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| <refset setid="iwslt2017-tst2015" srclang="english" trglang="german" refid="ref"> |
| <doc docid="2183" genre="lectures"> |
| <url>http://www.ted.com/talks/marc_kushner_why_the_buildings_of_the_future_will_be_shaped_by_you</url> |
| <keywords>talks, TED Books, architecture, design, social media</keywords> |
| <speaker>Marc Kushner</speaker> |
| <talkid>2183</talkid> |
| <title>Marc Kushner: Wer gestaltet die Gebäude der Zukunft? ... Sie.</title> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: "In der Architektur geht es nicht um Mathematik oder Bebauungspläne -- es geht um tiefe Emotionen", sagt Marc Kushner. In einem mitreißenden -- oft auch lustigen -- Vortrag erzählt er über die letzten 30 Jahre der Architekturgeschichte, um zu zeigen, wie die Öffentlichkeit, einst abgetrennt, ein essentieller Teil des Entwurfsprozesses geworden ist. Durch die sozialen Medien bekommen Architekten bereits Jahre, bevor ein Gebäude fertiggestellt wurde, Feedback. Das Ergebnis? Architektur, die mehr für uns tut als je zuvor.</description> |
| <seg id="1"> Ich erzähle Ihnen heute etwas über die Architekturgeschichte der letzten 30 Jahre.</seg> |
| <seg id="2"> Das ist ganz schön viel für 18 Minuten.</seg> |
| <seg id="3"> Es ist ein komplexes Thema, deshalb starten wir direkt an einem komplexen Ort: New Jersey.</seg> |
| <seg id="4"> Denn vor 30 Jahren wohnte ich als Sechsjähriger mit meinen Eltern in New Jersey in einer Stadt namens Livingston, und das war mein Kinderzimmer.</seg> |
| <seg id="5"> In der Nähe meines Schlafzimmers war das Bad, das ich mit meiner Schwester teilte.</seg> |
| <seg id="6"> Zwischen meinem Schlafzimmer und dem Bad war ein Balkon mit Blick auf das Wohnzimmer.</seg> |
| <seg id="7"> Dort hielten sich alle auf und schauten fern, also sah jeder mich immer dann, wenn ich vom Schlafzimmer ins Badezimmer ging. Und immer wenn ich duschte und im Handtuch zurückkam, sahen mich alle.</seg> |
| <seg id="8"> Und ich sah so aus.</seg> |
| <seg id="9"> Ich war plump, unsicher und ich hasste das.</seg> |
| <seg id="10"> Ich hasste diesen Gang, diesen Balkon, ich hasste dieses Zimmer und dieses Haus.</seg> |
| <seg id="11"> Und das ist Architektur.</seg> |
| <seg id="12"> Dieses Gefühl, meine damaligen Emotionen, das ist die Macht der Architektur, denn in der Architektur geht es nicht um Mathe und Bebauungspläne, es geht um die tiefen, emotionalen Verbindungen, die wir mit Orten haben, an denen wir leben.</seg> |
| <seg id="13"> Und es verwundert nicht, dass wir so fühlen, denn laut [der Umweltschutzbehörde] EPA verbringen Amerikaner 90 % ihrer Zeit drinnen.</seg> |
| <seg id="14"> Wir sind also 90 % unserer Zeit von Architektur umgeben.</seg> |
| <seg id="15"> Das ist enorm.</seg> |
| <seg id="16"> Es bedeutet, dass Architektur uns auf eine Art formt, die uns nicht bewusst ist.</seg> |
| <seg id="17"> Das macht uns etwas naiv und sehr berechenbar,</seg> |
| <seg id="18"> d. h. wenn ich Ihnen ein solches Gebäude zeige, weiß ich, was Sie denken: Sie denken an "Macht", "Stabilität" und "Demokratie".</seg> |
| <seg id="19"> Und Sie denken das, weil es ein Gebäude betrifft, das vor 2 500 Jahren von den Griechen erbaut wurde.</seg> |
| <seg id="20"> Das ist ein Trick.</seg> |
| <seg id="21"> Diesen Auslöser nutzen Architekten, um emotionale Bindungen herzustellen, zu den Formen, aus denen wir unsere Gebäude bauen.</seg> |
| <seg id="22"> Es ist eine vorhersehbare emotionale Bindung, und wir nutzen diesen Trick schon sehr lange.</seg> |
| <seg id="23"> Wir wendeten den Trick vor 200 Jahren beim Bau von Banken an.</seg> |
| <seg id="24"> Wir wendeten ihn im 19. Jahrhundert beim Museumsbau an.</seg> |
| <seg id="25"> Im Amerika des 20. Jahrhunderts bauten wir so Häuser.</seg> |
| <seg id="26"> Schauen Sie sich diese soliden, stabilen kleinen Soldaten an, die zum Ozean blicken und vor der Witterung schützen.</seg> |
| <seg id="27"> Das ist sehr nützlich, denn Dinge zu bauen, ist Furcht einflößend.</seg> |
| <seg id="28"> Es ist teuer, es dauert lange und es ist sehr kompliziert.</seg> |
| <seg id="29"> Leute, die Dinge bauen -- Bauunternehmer und Regierungen -- fürchten sich natürlich vor Innovation. Sie nutzen lieber die Formen, die erfahrungsgemäß gut ankommen.</seg> |
| <seg id="30"> Das führt zu Gebäuden wie diesen.</seg> |
| <seg id="31"> Das ist ein schönes Gebäude.</seg> |
| <seg id="32"> Aber es hat nicht viel mit dem zu tun, was eine Bibliothek heute leistet.</seg> |
| <seg id="33"> Im selben Jahr, 2004, wurde auf der anderen Seite der USA eine andere Bibliothek fertiggestellt und die sieht so aus.</seg> |
| <seg id="34"> Das ist in Seattle.</seg> |
| <seg id="35"> Bei der Bibliothek geht es um den Medienkonsum im digitalen Zeitalter.</seg> |
| <seg id="36"> Es geht um eine neue Art der öffentlichen Einrichtung für die Stadt, einen Ort zum Versammeln, zum Lesen und zum Austausch.</seg> |
| <seg id="37"> Wie ist es daher möglich, dass im selben Jahr im selben Land zwei Gebäude, beides Bibliotheken, so ganz unterschiedlich aussehen?</seg> |
| <seg id="38"> Architektur beruht auf einer Art "Pendelprinzip".</seg> |
| <seg id="39"> Auf der einen Seite steht die Innovation. Architekten treiben ständig neue Technologien voran, neue Typologien, neue Lösungen für die Art, wie wir heute leben.</seg> |
| <seg id="40"> Wir tragen alle schwarz, werden sehr depressiv. Sie halten uns für verehrenswert, aber wir sind innerlich tot, weil wir keine Wahl haben.</seg> |
| <seg id="41"> Wir müssen die Seite wechseln und die Symbole wieder verwenden, die Sie bekanntermaßen lieben.</seg> |
| <seg id="42"> Wenn wir das tun und Sie glücklich sind, fühlen wir uns wie Verräter. Also experimentieren wir erneut, wir schwingen das Pendel hin und her, die ganzen letzten 300 Jahre lang und gewiss in den letzten 30 Jahren.</seg> |
| <seg id="43"> Vor 30 Jahren, ca. Ende der 70er Jahre,</seg> |
| <seg id="44"> experimentierten Architekten eifrig mit dem sogenannten "Brutalismus".</seg> |
| <seg id="45"> Dabei ging es um Beton.</seg> |
| <seg id="46"> Kleine Fenster, entmenschlichender Maßstab.</seg> |
| <seg id="47"> Das ist wirklich hartes Zeug.</seg> |
| <seg id="48"> Als wir uns den 80ern näherten, begannen wir, diese Symbole wiederzuverwenden.</seg> |
| <seg id="49"> Wir schwangen das Pendel zurück in die andere Richtung.</seg> |
| <seg id="50"> Wir nahmen die Formen, die Sie mögen, und aktualisierten sie.</seg> |
| <seg id="51"> Wir fügten Neon und einige Pastelltöne hinzu und verwendeten neues Material.</seg> |
| <seg id="52"> Und Sie liebten es.</seg> |
| <seg id="53"> Sie bekamen gar nicht genug davon.</seg> |
| <seg id="54"> Wir nahmen Chippendale-Schränke und verwandelten sie in Hochhäuser. Hochhäuser können mittelalterliche Burgen aus Glas sein.</seg> |
| <seg id="55"> Die Formen wurden groß, kühn und farbenfroh.</seg> |
| <seg id="56"> Zwerge wurden zu Säulen.</seg> |
| <seg id="57"> Es war verrückt.</seg> |
| <seg id="58"> Aber das waren die 80er, das war cool.</seg> |
| <seg id="59"> So war das in der Postmoderne.</seg> |
| <seg id="60"> So war das mit Symbolen.</seg> |
| <seg id="61"> Sie waren einfach und billig, denn statt Orte zu schaffen, erschufen wir Erinnerungen an Orte.</seg> |
| <seg id="62"> Ich weiß, und ich weiß, Sie alle wissen, das ist nicht die Toskana.</seg> |
| <seg id="63"> Das ist Ohio.</seg> |
| <seg id="64"> Ende der 80er und Anfang der 90er experimentierten wir mit dem sogenannten "Dekonstruktivismus".</seg> |
| <seg id="65"> Wir ließen die historischen Symbole hinter uns zurück, wir verließen uns auf neue, computergestützte Entwurfstechniken und erfanden neue Kompositionen, Formen, die auf andere Formen prallten.</seg> |
| <seg id="66"> Das war akademisch und aufregend, das war sehr unpopulär, wir verprellten Sie damit komplett.</seg> |
| <seg id="67"> Normalerweise würde das Pendel einfach wieder zurück schwingen.</seg> |
| <seg id="68"> Aber dann passierte etwas Überraschendes.</seg> |
| <seg id="69"> 1997 wurde dieses Gebäude eröffnet.</seg> |
| <seg id="70"> Das ist das Guggenheim Bilbao von Frank Gehry.</seg> |
| <seg id="71"> Dieses Gebäude veränderte die Beziehung der Welt zur Architektur grundlegend.</seg> |
| <seg id="72"> Laut Paul Goldberger war das Bilbao einer der seltenen Momente, in denen Kritiker, Akademiker und die Öffentlichkeit bei dem Gebäude völlig einer Meinung waren.</seg> |
| <seg id="73"> Die New York Times nannte dieses Gebäude ein Wunder.</seg> |
| <seg id="74"> Der Tourismus wuchs in Bilbao um 2 500 %, nachdem der Bau fertiggestellt war.</seg> |
| <seg id="75"> Er ist unser erster richtiger Stararchitekt.</seg> |
| <seg id="76"> Wie ist es nun möglich, dass diese Formen -- wild und radikal -- wie ist es möglich, dass sie sich weltweit verbreiten?</seg> |
| <seg id="77"> Das passierte, da die Medien davon erfolgreich mitgerissen wurden und uns schnell beibrachten, dass solche Formen Kultur und Tourismus bedeuten.</seg> |
| <seg id="78"> Diese Formen riefen bei uns eine emotionale Reaktion hervor --</seg> |
| <seg id="79"> genau wie bei Bürgermeistern weltweit.</seg> |
| <seg id="80"> Jeder Bürgermeister wusste, dass diese Formen Kultur und Tourismus mit sich brachten.</seg> |
| <seg id="81"> Dieses Phänomen zur Jahrtausendwende betraf auch einige andere Stararchitekten.</seg> |
| <seg id="82"> Denken Sie an Ihren Architekturkonsum.</seg> |
| <seg id="83"> Vor 1 000 Jahren hätten Sie ins nächstgelegene Dorf gehen müssen, um ein Gebäude zu sehen.</seg> |
| <seg id="84"> Die Beförderung beschleunigte sich: Man nimmt ein Boot, ein Flugzeug, man reist als Tourist.</seg> |
| <seg id="85"> Die Technik beschleunigte: Man sieht es in Zeitungen, im TV, bis wir schließlich alle Architekturfotografen sind, und das Bauwerk vom Grundstück losgelöst ist.</seg> |
| <seg id="86"> Architektur ist jetzt überall, d. h. dass die Geschwindigkeit der Kommunikation endlich die Geschwindigkeit der Architektur eingeholt hat.</seg> |
| <seg id="87"> Denn Architektur entwickelt sich ziemlich schnell.</seg> |
| <seg id="88"> Es dauert nicht lang, sich ein Gebäude auszudenken.</seg> |
| <seg id="89"> Aber es dauert lang, ein Gebäude zu bauen, drei bis vier Jahre, und in der Zwischenzeit entwirft ein Architekt zwei, acht oder hundert andere Gebäude, bevor er weiß, ob der Bau, den er vor vier Jahren entwarf, ein Erfolg war oder nicht.</seg> |
| <seg id="90"> Das liegt am Fehlen einer guten "Feedbackschleife" in der Architektur.</seg> |
| <seg id="91"> Deshalb haben wir solche Gebäude.</seg> |
| <seg id="92"> Das wird niemals wieder passieren, glaube ich, weil wir kurz vor der größten Revolution in der Architektur seit der Erfindung des Betons, des Stahls oder des Aufzugs stehen. Es ist eine Medienrevolution.</seg> |
| <seg id="93"> Laut meiner Theorie schwingt das Pendel immer schneller, wenn man Medien einsetzt, bis es beinahe gleichzeitig an beiden Extremen ankommt, was in Folge den Unterschied zwischen Innovation und Symbol verwischt, zwischen uns, den Architekten, und Ihnen, der Öffentlichkeit.</seg> |
| <seg id="94"> Nun können wir fast auf der Stelle emotional aufgeladene Symbole aus etwas völlig Neuem erschaffen.</seg> |
| <seg id="95"> Das wird an einem Projekt deutlich, das wir kürzlich abgeschlossen haben.</seg> |
| <seg id="96"> Wir wurden beauftragt, dieses abgebrannte Gebäude zu ersetzen.</seg> |
| <seg id="97"> Das ist das Zentrum einer Stadt namens Pines auf Fire Island im Bundesstaat New York.</seg> |
| <seg id="98"> Es ist eine Feriensiedlung.</seg> |
| <seg id="99"> Wir schlugen ein gewagtes Gebäude vor, das sich von allen dort üblichen Formen unterschied. Wir waren besorgt, unsere Kunden auch und die Gemeinde war auch besorgt, deshalb erstellten wir eine Reihe fotorealistischer Darstellungen, die wir auf Facebook und auf Instagram hochluden. Wir ließen die Leute tun, was sie so tun: es teilen, kommentieren, "liken" oder hassen.</seg> |
| <seg id="100"> Das bedeutete, dass es schon zwei Jahre vor Bauende ein Teil der Gemeinde war. Da die Darstellungen genau wie das Endprodukt aussahen, gab es keine Überraschungen.</seg> |
| <seg id="101"> Dieses Gebäude war bereits ein Teil dieser Gemeinde, und im ersten Sommer, als die Leute ankamen und begannen, das Gebäude in den sozialen Medien zu teilen, war es kein bloßes Gebäude mehr, sondern wurde zu einem Medium. Denn das sind nicht einfach Bilder eines Gebäudes, es sind Ihre Bilder eines Gebäudes.</seg> |
| <seg id="102"> Wir brauchen also keine Griechen mehr, die uns sagen, was wir über Architektur denken sollen.</seg> |
| <seg id="103"> Wir können uns gegenseitig sagen, was wir über Architektur denken, denn die digitalen Medien haben nicht nur die Beziehung zwischen uns verändert, sie haben die Beziehung zwischen uns und Gebäuden verändert.</seg> |
| <seg id="104"> Denken Sie einen Moment an die Bibliothekare in Livingston.</seg> |
| <seg id="105"> Wenn das Gebäude heute gebaut werden würde, würden sie heute als erstes online gehen und "neue Bibliotheken" suchen.</seg> |
| <seg id="106"> Sie würden mit experimentellen, innovativen Beispielen bombardiert werden, die an die Grenze dessen stoßen, was eine Bibliothek sein kann.</seg> |
| <seg id="107"> Das ist Munition.</seg> |
| <seg id="108"> Das ist Munition, die sie zum Bürgermeister und zu den Bürgern von Livingston mitnehmen können, um ihnen zu sagen, es gibt nicht nur eine Antwort darauf, was eine Bibliothek heute ist.</seg> |
| <seg id="109"> Seien wir ein Teil davon.</seg> |
| <seg id="110"> Dieser Überfluss an Experimenten gibt ihnen die Freiheit, ihr eigenes Experiment durchzuführen.</seg> |
| <seg id="111"> Alles hat sich verändert.</seg> |
| <seg id="112"> Architekten sind keine geheimnisvollen Wesen mehr, die große Worte und komplizierte Zeichnungen nutzen, und Sie sind nicht die leidtragende Öffentlichkeit -- der Verbraucher, der nichts akzeptiert, was er nicht schon gesehen hat.</seg> |
| <seg id="113"> Architekten können Sie hören, und Architektur schüchtert Sie nicht ein.</seg> |
| <seg id="114"> Das ist das Ende der Architekturgeschichte. Das bedeutet, dass die zukünftigen Gebäude ganz anders als die aktuellen Gebäude aussehen werden.</seg> |
| <seg id="115"> Es bedeutet, dass ein öffentlicher Raum in der Altstadt von Sevilla auf einzigartige und individuell zugeschnittene Weise der Funktion einer modernen Stadt dient.</seg> |
| <seg id="116"> Ein Stadion in Brooklyn kann ein Stadion in Brooklyn sein, und nicht irgendein historisches Ziegel-Potpourri aus unseren Vorstellungen von einem Stadion.</seg> |
| <seg id="117"> Roboter werden unsere Gebäude bauen, denn wir sind endlich für die Formen bereit, die sie produzieren werden.</seg> |
| <seg id="118"> Gebäude werden sich nach den Launen der Natur richten, statt anders herum.</seg> |
| <seg id="119"> Ein Parkhaus in Miami Beach, Florida, kann auch ein Ort sein, wo man Sport oder Yoga betreibt, und man kann dort sogar bis spät in die Nacht heiraten.</seg> |
| <seg id="120"> Das bedeutet, dass kein Bauwerk zu klein ist für Innovation, wie dieser kleine Rentier-Pavillon, der genauso muskulös und kräftig ist wie die Tiere, zu deren Beobachtung er entworfen wurde.</seg> |
| <seg id="121"> Ein Gebäude muss also nicht schön sein, um liebenswert zu sein, wie dieses hässliche kleine Gebäude in Spanien, wo die Architekten ein Loch gruben, es mit Heu füllten, dann Beton drum herum gossen, und als der Beton trocknete, baten sie jemanden, das Heu zu entfernen. Somit blieb nur dieser abscheuliche kleine Raum übrig, der voller Abdrücke und Kratzer aus der Herstellung waren, und das macht es zum erhabensten Ort, um einen spanischen Sonnenuntergang zu sehen.</seg> |
| <seg id="122"> Es ist egal, ob eine Kuh unsere Gebäude baut, oder ein Roboter unsere Gebäude baut.</seg> |
| <seg id="123"> Es ist unwichtig, wie wir bauen, es ist nur wichtig, was wir bauen.</seg> |
| <seg id="124"> Architekten wissen, wie man "grünere", intelligentere und freundlichere Gebäude gestaltet.</seg> |
| <seg id="125"> Wir haben nur darauf gewartet, dass Sie es sich wünschen.</seg> |
| <seg id="126"> Endlich befinden wir uns nicht mehr auf entgegengesetzen Seiten.</seg> |
| <seg id="127"> Finden Sie einen Architekten, beauftragen Sie einen Architekten, entwerfen Sie mit uns bessere Gebäude, bessere Städte und eine bessere Welt, denn es steht viel auf dem Spiel.</seg> |
| <seg id="128"> Bauten spiegeln nicht nur unsere Gesellschaft wieder, sie formen sie bis hin zu den kleinsten Orten: den Stadtbibliotheken, dem Zuhause, wo Sie Ihre Kinder aufziehen, und dem Weg, den sie vom Schlaf- zum Badezimmer nehmen.</seg> |
| <seg id="129"> Danke.</seg> |
| <reviewer href="http://www.ted.com/profiles/333489">Johanna Pichler</reviewer> |
| <translator href="http://www.ted.com/profiles/1428226">Angelika Lueckert Leon</translator> |
| </doc> |
| <doc docid="2102" genre="lectures"> |
| <url>http://www.ted.com/talks/meaghan_ramsey_why_thinking_you_re_ugly_is_bad_for_you</url> |
| <keywords>talks, beauty, life, women</keywords> |
| <speaker>Meaghan Ramsey</speaker> |
| <talkid>2102</talkid> |
| <title>Meaghan Ramsey: Sich für "hässlich" zu halten, ist ungesund</title> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Etwa 10 000 Menschen geben jeden Monat bei Google die Frage "Bin ich hässlich?" ein. Meaghan Ramsey vom "Dove Self-Esteem-Projekt" hat das Gefühl, dass viele davon junge Mädchen sind. In einem sehr aufwühlenden Vortrag erklärt sie uns die überraschenden Auswirkungen von geringem Körper- und Selbstbewusstsein -- von im Durchschnitt schlechteren Noten bis hin zu einer größeren Risikobereitschaft, Drogen zu nehmen und übermäßig Alkohol zu trinken. Schließlich zählt sie die maßgeblichen Dinge auf, die wir alle tun können, um diese Realität zu durchbrechen.</description> |
| <seg id="1"> Das ist meine Nichte, Stella.</seg> |
| <seg id="2"> Sie wurde grad 1 Jahr und hat begonnen zu laufen.</seg> |
| <seg id="3"> Sie läuft auf diese coole Art, wie 1-Jährige nun mal laufen, ein Taumeln, nach dem Motto "mein Körper ist zu schnell für meine Beine".</seg> |
| <seg id="4"> Es sieht total niedlich aus.</seg> |
| <seg id="5"> Und eine ihrer Lieblingsbeschäftigung ist, sich selbst im Spiegel anzuschauen.</seg> |
| <seg id="6"> Sie liebt ihr Spiegelbild sehr.</seg> |
| <seg id="7"> Sie kichert, quiekst und gibt sich selbst diese großen, feuchten Küsse.</seg> |
| <seg id="8"> Wann ist es plötzlich nicht mehr okay, sein äußeres Erscheinungsbild zu lieben?</seg> |
| <seg id="9"> Denn anscheinend tun wir das nicht.</seg> |
| <seg id="10"> Jeden Monat geben Zehntausend Menschen bei Google ein: "Bin ich hässlich?"</seg> |
| <seg id="11"> Das ist Faye. Faye ist 13 und wohnt in Denver.</seg> |
| <seg id="12"> Und wie jeder Teenager möchte sie einfach gemocht werden und dazugehören.</seg> |
| <seg id="13"> Es graut ihr etwas davor. Sie ist etwas verwirrt, auch wenn ihre Mutter ihr immer wieder sagt, dass sie schön sei, sagt ihr jeden Tag irgendjemand in der Schule, dass sie hässlich sei.</seg> |
| <seg id="14"> Weil ihre Mutter das eine sagt und ihre Freunde oder Schulkameraden etwas anderes sagen, weiß sie nicht, wem sie glauben soll.</seg> |
| <seg id="15"> Einige davon sind so gemein, dass man über sie nicht nachdenken sollte.</seg> |
| <seg id="16"> Das ist ein durchschnittliches, gesund aussehendes Mädchen, die dieses Feedback in einer der emotional verwundbarsten Zeiten ihres Lebens bekommt.</seg> |
| <seg id="17"> Naja, die Teenager von heute sind selten allein.</seg> |
| <seg id="18"> Sie stehen unter Druck, immer online und verfügbar zu sein, sie reden, schreiben Nachrichten, "liken", kommentieren, teilen, posten -- es hört nie auf.</seg> |
| <seg id="19"> Nie zuvor waren wir so verbunden, so durchgehend, so unverzüglich, so jung.</seg> |
| <seg id="20"> Eine Mutter sagte zu mir, es ist, als ob jeden Abend eine Party im Zimmer steigt.</seg> |
| <seg id="21"> Man hat einfach kein Privatleben.</seg> |
| <seg id="22"> Und der gesellschaftliche Druck, der damit einhergeht, ist unbarmherzig.</seg> |
| <seg id="23"> Dieses Immer-da-sein lehrt unsern Kindern sich selbst auf Grundlage der Anzahl von "Likes" und der Art der Kommentare, die sie bekommen, zu bewerten.</seg> |
| <seg id="24"> Es gibt keine Trennung zwischen dem online und "offline" Leben.</seg> |
| <seg id="25"> Was real ist und was nicht, ist wirklich schwer zu sagen.</seg> |
| <seg id="26"> Was ist ihre Quelle der Inspiration?</seg> |
| <seg id="27"> Sie können die Bildern sehen, die in den Newsfeeds der heutigen Mädchen auftauchen.</seg> |
| <seg id="28"> Models mit Größe 0 dominieren immer noch die Laufstege.</seg> |
| <seg id="29"> Bildbearbeitung ist heute Routine.</seg> |
| <seg id="30"> Und Trends wie #thinspiration, #thighgap, #bikinibridge und #proana.</seg> |
| <seg id="31"> Übrigens, #proana steht für Pro-Anorexia.</seg> |
| <seg id="32"> Diese Trends gehen einher mit der stereotypen und schamlosen Verobjektivierung der Frauen in der</seg> |
| <seg id="33"> heutigen Kultur. Man erkennt leicht, mit wem sich die Mädchen vergleichen.</seg> |
| <seg id="34"> Aber die Jungen sind dagegen auch nicht immun:</seg> |
| <seg id="35"> Das Streben nach dem kantigem Gesicht und dem Waschbrettbauch der heldenhaften Sportler und Playboy-Musikstars.</seg> |
| <seg id="36"> Aber wo liegt das Problem?</seg> |
| <seg id="37"> Gewiss wollen wir, dass unsere Kinder zu gesunden, ausgeglichenen Menschen werden.</seg> |
| <seg id="38"> Aber in einer vom Aussehen besessenen Kultur erziehen wir unsere Kinder dazu, mehr Zeit und Gedanken mit dem Aussehen zu verbringen, auf Kosten aller anderen Aspekte ihrer Identität.</seg> |
| <seg id="39"> So fangen ihre Beziehungen, körperliche Entwicklung und die Schule an, darunter zu leiden.</seg> |
| <seg id="40"> 6 von 10 Mädchen machen lieber nichts, weil sie denken, dass sie nicht gut genug aussehen.</seg> |
| <seg id="41"> Und das sind nicht unbedeutende Aktivitäten.</seg> |
| <seg id="42"> Es sind grundlegende Aktivitäten in ihrer Entwicklung als Mensch und als Beitragende zur Gesellschaft und zum Arbeitsleben.</seg> |
| <seg id="43"> 31 %, etwa 1 von 3 Teenagern halten sich bei einer Diskussion im Klassenzimmer zurück. Sie diskutieren nicht mit, weil sie die Aufmerksamkeit nicht auf ihr Aussehen lenken wollen.</seg> |
| <seg id="44"> 1 von 5 geht gar nicht zur Schule, wenn sie sich damit nicht wohlfühlen.</seg> |
| <seg id="45"> Wenn man bei Prüfungen denkt, dass man nicht gut aussieht oder vor allem nicht dünn genug ist, bekommt man im Durchschnitt eine Note schlechter als die, die sich darum nicht kümmern müssen.</seg> |
| <seg id="46"> Und das ist überall der Fall, in Finnland, USA</seg> |
| <seg id="47"> und China, und ganz gleich, wie viel man tatsächlich wiegt.</seg> |
| <seg id="48"> Um das Ganze klar zu stellen, es geht hier darum, wie man denkt, dass man aussieht, und nicht, wie man tatsächlich</seg> |
| <seg id="49"> aussieht. Negatives Körpergefühl untergräbt akademische Erfolge.</seg> |
| <seg id="50"> Aber es schadet auch der Gesundheit.</seg> |
| <seg id="51"> Teenager mit negativem Körpergefühl machen weniger Sport, essen weniger Obst und Gemüse, kontrollieren öfter das Gewicht, was ungesund ist und zu Essstörungen führen kann.</seg> |
| <seg id="52"> Und das ändert sich einfach nicht.</seg> |
| <seg id="53"> Frauen, die denken, dass sie dick sind - und nochmal, ganz gleich, ob sie es sind oder nicht - haben höhere Fehlzeiten.</seg> |
| <seg id="54"> 17 % der Frauen würden nicht zu einem Vorstellungsgespräch gehen, wenn sie sich an dem Tag mit ihrem Aussehen nicht wohlfühlen.</seg> |
| <seg id="55"> Denken Sie einmal darüber nach, was das mit der Wirtschaft macht.</seg> |
| <seg id="56"> Wenn wir das überwinden könnten, welche Möglichkeiten uns das eröffnet.</seg> |
| <seg id="57"> Dieses Potential freizusetzen, ist im Interesse von jedem einzelnen von uns.</seg> |
| <seg id="58"> Aber wie machen wir das?</seg> |
| <seg id="59"> Nur reden, bringt uns nicht sehr weit.</seg> |
| <seg id="60"> Das alleine ist nicht genug.</seg> |
| <seg id="61"> Wenn wir was bewegen wollen, müssen wir etwas tun.</seg> |
| <seg id="62"> Hier sind 3 Schlüsselfaktoren: Zuerst müssen wir ihnen Selbstwertgefühl lehren.</seg> |
| <seg id="63"> Wir müssen unseren Jugendlichen helfen, Strategien zu entwickeln, zur Überwindung des Image-Drucks und der Stärkung des Selbstwerts.</seg> |
| <seg id="64"> Die gute Nachricht ist, dass es bereits viele Programme gibt.</seg> |
| <seg id="65"> Aber die schlechte Nachricht ist, dass die meisten nicht funktionieren.</seg> |
| <seg id="66"> Ich war schockiert zu erfahren, dass gut-gemeinte Programme die Situation ungewollt verschlimmert haben.</seg> |
| <seg id="67"> Wir müssen wirklich sicherstellen, dass die Programme, an denen unsere Kinder teilnehmen, nicht nur eine positive, sondern auch eine langanhaltende Wirkung haben.</seg> |
| <seg id="68"> Die Forschung zeigt, dass die besten Programme 6 Schlüsselbereiche thematisieren: Als Erstes der Einfluss der Familie, Freunde und Beziehungen.</seg> |
| <seg id="69"> Zweitens, die Medien und der Starkult. dann der Umgang mit Hänseleien und Mobbing, wie wir mit anderen wetteifern und uns kraft Aussehens vergleichen. Apropos Aussehen -- einige Leute nennen das "Body Talk" oder "Fat Talk" -- und die Grundlage für Selbstrespekt und um sich selbst zu kümmern.</seg> |
| <seg id="70"> D.h. zu hinterfragen wie Frauen aktuell gesehen werden und wie über sie geredet wird.</seg> |
| <seg id="71"> Es ist nicht okay, dass wir den Beitrag unserer Politikerinnen aufgrund ihrer Frisuren, der Größe ihrer Brüste bewerten, oder zu schlussfolgern, dass Erfolg einer Olympionikin von ihrem Aussehen abhängt.</seg> |
| <seg id="72"> Wir müssen anfangen, sie nach ihren Handlungen zu bewerten, und nicht danach, wie sie aussehen.</seg> |
| <seg id="73"> Wir können alle anfangen, Verantwortung für die Bilder und Kommentare, die wir in den sozialen Netzwerken posten, zu übernehmen.</seg> |
| <seg id="74"> Wir können Leuten Komplimente für ihre Erfolge und ihr Tun, und nicht für ihr Aussehen, machen.</seg> |
| <seg id="75"> Und ich frage Sie, wann haben Sie zuletzt einen Spiegel geküsst?</seg> |
| <seg id="76"> Wir müssen als Gemeinschaften, Regierungen und Geschäftspartner zusammenarbeiten, um etwas zu bewegen, sodass unsere Kinder ihr Selbstwert schätzen sowie Individualität, Vielfalt und Inklusion.</seg> |
| <seg id="77"> Wir müssen die Leute, die wirklich etwas bewegen, aufs Podest stellen, sodass sie etwas in der Welt bewirken.</seg> |
| <seg id="78"> Ihnen müssen wir die Bühne lassen, denn nur dann verändert sich die Welt.</seg> |
| <seg id="79"> Eine Welt, in der unsere Kinder die Freiheit haben, zur besten Version ihrer Selbst zu werden; in der die Gedanken über ihr Aussehen sie nicht davon abhalten zu sein, wer sie wirklich sind, oder das zu erreichen, was sie wollen.</seg> |
| <seg id="80"> Bedenken Sie, was dies für jemanden in Ihrem Leben bedeuten könnte.</seg> |
| <seg id="81"> Eine Freundin? Oder die Frau, die nur etwas weiter sitzt.</seg> |
| <seg id="82"> Was würde es für sie bedeuten, wenn sie von dieser Stimme, ihrer inneren Kritikerin befreit wäre, die ihr zusetzt, längere Beine, dünnere Oberschenkel, einen kleineren Magen oder kleinere Füße zu haben?</seg> |
| <seg id="83"> Was würde es für sie bedeuten, wenn wir dies überwänden und so ihr Potential freisetzten?</seg> |
| <seg id="84"> Heute hält uns alle die Besessenheit unserer Kultur vom Aussehen zurück.</seg> |
| <seg id="85"> Sagen wir unseren Kindern die Wahrheit.</seg> |
| <seg id="86"> Zeigen wir ihnen, dass das Aussehen nur ein Teil unserer Identität ausmacht, und dass wir sie eigentlich lieben, für das, was sie sind, was sie tun und was sie uns für ein Gefühl geben.</seg> |
| <seg id="87"> Selbstbewusstsein muss auf den Lehrplan.</seg> |
| <seg id="88"> Jeder einzelne von uns sollte die Art, wie wir reden und uns mit anderen vergleichen, ändern.</seg> |
| <seg id="89"> Arbeiten wir als Gemeinschaften zusammen, von der Voklsbewegung bis zu den Regierungen, sodass die glücklichen 1-Jährigen von heute die selbstbewussten Weltverbesserer von morgen werden.</seg> |
| <seg id="90"> Gehen wir es an.</seg> |
| <reviewer href="http://www.ted.com/profiles/1428226">Angelika Lueckert Leon</reviewer> |
| <translator href="http://www.ted.com/profiles/597058">Nadine Hennig</translator> |
| </doc> |
| <doc docid="2024" genre="lectures"> |
| <url>http://www.ted.com/talks/zak_ebrahim_i_am_the_son_of_a_terrorist_here_s_how_i_chose_peace</url> |
| <keywords>talks, Middle East, TED Books, TED Conference, peace, terrorism, violence</keywords> |
| <speaker>Zak Ebrahim</speaker> |
| <talkid>2024</talkid> |
| <title>Zak Ebrahim: Als Sohn eines Terroristen wählte ich den Frieden</title> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Kann jemand, dessen Kindheit voll Hass und Dogmen war, einen anderen Weg einschlagen? Zak Ebrahim war gerade einmal sieben Jahre alt, als sein Vater 1993 mithalf, den Anschlag auf das World Trade Center zu planen. Seine Geschichte ist schockierend, kraftvoll und äußerst inspirierend.</description> |
| <seg id="1"> Am 5. November 1990 ging ein Mann names El-Sayyid Nosair in ein Hotel in Manhattan und verübte ein tödliches Attentat auf Rabbi Meir Kahane, den Gründer der Jewish Defense League.</seg> |
| <seg id="2"> Nosair wurde zunächst vom Vorwurf des Mordes freigesprochen, aber während er seine Haftstrafe für kleinere Taten absaß, fingen er und andere Männer an, Anschläge auf ein Dutzend New Yorker Wahrzeichen zu planen, einschließlich Tunnel, Synagogen und das Hauptquartier der Vereinten Nationen.</seg> |
| <seg id="3"> Zum Glück wurden diese Pläne von einem FBI-Informanten durchkreuzt.</seg> |
| <seg id="4"> Traurigerweise wurde der Anschlag auf das World Trade Center 1993 nicht vereitelt.</seg> |
| <seg id="5"> Ich wurde 1983 in Pittsburgh, Pennsylvania, als Sohn eines ägyptischen Ingenieurs und einer liebevollen Amerikanerin und Grundschullehrerin geboren, die zusammen ihr Bestes gaben, um mir eine glückliche Kindheit zu bieten.</seg> |
| <seg id="6"> Erst als ich sieben Jahre alt war, begann die Familiendynamik sich zu verändern.</seg> |
| <seg id="7"> Mein Vater zeigte mir eine Seite des Islams, die nur wenige Menschen, einschließlich der Mehrheit der Muslime, zu sehen bekommen.</seg> |
| <seg id="8"> Jedoch gibt es in jeder Religion, in jedem Volk, einen kleinen Prozentsatz von Menschen, die so inbrünstig an ihrem Glauben festhalten, dass sie glauben, sie müssten alles in ihrer Macht Stehende tun, um andere dazu zu bringen, so wie sie zu leben.</seg> |
| <seg id="9"> Wir kamen an der Calverton-Schießanlage an, die ohne unser Wissen vom FBI beobachtet wurde.</seg> |
| <seg id="10"> An dem Tag traf meine letzte Kugel das kleine orangefarbene Licht über der Zielscheibe, und zur Überraschung aller, besonders meiner, ging das ganze Ziel in Flammen auf.</seg> |
| <seg id="11"> Dieser Kommentar schien sie alle sehr zum Lachen zu bringen, jedoch verstand ich erst ein paar Jahre später, was sie daran eigentlich so lustig fanden.</seg> |
| <seg id="12"> Sie dachten, ich hatte die gleiche Zestörungskraft wie mein Vater.</seg> |
| <seg id="13"> Diese Männer wurden schließlich dafür angeklagt, einen Lieferwagen mit 680 kg Sprengstoff auf eine untere Parkhausebene des Nordturms des WTC gestellt zu haben. Die Explosion tötete sechs Menschen und verletzte über tausend andere.</seg> |
| <seg id="14"> Zu diesen Männern schaute ich auf.</seg> |
| <seg id="15"> Diese Männer nannte ich "ammu", was so viel wie "Onkel" bedeutet.</seg> |
| <seg id="16"> Als ich neunzehn wurde, waren wir schon 20-mal umgezogen, und diese Instabilität in meiner Kindheit gab mir kaum Gelegenheit, Freunde zu finden.</seg> |
| <seg id="17"> Sobald ich mich irgendwo ein wenig eingelebt hatte, war es Zeit, die Koffer zu packen und in die nächste Stadt zu ziehen.</seg> |
| <seg id="18"> Da ich immer der Neue in der Klasse war, war ich oft das Opfer von Hänseleien.</seg> |
| <seg id="19"> Also verbrachte ich die meiste Zeit zu Hause. Ich las Bücher, schaute fern oder spielte Videospiele.</seg> |
| <seg id="20"> Deshalb fehlten mir kommunikative Fähigkeiten -- um es gelinde auszudrücken -- und da ich in einem fanatischen Haushalt aufwuchs, war ich nicht auf die reale Welt vorbereitet.</seg> |
| <seg id="21"> Ich wurde dazu erzogen, Menschen nach willkürlichen Maßstäben zu bewerten, wie z. B. nach ihrer Herkunft oder ihrer Religion.</seg> |
| <seg id="22"> Was öffnete mir also die Augen?</seg> |
| <seg id="23"> Eine meiner ersten Erfahrungen, die meine Denkweise herausforderte, machte ich 2000 während der Präsidentschaftswahl.</seg> |
| <seg id="24"> Als ich mich aufs College vorbereitete, konnte ich an der National Youth Convention in Philadelphia teilnehmen.</seg> |
| <seg id="25"> Das Schwerpunktthema meiner Gruppe war Jugendgewalt, und da ich fast mein ganzes Leben Opfer von Hänseleien war, weckte dieses Thema starke Emotionen in mir.</seg> |
| <seg id="26"> Die Mitglieder unserer Gruppe kamen aus verschiedenen sozialen Schichten.</seg> |
| <seg id="27"> Am vorletzten Tag der Convention fand ich heraus, dass ein Junge, mit dem ich mich angefreundet hatte, Jude war.</seg> |
| <seg id="28"> Es hatte einige Tage gedauert, bis dieses Detail ans Licht kam, und mir wurde klar, dass zwischen uns beiden keine natürliche Feindschaft bestand.</seg> |
| <seg id="29"> Dort traf ich auf Menschen aller Glaubensrichtungen und Kulturen, und diese Erfahrung prägte meine Persönlichkeit nachhaltig.</seg> |
| <seg id="30"> Dieses Gefühl versetzte mich in die Lage, die Stereotypen, die mir als Kind beigebracht wurden, mit Begegnungen in realen Lebenssituationen zu vergleichen.</seg> |
| <seg id="31"> Ich weiß nicht, wie es ist, schwul zu sein, aber ich weiß sehr gut, wie es ist, für etwas, das sich meiner Kontrolle entzieht, verurteilt zu werden.</seg> |
| <seg id="32"> Dann war da die "Daily Show".</seg> |
| <seg id="33"> Inspiration kommt oft von unerwarteter Seite, und die Tatsache, dass ein jüdischer Komiker mein Weltbild positiver beeinflusst hat als mein extremistischer Vater, ist nicht an mir vorübergegangen.</seg> |
| <seg id="34"> Eines Tages hatte ich ein Gespräch mit meiner Mutter darüber, wie sich mein Weltbild zu ändern begann, und dabei sagte sie etwas zu mir, das ich, so lang ich lebe, in meinem Herzen tragen werde.</seg> |
| <seg id="35"> Sie sah mich mit den müden Augen einer Frau an, die ihr ganzes Leben lang Dogmatismus erfahren hatte, und sagte: "Ich bin es leid, Menschen zu hassen."</seg> |
| <seg id="36"> In diesem Moment wurde mir bewusst, wie viel negative Energie es braucht, diesen Hass in sich aufrecht zu erhalten.</seg> |
| <seg id="37"> Zak Ebrahim ist nicht mein richtiger Name.</seg> |
| <seg id="38"> Ich habe ihn geändert, als meine Familie beschloss, den Kontakt zu meinem Vater abzubrechen und ein neues Leben zu beginnen.</seg> |
| <seg id="39"> Also warum oute ich mich und bringe mich damit möglicherweise in Gefahr?</seg> |
| <seg id="40"> Das ist ganz einfach.</seg> |
| <seg id="41"> Stattdessen nutze ich meine Erfahrungen, um gegen Terrorismus, gegen den Fanatismus anzukämpfen.</seg> |
| <seg id="42"> Ich tue es für die Opfer des Terrorismus und deren Angehörige, für den schrecklichen Schmerz und Verlust, den ihnen der Terrorismus in ihrem Leben aufgezwungen hat.</seg> |
| <seg id="43"> Für die Opfer des Terrorismus spreche ich mich gegen diese sinnlosen Taten aus und verurteile die Handlungen meines Vaters.</seg> |
| <seg id="44"> Mit dieser schlichten Tatsache bin ich der lebende Beweis dafür, dass Gewalt nicht in einer Religion oder Volksgruppe innewohnt und dass der Sohn nicht in die Fußstapfen des Vaters treten muss.</seg> |
| <seg id="45"> Ich bin nicht mein Vater.</seg> |
| <reviewer href="http://www.ted.com/profiles/1829483">Helene Batt</reviewer> |
| <translator href="http://www.ted.com/profiles/597058">Nadine Hennig</translator> |
| </doc> |
| <doc docid="2045" genre="lectures"> |
| <url>http://www.ted.com/talks/david_chalmers_how_do_you_explain_consciousness</url> |
| <keywords>talks, TED Conference, brain, consciousness, neuroscience, philosophy</keywords> |
| <speaker>David Chalmers</speaker> |
| <talkid>2045</talkid> |
| <title>David Chalmers: Wie lässt sich das Bewusstsein erklären?</title> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: "Unser Bewusstsein ist ein fundamentaler Teil unserer Existenz", sagt Philosoph David Chalmers. "Es gibt nichts, das wir direkter erleben..., aber gleichzeitig ist es des rätselhafteste Phänomen des Universums." Er erklärt einige Denkweisen über den inneren Film in unseren Köpfen.</description> |
| <seg id="1"> In diesem Moment läuft ein Film in Ihrem Kopf.</seg> |
| <seg id="2"> Es ist ein beeindruckender, mehrspuriger Film.</seg> |
| <seg id="3"> Er hat 3D mit Surround-Sound für all das, was Sie gerade sehen und hören. Aber das ist erst der Anfang.</seg> |
| <seg id="4"> Ihr Film hat Geruch, Geschmack und Berührung.</seg> |
| <seg id="5"> Er hat ein Gefühl für Ihren Körper, Schmerz, Hunger, Orgasmen.</seg> |
| <seg id="6"> Er hat Emotionen, Ärger und Freude.</seg> |
| <seg id="7"> Er hat Erinnerungen, zum Beispiel Momente Ihrer Kindheit, die sich vor Ihnen abspielen.</seg> |
| <seg id="8"> Und er hat einen permanenten Sprecher: das bewusste Denken.</seg> |
| <seg id="9"> Die Hauptrolle im Film spielen Sie, und können all das direkt erleben.</seg> |
| <seg id="10"> Der Film ist Ihr Strom des Bewusstseins, das Ergebnis davon, wie Sie Ihren Geist und die Welt erleben.</seg> |
| <seg id="11"> Das Bewusstsein ist eines der fundamentalen Elemente des menschlichen Daseins.</seg> |
| <seg id="12"> Jeder von uns ist bewusst.</seg> |
| <seg id="13"> Wir alle haben unseren eigenen inneren Film, Sie, und Sie, und Sie.</seg> |
| <seg id="14"> Es gibt nichts, das wir unmittelbarer erleben.</seg> |
| <seg id="15"> Zumindest erlebe ich mein Bewusstsein direkt.</seg> |
| <seg id="16"> Ich kann nicht sicher sagen, dass Sie auch bewusst sind.</seg> |
| <seg id="17"> Unser Bewusstsein ist auch das, was das Leben lebenswert macht.</seg> |
| <seg id="18"> Wären wir nicht bewusst, hätte nichts in unserem Leben eine Bedeutung oder einen Wert.</seg> |
| <seg id="19"> Gleichzeitig ist es auch das geheimnisvollste Phänomen des Universums.</seg> |
| <seg id="20"> Weshalb sind wir nicht einfach Roboter, die all den Input verarbeiten und all den Output generieren, ohne diesen inneren Film überhaupt zu erleben?</seg> |
| <seg id="21"> Zu diesem Zeitpunkt kennt keiner die Antworten auf diese Fragen.</seg> |
| <seg id="22"> Ich behaupte, dass einige radikale Ideen nötig sein werden, um auf dem Gebiet des Bewusstseins wissenschaftliche Fortschritte zu machen.</seg> |
| <seg id="23"> Manche behaupten, eine Wissenschaft des Bewusstseins sei unmöglich.</seg> |
| <seg id="24"> Die Wissenschaft ist von Natur aus objektiv.</seg> |
| <seg id="25"> Das Bewusstsein ist von Natur aus subjektiv.</seg> |
| <seg id="26"> Folglich kann es niemals eine Wissenschaft des Bewusstseins geben.</seg> |
| <seg id="27"> Für den Großteil des 20. Jahrhunderts war diese Meinung vorherrschend.</seg> |
| <seg id="28"> Psychologen untersuchten das Verhalten objektiv, Neurowissenschaftler untersuchten das Gehirn objektiv, und niemand hat das Bewusstsein auch nur erwähnt.</seg> |
| <seg id="29"> Noch vor 30 Jahren, als TED gegründet wurde, existierte auf dem Gebiet des Bewusstseins wenig wissenschaftliche Arbeit.</seg> |
| <seg id="30"> Vor etwa 20 Jahren begann der Wandel.</seg> |
| <seg id="31"> Neurowissenschaftler wie Francis Crick und Physiker wie Roger Penrose meinten, die Zeit sei nun gekommen, in der sich Wissenschaft auch mit dem Bewusstsein beschäftigen muss.</seg> |
| <seg id="32"> Seit diesem Zeitpunkt gab es eine wahre Explosion. Die Wissenschaft des Bewusstseins begann zu sprießen.</seg> |
| <seg id="33"> Diese Arbeit ist toll. Sie ist großartig.</seg> |
| <seg id="34"> Aber sie hat auch noch immer einige grundlegende Grenzen.</seg> |
| <seg id="35"> Einen Teil dieser Arbeit haben wir soeben von Nancy Kanwisher gesehen, als sie ihre wundervolle Arbeit präsentierte.</seg> |
| <seg id="36"> Jetzt verstehen wir beispielsweise viel besser, welche Gehirnregionen mit der bewussten Wahrnehmung von Gesichtern zusammenhängen, oder mit dem Empfinden von Schmerz oder Freude.</seg> |
| <seg id="37"> Aber das ist noch immer eine Wissenschaft der Korrelationen.</seg> |
| <seg id="38"> Es ist keine Wissenschaft der Erklärungen.</seg> |
| <seg id="39"> Wir wissen, dass diese Gehirnregionen mit bestimmten Arten des bewussten Erlebens einhergehen, aber wir wissen nicht, warum sie das tun.</seg> |
| <seg id="40"> Ich sehe das so, dass diese Art der Erkenntnisse der Neurowissenschaften einige Fragen zum Bewusstsein klären, auf die wir Antworten suchen -- die Frage, was bestimmte Gehirnregionen tun und womit sie korrelieren.</seg> |
| <seg id="41"> Aber in gewisser Weise sind dies die einfachen Probleme.</seg> |
| <seg id="42"> Nichts gegen Neurowissenschaftler.</seg> |
| <seg id="43"> Zum Bewusstsein gibt es keine einfachen Probleme.</seg> |
| <seg id="44"> Aber das löst nicht das wahre Rätsel, den Kern dieses Themas: Weshalb werden all die physischen Prozesse des Gehirns überhaupt vom Bewusstsein begleitet?</seg> |
| <seg id="45"> Weshalb existiert dieser innere, subjektive Film?</seg> |
| <seg id="46"> Bisher ist noch keine Antwort auf diese Frage in Aussicht.</seg> |
| <seg id="47"> Jetzt denken Sie vielleicht, man sollte der Wissenschaft einfach noch ein paar Jahre geben.</seg> |
| <seg id="48"> Es wird sich um ein weiteres emergentes Phänomen handeln, wie Staus, wie Wirbelstürme, wie das Leben, und wir werden es erklären können.</seg> |
| <seg id="49"> Die klassischen Probleme der Emergenz betreffen alle Phänomene des Verhaltens: wie Staus entstehen, wie Wirbelstürme funktionieren, wie sich ein lebender Organismus fortpflanzt, sich anpasst und metabolisiert, alles Fragen der objektiven Funktionsweise.</seg> |
| <seg id="50"> Man könnte dies auf das menschliche Gehirn anwenden, indem man Verhaltensweisen und Funktionen des menschlichen Gehirns als emergentes Phänomen erklärt: wie wir gehen, wie wir sprechen, wie wir Schach spielen, alles Fragen des Verhaltens.</seg> |
| <seg id="51"> Aber wenn es um das Bewusstsein geht, gehören Fragen zum Verhalten zu den einfachsten Problemen.</seg> |
| <seg id="52"> Wenn es um komplizierte Probleme geht, kommt die Frage auf, weshalb all diese Verhaltensweisen von einer subjektiven Erfahrung begleitet werden.</seg> |
| <seg id="53"> Hierzu haben die Standard-Paradigmen der Emergenz, sogar die Standard-Paradigmen der Neurowissenschaft, bisher nicht viel zu sagen.</seg> |
| <seg id="54"> Was Wissenschaft betrifft, bin ich im Herzen ein Materialist.</seg> |
| <seg id="55"> Ich möchte eine wissenschaftliche Theorie zum Bewusstsein, die funktioniert. Für eine lange Zeit habe ich bei meiner Suche nach einer Theorie des Bewusstseins, die komplett physisch erklärbar ist und funktioniert, auf Granit gebissen.</seg> |
| <seg id="56"> Ich musste aber einsehen, dass das aus systematischen Gründen nicht funktioniert.</seg> |
| <seg id="57"> Daher glaube ich, dass wir an einer Art Sackgasse angekommen sind.</seg> |
| <seg id="58"> Wir haben diese wunderbare, großartige Kette an Erklärungen. So ist es meistens: Während die Physik die Chemie erklärt, erklärt die Chemie die Biologie, und Biologie erklärt Teile der Psychologie.</seg> |
| <seg id="59"> Aber das Bewusstsein scheint nicht in dieses Modell zu passen.</seg> |
| <seg id="60"> Auf der einen Seite ist es gegeben, dass wir bewusst sind.</seg> |
| <seg id="61"> Auf der anderen Seite wissen wir nicht, wie wir dies in unser wissenschaftliches Weltbild einordnen sollen.</seg> |
| <seg id="62"> Daher denke ich, dass das Bewusstsein im Moment eine Art Anomalie ist, die wir in unser Weltbild integrieren müssen, aber noch nicht genau wissen wie.</seg> |
| <seg id="63"> Konfrontiert mit solch einer Anomalie könnten radikale Ideen nötig sein, und ich glaube, wir könnten ein oder zwei Ideen gebrauchen, die anfangs verrückt wirken, bevor wir das Bewusstsein wissenschaftlich in den Griff bekommen.</seg> |
| <seg id="64"> Es gibt ein paar Kandidaten, die für diese verrückten Ideen in Frage kommen.</seg> |
| <seg id="65"> Mein Freund Dan Dennett, der heute hier ist, hat eine dieser Ideen.</seg> |
| <seg id="66"> Er meint, dass es kein schwieriges Problem mit dem Bewusstsein gebe.</seg> |
| <seg id="67"> Das gesamte Konzept des inneren subjektiven Films basiert auf einer Art Illusion oder Verwirrung.</seg> |
| <seg id="68"> Eigentlich müssen wir nur objektiv die Funktion des Gehirns erklären, und dann haben wir alles erklärt, was erklärt werden muss.</seg> |
| <seg id="69"> Ich sage: Nur zu mit diesem Gedanken!</seg> |
| <seg id="70"> Das ist die Art radikaler Ideen, die wir erforschen müssen, wenn wir eine rein reduktionistische und hirnbasierte Theorie des Bewusstseins suchen.</seg> |
| <seg id="71"> Aber diese Ansicht für mich und viele andere nicht zufriedenstellend, da sie die Existenz des menschlichen Bewusstseins nahezu verleugnet.</seg> |
| <seg id="72"> Ich gehe also in eine andere Richtung.</seg> |
| <seg id="73"> In der verbleibenden Zeit möchte ich auf zwei verrückte Ideen eingehen, von denen ich denke, dass sie vielversprechend sein könnten.</seg> |
| <seg id="74"> Die erste verrückte Idee besagt, dass das Bewusstsein fundamental ist.</seg> |
| <seg id="75"> Physiker sehen einige Aspekte des Universums als fundamentale Bausteine: Raum, Zeit und Masse.</seg> |
| <seg id="76"> Sie stellen fundamentale Gesetze auf, die auf ihnen basieren, wie die Gesetze der Schwerkraft oder der Quantenmechanik.</seg> |
| <seg id="77"> Diese fundamentalen Eigenschaften und Gesetze werden durch nichts noch Grundlegenderes erklärt.</seg> |
| <seg id="78"> Sie werden vielmehr als urtümlich gesehen, und auf ihrer Grundlage ist die Welt aufgebaut.</seg> |
| <seg id="79"> Manchmal kommt es vor, dass die Liste der fundamentalen Dinge erweitert wird.</seg> |
| <seg id="80"> Im 19. Jahrhundert fand Maxwell heraus, dass man das Phänomen des Elektromagnetismus nicht durch existierende fundamentale Dinge erklären kann: Raum, Zeit, Masse, Newton's Gesetze. Also stellte er fundamentale Gesetze des Elektromagnetismus auf und erklärte die elektrische Ladung als ein fundamentales Element, um welches sich diese Gesetze drehen.</seg> |
| <seg id="81"> Ich glaube, wir befinden uns mit dem Bewusstsein in der gleichen Situation.</seg> |
| <seg id="82"> Wenn man Bewusstsein mithilfe der existierenden Elemente nicht erklären kann -- Raum, Zeit, Masse, Ladung -- dann ist die logische Schlussfolgerung, dass man die Liste erweitern muss.</seg> |
| <seg id="83"> Die natürliche Konsequenz wäre, das Bewusstsein selbst als fundamentales Element zu erklären, zu einem elementaren Baustein der Natur.</seg> |
| <seg id="84"> Das heißt nicht, dass man keine Wissenschaft damit treiben kann.</seg> |
| <seg id="85"> Es öffnet den Weg, um Wissenschaft damit zu treiben.</seg> |
| <seg id="86"> Was wir dann ergründen müssen, sind fundamentale Gesetze, auf denen das Bewusstsein beruht, die das Bewusstsein mit anderen fundamentalen Elementen verbindet: Raum, Zeit, Masse, physische Prozesse.</seg> |
| <seg id="87"> Physiker sagen manchmal, wir benötigen fundamentale Gesetze, die so simpel sind, dass man sie auf die Vorderseite eines T-Shirts drucken kann.</seg> |
| <seg id="88"> Ich glaube, wir sind mit dem Bewusstsein in solch einer Situation.</seg> |
| <seg id="89"> Wir möchten fundamentale Gesetze finden, die so einfach sind, dass man sie auf ein T-Shirt drucken kann.</seg> |
| <seg id="90"> Wir wissen bisher noch nicht, welche Gesetze das sind, aber wir arbeiten daran.</seg> |
| <seg id="91"> Die zweite verrückte Idee ist, dass das Bewusstsein universal sein könnte.</seg> |
| <seg id="92"> Jedes System könnte eine gewisse Art an Bewusstsein haben.</seg> |
| <seg id="93"> Diese Sichtweise wird manchmal als Panpsychismus bezeichnet: "Pan" steht für alles, "psych" für Geist, jedes System ist bewusst, nicht nur Menschen, Hunde, Mäuse, Fliegen, sondern sogar Rob Knight's Mikroben, elementare Partikel.</seg> |
| <seg id="94"> Sogar jedes Photon hat ein gewisses Maß an Bewusstsein.</seg> |
| <seg id="95"> Dieser Ansatz sagt nicht, dass Photonen intelligent sind oder denken können.</seg> |
| <seg id="96"> Ein Photon ist nicht angsterfüllt, und denkt: "Ah, ich bewege mich nahezu mit Lichtgeschwindigkeit.</seg> |
| <seg id="97"> Ich kann nie abbremsen und mich mal ausruhen."</seg> |
| <seg id="98"> Nein, so nicht.</seg> |
| <seg id="99"> Aber der Gedanke ist, dass Photonen vielleicht eine gewisse Art an rohem, subjektivem Gefühl haben, eine Art primitiven Vorreiter des Bewusstseins.</seg> |
| <seg id="100"> Das mag für Sie ein wenig idiotisch klingen.</seg> |
| <seg id="101"> Ich meine, weshalb sollte jemand etwas so Verrücktes denken?</seg> |
| <seg id="102"> Zum Teil liegt das in der ersten verrückten Idee begründet, dass das Bewusstsein fundamental ist.</seg> |
| <seg id="103"> Wenn es fundamental ist, wie Raum, Zeit und Masse, ist anzunehmen, dass es auch universal sein könnte, so wie sie es sind.</seg> |
| <seg id="104"> Man muss auch sagen, dass diese Idee, die uns zwar widersinnig erscheint, für Menschen anderer Kulturen aber weit weniger widersinnig ist, in Kulturen, die den menschlichen Geist in stärkerem Einklang mit der Natur sehen.</seg> |
| <seg id="105"> Eine tiefere Motivation kommt von der Idee, dass der vielleicht einfachste und beste Weg, die fundamentalen Gesetze zwischen Bewusstsein und physischer Verarbeitung zu finden, darin besteht, Bewusstsein mit Information zu verbinden.</seg> |
| <seg id="106"> Wo immer es Informationsverarbeitung gibt, gibt es Bewusstsein.</seg> |
| <seg id="107"> Komplexe Informationsverarbeitung, wie in Menschen -- komplexes Bewusstsein.</seg> |
| <seg id="108"> Einfache Informationsverarbeitung -- einfaches Bewusstsein.</seg> |
| <seg id="109"> Spannend ist, dass in den letzten Jahren ein Neurowissenschaftler, Giulio Tononi, den Ansatz dieser Theorie konsequent mit einer mathematischen Theorie entwickelt hat.</seg> |
| <seg id="110"> Er nimmt mathematisches Maß der Informationsintegration, welches er "Phi" nennt, um die Informationsmenge in einem System zu messen.</seg> |
| <seg id="111"> Und er vermutet, dass Phi mit Bewusstsein einhergeht.</seg> |
| <seg id="112"> Im menschlichen Gehirn also, eine unfassbar große Menge an Informationsintegration, ein hohes Level an Phi, eine Menge Bewusstsein.</seg> |
| <seg id="113"> In einer Maus, mittlere Menge an Informationsintegration, noch immer sehr hoch -- signifikantes Level an Bewusstsein.</seg> |
| <seg id="114"> Aber wenn wir weiter gehen zu Würmern, Mikroben, Partikeln, nimmt Phi stark ab.</seg> |
| <seg id="115"> Die Informationsintegration sinkt, ist aber immer noch größer als Null.</seg> |
| <seg id="116"> Laut Tononi's Theorie wird es immer noch Bewusstsein geben, das ungleich null ist.</seg> |
| <seg id="117"> In der Tat schlägt er damit ein fundamentales Gesetz des Bewusstseins vor: hohes Phi, hohes Bewusstsein.</seg> |
| <seg id="118"> Ich weiß nicht, ob diese Theorie richtig ist, aber es könnte die aktuell führende Theorie in der Wissenschaft des Bewusstseins sein, und sie diente der Verknüpfung einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Daten. Außerdem ist sie einfach genug, um sie auf die Vorderseite eines T-Shirts zu drucken.</seg> |
| <seg id="119"> Eine weitere finale Begründung ist, dass Panpsychismus uns dabei helfen könnte, das Bewusstsein in die physische Welt zu integrieren.</seg> |
| <seg id="120"> Physiker und Philosophen haben often beobachtet, dass die Physik kurioserweise abstrakt ist.</seg> |
| <seg id="121"> Sie beschreibt die Struktur der Realität mithilfe einer Reihe von Formeln, aber sie sagt uns nichts über die Realität, die ihr zugrunde liegt.</seg> |
| <seg id="122"> Wie Stephen Hawking sagt: "Was haucht den Formeln Leben ein?"</seg> |
| <seg id="123"> Nach Ansicht des Panpsychismus kann man die Formeln der Physik lassen, wie sie sind, aber man kann sie nutzen, um den Strom des Bewusstseins zu erklären.</seg> |
| <seg id="124"> Das ist es, was die Physik letztendlich macht, den Strom des Bewusstsein erklären.</seg> |
| <seg id="125"> Folglich ist es das Bewusstsein, das den Formeln Leben einhaucht.</seg> |
| <seg id="126"> Aus dieser Sicht baumelt das Bewusstsein nicht außerhalb der physischen Welt als eine Art Extra.</seg> |
| <seg id="127"> Es befindet sich genau in ihrem Zentrum.</seg> |
| <seg id="128"> Ich glaube, diese panpsychische Sichtweise hat das Potential, unsere Beziehung zur Natur auf Dauer zu ändern, und das könnte einige ernsthafte soziale und ethische Konsequenzen haben.</seg> |
| <seg id="129"> Einige davon mögen nicht intuitiv sein.</seg> |
| <seg id="130"> Ich dachte bisher, ich sollte nichts essen, das ein Bewusstsein hat, und deshalb Vegetarier sein.</seg> |
| <seg id="131"> Wenn man die panpsychische Sichtweise vertritt, wird man sehr hungrig sein.</seg> |
| <seg id="132"> Ich denke, wenn man darüber nachdenkt, könnte das unsere Sichtweise ändern, während das, was aus ethischer und moralischer Sicht bedeutend ist, weniger das Dasein des Bewusstseins, sondern eher das Ausmaß und die Komplexität des Bewusstseins ist.</seg> |
| <seg id="133"> Es ist auch logisch, nach dem Bewusstsein in anderen Systemen zu fragen, wie zum Beispiel in Computern.</seg> |
| <seg id="134"> Was ist mit dem künstlichen intelligenten System im Film "Her", Samantha?</seg> |
| <seg id="135"> Ist sie bewusst?</seg> |
| <seg id="136"> Vertritt man die informatorische, panpsychische Sichtweise, hat sie sicherlich ein hohes Level an Informationsverarbeitung und -integration. Also sollte die Antwort sein: Ja, sie ist bewusst.</seg> |
| <seg id="137"> Wenn das richtig ist, kommen ernsthafte ethische Themen auf, sowohl zur Ethik der Entwicklung intelligenter Computersysteme als auch zur Ethik ihres Abschaltens.</seg> |
| <seg id="138"> Schließlich könnte man nach dem Bewusstsein ganzer Gruppen, des Planeten fragen.</seg> |
| <seg id="139"> Hat Kanada ein eigenes Bewusstsein?</seg> |
| <seg id="140"> Oder auf lokaler Ebene, hat eine einheitliche Gruppe, wie das Publikum einer TED-Konferenz, haben wir gerade eben ein kollektives TED-Bewusstsein; gibt es einen inneren Film für diese kollektive TED-Gruppe, der sich von den inneren Filmen jedes Einzelnen unterscheidet?</seg> |
| <seg id="141"> Ich kenne die Antwort auf diese Frage nicht, aber ich denke, sie sollte zumindest gestellt werden.</seg> |
| <seg id="142"> Okay, diese Vision des Panpsychismus ist radikal, und ich weiß nicht, ob sie richtig ist.</seg> |
| <seg id="143"> Ich bin eigentlich stärker von der ersten verrückten Idee überzeugt, dass das Bewusstsein fundamental ist, als von der zweiten, dass es universal ist.</seg> |
| <seg id="144"> Diese Sichtweise wirft zahlreiche Fragen auf, hält viele Herausforderungen bereit, z. B. wie die einzelnen Teile des Bewusstseins zusammenwirken und diese Komplexität des Bewusstseins schaffen, die wir kennen und lieben.</seg> |
| <seg id="145"> Wenn wir darauf Antworten finden, dann sind wir auf dem richtigen Weg zu einer ernsthaften Theorie des Bewusstseins.</seg> |
| <seg id="146"> Falls nicht, dann ist dies eventuell das komplizierteste Problem in Wissenschaft und Philosophie.</seg> |
| <seg id="147"> Wir können nicht erwarten, es über Nacht zu lösen.</seg> |
| <seg id="148"> Aber ich glaube, wir werden es letztendlich lösen.</seg> |
| <seg id="149"> Ich glaube, das Verständnis unseres Bewusstseins ist sowohl ein Schlüssel zum Verständnis des Universums als auch zum Verständnis von uns selbst.</seg> |
| <seg id="150"> Es braucht vielleicht nur die richtig verrückte Idee.</seg> |
| <seg id="151"> Vielen Dank.</seg> |
| <reviewer href="http://www.ted.com/profiles/1829483">Helene Batt</reviewer> |
| <translator href="http://www.ted.com/profiles/1735236">Jennifer Ziegner</translator> |
| </doc> |
| <doc docid="2017" genre="lectures"> |
| <url>http://www.ted.com/talks/stella_young_i_m_not_your_inspiration_thank_you_very_much</url> |
| <keywords>talks, TEDx, activism, disability, humor, motivation</keywords> |
| <speaker>Stella Young</speaker> |
| <talkid>2017</talkid> |
| <title>Stella Young: Nein danke: Ich bin nicht Ihre Inspiration!</title> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Stella Young ist Komikerin und Journalistin; sie verbringt den Tag zufällig im Rollstuhl. Diese Tatsache, das möchte sie deutlich sagen, macht sie nicht automatisch zu einer edlen Inspirationsfigur für die gesamte Menschheit. In diesem sehr unterhaltsamen Vortrag analysiert Young die Angewohnheit der Gesellschaft, Menschen mit Behinderung als "Inspirationspornografie" zu benutzen.</description> |
| <seg id="1"> Ich wuchs in einer sehr kleinen Stadt in Victoria auf.</seg> |
| <seg id="2"> Meine Kindheit verlief normal und unauffällig.</seg> |
| <seg id="3"> Ich ging zur Schule, hing mit Freunden ab, stritt mich mit meinen jüngeren Schwestern.</seg> |
| <seg id="4"> Es war alles ganz normal.</seg> |
| <seg id="5"> Als ich 15 war, sprach ein Gemeindemitglied meine Eltern an: Die Gemeinde wollte mich für eine Auszeichnung für besondere Leistungen nominieren.</seg> |
| <seg id="6"> Meine Eltern sagten: "Hm, das ist wirklich sehr nett, aber da gibt es ein offenkundiges Problem:</seg> |
| <seg id="7"> Um ehrlich zu sein, hat sie noch gar nichts erreicht." Und sie hatten recht.</seg> |
| <seg id="8"> Ich ging zur Schule, bekam gute Noten, half nach der Schule ein bisschen im Friseursalon meiner Mutter aus und verbrachte viel Zeit damit, "Buffy – Im Bann der Dämonen" und "Dawson's Creek" zu schauen.</seg> |
| <seg id="9"> Ja, ich weiß. Was für ein Widerspruch.</seg> |
| <seg id="10"> Aber sie hatten recht.</seg> |
| <seg id="11"> Jahre später, während mein Lehrtätigkeit in einer High School in Melbourne, meldete sich nach 20 Minuten Unterricht im Fach Rechtskunde ein Junge und fragte: "Wann fangen Sie mit Ihrer Rede an?"</seg> |
| <seg id="12"> "Welche Rede?", wollte ich wissen.</seg> |
| <seg id="13"> Ich hatte 20 Minuten über Verleumdung und üble Nachrede gesprochen.</seg> |
| <seg id="14"> Er sagte: "Sie wissen doch, naja, Ihre Motivationsrede.</seg> |
| <seg id="15"> Wenn jemand im Rollstuhl hierherkommt, erzählt diese Person meistens inspirierendes Zeug."</seg> |
| <seg id="16"> "Normalerweise findet das in der Aula statt."</seg> |
| <seg id="17"> Da ging mir ein Licht auf: Dieser Junge hatte Menschen mit Behinderung bisher ausschließlich als Inspirationsobjekte kennengelernt.</seg> |
| <seg id="18"> Für ihn sind wir das ... und dafür kann er nichts, es trifft auf viele zu.</seg> |
| <seg id="19"> Für viele sind Behinderte nicht Lehrer, Ärzte oder Nagelpfleger.</seg> |
| <seg id="20"> Wir sind keine echten Menschen. Wir sollen inspirieren.</seg> |
| <seg id="21"> Und tatsächlich sitze ich hier auf dieser Bühne und sehe so aus, wie ich im Rollstuhl nun mal aussehe und Sie erwarten wahrscheinlich irgendwie von mir, dass ich Sie inspiriere. Stimmt's? Ja. Genau.</seg> |
| <seg id="22"> Meine Damen und Herren, ich muss Sie schrecklich enttäuschen.</seg> |
| <seg id="23"> Ich bin nicht hier, um Sie zu inspirieren.</seg> |
| <seg id="24"> Ich werde Ihnen sagen, dass wir belogen wurden, wenn es um Behinderung geht.</seg> |
| <seg id="25"> Behinderung ist nicht schlimm und sie macht uns nicht außergewöhnlich.</seg> |
| <seg id="26"> In den letzten Jahren konnten wir diese Lüge in den sozialen Medien sogar noch weiter verbreiten.</seg> |
| <seg id="27"> Sie haben vermutlich Bilder wie dieses gesehen: "Die einzige Behinderung im Leben ist eine schlechte Einstellung."</seg> |
| <seg id="28"> Oder: "Deine Ausrede ist behindert."</seg> |
| <seg id="29"> Oder: "Bevor du aufgibst, streng dich an!"</seg> |
| <seg id="30"> Dies sind nur ein paar Beispiele; es kursieren viele solcher Bilder.</seg> |
| <seg id="31"> Sie kennen vielleicht das von dem kleinen Mädchen ohne Hände, das mit dem Stift im Mund ein Bild malt.</seg> |
| <seg id="32"> Sie haben vielleicht das Kind gesehen, das auf Carbon-Prothesen läuft.</seg> |
| <seg id="33"> Und diese Bilder, es gibt viele, die nennen wir Inspirationspornografie.</seg> |
| <seg id="34"> Ich benutze das Wort Pornografie absichtlich, denn hier macht man Menschen zu Objekten, damit andere profitieren.</seg> |
| <seg id="35"> Man macht Behinderte zu Objekten, damit Nichtbehinderte profitieren können.</seg> |
| <seg id="36"> Solche Bilder haben den Zweck, zu inspirieren, zu motivieren, sodass man die Behinderten ansieht und denkt: "Wie schlimm mein Leben auch ist, es könnte schlimmer sein.</seg> |
| <seg id="37"> Ich könnte dieser Mensch sein."</seg> |
| <seg id="38"> Aber was, wenn man dieser Mensch ist?</seg> |
| <seg id="39"> Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft Fremde mich angesprochen haben, um mir zu sagen, dass sie mich tapfer fänden, oder inspirierend. Das war lange, bevor meine Arbeit öffentlich bekannt wurde.</seg> |
| <seg id="40"> Auf eine Weise gratulierte man mir, dass ich morgens aufstehen und mich an meinen Namen erinnern konnte. So wird ein Mensch zum Objekt gemacht.</seg> |
| <seg id="41"> All diese Bilder machen Behinderte zu Objekten, zum Wohle der Nichtbehinderten.</seg> |
| <seg id="42"> Behinderte sind dazu da, damit man sie ansehen kann, sich selbst besser fühlt, und seine Sorgen relativieren kann.</seg> |
| <seg id="43"> Das Leben mit Behinderung ist tatsächlich recht schwierig.</seg> |
| <seg id="44"> Wir bewältigen so einiges.</seg> |
| <seg id="45"> Aber was wir bewältigen, ist nicht das, was Sie vermuten.</seg> |
| <seg id="46"> Es hat nichts mit unserem Körper zu tun.</seg> |
| <seg id="47"> Ich gebrauche mit Absicht den Begriff Behinderung, denn ich unterstütze das soziale Modell von Behinderung. Wir sind eher behindert durch die Gesellschaft, in der wir leben, als durch unsere Körper und Diagnosen.</seg> |
| <seg id="48"> Ich lebe seit langem in diesem Körper.</seg> |
| <seg id="49"> Ich mag ihn sehr.</seg> |
| <seg id="50"> Er tut, was nötig ist, und ich habe gelernt, seine Fähigkeiten bestmöglich zu nutzen, genauso wie Sie. Darum es geht es auch bei den Kindern auf diesen Fotos:</seg> |
| <seg id="51"> Sie tun nichts Außergewöhnliches.</seg> |
| <seg id="52"> Sie benutzen einfach ihre Körper, so gut es ihnen möglich ist.</seg> |
| <seg id="53"> Ist es wirklich fair, wie sie zu Objekten gemacht und wie diese Fotos geteilt werden?</seg> |
| <seg id="54"> Wenn Leute sagen "Sie sind eine Inspiration", wollen sie ein Kompliment machen.</seg> |
| <seg id="55"> Ich weiß, wieso.</seg> |
| <seg id="56"> Wegen der Lüge, die uns aufgetischt wurde: dass Behinderung außergewöhnlich macht.</seg> |
| <seg id="57"> Ich äußere mich sarkastisch über Inspiration und Sie denken: "Mensch, Stella, inspiriert dich nie etwas?"</seg> |
| <seg id="58"> Doch, ja.</seg> |
| <seg id="59"> Ich lerne ständig von anderen Behinderten.</seg> |
| <seg id="60"> Ich lerne jedoch nicht, dass ich mehr Glück hatte als sie.</seg> |
| <seg id="61"> Ich lerne, dass es eine tolle Idee ist, mit einer Grillzange heruntergefallene Sachen aufzuheben. Ich lerne den raffinierten Trick, das Handy mit der Batterie des Rollstuhls aufzuladen.</seg> |
| <seg id="62"> Genial!</seg> |
| <seg id="63"> Wir lernen von der Stärke und Ausdauer des anderen. Nicht im Kampf gegen unsere Körper und Diagnosen, sondern gegen eine Welt, die uns zu besonderen Objekten macht.</seg> |
| <seg id="64"> Meiner Meinung nach ist diese Lüge über Behinderung eine schreiende Ungerechtigkeit.</seg> |
| <seg id="65"> Sie macht uns das Leben schwer.</seg> |
| <seg id="66"> Und das Zitat "Die einzige Behinderung im Leben ist eine schlechte Einstellung", ist großer Schwachsinn, weil das nicht stimmt wegen des sozialen Modells von Behinderung.</seg> |
| <seg id="67"> Man kann die Treppe lange anlächeln, sie verwandelt sich trotzdem nicht in eine Rampe.</seg> |
| <seg id="68"> Das wird nie passieren.</seg> |
| <seg id="69"> Ich möchte in einer Welt leben, in der Behinderung die Norm ist,</seg> |
| <seg id="70"> in der ein 15-jähriges Mädchen, das in ihrem Zimmer "Buffy – Im Bann der Dämonen" guckt, nicht als Erfolgsmensch betrachtet wird, nur weil sie es im Sitzen tut;</seg> |
| <seg id="71"> Ich möchte in einer Welt leben, in der man nicht so wenig von Behinderten erwartet, dass man ihnen zum Aufstehen und dem Erinnern an ihre Namen morgens gratuliert.</seg> |
| <seg id="72"> Ich möchte in einer Welt leben, in der tatsächliche Leistung Behinderter gewürdigt wird; ich möchte in einer Welt leben, in der ein Schüler der 11. Klasse in Melbourne sich nicht wundert, dass seine neue Lehrerin im Rollstuhl sitzt.</seg> |
| <seg id="73"> Nicht Behinderung macht uns außergewöhnlich, sondern das Hinterfragen unserer Einstellung zu ihr.</seg> |
| <seg id="74"> Danke.</seg> |
| <reviewer href="http://www.ted.com/profiles/3996518">Margit Weyrauch</reviewer> |
| <translator href="http://www.ted.com/profiles/1579979">Angela Raabe</translator> |
| </doc> |
| <doc docid="2007" genre="lectures"> |
| <url>http://www.ted.com/talks/chris_kluwe_how_augmented_reality_will_change_sports_and_build_empathy</url> |
| <keywords>talks, TED Conference, sports, technology</keywords> |
| <speaker>Chris Kluwe</speaker> |
| <talkid>2007</talkid> |
| <title>Chris Kluwe: Wie Erweiterte Realität den Sport verändern wird ... und Empathie fördert</title> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Chris Kluwe blickt in die Zukunft des Sports und überlegt, wie Technologien nicht nur Spielern und Trainern, sondern auch Fans weiterhelfen. Der frühere NFL-Punter präsentiert eine Zukunftsvision, in der die ER den Zuschauer den Sport so erleben lässt, als stünde er selbst auf dem Feld -- und manchen Menschen vielleicht sogar hilft, andere in einem neuen Licht zu sehen.</description> |
| <seg id="1"> Was haben "Erweiterte Realität" und Profi-Football mit Empathie zu tun?</seg> |
| <seg id="2"> Wie schnell ist eine "unbeladene" Schwalbe in der Luft unterwegs?</seg> |
| <seg id="3"> Leider werde ich heute nur eine dieser Fragen beantworten, seien Sie also bitte nicht zu enttäuscht.</seg> |
| <seg id="4"> Die meisten Leute denken bei Erweiterter Realität an "Minority Report" und Tom Cruise, wie er in der Luft rumfuchtelt, aber ER ist nicht Science Fiction.</seg> |
| <seg id="5"> ER ist etwas, dass schneller kommt als wir denken, noch zu unseren Lebzeiten, und ER wird kommen, weil wir die nötigen Technologien haben, und man sich dessen bewusst sein muss, denn ER wird unser Leben verändern, genau wie das Internet und das Handy.</seg> |
| <seg id="6"> Und wie bekommen wir die ER?</seg> |
| <seg id="7"> Den ersten Schritt zum Erfolg trage ich gerade: Google Glass.</seg> |
| <seg id="8"> Viele von Ihnen kennen Google Glass sicher schon.</seg> |
| <seg id="9"> Sie wissen vielleicht nicht, dass Google Glass ein Gerät ist, das Ihnen erlaubt zu sehen, was ich sehe.</seg> |
| <seg id="10"> Und zu erleben, wie es ist, als Profisportler auf dem Feld zu stehen.</seg> |
| <seg id="11"> Im Moment können Sie das nur erleben, wenn ich es Ihnen beschreibe.</seg> |
| <seg id="12"> Ich muss es in Worte fassen.</seg> |
| <seg id="13"> Ich muss einen Rahmen schaffen, den Sie mit Ihrer Fantasie ausfüllen.</seg> |
| <seg id="14"> Mit Google Glass können wir das unter einen Helm packen, und ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist, mit 160 Sachen über das Feld zu rennen, und Ihren Herzschlag am ganzen Körper zu spüren.</seg> |
| <seg id="15"> Sie können erleben, wie es ist, wenn ein 125-Kilo-Mann auf Sie zusprintet und mit vollem Körpereinsatz versucht, Sie zu enthaupten.</seg> |
| <seg id="16"> Ich habe das selbst erlebt, und es fühlt sich nicht gut an.</seg> |
| <seg id="17"> Hier ist das Video.</seg> |
| <seg id="18"> Los.</seg> |
| <seg id="19"> Aah, getackelt zu werden, ist ätzend.</seg> |
| <seg id="20"> Moment, ich gehe näher ran.</seg> |
| <seg id="21"> Bist du bereit?</seg> |
| <seg id="22"> Los!</seg> |
| <seg id="23"> Sie haben sicher gemerkt, dass hier Leute fehlen: der Rest des Teams.</seg> |
| <seg id="24"> Wir haben ein Video davon von der Uni Washington.</seg> |
| <seg id="25"> Quarterback: Hey, Mice 54! Mice 54!</seg> |
| <seg id="26"> Blau 8! Blau 8! Los!</seg> |
| <seg id="27"> Oh!</seg> |
| <seg id="28"> Fans wollen dieses Erlebnis,</seg> |
| <seg id="29"> wollen auf dem Feld stehen.</seg> |
| <seg id="30"> Sie wollen Ihre Lieblingsspieler sein, und haben mich schon auf YouTube und auf Twitter angesprochen: "Kannst du das einem Quarterback geben?</seg> |
| <seg id="31"> Sobald wir das Erlebnis haben, mit GoPro und Google Glass, wie machen wir es besser?</seg> |
| <seg id="32"> Was ist der nächste Schritt?</seg> |
| <seg id="33"> Die Oculus Rift gilt als eines der realistischsten VR-Geräte aller Zeiten, und das ist nicht nur ein Hype.</seg> |
| <seg id="34"> Und ich kann Ihnen mit diesem Video zeigen, warum das so ist.</seg> |
| <seg id="35"> Oh! Oh!</seg> |
| <seg id="36"> Nein! Nein! Nein! Ich will nicht mehr! Nein!</seg> |
| <seg id="37"> Oh mein Gott! Aaaah!</seg> |
| <seg id="38"> So erlebt ein Mann eine Achterbahnfahrt und fürchtet um sein Leben.</seg> |
| <seg id="39"> Wie wird es für ihn sein, wenn er als Skifahrer bei Olympia mit über 100 km/h den Berg hinunter rast?</seg> |
| <seg id="40"> Ich glaube, Erwachsene werden wieder Windeln tragen.</seg> |
| <seg id="41"> Aber das ist noch keine ER.</seg> |
| <seg id="42"> Das ist nur virtuelle Realität .</seg> |
| <seg id="43"> Wie kommen wir zur ER?</seg> |
| <seg id="44"> Wir schaffen das, wenn Trainer, Manager und Besitzer diese Informationen auswerten, und sich fragen: "Wie verbessern wir damit unser Team?</seg> |
| <seg id="45"> Wie können wir damit Spiele gewinnen?"</seg> |
| <seg id="46"> Teams nutzen Technologien, um Spiele zu gewinnen.</seg> |
| <seg id="47"> Sie gewinnen gerne, das bringt Geld.</seg> |
| <seg id="48"> Eine kurze Geschichte der Technologien in der NFL.</seg> |
| <seg id="49"> 1965 haben die Baltimore Colts ihrem Quarterback ein Armband gegeben, mit dem er Spielzüge schneller ansagen konnte.</seg> |
| <seg id="50"> Sie gewannen den SuperBowl.</seg> |
| <seg id="51"> Andere Teams folgten dem Beispiel.</seg> |
| <seg id="52"> Mehr Menschen sahen zu, denn die Spiele</seg> |
| <seg id="53"> waren aufregender und schneller.</seg> |
| <seg id="54"> 1994 stattete die NFL die Helme der Quarterbacks mit Funkgeräten aus, später auch die der Verteidiger.</seg> |
| <seg id="55"> Mehr Menschen sahen zu, die Spiele wurden schneller</seg> |
| <seg id="56"> und unterhaltsamer.</seg> |
| <seg id="57"> Stellen Sie sich vor, 2023 spielen Sie mit. Sie laufen zurück zum Huddle und Sie sehen den nächsten Spielzug direkt vor sich auf Ihrem Plastikvisier, das Sie auch heute schon tragen.</seg> |
| <seg id="58"> Keine Angst mehr vor vergessenen Spielzügen.</seg> |
| <seg id="59"> Keine Angst mehr, alle Taktiken auswendig lernen zu müssen.</seg> |
| <seg id="60"> Sie gehen da raus und reagieren.</seg> |
| <seg id="61"> Und die Trainer wollen das so, denn durch verpasste Anweisungen verliert man Spiele, und Trainer verlieren nicht gerne.</seg> |
| <seg id="62"> Dann werden sie nämlich gefeuert.</seg> |
| <seg id="63"> Das wollen sie nicht.</seg> |
| <seg id="64"> Aber ER ist nicht bloß ein verbessertes Spielzugbuch.</seg> |
| <seg id="65"> ER erlaubt Ihnen auch, all diese Daten in Echtzeit zu verwerten und so Ihr Spiel zu verbessern.</seg> |
| <seg id="66"> Wie sähe das aus?</seg> |
| <seg id="67"> Eine sehr einfache Vorrichtung wäre eine Kamera an jeder Ecke des Stadions, die alle Personen unten aus der Vogelperspektive zeigt.</seg> |
| <seg id="68"> Sie haben auch die Daten aus den Helmsensoren und den Akzelerometern, Technologien, an denen gerade gearbeitet wird.</seg> |
| <seg id="69"> Sie erfassen all diese Daten für Ihre Spieler.</seg> |
| <seg id="70"> Die guten Teams liefern nutzbare Daten,</seg> |
| <seg id="71"> die schlechten liefern eine Datenflut.</seg> |
| <seg id="72"> Das unterscheidet gute und schlechte Teams.</seg> |
| <seg id="73"> Und jetzt ist Ihre IT-Abteilung genauso wichtig wie Ihr Scouting, und Datengewinnung ist nicht mehr nur für Nerds.</seg> |
| <seg id="74"> Sondern auch für Sportler. Wer hätte das gedacht?</seg> |
| <seg id="75"> Wie sähe das auf dem Feld aus?</seg> |
| <seg id="76"> Stellen Sie sich vor, Sie sind Quarterback.</seg> |
| <seg id="77"> Sie bekommen den Ball.</seg> |
| <seg id="78"> Sie suchen nach einem freien Mitspieler.</seg> |
| <seg id="79"> Plötzlich erscheint links ein heller Blitz auf Ihrem Visier und zeigt Ihnen, dass der "Blind Side Linebacker" startet.</seg> |
| <seg id="80"> Normalerweise sehen Sie ihn nicht, aber die ER teilt dem Spieler genau das mit.</seg> |
| <seg id="81"> Sie gehen in Position.</seg> |
| <seg id="82"> Ein weiterer Blitz für einen Mitspieler.</seg> |
| <seg id="83"> Sie werfen, aber werden getroffen.</seg> |
| <seg id="84"> Der Ball ist außer Kontrolle,</seg> |
| <seg id="85"> Sie wissen nicht, wo er landet.</seg> |
| <seg id="86"> Aber auf dem Visier des Receivers wird die Stelle markiert, und er kann reagieren.</seg> |
| <seg id="87"> Er kann den Ball fangen, läuft los, Touchdown.</seg> |
| <seg id="88"> Die Menge tobt, und die Fans sind jederzeit bei ihm, und aus jeder Perspektive.</seg> |
| <seg id="89"> Das wird eine neue Begeisterung für das Spiel entfachen.</seg> |
| <seg id="90"> Die Leute werden in Massen zuschauen, denn sie wollen dieses Erlebnis.</seg> |
| <seg id="91"> Fans wollen auf dem Feld sein.</seg> |
| <seg id="92"> Wollen ihr Lieblingsspieler sein.</seg> |
| <seg id="93"> ER wird Teil des Sports, denn es lohnt sich nicht, es nicht zu tun.</seg> |
| <seg id="94"> Aber meine Frage an Sie ist: Sind wir damit zufrieden, ER nur dafür einzusetzen?</seg> |
| <seg id="95"> Wollen wir ER nur für Brot und Spiele, normale Unterhaltung einsetzen?</seg> |
| <seg id="96"> Ich glaube nämlich, dass wir ER für mehr nutzen können.</seg> |
| <seg id="97"> Ich glaube, wir können die ER nutzen, um die Empathie in den Menschen zu fördern, indem wir jemandem zeigen, wie es ist, sich in jemand anderen hineinzuversetzen.</seg> |
| <seg id="98"> Wir wissen, was diese Technologie den Sportligen wert ist.</seg> |
| <seg id="99"> Sie investieren jährlich Summen in Milliardenhöhe.</seg> |
| <seg id="100"> Was ist diese Technologie einem Schwulen in Uganda oder Russland wert, der der Welt zeigen will, unter welchen Bedingungen er lebt?</seg> |
| <seg id="101"> Was ist diese Technologie Commander Hadfield oder Neil deGrasse Tyson wert, die eine Generation von Kindern inspirieren wollen, über das All und Wissenschaft nachzudenken und nicht über Quartalsberichte und die Kardashians?</seg> |
| <seg id="102"> Meine Damen und Herren, die Erweiterte Realität wird kommen.</seg> |
| <seg id="103"> Die Fragen, die wir stellen, die Entscheidungen, die wir treffen, die Herausforderungen, vor denen wir stehen, liegen, wie immer, ganz in unserer Hand.</seg> |
| <seg id="104"> Vielen Dank</seg> |
| <reviewer href="http://www.ted.com/profiles/1760635">Vivien Schulz</reviewer> |
| <translator href="http://www.ted.com/profiles/2352119">Raphael Bopp</translator> |
| </doc> |
| <doc docid="1997" genre="lectures"> |
| <url>http://www.ted.com/talks/kevin_briggs_the_bridge_between_suicide_and_life</url> |
| <keywords>talks, culture, depression, mental health, suicide</keywords> |
| <speaker>Kevin Briggs</speaker> |
| <talkid>1997</talkid> |
| <title>Kevin Briggs: Die Brücke zwischen Selbstmord und Leben</title> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Viele Jahre lang hatte Sergeant Kevin Briggs einen düsteren, ungewöhnlichen, manchmal auf eigenartige Weise lohnenden Beruf: Er patrouillierte entlang des südlichen Endes der Golden Gate Bridge in San Francisco, einem beliebten Ort für Selbstmord. In einem ernüchternden, sehr persönlichen Vortrag teilt er die Geschichten der Menschen, mit denen er gesprochen hat -- und denen er zugehört hat -- während sie am dem Abgrund ihres Lebens standen. Er gibt all jenen einen klugen Ratschlag, die einen geliebten Menschen haben, der vielleicht über Selbstmord nachdenkt.</description> |
| <seg id="1"> Ich bin vor Kurzem nach 23 Jahren aus dem Dienst bei der kalifornischen Verkehrswacht ausgeschieden.</seg> |
| <seg id="2"> Die meiste Zeit dieser 23 Jahre verbrachte ich als Patrouille an der Südspitze des Marin County, in dem auch die Golden Gate Bridge liegt.</seg> |
| <seg id="3"> Die Brücke ist ein ikonisches Bauwerk, das weltweit für seinen schönen Blick auf San Francisco, den Pazifischen Ozean und seine inspirierende Architektur bekannt ist.</seg> |
| <seg id="4"> Leider ist sie auch ein Magnet für Selbstmord, denn sie gehört zu den weltweit am meisten dafür genutzten Orten.</seg> |
| <seg id="5"> Die Golden Gate Bridge wurde 1937 eröffnet.</seg> |
| <seg id="6"> Joseph Strauss, der leitende Ingenieur, wird mit den Worten zitiert: "Die Brücke ist quasi selbstmordsicher.</seg> |
| <seg id="7"> Selbstmord auf der Brücke zu begehen, ist weder praktisch noch wahrscheinlich."</seg> |
| <seg id="8"> Doch seit ihrer Eröffnung haben sich mehr als 1 600 Menschen von dieser Brücke in den Tod gestürzt.</seg> |
| <seg id="9"> Manche glauben, dass einen das Bewegen zwischen den beiden Türmen in eine andere Dimension führt -- die Brücke wurde derart romantisiert -- dass man durch den Fall davon, von allen Sorgen und allem Kummer befreit wird, und das Wasser dort unten einem die Seele rein wäscht.</seg> |
| <seg id="10"> Ich erzähle Ihnen, was wirklich geschieht, wenn die Brücke als Mittel zum Selbstmord genutzt wird.</seg> |
| <seg id="11"> Beim Aufprall zersplittern die Knochen, von denen einige lebenswichtige Organe durchstechen.</seg> |
| <seg id="12"> Die meisten sterben beim Aufprall.</seg> |
| <seg id="13"> Diejenigen, die nicht sterben, rudern meistens hilflos im Wasser umher und ertrinken dann.</seg> |
| <seg id="14"> Ich denke nicht, dass denjenigen, die diese Art des Selbstmords in Betracht ziehen, klar ist, was für ein grausiger Tod sie erwartet.</seg> |
| <seg id="15"> Das hier ist das Kabel.</seg> |
| <seg id="16"> Abgesehen von dem Bereich um die beiden Türme laufen 80 cm Stahl neben der Brücke her.</seg> |
| <seg id="17"> Hier stehen die meisten Menschen, bevor sie sich das Leben nehmen.</seg> |
| <seg id="18"> Aus Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass eine Person, die bereits auf dem Kabel steht, und das in ihrer dunkelsten Stunde, nur sehr schwer wieder zurückzubringen ist.</seg> |
| <seg id="19"> Ich habe dieses Foto letztes Jahr geschossen, als diese junge Frau mit einem Polizisten sprach und über ihr Leben nachgedacht hat.</seg> |
| <seg id="20"> Ich bin sehr froh, Ihnen erzählen zu können, dass wir an jenem Tag erfolgreich waren, sie auf die andere Seite des Geländers zu holen.</seg> |
| <seg id="21"> Als ich angefangen habe, auf der Brücke zu arbeiten, gab es kein offizielles Training.</seg> |
| <seg id="22"> Man hat sich seinen Weg durch die ganzen Anrufe gesucht.</seg> |
| <seg id="23"> Das war nicht nur ein Bärendienst für potenzielle Selbstmörder, sondern auch für die Polizisten.</seg> |
| <seg id="24"> Seitdem haben wir einen langen Weg hinter uns.</seg> |
| <seg id="25"> Heute trainieren ehemalige Polizisten und Psychologen die neuen Polizisten.</seg> |
| <seg id="26"> Das ist Jason Garber.</seg> |
| <seg id="27"> Ich habe Jason letztes Jahr am 22. Juli getroffen, als ich einen Anruf erhielt, in dem es um einen möglichweise Suizidgefährdeten ging, der ungefähr in der Mitte der Brücke auf dem Kabel saß.</seg> |
| <seg id="28"> Ich antwortete und als ich ankam, habe ich Jason beobachtet, wie er mit einem Polizisten der Golden Gate Bridge sprach.</seg> |
| <seg id="29"> Jason war gerade mal 32 Jahre alt und ist von New Jersey hierher geflogen.</seg> |
| <seg id="30"> Nachdem wir ungefähr eine Stunde mit Jason gesprochen hatten, fragte er uns, ob wir die Geschichte der Pandora kennen.</seg> |
| <seg id="31"> Wir erinnern uns an die griechische Mythologie: Zeus erschuf Pandora und sandte sie zur Erde, zusammen mit einer Büchse und sagte zu ihr: "Öffne niemals, niemals diese Büchse."</seg> |
| <seg id="32"> Und eines Tages, als die Neugier Pandora besiegte, öffnete sie die Büchse.</seg> |
| <seg id="33"> Heraus kamen Seuchen, Leiden und alle Arten von Übeln, die sich über die Menscheit verbreiteten.</seg> |
| <seg id="34"> Das einzig Gute in der Büchse war die Hoffnung.</seg> |
| <seg id="35"> Dann fragte Jason uns: "Was passiert, wenn man die Büchse öffnet und keine Hoffnung darin ist?"</seg> |
| <seg id="36"> Er war für einen Moment still, lehnte sich nach rechts und war weg.</seg> |
| <seg id="37"> Dieser nette intelligente junge Mann aus New Jersey hatte sich gerade das Leben genommen.</seg> |
| <seg id="38"> Ich habe an jenem Abend mit Jasons Eltern gesprochen und ich glaube, als ich mit ihnen sprach, hörte ich mich nicht sonderlich gut an, denn schon am nächsten Tag rief mich der Rabbi der Familie an, um sich nach mir zu erkundigen.</seg> |
| <seg id="39"> Jasons Eltern hatten ihn darum gebeten.</seg> |
| <seg id="40"> Der Kollateralschaden eines Selbstmords wirkt sich auf so viele Menschen aus.</seg> |
| <seg id="41"> Ich stelle Ihnen die folgenden Fragen: Was würden Sie tun, wenn ein Familienmitglied, ein Freund oder eine geliebte Person suizidgefährdet wäre?</seg> |
| <seg id="42"> Was würden Sie sagen?</seg> |
| <seg id="43"> Würden Sie wissen, was Sie sagen sollen?</seg> |
| <seg id="44"> Meiner Erfahrung geht es nicht nur um das Miteinander reden, sondern um das Zuhören.</seg> |
| <seg id="45"> Zuhören, um zu verstehen.</seg> |
| <seg id="46"> Diskutieren Sie nicht, machen Sie keine Vorwürfe, oder sagen Sie der anderen Person nicht, Sie wüssten, wie sie sich fühlt, weil Sie es wahrscheinlich nicht wissen.</seg> |
| <seg id="47"> Indem Sie einfach nur da sind, sind Sie vielleicht der Wendepunkt, den die Person gebraucht hat.</seg> |
| <seg id="48"> Wenn Sie denken, dass jemand suizidgefährdet ist, haben Sie keine Angst, diese Person damit zu konfrontieren.</seg> |
| <seg id="49"> Sie könnten z. B. folgende Frage stellen: "Andere Menschen in ähnlichen Situationen haben darüber nachgedacht, ihr Leben zu beenden; hattest du solche Gedanken?"</seg> |
| <seg id="50"> Die Person geradewegs damit zu konfrontieren, rettet vielleicht ihr Leben und bringt den Wendepunkt für sie.</seg> |
| <seg id="51"> Andere Zeichen, auf die Sie achten sollten: Hoffnungslosigkeit, der Glaube, dass die Dinge schlecht stehen und niemals besser werden; Hilflosigkeit, der Glaube, dass man nichts dagegen tun kann; kürzlicher Rückzug aus dem sozialen Leben und der Verlust eines allgemeinen Intersseses am Leben.</seg> |
| <seg id="52"> Ich habe mir diesen Vortrag erst vor wenigen Tagen ausgedacht und ich habe eine E-Mail von einer Dame erhalten, die ich Ihnen gerne vorlesen möchte.</seg> |
| <seg id="53"> Sie hat ihren Sohn am 19. Januar dieses Jahres verloren und sie schrieb mir diese E-Mail erst ein paar Tage zuvor, und mit ihrer Erlaubnis und ihrem Segen lese ich es Ihnen vor.</seg> |
| <seg id="54"> "Hi Kevin, wahrscheinlich sind Sie gerade auf der TED-Konferenz.</seg> |
| <seg id="55"> Das muss eine tolle Erfahrung dort sein.</seg> |
| <seg id="56"> Ich denke, ich sollte dieses Wochenende auf der Brücke spazieren gehen.</seg> |
| <seg id="57"> Ich wollte Ihnen ein paar Zeilen schicken.</seg> |
| <seg id="58"> Ich hoffe, dass Sie viele Menschen mit Ihrer Botschaft erreichen und diese nach Hause gehen und mit ihren Freunden darüber reden, die es ebenfalls ihren Freunden erzählen usw.</seg> |
| <seg id="59"> Ich bin immer noch ziemlich betäubt, habe aber immer mehr Momente, in denen mir bewusst wird, dass Mike nicht mehr nach Hause kommt.</seg> |
| <seg id="60"> Mike ist von Petaluma nach San Francisco gefahren, um sich am 19 . Januar mit seinem Vater das Spiel der 49ers anzuschauen.</seg> |
| <seg id="61"> Er ist niemals dort angekommen.</seg> |
| <seg id="62"> Ich habe die Polizei in Petaluma angerufen und ihn an jenem Abend als vermisst gemeldet.</seg> |
| <seg id="63"> Am nächsten Morgen kamen zwei Polizisten zu mir nach Hause und erklärten mir, dass Mikes Auto unten an der Brücke stand.</seg> |
| <seg id="64"> Ein Zeuge sah, wie er am Tag zuvor um 13:58 Uhr von der Brücke sprang.</seg> |
| <seg id="65"> Ich danke Ihnen so sehr dafür, dass Sie sich für diejenigen stark machen, die vielleicht zeitweise zu schwach sind, um für sich selbst stark zu sein.</seg> |
| <seg id="66"> Wem ging es nicht schon mal schlecht, ohne dass er an einer psychischen Erkrankung litt?</seg> |
| <seg id="67"> Es sollte nicht so einfach sein, das eigene Leben zu beenden.</seg> |
| <seg id="68"> Ich bete für Sie und den Kampf, den Sie kämpfen.</seg> |
| <seg id="69"> Die GGB, Golden Gate Bridge, sollte ein Übergang über unsere wunderschöne Bucht sein, und kein Friedhof.</seg> |
| <seg id="70"> Viel Glück diese Woche, Vicky."</seg> |
| <seg id="71"> Ich kann mir nicht vorstellen, wieviel Mut es sie gekostet hat, zur Brücke zu gehen und den Weg zu gehen, den ihr Sohn an jenem Tag genommen hat. und auch nicht, welchen Mut es braucht, weiterzumachen.</seg> |
| <seg id="72"> Ich möchte Ihnen gerne einen Mann vorstellen, der für mich Hoffnung und Mut darstellt.</seg> |
| <seg id="73"> Am 11. März 2005 reagierte ich auf eine Meldung über einen möglicherweise suizidgefährdeten Menschen in der Nähe des Nordturms.</seg> |
| <seg id="74"> Ich fuhr mit meinem Motorrad den Fußweg entlang und beobachtete diesen jungen Mann, Kevin Berthia, wie er auf dem Fußweg stand.</seg> |
| <seg id="75"> Für die nächsten anderthalb Stunden hörte ich Kevin zu, wie er über seine Depression und seine Hoffungslosigkeit sprach.</seg> |
| <seg id="76"> Kevin entschied sich an dem Tag von alleine dafür, wieder über das Geländer zu klettern und seinem Leben eine weitere Chance zu geben.</seg> |
| <seg id="77"> Als Kevin zurückkletterte, gratulierte ich ihm.</seg> |
| <seg id="78"> "Das ist ein neuer Anfang, ein neues Leben."</seg> |
| <seg id="79"> Ich aber fragte ihn: "Was genau hat dich dazu gebracht, wieder über das Geländer zu klettern und der Hoffnung und dem Leben eine weitere Chance zu geben?"</seg> |
| <seg id="80"> Und wissen Sie, was er mir erzählt hat?</seg> |
| <seg id="81"> Er sagte: "Du hast mir zugehört.</seg> |
| <seg id="82"> Du hast mich reden lassen und du hast dabei nur zugehört."</seg> |
| <seg id="83"> Kurz nach diesem Ereignis bekam ich einen Brief von Kevins Mutter und ich habe ihn hier dabei und ich würde Ihnen den gerne vorlesen.</seg> |
| <seg id="84"> "Lieber Mr. Briggs, nichts kann die Geschehnisse vom 11. März ungeschehen machen, aber Sie sind einer der Gründe, warum Kevin noch unter uns weilt.</seg> |
| <seg id="85"> Ich glaube fest daran, dass Kevin nach Hilfe gesucht hat.</seg> |
| <seg id="86"> Bei ihm wurde eine psychische Erkrankung festgestellt, für die er die passende Medizin bekommen hat.</seg> |
| <seg id="87"> Ich habe Kevin mit gerade mal sechs Monaten adoptiert, völlig ahnungslos über irgendwelche erblichen Merkmale, aber Gott sei Dank wissen wir nun Bescheid.</seg> |
| <seg id="88"> Kevin geht es gut, wie er sagt.</seg> |
| <seg id="89"> Wir danken Gott für Sie.</seg> |
| <seg id="90"> Tief in Ihrer Schuld stehend, Narvella Berthia."</seg> |
| <seg id="91"> Und am Ende schreibt sie: "P.S. Als ich das Krankenhaus von San Francisco an jenem Abend besuchte, waren Sie als Patient angemeldet.</seg> |
| <seg id="92"> Junge, das musste ich erstmal gerade rücken."</seg> |
| <seg id="93"> Heute ist Kevin ein liebevoller Vater und ein beitragendes Mitglied der Gesellschaft.</seg> |
| <seg id="94"> Er spricht offen über die Geschehnisse jenen Tages und seine Depression in der Hoffnung, dass seine Geschichte andere inspiriert.</seg> |
| <seg id="95"> Selbstmord ist mir nicht nur im Beruf begegnet.</seg> |
| <seg id="96"> Auch im persönlichen Umfeld.</seg> |
| <seg id="97"> Mein Großvater hat sich durch Vergiftung das Leben genommen.</seg> |
| <seg id="98"> Diese Tat, auch wenn sie seinen eigenen Schmerz beendet hat, nahm mir die Möglichkeit, ihn jemals kennen zu lernen.</seg> |
| <seg id="99"> Das richtet Selbstmord an.</seg> |
| <seg id="100"> Die meisten suizidgefährdeten Menschen oder jene, die über Selbstmord nachdenken, würden nie daran denken, einen anderen Menschen zu verletzten.</seg> |
| <seg id="101"> Sie wollen nur, dass ihr eigener Schmerz endet.</seg> |
| <seg id="102"> Das geschieht normalerweise auf eine von drei Arten: Schlaf, Drogen oder Alkohol, oder Tod.</seg> |
| <seg id="103"> In meiner Karriere habe ich auf hunderte Anrufe geantwortet und war an hunderten Fällen von psychischen Erkrankungen und Selbstmord rund um die Brücke beteiligt.</seg> |
| <seg id="104"> Bei den Vorfällen, an denen ich direkt beteiligt war, habe ich nur zwei Menschen verloren, aber das sind zwei zu viele.</seg> |
| <seg id="105"> Einer von ihnen war Jason.</seg> |
| <seg id="106"> Der andere war ein Mann, mit dem ich ungefähr eine Stunde gesprochen habe.</seg> |
| <seg id="107"> Dabei hat er drei Mal meine Hand geschüttelt.</seg> |
| <seg id="108"> Beim letzten Handschlag sah er mich an und sagte: "Kevin, es tut mir Leid, aber ich muss gehen."</seg> |
| <seg id="109"> Und er sprang.</seg> |
| <seg id="110"> Ich möchte Ihnen trotzdem erzählen, dass die meisten der Leute, mit denen wir auf der Brücke in Kontakt kommen, keinen Selbstmord begehen.</seg> |
| <seg id="111"> Außerdem haben die meisten der Menschen, die gesprungen sind und überlebt haben und darüber reden können, diese ein oder zwei Prozent, diese Menschen haben gesagt dass sie in dem Moment, in dem sie losgelassen haben, wussten, dass sie einen Fehler begangen hatten und dass sie leben wollten.</seg> |
| <seg id="112"> Ich erzähle den Menschen, dass die Brücke nicht nur Marin und San Francisco verbindet, sondern dass sie auch Menschen verbindet.</seg> |
| <seg id="113"> Die Verbindung, oder die Brücke, die wir machen, ist etwas, das jeder einzelne von uns anstreben sollte.</seg> |
| <seg id="114"> Selbstmord ist vermeidbar.</seg> |
| <seg id="115"> Es gibt Hilfe. Es gibt Hoffnung.</seg> |
| <seg id="116"> Vielen Dank.</seg> |
| <reviewer href="http://www.ted.com/profiles/597058">Nadine Hennig</reviewer> |
| <translator href="http://www.ted.com/profiles/1579979">Angela Raabe</translator> |
| </doc> |
| <doc docid="1961" genre="lectures"> |
| <url>http://www.ted.com/talks/geena_rocero_why_i_must_come_out</url> |
| <keywords>talks, LGBT, TED Conference, Transgender, activism, beauty, fashion, gender, identity, inequality</keywords> |
| <speaker>Geena Rocero</speaker> |
| <talkid>1961</talkid> |
| <title>Geena Rocero: Warum ich mich outen muss</title> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Als das Model Geena Rocero das erste Mal ein professionelles Foto von sich selbst in einem Bikini sah, war sie außer sich. "Ich dachte...du bist angekommen!", sagt sie stolz. Das ist vielleicht keine typische Erfahrung, aber wie Rocero verrät, kommt das daher, dass ihr bei der Geburt das Geschlecht "Junge" zugeteilt wurde. In einem bewegenden und persönlichen Vortrag erzählt Rocero, dass die Rolle als Transgender-Aktivistin ihr ein ganz neues Gefühl von Sinn und Stolz vermittelt.</description> |
| <seg id="1"> Die Welt macht aus dir etwas, das du nicht bist, aber tief in dir selbst weißt du, was du bist, und die Frage brennt in deinem Herz: "Wie wirst du das werden?"</seg> |
| <seg id="2"> Ich bin dabei vielleicht etwas Besonderes, aber ich bin nicht allein, ganz und gar nicht allein.</seg> |
| <seg id="3"> Als ich Model wurde, war es so, als wäre der Traum, den ich seit meiner Kindheit hatte, endlich wahr geworden.</seg> |
| <seg id="4"> Mein äußeres Selbst stimmte endlich mit meiner inneren Wahrheit überein, meinem inneren Selbst.</seg> |
| <seg id="5"> Die Gründe dafür sind vielschichtig -- darauf komme ich später zurück -- aber beim Anblick dieses Bildes hat es sich damals angefühlt wie: "Geena, das ist es! Du hast es geschafft, Du bist angekommen."</seg> |
| <seg id="6"> Aber letzten Oktober ist mir klar geworden, dass ich erst am Anfang stehe.</seg> |
| <seg id="7"> Wir alle werden in Schubladen gesteckt, von unseren Familien, von unserer Religion, von unserer Gesellschaft, von der Zeit, in der wir gerade leben, sogar von unseren eigenen Körpern.</seg> |
| <seg id="8"> Einige Menschen haben den Mut, sich zu befreien, die Einschränkungen nicht zu akzeptieren, die ihre Hautfarbe, oder die Überzeugung ihrer Mitmenschen ihnen auferlegt.</seg> |
| <seg id="9"> Diese Menschen sind immer eine Bedrohung für den Status quo, für das, was als akzeptabel gilt.</seg> |
| <seg id="10"> In meinem Fall haben während der letzen neun Jahre einige meiner Nachbarn, einige meiner Freunde, sogar mein Agent nichts über meine Geschichte gewusst.</seg> |
| <seg id="11"> Als ich fünf Jahre alt war, habe ich zu Hause auf den Philippinen immer dieses T-Shirt auf meinem Kopf getragen.</seg> |
| <seg id="12"> Meine Mutter hat mich gefragt: "Warum trägst du immer dieses T-Shirt auf deinem Kopf?"</seg> |
| <seg id="13"> Ich sagte: "Mom, das sind meine Haare. Ich bin ein Mädchen."</seg> |
| <seg id="14"> Ich kannte damals meine eigene Identität.</seg> |
| <seg id="15"> Geschlecht ist immer als Tatsache betrachtet worden, unveränderbar, aber heute wissen wir, dass es fließend, komplex und geheimnisvoll ist.</seg> |
| <seg id="16"> Wegen meines Erfolges hatte ich nie den Mut, meine Geschichte zu erzählen, nicht weil ich dachte, dass mit mir etwas nicht stimmt, sondern wegen der Art, wie die Welt diejenigen von uns behandelt, die sich befreien möchten.</seg> |
| <seg id="17"> Jeden Tag bin ich so dankbar, weil ich eine Frau bin.</seg> |
| <seg id="18"> Ich habe eine Mutter, einen Vater und eine Familie, die mich so akzeptierten, wie ich bin.</seg> |
| <seg id="19"> Viele haben nicht so ein Glück.</seg> |
| <seg id="20"> In Asien gibt es eine alte Tradition, die Geschlecht als fließendes Mysterium preist.</seg> |
| <seg id="21"> Es gibt eine buddhistische Göttin des Mitgefühls.</seg> |
| <seg id="22"> Es gibt eine Hindu-Göttin, eine Hjira-Göttin [mit dritten Geschlecht].</seg> |
| <seg id="23"> Als ich acht Jahre alt war, war ich bei einer Fiesta auf den Philippinen zur Feier dieser Mysterien.</seg> |
| <seg id="24"> Ich stand vor der Bühne und ich weiß noch, da kam diese wunderschöne Frau heraus, direkt vor mir, und in diesem Moment wusste ich: Diese Art von Frau wollte ich sein.</seg> |
| <seg id="25"> Als ich 15 Jahre alt war, immer noch als Junge gekleidet, traf ich eine Frau namens T.L.</seg> |
| <seg id="26"> Sie war Managerin für Transgender-Schönheitswettbewerbe.</seg> |
| <seg id="27"> An diesem Abend fragte sie mich: "Warum machst du nicht beim Schönheitswettbewerb mit?"</seg> |
| <seg id="28"> Dieser Moment veränderte mein Leben.</seg> |
| <seg id="29"> Plötzlich fand ich mich in der Welt der Schönheitswettbewerbe wieder.</seg> |
| <seg id="30"> Nicht viele Leute waren im ersten Job Schönheitskönigin in Bewerben für Transgender-Frauen, aber mir passt es.</seg> |
| <seg id="31"> Im Alter zwischen 15 und 17 Jahren machte ich bei den angesehensten Bewerben mit, und bei solchen, die buchstäblich hinten in einem LKW stattfanden, oder manchmal war es der Gehweg neben einem Reisfeld, und wenn es regnet -- es regnet viel auf den Philippinen -- mussten die Organisatoren alles in irgendein Haus verlegen.</seg> |
| <seg id="32"> Ich erlebte auch die Güte von Fremden, besonders auf Reisen in abgelegene Provinzen der Philippinen.</seg> |
| <seg id="33"> Aber am wichtigsten war, dass ich einige meiner besten Freunde in dieser Gemeinde fand.</seg> |
| <seg id="34"> Im Jahr 2001 rief mich meine Mutter aus San Francisco an, und sagte mir, dass mein Antrag für eine Green Card bewilligt worden war, dass ich jetzt in die USA ziehen konnte.</seg> |
| <seg id="35"> Ich wehrte mich dagegen.</seg> |
| <seg id="36"> Ich sagte zu ihr: "Mom, ich habe Spaß.</seg> |
| <seg id="37"> Ich bin hier bei Freunden, ich liebe es zu reisen und Schönheitskönigin zu sein.</seg> |
| <seg id="38"> Zwei Wochen später rief sie wieder an und sagte: "Hast du gewusst, dass du bei einem Umzug in die USA deinen Namen und dein Geschlecht ändern kannst?"</seg> |
| <seg id="39"> Mehr musste ich nicht hören.</seg> |
| <seg id="40"> Meine Mutter meinte auch, ich sollte meinen Namen mit zwei "E" schreiben.</seg> |
| <seg id="41"> Sie begleitete mich auch, als ich mit 19 Jahren in Thailand meine Operation hatte.</seg> |
| <seg id="42"> Es ist interessant, dass in den ländlichsten Gegenden Thailands einige der angesehensten, sichersten und anspruchsvollsten Operationen durchgeführt werden.</seg> |
| <seg id="43"> Damals war es in den USA notwendig, sich operieren zu lassen, bevor man seinen Namen und sein Geschlecht ändern konnte.</seg> |
| <seg id="44"> 2001 zog ich also nach San Francisco, und ich weiß noch, als ich meinen kalifornischen Führerschein mit dem Namen Geena und der Geschlechtsbezeichnung F sah.</seg> |
| <seg id="45"> Das war ein eindrucksvoller Moment.</seg> |
| <seg id="46"> Für manche Menschen ist dieser Ausweis eine Lizenz zum Autofahren, oder zum Kauf von Alkohol, aber für mich war es meine Lizenz zu leben und Würde zu empfinden.</seg> |
| <seg id="47"> ich glaubte, meinen Traum verwirklichen zu können, nach New York ziehen und Model werden könnte.</seg> |
| <seg id="48"> Viele haben nicht so ein Glück.</seg> |
| <seg id="49"> Ich denke da an eine Frau namens Ayla Nettles.</seg> |
| <seg id="50"> Sie ist aus New York, eine junge Frau, die mutig ihre Wahrheit lebte, aber Hass setzte ihrem Leben ein Ende.</seg> |
| <seg id="51"> Für die meisten mit meinem Hintergrund ist das die Realität, in der wir leben.</seg> |
| <seg id="52"> Unsere Selbstmordrate ist neunmal so hoch wie die der allgemeinen Bevölkerung.</seg> |
| <seg id="53"> Jedes Jahr am 20. November halten wir eine weltweite Andacht zum Transgender-Tag der Erinnerung.</seg> |
| <seg id="54"> Ich stehe hier auf dieser Bühne, weil es eine lange Geschichte von Menschen gibt, die sich auflehnten und gegen Ungerechtigkeit kämpften.</seg> |
| <seg id="55"> Das sind Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera.</seg> |
| <seg id="56"> Heute, in genau diesem Moment, passiert mein wirkliches Outing.</seg> |
| <seg id="57"> Ich könnte meine Wahrheit nicht länger für mich allein leben.</seg> |
| <seg id="58"> Ich möchte mein Bestes geben, anderen zu helfen, ihre Wahrheit ohne Scham und Angst zu leben.</seg> |
| <seg id="59"> Ich exponiere mich hier, damit es eines Tages nicht mehr nötig sein wird, am 20. November einen Gedenktag abzuhalten.</seg> |
| <seg id="60"> Meine innerste Wahrheit erlaubte mir, mich so akzeptieren, wie ich bin.</seg> |
| <seg id="61"> Können Sie das auch?</seg> |
| <seg id="62"> Vielen Dank.</seg> |
| <seg id="63"> Ich wüsste gerne, was du sagen würdest, speziell zu Eltern, aber im weiteren Sinne auch zu Freunden, zu Familien und all jenen, die Kindern oder Menschen begegnen, die Schwierigkeiten haben mit dem Geschlecht, das ihnen zugeteilt wird. Was könntest du sagen, zu den Familienmitgliedern dieser Menschen, das ihnen dabei hilft, gute, fürsorgliche und mitfühlende Familienmitglieder zu sein?</seg> |
| <seg id="64"> Sicher. Vorweg: Ich habe großes Glück.</seg> |
| <seg id="65"> Und manchmal funktioniert es, manchmal nicht, also -- Es ist nur so, dass die geschlechtliche Identität im Kern unsers Seins liegt, oder?</seg> |
| <seg id="66"> Uns allen wird bei der Geburt ein Geschlecht zugeteilt, und ich versuche, ein Gespräch darüber zu führen, dass das zugeteilte Geschlecht manchmal nicht passt, und dass man den Menschen Raum geben sollte, ihre eigen Identität zu finden, und dieses Gespräch sollten wir führen, mit Eltern, mit Kollegen.</seg> |
| <seg id="67"> Die Transgender-Bewegung steht noch ganz am Anfang, im Vergleich zu den Anfängen der Lesben- und Schwulenbewegung.</seg> |
| <seg id="68"> Es gibt noch eine Menge zu tun.</seg> |
| <seg id="69"> Es sollte Einsicht geben.</seg> |
| <seg id="70"> Es sollte Raum für Neugier geben, für Fragen, und ich hoffe, Sie alle hier sind dabei meine Verbündeten.</seg> |
| <seg id="71"> Vielen Dank. Das war wunderschön. Vielen Dank.</seg> |
| <reviewer href="http://www.ted.com/profiles/1573958">David Schrögendorfer</reviewer> |
| <translator href="http://www.ted.com/profiles/2460549">Ulrike Schwarz</translator> |
| </doc> |
| <doc docid="1954" genre="lectures"> |
| <url>http://www.ted.com/talks/ziauddin_yousafzai_my_daughter_malala</url> |
| <keywords>talks, education, family, feminism, global issues, women, yesallwomen</keywords> |
| <speaker>Ziauddin Yousafzai</speaker> |
| <talkid>1954</talkid> |
| <title>Ziauddin Yousafzai: Meine Tochter Malala</title> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Der pakistanische Pädagoge Ziauddin Yousafzai erinnert die Welt an eine einfache Wahrheit, die viele nicht hören möchten: Frauen und Männer verdienen gleiche Chancen auf Bildung, Autonomie und auf eine unabhängige Identität. Er erzählt Geschichten aus seinem eigenen Leben und dem Leben seiner Tochter, Malala, die von den Taliban 2012 angeschossen wurde, nur weil sie es gewagt hatte, zur Schule zu gehen. "Warum ist meine Tochter so stark?", fragt Yousafzai. "Weil ich ihre Flügel nicht gestutzt habe."</description> |
| <seg id="1"> In vielen patriarchalischen Gesellschaften und Stammesgesellschaften sind Väter üblicherweise durch ihre Söhne bekannt, ich bin aber einer der wenigen Väter, der durch seine Tochter bekannt ist, und ich bin stolz darauf.</seg> |
| <seg id="2"> Davor war sie meine Tochter, aber jetzt bin ich ihr Vater.</seg> |
| <seg id="3"> Sehr geehrte Damen und Herren, wenn wir auf die Geschichte der Menschheit blicken, ist die Geschichte der Frauen eine Geschichte voller Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Gewalt und Ausbeutung.</seg> |
| <seg id="4"> Sie wird nicht willkommen geheißen, weder von ihrem Vater noch von ihrer Mutter.</seg> |
| <seg id="5"> Die Nachbarschaft kommt vorbei, um die Mutter zu bemitleiden, und niemand gratuliert dem Vater.</seg> |
| <seg id="6"> Eine Mutter fühlt sich sehr unbehaglich, wenn sie ein Mädchen bekommen hat.</seg> |
| <seg id="7"> Wenn sie das erste Mädchen zur Welt bringt, die erste Tochter, ist sie traurig.</seg> |
| <seg id="8"> Wenn sie die zweite Tochter zur Welt bringt, ist sie schockiert und in Erwartung eines Sohnes, bei der Geburt der dritten Tochter, fühlt sie sich schuldig wie ein Verbrecher.</seg> |
| <seg id="9"> Nicht nur die Mutter leidet, sondern auch die Tochter, die neugeborene Tochter, wenn diese nämlich älter wird, leidet sie auch.</seg> |
| <seg id="10"> Mit fünf, in einem Alter, in dem sie eigentlich zur Schule gehen sollte, bleibt sie zu Hause, während ihre Brüder in der Schule aufgenommen werden.</seg> |
| <seg id="11"> Bis zum Alter von 12 Jahren hat sie irgendwie ein gutes Leben.</seg> |
| <seg id="12"> Sie kann Spaß haben.</seg> |
| <seg id="13"> Sie kann mit ihren Freunden auf der Straße spielen, und sie kann sich dort frei wie ein Schmetterling bewegen.</seg> |
| <seg id="14"> Aber als Jugendliche, mit 13 Jahren, wird ihr verboten, ohne männliche Begleitung aus dem Haus zu gehen.</seg> |
| <seg id="15"> Sie ist in den vier Wänden ihres eigenen Heims eingesperrt.</seg> |
| <seg id="16"> Sie ist nicht länger ein freier Mensch.</seg> |
| <seg id="17"> Sie wird zu der sogenannten Ehre ihres Vaters, ihrer Brüder und ihrer Familie, und wenn sie den sogenannten Ehrenkodex verletzt, kann sie sogar getötet werden.</seg> |
| <seg id="18"> Interessant dabei ist außerdem, dass dieser sogenannte Ehrenkodex nicht nur das Leben des Mädchens selbst betrifft, sondern auch das Leben der männlichen Familienmitglieder beeinflusst.</seg> |
| <seg id="19"> Ich kenne eine Familie mit sieben Schwestern und einem Bruder, und dieser eine Bruder ist in die Golfstaaten ausgewandert, um den Lebensunterhalt für seine sieben Schwestern und seine Eltern zu verdienen, weil er denkt, es sei erniedrigend, wenn seine sieben Schwestern einen Beruf erlernen würden und aus dem Haus gingen, um etwas zum Lebensunterhalt beizusteuern.</seg> |
| <seg id="20"> Dieser Bruder, also, opfert die Freude in seinem Leben und das Glück seiner Schwestern auf dem Altar der sogenannten Ehre.</seg> |
| <seg id="21"> Es gibt noch eine weitere wichtige Norm der patriarchalischen Gesellschaften und das ist Gehorsam.</seg> |
| <seg id="22"> Ein gutes Mädchen muss sehr leise, sehr bescheiden und sehr unterwürfig sein.</seg> |
| <seg id="23"> Das ist der Beurteilungsmaßstab.</seg> |
| <seg id="24"> Das vorbildliche gute Mädchen muss sehr leise sein.</seg> |
| <seg id="25"> Sie sollte sehr schweigsam sein und sie sollte die Entscheidungen ihres Vaters und ihrer Mutter akzeptieren, und die Entscheidungen der Älteren, auch wenn ihr diese missfallen.</seg> |
| <seg id="26"> Sonst wird sie als ungehorsam beschimpft.</seg> |
| <seg id="27"> Und was passiert am Ende?</seg> |
| <seg id="28"> Mit den Worten einer Dichterin wird sie verheiratet und gebettet, um dann weitere Söhne und Töchter zur Welt zu bringen.</seg> |
| <seg id="29"> Und dieser Teufelskreis setzt sich immer weiter fort.</seg> |
| <seg id="30"> Sehr geehrte Damen und Herren, diese Misere von Millionen von Frauen könnte geändert werden, wenn wir anders dächten, wenn Frauen und Männer anders dächten, wenn Männer und Frauen in patriarchalischen Gesellschaften und Stammesgesellschaften in den Entwicklungsländern einige Regeln abschaffen könnten, die für Familien und die Gesellschaft gelten. Wenn sie die diskriminierenden Gesetze abschaffen würden, die in den Systemen in ihren Ländern gegen die grundlegenden Menschenrechte der Frauen verstoßen.</seg> |
| <seg id="31"> Liebe Brüder und Schwestern, als Malala geboren wurde, als ich zum ersten Mal -- und bitte glauben Sie mir, ich mag, ehrlich gesagt, keine Neugeborenen -- als ich ihr zum ersten Mal in die Augen blickte, glauben Sie mir, war ich zutiefst geehrt.</seg> |
| <seg id="32"> Lange bevor sie geboren wurde, dachte ich über ihren Namen nach, und war fasziniert von der heldenhaften, legendären Freiheitskämpferin aus Afghanistan.</seg> |
| <seg id="33"> Ihr Name war Malalai of Maiwand und ich benannte meine Tochter nach ihr.</seg> |
| <seg id="34"> Einige Tage nach Malalas Geburt, nach der Geburt meiner Tochter, kam mein Cousin vorbei -- und das war reiner Zufall -- er kam zu mir nach Hause und brachte einen Familienstammbaum mit, einen Stammbaum der Familie Yousafzai. Und als ich diesen Stammbaum betrachtete, reichte er 300 Jahre auf unsere Vorfahren zurück.</seg> |
| <seg id="35"> Und als ich ihn so betrachtete -- alle darauf waren Männer -- nahm ich meinen Stift, zog eine Linie von meinen Namen weg und schrieb "Malala" dorthin.</seg> |
| <seg id="36"> Als sie älter wurde, mit viereinhalb Jahren, habe ich sie in meiner Schule aufgenommen.</seg> |
| <seg id="37"> Nun fragen Sie bestimmt, warum sollte ich erwähnen, dass ein Mädchen in einer Schule aufgenommen wird?</seg> |
| <seg id="38"> Ja, ich muss es erwähnen.</seg> |
| <seg id="39"> Das gilt vielleicht als selbstverständlich in Kanada, in den USA und vielen anderen entwickelten Ländern, aber in armen Ländern, in patriarchalischen Gesellschaften, in Stammesgesellschaften, ist es ein großes Ereignis für das Leben eines Mädchens.</seg> |
| <seg id="40"> Zur Schule zu gehen bedeutet, ihre Identität und ihren Namen anzuerkennen.</seg> |
| <seg id="41"> Zur Schule zu gehen bedeutet, dass sie in die Welt ihrer Träume und ihrer Hoffnungen eintritt, wo sie ihre Talente für ihr zukünftiges Leben erforschen kann.</seg> |
| <seg id="42"> Ich habe fünf Schwestern und keine davon konnte zur Schule gehen. Es wird Sie erstaunen, aber vor zwei Wochen, als ich das Formular für das kanadische Visum ausfüllte, und ich den Abschnitt über die Familie beantwortete, konnte ich mich nicht an die Nachnamen einiger meiner Schwestern erinnern.</seg> |
| <seg id="43"> Und der Grund dafür war, dass ich nie zuvor die Namen meiner Schwestern auf irgendeinem Dokument gesehen hatte.</seg> |
| <seg id="44"> Was mein Vater meinen Schwestern nicht geben konnte, seinen eigenen Töchtern nicht geben konnte, musste ich, meiner Meinung nach, ändern.</seg> |
| <seg id="45"> Ich schätzte schon immer die Intelligenz und die Brillanz meiner Tochter.</seg> |
| <seg id="46"> Ich habe sie ermutigt, bei mir zu sitzen, wenn meine Freunde mich besuchen kamen.</seg> |
| <seg id="47"> Ich habe sie ermutigt, mit mir unterschiedliche Treffen zu besuchen.</seg> |
| <seg id="48"> Und all diese guten Werte versuchte ich, in ihrer Persönlichkeit zu verankern.</seg> |
| <seg id="49"> Und das war nicht nur für sie, nicht nur für Malala.</seg> |
| <seg id="50"> Ich habe diese guten Werte in meiner Schule geteilt, sowohl mit Schülerinnen als auch mit Schülern.</seg> |
| <seg id="51"> Ich habe Bildung für die Emanzipation genutzt.</seg> |
| <seg id="52"> Ich brachte meinen Mädchen bei, ich brachte meinen Schülerinnen bei, die Lektion von Gehorsam zu verlernen.</seg> |
| <seg id="53"> Ich brachte meinen Schülern bei, die Lektion der sogenannten Pseudo-Ehre zu verlernen.</seg> |
| <seg id="54"> Liebe Brüder und Schwestern, wir strebten nach mehr Rechten für Frauen und wir kämpften darum, mehr zu erhalten, mehr und mehr Raum für Frauen in der Gesellschaft.</seg> |
| <seg id="55"> Aber wir sind über ein neues Phänomen gestolpert.</seg> |
| <seg id="56"> Etwas Tödliches für Menschenrechte, und insbesondere für Frauenrechte.</seg> |
| <seg id="57"> Es nennt sich Talibanisierung.</seg> |
| <seg id="58"> Das ist die komplette Verleugnung der Beteiligung von Frauen in allen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten.</seg> |
| <seg id="59"> Hunderte Schulen sind verloren gegangen.</seg> |
| <seg id="60"> Mädchen wurde es verboten, zur Schule zu gehen.</seg> |
| <seg id="61"> Frauen wurden gezwungen, Schleier zu tragen, und sie wurden daran gehindert, auf Märkte zu gehen.</seg> |
| <seg id="62"> Musiker wurden zum Schweigen gebracht, Mädchen verprügelt und Sänger getötet.</seg> |
| <seg id="63"> Millionen litten, aber nur wenige sprachen die Dinge aus und es ist sehr beängstigstend, für die eigenen Rechte einzutreten, wenn man von solchen Leuten umgeben ist, die brügeln und töten.</seg> |
| <seg id="64"> Es ist wirklich die furchterregendste Sache.</seg> |
| <seg id="65"> Im Alter von 10 Jahren stand Malala auf und stand für ihr Recht auf Bildung ein.</seg> |
| <seg id="66"> Sie schrieb ein Tagebuch für einen BBC-Blog, sie arbeitete ehrenamtlich für die Dokumentationen der New York Times, und sie sprach auf jedem möglichen Podium.</seg> |
| <seg id="67"> Und ihre Stimme war die kraftvollste Stimme.</seg> |
| <seg id="68"> Sie verbreitete sich wie ein "Crescendo" überall auf der Welt.</seg> |
| <seg id="69"> Und das war der Grund, warum die Taliban ihre Kampagne nicht tolerieren konnten. Am 9. Oktober 2012 wurde ihr aus kürzester Entfernung in den Kopf geschossen.</seg> |
| <seg id="70"> Es war der Tag des Jüngsten Gerichts für meine Familie und mich.</seg> |
| <seg id="71"> Die Welt wurde zu einem großen schwarzen Loch.</seg> |
| <seg id="72"> Während meine Tochter zwischen Leben und Tod schwebte, flüsterte ich meiner Frau ins Ohr: "Bin ich schuld an dem, was meiner Tochter und deiner Tochter passiert ist?"</seg> |
| <seg id="73"> Und sie erwiderte sofort: "Bitte gib dir nicht die Schuld.</seg> |
| <seg id="74"> Du bist für die richtige Sache eingestanden.</seg> |
| <seg id="75"> Du hast dein Leben aufs Spiel gesetzt, für die Wahrheit, für den Frieden, und für die Bildung, und deine Tochter wurde von dir inspiriert und folgte dir.</seg> |
| <seg id="76"> Ihr ward beide auf dem richtigen Weg und Gott wird sie schützen."</seg> |
| <seg id="77"> Diese wenigen Worte bedeuteten sehr viel für mich und ich stellte diese Frage nicht wieder.</seg> |
| <seg id="78"> Während Malala im Krankenhaus lag und starke Schmerzen litt, starke Kopfschmerzen hatte, weil ihr Gesichtsnerv durchschnitten wurde, sah ich, wie sich ein dunkler Schatten auf dem Gesicht meiner Frau ausbreitete.</seg> |
| <seg id="79"> Aber meine Tochter beschwerte sich nie.</seg> |
| <seg id="80"> Sie sagte immer zu uns: "Mein schiefes Lächeln ist okay, und meine Taubheit im Gesicht auch.</seg> |
| <seg id="81"> Es wird mir gut gehen. Bitte sorgt euch nicht."</seg> |
| <seg id="82"> Sie war ein Trost für uns und sie gab uns Zuspruch.</seg> |
| <seg id="83"> Liebe Brüder und Schwestern, wir lernten von ihr Widerstandskraft in den schwierigsten Zeiten und ich bin froh, das mit Ihnen zu teilen. Obwohl sie eine Ikone für die Rechte von Kindern und Frauen ist, ist sie wie jede andere 16-Jährige.</seg> |
| <seg id="84"> Sie weint, wenn ihre Hausaufgaben nicht vollständig sind.</seg> |
| <seg id="85"> Sie streitet mit ihren Brüdern, worüber ich sehr glücklich bin.</seg> |
| <seg id="86"> Menschen fragen mich, was das Besondere an mir als Mentor ist, was Malala so tapfer gemacht hat, und so mutig, so lautstark und so souverän.</seg> |
| <seg id="87"> Und ich sage ihnen, fragt mich nicht, was ich getan habe.</seg> |
| <seg id="88"> Fragt mich, was ich nicht getan habe.</seg> |
| <seg id="89"> Ich habe ihre Flügel nicht gestutzt. Das ist alles.</seg> |
| <seg id="90"> Vielen herzlichen Dank.</seg> |
| <reviewer href="http://www.ted.com/profiles/597058">Nadine Hennig</reviewer> |
| <translator href="http://www.ted.com/profiles/1994020">Angela Mc Ewen</translator> |
| </doc> |
| <doc docid="1939" genre="lectures"> |
| <url>http://www.ted.com/talks/mary_lou_jepsen_could_future_devices_read_images_from_our_brains</url> |
| <keywords>talks, TED Conference, brain, creativity, neuroscience, science</keywords> |
| <speaker>Mary Lou Jepsen</speaker> |
| <talkid>1939</talkid> |
| <title>Mary Lou Jepsen: Bilder direkt aus dem Gehirn?</title> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Als Expertin auf dem Gebiet der modernsten Digitaldisplays erforscht Mary Lou Jepsen, wie unsere kreativsten Ideen auf einem Bildschirm gezeigt werden können. Da sie selbst einer Hirnoperation unterzogen wurde, fühlt sie sich dazu angespornt, mehr über die Nervenaktivität, die Erfindung, Kreativität und Denken zu Grunde liegt, herauszufinden. Sie verbindet diese zwei Leidenschaften in einem überwältigenden Vortrag über zwei innovative Hirnstudien, die zu einem neuen Verständnis um das Wie (und Was) unseres Denkens führen könnte.</description> |
| <seg id="1"> Vor 18 Jahren wurde ich am Gehirn operiert. Seitdem ist Gehirnforschung eine Leidenschaft für mich geworden.</seg> |
| <seg id="2"> Ich bin eigentlich Ingenieurin.</seg> |
| <seg id="3"> Jedenfalls, nach einer Gehirnoperation haftet einem ein Stigma an.</seg> |
| <seg id="4"> Bin ich noch intelligent oder nicht?</seg> |
| <seg id="5"> Und wenn nicht, kann ich es wieder werden?</seg> |
| <seg id="6"> Unmittelbar nach meiner Operation musste ich festlegen, wie viel von jeder aus über einem Dutzend starker Chemikalien ich jeden Tag einnahm. Hätte ich einfach nichts genommen, wäre ich innerhalb weniger Stunden gestorben.</seg> |
| <seg id="7"> Einige Male war es wirklich knapp.</seg> |
| <seg id="8"> Aber glücklicherweise liebe ich Experimente durch und durch. Also beschloss ich, zu experimentieren, um optimalere Dosierungen zu finden, weil es auf diesem Gebiet wirklich keinen Fahrplan gibt, der detailliert genug wäre.</seg> |
| <seg id="9"> Ich versuchte verschiedene Mischungen und es hat mich absolut aus der Fassung gebracht, wie kleinste Änderungen der Dosierungen mein Selbstempfinden, meinen Sinn für mich selbst, mein Denken, mein Verhalten gegenüber anderen Personen verändern können.</seg> |
| <seg id="10"> Ein besonders dramatischer Fall: Einige Monate lang nahm ich tatsächlich Dosierungen und Chemikalien ein, die typisch für einen Mann in den frühen 20ern sind und ich konnte kaum glauben, wie sich meine Gedanken veränderten.</seg> |
| <seg id="11"> Ich war ziemlich extrem.</seg> |
| <seg id="12"> Aber mich überraschte, dass ich gar nicht versuchte, arrogant zu sein.</seg> |
| <seg id="13"> Ich versuchte eigentlich, ein wenig verunsichert und scheu, das Problem vor mir zu bewältigen, und es kam einfach nicht so heraus.</seg> |
| <seg id="14"> Aber ich glaube, dass ich dank dieser Erfahrung ein besseres Verständnis für Männer habe und für das, was sie durchmachen müssen, und seitdem komme ich viel besser mit Männern klar.</seg> |
| <seg id="15"> Ich wollte eines erreichen mit dem Abstimmen dieser Hormone und Neurotransmitter und so weiter: Nach meiner Krankheit und Operation wollte ich meine Intelligenz, mein kreatives Denken, meinen Ideenfluss zurückgewinnen.</seg> |
| <seg id="16"> Ich denke hauptsächlich in Bildern und so wurde das für mich zur Schlüsselfrage -- wie komme ich an diese mentalen Bilder, die ich wie eine Art schnelles Rapid Prototyping für meine Ideen benutze, wenn Sie so wollen, um verschiedene Ideen zu testen, um verschiedene Szenarien durchzuspielen.</seg> |
| <seg id="17"> Diese Art zu denken ist nicht neu.</seg> |
| <seg id="18"> Philosophen wie Hume, Descartes und Hobbes sahen es ähnlich.</seg> |
| <seg id="19"> Sie dachten, Bilder und Ideen seien eigentlich das Gleiche.</seg> |
| <seg id="20"> Heute wird das von vielen bestritten und wie unser Kopf eigentlich funktioniert wird heftig diskutiert, aber für mich ist es ganz einfach: Mentale Bilder, für die meisten unter uns, sind wesentlich für das erfinderische und kreative Denken.</seg> |
| <seg id="21"> Also, nach mehreren Jahren habe ich mich endlich abgestimmt und jetzt sehe ich viele großartige, sehr lebhafte mentale Bilder mit hohem Niveau und der nötigen analytischen Grundlage.</seg> |
| <seg id="22"> Jetzt arbeite ich daran, wie ich diese mentalen Bilder aus meinem Kopf schneller auf meinen Computer kriegen kann.</seg> |
| <seg id="23"> Stellen Sie sich vor, ein Filmregisseur wäre imstande, nur mit Hilfe seiner Vorstellungskraft die Welt vor sich zu dirigieren.</seg> |
| <seg id="24"> Oder ein Musiker könnte seine Musik aus seinem Kopf bringen.</seg> |
| <seg id="25"> Dies bietet unglaubliche Möglichkeiten, wie kreative Menschen sich in Lichtgeschwindigkeit mitteilen können.</seg> |
| <seg id="26"> Ich möchte Ihnen zeigen, warum ich denke, dass wir nah dran sind. Hier sind zwei kürzlich durchgeführte Experimente von zwei der herausragendsten Gruppen in der Neurowissenschaft.</seg> |
| <seg id="27"> Beide benutzten fMRT-Technologie -- funktionelle Magnetresonanztomographie -- um das Gehirn abzubilden, und hier sehen Sie ein Gehirnscan-Set von Giorgio Ganis und seinen Kollegen in Harvard.</seg> |
| <seg id="28"> Die linke Spalte zeigt den Gehirnscan einer Person, die sich ein Bild anschaut.</seg> |
| <seg id="29"> Die mittlere Spalte zeigt einen Hirnscan derselben Person, die sich nur vorstellt, das Bild zu sehen.</seg> |
| <seg id="30"> Und die rechte Spalte entstand durch das Abziehen der mittleren von der linken Spalte und zeigt, dass der Unterschied fast bei null liegt.</seg> |
| <seg id="31"> Das wurde bei vielen verschiedenen Personen wiederholt, mit vielen verschiedenen Bildern, immer mit einem ähnlichen Resultat.</seg> |
| <seg id="32"> Es gibt so gut wie keinen Unterschied zwischen dem eigentlichen Anschauen des Bildes und dem Sich-Vorstellen, dasselbe Bild zu sehen.</seg> |
| <seg id="33"> Lassen Sie mich Ihnen als Nächstes ein anderes Experiment zeigen, das von Jack Gallant Labors an der Cal Berkeley.</seg> |
| <seg id="34"> In diesem Experiment wurden den Personen hunderte von Stunden an YouTube Videos vorgespielt, während Scans von ihren Gehirnen gemacht wurden. So wurde eine umfassende Datensammlung geschaffen, die die Reaktionen der Probanden auf die Videosequenzen aufzeigt.</seg> |
| <seg id="35"> Dann wurde ein neuer Film gezeigt, mit neuen Bildern, neuen Menschen, neuen Tieren, und eine neue Scanreihe wurde aufgezeichnet.</seg> |
| <seg id="36"> Der Computer, nur mithilfe der Gehirnscandaten, entschlüsselte die neuen Gehirnscans und zeigte, was er dachte, das die Person tatsächlich sähe.</seg> |
| <seg id="37"> Auf der rechten Seite sehen Sie den Versuch des Computers und auf der linken Seite den vorgespielten Clip.</seg> |
| <seg id="38"> Da bleibt einem die Sprache weg.</seg> |
| <seg id="39"> Wir sind so nah dran.</seg> |
| <seg id="40"> Wir müssen nur die Auflösung verbessern.</seg> |
| <seg id="41"> Und vergessen Sie nicht, dass, wenn Sie ein Bild sehen, und wenn Sie sich vorstellen, dasselbe Bild zu sehen, fast genau derselbe Gehirnscan dabei herauskommt.</seg> |
| <seg id="42"> Dies hier wurde also mit der höchsten Auflösung der heutigen Gehirnscansysteme durchgeführt, und die Auflösung hat sich wirklich bereits tausendfach in den letzten Jahren verbessert.</seg> |
| <seg id="43"> Als Nächstes müssen wir die Auflösung noch einmal tausendfach verbessern, um tiefere Einblicke zu bekommen.</seg> |
| <seg id="44"> Wie machen wir das?</seg> |
| <seg id="45"> Es gibt viele verschiedene Methoden für diesen Ansatz.</seg> |
| <seg id="46"> Ein Weg wäre, den Schädel aufzubrechen und Elektroden einzusetzen.</seg> |
| <seg id="47"> Das ist nichts für mich.</seg> |
| <seg id="48"> Es werden viele neue Abbildungstechniken vorgeschlagen, einige sogar von mir, aber angesichts der jüngsten Erfolge mit MRT müssen wir uns zuerst fragen, ob wir schon am Ende dieser Technologie angelangt sind.</seg> |
| <seg id="49"> Konventionellen Erfahrungen zufolge kann die Auflösung nur mithilfe größerer Magneten erhöht werden, aber an diesem Punkt verbessern größere Magneten die Auflösung nur schrittweise, nicht tausendfach, wie wir benötigen.</seg> |
| <seg id="50"> Ich schlage Folgendes vor: anstatt größerer Magneten brauchen wir bessere Magneten.</seg> |
| <seg id="51"> Wir können sehr viel kompliziertere Strukturen entwerfen mit leicht verschiedenen Zusammenstellungen, ein wenig wie bei einem Spirograph.</seg> |
| <seg id="52"> Also, warum ist das wichtig?</seg> |
| <seg id="53"> In den letzen Jahren war man in der MRT-Technologie darum bemüht, riesengroße, richtig gewaltige Magneten herzustellen.</seg> |
| <seg id="54"> Aber die meisten der jüngsten Fortschritte in der Auflösung kamen eigentlich durch das geniale Verschlüsseln und Entschlüsseln in UKW-Radio-Frequenztransmittern und -empfängern in MRT-Systemen.</seg> |
| <seg id="55"> Wir sollten also außerdem strukturierte magnetische Muster, anstatt eines uniformen Magnetfeldes, zu den UKW-Radio-Frequenzen hinzufügen.</seg> |
| <seg id="56"> So können wir dank der Kombination dieser magnetischen Muster mit den UKW-Radio- Frequenzmustern weitaus mehr Informationen aus einem einzigen Scan herausziehen.</seg> |
| <seg id="57"> Beim Benutzen der fMRT sollten wir imstande sein, nicht nur den Fluss von sauerstoffreichem Blut, sondern auch von Hormonen und Neurotransmittern, wie bereits erwähnt, und vielleicht sogar direkte Nervenaktivität zu messen, was das Ziel ist.</seg> |
| <seg id="58"> Wir werden fähig sein, unsere Ideen direkt auf die digitalen Medien abzuladen.</seg> |
| <seg id="59"> Können Sie sich vorstellen, Sprache zu überspringen und direkt mit menschlichen Gedanken zu kommunizieren?</seg> |
| <seg id="60"> Wozu wären wir dann fähig?</seg> |
| <seg id="61"> Und wie werden wir lernen, mit den Wahrheiten von ungefilterten menschlichen Gedanken umzugehen?</seg> |
| <seg id="62"> Sie denken, das Internet sei groß.</seg> |
| <seg id="63"> Das sind ungeheuer große Fragen.</seg> |
| <seg id="64"> Es könnte unwiderstehlich sein als Instrument, das unser Denken und unsere Kommunikationsfertigkeiten verstärkt.</seg> |
| <seg id="65"> Und dieses Instrument könnte wahrhaftig zur Heilung von Alzheimer und ähnlichen Krankheiten führen.</seg> |
| <seg id="66"> Wir haben fast keine andere Wahl, als diese Tür zu öffnen.</seg> |
| <seg id="67"> Es ist schwer vorstellbar, dass es noch länger dauern wird.</seg> |
| <seg id="68"> Wir müssen lernen, diesen Schritt zusammen zu machen.</seg> |
| <seg id="69"> Ich danke Ihnen.</seg> |
| <reviewer href="http://www.ted.com/profiles/1571055">Tanja Daub</reviewer> |
| <translator href="http://www.ted.com/profiles/954221">Manon Fiorino</translator> |
| </doc> |
| <doc docid="1932" genre="lectures"> |
| <url>http://www.ted.com/talks/ash_beckham_we_re_all_hiding_something_let_s_find_the_courage_to_open_up</url> |
| <keywords>talks, TEDx, culture, empathy, happiness</keywords> |
| <speaker>Ash Beckham</speaker> |
| <talkid>1932</talkid> |
| <title>Ash Beckham: Alle haben Geheimnisse. Finden wir den Mut, uns zu öffnen.</title> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: In diesem berührenden Vortrag bietet Ash Beckham einen erfrischenden Denkansatz zu Empathie und Offenheit. Es beginnt mit dem Verständnis, dass jeder in seinem Leben schwere Zeiten durchlebt. Der einzige Weg hinaus, sagt Beckham, ist sich zu öffnen und das Geheimnis preiszugeben.</description> |
| <seg id="1"> Ich denke, wir alle outen uns.</seg> |
| <seg id="2"> Ihr Outing kann sein, jemandem zum ersten Mal zu sagen, dass man sie liebt, oder jemandem zu erzählen, dass Sie schwanger sind, oder jemandem zu sagen, dass Sie Krebs haben, oder eine der anderen schwierigen Unterhaltungen, die wir in unserem Leben führen.</seg> |
| <seg id="3"> Das nach dem Outing folgende Gespräch ist immer schwer, und obwohl die Themen sehr unterschiedlich sein können, ist die Erfahrung ein Geheimnis zu haben und sich zu outen universell.</seg> |
| <seg id="4"> Es ist beängstigend, und wir hassen es. Doch es muss getan werden.</seg> |
| <seg id="5"> Vor mehreren Jahren arbeitete ich im Walnut Café an der South Side, ein Imbiss in der Stadt, und während meiner Zeit dort ging ich durch Phasen militanter lesbischer Stärke: keine Rasur der Achselhaare, Liedtexte von Ani DiFranco als Grundsätze zitieren.</seg> |
| <seg id="6"> Und abhängig davon, wie "baggy" meine Kargohose war, und wie kurz meine Haare gerade waren, wurde mir oft die Frage entgegen geworfen, üblicherweise von einem kleinen Kind: "Ähm, bist du ein Junge oder ein Mädchen?"</seg> |
| <seg id="7"> Und dann herrschte am Tisch eine unangenehme Stille.</seg> |
| <seg id="8"> Ich biss meine Zähne ein wenig fester zusammen, hielt meine Kaffeetasse mit etwas mehr Vehemenz fest.</seg> |
| <seg id="9"> Der Vater schob seine Zeitung verlegen herum, und die Mutter warf ihrem Kind einen kühlen Blick zu.</seg> |
| <seg id="10"> Aber ich sagte nichts und kochte innerlich.</seg> |
| <seg id="11"> Also versprach ich mir selbst, dass ich beim nächsten Mal etwas sagen würde.</seg> |
| <seg id="12"> Ich würde dieses schwierige Gespräch führen.</seg> |
| <seg id="13"> Nach ein paar Wochen geschah es also wieder.</seg> |
| <seg id="14"> "Bist du ein Junge oder ein Mädchen?"</seg> |
| <seg id="15"> Ich habe meine Gloria Steinem Zitate bereit.</seg> |
| <seg id="16"> Ich habe sogar einen kleinen Auszug aus "Die Vagina- Monologe" vorbereitet.</seg> |
| <seg id="17"> Also atme ich tief durch, schaue runter und mich schaut ein 4-jähriges Mädchen in einem rosa Kleid an, keine Herausforderung zu einem feministischen Duell, nur ein Kind mit einer Frage: "Bist du ein Junge oder ein Mädchen?"</seg> |
| <seg id="18"> Also atme ich nochmal tief durch, hocke mich neben sie und sage: "Hey, ich weiß, es ist etwas verwirrend.</seg> |
| <seg id="19"> Meine Haare sind so kurz wie bei einem Jungen, und ich trage Jungensklamotten, aber ich bin ein Mädchen, und weißt du, wie du manchmal gerne ein rosa Kleid trägst und wie du manchmal lieber deine bequemen Schlafanzug trägst?</seg> |
| <seg id="20"> Also, ich bin mehr der bequeme-Schlafanzug-Mädchentyp."</seg> |
| <seg id="21"> Und dieses Kind schaut mir direkt in die Augen, ohne zu blinzeln, und sagt: "Meine Lieblingsschlafanzug ist lila mit Fischen.</seg> |
| <seg id="22"> Kann ich bitte einen Pfannkuchen haben?"</seg> |
| <seg id="23"> Wie wäre es mit einem Pfannkuchen?"</seg> |
| <seg id="24"> Das war das leichteste schwierige Gespräch, das ich jemals geführt habe.</seg> |
| <seg id="25"> Und warum? Weil das Pfannkuchen-Mädchen und ich ehrlich zueinander waren.</seg> |
| <seg id="26"> Wie viele von uns hatte ich einige Geheimnisse in meinem Leben, und ja, meistens ging es darum, dass ich homosexuell bin.</seg> |
| <seg id="27"> Aber man sieht den Menschen nicht an, welche Geheimnisse sie mit sich herum tragen.</seg> |
| <seg id="28"> Sie wissen nur, wie es sich anfühlt, ein Geheimnis zu haben.</seg> |
| <seg id="29"> Mein Geheimnis unterscheidet sich also nicht von Ihrem oder Ihrem oder Ihrem.</seg> |
| <seg id="30"> Sicher kann ich Ihnen 100 Gründe nennen, warum mein Outing schwerer war als Ihres, aber eigentlich geht es darum: Schwer ist nicht relativ.</seg> |
| <seg id="31"> Schwer ist schwer.</seg> |
| <seg id="32"> Wer sagt, dass es schwieriger ist, jemandem zu erklären, dass man soeben Insolvenz angemeldet hat, als jemandem zu sagen, dass man ihn gerade betrogen hat?</seg> |
| <seg id="33"> Wer sagt, dass seine Coming-Out-Geschichte schwerer ist, als wenn Sie Ihrem 5-jährigen Kind erzählen, dass Sie sich scheiden lassen werden?</seg> |
| <seg id="34"> Es gibt kein schwerer, es gibt nur schwer.</seg> |
| <seg id="35"> Wir müssen damit aufhören, unsere eigenen Schwierigkeiten mit denen anderer zu vergleichen, nur damit wir uns mit unseren Geheimnissen besser oder schlechter zu fühlen. Stattdessen sollten wir Mitgefühl haben, weil wir es alle schwer haben.</seg> |
| <seg id="36"> An einem bestimmten Punkt in unserem Leben haben wir alle Geheimnisse und sie mögen uns Sicherheit geben, oder zumindest mehr Sicherheit, als das, was passieren könnte, wenn wir sie preisgeben.</seg> |
| <seg id="37"> Aber ich bin hier, um Ihnen zu sagen, dass, unabhängig davon, was Ihr Geheimnis ist, man es nicht mit sich herum tragen sollte.</seg> |
| <seg id="38"> Ich trug einen Pferdeschwanz, ein trägerloses Kleid und Absatzschuhe.</seg> |
| <seg id="39"> Ich war nicht die militante Lesbe, welche bereit war mit jeder Vierjährigen zu kämpfen, die in das Café kam.</seg> |
| <seg id="40"> Ich war vor Angst erstarrt, lag zusammengerollt in der Ecke, mit meinem dunklen Geheimnis und umklammerte meine homosexuelle Granate, und einen Muskel zu bewegen, ist die beängstigendste Sache, die ich jemals getan hatte.</seg> |
| <seg id="41"> Meine Familie, meine Freunde, vollkommen Fremde -- Ich hatte mein ganzes Leben damit verbracht, zu versuchen diese Menschen nicht zu enttäuschen, und nun stellte ich die Welt vorsätzlich auf den Kopf.</seg> |
| <seg id="42"> Ich verbrannte die Seiten des Skripts, dem wir alle für so lange gefolgt waren, aber wenn Sie diese Granate nicht werfen, wird sie Sie selbst töten.</seg> |
| <seg id="43"> Eine meiner unvergesslichsten Granatabwürfe war bei der Hochzeit meiner Schwester.</seg> |
| <seg id="44"> Und nach ein wenig Geplauder, rief eine Frau: "Ich liebe Nathan Lane!"</seg> |
| <seg id="45"> Und damit begann die Schlacht mit homosexuellen Klischees.</seg> |
| <seg id="46"> "Ash, warst du jemals im Castro?"</seg> |
| <seg id="47"> "Na ja, wir haben tatsächlich Freunde in San Francisco."</seg> |
| <seg id="48"> "Wir waren nie dort, aber wir haben gehört, dass es sa-gen-haft sein soll."</seg> |
| <seg id="49"> "Ash, kennst du meinen Friseur Antonio?</seg> |
| <seg id="50"> Er ist wirklich gut und er hat nie eine Freundin erwähnt."</seg> |
| <seg id="51"> "Ash, welche Fernsehsendung magst du am meisten?</seg> |
| <seg id="52"> Unsere Lieblingssendung? Unser Favorit: Will und Grace.</seg> |
| <seg id="53"> Und weißt du wen wir lieben? Jack.</seg> |
| <seg id="54"> Jack ist unser Favorit."</seg> |
| <seg id="55"> Und dann eine Frau, überfordert, aber verzweifelt bemüht mir unbedingt ihre Unterstützung zu zeigen, und um mich wissen zu lassen, dass sie auf meiner Seite war, platzte es schließlich aus ihr heraus: "Also mein Mann trägt manchmal pinkfarbene Hemden."</seg> |
| <seg id="56"> Ich könnte zu meiner Freundin und meinem homofreundlichen Tisch zurückgehen und mich über ihre Reaktionen lustig machen, ihre Weltfremdheit strafen und ihre Unfähigkeit, die Hürden der politischen Korrektheit zu Homosexualität zu überwinden, die ich aufgestellt hatte, oder ich könnte mich auf sie einlassen und realisieren, dass das vielleicht eines der schwersten Dinge war, die sie je taten, dass das Beginnen und Führen der Unterhaltung ein großer Schritt für sie war.</seg> |
| <seg id="57"> Sicher, es wäre einfacher gewesen mit dem Finger auf ihre Begriffsstutzigkeit zu zeigen.</seg> |
| <seg id="58"> Es ist wesentlich schwerer ihnen dort zu begegnen, wo sie sich gerade befinden und die Tatsache, dass sie sich bemüht haben, anzuerkennen.</seg> |
| <seg id="59"> Und was kann man anderes von jemandem verlangen, außer es zu versuchen?</seg> |
| <seg id="60"> Wenn Sie beginnen, zu jemandem ehrlich zu sein, müssen Sie dazu bereit sein, Ehrlichkeit zurück zu bekommen.</seg> |
| <seg id="61"> Schwere Unterhaltungen sind immer noch nicht meine Stärke.</seg> |
| <seg id="62"> Fragen Sie jeden, mit dem ich jemals ausgegangen bin.</seg> |
| <seg id="63"> Aber ich werde besser, und ich befolge, wie ich es gern nenne, die drei Pfannkuchen-Mädchen-Prinzipien.</seg> |
| <seg id="64"> Schauen Sie durch diese regenbogenfarbige Brille, aber mit dem Wissen, dass es immer schwierig ist, sein Geheimnis zu lüften.</seg> |
| <seg id="65"> Nummer eins: Seien Sie authentisch.</seg> |
| <seg id="66"> Nehmen Sie den Panzer ab. Seien Sie Sie selbst.</seg> |
| <seg id="67"> Das Kind im Café hatte keinen Panzer, aber ich war kampfbereit.</seg> |
| <seg id="68"> Wenn Sie möchten, dass jemand ehrlich zu Ihnen ist, muss er wissen, dass auch Sie leiden.</seg> |
| <seg id="69"> Nummer zwei: Seien Sie direkt. Sagen Sie es einfach. Ziehen Sie das Pflaster ab.</seg> |
| <seg id="70"> Wenn Sie wissen, dass Sie homosexuell sind, sagen Sie es einfach.</seg> |
| <seg id="71"> Wenn Sie Ihren Eltern sagen, dass Sie eventuell homosexuell sind, dann werden diese hoffen, dass sich das ändert.</seg> |
| <seg id="72"> Geben Sie Ihnen nicht den Hauch einer falschen Hoffnung.</seg> |
| <seg id="73"> Sie sprechen Ihre eigene Wahrheit aus.</seg> |
| <seg id="74"> Entschuldigen Sie sich niemals dafür.</seg> |
| <seg id="75"> Und auf diesem Weg wurden einige Menschen vielleicht verletzt, sicherlich, entschuldigen Sie sich für das, was Sie getan haben, aber entschuldigen Sie sich niemals für das, was Sie sind.</seg> |
| <seg id="76"> Und ja, einige werden vielleicht enttäuscht sein, aber das ist deren Problem, nicht Ihres.</seg> |
| <seg id="77"> Das sind deren Erwartungen von dem, wer Sie sind, nicht Ihre.</seg> |
| <seg id="78"> Das ist deren Geschichte, nicht Ihre.</seg> |
| <seg id="79"> Die einzige Geschichte, die zählt, ist die, die Sie schreiben möchten.</seg> |
| <seg id="80"> Also wenn Sie sich das nächste Mal von Ihrem Geheimnis bedrängt fühlen und Sie die Granate umklammern, denken Sie daran, dass wir alle wissen, wie es ist.</seg> |
| <seg id="81"> Sie fühlen sich vielleicht sehr allein, Sie sind es aber nicht.</seg> |
| <seg id="82"> Wir wissen, dass es schwer ist, aber Sie müssen sich öffnen, ganz egal, was Ihr Geheimnis ist. Ich garantiere Ihnen, das es noch viele andere gibt, die ihre Geheimnisse mit sich rum tragen, auf der Suche nach der nächsten mutigen Seele, um eine Tür aufzustoßen. Seien Sie also diese Person, und zeigen Sie der Welt, dass wir stärker sind als unsere Geheimnisse und dass ein Mensch nicht mit Geheimnissen leben sollte.</seg> |
| <reviewer href="http://www.ted.com/profiles/2249476">Sabrina Hettrich</reviewer> |
| <translator href="http://www.ted.com/profiles/925076">Ludmila Schäfer</translator> |
| </doc> |
| <doc docid="1922" genre="lectures"> |
| <url>http://www.ted.com/talks/alex_wissner_gross_a_new_equation_for_intelligence</url> |
| <keywords>talks, TEDx, intelligence, mind, physics, science</keywords> |
| <speaker>Alex Wissner-Gross</speaker> |
| <talkid>1922</talkid> |
| <title>Alex Wissner-Gross: Eine neue Gleichung für Intelligenz</title> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Gibt es eine Gleichung für Intelligenz? Ja: F = T ∇ Sτ. In einem faszinierenden und informativen Vortrag erklärt der Physiker und Informatiker Alex Wissner-Gross, was genau das bedeuten soll (Aufgenommen bei TEDxBeaconStreet).</description> |
| <seg id="1"> Intelligenz -- Was ist das?</seg> |
| <seg id="2"> Wenn wir uns ansehen, wie Intelligenz geschichtlich interpretiert wurde, dann war das berühmte Zitat von Edsger Dijkstra ein Durchbruch: "Die Frage, ob eine Maschine denken kann, ist ungefähr so interessant wie die Frage, ob ein U-Boot schwimmen kann."</seg> |
| <seg id="3"> Als Edsger Dijkstra dies geschrieben hat, wollte er die frühen Pioniere der Informatik kritisieren, wie zum Beispiel Alan Turing.</seg> |
| <seg id="4"> Wenn wir aber zurückschauen und darüber nachdenken, welche bahnbrechenden Erfindungen uns am meisten dazu befähigt haben, schwimmende Maschinen und denkende [fliegende] Maschinen zu bauen, sehen wir, dass uns nur das Verständnis des physikalischen Mechanismus des Schwimmens und Fliegens dazu befähigt hat, diese Maschinen zu bauen.</seg> |
| <seg id="5"> Deshalb habe ich vor einigen Jahren den Versuch gestartet, den fundamentalen physikalischen Mechanismus der Intelligenz zu verstehen.</seg> |
| <seg id="6"> Gehen wir einen Schritt zurück</seg> |
| <seg id="7"> und beginnen mit einem Gedankenexperiment.</seg> |
| <seg id="8"> Stellen wir uns vor, wir wären Außerirdische, die nichts über irdische Biologie, Neurowissenschaften oder Intelligenz wissen, aber fantastische Teleskope haben, mit denen wir die Erde beobachten können, und ein erstaunlich langes Leben haben, sodass wir die Erde über Millionen, sogar Milliarden von Jahren beobachten können.</seg> |
| <seg id="9"> Da sehen wir einen sehr seltsamen Effekt,</seg> |
| <seg id="10"> nämlich dass die Erde über die Jahrtausende hinweg, kontinuierlich von Asteroiden bombardiert wird bis zu einem Punkt, und dass an dem Punkt, ungefähr im Jahr 2000 n. Chr., Asteroiden, die sich auf Kollisionskurs mit der Erde befinden, die sonst kollidiert wären, mysteriöserweise abgelenkt werden oder explodieren, bevor sie die Erde treffen.</seg> |
| <seg id="11"> Als Erdbewohner kennen wir natürlich den eigentlichen Grund dafür, nämlich dass wir uns selbst zu retten versuchen.</seg> |
| <seg id="12"> Wir versuchen einen Einschlag zu vermeiden.</seg> |
| <seg id="13"> Aber wenn man ein Außerirdischer wäre, der von all dem nichts weiß, der keine Ahnung von irdischer Intelligenz hat, wäre man gezwungen, eine physikalische Theorie aufzustellen, warum Asteroiden, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt die Oberfläche des Planeten zerstört haben, dies mysteriöserweise nicht mehr tun.</seg> |
| <seg id="14"> Ich behaupte, dass das die gleiche Frage ist, wie die Frage nach der physikalischen Natur der Intelligenz.</seg> |
| <seg id="15"> Deshalb habe ich mir in dem Versuch, den ich vor einigen Jahren gestartet habe, viele unterschiedliche Themen angesehen, aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen, die, denke ich, alle auf einen einzigen, der Intelligenz zugrundeliegenden Mechanismus hindeuten.</seg> |
| <seg id="16"> Also mit dem gesammelten Wissen aus all diesen verschiedenen Bereichen habe ich mich vor einigen Jahren gefragt, ob es einen der Intelligenz zugrundeliegenden Mechanismus gibt, den wir aus all diesen Gedankensträngen herausfiltern können?</seg> |
| <seg id="17"> Gibt es eine einzelne Gleichung für Intelligenz?</seg> |
| <seg id="18"> Und die Antwort, glaube ich, ist ja. ["F = T ∇ Sτ"]. Was Sie gerade sehen, ist wahrscheinlich die beste Entsprechung zu E = mc² für Intelligenz, die ich gesehen habe.</seg> |
| <seg id="19"> Was Sie hier sehen, ist eine Aussage der Übereinstimmung, dass Intelligenz eine Kraft ist , die so wirkt, dass die zukünftige Handlungsfreiheit maximiert wird.</seg> |
| <seg id="20"> Sie wirkt so, dass die zukünftige Handlungsfreiheit maximiert wird, oder hält Optionen offen, mit einer Stärke , mit der Vielfältigkeit möglicher erreichbarer Zukünfte , bis zu einem zukünftigen Zeithorizont .</seg> |
| <seg id="21"> Kurz gesagt, Intelligenz mag es nicht, in eine Falle zu tappen.</seg> |
| <seg id="22"> Intelligenz versucht, zukünftige Handlungsfreiheit zu maximieren, und Optionen offen zu halten.</seg> |
| <seg id="23"> Nun, mit dieser einen Gleichung ist es ganz natürlich zu fragen, was können wir damit machen?</seg> |
| <seg id="24"> Was kann sie vorhersagen?</seg> |
| <seg id="25"> Prognostiziert sie menschliche Intelligenz?</seg> |
| <seg id="26"> Prognostiziert sie künstliche Intelligenz?</seg> |
| <seg id="27"> Jetzt werde ich Ihnen ein Video zeigen, das, glaube ich, einige der erstaunlichen Anwendungen dieser Gleichung demonstrieren wird.</seg> |
| <seg id="28"> Aber was ist, wenn diese eventuelle kosmologische Verbindung zwischen Entropie und Intelligenz auf einen tieferen Zusammenhang hindeutet?</seg> |
| <seg id="29"> Was, wenn intelligentes Verhalten nicht nur mit der Produktion langfristiger Entropie korreliert, sondern sich sogar direkt daraus entwickelt?</seg> |
| <seg id="30"> Um das herauszufinden, haben wir eine Engine, [eigenständiger Teil eines Computerprogramms] "Entropica", entwickelt, um die Produktion von langfristiger Entropie jedes Systems zu maximieren, in dem sich die Engine befindet.</seg> |
| <seg id="31"> Erstaunlicherweise hat Entropica viele Tierintelligenztests bestanden, Spiele erfolgreich gespielt und sogar Geld mit Aktien verdient, jeweils ohne jegliche Anleitung.</seg> |
| <seg id="32"> Hier sind einige Beispiele von Entropica in Aktion.</seg> |
| <seg id="33"> Wie ein Mensch aufrecht stehend, ohne umzufallen, sehen wir hier Entropica, wie sie automatisch einen Stab auf einem Wagen balanciert.</seg> |
| <seg id="34"> Dieses Verhalten ist bemerkenswert, weil wir Entropia nie ein Ziel gegeben haben.</seg> |
| <seg id="35"> Sie hat einfach von selbst entschieden, den Stab zu balancieren.</seg> |
| <seg id="36"> Diese Fähigkeit zu balancieren, wird Anwendung für humanoide Robotik und technische Hilfsmittel finden.</seg> |
| <seg id="37"> So wie manche Tiere Objekte in ihrer Umwelt als Werkzeuge nutzen, um in enge Räume einzudringen, sehen wir hier, dass Entropica es geschafft hat, wieder aus eigener Initiative, eine große Scheibe, die ein Tier darstellt, so zu bewegen, dass eine kleine Scheibe, ein Werkzeug, in einen begrenzten Raum eindringt, der eine dritte Scheibe enthält, und befreit die dritte Scheibe aus ihrer Fixierung.</seg> |
| <seg id="38"> Diese Fähigkeit wird Anwendung finden bei eleganten Produktionstechniken und Landwirtschaft.</seg> |
| <seg id="39"> Außerdem, genau wie manche Tiere kooperieren, indem sie gleichzeitig an beiden Enden eines Seils ziehen, um an Essen zu gelangen, sehen wir hier, dass Entropia es schafft, dies im Modell umzusetzen.</seg> |
| <seg id="40"> Diese Kooperationsfähigkeit hat interessante Auswirkungen für Wirtschaftsplanung und viele andere Bereiche.</seg> |
| <seg id="41"> Entropica kann auf eine Vielzahl von Gebieten angewendet werden.</seg> |
| <seg id="42"> Hier sehen wir sie erfolgreich ein Pong-Spiel gegen sich selbst spielen, was ihr Potential im Spielen zeigt.</seg> |
| <seg id="43"> Hier sehen wir Entropica dabei, wie sie neue Verbindungen in sozialen Netzwerken arrangiert, wo Freunde immer wieder den Kontakt verlieren; sie erhält das Netzwerk erfolgreich aufrecht.</seg> |
| <seg id="44"> Dieselbe Fähigkeit des Networkings hat auch Anwendung bei medizinischer Versorgung, Energie und Intelligenz.</seg> |
| <seg id="45"> Hier sehen wir Entropica, wie sie eine Schiffsflotte lenkt, den Panamakanal erfolgreich entdeckt und benutzt, um ihre Reichweite global vom Atlantik in den Pazifik auszudehnen.</seg> |
| <seg id="46"> Aus dem gleichen Grund ist Entropica weitreichend auf Probleme in autonomer Verteidigung, Logistik und Transport anwendbar.</seg> |
| <seg id="47"> Zum Schluss sehen wir hier, wie Entropica eine "billig kaufen, teuer verkaufen"-Strategie an einer simulierten Fernhandelsbörse spontan entdeckt und anwendet und dadurch das verwaltete Vermögen exponentiell vermehrt.</seg> |
| <seg id="48"> Diese Fähigkeit zum Risikomanagement wird umfassende Anwendung in Finanzen und Versicherungen haben.</seg> |
| <seg id="49"> Alex Wissner-Gross: Wir haben gerade gesehen, dass eine Vielzahl von eindeutig menschlich-intelligenten kognitiven Verhaltensweisen, so wie Werkzeuggebrauch, aufrechter Gang und soziale Kooperation, alle aus einer einzigen Gleichung folgen, die ein System dazu bringt, seine zukünftige Handlungsfreiheit zu maximieren.</seg> |
| <seg id="50"> Dies führt zu einer tiefen Ironie.</seg> |
| <seg id="51"> Wenn wir zurückgehen zum Anfang der Nutzung des Wortes "Roboter", dem Spiel "RUR", dann gab es immer das Konzept, dass, wenn wir maschinelle Intelligenz entwickelten, es eine kypernetische Revolte gäbe.</seg> |
| <seg id="52"> Die Maschinen würden sich gegen uns wenden.</seg> |
| <seg id="53"> Eine wichtige Folgerung aus dieser Arbeit ist, dass wir vielleicht seit Jahrzehnten das Konzept kybernetischer Revolten falsch herum gesehen haben.</seg> |
| <seg id="54"> Maschinen werden nicht zuerst intelligent und dann größenwahnsinning, und versuchen, die Welt zu erobern.</seg> |
| <seg id="55"> Eine weitere wichtige Folgerung ist die Zielsuche.</seg> |
| <seg id="56"> Ich werde oft gefragt, wie resultiert die Fähigkeit, Ziele zu suchen, aus dieser Grundstruktur?</seg> |
| <seg id="57"> Zum Abschluss, Richard Feynman, berühmter Physiker, hat einmal geschrieben, dass, wenn die menschliche Zivilisation zerstört würde, und nur ein einziges Konzept an unsere Nachfahren weitergegeben werden könnte, um den Wiederaufbau zu unterstützen, sollte es dieses sein: dass alle Materie um uns herum aus winzigen Elementen besteht, die sich anziehen, wenn sie weit voneinander weg sind, aber sich abstoßen, wenn sie nah zusammen sind.</seg> |
| <seg id="58"> Mein Äquivalent dieser Aussage, Nachfahren etwas zu hinterlassen, um den Aufbau künstlicher Intelligenz zu unterstützen, oder ihnen zu helfen, menschliche Intelligenz zu verstehen, ist das folgende: Intelligenz sollte gesehen werden als ein physikalischer Prozess, der zukünftige Handlungsfreiheit zu maximieren versucht, und Einschränkungen der Zukunft vermeidet.</seg> |
| <seg id="59"> Vielen Dank.</seg> |
| <reviewer href="http://www.ted.com/profiles/2495894">Fran Glinzig</reviewer> |
| <translator href="http://www.ted.com/profiles/2277272">Ruth Paas</translator> |
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