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| <refset setid="iwslt2019-tst2019" srclang="English" trglang="German" refid="ref"> |
| <doc docid="1292" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, Africa, TEDx, journalism, media, poverty</keywords> |
| <speaker>Leslie Dodson</speaker> |
| <talkid>1292</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Wahrheitsgetreue Berichterstattung ist kompliziert: Afrika ist kein Land und kein Katastrophengebiet, sagt die Journalistin und Wissenschaftlerin Leslie Dodson. Sie plädiert an Journalisten, Wissenschaftler und NROs, damit aufzuhören, ganze Kontinente als eine einzige große Tragödie darzustellen.</description> |
| <title>Leslie Dodson: Stellen Sie Afrika nicht falsch dar</title> |
| <seg id="1">Ich möchte mit einer kleinen Warnung beginnen: Meine Aufgabe heute Abend ist es, Sie ein wenig zu erden.</seg> |
| <seg id="2">Haben Sie also Geduld mit mir, denn danach wird alles leichter und heiterer. Fangen wir an.</seg> |
| <seg id="3">Viele von Ihnen kennen das Sprichwort für Reisende: "Nimm nichts als Bilder mit, hinterlasse nichts als Fußspuren." Das ist weder so harmlos noch so einfach, wie es klingt, vor allem in Branchen, in denen Menschen dargestellt werden, Menschen in armen Ländern, in Entwicklungsländern, arme Menschen.</seg> |
| <seg id="4">Die Leute in diesen Branchen sind Reporter, Forscher, oder arbeiten für NGOs. Das trifft wohl für viele der hier Anwesenden zu.</seg> |
| <seg id="5">Wir gehen ins Ausland und bringen solche Bilder mit: völlig verzweifelte oder vertriebene Menschen, Menschen, die Hunger leiden, Kinderarbeiter oder exotische Menschen.</seg> |
| <seg id="6">Susan Sontag erinnert uns daran, dass Fotos dazu beitragen, zu definieren, was wir beobachten dürfen, aber, noch wichtiger, sie stellen eine Ethik des Sehens dar.</seg> |
| <seg id="7">Und es ist Zeit, unsere Ethik des Sehens zu überprüfen, denn die Branchen Berichterstattung, Forschung und NGO-Arbeit kollabieren und verändern sich — teilweise aufgrund wirtschaftlicher Ereignisse.</seg> |
| <seg id="8">Doch das lässt uns neue Beziehungen knüpfen.</seg> |
| <seg id="9">Diese neuen Beziehungen haben unscharfe Grenzen.</seg> |
| <seg id="10">Ich habe am Rand solcher Grenzen gearbeitet und möchte mit Ihnen einige Beobachtungen teilen.</seg> |
| <seg id="11">Meine Ethik des Sehens ist von 25 Jahren Berichterstattung über Schwellenländer und internationale Beziehungen geprägt.</seg> |
| <seg id="12">Ich glaube an eine freie und unabhängige Presse.</seg> |
| <seg id="13">Ich glaube, dass Journalismus ein allgemeines Gut ist.</seg> |
| <seg id="14">Aber diese Arbeit wird immer schwieriger, teilweise wegen der Massenentlassungen, weil es keine Gelder mehr für internationale Berichterstattung gibt.</seg> |
| <seg id="15">Neue Technologien und Plattformen verlangen neue Inhalte und es gibt viele neue Formen des Journalismus, aktivistischen und humanitären wie auch Friedensjournalismus, und wir wollen alle über wichtige aktuelle Themen berichten.</seg> |
| <seg id="16">Also fragen wir bei NGOs an, ob wir uns an ihren Projekten beteiligen können, unter anderem, weil sie wichtige Arbeit an interessanten Orten leisten.</seg> |
| <seg id="17">Hier ein Beispiel: ein Projekt am Blauen Nil in Äthiopien, an dem ich mitgearbeitet habe.</seg> |
| <seg id="18">NGOs wissen, dass es Vorteile hat, wenn Reporter ihre Teams begleiten.</seg> |
| <seg id="19">Sie brauchen Öffentlichkeit, sie stehen unter enormem Druck, sie konkurrieren miteinander auf dem überfüllten Markt für Mitleid.</seg> |
| <seg id="20">Sie setzten also auf Reporter und freie Journalisten, die ihnen bei Öffentlichkeitsarbeit und Medienauftritten helfen sollen.</seg> |
| <seg id="21">Aber auch Wissenschaftler stehen unter Druck.</seg> |
| <seg id="22">Sie müssen ihr Wissen außerhalb der Hochschule verbreiten.</seg> |
| <seg id="23">Also arbeiten sie mit Reportern zusammen, denn vielen von ihnen fällt es schwer, einfache, klare Geschichten zu schreiben.</seg> |
| <seg id="24">Und der Vorteil für Journalisten ist, dass Feldforschung vor Ort mit zu den schönsten Aufgaben gehört.</seg> |
| <seg id="25">Man schreibt nicht nur über Wissenschaft, man trifft auch interessante Wissenschaftler wie meine Doktormutter Revi Sterling. Sie gehört in der Forschung zur absoluten Spitze.</seg> |
| <seg id="26">Bei einem Gespräch gerieten wir an die Grenze der Rollen von Forscher und Reporter, diese unscharfe Grenze.</seg> |
| <seg id="27">Ich sagte zu ihr: "Ich habe mich darauf gefreut, in Entwicklungsländer zu reisen, gleichzeitig Forschung zu betreiben und Geschichten zu schreiben." Sie sagte: "Meine Liebe, das wird wohl nichts." Aufgrund dieser Unklarheit veröffentlichten wir einen Aufsatz über zwiespältige Moral und widersprüchliche Praktiken von Forschung und Journalismus.</seg> |
| <seg id="28">Wir begannen mit der Erkenntnis, dass Forscher und Reporter entfernte Verwandte sind, gleichzeitig Geschichtenerzähler und Sozialanalytiker.</seg> |
| <seg id="29">Aber sie betrachten und porträtieren Entwicklungsländer unterschiedlich.</seg> |
| <seg id="30">Hier ein klassisches Beispiel: Das ist Somalia im Jahr 1992.</seg> |
| <seg id="31">Das könnte auch Somalia heute sein.</seg> |
| <seg id="32">Das ist das übliche Prozedere für viele Videos und Bilder in den Nachrichten: Eine Gruppe Reporter wird in einen LKW gepackt und zum Ort der Katastrophe gebracht. Sie stellen ihr Material zusammen, machen Bilder, führen Interviews und werden wieder weggebracht.</seg> |
| <seg id="33">Das ist eindeutig kein Forschungsmilieu.</seg> |
| <seg id="34">Manchmal arbeiten wir an Dokumentationen.</seg> |
| <seg id="35">Dieses Foto zeigt eine Frau im Dorf Bhongir in Andhra Pradesh, Indien, auf einer Versammlung für Kleinkredite. Eine grandiose Geschichte. Wichtig ist: Die Frau ist real.</seg> |
| <seg id="36">Man kann ihr Gesicht sehen.</seg> |
| <seg id="37">Auch das ist kein wissenschaftliches Bild.</seg> |
| <seg id="38">Ein wissenschaftliches Bild ist viel eher das folgende: Es ist ein Forschungsstandort: Man sieht junge Frauen, die moderne Technik nutzen.</seg> |
| <seg id="39">Es ist eher eine Momentaufnahme, eine Forschungsdokumentation.</seg> |
| <seg id="40">Ich könnte das Bild nicht für einen Bericht nutzen.</seg> |
| <seg id="41">Es sagt nicht genug aus und ließe sich nicht verkaufen.</seg> |
| <seg id="42">Aber es gibt noch tiefgreifendere Unterschiede.</seg> |
| <seg id="43">Revi und ich haben analysiert, was von Wissenschaftlern verlangt wird.</seg> |
| <seg id="44">Sie müssen einige sehr strenge Regeln befolgen, die von Kontrollausschüssen der Universitäten bestimmt werden und Inhalt und Vertraulichkeit betreffen.</seg> |
| <seg id="45">Wissenschaftler müssen von ihren Quellen eine Einwilligungserklärung einholen.</seg> |
| <seg id="46">Wenn ich als Reporterin jemandem ein Mikrofon hinhalte, bedeutet das Einwilligung.</seg> |
| <seg id="47">Wenn ich dann die Geschichte schreibe, kontrolliere ich zwar die Fakten, aber ich lade niemanden zum Mitschreiben ein, während Sozialwissenschaftler, Forscher und vor allem partizipative Forscher ihre Berichte gemeinschaftlich erarbeiten.</seg> |
| <seg id="48">Zum Thema Bezahlung für Informationen: "Scheckbuchjournalismus" ist grundsätzlich abzulehnen, weil er zu subjektiven Informationen verleiten kann.</seg> |
| <seg id="49">Aber Sozialwissenschaftler wissen, dass die Zeit der Menschen wertvoll ist, also bezahlen sie dafür.</seg> |
| <seg id="50">Journalisten sind also dazu da, die Faszination der Forschungstätigkeit und wohl auch der NGO-Tätigkeit zu vermitteln, aber was, wenn es Probleme gibt?</seg> |
| <seg id="51">Was passiert, wenn ein Forschungsprojekt nicht besonders gut geplant ist oder ein NGO-Projekt seine Ziele nicht erreicht?</seg> |
| <seg id="52">Und da wären noch andere Probleme, wenn es dunkel wird und man sich ein paar Drinks gönnt.</seg> |
| <seg id="53">Forschungsvorhaben, Journalistenreisen und NGO-Projekte schaffen sehr intime Milieus; man findet gute Freunde, während man gute Arbeit macht.</seg> |
| <seg id="54">Aber abends kommt noch ein wenig Johnnie-Walker-Journalismus dazu. Was dann, wenn die Recherche ins Bett eines Kollegen führt?</seg> |
| <seg id="55">Was tun bei seltsamem und widerwärtigem Verhalten?</seg> |
| <seg id="56">Man sollte von vornherein festlegen, was offiziell wird und was vertraulich bleibt.</seg> |
| <seg id="57">Ich möchte nun über NGO-Symbolik sprechen, die einigen Zuschauern bekannt vorkommen wird.</seg> |
| <seg id="58">(Video) Erzähler: Für ca. 70 Cent bekommt man eine Dose Limo, normal oder light.</seg> |
| <seg id="59">In Äthiopien kann man für nur 70 Cent pro Tag ein Kind wie Jamal ernähren.</seg> |
| <seg id="60">Für ungefähr 70 Cent bekommt man auch eine Tasse Kaffee.</seg> |
| <seg id="61">In Guatemala kann man für 70 Cent pro Tag einem Kind wie Vilma helfen, die nötige Kleidung zu kaufen, um in die Schule zu gehen.</seg> |
| <seg id="62">Leslie Dodson: Das sind einige sehr geläufige Symbole, die es schon 40 Jahre gibt.</seg> |
| <seg id="63">Sie sind Teil der Hunger-Kampagne von Sally Struthers.</seg> |
| <seg id="64">Manche kennen wir gut, hier die Madonna mit Kind.</seg> |
| <seg id="65">Frauen und Kinder sind für NGO-Aktionen sehr wirkungsvoll.</seg> |
| <seg id="66">Wir kennen dieses Symbol schon viele Jahrhunderte lang: die Madonna mit Kind.</seg> |
| <seg id="67">Hier ist [Duccio], und hier ist Michelangelo.</seg> |
| <seg id="68">Meine Sorge ist: Legen wir in unseren Berichten über Armut und Entwicklungsländer Geschlechterrollen fest?</seg> |
| <seg id="69">Stellen wir Frauen als Opfer dar und Männer nur als Täter?</seg> |
| <seg id="70">Sind sie die Kerle mit der Kalaschnikow oder die Kindersoldaten?</seg> |
| <seg id="71">Denn dann gibt es keinen Platz für Geschichten wie die des Mannes, der in einem Flüchtlingscamp im Südsudan Eis verkauft, wo wir ein Projekt hatten, oder die Geschichten der Männer, die an einer Brücke über den Blauen Nil arbeiten.</seg> |
| <seg id="72">Deshalb frage ich mich: Passen diese Geschichten nicht zu unseren Berichten?</seg> |
| <seg id="73">Und was ist hiermit? Das ist ein kommerzielles Spiel.</seg> |
| <seg id="74">Sein Ziel: Entwicklungshilfe macht Spaß. Aber hat sich da nicht jemand ungewollt darüber lustig gemacht?</seg> |
| <seg id="75">Weitere Fragen lauten: Welche Rechte haben diese Kinder?</seg> |
| <seg id="76">Welche Rechte auf Öffentlichkeit oder Privatsphäre haben sie? Wurden sie bezahlt? Sollten sie bezahlt werden, am Gewinn beteiligt sein?</seg> |
| <seg id="77">Das ist ein kommerzielles Spiel.</seg> |
| <seg id="78">Haben sie Verzichtserklärungen unterschrieben?</seg> |
| <seg id="79">Ich brauche so etwas bei meiner Arbeit mit NGOs und Dokumentarfilmern in den USA.</seg> |
| <seg id="80">In den USA nehmen wir unser Recht auf Privatsphäre und Publicity sehr ernst.</seg> |
| <seg id="81">Wieso lässt also ein Langstreckenflug diese Rechte einfach verschwinden?</seg> |
| <seg id="82">Ich attackiere nicht nur die Spielebranche, sondern auch die bildende Kunst, die oft monumentale, ewig gleiche Geschichten über das großartige Land Afrika zeigt.</seg> |
| <seg id="83">Aber Afrika ist kein Land, es ist ein Kontinent mit 54 Ländern und Tausenden von Sprachen.</seg> |
| <seg id="84">Meine Frage lautet also: Sind diese Darstellungen nutzbringend oder vereinfachen sie nur?</seg> |
| <seg id="85">Ich weiß, dass sie populär sind.</seg> |
| <seg id="86">Die USAID hat gerade ihre neue Kampagne "Forward" gegen Hunger, Krieg und Dürre gestartet.</seg> |
| <seg id="87">Man könnte meinen, so etwas passiere in ganz Afrika ständig.</seg> |
| <seg id="88">Aber eigentlich geschieht das nur am Horn von Afrika.</seg> |
| <seg id="89">Ich verstehe immer noch nicht das Logo mit dem afrikanischen Kontinent auf einer Toastscheibe.</seg> |
| <seg id="90">Darüber denke ich nach.</seg> |
| <seg id="91">Auch Germaine Greer denkt über diese Dinge nach: "Zum Frühstück und zum Abendbrot steigern wir unseren Appetit mit einer großen Portion Pornographie von Krieg, Völkermord, Not und Krankheit." Sie hat recht.</seg> |
| <seg id="92">Wir haben unseren Appetit gesteigert.</seg> |
| <seg id="93">Aber wir können auch unser Verständnis steigern.</seg> |
| <seg id="94">Es ist nicht alles nur Krieg, Aufruhr und Krankheit.</seg> |
| <seg id="95">Das ist ein Bild aus dem Südsudan, ein paar Monate, bevor der neue Staat entstand.</seg> |
| <seg id="96">Ich werde weiterhin als Forscherin und Reporterin in Entwicklungsländern arbeiten, aber mit einer veränderten Ethik des Sehens.</seg> |
| <seg id="97">Ich frage mich, ob sich meine Bilder anbiedern, ob sie Stereotype bedienen, ob die Bilder zur Botschaft passen, ob ich selbstgefällig oder mitschuldig bin.</seg> |
| <seg id="98">Danke.</seg> |
| <seg id="99">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="13195" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, invention, Africa, engineering, innovation, technology, medicine, health, health care</keywords> |
| <speaker>Tania Douglas</speaker> |
| <talkid>13195</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Was nützt den Menschen in Afrika ein ausgefeiltes Stück medizinische Ausrüstung, wenn es das dortige Klima nicht aushält? Biomedizintechnikerin Tania Douglas spricht darüber, dass wir bei unserer Jagd nach neuer Technologie oft blind sind für wahre Bedürfnisse -- und darüber, wie ein tiefergehendes Verständnis des Umfeldes ihres Einsatzes uns zu besseren Lösungskonzepten führen kann.</description> |
| <title>Tania Douglas: Wer bessere Technologien entwickeln will, muss den Kontext verstehen</title> |
| <seg id="1">Das ist ein Gerätefriedhof. Es ist ein typisches Endlager für medizinische Geräte aus Krankenhäusern in Afrika.</seg> |
| <seg id="2">Was hat es damit auf sich?</seg> |
| <seg id="3">Die meisten medizinischen Geräte in Afrika sind importiert, und häufig sind sie nicht für die Bedingungen vor Ort gemacht.</seg> |
| <seg id="4">Für einige fehlt geschultes Personal, um die Geräte zu bedienen, zu warten und zu reparieren; andere vertragen die hohen Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit nicht; und meist brauchen sie eine stabile und verlässliche Stromversorgung.</seg> |
| <seg id="5">Ein Beispiel für ein medizinisches Gerät, das auf einem Gerätefriedhof enden könnte, ist ein Ultraschall-Monitor zum Überwachen des Herzschlags von Babys im Mutterleib.</seg> |
| <seg id="6">Es gehört in reichen Ländern zum Pflege-Standard.</seg> |
| <seg id="7">Wenn es an guter Pflegeausstattung fehlt, ist es gängige Praxis, dass die Hebamme den Herzschlag des Babys per Hörrohr überwacht.</seg> |
| <seg id="8">Diese Methode ist seit über 100 Jahren gebräuchlich.</seg> |
| <seg id="9">Und sie hängt sehr stark vom Geschick und der Erfahrung der Hebamme ab.</seg> |
| <seg id="10">Zwei junge Erfinder aus Uganda besuchten vor ein paar Jahren eine Klinik für Schwangerschaftsvorsorge, als sie noch Informatikstudenten waren.</seg> |
| <seg id="11">Ihnen fiel auf, dass die Hebamme oft die Herzfrequenz nicht hören konnte, wenn sie es mit dem Hörrohr versuchte.</seg> |
| <seg id="12">Also entwickelten die beiden einen eigenen Herzfrequenzmonitor.</seg> |
| <seg id="13">Sie passten das Hörrohr an und schlossen es an ein Smartphone an.</seg> |
| <seg id="14">Eine App auf dem Smartphone zeichnet die Herzfrequenz auf, analysiert sie und liefert der Hebamme eine Reihe von Informationen, über den Zustand des Babys. Die Erfinder —</seg> |
| <seg id="15">(Applaus)</seg> |
| <seg id="16">heißen Aaron Tushabe und Joshua Okello.</seg> |
| <seg id="17">Ein anderer Erfinder, Tendekayi Katsiga, arbeitete für eine NGO in Botswana, die Hörhilfen herstellte.</seg> |
| <seg id="18">Ihm fiel auf, dass die Hörhilfen Batterien benötigten, die man oft wechseln musste, was für die meisten Anwender finanziell kaum erschwinglich war.</seg> |
| <seg id="19">Tendekayi, seines Zeichens Ingenieur, reagierte und entwickelte ein solarbetriebenes Ladegerät mit Akkus, das in diesen Hörhilfen eingesetzt werden konnte.</seg> |
| <seg id="20">Er war einer der Gründer der Firma "Deaftronics", die das "Solar Ear" [Sonnenohr] herstellt, eine Hörhilfe, die mit seiner Erfindung betrieben wird.</seg> |
| <seg id="21">Mein Kollege, Sudesh Sivarasu, hat einen smarten Handschuh entwickelt, für Menschen, die an Lepra erkrankt waren.</seg> |
| <seg id="22">Auch wenn sie geheilt wurden, behielten viele eine Schädigung der Nerven zurück und verloren so den Tastsinn in den Händen, was wiederum das Verletzungsrisiko erhöht.</seg> |
| <seg id="23">Die Sensoren im Handschuh registrieren Temperatur und Druck und warnen den Anwender.</seg> |
| <seg id="24">Er dient gewissermaßen als künstlicher Tastsinn, der Verletzungen vorbeugt.</seg> |
| <seg id="25">Sudesh entwickelte diesen Handschuh, als er ehemalige Leprapatienten bei ihren alltäglichen Arbeiten beobachtete und so die Risiken und Gefahren in deren Umfeld kennenlernte.</seg> |
| <seg id="26">Die soeben erwähnten Erfinder bezogen die Technik in die medizinische Versorgung ein.</seg> |
| <seg id="27">Und genau das tun Biomedizintechniker.</seg> |
| <seg id="28">An der Universität von Kapstadt bieten wir den Kurs "Innovation und Design im Gesundheitswesen" an.</seg> |
| <seg id="29">Er wird von vielen Absolventen der Biomedizintechnik besucht.</seg> |
| <seg id="30">Er zielt darauf ab, jenen Studenten die Philosophie der Welt des Designs näher zu bringen.</seg> |
| <seg id="31">Sie werden dazu angeregt, sich in Gemeinschaften einzubringen und dabei nach Lösungen für gesundheitsbezogene Probleme zu suchen.</seg> |
| <seg id="32">Wir arbeiten unter anderem mit einer Gruppe älterer Menschen in Kapstadt zusammen.</seg> |
| <seg id="33">Eine Projektgruppe beschäftigte sich kürzlich mit dem Hörverlust dieser älteren Menschen.</seg> |
| <seg id="34">Die Studenten, viele davon Ingenieure, gingen davon aus, dass sie eine bessere Hörhilfe entwickeln würden.</seg> |
| <seg id="35">Sie verweilten bei den Älteren, sprachen mit dem Gesundheitsdienstleister und dem Pflegepersonal.</seg> |
| <seg id="36">Bald erkannten sie, dass geeignete Hörhilfen bereits existierten, nur dass viele, die eine brauchten und auch Zugang dazu hätten, einfach keine besaßen.</seg> |
| <seg id="37">Viele andere, die eine besaßen, trugen sie einfach nicht.</seg> |
| <seg id="38">Den Studenten wurde klar, dass viele der älteren Menschen ihren Hörverlust leugneten.</seg> |
| <seg id="39">Hörgeräte zu tragen ist mit einem Stigma behaftet.</seg> |
| <seg id="40">Sie entdeckten auch, dass das Lebensumfeld der Menschen nicht hörbehindertengerecht war.</seg> |
| <seg id="41">Zum Beispiel waren die Wohnungen und das Gemeinschaftszentrum voller Echoquellen, die das Hören erschwerten.</seg> |
| <seg id="42">Anstatt also eine verbesserte Hörhilfe zu erfinden, prüften sie, inwieweit sich die Akustik der Umgebung verbessern ließe.</seg> |
| <seg id="43">Und sie starteten eine Kampagne, die auf Hörverlust aufmerksam machen und der Stigmatisierung von Menschen mit Hörhilfen entgegenwirken soll.</seg> |
| <seg id="44">Das ergibt sich oft, wenn man darauf achtet, was der Anwender — in diesem Fall die Senioren — braucht und den Kontext beachtet.</seg> |
| <seg id="45">Oft muss man dafür den Fokus von der Technologie abwenden und das Problem neu formulieren.</seg> |
| <seg id="46">Der Ansatz, ein Problem durch Zuhören und Einfühlen zu verstehen, ist nicht neu, wird aber oft von den Technikern nicht beachtet, die doch um die Entwicklung von Technologien bemüht sind.</seg> |
| <seg id="47">Einer unserer Studenten kommt aus dem Bereich der Software-Entwicklung.</seg> |
| <seg id="48">Er hat schon oft Produkte für Kunden entwickelt, die diese letzten Endes nicht mochten.</seg> |
| <seg id="49">Wenn ein Kunde ein Produkt ablehnte, war es in der Firma üblich es so darzustellen, dass der Kunde einfach nicht wisse, was er wolle.</seg> |
| <seg id="50">Nachdem er den Kurs absolviert hatte, sagte der Student uns, er habe nun erkannt, dass eigentlich er gar nicht verstanden hatte, was der Kunde wollte.</seg> |
| <seg id="51">Eine andere Studentin gab uns das Feedback, dass sie nun gelernt habe, einfühlsam zu designen, im Gegensatz zum funktionalen Designen, das ihr in der Ingenieursausbildung beigebracht wurde.</seg> |
| <seg id="52">Das alles zeigt uns, dass wir oft blind für die wahren Bedürfnisse sind, wenn wir Technologien nachjagen.</seg> |
| <seg id="53">Aber wir brauchen Technologie.</seg> |
| <seg id="54">Wir brauchen Hörhilfen und fetale Herzfrequenzmonitore.</seg> |
| <seg id="55">Wie also lassen sich Erfolgsstorys für medizinische Geräte in Afrika wiederholen?</seg> |
| <seg id="56">Wie bringen wir mehr Erfinder hervor, anstatt auf einige wenige Ausnahmepersonen zu vertrauen? Erfinder, die echte Bedürfnisse wahrnehmen und mit brauchbaren Lösungen aufwarten?</seg> |
| <seg id="57">Wir beachten die Bedürfnisse, die Menschen und den Kontext. "Ja klar", könnte man jetzt sagen, "natürlich ist der Kontext wichtig."</seg> |
| <seg id="58">Nur ist Afrika kein einheitlicher Kontinent. Gesundheit, Wohlstand, Einkommen und Bildung sind extrem ungleich verteilt.</seg> |
| <seg id="59">Wenn wir annehmen, dass unsere Ingenieure und Entwickler bereits genug über die unterschiedlichen Gegebenheiten in Afrika wissen, und somit in der Lage sind, die Probleme verschiedener Gruppen, gerade die der Randgruppen, zu lösen, dann liegen wir vielleicht falsch.</seg> |
| <seg id="60">Aber wenn wir hier auf dem afrikanischen Kontinent vielleicht doch noch nicht alles wissen, dann könnte doch einer mit ausreichendem Können und Hingabe, herkommen, sich eine Weile umschauen und einfühlen und mit dem Wissen zurückgehen, um etwas für Afrika zu erfinden.</seg> |
| <seg id="61">Den Kontext zu verstehen bedarf mehr als nur oberflächlichen Austausch.</seg> |
| <seg id="62">Man muss sich voll und ganz einbringen und in die Realitäten und Komplexitäten des Umfeldes eintauchen.</seg> |
| <seg id="63">Wir in Afrika sind ja bereits eingebunden.</seg> |
| <seg id="64">Wir haben schon eine stabile und ergiebige Wissensbasis, die wir zur Problemlösung heranziehen können.</seg> |
| <seg id="65">Verlassen wir uns also nicht zu sehr auf andere. Denn wir leben bereits auf einem Kontinent voller unentdeckter Talente.</seg> |
| <seg id="66">Vielen Dank.</seg> |
| <seg id="67">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="13316" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, business, education, work, technology, entrepreneur, art, science, science and art, creativity, innovation</keywords> |
| <speaker>Eric Berridge</speaker> |
| <talkid>13316</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Wenn man ein innovatives Team schaffen will, sollte man die Geisteswissenschaften genauso schätzen wie die Naturwissenschaften, sagt der Unternehmer Eric Berridge. Er erklärt, warum Techunternehmen bei Neueinstellungen über die MINT-Abschlüsse hinausschauen sollten –- und wie Mitarbeiter mit einem geisteswissenschaftlichen Hintergrund Kreativität und neue Perspektiven in die Arbeitsalltag von Techfirmen bringen können.</description> |
| <title>Eric Berridge: Warum High-Tech die Geisteswissenschaften braucht</title> |
| <seg id="1">Sie waren bestimmt schon mal in einer Bar, nicht wahr?</seg> |
| <seg id="2">(Lachen)</seg> |
| <seg id="3">Doch sind Sie schon mal in eine Bar gegangen und mit einem Abschluss von 200 Millionen Dollar herausgekommen?</seg> |
| <seg id="4">Das ist uns vor 10 Jahren passiert.</seg> |
| <seg id="5">Wir hatten einen ganz schlechten Tag gehabt.</seg> |
| <seg id="6">Einer unserer größten Kunden hat uns schwer zugesetzt.</seg> |
| <seg id="7">Wir sind ein IT-Beratungsunternehmen und wir konnten ein sehr spezielles Programmierproblem nicht lösen, um ein hochmodernes Cloudsystem beim Kunden einzurichten.</seg> |
| <seg id="8">Wir haben eine Menge Ingenieure, aber keiner konnte es ihm recht machen.</seg> |
| <seg id="9">Wir standen davor, beim Kunden rauszufliegen.</seg> |
| <seg id="10">Wir sind also in unser Lokal gegangen, und haben uns mit Jeff, unserem Barkeeper und Kumpel, unterhalten. Er tat, was alle guten Barkeeper machen: Er nahm Anteil, ermutigte uns, nahm unseren Schmerz ernst, und sagte: "Diese Typen übertreiben doch, macht euch keinen Kopf." Und dann sind wir komplett baff, als er sagt: "Wieso schickt ihr mich nicht dahin?</seg> |
| <seg id="11">Ich kann es lösen. "Am nächsten Morgen sind wir in unserer Teamsitzung. Alle sind noch ein bisschen benebelt.</seg> |
| <seg id="12">(Lachen)</seg> |
| <seg id="13">Halb im Spaß bring ich diese Idee ein.</seg> |
| <seg id="14">Ich sage: "Naja, wir sind eh dabei, rauszufliegen." "Wieso schicken wir nicht Jeff, den Barkeeper, hin?"</seg> |
| <seg id="15">(Lachen)</seg> |
| <seg id="16">Daraufhin erst Stille und fragende Blicke.</seg> |
| <seg id="17">Und dann sagt unser Personalmanager: "Das ist eine hervorragende Idee."</seg> |
| <seg id="18">(Lachen)</seg> |
| <seg id="19">"Jeff ist wahnsinnig smart. Er ist super. Er kriegt das schon raus.</seg> |
| <seg id="20">Wir sollten ihn da hinschicken. "</seg> |
| <seg id="21">Aber Jeff war kein Programmierer.</seg> |
| <seg id="22">Eigentlich hat er sein Philosophiestudium an der Penn Universität abgebrochen.</seg> |
| <seg id="23">Aber er war genial, fähig, schwierige Zusammenhänge zu verstehen, und wir waren dabei, den Kunden zu verlieren.</seg> |
| <seg id="24">Also haben wir ihn hingeschickt.</seg> |
| <seg id="25">Nach ein paar spannenden Tagen war Jeff immer noch dort.</seg> |
| <seg id="26">Sie hatten ihn nicht nach Hause geschickt.</seg> |
| <seg id="27">Ich konnte es nicht glauben.</seg> |
| <seg id="28">Was hat er denn gemacht?</seg> |
| <seg id="29">Ich habe daraus etwas gelernt.</seg> |
| <seg id="30">Er hatte sie aus ihrer Fixierung auf eine programmtechnische Lösung geholt und der Diskussion eine neue Richtung gegeben.</seg> |
| <seg id="31">Er hat sogar das Produkt verändert.</seg> |
| <seg id="32">In der Diskussion ging es nun darum, was gemacht werden sollte und weshalb.</seg> |
| <seg id="33">Und Jeff hat auch herausgefunden, wie man die Lösung programmiert, und der Kunde wurde eine unserer besten Referenzen.</seg> |
| <seg id="34">Wir waren damals 200 Mitarbeiter, zur Hälfte Informatiker oder Ingenieure. Aber nach dieser Erfahrung mit Jeff haben wir uns gefragt: Können wir das auf die ganze Firma übertragen?</seg> |
| <seg id="35">Also haben wir unsere Einstellungs- und Trainingspraxis verändert.</seg> |
| <seg id="36">Und obwohl wir immer noch Informatiker und Ingenieure suchten, haben wir auch Künstler, Musiker und Autoren hinzugenommen. Und Jeffs Erfolg hat sich überall in der Firma wiederholt.</seg> |
| <seg id="37">Unser Technikvorstand hat ein Englischstudium abgeschlossen und war Fahrradkurier in Manhattan.</seg> |
| <seg id="38">Heute sind wir tausend Mitarbeiter, doch weniger als hundert haben einen Abschluss als Informatiker oder Ingenieur.</seg> |
| <seg id="39">Dabei sind wir immer noch ein IT-Beratungsunternehmen.</seg> |
| <seg id="40">Wir sind die Marktführer beim Einsatz des am schnellsten wachsenden Software-Pakets und das regelmäßig 10 Milliarden Dollar Jahresumsatz erzielt. Es funktioniert also.</seg> |
| <seg id="41">Inzwischen ist hierzulande der Druck, mehr Studenten für MINT-Fächer, also für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, zu gewinnen, extrem.</seg> |
| <seg id="42">Er steht uns allen ins Gesicht geschrieben.</seg> |
| <seg id="43">Und das ist ein riesiger Fehler.</seg> |
| <seg id="44">In den USA sind die MINT-Fächer seit 2009 um 43% gewachsen, während die Geisteswissenschaften gleich bleiben.</seg> |
| <seg id="45">Unser voriger Präsident hat über eine Milliarde Dollar in MINT-Bildung investiert zu Lasten anderer Fächer. Und der heutige Präsident hat vor kurzem 200 Millionen Dollar aus dem Bildungsetat für die Computerwissenschaften umgewidmet.</seg> |
| <seg id="46">Firmenvorstände beschweren sich weiter über den Mangel an Ingenieuren.</seg> |
| <seg id="47">Diese Kampagnen, im Kontext des wirtschaftlichen Erfolgs des High-Tech-Bereichs — und seien wir ehrlich, sieben der zehn weltweit nach Marktwert größten Firmen sind Technologieunternehmen — solche Dinge führen zur Annahme, dass die Entwicklung des künftigen Arbeitsmarkts MINT-dominiert sein wird.</seg> |
| <seg id="48">Ich verstehe das. Auf dem Papier macht das Sinn. Es ist verlockend. Aber es ist total übertrieben.</seg> |
| <seg id="49">Wie wenn ein ganzes Fußballteam dem Ball in eine Ecke nachrennt, weil dort der Ball ist.</seg> |
| <seg id="50">Wir dürfen die MINT-Fächer nicht überschätzen.</seg> |
| <seg id="51">Wir sollten Naturwissenschaften nicht höher bewerten als Geisteswissenschaften.</seg> |
| <seg id="52">Dafür sprechen mehrere Gründe.</seg> |
| <seg id="53">Erstens, heutige Technologien sind unglaublich intuitiv.</seg> |
| <seg id="54">Wir können Mitarbeiter aus allen akademischen Fächern gewinnen und ihnen spezielle Fertigkeiten vermitteln, weil moderne Systeme auch ohne Code zu schreiben handhabbar sind.</seg> |
| <seg id="55">Sie sind wie LEGO: Einfach zusammenzusetzen, einfach zu lernen. Sogar einfach zu programmieren mit einer Vielfalt von Lernmaterialien.</seg> |
| <seg id="56">Ja, der Arbeitsmarkt braucht spezielle Fertigkeiten, aber diese Fertigkeiten müssen nicht mehr in so rigider und formeller Weise wie früher vermittelt werden.</seg> |
| <seg id="57">Zweitens, die Fähigkeiten, die in der Welt der Intuitivtechnologie notwendig und immer differenzierter werden, sind die, die uns dabei helfen, als Menschen zusammenzuarbeiten. Wobei die eigentliche Arbeit darin besteht, das Endprodukt und seinen Nutzen sehen zu können. Dafür braucht man reale Erfahrungen, Urteilsvermögen und historischen Kontext.</seg> |
| <seg id="58">Was wir aus Jeffs Geschichte gelernt haben, ist, dass der Kunde auf die falsche Sache fokussiert war.</seg> |
| <seg id="59">Es ist der klassische Fall: Technologen tun sich schwer, mit Business und Endverbrauchern zu kommunizieren, und das Business scheitert daran, eigene Bedürfnisse zu artikulieren.</seg> |
| <seg id="60">So was sehe ich jeden Tag.</seg> |
| <seg id="61">Wir nutzen unsere menschlichen Fähigkeiten zu kommunizieren und gemeinsam zu erfinden, kaum. Und während uns die Naturwissenschaften lehren, wie man bestimmte Sachen baut, sind es die Geisteswissenschaften, die uns lehren, was man weshalb baut.</seg> |
| <seg id="62">Sie sind genauso wichtig und genauso schwer.</seg> |
| <seg id="63">Mich nervt es, wenn die Geisteswissenschaften für weniger bedeutend und einfacher gehalten werden. Herrje! Die Geisteswissenschaften geben uns den Kontext für unsere Welt.</seg> |
| <seg id="64">Sie lehren uns kritisch zu denken, sie sind absichtlich unstrukturiert, während die Naturwissenschaften absichtlich strukturiert sind.</seg> |
| <seg id="65">Sie lehren uns zu überzeugen, sie geben uns die Sprache, um unsere Emotionen in Gedanken und Taten zu verwandeln.</seg> |
| <seg id="66">Sie müssen mit Naturwissenschaften gleichgestellt werden.</seg> |
| <seg id="67">Und ja, man kann Künstler in großer Zahl anstellen, ein Technologieunternehmen aufbauen und erfolgreich sein.</seg> |
| <seg id="68">Aber ich stehe nicht hier, um Ihnen zu sagen, MINT sei schlecht.</seg> |
| <seg id="69">Ich stehe auch nicht hier, um zu sagen, Mädchen dürften nicht programmieren.</seg> |
| <seg id="70">(Lachen)</seg> |
| <seg id="71">Bitte. Die nächste Brücke, über die ich fahre, oder der nächste Fahrstuhl, wo wir alle reinspringen — lasst uns sicherstellen, dass dahinter ein Ingenieur steht.</seg> |
| <seg id="72">(Lachen)</seg> |
| <seg id="73">Aber in diese Paranoia zu verfallen, dass der Arbeitsmarkt der Zukunft von MINT dominiert sein wird, ist einfach albern.</seg> |
| <seg id="74">Wenn Sie Freunde oder Kinder, Verwandte oder Enkel, Nichten oder Neffen haben, ermutigen Sie sie dazu, zu werden, was immer sie werden wollen.</seg> |
| <seg id="75">(Beifall)</seg> |
| <seg id="76">Die Jobs werden da sein.</seg> |
| <seg id="77">Diese Tech-Vorstände, die nach MINT-Absolventen schreien, wissen Sie, für welche Firmen sie Mitarbeiter suchen?</seg> |
| <seg id="78">Google, Apple, Facebook.</seg> |
| <seg id="79">65 Prozent ihrer Jobangebote sind nicht-technisch: Marketingleute, Designer, Projektmanager, Programmmanager, Produktmanager, Juristen, Personalmanager, Trainer, Coaches, Verkäufer, Einkäufer und so weiter.</seg> |
| <seg id="80">Das sind die zu besetzenden Stellen.</seg> |
| <seg id="81">Wenn es etwas gibt, das der Arbeitsmarkt der Zukunft unbedingt braucht — und ich denke, wir sind uns einig, — dann ist das Vielfalt.</seg> |
| <seg id="82">Und diese Vielfalt darf nicht bei Geschlecht oder Hautfarbe enden.</seg> |
| <seg id="83">Wir brauchen Vielfalt an Hintergründen und Fähigkeiten, mit Introvertierten und Extrovertierten, mit Anführern und Gefolgsleuten.</seg> |
| <seg id="84">Das ist unser Arbeitsmarkt der Zukunft.</seg> |
| <seg id="85">Und die Tatsache, dass die Technologie einfacher und zugänglicher wird, gibt allen die Möglichkeit genau das zu studieren, was auch immer sie wollen.</seg> |
| <seg id="86">Danke.</seg> |
| <seg id="87">(Beifall)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="13340" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, Africa, economics, trust, money</keywords> |
| <speaker>Robert Neuwirth</speaker> |
| <talkid>13340</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Autofahrten, Unterkünfte und mehr: heutzutage wird mit Hilfe digitaler Helfer alles geteilt. Aber so modern und so high-tech die Sharing-Ökonomie auch scheint, nach Autor Robert Neuwirth ist sie in Afrika bereits seit Jahrhunderten lebendig. Er beschreibt faszinierende Beispiele, beispielsweise Ausbildungssysteme, die wie lokal generiertes Risikokapital funktionieren, oder Systeme zur Verteilung knapper Wasserressourcen. Er sagt, wenn wir diese Modelle verbreiten und skalieren können, könnten sie Gemeinschaften helfen, von unten nach oben zu wachsen.</description> |
| <title>Robert Neuwirth: Die uralten Sharing-Ökonomien Afrikas -- und warum wir sie ausweiten sollten</title> |
| <seg id="1">Ich mache jetzt ein Gedankenexperiment.</seg> |
| <seg id="2">Vielleicht kennen Sie dieses Buch von diesem Herrn oder haben es sogar gelesen.</seg> |
| <seg id="3">Es ist wahrscheinlich der erste und vielleicht der einzige Bestseller der jemals über Ökonomie geschrieben wurde.</seg> |
| <seg id="4">Vermutlich wissen Sie auch etwas über seinen Inhalt.</seg> |
| <seg id="5">Es behandelt die erfolgreiche Entwicklung von Nationen auf der ganzen Welt durch das individuelle Streben nach individuellem Profit.</seg> |
| <seg id="6">Individueller Profit als Mechanismus für den Wohlstand der Welt.</seg> |
| <seg id="7">Das Lustige an Adam Smith ist, dass er ein Stubenhocker war.</seg> |
| <seg id="8">Er ist eigentlich nie weiter von Edinburgh weggegangen als bis nach Frankreich und die Schweiz.</seg> |
| <seg id="9">In meinem Gedankenexperiment stellen wir uns vor, was passiert wäre, wenn Adam Smith Afrika besucht hätte.</seg> |
| <seg id="10">Zum Glück ist das einfach zu beantworten, weil der arabische Anwalt und Reisende Ibn Battuta im 14. Jahrhundert die Ostküste Afrikas entlang reiste. Als er nach Mogadischu kam, fand er einen Markt und schrieb darüber.</seg> |
| <seg id="11">Kamen Handelsschiffe zum Hafen, durften sie nicht anlegen.</seg> |
| <seg id="12">Sie mussten im Hafen vor Anker gehen und Boote kamen zu ihnen und Einheimische wählten sie aus und sagten: "Du bist mein Gast, ich bin dein Makler." Sie mussten ihre Geschäfte über den lokalen Makler machen, und wenn sie ohne den Broker Geschäfte machten, konnten sie vor Gericht gestellt werden und der Handel annulliert werden und sie aus der Stadt gewiesen werden.</seg> |
| <seg id="13">Durch diesen Mechanismus waren alle erfolgreich.</seg> |
| <seg id="14">Wenn das Adam Smith wäre, könnte er wie dieser Typ aussehen und sagen: "Ah!</seg> |
| <seg id="15">Das ist eine Solidargemeinschaft.</seg> |
| <seg id="16">Das ist ein freier 'Wir teilen den Wohlstand' -Markt. "Und als ich diese Frage Christian [Benimana] stellte der zu Beginn der Veranstaltung hier oben war, sagte er, wenn Adam Smith nach Afrika gekommen wäre, dann hätte es lange vor Airbnb und Uber eine Sharing Economy gegeben.</seg> |
| <seg id="17">Und so ist es.</seg> |
| <seg id="18">Wenn wir das heute machen würden, wäre das sehr interessant.</seg> |
| <seg id="19">Es würde viel Geld in die Länder fließen.</seg> |
| <seg id="20">Dies sind nur ca.10% der Exporte dieser Länder.</seg> |
| <seg id="21">Interessant ist, dass diese Solidarökonomie noch existiert. Wir können Beispiele an den seltsamsten Orten finden.</seg> |
| <seg id="22">Das ist der Internationale Markt in Alaba.</seg> |
| <seg id="23">Das ist der größte Elektronikmarkt in Westafrika mit 10.000 Händlern.</seg> |
| <seg id="24">Sie machen jedes Jahr rund vier Milliarden Dollar Umsatz.</seg> |
| <seg id="25">Sie sagen, sie seien glühende Apostel von Adam Smith: Wettbewerb ist großartig, jeder von uns macht es allein, die Regierung hilft uns nicht.</seg> |
| <seg id="26">Die interessante Realität ist, dass, wenn man weiter nachfragt, das nicht der Grund für das Wachstum des Markts ist.</seg> |
| <seg id="27">Es gibt ein Prinzip hinter den Kulissen das diesen Markt befähigt zu wachsen.</seg> |
| <seg id="28">Sie behaupten, es sei eine interessante Kombination von King James Bibel und "How To Sell Yourself". Das ist ihre Botschaft, sagen sie.</seg> |
| <seg id="29">In Wirklichkeit wird dieser Markt jedoch von einem Prinzip des Teilens beherrscht.</seg> |
| <seg id="30">Wenn Sie fragen: "Wie haben Sie den globalen Handel angefangen?", sagt Ihnen jeder Händler: "Als mein Meister mich angesiedelt hat." Als mir endlich einfiel zu fragen: "Was bedeutet dieses' ansiedeln '?", erfuhr ich, dass, wenn man seine Ausbildung gemacht hat, derjenige, für den man gearbeitet hat, verpflichtet — verpflichtet — ist, Ihre geschäftliche Existenz aufzubauen.</seg> |
| <seg id="31">Das heißt, er zahlt zwei oder drei Jahre lang Ihre Miete und gibt Ihnen Startkapital, damit Sie raus in die Welt gehen und Handel treiben können.</seg> |
| <seg id="32">Das ist lokal beschafftes Risikokapital. Und ich kann fast mit Sicherheit sagen, dass das Igbo-Ausbildungssystem, das den internationalen Markt von Alaba reguliert, das größte Gründerzentrum der Welt ist.</seg> |
| <seg id="33">Wir finden weitere Beispiele für Wirtschaftsformen des Teilens — Karusselle, Gemeinschaften, wie sie in fast jedem Elendsviertel vorkommen.</seg> |
| <seg id="34">Sie heißen anders in anderen Kulturen, so heißen sie in Kenia.</seg> |
| <seg id="35">So kann man Geld beschaffen.</seg> |
| <seg id="36">Es ist ein gemeinsamer Topf — wöchentlich legt man Geld zusammen und ein Mitglied der Gruppe bekommt das Geld, und kann es für alles ausgeben, was es braucht.</seg> |
| <seg id="37">Dann gibt es "Acequias". Das ist ein spanisches Wort, aber es kommt aus dem nordafrikanischen Arabisch. "Saqiya" bedeutet "Wasserrad". Die Acequia ist ein Solidarsystem für knappes Wasser.</seg> |
| <seg id="38">Es kam von Nordafrika nach Spanien und von Spanien in den Westen der Vereinigten Staaten, wo es heute noch genutzt wird.</seg> |
| <seg id="39">Das Wasser wird nach Bedarf verteilt, und nicht danach, wer zuerst da war.</seg> |
| <seg id="40">Mit allem Respekt — im Gegensatz zu dem, was Llew [Claasen] gesagt hat, als er gestern über Blockchains und Kryptowährungen sprach: es gibt keinen Niedergang der Gemeingüter.</seg> |
| <seg id="41">Menschen in Acequias haben die knappen Wasserressourcen gemeinsam verwaltet über Hunderte und Aberhunderte von Jahren.</seg> |
| <seg id="42">Mit diesem Gedankenexperiment wollte ich ein wenig weiter gehen und darauf hinweisen, dass diese Dinge gemeinschaftlich verwaltet werden, um sich um knappes Kapital, knappes Geld und knappe Ressourcen zu kümmern.</seg> |
| <seg id="43">Und mir scheint, dass wir tatsächlich zwei Arten von Kapitalismus haben.</seg> |
| <seg id="44">Wir haben den Kapitalismus derer an der Spitze.</seg> |
| <seg id="45">Das sind sehr interessante Statistiken, weil drei Tausendstel eines Prozents der nigerianischen Bevölkerung kontrollieren ein Vermögen, das einem Viertel des BIP des Landes entspricht.</seg> |
| <seg id="46">Ein Hundertstel eines Prozents der kenianischen Bevölkerung kontrollieren ein Vermögen, das 75% des BIP des Landes entspricht.</seg> |
| <seg id="47">Das ist der Kapitalismus derer an der Spitze.</seg> |
| <seg id="48">Und allen anderen geht es wie ihm hier, der Brettspiele und Bodybuilding-Ausrüstung in einem Stau auf der Autobahn in Lagos verkauft.</seg> |
| <seg id="49">Wenn Sie Brettspiele und Bodybuilding- Ausrüstung in einem Stau verkaufen, muss es wohl ein wirklich übler Stau sein, nicht wahr?</seg> |
| <seg id="50">Wer von uns so wirtschaften muss, ist gefangen in dem, was ich den "Kapitalismus des Verfalls" nenne, weil es keine Möglichkeit gibt, da rauszukommen, weil ihnen die Ressourcen fehlen, die wir eben bei der Ökonomie des Teilens besprochen haben.</seg> |
| <seg id="51">Und sie stolpern über die These von Cassava und Kapitalismus, wonach Cassava [Maniok] verarbeitet werden muss, um nicht giftig zu sein, und ich möchte behaupten, dass die Marktwirtschaft in ähnlicher Weise bearbeitet werden muss, um allen gerecht zu werden.</seg> |
| <seg id="52">Wir müssen also auf das schauen, was ich die "Wirtschaft von unten" nenne. Diese Modelle des Teilens, die da draußen existieren, die man propagieren und im großen Maßstab verwenden muss. Okay? Und wenn wir diese Dinge propagieren, können wir anfangen, Infrastruktur für alle aufzubauen und damit sicherstellen, dass Gemeinschaften ihre Entwicklung selbst bestimmen können. Das, meine ich, ist, was die Welt braucht und, so möchte ich behaupten, was wir in Afrika brauchen.</seg> |
| <seg id="53">Ich möchte gerne Steve Biko zitieren, denn es ist wirklich wichtig, Steve Biko zu zitieren, weil im nächsten Monat, am 12. September, der 40. Jahrestag seiner Ermordung durch den südafrikanischen Staat ist.</seg> |
| <seg id="54">Sie können das Zitat lesen.</seg> |
| <seg id="55">Er sagte im Grunde, dass wir nicht hier sind, um zu konkurrieren.</seg> |
| <seg id="56">Ich liebe dieses Zitat: "... uns als eine Gemeinschaft von Geschwistern zu erschaffen, vereint im Streben nach gemeinschaftlichen Lösungen für die Probleme des Lebens." Er sagte auch, dass "die großen Mächte der Welt wahre Wunder vollbracht haben, als sie uns industriell und militärisch prägten...", wir diesen militärisch-industriellen Komplex jedoch nicht kopieren müssen, weil Afrika die Dinge anders machen kann und der Welt ihr menschliches Gesicht wiedergeben kann.</seg> |
| <seg id="57">Was ich also hier anregen möchte: Wir haben die Möglicheit. Wir sind alle hier in einer Umgebung, in der wir einvernehmlich handeln können. Und die Reise beginnt jetzt.</seg> |
| <seg id="58">Vielen Dank.</seg> |
| <seg id="59">(Beifall)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="13517" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, leadership, business, motivation, communication, collaboration, cooperation, goal-setting, potential, personal growth</keywords> |
| <speaker>Amy Edmondson</speaker> |
| <talkid>13517</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Die Business School-Professorin Amy Edmondson erforscht "Teaming", bei dem Menschen schnell (und oft vorübergehend) zusammenkommen, um neue, dringende oder ungewöhnliche Probleme zu lösen. Edmondson erinnert an Geschichten von unermüdlicher Teamarbeit, wie die unglaubliche Rettung von 33 Bergleuten, die 2010 in Chile eine halbe Meile unter der Erde gefangen waren. Außerdem zeigt sie die notwendigen Faktoren auf, um eine Gruppe von Fremden zu einem schnell denkenden Team zu machen, das flexibel auf Herausforderungen reagieren kann.</description> |
| <title>Amy Edmondson: Wie eine Handvoll Fremder zu einem Team wird</title> |
| <seg id="1">Es ist der 5. August 2010.</seg> |
| <seg id="2">Durch einen gewaltigen Einsturz in der Kupfermine San José im Norden von Chile, sind 33 Männer in 800 Meter Tiefe gefangen. In 800 Meter Tiefe, das ist zweimal das Empire State Building, gefangen unter einem der härtesten Felsen der Welt.</seg> |
| <seg id="3">Sie finden den Weg zu einem kleinen Schutzraum, der für diesen Zweck gebaut wurde. Dort treffen sie auf extreme Hitze, Schmutz und Lebensmittel, die für zwei Männer circa 10 Tage reichen würde.</seg> |
| <seg id="4">An der Oberfläche dauert es nicht lange, bis die Experten feststellen, dass es hier keine Lösung gibt.</seg> |
| <seg id="5">Keine industrielle Bohr-Technologie kann schnell genug so tief und durch so harten Stein bohren, um deren Leben zu retten.</seg> |
| <seg id="6">Man kennt die Position des Rettungsraumes nicht genau.</seg> |
| <seg id="7">Man weiß nicht einmal, ob die Bergarbeiter noch leben.</seg> |
| <seg id="8">Man weiß auch nicht, wer verantwortlich ist.</seg> |
| <seg id="9">Trotzdem werden innerhalb von 70 Tagen alle 33 Männer lebend an die Oberfläche gebracht.</seg> |
| <seg id="10">Diese außergewöhnliche Geschichte ist ein Paradebeispiel dafür, was Teaming leisten kann.</seg> |
| <seg id="11">Also, was ist "Teaming"?</seg> |
| <seg id="12">Teaming ist spontane Teamarbeit.</seg> |
| <seg id="13">Die Koordinierung und Zusammenarbeit von Menschen, damit trotz Hindernisse aller Art — wie Fachkenntnis, Entfernung, Zeitverschiebung, was auch immer — die Arbeit erledigt wird.</seg> |
| <seg id="14">Denken Sie an ihr Lieblingsteam im Sport, denn das ist etwas anderes.</seg> |
| <seg id="15">Eine Sportmannschaft arbeitet zusammen: Diese magischen Momente, die das Spiel wenden.</seg> |
| <seg id="16">Sportmannschaften gewinnen, weil sie trainieren.</seg> |
| <seg id="17">Man kann nur trainieren, wenn dieselben Leute über längere Zeit zusammen sind. "Teaming" ist also — Sportmannschaften verkörpern die Definition eines Teams; die formale Definition.</seg> |
| <seg id="18">Es ist eine beständige, abgegrenzte, relativ kleine Gruppe von Menschen, die voneinander abhängig sind, um ein gemeinsames Ergebnis zu erzielen.</seg> |
| <seg id="19">Sie können sich Teaming wie ein spontanes Spiel im Park vorstellen, im Gegensatz zu einem offiziellen, eingespielten Team.</seg> |
| <seg id="20">Welches Team gewinnt ein Endspiel?</seg> |
| <seg id="21">Die Antwort ist offensichtlich.</seg> |
| <seg id="22">Warum erforsche ich dann Teaming?</seg> |
| <seg id="23">Weil heutzutage mehr und mehr von uns auf diese Art arbeiten müssen.</seg> |
| <seg id="24">Globale, tempogeladene Projekte, rund um die Uhr im Einsatz, wahnwitzige Schichtpläne und spezialisiertes Expertenwissen. Immer mehr von uns müssen ständig mit neuen Leuten arbeiten, um die Aufgaben zu erledigen.</seg> |
| <seg id="25">Wir haben nicht den Luxus beständiger Teams.</seg> |
| <seg id="26">Wenn Sie sich diesen Luxus leisten können, nehmen Sie ihn sich unbedingt.</seg> |
| <seg id="27">Aber für einen wachsenden Anteil der heutigen Arbeit haben wir diese Möglichkeit nicht.</seg> |
| <seg id="28">Ein Beispiel dafür sind Krankenhäuser.</seg> |
| <seg id="29">Dort habe ich über die Jahre viele Untersuchungen durchgeführt.</seg> |
| <seg id="30">Es stellte sich heraus, dass Krankenhäuser an allen Tagen der Woche 24 Stunden geöffnet sein müssen.</seg> |
| <seg id="31">Und die Patienten — sind alle unterschiedlich.</seg> |
| <seg id="32">Alle sind auf komplizierte und einzigartige Weise verschieden.</seg> |
| <seg id="33">Im Durchschnitt werden Krankenhauspatienten während ihres Aufenthalts von circa 60 unterschiedlichen Pflegekräften versorgt. Sie haben andere Schichten, unterschiedliche Fachgebiete, unterschiedliche Kompetenzen.</seg> |
| <seg id="34">Sie kennen sich vielleicht sogar nicht mal beim Namen.</seg> |
| <seg id="35">Aber sie müssen zusammenarbeiten, damit der Patient die beste Versorgung erhält.</seg> |
| <seg id="36">Arbeiten sie nicht zusammen, können die Ergebnisse fatal sein.</seg> |
| <seg id="37">Natürlich geht es bei Teaming nicht immer um Leben oder Tod.</seg> |
| <seg id="38">Überlegen Sie mal, was man braucht, um einen Animationsfilm zu produzieren, einen preisgekrönten Animationsfilm Ich hatte das Glück zu den Disney Animation Studios gehen zu können.</seg> |
| <seg id="39">Dort konnte ich beobachten, wie über 900 Wissenschaftler, Künstler, Geschichtenerzähler und Informatiker sich zusammenschlossen, um in ständig wechselnden Konstellationen so erstaunliche Werke wie "Die Eiskönigin" zu erschaffen. Sie arbeiten einfach zusammen, nie zweimal dieselbe Gruppe, und ohne zu wissen, was als Nächstes passiert.</seg> |
| <seg id="40">Patienten in der Notaufnahme zu versorgen und einen Animationsfilm zu gestalten sind ganz klar sehr unterschiedliche Aufgaben.</seg> |
| <seg id="41">Aber trotz der Unterschiede, haben sie viel gemeinsam.</seg> |
| <seg id="42">Man braucht unterschiedliches Fachwissen zu unterschiedlichen Zeiten. Es gibt keine festen Rollen, man hat keine gleichbleibenden Resultate. Man muss viele Dinge tun, die man nie zuvor getan hat, und man kann das nicht in einem beständigen Team tun.</seg> |
| <seg id="43">So zu arbeiten ist nicht einfach. Aber wie ich sagte, mehr und mehr von uns müssen so arbeiten. Darum müssen wir das verstehen.</seg> |
| <seg id="44">Und ich behaupte, dass es vor allem für komplexe und unvorhersehbare Aufgaben, oder bei großen Problemen gebraucht wird.</seg> |
| <seg id="45">Paul Polman, der Chef von Unilever, hat das gut formuliert, als er sagte: "Die Probleme, die heutzutage auf uns zukommen, sind so groß und herausfordernd. Es ist klar, dass wir das nicht alleine schaffen. Es liegt eine gewisse Demut darin zu wissen, dass man Leute dazuholen muss." Probleme wie die Nahrungs- oder Wasserknappheit können nicht von Einzelpersonen gelöst werden, auch nicht von einzelnen Firmen oder von einzelnen Branchen.</seg> |
| <seg id="46">Also versuchen wir den Zusammenschluss durch großes Teaming, Teaming auf der ganz großen Skala.</seg> |
| <seg id="47">Nehmen wir z.B. die Suche nach 'smarten' Städten.</seg> |
| <seg id="48">Vielleicht haben Sie von einigen der Ideen gehört: Mehrzweck-Designs, Null-Energie-Häuser, 'smarte Mobilität', grüne, wohnliche, wunderschöne Städte.</seg> |
| <seg id="49">Wir haben das Vokabular, wir haben die Visionen, nicht zu vergessen, den Bedarf dafür.</seg> |
| <seg id="50">Wir haben die Technologien.</seg> |
| <seg id="51">Zwei Megatrends: Urbanisierung — immer schneller wird unser Planet urbanisiert — und der Klimawandel. Beide zeigten zunehmend auf, dass Innovation in Städten entscheidend ist.</seg> |
| <seg id="52">Auf der ganzen Welt, an verschiedenen Orten, schließen sich momentan die Leute zusammen, um grüne, lebenswerte und 'smarte' Städte zu designen und zu erschaffen.</seg> |
| <seg id="53">Das ist eine riesige Innovationsaufgabe.</seg> |
| <seg id="54">Um das besser zu verstehen, begleitete ich ein Start-up, das Software für smarte Städte entwickelt, wie es im Team arbeitete mit Immobilienmaklern, Bauingenieuren, dem Bürgermeister, mit einem Architekten, ein paar Bauarbeitern, und einigen Technikfirmen.</seg> |
| <seg id="55">Ihr Ziel war es, eine Vorzeigeversion einer 'smarten' Stadt von Grund auf neu zu bauen. Nach fünf Jahren Projektarbeit ist noch nicht so viel passiert.</seg> |
| <seg id="56">Nach sechs Jahren, nach wie vor kein Durchbruch.</seg> |
| <seg id="57">Es schien, als ob branchenübergreifende Zusammenarbeit sehr, sehr schwer ist.</seg> |
| <seg id="58">Okay, also — Wir hatten in diesem Projekt zufällig das entdeckt, was ich als "Kollision von Berufskulturen" bezeichne.</seg> |
| <seg id="59">Wissen Sie, Softwareentwickler und Immobilienmakler denken anders; wirklich anders: unterschiedliche Werte, verschiedene Zeitrahmen — Zeitrahmen sind ein großer Unterschied — und unterschiedlicher Wortschatz, eine andere Sprache.</seg> |
| <seg id="60">Sie sind also nicht immer einer Meinung.</seg> |
| <seg id="61">Ich denke, das ist ein sehr großes Problem, was die meisten nicht so wahrnehmen.</seg> |
| <seg id="62">Ich glaube sogar, dass "Berufskultur-Kollision" ein primäres Hindernis beim Aufbau der Zukunft, die wir anstreben, ist.</seg> |
| <seg id="63">Dies wird ein Problem das wir verstehen müssen, ein Problem, für das wir eine Lösung brauchen.</seg> |
| <seg id="64">Wie stellt man also sicher, dass Teaming gut funktioniert, besonders im großen Rahmen?</seg> |
| <seg id="65">Diese Frage versuche ich seit einigen Jahren, in verschiedensten Arbeitsumgebungen zu ergründen.</seg> |
| <seg id="66">Um einen ersten Einblick in die Antwort dieser Frage zu bekommen, kehren wir zurück nach Chile.</seg> |
| <seg id="67">In Chile wurden wir Zeuge von 10 Wochen kontinuierlichem Teaming von hunderten Personen aus unterschiedlichen Berufen, von verschiedenen Firmen, aus unterschiedlichen Branchen und sogar Ländern.</seg> |
| <seg id="68">Als sich dieser Prozess entwickelte, hatten alle viele Ideen, sie probierten Vieles aus, sie experimentierten, sie scheiterten, sie erlebten täglich kolossale Misserfolge, Aber sie standen wieder auf, waren beharrlich und machten weiter.</seg> |
| <seg id="69">Wir können wirklich bezeugen, dass die Leute demütig waren angesichts der bevorstehenden, sehr realen Herausforderung.</seg> |
| <seg id="70">Neugierig — all diese verschiedenen Personen, aus verschiedenen Fachrichtungen, verschiedenen Ländern wollten wissen, was die Anderen mitbringen und waren bereit Risiken einzugehen, um früh zu erfahren, was funktionieren könnte.</seg> |
| <seg id="71">Schließlich, am Tag 17 dieser bemerkenswerten Geschichte, kamen die Ideen aus allen Richtungen.</seg> |
| <seg id="72">Ideen kamen von André Sougarret, einem brillanten Bergbauingenieur, der von der Regierung ernannt wurde, die Rettung zu leiten.</seg> |
| <seg id="73">Ideen kamen von der NASA.</seg> |
| <seg id="74">Ideen von der chilenischen Spezialeinheit, Ideen kamen von Freiwilligen auf der ganzen Welt.</seg> |
| <seg id="75">Während viele von uns, wie auch ich selbst, aus der Ferne zuschauten, fanden die Leute langsam, mühevoll den Weg durch den Felsen.</seg> |
| <seg id="76">Am 17. Tag drangen sie bis zur Zufluchtsstätte vor.</seg> |
| <seg id="77">Es war ein bedeutender Moment.</seg> |
| <seg id="78">Mit einer sehr kleinen Bohrung konnten sie sie finden, mithilfe von vielen experimentellen Techniken.</seg> |
| <seg id="79">In den nächsten 53 Tage, war dieser schmale Rettungsschacht der Weg, über den Nahrung und Medizin geschickt wurde und kommuniziert wurde. Indessen arbeiteten sie an der Oberfläche weitere 53 Tage im Team daran, einen Weg zu finden, wie man ein größeres Loch bohren kann.</seg> |
| <seg id="80">Außerdem entwarfen sie eine Kapsel. Das hier ist die Kapsel.</seg> |
| <seg id="81">Und dann am 69. Tag, nach 22 mühevollen Stunden, gelang es ihnen die Bergarbeiter nacheinander herauszuholen.</seg> |
| <seg id="82">Wie haben sie die Kollision der Berufskulturen überwunden?</seg> |
| <seg id="83">Die Antwort in einem Wort: Führungsqualitäten. Aber ich möchte das genauer erklären.</seg> |
| <seg id="84">Wenn Teaming funktioniert, kann man sicher sein, dass einige der Führungskräfte — Führende aller Ebenen — sich absolut bewusst sind, dass sie selbst keine Lösungen haben.</seg> |
| <seg id="85">Nennen wir es "situative Demut". Das ist angemessene Demut.</seg> |
| <seg id="86">Wir wissen nicht, was zu tun ist.</seg> |
| <seg id="87">Sie können sicher sein, dass die Leute sehr neugierig waren. Diese situative Demut, gepaart mit Neugierde, erzeugt psychologische Sicherheit, die uns erlaubt, als Fremde Risiken einzugehen. Denn, seien wir ehrlich: Es ist schwer, seine Meinung zu äußern, oder?</seg> |
| <seg id="88">Es ist schwer, um Hilfe zu bitten.</seg> |
| <seg id="89">Es ist schwer, eine Idee anzubringen, die eventuell blödsinnig ist, wenn man sich nicht kennt.</seg> |
| <seg id="90">Man benötigt psychologische Sicherheit, um das zu tun.</seg> |
| <seg id="91">Sie haben das überwunden, was ich gerne als menschliches Grundproblem bezeichne: Es ist schwer zu lernen, wenn man es bereits weiß.</seg> |
| <seg id="92">Leider sind wir darauf fixiert zu glauben, dass wir es wissen.</seg> |
| <seg id="93">Also müssen wir uns daran erinnern — und wir können das — neugierig zu sein. Neugierig auf das, was Andere einbringen.</seg> |
| <seg id="94">Diese Neugier kann mit einer Fülle von Interpretationen versehen werden.</seg> |
| <seg id="95">Aber es gibt noch ein weiteres Hemmnis und Sie alle kennen es.</seg> |
| <seg id="96">Sie wären sonst nicht hier.</seg> |
| <seg id="97">Um das zu erklären, möchte ich aus dem Film "Zeit der Prüfungen" zitieren. So stellt sich Hollywood übrigens einen Harvard Professor vor.</seg> |
| <seg id="98">Sie können das selbst beurteilen.</seg> |
| <seg id="99">Der Professor begrüßt in dieser berühmten Szene die Jura - Erstsemester und sagt: "Sehen Sie nach links und nach rechts.</seg> |
| <seg id="100">Einer von Ihnen ist nächstes Jahr weg. "Welche Aussage hörten sie da? Entweder ich oder du. Damit ich weiterkomme, musst du scheitern.</seg> |
| <seg id="101">Ich denke, in vielen Organisationen empfängt man die Neulinge nicht mehr auf diese Art. Aber trotzdem, oft kommen die Leute mit diesem Bild der Knappheit im Kopf an.</seg> |
| <seg id="102">Entweder du oder ich.</seg> |
| <seg id="103">Es ist äußerst schwer im Team zu arbeiten, wenn man die Andern unbewusst als Rivalen ansieht.</seg> |
| <seg id="104">Wir müssen das also auch überwinden, und wenn wir das tun, werden die Ergebnisse unglaublich.</seg> |
| <seg id="105">Abraham Lincoln sagte einst: "Ich mag diesen Mann nicht.</seg> |
| <seg id="106">Ich muss ihn besser kennenlernen. "Bedenken Sie: 'Ich mag ihn nicht' bedeutet 'Ich kenne ihn nicht gut genug'; das ist bemerkenswert. Diese Einstellung — das muss ich sagen — Das ist die Einstellung, die man für effektives Teaming braucht.</seg> |
| <seg id="107">Wir können in unseren Silos arbeiten.</seg> |
| <seg id="108">Aber wenn wir zurücktreten, uns öffnen und aufeinander zugehen, dann können Wunder geschehen.</seg> |
| <seg id="109">Bergleute können geborgen werden, Patienten können gerettet werden, wunderschöne Filme können gedreht werden.</seg> |
| <seg id="110">Um das zu erreichen, gibt es keinen besseren Rat als diesen: Schauen Sie nach links und nach rechts.</seg> |
| <seg id="111">Wie schnell findet man die einzigartigen Talente und Fähigkeiten, sowie Träume seines Nächsten, und wie schnell kann man wiederum sagen, was man selbst mitbringt?</seg> |
| <seg id="112">Wir müssen uns zusammenschließen, um die Zukunft zu bauen, die wir erschaffen können, und die keiner alleine schaffen kann. Diese Einstellung brauchen wir.</seg> |
| <seg id="113">Danke.</seg> |
| <seg id="114">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="14439" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, big problems, communication, future, humanity, computers, culture, social change, Internet, society, social media, virtual reality, technology</keywords> |
| <speaker>Jaron Lanier</speaker> |
| <talkid>14439</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: In den frühen Tagen der digitalen Kultur half Jaron Lanier eine Vision für das Internet als öffentliches Gut zu kreieren, bei der die Menschheit ihr Wissen teilen könnte – jedoch wurde diese Vision schon damals von einem möglichen dunklen Ausgang verfolgt: Von Endgeräten, die unser Leben kontrollieren, unsere Daten überwachen und uns mit Reizen überfluten. (Kommt das bekannt vor?) In dieser visionären Rede, reflektiert Lanier über einen "global tragischen, erstaunlich albernen Fehler", wie ihn Google und Facebook am Fundament der digitalen Kultur begangen haben -- und wie wir diesen Fehler rückgängig machen können. "Wir können keine Gesellschaft haben, in der, sofern zwei Leute miteinander kommunizieren wollen, kein Weg daran vorbeiführt, dass dies nur durch Finanzierung einer dritten Person erfolgen kann, die diese manipulieren will", sagt er.</description> |
| <title>Jaron Lanier: Wie wir das Internet neu gestalten müssen</title> |
| <seg id="1">Damals in den 80ern hielt ich meine erste Rede bei TED, wobei ich eine der ersten öffentlichen Demonstrationen von "Virtual Reality" auf die TED-Bühne brachte.</seg> |
| <seg id="2">Damals war uns bewusst, dass uns eine extrem unsichere Zukunft bevorsteht, in der die benötigte Technologie, die Technologie, die wir liebten, uns auch zum Verhängnis werden könnte.</seg> |
| <seg id="3">Wir wussten, würden wir unsere Technologie als Mittel zu noch mehr Macht betrachten, würden wir uns selbst zerstören, falls es nur ein Machttrip wäre.</seg> |
| <seg id="4">So etwas passiert, wenn man nur auf Macht aus ist.</seg> |
| <seg id="5">Folglich beschäftigte sich das Idealbild der damaligen digitalen Kultur insbesondere mit dem Erkennen dieser möglichen Dunkelheit und dem Versuch, einen Weg zu finden, diese durch Schönheit und Kreativität zu überwinden.</seg> |
| <seg id="6">Ich habe meine ersten TEDTalks gewöhnlich mit einer entsetzlichen Zeile beendet: "Wir haben eine Herausforderung.</seg> |
| <seg id="7">Wir müssen eine Kultur um Technologie herum erzeugen, die so schön, so bedeutsam, so tiefgründig, so endlos kreativ, und mit so endlosem Potenzial gefüllt ist, dass sie uns davon abbringt, Massensuizid zu begehen. "Also sprachen wir vom Aussterben als ein und und demselben wie dem Bedürfnis, eine verheißungsvolle, unendlich kreative Zukunft zu schaffen.</seg> |
| <seg id="8">Ich glaube nach wie vor, dass diese alternative Kreativität als Alternative zum Tod sehr real und wahr ist und sogar der absoluten Wahrheit entspricht.</seg> |
| <seg id="9">Im Falle von "Virtual Reality" — so habe ich früher darüber geredet, wäre es in etwa so, wie als die Menschen die Sprache entdeckten.</seg> |
| <seg id="10">Mit der Sprache kamen neue Abenteuer, neue Tiefgründigkeit, neue Bedeutungen, neue Wege sich zu verbinden, zu koordinieren, neue Wege, sich etwas vorzustellen oder Kinder aufzuziehen, und mit "Virtual Reality" hätten wir diese neue Sache, die wie eine Unterhaltung, aber auch wie ein Wachzustand absichtlichen Träumens wäre.</seg> |
| <seg id="11">Wir nennen es postsymbolische Kommunikation, weil es genauso ist, als würde man direkt das tun, was man erfahren hat, anstatt indirekt Zeichen zu machen, um sich auf Dinge zu beziehen.</seg> |
| <seg id="12">Es war eine schöne Vision und eine, an die ich nach wie vor glaube, und doch wurde diese schöne Vision von der dunklen Seite verfolgt, in die sie sich auch verwandelt könnte.</seg> |
| <seg id="13">Ich glaube, ich könnte etwas von einem der ersten Informatiker erwähnen, dessen Name Norbert Wiener war. Er schrieb damals in den 50ern ein Buch, noch bevor ich geboren war, namens "Mensch und Menschmaschine". In diesem Buch beschrieb er das Potenzial ein Computersystem zu errichten, das Daten von Menschen sammeln würde und diesen Menschen in Echtzeit Feedback geben würde, um diese in eine, teils statistische, "Enthäutungs-Box" zu stecken; in ein Verhaltenssystem und er hat dieses fantastische Zitat, in dem er sagt, man kann es sich als Gedankenexperiment vorstellen — und ich umschreibe es, es ist kein Zitat — man könnte es sich als globales Computersystem vorstellen, bei dem jeder jederzeit Geräte bei sich trägt und die Geräte einem basierend auf dem, was man macht, Feedback geben und die gesamte Bevölkerung bis zu einem gewissen Grad einer Verhaltensmodifikation unterliegt.</seg> |
| <seg id="14">Eine solche Gesellschaft wäre verrückt, könnte nicht überleben und könnte nicht ihren Problemen begegnen.</seg> |
| <seg id="15">Und dann sagt er, dass es nur ein Gedankenexperiment ist und das eine solche Zukunft technologisch nicht umsetzbar wäre.</seg> |
| <seg id="16">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="17">Und doch ist es, natürlich, das, was wir geschaffen haben, und wir müssen es rückgängig machen, wenn wir überleben wollen. Also —</seg> |
| <seg id="18">(Applaus)</seg> |
| <seg id="19">Ich bin überzeugt, dass wir einen ganz bestimmten Fehler gemacht haben und dieser ist sehr früh passiert und wenn wir den Fehler verstehen, können wir ihn rückgängig machen.</seg> |
| <seg id="20">Es passierte in den 90ern und zieht sich bis zur Jahrhundertwende.</seg> |
| <seg id="21">Dabei passierte Folgendes: Die frühe digitale Kultur, und sogar die digitale Kultur bis zum heutigen Tag, trug ein Gefühl von linker, sozialistischer Mission mit sich, das anders als bei anderen Dingen, wie die Erfindung von Büchern, alles im Internet vollkommen öffentlich und kostenlos verfügbar sein muss, weil selbst, wenn eine Person es sich nicht leisten kann, dies diese schreckliche Ungleichheit schaffen würde.</seg> |
| <seg id="22">Nun gibt es natürlich andere Wege damit umzugehen.</seg> |
| <seg id="23">Wenn Bücher Geld kosten, gibt es öffentliche Bibliotheken. Und so weiter. Aber wir dachten uns nein, das ist etwas anderes.</seg> |
| <seg id="24">Das muss ein reines öffentliches Gut sein; genau das wollen wir.</seg> |
| <seg id="25">Und dieser Geist lebt weiter.</seg> |
| <seg id="26">Man kann es etwa an Umsetzungen wie Wikipedia und an vielen anderen sehen.</seg> |
| <seg id="27">Zur selben Zeit jedoch glaubten wir, mit gleicher Leidenschaft, an diese andere Sache, die damit komplett inkompatibel war, wir liebten nämlich unsere Hightech-Unternehmer.</seg> |
| <seg id="28">Wir liebten Steve Jobs, wir liebten diesen Nietzsche-Mythos des Technikfreaks, der das Universum verformen kann. Oder? Diese mystische Kraft hat immer noch Besitz von uns.</seg> |
| <seg id="29">Also hat man diese zwei verschiedenen Leidenschaften, alles kostenlos zu gestalten und die nahezu übernatürliche Macht der Technikunternehmer.</seg> |
| <seg id="30">Wie feiert man Unternehmertum, wenn alles kostenlos ist?</seg> |
| <seg id="31">Es gab damals nur eine Lösung, welche das Werbemodell war.</seg> |
| <seg id="32">Und so war folglich Google entstanden: kostenlos, mit Werbung, Facebook war geboren, ebenfalls kostenlos, mit Werbung.</seg> |
| <seg id="33">Zu Beginn war es süß, wie mit dem frühesten Google.</seg> |
| <seg id="34">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="35">Die Werbung war wirklich mehr oder weniger Werbung.</seg> |
| <seg id="36">Dort fand man seinen lokalen Zahnarzt oder so etwas.</seg> |
| <seg id="37">Aber es gibt das sogennante Mooresche Gesetz, das Computer immer effizienter und günstiger macht.</seg> |
| <seg id="38">Die Algorithmen werden besser.</seg> |
| <seg id="39">Wir haben Universitäten, an denen Leute das studieren und sie werden immer besser.</seg> |
| <seg id="40">De Kunden und andere Instanzen, die diese Systeme nutzen, haben mehr Erfahrung gesammelt und sind immer schlauer geworden.</seg> |
| <seg id="41">Was als Werbung begann, kann wirklich nicht mehr Werbung genannt werden.</seg> |
| <seg id="42">Es wurde zu Verhaltensmodifikation, genauso wie Norbert Wiener es befürchtet hat.</seg> |
| <seg id="43">Deshalb kann ich diese Dinge nicht mehr soziale Netzwerke nennen.</seg> |
| <seg id="44">Ich nenne sie Imperien der Verhaltensmodifikation.</seg> |
| <seg id="45">(Applaus)</seg> |
| <seg id="46">Und ich weigere mich, diese Individuen zu verunglimpfen.</seg> |
| <seg id="47">Ich habe bei diesen Unternehmen geschätzte Freunde, habe ein Unternehmen an Google verkauft, obwohl es eines dieser Imperien ist.</seg> |
| <seg id="48">Ich glaube, es ist kein Fall von bösen Leuten, die etwas Schlimmes getan haben.</seg> |
| <seg id="49">Ich glaube, es ist ein Fall eines global tragischen, erstaunlich albernen Fehlers, anstatt einer Welle des Bösen.</seg> |
| <seg id="50">Lassen Sie mich Ihnen nur ein paar weitere Details geben, wie genau dieser Fehler funktioniert.</seg> |
| <seg id="51">Mit Behaviourismus gibt man also dem Wesen, egal ob es eine Ratte, ein Hund oder ein Mensch ist, kleine Belohnungen und manchmal kleine Bestrafungen als Rückmeldung zu dem, was es tut.</seg> |
| <seg id="52">Hat man ein Tier in einem Käfig, kann es Süßes und Elektroschocks sein.</seg> |
| <seg id="53">Hat man aber ein Smartphone, dann ist es keines dieser Dinge, sondern symbolische Bestrafungen und Belohnungen.</seg> |
| <seg id="54">Pawlow, einer der ersten Behaviouristen, demonstrierte das bekannte Prinzip.</seg> |
| <seg id="55">Man kann einen Hund trainieren nur durch eine Glocke zu sabbern, nur durchs Symbol.</seg> |
| <seg id="56">Auf sozialen Netzwerken fungieren also soziale Bestrafungen und Belohnungen als Strafen und Belohnungen.</seg> |
| <seg id="57">Wir alle wissen, wie sich diese Dinge anfühlen.</seg> |
| <seg id="58">Man hat diesen Nervenkitzel — "Jemand mag meine Sachen und es wiederholt sich." Oder die Strafe: "Oh mein Gott, sie mögen mich nicht, vielleicht ist jemand anderes beliebter, oh mein Gott." Man hat also diese zwei häufigen Gefühle und sie sind so verteilt, dass man in dieser Schleife gefangen ist.</seg> |
| <seg id="59">Viele Gründer dieses Systems haben öffentlich zugegeben, dass jeder wusste, was vor sich geht.</seg> |
| <seg id="60">Hier ist jedoch der Punkt: In wissenschaftlichen Studien der Methoden des Behaviourismus gab es traditionell Vergleiche positiver und negativer Reize.</seg> |
| <seg id="61">In dieser Umgebung, einer kommerziellen Umgebung, gibt es einen neuen Unterschied, der sich der wissenschaftlichen Welt für eine Zeit entzogen hat. Und dieser Unterschied ist, dass egal ob positive Reize unter bestimmten Umständen effektiver als negative sind, so sind die negativen günstiger.</seg> |
| <seg id="62">Sie sind die gehandelten Reize.</seg> |
| <seg id="63">Was ich also damit meine, ist, dass es viel leichter ist, Vertrauen zu verlieren, als Vertrauen aufzubauen.</seg> |
| <seg id="64">Es benötigt viel Zeit Liebe aufzubauen.</seg> |
| <seg id="65">Es braucht wenig Zeit, um Liebe zu zerstören.</seg> |
| <seg id="66">Nun sind die Kunden dieser Imperien der Verhaltensmodifikation in einer sehr schnellen Schleife.</seg> |
| <seg id="67">Sie sind fast wie Hochfrequenzhändler.</seg> |
| <seg id="68">Sie kriegen Feedback von ihrem Konsum oder welchen Aktivitäten auch immer, wenn sie nicht konsumieren und sie sehen, was funktioniert und sie wollen mehr davon.</seg> |
| <seg id="69">So kriegen sie also das schnelle Feedback, welches bedeutet, dass sie den negativen Emotionen mehr Beachtung schenken, da diese sich schneller entwickeln, richtig?</seg> |
| <seg id="70">Deshalb werden sogar gut gesinnte Mitspieler, die denken, dass nur Werbung für Zahnpasta gemacht wird, letztendlich dazu beitragen, die Anliegen negativer Leute, negativer Emotionen, der Spinner, der Paranoiden, der Zyniker und der Nihilisten voranzutreiben.</seg> |
| <seg id="71">Dies sind diejenigen, die vom System bestärkt werden.</seg> |
| <seg id="72">Man kann keines dieser Unternehmen so leicht dafür bezahlen, um die Welt plötzlich nett zu machen und die Demokratie zu verbessern, wie man sie dafür bezahlen kann, diese Dinge zu ruinieren.</seg> |
| <seg id="73">Das ist das Dilemma, in das wir uns gebracht haben.</seg> |
| <seg id="74">Die Alternative ist, die Zeit mit großen Schwierigkeiten zurückzudrehen und diese Entscheidung neu zu treffen.</seg> |
| <seg id="75">Es neu zu gestalten, würde zwei Dinge bedeuten.</seg> |
| <seg id="76">Es würde erstens bedeuten, dass viele Leute, die es sich leisten können, tatsächlich für diese Dinge bezahlen würden.</seg> |
| <seg id="77">Man würde für die Suche und für soziale Medien bezahlen.</seg> |
| <seg id="78">Wie würdest man bezahlen?</seg> |
| <seg id="79">Vielleicht mit einer Anmeldungsgebühr vielleicht mit Mikrotransaktionen, während man sie nutzt.</seg> |
| <seg id="80">Es gibt viele Optionen.</seg> |
| <seg id="81">Wenn manche von Ihnen zurückschrecken und denken: "Oh mein Gott, ich würde nie für diese Dinge zahlen.</seg> |
| <seg id="82">Wie könnte man jemanden dazu bringen, zu zahlen? "Dann möchte ich Sie an etwas erinnern, dass gerade passiert ist.</seg> |
| <seg id="83">Zu der selben Zeit, zu der Unternehmen wie Google und Facebook ihre freies Konzept vorstellten, glaubten viele Vertreter digitaler Kultur, dass in der Zukunft Fernseher und Filme in etwa so gemacht werden würden wie Wikipedia.</seg> |
| <seg id="84">Dann sagten jedoch Unternehmen wie Netflix, Amazon, HBO: "Wisst ihr was, abonniert uns.</seg> |
| <seg id="85">Wir liefern euch großartiges Fernsehen. "Und es hat funktioniert!</seg> |
| <seg id="86">Wir befinden uns nun in der "Peak TV" genannten Periode, oder?</seg> |
| <seg id="87">Wenn man also für Dinge bezahlt, werden sie besser.</seg> |
| <seg id="88">Wir können uns eine hypothetische —</seg> |
| <seg id="89">(Applaus)</seg> |
| <seg id="90">Wir können uns eine hypothetische Welt des "Peak Social Media" vorstellen. Wie wäre das? Es würde bedeuten, dass man, sobald man online geht, sehr nützliche, maßgebliche medizinische Ratschläge anstelle von Spinnern sieht.</seg> |
| <seg id="91">Es könnte bedeuten, man bekäme Fakten, wenn man möchte, und es gäbe keinen Haufen schräger, paranoider Verschwörungstheorien.</seg> |
| <seg id="92">Wir können uns diese wunderbar andere Möglichkeit vorstellen. Ah. Ich träume davon. Ich glaube, dass es möglich ist.</seg> |
| <seg id="93">Ich bin sicher, dass es möglich ist.</seg> |
| <seg id="94">Und ich bin sicher, dass die Unternehmen, die Googles und Facebooks, sich in dieser Welt besser machen würden.</seg> |
| <seg id="95">Ich glaube nicht, dass wir Silicon Valley bestrafen sollten.</seg> |
| <seg id="96">Wir müssen nur die Entscheidung neu gestalten.</seg> |
| <seg id="97">Von den großen Technologieunternehmen sind es nur zwei, die auf Verhaltensmodifikation und Spionage als Geschäftsmodell vertrauen.</seg> |
| <seg id="98">Das sind Google und Facebook.</seg> |
| <seg id="99">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="100">Leute, ich liebe euch.</seg> |
| <seg id="101">Ich tue es wirklich.</seg> |
| <seg id="102">Die Leute sind fantastisch.</seg> |
| <seg id="103">Wenn ich dürfte, würde ich gerne darauf hinweisen, dass beispielsweise Google, endlos Kostenstellen verbreiten kann mit all diesen Unternehmen, sie aber keine Profitzentren verbreiten können.</seg> |
| <seg id="104">Sie können nicht diversifizieren, weil sie gefangen sind.</seg> |
| <seg id="105">Sie sind in diesem Modell gefangen, genau wie ihre eigenen Nutzer.</seg> |
| <seg id="106">Sie sind in derselben Falle, wie ihre Nutzer und so kann man ein großes Unternehmen nicht führen.</seg> |
| <seg id="107">Dies ist letztlich ganz zum Vorteil der Aktionäre und anderer Interessensgruppen dieser Unternehmen.</seg> |
| <seg id="108">Es ist eine Win-Win-Lösung.</seg> |
| <seg id="109">Es wird nur ein wenig Zeit brauchen das herauszufinden.</seg> |
| <seg id="110">Viele Details sind herauszuarbeitend, absolut machbar.</seg> |
| <seg id="111">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="112">Ich glaube nicht, dass unsere Spezies überleben kann, es sei denn wir lösen das.</seg> |
| <seg id="113">Wir können keine Gesellschaft haben, in der, sofern zwei Leute miteinander kommunizieren wollen, kein Weg daran vorbeiführt, dass dies nur durch Finanzierung einer dritten Person erfolgen kann, die diese manipulieren will.</seg> |
| <seg id="114">(Applaus) (Applaus endet)</seg> |
| <seg id="115">Falls sich die Unternehmen in der Zwischenzeit nicht ändern, löschen Sie ihre Accounts, okay?</seg> |
| <seg id="116">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="117">(Applaus)</seg> |
| <seg id="118">Das reicht für jetzt. Vielen Dank.</seg> |
| <seg id="119">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="15471" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, collaboration, communication, leadership, social change, society, trust, work, business</keywords> |
| <speaker>Frances Frei</speaker> |
| <talkid>15471</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Vertrauen ist die Grundlage für alles, was wir tun. Aber was machen wir, wenn es zerstört ist? In einem aufschlussreichen Vortrag gibt die Harvard Business School Professorin Frances Frei einen Crashkurs im Vertrauen: wie man es baut, pflegt und wieder aufbaut -- etwas, woran sie kürzlich bei Uber gearbeitet hat. "Wenn wir lernen können, einander mehr zu vertrauen, können wir einen beispiellosen menschlichen Fortschritt erreichen", sagt Frei.</description> |
| <title>Frances Frei: Wie man Vertrauen aufbaut (und wiederherstellt)</title> |
| <seg id="1">Ich möchte mit Ihnen darüber sprechen, wie man Vertrauen aufbaut und wiederherstellt, weil ich glaube, dass Vertrauen die Grundlage für alles ist, was wir tun. Wenn wir lernen, einander mehr zu vertrauen, kann es zu beispiellosen menschlichen Fortschritten kommen.</seg> |
| <seg id="2">Aber was, wenn Vertrauen zerstört ist?</seg> |
| <seg id="3">Was, wenn Ihr Chef auf Video ertappt wird, wie er einen Mitarbeiter abfällig behandelt?</seg> |
| <seg id="4">Was ist, wenn Ihre Mitarbeiter eine Kultur der Vorurteile, Ausgrenzung oder gar Schlimmerem erleben?</seg> |
| <seg id="5">Was ist, wenn es einen Datenmissbrauch gibt, und alles sieht eher nach Vertuschung aus, als nach einem ernsthaften Umgang damit?</seg> |
| <seg id="6">Und am tragischsten: Was, wenn ein technologisches Versagen zum Verlust von Menschenleben führt?</seg> |
| <seg id="7">Vor sechs Monaten hätte ich diesen Vortrag in einem Uber T-Shirt gehalten.</seg> |
| <seg id="8">Ich bin Professor an der Harvard Businenss School, aber ich wollte unbedingt in eine Organisation gehen, die metaphorisch und vielleicht auch buchstäblich, in Flammen stand.</seg> |
| <seg id="9">Ich hatte alles gelesen, was in der Zeitung stand, und genau das hat mich zu der Organisation hingezogen.</seg> |
| <seg id="10">Dies war eine Organisation, die Vertrauen in jeder Hinsicht verloren hatte.</seg> |
| <seg id="11">Aber sie sollten eines über mich wissen.</seg> |
| <seg id="12">Mein liebster Wesenszug ist Erlösung.</seg> |
| <seg id="13">Ich glaube, dass überall eine bessere Version von uns lauert. Ich habe selbst erlebt, wie Organisationen, Gemeinschaften und Individuen sich mit atemberaubender Geschwindigkeit verändert haben.</seg> |
| <seg id="14">Ich ging zu Uber mit der Hoffnung, dass, wenn dort eine Wende stattfindet es alle anderen ermutigt, deren Herausforderungen vielleicht nicht ganz so groß sind.</seg> |
| <seg id="15">Aber als ich nach Uber kam, habe ich einen großen Fehler gemacht.</seg> |
| <seg id="16">Ich habe mich öffentlich verpflichtet, solange täglich ein Uber T-Shirt zu tragen bis auch jeder andere Angestellte ein Uber T-Shirt trägt.</seg> |
| <seg id="17">Ganz klar, ich hatte das nicht durchdacht.</seg> |
| <seg id="18">(Lachen)</seg> |
| <seg id="19">250 Tage lang trug ich ein Uber T-Shirt.</seg> |
| <seg id="20">Jetzt bin ich von dieser Verpflichtung befreit, weil ich wieder bei HBS bin, und ich möchte Ihnen gerne zeigen wie weit meine Freiheit geht. Es sind Babyschritte,</seg> |
| <seg id="21">(Lachen)</seg> |
| <seg id="22">aber immerhin, ich bin auf dem Weg.</seg> |
| <seg id="23">(Lachen)</seg> |
| <seg id="24">Wenn man Vertrauen wieder aufbauen will, muss man seine Bestandteile verstehen.</seg> |
| <seg id="25">Die Komponenten des Vertrauens kennt man sehr gut.</seg> |
| <seg id="26">Vertrauen besteht aus drei Dingen.</seg> |
| <seg id="27">Wenn Sie wahrnehmen, dass ich authentisch bin, vertrauen Sie mir sehr viel eher.</seg> |
| <seg id="28">Wenn Sie erkennen, dass meine Argumente stringent sind, vertrauen Sie mir viel eher.</seg> |
| <seg id="29">Und wenn Sie glauben, dass meine Empathie auf Sie gerichtet ist, vertrauen Sie mir viel eher.</seg> |
| <seg id="30">Wenn alle drei Dinge zusammen kommen, entsteht großes Vertrauen.</seg> |
| <seg id="31">Aber wenn ein Aspekt von diesen dreien brüchig ist, wenn nur eins von diesen dreien wackelt, ist Vertrauen bedroht.</seg> |
| <seg id="32">Jetzt möchte ich Folgendes tun.</seg> |
| <seg id="33">Ich möchte, dass wir alle morgen mehr Vertrauen schaffen können — buchstäblich morgen — als wir es heute können.</seg> |
| <seg id="34">Der Weg dahin ist das Verständnis, wo wir selbst Vertrauen schwächen, und ein fertiges Rezept, wie man das überwindet.</seg> |
| <seg id="35">Das würde ich gerne zusammen mit Ihnen machen.</seg> |
| <seg id="36">Ich würde gerne wahrnehmen, ob Sie freiwillig hier sind oder nicht?</seg> |
| <seg id="37">(Lachen)</seg> |
| <seg id="38">Ja. Okay. In Ordnung. Genial. Okay. Damit —</seg> |
| <seg id="39">(Lachen)</seg> |
| <seg id="40">Das ist einfach super hilfreiches Feedback.</seg> |
| <seg id="41">(Lachen)</seg> |
| <seg id="42">Am häufigste hakt es bei der Empathie.</seg> |
| <seg id="43">Die häufigste Ursache ist, dass die Leute einfach nicht glauben, dass wir vor allem für sie da sind. Sie glauben, dass wir zu sehr selbst-orientiert sind.</seg> |
| <seg id="44">Und das ist kein Wunder.</seg> |
| <seg id="45">Wir sind alle so beschäftigt, mit all den Anforderungen an unsere Zeit. Es ist leicht, die Zeit und den Raum die die Empathie braucht, zu verdrängen.</seg> |
| <seg id="46">Damit Dylan, Dylan sein kann, braucht es wirklich Zeit.</seg> |
| <seg id="47">Und wir, wenn wir zu viel zu tun haben, haben diese Zeit vielleicht nicht.</seg> |
| <seg id="48">Aber das bringt uns in einen Teufelskreis, weil ohne Empathie zu zeigen, wird alles schwieriger.</seg> |
| <seg id="49">Ohne Vertrauensvorschuss ist alles schwieriger, und dann haben wir immer weniger Zeit für Empathie, und so weiter.</seg> |
| <seg id="50">Hier ist das Rezept: Identifizieren Sie wo, wann und bei wem Sie sich sehr wahrscheinlich ablenken lassen.</seg> |
| <seg id="51">Das sollte ziemlich gut übereinstimmen mit wann, wo und wem Sie wahrscheinlich keine Empathie entgegenbringen.</seg> |
| <seg id="52">Und wenn wir in diesen Fällen einen Auslöser finden können, der uns dazu bringt, aufzuschauen, die Leute direkt vor uns anzuschauen, ihnen zuzuhören, uns tief in ihre Perspektiven hineinzuversetzen, dann können wir ein starkes Einfühlungsvermögen entwickeln.</seg> |
| <seg id="53">Und wenn Sie sonst nichts tun: bitte legen Sie Ihr Handy weg.</seg> |
| <seg id="54">Es ist der größte Ablenkungsmagnet, der jemals hergestellt wurde, und es ist sehr schwierig, Empathie und Vertrauen in seiner Gegenwart zu schaffen.</seg> |
| <seg id="55">Das hilft bei Empathie-Störungen.</seg> |
| <seg id="56">Logik-Störungen können zwei Formen annehmen.</seg> |
| <seg id="57">Entweder liegt es an der Qualität Ihrer Logik oder an Ihrer Fähigkeit, diese zu kommunizieren.</seg> |
| <seg id="58">Wenn es an der Qualität Ihrer Argumentation liegt, kann ich Ihnen nicht wirklich helfen.</seg> |
| <seg id="59">(Lachen)</seg> |
| <seg id="60">Zumindest nicht in dieser kurzen Zeit.</seg> |
| <seg id="61">(Lachen)</seg> |
| <seg id="62">Glücklicherweise ist es oft so, dass unsere Argumente vernünftig sind, aber unsere Fähigkeit, die Logik zu vermitteln ist unzureichend.</seg> |
| <seg id="63">Zum Glück gibt es eine sehr einfache Lösung dafür.</seg> |
| <seg id="64">Wenn wir beachten, dass es auf der Welt zwei Arten der Kommunikation gibt — HBS Professoren sind bekannt für Ihre Zweiergruppen — Unsinn, es ist das Dreieck, das rockt.</seg> |
| <seg id="65">(Lachen)</seg> |
| <seg id="66">Beachten Sie, dass es auf der Welt zwei Arten der Kommunikation gibt: Die erste ist, wenn man jemanden mit auf eine Reise nimmt, eine herrliche Reise, mit gewundenen Pfaden, Geheimnissen und Dramatik, bis man schließlich auf den Punkt kommt. Einige der besten Kommunikatoren der Welt kommunizieren genau so.</seg> |
| <seg id="67">Aber wenn Sie ein Logik-Problem haben, kann das sehr gefährlich sein.</seg> |
| <seg id="68">Stattdessen, ich flehe ich sie an, starten Sie mit Ihrem Punkt mit einem knackigen Halbsatz, und dann geben Sie Ihre unterstützenden Beweise.</seg> |
| <seg id="69">So können die Menschen Zugang zu unseren tollen Ideen bekommen, und genauso wichtig, wenn Sie unterbrochen werden, bevor Sie fertig sind... Meine Damen —</seg> |
| <seg id="70">(Lachen)</seg> |
| <seg id="71">(Beifall)</seg> |
| <seg id="72">Wenn Sie unterbrochen werden, bevor Sie fertig sind, bleibt die Idee doch noch Ihr Verdienst, im Gegensatz zu jemand anderem, der reinkommt und sie Ihnen entreißt.</seg> |
| <seg id="73">(Beifall)</seg> |
| <seg id="74">Ich bekomme grade eine Gänsehaut.</seg> |
| <seg id="75">(Lachen)</seg> |
| <seg id="76">Die dritte Schwäche ist Authentizität, und ich finde das am ärgerlichsten.</seg> |
| <seg id="77">Wir als menschliche Spezies können in einem Moment spüren, buchstäblich in einem Moment, ob jemand sein authentisches, wahres Selbst ist oder nicht.</seg> |
| <seg id="78">In vielerlei Hinsicht ist das Rezept klar.</seg> |
| <seg id="79">Sie wollen kein Problem mit Authentizität haben? Sei du selbst. Großartig. Das ist super einfach, wenn die Menschen um Sie herum, wie Sie selbst sind.</seg> |
| <seg id="80">Aber wenn Sie irgendeine Art von Unterschied darstellen, kann das Rezept "sei du selbst" super herausfordernd sein.</seg> |
| <seg id="81">Ich war da herausgefordert, bei jedem Schritt meiner Karriere, persönlich und durch das Verhalten anderer, zu verschweigen, wer ich in der Welt bin.</seg> |
| <seg id="82">Ich bin eine Frau mit super starken Meinungen, mit wirklich tiefen Überzeugungen, offenen Worten.</seg> |
| <seg id="83">Ich habe eine fantastische Frau, und zusammen haben wir solch verrückten Ehrgeiz.</seg> |
| <seg id="84">Ich bevorzuge Männerkleidung und bequeme Schuhe.</seg> |
| <seg id="85">Danke, Allbirds [Schuhmarke].</seg> |
| <seg id="86">(Lachen)</seg> |
| <seg id="87">In manchen Kontexten macht mich das anders.</seg> |
| <seg id="88">Ich hoffe, dass jede Person hier den schönen Luxus hat, einen Unterschied zu repräsentieren, in irgendeinem Zusammenhang ihres Lebens.</seg> |
| <seg id="89">Aber mit diesem Privileg kommt die sehr ernste Versuchung, zu verschweigen, wer wir sind.</seg> |
| <seg id="90">Wenn wir verschweigen, wer wir sind, vertraut man uns wahrscheinlich weniger, Wenn man uns weniger vertraut, gibt man uns wahrscheinlich seltener spannende Aufgaben.</seg> |
| <seg id="91">Und ohne diese spannenden Aufträge, werden wir weniger befördert, und so weiter und so weiter, bis wir super deprimiert sind durch die demographischen Tendenzen unserer Führungsspitze.</seg> |
| <seg id="92">(Lachen)</seg> |
| <seg id="93">Und alles kommt darauf zurück, ob wir unser authentisches Selbst sind.</seg> |
| <seg id="94">Also hier ist mein Rat.</seg> |
| <seg id="95">Tragen Sie alles, womit Sie sich besonders wohl fühlen.</seg> |
| <seg id="96">Achten Sie weniger auf das, was die Leute Ihrer Meinung nach hören möchten, sondern viel mehr auf das, was Ihr authentisches, wunderbares Selbst sagen möchte.</seg> |
| <seg id="97">Und zu den Führungskräften im Raum, Es ist Ihre Pflicht eine Umgebung zu schaffen, in der es nicht nur sicher ist, authentisch zu sein, sondern sogar willkommen, wo es gefeiert wird, geschätzt wird für genau, was es ist. Das ist der Schlüssel zu mehr Spitzenleistung als wir uns jemals vorstellen können.</seg> |
| <seg id="98">Lasst uns zurück zu Uber gehen.</seg> |
| <seg id="99">Was ist bei Uber passiert?</seg> |
| <seg id="100">Als ich dort ankam, wankte Uber überall herum.</seg> |
| <seg id="101">Empathie, Logik, Authentizität wackelten wie verrückt.</seg> |
| <seg id="102">Wir konnten super effektive und schnelle Korrekturen für zwei der Störungen finden.</seg> |
| <seg id="103">Ich werde Ihnen das für die Empathie illustrieren.</seg> |
| <seg id="104">Bei den Treffen in Uber, war es nicht ungewöhnlich, dass Leute sich gegenseitig SMS sandten... über das Treffen.</seg> |
| <seg id="105">(Lachen)</seg> |
| <seg id="106">So etwas hatte ich noch nie gesehen.</seg> |
| <seg id="107">(Lachen)</seg> |
| <seg id="108">Es mag für vieles gut sein, aber es schafft keine sichere, einfühlsame Umgebung.</seg> |
| <seg id="109">Die Lösung ist super klar: Technologie aus und weg.</seg> |
| <seg id="110">Und das zwang die Menschen aufzublicken, um die Menschen vor ihnen zu sehen, um ihnen zuzuhören, in ihre Perspektiven einzutauchen und auf beispiellose Weise zusammenzuarbeiten.</seg> |
| <seg id="111">Logik war ebenso wackelig, und zwar, weil das Hyperwachstum der Organisation dazu führte, dass Leute, Manager, immer wieder befördert wurden.</seg> |
| <seg id="112">Bald wurden sie in Positionen gebracht, in denen sie nichts zu suchen hatten.</seg> |
| <seg id="113">Ihre Positionen übertrafen ihre Fähigkeiten, und es war nicht ihre Schuld.</seg> |
| <seg id="114">Die Lösung: ein massiver Zustrom von Führungskräfteausbildung, die sich speziell auf Logik konzentrierte, auf Strategie und Führung.</seg> |
| <seg id="115">Es gab den Menschen die Strenge der Qualität ihrer Logik, und ganz viele Dreiecke wurden umgedreht, mit der richtigen Seite nach oben, so dass die Menschen effektiv miteinander kommunizieren konnten.</seg> |
| <seg id="116">Der letzte Punkt, Authentizität, ist immer noch mächtig wackelig, aber ehrlich gesagt, da unterscheidet sich Uber nicht sehr von allen anderen Firmen, die ich im Silicon Valley und sonst wo gesehen habe.</seg> |
| <seg id="117">Es ist immer noch viel einfacher, Menschen beizubringen, sich anzupassen.</seg> |
| <seg id="118">Es ist immer noch viel einfacher, Menschen zu belohnen wenn sie sagen, was man selbst meint, anstatt die zu belohnen, die etwas ganz anderes sagen als das, was man selbst meint.</seg> |
| <seg id="119">Aber wenn wir das herausfinden, wenn wir herausfinden, wie man Unterschiede feiert und wie man Leute befähigt, die beste Version von sich selbst zu entwickeln, Gute Güte! Das ist die Welt, in der meine Söhne aufwachsen sollen.</seg> |
| <seg id="120">Und es wäre ein Privileg mit all den Menschen hier, Arm in Arm loszugehen und das Vertrauen in jeder Ecke der Welt wieder aufzubauen.</seg> |
| <seg id="121">Vielen Dank.</seg> |
| <seg id="122">(Beifall)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="17275" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, art, collaboration, communication, community, creativity, democracy, history, performance art, politics, society, social change, theater, United States</keywords> |
| <speaker>Oskar Eustis</speaker> |
| <talkid>17275</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: "Die Wahrheit ergibt sich aus dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher Ideen, und eine wesentliche Rolle des Theaters besteht darin, uns diese Wahrheit zu zeigen", sagt der legendäre Intendant Oskar Eustis. In diesem überzeugenden Vortrag erläutert Eustis seinen Plan, Menschen an Orten in der gesamten USA zu erreichen (und ihnen zuzuhören), dort, wo Theater und viele andere Institutionen nicht existieren, wie z. B. im deindustrialisierten "Rust Belt" (Rostgürtel). "Es ist unsere Aufgabe, unseren Mitbürgern eine Vision vor Augen zu führen, die ihnen nicht nur zeigt, wer wir alle im Einzelnen sind, sondern die uns wieder zu der Gemeinschaft zusammenschweißt, die wir sein müssen", sagt Eustis. "Das ist die Aufgabe des Theaters."</description> |
| <title>Oskar Eustis: Warum Theater unentbehrlich für die Demokratie ist</title> |
| <seg id="1">Theater ist wichtig, weil Demokratie wichtig ist.</seg> |
| <seg id="2">Das Theater ist die wesentliche Kunstform der Demokratie, und das ist bekannt, weil beide in derselben Stadt entstanden.</seg> |
| <seg id="3">Die Idee der westlichen Demokratie ist über 7000 Jahre alt.</seg> |
| <seg id="4">Natürlich war sie sehr unvollständig und fehlerhaft, aber das Konzept, dass Herrscher mit Einwilligung des Volkes regieren, dass Macht von unten nach oben fließen sollte und nicht umgekehrt, stammt aus jenem Jahrzehnt.</seg> |
| <seg id="5">Zu dieser Zeit soll jemand namens Thespis die Idee des Dialogs erfunden haben.</seg> |
| <seg id="6">Was heißt das: den Dialog erfinden?</seg> |
| <seg id="7">Wir wissen, dass sich für das Fest zu Ehren Dionysos' die gesamte Bevölkerung Athens bei der Akropolis versammelte. Man hörte Musik und sah den Tänzern zu, und es wurden Geschichten erzählt.</seg> |
| <seg id="8">Beim Erzählen geht es zu wie gerade jetzt: Ich stehe hier oben als alleinige Autorität, und ich spreche zu Ihnen.</seg> |
| <seg id="9">Sie lehnen sich zurück und hören mir zu.</seg> |
| <seg id="10">Vielleicht sind Sie dagegen, halten mich für einen Idioten, oder langweilen sich zu Tode, aber dieser Dialog findet vorwiegend in Ihren Köpfen statt.</seg> |
| <seg id="11">Doch was geschieht, wenn ich mich, anstatt mit Ihnen zu reden — so dachte Thespis —, um 90 Grad nach links drehe und mit einer anderen Person hier auf der Bühne spreche?</seg> |
| <seg id="12">Plötzlich ist alles anders, denn ich bin nicht mehr im Alleinbesitz der Wahrheit; ich bin ein Typ mit einer Meinung.</seg> |
| <seg id="13">Ich spreche mit jemand anderem.</seg> |
| <seg id="14">Und dieser Andere hat auch eine Meinung!</seg> |
| <seg id="15">Und das ist Drama, Konflikt — wir stimmen nicht überein.</seg> |
| <seg id="16">Es gibt einen Konflikt zwischen zwei Ansichten.</seg> |
| <seg id="17">Daraus ergibt sich die These, dass die Wahrheit nur durch den Konflikt verschiedener Ansichten ans Licht kommt.</seg> |
| <seg id="18">Sie ist nicht im Besitz eines Einzelnen.</seg> |
| <seg id="19">Wer an Demokratie glaubt, muss an dieses Prinzip glauben.</seg> |
| <seg id="20">Wer nicht daran glaubt, ist ein Autokrat, der die Demokratie nur in Kauf nimmt.</seg> |
| <seg id="21">Die Grundthese der Demokratie ist, dass Meinungsverschiedenheiten zur Wahrheit führen.</seg> |
| <seg id="22">Was passiert da noch? Ich fordere Sie nicht auf, mir nur entspannt zuzuhören, sondern sich aktiv meinen Standpunkt vorzustellen, was ich als Darsteller wahrnehme und fühle.</seg> |
| <seg id="23">Und dann fordere ich Sie auf, umzuschalten und sich vorzustellen, wie es im anderen Sprecher aussieht.</seg> |
| <seg id="24">Ich bitte Sie um Einfühlungsvermögen.</seg> |
| <seg id="25">Die Idee, dass man durch Widersprüche zur Wahrheit gelangt, sowie der emotionale Impuls des Einfühlungsvermögens sind die notwendigen Werkzeuge einer demokratischen Bürgerschaft.</seg> |
| <seg id="26">Was geschieht noch? Das dritte Element sind Sie selbst, die Gemeinschaft, das Publikum.</seg> |
| <seg id="27">Und Sie wissen aus eigener Erfahrung: Wenn Sie ins Kino gehen und es leer ist, dann freuen Sie sich, weil Sie beim Zuschauen nichts stört.</seg> |
| <seg id="28">Sie können sich ausbreiten, die Beine über den Vordersitz legen und genussvoll Popcorn essen.</seg> |
| <seg id="29">Aber wenn Sie ins Theater gehen und es nur halb voll ist, dann wird Ihnen angst.</seg> |
| <seg id="30">Sie sind sofort enttäuscht, denn ob Sie es wussten oder nicht, Sie sind ins Theater gegangen, um Teil eines Publikums zu sein.</seg> |
| <seg id="31">Sie sind da, um gemeinsam zu lachen, zu weinen, gespannt darauf zu warten, was als Nächstes geschieht.</seg> |
| <seg id="32">Sie haben das Theater vielleicht als Einzelperson betreten, aber wenn das Theater sein Metier versteht, dann verlassen Sie es als Teil eines Ganzen, als Teil einer Gemeinschaft.</seg> |
| <seg id="33">Das gehört zur DNA meiner Kunstform.</seg> |
| <seg id="34">Zweieinhalbtausend Jahre später beschloss Joe Papp, dass alle US-Bürger ein Recht auf Kultur hätten und dass es seine Aufgabe sei, dieses Versprechen einzulösen.</seg> |
| <seg id="35">Er schuf "Free Shakespeare in the Park".</seg> |
| <seg id="36">Es basiert auf dem einfachen Prinzip, dass das beste Schauspiel, die beste Kunst, die wir bieten können, allen zugänglich sein und allen gehören sollte. Bis heute stehen an jedem Sommerabend 2.000 Menschen im Central Park Schlange, um das beste Schauspiel zu sehen, das wir gratis bieten können.</seg> |
| <seg id="37">Wir ist nicht gewinnorientiert.</seg> |
| <seg id="38">13 Jahre später, im Jahr 1967, kam er auf den Gedanken, dass der demokratische Kreislauf nicht vollständig sei, wenn man dem Publikum nur die Klassiker biete.</seg> |
| <seg id="39">Die Zuschauer sollten ihre eigenen Klassiker schaffen und die Bühne erobern.</seg> |
| <seg id="40">Daher eröffnete Joe 1967 das Public Theater am Astor Place in New York. Seine allererste Inszenierung war die Weltpremiere von "Hair". Bisher hatte er nur Shakespeare produziert.</seg> |
| <seg id="41">Clive Barnes schrieb in der "New York Times", Papp habe offenbar mit einem Besen allen Müll der Straßen im East Village auf die Bühne des "Public" gefegt.</seg> |
| <seg id="42">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="43">Das war kein Kompliment, aber Joe hängte die Kritik im Foyer auf, so stolz war er darauf.</seg> |
| <seg id="44">(Gelächter) (Applaus)</seg> |
| <seg id="45">Das Public Theater produzierte im Folgenden fantastische Stücke: "For Colored Girls Who Have Considered Suicide / When the Rainbow is Enuf", "A Chorus Line" und das für mich außergewöhnlichste Beispiel: Larry Kramers wütenden Aufschrei wegen der AIDS-Krise, "The Normal Heart". Als Joe das Stück 1985 produzierte, erfuhr man in Frank Richs Rezension in der New York Times mehr über AIDS, als die "Times" in den letzten vier Jahren veröffentlicht hatte.</seg> |
| <seg id="46">Durch sein Stück änderte Larry die Auseinandersetzung mit AIDS und Joe tat das mit seiner Produktion.</seg> |
| <seg id="47">Ich hatte das Glück, an Tony Kushners "Engel in Amerika" zu arbeiten und wir merkten, dass durch das Stück und durch "Normal Heart" die Kultur in Bewegung geriet.</seg> |
| <seg id="48">Das Theater war nicht der Anlass, aber es trug dazu bei, die Einstellung gegenüber Schwulen und Lesben in den USA zu ändern Darauf bin ich unglaublich stolz.</seg> |
| <seg id="49">(Applaus)</seg> |
| <seg id="50">Als ich 2005 Joes Stelle beim "Public" übernahm, merkte ich, dass eins unserer Probleme ein Opfer unseres Erfolgs war. "Shakespeare in the Park" war entstanden, um Theater frei zugänglich zu machen. Aber mittlerweile war es fast unmöglich, Karten zu bekommen.</seg> |
| <seg id="51">Viele verbrachten zwei Nächte vor Ort, um eine zu ergattern.</seg> |
| <seg id="52">Was war die Folge?</seg> |
| <seg id="53">98% der Bevölkerung zogen einen Theaterbesuch nicht einmal in Betracht.</seg> |
| <seg id="54">Wir reanimierten also unsere mobile Truppe und brachten Shakespeare in Gefängnisse, Obdachlosenheime, Begegnungsstätten in allen 5 New Yorker Bezirken und sogar in New Jersey und dem Westchester County.</seg> |
| <seg id="55">Das Programm bestätigte etwas, das wir intuitiv wussten: Menschen brauchen Theater genauso dringend wie Essen und Trinken.</seg> |
| <seg id="56">Das Projekt ist ein großer Erfolg und wir führen es weiter.</seg> |
| <seg id="57">Da gab es noch ein weiteres unüberwindbares Hindernis, das Hindernis der Beteiligung.</seg> |
| <seg id="58">Wir fragten uns: Wie können wir das Theater aus einer Ware, einem Objekt wieder dazu machen, was es wirklich ist, ein zwischenmenschliches Beziehungsgeflecht?</seg> |
| <seg id="59">Unter der Leitung des genialen Lear deBessonet entstand das Public-Works-Programm, das jetzt jeden Sommer prunkvolle musikalische Shakespeare-Aufführungen produziert, wo mit dem Tony-Award ausgezeichnete Schauspieler und Musiker gemeinsam mit Kindermädchen und Haushaltshilfen, Kriegsveteranen, kürzlich inhaftierte Gefangene, Amateuren und Profis zusammen auf der Bühne stehen.</seg> |
| <seg id="60">Es ist nicht nur ein großartiges soziales Programm, es ist unsere beste Kunst.</seg> |
| <seg id="61">Man kann also behaupten, dass nicht nur einige wenige von uns künstlerisches Talent besitzen, sondern dass es Teil des menschlichen Wesens ist.</seg> |
| <seg id="62">Einige haben nur viel mehr Zeit, um dieses Talent auszuüben. Und ab und zu —</seg> |
| <seg id="63">(Applaus)</seg> |
| <seg id="64">geschieht ein Wunder wie "Hamilton", Lin-Manuels erstaunliche Neufassung der Gründungsgeschichte unseres Landes aus der Sicht des einzigen Gründervaters, der als uneheliche Waise aus der Karibik einwanderte.</seg> |
| <seg id="65">Lins Ansatz war genau der gleiche wie der Shakespeares: Er benutzte die Stimme des Volkes, die Sprache des Volkes, und erhob sie zur Poesie.</seg> |
| <seg id="66">Dadurch adelte er die Sprache und auch das Volk, das diese Sprache verwendete.</seg> |
| <seg id="67">Und indem Lin das ganze Stück mit dunkelhäutigen Schauspielern besetzte, erreichte er Folgendes: Er erweckte in uns unsere größten Sehnsüchte für die Vereinigten Staaten, unsere besseren Engel Amerikas, unseren Sinn für das Potenzial dieses Landes, für die Inklusion, die dem Amerikanischen Traum zugrunde lag.</seg> |
| <seg id="68">Das löste in mir und unserem Publikum eine Welle des Patriotismus aus. Das Verlangen danach ist offenbar unstillbar.</seg> |
| <seg id="69">Aber es gab eine Kehrseite, und das soll mein letztes Thema sein.</seg> |
| <seg id="70">Wie einige wissen, kam der angehende Vizepräsident Pence nach New York zu einer "Hamilton" -Aufführung.</seg> |
| <seg id="71">Als er hereinkam, buhten ihn einige Theaterbesucher aus.</seg> |
| <seg id="72">Er reagierte wunderbar und sagte: "So klingt Freiheit."</seg> |
| <seg id="73">Zum Schluss verlasen wir auf der Bühne eine meiner Meinung nach sehr respektvolle Erklärung, Der angehende Vizepräsident hörte sie sich an, aber sie löste eine gewisse Entrüstung, einen Twittersturm, aus, sowie einen Internetboykott von "Hamilton" durch wütende Menschen, die sich von uns respektlos behandelt fühlten.</seg> |
| <seg id="74">Der Boykott zeigte mir, dass wir etwas falsch machten.</seg> |
| <seg id="75">All diejenigen, die den Aufruf unterschrieben hatten, würden "Hamilton" sowieso nie sehen.</seg> |
| <seg id="76">Es würde nie eine Aufführung in ihrer Nähe geben.</seg> |
| <seg id="77">Falls doch, könnten sie sich keine Karte leisten oder sie hätten nicht die Beziehungen, um sich eine zu besorgen.</seg> |
| <seg id="78">Sie boykottierten also nicht uns, sondern wir hatten sie boykottiert.</seg> |
| <seg id="79">Wenn Sie sich die rot-blaue Karte der US-Wahllandschaft anschauen und ich behaupten würde: "Blau bezeichnet die wichtigsten gemeinnützigen Kultureinrichtungen", wäre das wahr und Sie würden mir glauben.</seg> |
| <seg id="80">Wir Kulturschaffende haben genau das getan, was Wirtschaft, Bildung und Technologie getan haben: Wir haben einem Großteil des Landes den Rücken gekehrt.</seg> |
| <seg id="81">Wir müssen also weiter an einer Inklusion arbeiten.</seg> |
| <seg id="82">Im Herbst gehen wir mit "Sweat" auf Tournee, dem brillanten, pulitzerpreisgekrönten Stück von Lynn Nottage. Nach jahrelanger Forschung in Redding, Pennsylvania, schrieb sie dieses Stück über die Folgen der Deindustrialisierung Pennsylvanias: wie das Verschwinden der Stahlindustrie Wut und Spannungen auslöste, Rassismus auslöste, weil die Menschen ihre Arbeit verloren.</seg> |
| <seg id="83">Wir gehen mit diesem Stück auf Tour in die ländlichen Gegenden von Pennsylvania, von Ohio, Michigan, Minnesota und Wisconsin.</seg> |
| <seg id="84">Dort stehen wir in Kontakt mit Gemeindeorganisationen, nicht nur, um die Menschen zu erreichen, die wir erreichen wollen, sondern auch, um wieder zu ihnen zurückzufinden und zu sagen: "Die Kultur ist auch für euch da." Denn...</seg> |
| <seg id="85">(Applaus)</seg> |
| <seg id="86">... wir in der Kulturbranche, wir im Theater haben kein Recht zu sagen, dass wir unsere Aufgabe nicht kennen.</seg> |
| <seg id="87">Sie gehört zur DNA unserer Kunstform.</seg> |
| <seg id="88">Unsere Aufgabe ist es, "... der Natur gleichsam den Spiegel vorzuhalten; der Schmach ihr eignes Bild, der Tugend ihre eignen Züge, und dem Jahrhundert den Abdruck seiner Gestalt zu zeigen." Es ist unsere Aufgabe, Amerika eine Vision vor Augen zu halten, die nicht nur zeigt, wer wir als Individuen sind, sondern uns wieder zur nötigen Gemeinschaft zusammenschweißt, uns das Gefühl der Einheit gibt, den Sinn für das Ganze, die Identifikation mit unserem Land.</seg> |
| <seg id="89">Das ist die Aufgabe des Theaters, und das sollten wir nach besten Kräften versuchen.</seg> |
| <seg id="90">Ich danke Ihnen.</seg> |
| <seg id="91">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="17851" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, AI, future, technology, humanity, machine learning, innovation, intelligence, society, computers</keywords> |
| <speaker>Max Tegmark</speaker> |
| <talkid>17851</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Viele KI-Forscher erwarten, dass die KI in wenigen Jahrzehnten bei allen Tätigkeiten und Jobs besser sein wird als die Menschen und dadurch eine Zukunft ermöglicht, die nicht mehr durch die Grenzen unserer Intelligenz, sondern nur noch durch die Gesetze der Physik limitiert ist. Der Physiker und KI-Forscher Max Tegmark vom MIT trennt die realen Chancen und Bedrohungen von den Mythen und beschreibt die konkreten Schritte, mit denen wir sicherstellen müssen, dass KI am Ende das Beste sein wird, was der Menschheit je widerfahren ist -- und nicht das Schlimmste.</description> |
| <title>Max Tegmark: Wie wir durch KI gestärkt und nicht überwältigt werden</title> |
| <seg id="1">Nach 13,8 Milliarden Jahren kosmischer Geschichte ist unser Universum aufgewacht und sich seiner selbst bewusst geworden.</seg> |
| <seg id="2">Von einem kleinen blauen Planeten aus haben winzige, bewusste Teile unseres Universums begonnen, mit Teleskopen in den Kosmos zu schauen und etwas Demütigendes entdeckt.</seg> |
| <seg id="3">Nämlich, dass das Universum sehr viel größer ist, als unsere Vorfahren glaubten, und das Leben eine fast unmerklich kleine Störung eines sonst toten Universums zu sein scheint.</seg> |
| <seg id="4">Aber wir haben auch etwas Inspirierendes entdeckt, nämlich, dass unsere Technologie das Potenzial hat, das Leben wie nie zuvor florieren zu lassen. Nicht nur für Jahrhunderte, sondern für Milliarden von Jahren. Nicht nur auf der Erde, sondern in einem Großteil des Kosmos.</seg> |
| <seg id="5">Ich denke an erstes Leben als "Life 1.0", weil es wirklich dumm war, wie etwa Bakterien, unfähig, irgendetwas in seinem Leben zu lernen.</seg> |
| <seg id="6">Ich denke an uns Menschen als "Life 2.0", weil wir lernen können. Etwas langweilig gesagt, entspricht das der Installation neuer Software in unser Gehirn wie etwa Sprachen oder berufliche Fertigkeiten. "Leben 3.0", das neben seiner Software auch seine Hardware entwerfen kann, existiert natürlich noch nicht.</seg> |
| <seg id="7">Aber vielleicht sind wir mit unserer Technologie auch schon bei "Life 2.1", mit unseren künstlichen Knien, Schrittmachern und Cochlea-Implantaten.</seg> |
| <seg id="8">Sehen wir uns also unsere Beziehung zur Technologie genauer an: Die Mondmission Apollo 11 etwa war sowohl erfolgreich als auch inspirierend und zeigte, dass wir Menschen bei weisem Umgang mit Technologie Dinge erreichen können, von denen unsere Vorfahren nur träumen konnten.</seg> |
| <seg id="9">Aber es gibt eine noch inspirierendere Reise, angetrieben von etwas, das mächtiger ist als Raketentriebwerke, wo die Passagiere nicht nur drei Astronauten, sondern die ganze Menschheit ist.</seg> |
| <seg id="10">Ich meine unsere gemeinsame Reise in eine Zukunft mit künstlicher Intelligenz.</seg> |
| <seg id="11">Mein Freund Jaan Tallinn zeigt gerne auf, dass es, genau wie bei der Raketentechnik, nicht ausreicht, unsere Technologie leistungsfähig zu machen.</seg> |
| <seg id="12">Wir müssen auch herausfinden, wie wir sie steuern und wohin wir gehen wollen, wenn wir ehrgeizig sein wollen.</seg> |
| <seg id="13">Sprechen wir über alle drei Punkte, die künstliche Intelligenz betreffend: die Leistung, die Lenkung und das Ziel.</seg> |
| <seg id="14">Beginnen wir mit der Leistung.</seg> |
| <seg id="15">Ich definiere Intelligenz sehr offen, einfach als die Fähigkeit, komplexe Ziele zu erreichen, weil ich sowohl biologische als auch künstliche Intelligenz einbeziehen will.</seg> |
| <seg id="16">Ich möchte den albernen Kohlenstoff- Chauvinismus vermeiden, dass nur klug sein kann, was aus Fleisch besteht.</seg> |
| <seg id="17">Es ist erstaunlich, wie die Leistung der KI in letzter Zeit gewachsen ist.</seg> |
| <seg id="18">Denken Sie mal nach.</seg> |
| <seg id="19">Vor nicht langer Zeit konnten Roboter nicht laufen.</seg> |
| <seg id="20">Jetzt können sie Rückwärtssaltos machen.</seg> |
| <seg id="21">Vor nicht langer Zeit gab es keine selbstfahrenden Autos.</seg> |
| <seg id="22">Jetzt gibt es selbstfliegende Raketen.</seg> |
| <seg id="23">Vor nicht langer Zeit konnte KI keine Gesichtserkennung.</seg> |
| <seg id="24">Jetzt kann KI falsche Gesichter erzeugen und Ihr Gesicht vortäuschen lassen, Dinge zu sagen, die Sie nie sagten.</seg> |
| <seg id="25">Vor nicht langer Zeit konnte KI uns nicht im Go-Spiel schlagen.</seg> |
| <seg id="26">Dann nahm AlphaZero von Google DeepMind 3.000 Jahre menschlicher Go-Spiele und Go-Weisheit, ignorierte alles und wurde zum weltweit besten Spieler, indem es nur gegen sich selbst spielte.</seg> |
| <seg id="27">Das beeindruckendste Kunststück war nicht, dass es menschliche Spieler schlug; sondern auch die menschlichen KI-Forscher, die jahrzehntelang an Go-Software gearbeitet hatten.</seg> |
| <seg id="28">AlphaZero hat die KI-Forscher nicht nur in Go, sondern auch im Schach geschlagen, an dem wir schon seit 1950 arbeiteten.</seg> |
| <seg id="29">Alle diese erstaunlichen Fortschritte in der KI werfen die Frage auf: Wie weit wird das gehen?</seg> |
| <seg id="30">Ich denke gerne über diese Frage anhand dieser abstrakten Aufgabenlandschaft nach. Die Höhe stellt dar, wie schwer es für KI ist, etwas auf menschlichem Niveau zu tun, und der Meeresspiegel repräsentiert, was die KI heute kann.</seg> |
| <seg id="31">Der Wasserstand steigt mit wachsender KI, sodass es in der Aufgabenlandschaft zu einer Art globaler Erwärmung kommt.</seg> |
| <seg id="32">Die offensichtliche Lehre ist, Jobs am Wasser zu vermeiden —</seg> |
| <seg id="33">(Lachen)</seg> |
| <seg id="34">da die bald automatisiert werden.</seg> |
| <seg id="35">Aber es gibt auch eine viel größere Frage.</seg> |
| <seg id="36">Wie hoch wird das Wasser am Ende steigen?</seg> |
| <seg id="37">Wird es irgendwann alles fluten, menschliche Intelligenz überall übertreffen?</seg> |
| <seg id="38">Dies ist die Definition der Allgemeinen Künstlichen Intelligenz — AKI, die von Anfang an der heilige Gral der KI-Forschung war.</seg> |
| <seg id="39">Demnach bedeutet die Aussage: "Es wird immer Jobs geben, die Menschen besser als Maschinen machen", einfach, dass wir AKI niemals bekommen werden.</seg> |
| <seg id="40">Wir könnten uns zwar entscheiden, einige Jobs für Menschen zu behalten, um Menschen Einkommen und Ziele zu geben, aber AKI wird auf jeden Fall das Leben, wie wir es kennen, verändern, wenn der Mensch nicht mehr intelligenter ist.</seg> |
| <seg id="41">Erreicht der Wasserspiegel AKI, dann treibt KI und nicht Menschen den weiteren KI-Fortschritt voran, was bedeutet, dass weiterer KI-Fortschritt wesentlich schneller sein könnte als der typische menschliche Entwicklungszeitraum von Jahren, was die umstrittene Möglichkeit einer Intelligenzexplosion eröffnet, in der sich rekursiv selbstverbessernde KI die menschliche Intelligenz weit hinter sich lässt und so die sogenannte Superintelligenz schafft.</seg> |
| <seg id="42">Okay, die Fakten: Werden wir in naher Zukunft AKI bekommen?</seg> |
| <seg id="43">Einige berühmte KI-Forscher, wie Rodney Brooks, glauben, dass es für Hunderte von Jahren nicht passieren wird.</seg> |
| <seg id="44">Andere wie Demis Hassabis, der Google DeepMind-Gründer, sind da optimistischer und arbeiten daran, es viel früher zu verwirklichen.</seg> |
| <seg id="45">Neuere Umfragen haben gezeigt, dass die meisten KI-Forscher tatsächlich Demis' Optimismus teilen und erwarten, dass wir AKI innerhalb von Jahrzehnten bekommen werden, also im Laufe der Lebenszeit von vielen von uns, was die Frage aufwirft — und was dann?</seg> |
| <seg id="46">Was soll die Rolle des Menschen sein, wenn Maschinen alles besser und billiger machen können als wir?</seg> |
| <seg id="47">Ich denke, wir stehen vor einer Wahl.</seg> |
| <seg id="48">Eine Option ist, selbstgefällig zu sein: "Lasst uns KI bauen, die alles kann, was wir können, und uns nicht um die Folgen kümmern.</seg> |
| <seg id="49">Wenn wir Technologie schaffen, die alle Menschen obsolet macht, was könnte da schon schiefgehen? "</seg> |
| <seg id="50">(Lachen)</seg> |
| <seg id="51">Aber das wäre peinlich faul.</seg> |
| <seg id="52">Wir sollten im Geiste von TED ehrgeiziger sein.</seg> |
| <seg id="53">Stellen wir uns eine wahrhaft inspirierende Hightech-Zukunft vor und versuchen, dahin zu steuern.</seg> |
| <seg id="54">Das bringt uns zum zweiten Teil unserer Raketenmetapher: die Lenkung.</seg> |
| <seg id="55">Wir machen die KI leistungsfähiger, aber wie können wir in eine Zukunft steuern, wo KI der Menschheit hilft zu florieren, anstatt sich abzumühen?</seg> |
| <seg id="56">Das Future of Life Institute habe ich dazu mitgegründet.</seg> |
| <seg id="57">Ein gemeinnütziges Unternehmen zur Förderung nutzbringender Technik. Unser Ziel ist einfach, für die Zukunft des Lebens fortzubestehen und so inspirierend wie möglich zu sein.</seg> |
| <seg id="58">Ich liebe nämlich Technologie.</seg> |
| <seg id="59">Technologie ist der Grund, warum das Heute besser als die Steinzeit ist.</seg> |
| <seg id="60">Ich bin optimistisch, dass wir eine inspirierende Zukunft schaffen können, wenn — und das ist ein großes wenn — wir das Weisheitsrennen gewinnen — den Wettlauf zwischen unserer Technologie mit ihrer zunehmenden Macht und der zunehmenden Klugheit, sie zu managen.</seg> |
| <seg id="61">Aber das erfordert eine neue Strategie, weil unsere alte Strategie war, aus Fehlern zu lernen.</seg> |
| <seg id="62">Wir haben das Feuer erfunden, vermasselten es einige Male — und erfanden den Feuerlöscher.</seg> |
| <seg id="63">(Lachen)</seg> |
| <seg id="64">Wir erfanden das Auto, vermasselten es einige Male — und erfanden die Ampel, den Sicherheitsgurt und den Airbag. Aber mit mächtigeren Technologien wie Atomwaffen und AKI ist das Lernen aus Fehlern eine lausige Strategie, finden Sie nicht?</seg> |
| <seg id="65">(Lachen)</seg> |
| <seg id="66">Es ist viel besser, proaktiv statt reaktiv zu sein, gut zu planen und die Dinge sofort richtigzumachen, weil wir vielleicht nur eine Chance bekommen.</seg> |
| <seg id="67">Aber es ist lustig, manchmal sagen mir Leute: "Max, pssst, rede nicht so.</seg> |
| <seg id="68">Das ist technikfeindliche Panikmache. "Aber es ist keine Panikmache.</seg> |
| <seg id="69">Das nennen wir am MIT Sicherheitstechnik.</seg> |
| <seg id="70">Bedenken Sie: Bevor die NASA Apollo 11 startete, durchdachten sie systematisch alles, was schiefgehen könnte, wenn man Menschen auf explosive Treibstofftanks setzt und sie dorthin schießt, wo ihnen keiner helfen kann.</seg> |
| <seg id="71">Da könnte eine Menge schiefgehen. War das Panikmache? Nein. Das war genau die Sicherheitstechnik, die den Erfolg der Mission sicherstellte, und genau das ist die Strategie, die wir bei AKI wählen sollten.</seg> |
| <seg id="72">Durchdenken, was schiefgehen kann, um sicherzustellen, dass es gut verläuft.</seg> |
| <seg id="73">In diesem Sinne organisierten wir Konferenzen, an denen führende KI-Forscher und andere Denker teilnahmen, um zu diskutieren, wie wir diese Weisheit entwickeln, damit die KI nützlich bleibt.</seg> |
| <seg id="74">Unsere letzte Konferenz in Asilomar, Kalifornien, brachte letztes Jahr diese Liste von 23 Prinzipien hervor, die seitdem über 1000 KI-Forscher und führende Industrielle unterzeichnet haben. Ich möchte Ihnen drei dieser Prinzipien näher bringen.</seg> |
| <seg id="75">Eines davon ist, dass wir ein Wettrüsten und tödliche autonome Waffen vermeiden.</seg> |
| <seg id="76">Jede Wissenschaft kann genutzt werden, um Menschen zu helfen oder auf neue Weise zu schaden.</seg> |
| <seg id="77">Zum Beispiel werden Biologie und Chemie viel eher für neue Medikamente eingesetzt als für neue Arten, Menschen zu töten, weil Biologen und Chemiker unnachgiebig und erfolgreich auf Verbote von biologischen und chemischen Waffen drängten.</seg> |
| <seg id="78">Im gleichen Sinne wollen die meisten KI-Forscher tödliche autonome Waffen stigmatisieren und verbieten.</seg> |
| <seg id="79">Ein weiteres Asilomar KI-Prinzip besagt, dass das KI-bedingte Einkommensgefälle verringert werden sollte.</seg> |
| <seg id="80">Wenn wir den wirtschaftlichen Kuchen mit KI dramatisch vergrößern können, aber nicht wissen, wie wir den Kuchen zum Nutzen aller verteilen können, dann Schande über uns!</seg> |
| <seg id="81">(Beifall)</seg> |
| <seg id="82">Okay, jetzt heben Sie die Hand, wenn Ihr Computer jemals abgestürzt ist.</seg> |
| <seg id="83">(Lachen)</seg> |
| <seg id="84">Wow, das sind viele Hände.</seg> |
| <seg id="85">Dann werden Sie das Prinzip zu schätzen wissen, dass wir viel mehr Forschung in die KI-Sicherheit stecken sollten. Wenn wir die KI immer mehr Entscheidungen und Infrastruktur steuern lassen, müssen wir die heutigen störanfälligen und hackbaren Computer zu robusten Systemen machen, denen wir vertrauen können, denn sonst könnte diese neue Technologie versagen und uns schaden oder gehackt und gegen uns eingesetzt werden.</seg> |
| <seg id="86">Diese KI-Sicherheitsarbeit muss die KI-Werte-Ausrichtung beinhalten. Die wirkliche Bedrohung durch AKI ist nicht Bosheit, wie in albernen Hollywoodfilmen, sondern Befähigung — AKI, die Ziele erreicht, die nicht mit unseren übereinstimmen.</seg> |
| <seg id="87">Zum Beispiel, als wir Menschen das Spitzmaul-Nashorn ausgerottet haben, taten wir das nicht, weil wir böse Nashorn-Hasser waren, oder?</seg> |
| <seg id="88">Wir taten es, weil wir schlauer waren und unsere Ziele nicht zu ihren passten.</seg> |
| <seg id="89">Aber AKI ist definitionsgemäß schlauer als wir, also um sicherzugehen, dass wir nicht in die Lage dieser Nashörner geraten, wenn wir AKI schaffen, müssen wir herausfinden, wie wir KI dazu bringen, unsere Ziele zu verstehen, unsere Ziele zu übernehmen und unsere Ziele beizubehalten.</seg> |
| <seg id="90">Wessen Ziele sollten das sein?</seg> |
| <seg id="91">Welche Ziele sollten sie haben?</seg> |
| <seg id="92">Dies bringt uns zum dritten Teil unserer Raketenmetapher: das Ziel.</seg> |
| <seg id="93">Wir machen KI leistungsfähiger, versuchen herauszufinden, wie man sie steuert, aber wohin wollen wir damit gehen?</seg> |
| <seg id="94">Das ist das offensichtliche Problem, über das fast niemand spricht — nicht einmal hier bei TED — weil wir so fixiert sind auf kurzfristige KI-Herausforderungen.</seg> |
| <seg id="95">Durch Neugier und Wirtschaft motiviert, versucht unsere Spezies AKI zu schaffen. Aber was für eine zukünftige Gesellschaft erhoffen wir, falls wir es schaffen?</seg> |
| <seg id="96">Wir machten eine Umfrage und ich war verblüfft, dass die meisten Leute wollen, dass wir Superintelligenz bauen: KI, die in jeder Hinsicht schlauer ist als wir.</seg> |
| <seg id="97">Die größte Übereinstimmung war, dass wir ehrgeizig sein sollten und helfen, das Leben im Kosmos zu verbreiten, aber es gab weniger Einigkeit darüber, wer oder was die Macht haben sollte.</seg> |
| <seg id="98">Ich fand es ziemlich lustig, dass es einige Leute gibt, die wollen, dass es nur Maschinen sind.</seg> |
| <seg id="99">(Lachen)</seg> |
| <seg id="100">Es gab völlige Uneinigkeit darüber, was die Rolle des Menschen sein sollte, selbst auf der grundlegendsten Ebene. Sehen wir uns also die mögliche Zukunft genauer an, auf die wir vielleicht hinsteuern.</seg> |
| <seg id="101">Verstehen Sie mich nicht falsch, ich spreche nicht über Raumfahrt.</seg> |
| <seg id="102">Sondern nur über die metaphorische Reise der Menschheit in die Zukunft.</seg> |
| <seg id="103">Eine Möglichkeit, die einige meiner KI-Kollegen mögen, ist Superintelligenz zu bauen und unter menschlicher Kontrolle zu halten wie einen versklavten, vom Internet getrennten Gott, und sie einzusetzen, um unvorstellbare Technologien und Reichtum für den zu schaffen, der sie kontrolliert.</seg> |
| <seg id="104">Aber Lord Acton warnte uns, dass Macht korrumpiert und absolute Macht absolut korrumpiert, also könnte man befürchten, dass wir Menschen vielleicht nicht klug oder vielmehr weise genug sind, um mit so viel Macht umzugehen.</seg> |
| <seg id="105">Abgesehen von allen moralischen Problemen, die Sie vielleicht mit versklavten Göttern haben, könnten Sie befürchten, dass die Superintelligenz uns austrickst, ausbricht und die Macht übernimmt.</seg> |
| <seg id="106">Aber ich habe auch Kollegen, die eine Übernahme durch KI gut fänden, selbst wenn sie zu unserer Ausrottung führt, solange wir glauben, dass die KIs unsere würdigen Nachkommen sind, wie unsere Kinder.</seg> |
| <seg id="107">Aber wie können wir wissen, dass die KIs unsere Werte angenommen haben und nicht nur dumme Zombies sind, die uns Menschlichkeit vorspiegeln?</seg> |
| <seg id="108">Sollten nicht auch jene Menschen ein Mitspracherecht haben, die keine menschliche Auslöschung wollen?</seg> |
| <seg id="109">Wenn Sie keine dieser beiden High-Tech-Optionen mögen, sollten Sie bedenken, dass Low-Tech aus kosmischer Sicht Selbstmord ist. Wenn unsere Technologien nicht viel besser werden, ist das Aussterben der Menschheit keine Frage, sondern nur, ob wir durch den nächsten Killer-Asteroiden, Supervulkan, oder etwas anderes sterben, das bessere Technologie lösen könnte. Wie wäre es, beides gleichzeitig zu haben?</seg> |
| <seg id="110">Eine AKI, die nicht versklavt ist, sondern uns gut behandelt, weil ihre Werte zu unseren passen?</seg> |
| <seg id="111">Das ist der Kern dessen, was Eliezer Yudkowsky "freundliche KI" nannte und wenn wir das schaffen, wäre es wunderbar.</seg> |
| <seg id="112">Es könnte nicht nur negative Erfahrungen wie Krankheit, Armut, Kriminalität und andere Leiden beseitigen, sondern es könnte uns auch die Freiheit geben, aus einer fantastischen neuen Vielfalt positiver Erfahrungen zu wählen. Das würde uns zu Herren unseres eigenen Schicksals machen.</seg> |
| <seg id="113">Alles in allem ist unsere Situation mit der Technologie kompliziert, aber das große Bild ist ziemlich einfach.</seg> |
| <seg id="114">Die meisten KI-Forscher erwarten AKI innerhalb von Jahrzehnten, und stolpern wir da unvorbereitet hinein, wäre dies wohl der größte Fehler in der Geschichte der Menschheit, wenn wir ehrlich sind.</seg> |
| <seg id="115">Es könnte eine brutale, globale Diktatur mit beispielloser Ungleichheit, Überwachung und Leid ermöglichen und vielleicht sogar das Aussterben der Menschen.</seg> |
| <seg id="116">Aber wenn wir vorsichtig steuern, könnten wir eine Zukunft haben, in der es allen besser geht: die Armen sind reicher, die Reichen sind reicher. Jeder ist gesund und frei, seine Träume zu leben.</seg> |
| <seg id="117">Warten Sie mal. Wollen Sie eine Zukunft haben, die politisch rechts oder links ist?</seg> |
| <seg id="118">Wollen Sie die fromme Gesellschaft mit strengen moralischen Regeln, oder eine hedonistische Anarchie, mehr wie Burning Man rund um die Uhr?</seg> |
| <seg id="119">Wollen Sie schöne Strände, Wälder und Seen, oder wollen Sie lieber mit Computern Atome neu ordnen, um virtuelle Erfahrungen zu machen?</seg> |
| <seg id="120">Mit freundlicher KI könnten wir all diese Gesellschaften aufbauen und die Menschen wählen lassen, wie sie leben wollen, weil wir nicht mehr durch unsere Intelligenz limitiert wären, sondern nur noch durch die Physik.</seg> |
| <seg id="121">So wären die Ressourcen und der Raum dafür astronomisch — buchstäblich.</seg> |
| <seg id="122">Also, wir haben die Wahl.</seg> |
| <seg id="123">Wir können entweder selbstgefällig hinsichtlich unserer Zukunft sein, in dem blindem Glauben, dass jede neue Technologie garantiert von Nutzen ist, und das einfach als ein Mantra immer und immer wiederholen, während wir wie ein Schiff ohne Ruder auf unsere Überflüssigkeit zutreiben.</seg> |
| <seg id="124">Oder wir können ehrgeizig sein — und darüber nachdenken, wie wir unsere Technologie steuern und wohin wir gehen wollen, um das Zeitalter des Staunens zu schaffen.</seg> |
| <seg id="125">Wir sind alle hier, um das Zeitalter des Staunens zu feiern, und ich meine, das Wesentliche dabei sollte sein, nicht überwältigt zu werden, sondern durch unsere Technologie gestärkt zu werden.</seg> |
| <seg id="126">Vielen Dank.</seg> |
| <seg id="127">(Beifall)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="17909" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, music, live music, performance, entertainment, art, creativity, culture, cities, TEDx</keywords> |
| <speaker>Elizabeth Cawein</speaker> |
| <talkid>17909</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Wie wird eine Stadt zur "Musikstadt"? Die Publizistin Elizabeth Cawein erklärt, wie eine prosperierende Musikszene eine Stadt glücklicher und gesunder macht, und stellt diverse Ideen vor, wie man die Musikszene in der eigenen Stadt stärken und die Welt für ihre Talente begeistern kann.</description> |
| <title>Elizabeth Cawein: So zieht man eine erfolgreiche Musikszene in der eigenen Stadt groß</title> |
| <seg id="1">(Applaus) All diese Lieder stehen für eine Szene, eine Bewegung, manchmal auch für eine akustische Revolution, die den Lauf der Popmusik völlig verändert hat.</seg> |
| <seg id="2">Sie alle sind auch eine Art Wahrzeichen ihrer Städte: Ihre Identität ist eng an die ihrer Heimatstadt gekoppelt. Wahrscheinlich kennen Sie diese Städte daher als "Musikstädte".</seg> |
| <seg id="3">Das Magisch-Mythische, das wir alle an solchen Geschichten lieben, ist, dass diese Städte nicht unbedingt auf diese Momente hingearbeitet haben.</seg> |
| <seg id="4">Es gibt kein Erfolgsrezept, um Außergewöhnliches zu leisten.</seg> |
| <seg id="5">Es war keine Geheimformel, die uns den Grunge gebracht oder 2Pac und Dr. Dre zusammengeführt hat. Und es gibt keine Anleitung dafür, wie man in dem Stadtteil von South Memphis ein Musikgeschäft aufmacht, in dem zufällig Booker T. Jones, William Bell und Albert King leben.</seg> |
| <seg id="6">So etwas passiert also stets rein zufällig, nicht?</seg> |
| <seg id="7">Wenn die Sterne genau richtig stehen, entsteht großartige Musik einfach so.</seg> |
| <seg id="8">Bis dahin werden im Radio lauter Hits aus New York und Nashville gespielt, die Generationen prägen und unsere Hochzeiten, Beerdigungen und alle Stationen dazwischen musikalisch begleiten.</seg> |
| <seg id="9">Keine Ahnung, wie 's Ihnen geht, aber allein die Vorstellung langweilt mich zu Tode.</seg> |
| <seg id="10">Sie sind nur so umgeben von Musikern, die eindringliche, wichtige Musik kreieren. Das Internet bietet Künstlern unzählige Möglichkeiten, Musik zu erschaffen, aber auch den Fans, diese dann zu entdecken. Um an hochaktuelle Lieder heranzukommen, brauchen wir also keine Songwriter- Konferenzen in Konzerngebäuden mehr.</seg> |
| <seg id="11">Aber was noch wichtiger ist: Dass Musik beiläufig entsteht, darf uns nicht genügen. Denn es geht dabei um so viel mehr als nur um Hits, diese wichtigen, emblematischen, alles verändernden Momente.</seg> |
| <seg id="12">Es geht nicht nur um den Unterhaltungswert.</seg> |
| <seg id="13">So viele von uns brauchen Musik, um ihr Leben erfolgreich zu meistern.</seg> |
| <seg id="14">Klar, sie hilft uns, unsere Gefühle ausdrücken, aber sie bestärkt uns auch und hilft uns, zu uns selbst zu finden.</seg> |
| <seg id="15">Nichts kann uns so sehr zusammenbringen wie Musik: Sie durchdringt sprachliche, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Barrieren.</seg> |
| <seg id="16">Musik macht uns schlauer, gesünder und glücklicher. Musik ist unverzichtbar. Was wäre, wenn Ihre Heimatstadt das ebenfalls so sieht?</seg> |
| <seg id="17">Wenn sie sagt: "Wir warten nicht darauf, dass uns ein Hit definiert.</seg> |
| <seg id="18">Wir sind eine Musikstadt, denn Musik ist unverzichtbar. "?</seg> |
| <seg id="19">Eine Stadt kann zwei Dinge machen, wenn sie Musik als unverzichtbar ansieht: Sie kann ein Umfeld schaffen, in dem professionelle Musiker sowie das Musikgeschäft gedeihen können. Und sie kann ein offenes und interessiertes Publikum fördern, das diese aufrechterhält.</seg> |
| <seg id="20">Auf diese zwei Komponenten ist eine Musikstadt angewiesen. Eine Stadt, deren Anführer erkannt haben, wie wichtig die Musik für unsere individuelle Entwicklung, unser Zusammengehörigkeitsgefühl und für die Entstehung eines lebenswerten Ortes ist.</seg> |
| <seg id="21">Schließlich wissen kluge Städte, Musikstädte, dass ein reges Nachtleben, ein kreatives Umfeld und Kultur talentierte junge Menschen in die Städte locken.</seg> |
| <seg id="22">So kommt Außergewöhnliches zustande.</seg> |
| <seg id="23">Wir können nicht vorhersagen, welches Küken als nächstes schlüpft.</seg> |
| <seg id="24">Aber wir können unsere Stadt zum geeigneten Brutkasten machen.</seg> |
| <seg id="25">Dazu müssen wir wissen, worüber wir bereits verfügen, also unsere Ressourcen ermitteln und berechnen.</seg> |
| <seg id="26">Wir müssen sie in- und auswendig kennen: Wer oder was befindet sich wo und hat welchen Einfluss auf die Wirtschaft?</seg> |
| <seg id="27">Zählen wir unsere Aufnahmestudios und Plattenfirmen, unsere Kulturdenkmäler und Hardcore-Punk-Clubs, unsere monatlichen Free-Jazz-Nächte und wöchentlichen Folk-Jam-Sessions.</seg> |
| <seg id="28">Musikschulen, Förderprogramme für Künstler, Musikläden. Alle Drehmaschinen und Geigenbauer. Museen für Musik, die ganzjährlich geöffnet haben, und Festivals, die bloß an einem Wochenende im Jahr stattfinden.</seg> |
| <seg id="29">Schaubilder sind ideal, um unsere Ressourcen zu sammeln. Wir können genau feststellen, was schon alles vorhanden ist und wo es bereits entsprechende Impulse gibt.</seg> |
| <seg id="30">Wir dürfen nämlich nicht halbherzig vorgehen.</seg> |
| <seg id="31">Wenn es darum geht, die Musikszene vor Ort zu unterstützen, aber auch um ein breites Verständnis vom landesweiten Image eines Musikstils, müssen wir bestens informiert sein.</seg> |
| <seg id="32">Dann müssen wir über unsere Herausforderungen im Bilde sein.</seg> |
| <seg id="33">Dazu muss man wissen: Das ist nicht einfach das Gegenteil von Schritt eins.</seg> |
| <seg id="34">Es bringt nicht viel, lediglich darüber nachzudenken, was im Schaubild noch fehlt.</seg> |
| <seg id="35">Es bedarf vielmehr einer ganzheitlicheren Herangehensweise.</seg> |
| <seg id="36">Super, unser Schaubild kennt bereits viele Veranstaltungsorte.</seg> |
| <seg id="37">Aber: Wie schlagen sie sich? Sind sie unterschiedlich groß? Kann ein Künstler, der auf einer offenen Bühne in einem Kaffeehaus anfängt, klar erkennen, wie er sich von einem Saal mit 25 Sitzen allmählich zu einem mit 100 und mehr hocharbeiten kann?</seg> |
| <seg id="38">Oder erwarten wir, dass er sich dann gleich ins Kolosseum wagt?</seg> |
| <seg id="39">Vielleicht birgt die Infrastruktur unserer Stadt Herausforderungen, etwa im öffentlichen Nahverkehr oder der Wohnsituation.</seg> |
| <seg id="40">In London sank die Zahl der Veranstaltungsorte von 400 im Jahr 2010 auf 100 im Jahr 2015. Denken wir also auch an Maßnahmen gegen Gentrifizierung.</seg> |
| <seg id="41">Gegen Ende des letzten Jahres führte Londons Bürgermeister das "Agent of Change" -Prinzip in die dortige Stadtentwicklungspolitik ein.</seg> |
| <seg id="42">Der Name spricht für sich: Will ein Bauunternehmer Wohnungen neben einem Veranstaltungsort bauen, bewirkt er dort eine Veränderung und muss im Sinne der Lärmschutzminderung handeln.</seg> |
| <seg id="43">Der nächste Punkt ist äußerst wichtig: Wir brauchen fähige Führungskräfte und eine Strategie.</seg> |
| <seg id="44">Wir wissen, es gehört viel Magie zu dieser Kombination, die richtigen Leute zur rechten Zeit am rechten Ort.</seg> |
| <seg id="45">Dies wird stets eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Musik spielen. So entstehen mit die besten und langlebigsten Lieder.</seg> |
| <seg id="46">Aber es darf kein Führungsvakuum geben.</seg> |
| <seg id="47">Heutzutage erblühen Musikszenen selten aus reinem Zufall, und das müssen sie auch gar nicht.</seg> |
| <seg id="48">Wir brauchen gewählte Vertreter, die die Bedeutung der Musik erkennen. Die die Stimmen von Künstlern emporheben und Strategien umsetzen.</seg> |
| <seg id="49">In Musikstädten wie Berlin, Paris und Bogotá gibt es eigens Musikbeiräte, die Musikern ein Mitspracherecht geben.</seg> |
| <seg id="50">Diese ehrenamtlichen Beiräte arbeiten mit einem designierten Anwalt zusammen, im Rathaus und sogar in der Handelskammer.</seg> |
| <seg id="51">Folgt man den besten Strategien, enstehen im Inneren solche Musiker-Hilfsnetzwerke, während gleichzeitig Musik nach außen exportiert wird.</seg> |
| <seg id="52">Beides gehört zusammen: Nach innen hin gestalten wir einen lebenswerten Ort für Musiker und nach außen hin bieten wir ihnen die Chance, ihre Karriere voranzutreiben.</seg> |
| <seg id="53">Dabei rücken wir auch unsere Stadt in den Mittelpunkt, indem wir Musik dafür nutzen, begabte Menschen zu uns zu locken. Was uns auch helfen kann, unsere eigene Identität zu finden.</seg> |
| <seg id="54">Wenn ich von Austin spreche, denken Sie wahrscheinlich sofort: "Die Hochburg der Livemusik". Und warum? Weil die führenden Kräfte im Jahr 1991 das bereits vorhandene Potenzial in Austin erkannten und nutzten.</seg> |
| <seg id="55">Indem sie diese Dynamik erkannten, benannten und sich zu eigen machten, entstanden automatisch weitere Austragungsorte.</seg> |
| <seg id="56">Existierende Stätten nahmen Livemusik in ihr Repertoire auf und bald investierte auch die Öffentlichkeit massiv in das Konzept.</seg> |
| <seg id="57">Es war nicht mehr nur ein einfacher Werbeslogan: Die Einwohner glaubten wirklich daran und waren stolz darauf.</seg> |
| <seg id="58">Dabei hatte Austin lediglich eine Art Mythos um seine Ressourcen aufgebaut.</seg> |
| <seg id="59">Wenn wir an Schritt eins zurückdenken, sehen wir, dass nicht jede Stadt alle Anforderungen erfüllt.</seg> |
| <seg id="60">Es gibt nicht überall Aufnahmestudios wie in Memphis oder ein günstiges Umfeld für Musiker und Verleger wie in Nashville. Daran soll 's auch nicht scheitern.</seg> |
| <seg id="61">Wir müssen einfach nur das Potenzial unserer Stadt erkennen.</seg> |
| <seg id="62">Was gibt es bei uns, was es sonst nirgendwo gibt?</seg> |
| <seg id="63">Wenn Sie sich das alles nun auch in Ihrem Heimatort wünschen, können Sie folgende drei Dinge tun: Erstens können Sie Ihre Füße, Ohren und Ihr Geld einsetzen.</seg> |
| <seg id="64">Zeigen Sie Präsenz, seien Sie das offene, engagierte Publikum, das eine Musikstadt unbedingt braucht, um zu gedeihen.</seg> |
| <seg id="65">Zahlen Sie Eintrittspreise, kaufen Sie Alben, entdecken Sie neue Musik und nehmen Sie bitte Ihre Freunde mit.</seg> |
| <seg id="66">Zweitens können Sie Ihre Stimme nutzen.</seg> |
| <seg id="67">Unterstützen Sie Ihren Ressourcen-Mythos: Reden Sie darüber, was es in Ihrer Stadt gibt, und feiern Sie es.</seg> |
| <seg id="68">Und drittens können Sie Ihre Wählerstimme nutzen.</seg> |
| <seg id="69">Wählen Sie Anführer, die Lippenbekenntnisse vermeiden, den Wert der Musik Ihrer Stadt erkennen und Strategien entwickeln, um sie emporzuheben, erblühen zu lassen und Zusammenarbeit zu fördern.</seg> |
| <seg id="70">Es ist völlig unklar, welche Stadt in den nächsten zehn Jahren für eine bestimmte Szene oder ein bestimmtes Lied stehen wird. Aber auch wenn wir das keinesfalls vorhersehen können: Wir wissen definitiv, was passiert, wenn Musik als unverzichtbar gilt und wir an der Entstehung einer Musikstadt arbeiten.</seg> |
| <seg id="71">An so einem Ort will ich gerne leben.</seg> |
| <seg id="72">Danke schön. (Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="17922" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, success, business, leadership, goal-setting, motivation, work, future, potential, collaboration, personal growth</keywords> |
| <speaker>John Doerr</speaker> |
| <talkid>17922</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Unsere Führungskräfte und Institutionen enttäuschen uns, aber das heißt nicht immer, dass sie böse oder unethisch sind, sagt Risikokapital-Anleger John Doerr. Oft rührt es einfach daher, dass sie uns zu den falschen Zielen führen. In diesem praxisorientierten Vortrag zeigt uns Doerr, wie wir mit "Zielen und Schlüsselergebnissen", oder OKRs, wieder auf Kurs kommen. Dieses Zielsetzungsprogramm wird von Unternehmen wie Google, Intel und Persönlichkeiten wie Bono eingesetzt, um gewagte Ziele zu setzen und zu erreichen. Lernen Sie mehr darüber, wie die richtigen Ziele über Erfolg und Misserfolg entscheiden können – und wie wir OKRs benutzen können, um unsere Führungskräfte und uns selbst verantwortungsbewusst zu machen.</description> |
| <title>John Doerr: Warum die richtigen Ziele das Geheimnis zum Erfolg sind</title> |
| <seg id="1">Wir befinden uns an einem kritischen Punkt.</seg> |
| <seg id="2">Unsere Führungskräfte, einige unserer größten Institutionen, lassen uns im Stich. Warum? Manchmal sind sie böse oder unethisch, aber oft haben sie uns an die falschen Ziele gebracht.</seg> |
| <seg id="3">Und das ist inakzeptabel. Das muss aufhören. Wie können wir diese Fehler korrigieren?</seg> |
| <seg id="4">Wie werden wir den richtigen Weg wählen?</seg> |
| <seg id="5">Es wird nicht leicht sein.</seg> |
| <seg id="6">Viele Jahre lang habe ich mit begabten Teams gearbeitet, und sie haben die richtigen und die falschen Ziele gewählt.</seg> |
| <seg id="7">Viele hatten Erfolg, manche haben versagt.</seg> |
| <seg id="8">Heute werde ich Ihnen erzählen, was wirklich den Unterschied ausmacht. Dass der ausschlaggebende Punkt ist, wie und warum sie sich bedeutsame und gewagte Ziele gesetzt haben, die richtigen Ziele aus den richtigen Gründen.</seg> |
| <seg id="9">Gehen wir zurück ins Jahr 1975.</seg> |
| <seg id="10">Ja, das bin ich.</seg> |
| <seg id="11">Ich habe viel zu lernen, ich bin EDV-Techniker. Ich habe lange Haare, aber ich arbeite unter Andy Grove, der als der beste Manager seiner oder jeder anderen Ära bezeichnet wird.</seg> |
| <seg id="12">Andy war ein großartiger Anführer und ein großartiger Lehrer. Er sagte zu mir: "John, was du weißt, spielt fast keine Rolle.</seg> |
| <seg id="13">Am meisten zählt die Ausführung. "Also erfand Andy ein System," Objectives and Key Results "(Ziele und Schlüsselergebnisse). Geht einem leicht über die Lippen, nicht?</seg> |
| <seg id="14">Hierbei geht es ausschließlich um exzellente Ausführung.</seg> |
| <seg id="15">Das hier ist ein klassisches Video aus den 1970ern von Professor Andy Grove.</seg> |
| <seg id="16">(Video) Andy Grove: Die zwei Schlüsselphrasen im Management von zielorientierten Systemen sind die Ziele und die Schlüsselergebnisse. Sie decken beide Zwecke ab.</seg> |
| <seg id="17">Das Ziel ist die Richtung.</seg> |
| <seg id="18">Die Schlüsselergebnisse muss man messen. Am Ende können Sie zweifelsfrei sagen: "Habe ich das getan oder nicht?" Ja. Nein. Einfach.</seg> |
| <seg id="19">John Doerr: Das ist Andy. Ja. Nein. Einfach. "Objectives and Key Results", oder auch OKRs, bilden ein einfaches System zur Zielsetzung. Es eignet sich für Unternehmen, für Teams und sogar für den Einzelnen.</seg> |
| <seg id="20">Die Ziele sind, was man erreichen möchte.</seg> |
| <seg id="21">Die Schlüsselergebnisse sind, wie ich das hinbekomme. Ziele. Schlüsselergebnisse. Was und wie. Aber die Wahrheit ist: Viele von uns setzen sich die falschen Ziele. Und die meisten von uns setzen sich überhaupt keine Ziele.</seg> |
| <seg id="22">Viele Organisationen setzen sich Ziele und erreichen sie auch.</seg> |
| <seg id="23">Sie liefern ihre Verkäufe aus, sie stellen neue Produkte vor, sie schaffen ihre Zahlen, aber ihnen fehlt ein Sinn, um ihr Team zu inspirieren.</seg> |
| <seg id="24">Wie setzt man also die richtigen Ziele?</seg> |
| <seg id="25">Zuerst muss man die Frage nach dem "Warum" beantworten. Warum? Denn Teams, die wirklich etwas verändern, kombinieren ihren Ehrgeiz mit ihrer Leidenschaft und ihrem Sinn, und sie entwickeln eine klare und überzeugende Vorstellung vom Warum.</seg> |
| <seg id="26">Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen.</seg> |
| <seg id="27">Ich arbeite mit einer bemerkenswerten Unternehmerin zusammen: Jini Kim.</seg> |
| <seg id="28">Sie leitet das Unternehmen "Nuna".</seg> |
| <seg id="29">Nuna ist ein Daten-Unternehmen im Gesundheitswesen.</seg> |
| <seg id="30">Als Nuna gegründet wurde, nutzten sie Daten, um die Gesundheitsbedürfnisse von Arbeitern in Großunternehmen zu versorgen.</seg> |
| <seg id="31">Und dann, nach zwei Jahren, schlug die Bundesregierung vor, die erste Cloud-basierte Datenbank für Medicaid zu gründen.</seg> |
| <seg id="32">Sie erinnern sich, Medicaid ist das Programm, das 70 Millionen Amerikaner versorgt, unsere Armen, unsere Kinder und Menschen mit Behinderung.</seg> |
| <seg id="33">Nuna bestand zu diesem Zeitpunkt aus nur 15 Leuten und die Datenbank sollte in einem Jahr fertig sein. Sie hatten eine ganze Reihe von Verpflichtungen einzuhalten.</seg> |
| <seg id="34">Und, ehrlich gesagt, würden sie an dem Projekt nicht viel verdienen. Das war ein Alles-oder-Nichts Moment.</seg> |
| <seg id="35">Aber Jini sagte zu. Sie ergriff die Gelegenheit.</seg> |
| <seg id="36">Sie schreckte nicht zurück. Warum? Es ist ein persönliches "Warum".</seg> |
| <seg id="37">Jinis jüngerer Bruder Kimong ist Autist.</seg> |
| <seg id="38">Als er sieben war, hatte er seinen ersten Epilepsie-Anfall in Disneyland.</seg> |
| <seg id="39">Er fiel zu Boden. Er hörte auf zu atmen. Jinis Eltern sind Immigranten aus Korea.</seg> |
| <seg id="40">Sie kamen mit beschränkten Mitteln ins Land, sprachen kaum Englisch. Also war es Jinis Aufgabe ihre Familie bei Medicaid anzumelden.</seg> |
| <seg id="41">Sie war neun Jahre alt.</seg> |
| <seg id="42">Dieser Moment bestimmte ihre Mission und diese Mission wurde ihr Unternehmen. Dieses Unternehmen bot, gewann und führte den Auftrag aus.</seg> |
| <seg id="43">Hier sehen wir Jini, die uns sagt warum:</seg> |
| <seg id="44">(Video) Jini Kim: Medicaid hat meine Familie vor dem Bankrott gerettet und heute sorgt es für Kimongs Gesundheit und die von Millionen anderen.</seg> |
| <seg id="45">Nuna ist mein Liebesbrief an Medicaid.</seg> |
| <seg id="46">Jeder Datensatz ist ein Leben, dessen Geschichte es verdient, mit Würde erzählt zu werden.</seg> |
| <seg id="47">JD: Jinis Geschichte zeigt uns, dass ein überzeugendes Sinngefühl die Startrampe für unsere Ziele sein kann.</seg> |
| <seg id="48">Denken Sie daran, das ist das, was wir erreichen wollen.</seg> |
| <seg id="49">Und Ziele sind bedeutsam, sie sind handlungsorientiert, sie sind inspirierend, und sie sind so was wie die Impfung gegen verschwommenes Denken.</seg> |
| <seg id="50">Man meint, ein Rockstar wäre ein ungewöhnlicher Nutzer von Zielen und Schlüsselergebnissen. Aber Bono hat jahrelang OKRs benutzt, um einen globalen Krieg gegen Armut und Krankheit zu führen.</seg> |
| <seg id="51">Seine Organisation "One" hat sich auf zwei wirklich großartige und gewagte Ziele konzentriert.</seg> |
| <seg id="52">Das erste ist Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Welt.</seg> |
| <seg id="53">Das zweite ist allgemeiner Zugang zu Anti-HIV-Medikamenten. Warum sind das jetzt gute Ziele?</seg> |
| <seg id="54">Gehen wir zurück zu unserer Checkliste. Bedeutsam? Ja. Konkret? Ja. Handlungsorientiert? Ja. Inspirierend? Hören wir Bono doch zu.</seg> |
| <seg id="55">(Video) Bono: Du bist leidenschaftlich? Wie leidenschaftlich? Zu welchen Handlungen treibt dich deine Leidenschaft?</seg> |
| <seg id="56">Wenn Herz und Kopf nicht zusammenfinden, dann bedeutet deine Leidenschaft nichts.</seg> |
| <seg id="57">Der OKR-Rahmen veredelt die Verrücktheit, die Chemie in ihr.</seg> |
| <seg id="58">Er gibt uns einen Spielraum für Risiko, für Vertrauen, in der Versagen kein Kündigungsgrund ist.</seg> |
| <seg id="59">Wenn man so eine Struktur und so einen Spielraum hat, und die richtigen Leute, dann wird der Zauber entfacht.</seg> |
| <seg id="60">JD: Ich liebe das.</seg> |
| <seg id="61">OKRs veredeln die Verrücktheit und dann wird der Zauber entfacht. Das ist perfekt.</seg> |
| <seg id="62">Mit Jini haben wir das "Warum" abgedeckt, mit Bono das "Was" für Zielsetzung.</seg> |
| <seg id="63">Wenden wir unsere Aufmerksamkeit nun dem "Wie" zu.</seg> |
| <seg id="64">Denken Sie daran, das "Wie" sind die Schlüsselergebnisse, also wie wir unsere Ziele erreichen.</seg> |
| <seg id="65">Gute Ergebnisse sind spezifisch und zeitgebunden.</seg> |
| <seg id="66">Sie sind aggressiv, aber realistisch.</seg> |
| <seg id="67">Sie sind messbar und sie sind überprüfbar.</seg> |
| <seg id="68">Das sind gute Schlüsselergebnisse.</seg> |
| <seg id="69">1999 habe ich die OKRs den Mitbegründern von Google gezeigt, Larry und Sergey.</seg> |
| <seg id="70">Hier sehen wir sie, mit 24 in ihrer Garage.</seg> |
| <seg id="71">Sergey sagte ganz begeistert, er würde sie anwenden.</seg> |
| <seg id="72">Na ja, nicht ganz.</seg> |
| <seg id="73">In Wirklichkeit sagte er: "Wir haben keinen anderen Weg, um diese Firma zu leiten, also probieren wir das."</seg> |
| <seg id="74">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="75">Ich nahm das als eine Art Bestätigung auf.</seg> |
| <seg id="76">Aber seitdem schreibt jedes Vierteljahr jeder Google-Mitarbeiter seine Ziele und Schlüsselergebnisse auf.</seg> |
| <seg id="77">Sie haben diese bewertet, und sie haben sie veröffentlicht, damit jeder sie sehen kann.</seg> |
| <seg id="78">Die werden nicht für Boni oder Beförderungen benutzt.</seg> |
| <seg id="79">Sie werden zur Seite gelegt.</seg> |
| <seg id="80">Sie dienen einem höheren Ziel, und zwar um kollektive Hingabe herzustellen, Ziele wirklich auszuweiten.</seg> |
| <seg id="81">2008 setzte sich Google-Mitarbeiter Sundar Pichai das Ziel, die nächste Generation von Kundenplattformen für die Zukunft der Web- Anwendungen zu entwickeln, in anderen Worten, den besten Browser aller Zeiten zu entwickeln.</seg> |
| <seg id="82">Er dachte viel darüber nach, welche Schlüsselergebnisse er wählen sollte.</seg> |
| <seg id="83">Wie misst man den besten Browser?</seg> |
| <seg id="84">Es könnten Ad Clicks oder Verbindungen sein. Nein. Er sagte: Die Zahl der Nutzer, weil die Nutzer entscheiden werden, ob Chrome ein toller Browser ist oder nicht.</seg> |
| <seg id="85">Also hatte er ein dreijähriges Ziel: Den besten Browser entwickeln.</seg> |
| <seg id="86">Er blieb jedes Jahr bei denselben Schlüsselergebnissen, Anzahl der Nutzer, aber er erhöhte den Einsatz.</seg> |
| <seg id="87">Im ersten Jahr war sein Ziel 20 Millionen Nutzer und er erreichte es nicht, es waren nicht mal 10. Im zweiten Jahr setzte er die Latte auf 50 Millionen.</seg> |
| <seg id="88">Er bekam 37 Millionen Nutzer. Ein bisschen besser. Im dritten Jahr legte er noch mal einen drauf, 100 Millionen Nutzer.</seg> |
| <seg id="89">Er startete eine aggressive Marketing-Kampagne, weitere Verbreitung, er verbesserte die Technik und Kaboom!</seg> |
| <seg id="90">Er bekam 111 Millionen Nutzer.</seg> |
| <seg id="91">Ich mag diese Geschichte, nicht so sehr wegen des Happy Ends, aber sie zeigt jemanden, der sorgfältig das richtige Ziel wählt und dann daran festhält, Jahr für Jahr.</seg> |
| <seg id="92">Es ist eine perfekte Geschichte für einen Nerd wie mich.</seg> |
| <seg id="93">Ich stelle mir OKRs wie durchsichtige Behälter vor, die aus dem Was und Wie unseres Ehrgeizes gemacht sind.</seg> |
| <seg id="94">Es zählt das "Warum", das wir in diese Behälter schütten.</seg> |
| <seg id="95">Also warum wir unsere Arbeit machen.</seg> |
| <seg id="96">OKRs sind keine Wunderwaffe.</seg> |
| <seg id="97">Sie werden kein Ersatz für eine starke Kultur werden oder für eine starke Führung. Aber wenn diese Grundlagen gelegt sind, können sie einen an die Spitze bringen.</seg> |
| <seg id="98">Ich möchte, dass Sie für einen Moment über Ihr Leben nachdenken.</seg> |
| <seg id="99">Haben Sie die richtigen Maße?</seg> |
| <seg id="100">Nehmen Sie sich Zeit, um Ihre Werte aufzuschreiben, Ihre Ziele und Ihre Schlüsselergebnisse. Tun Sie es heute.</seg> |
| <seg id="101">Möchten Sie eine Rückmeldung dazu, können Sie sie mir schicken. An john @ whatmatters.com.</seg> |
| <seg id="102">Wenn wir über die weltverändernden Ziele von Intel, Nuna, Bono und Google nachdenken, sind sie erstaunlich: allgegenwärtige Datenverarbeitung, bezahlbare Gesundheitspflege, hohe Qualität für jeden, globale Armut beenden, Zugang zu allen Informationen der Welt.</seg> |
| <seg id="103">Das ist der Deal: Jedes dieser Ziele wird heute von OKRs angetrieben.</seg> |
| <seg id="104">Ich werde als der Hans Apfelkern der OKRs bezeichnet, weil ich das Evangelium nach Andy Grove verbreite. Ich möchte, dass Sie dieser Bewegung beitreten.</seg> |
| <seg id="105">Kämpfen wir für das, was wirklich wichtig ist, denn wir können OKRs über unser Geschäft hinaus anwenden.</seg> |
| <seg id="106">Wir können sie in unsere Familien bringen, in unsere Schulen, sogar in unsere Regierungen.</seg> |
| <seg id="107">Wir können Regierungen zur Verantwortung ziehen.</seg> |
| <seg id="108">Wir können diese Informationen verändern.</seg> |
| <seg id="109">Wir können zurück auf den rechten Weg kommen, wenn wir das messen, was wirklich zählt.</seg> |
| <seg id="110">Danke.</seg> |
| <seg id="111">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="19330" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, conservation, nature, animals, science, beauty, adventure, biodiversity, environment, humanity, TED Fellows, Africa</keywords> |
| <speaker>Steve Boyes</speaker> |
| <talkid>19330</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Gemeinsam mit einer Gruppe Forscher navigierte TED Fellow Steve Boyes an aktiven Minenfeldern und an Nilpferden mit Revierverhalten vorbei, um Afrikas größtes überlebendes Sumpfgebiet, das Okavangodelta, zu erkunden und das nahezu unberührte Habitat gegen die drohende Gefahr der Bebauung zu schützen. In diesem eindrucksvollen Vortrag voller Bilder erzählt Boyes von seiner Arbeit und zeigt, wie er die enorme und doch verletzliche Wildnis mithilfe von eingehenden wissenschaftlichen Studien zu schützen versucht.</description> |
| <title>Steve Boyes: Wie wir einen der letzten wilden Orte der Welt retten</title> |
| <seg id="1">Das aus dem Weltall sichtbare Okavangodelta ist Afrikas größte intakte Wildnis mit Sumpfgebiet.</seg> |
| <seg id="2">Dieses strahlende Delta in Botswana ist das Juwel der Kalahari, wertvoller als Diamanten für den größten Diamantenhersteller der Welt und 2014 als tausendstes UNESCO-Welterbe gefeiert.</seg> |
| <seg id="3">Hier sehen Sie die zwei größten Nebenflüsse, den Cuito und den Cubango, die im Norden im wenig bekannten angolanischen Hochland verschwinden.</seg> |
| <seg id="4">Es ist das weltweit größte unerschlossene Flussbecken, mit einer Fläche größer als Kalifornien.</seg> |
| <seg id="5">An den riesigen unerschlossenen Wasserscheiden Angolas stand nach 27 Jahren Bürgerkrieg die Zeit still.</seg> |
| <seg id="6">Afrikas größter Kampf seit dem Zweiten Weltkrieg ging tatsächlich um eine Brücke über den Cuito: rechts, wo er ins Unbekannte entschwindet, in die "Terra do fim do mundo", das Land am Ende der Welt, wie die ersten portugiesischen Forscher es nannten.</seg> |
| <seg id="7">2001 übernahm ich im Alter von 22 die Stelle als Hauswirtschaftsleiter im Dorf Vundumtiki im Okavangodelta, einem Mosaik von Kanälen, Überschwemmungsgebieten, Lagunen und vielen tausenden erkundbaren Inseln.</seg> |
| <seg id="8">Die Heimat der größten überlebenden Elefantenansiedlung der Welt.</seg> |
| <seg id="9">Nashörner werden per Flugzeug hergebracht, um in dieser Wildnis Sicherheit zu finden.</seg> |
| <seg id="10">Löwen, Leoparde, Hyänen, Wildhunde, Geparde, uralte Baobab-Bäume, die wie Kathedralen unter der Milchstraße stehen.</seg> |
| <seg id="11">Hier habe ich etwas Offensichtliches entdeckt: Die Wildnis ist auch unser natürlicher Lebensraum.</seg> |
| <seg id="12">Wir brauchen diese letzte Wildnis, um uns selbst wiederzufinden.</seg> |
| <seg id="13">Wir, alle sieben Milliarden Menschen, dürfen nie vergessen, dass wir eine biologische Spezies sind, für immer an diese biologische Welt gebunden.</seg> |
| <seg id="14">So wie die Wellen mit dem Meer verbunden sind, können wir nicht ohne sie leben — ein ständiger Fluss von Atomen und Energie zwischen Individuen und Spezies, in einem Tag um die Welt und hinaus ins Universum.</seg> |
| <seg id="15">Unsere Schicksale sind für immer mit den Millionen von Spezies verbunden, auf die wir uns tagtäglich direkt und indirekt verlassen.</seg> |
| <seg id="16">Vor vier Jahren wurde bekanntgegeben, dass weltweit in nur 40 Jahren 50% der Wildtiere ausgestorben waren.</seg> |
| <seg id="17">Vor zwei Jahren erlebte ich in der Maasai Mara ein Massen-Ertrinken von 15.000 Gnus.</seg> |
| <seg id="18">Das ist eindeutig unsere Schuld.</seg> |
| <seg id="19">Es wird vorhergesagt, dass die weltweiten Wildbestände bis 2020 um zwei Drittel fallen.</seg> |
| <seg id="20">Wir verursachen das sechste Aussterben, weil es für Millionen von Arten keine geschützten Räume mehr gibt, um in nachhaltiger Nachbarschaft zu leben.</seg> |
| <seg id="21">Seit 2010 fuhr ich achtmal 320 Kilometer in einem Mokoro</seg> |
| <seg id="22">durch das Okavangodelta, um 18 Tage lang zu recherchieren.</seg> |
| <seg id="23">Warum riskiere ich jedes Jahr mein Leben?</seg> |
| <seg id="24">Weil wir diese Information brauchen, um diese reine Wildnis zu vermessen, bevor flussaufwärts gebaut wird.</seg> |
| <seg id="25">Hier sind die Buschmänner des Flusses Wayeyi, die Einwohner des Okavangodeltas.</seg> |
| <seg id="26">Sie brachten mir alles bei, was ich über die Mutter Okavango weiß — über die Gegenwart in der Wildnis.</seg> |
| <seg id="27">Unsere jährliche gemeinsame Reise durch das Okavangodelta in unseren Mokoros und Kanus erinnert an tausend Jahre in der Wildnis.</seg> |
| <seg id="28">Vor zehntausend Jahren war unsere ganze Erde Wildnis.</seg> |
| <seg id="29">Heute ist die Wildnis das Einzige, was uns aus jener vergangenen Welt bleibt.</seg> |
| <seg id="30">Vor zehntausend Jahren waren wir wie heute: Eine moderne, träumende Intelligenz wie man sie noch nie gesehen hatte.</seg> |
| <seg id="31">Das Leben in der Wildnis lehrte uns das Sprechen, das Nutzen von Technologien wie Feuer und Stein, Pfeil und Bogen und Medizin und Gift; wie man Pflanzen und Tiere zähmt und dass wir uns aufeinander verlassen müssen.</seg> |
| <seg id="32">Wir sind diese letzte Wildnis — jeder von uns.</seg> |
| <seg id="33">Über 80% der Erdoberfläche hat der Mensch schon verändert: Lebensraumzerstörung und illegaler Wildtierhandel dezimieren Wildtierpopulationen.</seg> |
| <seg id="34">Wir müssen dringend sichere Orte für diese Tiere schaffen.</seg> |
| <seg id="35">Ende 2014 starteten wir deshalb ein anspruchsvolles Projekt: erkunden und beschützen.</seg> |
| <seg id="36">Mitte Mai 2015 schafften wir es erstmals, die unerkundete Quelle des Cuito durch aktive Minenfelder zu erreichen: ein Ort nicht von dieser Welt, eine uralte, unberührte Wildnis.</seg> |
| <seg id="37">Am 21. Mai begannen wir das Okavango-Megatransekt, eine riesige Felduntersuchung mit sieben Kanus. 2400 Kilometer und 121 Tage später hatten wir schließlich das ganze Flussbecken durchpaddelt und kamen am See Xau in der Kalahariwüste an, 480 Kilometer hinter dem Okavangodelta.</seg> |
| <seg id="38">Das Wasser wurde meine ganze Welt: jede Welle, jeder Strudel, jedes Seerosenblatt und jede Strömung; jedes Zeichen der Gefahr und des Lebens.</seg> |
| <seg id="39">Stellen Sie sich Millionen von Bienen in der Luft vor, fleischfressende Bakterien und die ständige Gefahr von Landminen oder von einem Nilpferd unter dem Mokoro.</seg> |
| <seg id="40">In diesem Video hat gerade ein Nilpferd unser Boot gekentert.</seg> |
| <seg id="41">Man kann die zwei Löcher von den Stoßzähnen sehen — total furchteinflößend und ganz meine Schuld. (Gelächter) Sehr viel Kanutragen, durch Bäume versperrte Wege und ständiges Kentern in Stromschnellen. Man isst nur Reis und Bohnen,</seg> |
| <seg id="42">badet in eiskaltem Wasser</seg> |
| <seg id="43">und paddelt täglich einen Marathon von 6 bis 8 Stunden.</seg> |
| <seg id="44">Nach 121 Tagen vergaß ich die PIN-Nummern meiner Bankkonten und meine Passwörter zu den sozialen Medien — ein kompletter Neustart.</seg> |
| <seg id="45">Fragen Sie mich jetzt, ob ich es vermisse, dann sage ich, dass ich immer noch dort bin.</seg> |
| <seg id="46">Warum müssen wir Orte retten, die wir kaum besuchen?</seg> |
| <seg id="47">Warum müssen wir diese Orte retten, wenn man sein Leben riskieren muss, um dort zu sein?</seg> |
| <seg id="48">Ich bin nicht gerade religiös oder spirituell, aber in der Wildnis erfuhr ich den Geburtsort der Religion.</seg> |
| <seg id="49">Gegenüber einem Elefanten und weit weg von allem fühlte ich mich Gott am nächsten.</seg> |
| <seg id="50">Moses, Buddha, Mohammed, Jesus, die hinduistischen Gurus, Propheten und Mystiker gingen alle in die Wildnis — in die Berge und in die Wüste, um ruhig zu sitzen und den Geheimnissen zu lauschen, die ihre Gesellschaften Jahrtausende leiten würden.</seg> |
| <seg id="51">Ich gehe in meinem Mokoro ins Okavangodelta.</seg> |
| <seg id="52">Eines Tages müssen Sie mir folgen.</seg> |
| <seg id="53">Über 50% der überlebenden Wildnis ist nicht geschützt.</seg> |
| <seg id="54">Es ist eine große Gelegenheit — eine Chance für uns alle.</seg> |
| <seg id="55">Wir müssen dringend handeln.</seg> |
| <seg id="56">Seit dem Megatransekt von 2015 haben wir alle großen Flüsse des Okavangodeltas erkundet: 6400 Kilometer detaillierter Forschung in unseren Kanus und auf unseren Mountainbikes.</seg> |
| <seg id="57">57 Forscher entdecken gerade den Okavango-Sambesi-Wasserturm wieder, eine gewaltige Nachkriegswildnis mit undokumentierten Quellseen und namenlosen Wasserfällen in Afrikas letzter überlebenden Miombo-Waldsavanne.</seg> |
| <seg id="58">Bisher entdeckten wir 24 völlig neue Arten und Hunderte Arten, deren Ansiedlung dort unbekannt war.</seg> |
| <seg id="59">Dieses Jahr beginnen wir mit der Regierung Angolas, eines der größten Schutzgebiete der Welt zu erschaffen, um den Okavango-Sambesi-Wasserturm, den wir erkundet hatten, zu bewahren.</seg> |
| <seg id="60">Das heißt Wasserversorgungssicherheit flussabwärts für Millionen von Menschen und für über die Hälfte der Elefanten weltweit.</seg> |
| <seg id="61">Dies ist zweifellos die größte Chance für den Artenschutz in Afrika seit Jahrzehnten.</seg> |
| <seg id="62">Über die nächsten 10 bis 15 Jahre müssen wir in weltweit in den Schutz der Wildnis investieren.</seg> |
| <seg id="63">Für mich ist Naturschutz mehr als nur der Schutz unserer Ökosysteme, die uns Luft liefern und unser Wasser reinigen.</seg> |
| <seg id="64">Durch den Erhalt der Natur bewahren wir unser Menschenrecht, wild zu sein und auf Erkundung zu gehen.</seg> |
| <seg id="65">Vielen Dank. (Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="20101" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, astronomy, cosmos, universe, science, space, physics, time, exploration, Planets</keywords> |
| <speaker>Stephen Webb</speaker> |
| <talkid>20101</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Das Universum ist unglaublich alt, erstaunlich riesig und mit Billionen Planeten gefüllt -- wo sind also all die Aliens? Der Astronom Stephen Webb hat eine Erklärung: wir sind allein im Universum. In einem bewusstseinserweiternden Vortrag erklärt er die beachtlichen Hürden, die ein Planet aus dem Weg schaffen müsste, um eine außerirdische Zivilisation zu beheimaten -- und setzt sich für die Schönheit unserer potenziellen kosmischen Einsamkeit ein. "Die Stille des Universums ruft: 'Wir sind die Lebewesen, die Glück hatten'", sagt Webb.</description> |
| <title>Stephen Webb: Wo sind all die Aliens?</title> |
| <seg id="1">Ich sah einmal ein Ufo.</seg> |
| <seg id="2">Ich war acht oder neun, ich spielte mit einem älteren Freund auf der Straße als wir eine unförmige silberne Scheibe über den Häusern schweben sahen.</seg> |
| <seg id="3">Wir sahen ihr einige Sekunden zu, dann flitzte sie unglaublich schnell davon.</seg> |
| <seg id="4">Sogar als Kind ärgerte mich das Ignorieren der physikalischen Gesetze.</seg> |
| <seg id="5">Wir rannten ins Haus, um es den Erwachsenen zu erzählen und sie waren skeptisch — Sie wären auch skeptisch, oder?</seg> |
| <seg id="6">Ein paar Jahre später bestätigte es sich, als einer der Erwachsenen erzählte: "Letzte Nacht sah ich eine fliegende Untertasse.</seg> |
| <seg id="7">Ich kam gerade aus dem Pub nach ein paar Drinks. "Ich unterbrach ihn und sagte:" Ich kann es erklären. "</seg> |
| <seg id="8">(Lachen)</seg> |
| <seg id="9">Psychologen zeigten, dass wir unserem Gehirn nicht trauen können, dass es die Wahrheit sagt.</seg> |
| <seg id="10">Es ist leicht, uns zu täuschen.</seg> |
| <seg id="11">Ich sah etwas, aber was ist wahrscheinlicher, dass ich ein Alien-Raumschiff sah oder, dass mein Gehirn die Daten, die meine Augen lieferten, missverstand?</seg> |
| <seg id="12">Seitdem habe ich mich gefragt: Wieso sehen wir keine fliegenden Untertassen rumflitzen?</seg> |
| <seg id="13">Warum sehen wir zumindest kein Leben da draußen im Kosmos?</seg> |
| <seg id="14">Es ist ein Rätsel, und ich habe darüber die letzten drei Jahrzehnte mit dutzenden Experten verschiedener Fachrichtungen diskutiert.</seg> |
| <seg id="15">Man kann sich nicht einigen.</seg> |
| <seg id="16">Frank Drake begann 1960 nach Aliensignalen zu suchen — bislang nichts.</seg> |
| <seg id="17">Mit jedem weiteren Jahr wird diese Nichtsichtung, die Beweisnot für Alienleben, immer rätselhafter, da wir sie ja sehen sollten, oder?</seg> |
| <seg id="18">Das Universum ist etwa 13,8 Milliarden Jahre alt.</seg> |
| <seg id="19">Wenn wir das Alter des Universums als ein Jahr darstellen, dann entstand unsere Spezies ungefähr am 31. Dezember um 12 Minuten vor Mitternacht.</seg> |
| <seg id="20">Die westliche Zivilisation existiert seit ein paar Sekunden.</seg> |
| <seg id="21">Außerirdische Zivilisationen könnten in den Sommermonaten begonnen haben.</seg> |
| <seg id="22">Stellen Sie sich eine Sommerzivilisation vor, die eine fortschrittlichere Technologie als unsere entwickelt, die jedoch auf geltender Physik beruht. Ich rede nicht von Wurmlöchern oder Warp-Antrieben, nur von einer Extrapolation einer Technik, die TED preist.</seg> |
| <seg id="23">Diese Zivilisation könnte reproduktive Sonden programmieren, um jedes Planetensystem in der Galaxie zu besuchen.</seg> |
| <seg id="24">Wenn man die ersten Sonden direkt nach Mitternacht an einem Augusttag startet, könnte man am selben Tag vor dem Frühstück die Galaxie kolonisiert haben.</seg> |
| <seg id="25">Intergalaktische Kolonisation ist nicht schwieriger, sie dauert nur länger.</seg> |
| <seg id="26">Eine Zivilisation aus jeder der Millionen Galaxien hätte unsere Galaxie kolonisieren können.</seg> |
| <seg id="27">Scheint weit hergeholt? Vielleicht ist es das, aber würden Außerirdische nicht Bemerkenswertes unternehmen — Mini-Welten um einen Stern stellen, um freies Sonnenlicht einzufangen, bei einer Wikipedia Galactica mitwirken oder einfach "Wir sind hier!" ins Universum rufen?</seg> |
| <seg id="28">Wo sind also alle? Es ist ein Rätsel, da wir erwarten, dass diese Zivilisationen existieren, oder?</seg> |
| <seg id="29">Schließlich könnte es Billionen von Planeten in der Galaxie geben — vielleicht mehr.</seg> |
| <seg id="30">Man braucht keine Fachkenntnisse, um dieser Frage nachzugehen und ich habe sie jahrelang mit vielen Leuten erforscht.</seg> |
| <seg id="31">Ich habe herausgefunden, dass sie ihre Denkweise oft hinsichtlich der Hürden einschränken, die abzutragen wären, damit ein Planet Herberge für eine kommunikative Zivilisation ist.</seg> |
| <seg id="32">Oft werden vier Haupthürden bestimmt:</seg> |
| <seg id="33">Bewohnbarkeit — das ist die erste Hürde.</seg> |
| <seg id="34">Wir brauchen einen irdischen Planeten in genau dieser "Goldlöckchen-Zone", wo Wasser flüssig ist.</seg> |
| <seg id="35">Sie sind da draußen.</seg> |
| <seg id="36">2016 bestätigten Astronomen, dass es einen Planeten in der bewohnbaren Zone des nächsten Sterns gibt, Proxima Centauri — so nah, dass das Breakthrough-Starshot- Projekt plant, Sonden hinzuschicken.</seg> |
| <seg id="37">Wir würden zur Sternfahrer-Spezies werden.</seg> |
| <seg id="38">Nicht alle Welten sind bewohnbar.</seg> |
| <seg id="39">Manche sind Sternen so nah, dass man verbrennen würde, manche so weit weg, dass man erfrieren würde.</seg> |
| <seg id="40">Urzeugung — die Schaffung von Leben aus Nichtleben — das ist die zweite Hürde.</seg> |
| <seg id="41">Die Grundbausteine für Leben gibt es nicht nur auf der Erde: Aminosäuren wurden in Kometen gefunden, komplexe organische Moleküle in interstellaren Staubwolken, Wasser in Exoplanetensystemen.</seg> |
| <seg id="42">Die Bestandteile sind da, wir wissen nur nicht, wie sie sich zu Leben zusammensetzen und vermutlich gibt es dort Welten, in denen kein Leben beginnt.</seg> |
| <seg id="43">Eine dritte Hürde ist die Entwicklung technologischer Zivilisation.</seg> |
| <seg id="44">Manche sagen, dass wir unseren Planeten bereits mit Alien-Intelligenzen teilen.</seg> |
| <seg id="45">Eine Studie von 2011 zeigt, Elefanten können bei Problemlösung kooperieren.</seg> |
| <seg id="46">Eine Studie von 2010 zeigt, dass eine Krake in Gefangenschaft verschiedene Menschen erkennen kann.</seg> |
| <seg id="47">Studien von 2017 zeigen, dass Raben Ereignisse in der Zukunft planen können — wundervolle, schlaue Kreaturen — aber sie können nicht das Breakthrough-Starshot-Projekt planen und wenn wir heute verschwinden würden, würden sie nicht weitermachen Breakthrough Starshot umzusetzen. Wieso sollten sie auch?</seg> |
| <seg id="48">Das Endziel der Evolution ist nicht die Zeitreise.</seg> |
| <seg id="49">Es wird Welten geben, wo das Leben keine fortschrittliche Technologie hervorbringt.</seg> |
| <seg id="50">Kommunikation durch Raum — das ist eine vierte Hürde.</seg> |
| <seg id="51">Vielleicht entscheiden sich fortschrittliche Zivilisationen dazu, den Binnenraum statt den Weltraum zu entdecken oder entwickeln für kleine statt für große Distanzen.</seg> |
| <seg id="52">Oder vielleicht wollen sie einfach keine Begegnung mit einem potenziell fortschrittlicheren und feindlichen Nachbarn riskieren.</seg> |
| <seg id="53">Es wird Welten geben, wo, warum auch immer, Zivilisationen entweder schweigen oder wenig Zeit für Kommunikation aufwenden.</seg> |
| <seg id="54">Was die Höhe der Hürden betrifft, ist Ihre Schätzung so gut wie jede.</seg> |
| <seg id="55">Meiner Erfahrung nach ziehen Leute beim Berechnen den Schluss, dass es in der Galaxie tausende Zivilisationen gibt.</seg> |
| <seg id="56">Dann sind wir zurück beim Rätsel: Wo sind alle?</seg> |
| <seg id="57">Definitionsgemäß sind UFOs — einschließlich dem, das ich sah — nicht identifiziert.</seg> |
| <seg id="58">Wir können nicht einfach folgern, dass sie Raumschiffe sind.</seg> |
| <seg id="59">Man kann sich immer noch mit dem Gedanken spielen, dass die Aliens hier sind.</seg> |
| <seg id="60">Manche sagen, dass eine Sommerzivilisation die Galaxie kolonisierte und Leben auf die Erde gesät hat... andere, dass wir in einem kosmischen Wildgebiet leben — einem Zoo.</seg> |
| <seg id="61">Andere wiederum, dass wir in einer Simulation leben.</seg> |
| <seg id="62">Programmierer haben die Aliens nur noch nicht offenbart.</seg> |
| <seg id="63">Die meisten meiner Kollegen sagen, dass E.T. da draußen ist, wir müssen nur weiterschauen; das leuchtet ein. Der Weltraum ist riesig. Ein Signal zu identifizieren, ist schwer. Wir suchen auch noch nicht so lange.</seg> |
| <seg id="64">Zweifellos sollten wir mehr Zeit mit der Forschung verbringen.</seg> |
| <seg id="65">Es geht darum, unseren Platz im Universum zu verstehen.</seg> |
| <seg id="66">Die Frage ist zu groß, um sie zu ignorieren.</seg> |
| <seg id="67">Aber es gibt eine offensichtliche Antwort: wir sind allein.</seg> |
| <seg id="68">Es gibt nur uns.</seg> |
| <seg id="69">In der Galaxie könnte es Billionen Planeten geben.</seg> |
| <seg id="70">Ist es glaubhaft, dass wir die einzigen Lebewesen sind, die diese Frage aufwerfen?</seg> |
| <seg id="71">Ja, denn in diesem Rahmen wissen wir nicht, ob eine Billion eine große Zahl ist.</seg> |
| <seg id="72">Peter Ward und Don Brownlee schlugen im Jahr 2000 die Seltene-Erde-Hypothese vor.</seg> |
| <seg id="73">Erinnern Sie sich an die vier Hürden, die die Menschen nutzen, um die Zahl der Zivilisationen zu schätzen?</seg> |
| <seg id="74">Ward und Brownlee sagen, es könnte mehr geben.</seg> |
| <seg id="75">Sehen wir uns eine mögliche Hürde an.</seg> |
| <seg id="76">Sie ist ein aktueller Vorschlag vom Geophysiker David Waltham.</seg> |
| <seg id="77">Das ist meine sehr vereinfachte Version von Daves viel komplexerer These.</seg> |
| <seg id="78">Wir können jetzt hier sein, weil die früheren Bewohner der Erde vier Milliarden Jahre gutes Wetter genossen haben — mit Höhen und Tiefen, aber mehr oder weniger mild.</seg> |
| <seg id="79">Aber langfristige Beständigkeit des Klimas ist merkwürdig, schon weil astronomische Einflüsse einen Planeten zum Erfrieren oder Verbrennen zwingen können.</seg> |
| <seg id="80">Es gibt einen Hinweis, dass der Mond geholfen hat, was interessant ist, da die vorherrschende Theorie zeigt, dass der Mond entstanden ist, als Theia, eine Masse so groß wie Mars, in die neugeformte Erde krachte.</seg> |
| <seg id="81">Das Ergebnis hätte zu einem ganz anderen Erde-Mond-System führen können.</seg> |
| <seg id="82">Wir haben einen großen Mond bekommen, was der Erde eine stabile axiale Neigung und eine langsame Rotation erlaubt.</seg> |
| <seg id="83">Beide Faktoren beeinflussen das Klima und die Vermutung ist, dass sie halfen, das Klima gemäßigt zu halten.</seg> |
| <seg id="84">Toll für uns, oder?</seg> |
| <seg id="85">Aber Waltham zeigte, wäre der Mond nur ein paar Meilen größer, wäre alles anders.</seg> |
| <seg id="86">Die Drehachse der Erde würde chaotisch herumwandern.</seg> |
| <seg id="87">Es würde Phasen schneller Klimaumschwünge geben — ungünstig für komplexes Leben.</seg> |
| <seg id="88">Der Mond hat genau die richtige Größe: groß, aber nicht zu groß.</seg> |
| <seg id="89">Ein Goldlöckchen-Mond um einen Goldlöckchen-Planeten — vielleicht eine Hürde.</seg> |
| <seg id="90">Ihr könnt euch mehr Hürden vorstellen.</seg> |
| <seg id="91">Einfache Zellen etwa entstanden vor Milliarden Jahren... aber die Entwicklung von komplexem Leben brauchte vielleicht eine Reihe von unwahrscheinlichen Ereignissen.</seg> |
| <seg id="92">Sobald das Leben auf der Erde Zugriff auf die Vielzelligkeit, komplexe genetischen Strukturen und Sex hatte, ergaben sich neue Gelegenheiten: Tiere wurden möglich.</seg> |
| <seg id="93">Aber vielleicht ist es das Schicksal vieler Planeten, dass sie von einfachen Zellen besiedelt werden.</seg> |
| <seg id="94">Nur um es anschaulicher zu machen, füge ich den bestehenden Hürden, die den Weg zur kommunikativen Zivilisation blockieren können, noch vier weitere Hürden hinzu.</seg> |
| <seg id="95">Bloß zum Zweck der Veranschaulichung, nehmen wir eine 1: 1000 Chance an, dass wir alle Hürden überwinden.</seg> |
| <seg id="96">Natürlich gibt es verschiedene Wege durch die Hürden zu steuern und manche Chancen werden besser als 1: 1000 sein.</seg> |
| <seg id="97">Genauso könnte es mehr Hürden geben und manche Chancen könnten 1: 1 Mio. stehen.</seg> |
| <seg id="98">Lassen Sie uns einfach sehen, was hier passiert.</seg> |
| <seg id="99">Wenn die Galaxie eine Billion Planeten hat, wie viele werden Heimat einer Zivilisation sein, die sich wie wir ein Projekt wie Breakthrough Starshot ausdenken könnte?</seg> |
| <seg id="100">Bewohnbarkeit — die richtige Art von Planet um die richtige Art von Stern — die Billion wird zur Milliarde.</seg> |
| <seg id="101">Beständigkeit — ein Klima, das ewig mild bleibt — die Milliarde wird zur Million.</seg> |
| <seg id="102">Leben muss beginnen — die Million wird zu Tausend.</seg> |
| <seg id="103">Komplexe Lebensformen müssen entstehen — die Tausend wird zu einer.</seg> |
| <seg id="104">Komplexe Werkzeugnutzung muss entstehen — das ist ein Planet in tausend Galaxien.</seg> |
| <seg id="105">Um das Universum zu verstehen, muss man die Techniken von Wissenschaft und Mathematik entwickeln — das ist ein Planet in einer Million Galaxien.</seg> |
| <seg id="106">Um die Sterne zu erreichen, muss es soziale Lebewesen geben, die fähig sind, mit komplexer Grammatik abstrakte Konzepte zu diskutieren — ein Planet in einer Milliarde Galaxien.</seg> |
| <seg id="107">Und sie müssen Unglücke verhindern — nicht nur selbstverschuldete, sondern auch aus dem Himmel.</seg> |
| <seg id="108">Der Planet um Proxima Centauri wurde durch eine Eruption im letzten Jahr bestrahlt.</seg> |
| <seg id="109">Ein Planet in einer Billion Galaxien, ebenso im sichtbaren Universum.</seg> |
| <seg id="110">Ich denke, wir sind allein.</seg> |
| <seg id="111">Die Kollegen, die zustimmen, dass wir allein sind, sehen oft eine Hürde kommen — Bioterror, Erderwärmung, Krieg.</seg> |
| <seg id="112">Ein Universum, das stumm ist, da die Technologie selbst die Hürde für die Entwicklung einer wirklich fortschrittlichen Zivilisation bildet.</seg> |
| <seg id="113">Bedrückend, stimmt 's? Ich behaupte das genaue Gegenteil.</seg> |
| <seg id="114">Ich wuchs mit "Star Trek" und "Forbidden Planet" und habe mal ein UFO gesehen, deshalb finde ich die Idee der kosmischen Einsamkeit etwas wehmütig.</seg> |
| <seg id="115">Für mich ruft die Stille des Universums: "Wir sind die Lebewesen, die Glück hatten." Alle Hürden liegen hinter uns.</seg> |
| <seg id="116">Wir sind die einzige Spezies, die sie aus dem Weg geräumt hat — die einzige Spezies, die ihr eigenes Schicksal bestimmen kann.</seg> |
| <seg id="117">Wenn wir zu schätzen lernen, wie besonders unser Planet ist und wie wichtig es ist, für unser Zuhause zu sorgen und andere zu finden, wie unfassbar glücklich wir sind, dass wir uns des Universums bewusst sind, sollte die Menschheit eine Weile überleben.</seg> |
| <seg id="118">Die ganzen tollen Sachen, von denen wir träumten, Aliens könnten sie in der Vergangenheit getan haben, könnten unsere Zukunft sein.</seg> |
| <seg id="119">Vielen Dank.</seg> |
| <seg id="120">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="20519" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, brain, cognitive science, science, TEDMED, biology, human body, communication</keywords> |
| <speaker>Sian Leah Beilock</speaker> |
| <talkid>20519</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Warum können wir manchmal unser Potenzial nicht ausschöpfen, wenn wir unter Druck stehen? Die Kognitionswissenschaftlerin und Präsidentin des Barnard College zeigt auf, was in Psyche und Körper passiert, wenn wir in Stresssituationen versagen, und gibt uns psychologisches Rüstzeug, damit wir dann Bestleistungen bringen, wenn es am wichtigsten ist.</description> |
| <title>Sian Leah Beilock: Warum wir unter Druck versagen – und was wir dagegen tun können</title> |
| <seg id="1">Mit das Demütigendste, das man über jemanden sagen kann, ist der Satz: "Er hat versagt." Oh Mann, ich weiß, wie sich das anfühlt.</seg> |
| <seg id="2">In meiner Jugend liebte ich Sport.</seg> |
| <seg id="3">Ich spielte in erster Linie Fußball und zwar als Torhüterin. Auf dem Platz ist das sowohl die beste als auch die schlechteste Position.</seg> |
| <seg id="4">Als Torhüter kriegt man einen speziellen Dress, eine Menge Applaus, wenn man einen tollen Schuss hält, aber man kriegt auch das Elend, wenn man ein Tor reinlässt.</seg> |
| <seg id="5">Als Torhüterin sind alle Augen auf mich gerichtet und das macht richtig Druck.</seg> |
| <seg id="6">Ich erinnere mich noch genau an ein Spiel in der Highschool.</seg> |
| <seg id="7">Ich spielte für das California-State-Team, das zum olympischen Entwicklungsprogramm gehört.</seg> |
| <seg id="8">Ich spielte super, bis ich merkte, dass der Nationaltrainer genau hinter mir stand. Das veränderte alles. In Sekundenschnelle spielte ich nicht mehr auf meinem Top-Niveau, sondern auf meiner untersten Schiene.</seg> |
| <seg id="9">Allein das Wissen, bewertet zu werden, veränderte meine Leistung und von da an auch meine Ansicht über den psychischen Aspekt von Leistung.</seg> |
| <seg id="10">Plötzlich schien sich der Ball in Zeitlupe zu bewegen und ich war auf jede meiner Bewegungen fixiert.</seg> |
| <seg id="11">Der nächste Schuss rutschte mir weg, aber er landete zum Glück nicht im Tor.</seg> |
| <seg id="12">Beim darauffolgenden Schuss hatte ich mehr Pech: Ich schlenzte ihn direkt ins Netz.</seg> |
| <seg id="13">Mein Team verlor, der Nationaltrainer ging weg.</seg> |
| <seg id="14">Ich hatte unter dem Druck der mich bewertenden Augen versagt.</seg> |
| <seg id="15">Das passiert fast jedem einmal, denn es gibt so viele Gelegenheiten: Wenn man eine Prüfung hat, einen Vortrag hält, ein Kundengespräch führt oder die spezielle Folter durchmacht, wie ich Vorstellungsgespräche gern bezeichne.</seg> |
| <seg id="16">(Lachen)</seg> |
| <seg id="17">Es fragt sich nur, warum.</seg> |
| <seg id="18">Warum bringen wir unter Druck manchmal nicht die volle Leistung?</seg> |
| <seg id="19">Das gibt besonders Rätsel bei Sportlern auf, die so intensiv an ihrer körperlichen Form arbeiten.</seg> |
| <seg id="20">Und an ihrer Psyche? Viel weniger. Das gilt auch für Bereiche außerhalb des Sports.</seg> |
| <seg id="21">Egal, ob wir eine Prüfung machen oder einen Vortrag halten: Es ist leicht, sich in Bestform für die Aufgabe zu fühlen und dann eine miese Leistung zu bringen, wenn alles auf dem Spiel steht.</seg> |
| <seg id="22">Tatsächlich proben wir selten unter den Bedingungen im Ernstfall. Also passiert es manchmal, dass wir unsere Leistung vermasseln, wenn alle Augen auf uns gerichtet sind.</seg> |
| <seg id="23">Die Frage lautet natürlich: Warum ist das so?</seg> |
| <seg id="24">Meine Erfahrungen auf dem Spielfeld — und in anderen wichtigen Aspekten meines Lebens — brachten mich zur Kognitionswissenschaft.</seg> |
| <seg id="25">Ich wollte wissen, wie wir unser grenzenloses Potenzial erreichen können.</seg> |
| <seg id="26">Ich wollte verstehen, wie wir unser Wissen über Psyche und Verstand nutzen können, um psychologische Hilfsmittel zu finden, die zu Höchstleistungen führen.</seg> |
| <seg id="27">Warum passiert das also? Warum bringen wir manchmal, wenn wir unter Druck stehen, nicht die Leistung, zu der wir fähig sind?</seg> |
| <seg id="28">Es ist wohl wenig überraschend, dass wir uns unter Stress Sorgen machen: Sorgen über die Situation, die Folgen, darüber, was andere über uns denken.</seg> |
| <seg id="29">Doch überraschenderweise stehen wir uns oft selbst im Weg, weil unsere Sorgen uns dazu veranlassen, uns zu stark zu konzentrieren.</seg> |
| <seg id="30">Das ist es: Wir achten zu sehr darauf, was wir gerade tun.</seg> |
| <seg id="31">Wenn wir es ganz besonders gut machen wollen, versuchen wir oft, Vorgänge unseres Tuns zu steuern, die besser automatisch außerhalb unseres Bewusstseins ablaufen sollten. Aus diesem Grund versagen wir.</seg> |
| <seg id="32">Stellen Sie sich vor, Sie gehen eine Treppe hinunter.</seg> |
| <seg id="33">Was, wenn ich fragen würde: "Was tun Sie eigentlich gerade mit Ihrem Knie?" Vermutlich würden Sie hinfallen.</seg> |
| <seg id="34">Wir Menschen können uns nur auf wenige Dinge auf einmal konzentrieren.</seg> |
| <seg id="35">Deshalb ist es auch keine gute Idee, beim Autofahren zu telefonieren.</seg> |
| <seg id="36">Wenn wir unter Druck stehen und unbedingt unser Bestes geben wollen, können wir versuchen, Aspekte unseres Tuns zu steuern, die nicht der bewussten Steuerung überlassen werden sollten.</seg> |
| <seg id="37">Das Ergebnis ist: Wir patzen.</seg> |
| <seg id="38">Mein Forschungsteam und ich haben das Phänomen der übermäßigen Aufmerksamkeit studiert. Wir nennen es Paralyse durch Analyse.</seg> |
| <seg id="39">In einer Studie baten wir College-Fußballer, den Ball zu dribbeln und dabei auf ein Detail zu achten, das sie sonst nicht beachten würden.</seg> |
| <seg id="40">Wir baten sie, darauf zu achten, welche Seite des Fußes Ballkontakt hatte.</seg> |
| <seg id="41">Wir bewiesen, dass die Darbietung langsamer und fehleranfälliger war, wenn wir die Aufmerksamkeit auf die Details des Tuns lenkten.</seg> |
| <seg id="42">Unter Druck wollen wir oft um jeden Preis unser Bestes geben. Deshalb versuchen wir, das zu steuern, was wir tun, um eine Bestleistung zu erzwingen.</seg> |
| <seg id="43">Das Ergebnis ist, dass wir Murks bauen.</seg> |
| <seg id="44">Beim Basketball bezeichnet der Begriff "unbewusst" einen Spieler, der hundertprozentig trifft.</seg> |
| <seg id="45">Tim Duncan, der Star der San Antonio Spurs, sagt: "Wenn man darüber nachdenkt, was man tut, dann geht es schief." Der große Choreograf George Balanchine beschwor seine Tänzer: "Denkt nicht — tanzt einfach." Wenn wir unter Druck stehen und glänzen wollen, versuchen wir ironischerweise oft, unser Tun zu steuern.</seg> |
| <seg id="46">Das führt dazu, dass wir schlechtere Leistungen bringen.</seg> |
| <seg id="47">Also was tun? Auch wenn wir von unserer hyperaktiven Aufmerksamkeit wissen: Wie schaffen wir es, volle Leistung zu bringen?</seg> |
| <seg id="48">Das liegt in hohem Maß am präfrontalen Cortex, dem vorderen Teil des Gehirns, der über den Augen liegt und gewöhnlich dabei hilft, uns positiv zu orientieren.</seg> |
| <seg id="49">Er blockiert oft aufgrund falscher Gegebenheiten.</seg> |
| <seg id="50">Wie lässt sich die Blockade lösen?</seg> |
| <seg id="51">Manchmal kann man einfach ein Lied singen oder den kleinen Zeh anschauen, wie Profigolfer Jack Nicklaus es angeblich tat, um von diesen lästigen Details abzulenken.</seg> |
| <seg id="52">Auch wenn wir unter Bedingungen wie im Ernstfall üben — so schließt sich die Lücke zwischen Training und Wettbewerb —, kann das helfen, sich an das Beobachtetwerden zu gewöhnen.</seg> |
| <seg id="53">Das gilt auch außerhalb des Spielfelds.</seg> |
| <seg id="54">Egal, ob man sich auf eine Prüfung oder einen wichtigen Vortrag vorbereitet, der vielleicht mit etwas Druck verbunden ist:</seg> |
| <seg id="55">(Lachen)</seg> |
| <seg id="56">Sich an Situationen wie im Ernstfall zu gewöhnen ist wirklich wichtig.</seg> |
| <seg id="57">Machen Sie vor einer Prüfung Ihr Buch zu. Geben Sie sich die Antworten unter Zeitdruck aus dem Gedächtnis. Üben Sie einen Vortrag vor anderen.</seg> |
| <seg id="58">Wenn Sie keine Zuhörer finden, üben Sie vor einer Videokamera oder sogar vor dem Spiegel.</seg> |
| <seg id="59">Die Fähigkeit, sich an den Ernstfall zu gewöhnen, kann den Ausschlag geben, ob wir versagen oder glänzen.</seg> |
| <seg id="60">Wir haben auch ein paar Möglichkeiten gefunden, wie man in Stresssituationen lästige Sorgen und Selbstzweifel loswird.</seg> |
| <seg id="61">Forscher sagen, wenn man vor einer Stresssituation einfach seine Gedanken und Sorgen niederschreibt, hilft das, sie aus dem Kopf zu bekommen — und sie tauchen im Ernstfall seltener auf.</seg> |
| <seg id="62">Es ist, wie wenn man nachts aufwacht und sich wirklich über die morgigen Pflichten sorgt. Man versucht, an alles zu denken, was man tun muss, schreibt es auf und legt sich wieder hin.</seg> |
| <seg id="63">Wenn man die Gedanken notiert, Buch darüber führt, entstehen sie im Ernstfall weniger leicht, um uns abzulenken.</seg> |
| <seg id="64">Das Ergebnis: Man bringt Bestleistung, wenn es am meisten darauf ankommt.</seg> |
| <seg id="65">Bisher habe ich beschrieben, was passiert, wenn wir uns selbst beschränken, und ein paar Tipps gegeben, wie wir unser Bestes geben können.</seg> |
| <seg id="66">Doch vergessen wir nicht: Nicht nur wir selbst können uns beschränken und schlechte Leistungen bringen. Auch die Umwelt hat Einfluss darauf, ob wir versagen oder glänzen.</seg> |
| <seg id="67">Eltern, Lehrer, Trainer, Chefs — sie alle haben Einfluss darauf, ob wir im Ernstfall Bestleistungen bringen können.</seg> |
| <seg id="68">Nehmen wir Mathematik als Beispiel.</seg> |
| <seg id="69">Ja, Sie hören richtig: Mathematik.</seg> |
| <seg id="70">Viele sagen, sie versagen in Mathematik oder haben Angst davor, egal, ob sie geprüft werden oder nur im Restaurant das Trinkgeld berechnen, wenn unsere schlauen Freunde zuschauen.</seg> |
| <seg id="71">Es ist durchaus gesellschaftsfähig, über Versagen oder schwache Leistungen in Mathematik zu sprechen.</seg> |
| <seg id="72">Man trifft nie hochgebildete Menschen, die darüber sprechen oder damit prahlen, wie schlecht sie lesen können, aber man hört Leute ständig damit prahlen, dass ihnen Mathe nicht liegt.</seg> |
| <seg id="73">Und leider tendieren in den USA dazu eher Frauen und Mädchen als Männer und Jungen.</seg> |
| <seg id="74">Mein Forschungsteam und ich versuchen zu verstehen, woher diese Angst vor Mathematik kommt, und haben mit Kernspintomografie die Gehirne von Menschen untersucht, die Angst vor Mathematik haben.</seg> |
| <seg id="75">Wir haben gezeigt, dass Mathematikphobie mit einem konkreten Körpergefühl wie Schmerz zusammenhängt, und davor haben wir mit vollem Recht Angst.</seg> |
| <seg id="76">Wenn Menschen mit Angst vor Mathematik kurz vor einer Mathematikprüfung stehen — sie schreiben noch nicht, stehen aber kurz davor —, sind Teile des Gehirns aktiv, die an neuralen Schmerzreaktionen beteiligt sind.</seg> |
| <seg id="77">Wenn man sagt: "Mathe tut weh", trifft das für einige Leute teilweise zu.</seg> |
| <seg id="78">Aber woher kommt diese Angst?</seg> |
| <seg id="79">Angst vor Mathematik ist erwiesenermaßen ansteckend.</seg> |
| <seg id="80">Wenn Erwachsene sie haben, bekommen sie auch Kinder in ihrer Umgebung.</seg> |
| <seg id="81">Schon in der ersten Klasse lernen Schüler bei Lehrern, die ihr eigenes Talent in Mathematik anzweifeln, im laufenden Schuljahr weniger.</seg> |
| <seg id="82">Das gilt für Mädchen mehr als für Jungen.</seg> |
| <seg id="83">In diesem jungen Alter ahmen Kinder gern Erwachsene ihres Geschlechts nach, und zumindest in den USA sind Lehrer an Grundschulen zu über 90% Frauen.</seg> |
| <seg id="84">Natürlich ist nicht allein der Unterricht schuld.</seg> |
| <seg id="85">Auch die sozialen Medien spielen hier eine große Rolle.</seg> |
| <seg id="86">Vor nicht allzu langer Zeit konnte man eine sprechende Barbiepuppe kaufen. Wenn man an der Schnur zog, sagte sie Dinge wie: "Werden wir je genug zum Anziehen haben?" und: "Mathe ist schwer." Vor ein paar Jahren verkauften große Handelsketten den Mädchen T-Shirts mit Aufschriften wie: "Ich bin zu hübsch für Mathe" oder: "Ich bin zu hübsch für Hausaufgaben, die macht mein Bruder für mich." Und vergessen wir die Eltern nicht.</seg> |
| <seg id="87">Oh, die Eltern.</seg> |
| <seg id="88">Wenn Eltern ihre eigenen Talente in Mathematik infrage stellen und ihren Kindern oft bei der Mathehausaufgabe helfen, lernen die Kinder im laufenden Schuljahr weniger.</seg> |
| <seg id="89">Ein Vater drückte es so aus: "Ich beurteile die Mathehausaufgabe meines Erstklässlers danach, ob ich nur ein Bier brauche — oder drei für den ganzen Abend."</seg> |
| <seg id="90">(Lachen)</seg> |
| <seg id="91">Wenn Erwachsene ihr Mathetalent infrage stellen, färbt das auf ihre Kinder ab und entscheidet darüber, ob sie versagen oder gut sind.</seg> |
| <seg id="92">Doch so wie wir anderen Grenzen setzen können, können wir sie auch aufheben.</seg> |
| <seg id="93">Unser Forschungsteam hat gezeigt: Wenn wir Eltern helfen, mit ihren Kindern interessante Matheaufgaben zu lösen — es gibt also Gutenacht-Mathematik statt Gutenachtgeschichten oder Bettlektüren, d. h. Rechenaufgaben, die den Kindern Spaß machen — dann bessert sich nicht nur die Meinung der Kinder über Mathe, sondern auch ihre Leistung in der Schule. Unsere Umgebung ist wichtig — Schule, Eltern, Medien — und sie kann wirklich entscheidend sein, ob wir versagen oder gut sind.</seg> |
| <seg id="94">Springen wir von meinem Fußballmatch in der Highschool zu meinem ersten College-Jahr.</seg> |
| <seg id="95">Ich war im Chemiekurs, Hauptfach Naturwissenschaften, und da gehörte ich überhaupt nicht hin.</seg> |
| <seg id="96">Obwohl ich für meine erste Zwischenprüfung büffelte — ich glaubte, das sei zu schaffen —, fiel ich krachend durch.</seg> |
| <seg id="97">Ich bekam die allerschlechteste Note in einem Jahrgang von 400 Studenten.</seg> |
| <seg id="98">Ich war sicher: Dieses Studium war nicht zu schaffen, ich würde vielleicht sogar das College ganz aufgeben.</seg> |
| <seg id="99">Doch dann änderte ich meine Lernweise.</seg> |
| <seg id="100">Anstatt allein zu lernen, lernte ich mit einer Gruppe von Freunden, die am Ende jedes Treffens ihre Bücher zuklappten und um die richtigen Antworten wetteiferten.</seg> |
| <seg id="101">Wir lernten, unter Stress zu üben.</seg> |
| <seg id="102">Bei einem Blick in mein Gehirn bei der ersten Zwischenprüfung hätten Sie wohl eine neurale Schmerzreaktion bemerkt, genau wie bei meinen Testpersonen mit Mathematik-Angst.</seg> |
| <seg id="103">Die hatte ich wahrscheinlich auch während der stressigen Lernsituationen.</seg> |
| <seg id="104">Doch als ich ins Finale zog, war mein Kopf ruhig und ich bekam eine der besten Noten des gesamten Jahrgangs.</seg> |
| <seg id="105">Ich hatte nicht nur den Stoff gelernt, sondern auch, wie ich meine Grenzen überwinden konnte, wenn alles auf dem Spiel stand.</seg> |
| <seg id="106">Wichtig ist, was in unserem Kopf passiert. Wenn man das weiß, kann man lernen, sich und andere auf Erfolgskurs zu bringen, und zwar nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im Konferenzsaal und im Klassenzimmer.</seg> |
| <seg id="107">Danke.</seg> |
| <seg id="108">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="21017" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, business, collaboration, communication, success, personal growth</keywords> |
| <speaker>Tina Seelig</speaker> |
| <talkid>21017</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Glück ist selten ein Blitzschlag, isoliert und dramatisch -- es ist viel mehr wie der Wind, ein konstantes Wehen. Ihn mehr einzufangen ist einfach, aber nicht offensichtlich. In dieser erkenntnisreichen Präsentation stellt die Stanford Professorin für Ingenieurwissenschaften, Tina Seelig, drei unerwartete Methoden vor, Ihr Glück zu vermehren -- und Ihre Fähigkeiten, günstige Gelegenheiten zu erkennen und zu ergreifen.</description> |
| <title>Tina Seelig: Die kleinen Risiken, die Ihr Glück vermehren</title> |
| <seg id="1">Ich habe beinahe zwei Jahrzehnte damit verbracht, zu beobachten, wieso manche Menschen mehr Glück haben als andere, und zu versuchen, Menschen zu helfen, ihr Glück zu vermehren.</seg> |
| <seg id="2">Ich unterrichte Geschäftsführung und wir wissen alle, dass die meisten neuen Unternehmen scheitern und, dass Innovatoren und Unternehmer alles Glück der Welt brauchen.</seg> |
| <seg id="3">Also was ist Glück? Glück ist definiert als Erfolg oder Misserfolg, der anscheinend durch Zufall verursacht wurde. Anscheinend. Das ist das Schlüsselwort.</seg> |
| <seg id="4">Es sieht wie ein Zufall aus, weil wir selten all die Knöpfe sehen, die über das Glück entscheiden.</seg> |
| <seg id="5">Aber durch viel Observation, habe ich realisiert, dass Glück selten wie ein Blitz trifft, isoliert und dramatisch.</seg> |
| <seg id="6">Es ist mehr wie der Wind, ein konstantes Wehen.</seg> |
| <seg id="7">Manchmal ist er seicht, manchmal bläst er in Böen und manchmal kommt er aus Richtungen, die man gar nicht hat kommen sehen.</seg> |
| <seg id="8">Wie fängt man den Wind des Glücks?</seg> |
| <seg id="9">Es ist einfach aber nicht offensichtlich.</seg> |
| <seg id="10">Ich werde nun drei Dinge mit Ihnen besprechen, die Sie tun können, um diesen Wind einzufangen.</seg> |
| <seg id="11">Als Erstes sollten Sie ihre Beziehung zu sich selbst ändern.</seg> |
| <seg id="12">Seien Sie bereit, Risiken einzugehen, die Sie aus Ihrer Komfortzone holen.</seg> |
| <seg id="13">Als wir Kinder waren, taten wir das ständig.</seg> |
| <seg id="14">Wir mussten es tun, um Laufen zu lernen oder Sprechen, oder Fahrrad zu fahren, oder um Quantenphysik zu lernen. Oder? Wir müssen uns von jemanden, der nicht Fahrrad fahren kann, zu jemanden entwickeln, der es kann.</seg> |
| <seg id="15">Und dafür mussten wir aus unserer Komfortzone raus und ein paar Risiken eingehen.</seg> |
| <seg id="16">Das Problem ist, dass wir das mit zunehmenden Alter kaum noch tun.</seg> |
| <seg id="17">Wir versteifen uns darauf, wer wir sind und strecken uns nicht mehr aus.</seg> |
| <seg id="18">Ich verbringe mit meinen Schülern viel Zeit darauf, sie zu motivieren, aus sich herauszukommen und Risiken einzugehen.</seg> |
| <seg id="19">Wie mache ich das?</seg> |
| <seg id="20">Zuerst lass ich sie ein Risiko-Meter ausfüllen, eine Aktivität, die wir uns im Unterricht ausgedacht haben, bei der sie identifizieren, welche Risiken sie eingehen würden.</seg> |
| <seg id="21">Und es wird sehr schnell deutlich, dass Risikobereitschaft nicht binär ist.</seg> |
| <seg id="22">Es gibt geistige, körperliche und finanzielle Risiken, emotionale, soziale, ethnische und politische Risiken.</seg> |
| <seg id="23">Sobald sie das getan haben, vergleichen sie ihre Risikoprofile mit anderen und sehen schnell, dass die alle sehr unterschiedlich sind.</seg> |
| <seg id="24">Danach motiviere ich sie dazu, sich auszubreiten, Risiken einzugehen, die sie aus ihrer Komfortzone holen.</seg> |
| <seg id="25">Zum Beispiel bitte ich sie, ein geistiges Risiko einzugehen und sich einem Problem zu stellen, dass sie zuvor mieden. Oder ein soziales Risiko: mit jemandem zu reden, der neben ihnen im Zug sitzt. Oder ein emotionales Risiko: Jemandem zu sagen, dass ihre Gefühle ihnen wichtig sind.</seg> |
| <seg id="26">Ich tue das selbst ständig.</seg> |
| <seg id="27">Vor circa 12 Jahren war ich auf einem Flug sehr früh morgens nach Ecuador.</seg> |
| <seg id="28">Normalerweise würde ich einfach meine Kopfhörer aufsetzen, schlafen, aufwachen, etwas arbeiten. Doch ich habe mich etwas gewagt und ein Gespräch mit meinem Sitznachbarn begonnen.</seg> |
| <seg id="29">Ich habe mich vorgestellt und erfahren, dass er ein Verleger ist. Interessant. Wir hatten ein faszinierendes Gespräch.</seg> |
| <seg id="30">Ich habe über die Zukunft der Verlagsindustrie gelernt.</seg> |
| <seg id="31">Und so habe ich mich dazu entschieden, nach drei Viertel des Flugs ein weiteres Risiko einzugehen. Ich öffnete meinen Laptop und habe ihm eine Buchidee gezeigt, die ich für etwas für meinen Unterricht vorbereitet habe.</seg> |
| <seg id="32">Er war sehr höflich, hat sie gelesen und gesagt: "Du, Tina, das ist nichts für uns, aber vielen Dank." Das ist okay.</seg> |
| <seg id="33">Dieses Risiko erbrachte nichts.</seg> |
| <seg id="34">Ich packte den Laptop ein.</seg> |
| <seg id="35">Am Ende des Flugs haben wir Kontaktinformationen ausgetauscht.</seg> |
| <seg id="36">Ein paar Monate später habe ich ihn kontaktiert und sagte: "Mark, möchtest du in meine Klasse kommen?</seg> |
| <seg id="37">Ich mache ein Projekt, um das Buch neu zu erfinden, die Zukunft des Verlags. "Und er sagte:" Ich komme gerne. "Er kam und wir hatten eine gute Zeit.</seg> |
| <seg id="38">Einige Monate später schrieb ich ihm wieder.</seg> |
| <seg id="39">Dieses Mal schickte ich ihm ein paar Videoclips von einem anderen Projekt meiner Schüler.</seg> |
| <seg id="40">Er war so interessiert an einem der Projekte, dass er sogar dachte, man könne ein Buch darüber schreiben und wollte die Schüler dahinter treffen.</seg> |
| <seg id="41">Ich muss zugeben, ich war etwas enttäuscht.</seg> |
| <seg id="42">(Lachen)</seg> |
| <seg id="43">Ich meine, ein Buch mit meinen Schülern? Nicht mit mir. Aber egal, das ist okay.</seg> |
| <seg id="44">Also habe ich ihn eingeladen und er kam mit seinen Kollegen nach Stanford und hat die Schüler getroffen. Und danach aßen wir gemeinsam zu Mittag.</seg> |
| <seg id="45">Einer seiner Editoren sagte zu mir: "Haben Sie mal darüber nachgedacht, ein Buch zu schreiben?"</seg> |
| <seg id="46">Ich sagte: "Gut, dass Sie fragen." Und holte eben jene Buchidee hervor, die ich seinem Chef das Jahr zuvor gezeigt habe.</seg> |
| <seg id="47">Innerhalb zwei Wochen hatte ich einen Vertrag und nach zwei Jahren hat das Buch sich weltweit eine Million Mal verkauft.</seg> |
| <seg id="48">(Applaus)</seg> |
| <seg id="49">Nun sagen sie vielleicht: "Sie haben Glück!" Natürlich hatte ich Glück, aber dieses Glück kam aus einer Reihe von kleinen Risiken, die ich eingegangen bin, angefangen damit, "Hallo" zu sagen.</seg> |
| <seg id="50">Und das kann jeder, ganz egal wo man im Leben ist, ganz egal wo man in der Welt ist. Selbst wenn man denkt, man sei der größte Pechvogel, man braucht nur aus seiner Komfortzone rauskommen und kleine Risiken eingehen.</seg> |
| <seg id="51">Man beginnt ein Segel zu bauen, um das Glück einzufangen.</seg> |
| <seg id="52">Der nächste Schritt ist, seine Beziehung zu Mitmenschen zu ändern.</seg> |
| <seg id="53">Man muss verstehen, dass jeder, der einem auf seinem Wege hilft, eine große Rolle auf dem Weg zum Ziel spielt.</seg> |
| <seg id="54">Und wenn man keine Dankbarkeit zeigt, schließt man sich nicht nur selber aus, sondern verpasst auch Gelegenheiten.</seg> |
| <seg id="55">Wenn eine Person etwas für Sie tut, nimmt sie sich die Zeit, die sie für sich selbst oder jemand anderen nutzen könnte und das muss man anerkennen.</seg> |
| <seg id="56">Ich leite drei Gemeinschaftsprogramme an der Stanford Universität und es ist sehr schwierig reinzukommen und wenn ich Ablehnungsbriefe an Schüler schreibe, weiß ich jedes Mal, dass sie enttäuscht sein werden.</seg> |
| <seg id="57">Manche schicken mir dann Nachrichten, in denen sie sich beschweren.</seg> |
| <seg id="58">Manche fragen, wie sie das nächste Mal erfolgreicher sein können.</seg> |
| <seg id="59">Und hin und wieder schickt jemand eine Nachricht, um mir für die Gelegenheit zu danken.</seg> |
| <seg id="60">Das passierte vor sieben Jahren.</seg> |
| <seg id="61">Ein junger Mann namens Brian schrieb in einer Notiz: "Ich weiß, ich wurde schon zwei Mal für dieses Programm abgelehnt, aber ich wollte mich für die Chance bedanken.</seg> |
| <seg id="62">Ich habe so viel durch den Bewerbungsprozess gelernt. "</seg> |
| <seg id="63">Ich war so von seiner Dankbarkeit gerührt, dass ich ihn einlud, mich zu treffen.</seg> |
| <seg id="64">Wir haben uns unterhalten und die Idee für ein unabhängiges Studienprojekt entwickelt.</seg> |
| <seg id="65">Er war im Stanford Football Team und wollte ein Projekt über Führungsrollen in diesem Kontext durchführen.</seg> |
| <seg id="66">Wir haben uns im Laufe des Semesters sehr gut kennengelernt und er hat das Projekt, an dem er gearbeitet hat, in unsere Studie gebracht und es letztendlich in ein Unternehmen namens "Play for Tomorrow" entwickelt, in dem er Kindern aus benachteiligten Hintergründen beibringt, wie sie das Leben, von dem sie träumen, leben können.</seg> |
| <seg id="67">Das Wichtige an der Geschichte ist, dass wir beide aufgrund seiner Dankesnachricht den Wind des Glücks eingefangen haben.</seg> |
| <seg id="68">Aber wir haben den Wind anfangs gar nicht kommen sehen.</seg> |
| <seg id="69">Im Verlauf der letzten paar Jahre habe ich Taktiken für mein eigenes Leben entwickelt, um mir zu helfen, verstärkt Anerkennung zu geben.</seg> |
| <seg id="70">Meine Lieblingstaktik ist, am Ende des Tages in meinen Kalender zu schauen und alle durchzugehen, die ich getroffen habe, und an jede einzelne Person eine Dankesnachricht zu schicken.</seg> |
| <seg id="71">Es dauert nur ein paar Minuten, doch am Ende jedes Tages fühle ich mich unglaublich dankbar und ich verspreche Ihnen, es hat mein Glück gesteigert.</seg> |
| <seg id="72">Zuerst müssen Sie Risiken eingehen und aus Ihrer Komfortzone raus.</seg> |
| <seg id="73">Als Zweites müssen Sie Dankbarkeit zeigen.</seg> |
| <seg id="74">Und als Drittes: ändern Sie Ihre Beziehung zu Ideen.</seg> |
| <seg id="75">Die meisten Leute beurteilen neue Ideen direkt. "Das ist eine gute Idee" oder "Das ist eine furchtbare Idee" Aber es ist wirklich viel differenzierter.</seg> |
| <seg id="76">Ideen sind nicht nur gut oder schlecht.</seg> |
| <seg id="77">Tatsächlich sind die Ursprünge furchtbarer Ideen oft bemerkenswert.</seg> |
| <seg id="78">Eine meiner Lieblingsübungen aus meinem Kreativunterricht ist es Schülern zu helfen, eine Haltung gegenüber schlechten Ideen zu entwickeln, die ihnen Möglichkeiten erkennen lässt.</seg> |
| <seg id="79">Also fordere ich sie heraus, eine Idee für ein brandneues Restaurant zu kreieren.</seg> |
| <seg id="80">Sie müssen sich die besten Ideen für ein neues Restaurant und die schlechtesten Ideen ausdenken.</seg> |
| <seg id="81">Die besten Ideen sind Sachen wie ein Restaurant auf einer Bergspitze mit wunderschönem Sonnenuntergang oder ein Restaurant auf einem Boot mit grandioser Aussicht.</seg> |
| <seg id="82">Und die schlechten Ideen sind Sachen wie ein Restaurant in einem Müllhaufen oder ein sehr dreckiges Restaurant mit schrecklichem Service oder ein Restaurant, das Kakerlakensushi serviert.</seg> |
| <seg id="83">(Lachen)</seg> |
| <seg id="84">Also reichen sie alle Ideen zu mir, ich lese die großartigen Ideen laut vor und zerreiße sie und schmeiße sie weg.</seg> |
| <seg id="85">Dann nehme ich die schlechten Ideen und teile diese wieder aus.</seg> |
| <seg id="86">Jedes Team hat nun eine Idee, die ein anderes Team für schrecklich hielt und ihre Herausforderung ist es, diese brillant zu machen.</seg> |
| <seg id="87">Dann passiert Folgendes: Innerhalb von 10 Sekunden ruft jemand "Das ist eine fantastische Idee." Nach drei Minuten müssen sie ihre Ideen der Klasse vorstellen.</seg> |
| <seg id="88">Also was wurde aus dem Restaurant im Müllhaufen?</seg> |
| <seg id="89">Sie sammeln alles überschüssige Essen aus Michelin-Sterne-Restaurants, das weggeschmissen worden wäre, und verkaufen dies in einem viel günstigeren Restaurant mit allen Essensresten.</seg> |
| <seg id="90">Ziemlich cool, oder? Was mit dem dreckigen Restaurant mit schrecklichem Service?</seg> |
| <seg id="91">Aus dem wurde ein Restaurant, das ein Trainingsplatz für zukünftige Gastronomen ist, um zu üben, alle Fettnäpfchen zu umgehen. Und das Kakerlakensushi-Restaurant? Daraus wurde eine Sushi-Bar mit allen möglichen interessanten und exotischen Zutaten.</seg> |
| <seg id="92">Wenn man sich die Unternehmen um einem herum anschaut, die Unternehmen, die wirklich innovativ sind, die, die wir nun als selbstverständlich sehen, die unser Leben veränderten, wissen Sie was?</seg> |
| <seg id="93">Die haben alle als verrückte Ideen angefangen.</seg> |
| <seg id="94">Ideen, zu denen, wenn sie anderen vorgestellt wurden, die Meisten sagten: "Das ist verrückt, das wird nie funktionieren".</seg> |
| <seg id="95">Ja, manchmal sind Leute in schreckliche Umstände hinein geboren worden und manchmal ist das Glück ein Blitzschlag, der uns mit etwas Wundervollem oder etwas Schrecklichem trifft.</seg> |
| <seg id="96">Aber die Winde des Glücks sind immer da und wenn man nur ein paar Risiken eingeht, wenn man wirklich hervortritt und Dankbarkeit zeigt und bereit ist, sich Ideen wirklich anzuschauen, auch die verrückten, durch die Linse der Möglichkeiten, kann man ein immer größeres Segel bauen, um die Winde des Glücks einzufangen.</seg> |
| <seg id="97">Dankeschön.</seg> |
| <seg id="98">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="25727" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, law, society, social change, justice system, activism, crime, Internet, criminal justice, women, TEDx</keywords> |
| <speaker>Darieth Chisolm</speaker> |
| <talkid>25727</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Was kannst man tun, wenn man Opfer von "Rache-Porno" oder Internet-Mobbing wird? Erschreckenderweiße wenig, sagt die Journalistin und Aktivistin Darieth Chisolm, die sich selbst in einem Apltraum-Szenario befand, in dem eindeutige Bilder von ihr, ohne ihr Wissen oder ihre Einwilligung, online hochgeladen wurden. Sie beschreibt, wie sie sich bemühte, den Opfern zu helfen und verdeutlicht die aktuelle Rechtslage zur Bestrafung der Täter.</description> |
| <title>Darieth Chisolm: Wie "Rache-Porno" die Welt auf den Kopf stellt</title> |
| <seg id="1">Ich hatte noch fünf Minuten, bevor ich meinen Vortag vor einigen Geschäftsinhabern zum Thema Sichtbarkeit und vor der Kamera stehen, halten sollte.</seg> |
| <seg id="2">Schließlich war ich die sogenannte Expertin zum Thema. Der ehemalige TV-Nachrichtensprecher, Lebens- und Unternehmensberater.</seg> |
| <seg id="3">Ich warf zufällig einen Blick auf mein Handy, um nach der Zeit zu sehen, als ich sah, dass ich einen Anruf meines Exmannes verpasst hatte.</seg> |
| <seg id="4">Ich kann immer noch seine Stimme hören: "Darieth, was ist los?</seg> |
| <seg id="5">Ich bekam gerade einen Anruf von einem Mann, der mich auf diese Website lotste, und jetzt sehe ich all diese nackten Bilder von dir.</seg> |
| <seg id="6">Deine Geschlechtsteile sind überall auf dieser Seite.</seg> |
| <seg id="7">Wer hat das alles gesehen? "Ich konnte nicht denken.</seg> |
| <seg id="8">Ich konnte nicht atmen.</seg> |
| <seg id="9">Ich war so gedemütigt, so verlegen und beschämt.</seg> |
| <seg id="10">Es fühlte sich an als würde meine Welt zu Grunde gehen.</seg> |
| <seg id="11">Dabei fing es für mich erst an: Monate voll Schmerz, Depressionen, Zorn, Verwirrung und Stille.</seg> |
| <seg id="12">Mein manipulierender, eifersüchtiger Stalker-Ex-Freund tat genau das, was er gesagt hatte: Er erstellte eine Website in meinem Namen und er postete das. Und das. Und mehrere eindeutige Fotos,</seg> |
| <seg id="13">die er von mir aufnahm, während ich schlief, als ich mit ihm in Jamaika lebte.</seg> |
| <seg id="14">Monate zuvor hatte er begonnen, mir in Textnachrichten zu drohen, wie hier: Er versuchte mich als schäbige, kleine Schlampe hinzustellen.</seg> |
| <seg id="15">Er drohte sogar, mich umzubringen.</seg> |
| <seg id="16">Er sagte, er würde mir in den Kopf schießen und mir ins Herz stechen, nur weil ich die kontollierende Beziehungen beenden wollte.</seg> |
| <seg id="17">Ich konnte nicht glauben, dass das mir passierte.</seg> |
| <seg id="18">Ich wusste noch nicht einmal, wie ich es nennen sollte.</seg> |
| <seg id="19">Ihr kennt es vielleicht als Internet- Belästigung oder-Mobbing. Die Medien nennen es "Rache-Porno". Ich nenne es nun "digitale häusliche Gewalt".</seg> |
| <seg id="20">Normalerweise kommt es nach einer beendeten Beziehung, in der der verlassene Ex-Liebhaber mit der Zurückweisung nicht klar kommt; wenn sie physisch ihre Hände nicht an dich anlegen können, verwenden sie andere Waffen: Handys und Laptops. Die Munition? Fotos, Videos, eindeutige Informationen, Inhalte — alles online hochgeladen, ohne deine Einwilligung.</seg> |
| <seg id="21">Machen wir uns doch nichts vor — wir alle leben unsere Leben online.</seg> |
| <seg id="22">Und das Internet ist eine wirklich kleine Welt.</seg> |
| <seg id="23">Wir prahlen mit unseren Babyfotos, wir gründen Unternehmen und lassen sie wachsen, wir beginnen neue Beziehungen, wir lassen die Welt herein, mit jedem Facebook-Like.</seg> |
| <seg id="24">Und wisst ihr, was ich gefunden habe?</seg> |
| <seg id="25">Eine noch kleinere Welt.</seg> |
| <seg id="26">Eine von 25 Frauen gibt an, von Rache-Pronos betroffen zu sein.</seg> |
| <seg id="27">Für Frauen unter 30 steigt die Zahl auf eine von 10 an.</seg> |
| <seg id="28">Das macht einige von euch im Publikum zu potenziellen Opfern.</seg> |
| <seg id="29">Wollt ihr wissen, was noch alarmierender ist?</seg> |
| <seg id="30">Der Mangel an Bestimmungen und Gesetzen, die Opfer adequat schützen könnten und Täter bestrafen würden.</seg> |
| <seg id="31">Es gibt nur einen Entwurf für ein Bundesgesetz: das sogenannte ENOUGH-Gesetz [genug] von Senator Kamala Harris.</seg> |
| <seg id="32">Es würde Rache-Pornos unter Strafe stellen.</seg> |
| <seg id="33">Aber das kann Jahre bis zur Verabschiedung brauchen.</seg> |
| <seg id="34">Was bleibt uns also in der Zwischenzeit? Geringfügige zivile Vergehen. Aktuell haben nur 40 Staaten und DC einige geltende Gesetze für Rache-Pornos.</seg> |
| <seg id="35">Das Strafmaß variiert — Geldbußen von 500 $. Fünfhundert Dollar? Ist das euer Ernst?</seg> |
| <seg id="36">Frauen verlieren ihre Jobs.</seg> |
| <seg id="37">Sie leiden unter geschädigten Beziehungen und einem geschädigten Ansehen.</seg> |
| <seg id="38">Sie werden krank oder depressiv. Die Selbstmordraten steigen. Ihr seht eine Frauen, die 11 Monate vor Gericht verbrachte, dreizehn Fahrten zum Gericht und tausende Dollar an Anwältskosten gezahlt hat, nur um zwei Dinge zu erreichen: Einen Schutz vor Internet-Stalking und Cyber-Missbrauch, auch bekannt als PFA, und das Wort eines Richters der eine dritte Partei, die Internetgesellschaft, zwang, den Inhalt zu löschen.</seg> |
| <seg id="39">Es ist teuer, kompliziert und verwirrend.</seg> |
| <seg id="40">Noch schlimmer, Gesetzeslücken und Zuständigkeitsfragen zögern es monatelang hinaus, während meine Geschlechtsteile Monate öffentlich sichtbar waren.</seg> |
| <seg id="41">Wie würdet ihr empfinden, wenn eure nackten Körper für die Welt sichbar wären, während ihr hilflos darauf wartet, dass der Inhalt entfernt wird?</seg> |
| <seg id="42">Schlussendlich stolperte ich über eine private Firma, die einen DMCA-Bescheid, zur Schließung der Website, erließ.</seg> |
| <seg id="43">DMCA – Digitaler Millennium Copyright Act.</seg> |
| <seg id="44">Es ist ein Gestez, das digitale Materialien und Inhalte reguliert.</seg> |
| <seg id="45">Es ist das Ziel der DMCA, Rechteinhaber und Konsumenten zu schützen. Verstanden:</seg> |
| <seg id="46">Leute, die Nacktfotos aufnehmen und teilen, haben die Rechte an den Selfies, daher sollten sie in der Lage sein, durch ein DMCA die Inhalte zu löschen.</seg> |
| <seg id="47">Aber nicht so schnell... denn im anderen Kampf haben wir es</seg> |
| <seg id="48">mit rebellischen und unansprechbaren Internetfirmen als Dritten zu tun. Und ganz nebenbei, auch in beidseitigen Beziehungen, nur weil man ein Nachtfoto geschickt bekommt, hat man nicht das Recht, es zu verbreiten, auch [ohne] die Absicht, zu schaden.</seg> |
| <seg id="49">Zurück zu meinem Fall, der weitaus komplizierter ist, da er mich aus einem anderen Land heraus gestalked und belästigt hat, was es nahezu unmöglich macht, hier Hilfe zu bekommen.</seg> |
| <seg id="50">Aber wartet einen Moment — ist das Internet nicht international?</seg> |
| <seg id="51">Sollten wir nicht irgendeine Art Strategie haben, die uns weitgehend schützt, unabhängig von Grenzen und Einschränkungen?</seg> |
| <seg id="52">Ich konnte nicht aufgeben; ich musste weiter kämpfen.</seg> |
| <seg id="53">Also erlaubte ich freiwillig, bei drei Gelegenheiten, die Durchsuchung meines Handys und auch meines Laptops durch den Verfassungsschutz und die jamaikanische Botschaft, zur forensischen Untersuchung, da ich die ganzen Beweise behalten hatte.</seg> |
| <seg id="54">Ich teilte mühsam meine Geschlechtsteile mit dem nur männlichen Untersuchungsteam.</seg> |
| <seg id="55">Es war eine beschämende, zusätzlich demütigende Angelegenheit.</seg> |
| <seg id="56">Aber dann ist etwas passiert. Jamaikanische Behörden verhafteten ihn endlich.</seg> |
| <seg id="57">Er ist nun nach dem Gesetz der bösartigen Kommunikation angeklagt, und wenn er verurteilt wird, könnte er mit tausenden Dollar Strafe rechnen und mit bis zu 10 Jahren Gefängnis.</seg> |
| <seg id="58">Ich habe gehört, dass mein Fall Geschichte schreibt — es ist der erste internationale Fall dieses neuen Verbrechens.</seg> |
| <seg id="59">Wow, endlich etwas Gerechtigkeit.</seg> |
| <seg id="60">Aber das regte mich zum Nachdenken an. Niemand verdient das. Niemand verdient dieses Level an Demütigung und all die Steine aus dem Weg räumen zu müssen.</seg> |
| <seg id="61">Unsere Internet-Bürgerrechte stehen auf dem Spiel.</seg> |
| <seg id="62">Hier in den USA sollten wir klare, harte Vollstreckungen haben; wir müssen Rechenschaft und Ansprechbarkeit von Internetfirmen fordern wir müssen soziale Verantwortung beim Posten, Teilen und Texten fördern; und wir müssen die Würde der Opfer wiederherstellen.</seg> |
| <seg id="63">Und was ist mit den Opfern, die weder Zeit, noch Geld oder Ressourcen haben, um diesen Krieg zu führen, die entkräftet, mit geschädigtem Ruf und zerbrochen zurückbleiben?</seg> |
| <seg id="64">Zwei Dinge: Lasst die Scham los und endet euer Schweigen.</seg> |
| <seg id="65">Die Scharm ist der Ursprung für all dies.</seg> |
| <seg id="66">Für jeden stillen Gefangenen seiner Scharm, macht die Angst, verurteilt zu werden, euch zu Gefangenen.</seg> |
| <seg id="67">Das Entfernen eures Selbstwerts ist der Preis, den man zu zahlen hat.</seg> |
| <seg id="68">An dem Tag, an dem ich mein Schweigen brach, befreite ich mich von der Scharm.</seg> |
| <seg id="69">Ich befreit mich von der Angst, verurteilt zu werden, vor der einen Person, bei der ich dachte, sie würde mich am härtesten verurteilen - meinem Sohn, der mir dann erzählte: "Mama, du bist die stärkste Person, die ich kenne.</seg> |
| <seg id="70">Du kannst das durchstehen. und nebenbei, Mama — er hat sich mit der falschen Frau angelegt. "</seg> |
| <seg id="71">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="72">(Applaus)</seg> |
| <seg id="73">An diesem Tag entschied ich, meine Platform zu nutzen, und meine Geschichte und meine Stimme.</seg> |
| <seg id="74">Zu Beginn, fragte ich mich eine einfache Sache: Wer sollte ich jetzt werden?</seg> |
| <seg id="75">Diese Frage, angesichts allem, mit dem ich konfroniert war, veränderte mein Leben und ließ mich über die verschiedenen Mögichkeiten nachdenken.</seg> |
| <seg id="76">Jetzt besitze ich meine Geschichte, ich sage meine Wahrheit, und ich schreibe ein neues Kapitel in meinem Leben.</seg> |
| <seg id="77">Es heißt "50 Schatten des Schweigens". Es ist ein globales soziales Gerechtigkeitsprojekt, und wir arbeiten an einer Dokumentation, um den Opfern eine Stimme und Würde zu geben.</seg> |
| <seg id="78">Wenn du selbst betroffen bist oder jemanden kennst, merk dir das: Um gestärkt zu werden, musst du auf dich selbst achten, und dich selbst lieben.</seg> |
| <seg id="79">Du musst deinen Ärger in Handlungen verwandeln, deinen Schmerz in Kraft und deinen Rückschlag in ein Setup für dein zukünftiges Leben.</seg> |
| <seg id="80">Es ist ein Prozess und eine Reise der Selbsterkennung, die möglicherweise Vergebung beinhaltet.</seg> |
| <seg id="81">Aber sie benötigt vor allem Mut, Vertrauen und Überzeugung.</seg> |
| <seg id="82">Ich nenne es: findet eure tägliche Courage.</seg> |
| <seg id="83">Danke schön.</seg> |
| <seg id="84">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="26073" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, robots, emotions, society, humanity, future, design, innovation, technology</keywords> |
| <speaker>Kate Darling</speaker> |
| <talkid>26073</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Wir sind weit davon entfernt, empfindungsfähige Roboter zu entwickeln. Jedoch haben wir schon Gefühle für sie, sagt Roboterethikerin Kate Darling, und ein solcher Instinkt kann Konsequenzen haben. Lernen Sie mehr darüber, wie wir biologisch darauf programmiert sind, Absicht und Leben auf Maschinen zu projizieren -- und wie es uns helfen könnte uns selbst besser zu verstehen.</description> |
| <title>Kate Darling: Warum wir eine emotionale Verbindung zu Robotern haben</title> |
| <seg id="1">An einem Tag vor etwa zehn Jahren ließ ich einen Freund einen Baby-Dino-Roboter kopfüber halten.</seg> |
| <seg id="2">Es war ein Spielzeug namens Pleo, das ich mir bestellt hatte. Ich freute mich sehr darauf, denn ich liebe Roboter.</seg> |
| <seg id="3">Dieser hatte echt coole technische Features.</seg> |
| <seg id="4">Er hatte Motoren, Tastsensoren und eine Infrarotkamera und dann besaß er einen Neigungssensor.</seg> |
| <seg id="5">Er kannte also seine Ausrichtung im Raum.</seg> |
| <seg id="6">Wenn man ihn kopfüber hielt, würde er anfangen zu heulen.</seg> |
| <seg id="7">Das fand ich supercool und zeigte ich ihn daher einer Freundin, ich sagte: "Hey, heb ihn am Schwanz hoch.</seg> |
| <seg id="8">Schau was er macht. "Wir schauten uns also das Agieren des Roboters an, wie er leidet und heult.</seg> |
| <seg id="9">Nach ein paar Sekunden fing es an mich ein wenig zu stören, und ich sagte: "Okay, das reicht.</seg> |
| <seg id="10">Lassen wir ihn wieder runter. "Dann streichelte ich den Roboter, damit er zu heulen aufhörte.</seg> |
| <seg id="11">Das war eine etwas seltsame Erfahrung für mich.</seg> |
| <seg id="12">Ich war nämlich zu dieser Zeit nicht besonders mütterlich.</seg> |
| <seg id="13">Wobei ich vor 9 Monaten Mutter geworden bin, und jetzt weiß, dass kopfüber gehaltene Babies sich auch wehren. (Gelächter) Aber meine Reaktion auf den Roboter war auch interessant, da ich genau wusste, wie diese Maschine funktioniert, und dennoch fühlte ich mich veranlasst, lieb zu ihr zu sein.</seg> |
| <seg id="14">Diese Erkenntnis entfachte eine Neugier, der ich die letzten Jahre nachgegangen bin.</seg> |
| <seg id="15">Warum tröstete ich diesen Roboter?</seg> |
| <seg id="16">Eine Erkenntnis war, dass mein Umgang mit dieser Maschine mehr als nur ein verlegener Moment in meinem Wohnzimmer war und dass in einer Welt, in die wir immer mehr Roboter integrieren, ein solcher Instinkt Konsequenzen haben könnte. Denn meine erste Entdeckung war, dass das nicht nur mich betrifft.</seg> |
| <seg id="17">Im Jahr 2007 meldete The Washington Post, dass das US-amerikanische Militär einen Roboter testete, der Landminen entschärfen sollte.</seg> |
| <seg id="18">Gebaut wie eine Stabheuschrecke, funktionierte er so, dass er in einem Minenfeld auf seinen Beinen herumlief und jedes Mal, wenn er auf eine Mine trat und ein Bein explodierte, lief er auf den übrigen Beinen weiter, um mehr Minen zu finden.</seg> |
| <seg id="19">Der zuständige Oberst dieses Tests beschloss ihn abzublasen, weil es zu unmenschlich wäre, den beschädigten Roboter zu beobachten wie er sich über das Feld schleppt.</seg> |
| <seg id="20">Was veranlasst einen abgehärteten Militäroffizier und jemanden wie mich, so auf einen Roboter zu reagieren?</seg> |
| <seg id="21">Natürlich sind wir durch Science-Fiction und Popkultur geprägt und möchten diese Dinge vermenschlichen, aber es ist etwas tiefgehender als das.</seg> |
| <seg id="22">Wir sind nämlich genetisch programmiert Absicht und Leben auf jede selbstständige Bewegung unserer Umgebung zu projizieren.</seg> |
| <seg id="23">Deswegen behandeln Menschen alle Arten von Robotern wie Lebewesen.</seg> |
| <seg id="24">Diese Bombenentschärfungsroboter erhalten Namen. Sie erhalten Ehrenmedaillen. Sie hatten Beerdigungen mit Salutschüssen.</seg> |
| <seg id="25">Studien zeigen, dass wir das sogar mit einfachen Hausrobotern machen, wie dem Roomba-Staubsauger.</seg> |
| <seg id="26">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="27">Das ist nur eine fahrende Scheibe, die unseren Boden säubert, aber allein, dass sie sich frei bewegt, veranlasst Leute, ihr einen Namen zu geben und Mitleid zu empfinden, wenn sie unter dem Sofa feststeckt.</seg> |
| <seg id="28">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="29">Wir können Roboter entwickeln, um genau diese Reaktionen herbeizurufen durch Integrierung von Augen, Gesichtern und Bewegungen, die automatisch unterbewusst als Gemütszustand verstanden werden.</seg> |
| <seg id="30">Es gibt ein ganzes Forschungsgebiet, genannt Mensch-Roboter-Interaktion, das zeigt, wie gut das funktioniert.</seg> |
| <seg id="31">So fanden Forscher an der Stanford-Universität heraus, dass es für Probanden unangenehm ist, den Intimbereich eines Roboters berühren zu müssen.</seg> |
| <seg id="32">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="33">Von dieser und vielen anderen Studien wissen wir, dass Menschen auf die Signale dieser lebendig erscheinenden Maschinen reagieren, auch im Wissen, dass sie nicht echt sind.</seg> |
| <seg id="34">Nun rücken wir näher an eine Welt, wo Roboter überall sind.</seg> |
| <seg id="35">Robotertechnik verlässt die Fabrikhallen und kommt im Arbeitsalltag und unseren Haushalten an.</seg> |
| <seg id="36">Da diese Maschinen, die fühlen können, selbständig Entscheidungen treffen und lernen können, nun in diese gemeinsamen Räume eintreten, ist die beste Analogie dafür vielleicht unsere Beziehung mit Haustieren.</seg> |
| <seg id="37">Vor Tausenden von Jahren begannen wir Haustiere zu halten, wir trainierten sie als Arbeiter, Waffen oder Begleiter.</seg> |
| <seg id="38">Wir behandelten manche Tiere wie Werkzeug oder Ware, während wir andere liebevoll behandelten und sie als Begleiter in unserer Gesellschaft aufnahmen.</seg> |
| <seg id="39">Es ist möglich, dass wir anfangen, Roboter gleichermaßen zu integrieren.</seg> |
| <seg id="40">Natürlich, Tiere sind lebendig, Roboter sind es nicht. Durch die Zusammenarbeit mit Roboteringenieuren weiß ich, dass wir noch weit davon entfernt sind, empfindungsfähige Roboter zu bauen.</seg> |
| <seg id="41">Aber wir empfinden etwas für sie und das zählt, denn wenn wir versuchen, Roboter in unseren Alltag zu integrieren, müssen wir verstehen, dass wir sie anders als normale Geräte behandeln werden, und dass in manchen Fällen, wie beim Soldaten, der sich emotional an seinen Roboterkollegen bindet, das ineffizient bis gefährlich sein kann.</seg> |
| <seg id="42">Andererseits kann es auch nützlich sein, diese emotionale Verbindung zu Robotern zu fördern.</seg> |
| <seg id="43">Wir kennen schon einige tolle Anwendungen, beispielsweise Roboter für autistische Kinder, die sie auf eine noch nie gesehene Art und Weise beschäftigen, oder Roboter, die mit Lehrern arbeiten, um Kinder beim Lernen zu unterstützen.</seg> |
| <seg id="44">Das gilt nicht nur für Kinder.</seg> |
| <seg id="45">Erste Studien zeigen, Roboter können im Gesundheitswesen für Ärzte und Patienten nützlich sein.</seg> |
| <seg id="46">Das ist der Baby-Robben-Roboter PARO.</seg> |
| <seg id="47">Er wird in Pflegeheimen und bei dementen Patienten verwendet.</seg> |
| <seg id="48">Es gibt ihn schon länger.</seg> |
| <seg id="49">Vor ein paar Jahren auf einer Party sprach ich mit jemandem über diesen Roboter und ihre Reaktion war: "Meine Güte. Das ist ja entsetzlich. Kaum zu glauben, dass wir Leuten Roboter statt Menschen als Pfleger geben." Das ist eine ziemlich häufige Reaktion, und meiner Ansicht nach ist sie komplett richtig, denn das wäre schrecklich.</seg> |
| <seg id="50">Aber der Roboter ersetzt hier etwas anderes.</seg> |
| <seg id="51">Er ersetzt die Tier-Therapie in Situationen, wo wir keine echten Tiere verwenden können, aber Roboter eben schon, da Menschen sie konsequent eher wie ein Tier als ein Gerät behandeln.</seg> |
| <seg id="52">Diese emotionale Bindung zu Robotern anzuerkennen, kann uns helfen, Probleme vorauszuahnen, da diese Maschinen Teil des persönlichen Lebens werden.</seg> |
| <seg id="53">Ist es zum Beispiel okay, wenn der Teddybär Ihres Kindes private Gespräche aufzeichnet?</seg> |
| <seg id="54">Ist es okay, wenn ihr Sexroboter verlockende in-App-Angebote hat?</seg> |
| <seg id="55">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="56">Denn Roboter plus Kapitalismus bedingt Fragen über Privatsphäre und Verbraucherschutz.</seg> |
| <seg id="57">Nicht nur deswegen ist unser Umgang mit diesen Maschinen bedeutend.</seg> |
| <seg id="58">Ein paar Jahre nach diesem ersten Erlebnis mit dem Baby-Dino-Roboter, hielt ich ein Seminar mit meinem Freund Hannes Gassert.</seg> |
| <seg id="59">Dort nahmen wir 5 dieser Baby-Dino-Roboter und gaben sie an fünf Gruppen.</seg> |
| <seg id="60">Wir ließen sie ihnen Namen geben und für eine Stunde mit ihnen spielen und interagieren.</seg> |
| <seg id="61">Dann enthüllten wir einen Hammer und ein Beil und riefen sie auf die Roboter zu quälen und zu töten.</seg> |
| <seg id="62">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="63">Das erwies sich als dramatischer als erwartet, da keiner der Teilnehmer es über das Herz brachte ihren Babydino zu schlagen. Also improvisierten wir und schlugen vor: "Okay, ihr könnt euren Roboter retten, wenn ihr den eines anderen Teams zerstört."</seg> |
| <seg id="64">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="65">Auch das brachte keiner übers Herz.</seg> |
| <seg id="66">Als letztes drohten wir: "Wir zerstören alle eure Roboter, es sei denn jemand schlägt mit dem Beil auf einen." Dieser eine Kerl stand auf, nahm das Beil und der ganze Raum zuckte zusammen als er das Beil auf das Genick des Roboters hämmerte. Es entstand diese halb scherzhafte, halb ernste Stille im Raum wegen des kaputten Roboters.</seg> |
| <seg id="67">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="68">Das war ein echt interessantes Erlebnis.</seg> |
| <seg id="69">Natürlich war das keine kontrollierte Studie, aber es führte zu weiterer Forschung, die ich am MIT zusammen mit Palash Nandy und Cynthia Breazal durchführte. Dort luden wir Leute in unser Labor ein, um diese HEXBUGs zu zerschlagen, die sich wie lebende Insekten bewegen.</seg> |
| <seg id="70">Anstatt etwas Niedliches zu wählen, was sympathisch wirkt, nahmen wir etwas Einfacheres. So fanden wir heraus, dass empathischere Menschen eher zögern, den HEXBUG zu schlagen.</seg> |
| <seg id="71">Das ist nur eine kleine Studie, die aber Teil einer größeren Forschungsarbeit ist. Diese deutet immer mehr darauf hin, dass es eine Verbindung gibt zwischen den empathischen Tendenzen der Probanden und ihren Verhalten gegenüber Robotern.</seg> |
| <seg id="72">Aber meine Frage für die kommende Ära der Mensch-Roboter-Interaktion ist nicht: "Fühlen wir mit Robotern mit?", sondern: "Können Roboter menschliches Mitgefühl verändern?" Gibt es Gründe, zum Beispiel, ihr Kind vom Treten eines Robohundes abzuhalten, nicht nur aus purem Respekt vor Eigentum, sondern weil ihr Kind dann eher einen echten Hund treten würde?</seg> |
| <seg id="73">Nochmal, es geht nicht nur um Kinder.</seg> |
| <seg id="74">Es erinnert an die Frage über Gewalt in Videospielen, nur auf einem ganz neuem Level. Denn auf diese instinktiven Körperkontakte reagieren wir intensiver als auf Bilder am Bildschirm.</seg> |
| <seg id="75">Wenn wir Roboter gewaltsam behandeln, besonders lebensähnliche Roboter, ist das eine gesunde Art, Gewalt auszuleben, oder Training für unsere grausame Seite?</seg> |
| <seg id="76">Das wissen wir nicht... Aber die Antwort auf diese Frage könnte menschliche Verhaltensmuster verändern. Sie hat das Potential, soziale Normen zu beeinflussen, und Regeln anzuregen, was wir tun und nicht tun dürfen mit bestimmen Robotern, analog zu den Gesetzen zur Tierquälerei.</seg> |
| <seg id="77">Denn auch wenn Roboter nichts fühlen, unser Verhalten ihnen gegenüber kann für uns wichtig sein.</seg> |
| <seg id="78">Egal ob wir unsere Regeln ändern, Roboter könnten uns helfen uns selbst besser zu verstehen.</seg> |
| <seg id="79">In den letzten 10 Jahren habe ich eher wenig über Technologie gelernt, sondern vor allem über Psychologie, Empathie und gegenseitigen Umgang.</seg> |
| <seg id="80">Wenn ein Kind nämlich nett zum Roomba ist, wenn ein Soldat versucht, einen Roboter im Schlachtfeld zu retten, oder wenn eine Gruppe ablehnt, einem mechanischen Babydino zu schaden, dann sind diese Roboter nicht nur Motoren, Gewinde und Algorithmen.</seg> |
| <seg id="81">Sie sind Spiegelungen unserer eigenen Menschlichkeit.</seg> |
| <seg id="82">Danke schön.</seg> |
| <seg id="83">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="26257" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, drones, oceans, alternative energy, exploration, science, nature, fish, biosphere, environment, TEDx, weather</keywords> |
| <speaker>Sebastien de Halleux</speaker> |
| <talkid>26257</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Unsere Ozeane sind unerforscht und unterabgetastet - heute wissen wir noch mehr über andere Planeten als über unsere eigenen. Wie können wir dieses riesige, wichtige Ökosystem besser verstehen lernen? Der Explorer Sebastien de Halleux berichtet, wie eine neue Flotte von Wind- und Solardrohnen Daten auf See in bisher unerreichter Genauigkeit sammelt und Einblicke in Dinge wie das globale Wetter und die Gesundheit der Fischbestände bietet. Erfahren Sie mehr darüber, was ein besseres Verständnis des Ozeans für uns zu Land bedeuten könnte.</description> |
| <title>Sebastien de Halleux: Wie eine Flotte von Winddrohnen unser Verständnis des Ozeans verändert</title> |
| <seg id="1">Wir wissen mehr über andere Planeten als über unseren eigenen, und heute möchte ich Ihnen einen neuen Robotertypen zeigen, der uns helfen wird, unseren eigenen Planeten besser zu verstehen.</seg> |
| <seg id="2">Er gehört zu einer Kategorie, die die ozeanographische Gemeinschaft "unbemanntes Wasserfahrzeug (USV)" nennt.</seg> |
| <seg id="3">Es braucht keinen Kraftstoff.</seg> |
| <seg id="4">Stattdessen bedient es sich der Windkraft als Antrieb.</seg> |
| <seg id="5">Und dennoch kann es für Monate ununterbrochen rund um den Globus segeln.</seg> |
| <seg id="6">Ich möchte Ihnen gerne zeigen, warum wir es gebaut haben, und was es für Sie bedeutet.</seg> |
| <seg id="7">Vor ein paar Jahren war ich auf einem Segelboot, das über den Pazifik von San Francisco nach Hawaii segelte.</seg> |
| <seg id="8">Ich hatte die vorausgegangenen 10 Jahre ununterbrochen gearbeitet und Videospiele für hundert Millionen von Usern entwickelt. Ich wollte Abstand gewinnen, auf das große Ganze schauen und Zeit zum Nachdenken haben.</seg> |
| <seg id="9">Ich war der Steuermann an Bord und eines Abends, nachdem ich lange die Wetterdaten studiert und unseren Kurs festgelegt hatte, kam ich auf Deck und sah diesen wunderschönen Sonnenuntergang.</seg> |
| <seg id="10">Und da kam mir ein Gedanke: Wieviel wissen wir wirklich über unsere Ozeane?</seg> |
| <seg id="11">Der Pazifik war überall um mich herum, so weit das Auge reichte, und die Wellen schaukelten kräftig unser Boot, wie um uns daran zu erinnern, wie mächtig das Meer sein kann.</seg> |
| <seg id="12">Wieviel wissen wir wirklich über unsere Meere?</seg> |
| <seg id="13">Ich beschloss, das herauszufinden.</seg> |
| <seg id="14">Mir wurde schnell klar, dass wir nicht sehr viel wissen.</seg> |
| <seg id="15">Der erste Grund hierfür ist, dass die Meere so unermesslich sind und 70 Prozent unseres Planet bedecken. Aber wir wissen, dass sie komplexe Planetensysteme steuern, wie das globale Wetter, das uns alle täglich betrifft, manchmal auf dramatische Weise.</seg> |
| <seg id="16">Allerdings sind diese Vorgänge größtenteils unsichtbar für uns.</seg> |
| <seg id="17">Daten über die Meere sind in jeder Hinsicht knapp.</seg> |
| <seg id="18">Auf dem Land war ich es gewohnt, auf viele Sensoren zurückgreifen zu können — Milliarden von ihnen.</seg> |
| <seg id="19">Aber auf See sind in-situ-Daten selten und teuer. Man ist auf eine begrenzte Anzahl von Schiffen und Bojen angewiesen.</seg> |
| <seg id="20">Wie klein die Anzahl tatsächlich war, war in der Tat überraschend.</seg> |
| <seg id="21">Unsere Nationale Wetter- und Ozeanografiebehörde, auch bekannt als NOAA, hat nur 16 Schiffe und weniger als 200 Bojen ablandig weltweit.</seg> |
| <seg id="22">Der Grund ist einfach: die Ozean sind ein gnadenloses Terrain. Um dort in-situ-Daten zu sammeln, braucht man große Schiffe, die viel Treibstoff und eine große Crew mitführen können. Diese kosten jeweils mehrere hundert Millionen Dollar!</seg> |
| <seg id="23">Oder große Bojen, die mit einem 4 Meilen langen Kabel an den Meeresgrund gekettet und mit einem Satz Eisenbahnräder beschwert werden.</seg> |
| <seg id="24">Das ist sowohl gefährlich zu installieren als auch teuer zu unterhalten. Und was ist mit Satelliten? Nun, Satelliten sind fantastisch, und sie haben uns in den vergangenen Jahrzehnten viel gelehrt über das große Ganze.</seg> |
| <seg id="25">Allerdings ist das Problem mit Satelliten, dass sie nur durch einen Mikrometer der Meeresoberfläche durchsehen können Sie haben eine relativ schlechte räumliche und zeitliche Auflösung und ihre Signale müssen angepasst werden, an Wolken, an die Bodenbeschaffenheit und an andere Faktoren.</seg> |
| <seg id="26">Was genau passiert also gerade in den Meeren?</seg> |
| <seg id="27">Und was versuchen wir zu messen?</seg> |
| <seg id="28">Wie kann dabei ein Roboter von Nutzen sein?</seg> |
| <seg id="29">Zoomen wir mal auf einen kleinen Würfel im Meer.</seg> |
| <seg id="30">Als ersten wichtigen Punkt wollen wir die Oberfläche besser verstehen. Die Oberfläche ist die Verbindung aller Interaktionen zwischen Luft und Wasser.</seg> |
| <seg id="31">Sie ist die Schnittstelle, durch die alle Energie und Gase fliesen müssen.</seg> |
| <seg id="32">Unsere Sonne strahlt Energie ab, die von den Meeren als Hitze absorbiert wird und dann teilweise wieder an die Atmosphäre abgegeben wird.</seg> |
| <seg id="33">Gase in unserer Atmosphäre wie bspw. CO2 werden in unseren Meeren aufgelöst.</seg> |
| <seg id="34">Tatsächlich werden ungefähr 30 Prozent des globalen CO2 absorbiert.</seg> |
| <seg id="35">Plankton und Mikroorganismen geben Sauerstoff an die Atmosphäre ab, und zwar so viel, dass jeder zweite Atemzug eigentlich vom Ozean stammt.</seg> |
| <seg id="36">Ein Teil dieser Hitze erzeugt Verdunstung, die Wolken verursacht und schließlich zu Niederschlag führt.</seg> |
| <seg id="37">Druckgefälle erzeugt Bodenwind, der die Feuchtigkeit durch die Atmosphäre treibt.</seg> |
| <seg id="38">Ein Teil der Hitze strahlt nach unten tief in den Ozean ab und wird in verschiedenen Schichten gelagert. Dabei agiert der Ozean als eine Art planetarischer Heizungskessel, um all diese Energie aufzunehmen, die später vielleicht in kurzfristigen Naturereignissen wie Hurricane oder in langfristigen Phänomenen wie El Nino freigesetzt werden.</seg> |
| <seg id="39">Diese Schichten werden vermischt durch vertikal nach oben steigende oder horizontale Strömungen, die ausschlaggebend sind für den Transport der Hitze von den Tropen zu den Polen.</seg> |
| <seg id="40">Und natürlich gibt es Leben im Meer, das das volumenmäßig größte Ökosystem auf dem Planeten besetzt. Angefangen von Mikroorganismen über Fische bis zu Meeressäugetieren, wie Robben, Delphine und Wale.</seg> |
| <seg id="41">Aber diese sind größtenteils unsichtbar für uns.</seg> |
| <seg id="42">Die Herausforderung bei der Erforschung der Meere im großen Stil ist die der Energie. Energie, die benötigt wird, um Sensoren in den Tiefen des Ozeans zu stationieren.</seg> |
| <seg id="43">Viele verschiedene Lösungen wurden schon ausprobiert: Wellen angetriebenen Geräte, auf der Wasseroberfläche treibende, bis hin zu Sonnenergie betriebenen Geräten — jedes hatte bestimmte Einschränkungen.</seg> |
| <seg id="44">Der Durchbruch für unser Team kam von unerwarteter Seite: Dem Weltrekordversuch eines Gefährts mit Windantrieb!</seg> |
| <seg id="45">Hier stand nach 10 Jahren Forschung und Entwicklung ein neues Tragflächenkonzept zur Verfügung, das mit nur 3 Watt angesteuert werden kann und das dennoch ein Gefährt um die ganze Welt antreiben kann, mit anscheinend unbegrenzter Autonomie.</seg> |
| <seg id="46">Die Adaption dieses Tragflächenkonzeptes auf Marinefahrzeuge führte zur Entstehung einer Meeresdrohne.</seg> |
| <seg id="47">Nun, sie sind größer als sie hier erscheinen.</seg> |
| <seg id="48">Sie sind ca. 5 Meter hoch, 7 Meter lang und 2 Meter tief.</seg> |
| <seg id="49">Wie ein Satellit an der Oberfläche.. Sie sind beladen mit einer Reihe von wissenschaftlichen Sensoren, die alle wichtigen Variablen messen, und zwar die ozeanografischen und die atmosphärischen. Über eine Satelittenverbindung werden die Daten mit hoher Auflösung und in Echtzeit an Land übermittelt.</seg> |
| <seg id="50">Unser Team hat die letzten Jahre hart daran gearbeitet, Missionen unter einigen der härtesten Bedingungen auf den Meeren des Planeten durchzuführen, von der Arktis bis zum tropischen Pazifik.</seg> |
| <seg id="51">Wir sind den ganzen Weg bis zum polaren Schelfeis gesegelt.</seg> |
| <seg id="52">Wir sind in atlantische Hurricanes hinein gesegelt.</seg> |
| <seg id="53">Wir haben das Kap Horn umsegelt und sind Slalom zwischen den Ölinseln im Golf von Mexiko gesegelt.</seg> |
| <seg id="54">Ein Roboter, der ganz schön was aushält!</seg> |
| <seg id="55">Ich möchte Ihnen unsere jüngst Arbeit in der Nähe der Pribilof Inseln zeigen.</seg> |
| <seg id="56">Das ist eine kleine Inselgruppe tief im kalten Beringmeer zwischen der USA und Russland.</seg> |
| <seg id="57">Im Beringmeer ist der Alaska-Pollack zu Hause, ein Weißfisch, den Sie vielleicht nicht erkennen, aber bestimmt schon mal gegessen haben, wenn Sie Fischstäbchen oder Surimi mögen.</seg> |
| <seg id="58">Ja, Surimi sieht aus wie Krabbenfleisch, es ist aber eigentlich Pollack.</seg> |
| <seg id="59">Und die Pollack Fischerei ist die größte der Nation, sowohl im Wert als auch im Volumen. Circa 3,1 Mrd. Pfund Fisch werden jedes Jahr gefangen.</seg> |
| <seg id="60">Über die letzten paar Jahre war eine ganze Flotte von Meeresdrohnen schwer am Arbeiten, um die Größe des Pollack Vorkommens im Beringmeer abzuschätzen.</seg> |
| <seg id="61">Damit wurde das Quotensystem verbessert, mit dem die Fischerei gesteuert wird und das Überfischung verhindert und so dieses fragile Ökosystem schützt.</seg> |
| <seg id="62">Die Drohnen inspizieren die Fanggründe mit Hilfe von Akustik, nämlich mit einem Sonar.</seg> |
| <seg id="63">Dieses sendet Schallwellen nach unten, und diese werden als Echo der Schallwellen vom Meeresboden oder von den Fischschwärmen reflektiert, so dass wir wissen, was unter der Oberfläche vor sich geht.</seg> |
| <seg id="64">Unsere Meeresdrohnen können diese sich wiederholende Aufgabe sehr gut verrichten. Daher lassen wir sie das Beringmeer im Schachbrettmuster non-stop absegeln.</seg> |
| <seg id="65">Die Pribilof Inseln sind auch die Heimat einer großen Seebären-Kolonie.</seg> |
| <seg id="66">In den 50er Jahren gab es ungefähr 2 Mio. Tiere in dieser Kolonie.</seg> |
| <seg id="67">Leider hat der Bestand heute sehr abgenommen.</seg> |
| <seg id="68">Weniger als 50 Prozent von damals sind noch übrig, und der Bestand sinkt weiter rapide.</seg> |
| <seg id="69">Um den Grund zu verstehen, hat unser Forschungspartner am National Marine Mammal Labortory eine GPS-Marke an einigen der Muttertiere angebracht, festgeklebt an ihrem Fell.</seg> |
| <seg id="70">Diese Marke misst den Aufenthaltsort und die Tiefe und hat sogar eine wirklich coole kleine Kamera, die von plötzlicher Beschleunigung ausgelöst wird.</seg> |
| <seg id="71">Hier ein kleiner Film von einer artistisch veranlagten Robbe mit nie zuvor gesehenen Bildern einer Unterwasser-Jagd, tief im arktischen Ozean und dieser Aufnahme der Beute, eines Pollack, nur Sekunden bevor er verschlungen wird.</seg> |
| <seg id="72">In der Arktis zu arbeiten, ist sehr schwierig, selbst für einen Roboter.</seg> |
| <seg id="73">Sie mussten Schneestürme im August überstehen und Störungen durch Schaulustige — hier eine kleine Largha-Robbe, die Spaß am Mitfahren hat.</seg> |
| <seg id="74">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="75">Über die Saison hinweg haben die Robben mit den Marken über 200.000 Tauchgänge aufgezeichnet, und sieht man näher hin, erkennt man die individuellen Bahnen und sich wiederholende Tauchgänge.</seg> |
| <seg id="76">Wir sind dabei, zu entschlüsseln, was wirklich passiert in diesen Nahrungsgründen. Es ist ziemlich wundervoll.</seg> |
| <seg id="77">Sobald man die akustischen Daten, die von den Drohnen gesammelt wurden, übereinander legt, ergibt sich ein Bild.</seg> |
| <seg id="78">Wenn die Robben die Inseln verlassen und von links nach rechts schwimmen, kann man sehen, dass sie in einer relativ flachen Tiefe von ca. 20 Metern tauchen. Gemäß den Drohnen ist diese Tiefe von kleinen, jungen Pollacks besiedelt, die einen geringen Kaloriengehalt haben.</seg> |
| <seg id="79">Im Anschluss schwimmen die Robben über wesentlich größere Entfernungen, und tauchen tiefer dorthin, wo laut den Drohnen große, erwachsene Pollacks leben, die als Fisch nahrhafter sind.</seg> |
| <seg id="80">Leider verbrauchen die Muttertiere für diese Extrastrecke so viele Kalorien, dass sie nicht mehr genügend Energie haben, um ihre Jungen auf den Inseln zu säugen, was dazu führt, dass die Population weiter abnimmt.</seg> |
| <seg id="81">Außerdem haben die Drohnen herausgefunden, dass die Wassertemperatur um die Insel sich signifikant erwärmt hat.</seg> |
| <seg id="82">Das könnte einer der Hauptfaktoren sein, der die Pollacks nach Norden treibt, wo sie sich auf der Suche nach kälteren Regionen verteilen.</seg> |
| <seg id="83">Die Daten werden laufend weiter analysiert, aber wir können bereits erkennen, das einige Rätsel-Teile des Seebären-Mysteriums gelüftet werden können.</seg> |
| <seg id="84">Aber wenn man sich auf das große Ganze rückbesinnt — wir sind auch Säugetiere!</seg> |
| <seg id="85">Und die Ozeane versorgen auch uns Menschen mit ca. 20 Kilo Fisch pro Mensch im Jahr.</seg> |
| <seg id="86">Noch immer dezimieren wir unsere Fischbestände. Können wir Menschen nicht etwas von den Seebären lernen?</seg> |
| <seg id="87">Aber es geht nicht nur um Fische! Die Ozeane haben auch Einfluss auf unser globales Wettersystem, das wiederum Dinge beeinflusst wie den globalen landwirtschaftlichen Ertrag, oder zu verheerender Vernichtung von Leben und zu Armut führen kann: durch Hurricane, extreme Hitze oder Fluten.</seg> |
| <seg id="88">Unsere Ozeane sind noch ziemlich unerforscht und heute wissen wir mehr über andere Planeten als über unseren eigenen.</seg> |
| <seg id="89">Aber wenn wir dieses riesige Meer in Quadrate von 6x6 Grad aufteilen, jedes ungefähr 400 Meilen lang, dann bekommt man ungefähr 1000 solcher Quadrate.</seg> |
| <seg id="90">Stück für Stück und zusammen mit unseren Partnern stationieren wir gegenwärtig eine Meeres- drohne in jedem dieser Quadrate. So hoffen wir, durch die Abdeckung des ganzen Planeten bessere Einblicke in unser Planetensystem zu erhalten, das die Menschheit beeinflusst.</seg> |
| <seg id="91">Wir benutzen nun schon eine Weile, Roboter, um entfernte Welten in unserem Sonnensystem zu untersuchen.</seg> |
| <seg id="92">Nun ist es Zeit, unseren eigenen Planeten zu quantifizieren. Denn wir können nicht reparieren, was wir nicht messen können, und wir können uns nicht vorbereiten, auf etwas, was wir nicht kennen.</seg> |
| <seg id="93">Danke.</seg> |
| <seg id="94">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="26946" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, global issues, policy, statistics, economics, global development, future, health, poverty, goal-setting, inequality, society, data</keywords> |
| <speaker>Michael Green</speaker> |
| <talkid>26946</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: "Unsere Welt ist ganz nah daran, garantieren zu können, dass niemand an Hunger, Malaria oder Durchfall sterben muss", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Michael Green. Um den Fortschritt anzukurbeln, hat die UNO im Jahr 2015 einen Katalog von 17 Zielen zu wichtigen Faktoren wie Gesundheit, Bildung und Gleichberechtigung aufgestellt. In diesem Vortrag voller Fakten und Zahlen zeigt Green anhand der Ergebnisse seiner Analyse, wie weit jedes Land schon bei der Erfüllung dieser "Ziele für nachhaltige Entwicklung" (engl. Sustainable Development Goals bzw. SDGs) gekommen ist – oder auch nicht – und bietet neue Ideen, was getan werden muss, um diese Ziele zu erreichen.</description> |
| <title>Michael Green: Globale Ziele, bei denen wir Fortschritte machen – und solche, wo wir das noch nicht schaffen</title> |
| <seg id="1">2015 gaben die führenden Weltpolitiker ein großes Versprechen ab: In den nächsten 15 Jahren werde sich das Leben von Milliarden Menschen verbessern — und zwar ohne Ausnahme.</seg> |
| <seg id="2">Dieses Versprechen heißt "Ziele für nachhaltige Entwicklung", kurz "SDGs".</seg> |
| <seg id="3">Drei Jahre sind schon vergangen, ein Fünftel des gesamten Zeitraums. Die Uhr tickt. Wenn wir jetzt nicht am Ball bleiben, sind diese Ziele kaum noch zu erreichen.</seg> |
| <seg id="4">Ich möchte heute kurz aufzeigen, wo wir momentan stehen, Ihnen einige Zukunftsprognosen geben sowie Ideen dazu, was wir anders machen sollten.</seg> |
| <seg id="5">Die SDGs sind natürlich enorm kompliziert.</seg> |
| <seg id="6">Das war von der UNO nicht anders zu erwarten.</seg> |
| <seg id="7">(Lachen)</seg> |
| <seg id="8">Wie viele Ziele sind es? Vielleicht eine geläufige Zahl wie drei, sieben oder zehn.</seg> |
| <seg id="9">Nehmen wir eine Primzahl größer als zehn. 17 Ziele. Glückwunsch an alle, die schon wissen, wovon ich rede.</seg> |
| <seg id="10">Für alle anderen: bitte sehr!</seg> |
| <seg id="11">17 Ziele, angefangen von Armutsbekämpfung hin zu inklusiven Städten und nachhaltiger Fischerei; also ein umfassender Plan für die Zukunft unserer Welt.</seg> |
| <seg id="12">Doch es ist leider ein Plan ohne messbare Ergebnisse.</seg> |
| <seg id="13">Wie verfolgt man also den Fortschritt?</seg> |
| <seg id="14">Ich verwende dazu den Index des sozialen Fortschritts.</seg> |
| <seg id="15">Er misst die Lebensqualität der Länder, angefangen von den Grundbedürfnissen des Überlebens — Nahrung, Wasser, Obdach, Sicherheit — über die Grundlagen des Wohlbefindens — Bildung, Informationen, Gesundheit und Umwelt — bis hin zu den Chancen — Rechte, Wahlfreiheit, Inklusion und Zugang zu höherer Bildung.</seg> |
| <seg id="16">Der Index des sozialen Fortschritts ist nicht dasselbe wie die SDGs, misst aber im Prinzip dieselben Konzepte und stellt uns zum Glück Daten zur Verfügung.</seg> |
| <seg id="17">Wir haben 51 Indikatoren aus zuverlässigen Quellen, um diese Konzepte zu messen.</seg> |
| <seg id="18">Und da es sich um einen Index handelt, können wir die Indikatoren zu einem Gesamtwert addieren und unsere Leistung mit dem Gesamtpaket der SDGs vergleichen.</seg> |
| <seg id="19">Mit einem Vorbehalt: Der Index des sozialen Fortschritts misst Lebensqualität, nicht die Erreichbarkeit der Ziele im ökologischen Rahmen unserer Erde.</seg> |
| <seg id="20">Dazu braucht man andere Werkzeuge.</seg> |
| <seg id="21">Wie sieht es also bei den SDGs aus?</seg> |
| <seg id="22">Ich stelle die SDGs in eine Skala von 0 bis 100.</seg> |
| <seg id="23">Null ist bei jedem der 51 Indikatoren der schlechteste Wert — absoluter sozialer Fortschritt: null.</seg> |
| <seg id="24">100 ist der Minimalstandard, um die SDGs zu erfüllen.</seg> |
| <seg id="25">Diese 100 wollen wir bis 2030 erreichen.</seg> |
| <seg id="26">Und wo haben wir einmal angefangen?</seg> |
| <seg id="27">Zum Glück nicht bei null.</seg> |
| <seg id="28">2015 lag der weltweite SDG-Wert bei 69,1.</seg> |
| <seg id="29">Nicht schlecht, aber noch weit weg vom Ziel.</seg> |
| <seg id="30">Diese weltweite Vorhersage, die sich auf Daten von 180 Ländern stützt, gewichtet sich nach Bevölkerung.</seg> |
| <seg id="31">China hat mehr Gewicht als die Komoren, Indien mehr als Island.</seg> |
| <seg id="32">Wir könnten das miteinbeziehen und uns einzelne Länder anschauen.</seg> |
| <seg id="33">Der Zielerfüllung am nächsten kommt aktuell Dänemark.</seg> |
| <seg id="34">Das Land ganz unten auf der Skala ist die Zentralafrikanische Republik.</seg> |
| <seg id="35">Die anderen sind irgendwo dazwischen.</seg> |
| <seg id="36">Die Herausforderung ist es also, bis 2030 all diese SDG-Werte nach rechts auf 100 zu bringen.</seg> |
| <seg id="37">Ist das zu schaffen?</seg> |
| <seg id="38">Der Index des sozialen Fortschritts gibt uns Zeitreihen-Daten.</seg> |
| <seg id="39">Wir bekommen so eine Vorstellung der Trends in einzelnen Ländern, die uns Prognosen erlauben.</seg> |
| <seg id="40">Schauen wir einmal. Zunächst: der Spitzenreiter Dänemark.</seg> |
| <seg id="41">Es freut mich, dass Dänemark die SDGs voraussichtlich bis 2030 erreicht.</seg> |
| <seg id="42">Das ist wohl nicht überraschend, aber ich wette mal darauf.</seg> |
| <seg id="43">Nun ein Blick auf einige andere reiche Länder der Erde, die G7.</seg> |
| <seg id="44">Wir sehen, dass Deutschland und Japan das Ziel wohl annähernd erreichen werden.</seg> |
| <seg id="45">Aber Kanada, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Italien schaffen das vermutlich nicht. Und die USA? Sie liegen um einiges zurück.</seg> |
| <seg id="46">Das ist ziemlich besorgniserregend.</seg> |
| <seg id="47">Aber das sind die reichsten Länder der Erde, nicht die bevölkerungsreichsten.</seg> |
| <seg id="48">Schauen wir uns also die größten Länder der Erde an, die das Erreichen der SDGs am meisten beeinflussen.</seg> |
| <seg id="49">Hier sind sie: Länder mit über 100 Millionen Einwohnern von China bis Äthiopien.</seg> |
| <seg id="50">Die USA und Japan gehören natürlich auch dazu, doch die wurden schon erwähnt.</seg> |
| <seg id="51">Hier sind sie also, die größten Länder der Welt, die K.-o.-Kriterien für die SDGs.</seg> |
| <seg id="52">Das Land, das bei den SDGs die meisten Fortschritte machen wird, ist Mexiko.</seg> |
| <seg id="53">Mexiko schafft es wohl bis circa 87, verfehlt die USA damit nur knapp, ist aber noch recht weit vom Ziel entfernt. Dann kommen Russland, China und Indonesien.</seg> |
| <seg id="54">Dann Brasilien — von Brasilien hätte ich mehr erwartet.</seg> |
| <seg id="55">Jetzt die Philippinen, dann mit gewissem Abstand Indien, Bangladesch, Pakistan, Nigeria und dann Äthiopien.</seg> |
| <seg id="56">Keines dieser Länder schafft die SDGs.</seg> |
| <seg id="57">Wir können diese Zahl nun für alle Länder anwenden, um eine weltweite Prognose für das Gesamtpaket der SDGs zu erhalten.</seg> |
| <seg id="58">2015 begannen wir bekanntlich bei 69,1.</seg> |
| <seg id="59">Schön, dass wir in den letzten drei Jahren Fortschritte gemacht haben.</seg> |
| <seg id="60">2018 lagen wir bei 70,5 und wenn wir dieses Tempo bis 2030 beibehalten, erreichen wir 75,2. Das ist offensichtlich sehr weit vom Ziel entfernt.</seg> |
| <seg id="61">Laut aktueller Trends erreichen wir die Ziele von 2030 tatsächlich erst 2094.</seg> |
| <seg id="62">Ich weiß nicht, was Sie denken, aber ich will sicher nicht so lange warten.</seg> |
| <seg id="63">Was können wir tun? Als Erstes müssen wir an die reichen Länder appellieren.</seg> |
| <seg id="64">Diese Länder sind den SDGs am nächsten, mit den größten Ressourcen — und sie schaffen es nicht.</seg> |
| <seg id="65">Vielleicht glauben sie: "Das ist die Alte Welt, hier gelten UN-Ziele nur für arme Länder und nicht für uns." Das ist falsch.</seg> |
| <seg id="66">Die SDGs gelten für jedes Land und es ist blamabel, dass die reichen Länder versagen.</seg> |
| <seg id="67">Jedes Land braucht einen Plan, um die SDGs für seine Bürger umzusetzen.</seg> |
| <seg id="68">G7 und andere reiche Länder: Reißt euch zusammen!</seg> |
| <seg id="69">Als Zweites sollten wir uns die Daten etwas genauer ansehen, um festzustellen, wo man Fortschritte beschleunigen kann oder sich negative Trends umkehren lassen.</seg> |
| <seg id="70">Da gibt es drei Bereiche.</seg> |
| <seg id="71">In einem sind wir recht erfolgreich, im zweiten sollten wir besser werden und im dritten haben wir echte Probleme.</seg> |
| <seg id="72">Zuerst die gute Nachricht zu den Themen Ernährung und medizinische Grundversorgung.</seg> |
| <seg id="73">Das betrifft SDG 2 zum Thema Hunger und die Grundelemente von SDG 3 zur Gesundheit, also Mütter- und Kindersterblichkeit, ansteckende Krankheiten usw. Hier haben die meisten reichen Länder die SDG-Ziele erreicht.</seg> |
| <seg id="74">Und die fortgeschrittensten großen Länder sind schon ziemlich nahe dran.</seg> |
| <seg id="75">Hier sind unsere elf großen Länder. Ein Blick auf die Spitze zeigt: Brasilien und Russland sind fast am Ziel.</seg> |
| <seg id="76">Aber die Schlusslichter Äthiopien und Pakistan haben es noch weit.</seg> |
| <seg id="77">Das ist der Stand 2018.</seg> |
| <seg id="78">Wie ist der Verlauf?</seg> |
| <seg id="79">Wie weit kommen wir bis 2030 bei der derzeitigen Entwicklung? Schauen wir mal. Es gibt große Fortschritte.</seg> |
| <seg id="80">Hier Bangladesch in der Mitte.</seg> |
| <seg id="81">Wenn Bangladesch sein momentanes Fortschrittstempo hält, könnte es dem SDG-Ziel sehr nahe kommen.</seg> |
| <seg id="82">Und Äthiopien ganz unten macht zurzeit riesige Fortschritte.</seg> |
| <seg id="83">Wenn Äthiopien so weitermacht, schafft es ein großes Stück.</seg> |
| <seg id="84">Wir addieren all das für alle Länder der Welt und prognostizieren bis 2030 einen Wert von 94,5.</seg> |
| <seg id="85">Wenn Länder mit langsamerem Wachstum wie die Philippinen zulegen könnten, kämen wir dem Ziel noch viel näher.</seg> |
| <seg id="86">Bei den SDGs 2 und 3 dürfen wir also optimistisch sein.</seg> |
| <seg id="87">Aber bei anderen grundlegenden SDGs schneiden wir schlechter ab, nämlich bei SDG 6 zum Thema Wasser und Kanalisation.</seg> |
| <seg id="88">Auch hier haben die meisten reichen Länder ihre Ziele bereits erreicht.</seg> |
| <seg id="89">Und bei den großen Ländern, den elf großen Schwellenländern, sind einige wie Russland und Mexiko ziemlich nah am Ziel. Aber Nigeria und andere Länder liegen sehr weit zurück.</seg> |
| <seg id="90">Was ist also der Stand hier?</seg> |
| <seg id="91">Welche Fortschritte machen wir in den nächsten zwölf Jahren, gemessen am derzeitigen Verlauf?</seg> |
| <seg id="92">Los geht 's: Ja, es gibt Fortschritte.</seg> |
| <seg id="93">Alle vier Spitzenreiter erreichen die SDG-Ziele — manche sogar ziemlich schnell.</seg> |
| <seg id="94">Doch das reicht nicht, um uns deutlich vorwärts zu bringen.</seg> |
| <seg id="95">Unsere Vorhersage für die Welt insgesamt ist ein Wert von 85 bis 86 für das Jahr 2030.</seg> |
| <seg id="96">Das ist zu langsam. Das sind keine guten Nachrichten, aber die Daten zeigen auch, dass wir das viel besser könnten.</seg> |
| <seg id="97">Das Problem Wasser und Kanalisation ist gelöst.</seg> |
| <seg id="98">Diese Lösung muss aber überall zur Norm werden.</seg> |
| <seg id="99">Könnten wir den Fortschritt in Ländern beschleunigen, wo es langsamer vorangeht — Nigeria, die Philippinen usw. —, kämen wir dem Ziel viel näher.</seg> |
| <seg id="100">SDG 6 bietet wohl von allen SDGs die beste Chance, um einen großen Schritt voranzukommen.</seg> |
| <seg id="101">Hier könnten wir mehr leisten.</seg> |
| <seg id="102">Zum Schluss ein Gebiet, wo wir zu kämpfen haben: Persönlichkeitsrechte und Inklusion.</seg> |
| <seg id="103">Hier geht es um eine ganze Reihe von SDGs: SDG 1 zur Armut, SDG 5 zur Gleichstellung der Geschlechter, SDG 10 zur Ungleichheit, SGD 11 zu inklusiven Städten und SDG 16 zu Frieden und Gerechtigkeit.</seg> |
| <seg id="104">Bei all diesen SDGs gibt es Themen wie Rechte und Inklusion, die nicht so unmittelbar und drängend erscheinen wie etwa Hunger und Krankheit.</seg> |
| <seg id="105">Aber Rechte und Inklusion sind essentiell für einen Themenkatalog, der niemanden ausgrenzen soll.</seg> |
| <seg id="106">Wie weit sind wir hier? Zunächst die Persönlichkeitsrechte. Als Erstes ein Blick auf unsere großen Länder im Jahr 2015.</seg> |
| <seg id="107">Hier sind sie, einschließlich der USA und Japan, also die 13 größten Länder der Welt.</seg> |
| <seg id="108">Wir sehen eine breite Streuung.</seg> |
| <seg id="109">Die USA sind an der Spitze, Japan hat es auch geschafft; China liegt weit hinten.</seg> |
| <seg id="110">Was wurde beim Katalog der Rechte in den letzten drei Jahren erreicht? Schauen wir mal. Das Ergebnis ist ziemlich niederschmetternd.</seg> |
| <seg id="111">Die meisten Länder stagnieren oder machen Rückschritte.</seg> |
| <seg id="112">In großen Ländern wie Brasilien, Indien, China, Bangladesch hat sich die Lage erheblich verschlechtert. Das ist beunruhigend.</seg> |
| <seg id="113">Nun zum Thema Inklusion. Hier geht es um Dinge wie Gewalt und Diskriminierung von Minderheiten, Geschlechtergleichheit, Inklusion von LGBT usw. Wir sehen, dass die Werte der großen Länder generell niedriger sind.</seg> |
| <seg id="114">Jedes Land, ob reich oder arm, kämpft für die Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft.</seg> |
| <seg id="115">Doch wohin führt uns dieser Weg? Werden Gesellschaften inklusiver? Hier die Fortschritte bis 2018.</seg> |
| <seg id="116">Wieder sehen wir: Das Rad dreht sich zurück.</seg> |
| <seg id="117">Die meisten Länder stagnieren, viele machen Rückschritte — Bangladesch zum Beispiel —, aber auch zwei der einst führenden Nationen, Brasilien und die USA, haben in den letzten drei Jahren erhebliche Rückschritte gemacht.</seg> |
| <seg id="118">Nun ein Fazit für die Welt als Ganzes.</seg> |
| <seg id="119">Zum Thema persönliche Rechte weltweit prognostizieren wir derzeit einen Rückgang des Werts auf circa 60, beim Thema Inklusion einen Rückgang des Werts auf etwa 42. Das kann sich allerdings schnell ändern — infolge von Rechten, Gesetzesänderungen oder Gesinnungswandel —, aber wir müssen akzeptieren: Bei der heutigen Lage ist das wohl der beunruhigendste Aspekt der SDGs.</seg> |
| <seg id="120">Habe ich Sie deprimiert?</seg> |
| <seg id="121">(Lachen)</seg> |
| <seg id="122">Hoffentlich nicht, denn offensichtlich gibt es doch vielerorts Fortschritte und auch Möglichkeiten, um den Fortschritt zu beschleunigen.</seg> |
| <seg id="123">Wir sind ganz nah dran zu garantieren, dass niemand an Hunger, Malaria oder Durchfall sterben muss.</seg> |
| <seg id="124">Wenn wir unsere Anstrengungen bündeln, Ressourcen ausschöpfen, den politischen Willen mobilisieren, können wir einen großen Schritt nach vorne tun.</seg> |
| <seg id="125">Doch über den wesentlichen, lösbaren SDGs darf man das Gesamtpaket nicht vergessen.</seg> |
| <seg id="126">Die Ziele sind ein starrer Kanon von Indikatoren und Vorgaben, beinhalten aber auch die aktuellen Herausforderungen unserer Welt.</seg> |
| <seg id="127">Die SDGs sind ein Fingerzeig auf eine Krise bei Persönlichkeitsrechten und Inklusion. Das ist positiv. Wenn wir das vergessen und uns stattdessen stärker auf die lösbaren SDGs konzentrieren, wenn wir SDGs à la carte wollen und uns die einfachsten heraussuchen, dann haben wir das Wesentliche der SDGs nicht begriffen: Wir werden die Ziele verfehlen und am Versprechen der SDGs scheitern.</seg> |
| <seg id="128">Danke.</seg> |
| <seg id="129">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="27105" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, biology, bacteria, science, microbiology, medical research, pharmaceuticals, disease, medicine, health, virus, illness, innovation, biotech</keywords> |
| <speaker>Alexander Belcredi</speaker> |
| <talkid>27105</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Über Viren wird viel schlechtes gesagt -- aber einige könnten eines Tages Ihr Leben retten, behauptet der Biotechnologie-Unternehmer Alexander Belcredi. In diesem faszinierenden Vortrag klärt er über Phagen auf: die natürlichen Viren, die schädliche Bakterien präzise abtöten können. Er zeigt, wieso diese ehemals vergessenen Organismen eine neue Hoffnung im Kampf gegen multiresistente Keime darstellen.</description> |
| <title>Alexander Belcredi: Wie ein vergessener Virus die Krise der Multiresistenz lösen könnte</title> |
| <seg id="1">Nehmen Sie sich einen Moment und denken Sie an einen Virus.</seg> |
| <seg id="2">Was fällt Ihnen dazu ein? Krankheit? Angst? Vermutlich etwas Unangenehmes. Dennoch sind Viren nicht alle gleich.</seg> |
| <seg id="3">Einige verursachen verheerende Krankheiten.</seg> |
| <seg id="4">Doch andere tun genau das Gegenteil: sie können Krankheiten heilen.</seg> |
| <seg id="5">Diese Viren heißen "Phagen".</seg> |
| <seg id="6">Das erste Mal hörte ich 2013 von ihnen.</seg> |
| <seg id="7">Mein Schwiegervater, ein Chirurg, erzählte mir von seiner Patientin.</seg> |
| <seg id="8">Die Frau hatte eine Knieverletzung, brauchte mehrere Eingriffe, und im Laufe dieser bekam sie eine chronische, bakterielle Infektion in ihrem Bein.</seg> |
| <seg id="9">Leider sprachen die Bakterien, welche die Infektion verursachten, auf kein verfügbares Antibiotikum an.</seg> |
| <seg id="10">An diesem Punkt ist Amputation normalerweise die einzige Lösung, um die Ausbreitung der Infektion aufzuhalten.</seg> |
| <seg id="11">Mein Schwiegervater suchte verzweifelt nach einer anderen Lösung und beantragte eine experimentelle Behandlungsmethode mit Phagen. Wissen Sie was? Es funktionierte. Drei Wochen nach der Behandlung mit Phagen war die chronische Infektion geheilt, wo zuvor kein Antibiotikum gewirkt hatte.</seg> |
| <seg id="12">Ich war fasziniert von diesem komischen Konzept: Viren heilen eine Infektion.</seg> |
| <seg id="13">Bis heute fasziniert mich das medizinische Potenzial der Phagen.</seg> |
| <seg id="14">Tatsächlich kündigte ich letztes Jahr meinen Job, um ein Biotech-Unternehmen zu gründen.</seg> |
| <seg id="15">Was ist eine Phage? Dieses Bild wurde mit Hilfe eines Elektronenmikroskops aufgenommen.</seg> |
| <seg id="16">Das bedeutet, was wir hier sehen ist in Wirklichkeit extrem klein.</seg> |
| <seg id="17">Das körnige Ding in der Mitte, mit dem Kopf, dem langen Körper und einigen Beinchen — das ist eine prototypische Phage.</seg> |
| <seg id="18">In gewisser Weise süß.</seg> |
| <seg id="19">(Lachen)</seg> |
| <seg id="20">Betrachten Sie Ihre Hand. Unser Team schätzt, dass Sie mehr als 10 Milliarden Phagen auf jeder ihrer Hände haben.</seg> |
| <seg id="21">Was haben sie dort zu suchen?</seg> |
| <seg id="22">(Lachen)</seg> |
| <seg id="23">Viren sind gut im Infizieren von Zellen.</seg> |
| <seg id="24">Phagen sind super im Infizieren von Bakterien.</seg> |
| <seg id="25">Ihre Hand, wie ein großer Teil unseres Körpers, ist eine Brutstätte für bakterielle Aktivität, was sie zum perfekten Jagdrevier für Phagen macht.</seg> |
| <seg id="26">Denn schließlich jagen Phagen Bakterien.</seg> |
| <seg id="27">Es ist wichtig zu wissen, dass Phagen extrem selektive Jäger sind.</seg> |
| <seg id="28">Typischerweise infiziert eine Phage nur eine einzige Bakterienart.</seg> |
| <seg id="29">Die Phage in dieser Darstellung jagt ein Bakterium namens Staphylococcus aureus, das in seiner medikamentenresistenten Form als MRSA bekannt ist.</seg> |
| <seg id="30">Es verursacht Haut- oder Wundinfektionen.</seg> |
| <seg id="31">Die Phage jagt mit ihren Beinchen.</seg> |
| <seg id="32">Die Beinchen sind eigentlich hoch-empfindliche Rezeptoren, die die richtige Oberfläche auf einer Bakterienzelle suchen.</seg> |
| <seg id="33">Sobald sie die finden, hängt sich die Phage an die Zellwand des Bakteriums und injiziert ihre DNA.</seg> |
| <seg id="34">Die DNA sitzt im Kopf der Phage und wandert durch den langen Körper in das Bakterium.</seg> |
| <seg id="35">An diesem Punkt reprogrammiert die Phage das Bakterium, sodass es viele neue Phagen produziert.</seg> |
| <seg id="36">Das Bakterium wird somit zur Phagen-Fabrik.</seg> |
| <seg id="37">Sobald sich in etwa 50-100 Phagen in der Bakterienzelle angesammelt haben, können die Phagen ein Protein freisetzen, das die Zellwand des Bakteriums zerstört.</seg> |
| <seg id="38">Das Bakterium platzt, die Phagen schwärmen aus und jagen nach einem neuen infizierbaren Bakterium.</seg> |
| <seg id="39">Verzeihung, das klang wahrscheinlich nach einem gruseligen Virus.</seg> |
| <seg id="40">Aber es ist genau diese Fähigkeit der Phagen — die Vermehrung im Bakterium und es dann zu töten — die sie aus medizinischer Sicht so interessant macht.</seg> |
| <seg id="41">Was ich außerdem extrem interessant finde, ist der Umfang in dem dies geschieht.</seg> |
| <seg id="42">Vor nur fünf Jahren hatte ich keine Ahnung von Phagen.</seg> |
| <seg id="43">Heute würde ich sagen, dass sie Teil eines natürlichen Prinzips sind.</seg> |
| <seg id="44">Phagen und Bakterien gehen auf die ersten Tage der Evolution zurück.</seg> |
| <seg id="45">Sie haben immer zusammen existiert und einander unter Kontrolle gehalten.</seg> |
| <seg id="46">Es ist die Geschichte von Yin und Yang, dem Jäger und der Beute, auf mikroskopischem Niveau.</seg> |
| <seg id="47">Einige Wissenschaftler schätzen sogar, dass Phagen die zahlreichsten Organismen auf unserem Planeten sind.</seg> |
| <seg id="48">Bevor wir also weiter über ihr medizinisches Potenzial sprechen, sollte jeder etwas über Phagen und ihre Rolle auf der Erde wissen: sie jagen, infizieren und töten Bakterien.</seg> |
| <seg id="49">Wie kommt es, dass es etwas gibt, das in der Natur so gut funktioniert, täglich um uns herum passiert, und doch existiert in meisten Teilen der Welt kein Medikament, dass dieses Prinzip gegen bakterielle Infektionen einsetzt?</seg> |
| <seg id="50">Die einfache Antwort: Bisher hat noch niemand ein solches Medikament entwickelt. Zumindest keines, das westlichen Regulierungen standhält, die die Norm für viele Länder setzen.</seg> |
| <seg id="51">Um zu verstehen warum, müssen wir in der Zeit zurückreisen.</seg> |
| <seg id="52">Das ist ein Bild von Félix d 'Herelle.</seg> |
| <seg id="53">Die Entdeckung der Phagen wird ihm und einem zweiten Forscher zugeschrieben.</seg> |
| <seg id="54">Nur, dass er, als er sie 1917 entdeckte, keine Ahnung hatte, was er da entdeckt hatte.</seg> |
| <seg id="55">Er war an der Bakterienruhr interessiert. Einer bakterielle Infektion, die starken Durchfall verursacht und damals vielen Menschen das Leben kostete, da es noch kein Heilmittel für bakterielle Infektionen gab.</seg> |
| <seg id="56">Er untersuchte Proben von Patienten, die diese Krankheit überlebt hatten.</seg> |
| <seg id="57">Und er entdeckte, dass etwas Merkwürdiges passierte.</seg> |
| <seg id="58">Etwas in den Proben tötete die Bakterien, die die Krankheit angeblich verursachten.</seg> |
| <seg id="59">Um herauszufinden, was los war, machte er ein geniales Experiment.</seg> |
| <seg id="60">Er nahm die Probe, filterte sie so lange bis er sicher war, dass nur etwas sehr Kleines übrig bleiben konnte, nahm dann einen kleinen Tropfen und gab ihn zu frisch gezüchteten Bakterien.</seg> |
| <seg id="61">Er beobachtete, dass innerhalb einiger Stunden die Bakterien getötet worden waren.</seg> |
| <seg id="62">Er wiederholte den Vorgang: filtern, einen kleinen Tropfen nehmen, ihn zu dem nächsten Schwung Bakterien dazugeben.</seg> |
| <seg id="63">Er wiederholte dies 50 Mal, immer mit dem selben Effekt.</seg> |
| <seg id="64">An diesem Punkt zog er zwei Schlussfolgerungen.</seg> |
| <seg id="65">Erstens, das Offensichtliche: ja, etwas tötete die Bakterien und es war in der Flüssigkeit.</seg> |
| <seg id="66">Das Andere: es musste biologisch sein, weil ein kleiner Tropfen reichte, um eine große Auswirkung zu haben.</seg> |
| <seg id="67">Er nannte den gefundenen Wirkstoff: "unsichtbare Mikrobe" und nannte sie "Bakteriophage", was wörtlich übersetzt "Bakterienfresser" heißt. Das ist übrigens eine der grundlegendsten Entdeckungen der modernen Mikrobiologie.</seg> |
| <seg id="68">So viele moderne Verfahren gründen in unserem Verständnis über Phagen — im Genome Editing und auch in anderen Bereichen.</seg> |
| <seg id="69">Gerade heute war die Ausschreibung des Nobel Preis für Chemie für zwei Wissenschaftler, die mit Phagen arbeiten und Medikamente entwickeln.</seg> |
| <seg id="70">In den 1920er und 1930er Jahren erkannten die Menschen das medizinische Potenzial der Phagen.</seg> |
| <seg id="71">Schließlich, obgleich unsichtbar, hatte man etwas, das Bakterien verlässlich tötete.</seg> |
| <seg id="72">Unternehmen, die es heute noch gibt, wie Abbott, Squibb oder Lilly, verkauften Phagen-Präparate.</seg> |
| <seg id="73">Doch der Weg von einer unsichtbaren Mikrobe zu einem verlässlichen Medikament ist sehr schwer.</seg> |
| <seg id="74">Man stelle sich die Arzneimittelbehörde vor, wenn Sie denen von einem unsichtbaren Virus erzählen, den Sie Patienten geben wollen.</seg> |
| <seg id="75">Als chemische Antibiotika in den 1940ern herauskamen, veränderten sie alles.</seg> |
| <seg id="76">Und er spielte eine wichtige Rolle.</seg> |
| <seg id="77">Das ist Alexander Fleming. Er bekam den Nobel Preis für Medizin für seinen Beitrag zur Entwicklung des ersten Antibiotikums, Penizillin.</seg> |
| <seg id="78">Antibiotika und Phagen funktionieren sehr unterschiedlich.</seg> |
| <seg id="79">Der Großteil hemmt das Wachstum von Bakterien und es ist ihnen egal, welche Art von Bakterien das sind.</seg> |
| <seg id="80">Die sogenannten Breitbandantibiotika helfen sogar gegen eine ganze Reihe von Bakterien.</seg> |
| <seg id="81">Verglichen mit Phagen, die sehr spezifisch gegen eine Art von Bakterien wirken, ist das ein offensichtlicher Vorteil.</seg> |
| <seg id="82">Das muss damals gewesen sein, wie ein wahr-gewordener Traum.</seg> |
| <seg id="83">Einem Patienten mit Verdacht auf eine bakterielle Infektion gab man ein Antibiotikum und ohne mehr über die Bakterien wissen zu müssen, welche die Krankheit verursachten, genasen viele der Patienten.</seg> |
| <seg id="84">Während wir also immer mehr Antibotika entwickelten wurden sie, zu Recht, die Standardtherapie für bakterielle Infektionen.</seg> |
| <seg id="85">Sie haben unglaublich zu unserer Lebenserwartung beigetragen.</seg> |
| <seg id="86">Heute können wir komplexe medizinische Eingriffe und Operationen nur wegen Antibiotika durchführen, ohne zu riskieren, dass der Patient am nächsten Tag an einer bakteriellen Infektion stirbt.</seg> |
| <seg id="87">Also haben wir Phagen, vor allem in der westlichen Medizin, vergessen.</seg> |
| <seg id="88">Die Vorstellung während meiner Kindheit war großteils: Wir haben mit Antibiotika die Lösung für bakterielle Infektionen gefunden.</seg> |
| <seg id="89">Heute wissen wir natürlich, dass das falsch ist.</seg> |
| <seg id="90">Die meisten haben schon von Superbazillen gehört.</seg> |
| <seg id="91">Das sind Bakterien, die resistent sind gegen viele, wenn nicht alle, der existierenden Antibiotika zur Behandlung dieser Infektion.</seg> |
| <seg id="92">Wie ist es so weit gekommen?</seg> |
| <seg id="93">Tja, wir waren nicht so schlau, wie wir dachten.</seg> |
| <seg id="94">Wir begannen Antibiotika überall zu verwenden — in Kliniken, zur Behandlung und Vorbeugung; privat, gegen Erkältungen; auf Farmen, um die Tiere gesund zu halten — und die Bakterien passten sich an.</seg> |
| <seg id="95">Den Angriff von Antibiotika, die sie überall umgaben, überlebten nur jene Bakterien, die sich am besten anpassten.</seg> |
| <seg id="96">Heute nennen wir sie "multiresistente Bakterien". Ich präsentiere Ihnen eine verstörende Zahl.</seg> |
| <seg id="97">Laut einer aktuellen Studie der britischen Regierung wird geschätzt, dass bis 2050 jährlich 10 Millionen Menschen an multiresistenten Infektionen sterben könnten.</seg> |
| <seg id="98">Verglichen mit den heutigen 8 Millionen Krebstoten pro Jahr, ist das eine beängstigende Zahl.</seg> |
| <seg id="99">Die gute Nachricht ist, dass Phagen immer noch da sind.</seg> |
| <seg id="100">Und ich sage Ihnen, Multiresistenz kann sie nicht beeindrucken.</seg> |
| <seg id="101">(Lachen)</seg> |
| <seg id="102">Sie töten und jagen immer noch gerne die Bakterien um uns herum.</seg> |
| <seg id="103">Und sie sind selektiv geblieben, was heute eine sehr gute Sache ist.</seg> |
| <seg id="104">Wir können ein bakterielles Pathogen, dass eine Entzündung verursacht, in vielen Umgebungen verlässlich identifizieren.</seg> |
| <seg id="105">Ihre Selektivität wird uns helfen, Nebenwirkungen zu vermeiden, die häufig mit Breitbandantibiotika in Verbindung gebracht werden.</seg> |
| <seg id="106">Die wahrscheinlich beste Nachricht ist: sie sind nicht länger unsichtbar.</seg> |
| <seg id="107">Wir können sie uns ansehen.</seg> |
| <seg id="108">Das haben wir gemeinsam getan.</seg> |
| <seg id="109">Wir können ihre DNA sequenzieren.</seg> |
| <seg id="110">Wir verstehen wie sie sich vermehren und kennen die Grenzen.</seg> |
| <seg id="111">Wir sind auf dem Weg, starke und verlässliche Phagen-basierte Arzneimittel zu entwickeln.</seg> |
| <seg id="112">Und das passiert auf der ganzen Welt.</seg> |
| <seg id="113">Mehr als 10 Biotech-Unternehmen, unseres eingeschlossen, entwickeln Human-Phagen-Anwendungen gegen bakterielle Infektionen.</seg> |
| <seg id="114">Einige klinische Studien werden in den USA und Europa in die Wege geleitet.</seg> |
| <seg id="115">Ich bin überzeugt: wir sind am Rande einer Renaissance der Phagen-Therapie.</seg> |
| <seg id="116">Für mich sieht die richtige Weise Phagen abzubilden so aus.</seg> |
| <seg id="117">(Lachen)</seg> |
| <seg id="118">Für mich sind Phagen die Superhelden, auf die wir gewartet haben, in unserem Kampf gegen multiresistente Infektionen.</seg> |
| <seg id="119">Wenn Sie also das nächste Mal an einen Virus denken, denken Sie an dieses Bild.</seg> |
| <seg id="120">Schließlich könnte eine Phage eines Tages ihr Leben retten.</seg> |
| <seg id="121">Danke.</seg> |
| <seg id="122">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="27383" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, collaboration, business, personal growth, communication, social change, politics, society</keywords> |
| <speaker>Julia Dhar</speaker> |
| <talkid>27383</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: An manchen Tagen scheint es, als könnten wir uns nur darauf einigen, dass wir uns nicht einig werden können. Anhand ihrer Erfahrungen als Weltmeisterin im Debattieren bringt Julia Dhar ihrem Publikum drei Techniken näher, wie sich die Art, miteinander zu sprechen, so verändern lässt, dass wir uns produktiv widersprechen und Gemeinsamkeiten finden können – beim Familienessen, bei dienstlichen Besprechungen und in der öffentlichen Diskussion.</description> |
| <title>Julia Dhar: Wie man produktiv widerspricht und Gemeinsamkeiten findet</title> |
| <seg id="1">An manchen Tagen fühlt es sich an, als könnten wir uns nur darauf einigen, dass wir uns auf nichts einigen können.</seg> |
| <seg id="2">Der öffentliche Diskurs schlägt fehl.</seg> |
| <seg id="3">Wir nehmen das überall wahr: Im Fernsehen schreit man sich gegenseitig an. Wir gehen online auf die Suche nach Gemeinschaft und Bindung, beenden diese Suche dann aber verärgert und befremdet.</seg> |
| <seg id="4">Vermutlich weil alle anderen so schreien, haben wir im täglichen Leben so große Angst davor, uns zu streiten, dass wir uns erst gar nicht darauf einlassen.</seg> |
| <seg id="5">Geringschätzung verdrängt das Gespräch.</seg> |
| <seg id="6">Meine Lebensaufgabe besteht darin, uns zu helfen, produktiv zu widersprechen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und neue Ideen ins Leben zu rufen.</seg> |
| <seg id="7">Ich denke — ich hoffe, es gibt eine Möglichkeit, sich bewusst zu widersprechen. Diese basiert auf gegenseitigem Respekt und setzt den natürlichen Drang voraus, zu überzeugen und sich überzeugen zu lassen.</seg> |
| <seg id="8">Folgen Sie mir ein Stück in die Vergangenheit.</seg> |
| <seg id="9">Im Alter von 10 Jahren liebte ich Streitgespräche: diese irgendwie verlockende Aussicht, jemanden von seinem Standpunkt überzeugen zu können, lediglich mit der Macht der Worte.</seg> |
| <seg id="10">Es überrascht wohl kaum, dass meine Eltern und Lehrer davon weniger begeistert waren.</seg> |
| <seg id="11">(Lachen)</seg> |
| <seg id="12">Genauso wie sie entschieden, die 4-jährige Julia solle durch Gymnastik überschüssige Energie loswerden, entschieden sie auch, die Teilnahme an einem Debattierklub wäre nützlich.</seg> |
| <seg id="13">Ich sollte also irgendwo streiten, wo sie nicht dabei waren.</seg> |
| <seg id="14">(Lachen)</seg> |
| <seg id="15">Für die Unwissenden: Eine formale Debatte zu führen ist wirklich einfach: Eine Ansicht wird geäußert — etwa, dass wir zivilen Ungehorsam, oder den freien Handel befürworten —, eine Gruppe von Leuten spricht sich dafür aus und eine dagegen.</seg> |
| <seg id="16">In meiner ersten Debatte in der riesigen Aula der Mädchenschule in Canberra präsentierte ich eine Mischung der schlimmsten Fehler, die man auf Nachrichtenkanälen findet.</seg> |
| <seg id="17">Es war leichter, den Urheber eines Arguments anzugreifen, als den Inhalt der Argumente infrage zu stellen.</seg> |
| <seg id="18">Als selbiger meine Ansichten anfocht, fühlte sich das furchtbar an.</seg> |
| <seg id="19">Ich fühlte mich gedemütigt und beschämt und hatte das Gefühl, die intelligente Reaktion darauf sollte so extrem wie möglich ausfallen.</seg> |
| <seg id="20">Trotz dieses wackeligen Einstiegs in die Debattierwelt war ich begeistert.</seg> |
| <seg id="21">Ich sah die Möglichkeiten, arbeitete jahrelang hart daran und wurde zur wahren Expertin in der Debattierkunst.</seg> |
| <seg id="22">Dann gewann ich dreimal die Schulweltmeisterschaft im Debattieren.</seg> |
| <seg id="23">Aha, Sie merken gerade erst, dass es so etwas gibt. (Lachen) Aber erst, als ich anfing, Redner zu coachen, wahre Überredungskünstler der Spitzenklasse, wurde es mir klar: Man erreicht Menschen, indem man Gemeinsamkeiten findet.</seg> |
| <seg id="24">Man trennt Ansichten von Personen und ist wirklich bereit, sich überzeugen zu lassen.</seg> |
| <seg id="25">Debattieren ist eine Möglichkeit, Gespräche darüber, wie die Welt ist, sein könnte oder sein sollte, aufzubauen.</seg> |
| <seg id="26">Um es anders zu formulieren: Ich biete Ihnen meinen empirisch erprobten Leitfaden dazu, wie Sie sich beim nächsten Familienessen mit Ihrem Cousin über Politik unterhalten. Dabei würde ich umstrukturieren, wie Ihr Team neue Vorschläge diskutiert — mit Augenmerk darauf, wie wir das öffentliche Gespräch verändern.</seg> |
| <seg id="27">Als Einstieg hierzu: Beim Debattieren müssen wir uns mit zwiespältigen Ideen auseinandersetzen, direkt, respektvoll und persönlich.</seg> |
| <seg id="28">Grundlage für eine Debatte ist die Gegendarstellung: Sie behaupten etwas, ich erwidere, und Sie gehen dann auf meine Antwort ein.</seg> |
| <seg id="29">Ohne Widerlegung ist es keine Debatte, sondern Dogmatismus.</seg> |
| <seg id="30">Ursprünglich ging ich davon aus, dass die erfolgreichsten Redner — exzellente Überredungskünstler — großartige Grenzgänger sein müssen und ein magisches Talent haben, Spaltendes angenehm erscheinen zu lassen.</seg> |
| <seg id="31">Es dauerte wirklich lange, bis ich feststellte, dass das Gegenteil der Fall war.</seg> |
| <seg id="32">Leute, die am produktivsten widersprechen, finden zuerst Gemeinsamkeiten, egal auf welch schmalem Grad.</seg> |
| <seg id="33">Sie identifizieren das, worin wir uns einig sind, und setzen dort an: das Recht auf Unterricht, Gleichheit unter den Menschen, die Wichtigkeit sicherer Gesellschaften.</seg> |
| <seg id="34">Sie laden uns dazu ein, an der sogenannten "gemeinsamen Wirklichkeit" teilzunehmen.</seg> |
| <seg id="35">Gemeinsame Wirklichkeit ist das Gegenmittel zu alternativen Fakten.</seg> |
| <seg id="36">Natürlich bleibt der Konflikt.</seg> |
| <seg id="37">Deswegen ist es eine Debatte.</seg> |
| <seg id="38">Erst durch die gemeinsame Wirklichkeit können wir darüber reden.</seg> |
| <seg id="39">Der Clou beim Debattieren ist, dass man es letztlich direkt macht — von Angesicht zu Angesicht am Verhandlungstisch.</seg> |
| <seg id="40">Die Forschung bestätigt, dass das auch wirklich zählt.</seg> |
| <seg id="41">Frau Prof. Juliana Schröder und ihre Kolleginnen an der UC Berkley stellten in ihren Forschungen fest, dass das Zuhören einer Stimme, die gerade ein heikles Argument präsentiert, wahrhaftig vermenschlichend wirkt.</seg> |
| <seg id="42">Was die Person zu sagen hat, wird damit zugänglicher.</seg> |
| <seg id="43">Halten Sie also Abstand von der Tastatur. Unterhalten Sie sich. Und wenn wir dabei sind, den Begriff ein wenig zu erweitern, hält uns nichts davon ab, bei endlosen Grundsatzreden den Pausenknopf zu drücken, den Ablauf einer förmlichen Podiumsdiskussion zu verändern und einiges davon durch eine strukturierte Debatte zu ersetzen.</seg> |
| <seg id="44">All unsere Tagungen könnten in ihrem Herzstück eine Debatte über die größten, umstrittensten Themen des Fachs haben.</seg> |
| <seg id="45">Jedes unserer wöchentlichen Meetings könnte sich für 10 Minuten einer Debatte um einen Änderungsvorschlag zur Arbeitsweise des Teams widmen.</seg> |
| <seg id="46">So bahnbrechend Ideen sein können — diese hier ist einfach und kostenlos.</seg> |
| <seg id="47">Sie könnten morgen anfangen. (Lachen) Befinden wir uns einmal in dieser geteilten Wirklichkeit, fordert Debattieren auch die Trennung von Ansichten und den Personen, die sie diskutieren.</seg> |
| <seg id="48">Im formellen Debattieren werden nur umstrittene Punkte thematisiert: Das Wahlalter soll erhöht, Glücksspiel verboten werden.</seg> |
| <seg id="49">Aber Debattierende entscheiden sich für keine Seite.</seg> |
| <seg id="50">Deshalb ist es sinnlos, es wie die zehnjährige Julia zu machen: Den Urheber eines Arguments infrage zu stellen, tut nichts zur Sache, weil er sich das nicht ausgesucht hat.</seg> |
| <seg id="51">Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, sich mit der besten, verständlichsten und unpersönlichsten Version der Ansicht zu befassen.</seg> |
| <seg id="52">Es mag unmöglich oder naiv klingen, sich vorzustellen, dass man diese Ansicht jemals außerhalb der Schulaula vertritt.</seg> |
| <seg id="53">Wir verbringen so viel Zeit damit, Ideen als links oder rechts zu verwerfen.</seg> |
| <seg id="54">Wir weisen Vorschläge zurück, weil sie etwa von der Zentrale oder einem Ort kommen, den wir anders als den unseren wahrnehmen. Aber es geht. Wenn ich mit Teams versuche, eine neue, großartige Idee zu entwickeln oder ein komplexes Problem zu lösen, bitte ich zuerst alle Mitglieder, anonym Ideen zu übermitteln.</seg> |
| <seg id="55">Zur Veranschaulichung: Vor zwei Jahren arbeitete ich mit verschiedenen Regierungsbehörden, um neue Lösungen gegen die Langzeitarbeitslosigkeit zu entwickeln — eines dieser wirklich üblen, heiklen, gut erforschten Probleme der öffentlichen Ordnung.</seg> |
| <seg id="56">Genau wie beschrieben werden gleich am Anfang mögliche Lösungen von allen Seiten eingefangen.</seg> |
| <seg id="57">Wir tragen sie zusammen und drucken jede auf identische Schablonen.</seg> |
| <seg id="58">Zu dem Zeitpunkt sehen alle gleich aus — sie haben keine getrennten Identitäten.</seg> |
| <seg id="59">Dann natürlich werden sie diskutiert, überholt, verfeinert, abgeschlossen.</seg> |
| <seg id="60">Am Ende werden über 20 dieser Ideen den Ministern präsentiert, die sich damit auseinandersetzen.</seg> |
| <seg id="61">Bei der Hälfte der Fälle ist der Urheber jemand, der ansonsten kaum Gehör bei einem Politikberater gefunden hätte oder der wegen seiner Herkunft nicht ernst genommen worden wäre: Leute, die Anrufe entgegennehmen, Sekretärinnen, die Zeitpläne erstellen, Vertreter von Agenturen, denen man nicht immer vertraut hat.</seg> |
| <seg id="62">Was, wenn unsere Nachrichtenmedien das Gleiche täten?</seg> |
| <seg id="63">Stellen Sie sich vor: eine wöchentliche Nachrichtensendung mit einem großen politischen Vorschlag, den man weder als liberal noch als konservativ bezeichnet.</seg> |
| <seg id="64">Oder eine Reihe von Zeitungskommentaren für und gegen eine große Idee, bei der nicht erwähnt wird, wo die Autoren arbeiten.</seg> |
| <seg id="65">Unsere öffentlichen Gespräche, selbst private Unstimmigkeiten, können wir durch Debattieren unserer Ansichten statt durch die Diskussion von Identität ändern.</seg> |
| <seg id="66">Dann erlaubt uns das Debattieren als Menschen, uns selbst einzugestehen, dass wir falschliegen könnten.</seg> |
| <seg id="67">Die Demut gegenüber der Ungewissheit.</seg> |
| <seg id="68">Ein Grund, warum es schwer ist, produktiv zu widersprechen, ist, dass wir gern an unseren Ideen festhalten.</seg> |
| <seg id="69">Wir fangen an zu glauben, dass wir sie besitzen und dass im weiteren Sinne sie uns besitzen.</seg> |
| <seg id="70">Aber wenn Sie letztlich lange genug debattieren, wechseln Sie die Seiten. Sie sprechen sich für und gegen die Erweiterung des Wohlfahrtsstaates aus.</seg> |
| <seg id="71">Für und gegen Wahlpflicht.</seg> |
| <seg id="72">Diese Übung aktiviert eine Art Hebel in Ihrem Denken.</seg> |
| <seg id="73">Ihr Verdacht gegenüber Menschen, die eine andere Meinung als die Ihre vertreten, beginnt zu schwinden, weil Sie sich vorstellen können, in ihrer Haut zu stecken.</seg> |
| <seg id="74">Während Sie das tun, erfahren Sie Demut gegenüber der Ungewissheit, die Möglichkeit, falschzuliegen.</seg> |
| <seg id="75">Genau diese Demut lässt uns bessere Entscheidungen treffen.</seg> |
| <seg id="76">Neurowissenschaftler und Psychologe Mark Leary und seine Kollegen von der Duke University fanden heraus, dass Leute, die das üben können — es ist eine Fähigkeit —, was diese Forscher intellektuelle Demut nennen, eine breite Palette an Anhaltspunkten weit besser beurteilen können, dabei objektiver sind und sich bei widersprüchlichen Aussagen weniger angegriffen fühlen.</seg> |
| <seg id="77">All die Eigenschaften, die wir uns von unseren Vorgesetzten, Kollegen, Diskussionspartnern und Entscheidungsträgern wünschen, all die Tugenden, die wir uns gerne selbst zuschreiben würden.</seg> |
| <seg id="78">Wenn wir also diese Demut gegenüber der Ungewissheit annehmen, sollten wir uns alle gegenseitig eine Frage stellen.</seg> |
| <seg id="79">Auch unsere Moderatorinnen und Nachrichtensprecher sollten sie unseren Wahlvertreterinnen und Kandidaten stellen: "Was hat sich an Ihrer Haltung geändert? Und warum hat es sich geändert? Welche Ungewissheit erfüllt Sie mit Demut?" Nur nebenbei, das ist kein Hirngespinst darüber, wie öffentliches Leben und öffentliche Debatten funktionieren könnten. Dazu gibt es eine Vorgeschichte.</seg> |
| <seg id="80">Im Jahr 1969 saß der beliebte US-Kinderfernsehmoderator Rogers als Geschworener im US-Kongress vor dem Unterausschuss für Kommunikation, der unter dem Vorsitz des scheinbar ziemlich griesgrämigen John Pastore stand.</seg> |
| <seg id="81">Rogers beabsichtigte, klassisch zu debattieren. Er macht den waghalsigen Vorschlag, die Bundesfinanzierung des öffentlichen Rundfunks zu erhöhen.</seg> |
| <seg id="82">Zu Beginn hatte Ausschussvorsitzender Senator Pastore dafür nichts übrig.</seg> |
| <seg id="83">Es schien für Rogers nicht gut auszugehen.</seg> |
| <seg id="84">Aber Rogers erklärte geduldig und vernünftig, warum hochwertiges Kinderfernsehen — also die Art Fernsehen, die über die Tragödien berichtet, die in den besten Familien vorkommen — für uns alle wichtig ist, auch wenn es teuer sein mag.</seg> |
| <seg id="85">Er läd uns in eine gemeinsame Wirklichkeit ein.</seg> |
| <seg id="86">Auf der anderen Seite des Tisches hört Senator Pastore bewusst zu und öffnet sich gegenüber dem Thema: laut, öffentlich und offiziell.</seg> |
| <seg id="87">Senator Pastore gesteht Rogers: "Ich bin eigentlich ein ziemlich zäher Bursche, aber zum ersten Mal seit zwei Tagen hatte ich wieder Gänsehaut." Später ergänzte er: "Sieht aus, als hätten Sie sich gerade die 20 Millionen Dollar verdient." Wir brauchen noch mehr wie Herr Rogers: Leute mit den technischen Fähigkeiten zum Debattieren und Überzeugen.</seg> |
| <seg id="88">Doch auf der anderen Seite des Verhandlungstisches brauchen wir noch sehr viele wie Senator Pastore.</seg> |
| <seg id="89">Der Zauber des Debattierens beinhaltet die Möglichkeit, gleichzeitig Herr Rogers und Senator Pastore sein zu können.</seg> |
| <seg id="90">Wenn ich mit den Teams zusammenarbeite, von denen ich zuvor sprach, bitte ich sie zu Beginn, sich erst der Möglichkeit hinzugeben, falschliegen zu können.</seg> |
| <seg id="91">Sie sollen mir und den anderen erklären, wie sie umzustimmen wären.</seg> |
| <seg id="92">Dabei geht es nicht die Übung, nur um die Grundhaltung.</seg> |
| <seg id="93">Wenn Sie einmal überlegen, was nötig wäre, um Ihre Meinung zu ändern, fragen Sie sich bald, warum Sie sich zu Beginn so sicher waren.</seg> |
| <seg id="94">Es gibt so vieles, das uns das Debattieren lehren kann, wenn es um produktives Widersprechen geht.</seg> |
| <seg id="95">Wir sollten das in unsere Arbeitswelt, unsere Konferenzen und unsere Stadtratssitzungen integrieren.</seg> |
| <seg id="96">Das Prinzip des Debattierens kann die Art verändern, wie wir miteinander reden, und uns darin bestärken, aufhören zu reden und anfangen zuzuhören.</seg> |
| <seg id="97">Dass wir aufhören abzulehnen und anfangen zu überzeugen.</seg> |
| <seg id="98">Dass wir aufhören, Dinge abzustellen, und anfangen, offener zu werden.</seg> |
| <seg id="99">Herzlichen Dank. (Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="27793" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, climate change, Anthropocene, nature, biosphere, science, social change, energy, sustainability, pollution, education, potential, electricity, global issues, food, policy</keywords> |
| <speaker>Chad Frischmann</speaker> |
| <talkid>27793</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: Was wenn wir nun der Atmosphäre mehr Treibhausgase entnehmen könnten als ihr hinzuzufügen? Dieses hypothetische Szenarium, bekannt als "Absenkung" ("drawdown"), ist unsere einzige Hoffnung zur Abwendung der Klimakatastrophe, sagt Stratege Chad Frischmann. In einem zukunftsweisenden Vortrag erzählt er von heute existierenden Lösungen für den Klimawandel -- übliche Maßnahmen wie die Nutzung erneuerbarer Energie und bessere Landbewirtschaftung genauso wie einige weniger bekannte Ansätze, wie Veränderungen bei der Nahrungsmittelherstellung, bessere Familienplanung und die Ausbildung von Mädchen. Erfahren Sie mehr darüber, wie wir den Klimawandel umkehren und eine Welt schaffen können, wo Regeneration, und nicht Zerstörung, die Regel ist.</description> |
| <title>Chad Frischmann: 100 Lösungen zur Abwendung des Klimawandels</title> |
| <seg id="1">Hallo. Ich möchte Ihnen ein Wort vorstellen, das Sie vielleicht noch nie gehört haben, aber das Sie kennen sollten: [Absenkung].</seg> |
| <seg id="2">Absenkung ist eine neue Handlungs- und Denkweise gegenüber globaler Erderwärmung.</seg> |
| <seg id="3">Es ist ein Ziel für eine wünschenswerte Zukunft, eine Zukunft, in der die Umkehr der Erderwärmung möglich ist.</seg> |
| <seg id="4">Absenkung ist der Zeitpunkt, an dem atmosphärische Konzentrationen von Treibhausgasen abzunehmen beginnen, von Jahr zu Jahr.</seg> |
| <seg id="5">Einfacher gesagt, es ist der Zeitpunkt, an dem wir mehr Treibhausgase ausführen als wir in die Erdatmosphäre bringen.</seg> |
| <seg id="6">Mir ist klar, dass der Klimawandel uns alle beunruhigt, aber der Klimawandel ist nicht das Problem.</seg> |
| <seg id="7">Klimawandel ist der Ausdruck des Problems.</seg> |
| <seg id="8">Es ist die Reaktion des Erdsystems, die uns sagt, was vor sich geht.</seg> |
| <seg id="9">Das Problem ist globale Erderwärmung, ausgelöst durch die zunehmenden Konzentrationen an Treibhausgasen verursacht durch den Menschen.</seg> |
| <seg id="10">Wie lösen wir nun das Problem?</seg> |
| <seg id="11">Wie starten wir den Prozess der Umkehr der Erderwärmung?</seg> |
| <seg id="12">Wir kennen nur den Weg der Absenkung, der Vermeidung von Treibhausgasen und der Reduktion der existierenden. Ich weiß. In Anbetracht der aktuellen Lage klingt das unmöglich, aber die Menschheit weiß schon, was zu tun ist.</seg> |
| <seg id="13">Wir haben echte, funktionierende Technologien und Verfahren, die eine Absenkung erzielen können.</seg> |
| <seg id="14">Und es passiert schon.</seg> |
| <seg id="15">Wir brauchen eine schnellere Umsetzung und einen Wandel des Diskurses, von einem angstgesteuerten und konfusen, der nur zu Gleichgültigkeit führt, zu einem verständnisvollen und zuversichtlichen und dadurch einem mit Chancen.</seg> |
| <seg id="16">Ich arbeite für "Project Drawdown".</seg> |
| <seg id="17">In den letzten 4 Jahre haben wir, mit einem Team aus Forschern und Autoren aus der ganzen Welt, 100 Lösungen zur Umkehr der globalen Erderwärmung aufgezeichnet, untersucht und ausgearbeitet.</seg> |
| <seg id="18">80 davon exisiteren schon heute, und zusammen genommen können diese 80 eine Absenkung erreichen.</seg> |
| <seg id="19">Und 20 sind kommende Attraktionen, Lösungen in der Planung, und wenn sie online gehen, beschleunigen wir unseren Fortschritt.</seg> |
| <seg id="20">Diese Lösungen sind umsetzbar, skalierbar und finanziell machbar.</seg> |
| <seg id="21">Sie bewirken eines oder mehr von drei Dingen: ersetzen fossile Energiegewinnung durch saubere erneuerbare Quellen; reduzieren den Verbrauch durch technische Effizienz und Verhaltensänderung; und die CO2-Speicherung in Pflanzen und Erde durch einen Prozess, den wir alle in der Grundschule lernen, das Wunder der Photosynthese.</seg> |
| <seg id="22">Durch eine Kombination dieser drei Mechanismen wird die Absenkung ermöglicht.</seg> |
| <seg id="23">Wie gelangen wir dahin?</seg> |
| <seg id="24">Hier ist die Kurzantwort.</seg> |
| <seg id="25">Das ist eine Liste der 20 besten Lösungen, um den Klimawandel umzukehren.</seg> |
| <seg id="26">Ich gehe jetzt ins Detail, aber nehmen Sie sich ein paar Sekunden für die Liste.</seg> |
| <seg id="27">Es ist eine beliebige Auswahl, von Onshore-Windrädern bis zur Ausbildung von Mädchen, von pflanzenreichen Diäten bis zu Solardächern.</seg> |
| <seg id="28">Fassen wir es etwas zusammen.</seg> |
| <seg id="29">Rechts auf der Folie sehen Sie Angaben in Gigatonnen, oder Milliarden Tonnen.</seg> |
| <seg id="30">Das stellt das CO2-Gesamtäquivalent dar, das der Atmosphäre entzogen wird, wenn weltweit die Lösung innerhalb von 30 Jahren umgesetzt wird.</seg> |
| <seg id="31">Wenn wir an Klimalösungen denken, denken wir oft an Stromerzeugung.</seg> |
| <seg id="32">Wir denken an erneuerbare Energien als wichtigsten Teil der Lösung, und sie sind unglaublich wichtig.</seg> |
| <seg id="33">Aber als erstes muss man an der Liste erkennen, nur 5 der 20 wichtigsten Lösungen sind energiebezogen.</seg> |
| <seg id="34">Was uns ehrlich überrascht hat, dass 8 der 20 wichtigsten Lösungen auf das Nahrungssystem bezogen sind.</seg> |
| <seg id="35">Die Klimafolgen von Nahrung mag viele Menschen überraschen, aber diese Ergebnisse zeigen, dass unsere täglichen Entscheidungen, bezüglich der Nahrung, die wir produzieren, kaufen und konsumieren, wohl die wichtigsten Beiträge sind, die jeder einzelne zur Umkehr des Klimawandels leisten kann.</seg> |
| <seg id="36">Flächennutzung ist auch sehr wichtig.</seg> |
| <seg id="37">Der Schutz von Wäldern und Feuchtgebieten sichert, vergrößert und schafft neue Kohlenstoffsenken, die CO2 direkt verringern.</seg> |
| <seg id="38">So kann die Absenkung gelingen.</seg> |
| <seg id="39">Nehmen wir Nahrung und Flächennutzung zusammen, beziehen sich 12 der 20 wichtigsten Lösungen darauf, wie wir Land nutzen.</seg> |
| <seg id="40">Das verschiebt traditionelles Denken über Klimalösungen grundlegend.</seg> |
| <seg id="41">Aber kommen wir zur Spitze der Liste, denn das wird Sie wohl auch überraschen.</seg> |
| <seg id="42">Die wirkungsvollste Lösung, gemäß dieser Analyse, wäre die Kälteerzeugung, oder Umgang mit und Entsorgung von FCKW, Fluorcholenwasserstoffen, die von Kühlschränken oder Klimaanlagen genutzt werden.</seg> |
| <seg id="43">Mit dem Montreal-Protokoll haben wir tolle Arbeit geleistet, um die FCKW-Produktion zu begrenzen, wegen deren Auswirkung auf die Ozonschicht.</seg> |
| <seg id="44">Aber sie wurden durch Hydrofluorkarbonat ersetzt, die hundert- bis tausendmal wirksamere Treibhausgase sind als Kohlendioxid.</seg> |
| <seg id="45">Der Rückgang um 90 Gigatonnen ist eine vorsichtige Schätzung.</seg> |
| <seg id="46">Stünden wir für den Einfluss des Kigali-Abkommens von 2016 ein, das die Abkündigung von Hydrofluorkarbonaten fordert, und würden sie durch existierende natürliche Kältemittel ersetzen, könnten diese Zahlen um 120 bis ca. 200 Gigatonnen an vermiedenen Treibhausgasen zunehmen.</seg> |
| <seg id="47">Vielleicht wundern Sie sich, so wie wir damals.</seg> |
| <seg id="48">Bevor wir in die Detail bestimmter Lösungen gehen, vielleicht fragen Sie sich, wie wir zu diesen Berechnungen kamen.</seg> |
| <seg id="49">Zuerst haben wir viele Daten erhoben, und mittels statistischer Analysen Variationsbreiten erstellt, die uns erlauben, angemessene Entscheidungen zu treffen, für jeden Eintrag innerhalb der Modelle.</seg> |
| <seg id="50">Wir wählten einen vorsichtigen Ansatz, der dem gesamten Projekt zugrunde liegt.</seg> |
| <seg id="51">All die Daten werden in das Modell eingegeben, ambitioniert, aber plausibel in die Zukunft projiziert und mit dem verglichen, was wir sowieso machen müssten.</seg> |
| <seg id="52">Die 84 Gigatonnen, die wir beispielsweise durch Onshore-Windräder sparen, stammt aus Elektrizität aus Windfarmen, die ansonsten durch Kohle- oder Gaskraftwerke produziert worden wäre.</seg> |
| <seg id="53">Wir berechnen alle Kosten, um Anlagen zu bauen und zu betreiben, und alle enstehenden Emissionen.</seg> |
| <seg id="54">Der gleiche Prozess erfolgt beim Vergleich von Recycling gegenüber Deponierung, regenerativer gegenüber industrieller Landwirtschaft, beim Schutz gegenüber der Abholzung unserer Wälder.</seg> |
| <seg id="55">Die Ergebnisse werden dann in und über die Systeme hinweg integriert, um Doppelzählung zu vermeiden, und aufsummiert, um zu sehen, ob die Absenkung wirklich erreicht wird.</seg> |
| <seg id="56">Okay, jetzt betrachten wir mal konkrete Lösungen.</seg> |
| <seg id="57">Auf dem 10. Platz stehen Solardächer.</seg> |
| <seg id="58">Wenn wir uns Solardächer vorstellen, malen wir uns häufig ein Lagerhaus aus, das ganz mit Solarpanelen bedeckt ist.</seg> |
| <seg id="59">Aber diese Lösugen sind relevant für den städtischen und ländlichen Raum, Länder mit hohen und niedrigen Einkommen, und sie bringen Vorteile mit sich.</seg> |
| <seg id="60">Das ist eine Familie auf einer Strohinsel auf dem Titicacasee wie sie ihr erstes Solarpaneel erhalten.</seg> |
| <seg id="61">Früher wurde Kerosin zum Kochen und zur Beleuchtung genutzt, Kerosin auf einer Strohinsel.</seg> |
| <seg id="62">Durch die Solar-Installation reduziert diese Familie nicht nur Emissionen, sie sorgt auch für die Sicherheit ihres Haushalts.</seg> |
| <seg id="63">Tropische Regenwälder erzählen ihre eigene Geschichte.</seg> |
| <seg id="64">Degradiertes Land in den Tropen zu schützen und die natürliche Regeneration zu erlauben, ist die Lösung Nummer 5 zur Umkehr der Erderwärmung.</seg> |
| <seg id="65">Wir sehen Bäume als riesige Kohlestücke.</seg> |
| <seg id="66">Das ist die jährliche Absenkung in Aktion, indem Kohlendioxid durch Photosynthese der Atmosphäre entzogen wird, verwandelt es sich in pflanzliche Biomasse und organisch gebundenes CO2 im Boden.</seg> |
| <seg id="67">Wir müssen überdenken, wie wir Nahrung produzieren, um es nachhaltiger zu machen.</seg> |
| <seg id="68">Man kann es auf viele Arten tun und wir haben über 13 davon untersucht, aber das ist keine neue Art der Nahrungsproduktion.</seg> |
| <seg id="69">Sie werden seid Jahrhunderten, seit Generationen ausgeübt.</seg> |
| <seg id="70">Aber sie werden immer mehr von moderner Landwirtschaft verdrängt, was Ackerbau, Monokultur und den Einsatz von synthetischen Düngern und Pestiziden fördert, die Boden zerstören und ihn zum Nettoemittenten von Treibhausgasen machen.</seg> |
| <seg id="71">Nachhaltige Landwirtschaft dagegen stellt die Bodengesundheit und -produktivität wieder her, erhöhen den Ertrag, verbessert die Wasseraufnahme, nützt Kleinbauern genauso wie Großbetrieben und führt den CO2 wieder dem Boden zu.</seg> |
| <seg id="72">Das ist ein Win-Win-Win-Win-Win.</seg> |
| <seg id="73">(Gelächter)</seg> |
| <seg id="74">Es geht nicht nur um Nahrungsproduktion, sondern darum, was wir konsumieren, das einen massiven Einfluss auf die Klimaerwärmung hat.</seg> |
| <seg id="75">Eine pflanzenreiche Diät ist keine vegane oder vegetarische Diät, obwohl ich jedem Respekt zolle für diese Entscheidung.</seg> |
| <seg id="76">Es ist eine gesunde Diät, in Bezug darauf, wie viel wir essen, insbesondere wie viel Fleisch wir essen.</seg> |
| <seg id="77">In den reicheren Teilen der Welt konsumieren wir zu viel.</seg> |
| <seg id="78">Einkommensschwache Länder dagegen zeigen eine unzureichende Kalorien- und Proteinzufuhr.</seg> |
| <seg id="79">Das erfordert eine Neujustierung, und bei dieser Neujustierung wird eine pflanzenreiche Diät zur Lösung Nummer 4, um den globalen Klimawandel umzukehren.</seg> |
| <seg id="80">Zudem wird etwa ein Drittel der produzierten Nahrung nicht gegessen, und verschwendet Nahrungsmittel macht 8% des globalen Treibhausgases aus.</seg> |
| <seg id="81">Wir müssen sehen, wo in der Versorgungskette die Verluste und Abfälle entstehen.</seg> |
| <seg id="82">Verlässt die Nahrung in Niedriglohnländern die Farm, wird die meiste Nahrung frühzeitig in der Lieferkette aufgrund der Infrastruktur- und Lagerprobleme.</seg> |
| <seg id="83">In Niedriglohnländern wird Nahrung nicht durch Verbraucher verschwendet, dort kämpfen sie darum, ihre Bevölkerung zu ernähren.</seg> |
| <seg id="84">In Industrieländern wird Nahrung nach dem Verlassen der Farm dagegen meist am Ende der Versorgungskette vergeudet, durch Märkte und Verbraucher, und vergeudete Nahrungsmittel landen in der Deponie, wo sie bei der Zersetzung Methan ausstoßen.</seg> |
| <seg id="85">Die Konsumenten haben das Wahlproblem.</seg> |
| <seg id="86">Es ist keine Technologiefrage.</seg> |
| <seg id="87">Lebensmittelverschwendung von Beginn an zu vermeiden, ist Lösung Nummer 3. Aber hier kommt das Interessante.</seg> |
| <seg id="88">Wenn wir das Nahrungssystem ganzheitlich sehen, alle Produktionslösungen umsetzen, wie regenerative Landwirtschaft, eine pflanzenreiche Diät befolgen und Nahrungsverschwendung reduzieren, zeigt unsere Forschung, auf heutigen Agrarflächen produzieren wir genug Nahrung für eine gesunden, nahrungsreichen Diät für die wachsende Weltbevölkerung, von jetzt bis 2050 und darüber hinaus.</seg> |
| <seg id="89">Wir müssen also keine Wälder abholzen zur Nahrungsmittelerzeugung.</seg> |
| <seg id="90">Die Lösungen zur Umkehr des Klimawandels lösen auch die Ernährungsunsicherheit.</seg> |
| <seg id="91">Eine Lösung, über die nicht genug geredet wird: Familienplanung.</seg> |
| <seg id="92">Indem Männer und Frauen wählen können, wann, wie und ob sie eine Familie gründen, durch Reproduktionskliniken und Aufklärung, Zugang zu Verhütung und Freiheit ohne Strafverfolgung, kann die geschätzte Weltbevölkerung bis 2050 verringert werden.</seg> |
| <seg id="93">Eine geringere Bevölkerung heißt verminderte Nachfrage nach Elektrizität, Nahrung, Reisen, Gebäuden und allen anderen Ressourcen.</seg> |
| <seg id="94">All die Energie und Emissionen, die für die höhere Nachfrage gebraucht werden, wird reduziert indem man das menschliche Grundrecht garantiert, zu wählen, wann, wie und ob man eine Familie gründet.</seg> |
| <seg id="95">Aber Familienplanung geht nicht ohne gleichen Zugang zu Bildung, für Mädchen, denen der Zugang zurzeit verweigert wird.</seg> |
| <seg id="96">Wir haben uns hier diese Freiheit genommen, denn der Einfluss universaler Bildung und Ressourcen für die Familienplanung sind so untrennbar miteinander verbunden, dass wir es meist mittig aufteilen.</seg> |
| <seg id="97">Aber zusammen genommen, Mädchenaufklärung und Familienplanung, ist die Lösung Nummer 1, um den Klimawandel umzukehren, wodurch ca. 120 Milliarden Tonnen an Treibhausgasen reduziert werden.</seg> |
| <seg id="98">Ist die Absenkung also machbar? Die Antwort ist, ja, es ist möglich, aber wir brauchen alle 80 Lösungen.</seg> |
| <seg id="99">Es gibt keine Teillösungen oder Wunderwaffen, die uns dorthin bringen werden.</seg> |
| <seg id="100">Die besten Lösungen bringen uns weit, aber es gibt keine kleine Lösung.</seg> |
| <seg id="101">Wir brauchen alle 80. Aber das Tolle daran ist: Wir würden diese Lösungen umsetzen wollen, ob Klimawandel ein Problem wäre oder nicht, da sie Vorteile für das menschliche und planetarische Wohlergehen haben.</seg> |
| <seg id="102">Erneuerbarer Strom führt zu umfassendem Zugang zu sauberer Energie für alle.</seg> |
| <seg id="103">Eine pflanzenreiche Diät und weniger Nahrungsverschwendung führt zu einer gesunden Weltbevölkerung mit genug Nahrung.</seg> |
| <seg id="104">Familienplanung und Ausbildung von Mädchen?</seg> |
| <seg id="105">Hier geht es um Menschenrechte, um Gleichstellung.</seg> |
| <seg id="106">Es geht um ökonomische Verbesserung und Wahlfreiheit.</seg> |
| <seg id="107">Es geht um Gerechtigkeit.</seg> |
| <seg id="108">Regenerative Landwirtschaft, Heidebewirtschaftung, Waldfeldbau, stellt die Bodengesundheit wieder her, nützt Landwirten und bringen Kohlenstoff in den Boden zurück.</seg> |
| <seg id="109">Der Schutz unseres Ökosystems schützt auch die Artenvielfalt und sichert die planere Gesundheit und den Sauerstoff, den wir atmen.</seg> |
| <seg id="110">Die konkreten Vorteile für alle Spezies sind unschätzbar.</seg> |
| <seg id="111">Noch ein letzter Punkt, denn das beschäftigt sicher alle; wie viel wird das kosten?</seg> |
| <seg id="112">Wir schätzen die Umsetzung aller 80 Lösungen wird etwa 29 Billionen Dollar innerhalb von 30 Jahren kosten.</seg> |
| <seg id="113">Das sind nur ca. 1 Billon jährlich.</seg> |
| <seg id="114">Das klingt sicher nach sehr viel, aber wir dürfen nicht vergessen, jährlich beträgt das globale BIP über 80 Billionen, und die geschätzten Einsparungen durch die Umsetzung der Lösungen sind 74 Billionen Dollar, mehr als doppelt so viel.</seg> |
| <seg id="115">Das sind Nettoersparnisse von 44 Billionen Dollar.</seg> |
| <seg id="116">Die Absenkung ist also möglich. Wir können es, wenn wir es wollen.</seg> |
| <seg id="117">Es wird nicht so viel kosten und die Investitionsrendite ist enorm.</seg> |
| <seg id="118">Hier die erfreuliche Überraschung: Wenn wir diese Lösungen umsetzen, ändern wir die Art, wie wir Geschäfte machen, von einem inhärent ausbeuterischen System zu einer neuen Normalität, die von Natur aus regenerativ ist.</seg> |
| <seg id="119">Wir müssen unsere globalen Ziele überdenken, um über Nachhaltigkeit hinaus zu Regeneration zu gelangen, und unterwegs die globale Erwärmung umzukehren.</seg> |
| <seg id="120">Danke.</seg> |
| <seg id="121">(Applaus)</seg> |
| </doc> |
| <doc docid="32560" genre="lectures"> |
| <keywords>talks, climate change, environment, sustainability, politics, education, society, social change, pollution, Anthropocene</keywords> |
| <speaker>Greta Thunberg</speaker> |
| <talkid>32560</talkid> |
| <description>TED Talk Subtitles and Transcript: In diesem leidenschaftlichen Weckruf erzählt die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg, wie sie im August 2018 die Schule verließ und einen Streik organisierte, um das Bewusstsein für die globale Erwärmung zu schärfen. Mit ihrer Protestaktion vor dem schwedischen Parlament erregte sie weltweit Aufmerksamkeit. "Die Klimakrise ist schon gelöst. Wir kennen schon alle Fakten und Lösungen", sagt Thunberg. "Jetzt müssen wir nur noch aufwachen und aktiv werden."</description> |
| <title>Greta Thunberg: Ein eindringlicher Appell, schnellstens gegen den Klimawandel vorzugehen</title> |
| <seg id="1">Als ich ungefähr 8 Jahre alt war, hörte ich zum ersten Mal vom Klimawandel und von globaler Erwärmung.</seg> |
| <seg id="2">Offenbar hatten das Menschen durch ihre Lebensweise gemacht.</seg> |
| <seg id="3">Mir wurde gesagt, ich solle das Licht ausmachen, um Energie zu sparen, und Papier wiederverwenden, um Ressourcen zu sparen.</seg> |
| <seg id="4">Ich erinnere mich, dass ich es sehr seltsam fand, dass Menschen, die eine Tierart von vielen sind, dazu fähig sind, das Erdklima zu verändern.</seg> |
| <seg id="5">Denn wenn wir es wären und es tatsächlich geschah, dann würden wir doch über nichts anderes mehr sprechen.</seg> |
| <seg id="6">Im Fernsehen würde es nur darum gehen.</seg> |
| <seg id="7">Schlagzeilen, Radio, Zeitungen — wir würden von nichts anderem hören oder lesen, so als wäre ein Weltkrieg ausgebrochen.</seg> |
| <seg id="8">Aber niemand sprach darüber.</seg> |
| <seg id="9">Wenn das Verbrennen fossiler Brennstoffe so schädlich war, dass es unsere Existenz bedrohte, wie konnten wir dann so weitermachen wie bisher?</seg> |
| <seg id="10">Warum gab es keine Beschränkungen?</seg> |
| <seg id="11">Warum wurde es nicht verboten?</seg> |
| <seg id="12">Für mich ergab das keinen Sinn.</seg> |
| <seg id="13">Es war zu unwirklich.</seg> |
| <seg id="14">Mit 11 Jahren wurde ich krank. Ich bekam Depressionen. Ich hörte auf zu sprechen und zu essen.</seg> |
| <seg id="15">Innerhalb von zwei Monaten verlor ich etwa 10 kg Gewicht.</seg> |
| <seg id="16">Später bekam ich die Diagnose Asperger-Syndrom, Zwangsstörungen und selektiver Mutismus.</seg> |
| <seg id="17">Im Grunde bedeutet es, dass ich nur spreche, wenn ich es für nötig halte. Jetzt ist einer dieser Momente.</seg> |
| <seg id="18">(Lachen) (Applaus)</seg> |
| <seg id="19">Für Menschen mit einer Form von Autismus ist fast alles schwarz oder weiß.</seg> |
| <seg id="20">Wir können nicht gut lügen und meist nehmen wir ungern am sozialen Leben teil, das alle anderen so zu mögen scheinen.</seg> |
| <seg id="21">(Lachen)</seg> |
| <seg id="22">In vielerlei Hinsicht scheinen Autisten die Normalen und die anderen ziemlich seltsam zu sein.</seg> |
| <seg id="23">(Lachen)</seg> |
| <seg id="24">Besonders beim Thema Nachhaltigkeit, über das jeder sagt, der Klimawandel sei eine existentielle Bedrohung und das wichtigste Thema von allen, machen alle weiter wie bisher.</seg> |
| <seg id="25">Ich verstehe das nicht, denn wenn Emissionen gestoppt werden müssen, dann müssen wir sie stoppen.</seg> |
| <seg id="26">Ich sehe das schwarz-weiß.</seg> |
| <seg id="27">Es gibt keine Grauzonen, wenn es um das Überleben geht.</seg> |
| <seg id="28">Entweder bestehen wir als Zivilisation weiter oder nicht.</seg> |
| <seg id="29">Wir müssen uns ändern!</seg> |
| <seg id="30">Reiche Länder wie Schweden müssen anfangen, die Emissionen wenigstens um 15% pro Jahr zu verringern.</seg> |
| <seg id="31">Nur so bleiben wir unter einer Erwärmung von 2 Grad.</seg> |
| <seg id="32">Doch wie der Weltklimarat kürzlich zeigte, könnten wir mit einem Ziel von 1,5 ° Celsius stattdessen die Folgen für das Klima deutlich reduzieren.</seg> |
| <seg id="33">Wir können uns denken, was das für die Verringerung von Emissionen bedeutet.</seg> |
| <seg id="34">Man sollte meinen, die Medien und sämtliche Politiker würden über nichts anderes reden. Aber sie erwähnen es nicht einmal.</seg> |
| <seg id="35">Auch nicht, dass Treibhausgase bereits im System eingeschlossen sind.</seg> |
| <seg id="36">Oder dass Luftverschmutzung eine Erwärmung versteckt, sodass wir beim Verbrennungsstopp fossiler Brennstoffe bereits eine zusätzliche Erwärmung von vielleicht sogar 0,5 bis 1,1 ° Celsius haben.</seg> |
| <seg id="37">Außerdem spricht kaum jemand darüber, dass wir uns mitten im sechsten Massenaussterben befinden. Bis zu 200 Arten sterben tagtäglich aus. Arten sterben heute 1.000-mal bis 10.000-mal schneller aus als normal.</seg> |
| <seg id="38">Auch spricht kaum jemand über den Aspekt der Klimagerechtigkeit, welche im Pariser Abkommen überall erwähnt wird und die absolut erforderlich ist, damit es global funktioniert.</seg> |
| <seg id="39">Es bedeutet, reiche Länder müssen ihre Emissionen innerhalb von 6 bis 12 Jahren auf Null reduzieren müssen.</seg> |
| <seg id="40">So bekommen Menschen in ärmeren Ländern die Chance, ihren Lebensstandard durch den Aufbau einer Infrastruktur zu verbessern, die wir bereits haben, wie Straßen, Schulen, Krankenhäuser, sauberes Trinkwasser, Elektrizität und so weiter.</seg> |
| <seg id="41">Denn wie können wir von Ländern wie Indien oder Nigeria verlangen, sich um die Klimakrise zu kümmern, wenn wir, die schon alles haben, uns keine Sekunde darum kümmern oder um unsere konkreten Zusagen zum Pariser Abkommen?</seg> |
| <seg id="42">Warum also reduzieren wir unsere Emissionen nicht?</seg> |
| <seg id="43">Warum steigen sie stattdessen immer noch?</seg> |
| <seg id="44">Verursachen wir absichtlich ein Massenaussterben? Sind wir böse? Nein, sicher nicht.</seg> |
| <seg id="45">Die Menschen machen weiter, weil ein Großteil keine Ahnung vor den Folgen unseres Alltagslebens hat. Sie wissen nicht, dass ein schneller Wandel notwendig ist.</seg> |
| <seg id="46">Wir alle denken, wir wüssten es, und wir alle denken, jeder wüsste es, aber so ist es nicht.</seg> |
| <seg id="47">Wie könnten wir das auch?</seg> |
| <seg id="48">Wenn es wirklich eine Krise gäbe, die durch unsere Emissionen verursacht würde, müssten man wenigstens einige Anzeichen sehen.</seg> |
| <seg id="49">Nicht nur überflutete Städte, zehntausende Tote und ganze Länder voller Trümmer aus abgerissenen Gebäuden.</seg> |
| <seg id="50">Man würde Beschränkungen sehen. Aber nein. Und niemand spricht darüber.</seg> |
| <seg id="51">Es gibt keine Notfallversammlungen, keine Schlagzeilen, keine aktuellen Nachrichten.</seg> |
| <seg id="52">Niemand handelt, als wären wir in einer Krise.</seg> |
| <seg id="53">Sogar die meisten Klimaforscher und grünen Politiker fliegen rund um die Welt, essen Fleisch und Milchprodukte.</seg> |
| <seg id="54">Wenn ich 100 Jahre alt werde, werde ich im Jahr 2103 leben.</seg> |
| <seg id="55">Wenn Sie heute über die Zukunft nachdenken, denken Sie nicht über das Jahr 2050 hinaus.</seg> |
| <seg id="56">Im besten Fall habe ich dann nicht einmal die Hälfte meines Lebens hinter mir.</seg> |
| <seg id="57">Was geschieht danach? Im Jahr 2078 feiere ich meinen 75. Geburtstag.</seg> |
| <seg id="58">Wenn ich Kinder oder Enkelkinder habe, verbringen sie vielleicht den Tag mit mir.</seg> |
| <seg id="59">Vielleicht fragen sie mich nach Ihnen, den Menschen, die im Jahr 2018 lebten.</seg> |
| <seg id="60">Vielleicht fragen sie, warum Sie nichts taten, als Ihnen noch Zeit dafür blieb.</seg> |
| <seg id="61">Was wir jetzt tun oder nicht tun, betrifft mein ganzes Leben und das Leben meiner Kinder und Enkelkinder.</seg> |
| <seg id="62">Was wir jetzt tun oder nicht tun, können ich und meine Generation in Zukunft nicht ungeschehen machen.</seg> |
| <seg id="63">Also beschloss ich zum Schulbeginn im August, dass es jetzt reicht.</seg> |
| <seg id="64">Ich setzte mich vor dem schwedischen Parlament auf den Boden.</seg> |
| <seg id="65">Ich machte Schulstreik für das Klima.</seg> |
| <seg id="66">Manche Leute sagen, ich solle stattdessen zur Schule gehen.</seg> |
| <seg id="67">Manche Leute sagen, ich solle lernen, damit ich als Klimaforscherin "die Klimakrise lösen" kann. Aber die Klimakrise ist bereits gelöst.</seg> |
| <seg id="68">Wir kennen alle Fakten und die Lösungen.</seg> |
| <seg id="69">Wir müssen nur noch aufwachen und etwas ändern.</seg> |
| <seg id="70">Und warum soll ich für eine Zukunft lernen, die bald nicht mehr da ist, wenn niemand etwas tut, um diese Zukunft zu retten.</seg> |
| <seg id="71">Was bringt es, Fakten im Schulsystem zu lernen, wenn die wichtigsten Fakten, die von der Wissenschaft aus dem gleichen Schulsystem kommen, offensichtlich nichts für unsere Politiker und unsere Gesellschaft bedeuten?</seg> |
| <seg id="72">Einige Leute sagen, Schweden sei nur ein kleines Land und es spiele keine Rolle, was wir tun. Aber wenn ein paar Kinder weltweit Schlagzeilen machen können, nur weil sie einige Wochen nicht zur Schule gehen, stellen Sie sich vor, was wir zusammen tun könnten, wenn wir wollen.</seg> |
| <seg id="73">(Applaus)</seg> |
| <seg id="74">Jetzt sind wir fast am Ende meiner Rede und hier fangen die Meisten an, über Hoffnung zu reden: Solarmodule, Windkraft, Kreislaufwirtschaft und so weiter, aber ich werde das nicht tun.</seg> |
| <seg id="75">Es gab 30 Jahre lang Aufmunterungen und positive Ideen.</seg> |
| <seg id="76">Es tut mir leid, aber es funktioniert nicht.</seg> |
| <seg id="77">Hätte es funktioniert, wären die Emissionen inzwischen zurückgegangen. Sie sind es aber nicht. Ja, wir brauchen Hoffnung, sicher brauchen wir sie.</seg> |
| <seg id="78">Aber noch mehr als Hoffnung brauchen wir Taten.</seg> |
| <seg id="79">Sobald wir handeln, ist Hoffnung überall.</seg> |
| <seg id="80">Statt also nach Hoffnung zu suchen, suchen Sie nach Handlungsmöglichkeiten.</seg> |
| <seg id="81">Dann, und nur dann, wird Hoffnung kommen.</seg> |
| <seg id="82">Heute verbrauchen wir tagtäglich 100 Millionen Barrel Öl.</seg> |
| <seg id="83">Die Politik ändert daran nichts.</seg> |
| <seg id="84">Es gibt keine Regeln, das Öl im Boden zu lassen.</seg> |
| <seg id="85">Wir können die Welt nicht retten, indem wir die Regeln einhalten, denn die Regeln müssen geändert werden.</seg> |
| <seg id="86">Alles muss sich ändern. Und es muss heute beginnen.</seg> |
| <seg id="87">Vielen Dank.</seg> |
| <seg id="88">(Applaus und Jubel)</seg> |
| </doc> |
| </refset> |
| </mteval> |
|
|