlichen Todes gestorben sein konnte, dass seine Verletzungen nur durch das Herbeifhren eines gewaltsamen Todes verursacht worden waren. Wir sind davon fest berzeugt, dass die Namen der Mrder aus dem engsten, vertrautesten Fhrungskreis um Stalin stammen, also Namen von den fhrenden Mitgliedern des Prsidiums des ZK der KPdSU, wer sonst hatte leichteren Zugang zu Stalin, kannte Stalins Gewohnheiten besser als ein Berija! Doch dazu spter.
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Mit der Beseitigung der ausbeutenden Klassen war der Klassenkampf noch lange nicht beendet, er wurde vielmehr so heftig gefhrt wie nie zuvor. Welche Dimension ihre Worte einmal annehmen wrden, war Marx und Engels damals noch nicht bewusst, als sie sagten: Man schaffe den Klassenkampf ab, und die Bourgeoisie und alle unabhngigen Menschen` werden `sich nicht scheuen, mit den Proletariern Hand in Hand zu gehen`! Und wer dann geprellt, wren eben die Proletarier (MEW, Band 19, Seite 162). Und es ist auch eine brgerliche oder besser gesagt, rckschrittliche Haltung, den Klassenkampf beim bergang zum Kommunismus abzuschaffen und alles dem Selbstlauf zu berlassen. Den Zweifrontenkampf, den wir fr die Befreiung vom Kapitalismus gefhrt haben, den mssen wir auch fortsetzen, wenn wir die erste Stufe des Sozialismus berwinden wollen. Um zum Kommunismus vorwrts zu schreiten, muss man alte, hinderlich werdende sozialistische Hllen abstreifen, die noch gegen die berreste der kapitalistischen Klasse richtig und notwendig waren, aber beim bergang zum Kommunismus nicht mehr gebraucht werden und sich in einen Hemmschuh verwandeln. Der bergang von der Phase des Sozialismus zum Kommunismus geht nicht ohne heftigen Klassenkampf ab. Zwischen der sozialistischen und der kommunistischen Phase gibt es keine friedliche Koexistenz mit parteifeindlichen Elementen - die alten Hllen fallen nicht im Selbstlauf, nicht automatisch. Das ist Spontaneismus, ein anarchistischer Weg zum Kommunismus, der alles wieder kaputt macht. Die sozialistische Gesellschaft muss sich nunmehr von ihren eigenen alten Hllen befreien. Den Klassenkampf in diesem Sinne aufzufassen, verlangt ein hohes sozialistisches Bewusstsein, denn der Feind existiert in unserer eigenen Rckstndigkeit, die wir nur uns selbst gegenber berwinden knnen. Es muss ein konsequenter Kampf der Gegenstze von rckschrittlichen und fortschrittlichen Ideen, Gewohnheiten, Arbeitsweisen usw. usf gefhrt werden. Die sozialistische Gesellschaft darf sich nicht selbst untreu werden und sich weigern, zum Kommunismus zu schreiten. Und wenn sie nicht mehr bereit ist, die Revolution weiter voranzutreiben, wenn sie es nicht mehr fr ntig hlt, sich permanent zu revolutionieren mit Hilfe der Lehren Stalins, dann ist sie sich bereits untreu geworden. Trotzki hatte die Rolle der revolutionren Theorie bei der Schaffung und Entwicklung der Partei verachtet. Trotzki war tot, aber der Trotzkismus lebte fort unter der Maske des Stalinismus. Stalinismus, das ist die Ideologie der bolschewistischen Partei gegen ihre revisionistische Entartung zu einer brgerlichen Partei der Restauration des Kapitalismus und damit der Schlssel zum erfolgreichen bergang vom Sozialismus zum Kommunismus. Wenn der Stalinismus eine Weiterentwicklung des Leninismus ist, und davon gehen wir aus, dann fhrt jede Verteidigung des Leninismus gegen den Stalinismus zur Verteidigung des Revisionismus. Entstalinisierung ist Entlenisierung. Der Stalinismus entwickelte sich zu einer Zeit als der Leninismus bereits herrschte. Er begann mit dem Kampf ber die Auslegung des Leninismus, dessen Entstellung und Vulgarisierung. Man kann von Stalinismus sprechen, genauso wie man vom Leninismus sprechen kann, denn beides ist im Grunde genommen dem Wesen nach dasselbe (Weiterentwicklungen des Marxismus). Was man aber nicht darf, ist, vom Stalinismus und (plus) Leninismus zu sprechen. Der Stalinismus ist nicht die Lehre Stalins minus Leninismus. Der Stalinismus ist nichts anderes als Stalins internationalistische Lehre von jener sowjetischen Gesellschaftsordnung wie sie sich nach Lenins Tod tatschlich, objektiv, wahrhaftig weiter entwickelt hatte. Die Besonderheit des Stalinismus erklrt sich aus zwei Grnden: erstens daraus, dass er nicht nur aus dem Sozialismus in einem Lande hervorging, dessen Stempel er notwendigerweise tragen musste, sondern auch im Kampf gegen die Restauration des Kapitalismus im Inneren den bergang zum Kommunismus beschritt;
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zweitens daraus, dass er ber seine Grenzen hinaus erstarkte im Kampf gegen die Umkreisung des Imperialismus nach auen, also das neu entstandene Weltlager des Kommunismus anfhrte, um die Festung des Weltlagers des Kapitalismus zu erstrmen und den Sieg des Weltsozialismus herbeizufhren. Die Komintern / ML formuliert den Stalinismus in zwei Stzen: Der Stalinismus ist der Marxismus-Leninismus fr den bergang von der ersten Periode des Sozialismus in einem Land zur zweiten Periode des Sozialismus im Weltmastab - im Allgemeinen. ist der Marxismus-Leninismus in der Periode des bergangs vom Sozialismus in einem Land zum Kommunismus in einem Land - im Besonderen. Was charakterisierte die Haltung Stalins unmittelbar vor seinem Tod ? Im Angesicht des Kalten Krieges niemals zu schwanken, keine Angst vor den Imperialisten zu haben, vor ihnen nicht zurck zu weichen, zum Kommunismus khn voran zu schreiten und nicht die Imperialisten wieder aus dem Wrgegriff herauszulassen, sondern sie noch fester zu packen, seine internationalistische Pflicht bis zum Ende zu erfllen, die Partei von den Revisionisten zu subern und ihren Putsch zu vereiteln !!!!! Kampf gegen das Kapitulantentum !!! Kampf gegen die Herabminderung der bolschewistischen Partei ! Kampf um Lenins Partei ! Kampf um den Bolschewismus ! Kampf zur Rettung der Sowjetunion vor ihren ueren und inneren Feinden ! Im Umkehrschluss erklrt sich die Entstalinisierung aus zwei Grnden: erstens daraus, den Kommunismus und schlielich Sozialismus in einem Land in ein kapitalistisches Land zu verwandeln und damit zweitens, den Weltimperialismus vor der globalen Bedrohung zu retten, vom Kommunismus vernichtet zu werden. Damit ist aber der Stalinismus nicht zerstrt. Es wird zwar schwer, ihn wieder aufzubauen und er wird auch nicht mehr so aufgebaut werden knnen wie einst, aber eins ist klar: die Entstalinisierung geht niemals so weit, dass der Stalinismus dadurch vllig verschwindet. Dieser oder jene Teil, diese oder jene berreste des Stalinismus sind nicht zu beseitigen. Die Schwierigkeiten werden lediglich darin bestehen, den Stalinismus wieder zur macht zu verhelfen. Was trieb die Revisionisten zur Entstalinisierung ? Kapitulantentum und nochmals Kapitulation !!!! Ihre Haut zu retten, zurckzuweichen, an der Notwendigkeit und Richtigkeit des offensiven Kampfes gegen den Weltimperialismus zu zweifeln, das Vertrauen in den Stalinismus zu erschttern, Herabminderung der bolschewistischen Partei, sich in die Defensive einzu-igeln, sich von der Weltrevolution abzukoppeln, den Klassenkampf aufzugeben, den Rckzug anzutreten, den Marxismus-Leninismus zu verraten, zum Feind berzulaufen !!!!! Das Zentrum des Kampfes gegen den Stalinismus war inzwischen von Deutschland nach Amerika und England verlegt worden. Fr die Konterrevolution innerhalb der UdSSR bedeutete dies, das Zentrum ihrer Untersttzung von Deutschland nach Amerika und England zu verlegen. Entsprechend verlegte auch Stalin seinen Kampf gegen das neue feindliche Zentrum einschlielich gegen seine Agentur innerhalb der UdSSR. Das zentrale Ziel des Feindes war gerichtet auf die Liquidierung des sowjetischen Machtzentrums, war gezielt auf Stalin. Die Beseitigung Stalins wurde somit durch die von auen untersttzte Agentur der Imperialisten in der UdSSR, durch die Verschwrer des Prsidiums des ZK der KPdSU durchgefhrt. Stalin konzentrierte sich vor seiner Ermordung also auf die Beseitigung seiner Verschwrer. Die Geschichte der KPdSU endete mit dem Kampf gegen ihre Verschwrer, endete mit dem Sieg dieser Verschwrer ber die bolschewistische Partei Lenins und Stalins. Whrend die Verschwrung der Rechten und Trotzkisten, die
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vor allem eine Agentur der der Faschisten in Deutschland und Japan waren, von Stalin vernichtend geschlagen worden waren, trugen die Verschwrer von 1953 als Agenten des angloamerikanischen Imperialismus diesmal den Sieg davon. Brgerliche Historiker haben nicht ganz unrecht, wenn sie die Geschichte der UdSSR als eine Geschichte der Stalinisierung bezeichnen. Und wir Marxisten-Leninisten haben ebenso wenig unrecht, wenn wir die Geschichte des Anti-Stalinismus als eine Geschichte der vergeblichen Versuche der Entstalinisierung bezeichnen, die natrlich letztendlich und smtlich zum Scheitern verurteilt sind. Genauso wie die Weltbourgeoisie vor hundert Jahren mit ihrer Hetze gegen den Bolschewismus das Herz der Arbeiter der ganzen Welt fr den Bolschewismus entfacht hat auf Grund ihres Hasses auf den Kapitalismus, so wird auch die anti-stalinistische Propaganda der Weltbourgeoisie eines Tages an den Arbeitern abprallen, die die Nase gestrichen voll haben vom Kapitalismus. Die Arbeiter werden den Stalinismus fr sich neu entdecken als die Lehre, mit der sie sich von der Knechtschaft des Weltimperialismus befreien. Nun wird von der Bourgeoisie die khne Behauptung aufgestellt, dass die eigentliche Entstalinisierung 1989 gar nicht richtig stattgefunden habe. So, so. Wir ahnen wohl, was damit gemeint ist. Aber auch hier mssen wir der Bourgeoisie in gewisser Hinsicht beipflichten, denn es wird niemandem auf der Welt jemals gelingen, die Welt zu entstalinisieren, denn die Wurzeln des Stalinismus kann man nicht mehr ausrotten, und ganz besonders nicht in Russland. Den Stalinismus kann man nicht entstalinisieren ! Die Bourgeoisie definiert den Stalinismus als eine Theorie und Praxis des terroristischen, sowjetischen Herrschaftssystems. Nehmen wir ruhig einmal an, das wrde stimmen: Aber als was muss man dann den Weltimperialismus definieren ? Etwa als Theorie und Praxis der antiterroristischen, zivilisierten, demokratischen Weltordnung, als Befreier der Menschheit vom sowjetischen Herrschaftssystem ? - Also in Etwa so wie sich der Weltimperialismus so gerne selber darstellt ? Die Linkspartei definiert den Stalinismus als inhumanen Pfahl im Fleisch des Kommunismus. Und wie definieren wir Stalinisten die revisionistische Linkspartei ? Die Linkspartei ist vom inhumanen Fleisch des verfaulten Kapitalismus, der Stalinismus aber der weltrevolutionre Pfahl im Herz des Kapitalismus. Gorbatschow meinte: Stalinismus sei ein Terminus, den sich die Gegner des Kommunismus ausgedacht haben und der umfassend genutzt wird, die Sowjetunion und den Sozialismus als Ganzes zu verleumden. Auch unser lieber Herr Gorbatschow spricht hier ausnahmsweise die Wahrheit, was die Verleumdung der Sowjetunion und des Sozialismus angeht. Aber leider ist es nur die halbe Wahrheit, denn der Stalinismus ist ein Terminus, den wir Marxisten-Leninisten nicht nur umfassend genutzt hatten und weiter nutzen werden, um die Sowjetunion Lenins und Stalins und den Sozialismus als Ganzes gegen den Anti-Stalinismus zu verteidigen, sondern um seinen Sieg ber den ganzen Erdball zu tragen. Der Terminus Marxismus, der Terminus LeninismusStalinismus, der Terminus Stalinismus ist ebenso wenig eine Erfindung der Bourgeoisie wie der Terminus Marxismus-Leninismus oder Hoxhaismus. Damit bezeichnen wir Kommunisten die Lehren der Klassiker, die zusammen die Weltanschauung des Proletariats begrndet und weiter entwickelt haben. Wir haben uns hierber bereits wiederholt ausgelassen. Fr uns Kommunisten sind das ganz legitime Termini, whrend sie fr die Bourgeoisie nur Termini zur Legitimierung ihres Anti-Kommunismus sind um mit den Worten des anti-marxistischen Intellektuellen Herrn Oskar Negt zu sprechen.
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Es war eben dieser Oskar Negt, diese linke Leuchte der brgerlichen Ideologie, der von der so genannten Legitimationswissenschaft faselte, also vom Stalinismus als eine angeblich marxistische Mogelpackung. Oskar Negt wollte den fortschrittlichen Elementen der 68`er Bewegung den Irrweg des Stalinismus ausreden. Mit seiner Legitimationskritik meinte Negt, dass die Sowjetgesellschaft der Kritik der brgerlichen Gesellschaft nicht standhalte, dass die Sowjetgesellschaft nicht das einlste, was sie auf ihre revolutionre Fahne geschrieben habe, dass sie sich dem Marxismus nicht etwa entfremdet oder sich von ihm abgewendet habe, sondern ihr totalitres Herrschaftssystem von Anfang an nur mit roter Farbe bertncht gewesen sei und Marx nur als Alibi missbraucht htte. Stalin habe weder mit Marx noch mit Lenin irgendetwas gemein. Stalin habe im Gegenteil die revolutionre Theorie von Marx und Lenin nur als Legitimationswwerkzeug missbraucht und sie in eine Pseudo-Wissenschaft verwandelt, habe sich die marxistische Maske des Sozialismus nur aufgesetzt, um seinen Despotismus dahinter zu verbergen. Meine Argumente richten sich gegen den Stalinismus, nicht gegen Lenin (Oskar Negt, Antwort auf Josef Schleifstein, Diskussionsbeitrag 1970 anlsslich des 100. Geburtstags von Lenin, Frankfurt,1970, Seite 127-132). Damit stellte er sich faktisch auf die Seite der modernen Revisionisten. Aber das wies er weit von sich. Nachdem die Revisionisten schon 15 Jahre an der Macht waren, faselten diese Marxisten der neuen, westlichen Linken von der so genannten Legitimation der Entstalinisierung. Darunter verstanden sie (ins einfache Deutsch bersetzt): Entstalinisierung in Worten Fortsetzung des Stalinismus in Taten. Das war also im Grunde so, als wenn die linke Intelligenz sich am 100. Todestag Lenins zum Sprachrohr des amerikanischen Imperialismus machte, den sie natrlich in Worten ebenfalls verurteilten ! Den Vietnam-Krieg der Amis genauso verurteilen wie den Stalinismus, das war die Position der Neuen Linken. Als Kleinbrger fanden sie es modern und links, sich sowohl gegen die Herrschaft der Bourgeoisie als auch gegen die Herrschaft des Proletariats aufzulehnen. Die ach so progressiven intellektualistischen Kritiker der Legitimationswissenschaft entpuppten sich als Legitimatoren des Kalten Krieges, als Legitimatoren der brgerlichen Wissenschaft, der sie sich mit jedem Schritt unterwarfen, mit dem sie versuchten, die gegen den Kapitalismus eingestellten Intellektuellen von der Sowjetideologie Lenins und Stalins abzuschrecken ! Man nennt solche Leute zu Recht Handlanger und Lakai des Kapitals ! Sie wollten den progressiven Krften weismachen, dass die Herren Chruschtschow, Ulbricht und andere Erzrevisionisten zwar vergeblich beteuern wrden, dem Stalinismus abgeschworen zu haben, aber man habe dieses Tuschungsmanver durchschaut: In Wirklichkeit htten sie ihren Stalinismus insgeheim nie abgelegt, sondern weiter fortgesetzt:; kurz: Restalinisierung hinter der Maske der Entstalinisierung. Der Revisionismus sei aus dem Stalinismus hervorgegangen, sei eine Fortsetzung der Legitimation des stalinistischen Despotismus nur eben OHNE Stalin. Die Restauration des Kapitalismus sei also ein immanentes Gesetz des Stalinismus (Stalinismus = brgerliche Revision des Marxismus-Leninismus). Die modernen Revisionisten bekmpfen Stalin mit ihrem verkappten Leninismus. Die Bourgeoisie des Westens bekmpft den Stalinismus, indem sie den verkappten Leninismus der modernen Revisionisten als verkappten Stalinismus verflscht. So sttzt sich bis heute der ganze Anti-Stalinismus auf dem Zusammenspiel eben dieses verkappten Leninismus der modernen Revisionisten und seine Verflschung als verkappter Stalinismus durch die westliche Bourgeoisie. Und so muss der Anti-Stalinismus in einem Zweifrontenkampf gegen dieses Zusammenspiel von uns Stalinisten auf der ganzen Welt entlarvt und besiegt werden. Dies sind im Grunde genommen alte trotzkistische Papageienlosungen, entnommen aus der Trickkiste der Titoisten, deren sich auch diese APOlogeten der 68er-Bewegung bedienten ! Dass sie mit ihrer anti-stalinistischen Hetze unfreiwillig dem Stalinismus neue Krfte zufhrten, das ist das eigentlich positive Phnomen der 68er- Bewegung. Das war die Zeit, wo der Verfasser dieses Buches die Schriften Stalins auf seinem Bchertisch verbreitete, wo es vor fast 40 Jahren ohne seine Anstrengungen so nicht zur Herausgabe und Verbreitung der neuen Stalinwerke gekommen wre.
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Den Arbeiter vom Stalinismus abzuhalten, indem man ihn mit der Fratze der Sozialfaschisten verschreckt das ist typisch kleinbrgerlich - und darauf baut sich der Anti-Stalinismus ein ganzes Stck weit auf. Das ist eben der alte Trick der Bourgeoisie, die Begriffe Revisionismus und Stalinismus einfach austauschbar zu machen, nmlich dem Revisionismus den abschreckenden Stempel des Stalinismus aufzukleben und den Stalinismus als Dogmatismus in den Hinterhof der Geschichte der Philosophie vermodern zu lassen. Den Stalinismus fr den Arbeiter so abschreckend wie mglich darzustellen, nmlich so, dass dieser nur noch zu einem einzigen Entschluss kommen soll: Stalinismus ? Nein danke, dann lebe ich doch lieber im Kapitalismus mit all seinen Eiterbeulen!. So etwas im Hirn der Arbeiter zu fabrizieren, dafr werden diese Schreiberlinge der Bourgeoisie bezahlt und nicht schlecht wie man an Oskar Negt sehen kann. Wenn diese Kleinbrger vom institutionalisierten Marxismus schreiben, dann meinen sie den Marxismus an der Macht, dann meinen sie die Arbeiter an der Macht. Kleinbrger erwrmen ihr Herz gern fr den Kampf der Arbeiter gegen ihre Ausbeutung und Unterdrckung , solange diese halt noch nicht an der Macht sind. Arbeiter an der Macht sind fr die Kleinbrger aber genauso ein Graus, wie die Bourgeoisie an der Macht. Ja, sie ziehen die Bourgeoisie an der Macht dem Arbeiter an der Macht vor, weil sie sich schon seit ber hundert Jahren mit der Bourgeoisie an ihrer Seite arrangiert haben. Diese Kleinbrger hatten zur Zeit des Stalinismus an der Macht von ihrer Klassennatur her das Bedrfnis, den Marxismus zu ent - institutionalisieren, was nichts anderes heit, als die Arbeiterklasse von der Herrschaft des Marxismus zu befreien. In diesem Sinne betrieben die Kleinbrger ihre Entstalinisierungs-Bemhungen nach dem Tod Stalins. Seitdem sehen die Kleinbrger ihre revolutionre Aufgabe darin, die Arbeiterklasse vor einer Restalinisierung zu retten. Oskar Negt und Co. haben sich mehr damit beschftigt, sich von der Frankfurter Schule abzugrenzen, traten in die Fustapfen Trotzkis, Titos, Deborins und Bucharins usw. usf., um die 68` er Bewegung als eine kleinbrgerliche Bewegung zu entlarven, die sich in ihrem breiten linken Spektrum bis hin zum Stalinismus verstieg, sprich: sich nur damit zu legitimieren versucht hatte. Fr diese Erkenntnis, dass sich die kleinbrgerliche Bewegung mit der Arbeiterbewegung schmckt, um sich damit grer zu machen als sie ist, brauchte man keinen Oskar Negt - das haben die Marxisten schon vor 100 Jahren kritisiert. Auch ein Oskar Negt konnte die 68`er Bewegung nicht vor ihrer Berhrung mit dem Stalinismus retten. Im Ergebnis konnte er nicht verhindern, ja trug er unfreiwillig dazu bei, dass die 68`er Bewegung solche Intellektuelle hervorbrachte, die sich ernsthaft auf den revolutionren Standpunkt Stalins stellten, die sich ernstlich der revolutionren Arbeiterbewegung anschlossen und ihren eigenen kleinbrgerlichen Standpunkt allmhlich berwanden und auf einen Oskar Negt nicht herein fielen, sondern ihn frontal als Anti-Kommunisten bekmpften. Er jedoch predigte den wahren Marxismus, die Kritik an der Ideologisierung der reinen marxistischen Wissenschaft. Er im Besonderen so wie die gesamte intellektualistische Linksopposition insgesamt - betrachtete sich stets als revolutionre Vorhut fr die Entstalinisierung der Wissenschaft. Der Anti-Stalinist Oskar Negt, der sich mit dem Marxismus hchstens anfreunden kann, wenn dieser nicht an der Macht ist, wie es beim Sowjetmarxismus unter Lenin und Stalin der Fall war, ist ein wahrer Vorkmpfer fr die Befreiung der Wissenschaft von ihrem Klassenkorsett. Wir Stalinisten stimmen also letztlich auch mit Oskar Negt und der ganzen intellektualistischen Armada der `Links`opposition berein, die Wissenschaft von ihrer Klassenherrschaft, von ihrer klassenideologischen Bevormundung zu befreien (und damit ist er und sind sie natrlich noch viel, viel rrrrevolutionrer als wir Stalinisten). Es gibt nur einen kleinen Unterschied zwischen uns und ihnen: fr sie ist dieses Ziel schon in der brgerlichen Gesellschaft verwirklichbar, whrend wir dieses Ziel erst mit der klassenlosen Gesellschaft erreicht haben werden. Fr sie ist der Stalinismus ein nicht legitimes, sich unrechtmig legitimierendes Hindernis fr die klassenlose Wissenschaft, fr uns aber eine unverzichtbare Voraussetzung dafr. Den Stalinismus von seinem Klassencharakter schon im Kapitalismus befreien zu wollen, kann nur zu einem Ergebnis fhren, zu seiner Anpassung an und zur Unterordnung unter die brgerliche Ideologie, zur Liquidierung des
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proletarischen Charakters des Stalinismus und zur Festigung der kapitalistischen Klassengesellschaft. Und damit ist auch der Begriff der Entstalinisierung definiert, egal ob wir nun die Entstalinisierung im Osten oder die im Westen betrachten im brgerlichen Wesen stimmen beide Arten von Entstalinisierung berein, haben sie stets gegen den Kommunismus zusammengearbeitet und sich dabei ergnzt. Die Strke des Stalinismus zeigt sich bis heute darin, dass sich die Bourgeoisie nach all ihren vergeblichen Anstrengungen gezwungen sieht, vor den Lehren Stalins zu kapitulieren. Wenn es die Bourgeoisie auch niemals zugeben wird, sie ist zu der berzeugung gezwungen worden, dass sich der Stalinismus gar nicht entstalinisieren lsst, dass gegen diese Ideologie einfach kein Kraut gewachsen ist, dass jedes brgerliche Kraut verwelkt, sobald es mit dem Stalinismus in Berhrung kommt, dass der Kapitalismus berall dort eine Niederlage einstecken musste, wo er es wagte, sich mit dem Stalinismus in eine Auseinandersetzung einzulassen. Kommen wir nun zum
Zweifrontenkampf:
Der Stalinismus lehrt, unter der Oberflche eingewurzelter alter Gewohnheiten, politischer Intrigen, schlau ausgedachter Theorien und politischer Strmungen im Sozialismus den Klassenkampf , den Zweifrontenkampf, zu sehen, den Kampf zwischen den privilegierten Schichten aller Art, die sich nicht weiter entwickeln wollten und der Masse der Werkttigen, den sozialistischen Arbeitern, die an der Spitze aller Werkttigen stehen, um die gesellschaftliche Entwicklung stndig weiter zu revolutionieren. Stalin warf alle beralterten Formen des Sozialismus ber Bord, half solidarisch allen beralterten Bolschewiki, die sich von diesen Formen nicht trennen konnten und degradierte jene, die sich weigerten, die beralterten Formen ihrer Denk- und Handlungsweise abzulegen. Genauso stellte er sich jenen neu entwickelten Ideen in den Weg, die vom Marxismus-Leninismus abwichen, um diesen schlielich zu ersetzen. Er half einerseits jenen unerfahrenen jungen Bolschewiki, die sich noch nicht richtig vom MarxismusLeninismus leiten lieen und degradierte andererseits jene, die sich weigerten, sich von ihren abweichenden erneuernden Ansichten zu trennen, die nichts anderes waren, als den Marxismus-Leninismus als etwas Veraltetes ber Bord zu werfen. Parteifhrer heranzubilden ist sehr schwer, dazu braucht man Jahre, 5 -10 Jahre, mehr als 10 Jahre. (...) Mit Bchern allein kann man keine Fhrer heranbilden. Das Buch hilft uns vorwrts, aber allein bildet es noch keinen Fhrer heran. Funktionre wachsen nur im Laufe der Arbeit heran (Stalin, Band 5, Seite 193). Und wenn man zum Kommunismus voranschreiten will, dann braucht man nicht nur neue Ideen, eine sich verjngende kommunistische Theorie, die diesen neuen Kampfabschnitt beleuchtet, sondern auch einen kommunistischen Kader, den man mit dieser Theorie ausstatten muss, aber so wie Stalin lehrt - nur den Kader aufopferungsvoller Arbeit, den Kader, der im jahrelangen Kampf fr den weiteren Aufbau des Sozialismus zum Kommunismus tatschlich zum kommunistischen Kader heranwchst. Marschieren denn die Jugend und die alte Garde nicht stets in einheitlicher Front gegen innere und uere Feinde? Bildet denn die Einheit der Alten` und der Jungen` nicht die grundlegende Kraft unserer Revolution? Woher dieser Versuch, die alte Garde zu diffamieren und sich in demagogischer Weise bei der Jugend anzubiedern, um zwischen diesen Haupttrupps unserer Partei ein Spltchen aufzureien und es auszuweiten? Wer braucht all das, wenn man die Interessen der Partei, ihre Einheit, ihre Geschlossenheit im Auge hat und nicht auf einen Versuch aus ist, diese Einheit zu Nutz und Frommen der Opposition zu erschttern? (Stalin, Band 5, Seite 338/339). Stalin kmpfte nicht nur gegen den Sumpf der Revisionisten, sondern auch gegen diejenigen, die sich dem Sumpf zu wandten.
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Es geht hier nicht einfach um die Auslegung des Stalinismus. Stalinismus nimmt nichts auf Treu und Glauben an. Stalinismus schliet nicht kritische Anwendung und Weiterentwicklung aus, sondern setzt sie voraus. Stalinismus darf nicht durch Formalismus und Dogmatismus verdunkelt werden. So gab es Leute, die sich unter dem Deckmantel des Stalinismus von seinem revolutionren Geist verabschiedeten., um ihn in die Verbannung nicht nach Sibirien - , sondern schlimmer noch, in die Studierstuben zu schicken. Wenn sich Schler Stalins dabei etwas zu Schulden kommen lieen, so kann man dafr nicht Stalin zur Rechenschaft ziehen oder gar die Entstalinisierung damit begrnden. Die Stalinisten lehnen nicht die Kritik an sich ab, sondern nur die Kritik der Gegner des Stalinismus. Die Stalinisten wollten konsequente Marxisten-Leninisten bleiben, indem sie die Grundthesen des Marxismus-Leninismus in Einklang mit den sich verndernden Verhltnissen des Sozialismus und mit den gegebenen Besonderheiten der Nachkriegszeit entwickelten und die Theorie des dialektischen Materialismus und der konomischen Lehre des Marxismus-Leninismus ausbauten. Die Gegner bedienten sich des Stalinismus, um ihre anti-marxistisch-leninistischen Ideen auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens einzuschmuggeln. Die Revisionisten bedienten sich bei ihrer Entstalinisierung des Eklektizismus. Dieser Eklektizismus wurde dann von den Revisionisten als groer Beitrag der Weiterentwicklung des Stalinismus gefeiert. Die Geschichte hat bewiesen, dass nach dem Entstehen des Stalinismus jede andere ideologische Strmung, die mit sozialistischen Losungen auftrat, im Verlauf des Klassenkampfes zu einer reaktionren Strmung, zum Anti-Stalinismus verkommen musste. Man konnte den Kommunismus nicht aufbauen, ohne sich auf den Stalinismus zu sttzen, ohne den Stalinismus im Kampf gegen seine Feinde zu festigen und zu entwickeln. Lenin sagte: Jeder Opportunist zeichnet sich durch Anpassungsfhigkeit aus (zitiert bei Stalin, Band 5, Seite 338). Tun wir Stalinisten das nicht auch ? Zweifellos tun wir Stalinisten das auch, die Frage ist nur die Anpassungsfhigkeit an was ? Der Unterschied zwischen der Anpassungsfhigkeit der Opportunisten und der der Stalinisten ist ganz einfach der, dass die Opportunisten sich durch die Fhigkeit auszeichnet, den Kommunismus an den Kapitalismus anzupassen, whrend bei den Kommunisten die Fhigkeit der Anpassung darin besteht, die Lehren des Kommunismus auf die sich ndernden Bedingungen des proletarischen Klassenkampfes optimal anzupassen. Und die Opportunisten der Stalin-ra ? Sie zeichneten sich dadurch aus, den Stalinismus an die Bedrfnisse der Restauration des Kapitalismus anzupassen. Der Opportunismus gegenber dem Zweifrontenkampf bestand nun darin, dass sich die Opportunisten an den Zweifrontenkrieg der Bolschewisten anzupassen begannen und diese Anpassung im Hochstalinismus nicht nur bis zur Perfektion zu beherrschen, sondern sich selber in den Besitz dieses Instruments zu bringen, das heit die Stalinisten mit ihrer eigenen Waffe zu schlagen. Es war Chruschtschow, der sich dieses Instruments zur Eroberung der Macht des Revisionismus perfekt bedienen konnte. Wenn wir also den Klassenkampf in der sptstalinistischen ra konkret untersuchen, dann mssen wir logischerweise untersuchen wie die bolschewistische Methode zur Fhrung des Klassenkampfes damals angewandt wurde und wie dieser Kampf verlaufen ist. Die bolschewistische Methode des Klassenkampfes besteht wie wir alle wissen vor allem in der Fhrung des ideologischen Zweifrontenkampfes, wobei dieser Zweifrontenkrieg nicht nur auf den ideologischen Klassenkampf beschrnkt werden kann, sondern dass er auf ausnahmslos allen Schlachtfeldern des Klassenkampfes ausgetragen wurde.. Jetzt knnen wir nicht zuerst die rechte Gefahr mit Hilfe der Linken` berwinden, wie das in der Geschichte unserer Partei der Fall war, und dann die linke` Gefahr mit Hilfe der Rechten -,
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jetzt mssen wir den Kampf an beiden Fronten gleichzeitig fhren und beide Gefahren zu berwinden suchen...(Stalin, Band 5, Seite 277). Unter den Kommunisten sind wir keine Linken und keine Rechten, wir sind einfach Leninisten. Lenin wusste, was er tat, als er an zwei Fronten kmpfte, sowohl gegen die linke Abweichung im Kommunismus als auch die rechte Abweichung (Stalin, Band 7, Seite 164). Als Lenin (...) den Kampf gegen die russischen Ultralinken` fhrte und sie aufs Haupt schlug, fanden sich damals (...) Leute, die Lenin einer rechten Einstellung, der Rechtsschwenkung bezichtigten. Die ganze Welt wei jetzt jedoch, dass Lenin damals Recht hatte (...) aber die russischen Ultralinken` , die sich damals in revolutionren` Phrasen ergingen, in Wirklichkeit Opportunisten waren. Man darf nicht vergessen, dass Rechte und Ultralinke` in Wirklichkeit Zwillingsbrder sind, dass sie folglich auf dem opportunistischen Standpunkt stehen, mit dem Unterschied jedoch, dass die Rechten ihren Opportunismus nicht immer verbergen, whrend die Linken ihren Opportunismus stets mit revolutionren` Phrasen verhllen [ ihn in revolutionre Phrasen des Stalinismus kleiden Anmerkung der Redaktion ] (Stalin, Band 8, Seite 7-8). Wir Stalinisten sind uns darber bewusst geworden, dass dieser Zweifrontenkampf in der sptstalinistischen ra erbitterter als jemals zuvor in der ganzen Geschichte der bolschewistischen Partei gefhrt wurde, und dass es heute nach ber 50 Jahren immer noch versteckte Feinde gibt, die bislang ungeschoren davon gekommen sind mit der Parole. Haltet den Dieb! Wenn Stalin es noch vermocht htte, wre sein Kurze Lehrgang von 1938 53 ergnzt und vervollstndigt worden. Das Erbe, dies nachzuholen, hat Stalin uns Stalinisten hinterlassen, und wir haben es bis heute nicht geschafft, diese Arbeit erfolgreich abzuschlieen. Ja, bis 1953 mit diesem Datum, mit Stalin starb auch die bolschewistische Partei Lenins und Stalins, mit 1953 endete die ruhmreiche Geschichte der KPdSU (B). Solange wir nicht den Kurzen Lehrgang von 1938 1953 ergnzt haben, bedeutet dies, dass wir unsere Niederlage gegenber den modernen Revisionismus auf diesem Schlachtfeld noch nicht in einen Sieg verwandelt haben. Es gibt aber eine ganze Reihe hervorragender Genossen, die hierzu bereits gute Beitrge geleistet haben und wir sind uns sicher, dass wir das mhselige Puzzle bald gemeinsam zusammengesetzt haben, um Stalins Geschichte der KPdSU (B) doch noch bis zum Jahre 1953 zu vervollstndigen. Diese Arbeit steht uns auch noch in Albanien bevor, wo die Geschichte der PAA ebenfalls mit dem Tod des Genossen Enver Hoxha endete. Sie wurde jedoch unter Federfhrung Enver Hoxhas nur bis 1980 geschrieben. Da Enver Hoxha im Jahre 1985 starb, fehlen also noch 5 Jahre Parteigeschichte, die noch von uns Hoxhaisten zu schreiben ist. Auch hier wird es groe Anstrengungen kosten, den Verlauf des Zweifrontenkriegs bis zur Restauration des Kapitalismus zu entrtseln. Das wir das alles bis heute noch nicht bewltigt haben, sagt eine Menge aus ber den wahren Zustand der heutigen marxistisch-leninistischen Weltbewegung, sagt eine Menge aus ber den tatschlichen Einfluss des modernen Revisionismus, sagt eine Menge darber aus, wie erbittert dieser Kampf noch zu fhren ist. Bleiben wir beim Zweifrontenkampf. Als die Opportunisten in der UdSSR noch offen auftreten konnten, war es noch relativ leicht, ihre Positionen zu bestimmen, zu durchschauen und zu entlarven. Umgekehrt war es in jener Zeit auch fr die Opportunisten relativ leicht, die bolschewistische Taktik des Zweifrontenkampfes zu durchschauen, sich ihr anzupassen und sie zu unterlaufen . Als diese aber so sehr geschwcht wurden, dass sie es sich nicht mehr erlauben konnten, offen aufzutreten, als sie also vllig in die Illegalitt gedrngt worden waren, durften die Opportunisten die Generallinie Stalins nicht mehr offen angreifen, sondern waren dazu verdammt, diese als ihr Schutzschild zu benutzen und das bedeutete, dass sie zur Aufbauarbeit am Kommunismus gezwungen worden waren, wenn sie unerkannt bleiben wollten, was ihre konterrevolutionre Arbeit erheblich einschrnkte. Mit der Zeit aber beherrschten die Konterrevolutionre die vernderte Klaviatur des Zweifrontenkampfes immer besser, so dass
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sie Position fr Position eroberten natrlich unter groen Opfern, denn Stalin musste nicht nur mit grter Geschicklichkeit, sondern auch mit grter Hrte gegen das konterrevolutionre Treiben vorgehen. Viele schreckten tatschlich davor zurck, ihre konterrevolutionre Subversionsttigkeit fortzusetzen, aber es gab genug, die sie fortsetzten nicht zuletzt unter dem Druck von auen, vom imperialistischen Westen. Der Zweifrontenkampf gegen Stalin wurde in der sptstalinistischen ra unterirdisch gefhrt. Erst nachdem er hier und da an der Oberflche auftauchte, kamen die Dinge an die ffentlichkeit, wurde er entlarvt und bekmpft, um danach wieder in den Untergrund zu gehen und erneut an anderer Stelle aufzutauchen. Dieses Katz und Maus-Spiel der Konterrevolutionre macht es uns heute so schwer, den unterirdischen Frontlinienverlauf historisch aufzufinden und kontinuierlich zu verfolgen. Diese Arbeit wird dadurch erschwert, dass einige historisch ttige Genossen dabei Fehler machten, Freund und Feind richtig zu unterscheiden. Da wurden Revisionisten als Marxisten-Leninisten ausgemacht und umgekehrt Marxisten-Leninisten als Revisionisten gebrandmarkt. Wir selbst nehmen uns von diesen Fehlern nicht aus. So etwas rcht sich frher oder spter. So verfolgen unsere Gegner unsere mangelnde Prinzipienfestigkeit im anti-revisionistischen Kampf nicht nur mit Schadenfreude, sondern sie nutzen unsere Schwchen gegen uns aus. Grundstzlich gilt: Die rechte Abweichung im Kommunismus bedeutet....,von der Generallinie unserer Partei zur brgerlichen Ideologie hin abzuschwenken... Ein Sieg der rechten Abweichung ... bedeutet die Schwchung der proletarischen Diktatur und die Erhhung der Chancen fr die Wiederherstellung des Kapitalismus (Stalin Werke, dt. Ausgabe, Bd. 11, Seite 199-201). In der Periode einer heranreifenden Kriseerheben die Rechten stets das Haupt. Das ist ein allgemeines Gesetz der revolutionren Krise. Die Rechten erheben das Haupt, denn sie frchten die revolutionre Krise und sind deshalb bereit, alles zu tun, um die Partei zurckzuzerren und die heranreifende Krise nicht zur Entfaltung kommen zu lassen (Stalin, Band 8, Seite 91). So war es auch in der Periode des heran gereiften Kalten Krieges der angloamerikanischen Imperialisten. Der Ausschluss ist nicht das entscheidende Mittel im Kampf gegen die Rechten. Das Wesentliche ist, die rechten Gruppierungen im Verlauf eines prinzipiellen Kampfes ideologisch und moralisch zu zerschlagen, wobei die breiten Parteimassen in diesen Kampf hineingezogen werden mssen. Das ist eins der wesentlichsten Mittel, um die Partei im Geiste des Bolschewismus zu erziehen. Der Ausschluss muss, wenn er wirklich notwendig ist, das natrliche Ergebnis der ideologischen Zerschmetterung des Gegners sein(Stalin, Band 7, Seite 57). Die kapitalistischen Elemente fhren den Kampf nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiet. Sie sind bemht, den Kampf auf das Gebiet der Ideologie des Proletariats zu tragen, indem sie versuchen, die am wenigsten standhaften Teile der Partei mit Unglauben an die Sache des sozialistischen Aufbaus, mit Skepsis gegenber den sozialistischen Perspektiven unserer Aufbauarbeit zu verseuchen, und man kann nicht sagen, dass ihre Bemhungen absolut fruchtlos geblieben wren (Stalin, Band 7, Seite 142). Ultralinker`(...), die, in schlerhafter Weise alte Losungen wiederholend, es nicht verstanden hat oder nicht willens ist, sich den neuen Kampfbedingungen, die neue Arbeitsmethoden erfordern, anzupassen. Daher die Ultralinken`, die die Partei durch ihre Politik daran hindern, sich den neuen Kampfbedingungen anzupassen und sich den Weg zu den breiten Massen (...) zu erschlieen. Entweder bricht die (...) Partei den Widerstand der Ultralinken` , und dann wird sie den breiten Weg der Gewinnung der Mehrheit der Arbeiterklasse beschreiten, oder aber sie tut dies nicht, und dann wird sie die gegenwrtige Krise in eine chronische und fr die Partei verderbliche Krise verwandeln (Stalin, Band 8, Seite 2).
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Knnen wir in den Fragen des ideologischen Kampfes in der Partei und der politischen Erziehung der Massen ein faules diplomatisches Spiel, eine Vertuschung von Fehlern zulassen? Nein, das knnen wir nicht. Das wre ein Betrug an den Arbeitern (...) Es gibt nur einen Ausweg: die Fehler der ultralinken` Fhrer aufzudecken und auf diese Weise den ehrlichen revolutionren Arbeitern zu helfen, auf den richtigen Weg zu gelangen (Stalin, Band 8, Seite 7). Ja das sind Revolutionre der Tat, denn sie stellen das Wesen der Sache hher als deren Form (Stalin, Band 6, Seite 26). Leute, die tatschlich davon berzeugt sind, dass sie den Marxismus-Leninismus weiter entwickeln, wrden niemals jene (Un)Freiheit dulden, die alten Auffassungen noch weiter neben den neuen bestehen zu lassen und aufrecht zu erhalten. So lassen sich niemals alte Auffassungen berwinden. Es gab im Sptstalinismus eine Menge Leute, die mit den auf dialektischem Weg gewonnenen Methoden ganz in der alten, beschrnkten, metaphysischen Weise weiter operierten (MEW, Band 20, AntiDhring, Seite 113). Marxisten-Leninisten entwickeln den Marxismus-Leninismus weiter, indem sie ihn an die sich verndernden realen Kampfbedingungen anpassen. Was heit das anpassen? Passt der Marxist-Leninist den Marxismus-Leninismus evolutionr an, indem er dem Alten quantitativ immer Neues HINZUFGT? Nein, der Marxismus-Leninismus ist keine eklektizistische Lehre. Der MarxismusLeninismus ist eine revolutionre Lehre, die sich nur in dem Mae verjngt wie sie ihre beralterung im Kampf der Gegenstze berwindet, wieviel Mut sie aufbringt, um sich von alten Lehrstzen zu befreien. 1958 wurde dies von den Revisionisten als Einseitigkeit kritisiert. Auf diese Weise die stalinistische Einseitigkeit des Marxismus-Leninismus beweisen zu wollen, bedeutet nichts Anderes als den Marxismus-Leninismus durch den Eklektizismus zu ersetzen. Die Revisionisten bedienten sich der Methode der friedlichen Koexistenz zwischen dem dialektischen Materialismus und dem Idealismus, die Shdanow seiner Zeit an Alexandrows Lehrbuch der Geschichte der Philosophie entlarvt hatte. Da wurden die Philosophen in der Geschichte in den Himmel gelobt, um dann zum Schluss ein paar kritische Bemerkungen anzufgen, die dem Marxismus-Leninismus entnommen wurden. Bis 1958 leugneten die Revisionisten nur die Namen Stalin und Shdanow, erkannten aber ihre ZK-Beschlsse von 19461948 formal an. Die bolschewistische Methode der Ersetzung des Alten durch das Neue heit Kritik und Selbstkritik. Die Opportunisten beschrnkten sich darauf, den Weg vom Sozialismus zum Kommunismus zu interpretieren, propagierten den evolutionren Selbstlauf der sozialistischen Entwicklung. Hingegen der Stalinismus beleuchtete diesen revolutionren Weg. Die Stalinisten gingen diesen beleuchteten Weg, begriffen ihn als qualitative Vernderung ( nicht zu verwechseln mit dem qualitativen Sprung, der nicht die einzige Form der Verwandlung von Quantitt in Qualitt ist wir werden darauf noch einzugehen haben).. Die Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus, das heit, ihn auf die Hhe der tatschlichen Vernderungen in der gesellschaftlichen Entwicklung auf revolutionre Weise zu heben das eben heit Stalinismus oder mit den Worten Stalins ausgedrckt: Die marxistischleninistische Theorie besitzen, heit, diese entwickeln und vorwrts bewegen knnen. Neue Auffassungen mssen sich von den alten Auffassungen durch Kritik und Selbstkritik im Kampf BEFREIEN. Hier findet ein Kampf zwischen den alten und neuen Auffassungen statt. Hier findet ein KLASSENKAMPF gegen brgerliche berreste im Bewusstsein der fortgeschrittenen sozialistischen Gesellschaft statt, an dem die Arbeiter nicht nur beteiligt sind, sondern die fhrende Stellung einnehmen. Allein schon die Arbeiterklasse und die Massen aus der philosophischen Diskussion, aus der Ausarbeitung und Weiterentwicklung der bolschewistischen Theorie auszuschlieen oder
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nur am Rande dran schnuppern zu lassen, bedarf des konsequenten Klassenkampfes, damit die revolutionre Theorie nicht von der revolutionren Klasse getrennt wird. Hier findet der ZWEIFRONTENKAMPF zwischen Rckschritt und Fortschritt in der sozialistischen Gesellschaft selbst statt !! Und eben diesen Kampf fhrte Stalin in der Periode des Aufbaus des Kommunismus nach dem Groen Vaterlndischen Krieg bis zu seinem Tod im Mrz 1953. Aus dieser Sichtweise und nur aus ihr, kann man erkennen, wer damals wirklich ein Stalinist war, was stalinistisch war und wer sich nur hinter der Maske des Stalinismus verbarg, um der Restauration des Kapitalismus zum Sieg zu verhelfen. Marx sagte zur Dialektik Hegels: Man muss sie umstlpen, um den rationellen Kern in der mystischen Hlle zu entdecken (MEW, Marx: Das Kapital, Band 23, Seite 27). Und was machten die modernen Revisionisten daraus ? Sie stlpten Marx um, wodurch sie unerkannt den Weg zurck zur brgerlichen Ideologie einschlagen wollten. Sie restaurierten die Dialektik Hegels, indem sie die marxistische Dialektik zurckstlpten, um den Kern ihrer revisionistischen Entartung in der marxistisch-leninistischen Hlle zu verdecken ! In der revisionistischen Theorie wird das wirkliche Verhltnis des Marxismus-Leninismus auf den Kopf gestellt, ist das Spiegelbild fr seine ureigenste Form genommen und bedarf daher einer restaurativen, reaktionren Umstlpung (angelehnt an Marx und Engels, ber die Dialektik, MEW Band 20, Seite 335). So wie sich der moderne Revisionismus zum Marxismus-Leninismus verhlt, so verhlt sich die Hegelsche Dialektik zur Marxistischen Dialektik. Der Marxismus-Leninismus lsst sich niemals an die vernderte Wirklichkeit anpassen, das kommunistische Sein kann niemals das kommunistische Bewusstsein BESTIMMEN, wenn sich dieses Bewusstsein weigert, veraltete Denkweisen, veraltete Formeln ber Bord zu werfen, wenn es sich nicht rcksichtslos von einmal lieb gewonnenen Gewohnheiten trennt, kurz: wenn das alte Bewusstsein nicht restlos durch das neue Bewusstsein, das stalinistische Bewusstsein ersetzt wird. Anders kann man kommunistisches Sein und kommunistisches Bewusstsein nicht in harmonische bereinstimmung bringen. Je besser es uns gelingt, dieses Ziel der Harmonisierung zu erreichen, desto strker ist der Kommunismus im Kampf gegen seine Feinde. Und so wird auch im Zweifrontenkrieg der Kampf gegen rechts und links in Einklang miteinander gebracht, ohne dabei zu vergessen, dass es eine Hauptfront und eine Nebenfront gibt, dass ihre dialektische Umkehr im richtigen Moment erkannt und entsprechend gehandhabt wird. Nun ist die Frage von Stalin klar beantwortet worden, dass die Harmonisierung der revolutionren Krfte und der revolutionren Verhltnisse kein endgltiger, starrer Vorgang ist, sondern dass es sich hierbei um einen permanenten dialektischen Prozess handelt, dass sowohl die revolutionren Krfte als auch die revolutionren Verhltnisse einer historischen Verwandlung ihrer Rolle als Hemmschuh und Triebfeder, ihrer Wechselwirkung unterworfen sind, dass bei der Harmonisierung die Identitt und der Kampf der Gegenstze eine wichtige Rolle spielt, dass die Harmonisierung ein objektiver Prozess ist, dem wir uns durch Kenntnisse und Anpassung an seine Gesetzmigkeiten immer weiter, aber das eben nur relativ, nhern nicht mehr und nicht weniger. Der Stalinismus materialisiert sich auf hherer Stufe. Aber heit die Ersetzung alter Lehrstze durch neue, dass die alten Lehrstze dadurch fr immer verloren sind, wertlos geworden sind, das sie sich in Luft auflsen ? Das wrde ja bedeuten, dass der Stalinismus ein Vakuum hinterlsst, das unvermeidlich vom Opportunismus ausgefllt wird. Das wre ein zum Sterben verurteilter Stalinismus. Deswegen bewahren die Stalinisten alle ihre Lehrstze, ohne auch nur einen Millimeter davon preiszugeben, wobei es keine Rolle spielt, ob sie nun in dieser oder jener Situation veraltet sind oder nicht. Fr die Anpassung an die neue Situation ist das ber-Bord-Werfen veralteter Formeln sicherlich richtig und unvermeidlich, aber welche Situation bleibt schon unverndert ? Mit jeder Anpassung wird die hhere Qualitt vorbereitet. Dabei entwickelte sich der Stalinismus nicht in einem qualitativen Sprung. Der Stalinismus ist
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ja einer Weiterentwicklung des Leninismus, sprengt nicht den Leninismus, um ihn zu ersetzen, sondern der Stalinismus ist der in der Stalinra qualitativ weiter entwickelte Leninismus. Die so vernderte Situation verlangt sofort nach einer erneuten Anpassung auf hherer Stufenleiter. In diesem so historisch entstehenden Erfahrungsschatz knnen die veralteten Lehrstze auf neue Weise wieder bei der Lsung von Problemen lehrreich werden, tauchen sie auf hherer Stufe der Entwicklung des Stalinismus in verwandelter, modifizierter Form wieder auf und materialisieren sie sich somit erneut in einer neuen Situation. Wenn man so will, kann man auch vom Recyclingsprozess des Stalinismus sprechen: Nichts wird weggeworfen, alles wird sorgsam gepflegt und wieder weiter verwertet, in eine verallgemeinernde Rohstoffform - die wir marxistisch-leninistische Prinzipien nennen - verwandelt, aus der sich wieder neue, konkrete Ideen produzieren lassen. Auch Prinzipien verfgen ber ein lebendiges Wesen, sind Vernderungen unterworfen usw. usf. Das dialektische Gesetz der Negation der Negation gilt also auch fr veraltete Lehrstze und das besagt eindeutig, dass alte Lehrstze nun einmal nicht aus der Schatzkammer des Stalinismus fr immer zu verbannen sind. ber Bord werfen und ber Bord werfen sind zwei ganz verschiedene Dinge, die eine dialektische Einheit bilden, aber die sich gegenberstehen. Und indem wir sie bewusst gegenberstellen, knnen wir sie auch aufeinander wirken lassen, wird ihre jeweilige Brauchbarkeit fr diesen oder jenen Zweck erkannt, erprobt und genutzt. Deswegen drfen wir als Stalinisten diese Dinge weder gleichsetzen noch miteinander verwechseln, wenn wir nicht wollen, dass den Revisionisten dadurch neue Hintertrchen geffnet werden. Also: Alte Lehrstze sind zwar ersetzt worden, aber dadurch nicht fr alle Zeiten verloren gegangen. Genosse Shdanow hat diese Wahrheit einmal sehr schn mit ganz einfachen Worten ausgedrckt: Wenn man die Werke unserer Fhrer, ihre Schriften und Reden liest und immer wieder liest, dann gewinnt dieses oder jenes Kapitel, dieser oder jener Hinweis oder Satz, diese oder jene These im Lichte unserer Praxis immer wieder neue Bedeutung... Wie der Geologe nicht alle Schtze, die im Schoe unseres Landes liegen, erschpfen kann, so finden auch wir in den Werken unserer groen Lehrer immer wieder neue Ideen (A.A. Shdanow, aus: Anschauungsmaterial der Geschichte der KPdSU (B) Kurzer Lehrgang, Dietz, Berlin 1954, Seite 101). Wie sah der ideologische Zweifrontenkrieg des Bolschewismus im Sptstalinismus aus ? Zunchst mssen wir uns darber bewusst werden, dass alles, was wir oben ber die Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus im Allgemeinen gesagt haben, auch zutrifft auf den ideologischen Zweifrontenkrieg gegen die Sowjetfeinde, gegen die Antistalinisten. Mit dem Fortschreiten der sozialistischen Gesellschaft, mit dem bergang zum Kommunismus vollzog sich eben auch eine Vernderung des Zweifrontenkrieges, passte er sich dieser Entwicklung an, nahm er neue Kampfformen an und verwarf veraltete Formen ohne dabei seinen wesentlichen Charakter, sein Ziel, die Sowjetfeinde ideologisch zu schlagen, aufzugeben. Wenn es Berija darum ging, diesen Zweifrontenkrieg durch reines Aus-demWeg-Rumen, durch staatliches Administrieren berflssig zu machen und zu unterlaufen, so ging es Stalin darum, den Zweifrontenkrieg auf eine hhere Stufe zu stellen, um die neuen Gefahren, die seit dem Ende des Krieges in der Sowjetunion auftauchten, auf bolschewistische Weise abzuwenden. Der Umstand, dass das persnliche Eingreifen des Genossen Stalin erforderlich war, um das Absterben des Marxismus-Leninismus und das Aufkeimen der idealistischen, reaktionren Erscheinungen zu bekmpfen, zeigt, in welchem theoretisch kritischen Zustand sich die UdSSR nach dem Kriege befunden hatte. Die traurigen Ergebnisse der theoretischen Zeitschrift Unter dem Banner des Marxismus sind allen bekannt (Kampf gegen die falsche Linie Deborins).. Die Gefahren drohten aus zwei ideologischen Richtungen: Erstens. Das Bestehen lassen der alten Formeln, sich daran zu klammern, die Angst, sie ber Bord zu werfen und loszulassen, das bringt die Dogmatiker auf den Plan. Denn sie sind es, die aus diesem
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Fehler, aus dieser Schwche eine Tugend machen, indem sie ihr Beharren auf Dogmen unter dem Deckmantel der Verteidigung der Prinzipien des Stalinismus rechtfertigen. Der Marxismus erkennt keine unvernderlichen Schlussfolgerungen und Formeln an, die fr alle Epochen und Perioden obligatorisch wren. Der Marxismus ist ein Feind jeglichen Dogmatismus (Stalin, Der Marxismus und die Fragen der Sprachwissenschaft, Rot Front Verlag Kiel, Seite 66). Die Dogmatiker besetzten in vielen Institutionen einflussreiche Posten und bildeten um ihre geistigen Fhrerpersnlichkeiten herum ein Araktschejew-Regime auf (Dogmatiker an der Hausmacht), das Stalin ans Licht brachte und in Trmmer zerschlug [Graf Araktschejew errichtete ein Regime, das eine ganze Epoche hemmungslosen Polizeidespotismus und Militrwillkr im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts charakterisierte. Und es gab keinen in der UdSSR, der das Araktschejew-Regime so wiederbelebte wie der aristokratische Geheimdienstler Berija]: Die Diskussion hat vor allem klargestellt, dass in den sprachwissenschaftlichen Organen sowohl im Zentrum als auch in den Republiken ein Regime herrschte, das weder der Wissenschaft noch Wissenschaftlern ansteht. Die leiseste Kritik am Stand der Dinge in der sowjetischen Sprachwissenschaft, selbst die zaghaftesten Versuche einer Kritik an der so genannten 'neuen Lehre` in der Sprachwissenschaft, wurden von den fhrenden Kreisen der Sprachwissenschaft verfolgt und unterbunden. Wegen kritischer Einstellungen zum Erbe Marrs, wegen der geringsten Missbilligung der Lehre Marrs wurden wertvolle Fachkrfte und Forscher (...) ihrer Posten enthoben oder auf niedrigere Posten versetzt (...) Es ist allgemein bekannt, dass keine Wissenschaft ohne Kampf der Meinungen, ohne Freiheit der Kritik sich entwickeln und gedeihen kann. Aber diese allgemein anerkannte Regel wurde in unverfrorenster Weise ignoriert und mit Fen getreten. Es bildete sich eine abgekapselte Gruppe unfehlbarer leitender Persnlichkeiten heraus, die, nachdem sie sich gegen jede Mglichkeit einer Kritik gesichert hatte, eigenmchtig zu wirtschaften und ihr Unwesen zu treiben begann (Stalin, Der Marxismus und Fragen der Sprachwissenschaft, Rot Frontverlag Kiel, Seite 38). Diese scholastischen Eliteschulen nahmen fr sich in Anspruch, den Marxismus-Leninismus gepachtet zu haben. Sie allein fhlten sich dazu autorisiert, den Marxismus-Leninismus richtig zu interpretieren und auszulegen. Stalin geielte sie als Buchgelehrte und Talmudisten. Damit verhinderten sie bewusst und organisiert, dass sich neue stalinistische Ideen Bahn brechen konnten, dass sie sich in eine Anleitung zum revolutionren Handeln verwandeln konnten. Dogmatiker, das waren in der Zeit des Sptstalinismus verbrecherische, eigenschtige und privilegierte Saboteure gegen die Revolutionierung des Stalinismus, Restauratoren der brgerlichen Wissenschaften. Ihr Verbrechen bestand darin, den Stalinismus zu konservieren. Und indem sie darber entscheiden wollten, was und wie zu seinem Gebrauch zugelassen ist und was nicht, versuchten sie, den Stalinismus aus den Hnden der revolutionren Massen und ihrer revolutionren Vorhutpartei zu entreien und damit zum Absterben zu verurteilen, ihn zu liquidieren, der Diktatur ihre geistige Macht zu entziehen. Marr wurde 1957 von den Revisionisten rehabilitiert [sic !!] und Stalin erstens des Dogmatismus beschuldigt und zweitens, dass er sich in die Diskussion eingemischt und diese mit seinem Personenkult unterbrochen habe. Die Trennung der philosophischen Arbeit von der praktischen Ttigkeit der KPdSU (B), die krasse Zurckgezogenheit vom Leben wurden als die Grundlage der Fehler an der philosophischen Front whrend der philosophischen Diskussion von 1947 vllig aufgedeckt. Stalin wies die Philosophen von Neuem auf den radikalen Fehler in ihrer Arbeit hin, den sie trotz der ihnen frher erteilten Anweisungen nicht zu berwinden vermochten. Dies betraf vor allem die Zeitschrift Unter dem Banner des Marxismus, um die sich die KPdSU (B) insbesondere im Jahre 1931 intensiv bemht hatte, aber die im Krieg vllig versagte und 1944 sogar eingegangen war.
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Es ist grundfalsch zu glauben, im Krieg gbe es wichtigere Dinge als die Philosophie. Natrlich rckt die Philosophie in einer Kriegssituation zurck ins militrische Glied, gab es nicht wenige sowjetische Philosophen, die ihre philosophische Waffe mit der militrischen Waffe austauschten, aber die Philosophie ist als geistige Waffe der militrischen Kriegsfhrung unverzichtbar und hat, wie an allen Kriegsfronten auch, an der philosophischen Front ihre Aufgabe zu erfllen. Es gibt keine Situation des Klassenkampfes, in der die Philosophie des Marxismus einfach von der Bildflche verschwinden darf. Das ist philosophisches Kapitulantentum. Das widerspricht vllig der marxistischen Weltanschauung und die Grnde drften bekannt sein und mssen hier wohl nicht extra benannt werden. Auch der Stalinismus selbst musste sich schlielich unter den Bedingungen des Kampfes gegen die Umkreisung der brgerlichen Ideologie entwickeln, gab es auch ein Stalingrad an der philosophischen Front. Das heit, der Groe Vaterlndische Krieg war natrlich auch ein ideologischer Krieg, so wie auch der darauf folgende Kalte Krieg ein Krieg gegen den Stalinismus an der ideologisch-philosophischen Front war . Wir Stalinisten treten heute an gegen die gesamte Philosophie der Bourgeoisie, die sich auf eine viel lngere Tradition sttzen kann als die marxistische. Wir befinden uns mitten im Krieg gegen die brgerliche Philosophie, und die kann man nicht mit leichten Waffen vernichten, sondern da muss man schon schwere Geschtze auffahren. Wir brauchen doch nur den Frontabschnitt des Anti-Stalinismus auf unserem philosophischen Schlachtfeld betrachten, um zu sehen, mit was fr einem Gegner wir Stalinisten es zu tun haben. Die Frage - wer wen? also Stalinismus oder Anti-Stalinismus ? - ist noch lngst nicht entschieden. An dieser Front stehen uns noch groe Schlachten bevor, bis wir den Anti-Stalinismus besiegt haben, ganz zu Schweigen vom Sieg ber die ganze brgerliche Philosophie. Sozusagen ist der Stalinismus die Basis und der Hebel der Theorie von der Weltrevolution, also eine Anleitung zum Handeln, eine Anleitung zur Befreiung des Weltproletariats vom brgerlichen Bewusstsein gewesen und durch seine Weiterentwicklung ist er es heute selbstverstndlich immer noch. Die Verteidigung des Stalinismus war sozusagen auch ein auenpolitischer ideologischphilosophischer Krieg der UdSSR gegen die imperialistischen Aggressoren, war ein Kampf zur Verteidigung der ideologischen Interessen des Weltproletariats. Jede Beibehaltung veralteter marxistisch-leninistischer Formeln und Schulen setzt jede neue marxistisch-leninistische Initiative, jeden neuen marxistisch-leninistischen Denker nach dem Zweiten Weltkrieg einem verderblichen Fulnisprozess aus ein Dschungel, indem man sich nur mit der Machete den Weg frei schlagen konnte. Viele revolutionre Krfte wurden im Sptstalinismus vom Dschungel der Wrdentrger-Schulen verschlungen, so dass sie ihre gesellschaftliche Kraft nicht entfalten konnten und einen Maulkorb tragen mussten. Sich gegen die etablierten scholastischen Schulen zu stellen, war gleichbedeutend mit Ketzerei und Hochverrat und konnte den Verlust de eigenen Existenz bedeuten, konnte einem den Kopf kosten. Die brokratischen Auffassungen vom Marxismus-Leninismus waren typischer Ausdruck dieses Fulnisprozesses des Marxismus-Leninismus zu damaliger Zeit, Ausdruck seiner zunehmenden Verkncherung und institutionalisierten Verselbstndigung, seiner Lostrennung von den Massen. Die ideologische Entwaffnung der Massen war fr die Existenz der UdSSR nach dem Groen Vaterlndischen Krieg von allergrter Gefahr. Das war eine Schwche der Partei, die Stalin als erster erkannt hatte. Und diese Schwche ntzte genau der Vorbereitung der Machtergreifung der modernen Revisionisten, um die Restauration des Kapitalismus ohne revoltierende Massen durchzuziehen. Der Stalinismus verliert immer mehr an Bedeutung, je weiter man ihn den Massen entzieht, je mehr man ihn von der Strae und vom Betrieb in die Hrsle und Studierstuben umsiedelt. Neue gesellschaftliche Ideen und Theorien entstehen im Grunde genommen eben darum, weil sie fr die Gesellschaft notwendig sind, weil es ohne ihr organisierendes, mobilisierendes und umgestaltendes Wirken unmglich ist, die herangereiften Aufgaben der Entwicklung des materiellen Lebens der Gesellschaft zu lsen. Entstanden auf der Basis der neuen Aufgaben, welche die Entwicklung des materiellen Lebens der Gesellschaft stellt, bahnen sich die neuen gesellschaftlichen
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Ideen und Theorien den Weg, werden sie zum Gemeingut der Volksmassen, mobilisieren diese, organisieren sie gegen die absterbenden Krfte der Gesellschaft, die die Entwicklung des materiellen Lebens der Gesellschaft, die die Entwicklung des materiellen Lebens der Gesellschaft hemmen (Stalin, Geschichte der KPdSU (B); ber den dialektischen und historischen Materialismus, Seite 146/147). Und es war Stalin, der in der Zeit des Sptstalinismus den Staub hinweg pustete, der sich auf den Marxismus-Leninismus zu einer gefhrlich dicken Schicht abgesetzt hatte. Stalin stellte sich schtzend vor alle Neuerer, vor alle revolutionren Krfte in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, die von den scholastischen Schulen, von den Kathederkommunisten und von der Inquisation in den staatlich-wissenschaftlichen Instituten wie ketzerische Verbrecher gejagt wurden. Das ist aber nur die eine Front an der Stalin kmpfte. Welches ist nun die andere, die zweite Front ? Zweitens. Die andere Front, die sich gegen Stalin und die KPdSU (B) richtete, das war die Ersetzung der Denkweise des dialektischen Materialismus durch die metaphysische Denkweise der Bourgeoisie bei der fr die Anpassung an die Verwirklichung des Aufbaus des Kommunismus notwendigen Revision des Marxismus-Leninismus. Das heit mit einfachen Worten, dass die rckschrittlichen Elemente der Sowjetgesellschaft die Anpassung an ihre reaktionre Ideologie als Weiterentwicklung des MarxismusLeninismus verkaufen mussten. Diese rckschrittlichen revisionistischen Ideen wurden konformistisch als Beitrag des Neuerertums gepriesen, als schpferische Ideen fr den Aufbau des Kommunismus. Wenn also diese reaktionren Elemente die Restauration des Kapitalismus betreiben wollten, dann brauchten sie noch eine zweite Front, nmlich hinter Stalins Rcken ihre revisionistischen Anschauungen zu kultivieren, um seine kommunistische Generallinie Schritt fr Schritt durch ihre rckschrittliche, ihre brgerliche Ideologie zu ersetzen Stalin fhrte an der zweiten Front einen Kampf gegen die Anpassung des Leninismus an den Revisionismus, gegen die Restauration der brgerlichen Ideologie. Im Kampf gegen den Formalismus warfen diese Leute die Prinzipien des Marxismus-Leninismus gleich mit ber Bord. So wies Stalin Marrs Formalismus-Vorwurf gegen die marxistische Sprachwissenschaft zurck, womit der Revisionist Marr seine neue Lehre zu einer marxistischen Sprachwissenschaft erheben wollte. Auf allen Gebieten fhrte Stalin einen entschiedenen Kampf gegen alle jene Abweichung die die Prinzipientreue zum Marxismus-Leninismus verletzten und Anleihen bei den alten Revisionistenhuptlingen machten. Er fhrte den Kampf gegen alle jene, die den Stalinismus als etwas Veraltetes ansahen, die sich vom Stalinismus verfolgt, eingeengt, bevormundet und in Stich gelassen fhlten, die ihre Befreiung vom Stalinismus durch die brgerliche Ideologie herbeisehnten, die den Stalinismus hassten und ihn endlich loswerden wollten. Stalin wandte sich gegen den brgerlichen Modernismus, der nicht zufllig vom Westen verbreitet wurde. Hier lassen sich dann auch die Zweifrontenkmpfe gegen den Kosmopolitismus, Zionismus usw. einordnen, worauf wir spter noch eingehen werden. Es wre etwas zu vereinfachend und zu schematisierend dargestellt, wenn bei der lteren sowjetischen Generation eher die Gefahr des Formalismus, der Verkncherung des Marxismus-Leninismus, des Einrostens ihres alten revolutionren Kampfgeistes, ihre Mdigkeit im Klassenkampf, ihr Verharren in eingefahrenen Gleisen im Vordergrund stand, whrend sich die Gefahr bei der jngeren Generation eher in der Unerfahrenheit des Marxismus-Leninismus, ihrer noch nicht ausreichend entwickelten Prinzipienfestigkeit, in ihrer mangelnden Disziplin, in ihrem Liebugeln mit dem Westen, der friedlichen Koexistenz und der Verlockungen der Restauration des Kapitalismus ausdrckte. Aber das berhmte Fnkchen Wahrheit an derlei generationsabhngigen Einflssen wird sicherlich nicht zu leugnen sein. Jedenfalls ist uns Marxisten-Leninisten nicht unbekannt geblieben, dass es die Trotzkisten waren, die das permanente knstliche Schren des Generationskonfliktes zur Schwchung der Einheit zwischen Fhrern, Partei und Massen demagogisch ausnutzten. Wir gehen davon aus, dass dies im Sptstalinismus nicht anders war. Dass der Zweifrontenkrieg auch etwas mit der Abwehr der versuchten Spaltung der gemeinsamen Front der Generationen zu tun hatte, ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen (Konkur-
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renz der Kader der alten Garde und der Kader der jungen Garde). Sicherlich gehrte der Generationsunterschied zu den vielen anderen Erscheinungsformen des Sptstalinismus, aber das Argument, dieser sei die eigentliche Ursache fr die Restauration des Kapitalismus, kann auf keinen Fall einleuchten. Die Frage der Generationen ist eine zweitrangige Frage, sagte Stalin in der Auseinandersetzung mit Trotzki. Gegen die Auffassung Trotzkis richtete sich Stalin folgendermaen: Nur wer die Kader als ein in sich abgeschlossenes Ganzes, als einen privilegierten Stand betrachtet, der keine neuen Mitglieder in seine Mitte aufnimmt, nur wer alle brigen Parteimitglieder als `unter seiner Wrde stehend` ansieht, nur wer eine Kluft zwischen den Kadern und den jungen Parteimitgliedern aufreien will nur der kann die Frage der Demokratie auf die Frage der Generationen in der Partei zuspitzen. Das Wesen der Demokratie luft nicht auf die Frage der Generationen hinaus, sondern auf die Frage der Selbstttigkeit, der aktiven Teilnahme der Parteimitglieder an der Fhrung der Partei (Stalin, Band 6, Seite 202-203). Der ideologische Zweifrontenkrieg richtete sich auf der einen Seite gegen den Objektivismus und auf der anderen Seite gegen den Subjektivismus. Der Stalinismus vertritt die Auffassung, dass man Objektives und Subjektives nicht metaphysisch gegenberstellen darf, sondern dass beides eine Einheit bildet, wobei das (objektive) Sein das (subjektive) Bewusstsein bestimmt (Harmonisierung des objektiven und subjektiven Faktors beim Aufbau des Kommunismus in einem Land). Objektivismus und Subjektivismus sind die zwei brgerliche Seiten einer Medaille, die die Lehren Stalins, die Lehren des Marxismus-Leninismus, insbesondere in der sptstalinistischen ra verflschten und verzerrten: Die Objektivisten unterschtzten den subjektiven Faktor und berschtzten den objektiven Faktor in den Lehren Stalins. Die Subjektivisten berschtzten den subjektiven Faktor und unterschtzten den objektiven Faktor in den Lehren Stalins. Erstens. Objektivismus: Der Objektivismus verneint kommunistische Parteilichkeit. In der sptstalinistischen ra vertraten die Objektivisten den Standpunkt, dass sich in der Phase des Aufbaus des Kommunismus, in der Phase des Absterbens der Klassen, die Ideologie des MarxismusLeninismus in eine ber den Klassen stehende Ideologie verwandelt habe und sich auflse. Die Objektivisten machten den Fehler, die besonderen Bedingungen beim Aufbau des Kommunismus in einem Land auer Acht zu lassen, dass nmlich der Klassenkampf so lange weiterbesteht, wie es Klassen in den umkreisenden kapitalistischen Lndern gibt, die eben gegen die Sowjetunion einen Klassenkampf fhrten. Erst im Weltmastab des Kommunismus hrt der MarxismusLeninismus auf, die Ideologie der Arbeiterklasse zu sein, dann nmlich wenn es keine Arbeiterklasse mehr gibt. Der Objektivismus, dieser spezifische Wesenszug der brgerlichen Ideologie, war vorzufinden in der Zeit der Ablsung des Feudalismus, als die brgerliche Ideologie sich als eine ber den Klassen stehende Ideologie darstellte, die das gesamte Volksinteresse widerspiegele. Bis heute leugnet die Bourgeoisie den Klassencharakter der kapitalistischen Gesellschaft eben mit Hilfe des Objektivismus. Hinter dem Objektivismus in der UdSSR versteckte sich die Begrndung, dass die Ideologie der Arbeiterklasse wertlos und berflssig geworden sei, da im Kommunismus in einem Land angeblich gar kein Klassenkampf mehr zu fhren sei. Der Objektivismus verneint den verschrften Kampf zwischen dialektischen Materialismus und Idealismus wie er bis in alle Zeiten fortbesteht. Shdanow verurteilte den Objektivismus in der sptstalinistischen ra als die Hauptgefahr, als Herabminderung der Bedeutung der Parteilichkeit der marxistischen Wissenschaft. Zweitens. Umgekehrt der Subjektivismus. Der Subjektivismus leugnet die Bedeutung des objektiven Heranreifens des Kommunismus . Der Subjektivismus ist das Gegenteil von Stalins Lehre von der Einheit objektiver Mglichkeiten und aktiver zielgerichteter Ttigkeit der Sowjetmenschen als entscheidender Faktor bei der Umwandlung der Mglichkeit des Kommunismus in Wirklich-
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keit des Kommunismus. Die Subjektivisten hegten Zweifel an Stalins Lehre, dass die Ttigkeit der Sowjetmenschen nicht nur die Mglichkeit in die Wirklichkeit umwandelt, sondern auch die Mglichkeit als solche vorbereitet. Die Subjektivisten verbreiteten das, was sie unter dem Stalinismus verstehen wollten oder zu verstehen glaubten, vor allem was ihrer Meinung nach die Massen darunter verstehen sollten, nmlich eine subjektivistische Lehre, die unfhig sei, den Sowjetmenschen die objektive Wahrheit zu vermitteln, schon allein deswegen, weil eine objektive Wirklichkeit angeblich gar nicht existiere. Ihr mangelndes Vertrauen beim bergang zum Kommunismus beruhte auf ihrem mangelnden Vertrauen zum Sozialismus. Sie unterschtzten oder berschtzten den Stalinismus willkrlich, um das Spiegelbild der real existierenden Stalinra zu verzerren. Der Kommunismus entspricht der objektiven Wahrheit, der wir uns relativ nhern. Stalin machte aus dem Kommunismus an sich einen Kommunismus fr uns. Der Subjektivismus verneint die objektive Wahrheit des Stalinismus und damit, dass wir uns dem Kommunismus nhern. Dabei hatte die Sowjetgesellschaft in der sptstalinistischen ra ein groes Interesse an der wissenschaftlichen Bestimmung der objektiven gesellschaftlichen Vorgnge und Gesetzmigkeiten des kommunistischen Aufbaus, das Stalin in Schrift und Tat hervorragend zu befriedigen wusste. Wissenschaftichkeit und Parteilichkeit bedingen einander und die Partei fhrte den ideologischen Kampf gegen den Subjektivismus an, brachte ihn ans Licht, um ihn zu zerschlagen. Man kann den Stalinismus nicht von Stalin trennen, der seine Lehre im realen Klassenkampf entwickelte, darf den Stalinismus nicht idealisieren. Stalin war der fhrende subjektive Faktor der realen revolutionren, gesellschaftlichen Vernderungen in der UdSSR, die er gegrndet hatte. Die Quelle des Stalinismus darf man nicht im Stalinismus selbst, sondern muss sie in den Bedingungen des kommunistischen Lebens der Sowjetgesellschaft, in ihrer realen Existenz suchen, deren Abbild der Stalinismus ist. Ein Beispiel fr den Subjektivismus jener Zeit war der von den revisionistischen konomen verwendete Begriff des materiellen Anreizes als Triebfeder der sozialistischen Produktivitt. Hinter diesem Subjektivismus verbergen sich alle mglichen kapitalistischen Formen einer bornierten Selbstsucht und einer beschrnkten, vulgren Konsumentenideologie. Ein weiteres Beispiel: Auch hinter dem Personenkult verbirgt sich der Subjektivismus, die bertreibung des subjektiven Faktors der Persnlichkeit des bolschewistischen Fhrers. Die Vorstellungen der Subjektivisten waren Wunschvorstellungen elitrer Gruppen, die mit der realen Situation des Sptstalinismus berhaupt nicht bereinstimmten. Ihre Ideen, Meinungen und Ansichten gaben sie aber als bereinstimmend mit dem Stalinismus aus, obwohl diese von den revolutionren Massen weit entfernt waren. Die Subjektivisten versuchten der Sowjetgesellschaft ihre Ansichten aufzuzwingen und den Stalinismus zu verflschen und zu leugnen. Der ideologisch-philosophische Zweifrontenkrieg Stalins war ein Angriff gegen die berbleibsel des Kapitalismus im Bewusstsein der Sowjetmenschen. Er fhrte einen Offensivkrieg gegen die berreste der faulen brgerlichen Ideologie nicht nur im Bewusstsein der Massen, sondern auch im Bewusstsein von Partei, Staat und Armee. Er fhrte diesen Offensivkrieg auch nach auen gegen den Obskurantismus und die Reaktion im Ausland und zwar in allen ihren Erscheinungen. Stalin hat die Hauptgefahr in der spt-stalinistischen ra genau erkannt: Die Hauptgefahr, die zum bedrohlichen Anwachsen der revisionistischen Krfte fhrte, das war die Herabminderung der revolutionren Theorie, die Herabaminderung der Rolle der Partei als revolutionre Vorhut beim Aufbau des Kommunismus, die Herabminderung der Rolle der revolutionren Kader, die alles entscheiden, wenn der theoretische Weg zum Kommunismus beleuchtet, das Programm des Aufbaus des Kommunismus, der Fnfjahrplan erarbeitet und festgelegt ist. Die politische Ttigkeit wurde in den Hnden kleiner Fhrungsgruppen monopolisiert, whrend die Partei als Ganzes nicht zur fhrenden politischen Arbeit herangezogen wurde. Damit wurde der bolschewistische Charakter der Partei verletzt. Die Unterschtzung der Weiterentwicklung des Stalinismus konnte nur zur Herabsetzung der Rolle der bolschewistischen Partei fhren, so wie umgekehrt die Herab-
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setzung der bolschewistischen Partei auch zur Unterschtzung der Weiterentwicklung des Stalinismus fhrte. Es war Stalin, der sich dieser bedrohlichen Entwicklung entgegen stemmte. Stalin lehrte, dass die linken und die rechten Opportunisten Hand in Hand arbeiten, dass beide gemeinsam auftreten und entsprechend gemeinsam bekmpft werden mussten. Whrend die linken Opportunisten ihr rechtes Gedankengut hinter den Lehren Stalins verbargen, vertraten die rechten Opportunisten ihr brgerliches Denken ganz offen. Sie trauten sich nicht die Werke der Klassiker des MarxismusLeninismus offen anzugreifen, weswegen sie begannen, ihre Ideen ungestrt an der seichten Front der Peripherie zu entwickeln, wo sie nicht weiter auffielen als Provinzphilosophen. Als nun aber der revisionistische Versuchsballon in einer so groen Stadt wie Leningrad gestartet wurde, da war die Schmerzgrenze berschritten und dem revisionistischen Ansturm auf das Zentrum musste genauso Einhalt geboten werden wie dem Angriff der Revisionisten innerhalb des Zentrums auf die Stalinisten. Nur so kann man die so genannte Leningrader Affre ideologisch korrekt beurteilen. Was sich in Leningrad an der Front der politischen konomie, an der Kulturfront abspielte, das spielte sich fast parallel zumindest unmittelbar danach - in der Mingrelischen Verschwrung ab. Da besteht ein ideologischpolitischer Zusammenhang, den man nicht bersehen darf. Im Zweifrontenkrieg gegen Gromacht-Chauvinismus und lokalem Nationalismus war die Hauptgefahr der Gromacht-Chauvinismus, so zu sagen wurde der lokale Nationalismus durch den sich breit machenden Gromacht-Chauvinismus erst richtig hervorgerufen und gegen-kultiviert. Im Zweifrontenkrieg gegen den brokratischem Zentralismus der UdSSR und den brokratischen Dezentralismus Leningrads ging die revisionistische Hauptgefahr vom Moskauer Zentrum selber aus, wurde er von dort aus provoziert und geradezu herausgefordert. Wenn man die Leningrader Affre richtig beurteilen will, dann darf man nicht den Fehler machen und Haupt- und Nebengefahr vertauschen, darf man nicht von der Hauptgefahr ablenken (da steckten nmlich Berija und Malenkow hinter, die man nicht in Schutz nehmen darf!) Ohne die Ausuferung der Macht des brokratischen Zentralismus im Zentrum der UdSSR htte es auch keine Leningrader Affre gegeben, jedenfalls nicht in ihrer historisch materialisierten Dimension. Die Dogmatisierung des Stalinismus ist die verkappte Variante der Entstalinisierung, ihre erste Phase noch zu Lebzeiten Stalins, also die Entstalinisierung unter den Bedingungen des Stalinismus an der Macht. Gleichzeitig wurde der Kampf gegen den Stalinismus auch mit einer verkappten Dogmatismuskritik verbunden, d.h. , Kampf gegen den Dogmatismus in Worten, um dahinter in Wirklichkeit sein weiteres Praktizieren zu verbergen. Die halboffene Entstalinisierung versuchten die Sowjetfeinde noch zu Lebzeiten anzukurbeln. So wurde mit der Entideologisierung unter der Losung Freiheit der Wissenschaft versucht, die Diktatur des Proletariats abzukoppeln, sie als repressive, als strende politische Einmischung in die Weiterentwicklung der Wissenschaft zu verurteilen. Das war eine Variante, mit der die reaktionren Elemente der Intelligenz die alten Privilegien der Intelligenz zu restaurieren versuchten, das heit, die nichtantagonistischen Widersprche zu Arbeitern und Bauern in antagonistische Klassenwidersprche zu verwandeln. Es war ein Angriff auf die Diktatur des Proletariats unter der Fhrung der reaktionren Elemente der Intelligenz. Sie beabsichtigten damit, den Kapitalismus zu restaurieren Kurz: Der ideologische Zweifrontenkrieg des Stalinismus richtete sich sowohl gegen Engstirnigkeit, Verkncherung und eingefahrene Gleise als auch gegen die revisionistische Entartung des Stalinismus durch Vershnlertum gegenber und Liebugeln mit der brgerlichen Ideologie, der von diesen beiden Seiten in die Zange genommen wurde und somit drohte, erdrosselt zu werden. Worauf es hier ankommt, das ist zu begreifen, dass dieser Zweifrontenkampf von den verschiedenen revisionistischen Fraktionen auf ihre ganz bestimmte Art und Weise paralysiert wurde, das heit: der Zweifrontenkampf wird in Worten gefhrt von den jeweiligen Positionen der revisionistischen Gruppierungen aus so zu sagen versuchten sie von allen Positionen aus, den bol-
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schewistischen Zweifrontenkrieg mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Das ist ein recht komplizierter Vorgang gewesen, der heute schwer zu durchschauen ist das Ganze gleicht einem Puzzlespiel. Das Gesetz des Zweifrontenkampfes besagt, dass der Kampf gegen ihn sich nicht nur verschrft, sich nicht nur differenziert und verzweigt, sondern auch mit immer verdeckteren Karten gefhrt wird und zwar im gleichen Mae wie sich der Zweifrontenkrieg des Stalinismus verstrkt, differenziert und verzweigt und auch selber tarnt, um die Maskerade der Revisionisten aufzudecken, um die Revisionisten ihrer getarnten Verbrechen zu berfuhren und ihnen aufs Haupt zu schlagen. Der Stalinismus lehrt, dass der bolschewistische Zweifrontenkampf nicht etwa allmhlich abnimmt bis er schlielich ganz abstirbt, sondern dass er unvermeidlich an Intensitt und Kompliziertheit zunehmen muss, dass er immer erbitterter, entschlossener und konsequenter, ja auch mit illegalen Mitteln unter den Bedingungen der Diktatur des Proletariats gefhrt werden muss, damit er berhaupt absterben kann ganz nach den allgemeinen Lehren und Gesetzen des Klassenkampfes im Sozialismus. Nehmen wir Stalins Wachsamkeitskampagnen, wovon bereits in seinem 13. Band die Rede ist. Auch diese Kampagnen waren Ausdruck des Zweifrontenkampfes. Die Rechten hatten damit nicht viel am Hut. Sie durften sich ja nicht selber angesprochen fhlen. Sie beteiligten sich also nur halbherzig an diesen Kampagnen: In Worten wachsam - in Taten lieen sie diese im Sande verlaufen und deckten die konterrevolutionre Elemente, bzw. nahmen ihnen gegenber eine vershnlerische, neutrale Haltung ein. Die Linken schrien Verrat! Verrat Sie berschlugen sich in ihrer angeblichen Entlarvungsarbeit und versetzten die Sowjetmenschen in Angst und Schrecken, verbreiteten Misstrauen unter ihnen. Hinter ihrem Denunziantentum verbarg sich nicht nur ihr fr jene Zeit typisch aufkeimender Karrierismus, sondern damit lenkten sie geschickt von ihren eigenen Verbrechen ab und lieferten dafr unschuldige Opfer ans Messer. Von der Entlarvung wahrer Volksfeinde keine Spur. Die reaktionren Elemente von links und rechts deckten sich untereinander und nutzten die Wachsamkeitskampagnen ihrerseits gemeinsam gegen die Marxisten-Leninisten, gegen die revolutionren Krfte der Sowjetvlker, gegen die Werkttigen und die bolschewistische Partei aus. Gegen diese konterrevolutionren Erscheinungen, die bei den Wachsamkeitskampagnen auftauchten, musste das stalinistische ZK einen prinzipienfesten und entschlossenen Zweifrontenkampf fhren. Das lsst sich an Hand zahlreicher ZKBeschlsse dokumentieren. Wir haben den Kampf Stalins wie er in den 13 Bnden niedergeschrieben ist - Jahrzehnte lang studiert, aber haben es versumt, diesen Zweifrontenkampf auch auf die spte ra Stalins anzuwenden, insbesondere auf die Zeit kurz vor seinem Tod. Da verschwindet der Zweifrontenkampf im Verschwrungsnebel. Dass damals hierber die Dokumente im Verborgenen gehalten wurden oder spter vernichtet wurden, darf nicht als Ausrede fr unsere Versumnisse herhalten. Hier haben wir MarxistenLeninisten Selbstkritik zu ben und das Versumte nachzuholen. Dieser Zweifrontenkampf zwischen der stalinschen Generallinie und der revisionistischen Linie, die sich hinter ihr im Verborgenen zu entwickelte, tobte hin und her, bevor sie schlielich ber Stalin, ber den Stalinismus siegte. Die gealterten theoretischen Wrdentrger bildeten eine terrorristische Front gegen die Erneuerer des Marxismus-Leninismus, von denen die weiter fortschreitende Sowjetgesellschaft von unten herauf eine Riesenmenge hervorragender Kader hervorgebracht hatte. Die Alten waren auf ihrem Stuhl festgewachsen, die Neuen konnten sie nicht entfernen. Auch hier der Zweifrontenkampf: DieTrennung der Spreu vom Weizen bei den Alten und die Trennung von Spreu und Weizen bei den Neuen, um daraus eine vereinigte revolutionre Front der Neuen und der Alten zu schmieden gegen die konterrevolutionre Front der alten und neuen reaktionren Elemente. Die konterrevolutionren Krfte, die rckschrittlichen Elemente aus den Schichten der Intelligenz, die den Marxismus-Leninismus auf jede Art und Weise schwchten - das waren die ideologischen Steigbgelhalter des modernen Revisionismus, der brgerlichen Ideologie der neuen herrschenden Bourgeoisie der Sowjetunion nach Stalins Tod.
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Stalin war sich darber bewusst, dass eine Nation nach dem praktischen Wiederaufbau der Kriegsschden ohne theoretisches Denken nicht auskommen kann, wenn die Sowjetunion wieder auf der Hhe der Wissenschaft stehen will. Das Niveau des Marxismus-Leninismus zu heben, das war eine Aufgabe, die vor allem die bolschewistische Partei selber zu erarbeiten hatte, die eine bolschewistische Partei niemals - in eigener Passivitt erstarrend - an irgendwelche staatlichen Institute delegieren darf, denn die Partei muss die revolutionre Theorie nicht nur wie ihren eigenen Augapfel hten, sondern sie entwickelt diese auch weiter mit Hilfe des demokratischen Zentralismus, mit Hilfe des bolschewistischen Prinzips von Kritik und Selbstkritik, wobei sie sich natrlich sowohl der Untersttzung von auen, von den Massen, bedient als auch die revolutionre Theorie mit Hilfe ihrer bolschewistischen Agitation und Propaganda in die revolutionre Bewegung trgt, um wieder aus den neu gewonnenen Erfahrungen der Massen zu schpfen, die diese bei der Anwendung der revolutionren Neuerungen der Theorie machen. Die Partei ist der Fhrer dieses dialektischen Prozesses der Weiterentwicklung der revolutionren Theorie und diese Rolle darf nicht herabgemindert werden. Die Partei ist die Hterin der marxistisch-leninistischen Theorie: Die Kraft der marxistisch-leninistischen Theorie besteht darin, dass sie der Partei die Mglichkeit gibt, sich in der jeweiligen Situation zu orientieren, den inneren Zusammenhang der rings um sie vor sich gehenden Ereignisse zu verstehen, den Gang der Ereignisse vorauszusehen und zu erkennen nicht nur, wie und wohin sich die Ereignisse gegenwrtig entwickeln, sondern auch wie und wohin sie sich knftig entwickeln mssen. Nur eine Partei, die die marxistisch-leninistische Theorie gemeistert hat, kann mit Zuversicht vorwrts marschieren und die Arbeiterklasse vorwrts fhren. Und umgekehrt eine Partei, die die marxistisch-leninistische Theorie nicht gemeistert hat, ist gentigt, tastend umher zu irren, verliert die Zuversicht in ihre Handlungen, ist nicht fhig, die Arbeiterklasse vorwrts zu fhren. Es knnte scheinen: die marxistisch-leninistische Theorie gemeistert haben bedeute, einzelne Schlussfolgerungen und Leitstze aus den Werken von Marx-Engels-Lenin gewissenhaft auswendig zu lernen, um sie zur rechten Zeit zu zitieren, und sich damit zufrieden geben in der Hoffnung, dass die auswendig gelernten Schlussfolgerungen und Leitstze fr jede Situation, fr alle Wechselflle des Lebens tauglich seien. Aber ein solches Herangehen an die marxistisch-leninistische Theorie ist vllig unrichtig. Man darf die marxistisch-leninistische Theorie nicht als eine Dogmensammlung, als einen Katechismus, als eine Glaubensformel betrachten, noch die Marxisten selbst als Wortklauber und Schriftgelehrte. (...) Die marxistisch-leninistische Theorie meistern heit verstehen, diese Theorie durch neue Erfahrungen der revolutionren Bewegung zu bereichern, sie durch neue Leitstze und Schlussfolgerungen zu bereichern heit verstehen, sie zu entwickeln und weiterzufhren, und nicht davor zurckschrecken, ausgehend vom Wesen der Theorie, einzelne ihrer Leitstze und Schlussfolgerungen, die bereits veraltet sind, durch neue, der neuen historischen Situation entsprechende Leitstze und Schlussfolgerungen zu ersetzen. (...) Es gilt, sich die unbestreitbare Wahrheit zu eigen zu machen, dass der Marxist mit dem lebendigen Leben, mit den exakten Tatsachen der Wirklichkeit rechnen muss, statt sich an die Theorie von gestern zu klammern (Stalin, Geschichte der KPdSU (B), Seite 441/42 und 446). Was wre aus der Partei Lenins und Stalins geworden, aus dem Leninismus geworden, wenn Stalin sich gescheut htte, den Buchstaben des Leninismus anzutasten, wenn es ihm an dem theoretischen Mut gefehlt htte, eine der alten Schlussfolgerungen von der Mglichkeit des Sieges des So-
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zialismus in einem Land fallenzulassen und sie zu ersetzen durch die neue, der neuen historischen Situation entsprechende Schlussfolgerung von der Mglichkeit des Sieges des Kommunismus in einem Land ? Was wrde aus dem Stalinismus werden, wenn er von uns nicht weiter entwickelt worden wre, wenn sich die Komintern / ML gescheut htte, den Buchstaben des Stalinismus anzutasten, wenn es ihr an dem theoretischen Mut gefehlt htte, einer der alten Schlussfolgerungen von der Mglichkeit des Sieges des Kommunismus in einem Land fallenzulassen und sie zu ersetzen durch die neue, der globalisierten revolutionren Situation des Weltproletariats entsprechende Schlussfolgerung von der Mglichkeit des Sieges des Weltkommunismus ? Kann man denn angesichts der gegenwrtigen kapitalistischen Weltkrise gegenber dem vor uns zusammenbrechenden Weltkapitalismus die Augen verschlieen ? Kann man sich angesichts der hieraus entstehenden neuen weltrevolutionren Situation noch weiter Stalinist nennen, wenn man davor Angst hat, die Mglichkeit des Sieges des Weltkommunismus realistisch ins Auge zu fassen ? Es war klar, dass Stalins kommunistische Initiative alles aufwhlte und an die Oberflche befrderte, was sich allmhlich auf dem theoretischen Grund des Sozialismus in der UdSSR abgelagert hatte, ein Schlick und Morast, der das revolutionre, wissenschaftliche Denken nicht mehr atmen lie und es zu ersticken drohte. Das ZK musste mit mehreren Beschlssen hart durchgreifen und eine neue Kulturfront aufbauen. Diese Kulturfront erffnete den Klassenkampf gegen die Restauration des Idealismus. Die sptstalinistische ra war eine ra der Kulturrevolution, ein Kampf zur Schaffung eines kommunistischen berbaus, dem viele bolschewistische Fhrer wie der Genosse Shdanow zu Opfer fielen. Die Ermordung Shdanows durch Berija bringt die Schrfe zum Ausdruck, mit der die Konterrevolution auf die Kulturrevolution antwortete. Es begann ein historischer Zeitabschnitt, wo erstens der Marxismus-Leninismus zwar schon angeschlagen war, aber stark genug war, um noch nicht besiegt werden zu knnen und zweitens der moderne Revisionismus auf dem Vormarsch, aber noch zu schwach, war, um den Marxismus-Leninismus abzulsen. Dieses Nebeneinanderbestehen zweier entgegengesetzten Ideologien, dieser bergang von einem Aggregatzustand in den anderen, war alles andere als eine friedliche Koexistenz, es war ein Kampf auf Leben und Tod, der Moment des Sprungs zum Weltsozialismus oder der Absturz in die Finsternis der Alleinherrschaft der Weltreaktion. Es war ein Wendepunkt ber die Entscheidung, die Generallinie Stalins, den Marxismus-Leninismus ber dem Erdball siegen zu lassen, konsequent weiter zu fhren oder auf halbem Wege stehen zu bleiben, zu kapitulieren und umzukehren zum Kapitalismus. Die Einheit des Marxismus-Leninismus, seine berlebensfhigkeit, besteht in seinem Internationalismus. Diese Einheit zu spalten und zu zerschlagen bestand in der Umkehr zum Nationalismus, zum Gromacht-Chauvinismus, zur Nationalisierung des Marxismus-Leninismus zwecks Verhinderung seiner fortschreitenden Internationalisierung. Es ist die marxistisch-leninistische Weltbewegung, die von ihr freigesetzte weltproletarische Kraft, die ber die Zukunft des Sozialismus entscheidet. Seine Beschneidung auf die Sowjetunion musste zu ihrem Untergang fhren. Als Stalin und Shdanow sich gegen die ideologische Invasion des imperialistischen Westens richteten und das Bollwerk des Sowjetpatriotismus an der ideologischen Front errichteten, da war dies fr die Nationalisten ein gefundenes Fressen, den Marxismus-Leninismus auf seine nationale Bedeutung fr die Sowjetunion zu beschneiden, diesen dem Nationalismus anzupassen und seinen internationalistischen Geist zu brechen. Sie untertunnelten den stalinschen Schutzwall gegen die auslndische brgerliche Ideologie, um die inlndische-russische brgerlichen Ideologie aufzuwerten, salonfhig zu machen und einflieen zu lassen und als Nebeneffekt alles Fortschrittliche des Auslands mit ber Bord zu werfen, sehr zum Schaden der Sowjetunion. Hier wird deutlich wie sich die Konterrevolution an den bolschewistischen Zweifrontenkrieg nach innen und auen anpasste, um ihn gegen sich selbst zu richten. Es war ein Kampf der Krfte der Internationalisierung des Stalinismus und der Krfte der nationalistischen, verbrgerlichten Isolierung der Sowjetunion.
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Die Globalisierung des Weltimperialismus siegte ber die Globalisierung des Sozialismus. Die Niederlage der Globalisierung des Sozialismus besiegelte die Niederlage des Sozialismus in einem Land. Die Krfte des Weltsozialismus erwiesen sich historisch noch zu schwach, um in der ersten Schlacht ber die Krfte des Weltimperialismus zu siegen. Das Ende der Stalinra wurde damit zum Neuanfang der ra des Weltsozialismus, die noch eine schwere und langwierige Geburt durchmacht und noch schmerzvolle Vehen durchzustehen hat. Die momentane Weltkrise des Kapitalismus bettigt sich zur Zeit als Geburtshelfer. Der Weltsozialismus wird das Licht der Welt also in nicht all zu ferner Zukunft erblicken und der Stalinismus wird seine Niederlage in einen Sieg verwandeln. Die Entstalinisierung erfolgte in zwei Etappen. Aber wenn es nach Berija gegangen wre alles gleich in einem Abwasch. So setzte er sich eigenmchtig ber Beschlsse der Partei hinweg, in Wolynsko ein Stalinmuseum zu errichten und verwandelte es kurz entschlossen in ein Kinderheim. Was ist nun wichtiger, ein Kinderheim oder ein Museum ? Berija war schlau und berechnend, denn es ging ihm in Wirklichkeit weder um ein Kinderheim noch um ein Museum, sondern die Dinge so miteinander zu kombinieren, dass er daraus einen Vorteil fr sich ziehen konnte und die Erinnerung an Stalin in den Sowjetvlkern auszulschen. Eigenmchtiges bergehen von Parteibeschlssen wurde stets von ihm durch Taten gerechtfertigt, gegen die sich nichts einwenden lie, denn im Grunde genommen wollten die Revisionisten ja vom Personenkult Stalins wieder wegkommen. Berija war in seinem Wesen nie ein Marxist, sondern verstand es, sich des Marxismus zu bedienen. Aus seiner brokratisch-pragmatischen Sichtweise, wrde er dem Zweifrontenkrieg am liebsten per Staatsbefehl die Flgel stutzen, sah er darin einen Klotz am Bein zur Durchsetzung seiner Interessen. Ganz anders die Chruschtschowianer. Sie wollten und konnten auf den Zweifrontenkrieg gegen den Stalinismus nicht verzichten.. Berija fhrte seinen eigenen Zweifrontenkrieg, den berijanischen Zweifrontenkrieg, nmlich sich auf jeweils diejenige Front zu sttzen, die im gegebenen Augenblick ber die grere Macht verfgte, einerlei, ob sie nun revolutionr oder konterrevolutionr war Hauptsache, dass sie ihn auf seiner Karriereleiter weiter brachte. Er war also ein durch und durch prinzipienloser Mensch, aber ein prinzipienloser Mensch von ganz besonderer Art, nmlich jemand, der die Prinzipienlosigkeit zu seinem berechnenden Prinzip erhob. Er war prinzipienlos, nicht weil er von der Prinzipienlosigkeit berzeugt war, sondern er tarnte sich mit der jeweiligen Prinzipienfestigkeit der gerade herrschenden Macht, um diesee mit ihren eigenen Prinzipien zu erobern. Auf deutsch: Er verfgte ber die Gabe, mit eiskaltem Kalkl jedes Mal auf das richtige Pferd zu setzen, um auf ein anderes Pferd zu wechseln, wenn er dafr den geeigneten Moment fr gekommen sah. Die Zeit des Menschewismus an der Macht war eingelutet, allerdings durch Berija noch nicht gekommen, so dass er sich mit seiner Prinzipienlosigkeit, mit seinem Menschewismus, viel zu frh das eigene Grab schaufelte. Sein Anti-Stalinismus war seiner Zeit zu weit voraus. So berlebte der Menschewismus Berijas den Menschewist Berija. Zunchst waren sich die modernen Revisionisten darber natrlich bewusst, dass sich das kolossale Lebenswerk des Genossen Stalin nicht von heut ` auf morgen aus den Herzen und Kpfen der Sowjetmenschen verbannen lie. Das war vllig illusorisch und objektiv gar nicht mglich. Sie hatten dem berhaupt nichts entgegenzusetzen und mussten sich darauf beschrnken, den Personenkult, den sie betrieben hatten, zunchst hinter vorgehaltener Hand Schritt fr Schritt zu entsorgen. Erst nach dem XX. Parteitag konnten sie ihre Hllen endlich fallen lassen und mit der formalen Entstalinisierung beginnen. Kurz nach Stalins Tod schmckten sich die neuen Kremlzaren noch mit den Lorbeeren der Leistungen Stalins, schoben sie sich dessen Verdienste selber zu. Whrend Molotow es in seinem Bericht ber Die Internationale Lage und die Auenpolitik der Regierung der UdSSR, - vorgetragen auf der Tagung des Obersten Sowjets der UdSSR am 8. Februar
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1955 -, tatschlich fertig gebracht hatte, nicht ein einziges Wort ber Stalins Auenpolitik fallen zu lassen, geschweige denn den Namen Stalin berhaupt in den Mund zu nehmen, so als htte es ihn nie gegeben, erwhnte Bulganin den Namen Stalin zwar immerhin einmal in seiner Rede, die er am 9. 2. 1955 als Vorsitzender des Ministerrats hielt, aber er stellte sich inhaltlich voll hinter Molotow und Chruschtschow. Hingegen war ausgerechnet Chruschtschow derjenige, der sich in seinem Referat auf dem Plenum des ZK der KPdSU vom 25. Januar 1955 (sic!), Neue Erfolge in der Entwicklung der Volkswirtschaft der UdSSR, des Personenkults weiter bediente, wie zum Beispiel: Weisungen des genialen Lenin und Stalin, des treuen Fortsetzers seines Werkes; Stalin, der Lenins Weisungen weiterentwickelte (und Chruschtschow zitierte Stalins Weisungen sogar in seinem Referat !). Oder nehmen wir zum Beispiel diese Stelle in Chruschtschows Referat: Die richtige Linie ,(...) die der groe Lenin vorgezeichnet hatte, setzte die Partei unter Fhrung Stalins unbeirrt in die Tat um. Sie verfolgt diese Linie gegenwrtig konsequent weiter und wird sie auch in Zukunft unbeirrt weiter verfolgen! (, Broschre, Herausgeber KPD, Dsseldorf, Seite 42 und 43, ohne Angabe des Erscheinungsjahres). Die Zukunft dieser richtigen Linie beendete derselbe Chruschtschow genauso unbeirrt ein Jahr spter mit dem XX. Parteitag, auf dem er sich in abscheulicher Weise nicht nur in Taten, sondern auch in Worten offiziell von Stalin verabschiedete. Diese antistalinistische Linie setzen die Revisionisten von heute nicht mehr so offen fort: Heute versuchen nicht wenige Revisionisten, den anti-marxistischen Mantel, den die Nationalisten, Faschisten, Chauvinisten usw., dem Genossen Stalin umgehngt haben, in rote Farbe zu tauchen. So wie diese revisionistischen Parasiten sich bereits zu Lebzeiten Stalins am Paradies der UdSSR gtlich getan hatten, das sich die werkttigen Sowjetmenschen im Schweie ihres Angesichts aufgebaut hatten, so schwammen sie nach seinem Tod noch eine Weile auf der Stalinwelle - nur den von ihnen betriebenen Personenkult hatten sie behutsam abgestreift den brauchten sie nun nicht mehr. Wenn wir die Entstalinisierung in zwei Abschnitte aufteilen - inhaltliche und formale dann nicht weil wir einer mechanistischen Methode erlegen sind. Die Entstalinisierung ist ein dialektischer Vorgang, genauso wie daraus wieder eine Restalinisierung auf hherer Stufe entsteht die Stalinisierung im Weltmastab (Negation der Negation). Und dieser Prozess wird auch nicht mit der Wiederbenennung Stalingrad und Leningrads beginnen, sondern mit der globalen Verankerung des Marxismus-Leninismus als herrschende Weltideologie, als Ideologie des befreiten Weltproletariats. Zuerst verfault der revolutionre Geist. Der Fisch fngt bekanntlich am Kopf an zu stinken, dann verfaulen die inneren Organe und dann vergeht die uere Hlle bzw. man benutzt sie zur Fllung brgerlichen Inhalts. So hatte Berija die Entstalinisierung in Wort und Tat umgesetzt, indem er nicht nur Stalin offen verurteilte, sondern auch diejenigen beseitigte, die den Weg Stalins fortsetzten. Er stellte sich dabei aber nicht vor `s Volk, um Nieder mit Stalin! zu schreien, aber er stellte sich zum Beispiel vor ein Politbro der KP Ungarns, um dort Stalin und dessen Politik zu verdammen und den Bruderparteien seinen Entstalinisierungskurs mit brokratischer Gewalt und Erpressungen aufzuzwingen. Selbst auf dem XX. Parteitag waren die Hllen noch nicht ganz gefallen, handelte es sich immerhin noch um eine Geheimrede Chruschtschows. Also sowohl der inhaltliche als auch der formale Prozess der Entstalinisierung konnte sich nur in Etappen vollziehen. Mit dem XX. Parteitag gingen die modernen Revisionisten dazu ber, Stalin ffentlich - inhaltlich-politisch, ideologisch-erzieherisch zu berwinden, indem sie zur ideologischen Entstalinisierung beim Leninismus Zuflucht suchten. Jedes zweite Wort, das fiel, hie Personenkult. Als der Leninismus dann spter auch nicht mehr herhalten konnte, weil die Restauration des Kapitalismus dafr bereits all zu weit vorangeschritten war, lieen sie ihre Maske des Leninismus allmhlich fallen, um die brgerliche Ideologie offen zu etablieren, wobei sie sich noch in feierlichen Momenten an Lenin erinnerten und ihrem Kapitalismus das scheinheilige Etikett der schpferischen Weiterentwicklung des Leninismus aufdrckten.
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Diesen zweiten Abschnitt der Entstalinisierung bezeichnen wir als die legalisierte, formvollendete Entstalinisierung , die sich charakterisieren lsst mit der Streichung des Namens Stalins aus dem ffentlichen Leben der UdSSR, aus dem ffentlichen Leben ihres Einflussgebietes in anderen Lndern. Es gab keine Stalinbilder, keine Stalindenkmler, keine Stalinsttten mehr, keine Straen- und Ortsnamen, keine Bcher mehr, in denen er erwhnt worden war, nicht mal mehr die Stalinwerke selbst. Betriebe, Institutionen in Staat, Partei und Armee, in Schulen, in Literatur und Kunst alles wurde umbenannt. Der Name Stalin sollte systematisch und mit brokratischer Grndlichkeit aus dem Gedchtnis der Sowjetmenschen verbannt werden. Natrlich ging es nach dem XX. Parteitag weiter mit den Umbenennungen. Stalinabad wurde 1962 umbenannt; Stalingrad im Jahre 1961. Mit der Sowjetunion verschwanden dann auch die Leninnamen - hie Leningrad wieder Petersburg. Wir MarxistenLeninisten sind davon felsenfest berzeugt, dass diese Umbenennerei den modernen Revisionisten nichts ntzen wird, denn wir werden siegreich aus dem Kampf gegen den modernen Revisionismus hervorgehen. Wenn wir erst einmal auf der ganzen Welt den Sozialismus errichtet haben, werden die alten Leninund Stalinnamen nicht nur wieder hergestellt in Russland und Albanien, nicht nur in den ehemaligen Sowjetrepubliken, in den ehemaligen Volksdemokratien, sondern diese Umbennenungen wird selbstverstndlich das siegreiche Weltproletariat auf der ganzen Welt vornehmen. Die Entstalinisierung der modernen Revisionisten wird abgelst durch unsere Restalinisierung auf dem gesamten Erdball ! Wie anders kann man als Marxist-Leninist die Dialektik der Entstalinisierung verstehen, als ihre Ersetzung in die globale Stalinisierung. Die globale Stalinisierung das ist Programm der Komintern / ML. Die Nazifaschisten hatten antifaschistische Bcher zu propagandistischen Zwecken auf ffentlichen Scheiterhaufen verbrannt. Dies mit den Werken Stalins nachzuahmen, war fr die modernen Revisionisten damals natrlich ein Ding der Unmglichkeit, denn es strmten ja immer noch die Millionenmassen zum Trauern an den Sarg Stalins. So vollzog sich die Gehirnwsche der modernen Revisionisten als eine qualvolle und demtigende Selbstverleugnung der Sowjetvlker. Diese Wunde in der Seele der Sowjetmenschen konnte bis heute nicht verheilen. Sie kann erst verheilen, wenn die ehemaligen Sowjetvlker wieder ihr Vertrauen in den Stalinismus zurckgewonnen haben. Erst in dem Mae wie sie den Verrat der modernen Revisionisten begreifen, werden sie den Weg zurck zu Stalin wieder finden. Es reicht nicht, dass wir Marxisten-Leninisten das begriffen haben. Unsere Pflicht ist es, den Sowjetvlkern dabei zu helfen, wieder den Weg des Stalinismus zu beschreiten, und zwar den fortgeschrittenen Weg des Stalinismus auf hherer Stufenleiter im Schritt von der eigenen Oktoberrevolution zu ihrer Einbindung in die Revolution des Weltproletariats ! Nicht mehr Einbindung der Revolution anderer Lnder in die Oktoberrevolution, sondern umgekehrt, die Einbindung des Sturzes der russischen Bourgeoisie in den Sturz der Weltbourgeoisie ! Das ist der leninschestalinsche Weg der Zukunft und um es immer wieder einzuhmmern: der vor uns liegende Weg, das ist die globalisierte Restalinisierung. Wir mssen an dieser Stelle daran erinnern, dass zum Beispiel bereits im Januar des Jahres 1951 mehr Stalinwerke unter den Massen verbreitet waren als Leninwerke. Um sich einmal eine Vorstellung von der Dimension der Gesamtauflagen zu machen, liefern wir hier ein paar eindrucksvolle Zahlen ber die bis 1951 herausgegebenen Werke Lenins und Stalins: Erste Ausgabe der Leninwerke (1920-1926) = 2 670 000 Zweite und dritte Ausgabe der Leninwerke (1925 1932) = 20 743 000 Vierte Ausgabe der Leninwerke (1941 1951) = 21 791 000 Stalinwerke (seit 1946 waren 12 Bnde erschienen) = 10 367 000 Stalin, Fragen des Leninismus = 17 334 000 Geschichte der KPdSU (B) Kurzer Lehrgang = 38 756 000 Stalin, ber Lenin = 8 921 000 Insgesamt erschienene Werke Lenins = 204 300 000 (!!!!) Insgesamt erschienene Werke Stalins = 570 200 000 (!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!)
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570 200 000 Werke Stalins konnten die modernen Revisionisten nun mal nicht von heut auf morgen aus der Welt schaffen !!! Sie waren im Volk verbreitet und verankert ! ( Dagegen muten die von uns Marxisten-Leninisten nach dem Tod Stalins herausgegebenen Stalinwerke eher winzig an. Aber wir versprechen, dass dies in nicht all zu ferner Zukunft bald wieder anders sein wird. Das Interesse an den Stalinwerken wchst im gleichen Tempo wie der Kampf gegen den Weltimperialismus. Die Werke der Klassiker des Marxismus-Leninismus werden im globalisierten Sozialismus milliardenfach verbreitet sein, wenn der Marxismus-Leninismus die herrschende Ideologie in der Welt geworden ist! ). Solange Stalin noch lebte, so lange die Macht also in den Hnden der Marxisten-Leninisten war, griffen die Trotzkisten den Stalinismus von links an ( nach dem Vorbild des Blocks der Rechten und der Trotzkisten). So hing Tito den Stalinismus zum Beispiel das Prdikat des modernen Revisionismus, des brokratischen Staatskapitalismus, des Imperialismus und des Faschismus usw. an. Wir , als marxistisch-leninistische Weltbewegung, die sich gegen den XX. Parteitag der KPdSU herausgebildet hatte, griffen die modernen Revisionisten als moderne Revisionisten erst zu einer Zeit an als diese schon an die Macht gelangt waren, whrend die modernen Revisionisten den Stalinismus bereits zu einer Zeit als moderne Revisionisten angegriffen hatten, als Stalin noch an der Macht war. Nachdem sie Stalin beseitigt hatten, nachdem der Revisionismus an der Macht war, schwenkten die Opportunisten um 180 Grad, um von rechten Positionen aus den Stalinismus als Sektierertum, Linksopportunismus und als Dogmatismus usw. anzuprangern. In den 60er Jahren betrachtete die Sowjetrevisionisten den Stalinismus als Linksopportunismus und zwar als eine Strmung, die es als Hauptgefahr zu bekmpfen galt. An dieser historischen Wende wechselte also der moderne Revisionismus seine Fronten im Zweifrontenkrieg, wurde die Hauptfront zur Nebenfront und die Nebenfront zur Hauptfront gegen den Stalinismus. Heute setzen die Berijaner die Entstalinisierung Berijas wie folgt fort: Sie versuchen die Restalinisierung dadurch aufzuhalten, dass sie uns Marxisten-Leninisten als Dogmatiker und Sektierer abstempeln mit Hilfe ihrer konterrevolutionren Losung: Mit Stalin den Stalinismus, die Stalinisten, bekmpfen. Die Entstalinisierung erfolgte durch das Zusammenspiel der Zusammenbruchskrfte und der Deformierungskrfte. Die Abrissbirne - ( zu Stalins Zeiten noch hinter Verschwrungen, Intrigen und Rnkeschmieden verborgen eingesetzt) - bettigten Berija und Malenkow , die Deformierungsmaschinerie setzte Chruschtschow in Gang. Und die Berijaner heute? Sie schlagen auf uns Stalinisten ein, um damit berall ihre brgerliche Revision des Stalinismus an den Mann zu bringen und umgekehrt deformieren sie den Stalinismus, um damit gegen uns Stalinisten zu hetzen. Der Kampf zwischen Stalinismus und Berijanertum wird sich weiter verschrfen und ausgefochten werden ! Berija konnte Stalin ermorden, aber gegen den Stalinismus sind die Berijaner machtlos. Folglich besteht die Aufgabe der heutigen Stalinisten darin, das Zusammenwirken der Wiederaufbaukrfte und der Neuformierungskrfte des Stalinismus sicherzustellen. Alles, was sich am Stalinismus als gut und richtig erwiesen hat, muss wieder hergerichtet, vom Antistalinismus ( einschlielich vom Berijanertum) gereinigt und marxistisch-leninistisch gepflegt werden. Die Anwendung des Stalinismus auf unsere heutige Zeit, das ist durch unsere marxistisch-leninistische Neuformierung des Stalinismus zu gewhrleisten. Zu den alten, noch brauchbaren Bausteinen mssen nur noch neue Bausteine hinzugefgt werden, und schon kann unser neues, noch viel stabileres stalinistische Gebude wieder errichtet und bezogen werden. Historisch betrachtet begann die Entstalinisierung nicht (!) zuerst mit Chruschtschow, also nicht erst mit dem XX. Parteitag, insbesondere mit seiner so genannten Geheimrede. Nein,
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schon wenige Tage nach Stalins Tod war befohlen worden, die Erwhnung Stalins in Presse und Rundfunk drastisch zu reduzieren. Berija ordnete eine begrenzte Trauerzeit fr 3 Tagen an. Er gestattete nicht wie blich Gedenkartikel zu verffentlichen. Es gibt keinen einzigen Gedenkartikel von keinem Prsidiumsmitglied, von keinem! Die einzige Ausnahme, Gedenkartikel von auslndischen Parteifhrern zu verffentlichen wurde nur Enver Hoxha und Wilhelm Pieck gestattet. Es gab sogar einen Befehl, auf Kundgebungen nur noch die Portraits von Marx, Engels und Lenin zu tragen also die zuknftigen 3 Kpfe , dieses anti-stalinistische Erkennungszeichen aller revisionistischen Parteien, die den Sowjetrevisionisten folgten und die heute noch existieren. Die Befehle zur Entstalinisierung kamen von dem angeblich treuesten Gefhrten Stalins von BERIJA!!! Die 3 Kpfe sind das Markenzeichen von Berija ! Das Tauwetter-Periode leitete Berija ein. Er war der fhrende Kopf dieser sofort in die Tat umgesetzten anti-stalinistischen Linie und nicht Chruschtschow. Aber Vorsicht: Die heutigen Berijaner verstecken sich hinter den 4 Kpfen, um Berijas Markenzeichen zu retten! Berija hingegen hat Stalin den Kopf abgeschlagen, um ihn sich selber aufzusetzen eben ein neu aufgepfropfter Stalinkopf zur Tarnung der 3 Kpfe das ist die Taktik der heutigen Neo-Revisionisten, die sich in verschiedene Strmungen aufgespalten haben, aber vereint gegen den Stalinismus kmpfen. Die Tauwetter-Periode in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung nach dem Tod Enver Hoxhas leiteten auch die Berijaner mit ein. Viele marxistischleninistischen Parteien infizierten sich mit dem neu in Umlauf gebrachten trotzkistischen Virus, um dann im Neo-Revisionismus zu landen immer weniger Revolution, aber dafr immer mehr Reformismus ! So ist der Groteil unserer marxistisch-leninistischen Weltbewegung auf rechte Abwege geraten und nur noch ein kleiner Rest aufrechter marxistisch-leninistischer Genossen ist in vielen Lndern leider nur noch brig geblieben. Es ist aber deutlich erkennbar, dass sich die wahrhaften Marxisten-Leninisten in der ganzen Welt wieder zusammenfinden und an ihrer Zusammenarbeit und Vereinigung arbeiten angesichts der groen revolutionren Aufgaben, die heute vor dem Weltproletariat stehen. Der Reformkurs zur Restauration des Kapitalismus von Berija war es, die Restauration des Kapitalismus in einem Handstreich bers Knie zu brechen. Nicht die Restauration des Kapitalismus selbst, sondern der Weg dorthin, machte den Unterschied zwischen Berija und Chruschtschow aus. Chruschtschows Tauwetter-Kurs war fr eine lngere Periode konzipiert teilweise mit Umwegen und Zick-Zackwendungen. Den eigentlichen Ansto, sich vom Marxismus-Leninismus abzukehren und die Lehren Stalins samt Marxismus-Leninismus, in den Mlleimer zu werfen, lieferte Berija mit Hilfe Malenkows. Insofern war Berija Chruschtschows Wegbereiter, der Wegbereiter des modernen Revisionismus in der Sowjetunion. Berija hat sich nicht fr Stalin, sondern fr den modernen Revisionismus geopfert. Berija war sogar bereit, nicht nur den Stalinismus, sondern auch den ganzen MarxismusLeninismus ber Bord zu werfen, whrend Chruschtschow den Weg whlte, den Stalinismus mit dem Leninismus zu bekmpfen. Whrend Berija ungeschminkten Sozialdemokratismus, Nationalismus, Sozialimperialismus usw. auf die Fahne schrieb, hllte sich Chruschtschow zunchst im linken Gewand der marxistischen Ideologie. Und damit dieses linke Gewand auch an Glaubwrdigkeit gegenber den Massen gewinnen konnte, wurde der rechte Parteifeind Berija von links entlarvt. Ohne diesen taktischen Schachzug nmlich der so genannten formalen Abgrenzung vom Rechtsopportunismus htte Chruschtschow den modernen Revisionismus nicht so berzeugend als Marxismus-Leninismus verkaufen knnen, htte er keine fundierte ideologische Plattform gehabt, von der aus der Angriff auf den Stalinismus htte gestartet werden knnen nicht nur in der Sowjetunion, sondern auch in der kommunistischen Weltbewegung. Wenn Bill Bland postulierte, dass Berija angeblich Stalinist gewesen sei, wie reimt sich dann die Tat-
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sache zusammen, dass Chruschtschow Berija nicht des stalinschen Dogmatismus und Sektierertums angeklagt, sondern des Rechtsopportunismus beschuldigt hatte ? Wer liegt hier falsch Bill Bland oder Chruschtschow ? Im Grunde beruhte dies auf dem Kautskyanertum, nur, dass hier nicht Kautsky gegen Bernstein, sondern Chruschtschow gegen Berija angetreten war, um sich als Marxist zu verkaufen und den rechten Opportunismus zu verhllen mit linken Phrasen. Der Zweifrontenkrieg von Chruschtschow, also der Zweifrontenkrieg des modernen Revisionismus in der Sowjetunion wurde nach Stalins Tod wie folgt marxistisch-leninistisch maskiert: a) Berija: rechts, Reformismus, Sozialdemokratismus (=Revisionismus); b) Stalinismus: personenkultig, dogmatisch, sektiererisch, linksopportunistisch; c) Chruschtschowkurs marxistisch-leninistisch. Dieses revisionistische berstlpen des alten bolschewistischen Zweifrontenkampfes spielte fr die Entwicklung des modernen Revisionismus als ideologischer Kompass bei der Entstalinisierung eine Schlsselrolle, weswegen wir uns dieses Schema nicht nur fest einprgen mssen, sondern davon auch die Position der Revisionisten vor dem Tod Stalins abzuleiten und nachzuweisen haben ! Wir gehen also davon aus, dass die Revisionisten dieses Schema bereits zu Stalins Lebzeiten kannten und anwandten nur eben in verhllter, verkappter Form. Dieses Schema dient brigens heute noch den Revisionisten und - wen wundert`s ? den Berijanern im Kampf gegen uns Stalinisten: a) moderne Revisionisten (Chruschtschow, Mao, Tito usw.); b) Dogmatiker, Sektierer, Linksopportunisten ( also wir): c) Berija, Malenkow (MarxistenLeninisten). Wir drfen also nicht vergessen, dass sowohl die Chruschtschowianer als auch die Berijaner die Entstalinisierung unter dem Banner des Kampfes gegen den Dogmatismus und das Sektierertums durchgezogen, nur das die einen Stalin offen verurteilten, whrend die anderen ihn zur Tarnung aufrecht erhalten. Gab es einen Zweifrontenkrieg gegen die Entstalinisierung ? Wir sind sehr wohl dieser Meinung, denn es handelt sich dabei um einen Klassenkampf gegen die Liquidierung des Stalinismus, der unvermeidlich sowohl gegen rechts als auch gegen links gefhrt werden musste. Wo aber steckt die zweite Front gegen die Entstalinisierung? Kann diese zweite Front die Front gegen die Stalinisierung gewesen sein? Ja, das klingt paradox, aber ist dialektisch vollkommen folgerichtig. Ziehen wir das Beispiel der Bolschewisierung zum Vergleich heran. Erinnern wir uns an den VII. Weltkongress der Komintern, wo Dimitroff seine revisionistischen Kurs der Einheitsfronttaktik ausgerechnet als einen Ausdruck der Bolschewisierung gepriesen hatte. Dabei stand der Bolschewisierungskurs der Einheitsfronttaktik der Komintern durch die Beschlsse der vorangegangenen Weltkongresse bereits lngst fest. Eine Kursnderung, die mit dem Ettikettenschwindel der Bolschewisierung herbeigefhrt wurde, konnte also gar nichts anderes sein, als eine Abkehr von der alten bolschewistischen Komintern Lenins und Stalins. Hier wurde der Begriff der Bolschewisierung dazu missbraucht, die Bolschewisierung, wie sie vorher von Lenin und Stalin in die Komintern hineingetragen und verankert wurde, zu neutralisieren, sie aufzuheben, sie in Wirklichkeit zu ersetzen durch den Revisionismus. Man durfte so etwas damals aber nicht offen sagen, sondern musste das in einer Phrase verpacken, musste dem neuen Kominternkurs einen neuen Namen geben und nannte ihn Bolschewisierung, um diese revisionistische Kehrtwende der Komintern als etwas auszugeben, was in Etwa wie eine Weiterentwicklung des Bolschewismus aussehen sollte. Bolschewisierung der Bolschewisierung ist also nicht doppelt gemoppelt zu verstehen, sondern
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als eine Form der Aufhebung der Bolschewisierung. Was Dimitroff also tatschlich damit erreichen wollte, war die Entbolschewisierung der Komintern. Das kann in unserem Falle mit der Entstalinisierung natrlich nicht anders sein. Was heit denn, den Stalinismus stalinisieren zu wollen ? Minus multizipliert mit Minus ergibt PLUS. Stalinismus mal Stalinismus = Aufhebung des Stalinismus. Ideologisch ergibt sich aus dieser Rechnung ein mit sich selbst multiplizierter Stalinismus, bei dem das Gegenteil herauskommt - nmlich Revisionismus. Genauso wenig, wie man den Stalinismus entstalinisieren kann, kann man ihn auch nicht stalinisieren. Was man aber kann und auch tun muss, das ist die Weiterentwicklung des Stalinismus (ausschlielich) auf den Grundlagen des Stalinismus. Weiter entwickeln heit, ihn auf ein solches Niveau zu heben, damit er unter den gegebenen globalen Verhltnissen wieder anwendbar wird und seinen Zweck erfllen kann. Wir machen also nichts verkehrt, wenn wir die Globalisierung des Stalinismus anstreben. Nicht stalinisieren, sondern den Stalinismus globalisieren - das, und nur das, hilft uns weiter bei der Losung: Von Stalin lernen, heit siegen lernen! Diese Losung hilft berhaupt nicht weiter, wenn man alte Lehrstze des Stalinismus auswendig lernt. Als Stalinist muss man seinen eigenen Kopf benutzen anders lsst er sich fr uns Stalinisten nicht richtig anwenden. Was hatte sich am Zweifrontenkampf nach Stalins Tod gendert ? Nehmen wir an, dass der Entstalinisierungskurs der Revisionisten nach Stalins Tod einseitig vorgenommen worden wre also ohne zur Hilfenahme einer zweiten Front - , dann wre das uerst riskant gewesen, weil der Stalinismus zwar geschlagen, aber noch lngst nicht beseitigt war. Die Stalinisten leisteten Widerstand. Solange man also noch mit dem Auftrumpfen und dem Zurckschlagen des Stalinismus rechnen musste, war es fr die Revisionisten unvermeidlich, noch eine Weile das Pappschild des Stalinismus als counterpart bereit zu halten. Dieses Pappschild bekam die so genannte parteifeindliche Gruppe Molotow, Kaganowitsch usw. in die Hand gedrckt, um die Stalinisten in dieser parteifeindlichen Gruppe in der Funktion eines Auffangbeckens zu kontrollieren. Dieser bolschewistische Leichnam bildete also die zweite Front der so genannten Stalinisten. Als die Chruschtschowianer an zu schwcheln anfingen, da setzten diese bolschewistischen Leichnahme nicht etwa zum Umsturz an, um den Stalinismus zu retten, sondern im Grunde eilten sie den Chruschtschowianern zu Hilfe, um den Revisionismus zu retten. So ergnzte sich die erste Front der Entstalinisierung mit der zweiten Front der Stalinisierung zu einer gemeinsamen Front des modernen Revisionismus, arbeitete die zweite Front der ersten Front in die Hnde. Wir sind sicher, dass die Stalinisten dieses Zusammenspiel durchschaut haben mussten und dass sie in irgendeiner Form gegen beide anti-stalinistischen Fronten einen stalinistischen Zweifrontenkrieg gefhrt haben. Es ist deswegen fr uns heute auerordentlich wichtig zu erfahren, wer diesen Zweifrontenkrieg gegen die Entstalinisierer und Stalinisierer gefhrt hat und wie er konkret gefhrt worden war. Das sind diejenigen Dokumente, fr die wir Stalinisten uns interessieren. Aber sie uns vor zu enthalten, hierber sind sich die Anti-Stalinisten im Westen und im Osten aus uns bekannten Grnden natrlich vllig einig. Sie haben kein Interesse an der Wahrheit ber die wahren Stalinisten, die nach dem Tod Stalins gegen den modernen Revisionismus gekmpft haben. Die Restauration des Kapitalismus beginnt mit der Restauration der Partei. Die Entstalinisierung begann nicht erst nach Stalins Tod, sondern wurde bereits zu seinen Lebzeiten vorbereitet und betrieben, ja das ging schon los, bevor Stalin berhaupt Generalsekretr der Partei wurde, also schon zu Lebzeiten Lenins.
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Der Entartungsprozess der Partei, ihre Restaurationsversuche in eine brgerliche Partei, mssen wir uns in der letzten Phase des Stalinismus etwas genauer ansehen. Die KPdSU war bis zum Tod Stalins noch nicht entartet, aber sie befand sich bereits auf dem Wege dort hin. Es erlaubten sich zu viele Fhrer, sich ungestraft aufzuspielen und der stalinschen Partei auf der Nase herumzutanzen. Man braucht sich nur den Bericht Chruschtschows ber Abnderungen und Ergnzungen des Statuts auf dem XIX. Parteitag anzusehen, um darber verblfft zu sein, dass er sich zu 80% des gesamten Berichts mit Entartungsdelikten von Parteimitgliedern beschftigen musste, die in jeder anderen bolschewistischen Partei der Welt ein Ding der Unmglichkeit gewesen wren. Wir wollen hierzu nur kurz zwei Beispiele heraus greifen: In der ruhmreichen Partei Lenins und Stalins wird im Paragraf 1 des Statuts von Chruschtschow eingefhrt, dass nur jemand Mitglied der Partei werden kann, der nicht fremde Arbeit ausbeutet .Sowas stand noch nicht mal 40 Jahre vorher in der Auseinandersetzung mit Martow ber den Paragraf 1 zur Debatte. Hat es jemals eine Kommunistische Partei auf der Welt gegeben, die etwa Ausbeuter in ihre Partei aufgenommen hatte ? Aber so abwegig ist das eigentlich aus historischer Sicht gar nicht, denn schon zur Zeit Stalins htte die Hlfte der Mitglieder aus der Partei ausgeschlossen werden mssen, weil sie bereits mit Methoden der Ausbeutung und Unterdrckung vertraut war, deren massenweise Verbreitung von Chruschtschow in seinem Bericht selber zugeben werden musste. Und tatschlich existierte bereits zu Stalins Zeiten eine parasitre Schicht in der sowjetischen Gesellschaft, die man mit Fug und Recht Ausbeuter nennen konnte. Nach Stalins Tod verwandelte sich dann das ganze System der Sowjetunion in ein kapitalistisches System der Ausbeutung von fremder Arbeit, war es die Partei selbst, die den Kapitalismus vollstndig restauriert hatte und sich ja auch tatschlich selber an den Beschluss des XIX. Parteitags diszipliniert hielt, nmlich sich selbst aufzulsen. Ein weiteres Ding der Unmglichkeit und ebenso bezeichnend fr die entartende Partei - war die Rolle, die man dem Marxismus-Leninismus beima. Hier taucht der Marxismus-Leninismus doch tatschlich erst zum Schluss ber die Przisierung der Aufgaben der rtlichen Parteiorganisationen [sic !!] auf, nmlich dass die ideologische Arbeit unterschtzt und seine Propagierung immer noch unbefriedigend organisiert sei. Das sei aber nur bei den rtlichen Parteiorganisationen der Fall, also ab rtlicher Parteiorganisationen aufwrts - bis zur Spitze der Partei-Hierarchie anscheinend wohl nicht muss man das noch kommentieren ? Die hchste Stufe des Kampfes gegen bedrohlich angewachsene Entartungserscheinungen war erreicht. Die alles entscheidende Frage in diesem Moment stand bereits auf der Tagesordnung unter Punkt 1 : Leben oder Tod der Partei ? Sieg oder Niederlage Stalins. Bis zum Schluss weigerte sich Stalin zu kapitulieren, blieb er der Partei der Bolschewiki treu, sprengte er alle Ketten der Revisionisten, an die sie ihn zu fesseln versuchten, versuchte er die grte Suberung in der Geschichte der Partei durchzufhren gegen den Widerwillen der entartetenden Elemente in der Parteifhrung. Und in der Tat war die Existenz der Partei von Liquidatoren massiv bedroht, stellten die Stalinisten in der Periode des Sptstalinismus zwar noch die dominierende, die herrschende Fraktion in der KPdSU, aber eben nur noch eine Fraktion unter anderen, eine Fraktion, der es immer schwerer gemacht worden war, sich zu behaupten und durchzusetzen. Die KPdSU bestand kurz vor Stalins Tod aus verschiedenen Gruppierungen, deren Machtkmpfe Stalin noch gerade so unter Kontrolle zu halten vermochte. Im Grunde genommen hatte Stalin in seinem hohen Alter eine titanische Anstrengung zur Reinhaltung und Einheit der Partei aufbringen mssen. Das war unserer Meinung nach sein allergrtes Verdienst in seinem ganzen Leben. Ohne Stalin wre die Partei schon lange den Bach runtergelaufen. Es gab Einheit, aber es war eine trgerische Einheit, eine nach auen von Stalin zusammengekittete Einheit, unter deren Oberflche der Zersetzungskampf unter den Gruppierungen brodelte. Fr Stalin war die Einheit der Partei stets fr die Arbeiterklasse da und nicht fr die Partei als Selbstzweck. Und er wusste genau: Hrt die Einheit der Partei auf, der Arbeiterklasse zu dienen, ist sie fr die Arbeiterklasse keinen Cent mehr wert, verwandelt sich die Einheit der proletarischen Partei in eine Einheit ihrer Entartung, reien die revisionistischen Fhrer die Einheit an sich, um sie gegen die Arbeiterklasse zu richten.
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Was ist die Einheit in einer marxistisch-leninistischen Partei wert, wenn sie nicht der Einheit der marxistisch-leninistischen Weltbewegung dient ? Was ntzt die Einheit der marxistischleninistischen Weltbewegung, wenn sie nicht der Einheit der Kommunistischen Internationale dient? Was ntzt die Einheit der Kommunistischen Weltpartei, wenn sie nicht dem Weltproletariat, nicht der Einheit seiner Klasse dient ? Rein gar nichts !! Die Revisionisten benutzten die Einheit, solange sie sich noch nicht stark genug glaubten, auf sie verzichten zu knnen, whrend Stalin die Einheit brauchte, um die Revisionisten damit zu zgeln, sie unter seine Fittiche zu nehmen und sie damit zu kontrollieren. So wurde die Einheit der Partei auf die hrteste Probe ihrer Geschichte gestellt. Jede Gruppierung wollte das Machtinstrument der Einheit in den Dienst eigener Interessen stellen. Die Gruppierungen wollten sie nicht zerschlagen, sondern nur in Besitz nehmen, um sie als mchtige Tarnkappe fr den Putsch zu verwenden. Wenn es so etwas geben wrde wie eine Einheit, die eine Partei statt sie zu strken unter ihrer Last begrbt, dann wren wir geneigt, dies fr den letzten Augenblick in der Geschichte der KPdSU (B) Lenins und Stalins nicht auszuschlieen. Es war so als wenn Stalin diese Last auch noch mit seinen letzten Atemzgen auf seinen eigenen Schultern trug: Vergessen Sie nicht, dass jede Unstimmigkeit oben sich im Lande als ein Minus gegen uns auswirkt. Vom Ausland rede ich gar nicht erst (Das sagte Stalin - an die Opposition gerichtet zum Schluss seiner Rede auf dem XIV. Parteitag 1925, Stalin Werke, Band 7, Seite 340). Was Stalin zum Schluss nicht mehr vermochte, das war, diese parteifeindlichen Fraktionen, dieses Treiben der Cliquenwirtschaft in der Partei zu zerschlagen und die alte bolschewistische Einheit auf den Trmmern des Fraktionismus wieder herzustellen. Daran hinderte ihn einzig und allein sein gewaltsamer Tod. Je strker die Position Stalins wurde, desto mehr verstrkte sich der Druck der parteifeindlichen Cliquen, desto mehr spitzte sich die Frage um die Macht in der Partei zu. Das zeigte sich insbesondere auf dem XIX. Parteitag, der nach auen Geschlossenheit demonstrierte, aber bereits im Innern angefressen war. Die Partei war drauf und dran, entweder revisionistisch zu entarten oder sich des gefhrlich angehuften revisionistischen Rosts zu entledigen und die Partei von ihrem revisionistischen Befall zu befreien. Genossen, hier entpuppt sich die ganze Physiognomie der trotzkistischen Prinzipienlosigkeit ihrer Grundauffassungen vom Fraktionismus. Der Trotzkismus lehnt den Alleinvertretungsanspruch des Stalinismus ab, nicht aber eine stalinistische Fraktion, wenn sie sich im Rahmen der trotzkistischer Spielregeln bewegt den Spielregeln eines ideologischen Pluralismus in der Partei, den Spielregeln der Gruppierungen in der Partei. Die Trotzkisten vertraten also eine prinzipienlose Einheit im Gegensatz zur bolschewistischen Einheit, die sich ausschlielich auf die Grundlagen des Marxismus-Leninismus sttzt und damit eine prinzipienfeste Einheit ist. Die Verschwrer Stalins von 1953 aber hatten sich von der prinzipienfesten Einheit der bolschewistischen Partei endgltig losgesagt, um sie zu zerstren. Fr sie war der Stalinismus nur eine leere Hlle, hinter der sie ihre konterrevolutionre Ttigkeit vorantrieben. Ihrer ganzen Natur nach ist die lenin-stalinsche Partei durch ihre monolithische Einheit geprgt , die die Existenz von Gruppen und Fraktionen in ihren Reihen ausschliet. So wie Trotzki widersetzten sich auch die Verschwrer Stalins dieser monolithischen Einheit der Partei. Sie waren Fraktionisten und liquidierten die Partei, indem sie sie in eine brgerliche Partei verwandelten, aber sich ihrer alten Hlle bedienten, um ihr Verbrechen zu verbergen. Sie waren deswegen schlimmer als Liquidatoren, weil sie ihre liquidatorischen Absichten nicht offen darlegten, sondern die Partei und die Sowjetmenschen hinterrcks betrogen, um ihre Entlarvung mglichst unmglich zu machen: monolithische Einheit in Worten Liquidierung der stalinistischen Einheit in Taten! Trotzki gab sich als Anhnger Lenins aus, so als gbe es nur Meinungsverschiedenheiten mit Stalin. Die Berijaner geben Berija als Stalinisten aus, so als gbe es nur Meinungsverschiedenheiten
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mit Chruschtschow. Die gleiche trotzkistische Methode, um das konterrevolutionres Gesicht zu verbergen. Nehmen wir Lenins Charakterisierung Trotzkis im Dezember 1911, um sie mit Berija zu vergleichen: Mit Trotzki kann man nicht prinzipiell diskutieren, denn er hat keinerlei feste Anschauungen. Mit berzeugten Liquidatoren und Otsowisten kann und soll man diskutieren, aber mit einem Menschen, der sein Spiel damit treibt, die Fehler sowohl der einen wie der anderen zu bemnteln, diskutiert man nicht, ihn entlarvt man ... als einen Diplomaten allerniedrigster Sorte (Lenin, Werke, Band 17, Seite 351). Eben ein Geheimdiplomat allerniedrigster Sorte das war Berija. Trotzki war fr die Durchrttelung der Leninschen Kader. Er forderte die Methode des Zwangs, da wo der Methode der berzeugung (Gewerkschaftsfrage) der Vorrang einzurumen war. Die trotzkistischen Verschwrer von 1953 begannen die Durchrttelung (Liquidierung) der Stalinschen Kader von oben und setzten sie dann fort von unten. Die Prager Parteikonferenz der SDAPR im Januar 1912, an der auch Stalin teilnahm, hatte gelehrt, dass es zwischen Bolschewiki und Menschewiki in einer Partei niemals mehr eine Einheit geben kann. Jedoch: Die Menschewisten bauten sich im Sptstalinismus innerhalb der Partei eine Position nach der anderen auf, strkten sie ihren verkappten Fraktionismus im Kampf gegen die Stalinisten bis sie schlielich in der Lage waren, die Partei durch einen Putsch zu bernehmen. Sie brauchten sie nicht mehr zu zerschlagen, sondern sie fiel ihnen geradezu in den Scho mit dem Auslschen Stalins. Nun brauchten sie die verbliebenen Stalinisten nur noch umdrehen oder hinaussubern, denn die dazu bentigte zentrale Macht hielten sie bereits in Hnden. So war es auch kein Wunder, dass der XIX. Parteitag beschloss, die Bezeichnung Avantgarde des Proletariats an den Nagel zu hngen und sich von nun ab den elitren, wie sektiererischen Titel: Kampfbund gleichgesinnter Kommunisten zu verleihen. Die KPdSU wurde auf das Niveau einer Liga ( englisch: Communist League) herabgedrckt, deren Sinn und Zweck mit einer bolschewistischen Partei nichts mehr zu tun hat und an die alten Zeiten des Kampfes gegen den Grndungsopportunismus, gegen die Liga-Konzeption der Anti-Leninisten erinnern. Was sich hinter dem Adjektiv gleichgesinnt verbarg, erkennt man schnell, wenn man Chruschtschows Bericht auf dem XIX. Parteitag der KPdSU (B) studiert: Darin begrndete Chruschtschow die Umbenennung von KPdSU (B) in nur noch KPdSU [also das verbrecherische Weglassen des (B) = Bolschewiki] erstens damit, dass sie eine Staatspartei geworden sei, die ber Bolschewiki und Menschewiki stehe. Das war durchaus kein formaler Akt, sondern von politisch-ideologischer Tragweite. Damit meinte er nmlich, dass der Klassenkampf der Bolschewiki gegen die Menschewiki nun fr immer begraben sein msse und dass der Bolschewismus und der Menschewismus in der UdSSR aus Staatsrson nicht mehr existieren wrden: Es kann nicht sein, was nicht sein soll. Das war die staatlich verordnete Entwaffnung des bolschewistischen Charakters der Partei, die tatschlich vorher schon heimlich in Gange und weit fortgeschritten war. Das war die statutgem verordnete Bewaffnung des Menschewismus in der Partei. Fakt ist, dass der Kampf gegen den Menschewismus, also der Kampf gegen die Vertreter des Kapitalismus in der Partei, einzustellen sei, da sie sowieso die Mehrheit in der Partei erobert htten. Zweitens: mit dem XIX. Parteitag war man Kommunist, egal ob man sich als Mitglied dem Bolschewismus oder dem Menschewismus verpflichtet fhle. Damit wurden die historischen Beschlsse der Prager Parteikonferenz von 1912 , auf dem sich die Bolschewisten als selbstndige Partei formiert hatten, stillschweigend aufgehoben. Der Menschewismus war nicht nur salonfhig geworden, sondern stark genug, um sich ber die Partei zu stellen und grozgig auf seine Eigenheit und Abgrenzung vom Bolschewismus namentlich verzichten zu knnen. Die KPdSU (B) sollte nicht nur nach Chruscht-
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schows, sondern nach der Auffassung aller Verschwrer gegen Stalin mit dem XIX. Parteitag fr immer aufhren, eine bolschewistische Partei, eine Klassenkampfpartei zu sein. Der Abgesang an den Stalinismus ertnte lautstark als Lobeshymne auf Stalin. Der strmische Beifall galt nicht mehr ihm, dem Gott, sondern war vielmehr zum Ausdruck der Genugtuung darber geworden, sich von Stalin, vom Stalinismus, befreit zu haben. Und diese Provokation konnte Stalin nicht lnger mit Stillschweigen begegnen, mit der er bislang diszipliniert die Einheit gewahrt hatte. Mit dem XIX. Parteitag zog er alle ihm zur Verfgung stehenden Register, um sich der Liquidierung der Partei entgegenzustemmen, so dass der ganze verschwrerische Haufen auseinander stob und wie ein Kartenhaus zusammenfiel. Stalin hatte nach dem XIX. Parteitag seine Position wieder strken knnen. Htten die Bolschewiki, htte Stalin, die Verrter am Kommunismus, die menschewistischen Paktierer, aus der Partei vertrieben, so htte die Liquidierung der bolschewistische Partei, ihre Verwandlung in eine revisionistische Partei im Jahre 1953 berhaupt nicht stattgefunden, htten die Massen die Diktatur des Proletariats behauptet und den Kommunismus in der UdSSR weiter aufgebaut, wre der Weltimperialismus in eine aussichtslose Lage geraten. Was wre nach Stalins Tod zu tun gewesen ? Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass Stalin nach dem XIX. Parteitag das Plenum des ZK darauf vorbereitet hatte, so dass diese Frage gar nicht erst gestellt zu werden bruchte. Stalin hatte allen klar gemacht, was zu tun sein wrde. Nun, wir wissen nicht, was Stalin der Parteifhrung damals eingeblut hatte. Darber knnen wir hchstens Vermutungen anstellen. Allerdings kommt man mit Spekulationen wie htte, wrde, knnte, sollte usw, usf. nicht weit. Was htten wir an Stalins Stelle getan ? In den Jahren nach 1953 reorganisieren sich die stalinistischen Krfte selbstndig, um die Niederlage durch die modernen Revisionisten in einen revolutionren Sieg zu verwandeln. In einer Partei, die von den Revisionisten erobert wurde, versuchen die stalinistischen Krfte Einfluss zu nehmen. Die Stalinisten setzen die Generallinie Stalins fort und bilden eine geschlossene Widerstandsfront gegen die Entstalinisierungs-Kampagne der Revisionisten. Wo entstalinisiert wird, muss Widerstand geleistet werden. Notfalls als illegale Organisation rufen die Stalinisten die Massen zur revolutionren Erhebung auf, bereiten sie die Reorganisierung der sozialistischen Revolution zur Rckeroberung der Diktatur des Proletariats vor. Wenn es nicht mehr mglich ist, die revisionistisch entartete Partei zurckzuerobern, dann verpflichten sich die Stalinisten, eine neue stalinistische Partei aufzubauen und notfalls in die Illegalitt zu gehen. Auf jeden Fall fhren die Stalinisten den Klassenkampf zum Sturz der Macht der modernen Revisionisten im eigenen Land. Sie suchen Kontakt zur marxistisch-leninistischen Weltbewegung im Ausland und arbeiten mit dem Albanien Enver Hoxhas zusammen. So wie die Bolschewiki in der Oktoberrevolution gesiegt hatten, zerschlagen sie vollstndig in einer zweiten Oktoberrevolution die politische Macht der modernen Revisionisten und stellen die Macht des Stalinismus nach Stalins Tod wieder her. Der Putsch der Verschwrer htte vermieden werden knnen, wenn sich die Partei geschlossen hinter Stalin gestellt und ihn bei der Suberung der Verschwrer besser untersttzt htte, wenn sie ihren alten bolschewistischen Parteigeist nicht eingebt htte. Der moderne Revisionismus ist deswegen so gefhrlich, weil er sein liquidatorisches Wesen vertuscht und nicht offen gegen den Stalinismus antritt, sondern ihn von hinten berrumpelt. So verbarg sich der Chruschtschow-Revisionismus hinter seiner marxistisch-leninistischen Kritik am jugoslawischen Revisionismus, genauso wie sich der chinesische Revisionismus mit sein-
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er marxistisch-leninistischen Kritik am sowjetischen Revisionismus im Verborgenen hielt, und so versteckt sich auch das Berijanertum hinter seiner marxistisch-leninistischen Kritik an uns Marxisten-Leninisten, um die marxistisch-leninistische Weltbewegung im Auftrag des Weltimperialismus zu spalten und zu liquidieren und durch eine sozialdemokratisch-revisionistische Weltbewegung mit anti-revisionistischem Antlitz zu ersetzen. Der chruschtschowsche moderne Revisionismus war besonders gefhrlich, weil er genau das verkrperte, was er vorgab zu demaskieren und zu bekmpfen: die Maske des Revisionismus, die sich hinter der Kritik am Sektierertum, am Dogmatismus, am linken Opportunismus verbarg, um den Marxismus-Leninismus zu diskreditieren. So heit es in der revisionistischen Geschichte der Philosophie: Das Wiederaufleben und die Ausbreitung des Revisionismus in der zweiten Hlfte der 50er Jahre war mit Versuchen der internationalen Bourgeoisie verbunden, die Kritik am Personenkult Stalins und die berwindung seiner Folgen dafr auszunutzen, die kommunistische Bewegung zu diskreditieren und zu unterminieren (Geschichte der Philosophie, Band VI, Berlin 1967, Seite 330). Es war genau umgekehrt: Die Kritik am Personenkult erfolgte in Zusammenarbeit von Imperialisten und Revisionisten und die berwindung seiner Folgen diente den gemeinsamen imperialistischen und revisionistischen Interessen dazu, der Restauration des Sozialismus, der Rckeroberung der Diktatur des Proletariats, der Rckkehr zum Stalinismus, den Riegel des modernen Revisionismus vorzuschieben. Personenkult und Entstalinisierung - Vergtterung und Verteufelung Stalins das sind zwei Seiten einer Medaille. Ihr Zweck heiligt die Mittel : Erhebung zur brgerlichen Staatsdoktrin und deren Demontage bis hin zur opportunistischen und schlielich vlligen Abkehr vom Marxismus-Leninismus.
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Man kann ber Stefan Heym denken, was man will, aber am 21. Dezember 1953 hat er die Wahrheit ber den angeblichen Personenkult Stalins gesagt und er hat durchaus den Nagel auf den Kopf getroffen: Und dann waren da die Lobhudler, die sich gar nicht genug tun konnten mit schnen Adjektiven. Als ob er das ntig gehabt htte ! Der Mann war von solchem Format als Mensch, als Parteifhrer, als Wissenschaftler, Historiker, General und Staatsmann dass weder der Dreck, noch die knstlichen Lorbeerbltter, die man ihm in den Weg warf, auch nur an seine Schuhsohlen reichten. Den wenigsten Genossen drfte bekannt sein, dass Berija einen eigenen Personenkult um sich aufgebaut hatte, vor allem in Georgien. Wir kommen darauf noch bei der Behandlung der Mingrelischen Verschwrung zu sprechen. Berija, der treue Kampfgefhrte Stalins, war der grte Speichellecker, Heuchler und Liebediener innerhalb der Sowjetunion, der untertnigste Diener Stalins, die perverseste Figur des Personenkults um Stalin, einer der sich am geschicktesten des Personenkults bediente und am brutalsten den Anti-Stalinismus in die Tat umsetzte. Er war derjenige, der am meisten darin investierte und am meisten davon profitierte und schlielich selber Opfer seiner Entstalinisierung wurde. Der Personenkult war Berijas gefhrlichste Waffe, um die Entstalinisierung durchzusetzen, die er nach dem Mord an Stalin sofort offen und direkt einleitete. Personenkult das war das Mrderbeil, das Berija mit schmiedete, um damit Stalin, uns Stalinisten abzuschlachten, um damit den Stalinismus zu zerschlagen! Berija tat alles, um sich Stalin privat anzueignen, um sich den Stalinismus privat anzueignen - zwecks weltkapitalistischer Verwertung das war die Privatisierung der stalinistischen Gesellschaftsordnung zum Zwecke ihrer Ausbeutung und Unterdrckung. Der Personenkult war die perfideste Methode der Entstalinisierung. Entstalinisierung bedeutet die Beseitigung des Marxismus-Leninismus unter dem Deckmantel der Beseitigung des so genannten Personenkults. Der Kult (lateinisch: Gtterverehrung) ist so alt wie die Menschheit selbst. Er wurde schon betrieben, bevor sie sich in Klassen teilte. Der Personenkult (bersetzt: die Verehrung von einer Person wie ein Gott) ist also lter als die sozialistische Gesellschaft, in der er um Stalin betrieben wurde. Er ist sogar lter als die Klassengesellschaft. Mit Personenkult haben beispielsweise die rckschrittlichen Elemente der Jahrtausende alten Gesellschaft immer wieder versucht, fortschrittliche Menschen, besonders ihre Fhrer, in ein derart grelles Licht zu stellen, dass die Gesellschaft sie bei normalem Licht betrachtet nicht mehr als ihre fortschrittliche Menschen, als ihre fortschrittliche Fhrer zu erkennen vermochten, ja nicht einmal mehr sich selbst als fortschrittliche Gesellschaft erkannten. Wer die Massen blendet, kann sie damit blind machen, ihr Leben verdunkeln, die Massen damit entwaffnen, ihre berzeugungen im grellen Lichterstrahl brechen, ja zerbrechen. Die Waffen der Blendung und Verblendung knnen sehr wohl in tdliche Waffen des Klassenkampfes verwandelt werden. Es sind die gleichen Waffen der Schnfrberei und der rosaroten Brille, nur viel schrfer geschliffen so wie im Verlauf des sich zuspitzenden Klassenkampfes in der Sowjetunion und schlielich in der ganzen Welt. Was mit Schnfrberei und der rosaroten Brille um die Person Stalins begann, reichte bald nicht mehr aus, steigerte sich zur Anstiftung eines malosen,
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verbrecherischen Personenkults, der ber den ganzen Erdball verbreitet wurde und endete mit der so genannten Kritik am Personenkult als Todesurteil nicht nur ber den Stalinismus im Besonderen, sondern berhaupt gegen den Kommunismus. Was hier vom Personenkult im Besonderen gesagt wird das gilt natrlich ganz allgemein fr den Kult, der zum Beispiel um Vlker, Massen und Klassen betrieben wird ... wie zum Beispiel der Proletkult bezogen auf die Arbeiterklasse. Kult ist Kult. Den kann man schlielich mit allem und jedem betreiben, selbst einen Kult um die Befreiung von Unrecht und Sklaverei, selbst einen Kult um die Befreiung von Krieg und Faschismus, selbst einen Kult um den Klassenkampf als solchen. So ist der Klassenkampf weder ein verteufeltes Gespenst, noch ein Kult, dem sich die Kommunisten opfern, sondern der reale revolutionre Prozess von Umwlzungen aller Formationen der Klassengesellschaft. In der Gesellschaftsformation des Kommunismus ist der Personenkult wie jeder andere Kult fr immer nur noch als Kapitel im Geschichtsunterricht nachzulesen. Was Kommunismus und Kult verbindet, sind nur der erste Buchstabe beider Begriffe. Sie kann man genauso wenig mit Gleichheitszeichen versehen wie die Begriffe Proletkult und proletarische Kultur. Beides schliet einander aus. Man braucht nur die Form ber den Inhalt stellen, um damit den alten Inhalt unbemerkt durch einen neuen zu ersetzen, der sich dann der alten Hlle um so demonstrativer entledigt, um seine neue Form anzunehmen so wurde der Personenkult um Stalin abgelst durch den Personenkult um Chruschtschow, nachdem sich der Personenkult um Berija oder Malenkow nicht durchsetzen lie. Personenkult trennt und entfremdet die Erscheinung des kommunistischen Weltfhrers von seinem menschlichen Wesen, schreibt ihm gttliche Attribute zu, die zu verehren der Marxismus bekanntlich ablehnt. So verschaffen sich dann diejenigen, die den Personenkult kultiviert haben, ein Alibi, gegen den revolutionren Fhrer aufzutreten und ihn durch eine Attrappe auszutauschen. Dies geschieht zur Tuschung der sozialistischen Gesellschaft, um sie unmerklich auf den Weg zurck in eine kapitalistische Gesellschaft zu fhren sie im Glauben lassend, sich weiter auf dem sozialistischen Weg zu befinden also sie so zu sagen auf den Holzweg zu fhren. Die Erfahrungen lehren uns also zur Genge, gegen die bertriebene Hervorhebung von Personen, insbesondere der eigenen Person, sehr auf der Hut zu sein. Der Marxismus-Leninismus drckt also kein Auge zu, wenn der Personenkult im Rahmen bleibt, sondern lehnt den Personenkult absolut und strikt ab. Der Marxismus-Leninismus bekmpft den Personenkult, da er der Sache des Proletariats schadet. Schon Marx und Engels traten gegen die Hervorhebung ihrer eigenen Personen auf. So schreibt Engels am 28. November 1891 in einem Brief an den Sngerverein des Kommunistischen Arbeiterbildungsvereins, Tottenham Street: Sowohl Marx wie ich sind von jeher gegen alle ffentliche Demonstrationen gewesen, die sich an einzelne Personen knpfen, es sei denn, im Fall ein groer Zweck dadurch erreicht werden kann; und am allermeisten gegen solche Demonstrationen, die sich zu unseren Lebzeiten um unsre eigenen Personen drehen wrden (MEW, Band 22, Seite 264). Wir (...) Kommunisten (...) haben selbst eine fast verbrecherische Abneigung dagegen, populre Charaktere zu werden ( (Engels an Jenny Marx in London, 22. 12. 1859; MEW, Band 29, Seite 636).
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Marx und Engels traten vehement gegen den Personenkult Lassalles auf, gegen den Lassallekultus. Marx und Engels hatten diesen Kampf initiiert mit dem Ergebnis, dass sich deutsche revolutionre Sozialdemokratie, die deutsche Arbeiterklasse vom Lassallianertum abgrenzte. Marx und Engels gaben keinen Pfifferling fr Popularitt. Beweis z.B., im Widerwillen gegen allen Personenkultus, habe ich whrend der Zeit der Internationalen die zahlreichen Anerkennungsmanver, womit ich von verschiednen Lndern aus molestiert ward, nie in den Bereich der Publizitt dringen lassen und habe auch nie darauf geantwortet, auer hie und da durch Rffel. Der erste Eintritt von Engels und mir in die geheime Kommunistengesellschaft geschah nur unter der Bedingung, dass alles aus den Statuten entfernt wrde, was dem Autorittsaberglauben frderlich (Lassalle wirkte spter gerade in der entgegengesetzten Richtung) (MEW, Band 34, Seite 308, 10. 11. 1877, Brief von Marx an Wilhelm Blos in Hamburg). Wir wollen an dieser Stelle nicht verschweigen, dass Engels 1881 nach dem Tod seines Freundes und Kampfgefhrten Karl Marx an Eduard Bernstein schrieb ... zudem ist Marx uns allen durch sein Genie, seine fast bertriebene wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit und seine fabelhafte Gelehrsamkeit so weit berlegen, dass, wenn sich einer aufs Kritisieren dieser Entdeckungen versteigen wollte, er sich zunchst nur die Finger verbrennen kann (Dietz Verlag Berlin 1925, Seite 31). Aber Engels hat Marx hier nicht als Gtzen hingestellt, den es anzuhimmeln gelte, sondern Engels hat nur Marx` herausragende Charaktereigenschaften hervorgehoben, was nicht nur legitim ist, sondern vollkommen der Wahrheit entspricht. Zu den seltenen Menschen, denen man wirklich Genialitt testieren darf, gehrt Marx an erster Stelle. Marx ist und bleibt als Begrnder des Kommunismus der herausragendste und bedeutsamste unter den 5 Klassikern des Marxismus-Leninismus, gefolgt von Lenin, ohne damit die Bedeutung aller anderen Klassiker dadurch schmlern zu wollen. Engels gibt seine groe Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Offenherzigkeit mit folgenden uns allen gut bekannten - Worten zum Ausdruck: Was ich beigetragen, das konnte allenfalls ein paar Spezialfcher ausgenommen Marx auch wohl ohne mich fertig bringen. Was Marx geleistet, htte ich nicht fertig gebracht. Marx stand hher, sah weiter, berblickte mehr und rascher als wir andern alle. Marx war ein Genie, wir andern hchstens Talente. Ohne ihn wre die Theorie heute bei Weitem nicht das, was sie ist. Sie trgt daher auch mit Recht seinen Namen (Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Dietz Verlag Berlin 1946, Seite 35f, Anmerkung). Marx` Verdienste wrdigte Engels besonders in seiner Grabrede vom 17. Mrz 1883: Obgleich das Manifest` unser beider gemeinsame Arbeit war, so halte ich mich doch fr verpflichtet festzustellen, dass der Grundgedanke, der seinen Kern bildet, Marx angehrt. Den Gedanken, neben Marx nur zweite Violine gespielt zu haben, uerte Engels spter in seinem Brief an Johann Philipp Becker vom 15. Oktober 1884. Und Lenin kommentierte hierzu: Engels hat stets und im Allgemeinen durchaus mit Recht Marx den Vorrang gegeben. Einem alten Freund schrieb er: `Bei Marx` Lebzeiten habe ich die zweite Geige gespielt.` Seine Liebe zum lebenden Marx und seine Ehrfurcht vor dem Andenken des Verstorbenen waren grenzenlos. Dieser harte Kmpfer und strenge Denker besa eine tiefe liebende Seele (Lenin, MarxEngels-Marxismus, Verlag fr Fremdsprachige Literatur, Moskau 1947, Seite 45).
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Wie das Wort Personenkult schon sagt, handelt es sich um eine besondere Form des Kults (um reaktionren, Kultismus). Der Kult ist wiederum ein Begriff, den wir aus der Religion kennen. Fideismus ist so eine Lehre, die den Glauben an die Stelle des Wissens setzt. Der Fideismus der Revisionisten bezweckte, den Glauben an Stalin an die Stelle der berzeugung vom Marxismus-Leninismus zu setzen. Es war die Absicht der Revisionisten, den Marxismus-Leninismus als Reliquie zum Bestaunen und zum Anbeten fr die Massen in einem Heiligenschrein einzuschlieen, ber den der Heilige Vater Stalin zu wachen habe. Sodann versuchten sie Stalin selber als Reliquie hineinzustellen. Mit dem Personenkult legten die Revisionisten dem Marxismus-Leninismus religise Fesseln an. Schon die Otsowisten hatten nach der Niederlage der Revolution von 1905 vergeblich versucht, die Religion in die Partei einzuschmuggeln, um den Niedergang der revolutionren Bewegung in ihren theoretisierenden Gebetsstuben zu beweinen und Kraft aus der Anbetung des Sozialismus zu schpfen. Wir erinnern uns an Lenins Kampf gegen das Gottbildnertum , an seine Schrift: Materialismus und Empiriokritizismus: Das ist der typische philosophische Revisionismus, denn nur die Revisionisten haben eine traurige Berhmtheit dadurch erlangt, dass sie den Grundanschauungen des Marxismus abtrnnig geworden sind und Angst haben oder unfhig sind, offen, direkt, entschieden und klar mit aufgegebenen Anschauungen `Abrechnung zu halten` (Lenin, Band 14, Seite 10). (So bezeichnete Lunatscharski den Anti-Dhring als religise konomik, was bei Lenin Ekel hervorrief, ebenda, Seite 184). Die Otsowisten wollten die Leninsche Partei in eine religise Sekte verwandeln. Die Verbindung von Sektierertum und Personenkult wurde nicht erst vor ber 50 Jahren auf dem XX. Parteitag der sowjetischen Revisionisten hervor gekehrt. So geielte bereits Lenin die brgerliche Presse, die zum 25. Todestag von Karl Marx schrieb, Marx habe geradezu eine `Kirche` seiner sektiererischen Anhnger geschaffen (zitiert bei Lenin Bd. 13, Seite 501). Marx und Engels verurteilten den Bakuninschen Revolutionskatechismus als die Verkndigung eines Kommunismus, der autoritrer ist als der primitivste Kommunismus. Dieser setzt an die Stelle der heiligen, katholischen, apostolischen und rmischen Kirche ihr `heiliges Werk` der erzanarchistischen und allzerstrenden Revolution (MEW, Band 18, Seite 427). Marx und Engels haben den Bakuninschen Revolutionskatechismus vollstndig zitiert und danach den folgenden vortrefflichen Satz formuliert: Solch ein Meisterwerk kritisiert man nicht. Man verdrbe sich den Spa an seiner Fratzenhaftigkeit (ebenda, Seite 431). Wenn man die verbrecherische Rolle Bakunins mit Berija vergleicht, dann vergeht einem der Spa, denn Bakunin war gegenber Berija ein Waisenknabe. Der Revolutionskatechismus von Bakunin kann bei Karl Marx und Friedrich Engels nachgelesen werden. Hier nur ein paar verkrzte Auszge, die hier im Zusammenhang mit dem Personenkult von Interesse sind. Es wird darin nicht nur deutlich, dass de Ntzlichkeit des Schrens des Hasses gegen den Personenkult russische Wurzeln im Anarchismus hat, sondern dass auch das Charakterbild Berijas in das von Bakunin passt. Wenn man den Revolutionskatechismus von Bakunin liest, dann drngt sich spontan der Eindruck auf, als ob Berija sich Bakunin als Vorbild genommen habe: Paragraph 1: Der Revolutionr ist ein geweihter Mensch. Er hat keine persnlichen Interessen, Angelegenheiten, Gefhle oder Neigungen, kein Eigentum, nicht einmal einen Namen. Paragraph 2: Wenn er in dieser Welt fortlebt, so geschieht es nur, um sie desto sicherer zu vernichten. Paragraph 3: Er kennt nur eine Wissenschaft: die Zerstrung. Hierzu und nur hierzu studiert er Mechanik [Mechanismus der Massenvernichtung- Anmerkung der Redaktion], Physik [Atomphysik Anmerkung der Redaktion], Chemie [Toxologie Anmerkung der Redaktion] und vielleicht auch Medi-
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zin [rzteverschwrung Anmerkung der Redaktion]. Der Zweck ist derselbe, die schnellste und sicherste Zerstrung dieser unfltigen Weltordnung [des Sozialismus Anmerkung der Redaktion]. Paragraph 4: Er verachtet die ffentliche Meinung [er scheut und manipuliert die ffentliche Meinung Anmerkung der Redaktion]. Paragraph 5: Der Revolutionr ist ein geweihter Mensch, der sich nicht mehr selbst angehrt, er hat keine Schonung fr den Staat berhaupt und fr die ganze zivilisierte Klasse der Gesellschaft und er darf ebenso wenig Schonung fr sich erwarten. Zwischen ihm und der Gesellschaft herrscht Krieg auf Tod und Leben, offener oder geheimer Kampf, aber stets ununterbrochen und unvershnlich [sic !!!]. Paragraph 6 : Alle Gefhle der Neigung, die verweichlichenden Empfindungen der Verwandtschaft, Freundschaft, Liebe, Dankbarkeit, mssen in ihm erstickt werden durch die einzige, kalte Leidenschaft des revolutionren Werks. Whrend er diesen Zweck kaltbltig und unaufhrlich verfolgt, muss er selbst zu sterben bereit sein und ebenso bereit, mit eigenen Hnden jeden zu tten, der ihn an der Erreichung dieses Zieles hindert [sic !!!]. Paragraph 7: Die Natur des wahren Revolutionrs schliet jede Romantik, jede Empfindsamkeit, jeden Enthusiasmus und jede Hinreiung aus (Marx, Engels, ebenda, Seite 427-428). Bakunin stellte Mordlisten auf, die er in verschiedene Liquidierungskategorien aufteilte. Was auf Berijas Mord an Stalin und den anderen fhrenden bolschewistischen Genossen passt, lesen wir unter Paragraph 18 zur dritten Kategorie: Zur dritten Kategorie gehrt eine groe Anzahl hochstehender Bestien, die weder durch Geist noch durch Energie sich auszeichnen, die aber vermittelst ihrer Stellung Reichtum, hohe Verbindungen, Einfluss und Macht besitzen. Man muss sie auf alle mgliche Art ausbeuten, man muss sie umgarnen und verwirren, und, indem man sich zum Herrn ihrer schmutzigen Geheimnisse macht, sie zu unseren Sklaven machen (Marx, Engels, ebenda, Seite 430). Und hier noch das Verbindungsstck von Dogmatismus und Religion, von Personenkult und Proletenkult. Karl Marx erklrte gegen die dogmatische Willich-Schapper-Fraktion, die gegen den Bund der Kommunisten auftraten: Wie von den Demokraten das Wort Volk zu einem heiligen Wesen gemacht wird, so von euch das Wort Proletariat. Wie die Demokraten schiebt ihr der revolutionren Entwicklung die Phrase der Revolution unter (Karl Marx, Enthllungen ber den Kommunistenprozess in Kln, Seite 39). Und tatschlich bedeutet die Religion nichts Anderes als die Unterwerfung der Massen, die Unterwerfung der Partei unter unsichtbare Mchte, was sich hinter einer personifizierten Maske gut verstecken lsst. Nun handelt es sich in der Zeit des Sptstalinismus nicht um irgendeine imaginre unsichtbare Macht aus einem transzendentalen Himmelreich, sondern um die konterrevolutionre Macht der Restauration des Kapitalismus mitten auf dem festen irdischen Boden der Sowjetmacht! Und die Konterrevolutionre brauchten nicht lange nach der Idee des Personenkults zu suchen, denn mit dem Personenkult, den die Nazis um Hitler betrieben hatten, lieen sich die gleichen volksverdummenden Ziele mit dem sozialfaschistischen Stalinkult erreichen. Die Idee von der Allmacht des Fhrers sttzt sich nicht allein auf der Rassentheorie, auf dem Sozialdarwinismus, sondern beruht auch auf dem faschistischen Voluntarismus und anderer reaktionrer Ideologien. Der Personenkult Stalins sollte dessen bernatrliche Kraft ausdrcken, die jenseits der willentlichen Kontrolle der Massen existieren wrde. Wenn die Sowjetmenschen ihr uerstes fr den Groen Vaterlndischen Krieg, fr Stalin, getan hatten, blieben angesichts der millionenfachen Opfer und der zerstrter Heimat doch bei ihnen noch kriegstraumatische Zukunftsngste zurck, Umstnde, die Gedanken an Schicksal und Glck, Zufall und Vorsehung erwecken sollten. Der Glaube an Stalin sollte den Glauben der Massen an sie selbst ersetzen. Nach Stalin ist alles verloren! - Auf diesen Massendeftismus wollte die Konterrevolution ihren Putsch sozial vertretbar machen, um die Massen hinterher wieder in ihrem Sinne aufzurichten.
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Der reaktionre Okkasionalismus, der hinter dem Personenkult steckt, fordert die Sowjetmenschen auf, sich in ihr Schicksal zu fgen und passive Zuschauer bei der Restauration des Kapitalismus zu werden ita est, ergo ita sit (es ist so, also sei es so.). Alles hinnehmen und erdulden wie zur Zeit des russischen Zaren. Die Sowjetmenschen sollten von nun an nicht mehr fr sich selbst, sondern fr Stalin kmpfen. Die Fhrer wrden dann also nicht mehr fr die Massen, sondern umgekehrt, die Massen fr die Fhrer da sein, sie htten dem Staat zu dienen und nicht der Staat den Massen usw. usf. Der MarxismusLeninismus wre dann nicht mehr die Ideologie zur Befreiung der Massen, sondern ein Herrschaftsinstrument, dem die Massen zu glauben (sprich: zu gehorchen und sich unterzuordnen) haben. Der Personenkult wurde der ganzen sozialistischen Gesellschaft des Sptstalinismus bergestlpt, um damit den bergang vom Sozialismus zum Kapitalismus vorzubereiten. Der reaktionre amerikanische Philosoph Dewey drckte das folgendermaen aus: Religis als Adjektiv bezeichnet Haltungen, die jedem Objekt und jedem gewnschten Zweck oder Ideal gegenber eingenommen werden knnen (John Dewey, A Common Faith (ein gemeinsamer Glaube); Intelligence in the Modern World, Seite 1010) . Dewey machte die Religion fr die Imperialismus dadurch attraktiv, dass er forderte: Die Religion gehre allen und nicht nur der Kirche (Globalisiertes Opium fr die Vlker der Welt-Weltrevisionismus globalisiertes Opium fr das Weltproletariat !). Damit sollte der religise Einfluss auch in solchen gesellschaftlichen Schichten neu erschlossen werden, die mit der Kirche nichts mehr zu tun haben wollten (Restauration der Religion). Dewey war brigens ein Verehrer Roosevelts und das als Sozialdemokrat. Von allen Sozialdemokraten der ganzen Welt wurde Dewey in hchsten Tnen gelobt, weil er mit seiner Pragmatismus-Philosophie der Sowjetunion und dem Vordringen des Kommunismus auf der Welt angeblich einen empfindlichen Schlag versetzt habe. Er galt als ihr Retter vor dem Kommunismus. Wahr ist alles, was uns vor der roten Gefahr befreit, also ist auch der Personenkult Stalins und seine Kritik an ihm wahr. Und je mehr wir die Welt von der Existenz des Personenkults Stalins berzeugen, desto wahrer wird auch die Kritik daran. Wahr ist nur das, was die Massen glauben sollen und zwar die Massen in der UdSSR den Personenkult und die Massen in der brigen Welt die Kritik daran. Der Prfstein, der Mastab oder das Kriterium der Wahrheit ist die Kombination der praktischen Verwertungsmglichkeit des Personenkults und der Kritik an ihm. Wahr ist alles, was uns gegen den Kommunismus ntzlich erscheint, was uns gegen ihn vereint. Der Personenkult wurde somit zu einer der ersten wirkungsvollen propagandistischen Waffen der Zusammenarbeit zwischen Revisionisten und Imperialisten. Und Berija und Chruschtschow waren zwei jener anti-stalinistischen Drahtzieher, die die Zusammenarbeit bezglich des Personenkults und seiner Kritik mit dem Weltimperialismus bis 1953 pflegten, um danach ins gleiche imperialistische Horn des Antistalinismus zu blasen und Stalin ffentlich anzuprangern. Das Hauptargument gegen die Lehre Stalins war, dass die Verschwrer darin nicht etwa die Weiterentwicklung des Leninismus sehen wollten, sondern eine Abkehr vom Leninismus, weil sie sich angeblich auf die Autoritt der Person Stalins reduziere. Fr Berija und fr all die anderen Verschwrer beruhe das stalinistische System auf einer Art Olymp, wo Zeus willkrlich und gesetzlich fr alle verkndet, was im ganzen Land und auf der ganzen Welt als Wahrheit oder Unwahrheit zu gelten habe. Hierzu die materialistische Auffassung des antiken Philosophen Heraklit:
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Die Welt, eine und dieselbe aus allem, hat keiner der Gtter noch Menschen gemacht, sondern sie war und ist und wird sein ewig lebendes Feuer, nach Ma sich entzndend und nach Ma erlschend (zitiert von Lenin, Aus dem philosophischen Nachlass, Seite 276). Die Initiatoren des Personenkults stellten Stalin als so etwas wie einen Papst hin, der ber die Auslegung des Katholizismus entscheide. Gesetz und Wahrheit seien auf Glaubensfragen reduziert, auf einem Lgensystem, das Stalin allein durch seine diktatorische und selbstschtige Autoritt sanktioniert habe. Ihre Beschuldigung, der Marxismus-Leninismus sei von Stalin zu einer Art eigener Religionslehre degradiert worden, beruhte auf ihrer Feindschaft gegenber dem MarxismusLeninismus. Der Marxismus-Leninismus lehrt, dass der Schlssel der Lehre ber die sozialistische Gesellschaft, der Schlssel zum Verstndnis der Stalinra, nicht im Bewusstsein einer einzelnen Person zu suchen ist, also sich nicht etwa auf einen individuellen Charakter zurckfhren lsst, sondern der Schlssel liegt einzig und allein in der sozialistischen Produktionsweise der materiellen Gter, im Klassenkampf. Nicht der Zufall, nicht die Persnlichkeit und deren Wille spielte die entscheidende Rolle in der Stalinra, sondern sie drckte sich in den besonderen sozialistischen Lebensverhltnissen aus und wurde durch die Lage und die Interessen der schaffenden Werkttigen bestimmt. Die Verhltnisse in der Stalinra sind frher entstanden, und Stalin musste von ihnen ausgehen als von etwas Gegebenen und nicht von ihm Geschaffenen. Nur weil Stalin die Bedingungen der sozialistischen Entwicklung beachtete und in seinem Handeln nicht gegen diese verstie, erntete er seine groen Welterfolge. Die Gesetze, die die Entwicklung der UdSSR bestimmten, stellten eine objektive Realitt dar. Sie wirkten zwangslufig und bestimmten den Willen und das Bewusstsein Stalins. Die Stalinra ist das Resultat der sozialistischen Ttigkeit der Sowjetvlker unter Fhrung der KPdSU (B) und ihrem Fhrer, dem Genossen Stalin. Die objektive Seite [der proletarischen Bewegung Anmerkung der Redaktion] bilden diejenigen Entwicklungsprozesse, die auerhalb des Proletariats und rings um das Proletariat unabhngig von seinem Willen und dem Willen seiner Partei [und dem Willen Stalins als ihr Fhrer Anmerkung der Redaktion] vor sich gehen, Prozesse, die in letzter Instanz die Entwicklung der ganzen Gesellschaft bestimmen (Stalin, Band 5, Seite 53). Dies hat nichts mit dem Standpunkt der Objektivisten zu tun, die die Persnlichkeit als winzige Gre einfach ignorierten (legaler Marxist Struve). Ja sie erklrten sogar, dass man die Geschichte mit entpersnlichten Ereignissen betreiben sollte (Bulgakow). Die Objektivisten leugneten und bekmpften berhaupt den subjektiven Faktor der Revolution. Stalin ma dem subjektiven Faktor und seiner Strkung hingegen gebhrende Bedeutung bei. Bereits in einem seiner ersten Artikel Antwort an den Sozialdemokrat verbreitete Stalin im Kaukasus die Leninsche Lehre von der Rolle des subjektiven Faktors in der Revolution (siehe Band 1 der Stalinwerke). Nach der Niederlage der Revolution von 1905 kmpften die Marxisten gegen solche philosophierende Vertreter, die mit brgerlichem Individualismus, Mystizismus und Persnlichkeitskult die Massen vom revolutionren Weg abzubringen versuchten und die revolutionre Partei des Proletariats und seine Philosophie zu diskreditieren (Personalismus, Gottesbildnertum, Fideismus). Sie vergtterten den individuellen Geist als wirkliches Subjekt der Geschichte. Fr sie hatten die Massen berhaupt keine historische Rolle zu spielen, ja sie verhielten sich ignorant, verchtlich und arrogant gegenber der Geschichte des Befreiungskampfes der Volksmassen. Auch nach Auffassung der konomisten wird dem Einfluss der Persnlichkeit, der Menschen, Klassen und Parteien keine Bedeutung fr die spontane Bewegung beigemessen. Sie seien angeblich nicht in der Lage, das objektive konomische Gesetz zu beeinflussen. Die konomisten stellen dem objektiven Faktor den subjektiven, der Spontaneitt der Bewusstheit, die konomis-
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chen Kampfformen der politischen metaphysisch gegenber, anstatt den subjektiven Faktor auf den objektiven Faktor auszurichten. Auch bei Rosa Luxemburg finden sich Fehler, die in der Herabminderung des subjektiven Faktors begrndet sind (Spontaneittstheorie). Bei Vorhandensein der revolutionren Situation, bei ausgereiftem objektiven Faktor, sind die Aktionen der Massen, sind die Menschen, sind die revolutionren Fhrer, ist es der subjektive Faktor, der ber Sieg und Niederlage der Revolution entscheidet. Es kann keinen siegreichen subjektiven Faktor ohne die revolutionren Fhrer, die Partei usw. geben. Als Weltfhrer des Proletariats und Klassiker des Marxismus-Leninismus war, ist und bleibt der Genosse Stalin einer der herausragendsten subjektiven Faktoren fr den Sieg des Weltproletariats. Die subjektive Seite bilden diejenigen Prozesse, die innerhalb des Proletariats als Widerspiegelung der objektiven Prozesse im Bewusstseins des Proletariats vor sich gehen, Prozesse, die den Gang der letzteren beschleunigen oder verlangsamen, sie aber keineswegs bestimmen (Stalin, Band 5, Seite 53). Wir ergnzen: Nicht nur Widerspiegelung der objektiven Prozesse im Bewusstsein des Proletariats allein, sondern als konzentrierter Ausdruck im Bewusstsein der Partei des Proletariats und ihrer proletarischen Fhrer vor sich gehen, also auch in Stalin vor sich gingen und in uns Stalinisten vor sich gehen. Wer den subjektiven Faktor, die Rolle der Persnlichkeit in der Geschichte, mit dem Personenkult Stalins gleichsetzt, der verlangsamt damit die objektiven Prozesse, der stellt sich in Wirklichkeit gegen die Notwendigkeit der Entfaltung des subjektiven Faktors zur Beschleunigung der Weltrevolution, der vertritt zum Beispiel den Standpunkt, dass die Arbeiterklasse der Restauration des Kapitalismus hilflos ausgeliefert sei, dass es unmglich sei, ihre Unvermeidbarkeit aus eigener, subjektiver Kraft und vor allem mit Hilfe des Stalinismus zu beseitigen und genau darauf lief ja die Absicht der modernen Revisionisten mit ihrer so genannten Personenkult-Kritik nach Stalins Tod hinaus. Der Personenkult Stalins war gleichfalls eine Form des reaktionren Idealismus, oder mit einfachen Worten ausgedrckt: Opium fr das sozialistische Volk. Er ist eine konterrevolutionre Waffe, um den Marxismus-Leninismus bei den Massen in ein reines Glaubensbekenntnis zu verwandeln, so wie spter das rote Buch Maos. Der Glaube an Stalin verkam somit zur Anerkennung seiner angeblich bernatrlichen Genialitt, eine Art bermensch, der die Sowjetmenschen beseelt, ber ihr Schicksal vterlich wacht und dem die Sowjetvlker dafr Gehorsam, Ehrfurcht und Anbetung schulden mssten. Stalin hatte die Religion aus den Hirnen der Sowjetmenschen verbannt, aber mit dem revisionistischen Personenkult wurde sie wieder eingeschmuggelt und restauriert. Der revisionistische Personenkult war Ausdruck der Restauration der Religion in der Sowjetunion. Kommen wir noch einmal auf Stalins Kurzer Lehrgang zurck, wo er zum Schluss aus der Mythenwelt der alten Griechen zitierte. Wir formen die Personen ein klein wenig um, damit wir die den Personenkult, dieses Mrderbeil der Verschwrer Stalins, anschaulicher begreifen: Die Sowjetmenschen hatten in ihrer sozialistischen Welt einen berhmten Heros, den Genossen Stalin. Er hegte besondere Anhnglichkeit fr das russische Volk. Es gab keinen Heros, den er, dieser Genosse Stalin, nicht besiegt htte. Er galt als ein unbesiegbarer Heros. Worin bestand seine Kraft? Sie bestand darin, dass er jedes Mal, wenn er im Kampfe mit einem Gegner in Bedrngnis kam, sich mit den Sowjetmenschen und der bolschewistischen Partei fest vereinigte, die ihn zu ihrem Fhrer gewhlt hatten und ihm vertrauten. Aus den Massen, aus der bolschewistischen Partei schpfte Stalin seine ganze Kraft . Aber dennoch hatte er seine schwache Stelle: das war die Gefahr, durch den Personenkult von den sowjetischen Massen, von der bolschewistischen Partei losgerissen zu werden. Seine Verschwrer rechneten auf diese seine Schwche und lauerten ihm auf. Und es fand sich ein Feind, der diese seine Schwche ausnutzte . Das war Berija. Wie aber
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besiegte er ihn ? Berija erschuf Stalins Ebenbild , um dieses in den Himmel zu heben, so dass Stalin von den Massen und der bolschewistischen Partei losgerissen werden sollte. Danach erschlug er Stalin und zerstrte auch das verbrecherische Gtzenbild. Und die Lehre aus dieser Geschichte ? Die Konterrevolutionre und ihre gefhrliche Waffe des Personenkults sind erbarmungslos und restlos zu zerschlagen, darin liegt der Schlssel der Unbesiegbarkeit des bolschewistischen Fhrers. Der Kampf gegen den so genannten Personenkult diente nicht nur der Machtergreifung der modernen Revisionisten, sondern auch der Spaltung der kommunistischen Weltbewegung, deren Fhrer Stalin war, also die Entstalinisierung der kommunistischen Weltbewegung. Dies war ein ntzliches Geschenk Berijas an die von ihm selber aus dem Gefngnis freigelassenen Trotzkisten. Berija sorgte dafr, dass sie sich nach ihrer Rehabilitation wieder regenerieren und international ausbreiten konnten, insbesondere bei der Entstalinisierung, der Verbreitung der Kritik des Personenkults tatkrftig mit zu helfen. Man kann es nicht als einen Zufall betrachten, dass das erneute Auftreten des Trotzkismus mit Berijas Mord an Stalin zusammenfiel (und die gleiche Wiederbelebung des Trotzkismus fllt brigens auch mit dem Tod Enver Hoxhas nicht rein zufllig zusammen!). Zu Stalins Lebzeiten htte sich niemand diesen gewagten Schritt trauen drfen er wre ein toter Mann gewesen. Stalin kennzeichnete u.a. den Trotzkismus wie folgt: Drittens. Trotzkismus bedeutet Misstrauen gegenber den Fhrern des Bolschewismus, bedeutet den Versuch, sie zu diskreditieren, sie zu diffamieren (Stalin, Band 6, Seite 313); (... und wie Berija, ihn letztlich zu ermorden!). Im dialektischen Umkehrschluss bedeutet Trotzkismus genauso viel wie Vertrauen gegenber den Fhrern des Opportunismus, bedeutet den Versuch, diese zu rehabilitieren und wie von den Berijanern beabsichtigt diese in ein neues marxistisch-leninistisches Licht zu stellen, sie aus unserem Bewusstsein, das sie verbannt hatte, freizulassen oder als Mrtyrer des Stalinismus wieder zum Leben zu erwecken und sie mit einem marxistisch-leninistischen Heiligenschein zu versehen. Solche Genossen, die die Rolle, die Stalin gespielt hat, heute nicht oder nicht mehr von ausschlaggebender Bedeutung halten, so wie die Berijaner, haben sich nicht nur grndlich geirrt, sondern sie leiten auch Wasser auf die Mhlen der Trotzkisten, die die Rolle Stalins als Klassiker des Marxismus-Leninismus nicht nur leugnen, sondern dem Genossen Stalin die Rolle des grten Feindes des Marxismus-Leninismus zuschreiben. Im anti-revisionistischen Kampf der MarxistenLeninisten kommen die Neo-Trotzkisten und Neo-Revisionisten, kommen die Berijaner den modernen Revisionisten heute zur Hilfe, um deren ramponiertes Image vermittels Hutung abzustreifen (Schnheitsoperation und Verjngunskur fr den in die Jahre gekommenen modernen Revisionismus = Neo-Revisionismus). Trotzkismus und moderner Revisionismus sind wesensgleich - nicht nur was die PersonenkultTaktik gegen den Marxismus-Leninismus angeht . Beides sind Todfeinde des Marxismus-Leninismus im Gewand des Marxismus-Leninismus. Das traf damals zuerst auf den Leninismus zu. Nun trifft es auf den Stalinismus - und nicht weniger auf den Hoxhaismus - zu. Vergessen drfen wir dabei nicht, dass der Trotzkismus gezwungen war, seinen konterrevolutionren Kampf innerhalb der marxistischleninistischen Weltbewegung illegal fortzusetzen, nachdem Stalin seine offenen Kampfformen in den Reihen der KPdSU (B) zerschlagen hatte. Und so fhren die modernen Trotzkisten, die Berijaner, heute ihren illegalen Kampf gegen Stalin hinter der Maske des Stalinismus in unseren weltrevolutionren Reihen weiter fort. Bis heute hat der Trotzkismus, hat das Berijanertum seine Doppeltaktik nicht aufgegeben, seine Whlarbeit gegen Lenin, Stalin und Hoxha auch unter der Maske des Leninismus, des Stalinismus und des Hoxhaismus fortzusetzen. Es ist selbstredend, dass der Trotzkismus, dass das Berijanertum, unter der Maske der Verteidigung Stalins besonders gefhrlich ist und deswegen seiner marxistisch-leninistischen Entlarvung und Bekmpfung auch in Zukunft besondere Be-
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deutung zukommt (Kaum zu glauben, aber wahr: Da man es sich schwerlich vorstellen mag, dass sich einige trotzkistische Gruppierungen, dass sich berhaupt Trotzkisten, dass sich die Berijaner als die grten Stalinhasser, ausgerechnet als die treuesten Stalinverteidiger auf so hinterhltige Weise in unseren Reihen prsentieren knnten, aber genau deswegen ist ihre stalinistische Tarnkappe so perfekt!). Und was lernen wir daraus ? Es gengt nicht, den Trotzkisten, den Berijanern ihre Stalin-Tarnkappe vom Gesicht zu reien. Vielmehr mssen wir uns Marxisten-Leninisten unsererseits eine trotzkistische Tarnkappe aufsetzen, wenn wir in die trotzkistischen, berijanischen Organisationen unerkannt eindringen wollen und das mssen wir, wenn wir es denn mit der Zerschlagung des Trotzkismus, mit der Zerschlagung des Berijanertums, wirklich ernst meinen. Dazu muss man aber ber den Neo-Trotzkismus genau Bescheid wissen, muss man die Trotzkisten, die Berijaner, von heute studieren, nicht nur ihre konterrevolutionren Theorien, sondern auch ihre konterrevolutionre Praxis vor allem in unseren eigenen Reihen! Der Kampf der MarxistenLeninisten um Stalin ist gegen alle seine trotzkistischen Feinde also noch lngst nicht abgeschlossen oder gar entschieden. Die Komintern (ML) fordert alle Marxisten-Leninisten in der Welt auf, den Kampf zur Verteidigung Stalins unvermindert fortzusetzen und sich fest zu vereinigen, sowohl gegen Stalins offene Feinde als auch gegen seine vermeintlichen Freunde. Wir drfen uns den Kampf zur Verteidigung Stalins nicht aus der Hand reien lassen. Dieser Kampf um die Klassiker des Marxismus-Leninismus kann ausschlielich nur von uns Marxisten-Leninisten selbst gefhrt und siegreich beendet werden. Und dies gelingt nur unter der Voraussetzung, dass wir unsere marxistisch-leninistischen Reihen von trotzkistischen und revisionistischen Einflssen, von berijanischen Einflssen rein halten und dabei die Lehren Stalins beherzigen. Wir mssen wachsam sein, denn wir haben unbedingt damit zu rechnen , dass die Feinde Stalins gerade uns Stalinisten von der Komintern (ML) aussuchen werden, um dieses heutige ideologische Bollwerk zur Verteidigung Stalins zu unterminieren, zu knacken und zu liquidieren wohlgemerkt- alles im Namen Stalins! Die Trotzkisten, die Berijaner, diffamieren uns Komintern (ML), um von da aus auch andere Marxisten-Leninisten zu diffamieren und diesen durch den erneuerten (stalinistischen) Trotzkismus zu ersetzen das ist ihr altes, erklrtes Ziel. Die Trotzkisten sind dabei historisch gescheitert, den Leninismus durch den Trotzkismus zu ersetzen und sie werden genauso historisch scheitern, den Stalinismus ( Anmerkung: und schlielich auch den Hoxhaismus!) durch den Trotzkismus zu ersetzen. Wir werden dafr sorgen, jede Wiederbelebung des Trotzkismus unter der Maske des Marxismus-Leninismus zu begraben. Wenn wir dabei mutig und unerschrocken im Geiste Stalins zu Werke gehen, brauchen wir die (r r r r r -) evolutionren Intelligenzler nicht zu frchten, denn der Stalinismus war ist und wird immer ein Garant fr den Sieg ber den Trotzkismus sein, egal in welches Gewand dieser schlpfen wird, um seine Spur zu verwischen, wie es Berija getan hat. Im Spurenverwischen sind die Berijaner immer erfolgreich gewesen, aber genau dies wird sie zu Fall bringen. Es ist ein alter Trick aller Abweichler vom Marxismus-Leninismus, dass sie ihre parteifeindliche Ideologie hinter Personen verbergen, die man all zu bequem opfert, ohne dass dabei die revisionistische Ideologie, die diese Personen vertreten haben, angetastet wird, so dass diese Ideologie weiter ungehindert frei herumlaufen kann. Das trifft natrlich insbesondere auf Berija und die Berijaner zu. Wenn also Berija Stalin ermordet hat, dann hat er damit lngst nicht den Stalinismus zum Schweigen bringen knnen. Es handelt sich also nicht um die Person Stalins, sondern um die Umstnde, um die Verhltnisse der Stalinra. Man kann Stalin entfernen, aber das bedeutet nicht, dass man damit weder die Epoche des Stalinismus, noch die Wurzeln des Marxismus-Leninismus ausrotten kann. Die Personenfrage interessiert uns also nicht an allererster Stelle, sondern uns interessiert die aktuelle Rolle der Fhrer des Stalinismus fr unseren Kampf um den Weltkommunismus.
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Man darf die revisionistische Gefahr nicht auf Personen zuspitzen. Und so interessiert uns auch nicht in erster Linie die Person Berijas, obwohl sie so abscheulich ist wie sie nicht abscheulicher sein kann. In erster Linie sind wir am Sieg ber das Berijanertum interessiert, also an der Ausmerzung der Ideologie, der sich Berija bedient hatte, um den mchtigen Koloss die UdSSR von innen in die Knie zu zwingen. (Stalin, Bd. 11, Seite 198, dt. Ausgabe). Genossen, die Bourgeoisie stellt die Person Stalins stereotyp in den Mittelpunkt ihrer Hetzpropaganda. Warum ? Damit will sie erreichen, dass alles, was die Sowjetvlker beim Aufbau des Kommunismus und im Kampf gegen Reaktion und Faschismus, im Kampf gegen den Weltimperialismus geleistet hatten, in den Hintergrund gert. Auf diesen Trick darf man nicht hereinfallen. Wir drfen uns als Stalinisten nicht damit begngen, den Personenkult-Vorwurf als unbegrndet zu widerlegen. Es kann uns nicht darum gehen, uns auf die Reinwaschung der Person Stalins zu beschrnken. Die Ehre Stalins knnen wir nur dadurch wieder herstellen, dass wir die groartigen kommunistischen Leistungen der Sowjetgesellschaft herausheben, der Stalin mit aller Kraft gedient hat, eine Kraft auf die wir bauen, um das Ziel der Errichtung des Weltsozialismus zu erreichen Es war vor allem das russische Volk, das Stalin in sein Herz geschlossen hatte, das ihn zu dem werden lie, was er geworden ist, der grte Fhrer des Kommunismus. Die tiefe Zuneigung zum Volk und vom Volk, die revolutionre Einheit zwischen dem bolschewistischen Fhrer Stalin und den schaffenden Werkttigen der Sowjetunion, das ist es, was wir Stalinisten heute in den Mittelpunkt der Analyse der sptstalinistischen ra stellen, worauf auch das Verhltnis zwischen Weltproletariat weltbolschewistischen Fhrern aufbaut. Stalin war als Georgier ein Genosse, der nur aus einem Randgebiet Russlands kam. Man kann das auch positiver sehen, denn er kam aus einem Land, das die stliche mit der westlichen Welt verbindet aus weltrevolutionrer Sicht also ein idealer Standort fr die Entwicklung eines bolschewistischen Fhrers. Und diese positive Rolle Georgiens haben wir auch in den Ereignissen vom August 2008 gebhrlich herausgestellt. Es gab aber genug Feinde Stalins, die ihn allein deswegen hassten, dass ein Georgier die Russen regiert und Herrscher ber die riesige Sowjetunion wird. Wie kann ausgerechnet ein Georgier zum Nachfolger des revolutionren, russischen Fhrers Lenin werden? Stalins Feinde verziehen ihm weder, dass er den russischen Gromacht-Chauvinismus entlarvte und bekmpfte, noch den lokalen Nationalismus in Georgien - und das als Georgier! Er stellte sich nicht einseitig auf die westliche Seite und auch nicht einseitig auf die stliche Seite. Stalin verband sein Leben lang die Vlker des Westens und die Vlker des Ostens in ihrem gemeinsamen, weltrevolutionren Befreiungskampf gegen den Weltimperialismus. Und an dieser ehrenvollen und ruhmreichen stalinistischen Tradition gilt es heute konsequent festzuhalten. Ein Asiat zu sein, galt in Russland als Schimpfwort und so verunglimpften Stalins Feinde ihn als asiatischen, ungehobelten Rohling, vor dessen Grobheiten Lenin schon in seinem angeblichen Testament gewarnt haben soll ... (Was es mit diesem trotzkistischen Testament auf sich hat, darauf werden wir noch an anderer Stelle sehr ausfhrlich zurckkommen). Ja, man verstieg sich sogar zu der Behauptung, dass Stalin angeblich eine Georgisierung der Sowjetunion betrieben haben soll doch dazu spter im Kapitel ber die Mingrelische Verschwrung, die sich als Georgisierung durch Berija entpuppt ; auf deutsch: Berijanisierung des stalinistischen Georgiens oder Entstalinisierung durch ein berijanisches Georgien. Swetlana, Stalins Tochter schreibt : Mein Vater hatte fr sein ganzes Leben eine sehr starke und tiefe Liebe zu Russland gefasst; ich kenne keinen einzigen Georgier, der seine Nationalitt so gnzlich vergessen und alles Russische so lieb gewonnen hatte wie er (Zwanzig Briefe an einen Freund, Seite179). Was die groe Bedeutung Stalins bereits bei der Schaffung der bolschewistischen Partei anbelangt, so wurde sie nach seinem Tode von den Sowjetrevisionisten heruntergeschraubt bis totgeschwiegen. Und wenn die Komintern (ML) hier heute mit ihrer Kurzbeschreibung seiner ersten Schaffensperi-
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ode im Kaukasus an die ffentlichkeit tritt, so werden die Mistkbel nicht auf sich warten lassen, die ber uns Fossilien des Stalinkults sicherlich in nchster Zeit noch ausgeschttet werden. Die Sowjetvlker, die sozialistische Arbeiterklasse, das Weltproletariat haben gegen Stalin niemals den Vorwurf des Personenkults erhoben, im Gegenteil, er wurde von den Massen geliebt und verehrt, war ihr Fhrer, dem sie vertrauten und der ihr Vertrauen sein ganzes Leben lang niemals enttuscht hatte. Der Personenkult-Vorwurf diente den Verrtern dazu, dieses Vertrauen der Massen in Stalin zu erschttern, sie glauben zu machen, dass Stalin ihr Vertrauen missbraucht habe, dass sich die Sowjetunion von ihm befreien muss, um gerettet werden zu knnen. In Wirklichkeit sollte mit dem Personenkult-Vorwurf das Selbstvertrauen der Massen in ihre eigene revolutionre, schpferische Kraft erschttert und begraben werden, sollte der Personenkult ihnen Angst und Schrecken einjagen. Nicht zum ersten Mal in der Geschichte des Klassenkampfes war das ein Versuch der Bourgeoisie, den Massen abzusprechen, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und sich eine eigene, eine bessere Welt aufzubauen. Bis heute hat die Weltbourgeoisie nicht aufgehrt, den Massen einzureden, dass sie ihr Schicksal als Ausgebeutete und Unterdrckte nicht ndern knnten, dass sie eine Schafherde seien, deren Sinn und Zweck allein darin bestnde, von den Wlfen gefressen zu werden. Und im Auftrag der Weltbourgeoisie stellte sich Berija an Stalins Seite, um ihn zu beseitigen. Wie stand Stalin selber zum Personenkult? Hierzu haben wir einige Zitate von ihm ausgewhlt, einige davon sind bekannt, andere weniger, wieder andere sind neu. Es handelt sich (...) darum, dass (...) eine neue Bourgeoisie aufgekommen ist, die, da sie keine Mglichkeit hat, offen auf dem politischen Schauplatz aufzutreten, die Front des Kommunismus von innen sprengen will und dabei ihre Helden [!!] unter den Fhrern der KPR (B) sucht. Nun, und dieser Umstand fhrt zum Aufkommen oppositioneller Stimmungen innerhalb der KPR(B) und schafft den Boden fr eine opportunistische Abweichung (Stalin, Band 6, Seite 239). Er (Stalin) ist der Meinung, dass es mglich sei, dass 'Saboteure' dahinter stehen, um ihn zu diskreditieren." (L. Feuchtwanger, 'Moskau 1937', London 1937, S. 93ff.). Dieses erste Zitat von Leon Feuchtwanger trifft den Kern wohl am ehesten. Einer der Hauptsaboteure war Berija. Aus einer Unterredung mit Oberst Robins, am 13. Mai 1933: Robins: ' Ich betrachte es als groe Ehre, die Gelegenheit zu haben, Ihnen einen Besuch abstatten zu drfen.' Stalin: Das ist nichts Besonderes. Sie bertreiben. Robins darauf: 'Was fr mich am interessantesten ist, ist, dass ich berall in Russland die Namen Lenin-Stalin, Lenin-Stalin, Lenin-Stalin zusammen vorfand.' Stalin: 'Das ist ebenfalls eine bertreibung. Wie knnte ich mich mit Lenin vergleichen (Stalin, Werke Band 13, Seite 234). Stalin schreibt jeden Fortschritt systematisch Lenin zu, obwohl es zu einem ganz groen Teil seine eigenen Verdienste sind." (H. Barbusse, 'Stalin, 'Eine neue Welt aus der Sicht eines Mannes', London 1935, SS. VII, VIII, 291, 294) ... diese Schlichtheit und Bescheidenheit Lenins, dieses Bestreben, unbemerkt zu bleiben oder jedenfalls nicht aufzufallen und seine hohe Stellung nicht hervorzukehren dass dieser Zug
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eine der strksten Seiten Lenins ist, dieses neuen Fhrers neuer Massen, der einfachen und gewhnlichen Massen der untersten` Schichten der Menschheit (Stalin, Band 6, Seite 49) Und in einer Unterredung mit dem deutschen Schriftsteller Emil Ludwig sagte Stalin: Was mich betrifft, so bin ich nur ein Schler Lenins, und das Ziel meines Lebens ist es, ein wrdiger Schler Lenins zu sein (Stalin, Werke Band 13, Seite 94). Und Stalin blieb in der Tat bis zu seinem Tode der wrdigste und beste aller Schler Lenins. Als Emil Ludwig dann feststellte: Der Marxismus verneint die hervorragende Rolle der Persnlichkeit und dann Stalin gefragt wurde: Sehen Sie keinen Widerspruch zwischen der materialistischen Geschichtsauffassung und der Tatsache, dass Sie trotzdem die hervorragende Rolle geschichtlicher Persnlichkeiten anerkennen? , antwortete Stalin wie folgt: Nein, hier besteht kein Widerspruch. Der Marxismus verneint keineswegs die Rolle hervorragender Persnlichkeiten oder die Tatsache, dass die Menschen die Geschichte machen. Sie knnen bei Marx im Elend der Philosophie und in seinen anderen Werken Ausfhrungen darber finden, dass eben Menschen die Geschichte machen. Allerdings machen die Menschen die Geschichte nicht so, wie es ihnen die Phantasie eingibt, nicht so, wie es ihnen gerade einfllt. Jede neue Generation findet bestimmte Verhltnisse vor, die bereits in fertiger Gestalt vorhanden waren, als diese Generation zur Welt kam. Und groe Mnner sind nur insoweit von Bedeutung, als sie es vermgen, diese Verhltnisse richtig zu verstehen und zu erkennen, wie sie zu ndern sind. Wenn sie diese Verhltnisse nicht verstehen und sie so verndern wollen, wie es ihnen ihre Phantasie eingibt, so geraten sie, diese Leute, in die Lage Don Quichottes. Somit lehrt gerade Marx, dass man die Menschen keinesfalls den Verhltnissen entgegenstellen darf. Eben die Menschen machen die Geschichte, aber nur insofern, als sie die Verhltnisse richtig verstehen, wie diese Verhltnisse zu ndern sind. So wenigstens verstehen wir russischen Bolschewiki Marx. Und wir haben Marx einige Jahrzehnte lang studiert (Stalin, ebenda, Seite 94-95). Emil Ludwig bliebt hartnckig : Vor dreiig Jahren, als ich die Universitt besuchte, haben zahlreiche deutsche Professoren, die sich fr Anhnger der materialistischen Geschichtsauffassung hielten, uns eingeredet, der Marxismus verneine die Rolle der Helden, die Rolle heroischer Persnlichkeiten in der Geschichte Und Stalin antwortet ebenso beharrlich: Das waren Vulgarisatoren des Marxismus. Der Marxismus hat nie die Rolle der Helden verneint. Im Gegenteil, er erkennt diese Rolle als bedeutend an, allerdings mit den Vorbehalten, die ich eben erwhnt habe (ebenda). Aber Emil Ludwig lsst nicht locker und fragt weiter: Um den Tisch, an dem wir sitzen, stehen 16 Sthle. Im Ausland wei man einerseits, dass die UdSSR ein Land ist, in dem alles kollegial entschieden werden soll, andererseits aber wei man, dass alles durch eine einzelne Person entschieden wird. Wer entscheidet denn nun? Stalin gibt geduldig zur Antwort: Nein, eine einzelne Person darf nicht entscheiden. Entscheidungen einer einzelnen Person sind immer oder fast immer einseitige Entscheidungen. In jedem Kollegium, in jedem Kollektiv gibt es Menschen, mit deren Meinung man rechnen muss. In jedem Kollegium, in jedem Kollektiv gibt es Menschen, die auch falsche Meinungen zum Ausdruck bringen knnen. Auf Grund der Erfahrungen von drei Revolutionen wissen wir, dass unter hundert Entscheidungen, die von einzelnen Personen getroffen und nicht kollektiv berprft und berichtigt wurden, annhernd neunzig Entscheidungen einseitig sind. Unser fhrendes Organ, das Zentralkomitee unserer Partei, das alle unsere Sowjet- und Parteiorganisationen leitet, besteht aus etwa siebzig Mitgliedern (...) Jeder hat die Mglichkeit, seine Erfahrungen beizusteuern. Wre dem
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nicht so, wrden die Entscheidungen von einzelnen Personen getroffen, dann gbe es in unserer Arbeit die ernstesten Fehler. Da jedoch jeder die Mglichkeit hat, die Fehler einzelner Personen zu berichtigen, und da wir solche Berichtigungen bercksichtigen, gelangen wir zu mehr oder weniger richtigen Beschlssen (ebenda, Seite 96). Juni 1926: "Ich muss ganz ehrlich sagen, Genossen, dass ich noch nicht einmal die Hlfte der schmeichelhaften Dinge verdiene, die ber mich gesagt wurden. Ich bin, so scheint es, ein Held der Oktoberrevolution, der Fhrer der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, der Fhrer der Kommunistischen Internationale, ein legendrer Kriegsritter und was sonst noch alles. Dies ist absurd, Genossen, und eine vllig unntige bertreibung. Es ist das, was gewhnlich am Grab eines verstorbenen Revolutionrs gesagt wird. Aber ich habe noch nicht die Absicht zu sterben. ... In Wirklichkeit war ich einer der Schler der fortschrittlichen Arbeiter der Tifliser Eisenbahnwerke, und ich bin es immer noch." (J. W. Stalin, 'Werke', Band 8, , S. 182). 12. November 1926: Man muss anerkennen, Genossen, dass gerade Lenin und kein anderer es war, der die Wahrheit entdeckte, dass der Sieg des Sozialismus in einem` Lande mglich ist. Man darf Lenin nicht absprechen, was ihm zu Recht gebhrt, (...) dass Lenin der erste Marxist war, der die Frage des Sieges des Sozialismus in einem` Lande auf neue Art gestellt und sie in positivem Sinne gelst hat (Stalin, Band 8, Seite 272). September 1927: Stalin wird gefragt: Knnen Sie uns kurz die Hauptdifferenzen zwischen Ihnen und Trotzki darlegen? Stalin: Ich muss vor allem sagen, dass die Differenzen mit Trotzki keine persnlichen Differenzen sind. Trgen diese Differenzen einen persnlichen Charakter, so wrde sich die Partei damit keine einzige Stunde befassen, denn sie duldet es nicht, dass einzelne Personen sich in den Vordergrund drngen (Stalin, Band 10, Seite 103). Oktober 1927: "Und was ist Stalin? Stalin ist nur eine unwichtige Person." (J. W. Stalin, 'Werke', Band 10,, S. 177). Dezember 1927: "Eure Glckwnsche und Gre sind eine Anerkennung fr die groe Partei der Arbeiterklasse, die mich geboren und die mich nach ihrem eigenen Bild und Ebenbild aufgezogen hat. Und gerade weil sie zur Ehre unserer glorreichen leninschen Partei gereichen, nehme ich mir die Freiheit und biete Euch meinen bolschewistischen Dank an" (J. W. Stalin, 'Werke', Band 12, , S. 146). 9. Juli 1929: Bei uns gibt es Hunderte und Tausende fhiger junger Menschen, die mit aller Kraft bemht sind, sich emporzuarbeiten, um die allgemeine Schatzkammer unseres Aufbaus durch ihr Scherflein zu bereichern. Aber ihre Versuche bleiben hufig vergeblich, da sie auf Schritt und Tritt durch den Eigendnkel von Leuten mit literarischem Namen`, durch den Brokratismus und das herzlose Verhalten mancher unserer Organisationen und schlielich durch den Neid ihrer Altersgenossen und genossinnen (der noch nicht in Wettbewerb bergegangen ist) erstickt werden. Eine unserer Aufgaben ist es, diese Mauer zu durchbrechen und den jungen Krften, deren Zahl Legion ist, einen Ausweg zu schaffen. Mein Vorwort zu der kleinen Broschre eines in der literarischen Welt unbekannten Autors stellt den Versuch dar, einen Schritt zur Lsung dieser Aufgabe zu tun.
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Ich werde auch knftig Vorworte nur zu einfachen, nicht auf Sensation berechneten Broschren einfacher und unbekannter junger Autoren schreiben. Es ist mglich, dass eine solche Handlungsweise manchen Leuten, die auf Rangordnung Wert legen, nicht gefallen wird. Aber was kmmert mich das? Ich bin berhaupt kein Freund von solchen Leuten ... (Stalin, Band 12, Seite100 102). 21. Dezember 1929 (Stalins 50. Geburtstag): Ihre Glckwnsche und Gre beziehe ich auf die groe Partei der Arbeiterklasse, die mich nach ihrem Ebenbild erschaffen und erzogen hat. Und nur weil ich sie auf unsere ruhmreiche Leninsche Partei beziehe, erlaube ich mir, Ihnen mit bolschewistischem Dank zu antworten. Sie knnen gewiss sein, Genossen, dass ich bereit bin, auch in Zukunft fr die Sache der Arbeiterklasse, fr die Sache der proletarischen Revolution und des Weltkommunismus alle meine Krfte, alle meine Fhigkeiten und, wenn es notwendig ist, all mein Blut, Tropfen fr Tropfen, hinzugeben. (Stalin, Band 12, Seite 124). April 1930: "Es gibt einige, die sind der Ansicht, dass der Artikel 'Schwindlig vor Erfolg' auf Stalins persnliche Initiative zurckging. Das ist natrlich Unsinn. Es ist nicht in Ordnung, dass persnliche Initiativen von irgendjemanden, gleich wer er sein mag, in Anspruch genommen werden, denn es sind die des Zentralkomitees." (J. W. Stalin, 'Werke', ebenda, S. 218). Nehmen wir seinen Brief an Genossen Schatunowski vom August 1930: Sie sprechen von Ihrer 'Ergebenheit` mir gegenber. Mag sein, dass Ihnen diese Worte nur zufllig entschlpft sind. Mag sein ... Sollten ihnen aber diese Worte nicht zufllig entschlpft sein, so wrde ich Ihnen raten, das `Prinzip` der Ergebenheit gegenber Personen ber Bord zu werfen. Das ist nicht bolschewistische Art. Seien Sie der Arbeiterklasse, ihrer Partei, ihrem Staat ergeben. Das ist notwendig und gut. Aber verwechseln Sie diese Ergebenheit nicht mit der Ergebenheit gegenber Personen, mit diesem hohlen und unntzen intelligenzlerischen Phrasengeklingel (Stalin Werke, Band 13, Seite 17). Februar 1933: "Ich habe Euren Brief erhalten, in dem es heit, dass ich von Euch einen zweiten Orden als Anerkennung fr meine Arbeit bekommen soll. Ich danke Euch sehr fr Eure herzlichen Worte und das kameradschaftliche Geschenk. Ich wei, was Ihr fr mich weggebt und schtze Eure Gefhle. Trotzdem kann ich Euren zweiten Orden nicht annehmen. Ich kann und darf ihn nicht annehmen, nicht nur, weil er nur Euch zusteht, da Ihr ihn allein verdient habt, sondern auch, weil ich reichlich belohnt worden bin durch die Achtung und den Respekt von Genossen und deshalb kein Recht habe, Euch zu berauben. Orden wurden nicht fr jene erfunden, die schon sehr bekannt sind, sondern in der Hauptsache fr heroische Menschen, die wenig bekannt sind und die allen bekannt gemacht werden mssen. Nebenbei muss ich Euch sagen, dass ich schon zwei Orden habe. Das ist mehr als man braucht, glaubt mir." (J. W. Stalin, ebenda, S. 241). 1935 1935 wurde der Generalplan fr den Neubau Moskaus verffentlicht. Einer der Entwrfe fr den Palast der Sowjets sah vor, Kolossalstatuen von Lenin und Stalin zu errichten. Stalin lehnte diesen Entwurf ab mit den Worten: Wir bauen den Palast der Sowjets mit einem Denkmal fr ihren Schpfer Lenin. Anfang Dezember 1937
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Im Kreml fand Stalin ein Wahlplakat mit seinem Bild und einen Aufruf: Stimmt fr Stalin! Er wurde wtend: Auch das noch, das hat mir gerade noch gefehlt. Wenn das so weitergeht, finde ich eines Abends meine Statue in meinem Bett... Danach wurde innerhalb des Kreml jede Wahlpropaganda streng verboten. (...) Nur zwei Mal in all diesen Jahren sprach Stalin in erster Person, so auch am Vorabend seiner Wahl am 11. Dezember 1937. Sonst spricht er stets von seinen Plnen und Befehlen in der Form: Wir Bolschewiken, wir Leninisten, wir Verfechter der Generallinie. Denn er will nicht als Person im Vordergrund stehen, sondern als Verkrperung der ganzen Partei, des ganzen Landes, der ganzen fortschrittlichen Welt (Achmed Amba, Ein Mensch sieht Stalin, Rowohlt 1951, Seite 141 und 166). Februar 1938: "Ich bin absolut gegen die Verffentlichung von 'Geschichten aus der Kindheit Stalins'. Das Buch wimmelt von einer Masse von ungenauen Fakten, von Vernderungen, von bertreibungen und unverdientem Lob. ... Aber ... die wichtige Sache besteht in der Tatsache, dass das Buch die Tendenz hat, den sowjetischen Kindern (und den Menschen berhaupt) den Personenkult von Fhrern, von unfehlbaren Helden einzuimpfen. Das ist gefhrlich und schdlich. Die Theorie von 'Helden' und der 'Masse' ist nicht eine bolschewistische, sondern eine sozialrevolutionre (anarchistische - Verf.) Theorie. ... Ich schlage vor, das Buch zu verbrennen." (J. W. Stalin, ebenda, S. 327). 1938: Also darf sich die praktische Ttigkeit der Partei des Proletariats nicht auf die frommen Wnsche `hervorragender Persnlichkeiten`, nicht auf Forderungen der `Vernunft`, der `allgemeinen Moral` usw. grnden, sondern muss sich auf die Gesetzmigkeiten der Entwicklung der Gesellschaft, auf die Erforschung dieser Gesetzmigkeiten grnden (Stalin, Geschichte der KPdSU (B) Kurzer Lehrgang; ber den dialektischen und historischen Materialismus, Seite 143). (...) nicht von den frommen Wnschen `groer Mnner`, sondern von den realen Bedrfnissen der Entwicklung des materiellen Lebens der Gesellschaft (ebenda, Seite 145). Februar 1946: Das Ohr verletzen auch die Lobeshymnen auf Stalin es ist einfach peinlich, sie zu lesen (Stalin Werke Band 17, Seite 29, KPD/ML 1973). 23. 12. 1946 Stalins Korrektur des Entwurfs des Buches J.W. Stalin Kurze Biographie (1947). Motschalows Aufzeichnungen ber das Gesprch Stalins mit dem Autorenkollektiv vom 23. 12. 1946: Es gibt Fehler. Der Ton ist nicht gut und nach der Art der Sozialrevolutionre aufgezogen. Von mir stammen alle Lehren bis zu jeder Lehre ber die konstanten Faktoren des Krieges. Es stellt sich heraus, dass ich eine Lehre ber den Kommunismus geschaffen habe, als ob Lenin, sehen Sie, nur ber den Sozialismus und nie ber den Kommunismus geschrieben und gesprochen hat. Weiter, es wird so dargestellt, als ob die Lehre ber die Industrialisierung des Landes und die Kollektivierung der Landwirtschaft von mir stammten usw. usf. Tatschlich gebhrt gerade Lenin das Verdienst, die Problemstellung der Industrialisierung unseres Landes aufgeworfen zu haben. Das gilt auch betreffs der Frage ber die Kollektivierung der Landwirtschaft usw. Es gibt in dieser Biographie viel Lob und bertreibung der Rolle der Persnlichkeit. Was soll der Leser nach dem Lesen dieser Biographie tun ? Soll er auf die Knie fallen und mich anbeten ? Ihr erzieht die Menschen nicht im Geist des Marxismus. Anbeter von Idolen brauchen wir nicht. Die Sache wird dann noch so dargestellt, dass ich die Lehre ber die bestndigen und zeitweiligen Faktoren des Krieges geschaffen habe, whrend in jedem militrgeschichtlichen Werk darber geschrieben wird. Es kann sein, dass ich manches strker und definitiver herausgestellt habe, aber das ist dann auch alles [Unter bestndigen und konstanten Faktoren des Krieges verstand
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Stalin z.B. die Festigkeit des Hinterlandes, den moralischen Geist der Armee, die Anzahl und Qualitt der Divisionen, die Bewaffnung, die organisatorischen Fhigkeiten der Kommandeure, whrend zu den zweitweiligen oder nur vorbergehend wirkenden Faktoren z.B. das berraschungsmoment des berfalls der Faschisten auf die Sowjetunion gezhlt wurde]. Wir haben die Lehre von Marx und Lenin. Zustzliche Lehren brauchen wir nicht. Menschen sollen nicht zu Sklaven erzogen werden, aber bei euch gibt es dazu Tendenzen. Und wenn es mich nicht mehr gibt ? Ihr erzieht die Menschen nicht zur Liebe zur Partei. Wenn es mich nicht mehr gibt, was wird dann ? Stalin fragte: Fr wen ist eine solche Ausgabe gedacht? Es gibt bei uns Hunderttausende von Bibliotheken. Von einer solchen Ausgabe kann man einen Brechreiz bekommen. Bezglich Baku wird gesagt, dass dort bei den Bolschewiken nichts los war, und ich brauchte nur erscheinen und alles nderte sich sofort. Einer hat alles aufgebaut. Man kann es glauben oder auch nicht glauben. Wie war es nun tatschlich ? Es war erforderlich, Kader zu schaffen. Solche bolschewistischen Kader haben sich in Baku formiert. Die Namen dieser Leute habe ich an entsprechenden Stellen genannt. Das gilt auch fr einen anderen Zeitabschnitt. Auch solche bolschewistischen Kader wie Dzierzynski, Frunse und Kuibyschew haben gelebt und gewirkt, aber ber sie wird nicht geschrieben, sie fehlen. Was den Zeitraum des Groen Vaterlndischen Krieges anbelangt, so war es erforderlich, fhige Leute zu finden, in den entsprechenden Funktionen einzusetzen und sie fr ihre Aufgaben zu sthlen. Solche Leute wurden um das Oberste Kommando der Roten Armee geschart. Nirgendwo ist klar gesagt, dass ich ein Schler Lenins bin. Das ist nicht verstndlich ... nur irgendwo entlegen wird etwas davon erwhnt. Darber habe ich in dem bekannten Gesprch mit Ludwig klare Worte gesprochen. Ich bin ein Schler Lenins, bei Lenin bin ich in die Lehre gegangen und nicht umgekehrt. Niemand kann sagen, dass ich kein Schler Lenins bin. Lenin hat den Weg begrndet und den Weg gewiesen, und wir haben diesen vorgegebenen Weg beschritten. Stalins Kritik an seinem Sohn Wasili: Denkst du, dass du Stalin bist ? Du denkst, ich bin Stalin ? Stalin, das ist er [deutet auf ein Portrait]. Wir haben die Pflicht, auf dem Boden zu bleiben und die Aufgaben zu erfllen, zu denen unser menschliches Dasein uns bestimmt. Stalins Wesen, nicht nur in seiner privaten Sphre, sondern auch in seiner politischen Arbeit, steht im krassen Gegensatz zu ffentlichen Beweihrucherungen. Fr Stalin selbst war das eine unertrgliche Tortur. Es ist keine Spur irgendwelcher Starallren an ihm zu entdecken gewesen. Alles ging schlicht und natrlich zu. Er duldete Ehrerbietungen nicht, ihm war der Personenkult zuwider und er verspottete ihn. Niemals hat er diesen Personenkult gutgeheien, gefrdert oder gar angeordnet und befohlen. Das besttigen alle, die sich ber persnliche Begegnungen mit Stalin geuert haben einschlielich seiner Feinde wie Churchill zum Beispiel. Aus all diesen Zitaten wird ersichtlich, dass es sich nie um seinen persnlichen Standpunkt handelte, den er vertrat, sondern stets den Standpunkt der leninistischen Partei, den Standpunkt der Arbeiterklasse, der Massen usw.. Das Dnkel des Verdienstvollen verachtete Stalin sein Leben lang. Erst mit Hilfe der Methode des Personenkults wurde es den Revisionisten mglich, Stalins Standpunkte zu personifizieren nach dem Motto: Ihr knnt ganz beruhigt sein, das ist von Stalin persnlich, das hat Stalin gesagt, das hat Stalin angeordnet, das hat Stalin befohlen, das hat Stalin verboten usw. usf.! Auf diese Weise begannen die Revisionisten in Stalins Namen zu tun und zu lassen, was sie wollten. Mit dem verrterischen Wort Stalin auf ihren Lippen ermordeten sie Stalin hinterhltig und
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ergaunerten sich das Vertrauen der Massen in Stalin, um so die Macht an sich zu reien. Mit dem Personenkult sollte das Beil auf den Marxismus-Leninismus selbst herunter sausen ! Man darf im Allgemeinen weder knstliche Gegenstze zwischen einzelnen Personen und dem Kollektiv, der Gesellschaft erlauben, noch konstruierte Widersprche zwischen der Rolle der Person und den Menschen dulden. Die Revolutionre sind keine Einzelgnger. Sie stellen sich gemeinsam in den Dienst der Sache des Proletariats, sie ordnen sich den Bedrfnissen der Gesellschaft unter, erfllen diszipliniert die Aufgaben, die ihnen die Partei der Arbeiterklasse stellt. Revolutionre sind Schler und zugleich Lehrer der Massen. Die Arbeiterklasse duldet keine spalterischen Gegenstze zwischen ihren Fhrern, ihrer Klasse und den Massen, welche von den brgerlichen, revisionistischen und trotzkistischen Demagogen geschrt werden zum Schaden der Einheit zwischen den Revolutionren und den Arbeitern. Bolschewismus ist die revolutionre Einheit von Sozialismus und Arbeiterbewegung. Antibolschewismus ist die Spaltung dieser Einheit. Vergessen wir nicht, dass sowohl die Methode der Herausbildung als auch die dazugehrige Methode der nachtrglichen Verurteilung des Personenkult eine Schpfung der reaktionren Klasse im Kampf gegen die revolutionre Klasse ist. Es waren die vergeblichen Versuche der Sowjet-Revisionisten, die diesen Personenkult selber aufgebaut hatten, um Stalin mit ihrem Personenkult-Vorwurf spter um so leichter zu Fall zu bringen. Personenkult ist der Arbeiterklasse fremd und es war kein Geringerer als Stalin selbst, dem dieser Personenkult, der mit viel Pomp um ihn herum veranstaltet wurde, zutiefst verhasst war und gegen den er selber von Anfang bis Ende unablssig kmpfte. Stalin war im Gegensatz zu den Revisionisten zu offener Selbstkritik fhig. So zu Fehlern als Hitler die Sowjetunion berfiel: Unsere Regierung hat nicht wenige Fehler gemacht (Stalin, Band 17, Seite 11, KPD/ML, Hamburg 1973). Aber Chruschtschow sagte auf seiner verbrecherischen Geheimrede gegen Stalin: Jeder kann sich irren, aber Stalin meinte, er irre nie, er habe immer Recht (Chruschtschow, Berlin 1990, Dietz-Verlag, Seite 53). Stalin war sehr empfindlich gegenber geheuchelten, uerlich pompsen Ovationen und reagierte sogar beraus zornig und wtend darauf. So lebte er insbesondere in seinem letzten Lebensabschnitt zurckgezogen puritanisch, in einem Zimmer, wo er arbeitete, a und schlief aber immer war er auf dem Posten, um die Geschicke der Sowjetunion zu leiten. Es zog ihn fters in den Sden, und auch als er zur Genesung Anfang der 50er Jahre nach Georgien reiste, suchte er dort die Zurckgezogenheit seiner Person, aber er zog sich niemals von seiner politischen Arbeit oder gar von seiner Verantwortung gegenber der Sache der Revolution, der Partei, der Arbeiterklasse, zurck. Diese erfllte er als treuester Bolschewiki Lenins bis zum letzten Atemzug. Voll unangenehmer Erinnerungen fr Vater war jedoch die Reise hierher. Vater konnte die Anblicke der Menge berhaupt nicht ertragen, die ihn mit Hndeklatschen und Hurrarufen empfing, bei solchen Gelegenheiten lief er rot an vor rger (Tochter Swetlana, Zwanzig Briefe an einen Freund, Seite 280). Stalin verabscheute Personenkult, Schmeichler, Lobhudler, Schreihlse, Phrasendrescher, Schwtzer, Flenner und Panikmacher. Seine Logik war von unwiderlegbarer Kraft, sein Verstand kristallklar, sein Wille sthlern, seine Ergebenheit fr die Partei und die Sache des Weltproletariats unermesslich, seine berzeugung vom Weltkommunismus unerschtterlich. Er wollte nur ein bescheidener, einfacher Diener der Arbeiterklasse sein, betrachtete sich als Schler Lenins und das war ihm Ehre genug. Alle Revisionisten haben den Personenkult gezchtet und kultiviert, um im danach folgenden so genannten Kampf gegen den Personenkult das Ansehen der Fhrer des Marxismus-Leninismus ( und damit den Marxismus-Leninismus selbst!) in den Augen der internationalen Arbeiter- und kommunistischen Bewegung zu verunglimpfen, zu diskreditieren und zu vernichten. Das war unumgnglich, wollten
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sie die Diktatur des Proletariat unter dem Deckmantel des Marxismus-Leninismus in die Diktatur der neuen Bourgeoisie verwandeln. Die Spaltung der kommunistischen Weltbewegung war notwendig fr die Beseitigung des Sozialismus durch die Restauration des Kapitalismus und fr den spteren bergang zu Sozialimperialismus und Sozialfaschismus, war notwendig, um dem Weltimperialismus einen Beweis fr Vertrauenswrdigkeit zu liefern. Sie begannen mit Stalin, dann war Enver Hoxha an der Reihe, um Albanien in der ffentlichkeit zu diskreditieren und zu verurteilen und dadurch die Spaltung im Schoe der internationalen kommunistischen Bewegung zu vertiefen. Mit der Vulgarisierung des Stalinismus reduzierten die Anhnger des Personenkults den Marxismus-Leninismus fast auf ein Nichts und verurteilten damit die kommunistische Weltbewegung zur Passivitt, zum Dahinvegetieren. Aber Genosse Enver Hoxha hob das stalinsche Banner wieder auf, das die Revisionisten mit ihren Stiefeln zertrampelten. Er fhrte den Kampf gegen den Personenvorwurf der Revisionisten an. Enver Hoxha sagte zum Personenkult ganz richtig (Band I, Seite 512 Ausgewhlte Werke): Personenkult heit, Einzelpersnlichkeiten bermig verherrlichen, ihnen bernatrliche Qualitten und Eigenschaften zuschreiben, sie zu Menschen machen, die Wunder vollbringen und schlielich vor ihnen auf die Knie sinken. Chruschtschow (1956) erstarkte und ging unverzglich zum Angriff auf den sogenannten `Stalinkult` ber. Er wollte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: innerhalb des Landes den `Stalinkult` durch seinen eigenen Kult ersetzen und in der kommunistischen Weltbewegung selbst die erste Geige spielen. Er wollte keinen anderen neben sich, selbstverstndlich auch nicht Mao. Dieser dagegen hatte die Hoffnung, danach wrden die Rollen vertauscht: Chruschtschow werde `Maos Schler sein` . Doch Chruschtschow begriff die Situation und schlug einen anderen Kurs ein, nahm das Gewehr auf die andere Schulter(Betrachtungen ber China, Seite 257, Bd. II, dt. Ausgabe). Nicht die Chruschtschowianer, sondern Tito war es, der mit der anti-stalinistischen Hetzpropaganda gegen den so genannten Personenkult begann. Tito sprach offen aus, dass es sich nicht nur um Personenkult handele, sondern auch um jene Ordnung, die den Personenkult ermglichte, und damit meinte er die sowjetische Ordnung. Und das war auch einer der Grnde fr Berijas Paktierertum mit Tito. Der Personenkult-Vorwurf musste herhalten, um die Losung der Liberalisierung und damit die Restauration des Kapitalismus zu rechtfertigen, diente als Vorwand fr die brgerliche Revision des Marxismus-Leninismus, als Vorwand zur berwindung und Liquidierung der Diktatur des Proletariats, als Vorwand zur Diskreditierung der bolschewistischen Partei. Wenn die modernen Revisionisten von Stalins angeblichen Verbrechen sprechen, warum haben sie diese dann zur Zeit Stalins nicht nur gedeckt und begrt, sondern auch eigenhndig begangen im Namen Stalins? Warum haben sie ihre Verbrechen vertuscht und sie Stalin in die Schuhe geschoben ? Haben Chruschtschow, Berija und all die anderen revisionistischen Fhrer jemals Selbstkritik gebt, etwa, dass sie die Hauptschuldigen an dem Personenkult waren ? Ihre Lobhudeleien ber Stalin zu dessen Lebzeiten waren fr sich genommen schon ekelerregend genug, aber das wahre Ausma dieses Verbrechens wird deutlich mit Chruschtschows so genannter Geheimrede auf dem XX. Parteitag, die er noch nicht einmal im Auftrag und mit Beschluss des Zentralkomitees gehalten hatte. So weit zu Chruschtschows Demokratieverstndnis von der kollektiven Fhrung?! Chruschtschows Geheimrede war der geeignete Deckmantel, hinter der er seine eigenen Verbrechen wie auch die seiner Mitverschwrer verbergen konnte Offenlegung von Verrat, Verbrechen, Geheimnissen zwecks Vertuschung von Verrat, Verbrechen, Geheimnissen - das war die Dialektik des Doppelznglertums der modernen Revisionisten, das war die Dialektik des Doppelznglertums der Trotzkisten, der Berijaner ! Im Gegensatz zu Stalin, der sich nie in seinem Leben ber die Partei gestellt hatte, ja der sogar 3 Mal in seinem Leben der Partei seinen Rcktritt, seinen freiwilligen Verzicht auf die Fhrung der Partei, angeboten hatte, der nicht die Macht an sich riss wie Chruschtschow es auf so schndliche Weise getan hatte.
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Es war sehr bequem fr die Chruschtschowianer, fr die Berijaner und fr alle anderen Feinde der Sowjetunion, Stalin als jemanden darzustellen, der alles alleine entschied - ber die Kpfe der Anderen hinweg, denn man muss sich die ernsthafte Frage stellen: Was waren das denn alles in Wahrheit fr Kpfe ? Wenn man sich darber bewusst geworden ist, von wie vielen feindlichen Kpfen Stalin umgeben war, denen er natrlich nicht ber den Weg trauen konnte - und wenn man sich dann auch noch davon berzeugen lassen muss, wie viele marxistisch-leninistische Kader von ihm angeblich liquidiert worden seien , dann kann man zu keinem anderen Schluss kommen, als dass diese Kpfe alles auf seine Schultern verfrachteten, dass diese Kpfe hufig die Ursache dafr waren, warum er ihren verzapften Mist wieder in Ordnung bringen musste. Wer htte es sonst machen knnen ? Daran ist also Stalin nicht persnlich Schuld, sondern erstens waren es es diejenigen, die ihn in Stich gelassen und zweitens diejenigen, die ihn verraten hatten und ihm in den Rcken gefallen waren. Stalin hat sein ganzes Leben lang Tag und Nacht im Dienste der Sache des Proletariats, als Schler Lenins gearbeitet, bis zu seinem letzten Atemzug. Wir wollen diesen Abschnitt des Personenkult- Kapitels schlieen und stenographieren einen willkrlich herausgegriffenen typischen Ablauf eines Arbeitstages Stalins den 27. September 1935 also einen Tag aus der Zeit, wo Stalin nur Generalsekretr war. Im Krieg sah das natrlich noch viel geballter aus, wo er nebenbei den Groen Vaterlndischen Krieg fhrte (gekrzte Auszge aus: Ahmed Amba, Ein Mensch sieht Stalin, Rowohlt-Verlag, 1951, Seite 151 - 158) : 7. 50 h Frhstck (18 Minuten) 8. 10 h Schmiedezeit (Planung des Tageslaufs mit Pfeife) 8. 17 h Gang zum Bro in Begleitung eines Wachoffiziers 8 . 20 h Studium der neuesten TASS-Nachrichten (alle 8 Stunden); berfliegen der Prawda 8. 45 h Andrejew berichtet als einer der ZK- Sekretre ber jngste Parteiereignisse, Personal- und Organisationsfragen der Parteiorgane 9. 25 h nachdem Andrejew gegangen ist, nimmt sich Stalin Zeit, die Fragenkomplexe zu durchdenken, bevor er das nchste Arbeitsgebiet anpackt 9. 40 h Molotow kommt zur Instruktion und geht um 9. 45 (am ersten, dritten und fnften Tag der Woche werden zwischen 10.00 und 12.00 Sitzungen des Ministerrates abgehalten) 10. 15 h Shdanow kommt. Es werden prinzipielle, ideologische Fragen besprochen mit anschlieenden Auftrgen (z.B.: Besuch einer Kinodelegation bei Chaplin). 11. 05 h Shdanow geht kommt aber mit Andrejew und einigen Gauleitern um 11. 25 zurck wegen der Lsung von Problemen der Brotlieferungen 12. 07 h geht Stalin mit Shdanow zum Mittagessen (formlose Gesprche am Mittagstisch) 12. 47 h Stalin in seinem Privatkabinett (private Empfnge von verschiedensten Leuten) 14. 00 h schriftliche Erledigungen in seinem Arbeitszimmer 16. 16 16. 48 h ist Molotow mit den Fachministern (fr Finanzen, Handel und Landwirtschaft) da, mittendrin kurz von dem Vizeminister des ueren unterbrochen 17. 00 18. 05 h berichtet der Industrieminister Sergo (Ordschonikidse) - mit seinem Vize Pjatakow ber die Stachanow-Bewegung (17. 30 kommt Professor Bardin hinzu, eine der grten Autoritten der Stahlindustrie) 18. 08 18. 22 h Abendbrot mit Sergo, Stalins bestem georgischen Freund 18. 25 19. 45 h Militrkonferenz mit Kriegsminister Woroschilow und noch drei Marschllen (Tuchatschewski, Jegerow, Budjonny), dem Politchef der Armee Garmanik und dem NKWD-Chef Jagoda, als Befehlshaber der inneren Truppen. In deren Verlauf wird ein dringender Anruf Molotows verschoben
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20. 00 20. 50 h Monatssitzung der Kommission zur Ausarbeitung der Stalinschen Verfassung ( die am 5. 12. 1936 feierlich angenommen wird) Heute wird der Komplex Rechtsprechung mit Staatsanwalt Wyschinski besprochen 21. 15 0. 50 h Politbrositzung mit jeweiligen krzeren Einladungen von 21 Fachministern und Parteileitern. Es werden beraten Fragen der Landwirtschaft, der Marine, des Auenhandels, des Gesundheitswesens, der Kupfer- und Kalkindustrie, und der Suberungen (genannt Prfung der Parteidokumente) - ohne Unterbrechung bei Kaffee und Imbiss bis 1. 25 h werden die fehlenden Politbromitglieder telefonisch informiert: Shdanow (schon wieder zurck in Leningrad), Kossior (ukrainischer Gauleiter), Eiche (sibirischer Gauleiter) 1. 30 h kommt Stalin nach Hause: Leseweile im Winkel (Privatecke) Nach 18 Stunden und 35 Minuten geht der 56 - Jhrige ins Bett. Wir Kommunisten sind Leute von besonderem Schlag. Wir sind aus besonderem Material zugeschnitten. Wir sind jene, die die Armee des groen proletarischen Strategen, die Armee des groen Lenin bilden. Nichts ist hehrer, denn die Ehre, dieser Armee anzugehren. Nichts ist hehrer, denn der Name eines Mitgliedes jener Partei, deren Begrnder und Fhrer der Genosse Lenin ist. Nicht einem jeden ist es beschieden, Mitglied dieser Partei zu sein. Nicht jedem ist es beschieden, die Unbilden und Strme zu ertragen, die mit der Zugehrigkeit zu einer solchen Partei verbunden sind. Die Shne der Arbeiterklasse, die Shne der Not und des Kampfes, die Shne unglaublicher Entbehrungen und heroischer Anstrengungen sie sind es, vor allem, die Mitglieder einer solchen Partei sein mssen (Stalin, Rede auf dem 2. Sowjet-Kongress [Prawda Nr. 23 vom 30. 1. 1924). Wenn wir uns nur deshalb alte Bolschewiki nennen, weil wir alt sind, dann ist es um unsere Sache schlecht bestellt, Genossen. Die alten Bolschewiki werden nicht deshalb geachtet, weil sie alt sind, sondern weil sie zugleich ewig junge, nie alt werdende Revolutionre sind. Wenn ein alter Bolschewik vom Wege der Revolution abgeschwenkt oder politisch heruntergekommen ist und sein klares politisches Gesicht verloren hat, so hat er, wenn er gleich hundert Jahre alt wird, kein Recht, sich ein alter Bolschewik zu nennen, hat er kein Recht, von der Partei Achtung zu verlangen (Stalin, Band 12, Seite 1,2). Was lehrt uns der Stalinismus ber die Wesenszge und hervorstechenden Eigenschaften eines Kommunisten ? Sich nicht von den erzielten Erfolgen hinreien lassen und nicht berheblich werden. Bis zum Letzten treu bleiben dem groen Banner von Marx, Engels, Lenin. Bis zum Letzten treu bleiben der Sache des proletarischen Internationalismus, der Sache des brderlichen Bundes der Proletarier aller Lnder (Stalin, Band 13, Seite 334, 335, 336). Wir sind von dem gleichen weltrevolutionren Geist durchdrungen wie Stalin. Wir Weltrevolutionre wollen so hart, so willensstark und so diszipliniert sein wie Stalin. Wir wollen von der Schaffenskraft und dem Durchsetzungsvermgen Stalins lernen. Wir Weltrevolutionre folgen klar und bestimmt der Weltpolitik Stalins. Wir kmpfen ebenso schonungslos gegen die Unterdrcker und Ausbeuter der Welt und zerschlagen ebenso prinzipienfest unsere Feinde im eigenen Lager, wie es Stalin tat. Wir hten unserer Einheit wie unseren Augapfel und verhalten uns untereinander solidarisch und hilfsbereit ebenso wie es Stalin zu tun pflegte. Sollen die Klffer uns vom Straenrand aus ruhig anklffen. Sie erhalten einen Tritt, wenn sie uns aufhalten wollen. Wir werden nicht von Stalins Generallinie abrcken und seinem Kompass bis zum Erreichen des sozialistischen Weltufers folgen, auch wenn wir dabei Zickzack-Kurse einschlagen mssen, welche Stalin auch
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nicht erspart geblieben war. Wir nehmen die schwersten Prfungen, den Kampf auf Leben und Tod auf uns, so wie Stalin. Wir verfallen nicht in Kleinmut, wenn die Weltrevolution auf sich warten lsst oder wenn wir eine Niederlage einstecken und den Rckzug antreten mssen. Wir lernen, unsere weltrevolutionre Ungeduld zu zgeln und verfallen nicht in Panik, wenn sich die Lage ber uns bedrohlich zuspitzt. Stalin pflegte immer zu sagen: Es gibt keine Festung, die der Bolschewist nicht einnehmen kann! Auch die grte, die Weltfestung werden wir Weltbolschewisten erobern. Wir prfen alle unsere Entscheidungen gewissenhaft und grndlich, so bedachtsam wie Stalin. Wir wollen dem Marxismus-Leninismus die Treue halten, so wie Stalin dem Marxismus-Leninismus die Treue hielt. Wir bleiben gegenber dem Weltproletariat ehrlich und sind seine treuesten Diener, so wie es Stalin war. Als proletarische Internationalisten lieben wir alle Vlker der Welt, wie der groe proletarische Internationalist Stalin sie liebte. Worin kommt heute der Typus des Weltbolschewisten zum Ausdruck ? Die Komintern / ML hat hierzu 15 Eigenschaften des Typus eines heutigen Stalinisten aufgezhlt: Der Weltrevolutionr lsst sich nur von einer Weltanschauung leiten , der Weltanschauung des Weltproletariats also vom Marxismus-Leninismus, von den Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Hoxha. Der Weltrevolutionr kmpft fr den Sieg der proletarischen Weltanschauung ber die brgerliche Weltanschauung. Der Weltrevolutionr verteidigt die weltrevolutionre Theorie, die weltrevolutionren Ideen und Ideale, die Wissenschaft von der weltproletarischen Bewegung, die ihr die revolutionre Richtung und das revolutionre Ziel angibt. Der Weltrevolutionr fhrt den ideologischen Klassenkampf im Geiste des proletarischen Internationalismus gegen den nationalistischen Geist der Weltbourgeoisie gegen die Ideologie des Kosmopolitismus. Der Weltrevolutionr ordnet alle politischen Interessen und Ziele dem hchsten politischen Interesse und dem hchsten politischen Ziel des Weltproletariats unter der sozialistischen Weltrevolution. Der Weltrevolutionr kmpft fr eine einzige Partei fr die Partei des Weltproletariats, fr die Partei aller Weltrevolutionre die Kommunistische Internationale / ML. Der Weltrevolutionr ist nur dann ein Weltrevolutionr, wenn er den Weltrevisionismus und Weltopportunismus in den eigenen Reihen der proletarischen Weltbewegung bekmpft also fr den Weltbolschewismus kmpft. Der Weltrevolutionr fhrt den politischen Klassenkampf fr den Sturz des Weltimperialismus, Weltfaschismus und der Weltreaktion zur revolutionren Befreiung des Weltproletariats von der Lohnsklaverei, von Ausbeutung und Unterdrckung. Der Weltrevolutionr kmpft nur fr eine einzige Herrschaft, fr die politische Herrschaft des Weltproletariats die Weltdiktatur des Proletariats. Der Weltrevolutionr fhrt den militrischen Klassenkampf des Weltproletariats zur Vernichtung der bewaffneten Konterrevolution der Weltbourgeoisie, zur gewaltsamen Eroberung der politischen Macht des Weltproletariats. Der Weltrevolutionr bt eiserne, militrische Disziplin nur gegenber einer Armee, der Armee des Weltproletariats der roten Weltarmee. Der Weltrevolutionr verschafft dem Weltproletariat die Waffen der Weltbourgeoisie, um sie gegen sie selbst zu richten. Der Weltrevolutionr verteidigt die weltrevolutionre Bewegung nur, indem er das Weltproletariat verteidigt, das die weltrevolutionre Bewegung anfhrt.
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Der Weltrevolutionr kmpft gegen die zerstrerische, verfaulende und parasitre Welt des Kapitalismus, diesen heimatlosen, profitgierigen Gesellen und fr die Welt eines erneuerten Sozialismus, fr die neue Heimat des Weltproletariats fr den Weltsozialismus. Der Weltrevolutionr ist deswegen weltrevolutionr, weil er die proletarische Welt, die proletarische Welt ihn, durch schonungslose Kritik und Selbstkritik permanent vorantreibt und verndert.
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er Hoxha sagte in seiner Rede, und das kommt in etwa einer Definition der Periode des Stalinismus gleich: Solange er lebte, hatte kein einziger hier [unterstrichen von der Redaktion] den Mut gehabt, ihn zu verurteilen, als er aber gestorben war, wurde er mit Haufen von Schmutz beworfen. So ist jetzt eine unhaltbare Lage entstanden, nmlich dass eine ganze Epoche, in der der erste sozialistische Staat der Welt gegrndet, die SU gefestigt, die imperialistischen Komplotte erfolgreich niedergeschlagen, die Trotzkisten, Bucharinisten und die Kulaken als Klasse vernichtet, die Schwerindustrie aufgebaut und die Kollektivierung realisiert wurden, mit einem Wort, die SU eine kolossale Macht wurde, die den Sozialismus erfolgreich aufbaute, im 2. Weltkrieg mit legendrem Heldenmut kmpfte, den Faschismus besiegte, unsere Vlker befreite, das mchtige sozialistische Lager errichtet wurde usw., dass also diese ganze ruhmreiche Epoche der SU jetzt, auf einmal ohne Kopf, ohne Fhrung erscheint. Die PAA meint, dass es nicht richtig, nicht normal und nicht marxistisch ist, den Namen und das groe Werk Stalins aus dieser ganzen Epoche wegzustreichen, wie es jetzt geschieht. Wir alle mssen das groe unsterbliche Werk Stalins verteidigen; wer das nicht tut, ist ein Opportunist, ist ein Feigling [unterstrichen von der Redaktion]. Als Person und als Fhrer der bolschewistischen KP der SU ist Genosse Stalin zugleich auch der hervorragendste Fhrer des internationalen Kommunismus nach dem Ableben Lenins [unterstrichen von der Redaktion]. Auf sehr positive Weise und mit groer Autoritt hat er zur Konsolidierung und Ausweitung der Erfolge des Kommunismus in der ganzen Welt beigetragen. Alle theoretischen Werke des Genossen Stalin sind ein lebendiger Beweis seiner Treue zu seinem genialen Lehrer, zu dem groen Lenin und zum Leninismus [unterstrichen von der Redaktion]. Stalin kmpfte fr die Rechte der Arbeiterklasse und der Werkttigen der ganzen Welt, er kmpfte mit groer Konsequenz bis zuletzt fr die Freiheit der Vlker unserer volksdemokratischen Lnder. Allein von dieser Seite aus gesehen, gehrt Stalin allen Kommunisten der Welt [unterstrichen von der Redaktion] und nicht nur den Sowjetkommunisten,, gehrt er allen Werkttigen der Welt [unterstrichen von der Redaktion] und nicht nur den Werkttigen der SU. (...) Hat Stalin Fehler begangen ? Sicherlich ! Dass in einer so langen Periode voll von Heldentaten, Anstrengungen, Kmpfen und Siegen, keine Fehler geschehen, ist nicht nur fr eine einzelne Person undenkbar, sondern auch fr die ganze Fhrung als kollektives Organ. Welche Partei und welche Fhrer knnen von sich sagen, dass sie in ihrer Ttigkeit keine Fehler begangen haben ? (...) In Bukarest sagte Genosse Chruschtschow zu den chinesischen Genossen: `Ihr beschftigt euch mit einem verreckten Pferd ! Wenn ihr wollt, so kommt und holt auch seine Knochen ab`. Und damit meinte man Stalin (Enver Hoxha, Rede, gehalten auf der Beratung der 81 Kommunistischen und Arbeiterparteien in Moskau am 16. November 1960; Tirana 1971, Seite 132 136). Die albanischen Genossen haben den Kampf gegen den sogenannten Personenkult verknpft mit dem Kampf gegen den modernen Revisionismus, haben sich dabei auf die Lehren des Genossen Stalin gesttzt und der betrogenen Arbeiterklasse in den revisionistischen Lndern den revolutionren Ausweg aufgezeigt, die revisionistische Diktatur der neuen Bourgeoisie zu strzen und die Diktatur des Proletariats, die unter Fhrung Lenins und Stalins errichtet worden war, zurckzuerobern. Enver Hoxha lehrte, dass die Diktatur des Proletariats die einzige Form der politischen Macht ist, die in der Lage ist, sich der revisionistischen Diktatur der Bourgeoisie zu widersetzen, diese zu ersetzen. Die Wiederherstellung des Sozialismus ist heute die Aufgabe des ge-
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samten Weltproletariats, die nichts anderes darstellt als die Schaffung des Weltsozialismus unter den heutigen Bedingungen der Globalisierung. Die albanischen Genossen haben das weltrevolutionre Banner des Genossen Stalin wieder erhoben und sich damit die Sympathie und Untersttzung von allen treuen Stalinanhngern in der ganzen Welt erworben. Neue marxistisch-leninistische Parteien entstanden, die sich auf den bolschewistischen Prinzipien des Leninschen-Stalinschen Parteiaufbaus neuen Typs grndeten. Eine starke stalinistische Weltbewegung war wieder aufgebaut worden und so wurden die Verrter an Stalin mit dem Stalinbanner im Weltmastab entlarvt und angegriffen. Die albanischen Genossen ergriffen mutig Partei fr Stalin und riefen das Weltproletariat und die kommunistische Weltbewegung auf, den Grundstzen und Lehren des Genossen Stalin treu zu bleiben und sie zu verteidigen, nicht auf sie zu verzichten, sie nicht durch die opportunistischen Ideen Bernsteins, Kautskys, Trotzkis, Bucharins, Titos, Chruschtschows und der anderen Renegaten zu ersetzen und den modernen Revisionisten die Maske vom Gesicht zu reien. Die Feinde der Sowjetunion zu unterwerfen, zu verfolgen, zu beseitigen war kein Verbrechen und konnte es als Ausdruck der Diktatur des Proletariats gar nicht sein. Lenin und Stalin lehrten, im Klassenkampf gegen die berreste der alten Bourgeoisie nicht nachzulassen und gegen jegliche Versuche einer neuen privilegierten Schicht, die sich ber die Diktatur des Proletariats erheben sollte, kompromisslos vorzugehen. Die Revisionisten aber gaben den Klassenkampf bekanntlich auf und verurteilten Stalin deswegen, weil er die leninistische Lehre der Unvermeidbarkeit der Verschrfung des Klassenkampfes im Sozialismus verteidigte. Nach Stalins Tod rehabilitierten die Revisionisten die Verbrecher am Sozialismus. Die modernen Revisionisten griffen zur Losung des Kampfes gegen den Personenkult, um ihre konterrevolutionren Ziele zu verwirklichen, solche Verbrecher am Sozialismus wie Tito, als Opfer Stalins zu rehabilitieren und die revolutionren Fhrer, die dem Marxismus-Leninismus treu ergeben waren und Stalin folgten, zu eliminieren. Wenn Stalin noch gelebt htte, wren Chruschtschow und all die anderen revisionistischen Verbrecher bestraft oder beseitigt worden. Stalin war gerade dabei, die Fhrungsspitze radikal zu subern, als ihm seine Mrder zuvorkamen. Als die Suberung Ende 1948 begann, wurden einige revisionistische Fhrer bereits verurteilt und mit dem Tode bestraft. Die anderen Revisionisten hatten groe Angst, dass auch ihre Verbrechen jeden Moment aufgedeckt und sie bestraft wrden. So blieb ihnen nur die Flucht nach vorn und sie rissen die Macht an sich, als ihr Kopf schon auf dem Schafott lag. Enver Hoxha:. Er (Mao) sagt: `Stalin hat Leute fr den geringsten Fehler hinrichten lassen`: das ist eine Verleumdung. Stalin lie Leute nicht hinrichten, weil sie Fehler gemacht hatten, im Gegenteil, er kmpfte darum, Menschen, die Fehler gemacht hatten, zu bessern, und es gibt Dokumente, die belegen, dass dies wahr ist. Stalin gab die Richtlinie aus, beltter ins Gefngnis oder in Straflager zu stecken und die Konterrevolutionre, Verrter und Agenten und andere Feinde des Volkes, wenn sie besonders gefhrliche Verbrechen begangen hatten, zu erschieen. Htte er dies nicht getan, htte der Sozialismus in der Sowjetunion nicht aufgebaut werden knnen, htte Stalin nicht den leninistischen Weg gehen knnen. Mao Tsetung steht im Gegensatz zu dieser Linie. Er verallgemeinert die Frage und behandelt diejenigen, die keine sehr gefhrlichen Verbrechen begangen haben und keinesfalls hingerichtet werden drfen, genauso wie die Konterrevolutionre. Wer sagt, man msse Leute hinrichten, die keine schweren Verbrechen begangen haben? Niemand, im Gegenteil, wir sind dafr, solche Leute zu bessern, und so sind wir verfahren. (Betrachtungen ber China, Bd. II, Seite 387-388, dt. Ausgabe). Die albanischen Genossen traten beherzt gegen die modernen Revisionisten auf, die von einer Periode der Schreckensherrschaft, von schweren Verletzungen der sozialistischen Geset-
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zlichkeit schwafelten, um die historischen Erfahrungen der Diktatur des Proletariats und des sozialistischen und kommunistischen Aufbaus in der Sowjetunion unter Stalins Fhrung zu verunglimpfen, zu verflschen und zu verwerfen. Die albanischen Genossen forderte die kommunistische Weltbewegung auf, den Weg Lenins und Stalins fortzusetzen und nicht dem Weg der modernen Revisionisten zu folgen. Die albanischen Genossen enthllten den Personenkult-Vorwurf Chruschtschows als Bluff. Es ging ihnen nicht darum, wer den Personenkult verteidigt und wer ihn bekmpft, wie es die Chruschtschowianer darstellten, sondern den albanischen Genossen ging es dabei vor allem um die grundstzliche Frage: soll man die leninschen Grundstze ber die Beziehungen zwischen den Massen, der Klasse, der Partei und den Fhrern aufgeben oder verteidigen ? Fr die albanischen Genossen war es klar: Um den Marxismus-Leninismus zu verteidigen muss man Stalin verteidigen, muss man den modernen Revisionisten Chruschtschow und seine Lakaien in der kommunistischen Weltbewegung angreifen, der mit seinem Personenkult-Vorwurf in Wirklichkeit den Marxismus-Leninismus treffen wollten. Durch unsere Treue zu Stalin waren die Revisionisten nach ihrer Niederlage schlielich gezwungen, sich wieder hinter der Stalinmaske zu verbergen, die sie eigentlich gedachten, nie wieder aufsetzen zu mssen. Nachdem in Albanien die Stalinstatuen gestrzt worden waren und Ramiz Alia seine wahre konterrevolutionre Fratze zum Vorschein kommen lie, war das Banner Enver Hoxhas in den Dreck getreten worden, das Banner des treuesten und besten Schlers Stalins. Das war eine schwere Niederlage fr die stalinistische Weltbewegung. Sie spaltete sich und zerfiel in Tausend Teile Ursache war natrlich das Eindringen des revisionistischen Einflusses, da man den Kampf gegen den Revisionismus nahezu eingestellt hatte ( Beispiel Deklaration von Quito 1992). Aber es fand dabei im Grunde ein heilsamer Reinigungsprozess statt, wodurch die aufrechten Genossen als Minderheit in der stalinistischen Weltbewegung wieder prinzipienfesten Boden unter den Fen zurck gewannen. Es war fr die aufrechten Genossen der stalinistischen Weltbewegung nach dem Sturz der Diktatur des Proletariats Albaniens klar, dass man das Stalinbanner nur erheben konnte, wenn man gleichzeitig das in den Dreck getretene Enver Hoxha-Banner erhebt. Was bedeutete das fr die Stalinisten in der ganzen Welt ? Die Stalinisten konnten Stalin nicht verteidigen, wenn sie nicht auch Enver Hoxha verteidigen wrden. Die so genannte Stalinfrage war also untrennbar an die so genannte Hoxhafrage geknpft, insbesondere an den Kampf gegen den so genannten Personenkult Enver Hoxhas. Daraufhin wurde die stalinistische Weltbewegung mit dem 5. Klassiker des Marxismus-Leninismus, mit Genossen Enver Hoxha ausgestattet. Das bedeutete auch eine Strkung des Stalinismus. Diese Aufgabe wurde im Jahre 2000 von der Komintern / ML gelst. Von diesem Zeitpunkt ab wurde also die Messlatte der alte Demarkationslinie in der so genannten Stalinfrage noch eine Stufe hher gelegt, um sich von denjenigen Revisionisten abzugrenzen, die sich inzwischen die Stalinmaske aufgesetzt hatten. Das war also ein historisch wichtiger Schritt, um den Stalinismus vor erneuertem Angriff des Revisionismus (Neo-Revisionismus) zu schtzen. Damit war die Aufgabe aber noch nicht gelst. Jetzt mussten sich die Stalinisten in der ganzen Welt auch gegen das Eindringen feindlicher Elemente in die hoxhaistische Weltbewegung wehren. Was war zu tun ? Es musste ein ideologischer Kampf gegen den NeoRevisionismus gefhrt werden: Hoxhaismus in Worten Revisionismus in Taten. Seit ihrem Bestehen hat die Komintern / ML gegen viele neo-revisionistische Erscheinungen gekmpft, um die marxistisch-leninistische Weltbewegung vom Unrat des revisionistischen und
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sektiererischen Einflusses zu reinigen. Es handelte sich um Gruppierungen, die wir nicht alle auf den ersten Blick durchschauten, deren wahres Wesen wir aber Schritt um Schritt erkannten. Heute gibt es verschiedene Strmungen und Schulen, die den Stalinismus aus der marxistisch-leninistischen Weltbewegung herauszulsen versuchen und jede auf ihre Weise Einfluss nimmt auf das Weltproletariat. Diese Stalin-Schulen sind bestrebt, die marxistisch-leninistische Weltbewegung unter ihre Hohepriesterschaft zu stellen wie beispielsweise die Alliance/Kanada ISML, die wir als eine typisch sektiererische Schule der Berijaner bezeichnen. Diese Schule der Berijaner machte sich auf, das letzte Wort ber die Ereignisse der spten Stalinra zu sprechen und die Rolle Stalins in der Geschichte der kommunistischen Weltbewegung zu ihren Gunsten zu verflschen. Dies konnten die Stalinisten nicht zulassen. Sie mussten sich selbstkritisch damit auseinandersetzen und siehe da, diese gefhrliche Strmung in unseren Reihen konnte nicht nur erkannt werden, sondern in der Abgrenzung vom Berijanertum lernten wir mit dem erneuten Studium der Werke des Genossen Stalin auch die Grundlagen des Stalinismus viel klarer zu erkennen, so dass wir heute der hoxhaistischen Weltbewegung die Grundlagen des Stalinismus zur Verfgung stellen und sie bereichern knnen. Zu verdanken haben wir das im Grunde den Berijanern. Wir knnen uns dabei zwar nicht auf die Stufe von Stalins Grundlagen des Leninismus stellen, was nicht unsere Absicht ist, aber der Anfang ist gemacht und wir sind sicher, dass sich die Stalinisten in der ganzen Welt dabei gegenseitig helfen werden, an den Grundlagen des Stalinismus weiter zusammenzuarbeiten und diese zu vervollkommnen, damit dem Weltproletariat zu einer sicheren Waffe verholfen werden kann, sich vom Antistalinismus zu befreien und ihre neue Welt mit dem Kompass der Grundlagen des Stalinismus aufzubauen. Was heit Stalinismus heute im Kampf gegen die der Gefahr des Personenkultes ? Der Stalinismus von heute lst die Frage des Personenkults im Weltmastab auf Grund der Erfahrungen und Lehren im Kampf gegen den modernen Revisionismus in der ersten Periode des Sozialismus in einem Land. Der Personenkult ist keine Gefahr, die sich auf rein nationaler Ebene beschrnkt. Der Kampf gegen den sogenannten Personenkult wurde ausgetragen zwischen der revisionistisch-trotzkistischen und marxistisch-leninistischen Weltbewegung. Und dieser Kampf ist nicht beendet, sondern voll im Gange, was diese Auseinandersetzung mit dem Berijanertum beweist. Zur Zeit ist kein 6. Klassiker des Marxismus-Leninismus in Sicht, dem die Neo-Revisionisten Personenkult vorwerfen knnten. Was folgt daraus ? Daraus folgt, dass die hoxhaistische Weltbewegung noch zu schwach ist, im globalen Klassenkampf des Weltproletariats neue Fhrer herauszubilden. Diese Aufgabe, neue Fhrer der hoxhaistischen Weltbewegung herauszubilden, muss jetzt gelst werden und sie wird einerseits dadurch gelst, dass sich der weltproletarische, revolutionre Kampf sich entfalten und anwachsen wird, aus deren Mitte neue Fhrer hervorgehen und zweitens dadurch, dass sich die neuen Fhrer mit dem neuesten Stand des sich weiter entwickelnden Marxismus-Leninismus ausrsten und sich mit den Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Hoxha wappnen. Ohne weltrevolutionre Theorie keine weltrevolutionre Bewegung, keine wieder erstarkende hoxhaistische Bewegung. Die Komintern / ML ist zur Zeit weit davon entfernt, eine praktische fhrende Rolle in der marxistisch-leninistischen Bewegung zu spielen, obwohl sie selber wie viele andere aus der welrevolutionren Bewegung des Genossen Enver Hoxha hervorgegangen ist und sich um die Schaffung ihres fortschrittlichsten Zentrums bemht. Aber sie versucht ihren bescheidenen Beitrag mit neuen theoretischen Impulsen zu dienen und das Banner des proletarischen Internationalismus von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha mit allen anderen Genossen in der ganzen Welt hochzuhalten. Und hier auf diesem ideologischen Gebiet hat die Komintern / ML bereits gewisse Fhrungsqualitten in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung
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unter Beweis gestellt, die notwendig sind um den Genossen de marxistisch-leninistischen Weltbewegung einen letzten Rettungsanker zu zu werfen, die von einer starken revisionistischen Strmung erfasst worden ist und immer weiter vom revolutionren Kurs abzudriften droht. Die Komintern / ML ist heute bereits zu jener Kraft geworden, die die Messlatte des Marxismus-Leninismus am weitesten angehoben hat im Kampf gegen diejenigen, die versuchen, sie zu jenem Zweck runterzustufen, die Revisionisten herber springen zu lassen, um die Festung der marxistisch-leninistischen Weltbewegung des Genossen Enver Hoxha endgltig von innen zu zerstren. Die Komintern / ML stellt die ideologische Basis der marxistisch-leninistischen Weltbewegung wieder her, indem sie diese Basis erstens in ihrem alten revolutionren Kern erhlt und ihre marxistisch-leninistischen Wurzeln schtzt, zweitens von veralteten Lehrstzen befreit und drittens, sie durch neue Ideen bereichert. Und dazu gehrt auch, den Kampf gegen den so genannten Personenkult Stalins korrekt zu fhren d.h., einschlielich gegen die Berijaner. Was heit korrekt ? Man muss dabei zwei Dinge beachten: Erstens: Wenn wir Marxisten-Leninisten die Verleumdungen gegen Stalin, die so genannte Kritik am Personenkult zurckweisen, dann nicht mit dem Ziel, den Personenkult zu restaurieren, sondern die herausragende Bedeutung der Person Stalins als 4. Klassiker des MarxismusLeninismus hervorzuheben. Heute den Personenkult Stalins wieder zu beleben und zu rehabilitieren, so zusagen als anti-revisionistische Waffe gegen die Verleumder Stalins, ist sektiererisch und arbeitet der Rehabilitierung der Revisionisten in die Hnde. Man kann nicht einen bertriebenen Personenkult durch einen normalen ersetzen, kann nicht den Personenkult mit Personenkult bekmpfen, sondern muss sich auf die Formeln des Marxiusmus-Leninismus sttzen, um ein gesundes Verhltnis zwischen Fhrer Klasse Masse zu schaffen und zu festigen. Wir sehnen uns weder nach dem alten Personenkult, noch verspren wir das Bedrfnis, einen neuen zu kren wir sind berhaupt gegen den Personenkult und fr die endgltige Beseitigung seiner Unvermeidlichkeit, fr die Beseitigung der Klassengesellschaft, die ihn zu dem einzigen Zweck hervorgebracht hat, sich gegen jenen Klassenkampf zu richten, der von den Arbeitern zur Beseitigung der Klassengesellschaft gefhrt wird ! Man muss den Personenkult demontieren, aber man darf dabei nicht die Person Stalins gleich mit demontieren. Wer die Treue zu Stalin von der Treue zum Kommunismus abtrennt, wer die Verteidigung seiner Person als Personenkult und seiner Ideen als Kult abtut, der predigt den Verrat an Stalin, den Verrat am Kommunismus. So wie Stalin die Person Lenins behandelt hatte, so wollen wir Stalinisten die Person Stalins behandeln und so wie Stalin den Leninismus fortsetzte, so wollen wir Stalinisten den Stalinismus fortsetzen, nmlich so wie es Enver Hoxha getan hat. Ist das klar genug ausgedrckt ? Wer also die Verdienste Stalins als 4. Klassiker des Marxismus-Leninismus herausstellt, ist deswegen weder ein Anbeter der Person Stalins, noch ein Sklave des Personenkults, der um ihn betrieben wurde. Jeder Vorwurf, dass die Verteidigung des marxistisch-leninistischen Lebens und Werks des Genossen Stalins Sektierertum sei, muss unbedingt zurckgewiesen werden, denn wir Marxisten-Leninisten drfen es niemals zulassen, dass die Verdienste und Lehren Stalins durch irgend jemanden und auf irgendeine Weise geschmlert, verflscht oder untergraben werden. Wir Stalinisten wollen die Welt verndern und Stalin ist uns Vorbild, Lehrer, Wegweiser. Zweitens. Wenn wir Marxisten-Leninisten die so genannte Kritik am Personenkult bekmpfen, dann mssen wir auch die Versuche der Neo-Revisionisten bekmpfen, die die Zurckweisung der Kritik am Personenkult dazu missbrauchen, um dem Genossen Stalin eine Bedeutung unter zu schieben, die der Wiederbelebung des Revisionismus, die dem Weltkapitalis-
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mus und seinen Lakaien in den Reihen des revolutionren Weltlagers dienen. Wir MarxistenLeninisten sind Gegner von solchen Elementen, die die Rolle und Bedeutung der Person Stalins fr ihre Gromacht-chauvinistischen, imperialistischen, nationalistischen und reaktionren Zwecke, zum Zwecke der Spaltung und Desorganisation der marxistisch-leninistischen Weltbewegung, zum Zwecke der Strkung des Revisionismus missbrauchen. Wir Marxisten-Leninisten drfen also nicht zu lassen, dass in unsere Bewegung Elemente eindringen, die vorgeben, Stalin zu verteidigen, um damit ihren ganzen revisionistischen Dreck in unsere Reihen einzuschmuggeln. Revisionisten verteidigen Stalin in Worten, um ihn in Taten zu verraten. Nicht jeder, der Stalin gegen den so genannten Personenkult verteidigt, ist also ein Marxist-Leninist. Man kann den Kampf gegen den so genannten Personenkult nur auf dem Boden des Marxismus-Leninismus fhren, sonst gleitet man in den Sumpf des Opportunismus. Nur wenn man gegen beide Richtungen gleichermaen vorgeht, ihr Zusammenspiel erkennt und zerschlgt, kmpft man korrekt gegen den Personenkult-Vorwurf. Die so genannte Stalinfrage werfen nur unsere Gegner auf, weil sie Stalin prinzipiell als Klassiker ablehnen oder ihn nicht einmal als Marxisten-Leninisten anerkennen wollen. Wir wollen uns daher von vorn herein abgrenzen von den rechten Opportunisten und linken Sektierern, die unsere prinzipienfeste Haltung zu den unwiderlegbaren Lehren des Stalinismus angreifen: Fr die Marxisten-Leninisten in der Welt, fr die zuknftigen Vertreter und Mitglieder der Komintern/ML, herrscht grundstzlich Klarheit und Einheit ber Stalin als 4. Klassiker des Marxismus-Leninismus. Wenn wir den Marxismus-Leninismus verteidigen, verteidigen wir den Genossen Stalin. Das heit nicht, dass wir seine Fehler verteidigen oder Diskussionen ber Fehler unterdrcken wollen. Fehler haben alle Klassiker gemacht, deswegen haben sie als Klassiker ihre Bedeutung bis heute nicht verloren und werden sie diese nie verlieren. Wir mssen dem Proletariat die Bedeutung Stalins als 4. Klassiker klar machen, seine Werke verbreiten, lernen und lehren und im Klassenkampf anwenden. Wir erlutern, warum und wie wir die Angriffe auf Stalin zurckweisen mssen. Wir erziehen unsere Mitglieder im Geiste Stalins. Der Eintritt eines Genossen in die Marxistisch-Leninistische Partei, seine Aktivitt im tglichen Klassenkampf, kann man nicht von seiner restlosen Klarheit ber die sogenannte Stalinfrage abhngig machen. Man kann ihn wegen Unklarheiten nicht einfach ausschlieen, bedenke man nur, dass wir selber einige Jahre gebraucht haben, um die von unseren Gegnern aufgeworfene Frage zu klren und zu widerlegen. Man kann einen neuen Genossen also wegen Unklarheiten in der so genannten Stalinfrage nicht einfach ausschlieen, das wre Sektierertum und falsch verstandene Prinzipienfestigkeit. Wegen einer vershnlerischen Haltung gegenber einem von Rechtsopportunisten oder Sektierern gegen uns gefhrten Kampf in der so genannten Stalinfrage drfen wir die marxistischleninistischen Weltbewegung nicht der Gefahr ihrer Spaltung oder Liquidierung aussetzen. Das darf uns auch nicht in der Abgrenzung zum Berijanertum passieren. Sollen unsere Gegner die sogenannte Stalinfrage aufwerfen so viel sie wollen. Sie werden ihr Ziel nicht erreichen, dass wir Stalin in Frage stellen wrden. Aus diesem Kampf gehen die Stalinisten stets gestrkt hervor, die Gegner sind jedes Mal diskreditiert. Stets begannen sie beim letzten Klassiker und versuchten dann, einen Klassiker nach dem anderen zu widerlegen oder zumindest seine Bedeutung herabzumindern, um damit den ganzen
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Marxismus-Leninismus zu widerlegen und herabzumindern. Man griff Stalin an und meinte Lenin. Man griff Lenin an und meinte Marx und Engels. Man griff Marx und Engels an und meinte den Kommunismus. Dies ist der konsequente Weg des Revisionismus, angefangen beim Sektierertum und endend mit offen anti-kommunistischer brgerlicher Ideologie, die auf dem Mllhaufen der Geschichte landet. Nicht zuletzt hat Enver Hoxha die sogenannten Stalinfrage glnzend widerlegt. Wenn wir als Stalinisten beschimpft werden, trifft uns das nicht. Die einen Trotzkisten beschimpfen uns so offen wie sie Stalin beschimpfen. Die andere Sorte von Trotzkisten geht geschickter vor. Sie verteidigt Stalin in Worten, um uns Stalinisten des Sektierertums zu bezichtigen. Beides zusammengenommen bildet heute die Front der 5. Kolonne im Kampf gegen den Stalinismus, im Kampf gegen die sozialistische Weltrevolution, gegen das revolutionre Weltproletariat. Unsere Gegner werden versuchen, den Spie umzudrehen, auf Stalin schwren und uns Marxisten-Leninisten als Scharlatane hinstellen. Nichts und niemand kann jedoch die Lehren Stalins bestreiten, widerlegen oder aufhalten, auch nicht mit faulen Tricks. Wir frchten nicht physische Vernichtung, frchten nicht faschistische Verfolgungen und Foltern, wir frchten nicht die Sozialfaschisten und ihren Lakaien, aber auch nicht solche Gegner, die vorgeben, pltzlich ihrHerz fr Stalin entdeckt zu haben, um unser Vertrauen zu missbrauchen und mit einem Trojanischen Pferd die Festung von innen zu strmen und uns das Messer in den Rcken zu jagen. Wir drfen weder auf dem einen, noch auf dem anderen Auge blind sein. Wer im Kampf gegen die bertreibung der Bedeutung Stalins stehen bleibt und nicht genauso die Untertreibung der Bedeutung Stalins bekmpft, wird die Person Stalins und ihre Bedeutung nur halb verteidigen knnen. Wenn man lernen will, wie aus einer bertreibung und der Kritik an ihr eine Untertreibung und Herabminderung gemacht wurde, der studiere das Berijanertum. Die Ideologie des Berijanertums ist die Ideologie der Herabminderung und der Geringschtzung der Person und des Werkes Stalins auf dem Boden des Stalinismus, ist die Revision des Stalinismus, ist der Revisionismus des Stalinismus. Bill Bland lobt Stalin als einen hervorragenden Marxisten-Leninisten, der sein ganzes Leben lang einen konsequenten Kampf gegen den Revisionismus gefhrt hat, um im gleichen Artikel zu schreiben, dass eigentlich nicht der Stalinismus, sondern in Wirklichkeit der Revisionismus seit 1934 in der Sowjetunion geherrscht habe. Ein hervorragender MarxistLeninist, dieser Stalin, der seit 1934, also immerhin fast 20 Jahre lang unter der revisionistischen Herrschaft der UdSSR einen konsequenten Kampf gegen den Revisionismus gefhrt hat [sic !!! ]. Bill Bland schliet das aus dem XVII. Parteitag, der im Jahre 1934 stattfand, auf dem die Revisionisten angeblich ihre Herrschaft ber die UdSSR errichtet htten. Die Zeit von 1934-1953 wird logischerweise als revisionistische UdSSR verunglimpft. In dieser Zeit soll also die UdSSR ein Werk der Konterrevolution gewesen sein und nicht das Werk Stalins !!! Das ist eine vernichtende These, die faktisch die eigentliche Entwicklung des Stalinismus leugnet, welche sich auf nichts anderes sttzen konnte, als eben auf die objektiv existierende, sozialistische Entwicklung der Sowjetunion von 1934 1953 . Hat es zwischen 1934 und 1953 etwa gar keine sozialistische Sowjetunion gegeben? Ohne eine sozialistische UdSSR der Jahre 1934 1953 htte sich der Stalinismus berhaupt nicht zur Blte entwickeln knnen. Hier macht Bill Bland einen schwerwiegenden Fehler, denn er stellt sich mit dieser These haargenau auf die These der Revisionisten, das Werk Stalins mit den 13 Bnden, also mit dem 31. Januar 1934 (sic !) fr beendet zu erklren. Nach allem, was wir an Bill Bland kritisiert haben, knnen wir diese bereinstimmung mit den Revisionisten nicht als Zufall abtun. Dahinter steckt System. Eben diese objektive Existenz des Sozialismus in der UdSSR wird geleugnet. Bill Bland vertritt den Standpunkt, dass objektive Bedingungen dazu fhrten, dass dieser Kampf [ Bill Bland meint den Kampf, den Stalin gegen den Revisionismus gefhrt hat Anmerkung der Redaktion ] letztendlich nicht von Erfolg gekrnt sein sollte (Bill Bland, Schlussfolgerungen - STALIN - Mythos und Wirklichkeit; eine Vorlesung, gehalten an der Wochenendschule der Communist League, Februar 1977). Die Niederlage Stalins gegenber dem Revisionismus wird also auf der falschen Prmisse der angeblich objektiven Bedingungen der Herrschaft des Revisionismus von 1934 1953 gegrndet. Wir Stalinisten weisen diese These von Bill Bland als revisionistische
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und vllig unhaltbare These mit aller Entschiedenheit zurck. Stalin in Worten zu loben, ihn aber in Taten zu leugnen das ist die brgerliche Revision des Stalinismus. Wir haben es hier leider nicht nur mit einer besonderen Herabminderung der Rolle Stalins, sondern mit einer allgemeinen Herabminderung des Marxismus zu tun. Was hat das fr schwer wiegende Folgen fr die marxistisch-leninistische Weltbewegung ? Betrachtet man den Stalinismus als Damm gegen den Einfluss brgerlicher Ideologien auf die marxistisch-leninistische Weltbewegung, dann muss die Demontage dieses Dammes unvermeidlich dazu fhren, dass die marxistischleninistische Weltbewegung von brgerlichen Einflssen berschwemmt wird, dass die revolutionre Theorie nicht nur verwssert, vulgarisiert wird, sondern auch Gefahr luft, in der revisionistischen Ideologie zu ersaufen. Daraus entsteht dann der gefhrliche Sumpf des Opportunismus, in den man die zuknftige Generation revolutionrer Arbeiter hineinlockt. Genossen, die berschwemmung der marxistisch-leninistischen Weltbewegung mit brgerlichen Einflssen ist gerade jetzt, in diesem Augenblick, in vollem Gange !! Darber darf man sich keine Illusion hingeben. Wir knnen da nur eines tun: Den Damm hher bauen, und zwar dort, wo er am meisten demontiert wird: am Stalinismus. Worin besteht die Aufgabe der marxistisch-leninistischen Weltbewegung ? Sie besteht darin, nicht nur darauf zu achten, den Stalinismus nicht herab zu mindern , sondern auch darin, ihn nicht ber zu bewerten . Stalin hat einen ganz bestimmten Platz unter den Klassikern des Marxismus-Leninismus eingenommen, und genau auf diesem ganz bestimmten Platz muss der Stalinismus verteidigt und unter den sich verndernden Bedingungen des weltproletarischen Befreiungskampfes weiter entwickelt werden. Und nun sehen wir uns schon genau mit dieser Wirkung des Gifts des Berijanertums konfrontiert, die die waghalsige, und unhaltbare These von Bill Bland unvermeidlich hervorbringen musste, nmlich kleinbrgerliche Intellektuelle - die berhaupt und grundstzlich an der Existenz des Sozialismus zweifeln - zu ermuntern, den Stalinismus noch viel weiter herab zu mindern als es Bill Bland getan hat. Stellte Bill Bland die noch recht harmlose These auf, dass es nur seit 1934 keinen Sozialismus mehr in der UdSSR gegeben habe, so kommen nun die Bill Bland - Kritiker der abgespaltenen Gruppierung der Organisation des Roten Oktober in Deutschland darauf, dass Bill Bland gar nicht von 1934 1953 als einem Zeitraum der Restauration des Kapitalismus sprechen knne, weil seine These davon ausgehe , dass es etwas gegeben haben musste, was der Kapitalismus restauriert nmlich den Sozialismus. So versteigen sich die Bill-Bland Kritiker, die in Wahrheit nur seine Fortsetzer sind, die eben nur das offen ausgesprochen haben, was Bill Bland damals noch nicht aussprechen konnte, weil man ihn in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung dafr kritisiert htte. Was ist also die groe Entdeckung der neuen Generation von Denkern des dialektischen Materialismus ? Es hat noch nie auf der Welt Sozialismus gegeben! Also hat es auch noch nie die Restauration des Kapitalismus auf der Welt gegeben!- Ohne Sozialismus keine Restauration des Kapitalismus, und so schlussfolgern unsere Herren Intellektuellen - sei unsere Losung vom Kampf gegen die Restauration des Kapitalismus nicht marxistisch-leninistisch. So will man uns die Schlinge um den Hals legen diese Einfallspinsel ! Auch hier trifft wieder unsere Formel gegen den Neo-Revisionismus voll ins Schwarze: Anti-Revisionismus in Worten Revisionismus in Taten! Wohlgemerkt, diesen ungeheurlichen Mrchen versucht uns eine Gruppe aufzutischen, die sich Anfang 2008 von der deutschen Organisation Roter Oktober abspaltete, so genannte Marxisten-Leninisten, die noch kurz zuvor einen stalinistischen Standpunkt vertreten hatten (den sie brigens erst angenommen hatten, als wir ihnen das sanfte Ruhekissen des modernen Revisionismus unterm Arsch weggezogen hatten !!!). Das sind entwurzelte intellektuelle Elemente, die von einer Organisation zur anderen tingeln, um sich schlielich enttuscht in ihr eigenes Schneckenhuschen zu verkriechen und sich aus dem Klassenkampf zurckziehen. Wenn sie es dabei wenigstens belassen wrden, htten wir nichts dagegen. Aber so etwas knnen kleinbrgerliche Intellektuelle natrlich nicht auf sich sitzen
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lassen, deswegen versuchen sie ihre Hirngespinste auch noch theoretische als ehrliche Suche nach der Wahrheit zu verkleistern. Als wir mit vielen anderen neuen marxistisch-leninistischen Parteien Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre die marxistisch-leninistische Weltbewegung des Genossen Enver Hoxha folgten, da hatten wir ebenfalls mit diesen intellektualistischen, sektiererischen Debattierklub-Erscheinungen zu kmpfen. Es hatte uns nicht wenig Kraft gekostet, mit diesem intellektuellen Gelumpe fertig zu werden und sie schlielich links liegen zu lassen. Dass sie nun wieder aus ihren Lchern kriechen als neue Generation von revolutionren Theoretikern zeigt uns, dass wir richtig liegen, dass die marxistisch-leninistische Weltbewegung wieder in Bewegung kommt, dass sie sich wieder neu formiert und gestrkt aus dem Abwerfen dieses intellektualistischen Ballasts hervorgehen wird. Die trotzkistische Saat ist also unter den schwankenden, kleinbrgerlichen Intellektuellen aufgegangen und trgt ihre Frchtchen. Wir haben ihnen das schon vor 9 Jahren prophezeit, aber sie wollten in ihrer typischen berheblichkeit schlauer sein als wir und nun sehen wir, dass sie noch weiter auf trotzkistische Abwege geraten sind. Diese dialektische Intelligenz musste unvermeidlich im Sumpf des hegelschen Idealismus versinken, weil sie sich unter dem Druck des brgerlichen Einflusses all zu weit vom festen Boden des Materialismus, nmlich der Anerkennung des historisch existenten Sozialismus entfernt hatten. Bei ihnen hat das Gift des Berijanertums bereits Wirkung gezeigt, von dem sie sich ehrlich und selbstkritisch distanziert zu haben glaubten. Diese Leute begreifen nicht, dass das Berijanertum ihnen die Kritik am Berijanertum nur deswegen in den Mund legt, um diese Leute noch weiter vom Marxismus-Leninismus abzubringen. Diese ehrliche Selbstkritik - von der diese Leute schreiben, ist eine Verschleierung dessen, dass sie sich in Wahrheit mit ihrer Kritik an Bill Bland noch tiefer in den Sumpf begeben haben. Mit der verkappten ehrlichen Selbstkritik an Bill Bland soll unseren Genossen Sand in die Augen gestreut werden, was die ganze Sache natrlich nur noch schlimmer macht. Jeder kann das Berijanertum irgendwie kritisieren, aber das Berijanertum als trotzkistischen Einfluss innerhalb der marxistisch-leninistischen Weltbewegung wirklich zurckdrngen, das knnen nur Marxisten-Leninisten. Wir sehen also, wohin das Berijanertum bereits gefhrt hat - zur Leugnung des Marxismus, zum Kampf gegen den Marxismus, zum Kampf gegen die marxistisch-leninistische Weltbewegung, ja zur Leugnung der Existenz des Sozialismus. Das Berijanertum legt die Falle mit einem Kder aus, damit die Genossen darauf hinein fallen sollen und hinterher wscht das Berijanertum seine Hnde in Unschuld, um sie sich hinter dem Rcken der Genossen zu reiben. Man sieht also, wozu es fhrt, wenn man Bill Bland nicht rechtzeitig kritisiert. Man sieht also, wozu es fhrt, wenn wir Stalinisten nicht rechtzeitig Selbstkritik ben und es versumen, die Verteidigung Stalins immer auf der Hhe der Zeit fortzusetzen. Es ist ein verhngnisvoller Irrtum zu glauben, die Kritik am Personenkult-Vorwurf gegen Stalin sei von der marxistisch-leninistischen Weltbewegung durch Enver Hoxha allumfassend abgeschlossen. Wir haben den Fehler gemacht, uns auf alten Lorbeeren auszuruhen. Wir sind dafr zu Recht abgestraft worden. Die Berijaner haben uns eine Lehre erteilt, und wir haben daraus lernen mssen ! Die Geschichte der Herabminderung des Marxismus ist ein sich bis heute hindurch ziehendes bles Kapitel der Geschichte des Opportunismus, das in immer neueren Formen weiter geschrieben wird. Die Berijaner beteuern zwar in Worten, diesen Kampf korrekt zu fhren, aber es hat sich herausgestellt, dass sie dies nicht mit ehrlichen Absichten taten, dass sie nicht die Rolle der Persnlichkeit Stalins wissenschaftlich belegt haben, sondern deren Herabminderung nur pseudowissenschaftlich gerechtfertigt haben. Die Berijaner kommen zu dem Ergebnis, dass sich der Personenkult, den die Revisionisten betrieben hatten, nur dank einer Minderheitsposition Stalins ausbreiten konnte, woraus sie die Schlussfolgerung zogen, dass es mit der Rolle Stalins nicht weit
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her gewesen sein knne. Im Grunde genommen ist das nicht nur eine unverschmte Kritik an Stalin, sondern auch eine hinterhltige Kritik an den Albanern mit Enver Hoxha an der Spitze, an der marxistisch-leninistischen Weltbewegung, an uns Stalinisten und an alle Menschen, die Stalin nicht hoch genug einschtzen. So kommt dann auch der Sektierertum-Vorwurf der Berijaner gegen uns Stalinisten zum Vorschein, dass wir wie die Revisionisten Personenkult betreiben. Ja, whrend die Revisionisten den Personenkult aus eiskalter Berechnung vorgingen, wrden wir noch gefhrlichere Vertreter des Personenkult sein, weil wir davon auch noch ehrlich berzeugt seien. Die Berijaner sehen also ihre Aufgabe darin, die revolutionren Menschen der marxistisch-leninistische Weltbewegung gegenber, uns Stalinisten gegenber zu verunglimpfen und unerfahrene Genossen in der so genannten Stalinfrage zu desillusionieren, ihnen ein verzerrtes, geringschtziges Bild Stalins zu vermitteln. Das ist also ein falsches Spiel, dass die Berijaner betreiben. Sie wollen uns Stalinisten genauso isolieren wie es die Revisionisten mit Stalin versucht haben, nur dass sie sich damit selber ins Abseits stellen. Die Berijaner machen dabei einen entscheidenden Fehler. Sie stellen sich ber die Liebe, die das Weltproletariat und die Vlker der Welt, vor allem die Sowjetvlker und die gesamte kommunistische Weltbewegung fr Stalin empfunden haben. Sie stellen sich ber das millionenfache Vertrauen, dass Stalin genoss, weil er es zu 100 Prozent rechtfertigte in Wort und Tat. Die Berijaner stellen sich ber die groartigen Leistungen der Menschen des ersten sozialistischen Staates der Welt, die ohne Stalin undenkbar gewesen wren. Stalin war fr die kommunistische Weltbewegung, fr die fortschrittlichen Menschen in der ganzen Welt sehr wohl von ausschlaggebender Bedeutung. Selbst Stalins schlimmsten Feinde zollten ihm Respekt und hielten seine Rolle zu Recht von ausschlaggebender Bedeutung. Selbst Berijas Mord an Stalin erfolgte im Bewusstsein dessen, dass Stalins Rolle von ausschlaggebender Bedeutung war. Die Berijaner blasen sich als wissenschaftliche Marxisten-Leninisten auf , so zu sagen im Zweifrontenkampf Stalin zu verteidigen gegen den angeblich sektiererischen Personenkult von uns Stalinisten, von Enver Hoxha und seiner marxistisch-leninistischen Weltbewegung und gleichzeitig gegen den revisionistischen Personenkult einschlielich seiner Kritik an ihm . Die Berijaner behaupten von sich, diejenigen zu sein, die den marxistisch-leninistischen Zweifrontenkampf gegen den Personenkult fhren, und so sehen sie sich als die wahren Verteidiger Stalins, allerdings eines Stalins von nicht ausschlaggebender Bedeutung. Als was also soll man solche Stalinisten bezeichnen, die Stalin nicht eine ausschlaggebende Bedeutung beimessen? Das sind nicht ausschlaggebende Stalinisten. Und als nicht ausschlaggebende Stalinisten werden sie in der stalinistischen Weltbewegung niemals ausschlaggebende Bedeutung erlangen. Sie stellten Stalins Kampf quasi als den Kampf eines einsamen Kmpfers in der Wste dar, der der Macht der Revisionisten hilflos ausgeliefert gewesen sei auf Grund der objektiven Bedingungen. Die Bedeutung Stalins projezieren die Berijaner auf seinen hervorragenden Kampf gegen die bermacht der Revisionisten. Obwohl die objektiven Bedingungen ihm die Aussichtslosigkeit seines anti-revisionistischen Kampfes diktierten, habe sich Stalin trotzdem tapfer geschlagen so bescheinigen sie Stalin die nicht ausschlaggebende Bedeutung eines Don Quichottes. Der Stalinismus sei also gut und schn, aber dem Revisionismus nicht gewachsen. Mit anderen Worten: die Arbeiterklasse kmpft heldenhaft, aber die objektiven Bedingungen des Kapitalismus erlauben es ihr nun einmal nicht, sich zu befreien. Das ist die Richtung, in die das Berijanertum das Weltproletariat haben will das ist das Gedankengut, mit dem der Kommunismus infiziert werden soll, um sich den objektiven Bedingungen des Kapitalismus zu fgen. Wir Stalinisten weisen solche Lgengeschichten ber Stalin weit von uns: Nicht der Revisionismus, sondern der Marxismus-Leninismus, der Stalinismus hat in der Sowjetunion eine ausschlaggebende Bedeutung gehabt, was die groen Siege des Sozialismus in seiner ersten Periode OB-
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JEKTIV bewiesen haben. Man kann doch dieses historisch bewiesene Verhltnis nicht auf den Kopf stellen wollen ! Wer hat denn die Lehren von Marx, Engels und Lenin in Wirklichkeit in die Tat umgesetzt, Stalin oder etwa die objektiven Bedingungen der Revisionisten ? Wer hat denn der Welt den richtigen Weg zum Kommunismus gewiesen wohlgemerkt nicht nur theoretisch sondern auch praktisch, Stalin oder seine Gegner ? War es das Werk der Sowjetvlker unter der Fhrung des Genossen Stalin oder etwa das Werk der Revisionisten? Dass Stalin sein Leben lang die Restauration des Kapitalismus erfolgreich verhindert hat und damit den Gegnern bis zu seinem Tod eine Niederlage nach der anderen verpasst hatte, dass alle Feinde der Welt vor ihm zitterten, dass er den Kommunismus in der Welt so stark gemacht hat wie kein anderer - von all diesen groartigen Verdiensten wollen die Berijaner nichts wissen, davon schreiben sie nichts, das halten sie nicht fr verteidigenswert, das ist fr sie nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Die Beseitigung der Unvermeidbarkeit der Restauration des Kapitalismus im Weltmastab kann man nicht auf die objektiven Bedingungen reduzieren. Es ist eine Tatsache, dass es niemanden auf der Welt gab, der wie Stalin die Voraussetzungen fr den historischen Sieg des Weltsozialismus geschaffen hatte. Stalin machte den Kommunismus so stark, dass er drauf und dran war, die ganze Welt zu erobern. Die objektiven Bedingungen waren hervorragend: Schwchung des imperialistischen Weltlagers und Strkung des Sozialismus. Der Stalinismus ist die Lehre von der Ausbreitung des Kommunismus auf der ganzen Welt und zwar als eine objektive, historische Tatsache, die sich nicht wegdiskutieren oder wissenschaftlich widerlegen lsst. Der Kampf gegen den so genannten Personenkult Stalins besteht nicht allein darin, die erhobenen Beschuldigungen der modernen Revisionisten zu widerlegen, besteht nicht in erster Linie darin, seine Schwchen (wenn es denn welche gab) und die Strken der Revisionisten in den Vordergrund zu stellen, wie es die Berijaner tun, sondern darin, die wahre Gre Stalins auf marxistisch-leninistischem Boden ganz unabhngig von den revisionistischen Klffern und berijanischen Desillusionisten herauszuarbeiten und hervorzuheben, seine Persnlichkeit als 4. Klassiker des Marxismus-Leninismus gebhrend zu wrdigen und seine hervorragende Bedeutung fr die heutige hoxhaistische Weltbewegung herauszustellen. Davon kein einziges Wort bei den Berijanern im Gegenteil !!! Lest selbst, zu welchem niederschmetternden Ergebnis die Berijaner kommen in der Beurteilung der Rolle der Persnlichkeit des Genossen Stalin: Ich muss gleich von Anfang an klarstellen, dass die Communist League die Rolle, die Stalin gespielt hat, nicht von ausschlaggebender Bedeutung [ !!!!!] hlt (Bill Bland: STALIN - Mythos und Wirklichkeit; eine Vorlesung, gehalten an der Wochenendschule der Communist League, Februar 1977). Genossen, wir fragen euch ehrlich: Kann es Stalinisten geben, fr die die Rolle Stalins nicht von ausschlaggebender Bedeutung ist ? Wenn man dem Genossen Stalin also keine ausschlaggebende Bedeutung beimisst, welche Bedeutung messen dann die Berijaner den anderen Klassikern des Marxismus-Leninismus bei etwa auch eine Rolle von nicht ausschlaggebender Bedeutung? Wollen sie etwa damit sagen, dass nur Marx, Engels und Lenin Klassiker des Marxismus-Leninismus sind- so wie Berija dies propagierte, unmittelbar nachdem er Stalin umgebracht hatte ? Weder der Mord an Stalin, noch der wissenschaftliche Nachweis, dass Stalins Rolle nicht von ausschlaggebender Bedeutung gewesen sei, kann etwas an der Wahrheit ndern, dass Stalin der 4. Klassiker des Marxismus-Leninismus gewesen ist und immer bleiben wird.
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Welche Schlussfolgerung muss man daraus ziehen, Genossen ? Daraus kann man nur die eine, die einzig richtige Schlussfolgerung ziehen: Die Berijaner messen dem Marxismus-Leninismus selbst gar keine ausschlaggebende Bedeutung bei, sie spielen in trotzkistischer Manier mit dem Marxismus-Leninismus, um ihn zu diskreditieren, zu verflschen. Wer irgendeinen Klassiker des Marxismus-Leninismus herabmindert, der mindert alle anderen Klassiker damit herab. Wer also derartige, unhaltbare Behauptungen ber Stalin aufstellt, kann unmglich ein Stalinist sein. Bill Bland war kein Stalinist. Ein Stalinist wrde eine solche Auffassung, wie sie Bill Bland vertreten hat, niemals billigen. Die anmaende Behauptung von Bill Bland ist an sich schon schlimm genug. Diese Behauptung aber auch noch wissenschaftlich begrnden zu wollen und sie als marxistisch-leninistischen Standpunkt in die marxistisch-leninistische Weltbewegung einzuschmuggeln, knnen und drfen wir Stalinisten nicht hinnehmen, mssen wir dieser in uns eingeschlichenen trotzkistischen Methode entschlossen entgegentreten. Dass wir dies bislang nicht getan haben, war ein Fehler. Wir ben deswegen Selbstkritik. Wir erklren dem Berijanertum den Krieg ! Die Berijaner sind gefhrliche Feinde des Marxismus-Leninismus und als solche mssen sie behandelt werden. Bill Bland hat zumindest dazu beigetragen (und wir nehmen uns dabei nicht aus), dass das Berijanertum seinen Weg in die marxistisch-leninistische Weltbewegung fand. Die Niederlagen wurden schon immer den Kommunisten, den Arbeiterfhrern, den Klassikern, in die Schuhe geschoben, nie ihren Verrtern, die von unseren Feinden rehabilitiert wurden (Berija) ! Persnliche Unzulnglichkeiten werden mit der revolutionren Sache gleichgesetzt. Die Bourgeoisie wirft nicht zuletzt den Proletariern selber vor, dass sie schuld sind, wenn sie dem Irrglauben der Klassiker erliegen. Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha sind keine religisen Gtzen, die man anbetet. Wir lieben und verehren unsere Klassiker und alle Helden und Fhrer des revolutionren Weltproletariats, aber wir Marxisten-Leninisten sind Gegner des Personenkults. Wir sind keine willenlosen Gefolgsleute, die ihren Idolen blind folgen. Wir sind nicht die Sektierer und Ultralinken, nicht die Heiligen Gralshter, was unsere Gegner der marxistisch-leninistischen Weltbewegung glauben machen wollen. Es waren niemals die revolutionren Arbeiter, die Personenkult oder Proletkult betrieben, sondern stets nur die Agenturen der Bourgeoisie in der revolutionren Arbeiterbewegung. Personenkult ist Teil des ideologischen Waffenarsenals der Bourgeoisie. Die Revisionisten haben die Klassiker und Arbeiterfhrer nur hoch gelobt und Personenkult betrieben, um sie besser strzen zu knnen. Und die Bourgeoisie hat wie sich herausgestellt hat auch nicht davor gescheut, hinter dem Kampf gegen die so genannte Kritik am Personenkult, die Rolle Stalins, die Rolle des Stalinismus herabzumindern und zu verflschen. Wir Marxisten-Leninisten haben noch nie die Ernsthaftigkeit der Treuebekenntnisse zu unseren Klassikern mit bloen Worten gemessen, sondern stets ihre Lehren im Feuer des tglichen Klassenkampfes befolgt.
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Die Verschwrung gegen Stalin begann schon mit der Verschwrung gegen Lenin
Die Fhrer der II. Internationale, Bernstein und Kautsky, begannen ihren Verrat mit der Verwerfung Marx und Engels, die Trotzkisten, Bucharinisten und Sinowjewisten begannen ihren Verrat mit der Verwerfung Lenins und die Chruschtschowgruppe begann ihren Verrat mit der Verwerfung Stalins. Die Geschichte wiederholt sich, aber die modernen Revisionisten drfen nicht vergessen, dass sie nicht nur die Handlungen, sondern auch ihre Folgen wiederholen. Sie werden dasselbe Schicksal wie alle ihre Nachfolger erleiden. Ihre Niederlage ist unvermeidlich, sie wird frher oder spter eintreten: der Marxismus-Leninismus wird ber alle Gegner und Verrter siegen (Der so genannte Kampf gegen den Personenkult und seine Folgen - Artikel aus der Zeitung Zri i Popullit, Zentralorgan der PAA, vom 12., 13. und 14. Juni 1964, Seite 158). Wie konnte sich der Trotzkismus nach seiner Niederlage in den 30er Jahren retten, erholen und wieder erstarken? Er konnte sich zunchst nur dadurch retten, indem er einen langen Marsch durch die Institutionen zurcklegte, sich als kommunistische Fraktion darstellte, um sich selber an die Spitze des Kampfes gegen den Trotzkismus! stellen zu knnen. Das gelang durch keinen Geringeren als Berija, der an die Stelle eines Verrters wie Jagoda und Jeschows trat ! Und wer hat die Trotzkisten gleich nach Stalins Tod aus den Gefngnissen befreit ? Berija ! Wer hat sie rehabilitiert? Chruschtschow ! In Wirklichkeit war der Trotzkismus eine Fraktion des Menschewismus bis zum Eintritt der Trotzkisten in unsere Partei, er wurde vorbergehend zu einer Fraktion des Kommunismus nach dem Eintritt der Trotzkisten in unsere Partei, er ist von neuem zu einer Fraktion des Menschewismus geworden nach der Vertreibung der Trotzkisten aus unserer Partei. Der Hund ist zu seinem Auswurf zurckgekehrt.` (Stalin, Band 13, Seite 115/116). Zu seinem Auswurf zurckgekehrt war auch Berija. Was Stalin auf der 15. Unions-Parteikonferenz ber die Verschwrer der Trotzkisten und Bucharinisten sagte, trifft auch auf den Verschwrer Berija zu: Skrupellosigkeit in der Wahl der Mittel und Prinzipienlosigkeit in der Politik (Zitat gefunden in: Prozessbericht, Moskau 1937, Seite 528). Berijas Verstndnis von Innenpolitik, insbesondere von Staatssicherheit und Geheimdienst war nicht der eines verlngerten Armes der Diktatur des Proletariats, also als ein Instrument des politischen Klassenkampfes in der Hand der sozialistischen Arbeiterklasse, sondern ein vllig beschrnktes Verstndnis von der Taktik der Verschwrerei, des Administrierens, der Heuchelei, des Karrierismus, des Intrigantentums usw. usf. Zweifellos hatte er Fhrerqualitten, aber er gehrte zur Sorte jener Fhrer, die man nicht als bolschewistische Fhrer zu bezeichnen pflegt. Er zettelte selber Verschwrungen an, um Genossen der Verschwrung zu berfhren und sie vllig legal und mit Stalins Unterschrift zu liquidieren oder seinen Interessen gefgig zu machen, sie zu erpressen. Zu jeder Zeit htte er alle seine Verbrechen auf Stalin abschieben knnen, aber das htte ihm wohl mglich selber den Kopf gekostet und somit seine so mhselig vorbereiteteten Plne mit einem Schlag ber den Haufen geworfen. Er verwandelte den Arbeitersozialismus in einen verschwrerischen Sozialismus, der sich von der Arbeiterklasse nicht nur absonderte, sondern die zaristische Selbstherrschaft, die Ochrana, im roten Gewand restaurierte. Berija war ein Sozialfaschist. Um den Kapitalismus zu restaurieren, musste zunchst die konterrevolutionre Politik der Bourgeoisie restauriert werden. Sein roter Terror diente der Abschreckung und dem
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Gefgigmachen der Massen. Sie sollten nicht wagen, gegen ihn aufzutreten! Der getarnte Terror das war sein Lehrmeister nicht Stalin ! Dies ist also ein zutiefst anti-marxistisch-leninistisches Verstndnis von Politik und fordert unseren grundstzlichen Widerspruch heraus. Was ist unsere marxistisch-leninistische Haltung hierzu ? Wir Bolschewisten vertreten den Standpunkt, dass der Klassenkampf nicht von Verschwrern und ihren Apparatschiks, sondern von der Arbeiterklasse und ihrer revolutionren Partei gefhrt wird, dass die politische Macht der Arbeiterklasse weder erobert noch verteidigt werden kann durch Verschwrerei, sondern durch den Kampf der Klasse, durch den Kampf der Sowjetvlker, durch Anwendung des Marxismus-Leninismus von den breiten Massen der Werkttigen selbst. Lenin glaubte nicht an die Allmacht von Verschwrungen. Er glaubte nicht, dass die Reduzierung des politischen Kampfes auf eine Verschwrung bedeutet, ihm einerseits bermig einzuengen, andererseits aber die verfehltesten Kampfmethoden zu whlen (Lenin, Band 2, Seite 343). Lenin war also der Auffassung, dass man Politik nicht auf Verschwrerei reduziert, dass die Arbeiterklasse nicht auf ihren politischen Kampf verzichtet und sie diesen nicht einer Handvoll Verschwrern berlsst. Und so wie man nicht von der Arbeiterbewegung losgelst mit Verschwrerzirkeln die zaristische Regierung strzen konnte, so konnte man auch nicht die sozialistische Regierung mit Verschwrerei verteidigen, sondern nur mit der Mobilisierung der Arbeiterklasse, der Sowjetvlker, mit der Mobilisierung des Weltproletariats. Fr Lenin ist der verschwrerische Terror kraftloser Terror, das heit er verfehlt in seinem Wesen das Klassenziel, whrend der wahrhaft revolutionre Terror vom gesamten Volk gegenber seinen Peinigern ausgebt wird (Lenin, Band 13, Seite 481). Hingegen ein Terror der Sowjetvlker gegen die Verschwrer der Restauration des Kapitalismus wre nicht nur gerechtfertigt, sondern auch notwendig und auch siegreich gewesen. Als treuer Schler Lenins hat Stalin stets Lenins Auffassung gegen Verschwrerei verteidigt. ... ich muss erklren, (...) dass die Kommunisten mit der Theorie der Verschwrung gegen einzelne Personen nichts gemein hatten, nichts gemein haben und nichts gemein haben knnen. Die Theorie und Praxis der Komintern besteht in der Organisierung der revolutionren Massenbewegungen gegen den Kapitalismus. Das stimmt. (...) Nur Ignoranten und Idioten knnen Verschwrungen und individuellen Terror durcheinander bringen mit der Politik der Komintern in der revolutionren Massenbewegung (Stalin, Band 7, Seite 254). Stalin war also ein strikter Gegner jeglicher Verschwrungstheorien. Warum wurde und wird ihm aber immer noch vorgeworfen, dass er sich von Verschwrungstheorien htte leiten lassen? Eben, um von seinem politischen Klassenkampf, von der Fhrunmg der weltrevolutionren Massenbewegung abzulenken, eben zu vertuschen, dass er ein Marxist-Leninist war, die sich von der Lehre des MarxismusLeninismus leiten lsst: Die Befreiung der Massen kann nur das Werk der Massen sein ! Stalin Verschwrungstheorien anzuhngen, das ist eine der Erfindungen des Antistalinismus, wird von Antistalinisten propagiert, um die Paranoia eines Diktators, eines Despoten usw. usf. zu untermauern. Der Aufgabe des Marxismus-Leninismus besteht darin, das Phantastische, das Geheimnisvolle, das Irrationale der Verschwrungsideologie zu entlarven und ihren reaktionren Klassencharakter aufzudecken. Es ist Obskurantismus, wenn das rein theoretische Verschwrungsmuster dazu verwendet wird, die revolutionre Theorie von der revolutionren Praxis , die Massen von ihren Fhrern, zu trennen und zu isolieren. Und in Theorie und Praxis ging Stalin konsequent gegen Verschwrer und ihre Umsturzplne vor, von denen es ja in der Geschichte der bolschewistischen Partei nicht wenige gab. Mit dem Vorwurf, Stalin habe sich angeblich von Verschwrungstheorien gegen das Volk, gegen die Massen leiten lassen, soll nur von der Tatsache abgelenkt werden, dass es in
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Wirklichkeit die Anti-Stalinisten, die Konterrevolutionre, die Imperialisten und ihre Terrororganisationen waren, die sich nicht nur rein theoretisch, sondern auch ganz praktisch gegen die Revolution, gegen die Arbeiterklasse und ihre Fhrer verschworen hatten. Wenn es in der UdSSR unter Stalin Verschwrungen gab, dann waren sie allesamt gegen die UdSSR, gegen die Sowjetvlker, gegen die Arbeiterklasse und ihre Fhrer, gegen Lenin und Stalin angezettelt worden. Wer soll denn das Mrchen glauben, dass die Weltimperialisten, diese grten Feinde des Kommunismus, die friedfertigsten Unschuldslmmer seien ? Das Ziel des Weltkapitalismus war es von Anfang an, den Kommunismus mit allen Mitteln zu verteufeln, unter den Massen zu diskreditieren und die Fhrer auf elegante wie brutale Weise aus dem Weg zu rumen. Die Imperialisten haben doch alle nicht nur Angst vorm Kommunismus, sondern auch eine malose Wut im Bauch, weil sich die Kommunisten erdreisten, ihren Kapitalismus vom Erdball hinwegzufegen.. Das ist eine alt bekannte Tatsache und dies zu leugnen und stattdessen Stalins angebliche Verschwrungstheorien aufzutischen, das gehrt zum Waffenarsenal der Bourgeoisie, zur Verdummung der werkttigen Massen. Verschwrungstheorien sind der Arbeiterklasse und ihrer Ideologie fremd. Die Bourgeoisie diffamiert sogar die proletarische Weltanschauung als eine Verschwrungstheorie der Ohnmacht gegenber dem Kapital. Und wir erinnern uns, das nicht nur Stalin , sondern auch schon Lenin, ja berhaupt die Bolschewiki als Blanquisten, als Anhnger des Blanquismus bezichtigt wurden wie zB. Von den Struvisten, den legalen Marxisten. Die ganze Verschwrungsideologie dient ganz bewusst der Versimpelung der Komplexitt des tatschlich vor sich gehenden Klassenkampfes und seiner mannigfaltigen Formen. Sie fhrt geradewegs in den Sumpf, in das Labyrinth von Vermutungen, von Hirngespinsten, von konstruierten persnlichen Motiven, von Geschichtsflschungen, um die Aufdeckung der tatschlichen politischen und gesellschaftlichen Vorgnge zu vertuschen. Sie fhren geradewegs in die Religion, sind Opium frs Volk, geben sich einen wissenschaftlichen, zuweilen auch einen holywoodartig-reierischen Anstrich des Agentenmilieus, um das bislang Ungeklrte zu erklren, sprich: die Wahrheitssuche durch Spekulation, durch Glaubensbekenntnisse und Spionagethrillerei und sonst was zu befriedigen. Die Verschwrungsideologie ist heute wieder gro im Kommen. Soziale Trger sind oft kleinbrgerliche Elemente, die damit ihre Ohnmacht und Verzweiflung, ihre Kapitulation gegenber der ber sie hereingebrochenen kapitalistischen Weltkrise zu erklren und auszudrcken versuchen. Befallen davon sind auch einige Nationalisten, die sich von der bermacht der Globalisierung berrollt fhlen. Aber auch in unserem eigenen kommunistischen Lager versucht sich die kleinbrgerliche Verschwrungsideologie einzuschmuggeln, um die Lcke des ungeduldigen Wartens zu fllen, nmlich dass der Kapitalismus immer noch nicht verschwunden und der Sozialismus immer noch nicht wieder da ist. Die Niederlage des Sozialismus, das Ende der ersten Periode des Sozialismus, ist eine historische Tatsache, die man nicht durch Verschwrungstheorien rechtfertigen kann. Revolutionre Umwlzungen kann man nicht durch Verschwrungen knstlich schren. Das ist anarchistisch. Die Verschwrungsideologie ist reaktionr, weil sie die Theorie des Klassenkampfes zu ersetzen versucht und die aktive Rolle der Massen in der Geschichte des Klassenkampfes leugnet. Der Globalisierung der brgerlichen Verschwrungsideologie muss die Globalisierung des MarxismusLeninismus entgegengesetzt werden. Nun, wir Stalinisten lehnen das Instrument der Verschwrung im Klassenkampf nicht grundstzlich ab. Politische Verschwrungen gehren zur Geschichte der Klassengesellschaft wie der Deckel zum Topf. Wir sind lediglich der Auffassung, dass politische Verschwrungen (Blanquismus) unseren Klassenkampf nicht ersetzen drfen, dass sie allein fr sich genommen - untauglich sind. Wir halten uns stets alle Kampfformen offen , legen uns niemals auf eine einzige Kampfform fest. Wir schlieen die Methode von Verschwrungen als eine von vielen Methoden des Klassenkampfes nicht
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aus, so wie auch unser Klassenfeind darauf nicht verzichtet und nicht verzichten kann. Die Methode der Verschwrung ist Bestandteil des Klassenkampfes, sowohl seitens der Bourgeoisie als auch seitens der Arbeiterklasse. In hitzigen, revolutionren Situationen sind auf beiden Seiten der Barrikade diese Methode nicht ausgeschlossen, finden Verschwrungen und Gegenverschwrungen statt. Sie sind im antagonistischen Klassenkampf zwischen Kapitalismus und Sozialismus unvermeidlich und unverzichtbar. Das franzsische Wort `conspiration` entspricht dem russischen Wort 'Verschwrung'. (...) Es wre hchst naiv, die Beschuldigung zu frchten, dass wir Sozialdemokraten eine Verschwrerorganisation schaffen wollten (Lenin, Band 5, Was tun?, Seite 493). Verschwrer heien deswegen Verschwrer , weil sie nicht die Wahrheit ihrer politischen Absichten offenbaren, auch nicht untereinander. Verschwrergruppen haben sich nicht nur gegen Lenin und Stalin, gegen die bolschewistischen Fhrer organisiert, sondern auch gegen konkurrierende und rivalisierende Verschwrergruppen, insbesondere, wenn sie in einem sowjetfeindlichen Block zusammenarbeiten. So wie sich die verschiedenen sowjetfeindlichen Gruppen zur Liquidierung der Sowjetfhrer in den 30er Jahren zusammen schlossen, taten dies auch die sowjetfeindlichen Verschwrergruppen Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre. Es wre naiv zu glauben, dass unter den Verschwrern von 1953 eitel Sonnenschein geherrscht habe. Nach Stalins Tod haben sie sich alle gegenseitig abzuschlachten und aus dem Weg zu rumen versucht, ging die Verschwrerei um den besten Platz am revisionistischen Futtertrog erst richtig los. So hat dann auch das Schwein Chruschtschow mit den brigen Schweinen denjenigen vom Futtertrog vertrieben, der sich am meisten vor gedrngelt hatte nmlich Berija. Das Doppelznglertum in Worten fr die Partei und in Taten gegen die Partei wurde vom trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrum zur antibolschewistischen Taktik gegen Stalin erhoben. Sinowjew benutzte diese legale Methode, um wie er es selber formulierte - auf dem Bauch in die Partei hinein zu kriechen und das Vertrauen der Partei, im Besonderen das Vertrauen Stalins zu gewinnen. Und Sinowjew schien nicht der Einzige gewesen zu sein, der sich auf diese Weise das Vertrauen Stalins erschleichen wollte, nur verfgte Berija ber mehr Schmeichelei und Gerissenheit als dieser , in das persnliche Umfeld Stalins einzudringen. Loyalitt und ergebene Treue gegenber Stalin vorzutuschen, um damit bessere Gelegenheiten fr Terrorakte gegen Stalin zu schaffen, genau diese konterrevolutionren Erfahrungen machten sich nicht nur Berija, sondern auch alle anderen Verschwrer von 1953 zunutze. In Worten Stalinisten - in Taten Stalins Mrder! Stalins Verschwrer der 50er Jahre, an deren Spitze sich zum Schluss Chruschtschow setzte, bedienten sich der gleichen skrupellosen Methoden wie einst das trotzkistisch-sinowjewistische Zentrum und der Block der Rechten und Trotzkisten. Die Spuren der terroristischen Staatsverschwrung wurden verwischt durch Liquidierung aller Leute, die davon zu viel wussten. Zu den Terrorakten gehrten folglich immer zwei Dinge: 1. die Organisierung des Terroraktes selbst und 2. die Liquidierung der Tter zur Spurenverwischung zu den Auftraggebern. Die Verschwrer waren darauf bedacht, nach der Machtergreifung die Leitung der OGPU/MDW auf der einen oder der GRU auf der anderen Seite zum Verwischen der Spuren ihrer Verbrechen an sich zu reien. Man hat von den Nazis Methoden abgeguckt, wo die Teilnahme an der Verschwrung durch die Hand der Organisatoren der Verschwrung physisch vernichtet wurden, wie dies auch mit der Vernichtung Rhms und seiner Gefolgsleute der Fall gewesen ist. Auch die modernen Revisionisten bedienten sich wie die Trotzkisten und Faschisten dieser Methode. Einer der Verschwrer Stalins in den 30er Jahren war Bucharin. Er verfolgte am unterwrfigsten die Taktik des Einnistens in die Partei und der Gewinnung des persnlichen Vertrauens der Fhrung. Er lie sich deswegen auch auf dem XVII. Parteitag demtigen, nur um in der Partei bleiben zu knnen, denn von auen war nach den 30er Jahren nichts mehr zu machen. Berija ging weiter, er drang zum Kern der Macht vor und bediente sich vom Zentrum aus seines mchtigen sozialistischen Wirts, um diesen schlielich anzapfen zu knnen.
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Es gab Verschwrer, die in den 30er Jahren vor dem Gericht standen , die nicht restlos die Wahrheit sagten und welche, die die volle Wahrheit sagten. Das eine waren solche, die ihren parteifeindlichen Weg gedachten fortzusetzen, die anderen hatten damit vollkommen gebrochen und sich von diesem Weg abgewandt. Bei mehreren Verschwrergruppen konnten leicht Widersprche in der terroristischen Verschwrerfront auftreten, insbesondere, wenn die Geheimnisse eine Macht der gegenseitigen Erpressung darstellte. Auf diese Weise wurde die Verschwrung zu einer Ware, die bei der Befriedigung ihrer politischen Ziele meist bietend gehandelt wurde. Geheimnisse knnen die beste Kapitalanlage und Lebensversicherung sein, wenn man sie beherrscht und richtig einzusetzen versteht, so wie Berija. Wenn man ihnen jedoch ausgeliefert wird, kommt man in ihnen um. Das musste auch Berija bewusst gewesen sein, musste er als Verschwrer diesen seelischen Druck (nicht das schlechte Gewissen, sondern irgendwann auf zu fliegen) mit sich herum geschleppt haben. Berija hat einen Jahrzehnte langen Weg des Verbrechens zurck gelegt, bevor er zum Mrder an Stalin wurde. Auch ein Verschwrer wie Berija, fiel nicht vom Himmel oder wurde als Verschwrer geboren. Als Bolschewist muss man die dialektischen Gesetze der Verschwrung durchschauen und sie als Waffe gegen die Verschwrer selbst einsetzen. Dies verstand Stalin wie kein Anderer und Berija, der sich stets in der Nhe Stalins aufhielt, lernte diese Waffe gegen Stalin selbst zu richten. So nah wie Berija ist Trotzki nie an Stalin heran gekommen. Stalin als Zielobjekt der Verschwrung konnte natrlich den Vorteil ausnutzen, verschiedene Verschwrergruppen gegeneinander aufzubringen. Es reichte schon, wenn er von den Verschwrern gewisse Interna in Erfahrung bringen konnte, um sie damit in eine Falle zu locken. Stalin hatte seine Informanten in den konterrevolutionren Organisationen, aber auch Informanten ber getarnte Feinde mitten in der Partei. Damit lie er im geeigneten Moment die ganze Verschwrung hoch gehen, brachte die Verschwrerfront in Verwirrung und schlug zu, wenn der Feind es am wenigsten erwartete.. Genauso knnen sich Verschwrerfront und Opferfront jahrelang gegenberstehen, ohne dass an den Machtverhltnissen sich etwas gendert htte. Man wei voneinander, hat sich aber gegenseitig im Vesier, kontrolliert gegenseitig Kompetenzen, war Stalin wie ein Panther stndig auf der Lauer und sprungbereit. Wer in einer Verschwrung schwankt wird zum Sicherheitsrisiko der Verschwrergruppe, weswegen diese das Risiko liquidieren muss, wenn sich das Risiko nicht freiwillig selber liquidiert. Aus den sowjetischen Akten drften die meisten fehlgeschlagenen Anschlge auf Stalin bekannt sein, auch die Namen derer, die die Anschlge ausfhrten und vor allem, wer sie plante und befahl, - aber sicherlich nicht lckenlos . Einer der trotzkistischen Anschlge, den Trotzki persnlich befahl, war die Erschieung Stalins auf dem VII. Weltkongress der Komintern, was eine internationale Massenbewegung auslsen sollte. Der Plan scheiterte genauso wie derjenige, Stalin auf dem XIII. EKKI Plenum zu erschieen, auf dem Stalin aber gar nicht anwesend war. Mit den Suberungen wurden weitere Plne aufgedeckt und vereitelt. Stalin hatte den internationalen konterrevolutionren Terror der ganzen Welt jahrzehntelang davon abgehalten, die Sowjetunion zu vernichten, den Kommunismus zu beseitigen allein das spricht fr seine anti-verschwrerischen Fhrungsqualitten. Wenn die Verschwrer Stalin Verfolgungswahn vorwarfen, dann gab ihnen Stalin auch guten Grund, warum sie das taten !! Die Frage der Taktik der Opposition und der Lsung von Meinungsverschiedenheiten stand in der Anfangsphase der Partei, also bis in die 30er Jahre, noch im Vordergrund. Jahrelang hat die Partei sich von ihren Feinden bis zu einem gewissen Grade noch an der Nase herumfhren lassen, weil sie der ehrlichen Meinung war, man msse die Genossen von der richtigen Politik berzeugen. Vor Kirows Ermordung gab es auch noch keine Todesstrafe fr Parteimitglieder. Dass dahinter eine parteifeindliche Taktik der Liquidierung steckte, der man notwendigerweise das Handwerk legen musste, das wurde der Partei erst spter bewusst als die Opposition in der Tat zum Sturz der Partei und zur Ermordung ihrer Fhrer bergegangen war.
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Zunchst versteckte die Opposition ihren Kampf gegen die Sowjetmacht hinter Kritik an Mngeln, Schwchen und Schwierigkeiten, weil sie auf eine Niederlage des Sozialismus, auf seinen Zusammenbruch spekulierte. Als der Sozialismus jedoch so sehr an Strke gewann, dass diese Methode aussichtslos erschien, fing die Opposition an, alle Hoffnungen aufzugeben, verlie den bisherigen Weg des politischideologischen Meinungsstreits um die Generallinie der Partei, um den verbrecherischen Weg der Verschwrung, des Terrors, der Sabotage und der Zusammenarbeit mit der Weltreaktion gegen die UdSSR des Genossen Lenin und Stalin einzuschlagen. Konterrevolutionre Ideen wurden zu konterrevolutionren Taten. Was war der Auslser der Suberungswelle in den 30er Jahren ? Verbrechen von Parteifhrern wurden aufgedeckt und das bedeutete eine Warnung vor weiteren Doppelznglern und Verrtern in der Partei, die von ihrer Reue redeten und sich abgrenzten und maskierten, um so leichter einen Schlag in den Rcken der Partei, des Landes, der proletarischen Sache zu organisieren. Diese Position hatten auch die Verschwrer von 1953 eingenommen. Obwohl die Fhrer des trotzkistischsinowjewistischen Zentrums in Verbannung bzw. im Gefngnis waren, blieb ihr Zentrum handlungsfhig , um zum Beispiel den Mord an Kirow durchzufhren. Das Zentrum der Verschwrung wurde von Trotzki im Ausland gelenkt. Das Zentrum der Verschwrung von 1953 befand sich in der Parteifhrung selbst. Obwohl Stalin die Verschwrer von 1953 unter Kontrolle hatte, blieben sie handlungsfhig, um den Mord an Stalin durchzufhren. Ob die Verschwrung von auslndischen Krften gelenkt wurde, wissen wir nicht, aber zumindest gehen wir davon aus, dass verschwrerische Fden direkt und indirekt zum Ausland bestanden haben. Der Feind, erst einmal verhaftet, gestand seine Verbrechen erst unter Druck, wenn die Tatsachen der Anklage bereits unbestreitbar feststanden, wenn der Feind restlos entlarvt war. Wenn wir diese Zeilen hier niederschreiben, lesen das natrlich auch die Stalinfeinde mit groer Aufmerksamkeit und sie werden 1 und 1 zusammenzhlen und sorgfltig analysieren, was an ihren Verbrechen bekannt geworden ist und was noch nicht. Mit diesem Wissen knnen sie dann genug Brauchbares verwenden, um uns, die wir weiter ihre Spuren verfolgen, auf falsche Fhrten zu bringen. Seid gewiss, wir wissen mehr ber euch als ihr ahnt ! Wir kriegen euch alle, wenn nicht heute, so doch morgen ! Das gemeinsame System von Trotzkisten und Faschisten gegen die Bolschewisten , insbesondere die Plne fr die Ermordung Stalins kam 1933 zustande als die Nazis an die Macht gelangten. In der Ermordung Stalins sah Trotzki seine Hauptaufgabe. Die Gestapo lie die Trotzkisten frei herumlaufen, weil diese an das Abkommen mit ihr gebunden war, die Sowjetfhrer mit terroristischen Mitteln umzubringen, vor allem Stalin. Die Faschisten setzten also nicht nur auf Intervention von auen, sondern auch auf Terrorakte von innen, die sie zusammen mit den Trotzkisten unternahmen aber auch ohne Untersttzung der 5. Kolonne. Ab 1932 wurden in der UdSSR Terrorakte von deutschen Nazis im Auftrage Himmlers ausgefhrt und zwar nicht erst als Leiter der Gestapo, sondern schon als Himmler Stabschef der SS war. Nicht nur Trotzkisten sind Sozialfaschisten, nicht nur die modernen Revisionisten sind Sozialfaschisten, alle anderen Antibolschewisten, die im Gewand des Bolschewismus agieren, sind es ebenso, auch die Berijaner. Und ob sie dies nun wollen oder nicht, bilden sie alle gemeinsam eine 5. Kolonne des internationalen Faschismus gegen die Weltrevolution. Der Hass auf Stalin, die tiefe Feindschaft uns Stalinisten gegenber, ist sowohl bei den Faschisten als auch bei den Sozialfaschisten gleich stark ausgeprgt - wesensgleich. Sie unterscheiden sich nur uerlich dadurch, dass deren eine Fahne braun, grn, gelb, schwarz usw., die der anderen aber rot ist. Im Falle einer mglichen Kompromittierung Trotzkis sollten die Terrorakte auf die Gestapo und die Weigardisten abgewlzt werden, das war auch bei der Kompromittierung Berijas vorgesehen, aber der Mord an Stalin konnte erfolgreich vertuscht und Berija noch gerade rechtzeitig beseitigt werden. Besonders setzte Trotzki seine Hoffnung auf solche Trotzkisten, die in den Reihen der KPdSU (B) noch nicht als Trotzkisten kompromittiert waren. Die trotzkistischen Verschwrergruppen sollten untereinand-
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er nicht verbunden sein, damit beim Hochgehen einer Gruppe nicht die ganze konspirative Organisation aufflog. Fr alle Verschwrer galt die Prmisse: Der Kampf gegen den Kommunismus ist ein Kampf gegen die Kommunistische Partei, insbesondere gegen ihre Fhrungsspitze. Der Kampf gegen die Kommunistische Partei ist ein Kampf gegen Stalin, gegen die Fhrer der Partei. Ist Stalin erstmal tot, dann gelangt man in den Besitz der Partei und fhrt sie auf den Weg des Kapitalismus. Je strker der Einfluss des Kapitalismus, desto strker der Rckgang des Kommunismus, der schlielich mit seinem Siechtum endet das war die Linie der Konterrevolution, die seit der Machtbernahme des Faschismus konsequent umgesetzt wurde. Aber unter dem Druck des Groen Vaterlndischen Krieges war es schlielich Hitler, der sich feige das Leben nahm und nicht Stalin, dem er grospurig nach dem Leben trachtete. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Druck des angloamerikanischen Imperialismus wurde Stalin das Opfer ihres Kalten Krieges, ermordet von Verrtern in seiner eigenen Fhrungsspitze, die mit dem Westen verbunden war. Es deutet alles darauf hin, dass das, was in den 30er Jahren mit den Faschisten gegen Stalin passierte, auch mit den Angloamerikanern nach dem Zweiten Weltkrieg passierte, insbesondere ab Ende der 40er Jahre bis zum Todestag Stalins. Das Motto der Amerikaner lautetet Wir verschonen nicht nur alle, die sich vom Stalinismus abkehren, sondern belohnen sie auch reichlich mit Dollars dafr. Der erste, der die Hand aufhielt, war der einst so stalintreue Tito, aber Berija wollte ihm nicht nachstehen und hielt auch seine Hand auf. Alle von Tito bis Gorbatschow standen in Zusammenarbeit mit dem Weltimperialismus und haben nicht nur ihre Hand aufgehalten, sondern haben auch ihren Judaslohn fr ihren Verrat empfangen. Ob nun Trotzki, Berija oder Chruschtschow, sie und all die Anderen erkannten, dass keinerlei Mglichkeit besteht, die Politik der Partei zu ndern, die Partei in ihre Hand zu kriegen, solange Stalin nicht gewaltsam beseitigt war: im Kampf gegen Stalin durfte weder der eine noch der andere vor den uersten Mitteln halt machen Stalin musste physisch vernichtet werden. Erst mit der Eroberung der politischen Macht lie sich die Wiederherstellung des Kapitalismus zu Ende fhren. Was die Ermordung der Parteifhrer anbelangte, verfolgte Trotzki die Taktik fern von Moskau, ihn an der Peripherie aufzulauern mit spektakulren Attentaten wie inszenierten Autounfllen usw. Ganz anders die Verschwrer von 1953: Sie konnten ganz legal den Zugang zu Stalins Privatzimmer nutzen, um Stalin von niemandem dabei gestrt - zu ermorden. An dieser Entwicklung ist zu bemessen, wie weit die Feinde und Mrder nach Trotzkis Tod vorgedrungen waren, um ihr verbrecherisches Werk zu vollenden. Mehr noch: Trotzki konnte nur den Weigardisten, auslndischen Geheimdiensten usw. die Schuld in die Schuhe schieben, um seine Hnde in Unschuld zu waschen. Hingegen die Verschwrer von 1953 hatten alle so viel Dreck ab Stecken, dass sie locker jedem Fhrer der Partei und des Sowjetstaates etwas davon in die Schuhe schieben konnten. Sie suchten sich in aller Ruhe ihre Opfer aus. Soagr Verbrecher konnten sie willkrlich freilassen und Genossen, die zwar Fehler gemacht, diese aber berwunden hatten, wieder ins Gefngnis stecken, wenn sie ihnen gefhrlich erschienen. Dieser gemeinen Taktik bedienten sich sowohl die Verschwrer von 1953 als auch die trotzkistischen Verschwrer in den 30er Jahren, denn beide hatten sich Einfluss auf das Innenministerium und die Staatssicherheitsorgane und andere Instrumente der Diktatur des Proletariats verschafft. Trotzki war weit weg von Russland und hatte keinen Masseneinfluss. Berija bediente sich der Geheimdienst und Chruschtschow bemchtigte sich aller Propagandamittel in Partei und Staat, um sich seine eigene Massenbasis, einen eigenen Personenkult zu schaffen, nachdem er die Vertrauensbasis der Massen als ein Kampfgefhrte Stalins auf dem XX. Parteitag nun nicht mehr brauchte. Trotzkis Verschwrer und die verschwrerischen modernen Revisionisten hatten die gleichen Ziele , die Restauration des Kapitalismus in der UdSSR; einmal davon abgesehen, dass Trotzki sich als Agentur der Nazis verkaufte, whrend die modernen Revisionisten sich an die Angloamerikaner verkauften: Zulassung der Entwicklung von Privatkapital, Auflsung der Kollektivwirtschaften, Liquidierung der Sowjetwirtschaften, bergabe von Sowjetbetrieben in die Hnde des Auslands, Annahme von Krediten, Einkalkulierung von Konzessionen, bei denen auch Gebietsabtretungen nicht ausgeschlossen sein wrden all das spielte von Anfang an die gleiche Rolle.
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Stalin signalisierte den auslndischen Regierungen knallhart, dass die UdSSR niemals kapitulieren wrde und nichts an den Imperialismus zu verschenken habe. Stalin verfolgte konsequent seinen Konfrontationskurs zwischen Kapitalismus und Sozialismus was nichts anderes heit als Verschrfung des Klassenkampfes, was ihn nicht davon abhielt, sich mit den imperialistischen Gromchten auf eine Bank zu setzen, um sie zu taktischen Zugestndnissen zu zwingen, um die UdSSR vor ihnen zu schtzen.. Nach Stalins Tod signalisierte die UdSSR den gleichen auslndischen Regierungen den Wunsch zur Beendigung der Konfrontation , den Wunsch, den Sozialismus allmhlich an den Kapitalismus anzugleichen. Anders als mit dem Aufbau von Verbindungen zum Westen htten die modernen Revisionisten ihre Macht nicht behaupten knnen. So wie der Trotzkismus sich als Waffe der faschistischen Kriegsbrandstifter erwies, so sind die modernen Revisionisten eine Waffe in den Hnden der angloamerikanischen Kriegsbrandstifter gewesen, denn sie haben den Mann ermordet, der wie kein anderer in der Menschheitsgeschichte den Frieden erkmpft hatte, der gegen die Unvermeidbarkeit von Kriegen gekmpft hatte. Und gegen die Unvermeidbarkeit des Krieges zu kmpfen, bedeutete fr Stalin nach dem 2. Weltkrieg, die Speerspitze gegen die USA zu richten. So wie zur Zeit des Faschismus der Trotzkismus und der Faschismus sich die Hand gegen den Kommunismus reichten, so reichten sich die modernen Revisionisten und die westlichen Siegermchte, voran die USA und England, die Hand gegen den Kommunismus. Verrter am Kommunismus waren und sind stets Handlanger des Kapitalismus, unter welcher Maske diese Verrter auch immer geschlpft sind oder noch schlpfen werden. Die Taktik krimineller Verbrecher war und ist es - so auch in den 30er Jahren - nur das zu gestehen, was unwiderlegbar beweisbar ist aber keinesfalls mehr. Der hinterlistige Verbrecher spekuliert mit seinen erfundenen Mrchen auf die Leichtglubigkeit der Leute und schlielich auf seine zu Trnen rhrige, herzzerreiende Reue. Die verbrannten (entlarvten) trotzkistischen Agenten in der Partei wurden umgehend ffentlich von den Trotzkisten gebrandtmarkt, um die noch nicht enttarnten Trotzkisten in der Partei zu schtzen. So laufen in der kommunistischen Weltbewegung immer noch Trotzkisten als so genannte Marxisten-Leninisten herum wie zum Beispiel die Berijaner. So eine Taktik wird im Allgemeinen als Platzhalter-Taktik bezeichnet. Berijaner sind also Platzhalter der trotzkistischen Whlarbeit in der marxistisch-leninistischen Bewegung so geschehen mit Berija und Malenkow und anderen Verrtern, die heute immer noch als Marxisten-Leninisten gefeiert werden. Diese Platzhalter sind nicht nur Schlfer, sondern auch Aktivisten, um die marxistisch-leninistischen Organisationen von innen her zu zersetzen auf die unterschiedlichste verdeckte Art und Weise. Fehler der MarxistenLeninisten werden zum Beispiel gelobt und die korrekte marxistisch-leninistische Linie zum Beispiel als sektiererisch kritisiert natrlich immer mit marxistisch-leninistischen Argumenten. Im Lager der Marxisten-Leninisten gab es also so genannte geheime Platzhalter. Platzhalter sind solche Leute, die sich doppelznglerisch im Lager der Marxisten-Leninisten unerkannt bewegen und zwar als Agenturen eben der modernen Revisionisten, und anderer antimarxistisch-leninistischer Krfte, die keinen offenen Zugang in die marxistisch-leninistischen Weltbewegung haben wrden, die dort - wrden sie offen auftreten - frher oder spter raus geworfen und zerschlagen worden wren. Platzhalter innerhalb der kommunistischen Bewegung und Organisation schaffen dort Platz fr die systematische Anpassung der revolutionren Krfte an die konterrevolutionren Krfte, also von innen heraus - ihre Umwandlung in konterrevolutionre Krfte. Die von den Marxisten-Leninisten noch unentdeckt gebliebenen Parteifeinde innerhalb der marxistisch-leninistischen Front versuchen so viele (historische) Verbrecher wie mglich und dies so lange wie mglich unter dem Deckmantel eines Marxisten-Leninisten zu konservieren, allein um die Verbrechen zu tarnen und Platz genug fr die Deckung weiterer Verbrechen zu schaffen. So ein Platzhalterrolle nehmen heute auch die Berijaner ein: Fhre die MarxistenLeninisten weiter in die Irre, wenn sie versuchen dahinter zu kommen. Nur so kannst du deine berijanische Politik ungehindert weiterverfolgen, folgen dir die Marxisten-Leninisten im Glauben, den modernen Revisionismus zu bekmpfen. Nun, die Berijaner knnen davon ausgehen, dass wir MarxistenLeninisten auch unsere Platzhalter in ihrem Lager haben vor und hinter den Barrikaden unseres Klassenkampfes !
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Zu dieser Taktik gehrte es auch, Mittter vor ihrer Entdeckung und Entlarvung zu schtzen, um Reserven fr weitere Verbrechen zurck zulassen, bzw. um das aufgedeckte Verbrechen doch noch zu Ende zu fhren. Es wird zu diesem Zweck hufig ein zweites, unabhngig strukturiertes, verschwrerisches Reservezentrum eingerichtet. Parallelzentren der Wiederherstellung kapitalistischer Verhltnisse in der UdSSR waren einerseits die Zentren der umkreisenden imperialistischen Mchte und andererseits die Zentren konterrevolutionrer Elemente innerhalb und auerhalb der Partei und der Regierung der UdSSR. Bei aller taktischen Eigenstndigkeit und Parallelitt waren diese Zentren strategisch miteinander verzahnt und koordiniert, dienten sie alle dem gemeinsamen strategischen Ziel der Liquidierung der Macht des Sozialismus und ihrer Fhrer. Die Trotzkisten handelten entschlossener und energischer als die Sinowjewleute. Wer vor dem Mord die beste Position ergatterte, wrde nach dem Mord um so mchtiger da stehen. Wer die grten Verbrechen vorweisen konnte, hatte natrlich einen Anspruch auf das grte Stck Kuchen. Das war bei den Verschwrern von 1953 nicht anders. Berija war am gierigsten. So brachten sie Berija um, damit fr sie noch genug vom Kuchen brig blieb. Mit diesem Wetteifer, das grte Stck Kuchen zu ergattern, bekamen die Aktivitten der Verschwrergruppen gegen Stalin ihre charakteristische Eigendynamik, die die Verschwrer in Situationen brachte, welche sie weder vorhersagen noch vorausplanen konnten, denen sie vielmehr ausgeliefert waren und wodurch sich alles unumkehrbar zuspitzte. Aber erst einmal an die Schalthebel der Macht gelangt, stellte sich heraus, dass sich diese nicht so leicht steuern lieen wie man es sich erhofft hatte. Alles schien sich nun gegen die Verschwrer selbst zu verschwren. Die Verschwrer standen unter enormem Druck. Und das drckt sich auch in ihren unmittelbar nach dem Mord begangenen chaotischen politischen Handlungen aus, obwohl sie in Kaltbltigkeit jahrzehntelang gebt waren. Das kam besonders deutlich bei Berijas Abenteuerpolitik zum Ausdruck, die er nach Stalins Tod im rasenden Tempo durchzog. Die modernen Revisionisten waren Vertreter der Vorhut der internationalen Konterrevolution, die in heimtckischer Weise die Vorhut der proletarischen Weltrevolution an sich rissen, um sie in die Sackgasse, ins feindliche Lager zu fhren. Sie waren sich darber mehr oder weniger bewusst, dass sie einen Rckzug zum Kapitalismus antreten wrden, dass sie als Fhrer in dem Augenblick ihre Macht abtreten mssten, sobald der Prozess des restaurierten Kapitalismus abgeschlossen sei. Die Konterrevolution frisst ihre Kinder auch einen Berija. Der Weg war abgesteckt; wenn eine revisionistische Fhrung von ihm abwich aus welchem Grund auch immer wurde sie von einer anderen revisionistischen Fhrung abgesetzt. Das Ende dieses seit dem Tod Stalins eingeschlagenen revisionistischen Weges war schlielich erreicht mit dem bergang von Gorbatschow zu Jelzin. Einmal in die Wolfsgrube des Imperialismus geraten, wurden die modernen Revisionisten gepackt und zu dessen Spielball. Die modernen Revisionisten hatten sich in ihrem Grenwahn eingebildet, sie wrden die imperialistischen Krfte fr sich ausnutzen, aber in Wirklichkeit stellte sich heraus, dass es die Imperialisten waren, die die modernen Revisionisten als ihr Werkzeug gegen den Kommunismus benutzt hatten. Schlielich hatten die modernen Revisionisten den Entartungsprozess des einst so stolzen Sozialismus Lenins und Stalins in ein solches Fulnisstadium berfhrt, dass nur noch ein kleines, abgewirtschaftetes Huflein Elend auf der Trschwelle des Weltimperialismus lag. Aber ist der moderne Revisionismus mit seinem verfaulten Werk wirklich in sich zusammengestrzt? Das zu glauben, wrde bedeuten, nichts aus der Geschichte des modernen Revisionismus gelernt zu haben. Ist er wirklich so bei den Massen verhasst, dass er begraben ist und sich nicht wieder erheben kann? Das haben auch die Trotzkisten vom Trotzkismus behauptet als sie vor dem Sowjetgericht um Nachsicht winselten. Aber wir Marxisten-Leninisten wissen natrlich, dass dies nicht stimmt, dass der Trotzkismus sich hutet und solange fr uns eine Bedrohung darstellt, wie auch die Bedrohung durch den Kapitalismus existiert. Die Trotzkisten verbten ihre Morde , um den Sozialismus zu strzen und deswegen wurden sie erschossen. Und so ergeht es auch den modernen Revisionisten, die es auf die Wiedergeburt des Sozialismus abgesehen haben und dann im Namen der Weltrevolution auf uns Stalinisten zu schieen versuchen.
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Rykow organisierte im Nordkaukasus Kulakenaufstnde gegen die Sowjetregierung. Er war damals immerhin Vorsitzender des Rates der Volkskommissare und spielte sowohl der II. Internatinale als auch den Menschewisten Material zu, damit diese in ihrer Zeitung Sozialistscheski Westnuk gegen die Sowjetunion hetzen und die Kulaken zu Aufstnden aufrufen . Im Auftrag der faschistischen Spionagedienste sammelten die Verschwrer Kader fr Banditen-Aufstnde, indem sie sie fr bewaffnete Aktionen u.a. im Nordkaukasus vorbereiteten. Der Block der Rechten und Trotzkisten nahm zu diesem Zweck Verbindung zu den Sozialrevolutionren auf, die in den Kulakenschichten des Dorfes ihre Wurzeln hatten und auch in Paris unter Emigrantenkreisen ihr auslndisches Zentralkomitee unterhielten. Hier war Bucharin schon ab 1926 aktiv, weil er in der Bauernbewegung im Nordkaukasus einen der wichtigsten Hebel sah, die Sowjetmacht zu strzen. Im Nordkaukasus konnten Kulakenaufstnde frher als anderswo ausbrechen und es gab auch berreste der weigardistischen Kulakenarmee, die aus dem Ausland in Bereitschaft standen. Deswegen konzentrierte sich Bucharin darauf, sich dort rechtzeitig an die Spitze zu stellen. Das htte Signalwirkung fr alle anderen Aufstnde im ganzen Land. Das war Bucharins Massentaktik, um die Randgebiete wieder in den Kapitalismus zu verwandeln. Und das war natrlich gegen den Leninismus gerichtet, der die Mglichkeit des direkten bergangs ehemaliger Koloniallnder zum Sozialismus bejaht, nmlich ohne dabei das kapitalistische Entwicklungsstadium durchlaufen zu mssen. Verrter innerhalb des Blocks wurden liquidiert, so auch im Nordkaukasus. Damit wollte man die eigenen Mitglieder im Block unter Druck setzen, ihre Anstrengungen fr Terrorakte erhhen. Die Verschwrer vor 1953 gingen da nicht anders vor. Man trat sogar an Japan und Deutschland heran, sie mgen sich mit dem berfall auf die Sowjetunion mehr beeilen, damit sich die Bedingungen fr den Aufstand nicht noch weiter verschlechtern. Doch die Terrorakte fhrten ganz im Gegensatz zu ihren Zielen zur Festigung der Wachsamkeit der Massen gegen die inneren Feinde der Sowjetunion. Die Massen empfanden den Terror nicht als ein Befreiungsakt vom Joch des Sozialismus, sondern als einen Angriff auf ihre eigenen Interessen. Durch den Mord an Kirow waren die Massen aufgebracht und standen noch fester hinter Stalin als je zuvor. Die Frage der Machtergreifung durch einen bewaffneten Aufstand wurde von Bucharin aber schon vor 1929 gestellt, also bevor der Block mit den Trotzkisten gebildet wurde. Ab 1934 sollte die Niederlage der Sowjetmacht von innen vorbereitet werden. Das war die Zuarbeit fr die Zerschlagung der Sowjetmacht . Im Nordgau des Landes wurde Holz geklaut und illegal an die Englnder verscherbelt. England wollte den Norden der Sowjetunion berfallen. Es lief also ein illegaler Deal zwischen den Imperialisten und den Bucharinleuten. Das sollte eine Art Vorschusszahlung sein, damit die Rechten nach der Zerschlagung der UdSSR den Kapitalismus in Russland aufbauen konnten in direkter Zusammenarbeit mit den Imperialisten des Auslands. 1935 wurde zwischen Trotzkisten, den Rechten und der Militrgruppe Tuchatschewskis ein Abkommen ber den bewaffneten Umsturz getroffen. Zum Vergleich: Berija besetzte den Kreml mit seinen MWD-Truppen und hatte damit das gesamte Prsidium in seiner Gewalt. Elemente des Doppelznglertums, die in der Partei ihre konterrevolutionre Arbeit machten, gab es von Anfang an, also schon lange vor der Oktoberrevolution, gab es schon zur Zeit der Ochrana, die sich diese Elemente aus der revolutionren Bewegung rekrutierte, sie organisierte und bezahlte. Unter den Angeklagten der Prozesse in den 30er Jahren waren viele ehemalige Elemente der Ochrana. Als die Ochana zerschlagen war, dienten dann viele von ihnen in den Geheimdiensten der auslndischen imperialistischen Staaten illegal innerhalb des Partei- und Regierungsapparates der UdSSR, teilweise sogar in fhrenden Positionen einschlielich vor und nach Stalins Tod das ist eine gerade Linie der Konterrevolution, die man hier verfolgen muss und zwar vom ersten Tag der Grndung der bolschewistischen Partei bis zu ihrer Zerschlagung nach Stalins Tod. Je mehr von ihnen entlarvt wurden, insbesondere die verschiedenen legalen Vertreter der Opposition in der Partei, desto reger gaben die brig gebliebenen Konterrevolutionre Erklrungen gegen die Konterrevolutionre ab, um mit dieser doppelznglerischen Taktik jeden Verdacht der Zugehrigkeit zur Konterrevolution von sich zu weisen, um die konterrevolutionren Reserven nicht preiszugeben. Ab 1930 war es mit der Legalitt der Konterrevolution vorbei. Von da ab trat sie nur illegal in Erscheinung. Die Rechten und Trotzkisten, die nun nicht mehr
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ffentlich auftreten konnten, waren damit natrlich noch lange nicht zerschlagen, sondern sie setzten ihre Whlarbeit gegen die Sowjetunion um so intensiver illegal fort, setzten sich sogarl im Kampf gegen den Block der Rechten und Trotzkisten selber mit an die Spitze, um neue Positionen in der Partei zu erobern. Die Taktik des offenen Ausprechens von konterrevolutionren Positionen innerhalb der Partei, die Bildung einer Opposition, verwandelte sich von diesem Augenblick an in die Taktik des Verschweigens und des Verflschens der revolutionren Ziele, zum Beispiel das Verschweigen von Hauptkettengliedern des Klassenkampfes bzw. die Ersetzung der eigentlichen Hauptkettenglieder durch falsche, um die Storichtung abzuschwchen bzw. in eine falsche Richtung zu lenken. Diese Taktik wurde bis zum Tode Stalins immer ausgefeilter gehandhabt, bis sie von den modernen Revisionisten an der Macht zur Meisterschaft gefhrt wurde, nmlich die tatschliche Umsetzung der Restauration des Kapitalismus als eine Weiterentwicklung und Festigung des Sozialismus erscheinen zu lassen. Die Wurzeln dieser Taktik fhren zurck zur Taktik des Blocks der Rechten und Trotzkisten als dieser seine Konterrevolution nach den Suberungen in den 30er Jahren weiter fortsetzte. Die Spur des Blocks der Rechten und Trotzkisten mssen wir also unbedingt bis zum Tod Stalins weiterverfolgen, um die Verschwrung von 1953 historisch richtig verstehen und deuten zu knnen. Die Aufgabe Jagodas als Stellvertreter des Vorsitzenden der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung Menschinskis war es, die illegale Organisation des Blocks der Rechten und Trotzkisten vor und whrend der Suberungen der 30er Jahre vor dem Zugriff der Diktatur des Proletariats in Schutz nahmen. Offen aufgetreten waren die Rechten hauptschlich mit Tomski, Rykow und Bucharin (Dreierbund), die Organisation selbst operierte illegal. Schutz der eigenen verbrecherischen Organisation war der Grund, warum die Rechten und Trotzkisten unschuldige Opfer in Kauf nahmen, nmlich um den Verdacht von sich abzulenken und damit ihre eigene Haut zu retten. Unschuldige Opfer schoben dann spter Berija und Chruschtschow auf Stalins Konto. Damit fielen Berija und Chruschtschow ein in den allgemeinen Tenor der westlichen antistalinistischen Hetzpropaganda. Die so genannte Rjutinsche Plattform war ab 1932 das illegale Programm der Konterrevolution, das Programm des gewaltsamen Sturzes der Sowjetmacht - im Landhaus Tomskis entworfen, wo auer Bucharin, Rykow und Tomski auch andere Konterrevolutionre teilnahmen. Die Doppeltaktik dieser Plattform drckte sich bereits in der Absicht ihrer Verfasser aus, sich namentlich offiziell davon zu distanzieren, um mglichst alle Gegner des Sowjetsystems anzusprechen und zu gewinnen, also auch diejenigen, die die Plattform gar nicht untersttzt htten, wenn sie denn gewusst htten, dass die Verfasser in Wahrheit Tomski, Rykow und Bucharin hieen - das waren schlielich fhrende Mitglieder des ZK der KPdSU (B) ! Inhaltlich ging es um das Praktizieren jeglicher gewaltsamer Manahmen gegen die UdSSR und um die organisatorische Vereinigung der konterrevolutionren Krfte. Die Krfte der Unzufriedenheit mit Partei und Regierung sollten gebndelt und auf bewaffnete Aufstnde konzentriert werden, zum Beispiel Kulakenaufstnde. Indem sich Trotzki mit dieser Rjutinischen Plattform der Rechten vereinigte, zeigte er, was er unter seiner linkslerischen Uniform verbarg - seine faschistische Gesinnung! Rechte und Linke rsteten sich gegenseitig ideologisch auf und bewiesen in der Tat, was sie in Wirklichkeit waren ausgemachte Halunken. Whrend der Block der Rechten und Trotzkisten den Faschisten die Tr zum berfall auf die Sowjetunion ffneten, ffneten die Verschwrer von 1953 dem Kalten Krieg der Angloamerikaner die Tr in die Sowjetunion, nicht um die Sowjetunion auszuliefern, sondern um am Machtspiel der Weltherrschaft teilhaben zu knnen, also der Unterwerfung der Welt unter dem Kapitalismus, wovon sie sich reichlich Vorteile erhofften. Aber in wessen Hnde wrde die Macht tatschlich letztendlich gelangen? Natrlich nur in die Hnde des Weltkapitalismus, was 1991 denn ja auch zur historischen Tatsache wurde. Somit war die Verschwrung von 1953 eine Abteilung des Weltimperialismus mit den Westmchten an der Spitze, insbesondere den USA. Die Angst, entlarvt werden zu knnen, brachte sie zusammen, um sich gegenseitig zu decken. Aber einmal zusammengefhrt, verwandelte sich die gemein-
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same Deckung in einen kollektiven Druck, der also auf jeden Einzelnen von ihnen lastete. Aus der Strke der gemeinsamen Verschwrung wurde die Zerreiprobe ihres Auseinanderfallens am schwchsten Kettenglied. Die Trotzkisten mussten ihre eigenen illegalen Militrtrupps fr die Palastrevolution aufbauen und zwar unabhngig von ihren anderen illegalen Organisationen, whrend Chruschtschow sich auf dem Parteiwege - also ganz legal - der Fhrung der Roten Armee bedienen konnte, um seine Macht zu bernehmen. Mit der Militrgruppe war das Zentrum des Blocks sowie Jagoda vom Innenministerium als auch Tuchatschewski von der Armee verbunden. Chruschtschow hingegen benutzte Berija und Schukow / Bulganin und zwar ganz legal. 1934 wurde 2/3 des ZK gesubert - aber doch nicht etwa von den Revisionisten, sondern von Stalin und seinen Getreuen. Der Generallinie Stalins wurde im ideologischen Zweifrontenkampf zur mehrheitlichen Linie entwickelt, die erst ber seine Leiche umgestoen werden konnte. Die groe Bedeutung Stalins liegt vor allem darin, dass er die marxistisch-leninistische Linie bis zum Schluss durchzusetzen vermochte gegen alle revisionistischen Krfte, die sich mit den imperialistischen Krften von auen gegen Stalin, zum Sturz Stalins, zur Ermordung Stalins, verbndet hatten. Die Trotzkisten und Rechten bereiteten ihren Umsturz fr den XVII. Parteitag Januar 1934 (Prozesse waren 1938, also 4 Jahre spter, wo die Vebrecherbande so richtig in Schwung kam!) vor, planten sogar, Stalin und die anderen fhrenden Regierungsmitglieder in den Republiken und Bezirken zu verhaften (Tomski). Wenn sie auch wegen der Aussichtslosigkeit ihres Vorhabens davon Abstand nehmen mussten, so hatten sie wenigstens versucht, die Mehrheit auf dem Parteitag zu erobern, aber Stalin berstand die kritische Situation, die durch die geringere Stimmenzahl entstanden war infolge des Einflusses, den die Trotzkisten und Rechten auf die Delegierten tatschlich ausgebt hatten. Es gab jedoch keine Stimmenmehrheit gegen ihn dank seiner groen Erfolge beim Aufbau des Sozialismus, dank der Massen, die in geschlossener Front hinter ihm standen und nicht zuletzt dank der vernichtenden Entlarvung des Blocks der Rechten und Trotzkisten, der Formierung der Front des Leninismus gegen alle parteifeindlichen Abweichungen. Er blieb in diesem harten Kampf auf dem 17. Parteitag wieder einmal der Sieger, die Nachzgler, die Doppelzngler, erlitten eine Niederlage und heuchelten schlielich ihre Lobeshymnen auf Stalin, um in der Partei ihre Blockwhlarbeit illegal fortsetzen zu knnen. Fr die 1953er Verschwrung gegen Stalin trgt die ganze Fhrungsspitze der KPdSU die Verantwortung, sowohl die Genossen der alten als auch der neuen Garde ausnahmslos alle ! Die Rolle des Fhrungskreises in den 30ern und 1953 war insofern verschieden, als 1953 keiner mehr auf der Seite Stalins gekmpft hatte, sondern alle mehr oder weniger einig waren, Stalin zu beseitigen. Diese relative Einigkeit, sich gegen Stalin aufzulehnen, war schlielich ausschlaggebend fr die Verschwrer, ihre Angriffe auf Stalin zu forcieren und das hatte ihren verbrecherischen Taten schlielich Auftrieb und Dynamik verliehen. In der konterrevolutionren Einheitsfront verringerten sie ihre Furcht vor Stalin und das war von groer Bedeutung fr das, was dann geschah. Die Verschwrerruppen waren verbunden durch ihre verschiedenen parteifeindlichen Anschauungen, woraus sich dann die Notwendigkeit ergab, gegen Stalin zu kmpfen. Als sie aber gegen Stalin kmpften, wurde ihnen damit auch immer deutlicher, dass sie den Sozialismus, die UdSSR verraten hatten, dass sie zu Komplizen der kapitalistischen Welt geworden waren. Dies verbargen sie um so mehr als sie Angst davor hatten, als Verrter entlarvt und liquidiert zu werden. Diese Angst, dieses schlechte Gewissen trieb sie immer tiefer in den Abgrund. Htte Stalin noch gelebt, wre das Programm der Restauration des Kapitalismus gescheitert, htte das den Bankrott der Verschwrer bedeutet. So wie die Rechten und Trotzkisten, die den Sozialismus in einem Land fr unmglich hielten, so frchteten sich die modernen Revisionisten vorm Weltsozialismus nach den groen Siegen Stalins.
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Ohne den Faschismus von auen gbe es in der Sowjetunion keine konterrevolutionre Gruppierungen, die sich auf den Faschismus htte sttzen knnen. In der ersten Periode des Sozialismus, also in der Periode des Sozialismus in einem Land, war es zwar unter groem Krfteaufwand und unzhligen Opfern gelungen, den Block der Rechten und Trotzkisten von der Oberflche hinwegzufegen, ihm empfindliche Niederlagen und Verluste zuzufgen, die dem Aufbau des Sozialismus einen enormen und entscheidenden Auftrieb gaben, um im Groen Vaterlndischen Krieg ber den Faschismus und seine 5. Kolonne in der Sowjetunion zu siegen, um sich bessere Bedingungen fr den bergang zur zweiten Periode des Sozialismus zu schaffen usw. usf. - aber die im Untergrund weiter whlende Konterrevolution konnte nicht fr immer unschdlich gemacht werden, hierzu bedurfte es der Verschrfung des Klassenkampfes in der Sowjetunion. In der ersten Periode des Sozialismus kann die Unvermeidlichkeit der konterrevolutionren Bewegung der Restauration des Kapitalismus nicht beseitigt werden erst im Weltmastab, also in der zweiten Periode des Sozialismus. Das liegt in der historischen Tatsache begrndet, dass die erste Periode des Sozialismus gekennzeichnet ist durch den sich verstrkenden Druck der weltimperialistischen Umkreisung: Die kapitalistische Einkreisung, sagte Stalin im Jahre 1930, darf man nicht als einen einfachen geographischen Begriff auffassen. Kapitalistische Einkreisung bedeutet, dass es rings um die Sowjetunion feindliche Klassen gibt, welche bereit sind, unsere Klassenfeinde innerhalb der Grenzen der Sowjetunion moralisch und materiell, sowie durch eine finanzielle Blockade und, wenn es mglich ist, auch mit Hilfe einer militrischen Intervention, zu untersttzen (Stalin, Werke, Band 12, Seite 265, KPD/ML, Hamburg 1971). Zur Zeit des Faschismus konnten die konterrevolutionren Gruppierungen innerhalb der UdSSR sich nicht auf ein geschlossenes globales konterrevolutionres System der imperialistischen Umkreisung sttzen, sondern nur auf die einzelnen Gromchte, die sich selber bekriegten und gegenseitig schwchten, insbesondere Deutschland, England und Japan. Vor allem sttzten sich die konterrevolutionren Gruppierungen auf diejenige Gromacht, die am ehesten zum Sturz der UdSSR und zur Eroberung der konterrevolutionren Macht beitragen konnten auf Deutschland. Deutschland war vor dem Zweiten Weltkrieg der Hauptfeind, nach dem Krieg waren es die USA und sie sind es bis heute geblieben. Auch das entspricht dem Wesen der ersten Periode des Sozialismus. Wie aber verndern sich die Bedingungen der konterrevolutionren Gruppierungen in der Sowjetunion, nachdem einerseits der Weltimperialismus nach dem 2. Weltkrieg uerst geschwcht und andererseits die Sowjetunion mit dem entstehenden sozialistischen Lager, mit der revolutionren Entwicklung Asiens usw. usf. in einem internationalen Ausma gestrkt wurde? Die Welt stand vor entscheidenden historischen Situation des weltweiten Siegeszugs des Sozialismus und damit des weltweiten Untergangs des Kapitalismus. Mit anderen Worten: der Sozialismus der ersten Periode war nach dem 2. Weltkrieg bereits so weit herangereift, dass sich der qualitative Sprung zum Weltsozialismus konkret anzubahnen begann. Die Verschwrung htte den Tod Stalins nicht herbeifhren, htte nicht Stalins Scheitern seines schon beschrittenen bergangs in die zweite Periode des Sozialismus herbeifhren knnen, wenn der Weltimperialismus in dieser Situation nicht gezwungen gewesen wre, diese Verschwrung mit allen zur Verfgung stehenden Mitteln von auen zu untersttzen. Berija vertrat den Standpunkt der Nichteinmischung. Fr ihn war die Sowjetunion stark genug, um mit jedem in der Welt fertig zu werden, um sowohl mit Aggressoren als auch mit deren Opfern zusammenzuarbeiten zum Wohl der Sowjetunion. In Wirklichkeit bedeutete Berijas Haltung der Nichteinmischung eine Begnstigung der Aggression der alliierten Westmchte, begnstigte seine Haltung in Wirklichkeit nicht die Beendigung des Kalten Krieges, sondern im Gegenteil, wurde damit deren kriegerische Aggression nur noch mehr angestachelt. Ohne einen Roosevelt und Churchill htte es keinen Verschwrer Namens Berija gegeben. Die Ausrottung des Hitlerfaschismus war fr die modernen Revisionisten eine Voraussetzung fr das Bndnis mit den anderen Westmchten und nicht etwa ein entscheidender Schritt zur Ausrottung des gan-
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zen Weltimperialismus wie Stalin es plante. Ohne die Entschlossenheit und Geschlossenheit des weltimperialistischen Lagers, der drohenden Gefahr des sozialistischen Lagers mit aller Macht und mit allen Mitteln zu begegnen, htte es keine nationalen Bewegungen in den Randgebieten der Sowjetunion gegeben, die sich von Berija zur Lostrennung vom russischen Zentrum htten verfhren lassen knnen. An der Schwelle der zweiten Periode des Sozialismus verwandelte sich auch der Charakter der Verschwrung. Sie diente nicht mehr nur dem Sturz des Sozialismus in einem Land, sondern der Verhinderung des bergangs zum Weltsozialismus. So ist der moderne Revisionismus zu einer weltrevisionistischen Strmung geworden. Die Verschwrer von 1953 verwandelten das Zentrum der Weltrevolution in ein Zentrum der Konterrevolution und genau das rettete den Weltimperialismus vor seinem Untergang. Dank der daraus entstehenden marxistisch-leninistischen Weltbewegung wurde der Sozialismus in Albanien siegreich verteidigt, das heit, mit der Verhinderung des bergangs zum Weltsozialismus wurde nicht die Entwicklung des Sozialismus in einem Land verhindert, entwickelte sich der Sozialismus der ersten Periode weiter und das trotz des Revisionismus an der Macht. Damit haben wir Marxisten-Leninisten der Welt bewiesen, dass wir Stalins Erbe siegreich verteidigt hatten, dass man Stalin ermorden, den Sozialismus fr eine begrenzte Zeit vom Erdball fegen, aber Stalins Erbe nicht auf Dauer vernichten kann. Heute beginnt der Weltimperialismus global zu verfaulen, so dass auch die Revisionisten ihrer Untersttzung durch den Weltimperialismus beraubt werden, dass der Sieg der sozialistischen Weltrevolution unvermeidlich in greifbare Nhe rckt. Auf dem XV. Parteitag spricht Stalin gegen die Opposition von Kamenew und Sinowjew: Glaubt man denn wirklich, wir Bolschewiki, die wir den Adelsstand mit den Wurzeln ausgerodet haben, wrden ihn jetzt in unserer Partei wieder herstellen? (Band 10, Seite 304). Die Mehrheit des Prsidiums, ja das ganze Prsidium htte Anfang der 50er Jahre ausgeschlossen werden mssen. Stalin wollte keine adligen Bolschewiki in der Partei haben, weder solche vom alten noch solche vom neuen Adel . Solche radikalen Situationen der Suberung der gesamten Fhrungsspitze hatte es bei den Bolschewiki nicht zum ersten Mal gegeben. So wie Stalin 1953, war auch Lenin 1903 ganz allein. Von der fhrenden Sechsergruppe gingen Plechanow, Sassulitsch, Martow, Axelrod und Potressow. Im Ergebnis gelangte die Partei mit Lenin aber gerade dadurch auf den richtigen, auf den bolschewistischen Weg. Im Jahre 1907 und 1908 in der Periode des Rckzugs der gescheiterten Revolution von 1905 - war die Situation nicht anders. Auch, was die Periode der NP und die darauf folgende Periode des Aufbaus des Sozialismus in einem Land anbelangte, erforderte die Vernichtung der Fhrer der kapitalistischen berreste und der trotzkistischen Fhrer der Opposition. Oder nehmen wir die Situation, die durch den Groen Vaterlndischen Krieg entstanden war. Auch hier mussten unvermeidlich fhrende Parteikpfe rollen, insbesondere in der Roten Armee. Und 1953? Das Gleiche ! Im Ergebnis htte die Partei mit Stalin mit stalinistischen Prsidiumsmitgliedern - den bolschewistischen Weg Lenins und Stalins siegreich fortsetzen knnen, wenn solche Fhrer wie Chruschtschow, bzw. solche, die ihn haben zum Fhrer aufsteigen lieen, rechtzeitig von ihrem Posten gesubert worden wren. Die Suberungen der Partei, insbesondere die Suberungen der Parteispitze, ist kein willkrlicher Akt, sondern steht untrennbar mit den historischen Wendungen des Klassenkampfes im Zusammenhang, die jede bolschewistische Partei zu meistern hat, und was nun einmal nicht ohne Parteiopfer, Opfer in der Parteifhrung, abgeht, abgehen kann. Es ist eine Tatsache, dass die Geschichte in ihrem Verlauf stets ganz bestimmte, entscheidende Wendungen vollzieht, so auch die Geschichte des Bolschewismus. Diese Wendungen fhrten jedes Mal zur Ablsung alter durch neue Parteifhrer und zwar so radikal wie die Wendung selbst.
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Auch Anfang der 50er Jahre stand der Bolschewismus an seiner historischen Wende an der Wende zum Weltbolschewismus: die Zerschlagung des gesamten Weltimperialismus, das Durchbrechen seiner Umkreisung durch den proletarischen Internationalismus an der Macht, der Sieg des Sozialismus im Weltmastab, die Wendung von der Diktatur des Proletariats in einem Land zur Weltdiktatur des Proletariats, die Wendung des Kommunismus in einem Land zum Weltkommunismus; kurz: der praktisch bevorstehende bergang von der ersten zur zweiten Periode des Sozialismus die Wende zum Weltsozialismus. Anfang der 50er Jahre war mit solchen Prsidiumsmitgliedern die angesichts dieser gewaltigen Herausforderung kalte Fe kriegten, die es sich in ihrem von der Arbeiterklasse eingerichteten herrschaftlichen Bett schon all zu gemtlich gemacht hatten - fr Stalin ein Ding der Unmglichkeit. Eben deswegen fhrte der Weg der Partei unweigerlich und unvermeidbar in die Degeneration, in die Entartung. Der Weg des bergangs zum Weltsozialismus, der bergang des Kommunismus in einem Land, wurde durch die Wendung des ersten sozialistischen Staates auf der Welt in einen restaurierten kapitalistischen Staat verraten, womit die Wendung zur zweiten Periode mit dem vorlufigen Tod der ersten Periode des Sozialismus, der bergang vom Sozialismus in einem Land zum Kommunismus in einem Land, endete. Wir Marxisten-Leninisten haben immer von der kapitalistischen Umkreisung unter den Bedingungen der UdSSR Lenins und Stalins gesprochen, whrend wir nach der Machtergreifung der modernen Revisionisten von einer kapitalistisch-revisionistischen Umkreisung auszugehen hatten. Das war natrlich vllig korrekt. Nur haben wir den dialektischen Entwicklungsprozess zur kapitalistischrevisionistischen Umkreisung richtig beleuchtet ? Wie kam es zu dieser entscheidenden qualitativen Vernderung der Umkreisung, mit der sich nun die marxistisch-leninistische Weltbewegung mit ihrem fhrenden albanischen Weltzentrum konfrontiert sah ? Die Frage der kapitalistischen Umkreisung hat Stalin dialektisch zu lsen versucht. Die Umkreisung von auen wirkt auf die innere Umkreisung. Die Verschwrung von 1953 hatte zum Ziel, das fhrende Zentrum der bolschewistischen Partei mit Stalin an der Spitze revisionistisch zu umkreisen vermittels der direkten und indirekten Untersttzung der kapitalistischen Umkreisung von auen. Die kapitalistisch-revisionistische Umkreisung, wie sie nach Stalins Tod auf Albanien und die marxistischleninistische Weltbewegung wirkte, entwickelte sich also bereits zu Lebzeiten Stalins, nur dass Stalin bis zu seinem Tod die Vereinigung und Verschmelzung der kapitalistischen mit der revisionistischen Umkreisung zu einer einzigen Weltfront verhindern konnte. Der bergang zum Kommunismus in einem Land hing davon ab, ob es Stalin gelingen wrde, nicht nur den Kalten Krieg von auen, sondern auch den Kalten Krieg von innen, der von den Revisionisten nicht anders als unter den Bedingungen des Kalten Krieges von auen gefhrt werden konnte, hinauszuzgern, der unvermeidlich war, aber den er hinausgezgert hat, entweder bis zu dem Moment, da sich das sozialistische Weltlager gengend ausbreitet oder endlich bis zu dem Moment, da die Imperialisten untereinander als auch die Revisionisten untereinander, wegen der Ausbreitung des sozialistischen Weltlagers einerseits und des bergangs zum Kommunismus in einem Land andererseits, in die Haare geraten. Stalin wollte die Partei von diesen schwankenden, kapitulierenden und lammentierenden Fhrungselementen befreien, die das Vorwrtskommen der Partei in diese Richtung zur Wende behindert hatten. Die Sprengung der inneren Umkreisung war aber schon keine innere Angelegenheit der Sowjetunion mehr, sondern war eng verknpft mit dem Kampf gegen den Kalten Krieg der angloamerikanischen Imperialisten, also mit dem Kampf gegen das neu entstehende weltkapitalistische Lager.
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Stalin pflegte hierzu stets zu sagen: Nun wohl, wenn diese oder jene alten Fhrer sich in Ballast verwandeln und aus dem Wagen kippen wollen, so ist das wohl der ihnen beschiedene Weg! (Stalin Werke, Band 10, Seite 323). Aber mit dem Mord an ihm konnte Stalin sein internationalistisches Werk nicht fortsetzen, blieb das in der Partei am Leben, was es nicht mehr wert war, am Leben zu bleiben und das Neue, das Wachsende, wurde mit Stalin gettet, muss heute unter groen Schwierigkeiten wieder von Vorne aufgebaut werden. So weit zu den welthistorischen Konsequenzen gescheiterter Suberungen, so weit zum eisernen Grundsatz einer bolschewistischen Partei: Die Partei schreitet voran, indem sie sich von Unrat subert. Die Partei wird umgekehrt von ihren eigenen rckschrittlichen Elementen gesubert, wenn sie es versumt, diesen eisernen Grundsatz ernsthaft zu beherzigen und konsequent in die Tat umzusetzen. Es darf uns doch nicht wundern, Genossen, dass die Bourgeoisie gerade diesen, unseren Suberungsgrundsatz als undemokratisches und unzivilisiertes, barbarisches Werkzeug der Schreckensdiktatur der Kommunistischen Partei ber Andersdenkende und Oppositionelle vor den Massen demagogisch anprangert. Es darf uns ferner nicht wundern, dass die modernen Revisionisten die Suberungen als Teufelswerk Stalins verurteilten, um dem Weltimperialismus die Stiefel zu lecken. Bezeichnend dabei ist, dass die modernen Revisionisten Stalin als Abweichler vom Leninismus brandmarkten, wo doch gerade der Leninismus die Suberung der Partei lehrte, die Stalin nur meisterhaft umzusetzen verstand. Bis zu Stalins Tod hatte die Verschwrung noch einen allgemein defaitistischen Charakter. Die Verschwrer waren es mde, ihren Unwillen und ihren Unmut vor Stalin stndig verbergen zu mssen, hatten sie doch schon lange mit Stalin gebrochen. Sie empfanden Schadenfreude, wenn Stalin Schwierigkeiten bei der Durchsetzung seiner Generallinie hinnehmen musste. Sie untersttzten ihn nur uerst halbherzig und widerwillig und vielen ihm in den Rcken, wo und wann immer sich dazu eine Gelegenheit bot. Als ihre Unzufriedenheit sich bis zur Verweigerung gesteigert hatte, reifte in ihnen ein neuer Tatendrang heran, verwandelte sich der passive Defaitismus in einen aktiven Defaitismus. Dies blieb Stalin natrlich nicht verborgen. Diese angespannte Situation blieb nicht ohne Folgen auf seinen Gesundheitszustand. Er war bereits 73 Jahre alt und dieser Kampf kostete ihm viel Kraft. Die verschiedenen Verschwrergruppen wurden alle von Stalin scharf kritisiert und bekmpft. Umgekehrt war Stalin fr die Verwirklichung ihrer verbrecherischen Absichten eine stndige Bedrohung. Um ihn endlich loszuwerden, erteilten sie sich untereinander gegenseitige Amnestie, schloss man untereinander bis zur Eroberung ihrer revisionistischen Macht einen Nichtangriffspakt, um sich dann nach Stalins Tod im Konkurrenzkampf um die Nachfolge, um die eigene Macht, die Kpfe einzuschlagen. Es wre allerdings unmarxistisch, persnliche Machtmotive in den Vordergrund zu schieben. In Wirklichkeit ging es der neuen Bourgeoisie nur darum, wie sie ihre politische Macht am besten nutzt, um die Restauration des Kapitalismus gesichert und reibungslos umzusetzen. Die Verkommenheit von Chruschtschows Moralbegriffen drckt sich aus in der Beseitigung Berijas, die schon vor der Beseitigung Stalins von ihm geplant war. Chruschtschows Doppelzngigkeit gegenber Verschwrern, die ihm zur Eroberung der Macht verhalfen, erwies sich als eine Maskerade, welche ihm gestattete, gegen Berija das ganze Feuer zu richten, um die Macht zu behaupten und zu festigen. Chruschtschow beschuldigte Berija, die Grundpfeiler der UdSSR zu erschttern, Westagent zu sein usw. usf. und entlarvte diesen Doppelzngler in der Absicht, die eigenen Spuren seiner Beteiligung an dem verruchten Verbrechen an Stalin zu verwischen. Alles, was Chruschtschow Berija in den schwrzesten Farben vorwarf, hatte Chruschtschow zum Teil selber begangen das ist die Wahrheit. Chruschtschows Urteil gegen Berija war das Urteil gegen sich selbst. So ist auch Radek im Prozess gegen Sinowjew und Kamenew vorgegangen genauso, nur mit dem Unterschied, dass Radek seiner gerechten Strafe nicht entging, whrend Chruschtschow seine Verbrechen fortsetzen konnte, die wir Hoxhaisten entlarvten und bekmpften. Chruschtschow ging ber Leichen seiner Kumpanen hinweg, und whlte sich aus seiner stinkenden, blutigen Kloake heraus, in der er schon zu Lebzeiten Stalins steckte. Aber Verrter entgehen
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niemals dem Urteil des Weltproletariats. Es wird nicht nur Chruschtschows Verbrechen an den Schandpfahl der Geschichte nageln, nicht nur den Chruschtschowismus, sondern den ganzen Weltrevisionismus vernichten. Und Berija? Berija, der zu Stalins Lebzeiten mit Chruschtschow an der Vorbereitung der Palastrevolution teilgenommen hatte, schluchzt ber die Leiche des ermordeten Stalin, um auch seine Spuren zu verwischen. Nur, dass er mit dem Verwischen seiner eigenen Spuren und darin war er ein Meister, denn man konnte ihm tatschlich nichts Schlimmes beweisen, ohne Gefahr zu laufen, bei der Aufdeckung seiner wahren Verbrechen die Spuren auf die anderen Verschwrer, auf Chruschtschow, zu lenken. So blieb Chruschtschow gar nichts Anderes brig, als sein Todesurteil ber Berija zu fllen, denn anders htte er seine eigene Haut nicht retten knnen, htte Berija seinen Willen gegenber all den Anderen, und nicht zuletzt auch gegen Chruschtschow selbst, durchgesetzt. Berija war aber nicht von nackter Machtgier besessen. Das stimmt nicht. Das war ein Versuch, die ffentliche Meinung zu tuschen. Um das Programm der Restauration des Kapitalismus zu verbergen und unerkannt umzusetzen, schob Chruschtschow es Berija unter nach dem Motto aller krimineller Verbrecher: Haltet den Dieb! Nimmt man aber sowohl die verbrecherischen Taten Chruschtschows als auch die verbrecherischen Taten Berijas in der Zeit zwischen Stalins und Berijas Tod unter die marxistisch-leninistische Lupe, so wird man nicht leugnen knnen, dass beide auf ihre Weise Verfechter des Programms der Restauration des Kapitalismus waren und dass sie sich nur durch die unterschiedliche Menge Blut a ihren Hnden unterschieden. Wer das bestreitet, stellt sich auf die Seite der Restauration des Kapitalismus, ob er nun behauptet, Anti-Revisionist, MarxistLeninist, zu sein oder nicht. Eine Unterscheidung von Berija und Chruschtschow ist keine Unterscheidung von modernem Revisionismus und Marxismus-Leninismus. Berija ist nicht als Stalinist, sondern als zu schnell voraus geeilter voreiliger Restaurator des Kapitalismus gestrzt worden. Berija und Chruschtschow waren sich zwar ber die Entstalinisierung grundstzlich einig, aber es gab unberbrckbare Differenzen auf dem Weg zum Kapitalismus bezglich des Ausmaes und der Grenzen der durchzufhrenden Restauration des Kapitalismus als auch ber das Tempo und die Methoden. Wer Berija als so geannten Marxist-Leninist bezeichnet, macht einen folgenschweren Fehler und muss wissen, dass er der Bourgeoisie hilft, den modernen Revisionismus vor seinem endgltigen Untergang zu retten, begibt sich auf die andere Seite der Barrikade. Wir machen keinem Genossen Vorwrfe, der Berija bislang falsch eingeschtzt hat. Wir selbst haben auch erst jetzt Informationen ber Berija bekommen, konnten uns also lange Zeit kein genaues Bild ber ihn machen. Wen wir allerdings verurteilen, sind Leute, die dunkle Absichten verfolgen, wie die vom redchannel, die ber die Verbrechen Berijas sehr wohl Bescheid wissen. Da wir Marxisten-Leninisten den Renegaten Chruschtschow durchschaut und angeprangert hatten, musste dessen Liquidierung Berijas so aussehen als wrde hier ein Fhrer des Marxismus-Leninismus, ein treuer Stalinanhnger, den Revisionisten zu Opfer gefallen sein. Die Wahrheit aber ist, dass hier nur ein Verschwrer Stalins einem rivalisierenden Verschwrer Stalins zu Opfer gefallen ist. Auf diese Weise haben diese Berijaner versucht, den Revisionismus hinberzuretten und ihn uns Marxisten-Leninisten unterzujubeln. Jeder Revisionismus, jeder Revisionist, der nicht entlarvt ist und sich weiter verbergen kann, bedeutet fr uns Marxisten-Leninisten eine Gefahr, der wir begegnen mssen. Das ist genau das, was wir unter Neo-Revisionismus verstehen : Anti-Revisionismus in Worten Revisionismus in Taten! Die Haltung gegenber Berija ist ein Prfstein zur Abgrenzung des MarxismusLeninismus vom Neo-Revisionismus ! Die feindliche Haltung von red channel uns gegenber ist kein Zufall, hat ihren Grund red channel verteidigt die DDR vor unserem Sozialfaschismusvorwurf, logischerweise mssen sie auch Berija vor uns in Schutz nehmen. Wer die sozialfaschistische DDR Ulbrichts und Honeckers untersttzt, der ist ein Erzrevisionist, den wir Stalinisten nicht mit Samthandschuhen anfassen, denn das hat der StaSi mit unseren marxistisch-leninistischen Genossen auch nicht gemacht. Sollen sie ihre DDR verteidigen, sie werden genauso auf dem Misthaufen der Geschichte landen wie die DDR.
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Sowohl Berija als auch Chruschtschow waren der Meinung, dass der Weltimperialismus mit den USA an der Spitze siegen und alles erwrgen wrde und dass es daher besser sei, sich rechtzeitig mit ihm zu verstndigen und irgendeinen Kompromiss im Sinne des Rckzugs vom Sozialismus zum Kapitalismus einzugehen. Nur Berija machte das hinter dem Rcken der Partei vermittels seiner Macht im Innenministerium, whrend Chruschtschow den geeigneteren Weg ber die Partei whlte mit Erfolg verschaffte sich dieser den entscheidenden Einfluss in der Parteibasis und damit zu den Massen. Berija war so sehr mit blindem Hass gegen Stalin erfllt, dass er unvorsichtig war und den Einfluss Stalins in der Partei und in den Massen unterschtzte, und diesen Umstand nicht wahrhaben wollte, den Chruschtschow aber sehr wohl begriff. Denn wie sich herausstellte, fhlten sich die Kader in Partei, Staat und Armee von Berijas atemberaubenden Reformkurs berrumpelt, misstrauten sie Berijas bergehen der Partei, verurteilten sie Berija, was Chruschtschow geschickt auszunutzen vermochte, um selber die Zgel in die Hand zu bekommen, indem er sich auf die Partei, und damit auf die Massen sttzte.Dazu war Berija nicht fhig, weil ihm das als mchtigster Fhrer der Apparatschiks immer am Arsch vorbeigegangen war. Wenn man nun Beweise gegen Berija verlangt, so ist dazu zu sagen, was fr Beweise sollen ber solche Verschwrer geliefert werden ? Man wird wohl kaum irgendein Dokument auftreiben knnen, in dem sich Berija mit seiner Unterschrift als Verschwrer gegen Stalin oder als seinen Mrder bekannt hat? Das Wesen seiner Verschwrung bestand ja gerade darin, seine Verbrechen hinter dem Marxismus-Leninismus, hinter Stalin zu verbergen, d.h. marxistisch-leninistisch, stalinistisch erscheinen zu lassen. Man kann die Verschwrung von Verschwrern unmglich von einem Notar beglaubigen lassen, um die Schuld zu beweisen. So kann man die Frage der Beweisfhrung also gar nicht stellen, vor allem nicht, wenn der KGB die Akte Berija wie ein Heiligtum vor den Augen der ffentlichkeit bis heute htet, wenn es sie denn noch berhaupt gibt.
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xistisch-leninistischen Weltbewegung zurckdrngen mussten, dass wir sie aus der marxistischleninistischen Weltbewegung vertreiben mussten, dass sich die marxistisch-leninistische Weltbewegung vom schdlichen Einfluss des Berijanertums befreien und sich durch die Suberung strken musste. Wir haben hier die Person Mielke hinzugezogen, weil wir von der KPD/ML in der DDR zum Staatsfeind Nr. 1 erklrt worden waren. So lautete es im Befehl Mielkes, den er der StaSi gab. Wir gehren also zu jenen Stalinisten, die von einem Schler Berijas gejagt wurden, und diese Jagd auf uns ist auch nach dem Tod Mielkes bis heute nicht beendet, befinden sich die Mielke- Spitzel immer noch ungeschoren unter uns. Wir nehmen hier also als direkt betroffene Stalinisten Stellung zu dem Artikel Bill Blands: DER 'RZTPROZESS' UND DER TOD STALINS (den wir auf unserer CIML-Homepage zum Nachlesen verffentlicht haben). Als betroffene Stalinisten gehen wir im Gegensatz zu Bill Bland an die Frage des Todes des Genossen Stalin politisch und parteilich heran, wenn man so will auch parteipolitisch. Das ist nicht etwa historisch einseitig oder unwissenschaftlich, sondern ganz im Gegenteil, ganz im Sinne des Marxismus-Leninismus. Wir knnen uns also mit der Zitatensammlung brgerlicher Historiker, mit denen Bill Bland den zeitlichen Ablauf der Ereignisse voll gestopft hat, nicht anfreunden. Solche antikommunistischen Historiker wie Robert Conquest, den Bill Bland so gerne zitierte, sind zutiefst verabscheuenswrdig. So schrieb Robert Conquest auch das Vorwort zu der antistalinistischen Hetzschrift des Berija-treuen Sudoplatow: Der Handlanger der Macht Enthllungen eines KGB-Generals, was sehr wohl, wenn auch von ihm nicht beabsichtigt, zur Enthllung ber Berijas Anti-Stalinismus beigetragen hat. Sudoplatow verehrte Berija einst als den Befreier vom Stalinismus, als Fhrer des Kampfes gegen das Terrorregime Stalins, der Kriminalitt Stalins (Sudoplatow Seite 103), der Verbrechen des Stalinismus (ebenda) usw. usf. Sicherlich ist es richtig, dass Sudoplatow auch heftige Kritik an Berija bte, denn davon hing ja auch das Wohlwollen westlicher Historiker ab, ohne die Sudoplatow nicht an die Weltffentlichkeit treten konnte. Was wir an Sudoplatow kritisieren, ist nicht, dass er etwa fr den Stalinismus nicht gekmpft habe. Sudoplatow war nicht von der Sorte des Klassenfeindes wie es Berija einer war. Berija war sein Mentor und dessen Befehlen gehorchte Sudoplatow. Als ehemaliger berzeugter Stalinist hatte er sich einst groe Verdienste erworben und die knnen wir als Stalinisten natrlich nicht verurteilen wollen. Was wir Sudoplatow und vielen anderen Genossen, allerdings vorwerfen mssen, ist, dass er sich schlielich von den Machtintrigen der Fhrung enttuscht abwandte (wie er es nannte). Er sah sich in der Opferrolle, die von oben diktiert worden sei. Er htte als Stalinist treu und als solcher an der Seite Stalins bleiben mssen, um die Intriganten gegen Stalin in den eigenen Reihen zu jagen, zum Beispiel Berija und all die anderen Verschwrer. Sudoplatow leugnete seine einstigen stalinistischen Handlungen zwar nicht, aber schtzte sie spter als fatale Fehler ein, machte in unzulssiger Weise den Stalinismus fr diese Fehler verantwortlich, um sich selber endlich als Held feiern zu knnen selbst um den Preis, von der kapitalistischen Welt Applaus zu ernten. Sudoplatow verlor, wie viele andere Stalinisten, in entscheidenden Momenten des erbitterten Klassenkampfes in der Sowjetunion die Orientierung ber die vor sich gehenden Fraktionskmpfe, vermochte nicht mehr Freund und Feind zu unterscheiden, weigerte sich schlielich, dies unterscheiden zu mssen und wurde so tatschlich ein Handlanger der Macht nicht etwa der Macht Stalins, sondern der Macht der Gegner Stalins wie es Berija einer war. Er verlor durchaus nicht seine soldatische, aber sehr wohl seine proletarische Haltung, seinen revolutionren, bolschewistischen Geist, auf den er immer so stolz war. Sudoplatow war einer der vielen proletarischen Revolutionre, die durch Berija zu kapitalistischen Soldaten wurden. Das Tragische an ihm ist es, dass er bis zu seinem letzten Atemzug sich der berijanischen Selbsttuschung hingab, nicht er, Sudoplatow, sondern umgekehrt, Stalin habe seinen revolutionren Geist eingebt. So sehr war Sudoplatow und Tausende anderer Stalinisten von den hinterlistigen Gegnern Stalins an der Fhrungsspitze der Sowjetunion beeinflusst, dass es diesen gelang, sie als Werkzeug gegen Stalin zu missbrauchen. Das war ein
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groes Verbrechen an den stalinistischen Kadern, das nicht nur Berija, sondern die modernen Revisionisten insgesamt begangen hatten. Das ist eine historische Tatsache, an der nicht vorbei diskutiert werden darf. Bis auf den heutigen Tag besteht die Wirkung des berijanischen Gifts darin, aufrechte Genossen gegen aufrechte Genossen zu hetzen, sie zu brechen und sie sich zu unterwerfen, die Fhrer zu kompromittieren, die Kader zu verheizen und die Massen zu betrgen. Vom Berijanertum haben auch die Spitzeldienste im Weltmastab profitiert und profitieren sie weiterhin davon. Hieraus mssen wir Stalinisten Lehren ziehen: Wir mssen unsere Kader so gut erziehen, dass wir sie nicht eines guten Tages an den Klassenfeind verlieren, der sie gegen uns einsetzt, um uns zu vernichten. Wenn wir die Kader zum strksten Punkt machen, muss man dabei stets damit rechnen, dass sie gerade dadurch zum schwchsten Punkt werden knnen und man muss entsprechende Vorsorge dagegen treffen. Und diese Sudoplatow` sche Doppel-Tragik (die ihn und viele andere ereilte), bestand darin, dass die modernen Revisionisten ihn so lange vergewaltigten, bis sie seiner berdrssig waren und ihn der Geilheit der westlichen Hetzkanaillen berlieen. In dem Vorwort schreibt Robert Conquest ber diese Autobiographie Sudoplatows: ... unseres Wissens womglich der wichtigste Einzelbeitrag seit Chruschtschows Geheimrede (Sudoplatow, Seite 7); Sudoplatow handelte selbstverstndlich zumeist als verbrecherischer Handlanger eines verbrecherischen Regimes (ebenda, Seite 8); Sudoplatow erweist sich in wichtigen Fragen der gesamten Zeit des Hochstalinismus als eine der wertvollsten aller mglich Quellen (ebenda, Seite 14) tja, eben solche Quellen, die dem Anti-Stalinismus der Imperialisten neue Munition lieferten und die Bill Bland unkritisch bernahm. brigens, in der Einleitung zu Sudoplatows Autobiographie wird die Haltung Sudoplatows zu Berija mit folgenden Worten charakterisiert: Sudoplatow deckt auch den komplexen Charakter Lawrentij Berijas auf, seines Mentors in den Jahren 1939 bis 1953. Er bemhte sich, den Menschen Berija so darzustellen, wie er ihn kannte: als einen Mann mit Weitblick und hervorragenden Fhrungsqualitten, unter dessen erfolgreicher Aufsicht die erste Atombombe der Sowjetunion gebaut wurde [etwa genauso wie Hitler die Autobahnen gebaut hatte ? Anmerkung der Redaktion]. Sudoplatow hatte gehofft, dass Berija die Fhrung bernehmen, seine Hrte und Energie auf die Beseitigung der Korruption [fr die er Stalin verantwortlich machte Anmerkung der Redaktion] konzentrieren und der Sowjetunion zu grerem Ansehen in der Welt verhelfen wrde [zu einem Ansehen etwa, das Stalin ramponiert habe ???? - Anmerkung der Redaktion]. (...) Sudoplatow zu Folge war Berija ein Erneuerer [Reformist Anmerkung der Redaktion], der die Wiedervereinigung Deutschlands in den fnfziger Jahren unter Vermeidung der Krisen [als Kapitulant im Dienst der Imperialisten Anmerkung der Redaktion], die zum Bau der Berliner Mauer fhrten, bewerkstelligt htte. In den wenigen Monaten zwischen Stalins Tod und seiner Inhaftierung durch Chruschtschows Gefolgsleute hatte er bereits begonnen, den Gulag zu rumen und darauf gedrngt, politische Gefangene [ nur die anti-kommunistischen Gefangenen Stalins, nicht die von Berija gefangen gehaltenen Stalinisten Anmerkung der Redaktion ] freizulassen (ebenda, Seite 20-21). Also ist der arme, gute Berija sowohl durch Stalins als auch durch Chruschtschows Terror gehindert worden, fr die (imperialistische) Welt Gutes zu tun. Und Bill Bland verlieh Berija dafr den Orden eines Marxisten-Leninisten. Marxismus-Leninismus definiert sich somit als eine Lehre gegen den Stalinismus einerseits und dem modernen Revisionismus andererseits. Fr die Berijaner besteht ihr anti-revisionistischer Kampf also sowohl aus dem Kampf gegen die modernen Revisionisten (offen), als auch (versteckt) gegen den Stalinismus. Solche Leute wie Robert Conquest versuchten, mit ihren Hetzschriften die Stalinfreunde in England und Amerika und ihre Sympathien fr den sowjetischen Kommunismus systematisch zu desillusionieren und wurden dafr an hchster Stelle honoriert. Sie arbeiteten direkt als amerika-
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nische und englische Agenten des Weltimperialismus und zeichnen ein dsteres Bild ber Stalin wie es schlimmer nicht geht. Und das trifft nicht nur zu auf die Flschungen ber die Umstnde, durch den der Tod Stalins herbeigefhrt worden war. All das verschweigt Bill Bland. Da heit es bei Bill Blands Quellenangabe nur neutral: Robert Conquest Historiker. Warum hat Bill Bland sich zu seinen so genannten Quellen nicht kritisch und selbstkritisch geuert, warum hat er Robert Conquest nicht als den kritisiert, der er war, ein Verbrecher der Feder - im Auftrag der Imperialisten ?! Als Stalin-Kenner wusste Bill Bland Bescheid darber, dass die Banditen der Feder nie mehr Lgen ber Stalin verbreitet haben als ber seinen Tod, und dass man also jeglicher Spekulation kritisch entgegen treten muss, zumindest eine gesunde kritische Haltung der Distanz einnehmen muss. Ist das zu viel verlangt? Wer die Werke Stalins aufmerksam liest, der findet auch genug Erklrungen Stalins, sich gegen Flschungen und Lgenerfindungen zu wehren, und es ist kein Zufall, dass der meiste anti-stalinistische Dreck im Auftrag der angloamerikanischen Imperialisten ber die Weltffentlichkeit ausgeschttet worden ist und weiter ausgeschttet wird von den revisionistischen Nestbeschmutzern einmal abgesehen. Nehmen wir uns nur zum Beispiel den Band 10 der Stalinwerke vor. Der letzte Artikel in diesem Band trgt den Titel: Erklrung fr die Vertreter der auslndischen Presse ber die geflschten `Artikel Stalins ` (Seite 324-327). Darin dementiert der Genosse Stalin eine Reihe von angeblichen Interviews und Artikeln Stalins, die es nie gegeben hat und vom Westen rein erfunden waren: Ihr Ziel ist, die Wirkung zu erschttern, die die Delegation der UdSSR in Genf mit ihrer Deklaration ber die vllige Abrstung erzielt hat. (...) Die Tatsache, dass die Agenten des Kapitals gezwungen sind, im Kampf gegen die Friedenspolitik der UdSSR alle mglichen verdchtigen Individuen und allerlei Banditen der Feder um Hilfe anzugehen diese Tatsache demonstriert besser als alles andere die moralische Kraft und die prinzipielle Strke der Position, die die Delegation der UdSSR in Genf in der Frage der Abrstung bezogen hat (16. Dezember 1927). An diesen journalistischen Verbrechermethoden der Lakaien des Kapitals hat sich nichts gendert, sie sind nur weiter verfeinert worden. Eine dieser verfeinerten Methoden ist es, der revolutionren Linken die Mrder Stalins als Marxisten-Leninisten zu verkaufen. Wir mssen es politisch begrnden, warum wir es ablehnen, dass Bill Bland jedesmal, wenn die Namen Berija und Makarenko und die Namen anderer Verrter am Stalinismus in seinen brgerlichen Zitaten erwhnt werden, in Klammern solche Anmerkungen macht wie: (es handelt sich um einen Marxisten-Leninisten der Verfasser Bill Bland). Es wre die Pflicht von Bill Bland gewesen, seine Anmerkungen politisch zu begrnden, aber das hat er unterlassen, aus welchem Grund auch immer. Es gibt in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung noch keine ausreichende, einheitliche und geschlossene Beurteilung der Ereignisse, die den Tod des Genossen Stalin herbeifhrten, ganz einfach aus Grnden mangelnder Beweise. Allerdings gibt es Hinweise des Genossen Enver Hoxha, der aber selber bedauerte, nicht gengend Informationen hierber gehabt zu haben. Es ist erstaunlich, dass der Hoxhaist Bill Bland die uerst aufschlussreichen Bemerkungen Enver Hoxhas verschweigt wie zum Beispiel:
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Diese Elemente sowie Chruschtschow, Mikojan, Berija und ihre Apparatschiks verheimlichten Stalin die Wahrheit. Auf die eine oder andere Weise tuschten, hintergingen sie Stalin (Enver Hoxha, Die Chruschtschowianer, Seite 20). Wie kann da Hoxhaist Bill Bland einen Berija als Marxisten-Leninisten lobpreisen, der nach der Aussage Enver Hoxhas Stalin getuscht und hintergangen hat? Wie kann man sich da als ehrlicher Hoxhaist, als Freund Albaniens ausgeben ? Man kann also Bill Blands Einschtzung nicht als einheitliche Einschtzung der marxistisch-leninistischen Weltbewegung gelten lassen, die dem Hoxhaismus verpflichtet ist. Im Gegenteil, Bill Blands Einschtzung ist vielmehr zu verwerfen, ohne dabei den Wert der von ihm gesammelte Materialien der brgerlichen Historiker herabzumindern. Wir sind allerdings der Meinung, dass Bill Bland den Fehler gemacht hat, die brgerlichen Schreiberlinge, die er zitiert hat, berbewertet zu haben. Eine berbewertung dieser Materialien, wie wir sie bei Bill Bland feststellen knnen, ist zu kritisieren, weil sie die einheitliche, marxistische Beurteilung des Todes des Genossen Stalin im Lager der marxistisch-leninistischen Weltbewegung erschwert und behindert anstatt tatschlich aufzuklren. Und das kann bei brgerlichen Historikern ja auch gar nicht anders sein. Wenn sie nicht Lgen verbreiten wrden, wren sie ja keine brgerlichen Historiker. Die Wahrheit ber Stalins Tod herauszufinden ist ein Jahrzehnte langer Prozess, der genauso lange andauert wie der Prozess seiner Verheimlichung und Verflschung. Es kann bei uns Marxisten-Leninisten jedoch kein Zweifel darber bestehen, dass Stalin nicht der einzige Stalinist in der Sowjetunion war oder dass mit seinem Tod die Stalinisten nicht etwa aufgehrt haben, Stalinisten zu sein und zu bleiben. Der Kampf der Stalinisten in der Periode der Machtbernahme der modernen Revisionisten hat unserer Meinung nach objektiv stattgefunden das ist eine Tatsache, die niemals verschwiegen oder verflscht werden darf. Hier stimmen alle Genossen der marxistisch-leninistischen Weltbewegung berein, denn es ist nun einmal das Wesen der Stalinisten, ihren Kampf zur Verteidigung Stalins niemals aufzugeben, sondern ihn im Gegenteil zu verstrken. Die anti-stalinistische Taktik des Verschweigens hat ausgedient. Es mehren sich unter den brgerlichen Historikern die Stimmen, die offen zugeben, dass Stalin ermordet wurde. An die Stelle tritt immer offensichtlicher die alternative anti-stalinistische Taktik, den Konkurrenzkampf der Revisionisten untereinander flschlicherweise als Kampf der Revisionisten gegen die MarxistenLeninisten umzudichten. Wir kommen nicht umhin festzustellen, dass in Bill Blands Artikel DER 'RZTPROZESS' UND DER TOD STALINS dieser brgerlichen Geschichtsflscher-Taktik Vorschub geleistet wird. Dies hat uns wiederum auf die Spur gebracht, um herauszufinden, WER die damaligen Stalinisten in Wirklichkeit waren und WIE sie gegen die verschiedenen revisionistischen Fraktionen gekmpft haben, wie sie organisiert waren, welche Aktionen sie durchfhrten, welche Opfer zu beklagen waren, welche Verbrechen die Revisionisten gegen die wahren Stalinisten verbt haben, usw. usf. Man kann nicht den Tod Stalins aufklren, ohne den Tod aller Stalinisten aufzuklren, ohne den Kampf um die Verteidigung der ersten Diktatur des Proletariats aufzuklren. Wenn wir die Lgenmrchen ber die angeblichen Marxisten-Leninisten Berija und Konsorten entlarvt haben, so haben wir damit erst die halbe Wahrheit aufgedeckt. Es drngt sichunvermeidlich die Frage auf: Wenn die angeblichen Marxisten-Leninisten entlarvt sind, wer sind dann die wahren Marxisten-Leninisten gewesen ?? Wie sah der Kampf zur Verteidigung der Diktatur des Proletariats in Wahrheit damals aus ? Wo stand die Partei ? Wo stand die Arbeiterklasse ? Wo standen die Massen ? Stalin hat doch nicht allein gegen die ganze Welt gekmpft ?! Wir sind fest davon berzeugt, dass hier ein heldenhafter Kampf gefhrt wurde von Helden, deren Existenz unter den Tisch der Geschichte gekehrt worden sind in der Absicht, den Anker des Stalinismus aus der Partei, aus der Arbeiterklasse, aus den werkttigen Massen mit der Methode des Stillschweigen herausreien zu wollen.
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Wenn man uns hierzu auch noch absichtlich im Dunkeln tappen lsst, so ist uns eines klar: Ohne die nachhaltige Wirksamkeit des anti-revisionistischen Kampfes der Stalinisten htten die modernen Revisionisten fr den vollstndigen Abschluss des Restaurationsprozesses des Kapitalismus mit Sicherheit nicht fast vier Jahrzehnte bentigt !!! Es ist kein Zufall, dass heute noch fernab der russischen Metropolen, unzhlige Stalin- und Lenindenkmler, Statuen und Bsten weiter aufrecht stehen und noch nicht umgestrzt worden sind. Und dass die stalinistische Bewegung trotz schwerster Verfolgungen immer offener auftritt mit Stalin-Demonstrationen und Stalin-Bildern, das ist ebenfalls kein Zufall. Es ist fr uns Stalinisten, die wir seit 40 fr den Stalinismus kmpfen, eine berwltigende Freude, dies noch miterleben zu drfen. Die stalinistische Bewegung hat historisch standgehalten und entwickelt sich weiter vorwrts. Bravo !!!! Dies knnen selbst die eingefleischtesten Anti-Stalinisten nun nicht mehr leugnen. Wir sind uns ferner darber im Klaren, dass die stalinistische Bewegung in der revisionistischen Sowjetunion und in anderen revisionistischen Staaten (mit Ausnahme der stalinistischen Bewegung in Ost- und Westdeutschland) von der tatschlich existierenden marxistisch-leninistische Weltbewegung auerhalb der revisionistischen Staaten isoliert worden war, dass es keinerlei Kontakte zwischen hben und drben gab. Das hat sich heute gendert. Es gibt keine revisionistischbrgerliche Mauer mehr zwischen den stalinistischen Bewegungen aller Lnder dieser Erde. Die stalinistische Weltbewegung ist heute dabei, sich ber alle nationalen und politischen Grenzen hinweg global zu vereinigen und den Kampf des Genossen Stalin fr den Weltsozialismus nach seinem Tod zu Ende zu fhren. Das ist eine Tatsache. Natrlich ist sich die stalinistische Weltbewegung darber bewusst, dass die Revisionisten so lange weiter im Trben fischen knnen wie wir den ins Dunkel verhllten Klassenkampf zwischen den Stalinisten und den Revisionisten - kurz vor dem Tod Stalins, whrend der Machtbernahme der modernen Revisionisten und unmittelbar danach - nicht ans Tageslicht bringen. Hier sind wir insbesondere auf die solidarische Untersttzung der stalinistischen Genossen der ehemaligen Sowjetunion angewiesen, die die Lage von innen besser beurteilen knnen als das von auen mglich ist. Den Kampf gegen den Revisionismus zu fhren, das heit heute nicht zuletzt, die ganze Physiognomie des stalinistischen Kampfes in der Sowjetunion kurz vor und nach dem Mord an Stalin, aufzuklren und zu dokumentieren., aus diesem Kampf zu lernen. Nur so knnen wir den Revisionisten allmhlich das Wasser abgraben, knnen wir sie aus unseren Schtzengrben, in die sie Unterschlupf gefunden haben, hinaus jagen und vor die Flinte kriegen. Der Kampf der Stalinisten in Lndern, in denen die Revisionisten die Macht eroberten, ist eines der wichtigsten Erfahrungen der internationalen, revolutionren Arbeiterbewegung, aus deren Siegen und Niederlagen wir wichtige Lehren ziehen, um zu verhindern, dass sich die Geschichte derart wiederholen kann. Wenn wir uns also mit dem Tod Stalins beschftigen, dann tun wir das nicht ohne Absicht, daraus historische Beweise fr die Existenz und des aktiven Weiterlebens der stalinistischen Bewegung unter den Bedingungen des Revisionismus an der Macht herauszufinden. Vieles, was Mielke, der Schler Berijas, in ganz Deutschland gegen die stalinistische Bewegung unternommen hat, wird sicherlich Parallelen in allen anderen revisionistischen Staaten aufzuweisen haben. Die KPD / ML in Deutschland hat sich das Verdienst erworben, dieses Kapitel der Geschichte zu beleuchten und revolutionr zu verndern. Nun taucht zwar die so genannte parteifeindliche Gruppierung um Molotow, Kaganowitsch usw. auf, aber was beweist das ? Alles, was wir ber sie wissen, deutet darauf hin, dass sie niemals die Fhrer der stalinistischen Bewegung nach dem Tod Stalins gewesen sein konnte. Im Gegenteil, wir sind mit Stalin einer Meinung, dass sie vom Weg des Stalinismus abgewichen sind, dass sie Stalin in den Rcken gefallen sind und dass Stalins Tod sie nicht wieder reumtig zum Stalinismus zurckgefhrt hat. Sie haben nicht nur vor der Macht der modernen Revisionisten kapitu-
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liert, sondern ihnen sogar den Weg zur Macht bereitet. Sie hatten schon zu Lebzeiten Stalins aufgehrt, Stalinisten zu sein und daran hat sich nach Stalins Tod nichts gendert. Sowohl Berija als auch Chruschtschow haben sich dieser Leichen des Bolschewismus bedient, um den Stalinismus zu begraben. Vermutlich wird diese parteifeindliche Gruppierung mit der eigentlichen stalinistischen Bewegung in Verbindung gestanden haben, aber die illegalen Stalinisten sind dieser Gruppierung sicherlich nicht in die Kapitulation gefolgt. Sie haben weiter ihre revolutionre Pflicht im Kampf gegen den Revisionismus an der Macht erfllt, allen Vershnlern und Kapitulanten zum Trotz ohne Opfer, ohne den Tod zu scheuen, worber bis heute noch Totschweigen herrscht. Von dieser festen berzeugung lassen wir heutigen Stalinisten uns nicht abbringen und wir werden die Beweise dafr liefern, dass wir uns nicht geirrt haben. Zeugnis ist zum Beispiel das Dokument: Programmatischer Aufruf der Revolutionren (Bolschewistischen) Kommunisten der Sowjetunion, welches in der Sowjetunion illegal verteilt worden war und das die albanischen Genossen Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre verffentlichten. Dieses Dokument kann im Internet nachgelesen werden. So, wie man den Stalinismus nicht entstalinisieren kann, so bedeutet dies konsequenter Weise auch, dass man weder einen Stalinisten, noch gar die ganze stalinistische Bewegung entstalinisieren kann. Ein wesentlicher Punkt bei der stalinistischen Bewegung ist der, dass die konterrevolutionre Desorganisierung der stalinistischen Bewegung nur noch mehr zu Belebung und Wiederbelebung der stalinistischen Bewegung im nationalen wie im internationalen Mastab beigetragen hat, dass der Klassenfeind selber unvermeidlich zu ihrer Ausbreitung und Festigung beitragen musste und es weiter tut. Und dass die stalinistische Bewegung bis heute existiert, zeigt, dass nicht nur die russische Bourgeoisie 150 verschiedene stalinistische Scheinorganisationen ins Leben rufen musste, in der Absicht, den stalinistischen Kern darin zu ertrnken, sondern dies ist auch zunehmend ein globales Phnomen geworden. So ist es kein Zufall, dass solche Scheinorganisationen auch in Europa, Amerika und auf allen anderen Kontinenten der Welt geschaffen worden sind, um den Kern der stalinistischen Weltbewegung im globalen Sammelbecken des Revisionismus zu ertrnken. Aber im dialektischen Sinne wird dies unvermeidlich zu einem ideologischen Klrungsprozess fhren, wo sich der Weizen von der Spreu trennt, wo sich die wahrhaft stalinistische Weltbewegung immer enger zusammenschliet und stark genug geworden ist, sich hunderte stalinistische Scheinorganisationen im stalinistischen Sinne vom Halse zu schaffen. Die Komintern / ML hat sich jedenfalls mit ihrer ganzen Arbeit seit dem Jahre 2000 auf diesen ideologischen Klrungsprozess konzentriert - und wir sind sicher, dass diese Mhe eines Tages Frchte tragen wird, dass die stalinistische Weltbewegung nach Stalins Tod wieder zur fhrenden politischen Kraft in der Welt wird. Diesem Ziel dient unser ganzes politische Streben !! Das ist das Vermchtnis, dass uns Stalin hinterlassen hat und das wir in Ehren erfllen werden !! Und dazu gehrt auch, dass wir gegen solche Auffassungen antreten, mit denen die Mrder Stalins heute noch als Marxisten-Leninisten geehrt werden knnen, ohne dafr jemals zur Rechenschaft gezogen worden zu sein. Nun war Stalin nicht irgendein Kommunist, sondern der 4. Klassiker des MarxismusLeninismus, der Fhrer der internationalen Arbeiterklasse, der Erbauer des ersten sozialistischen Staates der Welt, der Sieger ber den Faschismus, der Fhrer des sozialistischen Weltlagers, der engste Kampfgefhrte Lenins, einer der besten und bedeutendsten Weltrevolutionre in der Geschichte der Menschheit. Von alledem liest man bei Bill Bland nichts, berhaupt nichts. Um so schwerer wiegt das welthistorische Verbrechen der Verschwrer, die Stalin 1953 ermordeten. Sie alle haben gegenber dem Weltproletariat schwerste Schuld auf sich geladen. Sie alle waren sich darin einig, den Stalinismus mit dem Mord an der Person Stalins zu beenden. Alle
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Prsidiumsmitglieder empfanden es als ihre Pflicht, dass es mit Stalin nicht mehr so weitergehen knne, dass die Sowjetunion von Stalin befreit werden msse. Berija und Malenkow waren die aktivsten Organisatoren des Mordes an Stalin. Sie waren es, die sich einen Tag nach Stalins Tod die hchsten Posten der neuen sowjet-revisionistischen Fhrung einverleiben konnten. Berija hatte die optimalsten Bedingungen zur Beseitigung Stalins. Ihm unterstand die 4. Hauptabteilung des Ministeriums fr Gesundheitswesen, und er hatte damit die rzte in seiner Hand. Deswegen konnte er ja auch mit der der Taktik der rzteverschwrung geschickt manvrieren. Unmittelbar vor Stalins Tod rangierte Berija nicht mehr auf dem viert wichtigsten Platz, sondern auf dem sechsten, noch hinter Bulganin. Kaganowitsch, Molotow, Mikojan, Woroschilow und Andrejew waren bereits in Ungnade gefallen. Die beiden Letzteren wurden auch nicht mehr zu Politbrositzungen eingeladen. Stalin lebte kurz vor seinem Tod in seiner sprlich eingerichteten Datscha von Kunzew sehr zurckgezogen oder eigentlich war er schon von seinen Verschwrern vllig isoliert worden. Dort wurde er nur noch von Berija, Malenkow, Bulganin, Mikojan und Chruschtschow besucht. Die Personen, die jahrzehntelang zu Stalins privaten Umfeld gehrten, waren eine nach der anderen von Berija und Malenkow entfernt worden. In seinen allerletzten Tagen wurde Stalin von diesem Abschaum behandelt, als wenn um ihn herum die Welt nicht mehr existiere. Es wurden zwar die alten Witze heraus geqult, aber politisch herrschte beklemmendes Schweigen. Das kam einer Grabesruhe gleich, die dem Mord an ihm vorausging. Ein Schweigen von Totengrbern, die Stalin wie Sterbehelfer begleiteten. Stalin muss sich ber diese Situation bewusst gewesen sein. Berija wollte als reiner Marxist-Leninist dastehen. Aber er geht in die Geschichte ein als Mrder Stalins. Es ist die Geschichte selbst, die alle Lobeshymnen der Berijaner von ganz allein zum Verstummen bringt. Berija verfgte mit der MWD Besetzung Moskaus schlagartig ber die absolute Macht in der Sowjetunion. Dieser Putsch mit Hilfe von Sicherheitstruppen ist eine historische Tatsache, die belegt ist durch die Ereignisse, die unmittelbar auf Stalins Tod folgten. Das Militr der Roten Armee htte viele Tage und heftiger blutiger Straenkmpfe bedurft, um Berijas innen-militrische Macht ber das Prsidium zu vereiteln, das von ihm in den Kremlmauern eingeschlossen und von der Auenwelt vllig abgeschirmt war. Keine Maus, kein Rotarmist wre in diesem Augenblick nach Moskau, geschweige denn in Moskau hineingelangt. Berijas Truppen hatten die Kreml-Wache berwltigt. Proskrionischew und all die anderen treuen Stalinanhnger wurden auf der Stelle erschossen. Berijas Geheimdienst tat, was ihm befohlen war -der Konterrevolution zum Sieg zu verhelfen. Alles verlief nach Plan, aber die Macht erobern und die Macht halten, sind bekanntlich zwei verschiedene Dinge. Berija war fr eine Alleinherrschaft viel zu schwach, hatte viel zu viele Feinde. Aber fr eine Dreierherrschaft von ihm Malenkow und Molotow war er eher schon zu stark. Er rckte seine Truppen ab, nachdem die Prsidiumsmitglieder darauf hin klein beigeben mussten. Aber er hatte diese nun durch sein eigenmchtiges Handeln geradezu zum Gegenschlag herausgefordert. Berijas Handstreich konnte gar nicht anders enden als mit einem Handstreich gegen ihn selbst. Hass auf Berija hatte auch die ausgetrickste Rote Armee. Sie hegte gegenber dem eigenen Militr des inneren Apparates sowieso schon seit der Oktoberrevolution aufgestaute Wut. Die Strafe folgte also auf dem Fu. Berija konnte nicht das ganze Prsidium umbringen, er musste die Macht mit ihm teilen. Aber das Prsidium wollte und brauchte nicht die Macht mit Berija teilen. Also wurde der Kreml ein paar Monate spter fr Berija , der diesen noch kurz zuvor selber zur Besetzung des
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ganzen Prsidiums genutzt hatte, zur Todesfalle - eben dieses Prsidiums, das sich inzwischen in Hnden der Chruschtschowianer befand. Das hatte Chruschtschow geschickt eingefdelt, und alle Prsidiumsmitglieder waren einverstanden mit seinem Plan. Berija htte schon eine Untersttzung des Westens gebraucht, um die er sich zuvor geheimdienstlich krampfhaft bemht hatte (siehe Auftrag an Sudoplatow). Aber im Westen war man zunchst noch viel zu misstrauisch ihm gegenber. Die wussten, was von Berija zu halten war. Die Amis hielten also getreu an ihrer alten Strategie fest: je mehr sich die Kreml-Fraktionen in ihrem Machtkampf gegenseitig schwchen, um so besser fr den Westen. Abwarten und Tee trinken, so galt die Devise der englischen Imperialisten. Und so verstrich denn auch fr Berija die Zeit, ohne dass er die erwartete Untersttzung aus dem Westen erhielt; und er musste sich nun mchtig ins Zeug legen, um noch etwas zu reien, was er denn auch tat. Das Zgern des Westens kostete Berija den Kopf es konnte und wollte ihn niemand auf der Welt mehr retten. Wie bereits erwhnt, hatte Stalin Suberungsplne in der Tasche und zwar standen dort die Namen smtlicher Prsidiumsmitglieder. Hier begann also das Ende des Wettlaufs: wer wen? Das gesamte Prsidium liquidieren, um die Generallinie Stalins zu retten oder Stalin ermorden und die Waffen des Sozialismus gegenber dem Kapitalismus zu strecken ? Der Mord kam also nicht unverhofft, sondern es gab fr die Verrter am Sozialismus gar keine andere Wahl, entweder Stalin oder sie? Hier muss man sich als Marxist-Leninist entscheiden entweder den Klassenkampf gegen die Restauration mit grten Anstrengungen fr die Umsetzung der Generallinie Stalins mutig und konsequent fortsetzen und damit auch Opfer in Kauf zu nehmen oder zu kapitulieren und den Rckzug des Sozialismus anzutreten. So schlecht auch die Ausgangssituation historisch ausgemalt wurde von Seiten der Konterrevolution, wir von der revolutionren Seite htten uns auf sozialistische Krfte sttzen knnen wie sie zum damaligen Zeitpunkt einmalig in der jungen Geschichte des Sozialismus waren. Wir sehen die Situation von 1953 nicht dster, sondern auerordentlich positiv. Mit der richtigen Mannschaft hinter sich htte Stalin fr den Sieg der Weltrevolution gesorgt und wenn nicht er dann so sein Nachfolger htte diesen Sieg perfekt machen knnen. Aber dafr htte vorher noch die weltweite Suberungswelle gegen die Kapitulanten hinweg brausen mssen. Wenn Stalin die USA-Imperialisten vernichtend geschlagen htte, wrden wir uns heute der sozialistischen, friedliebenden und wohlhabenden sozialistischen Welt erfreuen knnen. So wurde diese Chance vereitelt, mssen wir das Werk ohne Stalin vollbringen, den Amis die Herrschaft ber die Welt entreien und in Amerika die Rote Fahne auf dem Washingtoner Capitol hissen, so wie Stalin es 1945 auf dem Brandenburger Tor gemacht hatte (Der mit der Roten Fahne auf dem Brandenburger Tor war brigens ein Rotarmist aus Georgien!). Dass es zur Verschwrung von 1953 kommen konnte, zeigt, dass die kleinste Unaufrichtigkeit der Partei gegenber, die kleinste Schwankung gegenber der Generallinie Stalins, gengte, um im Lager der Konterrevolution zu landen. Das Abgehen von den Positionen des Bolschewismus endet im politischen, konterrevolutionren Banditentum. Die ganze anti-kommunistische Propaganda der Weltimperialisten konnte sich mit der Machtbernahme der modernen Revisionisten auf deren Antikommunismus sttzen immer darauf bedacht, das Geheimnis, dass der moderne Revisionismus nicht der sozialistischen sondern der brgerlichen Ideologie entspringt, zu lften. 16 Stunden war nichts geschehen, wurden keine rzte geholt, Berija hat dem Personal Stalins strengstens untersagt, rztliche Hilfe zu holen. Schon allein mit dieser Tat hat er sich des Verbrechens der unterlassenen Hilfestellung schuldig gemacht. Keiner wagte, gegen Berijas Befehle zu opponieren. Er hatte die Macht ber Leben und Tod des Genossen Stalin und Berija nutzte diese Macht, um den Tod des Genossen Stalin herbeizufhren. Er ist in unseren Augen der hinterhltigste und gemeinste Mrder, den es jemals auf der Welt gegeben hat.
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Rybin, ein Augenzeuge der Leibwache, gab zu Protokoll, dass Berija und Malenkow am 2. Mrz um 3.00 Uhr nachts mit einem Auto vorgefahren waren. Jemand wollte rztliche Hilfe holen, aber Berija und Malenkow hatten dies verboten. Sie entfernten sich in ihrem Auto und Stalin blieb dramatische Stunden ohne rztliche Betreuung seinem Todeskampf allein berlassen. Aufgrund der Blutergsse an Kopf und Hnden ist Totschlag nicht auszuschlieen. Wie neueste Dokumente belegen, seien die gleichen Blutergsse bei anderen Opfern Berijas nachgewiesen worden. Generalleutnant Wlasik, der fr die Kremlgarde und Stalins Sicherheit verantwortlich war, wurde kurz zuvor als Lagerleiter nach Sibirien geschickt und dort heimlich inhaftiert !!!! Malenkow hatte groe Machtbefugnisse ber Stalins Umfeld unmittelbar vor dessen Tod , denn er war aus der Ausschaltung der Leningrader Gruppe gestrkt hervorgegangen. Malenkow stand auf der hchsten Stufe seiner Macht und spekulierte auf Stalins Nachfolge wie es sich auch gern die Revisionsten in den Volksdemokratien gewnscht htten, bis auf die Albaner, die mit Molotow als Nachfolger zu rechnen hofften. Wlasik blieb bis 1955 in Haft. Es gab einen Machtkampf um die alte und die junge Generation in Stalins Kremlumfeld. Das Politbro ging gegen Stalin u.a. deshalb im Februar 1953 eiligst vor, weil sie gezwungen waren, die brenzlig herangenahte Suberungsaktion in der Fhrungsspitze abzuwenden. Das Herbeifhren von Stalins Tod war die einzige Lsung fr Beria, Malenkow und die anderen Verschwrer, um ihren Kopf aus Stalins Schlinge zu ziehen. Berija war fr den Tod von Stalin direkt verantwortlich, Malenkow sein Komplize und Chruschtschow, Bulganin und all die Anderen Beteiligte und Begnstigte. Wenn Chruschtschow und Mikojan nach Aussage von Enver Hoxha mit ihrem Mord an Stalin geprahlt haben sollen, dann galt das sicherlich eher der Einschchterung Enver Hoxhas. Zweifellos waren sie alle mehr oder weniger mitschuldig an Stalins Tod. Wir Marxisten-Leninisten trauen diese grausame Tat diesen beiden revisionistischen Verschwrern durchaus zu, aber wir glauben eher, dass sie sich da mit fremden Federn schmcken, denn es gab noch einen anderen, der nicht hinterhltiger war als sie selbst: Berija. Wir sehen in ihm eine Person, der sich mit allen Mitteln auch mit Mitteln der Gewalt - systematisch zu Stalin Zugang verschaffte, sich dessen Vertrauen erschlich und hinter seinem Rcken den Kampf gegen die marxistisch-leninistische Generallinie des Genossen Stalin angezettelt hatte. Er bernahm fr alle die Drecksarbeit. Hren wir uns Enver Hoxhas Sicht der Dinge aus dem Jahre 1980 an. Darin wird Berija brigens nicht mit Namen erwhnt, sondern es ist von Chruschtschow und Mikojan und ihren anderen Kumpanen die Rede: Diese Schurkereien zeigten sich bald nach Stalins Tod oder genauer gesagt nach Stalins Ermordung. Ich sage: nach Stalins Ermordung, denn Mikojan selbst sagte zu mir und dem Genossen Mehmut Shehu, sie htten zusammen mit Chruschtschow und ihren anderen Kumpanen beschlossen gehabt, `Pokuschenie` zu machen, Stalin durch ein Attentat zu ermorden. Spter, so sagte Mikojan zu uns, htten sie diesen Olan aufgegeben. Es ist allgemein bekannt, dass die Chruschtschow-Leute Stalins Tod kaum erwarten konnten. Die Umstnde seines Todes sind ungeklrt (Enver Hoxha, Begegnungen mit Stalin, KPD/ML, 1980, Seite 29). Demzufolge muss es also vor der eigentlichen Ermordung Stalins schon Mordplne gegeben haben, deren Ausfhrung jedoch scheiterten. Wenn Enver Hoxha feststellte, dass die Umstnde ungeklrt sind, heit das ja nicht, dass sie unaufklrbar sind, sondern er sagt dies ehrlich aus dem Stand seiner Informationen heraus. Enver Hoxha hat klar von Ermordung gesprochen, aber sich ber die Umstnde aus Mangel an Informationen nicht weiter uern knnen.
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Was die Weikittel anbelangt, so fhrt Enver Hoxha fort: In dieser Hinsicht ist auch die Sache mit den `Weikitteln` ein ungelstes Rtsel der Prozess gegen die Kremlrzte, die zu Stalins Lebzeiten beschuldigt wurden, versucht zu haben, viele Fhrer der Sowjetunion zu ermorden. Nach Stalins Tod wurden diese rzte rehabilitiert, und damit war die Sache erledigt ! Doch warum wurde unter diese Sache ein Schlussstrich gezogen ?! Die verbrecherische Ttigkeit dieser rzte war zur Zeit ihrer Aburteilung bewiesen worden, oder etwa nicht ? Die Sache mit den rzten wurde abgeschlossen, weil htte man weitere Untersuchungen angestellt, htte man tiefer nachgebohrt viele unsaubere Dinge ans Tageslicht gefdert worden wren, viele Verbrechen und Komplotte der verkappten Revisionisten mit Chruschtschow und Mikojan an der Spitze. So htte sich vielleicht auch das unerwartete, rasche Ableben von Gottwald, Bierut, Foster, Dimitroff und einigen anderen, die an durchaus heilbaren Krankheiten litten, erklren lassen. (Ich habe darber in meinen unverffentlichten Erinnerungen Die Chruschtschow-Leute und wir berichtet). Damit liee sich auch der wahre Grund fr den unerwarteten Tod Stalins aufklren (Enver Hoxha, ebenda, Seite 29 30). Wir werden uns an anderer Stelle noch ber die rzte und den Zusammenhang mit Berija uern. Berija lie Stalin seit Jahren auf Schritt und Tritt bespitzeln und betrieb die Isolierung Stalins sowohl in seiner Familie als auch in seinem politischen Freundeskreis, aber auch gegenber anderen Fhrern in Staat und Partei. Berija rumte alle Menschen aus dem Weg, die ihm dabei hinderlich waren. Der Stalinmrder Berija starb nicht durch marxistisch-leninistische, sondern durch revisionistische Hand ! Die Verschwrer mussten schon jahrelang an einem Putsch, an der Spaltung, an der Machtbernahme gearbeitet haben, aber alle Versuche schlugen fehl durch die konzentrierte Aufmerksamkeit Stalins. Gerade die Aussichtslosigkeit, hinter Stalins Rcken und an Stalin vorbei die Politik in der Sowjetunion zu bestimmen, brachte sie zur Verzweiflung. Wenn wir mal davon ausgehen, dass die oberste Bestie, welche umgebracht wurde, Berija war, dann wurde dieser deswegen zum Schweigen gebracht, weil Berija bis beide Ohren im Mord verwickelt war. Berija machte nicht den Eindruck des Eingeschchterten und ngstlichen, sondern eines aggressiven, streitschtigen, aufgekratzten und berschumenden Arbeitsstils. Mit Macht umgehen ist die eine Sache, der eine beherrscht diese Waffe meisterhaft, der andere unterliegt der Macht. Weil Berija sie nicht richtig beherrscht hatte, entzog man ihm gewaltsam die Macht. Die am Mordterror unmittelbar beteiligten Helfershelfer wurden physisch vernichtet. Die Stalingenossen sollten von allen Partei und Sowjetposten entfernt und von ausgesuchten, zuverlssigen Leuten ersetzt werden. Zum Verwischen der Spur, setzte man sich an die Spitze des Kampfes gegen die Parteifeinde, um die Parteifeinde zu schtzen oder gegebenenfalls besser zu liquidieren, zum Beispiel, wer zu viel wusste und die besten Kmpfer gegen die Parteifeinde als Parteifeinde zu liquidieren, ins Gefngnis ins Lager usw. zu stecken bzw. zu degradieren. Die Kunst der modernen Revisionisten bestand darin, ihre wahre Verbrecherphysiognomie hinter der proletarischen Weltanschauung, hinter dem Kommunismus zu verbergen, also die offenen Verbrechen als kommunistische Errungenschaften zu lobpreisen und heimliche Verbrechen gegen die Kommunisten, gegen die Marxisten-Leninisten, gegen die Arbeiter und Bauern, gegen die Massen zu begehen gegebenenfalls auch mit dem Pomp der ffentlichen Inquisition, um die Massen vom Widerstand abzuschrecken. Die modernen Revisionisten verschworen sich gegen die Marxisten-Leninisten im Namen des Marxismus-Leninismus, um sie zu vernichten und dadurch ungehindert die Massen im Namen des Sozialismus auszubeuten und zu unterdrcken.
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Vorteilhaft fr seine Tarnung war fr Berija, dass er den Mord zu jeder brenzligen Gelegenheit anderen in die Schuhe schieben konnte. Chruschtschow htte Berija gern sofort als Mrder entlarvt wenn er denn knnte -, aber berhaupt die Tatsache aufzudecken, dass an Stalin ein Mord verbt worden war, wrde groe Emprung und Kampfbereitschaft der Massen hervorrufen und damit seine eigene Tarnung, ja das ganze konterrevolutionre Programm der Restauration des Kapitalismus gefhrdet sein. Deswegen blieb dieses Thema bis zum Untergang der Sowjetunion strengstes Tabu. So waren sich alle einig (mitgehangen-mitgefangen), den Mord an Stalin zu verschweigen und dessen Tod als eine natrliche Folge von Krankheit und Alter erscheinen zu lassen. Darauf sttzten sie die Legitimation ihrer Macht. Die Idee der Palastrevolution der Verschwrer von 1953 stammt von den rechten Verschwrern des Jahres 1933 und ist somit 20 Jahre gereift, aber sie wurde ganz anders in die Tat umgesetzt, da ganz andere Bedingungen herrschten. Verhaftungen und Erschieungen von Stalinanhngern wurden vor dem Mord an Stalin heimlich und chirurgisch durchgefhrt und ein natrlicher Tod vorgetuscht, eben um kein Aufsehen zu erregen so als wenn alles in Ordnung ist und alles seinen sozialistischen gewohnten Gang weiter geht. Das war die neue Taktik der Palastrevolte von 1953. Der Tod Stalins bedeutete das Ende der Stalinra, und die Macht war nun vollkommen in den Hnden der modernen Revisionisten, waren also weitere Morde an solchen Stalinanhnger nicht mehr opportun, nicht mehr bei denjenigen Stalinisten unvermeidlich, von denen fr die modernen Revisionisten keine Gefahr mehr auszugehen schien. Eine Palastrevolte hat Sinn, wenn es um die Verhaftung der sozialistischen Regierung gegangen wre, aber mit dem Mord an Stalin hatten die Verschwrer ja bereits die Macht in den Hnden, brauchte man das Prsidium nicht verhaften - denn das Prsidium bestand selber nur noch aus Verschwrern, bzw. solchen Kapitulanten, die ihnen keinen Widerstand entgegen zu setzten hatten und sich dem Druck der Revisionisten fgten. Insofern zog Berija seine militrischen Truppen wieder zurck, die Moskau besetzt hatten. Mit militrischer Gewalt konnte er das Prsidium fr eine gewisse Zeit nach seiner Pfeife tanzen lassen. Htten die Verschwrer Berija noch vor Stalin umgebracht, dann wrde dies dafr sprechen, dass Berija der Verschwrung aus irgendeinem Grunde im Weg gewesen wre. Das war aber nicht der Fall. Die Tatsache, dass Berija erst nach dem Tod Stalins erschossen wurde, spricht vielmehr dafr, dass er zwar die gleiche Strategie aller Verschwrer teilte (und also gebraucht wurde bei der kapitalistischen Umgestaltung der Sowjetunion, die gleich mit einschneidenden Manahmen gegen den Sozialismus begann - also im Bndnis aller Verschwrer bis zu Berijas Tod!), sich aber kurz danach der besonderen taktischen Linie der anderen Prsidiumsmitglieder nicht unterordnen wollte, weil er die anderen in der Hand zu haben glaubte. Er besa die Macht, ber die Verbrechen der Anderen Bescheid zu wissen und setzte sie damit unter Druck, seiner geraden und schroffen Linie zum Kapitalismus zu folgen. Berija und Malenkow berschtzten dabei ihre eigene Macht und unterschtzten die der Chruschtschowgruppe das war ihr Fehler, mit dem sie sich schlielich selber bestraften. Berija war nie vor uersten Mittel zurckgeschreckt, um seine Gegner zu zwingen, ihm dienstbar zu sein. Welche Arglist musste man haben, um unter den Augen aller, auf einem solch verantwortlichen Posten, welcher als Hauptaufgabe den Kampf zum Erhalt des Lebens und Schutzes des sozialistischen Staates, seiner Brger, seiner Fhrer hat, im Verlaufe einer Reihe von vielen Jahren tglich an der Zertrmmerung des Staates und am Mord Stalins straflos zu bleiben, ja die Spitze der Macht in Hnden zu halten. Wir wissen nicht genau, ob Stalins Tod durch Vergiftung eintrat. Berija und Co waren Mrder, die Jahrzehnte lang mit Giftmitteln arbeiteten, ohne entlarvt zu werden. Die Vergiftungen sollten stets als natrliche Tod infolge Krankheit erklrt werden. Jagoda formulierte folgende entsetzlichen Worte:
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Der Mensch erkrankt und alle gewhnen sich daran, dass er krank ist. Der Arzt kann die Genesung des Kranken frdern, aber der Arzt kann auch den Tod des Kranken beschleunigen. Das ist der Hauptinhalt der Idee. Und alles brige ist Sache der Technik. Darin bestand die Kunst von Berijas Verbrechen, eine Kunst in der er im Laufe seiner konterrevolutionren Ttigkeit Meister geworden war. Berija war einer der wenigen Mchtigen in der UdSSR, der Zugang hatte zum toxikologischen Institut, Zugang zum Gift. Majronowski war ab 1937 Leiter der Forschungsgruppe der Toxikologie !!! war dem NKWD unterstellt. Auf direkte Anweisung der Volkskommissare und Minister fr Staatssicherheit Berija, Jeshow und Merkulow vollstreckte Majronowski neben seiner Forschungsarbeit Todesurteile. 1937 bis 1947 wurden geheime Liquidierungen mit Gift durchgefhrt. Sogar ranghchstem Personal des NKWD war der Zutritt in das toxikologische Institut nicht erlaubt. 1951 stellte man Majronowski unter Anklage auch an Vergiftung hochrangiger Sowjetpolitiker teilgenommen zu haben unter anderem an Stalin!!!! angeblich unter Anweisung von Abakumow und Eitingon und jdischen rzten. Majronowskis Gestndnis wrde die Schuld von Berija, Molotow und Chruschtschow offen legen. Er wurde in Abwesenheit von einem geheimen Untersuchungsausschuss im Februar 1953 also unmittelbar vor Stalins Tod [sic !!!] zu 10 Jahren Gefngnis bestraft. Typisch daran: Leute, die man noch spter als Zeuge brauchte, wurden nicht hingerichtet! Der Mrder konnte seine privilegierte Stellung gegenber dem Opfer ausnutzen. Der Hauptorganisator der Giftmorde, der im Prozess 1936-1938 auf der Anklagebank sa, hie Innenminister Jagoda. Der Hauptverantwortliche fr die Giftmorde Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre war Berija. Der eine Antistalinist wurde von Stalins Kugel niedergestreckt, der andere durch eine revisionistische Kugel. Am 1. Mai 1953 plaudert der Mrder das Geheimnis des Mordes aus: Ich habe ihn gettet! Berija trug ein Leben lang eine Maske, gab sich fr einen unvershnlichen Bolschewiki aus, tatschlich war er aber nie Bolschewik im wahren Sinne. Berija wusste nicht wie der Kampf zwischen Stalin und seinen Widersachern ausgehen wrde und schuf sich solche Bedingungen, unter denen er so oder so seinen verrterischen Weg am besten gehen knnte. Er wollte sich nur pro forma der Seite anschlieen, die siegen wrde. Als Berija schlielich zu der Einschtzung gelangte, dass Chruschtschow schlielich als reale Kraft siegen wrde, erklrte Berija, dass er mit ihm war, aber ohne zu versumen, dass er eine besondere Stellung beanspruche. Berija zog es immer dort hin, wo die Macht, wo die Majoritt war. Er war nicht der Typ eines Alleinherrschers. Allen Verbrechen von Verschwrungen wurden grundstzlich und konkret Verbindungen zum kapitalistischen Ausland nachgewiesen. Dies trifft auf Chruschtschow zu, sein Deal mit den USA war, unbehelligt den Kapitalismus aufbauen und dafr im Kreis der Gromchte mitreden zu drfen. Dies trifft auch auf den Verbrecher Berija zu. Berija stellte den Mord an Stalin als einen notwendigen Akt hin, der im Interesse des sowjetischen Staates und der Sowjetvlker stehe. Und die anderen Verschwrer billigten dies. Mord an Stalin auch unter dem Druck des Kalten Krieges. Der Westen bot der Sowjetunion Frieden an, wenn Stalin beseitigt wird, egal wie ! Fr die Geheimhaltung des Putsches von 1953 gab es nur zwei Wege: Freiwilliges Schweigen durch die Mittterschaft und damit Teilung der Schuld am Verbrechen oder gewaltsames Schweigen durch Liquidierung. Alle Verschwrer whlten den ersten Weg, fr Berija blieb nur der zweite Weg brig. Im September 1950 wurde der ukrainische Sicherheitsminister Drosdow von Stalin nach Moskau geholt. Das war das Spezialbro Nr.2 berwachung und Entfhrung von Feinden Stalins
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(auch vorgeblicher Feinde). Berijas erste Amtshandlung nach dem Tod Stalins: Drosdow zu feuern, weil dieser zu viel ber interne Kmpfe gegen Stalin wusste und sich Drosdow mit Kobulow (Kobulow war Stellvertreter von Berija) nicht verstand. Unmittelbar nach Stalins Tod, also am selben Abend, wurde Berija zum Minister des erweiterten Innenressorts (MWD) ernannt, das sowohl die Miliz als auch den Sicherheitsapparat umfasste !! Also war es Berija, der die MWD-Truppen nach Moskau beorderte !!!! Innerhalb von 24 Std nach Stalins Tod (!!!) wurde von Berija das Ministerium fr Staatssicherheit und das Ministerium fr Innere Angelegenheiten zusammengelegt - unter Berijas alleiniger Fhrung. Der Tod von Stalin wirkte auf einen Teil der Prsidiummitglieder bedrckend und lhmend - schlechtes Gewissen von Molotow, Kaganowitsch, Woroschilow, Bulganin . Auf andere wirkte er befreiend und belebend, Chruschtschow, Mikojan, Berija, Malenkow ( gewissenlos). Die Periode unmittelbar nach Stalins Tod - war die Periode der hchsten Macht Berijas. Dies ist die Periode, in der er selber sein wahres Gesicht offen zeigte. Dies ist die Periode, wo wir Marxisten-Leninisten viele entscheidenden Prfsteine fr Berijas Verbrechen tatschlich in Hnden halten und der Weltffentlichkeit vorweisen knnen. Es ist also kein Zufall, wenn ausgerechnet in dieser Periode die Berijaner den Marxisten-Leninisten Berija vor uns Stalinisten in Schutz nehmen mussten, indem sie die Beseitigung Berijas als anti-stalinistischen Akt der Chruschtschowianer verflschten. Schon am zweiten Tag seines Dienstantritts als Innenminister tauschte Berija 82 Offiziere Stalins aus und besetzte die Posten mit seinen eigenen Leuten, darunter auch Sudoplatow, der in seinem Auftrag geheime Kontakte zum Westen knpfte und zwar ohne Wissen des Auenministeriums, ohne Wissen der Partei, ohne Wissen der Roten Armee. Vor allem hatte Berija seinen Kopf aus der Schlinge gezogen als er am 13. Mrz 1953 (!!) alles belastende Material gegen ihn selbst, alle Anklagen und Prozessvorbereitungen - womit Stalin sein Todesurteil begrndete einfach verschwinden lie und fr null und nichtig erklrte kraft seines Amtes als Innenminister, das er sich in den Sterbestunden Stalins aus dessen Safe unter den Nagel gerissen hatte. Berijas Verhaftung war der Hhepunkt des Machtkampfes nach Stalins Tod und Chruschtschow war der Drahtzieher des Komplotts gegen Berija. Chruschtschows beste Freunde waren Malenkow und Beria gewesen. Chruschtschow hatte schon in den 30er Jahren Einfluss auf Bulganin ausgebt: Bulganin hatte den Auftrag, seine bewaffneten Generle in den Kreml zu holen, wo sie auf Berija warteten, darunter auch der bewaffnete Breschnew. Dabei wusste vorher keiner von ihnen, warum sie mit Waffen im Kreml erscheinen sollten. Selbst Shukow wurde erst wenige Stunden vor Berijas Festnahme eingeweiht. Das war eine uerst heikle Situation und in der Geschichte der Sowjetunion ein einmaliger Vorgang. Selbst unter Stalin war es strengstens verboten, den Kreml mit einer Waffe zu betreten. Jeder, der sich mit einer Waffe Zugang zum Kreml verschaffen wrde, wre auf der Stelle von den Kreml-Wachen erschossen worden. Warum setzte Chruschtschow sich diesem Risiko aus, warum gehrte das Eindringen in den Kreml mit Waffen zu seinem Plan ? Er muss sich also sehr sicher gewesen sein, dass sein Mordplan gelingt. Er musste Verbindungen zur Roten Armee-Fhrung haben, er musste ausreichende Machtbefugnisse haben. Berija hingegen mangelte es an gengender Vertrauensbasis bei seinen Mitverschwrern. Er war wegen seiner arglistigen Unberechenbarkeit gefrchtet und von allen Anderen mglichst gemieden. Seine Initiativen beweisen, dass er einen Anspruch auf Alleinherrschaft nicht realisieren konnte und er sich stattdessen mglichst viel illegale Entscheidungsgewalt sowohl in der Innen- als auch in der Auenpolitik sichern wollte. Er nutzte seine langjhrige persnliche Beziehung zu Malenkow aus,
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um seine Alleingnge zu machen, aber dadurch brachte er Malenkow in eine unangenehme isolierte Stellung gegenber den anderen Mitgliedern des ZK-Prsidiums, die Chruschtschow zu nutzen verstand. Es stellte sich heraus, dass Berijas Position vollstndig von Malenkows Macht und seiner Untersttzung abhngig war. Berija hatte Malenkow verrgert, indem er in Absprache mit Chruschtschow fr Ignatjews Entfernung sorgte. Ignatjew war Malenkows Mann und hatte die Sicherheitsmaschinerie der Partei berwacht. Malenkow seinerseits hatte seine Popularitt berschtzt; ihm war entgangen, dass Berijas Untersttzung fr seine Position entscheidend war, weil Berija, Perwuchin, Saburow und Malenkow die vergleichsweise jngere Generation im herrschenden Prsidium darstellten. Die alte Garde Molotow, Woroschilow, Mikojan, Kaganowitsch , denen Stalin das Vertrauen schon lngst entzogen und ihre einstige Macht beschnitten hatte, war dieser jungen Generation, die nach den Suberungen der 30er Jahre an die Macht gekommen war, feindlich gesonnen. Zwischen den beiden Generationen herrschte ein empfindliches Ungleichgewicht; die lteren Fhrer genossen hheres Ansehen als Malenkow, Chruschtschow und Berija, die in den Augen der ffentlichkeit eher Stalins Bediensteten gewesen seien als ihre geliebte Helden. Chruschtschow lavierte erfolgreich zwischen beiden Lagern; er half Berija bei der Schwchung Malenkows, als Ignatjew in der rzteverschwrung kompromittiert wurde. Abermals untersttzte er Berija, Malenkow seines mchtigen Postens als Sekretr des ZK zu entheben. Heute steht fest, dass Chruschtschow die Unzufriedenheit ber Berijas neuen Aktivismus ausnutzte, um seine Demontage einzuleiten. 1952 wurde das Amt des Generalsekretrs abgeschafft, was Chruschtschow zum Primus interpares machte; um der oberste Fhrer zu werden, musste er Malenkow als Regierungschef loswerden. Die beste Mglichkeit dazu war, Malenkows wahre Machtbasis zu kappen, nmlich seine Verbindung zu Berija und die Kontrolle ber die Sicherheitsmaschinerie. Dadurch mussten Chruschtschows Mnner an entscheidenden Positionen im Staatssicherheitsdienst aufrcken. Berija wollte Fhrungspositionen von Einheimischen besetzen , aber auch in der Ukraine deswegen wurde der Zusammenprall mit Chruschtschow unvermeidlich, der seine ukrainischen Leute fr Moskaus Macht brauchte, whrend Berija sie gegen Moskau brauchte, warum sonst hat Berija sich Jugoslawien angenhert? Revisionistische Hebel von auen gegen das Moskauer Zentrum?? Berija setzte sich fr ethnische Minderheiten ein, rehabilitierte die von Stalin gefangen genommenen und verurteilten Krfte, um das Nationalgefhl zu strken. Auf Berijas Initiative hin wurden gewhnliche Verbrecher freigelassen. In die Stdte ergoss sich eine Flut von Gesindel. Im Land breiteten sich Unruhen aus und es kam zu Straenkmpfen, die Berija erst provoziert und dann niedergeschlagen hatte. Das schmlerte Berijas Ansehen im Sowjetvolk. Das war nicht etwa ungeschickt von Berija, sondern ein ausgeklgelter taktischer Schachzug: nmlich ein Alibi zu haben, politische Straenkmpfe als Aktionen von Kriminellen niederschlagen zu knnen. Er lie Kriminelle frei, um einen Vorwand fr die Beseitigung der Stalinisten zu haben, die er kriminalisierte. Dies war unserer Meinung auch einer der Grnde, weswegen Berija am folgenden Tag der Ermordung Stalins Moskau von MWD-Truppen abriegeln lie, nmlich um sicher zu sein, Operationen, die Stalin vorher im Falle seines Todes gegen die Machtergreifung seiner Parteifeinde getroffen haben konnte. Jedenfalls wurde Berija zu Recht vorgeworfen, er htte die MDW-Truppen nach Moskau geholt, um die Regierung festzunehmen. Die Berijaner schweigen hierber bzw. einige wie Sudoplatow behaupten stock und steif: ein solcher Plan Berijas habe nicht existiert (Sudoplatow Seite 444). Die Mrder schreiben die Nachrufe. Warum hat die Partei den Genossen Stalin verloren? Die Partei hat den Genossen Stalin verloren, weil die modernen Revisionisten ihn ermordet haben. Die Mrder,
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die den Posten ihres Opfers an sich gerissen hatten, beweinten ihr Opfer, um sich dann - insgeheim ( Chruschtschow auf dem XX. Parteitag !) - selber als Opfer des Opfers zu prsentieren. Die Istwestija berichtete, dass sich der russische Gerichtshof noch einmal mit der Frage der Rehabilitation Berijas beschftigte. Am 30. 5. 2000 erging folgendes Urteil: Ablehnung der Rehabilitation, aber Erschieung zu Unrecht.
Enver Hoxha verteidigte Stalin gegen Berija und Swetlana ihren Vater
Wenn jemand die Hintergrnde und das wahre Ausma der meuchlerischen Putsches der Verschwrer gegen Stalin aus marxistisch-leninistischer Sicht analysiert und beurteilt hat, dann war es der Genosse Enver Hoxha, der 5. Klassiker des Marxismus-Leninismus, auf dessen Standpunkt wir Weltbolschewisten uns im Wesentlichen sttzen und den wir auf jeden Fall verteidigen Wir empfehlen hierzu hauptschlich das Studium seiner Schrift Die Chruschtschowianer (Internetarchiv der Komintern /ML). Es gibt ein ganz bezeichnendes Zitat aus einer anderen Schrift Enver Hoxhas: Die Titoisten, in dem Chruschtschow seine antistalinistische Wut ber Enver Hoxha auslie und mit dem wir beginnen wollen, bevor wir die Rolle und Person Berijas im Lichte der Sicht Enver Hoxhas darstellen. Dies deshalb, weil Enver Hoxha Berija als Mitglied der Verbrecherbande Chruschtschows sieht, die ein gemeinsames Ziel verfolgt: Stalin zu beseitigen und die Entstalinisierung einzuleiten. Was entgegnete der entsetzte Chruschtschow also dem Genossen Enver Hoxha? `Wo wollt ihr uns eigentlich hinfhren, auf den Weg Stalins?` (Enver Hoxha, Die Titoisten, Seite 643, Tirana 1983). Das sagt im Grunde genommen Alles !!! 1. Der Weg Enver Hoxhas war der Weg Stalins. Der Weg Stalins war die Fortsetzung des Weges Lenins. Und der Weg Lenins war die Fortsetzung des Weges von Marx und Engels. Man kann also weder vorwrts noch rckwrts auf halbem Wege des Kommunismus stehen bleiben, so wie man zwar die Uhr, aber nicht die Zeit anhalten kann; wer A sagt muss auch B sagen das gilt fr beide Seiten der Barrikaden. Der Weg von Stalin fhrt zum Kommunismus, der Weg der Entstalinisierung fhrte zurck zum Weltimperialismus. 2. Sagt Chruschtschow hier das Wort wir, womit er natrlich die ganze chruschtschowianische Verbrecherbande im Prsidium (einschlielich Berijas!) meinte, das in einer Front gegen Enver Hoxha mit provizierenden Streitereien, Flchen, Drohungen, Erpressungen und Verleumdungen in Moskau vorging in der Art: Was bildet ihr euch eigentlich ein, wer ihr seid; wenn ihr euer freches Maul aufreit, zerquetschen wir euch wie eine kleine Laus. Das wirft ein bezeichnendes Licht darauf, wie diese Verbrecherbande mit Stalin und den Stalinanhngern in der UdSSR, in den Lndern der Volksdemokratie und in der ganzen Welt umgegangen waren und spter umgegangen sind und weiter umgehen werden. Hier noch mal eine Auswahl von Zitaten aus: Die Chruschtschowianer, aus denen wir zum ersten Mal erfuhren, welche parteifeindlichen Elemente Stalin umgeben hatten und mit welchen Elementen er sich auseinander zusetzen hatte.
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Unmittelbar noch nicht einmal (!) ein Tag nach Stalins Tod - verteilten die Verschwrer im Eiltempo die neuen Posten der Macht, getrieben von der Panik, ja nicht bei dem Deal zu kurz zu kommen oder bers Ohr gehauen zu werden: Ministerprsident Malenkow, Erster Stellvertretender Ministerprsident und Innenminister Berija, dann Bulganin, Kaganowitsch, Mikojan, Molotow: An diesem Tag wurden einschneidende Vernderungen in allen hohen Organen der Partei und der Staatsmacht vorgenommen. Das Prsidium und das Bro des Prsidiums des ZK der Partei wurde zu einem einzigen Organ verschmolzen, Sekretre des ZK der Partei wurden neu gewhlt, einige Ministerien wurden aufgelst, andere zusammengelegt, im Prsidium des Obersten Sowjets wurden Vernderungen vorgenommen usw. (Enver Hoxha, Die Chruschtschowianer, Seite 14 15, Tirana 1980). Am 7. Mrz 1953 wurde in einem gemeinsamen Beschluss des Plenums des ZK, des Ministerrats und des Prsidiums des Obersten Sowjet die stalinsche Organisationsstruktur abgeschafft, nmlich die gemeinsame Fhrung des ZK und des Ministerrats. Das Bro des Prsidiums des ZK und das Bro des Ministerrats wurden kurzer Hand aufgelst. Die verloren gegangene Macht der Alten Garde - Stalin hatte ihr zu Lebzeiten die Macht entzogen - holten sie sich zurck, kaum dass Stalin seinen letzten Atemzug gemacht hatte. Es war noch nicht einmal ein Jahr seit dem XIX. Parteitag vergangen der noch gezwungen war, auf die Generallinie Stalins Rcksicht zu nehmen - da wurde eiligst mit der Demontage der Generallinie Stalins begonnen, was sich in der Verteilung der Kompetenzen und in der lngst heimlich beschlossenen neuen organisatorischen Parteistruktur ausdrckte. Daran lsst sich ablesen, mit welchem Doppelznglertum die Verschwrer bereits auf dem XIX. Parteitag also nur ein paar Monate vor Stalins Ermordung aufgetreten waren. Sie heuchelten gegenber dem Parteitag, der Generallinie Stalins zu folgen, und hatten whrend sie dort groe Reden ber die Genialitt Stalins hielten - in Wirklichkeit schon alle neuen Posten untereinander aufgeteilt ein Grund mehr, die lange vorher geplante Verschwrung gegen Stalin anzuprangern und Stalins Generallinie als Generallinie der marxistisch-leninistischen Weltbewegung fortzusetzen und zum Sieg zu fhren. Diese Herren machten sich ber alles her, was von Stalins organisatorischen Kompetenz brig geblieben war, teilten sie gierig untereinander auf wie die Erbschleicher. Aber nicht etwa zur Strkung der Einheit des leitenden Kollektivs- wie man htte annehmen drfen - sondern zur Bereicherung der eigenen Machtkompetenz, also als willkommene Bereicherung ihrer Werkzeuge, mit denen sie die Restauration des Kapitalismus durchsetzen wollten. Auf der Trauerfeier drngelten sie sich vor wie auf dem Hhnerhof ein ekelerregendes heuchlerisches Schauspiel. Darin wurde fr Enver Hoxha deutlich, dass im Prsidium des ZK keine Einheit bestand (ebenda, Seite 16). Nach der Trauerfeier traf sich das Prsidium im Kreml schleunigst, um die unterbrochene Postenverteilung fortzusetzen. Enver Hoxha sah darin eine Besttigung, dass das Komplott schon lange vorher vorbereitet war. Alle vorausgegangenen Verschwrungen gegen Stalin wurden vereitelt, nur die von 1953 nicht mehr. Das lsst darauf schlieen, welche Macht sie bereits in den Hnden vereinigt hatte und wie gefhrlich sie tatschlich war die grte Verschwrung in der Geschichte des Kommunismus. Eine der Hauptstorichtungen von Chruschtschows Strategie und Taktik war es, die politische und ideologische Macht innerhalb der Sowjetunion vollstndig an sich zu bringen und die sowjetische Armee und die Staatssicherheitsorgane in seinen Dienst zu stellen (Enver Hoxha, Die Chruschtschowianer, Seite 43, Tirana 1980). Mit Malenkows Posten des Ersten Sekretrs des ZK verschaffte Chruschtschow sich die Macht in der Partei, um zunchst Berija zu beseitigen und dessen Staatssicherheitsorgane mit Chruschtschowanhngern zu besetzen und sodann die Armee ( insbesondere die GRU-Fhrung) durch Beseitigung von Bulganin und Schukow in seine Hnde zu bekommen. Kurz: Chruschtschow bernahm (zuerst noch) im Namen Stalins die Partei mit Hilfe
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der Apparatschiks des Verteidigungs- und des Innenministeriumsund bemhte sich, die Partei der Bolschewiki in ein seelenloses, willenloses Gebilde ohne Energie zu verwandeln, das Tag um Tag dahinvegetierte und sich in alles fgte, was die Brokratie anordnete, ausheckte und verdrehte (ebenda, Seite 58).Erst im Januar 1956 anlsslich einer Beratung aller sozialistischen Lnder in Moskau sprach Chruschtschow in einem vertraulichen Gesprch mit Enver Hoxha zum ersten Mal offen Schlechtes ber Stalin. Zu dem Zeitpunkt hatte Chruschtschow schon seine Geheimrede auf dem XX. Parteitag vorbereitet. Im Februar 1956 wurden die trotzkistischen Verschwrer und Konterrevolutionre, Sinowjew und Kamenew, Rykow und Pjatakow rehabilitiert. Chruschtschow war selber ein verkappter Trotzkist und gab sich selber als ein Opfer des stalinistischen Terrors aus. Im Juni 1953 erwies sich Mikojan in den Gesprchen mit Enver Hoxha als das negativste, zweifelhafteste Element, der belste Intrigant unter den Mitgliedern des Prsidiums des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (...) als uerst bsartig, besonders uns Albanern gegenber. (...) Jedes internationalistische, sozialistische, freundschaftliche Gefhl war in ihm erloschen (ebenda, Seite 67). Offensichtlich sttzte sich die sowjetische Fhrung auf die 'groe wirtschaftliche Erfahrung` dieses kosmopolitischen Schiebers, von dem die Geschichte zu berichten wei, dass er sich zusammen mit Nikita Chruschtschow gegen Stalin verschworen hatte, um ihn, wie er selbst im Februar 1960 Mehmet und mir gegenber zugab, zu ermorden [!!!]. Nach dem Putsch knpften sie Bande zum amerikanischen Imperialismus und gingen daran, das groe Werk Lenins und Stalins, den Sozialismus in der Sowjetunion, vollstndig zu zerstren. In den Beziehungen zu uns war Mikojan nicht nur der Knausrigste, sondern auch der Beleidigendste. Diese albanienfeindliche Linie hatte er schon immer verfolgt, schon zu Stalins Lebzeiten. (ebenda, Seite 68). Das lsst sich auch in Enver Hoxhas Erinnerungen Begegnungen mit Stalin nachlesen: 'Aber werden die Albaner auch selbst arbeiten?' Ich begriff, warum er (Stalin) mir diese Frage stellte. Das war das Ergebnis der bswilligen Informationen durch den amerikanischen Krmer Mikojan. Er hatte sich bei einem Treffen mit mir nicht nur einer Sprache bedient, die ganz anders war als die Stalins, sondern in seinen kritischen Bemerkungen ber die Planerfllung in unserem Land auch harte Worte gebraucht, indem er unterstellte, unser Volk arbeite nicht genug usw. Seine Absicht war, das Tempo und die Menge der Hilfe an uns herunter zuschrauben. Das ist immer Mikojans Haltung gewesen. Doch Stalin bewilligte alle unsere Forderungen (Enver Hoxha, Begegnungen mit Stalin; ad die zweite Begegnung Mrz/April 1949, Seite 96-97, KPD/ML August 1980). Kommen wir nun zu dem Bild, das Enver Hoxha von Berija gezeichnet hat. Wer war Berija und welche Rolle spielte er an der Seite Stalins? Es gibt nicht Wenige in der marxistisch-leninistischen Weltbewegung, die diesen Genossen als den treusten MarxistenLeninisten an der Seite Stalins kultivieren, voran die Berijaner selbst. Diese Zeilen lesen zu mssen, das wird diesen Leuten natrlich weh tun, und wenn sie an die Stelle hinfassen, wo der Schmerz herkommt, dann werden wir auf ihren wunden Punkt zeigen. Warten wir ab, was sie tun werden. Wir sind zum Kampf bereit. Ihre Tarnung ist nun aufgeflogen und sie mssen sich etwas einfallen lassen. Diese Leute sind deswegen so gefhrlich, weil sie ihre rechtsopportunistische Ideologie hinter einer sehr marxistisch-leninistischen, anti-revisionistischen Linie verbergen und sich u.a. auf Enver Hoxha sttzen. Wir denken, dass die Schonzeit, die wir ihnen gewhrt haben, um ihren falschen Standpunkt zu berdenken, schon lange abgelaufen ist und wir sagen offen, was wir denken und was wir von ihnen halten Verrter !. Mge sich jeder seine eigene Meinung ber unsere feindliche Haltung gegenber diesen Berija-Leuten bilden. Zunchst mchten wir bekrftigen, dass wir die Kritik des Genossen Enver Hoxha an Berija in jeder Hinsicht verteidigen. Wir fhren zum Beweis die folgenden Zitate Enver Hoxhas gegen Berija auf:
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Was die Person Berija anbelangt, so wird dieser erst bei Enver Hoxhas letzten Begegnung mit Stalin (Enver Hoxha: Begegnungen mit Stalin, erschienen bei der KPD/ML, Dortmund 1980) erwhnt und zwar zusammen mit Molotow, Malenkow und Bulganin, also nicht mehr mit Mikojan. Das war im April 1951. Stalin durchschaute Titos Gromachtchauvinismus gegenber Albanien, weil es Enver Hoxha gelungen war, direkt zu Stalin vorzustoen, ohne dass Tito es noch weiter verhindern konnte (und Berija?). Als Stalin Enver Hoxha persnlich kennenlernte, wuchs seine Freundschaft mit Albanien im gleichen Mae wie seine Feindschaft zu Tito. Stalin interessierte sich bei dem Treffen mit Enver Hoxha sofort dafr, wie sich Albanien auf seine Verteidigung, auf einen drohenden Kriegsfall vorbereitete, der von Tito im Auftrage von den angloamerikanischen Imperialisten geplant war. Berija war also sehr wohl anwesend (!!!), als Enver Hoxha von der Bestrafung der parteifeindlichen, jugoslawischen Elemente im eigenen Land berichtete, die Stalin ausdrcklich begrte. Berija kannte also ganz genau die feindliche Haltung der Albaner gegenber dem jugoslawischen Revisionismus (und zwar durch alle seine Geheimdienstinformationen schon lange vor diesem Treffen Enver Hoxhas mit Stalin !) als er sich nach Stalins Tod um eine Vershnung mit Tito bemhte, um bei den angloamerikanischen Imperialisten zu punkten. In seiner Schrift Die Titoisten beurteilte Enver Hoxha die Haltung zu Titos Jugoslawien als einen Prfstein, um zu sehen, wer die neuen Fhrer waren, die in der Sowjetunion nach Stalins Tod die Macht ergriffen, wer die Fhrer auch der anderen Parteien waren, die sofort, nachdem der Chruschtschow-Revisionismus ans Licht gekommen war, den Kurs wechselten (Enver Hoxha, Die Titoisten, Seite 638, Tirana 1983; vergleiche hierzu auch: Enver Hoxha, Die Chruschtschowianer, insbesondere das Kapitel Der Prfstein, Seite 111 ff, Tirana 1980). Daran ma Enver Hoxha vor allem die Person und Rolle Berijas. Dem ist von uns Weltbolschewisten nichts hinzuzufgen. Wir haben nachweisen knnen wie gut die Nase von Enver Hoxha war. Von der kritischen Haltung, die Enver Hoxha gegenber der verrterischen Haltung Berijas bezglich des jugoslawischen Revisionismus einnahm, mssen wir Rckschlsse ber Berijas grundstzlich verrterische Haltung gegenber Stalin ziehen. Wir mssen hier die Generallinie Stalins als Prfstein fr Berija nehmen, so wie das Enver Hoxha gegenber Tito gemacht hat. Eine vollkommene Besttigung von Enver Hoxhas korrekter Einschtzung ber Berija wird unsere Reihen gegenber feindlichen Einflssen besser schtzen, wird uns im Kampf gegen das Berijanertum ungemein strken und wird schwankenden und unsicheren Genossen helfen, sich selber zu berzeugen. Enver Hoxha hat sich von der Gerissenheit Berijas nicht einschchtern und tuschen lassen und ihn eindeitig als Feind Albaniens durchschaut und als solchen verurteilt, denn jede Vershnung mit dem jugoslawischen Revisionismus bedeutete zwangslufig auch eine Verstrkung der Bedrohung des marxistisch-leninistischen Albaniens durch das revisionistische Jugoslawien. Berija wusste also sehr wohl davon, dass Tito an der Eliminierung Enver Hoxhas, am Sturz der Diktatur des albanischen Proletariats gearbeitet hatte, was Berija nicht daran hinderte, nach Stalins Tod der erste (!) zu sein, der den Kampf gegen den modernen Revisionismus an der Macht einstellte und freundschaftliche Beziehungen zu Jugoslawien aufzunehmen begann ( siehe sein Brief an Tito). Der Aufbau des Sozialismus in Albanien wurde von den neuen revisionistischen Machthabern im Kreml systematisch sabotiert ein Schulterschluss des jugoslawischen und sowjetischen Revisionismus gegen den einzig am Leben gebliebenen Schler Stalins. Enver Hoxha schreibt in den Chruschtschowianern: Natrlich traf uns der verchtliche und beleidigende Ton der neuen Sowjetfhrung, natrlich fragten wir uns verwundert: `Woher wissen die in Moskau, ob wir unsere Probleme richtig oder falsch dargestellt haben, schlielich leben und arbeiten nicht sie, sondern wir in Albanien?!` (Seite 80). Heute wissen wir, dass die sowjetischen Revisionisten hierfr ihre albanischen Spitzel hatten. Mehmut Shehu hatte - ohne dass die KPA davon wusste, also seit vielen Jahren heimlich Kontakt zum sowjetischen Geheimdienst. Der russische Spitzel Major Iwanow hat hchstwahrschein-
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lich auch davon gewusst, dass der Putschist Mehmut Shehu sowohl anglo-amerikanischer als auch jugoslawischer Agent war. Iwanow musste von der GRU-Fhrung gedeckt worden sein, die ihre Informationen vor Stalin verheimlichten. Wre das Geheimdienstwissen, ob nun von der GRU oder vom NKWD, rechtzeitig zu Stalin vorgedrungen, htte Stalin Enver Hoxha mit Sicherheit darber informiert und Mehmut Shehu (und nicht nur der!!!!????- u.a. auch Berija!) wre schon eher entlarvt und bestraft worden und der Mord an Stalin htte vielleicht verhindert werden knnen. Dies beweist, dass die sowjetischen Geheimdienste mehr wussten als Stalin, dass sie Stalin die Wahrheit verheimlichten, dass sie gegen Stalin und fr Tito gegen Albanien und damit fr die Angloamerikaner gearbeitet haben mussten. Und das beweist auch, warum Tito Enver Hoxha nicht an Stalin herankommen lie, denn dann wre auch Berija gefhrdet. Berija war jemand, der sich seiner Rdchen der Beschaffung von geheimen Informationen ber den marxistisch-leninistischen Kampf der Albaner gegen den ersten modernen Revisionismus an der Macht bedient hatte und also darber im Bilde gewesen war. So htte Mehmut Shehu ohne von Berija gedeckt zu sein, keinerlei schndliche Schdlingsarbeit bis zum 8. Parteitag der PAA fortsetzen knnen. Bis Shehu dann bei seiner Entlarvung in die Ecke gedrngt feigen Selbstmord verbte. Enver ber Shehu: Auf Grund entdeckter Dokumente und unwiderlegbarer Indizien wird bewiesen, dass er sich noch vor dem Krieg in den Dienst des amerikanischen Geheimdienstes gestellt hat. Whrend des Kriegs und nach der Befreiung hat Mehmut Shehu in Albanien als Sldner der Auslnder und unter ihren Befehlen gekmpft und gearbeitet. Schon als er in der I. Brigade war, ist er vom jugoslawischen Geheimdienst (OZNA, heute UDB), danach auch vom sowjetischen KGB angeworben worden, denen er mit Eifer gedient hat. Im Auftrag und entsprechend den Anweisungen der auslndischen Spionagezentren, vor allem des CIA und der UDB, haben er und die mit ihm verbundene Gruppe von Verschwrern, die nunmehr den Ermittlungsbehrden bergeben sind, dafr gearbeitet, die Partei und die Volksmacht zu liquidieren und Albanien unter auslndische Herrschaft zu stellen. Um die von ihren Oberherren Washington, Belgrad und anderswo ausgearbeiteten diversionistischen und banditenhaften Plne durchzufhren, hatten sich Mehmut Shehu und seine Kumpane auf schwere Verbrechen vorbereitet. Mehmut Shehu hatte von der jugoslawischen UDB den Befehl erhalten, den Ersten Sekretr des Zentralkomitees und andere Partei- und Staatsfhrer zu ermorden sowie durch terroristische Mittel all die zu unterdrcken, die sich gegen diesen groen Verrat erheben wrden. Und wenn sie nicht zu handeln vermochten, um ihre verbrecherischen Ziele zu verwirklichen, so hngt dies mit der groen Furcht zusammen, die sie vor dem Volk und vor der Partei hatten, vor der sthlernen Einheit, die keinerlei Feind, und mag er noch so verschlagen und teuflisch sein, auch nur einen Schritt tun lsst. Mehmut Shehu vermochte zu keiner Zeit, die Parteilinie zu verrcken und zu entstellen, denn, htte er das versucht, wre er auf der Stelle demaskiert worden (Enver Hoxha, Rede vor den Whlern, November 1982, Tirana 1982, Seite 5-6). Enver Hoxha hielt diese Rede 1982, also 3 Jahre vor seinem Tod, wo schon Ramit Alia als nchster am Verrat arbeitete. Daran ist ersichtlich wie gefhrlich der Feind vor und nach dem Tod Enver Hoxhas war. Hier lassen sich viele Parallelen ziehen zwischen dem Tod Enver Hoxhas und Stalins die Mrder waren die Gleichen Revisionisten ! Dass das Ende Albaniens mit dem Ende der Sowjetunion zeitlich zusammenfiel, ist kein Zufall. Die Fden lassen sich bis nach Washington verfolgen. Iwanow war spter 1957 - revisionistischer Botschafter der SU in Tirana - also ein Mann Chruschtschows. Der Poly-Agent Mehmut Shehu hat also auch im Auftrage Chruschtschows gegen Albanien gearbeitet. Berijas Sicherheitsministerium hatte seine Informationen von Mehmut Shehus Sicherheitsministerium ohne Wissen der KPA und der KPdSU, ohne Wissen von Stalin und Enver Hoxha !
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Das waren nmlich die Informationen ber die Interna aus Albanien, mit denen Berija des Genossen Enver Hoxha im Juni 1953 in Moskau so unverschmt und niedertrchtig konfrontiert hatte. Berija hat vielleicht nicht in allen Einzelheiten gewusst, dass von 1948 an hunderte von Diversanten- und Verbrecherbanden, die von Tito und dem Westen gemeinsam nach Albanien geschickt und von albanischen Sicherheitsorganen allesamt vernichtend geschlagen wurden, aber er muss als einer der fhrendsten Sicherheitsoffiziere der sowjetischen Regierung auf jeden Fall grundstzlich darber informiert gewesen sein, musste nicht zuletzt mit Hilfe von Mehmut Shehu gewusst haben, was er da tat und kann heute allein, was seine feindliche Haltung zu Albanien und seine pro-jugoslawische Haltung anbelangt - nicht blind als Marxist-Leninist rehabilitiert werden. Wir mssen hchst wahrscheinlich davon ausgehen, dass es Berija nicht bei der Sammlung von Informationen belassen hat, sondern dass er diese missbraucht hat, dass er sie gegen Stalin, gegen Enver Hoxha und damit gegen die revolutionre Sache des Weltproletariats verwendet hat. In Die Titoisten schreibt Enver Hoxha, auf Seite 674: Nach Stalins Tod verurteilte die an die Macht gekommene Mannschaft den Chef des sowjetischen KGB Berija wegen zahlreicher Verste gegen die Gesetzlichkeit. Wir forderten Mehmut Shehu auf zu prfen, ob nicht auch in den Organen unseres Innenministeriums, das er leitete, Fehler vorgekommen seien. Mehmet Shehu bekam es mit der Angst, ob nicht auch seine Verbindungen mit dem sowjetischen KGB oder mit westlichen Agenturen aufgedeckt worden seien und er das Schicksal Berijas erleiden knnte. Er ging zum sowjetischen Botschafter Lewitschkin, dem er seine Ergebenheit gegenber der neu an die Macht gekommenen chruschtschowianischen Mannschaft versicherte, er verlangte sowjetischen Schutz. 1952-1953 war dieser Gesandter und 1953-1955 Botschafter in Albanien. 1956 leitete dieser die 5. Europa-Abteilung des Ministeriums fr Auswrtige Angelegenheiten der UdSSR. Da er von Chruschtschow nicht ausgetauscht wurde, ist zu vermuten, dass Lewitschkin schon im Jahre 1952 kein felsenfester Anhnger Stalins gewesen sein konnte. Es drfte nicht uninteressant sein festzuhalten, dass es zwischen den Innenministerien Albaniens und der Sowjetunionen erstaunliche Parallelen gegeben hat. In beiden Fllen nutzten Verschwrer die hchsten Posten der Innenministerien zum Sturz der Diktatur des Proletariats und zur Liquidierung der Parteifhrung und das nicht nur einmal, sondern hufige Male im langen Zeitraum von Jahrzehnten ! Ebenso erstaunlich wie bemerkenswert ist es, dass nicht etwa die Innenministerien selbst alle diese Verschwrungen und Komplotts aufdeckten und zerschlugen (wofr das Proletariat sie ja eigentlich eingerichtet hatten und das also ihre vordringlichste Aufgabe gewesen wre!!!), sondern das taten die bolschewistischen Parteien, PAA und die KPdSU mit Enver Hoxha und Stalin an der Spitze und das nicht, ohne sich dabei in einen gefhrlichen Kampf mit den Maulwrfen der Innenministerien zu begeben ! Zurck zur letzten Begegnung Enver Hoxhas mit Stalin: Wenn man mal die Situation in der sowjetischen Parteifhrung im Hinterkopf behlt, kommt der Antwort Stalins auf Enver Hoxhas Bericht ber den Kampf gegen die parteifeindlichen Elemente in der KPA eine aufschlussreiche Bedeutung zu: 'Das habt ihr richtig gemacht`, sagte Stalin zu mir.`Der Feind wird versuchen, sich auch in die Partei selbst einzuschmuggeln, bis in ihr Zentralkomitee. Doch durch groe Wachsamkeit und eine entschlossene Haltung lassen sich solche Versuche aufdecken und durchkreuzen` (ebenda, Seite 187). Und das war mit Sicherheit auch direkt fr die Ohren Berijas bestimmt, der zum gleichen Zeitpunkt in der Mingrelischen Affre verwickelt war. Mehr noch: Berija, der an dieser Besprechung zwischen Stalin und Enver Hoxha persnlich teilgenommen hatte, verschwieg bewusst alle geheimdienstlichen Informationen, die er ber die Lage innerhalb der albanischen Partei erhalten hatte. Berija hinterging nicht nur Enver Hoxha, sondern auch Stalin bei dieser Besprechung. Nach Enver Hoxhas Aussage, 1981-1982, belieferte Mehmut Shehu schon kurz nach der Befreiung Albaniens den sowjetischen Geheimdienst mit geheimen Informationen. Damit haben
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sich sowohl Mehmut Shehu als auch der sowjetische Geheimdienst schuldig gemacht, ist von einer Zusammenarbeit von Shehu und Berija zweifellos auszugehen. Stalin wandte sich an Enver Hoxha in der Frage des wirtschaftlichen Aufbaus, dass ihr (...) auch verstrkt darauf achten msst, die Arbeiterklasse zu strken und Kader auszubilden. Besonders um die Arbeiterklasse muss sich die Partei kmmern (ebenda). Aus Stalins Willen zur Strkung der Einheit zwischen Partei und Arbeiterklasse ist zu entnehmen, dass dies fr seine Auseinandersetzung in der eigenen Partei- und Staatsfhrung von groer Bedeutung gewesen sein musste, insbesondere fr den sowjetischen Wiederaufbau der Wirtschaft nach dem Kriege. Enver Hoxha berichtete auch von Stalins Kritik, dass in der Sowjetunion vieles krankhaft idealisiert worden sei, und dass der Slogan alles sei in schnster Ordnung (ebenda, Seite 196) gefhrlich sei. Wir wissen heute, dass die modernen Revisionisten gern mit diesem Slogan operierten, um dahinter den von ihnen verfolgten Weg der Restauration des Kapitalismus zu verbergen. In Ordnung war nicht der Weg zum Kommunismus, sonder in Ordnung war der Weg zurck zum Kapitalismus. Das war das Wesen der Ordnung der Revisionisten. Enver Hoxha muss Berija vor Stalins Tod das letzte Mal auf dem XIX. Parteitag also 1952 gesehen haben. Erst im Juni 1953 ist er ihm wieder in Moskau begegnet, also wenige Monate nach Stalins Tod und wenige Monate vor Berijas Verhaftung. Nachfolgend fhren wir hier Seite fr Seite der Chruschtschowianer Enver Hoxhas Einschtzungen auf: Wenn es (...) einige Auswchse gab, so wurden sie nicht von Stalin verschuldet, sondern von Chruschtschow, Berija und Konsorten, die sich, als sie noch weniger mchtig waren, in finsterer und verhohlener Absicht beim Subern besonders eifrig zeigten. Damit wollten sie sich Kredit verschaffen als 'glhende Verteidiger` der Diktatur des Proletariats, die 'erbarmungslos die Feinde` verfolgten, um so die Leiter emporzuklimmen und dann spter die Macht zu usurpieren. Es ist eine Tatsache, dass ein Jagoda oder ein Jeschow, als Stalin ihrer feindlichen Ttigkeit auf die Spur kam, vom Revolutionsgericht ohne Zgern verurteilt wurden. Diese Elemente sowie Chruschtschow, Mikojan, Berija und ihre Apparatschiks verheimlichten Stalin die Wahrheit. Auf die eine oder andere Weise tuschten, hintergingen sie Stalin. Er vertraute ihnen nicht, hatte ihnen deshalb offen ins Gesicht gesagt: '... wenn es mich nicht mehr gibt, werdet ihr die Sowjetunion verschachern'. Und Stalins Voraussage bewahrheitete sich. Zu seinen Lebzeiten sprachen auch diese Feinde von Einheit, doch nach seinem Tod schrten sie die Spaltung (ebenda, Seite 19-20). Im Juni 1953 wurde Enver Hoxha in Moskau empfangen als Chruschtschow noch nicht die Macht vollstndig in Hnden hatte, wo Malenkow noch an erster und Berija an zweiter Stelle rangierten: Neben ihm (Malenkow) sa Berija, mit hinter den Brillenglsern glitzernden Augen und Hnden, die stndig in Bewegung waren (ebenda, Seite 22). Nachdem Enver Hoxha kaum zwanzig Minuten gesprochen hatte, hrte ich , wie Berija mit den Schlangenaugen zu dem mumiengleich dasitzenden und zuhrenden Malenkow sagte: `Sollen wir ihnen nicht endlich sagen, was wir zu sagen haben, damit wir zu einem Ende kommen`? (...) Berija, befriedigt, dass ich aufgehrt hatte, steckte die Hnde in die Taschen und musterte mich forschend, um zu ergrnden, was fr einen Eindruck ihre Antwort auf mich machte (ebenda S. 25). (...) Malenkow und Berija waren die beiden `Hhne im Korb` (ebenda, Seite 26). Nun ergriff Berija das Wort. Hektisch und nervs bewegte er unablssig seine Augen und Hnde, als er zu erzhlen anhob, ihren Informationen nach gebe es bei uns ungeeignete und zweifelhafte Elemente nicht nur in der Armee, sondern auch im Staats- und Wirtschaftsapparat! (...)
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Bulganin atmete erleichtert auf (...) doch Berija trieb ihm das Lcheln schnell aus. Er widersprach nmlich offen Bulganins 'Rat', Suberungen durchzufhren, betonte, die Elemente mit schlechter Vergangenheit, die spter einen richtigen Weg eingeschlagen htten, drfe man nicht wegsubern, man msse ihnen vielmehr verzeihen. (...) Wie sich spter herausstellte, waren die Widersprche zwischen Bulganin und Berija, nicht nur einfach persnlicher Natur, in ihnen spiegelten sich die Widersprche, Streitereien und tiefen Gegenstze zwischen dem sowjetischen Staatssicherheitsdienst und der sowjetischen militrischen Aufklrung wider (ebenda, Seite 28). Auf Berijas Beschuldigungen antwortete Enver Hoxha: ... ich weise diese Beschuldigungen nicht nur zurck, sondern erklre Ihnen auch, dass Ihre Informanten Sie belgen, Verleumder sind (ebenda, Seite 29). (Das galt Berija !!! Und das hat gesessen !!!) Ich sah, dass man in der Fhrung der Sowjetunion unserem Land nicht wohlgesinnt war. Ihr grospuriges Auftreten bei der Zusammenkunft, die Tatsache, dass sie uns die wenigen Dinge, die wir wnschten, nicht gaben, und der verleumderische Angriff auf die Kader unserer Armee waren kein gutes Zeichen. Auerdem stellte ich bei diesem Treffen fest, dass es im Prsidium der Kommunistischen Partei der Sowjetunion keine Einheit gab: Malenkow und Berija dominierten, Molotow sagte fast berhaupt nichts, Mikojan, im Schatten, verspritzte Gift, whrend Bulganin Mist von sich gab. Offensichtlich waren unter den tonangebenden Leuten im Prsidium des ZK der KP der SU Rangeleien ausgebrochen (ebenda, Seite 31). Chruschtschow versetzte Malenkow einen Futritt, indem er ihm nur noch den Ministerprsidentenposten belie, und wurde im September 1953 selbst Erster Sekretr des Zentralkomitees. Natrlich hatten Chruschtschow und die Gruppe seiner Vertrauten die Intrige im Prsidium sorgfltig eingefdelt, indem sie unter den Gegnern Streitereien schrten, indem sie Berija aus dem Weg rumten und die anderen, wie es scheint, `zur Rson brachten`. Von Berijas Festnahme und Hinrichtung gibt es viele Versionen. Unter anderem hie es, Berija sei von Leuten der Armee mit General Moskalenko an der Spitze direkt in einer Sitzung des Prsidiums des Zentralkomitees der Partei verhaftet worden. Offenbar bertrugen Chruschtschow und Konsorten diesen 'Spezialauftrag' der Armee, weil sie dem Staatssicherheitsdienst, der jahrelang in der Hand Berijas gewesen war, nicht trauten. Der Plan war schon frher ausgeheckt worden: Whrend das Prsidium des ZK der Partei tagte, hatten Moskalenko und seine Leute unbemerkt ein angrenzendes Zimmer betreten. Im entsprechenden Augenblick hatte Malenkow auf einen Klingelknopf gedrckt, worauf Moskalenko das Amtszimmer, in dem die Sitzung stattfand, betrat und sich Berija nherte, um ihn zu verhaften. Dieser, so heit es, habe die Hand nach der Mappe neben sich ausgestreckt, doch Chruschtschow, der neben ihm sa und `gut aufpasste`, sei `geschickter' gewesen und habe die Mappe frher an sich gebracht. (...) So sagte man, habe es sich abgespielt, und auch Chruschtschow selbst besttigte das. Spter berichtete uns auch ein General (...) Sergatzkow (...) etwas ber den Prozess gegen Berija: Er sagte, man habe ihn als Zeuge geladen, damit er vor Gericht aussage, Berija habe sich ihm gegenber arrogant benommen. Dabei sagte Sergatzkow im Vertrauen zu unseren Genossen: 'Berija hat sich vor Gericht sehr geschickt verteidigt, er hat nichts zugegeben und alle Anschuldigungen zurckgewiesen' (ebenda, Seite 32-33). Im Juni 1954 war Enver Hoxha wieder in Moskau, wo er es zum ersten Mal direkt mit Chruschtschow zu tun bekam also einige Monate, nachdem dieser Erster Sekretr des ZK der KPdSU geworden war: `Die Partei`, theoretisierte er (Chruschtschow) an uns hin, `fhrt, organisiert, kontrolliert. Sie ist die Initiatorin, die Inspiratorin. Berija jedoch wollte der Partei ihre Rolle nehmen`. Und nach einem Moment des Schweigens fragte er mich: `Habt ihr die Resolution erhalten, in der die Bestrafung Berijas bekanntgegeben wird?' `Ja`, antwortete ich. Er lie seine Ansprache ber die Partei sein und fing an, ber Berijas Ttigkeit zu sprechen. Er warf ihm ungefhr alles vor, schob ihm die Schuld an vielen Missstnden in die Schuhe. Das war der erste Vorgeschmack auf die Angriffe gegen Sta-
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lin. Chruschtschow sprte, dass er vorlufig noch nicht gegen Stalin, gegen sein Werk und seine Gestalt angehen konnte, deshalb fing er bei Berija an, um den Boden vorzubereiten. Bei dieser Zusammenkunft erklrte uns Chruschtschow zu unserem Erstaunen sogar: ' Als Sie letztes Jahr hier waren, haben Sie uns dabei geholfen, Berija auf die Schliche zu kommen und ihn zu entlarven`. Ich blickte ihn verwundert an, um herauszufinden, worauf er hinaus wollte. Chruschtschows Erklrung sah folgendermaen aus: 'Erinnern Sie sich an die Diskussion, die Sie letztes Jahr mit Bulganin und Berija ber den Vorwurf hatten, den sie eurer Armee machten? Wir hatten diese Informationen von Berija, und Ihr heftiger Widerstand in Gegenwart der Genossen des Prsidiums half uns, unseren Verdacht und die Beweise, die wir fr Berijas feindliche Ttigkeit hatten, zu komplettieren. Wenige Tage nach Ihrer Rckkehr nach Albanien haben wir ihn verhaftet.` (...) Die Akte `Berija` war abgeschlossen, Chruschtschow hatte mit ihm abgerechnet (ebenda, Seite 38-39). Chruschtschow und Mikojan waren die geschworensten Feinde des Marxismus-Leninismus und Stalins. Sie (...) gingen planmig vor und hatten nach Stalins Tod auch deswegen leichtes Spiel, weil Malenkow, Berija, Bulganin und Woroschilow sich nicht nur als blind, sondern auch als ehrgeizig erwiesen und jeder von ihnen um die Macht kmpfte. (...) Sie verfolgten, kurz formuliert, folgende Taktik: im Prsidium spalten, die Truppen des Putsches auerhalb organisieren, weiter gut ber Stalin reden, um die Millionenmassen fr sich zu gewinnen, und so den Tag der Machtergreifung, der Liquidierung der Gegner, der Liquidierung einer ganzen ruhmreichen Epoche des Aufbaus des Sozialismus, der Siege im Vaterlndischen Krieg usw. beschleunigt herbeizufhren. Diese ganze fieberhafte Ttigkeit sollte dazu dienen (und wir sprten das), Chruschtschow innerhalb und auerhalb der Sowjetunion populr zu machen (ebenda, Seite 53-54). Tatschlich war in dieser Anfangsphase von Chruschtschows revisionistischer Offensive Berija die geeignete Karte, um die geheimen Plne voranzutreiben. Wie bereits erwhnt, wurde Berija von Chruschtschow als Urheber vieler bel hingestellt: er habe die Rolle des Ersten Sekretrs geringgeschtzt, die `kollektive Fhrung` beeintrchtigt, die Partei der Leitung des Staatssicherheitsdienstes unterstellen wollen. Unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den von Berija angerichteten Schaden fasste Chruschtschow einerseits in der Fhrung der Partei und des Staates festen Fu und brachte das Innenministerium an sich, und andererseits bereitete er die ffentliche Meinung auf den offenen Angriff vor, den er wenig spter gegen Josef Wissarionowitsch Stalin, gegen das wahre Werk der Bolschewistischen Partei Lenins und Stalins unternehmen sollte (ebenda, Seite 55-56). Ich habe schon von der Zusammenkunft mit Malenkow, Berija, Mikojan und anderen im Juni 1953 in Moskau berichtet. Es war unter anderem die Art, wie sie mit uns umsprangen, wie sie an die von uns aufgeworfenen Wirtschaftsprobleme herangingen, die mir das Gefhl gab, dass der unvergessliche Stalin nun im Kreml nicht nur leiblich fehlte, sondern dass auch seine groe, menschliche Seele, sein rcksichtsvolles, herzliches Benehmen, sein hervorragendes marxistischleninistisches Denken zu vermissen waren (ebenda, Seite 72). Auf einer Zusammenkunft mit den Sowjetfhrern am 8. Juni 1954 kam Chruschtschows sozialimperialistische Fratze in der albanischen Erdlfrage voll zum Ausdruck als er frech erklrte: 'Ich wei, dass euer Erdl nicht sehr gefragt ist, es enthlt viele Verunreinigungen, vor allem Bitumen und einen hohen Schwefelanteil, und bei der Verarbeitung verliert es noch mehr an Wert. Ich mchte euch als Beispiel erzhlen, was uns mit dem Erdl von Baku passiert ist. Wir haben dort Milliarden Rubel investiert. Berija hat fr die Entwicklung der Erdlwirtschaft in Baku von Josef Wissarionowitsch stndig Investitionen verlangt, weil Stalin, der frher selber in Baku gearbeitet hatte, wusste, dass es dort Erdl gab. Doch die Funde, auf die wir inzwischen an anderen Orten unseres Vaterlandes gestoen sind, und unsere Analysen haben ergeben, dass sich die Ausbeutung des Bakuer Erdls nicht lohnt` [eine unverschmte Lge, allein wenn man an den 1. und 2.
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Weltkrieg und vor allem an die heutige Ereignisse an Georgien denkt!]. Nachdem er mir (...) ausfhrlich Unterricht ber die `Rentabilitt` und 'Unrentabilitt` der Erdlfrderung erteilt hatte, damit nicht auch ich 'irre' wie Stalin (!!), brachte Chruschtschow das Gesprch auf den Punkt: ' (...) Sollte es bei euch rentable Erdlquellen geben, gut, dann erhaltet ihr Kredit von uns. Kalkuliert man aber so, dann stellt sich heraus, dass es rentabler ist, wenn wir euch von unserem Erdl geben...` (ebenda, Seite 84-85). Chruschtschows Kurs sah vor, den sozialistischen Aufbaus Albanien auf den Anbau von Zitrusfrchten zu beschrnken. Chruschtschow wollte aus Albanien einen Obstgarten der UdSSR machen. Und als Beispiel fhrte er die Beschrnkung auf den Obstanbau an, den er gleich nach seiner Machtbernahme schon den Georgiern aufgezwungen hatte. 1954 war also der russische Sozialimperialismus von Chruschtschow planmig in die Tat umgesetzt worden, auch in den nichtrussischen Sowjetrepubliken. Chruschtschow hielt es 1954 noch fr verfrht, die marxistisch-leninistische Linie Stalins in der Jugoslawienfrage offen anzugreifen und setzte stattdessen eine seiner beliebten Taschenspielertricks ein. Er vertrat die These, dass Berija Jugoslawien nur noch weiter in die Arme des Imperialismus getrieben htte und das man es vielmehr umarmen msse, um es sich besser einverleiben zu knnen. Enver Hoxha schreibt hierzu: Also fand man die `Schuldigen`: bei den Sowjets Berija, der durch sein Vorgehen 'bei der jugoslawischen Fhrung berechtigte Unzufriedenheit` hervorgerufen habe, und bei den Jugoslawen Djilas' (den Tito in der Zwischenzeit verurteilt hatte) (...) So hatte Chruschtschow also eine ganz einfache Lsung gefunden: fr den Bruch mit Jugoslawien gab es keine Ursachen, sondern nur Vorwnde; `grundlos sind wir ber sie hergefallen, die Schuldigen sind gefunden: Berija bei uns, Djilas bei euch. Inzwischen haben beide Seiten diese Feinde verurteilt, also brauchen wir uns nur noch zu kssen, zu vershnen und ber das Vergangene Gras wachsen lassen` (ebenda, Seite 121). Tito hatte Chruschtschow vier Bedingungen gestellt, von denen die Vierte wie folgt lautete: Viertens, sagte Tito, sind weder Berija noch Djilas fr den Konflikt verantwortlich, die Ursachen liegen tiefer. Deshalb msst ihr Sowjets und die Anderen endgltig mit der Linie der Stalinzeit brechen (ebenda, Seite 128). Hieraus ist indirekt abzulesen, dass man Berija nicht loswerden wollte, weil dieser ein hinderlicher Verteidiger von Stalins Jugoslawienlinie von 1948/49 war. Sowohl Chruschtschow als auch Tito waren sich gegen Stalin zwar einig, aber beide Seiten begrndeten Berijas Schuld jedenfalls nicht mit dessen Verteidigung Stalins. Dies richten wir an die Adresse der Berijaner ! Im Sommer 1955 traf Enver Hoxha in Moskau mit dem Chruschtschowianer Suslow, dem grten Demagogen, zusammen, der 1941 44 Mitglied des Kriegsrates im Kaukasus, Chef der dortigen Partisanenverbnde, 1952 1953 Mitglied des Prsidiums des ZK der KPdSU war und zur Zeit des Treffens mit Enver Hoxha der Kommission fr Auswrtige Angelegenheiten des Unionsrats des Obersten Sowjets der UdSSR angehrte: Gleich seine ersten Worte waren, wir mssten uns ber die Jugoslawienfrage unterhalten. (...) ' Das Hauptproblem ist, dass das ZK der KPdSU an die Jugoslawienfrage realistisch herangegangen ist. Es hat die verrterische Ttigkeit Berijas mitbercksichtigt, und dafr haben wir Selbstkritik gebt. Unser ZK ist zur Schlussfolgerung gelangt, dass der Abbruch der Beziehungen zu Jugoslawien ein Fehler war, d.h., dass wir voreilig waren` (ebenda, Seite 146); (...) (Suslow) fing an, eine Reihe von `Argumenten` aufzuzhlen, die mich davon berzeugen sollten, dass die jugoslawischen Fhrer nicht auf dem falschen Weg seien. Natrlich versuchte auch er, Berija und Djilas sowie den Anstrengungen des Imperialismus, `Jugoslawien auf seine Seite zu ziehen`, die Schuld zu geben. `Auch Molotow', fuhr Suslow fort, ' hat zu diesem Problem eine ziemlich sektiere-
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rische Haltung eingenommen (...) wir haben ihn fr seine Haltung schwer kritisiert. Schlielich schloss sich auch er dem Standpunkt des ZK an` (ebenda, Seite 147). Um die Albaner zur Vershnung mit den Belgrader Revisionisten und sie damit zur Rehabilitierung der von ihnen verurteilten jugoslawischen parteifeindlichen Elemente zu zwingen, wurde Enver Hoxha mitten in der Nacht von einem Anruf Mikojans aus dem Schlaf geholt: Mikojan begann am Telefon mit einem Standardmonolog ber das 'sozialistische Jugoslawien', ber Tito, der ein ' ehrenwerter Mann` sei, ber Berijas Fehler und 'unsere`(der Sowjetunion und des Informbros) Snden, um dann zu schlieen: (...) 'Auch ihr msst mithelfen, dass Jugoslawien nicht ins imperialistische Lager bergeht..' (ebenda, Seite 151). Genau nach dem Tod Stalins kamen wir in Konflikt mit der neuen Fhrung der Sowjetunion, mit Malenkow, Bulganin, Chruschtschow, Mikojan, und anderen. Drei, vier Monate nach dem Tod Stalins griffen sie uns unverschmt und scharf an... Wir nahmen an den Beratungen der kommunistischen und Arbeiterparteien in Moskau teil, doch wir gingen nicht mit den Anschauungen Mao Tsetungs dorthin. Wir uerten uns nicht gegen die Sowjetunion solange die Bedingungen noch nicht reif waren, doch in uns nagten groer Kummer und Zweifel an ihrer Fhrung. Sie zeigte sich nicht entschlossen, befand sich in Konfusion. Wir witterten Widersprche, die in ihrem Innern, unter den Fhrern bestanden, besonders was die Linie Stalins anbelangte, wussten aber nichts darber. Unserer Meinung nach wusste Mao tsetung von diesem Zustand, und er muss mit der Linie und dem Vorgehen Chruschtschows gegen Stalin und die Linie der Bolschewistischen Partei einverstanden gewesen sein... Auch Mao hatte, so meinen wir, seine eigenen Absichten. Mao (das sind natrlich nur Vermutungen) stellte sich nach Stalins Tod, auch wenn er sagte, Chruschtschow sei `ein groer Mann` , selbst ber Chruschtschow und meinte als `groem philosophischem Kopf` und Fhrer des bevlkerungsreichsten Landes der Welt stehe der Platz hinter Lenin zu. (Betrachtungen ber China, Seite 412-415, Bd. II, dt. Ausgabe). Ende der Enver Hoxha-Zitate, die sich mit Berija befassen. So nun haben wir uns die Mhe gemacht, alle Zitate Envers, in denen Berija erwhnt wurde, sorgfltig zusammen zu tragen. Wir denken, dass darin mehr als deutlich zum Ausdruck kommt, dass Enver in Berija einen Feind des Marxismus-Leninismus erkannt hat. Mge der Leser selber urteilen, ob er sich mit uns auf die Seite Enver Hoxhas oder mit den Berijanern auf die Seite Berijas stellen will. Wohlgemerkt: Die Berijaner geben vor, sich SOWOHL auf den MarxistenLeninisten Hoxha, ALS AUCH auf den Marxisten-Leninisten Berija zu sttzen ?! Wer ist denn nun der Marxist-Leninist, Enver oder Berija? Wer sich auf die Seite Berija stellt, ist unserer Meinung nach ein Feind Enver Hoxhas und Stalins. Anerders kann unsere Schlussfolgerung gar nicht lauten ! Wir von der Komintern /ML sind der Meinung, dass Enver Hoxha nicht nur ein MarxistLeninist, sondern der 5. Klassiker des Marxismus-Leninismus ist und sein Wort um so greres Gewicht hat. Sein Wort ist fr uns Marxisten-Leninisten Gesetz: Anklage und Verurteilung des Anti-Marxisten-Leninisten Berija, Anklage und Verurteilung der Berijaner und des Berijanertums! Das entspricht dem revolutionren Geist Enver Hoxhas das ist Hoxhaismus ! Der heutige Kampf gegen das Berijanertum ist die Weiterentwicklung des Hoxhaismus !! Die Berijaner sind in Worten Hoxhaisten in Taten sind sie Anti-Hoxhaisten ! Und als solche errichten wir zwischen ihnen und uns eine unberbrckbare Demarkationslinie: Ein Marxist-Leninist kann niemals den Marxismus-Leninismus verteidigen, wenn er gleichzeitig seine Feinde verteidigt.
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Man braucht sich nur ansehen, wie hinterhltig die Berijaner mit den Zitaten von Enver Hoxha umgehen. Allein daraus ziehen wir unsere Schlsse, dass wir uns vor ihnen hten, denn sie unterstellen Enver Hoxha genau das Gegenteil von dem, was er gesagt hat, wie wir gleich sehen werden. Und genau so sind die Berijaner auch gegenber der Komintern / ML vorgegangen. Sie verschweigen smtliche Einschtzungen von Enver Hoxha bezglich Berija. Das Einzige, was die Berijaner bei Enver Hoxha gefunden haben, ist noch nicht einmal von Enver Hoxha selbst (!), sondern Enver Hoxha schreibt da ber jemanden, der ihn aus zweiter Hand darber berichtet habe, wie sich Berija in seinem Prozess so listig verteidigt htte, dass ihm nichts nachzuweisen gewesen sei. Wir entnehmen dieses Zitat von Enver Hoxha von den Berijaner freundlichen red channel aus dem Internet, wo es zu finden ist: Als ein General, der, glaube ich, Sehatskow hie, als militrischer Berater nach Tirana kam, erzhlte er auch etwas ber den Prozess gegen Berija. Bei dieser Gelegenheit erzhlte uns Sergatskow vertraulich: 'Berija hat sich sehr gut vor Gericht verteidigt. Er hat keine der Beschuldigungen akzeptiert und alles widerlegt`. Hand aufs Herz, Genossen, kann man mit diesem Zitat allen Ernstes belegen wollen, dass Enver Hoxha Berija fr einen Marxisten-Leninisten hielt? Zur Untermauerung fhren sie noch die Anti-Stalinisten Nikolajewski und Lang an. Bei denen wei man doch, dass man ihnen nichts glauben darf. Auch Sudoplatow, der Schler Berijas, nimmt Berija logischerweise in Schutz, wenn er auf den Prozess zu sprechen kommt. Man darf doch nicht Leuten glauben, die gar keine Marxisten-Leninisten sind, ebenso wenig darf man verschweigen, was die Marxisten-Leninisten ber Berija glauben. Stalin hatte das Todesurteil fr Berija schon in der Tasche, der Prozess gegen Berija war von Stalin im Mrz 1953 angesetzt. Sollen denn die Genossen Stalin als Feind des Marxismus-Leninismus bezichtigen, weil er den MarxistenLeninisten Berija liquidieren wollte? Ferner fhren die Berijaner noch ein Zitat von Swetlana, Stalins Tochter an. Was Swetlana von Berija gehalten hat, das haben wir auch gesammelt und hier anschlieend aufgefhrt, um zu beweisen, dass die Berijaner mit dem gleichen Taschenspielertrick gearbeitet haben wie mit den Zitaten von Enver Hoxha. Sie haben alle vernichtenden Urteil Swetlanas ber Berija in der Schublade verschwinden lassen (und das sind eine ganze Menge !!!) und nur ein einziges Zitat (!) von ihr herangezogen, um damit das von ihnen hervorgekramte Zitat von Enver Hoxha zu belegen. Das Zitat lautet: Der Prozess war inszeniert ohne, dass es Beweise gab. Wir haben Swetlanas Zitat hier wiederum aus dem Internet genommen, also wieder von red channel. Die Absicht der Berijaner ist durchsichtig. Sie behaupten: wenn Berija von den Chruschtschowianern ohne Beweise erschossen wurde, ergo muss es sich bei Berija um einen MarxistenLeninisten gehandelt haben. Ist das marxistische Logik? Fr wie dumm halten die Berijaner uns denn eigentlich? Berija hatte als mchtigster Mann im Staat genug Beweise, um alle anderen Prsidiumsmitglieder erschieen zu lassen, denn so viel Dreck hatten die am Stecken. Ja er war so mchtig, dass er auch ganz ohne Beweise mit ihnen tun und lassen konnte, was er wollte. Er hat mit seinen eigenen Truppen den Kreml besetzt und dem ganzen Prsidium seine Pistole auf die Brust gesetzt und sie mussten klein bei geben, mussten tun, was er sagt. Was anderes blieb ihnen gar nicht brig, wenn ihnen ihr Leben lieb war. Ja, das war Berija ! Das sind Tatsachen und genau das war Berijas Todesurteil er wusste zu viel und hatte sie alle in der Hand. Die Prsidiumsmitglieder wurden von ihm erpresst, von ihm vorgefhrt, mussten nach seiner Pfeife tanzen. Htten sie ihn nicht beseitigt , wren alle Verschwrungsgruppen aufgeflogen und der ganze Putsch gegen Stalin
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gefhrdet. Wenn einer auspackt, waren allesamt geliefert. Selbst, wenn sie es denn zu jenem Zeitpunkt gewollt htten, alles ber Berijas Verbrechen auszupacken, wrden sie sich damit nur ihr eigenes Grab schaufeln. Nur mit einem Trick gelang es den Chruschtschowianern schlielich, Berija in eine Falle zu locken und sie zuschnappen zu lassen mit einem korrekten Vorgehen einer bolschewistischen Partei hatte dieser gegenseitige Putschismus nichts zu tun. Also zunchst blieb ihnen nichts anderes brig, als sich auf die Zhne zu beien und den XX. Parteitag abzuwarten, wo sie dann gut vorbereitet, ihre Lgenmrchen ber Berija vermischt mit Halbwahrheiten und Wahrheiten - auftischen konnten, ohne sich selber damit zu belasten. In Die Chruschtschowianer hat Enver Hoxha wie eben zu lesen war hierber alles Entscheidende gesagt. Wir haben diese Ereignisse an anderer Stelle noch einmal beleuchtet. So wie wir es auch mit den Enver Hoxha-Zitaten gemacht haben, wollen wir Swetlana hier ausfhrlich zu Wort kommen lassen, damit Ihr euch davon selber ein Bild machen knnt. Alles, was Swetlana ber Berija in Georgien geschrieben hat, haben wir im Kapitel zur mingrelischen Verschwrung Berijas aufgefhrt und hier weggelassen, um uns nicht zu wiederholen.
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Berija war und das wird auch von niemandem bestritten - die Person, die den leichtesten, offensten, ungehindertsten und zeitlich lngsten Zugang hatte zu dem am strengsten bewachten Politiker der Menschheitsgeschichte. Schon allein wegen dieser Tatsache darf man ihn objektiv als Tter unmglich ausschlieen. Wir stellen hier solche Aussagen von Swetlana zusammen, die uns ber Berija aufschlussreich erscheinen entnommen aus: Swetlana Allilujewa, 20 Briefe an einen Freund, 1963 geschrieben mit dem Begleitwort: Jeder, der diese Briefe liest, soll sie so aufnehmen, als ob sie an ihn persnlich gerichtet wren). Am 2. Mrz 1953 wurde Swetlana von der Schule zum Sterbebett ihres Vaters gebracht. Sie schreibt: Alle zeigten sich bemht zu schweigen wie in einem Dom, niemand verlor ein Wort... Nur ein Mensch benahm sich beinahe unanstndig Berija. Er war aufs uerste erregt, sein ohnehin abstoendes Gesicht wurde immer wieder entstellt durch das Hervorbrechen seiner Leidenschaften. Seine Leidenschaften aber waren: Ehrgeiz, Macht, Macht und noch einmal Macht, Grausamkeit, Schlauheit. Er war sehr bemht, sich in diesem verantwortungsvollen Augenblick ja nicht anmerken zu lassen, dass er die Anderen berspielen, sich selbst aber von ihnen nicht berspielen lassen wollte. Und doch stand ihm das deutlich an die Stirn geschrieben. Er trat an das Bett und betrachtete lngere Zeit das Gesicht des Kranken (der Vater ffnete manchmal die Augen, aber offenbar ohne oder doch bei nur getrbtem Bewusstsein), und Berija bohrte seine Blicke in diese verschleierten Augen, er wollte auch hier der 'Allergetreueste', der 'Allerergebenste' sein, als welcher er sich dem Vater mit allen Krften zu erweisen gesucht und damit auch leider nur allzu lange Erfolg gehabt hatte. In den letzten Minuten, als bereits alles zu Ende ging, bemerkte Berija pltzlich auch mich und ordnete an: 'Fhrt Swetlana hinaus!' Als dann alles vorbei war, sprang er als erster auf den Korridor hinaus, und in der Stille des Saales, wo alle stumm um das Sterbelager standen, war seine laute unverhohlen triumphierende Stimme zu hren: `Chrustaljow den Wagen!' Er war ein modernes Prachtstck von einem verschlagenen Hfling, die Verkrperung stlicher Hinterlist, Schmeichelei, Heuchelei, die sogar meinen Vater betrte, den man sonst nur sehr schwer tuschen konnte [Anmerkung der Redaktion: es gibt Genossen, die damals in unmittelbarer Nhe Stalins gedient hatten, davon berzeugt waren, dass dieser Hfling fr Berija die eigentliche Drecksarbeit mit der Beschaffung und der Verabreichung des Gifts gemacht haben soll!]. Vieles von dem, was diese Hydra verbrach , fiel jetzt als Makel auf den Namen meines Vaters, in manchem hatten sie sich gemeinsam schuldig gemacht, doch der Umstand, dass Lawrentij Berija den Vater in vielen Dingen schlau zu gngeln vermochte und sich dabei ins Fustchen lachte, ist fr mich unbezweifelbar. Und das wussten auch 'oben` alle. Jetzt kam sein ganzes widerliches Inneres an die Oberflche, es fiel ihm schwer sich zurckzuhalten. Nicht nur ich, auch viele andere begriffen, das es so war. Jedoch, man hatte eine panische Angst vor ihm und wusste, dass in dem Augenblick, da der Vater sterben wrde, in ganz Russland niemand ber mehr Macht und Krfte verfgte als dieser entsetzliche Mensch (Seite 21-22). Als Swetlana die Hand ihres sterbenden Vaters hielt bemerkte sie in seinem letzten bewussten Moment; ... da hob er pltzlich die linke Hand (die noch beweglich war) und wies mit ihr nach oben, drohte uns allen. Die Geste war unverstndlich, aber drohend, und es blieb unbekannt, worauf oder auf wen sie sich bezog ... Im nchsten Augenblick riss sich die Seele nach einer letzten Anstrengung vom Krper los (Seite 25). Berija, diese Missgeburt, einzig in ihrer Art (Seite 25). Swetlana berichtete in ihrem Briefen an einen Freund von den Vorwrfen, die Stalin von seiner Frau zu hren bekam, weil er sich von Berija einwickeln lsst. Ich sehe keine Beweise Ich wei nicht, was du fr Beweise brauchst; ich sehe, dass er ein Schuft ist! Mit Berijas Hilfe sind wir dem Aufstand der Mingrelier in Georgien zuvorgekommen...
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[ Zwischenbemerkung der Redaktion: 1929 hatte sich Stalin also noch nicht davon berzeugt, dass Berija 1924 der eigentliche Anfhrer des Aufstandes der Mingrelier war, sondern dass Stalin umgekehrt Berija als Tschekisten vertraute, den er zu Unrecht gegen den Verdacht seiner Frau verteidigte !! Bitte also hier nicht den Aufstand der Mingrelier mit der spteren Mingrelischen Verschwrung verwechseln - das einzige, was beide gemeinsam hatten, war natrlich Berija !!! Swetlana schreibt hier ber das Jahr 1929, als es zwischen Stalin und seiner Frau ber Berija Streit gegeben hatte mit ein Grund, warum Berija gerade diejenigen Verwandten Stalins umbrachte, die gegen Berija Verdacht geschpft hatten !!! Das Erstaunliche an diesem Streit, den Swetlana hier zwischen ihren Eltern beschrieben hat, ist es, dass Stalins Frau schon im Jahre 1929 das Jahr 1951/52 vorausgesehen hatte, dass der Drahtzieher der Mingrelischen Verschwrung kein Anderer als Berija war also nachdem die Mutter Swetlanas schon ber 20 Jahre tot war ! Also war Stalin schon 1929 gewarnt, aber er hatte die Warnung seiner Frau in den Wind geschlagen. Es gibt eben Dinge im Leben, die man nicht erst unterlassen sollte, wenn Beweise dagegen vorliegen. Gerade solche Gegenbeweise hatte Berija stets an allen 10 Fingern zur Hand !!! Stalin hatte zwar 1951/52 endlich genug Beweise gegen Berija gesammelt, aber es sollte sich zeigen, dass es zur Verurteilung Berijas an Hand eben dieser gesammelten Beweise schon zu spt war !] .... ich glaube ihm. Beweise, Beweise brauche ich. Meine arme kluge Mama! Die Beweise kamen spter... (Seite 38). Hier hrt der Satz bei Swetlana pltzlich auf, ohne zu Ende gefhrt zu werden wir erfahren nicht warum, aber denken kann sich das jeder: Htte Stalin auf seine Frau gehrt, wre er 1953 noch am Leben geblieben. In der Anmerkung ihrer 20 Briefe... findet sich eine Anmerkung des bersetzers, die wir hier nicht vorenthalten wollen, darin heit es : Die Mingrelische Affre von 1951/52, trotz zahlreicher Untersuchungsergebnisse bis heute ungeklrt hatte eine Suberung des georgischen Partei- und Staatsapparates zur Folge, deren Ausma das Blutbad der Jahre 1936 bis 1938 beinahe in den Schatten stellte (Anmerkung des bersetzers). Bis heute ungeklrt ??? - Weil der Mord an Stalin verschwiegen wurde, muss in Mingrelien genau das Gegenteil von dem passiert sein, was man hinterher darber offiziell verlauten lie. Der bersetzer wollte (oder musste ?) die ffentlichkeit auf eine falsche Fhrte fhren, um davon abzulenken, was wirklich geschehen war. Weiter schreibt Swetlana: Am zweiten Tag nach dem Tod des Hausherren das Begrbnis hatte noch nicht einmal stattgefunden wurden auf Anordnung Berijas die Dienerschaft, die Mannschaft der Wache und alle, die in der Datscha Dienst machten, zusammengerufen. Man sagte ihnen, dass die gesamte Einrichtung sofort von hier weggebracht werden msse... Berija zu widersprechen, wre unmglich gewesen... Menschen, die hier seit 10 oder 15 Jahren ehrlich und redlich gedient hatten, wurden auf die Strae gesetzt. ... Zwei haben sich erschossen. Warum ging man gerade gegen sie so vor? ... Spter, nachdem Berija selbst zu Fall gekommen war, begann man die Residenz wieder herzustellen [Anmerkung der Redaktion: damit ist bewiesen, dass, solange Berija nach dem Tod Stalins lebte, er alles vernichtete und beseitigte, was auch nur im Geringsten an Stalin erinnerte !!!!]. Man brachte die Sachen zurck. .. Man hatte vor, hier ein neues Museum einzurichten. ...Aber dann kam der XX. Parteitag, nach welchem selbstverstndlich niemand mehr auf eine solche Idee gekommen wre (Seite 42-43). In dieser interessanten Dreiteilung des Zeitabschnittes nach Stalins Tod spiegeln sich in Swetlanas Aussagen 3 Haltungen zu Stalin wider und das sind genau die drei ber dem Sozialismus hereingebrochenen Momente: Umsturz, innehaltende Schreckmomente der Leere nach dem Verlust Stalins, ein kurzes Wiederaufflackern des Stalinismus, um schlielich zu erlschen, endgltige Abkehr. Swetlana weiter:
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Damals, in jenen Jahren ( also vor Berijas Auftauchen in Stalins Nhe Anmerkung der Redaktion) konnte von einer Isolierung des Vaters nicht die Rede sein. Dazu kam es erst spter, zugleich mit der Trennung von allen aufrichtigen, ehrlichen, wohlmeinenden, ihm ebenbrtigen und nahe stehenden Menschen (Seite 60). Berija, der sich [etwa 1938 Anmerkung der Redaktion] indessen in Moskau festgesetzt hatte, ... ging so weit, dass er behauptete, Onkel Pawluschas Witwe J. Alexandrowna stehe im Verdacht, ihren Gatten vergiftet zu haben. ... Berija aber gab sich noch immer nicht zufrieden: 1948, 10 Jahre nach Onkel Pawluschas Tod, - wurde dessen Witwe in den Kerker geschickt... Erst im Jahre 1954 entlie man sie aus dem Gefngnis (Seite 87) Also erst nach Berijas Tod er lie unmittelbar nach Stalins Tod grte Amnestie walten, aber warum nicht in diesem Fall? Ja, warum wohl nicht?). Dass aber diese X und Y alles Beliebige angeben und beweisen wrden in den Gefngnissen des NKWD, dem ging der Vater nicht nach; das war eben Sache Berijas, Jeshows und der brigen Henker. In diesem Punkt war der Vater gegenber den Machinationen Berijas machtlos; es ist verwunderlich, bis zu welchem Grade er diesem abscheulichen Monstrum gegenber hilflos war! Es gengt, dass Papiere, Protokolle vorgelegt wurden, in denen stand, dass N seine Schuld einbekannt habe, oder dass andere an seiner Stelle 'gestanden` htten, oder dass N nicht ' gestanden' habe und das war noch rger (Seite 121). Oder ob Berija beschlossen hatte, mit allen jenen abzurechnen, die seine dunklen Geschfte und ihn selbst zu genau kannten, und er meinen Vater leicht dazu zu bringen vermochte? (Seite 121-122). ... geschickten Intriganten wie Berija (Seite 192). Nicht zufllig spreche ich von seinem Einfluss auf Vater, und nicht umgekehrt. Ich bin der Meinung und davon kann mich niemand abbringen -, dass Berija schlauer, treuloser, heimtckischer, unverschmter, zielbewusster, hrter und infolgedessen auch strker war als Vater. Mein Vater hatte schwache Seiten, er konnte zweifeln, er war vertraunsseliger, schroffer, heftiger, er war natrlicher, und es war fr einen schlauen Fuchs wie Berija leicht, ihn hinters Licht zu fhren. Er kannte Vaters Schwchen, seinen leicht zu krnkenden Ehrgeiz, seine Niedergeschlagenheit, seine seelische Verarmung, und goss immer mehr l in das bsartige Feuer und entfachte es, soweit er konnte, whrend er dem Vater gleichzeitig mit echt stlicher Schamlosigkeit schmeichelte. Er schmeichelte und streute ihm so viel Weihrauch, dass die alten Freunde vor Scham nicht aus noch ein wussten, denn sie hatten in Vater bisher einen mit ihnen auf gleicher Stufe stehenden Kameraden gesehen. Berija hat im Leben unserer ganzen Familie eine schreckliche Rolle gespielt wie hat Mama ihn gehasst und sich vor ihm gefrchtet! Und alle ihre Freunde, die beiden Swanidse, auch deren Schwester Mariko Swanidse, die als Sekretrin bei Janukidse arbeitete, und Awel, Mamas Taufpate, selbst waren die ersten, die umkamen, als Berija Vater davon berzeugt hatte, dass sie seine persnlichen Feinde seien und ihm schaden wollten... Ich habe schon gesagt, dass in vielen Fllen beide, Vater und Berija, gemeinsam schuldig waren. Ich mchte nicht die Schuld des einen auf den anderen schieben. Leider wurden sie geistig
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unzertrennlich; der Einfluss dieses grauenhaften, bsartigen Dmons auf meinen Vater war zu stark und hatte eine unwiderstehliche Wirkung. Diese Jahre 1949 bis 1952 waren fr mich, aber auch fr alle anderen sehr schwierig. Das ganze Land drohte zu ersticken, alle fhlten sich kraftlos, hilflos. Wo ich jetzt lebte, regierte orthodoxer Parteigeist; es war nicht jene Parteigesinnung, zu der sich Grovater und Gromutter, Mama, die Swanidse und die vielen andern alten Parteimitglieder, die mir vertraut waren, bekannt hatten. Hier war alles nur Schaustellung, uerlich, aufgeblasen (Seite 277). Es hing sicherlich auch mit seiner Krankheit zusammen, dass Vater nach dem XIX. Parteitag zweimal seinen Rcktritt angeboten hatte. Diese Tatsache ist den Mitgliedern des ZK, das damals gewhlt wurde, wohl bekannt (Seite 288). Swetlana berichtet vom 73. Geburtstag, dem 21. Dezember 1952, wo sie ihren Vater zum letzten Mal gesehen hatte: In der letzten Zeit waren (...) die gewohnten Gesichter ringsum (...) Berija, Malenkow, Bulganin und Mikojan; auch Chruschtschow erschien. (...) Es muss hier vermerkt werden, dass in allerletzter Zeit sogar Personen, die jahrelang zu Vaters nchster Umgebung gehrt hatten, in `Ungnade' gefallen waren; der unvermeidliche Wlassik sa seit dem Winter 1952/53 im Gefngnis, der Sekretr Poskrebyschew, der rund 20 Jahre gedient hatte, war von seinem Posten entfernt worden. (...) Das bliche lange Verweilen bei Tisch und nichts Neues, kein einziges Wort. Als ob die Welt ringsum berhaupt nicht existierte. Haben denn all diese Leute, die da sitzen, an diesem Tag wirklich nichts Neues, Interessantes aus aller Welt erfahren? Sie verfgen doch ber Informationen wie niemand sonst. Aber es ist, als verfgten sie nicht ber solche. ber Stalins Sohn ihren Bruder - schreibt Swetlana: ...Vaters Tod, der ihn allerdings tief erschtterte. Er war entsetzt und fest davon berzeugt, dass man Vater vergiftet, ermordet habe (...) warf er mit Verdchtigungen und Vorwrfen nur so um sich, beschuldigte die Regierung, die rzte und alle mglichen Personen, die ihm gerade einfielen, sie htten Vater nicht entsprechend behandelt und wrden ihn jetzt nicht gebhrend bestatten (Seite 300). Hier enden unsere Zitate Swetlanas und man sollte sie wieder und immer wieder lesen, um sich ihr Bild von Berija einzuprgen. Stalins Sohn Wassili wurde brigens von Chruschtschow ins Gefngnis gesteckt, weil er Chruschtschow als Mrder seines Vaters beschuldigt hatte. Abschlieend noch ein Zitat aus Swetlanas Das erste Jahr (Seite 340): Swetlana erwhnt darin, dass ihr Vater im Kreis von Genossen gerne eine Geschichte ber Berija zum Besten gab. Sie handelt von einem Tschekisten und seinem Nachbarn, einem Professor: `Ach Sie ! Sie wissen ja noch nicht einmal, wer Eugen Onegin geschrieben hat !` Der Tschekist war beleidigt, da er das tatschlich nicht wusste. Bald darauf verhaftete er seinen Nachbarn, den Professor; und er brstete sich vor seinen Freunden:Er hat gestanden ! Er selbst ist der Autor ` Wen Stalin damit wohl gemeint haben mochte ?
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Berija war von 1934 1953 Mitglied der KPdSU (B). 1918 war Berija in Baku Spitzel in der mussawatistischen Polizei und bot von dort aus den Bolschewiki seine Dienste an. 1919, zur Zeit des Brgerkriegs, war Berija Agent des Aseri, des nationalistischen aserbaidshanischen Geheimdienstes gewesen. Als Agent dieser Bolschewikengegner htte er in Baku heimlich Kontakt mit dem britischen Geheimdienst aufgenommen, der ihn als Geheimagent bei den Bolschewiki einschleuste. Laut Anklageschrift hatte Berija smtliche Zeugen seiner verrterischen Aktionen whrend des Brgerkriegs im Kaukasus umgebracht. Und dieser Linie blieb er bis zu seiner eigenen Erschieung treu. Spirkin hatte Berija 1934 beschuldigt, 1918 ein britischer Spion gewesen zu sein. Der Revisionist Mikojan schleuste Berija bei Stalin ein, der dann einschritt und Spirkin wurde von Berija beseitigt. Und dieser Mikojan war es auch, der seinen Kumpanen Berija bei dessen Verhandlung im Jahre 1953 als einziger Revisionist verteidigte. Wie sehr sich Mikojan und Berija einig waren bezglich des sozialfaschistischen NKWD-Staates, beweist Mikojans Festrede aus Anlass des 20. Jahrestages des NKWD, die den Titel trug: Jeder Sowjetbrger ein Mitarbeiter des NKWD. Die Ursprnge des sozialfaschistischen DDRStaates lassen sich also auf das Jahr 1937 zurckverfolgen. Wer noch ber Berijas Vergangenheit Bescheid wusste also wie Berija damals zu den Bolschewiki gekommen war, , war der Konsomolfhrer und das Mitglied des Org-Bros Kossarew. Berija intrigierte gegen ihn und dieser verlor nicht nur seinen Posten, sondern auch seinen Kopf. Wenn Berija ins gleiche Horn wie Trotzki blst mit der alt bekannten Verleumdung goldene Jugend des russischen Thermidors (Trotzki, ber Stalin, Band 2, Seite 215) so wissen wir, was wir von Berijas blutigen Intrigen zu halten haben. Berija klagte Kossarow eines angeblichen Komplotts mit Jeschow an. So lste Berija Jeschow als Volkskommissar fr Inneres am 8. Dezember 1938 ab, der am 10. April 1939 erschossen wurde. Nach der jdischen NKWD-Generation vor Jeschow folgte nun die georgische Generation Berijas mit Kobulow, Goglidse, Dekanosow, Zamara, Gwischian. Ende August 1924 liquidierte Stalin den von georgischen Menschewisten und brgerlichen Nationalisten inszenierten konterrevolutionren Aufstand in Georgien, der von der II. Internationale und von Agenten der Imperialisten direkt untersttzt wurde. Damit war beabsichtigt, Misstrauen zwischen Partei und parteilosen Bauern zu schren, die Partei von den Massen zu isolieren und den Zusammenschluss von Arbeitern und Bauern in sein Gegenteil zu verkehren. Dazu Stalin: Das, was in Georgien passiert ist, kann sich in ganz Russland wiederholen (Stalin, Band 6, Seite 276). Dieses konterrevolutionre Scheinmanver der Menschewisten und Nationalisten entsprach ganz der Methodik Berijas in der Mingrelischen Verschwrung, nmlich Georgien gegen Moskau aufzubringen und die Einheit zwischen der KP Georgiens und der KPdSU (B) zu untergraben durch eben solches Schren von Misstrauen und Unzufriedenheit, wobei sich Berija in Georgien als Vorkmpfer gegen den GromachtChauvinismus Stalins aufspielte - mit seinen Menschewisten und Nationalisten, mit den auslndischen Imperialisten, als Verbndete. Wir bestreiten nicht, dass Berija in Georgien einige Schsse gegen die Menschewisten abgefeuert hat, aber nicht aus Liebe zu den Bolschewiki, sondern um den Menschewismus zu retten, mit dessen Ideologie die alte Bourgeoisie Georgiens das georgische Volk ausgesaugt und beraubt hatte und mit dem das Joch des Kommunismus in Georgien wieder abgeschttelt werden sollte. Berija war in Worten ein Bolschewik, um auf diese Weise den Menschewismus zu restaurieren eine andere Alternative hatte er nicht, denn Stalin hatte den Menschewismus in Georgien vernichtend geschlagen, so dass sich dieser dort nicht mehr offen zeigen konnte. 1922 war Subow damit beauftragt worden, heimliche Verbindungen zwischen rebellischen georgischen Menschewiki und ihren Agenten in der Trkei zu berwachen. Berija hatte damit Zugang zu menschewistischen Verbindungen im Ausland. Durch die Arbeit bei Subow gelangte Berija in die GPU und wurde deren Leiter im Kaukasus. Von 1921 bis 1931 war er schon im Staatssicherheitsdienst ttig, zunchst als stellvertretender Vorsitzender der Tscheka von Aserbaidshan, dann in Tiflis; anschlieend wurde er Vorsitzender der GPU von Georgien, stellvertretender Vorsitzender und schlielich Vorsitzend-
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er der GPU des gesamten Kaukasus. 1931 zum Generalsekretr ernannt, avancierte er 1932 zum Generalsekretr der Partei von ganz Transkaukasien. Die Transkaukasische Fderation wurde im Jahre 1936 aufgelst. Ihr Weiterbestehen htte eine sptere Eskalation durch die Mingrelische Verschwrung vielleicht nicht verhindert, aber alle Mal erschwert. Jedenfalls verlaufen die Hintergrnde fr die Auflsung der Fderation im Dunkeln, denn Stalin und Lenin hatten bei ihrer Grndung gewusst, warum sie diese fr unverzichtbar hielten !! Stalin hatte hervorgehoben, dass die benachteiligten Staaten des Transkaukasus durch die Fderation mehr Schutz erhalten. Warum richtete Berija dann ausgerechnet in diesen benachteiligten Staaten Blutbder an ? Noch vor der Auflsung der Fderation erschoss Berija Agassi Chandschkan, den 1. Sekretr des ZK der KP Armeniens, in dessen Arbeitszimmer. Im Herbst 1937 kamen drei Verschwrer von 1953, Berija, Malenkow und Mikojan, nach Armenien, um dort zu subern, was fr den neuen 1. Sekretr des ZK der KP Armeniens, A. Amatuni und fr viele andere verhngnisvolle Folgen hatte. Berijas Geschichte der Bolschewiki im Transkaukasus erschien 1949, worin er seinen eigenen Personenkult vorbereitete. Das Buch hatte er von jemand anderem fr sich schreiben lassen. Bereits ein Jahr spter ging Stalin gegen dessen Mingrelische Verschwrung vor. Stalin war mit dieser PersonenkultGeschichte ganz und gar nicht einverstanden und das Verhltnis zu Berija khlte sich weiter ab. Von 1936 bis 1946 war Berija Volkskommissar (Minister) fr Innere Angelegenheiten und Staatssicherheit abgelst wurde er von Abakumow. Am 31. 1. 1941 Ernennung Berijas zum Generalkommissar fr Staatssicherheit und Stellvertreter des Prsidenten des Sowjets der Volkskommissare. Whrend des Krieges gehrte er dem Staatskomitee fr Verteidigung an. Berija wurde im Dezember 1945 von seinen Pflichten als Kommissar fr Innere Angelegenheiten entbunden. Das Amt hatte er seit 1938 innegehabt ( auer der Atomkommission). Berija war 1946 - in der zweiten Hlfte der 40er Jahre - Stellvertretender Ministerprsident und Mitglied des Politbros und nach der Ermordung Stalins war er am Ziel - der grte, gefrchtetste und gefhrlichste Konterrevolutionr an der Spitze der UdSSR. Berija verlangte mit Untersttzung Molotows, die erste Suberungswelle in den 30er Jahren einzustellen (!), da die Aktion jeden politischen Charakter verloren habe und sich das verbitterte Volk irgendwann gegen das Politbro und Stalin richten wrde. Berija stellte auch gleich eine Rehabilitierungsliste fr Stalin zusammen. Erst nach Stalins Tod sollte sich herausstellen, dass Berija damit in Wirklichkeit der Absicht gefolgt war, die Sowjetfeinde zu beschtzen - und nicht etwa das Volk wrde seine Verbitterung gegenber Politbro und Stalin zum Ausdruck bringen, sondern die von Berija freigelassenen politischen Verbrecher. Immer wenn Fhrungswechsel anstanden, wurde so ein Ausschuss benannt, um Kritik und Selbstkritik zu mobilisieren, bevor die neuen Fhrer ihr Amt bernahmen. Dazu gehrte Stalins Kritik an Merkulow (ein Mann Berijas!), dass er die Verfahren gegen die Trotzkisten unerlaubter Weise eingestellt (!) hatte. Dadurch kamen auch die alten NKWD-Offiziere Sudoplatow und Eitingon in Schwierigkeiten, die Erfllungsgehilfen Berijas. Berija brachte seinen Merkulow aus dem Kaukasus mit. Dieser war 1921 Mitarbeiter der dortigen OGPU. 1931-1934 war er Mitarbeiter Berijas in der Hauptverwaltung des Staatssicherheitsdienstes (GUGB) in der Transkaukasischen SFSR. 1938 stieg er zum Stellvertreter Berijas auf im NKWD, wo er bis 1941 ttig war. Danach wurde er Leiter des neu gegrndeten NKGB. Nach der Umbenennung des NKGB in MGB leitete er bis Oktober 1946 den Nachrichtendienst. Kaum war Stalin tot, ernannte ihn Berija im April 1953 zum Minister fr Staatskontrolle. Im September 1953 wurde Merkulow von Chruschtschow verhaftet und am 23. Dezember 1953 erschossen. Merkulow untersttzte den Personenkult um Berija insbesondere in Georgien. Berija lie sich von georgischen Dichtern und Musikern preisen und Merkulow verffentlichte eine Broschre ber Berija mit dem verrterischen Titel: Ein getreuer Sohn der Partei Lenins und Stalins. So wollte er Nachfolger Stalins werden. Fr seine konterrevolutionren Sondereinstze lie Berija Gefangene frei ohne nach deren Schuld oder Unschuld zu fragen. Darin zeigte sich Berijas Zynismus und Pragmatismus. Nach Aktenlage waren
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dies durchweg politische Verbrecher, die zum Teil sogar auf direktem Befehl von Stalin (!!!) verhaftet worden waren das waren Berijas castings - Veranstaltungen hinter Gefngnismauern, um dort seine konterrevolutionrsten Superstars fr gewisse Zwecke auszuwhlen. Kann man noch verbrecherischer die Konterrevolution organisieren als Berija es getan hat ? Und das nicht nur in Georgien, sondern in der gesamten UdSSR. Und das nicht nur einmal, sondern durchgehend und systematisch, und zwar whrend seiner gesamten politischen Laufbahn bis zu seinem Tod. Berija verleitete seine Leute zu irgendeinem Schdlingsakt, brachte ihnen Angst vor Entlarvung bei und erreichte so, diese bedingungslos unter seinen Einfluss zu bringen. Er benutzte im Umgang mit seinen Kadern in breitem Mae Provokationen, um sie sich gefgig zu machen. Was sagten Marx und Engels dazu, als sie die Bakunisten entlarvten ? An die Stelle des konomischen und politischen Kampfes der Arbeiterklasse um ihre Emanzipation treten die allzerstrenden Taten des Zuchthausgesindels, als der hchsten Verkrperung der Revolution (Marx und Engels, Bericht ber das Treiben Bakunins, MEW, Band 18, Seite 440). So stellte Berija - nicht nur in Georgien in der Tradition der Bakunisten der Restauration des Kapitalismus eine wohldisziplinierte Bande von Agents provocateurs zur Verfgung. Berija erklrte mit seiner Untergrundbewegung ausgerechnet zu einem Zeitpunkt Stalin den Krieg als der Kalte Krieg der Imperialisten gegen die Sowjetunion eskalierte ! Dieses hinterhltige Geschehen ist historisch vergleichbar mit der Ersten Internationale zum Zeitpunkt ihrer Auflsung. Im Zusammenhang mit der Kommune geriet die Erste Internationale durch die reaktionren Regierungen unter Druck, und gerade diesen Augenblick whlten die Allianzisten, um ihrerseits dem Generalrat offenen Krieg zu erklren ! Ihnen zufolge war sein Einfluss, diese mchtige Waffe in den Hnden der Internationalen, nur eine gegen die Internationale gerichtete Waffe. Dieser Einfluss war die Frucht eines Kampfes, der nicht gegen die Feinde des Proletariats, sondern gegen die Internationale selbst gefhrt worden war. Sie behaupteten, die herrschschtigen Bestrebungen des Generalrats htten den Sieg ber die Autonomie der Sektionen und Nationalfderationen davongetragen. Es blieb demnach nichts weiter brig, als die Internationale zu enthaupten, um die Autonomie zu retten. Ihre hochtnenden Phrasen von Autonomie und freier Fderation, berhaupt ihr Kriegsgeschrei gegen den Generalrat waren nichts weiter als ein Kunstgriff zur Maskierung ihres wahren Zwecks: die Internationale zu desorganisieren und sie eben dadurch der geheimen, hierarschischen und autokratischen Regierung der Allianz zu unterwerfen (ebenda, Seite 439-440). Das passt genau auf die Mingrelische Verschwrung. Auch sie war ein Kunstgriff zur Maskierung ihres wahren Zweckes: die UdSSR zu desorganisieren und sie der autokratischen Regierung Berijas zu unterwerfen. Der Autokrat Berija beherrschte das Agentenhandwerk und die Methoden der Durchfhrung von Sabotageakten und war in der Tscheka-Arbeit Georgiens erprobt, sowohl fr die Bolschewiki als auch gegen sie !!! Er wechselte die Seiten, wenn er dadurch nur vorwrts kam. Berija verstand es, sich Stalins Vertrauen zu erwerben, doch der war auf der Hut. Berija war gewitzt und es war schwer, ihm etwas nachzuweisen, obwohl die Kritik an seinen Methoden im ganzen Sowjetland unberhrbar war von der Parteibasis bis zu Stalin. Der Fuchs wechselt sein Fell, aber nicht seinen Charakter und so erledigte Berija Auftragsarbeit fr die Gegner der Bolschewiki. Er kam nur deswegen zu Stalin, um seine Plne kennenzulernen und diese zu hintertreiben. Dabei wollte er bei Stalin den Eindruck erwecken, dass er als Tschekist unentbehrlich im Kampf gegen die Feinde des Bolschewismus sei, so als ob der Sieg ber sie von ihm persnlich abhinge. So schaffte sich Berija an der Seite Stalins ein zentralistisch organisiertes, staatlich institutionalisiertes Intrigantentum, ein perfektes Werkzeug gegen die gesamte sowjetische Fhrungsriege. Mit seinem Informationsvorsprung von oben konnte er alle gut getarnt - reinlegen, fertig machen oder beseitigen. Sich auf die Parteidisziplin sttzend kappte
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Stalin schlielich Berijas Kompetenz ber dessen unbegrenzten Zugang und dessen Verbindung zu allem und jeden, und erlaubte ihm nur eine einzige Verbindungsschiene, die er fr Berija vorgesehen hatte, um Berijas Schritte kontrollierbarer zu machen. Selbst in seinem von Stalin eng eingegrenzten Ttigkeitsfeld schuf Berija sich seinen eigenen Machtbereich in Georgien, den er absolut unter seinem Kommando steuerte natrlich an der Partei, an Stalin vorbei. Berija war einer der gefhrlichsten Feinde des Weltproletariats nach dem Tod Trotzkis, obwohl er an dem nicht unbeteiligt war. So war es auch Berija, der Jeshow eliminierte, indem er Stalin die erfundene Geschichte zukommen lie, dass vom NKWD angeblich ein Regierungssturz geplant gewesen sei. Das funktionierte. Er bernahm auf diese Weise die Nachfolge vom weggesuberten Verschwrer Jeshow, dem Leiter des NKWD im Jahre 1938, den er spter verhaftete. Und solche Fhrungskmpfe wurden von Berija oft durch Eliminierung von Rivalen ausgefochten. Auf Hinweise von Berija stufte das Politbro der KPdSU (B) alle ranghheren Mitarbeiter Jeshows als politisch unzuverlssig ein und tauschte fast den ganzen NKWD personell aus. Die Suberung des NKWD musste mit schweren Verlusten von erfahrenen, hochqualifizierten Fhrungskadern bezahlt werden. Das war ein groer Schaden fr die Sowjetunion, aber fr Berija von groem Vorteil, denn das neue Personal lie sich unter seinem eigenen Kommando leichter in die Richtung bewegen, in die er es haben wollte. Marx und Engels in ihrem Bericht ber das Treiben Bakunins passt auf Berija wie die Faust aufs Auge, nur dass Bakunin seine Geheimbndelei im Zarenreich, whrend Berija sie unter der Diktatur des Proletariats in der UdSSR Lenins und Stalins organisierte : Man stellt die Notwendigkeit als Grundsatz auf, eine kleine, gut ausgesuchte Minderzahl von Arbeitern zu verlocken; diesen schmeichelt man, indem man sie durch geheimnisvolle Einweihung von den Massen trennt, sie an dem betrgerischen Intrigenspiel der Geheimregierung teilnehmen lsst und ihnen vorpredigt, dass sie die alte Gesellschaft durch und durch umstrzen, wenn sie ihren `bsen Leidenschaften` freien Lauf lassen (Marx-Engels, ebenda, Seite 440). Wie sah die Verschwrung vor und whrend der 30er Jahre konkret im Kaukasus aus und welche Rolle spielte Berija ? Schon im Mrz 1918 schtzte Stalin die Konterrevolution Transkaukasiens unter der Maske des Sozialismus wie folgt ein: Von allen Randgebieten der Russischen Fderation ist Transkaukasien im Hinblick auf die Flle und Mannigfaltigkeit der nationalen Zusammensetzung wohl der charakteristischste Winkel. Georgier und Russen, Armenier und aserbaidshanische Tataren, Trken und Lesghier, Osseten und Abchasen das ist das weitaus noch nicht vollstndige Bild der nationalen Vielfalt der Siebenmillionenbevlkerung Transkaukasiens. Nicht einer dieser nationalen Gruppen hat ein klar umgrenztes nationales Territorium, sie alle leben verstreut und miteinander vermischt, und das nicht nur in den Stdten, sondern auch in den Drfern. Das bietet denn auch die Erklrung dafr, dass der gemeinsame Kampf der nationalen Gruppen Transkaukasiens gegen das Zentrum in Russland immer wieder durch ihren erbitterten gegenseitigen Kampf berschattet wird. Und das wiederum schafft eine uerst `gnstige` Atmosphre fr den Versuch, den Klassenkampf mit nationalen Flaggen und nationalem Wortgeprassel zu verdecken. (...) Die Oktoberrevolution fhrte eine schroffe nderung der Lage herbei., (...) sahen die besitzenden Klassen Transkaukasiens mit eigenen Augen, dass die Oktoberrevolution und die Sowjetmacht ihnen unvermeidlich den Tod bringen. Und die sozialistische sozialrevolutionrmenschewistische Intelligenz, die schon vom Baume der Erkenntnis der Macht gegessen hatte und sich jetzt vor die Perspektive gestellt sah, die Macht zu verlieren, geriet automatisch in ein Bndnis
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mit den besitzenden Klassen. So entstand in Transkaukasien eine anti-sowjetische Koalition (Stalin, Band 4 Seite 44 ff.) Diese anti-sowjetische Koalition in Transkaukasien hatte die deutschen Imperialisten zur Hilfe gerufen und richtete unter den Arbeitern und Bauern, unter den von der Front zurckkehrenden Rotarmisten ein groes Blutbad an und fielen der Oktoberrevolution in den Rcken. Viele Bolschewiki wurden entweder verhaftet oder ermordet im Namen des Sozialismus der dort wtenden Konterrevolution der Menschewiki. Ist es nicht klar, dass das Bndnis der Sozialrevolutionre und der Menschewiki mit den Agenten des Imperialismus ein `Bndnis` von Sklaven und Lakaien mit ihren Herren ist ? (Stalin, Band 4, Seite 226). Entweder zusammen mit Russland, und dann Befreiung der schaffenden Massen der Randgebiete von der imperialistischen Unterdrckung; oder zusammen mit der Entente, und dann unvermeidlich das imperialistische Joch. Einen dritten Weg gibt es nicht (Stalin, Band 4, Seite 311). Niemals werden wir die Erschieung der 26 Bakuer Genossen durch Agenten des englischen Imperialismus vergessen. An den Hnden der Menschewisten klebt das Blut der Bolschewiki, an Berijas Hnden klebt das Blut der Bolschewiki, am bolschewistischen Fhrer Stalin ! Nachdem das Zentrum gesiegt hatte, dehnte sich die Oktoberrevolution auf die Randgebiete aus und fegte die Bourgeoisie und die Grundbesitzer dort hinweg. Aus dem Zentrum der Revolution flohen im selben Augenblick aber auch die Konterrevolutionre in die Randgebiete, in diese alten nationalistischen Brutsttten. Dort hatte man nie mit den Imperialisten gebrochen, sondern weiter kollaboriert, um Aufstnde und Revolten anzuzetteln und Unruhe zu stiften, um die Bauern gegen das proletarische Zentrum aufzuhetzen. Von dort baute sich also ein neues Zentrum der Reaktion auf, wo sich alle konterrevolutionren Elemente aus dem ganzen Land sammelten. Von den Randgebieten aus planten und organisierten sie den Umsturz des Zentrums, von dort aus organisierten sie spter auch die Mingrelische Verschwrung gegen Stalin. Und wie verhielten sich die Menschewisten als ihre konterrevolutionre Macht von der sozialistischen Revolution gestrzt worden war ? Sie krochen unter die neu entstandene Sowjetmacht der Arbeiter und Bauern und schwenkten nun die Fahne der Oktoberrevolution, um dahinter ihre konterrevolutionren Absichten, die sie nicht gedachten aufzugeben, zu verbergen. Stalin sollte Recht behalten als er damals prophezeite: Aber dies ist nun einmal das Schicksal der Menschewiki: sie bleiben nicht das erste Mal hinter dem Gang der Ereignisse zurck und wir nehmen an, dass es nicht ihr letzter Versuch ist, in abgetragenen bolschewistischen Hosen herum zu stolzieren (Stalin Werke, Band 4, Seite 122). Es war Berija, der eben gerade in abgetragenen bolschewistischen Hosen mit der Mingrelischen Verschwrung eine akute Gefahr fr die UdSSR heraufbeschwrte. Es ist sehr interessant und lehrreich, wie Stalin die Lage im Transkaukasus vor und nach der Oktoberrevolution persnlich beurteilte (13. Juli 1921): Ich erinnere mich der Jahre 1905 bis 1917, als unter den Arbeitern und den Werkttigen der Nationalitten Transkaukasiens berhaupt eine vollkommene brderliche Solidaritt zu beobachten war, als Bande der Brderlichkeit die armenischen, georgischen, aserbaidshanischen und russischen Arbeiter zu einer einzigen sozialistischen Familie verbanden. Als ich jetzt nach Tiflis
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kam, war ich sehr darber erstaunt, dass zwischen den Arbeitern der Nationalitten Transkaukasiens nicht mehr die frhere Solidaritt besteht. Unter den Arbeitern und Bauern hat sich ein Nationalismus herausgebildet, das Gefhl des Argwohns gegenber den Genossen anderer Nationalitten ist strker geworden: man findet jetzt anti-armenischen, anti-tatarischen, anti-georgischen, anti-russischen oder irgendeinen anderen Nationalismus, so viel man will. Die alten Bande brderlichen Vertrauens sind zerrissen oder zumindest bedeutend geschwcht. Offensichtlich sind die drei Jahre, in denen es nationalistische Regierungen in Georgien (die Menschewiki), in Aserbaidshan (die Mussawatisten), in Armenien ( die Daschnaken) gab, nicht spurlos vorber gegangen. (...) Jetzt zu den Schlussfolgerungen: Die wirtschaftliche Aufbauarbeit allseitig entfalten, fr diese Arbeit alle Krfte einsetzen und dabei die Krfte und Mittel sowohl der kapitalistischen Gruppen des Westens als auch der kleinbrgerlichen Gruppen des eigenen Landes ausnutzen [Stalins Umsetzung der Leninschen NP in Transkaukasien unmittelbar nach dem X. Parteitag der KPR (B) vom Mrz 1921 Anmerkung der Redaktion]; die Hydra des Nationalismus zertreten [ wir hatten eingangs von der Hydra Berija gesprochen Anmerkung der Redaktion] und eine gesunde Atmosphre des Internationalismus schaffen, um die Vereinigung der wirtschaftlichen Bemhungen der Sowjetrepubliken Transkaukasiens unter Aufrechterhaltung der Unabhngigkeit dieser Republiken zu erleichtern; die Partei vor dem Zustrom kleinbrgerlicher Elemente bewahren und ihre Standhaftigkeit, ihre Elastizitt unter systematischer Verbesserung ihrer qualitativen Zusammensetzung erhalten; Das sind die drei grundlegenden nchstliegenden Aufgaben der Kommunistischen Partei Georgiens. Nur wenn die Kommunistische Partei Georgiens diese Aufgaben erfllt, wird sie das Steuer in ihren Hnden behalten und die wirtschaftliche Zerrttung besiegen knnen (Stalin, Band 5, Seite 76-86). Stalins Schlssel zum Sieg ber die Konterrevolution im Transkaukasus bestand darin, die Arbeiter, Bauern und Rotarmisten Transkaukasiens mit den Arbeitern, Bauern und Rotarmisten des Zentrums zur Eroberung der proletarischen Macht zu vereinigen, die revolutionren Krfte des Zentrums mit den revolutionren Krften der Randgebiete zu einer klassenmigen Einheit zusammenzufhren, zur Festigung der vereinigten Sowjetmacht. Eben in der klassenmigen Vereinigung der revolutionren Krfte von Zentrum und Randgebiet, die durch die Untersttzung der national unterdrckten Massen getragen wurde, in der marxistisch-leninistischen Verbindung der sozialen mit der nationalen Frage auf dem Wege der sozialistischen Revolution, ihrer Festigung durch die Errichtung der UdSSR, darin bewies sich die Strke des Stalinismus. Das Wesen dieser Politik [die nationale Politik der russischen Kommunisten Anmerkung der Redaktion] lsst sich in wenigen Worten ausdrcken: Aufgabe aller und jedweder Ansprche` und Rechte` auf Gebiete, die von nichtrussischen Nationen bevlkert sind; Anerkennung (nicht in Worten, sondern in der Tat) des Rechts dieser Nationen auf selbstndige staatliche Existenz; freiwilliges militrisch-wirtschaftliches Bndnis dieser Nationen mit Zentralrussland; Untersttzung der rckstndigen Nationen in ihrer kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung, da sonst die so genannte nationale Gleichberechtigung` zu leerem Schall wird; all das auf der Grundlage einer vlligen Befreiung der Bauern und der Konzentrierung der gesamten Staatsmacht in den Hnden der arbeitenden Elemente der Nationen der Randgebiete das ist die nationale Politik der russischen Kommunisten (Stalin, Werke, Band 5, Seite 99). Das war die nationale Grundlage, auf der sich der Stalinismus entwickelte. Die Lsung der uerst schwierigen und komplizierten nationalen Frage im Kaukasus - das war ein Meisterstck des Stalinismus. Charakteristisch war dabei wiederum die altbewhrte stalinistische Taktik der Ausnutzung der Widersprche im gegnerischen Lager, nmlich die national gesinnten, die noch
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anti-sowjetisch eingestellten Massen der Randgebiete, die weiter unter dem Einfluss ihrer nationalen Regierungen standen, gegen diese aufzubringen, sie zu zwingen, mit der Bourgeoisie und ihren imperialistischen, auslndischen Verbndeten zu brechen und sich den Arbeitern und Bauern zuzuwenden und ihnen schlielich dabei zu helfen, das brgerliche Lager und seine Fhrung im offenen Aufstand zu strzen und zu besiegen. Der Sieg im Kaukasus das war ein Sieg des Stalinismus ein aufblhendes, sozialistischen Transkaukasien nach dem Brgerkrieg. Dieser Sieg war so berwltigend, dass er selbst mit dem Mord an Stalin, selbst bis heute nicht endgltig verblasste. Niemals darf vergessen werden, dass Stalins Siege im Transkaukasus auch Siege gegen die Imperialisten waren, die dort den Aufstand gegen das Zentrum der UdSSR anheizten, sich in die inneren Angelegenheiten des Transkaukasus einmischten und ihn zu okkupieren. Keine Staatsmacht der Welt hat eine so weitgehende Dezentralisation zugelassen, keine Regierung der Welt hat den Vlkern eine solche Flle nationaler Freiheit eingerumt, wie die Sowjetmacht es in Russland getan hat (Stalin, Band 4, Seite 141). So machte Stalin die UdSSR zur strksten Staatsmacht der Welt, denn er grndete sie auf der Macht der schaffenden Massen der unterdrckten Nationalitten, die sich gegen jede folglich auch gegen die nationale Unterdrckung, gegen die Macht der Bourgeoisie, der eigenen wie der fremden, gegen den Imperialismus berhaupt richtete. Dauerhaft ist nur das, was freiwillig gegeben wird (Stalin, Band 4, Seite 350). Frieden, Agrarumwlzung und Freiheit der Nationalitten das sind die drei Momente, die die Bauern von mehr als zwanzig Nationalitten des unermesslichen Russlands um das rote Banner des russischen Proletariats gesammelt haben (Stalin, Band 5, Seite 98). Fr Leute, die Georgien vor der Revolution kannten, war Georgien nach 10 Jahren nicht wieder zu erkennen. Ein gewaltiger Aufschwung der Wirtschaft, der Kultur, ein ungeheures Wachstum der politischen Aktivitt der breitesten Massen des Volkes das alles wurde nur dank der Lenischen-Stalinschen Nationalittenpolitik erreicht. Die Entwicklung des Kommunismus in Transkaukasien war erschwert durch das Wirrwarr in der nationalen Frage. Aber die Arbeiter und Bauern Transkaukasiens konnten sowohl aus dem westlichen als auch aus dem russischen Kommunismus lernen und die dort gemachten Fehler von Anfang an vermeiden. So ist zu erklren, dass der Kommunismus in Transkaukasien unter der Fhrung Stalins innerhalb von 10 Jahren mit Sieben-Meilen-Stiefeln von Erfolg zu Erfolg schreiten konnte. Das werden und knnen die Vlker des Kaukasus niemals aus ihrem Gedchtnis verlieren. Die Machtbernahme der modernen Revisionisten bedeutete die Restauration alter feudalkapitalistischer Verhltnisse als Folge der neuen Knechtung der Arbeiter und Bauern und der breiten Massen des georgischen Volkes. In den einzelnen nationalen Republiken gab es brgerlich-nationale Gruppen (z.B. pan-trkische Organisationen), Menschewisten, Sozialrevolutionre usw. Sie kmpften fr einen nationalistischen Staat, also gegen die Sowjetmacht und fr die brgerliche Restauration der kaukasischen Staates Die Verschwrer-Aktivitten wurden von verschiedenen georgischen Gruppierungen entfaltet. Die Schdlingsarbeit wurde in den Unionsrepubliken betrieben, um die Nationalittenpolitik Stalins zu kompromittieren. Es gab kein Gebiet beim Aufbau des Sozialismus, das der Schdlingsarbeit nicht zum Opfer fiel. So wurde auch unter Anleitung des Blocks der Rechten und Trotzkisten von den nationalistischen Gruppierungen in Georgien versucht, die Kollektivierung der Landwirtschaft zu hintertreiben, zu sabotieren und zu schdigen, wurde dagegen nicht nur die Unzufriedenheit der Massen provoziert, sondern auch Terrorakte gegen die KP Georgiens und gegen den georgischen Staat, insbesondere gegen
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ihre Fhrer und Leiter verbt. Desorganisation wurde besonders in jenen Bereichen der Wirtschaft betrieben, in denen die georgische Bevlkerung unmittelbar getroffen wurde wie zum Beispiel: Brokratisierung als Kampfmittel fr Schdlingsarbeit und zur Provokation gegen den Sowjetstaat auf Grund bewusst herbeigefhrter Unzufriedenheit unter den Massen insbesondere in der Landwirtschaft. Knstliche Versorgungsengpsse im Wohnungswesen, in den Genossenschaften, Handel, Warenumsatz. Betrgereien, Veruntreuungen und Unterschlagungen wurden nicht verfolgt, sondern systematisch gefrdert und untersttzt, ebenso manipulierten die Verschwrer die Kontrollorgane, um ihre Schdlingsarbeit zu bemnteln. Die Konterrevolution bediente sich der Winkelzge des Brokratismus als aktive Waffe sowohl gegen die Regierung als auch gegen die Massen. Etwa 15% der Apparatschiks bestand aus ehemaligen Menschewiki, Sozialrevolutionren, Anarchisten, Trotzkisten und anderen parteifeindlichen Elementen. Alle standen unter dem Oberbefehl des Blocks der Rechten und Trotzkisten. Die Betreiber der Schdlingsarbeit lieen beispielsweise teure Butter produzieren, die sich die Bevlkerung nicht leisten konnte, billigere Sorten kamen nicht auf den Verbrauchermarkt, ja es wurden sogar Glassplitter und Ngel in der Butter entdeckt! Den Verschwrern gelang es flchendeckend, Winterstiefel im Sommer und im Winter Sommersachen in die Verkaufsstellen zu bringen, um die Bevlkerung systematisch gegen die Regierung aufzuhetzen. In diesem Milieu wurde Berija Meister seiner Sabotagearbeit unter dem Deckmantel des bolschewistischen Aufrumers mit dem ganzen nationalistischen Gesindels im Kaukasus. Der Block der Rechten und Trotzkisten (Rakowski) lieferte im Auftrag des englischen Geheimdienstes negative Analysen ber die Beziehungen der Randrepubliken mit dem Zentrum, die er im Zusammenhang von Stalins Verfassung von 1936 angefertigte hatte. Dies ermglichte der englischen Gromacht, Schwachstellen und Widersprche auch bezglich der Republik Georgiens auszunutzen. Gebietsabtretungen im Kaukasus waren auch Verhandlungsgrundlage der Trotzkisten. Im Prozess gegen Pjatakow fragte Wyschinski diesen: Mit wem sprachen Sie aus Transkaukasien? Der antwortete: Mit Mdwani. Serebrjakow sprach mit Mdwani darber, dass es notwendig ist, transkaukasische trotzkistische Terroristen nach Moskau zu schicken. Es war ein terroristischer Akt gegen Jeschow vorgesehen. Serebrjakow sprach darber mit Mdwani. Die Verschwrer fhrten in den 30er Jahren einen inneren Partisanenkampf gegen die Parteifhrung und die Sowjetunion, auch in Georgien unter Mdwani. Es wurde der Gterverkehr lahmgelegt, die Verladezeiten knstlich hinausgezgert, die Waggons nicht ausgelastet usw. Im Kaukasus wurden Erdltransporte vereitelt. Deswegen wurde auch Kaganowitsch mit der Suberung im Verkehrswesen beauftragt. Bei der Mobilmachung im Krieg sollten die Truppentransporte desorganisiert und ein Chaos organisiert werden, sollte in Georgien die Durchlssigkeit der Eisenbahnknotenpunkte herabgesetzt werden. Die Verschwrer wollten die Schdlingsarbeit in der Industrie mit der Diversionsarbeit im Verkehrswesen verbinden. Dessen bedurfte es, wenn der Stalinschen Fhrung einen vernichtenden Schlag versetzt werden sollte. Kaganowitsch ist in Georgien den Saboteuren auf die Schliche gekommen, also ist auch Stalin Berija auf die Schliche gekommen. Auf Kaganowitsch wurden ebenfalls Anschlge verbt also Attentate auf die Ministerien und die Minister bei gleichzeitiger Sabotage und konomischen Terror in allen Ressorts vor Ort in den industriellen Ballungsgebieten, den Fabriken und Bergwerken. Morde an den Arbeitern (besonders Arbeitermorde in der Stachanowbewegung) waren mit einkalkuliert usw., aber auch in der Armee Sprengungen der Truppentransporte von Rotarmisten. Als Stalin zu dieser Zeit in den Kaukasus fuhr, waren 4 Zge als Scheinzge unterwegs, um ihn vor einem Attentat zu schtzen. Die GPU wusste von Terroranschlgen gegen Stalin im Zug. Molotow entkam einem geplanten Autoattentat mit knapper Not. Mdwani, Kawtaradse und Okudshawa, - und Tschichladse und Kiknadse bildeten eine trotzkistische Gruppe. Mdwani war 1931-36 Komissar der Leichtindustrie und Stellvertr. Vorsitzender. 1928
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wegen Trotzkismus ausgeschlossen und 1931 rehabilitiert. 1936 wieder ausgeschlossen und 1937 zum Tode verurteilt durch Erschieen. Mdwani bereitete 1935 unter der Leitung Serebrjakows einen angeblichen Terroranschlag gegen Berija und Jeschow vor und sammelte Terroristen, die man in Moskau zusammenziehen knnte, um eine mglichst erfolgreiche Verwirklichung der so genannten Gruppenterrorakte sicher zu stellen. ber Mdiwani schreibt Stalin in Band 5 viel Entlarvendes und das kann dort nachgelesen werden. Es gibt auch einen Artikel von Stalin ber die Konterrevolutionre in Transkaukasien, den wir ebenfalls zum Studium empfehlen. Mdwani war zur damaligen Zeit englischer Spitzel. Ein Neffe Stalins Limonadse wurde 1936 beschuldigt, 1932 der Linkslergruppe SchatzkinLominadse-Sten angehrt zu haben, die sich in einem Block mit Sinowjew-Kamenew und Trotzki zur Ausfhrung von Terrorakten gegen die Fhrung der KPdSU (B) und der Sowjetregierung vereinigt hatte. Lominadse arbeitete mit Smirnow zusammen. Vor Gericht will dieser nicht sagen, dass er seit 1928 mit den georgischen Abweichlern systematisch Verbindung unterhielt. Im Jahre 1932 hatte Smirnow eine Zusammenkunft mit georgischen Abweichlern, die bekanntlich seit 1928 terroristisch gestimmt waren. Smirnow war wiederholt mit dem georgischen Abweichler Okudshawa zusammengekommen. Smirnow stand 1929/30 mit der Terroristengruppe Stckgold in Verbindung. In Georgien kmpfte Stalin im Zweifrontenkrieg gegen die Zusammenarbeit von Linksopprtunismus und Rechtsopportunismus zur Vereinigung mit den nationalistischen reaktionren Krften. Wie weit Berija dabei seine Hnde im Spiel hatte, wissen wir nicht genau. Jedenfalls wird er seine schtzende Hand ber diese anti-stalinistische Brut in Georgien gelegt haben, denn mit Beginn des persnlichen Zugangs zu Stalin hatte er die Mglichkeit dazu, Stalins Nationalittenpolitik auf seine Weise im Kaukasus zu handhaben. In der Anklageschrift gegen den antisowjetischen Block der Rechten und Trotzkisten im Mrz 1938 heit es u.a., dass dieser die Zerstckelung der UdSSR und Lostrennung Georgiens, Armeniens und Aserbaidshans geplant und organisiert habe und zwar mit bewaffneter Hilfe auslndischer Aggressoren. Was die terroristischen Verbrechen der brgerlichen Nationalisten Georgiens anbelangte, so wurden Mdwani, Okudshawa u.a. vom Obersten Gerichtshof der Georgischen Sozialistischen Sowjetrepublik am 9. Juli 1937 verurteilt, worber wir keine Dokumente haben. Die hatten auf jeden Fall Kontakt zu ihrer georgischen Emigrantenzentrale in Westeuropa sowie zur II. Internationale, die alles tat, um den Sturz der Sowjetmacht von auen zu untersttzen. Die alten Seilschaften zwischen der georgischen Konterrevolution und der II. Internationale ziehen sich durch die ganze Geschichte des georgischen Menschewismus. Inwieweit Berija daran beteiligt war, ihnen aus erster Quelle Informationen ber Stalin zu liefern, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass Mdwani und Berija gute Bekannte waren !!!! Es bestand 1934 (wir legen hier die Prozessberichte der 30er Jahre zu Grunde) die Frage eines angeblichen Terroraktes gegen Berija. Doch die trotzkistische Fhrung deckte Berija unter dem Vorwand, ein Terrorakt gegen Berija knne den Terrorakt gegen Stalin vereiteln. Man entschloss sich, an die Vorbereitung des Terroraktes gegen Stalin zu schreiten, ohne die Vorbereitung des Terroraktes gegen Berija einzustellen, denn unter den Konterrevolutionren durfte Berija nicht enttarnt werden, mit dem man schlielich den Fu ins Machtzentrum haben wollte. Berija solle also nicht liquidiert werden, bevor Stalin liquidiert wurde (und genauso kam es 1953 !! Was fr ein Zufall ! !). Die Georgier sollten eine Gruppe bestimmen und die Organisierung und Vorbereitung des Terroraktes bernehmen, also sowohl den gegen Stalin als auch gegen Berija. Hinzu kam noch ein dritter Terrorakt: Jeschow. Den bernahm Berija selbst. Mitte 1935 sollten die Terrorakte von Mdiwanis Gruppe in Moskau durchgehrt werden. Die Terrorakte sollte Tschekwadse durchfhren. Es fand eine Besprechung zur Bildung eines georgischen Blocks der Trotzkisten, mit den georgischen Menschewisten und Nationalisten (armenische Dashnaken und Mussawatisten in Aserbaidshan) statt. Hier liegen also die Verbindungen zu den Wurzeln zur Zeit der Oktoberrevolution und des Brgerkrieges in Georgien (damals Kampf gegen Lenin) und 1953 die Verschwrung gegen Stalin. Dieser antisowjetische kaukasische Block hatte
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also von Anfang bis Ende der Geschichte der UdSSR eine gefhrliche Rolle gespielt und war ununterbrochen aktiv und ist ebenso aktiv von Stalin die ganze Zeit bekmpft worden. Die ganze Zeit zieht sich ein Name durch diesen Block: der Menschewist Mdwani. Wir sehen an seiner Person, dass die meisten Mitglieder der Menschewiki -die einen frher, die anderen spter bei den Bolschewiki untergekrochen waren, um ihre anti-bolschewistische Ttigkeit nicht nur zu tarnen, sondern dadurch noch effektiver zu gestalten z. B. durch Besetzung einflussreicher politischer Posten. Von ehemaligen Menschewisten gab es in der Fhrung der Partei also nicht Wenige ( natrlich gab es auch ehemalige Menschewisten, die ehrliche Bolschewiki wurden keine Frage) - und da wirft ein Sudoplatow Stalin vor, dieser wrde den Kampf gegen die Menschewiki berschtzen. Warum er diese Behauptung wohl aufgestellt hat ? Mdwani wie auch Berija arbeiteten mit England zusammen, soviel steht fest ( da wrde ein Blick in die Archive des englischen Geheimdienstes ausreichen, um dies zu beweisen!). Wie die Beziehungen zwischen ihnen konkret bestanden haben, wissen wir also nicht. Wollte Sudoplatow damit die Menschewisten decken und von ihnen ablenken? Serebrjakow sagte im Prozess aus: In Bezug auf die Daschnaken und die Mussawatisten teilte mir Mdwani Ende 1935 mit, dass er erst die Verbindungen aufgesprt habe, mit den Menschewiki dagegen habe er ein Abkommen getroffen. Den Kontakt mit den Menschewiki hatte er auf der Grundlage hergestellt, dass Georgien der vorherrschende Einfluss auf dem Territorium Transkaukasiens eingerumt wird. Georgien unterwirft Armenien und Aserbaidshan. Georgien war ein selbstndiger Staat, der in Transkaukasien die fhrende Rolle spielte und immer gespielt hatte. Und heute noch spielt. Georgien gilt aber nicht als Einzelfall, sondern typisch stellvertretend fr alle Gebiete der UdSSR, denn berall wurden die gleichen parteifeindlichen Aktivitten organisiert und von der trotzkistischen Zentrale koordiniert spter in Zusammenarbeit und zuletzt sogar unter dem direkten Befehl der Nazis. Wir mchten hier auch die Zeugin Swetlana, die Tochter Stalins zu Wort kommen lassen. In ihren 20 Briefen an einen Freund erwhnt sie den Namen Redens, ein magebender Tschekist aus der Ukraine nach dem Brgerkrieg (Stalin hatte brigens groe Zweifel an Berijas und Malenkows Beschuldigungen, dass Redens ein Feind gewesen sein sollte) : Dann wurde er zur Tscheka nach Georgien versetzt; da selbst stie er zum ersten Mal mit Berija zusammen, der an die Spitze der georgischen Tscheka gelangen wollte. Die Beiden gefielen einander nicht: Redens, ein Schler Dsershinskijs, und Berija, der Georgien als seinen knftigen Herrschaftsbereich, als Sprungbrett fr seinen weiteren Aufstieg zur Macht betrachtete... Redens wurde sehr bald aus Georgien verdrngt (Seite 89). ...Und er ward nie mehr gesehen(Seite 91). Spter kam dann Berija als Erster Sekretr des georgischen Zentralkomitees der Partei an die Macht. Ich kehre noch einmal zu dieser Person zurck, die durch ein teuflisches Band mit unserer ganzen Familie verbunden war und gut die Hlfte derselben vernichtete. Ich will nur das Eine sagen, dass mir vieles ber jene lngst vergangenen Zeiten die alte kaukasische Bolschewikin O.G. Schatunowskaja erzhlt hat, die ber Berijas Rolle Bescheid wusste und ihn schon lngst richtig eingeschtzt hatte. Das heit, genau genommen schtzten ihn alle alten Parteimitglieder Transkaukasiens richtig ein, und wenn nicht die sonderbare Untersttzung von Seiten meines Vaters wirksam geworden wre, der er sich geschickt zu bedienen wusste, dann htten weder S. N. Kirow noch Ordshonikidse seinen Aufstieg geduldet, noch auch jenen Menschen, die Transkaukasien und den Verlauf des dortigen Brgerkriegs genau kannten. Es waren diejenigen, die er als erste vernichtete, weil er sonst kaum die Mglichkeit gehabt htte, seinen Aufstieg zur Macht zu vollenden (20 Briefe an einen Freund, Seite 90). Im Jahre 1937 wurde Redens verhaftet. Es war der erste gegen unsere Familie, gegen unser Haus gerichtete Schlag. Bald darauf verhaftete man Onkel Aljoscha und Tante Marusja. Wie durfte das geschehen? Wie konnte Vater das tun? Ich wei nur das Eine: ihm selbst, ihm allein wre derlei nie eingefallen. Doch wenn es ihm jemand schlau und fein eingab, wenn ein hinterlistig-
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er Schmeichler, wie Berija es war, ihm eingeflstert hatte, dass diese Menschen 'dagegen` seien, dass kompromittierendes Material` vorliege, dass gefhrliche Verbindungen bestnden, Reisen ins Ausland und so weiter, dann war Vater imstande, es zu glauben (Seite 119). Ich erinnere mich genau wie Onkel Aljoscha Swanidse zum letzten Mal zu uns kam, traurig, niedergeschlagen. Anscheinend ahnte er schon, was vor sich ging; in Georgien, der Heimat Berijas, wurden bereits Menschen verhaftet... Vater lehnte fast demonstrativ alle Gesprche ber Familienangelegenheiten, ber Verwandte und ihm nahe stehende Menschen ab. Ich glaube, dass Mamas Tod ihm einen schrecklichen Schlag versetzte... Eben diese Zeit wusste sich Berija ungemein geschickt zunutze zu machen. Er fuhr zu Vater; vorher war er nur selten in Sotschi gewesen, wenn sich Vater dort erholte. Jetzt erwarb er sich Vaters Vertrauen und erklomm sehr bald mit Vaters Untersttzung zunchst den Posten des Ersten Sekretrs des ZK von Georgien. O.G. Schatunowskaja, eine alte Bolschewikin aus Transkaukasien, erzhlte mir, wie entsetzt alle Parteigenossen Georgiens ber diese Ernennung waren und wie hartnckig sich G.K. Ordshonikidse dagegen wehrte; doch Vater bestand auf seinem Willen. Vom Ersten Sekretr des ZK von Georgien bis nach Moskau war der Weg nicht mehr weit. 1938 begann Berija in Moskau zu herrschen; von da an war er tglich mit Vater beisammen, und sein Einfluss auf Vater hrte bis zu dessen Tod nicht mehr auf. O.G. Schatunowski erzhlte mir, dass Berijas Rolle whrend des Brgerkriegs im Kaukasus uerst zweideutig gewesen sei. Er war der geborene Agent provocateur und Spitzel und arbeitete einmal fr die Daschnaken (armenische Nationalisten Anmerkung des bersetzers), dann wieder fr die Roten je nachdem, wer gerade an der Macht war. O.G. Schatunowski versichert, dass Berija einmal von unseren Soldaten verhaftet wurde er war beim Verrat ertappt worden und wartete auf seine Aburteilung und dass ein Telegramm von Kirow kam, der damals den Oberbefehl ber die Operationen im Kaukasus hatte, in welchem die Erschieung [ sic !!! ] des Verrters verlangt wurde. Sie hatten aber keine Zeit, diesen Befehl durchzufhren, gerade einsetzende Kampfhandlungen verhinderten es, man hatte andere Sorgen, als sich mit diesem kleinen, unbedeutenden Menschen abzugeben. Aber von diesem Telegramm davon, dass es existierte wussten damals in Transkaukasien alle alten Bolschewiki, und auch Berija wusste davon ... Sollte nicht vielleicht hier das Motiv fr die viele Jahre spter erfolgte heimtckische Ermordung Kirows liegen? Nach der Ermordung Kirows im Jahre 1934 trat Berija immer mehr in den Vordergrund, sein unaufhaltsamer Aufstieg, immer hher und hher hinauf, begann ... Wie merkwrdig diese beiden Ereignisse, der Untergang des einen und der Aufstieg des anderen, zusammenfallen; wahrscheinlich htte es Kirow nie zugelassen, dass dieser Mensch Mitglied des ZK wurde. Sergej Mironowitsch Kirow war seit langer Zeit ein treuer Freund unserer Familie, wahrscheinlich noch aus dem Kaukasus her ... Im Sommer 1934 war es das Gleiche: Kirow wohnte bei uns in Sotschi. Und im Dezember fiel dann Nikolajews Schuss... Wre es nicht besser und auch logischer, diesen Schuss mit Berijas Namen in Verbindung zu bringen anstatt mit dem meines Vaters, wie das jetzt geschieht? Dass Vater an diesem Tod eine Mitschuld trifft, werde ich niemals glauben. Kirow stand ihm nher als alle Swanidse, als alle Verwandten, als Redens, als viele seiner alten Genossen Kirow war sein intimer Freund, den er brauchte. (Seite 201-203). Es gab noch einen anderen guten alten Freund unseres Hauses, den wir 1936 verloren, wie ich glaube, nicht ohne Intrigen und Gemeinheiten Berijas ich spreche von Georgij Konstantinowitsch Ordshonikidse. (...) Er kannte Berija gut wie wre es auch anders mglich gewesen und konnte ihn nicht leiden. Auch er war ein schwer zu nehmendes Hindernis bei Berijas Aufstieg zur Macht, vor allem in Georgien. Mit dem Aufstieg Berijas wurde Sergos (Kosename von Genossen Ordshonikidse Anmerkung der Redaktion) Lage offensichtlich sehr schwierig, man verleumdete ihn, man wollte zwischen ihn und Vater einen Keil treiben (Seite 204).
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dort anti-sowjetische Oppositionen anzuzetteln versuchte. Einige Elemente sollten offen auftreten und andere als Trojanische Pferd im Hintergrund bleiben, um sich so gegenseitig die Blle zuzuwerfen und sich gegenseitig zu schtzen. Das war die allgemeine Taktik der imperialistischen Subversionsttigkeit in den kommunistischen Reihen. Die Mingrelische Verschwrung war ein Putsch von Nationalisten, die sich mit der Maske des Sozialismus tarnten, um ihre Feindschaft zur Sowjetunion hinter dem Vorwurf des russischen Gromachtchauvinismus zu verbergen. Der russische Gromachtchauvinismus - Vorwurf war natrlich auf die Generallinie Stalins, insbesondere auf seine bolschewistische Nationalittenpolitik, gemnzt. Kurz: sie hassten den Sozialismus, wollten ihn loswerden und ihn so schnell wie mglich mit dem Kapitalismus eintauschen, weswegen sie die Imperialisten in ihre Mingrelische Verschwrung eingeweiht hatten. Sie riefen nach Autonomie, weil sie sich von oben nichts mehr sagen lassen wollten. Sich im Sozialismus von oben nichts mehr sagen lassen zu wollen, kann aber nur heien, nichts mehr vom Sozialismus wissen zu wollen und seine eigenen nationalen Interessen ber die Interessen der UdSSR, ber die Diktatur des Proletariats, zu stellen. Ein Marxist hrt auf Marxist zu sein, wenn er seine eigenen nationalen Interessen ber die internationalistischen Interessen stellt - und die Strkung der UdSSR war das internationalistische Interesse des Weltproletariats -, der hat den Boden des Marxismus verlassen, um im Kapitalismus unterzugehen, was sich heute in Georgien traurig bewahrheitet. Der Weg Georgiens in den kapitalistischen Untergang begann mit Berijas Mingrelischer Verschwrung das ist eine unwiderlegbare Wahrheit der Geschichte, aus der nicht nur Georgien, sondern die ganze Welt lernen wird. Stalin klagte diese parteifeindliche Gruppierung innerhalb der Kommunistischen Partei Georgiens also zu Recht des Hochverrats und der Verschwrung an. Mit einem unverhllten Nationalismus kann man immer fertig werden: Es ist nicht schwer, ihn zu erkennen. Viel schwieriger ist es, einen maskierten und in seiner Maske unerkennbaren Nationalismus zu bekmpfen.. Da er sich des Sozialismus als Schutzschildes bedient, ist er weniger verwundbar und viel zhlebiger (Stalin, Band 2, Seite 301). Die ganze Dynamik der Evolution der nationalistisch-menschewistischen Politik Berijas, seine konterrevolutionre Verschwrung gegen Stalin, wurde mit seiner Mingrelischen Affre erst richtig ausgelst und ins Rollen gebracht. Bereits im Herbst 1951 gliederte Stalin daraufhin das Ministerium fr Staatssicherheit (MGB) aus Berijas Machtbereich aus. Seit dieser Zeit hat Stalin gegen Berija einen besonders prinzipienfesten und entschlossenen Kampf gefhrt, einen komplizierten, offenen wie verdeckten Kampf, ein Kampf, in dem sich beide smtlicher Mittel und Formen bedienten, ein uerst lehrreicher Kampf, denn er entschied ber alles, und letztendlich ber sie selbst. Stalin sammelte schon lngere Zeit Belastungsmaterial gegen Berija, lie ihn beschatten und war sich ber die Gefahr bewusst, die von diesem Mann ausging. Da Berija ein durchtriebener, gerissener Schurke war, der sein Handwerk des Tarnens, Tricksens und Tuschens professionell beherrschte, war es fr Stalin nicht leicht, ihm beizukommen, so dass dieser Kampf zweier Vertrauter an einem gefhrlichen Katz- und Mausspiel erinnerte. Da Berija es sehr gut verstand, die Sache so hinzudrehen, dass man ihm seine Verantwortung fr die Mingrelische Verschwrung nicht persnlich nachweisen konnte, ist Berija in den Augen der Berijaner der bewundernswerte, der schlauere, der eigentliche, der wahre usw. usf. Marxist-Leninist. Da lacht das Herz der Berijaner, wenn da jemand zur Sonne aufsteigt, der Stalins Persnlichkeit weit in den Schatten stellt. Wei Gott, ein Mordskerl, dieser Marxist-Leninist! Stalin verfasste am 9. November 1951 eine Resolution ber die Korruption in Georgien und die parteifeindliche Gruppe Baramija, die vom Politbro beschlossen wurde. In dieser Resolution wurde der mingrelische Nationalismus angeprangert: Bramija ist der Drahtzieher. Stalin wusste zwar, dass Berija der eigentliche Drahtzieher war, aber um ihm habhaft zu werden, ging Stalin taktisch klug vor, indem er erst einmal Bramija als Drahtzieher entlarvte, der natrlich ein Mann Berijas war. Wenn
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man die Mingrelischen Manver zulsst, so Stalin, wird es zu einer Spaltung in Gruppen kommen, die alle ihre eigenen nationalistischen Interessen durchsetzen wollen, was Georgien und die Einheit Transkaukasiens untergrbt. Dies wiederum birgt die Gefahr der Abspaltung von der UdSSR in sich und damit eine Schwchung der Sowjetunion. Was hatte Stalin dabei im Auge? Man muss im Auge behalten, dass die Reste der zerschlagenen Klassen in der UdSSR nicht allein dastehen. Sie genieen die direkte Untersttzung unserer Feinde jenseits der Grenze der UdSSR [also auch per Radio ber die Grenze Georgiens hinweg - mit der Stimme Amerikas (!) Anmerkung der Redaktion] . Es wre ein Irrtum anzunehmen, dass die Sphre des Klassenkampfes sich auf das Gebiet der UdSSR beschrnke. Spielt sich der Klassenkampf mit einem Ende innerhalb der UdSSR ab, so reicht das andere Ende in das Gebiet der uns umgebenden brgerlichen Staaten. Das kann den Resten der zerschlagenen Klassen nicht unbekannt sein. Und eben weil sie es wissen, werden sie auch knftig hin ihre verzweifelten Vorste fortsetzen [mit der Mingrelischen Verschwrung Anmerkung der Redaktion]; (Stalin, Werke, Band 14, Seite 136/137, KPD/ML, Dortmund 1976). Unsere Organisationen in den Republiken knnen nur dann marxistisch werden, wenn sie imstande sind, sich der nationalistischen Einflsse zu erwehren, die in den Randgebieten in unsere Partei eindringen, deshalb eindringen, weil die Bourgeoisie wieder auflebt, weil die NP wchst, weil der Nationalismus wchst, weil berreste des grorussischen Chauvinismus vorhanden sind, die gleichfalls den lokalen Nationalismus vorantreiben, weil sich der Einfluss der auslndischen Staaten geltend macht, die den Nationalismus auf jede Weise untersttzen (Stalin, Band 5, Seite 271) Um den Nationalismus zu zerschlagen, muss man vor allem die nationale Frage anpacken und lsen. Um aber die nationale Frage offen und sozialistisch lsen zu knnen, muss man sie in vollem Umfang und endgltig den Interessen der in den Sowjets organisierten werkttigen Massen unterordnen. So und nur so kann man der Bourgeoisie ihre letzte geistige Waffe aus der Hand schlagen (Stalin, Band 4, Seite 79/80). Wenn wir (...) Gruppierungen zulassen, so werden wir die Partei zu Grunde richten, sie aus einer festen geschlossenen Organisation, einer Organisation aus einem Guss in einen Bund von Gruppen und Fraktionen verwandeln, die untereinander Vereinbarungen treffen und zeitweilige Vereinigungen und Abkommen eingehen. Das wird keine Partei, das wird der Zerfall der Partei sein. (...) Wir (...) unter den Bedingungen der kapitalistischen Umkreisung, brauchen sogar nicht nur eine einheitliche, nicht nur eine fest zusammengeschlossene, sondern eine wirklich sthlerne Partei, die fhig ist, dem Ansturm der Feinde des Proletariats standzuhalten, die fhig ist, die Arbeiter in den entscheidenden Kampf zu fhren (Stalin, Band 6, Seite 20/21). Das trifft natrlich auch auf den Transkaukasus zu besonders zur Zeit der Bedrohung durch den Kalten Krieg der angloamerikanischen Imperialisten, also nicht nur auf die dortigen Parteigruppierungen, sondern auch die Interessen der nationalen Gruppierungen auerhalb der Partei. Nicht zuletzt trifft dieses Zitat auch auf die Gruppierungen im Parteiprsidium der Moskauer Zentrale zur Zeit der Verschwrung vor und nach der Ermordung Stalins zu. Alle diese kleinbrgerlichen Gruppen dringen auf die eine oder andere Weise in die Partei ein und tragen in sie den Geist des Schwankens und des Opportunismus, den Geist der Zersetzung und der Unsicherheit hinein. Sie sind es hauptschlich, die die Quelle der Fraktionsmacherei und des Zerfalls bildet, die Quelle der Desorganisation und Sprengung der Partei von innen heraus. Gegen den Imperialismus kmpfen, wenn man solche Bundesgenossen` im Rcken hat, heit in die Lage von Leuten geraten, die von zwei Seiten beschossen werden von der Front und vom Hinterland. Deshalb ist der schonungslose Kampf gegen solche Elemente, ihre Verjagung aus der Partei
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die Vorbereitung fr den erfolgreichen Kampf gegen den Imperialismus (Stalin, Band 6, Seite 162). Diese Fraktionsmacherei trifft auch auf die Mingrelischen Verschwrer zu. Und es ist eine Tatsache, dass Stalin in eben diese Lage geraten war, von zwei Seiten beschossen worden zu sein.. Eine groe Warnung war der transkaukasische, georgische Aufstand [1924 Anmerkung der Redaktion]. Solche Aufstnde sind auch in Zukunft mglich, wenn wir nicht lernen werden, unsere Eiterbeulen aufzudecken und auszumerzen, wenn wir nur darauf bedacht sein werden, nach auen hin den Anschein zu erwecken, als ob alles aufs Beste bestellt sei (Stalin, Band 7 , Seite 20). Von Stalins Tochter Swetlana erfahren wir spter noch aus ihren 20 Briefen an einen Freund, dass Stalins Frau hinter diesem georgischen Aufstand die Handschrift Berijas erkannte und ihrem Mann vorgeworfen hatte, dies nicht wahrhaben zu wollen. Stalin warnte alle vor einer Wiederholung des georgischen Aufstandes, nur sich selbst nicht und so kam es dann auch zu den Ereignissen von 1951/52 und zwar zu einem Zeitpunkt als das Aufdecken der berijanischen Eiterbeule nicht mehr von ihm auszumerzen war ! Htte er auf seine Frau gehrt, wre Stalin 1953 noch am Leben das war jedenfalls die Auffassung von Stalins Tochter im Jahre 1963. Am 16. November 1951 folgte die nchste von Stalin initiierte Politbro Resolution: ber den Ausschluss feindlicher Elemente aus dem Territorium der SSR Georgien (Abschiebungsbefehle nach Kasachstan, damit diese berijanischen Elemente in Georgien keine weiteren Schdlingsarbeiten organisieren konnten). Im nchsten Schritt tauschte Stalin die Fhrung der KP Georgiens aus, was er von langer Hand vorbereitet hatte. Scharija, georgischer Parteisekretr, hatte in den Jahren zuvor als Stellvertretender Leiter des Nachrichtendienstes (fr Berija !!!) gearbeitet. Nach Verbung einer Gefngnisstrafe, zu der er auf Grund seiner Aktivitten als mingrelischer Nationalist verurteilt worden war, wurde dieser Nationalist und Handlanger der Macht Berijas umgehend nach Stalins Ermordung fr auenpolitische Angelegenheiten in den Rang eines Generalmajors gehoben [sic !!!] , um seine auslndische Agententtigkeit fortzusetzen. Nur lange war ihm dieser schne Posten nicht vergnnt, denn Chruschtschow hatte dafr seine eigenen Leute und so hatte Berijas Mann, Scharija, das Feld zu rumen. Am 25. Mrz 1952 und am 27. Mrz 1952 nahmen Mitglieder und Kandidaten des Bros des ZK der KP Georgiens an einer Unterredung mit dem Politbro der KPdSU unter Leitung Stalins in Moskau teil. In deren Ergebnis wurde eine weitere Resolution des Politbros beschlossen: ber die Lage in Georgien. Darin heit es wrtlich: Die Baramija-Gruppe rechnete auf Untersttzung fremder Imperialisten, planten die Machtergreifung in der KP Georgiens. ber die Lage in Georgien verschafften sich auch die Imperialisten einen berblick. Sie informierten sich ber die Plne der konterrevolutionren Krfte in Georgien, versuchten rauszukriegen, um welche Organisationen es sich da handelte, wie stark sie waren, wer sie fhrte und mit welcher Kampftaktik sie operierten. Die antisowjetischen Organisationen arbeiteten schon seit einer Reihe von Jahren an einer Verschwrung. Sie versuchten, den Einfluss der stalintreuen Genossen in Georgien zu schwchen, bzw. sie zu erledigen, Agenten und Spione einzusetzen, um Spaltungen durch eingeschleuste Gruppen und Fraktionen herbeizufhren. Die Mingrelischen Verschwrer waren gegen alle, die den Einfluss der Imperialisten in Georgien bekmpften und sie waren fr alle, die ihn nicht bekmpften. Das Ziel der Imperialisten war es, sich mit den konterrevolutionren Krften in Georgien zu verbinden, um sie gegen die Sowjetunion und ihre Parteispitze anzufhren. Die Zusammenarbeit mit den Imperialisten sollte dazu dienen, die Verbindung zwischen den Kommunisten und dem georgischen Volk zu zerstren, um so die Macht zu ergreifen und eine Quislingregierung, eine georgische Exilregierung von Emigranten einzusetzen. Es war Stalins heilige Pflicht, den Imperialisten einen Riegel vorzuschieben und ihre Plne in Georgien zu vereiteln. Deswegen musste er dort unablssig, unnachgiebig und kompromisslos den Kampf gegen die Mingrelische Verschwrung fhren.
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Tscharwiani wurde abgesetzt und Mgeladse nahm seinen Posten des ersten Sekretrs ein. Um das Georgische Ministerium fr Staatssicherheit unter Leitung von Rukhadse zu untersttzen, wurde von Stalin eine Untersuchungskommission nach Georgien geschickt. Rukhadse sammelte nach Beweisen gegen Mgeladse und schickte Stalin einen Bericht. Stalin wandte sich daraufhin direkt an Mgeladse und auch an das Sekretariat des ZK der KP Georgiens, um die Haltbarkeit oder Unhaltbarkeit dieser Beweise aus ihrem eigenen Mund zu erfahren. Stalin deckte somit auf, dass das Ministerium fr Staatssicherheit in Georgien mit der Baramija-Gruppe unter einer Decke steckte, also von Berija dirigiert wurde. Daraufhin schrieb Stalin im nchsten Schritt : Das ZK der KPdSU vermutet, dass Genosse Rukhadse Gefngnisinsassen zu Zeugenaussagen gegen georgische Parteifhrer herangezogen habe unter Umgehung der Partei [das war genau der Arbeitsstil Berijas ! - Anmerkung der Redaktion]. Darber hinaus versteht es sich, dass Genosse Rukhadse weder das Recht hat, das georgische ZK noch die georgische Regierung zu hintergehen. Ohne deren Wissen hat er dem ZK der KPdSU ber beide georgischen Organe belastendes Material zugesandt. Das Georgische Ministerium fr Staatssicherheit ist ein Ministerium der Unionsrepublik und damit nicht nur der Zentrale in Moskau, sondern auch sowohl der Regierung als auch dem ZK der KP Georgiens unterstellt. Die Abberufung Rukhadses erfolgte auf Beschluss der georgischen Fhrung in Tiflis und wurde vom Politbro in Moskau besttigt. Rukhadse wurde nach Moskau berfhrt und inhaftiert. Damit war das Kapitel Rukhadse aber noch nicht beendet, denn er blieb auch whrend der Entstalinisierung zur Zeit Berijas und auch danach in Haft - als Chruschtschow an der Macht war. Er wusste zu viel und musste deswegen fr eine Weile aus dem Verkehr gezogen werden. Spter nahm ihn Chruschtschow in seinen Dienst. Berija hat nicht erst in seinen geheimen Sondierungen die Partei, das Auenministerium und sogar die Rote Armee bergangen. Er schtzte die Partei als Fhrerin der Arbeiterklasse schon in Georgien gering. Das zeigt, welchen Einfluss der Menschewismus dort auf ihn gehabt hat. Die Kritik an Rukhadse trifft auch auf Berija zu. Nmlich dass er der Partei keine fhrende Rolle beima: Die Macht kommt aus dem Staat und nicht aus der Partei! Der Unterschied besteht einzig darin, dass die Menschewisten diesen Irrtum in den Jahren 1906/1907 begingen, whrend das Politbro des ZK der KPJ ihn jetzt begeht, das heit 40 Jahre spter (Stalin Werke, Band 17, Seite 415, KPD/ML, Hamburg, 1973 ) Das was Stalin hier an das ZK der KP Jugoslawiens geschrieben hat am 4. Mai 1948, das htte er auch an Berija schreiben knnen. 1952 trat Stalin seinen alljhrlichen Kaukasusurlaub nicht an ! Das war auergewhnlich. War ihm vielleicht zu Ohren gekommen, dass die von ihm hinaus gesuberten Elemente Berijas schon dort seinen Mord geplant hatten? Ein Mord, mitten in Stalins Heimat ? Aber wenn Berija Stalins Macht in Moskau noch nicht direkt beseitigen konnte, so versuchte er, in Georgien seinen eigenen Einfluss zu verstrken, um den von Stalin von dort aus zurck zu drngen. Mit Untersttzung Stalins stieg Mgeladse zum Ersten Sekretr der Abchasischen Parteiorganisation auf. Er war es, der Stalin im Urlaub in Abchasien zur Seite stand. Laut Sudoplatow soll sich auch Rukhadse dort aufgehalten haben. Sudoplatow beschimpft Stalin als Denunziant, der Berija mit kompromittierenden Briefen in Verruf bringen wollte.Spter erfuhren wir, dass die VERSCHWRERCLIQUE (!!) von STALIN (!!!!!), Rukhadse und Mgeladse den Inhalt der Briefe vorher untereinander abgesprochen hatte (Sudoplatow, Der Handlanger der Macht [Berijas(!) Macht!], Seite 415). So, so Stalin ein Verschwrer und Denunziant !!!!!!!!! Stalin - ein Verschwrer und Denunziant gegen den Marxisten-Leninisten Berija !!! Stalin - der Mingrelische Verschwrer gegen Berija - Ja geht es denn noch schlimmer ?! Und so ein Element wie Sudoplatow hat im Geheimdienst am lngsten von allen eine fhrende Positionen innegehabt ?!! Und diesem Sudoplatow hatte Stalin solange vertraut, bis des-
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sen Chef Berijas Chef ermordet hatte. Kann Sudoplatow denn noch schwerer seinen eigenen Chef Berija belasten als damit, ausgerechnet Stalin zu einem Verschwrer und Denunzianten abzustempeln ?! Mit dieser selbstentlavenden Offenbarung ist Sudoplatow fr immer ein gebrandmarkter Verrter am Berijanertum geworden ! Sudoplatow beschuldigt Stalin, eine Verschwrung gegen Berija und Malenkow angezettelt zu haben, indem Stalin diese angeblich verleumdete, geheime Verbindungen mit georgischen Menschewiki und Nationalisten unterhalten zu haben (Sudoplatow, ebenda, Seite 415). Stalin auch noch ein Verleumder (!!!) - das ist schon ein starkes Stck! Wer ist denn nun der Verschwrer ? Berija und Malenkow oder Stalin ? Kann es denn fr Stalinisten wie uns von der Komintern / ML auch nur den geringsten Zweifel oder leisesten Verdacht daran geben, dass wir den Vorwurf, Stalin sei ein Verschwrer, Verleumder und Denunziant, mit absoluter Emprung zurckweisen ? Ist es nicht klar, dass wir hingegen Berija und Malenkow an den Pranger der marxistisch leninistischen Weltbewegung stellen ? Ist es nicht ein verabscheuungswrdige Hinterlist, Tter und Opfer zu vertauschen ? Und ist es nicht ein noch greres Verbrechen der Berijaner von heute, die Mingrelische Verschwrung so hinzudrehen, dass daraus umgekehrt eine Verschwrung Stalins gegen den Marxisten-Leninisten (!!) Berija wird ?? Das ist purer, blanker Trotzkismus, den man da in die heutige marxistisch-leninistische Weltbewegung eingeschleust hat !! Hiervon muss sich die marxistisch-leninistische Weltbewegung energisch und eindeutig distanzieren, wenn sie in ihrer Treue zu Stalin glaubwrdig bleiben will. Diese Demarkationslinie nicht zu ziehen, kommt einem Verrat an Stalin nahe - denn sie nicht zu ziehen, fhrt unvermeidlich zur Spaltung der marxistisch-leninistischen Weltbewegung, und dies ist wie Sudoplatow enthllt hat vom Berijanertum beabsichtigt !!! Nun, die Berijaner werden sicherlich jemanden zu verbergen gehabt haben, wenn sie bereit waren, das groe Risiko auf sich zu nehmen als Verschwrer gegen Stalin diskreditiert zu sein. Da mssen sie sich ihrer putschistischen Ziele schon sehr sicher gefhlt haben (mit den Amis im Rcken!). Ein Grund mehr, Stalins Wachsamkeit und Entschlossenheit hervorzuheben, mit den Berijanern fertig zu werden. Stalin deckte tatschlich geheime Verbindungen zu georgischen Menschewiki und Nationalisten auf. Dies kommentierte Berija beschwichtigend mit folgenden Worten Stalins Anweisungen zur Liquidierung unbedeutender Gestalten in Emigrantenkreisen stellten fr eine Gromacht keinen praktischen Nutzen dar! Was fr eine hitler-faschistische, Gromacht-chauvinistische Phrasendrescherei lsst Berija hier vom Stapel ? Whrend er, der stolze Hahn Berija, im Hahnenkorb der Gromachtgiganten vor der Kreml-Mauer napoleonisch- Furcht einflend posiert, pickt sich die alte Henne Stalin auf dem Hinterhof Russlands ein paar `kleinen Gestalten`. Ging es wirklich nur um unbedeutende Gestalten oder machte Berija sie hier extra unbedeutend, um deren ernste Gefhrlichkeit herunterzuspielen ? Wen Berija da in Wahrheit verheimlicht und deckt, das sind nicht die unbedeutenden Gestalten IN den Emigrantenkreisen, sondern die dunklen Gestalten HINTER den Emigrantenkreisen, nmlich die Hintermnner, die Finanziers der konterrevolutionren Emigrantenkreise die Westalliierten ! Imperialisten kann man ja nun wahrlich nicht als unbedeutende Gestalten bezeichnen, oder ?! Und in der Tat - es ging bereits konkret um Stalins Koordinierung einer Aktion gegen die USA, die schon einen Block sowjet-feindlicher Nationen zusammengestellt hatte: Kerenski sollte diesen konterrevolutionren Militrblock anfhren. Wie Lenin die so genannten unbedeutenden Gestalten in Emigrantenkreisen einschtzte, wollen wir dem Leser nicht vorenthalten: Heute gibt es kein Land in Europa, in dem es nicht weigardistische Elemente gbe. Die russischen Emigranten zhlen an die siebenhunderttausend [700 000!!]. Das sind geflchtete Kapitalisten und jene Masse der Angestellten, die sich der Sowjetmacht nicht anpassen konnte. Diese dritte Kraft sehen wir nicht, sie ist ins Ausland gegangen, aber sie lebt und wirkt im Bunde mit den Kapitalisten der ganzen Welt, von denen sie ebenso untersttzt wird wie Koltschak, Judenitsch und
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Wrangel, untersttzt wird durch Finanzierung und untersttzt wird auf andere Art und Weise, weil die Kapitalisten ihre internationalen Verbindungen haben (Lenin, Band 32, Seite 286). Und Lenin przisiert, dass es sich nicht etwa um Flchtlinge handelt, sondern um direkte Helfershelfer des Weltkapitals, die von ihm ausgehalten werden und gemeinsam mit ihm vorgehen (ebenda, Seite 287). In einem Gesprch ber Italien, dass Genosse Stalin mit Genosse Enver Hoxha im Jahre 1947 fhrte, ist folgender Rat Stalins an Enver Hoxha zu entnehmen: Die Anglo-Amerikaner werden dort Sttzpunkte zu schaffen versuchen, sie werden sich bemhen, die Reaktion zu organisieren und die Regierung von de Gasperi zu strken. Ihr msst in dieser Richtung wachsam sein, damit ihr wisst, was die albanische Emigration dort treibt (in: Enver Hoxha, Begegnungen mit Stalin, Seite 69, Dortmund, KPD/ML, 1980). Und tatschlich hatten die Amerikaner kurze Zeit darauf Diversantengruppen ber Albanien mit dem Fallschirm abgesetzt, wobei die Allbaner einige tten und die anderen gefangen nehmen konnten. Mit der Mingrelischen Verschwrung wurde auch von den Anglo-Amerikanern versucht, ein Sttzpunkt in Georgien zu schaffen, um mit Hilfe von Berija dort die Reaktion zu organisieren. Und Stalin war natrlich wachsam, was die georgischen Emigranten im Ausland trieben, nmlich die Mingrelische Verschwrung von auen zu untersttzen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, was Sudoplatow in seiner Autobiographie ber Berija erwhnte: Berija schien darauf versessen zu sein, seine alten persnlichen Verbindungen zu nutzen. Er kannte eine Reihe von georgischen Adligen im Westen, die ihm Gerchte ber unermessliche Schtze in entlegenen Verstecken des Kaukasus unterbreiteten (Sudoplatow, Seite 114). Wir fragen: Wozu unterbreiteten dies ausgerechnet die georgischen Adligen BERIJA?? Es ist bekannt, dass in Berijas Verwandtschaft eine ganze Reihe Mitglieder der Menschewiken-Regierung in Georgien waren, zu denen Berija vertraulichen Kontakt im Westen hatte. Sudoplatow weist ferner auf einen gewissen Frst Radziwill hin, dessen Kontaktmglichkeiten zu Gring vom sowjetischen Geheimdienst angeblich berschtzt worden seien (Sudoplatow, Seite 148). Warum schrieb dieser Frst aber in seinen Memoiren ber Berija, dass dieser zum Abschied zu ihm gesagt habe: Frst, Leute wie Sie brauchen wir! (Polski Slownik Biograficzny, Warschau 1987, Band 30, Seite 215-225). Stalin lie 1951 Schawdija verhaften als mingrelischen Nationalisten und Nazikollaborateur. Schawdija war der Neffe von Berijas Frau. Stalin wusste also, warum er die Menschewiki und ihre Kontakte zur finstersten Reaktion, nicht unterschtzen durfte. Wenn also Berija von einer berschtzung der unbedeutenden Gestalten in Emigrantenkreisen spricht, macht er sich zum Erfllungsgehilfen des Menschewismus als direkter verlngerter Arm des Weltkapitalismus. Das Lager der georgischen Emigranten war alles andere, als einheitlich, das Lager der georgischen Menschewisten und Nationalisten und Faschisten war nicht weniger einheitlich. Sie alle waren wie Krebse, die sich gegenseitig zerfleischten, um die Gunst der Imperialisten fr sich allein zu beanspruchen. Die georgische Emigrantenreaktion belebte sich jedes Mal , wenn sich in Georgien der Klassenkampf der Sowjetfeinde in Georgien verschrfte. Die Imperialisten sorgten stets dafr. Aber Stalin sorgte seinerseits stets dafr, dass sich das georgische Volk von allen seinen Feinden, den ueren wie den inneren, befreien konnte und es hat es bis heute nicht vergessen und wird es nicht vergessen. Die bit-
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teren Erfahrungen des georgischen Volkes mit Berija, das georgische Volk des lieben Friedens willen den Imperialisten zu opfern, haben niemals dazu gefhrt, das Vertrauen in ihren wahren Freund und georgischen Sohn zu verlieren in den Genossen Stalin. Heute ist allgemein bekannt, dass die USA-Imperialisten militrische Operationen auf dem Hoheitsgebiet der UdSSR mit Geld und Waffen untersttzten und hierzu die Exilregierungen hochpppelten. Wir nehmen an, das die USA dabei um Georgien keinen Bogen gemacht haben. Und wir sind fest davon berzeugt, dass Stalin die Rote Armee ohne zu zgern in Marsch gesetzt htte, wenn sich das amerikanische Kommando nicht aus den Angelegenheiten Georgiens zurckgezogen htte. In der Ukraine floss Geld von 1949 -1953. 1953??? - Tja, nach Stalins Tod hatten die Amis ja Berija, dem berlieen sie dann das Kommando in der Ukraine, wenn ihm Chruschtschow dieses Kommando auch genauso schnell wieder abnahm, was der CIA nicht verhindern konnte oder wollte ! brigens der Putsch- und Mordversuch an Enver Hoxha im Jahre 1950 geht ebenfalls auf das Konto der USImperialisten ! Und in Polen wurden konterrevolutionre Militrverbnde von 1950-1952 untersttzt, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Nebenbei (!!!) bemerkt, hat Berija auch das Radio der Amis benutzt ? oder die Amis Berija benutzt?, um die Mingrelische Verschwrung ffentlich in ihrer verdrehten, antistalinistischen Version zu prsentieren. Durch das Radio der Amis ist ja erst die Geschichtsflschung der Mingrelischen Verschwrung in Umlauf gesetzt worden !! Die Berijaner ein Sprachrohr der Imperialisten !! Diese Flscher-Version ging im ganzen Westen durch die Presse. Sie richtete sich weder gegen Berija, noch gegen die Mingrelischen Verschwrer, sondern gegen Stalin, gegen die Sowjetunion !!! Warum nur versuchte Bill Bland, diese Flscherversion mit einem eigens dazu angefertigten Artikel zu erhrten anstatt sie zu entkrften ?? Stalin leitete darauf hin eine Reihe von Gegenmanahmen ein, um die Wachsamkeit in den Unionsrepubliken zu erhhen. Stalin plante Sabotageaktionen gegen die NATO, insbesondere in Gebieten, die an die SU angrenzten, Erdl , Hafen, Flughafen, Militrsttzpunkte , Pipelines usw. 1952 Aktionsplan fr strategisch wichtige Sabotage im Falle eines Krieges mit USA und NATO, bzw., im Falle lokaler Konflikte, von Abakumows Nachfolger Ignatew und Verteidigungsminister Wasilewski- Plan von Sudoplatow und GRU-Direktor Sacharow unterzeichnet. Gleichzeitig degradierte Stalin Berija, um dessen Handlungsspielraum empfindlich einzuschrnken, die Zusammenarbeit mit den Westmchten von Moskau aus zu lenken. Mit Manahmen begann Stalin am 9. November 1952. In der Politbro-Resolution vom 9. November 1952, die an smtliche Unionsrepubliken versandt wurde, verurteilte Stalin die Vetternwirtschaft in den Unionsrepubliken. Er gab darin klar und deutlich zu verstehen, dass Verste hart bestraft wrden. Insbesondere war das eine Warnung an Berijas Netzwerk in Georgien und zeigt uns, dass Berijas Stuhl bereits wackelte und er bei Stalin in Ungnade gefallen war. Nun kommt `s: Stalin bestand darauf, dass ausgerechnet Berija den Vorsitz auf dem April-Plenum des ZK der KP Georgiens fhren sollte, um sich und seine Kumpanen vor den Parteimitgliedern zu demaskieren. Gerissen wie Berija war, startete dieser ein Gegenmanver, um sich geschickt aus der Klemme heraus zu winden. Stalin hatte ihm zwar eine Niederlage beschert, aber er fand Wege und Mittel, um sie unbeschadet zu berstehen (wie immer!). Chruschtschow und Berija hatten schon andere Lektionen berstanden, die ihnen Stalin in den Jahren 1951-1952 erteilte. Nach dem XIX. Parteitag wusch Stalin auch Molotow und Mikojan den Kopf und Stalin verpasste schlielich auch Bulganin eine gehrige Lektion. Stalin lie mit seiner scharfen Kritik kein einziges Prsidiumsmitglied aus ! Er behielt bis zu seinem Tod die Hand ber den Staatssicherheitsdienst und gab diesen nicht aus der Hand. Stalin hat den anti-leninistischen, und zudem Macht gefhrdenden, Zustand einer Herrschaft von Staat oder Armee ber die Partei in seinem ganzen Leben nie zugelassen, sondern deren Macht zurech-
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tgestutzt, wenn von dort aus ber den Kopf der bolschewistischen Partei entschieden und gehandelt worden wre. Und da machte er bei Berija keine Ausnahme. Stalin musst sich eines Scheinmanvers bedienen, um Berijas verbrecherischen Plne zu durchkreuzen. Fr Stalin war die Mingrelische Verschwrung nicht ein vorgeschobener Grund, die die Kompromittierung Berijas bezweckte, um damit die gut getarnten und daher schwer nachzuweisenden verbrecherischen Plne Berijas nmlich die Sowjetunion von Stalin, vom Stalinismus, zu befreien zu vereiteln, also Berija im letzten Augenblick zuvorzukommen. Stalin verteidigte in Mingrelien die UdSSR vor ihrer Machtbernahme durch Berija. Kann da ein Marxist-Leninist etwa anderer Auffassung sein als Stalin? Berija startete seinerseits ein Scheinmanver mit dem Ziel, jene berreste der konterrevolutionren Krfte in Georgien zu schtzen, die sich noch in ihren Schlupfwinkeln versteckt hielten, um Stalins Suberung zu entgehen. Wenn man also von einem Scheinmanver der Mingrelischen Verschwrung spricht, muss man sehr wohl das marxistisch-leninistische und das revisionistische Scheinmanver sauber voneinander trennen, drfen diese beiden Scheinmanver weder vermengt noch in ihr Gegenteil verkehrt werden. In Transkaukasien kmpften nicht der Marxist-Leninist Berija und der Marxist-Leninist Stalin in einer Front gegen irgendwelche ominsen Mingrelischen Verschwrer, sondern hier kmpfte der Marxist-Leninist Stalin gegen Berija, den revisionistischen Anfhrer der Mingrelischen Verschwrer, um die leninistische KPdSU (B) zu verteidigen, so wie Stalin dies auch schon zu Lenins Zeiten gegen die Feinde der SDAPR in Transkaukasien tat. Die transkaukasischen Vlker standen stets auf Seiten Stalins im Kampf gegen Stalins Feinde, denn Stalins Feinde waren auch die Feinde der transkaukasischen Vlker. Stalin kmpfte nicht etwa deswegen gegen die Mingrelische Verschwrung, weil es sich um eine Verschwrung in seiner Hochburg handelte (so eitel war Stalin nicht), sondern weil hier nicht nur die Vlker Transkaukasiens, sondern auch die ganze Sowjetunion durch das Eindringen des amerikanischen Imperialismus vermittels subversiver, konterrevolutionrer, nationalistischer Krfte ganz konkret, direkt und unmittelbar bedroht war. Deswegen sprach Stalin (im Gegensatz zu Bill Bland) nicht von nationalen, sondern von internationalistischen Kadern. Nicht nationale Kader bilden das Rckgrat des sowjetischen Systems, sondern die internationalistischen Kader aus allen Sowjetrepubliken ohne zwischen russischen und nichtrussischen Sowjetrepubliken auch nur den kleinsten Unterschied zu machen: Wir drfen nicht vergessen, dass unsere kommunistischen Organisationen in den Randgebieten, in den Republiken und Gebieten, sich nur dann entwickeln und festen Fu fassen knnen, nur dann zu wirklich internationalistischen marxistischen Kadern werden knnen, wenn sie den Nationalismus berwinden (Stalin, Band 5, Seite 270). Wir mssen unbedingt den Kampf an zwei Fronten fhren, denn nur wenn wir den Kampf an zwei Fronten fhren auf der einen Seite gegen den grorussischen Chauvinismus, der die Hauptgefahr in unserer Aufbauarbeit bildet, und auf der anderen gegen den lokalen Chauvinismus kann Erfolg erzielt werden (Stalin, Band 5, Seite 234). Drohen die Rechten durch ihre Nachgiebigkeit gegenber dem Nationalismus das Wachsen unserer Kommunistischen Kader in den Randgebieten zu erschweren, so droht von den `Linken` der Partei die Gefahr, dass diese, von ihrem versimpelten und berstrzten `Kommunismus` hingerissen, unsere Partei von der Bauernschaft und den breiten Schichten er einheimischen Bevlkerung loslsen (Stalin, Band 5, Seite 272-273).
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Stalin hatte sich nicht etwa deswegen fr Berija entschieden gehabt, weil er sein Landsmann war, sondern weil er diesen irrtmlich fr einen aufrechten Tschekisten hielt und irrtmlich glaubte, diesem hohe mter in Moskau anvertrauen zu drfen. Und er hat schlielich und endlich diesen Irrtum mit seinem eigenen Leben bezahlen mssen. In welcher Sozialistischen Republik lie sich unaufflliger, leichter und ungestrter im Namen Stalins gegen Stalin kmpfen, als in der Sozialistischen Republik Georgien, in Stalins Heimat und Hochburg?! Wer ber Georgien herrscht, der herrscht ber Stalin das war der Plan, den Stalin durchschaute und durchkreuzte. An der Beseitigung Stalins war Berija interessiert, aber dafr musste er erst Georgien, die festen Wurzeln Stalins, unter seinen Einfluss bringen dazu diente ihm die Mingrelische Verschwrung. Berija (Halbjude) war ein Neffe von Stalin genauer: Groenkel einer Cousine von Stalins Mutter. Berijas Schwiegertochter war Enkelin von Maxim Gorki . Berijas Sohn und Mutter wurden nach Sibirien deportiert. Berijas Werdegang hat aber nichts mit Gnstlingswirtschaft zu tun. Im Gegenteil: Berijas Verwandtschaftsverhltnis zu Stalin war eher ein Nachteil fr ihn. Denn Stalin hatte den Ruf absoluter Unbestechlichkeit und Unbeeinflussbarkeit. Dies stellte er auch demonstrativ unter Beweis, indem er Verwandte eher benachteiligte, damit auch nicht der leiseste Verdacht von Vetternwirtschaft aufkommen konnte. Berija musste dreimal so lange auf Befrderung warten wie andere, die an Berijas Geheimdienstfhigkeiten nicht heranreichten. Stalin macht in seiner Rede ber die rechte Abweichung in der KPdSU (B), die er im April 1929 hielt, darauf aufmerksam: Wir sind kein Familienkreis, keine Innung persnlicher Freunde, sondern die politische Partei der Arbeiterklasse. Man darf nicht zulassen, dass die Interessen persnlicher Freundschaft ber die Interessen der Sache gestellt werden (Stalin Band 12, Seite 1). Das Gleiche gilt natrlich auch gegenber Verwandtschaftsverhltnissen. In seinem Schlusswort ber die Mngel der Parteiarbeit wendet sich Stalin strikt gegen Sippen- und Vetternwirtschaft: Es ist klar, dass eine solche Sippenwirtschaft einen gnstigen Boden abgibt fr die Zchtung von Speichelleckern, von Leuten, die jeglichen Gefhls eigener Wrde bar sind und deshalb mit dem Bolschewismus nichts gemein haben (Stalin Werke, Band 14, Seite 148). Und so ein Speichellecker war Berija, der mit dem Bolschewismus nie etwas gemein hatte. Stalin machte auch auf das sich gefhrlich verselbstndigende Mittelstck in Partei- und Regierungsorganisationen aufmerksam, das den Grundstzen der Auswahl und Verteilung widerspricht: Auerdem wollten sich diese Genossen, als sie sich persnlich ergebene Leute als Mitarbeiter heranholten, offenbar ein Milieu schaffen, das ihnen eine gewisse Unabhngigkeit sowohl gegenber den rtlichen Funktionren als auch gegenber dem ZK der Partei sichern sollte (ebenda, Seite 148). Genossen, hier zeigt Stalin direkt auf das Milieu des reaktionren, neuen Kleinbrgertums in der UdSSR, das nicht nur in der Partei, sondern auch im Staat seine Geburtssttte und Nhrboden gefunden hatte. Unabhngigkeit von der Diktatur des Proletariats in der Grauzone der mittleren Ebene bis zur Tollheit der Unterwrfigkeit nach oben und der berheblichkeit nach unten: Aber die theoretische, abstrakte Anerkennung dieser Wahrheiten bewahrt die revolutionren Parteien noch keineswegs vor den alten Fehlern, die stets aus unerwarteten Anlssen, in etwas neuer Form, in frher noch nicht gekannter Verhllung oder Umgebung, unter originellen mehr oder weniger originellen Umstnden auftreten (Lenin, Werke, Band 31, Seite 17). Dies traf sicherlich auch auf die berijanischen Verschwrer in Mingrelien zu, die sich sowohl eine gewisse Unabhngigkeit gegenber den Funktionren Georgiens als auch gegenber dem ZK der Partei sichern wollten nicht zuletzt auf dem 14. Parteitag der KP Georgiens.
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Wir wissen nicht, ob der 14. Parteitag der KP Georgiens im Januar 1949 zwei verschiedene Gruschreiben abgeschickt hat, das eine an Stalin und das andere an Berija, wie es Genosse Bill Bland zitiert hat. Und wir wissen auch nicht, ob Genosse Bill Bland damit zum Ausdruck bringen wollte, wie sehr die KP Georgiens damit ihre Geschlossenheit gegenber der Einheit von Stalin und seinem Landsmann und Kampfgefhrten Berija demonstrieren wollte oder nicht. Aber wenn es so wre, msste man schon erstens wissen, was denn drin gestanden hat, zweitens wodurch sich beide unterschieden und drittens ob diese verschiedenen Gruschreiben von den gleichen Genossen zur Beschlussfassung auf dem 14. Parteitag eingebracht wurden (wohl eher von den Berijanern, die in Georgien Berijas Personenkult huldigten, und kaum von den Stalinisten, fr die Berija nie ein unbeschriebenes Blatt war und ihn genauso ablehnten wie sie ihn frchteten!) oder etwa durch Vertreter zweier verschiedener Fraktionen. Wir drfen darber nicht spekulieren, um damit irgend etwas zu beweisen. Aber diese Tatsache an sich entspricht eigentlich nicht den blichen Gepflogenheiten des demokratischen Zentralismus einer bolschewistischen Partei und man muss ber so einen Vorgang hellhrig werden. Denkbar wre es deshalb durchaus, dass dies ein Indiz fr die Existenz von Fraktionen gewesen sein knnte oder dass dies mglicherweise schon eine Indiz fr eine bevorstehende Spaltung in der KP Georgiens bedeutet haben knnte - zwischen Stalinisten und Berijanern. Belegbare Tatsache ist jedenfalls, dass Berija in Georgien einen exzessiven Personenkult um sich betrieben hatte. Mit einem Gruschreiben extra an Berija wre das nach dessen Machtergreifung sicherlich von Vorteil, um keine all zu bse berraschung zu erleben, wenn er sich nach Stalins Tod wieder in Georgien blicken lie. Gewiss stand Berija vor der Aufgabe, die KP Georgiens auf seine Verschwrung gegen Stalin indirekt vorzubereiten und sie geschickt auf seine Seite zu ziehen, eine Aufgabe, die sich ohne Scheinmanver unmglich bewerkstelligen lie. Berija nutzte den 14. Parteitag in seinem Sinne gegen Stalin aus. Soviel steht fest. Ob aber berhaupt ein Gruschreiben an ihn abgesandt werden konnte oder nicht, wre fr Berija wohl als Stimmungsbarometer auf dem Parteitag ber das dortige Krfteverhltnis der Stalinisten und Berijaner in der KP Georgiens zu werten gewesen. Die Einschtzung dieses Krfteverhltnisses war fr Berija zweifellos taktisch bedeutsam fr die Planung seiner Mingrelischen Verschwrung. Allerdings drfte ein Gruschreiben der KP Georgiens an ihn bestimmt kein Freibrief gewesen sein. Der Aufstand der Stalinisten wurde 1956 in Georgien blutig zusammengeschossen. Der Genosse Bill Bland schreibt ber die Mingrelische Verschwrung: Der Angriff auf die georgischen Marxisten-Leninisten wrde von den Marxisten-Leninisten anderswo nur als ein grundloser, provokatorischer Akt aufgefasst werden knnen. Wie soll das verstanden werden ? Grundstzlich kennen wir keinen einzigen Fall in der Geschichte der bolschewistischen Partei, wo ein Angriff auf MarxistenLeninisten von Marxisten-Leninisten anderswo jemals als ein grundloser provokatorischer Akt aufgefasst worden sei, denn jeder Angriff auf diese oder jene Marxisten-Leninisten kann gar nichts anderes sein als ein provokatorischer Akt gegen alle anderen Marxisten-Leninisten. Und wir kennen ebenso wenig einen einzigen Fall, wo Marxisten-Leninisten von ihren Feinden grundlos angegriffen worden wren. Konkret gibt es natrlich ungezhlte Flle, wo die Feinde der Marxisten-Leninisten ihren wahren Grund hinter einem vorgetuschten Grund zu verbergen trachteten, um die Genossen irrezufhren. Und in der Tat war Berija viel zu schlau, um seinen Angriff ganz plump und offen auf Stalin vorzutragen, denn seinen Kopf brauchte er ja noch, um Stalin umzubringen. Ihm blieb doch gar nicht anderes brig, als sich das Mntelchen eines Marxisten-Leninisten umzuhngen solange Stalin noch lebte. Und er investierte Einiges, um sich als Marxist-Leninist in Pose zu bringen. Natrlich hatte Berijas Scheinmanver das Ziel zu gegebener Zeit, d.h. nach der Ausschaltung Stalins und seines Apparats einzugreifen. Und genau das hat er ja auch selber mit eigenen Taten nicht nur in Transkaukasien bewiesen, nachdem Stalin tot war. Also, Stalin in Worten gegen ein Scheinmanver zu verteidigen und ihn in Taten gegen ein Scheinmanver zu verteidigen, ist bei Marxisten-Leninisten identisch, aber nicht so bei Feinden der Marxisten-Leninisten. Und wie wir gesehen haben, gehrte Berija zu der letzteren Kategorie.
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Fr uns Weltbolschewisten kann es im globalen Klassenkampf, in der sozialistischen Weltrevolution, prinzipiell nur zwei Taktiken von Scheinmanvern geben: Erstens das Scheinmanver Im Interesse des Weltproletariats, um dessen Position zu strken und die Weltbourgeoisie zu schwchen. Zweitens das Scheinmanver im Interesse der Weltbourgeoisie, um ihre Position zu strken und die des Weltproletariats zu schwchen. Irgendein Scheinmanver, das angeblich dazwischen liegen soll, gibt es nicht und kann es nicht geben. Dass sich das Ministerium fr Staatssicherheit in der Gewalt heimlicher Feinde befunden hat, und das es sich in Georgien schwerer Justizverbrechen schuldig gemacht hatte, das hatte Stalin schon vor seiner Ausschaltung nachgewiesen, wie wir oben an Rukhadses Verhaftung durch Stalin gesehen haben. Und Berija hat nach der Ausschaltung Stalins die Unschuld der rzteverschwrer bewiesen und konterrevolutionre Verbrecher rehabilitiert, die unter Stalin gesessen haben. Es war Berija, der Stalins Justizirrtmer berichtigt hatte, kaum dass Stalin eine Woche Tod war und ohne dass den rzteverschwrern berhaupt der Prozess gemacht worden war. Dies sollte im Mrz 1953 geschehen und brauchte im Mrz 1953 nicht mehr geschehen dank Berija konnten die Prozesskosten gespart werden ...und dass dabei die Verbrechen von Berija gar nicht erst ans Tageslicht kommen konnten, dafr hatte Berija in allerletzter Sekunde gesorgt. Bill Bland zitiert in seiner Schrift: Am 24. Mai 1951 " ... gab der Sender 'Stimme Amerikas' bekannt, dass ... er ab Samstag in georgischer Sprache senden wrde," ('New York Times', 25. Mai 1951, S. 21). Wir fragen: Wieso kndigten die Imperialisten das ausgerechnet im Zusammenhang mit der Mingrelischen Verschwrung an ? Damit die georgischen Emigranten darber ihre verdeckten Einsatzdirektiven bekamen ? Wie konnten sie von der internationalen Brisanz der Mingrelischen Verschwrung vorher informiert gewesen sein ? Weil sie selber eine ihrer Initiatoren waren ? Wollten die US-Imperialisten fr ein paar Mingrelier die Freiheit erkmpfen oder beabsichtigte die Stimme Amerikas auf Grund von Quellen aus allerhchsten Fhrungskreisen Moskaus, die Sturmglocken gegen Stalin zu luten? Warum pltzlich eine so eifrige propagandistische Geschftigkeit der Imperialisten ausgerechnet in Georgien? Wollten sie das georgische Volk zum Aufstand gegen Stalin provozieren ? Wussten die schon eher, was auf Stalin zukommen sollte als Stalin selbst ? Nein, Stalin war hierber informiert und leitete Gegenmanahmen ein. Mussten nicht schon lngere Verbindungen zu den USA bestanden haben, damit die Radiologistik berhaupt rechtzeitig zum Einsatz kommen konnte ? Ja, die Imperialisten waren ber Georgien schon informiert, bevor es berhaupt sozialistisch geworden war ! Die Amis wussten ber Georgien Bescheid. Sie htten sich nicht einfach nur auf blauen Dunst auf so ein Manver eingelassen. Sie gingen das Risiko der Spekulation ein, weil sie sich ihrer Sache sehr sicher gewesen sein mussten. Stalin machte ihnen einen Strich durch die Rechnung und das war der Grund, weswegen sie sich veranlasst fhlten, demonstrativ ihre Hnde in Unschuld zu waschen. Genau das war der Grund, weswegen ihnen die Geschichtsflschung ber die Mingrelische Verschwrung so wichtig war. Warum hat sich Bill Bland dafr her gegeben, diese amerikanische Geschichtsflschung auch noch durch den Marxisten-Leninisten Berija zu untermauern ? Gegen wen richtete sich also die Stimme Amerikas? Sie richteten sich gegen Stalin, und zwar genau in dem Moment, wo er die von den USA bestochenen Feinde in Georgien hinweg suberte. Die Mingrelische Verschwrung war also auch ein unvermeidliches Scheinmanver der Amis, um den ans Licht gekommenen Bestechungsskandal von sich auf Stalin zu lenken ! Aber die historische Wahrheit kann niemals vertuscht werden: Die Nationalisten, die gromulig die Nation retten wollten, htten Georgien gern fr ein paar Dollar an die Imperialisten verkauft ! Und so dachten die Imperialisten das ganze georgische Volk kaufen zu knnen, weil sie dem Irrglauben erlagen, der Kommunismus sei in Georgien eine Art Fremdkrper, etwas, was von Russland aus exportiert worden sei, also dass dafr keinerlei Basis in Georgien vorhanden sei und sie leichtes
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Spiel htten. Die Imperialisten waren der Meinung, dass Georgien ihnen die Fe kssen wrde, wenn man es nur vom Kommunismus befreien wollte. Sie versuchten, Georgien in eine Barrikade gegen den Kommunismus zu verwandeln, weil sie es fataler Weise fr einen Pfahl im Fleische des Kommunismus hielten. Diesen Irrtum erlagen die Imperialisten auch gegenber Albanien: Je mehr Niederlagen die Nazis erlitten, je strker der Nationale Befreiungskampf in unserem Land und in anderen Lndern wurde, desto gefhrlicher wurde der anglo-amerikanische Imperialismus. Dieser Feind war wild, hatte sich mit demokratischen Losungen getarnt und bezeichnete sich selbst als anti-faschistisch. In Wirklichkeit war er durchtrieben, operierte machtvoll und stets getarnt und hatte die feste Absicht, von der Situation zu profitieren, um seine eigene Hegemonie ber die Vlker der Welt zu errichten. Es gab viele, die das vergaen, die ihn unterschtzten, die Kommunistische Partei Albaniens und ihre Fhrung hingegen lie ihm gegenber niemals die Wachsamkeit sinken. In allen Augenblicken blieben wir hellwach, um seine Plne zu durchkreuzen, und durchkreuzten sie tatschlich einen nach dem anderen. Die Englnder verstrkten den Druck auf uns, whrend wir unsere sthlerne Faust gegen sie erhoben (Enver Hoxha, Anglo-amerikanische Machenschaften in Albanien-Erinnerungen, Tirana 1982, Seite 347). Die Amis taten zu diesem Zweck alles, um Berija zu helfen, Stalins Suberungen in Georgien zum Scheitern zu bringen. Inwieweit sie dabei direkt terroristische Manahmen ergriffen wissen wir nicht, aber wir gehen davon aus, denn das gehrte und gehrt zum festen Repertoire der amerikanischen Geheimdienste. Und Berija war offensichtlich der Auffassung, alle Figuren auf seiner eigenen Welt-Bhne fr sich tanzen zu lassen. Er wusste nicht nur ber die Befehle der Imperialisten, sondern auch ber die Befehle Stalins Bescheid, und meinte seine eigenen Befehle hinter beiden Seiten verbergen und zu seinem eigenen Vorteil kombinieren und ummodeln zu knnen, wie er es schon hundert Mal vorher erfolgreich praktiziert hatte. Seine Selbstberschtzung bestand darin, aus dem Interessengegensatz zwischen der UdSSR und den Imperialisten bezglich Georgiens seinen eigenen Vorteil zu ziehen, beide besiegen und in Schach halten zu knnen. Anstatt ber die Wahrheit die stalinschen Suberung der Nationalisten zu berichten, untersttzte die Stimme Amerikas alle konterrevolutionren georgischen Krfte, die sich mit den USA vereinigt hatten. Nur von der Hauptfigur ihres Spiels, von Berija, durften sie natrlich nichts berichten, denn den brauchten sie ja noch in Stalins Zimmer. Wer verfgte ber einen Geheimdienstapparat in der UdSSR, der in der Lage war, mit den USA - von Stalin unbemerkt [!!!] - in Kontakt zu treten ? Darber verfgte nur ein Berija. Er hatte von den Imperialisten den Auftrag bekommen, in die kommunistische Bewegung Georgiens hineinzuwirken, um sie zu schwchen, zu spalten und reaktionre Elemente in sie hineinzuschleusen. Mit 100% iger Sicherheit wurden die Amerikaner nur aus einem Grund pltzlich so aktiv. Sie mussten von Berijas Leuten die Information zugespielt bekommen haben, dass mit der Mingrelischen Verschwrung ein geplanter Sturz Stalins kurz bevor stand. Die eingeschaltete Prsenz der Weltffentlichkeit lsst nur einen Schluss zu: Die Kurswende in der UdSSR stand bevor und dieses sensationelle Ereignis auszuschlachten, wollten sie auf keinen Fall verpassen. Wahrscheinlich wollte sich Berija rechtzeitig als Retter feiern lassen und sich einen vordersten Platz an der Spitze jener neuen russischen Regierung sichern, die von den USA nach Stalins Sturz offiziell anerkannt und gelobt werden wrde. Vielleicht ist Stalin seinem Umsturz zuvor gekommen, den er den Amis schon versprochen hatte und stand nun unter Glaubwrdigkeitsdruck bei den Amerikanern, was ihn zum Ziehen der Notbremse veranlasst haben knnte. So htte der Umsturz nur noch mit dem Mord an Stalin gerettet werden knnen. Die USA konnten nicht die UdSSR direkt berfallen, aber propagandistisch, militrisch und
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wirtschaftlich sehr wohl dafr sorgen, dass die antistalinistischen Krfte in Georgien untersttzt werden, und zwar so weit wie es fr den Umsturz der UdSSR ntzlich und erforderlich war. Welchen konterrevolutionren Einfluss die USA auf die Mingrelische Verschwrung ausgebt hatten, um den Sturz Stalins zu beschleunigen, darber hatte Bill Bland leider kein Wort verloren. Indem er sich aber der Propagandaquellen der US-Imperialisten bediente, half er uns auf die Spur zur Wahrheitsfindung. Bill Bland hat nicht ein einziges offizielles Dokument der KPdSU, der Prawda oder so, zitiert. Auch von Politbrobeschlssen keine Spur nichts von Alledem. Die offizielle Haltung der Regierung der UdSSR spielte fr ihn berhaupt keine Rolle bei seiner Beurteilung der Mingrelischen Verschwrung. Was uns stutzig macht, das ist, dass er Stalins Politik gar nicht ausdrcklich hervorhebt und wrdigt, sondern ihn nur im Zusammenhang mit dem Marxisten-Leninisten Berija erwhnt. Vielleicht war es fr Bill Bland nicht mglich, offizielles sowjetisches Material zu beschaffen, aber zumindest htte er doch wenigstens den Versuch machen mssen, sich in die Georgien-Politik Stalins hineinzudenken und seine politische Linie in Georgien zu verdeutlichen. Der Chronologie der von Bill Bland dargestellten Ereignisse fehlt somit ihre grundlegende ideologische Auswertung und Verteidigung der in Georgien vertretenden Sowjetpolitik Stalins. Das halten wir fr mangelhaft und einseitig. Bill Bland zitiert Nachrichten, die westlichen Diplomaten zugespielt (!!!) wurden. Von wem, sagt er nicht, obwohl gerade dies beweist, dass man in Georgien hinter dem Rcken Stalins eben diplomatisch (geheimdienstlich!) gearbeitet hatte. Und in der Tat ist die Mingrelische Verschwrung eine zugespielte Verschwrung. Eine Imperialistische Diplomatenttigkeit von unbedeutenden Gestalten aus Mingrelischen Hinterhfen ? Wer soll das glauben ? Bill Bland zitiert die New York Times. Er zitiert brgerliche Autoren wie David Lang, Moderne Geschichte Georgiens; John Ducoli; Die georgischen Suberungen 1951-53, in: Kaukasische Rundschau, Band 6, 1958, S. 55, R. Conquest; C. H. Fairbanks jr. usw. usf. Warum sttzt er sich ausschlielich nur auf anti-stalinistische Quellen? Dagegen ist natrlich nichts einzuwenden, aber es ist uns unverstndlich, dass er diese Quellenaussagen unkritisch als Tatsache bernimmt, um zu beweisen, dass dort Marxisten-Leninisten und nicht umgekehrt Konterrevolutionre gesubert worden wren - wie es eintrchtig aus allen von ihm verwendeten brgerlichen Quellen hervorgeht. Bill Bland wei doch, dass man brgerlichen Quellen nicht blind vertrauen kann, dass man sie kritisch berprfen muss mit Hilfe des Marxismus-Leninismus. Sehr befremdlich mutet es uns an, wenn der Genosse Mgeladze, der laut Prawda vom 6. Juni 1952 ( die schlielich das Sprachrohr der KPdSU (B) unter Fhrung des Genossen Stalin (!!) war ) vom Plenum des ZK der KP Georgiens als Erster Sekretr gewhlt wurde, von Bill Bland allerdings ganz im Gegensatz dazu als heimlicher Revisionist bezeichnet wird. Mgeladse hat Stalins Direktiven lediglich ausgefhrt. Da wir davon ausgehen, dass Bill Bland den Genossen Stalin nie als heimlichen Revisionisten eingeschtzt hat, muss man also davon ausgehen, dass Mgeladse einen marxistisch-leninistischen Auftrag fr Stalin ausgefhrt hat. Aus welchem Grund auch immer dieser ihn ausgefhrt hat, das ndert nichts an der Tatsache, dass er ihn ausgefhrt hat und das ist das Entscheidende. Stalin war `s zufrieden, jedenfalls nach dem, was er hierber verffentlichen lie. Also muss man doch erst einmal diejenigen verteidigen, die sich in den Dienst Stalins gestellt haben und darf sie nicht unbegrndet als heimliche Revisionisten einschtzen. Stalin hat die Untersuchungen persnlich gelenkt und wir trauen ihm durchaus zu, dass er ein Kenner der Vorgnge in seiner eigenen Heimat war, dass er dort sehr wohl Freund und Feind unterscheiden konnte und dass er auch bis zu seinem Tod seine Entscheidungsbefugnisse nicht aus der Hand gegeben hat. Die Untersttzung bei der stalinschen Suberung der Berijaner hatte Genosse Mgeladze also im direkten Auftrag des Genossen Stalin vorgenommen, weswegen wir ihn in dieser Hinsicht bedingunslos in Schutz nehmen mssen. Warum
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hat das Bill Bland nicht auch getan ? Das wre fr ihn als Stalinfreund Pflicht gewesen, auch wenn er persnlich anderer Meinung war. Die von Stalin Gesuberten waren alles Parteignger, die Berija persnlich vorgeschlagen hatte. Konnte sich Berija geirrt haben, wen er da vorgeschlagen hatte ? Im Einzelfall vielleicht, aber bei 400 Funktionren ist das wohl eher unwahrscheinlich. Warum sollte Stalin all diese marxistisch-leninistischen Berijaner hinaussubern ? Warum suberte Stalin nicht die Gegner des Marxisten-Leninisten Berija hinaus, sondern ausgerechnet und ausschlielich die Berijaner ???? Hierauf gibt Bill Bland keine Antwort. Was sollen wir tun ? Was sollen wir glauben ? Wir knnen und wollen nicht glauben, dass Bill Bland absichtlich Berija gegen Stalin verteidigt hat. 400 Funktionre wurden verhaftet, darunter Baramia, Dschibalidse, Schadura, der Prsident des Obersten Sowjet Gogya, der Oberste Staatsanwalt Schoria und der Justizminister Rapawa und Kosomolsekretr Sadelawa. Bill Bland schreibt: Mgeladze hatte schon im Mai 1952 vor Vertretern des Bundes der Georgischen Jungkommunisten Folgendes geuert: 'Genosse Stalin entdeckte Mngel in der Fhrung der Kommunistischen Partei sowie in der des Bundes der Jungkommunisten Georgiens, welche bedrohliche Folgen gehabt haben knnten und zeigte Wege auf zur Berichtigung der Fehler.' (A. Mgeladze, Bericht an den Bund der Jungkommunisten, Mai 1952, in: R. Conquest, 1961, ebenda, S. 141 f.). Wir halten dieses Zitat fr korrekt, denn es besttigt uns das oben Gesagte. Auerdem ist es ein Dokument, das Stalin bekannt gewesen sein drfte. Ein Dementi Stalins hierzu liegt uns nicht vor, so dass wir davon ausgehen, dass Stalin wirklich davon ausging, dass es um die Abwendung einer gefhrlichen Bedrohung ging. Kann man daran zweifeln ? Wir glauben nicht, dass man daran zweifeln kann. Doch an dieser Stelle, lieber Leser, bitte genau das obige Zitat mit dem folgenden Zitat vergleichen ! Vergleichen wir, was Mgeladze im obigen Zitat sagte, mit dem, was Bill Bland im Folgenden dazu sagte: Die angefhrten Grnde dafr, dass Berija und Stalin diese Vernderungen gewollt haben sollten, waren dann naturgem reichlich nebuls. Bill Bland hat hier pltzlich den Namen Berija im Zitat auftauchen lassen. Hatte Mgeladse im obigen Zitat vom Mai 1952 Berija benannt ? Wir haben das obige Zitat 10x gelesen, aber wir knnen jedes Mal nur immer wieder feststellen: Mgeladse hat nur den Namen Stalins genannt, und nicht den Namen Berija. Wir fragen uns, warum hat Bill Bland den Namen Berija hinzu gemogelt ?? Wir finden das gar nicht reichlich nebuls, was Mgeladze hier gesagt hat es sind ja Stalins klare Worte, die Mgeladse hier ausdrckt.. Reichlich nebuls finden wir es, wenn Bill Bland hier Stalin und Berija (!) in einem Atemzug nennt, whrend Mgeladze ausschlielich von Stalin gesprochen hat. Nebuls ist es, warum Berija hier von Bill Bland willkrlich und unbemerkt an Stalins Seite geschmuggelt wird, obwohl sich Stalin dokumentarisch nachweisbar lngst von Berija abgewandt hatte (Herbst 1951). Hat Bill Bland das bersehen ? Wir kennen Bill Bland und seine Gewissenhaftigkeit bei der Recherche seiner Quellen und unterstellen ihm nicht, dass er schlecht recherchiert htte. Warum aber versteift er sich auf den irrigen Standpunkt, dass Berija und Stalin angeblich an einem Strang gezogen htten, warum packt er sie zusammen auf eine Seite - und das mit der fragwrdigen Methode des Unterschiebens ? Hier liegt offensichtlich der fatale Fehler vor, der ihm bei der ganzen, grundstzlichen Beurteillung der Mingrelischen Verschwrung unterlaufen ist.
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Sie war keine Verschwrung gegen die beiden Marxisten-Leninisten Berija und Stalin wie Bill Bland meinte, sondern eine Verschwrung des Antistalinisten Berija gegen den Marxisten-Leninisten Stalin. Bill Bland ist Berijas Manvern auf den Leim gegangen mit fatalen Folgen fr die ganze marxistisch-leninistische Weltbewegung, denn die Berijaner konnten sich diesen Fehler auf unsere Kosten, auf Kosten des Stalinismus, zunutze machen. Wir haben hier versucht dazu beizutragen, Bills Fehler zu kritisieren und zu korrigieren. Mehr konnten wir in der Frage der Mingrelischen Verschwrung wirklich nicht fr den Genossen Bill Bland tun. Den Mrder Stalins kann man nicht in der marxistischleninistischen Bewegung als Marxisten-Leninisten aufnehmen. Das ist zu viel von uns verlangt und kann nicht im Raum stehen bleiben !!! Dieser Fehler ist hiermit von der Komintern / ML offiziell selbstkritisch korrigiert worden und wir sind uns sicher, dass alle anderen Organisationen der marxistisch-leninistischen Weltbewegung fr sich selbst die richtigen Konsequenzen ziehen !! Was richtig ist, nehmen wir in uns auf, ohne uns an das Falsche zu klammern. Wir halten es fr angemessen, der marxistisch-leninistischen Weltbewegung aus diesem ernsthaften Grund zu empfehlen, mit gebotenem Respekt gegenber Bill Bland kritisch und selbstkritisch seine Arbeit auf hnliche Schwchen hin nochmals sachlich zu prfen, um weitere Fehleinschtzungen von ihm korrigieren zu knnen. Sollte sich unsere Verunsicherung ber Bill Bland als unbegrndet erweisen, um so besser. Ich hoffe, Bill wird uns verzeihen, wenn wir seine Arbeit grndlicher als bisher studieren mssen. Denn, wenn wir den unserer Meinung nach falschen Standpunkt Bill Blands in der Mingrelischen Verschwrung nicht kritisch analysiert htten, wrden wir ihn weiter vertreten und verbreiten und der Arbeiterklasse damit einen schlechten Dienst erweisen. Wir wren schlechte Marxisten-Leninisten, wenn wir unsere Fehler deswegen nicht gegenseitig solidarisch kritisieren, nur um einen Freund und Genossen nicht zu verletzten. Kritik und Selbstkritik sind eine sichere Methode, um unsere richtigen Standpunkte zu festigen und falsche Standpunkte zu korrigieren ohne Ansehen der Person. Und der Genosse Bill Bland hat unserer Meinung nach einen falschen Standpunkt, einen gefhrlichen Standpunkt eingenommen. Wir mssen Bill Bland kritisieren - einen anderen Weg gibt es fr uns nicht. Dankenswerterweise liefert Bill Bland seinen Lesern in dem folgenden Zitat den konkreten Grund, warum Stalin hier gegen die alte Fhrung, (allerdings bestand sie nun einmal eben aus den Berijaleuten), vorgehen musste: Mgeladze dazu vor dem Parteitag der Georgischen Kommunistischen Partei im September 1952: 'Die alte Fhrung hatte vergessen, dass internationale Reaktionre versuchen, in unserer Republik nationalistische Elemente mit einer feindlichen Einstellung zu finden, um mit ihrer Hilfe Sabotageakte zu begehen und Spionagearbeit zu betreiben.' ('New York Times' vom 23. September 1952, S. 3). Genau diese Worte htten auch aus dem Munde Stalins stammen knnen, denn was Mgeladse hier sagte, entsprach der politischen Linie, die Stalin zum damaligen Zeitpunkt in Wort und Tat vertreten hatte. Und die historischen Tatsachen, die Ereignisse der damaligen Zeit geben uns das Recht und legen uns die Pflicht auf, diesen Standpunkt Stalins bedingungslos zu verteidigen. Weswegen Stalin die Berijaleute vom Posten abberief, das war eben ihre mangelnde Wachsamkeit (das ist relativ milde ausgedrckt, aber aus dem Mund Stalins war das stets ein niederschmetterndes Urteil !) gegenber den Imperialisten, die sich an die nationalistischen Elemente in Georgien heranmachten, um sie gegen die Sowjetunion mit konterrevolutionren Mitteln zu untersttzen. Fr Stalin war die Politik der Amerikaner klar nmlich in Georgien die Reaktion zu organisieren. Stalin machte mit den Suberungen den Geheimdiensten der Imperialisten deutlich, dass Georgien fr sie kein Haus der offenen Tr ist, wo man nach Belieben herein und hinaus spazieren kann. Wenn Stalin nicht wsste, dass die Berijaner hier nicht einfach nur weg geguckt haben, dass diese die nationalistischen Elemente nicht nur gedeckt, sondern auch instrumentalisiert haben,
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dann wrde Stalin mit ganz anderen Arbeitsmethoden, mit den Methoden der berzeugung und kameradschaftlichen Hilfestellung bei der Entwicklung der Kader, operieren und nicht zur Methode des Zwangs und der Suberung gegriffen haben. Stalin hat den offenen Verrat der Berijaleuten sehr wohl bemerkt, sie aber vorher gewarnt, bevor er zuschlug. Das war der Grund, weswegen Stalin in Georgien zuerst krftig auf den Bus(c)h klopfte (... dass im August 2008 Bushplakate das wunderschne Georgien verschandelten, daran war Berija schlielich nicht ganz unschuldig!), um zu sehen, wer da runter fllt. Und wir sind fest davon berzeugt, dass seine Methode jene gesicherten Ergebnisse besttigte, von denen er auch schon vorher berzeugt war. Stalin war sich im Verlauf seines Kampfes gegen die Mingrelische Verschwrung immer klarer darber geworden, dass von Berija die Hauptgefahr in Georgien ausging, weil alle Fden, denen Stalin nachgegangen war, zu Berija fhrten zu niemandem sonst. Kommen wir nun zu unseren eher bescheiden anmutenden Quellen, die wir den Quellen von Bill Bland gegenberstellen mchten, damit sich der Leser sein eigenes Bild machen kann: Wir beziehen uns auf den Berija-Prozess von 1953. Als Zeuge sagt aus Berischwili, ein Handlanger Berijas. Berischwilis Aussage zu Folge hatten alle Mingrelier, gefhrt von Gegetschkori und Kedia (von Menschewisten bis Faschisten), einen Berija-Kult ins Leben gerufen. Sie hielten ihn fr die grte Persnlichkeit in der Sowjetunion und hoben ihn in jeder Weise in den Himmel. Sie alle waren felsenfest sicher: Berija ist Stalins Nachfolger. So sehr die Mingrelier Menschewiken wie Faschisten auch auf die Sowjetmacht schimpften in Bezug auf Berija taten sie es nicht. Sie hielten ihn fr ein Genie. Berischwili bezeugte, dass der menschewistische Fhrer Noj Schordanow ihm schon 1938, als Berija gerade erst zum Volkskommissar fr Inneres ernannt worden war, sagte; Mit dieser Ernennung hat Berija die erste Etappe seines Machtstrebens gewonnen, und er wird danach trachten, an Stelle von Stalin den ersten Platz einzunehmen. Er wird auf diesem Weg nicht davor Halt machen, Stalin und Leute seiner Umgebung zu vernichten (B.S. Popow / W.G. Oppikow; Beriewschtshina. In: Wojenno-istoritscheski Schurnal Krasnaja Swesda vom 30. 9. 1989). In dieser Zeugenaussage finden wir unsere alte These wieder, dass Faschisten und Sozialdemokraten gegen den Bolschewismus stets gemeinsame Sache gemacht haben. Auf der Sitzung des Sicherheitsrates am 11. Mrz 1953 forderte John F. Dulles, den Nationalismus hinter dem Eisernen Vorhang zu frdern. Umsturzversuche sollten untersttzt werden. Wir haben keinen Zweifel daran, dass diese konterrevolutionre Leitlinie des amerikanischen Imperialismus auch bezglich Georgiens seine Anwendung fand. Das war unmittelbar nach Stalins Tod und Berija hatte das Seinige unter Beweis gestellt, den Forderungen der USA vollkommen zu entsprechen ! Er war zu dieser Zeit die strkste Figur der Konterrevolution in der Sowjetunion. Korotkow ein Geheimdienstler, trat im Fall Berija als Zeuge gegen ihn auf und beschuldigte ihn, Kontakte zu auslndischen Geheimdiensten unterhalten zu haben. Dass diese Zeugenaussage von Chruschtschow erzwungen worden sei, wollen wir einmal dahingestellt lassen. Auch Sudoplatow gab schlielich zu, dass er im Auftrage Berijas Kontakte zu auslndischen Geheimdienst aufgenommen hatte, und das sagte er nicht unter dem Druck Chruschtschows, sondern zu einem Zeitpunkt, als es die Sowjetunion nicht mehr gab, als alter Helfershelfer Berijas. Sicher ist, dass sowohl Berija als auch Chruschtschow Stalin verraten haben, indem sie mit dem Imperialismus kollaborierten. Uns ist klar, dass Chruschtschow diese Zeugenaussage nur dazu diente, seine eigene Kollaborationsverbrechen in Berijas Grab zu versenken. Die Berijaner ziehen daraus natrlich eine ganz andere Schlussfolgerung. Wenn der Revisionist Chruschtschow Berija als englischen Agenten anklagt, dann bedeute das automatisch, dass Berija ein Stalinist gewesen sein msse. Wieso mssen ? Das ist undialektisch, denn damit wird a priori jede Mglichkeit ausgeschlossen , dass Berija auch andere Motive als marxistisch-leninistische gehabt ha-
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ben konnte. Alles, was wir bisher ber Berija wissen, widerspricht dieser berijanischen Selbstschutzbehauptung, weswegen wir sie auch ans Tageslicht gebracht haben. Wenn Berija ein Marxist-Leninist gewesen sein soll, warum sind dann die Meisten von seinen Gefolgsleuten nach seinem Tod zu Chruschtschow bergelaufen, der doch von ihnen eigentlich als Erz-Revisionist htte gebrandmarkt werden mssen, zumal der ja schlielich ihren marxistisch-leninistischen Fhrer Berija umgebracht hatte ? Warum haben die Berijaleute sich an der Niederschlagung der Stalindemonstrationen in Tiflis beteiligt ? Warum haben sie Berijas Entstalinisierung ohne Berija weiter fortgesetzt anstatt fr die Rehabilitierung Stalins zu kmpfen wie es die Georgier heute noch tun ? Es drfte fr die Berijaleute doch gerade in Georgien nicht schwer fallen, gegen die Entstalinisierung zu kmpfen bei dem groen Rckhalt des stalinfreundlichen georgischen Volkes. Kam der georgische Aufstand von oben oder von unten ?. Wir knnten noch hundert weitere Fragen stellen, aber es kommt dabei immer nur die eine Antwort heraus: Berija war kein Marxist-Leninist er war ein Anti-Stalinist. Wer den Stalinismus mit dem Marxismus-Leninismus angreift, klagt sich selbst als Anti-Marxist-Leninist an. Unser wichtigster Zeuge ist und bleibt Berija selbst. Wir beurteilen ihn nicht danach, was er gesagt hat und was er von sich selber hielt oder andere von ihm hielten, sondern nur nach seinen Taten, und die offenbarten sich besonders nach Stalins Tod, nachdem er also seine stalinistische Maske zum Erstaunen aller demonstrativ abgestreift hatte. Er entpuppte sich ganz offen als ein Verbrecher. Berija hatte den Tod verdient. Und Stalin hatte noch zu Lebzeiten fr dessen Vollstreckung gesorgt, indem er die Widersprche unter seinen Verschwrern geschickt auszunutzen verstand, so dass es frher oder spter jemanden von ihnen erwischen musste. Dass Chruschtschow Berija erschieen lie, rechnen wir Stalin als Verdienst an, nicht dem Verbrecher Chruschtschow. Worin bestand nun Berijas Scheinmanver ? Wie lenkte er Stalin von der weiteren Verfolgung der Mingrelischen Verschwrung ab ? Berija lenkte Stalins Aufmerksamkeit auf Abakumow, der angeblich eine Verschwrung vor Stalin geheim hielt (Abakumow wurde damals von Stalin als Minister fr Staatssicherheit vorgeschlagen und ernannt. Berija und Molotow schwiegen, whrend Shdanow diesen Vorschlag untersttzte!). Berija war also von Anfang an gegen Abakumow, der sich Berija an die Fersen gesetzt hatte und die Suberungen der Mingrelischen Verschwrung leitete. Abakumow musste er also aus dem Wege rumen. Im Sommer 1951 informierte der damalige Leiter der Abteilung fr die Untersuchung besonders wichtiger Angelegenheiten im Ministerium fr Staatssicherheit, M. Rjumin, Stalin ber eine Verschwrung jdischer brgerlicher Nationalisten, die von der amerikanischen Spionage inspiriert worden seien. Darber hinaus habe er die Quelle dieser Information, Professor Etinger, im Gefngnis umgebracht (Krasnaja Swesda 30. 9. 1989). Stalin wurde von Berija auf die Juden umdirigiert. Durch die Mingrelische Verschwrung hatte Berija den 2. Platz hinter Malenkow erobert. Aber Chruschtschow und Bulganin, die sich schon frher in Moskau verbrdert hatten, lagen auf der Lauer. Doch dazu im nchsten Kapitel. Im Ergebnis verhinderte Stalin zunchst , dass Berija vermittels der Mingrelischen Verschwrung die SR Georgien mit Hilfe der USA abspaltete, um damit den Zusammenbruch der Sowjetunion ins Rollen zu bringen. Anstelle eines Manvers zur Isolierung Georgiens kam es zur Isolierung der Isolierer. Stalin hatte die Imperialisten gewarnt. Die Kugeln gegen die georgischen Verrter wrden auch sie treffen, wenn sie die Stirn htten, in die inneren Angelegenheiten der SR Georgien direkt einzu-
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greifen. Es ging Stalin bei der Mingrelischen Verschwrung nicht um Akte der Vergeltung, sondern die Verbrecher dazu zubringen, sich gegenseitig blozustellen, sich zu schwchen und sich gegenseitig auszulschen. Das ist ihm gelungen. Stalins Kampf gegen die Mingrelische Verschwrung war nicht deshalb eine der grten Suberungen in der Geschichte der SU, nur zu dem Zweck, um ein paar Nationalisten in der Kommunistischen Partei Georgien raus zu subern, die ihren eigenen, lokalen verbrecherischen Interessen nachgehen wollten. Nein, da ging es um viel brisantere Dinge- um die Macht ber die UdSSR, um die Frage: Wer Wen?! Stalin versuchte Berija daran zu hindern, die Mingrelische Verschwrung zum Sprungbrett fr die Beseitigung der Sowjetmacht auszunutzen. Das war ein Kampf der Diktatur des Proletariats auf Leben und Tod, ein Kampf gegen die Machtbernahme des Prsidiums, der Zentrale der KPdSU, ein Kampf gegen Verschwrer im Prsidium, die mit dem Weltimperialismus zusammenarbeiteten, um die UdSSR von Stalin zu befreien, um den Weltimperialismus von der bolschewistischen Bedrohung zu befreien. Mingrelien wurde in jenem Augenblick zur heiesten Nahtstelle der Weltgeschichte: Wer wird jetzt siegen, der Weltkapitalismus oder der Weltsozialismus ? Gelingt es dem Weltimperialismus, Unionsrepubliken von Moskau wegzubrechen oder gelingt es dem gemeinsamen Vaterland des Weltproletariats, die Einheit der Unionsrepubliken im Kampf gegen den Weltimperialismus zu festigen ? Von der brderlichen Zusammenarbeit der Sowjetrepubliken hing fr Stalin Sieg oder Niederlage gegenber dem Weltimperialismus ab, denn der ganze Osten betrachtete die Entwicklung in den Unionsrepubliken als Versuchsfeld seiner Befreiung vom Weltimperialismus. Sowie das Hinterland des Ostens weg bricht, ist der Weltimperialismus geliefert ! Stalin erkannte die Gefahr, dass die Unionsrepubliken ihre Anziehungskraft auf den Osten unweigerlich eingebt htten durch das offene Aufbrechen von Konflikten unter den Nationalitten bzw. zum Moskauer Zentrum. Damit konnte der Beginn des Zusammenbruchs des Weltimperialismus ernsthaft gefhrdet werden. Deswegen auch der erbitterte Kampf der inneren und ueren Gegner der Nationalittenpolitik Stalins. In der Lsung der nationalen Frage der UdSSR sah Stalin eine Schlsselrolle fr den Sieg der sozialistischen Weltrevolution ! Die leninistische Theorie der Revolution ist nicht allein die Theorie ihres Sieges in einem einzelnen Land, sondern zugleich auch die Theorie der Entwicklung der Weltrevolution. Deshalb ist der Sieg des Sozialismus in einem Land nicht das Ziel an sich. Die siegreiche Revolution eines Landes darf sich nicht als eine selbstndige Gre betrachten, sondern nur als ein Mittel, um den Sieg des Proletariats in allen Lndern zu beschleunigen; (...) als den Anfang und die Vorbedingung fr die Weltrevolution (Stalin, Fragen des Leninismus, Moskau, 1947, Seite 130). Der Leninismus hat den Beweis erbracht (...), dass die nationale Frage nur im Zusammenhang mit der proletarischen Revolution und auf dem Boden der proletarischen Revolution gelst werden kann, dass der Weg zum Siege der Revolution im Westen ber das revolutionre Bndnis mit der Befreiungsbewegung der Kolonien und der abhngigen Lnder gegen den Imperialismus fhrt. Die nationale Frage ist ein Teil der allgemeinen Frage der proletarischen Revolution, ein Teil der Frage der Diktatur des Proletariats (Stalin, Band 6, Seite 144). Eins von Beiden: Entweder rtteln wir das tiefe Hinterland des Imperialismus die kolonialen und halb-kolonialen Lnder des Ostens auf, revolutionieren es und beschleunigen dadurch den Zusammenbruch des Imperialismus, oder wir versagen hier und strken dadurch den Imperialismus, schwchen die Kraft unserer Bewegung. So ist es um die Frage bestellt (Stalin, Band 5, Seite 208, Rede auf dem XII. Parteitag der KPR (B), April 1923).
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Wie dramatisch diese Schicksalsfrage gestellt war, das zeigte sich bereits 4 Monate vor dem Parteitag, als Trotzki und seine Gefolgsleute in Transkaukasien unmittelbar nach Lenins Tod die Macht ergreifen wollten, um sowohl die Grndung der UdSSR als auch die Grndung der Transkaukasischen Fderativen Sowjetrepublik zu verhindern, um Stalin und seine Nationalittenpolitik politisch zu begraben, um den Zusammenbruch des Weltimperialismus, den Durchbruch der Weltrevolution hinauszuzgern! Wir kommen weiter unten noch darauf zu sprechen. Es darf die marxistisch-leninistische Weltbewegung also nicht verwundern, warum die Berijaner von heute mit ihrer Geschichtsflschung vermittels ihres mingrelischen Scheinmanvers einen der schlimmsten Angriffe Berijas gegen Stalin gedeckt haben. Und es darf ebenso wenig verwundern, warum die Komintern / ML an dieser Nahtstelle der Weltgeschichte ihr ureigenstes Interesse geltend macht, die weltrevolutionre Generallinie Stalins gegen den hinterhltigen Verrat der Berijaner um so entschlossener und leidenschaftlicher zu verteidigen ! Die Mingrelische Verschwrung gegen die UdSSR scheiterte an Stalin, also lautete nun der Befehl: Stalin vernichten! Und so haben Berija und Malenkow und schlielich Chruschtschow alles getan, um den Stalinismus von Stalin zu trennen. Es ist richtig, dass Stalin seine Nationalittenpolitik auf den Grundlagen des Leninismus entwickelt hatte, aber es ist revisionistisch, den Stalinismus auf den Leninismus zu reduzieren, insbesondere in der nationalen Frage, die kein Marxist-Leninist so meisterhaft gelst hatte wie Stalin.
Die mit der Mingrelischen Verschwrung vorbereitete und nach Stalins Tod vollzogene Entstalinisierung in Georgien
Mit Stalins Suberungen in Georgien hatte Berija seine Strke eingebt, doch die Hinterhltigkeit, das Intrigantentum und seine Betrugsmanver waren nach Stalins Tod dieselben geblieben und hchstens noch raffinierter geworden. Am 10. Mrz 1953 setzte Berija im von ihm selbst erweiterten Innenministerium (MWD) vier Gruppen ein, die die rzteverschwrung, das Jdische Antifaschistische Komitee, die Mingrelische Affre sowie die Prozesse gegen Offiziere des Geheimdienstes, die auf Stalins Befehl (!!!!) verhaftet worden waren, untersuchen, sprich rehabilitieren sollten (unter den Offizieren waren auch Berijaner, gegen die Stalin vorgegangen war). Berija klappte persnlich den Aktendeckel ber die Untersuchung in Mingrelien zu, die zwei Jahre zuvor von Stalin (!!!!) aufgeschlagen worden war. Berija lie die von Stalin verurteilten Sekretre des georgischen Parteikomitees, Baramija und Scharija, sowie den ehemaligen Minister fr Staatssicherheit Rapawa auf freien Fu setzen (!). Dies ist zum Beispiel so ein eindeutiger Beweis, den wir Bill Blands Darstellung von der Mingrelischen Verschwrung gegenberstellen: Berija rehabilitiert die Mingrelischen Verschwrer, die Stalin hinausgesubert hatte. Das ist eindeutig ein Akt der Entstalinisierung und beweist, dass man als Marxist-Leninist nicht Berija und Stalin als marxistisch-leninistischen Block gegen die Mingrelische Verschwrung konstruieren darf, wie es der Genosse Bill Bland getan hat. Ignatjew war im Innenministerium ein Mann Malenkows. In der Mingrelischen Affre war Ignatjew Berija auch im Wege und mit Hilfe von Chruschtschow setzte er diesen ab, was Chruschtschows Macht wiederum gegenber Malenkow strkte! Dies war ein offener Ausdruck der Entstalinisierung und zwar bereits drei Jahre vor Chruschtschows Geheimbericht auf dem XX. Parteitag. Ignatjew war unmittelbar nach Stalins Tod zum Sekretr des ZK gewhlt worden, um die Staatssicherheitsorgane zu berwachen. Nun war Chruschtschow der Einzige, der sowohl dem Prsidium angehrte als auch gleichzeitig das Amt des Parteisekretrs bekleidete. Schon vor Stalins Tod hatte Chruschtschow seine Allianz mit Malenkow fr seine eigene Machtbernahme genutzt, allein schon das
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Privileg, auf dem XIX. Parteitag sprechen zu drfen (zu Statutnderungen). Durch eine Reihe von Suberungen hatte er seine Rivalen innerhalb der eigenen Fraktion aus dem Weg gerumt, um nun seine eigenen Leute in den mtern zu postieren. Auf diese Weise schleuste Chruschtschow bereits im letzten Jahr vor Stalins Tod vier Verbndete in Spitzenpositionen des Ministeriums fr Staatssicherheit: Serow, Sawtschenko, Rjasoj und Jepischew. Noch vorher, im April 1953, als Berija und Malenkow nach Georgien reisten, wurden ausgerechnet jene georgischen Staatssicherheitsleute, die die stalinschen Suberungen durchgefhrt hatten, abgesetzt und bestraft. Einige, die sich Berija fgten, wurden rehabilitiert. Berija wurde bei der Beendigung der Mingrelischen Affre von Chruschtschow (!!) untersttzt. Das Prsidium also u.a. auch Berija und Chruschtschow - widerrief Stalins Anklage wegen nationalistischer Aktivitten in der georgischen Parteiorganisation. Berija reiste mit diesem Widerruf in der Tasche direkt nach Tiflis. Dort wurde Mgeladse seines Postens als Erster Sekretr der KP Georgiens enthoben. Mit Chruschtschows Segen machte Berija den ehemaligen Leiter seines Sekretariats in Moskau, Mamulow, zum Leiter der Personalabteilung der Georgischen KP, um dort Suberungen von Stalinanhngern vorzunehmen , also mit der Entstalinisierung blutigen Ernst zu machen. Chruschtschow soll Berija angeblich angewiesen haben, die Entstalinisierung und damit die Suberung von Stalinanhngern unblutig durchzufhren. Wer wen angewiesen hat und wie viel Blut von Stalinisten in Georgien floss whrend der Entstalinisierung, das wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass sich Berija und Chruschtschow nur an der Menge des vergossenen Bluts an ihren Hnden unterschieden haben mochten. Alte Bolschewiki, Kampfgefhrten von Stalin in Georgien wurden erschossen mit Ausnahme von Mgeladze. Also kaum dass Stalin beseitigt war, beeilte sich Berija , die von Stalin befohlenen Suberungen gegen die Mingrelischen Verschwrer (also auch gegen ihn selbst !) wieder kackfrech aufzuheben und sie zu rehabilitieren. Nicht nur das ! Nun lie Berija seinerseits Stalins Suberer subern ( wie gesagt mit Untersttzung Chruschtschows!). Und wie dankt Berija es Chruschtschow ? Kaum hatte Berija die Entstalinisierung im Kaukasus erfolgreich eingeleitet, machte er sich auf den Weg in die Ukraine mit seinem nchsten dreisten Coup: Diesmal - Freilassung der Gesuberten und Suberung der Suberer die Chruschtschowianer ! Damit griff Berija empfindlich in die Machtdomne Chruschtschows ein, der diese Provokation natrlich nicht auf sich beruhen lie. Aber das strte Berija nicht im Geringsten. Im nchsten Schritt nahm sich Berija die baltischen Lnder vor, bis ihn der Weg ber die DDR und ber die Tschechoslowakei auch nach Ungarn fhrte. berall bediente er sich der Innenministerien und der Staatssicherheitsdienste, um die Entstalinisierung im Ostblock voranzutreiben. Es ist ein offenes Geheimnis, dass er die Innenpolitik der Ostblocklnder von Moskau aus lenkte, um seinen verbrecherischen Kurs der Entstalinisierung auch in deren Auenpolitik durchzusetzen unter Umgehung der Partei und des Auenministeriums. ber Berijas abenteurliche Auenpolitik kommen wir in einem gesonderten Kapitel noch einmal ausfhrlich zu sprechen. Genossen, ihr mgt fragen: Wie konnte all das in ein paar Wochen oder Monaten von Berija berhaupt bewerkstelligt werden ? Diese Frage ist sehr berechtigt und gibt einigen Aufschluss ber die Tragweite der Verschwrung gegen Stalin. So was kann man sich nicht spontan aus dem rmel schtteln dahinter musste System stecken eine breit angelegte, sorgsam vorbereitete sowjet-weite Verschwrung gegen Stalin. Berija musste also schon lange vorher nicht nur konkrete konterrevolutionre Kontakte aufgebaut, nicht nur bis ins Einzelne ausgearbeitete Umsturzplne in allen Unionsrepubliken vorbereitet gehabt haben, sondern auch die Leute organisert haben, die instruiert waren, am Tag X auf seinen Befehl hin in militrische Aktion zu treten. Und, was Wenigen bekannt sein mag: Berija verfgte ber 1 Millionen eigener Beschftigter, 500 000 Soldaten, Armee, Panzer, Luftflotte usw. usf. All dieser Krfte bediente er sich auch whrend seines militrischen Putsches in Moskau im Mrz 1953. Berija verfgte zudem ber eine mchtige Doppelmacht in Partei und Staat, hatte also seinen berijanischen Staat im Staat schon heimlich aufgebaut, bevor ihn Stalin an die Kandarre zog. Das zeigt, welche innenpolitische und militrische Macht er hinter dem Rcken Stalins
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und unter den misstrauischen Augen der Roten Armee aufgebaut hatte und wie gefhrlich seine auenpolitischen Verbrechen gegen die Sowjetunion waren, die er vorher innenpolitisch absicherte. Wenn Stalin also das Todesurteil ber Berija vorbereitet hatte, dann wissen wir heute, dass dies zu Recht geschah, dass dies zum Schutz der Sowjetunion unvermeidlich war. Und genau das wirft ein bezeichnendes Licht auf die heutigen Berijaner genau das macht sie schuldig, die Verbrechen Berijas zu verteidigen. Weswegen wir sie anklagen, das ist die Tatsache, dass sie diese Verbrechen Berijas auch noch als marxistisch-leninistische Tat gerechtfertigt haben ! Kann denn jeglicher Antistalinismus tiefer sinken als berijanische Heuchelei? Weil es fr die Verschwrer von 1953 viel schwieriger war, fr ihre Konterrevolution aus den Massen zu schpfen als das 1933 der Fall war fr die Verschwrer des Blocks der Rechten und Trotzkisten (Kulakenaufstnde), verlegten sie sich auf die Strkung der nationalistischen Organisationen und ihren Agenturen in der Georgischen Kommunistischen Partei (Berija) und in der ukrainischen Kommunistischen Partei (Chruschtschow) , also auf die antisowjetischen Unabhnggkeitsbestrebungen in den Randgebieten im Innern , kombiniert mit der Annherung an den Kosmopolitismus der Westmchte nach Auen, wobei Berija wohl mehr auf England und Chruschtschow mehr auf die USA setzte (?). Die Differenzen der amerikanischen und englischen Interessen gegenber der Sowjetunion sind bekannt und das musste sich auch auf den Einfluss auf das Prsidium der KPdSU niederschlagen. Die modernen Revisionisten mussten also mit verschiedenen Karten spielen, um ihre Fhler zum Westen auszustrecken, was nicht ohne Widersprche im eigenen Lager abging, ja das Lager des modernen Revisionisten zu spalten drohte. Der Reformismus Berijas hat seine tiefen Wurzeln im Einfluss der II. Internationale, die auf Georgien stets nachhaltige Wirkung hinterlassen hatte. Berijas Menschewismus war ein gehuteter Menschewismus, ein verkappter Menschewismus. Berija war in Worten gegen den Menschewismus aber in Taten verteidigte er ihn gegen Stalin, indem er Stalins Kampf gegen den Menschewismus als veraltet abwertete und den Kampf gegen die USA fr viel wichtiger hielt. Das ist ja alles ganz schn und gut, aber Berija tat so als wenn er nicht wsste, dass die Menschewisten die Wegbereiter der USA-Einverleibung waren. Die Einstellung des Kampfes gegen den Menschewismus wrde die USA gerade dazu auffordern, sich leichter an der UdSSR zu bedienen, sich sozialer Sttzen in Georgien zu bedienen. In Georgien befand sich von Haus aus ein starkes Lager des Menschewismus, die alten Seilschaften zum Westen, der stliche antibolschewistische Hebel der internationalen Sozialdemokratie. Und eben deswegen musste Stalin hier eingreifen, musste er den menschewistischen Einfluss Berijas stoppen und Berija zur Rechenschaft ziehen und ihn seiner Verbrechen berfhren. Stalin tat also alles, um dem Menchewismus im Kaukasus die Wurzeln auszureien von Anfang bis zum Ende. Wir, die wir das Banner Stalins hochhalten, haben die Pflicht bernommen, Stalins Anklage gegen Berija zum historischen Abschluss zu bringen. Das sind wir Stalin und dem Weltproletariat schuldig geblieben. Es gab und gibt aber auch nationalistische Gruppierungen in Georgien, die sich weder vor den Karren irgendeiner westlichen Macht spannen lassen, weder der UdSSR und dem Sozialismus angeschlossen sein wollten oder sich vor dem Karren des russischen Imperialismus spannen lassen, sondern einen souvernen und unabhngigen kapitalistischen Staat Georgien herstellen wollen. Es war kein Zufall, dass die politische Fulnis der schwankenden Elemente der Nationalisten in den Randgebieten von Berija ausgenutzt wurde, um sie gegen Stalin zu richten. Whrend die Nationalisten der Randunionen auf den Zusammenbruch der Sowjetunion hofften, um sich bei bester Gelegenheit von ihr loszureien, vertraten die sowjetischen Konterrevolutionre den Standpunkt, dass sich die Nationalisten der Fhrung der gesamten antisowjetischen Konterrevolution zur Verwandlung des ganzen sowjetischen Sozialismus in den Kapitalismus unterordnen sollten. So wie der Block der Rechten und Trotzkisten bei der antisowjetischen Vereinigung der sich untereinander bekmpfenden verschiedensten nationalistischen Gruppierungen eine wichtige Rolle gespielt hatte, so betrieb Berija - ganz besonders nach Stalins Tod die Unabhngigkeitsbestrebungen der nichtrussischen Unionsrepubliken im Interesse der Schwchung der Sowjetmacht versuchte er, der nationalistischen Politik der nichtrussischen Unionsrepubliken von oben
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die Tr zu ffnen, um die Restauration des Kapitalismus in den Randgebieten einzufhren und damit als Hebel zu benutzen, das sowjetische Zentrum in den Kapitalismus zu verwandeln (spalte und herrsche!). Wir gehen davon aus, dass Berija mit dem Ausland zusammengearbeitet hatte, dass er den jugoslawischen Weg untersttzte. Berija spann die konterrevolutionren Fden zwischen Georgien und Moskau. Er hat Zeit seines Lebens Georgien nur als Trittbrett fr seine Macht in Moskau missbraucht. Berija hatte in Georgien alle Konkurrenten aus dem Weg gerumt. Berija leitete vom rechten Zentrum in Moskau aus die nationalistischen Verschwrergruppen in Georgien an. Er wollte Georgien in einen Pufferstaat zwischen Angloamerikanern und Sowjetrussland verwandeln. Berija verdrngte die Stalinisten systematisch aus dem georgischen Staats- und Parteiapparat, um die Posten mit seinen eigenen Leuten zu besetzen, um den georgischen Staat in seine Hnde zu bekommen. Dazu formierte er die neuen Kader aus der brgerlichen Jugend. Die wurden zum Teil sogar im westlichen Ausland geschult anstatt in der Sowjetunion. Er hat versucht, die georgische Miliz auf seine Seite zu bekommen, formierte gegen Stalin bewaffnete Krfte in Georgien. Berija propagierte die nationale Abgrenzung ganz offen nach Stalins Tod vorher doppelznglerisch. Kontakte der nationalen Gruppierungen wurden unter dem Druck Berijas beschleunigt. Es gehrte zu Berijas Dualismus, dass er im Parteiapparat arbeitete, whrend die nationalistischen Gruppen auerhalb der Partei an der nationalistisch-faschistischen Front arbeiteten. Auf der einen Seite also die Verschwrung gegen die Partei auf der anderen Seite die Verschwrung im Staat, in den Sowjetorganen - erst zusammen gegen Stalin und dann gegeneinander. Aus dem Nutznieen der Widersprche zwischen Partei und Staat wurde die Spaltung von Staat und Partei, wurde die stalinsche Einheit von Staat und Partei zerschlagen. In Georgien gab es einen Widerspruch zwischen dem offenen und verdeckten Nationalismus, wurde die Lostrennung Georgiens arbeitsteilig vorbereitet. Dazu gab es natrlich stillschweigendes Einverstndnis statt fomaler Vereinbarungen. Es gab einen offiziellen Scheinkampf gegen den Nationalismus, um dahinter den eigenen Nationalismus zu verbergen, aber auch um die nationalistische Bewegung vor Stalins Zugriff zu schtzen, indem man die Leitung ber den Kampf gegen sie in eigenen Hnden hielt und sie somit besser lenken und manipulieren zu knnen. Berija versuchte die Wirtschaftsunabhngigkeit Georgiens gegenber den anderen Unionsrepubliken zu erreichen, was den Direktiven der georgischen Republik zuwiderlaufen sollte. Stalin durchschaute, dass Berija seinen eigenen georgischen Weg unabhngig von der Sowjetunion gehen wollte. Die Losung vom eigenen Weg zum Sozialismus war damals eine international verbreitete konterrevolutionre, revisionistische Losung, die in der Absicht aufgestellt worden war, damit die Trennung von der Sowjetunion Stalins zu bewirken, die UdSSR zu isolieren, um sie angreifbarer zu machen. Die jugoslawischen Parteifhrer versuchen der Welt vorzutuschen, dass sie einen eigenen, neuen Weg zum Sozialismus entdeckt haben. Dieser Weg, den sie in maloser berheblichkeit und Verblendung gehen, fhrt direkt in die Arme der imperialistischen Ruber. Daraus mssen wir die Lehre ziehen, dass es trotz der Verschiedenheit der bergangsformen keinen besonderen nationalen Weg zum Sozialismus geben kann, der es ermglicht, ohne Klassenkampf, unter Umgehung der politischen Macht der Arbeiterklasse, zum Sozialismus zu kommen (ber die Entartung der Fhrung der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, Dietz Verlag Berlin, 1948, Seite 14). Sie enthlt das titoistische Gift des Dezentralismus und den togliattischen Bazillus vom Polyzentralismus, die auf das Gleiche hinauslaufen, nmlich auf Spaltung und Abkehr vom Weltzentrum der revolutionren Bewegung des Proletariats. Sie hatte zur Zeit des Sptstalinismus in der kommunistischen Weltbewegung groen Schaden angerichtet , war dort weit verbreitet und manche Organisationen sind noch heute nicht von dieser Krankheit ganz geheilt. Wir wissen, dass diese Losung von Tito aufgestellt und ausgestreut wurde. Berija hat sich jedenfalls dieser Losung in seiner Nationalittenpolitik bedient. Wie weit er mit Tito heimlich zusammenarbeitete und wie weit diese Losung: Georgiens eigener Weg zum Sozialismus in der Mingrelischen Verschwrung eine Rolle gespielt hat, knnen wir zur Zeit nur vermuten.
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Stalin hatte auch in Usbekistan diese sowjetfeindliche, nationalistische Bewegung in den 30er Jahren aufgedeckt. Danach wurde die Stalinsche Korrektur paralysiert durch deren schdliche, mutwillige bertreibung. So sollte die Unzufriedenheit der Bevlkerung, die die vllig berzogenen Plne natrlich gar nicht erfllen konnten, gegen Stalin, gegen die Zentrale, gegen Sowjetrussland gebndelt werden. Wir kennen den Trick mit den Monokulturen von Chruschtschow aus Albanien und wissen, dass das Prsidium nach dem Tod Stalins berall so arbeitete, um die Lnder wirtschaftlich abhngig zu machen, nicht ohne Zutun Berijas. Berija war nach dem Tod Stalins aktiver bei der Umsetzung der Restauration des Kapitalismus als Chruschtschow. Dieser hatte seine Not, Berija zu bremsen. Und selbst Malenkow, der noch eine Zeit lang auf der Seite Berijas gestanden hatte, kam mit dem Tempo von Berija nicht mehr mit. Die Aktivitten Berijas liefen immer frecher ber die Kpfe der anderen Verschwrer hinweg. Sie hatten kein Interesse an einem Blitzkrieg gegen den stalinschen Sozialismus, weil sie diesen verloren htten wie Hitlers Blitzkrieg gegen die Sowjetunion. Vor dem Groen Vaterlndischen Krieg konnte man noch die Widersprche zwischen den imperialistischen Mchten fr sich relativ gut ausnutzen, aber im Kalten Krieg fhrten die USA die ganze Welt gegen die Sowjetunion, war die antisowjetische internationale Front geschlossener, musste man Kompromisse schlieen. Es waren eine Reihe brgerlicher Historiker, die aus dem Studium der neuen Dokumente in Berija einen Realpolitiker, einen Reformer erkannten und ihn als einen Politiker einschtzten, der wie kein anderer den Mut gehabt hatte, die Sowjetunion vom Stalinismus zu befreien. Besonders Hochachtung zollen Berija solche deutschen brgerliche Historiker, die ihn fr jemanden halten, der sich eindeutig gegen ein sozialistisches und fr ein kapitalistisches Nachkriegs-Deutschland eingesetzt habe. Berija beschrnkte sich aber nicht nur auf die Schwchung und Liquidierung des sozialistischen Lagers, sondern versuchte auch die Unabhngigkeit und Selbstndigkeit der nichtrussischen Republiken zu frdern und es ist klar, was damit gemeint war: diese Republiken auf eine Lostrennung vom Sozialismus vorzubereiten. Damit machte er sich zum Lakaien des Imperialismus der Westmchte. Schon die Trotzkisten versuchten in den 30er Jahren, den Interessen der Faschisten zu dienen, die darin bestanden, die Randrepubliken vom Sowjetsystem abzuschneiden, nicht nur um sie sich leichter einverleiben zu knnen, sondern um das sowjetische Zentrum zu schwchen, erobern und den Bolschewismus zu zerschlagen. Berija betrachtete die Sowjetunion nicht anders als Georgien nmlich nationalistisch. Und in der Deutschland-, Ungarn- und Jugoslawienfrage verhielt er sich nicht anders ebenfalls nationalistisch. Was hatte er mit der Sowjetunion und Georgien vor? Es war Berijas Plan, den russischen GromachtChauvinismus (RFSR) mit dem lokalem Nationalismus in den Randgebieten (z.B. SR Georgien) gegen das Weltproletariat, gegen die Weltrevolution zu vereinigen. Das bedeutete: ein konterrevolutionres Bollwerk gegen den Weltsozialismus und das mitten im Vaterland des Weltproletariats - zu errichten. Kann man den Interessen des Weltimperialismus unterwrfiger dienen als Berija es getan hat? Und die Interessen des Weltkapitals bestehen darin, die Sowjetunion - losgelst vom Weltproletariat und isoliert von allen anderen Lndern zu schlagen, also bevor es der Sowjetunion gelingt, die revolutionren Trupps zu einer groen internationalen Armee zu vereinigen. Berija betrachtete die Sowjetunion nicht so wie Lenin und Stalin, nmlich als ein internationalistisches Land, dem Weltproletariat und der Weltrevolution verpflichtet, sondern er hatte vor Allem die Eigeninteressen der Sowjetunion als imperialistische Supermacht vor Augen, ging von einem absolut brgerlichen Standpunkt aus, stellte die nationalen Interessen ber die internationalistischen Interessen. Wenn man aber wie Berija die Interessen des Sozialismus in einem Land dazu missbraucht, sie von den internationalistischen Interessen des Weltproletariats abzukoppeln, ja, sie sogar gegen die Interessen der Proletarier aller Lnder einsetzt, so ist das Nationalismus von belster Sorte, ist das eine Politik des russischen Gromacht-Chauvinismus, des russischen Imperialismus, die mit linken Phrasen
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bemntelt wird, ist das sowohl Verrat an den Sowjetvlkern als auch Verrat an allen Vlkern der Welt. In Worten gegen den russischen Gromachtchauvinismus, in Taten fr eine russische imperialistische Supermacht das war es, was Berija auf dem schnellsten Wege umzusetzen versuchte mit Untersttzung der Nationalisten in den Randgebieten. Am 10. Juli 1953 begann offiziell die Anti-Berija-Kampagne. Berija wurde vorgeworfen, mit imperialistischen Geheimdienstkreisen verkehrt zu haben. Dabei haben ihm Verwandte geholfen, die im Westen im Exil in Paris lebten, ebenso Angehrige der ehemaligen menschewistischen Regierung in Georgien. Radio Tiflis gab am 15. Juli 1953 bekannt, dass auf der Plenartagung des ZK der KP Georgiens und des Parteikomitees der Stadt Tiflis der bisherige Innenminister der georgischen Unionsrepublik, Dekanosow (bekannt fr sein ppiges Luxusleben), und das Mitglied des Zentralkomitees der KP Georgiens, Mamulow, ihrer mter enthoben wurden (beides Berijaner). Oberst Ludwigow, Leiter von Berijas Sekretariat im Innenministerium, wurde inhaftiert, weil er zu viel ber seinen Chef und dessen sexuellen Eskapaden wusste. Ludwigow war mit der Nichte Mikojans verheiratet und wurde nach Chruschtschows Sturz von Breschnew rehabilitiert. Sakisow, Chef der Leibwache Berijas, hatte auf Befehl Berijas seit vielen Jahren Frauen zu dessen Vergngen zuzufhren. Wer von Berijas Leuten nicht umgeschwenkt war, wurde von Chruschtschow kalt gestellt. Also Berijas Leute wurden vor Stalins Tod von Stalin gesubert und nach Stalins Tod von Chruschtschow. Im ersteren Fall ging es um die Abwehr anti-stalinistischer Parteifeinde, im anderen Falle ging es um die Ausschaltung von solchen anti-stalinistischen Krften, die sich nicht der Fraktion von Chruschtschow beugen , sondern dem Weg Berijas auch nach dessen Tod weitergehen wollten. Sudoplatow wurde 15 Jahre hinter Gitter gesetzt. Mamulow war Berijas Sekretr und fungierte auch in der KP Georgiens. Chruschtschow warf ihn ins Gefngnis, ebenso inhaftiert Scharija, georgischer Parteisekretr. Nach Verbung einer Gefngnisstrafe, zu der er auf Grund seiner Aktivitten als mingrelischer Nationalist verurteilt worden war, wurde er zu seinem Pech als Berijas Mann fr auenpolitische Angelegenheiten bestimmt - Opfer in dem um Berija geknpften Netz. Im September 1955 fand ein groer Prozess gegen Staatssicherheitsfunktionre in Georgien statt, von dem die ffentlichkeit allerdings erst am 22. November durch eine Radiomeldung aus Tiflis unterrichtet wurde (W. Leonhard, Kreml ohne Stalin, Seite 170, 1959). So wie vorher Berija im Juli und Dezember 1953 wurden diese beschuldigt, Untersuchungsakten geflscht und gegen Verhaftete verbrecherische Untersuchungsmethoden angewandt zu haben gegen ehrliche Sowjetmenschen. Aber wer waren diese ehrlichen Sowjetmenschen in Wirklichkeit? Es waren jene Verbrecher, die Stalin 1936-1938 zu Recht bestraft hatte und die nun von den Revisionisten rehabilitiert wurden. Nach einem jugoslawischen Bericht (Borba, 13. Februar 1956) wurde Stalins georgische Suberungswelle von den Chruschtschow-Revisionisten wieder vollstndig rckgngig gemacht. Allein in Georgien wurden 2589 (!) Sekretre der Grundorganisationen durch Anhnger Chruschtschows, durch rehabilitierte Verbrecher am Sozialismus, ausgewechselt. Alles, was in Georgien im Entferntesten an Stalin erinnerte, wurde auf Chruschtschows Weisung restlos beseitigt und ausgemerzt, was nicht ohne Protest unter den Georgiern abging. Im Rahmen der Entstalinisierungs-Kampagne in Georgien folgte der Prozess gegen Bagirow und fnf hohe Staatssicherheitsfunktionre des Kaukasus vom 12. bis 26. April 1956. Bagirow galt als eingefleischter Stalinist, der von 1920 bis 1931 an fhrender Stelle im Staatssicherheitsdienst des Kaukasus ttig war und Stalins Suberungen dort von 1950 bis 1953 durchfhrte. Auch auf dem XIX. Parteitag 1952 war er einer derjenigen, die die Kosmopoliten und brgerlichen Nationalisten im Kaukasus am schrfsten verurteilt hatte. Bagirow (Aserbaidshan) wurde von Chruschtschow mit drei Kampfgenossen zum Tode verurteilt , zwei weitere erhielten Freiheitsstrafen von 25 Jahren in Worten waren die Chruschtschow-Revisionisten gegen den Terror, ja stellten sich selber als Opfer des Terrors dar, aber in Taten machten sie Jagd auf die Stalinisten und verbten blutige Terrorakte gegen sie . Der berhmt-berchtigte kaukasische Freiheitskmpfer Schamil aus dem 19. Jahrhundert, der 1950 von Bagirow vllig zu Recht als englischer Agent bezeichnet worden war, wurde von Chruschtschow rehabilitiert. Wenn man nun fragt, was Georgien mit Tito zu tun hat, so braucht man nur in den titoistischen Hetzschriften nachzublttern, die den Stalinisten Bagirow schon 1951 verunglimpften, also
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mitten in der Zeit, wo der Klassenkampf in Georgien zwischen Stalinisten und den Berijanern tobte (Zufall oder titoistische Schtzenhilfe fr Berija ?). Wenn man die Politik Titos mit der Politik Berijas vergleicht, dann sind da nicht nur zufllige bereinstimmungen zu erkennen, sondern Tito hat sich in Georgien demonstrativ auf die Seite Berijas gestellt und diesen im Kampf gegen Stalin untersttzt!!! Und der Marxist-Leninist Berija hat diese Hilfe Titos dankend angenommen. So drehten die Nationalisten Berija und Tito den Spie um und beschuldigten Stalin dessen, wessen Stalin sie angeklagt hatte des Nationalismus !!! Und da heit es in der titoistischen Hetzschrift bei Najdan Paschitsch, Beograd, 1951, Seite 43 : Wie tief die Sowjetpolitik und mit ihr auch die Sowjetwissenschaft in Gromachtsucht und finstersten Nationalismus gesunken sind, ersieht man daraus, dass heute ganz offen die imperialistische Politik des zaristischen Russlands in Schutz genommen, ja sogar gerhmt und verherrlicht wird. (...) Wem dies unglaubhaft erscheint (...) mge den Artikel von M. ad. Bagirew Zur Frage des Charakters der Bewegung des Miriditismus und Schamils durchlesen, der in der 13. vorjhrigen Nummer des `Bolschewik`, der `theoretischen und politischen Zeitschrift des ZK der KPdSU (B) verffentlicht wurde. Stalin hatte Bagirow untersttzt und verteidigt, dass Schamil durchaus nicht der Befreiungskmpfer des Kaukasus war, fr den man ihn in Geschichtsbchern bislang hielt. Chruschtschow erschoss Bagirow. Es drfte in diesem Zusammenhang nicht uninteressant sein darauf hinzuweisen, dass Spezialeinheiten der Nazis diesen historischen Namen Schamil ganz bewusst in ihrem Interesse verwendeten, um aus Kaukasusstmmen sowjetfeindlichen Elementen als Partisaneneinheiten zu rekrutieren und diese hinter die Frontlinien der Roten Armee zu schleusen, um dort unter dem Kommando Gehlens Blutrache an den Rotarmisten zu verben. Dieser Gehlen war als hchster deutscher Geheimdienstoffizier an der Ostfront fr Hunderttausende Menschenleben verantwortlich. Er ist kein Anderer als der Grnder des Bundesnachrichtendienstes - ein Jahr nach Stalins Tod!! Die USA retteten ihn vor dem Zugriff Stalins und und holten ihn nach Amerika, wo die von ihm geschrte Kommunisten-Phobie unter den Amerikaner fast einen Dritten Weltkrieg ausgelst hatte und wo der CIA 10 000 (!) Nazi-Kriegsverbrecher als Geheimagenten ausbildete, um sie ( nun schon zum zweiten Mal!) an der antikommunistischen Front einzusetzen, also von der Ostfront des heien Krieges der deutschen Imperialisten zur Ostfront des Kalten Krieges der US-Imperialisten ! Wenn nun der Name Schamil zudem im Widerstandkampf der Tschetschenen gegen Putins imperialistische Armee wieder aufgetaucht war, zeigt das, welchen unterschiedlichen politisch-militrischen Interessen dieser Name gedient hat und weiter dient. Auf dem XX. Parteitag verschleierte Chruschtschow wohlweislich und gut berlegt die Mingrelische Verschwrung als eine so genannte Mingrelische Affre, weil er befrchten musste, dass sonst seine Lgen, seine Verbrechen, an die ffentlichkeit gelangen knnten. Es war schon sehr verdchtig, dass er Berija , dem er schlielich alle mglichen Verbrechen unterjubelte, ausgerechnet aus der Mingrelischen Verschwrung heraus hielt. Wen wollte Chruschtschow damit decken? Sich selbst ? Das Berijanertum ? Es waren verschiedene stalinfeindliche Gruppen , die schon zu Lebzeiten Stalins untereinander um die Macht im Verborgenen gekmpft hatten und nach Stalins Tod diesen Kampf um die Macht ebenso offen wie verborgen weiterfhrten auch und gerade im Geburtsland Stalins in Georgien. Alles, was nach 1953 offen passierte, das spielte sich verdeckt zu Stalins Lebzeiten, also schon lange vorher ab. Die Fraktionskmpfe seit 1953 stimmten mit den Fraktionskmpfen bis 1953 berein, nur ihr Krfteverhltnis vernderte sich nun zu Gunsten Chruschtschows. Bakradze (war ein Mann Berijas und von Mgaladse gefeuert!) Tvaltsrelidse, Tschilajsvili , Tavadse, Tarba, Taktakisvili, Takidse sie alle waren revisionistische Mitglieder des ZK der KP Georgiens gewhlt 1956 (entsprechend dem XX. Parteitag der KPdSU also zu Chruschtschow geschwenkt.
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Mshawadnadse - Mann Chruschtschows auf dem XX. Parteitag gegen die parteifeindliche Gruppe um Molotow - war derjenige, der den Kurs Chruschtschows, den Kurs des modernen Revisionismus in Georgien auf verbrecherischste Art und Weise umgesetzt hat (Militarist). Er ist einer der grten Verrter Georgiens! 100 pensionierte Geheimdienstgenerle und Offiziere, wurden von Chruschtschow whrend der Jahre 1955-57 degradiert und aus der Partei ausgeschlossen. Sie wussten zu viel ber seine Verbrechen und Parteiintrigen und wurden gettet. Whrend des XXII. Parteitags zogen immer noch endlose Menschenschlangen an Stalins Grab vorbei, um sich zu verabschieden. 1961 erfolgte eine erneute Suberungswelle gegen die Stalinanhnger. Ab jetzt galten Stalinisten als Verbrecher, die von nun ab nicht nur heimlich sondern ganz offen verfolgt, gefoltert, gefangen oder ermordet wurden, whrend die Massenstrme vor Stalins Sarg nicht aufhrten. Am Sonntag, den 29. Oktober 1961 wurde das Lenin-Stalin-Mausoleum wegen Reparatur geschlossen. Im Rahmen seiner Entstalinisierung schlug Chruschtschow vor, ein Ehrenmal fr die Opfer Stalins zu errichten. Am nchsten Nachmittag berichtete Radio Moskau, dass Stalins einbalsamierter Krper aus seiner Ruhesttte entfernt wurde. Arbeiter mussten Stalins Glassarg aus dem Kreml entfernen. Die berreste lie Chruschtschow hinter die Kremlmauer schtten. In seinen Memoiren weist Chruschtschow zwischen 1967 und 1971 smtliche Schuld an den Verbrechen von sich. Seine eigenen Verbrechen hat er bis zu seinem Lebensende verschwiegen und die KPdSU deckte diese bis zu ihrer Auflsung. Natrlich konnte Chruschtschow in Georgien mit seinem Personenkult-Vorwurf gegen Stalin keine Begeisterungsstrme wecken. Im Gegenteil: die Mehrheit des georgischen Volkes war davon berzeugt, dass Stalin ermordet worden war, als es vom Tod Stalins erfuhr. ber die Geheimrede Chruschtschows reagierte das georgische Volk mit grter Emprung und es ging auf die Barrikaden. Am 23. August 1956 berichtet das in Tiflis erscheinende Zentralorgan der KP Georgiens Sarja Wostoka von einer Plenumssitzung des dortigen Zentralkomitees, dass eine ganze Reihe fhrender Parteigenossen nach dem XX. Parteitag scharf angegriffen wurden, weil sie Stalin verteidigt hatten. Wrtlich hie es: , dass der Personenkult in Bezug auf Stalin im Bewusstsein der Bevlkerung Georgiens tiefe Wurzeln schlug, dass er bei uns besonders bertriebene Ausmae erreichte. Mit anderen Worten: Georgien war demonstrativ widerstrebt, die ungerechtfertigten Anschuldigungen des XX. Parteitags gegen Stalin stillschweigend hinzunehmen. Es hatte 1956 nicht nur Sympathiekundgebungen fr Stalin gegeben, sondern den Aufstand von 1956, der im Gegensatz zum ungarischen Aufstand, kein konterrevolutionrer, sondern revolutionrer Aufstand der Georgier war, den Chruschtschow mit Waffengewalt blutig niederschlagen lie! Die Entstalinisierung eines der blutigsten Kapitel der Sowjetrevisionisten insbesondere in der Heimat Stalins! Dazu hie es in der revisionistischen Presse, dass es sich um antiparteiliche Kundgebungen gehandelt habe, um gegen die Beschlsse gegen den Personenkult zu opponieren. Es gebe auch heute noch Menschen, die durch den Personenkult Stalins verblendet sind. Die revisionistischen Bltter konnten also gegen Stalin hetzen so viel sie wollten, eins ist und bleibt eine historische Tatsache: Weder in Georgien noch in irgendeiner anderen Sowjetrepublik hat es jemals eine Massendemonstration zur Verurteilung des angeblichen Personenkult Stalins gegeben und sie wird es niemals geben. Gegeben hat es aber in der ganzen Sowjetunion eine revolutionre Bewegung zur Verteidigung Stalins, die sich von niemanden verschweigen lsst. Das sei zur Ehrenrettung Stalin treuer Parteigenossen, des sowjetischen Proletariats, zur Verteidigung der Sowjetvlker durch das Weltproletariat hervorgehoben. Wir knnen und werden nicht vergessen, wie sehr sich die Stalingenossen im Kampf gegen die modernen Revisionisten verdient gemacht haben und wir ehren ihre Opfer, indem wir ihren Kampf gegen die verhassten Revisionisten bis zu ihrer restlosen Vernichtung fortsetzen !
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Was hat nun das Berijanertum mit dem heutigen Georgien zu tun ? Mehr als ihr vermutet, Genossen ! Oder glaubt ihr an einen Zufall, wenn ein Berijaner mit seiner liliputinschen Linie, also mit seiner Befrwortung und Verteidigung des imperialistischen Krieges gegen Georgien in der KPD/ML (Roter Stern) putschte, um sie zu spalten ? Zeigt das nicht in aller Deutlichkeit wie aktuell die Gefhrlichkeit des Berijanertums ist, welchen zersetzenden Einfluss es auf die marxistisch-leninistische Bewegung hat und wie wichtig es ist, die eigenen Reihen vor Berijanern zu schlieen und diese Leute in die Wste zu schicken ? Knnen die Lehren aus Stalins Kampf gegen Berijas Mingrelischer Verschwrung noch aktueller sein ? Wird dadurch nicht deutlich, wie sich der Fehler Bill Blands auf die Berijaner positiv und auf die marxistisch-leninistische Weltbewegung verheerend auswirkt ?
Das groe Finale der Mingrelischen Verschwrung oder das Mrchen ber Lenin, der angeblich aus Stalin einen brutalen Dorfpolizisten machte
Die Leninwerke stehen mit der Mingrelischen Verschwrung in unmittelbarem Zusammenhang. Wie kann das mglich sein? Lenin war doch schon fast 30 Jahre tot ? Nun, Chruschtschow hat das unglaubliche Kunststck fertig gebracht, Lenin wieder zum Leben zu erwecken ! Lften wir also das Geheimnis dieser Wiederauferstehung: Chruschtschow war mit der Mingrelischen Verschwrung gewaltig unter Druck geraten. Kein Wunder: Erst der Tod des Georgiers Stalin und dann auch noch der Tod des Mingreliers Berija, erst die Beseitigung der berijanischen Posten durch Stalin, dann die Wiederbesetzung der Posten mit Berijanern durch Berija und schlielich die erneute Beseitigung der Berijaleute, diesmal durch Chruschtschow und die Besetzung der Posten mit Chruschtschowianern. Und dann mussten dabei auch noch seine Leichen des Tifliser Stalinaufstands von der Strae gefegt werden. Wer den turbulenten Transkaukasus kennt, der braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, was da los war!!! Das hat dort unter den aufgewhlten Massen Riesenwellen geschlagen und die wollten und wollten nicht wieder abebben. Den Tifliser Aufstand hatte er zwar gerade noch niederschlagen knnen, aber damit hatte Chruschtschow nur noch mehr l ins Feuer gegossen. Chruschtschow suchte Hnde ringend nach einem Ausweg wie wieder Ruhe in den Transkaukasus reinzubringen wre. Chruschtschow war nicht Stalin und damit unfhig, die nationale Frage zu lsen. Es half ihm alles nichts: Das vllig verwickelte Wollknuel musste endlich und ein fr alle Mal auf eine Weise entwirrt werden, die erstens plausibel klingen und die auch akzeptabel fr alle sein wrde. Dazu musste er das andere Ende des Fadens finden, nmlich womit alles begann. Und die Person, mit der alles begann, war Lenin, der zur Kaukasusfrage eine klare, bolschewistische Linie vertreten hatte, die endlich alle zum Verstummen bringen konnte. Lenin wre fr Chruschtschow die einzige Autoritt, mit der er glaubte, die hitzigen Gemter im Transkaukasus wieder beruhigen zu knnen so glaubte er, dem Transkaukasus einen leninschen Maulkorb zu verpassen. Und so suchte er nach gegenstzlichen Auffassungen zwischen Lenin und Stalin in der Kaukasusfrage. Es musste doch irgendwo etwas bei Lenin zu finden sein, was sich gegen Stalin verwenden lie. Chruschtschow suchte, suchte und suchte, aber so sehr er sich auch bemhte, er konnte leider nichts finden, was ihn aus der Klemme geholfen htte. Ihm mussten die Knie geschlottert haben bei dem Gedanken, Lenin ein wenig auf die Sprnge zu helfen, nmlich dass dieser einmal vor langer, langer Zeit ein Testament geschrieben haben muss, von dem weder Lenin selber noch die ganze Partei jemals etwas wissen konnte. Die Nachwelt der an den Leninwerken interessierten Menschen hat es Chruschtschow zu verdanken, dass dieser die Werke Lenins durch einen pltzlich bei ihm aufgetauchten Brief um ein weiteres Dokument bereichern konnte. Was fr ein Zufall, dass der Brief in dem Moment aufgefunden wurde, als der XX. Parteitag stattfand. Und was fr ein noch grerer Zufall, dass darin etwas stand, was haargenau fr das Vorbringen von Chruschtschows Herzensangelegenheit auf dem Parteitag zu gebrauchen war. Und, oh Wunder, mit Lenins Brief wurde Chruschtschow seine mingrelische Migrne endlich los.
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Aber was stand denn nun so Geheimnisvolles in dem Brief von Lenin drin ? Schauen wir einmal rein: Mir scheint, hier haben Stalins Eilfertigkeit und sein Hang zum Administrieren wie auch seine Wut auf den ominsen `Sozialnationalismus` eine verhngnisvolle Rolle gespielt. Wut ist in der Politik gewhnlich berhaupt von grtem bel. (von Chruschtschow geflschter Lenin-Band 36, Seite 591) Was glaubt ihr Genossen, hat das Lenin geschrieben oder seine Gegner ? Hat Lenin jemals bei Stalin Eilfertigkeit, Wut oder gar einen Hang zum Administrieren erwhnt ? Nie ! Wieso sollte er auch. Seitdem die Beiden sich kannten, haben sie bis in ihren Tod groe Stcke voneinander gehalten und waren herzlich vereint durch das unzertrennliche Band der bolschewistischen Partei. Nur der Tod konnte sie trennen. Chruschtschow entlehnte den Vorwurf des Administrierens in seiner Geheimrede brigens direkt dem Trotzkismus. Administrieren, das tat Trotzki, aber den Vorwurf des Administrierens erhob dieser gegen Stalin. Was Stalins und Lenins Haltung zum Sozialnationalismus anging und wie sie damit umgegangen sind, da gab es nie irgendeine Dissonanz. Im Gegenteil, wir knnten `zig Leninzitate anfhren, wo sich Lenin lobend und sogar voller Freude ber Stalins Nationalittenpolitik im Kaukasus geuert hat die zustimmenden Beschlsse der Partei in dieser Frage wollen wir hier gar nicht extra als Beweise heranziehen. In seinen Notizen ber Genosse Lenin in Erholung notierte Stalin Lenins uerungen ber die Sozialnationalisten (Sozialrevolutionre in Georgien) und Menschewiki am 15. September 1922: Ja, sie haben sich zum Ziel gesetzt, Sowjetrussland zu diskreditieren. Sie erleichtern den Imperialisten den Kampf gegen Sowjetrussland. Sie sind in den Sumpf des Kapitalismus geraten und gleiten in den Abgrund. Mgen sie nur zappeln. Fr die Arbeiterklasse sind sie schon lange tot (Zitat aus: Stalin, Band 5, Seite 120). Und tatschlich erleichterte die Mingrelische Verschwrung der Sozialnationalisten den USA ihren Kampf gegen Sowjetrussland. Wir wollen uns auch gar nicht auf eine Diskussion ber den Sozialnationalismus einlassen, wenn in dieser Frage zwischen Lenin und Stalin vllige bereinstimmung herrschte. Wer will, der findet in unserem Artikel ber Georgien genug Material ber Lenins Haltung whrend der Kaukasusperiode des Lebens und Schaffens des Genossen Stalin. Was aber steht in dem Brief von Lenin noch weiter drin? Politisch verantwortlich fr diese ganze wahrhaft grorussisch-nationalistische Kampagne mssen natrlich Stalin und Dzierzynski gemacht werden. (von Chruschtschow geflschter LeninBand 36, Seite 595) Wann haben Stalin und Dzierzynsky jemals in ihrem Leben eine grorussischnationalistische Kampagne gemacht ? Im Jahr, bevor Stalin zum Generalsekretr vorgeschlagen wurde, hatte dieser auf dem X. Parteitag ber die nchsten Aufgaben der Partei in der nationalen Frage referiert also mit vollster Untersttzung Lenins: Wie die Geschichte ferner gezeigt hat, knnen einzelne Vlker, auch wenn es ihnen gelingt, sich von ihrer eigenen nationalen Bourgeoisie sowie von der fremden` Bourgeoisie zu befreien, das heit, auch wenn sie im eigenen Lande die Sowjetordnung errichtet haben, solange der Imperialismus besteht, kein Einzeldasein fhren und einzeln ihre Existenz nicht erfolgreich verteidigen ohne die wirtschaftliche und militrische Untersttzung durch die benachbarten Sowjetrepubliken (Sta-
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lin Band 5, Seite 33). Soll das etwa grorussischer Nationalismus sein? Und was machte Lenin daraufhin? Schritt er dagegen ein ? Im Gegenteil: Er gab die Direktive, die Rote Armee auf den Weg nach Georgien zu schicken, was Stalin sofort praktisch umsetzte. Der Sieg des Sozialismus im Transkaukasus beruhte also unleugbar auf engster Zusammenarbeit zwischen Lenin und Stalin. Wer dies trotzdem leugnet, macht sich zum Erfllungsgehilfen des angloamerikanischen Imperialismus, zum Verrter am Sozialismus in Georgien ! Und es waren Berija und Chruschtschow, die diesen Verrat an Lenin, an Stalin und am georgischen Volk verbten ! Stalin hat mageblichen Anteil an der Bildung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken gehabt, was sich in ein paar kurzen Stzen nachweisen lsst. Lenin hat den Weg zur Schaffung der Sowjetunion bereitet und Stalin war letztendlich der Vollstrecker, der tatschliche Grnder der UdSSR, den Stalinismus als Grundlage fr die Schaffung der zuknftigen Union der Weltsozialistischen Republiken. Am 11. August 1922 und vom 23. - 24. September 1922 leitete Stalin eine Kommission zur Behandlung der Frage der gegenseitigen Beziehungen zwischen der RSFRS (...) und der Transkaukasischen Fderation. Am 27. September fhrt er nach Gorki, um die Fragen mit Lenin abzusprechen. Am 6. Oktober hlt er darber ein Referat auf dem Plenum des ZK der KPR (B). Er wird vom Plenum des ZK zur Leitung einer Kommission zur Vorbereitung der Grndung der UdSSR eingesetzt. Am 16. Oktober teilt Stalin dem ZK der KP Georgiens den Beschluss des Plenums des ZK der KPR (B) mit, dass die Transkaukasische Fderation gegen den Willen der sozialnationalistischen Minderheit erhalten bleibt. Vom 21. - 28. November arbeitet die von Stalin geleitete Kommission einen Verfassungsentwurf der UdSSR aus. Im Politbro berichtet er darber am 30. November 1922, welches Stalins Grundlegende Punkte der Verfassung der UdSSR besttigt. Am 5. Dezember 1922 wird Stalin in der Sitzung der Kommission des Plenums des ZK der KPR (B) in die Unterkommission gewhlt, um den Wortlaut der Verfassung und die Deklaration auszuarbeiten. Am 16. Dezember wird Stalins Entwurf angenommen. Darin heit es: Seit der Bildung der Sowjetrepubliken haben sich die Staaten der Welt in zwei Lager gespalten: das Lager des Kapitalismus und das Lager des Sozialismus. (hervorgehoben von der Redaktion als Gedankennotiz fr die noch spter vorzunehmende Gegenberstellung zur Weltlagertheorie Shdanows) Nur im Lager der Sowjets, unter den Verhltnissen der Diktatur des Proletariats, die die Mehrheit der Bevlkerung um sich geschart und zusammengeschlossen hat, ergab sich die Mglichkeit, die nationale Unterdrckung radikal zu vernichten, eine Atmosphre des gegenseitigen Vertrauens zu schaffen und das Fundament des brderlichen Zusammenwirkens der Vlker zu legen. Nur dank diesen Umstnden ist es den Sowjetrepubliken gelungen, die berflle der Imperialisten der ganzen Welt, die inneren wie der ueren, abzuwehren (Deklaration ber die Bildung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, die auf dem I. Unionskongress der Sowjets am 30. Dezember 1922 besttigt wurde). Dies sollte sich spter auch im Sieg des Groen Vaterlndischen Krieges bewahrheiten. Stalin war im Gegensatz zu Berija niemals fr einen nationalen sozialistischen Staat fr sich allein genommen, sondern fr einen internationalen Staat im Sinne des proletarischen Internationalismus. Von Stalin lernen heit also, die zuknftigen Staaten des Sozialismus als weltsozialistische Staaten zu begreifen. Fr Stalin war die sozialistische Nation niemals Selbstzweck, sondern dafr bestimmt, dazu beizutragen, dass auf dem ganzen Erdball sozialistische Nationen entstehen, weltsozialistische Staaten zum Unterschied von der einen sozialistischen Nation. Jede sozialistische Nation, die nicht fr die Weltrevolution kmpft, die den Kampf fr die Weltrevolution aufgibt, ihn einstellt und ihn untergrbt, ist dem Schicksal der Restauration der brgerlichen Nation geweiht, ist ein nationalistische und keine internationalistische Nation, verrt die Interessen des Weltproletariats, mit dem das Schicksal der Existenz einer jeden sozialistische Nation ohne Ausnahme - verknpft ist. Dies ist nicht nur bloe Theorie, sondern mit dem Tod Stalins wurde dies zur traurigen Tatsache. Man kann nicht fr die
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sozialistische Nation sein, ohne fr die Weltrevolution zu sein, ohne sich selber als Kommunist aufzugeben und ins brgerliche Lager abzugleiten. Stalin hat im Gegensatz zu den Behauptungen der Anti-Stalinisten niemals den Grundsatz des Kampfes fr die Weltrevolution unterschtzt, fallen gelassen oder gar verraten. Er hatte seinen Schwur an Lenins Grab, sein Leben lang fr die Weltrevolution zu kmpfen, bis in seinen Tod die Treue gehalten. Als Lenin im Jahre 1924 starb, trat Stalin auf Vorschlag Lenins an seine Stelle als treuester Schler und engster Kampfgefhrte. Lenin und Stalin haben nie anders als Schulter an Schulter fr die Weltrevolution gekmpft. In allen Fragen, in jeder ernsten Situation, bei jeder wichtigen Entscheidung standen Lenin und Stalin auf diesem internationalistischen Standpunkt. Gemeinsam schufen sie die organisatorischen und ideologischen Grundlagen der revolutionren Partei, die spter imstande war, die Macht der Ausbeuterklassen zu strzen. Sie fhrten gemeinsam einen unvershnlichen Kampf gegen den Trotzkismus und andere Erscheinungen des Opportunismus und errichteten trotz der Opportunisten die Herrschaft der Arbeiterklasse. Was war denn Berija gegen einen Stalin ? Wo trieb Berija sich herum, als Stalin seine titanenhafte Rolle als Organisator der Oktoberrevolution erfllte ? Wo war Berija, als Stalin den VI. Parteitag leitete (Lenin musste sich verborgen halten)? Um die Richtlinien Lenins zum bewaffneten Aufstand, zur sozialistischen Revolution hatte Stalin dort die Partei organisiert und mobilisiert. Es war Stalin, der Lenins Strategie gegen die Trotzkisten in der entscheidenden Stunde in die Tat umsetzte. Es war Stalin, der die trotzkistische Taktik des Wartens auf die Revolution des Westens erfolgreich bekmpfte und auch gegen Bucharin den Kampf fhrte, der die Behauptung aufstellte, dass die Bauern die Revolution nicht untersttzen wrden. Auf wen konnte sich Lenin verlassen, um den entscheidenden Schlag gegen die Kapitulanten in den eigenen Reihen zu fhren ? Auf Stalin ! Am 7. November ging die Macht an die Sowjets ber und die erste Arbeiter- und Bauernregierung in der Geschichte wurde gebildet. Die sozialistische Revolution siegte, weil an der Spitze der Arbeiterklasse und der werkttigen Massen eine Partei stand, die 15 Jahre hindurch unter der Fhrung Lenins und Stalins in erbittertem Ringen alle anti-marxistischen und opportunistischen Elemente geschlagen hatte und in diesem Ringen zu einer einheitlichen und geschlossenen, fest auf dem Boden der revolutionren marxistischen Theorie stehenden Organisation geworden war, die sich durch eine eiserne Disziplin und eine zielbewusste Fhrung vor allen bisherigen sozialistischen Parteien unterschied. Die Lehre von der Rolle der revolutionren Partei, die von Lenin ausgearbeitet und von Stalin weiter entwickelt wurde, ist eine der grundlegenden und entscheidenden Lehren, ohne deren Aneignung keine Partei der Arbeiterklasse irgendeines Landes, keine Kommunistische Weltpartei, keine Kommunistische Internationale ihren Kampf erfolgreich zu fhren vermag. Stalin fhrte die Sowjetunion auf den einzig mglichen Weg, der seine historische Besttigung erfahren hat, zum Sozialismus. Diese Leistung ist zweifellos das grte und gewaltigste Verdienst, das er sich um die Sache der internationalen Arbeiterbewegung erworben hat. Die Lehre vom Sozialismus in einem Land wurde von Lenin ausgearbeitet und von Stalin weiter entwickelt und in die Tat umgesetzt - gegen den Trotzkismus. Mit dem Sozialismus in einem Land, entstanden neben dem Kapitalismus ein neues sozialistisches Lager, standen sich von nun an die kapitalistischen und die sozialistischen Nationen gegenber. Die Lehre Stalins ber Schaffung des sozialistischen Weltlagers, des weltrevolutionren bergangs von der Periode einer sozialistischen Nation zur Periode der sozialistischen Nationen in der ganzen Welt, das ist eine der Grundlagen des Stalinismus. Schon 1922 setzte Stalin also die welthistorische Leninsche These von den beiden Weltlagern - dem kapitalistischen und dem sozialistischen Lager- in die Tat um mit der Schaffung der UdSSR: Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken hat sich bekanntlich im Jahr 1922 auf dem I. Sowjetkongress der UdSSR gebildet. Sie hat sich gebildet auf der Grundlage der Gleichheit und des freien Willens der Sowjetvlker. Die jetzt geltende, im Jahre 1924 angenommene Verfassung ist
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die erste Verfassung der Union der SSR. Es war dies eine Zeit, da die Beziehungen zwischen den Vlkern noch nicht so geregelt waren, wie es sich gehrt, das die berreste des Misstrauens gegen die Grorussen noch nicht verschwunden war, da immer noch zentrifugale Krfte weiter wirkten. Es galt, unter diesen Bedingungen die brderliche Zusammenarbeit der Vlker auf der Grundlage konomischer, politischer und militrischer gegenseitiger Hilfe zu organisieren, indem diese Vlker zu einem Nationalitten-Bundestaat vereinigt wurden. Die Sowjetmacht musste sich der Schwierigkeiten dieser Sache bewusst sein. Sie hatte vor sich die misslungenen Versuche von Nationalittenstaaten in brgerlichen Lndern. Sie hatte vor sich den gescheiterten Versuch des alten sterreichUngarn. Und dennoch entschied sie sich fr den Versuch, einen Nationalittenstaat zu schaffen, denn sie wusste, dass ein auf der Grundlage des Sozialismus entstandener Nationalittenstaat allen und jeden Prfungen standhalten muss. Seitdem sind 14 Jahre verstrichen. Eine ausreichende Zeitspanne, um den Versuch einer Prfung zu unterziehen. Und was ist das Ergebnis ? Die verflossene Periode hat unzweifelhaft gezeigt, dass der Versuch, einen Nationalittenstaat auf der Grundlage des Sozialismus zu bilden, vollauf geglckt ist. Das ist ein unzweifelhafter Sieg der Leninschen Nationalittenpolitik.. Wodurch ist dieser Sieg zu erklren ? Das Fehlen von Ausbeuterklassen, die die Hauptorganisatoren der Zwietracht zwischen den Nationen sind; das Fehlen der Ausbeutung, die gegenseitiges Misstrauen zchtet und nationalistische Leidenschaften schrt; die Tatsache, dass die Arbeiterklasse an der Macht ist, die ein Feind jeglicher Versklavung und der treue Trger der Ideen des Internationalismus ist; die tatschliche Verwirklichung der gegenseitigen Hilfe der Vlker auf allen Gebieten des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens; schlielich das Aufblhen der nationalen Kultur der Vlker der Sowjetunion, der Form nach national, dem Inhalt nach sozialistisch alle diese und hnliche Faktoren haben dazu gefhrt, dass sich die Physiognomie der Vlker der Sowjetunion vllig verndert hat, das Gefhl gegenseitigen Misstrauens in ihnen geschwunden ist, das Gefhl gegenseitiger Freundschaft sich bei ihnen entwickelt hat, und somit die wahrhaft brderlichen Zusammenarbeit der Vlker im System eines einheitlichen Bundesstaates zustande gekommen ist. Das Ergebnis ist, dass wir jetzt einen vllig ausgebildeten sozialistischen Nationalittenstaat haben, der allen Prfungen standgehalten hat und den jeder Nationalstaat in jedem Erdteil um seine Festigkeit beneiden knnte. Das sind die Vernderungen, die in der vergangenen Periode auf dem Gebiet der nationalen Beziehungen in der Sowjetunion vor sich gegangen sind. Das ist das Gesamtfazit der Vernderungen, die im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Leben der Sowjetunion in der Periode von 1924 bis 1936 vor sich gegangen sind (Stalin, ber den Entwurf der Verfassung der UdSSR, Werke, Band 14, Seite 64-65, KPD/ML, Dortmund 1976). Die Schaffung der UdSSR bedeutete eine gewaltige Strkung der Sowjetmacht und einen groen Sieg der Lenin-Stalinschen Politik der Partei der Bolschewiki in der nationalen Frage. Den Stalinismus verteidigen heit, diesen wichtigen Grundpfeiler zu verteidigen, nmlich die Lehre von der UdSSR und die Lsung ihrer nationalen Frage. Das heit nicht, dass man an historisch berholten Lehrstzen Stalins festhalten muss. So muss zum Beispiel die folgende These Stalins berdacht werden: ... knnen einzelne Vlker, auch wenn es ihnen gelingt, sich von ihrer eigenen nationalen Bourgeoisie sowie von der `fremden` Bourgeoisie zu befreien, das heit, auch wenn sie im eigenen Land die Sowjetordnung errichtet haben, solange der Imperialismus besteht, kein Einzeldasein fhren und einzeln ihre Existenz nicht erfolgreich verteidigen ohne die wirtschaftliche
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und militrische Untersttzung durch die benachbarten Sowjetrepubliken (Stalin, Band 5, Seite 33). Stalin hat sich hier zum Teil und das im positiven Sinne - geirrt, denn was er hier sagt, widerspricht dem Beispiel Albaniens, dass es wenigstens oder immerhin fr einen jahrzehntelangen Zeitraum geschafft hatte, durchaus ein Einzeldasein zu fhren (fhren zu mssen !). Die Lehren Enver Hoxhas beweisen eindeutig, dass das Leuchtfeuer des Sozialismus auch in einem kleinen Land wie Albanien ber die ganze kapitalistisch-revisionistische Welt erstrahlte, dass es trotz Verrats des jugoslawischen, chruschtschowianischen und chinesischen Revisionismus ein sozialistisches Einzeldasein fhrte, sich verteidigen und wirtschaftlich unabhngig entwickeln und sich trotz alledem zu einem blhenden sozialistischen Land entwickeln konnte, indem es die Lehre Enver Hoxhas erfolgreich anwandte und sich auf die eigenen Krfte sttzte. Das macht das Wesen und die Strke des Hoxhaismus aus. Enver Hoxha konnte alle Versuche Titos erfolgreich abwehren, mit dessen Nationalittenpolitik Albanien zu einer seiner jugoslawischen Sowjetrepubliken (sprich: zu einer jugoslawischen Kolonie) geworden wre. Der Sturz der Diktatur des albanischen Proletariats scheiterte jedoch nicht etwa daran, dass sich Albanien nicht an Stalins These gehalten hatte ( Albanien war gezwungen, seinen eigenen stalinistischen Weg des Sozialismus zu beschreiten oder unterzugehen !), sondern daran, dass sich in Albanien nach Enver Hoxhas Tod der Revisionismus breit machte, es sich unter derem Druck vom Stalinismus lossagte, und es - trotz Widerstand aufrechter albanischer Stalinisten - zulie, wie die Konterrevolution das StalinMonument in Tirana umstrzte. Von Stalin lernen heit siegen lernen! Das galt nicht nur fr das Aufblhen des sozialistischen Albanien, das gilt gegenwrtig und in Zukunft fr den Sieg der Weltrevolution, fr den Sieg des Weltsozialismus ! Was zeigt das albanische Beispiel ? Es zeigt, dass man den Stalinismus nicht unkritisch auf alle zuknftigen Bedingungen bertragen darf. Er muss im marxistischen Sinne modifiziert werden. Den Stalinismus kann man heute nicht verteidigen, wenn man am grnen Tisch eine Kopie der UdSSR im Weltmastab konstruiert. Man muss das Wesen des Stalinismus begreifen und eine qualitativ vllig neue Weltunion von weltsozialistischen Staaten aufbauen, die unter den heutigen Bedingungen der Globalisierung die nationalen und sozialen Bedrfnisse der Werkttigen der ganzen Welt am optimalsten widerspiegelt und befriedigt. Die neue Form der Union der Weltsozialistischen Republiken entsteht im internationalen Klassenkampf selbst und zwar nach den Vorstellungen des Weltproletariats und nicht als Ergebnis schlauer Gelehrter, mit denen man nun einmal keine Formen erdenken und konstruieren kann. Diese Formen der Entwicklung des Weltsozialismus sind nicht vorausbestimmbar. Sie mssen im Klassenkampf wissenschaftlich erarbeitet werden. Das lehrt der Marxismus-Leninismus. Die sozialistische Nation in der ersten Periode des Sozialismus musste sich gegenber den kapitalistischen Nationen, die sie umkreisten, behaupten, musste sich gegen sie erwehren. Der Sozialismus wurde vom Weltkapitalismus stndig bedroht. Die Errichtung der Diktatur des Proletariats war der Grundpfeiler, auf dem sich die siegreiche Lsung der nationalen Frage in der UdSSR aufbaute. Die Geschichte der sozialistischen Nation war in dieser Periode die Geschichte von der Abwehr militrischer berflle und Kriege. Der imperialistische Klassenkrieg gegen den Sozialismus prgte den Typus der sozialistischen Nation in der ersten Periode des Sozialismus. Wodurch wird die Lsung der nationalen Frage durch die sozialistische Weltrevolution des Weltproletariat also zu erklren sein ? Der Weltkapitalismus scheitert, weil er nichts an seiner Kapitulation gegenber der Lsung der sozialen und nationalen Frage zu ndern vermag, denn er hat seine Existenz nun einmal an Ausbeutung und Unterdrckung gekettet und damit sein eigenes Grab geschaufelt.
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Der Weltsozialismus siegt, weil er sich im Kampf fr die Lsung der sozialen und nationalen Frage herausbildet, weil er ohne internationale Befreiung der sozialen Welt nicht lebensfhig ist, weil er auf der ganzen Welt die Ausbeutung und Unterdrckung beseitigt. Im Weltsozialismus wird es etwa wie folgt aussehen: Das Fehlen des Widerspruchs zwischen ausbeutenden und unterdrckenden sowie das Fehlen von ausgebeuteten und unterdrckten Nationen; das Fehlen der globalisierten, weltimperialistischen Ausbeutung; durch die Beseitigung ihrer imperialistischen Hauptorganisatoren, die den anti-imperialistischen und den gegenseitigen nationalistischen Hass schrten; die Tatsache, dass das Weltproletariat auf der ganzen Welt an der Macht ist, die ein Feind jeglicher Versklavung und der treue Trger der Ideen des Internationalismus ist; die tatschliche Verwirklichung der gegenseitigen Hilfe aller Vlker auf allen Gebieten des weltwirtschaftlichen und weltgesellschaftlichen Lebens; schlielich das Aufblhen der nationalen Kultur der Vlker der sozialistischen Weltunion, der Form nach (noch) national (aber schon nicht mehr in der alten Form national), dem Inhalt nach weltsozialistisch alle diese und hnliche Faktoren werden dazu fhren, dass sich die Physiognomie der Vlker der sozia
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a06ccda7591ebbebcb7f25ae9fe71584 | Der richtige Umgang mit der Sehnsucht nach Liebe
Sehnsucht ist ein Gefühl, das jeder Mensch hin und wieder verspürt – etwa nach einem Menschen, einem besonderen Ort oder nach der Liebe. Sie kann sowohl bei Singles als auch in einer Partnerschaft auftreten, in der Regel dann, wenn wir nicht gänzlich zufrieden mit unserer aktuellen Lebenssituation sind. Wir verraten Ihnen, wie Sie Ihre eigene Sehnsucht nach Liebe einordnen sollten und wie Sie am besten mit dem Gefühl umgehen.
Inhaltsverzeichnis
- Das steckt hinter unserer Sehnsucht nach Liebe
- Die häufigsten Gründe für unseren Wunsch nach Liebe
- Typische Voraussetzungen für die Sehnsucht nach Liebe und Auswege
- Auf einen Blick: Die wichtigsten Dos und Don‘ts bei der Sehnsucht nach Liebe
- Fazit: Akzeptieren Sie Ihre Sehnsucht nach Liebe
Das steckt hinter unserer Sehnsucht nach Liebe
Das starke Verlangen nach etwas, das wir begehren oder uns von Herzen wünschen, bezeichnen wir als Sehnsucht. Sie lässt uns von einer anderen Realität als der träumen, in der wir uns aktuell befinden. Aus biologischer Sicht erfüllt dieses Gefühl den ursprünglichen Zweck, uns mit einem Partner fortzupflanzen und so unsere Art zu erhalten. Philosophisch betrachtet ebnet die Sehnsucht nach Liebe die Basis für unser soziales Leben, aus psychologischer Sicht vermittelt die Liebe uns ein starkes Selbstbewusstsein, das uns ein glückliches und ausgeglichenes Leben ermöglicht und ist daher für Menschen ganz grundsätzlich erstrebenswert.
Liebe der Eltern versus Liebe in der Partnerschaft
Bei der Sehnsucht nach Liebe sollte zwischen zwei Arten unterschieden werden – nämlich die Liebe der Eltern oder die Zuwendung eines Partners. Diplom-Psychologin und ElitePartner-Expertin Lisa Fischbach erklärt den zentralen Unterschied:
„Die Sehnsucht, die sich auf die Liebe der Eltern richtet, bezieht sich auf das große Bedürfnis nach bedingungsloser Liebe. Also das Urgefühl, willkommen zu sein und mit all seinen Facetten akzeptiert zu werden, ohne dafür etwas leisten zu müssen, sondern einfach nur man selbst sein zu dürfen. Die Sehnsucht nach der Liebe eines Partners hat auch mit dem Wunsch nach Bestätigung seiner selbst zu tun. Hier geht es neben der emotionalen auch um eine körperliche, sexuelle Ebene.“
Die häufigsten Gründe für unseren Wunsch nach Liebe
Die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit ist nicht immer gleichermaßen ausgeprägt, vielmehr wird sie von bestimmten Situationen verstärkt. Bei Singles kann etwa das Nachhausekommen in die leere Wohnung, aber auch der Besuch einer Hochzeit oder die Neuigkeit einer Schwangerschaft im Freundeskreis ein starkes Gefühl der Sehnsucht auslösen. Das übergeordnete Gefühl ist hierbei übrigens nicht Neid, sondern vielmehr Empathie. Einfühlsame Menschen versetzen sich besonders leicht in das Glück anderer hinein und verspüren dadurch oft schmerzhaft, dass ihnen selbst dieses Glück gerade fehlt. In Beziehungen tritt Sehnsucht etwa dann auf, wenn sich ein Partner vom anderen zurückversetzt oder nicht mehr richtig wahrgenommen fühlt. Zum Beispiel, weil es in der Beziehung gerade kriselt oder Sie in der Routinefalle sitzen. In Fernbeziehungen ist die Sehnsucht nach Liebe übrigens ein häufiger Begleiter, denn obwohl es einen geliebten Partner im Leben gibt, ist dieser aufgrund der Distanz meist nicht verfügbar.
Typische Voraussetzungen für die Sehnsucht nach Liebe und Auswege
Kennen Sie das Gefühl, sich im Alltag nach Liebe zu sehnen? Dann sollten Sie zuerst versuchen, Ihr Verlangen richtig einzuordnen. Denn auch wenn die Sehnsucht nach Liebe fest in uns Menschen verankert ist, kann sie durchaus überhandnehmen und sich negativ auf Ihr Leben und Ihre Zufriedenheit auswirken. Wenn Sie um den Grund für Ihre Sehnsucht wissen, ist es einfach, den passenden Ausweg zu finden.
- Sie sind frisch getrennt und leiden unter Ihrem Liebeskummer. Eine klassische Situation, da Ihnen in der Beziehung Liebe geschenkt wurde und diese mit dem Beziehungsende nun verloren scheint. Eine Trennung führt häufig zu Selbstzweifeln und Unsicherheit. Lernen Sie in dieser Situation also zunächst, wieder Zeit mit sich selbst zu verbringen, die Trennung richtig zu verarbeiten und Ihr eigenes Selbstbewusstsein zu stärken.
- Sie sind bereits seit langer Zeit Single und wünschen sich endlich wieder Nähe. Besonders, wenn Sie mit vielen Paaren befreundet sind, wird Ihnen ständig vor Augen geführt, was in Ihrem Leben augenscheinlich fehlt. Am besten hilft in dieser Situation, neue Menschen kennenzulernen, mit anderen Singles Zeit zu verbringen und nicht verbissen nach einer neuen Partnerschaft zu suchen.
- Sie führen mit Ihrem Partner eine Beziehung auf Distanz. Wenn es gerade nicht möglich ist, die Entfernung zwischen Ihren Wohnorten aufzulösen, suchen Sie sich gemeinsame Rituale. Das können etwa Gute-Nacht-Nachrichten sein oder kurze Videoanrufe in der Mittagspause, um so auch am gegenseitigen Alltag teilzuhaben. Nimmt die Sehnsucht überhand, sollten Sie gemeinsam versuchen, die Entfernung in näherer Zukunft zu verringern.
- Sie verspüren trotz Ihrer Beziehung Sehnsucht nach Liebe. Gerade bei langen Beziehungen oder in Krisenphasen sehnen wir uns nach der Geborgenheit und Bestätigung, die wir zu Beginn der Partnerschaft erfahren haben. Kann unser Partner uns diese nicht geben, stellen wir uns vor, wie ein anderer Mensch diese Rolle einnehmen könnte. Seien Sie Ihrem Partner gegenüber in diesem Fall offen. Formulieren Sie, dass Sie sich nach Liebe oder einem anderen Partner sehnen – auch, wenn es schwerfällt. So können Sie gemeinsam die Probleme in Ihrer Partnerschaft aufarbeiten und die Liebe wieder aufblühen lassen.
- Sie können sich selbst schwer annehmen und sehnen sich nach viel Bestätigung von außen. Ein mangelndes Selbstwertgefühl ist ein häufiger Grund für die Sehnsucht nach Liebe. Da Sie sich selbst nicht lieben, wünschen Sie sich, dass ein anderer Mensch dieses Gefühl kompensiert. Allerdings wird auch das auf Dauer nicht genügen. Am wichtigsten ist es in diesem Fall also, Ihren eigenen Selbstwert zu stärken, um so langfristig Ihre innere Sehnsucht nach Liebe zu stillen.
Auf einen Blick: Die wichtigsten Dos und Don‘ts bei der Sehnsucht nach Liebe
Gerade in Momenten, in denen die Sehnsucht nach Liebe uns zu übermannen scheint, brauchen wir schnelle Lösungsansätze. Deshalb haben wir für Sie auf einen Blick gesammelt, was Sie gegen Sehnsucht nach Liebe tun können. Mit den folgenden Dos und Don‘ts wird es Ihnen gelingen, die Sehnsucht in Schach zu halten.
Was bei Sehnsucht hilft:
- Sprechen Sie mit Freunden oder Familienmitgliedern über Ihre Bedürfnisse – auch diese können Ihnen Geborgenheit vermitteln
- Konzentrieren Sie sich auf die positiven Werte in Ihrem Leben
- Probieren Sie neue Aktivitäten aus und seien Sie offen neuen Bekanntschaften gegenüber
- Erweitern Sie Ihren Freundeskreis mit Gleichgesinnten, die Ihre Gefühle selbst kennen
- Lenken Sie sich in Momenten, in denen Sie sich besonders einsam fühlen, mit einem Hobby oder durch Unternehmungen mit Freunden ab
- Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein, um sich selbst die Liebe zu geben, die Sie brauchen
Was Sie lieber vermeiden sollten:
- Sie stürzen sich aus Liebeskummer nach einer Trennung direkt in eine neue Beziehung
- Sie isolieren sich von Ihrem sozialen Umfeld
- Sie nehmen Ihr Bedürfnis nach mehr Liebe innerhalb einer Partnerschaft schweigend hin
- Aus Angst vor der Trennung verharren Sie in einer unglücklichen Beziehung
- Dass Sie aktuell keine Beziehung führen, erklären Sie sich damit, dass Sie selbst nicht gut genug sind
- Sie lassen Ihre Sehnsucht in Ihrer Fernbeziehungen zu Eifersucht und Misstrauen heranwachsen
Fazit: Akzeptieren Sie Ihre Sehnsucht nach Liebe
Der Gedanke „Ich sehne mich nach einer neuen Liebe“ ist menschlich und taucht immer dann auf, wenn wir gerade unzufrieden mit unserer aktuellen Situation sind – das betrifft Singles genauso wie Menschen in einer Beziehung. Bei Nicht-Liierten sind hier häufig Situationen wie der Besuch einer Hochzeit, das Nachhausekommen in die einsame Wohnung oder ein Abend mit einem befreundeten Pärchen typische Auslöser, in Beziehungen tritt Sehnsucht vor allem dann auf, wenn die Partnerschaft kriselt, sich viel Routine eingeschlichen hat oder der Partner aufgrund einer Fernbeziehung nur selten vor Ort ist. Ehrliche Gespräche mit Freunden oder dem Partner, Offenheit neuen Aktivitäten und Bekanntschaften gegenüber und die Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins sind nur einige Selbsthilfetipps, um Phasen starker Sehnsucht gut zu bewältigen. So ebnen Sie den Weg dafür, etwas an Ihrer aktuellen Situation zu ändern, um damit die Ursache der Sehnsucht zu beheben. | 3.375 | 1.867188 | 2.5625 |
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Projektsteckbrief
Operative Umsetzung
Mit den wiederverwendbaren Kaffeebechern bieten wir eine nachhaltige Alternative mit #BecherBonus zum Sparen von Aball und Geld im Vergleich zu den herkömmlichen Einwegbechern.
Der angebotene Kaffee in den Mensen und Cafeterien des Studierendenwerks Kaiserslautern wird aus nachhaltig zertifizierten (ökologisch angebaut und fair gehandelt) Kaffeebohnen zubereitet.
Das Studierendenwerk Kaiserslautern beteiligt sich mit Aktionsgerichten an der Nachhaltigkeitswoche. Gesunde Ernährung mit regionalen und nachhaltigen Lebensmitteln steht dabei im Mittelpunkt:
Nachhaltigkeitswoche 2019: Die Pfalz tischt auf
- Montag im Wok: "Bolognese" vom Pfälzer Wild, Bandnudeln
- Dienstag im Grill: Lende vom Pfälzer Schwein mit Pfälzer Spargelgemüse und neue Kartoffeln
- Mittwoch im Wok: Ein frischer Pfannkuchen mit Pfälzer Erdbeeren und Sahnejoghurt
- Donnerstag im Grill: Kammsteak vom Pfälzer Schwein mit hausgemachter Kräuterbutter und Schwenkkartoffeln
- Freitag in Ausgabe 2: Pfälzer Kartoffelsuppe, dazu eine große Dampfnudel mit Vanille- oder Weinsoße
Geplante Maßnahmen
- Wissen. Vegan. Genießen -
Hintergrund
Gemeinsam haben wir (GO des Umwelt-Campus Birkenfeld, Asta Universität Trier und TUK) das Konzept eines veganen Frühstücks entwickelt um das Thema Nachhaltigkeit in den Alltag der Uni zu integrieren und eine Aus-tauschplattform zu schaffen. Nachhaltigkeit und Regionalität gehen bei der Ernährung Hand in Hand, denn nur kurze Transportwege stellen eine möglichst klimaschonende Anlieferung sicher. Vorgesehen ist daher eine enge Kooperation mit regionalen Produzenten. Im Zuge der Zusammenarbeit schaffen wir für unsere Kooperationspartner eine Plattform zum Austausch mit dem Endverbraucher. Das vegane Frühstück dient hier als zeitgemäßer Informations- und Vermarktungsweg. Durch das vielfältige Angebot und eine bewusste Auswahl an hochwertigen regionalen Produkten wird der Gast für die Auswirkungen seiner Ernährungsgewohnheiten auf seinen ökologischen Fußabdruck sensibilisiert. Dazu zählen Wasserverbrauch, Ressourcenverbrauch, CO2-Verbrauch und Herkunft der Produkte. Anhand von ausgelegtem Infomaterial und Plakaten sieht der Gast woher die Produkte stammen und welche ökologischen Auswirkungen sie haben. Studierende und Mitarbeitende lernen in diesem Zuge grundsätzlich hochwertige Ernährung als wichtigen Bestandteil eines alltagsnahen, gesunden Lebens zu schätzen. Es wer-den Ratschläge zu Einkauf, sowie Lagerung und Zubereitung gegeben. Wie wichtig es ist gesunde Ernährung von jungen Menschen zu unterstützen zeigen Formate wie „Schule isst besser“ und „Kindergarten isst besser“.
Vision
Der neue Veranstaltungsrahmen mit landesweitem Wiedererkennungswert lässt ein neues Netzwerk entstehen und bringt die Aufmerksamkeit für Nachhaltige Entwicklung und Ernährung effektiv in die gesamte Hochschulgemeinschaft. Perspektivisch kann hieraus in Angliederung an die Formate Rheinland-Pfalz, Kita und Schule isst besser ein neues Format für Hochschulen entstehen.
Ziel
Das vegane Frühstück, soll auf breite Resonanz stoßen und Nachhaltigkeit an Hochschulen sichtbar machen sowie Teilnehmende und Neugierige sensibilisieren. Der neu geschaffene Raum umgeht Hierarchien und bringt Menschen zusammen, die sonst nur wenig miteinander zu tun hätten. Durch Austausch und Vernetzung der Akteure und Akteurinnen sollen sich neue Projekte und Synergien ergeben.
Zielgruppe
Das Frühstück soll eine offene Plattform für alle Hochschul- Universitätsangehörigen bieten und alle Zielgruppen von Professoren über Mitarbeitende und Studierende wie auch Menschen in der Region ansprechen. Die Gestaltung als Frühstück bringt das Thema gesunde und nachhaltige Ernährung unterschwellig „auf den Tisch“. Erfahrungsgemäß kommt es so von selbst zum Austausch über Ernährungsgewohnheiten und ihre Folgen. Studierende, Mitarbeitende und Dozierende werden in ihrer Vorbildfunktion zu Multiplikatoren für Nachhaltige Entwicklung.
Hintergrund
Mit dem Format „Rheinland-Pfalz isst besser“ hat das Land eine Kampagne ins Leben gerufen, die Verbrauchenden in Rheinland-Pfalz die Bedeutung und den Wert von nachhaltigen Lebensmitteln und einer nachhaltigen, gesunden Ernährung im Zusammenhang mit verantwortungsvollem Konsum, Umwelt- und Klimaschutz vermitteln soll. Dazu wird für regional und ökologisch erzeugte Produkte geworben. Eine frische und ausgewogene Zubereitung kann fast immer mit ein wenig Übung verwirklicht werden. Damit Essen und Trinken sowohl Spaß machen als auch zu der Gesundheit beitragen, werden Verbrauchende im Zuge der Kampagne beispielsweise auf interaktive Art und Weise mit dem Kochbus informiert. Dabei wird ein Grundwissen über die Zusammenstellung einer gesunden Ernährung und der Umgang mit Lebensmitteln vermittelt damit Frische und Qualität erhalten bleiben.
Als Ableger der Kampagne „Rheinland-Pfalz isst besser“ wurden zwei Formate ins Leben gerufen, die sich konkret mit der Ernährung in KiTa’s und Schulen beschäftigen. Mit Hilfe von „Kita isst besser“ und „Schule isst besser“ soll ein Bewusstsein für eine gesunde Ernährung schon bei den ganz jungen Verbrauchenden geschaffen werden, um gesundheitliche Probleme, die mit ungesunder Ernährung einhergehen einzudämmen. Das Erlebnis von hochwertigem Essen und nachhaltiger Produktion findet sich sowohl in einem Bildungsprogramm als auch in einer qualifizierenden Zertifizierung von gastronomischen Angeboten wieder.
In Anlehnung an diese beiden erfolgreichen Formate, die zeigen, wie wichtig es ist, die gesunde Ernährung von jungen Menschen zu unterstützen, will das Nachhaltigkeitsbüro der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) in Zusammenarbeit mit dem Studierendenwerk Kaiserslautern und den angeschlossenen Mensen notwendige Handlungsfelder und Lösungsansätze herausarbeiten, die für ein Format in Universitäten und Hochschulen abgestimmt sind und im Anschluss gemeinsam mit den beteiligten Ministerien verwirklicht werden können. Das Studierendenwerk Kaiserslautern ist als Verarbeitungsbetrieb bereits für ausgewählte Produkte von der ABCERT GmbH nach EG-Öko-Verordnung zertifiziert (Codenummer der ABCERT AG: DE-Öko-006-Kontrollstelle, Kontrollnummer bei der Kontrollbehörde: D-RP-006-15445-B). Mit „Uni isst besser“ sollen sowohl den über 120.000 Studierenden, als auch den Mitarbeitenden von Universitäten und Hochschulen in Rheinland-Pfalz eine hochwertige Ernährung als wichtiger Bestandteil eines alltagsnahen und gesunden Lebens vermittelt werden.
Vision und Ziel
Durch die neue Kampagne „Uni isst besser“, die einen landesweiten Wiedererkennungswert mit sich bringt, können Themen der nachhaltigen Entwicklung und gesunden Ernährung effektiv in der gesamten Hochschulgemeinschaft adressiert werden. Da wo „Kita isst besser“ und „Schule isst besser“ in einem jungen Alter ansetzen, um auf gesunde Ernährung aufmerksam zu machen, kann „Uni isst besser“ vorhandenes Wissen vertiefen und weiter aus-bauen. Dabei soll Studierenden und Mitarbeitenden nicht nur deutlich gemacht werden, wie wichtig eine gesunde Ernährung ist, sondern auch der verantwortliche und nachhaltige Umgang mit Lebensmitteln vermittelt werden. Zusätzlich zu den Kernthemen, die aus den beiden Formaten für KiTa’s und Schulen hervorgehen, soll das Format für Universitäten und Hochschulen mit der Entwicklung eines Qualitätsstandards für Nachhaltigkeit in Großkantinen erweitert werden. Da Mensen in einer völlig anderen Größenordnung im Vergleich zur Schul- oder Kitagastronomie arbeiten ist eine weitere Programmergänzung für Großkantinen und Großveranstaltungen durch die gewonnenen Erkenntnisse perspektivisch naheliegend.
Durch die Initiative „Ich kann kochen“ werden Menschen für eine vielseitige Ernährung begeistert. Zusätzlich werden Kompetenzen zu gesunder Ernährung und Umwelt vermittelt. Durch die Verarbeitung ursprünglicher Lebensmittel wird außerdem eine Wertschätzung für Nahrungsmittel vermittelt, die dazu führen soll, dass weniger Essen weggeworfen wird. Da der nachhaltige Umgang mit Lebensmitteln und eine gesunde Ernährung auch im weiteren Verlauf des Lebens eine große Rolle spielt ist die Vertiefung dieser Themen auch für Studierende und Mitarbeitende relevant.
Mit dem Kochbus der Initiative Rheinland-Pfalz isst besser soll dies auf dem Campus der TUK z. B. während der Nachhaltigkeitswoche umgesetzt werden.
Engagiere dich für nachhaltige Ernährung
Engagement in der Hochschulgruppe FUTURE Nachhaltigkeit
Die Hochschulgruppe FUTURE Nachhaltigkeit bietet allen Mitgliedern der Universität die Chance gemeinsam mit anderen eigene Projektideen ehrenamtlich und freiwillig am Campus anzustoßen und durchzuführen oder bei laufenden Projekten mitzuwirken.
Sei dabei! Mitmachen können alle Mitglieder der TU Kaiserslautern!
Dabei steht die Unterstützung und die Infrastruktur des Nachhaltigkeitsbüros zur Verfügung. Die Projektideen sollen sich in der Regel mindestens auf zwei Gesichtspunkte der Nachhaltigkeit beziehen: Ökologie, Sozio-Kultur und Ökonomie.
Ernährung und Hochschulgastronomie
Das Studierendenwerk Kaiserslautern kümmert sich um die Rahmengestaltung des Studiums als Dienstleistungsunternehmen, welches sich durch Eigeneinnahmen, Sozialbeiträge und Zuschüssen des Landes Rheinland-Pfalz finanziert. Hierzu gehört unter anderem die Hochschulgastronomie mit Mensa und Cafeterien, die sich um die Verpflegung der Studierenden und Mitarbeitenden kümmern.
Alle Speisen werden aus hochwertigen und, soweit möglich, regionalen Zutaten zubereitet. Seit 2013 wird ausschließlich fair gehandelter Kaffee aus ökologischem Anbau angeboten. Bei der Auswahl der Lebensmittel spielen Herkunft, Transportwege sowie Erzeugungs-und Produktionsmethoden eine wichtige Rolle. Beim Einkauf wird bewusst auf kennzeichnungspflichtige gentechnisch veränderte Produkte verzichtet und es kommen insbesondere Produkte mit Siegeln (Fairtrade- oder MSC-Siegel) zum Einsatz.
In der hauseigenen Bäckerei werden Bio-Backwaren hergestellt, diese sind von der ABCERT AG nach der EG-Öko-Verordnung zertifiziert. Im Jahr 2016 wurden hier 250.000 Bio-Brötchen für Mensen und Cafeterien in Kaiserslautern produziert.
Durch die Zusammenarbeit mit dem Garten der Universität wird mittlerweile ein Großteil der in Mensa und Cafeteria verwendeten Kräuter direkt aus dem Fachbereichsgarten Biologie bezogen werden.
Auch beim Fleisch wird auf regionalen Bezug geachtet: Hier greift das Studierendenwerk auch auf die umliegenden Bundesländer zurück, da ein reiner Bezug der benötigten Menge aus der Pfalz (noch) nicht möglich ist. Desweitern beteiligt sich das Studierendenwerk an der Initiative „Käfigfreie Mensa“, was bedeutet, dass weder Schalenei noch Flüssigei aus Käfighaltung verwendet wird. Hiervon ausgenommen sind jedoch noch Fertigprodukte aufgrund mangelnder Kontrollmöglichkeit.
Jedes Jahr fallen rund 50 Tonnen an Essensresten an, was bedeutet, dass pro ausgegebener Portion durchschnittlich nur 50 g übrigbleiben. Hierzu zählen aber auch Abfälle aus dem Produktionsprozess wie Knochen, die nicht genießbar sind. Diese werden getrennt gesammelt und der lokalen Biogasproduktion bei der ZAK zugeführt.
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Datengrundlagen
- Studierendenwerk Kaiserslautern: Selbstauskunft und Geschäftsberichte
- Nachhaltigkeitsbüro: eigene Recherche, Berechnung und Prüfung | 3.90625 | 3.40625 | 2.890625 |
77f1949d177a1778585003fb9ec92cdd | Film Screening und Panel Talk mit Münchens Boardherstellern
Seit einigen Jahren wohne ich nun schon in München. Doch was hat mich hierher gebracht? Ganz einfach: die Liebe zum Boardsport und der Natur. Gerade München bietet sich für den Lifestyle auf Brettern jeglicher Art besonders an. So kann man zu jeder Jahreszeit an den Eisbach zum Surfen, im Sommer zum Kiten, SUP oder Wakeboard fahren an die Seen in der direkten Umgebung und im Winter zum Snowboarden in die nahe gelegenen Berge.
Freiheit. Den Moment genießen. Eins mit der Natur sein. Selbstverwirklichung.
Wer denkt dabei schon an Umweltverschmutzung!? Leider die wenigsten. Gerade die Industrie lässt uns oft glauben, dass wir mit einem Brett unter den Füßen in die Natur tauchen und allein damit zu passionierten Naturliebhabern erkoren sind. Doch schauen wir uns das einmal in nüchternem Zustand an: Abnutzung und Verschließ, CO2-Verbrauch bei der Anreise zum Spot und bei der Produktion von Ausrüstung und Lifestyle-Mode, sowie zu guter Letzt Abfall und giftige Chemikalien bei der Herstellung.
Doch was bedeutet das nun für uns, die den Boardsport lieben? Abstinenz? Nein!
Lasst es mich erklären:
Ja, auch ich habe eine neue Ausrüstung, wenn ich sie brauche.
Ja, auch ich setze mich ins Auto oder das Flugzeug, um zu einem Surfspot oder in die Berge zu gelangen.
Ja, auch ich bin nicht perfekt.
Aber nein, das müssen wir auch nicht!
Es geht nicht darum "perfekt" zu sein und sich selbst nichts mehr zu erlauben und ein Leben in Trauer und Einsamkeit in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Es geht darum, ein Bewusstsein aufzubauen. Darum, über die Auswirkungen des eigenen Handelns Bescheid zu wissen und abzuwägen. Brauche ich die neue Ausrüstung wirklich oder befriedige ich damit ein nur kurzfristiges Bedürfnis auf der Suche nach dem neusten Trend?
Die Jungs und Mädels von Good Karma Projects haben sich diesem Problem angenommen.
Mittels verschiedener Projekte und Aktionen ebnen sie den Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit im Boardsport. Sie suchen nach Lösungen für Fahrer und schärfen das Bewusstsein in der Gesellschaft. Hierfür besuchte Albert Font de Rubinat, Co-Founder & SEO von Good Karma Projects, München, um bei der diesjährigen Outdoor Ipso mehr darüber zu berichten. Als krönenden Abschluss zeigte er am letzten Tag, am 03. Juli, im SantoLoco Shop, dem lokalen Surf Shop Münchens, die neuste Dokumentation von GK Projects. "Mediterráneamente Plástico" lautet der neue Dokumentarfilm, in welchem es um das allgegenwärtige Problem Mikroplastik geht (gefilmt von Joe Delahunty).
Mikroplastik – kleine Teile, großes Problem!
Ziel des Films ist es, das Problem der Kunststoffverschmutzung sichtbar zu machen und ein Bewusstsein für die enorme Menge an Abfall zu schaffen, die wir erzeugen und die in unseren Meeren enden. So segelte das Team von Good Karma Projects auf der Suche nach Mikroplastik über das Mittelmeer, eines der am stärksten verschmutzten Meere der Welt.
Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen gelangen schätzungsweise 650.000.000 t Abwasser, 129.000 t Mineralöl, 60.000 t Quecksilber, 3.800 t Blei und 36.000 t Phosphate jedes Jahr in das Mittelmeer.
Darunter mischt sich auch Mikroplastik. Kleine Teile, großes Problem. Mithilfe einer speziellen Anfertigung, filtert das Team auf ihrer Reise Mikroplastik von der Meeresoberfläche und analysiert die Menge und deren Auswirkungen auf die Umwelt. Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass es ungefähr 100.000 Mikroplastikteile pro km2 gibt, was einer ähnlichen Dichte wie die der berühmten „Müllinseln“ im Pazifischen Ozean entspricht.
Im Anschluss an den Film gab es schließlich noch einen Panel Talk zum Thema regionale und nachhaltige Boardherstellung. Mit dabei die lokalen Shaper aus München von WAU Surfboards, Steckerlfish, und Riot surfboards, sowie Mioboards aus Offenbach am schönen Main und – last but not least – die Münchner Jungs von The Bakery Snowboards (von links).
Sie erzählen jeweils aus ihrem persönlichen Erfahrungsschatz und zeigen alternative Möglichkeiten der Boardherstellung auf. Das Board von WAU Surfboards besteht zum Beispiel aus Bio-Flachsfasern, einem Upcycling-Kern, Öko-Harz und Bambus. Auch anfallende Abfallprodukte werden anstatt weg geworfen wiederverwertet, indem daraus Rucksäcke und Laptoptaschen hergestellt werden. Ben von Steckerlfish fing schon früh an, Ding Repairs (Reparaturen von Surfboards) mit Bio-Epoxy zu machen. Auch er war es, der die nachhaltige Bio-Alternative in den SantoLoco Shop brachte, wo der Endkonsument heute ebenfalls die Möglichkeit hat, diese zu erwerben. Schnell stellte er fest, dass er seine eigenen Surfboards herstellen möchte, welche vor allem den Extrembedingungen am Eisbach länger standhalten. Auch Riot surfboards fokussiert sich auf die Herstellung herkömmlicher Surfboards, welche länger halten, nachhaltig sind und trotz alledem nicht an Funktion einbüßen. Mioboards stellt verschiedene Bretter aus Holz her und hat sich dabei auf Kite-, Foil- und Longboards spezialisiert. Für diese nachhaltige Herstellung wurden sie bereits mit dem Ecoboard Goldlevel von Sustainable Surf ausgezeichnet. The Bakery Snowboards sind die einzigen lokalen Münchner Snowboard-Hersteller in der Runde. Doch auch sie stehen im Thema Nachhaltigkeit nichts nach. Neben Bio-Harz verwenden sie statt einem klassischen Holzkern, Bambus, da dieser zehn Mal so schnell nachwächst und damit auch mehr CO2 binden kann. Statt Glasfaser setzt The Bakery Snowboards in vielen Boards auf Flachs oder Hanffaser. Neben Snowboards produzieren sie mittlerweile auch Lifestyle-Mode. Diese wird aus organischen Materialien wie Bambus-Viskose und organischer Baumwolle hergestellt. Bei einer abschließenden Fragerunde hatten auch die Zuhörer noch einmal die Möglichkeit zu Wort zu kommen, um übrig gebliebene Fragen zu Herstellungsprozessen oder anderen Themengebieten zu stellen.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
YEAH – das Bewusstsein wächst! Und doch gibt es noch viel zu tun. Wir sind bisher noch eine relativ kleine Community, welche sich wirklich aktiv für mehr Nachhaltigkeit im Boardsport einsetzt und sich den Auswirkungen des eigenen Handelns bewusst ist. Lasst uns zusammen dafür kämpfen, dass das nicht so bleibt. Wir wollen wachsen und auch die großen Fische der Industrie erreichen. Nur so ist eine wirklich nachhaltige Entwicklung und Veränderung – und damit auch Verbesserung des Zustandes der Weltmeere – möglich.
Auch ich plane aktuell neue Projekte für mehr Umweltschutz und -bewusstsein. So viel sei schon mal verraten – auch ein gemeinsames CleanUp am Eisbach mit den lokalen Boardherstellern, der Community und CleanUpMunich ist in Planung. Werdet auch ihr aktiv, indem ihr gleich jetzt die Nachricht teilt und so auch eure Freunde darüber informiert.
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aee721fd744393e6cf1dbfbb3a155261 | Fazit
Wenn Ehen und andere Beziehungen „scheitern“, brauchen die Betroffenen eine Seelsorge, die
- ihre Subjekt- und Personwürde achtet
- um die Dynamik des Lebens in Beziehung und Entwicklung weiß
- für eine Pluralität von Beziehungsmodellen offen ist
- den Communio-Raum der Gemeinde für alle offen hält.
Da spricht mal jemand Klartext. Wolfgang Niedecken, Frontmann von BAP, erzählt im Publik- Forum-Interview von seinem Vater, der geschieden war. Er hat ihn als einen sehr religiösen Mann in Erinnerung, einen der sich an seinem Glauben festgehalten hat und dem die Kirche durchaus was bedeutete. „ … Und dann wurden sie geschieden, er und die Mutter meines Halbbruders, und er hat darunter gelitten wie ein Schwein. Er ist jeden Sonntag in die Kirche gegangen und wäre so gern kommunizieren gegangen – aber er durfte nicht. Das war furchtbar unbarmherzig. Mittlerweile wird das ja Gott sei Dank mal diskutiert; für meinen Vater wäre das ein großer Segen gewesen.“
Scheidung – eine doppelte Ex-Kommunikation
„ … Und dann wurden sie geschieden“. Niedecken beschreibt mit wenigen Worten die ganze Tragik dieses Einschnittes in die Lebens-, Beziehungs-, Glaubensund Kirchengeschichte seines Vaters. Und er hat Recht. Es war schon lange überfällig, dass in der Kirche endlich auf allen Ebenen darüber diskutiert wird. So richten sich derzeit große Hoffnungen auf die Bischofssynode in Rom, die dieses Thema ja aufgreift. Aber dort allein wird das Problem nicht gelöst werden können, denn – dies zeigt das Beispiel von Niedeckens Vater – die Probleme bestehen in der Regel ganz konkret vor Ort und betreffen die Menschen persönlich. In seiner Gemeinde, irgendwo mitten in Köln, hat dieser Mann sich, wie so viele andere in dieser Situation, ausgegrenzt gefühlt. Er hat nicht nur unter seiner Scheidung gelitten, sondern auch unter dem dadurch bedingten Status in seiner Kirche. Hier war er, ohne dies zu wollen, der Erfahrung einer zweifachen „Ex-Kommunikation“ ausgesetzt: Ausschluss vom Empfang der Sakramente und – hiervon ist auszugehen – auch Ausschluss von jeglicher seelsorglichen Begleitung. Nun gut – einzelne Seelsorger mögen in der Sache eigene, durchaus barmherzige Lösungswege praktizieren, dies vor allem in Hinblick auf die Zulassung zum Empfang der Sakramente. Das entbindet uns allerdings nicht von unserer eigenen Verantwortung in dieser Angelegenheit, die wir nicht an ein paar gutwillige Pastoren delegieren dürfen. Wie die Gemeinde mit Menschen in Beziehungskrisen umgeht, geht die ganze Gemeinde an.
Deshalb ist es so wichtig, dass dieses Thema nun in der Kirche, in der Seelsorge, wie auch innerhalb der Theologie, grundlegend diskutiert wird, und da ist derzeit ja einiges im Gange. So zeigen die Auswertungen der im Vorfeld der Bischofssynode durchgeführten Befragungen in den Bistümern wie auch unter den katholischen Verbänden Deutschlands an, dass angesichts des Scheiterns von Ehen und anderen Beziehungen nicht die Ausgrenzung der Betroffenen – Ex- Kommunikation –, sondern allem voran eine glaubwürdige Seelsorge erwartet wird. Auf allen Ebenen gilt es deshalb, Leitmotive und Konzepte einer Seelsorge und Pastoral für Menschen in (jeglicher Form von) Beziehung und Beziehungskrisen zu entwickeln. Das eröffnet allerdings einen nahezu unerschöpflichen Themenkomplex. Ich greife hier einmal drei Fragen auf, die ich in diesem Zusammenhang als grundlegend erachte:
- Wovon reden wir eigentlich, wenn wir von „gescheiterten Ehen“ sprechen?
- Warum benötigen Frauen und Männern gerade dann Seelsorge, wenn ihre Ehe „gescheitert“ ist?
- Welche Bedeutung hat es für sie, den Rückhalt der kirchlichen Gemeinschaft gerade dann zu erfahren, wenn sie eine neue Partnerschaft eingehen möchten?
Wenn Ehen „scheitern“
Die Geschichte von Niedeckens Vater veranschaulicht wie es einem Menschen ergeht, in dessen Leben sich die Trennung langsam einschleicht und dessen Ehe, wie man so sagt, dann letztlich „gescheitert“ ist. Da haben die Betroffenen vieles zu verarbeiten: Die schrittweise Entfremdung voneinander; ihre Konflikte miteinander; die langsam wachsende Entscheidung, das ursprünglich doch ganz anders geplante Zusammenleben eventuell zu beenden und letztlich das Auseinandergehen, den Bruch der Beziehung. Jenseits aller Fragen nach Verschulden und Verantwortung sind dies immer schmerzhafte Prozesse und existentielle Krisen.
Im kirchlichen Kontext wird dies alles häufig unter dem recht fragwürdigen Begriff der „gescheiterten Ehe“ zusammengefasst. Einerseits bringt er das Geschehene treffend zum Ausdruck. Andererseits werden hierdurch die betroffenen Partner sowie deren Konflikte ganz und gar ausgeblendet. Streng genommen muss man sagen: Die handelnden Subjekte kommen in dieser verobjektivierenden Redensart gar nicht vor. Hier steht allein die Ehe im Fokus des Interesses. Sie bildet sogar das grammatische Subjekt dieses Satzes.
Das mag seinen Grund darin haben, dass das Tragisch-Krisenhafte solcher Erfahrungen dadurch abgemildert wird und vielleicht etwas erträglicher erscheint. Für eine wirklich glaubwürdige, evangeliengemäße und menschenfreundliche Seelsorge ist dies allerdings ein denkbar schlechter Ausgangspunkt. Will die Kirche Menschen in Beziehungskrisen wirklich seelsorglich begegnen, so setzt dies als Erstes voraus, im Miteinander den gerade in kirchlicher Sprache und Praxis oft verloren gehenden Subjektstatus und damit die Personwürde der Betroffenen wieder herzustellen. Für die konkrete Praxis heißt das: Nicht das „Scheitern der Ehe“ als ein objektiver Sachverhalt, sondern die Menschen in Krisen und Konflikten müssen im Fokus kirchlich- seelsorglicher Sprache stehen. Nimmt die Seelsorge nun die Betroffenen ernsthaft und ehrlich in den Blick, so wird sie die Augen nicht davor verschließen können, dass Beziehungs- und damit auch Ehekrisen genauso zum Leben der Menschen gehören, wie eine Vielfalt anderer Beziehungsmodelle.
Bindung und Trennung – Grunddynamik des Lebens
Nun steht die Frage im Raum, wie die Seelsorge anlässlich von Beziehungskrisen eigentlich mit ins Boot kommt? Wäre es nicht besser, sie hielte sich da ganz heraus, zumal Kirche und Seelsorge mit ihrer Fixiertheit auf die sakramentale Ehe ein durchaus wünschenswertes, aber sehr oft nur schwer realisierbares Beziehungsmodell favorisieren und dadurch die vielen anderen Modelle des Zusammenlebens zu wenig würdigen? Im Rückgriff auf dieses Ideal greift die Kirche ja – zumindest hinsichtlich wiederverheiratet Geschiedener – zum Regulativ eines Ausschlusses. Sie verfährt hier also selbst nach einem Trennungsmuster, dem in seiner Verabsolutierung allerdings der Charakter einer Spaltung innewohnt. Die Kirche übersieht hier nämlich, dass das Leben aller Menschen durch die Dynamik von Bindung und Trennung geprägt und strukturiert ist. Wenn nun diese regulierende Bindungs-Trennungs-Dynamik in oder durch Krisen aus dem Lot gerät, dann ist neben vielen anderen stützenden und begleitenden Maßnahmen durchaus auch kompetente und qualifizierte Seelsorge gefragt, weil die Betroffenen in ihren Grundfesten erschüttert sind.
Wem an dieser Stelle der eher anthropologisch fundierte Zugang nicht behagt, der sei darauf verwiesen, dass die Dynamik von Bindung und Trennung auch in der biblischen Ur-Kunde immer wieder zum Ausdruck kommt. So dürfen wir die Exodusüberlieferung als eine biblische Tradition verstehen, die in besonderer Weise das Lebensmodell der Trennung beschreibt, während in der Paradieseserzählung zunächst das Modell der Verbundenheit leitend ist. Auch in der neutestamentlichen Überlieferung ist die Dynamik von Bindung und Trennung ein immer wieder neu variiertes Thema. In Bezug auf das Osterereignis, den Ausgangspunkt der christlichen Glaubensüberlieferung, ist diese Dynamik und ein konstruktiver Umgang mit ihr in allen Berichten enthalten: Der Auferstandene erscheint und entzieht sich wieder – Bindung und Trennung. In Rückbindung hieran ist die Kirche geradezu herausgerufen, Menschen in ihren Beziehungs- und Entwicklungskrisen einen Raum für Seelsorge zu eröffnen, der diese Dynamik ernst nimmt und nicht vom Tisch wischt.
Das Leben des Menschen – Beziehung und Entwicklung
Wenn man sich der Dynamik von Bindung und Trennung unter Rückgriff auf die Erkenntnisse der Psychologie (Entwicklungs- und Objektpsychologie) noch etwas mehr annähert, so wird schnell offenkundig, dass jegliche Entwicklung im Leben von Menschen genau in dieser Dynamik ihren Ursprung hat. Dies kommt schon im Ereignis der Geburt zum Ausdruck. Wir nennen sie ja – sehr treffend – auch „Ent-Bindung“. Das neunmonatige Leben im intrauterinen Lebensraum der Verbundenheit mit der Mutter wird durch die „Ent-Bindung“, also durch einen Trennungsakt (!), zu einem jähen Ende gebracht. Von nun an steht das neugeborene Kind für den Rest des vor ihm liegenden Lebens vor der Aufgabe, sich bis ins hohe Alter angesichts der immer wiederkehrenden Grunderfahrungen von Bindung und Trennung weiter zu entwickeln. Menschen, die in ihren Ehen oder anderen Beziehungen „gescheitert“ sind, dürfen von der Kirche erwarten, dass eine kompetente Seelsorge sich gerade angesichts ihrer Situation an diesen relationalen und intersubjektiven Grundkonstanten und ihren Äquivalenten in der biblischen Überlieferung ausrichtet. Das Leben des Menschen in Beziehung und Entwicklung ist von der Geburt bis zum Tod ein spannender Prozess. Ausschluss und Ausgrenzungen auf Grund von Beziehungskonflikten verbieten sich hier geradezu von selbst, zumal sie schnell als „Ex-Kommunikation“ erfahren werden.
Menschen in Beziehungskrisen brauchen Seelsorge …
In Situationen des „Scheiterns“ von Beziehungen brauchen Menschen die Seelsorge. Gerade weil in solchen Krisen wesentliche Teile ihrer Lebens-, Beziehungs-, Entwicklungs-, Glaubens- und Kirchengeschichte erschüttert werden können, haben sie einen Anspruch darauf. Und natürlich dürfen sie von einer Kirche, die sich in ihrer Selbstdefinition mit den Freuden und Hoffnungen, wie auch mit der Trauer, dem Schmerz und den Ängsten der Menschen von heute – auch mit ihrem Scheitern – solidarisiert und identifiziert (GS 1), eine relationale Seelsorge erwarten. Glaubwürdig, im besten Fall auch heilsam und tröstend, wird sie, wenn hier die Tragik von Beziehungskrisen und -konflikten als Einschnitte in den eigenen Lebensplan wahr- und ernst genommen wird, ohne sie schnell vom Tisch zu wischen. Stattdessen gilt es, seelsorgliche Räume zu eröffnen, in denen die Menschen sich über die Dynamik von Bindung und Trennung sowie über den Schmerz, der damit oft verbunden ist, austauschen können. Anstatt die Menschen immer wieder auf das alleinige Modell der sakramentalen Ehe einzuschwören, braucht es Räume, in denen sie angesichts der Vielfalt von Beziehungsmodellen und der immer neuen Herausforderung zur Entwicklung experimentieren und Erfahrungen austauschen können. Seelsorge ist gerade aus dem Grunde erforderlich, um den Betroffenen hier die Möglichkeit anzubieten, sich selbst immer wieder neu als das handelnde Subjekt ihrer eigenen Geschichte zu erfahren – einer Geschichte, die sich in der Dynamik von Beziehung und Entwicklung abspielt.
… statt Ex-Kommunikation
Wo dies gelingt, wird Seelsorge zur Vermittlung. Sie vermittelt zwischen den Alltagserfahrungen der Menschen, zwischen ihren Beziehungskonflikten und Entwicklungskrisen und dem Deutehorizont der jüdisch-christlichen Glaubenstradition. Diese Vermittlung bedarf jedoch des Raumes, in dem sie sich ereignen kann. Damit kommt nun zum Schluss die Gemeinde in all ihren unterschiedlichen Varianten und Vollzügen ins Spiel. Menschen mit und in Beziehungskrisen, auch die Geschiedenen und wiederverheiratet Geschiedenen, haben Anspruch auf die Erfahrung der Zugehörigkeit zur kirchlichen Gemeinschaft im Lebens-Raum der Communio. Sie davon auszuschließen wäre verhängnisvoll. Gerade in Lebensphasen, in denen Menschen eine Trennung verarbeiten müssen oder eine neue Partnerschaft eingehen, ist der Rückhalt der kirchlichen Gemeinschaft, der viele Betroffene durch die Taufe ja ein für alle Mal angehören, unverzichtbar. Angesichts der Vielfalt an Lebens- und Beziehungsmodellen steht die Kirche gemeinsam mit den Menschen, die ihr Leben in Beziehung und Entwicklung gestalten, in einem dauerhaften Lernprozess. Es ist der Lernprozess praktizierter Communio, der sich jeder faktischen und juridischen Ex-Kommunikation verweigert. Es wäre ein Segen, wenn hierbei alle miteinander entdeckten, dass im Communio-Raum der Kirche eine Vielfalt von Beziehungsmodellen möglich ist und – dies wäre an anderer Stelle zu vertiefen – dass hierdurch die Sakramentalität „gescheiterter Ehen“ in keiner Weise gefährdet ist. Wie sagte Wolfgang Niedecken im Interview? „… Für meinen Vater wäre das ein großer Segen gewesen“. | 3.4375 | 2.28125 | 2.5625 |
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Arginine ist eine der wichtigsten Aminosäuren und an zahlreichen Körperfunktionen beteiligt.
Arginine ist eine der wichtigsten Aminosäuren und an zahlreichen Körperfunktionen beteiligt. Bei Sportlern erfreut sich Arginin großer Beliebtheit, weil es als alleinige Vorstufe von dem gefäßerweiternden Nitric Oxide gilt.
Arginin ist mit einem Vitamin B-Komplex angereichert, der u.a. zur Verringerung von Müdigkeitserscheinungen und Aufrechterhaltung des Energiestoffwechsels beiträgt.
Sie sollten den alleinigen Präkursor des gefäßerweiternden Nitric Oxide, L-Arginin, in erster Linie vor dem Training einnehmen, aber auch vor dem Sex ist eine Supplementierung verbreitet. Diese Arginin-Formel unterstützt außerdem, Müdigkeit und Ermüdung zu verringern.
Die konkreten Wirkungen einer Supplementierung mit Arginine auf Ihre individuellen Ziele (Muskelaufbau, Fettabbau, Leistungssteigerung) hängen aber sehr von den Einnahmemodalitäten, Ihren Trainings- und Ernährungsgewohnheiten und dem Einsatz ergänzender Supplements und Sportnahrung (Protein, hochglykämische Kohlenhydrate, Creatin) ab.
Für den Muskelaufbau ist eine ausreichende und konstante Versorgung mit Protein bzw. Aminosäuren wichtig. Hierfür sollten Sie sich aber zusätzlich mit schnellen Proteinen (v.a. morgens, vor und nach dem Training) und langsamen Proteinen versorgen, damit auch immer genügend Substrate zur Unterstützung von Muskelaufbau und Muskelerhalt vorliegen.
Verzehren Sie 3 Kapseln am Tag mit Flüssigkeit (Wasser oder Fruchtsaft). Die Supplementierung mit Arginin sollte vorzugsweise vor dem Training auf nüchternen Magen erfolgen.
Kann Spuren von Soja, Milch, Gluten und Ei enthalten.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise sind Grundvoraussetzung für die Funktionalitäten dieses Produktes. Die angegebene empfohlene Tagesverzehrmenge darf nicht überschritten werden. Bewahren Sie das Produkt bitte außerhalb der Reichweite von Kindern auf.
ist für Säuglinge und Kinder eine essentielle Aminosäure, für Erwachsene eine nicht essentielle Aminosäure. Arginin ist besonders reich an Stickstoff und kann aus vielen Proteinen gebildet werden. Arginin wurde 1895 erstmals aus Tiergeweihen isoliert. Bei Säugetieren spielt es eine wichtige Rolle in der Harnstoff-Synthese. Erwachsene Tiere und Menschen können Arginin aus Glutaminsäure synthetisieren. Arginin ist an einer Reihe von Körperfunktionen beteiligt. Es ist ein Präkursor (Vorläufer) für Stickoxid, das beispielsweise für die Regulation der Blutgefäße bzw. der Blutzirkulation und für die Übermittlung von Neuronen im Gehirn benötigt wird. Arginin verbessert die Pumpleistung des Herzens. Es trägt weiter dazu bei, dass verschiedene Hormone gebildet werden. Arginin ist daran beteiligt, dass Wachstumshormone aus der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), Insulin aus der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und Noradrenalin aus den Nebennieren freigesetzt werden. Arginin ist für das Immunsystem wichtig, es verbessert die zelluläre Immunantwort, trägt zur Bildung von T-Lymphozyten bei und senkt deren Funktionsstörungen, und es regt die Phagozytose (Vernichtung von Fremdsubstanzen) an. Arginin trägt über seine Beteiligung an der Proteinsynthese bei Verletzungen, Operationen etc. zur besseren Wundheilung bei. Im Harnstoffzyklus der Leber wird Arginin in Harnstoff und in die Aminosäure Ornithin gespalten und kann auch aus dieser gebildet werden. Es befreit auf diese Weise den Körper von überschüssigem Stickstoff, der danach mit dem Urin ausgeschieden wird.
Arginin ist reichlich in Nüssen und Samen, außerdem in Fleisch, Fisch und Getreide enthalten
Mediziner empfehlen eine tägliche Mindestaufnahme von 6-9g L-Arginin.
In Zeiten starken Wachstums, im Säuglings- und Kindesalter ebenso wie in der Schwangerschaft, kann die Zufuhr an Arginin aus der Nahrung möglicherweise nicht ausreichen. Wird zu wenig Wachstumshormon gebildet, kann Arginin in hohen Dosen die Bildung dieses Hormons fördern. Die präventiven und therapeutischen Wirkungen von Arginin sind bisher nur ansatzweise erforscht. Da es an vielen Körperprozessen beteiligt ist, nimmt es auf einige Krankheitsverläufe Einfluss. Arginin kann über seinen Beitrag zur Bildung von Stickoxid und zur Blutzirkulation helfen, dass Cholesterinspiegel gesenkt werden können. Arginin unterstützt die Wirkung von Insulin und fördert normale Werte des Blutzuckers und der Fette im Blut. Auf diese Weise trägt es dazu bei, dass der Verklumpung von Blutplättchen vorgebeugt wird. Über die Regulierung des Blutkreislaufs kann Arginin außerdem bewirken, dass sexuelle Funktionsstörungen, die mit Zirkulationsstörungen verbunden sind, verringert werden. Bei stärkeren Verletzungen und Operationen sowie bei chronischen Erkrankungen kann ein erhöhter Bedarf an Arginin entstehen. Es regt die Ablagerungen von Kollagen an Wunden an und fördert die Heilung und Erneuerung von Geweben. Bei Verletzungen werden Proteine im Körper schneller abgebaut, Arginin trägt dazu bei, die Proteinspeicher im Körper zu erhalten. Arginin stärkt außerdem das Immunsystem, es fördert die Bildung der T-Lymphozyten, wehrt krebsfördernde Stoffe ab und hat vermutlich eine krebshemmende Wirkung. Das Wachstum von Tumoren, die durch Chemikalien oder Viren verursacht sind, könnte durch Arginin verlangsamt werden. Bei Leistungssportlern können Gaben von Arginin dazu beitragen, die Muskelmasse zu steigern.
Aufgrund der vielen Funktionen von Arginin im Körper kann ein Mangel den Verlauf von Krankheiten negativ beeinflussen. Wird Arginin ausreichend zugeführt, können sich viele Situationen in Krankheitszeiten verbessern.
Bis zu Dosen von 6 Gramm täglich wird Arginin in der Regel gut vertragen. Hohe Dosen können eventuell Diarrhoe auslösen. Wird Arginin und Lysin zusammen eingenommen, können sich diese beiden Aminosäuren gegenseitig behindern. Arginin sollte bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, welche die Blutgefäße erweitern (z.B. Nitroglycerin-Präparate oder Viagra), nicht eingenommen werden. Bei verschiedenen Krankheiten, beispielsweise Migräne, Nierenproblemen und Lebererkrankungen, sollte die Einnahme mit dem behandelnden Therapeuten abgestimmt werden.
Arginin ist unter Sportlern aus verschiedenen Gründen seit langer Zeit eine beliebte Aminosäure. Zu den Wirkungen von Arginin gehört, dass es die Durchblutung in der Muskulatur verbessert, was wiederum während des Trainings für einen intensiveren Pump sorgt. Die Folge davon ist, dass mehr Nährstoff in die Muskelzellen befördert wird. Eine Studie zeigt, dass Arginin die Kraftleistung im Training verbessern kann. Arginin ist der Hauptbestanteil der meisten Stickoxidprodukte (NO), die seit kurzem erhältlich sind. Im Körper wird Arginin zu Stickoxid umgewandelt. Stickoxid wiederum ist eine Substanz, die zur Erweiterung der Blutgefäße führt. Ferner ist Stickoxid an der Weiterleitung von Nervenimpulsen beteiligt und kann sogar das Muskelwachstum fördern. Arginin fördert des Weiteren die Ausschüttung von Insulin und Wachstumshormon. Im Allgemein sind 3-5g Arginin zwei bis drei Mal pro Tag auf nüchternen Magen genommen ausreichend. Eine der Einnahmen sollte 30-60 Minuten vor dem Training stattfinden.
Arginin ist bei einer kurzzeitigen oralen Einnahme in angemessenen Mengen für die meisten Menschen möglicherweise sicher und unbedenklich. Es kann einige Nebenwirkungen wie Magenschmerzen, Völlegefühl, Durchfall, Gicht, Abnormalitäten im Bereich des Blutes, Allergien, Entzündungen der Luftröhre, eine Verschlimmerung von Asthma und niedrigen Blutdruck hervorrufen.
Schwangerschaft und Stillzeit: Arginin ist bei einer kurzzeitigen Verwendung in angemessenen Mengen während Schwangerschaft und Stillzeit möglicherweise sicher und unbedenklich. Es ist jedoch nicht genug über Sicherheit und Unbedenklichkeit einer langfristigen Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit bekannt, weshalb schwangere und stillende Frauen sicherheitshalber auf Arginin verzichten sollten.
Kinder: Arginin ist bei einer oralen Verwendung in angemessenen Mengen für Kinder möglicherweise sicher und unbedenklich. Eine Verwendung in hohen Dosierungen ist jedoch möglicherweise nicht sicher und unbedenklich. Zu hohe Dosierungen können ernsthafte Nebenwirkungen hervorrufen und im Extremfall tödlich sein.
Allergien und Asthma: Arginin kann allergische Reaktionen hervorrufen oder eine Schwellung bzw. ein Anschwellen der Luftröhre verschlimmern. Asthmatiker sollten Arginin mit Vorsicht verwenden.
Herpes: Es gibt Bedenken, dass Arginin Herpes verschlimmern könnte. Es gibt Hinweise darauf, dass Herpes Viren Arginin benötigen, um sich vermehren zu können.
Niedriger Blutdruck: Arginin könnte den Blutdruck senken. Dies könnte für Menschen mit bereits zuvor niedrigem Blutdruck ein Problem darstellen.
Kürzlich erlittener Herzinfarkt: Es gibt Bedenken, dass Arginin das Sterberisiko nach einem Herzinfarkt erhöhen könnte, was insbesondere für ältere Menschen gilt. Aus diesem Grund sollte man Arginin nicht verwenden, wenn man einen Herzinfarkt hatte.
Operationen: Arginin könnte den Blutdruck beeinflussen. Es gibt Bedenken, dass dies die Kontrolle des Blutdrucks während und nach Operationen beeinträchtigen könnte. Aus diesem Grund sollte man die Verwendung von Arginin 2 Wochen vor anstehenden Operationen beenden.
Bei einer Kombination von Arginin mit folgenden Medikamenten sollte man vorsichtig sein:
Arginin könnte den Blutdruck zu senken. Die Einnahme von Arginin in Kombination mit Medikamenten gegen hohen Blutdruck könnte einen zu starken Abfall des Blutdrucks zur Folge haben.
Arginin erhöht den Blutfluss. Eine Einnahme von Arginin in Kombination mit Medikamenten, die den Blutfluss zum Herz erhöhen, könnte das Risiko für Schwindel und Benommenheit erhöhen.
Sildenafil (Viagra) kann den Blutdruck senken. Auch Arginin kann den Blutdruck senken. Eine Einnahme von Sildenafil in Kombination mit Arginin könnte den Blutdruck zu stark senken. Ein zu niedriger Blutdruck kann Nebenwirkungen wie Schwindel hervorrufen.
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bf548268c67efe273d5ae0892af27a7a | Geld auf ferne Kicker setzen
Wetten und Glücksspiel sind ein Problem der öffentlichen Gesundheit und müssen auch als solches behandelt werden – das betonen europäische Wissenschaftler immer wieder. Denn die Schäden sind offensichtlich, die nicht nur die Spielenden, sondern auch deren Familien, das Gemeinwesen und die Gesellschaft davontragen: Verlust von Hab und Gut, Suchterkrankungen und Depressionen bis hin zum Suizid, Gewichtsverlust, Gewalt in der Familie und der Zusammenbruch von Beziehungen.
Internetgestützte Spielangebote sind im digitalen Zeitalter allgegenwärtig, das verstärkt die schädlichen Folgen. Denn Spieler können, ohne mit irgendeinem anderen Menschen in Kontakt zu kommen, jederzeit und überall Wetten abschließen.
Vor allem in Europa beginnen politische Entscheidungsträger allmählich, auf die Bedenken von Wissenschaftlern, Aktivisten und Gesundheitsexperten zu hören. So kam im Dezember 2019 erstmals eine Expertenrunde der Weltgesundheitsorganisation WHO zusammen, um sich mit den Gesundheitsfolgen des „beispiellosen Booms beim kommerziellen Spielen“ in den letzten Jahren zu befassen. Das ist ein Fortschritt.
Markt im südlichen Afrika kaum überwacht
Doch während die Spiel- und Wettbranche in einigen Regionen der Welt mehr und mehr ins Blickfeld der Politik rückt, konzentrieren sich kommerzielle Anbieter verstärkt auf Regionen, in denen die Branche (noch) weniger reguliert und überwacht wird. Ähnlich verhielten sich schon große Tabakkonzerne, als ihre Produkte stärkeren Kontrollen unterworfen wurden – unter anderem mit dem Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs von 2003 oder mit der seit 2016 geltenden EU-Tabakrichtlinie.
Autor
Die meisten afrikanischen Fußballfans verfolgen die Spiele verschiedener Teams – zum Beispiel einer Mannschaft, die in der englischen Premier League spielt, einer aus der deutschen Bundesliga, einer aus der italienischen Serie A und einem La-Liga-Team aus Spanien. Aus diesem Trend, der vor allem junge Männer erfasst, für die Fußball ein wichtiger Teil ihres sozialen und kulturellen Lebens ist, schlagen die Wettbetriebe auf dem Subkontinent Gewinn. Berichten zufolge umwerben viele von ihnen gezielt eben diesen Personenkreis.
Dabei präsentieren sie Sportwetten als eine gute Möglichkeit, das eigene Geld zu vermehren, denn die jungen Männer könnten ja durch ihr fußballerisches „Expertenwissen“ gut einschätzen, wie die jeweiligen Spiele ausgingen. Es ist sogar vorgekommen, dass Unternehmen ihre Spiel- und Wettangebote als eine Möglichkeit anpriesen, ein „verlässliches Einkommen“ zu erzielen. Angesichts weit verbreiteter Armut und des immensen Drucks, der auf jungen Männern lastet, ihre Familien zu unterstützen oder auch eigene Familien zu gründen, erscheint diese Verkaufsstrategie skrupellos.
Wettverhalten führt zu häuslicher Gewalt
Für Uganda haben Forscher beschrieben, wie junge Menschen in Lira, einer Stadt im Norden des Landes, versuchten, mit Fußballwetten ihr Einkommen aufzubessern und dabei in einen Sog schädlichen Verhaltens gerieten. Erforscht wurden auch die sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Spielens in der Hauptstadt Kampala, in der sich rund ein Fünftel aller Erwachsenen im vergangenen Jahr an Sportwetten beteiligt haben – darunter zehn Mal mehr Männer als Frauen. Über die Hälfte der Befragten hat berichtetet, dass sie wegen des Wettens weniger Geld für Güter des täglichen Bedarfs ausgaben. 28 Prozent sagten, dass ihr Wettverhalten zu häuslicher Gewalt führe, und 3,4 Prozent gaben an, wegen ihres Spielverhaltens schon einmal Teile ihres Haushalts verkauft zu haben. Die ärmste Gruppe der Befragten gab durchschnittlich 17 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Wetten und Spiele aus. Insgesamt deutet der Bericht darauf hin, dass über ein Viertel der befragten Spieler täglich wetteten und über zwei Fünftel wöchentlich.
In Nigeria braucht man kaum mehr als einen Internetzugang, um Geschäfte mit Fußballwetten zu machen. Per Umfrage unter 300 fußballwettenden Nigerianern haben Forscher herausgefunden, dass die Beteiligten auch hier vor allem junge Männer waren, die täglich oder zumindest vier Mal wöchentlich wetteten. Oft verwendeten sie dazu Geld aus der Arbeitslosenunterstützung.
Auch aus Südafrika gibt es Umfrageergebnisse, sowohl aus ländlichen als auch aus städtischen Umfeldern. Eine dieser Studien hat ergeben, dass Südafrikaner, die in Städten leben und Probleme mit Depressionen, Angststörungen, Alkohol- oder Drogenkonsum haben, ähnlich wie in westlichen Staaten ein höheres Risiko tragen, spielsüchtig zu werden. Bemerkenswert ist auch, dass das Spielen in Südafrika ebenso wie in Uganda und Nigeria vor allem unter jungen Männern mit niedrigem Einkommen verbreitet war.
Schädlich für öffentliche Gesundheit
Die bisherigen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass sich Spielen und Wetten sehr schädlich auf die öffentliche Gesundheit in Afrika südlich der Sahara auswirken. Vor allem schmälert es das zur Verfügung stehende Haushaltseinkommen. Angesichts weit verbreiteter Armut verringert Spielen damit die Chancen auf gesunde Ernährung, Bildung und Erziehung sowie medizinische Versorgung; es verschärft psychische Probleme und belastet wichtige zwischenmenschliche Beziehungen.
Einige Regierungen in der Region haben das Problem erkannt und bereits etwas unternommen. So vergeben ugandische Behörden keine weiteren Lizenzen an Spiel- und Wettanbieter und haben signalisiert, dass sie bestehende Lizenzen nicht verlängern wollen. Die kenianische Regierung hat Lizenzen von solchen Unternehmen ausgesetzt, die Steuerschulden nicht beglichen haben. Trotz dieser Vorstöße weiten Spiel- und Wettfirmen ihre Geschäfte in der Region aus. Ein führendes Wirtschaftsprüfungsunternehmen bezifferte den afrikanischen Markt für das Jahr 2016 auf 18 Milliarden US-Dollar – „Tendenz rapide steigend“.
Es wäre wichtig, dass weitere Regierungen dem Beispiel von Uganda und Kenia folgen. Es ist durchaus möglich, die Branche politisch zu regulieren, ihre Ausbreitung zu begrenzen und ihre Steuerschulden einzutreiben. Da viele der im südlichen Afrika tätigen Unternehmen von Übersee betrieben werden, tragen auch Regierungen und Regulierungsbehörden außerhalb der Region Verantwortung. Denn so lange es einfach ist, mit Wetten und Spielen aus der Region Geld abzuziehen, wird die Branche wachsen.
Wichtig ist aber auch, in den Gemeinden ein Bewusstsein für die Risiken des Spielens zu schaffen. Wir brauchen Kampagnen, die den Menschen praktisch zur Seite stehen, wenn sie dem verheerenden Einfluss der Spielbranche in ihren Gemeinden entgegenwirken möchten. Diese Kampagnen sollten sich vor allem an junge Männer richten, die Fußball lieben. Sie sollten ihre Leidenschaft für das Spiel in Bahnen lenken, die ihrer Gesundheit förderlicher sind als Fußballwetten.
Aus dem Englischen von Barbara Erbe. | 3.734375 | 3.171875 | 2.59375 |
873b246be670034f6dc5b3713dedb2e5 | Der US-amerikanische Internetgigant ist mal wieder in den Fokus von Datenschützern geraten. Grund dafür ist diesmal Googles Tracking-Wut. Wie steht es insgesamt um den Umgang mit Daten bei Google?
Tracking von Standortdaten
Insgesamt sieben (Norwegen, Niederlande, Griechenland, Tschechien, Slowenien, Polen und Schweden) europäische Verbraucherschutzverbände haben angekündigt Beschwerde gegen Google bei den jeweiligen Datenschutzbehörden ihrer Länder einzulegen. Dies geht aus einer Pressemitteilung des europäischen Verbraucherschutzverbandes (BEUC) vom 27.11.2018 hervor. Der deutsche Bundesverband der Verbraucherzentrale (vzbv) plant keine Beschwerde, prüft aber eine einstweilige Verfügung.
Grund für die geplanten Beschwerden ist eine Studie des norwegischen Verbraucherschutzverbandes, die das ausschweifende Standortdaten-Tracking von Google zum Inhalt hat.
Aus den gesammelten Standortdaten können relativ einfach Rückschlüsse auf z.B. religiöse und politische Überzeugungen, den Gesundheitszustand und die sexuelle Orientierung gezogen werden. Laut Studie nutze Google verschiedene Tricks, um Nutzer dazu zu bringen die Ermittlung von Standortdaten aktiv zu lassen. Dieses Vorgehen verstoße nach Ansicht der Verbraucherschützer gegen die Vorgaben der DSGVO, da Google keine rechtliche Grundlage für das Erheben dieser umfassenden Daten habe. Zudem sei eine potentielle Einwilligung der Nutzer unter Anbetracht der Fülle der erhobenen Informationen nicht mehr freiwillig.
Tracking trotz Flugmodus?
Passend dazu ist in den letzten Tagen eine aus dem Februar 2018 datierte Reportage des US-Senders Fox News wieder in den Fokus von Internet-Nutzern und Medien geraten.
In der Reportage wird dargelegt, dass Google Standortdaten seiner Nutzer selbst bei eingeschaltetem Flugmodus sammelt und speichert. Zwar werden die Daten während der Flugmodus aktiv ist nicht an Google gesendet, sondern nur auf dem Gerät gespeichert. Schaltet man den Flugmodus jedoch aus, werden die Daten noch nachträglich versendet.
Auf Nachfrage des Senders bestritt Google die Datenerhebung nicht, verwies aber darauf, dass jeder Nutzer im Google-Konto die Funktion Standortverlauf deaktivieren könne.
Verdeckte Datensammlungen schon in der Vergangenheit
Es ist nicht das erste und einzige Mal, dass Google durch verdeckte Datensammlungen aufgefallen ist. Auch in der Vergangenheit sind schon fragwürdige Vorgehensweisen ans Licht gekommen bzw. in das öffentliche Bewusstsein gerückt.
Funkzellenortung
Schon im November 2017 wurde jedoch darüber berichtet, dass Google durch Funkzellenortung Standortdaten erhebt, auch wenn Nutzer die Standortfunktion deaktiviert haben. Funkzellenortung geschieht dadurch, dass die einzelnen Geräte Funkkontakt zu umliegenden Mobilfunkmasten aufnehmen und die Daten dann an Google senden. Über eine Identifizierung der Masten, deren Standort meist bekannt ist, kann man auch über diesen Umweg ein Standortprofil erstellen. Google versprach damals dieses Vorgehen bis Ende November 2017 einzustellen.
Die Berichterstattung zu diesem Problem war damals allerdings nicht ganz einheitlich. So wurde von anderer Seite bei Google nachgehakt und man bekam versichert, dass man durch Aufzeichnung von Cell IDs der Mobilfunkmasten keine Standortdaten speichern würde, sondern lediglich die Geschwindigkeit und Performance der Mobilfunkzellen verbessern wolle. Die geringe Transparenz seitens Google in Sachen Datenerhebung hinterließ hier jedoch zumindest berechtigte Zweifel.
Private Vorratsdatenspeicherung
Auch die Datenschutzerklärung von Google macht klar, dass das Unternehmen bei Nutzung von Android-Smartphones zur Telefonie umfangreiche Datensätze speichert. Hier heißt es:
„Wenn Sie unsere Dienste nutzen, um Anrufe zu tätigen und zu erhalten oder um Nachrichten zu senden und zu empfangen, erheben wir möglicherweise Telefonie-Informationen wie Ihre Telefonnummer, die Anrufernummer, die Nummer des Angerufenen, Weiterleitungsnummern, das Datum und die Uhrzeit von Anrufen und Nachrichten, die Dauer von Anrufen, Routing-Informationen und die Art der Anrufe.“
Die erhobenen Daten ähneln hier stark den Daten, die auch bei der staatlichen Vorratsdatenspeicherung erhoben und gespeichert werden (würden), die noch durch das Bundesverfassungsgericht geprüft wird. Was nicht heißen soll, dass das Vorgehen Googles nicht rechtmäßig wäre, solange die Nutzer ja ihr Einverständnis erklären.
Sonstiger Umgang mit Daten
Neben den utopischen Tracking-Auswüchsen und der privaten Vorratsdatenspeicherung ist Google in der Vergangenheit auch durch andere Praktiken in die Kritik geraten.
Das Ende von Google+ und die verschwiegene Datenlücke
Im Oktober dieses Jahres hat Google bekannt gegeben sein soziales Netzwerk Google+ für Verbraucher einzustellen. Als Begründung gab Google an es bestünden erhebliche Schwierigkeiten das Netzwerk so zu gestalten, dass Datenschutz und Privatsphäre der Nutzer gewahrt würden. Zum Abschied offenbarte Google dann auch noch eine Sicherheitslücke, die schon im März 2018 im Zuge einer großangelegten Bestandsaufnahme zum Zustand des Netzwerks entdeckt und angeblich direkt behoben wurde. Informiert wurden in der Zwischenzeit weder Betroffene noch Behörden, weshalb das Vorgehen auch bei Datenschützern Aufsehen erregt hat, da nicht ganz eindeutig scheint, ob die Lücke schon nach den Vorschriften der DSGVO hätte gemeldet werden müssen (seit 25. Mai 2018) oder ob noch die Vorschriften des alten BDSG Anwendung finden. Diese sahen eine weniger umfassende Informationspflicht vor, die nur für besonders sensible Daten galt. Falls schon nach DSGVO hätte vorgegangen werden müssen, könnte Google auch hier noch ein Bußgeld drohen.
Betroffen waren laut Google wahrscheinlich bis zu 500.000 Nutzer. Die Lücke hatte zur Folge, dass umfassende Profilinformationen der Nutzer für die Entwickler externer Apps abgerufen werden konnten. Hiervon waren auch nichtöffentliche Daten wie z.B. Geschlecht, Beschäftigung und Alter.
Targeted Ads
Auch der Einsatz von personalisierter Werbung war in der Vergangenheit nicht immer leicht datenschutzkonform auszugestalten. Hier ist Google mit der Zeit zumindest transparenter geworden und hatte sogar mit Hinblick auf die DSGVO zumindest angekündigt in Zukunft unter Umständen ganz auf personalisierte Werbung verzichten zu wollen.
Google Pay
Im Hinblick auf mobiles Bezahlen mit Hilfe von Apps und die damit einhergehenden Datenströme, lässt sich sagen, dass die Nutzung aus Datenschutzsicht nicht gefährlicher ist als das gewöhnliche Bezahlen mit Giro- oder Kreditkarte. Durch die „Tokenisierung“ des Bezahlvorgangs ist die Datenspur sogar geringer. Allerdings muss man damit leben, dass logischerweise mehr Daten bei Google landen als bei Zahlung ohne Apps.
Google verteufeln oder sorglos nutzen?
Der allmächtige Internet-Riese Google ging und geht nicht immer sorgsam mit den Daten seiner Nutzer um. Wie andere große Internetdienstanbieter nutzt der Konzern hier seine Marktmacht. Wer verzichtet schon gerne auf die umfassenden Google-Dienste? Auch der Verfasser dieses Beitrags bediente sich bei der Recherche ein oder zweimal der bekannten Suchmaschine, das soll hier nicht verschwiegen werden. Verteufeln muss man die Angebote der Kalifornier jedoch auch nicht voll und ganz. Die ganz großen Datenskandale wie bei der Konkurrenz sind in der Vergangenheit zumindest ausgeblieben. Auch ist das Wachsen eines gewissen Datenschutz-Gewissens bei Google durchaus zu erkennen. Ob dies nun aus moralischen Gründen oder nur aus Angst vor in Zukunft drohenden Millionen-Geldbußen geschieht, bleibt an dieser Stelle mal dahingestellt. Das ausufernde Standortdaten-Tracking mit der Folge, dass ausführliche Nutzerprofile erstellt werden können, kann allerdings niemandem gefallen, der auch nur im entferntesten Sinne Wert auf seine Privatsphäre legt.
Hier finden Sie eine Anleitung, wie Sie Ihre Daten bei Google verwalten und löschen können.
Es sollte bei der Funkzellenortung ergänzt werden, dass Verge ein Fehler unterlaufen ist sodass eine Ortung durch Google mittels umliegenden Mobilfunkmasten nicht möglich ist.
„Das bedeutet im Prinzip, dass dem US-Magazin Quartz ein Fehler unterlaufen sein kann, indem sie Cell-ID-Codes mit MCC und MNC Codes zusammengeworfen haben. MCCs und MNCs liefern nur einen Länder- sowie einen Netzwerkcode, die allerdings keine genauen Standorte senden und von allen Handys verwendet werden, die sich mit dem Wi-Fi und den Mobilfunknetzen verbinden.“
https://www.mobilegeeks.de/news/trotz-deaktivierung-android-geraete-senden-standort-staendig-an-google/
Vielen Dank für den interessanten Hinweis. Wir haben den Artikel im entsprechenden Absatz zur Funkzellenortung ergänzt. | 3.3125 | 2.234375 | 2.515625 |
e3e96b30140b1ffa94332c711fb58cf4 | Geschichte der Heizung – Der Weg vom Feuer zur Heizungsanlage
Die Anfänge des Heizens
Anders als heute war es für die Frühmenschen gar nicht so einfach, sich warm zu halten. Denn erst im Laufe der Steinzeit entdeckten diese, wie das Wildfeuer gezähmt werden kann. Feuer entstand zu dieser Zeit durch Zufall, wie durch einen Blitzeinschlag und war dadurch auch zerstörerisch. Erst das Lagerfeuer brachte die wohldosierte Wärme, die nicht nur vor Kälte schützte, sondern auch den Ernährungsplan enorm erweiterte. Dabei konnten die ersten Feuerstellen auf 800.000 Jahre zurückdatiert werden.
Mit den ersten Behausungen wanderte auch das Feuer in die Wohnstätten. In der Regel befand sich dabei die Feuerstätte in der Mitte. Lediglich ein Loch im Dach sorgte dafür, dass der Rauch nach außen drang. Das Feuer rückte erst dann zur Wand, als die Behausungen wuchsen und mehrgeschossig wurden. Dabei wurde vor etwa 1000 Jahren das Feuer auf den verschiedenen Ebenen mit einem Kamin verbunden, wodurch ein gezielter Rauchabzug ermöglicht wurde. Das Prinzip der offenen Feuerstelle im Haus war noch weit bis ins Mittelalter verbreitet. Ein Hauch von Moderne gab es jedoch bereits bei den Römern und Griechen.
Züge moderner Heiztechnik in der Antike
Wie in vielen anderen Lebensbereichen waren die Griechen und Römer auch in Bezug auf das Heizen ihrer Zeit weit voraus. Mit dem Untergang des Römischen Reichs ist dabei eine Menge Wissen und Know-how verloren gegangen. Bereits 2000 Jahre vor Christus haben die Griechen eine Art Heizung erfunden, die von den Römern weiterentwickelt wurde. Hierbei handelt es sich um den sogenannten Hypokaustum. Die Bezeichnung bedeutet so viel wie „von unten heizen“. Dabei machten sich die Römer die Strahlungswärme zunutze. Das gilt im Übrigen auch für die heutigen Fußboden- und Wandheizungen.
Voraussetzung waren Hohlräume in Wänden und Böden. Der Boden war mit sogenannten Tragepfeilern ausgestattet. Nicht selten wurden feuerfeste Tontafeln dafür verwendet. Die Feuerstelle befand dabei außen. Dort wurde Holz oder Holzkohle verbrannt. Die bei diesem Vorgang entstandenen heißen Rauchgase wurden dann in die Hohlräume geleitet. Die Materialien haben sich erwärmt und die thermische Energie so an die Umgebung abgegeben.
Ein Hypokaustum gab es in der Regel jedoch nur für einen einzelnen Raum. Zu Beginn war es speziell für Badehäuser gedacht. Erst später gab es diese Frühform der Heizung auch für Privathäuser oder militärische Anlagen. Mit dieser antiken Erfindung, welche lange Zeit in Vergessenheit geriet, prägten die Griechen und Römer die Geschichte der Heizung eindrucksvoll. Denn auch heutzutage findet man sogenannte Hypokaustenheizungen, die dasselbe Wirkungsprinzip haben wie jene in der Antike.
Kamine und Öfen für mehr Komfort sowie Sicherheit
Das Mittelalter als Zeit der Öfen und Kamine
Wie oben bereits erwähnt, wanderte das Feuer zunächst aus der Mitte der Behausungen an die Wand, um auch mehrere Stockwerke beheizen zu können. Darüber hinaus etablierte sich im Laufe des 8. Jahrhunderts der Holzherd beziehungsweise der Küchenofen. Das ermöglichte unter anderem eine höhere Wärmeausbeute.
Das Problem der ersten Kamine oder Öfen bestand darin, dass sie in der Regel von dicken Steinen umringt waren. Diese nahmen nur langsam bis kaum Wärme auf und somit war die Strahlungswärme auch nicht besonders hoch. Das änderte sich erst mit der Entwicklung der Kachelöfen im Laufe des 14. Jahrhunderts. Experten gehen davon aus, dass die ersten Modelle aus den Ostalpen stammen. Eine bessere Wärmeabgabe ermöglichten die neuen gebrannten Steine. Lange Zeit blieben diese Art der Öfen jedoch lediglich ein Prestige- oder Schmuckobjekt.
Die ersten Schornsteinfeger
Das gezielte Abführen von Abgasen ermöglichten erst die gemauerten Schornsteine oder Rauchschlote. Das war jedoch erst zum Spätmittelalter im 15. Jahrhundert möglich. Diese neuen Techniken erwiesen sich vor allem in den wachsenden mittelalterlichen Städten als vorteilhaft. Doch diese waren wesentlich enger bebaut und nicht selten kam es zu Rußbränden, die wiederum verheerende Großbrände in den Städten auslösten. Umso bedeutsamer war es, als Feuerordnungen erlassen und Schornsteinfeger bestimmt wurden.
An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass sich im Hochmittelalter außerdem die Trennung von Kochstelle und Wärmeerzeuger immer mehr etablierte. Zudem erfolgte die Befeuerung über das gesamte Mittelalter hinweg mit Holz. Dies änderte sich mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts. Aus der Not heraus wurden nun auch andere Brennstoffe verwendet wie Kohle oder Torf.
Das 18. und 19. Jahrhundert in der Geschichte des Heizens
Wie auch bei Öfen oder Kaminen erzeugen diese Einzelraumfeuerungsstätten auch heute noch dort Wärme, wo sie auch benötigt wird. Eine Zentralheizung unterscheidet sich maßgeblich davon. Denn der Wärmeerzeuger befindet sich meist nicht dort, wo die Wärme direkt benötigt wird, sondern, wie der Name schon sagt, an einer zentralen Stelle. Erst im 18. Jahrhundert wurde die Idee der heutigen zentralen Warmwasserheizung geboren. Kopf dahinter war der Schwede Marten Trifvald. Zunächst für ein Treibhaus entwickelte er die Idee, mit Feuer Wasser zu erhitzen, welches wiederum den Raum erwärmt.
Doch diese Zentralheizung wurde vorerst nicht in Wohngebäuden genutzt. Das 18. und 19. Jahrhundert waren weiterhin von den Öfen dominiert. Doch nicht nur die Brennstoffe änderten sich, sondern auch die Materialien der Feuerungsstätten. Zwar kannte man das Prinzip der Eisenöfen bereits seit dem 15. Jahrhundert, aber erst mit der Industrialisierung und der erhöhten Menge des zur Verfügung stehenden Eisens setzten sich diese Einzelraumöfen zunehmend durch.
Immer mehr Kohle zum Heizen
Die Industrialisierung war in vielen Bereichen ein Wendepunkt. Bevölkerung und Urbanisierung nahmen zu. Das führte dazu, dass es in den Städten immer enger wurde. Die Lebensräume waren klein, ebenso mussten die Öfen immer kleiner werden. Zugleich stieg der Kohleverbrauch enorm. Denn nicht nur in den Privathaushalten wurde sie genutzt, sondern auch in den Fabriken. Die Luft wurde wahrlich immer dicker. Ruß und Abgase prägten häufig das Stadtbild.
Zwar gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in privaten Haushalten eine Warmwasserheizung. Doch sie war noch Statussymbol und weniger für das Gros der Bevölkerung gedacht. Das änderte sich tatsächlich erst nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Heizung und ihre Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg
An dieser Stelle sei darauf hinzuweisen, dass mit Beginn des 20. Jahrhunderts andere Brennstoffe eine Rolle spielten. Der Weg führte weg von den festen Brennstoffen hin zum Gas und Öl. Die ersten Heizkessel mit diesen Energieträgern wurden eingesetzt. Doch in vielen Haushalten blieb es bei der bewährten Kohleheizung. Das änderte sich erst im Zuge des Zweiten Weltkrieges und den Zerstörungen, welche dieser mit sich brachte. Im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau wurden dann Zentralheizungen in den Gebäuden verbaut. Des Weiteren war es nun möglich, die Versorgungsnetze vollkommen neu zu verlegen. Die neuen Energieträger waren günstig.
Daneben gab es in den Fünfzigern und Sechzigern auch eine weitere Form, Wärme zur Verfügung zu stellen: über Fernwärme. Dies gelang überwiegend in der Nähe von Industriezentren.
Weg von fossilen Energieträgern
Die Geschichte der Heizung ist geprägt von Anpassung an veränderte Lebenswirklichkeiten und von Alternativen finden zum Altbewährten. Dabei spielte der Wunsch nach mehr Wohnkomfort und vor allem zu Beginn der Geschichte des Heizens nach Sicherheit eine zentrale Rolle. Dabei geschahen so manche Entwicklungen über mehrere Jahrhunderte hinweg. So manche Errungenschaften gingen auch verloren oder konnten sich in privaten Haushalten nicht etablieren.
Einer der letzten Meilensteine in der Geschichte des Heizens waren die Ölkrisen der Siebziger Jahre. Denn nun hieß es, Alternativen zum Heizöl zu finden. In den Folgejahrzehnten trat zudem ein weiterer Faktor in den Vordergrund: Umweltschutz und Umweltbewusstsein. Infolgedessen sollten die Heizungsanlagen auch energieeffizienter sein. Das heißt unterm Strich, mit weniger Brennstoffeinsatz dieselbe Wärmemenge erzeugen. Die Entwicklungen auf dem Heizungsmarkt waren zahlreich und rasant. Neben der Brennwerttechnik gewann auch die Wärmepumpe an Bedeutung, deren Prinzip bereits im 19. Jahrhundert erkannt wurde. Aber auch Alternativen wie das Heizen mit Solarenergie fanden ihren Weg in die deutschen Haushalte. Daneben sind auch Festbrennstoffkessel wieder im Kommen. Die Entwicklung der Wärmepumpe zu einer der zukunftsträchtigsten Heiztechniken beleuchtet der Beitrag "Die Wärmepumpe und ihre Geschichte" im Detail. Seit 2011 spielt ebenso die Brennstoffzelle eine wichtige Rolle auf dem Heizungsmarkt. Mehr über ihre Entwicklung erfahren Sie im Beitrag zur Geschichte der Brennstoffzelle.
Wie aktuell in Deutschland geheizt wird und wie hoch der Anteil an veralteten Heizsystemen ist, erklärt der Beitrag "Heizen in Zahlen: Daten und Fakten im Überblick".
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9116608e9ca2ebb5b84e22fcd28f0cf5 | Urania-Reihen
Nutzen Sie das Format der Reihen in der Urania Berlin, um komplexe und interdisziplinäre Themen zu vertiefen und Veranstaltungen, die Ihnen besonders gut gefallen haben, auch in Zukunft im Blick zu behalten. Die einzelnen Termine setzen natürlich nicht den Besuch der gesamten Reihe voraus, weder inhaltlich noch formal.
Unsere Familienkonzerte führen auf unterhaltsame und zugleich lehrreiche Weise in die Welt der (klassischen) Musik ein. Einzelne Zusatzangebote wie das beliebte Instrumenten-Karussell (Konzert „Peter und der Wolf“) oder das traditionelle Zimtschneckenbacken (Konzert „Michel aus der Suppenschüssel“) machen die Veranstaltungen zu einem ganz besonderen Erlebnis – und das für groß und klein!
Der Griff Nazideutschlands zur Weltmacht endete mit der totalen Niederlage und der Bilanz von mehr als 40 Millionen Opfern – 30 Mio. Sowjetbürger, 6 Mio. Polen, 2 Mio. Jugoslawen, 500 000 Tschechoslowaken. Davon waren 5 Mio. Juden, zu denen noch 1,3 Mio. deportierter Juden und 500 000 Sinti und Roma gerechnet werden müssen. Schon 1946 lagen zwei Abhandlungen zur Schuldfrage vor: Karl Jaspers sah die politische Schuld aller Deutschen darin, 1932/33 zugelassen zu haben, »daß ein solches Regime bei uns entstanden ist«. Hannah Arendt konstatierte ab 1940/41 den Zustand einer »totalen Komplizenschaft des deutschen Volkes« und sprach von einer »›Volksgemeinschaft‹ des Verbrechens«. Aber die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft hat diese Diagnoseangebote negiert und sich für eine Politik der Amnestie und Amnesie entschieden. Die 1949 gegründete BRD integrierte die Mehrheit der NS-Eliten in den neuen Staat und ließ alle in Nürnberg verurteilten Kriegsverbrecher frei. Die Überlebenden der »Volksgemeinschaft« sorgten dafür, dass die Geschichte der NS-Zeit abgespalten und die Schuld Anderen zuwiesen wurde – »Hitler war’s«. Mitte der fünfziger Jahre waren die Westdeutschen sogar überzeugt, dass sie durch den Krieg und dessen Folgen selber zu Opfern geworden waren. Gegen dieses Gesichtsbild konnte sich die Wahrheit nur in Form ununterbrochener Tabubrüche durchsetzen. Die Reihe wird zehn Fälle aus dieser 60jährigen Skandalgeschichte präsentieren.
Gefördert durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ)
Wenn Sie genauer auf unseren Planeten schauen, erkennen Sie sehr schnell, welches Wunder er darstellt, wie vielfältig die Bedingungen seiner Entstehung sein mussten, wie verletzlich er ist, aber auch, welche Schönheit und Lebenskraft er trotz seiner Bedrohung noch immer ausstrahlt. In dieser Vortragsreihe, die häufig in Form einer Multivision angeboten wird, zeigen Ihnen unsere Referent*innen Blicke auf unsere außergewöhnliche Erde, die sich diese oft erst sehr abenteuerlich erschließen mussten.
Gesprächskultur verändern mit Urania kontrovers
Die neue Veranstaltungsreihe der Urania will eine offene und kontroverse Diskussionsplattform etablieren.
Mit neuem Raumkonzept, das Podiumsgästen und Zuschauern die Möglichkeit bietet, in Austausch zu treten,
Wir wagen das Experiment: echte Konflikte, echte Auseinandersetzung – und ein Publikum, das nicht nur beobachtet, sondern aktiver Teil der Diskussion wie der Lösungsfindung ist. Eine starke Moderation sorgt für ein Klima des Respekts und der Kollegialität. Zugleich geht diese Widersprüchen nach und sorgt dafür, dass Argumente von Weltanschauungen getrennt und Visionen auf ihre Umsetzbarkeit hin diskutiert werden. Das Ziel unserer Veranstaltung ist nicht Unterhaltung, sondern Befähigung zur demokratischen Meinungsbildung und kritischem Denken.
Urania kontrovers sprengt räumlich die Gewohnheiten klassischer Urania-Veranstaltungen. Nach dem Vorbild der Amphitheater sitzen die verschiedenen Experten und die Moderatorin (Innenkreis) inmitten des Publikums (Außenkreis). Möchte sich ein Teilnehmer des Außenkreises an der Diskussion beteiligen, kann er Fragen stellen, seine Meinung wiedergeben oder auch sich mit anderen Zuschauern dazu auseinandersetzen.
Einige Eindrücke der vergangenen Veranstaltungen finden Sie hier
Die Neurowissenschaften bilden eines der größten und stärksten Forschungsfelder Berlins. Mit der Vortragsreihe Berlin Brains möchten wir Ihnen die Bandbreite dieser Forschung in unserer Stadt zeigen. Die 6. »Staffel« dieser erfolgreichen Zusammenarbeit von Charité und Urania wird 2020 gemeinsam vom Einstein-Zentrum für Neurowissenschaften und dem Exzellenzcluster NeuroCure präsentiert. Das konzeptionelle Motto lautet »Junior trifft Senior«. Nachwuchs- und etablierte Wissenschaftler*innen stellen gemeinsam ihre aktuelle Forschung vor.
In der Reihe werden sowohl die grundlegenden Veränderungen im Internationalen System als auch aktuelle Konflikte und deren Lösungsmöglichkeiten behandelt. Unser Kooperationspartner bei dieser Reihe ist die Friedrich-Ebert-Stiftung.
Unsere Gesellschaft polarisiert sich. Zwischentöne werden seltener, Standpunkte kompromissloser. „Laut nachgedacht“ setzt dazu einen Kontrapunkt. Die Gastgeberin Romy Jaster bringt in jeder Veranstaltung zwei Philosophen zum Gespräch zusammen, die gründlich über eine Grabenlinie unserer Zeit nachgedacht haben. Hier wird ohne Fachjargon gemeinsam erörtert, um haltbare Standpunkte gerungen, Komplexität zugelassen – laut nachgedacht eben. Am Ende eines solchen Abends stehen keine Gewissheiten. Aber dafür eine Vielzahl neuer Perspektiven.
In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Analytische Philosophie - GA
Die Frage, wie sehr die Geschichte der Kunst in den jeweiligen Jahrhunderten von Erkenntnissen und Trends anderer Wissenschaften inspiriert wurde, steht im Zentrum dieser neuen Reihe. Der Kunsthistoriker Thomas R. Hoffmann wird zusammen mit Gästen aus Theologie, Psychologie, Botanik oder Mathematik diskutieren, welche erstaunlichen Wechselwirkungen zwischen der Kunst und anderen Wissenschaftszweigen entstanden.
Die Reihe „Religion – Politik – Spiritualität“ ist eine Veranstaltungsreihe der Urania Berlin e. V. in Zusammenarbeit mit dem Berliner Missionswerk/ Ökumenisches Zentrum für die Evang. Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ), Berlin.
In den Reisevorträgen stellen Ihnen unsere hochqualifizierten Reiseleiter*innen Reiseziele und Reiseverläufe vor und machen Sie mit der Kulturgeschichte und den Besonderheiten der jeweiligen Region vertraut.
Ein literarisch-erzählendes Genre, das Natur genau beobachtet, leidenschaftlich empfindet und spannend erzählt - also Naturwissenschaft, Naturgeschichte und Naturphilosophie in einem ist. Zu den wichtigsten historischen Vertretern des “Nature Writing” gehören Alexander von Humboldt, Jean-Jacques Rousseau und Henry David Thoreau. Die heutige Ökologie ist ohne ein modernes “Nature Writing” nicht zu denken.
In den kommenden zwei Jahren 2020-21 wird die Urania zum Umweltforum für die Berlinerinnen und Berliner. Derzeit wird der Urania Gemeinschaftsgarten frühlingsfein gemacht. Wir informieren Sie, sobald Öffnungszeiten und Veranstaltungen feststehen.
Das Klima und unsere Umwelt verändern sich rasant, auch zwischen Stadt und Land entstehen neue Beziehungen. Wie reagieren wir darauf? Welche neuen Identitäten ergeben sich möglicherweise daraus? „Wenn sich Gesellschaften verändern, verändern sich auch die dazugehörigen Landschaften und Räume. Vor 200 Jahren begann das Industriezeitalter, unseren ganzen alten Kontinent umzupflügen und nach seinen Bedürfnissen neu zu sortieren. Wieso glauben wir, an dessen Ende glimpflicher davon zu kommen?“ (W. Kil)
Unverkrampftes Fachsimpeln über Sex. Längst ist Sex für viele Menschen mehr als etwas, das man nebenbei und sprachlos erledigt. Vielmehr ist Erotik zu einem Selbstfindungsthema mit geistigem Überbau geworden, einem Subjekt, über das man spricht und liest. | 3.453125 | 2.890625 | 2.5625 |
ef88a704d4f7d9e1175387d84edf33e9 | Fotos: Brian Ongoro
Mit geschenktem Geld aus der Armut
In Kenia erhalten Tausende Menschen ein kleines Monatsgehalt, ohne dass sie dafür etwas tun müssen. Es ist das weltweit größte Experiment mit einem allgemeinen Grundeinkommen.
Als Mary Akoth davon erfuhr, dass sie fortan jeden Monat Geld geschenkt bekommen würde, bekam sie es mit der Angst zu tun. „Mein Leben lang musste ich immer hart arbeiten, um überhaupt zu überleben. Und dann kommt da jemand vorbei und sagt, füllt dieses Formular aus, dann erhaltet ihr Geld. Einfach so, ohne etwas dafür zu tun. Ich war mir sicher: Entweder ist es eine Lüge – oder wir werden noch teuer dafür bezahlen.“
Mary Akoth lebt in Magora, einem Dorf im Siaya County im Westen Kenias, nicht weit vom riesigen Victoriasee und fünfzig Kilometer von der Großstadt Kisumu entfernt. Ein Dorf in dieser Gegend ist manchmal kaum als solches zu erkennen, es stellt nicht unbedingt eine gewachsene Gemeinschaft dar und die Grenzziehung zum Nachbardorf ist zuweilen willkürlich. Die Häuser in Magora haben Wände aus Lehm und Dächer aus Wellblech, manchmal aus Stroh. Sie stehen weit auseinander. Jede der 65 Familien besitzt ein Landstück, auf dem sie wohnt, wo sie ein paar Hühner und anderes Kleinvieh hält sowie Felder mit Mais, Getreide und Gemüse bestellt. Ein Dorfzentrum gibt es nicht, Gemeinschaftsräume ebenfalls kaum, außer einer Schule. Selbst spirituell eint Bewohner_innen des Dorfes wenig: Sie gehören mindestens einem Dutzend verschiedenen christlichen Kleinkirchen an.
Mitten in Magora steht ein Wohngebäude, das deutlich robuster und größer gebaut ist als die umliegenden Häuschen. Dort serviert Mary Akoth einer Betagten gerade eine Tasse Tee. Die 37-Jährige arbeitet für die reichere Familie in deren Haus und auf deren Feldern. Dafür bekommt sie umgerechnet 18 Euro im Monat. Seit drei Jahren erhält Akoth dazu noch einmal etwa 20 Euro auf ihr Mobiltelefon überwiesen – so wie ihr Mann, der sich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt. Und so wie alle im Dorf, die über achtzehn Jahre alt sind. Akoth und die anderen erwachsenen Einwohner_innen von Magora waren die Ersten, die von der US-amerikanischen Organisation GiveDirectly ein Grundeinkommen erhalten haben. Das Dorf heißt eigentlich anders; GiveDirectly verlangt, dass keine Ortsnamen genannt werden, „um die Empfänger zu schützen“. In Magora testete GiveDirectly mit einem Jahr Vorlauf, was das philanthropische Unternehmen ab November 2017 in 197 kenianischen Dörfern durchführte: das weltweit größte Experiment mit einem Grundeinkommen. Während zwölf Jahren sollen rund 20.000 Menschen in Kenia ein garantiertes Einkommen von umgerechnet 20 Euro pro Monat erhalten. Das ist ungefähr der Betrag, den man auf dem Land zum Überleben braucht.
Die Idee, jedem ein Einkommen zu garantieren, das zumindest die Grundbedürfnisse abdeckt, ist so alt wie umstritten. Als sozialpolitisches Instrument ist es bisher noch von keinem Staat eingeführt worden. In der Schweiz wurde die Volksinitiative „Für ein bedingungsloses Grundeinkommen“ im Juni 2016 von 77 Prozent der abstimmenden Bevölkerung verworfen. Die Regierung im indischen Bundesstaat Sikkim hat vor einiger Zeit angekündigt, spätestens 2022 allen 610.000 Bürger_innen ein garantiertes Einkommen zu geben.
Einzelne Versuche mit einem (allerdings nicht allgemeinen) Grundeinkommen gibt es hingegen bereits. In der kanadischen Kleinstadt Dauphin erhielten in den Siebzigerjahren die ärmsten Einwohner_innen jahrelang einen monatlichen staatlichen Zuschuss. In Finnland wurde 2000 Arbeitslosen während zwei Jahren rund 560 Euro pro Monat ausgezahlt. In der kalifornischen Stadt Stockton bekommen derzeit 125 Menschen mit niedrigem Einkommen während 18 Monaten 500 Dollar auf ihre Kreditkarte überwiesen. Die Folgestudien zu diesen Versuchen sind positiv. In Dauphin gingen die Kinder länger zur Schule, die Menschen waren weniger krank, fühlten sich besser und arbeiteten trotzdem nicht weniger. In Stockton wird das zusätzliche Einkommen tatsächlich für Grundbedürfnisse wie Lebensmittel ausgegeben und nicht wie von manchen befürchtet für Alkohol und Drogen. Und auch in Finnland fühlten sich die unterstützten Arbeitslosen gesünder, konzentrierter und weniger gestresst. Der Versuch von GiveDirectly bewegt sich nun aber in einer ganz anderen Dimension. Das Experiment in Kenia erreicht viel mehr Menschen, es hat eine deutlich längere Laufzeit, und es steht sämtlichen Erwachsenen in den ausgewählten Dörfern zu, ist also tatsächlich bedingungslos und allgemein. Eine erste Folgestudie von Abhijit Banerjee, der kürzlich den Ökonomie-Nobelpreis erhielt, soll im kommenden Jahr erscheinen.
Auch in Kenia wird zuweilen befürchtet, dass die Geldgeschenke nicht zwangsläufig zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensverhältnisse führen werden. Sondern den Anreiz setzen könnten, weniger zu arbeiten sowie mehr Alkohol und andere Drogen zu konsumieren. Mary Akoth kam es nie in den Sinn, weniger zu arbeiten. „Wir können ja auch so nur knapp für die Schulgebühren aufkommen.“ Der Schulbesuch inklusive Lehrmittel und Mittagessen von drei Kindern kosten mehrere hundert Euro pro Semester – dies, obwohl die öffentlichen Schulen offiziell kostenlos sind. Damit sie vor Semesterbeginn das Schulgeld zusammenbekommt, zahlt Akoth die Hälfte des Grundeinkommens in eine Spargruppe ein, die sie mit vier weiteren Frauen gegründet hat. Jede bringt monatlich den gleichen Betrag ein, und jede erhält einmal alle fünf Monate den gesamten einbezahlten Betrag. Kenianer_innen nennen diese Art von Mikrobanking „merry-go-round“: Karussell. Auch alle anderen Eltern von Schulkindern in Magora sagen, dass sie einen Großteil des Grundeinkommens für die Schulkosten aufwenden. Das kann als Investition in die Bildung betrachtet werden – oder als Kompensation für das Versagen des kenianischen Staats, den Schulbesuch nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Wirklichkeit kostenfrei zu machen. Möglicherweise besuchen dank dem Grundeinkommen mehr Kinder die Sekundarschule, die freiwillig ist. Aber andererseits haben die Behörden dadurch noch weniger Anreiz, das öffentliche Schulsystem zu verbessern.
Als Mary Akoth vor drei Jahren die erste Monatsrate überwiesen erhielt, wurde sie von GiveDirectly gefragt, was sie mit dem zusätzlichen Einkommen vorhabe. Akoth plante damals, viel zu sparen und später ein kleines Geschäft zu gründen. Doch solche Träume haben sich längst zerschlagen. „Seither ist die älteste Tochter in die Sekundarschule gekommen, und die ist viel teurer als die Primarschule“, sagt Akoth. Für Plista Aloo ist das Sparen ein wenig einfacher. Die 71-jährige Frau lebt allein in ihrem Häuschen. Ihr Ehemann starb vor über achtzehn Jahren, ihre sechs Kinder haben längst eigene Familien. Von ihrem Grundeinkommen zahlt sie einen Beitrag an die Schulkosten der Enkel_innen sowie eine Spende an ihre Kirche – und spart den Rest für Notfälle. Vor einer Weile hatte Aloo immerhin rund 110 Euro auf der Seite. Jahrelang hatte sie dafür gespart. Dann wurde sie krank, musste ins Spital – und weg war ihr Erspartes. So fließt das Zusatzeinkommen
bei fast allen Einwohner_innen in den alltäglichen Überlebenskampf. Das Grundeinkommen ist ein wichtiger individueller Zustupf, doch zu einer gemeinschaftlichen Entwicklung trägt es kaum bei. Ein Dorf wie Magora, wo fast alle ihren Lebensunterhalt als Kleinbauern verdienen, hätte Investitionen in die Landwirtschaft bitter nötig. Denn bisher ist jede Kleinbäuerin auf sich allein gestellt.
„Mein Mann und ich haben früher auch Landwirtschaft betrieben“, sagt Mary Akoth. „Aber wir hatten keine guten Erträge.“ Seither liegt ihr Land brach. Selbst erfolgreichere Kleinbauern geben an, dass sie jederzeit mit Missernten rechnen müssten, da die Regenfälle in den letzten Jahren oft ausgeblieben sind. „Wir bräuchten ein Bewässerungssystem und landwirtschaftliche Beratung“, sagt einer. Die Dorfgemeinschaft schafft es nicht, das Staatsversagen zu kompensieren. Durch das Grundeinkommen fließt eigentlich jeden Monat eine beachtliche Summe nach Magora. Doch bisher hat niemand versucht, die zusätzlichen Mittel zu bündeln und etwa die landwirtschaftliche Produktion gemeinsam zu verbessern und zu vermarkten. Das ist auch nicht weiter erstaunlich, denn im Konzept des Grundeinkommens ist eine Umwandlung der individuellen Hilfe in kollektives Handeln nicht vorgesehen. Es geht vielmehr von soliden gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen aus. Deshalb würde in Industrieländern wie der Schweiz, Finnland oder den USA ein allgemeines Grundeinkommen weitgehend die bisherigen Sozialleistungen wie Arbeitslosen- und Sozialhilfe ersetzen. Begründet wird ein solcher Schritt zur Rationalisierung der Sozialsysteme oftmals mit demografischen und globalwirtschaftlichen Trends, etwa mit der Überalterung der Gesellschaft und der Digitalisierung der Arbeitswelt. Die Idee eines allgemeinen Grundeinkommens ist darum gerade bei denen beliebt, die den digitalen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft vorantreiben: bei den Pionieren digitaler Technologie im kalifornischen Silicon Valley. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg oder Tesla-Chef Elon Musk sind davon überzeugt, dass die USA früher oder später ein allgemeines Grundeinkommen einführen werden – das wegen des prognostizierten Wegfalls vieler Arbeitsplätze zu einer Notwendigkeit werde.
Gewisse Philanthrop_innen im Silicon Valley sehen direkte Geldtransfers nicht nur als Allheilmittel für das US-amerikanische Sozialsystem, sondern auch für die globale Armutsbekämpfung. Tech-Milliardäre gehören denn auch zu den größten Spendern von GiveDirectly. Vor vier Jahren stieß Pierre Omidyar, Mitbegründer der digitalen Handelsplattform eBay, das Grundeinkommensexperiment in Kenia mit einer Spende von einer halben Million Dollar an. Mittlerweile beträgt das Budget für dieses Projekt 30 Millionen Dollar. Expert_innen – etwa Pranab Bardhan von der University of California in Berkeley – halten dagegen, dass ein Grundeinkommen in einem Entwicklungsland wie Kenia eine andere Funktion habe als in einem Industrieland. Hier, wo ein viel grösserer Teil der Bevölkerung mit extremer Armut, Arbeitslosigkeit und prekären Arbeitsbedingungen konfrontiert ist, sollte ein Grundeinkommen andere Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut ergänzen und nicht ersetzen. In Kenia gibt es ambitionierte staatliche soziale Programme, bei denen etwa Waisenkinder und alte Menschen Geld von der Regierung erhalten. Und es gibt Schulstipendien für die ärmsten Familien.
Darauf weist auch Kennedy Aswan hin, der in Magora seit sieben Jahren als Dorfältester amtet – obwohl er erst vierzig Jahre alt ist. „Seit wir ein Grundeinkommen erhalten, gehen auf jeden Fall mehr Kinder in weiterführende Schulen“, sagt Aswan. Er sitzt in seinem renovierten Aufenthaltsraum und hofft, dass nach dem Ende des GiveDirectly-Experiments der kenianische Staat das Grundeinkommen weiter auszahlt – in Magora und den Nachbardörfern, die jetzt noch nicht von dem Programm profitieren. Vorher müsse die Regierung aber wirklich ihr Versprechen auf kostenlose Bildung einlösen, meint Aswan. „Das Geld aus Nairobi reicht nicht aus für unsere Dorfschule; wir mussten zusätzliche Lehrer anstellen.“ Um sich für ein Schulstipendium zu bewerben, musste man traditionellerweise ein Formular beim „Chief’s Office“ einreichen. Dieses vertritt die Zentralregierung in einem Gebiet, das über ein Dutzend Dörfer umfasst. Man brauchte die Unterschriften des Schulvorstehers, einer religiösen Autorität – und des Chiefs selbst. Um an ein Stipendium zu gelangen, waren also gute Beziehungen vonnöten. Das ist zwar nach einer politischen Dezentralisierung seit Jahren nicht mehr der Fall. Aber kaum jemand im Dorf weiß das, wie der Dorfälteste und verschiedene andere Bewohner_innen bestätigen.
Ob ein Grundeinkommen Menschen aus der schlimmsten Armut führen kann, ist die eine Frage. Eine ganz andere Frage ist, wie es bei einer Einführung im ganzen Land finanziert werden könnte. Für die Industrieländer erwarten Tech-Visionäre zwar einen Abbau der Arbeitsplätze, der aber einer hohen Wertschöpfung durch hochproduktive Roboter und andere digitale Errungenschaften gegenüberstehen würde. Der Staat könnte einen Teil davon abschöpfen und über das Grundeinkommen umverteilen – so die schöne Theorie. Doch in den Entwicklungsländern können nicht einmal die größten (oder naivsten) Optimisten auf eine ähnliche finanzielle Basis hoffen. Kenia ächzt schon jetzt unter einem Schuldenberg von etwa 56 Milliarden Euro. Um das zu ändern, bräuchte das ostafrikanische Land – wie auch viele andere Entwicklungsländer – eher eine politische als eine technische Revolution. So ist auch noch völlig unklar, ob die Initiative von GiveDirectly eines Tages ausgeweitet oder überhaupt irgendwie weitergeführt werden kann.
Mary Akoth in Magora macht sich darüber nicht zu viele Gedanken. Die Angst, dass sie irgendwann für die Überweisungen wird büßen müssen, ist verflogen. Aber falls die monatlichen Zahlungen eines Tages versiegen, werden Akoth und ihre Familie nicht verzweifeln: „Dann kommt bestimmt eine andere Chance.“ | 3.984375 | 3.1875 | 2.625 |
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