000091_82_000000 ah hawkens der kleine sonderbare jäger tüchtiger kerl habe von ihm gehört die drei mögen mit uns kommen ich folgte dieser aufforderung indem ich sie zu uns winkte und erkundigte mich dann ihr kommt selbst mr white ist etwas wichtiges was ihr uns bringt 000091_82_000001 denn da jetzt friede zwischen den hiesigen stämmen herrscht kann es kein kriegskundschafter gewesen sein der kerl war außerordentlich unvorsichtig also sehr wahrscheinlich jung ja wieso 000091_82_000002 greift ihm doch mal in die brusttasche mr white da steckt ein blechernes dings worin ölsardinen gewesen sind die sardinen sind heraus aber dafür steckt etwas papiernes drin wird wohl sein privattagebuch sein wenn ich mich nicht irre in diesem wird es ganz anders lauten als hier in dem offiziellen bericht in dem er die faulheit seiner kollegen vertuscht 000091_82_000003 er hatte mich unter seinen schutz genommen und zwar wie einen menschen den man gar nicht erst danach fragen braucht ob er damit einverstanden ist ich war das greenhorn und er der erfahrene westmann dessen worte und taten für mich unfehlbar zu sein hatten 000091_82_000004 ich nehme an dass ihr noch betrunken seid und es mag also so sein als ob ihr nichts gesagt hättet ich betrunken ihr seid verrückt antwortete er jawohl betrunken denn wenn ich wüsste dass ihr nüchtern seid und die beschimpfungen mit überlegung ausgesprochen habt so wäre ich gezwungen euch wie einen buben zu boden zu schlagen verstanden 000091_82_000005 hatten unsere aufgabe aber noch nicht gelöst während die anderen sektionen meist schon nach hause zurückgekehrt waren hierfür gab es zwei gründe der erste grund lag in dem umstand dass wir eine sehr schwierige gegend zu bearbeiten hatten 000091_82_000006 wollt ihr euch nicht von bancroft verabschieden habe keine lust dazu aber ihr seid doch wohl gekommen um geschäftliches mit ihm zu besprechen allerdings 000091_82_000007 nun wohl ich heiße bancroft und bin oberingenieur der hiesigen sektion es hat mir kein mensch etwas zu befehlen am allerwenigsten aber ihr mister white es ist richtig dass wir uns vollständig gleichstehen antwortete dieser ruhig 000091_82_000008 unsere sektion aber lag zwischen dem kanadian und new mexiko und wir hatten die geeignete richtung also erst zu entdecken dazu waren zeitraubende ritte anstrengende wanderungen und viele vergleichende messungen nötig ehe wir an die eigentliche arbeit gehen konnten 000091_82_000009 neben ihm ritt ein jüngerer mann welcher nicht wie ein westläufer gekleidet war den hatte ich noch nicht gesehen ich ging ihnen entgegen als ich sie erreichte hielten sie ihre pferde an und der unbekannte fragte mich nach meinem namen als ich ihm denselben genannt hatte betrachtete er mich mit freundlich forschendem blicke und sagte 000091_82_000010 ich war als ehrlicher deutscher ihnen dabei ein hemmschuh dem sie die erst gezeigte gunst sehr bald entzogen ich ließ mich dies nicht anfechten und tat meine pflicht es war noch nicht viel zeit vergangen so machte ich die bemerkung daß es mit ihren kenntnissen eigentlich nicht sehr weit her war 000091_82_000011 sie warfen mir die schwierigsten arbeiten zu und machten sich das leben so leicht wie möglich dagegen hatte ich nichts einzuwenden denn ich bin stets der ansicht gewesen dass man um so stärker wird je mehr man leisten muss 000091_82_000012 seine zechgenossen hatten gleichen schritt mit ihm gehalten und waren nicht minder betrunken als er von dem beabsichtigen ritte konnte für jetzt keine rede sein die kerls taten was in diesem zustande stets getan hatten sie krochen hinter die büsche um auszuschlafen 000091_82_000013 bancroft wollte darüber dass man ihn im schlafe gestört hatte grob werden zeigte sich aber höflich als ich ihm sagte dass mr white von der nächsten sektion angekommen sei die beiden hatten sich noch nicht gesehen 000091_82_000014 bancroft war dem namen und dem auftrage nach der kommandierende und er gebärdete sich auch ganz so es zu sein doch kein mensch gehorchte ihm wenn er einen befehl erteilte so lachte man ihn aus dann fluchte er wie ich selten einen menschen habe fluchen hören und ging zum brandyfasse um sich für diese anstrengung zu belohnen 000091_82_000015 wenn ich ihn mores lehrte musste es besser wirken als wenn ich diesem zeigte dass ich kein feigling bin ich riss meinen arm aus seiner hand und entgegnete ich ein junge ein greenhorn widerruft das augenblicklich mr rattler sonst schmettere ich euch zu boden 000091_82_000016 sie können euch später leicht von großem nutzen sein und nun wollen wir die famosen gentlemen wecken er stand auf und schlug lärm die gentlemen kamen mit stieren augen und verstörten gesichtern hinter ihren büschen hervor 000091_82_000017 die zweite ursache lag in der zusammensetzung unserer gesellschaft ich habe erwähnt dass ich in st louis von dem oberingenieur und den drei surveyors sehr freundlich begrüßt worden sei diese aufnahme welche ich bei ihnen fand ließ mich ein gutes und erfolgreiches zusammenwirken erwarten darin sollte ich mich aber leider getäuscht haben 000091_82_000018 ich nicht ich habe ihnen nichts getan das ist wahr oder vielmehr es war bis vorhin wahr nun ihr aber zwei von ihnen niedergeworfen habt ist es aus zwischen euch und ihnen 000091_82_000019 werde ich nicht euch sondern sam hawkens fragen setzen wir uns hier nieder wir waren zu unserem zelte gegangen er setzte sich vor demselben in das gras und winkte uns dasselbe zu tun 000091_82_000020 er stieg vom pferde gab mir die hand und ließ sein auge suchend über unser lager schweifen als er die schläfer hinter den büschen und dann auch das branntweinfass erblickte ging ein verständnisvolles aber keineswegs freundliches lächeln über sein gesicht 000091_82_000021 die folge davon war daß die ganze gesellschaft mir in beziehung auf waffenführung und körperliche geschicklichkeit nichts zutraute was mich aber nicht im mindesten kränken konnte 000091_82_000022 eure lebensaufgabe scheint im brandyfasse zu stecken ich zähle hier sechzehn menschen welche alle betrunken waren als ich vor zwei stunden hier ankam und so vor zwei stunden fiel ihm bancroft in die rede so lange seid ihr schon hier 000091_82_000023 einer blickte den anderen fragend an ich warnte aber hört meine worte ihr leute wer einen schritt nach mir tut oder mit der hand nach der waffe greift bekommt augenblicklich eine kugel in den kopf 000091_82_000024 winnetou eins von karl may kapitel zwei teil eins klekih-petra wir befinden uns beinahe am ende des herrlichen nordamerikanischen herbstes und waren schon über drei monate in tätigkeit 000091_82_000025 kurz bevor wir aufbrachen um zurückzukehren bückte ich mich zum wasser nieder um mit der hand zu schöpfen und zu trinken da sah ich durch die kristallhelle flüssigkeit auf dem boden einen eindruck welcher von einem fuße herzurühren schien 000091_82_000026 habt ihr nun noch das herz euren rausch abzuleugnen ich hielt seinen arm noch fest in meiner hand er hatte gewiss nie geglaubt jemals vor mir angst haben zu müssen jetzt aber fürchtete er sich das sah ich ihm an 000091_82_000027 da fuhr bancroft zu mir herum und zischte mich an das habt ihr gesagt ihr und kein anderer leugnet es einmal ihr niederträchtiger lügner ihr heimtückischer verräter 000091_82_000028 er kam nicht weiter ich war monatelang geduldig gewesen und hatte diese leute nach ihrem belieben über mich denken lassen jetzt war der augenblick da ihnen zu zeigen daß sie sich in mir geirrt hatten 000091_82_000029 bancroft erklärte dass er diesen ritt selbst machen und einen der westmänner als führer mitnehmen wolle diese absendung einer nachricht war nicht die erste welche geschah denn wir hatten sowohl mit der hinter als auch mit der vor uns liegenden sektion in einem immerwährenden botenverkehr stehen müssen 000091_82_000030 er gab mir so oft sich zeit und gelegenheit bot theoretischen und praktischen unterricht in allem was man im wilden westen wissen und auch können muß und wenn ich heut der wahrheit nach sagen muß daß ich später an winnetous seite die hohe schule durchmachte so muß ich billig eingestehen 000091_82_000031 das erste war dass er ihm einen becher brandy anbot aber damit kam er an den unrechten mann white benutzte dieses anerbieten sofort als anknüpfungspunkt zu einer strafrede wie bancroft gewiss noch keine gehört oder gar selbst erhalten hatte 000091_82_000032 doch kann ich euch das auch sagen bei euch findet es sogar besseres verständnis als bei ihm vor allen dingen wollte ich ihn vor den roten warnen habt ihr welche gesehen 000091_82_000033 shatterhand old shatterhand ganz ähnlich wie old firehand der auch ein westmann ist stark wie ein bär was sagt ihr dazu dick will zu diesem namen 000091_82_000034 nichts weiter als dass ich hier einmal nach dem rechten sehen und mit euch grad mit euch reden wollte wir sind mit unserer sektion fertig ihr mit der eurigen noch nicht daran tragen die schwierigkeiten des terrains die schuld und ich will weiß weiß unterbrach er mich weiß leider alles 000091_82_000035 denn wir hätten die roten dadurch auf unsere spur gelenkt wir bezogen vielmehr alles was wir brauchten durch ochsenwagen aus santa fe leider war aber auch dieser transport auch ein sehr unsicherer und wir konnten wiederholt mit unseren messungen nicht vorwärts schreiten weil wir auf die ankunft der wagen warten mußten 000091_82_000036 wer es wagen sollte ihm auch nur ein haar zu krümmen dem schieße ich sofort ein loch in die gestalt ist mein voller ernst könnt es euch merken hihihihi dick stone und will parker hielten es für angezeigt sich auch neben mir aufzupflanzen um anzudeuten dass sie ganz der meinung von sam hawkens seien das imponierte den gegnern 000091_82_000037 nein das kann ich nicht dulden mr bancroft dieses kind hat seine ersten strümpfe noch nicht abgelaufen und will hier erwachsenen männern drohen sie verschänden und verleumden tu die hand von mr bancroft weg junge sonst zeige ich dir was für ein greenhorn du bist 000091_82_000038 allerdings ich hab mir die aufnahmen angesehen und mich darüber unterrichtet wer sie gemacht hat das ist ja das reine schlaraffenland hier gewesen während ein einziger und noch dazu der jüngste von euch allen die ganze arbeit zu bewältigen hatte 000091_82_000039 er konnte mich nicht leiden und nahm jetzt mit freuden die gelegenheit wahr dem grollen den er gegen mich hegte luft machen zu dürfen er trat schnell herbei fasste mich am arm so wie ich bancroft noch immer bei dem seinigen hatte und antwortete 000091_82_000040 wir mussten uns ungemein in acht nehmen und stets auf unserer hut sein wodurch unsere tätigkeit selbstverständlich außerordentlich erschwert und verlangsamt wurde in rücksicht auf diese indianer mussten wir darauf verzichten uns durch die erträgnisse der jagd zu ernähren 000091_82_000041 das war der name des dirigenten der westlich nächsten sektion zu welchem der bote hatte geschickt werden sollen dass er selbst kam musste einen grund haben 000091_82_000042 als wir dieser aufforderung nachgekommen waren begann er sam hawkens stone und parker auszufragen sie erzählten ihm alles ohne zur wahrheit ein überflüssiges wort zu fügen 000091_82_000043 infolgedessen wusste ich dass der vor uns befehligende ingenieur ein sehr tüchtiger mann war es war an einem sonntage früh als bancroft aufbrechen wollte er hielt es für nötig vorher einen abschiedstrunk zu tun an welchem sich alle beteiligen sollten ich allein wurde nicht dazu eingeladen 000091_82_000044 ja mag sein ich fürchte mich nicht vor ihnen und grad diese beiden fausthiebe haben mich in respekt gesetzt es wird sich nicht gleich jemand an mich wagen übrigens stehen mir hawkens stone und parker zur seite 000091_82_000045 die kiowas sind nicht zu fürchten denn mit ihnen haben wir uns wegen der bahn geeinigt die komanchen und apachen aber wissen noch nichts davon und so dürfen wir uns vor ihnen ja nicht sehen lassen 000091_82_000046 diese wendeten sich von mir ab murmelten unterdrückte flüche und drohungen in die bärte und beschäftigten sich dann angelegentlich mit den beiden gefallenen um sie zum bewusstsein zurückzubringen 000091_82_000047 und hawkens stone und parker folgten der an sie ergangenen aufforderung nicht der trunk zog sich wie ich gleich geahnt hatte so sehr in die länge dass er erst dann aufhörte als bancroft kaum mehr lallen konnte 000091_82_000048 meine kollegen waren echte yankees welche in mir das greenhorn den unerfahrenen dutchman sahen dieses letztere wort als schimpfwort genommen sie wollten geld verdienen ohne viel danach zu fragen ob sie ihre aufgabe auch wirklich gewissenhaft erfüllten 000091_82_000049 dieser hörte sie vor erstaunen wortlos eine weile an dann fuhr er auf den redner los fasste ihn am arm und schrie ihn an herr wollt ihr mir wohl gleich sagen wie ihr heißt 000091_82_000050 darum wendete er sich um hilfe an den anführer der zwölf westmänner die uns zur unterstützung beigegeben waren mr rattler dulden sie es dass dieser mensch sich an mir vergreift seid ihr nicht hier um uns zu beschützen 000091_82_000051 darum gab ich ihm mein tagebuch doch unter der bedingung daß er zu niemand von dem inhalt spreche er las es durch gab es mir dann zurück und sagte eigentlich sollte ich die blätter mitnehmen und an der betreffenden stelle abgeben 000091_82_000052 wäre ich so unklug gewesen einmal im gebieterischen tone zu sprechen so hätte der erfolg ganz gewiss in einem schallenden gelächter bestanden nein ich musste leise und vorsichtig verfahren 000091_82_000053 dann ritt white mit seinem scout weiter und wir blieben noch ein weilchen liegen um uns über religiöse dinge zu unterhalten hawkens war nämlich ein frommer mensch wenn er dies auch gegen andere nicht zutage treten ließ 000091_82_000054 sam wusste dass ich mir private aufzeichnungen gemacht hatte und sie in der leer gewordenen sardinenbüchse bei mir trug es war mir unangenehm dass er das sagte white bat mich ihm auch das zu zeigen 000091_82_000055 die bahn sollte durch die prärieen dem laufe des südlichen kanadian folgen die richtung war also bis zum quellgebiete desselben vorgezeichnet während sie von new mexiko an durch die lage der täler und pässe ebenso vorgeschrieben wurde 000091_82_000056 dazu hatte ich wohl einmal einen ruhetag verdient ich ging also zu bancroft in das zelt und sagte ihm dass ich heut nicht arbeiten sondern white mit sam hawkens ein stück begleiten würde 000091_82_000057 nein antwortete ihm white euer junger kollege hat als gentleman gehandelt und nur gutes über euch gesprochen er hat euch in schutz genommen und ich rate euch ihn um verzeihung zu bitten dass ihr ihn einen lügner und verräter nanntet 000091_82_000058 natürlich machte ich sam darauf aufmerksam er betrachtete den eindruck aufmerksam und sagte dann äh dieser mr white hatte ganz recht als er uns vor den indianern warnte 000091_82_000059 befehle von dem anderen anzunehmen hat keiner von uns beiden nötig aber wenn der eine sieht dass der andere das unternehmen an welchem beide arbeiten sollen schädigt so ist es seine pflicht den betreffenden auf seine fehler aufmerksam zu machen 000091_82_000060 ich bekam nicht zu hören was sie antworteten denn ich hatte meine aufmerksamkeit auf white zu richten welcher meine hand ergreifend und mich beiseite führend sagte 000091_82_000061 trotz aller vorhin erwähnten hindernisse waren wir schließlich doch so weit gekommen dass wir den anschluß an die nächste sektion nach verlauf von vielleicht einer woche erreichen konnten um dies dort zu melden musste ein bote abgesandt werden 000091_82_000062 ich ergriff bancroft beim arme drückte ihn so dass er vor schmerz den angefangenen satz unausgesprochen ließ und sagte mr bancroft ihr habt zu viel schnaps getrunken und nicht ausgeschlafen 000091_82_000063 sechs oder acht jahren nicht mehr ein greenhorn zu nennen braucht bis dahin mögt ihr euch mit der alten erfahrung trösten daß ein dummer es zuweilen ebenso weit oder wohl gar noch weiter bringt als ein gescheiter wenn ich mich nicht irre 000091_82_000064 sie sollten uns beschützen und bei unseren arbeiten hilfe leisten glücklicherweise kam volle drei monate lang nichts vor was mir veranlassung gegeben hätte mich in diesen sehr zweifelhaften schutz zu begeben 000091_82_000065 einige kurze augenblicke herrschte tiefes schweigen dann rief einer von rattlers kameraden all devils sollen wir ruhig zusehen wie so ein hergelaufener dutchman unsern anführer schlägt drauf auf den halunken 000091_82_000066 es kam vor dass er halbe tage lang total betrunken an der erde lag riggs marcy und wheeler die drei surveyors hatten ebenso wie auch ich den schnaps mit bezahlen müssen und sie tranken um ja nicht zu kurz zu kommen mit ihm um die wette 000091_82_000067 er sah alles sehr aufmerksam durch und als er mich danach fragte konnte ich nicht leugnen dass ich allein der zeichner und verfasser war denn keiner von den andern hatte einen strich getan oder einen buchstaben geschrieben 000091_82_000068 und weiße greenhorns pflegen sogar noch viel dümmer zu sein als rote könnt euch das mit merken sir er kicherte leise in sich hinein und stand dann auf um sein pferd zu besteigen der gute sam liebte es eben mir seine herzliche zuneigung dadurch zu verstehen zu geben dass er mich für dumm erklärte 000091_82_000069 ich als neuling hegte in der ersten zeit ganz bedeutenden respekt vor ihnen erkannte aber nur zu bald dass ich es mit leuten von sehr niederem moralischem rang zu tun hatte 000091_82_000070 ihr gefallt mir außerordentlich sir habt ihr keine lust mit mir zu gehen lust oder nicht mr white ich darf nicht warum weil meine pflicht mich hier bindet 000091_82_000071 ein erfahrener krieger tritt nicht mit dem fuß in ein wasser wie dieses hier wo die spur auf dem seichten grunde zurückbleibt und noch lange gesehen werden kann so eine dummheit kann nur von einem dummkopfe begangen werden der gerade so ein rotes greenhorn ist wie ihr ein weißes seid hihihi 000091_82_000072 während ich mit sam hawkens mich darüber beriet deutete er mit der hand nach westen und sagte wird nicht nötig sein dass ihr reitet sir könnt die botschaft den beiden mitgeben welche dort kommen 000091_82_000073 ricks marcy und wheeler handelten nicht viel anders da hätte nun wohl ich allen grund gehabt mich der zügel zu bemächtigen und ich tat dies auch doch so dass man es nicht bemerkte so ein junger unerfahrener mensch konnte von solchen leuten unmöglich für voll angesehen werden 000091_82_000074 diese aufforderung war an mich gerichtet er schüttelte mir bei derselben den arm das musste mir doch lieber sein denn er war ein stärkerer gegner als der oberingenieur 000091_82_000075 es hatte sich zwischen ihm und mir im stillen ein verhältnis herausgebildet welches ich am besten mit dem worte suzeränität oberlehnsherrlichkeit bezeichnen möchte 000091_82_000076 diese drei männer waren durch und durch ehrlich und dabei was ich dem kleinen sam bei unserem ersten zusammentreffen in saint louis nicht hatte ansehen können erfahrene kluge und kühne westläufer deren namen weithin einen guten klang besaßen 000091_82_000077 wir ritten munter in den schönen herbstmorgen hinein sprachen über das geplante großartige bahnunternehmen und über alles was uns auf dem herzen lag white gab mir die nötigen winke welche sich auf den anschluss an seine sektion bezogen und zu mittag machten wir an einem wasser halt um ein frugales mahl zu genießen 000091_82_000078 ungefähr so wie eine kluge frau welche ihren widerhaarigen mann zu lenken und zu leiten weiß ohne dass er eine ahnung davon hat ich wurde von diesen halbwilden schwer zu zügelnden westmännern täglich wohl zehnmal 000091_82_000079 als ich in die angegebene richtung blickte sah ich zwei reiter welche sich uns näherten es waren weiße und in dem einen erkannte ich einen alten scout welcher schon einige male bei uns gewesen war um uns von der nächsten sektion nachricht zu bringen 000091_82_000080 dann sprang ich schnell auf riss die beiden revolver aus dem gürtel und rief wer noch der mag kommen rattlers ganze bande hätte wohl nicht übel lust gehabt die niederlage ihrer beiden kameraden zu rächen 000091_82_000081 er sprang auf mich ein ich empfing ihn mit einem fußtritt in die magengegend dies ist ein sicheres mittel den gegner zum fall zu bringen nur muss man dabei sehr fest auf dem anderen beine stehen der kerl stürzte nieder in demselben moment kniete ich auf seinem leibe und gab ihm den betäubenden fausthieb an die schläfe 000091_82_000082 geht in des teufels namen und laßt euch von ihm die hälse brechen antwortete er und ich dachte nicht daß dieser rohe wunsch in kurzer zeit beinahe in erfüllung gehen würde 000091_82_000083 dennoch warf ich hier und da eine bemerkung ein um gewisse härten zu mildern und meine kollegen zu verteidigen doch verfehlte dies den beabsichtigten eindruck auf white er bat mich im gegenteil wiederholt diese meine bemühungen einzustellen da sie vollständig erfolglos seien 000091_82_000084 ja ich habe die verhältnisse hier so gefunden dass es mich nicht gelüsten kann länger als notwendig ist hier zu bleiben ja aber etwas essen müsst ihr doch ehe ihr aufbrecht sir ist nicht nötig wir haben in unsern satteltaschen was wir brauchen 000091_82_000085 um verzeihung bitten fällt mir nicht ein lachte bancroft höhnisch auf dieses greenhorn weiß kein dreieck von einem vierecke zu unterscheiden und bildet sich trotzdem ein surveyor zu sein 000091_82_000086 da stellte sich sam hawkens an meine seite und sagte und ich sam hawkens will euch auch warnen wenn ich mich nicht irre dieses junge deutsche greenhorn steht unter meinem ganz besonderen schutze 000091_82_000087 was mich betrifft so bin ich mit meiner sektion fertig und verlasse diese gegend macht dass ihr auch zu ende kommt der hiesige boden wird von tag zu tag gefährlicher für euch sattelt jetzt euer pferd und fragt sam hawkens ob er lust hat mitzukommen 000091_82_000088 sie hielten sich meist zu mir und zogen sich von den anderen zurück doch so dass diese sich nicht etwa beleidigt fühlen konnten besonders verstand es sam hawkens trotz seiner komischen eigentümlichkeiten dem was er wollte bei der widerspenstigen gesellschaft achtung zu verschaffen 000091_82_000089 bancroft wird es mit den drei anderen fertig machen ja aber wann und wie nein ich muss bleiben aber bedenkt dass dies gefährlich für euch ist warum das fragt ihr noch ihr müsst doch einsehen dass ihr euch diese leute spinnefeind gemacht habt 000091_82_000090 denkt meinetwegen von den greenhorns im allgemeinen was und wie ihr wollt von den deutschen greenhorns aber will ich euch beweisen dass ein einziges es recht gut mit zwölf solchen westmännern aufnimmt wie ihr seid 000091_82_000091 dieser vorschlag schien dem kleinen hawkens zu gefallen er kicherte fröhlich shatterhand hihihihi ein greenhorn und schon einen kriegsnamen und nun gar einen solchen ja wenn sam hawkens seine augen auf ein greenhorn wirft so kommt etwas dabei heraus wenn ich mich nicht irre 000091_82_000092 wir sind nicht vorwärts gekommen weil er alles verkehrt gemacht hat und uns aufgehalten hat und wenn er nun anstatt dies einzusehen und zuzugeben uns bei euch verleumdet und anschwärzt so 000091_82_000093 dann als er alles wusste forderte er mich auf ihm unsere zeichnungen und das tagebuch zu zeigen ich brauchte ihm diesen wunsch nicht zu erfüllen tat es aber dennoch weil ich ihn sonst beleidigt hätte und ich sah doch dass er es gut mit mir meinte 000091_82_000094 bancroft hielt es für das klügste nach dem zelte zu gehen und in demselben zu verschwinden white hatte mit großen verwunderten augen auf mich geblickt jetzt schüttelte er den kopf und sagte im tone ungekünstelten erstaunens 000091_82_000095 was soll ich anderes denken als dass ein roter hier gewesen ist also habt ihr keine angst fällt mir nicht ein ja wenigstens sorge auch nicht 000091_82_000096 nicht direkt sondern nur ihre fährten es ist jetzt die zeit in welcher die wilden mustangs und büffel südwärts ziehen da verlassen die roten ihre dörfer um zu jagen und fleisch zu machen 000091_82_000097 ja ha ihr kennt die roten nicht hoffe sie aber kennen zu lernen sie werden wohl grad so wie andere menschen sein nämlich die feinde ihrer feinde und die freunde ihrer freunde und da es nicht meine absicht ist sie feindlich zu behandeln so nehme ich an dass ich nichts vor ihnen zu befürchten habe 000091_82_000098 er war keineswegs ein schwacher mann aber der ausdruck meines gesichtes schien ihn zu erschrecken er wollte nicht sagen dass er noch betrunken sei getraute sich aber auch nicht seine beschuldigung aufrecht zu erhalten 000091_82_000099 wilar war mir noch der liebste von ihnen denn er hatte so viel verstand einzusehen dass ich mich für sie plagte ohne im mindesten dafür verpflichtet zu sein dass unsere arbeit unter diesen verhältnissen litt versteht sich ganz von selbst 000091_82_000100 als ich es dann so weit gebracht hatte dass die schlinge bei jedem wurf ihr ziel unfehlbar fasste freute er sich herzlich und rief aus schön so mein junger sir so ist recht doch bildet euch auf diesen lob ja nicht etwas ein ein schulmeister muss selbst den dümmsten jungen zuweilen loben wenn dieser nicht ganz und gar sitzen bleiben soll 000091_82_000101 aber sir das ist ja fürchterlich in eure finger möchte ich auf keinen fall geraten man sollte euch wahrhaftig shatterhand nennen weil ihr einen baumlangen und baumstarken menschen mit einem einzigen fausthiebe niederschmettert so etwas habe ich noch nie gesehen 000091_82_000102 aber aus diesem tagebuch ersieht man nicht wie viel oder wie wenig arbeit auf den einzelnen kommt sagte er ihr seid in eurer löblichen kollegialität viel zu weit gegangen da bemerkte hawkens mit pfiffigem gesichte 000091_82_000103 ihr habt so wenig geschick für solche sachen dass ich mich in eure seele hinein schämen müsste wenn diese kerls uns dabei sähen so nun wisst ihr es hihihihi nehmt es euch zu herzen 000091_82_000104 sie wurden stets in solcher entfernung vom lager vorgenommen dass man uns nicht beobachten konnte sam wollte es so und als ich ihn einmal danach nach dem grunde fragte antwortete er geschieht euch zuliebe sir 000091_82_000105 mr bancroft der oberingenieur war der unterrichtetste von ihnen leider aber stellte es sich heraus dass er den branntwein liebte es waren einige fässchen dieses verderblichen getränkes aus santa fe gebracht worden und seitdem beschäftigte er sich weit mehr mit dem brandy als mit den messinstrumenten 000091_82_000106 natürlich hatte sam lust eigentlich hatte ich heut arbeiten wollen aber es war sonntag der tag des herrn an welchem jeder christ selbst wenn er sich in der wildnis befindet sich sammeln und mit seinen christlichen pflichten beschäftigen soll 000091_82_000107 tja ich verantworte es das nutzt mir nichts wenn ich es nicht selbst verantworten kann ich bin hierher geschickt worden um diese sektion vermessen zu helfen und darf nicht fort weil wir noch nicht fertig sind 000091_82_000108 was sollte ich tun verdienten es meine kollegen dass ich mich für sie plagte ohne dank zu finden und dass ich dies dann auch noch verschwieg ich wollte ihnen keineswegs schaden aber auch nicht unhöflich gegenüber white sein 000091_82_000109 greenhorn genannt und doch richteten sie sich unbewusst nach mir indem ich sie bei der meinung ließ dass sie ihrem eigenen willen folgten hierbei hatte ich einen vorzüglichen beistand an sam hawkens und seinen beiden gefährten dick stone und will parker 000091_82_000110 eure kollegen sind ganz unfähige menschen denen kein einziger dollar mehr ausbezahlt werden sollte euch müsste man dreifach bezahlen doch wie ihr wollt nur mache ich euch darauf aufmerksam dass es gut für euch sein wird diese privatnotizen gut aufzuheben 000091_82_000111 und was ihre hilfeleistung betraf so konnte ich mit vollem rechte behaupten dass hier die zwölf größten faulenzer der vereinigten staaten sich ein stelldichein gegeben hatten wie traurig musste es unter solchen umständen mit der disziplin beschaffen sein 000091_82_000112 vor ungefähr zwei tagen wir würden seine spuren hier im grase sehen wenn es sich nicht während der zeit wieder aufgerichtet hätte ein kundschafter wohl ein kundschafter auf büffelfleisch ja 000091_82_000113 wenn ihr euch nicht dreifach angestrengt hättet stände bancroft noch da wo er angefangen hat das ist keineswegs der fall mr white ich weiß zwar nicht wie ihr zu der irrtümlichen ansicht gekommen seid dass ich allein fleißig gewesen sein soll doch es ist meine pflicht still sir still 000091_82_000114 es lässt sich denken dass auch diese gentlemen sich oft nicht in der besten verfassung befanden da ich keinen tropfen trank so war ich natürlich der arbeitsmann während sie sich in steter abwechslung zwischen dem trinken und dem ausschlafen ihres rausches hielten 000091_82_000115 was nun tun der bote musste fort und diese menschen schliefen nun jedenfalls bis weit in den nachmittag hinein es war am besten ich unternahm den ritt aber konnte ich fort ich war überzeugt dass bis zu meiner rückkehr nach voraussichtlich vier tagen von arbeit keine rede sein werde 000091_82_000116 ich war seit einigen tagen nicht in den sattel gekommen und mein rotschimmel wieherte freudig auf als ich ihm das zeug auflegte er hatte sich als ein vortreffliches pferd bewährt und ich freute mich schon im voraus darauf dies meinem alten gunsmith henry sagen zu dürfen 000091_82_000117 dass ich wenn sam hawkens nicht gewesen wäre mir wohl nicht die zeit genommen hätte mich in den fertigkeiten zu fügen welche ein prairiejäger besitzen muss übrigens hielten wir diese übungen geheim 000091_82_000118 und so oft er in seiner halb strengen und halb drolligen tonart etwas durchsetzte so geschah dies stets um mir zur erringung dessen was ich wollte behilflich zu sein 000091_82_000119 meint ihr sam dass diese spur von einem indianer herrührt ja von einem indianischen mokassin wie wird euch dabei zu mute sir gar nicht fi ihr müsst doch etwas denken oder fühlen 000091_82_000120 dass sam hawkens mein elementarlehrer gewesen ist er fertigte mir sogar höchst eigenhändig einen lasso an und erlaubte mir mich im werfen dieser gefährlichen waffe an seiner eignen kleinen person und seinem pferde zu üben 000091_82_000121 ihr mich lachte er so ein greenhorn ist wirklich so albern zu glauben dass er konnte nicht weiter reden denn ich schlug ihm die faust an die schläfe daß er steif wie ein sack niederstürzte und betäubt liegen blieb 000091_82_000122 er brachte dies scheinbar im größten ernste vor und ich nahm es mit demselben ernste hin wusste aber recht wohl wie ganz anders er es meinte von diesen unterweisungen waren mir besonders die praktischen willkommen denn die berufsarbeit nahm mich so in anspruch 000140_82_000000 unglück erst in kleinen auseinander geschmetterten stücken dort anzukommen man sah trotz der dunkeln farbe dass dem häuptling vor schreck das blut aus dem gesichte wich und er rief aus uff wie gut dass du es mir noch zur rechten zeit gesagt hast aber warum verwahrt ihr diese erfindung auf dem wagen auf dem sich doch vieles andere unserer 000140_82_000001 da oben wohnt der gute geist und hier auf der erde wachsen die pflanzen und die tiere welche er für die krieger der kiowas bestimmt hat hierauf tat er vier weitere züge und fuhr fort nachdem er den rauch nach norden süden osten und westen geblasen hatte 000140_82_000002 an ihnen wie mein maultier an dem baume an welchen ich es gebunden habe so wird es hängen bleiben allezeit wenn ich mich nicht irre ich habe gesprochen howgh das war nun freilich sam hawkens der listig lustige kleine mann der jedem dinge und jedem verhältnisse eine erträgliche seite abzugewinnen verstand seine rede wurde mit einem allgemeinen 000140_82_000003 welchen sie bei uns gewesen waren leicht zu uns finden können weil die spuren welche wir zurückgelassen hatten mehr als deutlich waren diese indianer zeigten kräftige kriegerische gestalten sie waren sehr gut beritten und alle ohne ausnahme mit gewehr messern und tomahawks bewaffnet ich zählte über zweihundert mann ihr anführer war von wirklich imposanten 000140_82_000004 nachdem sam sich entfernt hatte versuchte ich zu schlafen doch brachte ich es lange nicht dazu die lagergenossen waren ganz glücklich über das bevorstehende eintreffen der kiowas und behandeln dasselbe in einem so lauten gespräche dass es eine kunst war dabei einzuschlafen auch ließen mich meine eigenen gedanken nicht zur ruhe kommen 000140_82_000005 zu decken dann schlief ich endlich ein am nächsten morgen beteiligte ich mich mit doppeltem eifer an der arbeit weil ich gestern bei derselben gefehlt hatte da jeder sich mühe gab so rückten wir viel schneller vorwärts als sonst rattler hielt sich fern von uns er bummelte beschäftigungslos hin und her wurde aber von 000140_82_000006 dein auch wir deutschen bedienen uns dieses wortes nicht bloß zur bezeichnung des alters sondern oft auch als sogenanntes kosewort eine alte gute haut ein alter guter kerl braucht gar nicht alt zu sein man hört im gegenteile oft sehr jugendliche personen so nennen und auch noch eine andere bedeutung hat dieses wort es kommen gewöhnlichen verkehre ausdrücke vor wie ein alter 000140_82_000007 winnetou vor den kiowas warnen fiel ich ihm in die rede um himmels willen nicht rief er aus das würde uns nur schaden denn die apachen entkämen und wir behielten sie dann trotz der kiowas auf dem nacken nein sie müssen wirklich gefangen genommen werden und ihren tod vor augen sehen wenn wir sie dann wirklich befreien so müssen sie uns dankbar sein 000140_82_000008 kiowas gewesen sind um zu lauschen uff zwei ohren also zwei späher ja da muss ich augenblicklich zum häuptling zurück wir haben nur zweihundert krieger mitgenommen weil wir nicht mehr brauchen wenn die apachen nichts ahnen wenn sie es aber wissen so brauchen wir weit mehr meine brüder haben nicht alles reiflich überlegt intschu tschuna der 000140_82_000009 welch eine rede so ein ganz anders als diejenigen welche ich bisher gelesen hatte oder später so oft gehört habe dieser kiowa sagte ja hier mit offenen worten 000140_82_000010 sie werden nun eine ganze menge krieger versammeln um uns zu empfangen ich muss dies dem häuptling sagen damit er halten bleibt und noch mehr krieger nachkommen lässt werden sam und old shatterhand mit mir reiten ja so mögen sie rasch ihre pferde besteigen nur langsam ich habe vorher noch sehr notwendig mit dir zu reden das magst du mir unterwegs 000140_82_000011 der inhalt schien ihn anzuziehen denn er stieg vom pferde und in den wagen um das was sich auf und in demselben befand zu untersuchen oho meinte da sam hawkens welcher an meiner seite stand der scheint uns und unser eigentum als gute beute zu betrachten ehe er überhaupt ein wort mit uns gesprochen hat wenn ich mich nicht irre wenn er etwa glaubt dass sam hawkens so dumm ist sich den 000140_82_000012 allüdrian ein alter brummbär ein alter wortfänger ein alter faselhans hier dient alt als bekräftigungs oder gar als steigerungswort die eigenschaft welche durch das hauptwort ausgedrückt wird soll noch besonders bestätigt oder als in höherem grade vorhanden hervorgehoben werden grad so wird auch im wilden westen das wort old gebraucht einer 000140_82_000013 mitbringen wir zählen zwanzig weiße männer und werden euch natürlich helfen es wird euch also kinderleicht sein die apachen zu überwältigen wenn ihr dann die beiden häuptlinge in den händen habt ist dies grad so gut als ob der ganze stamm euch gehörte und ihr könnt fordern und verlangen was ihr wollt sieht mein bruder dies alles ein ja der plan 000140_82_000014 überreste wären dort von den geisterrossen vollends zermalmt und zertreten worden ein indianer welcher ohne skalplocke und medizin in die ewigen jagdgründe gelangt wird dort von den verstorbenen helden mit verachtung empfangen und hat während sie in allen indianischen genüssen schwelgen sich vor den augen dieser glücklichen zu verbergen das ist der glaube der roten 000140_82_000015 das habe ich erwartet denn du bist nicht nur ein tapferer sondern auch ein kluger mann die krieger der kiowas mögen einen halbkreis bilden und zeugen sein dass wir miteinander den rauch des friedens und der freundschaft austauschen so geschah es tangua und sam hawkens rauchten das calumet unter den bereits kurz beschriebenen zeremonien 000140_82_000016 nein ich werde mit dir reiten aber nicht zu tangua dem häuptlinge der kiowas sondern du wirst mich nach unserem lager begleiten mein bruder sam irrt sich da sehr nein höre was ich dir sage wollt ihr intschu tschuna den häuptling der apachen lebendig fangen uff rief der kiowa wie elektrisiert und seine leute spitzten die ohren und seinen sohn winnetou 000140_82_000017 und da war vorauszusehen dass gerade die beiden welche wir retten wollten sich am tapfersten wehren und also der todesgefahr am meisten ausgesetzt sein würden wie konnten wir das verhindern wenn sie sich nicht überwältigen nicht gefangen nehmen ließen so würden sie wie vorauszusehen war von den kiowas getötet dies durfte aber auf keinen 000140_82_000018 hawkens hatte so zuversichtlich von seinem plane gesprochen als ob ein misslingen desselben vollständig ausgeschlossen sei ich aber vermochte es nicht mich dieser meinung beizugesellen wir wollten winnetou und seinen vater befreien ob auch die anderen gefangenen apachen das war nicht gesagt worden sollten sie in den händen der kiowas bleiben während ihre beiden 000140_82_000019 bereiten welcher aus der friedenspfeife den duft der liebe und verbrüderung spendet ich hatte nämlich gelesen dass die indianer ihren mischtabak kinnikinnik nennen und brachte diese kenntnis heut schleunigst am richtigen platz an nun sog ich mir den mund zum zweiten mal voll von rauch und blies denselben gegen die 000140_82_000020 welche mit brandy bezahlen wollten und die kiowas förmlich auf den pferderaub hingewiesen hatten ich hätte wohl meinem herzen luft gemacht aber sam winkte mir sehr energisch zu und erkundigte sich mein bruder der fuchs ist also kundschafter ausgegangen ja wann folgen eure krieger nach sie sind um den ritt eines tages hinter uns 000140_82_000021 wirst du nicht tun denn du bist klug genug dir zu sagen dass die apachen die spuren deiner kundschafter finden und sich auf den kampf vorbereiten würden sie würden jeden schritt mit größter vorsicht tun und da fragt es sich sehr ob du sie in deine hände bekämst während sie nach dem plane den ich ausführen will ganz unvorbereitet von euch eingeschlossen und gefangen genommen werden können wenn ich mich nicht 000140_82_000022 wie es scheint keine guten helfershelfer kommen lassen dass er uns eingeschlossen hat lässt vermuten dass er uns mitsamt den apachen in die tasche stecken oder gar auffressen will dieser bissen sollte ihm aber schwer im magen liegen das versichere ich euch kommt mit hin zum wagen damit ihr hört wie sam hawkens mit solchen spitzbuben redet bin ein guter bekannter von tangua und er weiß wenn er mich 000140_82_000023 habt dadurch euch und uns in ihre gewalt gebracht ich bin neugierig was daraus werden wird nichts anderes als das was ich erwarte darauf könnt ihr euch verlassen der häuptling wollte uns freilich ausrauben und dann die apachen auf eigene faust empfangen nun aber muss er einsehen dass sie zu schlau sind sich in seiner weise fangen und niedermetzeln zu lassen wie ich ihm 000140_82_000024 ich bleibe hier gut so flieg in die luft sam wendet sich nach diesen worten ab und tat so als ob er sich entfernen wolle da aber kam der häuptling mit einem raschen sprunge vom wagen herunter fasste ihn am arm und rief in die luft fliegen warum redet sam hawkens solche worte um dich zu warnen vor was vor dem tod der dich ergriffen hätte wenn du nur noch einen augenblick da 000140_82_000025 ich möchte nicht bloß sondern ich werde es wirklich tun wenn er gefangen wird werde ich ihn befreien und wenn etwa gar die waffen gegen ihn gebraucht werden sollen so stelle ich mich auf seine seite und kämpfe für ihn das will ich euch offen und ehrlich sagen so das werdet ihr tun wirklich ja ich habe es einem sterbenden in die hand versprochen und ein solches gelöbnis ist mir der 000140_82_000026 ist ein sicheres zeichen dafür dass sie diese sache für höchst wichtig halten nun sind sie heim der ritt winnetous wird durch die leiche verzögert intschu tschuna ist vorausgeeilt und wird wenn es sein muss sein pferd totreiten um seine krieger schnell beisammen zu haben darum muss ich unsern häuptling ebenso schnell davon benachrichtigen mein bruder 000140_82_000027 warum sollen wir beide rauchen die wir doch schon brüder sind sam hawkens mag annehmen wir hätten das calumet für alle geraucht ganz wie du willst aber dann werden wir tun was uns beliebt und du wirst die apachen nicht in deine gewalt bekommen willst du sie etwa warnen fragte tangua indem seine augen gefährlich aufblitzten nein das 000140_82_000028 um geblieben wärest uff der tod ist auf dem wagen ja wo zeige ihn mir später vielleicht haben dir deine kundschafter nicht gesagt weshalb wir uns hier befinden ich habe es von ihnen erfahren ihr wollt einen weg für das feuerross der bleichgesichter bauen richtig so ein weg geht über flüsse und abgründe und durch felsen welche wir auseinander 000140_82_000029 ich schwur im stillen ihnen nie wieder etwas zu schenken was zum rauchen aber nicht zum essen da ist jetzt waren die formalitäten erfüllt und die roten in der besten stimmung sam begann also mit der frage meine brüder sagen dass das kriegsbeil zwischen ihnen und den mescalero apachen ausgegraben sei ich weiß nichts davon seit wie 000140_82_000030 uff uff uff belohnt leider beging er die freveltat nun mir das tönerne stinktier in die hand zu schieben ich war gezwungen in den sauren apfel zu beißen und nahm mir vor meine edle würde zu bewahren und die züge meines männlichen ernsten gesichtes zu beherrschen ich rauche sehr gern und mir ist nie im leben eine zigarre zu stark gewesen 000140_82_000031 stecken aber es war ihm anzusehen dass ihm in diesem augenblick eine einzige zigarre lieber war als tausend friedens- und kinnikinnikpfeifen da wir mit santa fe in verbindung standen von woher wir per ochsenwagen unsere bedürfnisse bekamen war es mir nicht schwer gewesen mich mit zigarren zu versorgen sie waren ziemlich billig und ich 000140_82_000032 ja himmelsgegenden der geruch war noch voller und komplizierter als vorhin ich glaubte ganz bestimmt dass noch zwei weitere bestandteile anzuführen seien nämlich kolophonium und abgeschnittene fingernägel nach dieser trefflichen entdeckung fuhr ich fort im westen ragt das felsengebirge empor und im ost 000140_82_000033 zog diesen genuss vor während die anderen sich mit brandy betranken ich hatte heute früh welche mitgenommen und mich weil wir womöglich auch erst morgen zurückkehren konnten gleich für zwei tage versehen also konnte ich den sichtlich ungeheuren appetit der roten stillen ich reichte jedem von ihnen eine zigarre hin der fuchs legte die pfeife sofort weg und 000140_82_000034 dass er die sämtlichen erzeugnisse des tier und pflanzenreiches als eigentum seines stammes ansehe und darum den raub nicht nur für sein recht halte sondern sogar als seine pflicht betrachte und ich sollte dieser leute freund nun sein aber wer unter die musikanten gerät muss mitblasen 000140_82_000035 hier aber haben wir einen wagen voll viktualien und sonstigen dingen welche für die roten großen wert besitzen das haben die kundschafter ihrem anführer gesagt und von diesem augenblick an war es beschlossene sache dass wir ausgeraubt werden sollten und nun hm nun sind wir sicher wenn es wahr wäre sollte es mich freuen ich denke dass es wahr ist ich kenne 000140_82_000036 und nehmen dann alles mit was wir von ihren tieren und sachen brauchen können das war ja schrecklich ich konnte mich nicht enthalten jetzt die frage einzuwerfen warum haben meine tapferen brüder die pferde der apachen haben wollen ich habe gehört dass der reiche stamm der kiowas viel mehr pferde besitzt als seine krieger brauchen der fuchs sah mir lächelnd 000140_82_000037 erschrocken gewesen umso mehr freuten sie sich nun als sie hörten dass diese unsere freunde und verbündete seien und wir nun wegen der apachen nicht länger sorge zu hegen brauchten wir konnten von den zweihundert kiowas umgeben und beschützt unsere arbeit fortsetzen überzeugt sein dass der erwartete überfall uns gar nichts schaden werde 000140_82_000038 häuptling der apachen ist ein sehr kluger krieger als er sah dass seine leute vier kiowas getötet hatten sagte er sich dass die kiowas den tod dieser leute rächen würden und machte sich auf euch zu beschleichen uff er selbst ja er und sein sohn winnetou uff auch dieser hätten wir das gewusst so wären diese beiden hunden gefangen worden 000140_82_000039 so nicht in dem meinigen steckte ich zog um selbst die erinnerung an den geschmack der pfeife zu vernichten eine zigarre aus der tasche und brannte sie an welch begierige augen richteten da die roten auf mich der fuchs öffnete den mund dass ich ihm die pfeife herausfiel als geschulter krieger hatte er die geistesgegenwart sie aufzufangen und wieder zwischen die lippen zu 000140_82_000040 von den pferdeherden der apachen und sagten uns dass sie für ein apachenpferd uns ebenso viele waren und brandy geben würden wie für ein kiowapferd da sind unsere krieger fort um apachenpferde zu holen also richtig wer war schuld an dem tode der bisher gefallenen und an dem blutvergießen welches nun bevorstand weiße pferdehändler 000140_82_000041 vorschlagen können er wusste ja wie sympathisch mir winnetou war denn ich hatte es ihm gesagt und ich wiederum wusste von ihm dass er dem jungen apachenhäuptling auch gewogen war alle meine bemühungen unterwegs an ihn zu kommen und ihn für auch nur kurze zeit von den kiowas abzubringen waren vergeblich ich wollte ihn ohne dass sie es hörten von seinem plan 000140_82_000042 ich denke dass du das wissen wirst ich weiß es aber was hat das mit dem tode der mich bedroht haben soll zu tun sehr viel und weit mehr als du ahnst hast du vielleicht gehört dass wir die felsen sprengen welche dem pfade unseres feuerrosses im wege stehen etwa mit dem pulver mit welchem ihr aus euern gewehren schießet nein die bleichgesichter 000140_82_000043 fällt mir nicht ein denn sie sind unsere feinde und wollen uns töten aber ich werde dir nicht sagen auf welche weise sie fangen kannst dazu brauche ich dich nicht ich weiß es selbst oho ist dir bekannt wann und aus welcher richtung sie kommen und wo wir auf sie treffen können ihr werdet es erfahren denn ich sende ihnen kundschafter entgegen das 000140_82_000044 dinge befinden sollen wir diese wichtigen pakete etwa auf die erde legen wo sie verderben und bei der geringsten berührung das größte unheil anrichten können ich sage dir sie sind selbst auf dem wagen da gefährlich genug wenn so ein paket platzt fliegt alles in die luft was sich in der nähe befindet auch die menschen natürlich auch die menschen und die tiere in einem 000140_82_000045 verteidigt hatten am liebsten hätte ich den spitzbuben dies ehrlich ins gesicht gesagt ich öffnete wohl auch schon den mund denn sam winkte mir warnend zu und fragte weiter wissen die apachen davon dass eure krieger gegen sie ausgezogen sind denkt mein bruder dass wir es ihnen gesagt haben wir fallen heimlich über sie her töten ihrer so viele wie wir töten können 000140_82_000046 unsere freunde sind es scheint aber dass ich mich geirrt habe wenn freunde sich treffen so begrüßen sie sich und rauchen die pfeife des friedens miteinander willst du das heute etwa unterlassen du hast doch schon mit dem fuchse meinem späher die pfeife geraucht nur ich und der weiße krieger der hier neben mir steht die andern aber nicht willst du diese nicht auch begrüßen 000140_82_000047 nicht diesen paketen nahe gewesen so nahe dass du wenn du nicht herabgesprungen wärest dich jetzt in diesem augenblicke schon in den ewigen jagdgründen befändest aber was wäre da von dir zu sehen keine medizin keine skalplocke nichts gar nichts als nur kleine fleisch und knochenstücke wie könntest du in solcher gestalt als großer häuptling in den ewigen jagdgründen herrschen deine 000140_82_000048 und stopfte sie mit einer mischung welche aus zerstoßenen roten rüben hanfblättern geschnittenen eicheln und sauerampfer zu bestehen schien versetzte sie in brand stand auf tat einen zug blies den rauch gen himmel und gegen die erde und sagte 000140_82_000049 auch mit aufzufressen er hatte sich mit dem fuchse dem anführer seiner kundschafter an der spitze der roten schar befunden und stieg als er bei uns anlangte nicht etwa ab um uns zu begrüßen sondern machte eine befehlende armbewegung auf welche wir von seinen leuten umzingelt wurden dann ritt er zu unserm wagen und hob die plane auf um hineinzublicken 000140_82_000050 ins gesicht und antwortete mein junger bruder old shatterhand ist über das große wasser herübergekommen und weiß also wohl noch nicht wie die menschen diesseits des wassers denken und leben ja wir haben viele pferde aber es kamen weiße männer zu uns welche pferde kaufen wollten so viele pferde wie wir nicht entbehren konnten da erzählten sie uns 000140_82_000051 bewegung und tat den ersten zug ja es stimmte die vorhin angegebenen ingredienzien nämlich rüben hanf eicheln und sauerampfer waren alle in dem pfeifenkopfe anwesend aber einen fünften hauptstoff hatte ich nicht genannt jetzt roch und schmeckte ich dass auch ein stückchen filzschuh dabei sein müsse ich blies den rauch auch gegen den himmel und gegen die 000140_82_000052 mir war nicht ganz wohl dabei dort angekommen fragte sam in warnendem tone hat der berühmte häuptling der kiowas lust in einigen augenblicken in die ewigen jagdgründe zu gehen der gefragte welcher uns den rücken zukehrte richtete sich aus seiner gebückten haltung auf drehte sich zu uns herum und antwortete grob 000140_82_000053 von dem wir umgeben gewesen waren auseinander und die reiter stiegen von ihren pferden wir waren also nicht mehr umzingelt tangua zeigte jetzt eine weniger finstere miene als vorher ich habe mit meinen kriegern beraten sagte er sie sind mit mir einverstanden dass ich das calumet mit meinem bruder sam rauche das soll dann für alle gelten 000140_82_000054 kiowas wurden gastlich behandelt bekamen tüchtig bärenfleisch zu essen und ritten dann fort sie wollten die ganze nacht unterwegs sein um den ihrigen die botschaft so bald wie möglich zu bringen dann erst als sie fort waren kam sam zu mir legte sich neben mich hin und sagte in seinem gewöhnlich überlegenen tone ihr macht heut abend gar kein gutes gesicht sir muss eine störung zu 000140_82_000055 wie ich intschu tschuna beurteile ist er nicht etwa mit winnetou einstweilen bloß auf kundschaft gewesen sondern hat inzwischen rüsten und seine krieger ausrücken lassen die sind jedenfalls schon ein tüchtiges stück vorgedrungen und da er wie auch winnetou die ganze nacht hindurch reitet vermute ich dass er schon morgen früh oder vormittag auf sie trifft sonst würde er sein pferd nicht so anstrengen 000140_82_000056 rodest du nicht mehr in der erde seit der zeit welche die bleichgesichter zwei wochen nennen mein bruder sam wird sich in einer abgelegenen gegend befunden haben so dass er es nicht erfahren konnte das ist richtig die völker lebten aber doch in frieden was ist der grund dass meine brüder zu den waffen gegriffen haben die hunde von apachen haben vier von unseren kriegern getötet 000140_82_000057 die körner ihres maises mögen wie kürbisse sein und ihre kürbisse so groß daß man aus der schale eines einzigen zwanzig kanoes schneiden kann ich habe gesprochen howgh mir verursachte es keine unbezahlbaren ausgaben ihnen diese herrlichkeiten zu wünschen sie aber freuten sich darüber als ob sie sie wirklich bekommen hätten 000140_82_000058 haben eine andere erfindung gemacht mit welcher sie ganze berge zersprengen können richtig und diese erfindung haben wir auf diesem wagen sie ist zwar gut eingepackt aber wer nicht weiß wie so ein paket angefasst werden soll der ist verloren sobald er es berührt denn es zerplatzt in seiner hand und zerschmettert ihn in tausend kleine stücke uff uff rief er aus nun sichtlich erschrocken 000140_82_000059 hieran fügte er die bemerkung ich wunderte mich die beiden häuptlinge allein zu sehen und nahm an dass sie sich auf der büffeljagd befänden und sich für kurze zeit von ihren kriegern getrennt hätten nun aber weiß ich sehr genau woran ich bin die beiden apachen sind bei euch gewesen um zu kundschaften und dass sie die obersten der apachen diesen ritt selbst gemacht 000140_82_000060 ich habe sogar den famosen dreimännertabak geraucht welcher diesen namen seinem fürchterlichen geschmacke verdankt wer ihn raucht muss wenn er nicht umfallen will von drei männern festgehalten werden ich konnte also erwarten dass mich auch diese indianische friedensröhre nicht über den haufen werfen werde ich erhob mich also machte mit der linken hand eine zur andacht auffordernde 000140_82_000061 berühmtesten prairiejäger war old firehand nahm er seine büchse einmal in die hand so war das feuer derselben stets todbringend daher der kriegsname feuerhand das vorangesetzte old sollte diese treffsicherheit besonders hervorheben auch dem namen shatterhand den ich bekommen hatte wurde später stets dieses old beigegeben 000140_82_000062 seinen westmännern ganz freundlich behandelt als ob gar nichts vorgekommen wäre dies brachte mich zu der überzeugung dass wir falls es noch einmal zu einem konflikt mit ihm kommen sollte wenig auf sie rechnen könnten am abend hatten wir obgleich das terrain heut schwieriger als während der letzten tage gewesen war eine fast doppelt so lange strecke als 000140_82_000063 irre ich sah dass diese darlegung ihren eindruck nicht verfehlte tangua erklärte nach einer kurzen pause des nachdenkens ich werde mit meinen kriegern sprechen darauf entfernte er sich von uns er ging zu dem fuchse winkte noch einige rote zu sich hin und dann sahen wir wie sie sich berieten 000140_82_000064 kreis welcher zehnmal hundert pferdelängen beträgt da muss ich meinen kriegern sagen dass keiner von ihnen sich diesem gefährlichen wagen nähern soll tue das ich bitte dich darum damit wir nicht alle zusammen wegen einer unvorsichtigkeit zugrunde gehen müssen du siehst wie besorgt ich für euch bin weil ich denke dass die krieger der kiowa 000140_82_000065 hat auch seine guten seiten hihihi also ihr seid mir wieder gut ja alter sam so legt euch auf die ohren und schlaft bald ein morgen gibt es viel zu tun ich will nun stone und parker unterrichten damit auch sie wissen woran sie sind war er nicht ein lieber guter kerl dieser alte sam hawkens übrigens wenn ich alt sage so ist das nicht 000140_82_000066 bruder sam ist sehr gut wenn der häuptling ihn erfährt wird er sich freuen und wir werden schnell danach handeln so wollen wir aufbrechen und schnell reiten damit wir noch vor nacht das lager erreichen wir stiegen auf die pferde die nun ausgeruht hatten und flogen im galopp davon diesmal hüteten wir uns der fährte wieder direkt zu folgen wir ritten geradeaus und ersparten uns 000140_82_000067 ankamen ich stieg vom pferde schirrte es ab und legte mich missmutig ins gras denn ich musste einsehen dass es jetzt zu einem meinungsaustausch mit sam nicht bringen könne er hatte alle meine winke unbeachtet gelassen und erzählte jetzt den lagergenossen wie wir den kiowas begegnet waren und was nun geschehen sollte sie waren anfangs über das erscheinen der 000140_82_000068 erde und sagte dann vom himmel kommt der sonnenstrahl und der regen von ihm kommt jede gute gabe und aller segen die erde empfängt die wärme und nässe und spendet dafür den büffel und den mustang den bären und den hirsch den kürbis den mais und vor allem die edle pflanze aus welcher die klugen roten männer den 000140_82_000069 und ihre rache aufgeben höchstens werden sie nur rattlern von uns fordern und den würde ich ihnen nicht verweigern was sagt ihr nun ihr zorniger gentleman ich reichte ihm die hand und antwortete ich bin vollständig beruhigt mein lieber sam das habt ihr sehr gut ausgedacht nicht wahr der sam hawkins soll zwar wie ein gewisser jemand gesagt hat feldmäuse gefressen aber 000140_82_000070 übermorgen abend kann er dann schon wieder hier sein da seht ihr in welcher gefahr wir uns befinden und wie nahe sie uns ist wie gut also dass wir ihm nachgeritten sind ich hätte ihn auf keinen fall so bald zurückerwartet und wie gut daß wir die kiowas getroffen und von ihnen alles erfahren haben die holen ihre zweihundert reiter her und ich werde 000140_82_000071 meine rede war die geistreichste die ich in meinem leben gehalten habe und so wurde sie denn auch mit einem jubel aufgenommen welcher in anbetracht der von den indianern stets bewahrten kalten ruhe gewiss beispiellos war so viel hatte ihnen noch kein mensch am allerwenigsten ein weißer gewünscht und gar schenken wollen darum wollten die immer wiederkehrenden anerkennenden 000140_82_000072 die seinige an seine leute verfuhren aber anders sie steckten die zigarre nicht bloß mit der spitze in den mund sondern sie schoben sie ganz hinein um zu kauen der geschmack der menschenkinder ist verschieden ein altes wort sagt der eine habe ihn vorn der andere hinten jetzt sah ich dass dieses wort wirklich wahr ist denn die kiowas hatten ihn hinten 000140_82_000073 dazu uff uff ist das denn möglich es ist sehr leicht ich kenne meinen bruder sam sonst würde ich glauben auf seiner zunge wohne jetzt ein scherz den ich nicht dulden darf pah ich spreche im ernst ihr könnt den häuptling und seinen sohn lebendig fangen wann ich glaubte in fünf sechs oder sieben tagen nun aber weiß ich dass es viel früher geschehen kann 000140_82_000074 der fuchs reichte sam die unfriedliche friedenspfeife hin der mann tat wacker seine sechs züge und sagte der große geist achtet nicht auf die verschiedene haut der menschen denn die können sich mit farbe beschmieren um ihn zu täuschen sondern er sieht das herz an die herzen der krieger vom berühmten stamme der kiowas sind tapfer unerschrocken und treu das meinige hängt 000140_82_000075 von wem werden sie angeführt von tangua dem tapferen häuptling selbst wie viel krieger hat er bei sich zweimal hundert und ihr glaubt die apachen zu überraschen wir werden über sie kommen wie der adler über die krähen die ihn nicht gesehen haben mein bruder irrt die apachen wissen es dass sie von den kiowas überfallen werden sollen der 000140_82_000076 hawkens hat gar wohl bemerkt dass ihr unterwegs gern mit ihm reden wolltet durfte aber nicht sein hätte mir meinen ganzen schönen plan zu schanden machen können bin ein ganz anderer kerl und meine es auch ganz anders als es scheint will nur nicht jeden in meine karten gucken lassen hihihi kann euch es mitteilen werdet ihr mithelfen und dick stone und will parker auch wenn ich mich nicht irre 000140_82_000077 warum stören mich die bleichgesichter mit dieser albernen frage tangua wird einst in den ewigen jagdgründen als großer häuptling herrschen aber es muss noch eine lange zeit vergehen ehe er den weg dorthin macht diese zeit wird vielleicht nur eine minute sein warum steig herab vom wagen so werd ichs dir sagen aber mach ja schnell 000140_82_000078 weg und auf einen andern führen aber er schien dies zu ahnen und wich nicht von der seite des anführers der kundschafter dies machte mich noch zorniger auf ihn und wenn ich der ich nicht die geringste anlage zur launenhaftigkeit besitze jemals bei schlechter laune gewesen bin so war es an jenem tage als wir in der dämmerung im lager 000140_82_000079 der würde der handlung voll bewußt gewesen hier und heut aber hatte sie mich gleich von vornherein angewidert und dann war mir bei sams herzen das wie ein maultier am baume hing die prozedur gar drollig erschienen meine hand stank nach der pfeife und meine ganze seele jubelte im stillen darüber dass sie nun im munde des häuptlings 000140_82_000080 denkbarer sammlung weiter zu genießen das war meine erste heilige handlung bei den indianern denn das rauchen der friedenspfeife wird bei ihnen in wirklichkeit als eine feierlichkeit betrachtet welche sehr ernste gründe und ebenso ernste folgen hat wie oft habe ich später das kalumet rauchen müssen und bin mir dabei des einst 000140_82_000081 ich kann es ich kann es darauf dürft ihr euch verlassen so sagt einmal sam wie euch winnetou gefallen hat ausgezeichnet euch doch auch und ihr wollt ihn in das verderben stürzen wie hängt das zusammen ins verderben ich ihn das ist dem sohne meines vaters gar nicht eingefallen aber er soll gefangen werden allerdings und das wird sein verderben 000140_82_000082 entweder der verdauung oder der seelischen eingeweide hihihihi welches von beiden wird wohl das richtige sein glaube das letztere nicht allerdings antwortete ich nicht eben freundlich so taut euer herz auf und sagt mir woran es ist werde euch kurieren sollte mir lieb sein wenn ihr das könnt sam aber ich zweifle daran 000140_82_000083 es gesagt habe würden sie die spuren seiner kundschafter die er ihnen entgegenschicken müsste entdecken und dann könnte er warten bis sie ihm wie blinde prairiehühner in die hände liefen jetzt sind sie fertig und er kommt nun wird es sich entscheiden die entscheidung sahen wir schon ehe er sich uns ganz genähert hatte denn auf einige zurufe des fuchses zog sich der kreis der 000140_82_000084 also die umwege ich muss sagen dass ich von sams verhalten gar nicht erbaut war sondern mich vielmehr über dasselbe ärgerte winnetou der edle winnetou sollte mit seinem vater und mit einer schar von wohl fünfzig kriegern in eine falle gelockt werden wenn dies gelang dann waren diese beiden und ihre apachen verloren wie hatte hawkens dies 000140_82_000085 und dann gingen wir weiße alle von einem roten zum anderen um ihm die hand zu geben hierauf konnten wir annehmen dass sie wenigstens für heut und die nächsten tage keine feindseligen absichten mehr gegen uns hegten wie und was sie später denken und tun würden das konnten wir freilich nicht wissen 000140_82_000086 uff uff gar kein ende nehmen der fuchs drückte mir wiederholt die hand versicherte mich seiner freundschaft für alle zeiten und riss bei seinen howgh howgh den mund so weit auf dass es mir glückte die friedens und ingredienzienpfeife loszuwerden indem ich sie ihm zwischen die langen gelben zähne schob er schwieg sofort um den inhalt in dankbarer 000140_82_000087 diese leute brillanter gedanke von mir diesem kerl weiszumachen dass wir so eine art giantpowder hier auf dem wagen haben hihihihi er sah alles was sich darauf befand schon als gute sichere prise an sein erster schritt war ja gleich hinauf jetzt bin ich überzeugt dass kein roter es wagen wird etwas davon anzurühren ja ich hoffe sogar dass uns 000140_82_000088 wo am rio pecos da stehen doch nicht eure zelte aber diejenigen der mescaleros was wollten eure krieger dort der kiowa besann sich keinen augenblick der wahrheit gemäß zu antworten es zog eine schar von unsern kriegern aus um des nachts die pferde der mescalero apachen zu überfallen diese stinkenden hunde aber 000140_82_000089 häuptlinge gerettet wurden das kam mir wie ein unrecht vor aber die befreiung sämtlicher apachen konnten uns vier männern wohl schwer oder gar nicht gelingen besonders da es so heimlich geschehen musste dass kein verdacht auf uns fallen konnte und auf welche weise würden die apachen in die hände der kiowas geraten so fragte ich mich ohne kampf wohl nicht 000144_686_000000 ich bin zweifelhaft ob seine körperliche erscheinung das ist was wir wahr nennen soviel ist gewiss dass niemand die gewöhnlichen funktionen des lebens bei ihm bemerkt hat 000144_686_000001 bezeichneter herausgeber gedachte sich sehr gut mit dem der fürst der baron und so weiter herauszuhelfen nun aber der alte maler die geheimnisvollen verwickeltsten familienverhältnisse ins klare stellt sieht er wohl ein dass er mit den allgemeinen bezeichnungen nicht vermag ganz verständlich zu werden 000144_686_000002 und oft wenn ich zum tode matt auf dem harten lager schlaflos lag umwehte es mich wie mit engelsfittichen und ich sah die holde gestalt der lebenden aurelie die himmlisches mitleiden im auge voll tränen sich über mich hinbeugte 000144_686_000003 aber nun malte er vom geiste getrieben allerlei figuren ringsumher die sich wunderbarlich zusammenfügten um das martyrium der heiligen darzustellen francesko war in sein bild ganz und gar versunken oder vielmehr das bild war selbst der mächtige geist worden 000144_686_000004 er malte die kirche so wunderbarlich aus daß er wohl einsah wie der geist der gnade in ihm zu wirken beginne trost des himmels floß in seine seele 000144_686_000005 es hatte aber nur wenige augenblicke gedauert als er wieder hereintrat und sagte ei seht doch nur ich bin ja selbst schon der arzt der jenen siechling dort heilen will 000144_686_000006 nun wusste francesko wer die frauen waren und wollte den anderen morgen seine pilgerfahrt beginnen aber noch am abende desselben tages fand ihn nach vielem mühen ein diener zenobios auf einjähriges gehalt auszahlte und ihn einlud an den hof seines herrn 000144_686_000007 gehe erkräftige dich und fühlst du dich wie ich glaube dass es in wenigen tagen geschehen wird im geiste aufgerichtet so erhältst du von mir des fremden malers wunderbares buch 000144_686_000008 statt wie sonst in den kirchen und klöstern sich an den herrlichen bildern der alten frommen meister zu erbauen und sie mit künstlerischer andacht aufzunehmen in sein inneres zeichnete er emsig die gestalten der lügnerischen heidengötter nach 000144_686_000009 ich tat nach dem willen des priors ich aß mit den brüdern ich unterließ die kasteiungen und beschränkte mich auf inbrünstiges gebet an den altären der heiligen 000144_686_000010 und um den nackt gezeichneten körper legten in anmutigen falten sich züchtige gewänder ein dunkelrotes kleid und ein azurblauer mantel die kapuzinermönche hatten in dem schreiben an den maler francesko nur des bildes der heiligen rosalia gedacht 000144_686_000011 und dies pergament mit kleiner beinahe unleserlicher schrift beschrieben die da sich darin eine ganz seltsame hand kundtat meine neugierde nicht wenig reizte 000144_686_000012 aber als sie dann wacker zu zechen begannen und dem francesko wein darboten da wollte dieser nicht trinken und nicht teilnehmen an dem gelage der wilden brüder unerachtet sie frau venus hochleben ließen 000144_686_000013 er müsste den einfachen chroniken choral des malers mit allerlei erklärungen und zurechtweisungen wie mit krausen figuren verschnörkeln und verbrämen ich trete in die person des herausgebers und bitte dich günstiger leser du wollest ehe du weiter liesest folgendes dir gütigst merken 000144_686_000014 die fürstliche familie aus der jener oft genannte francesko abstammte lebt noch in italien und ebenso leben noch die nachkömmlinge des fürsten in dessen residenz sich medardus aufhielt 000144_686_000015 die wehmutter kam mit ihrer dienerin ihr folgte der arzt als sie nun aber dem weibe hülfe leisten wollten schauderten sie entsetzt zurück denn das weib war zum tode erstarrt hals und brust durch blaue garstige flecke verunstaltet 000144_686_000016 die elixiere des teufels von e t a hoffmann teil zweiundzwanzig gelesen von thomas rappel ich stürzte auf die knie ich hob meine hände betend empor tiefe seufzer entflohen der brust tränen quollen aus den augen 000144_686_000017 und das erste was mir ins auge fiel waren die in umrissen angedeuteten und dann in licht und schatten ausgeführten zeichnungen der freskogemälde in der heiligen linde 000144_686_000018 er floh ohne des knäbleins in der höhle zu gedenken von dannen und lebte da er nicht mehr zu malen vermochte im tiefen jammervollen elend 000144_686_000019 ohne sich dessen deutlich bewusst zu sein hatte er das neugeborene knäblein in den mantel gewickelt und mit sich genommen voll wilden ingrimms wollte er das von dem teuflischen weibe ihm geborene kind an den steinen zerschmettern aber indem er es in die höhe hob stieß es klägliche bittende töne aus 000144_686_000020 schon zwei tage und zwei nächte hatte es francesko so getrieben am dritten tag als er wie eine erstarrte bildsäule vor dem bilde stand ging die türe seines gemachs auf und es rauschte hinter ihm wie mit weiblichen gewändern er drehte sich um und erblickte ein weib das er für das original seines bildes erkannte 000144_686_000021 waren meine träume meine ahnungen nur deutlich bestimmt in scharfen zügen dargestellt wie ich es niemals zu tun vermochte eingeschaltete anmerkung des herausgebers 000144_686_000022 es stieg ein seltsamlicher duft aus der flasche der die jünglinge betäubte so dass sie wie von schläfrigkeit übernommen in die sessel sanken und die augen schlössen aber francesko riss in wilder wut verhöhnt zu sein als ein ohnmächtiger schwächling die flasche dem doktor aus den händen und trank in vollen zügen 000144_686_000023 und der geist der kunst hatte sich seiner so ganz und gar bemächtigt dass er nichts anders denken konnte daher hielt er auch die kunst höher als alle ehre und pracht auf erden und alles übrige tun und treiben der menschen erschien ihm als ein klägliches bemühen um eitlen tand 000144_686_000024 wir ich meine dich und mich mein günstiger leser wissen aber viel zu wenig deutliches von den ahnungen und träumen des bruders medardus als dass wir ohne zu lesen was der maler aufgeschrieben auch nur im mindesten das band zusammenzuknüpfen vermöchten welches die verworren auseinanderlaufenden fäden der geschichte des medardus 000144_686_000025 ganz von der falschen trügerischen pracht des heidentums verführt bildeten die jünglinge an deren spitze francesko stand einen geheimen bund in dem sie das christentum auf frevelige weise verspottend die gebräuche der alten griechen nachahmten und mit frechen dirnen verruchte sündhafte feste feierten 000144_686_000026 francesko malte in unheiliger begeisterung viele bilder aus der lügenhaften fabelwelt keiner als er vermochte die buhlerische üppigkeit der weiblichen gestalten so wahrhaft darzustellen indem er von lebenden modellen die karnation von den alten marmorbildern aber form und bildung entnahm 000144_686_000027 der ihn mit starken armen umfasste und emporhielt über das frevelige weltleben das er bisher getrieben nicht zu vollenden vermochte er aber das gesicht der heiligen und das wurde ihm zu einer höllischen qual die wie mit spitzen stacheln in sein inneres gemüt bohrte 000144_686_000028 und die jünglinge sehr lachten und riefen ei seht doch was der doktor für gelehrte gesichter zu schneiden vermag der doktor näherte sich dem kranken francesko und sprach mit rauher stimme und verhöhnendem ton 000144_686_000029 alles wird sich lieber leser nun klärlich dartun wenn du diese wenigen vornamen und buchstaben im sinn behältst es folgt nunmehr statt der fortsetzung der geschichte das pergamentblatt des alten malers 000144_686_000030 auch sah ich ihn niemals schreiben oder zeichnen unerachtet im buch worin er nur zu lesen schien jedesmal wenn er bei uns gewesen mehr blätter als vorher beschrieben waren seltsam ist es auch dass mir alles im buche nur verworrenes gekritzel undeutliche skizze eines phantastischen malers zu sein schien 000144_686_000031 in dem fernen preußen ist der jungfrau maria da wo die engel des herrn ihr bildnis auf einen lindenbaum niedersetzten eine kirche erbaut worden die noch des schmuckes der malerei entbehrt 000144_686_000032 er gedachte die heilige nackt und in form und bildung des gesichts jenem venusbilde gleich darzustellen der entwurf geriet über die maßen wohl und die freveligen jünglinge priesen hoch franceskos verruchten einfall den frommen mönchen statt der christlichen heiligen ein heidnisches götzenbild in die kirche zu stellen 000144_686_000033 da sprach einer unter ihnen der törichte maler ist wohl wirklich in seinen gedanken und gliedmaßen krank und ich muss nur einen doktor herbeiholen er warf seinen mantel um steckte seinen stoßdegen an und schritt zur türe hinaus 000144_686_000034 camilo fürst von p tritt als stammvater der familie auf aus der francesko des medardus vater stammt theodor fürst von w ist der vater des fürsten alexander von w an dessen hofe sich medardus aufhielt 000144_686_000035 da gedachte er dass vor langer zeit ihm ein kapuzinerkloster aufgetragen hatte für einen hohen preis das bild der heiligen rosalia zu malen und er beschloss das werk das er aus abscheu gegen alle christliche heiligen nicht unternehmen wollte nun schnell zu vollenden um das geld zu erhalten 000144_686_000036 den zusammenhang deiner eignen seltsamen schicksale die dich bald in eine höhere welt wunderbarer visionen bald in das gemeinste leben versetzten wirst du erfahren man sagt das wunderbare sei von der erde verschwunden ich glaube nicht daran die wunder sind geblieben 000144_686_000037 er half dem alten manch wichtiges großes werk vollenden und es geschah dass der schüler sich hinaufschwingend zu der höhe des meisters berühmt wurde und manches altarblatt für kirchen und klöster malen musste 000144_686_000038 so wie der berg vesuv in wildem brausen verzehrende flammen aussprüht so tobte es jetzt in feuerströmen heraus aus franceskos innern alle heidnischen geschichten die er jemals gemalt sah er vor augen als ob sie lebendig worden und er rief mit gewaltiger stimme 000144_686_000039 als er wieder nur etwas weniges seiner sinnen mächtig worden richtete er sich mühsam in die höhe er wagte jedoch nicht nach dem bilde das ihm so schrecklich worden hinzublicken sondern schlich mit gesenktem haupte nach dem tische auf dem des doktors weinflasche stand aus der er einen tüchtigen zug 000144_686_000040 wie in einen knoten einigt ein besseres gleichnis übrigens ist es dass uns der fokus fehlt aus dem die verschiedenen bunten strahlen brachen das manuskript des seligen kapuziners war in altes vergilbtes pergament eingeschlagen 000144_686_000041 er sah auch das bild in den altar eingefugt doch bemerkte er bei näherer betrachtung dass es nur eine kopie seines gemäldes war das original hatten wie er erfuhr die mönche nicht behalten mögen wegen der sonderbaren gerüchte die man von dem entflohenen maler verbreitete aus dessen nachlass sie das bild bekommen 000144_686_000042 die üppige lebensart die sie mit francesko führte war allen ein gräuel gewesen und es stand daran dass man ihr sündhaftes beisammensein ohne priesterliche einsegnung den geistlichen gerichten anzeigen wollte 000144_686_000043 blutete auch meine herzenswunde fort wurde auch nicht milder der schmerz der aus dem innern heraus mich durchbohrte so verließen mich doch die entsetzlichen traumbilder 000144_686_000044 nun als sie die gräßlich entstellte tote sahen war es allen gewiß daß sie im bündnis mit dem teufel gelebt der sich jetzt ihrer bemächtigt habe 000144_686_000045 als er erklärte dass ein fürst von allem glanz des throns umstrahlt ihm nur ein elendiglich wesen dünke gegen einen tüchtigen maler und dass die größten kriegestaten nur ein grausames irdisches spiel wären dagegen die schöpfung des malers die reine abspiegelung des in ihm wohnenden göttlichen geistes sei 000144_686_000046 ein dumpfes angstvolles stöhnen weckte in einer nacht den francesko aus dem schlafe als er erschrocken aufsprang und mit der leuchte in der hand nach seinem weibe sah hatte sie ihm ein knäblein geboren 000144_686_000047 lass uns heiter und hell das fest unserer liebe feiern francesko wurde von diesen reden des weibes verführt und so geschah es dass er mit den von sündigem freveligem leichtsinn befangenen jünglingen die sich seine freunde nannten noch an demselben abende sein hochzeitsfest mit dem fremden weibe nach heidnischen gebräuchen beging 000144_686_000048 er gedachte nicht mehr des venusbildes wohl aber war es ihm als sähe er den alten meister leonardo der ihn anblickte mit kläglicher gebärde und ganz ängstlich und schmerzlich sprach ach ich wollte dir wohl helfen aber ich darf es nicht 000144_686_000049 er sprang auf von seinem lager und begann an dem kopfe der heiligen rosalia zu malen weil er nun der frau venus reizendes angesicht ganz getreulich abzukonterfeien gedachte es war ihm so als könne der feste wille nicht gebieten der hand 000144_686_000050 als habe ein böser geist seine kraft gebrochen nicht das bild der heiligen rosalia fertigzumachen vermöge da lachten sie alle auf und sprachen ei mein bruder wie bist du denn mit einemmal so krank worden lasst uns dem äskulap und der freundlichen hygeia ein weinopfer bringen damit jener schwache dort genese 000144_686_000051 es fand sich dass das weib eine kiste mit dien und barem gelde mitgebracht hatte und francesko lebte mit ihr in sündlichen genüssen schwelgend und seiner kunst entsagend lange zeit hindurch 000144_686_000052 nicht das mindeste erstaunen nicht die mindeste begierde schnell das rätsel zu lösen regte sich in mir auf nein es gab kein rätsel für mich längst wusste ich ja alles was in diesem malerbuch aufbewahrt worden das was der maler auf den letzten seiten des buches in kleiner kaum lesbarer bunt gefärbter schrift zusammengetragen hatte 000144_686_000053 und es begab sich dass die republik genua hart bedrängt von den algerischen korsaren sich an den großen seehelden camillo fürsten von p wandte dass er mit vier wohlausgerüsteten und bemannten galeonen einen streifzug gegen die verwegenen räuber unternehmen möge 000144_686_000054 auch du musst kommen meine geliebte göttin du musst leben und mein sein oder ich weihe mich den unterirdischen göttern da erblickte er frau venus dicht vor dem bilde stehend und ihm freundlich zuwinkend 000144_686_000055 das fremde weib richtete ihn aber lächelnd auf und sagte ihm dass sie ihn schon damals als er in der malerschule des alten leonardo da vinci gewesen als ein kleines mädchen oftmals gesehen und eine unsägliche liebe zu ihm gefasst habe 000144_686_000056 es wären ihm schier die sinne vergangen als er das bild welches er aus seinen innersten gedanken nach einem marmorbilde erschaffen nun lebendig vor sich in aller nur erdenklichen schönheit erblickte und es wandelte ihn beinahe ein grausen an wenn er das gemälde ansah das nun wie eine getreuliche abspiegelung des fremden weibes erschien 000144_686_000057 aber wie francesko zu malen begann siehe da gestaltete sich alles anders als er es in sinn und gedanken getragen und ein mächtigerer geist überwältigte den geist der schnöden lüge der ihn beherrscht hatte 000144_686_000058 die mit der üppigkeit der gestalten und dem prahlenden farbenglanz die augen der menge verblendete deren übertriebene lobsprüche ihn immer eitler und übermütiger machten 000144_686_000059 da war francesko wieder ganz erkräftigt er schaute nach seinem bilde es stand bis auf den letzten pinselstrich vollendet vor ihm und nicht das antlitz der heiligen rosalia sondern das geliebte venusbild lachte ihn mit üppigen liebesblicke an 000144_686_000060 blieb einmal länger als gewöhnlich aus und so kam es dass francesko bei seinem wilden leben das ihm allen verdienst schnell hinwegraffte und das er doch nicht lassen wollte in arge geldnot geriet 000144_686_000061 er umarmte das weib voll inbrünstiger liebe und wollte sie sogleich nach der kirche führen damit ein priester sie durch das heilige sakrament der ehe auf ewig binde dafür schien sich das weib aber zu entsetzen und sie sprach ei mein geliebter francesko 000144_686_000062 kann man dasselbe nach genommener kopie an das kapuzinerkloster in beth nach beschwerlicher pilgerfahrt langte francesko in dem kloster der heiligen linde in ostpreußen an und erfüllte den befehl den ihm die heilige jungfrau selbst gegeben 000144_686_000063 und nur dann erst erkennbar und lesbar wurde als du mein lieber bruder medardus mir gebeichtet hattest nicht näher darf ich mich darüber auslassen was ich rücksichts des malers ahne und glaube du selbst wirst es erraten oder vielmehr das geheimnis wird sich dir von selbst auftun 000144_686_000064 denn wenn wir selbst das wunderbarste von dem wir täglich umgeben deshalb nicht mehr so nennen wollen weil wir einer reihe von erscheinungen die regel der zyklischen wiederkehr abgelauert haben so fährt doch oft durch jenen kreis ein phänomen das all unsere klugheit zuschanden macht und an das wir weil wir es nicht zu erfassen vermögen in stumpfsinniger verstocktheit nicht glauben 000144_686_000065 da zuckten blitze durch den rosenschimmer und ein dumpfer donner ging dröhnend durch das gewölbe des himmels welcher sündige mensch hat gleich diesem gefrevelt nicht gnade nicht ruhe im grabe soll er finden solange der stamm den sein verbrechen erzeugte fortwuchert in freveliger sünde 000144_686_000066 und von einem kleinen jahrgehalt den ihm der regierende bruder ausgesetzt kümmerlich genug lebte francesko war ein so stolzer übermütiger jüngling gewesen nur der alte leonardo zähmte seinen wilden sinn und als francesko dem fürstlichen stand entsagt hatte wurde er leonardos frommer treuer sohn 000144_686_000067 manchmal kam es ihm in den sinn als müsse er zur glorie der christlichen religion herrliche gemälde ausführen und er dachte große stücke in der zeichnung und färbung aus die die heiligen der jungfrau und der heiligen rosalia darstellen sollten 000144_686_000068 eltern und verwandte habe sie nun verlassen und sei allein nach rom gewandert um ihn wiederzufinden da eine in ihrem innern ertönende ihr gesagt habe dass er sie sehr liebe und sie aus lauter sehnsucht und begierde abkonterfeit habe was denn wie sie jetzt sehe auch wirklich wahr sei 000144_686_000069 wohl bekomm dir's rief der jüngling der nun wieder sein jugendliches gesicht und seinen kräftigen gang angenommen hatte dann rief er die andern jünglinge aus dem schlafe auf worin sie versunken und sie taumelten mit ihm die treppe hinab 000144_686_000070 es geschah ihm dasjenige was die wunderbarliche erscheinung eines geistes zu bewirken pflegt die zunge war ihm gebunden und er fiel lautlos vor der fremden auf die kniee und hob die hände wie anbetend zu ihr empor 000144_686_000071 nach vieler mühe gelang es mir buchstaben und worte zu entziffern und wie erstaunte ich als es mir klar wurde dass es jene im malerbuch aufgezeichnete geschichte sei von der medardus spricht 000144_686_000072 von engeln umgeben sah francesko die heilige rosalia wie sie auf einer wolke kniete und ein sanftes säuseln und rauschen sprach die worte herr vergib dem menschen der in seiner schwachheit und ohnmacht nicht ihn vermochte den lockungen des satans 000144_686_000073 und so begab es sich dass als der alte fürst camillo in einem harten blutigen kampfe mit den algierern sein leben verloren hatte zenobio zur regierung kam francesko dagegen seinen fürstlichen stand und namen verleugnend ein maler wurde 000144_686_000074 und doch kam das himmlische antlitz der heiligen immer sichtbarlicher zum vorschein und blickte den francesko plötzlich mit solch lebendig strahlenden augen an dass er wie von einem herabfahrenden blitze tödlich getroffen zu boden stürzte 000144_686_000075 als der prior bemerkte daß mein geist wieder einige spannung gewonnen gab er mir des malers buch und ermahnte mich es aufmerksam in seiner zelle zu lesen ich schlug es auf 000144_686_000076 das weib fühlte sich schwanger und blühte nun immer erst herrlicher und herrlicher in leuchtender schönheit auf sie schien ganz und gar das erweckte venusbild und francesko vermochte kaum die üppige lust seines lebens zu ertragen 000144_686_000077 da war der alte stolze fürst camillo hoch erzürnt schalt den sohn einen unwürdigen toren und schickte vertraute diener ab die den sohn zurückbringen sollten als nun aber francesko standhaft verweigerte zurückzukehren 000144_686_000078 das gesicht eines engels aus dem hohen himmelsreiche fing an aus düstern nebeln hervorzudämmern aber als wie von scheuer angst das heilige zu verletzen und dann dem strafgericht des herrn zu erliegen ergriffen wagte francesko nicht das gesicht zu vollenden 000144_686_000079 aber wie konnte er solche malerei beginnen da er keinen scudo besaß um leinwand und farben zu kaufen und nur von dürftigen almosen an den kirchentüren gespendet sein leben durchbrachte 000144_686_000080 von keiner gestalt war er aber so ganz und gar durchdrungen als von einem berühmten venusbilde das er stets in gedanken trug das jahrgehalt was zenobio dem bruder ausgesetzt hatte 000144_686_000081 camillo nach ruhmvollen taten dürstend schrieb sofort an seinen ältesten sohn francesco dass er kommen möge in des vaters abwesenheit das land zu regieren francesco übte in leonardo da vincis schule die malerei 000144_686_000082 der jüngling der gewiss einem alten arzt in gang und stellung recht ähnlich zu sein begehrte trippelte mit gekrümmten knien einher und hatte sein jugendliches gesicht seltsamlich in runzeln und falten verzogen sodass er anzusehen war wie ein alter recht hässlicher mann 000144_686_000083 bruder medardus fährt hier ohne sich weiter auf das was er im malerbuche fand einzulassen in seiner erzählung fort wie er abschied nahm von dem in seine geheimnisse eingeweihten prior 000144_686_000084 sie streckte die hand wie mich beschirmend aus über mein haupt da senkten sich meine augenlider und ein sanfter erquickender schlummer goss neue lebenskraft in meine adern 000144_686_000085 es waren maler aber noch mehr bildhauer unter ihnen die wollten nur von der antikischen kunst etwas wissen und verlachten alles was neue künstler von dem heiligen christentum entzündet zur glorie desselben erfunden und herrlich ausgeführt hatten 000144_686_000086 da begab es sich dass als er einst in einer kirche die leere wand anstarrend in gedanken malte zwei in schleier gehüllte frauen auf ihn zutraten von denen eine mit holder engelstimme sprach 000144_686_000087 unmöglich war es daher die namen zu nennen und unbehülflicher ungeschickter ist niemand auf der ganzen welt als derjenige der dir günstiger leser dies buch in die hände gibt wenn er namen erdenken soll da wo schon wirkliche und zwar schön und romantisch tönende vorhanden sind wie es hier der fall war 000144_686_000088 in santa maria maggiore und so weiter an allen altären kniete und betete wie er selbst des papstes aufmerksamkeit erregte und endlich in einen geruch der heiligkeit kam der ihn da er jetzt wirklich ein reuiger sünder worden und wohl fühlte dass er nichts mehr als das sei von rom vertrieb 000144_686_000089 bald war es ihm auch als finge das bild an sich zu regen doch als er es in seine arme fassen wollte sah er wohl dass es tote leinewand geblieben dann zerraufte er sein haar und gebärdete sich wie einer der von dem satan besessen 000144_686_000090 doch nur eine geringe summe behielt francesko das übrige teilte er aus an die armen und machte sich auf nach dem fernen preußen der weg führte ihn über rom und er kam in das nicht ferne davon gelegene kapuzinerkloster für welches er die heilige rosalia gemalt hatte 000144_686_000091 da du heilige malen willst wird dich mein trank wohl erkräften es ist wein aus dem keller des heiligen antonius der angebliche doktor hatte eine flasche unter dem mantel hervorgezogen die er jetzt öffnete 000144_686_000092 eines abends lag francesko in der wildnis auf den knien und schaute in die sonne welche sich tauchte in das meer das im westen seine roten flammenwellen emporschlug aber sowie die flammen verblassten im grauen abendnebel gewahrte francesko in den lüften einen leuchtenden rosenschimmer der sich bald zu gestalten begann 000144_686_000093 wie einen ohnmächtigen kranken ausgestreckt auf seinem lager liegen da aber francesko ihnen seine not klagte wie er 000144_686_000094 schnell mussten die diener eilen um wehmutter und arzt herbeizurufen francesko nahm das kind von dem schöße der mutter aber in demselben augenblicke stieß das weib einen entsetzlichen durchdringenden schrei aus und krümmte sich wie von gewaltigen fäusten gepackt zusammen 000144_686_000095 er hielt sich für den größten maler seiner zeit und die erreichte kunstvollkommenheit mit seinem stande paarend nannte er sich selbst den fürstlichen maler von dem alten leonardo sprach er verächtlich und schuf abweichend von dem frommen einfachen stil sich eine neue manier 000144_686_000096 da ergrimmte der seeheld camillo und schwur dass er den francesko verstoßen und seinem jüngeren bruder zenobio die nachfolge zusichern wolle francesko war damit gar zufrieden ja er trat in einer urkunde seinem jüngeren bruder die nachfolge auf den fürstlichen thron mit aller form und feierlichkeit ab 000144_686_000097 hartnäckig leugnen wir dem innern auge deshalb die erscheinung ab weil sie zu durchsichtig war um sich auf der rauhen fläche des äußern auges abzuspiegeln jenen seltsamen maler rechne ich zu den außerordentlichen erscheinungen die jeder erlauerten regel spotten 000144_686_000098 in demselben augenblick wurde francesko von wilden freveligen trieben entzündet er heulte vor wahnsinniger begier er gedachte des heidnischen bildhauers pygmalion dessen geschichte er gemalt und flehte so wie er zur frau venus dass sie seinem bilde leben möge 000144_686_000099 er hat ein buch mir in verwahrung gegeben welches verschiedene zeichnungen vorzüglich aber eine geschichte enthält der er jedes mal wenn er bei uns einsprach einige zeilen zusetzte er hat mir nicht verboten das buch jemanden in hände zu geben und um so mehr will ich es dir anvertrauen als dies meine heiligste pflicht ist 000144_686_000100 und es wandelte ihn tiefes mitleid an er legte das knäblein auf weiches moos und tröpfelte ihm den saft einer pommeranze ein die er bei sich getragen francesko hatte gleich einem büßenden einsiedler mehrere wochen in der höhle zugebracht 000144_686_000101 ei du armer geselle ich muß dich wohl aufrichten aus trübseliger ohnmacht ei du erbärmlicher geselle wie siehst du doch blaß und krank aus der frau venus wirst du so nicht gefallen kann sein dass donna rosalia sich deiner annehmen wird wenn du gesundet du ohnmächtiger geselle nippe von meiner wunderarzenei 000144_686_000102 ziehe hin übung deiner kunst sei die heilige andacht und deine zerrissene seele wird gelabt werden mit himmlischem trost als francesko aufblickte zu den frauen gewahrte er wie sie in sanft leuchtenden strahlen zerflossen und ein lilien- und rosenduft die kirche durchströmte 000144_686_000103 ohne weiter zu bestimmen ob dabei nicht eine denkwürdige geschichte ihres lebens der vorwurf des malers sein solle und eben daher hatte francesko auch nur in der mitte des blatts die gestalt der heiligen entworfen 000144_686_000104 und statt des jungen schönen gesichts erblickten sie ein gräßlich verzerrtes runzliges gesicht mit offenen herausstarrenden augen auf das geschrei das die beiden weiber erhoben liefen die nachbarsleute hinzu man hatte von jeher von dem fremden weibe allerlei seltsames gesprochen 000144_686_000105 im alten italienisch ist sie beinahe chronikenartig und sehr aphoristisch geschrieben der seltsame ton klingt im deutschen nur rauh und dumpf wie ein gesprungenes glas doch war es nötig zum verständnis des ganzen hier die übersetzung einzuschalten dies tue ich nachdem ich nur noch folgendes wehmütigst bemerkt 000144_686_000106 denn immer glitt der pinsel ab von den nebeln in denen der kopf der heiligen rosalia eingehüllt war und strich unwillkürlich an den häuptern der barbarischen männer von denen sie umgeben 000144_686_000107 sein bruder albert fürst von w vermählte sich mit der italienischen prinzessin giazinta b die familie des barons f im gebürge ist bekannt und nur zu bemerken daß die baronesse von f aus italien abstammte denn sie war die tochter des grafen pietro s eines sohnes des grafen filippo s 000144_686_000108 da erwachte aber sein mut und stolzer sinn er ergriff seinen stoßdegen machte sich platz und entrann eine gute strecke von rom fand er eine höhle in die er sich ermüdet und ermattet verbarg 000144_686_000109 ihre schönheit war nur ein lügnerisches trugbild verdammter zauberei gewesen die gekommen flohen erschreckt von dannen keiner mochte die tote anrühren francesko wusste nun wohl mit wem er es zu tun gehabt hatte und es bemächtigte sich seiner eine entsetzliche angst 000144_686_000110 wisse ferner fuhr der prior fort dass jener alte fremde maler von dem du in der beichte gesprochen schon so lange als ich denken kann zuweilen unser kloster besucht hat und vielleicht bald wieder eintreffen wird 000144_686_000111 francesko merkte nun daß ein geheimnisvolles seelenverständnis mit dem fremden weibe obgewaltet und daß dieses verständnis das wunderbare bild und seine wahnsinnige liebe zu demselben geschaffen hatte 000144_686_000112 und sich abwenden von dem sündlichen frevel in dem inbrünstig zu den heiligen gebetet aber vor allem andern rief er die von ihm schwer beleidigte rosalia an dass sie vor dem throne des herrn seine fürsprecherin sein möge 000144_686_000113 er konnte von der kunst und von dem meister der schon hoch in den jahren war nicht lassen und schrieb daher dem vater zurück dass er wohl den pinsel aber nicht den zepter zu führen verstehe und bei leonardo bleiben wolle 000144_686_000114 es geschah dass er zu rom unter wilde ausschweifende jünglinge geriet und wie er nun in allem der erste und vorzüglichste zu sein begehrte so war er bald im wilden sturm des lasters der rüstigste segler 000144_686_000115 du mußt erst entsagen allem sündhaften streben und in tiefer reue und demut die fürbitte der heiligen erflehen gegen die du gefrevelt hast die jünglinge welche francesko so lange geflohen suchten ihn auf in seiner werkstatt und fanden ihn 000144_686_000116 alle seine frevel standen ihm vor augen strafgericht des herrn begann schon hier auf erden da die flammen der hölle in seinem innern aufloderten des andern tages kam ein abgeordneter des geistlichen gerichts mit den häschern und wollte den francesko verhaften 000144_686_000117 francesko sank nieder in den staub denn er wusste wohl dass nun sein urteil gesprochen und ein entsetzliches verhängnis ihn hertreiben werde 000144_698_000000 woyzeck schlimm herr hauptmann schlimm wind hauptmann ich spür's schon es ist so was geschwindes draußen so ein wind macht mir den effekt wie eine maus ich glaub wir haben sowas aus süd-nord 000144_698_000001 sehen sie jetzt die doppelte raison das ist viehsionomik ja das ist kein viehdummes individuum das ist ein person ein mensch ein tierischer mensch und doch ein vieh ein bate das pferd führt sich ungebührlich auf 000144_698_000002 ich hab auch fleisch und blut aber woyzeck die tugend die tugend wie sollte ich dann die zeit rumbringen ich sag mir immer du bist ein tugendhafter mensch ein guter mensch ein guter mensch woyzeck 000278_2431_000000 eduard hatte in seiner baumschule die schönste stunde eines aprilnachmittags zugebracht um frisch erhaltene pfropfreiser auf junge stämme zu bringen sein geschäft war eben vollendet er legte die gerätschaften in das futteral zusammen und betrachtete seine arbeit mit vergnügen 000278_2431_000001 recht gut versetzte charlotte recht wohl nur dass wir nichts hinderndes fremdes hereinbringen bedenke dass unsere vorsätze auch was die unterhaltung betrifft sich gewissermaßen nur auf unser beiderseitiges zusammensein bezogen 000278_2431_000002 es ist recht schön und liebenswürdig von dir versetzte charlotte dass du des freundes zustand mit so viel teilnahme bedenkst allein erlaube mir dich aufzufordern auch deiner auch unserer zu gedenken 000278_2431_000003 dass er geschäftlos ist das ist eigentlich seine qual das vielfache was er an sich ausgebildet hat zu anderer nutzen täglich und stündlich zu gebrauchen ist ganz allein sein vergnügen ja seine leidenschaft 000278_2431_000004 nun freilich sagte eduard für einen dritten ist auch wohl noch platz warum nicht versetzte charlotte und auch für ein viertes für größere gesellschaft wollen wir schon andere stellen bereiten 000278_2431_000005 tat ich dorthin die vielleicht zur häuslichen gehülfin unter meiner anleitung am besten herangewachsen wäre das alles geschah mit deiner einstimmung bloß damit wir uns selbst leben bloß damit wir das früh so sehnlich gewünschte endlich spät erlangte glück ungestört genießen möchten 000278_2431_000006 die welt die wir zusammen nicht sehen sollten in der erinnerung zu durchreisen ja der anfang ist schon gemacht dann hast du die abende deine flöte wieder vorgenommen begleitest mich am klavier und an besuchen aus der nachbarschaft und in die nachbarschaft fehlt es uns nicht ich wenigstens 000278_2431_000007 laß uns wenigstens eine zeitlang versuchen inwiefern wir auf diese weise miteinander ausreichen da das zusammenhängende wie du sagst eigentlich euer element ist versetzte 000278_2431_000008 geh zu ihr sagte eduard und ersuche sie auf mich zu warten sage ihr ich wünsche die neue schöpfung zu sehen und mich daran zu erfreuen der gärtner entfernte sich eilig und eduard folgte bald 000278_2431_000009 die männer denken mehr auf das einzelne auf das gegenwärtige und das mit recht weil sie zu tun zu wirken berufen sind die weiber hingegen mehr auf das was im leben zusammenhängt und das mit gleichem rechte 000278_2431_000010 nun danke ich dir daß du mich freundlich angehört hast jetzt sprich aber auch recht frei und umständlich und sage mir alles was du zu sagen hast ich will dich nicht unterbrechen recht gut versetzte charlotte so will ich gleich mit einer allgemeinen bemerkung anfangen 000278_2431_000011 auf dem rechten flügel des schlosses kann er wohnen und alles andere findet sich wie viel wird ihm dadurch geleistet und wie manches angenehme wird uns durch seinen umgang ja wie mancher vorteil ich hätte längst eine ausmessung des gutes und der gegend gewünscht er wird sie besorgen und leiten 000278_2431_000012 nichts ist bedeutender in jedem zustande als die dazwischenkunft eines dritten ich habe freunde gesehen geschwister liebende gatten deren verhältnis durch den zufälligen oder gewählten hinzutritt einer neuen person ganz und gar verändert deren lage völlig umgekehrt wurde 000278_2431_000013 ganz recht versetzte eduard aber selbst diese verschiedenen gelegenheiten diese anerbietungen machen ihm neue qual neue unruhe keines von den verhältnissen ist ihm gemäß 000278_2431_000014 ich dachte doch sagte charlotte ihm wären von verschiedenen orten anerbietungen geschehen ich hatte selbst um seinetwillen an manche tätige freunde und freundinnen geschrieben und soviel ich weiß blieb dies auch nicht ohne wirkung 000278_2431_000015 bei alledem was du mir so liebevoll und verständig wiederholst immer der gedanke beiginge durch die gegenwart des hauptmanns würde nichts gestört ja vielmehr alles beschleunigt und neu belebt auch er hat einen teil meiner wanderungen mitgemacht auch er hat manches und in verschiedenem sinne sich angemerkt 000278_2431_000016 ich fühle nur zu sehr dass mir ein mann dieser art abgeht die landleute haben die rechten kenntnisse ihre mitteilungen aber sind konfus und nicht ehrlich die studierten aus der stadt und von den akademien sind wohl klar und ordentlich aber es fehlt an der unmittelbaren einsicht in die sache 000278_2431_000017 und da wär es wirklich das beste wir gäben ihn dem los anheim ich weiß versetzte charlotte dass du in zweifelhaften fällen gerne wettest oder würfelst 000278_2431_000018 wir liebten einander als junge leute recht herzlich wir wurden getrennt du von mir weil dein vater aus nie zu sättigender begierde des besitzes dich mit einer ziemlich älteren reichen frau verband 000278_2431_000019 da wir denn ungestört hier allein sind sagte eduard und ganz ruhigen heiteren sinnes so muss ich dir gestehen dass ich schon einige zeit etwas auf dem herzen habe was ich dir vertrauen muss und möchte und nicht dazu kommen kann ich habe dir so etwas angemerkt versetzte charlotte 000278_2431_000020 an der türe empfing charlotte ihren gemahl und ließ ihn dergestalt niedersitzen dass er durch tür und fenster die verschiedenen bilder welche die landschaft gleichsam im rahmen zeigten auf einen blick übersehen konnte er freute sich daran in hoffnung dass der frühling bald alles noch reichlicher beleben würde 000278_2431_000021 dann fuhr der gärtner fort öffnet sich rechts das tal und man sieht über die reichen baumwiesen in eine heitere ferne der stieg die felsen hinauf ist gar hübsch angelegt die gnädige frau versteht es man arbeitet unter ihr mit vergnügen 000278_2431_000022 denn wir sind unsere lebzeit über einander wechselseitig uns so viel schuldig geworden dass wir nicht berechnen können wie unser kredit und debit sich gegeneinander verhalte 000278_2431_000023 wir benutzten das zusammen und alsdann würde es erst ein hübsches ganze werden so lass mich denn dir aufrichtig gestehen entgegnete charlotte mit einiger ungeduld 000278_2431_000024 ich von dir weil ich ohne sonderliche aussichten einem wohlhabenden nicht geliebten aber geehrten manne meine hand reichen musste wir wurden wieder frei du früher indem dich dein mütterchen im besitz eines großen vermögens ließ 000278_2431_000025 bei einer so ernsthaften sache hingegen würde ich dies für einen frevel halten was soll ich aber dem hauptmann schreiben rief eduard aus denn ich muß mich gleich hinsetzen 000278_2431_000026 die wahlverwandschaften von johann wolfgang von goethe erstes kapitel des ersten teils eduard so nennen wir einen reichen baron im besten mannesalter 000278_2431_000027 aber auch nur mit mir allein meine einzige tochter tat ich in pension wo sie sich freilich mannigfaltiger ausbilde als bei einem ländlichen aufenthalte geschehen könnte und nicht sie allein auch ottilien meine liebe nichte 000278_2431_000028 und so wirst du mir eingestehen dass die berufung des hauptmannes nicht so ganz mit unseren vorsätzen unseren planen unseren einrichtungen zusammentrifft mag ich doch so gern unserer frühsten verhältnisse gedenken 000278_2431_000029 so muß man euch freilich nicht in einer folge reden hören oder sich entschließen euch recht zu geben und du sollst auch recht haben bis auf den heutigen tag die anlage die wir bis jetzt zu unserm dasein gemacht haben ist von guter art 000278_2431_000030 dass diesem vorhaben mein gefühl widerspricht dass eine ahnung mir nichts gutes weissagt auf diese weise wäret ihr frauen wohl unüberwindlich versetzt iruat 000278_2431_000031 nur eines habe ich zu erinnern setzte er hinzu die hütte scheint mir etwas zu eng für uns beide doch geräumig genug versetzte 000278_2431_000032 den einen der über den kirchhof ziemlich gerade nach der felswand hinging ließ er liegen um den anderen einzuschlagen der sich links etwas weiter durch anmutiges gebüsch sachte hinaufwand 000278_2431_000033 habe mir aus allem diesem den ersten wahrhaft fröhlichen sommer zusammengebaut den ich in meinem leben zu genießen dachte wenn mir nur nicht versetzte eduard indem er sich die stirne rieb 000278_2431_000034 erst verständig dass man nicht widersprechen kann liebevoll dass man sich gern hingibt gefühlvoll dass man euch nicht weh tun mag ahnungsvoll dass man erschrickt 000278_2431_000035 wie schmerzlich muss es einem manne von seinen kenntnissen seinen talenten und fertigkeiten sein sich außer tätigkeit zu sehen und ich will nicht lange zurückhalten mit dem was ich für ihn wünsche ich möchte dass wir ihn auf einige zeit zu uns nähmen 000278_2431_000036 es betrifft unseren freund den hauptmann antwortete eduard du kennst die traurige lage in die er wie so mancher andere ohn sein verschulden gesetzt ist 000278_2431_000037 er soll nicht wirken er soll sich aufopfern seine zeit seine gesinnungen seine art zu sein und das ist ihm unmöglich je mehr ich das alles betrachte je mehr ich es fühle desto lebhafter wird der wunsch ihn bei uns zu sehen 000278_2431_000038 als der gärtner hinzutrat und sich an dem teilnehmenden fleiße des herrn ergötzte hast du meine frau nicht gesehen fragte eduard indem er sich weiterzugehen anschickte 000278_2431_000039 ich bin nicht abergläubisch versetzte charlotte und gebe nichts auf diese dunklen anregungen insofern sie nur solche wären aber es sind meistenteils unbewusste erinnerungen glücklicher und unglücklicher folgen die wir an eigenen oder fremden handlungen erlebt haben 000278_2431_000040 da wo beide zusammentrafen setzte er sich für einen augenblick auf einer wohlangebrachten bank nieder betrat sodann den eigentlichen stieg und sah sich durch allerlei treppen und absätze auf dem schmalen bald mehr bald weniger steilen wege endlich zur mooshütte geleitet 000278_2431_000041 vom freunde kann ich mir beides versprechen und dann entspringen noch hundert andere verhältnisse daraus die ich mir alle gern vorstellen mag die auch auf dich bezug haben und wovon ich viel gutes voraussehe 000278_2431_000042 das kann wohl geschehen versetzte eduard bei menschen die nur dunkel vor sich hinleben nicht bei solchen die schon durch erfahrung aufgeklärt sich mehr bewusst sind 000278_2431_000043 zuletzt wollte ich dir nicht versagen was du für dein einziges glück zu halten schienst du wolltest von allen unruhen die du bei hof im militär auf reisen erlebt hattest dich an meiner seite erholen zur besinnung kommen des lebens genießen 000278_2431_000044 einen ruhigen vernünftigen tröstlichen brief sagte charlotte das heißt soviel wie keinen versetzte eduard und doch ist es in manchen fällen versetzte charlotte notwendig und freundlich lieber nichts zu schreiben als nicht zu schreiben 000278_2431_000045 sollen wir aber nichts weiter darauf bauen und soll sich nichts weiter daraus entwickeln was ich im garten leiste du im park soll das nur für einsiedler getan sein 000278_2431_000046 nicht dass es ihm an irgendeinem bedürfnis fehle denn er weiß sich durchaus zu beschränken und für das notwendige habe ich gesorgt auch drückt es ihn nicht etwas von mir anzunehmen 000278_2431_000047 ich später eben zu der zeit da du von reisen zurückkamst so fanden wir uns wieder wir freuten uns der erinnerung wir liebten die erinnerung wir konnten ungestört zusammenleben 000278_2431_000048 weil ihr schicksal das schicksal ihrer familien an diesen zusammenhang geknüpft ist und auch gerade dieses zusammenhängende von ihnen gefordert wird laß uns deswegen einen blick auf unser gegenwärtiges auf unser vergangenes leben werfen 000278_2431_000049 das bewusstsein mein liebster entgegnete charlotte ist keine hinlängliche waffe ja manchmal eine gefährliche für den der sie führt und aus diesem allen tritt wenigstens soviel hervor dass wir uns ja nicht übereilen sollen gönne mir noch einige tage entscheide nicht 000278_2431_000050 das ist wohl zu überlegen und von mehr als einer seite zu betrachten versetzte charlotte meine ansichten bin ich bereit dir mitzuteilen entgegnete ihr eduard in seinem letzten briefe herrscht ein stiller ausdruck des tiefsten missmutes 000278_2431_000051 das habe ich getan entgegnete ihr eduard wir können von seiner nähe uns nur vorteil und annehmlichkeit versprechen von dem aufwande will ich nicht reden der auf alle fälle gering für mich wird wenn er zu uns zieht besonders wenn ich zugleich bedenke dass uns seine gegenwart nicht die mindeste unbequemlichkeit verursacht 000278_2431_000052 und nun die hände in den schoß zu legen oder noch weiter zu studieren sich weitere geschicklichkeit zu verschaffen da er das nicht brauchen kann was er in vollem maße besitzt genug liebes kind es ist eine peinliche lage deren qual er doppelt und dreifach in seiner einsamkeit empfindet 000278_2431_000053 wie die sache steht erwiderte eduard werden wir uns auch nach mehreren tagen immer übereilen die gründe für und dagegen haben wir wechselweise vorgebracht es kommt auf den entschluss an 000278_2431_000054 so haben wir unsern ländlichen aufenthalt angetreten ich übernahm das innere du das äußere und was ins ganze geht meine einrichtung ist gemacht dir in allem entgegenzukommen nur für dich allein zu leben 000278_2431_000055 und ich will nur gestehen fuhr eduard fort wenn mich der postbote morgen früh nicht drängte wenn wir uns nicht heut entschließen müßten ich hätte vielleicht noch länger geschwiegen was ist es denn fragte charlotte freundlich entgegenkommend 000278_2431_000056 du drangst auf eine verbindung ich willigte nicht gleich ein denn da wir ungefähr von denselben jahren sind so bin ich als frau wohl älter geworden du nicht als mann 000278_2431_000057 dieser stieg nun die terrassen hinunter musterte im vorbeigehen gewächshäuser und treibebeete bis er ans wasser dann über einen steg an den ort kam wo sich der pfad nach den neuen anlagen in zwei arme teilte 000278_2431_000058 man hat einen vortrefflichen anblick unten das dorf ein wenig rechter hand die kirche über deren turmspitze man fast hinwegsieht gegenüber das schloss und die gärten ganz recht versetzte eduard einige schritte von hier konnte ich die leute arbeiten sehen 000278_2431_000059 drüben in den neuen anlagen versetzte der gärtner die mooshütte wird heute fertig die sie an der felswand dem schlosse gegenüber gebaut hat alles ist recht schön geworden und muß euer gnaden gefallen 000278_2431_000060 deine absicht ist selbst die güter künftig zu verwalten sobald die jahre der gegenwärtigen pächter verflossen sind wie bedenklich ist ein solches unternehmen zu wie manchen vorkenntnissen kann er uns nicht verhelfen 000278_2431_000061 aus diesen unschätzbaren aber verworrenen heften und blättern ein für uns und andere erfreuliches ganze zusammenstellen ich versprach dir an der abschrift zu helfen und wir dachten es uns so bequem so artig so gemütlich und heimlich 000278_2431_000062 du wolltest zuerst die tagebücher deiner reise mir in ordentlicher folge mitteilen bei dieser gelegenheit so manches dahin gehörige von papieren in ordnung bringen und unter meiner teilnahme mit meiner beihülfe 000278_2431_000063 der glückliche der behagliche hat gut reden fuhr eduard auf aber schämen würde er sich wenn er einsähe wie unerträglich er dem leidenden wird eine unendliche geduld soll es geben einen unendlichen schmerz will der starre behagliche nicht anerkennen 000278_2431_000064 wie lebhaft ist sagte sie die dankbarkeit derjenigen denen wir mit ruhe über leidenschaftliche verlegenheiten hinaushelfen laß uns freudig und munter in das eingreifen was die männer unvollendet zurückgelassen haben 000278_2431_000065 was von dem augenblick an in der seele eduards vorging würde schwer zu schildern sein in einem solchen gedränge treten zuletzt alte gewohnheiten alte neigungen wieder hervor um die zeit zu töten und den lebensraum auszufüllen 000278_2431_000066 ich will den sehen der mich im talent des liebens übertrifft zwar ist es ein jammervolles ein schmerzen ein tränenreiches aber ich finde es mir so natürlich so eigen dass ich es wohl schwerlich je wieder aufgebe 000278_2431_000067 wozu wir keinen schicklicheren übergang finden als durch ein gleichnis das sich uns beim betrachten ihrer liebenswürdigen blätter aufdringt wir hören von einer besonderen einrichtung bei der englischen marine 000278_2431_000068 und da er zuletzt mit den anfängen des drucks holzschnitten und den ältesten kupfern seine unterhaltung zierte und die kirche täglich auch jenem sinne gemäß an farbe und sonstiger auszierung 000278_2431_000069 willkommen war ihr daher eine anstalt zu der man die bauernknaben versammelte und die darauf abzielte den weitläufig gewordenen park immer rein zu erhalten 000278_2431_000070 ich sehe mein gegenwärtiges mein zukünftiges leben vor mir nur zwischen elend und genuss habe ich zu wählen bewirken sie bester mann eine scheidung die so notwendig die schon geschehen ist schaffen sie mir charlottens einwilligung 000278_2431_000071 von noch geistreichern und leichtern maßen von noch gefälligern und fleißigern zieraten sie enthielt zugleich manchen geschnitzten und gemalten rest jenes älteren gottesdienstes 000278_2431_000072 in welchem der architekt eine artige folge von stellungen und tätigkeiten für den fries eines gartenhauses sich anmerkte ottilie hingegen sah darin nur eine art von parade welche den rückkehrenden hausherrn bald begrüßen sollte dies gab ihr mut und lust ihn mit etwas ähnlichem zu empfangen 000278_2431_000073 denn freilich war der zustand beider frauen sehr verschieden wenn alles beim alten blieb wenn man in das gleis des gesetzmäßigen lebens zurückkehrte gewann charlotte an gegenwärtigem glück und eine frohe aussicht in die zukunft öffnete sich ihr ottilie hingegen verlor alles 000278_2431_000074 ich wünsche nur dass der gute herr viel freude daran erleben möge wäre er diesen herbst hier so würde er sehen was für köstliche sorten noch von seinem herrn vater her im alten schlossgarten stehen 000278_2431_000075 las träumte sich in die fremde und immer fand sie dort ihren freund seinem herzen war sie noch immer nahe geblieben er dem ihrigen 000278_2431_000076 er hatte alles sehr reinlich und tragbar in schubladen und fächern auf eingeschnittenen mit tuch überzogenen brettern so dass diese alten ernsten dinge durch seine behandlung etwas putzhaftes annahmen und man mit vergnügen darauf wie auf die kästchen eines modehändlers hinblickte 000278_2431_000077 auch auf dem boden mochte sie nicht verweilen sie sprang in den kahn und ruderte sich bis mitten in den see dann zog sie eine reisebeschreibung hervor ließ sich von den bewegten wellen schaukeln 000278_2431_000078 sie hatte nichts weiter zu sagen hoffen konnte sie nicht und wünschen durfte sie nicht einen blick jedoch in ihr inneres gewährt uns ihr tagebuch aus dem wir einiges mitzuteilen gedenken 000278_2431_000079 man hatte zeither die mädchen des dorfes im nähen stricken spinnen und andern weiblichen arbeiten zu ermuntern gesucht auch diese tugenden hatten zugenommen seit jenen anstalten zu reinlichkeit und schönheit des dorfes 000278_2431_000080 wodurch denn alles ein andres ansehn gewann als sie nach eduards frühern versicherungen sich vorstellen mochte durch alles dies vermehrte sich die aufmerksamkeit ottiliens auf jede äußerung jeden wink jede handlung jeden schritt charlottens 000278_2431_000081 wirkte stets mit ein aber mehr zufällig nach gelegenheit und neigung nun gedachte sie es vollständiger und folgerechter zu machen 000278_2431_000082 die wahlverwandschaften von johann wolfgang von goethe zweites kapitel des zweiten teils aufgeregt durch den vorfall und die daran sich knüpfenden gespräche 000278_2431_000083 es war eine mundtasse des herrn ein paar silberne löffel und mancherlei was ottilien auf eine weitere reise auf ein längeres außenbleiben zu deuten schien 000278_2431_000084 manchmal neckt sie mich ganz gegen ihre art und quält mich aber sogleich verändert sich ihr bild ihr schönes rundes himmlisches gesichtchen verlängert sich es ist eine andere 000278_2431_000085 auch nicht ohne schmerz sind diese wonnevollen gaukeleien der fantasie manchmal tut sie etwas das die reine idee beleidigt die ich von ihr habe dann fühl ich erst wie sehr ich sie liebe indem ich über alle beschreibungen geängstet bin 000278_2431_000086 er hatte sich die leeren flächen nach seiner neigung schon verziert gedacht und freute sich dabei sein malerisches talent zu üben allein er machte seinen hausgenossen fürs erste ein geheimnis davon 000278_2431_000087 dass er glaube sie vertraue ihm nicht und peinlich war ihr das gefühl der unwissenheit das ihr auf diese weise recht aufgedrungen ward doch konnte sie sich von diesen rabatten und beeten nicht trennen was sie zusammen zum teil gesäet alles gepflanzt hatten 000278_2431_000088 durch diese lebhaften herzlichen äußerungen hatte sich eduard wohl erleichtert aber es war ihm auch auf einmal jeder einzelne zug seines wunderlichen zustandes deutlich vor die augen getreten 000278_2431_000089 auf solche art vorbereitet tat ein größeres portefeuille das er zuletzt herbeibrachte die beste wirkung es enthielt zwar meist nur umrissene figuren die aber weil sie auf die bilder selbst durchgezeichnet waren ihren altertümlichen charakter vollkommen erhalten hatten und diesen 000278_2431_000090 eduard hieß es solle sich ermannen solle bedenken was er seiner manneswürde schuldig sei solle nicht vergessen dass dem menschen zur höchsten ehre gereiche 000278_2431_000091 weil ihm das dasein unerträglich zu werden drohte ja es war ihm ein trost zu denken dass er nicht mehr sein werde und eben dadurch seine geliebten seine freunde glücklich machen könne 000278_2431_000092 dass er vom schmerzlichen widerstreit überwältigt in tränen ausbrach die um so reichlicher flossen als sein herz durch mitteilung weich geworden war 000278_2431_000093 hoffte er nun aber von ottilien wieder etwas zu vernehmen so war ihm mittler so lieb als ein himmlischer bote verdrießlich daher und verstimmt war eduard als er vernahm mittler komme nicht von dorther sondern aus eignem antriebe 000278_2431_000094 obgleich kein teil noch seine hülfe angerufen in diesem falle seine freundschaft seine geschicklichkeit zu beweisen zu üben geneigt war läßt sich denken doch schien es ihm rätlich erst eine weile zu zaudern 000278_2431_000095 ein wohlerhaltenes vorwerk mit einem reinlichen bescheidenen wohnhause von gärten umgeben fiel ihm endlich in die augen er vermutete hier sei eduards gegenwärtiger aufenthalt und er irrte nicht 000278_2431_000096 mittler der sein rasches naturell seinen unerbittlichen verstand um so weniger verleugnen konnte als er sich durch diesen schmerzlichen ausbruch der leidenschaft eduards weit von dem ziel seiner reise verschlagen sah äußerte aufrichtig und derb seine missbilligung 000278_2431_000097 brakteaten dickmünzen siegel und was sonst sich noch anschließen mag alle diese dinge richteten die einbildungskraft gegen die ältere zeit hin 000278_2431_000098 gleichsam der vergangenheit entgegenwuchs so musste man sich beinahe selbst fragen ob man denn wirklich in der neueren zeit lebe ob es nicht ein traum sei dass man nunmehr in ganz anderen sitten gewohnheiten lebensweisen und überzeugungen verweile 000278_2431_000099 die garderobe war im schloss dem verständigsten genauesten knaben vertraute man die aufsicht an der architekt leitete das ganze und ehe man sich's versah so hatten die knaben alle ein gewisses geschick 000278_2431_000100 brauchte ihre ganze fassung um ihre verwunderung und ihren schmerz zu verbergen der kammerdiener trat herein und verlangte noch einiges 000278_2431_000101 es nimmt mich nicht wunder wenn solche künstler nach und nach verstockt gleichgültig und eigensinnig werden daraus möchte denn entstehen was wollte wenn man nur nicht gerade darüber die abbildungen so mancher lieben und teuren menschen entbehren müßte 000278_2431_000102 der gewandte mann dem es freilich nur darum zu tun war ottilien zu sprechen und sie deswegen unter irgendeinem vorwande aus dem zimmer zu locken wusste sich zu entschuldigen und auf seinem verlangen zu beharren das ihm ottilie auch zu gewähren wünschte allein charlotte lehnte es ab 000278_2431_000103 man war nunmehr in dem falle das gebäude selbst mit allen umgebungen und angebäuden zu untersuchen und da zeigte sich zum größten erstaunen und vergnügen des architekten eine wenig bemerkte kleine seitenkapelle 000278_2431_000104 es ist natürlich es ist wahrscheinlich und doch finde ich es unerhört unerträglich wenn sie mich liebt wie ich glaube wie ich weiß warum entschließt sie sich nicht warum wagt sie es nicht zu fliehen und sich in meine arme zu werfen 000278_2431_000105 eduard und der hauptmann fehlten charlotte hat seit langer zeit zum ersten mal den tisch selbst angeordnet und es wollte ottilien scheinen als wenn sie abgesetzt wäre 000278_2431_000106 bis ich sie kennenlernte bis ich sie liebte und ganz und eigentlich liebte man hat mir nicht gerade ins gesicht aber doch wohl im rücken den vorwurf gemacht ich pfusche ich stümpere nur in den meisten dingen es mag sein aber ich hatte das noch nicht gefunden worin ich mich als meister zeigen kann 000278_2431_000107 so bereiten wir uns die schönste aussicht auf ihre rückkehr indem wir das was ihr stürmendes ungeduldiges wesen zerstören möchte durch unsere mäßigung erhalten und fördern 000278_2431_000108 der kammerdiener musste sich entfernen und der wagen rollte fort es war für ottilien ein schrecklicher augenblick sie verstand es nicht sie begriff es nicht 000278_2431_000109 eine einzige freude bleibt mir noch da ich ihr nahe war träumte ich nie von ihr jetzt aber in der ferne sind wir im traume zusammen und sonderbar genug 000278_2431_000110 wie einnehmend fanden ihn die beschauenden aus allen gestalten blickte nur das reinste dasein hervor alle musste man wo nicht für edel doch für gut ansprechen 000278_2431_000111 von diesem einsamen freunde können wir so viel sagen daß er sich im stillen dem gefühl seiner leidenschaft ganz überließ und dabei mancherlei plane sich ausdachte mancherlei hoffnungen nährte 000278_2431_000112 auf die schmeichelnden und versprechenden allein ist die aufmerksamkeit gerichtet und der glaube für sie ganz allein lebendig da sich nun mittler sogar in die dunklen regionen geführt sah in denen er sich immer unbehaglicher fühlte je länger er darin verweilte 000278_2431_000113 aber aus einer anzahl mädchen lässt sich kein chor bilden wie aus einer anzahl knaben sie folgte ihrem guten sinne und ohne sich's ganz deutlich zu machen suchte sie nichts als einem jeden mädchen anhänglichkeit an sein haus seine eltern und seine geschwister einzuflößen 000278_2431_000114 dem architekten fiel es nicht schwer sich von charlotten eine mäßige summe zu erbitten wovon er das äußere sowohl als das innere im altertümlichen sinne herzustellen und mit dem davorliegenden auferstehungsfelde zur übereinstimmung zu bringen gedachte 000278_2431_000115 und wie stand er betroffen als er das blatt gelesen versteinert bei folgender stelle womit es sich endigte gedenke jener nächtlichen stunden in denen du deine gattin abenteuerlich als liebender besuchtest sie unwiderstehlich an dich zogst 000278_2431_000116 vor allem andern zeigte er versprochenermaßen den frauen die verschiedenen nachbildungen und entwürfe von alten grabmonumenten gefäßen und andern dahin sich nähernden dingen 000278_2431_000117 von denen sie noch nichts gebraucht nichts zerschnitten nichts gefertigt wie oft eilte das gute mädchen mit sonnenaufgang aus dem hause in dem sie sonst alle ihre glückseligkeit gefunden hatte ins freie hinaus in die gegend die sie sonst nicht ansprach 000278_2431_000118 jagd und krieg sind eine solche für den edelmann immer bereite aushilfe eduard sehnte sich nach äußerer gefahr um der innerlichen das gleichgewicht zu halten er sehnte sich nach dem untergang 000278_2431_000119 alles was wir mit ihr begegnet schiebt sich durch und übereinander bald unterschreiben wir einen kontrakt da ist ihre hand und die meinige ihr name und der meinige beide löschen einander aus beide verschlingen sich 000278_2431_000120 selbst im sprüchwort sagt er tränenreiche männer sind gut verlasse mich jeder der trocknen herzens trockner augen ist ich verwünsche die glücklichen denen der unglückliche nur zum spektakel dienen soll 000278_2431_000121 nun arbeitet meine phantasie durch was ottilie tun sollte sich mir zu nähern ich schreibe süße zutrauliche briefe in ihrem namen an mich ich antworte ihr und verwahre die blätter zusammen ich habe versprochen keinen schritt gegen sie zu tun und das will ich halten 001054_1599_000000 mein sechster sohn scheint wenigstens auf den ersten blick der tiefsinnigste von allen ein kopfhänger und doch ein schwätzer deshalb kommt man ihm nicht leicht bei ist er am unterliegen so verfällt er in unbesiegbare traurigkeit 001054_1599_000001 der zweite ist schön schlank wohlgebaut es entzückt ihn in fechterstellung zu sehen auch er ist klug aber überdies welterfahren er hat viel gesehen und deshalb scheint selbst die heimische natur vertrauter mit ihm zu sprechen 001054_1599_000002 manchmal blickt er mich an als wollte er mir sagen ich werde dich mitnehmen vater dann denke ich du wärst der letzte dem ich mich vertraue und sein blick scheint wieder zu sagen 001054_1599_000003 auch fühlt er sich fremd in unserer zeit als gehöre er zwar zu meiner familie aber überdies noch zu einer andern ihm für immer verlorenen ist er oft unlustig und nichts kann ihn aufheitern 001054_1599_000004 doch muss ich eingestehen dass die letzteren beurteiler jedenfalls beachtenswerter sind als die ersteren mein elfter sohn ist zart wohl der schwächste unter meinen söhnen aber täuschend in seiner schwäche 001054_1599_000005 mag ich also wenigstens der letzte sein das sind die elf söhne 001054_1599_000006 er ist wie einer der bewundernswert abspringt schwalbengleich die luft teilt dann aber doch trostlos im öden staube endet ein nichts 001054_1599_000007 mit diesem ganzen weiß er allerdings selbst am wenigsten etwas anzufangen das rad der zukunft wird er nicht ins rollen bringen aber diese seine anlage ist so aufmunternd so hoffnungsreich ich wollte er hätte kinder und diese wieder kinder 001054_1599_000008 vielleicht hat an dieser erscheinung seine körperliche entwicklung schuld er ist viel zu groß für sein alter das macht ihn unschön im ganzen trotz auffallend schöner einzelheiten zum beispiel der hände und füße 001054_1599_000009 endlich verstand ihn k ihn abzubitten war keine zeit mehr mit allen fingern grub er in die erde die fast keinen widerstand leistete 001054_1599_000010 ich weiß er ist geringfügig genug hätte die welt keinen andern fehler als den daß sie ihn nicht zu würdigen weiß sie wäre noch immer makellos aber innerhalb der familie wollte ich diesen sohn nicht missen 001054_1599_000011 ich der vater tue es es ist natürlich nicht dieser körperliche fehler der mir weh tut sondern eine ihm irgendwie entsprechende kleine unregelmäßigkeit seines geistes 001054_1599_000012 entzückt von diesem anblick erwachte er ein 001054_1599_000013 wer ihn so sieht denkt das ist ein grenzenloser heuchler aber nun höre man ihn reden 001054_1599_000014 mit dem unbewegten gesicht dem etwas vorragenden kinn den schwer über die augen sich wölbenden lidern den manchmal an den mund geführten zwei fingern 001054_1599_000015 mein vierter sohn ist vielleicht der umgänglichste von allen ein wahres kind seiner zeit ist er jedermann verständlich er steht auf dem allen gemeinsamen boden und jeder ist versucht ihm zuzunicken 001054_1599_000016 nach einem weilchen begann sie wieder diesmal ganz leise und ohne besondere aufforderung gleich abbrechend es war als wolle sie nur ihren klang prüfen 001054_1599_000017 er sieht mich fremd an und ich fühle mich doch väterlich eng mit ihm verbunden die zeit hat vieles gut gemacht früher aber befiel mich manchmal ein zittern wenn ich nur an ihn dachte 001054_1599_000018 da der weg unter seinem abspringenden fuß weiter raste schwankte er und fiel gerade vor dem grabhügel ins knie zwei männer standen hinter dem grab und hielten zwischen sich einen grabstein in die luft 001054_1599_000019 es war ein j fast war es schon beendet da stampfte der künstler wütend mit einem fuß in den grabhügel hinein daß die erde ringsum in die höhe flog 001054_1599_000020 mein neunter sohn ist sehr elegant und hat den für frauen bestimmten süßen blick so süß daß er bei gelegenheit sogar mich verführen kann 001054_1599_000021 vielleicht durch diese allgemeine anerkennung gewinnt sein wesen etwas leichtes seine bewegungen etwas freies seine urteile etwas unbekümmertes 001054_1599_000022 nun gibt es aber wieder leute die sein äußeres gleichgültig lässt denen aber sein wort heuchlerisch erscheint ich als vater will hier nicht entscheiden 001054_1599_000023 man würde ihm abwinken wenn man hoffnung hätte dass dieser mit schlaf gefüllte blick es bemerken könnte 001054_1599_000024 manche seiner aussprüche möchte man oft wiederholen allerdings nur manche denn in seiner gesamtheit krankt er doch wieder an allzu großer leichtigkeit 001054_1599_000025 als mit den daheimgebliebenen doch ist gewiss dieser vorzug nicht nur und nicht einmal wesentlich dem reisen zu verdanken es gehört vielmehr zu dem unnachahmlichen dieses kindes das zum beispiel von jedem anerkannt wird 001054_1599_000026 trotzdem im allgemeinen alles verlockt diesen sohn zur schau zu stellen halte ich ihn doch am liebsten im verborgenen er selbst drängt sich nicht auf aber nicht etwa deshalb weil er seine mängel kennt sondern aus unschuld 001054_1599_000027 während er den blick noch in die ferne gerichtet hatte sah er plötzlich den gleichen grabhügel neben sich am weg ja fast schon hinter sich er sprang eilig ins gras 001054_1599_000028 alles schien vorbereitet nur zum schein war eine dünne erdkruste aufgerichtet gleich hinter ihr öffnete sich mit abschüssigen wänden ein großes loch in das k von einer sanften strömung auf den rücken gedreht versank 001054_1599_000029 gedrängt und anschaulich aber doch nur in engen grenzen geht er über sie hinaus was sich bei ihrer enge nicht vermeiden läßt wird sein reden ganz leer 001054_1599_000030 und überdies der ton seiner stimme ist nicht voll trügt einen augenblick lässt den kenner aufhorchen veratmet aber kurz darauf 001054_1599_000031 manchmal aber sah er den grabhügel kaum er wurde ihm verdeckt durch fahnen deren tücher sich wanden und mit großer kraft aneinanderschlugen man sah die fahnenträger nicht aber es war als herrschte dort viel jubel 001054_1599_000032 der erste kleine strich den er machte war für k eine erlösung der künstler brachte ihn offenbar aber nur mit dem äußersten widerstreben zustande 001054_1599_000033 eine übereinstimmung die notwendigerweise den hals strafft und den kopf erheben läßt viele 001054_1599_000034 hat es aber doch zu einigem ansehen gebracht fragte man mich wie das geschehen ist so könnte ich kaum antworten unschuld dringt vielleicht doch noch am leichtesten durch das toben der elemente in dieser welt und unschuldig ist er 001054_1599_000035 irgendein in seinem blut irrendes gift irgendeine unfähigkeit die mir allein sichtbare anlage seines lebens rund zu vollenden 001054_1599_000036 etwas derartiges zeigt mein sohn den vater freuen natürlich solche eigenschaften nicht sie gehen ja offenbar auf zerstörung der familie aus 001054_1599_000037 unschön ist übrigens auch seine stirn sowohl in der haut als auch in der knochenbildung irgendwie verschrumpft 001054_1599_000038 es heißt doch sich das loben etwas zu leicht zu machen wenn man einen so offensichtlich lobenswürdigen lobt wie es mein sohn ist 001054_1599_000039 sicher ist dass wer ihn in der weit über sein alter hinausgehenden feierlichkeit herankommen sieht im immer festgeschlossenen gehrock im alten aber übersorgfältig geputzten schwarzen hut 001054_1599_000040 mein zehnter sohn gilt als unaufrichtiger charakter ich will diesen fehler nicht ganz in abrede stellen nicht ganz bestätigen 001054_1599_000041 joseph k träumte es war ein schöner tag und k wollte spazieren gehen kaum aber hatte er zwei schritte gemacht war er schon auf dem friedhof 001054_1599_000042 warum er sich vom vater so abschließt und was er im grunde beabsichtigt aber nun ist er schon so weit und so viel zeit ist schon vergangen nun mag es so bleiben wie es ist 001054_1599_000043 sowohl unruhe bringt er als auch ehrfurcht vor der überlieferung und beides fügt er wenigstens für mein gefühl zu einem unanfechtbaren ganzen 001054_1599_000044 sein linkes auge ist ein wenig kleiner als das rechte und zwinkert viel ein kleiner fehler nur gewiss der sein gesicht sogar noch verwegener macht als es sonst gewesen wäre 001054_1599_000045 der dritte sohn ist gleichfalls schön aber es ist nicht die schönheit die mir gefällt es ist die schönheit des sängers der geschwungene mund das träumerische auge 001054_1599_000046 hier ruht jeder buchstabe erschien rein und schön tief geritzt und in vollkommenem gold als er die zwei worte geschrieben hatte sah er nach k zurück 001054_1599_000047 mit bedacht kurz angebunden mit boshafter lebendigkeit fragen durchkreuzend in erstaunlicher selbstverständlicher und froher übereinstimmung mit dem 001054_1599_000048 nur die beine hatte er als junge recht schwach aber das mag sich inzwischen schon ausgeglichen haben überall durchkommen wo es ihm beliebt öfters hatte ich lust ihn zurückzurufen ihn zu fragen wie es eigentlich um ihn steht 001054_1599_000049 der siebente sohn gehört mir vielleicht mehr als alle andern die welt versteht ihn nicht zu würdigen seine besondere art von witz versteht sie nicht ich überschätze ihn nicht 001054_1599_000050 erlangt er das übergewicht so wahrt er es durch schwätzen doch spreche ich ihm eine gewisse selbstvergessene leidenschaft nicht ab bei hellem tag kämpft er sich durch das denken wie im traum 001054_1599_000051 leider scheint sich dieser wunsch nicht erfüllen zu wollen in einer mir zwar begreiflichen aber ebenso unerwünschten selbstzufriedenheit die allerdings in großartigem gegensatz zum urteil seiner umgebung steht treibt er sich allein umher 001054_1599_000052 der etwa seinen vielfach sich überschlagenden und doch geradezu wild beherrschten kunstsprung ins wasser ihm nachmachen will bis zum ende des sprungbrettes reicht der mut und die lust 001054_1599_000053 gerade dies macht ihn allerdings andererseits wieder zu meinem wahren sohn denn dieser sein fehler ist gleichzeitig der fehler unserer ganzen familie und an diesem sohn nur überdeutlich 001054_1599_000054 die schrift war auch nicht mehr so schön vor allem schien es an gold zu fehlen blass und unsicher zog sich der strich hin nur sehr groß wurde der buchstabe 001054_1599_000055 ist nicht zum beispiel auch flugbereitschaft schwäche da sie doch schwanken und unbestimmtheit und flattern ist 001054_1599_000056 ich höre daß er als der einzige meiner söhne einen vollbart trägt schön ist das bei einem so kleinen mann natürlich nicht 001054_1599_000057 kaum war k erschienen stießen sie den stein in die erde und er stand wie festgemauert sofort trat aus einem gebüsch ein dritter mann hervor den k gleich als einen künstler erkannte 001054_1599_000058 nun sah auch k den künstler an und merkte dass dieser in großer verlegenheit war aber die ursache dessen nicht sagen konnte alle seine frühere lebhaftigkeit war verschwunden auch k geriet dadurch in verlegenheit sie wechselten hilflose blicke 001054_1599_000059 k war untröstlich über die lage des künstlers er begann zu weinen und schluchzte lange in die vorgehaltenen hände der künstler wartete bis k sich beruhigt hatte und entschloss sich dann da er keinen anderen ausweg fand dennoch zum weiterschreiben 001054_1599_000060 er kann nämlich zu zeiten kräftig und bestimmt sein doch ist allerdings selbst dann die schwäche irgendwie grundlegend es ist aber keine beschämende schwäche sondern etwas das nur auf diesem unsern erdboden als schwäche erscheint 001054_1599_000061 ohne krank zu sein vielmehr hat er eine sehr gute gesundheit taumelt er manchmal besonders in der dämmerung braucht aber keine hilfe fällt nicht 001054_1599_000062 der sehr begierig auf das fortschreiten der inschrift war kümmerte sich kaum um den mann sondern blickte nur auf den stein tatsächlich setzte der mann wieder zum weiterschreiben an aber er konnte nicht es bestand irgendein hindernis er ließ den bleistift sinken und drehte sich wieder nach k um 001054_1599_000063 sein denken scheint mir zu einfach er sieht nicht rechts noch links und nicht in die weite in seinem kleinen gedankenkreis läuft er immerfort rundum oder dreht sich vielmehr 001054_1599_000064 und niemand wird gegenüber der unnahbaren abgeschlossenheit seines wesens dieses kleinere zwinkernde auge tadelnd bemerken 001054_1599_000065 solche gedanken vergällen mir den anblick dieses kindes der fünfte sohn ist lieb und gut versprach viel weniger als er hielt war so unbedeutend dass man sich förmlich in seiner gegenwart allein fühlte 001054_1599_000066 der kopf der eine draperie hinter sich benötigt um zu wirken die unmäßig sich wölbende brust die leicht auffahrenden und viel zu leicht sinkenden hände die beine die sich zieren weil sie nicht tragen können 001054_1599_000067 er war nur mit hosen und einem schlecht zugeknöpften hemd bekleidet auf dem kopf hatte er eine samtkappe in der hand hielt er einen gewöhnlichen bleistift mit dem er schon beim näherkommen figuren in der luft beschrieb 001054_1599_000068 der ich doch weiß dass förmlich ein nasser schwamm genügt um allen diesen überirdischen glanz wegzuwischen das besondere an diesem jungen aber ist dass er gar nicht auf verführung ausgeht ihm würde es genügen sein leben lang auf dem kanapee zu liegen 001054_1599_000069 es waren dort sehr künstliche unpraktisch gewundene wege aber er glitt über einen solchen weg wie auf einem reißenden wasser in unerschütterlich schwebender haltung 001054_1599_000070 dort aber statt zu springen setzt sich plötzlich der nachahmer und hebt entschuldigend die arme und trotz dem allen ich sollte doch eigentlich glückselig sein über ein solches kind ist mein verhältnis zu ihm nicht ungetrübt 001054_1599_000071 er stand also auf den fußspitzen und stützte sich mit der linken hand auf die fläche des steines durch eine besonders geschickte hantierung gelang es ihm mit dem gewöhnlichen bleistift goldbuchstaben zu erzielen er schrieb 001054_1599_000072 mit diesem bleistift setzte er nun oben auf dem stein an der stein war sehr hoch er mußte sich gar nicht bücken wohl aber mußte er sich vorbeugen denn der grabhügel auf den er nicht treten wollte trennte ihn von dem stein 001054_1599_000073 es lag ein hässliches missverständnis vor das keiner auflösen konnte zur unzeit begann nun auch eine kleine glocke vor der grabkapelle zu läuten aber der künstler fuchtelte mit der erhobenen hand und sie hörte auf 001054_1599_000074 kümmert sich nicht um mädchen und wird trotzdem niemals seine gute laune verlieren mein achter sohn ist ein schmerzenskind und ich weiß eigentlich keinen grund dafür 001054_1599_000075 die sich sehr klug dünken und die sich aus diesem grunde wie sie meinten von seinem äußeren abgestoßen fühlten hat er durch sein wort stark angezogen 001054_1599_000076 schon von der ferne faßte er einen frisch aufgeworfenen grabhügel ins auge bei dem er halt machen wollte dieser grabhügel übte fast eine verlockung auf ihn aus und er glaubte gar nicht eilig genug hinkommen zu können 001054_1599_000077 vielleicht allzu unschuldig freundlich zu jedermann vielleicht allzu freundlich ich gestehe mir wird nicht wohl wenn man ihn mir gegenüber lobt 001054_1599_000078 er geht seinen eigenen weg hat alle verbindungen mit mir abgebrochen und wird gewiss mit seinem harten schädel seinem kleinen athletischen körper 001054_1599_000079 und seinen blick an die zimmerdecke zu verschwenden oder noch viel lieber ihn unter den augenlidern ruhen zu lassen ist er in dieser von ihm bevorzugten lage dann spricht er gern und nicht übel 001054_1599_000080 ich habe elf söhne der erste ist äußerlich sehr unansehnlich aber ernsthaft und klug trotzdem schätze ich ihn wiewohl ich ihn als kind wie alle andern liebe nicht sehr hoch ein 001054_1599_000081 während er aber unten den kopf im genick noch aufgerichtet schon von der undurchdringlichen tiefe aufgenommen wurde jagte oben sein name mit mächtigen zieraten über den stein 001054_869_000000 aber in seinem herzen wurde die last die darinnen lag immer schwerer es konnte nicht mehr essen und jeden tag wurde es ein wenig bleicher 001054_869_000001 nein bei uns heißt niemand so erklärte heidi ernsthaft so bei uns auch nicht lachte die großmama wieder und klopfte heidi fröhlich auf die wange 001054_869_000002 da war es auf einmal in seinem großen bett in frankfurt so weit weit weg und konnte nicht mehr heim dann drückte heidi oft seinen kopf in das kissen und 001054_869_000003 eine großmama am folgenden abend waren große erwartungen und lebhafte vorbereitungen im hause sesemann sichtbar man konnte deutlich bemerken dass die erwartete dame ein bedeutendes wort im hause mitzusprechen hatte 001054_869_000004 aber noch einige zeit verging bevor heidi zu schluchzen aufhören konnte die großmama ließ ihm auch eine gute weile zur erholung nur sagte sie von zeit zu zeit ermunternd so nun ist's gut nun sind wir wieder froh zusammen 001054_869_000005 denn da war er noch bei der schönen herde des vaters und ging nur den lustigen schäfchen und ziegen nach weil es ihn freute aber dann kam das bild wo er vom vaterhaus weggelaufen nun in der fremde war 001054_869_000006 heidi erschien im zimmer der großmama und machte die augen weit auf als es die prächtigen bunten bilder in den großen büchern sah welche die großmama mitgebracht hatte 001054_869_000007 die es immer wieder las laut und leise und es konnte nie genug der erklärungen bekommen welche die großmama den kindern dazu machte da waren aber noch so viele schöne geschichten in dem buch 001054_869_000008 sozusagen über nacht das lesen erfasst hat und dann sogleich mit einer korrektheit die worte liest wie mir bei anfängern noch selten vorgekommen ist 001054_869_000009 nach einiger zeit erschien diese und fuhr erschrocken ein wenig zurück bei dem unerwarteten besuch wo hält sich das kind um diese auf zeit und was tut es das wollte ich wissen sagte frau sesemann 001054_869_000010 oh nein das tu ich nie antwortete das kind hast du denn gar nie gebetet heidi weißt du nicht was das ist nur mit der großmutter habe ich gebetet aber es ist schon lang und jetzt habe ich es vergessen 001054_869_000011 jetzt rollte der wagen vor das haus und sebastian und tinette stürzten die treppe hinunter langsam und würdevoll folgte fräulein rottenmeier nach denn sie wusste dass auch sie zum empfang der frau sesemann zu erscheinen hatte 001054_869_000012 richtig saß hier heidi neben klara und las dieser eine geschichte vor sichtlich selbst mit dem größten erstaunen und mit einem wachsenden eifer in die neue welt eindringend die ihm aufgegangen war 001054_869_000013 heidi stockte denn es fühlte sich ein wenig schuldig da es noch immer keine antwort gab wenn fräulein rottenmeier unversehens rief adelheid 001054_869_000014 alles war wie in goldschimmer gemalt denn hinten am horizont war eben die sonne im untergehen die großmama nahm heidi bei der hand komm komm kind sagte sie in freundlichster weise nicht weinen nicht weinen das hat dich wohl an etwas erinnert 001054_869_000015 er wurde auf ihre stube berufen und hier wie er eintrat streckte ihm frau sesemann sogleich freundlich die hand entgegen mein lieber herr kandidat seien sie mir willkommen setzen sie sich her zu mir hier 001054_869_000016 und trat ins esszimmer hinaus da war niemand die schläft sagte sie vor sich hin ging dann nach dem zimmer der dame rottenmeier und klopfte kräftig an die tür 001054_869_000017 nun ihm mit einem mal aus den schwarzen buchstaben menschen und dinge entgegentraten und leben gewannen und zu herzbewegenden geschichten wurden 001054_869_000018 am abend konnte es oft lange lange nicht einschlafen denn sobald es allein war und alles still ringsumher kam ihm alles so lebendig vor die augen die alm und der sonnenschein darauf und die blumen 001054_869_000019 du hast noch nie lesen gelernt weil du deinem peter geglaubt hast nun aber sollst du mir glauben und ich sage dir fest und sicher dass du in kurzer zeit lesen lernen kannst wie eine große menge von kindern die geartet sind wie du 001054_869_000020 das kind zog seine hand aus den händen der großmama und sagte eilig kann ich gehen gewiss gewiss gab diese zur antwort und heidi lief davon und hinauf in sein zimmer und hier setzte es sich auf seinen schemel nieder und faltete seine hände und sagte dem lieben gott alles 001054_869_000021 nicht kann man es etwa der klara sagen fragte die großmama o nein keinem menschen versicherte heidi und sah dabei so unglücklich aus dass es die großmama erbarmte 001054_869_000022 das verstehst du nicht wahr du betest doch jeden abend zum lieben gott im himmel und dankst ihm für alles gute und bittest ihn dass er dich vor allem bösen behüte 001054_869_000023 lief dann aber sehr schnell auf eine andere seite um nicht in ein gespräch mit ihm verwickelt zu werden denn seine ausdrucksweise war ihr ein wenig beschwerlich 001054_869_000024 wohin sie sich auch setzen möge fräulein rottenmeier ging zur musterung der dinge sehr aufrecht durch die zimmer so wie um anzudeuten dass wenn auch eine zweite herrschermacht herannahe die ihrige dennoch nicht am erlöschen sei 001054_869_000025 heidi war beordert worden sich in sein zimmer zurückzuziehen und da zu warten bis es gerufen würde denn die großmutter würde zuerst bei klara eintreten und diese wohl allein sehen wollen 001054_869_000026 komm nun müssen wir etwas besprechen zusammen trockne schön deine tränen so und nun stell dich hier vor mich hin dass ich dich recht ansehen kann so ist's recht nun sind wir wieder fröhlich 001054_869_000027 die großmama schaute das bild an es war eine schöne grüne wiese wo allerlei tierlein herumweideten und an den grünen gebüschen nagten in der mitte stand ein hirt auf einen langen stab gestützt der schaute den fröhlichen tierchen zu 001054_869_000028 indem es ihm noch immer nicht recht gegenwärtig war dass dies sein name sei und fräulein rottenmeier war eben ins zimmer getreten 001054_869_000029 wie es die tür zum studierzimmer aufmachte rief ihm die großmutter mit freundlicher stimme entgegen ah da kommt ja das kind komm mal her zu mir und lass dich recht ansehen 001054_869_000030 werteste rottenmeier entgegnete frau sesemann wenn ein mensch einmal heidi heißt und an den namen gewöhnt ist so nenn ich ihn so und dabei bleibt's 001054_869_000031 als am tage nach ihrer ankunft klara sich zur gewohnten zeit nach tisch niederlegte setzte die großmama sich neben sie auf einen lehnstuhl und schloss ihre augen für einige minuten dann stand sie schon wieder auf denn sie war gleich wieder munter 001054_869_000032 der wunderbarsten weise stattgefunden hat gleichsam im gegensatz zu allem folgerichtig zu erwartenden sollte das kind heidi etwa lesen gelernt haben herr kandidat setzte hier frau sesemann ein 001054_869_000033 in seinem zimmer sitzt es wo es sich nützlich beschäftigen könnte wenn es den leisesten tätigkeitstrieb hätte aber frau sesemann sollte nur wissen was für verkehrtes zeug sich dieses wesen oft ausdenkt und wirklich ausführt 001054_869_000034 es ist etwas vorgefallen das ich nicht mehr erwarten konnte und keiner der einen blick in alles vorhergegangene hätte werfen können denn nach allen voraussetzungen musste angenommen werden dass es eine völlige unmöglichkeit sein müsse was dennoch jetzt wirklich geschehen ist und in 001054_869_000035 es geschehen viele wunderbare dinge im menschenleben bestätigte frau sesemann und lächelte vergnüglich es können auch einmal zwei dinge glücklich zusammentreffen wie ein neuer lerneifer und eine neue lehrmethode 001054_869_000036 es nützt nichts versicherte heidi mit dem ton der vollen ergebung in das unabänderliche heidi sagte nun die großmama jetzt will ich dir etwas sagen 001054_869_000037 so durfte es keinem menschen sagen dass es heimgehen möchte denn dass die großmama die so freundlich mit ihm war auch böse würde wie fräulein rottenmeier geworden war das wollte heidi nicht verursachen 001054_869_000038 es hatte begriffen dass es nicht heimgehen könne wenn es wolle wie ihm die base gesagt hatte sondern dass es in frankfurt zu bleiben habe lange lange vielleicht für immer 001262_869_000000 sie ging jetzt mit großen schritten im zimmer auf und nieder denn sie hatte zu überlegen wie die dienstboten adelheid zu benennen hätten herr sesemann hatte ja geschrieben sie müsste wie seine tochter gehalten werden und dieses wort musste sich hauptsächlich auf das verhältnis zu den dienstboten beziehen dachte fräulein rottenmeier 001262_869_000001 klara hielt die kätzchen auf ihrem schoß heidi kniete neben ihr und beide spielten mit großer wonne mit den zwei winzigen graziösen tierchen sebastian sagte klara zu dem eintretenden sie müssen uns helfen sie müssen ein nest finden für die kätzchen wo fräulein rottenmeier sie nicht sieht denn sie fürchtet sich so vor ihnen und will sie forthaben 001262_869_000002 richtig nach kurzer zeit kam sebastian die treppe herauf mit dem großen teebrett auf den armen denn er brachte das silberzeug aus der küche herauf um es im schrank des esszimmers zu verwahren als er auf der letzten stufe der treppe angekommen war trat heidi vor ihn und sagte mit großer deutlichkeit sie oder er 001262_869_000003 das wäre für herrn sesemann ein triftiger grund die sache rückgängig zu machen und so würde er zugeben dass das kind gleich wieder dahin zurückgeschickt würde woher es gekommen war ohne seine zustimmung aber dürfte sie das nicht unternehmen nun der hausherr wisse dass das kind angekommen sei 001262_869_000004 jetzt stieg heidi eilig von seinem schemel herunter rannte zur tür hinaus die treppe hinunter und trat auf die straße hinaus aber die sache ging nicht wie heidi sich vorgestellt hatte als es aus dem fenster den turm gesehen hatte kam es ihm vor es könne nur über die straße gehen so müsste er gleich vor ihm stehen 001262_869_000005 macht dass ihr heimkommt und probiert den spaß nicht wieder und ihr kommt nicht gut weg zum zweiten mal damit kehrte sich der türmer um und wollte die tür zumachen aber heidi hielt ihn ein wenig am rock und sagte bittend nur ein einziges mal 001262_869_000006 wie kann man ein fenster aufmachen sebastian so gerade so und er machte den großen fensterflügel auf heidi trat heran aber es war zu klein um etwas sehen zu können es langte nur bis zum gesims hinauf 001262_869_000007 es gingen viele leute an ihm vorbei aber die waren alle so eilig dass heidi dachte sie hätten nicht zeit ihm bescheid zu geben jetzt sah es an der nächsten straßenecke einen jungen stehen der eine kleine drehorgel auf dem rücken und ein ganz kurioses tier auf dem arme trug 001262_869_000008 aber wie kann ich sie mitnehmen fragte nun heidi und wollte schnell einige fangen mit seinen händen aber die dicke katze sprang ihm auf den arm und fauchte es so grimmig an dass es sehr erschrocken zurückfuhr 001262_869_000009 aber heidi fand nicht was es suchte es lief von einem fenster zum anderen und dann wieder zum ersten zurück aber immer war dasselbe vor seinen augen mauern und fenster und wieder mauern und dann wieder 001262_869_000010 als die beiden kinder allein waren sagte heidi sogleich wie kann man hinaussehen hier und ganz hinunter auf den boden man macht ein fenster auf und guckt hinaus antwortete klara belustigt 001262_869_000011 sebastian rückte heidi den sessel zurecht jetzt wie es auf seinem stuhl saß begann fräulein rottenmeier mit strengem gesicht und einem ganz feierlich ernsten ton 001262_869_000012 auf einmal standen sie vor einer alten kirche mit hohem turm der junge stand still und sagte da wie komm ich da hinein fragte heidi als es die fest verschlossenen türen sah weiß nicht war wieder die antwort 001262_869_000013 was gibst du mir dann was muss ich dir dann wieder geben wieder zwanzig pfennige jetzt wurde das alte schloss inwendig umgedreht und die knarrende tür geöffnet 001262_869_000014 in dem alten turm wohnten aber ganze herden von mäusen so holte sich die katze ohne mühe jeden tag ein halbes dutzend mäusebraten der türmer sah heidis bewunderung und sagte komm sie tut dir nichts wenn ich dabei bin du kannst die jungen ansehen heidi trat an den korb heran und brach in ein großes entzücken aus 001262_869_000015 nun ging heidi die ganze straße hinunter aber es kam nicht an den turm konnte ihn auch nirgends mehr entdecken und kam nun in eine andere straße hinein und weiter und weiter aber immer noch sah es den turm nicht 001262_869_000016 es fuhren viele wagen hintereinander vorbei darum ist es so fortgeschossen es hat vielleicht noch nie eine kutsche gesehen da ist's nicht wie ich sagte herr kandidat nicht einen urbegriff hat das wesen keine ahnung davon was eine unterrichtsstunde ist dass man dabei zuzuhören und still zu sitzen hat 001262_869_000017 herr sesemann hatte geantwortet er erfülle gern den wunsch seiner tochter doch mit der bedingung dass eine solche gespielin in allem ganz gehalten werde wie jene er wolle keine kinderquälerei in seinem hause was freilich eine sehr unnütze bemerkung von dem herrn war setzte fräulein rottenmeier hinzu denn wer wollte kinder quälen 001262_869_000018 unterdessen war der herr kandidat angekommen aber fräulein rottenmeier führte ihn nicht wie gewöhnlich ins studierzimmer denn sie musste sich erst aussprechen und geleitete ihn zu diesem zweck ins esszimmer 001262_869_000019 was ist denn was fällt dir denn ein wie kannst du so davonlaufen fuhr fräulein rottenmeier das kind an ich habe die tannen rauschen gehört aber ich weiß nicht wo sie stehen und ich höre sie nicht mehr 001262_869_000020 heidi zeichnete ihm mit dem zeigefinger große zacken in die luft hinaus jetzt sprang der junge auf er mochte ähnliche merkmale haben seine wege zu finden er lief nun in einem zug drauflos und heidi hinter ihm drein und in kurzer zeit standen sie richtig vor der haustür mit dem großen messingtierkopf 001262_869_000021 damit stieg fräulein rottenmeier wieder die treppe hinan heidi folgte ihr und stand nun sehr verwundert vor der großen verheerung denn es hatte nicht gemerkt was es alles mitriss vor freude und eile die tannen zu hören 001262_869_000022 als nun nach tisch klara sich in ihrem sessel zur ruhe gelegt hatte ging fräulein rottenmeier nach ihrem zimmer und heidi sah dass nun die zeit da war da es seine beschäftigung selbst wählen konnte 001262_869_000023 als heidi am ersten morgen in frankfurt seine augen aufschlug konnte es durchaus nicht begreifen was es erblickte es rieb ganz gewaltig seine augen guckte dann wieder auf und sah dasselbe 001262_869_000024 damit stürzte die dame ins studierzimmer hinein und riegelte die türen zu um sicher zu sein denn junge katzen waren für fräulein rottenmeier das schrecklichste in der schöpfung sebastian stand draußen vor der tür und musste erst fertig lachen eh er wieder eintreten konnte er hatte als er heidi bediente einen kleinen katzenkopf aus dessen tasche herausgucken gesehen 001262_869_000025 der herr kandidat stand sehr erschrocken da und schaute auf die verwüstung die allerdings nur eine seite hatte und eine recht bestürzende klara dagegen verfolgte mit vergnügtem gesicht die ungewöhnlichen ereignisse und deren wirkungen und sagte nun erklärend 001262_869_000026 und das las heidi deutlich von dem gesicht und richtete sich danach es nahm den kleinen schemel unter dem tisch empor stellte ihn in eine ecke setzte sich darauf und wartete so ganz still ab was nun kommen würde 001262_869_000027 ja entgegnete heidi aber ich will schon festsitzen denn jetzt hatte es begriffen dass es eine regel ist in einer unterrichtsstunde still zu sitzen jetzt mussten sebastian und tinette hereinkommen um die ordnung wiederherzustellen 001262_869_000028 der junge setzte sich auf die steinernen stufen vor der tür nieder und zeigte dass er nicht mitwollte heidi stieg an der hand des türmers viele viele treppen hinauf dann wurden diese immer schmäler und endlich ging es noch ein ganz enges treppchen hinauf und nun waren sie oben 001262_869_000029 so lief heidi immer von dem einen fenster zum anderen um zu probieren ob es nicht aufgemacht werden könne denn dann musste man doch etwas anderes sehen als mauern und fenster da musste doch unten der erdboden das grüne gras und der letzte schmelzende schnee an den abhängen zum vorschein kommen und heidi sehnte sich das zu sehen 001262_869_000030 man kann diese fenster nicht aufmachen versetzte heidi traurig doch doch versicherte klara nur du noch nicht und ich kann dir auch nicht helfen aber wenn du einmal den sebastian siehst so macht er dir schon eines auf 001262_869_000031 sebastian ging gleich an die arbeit und kicherte beständig vor sich hin denn er dachte das wird noch was absetzen und der sebastian sah es nicht ungern wenn fräulein rottenmeier ein wenig in aufregung geriet 001262_869_000032 heidi lief zu ihm hin und fragte wo ist der turm mit der goldenen kugel zuoberst weiß nicht war die antwort wen kann ich denn fragen wo er sei fragte heidi weiter weiß nicht weißt du keine andere kirche mit einem hohen turm 001262_869_000033 klara fing nun an heidi zu fragen wie es bei ihm zu hause sei und heidi erzählte mit freuden von der alm und den geißen und der weide und allem was ihm lieb war 001262_869_000034 sebastian riss die augen so weit auf als es nur möglich war und sagte ziemlich barsch was soll das heißen mamsell ich möchte nur gern etwas fragen aber es ist gewiss nichts böses wie heute morgen fügte heidi beschwichtigend hinzu denn es merkte dass sebastian ein wenig erbittert war und dachte es komme noch von der tinte am boden her 001262_869_000035 ja dann muss ich schon so heißen sagte heidi mit ergebung denn es hatte wohl gemerkt dass alles so geschehen musste wie fräulein rottenmeier befahl jetzt habe ich schon drei namen setzte es mit einem seufzer hinzu was wollte die kleine mamsell denn fragen fragte sebastian jetzt indem er ins esszimmer eingetreten sein silberzeug im schrank zurechtlegte 001262_869_000036 nein aber die klara sie hat eine so große freude wenn die kätzchen kommen der türmer wollte nun weitergehen aber heidi konnte sich von dem unterhaltenden schauspiel fast nicht trennen wenn ich nur schon eins oder zwei mitnehmen könnte eins für mich und eins für klara kann ich nicht 001262_869_000037 von ärger zorn und schrecken die ihr heidi ganz unwissentlich nacheinander verursacht hatte sie zog sich schweigend zurück und klara und heidi folgten vergnügt nach denn sie wussten ihre kätzchen in einem guten bett 001262_869_000038 nun ging die treppe hinunter der junge saß noch auf den stufen draußen und als nun der türmer hinter heidi die tür zugeschlossen hatte sagte das kind welchen weg müssen wir nun zu herrn sesemanns haus 001262_869_000039 oh die netten tierlein die schönen kätzchen rief es ein mal ums andere und sprang hin und her um den korb herum um auch recht alle komischen gebärden und sprünge zu sehen welche die sieben oder acht jungen kätzchen vollführten die in dem korb rastlos übereinander hin krabbelten sprangen fielen 001262_869_000040 das war dem heidi sehr erwünscht denn es hatte schon immer im sinn etwas zu unternehmen es musste aber hilfe dazu haben und stellte sich darum vor das esszimmer mitten auf den korridor damit die persönlichkeit die es zu beraten gedachte ihm nicht entgehen könne 001262_869_000041 heidi stand erschrocken von seinem sessel auf und wollte noch einmal erklären ich mache gewiss miau miau miau aber heidi sagte jetzt klara wenn du doch siehst dass du fräulein rottenmeier so böse machst warum machst du immer wieder miau ich mache nicht die kätzlein machen 001262_869_000042 jetzt lachte sebastian so laut auf dass heidi ihn ganz verwundert ansehen musste es hatte nichts lustiges bemerkt aber sebastian hatte auf einmal begriffen was fräulein rottenmeier befohlen hatte und sagte nun sehr erlustigt schon recht so fahre die mamsell nur zu 001262_869_000043 wo sie sich vor ihn hinsetzte und ihm in großer aufregung ihre bedrängte lage schilderte und wie sie in diese hineingekommen war sie hatte nämlich vor einiger zeit herrn sesemann nach paris geschrieben wo er eben verweilte seine tochter habe längst gewünscht es möchte eine gespielin für sie ins haus aufgenommen werden 001262_869_000044 der sich im zimmer zu schaffen gemacht hatte in erwartung dieser frage schnell und leise fasste er die beiden kätzchen auf klaras schoß und verschwand damit die besondere strafrede die fräulein rottenmeier heidi noch zu halten gedachte verschob sie auf den folgenden tag denn heute fühlte sie sich zu erschöpft nach all den vorhergegangenen 001262_869_000045 aber wohin kann man denn gehen dass man weit weit hinuntersehen kann über das ganze tal hinab da muss man auf einen hohen turm hinaufsteigen einen kirchturm so einen wie der dort ist mit der goldenen kugel oben drauf da guckt man von oben herunter und sieht weit über alles weg 001262_869_000046 heidis augen leuchteten vor wonne es las ein weißes und dann ein gelb und weiß gestreiftes aus und steckte eins in die rechte und eins in die linke tasche 001262_869_000047 das hast du einmal getan ein zweites mal tust du's nicht wieder sagte fräulein rottenmeier auf den boden zeigend zum lernen sitzt man still auf seinem sessel und gibt acht kannst du das nicht selbst fertig bringen so muss ich dich an deinen stuhl festbinden kannst du das verstehen 001262_869_000048 da so kann das mamsellchen einmal hinausgucken und sehen was unten ist sagte sebastian indem er einen hohen hölzernen schemel herbeigeholt hatte und hinstellte hoch erfreut stieg heidi hinauf und konnte endlich den ersehnten blick durch das fenster tun 001262_869_000049 ja gewiss du kannst auch noch mehr haben du kannst sie alle zusammen haben wenn du platz hast sagte der mann dem es gerade recht war seine kleinen katzen loszuwerden ohne dass er ihnen ein leid antun musste heidi war im höchsten glück in dem großen haus hatten ja die kätzchen so viel platz und wie musste klara erstaunt und erfreut sein wenn die niedlichen tiere ankamen 001262_869_000050 heidi sprang nun von seinem bett herunter und machte sich fertig dann ging es an ein fenster und dann an das andere es musste den himmel sehen und die erde draußen es fühlte sich wie im käfig hinter den großen vorhängen 001262_869_000051 willst du eins haben fragte der türmer der heidis freudensprüngen vergnügt zuschaute selbst für mich für immer fragte heidi gespannt und konnte das große glück fast nicht glauben 001262_869_000052 da haben wir's rief fräulein rottenmeier händeringend aus teppich bücher arbeitskorb alles in der tinte das ist noch nie geschehen das ist das unglückswesen das ist kein zweifel 001262_869_000053 dort hinten stand ein großer korb und davor saß eine dicke graue katze und knurrte denn in dem korb wohnte ihre familie und sie wollte jeden vorübergehenden davor warnen sich in ihre familienangelegenheiten zu mischen heidi stand still und schaute verwundert hinüber eine so mächtige katze hatte es noch nie gesehen 001262_869_000054 das frühstück ging nun ohne störung vor sich heidi aß ganz anständig sein butterbrot und wie alles zu ende war wurde klara wieder ins studierzimmer hinübergerollt und heidi wurde von fräulein rottenmeier angewiesen nachzufolgen und bei klara zu bleiben bis der herr kandidat kommen würde um die unterrichtsstunden zu beginnen 001262_869_000055 und in der ecke stand ein waschtisch mit sachen darauf wie heidi sie noch gar nie gesehen hatte aber nun kam ihm auf einmal in den sinn dass es in frankfurt sei und der ganze gestrige tag kam ihm in erinnerung und zuletzt noch ganz klar die unterweisungen der dame soweit es sie gehört hatte 001262_869_000056 da sagte heidi und hielt das bildchen hin willst du das der junge zog die hand zurück und schüttelte den kopf was willst du denn fragte heidi und steckte vergnügt sein bildchen wieder ein geld ich habe keins aber klara hat sie gibt mir dann schon wie viel willst du 001262_869_000057 nach längerer zeit erst als der augenblick des schlafengehens nahte machte fräulein rottenmeier ein ganz klein wenig die tür auf und rief durch das spältchen heraus sind die abscheulichen tiere fortgeschafft jawohl jawohl gab sebastian zurück 001262_869_000058 im esszimmer saß klara schon lang an ihrem platz und begrüßte heidi freundlich machte auch ein viel vergnügteres gesicht als sonst gewöhnlich denn sie sah voraus dass heute wieder allerlei neues geschehen würde 001262_869_000059 so und warum muss es denn heißen sie oder er das möcht ich zuerst wissen gab sebastian im gleichen barschen ton zurück ja so muss ich jetzt immer sagen versicherte heidi fräulein rottenmeier hat es befohlen 001262_869_000060 aber die fenster blieben fest verschlossen wie sehr auch das kind drehte und zog und von unten sucht die kleinen finger unter die rahmen einzutreiben damit es kraft hätte sie aufzudrücken es blieb alles eisenfest aufeinander sitzen 001262_869_000061 aber wir wollen die niedlichen tierchen behalten und sie immer hervorholen sobald wir allein sind wo kann man sie hintun das will ich schon besorgen fräulein klara entgegnete sebastian bereitwillig ich mache ein schönes bettchen in einem korb und stelle den an einen ort wo mir die furchtsame dame nicht dahinter kommt verlassen sie sich auf mich 001262_869_000062 er sah sich um und heidis augen schauten so flehentlich zu ihm auf dass es ihn ganz umstimmte er nahm das kind bei der hand und sagte freundlich wenn dir so viel daran gelegen ist so komm mit mir 001262_869_000063 aber wo ist das unheil bringende ding hin wenn es fortgelaufen wäre was würde mir herr sesemann fräulein rottenmeier lief hinaus und die treppe hinunter hier unter der geöffneten haustür stand heidi und guckte ganz verblüfft die straße auf und ab 001262_869_000064 so wart ein wenig sagte der türmer trug dann die alte katze behutsam in sein stübchen hinein und stellte sie an das essschüsselchen hin schloss die tür vor ihr zu und kam zurück so nun nimm zwei 001262_869_000065 hüte dich wohl sag ich dir ich mache fing heidi an miau miau sebastian warf fast seine schüssel auf den tisch und stürzte hinaus es ist genug wollte fräulein rottenmeier rufen aber vor aufregung tönte ihre stimme gar nicht mehr steh auf und verlass das zimmer 001262_869_000066 als fräulein rottenmeier sah dass der herr kandidat sie nicht unterstützen sondern seinen a b c unterricht übernehmen wollte machte sie ihm die tür zum studierzimmer auf und nachdem er hereingetreten war schloss sie schnell hinter ihm zu und blieb auf der anderen seite denn vor dem a b c hatte sie einen schrecken 001262_869_000067 aber der herr kandidat war behutsam und niemals einseitig im urteilen er tröstete fräulein rottenmeier mit vielen worten und der ansicht wenn die junge tochter auf der einen seite so zurück sei so möchte sie auf der anderen umso geförderter sein was bei einem geregelten unterricht bald ins gleichgewicht kommen würde 001262_869_000068 antwortete heidi und schaute enttäuscht nach der seite hin wo das rollen der wagen verhallt war das in heidis ohren dem tosen des föhns in den tannen ähnlich geklungen hatte so dass es in höchster freude dem ton nachgerannt war tannen sind wir im wald was sind das für einfälle komm herauf und sieh was du angerichtet hast 001262_869_000069 das war eine große erleichterung für heidi zu wissen dass man doch die fenster öffnen und hinausschauen könne denn noch war es ganz unter dem druck des gefangenseins von seinem zimmer her 001262_869_000070 fräulein rottenmeier sieht aus wie eine geladene kanone was stellt aber auch die kleine mamsell an so fortzulaufen heidi war ins zimmer getreten fräulein rottenmeier blickte nicht auf klara sagte auch nichts es war eine etwas unheimliche stille 001262_869_000071 und auch sie selbst glaube dass eine solche in den unterrichtsstunden ein sporn in der übrigen zeit eine anregende gesellschaft für klara sein würde eigentlich war die sache für fräulein rottenmeier selbst sehr wünschbar denn sie wollte gern dass jemand da sei der ihr die unterhaltung der kranken klara abnehme wenn es ihr zu viel war was öfters geschah 001262_869_000072 nun aber erzählte sie weiter wie ganz erschrecklich sie hineingefallen sei mit dem kinde und führte alle beispiele von seinem völlig begriffslosen dasein an die es bis jetzt geliefert hatte dass nicht nur der unterricht des herrn kandidaten buchstäblich beim abc anfangen müsse 001262_869_000073 nach langer zeit als heidi einsah dass alle anstrengungen nichts halfen gab es seinen plan auf und überdachte nun wie es wäre wenn es vor das haus hinausginge und hintenherum bis es auf den grasboden käme denn es erinnerte sich dass es gestern abend vorn am haus nur über steine gekommen war 001262_869_000074 heidi zog die glocke bald erschien sebastian und wie er heidi erblickte rief er drängend schnell schnell heidi sprang eilig herein und sebastian schlug die tür zu den jungen der verblüfft draußen stand hatte er gar nicht bemerkt schnell mamsellchen drängte sebastian weiter gleich ins esszimmer hinein sie sitzen schon am tisch 001262_869_000075 sondern dass auch sie auf jedem punkte der menschlichen erziehung mit dem uranfang zu beginnen hätte aus dieser unheilvollen lage sehe sie nur ein rettungsmittel wenn der herr kandidat erklären werde zwei so verschiedene wesen könnten nicht miteinander unterrichtet werden ohne großen schaden des vorgerückteren teiles 001262_869_000076 ich will sie dir bringen sag nur wohin sagte der türmer der die alte katze nun streichelte um sie wieder gut zu machen denn sie war seine freundin und hatte schon viele jahre mit ihm auf dem turm gelebt zum herrn sesemann in dem großen haus wo an der haustür ein goldener hundskopf ist mit einem dicken ring im maul erklärte heidi 001262_869_000077 glaubst du man könne hier klingeln so wie man's beim sebastian tut weiß nicht heidi hatte eine klingel entdeckt an der mauer und zog jetzt aus allen kräften daran wenn ich dann hinaufgehe so musst du warten hier unten ich weiß jetzt den weg nicht mehr zurück du musst mir ihn dann zeigen 001262_869_000078 adelheid ich werde nachher mit dir sprechen jetzt nur so viel du hast dich sehr ungezogen wirklich strafbar benommen dass du das haus verlässt ohne zu fragen ohne dass jemand ein wort davon wusste und herumstreichst bis zum späten abend 001262_869_000079 erst sah es noch eine kleine weile darauf hin denn es reute heidi ein wenig erst heute morgen hatte klara es ihm geschenkt aber hinuntersehen ins tal über die grünen abhänge 001262_869_000080 weiß nicht war die antwort heidi fing nun an zu beschreiben was es wusste die haustür und die fenster und die treppen aber der junge schüttelte zu allem den kopf es war ihm alles unbekannt siehst du fuhr dann heidi im beschreiben fort aus einem fenster sieht man ein großes großes graues haus und das dach geht so 001262_869_000081 nach einiger zeit kam etwas mit ziemlichem geräusch es war fräulein rottenmeier die schon wieder in aufregung geraten war und in heidis stube hineinrief was ist mit dir adelheid begreifst du nicht was ein frühstück ist komm herüber das verstand nun heidi und folgte sogleich nach 001262_869_000082 es wurde heidi ganz bange noch war es früh am morgen denn heidi war gewöhnt früh aufzustehen auf der alm und dann sogleich hinauszulaufen vor die tür und zu sehen wie's draußen sei ob der himmel blau und die sonne schon droben sei ob die tannen rauschen und die kleinen blumen schon die augen offen haben 001262_869_000083 ein alter mann trat heraus und schaute erst verwundert dann ziemlich erzürnt auf die kinder und fuhr sie an was untersteht ihr euch mich da herunterzuklingeln könnt ihr nicht lesen was über der klingel steht 001262_869_000084 konnte heidi endlich ungestört hervorbringen wie was katzen junge katzen schrie fräulein rottenmeier auf sebastian tinette sucht die greulichen tiere schafft sie fort 001262_869_000085 der türmer hob heidi vom boden auf und hielt es an das offene fenster da jetzt guck hinunter sagte er heidi sah auf ein meer von dächern türmen und schornsteinen nieder es zog bald seinen kopf zurück und sagte niedergeschlagen es ist gar nicht wie ich gemeint habe siehst du wohl 001262_869_000086 freilich weiß ich eine so komm und zeige mir sie zeig du zuerst was du mir dafür gibst der junge hielt seine hand hin heidi suchte in seiner tasche herum jetzt zog es ein bildchen hervor darauf ein schönes kränzchen von roten rosen gemalt war 001262_869_000087 es saß auf einem hohen weißen bett und vor sich sah es einen großen weiten raum und wo die helle herkam hingen lange lange weiße vorhänge und dabei standen zwei sessel mit großen blumen darauf und dann kam ein sofa an der wand mit denselben blumen und ein runder tisch davor 001262_869_000088 aber mit dem ausdruck der größten enttäuschung zog es sogleich den kopf wieder zurück man sieht nur die steinerne straße hier sonst gar nichts sagte das kind bedauerlich aber wenn man um das ganze haus herumgeht was sieht man dann auf der anderen seite sebastian gerade dasselbe gab dieser zur antwort 001262_869_000089 es konnte diese nicht wegschieben so kroch es dahinter um an ein fenster zu kommen aber dieses war so hoch dass heidi nur gerade mit dem kopf so weit hinaufreichte dass es durchsehen konnte 001262_869_000090 zwanzig pfennige so komm jetzt nun wanderten die beiden eine lange straße hin und auf dem wege fragte heidi den begleiter was er auf dem rücken trage und er erklärte ihm es sei eine schöne orgel unter dem tuch die mache eine prachtvolle musik wenn er daran drehe 001262_869_000091 jetzt klopfte es an seiner tür und unmittelbar darauf steckte tinette den kopf herein und sagte kurz frühstück bereit heidi verstand keineswegs eine einladung unter diesen worten auf dem spöttischen gesicht der tinette stand viel mehr eine warnung ihr nicht zu nahe zu kommen als eine freundliche einladung geschrieben 001262_869_000092 es hatte nicht einmal so viel gebraucht für den türmer der schon seit langen jahren auf dem turm saß und jedes haus weithin kannte und dazu war der sebastian noch ein alter bekannter von ihm ich weiß schon bemerkte er aber wem muss ich die dinger bringen bei wem muss ich nachfragen du gehörst doch nicht herrn sesemann 001262_869_000093 sie konnte aber nicht lange ungestört überlegen denn auf einmal ertönte drinnen im studierzimmer ein erschreckliches gekrache fallender gegenstände und dann ein hilferuf nach sebastian sie stürzte hinein 001262_869_000094 der herr kandidat entfernte sich denn der weitere unterricht musste nun aufgegeben werden zum gähnen war heute gar keine zeit gewesen am nachmittag musste klara immer eine zeit lang ruhen und heidi hatte alsdann seine beschäftigung selbst zu wählen so hatte fräulein rottenmeier ihm am morgen erklärt 001262_869_000095 ja heidi hat's gemacht aber nicht mit absicht es muss gewiss nicht gestraft werden es war nur so schrecklich eilig fortzukommen und riss den teppich mit und so fiel alles hintereinander auf den boden 001262_869_000096 und sah dem spektakel entgegen und wie er nun ausbrach konnte er sich nicht mehr halten kaum noch seine schüssel auf den tisch setzen endlich trat er denn wieder gefasst ins zimmer herein nachdem die hilferufe der geängstigten dame schon längere zeit verklungen waren jetzt sah es ganz still und friedlich aus drinnen 001262_869_000097 ich heiße gar nicht mamsell sagte nun heidi seinerseits ein wenig geärgert ich heiße heidi ist schon recht die gleiche dame hat aber befohlen dass ich mamsell sage erklärte sebastian hat sie 001262_869_000098 wie das vögelein das zum ersten mal in seinem schön glänzenden gefängnis sitzt hin und her schießt und bei allen stäben probiert ob es nicht dazwischen durchschlüpfen und in die freiheit hinausfliegen könne 001262_869_000099 da lag auf dem boden alles übereinander die sämtlichen studienhilfsmittel bücher hefte tintenfass und obendrauf der tischteppich unter dem ein schwarzes tintenbächlein hervorfloss die ganze stube entlang heidi war verschwunden 001262_869_000100 es ist eine völlig beispiellose aufführung miau tönte es wie als antwort zurück aber jetzt stieg der zorn der dame wie adelheid rief sie in immer höheren tönen du unterstehst dich noch nach aller ungezogenheit einen schlechten spaß zu machen 001660_869_000000 entgegengestreckt dass er gar nicht wusste welche zuerst ergreifen und einer rief ihm zu das freut mich das freut mich öhi dass ihr auch wieder einmal zu uns kommt und ein anderer ich hätte auch schon lang gern wieder einmal ein wort mit euch geredet öhi 001660_869_000001 mein auge schauet was gott gebauet zu seinen ehren und uns zu lehren wie sein vermögen sei mächtig und groß 001660_869_000002 heidi war so erfüllt von seinen erlebnissen dass es gleich dem großvater alles erzählen musste was ihm das herz erfreute dass man die weißen brötchen auch unten im dörfli für die großmutter holen könne wenn man nur geld habe und dass es der großmutter auf einmal so hell und wohl geworden war 001660_869_000003 jetzt fasste er sich und sagte ich komme um den herrn pfarrer zu bitten dass er mir die worte vergessen möchte die ich zu ihm auf der alm geredet habe 001660_869_000004 aber mitten im singen stieß der zunächst sitzende seinen nachbarn mit der mit dem ellenbogen an und sagte hast du das gesehen der alm öhi ist in der kirche und der angestoßene stieß den zweiten an und so fort und in kürzester zeit flüsterte es an allen ecken der alm öhi der 001660_869_000005 oh großmutter rief es mit neuem jubel aus wenn du dann so gesund wirst so wird es dir gewiss auch wieder hell es ist vielleicht nur weil du so schwach bist 001660_869_000006 denn es war sonnabend heut und an dem tage machte der alm öhi alles sauber und in ordnung in der hütte im stall und ringsherum das war seine gewohnheit und heut hatte er den morgen dazu genommen um gleich nachmittags mit heidi ausziehen zu können und so sah nun alles ringsherum gut und zu seiner zufriedenheit aus 001660_869_000007 jetzt zog die brigitte den öhi ein wenig geheimnisvoll in eine ecke hinein und zeigte ihm das schöne federnhütchen und erzählte ihm wie es sich damit verhalte und dass sie ja natürlich so etwas einem kinde nicht abnehme aber der großvater sah ganz wohlgefällig auf seine heidi hin und sagte 001660_869_000008 freude die fülle und selige stille darf ich erwarten im himmlischen garten dahin sind meine gedanken gericht 001660_869_000009 die brigitte lief dem heidi unter die tür nach mit rock und hut dass es seine habe mitnehme den rock nahm es auf den arm denn der großvater kenne es jetzt schon dachte es bei sich aber den hut wies es hartnäckig zurück die brigitte solle ihn nur behalten es setze ihn nie nie mehr auf den kopf 001660_869_000010 und die meisten gingen hinter ihm her um zu sehen ob er wirklich ins pfarrhaus eintrete was er tat dann sammelten sie sich in gruppen zusammen und besprachen in großer aufregung das unerhörte dass der alm öhi in der kirche erschienen war 001660_869_000011 und die großmama wolle auch mitkommen denn sie wolle auch das heidi und den großvater besuchen auf der alm und weiter ließ die großmama noch dem heidi sagen es habe recht getan dass es der alten großmutter die brötchen habe mitbringen wollen 001660_869_000012 und dass er mir nicht nachtragen wolle wenn ich widerspenstig war gegen seinen wohlmeinenden rat der herr pfarrer hat ja in allem recht gehabt und ich war im unrecht aber 001660_869_000013 und es kam eine ganz liebevolle stimmung gegen den alm öhi auf und nahm überhand denn jetzt nahten sich auch die frauen herzu und diese hatten so manches von der geißenpeterin und der großmutter gehört das den alm öhi ganz anders darstellte als die allgemeine meinung war 001660_869_000014 bringt das beste kleid her und zieht es ihm an und gebt ihm einen ring an seine hand und schuhe an die füße 001660_869_000015 und ein paar große tränen rollten dem alten die wangen herab wenige stunden nachher in der ersten frühe des tages stand der alm öhi vor seiner hütte und schaute mit hellen augen um sich 001660_869_000016 die großmama hat es mir gesagt und nun ist alles so gekommen oh wie bin ich froh dass der liebe gott nicht nachgab wie ich so bat und jammerte 001660_869_000017 aber doch war schon bei vielen eine neue stimmung eingetreten und einer sagte zum andern es wird wohl mit dem alm öhi nicht so bös sein wie man tut man kann ja nur sehen wie sorglich er das kleine an der hand hält 001660_869_000018 heidi strebte in seinem eifer rascher und rascher die letzte steigung hinan und kaum waren sie oben angelangt als es des großvaters hand losließ und in die hütte hineinrannte 001660_869_000019 und damit sie diese nicht trocken essen müsse komme gleich der kaffee noch dazu er sei schon auf der reise und wenn sie selbst nach der alm komme so müsse das heidi sie auch zur großmutter führen 001660_869_000020 vater ich habe gesündigt gegen den himmel und vor dir und bin nicht mehr wert dein sohn zu heißen aber der vater sprach zu seinen knechten 001660_869_000021 unten im dörfli waren schon alle leute in der kirche und fingen eben zu singen an als der großvater mit heidi eintrat und ganz hinten auf der letzten bank sich niedersetzte 001660_869_000022 und das kind fing noch einmal an und las in eigener freude und verlangen kreuz und elende das nimmt ein ende 001660_869_000023 jetzt schoss ein heller freudenstrahl über heidis gesicht oh ich habe furchtbar viel geld großmutter rief es jubelnd aus und hüpfte vor freuden in die höhe 001660_869_000024 ein paar stunden später als heidi längst im tiefen schlafe lag stieg der großvater die kleine leiter hinauf er stellte sein lämpchen neben heidis lager hin so dass das licht auf das schlafende kind fiel 001660_869_000025 alles vergehet gott aber stehet ohn alles wanken seine gedanken sein wort und wille hat ewigen grund 001660_869_000026 jetzt trat der großvater aus der hütte schaute noch einmal rings um sich und sagte dann mit zufriedenem ton so nun können wir gehen 001660_869_000027 jetzt fuhr der besprochene eben zur tür herein nachdem er zuerst mit dem kopf so fest dagegen gerannt war dass alles erklirrte davon er musste pressiert sein atemlos und keuchend stand er nun mitten in der stube still und streckte einen brief aus 001660_869_000028 nachbar ihr seid in der rechten kirche gewesen noch eh ihr in die meinige herunterkamt des freu ich mich und dass ihr wieder zu uns kommen und mit uns leben wollt soll euch nicht gereuen 001660_869_000029 jetzt weiß ich was ich damit mache alle alle tage musst du ein neues brötchen haben und am sonntage zwei und der peter kann sie heraufbringen vom dörfli 001660_869_000030 als heidi schwieg bat sie mit verlangen oh noch einmal heidi lass es mich noch einmal hören kreuz und elende das nimmt ein ende 001660_869_000031 heidi machte nicht lange das war ein ganz neuer ruf vom großvater dem musste es schnell folgen in kurzer zeit kam es heruntergesprungen in seinem schmucken frankfurter röckchen aber voller erstaunen blieb heidi vor seinem großvater stehen und schaute ihn an 001660_869_000032 mein haupt und glieder die lagen darnieder aber nun steh ich bin munter und fröhlich schaue den himmel mit meinem gesicht 001660_869_000033 aber auf einmal wollte er sein hab und gut für sich haben und sein eigener meister sein und forderte es dem vater ab und lief fort damit und verprasste alles 001660_869_000034 aber als dann der pfarrer anfing zu predigen ging die zerstreutheit ganz vorüber denn es war ein so warmes loben und danken in seinen worten dass alle zuhörer davon ergriffen wurden und es war als sei ihnen allen eine große freude widerfahren 001660_869_000035 nach meeresbrausen und windessausen leuchtet der sonne erwünschtes gesicht 001660_869_000036 heidi war auf einen stuhl geklettert und hatte das buch mit einer dicken staubwolke heruntergezogen denn es hatte lange unberührt gelegen da oben nun wischte es heidi sauber ab setzte sich damit auf seinen schemel zur großmutter hin und fragte was es nun lesen solle 001660_869_000037 es lag da mit gefalteten händen denn zu beten hatte heidi nicht vergessen auf seinem rosigen gesichtchen lag ein ausdruck des friedens und seligen vertrauens der zu dem großvater reden musste denn lange lange stand er da 001660_869_000038 das geld ist dein mach was dich freut du kannst der großmutter manches jahr lang gut brot holen dafür heidi jauchzte auf oh juchhei nun muss die großmutter gar nie mehr hartes schwarzes brot essen und 001660_869_000039 ach gott sagte die brigitte das ist eine gute meinung aber denk sie werden auch hart wenn man nur hier und da einen übrigen batzen hätte der bäcker unten im dörfli macht auch solche aber ich vermag kaum das schwarze brot zu bezahlen 001660_869_000040 noch weit an die alm hinauf wurden großvater und kind von den meisten begleitet und beim abschied wollte jeder die versicherung haben dass der alm öhi bald einmal bei ihm vorspreche wenn er wieder herunterkomme 001660_869_000041 er ist gewiss mehr als zehn franken wert seht nur und in ihrer freude streckte sie das hütchen hoch auf was aber auch dieses heidi für einen segen von frankfurt mit heimgebracht hat 001660_869_000042 oh großvater nun ist doch alles so schön wie noch gar nie seit wir leben und heidi hüpfte hoch auf an der hand des großvaters und jauchzte in die luft hinauf wie die fröhlichen vögel des himmels 001660_869_000043 und peters mutter fügte hinzu die großmutter habe vor lauter sorge sie werde zu bald fertig damit nur ein einziges brötchen essen wollen gestern und heut zusammen und sie käme gewiss noch ziemlich zu kräften wenn sie so acht tage lang hintereinander jeden tage eines essen wollte 001660_869_000044 dann erfasste sie heidis hand und hielt sie ganz fest denn immer noch fürchtete sie das kind könnte ihr wieder entrissen werden und nun musste die großmutter erzählen wie die brötchen geschmeckt hätten und sie sagte sie habe sich so daran erlabt dass sie meine sie sei heute viel kräftiger als lang nicht mehr 001660_869_000045 oh heidi das macht hell das macht so hell im herzen oh wie hast du mir wohl gemacht heidi ein ums andere mal sagte die großmutter die worte der freude und heidi strahlte vor glück und musste sie nur immer ansehen denn so hatte es die großmutter nie gesehen 001660_869_000046 ich schreibe der klara einen brief und dann schickt sie mir gewiss noch einmal so viele brötchen wie da sind oder zweimal denn ich hatte schon einen großen haufen ganz gleiche im kasten und als man sie mir weggenommen hatte sagte klara sie gebe mir gerade so viele wieder und das tut sie schon 001660_869_000047 aber heidi ließ sich nicht stören in seiner freude es jauchzte und hüpfte in der stube herum und rief ein mal übers andere jetzt kann die großmutter jeden tag ein brötchen essen und wird wieder ganz kräftig und 001660_869_000048 bei der geißenpeter hütte trennten sie sich und heidi sprang hinein schon hatte die großmutter seinen schritt gehört und rief ihm liebevoll entgegen kommst du kind kommst du wieder 001660_869_000049 großmutter jetzt kann ich auch ganz gut lesen soll ich dir einmal ein lied lesen aus deinem alten buch o ja bat die großmutter freudig überrascht kannst du das auch wirklich kind kannst du das 001660_869_000050 gerade als wäre es wäre das sein bester freund von dem er sich fast nicht trennen könnte kaum hatte dann auch die tür sich hinter dem herrn pfarrer geschlossen so drängte die ganze versammlung dem alm-öhi entgegen und jeder wollte der erste sein und so viele hände wurden miteinander dem herankommenden 001660_869_000051 mein gott das ist der öhi rief die großmutter voll freudiger überraschung aus dass ich das noch erlebe dass ich euch noch einmal danken kann für alles das ihr für uns getan habt öhi vergelt's gott vergelt's gott 001660_869_000052 aber das bett heidi sagte der großvater ein rechtes bett für dich wäre gut und nachher bleibt schon noch für manches brötchen 001660_869_000053 und der herr pfarrer legte sehr freundlich seine hand auf heidis krauskopf und nahm es bei der hand und führte es hinaus indem er den großvater fortbegleitete und erst draußen vor der haustür nahm er abschied und nun konnten alle die herumstehenden leute sehen wie der herr pfarrer dem alm öhi die hand immer noch einmal schüttelte 001660_869_000054 jetzt klopfte es am fenster und heidi sah den großvater draußen der ihm winkte mit heimzukommen es folgte schnell aber nicht ohne die großmutter zu versichern morgen komme es wieder und auch wenn es mit peter auf die weide gehe so komme es doch im halben tag zurück 001660_869_000055 da gab es nun eine solche freude und verwunderung über diese nachrichten und so viel zu reden und zu fragen da die große erwartung alle gleich betraf dass selbst der großvater nicht bemerkte wie spät es schon war 001660_869_000056 als der gottesdienst zu ende war trat der almöhi mit dem kinde an der hand heraus und schritt dem pfarrhaus zu und alle die mit ihm heraustraten und die schon draußen standen schauten ihm nach 001660_869_000057 und das ihnen jetzt auf einmal glaublich schien dass es mehr und mehr so wurde als warteten sie alle da um einen alten freund zu bewillkommnen der ihnen lange gemangelt hatte 001660_869_000058 der großvater nahm den korb von seinem rücken in den er die hälfte der sachen aus dem koffer hineingestoßen hatte denn den ganzen koffer heraufzubringen wäre ihm zu schwer gewesen dann setzte er sich nachdenklich auf die bank nieder 001660_869_000059 heidi schaute unverwandt zu ihm auf und sagte ganz erfreut großvater heut wirst du immer schöner so warst du noch gar nie 001660_869_000060 jetzt trat der großvater in die hütte zurück komm heidi rief er auf den boden hinauf die sonne ist da zieh ein gutes röcklein an wir wollen in die kirche miteinander 001660_869_000061 und wo die frommen dann sollen hinkommen wenn sie mit frieden von hinnen geschieden aus dieser erde vergänglichem 001660_869_000062 keine sorge großmutter beruhigte der öhi damit will ich weder euch noch mich strafen jetzt bleiben wir alle beieinander und will's gott noch lange so 001660_869_000063 denn die hatte es schon so oft und immer wieder gelesen dass das buch von selbst aufging an dieser stelle jetzt las heidi mit großer teilnahme von dem sohne der es gut hatte daheim wo draußen auf des vaters feldern die schönen kühe und schäflein weideten 001660_869_000064 sondern nur schweinlein diese musste er hüten und er hatte nur noch fetzen auf sich und bekam nur von den trebern welche die schweinchen aßen ein klein wenig 001660_869_000065 der brief war von der klara sesemann geschrieben sie erzählte heidi dass es seit seiner abreise so langweilig geworden sei in ihrem hause sie es nicht mehr lang hintereinander so aushalten könne und so lange den vater gebeten habe bis er die reise ins bad ragaz schon auf den kommenden herbst festgestellt habe 001660_869_000066 und der andere sagte das hab ich ja immer gesagt und zum pfarrer hinein ginge er ja auch nicht wenn er so bodenschlecht wäre sonst müsste er sich ja fürchten man übertreibt auch viel 001660_869_000067 der almöhi war unterdessen an die tür der studierstube getreten und hatte angeklopft der pfarrer machte auf und trat dem eintretenden entgegen nicht überrascht wie er wohl hätte sein können sondern so als habe er ihn erwartet 001660_869_000068 und wie heidi das alles zu ende geschildert hatte kehrte es wieder zum ersten zurück und sagte ganz zuversichtlich gell großvater wenn die großmutter schon nicht will so gibst du mir doch alles geld in der rolle dass ich dem peter jeden tag ein stück geben kann zu einem brötchen und am sonntag zwei 001660_869_000069 aber heidi ließ dem großvater keine ruhe und bewies ihm dass es auf seinem heubett viel besser schlafe als es jemals in seinem kissenbett in frankfurt geschlafen habe und bat so eindringlich und unablässig dass der großvater zuletzt sagte 001660_869_000070 und so tönte und drängte es von allen seiten und wie nun der öhi auf alle die freundlichen begrüßungen erwiderte er gedenke sein altes quartier im dörfli wieder zu beziehen und den winter mit den alten bekannten zu verleben 001660_869_000071 grüß gott großmutter rief er hinein ich denke wir müssen einmal wieder ans flicken gehen bevor der herbstwind kommt 001660_869_000072 und rührte sich nicht und wandte kein auge von dem schlafenden kinde ab jetzt faltete auch er die hände und halblaut sagte er mit gesenktem haupte vater ich habe gesündigt gegen den himmel und vor dir und bin nicht mehr wert dein sohn zu heißen 001660_869_000073 aber jetzt will ich immer so beten wie die großmama sagte und dem lieben gott immer danken und wenn er etwas nicht tut das ich erbeten will dann will ich gleich denken es geht gewiss wieder wie in frankfurt der liebe gott denkt gewiss etwas viel besseres aus 001660_869_000074 leise schob es noch einmal sein buch vor den großvater hin und sagte sieh wie es ihm wohl ist und zeigte mit seinem finger auf das bild des heimgekehrten wie er im frischen kleid neben dem vater steht und wieder zu ihm gehört als sein sohn 001660_869_000075 ich wäre nur gleich wieder heimgekommen und hätte der großmutter nur wenige brötchen gebracht und hätte ihr nicht lesen können was ihr wohl macht aber der liebe gott hatte schon alles ausgedacht so viel schöner als ich es wusste 001660_869_000076 von allen seiten tönten jetzt die hellen glocken ihnen entgegen immer voller und reicher je weiter sie kamen und heidi lauschte mit entzücken und sagte hörst du's großvater es ist wie ein großes großes fest 001660_869_000077 meinst du lächelte der großvater ja und siehst du heidi mir geht's auch heut über verstehen und verdienen gut und mit gott und menschen im frieden stehen das macht einem so wohl 001660_869_000078 aufgenommen von sabine heidis lehr und wanderjahre von johanna spyri kapitel vierzehn am sonntag wenn's läutet 001660_869_000079 das kind konnte es fast nicht erwarten die großmutter wieder zu sehen und zu hören wie ihr die brötchen geschmeckt hatten und doch wurde ihm wieder die zeit nicht lang denn es konnte ja nicht genug die heimatlichen töne von dem tannenrauschen über ihm und das duften und leuchten der grünen weiden und der goldenen blumen darauf eintrinken 001660_869_000080 aber wir wollen auch alle tage gebeten gell großvater und wir wollen es nie mehr vergessen damit der liebe gott uns auch nicht vergisst und wenn's einer doch täte murmelte der großvater 001660_869_000081 und so vergnügt und fröhlich waren sie alle in der aussicht auf die kommenden tage und fast noch mehr in der freude über das zusammensein an dem heutigen dass die großmutter zuletzt sagte 001660_869_000082 und als er gar nichts mehr hatte musste er hingehen und knecht sein bei einem bauer der hatte aber nicht so schöne tiere wie auf seines vaters feldern waren 001660_869_000083 und mit zitternder freude streckte die alte großmutter ihre hand aus und als der angeredete sie herzlich schüttelte fuhr sie fort indem sie die seinige fest hielt 001660_869_000084 kreuz und elende das nimmt ein ende nach meeresbrausen und windessausen leuchtet der sonne erwünschtes gesicht 001660_869_000085 die großmutter schwieg still sie wollte des kindes freude nicht trüben bei seinem herumhüpfen fiel dem heidi auf einmal das alte liederbuch der großmutter in die augen und es kam ihm ein neuer freudiger gedanke 001660_869_000086 heidi hörte der brigitte mit aufmerksamkeit zu und blieb jetzt noch eine zeit lang nachdenklich nun hatte es seinen weg gefunden ich weiß schon was ich mache großmutter sagte es in freu freudigem eifer 001660_869_000087 die großmutter saß still da mit gefalteten händen und ein ausdruck unbeschreiblicher freude so wie ihn heidi nie an ihr gesehen hatte lag auf ihrem gesicht obschon ihr die tränen die wangen 001660_869_000088 denn dass es der großmutter wieder hell machen konnte und sie wieder fröhlich wurde das war nun für heidi das allergrößte glück das es kannte noch viel größer als auf der sonnigen weide und bei den blumen und geißen zu sein 001660_869_000089 oh großvater so hab ich dich nie gesehen brach es endlich aus und den rock mit den silbernen knöpfen hast du noch gar nicht getragen oh du bist so schön in deinem schönen sonntagsrock 001660_869_000090 alm-öhi und die frauen mussten fast alle einen augenblick den kopf umdrehen und die meisten fielen ein wenig aus der melodie so dass der vorsänger die größte mühe hatte den gesang schön aufrechtzuerhalten 001660_869_000091 doch heidi die geschichte ist schön sagte der großvater aber sein gesicht war so ernsthaft dass heidi ganz stille wurde und seine bilder ansah 001660_869_000092 der liebe gott hat's gut mit mir gemeint dass er dich auf die alm schickte bei der geißenpeter hütte angekommen machte der großvater gleich die tür auf und trat ein 001660_869_000093 aber auf einmal wurde es ganz ernsthaft und sagte oh wenn nun der liebe gott gleich auf der stelle getan hätte was ich so stark erbetete dann wäre doch alles nicht so geworden 001660_869_000094 die güldene sonne voll freud und wonne bringt unseren grenzen mit ihrem glänzen ein herzerquickendes liebliches licht 001660_869_000095 und der bäcker sagte hab ich das nicht zuallererst gesagt seit wann läuft denn ein kleines kind das zu essen und zu trinken hat was es will und sonst alles gute aus alledem weg und heim zu einem großvater wenn der bös und wild ist und es sich zu fürchten hat vor ihm 001660_869_000096 der großvater ging eine weile schweigend weiter dann sagte er seine gedanken verfolgend vor sich hin und wenn's einmal so ist dann ist es so zurück kann keiner und wen der herrgott vergessen hat den hat er vergessen 001660_869_000097 freude die fülle und selige stille darf ich erwarten im himmlischen garten dahin sind meine gedanken gericht 001660_869_000098 am sonntag wenn's läutet heidi stand unter den wogenden tannen und wartete auf den großvater der mitgehen und den koffer vom dörfli heraufholen wollte während es bei der großmutter wäre 001660_869_000099 und alle schauten mit spannung nach der pfarrhaustür wie der öhi wohl wieder herauskommen werde ob in zorn und hader oder im frieden mit dem herrn pfarrer denn man wusste ja gar nicht was den alten heruntergebracht hatte und wie es eigentlich gemeint sei 001660_869_000100 jetzt kommt etwas von der sonne das will ich dir lesen großmutter und heidi begann und wurde selbst immer eifriger und immer wärmer während es las 001660_869_000101 und er in einem schönen mäntelchen auf seinen hirtenstab gestützt bei ihnen auf der weide stehen und dem sonnenuntergang zusehen konnte wie alles auf dem bilde zu sehen war 001660_869_000102 und bringt das gemästete kalb her und schlachtet es und lasst uns essen und fröhlich sein denn dieser mein sohn war tot und ist wieder lebendig geworden und er war verloren und ist wieder gefunden worden 001660_869_000103 nein nein kind wehrte die großmutter das kann nicht sein das geld hast du nicht dazu bekommen du musst es dem großvater geben er sagt dir dann schon was du damit machen musst 001660_869_000104 sein heil und gnaden die nehmen nicht schaden heilen im herzen die tödlichen schmerzen halten uns zeitlich und ewig gesund 001660_869_000105 er ist ja zuerst vom lieben gott weggelaufen nun lässt ihn der liebe gott auch gehen der ihm helfen könnte das ist wahr heidi woher weißt du das von der großmama sie hat mir alles erklärt 001660_869_000106 heidi kam wieder herbeigerannt sein großes buch unter dem arm oh das ist recht großvater dass du schon dasitzt und mit einem satz war heidi an seiner seite und hatte schon seine geschichte aufgeschlagen 001660_869_000107 und sie fingen an fröhlich zu sein ist denn das nicht eine schöne geschichte großvater fragte heidi als dieser immer noch schweigend dasaß und es doch erwartet hatte er werde sich freuen und verwundern 001660_869_000108 ich habe schon manchmal denken müssen ob ich nicht den peterli auch ein wenig nach frankfurt schicken solle was meint ihr öhi dem öhi schoss es ganz lustig aus den augen er meinte es könne dem peterli nichts schaden aber er würde doch eine gute gelegenheit dazu abwarten 001660_869_000109 und wie er von ferne gegen das haus seines vaters kam da sah ihn der vater und kam herausgelaufen was meinst du jetzt großvater unterbrach sich heidi in seinem vorlesen 001660_869_000110 und er dachte ich will zu meinem vater gehen und ihn um verzeihung bitten und ihm sagen ich bin nicht mehr wert dein sohn zu heißen aber lass mich nur dein tagelöhner bei dir sein 001660_869_000111 oh nein großvater zurück kann einer das weiß ich auch von der großmama und dann geht es so wie in der schönen geschichte in meinem buch aber die weißt du nicht jetzt sind wir aber gleich daheim und dann wirst du schon erfahren wie schön die geschichte ist 001660_869_000112 da gab es erst einen rechten lärm und es war so wie wenn der alm öhi die beliebteste persönlichkeit im ganzen dörfli wäre die jeder mit nachteil entbehrt hatte 001660_869_000113 die ungewohnte erscheinung in der kirche musste ihm nicht entgangen sein er ergriff die hand des alten und schüttelte sie wiederholt mit der größten herzlichkeit und der alm-öhi stand schweigend da und konnte erst kein wort herausbringen denn auf einen solchen herzlichen empfang war er nicht vorbereitet 001660_869_000114 das war auch ein ereignis das noch nie vorgekommen war ein brief mit einer aufschrift an das heidi den man ihm auf der post im dörfli übergeben hatte jetzt setzten sich alle voller erwartung um den tisch herum und heidi machte seinen brief auf und las ihn laut und ohne anstoß vor 001660_869_000115 jetzt meinst du der vater sei noch böse und sage zu ihm ich habe's dir ja gesagt jetzt hör nur was kommt und sein vater sah ihn und es jammerte ihn und lief und fiel ihm um den hals und küsste ihn und der sohn sprach zu ihm 001660_869_000116 und eine bitte habe ich noch auf dem herzen öhi wenn ich euch je etwas zuleid getan habe so straft mich nicht damit dass ihr noch einmal das heidi fortlasst bevor ich unten bei der kirche liege oh ihr wisst nicht was mir das kind ist und sie hielt es fest an sich denn heidi hatte sich schon an sie geschmiegt 001660_869_000117 und der herr pfarrer wird es ja nicht tun die freundlichen augen des pfarrers glänzten vor freude er nahm noch einmal des alten hand und drückte sie in der seinen und sagte mit rührung 001844_1599_000000 ich lag wohl eine stunde ganz hinten in meiner werkstatt platt auf dem boden und alle meine kleider decken und polster hatte ich über mir aufgehäuft 001844_1599_000001 oft liegt ein reiter neben seinem pferd und beide nähren sich vom gleichen fleischstück jeder an einem ende der fleischhauer ist ängstlich und wagt es nicht 001844_1599_000002 sprechen kann man mit den nomaden nicht unsere sprache kennen sie nicht ja sie haben kaum eine eigene untereinander verständigen sie sich ähnlich wie dohlen 001844_1599_000003 mit den fleischlieferungen aufzuhören wir verstehen das aber schießen geld zusammen und unterstützen ihn bekämen die nomaden kein fleisch wer weiß was ihnen zu tun einfiele wer weiß allerdings was ihnen einfallen wird selbst wenn sie täglich fleisch bekommen 001844_1599_000004 nur um das gebrüll des ochsen nicht zu hören den von allen seiten die nomaden ansprangen um mit den zähnen stücke aus seinem warmen fleisch zu reißen 001844_1599_000005 wie wird es werden fragen wir uns alle wie lange werden wir diese last und qual ertragen der kaiserliche palast hat die nomaden angelockt 001844_1599_000006 ich kann aber darüber nicht klagen wenn ich zum beispiel zusehe wie es dem fleischer gegenüber geht kaum bringt er seine waren ein ist ihm schon alles entrissen und wird von den nomaden verschlungen auch ihre pferde fressen fleisch 001844_1599_000007 ich habe eine schusterwerkstatt auf dem platz vor dem kaiserlichen palast kaum öffne ich in der morgendämmerung meinen laden sehe ich schon die eingänge aller 001844_1599_000008 es ist als wäre viel vernachlässigt worden in der verteidigung unseres vaterlandes wir haben uns bisher nicht darum gekümmert und sind unserer arbeit nachgegangen die ereignisse der letzten zeit machen uns aber sorgen 001844_1599_000009 wir sind aber einer solchen aufgabe nicht gewachsen haben uns doch auch nie gerühmt dessen fähig zu sein ein missverständnis ist es und wir gehen daran zugrunde 001844_1599_000010 denn die anstrengung ist nutzlos und bringt uns überdies in die gefahr unter die wilden pferde zu kommen oder von den peitschen verletzt zu werden 001844_1599_000011 letzthin dachte der fleischer er könne sich wenigstens die mühe des schlachtens sparen und brachte am morgen einen lebendigen ochsen das darf er nicht mehr wiederholen 001844_1599_000012 schon lange war es still ehe ich mich auszugehen getraute wie trinker um ein weinfass lagen sie müde um die reste des ochsen gerade damals glaubte ich den kaiser selbst in einem fenster des palastes gesehen zu haben niemals sonst kommt er in diese äußeren gemächer 001844_1599_000013 du magst dir die kiefer verrenken und die hände aus den gelenken winden sie haben dich doch nicht verstanden und werden dich nie verstehen oft machen sie grimassen dann dreht sich das weiß ihrer augen 001844_1599_000014 es scheint dass jeden morgen mehr werden ihrer natur entsprechend lagern sie unter freiem himmel denn wohnhäuser verabscheuen sie sie beschäftigen sich mit dem schärfen der schwerter dem zuspitzen der pfeile mit übungen zu pferde 001844_1599_000015 vor ihrem zugriff tritt man beiseite und überlässt ihnen alles auch von meinen vorräten haben sie manches gute stück genommen 001844_1599_000016 immer nur lebt er in dem innersten garten diesmal aber stand er so schien es mir wenigstens an einem der fenster und blickte mit gesenktem kopf auf das treiben vor seinem schloss 001844_1599_000017 auf eine mir unbegreifliche weise sind sie bis in die hauptstadt gedrungen die doch sehr weit von der grenze entfernt ist jedenfalls sind sie also da 001844_1599_000018 einlaufenden gassen von bewaffneten besetzt es sind aber nicht unsere soldaten sondern offenbar nomaden aus dem norden 001844_1599_000019 und schaum schwillt aus ihrem munde doch wollen sie damit weder etwas sagen noch auch erschrecken sie tun es weil es so ihre art ist was sie brauchen nehmen sie man kann nicht sagen dass sie gewalt anwenden 001844_1599_000020 versteht es aber nicht sie wieder zu vertreiben das tor bleibt verschlossen die wache früher immer festlich ein und ausmarschierend hält sich hinter vergitterten fenstern uns handwerkern und geschäftsleuten ist die rettung des vaterlandes anvertraut 001844_1599_000021 aus diesem stillen immer ängstlich rein gehaltenen platz haben sie einen wahren stall gemacht wir versuchen zwar manchmal aus unseren geschäften hervorzulaufen und wenigstens den ärgsten unrat wegzuschaffen aber es geschieht immer seltener 001844_719_000000 noch erfreulicher aber ist der anblick des wohlstands der durch sie ringsumher unter den einwohnern des tals verbreitet wird wir sahen mit wahrer freude an einem sonntagabend die wohlgekleideten arbeiter mit ihren geputzten weibern und mädchen spazieren gehen 001844_719_000001 zum teil roh in sehr schönen exemplaren für den liebhaber und sammler der auch zu kaminen urnen vasen schreibzeugen und unzähligen anderen dingen verarbeitet wird 001844_719_000002 achtzehnzwanzig wurde der nordflügel angebaut das zimmer das johanna hier beschreibt ist also nicht das ursprüngliche zimmer marias gewesen ende fußnote 001844_719_000003 den stolzen waldgekrönten scheitel vor dem schlosse windet sich silbern die derwent durch das lachende grün eine sehr schöne steinerne brücke führt hinüber 001844_719_000004 große fabrikgebäude zu ihren füßen liegen kunstlose wie von der hand der natur geschaffene spaziergänge ziehen sich an beiden ufern zwischen wald und fels dahin bis zurück zu unserem gasthofe 001844_719_000005 fußnote dazu johanna in einer anmerkung ein grüner solgfältig mit walzen geglätteter rasenplatz zu einem nur in england gebräuchlichen spiele mit kugeln ende fußnote und einige billardtafeln sind alles was die kunst zu ihrem ergötzen 001844_719_000006 geschicklichkeit und seinen ausdauernden mut so merkwürdige mann war ursprünglich ein barbier er hatte bei seinen unternehmungen schwierigkeiten zu bekämpfen denen ein gewöhnlicher mann unterlegen wäre 001844_719_000007 dies ist ihr sonntagskostüm von welchem das der wochentage nur durch dunklere farben und schlechteren stoff abweicht hinter dem wohnhause von wellersley strecken sich die dazu gehörigen großen wohlangelegten promenaden hoch den berg hinan 001844_719_000008 welcher derbyshire hervorbringt sind allbekannt in matlock findet man sie in zwei eleganten läden in aller ihrer mannigfaltigkeit zum verkaufe und zum anschauen ausgestellt 001844_719_000009 fußnote dazu johanna in einer anmerkung nur die ärmsten engländerinnen stricken diese arbeit wird bei ihnen für schimpflich gehalten ende fußnote 001844_719_000010 das von weißen steinen massiv erbaute wohnhaus sowohl als die großen fabrikgebäude am ufer des stromes beschirmt von mächtigen felsen erhöhen die schönheit der gegend 001844_719_000011 dann wand sich der hohe berge hinan deren gipfel uns eine weite aussicht auf das fruchtbare durch unzählige fabriken und häuser belebte land eröffneten jetzt führte der weg abwärts im morgenlicht schimmerte uns ein prächtiges gebäude entgegen es war chatsworth 001844_719_000012 darzubieten wagt getanzt wird selten und nur auf veranlassung der badegäste selbst denn der spekulationsgeist der hiesigen wirte reicht nicht so weit 001844_719_000013 an einem frühen morgen verließen wir endlich und gern das freundliche matlock lange noch zog sich der weg durch das tal am ufer der bald ruhig hinfließenden bald über felsstücke wild daher brausenden 001844_719_000014 sei es immer dass seine heilquelle wenig wirksam ist es braucht ihrer nicht um in dieser himmlischen gegend neue lebenskraft zu finden 001844_719_000015 und ein vorn offenen kattunenes langes kleid hinten künstlich mit nadeln aufgesteckt alles blendend rein bis auf die feinen weißen gewebten strümpfe 001844_719_000016 derwent die freuden der badegäste beschränken sich größtenteils auf den genuss dieser herrlichen natur denn ein bowling green 001844_719_000017 von der entgegengesetzten seite blicken wir in ein zweites tal als ob noch nie ein menschlicher fuß bis hierher gedrungen wäre so heimlich in verborgener stille liegt es da rings umgeben von grünen bergen 001844_719_000018 er verdiente mächtige freunde zu finden die ihm hilfreich beistünden und er fand sie sein großes unternehmen gelang und er selbst lebte lange genug um im hohen wohlstande sich dessen zu erfreuen 001844_719_000019 waldbewachsenen fels lehnen die netten gebäude des bades und geben ein freundliches bild des bequemen geselligen lebens in dieser abgeschiedenheit 001844_719_000020 dem wasser erzeigt man die ehre es warm zu nennen wir fanden es kaum lau es schmeckt recht gut und ist sehr klar die bäder sind so bequem und reinlich eingerichtet wie man es nur in diesem lande erwarten kann 001844_719_000021 für den geologen ist matlock höchst interessant die verschiedenen steinarten flussspate stalaktiten und so weiter 001844_719_000022 viel lauben über den nachen und drohend schauten die felsspitzen von oben hinein dann traten sie wieder zurück und wir sahen freundliche hütten mit gärtchen und wiesenplätzchen untermischt an ihrer seite hangen stattliche häuser 001844_719_000023 in der ganzen pracht seiner üppigen vegetation mitten hindurch gaukelt der strom an dem gegenüberstehenden 001844_719_000024 in ihrem putze sehen sie gewissermaßen vornehm und damenhaft aus ein feiner strohhut mit farbigem bande geschmückt auf einem kleinen schneeweißen häubchen steht den artigen bescheidenen gesichtern sehr gut 001844_719_000025 ihm gegenüber erhebt sich der höchste fels dieser gegend die landleute nennen ihn high tor auf einem größtenteils schattigen nicht sehr beschwerlichen wege stiegen wir hinauf wir erblickten oben von einer seite das enge tal 001844_719_000026 eine auf diese weise verewigte perücke und einen haarbesen die beide in dieser gestalt gar wunderlich aussahen jenseits der derwent dem dorfe schräg gegenüber liegt cromford mill die baumwollspinnerei des sir richard 001844_719_000027 soweit sie befahrbar ist freilich nur eine kleine strecke denn es ist ein wildes bergwasser voll fällen und strudeln die felswände zogen sich enger zusammen als wollten sie uns den weg versperren die 001844_719_000028 die erste welche er der eigentliche erfinder der in ihren wirkungen ans wunderbare grenzenden spinnmaschinen erbaute dieser durch seine mechanische 001844_719_000029 leider ist es wegen ihrer zerbrechlichkeit schwer sie weit zu verführen noch ist eine versteinernde quelle fußnote kalk in der haltiges wasser ende fußnote 001844_719_000030 alle diese sachen werden zu niedrigen preisen hier verkauft sie sind vortrefflich poliert von schöner form und sehen ungemein glänzend und elegant aus 001844_719_000031 anderthalb meilen davon es ist unmöglich dies reizende tal durch bloße beschreibung anschaulich darzustellen so still so heimlich liegt es da 001844_719_000032 seit zweihundert jahren der landsitz der edlen familie von cavendish jetzt ihrer abkömmlinge der herzöge von devonshire das schloss liegt romantisch in einem weiten tiefen tale hinter demselben erhebt ein hoher fels 001844_719_000033 schöne herden weideten ohne hirten im hohen grase nirgends sahen wir die wilde einfache schönheit der natur glücklicher mit hoher kultur vereint als hier am ufer der 001844_719_000034 durchrauscht von der derwent umgeben von hohen kühnen felsen die bald schroff und nackt gen himmel starren 001844_719_000035 die mannigfaltigen ansichten des tales von oben herab sind wunderschön die gärten enthalten treibhäuser und eine hübsche orangerie überall sieht man die segensreichen früchte des fleißes und der industrie 001844_719_000036 ja merkwürdig alles was man hineinlegt wird in kurzer zeit inkrustiert und wenn es länger liegt ganz in stein verwandelt der wächter dieser quelle zeigte uns 001844_719_000037 umspielt von schönen reinlichen kindern die englischen bauernmädchen und jungen weiber sind durchgängig schöne gestalten älter werden sie oft zu dick 001844_719_000038 auch sahen die fünfzig oder sechzig badegäste die wir hier fanden gar nicht aus als ob äskulap sie mit seinem schlangenstabe hierher gebannt hätte sie schienen sich vor dem wilden unsteten treiben des lebens hergeflüchtet zu haben 001844_719_000039 um einmal ruhig atem zu schöpfen und dann mit frischem mute wieder an ihr werk zu gehen der eigentliche badeort besteht nur aus drei schönen großen gasthöfen und zwei logierhäusern das dorf matlock liegt etwa 001844_719_000040 wir fuhren durch den park neugierig guckten seine bewohner die hirsche und rehe von beiden seiten des wegs in unsere postchaise ende von kapitel sieben 001844_719_000041 fußnote das schloss wurde sechzehn siebenundachtzig bis siebzehn sechs vom herzog von devonshire in italienischem spätrenaissancestil erbaut anstelle eines älteren schlosses in dem maria stuart gefangen gehalten worden war 001844_719_000042 kapitel nummer sieben matlock freundlich und dennoch erhaben einsam und dennoch voll regen lebens ist dieses liebliche tal eines der schönsten plätzchen britanniens 001844_719_000043 dazu große weiße musselinene halstücher ein rock von durchgestepptem zeug von eine hellen farbe himmelblau oder rosenrot bei den eleganten 001844_931_000000 keine teilnahme kein gesteigertes leben kein abweichen von dem ausgefahrenen gleise täglichen verkehrs punkt neun uhr wie immer fuhren die 001844_931_000001 wenn nicht mr osborne ein bescheidener fußgänger gewesen wäre noch ist der beifall in der luft da lösen ihn plötzlich andere töne ab der marquis von blandford 001844_931_000002 wie auf abschlag nur mit dem schimpfrecht ausgestattet zu sein scheint und allerdings versteht den weitesten gebrauch davon zu machen weg mit solchem plunder 001844_931_000003 mit seinen eigentlichen wählern ist der kandidat seit gestern fertig nur noch mit dem volke hat er sich auseinanderzusetzen drum kehrt er auch vorschriftsmäßig jenen den rücken zu und wendet sich mit dem üblichen gentlemen 001844_931_000004 das schauspiel einer englischen wahl wird nur noch in kleinen provinzialstädtchen aufgeführt wo es wenigstens auf tage möglich ist der ganzen bevölkerung eine gemeinschaftliche richtung zu geben und wo das wahlfeuer 001844_931_000005 und zum ersten mal wieder eine wunder des großen zehen vor ihren alten freunden entfaltet es ist nicht huldigung mehr es ist trägheit 001844_931_000006 ich habe die ehre an eine musterkarte von straßenkehrern und schiffsknechten die oberst bersdorf ein derbyit in norwich so unhöflich war das erbärmlichste gesindel zu nennen das ihm all sein lebtag vorgekommen sei 001844_931_000007 poste gefasst und wie trabanten mit langen stangen bewaffnet lassen sie deren inschriften embleme über den köpfen ihrer männer und söhne hin und her wehen diese inschriften lauten der marquis von blandford ist gegen das billige brot 001844_931_000008 brentford kaum eine deutsche meile von london entfernt ist der alte sammelplatz der wähler von middlesex und die hauptstadt jener kleinen grafschaft die sich in schmalem streifen um die riesenstadt herumlegt wie ein wertloser ring um einen edelstein 001844_931_000009 den die erde zu arm ist mit ihrem golde aufzuwiegen middlesex schickt zwei vertreter ins parlament seit jahren dieselben namen lord grosvenor und mr osborne 001844_931_000010 amphitheatralisch ansteigend die bänke der wähler im vordergrunde befindet sich volk und füllt den platz ein konglomerat zerrissener jacken und schmutziger hemdsärmel 001844_931_000011 und mit den zeichen der freude sondern drohend wie eine rute umsonst erheben sich einige stimmen give him fair play oder 001844_931_000012 marketenderinnen mit ihrem karrenkram saßen unter ahorn und ulmenbäumen schlechtes bier aber guten schatten feilbietend und maueranschläge zu beiden seiten des weges 001844_931_000013 ich hatte nicht eben auf krawall und zusammenrottung oder gar ein revolutiönchen nach der mode gerechnet aber doch auf eine allgemeine und sichtbare beteiligung der bevölkerung auf eine veränderte physiognomie der stadt und ihres treibens 001844_931_000014 wie bei uns um pfingsten wenn halbe birkenwälder in unsree dörfer wandern und selbst der lehmhütte ein festlich grünes kleid antun so war das rußige brentford jetzt ein märchenhaft geputztes aschenbrödel geworden 001844_931_000015 und das auf mich überging weil ich das glück habe ein enkel herzog marlboroughs zu sein armer marquis 001844_931_000016 das ganze ist ein so prächtiges stück von volkssouveränität wie es nur irgendwie und wo gewünscht werden kann es geht ein omnibus nach brentford so lange wir london und seine vorstädte noch zu beiden seiten hatten rang das politische treiben vergeblich nach geltendmachung 001844_931_000017 haubenbänder im winde flattern alles nickte und grüßte und lachte selbst gouvernanten entschlugen sich ihres vorschriftsmäßigen ernstes und lächelten so bedeutungsvoll wie der sklave 001844_931_000018 oder die kunst von jeder frau geliebt zu werden umher als wäre ihnen der sieg von whig oder tory so gleichgültig wie der sturz oder die ernennung eines chinesischen mandarinen 001844_931_000019 das schauspiel war aus das volk verlief sich ich selbst sprang auf den omnibus und während die heiße mittagssonne mich unbarmherzig briet hatte ich zeit über die erlebnisse der letzten stunden nachzudenken 001844_931_000020 wohin verirrst du dich du sprichst nicht im unterhause und vor leuten die eine ahnung von der geschichte ihres landes haben du stehst vor gentlemen die von höchstädt und 001844_931_000021 oder y auf die schale geklebt hatte sonst nichts als schlaff herabhängende fahnen die darüber nachzudenken schienen was langweiliger sei diese wahl oder ihre eigene bestimmung 001844_931_000022 vielfach während der zählung hatte sich die waage zugunsten seines nebenbuhlers des marquis von blandford eines eifrigen derbyiten und früheren vertreters von woodstock geneigt 001844_931_000023 ja selbst am büchertisch meines nachbars des straßenantiquars fehlte kein teures haupt und die lieben alten gesichter blätterten so emsig in den vergilbten scharteken von bothwell der königsmörder 001844_931_000024 city corn ist im dichtbesetzten omnibus die oxfordstraße entlang kommt ein ohr wie immer zogen die horse guards auf wache im james park so viel kindermädchen wie sonst im hyde park so viel ladies zu pferde wie immer 001844_931_000025 aber weiter bringt er's nicht zwar spricht er noch und versucht seine stimme in allen tonlagen jedoch umsonst ein lärm hat sich erhoben gegen den der beifallssturm der vorigen minute ein bloßes gesäusel war 001844_931_000026 so viel wissen wie von den quellen des nil wirf den ruhm deines großen ahnen nicht länger weg und gedenke der perle im sprichwort tu was du jetzt tust lächle und tritt ab 001844_931_000027 doch das alles war vorspiel das eigentliche stück begann erst als wir in brentford einfuhren und wenn gewisse dramatiker recht haben 001844_931_000028 da widerstehe wer kann sicherlich dass die stereotype schlussposse des kontinents das volk als pferd auch hier platz gesessen hätte 001844_931_000029 vorüber neue truppenmassen mit musik an der spitze und bei jedem bierhause zum weitermarsch sich stärkend wurden von rechts und links ins feuer geführt 001844_931_000030 wer in london lebt der wähle brentford wenn er das bild einer englischen wahl mit in die heimat nehmen will er findet da noch die gute alte zeit mit ihrem reiz und ihrem unsinn 001844_931_000031 es war auch zum weidenbaum gegangen aber der baum brauchte sich nicht aufzutun aller schmuck hing frei an den zweigen die häuser ein wald und die fenster ein garten 001844_931_000032 doch weg jetzt mit dem historischen stil und das lebendige präsens an seine stelle lord grosvenor ist ein ältlicher herr seinen zähnen nach zu schließen keiner von denen die das derbe hühnchen 001844_931_000033 glückliche reise diese letztere spötterei war das grundthema unzähliger variationen die ich übergehe endlich unter einer zweiten riesenfahne die ohne weiteres 001844_931_000034 da blühten fuchsia und rose erika und rhododendron hinter den blumen blühten die mädchen und wieder über die köpfe der töchter hinweg guckten die mütter freilich keine blüten mehr und ließen die blau grün gelben 001844_931_000035 und nur die anhänglichkeit des städtchens brentford selbst hatte schließlich die wiederwahl des volksmannes gesichert die zählung war vorüber und das resultat gekannt aber die amtliche verkündigung desselben durch den grafschafts-sheriff in goldener kette und galantariedegen 001844_931_000036 auch das schöne geschlecht ist auf dem marktplatz vertreten und steuert bei je nach seiner art zur verherrlichung und charakteristik des festes zunächst 001844_931_000037 wenn er die kette bricht dazu zahllose girlanden die sich von dach zu dach quer über die straße zogen der inhalt ihrer tafeln und inschriften war es was mehr als alles andere der fest-dekoration meine aufmerksamkeit in anspruch nahm 001844_931_000038 ein derby hündchen marlborough race hat sich verlaufen und ist von woodstock nach middlesex geraten leider hat man ihn hier dermaßen gebissen dass er froh sein mag in seine alte hütte zurückzukehren 001844_931_000039 umsonst dringt der marquis noch einmal durch um ihren folgenden satz in die zähne zu werfen ich verstehe die schnurren und witzeleien meiner gegner und nehme sie lachend hin als das unvermeidliche einer wahl 001844_931_000040 der ganze akt ist ein widerspruch in ländern wo alle stimmen gleich schwer wiegen mag dies aufwarten vor versammeltem volk einen sinn haben aber sinnlos ist es 001844_931_000041 die pfeife ist natürlich das grundinstrument aber auch das englisch nationale grunzen findet seine virtuosen 001844_931_000042 ich gebe einige dieser kernsprüche in wortgetreuer übersetzung triumph bürgerlicher und religiöser freiheit so empfing uns eine fahne am eingang in die stadt wer ist bigott wer predigt religiöse verfolgung 001844_931_000043 dass es eine freude ist und seine rede wimmelt von großer nation und ehrenwerten gentlemen von freihandel und billigem brot 001844_931_000044 das jahr übt eine heiligende kraft aber man möge aus demselben dichter auch die wahrheit lernen das alter stürzt es ändert sich die zeit und neues leben blüht aus den ruinen ende von die middlesex fall 001844_931_000045 nichtsdestoweniger ist es ein aufwarten der sache nach ein entschiedenes aufwarten sofern der gewählte durch sitte oder gesetz verpflichtet ist auf die oft dümmsten fragen eines bunt zusammengewürfelten haufens red und antwort zu stehen 001844_931_000046 der tribüne und mitten durch den volkshaufen hindurch zieht sich auf gepolsterter bank ein streifen reichgeputzter damen wie eine amethyst ader durch rauchquarz sie haben ihre schirme aufgespannt ich wette mehr um sich gegen die gentlemen als gegen die sonne zu schützen 001844_931_000047 j o u ins gesicht zu gleicher zeit dringt jetzt die amazonen-garde vor postiert sich mit dem riesen und zwergbrot dicht vor die augen des redners fächelt ihm 001844_931_000048 let's hear him umsonst tritt der volksmann vor und beschwört die gentlemen den marquis zu hören wenn sie seine osbornes freunde seien 001844_931_000049 so lautete die schlussversicherung in vielen hundert plakaten möglich dass das wort im englischen eine mildere bedeutung hat erwarten vielleicht 001844_931_000050 blandford für six pence dort ein riesenbrot mit dem zuruf osborne für drei pence endlich lord grosvenor ist fertig und macht dem volksmann platz er wird wie eine tänzerin empfangen die fünf monate auf urlaub war 001844_931_000051 das stimmt gegen unsere katholischen brüder wer der marquis von blandford mag er es leugnen wenn er kann oder dastehen als ein wolf in schafskleidern 001844_931_000052 unsere vaterländischen katzenmusiken sinken zu bloßen stümpereien herab oder erheben sich vergleichsweise zum wohlklang einer symphonie 001844_931_000053 was soll diese farce mag's immerhin recht sein voll misstrauen auf die superklugheit der jungen zu blicken dies misstrauen darf nicht zum freibrief für all und jeden nonsens vergangener jahrhunderte werden 001844_931_000054 und für den besiegten kandidaten ein martyrium um nichts und wieder nichts sich einer in den meisten fällen bezahlten rotte in solcher weise preiszugeben einer genossenschaft die außerhalb des wahlrechte stehend 001874_931_000000 armen auf ich glaubte sie hätten uns vergessen rief sie schelmisch unter ihrem hut hervor und sah mich an als wisse sie's doch am besten dass keines mannes auge ihrer lieblichkeit jemals vergessen könne dann erhob sich alles gesunder appetit umschlang uns mit einem eintrachtsbande und dem boote zueilend glitten wir in der nächsten minute schon quer 001874_931_000001 fast gegenüber von traitors' gate bemerken wir einen zweiten turm er heißt bloody tower blutturm hier wurden die söhne eduards erwürgt im zweiten stock gewahren wir ein fenster mit trüben in blei gefassten scheiben dahinter liegt der ort der tat 001874_931_000002 und besteht aus einem bunt zusammengewürfelten haufen von wällen und türmen deren bedeutendster der weiße tower wiederum eine zitadelle für sich bildet und isoliert aus der mitte des geräumigen festungshofes emporragt 001874_931_000003 hier stand das schafott auf dem das haupt der anna bulen fiel zehn schritt davon im sogenannten juwelen zimmer wird einem die edelsteinkrone gezeigt die sie am tage ihrer vermählung trug 001874_931_000004 aber am liebsten lasen sie doch die stelle du sollst vater und mutter lassen und dem manne folgen der dich erwählet hat ich war ihr hausgenosse und kannte die geschichte ihres herzens wie meine eigene mitunter in der schummerstunde wenn aus dem nachbarsgarten eine nachtigall herüber klagte sah ich wie sie traurig wurden und immer wieder und wieder gedankenvoll den 001874_931_000005 der villen wurden weniger bis dass sie ganz verschwanden weidendes vieh trat an die stelle belebterer plätze und mr owen den es plötzlich berühren mochte als führe er in seinem heimischen pembrokeshire den river teifi hinauf begann alsbald ein wallisisches volkslied zu singen das trotz der kapriolen mit denen er es begleitete niemand zu würdigen 001874_931_000006 freundschaft dieses mädchens mit den beiden misses may und die unvorsichtigkeit der letzteren so viel fremdes licht neben den eigenen schatten zu stellen freilich war sie verlobt wie hätte sie's nicht sein sollen so glitten wir denn dahin zuerst am fuß des schönen richmondhügels und jenes herzoglichen sommerhauses vorbei das nach seinem jetzigen besitzer den 001874_931_000007 angesichts dieser lachenden gesichter mit den koketten ringellöckchen und den sinnlich aufgeworfenen lippen mildert sich dein urteil über die schwächen des liebenswürdigen stuart je länger du verweilst je mehr wirst du erschüttert in deinen festesten grundsätzen zumal wenn du zu füßen jener verführerischen weiber in gleicher höhe fast mit deinem auge die lachenden porträts ihrer söhne und töchter 001874_931_000008 mit widerstrebender hand gemalt da ist elisabeth in einer ganzen reihe von blättern als kind als mädchen als königin als greisin selbst und zwischen inne in einem persischen phantasiekostüm ich sah nie etwas entsetzlicheres da grüßt uns mit hoher sprechender stirn über der eine turmhohe abenteuerliche 001874_931_000009 lord cholmondely zur zeit heinrichs viii oder der maria tudor saß hier sieben jahre eine steintreppe führt uns ins erste stock und wir befinden uns jetzt in einem achteckigen zimmer dem ziemlich geräumigen speisesaal der tower-garnisons-offiziere 001874_931_000010 aber dieses wort ist beschönigung es ist ein kerker loch der raum reicht nur eben aus zum sitzen es ist unmöglich sich darin zu strecken oder gar aufrecht zu stehen 001874_931_000011 so nah beieinander das zeichen höchsten glanzes und die stätte tiefster schmach nun ist vergessen fast was hier geschah kinder spielten auf dem platz wir treten in die kapelle 001874_931_000012 und wie bunte bilder zu diesem adelsbuch spiegelten sich im themsewasser vor uns alle baustile des mittelalters vom tudor giebel an bis aufwärts zum normannenturm so kamen wir bis teddington und die schleuse passierend die den äußersten punkt angibt bis wohin die meerflut vorzudringen pflegt war es plötzlich als ob die landschaft noch landschaftlicher würde 001874_931_000013 und zum teil in entgegengesetzten quartieren der stadt zu haus hatten wir uns schon tags vorher geeinigt am quai von richmond zusammenzutreffen punkt zehn uhr waren wir da ein schmucker gondelfahrer begrüßte uns am ufer eine wagenburg von körben kam in die mitte seines boots wir lachend drum herum und den blauen himmel über uns 001874_931_000014 sie fielen nicht auf blutigem feld und litten doch alle blutigen tod vergebens war seine locke so weiß vergebens war ihre wange so rot 001874_931_000015 geschmeidige kardinal und sprach dies hab ich gebaut dass es deiner würdig sei hampton court ist dein das war ein königliches geschenk noch im geben tat es der diener dem herrn zuvor glänzendere tage kamen die tage anna bulens und mit ihnen die schicksalsstunde des kardinals zum ersten 001874_931_000016 bänke und betstühle ziehen sich darüber hin und allsonntäglich singt hier die gedankenlose menge und weiß kaum auf wessen köpfe sie tritt dort ruhen drei schotten die jungen grafen kilmarnock und balmerino und lord lovat ein greis von achtzig 001874_931_000017 es sind die towerwächter in ihrem mittelalterlichen trabantenkostüm vordem hießen sie yeomen die große masse rindfleisch indes die sie in der königlichen vorhalle zu vertilgen pflegten wenn sie dienst im schlosse hatten zog ihnen den namen beef eater 001874_931_000018 nach der ostseite hin erblicken wir die überreste des bowyer turms wo der herzog von clarence im malvasierfaß ertränkt wurde nicht fern davon ist der brick tower wo lady jane grey gefangen saß und der wakefield turm wo heinrich vi ermordet wurde 001874_931_000019 der beschauer nimmt revue ab vierhundert jahre und ein geschwader von königen zieht an ihm vorüber der zug beginnt mit eduard i und schließt ab mit jakob ii 001874_931_000020 jemals in themsewasser spiegelte und doch glitt schon viel königliche schönheit diese wasserstraße hinan anna bulen wenn das dürstende auge des englischen königs blaubart auf ihr ruhte elisabeth wenn sie müde war der herrschaft und ihrer sorgen auch henriette marie karl stuarts gemahlin wenn sie london vergessen wollte und 001874_931_000021 was wir zuerst sehen ist eine rüstkammer fünfundzwanzig ritter zu pferde jeder ein könig oder doch mächtig wie er wer entschlüge sich des eindrucks wenn er durch einen ahnensaal geht und bild auf bild längst verschwundener herrlichkeit auf ihn niederschaut dieser eindruck verstärkt sich hier 001874_931_000022 der nichts weiter kannte als die affäre von jena fußnote schon kaunitz äußerte sich mal zu dem unglaublichsten von der welt gehört die unsumme von dingen die ein engländer nicht weiß mister taylor ein gebildeter und vielgereister mann meinte dass wir wohl begierig seien die scharte von jena auszuwetzen und war sehr überrascht als 001874_931_000023 mit grauen locken und zwei töchtern von ähnlicher gesichtsfarbe die den mai ihres lebens nur noch im namen trugen sie waren munter wie gewöhnlich mädchen jenseits dreißig und gaben sich alle erdenkliche mühe durch reiche entfaltung einer schönen seele ihr defizit an schönheit zu decken sie waren fromm und galten für fleißige bibelleserinnen 001874_931_000024 der riesenpastete aber lagen in schlichter brotgestalt die gaben der miss harper zwei königskuchen deren kleine rosinen zahllos wie die sterne am himmel lachten so war das mahl drum herum aber auf den umgestürzten kisten und körben saßen sieben lachende menschen und dankten in kindlicher fröhlichkeit dem geber aller dinge 001874_931_000025 der besucher passiert zunächst vier aufeinanderfolgende tore die jeden morgen bei tagesanbruch mit allen förmlichkeiten einer festung geöffnet werden am ersten oder zweiten tore gewahrt man eine art wachtlokal vor dem ein halbes dutzend seltsam gekleideter gestalten auf und ab patrouillieren und gähnend in die morgensonne blicken 001874_931_000026 kein lichtstrahl dringt ein die wände dieser höhle sind mit eingekratzten namen bedeckt ich sah sie beim schimmer eines angezündeten lichtchens aber teils unleserlich teils ungekannt nur von einem weiß man mit sicherheit dass er hier atmete 001874_931_000027 und der himmel gibt's wir aber verloren in dem anblick der sich vor uns auftut fühlen im innersten schön sind die schauer der romantik wie gespenstergeschichten am kamin aber wohl uns dass wir nur hören davon sie lesen sich gut aber sie erleben sich schlecht 001874_931_000028 und hier in eben dieser wolsey halle dehnte sich der hof der königin charlotte auf plüsch und polstersitzen und klatschte beifall als von der bühne herab shakespeares heinrich viii oder der sturz wolseys an ihrem lauschenden ohr vorüberzog doch lassen wir jetzt die halle um uns dem neueren teil des schlosses und seiner bildergalerie zuzuwenden wir 001874_931_000029 da entstand jenes schloss und jene halle die noch heut von der macht und prachtliebe ihres erbauers zeugnis geben und am dreizehnten juni des jahres fünfzehnhundertfünfundzwanzig war es dass könig heinrich von london hernieder kam und einzog in den prachtbau seines ersten dieners der sein herr war da stand hier ein thronhimmel und ihm zunächst der 001874_931_000030 ein führer der cato street verschwörung wenige wochen später war er gehängt unter den wenigen die diesen weg zweimal machten hin und zurück war prinzessin elisabeth 001874_931_000031 beide teile haben ihre besondere sehenswürdigkeit der neuere die bildergalerie der ältere die große banketthalle aus den tagen heinrichs viii diese betritt man zuerst sie ist auch in england diesem vaterlande der hallen ein unikum und übertrifft an schönheit wenn auch vielleicht nicht an ausdehnung die berühmte westminster halle um ein 001874_931_000032 unbestrittene sonne des tages von der alles übrige erst licht und weihe empfing er war natürlich ein leidenschaftlicher kahnfahrer und unterhielt sich mit dem bootsmann in so technischen ausdrücken dass ich diesem hochflug auch wenn ich gewollt nicht hätte folgen können neben ihm saß mrs may die ehrendame der ganzen partie eine stattliche frau 001874_931_000033 über den strom hin an das jenseitige ufer wo eine prächtige nach allen seiten hin von weidengebüsch umgrenzte wiese wie geschaffen war für ein lustig verschwiegenes diner eine koppel pferde die im ersten augenblick halb stutzig halb neugierig die ungeladenen gäste empfing machte bald den bescheidenen wirt und überließ uns das terrain wir aber hatten 001874_931_000034 ein breiter rand gleich einem rahmen zieht sich um diese worte und in ihm lesen wir feind sei keinem freund nur einem hier saß thomas clark 001874_931_000035 als dass es einer galerieauffrischung bedürfe ich war herzlich damit einverstanden denn wenn es eine strapaze ist bilderausstellungen zum hundertsten mal besuchen zu müssen so ist das los dessen um kein haarbreit beneidenswerter der bei dem höchsten interesse für das was er zu sehen gedenkt solchen widerwilligen führern in die hände fällt und durch lange säle und korridore hindurch 001874_931_000036 die sonne lacht und der himmel ist wolkenlos ein steamer trug uns von westend bis an die londonbrücke und auf gut glück dem menschenstrom uns überlassend der jetzt in die themsestraße einmündet befinden wir uns plötzlich inmitten des bunten city treibens und schwanken staunenden auges was reicher sei 001874_931_000037 bereits den stamm einer mächtigen alten rüster zu unserem lagerplatze ausersehen und eh eine viertelstunde um war breitete sich auf dem rasen vor unseren bewundernden augen eine wohlgedeckte tafel aus reizend stach das weiße linnen von dem saftigen grün des rasens ab aber reizender noch schimmerte die gelbe kruste einer kolossalen hühnerpastete 001874_931_000038 guilford starb unterm beil der einen königin robert graf leister stand neben dem thron der anderen hier saß arthur poole ein enkel des herzogs clarence und kratzte halb hoffnung halb verzweiflung in die wand gefahrvolle fahrt verschönert den hafen 001874_931_000039 wie weit der tower unseren modernen anforderungen für einen festen platz entspricht muss ich dahingestellt sein lassen seine lage indes auf einem hügel inmitten der stadt und in unmittelbarer nähe der themse darf noch jetzt als überaus günstig bezeichnet werden er beherrscht stadt und strom 001874_931_000040 das fenster steht halb offen und schaut drein als bät es den sonnigen tag um luft und licht umsonst der blutgeruch haftet hier wie an den weißen händen der lady macbeth 001874_931_000041 es ist jetzt um deshalb auch mindestens wahrscheinlich dass der alte römerturm dessen überbleibsel einem noch bis jetzt als fundament des weißen towers gezeigt werden wirklich an dieser stelle gestanden habe da keinem kriegsverständigen geschweige einem cäsar die vorteile dieser besonderen lage entgehen konnten 001874_931_000042 von oben blickt der himmel herein einander gegenüberliegend gewahren wir zwei tore das eine führt auf den strom das andere zum tower-hof geräuschlos meist in dunkler nacht glitt das wohlbesetzte boot die themse hinunter 001874_931_000043 herniedergleitend atmen wir auf als nach der schwüle die uns von saal zu saal begleitete jetzt plötzlich die frische parkluft unsre stirne kühlt und statt einer endlosen reihe von bildern jenes eine vor uns hintritt das immer wieder mit seinem zauber uns beschleicht schnell durchflog ich die gänge von jenem kraftgefühl beherrscht das in der letzten stunde eines galeriebesuchs 001874_931_000044 rindfleischesser zu eine bezeichnung die ihnen und ihren wohlgenährten gestalten nach mit vollem recht bis auf den heutigen tag geblieben ist ihre tracht ist mehr auffällig als schön wiewohl jedenfalls nicht hässlicher als der taillenlose schwalbenschwanzfrack eines modernen englischen soldaten 001874_931_000045 sie waren mit bei culloden und sahen den stern der stuarts und ihren eignen untergehen die schlacht schonte ihr leben nicht so der henker da ist die vielgesungene ballade aus der zeit der königin elisabeth vom alten norton und seinen sechs söhnen 001874_931_000046 das mochte man wieder singen im schottischen hochland auf den tod der drei lords des alten und der zwei jungen wir verlassen die kirche und wenden uns jetzt zum white tower er hat seinen namen vermutlich von dem weißen kalkstein womit seine wände und türme an den ecken eingefasst sind 001874_931_000047 flankiert werden es ist derselbe von bauverständigen belächelte stil in dem sich bis diese stunde der palast von st james dem beschauer darstellt ein stil der wenn auch an schönheit zurückstehend doch etwas charakteristisches ich möchte sagen männliches hat das mich um deshalb für ihn einzunehmen wusste so oft ich ihm begegnete der neuere 001874_931_000048 der jetzige tower soweit er überhaupt dem mittelalter angehört ist überwiegend eine schöpfung wilhelms des eroberers der eine festung nötig glaubte um das zu aufständen geneigte london man ersieht nicht ob aus anhänglichkeit an die alte sachsendynastie im zaume zu halten 001874_931_000049 und wohlerhalten trifft uns das auge wolseys jenes stolzen prälaten dessen klugheit die viehische wildheit seines königs wie einen stier an den hörnern hielt zwanzig jahre lang dann kam die stunde die nicht ausbleibt und seinen führer hoch in die lüfte schleudernd trat ihn das schäumende tier mit füßen eine tragödie ersten ranges 001874_931_000050 tee aus ihrem löffel träufeln ließen als sollte er ihnen ein bild ihrer rastlos verfließenden tage sein aber heute leuchteten ihre augen wie das auge dessen der schon hoffnungslos noch einmal von der hoffnung beschlichen wird heute kicherten sie und ließen die flut durch ihre finger gleiten heut schlugen sie die augen nieder wenn ein bezügliches wort 001874_931_000051 was wir zunächst gewahren ist der bell tower glocken turm auf dem sich die alarm glocke für die garnison befindet in diesem turme saß prinzessin elisabeth und vor ihr graf salisbury gefangen doch bedarf beides der bestätigung wenige schritte weiter bemerkt man in dem steinwall zur rechten eine schwere eisenbeschlagene tür 001874_931_000052 rief da die königin er kam von spiel und tanze ritt singend durch die schlucht sie haben ihn erschlagen aus neid und eifersucht ihr bunten hochlands clane was wäret ihr so fern sie hätten nicht erschlagen lord murray euren herrn armer lord murray arme königin aber euer leid 001874_931_000053 vor drei hundert jahren saß hier minder heitere gesellschaft am tisch zahllose inschriften an den wänden geben kunde davon viele sind flüchtig eingekratzt wie in der letzten stunde vor der befreiung oder doch denn zu oft war es täuschung in dem glauben daran 001874_931_000054 male wagte er es zwischen die königliche leidenschaft und ihr opfer zu treten und siehe da er war das opfer selbst über ihn hinwegging der hochzeitszug der anna bulen und wieder andere tage folgten wolsey lag vergessen auf einem kirchhof in leicestershire seine siegerin aber nun selbst besiegt schrieb jene schönen 001874_931_000055 einst lagen hier nicht chroniken und die berichte geschehener dinge sondern die dinge selbst geschahen hier hier hielt richard iii staatsrat am teppichbedeckten tische saßen buckingham und hastings stanley und bischof ely catesby und eine lange reihe stolzer grafen und lords 001874_931_000056 das ist traitors' gate das hochverrätertor von einer zur seite gelegenen schreinerwerkstatt aus lässt sich ein überblick über diesen ort gewinnen es ist ein wasserbassin von der größe und dem ansehen einer geräumigen badezelle 001874_931_000057 hatte das schloss und seine berühmte bildergalerie in augenschein nehmen zu wollen wozu man mir aufrichtigst gratulierte aber auch allseitig hinzusetzte dass man mich meinem schicksal überlassen müsse da sie samt und sonders die sehenswürdigkeiten von hampton court so genau kennten wie die nippsachen auf ihrem eigenen chinabord und die porträts ihrer könige viel zu gut im gedächtnis hätten 001874_931_000058 hat keinen weltruf wie die dresdner die wiener und versailler der italienischen schätze völlig zu geschweigen und in der tat wer lediglich von künstlerischem interesse geleitet diese weiten säle durchwandert wird ziemlich unbefriedigt sie wieder verlassen und selbst der nationalgalerie deren drei murillos sie ohnehin vor der verurteilung retten im stillen abbitte tun 001874_931_000059 vier hohe wände ringsum und nur ein streifen himmel über sich zu ihm mochte er aufblicken ihn mocht er anrufen das ohr und die gnade der menschen lagen weit hinter ihm 001874_931_000060 es ist als ob du bei sonnigem tag über den meeresspiegel fährst gold und glanz und bläue um dich her doch unter dir die begrabene stadt wo sich der altar erhebt in echt englischer einfachheit könnten grabmonumente stehen tiefer noch und poetischer gedacht als der belebte marmor in st paul und westminster 001874_931_000061 interessanter aber für den besucher ist der beauchamp turm das ehemalige staatsgefängnis worin die mehrzahl derer saß die unter der anklage des hochverrats standen wir treten ein was wir zuerst erblicken ist aus der kellertiefe emporragend der oberteil eines backofenartigen kerkers 001874_931_000062 die sonne lacht und der himmel ist wolkenlos glitzernd zieht sich der breite strom vor uns dahin tausend boote durchkreuzen ihn bienenfleiß in den straßen und geschäftiger lärm an dock und werft das gesumm steigt gen himmel auf bewusst und unbewusst wie die fromme bitte unser täglich brot gib uns heute 001874_931_000063 hindurchgejagt wird ohne etwas anderes als die erinnerung an ein schattenspiel und das kaum mit nach hause zu nehmen denn die gelangweiltheit solcher begleiter legt sich wie ein schleier über unsere augen und ihr wiederholtes gähnen verschlingt unsere gehobene stimmung bis auf den letzten rest ich war von herzen froh dieser gefahr überhoben zu sein und während meine gefährten 001874_931_000064 die frisur balanciert die schöne anna von dänemark die gemahlin jakobs i jenes aufgeschwemmten vielwissers der eifersüchtig die augen seiner frau verfolgte wenn sie wie zur erholung ausruhten auf der schönheit eines jungen schottenlords ein rührendes lied blieb uns aus jener zeit ein lied vom hübschen grafen murray der zu uns 001874_931_000065 herr über alle anderen zu werden pflegt vom hunger fünf stunden waren seit jenem feierlichen augenblick vergangen wo mr taylors erster champagnerpfropf in die luft paffte und als ich so hin und her irrte wandelte mich plötzlich wie ein gespenst der gedanke an wenn du zu spät kämst wenn alles vorüber wäre da weckten mich 001874_931_000066 und gesungen wird hier wie zu den zeiten des minstreltums und eine flüchtige sehnsucht beschlich mich bei diesem anblick in das alte romantische land zurück aber die ruder unsres bootsmanns griffen wacker ein richmond und seine villen dämmerten nur noch von fern der wind war frisch und miss harper so schön und siehe da die sehnsucht ward nebelhaft 001874_931_000067 sie machten mich zur königin und da ich auf erden nicht höher steigen kann machen sie mich heut zu einer heiligen dann fiel ihr haupt und stiller ward's in hampton court bis die braunschweiger kamen die unberühmten george die allen ruhm dem lande selber ließen die widerspiegelung vergangener zeit begann 001874_931_000068 das gewölbte tor des blutturms führt uns auf einen geräumigen platz von wällen türmen altertümlichen häusern und modernen kasernen ringsum eingefasst in der mitte des platzes erhebt sich der white tower 001874_931_000069 hier ruhen den kopf vom rumpf getrennt anna bulen und kate howard thomas cromwell fußnocte der diener kardinal wolseys und dann sein nachfolger in der gunst heinrichs viii und graf essex jane grey und gilford duddle 001874_931_000070 und unser preußisches gefühl erwachen macht fesselt uns nur auf augenblicke gleichgültig an mutmaßlichen raffaels wo gab es deren nicht und noch mutmaßlicheren michelangelos vorübereilend erreichen wir aufs neue die breite aufgangstreppe deren ulan noch immer wie in stein gehauen dasteht und die teppichbedeckten stufen schnell 001874_931_000071 der teil des schlosses ist aus der zeit wilhelms iii und ein werk christoph wrens des berühmten erbauers der paulskirche das ganze bildet wiederum ein geräumiges viereck dessen unterstes geschoss nach der hofseite hin auf ionischen säulen die ganze wucht des hauses trägt vermutlich gilt dieser neubau als der schönere teil des schlosses mir gilt der alte mehr 001874_931_000072 hier saß charles bailley ein freund der schottischen marie dem gedanken nachhängend daß seine königin dulde wie er selbst schrieb er in den stein der ist der unglücklichste der verzagt wenn er leidet denn nicht das unglück tötet uns sondern die ungeduld 001874_931_000073 namen buccleuch-villa führt märchenhaft wuchern da die rosen über wände und dach hinweg märchenhaft klingen aus den halbgeöffneten fenstern die töne eines flügels hernieder und märchenhaft vor allem klingt die sage vom herzog buccleuch selbst der diese villa wie ein immer offenes gasthaus zu nutz und frommen seiner künstlerischen freunde hält 001874_931_000074 der blitzende basar von dem wir kommen oder das rußige bergwerk zu dem wir gehen ganz london ein goldener baum westend seine blüte aber die city wurzel und stamm 001874_931_000075 hier saß thomas bell glocke er hat eine glocke gezeichnet und seinen vornamen samt jahreszahl hinein hier saßen fünf brüder dudley guilford robert john ambrosy und henry 001874_931_000076 eine schmale stiege führt uns in die kapelle wilhelms des eroberers sie ist wohlerhalten und zeigt deutlich den alten normannenstil kein spitzbogen nur runde mächtige säulen mit stets wechselndem schmuck der kapitäler im zweiten stock treten wir in einen weiten saal 001874_931_000077 erfahren es war im august der londonstaub ward immer dichter und die sehnsucht nach einem zuge frischer luft immer größer so kamen wir denn überein zu nutz und frommen unserer lungen eine themsefahrt zu machen und auf den wiesen von hampton court eine picknick-mahlzeit einzunehmen wir waren unserer sieben drei herren und vier damen 001874_931_000078 sich innerhalb dieser mauern und im zeitraum weniger jahre ab wolsey war auf seiner höhe und wiegte sich in sicherheit nicht die dauer seines glückes nur die dauer seines lebens machte ihm sorge und die klügsten arzte nach allen seiten hin aussendend gebot er ihnen den gesundesten platz in der nähe londons ausfindig zu machen sie fanden hampton-court 001874_931_000079 wie ein bild ihres einsseins an verschiedenen stellen des deckengetäfels buchstaben eingeschnitten vielleicht als schon die schneide des beils über dem nacken der schönen büßerin war aus dem hohen gotischen fenster blickt in glas gemalt jenes tyrannengesicht auf uns hernieder dessen leisestes stirnrunzeln ein todesurteil war und vom kamin her 001874_931_000080 sie sprang fiel ihr der leichte strohhut in den nacken und ihr blauer schleier flatterte weit hinter ihr im winde es war als flöge sie mr taylor folgte und machte gravitätisch den ritter der übrigen damen dann ging es in den park dessen geschorne rasenflächen in jener schönheit vor uns lagen wie sie den englischen gärten eigen ist ich erklärte 001874_931_000081 all nennen mindestens zwanzig bis dreißig stücke des alten meisters finden sich hier vereinigt und die ganze tudorzeit der er angehörte tritt an eben dieser stelle in ihren hauptgestalten uns sprechend entgegen da ist heinrich viii drei oder viermal und neben ihm sein narr da ist maria tudor reizlos und wie es scheint 001874_931_000082 beschleicht uns der gedanke als fühle sie sich unheimlich unter diesen elisabethköpfen die von allen seiten her auf sie herniederblicken noch weitere säle folgen aber unser interesse hat seinen höhepunkt erreicht und selbst ein pastellbild des alten fritz der aus einer gesellschaft reifröckiger prinzessinnen heraus uns mit seinem klaren königsauge grüßt 001874_931_000083 gestehe auch meine huldigung trug ihm die schleppe der grund war folgender er war mir schon am abend vorher als ein mann genannt worden der geschaffen sei für eine picknickfahrt eine charakteristik der ich begreiflicherweise wenig bedeutung beigemessen hatte kaum aber dass ich heute am quai von richmond des picknick-könbigs und 001874_931_000084 in der langen reihe derer die wo nicht das zepter doch die zügel des reichs in händen hatten fehlt nur einer cromwell statt seiner reitet graf strafford an der seite seines königlichen herrn auch hier noch sein schildknapp wie einst im leben 001874_931_000085 und verjüngten sich vor meinen sichtlichen augen denn mister taylor ein advokat aus chancery lane saß zwischen ihnen behäbig rotbäckig ein vierziger und ein witwer dazu wenn mister owen die sonne dieses kreises war so war mister taylor der vollmond zu dem die liebenden sehnsüchtig aufschauten und dass ichs 001874_931_000086 seiner königin gefiel und sterben musste weil er schöner war als könig jakob selbst das lied ist alt und lautet so ihr bunten hochlands-clane was wäret ihr so fern sie hätten nicht erschlagen lord murray euren herrn er kam von spiel und tanze ritt singend durch die schlucht sie haben ihn erschlagen aus neid und 001874_931_000087 das ist stammholz von einem maulbeerbaum der dicht unter diesem fenster auf dem grabe der söhne eduards wuchs während prinzessin elisabeth hier gefangen saß liebte sie es unter dem schattigen maulbeerbaum zu sitzen und in sommerszeit von seinen beeren zu essen süße frucht von bitterem land 001874_931_000088 wir lauschen den worten des führers die eindruck machen trotz ihrer leiermelodie und schweratmend unter der schwülen staubigen luft dieser räume vielleicht auch unter ihren erinnerungen erklimmen wir jetzt die letzte schmale treppe und treten durch einen der vier türme auf das flache dach des towers hinaus welcher anblick 001874_931_000089 steigen eine schöne breite treppe freuen uns an den schlanken ulanen gestalten die mit angefasstem karabiner steif und stramm dastehen wie die treppenpfeiler selbst daran sie lehnen und treten jetzt in den ersten jener bildersäle ein die in scheinbar endloser reihe sich durch zwei flügel des palastes hindurch erstrecken die galerie von hampton-court 001874_931_000090 vorbei auch an zollhaus und kohlenbörse geraten wir jetzt auf einen weiten freien platz der mählich ansteigend einem gepflasterten hügel gleicht auf ihm liegt der tower gespenstisch grau steht er da 001874_931_000091 dann und den höchsten stiefelabsätzen die mir je zu gesicht gekommen waren sein großvater saß für pembrokeshire im parlament und wiewohl das enkelchen ein jüngerer sohn war und der baronetschaft des alten um keine haarbreit näher stand als der lotteriespieler dem großen lose so hatte er doch die wallisische baronet elle nicht nur steif und unbiegsam im rücken sondern war auch 001874_931_000092 nur wenige teile des towers und nicht eben die interessantesten stehen dem publikum zur besichtigung offen wer alles sehen will bedarf einer erlaubniskarte von seiten des herzogs von wellington wenn er's nicht was anzuraten ist vorzieht sich jenes silbernen schlüssels zu bedienen der überall schließt auch im tower zu london 001874_931_000093 erlischt vor einem größeren dort aus schlichtem rahmen heraus schaut als weine sie im tiefsten herzen das blasse antlitz maria stuarts und doch war sie noch halb ein kind als sie dem maler zu diesem bilde saß ein klosterschleier umhüllt weiß und dicht das schmale feine geheimnisvolle gesicht das nichts hat von jugendlicher heiterkeit und es 001874_931_000094 den park durchstreiften schritt ich dem schlosse zu dessen bauart und bilderschätze meine erwartungen noch weit übertreffen sollten schloss hampton court zerfällt in zwei verschiedene teile die wiewohl äußerlich miteinander verbunden doch auf den ersten blick ihre doppelte abstammung verraten die ältere hälfte präsentiert sich im tudorstil und zeigt denselben 001874_931_000095 ging es mit kräftigem ruderschlage stroman während der kai mit seinen böten allgemach hinter uns verschwand erlaube mir der leser ihm jenen kreis von personen vorzustellen in deren mitte er eine viertelstunde lang wird zu verweilen haben ich mache bunte reihe da war vorerst mister owen ein junger walliser mit den steifsten 001874_931_000096 wir verlassen die rüstkammer und treten zunächst in einen schmalen gang auf einem fenstersims liegt ein hartes schweres stück holz der führer gibt es dir in die hand du wägst es was ist's 001874_931_000097 gegen ihn hat sich auch hier noch der hass und die verachtung des volks gekehrt das schwert an seiner seite gleicht einer harlekins pritsche und mit zerzauster perücke schäbigem rock und einem gesicht voll unendlicher stupidität schaut er drein eher ein barbier zu pferde als ein könig von england 001874_931_000098 versicherte dass das durch zwanzig siegreiche schlachten bereits geschehen sei zürne mir der leser um solches laxen nationalgefühls willen nicht aber ach ich war so kosmopolitisch in jenen augenblicken wie nie zuvor denn neben dem behäbigen advokaten saß miss harper das lieblichste gesicht das zwischen richmond und hampton court sich 001874_931_000099 andere sind tief und sauber eingegraben die arbeit eines mannes der da wusste ich habe zeit oft begegnet man dem schriftzug a r den anfangsbuchstaben des lords arundel graf von norfolk 001874_931_000100 am elften september zweitausendsieben ein sommer in london von theodor fontane kapitel fünfundzwanzig ein picknick in hampton-court die pickwicks und die picknicks kommen aus england von jenen wusst ich es seit lange von diesen trotzdem sie von ungleich älterem datum sollt ich es erst 001874_931_000101 die von den kunstgeübten händen der alten mistress may gebacken den gebührenden platz in der mitte der tafel einnahm an den vier zipfeln des tischtuchs schimmerten abwechselnd die stanniolkuppen mister taylors und die geschliffenen portweingefüllten karaffen die mister owen und ich selber als picknickkontingent gestellt hatten am linken und rechten flügel 002252_1599_000000 dort wo man sie früher vergeblich gesucht hat nun war an diesen menschen an sich nichts was mich sehr verlockte wäre ich ein anhänger jener erwähnten freiheit ich hätte gewiss das weltenmeer dem ausweg vorgezogen der sich mir im trüben blicke 002252_1599_000001 verzweiflungstaten ich rechnete nicht so menschlich aber unter dem einfluss meiner umgebung verhielt ich mich so wie wenn ich gerechnet hätte ich rechnete nicht wohl aber beobachtete ich in aller ruhe 002252_1599_000002 es sind gute menschen trotz allem gerne erinnere ich mich noch heute an den klang ihrer schweren schritte der damals in meinem halbschlaf widerhallte sie hatten die gewohnheit alles äußerst langsam in angriff zu nehmen 002252_1599_000003 anderen forderungen sollte der ausweg auch nur eine täuschung sein die forderung war klein die täuschung würde nicht größer sein weiterkommen weiterkommen nur nicht mit aufgehobenen armen stillestehn angedrückt an eine kistenwand heute sehe ich 002252_1599_000004 der mann überlegt und fragt dann ob er also später werde eintreten dürfen es ist möglich sagt der türhüter jetzt aber nicht 002252_1599_000005 zutage nichts ist zu verbergen kommt es auf wahrheit an wirft jeder großgesinnte die allerfeinsten manieren ab würde dagegen jener schreiber die hosen ausziehen wenn besuch kommt so hätte dies allerdings ein anderes ansehen und ich will es als zeichen 002252_1599_000006 aber ich verbrauchte viele lehrer ja sogar einige lehrer gleichzeitig als ich meinen fähigkeiten schon sicherer geworden war die öffentlichkeit meinen fortschritten folgte meine zukunft zu leuchten begann nahm ich selbst lehrer auf ließ sie in fünf aufeinanderfolgenden zimmern niedersetzen 002252_1599_000007 ich überkugelnd aus mir heraus und weg sodass mein erster lehrer selbst davon fast äffisch wurde bald den unterricht aufgeben und in eine heilanstalt gebracht werden musste glücklicherweise kam er bald wieder hervor 002252_1599_000008 er verflucht den unglücklichen zufall in den ersten jahren rücksichtslos und laut später als er alt wird brummt er nur noch vor sich hin 002252_1599_000009 ich sah diese menschen auf und ab gehen immer die gleichen gesichter die gleichen bewegungen oft schien es mir als wäre es nur einer der mensch oder diese menschen gingen also unbehelligt ein hohes ziel dämmerte mir auf 002252_1599_000010 und das loch in der ferne durch das er kommt und durch das ich einstmals kam ist so klein geworden dass ich wenn überhaupt die kräfte und der wille hinreichen würden um bis dorthin zurückzulaufen 002252_1599_000011 klar ohne größte innere ruhe hätte ich nie entkommen können und tatsächlich verdanke ich vielleicht alles was ich geworden bin der ruhe die mich in den ersten tagen dort im schiff überkam die ruhe wiederum aber verdanke ich wohl den leuten 002252_1599_000012 gerade verzicht auf jeden eigensinn war das oberste gebot das ich mir auferlegt hatte ich freier affe fügte mich diesem joch 002252_1599_000013 aber affen gehören bei hagenbeck an die kistenwand nun so hörte ich auf affe zu sein ein klarer schöner gedankengang den ich irgendwie mit dem bauch ausgeheckt haben muss denn affen denken mit 002252_1599_000014 nicht geradeaus vor mir war die kiste brett fest an brett gefügt zwar war zwischen den brettern eine durchlaufende lücke die ich als ich sie zuerst entdeckte mit dem glückseligen heulen des unverstandes begrüßte aber diese lücke reichte bei weitem 002252_1599_000015 merke aber ich bin mächtig und ich bin nur der unterste türhüter von saal zu saal stehen aber türhüter einer mächtiger als der andere 002252_1599_000016 drückte hinten gegen die gitterstange bis sie dich fast zweiteilt du wirst den grund nicht finden ich hatte keinen ausweg musste mir ihn aber verschaffen denn ohne ihn konnte ich nicht leben immer an dieser kistenwand ich wäre unweigerlich verreckt 002252_1599_000017 gefestigt hätte ich stamme von der goldküste darüber wie ich eingefangen wurde bin ich auf fremde berichte angewiesen 002252_1599_000018 dampfers es war kein vierwandiger gitterkäfig vielmehr waren nur drei wände an einer kiste festgemacht die kiste also bildete die vierte wand das ganze war zu niedrig zum aufstehen und zu schmal zum niedersitzen ich hockte deshalb mit 002252_1599_000019 der türhüter stellt öfters kleine verhöre mit ihm an fragt ihn über seine heimat aus und nach vielem anderen es sind aber teilnahmslose fragen wie sie große herren stellen und zum schlusse sagt er ihm immer wieder dass er ihn noch nicht einlassen könne 002252_1599_000020 ist aber insofern doch etwas als dass es mir aus dem käfig half und mir diesen besonderen ausweg diesen menschenausweg verschaffte es gibt eine ausgezeichnete deutsche redensart sich in die büsche schlagen 002252_1599_000021 auch in meiner erinnerung nicht aber da war einer der kam immer wieder allein oder mit kameraden bei tag bei nacht zu den verschiedensten stunden stellte sich mit der flasche vor mich hin und gab mir unterricht er begriff mich nicht er wollte das 002252_1599_000022 der mann der sich für seine reise mit vielem ausgerüstet hat verwendet alles und sei es noch so wertvoll um den türhüter zu bestechen dieser nimmt zwar alles an aber sagt dabei ich nehme es nur an damit du nicht glaubst etwas versäumt zu haben 002252_1599_000023 zumindest geahnt dass ich einen ausweg finden müsse wenn ich leben wolle dass dieser ausweg aber nicht durch flucht zu erreichen sei ich weiß nicht mehr ob flucht möglich war aber ich glaube es 002252_1599_000024 in eingeschränktestem sinn aber kann ich doch vielleicht ihre anfrage beantworten und ich tue es sogar mit großer freude 002252_1599_000025 was zum ausspeien und wohin sie ausspien war ihnen gleichgültig immer klagten sie dass meine flöhe auf sie überspringen aber doch waren sie mir deshalb niemals ernstlich böse sie wussten eben dass in meinem fell flöhe gedeihen und dass flöhe springer 002252_1599_000026 ausziehe um die einlaufstelle jenes schusses zu zeigen dem kerl sollte jedes fingerchen seiner schreibenden hand einzeln weggeknallt werden ich ich darf meine hosen ausziehen vor wem es mir beliebt man 002252_1599_000027 dass ich noch heute ein wenig hinke letzthin las ich in einem aufsatz irgendeines der zehntausend windhunde die sich in den zeitungen über mich auslassen meine affennatur sei noch nicht ganz unterdrückt beweis dessen sei dass ich wenn besucher kommen mit vorliebe die 002252_1599_000028 in diesem sinne kann ich leider der aufforderung nicht nachkommen nahezu fünf jahre trennen mich vom affentum eine zeit kurz vielleicht am kalender gemessen 002252_1599_000029 wurde es gleichzeitig mit meiner vorwärts gepeitschten entwicklung immer niedriger und enger wohler und eingeschlossener fühlte ich mich in der menschenwelt 002252_1599_000030 hässliche erinnerungen sind denen ich dort im zwischendeck nachhängen könnte die ruhe die ich mir im kreise dieser leute erwarb hielt mich vor allem von jedem fluchtversuch ab von heute aus gesehen scheint es mir als hätte ich 002252_1599_000031 doch dürfte ich selbst das geringfügige was folgt gewiss nicht sagen wenn ich meiner nicht völlig sicher wäre und meine stellung auf allen großen varietébühnen der zivilisierten welt sich nicht bis zur unerschütterlichkeit 002252_1599_000032 da das tor zum gesetz offensteht wie immer und der türhüter beiseite tritt bückt sich der mann um durch das tor in das innere zu sehen als der türhüter das merkt lacht er und sagt wenn es dich so lockt versuche es doch trotz meines verbotes hineinzugehen 002252_1599_000033 vor dem gesetz steht ein türhüter zu diesem türhüter kommt ein mann vom lande und bittet um eintritt in das gesetz aber der türhüter sagt dass er ihm jetzt den eintritt nicht gewähren könne 002252_1599_000034 schließlich wird ihm sein augenlicht schwach und er weiß nicht ob es um ihn nun wirklich dunkler wird oder ob ihn nur seine augen täuschen wohl aber erkennt er jetzt im dunkel einen glanz der unverlöschlich aus der türe des gesetzes bricht 002252_1599_000035 dadurch verschlossen sich mir aber ihrerseits die erinnerungen immer mehr war mir zuerst die rückkehr wenn die menschen gewollt hätten freigestellt durch das ganze tor das der himmel über der erde bildet 002252_1599_000036 wieder stellte sich erst nach monaten ein der widerwille gegen die schnapsflasche kam sogar noch verstärkter aber meine richtung allerdings war mir ein für allemal gegeben als ich in hamburg dem ersten dresseur übergeben wurde erkannte ich bald die 002252_1599_000037 eine jagdexpedition der firma hagenbeck mit dem führer habe ich übrigens seither schon manche gute flasche rotwein geleert lag im ufergebüsch auf dem anstand 002252_1599_000038 und lernte bei allen zugleich indem ich ununterbrochen aus einem zimmer ins andere sprang diese fortschritte dieses eindringen der wissensstrahlen von allen seiten ins erwachende hirn ich leugne nicht es beglückte mich ich gestehe 002252_1599_000039 was für ein sieg dann allerdings für ihn wie für mich als ich eines abends vor großem zuschauerkreis vielleicht war es ein fest ein grammophon spielte ein offizier erging sich zwischen den leuten als ich an diesem abend gerade 002252_1599_000040 keinen mehr ich war festgerannt hätte man mich angenagelt meine freizügigkeit wäre dadurch nicht kleiner geworden warum das kratz dir das fleisch zwischen den fußzehen auf du wirst den grund nicht finden 002252_1599_000041 wenn mir jemand zu nahe kam das waren die ersten beschäftigungen in dem neuen leben in alledem aber doch nur das eine gefühl kein ausweg ich kann natürlich das damals affenmäßig gefühlte heute nur mit 002252_1599_000042 unbeachtet eine vor meinem käfig versehentlich stehen gelassene schnapsflasche ergriff unter steigender aufmerksamkeit der gesellschaft sie schulgerecht entkorkte an den mund setzte und ohne zögern ohne mundverziehen als trinker vom fach 002252_1599_000043 immerhin es soll die richtlinie zeigen auf welcher ein gewesener affe in die menschenwelt eingedrungen ist und sich dort festgesetzt hat 002252_1599_000044 die erste kritische zeit zu überleben sehr dressurfähig sein werde ich überlebte diese zeit dumpfes schluchzen schmerzhaftes flöhesuchen müdes lecken einer kokosnuß beklopfen der kistenwand mit dem schädel zungen 002252_1599_000045 schweißtriefenden körper fühlte ich wiederhole es verlockte mich nicht die menschen nachzuahmen ich ahmte nach weil ich einen ausweg suchte aus keinem anderen grund auch war mit jenem sieg noch wenig getan die stimme versagte mir 002252_1599_000046 der türhüter gibt ihm einen schemel und lässt ihn seitwärts von der türe sich niedersetzen dort sitzt er tage und jahre er macht viele versuche eingelassen zu werden und ermüdet den türhüter durch seine bitten 002252_1599_000047 sind damit fanden sie sich ab wenn sie dienstfrei waren setzten sich manchmal einige im halbkreis um mich nieder sprachen kaum sondern gurrten einander nur zu rauchten auf kisten ausgestreckt die pfeife 002252_1599_000048 während der vielen jahre beobachtet der mann den türhüter fast ununterbrochen er vergisst die anderen türhüter und dieser erste scheint ihm das einzige hindernis für den eintritt in das gesetz 002252_1599_000049 niemand versprach mir dass wenn ich so wie sie werden würde das gitter aufgezogen werde solche versprechungen für scheinbar unmögliche erfüllungen werden nicht gegeben löst man aber die erfüllungen ein erscheinen nachträglich auch die versprechungen genau da 002252_1599_000050 nicht was wäre damit auch gewonnen gewesen man hätte mich kaum war der kopf hinausgestreckt wieder eingefangen und in einen noch schlimmeren käfig gesperrt oder ich hätte mich unbemerkt zu anderen tieren etwa zu den riesenschlangen mir 002252_1599_000051 er winkt ihm zu da er seinen erstarrenden körper nicht mehr aufrichten kann der türhüter muss sich tief zu ihm hinunterneigen denn der größenunterschied hat sich sehr zu ungunsten des mannes verändert 002252_1599_000052 er wird kindisch und da er in dem jahrelangen studium des türhüters auch die flöhe in seinem pelzkragen erkannt hat bittet er auch die flöhe ihm zu helfen und den türhüter umzustimmen 002252_1599_000053 wo wo ich nur schwer hinreichte zu glimmen anfing aber dann löschte er es selbst wieder mit seiner riesigen guten hand er war mir nicht böse er sah ein dass wir auf der gleichen seite gegen die affennatur kämpften und dass ich den schwereren teil hatte 002252_1599_000054 hantieren sehen sie schwangen sich sie schaukelten sie sprangen sie schwebten einander in die arme einer trug den anderen an den haaren im gebiss auch das ist menschenfreiheit dachte ich selbstherrliche bewegung du 002252_1599_000055 schlugen sich aufs knie sobald ich die geringste bewegung machte und hie und da nahm einer einen stecken und kitzelte mich dort wo es mir angenehm war ich würde die einladung gewiss ablehnen aber ebenso gewiss ist dass es nicht nur 002252_1599_000056 denn alle begleitung hielt sich um im bilde zu bleiben weit vor der barriere diese leistung wäre unmöglich gewesen wenn ich eigensinnig hätte an meinem ursprung an den erinnerungen der jugend festhalten wollen 002252_1599_000057 und hört was ich zu sagen habe am abend ist fast immer vorstellung und ich habe wohl kaum mehr zu steigernde erfolge komme ich spät nachts von banketten aus wissenschaftlichen gesellschaften aus gemütlichem beisammensein nach hause erwartet mich eine kleine 002252_1599_000058 rätsel meines seins lösen er entkorkte langsam die flasche und blickte mich dann an um zu prüfen ob ich verstanden habe ich gestehe ich sah ihm immer mit wilder mit überstürzter aufmerksamkeit zu einen solchen menschenschüler findet kein menschenlehrer auf dem 002252_1599_000059 war so leicht die leute nachzuahmen spucken konnte ich schon in den ersten tagen wir spuckten einander dann gegenseitig ins gesicht der unterschied war nur dass ich mein gesicht nachher reinleckte sie ihres nicht die pfeife rauchte ich schon bald wie ein 002252_1599_000060 es wird für die akademie nichts wesentlich neues beibringen und weit hinter dem zurückbleiben was man von mir verlangt hat und was ich beim besten willen nicht sagen kann 002252_1599_000061 der heiligen natur kein bau würde standhalten vor dem gelächter des affentums bei diesem anblick nein freiheit wollte ich nicht nur einen ausweg rechts links wohin auch immer ich stellte keine 002252_1599_000062 mit rund gewälzten augen schwappender kehle wirklich und wahrhaftig leer trank nicht mehr als verzweifelter sondern als künstler die flasche hinwarf zwar vergaß sich den bauch zu streichen dafür aber weil ich nicht anders konnte weil es mich drängte weil mir 002252_1599_000063 was willst du denn jetzt noch wissen fragt der türhüter du bist unersättlich alle streben doch nach dem gesetz sagt der mann wieso kommt es dass in den vielen jahren niemand außer mir einlass verlangt hat 002252_1599_000064 ich meine nicht dieses große gefühl der freiheit nach allen seiten als affe kannte ich es vielleicht und ich habe menschen kennengelernt die sich danach sehnen was mich aber anlangt verlangte ich freiheit weder damals noch heute nebenbei mit freiheit 002252_1599_000065 einen in die wange der war leicht hinterließ aber eine große ausrasierte rote narbe die mir den widerlichen ganz und gar unzutreffenden förmlich von einem affen erfundenen namen rotpeter eingetragen hat so als unterschiede ich mich von dem 002252_1599_000066 ganzen erdenrund nachdem die flasche entkorkt war hob er sie zum mund ich mit meinen blicken ihm nach bis in die gurgel er nickt zufrieden mit mir und setzt die flasche an die lippen ich entzückt von allmählicher erkenntnis kratze mich quietschend der länge und breite 002252_1599_000067 schon den anblick des dritten kann nicht einmal ich mehr ertragen solche schwierigkeiten hat der mann vom lande nicht erwartet das gesetz soll doch jedem und immer zugänglich sein denkt er 002252_1599_000068 nach wo es sich trifft er freut sich setzt die flasche an und macht einen schluck ich ungeduldig und verzweifelt ihm nachzueifern verunreinige mich in meinem käfig was wieder ihm große genugtuung macht und nun weit die flasche von sich streckend und im schwung sie wieder 002252_1599_000069 sinne rauschten kurz und gut hallo ausrief in menschenlaut ausbrach mit diesem ruf in die menschengemeinschaft sprang und ihr echo hört nur er spricht wie einen kuss auf meinem ganzen 002252_1599_000070 das erste was ich lernte war den handschlag geben handschlag bezeigt offenheit mag nun heute wo ich auf dem höhepunkt meiner laufbahn stehe zu jenem ersten handschlag auch das offene wort hinzukommen 002252_1599_000071 und ich lernte meine herren ach man lernt wenn man muss man lernt wenn man einen ausweg will man lernt rücksichtslos man beaufsichtigt sich selbst mit der peitsche man zerfleischt sich bei dem geringsten widerstand die affennatur raste sie 002252_1599_000072 hinaufführend trinkt er sie übertrieben lehrhaft zurückgebeugt mit einem zuge leer ich ermattet von allzugroßem verlangen kann nicht mehr folgen und hänge schwach am gitter während er den theoretischen unterricht damit beendet dass er sich den bauch streicht 002252_1599_000073 einem affen sollte flucht immer möglich sein mit meinen heutigen zähnen muss ich schon beim gewöhnlichen nüsseknacken vorsichtig sein damals aber hätte es mir wohl im laufe der zeit gelingen müssen das türschloss durchzubeißen ich tat es 002252_1599_000074 ich habe angst daß man nicht genau versteht was ich unter ausweg verstehe ich gebrauche das wort in seinem gewöhnlichsten und vollsten sinn ich sage absichtlich nicht freiheit 002252_1599_000075 sie füllt werfe sie mit abscheu auf den boden zur trauer meines lehrers zur größeren trauer meiner selbst weder ihn noch mich versöhne ich dadurch dass ich auch nach dem wegwerfen der flasche nicht vergesse ausgezeichnet meinem 002252_1599_000076 bauch zu streichen und dabei zu grinsen allzu oft nur verlief so der unterricht und zur ehre meines lehrers er war mir nicht böse wohl hielt er mir manchmal die brennende pfeife ans fell bis es irgend 002252_1599_000077 wird dort nichts finden als einen wohlgepflegten pelz und die narbe nach einem wählen wir hier zu einem bestimmten zwecke ein bestimmtes wort das aber nicht missverstanden werden wolle die narbe nach einem frevelhaften schuss alles liegt offen 002252_1599_000078 aber auch ein ich überschätzte es nicht schon damals nicht wieviel weniger heute durch eine anstrengung die sich bisher auf der erde nicht wiederholt hat habe ich die durchschnittsbildung eines europäers erreicht das wäre an sich vielleicht gar nichts 002252_1599_000079 das habe ich getan ich habe mich in die büsche geschlagen ich hatte keinen anderen weg immer vorausgesetzt dass nicht die freiheit zu wählen war überblicke ich meine entwicklung und ihr bisheriges ziel so klage 002252_1599_000080 der geruch peinigte mich ich zwang mich mit allen kräften aber es vergingen wochen ehe ich mich überwand diese inneren kämpfe nahmen die leute merkwürdigerweise ernster als irgend etwas sonst an mir ich unterscheide die 002252_1599_000081 nun lebt er nicht mehr lange vor seinem tode sammeln sich in seinem kopfe alle erfahrungen der ganzen zeit zu einer frage die er bisher dem türsteher noch nicht gestellt hat 002252_1599_000082 ende von vor dem gesetz diese aufnahme ist in der public domain 002252_1599_000083 aber als er jetzt den türhüter in seinem pelzmantel genauer ansieht seine große spitznase den langen dünnen schwarzen tatarischen bart entschließt er sich doch lieber zu warten bis er die erlaubnis zum eintritt bekommt 002252_1599_000084 das fell vom leib mir schinden müsste um hindurchzukommen offen gesprochen so gerne ich auch bilder wähle für diese dinge offen gesprochen ihr affentum meine herren sofern sie etwas derartiges hinter sich haben 002252_1599_000085 der sturm der mir aus meiner vergangenheit nachblies sänftigte sich heute ist es nur noch ein luftzug der mir die fersen kühlt 002252_1599_000086 dieser menschen zeigte jedenfalls aber beobachtete ich sie schon lange vorher ehe ich an solche dinge dachte ja die angehäuften beobachtungen drängten mich erst in die bestimmte richtung 002252_1599_000087 entkorke sie zitternd mit dem gelingen stellen sich allmählich neue kräfte ein ich hebe die flasche vom original kaum zu unterscheiden setze sie an und werfe sie mit abscheu mit abscheu trotzdem sie leer ist und nur noch der geruch 002252_1599_000088 eingebogenen ewig zitternden knien und zwar da ich zunächst wahrscheinlich niemanden sehen und immer nur im dunkeln sein wollte zur kiste gewendet während sich mir hinten ins fleisch einschnitten man hält eine solche verwahrung wilder tiere in der allerersten 002252_1599_000089 nachzeichnen und verzeichne es infolgedessen aber wenn ich auch die alte affenwahrheit nicht mehr erreichen kann wenigstens in der richtung meiner schilderung liegt sie daran ist kein zweifel ich hatte doch so viele auswege bisher gehabt und nun 002252_1599_000090 und grinst nun erst beginnt die praktische übung bin ich nicht schon allzu erschöpft durch das theoretische wohl allzu erschöpft das gehört zu meinem schicksal trotzdem greife ich so gut ich kann nach der hingereichten flasche 002252_1599_000091 unlängst krepierten hie und da bekannten dressierten affentier peter nur durch den roten fleck auf der wange dies nur nebenbei der zweite schuss traf mich unterhalb der hüfte er war schwer er hat es verschuldet 002252_1599_000092 flüchten können und mich in ihren umarmungen ausgehaucht oder es wäre mir gar gelungen mich bis aufs deck zu stehlen und über bord zu springen dann hätte ich ein weilchen auf dem weltmeer geschaukelt und wäre ersoffen 002252_1599_000093 drückte ich dann auch noch den daumen in den pfeifenkopf juchzte das ganze zwischendeck nur den unterschied zwischen der leeren und der gestopften pfeife verstand ich lange nicht die meiste mühe machte mir die schnapsflasche 002252_1599_000094 der türhüter erkennt dass der mann schon an seinem ende ist und um sein vergehendes gehör noch zu erreichen brüllt er ihn an hier konnte niemand sonst einlass erhalten denn dieser eingang war nur für dich bestimmt ich gehe jetzt und schließe ihn 002252_1599_000095 der vernunft gelten lassen dass er es nicht tut aber dann mag er mir auch mit seinem zartsinn vom halse bleiben nach jenen schüssen erwachte ich und hier beginnt allmählich meine eigene erinnerung in einem käfig im zwischendeck des 002252_1599_000096 möglichkeiten die mir offen standen zoologischer garten oder variete ich zögerte nicht ich sagte mir setze alle kraft an um ins variete zu kommen das ist der ausweg zoologischer garten ist nur ein neuer gitterkäfig kommst du in ihn bist du verloren 003040_2130_000000 schon rückt die zeit heran in hast zu schrecklichem beginnen ach nur noch wenig wochen fast dann muss er mit ingborg von hinnen das kap der guten hoffnung ist weit früh muss er von dannen ziehen der guten hoffnung barmherzigkeit der ort der verzweiflung für ihn 003040_2130_000001 er faltet die stirn und denkt und denkt und wandert immer fort er schreitet den blick zu boden gesenkt als such er verlorenes dort noch nicht verloren noch ist sein das höchste glück auf erden bald aber mit dem mein und dein muss abgerechnet werden 003040_2130_000002 ein wanderer schreitet pfadlos gen süden kein ziel ihn leitet er fühlt kein ermüden im winde flattert sein haar sein blaues augenpaar starrt finster vor sich hin ihm trüben sorgen den sinn 003040_2130_000003 und wenn er es nun endlich tut wie wird sie's fassen und tragen wie soll er's über die lippen bringen dass sie nur sein geliehenes weib und dass ihn wort und handschlag zwingen sie auszuliefern mit seel und leib dem dessen tod er ihr gelogen dem sie nun wieder gehören soll nachdem auf seliger liebe wogen ihr schifflein fuhr des glückes voll 003040_2130_000004 auf heide und 003040_2130_000005 noch hat er kein schiff das ihn und sein glück fort trägt zum süden nieder und kehrt er selber lebend zurück sie sieht er niemals wieder noch weiß sie's nicht noch fand er nicht mut das fürchterliche zu sagen 003040_2130_000006 manch tiefer seufzer ihm entsteigt als ob ihm mut und hoffnung schwinde er regt die lippe doch er schweigt vertraut sein weh nicht mal dem winde es ist edzard der durch die heide geht nicht wissend wohin und wie weit wo keines menschen hütte steht und nur die möve schreit 003040_2130_000007 an farben reich und bunt so dankte sie dem der sie hierher geführt von ihrer freude wiederscheine ein strahl in edzards seele drang wars sicher doch der letzten eine die ihr zu machen ihm gelang spät kehrten sie zurück vom ritte 003040_2130_000008 und herzt und küßt sein weib 003040_2130_000009 und in des schiffs kielwasser schwammen grüngoldene schlangen hinterher wenn sich empor die welle bäumte so blinkerte sie plötzlich grell in blauem licht und wenn sie schäumte gab's ein gefunkel silberhell jedoch von wundern hochgefeiert greift keins ans herz mit solcher macht 003040_2130_000010 hier können seel und leib gesunden an allem was da grünt und blüht und hier hat heilung schon gefunden manch schwerbeladenes gemüt das wollte der geliebten zeigen 003040_2130_000011 und fühlt in seiner ohnmacht blöße wie fern er von der heimat ist so ging es ingborg sterne sanken zu denen sie mit heißem flehn mit stillen sehnenden gedanken daheim vertrauend aufgesehn 003040_2130_000012 keine katzenpfote nur leichthin übers wasser sprang dass manchmal eine böse note der steuermann mit fluchen sang doch dann entluden sich auch wieder gewitter zum entsetzen schwer und regen strömt und stürzte nieder gleich einer sintflut in das meer 003040_2130_000013 war's ihr als ob von oben schimmernd ein gläubig hoffen sie umwob auch die befahrne mannschaft freute des sternbilds tröstlich klares licht als wenn es segen niederstreute wer's wiedersah dem bangte nicht 003040_2130_000014 noch dürfen glück und liebe füllen den raum auf seinem kiel doch in ihm wurmt's und frißt und nagt dass die die ihm vertraut die alles für ihn tut und wagt vergebens auf ihn baut um sich von ihm zu trennen nie geht sie mit ihm an bord und dazu grade führt er sie stillschweigend mit sich fort 003040_2130_000015 mir ist kein meer zu weit zu groß edzard ich gehe mit du lässt ja nimmer doch von mir lässt nicht dein kind in stich ich häng an dir ich haft an dir wo du bleibst bleib auch ich 003040_2130_000016 es mühten selbst sich die matrosen der schönen frau und ihrem kind an deck dem allzeit schattenlosen zu helfen gegen sonn und wind sie spannten segel aus zum schutze sie machten ihr den sitz bereit was möglich war und ihr zu nutze 003040_2130_000017 dann aber ward es wieder stille und blieb es manchen langen tag im ruder war nicht kraft nicht wille als ob man hier vor anker lag endlich gemäß den wetterregeln schwang sich das schiff aus träger ruh mit kaum geschwellten obersegeln dem wendekreis des steinbocks zu 003040_2130_000018 wenn sie die baumlos öde heide mit ihrem grauen wolkenstrich die dünen im blaßgrünen kleide auf sylt in alledem verglich was hier wildüppig wuchs und rankte von safte strotzend glutgeschürt 003040_2130_000019 kein wunder dass er beim befehlen bei jedem winke mit der hand in seinen wackern seemannsseelen hingebung und gehorsam fand mit stolz sah ingeborg sein walten als führer auf dem großen schiff 003040_2130_000020 sie wird ihm sicher bald vertraut solang er nur die alten sterne noch über sich als freunde schaut erst wenn er die nicht wiederfindet wenn was ihm als unwandelbar vor augen stand nun doch verschwindet dann wird mit grausen er gewahr dass er die ungeheure größe des weltalls nimmermehr ermisst 003040_2130_000021 er endlich einmal wieder froh sie mit der ahnungslosen bitte zeig mir ostindien ebenso früh ging es fort mit windesflügeln von teneriffas palmenstrand und seinen grünen rebenhügeln nach süden hin den kurs gewandt 003040_2130_000022 sah zum allerersten mal und an dem tage sollte schweigen des eignen herzens angst und qual so ritten sie selbander beide und hielten an und blieben stehen und ihr war's eine augenweide was sie im leben nie gesehen der dunkelblaue himmel oben 003040_2130_000023 sie schlug sich in die dünen hinein durchstreifend kreuz und quer talauf talab die hügelreihen bis vor ihr wogte das meer es war wohl spät am nachmittag schon nach der sonne stand doch weitum ihr zu füßen lag einsam und leer der strand 003040_2130_000024 er nimmt dich mir lebwohl lebwohl du bist nun wieder sein so sah's in edzards innern aus mit ingborg hand in hand bis wieder dann in pein und graus der trost ihm neu erstand 003040_2130_000025 tat ihre frohe dienstbarkeit heiko der liebling aller lebte mit ihnen auf dem besten fuß da jeder seine gunst erstrebte mit neckisch ehrerbietigem gruß längst konnte er laufen und ans schwanken des schiffs gewöhnt er bald sich auch 003040_2130_000026 als wenn dem blicke sich entschleiert noch nie geschaute sternenpracht zeigt einem mann zum ersten male das offne meer vom sturm erregt zeigt ihm vom grünen alpentale die gipfelriesen schneebelegt bringt ihn in noch so weite ferne 003040_2130_000027 wie schrecklich wenn er einst am kap die worte sprechen muss jetzt schließe mit dem glück nur ab gib mir den letzten kuss dort kommt ein schiff herauf vom pol van straten ist's allein 003040_2130_000028 hätt er sein heiliges wort nicht gegeben ingborg zu bringen dem mann er schlüg ihr vor zu scheiden vom leben mit ihm wenn die frist verrann und heiko dann der liebling von beiden legt ihnen auf die pflicht das leben zu tragen das leben zu leiden mit seiner schmerzen gewicht 003040_2130_000029 edzard beginnt sie was ist mit dir du bist nicht mehr wie sonst warum verbirgst dein leid du mir mir deinem treuen gesponst er schaut sie träumerisch traurig an und seufzt nur schwer und stumm sie legt die arme dem starken mann sanft um den nacken herum wenn du es mir nicht sagen willst spricht sie 003040_2130_000030 auch ingborg musste sich bequemen samt heiko zu dem spuk und graus die mannschaft ließ es sich nicht nehmen schlug jede lösung lachend aus mit dreizack und papierner krone kam über bord der gott neptun und kündete von hohem throne sein aller gnädig 003040_2130_000031 wie er mit voller kraft entfalten in alles festen willens griff er aber tat was er vermochte um ihr den aufenthalt an bord bequem zu machen und ihm pochte das herz bei ihrem dankeswort 003040_2130_000032 fährst du gen süd fährst du gen nord fährst rund du um die welt an deiner brust an deinem bord da ist mein himmelszelt ingborg mein mutig weib 003040_2130_000033 er liebte sie noch so heiß wie je sie fühlt es an seinem kuss sein kummer jedoch sein leid und weh blieb unter festem verschluss doch endlich kam ihr erleuchtung und rat er aber war nicht zu haus auf sprang ihr im herzen der wille zur tat zu suchen ihn ging sie aus 003040_2130_000034 dass seinen spuren nachzugehen sie jagen und eilen müsst um ihn aus seiner seele fortzuscheuchen angst und not wie spreu vorm wind durch ein einzig wort das ihr die liebe gebot doch fand sie ihn auf der heide nicht so weit sie auch lief und lief anstrengend ihr gehör und gesicht und seinen namen rief 003040_2130_000035 in herden hier delphine zogen seeschwalben huschten dort vorbei und leichtbeschwingte fische flogen verfolgt von dem gefräß'gen hai in allen farben allen tönen des regenbogens sonnten sich zu tausenden des meeres schönen medusen zart und zimperlich nachts aber wie besät mit flammen blitzt auf und leuchtete das meer 003040_2130_000036 sie denkt in ihrer liebe sieg an edzards freude nur ahnt nicht wenn sie sein schiff bestieg wohin sie mit ihm fuhr und er wohl ist er frohgemut dass sie sich selbst erbot ihn zu begleiten durch die flut nicht wissend was ihr droht nun braucht er nicht ihr zu enthüllen der reise zweck und ziel 003040_2130_000037 so sag ich's dir damit du deine sehnsucht stillst denn dazu bin ich hier dich treibt es fort vom inselstrand zu segeln aus und ein du hältst es nicht mehr aus am land musst wieder seemann sein so nimm ein schiff und segle los doch es geschehe selbdritt 003040_2130_000038 und hier an seiner rechten stelle war edzard ganz ein andrer mann als er auf sylt war wo sein leben im amt des strandvogts ruhig floss fast nur der liebe hingegeben womit er weib und kind umschloss 003040_2130_000039 gleich morgen rief er fahre hier ich ab vom morsum kliff nach hamburg und verschaffe mir als kapitän ein schiff sie lächelt ihm sie nickt ihm zu nur nicht zu lange bleib nein lacht er nein mein wonnig du 003040_2130_000040 und auf der jungfrau flottem kiele ging's heute laut und lustig her das schiff war zu des erdenballes südlicher hälfte nun gelangt es kam die zeit des regenfalles und das wovor dem seemann bangt windstille kam die segel hingen schlaff an den raaen wie nun auch die maaten an zu pfeifen fingen den wind zu locken nicht ein hauch erhob sich 003040_2130_000041 sturmböen brachen aus den lüften mit kurzen stößen rasch herbei es roch an bord nach schwefeldüften und auf den toppen hoch und frei erschienen leuchtend eine weile elmsfeuer blendend oder fahl und flackerten in kerzensteile gleich einem breiten flammenstrahl 003040_2130_000042 den wendekreis des krebses hatte die jungfrau jetzt gekreuzt und trat in die region die wellenglatte wo ständig wehte der passat der heißen zone reiches leben wie's brütend reift die tropenglut erschien mit seinem wallen und weben in der nur sanft bewegten flut 003040_2130_000043 doch in der luft der ewig blauen weit draußen auf dem ozean war lange lange noch zu schauen der himmelragende vulkan der jungfrau bug durchschnitt die welle die an ihm aufsprang und zerrann 003040_2130_000044 und weiter geht sie den strand entlang nicht achtend des windes wehn da zwischen den hügeln am dünenhang da findet sie endlich ihn stehn er sieht sie nicht er hört sie nicht entrückt aus raum und zeit schreckt erst als sie schon bei ihm dicht aus seiner versunkenheit 003040_2130_000045 ist teneriffa doch die pforte zur wunderbaren tropenwelt wie's kaum an einem anderen orte so deutlich sich vor augen stellt in unvergleichlich schönen bildern so unerschöpflich mannigfalt wie worte nimmerdar es schildern von sinnbestrickender gewalt 003040_2130_000046 manchmal durchirrt er die heide schon und rang nach einem entschluss gegenüber des schicksals bitterem hohn gegenüber dem grausamen muss und war er zu hause so saß er und saß und brachte kein wort hervor so bang dass er essen und trinken vergaß und den segen des schlafes verlor dann sah ihn ingeborg sorgend an und streichelt ihm wangen und stirn 003040_2130_000047 und andere neue bilder zogen ihr fremd herauf in weitem kranz und leuchteten am himmelsbogen mit einem wunderbaren glanz sie blickt empor von frommen schauern bis in der seele grund erfüllt als würd ihr von vergehen und dauern ein dämmernd ahnen jetzt enthüllt und als am horizonte flimmernd das kreuz des südens sich erhob 003040_2130_000048 heraus schreit er's in leid und lust und drückt sie fest im windgebraus an seine klopfende brust dann gehen heim sie arm in arm ach wie das herz ihr klang wie sie an ihn jetzt weich und warm sich schmiegt auf diesem gang 003040_2130_000049 es ist doch ein aufschub monde lang bis dahin sind wir froh in unserer herzen heißem drang in lust und liebe so und wirklich ward er heitern sinns und guter hoffnung voll dass ihm ob dieses zeitgewinns das herz in freuden schwoll 003040_2130_000050 kam er auf den bewegten planken bei einer stärkern brise hauch ins taumeln fingen sie geschwinde das kerlchen auf bevor es fiel und trieben mit dem drallen kinde in ihrer weise scherz und spiel 003040_2130_000051 wo nötigerweise sie wieder lebensmittel nahm nebst frischem wasser für die reise und flickte was zu schaden kam der bootsmann musst es überwachen denn edzard wollte hier allein mit ingborg einen ausflug machen zu maultier in das land hinein 003040_2130_000052 was hast du mein liebster mein einziger mann was stört dich in herzen und hirn er aber schüttelte stumm das haupt und winkt ihr mit der hand sie suchte was ihm die ruhe geraubt und suchte was sie nicht fand 003040_2130_000053 geruhen und schalkhaft taten die matrosen mit freien sprüchlein was erlaubt doch netzten sie der willenlosen und ihrem sohn nur leicht das haupt die unbefahrenen doch und jungen die wurden anders angesehen und hatten alle notgedrungen ein kräftig sturzbad zu bestehen dann gab es mummenschanz und spiele ein gut getränk auch nach begehr 003040_2130_000054 bald kam der tag die große stunde berechnet nach besteck und uhr wo über bergestiefem grunde das schiff durch den äquator fuhr da machte man nach altem brauche das deck zur linientaufe klar dass jeder einmal untertauche der auf dem strich ein neuling war 003040_2130_000055 sie suchte den liebsten weit und breit sie sucht ihn sehnsuchtsvoll und in der schweigenden einsamkeit das herz so mächtig ihr schwoll als hätte sie lang ihn nicht gesehen noch länger ihn nicht geküsst 003040_2130_000056 an schiffes bord galts aufzubringen entschiedenheit im tun und spähen und hier war er in allen dingen zuerst zuletzt der kapitän dess auge über allem wachte der jede pflicht sich unterzog das wichtige mit ernst bedachte und das geringste selbst erwog 003040_2130_000057 sie hoben gern ihn auf die arme und zeigten ihm in luv und lee wenn nah dem schiffe sich im schwarme pottfische tummelten in see er konnt auch sprechen schon und wußte manch richtiges kommandowort wie sie der bootsmann brauchen musste beim segelstellen hier und dort lallt er den ruf den wohlbekannten 003040_2130_000058 die wellen rauschten dumpf und kühl heraus und wieder hinein ihr aber wurde bang und schwül wo mag mein liebster sein die schwermut hat's ihm angetan die heimlich ihn umspinnt doch der ihn quält den düstern wahn den nehm ich ihm geschwind 003040_719_000000 nicht allein an der sprache erkennt man die verschiedenen nationen welche europa bewohnen auch am gange am tone an der gebärde jede derselben unterscheidet sich von der anderen durch schwer zu bezeichnende aber deshalb nicht weniger sichtbare und untrügliche kennzeichen 003040_719_000001 alles wird bloß durch kunst hervorgebracht es ist als hörte man einen auf das kunstreichste gebildeten sänger dem aber die natur eine sonore stimme versagte 003040_719_000002 ohne dass man ein wort davon hörte so müsste doch der kundige beobachter gleich entscheiden können ob er ein englisches französisches oder deutsches theater vor sich sähe alle drei können in ihrer art vortrefflich sein und werden dennoch dem fremden missfallen 003040_719_000003 und von denen sie vorauswissen dass das publikum sie jedes mal beklatscht diese stellen werden ganz an dasselbe gerichtet und die mitspielenden während einer solchen hauptaktion gar nicht beachtet ihre zeit tritt später wieder ein 003040_719_000004 die wände sind wie eine offene halle gemalt rundum läuft ein geländer hinter welchem alle europäischen nationen mit charakteristischer physiognomie und kleidung in verschiedenen stellungen stehen die figuren etwas über lebensgröße übrigens von täuschender wahrheit ragen halb über das geländer vor 003040_719_000005 sogar in der kleidung im monat august werden die schüler in eton examiniert und diejenigen ausgewählt welche nach cambridge gehen sollen um ihre studien fortzusetzen die zwölfe unter diesen die sich im examen am besten auszeichnen haben das recht nach drei jahren mitglieder der universität cambridge zu werden 003040_719_000006 es wurde unter den folgenden herrschern mehrfach erweitert zuletzt im neunzehnten jahrhundert unter georg iv und königin victoria unter leitung des architekten sir jeffry wyatville ende der fußnote 003040_719_000007 und mit gesträubtem haare dann am lautesten in beifallsbezeugungen ausbricht wenn es vor schrecken schaudert die größte des schauspielhauses zwingt die schauspieler überlaut zu sprechen denn der im entferntesten winkel sitzende matrose will für seine sixpence so gut alles hören und vernehmen als die vornehmste lady in der ersten loge 003040_719_000008 fellers of the university welches ehrenvoll und einträglich ist die bibliothek in eton ist bedeutend weitläufige wohlunterhaltene gärten umgeben die schulgebäude 003040_719_000009 in windsor musste man vor der traurigen krankheit georgs des dritten die königliche familie sehen um sich von ihrer lebensweise und persönlichkeit einen begriff zu machen hier fielen die schranken welche etikette und strenge eingezogenheit in london um sich zogen dort hatte man kaum gelegenheit sie zu gesichte zu bekommen 003040_719_000010 auch auf die bildende kunst hat dieser angeborenen und angeeignete unterschied der nationen großen einfluss kein niederländer malt wie ein italiener kein franzose wie beide alle müssen ihrer nationalität treu bleiben 003040_719_000011 fußnote joseph manden beliebter komiker von der zeitgenössischen kritik jedoch als grimassenschneider einschränkend beurteilt ende der fußnote brauchen nur sich zu zeigen und das haus erbebt bis in seinen tiefsten grund von der rauschendsten lautesten freude 003040_719_000012 die wirtin versicherte uns mit der in solchen fällen gebräuchlichen eloquenz es wäre geradezu unmöglich den park zu fuße zu sehen wir fügten uns also ihrer einrichtung bestiegen das so gefährlich aussehende fuhrwerk und hatten alle ursache mit diesem entschlusse zufrieden zu sein 003040_719_000013 französische hautelisse tapeten schmücken mehrere säle alle stellen des großen herzogs siege vor sind aber leider sehr verblichen die gemäldesammlung ist sehr groß eine magdalena von tizian und eine heilige familie von leonardo da vinci 003040_719_000014 die bibliothek ein sehr langes schmales zimmer soll an siebzigtausend bände enthalten am ende derselben steht die marmorne statue der königin anna in völliger staatstracht 003040_719_000015 an der nordseite des oberen hofes befinden sich die staats- und audienzzimmer an der ostseite die appartments der prinzen und gegen süden die der vornehmsten kronoffizianten 003040_719_000016 schon der bekannte angeborene ernst dieses volkes macht seine seltene lustigkeit umso ergötzlicher die späße sind nicht immer die feinsten oft ein wenig breit und plump aber sie reizen unwiderstehlich zum lachen einige schauspieler zum beispiel munden 003040_719_000017 und die in der nähe liegenden gärten ist über alle beschreibung schön und reizend nicht im eigentlichen schlosse von windsor wohnte die königliche familie georgs iii sondern in einem modernen gebäude 003040_719_000018 dies ist die erste aussicht rief er uns zu da drüben sehen sie ein wasser mit einer schönen geraden brücke daneben rechts steht ein hoher obelisk des herzogs taten die schlachten die er schlug und gewann sind daran zu lesen seine statue steht auf der spitze des obelisks und ist zehn fuß hoch so klein sie auch von hier aus erscheint 003040_719_000019 ist dieses schon der fall ähnlichkeit liegt immer zugrunde und bei weitem nicht so mit fremden zügen überladen als man im auslande wohl glaubt so streng man sonst in england in allen zirkeln die aus männern und frauen gemischt sind auf dezenz hält so nachsichtig ist man in dieser hinsicht auf dem theater 003040_719_000020 ende der fußnote beide spielten gar lustig god save the king ohne sich sonderlich umeinander zu kümmern die entfernung und das geräusch waren auch zu groß als dass sie viel voneinander hätten hören können mit dieser beliebten melodie fuhren sie ohne weitere abwechslung den ganzen abend fort zu musizieren 003040_719_000021 denn dieser mit der individualität der nationen noch nicht bekannt genug will nach seinem eigenen von hause mitgebrachten maßstabe messen nur nach und nach wird er entdecken dass das was ihm zuerst widerwärtig unnatürlich übertrieben erschien dennoch treu wahr und bewundernswürdig ist 003040_719_000022 treffliche niederländer sind hier verschiedene gemälde von rubens bauernstuben voll leben und wahrheit von ostade steen und anderen gewaltsam mussten wir uns von diesen in engen banden gehaltenen schätzen wegwenden 003040_719_000023 der untere hof ist wegen der st georgen kapelle bemerkenswert die verschiedenen säle und staatszimmer zieren tapeten und malereien bald von höherem bald von geringerem werte an allen ist die wirkung der zeit sichtbar und sie machen im ganzen keinen heiteren eindruck 003040_719_000024 in paris und london ist das anders jeder widmet sich den rollen zu welchen seine individualität ihn ruft mit dem alter nimmt man es dort weit weniger genau als bei uns gerechter als wir bedenkt man wie viel dazu gehört eine hohe stufe in irgendeiner kunst zu erringen 003040_719_000025 nur die besten von ihnen wissen mit unglaublicher mühe diese schwierigkeit zu bekämpfen aber auch die besseren schauspieler heben gewisse tiraden hervor welche auf patriotismus freiheit und nationalität bezug haben 003040_719_000026 fußnote leichter eleganter wagen ende der fußnote mit zweien ziemlich unbändig scheinenden schimmeln bespannt unser vor der tür des gasthofes harrte 003040_719_000027 an dessen arm sie hing das gehen auf den hohen spitzigen absätzen die sie noch immer trug wurde ihr sichtbar schwer sie war sehr klein und in dem grautaften kleide welches sie hoch in die höhe nahm mit einem altmodischen mäntelchen von weißem taft sah sie gar nicht königlich aus 003040_719_000028 an dem südlichen ufer der themse zweiundzwanzig englische meilen westlich von london thront auf einer anhöhe das alte stattliche schloss von windsor von dieser herab genießt man eine der ausgebreitetsten aussichten auf die schöne reiche gegend umher 003040_719_000029 sie machte wie alle engländerinnen der unteren klasse einen kleinen wunderlichen knicks bei jedem worte das wir zu ihr sprachen und führte uns mit großer redseligkeit bis an das schloss 003040_719_000030 die staatszimmer hängen voll gemälden welche man aus mangel an zeit nur zu flüchtig betrachten muß dem anschauer werden im vorübereilen die namen der größten meister 003040_719_000031 nur die stärksten züge ein wenig verflacht und gemildert und man trifft überall im geselligen leben die urbilder dazu an selbst bei den besseren der gezeichneten karikaturen an denen wir uns auch zuweilen in deutschland ergötzen 003040_719_000032 mit dem astronomen herschel sprach er so oft er ihm begegnete einige worte auch die königin war ausgezeichnet freundlich gegen diesen ihren landsmann die promenade schien ihr viel weniger freude zu machen als ihrem gemahl 003040_719_000033 der vorzügliche deutsche schauspieler ist in gebärde ton deklamation und stellung bei weitem der gemäßigste weil maßhalten und ernst in der natur des deutschen liegen wir erscheinen unseren nachbarn kalt aus demselben grunde aus welchem sie uns übertrieben erscheinen 003040_719_000034 übrigens schwer bunt kraus mit einer unzahl von säulen vasen treppen geländern und türmen verziert oder verunziert die große halle in welche man zuerst im schlosse tritt ist sehr hoch sehr groß und wie die in stowe ebenfalls von oben erleuchtet sie hat einen schön gemalten plafond 003040_719_000035 wie schwer es sei von dieser unbeschränkten gewalt den rechten gebrauch zu machen lehrt der mangel an guten neuen tragödien nur shakespeares riesengeist konnte sie zum rechten anwenden noch immer steht er allein da das volk verehrt ihn als seinen einzigen dichter und drängt sich unermüdet zu seinen meisterwerken 003040_719_000036 die eigenheiten der verschiedenen provinzen der schotten und iren besonders ihrer dialekte erhöhen das komische derselben und werden mit vieler treue dargestellt charakterkomödien wie die franzosen deren meisterhafte besitzen 003040_719_000037 wunderbar kontrastiert diese mit dem ernsten anblicke des schlosses seinen alten mauern und mit efeu umrankten türmen wilhelm der eroberer erbaute dieses schloss kurze zeit nachdem er sich zum herrn von england gemacht hatte mit einer mauer umgab es heinrich der erste und vergrößerte es 003040_719_000038 ein großes prächtiges tor mit zwei nebengebäuden die wohnung des türwärters dient dem park zum haupteingange eine inschrift auf einer darüber angebrachten marmorplatte belehrte uns dass lady sarah diese art von triumphbogen ihrem verstorbenen gemahl zu ehren erbaute 003040_719_000039 ende der fußnote er ist einhundertacht fuß lang am ende desselben steht der königliche thron über diesem sieht man das st georgen kreuz in einer glorie umgeben mit dem von amoretten getragenen strumpfbande und der bekannten inschrift honny soit qui mal y pense 003040_719_000040 periodenweise deklamiert der schauspieler seine rede ab zwischen jedem satze wird eine hinlängliche pause für den beifall gelassen dann weitergesprochen dann wieder geschwiegen sodass das ganze sich wie ein melodram ausnimmt zu welchem das publikum das akkompagnement liefert 003040_719_000041 die königliche familie erschien bald darauf ein einziger konstabler ging mit dem stabe voraus um nur einigermaßen raum für sie zu machen man drängte sich von allen seiten um sie her 003040_719_000042 reise durch england und schottland von johanna schopenhauer kapitel nummer drei blenhem als wir uns in woodstock morgens früh anschickten nach unserer gewohnheit vors erste den park zu durchwandern sahen wir mit erstaunen dass ein himmelhoher failleton 003040_719_000043 übrigens wird blenheim auf eine noch umständlichere und dadurch auch kostspieligere weise gezeigt als es bei anderen landsitzen gebräuchlich ist der geist der stolzen frau ihrer zeit der lady sarah marlboroughs gemahlin scheint noch jetzt auf die in ihrem ehemaligen wohnsitze übliche etikette einfluss zu haben 003040_719_000044 fußnote von eduard dem bekenner erstmals erbaut eduard iii ließ es niederreißen und durch william of wykeham im vierzehnten jahrhundert ein neues schloss bauen 003040_719_000045 ebenso wird der westfälische bauer gewiss glauben der provenzale oder gascogner wolle ihn totschlagen wenn jener ihm bloß nach seiner landessitte einen guten morgen bietet 003040_719_000046 in denen sich alles um eine rolle dreht die dadurch bis ins kleinste detail herausgehoben wird kennt der engländer nicht dafür wimmeln alle stücke von personen die uns als karikaturen erscheinen die es aber bei diesem originellen volke nicht sind 003040_719_000047 nennt man ein nach festgesetzten regeln genau gebildetes ganzes ein vollendetes kunstwerk so hat die französische tragödie vor allen anderen den vorzug streng abgemessen sind zeit und ort jeder vers jedes wort findet im parterre richter die keinen verstoß gegen einmal festgesetzte regeln hingehen lassen 003040_719_000048 als wir des nachmittags hingingen das schloss zu sehen wurden wir am eingange des zweiten hofes von einer alten frau empfangen die wir anfangs für die haushälterin hielten welche uns wie das in england gebräuchlich ist die zimmer zeigen sollte 003040_719_000049 der türhüter empfing uns mit einer wahrscheinlich für diesen zweck ein für allemal auswendig gelernten anrede ging ganz ernsthaft etwa fünfzig schritte neben dem wagen her dann ließ er ihn halten 003040_719_000050 nebst einem ansehnlichen gefolge von tugenden und genien es ward in london gefertigt und sehr teuer bezahlt das ist alles was wir davon zu sagen wissen weder der gedanke noch die ausführung zog uns an 003040_719_000051 viel will dies sagen bei einer nation welche das lachen für unanständig hält und dem gebildeten höchstens nur ein lächeln erlaubt hier siegt die natur unterstützt von der kunst und regel und zwang sind vergessen 003040_719_000052 frauen die im geselligen leben jedes nur von fern ihr zartgefühl beleidigende wort empört sehen szenen an von denen jede französin sich zürnend wegwenden würde und die gewiss das pariser publikum mit dem entschiedensten unwillen aufnähme der englische tragiker spielt natürlicher als der französische feuriger als der deutsche 003040_719_000053 die schulgebäude zeichnen sich nicht durch ihre bauart aus die kapelle aber ist ein schönes gotisches gebäude welches die reiche landschaft noch mehr verschönert heinrich der sechste stiftete und erbaute diese schule im jahre vierzehnhundertvierzig 003040_719_000054 bei etwas aufmerksamkeit aber findet man ihn im gemeinen leben wieder bei jedem durch leidenschaft gehobenem gespräch es ist die der englischen sprache eigene melodie jede sprache hat die ihrige im komischen besonders im possenspiel übertreffen die engländer vielleicht alle anderen nationen 003040_719_000055 die englische deklamation hat ohnehin einen eigenen singenden ton ohne große modulation etwas dem fremden affektiert scheinendes pathetisches das sich nicht beschreiben läßt 003040_719_000056 nachdem wir alles gehörig bewundert und uns auch mit dem förster abgefunden hatten übergab uns dieser dem gärtner welcher uns in den das schloss in der nähe umgebenden zum spazierengehen bestimmten anlagen herumführte 003040_719_000057 betrachtet man eine theatralische vorstellung als ein vollendetes abgerundetes ganze so haben wir deutschen vor den anderen nationen keinen vorzug so viel vortreffliche einzelne künstler wir auch aufzuweisen haben 003040_719_000058 die gestalten die gebärden der himmel die beleuchtung die wir von jugend auf sehen prägen sich uns mit unauslöschlichen zügen ein wir können nur wiedergeben was wir in uns tragen 003040_719_000059 zum prachtpalaste von blenheim eine wasserreiche immer laufende kaskade ein lieblicher weg um einen kleinen see herum und viele vorzüglich große schöne bäume bilden hier die schönsten partien 003040_719_000060 und der unterschied der schulen liegt mehr an dem himmel unter dem sie entstanden als an den meistern die man für ihre stifter erkennt bei der theatralischen kunst blickt diese nationalität noch deutlicher hervor und wäre es möglich einem schauspiel zuzusehen 003052_2124_000000 zum glück hatte sie keinen schaden genommen das luftschiff gehorchte wieder dem steuer die bewegung wurde gemäßigt es kehrte in weitem bogen zurück und lagerte sich in einer entfernung von etwa acht kilometern vom kriegsschiff auf der spitze eines hügels von wo aus man mit dem fernglas die vorgänge auf dem schiff gut beobachten konnte 003052_2124_000001 es trat eine pause ein auf beiden schiffen wurde kriegsrat gehalten ill wollte ohne weiteres dem wunsch des kapitäns nachgeben und ihn besuchen aber 003052_2124_000002 ein zweiter repulsitschuss knickte die eisernen masten wie strohhalme die mit einer scharfen sense abgeschnitten werden zugleich aber wurden sie wie von einem sturmwind fortgetragen der sie über das schiff hinwegfegte und gegen hundert meter weiter ins meer fallen ließ 003052_2124_000003 wir verlangen nicht dass ihr die flagge streicht lautete die antwort es genügt wenn ihr die gefangenen ans land setzt aber unsere geduld ist jetzt zu ende stößt das boot mit unseren landsleuten nicht binnen zehn minuten vom schiffe ab so macht euch auf das schlimmste gefasst bis jetzt haben wir euch nur eine probe gegeben 003052_2124_000004 wie sollte er nun ohne menschenleben zu vernichten und das schiff selbst unbrauchbar zu machen die herausgabe der gefangenen erzwingen ill hätte durch den telelyten das geschütz demontieren oder das schiff leck machen können 003052_2124_000005 wenn die fremden verräter waren wenn sie jetzt eine dynamitbombe herabfallen ließen jeder sagte sich dass das schiff dann verloren war und sie waren wehrlos 003052_2124_000006 jetzt fiel eines der abgeschossenen langbleie auf das verdeck des schiffes selbst zurück und durchschlug seine planken das feuer musste eingestellt werden da die kugeln die schützen selbst zu treffen drohten 003052_2124_000007 das geschütz konnte ihm nicht schaden wenn er sich über dem schiff hielt und auch sonst nicht wenn er die abgabe des schusses rechtzeitig bemerkte und das schiff selbst wollte er nicht untauglich zur fortsetzung der reise machen 003052_2124_000008 ich habe mich nur hierhergelegt um überhaupt zu wort zu kommen wir können ja auch jeden augenblick hierher zurückkehren wenn wir wollen nur nützt es uns wenig mit einer vernichtung des schiffes zu drohen geht nicht an da ich sie doch nicht ausführen würde und auch die leute sich sagen dürften dass wir das schiff nicht in grund bohren werden 003052_2124_000009 ich hatte es mir immer anders gedacht ich höre die menschen haben unseren planeten nach dem gott des krieges genannt wir wollten den frieden bringen aber es scheint dass die berührung mit diesem wilden geschlecht uns in die barbarei zurückwirft gott gebe dass diese begegnung kein vorzeichen ist indessen 003052_2124_000010 oder eine stelle am ufer zur zusammenkunft bestimmen im übrigen genüge es wenn der kapitän die beiden martier an land sende das luftschiff werde sich dann sogleich entfernen sobald es die beiden aufgenommen hätte ohne eine antwort abzuwarten ließ ill das luftschiff nach dem land zu lenken 003052_2124_000011 plötzlich vernahm man einige scharfe schläge gegen die flügel des schiffes höher rief ill höher und schneller mit dem schiff und den geretteten gefährten beschäftigt hatte man kaum noch auf den engländer geachtet 003052_2124_000012 und es schien ihm als ob das schiff auf der linken seite nicht mit derselben geschwindigkeit seine schwere ändere wie auf der rechten man war jetzt auf der breiten eisscholle angelangt 003052_2124_000013 der teufel soll euch holen feuer auf die hunde schrie keswick wütend aber schon hatte sich das luftschiff fortgeschnellt nach wenigen sekunden war es bereits wieder über einen kilometer vom schiff entfernt das jetzt mit voller dampfkraft nach süden strebte 003052_2124_000014 auch das jetzige unglück ist gegen meine absicht geschehen wir hatten bei der plötzlichkeit des überfalls nicht länger zeit unsern schuss abzuwägen die menschen sind wahnsinnig er sann lange nach ich erwäge sagte er dann ob ich es gegen unsere genossen verantworten kann wenn ich jetzt nachgebe und das schiff entlasse 003052_2124_000015 auch war man so weit von ihm entfernt dass die martier außer schussweite zu sein glaubten die engländer aber hatten als sie sahen dass das luftschiff sich entfernte ihm auf gut glück noch einige schüsse aus ihren weittragenden gewehren nachgesendet und einige kugeln hatten es erreicht höher lautete der befehl 003052_2124_000016 flügel und steuer waren eingezogen der hinterteil des fahrzeugs war gegen das kriegsschiff gewendet und zeigte die öffnung eines bis dahin nicht sichtbar gewesenen rohres kapitän keswick hatte seinen zweck erreicht zeit zu gewinnen und das unheimliche fahrzeug über seinem kopf zu entfernen er fühlte sich wieder sehr erhaben 003052_2124_000017 elle wollte eben seine äußerungen übersetzen als der wachthabende martier meldete das schiff setzt ein boot aus es war so man sah dass die beiden martier in das boot hinabgelassen wurden dieses ruderte dem land zu in einer kleinen bucht deren ufer mit eisschollen bedeckt waren landeten die engländer 003052_2124_000018 geben sie sich um seinetwillen nicht so großer sorgen hin suchte ell sie zu trösten er wird sicherlich glücklich heimkehren vielleicht früher als wir setzte er zögernd hinzu 003052_2124_000019 die flagge wurde jetzt gehißt das luftschiff setzte aber seinen lauf fort ill wollte denselben erst in unmittelbarer nähe des schiffes anhalten vorsichtshalber stieg er jedoch schnell in größere höhe 003052_2124_000020 sie wollte zu ihm sprechen aber sie fand keine worte nur ihr blick dankte ihm auf wiedersehen bereits vierundzwanzig stunden hatte isma auf der polinsel zugebracht ohne dass die in aussicht genommenen entdeckungsfahrten nach ihrem mann angetreten wurden 003052_2124_000021 auf dem verdeck selbst wurde nichts direkt von dem schuss betroffen nur die entstehende gewaltige luftwelle warf die gesamte mannschaft über den haufen und setzte das ganze schiff in schwankende bewegung 003052_2124_000022 ich meine wenn wir den stoß auffangen aber wir werden doch zerschmettert keine sorge wir müssen nur aufpassen jetzt aber wollen wir verhandeln 003052_2124_000023 dort stieg eine weiße dampfwolke in die höhe und ein kanonenschuss donnerte über die flut man konnte jetzt die flagge erkennen es ist ein engländer sagte elle er fordert uns auf unsere flagge zu zeigen 003052_2124_000024 er versuchte daher nochmals zu verhandeln und ließ zu diesem zweck wieder die weiße fahne aufziehen obwohl al meinte dass dieses entgegenkommen falsch verstanden würde was wollen die schufte rief der kapitän wütend ließ aber das feuer einstellen 003052_2124_000025 ill wollte jetzt das luftschiff wieder sich herabsenken lassen um neue verhandlungen zu beginnen aber die zur wut gereizten feinde beschossen es aus ihren gewehren ohne rücksicht auf die gefahr von ihren eigenen kugeln getroffen zu werden 003052_2124_000026 im moment aber spannte das luftschiff seine flügel aus in engem kreis kehrte es zurück binnen zehn sekunden war es wieder bei der prevention angelangt hinter dem kanonenboot sank es bis zur halben höhe seiner masten 003052_2124_000027 schmäher kochte auf als hätte man einen berg hineingestürzt ein haushoher wogenwall wälzte sich von der getroffenen stelle im kreise nach außen und zwang das englische schiff seinen kurs zu ändern 003052_2124_000028 hierbei streifte es einmal bis dicht an einen felsen und legte sich stärker nach der seite als beabsichtigt war der ingenieur machte ein bedenkliches gesicht es kam bei diesen langsamen bewegungen auf und nieder auf die äußerste präzision in der funktion des diabarischen apparats an 003052_2124_000029 ill konnte mit seinem sprachrohr sich bis auf tausend meter verständlich machen er rief nochmals hinüber wenn man jetzt nicht gehorche werde er auf das schiff selbst schießen 003052_2124_000030 wollen sie sich nicht lieber in die kajüte begeben diese frage richtete ill an isma die den vorgängen mit herzklopfen gefolgt war diese herren sehen mir gerade so aus als wollten sie uns mit ihren flintenschüssen begrüßen oh lassen sie mich hier bat isma 003052_2124_000031 seien bewohner des planeten mars die auf dem nordpol der erde eine kolonie angelegt hätten die beiden würden zu unrecht gefangen gehalten sie hätten sich an den engländern nicht vergriffen vielmehr die in den abgrund gestürzten heraufbefördert das luftschiff wolle nichts als die beiden gefangenen zurückhaben man möge sie in der nähe ans land setzen wo das luftschiff sie abholen werde 003052_2124_000032 ill nahm das glas vom auge ein finsterer ernst lagerte über seinen zügen es ist schrecklich sagte er ich hab das meinige getan um blutvergießen zu vermeiden 003052_2124_000033 solange unsere kameraden sich darauf befinden ell rief nun durch das sprachrohr hinab dass sich das luftschiff in einiger entfernung niederlassen werde auf demselben befinde sich einer der höchsten beamten des mars der nicht daran denke sich zuerst dem kapitän vorzustellen der kapitän möge daher entweder zu ihm an bord kommen 003052_2124_000034 aber ich bin ja nicht einmal sicher ob man ihr leben schonen wird nachdem dieses blut geflossen ist das also ist unser erstes zusammentreffen mit den menschen das ist die verbrüderung der planeten 003052_2124_000035 dass man auf dem mars auch englisch verstand und sich nach der deutschen nordpolexpedition erkundigte war schließlich nicht wunderbarer als die existenz des luftschiffes überhaupt die zumutung einem englischen kriegsschiff bedingungen zu stellen 003052_2124_000036 ell mit dem glas die vorgänge an deck des schiffes die gefangenen martier sind jedenfalls unter deck sagte er das schiff ist klar zum gefecht ich glaube man will auf uns schießen willst du nicht lieber anhalten 003052_2124_000037 ließ antworten es würde ihm sehr leid tun wenn er seinerseits gewalt anwenden müsste um seine genossen wieder zu erhalten bei der geringsten feindseligkeit seitens der engländer würde er sich jedoch gezwungen sehen ihr schiff kampfunfähig zu machen sollte einem der martier leides geschehen 003052_2124_000038 ehe sich die engländer wieder auf ihre füße gefunden hatten war das luftschiff in kurzer wendung aufsteigend umgekehrt und ruhte in etwa tausend meter höhe senkrecht über dem kanonenboot 003052_2124_000039 selbst wenn wir in der schusslinie wären könnten wir den schuss aufnehmen da wir dreimal so viel masse haben als das geschoss würde es uns nur eine geschwindigkeit von höchstens zweihundert metern geben und das ist für uns das gewöhnliche ell sah ihn erstaunt an 003052_2124_000040 in welchem das geschoss das luftschiff treffen konnte mussten fast zwei sekunden vergehen das genügte ihm jetzt blitzte drüben der schuss auf das vernichtende geschoss war entsandt ell fühlte wie sich ihm die kehle zusammenschnürte aber vertraute auf die kraft der nume 003052_2124_000041 außerdem wolle man wissen ob das schiff nachricht von der deutschen nordpolexpedition torm habe kapitän keswick erwiderte von der tormschen expedition habe er bis jetzt keinerlei spuren gefunden 003052_2124_000042 man begab sich eben zu der üblichen plauderstunde ins empfangszimmer wo isma und ell jetzt die plätze einzunehmen pflegten die für grunthe und saltner eingerichtet waren als ell mit bekümmertem antlitz eintrat isma sah ihn erschrocken an was ist geschehen rief sie 003052_2124_000043 eine flagge führte zwar das luftschiff nicht man hatte aber diesen fall vorgesehen und um keine besonderen verwicklungen hervorzurufen eine flagge improvisiert die dem banner der vereinigten marsstaaten nachgebildet war sie bestand einfach in einem schwarzen tuch von dreieckiger gestalt das in der mitte einen großen orangenfarbigen kreis trug 003052_2124_000044 ill wandte sich betrübt ab als er erfuhr welche behandlung ihnen zuteil geworden war die strafe der engländer war hart dachte er aber verdient und doch im grunde waren sie unschuldig an ihrem irrtum 003052_2124_000045 der engländer hatte inzwischen seinen lauf angehalten und lag jetzt still ihm gegenüber etwas über einen kilometer entfernt in geringer höhe über dem ufer schwebte das luftschiff der martier in vollkommener ruhe 003052_2124_000046 ell beobachtet dass das boot kaum beim schiff angekommen war als man das geschütz richtete wir sind verloren rief er ill zu dieser hatte schon seine vorkehrungen getroffen er sah scharf auf die mündung des geschützes 003052_2124_000047 wie ist das schiff bewaffnet fragte ill es ist soviel ich davon verstehe ein sogenannter torpedo rammkreuzer den rammsteven und die torpedos haben wir freilich nicht zu fürchten aber das fünfundzwanzig zentimeter geschütz auf dem deck ist eine furchtbare waffe 003052_2124_000048 es ist der fall vor dem ill uns warnte isma weinte still ell saß ratlos neben ihr was nun fragte sie endlich 003052_2124_000049 am horizont zeigte sich eine rauchwolke die sich vergrößerte das dampfschiff nach süden steuernd und das nach norden fliegende luftschiff das seine geschwindigkeit sogleich steigerte und die flügel verkürzte näherten sich rasch 003052_2124_000050 vertrauen sie mir sagte er sie sahen sich in die augen ich werde tun was sie verlangen erwiderte isma ich habe das geschick herausgefordert ich muss es tragen ob auf dem mars oder auf der erde wir können dieselben bleiben 003052_2124_000051 bald konnte man die formen des schiffes durch das glas unterscheiden der wimpel am großtopp ließ es als kriegsschiff erkennen jetzt hatte man auch an bord der prevention das luftschiff gesehen dieses senkte sich bis auf hundert meter über die oberfläche des meeres und schoss direkt auf das kanonenboot zu 003052_2124_000052 er dachte nun erst recht nicht daran die gefangenen auszuliefern verhielt es sich wirklich so dass sie marsbewohner waren und eine bessere erklärung angesichts des luftschiffes wusste keiner seiner offiziere so wollte er sich den triumph nicht nehmen lassen diese seltsamen geschöpfe nach london zu bringen 003052_2124_000053 das luftschiff senkte sich als es so nahe gekommen war dass man sich durchs sprachrohr verständigen konnte fragte ell ob man jetzt bereit sei zu kapitulieren mit euch freibeutern gibt es keine verhandlungen schrie keswick zurück ehe ich meine flagge streiche sprenge ich das ganze schiff samt euren sauberen brüdern in die luft 003052_2124_000054 schiff schwebte zwar aber man konnte es nur langsam und in engen grenzen heben und senken der repulsitapparat war dagegen in ordnung und trieb das schiff vorwärts 003052_2124_000055 die entfernung war zu kurz um den gegenschuss der martier genau abzumessen er erfolgte sofort aber er war zu heftig mit rasender geschwindigkeit schleuderte der rückstoß das luftschiff fort die insassen wurden von ihren plätzen geworfen isma stieß einen schrei aus und klammerte sich schreckensbleich an die wand 003052_2124_000056 so sehr sie sich danach sehnte dass sie doch keine zeit ungeduldig zu werden denn die fülle der neuen umgebung beschäftigte sie ausreichend die gegenwart ells gab ihr die erforderliche zuversicht in den neuen verhältnissen 003052_2124_000057 halte dich fest und befürchte nichts sagte er zu ell gewendet seine hand lag am griff des repulsitapparates von dem moment in welchem der schuss an bord des kriegsschiffs gelöst wurde bis zu demjenigen 003052_2124_000058 nach dem mars flüsterte isma wie geistesabwesend dann stand sie auf sie trat vor ell ihren schmerz bezwingend reichte sie ihm beide hände 003052_2124_000059 der kapitän sah nun wohl ein dass er dem luftschiff nicht entkommen könne aber er war immer noch zu hartnäckig um nachzugeben das luftschiff lag wieder vollständig ruhig und ließ das kanonenboot herankommen während die vorgänge auf demselben aufs genaueste beobachtet wurden 003052_2124_000060 es bleibt uns nichts übrig als mit ill und ra nach dem mars zu gehen im ersten frühjahr kehren wir mit neuen luftschiffen zurück bis dahin hilft uns nichts als fassung 003052_2124_000061 so vor allem der vorsteher ra dessen frau und der arzt hil von ihnen erhielt sie nicht nur nachricht über die verhältnisse des mars sondern auch einzelheiten über die schicksale der gefährten ihres mannes die ihr gemüt lebhaft bewegten 003052_2124_000062 hier sah es schlimm aus unter dem gegenstoß des repulsits war das sprenggeschoß explodiert aber die trümmer waren nicht in das meer gefallen sondern weil die wirkung zu stark gewesen war auf das schiff zurück 003052_2124_000063 so hafteten kapitän offiziere und mannschaft mit ihrem leben der offizier brachte diese antwort zurück wir werden mit den leuten deutlicher reden sagte keswick 003052_2124_000064 wer seid ihr fragte er durch das sprachrohr entgegen ell versuchte eine erklärung zu geben das luftschiff habe keine feindlichen absichten es gehöre demselben staat an wie die beiden gefangenen die sich auf dem englischen schiff befänden 003052_2124_000065 wirklich beschoss man das luftschiff jetzt aus den gewehren es schwebte aber bereits so hoch und so nahe senkrecht über dem englischen kanonenboot dass die kugeln ihm keinen schaden tun konnten obwohl sich die engländer zum zielen auf den rücken legten 003052_2124_000066 infolgedessen nahm die fahrt bis zum pol die vierfache zeit wie gewöhnlich in anspruch endlich kam die polinsel ara zu gesicht und das schiff senkte sich vorsichtig auf das dach derselben aufs äußerste ermüdet entstiegen die martier dem fahrzeug von den bewohnern der insel freudig bewillkommt 003052_2124_000067 der dampfer machte eine wendung und stoppte die martier glaubten es geschehe um ein boot auszusetzen aber das manöver hatte nur den zweck zum schuss zu kommen ehe die martier es erwarten konnten blitzte der schuss auf 003052_2124_000068 sie warfen die gefangenen rücksichtslos auf eine scholle feuerten ihre gewehre in die luft ab um ein signal zu geben und kehrten dann schleunigst zurück an bord ihres schiffes sofort befahl ill daß das luftschiff aufsteigen solle um die genossen abzuholen 003052_2124_000069 könnte nicht vielleicht mein mann auf dem schiff sein das werden wir alles erfahren ell soll durch das sprachrohr die verhandlung als dolmetscher führen 003052_2124_000070 aber als der diabarische apparat dementsprechend gestellt wurde legte sich das schiff auf die seite infolge der flügelstellung beschrieb es sofort eine spirale nach rückwärts und kam dadurch nochmals in den bereich der feindlichen geschosse man musste die diabarie der rechten seite wieder vermindern da die linke nicht folgte 003052_2124_000071 alsbald erregte das luftschiff durch einen zweiten repulsitschuss an geeigneter stelle einen neuen wirbel und so zwangen die martier ihren gegner sich dahin zu wenden wohin sie ihn haben wollten bald aber war die ganze umgebung wie von einem sturm aufgewühlt und die prevention hatte die größte mühe sich in dem tollen wogengang zu halten 003052_2124_000072 es entfernte sich nun vom schauplatz des kampfes nach norden in verhältnismäßig geringer höhe über der erde ein gebirge das noch zu überwinden war konnte nur durch das vorwärtstreiben mit schräggestellten flügeln genommen werden 003052_2124_000073 ell riet ihm dringend davon ab traust du ihm nicht fragte ill das nicht sagte ell sein wort wird er halten aber nach den anschauungen der menschen würden wir damit anerkennen dass wir uns den bestimmungen des englischen kriegsschiffs unterordnen der hochmut der engländer würde dadurch nur wachsen und die verhandlungen erschweren 003052_2124_000074 der weg war nicht weit doch lag die kleine bucht auf der anderen seite des kriegsschiffs das man in einem bogen umgehen musste um sich nicht etwaigem gewehrfeuer auszusetzen dann senkte sich das schiff mit eingezogenen flügeln nahe am felsigen abhang hinab 003052_2124_000075 wir nehmen für uns selbst den charakter eines kriegsschiffs in anspruch es mag sein doch liegt kein grund vor unsere stellung über dem schiff beizubehalten wenn sie den kapitän beunruhigt 003052_2124_000076 aber hätte das luftschiff feindlich vorgehen wollen so hätte es dies sicherer aus der früheren höhe tun können der kapitän stand mit finsteren blicken auf der kommandobrücke jetzt zuckte er zusammen aus der höhe kam ein anruf in englischer sprache 003052_2124_000077 von einem gebrauch des geschützes konnte beim schwanken des schiffes jetzt nicht die rede sein inzwischen waren die zehn minuten frist längst abgelaufen ill ließ dem schiff noch zeit um einen felsenvorsprung herum in ruhigeres wasser zu gelangen hier erwartete er den engländer 003052_2124_000078 und nun vorwärts zum pol in anderthalb stunden konnte er erreicht sein das luftschiff erhob sich langsam und wieder bemerkte der steuermann die ungleichmäßigkeit der diabarie auf den beiden seiten des schiffes 003052_2124_000079 ein teil der mannschaft und der kapitän selbst waren verwundet der verschluss des geschützes war abgeschlagen dichter qualm drang aus einem der zertrümmerten schornsteine 003052_2124_000080 ausgesetzt waren die beim kampf und zuletzt beim transport erlittenen misshandlungen und der mangel an für sie genießbarer nahrung hatten sie körperlich schwer mitgenommen sie atmeten beglückt auf als im inneren des luftschiffes ihre leiden gemildert wurden 003052_2124_000081 bis er durchs sprachrohr mit dem luftschiff reden konnte und ließ durch ihn seinen befehl ausrichten das luftschiff solle landen und die besatzung sich von demselben ohne waffen auf tausend schritt zurückziehen geschähe das nicht bis das boot wieder an bord sei so würde er gewalt anwenden 003052_2124_000082 ill keine zeit dadurch verlieren wollte dass sich die entfernung des schiffes von der küste vergrößerte beschloss er zunächst den dampfer aufzuhalten er erhob sich so hoch dass er nicht beschossen werden konnte und richtete dann einen repulsitstrom gegen die meeresoberfläche in einiger entfernung vor dem schiff 003052_2124_000083 obgleich seine masse nur wenige gramm betrug er breitete sich kegelförmig aus und musste daher das ihm entgegenfliegende sprenggeschoß auffangen und zur ruhe bringen 003052_2124_000084 hinter ihm etwa in der mitte zwischen dem englischen schiff und dem martischen gab es einen ohrenbetäubenden krach die granate zersprang in der luft als sei sie an eine feste unsichtbare mauer gestoßen die bruchstücke flogen nicht weiter sie fielen direkt nach unten und ließen das meer unter sich aufschäumen 003052_2124_000085 der telelyt ein apparat durch welchen chemische wirkung in jeder beliebigen form erzeugt werden kann soweit nur die direkte bestrahlung des gegenstandes vom apparat aus möglich ist wenn man zum beispiel glühenden sauerstoff durch den telelyten treten ließ so wurde die chemische energie durch strahlung fortgepflanzt und kam auf dem bestrahlten körper etwa dem gussstahl des geschützes 003052_2124_000086 bis es sich in einer höhe von etwa fünfzig metern über den spitzen der masten hielt die besatzung des schiffes bestand aus tapferen männern aber bei diesem anblick pochte allen das herz in der brust 003052_2124_000087 fassen sie sich liebste freundin hugo ist nein nein wir wissen nichts aber wir können ihn nicht suchen warum nicht das luftschiff ist unbrauchbar geworden um gottes willen 003052_2124_000088 isma sah ihn an dann schlug sie die hände vor das gesicht und ließ sie endlich langsam herabsinken wir können nicht zurück es ist unmöglich in diesem jahr 003052_2124_000089 ill hatte nur die wirkung seiner waffen zeigen wollen der im repulsitgeschütz sich entspannende äther entwich mit einer geschwindigkeit welche der des lichtes vergleichbar war und riss die luft und alles was in seinem weg lag mit sich fort 003052_2124_000090 hielt kapitän keswick für eine frechheit seiner ansicht nach hatte das fremde schiff einfach zu gehorchen er signalisierte daher jetzt das schiff möge sofort die flagge streichen und sich ergeben da er sich aber allerdings selber sagte dass man drüben die signale nicht verstehen würde so schickte er einen offizier in der jolle soweit vor 003052_2124_000091 isma hatte sich auf seine bitte schon vorher zurückgezogen und war sich der unmittelbaren gefahr glücklicherweise nicht bewusst ill hatte gleichzeitig den griff des repulsitgeschützes gedreht das luftschiff erhielt einen stoß und sauste durch die luft 003363_2124_000000 mir persönlich wie dem allgemeinen interesse entstehen dadurch schwierigkeiten die sich noch gar nicht absehen lassen bieten sie allen einfluss auf um ismas rückkehr zu ermöglichen und kommen sie selbst um ihre sache zu führen 003363_2124_000001 gleich kommen sie mit mir sie müssen in ihr irdisches schwerekämmerchen die aufregung die sorge und nun die plötzliche aussicht auf heimkehr hatten ismas widerstandskraft gelähmt alles blut war aus ihrem gesicht entwichen mit bleichen wangen einer ohnmacht nahe lag sie auf ihrem sessel 003363_2124_000002 und doch war es schon schwer genug hier in der verbannung zu leben während das vaterland in drohendster gefahr schwebte und endlich heute war die depesche gekommen dass das raumschiff in der nacht gelandet sei 003363_2124_000003 sie las nicht was darunter stand sie sprang auf und ergriff den rest der noch nicht durchblätterten papiere um sie fortzuschleudern da was fällt da herab 003363_2124_000004 was isma am meisten interessierte die persönlichen schicksale torms war nur kurz geschildert dann aber hieß es ich bedauere tief dass sie den heldenmütigen aber übereilten entschluss meiner frau unterstützten und friedau unter so ungewöhnlichen umständen verließen 003363_2124_000005 man war daher angenehm überrascht als man vernahm dass die regierung zu einem tatkräftigen vorgehen entschlossen war und als das ultimatum an england bekannt wurde wurden dem zentralrat und insbesondere ill lebhafte ovationen dargebracht 003363_2124_000006 torm in berlin rührendes wiedersehen von torm und grunthe allgemein bedauerte man die abwesenheit friedrich ells des geistigen und pekuniären vaters der expedition der sich bekanntlich nach dem mars begeben hat wie wir hören beabsichtigt torm seinen wohnsitz vorläufig in berlin zu nehmen 003363_2124_000007 das herabfallen der fernsprechklappe schreckte sie aus ihren gedanken liebe isma sind sie da ja ich bringe ihnen etwas es war die stimme von frau ma im augenblick war isma aufgesprungen schon erschien ma an der tür 003363_2124_000008 isma seufzte tief sie vermochte kaum zu lesen jeden augenblick fürchtete sie auf ihren namen zu stoßen und die verleumdung öffentlich ausgesprochen zu sehen aber es war nichts weiter gesagt ein anderes blatt torm in hamburg begeisterter empfang weiter 003363_2124_000009 isma erhob sich ich komme sogleich sagte sie also ell hatte sie es zu verdanken dass sie schon eine antwort bekommen hatte während sie ihre augen kühlte und ihr haar ordnete bedrückte sie der gedanke dass ihr brief zwanzig seiten eng beschrieben das waren gewiss an die viertausend worte enthalten hatte 003363_2124_000010 wir verpflichten uns gegen verkehrsfreiheit jeder einmischung in politische angelegenheit uns zu enthalten leider annahme des ultimatums durch england aussichtslos 003363_2124_000011 an bord befinde sich der leiter der deutschen nordpolexpedition torm der von wandernden eskimos dahin gebracht sei isma las nicht weiter sie ergriff ein neues blatt 003363_2124_000012 tom in london sie überflog nur die zeilen tiefergreifend wirkten auf den kühlen forscher die nachrichten über das schicksal der übrigen expeditionsmitglieder insbesondere die glückliche heimkehr grunthes und die rettung der wissenschaftlichen resultate 003363_2124_000013 war durch den englischen telegraphisten ein unmögliches kauderwelsch geworden saltner aber genügte es vollständig daraus die freude der mutter über sein wohlbefinden zu ersehen und jedes verstümmelte wort machte er mit rührender sorgfalt zu einem besonderen studium 003363_2124_000014 er hat telegraphiert weil es vertraulich ist und beim sprechen weiß man nie wer zuhört nun ich lese ja schon hören sie nur soeben meldet lichtdepesche dass sämtliche großmächte falls england unser ultimatum nicht annimmt neutralität erklärt haben 003363_2124_000015 sollte es ihr doch nachrichten von der erde bringen sie wusste zwar dass er mit diesem schiff noch keinen brief von ihrem mann erhalten konnte denn es hatte die erde verlassen ehe eine antwort auf ihr schreiben in sydney eintreffen konnte aber sie hoffte auf zeitungen die ja über die rückkehr torms auskunft geben mussten 003363_2124_000016 kaum vermochte isma ihre aufregung zu beherrschen doch die aufgaben des tages mussten erledigt werden sie zwang sich zur ruhe obwohl sie bei jedem geräusch hoffte man bringe die ersehnten nachrichten 003363_2124_000017 um auf demselben nachforschungen nach dem verbleib ihres verschollenen gemahls anzustellen und die rettung desselben zu betreiben ohne zweifel ist es dasselbe luftschiff welches in konflikt mit dem englischen kanonenboot prevention geraten ist zu einer zeit als sich torm noch bei den eskimos befand 003363_2124_000018 inzwischen war man auf dem mars recht ungeduldig nachdem die abreise des ersten raumschiffs sich bereits verzögert hatte vergingen weitere fünfundzwanzig tage bis die erste kurze lichtdepesche die glückliche ankunft desselben auf der außenstation am südpol der erde meldete 003363_2124_000019 infolge der gehässigen angriffe die von gewissen blättern gegen den martier sohn friedrich ell gerichtet werden und die sich bemühen die gattin unseres großen landsmannes torm zu verleumden sehen wir uns gezwungen von unserem grundsatz abzugehen wonach wir um persönlichen klatsch uns nicht kümmern 003363_2124_000020 wirken sie darauf hin dass die marsstaaten keine anderen bestrebungen verfolgen als ganz allmählich einige ihrer technischen fortschritte uns zugänglich zu machen von jeder direkten einwirkung befürchte ich unheil für die menschen ich bleibe vorläufig in berlin leider scheint in den maßgebenden kreisen entschlusslosigkeit zu herrschen 003363_2124_000021 mit spannung sah man der rückkehr des ersten raumschiffes entgegen welches ausführlichere nachrichten bringen musste aber da die planeten jetzt von tag zu tag sich weiter voneinander entfernten dauerte die überfahrt länger jetzt war seine ankunft indessen jeden tag zu erhoffen 003363_2124_000022 sie setzte sich und zwang sich zur ruhe systematisch nahm sie ein blatt nach dem anderen zur hand sah nach dem datum und entfaltete es die blätter waren offenbar schon von einer kundigen hand geordnet das erste war vom vierundzwanzigsten september vorigen jahres 003363_2124_000023 dann dauerte es wieder einige tage bis man erfuhr dass die übrigen raumschiffe ebenfalls angelangt und die luftschiffe in betrieb gesetzt seien die verzögerung der antwort seitens der britischen regierung wirkte verstimmend 003363_2124_000024 es war dort gesagt jedermann in friedau wisse dass zwischen ell und frau torm intime beziehungen seit jahren bestanden hätten die polarexpedition so deutete man an sei von ell angeregt um torm zu entfernen 003363_2124_000025 nicht nach friedau zurückgekehrt ist man kann hieraus die befürchtung ziehen dass ihm irgendein unglücksfall zugestoßen ist und dies umso mehr als der kapitän keswick versichert durch seine beschießung das luftschiff beschädigt zu haben 003363_2124_000026 das paket von einem leichten korbgeflecht umhüllt lag auf dem tisch ismas hände zitterten als sie den verschluss auseinanderbog ein haufen zeitungen lag vor ihr 003363_2124_000027 isma reißt das papier auf der inhalt ist deutsch mit lateinischen buchstaben von einer englischen hand geschrieben die buchstaben tanzten vor ihren augen sie kann sie kaum entziffern 003363_2124_000028 berlin den sechsten januar herzlichen dank für die aufklärung durch dein langes liebes telegramm das missgeschick das dich fernhält schmerzlich betrauernd sende ich innige grüße in treuer liebe und erhoffe baldiges ungetrübtes wiedersehen dein torm 003363_2124_000029 auf die nachricht von seiner zu erwartenden rückkehr habe frau torm ihr haus verlassen und sei aus friedau verschwunden man vermute dass sie mit ihrem freund nach dem mars gegangen sei und so weiter dies alles ist erbärmliche lüge 003363_2124_000030 alle anderen schlüsse aber sind als verleumdungen zurückzuweisen der heldenmütige entdecker des wahren nordpols den der unerklärliche verlust seiner geliebten gattin tief niederdrückt verdiente wohl dass man ihn im eigenen vaterland nicht noch in seinem teuersten beschimpft 003363_2124_000031 ill wollte nur dieses ereignis abwarten um sich selbst nach der erde zu begeben niemand aber ersehnte die ankunft des schiffes ungeduldiger als isma 003363_2124_000032 es glaubt ihm niemand wie ein schrei entrang es sich isma mechanisch blätterte sie weiter da haftete ihr auge auf einer stelle 003363_2124_000033 bei isma ließ er sich nicht mehr sehen und heimlich bereute sie ihre leidenschaftliche trennung von dem alten freund la war in der ferne zu anderen martiern vermochte sie in kein vertrauteres verhältnis zu kommen ihr einziger näherer umgang war saltner der seinen sprachunterricht in kla wieder aufgenommen hatte 003363_2124_000034 das telegramm entsank ihrer hand und ihre nervöse spannung löste sich in einem schluchzenden weinen eine direkte nachricht hatte sie nicht erwartet sie wusste dass die martier am zweiten januar nach sydney gekommen waren und das raumschiff bereits mitte januar die erde wieder verlassen hatte in dieser zeit konnte kein brief nach berlin gelangen 003363_2124_000035 nicht aufgeklärt bleibt nur warum das luftschiff friedau eher als geplant mitten in der nacht verlassen hat und warum es dann entgegen der zusage des befehlshabers 003363_2124_000036 welche qualen hatte sie ihm bereitet und den freund abgezogen von seiner höchsten pflicht für den frieden der planeten zu wirken und sie selbst einsam machtlos verbannt 003363_2124_000037 dein langes liebes telegramm also man war so aufmerksam gewesen ihren ganzen brief an torm zu telegraphieren ein leichter schreck durchzog ihr sparsames hausfrauenherz wenn sie an die ungeheuren kosten dieses riesentelegrammes dachte 003363_2124_000038 isma hatte die zeilen nur durchflogen um nun in ruhe torms langes telegramm an ell zu lesen es trug das datum vom achten januar zunächst war es rein geschäftlich gehalten ein bericht des leiters der nordpolexpedition an deren veranstalter 003363_2124_000039 bei ihrem eintritt in das empfangszimmer hielt ihr saltner zuerst freudestrahlend ein telegramm entgegen das sie gar nicht zu entziffern vermochte es war von seiner mutter aus den abgebrochenen nicht ganz dialektfreien sätzen welche die gute frau in der absicht recht kurz zu sein gebaut hatte 003363_2124_000040 was hatte er von ihr gehört in welchem licht musste sie ihm erscheinen wie würde er ihre handlungsweise beurteilen konnte er ihr glauben schenken wie enttäuscht und einsam musste er sich fühlen wenn er das haus leer fand wo er sein glück wiederzufinden hoffte 003363_2124_000041 da frauchen rief sie da haben sie die ganze post für sie ein großes paket nicht wahr ill hat alle deutschen zeitungen aufkaufen lassen die in sydney zu haben waren und nun ängstigen sie sich nicht es wird alles gut werden ich will sie jetzt nicht stören sie küsste isma auf die stirn und ging 003363_2124_000042 ich gehe natürlich mit rief saltner auf ell rechnen sie nicht für ihn ist es jetzt zu spät oder noch zu zeitig was er versäumt hat kann er jetzt nicht einholen er hätte mit dem ersten raumschiff nach dem südpol gehen und sich sofort nach deutschland begeben müssen das wollte er nicht es war ein großes unrecht 003363_2124_000043 wenn ell das alles telegraphieren ließ das war ja eine depesche für zwanzigtausend mark früher hatte sie bei ell überhaupt nicht daran gedacht dass zwischen ihnen ein abwägen des gebens oder nehmens bestehen könne aber jetzt war es ihr peinlich sich so verpflichtet zu fühlen 003363_2124_000044 aber es versöhnte sie einigermaßen mit der hartnäckigkeit der martier nur offene briefe zuzulassen sie war glücklich über das telegramm das kein wort des vorwurfs enthielt und doch wie wenig sagte es aber was kann man auch in einem telegramm sagen sie las die wenigen zeilen immer wieder 003363_2124_000045 und wann seufzte isma wann kommt endlich die befreiung ma sprach einige tröstende worte als sie plötzlich abberufen wurde schon nach wenigen minuten kehrte sie zurück weinen sie nicht mehr sagte sie zu isma ich bringe wichtiges für sie hoffentlich gutes nachricht von ill 003363_2124_000046 isma saß lange unfähig ihre gedanken zu ordnen den kopf in die hände gestützt dann begann sie weiterzusuchen es folgten jetzt exemplare anderer zeitungen sogar einige witzblätter da sah sie mit abscheu und entsetzen dass man offenbar im großen publikum sich nicht an die gegebene aufklärung kehrte 003363_2124_000047 ma umfasste sie und führte sie schonend auf ihr zimmer ende von kapitel vierzig gelesen von yale cyrus 003363_2124_000048 finde wenig anhänger man unterschätze die macht der martier und baue auf ihre unfähigkeit sich außerhalb ihrer schiffe auf der erde zu bewegen während doch rückhaltloses vertrauen und reiner wille die einzigen mittel sein würden den einfluss der nume zum besten zu lenken 003363_2124_000049 grunthe hatte nur kurz an saltner telegraphiert daß die plötzliche abreise ells sehr störend für die stimmung der bevölkerung in bezug auf die martier sei da er selbst die gegen ells schriften erhobenen bedenken nicht genügend widerlegen könne 003363_2124_000050 saltner sprang auf das ist doch etwas so wird der krieg wenigstens lokalisiert wenn man so sagen darf england geht es freilich an den kragen es ist ja traurig aber wir haben frieden gott sei dank nun dürfen wir zurück nicht wahr 003363_2124_000051 gleich nach dem leitartikel enthielt es in fettem druck die nachricht dass das englische kanonenboot prevention auf der rückkehr begriffen sei es habe in der nähe von grinnell land einen siegreichen kampf mit einem luftschiff angeblich den bewohnern des planeten mars gehörig bestanden 003363_2124_000052 ich zweifle nicht sagte ma gibt england nicht nach so geht übermorgen sobald ihr zweiter märz anfängt raumschiff auf raumschiff nach dem nordpol und sie dürfen sicher mitreisen in vier bis fünf wochen können sie daheim sein aber frauchen was machen sie wie sehen sie aus 003363_2124_000053 die zeitrechnung machte ihr schwierigkeiten denn der marstag war um siebenunddreißig minuten länger als der erdentag da sie aber stets einen marstag gleich einem erdentag in ihrem buch gerechnet hatte so musste sie alle neununddreißig tage einen erdentag überspringen 003363_2124_000054 isma lebte einsam und traurig in ills haus und alle bemühungen der guten frau ma sie zu erheitern waren vergeblich ell begleitete ill auf seinen häufigen reisen nach dem südpol und der schiffsbaustätte 003363_2124_000055 die nummer der zeitung war bereits vom anfang november des vorigen jahres die folgenden nummern die bis zum anfang januar dieses jahres reichten schienen nichts weiter über diese angelegenheit zu enthalten wenigstens fand isma beim eiligen durchblättern keine dahinzielende notiz und sie hoffte schon die erklärung habe ihre wirkung getan 003363_2124_000056 die politischen verhältnisse bezeichnete er als ziemlich trostlos seine ansicht dass man alle von den martiern gestellten forderungen bewilligen müsse um ihnen jede veranlassung zu nehmen sich in die menschlichen angelegenheiten einzumischen 003363_2124_000057 und nun kommen sie gleich einmal mit mir saltner ist da er hat auch nachrichten von seiner mutter und von grunthe und ell hat die depesche hergeschickt die er von ihrem mann bekommen hat es ist doch nett von ell dass er alle euere briefe an ihre adresse hat telegraphieren lassen und sofortige telegraphische antwort bestellt hat 003363_2124_000058 aber auch er war nicht mehr der übermütige lustige mann wie früher und isma bemerkte wohl dass ihn noch eine andere sorge drückte als das heimweh und der kummer um das schicksal der menschen 003363_2124_000059 herr dr karl grunthe der begleiter torms an dessen wahrhaftigkeit wohl selbst das friedauer intelligenzblatt nicht zu zweifeln wagen wird schreibt uns dass frau torm in seiner gegenwart in einer mit elle geführten unterredung sich entschlossen habe das luftschiff der martier zu benutzen 003363_2124_000060 wir sind jedoch in der lage aus bester quelle jene schamlosen hetzereien zurückzuweisen die soviel wir wissen ihren ursprung aus einem artikel des friedauer intelligenzblattes genommen haben 003363_2124_000061 aber alles tritt im augenblick in den hintergrund gegenüber der tatsache daß die martier weiter der festabend der geographischen gesellschaft litt unter der getrübten stimmung des gefeierten den traurige familiennachrichten niederdrückten 003363_2124_000062 isma atmete auf diese zeitung wenigstens schien diskret zu sein man wollte offenbar den verdienten forscher schonen und sie sie sollte schuld sein dass man ihn schonen musste was mochten andere von ihr sagen und warum sagte man nicht offen weshalb sie fortgegangen war grunthe wusste es doch er konnte sie rechtfertigen 003363_2124_000063 die französische konversationsstunde war beendet isma schloss die klappe des fernsprechers und setzte sich an ihren schreibtisch er war ein geschenk ells 003363_2124_000064 trat in das zimmer sitzen sie nun schon zwei stunden über den blättern frauchen und geweint haben sie auch ärgern sie sich nur nicht was gibt es denn 003363_2124_000065 da erblickte sie auf der halbgebrochenen seite eines witzblattes unverkennbar das gesicht torms sie schlug das blatt auf es war eine karikatur torm in einem luftballon auf dem nordpol über ihm ein luftschiff der martier worin ell und isma ihm lange nasen drehen 003363_2124_000066 der ihn nach dem muster ihres schreibtisches in friedau aus der erinnerung so gut wie möglich hatte herstellen lassen weil er wusste daß isma die schreibmaschine und die möbel der martier nicht sehr liebte sie zog wieder ihr tagebuch hervor 003363_2124_000067 um nicht gegen den kalender der erde zu weit zurückzubleiben das war nun jetzt zum vierten mal der fall so lange weilte sie auf dem mars sie fand dass heute auf der erde der siebenundzwanzigste februar sei ein sonntag und der geburtstag ihres mannes 003363_2124_000068 sie sprang auf und fasste mars hände lassen sie mich fort rief sie leidenschaftlich ich muss nach der erde ich muss zu meinem mann ich muss elle sprechen wo ist er 003363_2124_000069 aber frauchen was ist ihnen zu ell können sie jetzt nicht er ist nach dem pol gereist um mit ill zu konferieren aber beruhigen sie sich die nächsten tage werden alles entscheiden ich darf ihnen sagen wir verhandeln mit den mächten auch mit ihrem vaterland sobald der frieden gesichert ist sollen sie nach hause 003363_2124_000070 wie glücklich hatten sie diesen tag sonst verlebt und mit welchen hoffnungen im vorigen jahr und wo mochte hugo jetzt weilen der trost den seine rettung ihr gewährte hatte nur auf kurze zeit angehalten die unmöglichkeit sich mit ihm so zu verständigen wie es ihr herz verlangte erhöhte nur ihre sehnsucht und ihre sorge 003363_2124_000071 ich bestätige dankend den empfang der von ihnen für die nachträglichen kosten der expedition angewiesenen summe von hunderttausend mark thorm isma ließ das blatt sinken sie fühlte sich unsäglich elend um ihren mann zu retten hatte sie sich zur reise entschlossen und was hatte sie erreicht 003363_2124_000072 die nach der erde mit verstärkung abgehenden schiffe wurden mit begeisterten abschiedshuldigungen gefeiert man bedauerte nur dass die nachrichten von der erde so kurz und spärlich waren weil man auf den schwierigen verkehr durch lichtdepeschen angewiesen war 003363_2124_000073 isma versuchte zu lächeln hätte ich nur das telegramm eher gefunden sagte sie so hätten mich die dummen menschen weniger gekränkt aber sie haben ja den korb auf der falschen seite geöffnet es hat doch wahrscheinlich obenauf gelegen 003363_2124_000074 ein zusammengelegtes geschlossenes papier eine telegraphische depesche ein formular des telegraphenamts in sydney die adresse ist in englischer sprache geschrieben an die gesandtschaft der marsstaaten für frau torm 003363_2124_000075 ell die rede war und sein buch über die martier wurde überall erwähnt da fand sich auch irgendeine hämische oder witzelnde bemerkung was musste torm dabei fühlen isma wollte nichts mehr sehen sie ballte die hände zusammen 003363_2124_000076 das britische selbstbewusstsein lasse nicht zu dass man mit einem haufen abenteurer in verhandlungen über entschuldigungen und entschädigungen trete es kam zu einer bewegten parlamentssitzung 003363_2124_000077 und überall lautete die antwort ausweichend dahin es fänden erwägungen statt über einen allgemeinen staatenkongress worüber man indessen näheres noch nicht mitteilen könne überall sprachen dann die führer der verschiedenen parteien die ansichten über den mars aus die sie vorher in ihren blättern hatten drucken lassen 003363_2124_000078 auf der erde hatte die nachricht von der besetzung des nordpols durch die martier und der existenz eines luftschiffes mit welchem sie siebenhundert kilometer in der stunde in der erdatmosphäre zurückzulegen vermochten ein aufsehen erregt wie kaum ein anderes ereignis je zuvor 003363_2124_000079 aber weder aus deutschland noch aus irgendeinem anderen staat konnte man erfahren was der gegenstand und das resultat dieser unterredungen gewesen sei man vermutete dass es sich um erklärungen der martier über ihre absichten und um die vermittlung der mächte zwischen den marsstaaten und großbritannien handle 003363_2124_000080 wien rom und petersburg gesandtschaften der martier heimlich eingetroffen um durch mündlichen verkehr mit den leitenden staatsmännern die lage zur klärung zu bringen in berlin hatte ein luftschiff mehrere stunden im garten des reichskanzlerpalais gelegen und der martische gesandte hatte sich mit dem reichskanzler besprochen 003363_2124_000081 die diplomatischen verhandlungen waren inzwischen nicht weitergekommen auf englands erneute anregung einigte man sich jetzt endlich dahin dass man die marsstaaten als politische macht anerkennen wolle wenn sie gewisse garantien gäben dass sie sich dem auf der erde geltenden völkerrecht unterwerfen 003363_2124_000082 die note der englischen regierung war vom achtzehnten februar datiert am zwanzigsten erfolgte die antwort kals sie besagte dass die regierung der marsstaaten hiermit an die großbritannische regierung das ultimatum richte 003363_2124_000083 die antworten ließen auf sich warten die regierungen der erde verhandelten zunächst untereinander da sie in ihren vorangegangenen verabredungen übereingekommen waren gemeinsam vorzugehen falls die martier mit allgemeinen fragen des internationalen verkehrs an sie herantreten sollten 003363_2124_000084 die agrarische bevölkerung geriet in bestürzung über die drohende konkurrenz der lebensmittelfabrikation ohne vermittlung der landwirtschaft auf der anderen seite begrüßten die arbeiterschaft und alle für schnellen kulturfortschritt enthusiasmierten gemüter die martier als die erlösung aus der not deren erscheinen nun bald bevorstünde 003363_2124_000085 seinen bericht an die englische regierung abgab und torm nach friedau telegraphierte dass er glücklich gerettet sei erregten diese nachrichten schon nicht mehr die verwunderung die man auf der prevention erwartet hatte 003363_2124_000086 man bezweifelte nicht dass die martier friedliche versicherungen gemacht hätten aber man setzte kein vertrauen darauf dass die vermittlungsvorschläge der mächte bei england günstige aufnahme finden würden 003363_2124_000087 der bericht grunthes und die von ihm vorgelegten beweise ließen keinen zweifel zu überdies war das luftschiff in italien der schweiz frankreich und england gesehen worden ja die ankunft grunthes und das verschwinden ells und frau torms waren auf keine andere weise zu erklären 003363_2124_000088 bis zum ersten märz sämtliche gestellte forderungen zuzugestehen widrigenfalls sich die marsstaaten als im kriegszustand mit england betrachten würden diese erklärung wurde gleichzeitig allen anderen regierungen mitgeteilt 003363_2124_000089 man stellte sich wohl vor dass sich die martier durch wunderbare erfindungen eine ungeheure macht über die natur angeeignet hätten aber man hatte keinerlei verständnis dafür wie ihre ethische und soziale kultur sie den gebrauch dieser macht benutzen mäßigen und einschränken ließ 003363_2124_000090 die vereinigten staaten frankreich italien und japan traten dafür ein den martiern entgegenzukommen deutschland österreich-ungarn und andere zögerten noch russland verhielt sich ablehnend 003363_2124_000091 keine partei nahm das recht in anspruch die alleinige vertreterin des gemeinschaftswohls zu sein sondern in der gegenseitigen aber nur auf sittlichen mitteln beruhenden messung der kräfte sah man die andauernde form des staatlichen lebens 003363_2124_000092 wo man hauptsächlich damit beschäftigt war die konstruktion der geschütze so umzuändern dass sie eine größere elevation gestatteten denn man erwartete den kampf mit einem gegner führen zu müssen der sich in der luft befand 003363_2124_000093 sie waren wohl auch hauptsächlich in der absicht zugesagt die geschäftswelt einigermaßen zu beruhigen denn auf die erste nachricht vom ultimatum der martier hatten die börsen aller länder mit einem gewaltigen sturz aller englischen werte geantwortet und die dadurch eingerissene panik dauerte fort 003363_2124_000094 inzwischen hatte man kal eine anzahl anderer bedeutender männer zur seite gestellt die als gesandte an die regierungen der großmächte gehen sollten als die note der großbritannischen regierung kal übermittelt war telegraphierte sie dieser sofort nach dem mars die antwort traf noch denselben tag ein 003363_2124_000095 krieg gegen den mars war die losung geworden krampfhaft rüstete man in heer und flotte obwohl man nicht wusste in welcher form man einen angriff zu gewärtigen habe fieberhafte tätigkeit herrschte in den arsenalen und werkstätten 003363_2124_000096 natürlich bedeutete das nicht die herrschaft des dilettantismus sondern jede tätigkeit setzte berufsmäßige schulung voraus der eintritt in höhere politische stellen vor allem eine tiefe philosophische bildung 003363_2124_000097 man hoffte daher wenn man sich nur die luftschiffe vom halse halten konnte nichts ernstliches zu befürchten zu haben und den auf der erde fremden gegner bald zu ermüden 003363_2124_000098 die schriften ells welche jetzt herauskamen gaben eine hinreichende auskunft über die möglichkeit technischer leistungen wie sie von den martiern vollzogen wurden als daher kapitän keswick sobald er mit der prevention die erste telegraphenstation berührte 003363_2124_000099 zum glück für die regierungen die dadurch zeit zur beratung gewannen hörte man nun nichts mehr von den martiern das luftschiff ließ sich nicht wieder sehen die martier schienen verschwunden 003363_2124_000100 durchweg aber war man im unklaren was geschehen würde und was geschehen solle als im oktober die parlamente der meisten staaten zusammentrafen gab es überall interpellationen an die regierungen über die marsfrage 003363_2124_000101 in aller stille nämlich hatten die martier mit den mächten einzeln verhandelt und in der nacht vom zweiundzwanzigsten zum dreiundzwanzigsten februar waren gleichzeitig in washington paris berlin 003363_2124_000102 am dreiundzwanzigsten februar drängten sich in berlin auf der wilhelmstraße unter den linden und vor dem königlichen schloss eine ungeheure menschenmenge es hatte sich das gerücht verbreitet eine gesandtschaft der martier sei eingetroffen sie befinde sich im palais des reichskanzlers und werde vom kaiser empfangen werden 003363_2124_000103 gerade die ersten mahnungen grunthes man möge sich unter keinen umständen in einen konflikt mit den martiern einlassen weil ihre macht alle menschlichen begriffe überstiege fanden am wenigsten gehör dazu waren sie schon viel zu wissenschaftlich in der form 003363_2124_000104 es gab keinen regierenden stand so wenig es einen allein wirtschaftlich oder allein bildend tätigen stand gab vielmehr war zwischen diesen berufsformen ein stetiger übergang so dass ein jeder ganz nach seinen fähigkeiten und kräften diejenige betätigungsform erreichen konnte wozu er am besten tauglich war 003363_2124_000105 gegenwärtig befanden sich bereits vierundzwanzig luftschiffe am südpol sämtlich mit nihilitpanzern repulsitgeschützen und telelyten ausgerüstet eine furchtbare macht deren militärischer oberbefehl ein energischer martier aus dem norden namens dolf führte 003363_2124_000106 drittens entschädigung für die beiden martier von je hunderttausend pfund viertens anerkennung der hoheitsrechte der marsstaaten auf die polargebiete der erde jenseits des siebenundachtzigsten grades nördlicher und südlicher breite 003363_2124_000107 man tröstete sich mit der sicherheit dass die martier jedenfalls nicht imstande seien außerhalb ihrer luftschiffe irgend etwas auszurichten weil ihre körper unter dem einfluss der erdschwere zu kraftleistungen ja zur einfachen bewegung untauglich seien 003363_2124_000108 ein äußerst lebhafter depeschenwechsel fand statt man erwog den plan einen allgemeinen staatenkongress zu berufen und konnte sich vorläufig nur noch nicht über das vorzulegende programm und den ort des zusammentritts einigen 003363_2124_000109 aber die zentralregierung deren mitglieder auf eine zwanzigjährige amtsdauer erwählt wurden setzte unter einwilligung des parlaments einen strahlungsetat fest das heißt es war dadurch für ein jahr im voraus bestimmt welches maximum von energie der sonne entnommen also auch welches maximum mechanischer arbeit auf dem planeten geleistet werden konnte 003363_2124_000110 auf dem kulturstandpunkt der menschheit erschienen die einrichtungen des mars als utopien und mit recht denn sie setzten eben staatsbürger voraus die in einer hunderttausendjährigen entwicklung sich sittlich geschult hatten und theoretisch an der rechten stelle 003363_2124_000111 welche nach sydney zur mitteilung an den gesandten der marsstaaten geschickt wurde war in sehr kühlem und herablassendem ton gehalten die übrigen staaten hatten jetzt nachdem england eigenmächtig vorgegangen war keine veranlassung sich gegenseitig zu binden 003363_2124_000112 fünftens anerkennung der gleichberechtigung der martier mit allen anderen nationen in bezug auf niederlassung verkehr handel und erwerb gleichzeitig depeschierte kal an die regierungen aller größeren staaten den wunsch der marsstaaten über die beiden letzten punkte in verhandlung zu treten 003363_2124_000113 daraufhin beantwortete die englische regierung die depesche der marsstaaten im prinzip bejahend knüpfte aber verschiedene bedingungen an die bewilligung weiterer diplomatischer verhandlungen 003363_2124_000114 die beziehungen zur regierung der marsstaaten seien äußerst freundliche und man hoffe dass auch ein einvernehmen mit england hergestellt werden würde bald darauf teilte der telegraph aus allen hauptstädten ähnliche nachrichten mit 003363_2124_000115 die nachrichten aus england aber wurden nicht günstiger die stimmung war kriegerisch nur wenige blätter wagten einem nachgeben gegen die martier das wort zu reden und sie wurden tumultarisch überschrien 003363_2124_000116 als an den willen der staatsbürger und so gut ein jeder seine staatsangehörigkeit wechseln konnte so konnte auch die majorität ohne in den verdacht der staatsumwälzung oder der staatsfeindschaft zu kommen von monarchischen zu republikanischen formen und umgekehrt übergehen 003363_2124_000117 es existierte auch eine staatliche konzentration der wirtschaftlichen tätigkeit obwohl diese der arbeit des einzelnen völlig freie hand ließ und keineswegs die güterproduktion durch vorschriften regelte 003363_2124_000118 ihrerseits versprach natürlich die regierung der gesandtschaft den völkerrechtlichen schutz auf der erde der bevollmächtigte der marsstaaten kal ging hierauf ohne weiteres ein und stellte folgende forderungen zur verhandlung in einer depesche vom zweiundzwanzigsten januar 003363_2124_000119 wohl aber wurde in england die anfänglich für die martier vorhandene begeisterung stark abgekühlt und machte einer in der presse sich äußernden etwas bramarbasierenden entrüstung platz dass man diesen herren vom mars doch etwas mehr respekt vor der britischen flagge beibringen müsse 003588_1614_000000 zehn monate habe ich das außernatürliche leben geführt vor sechstausend jahren hieß es wie geschrieben steht wer hat je die tiefen des abgrundes zu erforschen vermocht 003588_1614_000001 von dieser unterseeischen reise zu erzählen die mir so manche wunder im stillen meere dem indischen ocean dem roten meere dem mittelländischen dem atlantischen dem nördlichen und südlichen eismeere enthüllte 003588_1614_000002 teil zwei kapitel dreiundzwanzig schluss hiermit schließt die unterseeische reise 003588_1614_000003 noch vor den inseln meine beiden gefährten waren gesund und wohlbehalten an meiner seite und drückten mir die hände wir umarmten uns mit innigkeit 003588_1614_000004 abwarten welches alle zwei monate nach dem nordcap fährt hier also umgeben von den braven leuten welche uns aufgenommen haben sehe ich die erzählung dieser abenteuer durch 003588_1614_000005 in ihm austilgen möge der strafende richter aufhören der gelehrte die friedliche erforschung des meeres fortsetzen das seltsame geschick ist auch ein erhabenes 003588_1614_000006 in diesem augenblick können wir nicht daran denken nach frankreich zurückzukehren die verkehrsmittel zwischen dem nördlichen norwegen und dem süden sind spärlich ich muss daher die vorüberfahrt des dampfboot 003588_1614_000007 zwei männer sind die einzigen in der menschenwelt welche jetzt die antwort auf diese frage geben können der kapitän nemo und ich 003588_1614_000008 ich hoffe es hoffe ebenfalls dass sein mächtiges fahrzeug das meer in seinem erschrecklichsten schlund überwältigt und dass der nautilus unverletzt geblieben ist wo so viele schiffe zu grunde gegangen sind 003588_1614_000009 wird man mir glauben ich weiß es nicht es liegt auch nicht viel daran ich habe jetzt kann ich wohl versichern das recht über diese meere zu reden unter welchen ich nicht allein volle zehn monate zwanzigtausend meilen zurückgelegt habe 003588_1614_000010 sie ist genau keine tatsache ist übergangen kein detail übertrieben worden es ist der treue bericht über diese unwahrscheinliche fahrt unter einem für den menschen unzugänglichen element dessen bahnen der fortschritt dereinst eröffnen wird 003588_1614_000011 werden uns die fluten eines tages das manuskript mit seiner ganzer lebensgeschichte zuführen werde ich endlich den namen dieses manne erfahren 003588_1614_000012 was diese nacht vorfiel wie das boot aus dem furchtbaren wirbel des maelstromes entrann wie ich mit ned land und conseil aus dem schlund wieder heraus kam kann ich nicht sagen als ich wieder zu mir kam lag ich in einer fischerhütte der 003588_1614_000013 damals förderten sie merkwürdige musterexemplare jener fischreichen gegenden zu tage auch einige größere wie scomber und thunfische und eine solche menge dass man den fang auf tausend pfund schätzen konnte 003588_1614_000014 in diesem augenblicke betrug die schnelligkeit des golfstromes zwei meter fünfundzwanzig in der sekunde sein wasser ist dergestalt von dem umgeben den meere geschieden 003588_1614_000015 auf den platzregen folgte ein feuerregen die wassertropfen verwandelten sich in leuchtende strahlenbüschel man hätte meinen sollen der kapitän nemo nach einem 003588_1614_000016 über deren ursprung ich nicht einmal eine vermutung haben konnte ich musste also verzichten sie zu fragen die garne wurden an bord gezogen es waren eine art senknetze weite taschen 003588_1614_000017 als der fischfang beendigt die luftvorräte erneuert waren dachte ich der nautilus werde nun seine unterseeische fahrt fortsetzen 003588_1614_000018 und führt den tierchen neue elemente zum verzehren zu daraus entsteht eine doppelte strömung aufwärts und abwärts stets bewegung stets leben das leben tritt im ozean innerlich stärker auf 003588_1614_000019 darauf lud ich ihn ein seine hände in die strömung zu tauchen conseil folgte und war sehr erstaunt dass er gar kein gefühl von wärme oder kälte empfand 003588_1614_000020 und ich sah lange funken aus ihm sprühen erschöpft an kräften rutschte ich auf plattem leibe der luke zu öffnete und stieg hinab in den salon 003588_1614_000021 und den azoren zurückkehrt und der anderen nachdem er die laue temperatur der küsten islands und norwegens veranlasst bis über spitzbergen hinaus wo seine wärme bis auf vier grad herabsinkt fortstürmt und das freie meer des polarlandes bildet 003588_1614_000022 viertausend meilen unter dem stillen ozean am folgenden morgen achtzehnten november hatte ich mich von meinen strapazen völlig erholt und ich begab mich auf die plattform 003588_1614_000023 sich fortbewegten die fische und mollusken verfolgten indem sie die kleinen fraßen von den großen gefressen wurden und in einem unbeschreiblichen gewimmel die zehn füße bewegten welche ihnen die natur und den kopf gesetzt hat der nautilus pur 003588_1614_000024 hier herr arronax ein manuskript in mehreren sprachen es enthält eine übersicht meiner studien über das meer und wenn gott will 003588_1614_000025 ich in einer tiefe von tausend meter einer wenig bewohnten region des ozeans wo die großen fische selten erscheinen ich las eben ein reizendes buch von jean mace als conseil mich mit einem sonderbaren ton unterbrach mein 003588_1614_000026 der name dieses mannes sein selbstverfasste lebensgeschichte sein geheimnis sollten also dereinst enthüllt werden doch im augenblick sah ich in dieser mitteilung nur einen anlass auf meinen gegenstand zu kommen 003588_1614_000027 ferner die absonderung des kapitän nemo sein veränderter humor besonders seit dem kampfe mit den ungeheuern seine schweigsamkeit alle ließ mich die dinge in ganz anderem licht ansehen mein enthusiasmus der ersten tage war vorüber 003588_1614_000028 bei solcher stärke reißt er häuser zu boden schleudert die dachziegel durch die türen zerbricht eiserne gitter rückt vierundzwanzigpfünder kanonen von ihrer stelle 003588_1614_000029 und wirklich der ozean war leer nicht ein segel am horizont die spitzen der insel crespo waren während der nacht verschwunden 003588_1614_000030 diese schnelligkeit nimmt regelmäßig ab im verhältnis wie er weiter nördlich kommt und es ist zu wünschen dass diese regelmäßigkeit fortbestehe weil wenn wie man zu bemerken glaubte seine schnelligkeit und richtung sich ändern sollten 003588_1614_000031 ned land sah dies selbst ein und gab sich darein ungeachtet eines bis zur wut gediehenen heimwehs welches nur durch die flucht zu heilen war 003588_1614_000032 strichen nach den wärmeren indem sie dem zuge der heringe und sardinen folgten wir betrachteten sie durch die dichten glasfenster wie sie äußerst schnell rückwärts schwammen mittelst ihrer bewegungs 003588_1614_000033 ich erkannte deutlich ihren angebauten küstenrand die verschiedenen bergketten welche parallel mit der küste laufen und seine vulkane welche der monna rea beherrscht der fünftausend meter über den meeresspiegel ragt 003588_1614_000034 kommen sie doch einen augenblick sagte er was gibts da conseil schauen sie doch mein herr ich stand auf setzte mich vor das fenster und schaute umgeben vom elektrischen licht schwebte eine große schwärzliche masse mitten im gewässer 003588_1614_000035 überhaupt genommen schätzt man dass wenn der meeresgrund nivelliert wäre seine mittlere tiefe etwa sieben kilometer betragen würde 003588_1614_000036 ich sah ihn nur in seltenen zwischenräumen sein lieutenant machte regelmäßig die aufnahme welche ich dann auf der karte eingetragen fand sodass ich die fahrt des nautilus genau bestimmen konnte 003588_1614_000037 wenn nun dem wassertropfen seine mineralische nahrung entzogen ist wird er dadurch leichter steigt wieder zur oberfläche auf verschlingt da das durch verdünstung aufgegebene salz wird dadurch schwer sinkt wieder hinab 003588_1614_000038 in einigen tagen wird der nautilus auf der höhe neuschottlands sein wo sich bei neufundland eine weite bay öffnet worin der st lorenz mündet mein heimatlicher fluss woran meine geburtsstadt liegt 003588_1614_000039 ich wiederhole ihnen es handelt sich nicht bloß um meine person für mich ist das studium eine stütze eine ableitung eine neigung eine leidenschaft die mich alles vergessen lassen kann 003588_1614_000040 der nord-carolinen wo der golfstrom fünfundsiebenzig meilen breit und zweihundertzehn meter tief ist der nautilus fuhr fortwährend unstet aufs geradewohl es schien jede überwachung zu fehlen 003588_1614_000041 gegen fünf uhr fiel ein regen gleich einem reißenden bergstrom aber er stillte weder den wind noch das meer 003588_1614_000042 ich hörte wie die behälter sich allmählich füllten und der nautilus tauchte gemach unter die oberfläche der wellen durch die unverdeckten fenster des salons 003588_1614_000043 die mischung im wetterglas zerfetzte sich unter einwirkung der elektrizität wovon die atmosphäre durchdrungen war der kampf der elemente stand nahe bevor 003588_1614_000044 wir fühlen uns hier fremd in beziehung auf alles was sie betrifft und dies macht unsere lage unerträglich unmöglich selbst für mich geschweige für ned land 003588_1614_000045 und der sogenannte amerikanische ritter ein schöner fisch der sich ausnimmt als sei er mit allen ordensbändern der welt geschmückt am achten mai befanden wir uns noch dem kap hatteras gegenüber auf der 003588_1614_000046 so würde man eine masse von vier und einer halben million kubik lewis bekommen welche auf die erdoberfläche verbreitet eine zehn meter dicke schicht bilden würden und glauben sie nicht dass diese salze nur infolge einer laune der 003588_1614_000047 ich komme wieder auf meinen gedanken dass man mit dem kapitän reden muss als wir in den meeren ihrer heimat uns befanden haben sie geschwiegen jetzt da wir meiner heimat nahe sind will ich reden 003588_1614_000048 hier fangen seine gewässer an temperatur und farbe noch schwach sich zu bilden an er fließt südwärts längs der afrikanischen küste 003588_1614_000049 conseil und land brachten viele zeit bei mir zu conseil erzählte einem freunde die merkwürdigen begebenheiten unseres spazierganges und nun tat es dem kanadier leid dass er uns nicht begleitet hatte 003588_1614_000050 und ich war im begriff mich wieder in mein zimmer zu begeben als sich der kapitän nemo ohne weiteres ohne guten morgen guten abend sich zu mir wendete und sprach 003588_1614_000051 der kapitän brach hier ab stand auf ging einige schritte auf der plateform kam dann wieder zu mir und fuhr fort was die infusionstierchen 003588_1614_000052 wer weiß wohin die winde dieses geräte treiben werden in welche hände es geraten wird ließe sich dafür nichts besseres finden könnten nicht sie oder einer der ihrigen 003588_1614_000053 ja ich will nun ein für allemal darüber im reinen sein sprechen sie nur für mich allein wenn sie wollen aber ich treffe ihn selten 003588_1614_000054 an den polen sehen sie die folgen dieser erscheinung und begreifen weshalb nach diesem gesetz der vorsorgenden natur das gefrieren nur an der oberfläche des wassers vorgehen kann 003588_1614_000055 ja sagte er es findet im ozean eine wahre zirkulation statt und um sie hervorzubringen hat der schöpfer ihm vielfach mehr wärmestoff salz und die kleinen tierchen gegeben 003588_1614_000056 von den kleinen mittleren wellen welche sich innerhalb der großen höhlungen bilden sah ich nichts mehr nichts als lange rußfarbige wogen die so dicht sind dass sich ihre spitze nicht bricht 003588_1614_000057 herr arronax sagte der kapitän nemo ich antworte ihnen heute wie vor sieben monaten wer in den nautilus hinein kommt darf ihn nicht wieder verlassen 003588_1614_000058 diese fürchterliche szene des zwanzigsten april wird niemand von uns je vergessen können ich habe sie unter dem eindruck heftigster gemütsbewegung niedergeschrieben und später durchgesehen 003588_1614_000059 welche den küstenverkehr besorgen befahren wo man aufnahme zu finden hoffen konnte obwohl die küste noch dreißig meilen entfernt war diese gelegenheit doch günstig 003588_1614_000060 in den heißen zonen sehr tätig ist der grund einer fortdauernden wechselströmung der tropischen und polaren gewässer ferner habe ich das geheimnis der 003588_1614_000061 ich kann sie bewundern ihnen ohne unlust folgen aber ich sehe ihr leben von verwickelungen umgeben die uns fremd sind und so viel wir auch teilnahme hegen für ihr genie und ihren mut 003588_1614_000062 so verliefen zehn tage erst am esrten mai setzte der nautilus nachdem er die lucayischen inseln bis zur mündung des bahama canals in sicht bekommen entschieden in nördlicher richtung seine fahrt fort 003588_1614_000063 die gruppe der marquesas-inseln zu sehen in einer entfernung von drei meilen unter acht grad siebenundfünfzig minuten südlicher breite und einhundertneununddreißig grad zweiunddreißig minuten westlicher länge 003588_1614_000064 die gemäßigten zonen in überschwemmung versetzen würden diese bedeutende ausgleichende rolle spielen die salze bei dem allgemeinen wirtschaftlichen system des erdballs 003588_1614_000065 dass es zusammengedrückt über den ozean vorragt und ein anderes niveau als das kalte wasser annimmt außerdem sticht es dunkel und reicher an salzgehalt durch seine rein indigoblaue farbe von der 003588_1614_000066 mein herr sagte er zu mir in diesen tagen es muss jetzt ein ende haben mein gemüt muss davon frei werden ihr nemo entfernt sich wieder vom lande und steuert dem norden zu 003588_1614_000067 soll es nicht mit mir zugrunde gehen diese manuskript von mir unterzeichnet samt einem abriss meiner biographie soll in ein kleines unversenkbares geräte verschlossen werden 003588_1614_000068 ein trefflicher fang fürwahr so dass wir an köstlicher nahrung keinen mangel hatten und solche fischzüge waren bei der schnelligkeit des nautilus und der anlockenden kraft des elektrischen lichtes täglich zu wiederholen 003588_1614_000069 nein lassen sie mich gewähren morgen heute noch sagte ned land meinetwegen heute will ich ihn aufsuchen 003588_1614_000070 wer von uns an bord des nautilus die anderen überlebt soll dasselbe ins meer werfen dass es die wellen tragen wohin sie treiben 003588_1614_000071 statt seiner wolkengarben sah man am horizont schichten sich auftürmenden gewölkes niedriger zog anderes in reißender flucht das meer schwoll an in hohlen wogen 003588_1614_000072 der wärmestoff bringt verschiedene dichtheit hervor welche die ströme und gegenströmungen verursacht die ausdünstung in den nordpolgegenden gleich null 003588_1614_000073 ich erkannte irrte ich nicht irländer franzosen einige slaven einen griechen und einen candioten übrigens waren diese leute wortkarg und bedienten sich untereinander der seltsamen sprache 003588_1614_000074 dem rollen des donners der wind sprang von allen seiten des horizonts über ja dieser golfstrom rechtfertigt wohl die benennung könig der stürme 003588_1614_000075 sie hatten soeben die fischergarne welche die nacht über ausgeworfen waren herein gezogen die seeleute gehörten augenscheinlich verschiedenen nationen an obwohl der europäische charakter bei allen ausgedrückt war 003588_1614_000076 inzwischen beobachtete ich achtsam diese entfesselten wogen sie waren bis fünfzehn meter hoch bei einer länge von hundertundfünfzig bis hundertfünfundsiebzig meter 003588_1614_000077 die freiheit sagte der kapitän nemo und stand auf ja mein herr und deshalb kam ich sie zu befragen nun sind wir bereits sieben monate an ihren bord 003588_1614_000078 die schraube fing alsbald ihre tätigkeit an und das log zeigte eine schnelligkeit von zwanzig meilen in der stunde während der folgenden tage und wochen war der kapitän mit besuchen sehr sparsam 003588_1614_000079 mit gesteigerter wärme zieht er aus dem mexikanischen golf nordwärts den amerikanischen küsten zu bis zu newfoundland beugt beim andrang der kalten strömung aus der davisstraße von jener richtung ab und fließt wieder dem ozean zu 003588_1614_000080 wir folgten darauf dem laufe des golfstromes des größten flusses im meere der seine ufer seine eigene temperatur und fische hat 003588_1614_000081 wann fragte der kanadier dringend wenn ich ihn treffen werde herr arronax wollen sie dass ich ihn selbst aufsuche 003588_1614_000082 die mittels einer schwimmenden stange und eingestrickten schnur offen gehalten und auf dem meeresgrund fortgezogen den boden kehrten und alle erzeugnisse mit sich fortzogen 003588_1614_000083 in der unzähligen menge von knochenfischen sind manche eigenthümliche darunter eine art lippfische die in allen regenbogenfarben schimmernd mit den schönsten vögeln der tropengegenden wetteifern 003588_1614_000084 an den geheimnissen der unterseeischen welt die allgemeine richtung des nautilus war südöstlich und er hielt sich in der tiefe von hundert bis 003588_1614_000085 während der kapitän nemo mit unverwandtem blick die seele des sturmes in sich einzuatmen schien ein entsetzliches getöse füllte die luft ein zusammengesetztes aus dem tosen der gebrochenen wellen dem heulen des sturmwinds 003588_1614_000086 inzwischen waren etwa zwanzig matrosen des nautilus lauter kräftige und rüstige leute auf die plattform herauf gekommen 003588_1614_000087 nun ned sie wollen dass ich den kapitän nemo um seine absichten in hinsicht auf uns befrage ja mein herr und das obwohl er sie bereits zu erkennen gegeben hat 003588_1614_000088 trachtend der seiner würdig wäre wolle vom blitz getroffen werden bei einer erschrecklichen stampfbewegung streckte der nautilus seinen stählernen schnabel in die höhe gleich dem schaft eines blitzableiters 003588_1614_000089 mir war das verzweiflungsgeschrei des unglücklichen herzzerreißend gewesen die todesangst hatte seine muttersprache verraten 003588_1614_000090 ich habe ihn nicht aufgesucht ich halte ihn nicht zu meinem vergnügen an meinem bord sie herr arronax können alles begreifen selbst das schweigen ich habe ihnen nichts weiter zu erwidern 003588_1614_000091 ich bewunderte das prachtvolle aussehen des oceans als der kapitän nemo erschien er schien meine anwesenheit nicht zu bemerken und begann eine reihe von astronomischen beobachtungen 003588_1614_000092 betrifft diese milliarden von geschöpfen welche millionenweis in einem tropfen existieren von denen achthunderttausend ein milligramm wiegen so ist ihre rolle nicht minder bedeutend 003588_1614_000093 dieser tiefe unter allen breitegraden gleich zu sein scheint am sechsundzwanzigsten november um drei uhr früh fuhr der nautilus unter einhundertzweiundsiebzig grad länge über den wendekreis des krebses 003588_1614_000094 herausgekommen ein kind in den armen hielt es war eine junge frau ich konnte bei der hellen beleuchtung durch den nautilus ihre noch nicht entstellten züge erkennen mit äußerster anstrengung hatte sie ihr kind über den kopf gehoben 003588_1614_000095 diese verschiedenen meeresprodukte wurden unverzüglich durch die luke in die vorratskammern hinabgelassen um teils frisch verspeist teils aufbewahrt zu werden 003588_1614_000096 er darf alle mittel die sich ihm darbieten für die richtigen halten wer versagt ihnen dieses recht erwiderte der kapitän habe ich je daran gedacht sie durch einen eid zu binden der kapitän blickte mich an und kreuzte die arme 003588_1614_000097 natur im meer vorhanden seien nein sie machen dass meerwasser wieder leicht verdunstet und verhindern dass die winde demselben eine zu große menge von dünsten entziehen welche indem sie sich im wasser auflösen 003588_1614_000098 wieder in die tiefe sinkt bei zwei grad unter null seine größte dichtheit erreicht dann sich noch weiter abkühlt wodurch es leichter wird und wieder aufwärts steigt 003588_1614_000099 der nautilus trotzte diesem sturme und rechtfertigte das wort eines geschickten ingenieurs ein schiff ist nicht richtig gebaut wenn es nicht dem meer trotz bieten kann 003588_1614_000100 nachdem wir diese reizenden unter dem schutz der französischen flagge stehenden inseln verlassen hatten legte der nautilus vom vierten bis elften dezember etwa zweitausend meilen zurück bei dieser fahrt stießen wir auf eine ungeheure menge 003588_1614_000101 mit ihnen reden kapitän aber ich bin beschäftigt mein herr habe zu arbeiten gönnen sie mir doch auch diese freiheit allein zu sein welche ich ihnen lasse 003588_1614_000102 dies kommt daher sagte ich ihm dass der wärmegrad des wasser des golfstromes beim herausfließen aus dem mexikanischen golf wenig von der blutwärme verschieden ist 003588_1614_000103 sie verzehren die meersalze gesellen sich die festen teile des wassers zu und indem sie die kalkartigen bestandteile in zusammenhang bringen verfertigen sie korallen und madreporen 003588_1614_000104 merkwürdige mollusken welche den tintenfischen nahe kommen der nautilus traf in der nacht vom neunten zum zehnten dezember auf dieses molluskenheer man konnte ihrer millionen zählen sie zogen aus den 003588_1614_000105 da aber welche ruhe welche stille welche friedliche umgebung wer hätte denken können dass damals auf der oberfläche dieses ozeans ein furchtbarer orkan sich entfesselte 003588_1614_000106 strömend unbegrenzter nach allen richtungen sich verbreitend der ozean sagte man ist ein todeselement für den menschen ein lebenselement für myriaden thiere und für mich 003588_1614_000107 nur ein flamländer wie conseil konnte sich in diese lage fügen nun mein herr fuhr ned land fort als ich nicht antwortete 003588_1614_000108 ich zog mich zurück von diesem tage an war unsere lage sehr gespannt ich hinterbrachte meinen gefährten den inhalt unserer unterredung 003588_1614_000109 um zehn uhr abends war der himmel wie in feuer und flammen im die atmosphäre von blitzen durchzuckt ich konnte den blendenden glanz derselben nicht aushalten 003588_1614_000110 quälte der kapitän nemo zog sich in sein zimmer zurück und ich bekam ihn einige zeit lang nicht zu sehen 003588_1614_000111 dass sie nur viertausend meter beträgt nach diesen worten ging der kapitän nemo zu der luke hin und verschwand die leiter hinab ich folgte ihm nach und begab mich in den großen saal 003588_1614_000112 ich fühlte wie er leiden mußte denn auch mich befiel das heimweh fast sieben monate waren verflossen ohne daß wir irgend etwas vom lande gehört hatten 003588_1614_000113 ich will ihnen einige mitteilen erwiderte ich die mir gerade einfallen irre ich nicht so hat man eine mittlere tiefe von zweihundert meter im norden des atlantischen meeres und von zweitausendfünfhundert meter im mittelländischen angetroffen 003588_1614_000114 die europäischen klimate störungen ausgesetzt wären deren folgen nicht zu berechnen sind gegen mittag befand ich mich mit conseil auf der plattform und teilte ihm die eigentümlichkeiten des golfstromes mit 003588_1614_000115 abwechslung die szenen und dekorationen änderten sich zu unserer augenweide und wir waren dadurch imstande nicht nur die werke des schöpfers mitten in ihrem element zu betrachten sondern auch in die gefürchtetsten geheimnisse des ozeans zu dringen 003588_1614_000116 er meidet mich sogar umso mehr grund ihn aufzusuchen ich will ihm die frage stellen ned 004705_13109_000000 denken sie soeben weilten meine gedanken bei ihnen in adelaide und ich wünschte mir sie herzaubern zu können nun der zauber ist gelungen lachte münchhausen da bin ich und was mich herführt 004705_13109_000001 also bei ihren technischen kenntnissen und ihrer erfindungsgabe auf diesem gebiet glaubt der lord keinen besseren ingenieur und kapitän für sein weltschiff finden zu können als sie 004705_13109_000002 das stimmt aber hören sie er schreibt seine entdeckung hebe die trennenden räume des weltalls auf und gestatte der reisen nach dem mond nach den planeten vielleicht gar in die fixsternwelt 004705_13109_000003 freut mich freut mich eine edle treue seele und ein gelungener mensch er befindet sich also immer noch in des lords diensten 004705_13109_000004 was treibt denn unser heinz seither und wo weilt er er hat sich auf die sprachwissenschaften geworfen und lebt hier in berlin als privatdozent er beginnt sich einen namen zu machen und hat wie er mir anvertraute 004705_13109_000005 ha das gibt eine reise das ist noch nie dagewesen außer in der phantasie kühner schriftsteller da muss ich mit 004705_13109_000006 mahnte er der kapitän ist feinschmecker oho lachte dieser habe ich mir nicht termiten raupen und rohrratten schmecken lassen wenn es darauf ankam ich nehme alles wie es kommt 004705_13109_000007 allen respekt ein beherzte frauenzimmer ist sie stets gewesen das hat sie uns damals in ophir zur genüge beweisen schultze aber fuhr fort ferner flitmores diener john rieger 004705_13109_000008 eine epochemachende entdeckung auf seinem gebiet gemacht doch verrät er noch nichts näheres davon der diener meldete das der imbiss bereit stehe 004705_13109_000009 jetzt kommt aber etwas besseres als afrikanische hungerkost alter freund und ich weiß sie nehmen das bessere gerner an als das schlechtere ein narr wer es nicht tut aber nun professor was planen sie 004705_13109_000010 allerdings und er hat sich zum tüchtigen mechaniker ausgebildet wie ihn flitmore als eifriger automobilfahrer braucht endlich will noch mein junger freund heinz friedung sich uns anschließen 004705_13109_000011 er ist voll bewunderung für das automobil das sie erfanden und mit dem wir australien durchforschten ja ja die lore 004705_13109_000012 und beauftragte den hierauf erscheinenden diener eine flasche wein und zwei gläser zu bringen und alsdann im esszimmer einen kalten imbiss zu richten das feinste was wir haben 004705_13109_000013 die beiden tranken ihre gläser leer und begaben sich nach dem speisezimmer 004705_13109_000014 kapitän münchhausen rief schultze und eilte überrascht und erfreut auf den mann zu ihm beide hände entgegenstreckend welcher günstige monsun führt sie von australien nach berlin und just in dieser stunde ich bin starr 004705_13109_000015 er also hier habe ich einen brief von flitmore erhalten er schreibt er habe eine kaum glaubliche entdeckung gemacht 004705_13109_000016 sie wissen ich halte das untätige herumsitzen auf dem kulturboden nicht lange aus na habe ich gedacht schaust einmal nach was der olle schultze macht 004705_13109_000017 hing es etwa in afrika und australien und wo wir sonst noch forschten nicht auf den tod und leben ahnten wir im voraus die gefahren denen wir entgegen gingen 004705_13109_000018 herein rief der professor sich erhebend die türe öffnete sich und es erschien ein ältlicher doch frisch und blühend aussehender mann von stattlicher leibesfülle 004705_13109_000019 ich sage ihnen sie kommen wie gerufen da setzen sie sich her altes haus unterdessen drückte der professor auf den knopf der elektrischen klingel 004705_13109_000020 auf so eine frage kann doch nur ein weltfremder professor verfallen erinnern ist gut wenn man mit einem manne wie der lord solche abenteuer erlebt solche kämpfe durchfochten und solche herrliche stunden durchkostet hat 004705_13109_000021 oh dass die männer der wissenschaft keine neue erstaunliche entdeckung ohne zweifel begrüßen können wenn die professoren darüber zu entscheiden hätten alle genialen erfinder kämen ins irrenhaus 004705_13109_000022 vor ihm auf dem mit büchern und papieren bedeckten schreibtisch lag ein brief der seine gedanken beschäftigte da läutete es an der eingangstüre seiner wohnung und kurz darauf pochte es gewaltig an die studiozimmertüre 004705_13109_000023 und wäre höchlichst erfreut sie für das unternehmen gewinnen zu können topp rief münchhausen begeistert wann reisen wir 004705_13109_000024 ob sie nun auf der erde oder über die erde droht ist meines erachtens völlig einerlei mehr als unser leben können wir hier oder dort nicht verlieren aber wer soll noch sonst mit auf die reisegesellschaft kommt bei so etwas viel an 004705_13109_000025 ich habe eigentlich gar nichts geplant aber ein anderer sie erinnern sich wohl noch lord flitmores münchhausen lachte dass es dröhnte 004705_13109_000026 eine große gesellschaft wird es nicht werden zunächst wird die gattin des lords ihn begleiten schau schau mädchen 004705_13109_000027 schmunzelte der kapitän sie war kein übler gedanke aber nach dem mond ne das hätte sie doch nicht geleistet 004705_13109_000028 wie wir zwei beide dann soll man ihn wohl vergessen können verzeihen sie professor aber ihre frage ist na wie soll ich sagen dumm ergänzte schultze seinerseits lachend sie haben recht oller seebär 004705_13109_000029 ich sage ihnen dem lord traue ich alles zu er ist ein genie telegraphieren sie ihm nur gleich ob er mich mitnimmt 004705_13109_000030 kein mensch kann wissen welche gefahren und welch ungeahnte katastrophen dem erdenbürger drohen der seinen heimischen planeten verlässt und sich über die atmosphäre in die leere des weltenraums erhebt 004705_13109_000031 und nun ladet er mich ein ihn auf seiner ersten fahrt zu begleiten was halten sie davon sollte er nicht doch ein wenig übergeschnappt sein 004705_13109_000032 ola lachte schulze nicht so eilig alter freund sie sind ein unüberlegter jüngling bedenken sie fuhr er ernst werdend fort 004705_13109_000033 meine veröffentlichungen auf diesem gebiet mit interesse und beifall verfolgte wie er schreibt dann aber fragt er nach ihnen und nach ihrer adresse 004705_13109_000034 vielleicht plant er wieder irgendein famoses unternehmen da muss ich dabei sein und plant er keins so will ich ihn aufrütteln und wir planen eines miteinander he wie steht's damit professorchen 004705_13109_000035 eins ein kühnes unternehmen professor dr heinrich schultze lehnte sinnend in seinen sessel zurück 004705_13109_000036 kaum glaublich hören sie dem glaube ich alles dem traue ich das wunderbarste zu nach den proben seines erfindergenies die er uns in afrika gegeben 004705_13109_000037 das ist es ja gerade lord flitmore bittet mich ihn zu begleiten da er weiß dass ich mich in den letzten jahren ganz auf die astronomie geworfen habe und er 004705_6814_000000 düster flimmern die laternen donner westwärts grollen von der helden haupt gebücktem große tränen rollen 004705_6814_000001 der arme mann fleht er mit beben er spielt den ganzen tag schon hier und kann die arme kaum mehr heben etwas verdient er schon dafür 004705_6814_000002 so lehnt er an dem erkerfenster im hochzeitlichen schmuck was stierst du ritter in die tiefe das irrlicht zeigt nur trug ruht laura nicht im stillen grabe kein schatten kehrt zurück 004705_6814_000003 noch grauet nicht dein hochzeitsmorgen noch schaust du nicht dein glück o harter ritter schau lieb laura ihr schatten kehrt zurück 004705_6814_000004 ein knabe zieht die straß herunter mit rosenbüscheln zum verkauf der kleine proletarier munter horcht bei des alten stimme auf 004705_6814_000005 es waren freilich kühne pläne doch niemand hat mich angeschaut man zahlt nun nicht mehr solche töne was fang ich an in meiner not 004705_6814_000006 seht ihr seht ihr die tscherkessen herr gott wie die reiten feuer sprühen ihre blicke hin nach allen seiten 004705_6814_000007 sanft mich hinab viel leute gehen an ihm vorüber die meisten sehen gar nicht auf sein sanfter blick wird trüb und trüber doch spielt er immer wacker auf 004705_6814_000008 dreimal kam die nacht gezogen dreimal sah mans tagen und es konnten feuerkugeln sie noch nicht erjagen 004705_6814_000009 dreimal vierundzwanzig stunden ohne rast geritten wir um edle große deutsche gastlichkeit nun bitten 004705_6814_000010 es ist es heißt die die die die die teure bourgeoisie wie heißt das wort das in der halben welt man gleichbedeutend mit dem elend hält 004705_6814_000011 schwarzbraune locken auf dem nacken rotsamtnes prachtgewand den erznen panzer um die hüfte das visier in der hand 004705_6814_000012 dreimal kam die nacht gezogen dreimal sah mans tagen und noch immer rosses hufe samt den herzen schlagen 004705_6814_000013 ihre zeichen ihre mienen ihre dunklen worte sie enträtselt halb ein dolmetsch tief gerührt am orte 004705_6814_000014 vergiss die schuld zum hochzeitmahle ruft heut dein froh geschick ha immer stiert er noch herunter den scharfen blick hinab das irrlicht steht an jener stelle wo sie den tod sich gab 004705_6814_000015 ihren reichtum aber schlauheit ihn erdacht hass und zwietracht haben wahrheit nie gebracht wenige ausgenommen darben sie gar sehr tausende verkümmern eilen übers meer 004705_6814_000016 nahrung dort zu suchen wo noch nichts gesäet kehren gern zurücke wo die heimat stehet heimat leere städte wo der vater stand 004705_6814_000017 wie heißt das wort das in der halben welt man gleichbedeutend mit utopien hält das mit utopien ähnlich morgenlicht das hell und warm zu jedem herzen spricht 004705_6814_000018 nächtlich sieh im mondenscheine die drei reiter knien brück und wasser hinter ihnen eine linie ziehen 004705_6814_000019 die nacht ging langsam ihm vorüber es auf dem kalten boden graut da leuchtet wunderbar herüber ein herrlich lichtes morgenrot 004705_6814_000020 sie entfloh'n aus tiefen reußen heldenmut im blute so tönt's in des volks geflüster wie denn auch zu mute 004705_6814_000021 ewig lebt die wahrheit von friedrich kemptner aufgenommen für librivox punkt org von al jipak perth western australia ewig lebt die wahrheit 004705_6814_000022 es wankt der greis in seine wohnung wirft matt sich auf das faule stroh ach seufzt er bitter ohne schonung behandelt man den armen so 004705_6814_000023 brück und wasser diesmal ihnen vorn die grenze ziehen horch da öffnet sich der schlagbaum und am brückenkopfe nicken durch die hohle öffnung russen mit dem kopfe 004705_6814_000024 antisemitismus antibrüderlich senk die morsche fahne sie wird lächerlich antisemitismus wisst ihr wie das klingt als wenn unter psalmen einen fluch man singt 004705_6814_000025 wenn sie vieles hätten gäben sie's dem zar kauften sich gatschina schön und wunderbar säulen groß und mächtig lapis lazuli dunkelblau und prächtig sie erkaufen's nie 004705_6814_000026 ich dachte heute nicht zu fasten und hofft auf frisches lagerstroh komm alter lieber leierkasten man hofft doch wirds nicht immer so 004705_6814_000027 herr spricht der knabe sehr verlegen ich hab den greis zwar nie gekannt doch wenn sie einen argwohn hegen so bleib ich ihnen gern zum pfand 004705_6814_000028 als bettler ward ich nicht geboren ein bettler wird man erst alsdann lehrt sanft der greis den tauben ohren wenn man sich nicht mehr helfen kann 004705_6814_000029 menschen und gott menschen sie blieben fern in der not öd und verlassen nah ich dem grab spielet ihr lüfte 004705_6814_000030 anti die semiten höret meinen rat heilet eure leber gehet nach karlsbad bad und reisekosten zahlet sicher der der euch sonst bezahlet doch ich weiß nicht wer 004705_6814_000031 dumpf gemurmel vom kartelle freundschaft ungeschwächte und man liefert unsere helden an kosakenknechte 004705_6814_000032 selbe nacht noch sieh pechfinster trotz des vollmonds lichte lautlos durch die tiefe stille lauschet die geschichte 004705_6814_000033 ein alter mann mit grauen haaren tiefbraun von hand und angesicht aus dem so stark die glieder waren hohnfrei ein stilles lächeln spricht 004705_6814_000034 hört spricht zum invalid der knabe ich bind ein sträußchen für euch los es ist freilich eine kleine gabe doch dies allein besitzt ich bloß 004705_6814_000035 sein grund ist leer oh weh der schrecken was singt dort am gestein was schwingt sich hoch von fels zu felsen im weißen heil'genschein 004705_6814_000036 ihre zeichen ihre mienen blicke freudetrunken streicheln sie die prächtigen rosse wie im traum versunken 004705_6814_000037 in dem grenzort auf dem berge steht des marktes menge und bewunderung staunen rührung wechseln im gedränge 004705_6814_000038 düster graut der vierte morgen einzeln leuchten sterne russen bilden einen halbkreis wetter leuchten ferne 004705_6814_000039 vor der preußischen rathausschwelle stehet die behörde und die reiter heiß und glänzend ruhen auf der erde 004705_6814_000040 es ist es ist mein ideal das große wort es heißt sozial 004705_6814_000041 den stolzen ritter fasst ein grausen als er das lied gehört von geisterarmen fortgerissen er in den abgrund fährt 004705_6814_000042 hoch zwei preußische schwadronen die tscherkessen mitten ziehen auf dem dunklen boden hin mit festen tritten wieder sieht man durch die gegend rosseshufe sprühen 004705_6814_000043 erbarmen sie sich seines lebens er bringt das geld schon morgen her so fleht der knabe ach vergebens der harte reiche hört nichts mehr 004705_6814_000044 die leier lag zu seinen füßen und dicht das sträußchen rosenrot der schöne kopf auf grobem kissen der brave invalid war tot 004705_6814_000045 schwarz und golden herrlich flimmert's wie sie blitzschnell eilen funken stäuben gleich raketen und es schwinden meilen 004705_6814_000046 eh er blut und leben gab fürs vaterland ewig lebt die wahrheit ewig lebt das recht menschlichkeit ist klarheit hassen das ist schlecht 004705_6814_000047 durch des höchsten gottes fügung nun auf freier erde flehen wir zum freien preußen daß uns hilfe werde 004705_6814_000048 herab von seiner stolzen veste lehnt sich ein rittersmann tief unten aus dem felsengrunde schwingt's lautlos sich hinan 004705_6814_000049 dreimal vierundzwanzig stunden ohne rast geflohen bietet wir uns unsere schwerter euch an voll vertrauen 004705_6814_000050 wie der kassern freien söhne in der sklaven ferne hörten rühmend eure freiheit dienten freien gerne 004705_6814_000051 wie heißt das wort das in der halben welt man gleichbedeutend mit dem gelde hält doch mit dem geld das stets im säckel bleibt und schon von selbst die besten zinsen treibt 004705_6814_000052 sieh drei reiter glänzend prächtig wie sie nur im traume scharlachrot auf schwarzen rossen und mit gold'nem zaume 004705_6814_000053 also klangen ihre worte und mit starrem munde still vernahm des ortes vorstand diese selt'ne kunde 004705_6814_000054 er der arme alte invalid von trüben zeiten alter neuer singt er dazu ein hübsches lied 004705_6814_000055 niederknien alle dreie und vom regimente dreimal tönt die russ'sche salve dass die erde dröhnte 004705_6814_000056 mit blauen augen sanft voll leben wie mancher friedlich deutsche strom und wie die heil'gen sie erheben im stolzen vatikan zu rom es spielt auf off'nem markt die 004705_6814_000057 fleht er endlich einen reichen sie borgen wohl acht pfennig mir mein freund man borgt nicht euresgleichen und bettlern geben selten wir 004705_6814_000058 der abend naht die sonne sinket der alte packt die leier ein im auge eine träne blinket er seufzt man soll zufrieden sein 004705_6814_000059 doch mit dem elend das mit wackerem mut die schwere große arbeit tut es ist es heißt der der der der es heißet proletarier 004705_6814_000060 ewig lebt das recht menschlichkeit ist klarheit hassen das ist schlecht antisemitismus aufgewühltes meer neueste influenza dauerst mich gar sehr 004705_6814_000061 und spricht er stockend und verlegen ich weiß nicht red ich jemand an es ist an mir nicht viel gelegen doch ganz man nicht verhungern kann herr 004705_6814_000062 napoleonische ideen werden aber doch gestehen und den dank der dir geziemt ganz die weltgeschichte rühmt 004705_6814_000063 ungeheuer die sonst schliefen lautlos naht die schreckensschar flammen zischen ströme brausen tritt aus deinem ufer aus meer verwüste und mit grausen 004705_6814_000064 napoleonische ideen sollten endlich jetzt geschehen schafftest raum und luft und licht aber frankreich dankte nicht 004705_6814_000065 hat es russlands macht gebrochen hat es frieden dir versprochen nicht mehr ruhm befleckt mit blut trachtetest nach höherem gut 004705_6814_000066 horch da ein namenloses poltern im felsigten gestein als wenn auf einmal tausend donner ins burgtor schlügen ein 004705_6814_000067 geschichte von friedericke kempner aufgenommen für librivox punkt org von algi pag perth western australia tiefe nacht und lange schatten über land und über meer 004705_6814_000068 frankreich glücklich wollte träumen von des rheines blütenbäumen wollte kampf und krieg nicht ruh und das opfer das warst du 004705_6814_000069 finstere nacht und lange schatten tränen und blut auf jedem steg auf europas grünen matten geht die schlange ihren weg und es steigen aus den tiefen mit dem greisen haupt und haar 004705_6814_000070 bautest für die arbeit säle und dass ich es hier erzähle würdigtest mit hellem blick unsrer sitten missgeschick 004705_6814_000071 horch aus gebüsch und blütenflor tönet hervor ein lustiger chor meinest du etwa das menschengeschlecht ewig unmenschlich und ungerecht 004705_6814_000072 auf europas sumpfigen matten tanzt das irrlicht hin und her kohlengluten auf dem herde gluten in des menschen herz der mit gleichgültiger gebärde schmiedet seiner ketten erz 004705_6814_000073 waldvöglein zittert leise es weint abendsonne es golden bescheint plötzlich ruft es menschengeschlecht jedes geschöpf hat des lebens recht 004705_6814_000074 frömblin kommst um mich zu höhnen nein ich weih dir einige tränen deiner größe schwer verkannt schwer verkannt im eigenen land 004705_6814_000075 drum soll am abend vor der hochzeit ein polterabend sein denn heißt es wo viel licht und freude wagt sich kein geist hinein 004705_6814_000076 ach nicht unsre lieder bei tag und nacht ach nicht unsre schönheit und farbenpracht keinerlei bricht seinen übermut lechzend immer nach fleisch und nach blut 004739_2620_000000 doch haben wir ja zum glück keine allzu weite fahrt vor uns es handelt sich nur um achthundert meilen und wenn der nordostwind nur einige tage anhält 004739_2620_000001 nun schwimmen wir also auf dem meere und das auf einem fahrzeuge dessen festigkeit nur sehr zweifelhaft ist 004739_2620_000002 überhaupt kann das ja nur eine frage der zeit und zwar einer sehr kurzen zeit sein schon ist die schwimmlinie des chancellor um einen fuß gesunken und sein stampfen wird stärker da er sich nur schwerfällig mit den wellen hebt 004739_2620_000003 den kapitän kurtis sehe ich auch die augenbrauen runzeln sobald ihm der lieutenant oder der hochbootsmann eine meldung machen das ist kein gutes vorzeichen 004739_2620_000004 ich sehe robert kurtis an eine leichte blässe fliegt über sein angesicht doch bewahrt er seine kaltblütigkeit die passagiere von denen einige auf das verdeck gekommen sind werden von dem vorfall unterrichtet den zu verheimlichen doch schwierig gewesen wäre 004739_2620_000005 der kapitän kommt auf das verdeck zurück läßt das schiff wieder vor den wind legen damit es weniger umher geworfen wird und so erwartet man den tag beim sondiren am morgen findet man drei 004739_2620_000006 während des neunundzwanzigsten geht der wind um ein viertel nach norden zurück die segelstellung muss geändert und die steuerbordhalsen müssen beigesetzt werden 004739_2620_000007 bei der nothwendig werdenden reinigung verlieren wir natürlich eine gewisse zeit und die erfolge unserer mühe am folgenden morgen ergiebt eine neue untersuchung fünf fuß wasser im raume wenn das herausschaffen desselben aus irgend einem grunde ausgesetzt werden müßte so würde das schiff also sinken 004739_2620_000008 die nacht vom neunundzwanzigsten zum dreißigsten ist dunkel und dunstig die brise frischt immer mehr auf und unglücklicherweise droht der wind nach nordwesten umzuschlagen 004739_2620_000009 inzwischen gehen der lieutenant und der hochbootsmann mit ihrem beispiel voran und die passagiere nehmen an den pumpenhebeln platz jetzt ist die lage freilich nicht dieselbe wie zur zeit als der chancellor auf dem festen grunde des ham rock aufsaß 004739_2620_000010 da er eine wiedereröffnung des lecks fürchtet wenn das schiff zu schnell fährt eine traurige fahrt wenn man zu dem schiffe das einen trägt kein zutrauen haben kann 004739_2620_000011 zum unglück kommen die pumpen häufig in unordnung sie verstopfen sich entweder durch asche oder baumwollenbällchen welche sich noch im unteren theile des kielraumes befinden 004739_2620_000012 noch immer neigt sich das schiff ganz bedeutend trotzdem es gar kein obersegel mehr trägt gegen zwei uhr morgens will auch ich mich in meine koje zurückziehen 004739_2620_000013 als einer der matrosen der im kielraum gewesen war eiligst daraus hervorkommt und ausruft zwei fuß wasser robert kurtis und der bootsmann eilen die leiter hinab und finden die traurige neuigkeit nur allzu wahr 004739_2620_000014 im laufe des tages wiederholt der hochbootsmann die sondirungen und man erkennt daß das meer langsam aber unablässig in den schiffsraum eindringt 004739_2620_000015 ein neues unglück sagt mr letourneur zu mir das war vorauszusehen habe ich geantwortet indessen können wir nicht weit vom lande entfernt sein und hoffe ich daß wir es erreichen gott möge sie erhören erwiderte 004739_2620_000016 unser fahrzeug schwebt über einem abgrunde in den es jeden augenblick versinken kann 004739_2620_000017 jeder ist mit seinen eigenen gedanken beschäftigt und an bord entwickelt sich nicht jene lebhafte mittheilungslust wie bei einer raschen und sicheren seefahrt 004739_2620_000018 er thut recht daran denn es handelt sich weniger darum eine schnelle ueberfahrt auszuführen als ohne neuen unfall einen hafen zu erreichen 004739_2620_000019 folge dessen neigt sich das schiff stark nach der seite robert kurtis zieht die bramstengen ein denn er bemerkt wohl wie stark die seitenneigung den chancellor belästigt 004739_2620_000020 so wird der chancellor der vom wind im rücken nicht so arg angegriffen wird die küste von guyana mit sicherheit erreichen beim cours nach südwesten nimmt das leben an bord nun wieder seinen gewohnten lauf 004739_2620_000021 ob sich der leck trotz aller vorsichtsmaßregeln wieder geöffnet hat oder ob einige schlecht kalfaterte fugen auseinander gewichen sind läßt sich noch nicht sagen jedenfalls dringt das wasser wieder in den kielraum ein 004739_2620_000022 ist denn gott an bord fragt falsten mit achselzucken er ist gegenwärtig mein herr fällt da miß herbey ein der ingenieur schweigt bei diesen worten dem ausfluß eines frommen glaubens über den nicht zu streiten ist 004739_2620_000023 inzwischen ist auf anordnung robert kurtis der dienst an den pumpen organisiert worden mit mehr resignation als eifer geht die mannschaft an die arbeit aber es geht um den kopf und die in zwei rotten geteilte mannschaft löst sich an den pumpenstangen ab 004739_2620_000024 die arbeit an den pumpen ist den ganzen tag und die nacht über fortgesetzt worden dennoch nimmt das wasser zu die mannschaft ist erschöpft unter den leuten werden anzeichen von entmuthigung bemerkbar 004739_2620_000025 die meisten passagiere halten sich in ihren cabinen auf kapitän kurtis verläßt dagegen das oberdeck niemals und die ganze mannschaft verbleibt auf dem verdecke 004739_2620_000026 die ersten tage vergehen ohne weitere zufälle die richtung des windes bleibt immer günstig doch vermeidet robert kurtis zu viel segel beisetzen zu lassen 004739_3957_000000 die mußt du mir sauber herstellen du verstehst es perfekt ich bin sonst gegen alle liebesverhältnisse weil ich sie für unmoralisch halte allein gegen eine solche liebe die so läutert und reinigt kann auch der tugendhafteste vater nichts haben also mut mein lieber 004739_3957_000001 auch seifte er die violinbögen der königlichen kapelle ein und tunkte in öl die pfoten sämtlicher schoßhündchen von dem schoßhündchen der königin und der prinzessinnen bis zu denen der 004739_3957_000002 aber ehe er es zustande brachte dieses aschenbrödel sauber zu bekommen hatte er sich so abgearbeitet daß seine roten wangen ganz blaß geworden waren und seine schönen weißen schenkel ganz dünne 004739_3957_000003 als nun der feierliche zug in die kirche wollte fielen die leute der könig an der spitze sämtlich wie die fliegen um und konnten durchaus nicht in die kirche gelangen so daß man sich endlich entschließen mußte die drei trauungen im schlosse zu verrichten 004739_3957_000004 du weißt dich also dessen noch zu besinnen fragte der arme husar der wieder auflebte da er sah daß man ihm teilnahme zeigte weißt du was hilf mir mich zu rächen 004739_3957_000005 der husar sah sich die prinzessin an und bemerkte daß sie kaum aus den augen blicken konnte so dick lag der staub auf ihr denn da sie es liebte sich immer auf der landstraße herumzutreiben und womöglich alle orte aufsuchte wo es rauch und staub gab 004739_3957_000006 die hofdamen bekamen krämpfe und die königin und die prinzessinnen die ihre allerliebsten hündchen während der mahlzeit auf den schoß genommen hatten bemerkten zu ihrem schrecken dass die lila amarantfarbenen und orangegelben seidenkleider alle dicht besät mit den hässlichsten ölflecken waren 004739_3957_000007 sollte an einem tage vor sich gehen und gerade diesen tag wählten der husar und seine freundin zu dem zeitpunkt wo ihre rache sollte ins leben treten das mädchen verkleidete sich als eine köchin und der husar als ein kammerdiener und beide suchten am hofe anzukommen 004739_3957_000008 und daß er den beiden ersten die dem husaren versprochene hälfte des königreichs geben wolle die hochzeit der drei prinzessinnen die jetzt alle drei wunderschön waren 004739_3957_000009 das kleine mädchen freute sich und nahm ihren lieben husaren überall mit auf den spaziergang zu tische auf die wiese und nachts sogar ins bett 004739_3957_000010 so daß niemand von ihrer anwesenheit kenntnis hatte am wenigsten der könig und die leute bei hofe bald erfuhren sie nun auch daß der könig seine älteste tochter an einen königssohn die zweite ebenfalls an einen prinzen und die dritte an einen sehr reichen edelmann verheiratete 004739_3957_000011 nimm nun auch meine zweite tochter und reinige die auch die ist noch viel schlimmer sie hat sich zwölf jahre nicht gewaschen und ich und meine frau wissen uns gar nicht mehr zu besinnen wie sie eigentlich aussieht 004739_3957_000012 setzte sich dieser am wege hin und weinte bitterlich so schwach war er geworden daß er nicht mehr fluchen konnte und mit dem säbel klappern sondern nur noch weinen 004739_3957_000013 das ist schändlich ja ich will dich rächen helfen sie machten nun einen plan und der husar und seine gute freundin kehrten in die stadt zurück wo sie in einer entlegenen gasse eine versteckte wohnung nahmen 004739_3957_000014 als es nun zur tafel ging bissen die hofdamen tapfer ein in die seifenkugeln und die oberhofmeisterin schmierte sich das ganze maul voll grüner seife so daß sie erstickte und tot hinweggetragen wurde 004739_3957_000015 du mußt hier etwas energischer zu werke gehn denn mein teures kind hat sich seit fünfundzwanzig jahren nicht gewaschen das heißt seit ihrer geburt nicht 004739_3957_000016 seine kleine braut weinte sehr als er fortging doch wollte sie ihn nicht halten der husar kam in ein königreich 004739_3957_000017 gegen wen mein lieber husar gegen diesen schuft von könig der mich erst seine drei aschenbrödel rein lieben läßt und mir dann doch das halbe königreich nicht gibt das er mir versprochen 004739_3957_000018 der könig hatte erklären lassen wer ihm eine seiner töchter rein und sauber herschaffte der sollte die hälfte des königreiches haben 004739_3957_000019 der husar blieb rund und fett und seine frischen roten lippen und seine weißen zähne die grübchen in seiner wange und die prallen weißen schenkel verloren nichts an ihrer fülle und glätte 004739_3957_000020 aus bitterm kummer über dieses beispiellose mißgeschick ergriffen sie sämtlich ihre degen und stürzten sich in diese in jeder brautkammer gab's ein blutbad der könig als er den tod seiner töchter erfuhr wollte ebenfalls nicht eine stunde länger leben 004739_3957_000021 der husar hatte nun gewaltig viel zu tun ehe er die prinzessin rein hergestellt hatte und als es endlich geschehen war und sie so hübsch und glänzend aussah wie man sich's nur wünschen konnte 004739_3957_000022 er ging nun zum könig und verlangte seinen lohn der könig entgegnete recht spitzbübisch noch nicht mein lieber da ist mein herzblatt mein liebling meine älteste tochter 004739_3957_000023 einst sagte der husar das leben im frieden taugt auf die länge nicht ich muss nun ausgehen mir ein königreich zu erobern damit meine kusine die olive und mein oheim haselnuss doch sehen dass ich ein ganzer kerl bin 004739_3957_000024 als aber die virtuosen zu ihren geigen griffen und die zierlichsten stellungen der arme annahmen sperrten sie die mäuler und augen auf denn keiner von ihnen konnte auch nur einen ton hervorbringen 004739_3957_000025 so fand ihn das kleine mädchen das unterdessen ein großes mädchen geworden war am wege sitzend ganz dünn ganz dünn oh zum erbarmen 004739_3957_000026 teufel sagte er ich habe nie gedacht daß es so schwer sei sich ein königreich zu erobern aber an diese zwei prinzessinnen werde ich denken 004739_3957_000027 der husar fand dies nicht recht gehandelt allein was sollte er tun er entschloß sich auch mit der zweiten prinzessin ein liebesverhältnis anzuknüpfen 004739_3957_000028 sie hatten ihre bräute entkleidet und ins bette gelegt und wollten nun selbst nachsteigen glitten aus und stürzten jämmerlich auf ihre bräute nieder und erschlugen sie 004739_3957_000029 daselbst herrschte ein könig der drei töchter hatte die sämtlich von einer großen untugend behaftet waren nämlich sie wuschen sich niemals 004739_3957_000030 himmel rief sie und schlug die hände zusammen ist das mein schöner husar aus dem seifenlande was ist dir denn geschehen ich habe drei prinzessinnen reinmachen müssen aus was 004739_3957_000031 der husar war über die wortbrüchigkeit des königs so böse wie nur ein husar böse sein kann er klapperte stundenlang mit seinem säbel und schob seinen tschako ganz wild von einem ohr auf das andere 004739_3957_000032 zuletzt war der ganze tanzsaal nur ein schlachtfeld es war zum erbarmen die drei brautpaare entfernten sich und gingen zu bette aber hier ging das unglück erst recht an 004739_3957_000033 und wie hast du es denn gemacht daß du sie rein bekamst fragte das mädchen neugierig wie man so etwas macht erwiderte der husar unwillig ich rieb mich tüchtig an ihnen da ich von seife bin mußten sie wohl rein werden aber es hat mich diese liebelei abgenutzt bis auf den letzten faden 004739_3957_000034 ei mein lieber rief das kind wo kommen sie her aus dem seifenlande mademoiselle aus dem schönen seifenlande wo seen und flüsse sind voll öl wo die felsen sind am strande grüne seife ohne fehl 004739_3957_000035 als der tanz beginnen sollte mußte man eine trommel vom hoftambour und eine querpfeife kommen lassen um danach tanzen zu lassen aber der fußboden des tanzsaals war ebenfalls von dem husaren mit seife bestrichen worden 004739_3957_000036 ein junges mädchen erhielt von ihrer mutter eine schöne rot und weiß marmorierte seifenkugel geschenkt die wunderlieblich duftete aus gefallen an der 004739_3957_000037 seiner tante der olive und seinem oheim haselnuß ließ er melden daß er richtig ein königreich erobert habe so wie er sich's vorgenommen 004739_3957_000038 drückte das mädchen einen herzhaften kuß auf dieselbe und alsobald stand ein allerliebster kleiner husar vor ihr in einer roten jacke und in prall anliegenden weißen hosen legte zwei finger an seinen tschako und sagte was steht zu diensten 004739_3957_000039 als der könig tot war und sein ganzer stamm erloschen wählten die stände die unterdessen den ganzen hergang dieser wunderbaren begebenheit erfahren hatten den treuen husaren zum könig und dieser heiratete nun seine freundin und bestieg mit ihr den thron 004739_3957_000040 doch bevor er sich das leben nahm hörte er eine stimme die da sprach das ist der husar vom seifenlande der all dies unglück hat erdacht der dein haus in schimpf und schande dich selbst zum tode jetzt gebracht 004739_3957_000041 aus liebe schluchzte der husar und weinte wieder bitterlich von diesen drei prinzessinnen hat sich die eine drei jahre die zweite zwölf und die dritte gar fünfundzwanzig jahr nicht gewaschen 004739_3957_000042 als nun die kostbare tafel bereitet stand schlich sich die köchin hinauf nahm die herrlichen äpfel und orangen aus den silbernen schalen hinweg und legte dafür eine große anzahl kugelseifen von den schönsten farben hinein 004739_3957_000043 wo meine tante die olive herrscht mit könig haselnuss dass vom glanz sie ewig triefe gibt er ihr manch fetten kuss 004739_3957_000044 so daß die jungen damen und kavaliere sich fürchterlich die glieder verrenkten indem sie niederstürzten und sich doch zugleich bemühten ihre damen noch zu halten 004739_3957_000045 und ich und meine gemahlin sind sehr neugierig ob sie etwa einen höcker hat oder schlank ist ob sie eine gerade oder gebogene nase hat und von welcher farbe ihr haar sein mag das alles kann man nicht sehen weil sie gleichsam wie eine nuß in der schale in ihrer kruste steckt 004739_3957_000046 und bleiben sollt ich bis ich fände ein mädchen frei noch vom genuß das von dem zauber mich entbände durch einen herz'gen liebeskuß 004739_3957_000047 als er das getrunken wurde ihm so übel daß er seine rede unvollendet lassen mußte und sich seinen kostbaren ornat und das brautpaar vor sich besudelte 004739_3957_000048 in die näpfe und schüsseln mit mandelcreme legte sie flüssiggemachte seife der husar bestrich einstweilen den weg vom schlosse bis zur kirche mit seife und machte ebenso die pfosten und treppenstufen an den betten der brautpaare durch seife spiegelglatt und äußerst schlüpfrig 004739_3957_000049 ach und du hattest so schöne runde weiße beine sagte das unschuldige mädchen mit trauriger stimme 004739_3957_000050 sie waren darüber sämtlich außer sich und warfen die hündchen aus den fenstern hinaus die auf dem steinpflaster des hofes ihr leben elend endigten der könig wollte nun die gesellschaft erheitern durch das große angesagte konzert 004739_3957_000051 der kaplan bat sich ein glas wasser aus weil er sehr erschöpft war durch die anstrengungen von der kirche ins schloß zu kommen die kammerfrau lief schnell und brachte ihm ein glas öl 004739_3957_000052 kam er zum könig und sagte nun herr könig euer halbes königreich noch nicht mein lieber entgegnete dieser 004739_3957_000053 die schöne welt mir anzusehen war ich in kecker lust entbrannt da hat die böseste der feen mich schnöd in diese form gebannt 004739_3957_000054 oh weh oh weh wenn ich in diesem zustande vor meine tante die olive und vor meinen oheim haselnuss soll treten sie würden schön mich auslachen und der fee soll es schwer werden aus mir wieder eine kugel zu machen 004739_3957_000055 erkenne nun des treubruchs segen der statt ros und veilchensaat dem bösewicht auf seinen wegen grüne seife bereitet hat 004739_3957_000056 er mußte sich aber doch fügen und ging ans werk auch die dritte prinzessin sauber herzustellen als aber der könig auch jetzt nicht wort hielt und sogar den armen husaren der so dünn wie eine stricknadel geworden war aus der stadt bringen ließ 004739_3957_000057 so kann man sich denken wie sie zugerichtet war obendrein hatte sie sich in drei jahren nicht gewaschen als sie den hübschen husaren aus dem seifenlande sah verliebte sie sich sogleich in ihn und sagte der soll mein mann sein 004748_2620_000000 den jungen leuten wäre wohl noch manches zu erwidern gewesen ich mag aber meine nüchterne prosa nicht in die poesie ihrer stimmung hineinmischen sie betrachten das gewitter von einem ganz eigenen gesichtspunkte und eine volle stunde höre ich sie davon schwärmen und es 004748_2620_000001 die leitung des flosses erfordert keinen großen aufwand physischer kräfte und uns kann wohl eine schmälere kost genügen der branntwein von dem das fässchen nur fünf gallonen etwa dreiundzwanzig liter enthält soll nur mit größter sparsamkeit verteilt werden 004748_2620_000002 man hätte hohe mit feuer bekrönte zinnen zu sehen vermeint auch der roheste mensch ist für diese furchtbaren szenen empfänglich und so wie wir sehe ich auch die matrosen nach der unaufhörlichen feuererscheinung in den wolken aufschauen 004748_2620_000003 und niemand ohne ausdrückliche erlaubnis des kapitäns das recht haben ihn anzurühren das leben an bord ist in folgender weise geregelt fünf unzen fleisch und fünf unzen schiffszwieback täglich für den mann 004748_2620_000004 meine freunde sprach er uns an achten sie wohl auf meine worte ich kommandiere auf diesem flosse ebenso wie an bord des chancellor und ich rechne ohne ausnahme auf unbedingten gehorsam 004748_2620_000005 owen bleibt bei seiner weigerung robert kurtis nähert sich dem aufsässigen matrosen ich rate ihnen mich nicht anzurühren sagt owen in kaltem ton und steigt nach dem vordercastell hinauf 004748_2620_000006 sie haben also noch immer nicht alle hoffnung aufgegeben frage ich robert kurtis sehr erstaunt die hoffnung darf nie zu schanden werden mr kazallon selbst unter den allerschlimmsten verhältnissen nicht 004748_2620_000007 und wenn er sich einige tage so hält doch irgend einen küstenpunkt anlaufen übrigens haben wir als letzte zuflucht das floß das in wenigen stunden fertig sein muss und auf welchem wir uns sobald der tag anbricht dann einschiffen können 004748_2620_000008 und es ist besser wir verlassen uns nicht auf den zufall einer begegnung wenn wir noch überdies in die regionen der calmen kämen oder der umschlagende wind uns nach osten treiben sollte 004748_2620_000009 robert kurtis will auf jeden fall versuchen den schiffsrumpf am hinterteil durch einhüllung desselben mit geteerten segeln trocken zu legen vielleicht gelingt es dadurch wenigstens vor der hand jede kommunikation mit dem meere zu unterbrechen 004748_2620_000010 ist jenes nicht eine der prachtvollsten erscheinungen die wir nur je bewundern können nichts wahrer als das miss herbey antwortet ihr ander und vorzüglich wenn der donner grollt 004748_2620_000011 die dichten schwarzen dunstmassen ballen sich über unserem haupte und verschleiern auch die letzten lichter des himmels jeden augenblick erglänzt die masse droben in fahlem lichtscheine von dem sich kleine graue wolken abheben 004748_2620_000012 dennoch hat kapitän kurtis die größtmögliche menge segel beibehalten lassen denn er weiß zu gut dass der rumpf des chancellor nicht lange aushalten kann und er große eile hat irgendein land zu erreichen 004748_2620_000013 robert kurtis begibt sich nach dem oberdeck geht in seine kabine und kehrt mit einem geladenen revolver in der hand daraus zurück einen moment sieht owen robert kurtis an doch jynxtrop macht ihm ein zeichen und alle nehmen ihre arbeit wieder auf 004748_2620_000014 endlich wird das rollen des donners deutlicher und stärker doch besteht es wenn man so sagen darf noch aus einem abgerundeten tone ohne scharfe akzente aus einem grollen das noch kein echo weckt 004748_2620_000015 das wasser für welches es uns an geeigneten gefäßen fehlt um es zu schöpfen soll zweimal des tages morgens um zehn uhr und abends um sechs uhr ausgeteilt werden und muss es jeder sofort trinken 004748_2620_000016 indessen arbeiten wir an den pumpen mit mehr anstrengung als je und setzen unsere letzten kräfte daran unsere arme sind halb gebrochen unsere hände bluten und trotz allen quälens läuft uns das wasser den rang ab 004748_2620_000017 nun mr kazallon es liegt kein grund vor dass die überlebenden des chancellor nicht ebensoviel glück haben sollten als die der juno 004748_2620_000018 die leinen trotzdem man darauf gesehen hatte nur haltbare zu verwenden waren bei dem auf und abschwanken des fahrzeuges gerissen und etwa seit einer stunde trieb der unterbau des rettungsflosses in der weiten see 004748_2620_000019 wenn das nachströmen des wassers nur momentan aufzuhalten ist wird man erfolgreicher pumpen und das schiff wahrscheinlich wieder heben können 004748_2620_000020 mrs kear hat sich endlich entschlossen den platz auf dem oberdeck zu verlassen auf dem sie übrigens in einem zustande vollständiger willenlosigkeit lag mr kear hat sich mit silas huntly im mastkorbe des besanmastes eingerichtet 004748_2620_000021 einschiffen einschiffen rief robert kurtis wir stürzen auf das floß andre letourneur beobachtet erst dass auch miss herbey auf dasselbe gelangt und erreicht dann selbst glücklich die plateform wohin sein vater ihm unmittelbar folgt 004748_2620_000022 man muss sich demnach zur konstruktion eines neuen floßes entschließen und ohne zaudern an die arbeit gehen inzwischen sind die wellen immer stärker geworden 004748_2620_000023 alle unsere hilfsmittel sollten aber vergeblich sein in der nacht hat die segelhülle dem drucke von außen nachgegeben und am morgen des dritten dezember meldet der hochbootsmann mit einigen kräftigen flüchen 004748_2620_000024 nun stelle man sich die dumpfe verzweiflung der mannschaft vor als daoulas gegen mitternacht die bemerkung macht daß das gestell des flosses verschwunden ist 004748_2620_000025 ganz rückwärts nahe dem noch nicht überfluteten hackbord gewahre ich mr kear seine frau miss herbey und falsten auf der äußersten spitze des vorderkastells den lieutenant und den bootsmann in den mastkörben und auf den strickleitern den rest der mannschaft 004748_2620_000026 noch bevor er sie erreicht hat sehe ich die drei unglücklichen welche mit aller macht sich zu halten suchen langsam verschwinden nachdem sie vergeblich die arme nach uns ausgestreckt haben 004748_2620_000027 so werden aus den zwei monaten vier ja sechs werden und vor ablauf des dritten dürften unsere lebensmittel wohl schon zur neige gehen die klugheit erfordert also dass wir nur das dringend notwendige quantum verzehren 004748_2620_000028 denken wir nur an das allgemeine wohl seien wir einig und möge der himmel uns gnädig sein alle nahmen diese worte mit befriedigung auf die schwache brise welche jetzt weht und deren richtung der kapitän mittels des kompasses bestimmt nimmt etwas zu und bläst mehr aus norden 004748_2620_000029 als die matrosen dieses neue unglück vernahmen ließen sie manchen verzweiflungsschrei erschallen ins meer ins meer die masten kappen riefen sie halb von sinnen 004748_2620_000030 man konnte robert kurtis wohl so manches dagegen einhalten aus dem gespräch geht aber doch hervor daß unser kapitän noch nicht jede hoffnung verloren habe 004748_2620_000031 auf euern posten jungens ruft er daß kein faden ohne meinen befehl zerschnitten wird der chancellor ist im gleichgewicht der chancellor geht noch nicht unter 004748_2620_000032 letreneur und ich jene vorläufer eines umgewitters gewissermaßen die vorversuche der natur und vergessen ganz unsere augenblickliche lage über der bewunderung des großartigen schauspiels eines kampfes zwischen den mit elektrizität geschwängerten wolken 004748_2620_000033 demnach hätten wir auf eine fahrt von zwei monaten zu rechnen selbst unter den günstigsten umständen abgesehen von dem wenig wahrscheinlichen falle der begegnung eines schiffes 004748_2620_000034 wirklich antwortet andré möchten wir ihn bald zu hören bekommen denn diese stummen blitze sind effektloser meinen sie das mein lieber andré hab ich ihm erwidert ertragen sie das unwetter mutig wenn es da ist doch wünschen sie es nicht herbei 004748_2620_000035 von einer strickleiter zur anderen hat man seile angebracht an die sich die insassen bei dem schwanken des schiffes festhalten können robert kurtis hat auch noch ein dach zum schutze der beiden frauen über dem mastkorbe anbringen lassen 004748_2620_000036 wenn mich meine erinnerung nicht trügt so befindet sich der halbversunkene chancellor genau in derselben lage wie im jahre siebzehnhundertfünfundneunzig der dreimaster juno 004748_2620_000037 doch es liegt auf der hand dass die zeit kommen wird wo die pumpen nicht mehr hinreichen werden dieselbe menge wasser auszuwerfen welche durch den leck im rumpfe eindringt 004748_2620_000038 nun aber das gewitter ist uns gleichbedeutend mit wind und mit wasser fügt miss herbey hinzu mit wasser an dem es uns gebricht 004748_2620_000039 inzwischen hat sich das firmament allmählich hinter schweren wolken versteckt und die sterne im zenith erlöschen einer nach dem anderen kurze zeit nachdem die sternbilder des tierkreises verschwunden sind 004748_2620_000040 inzwischen hat kapitän robert kurtis die notwendige beobachtung zur bestimmung der geographischen länge unternommen und zu mittag gelingt es ihm die sonnenhöhe mit großer genauigkeit zu messen 004748_2620_000041 kann der chancellor noch mit zwei fuß wasser über dem deck segeln nein mr kazallon wohl aber kann er unter dem einflüsse des windes und der strömung abweichen 004748_2620_000042 er schifft sich schon ein antwortet o'ready als ihm das wasser bis an den gürtel gestiegen ist kopfschüttelnd begibt er sich nach dem flosse 004748_2620_000043 das ist seine pflicht und sein recht man fühlt es mit dass ihm fast das herz bricht da er den chancellor den er liebt und befehligt aufzugeben gezwungen ist der ire ist im mastkorbe des besanmastes geblieben 004748_2620_000044 die leuchtenden ausströmungen deren helligkeit die dunkle nacht verdoppelt übergießen uns mit einem lividen scheine ähnlich der farbe welche die gegenstände annehmen wenn die flamme von alkohol in dem kochsalz gelöst war sie beleuchtet 004748_2620_000045 dass der zimmermann und die auf dem flosse beschäftigten leute gezwungen sind die taue zu kappen um nicht mit in den wirbel hinabgezogen zu werden unser bemächtigt sich eine unbeschreibliche angst denn in dem augenblick da das schiff in den abgrund versinkt 004748_2620_000046 und welche sich fast allein in der heißen zone bildet die mit all dem wasserdampfe überladen ist den die passatwinde ihr von allen teilen des ozeans aus zuführen 004748_2620_000047 wir schaffen einige baumwollballen zur seite und hören bei einiger aufmerksamkeit ein rauschen von wasser oder um es richtiger zu bezeichnen ein gluck gluck 004748_2620_000048 im verlaufe dieses tages geht robert kurtis der sich keinen augenblick der ruhe gönnt selbst an eine untersuchung des kielraumes bei der der zimmermann und der hochbootsmann ihn begleiten auch ich schließe mich jenen an 004748_2620_000049 während einiger stunden zeigen sich die seebrassen wieder längs des flosses und wieder erlangt man eine große anzahl derselben man schichtet sie in ein leeres fass ein und dieser zuwachs an nahrungsmitteln lässt uns hoffen dass wir wenigstens vom hunger verschont bleiben werden 004748_2620_000050 um ein uhr morgens zeigt uns ein greller blitz dem nach wenigen sekunden ein prasselnder donnerschlag folgt dass das gewitter nun über uns ist der horizont verschwindet plötzlich vor einem dichten dunste der sich massenhaft auf das floß niederzusenken scheint 004748_2620_000051 neben mrs kear und ms herbey befinden sich die herren letourneur alle auf der in ihrem größten durchmesser höchstens zwölf fuß messenden plattform enge aneinander gedrückt 004748_2620_000052 schiffe dich ein alter ruft ihm der kapitän zu geht das schiff schon unter fragt der starrkopf mit der größten gleichgültigkeit es sinkt geraden wegs hinab 004748_2620_000053 der atlantische ocean ist aber gerade in diesem teile weit weniger besucht als weiter nördlich oder südlich wir sind zum unglück zwischen die schiffswege nach den antillen und die nach brasilien mitten hinein geworfen worden welche die transatlantischen englischen oder französischen steamer einhalten 004748_2620_000054 ohne zweifel betrachten sie diese streiflichter wie sie wegen ihrer fortwährenden ortsveränderung nicht selten genannt werden als vorboten eines elementaren kampfes nicht ohne eine gewisse unruhe 004748_2620_000055 es ist das ein in den annalen der seefahrten zu bekanntes faktum als dass es mir gerade jetzt nicht wieder in den sinn kommen sollte 004748_2620_000056 wenn ich offen sein soll miss so hat mich niemals eines künstlers stimme so ergriffen als diese große unvergleichliche stimme der natur ja ein tiefer bass sage ich lächelnd 004748_2620_000057 unter den leuten ist einer von sehr widerspenstigem sinne ein anführer von dem ich schon gesprochen habe der matrose owen 004748_2620_000058 der bootsmann wirft daoulas eine leine zu und das floß wird noch einmal an die mastseile des großmastes angebunden jetzt ist kein augenblick zu verlieren denn ein furchtbarer wirbel entsteht rings um den gesunkenen schiffsrumpf aus dem starke luftblasen in großer menge aufsteigen 004748_2620_000059 noch einen augenblick verweilt robert kurtis auf dem mastkorbe wirft einen blick ringsum und verlässt als der letzte sein fahrzeug es ist die höchste zeit die taue werden gekappt und langsam treibt das floß ab 004748_2620_000060 er hat eine scharfe nase weit abstehende ohren und seine stirn ist durch häßliche falten tief gefurcht dieser verläßt zuerst seinen posten 004748_2620_000061 der erste tag hat sich durch kein besonderes ereignis ausgezeichnet heute hat der kapitän robert kurtis uns alle passagiere und matrosen versammelt 004748_2620_000062 mrs kear vernunft beizubringen ist freilich unmöglich gewesen sie verbleibt auf dem oberdeck und läuft gefahr von den wellen weggespült zu werden wenn der wind noch mehr auffrischt auch miss herbey hält bei ihr aus da sie jene nicht verlassen will 004748_2620_000063 bei den langen wellenbergen welche sich zu erheben anfangen können sich die seeleute aber nicht mehr täuschen für sie ist das meer dabei sich zu machen und in der ferne wird jetzt schon ein sturm ausgebrochen sein dessen rückwirkung es empfindet 004748_2620_000064 das kann ich nicht wissen erwidert er mit dem ruhigsten tone denn das hängt ganz von dem zustande des meeres ab gewiss ist für jetzt nur dass das schiff sich im gleichgewicht befindet leider können sich diese verhältnisse aber in jeder minute verschlimmern 004748_2620_000065 das sind die maßregeln welche wir verabredet haben und strengstens einzuhalten übereingekommen sind nur dadurch dürfen wir hoffen einer hungersnot vorzubeugen 004748_2620_000066 jeden morgen um zehn uhr findet durch den bootsmann die verteilung der lebensmittel statt jeder empfängt dann die ihm auf den tag zukommende ration die er verzehren kann wann es ihm beliebt 004748_2620_000067 und es scheint mir unmöglich dass das gewitter nicht in kürzester zeit mit voller wut ausbrechen sollte robert kurtis und der hochbootsmann sind der nämlichen ansicht letzteren leitet nur sein unfehlbarer seemännischer instinkt 004748_2620_000068 am zweiten und dritten dezember noch vierundzwanzig stunden lang kämpfen wir mit aller macht und verhindern ein steigen des wasserniveaus im innern des raumes 004748_2620_000069 bis jetzt hat sich die ganze in den lüften angesammelte elektrizität geräuschlos entladen da die luft aber sehr trocken und in folge dessen ein sehr schlechter leiter ist so kann sie zuletzt doch nur in furchtbaren schlägen zur ausgleichung kommen 004748_2620_000070 alles was ich ihnen sagen kann ist dass wenn unter hundert chancen neunundneunzig gegen uns sind doch die hundertste uns gehört 004748_2620_000071 zum fangen des regens werden zwei leere behälter aufgestellt und nach der anderen seite beeilen sich die matrosen geeignete angelgerätschaften herzustellen 004748_2620_000072 man zieht robert kurtis wieder heran der selbst bei dem wildbewegten wasser nicht ohne verletzung an bord gelangt inzwischen mühen sich daoulas und seine leute mittels balken die sie als ruder gebrauchen ab dem schiffe wieder nahe zu kommen doch erst nach einer stunde 004748_2620_000073 das große topsegel ist für denselben bestimmt und treibt uns vielleicht nach der küste wer weiß ob dieser gebrechliche bretterhaufen der nicht wohl untersinken kann nicht zu stande bringen wird was dem chancellor nicht gelingen sollte 004748_2620_000074 bei der entschiedenen stimme ihres kapitäns gewinnt die mannschaft wieder einige besinnung und trotz der bösen absicht einiger unter ihnen begiebt sich jeder wieder auf den ihm angewiesenen platz 004748_2620_000075 das ist zwar wenig doch kann die ration nicht verstärkt werden denn fünfzehn magen verzehren bei diesen verhältnissen des konsums fünf pfund täglich oder in vier monaten sechshundert pfund 004748_2620_000076 der punkt unserer lage ist nach seiner beobachtung fünfzehn grad sieben minuten nördlicher breite neunundvierzig grad fünfundvierzig minuten westlicher länge von greenwich 004748_2620_000077 auf den befehl robert kurtis an die pumpen zurückzukehren antwortet owen mit einem trotzigen nein der kapitän wiederholt seinen befehl 004748_2620_000078 sie wollen die taue zerschneiden und die untermasten ins wasser stürzen um sofort ein neues floß daraus herzurichten aber robert kurtis mischt sich ein 004748_2620_000079 nun wir sind bereit es zu empfangen keiner von uns denkt nur entfernt daran zu schlafen niemand würde es auch im stande sein denn die schwüle luft ist zum ersticken 004748_2620_000080 doch das floß liegt bereit und ist mit allem beladen was zu retten war am vorderteile desselben ist eine öffnung ausgespart welche einen mast aufnehmen soll den strickleitern von den seiten der plattform halten werden 004748_2620_000081 fürchten sie sich vor dem gewitter miss herbey fragt andre letourneur das junge mädchen nein mein herr antwortet miss herbey das gefühl in meinem inneren möchte ich lieber das der ehrfurcht nennen 004748_2620_000082 durch eintragung auf die kurskarte ergibt es sich dass wir uns gegen sechshundertundfünfzig meilen nordöstlich von paramaibo das heißt dem nächsten teile des amerikanischen kontinents der wie erwähnt zum gebiete von holländisch-guayana gehört befinden 004748_2620_000083 dies sind gegen sechshundert liter geschätzt werden und man ist dahin übereingekommen jedem täglich eine pinte dies ist sechsundfünfzig zentiliter zu verabreichen wobei wir auch drei monate ausreichen werden 004748_2620_000084 da lässt sich die stimme eines matrosen vernehmen da wälzt er sich heran der sturm der sturm ende von kapitel vierunddreißig diese aufnahme ist gemeinfrei 004748_2620_000085 währenddem befestigen der hochbootsmann und die matrosen das kleine topsegel an der stenge welche zu diesem zwecke aufbewahrt worden ist um neuneinhalb uhr wird der mast aufgerichtet dem zwei von den seiten der plattform aufsteigende strickleitern noch mehr stabilität verleihen 004748_2620_000086 diesen günstigen umstand darf man sich nicht entgehen lassen um sich der küste amerikas so weit als möglich zu nähern sofort geht der zimmermann daoulas daran den mast in der öffnung des vorderteils aufzurichten den er durch zwei spieren sorgsam stützt 004748_2620_000087 treibt unsere einzige rettende planke mit der strömung fort zwei seeleute und ein schiffsjunge verlieren den kopf stürzen sich in das meer aber sie kämpfen vergebens gegen den seegang 004748_2620_000088 das segel wird gehisst und unser floß bewegt sich mit dem winde im rücken merkbar fort nach beendigung dieser arbeit versucht der zimmermann auch ein steuerruder herzustellen um mit dessen hilfe das floß in der gewünschten richtung zu erhalten 004748_2620_000089 der abend ist gekommen doch ohne die gewöhnliche frische gewöhnlich sind nämlich die nächte in den tropen kühl die heutige droht aber erstickend zu werden und schwere dunstmassen steigen langsam aus den fluten um ein uhr dreißig minuten früh wird neumond sein 004748_2620_000090 wenn ein anderes schiff in sehweite vorüber käme würde er nicht zögern notsignale zu geben seine passagiere selbst die mannschaften auszuschiffen und allein an bord zurückzubleiben bis zum versinken des chancellor unter seinen füßen 004748_2620_000091 wir kennen alle genug beispiele welche uns die peinlichste vorsicht geraten erscheinen lassen und wenn wir wirklich den becher des unglücks bis zum letzten tropfen leeren sollen so wird es uns beruhigen getan zu haben was in unseren kräften stand 004748_2620_000092 die hoffnung wurzelt doch so fest im menschenherzen dass ich sie auch jetzt noch sich in mir regen fühle es ist sieben uhr morgens und wir sind eben im begriff uns einzuschiffen als das schiff plötzlich so schnell versinkt 004748_2620_000093 es liegt auf der hand dass sie das floß nicht erreichen noch an bord zurückgelangen werden denn wind und wellen haben sie gegen sich robert kurtis schlingt sich einen strick um den leib und versucht ihnen zu hilfe zu eilen vergeblich 004748_2620_000094 mir scheint antworte ich aufmerksam lauschend als hörte ich jenes fortwährende rollen von dem sie sprechen ich auch sagt robert kurtis jetzt ist das aber das erste grollen des gewitters das binnen zwei stunden in größter heftigkeit wüten wird 004748_2620_000095 dann blicke ich mich um die nacht ist hell genug um erkennen zu können was ringsum vorgeht robert kurtis ist auf seinen posten zurückgekehrt und steht auf dem oberdeck 004748_2620_000096 robert kurtis und der ingenieur falsten gehen ihm dabei mit rat und tat zur hand und nach zwei stunden arbeit ist an dem hinterteile eine art bootsriemen angebracht ähnlich denen wie sie an den malayischen dschonken gebräuchlich sind 004748_2620_000097 einige fässer welche nach dem sinken zwischen den masten schwimmen hat man rechtzeitig aufgefischt und an den stagen sicher befestigt es sind das behälter mit konserven und zwieback so wie einige fässer trinkwasser 004748_2620_000098 kann das ohr ein majestätischeres geräusch hören und was ist dagegen die trockene kurze stimme unserer geschütze der donner ergreift die ganze seele er ist weniger ein geräusch als ein ton der an und abschwillt wie die getragene note eines sängers und 004748_2620_000099 eine stunde die uns eine ewigkeit scheint und während der das wasser bis zu den mastkörben steigt gelingt es das floß welches sich auf zwei kabellängen von uns entfernt hatte neben den chancellor zu legen 004748_2620_000100 andre letourneur ist nach dem mastkorbe des großmastes geklettert mit hilfe seines vaters der ihm den fuß stufe für stufe heben musste und trotz des rollens ist er ohne unfall hinauf gekommen 004748_2620_000101 robert kurtis erste sorge nach dem aufhören des sinkens war es alle segel abnehmen und alle stengen und die obermaste herabsenken zu lassen 004748_2620_000102 leitet man sie bis zu der stelle des früheren lecks und versucht den ganzen teil des chancellor vollkommen einzuhüllen von jetzt ab wirken die pumpen etwas bemerkbarer und wir gehen mit neuem mute an die arbeit 004748_2620_000103 hierdurch hofft er das kentern des chancellor zu verhindern kann er aber nicht jeden augenblick ganz untergehen ich begebe mich zu robert kurtis und richte diese frage an denselben 004748_2620_000104 das himmelsgewölbe erscheint wie gepolstert mit diesen wolken deren elastizität den schall der elektrischen entladungen erstickt noch ist das meer ruhig schwer fast stagnierend geblieben 004748_2620_000105 fünf oder sechs kameraden folgen seinem beispiele unter ihnen bemerke ich den koch jynxtrop ebenfalls ein verdächtiges subjekt 004748_2620_000106 länger als zwanzig tage hat dieses schiff halb im wasser sich schwebend erhalten passagiere und mannschaften waren in die takelage geflüchtet und als man endlich ans land trieb wurden alle die nicht den strapazen und dem hunger erlegen waren glücklich gerettet 004748_2620_000107 in kürzester zeit sind wir alle eingeschifft alle bis auf den kapitän robert kurtis und den alten matrosen o'ready robert kurtis steht noch auf dem mastkorbe des großmastes und will sein schiff nicht eher verlassen als bis es in den abgrund versinkt 004748_2620_000108 unser aller augen sind nach der stelle gerichtet an der das schiff untergeht erst verschwindet die spitze des besanmastes dann die des großmastes und nun ist nichts mehr sichtbar von dem schönen schiffe das vorher der chancellor hieß 004748_2620_000109 um acht ein halb uhr morgens ergibt die messung einen noch weiteren zuwachs des wassers im raume schon bemächtigt sich die verzweiflung einiger der matrosen robert kurtis treibt sie an weiter zu arbeiten sie verweigern es 004748_2620_000110 kapitän kurtis hat uns das alles vorgestellt und wir haben die lebensvorschriften strengstens festgesetzt für alle ohne unterschied werden die rationen so bemessen dass hunger und durst wenigstens halb gestillt werden 004748_2620_000111 er mag vierzig jahre alt sein sein gesicht endet mit einem rötlichen spitzbarte am kinne während die wangen haarlos sind seine mundwinkel verlaufen nach unten und seine fahlen augen zeichnen sich durch einen roten punkt an der verbindungsstelle mit den lidern aus 004748_2620_000112 es ist nicht zu vergessen dass es noch zwei möglichkeiten gibt die unsere portionen vermehren könnten den regen der uns wasser liefern würde und den fischfang der uns mit fischen versorgen könnte 004748_2620_000113 wenn wir nur mittelmäßiges glück haben dürfen wir doch nicht selbst bei constanter hilfe der passatwinde darauf rechnen mehr als zehn bis zwölf meilen täglich zurückzulegen da ein so unvollkommener apparat wie ein floß den wind nicht vortheilhaft auszunutzen vermag 004748_2620_000114 der entsetzliche wind kann nicht mehr fern sein und ein schiff würde man aus vorsicht schon jetzt ihm gerade entgegenstellen aber mit dem floße ist nicht zu manövrieren ihm bleibt nichts übrig als vor dem unwetter her zu fliehen 004748_2620_000115 unnützes suchen das floß ist längst außer sehweite soll man die jolle bemannen und dasselbe aufzusuchen ausfahren auch das ist unmöglich denn die see geht so hohl dass das kleine fahrzeug ihr nicht zu widerstehen vermag 004748_2620_000116 kapitel vierunddreißig von der chancellor gelesen für librivox punkt org von dirk eichhorn am einundzwanzigsten dezember jener zwischenfall hat wenigstens bis heute weitere folgen noch nicht gehabt 004911_3957_000000 nein nein ich schäme mich laß mich an deinem busen mein gesicht verbergen er sinkt ins gras nieder und zieht sie nach 004911_3957_000001 dies übel war ein höcker von ganz besonders hässlicher form und starker ausdehnung derselbe magier der der prinzessin seinen rat erteilt hatte auch dem prinzen ein heilmittel vorgeschlagen er solle sich nämlich den höcker von einem mädchen küssen lassen das noch nie von einem manne geküsst worden 004911_3957_000002 es kam lange zeit niemand weil man nicht wusste was die prinzessin eigentlich geküsst haben wollte nun traf es sich dass in der nähe des königreiches ein fremder prinz lebte der herangereift gekommen war weil man ihm gesagt er würde hierselbst von einem hässlichen übel das ihm anhaftete geheilt werden 004911_3957_000003 ah monstre ich werde meine leute rufen es ist niemand da und rotkäppchen ist noch fünfzig schritt vom haus entfernt ungeheuer zittere vor meinem fluch madame brille und schlüsselbund herunter ihr letzter augenblick ist gekommen 004911_3957_000004 der prinz erschien deshalb alle morgen bei sonnenaufgang auf der warte des turmes den er bewohnte und rief mit lauter stimme ins land hinein welches mädchen kommt und küsst mir meinen und weil er sich ebenfalls schämte seine missgestalt so laut zu bekennen setzte er ganz leise hinzu höcker 004911_3957_000005 aber wenn du mir davonläufst und vielleicht gar den küchenschrankschlüssel mitnimmst so gib acht welch ein unglück dir geschieht ich habe lange beine und hole dich rasch wieder ein ei es fällt mir nicht ein wegzulaufen ihr seid ein hübscher mann ich bleibe gerne bei euch entgegnete kinkerlinchen ganz dreist 004911_3957_000006 so erblickte sie eine seltsame und unverhoffte verwandlung der widrige wurm in ihren armen ward in einen wunderschönen jungen mann verkehrt der zu ihren füßen sank und ausrief 004911_3957_000007 ich glaube nicht gnädiger herr er hat kaum platz für mich lass uns den versuch machen es geht wahrlich nicht ich werde fallen ei mein kind sagte der kavalier lächelnd wobei er die schönsten zähne zeigte die man sehen kann 004911_3957_000008 siehst du jenen blauen wald ganz in der ferne dort wohnt die nichte des ogers eine höchst boshafte fee die frau kiribi heißt und die gewohnheit hat ihre kammermädchen am spieße und bei langsamem feuer zu braten 004911_3957_000009 kackerlitzchen nahm die gaben und ging nach dreien tagen war er wieder da und bettelte von neuem wo ist dein brot fragte kinkerlinchen ach entgegnete der gefragte 004911_3957_000010 sie suchte nun sogleich den fernen wald auf und langte darin an als eben die abendröte hübsch golden und rot die baumstämme bemalte eine schöne dame in einem kleid von 004911_3957_000011 sie sind nicht so sichtbar allein der busen muss frisch und hübsch sein denn der junge graf reitet heute vorbei und ich will am fenster liegen und ihn heranwinken kinkerlinchen ging zur hofputzmacherin diese war aber nichts geringeres als eine hexe 004911_3957_000012 mit goldenen schnüren und troddeln besetzt saß auf einer rasenbank und hielt eine laute von elfenbein und gold im arme auf der sie holdselige melodien spielte so entzückend schön dass alle vögel im wald herbeigeflattert kamen und zuhorchten die dame spielte und sang immerfort und kümmerte sich um nichts 004911_3957_000013 also du bist endlich mal eine veritable jungfrau die die ich bis jetzt berührte waren eitle betrügerinnen der zauber so lautet der spruch meines geschicks sollte so lange auf mir lasten bis ich eine veritable jungfrau in meine arme schlösse nun ist's geschehen 004911_3957_000014 ich will jetzt meinen weg wieder allein fortsetzen wenn ich dir weh getan hab so tut's mir in der seele leid oh mein himmelchen nein weinen sollen sie nicht wenn ich grob und böse gewesen bin nehmen sie's nicht übel 004911_3957_000015 aber was hast du da an der schulter einen roten fleck ha was ist das du hast doch nicht leichtfertige bekanntschaften gemacht gewiß nicht wie käme ich dazu 004911_3957_000016 um dieselbe zeit als der junge mann dieses selbstgespräch führte kam des tores hineingewandert kinkerlinchen die von dem prinzen gehört hatte der ebenfalls geküsst sein wollte und der dafür ebenfalls seine hand und sein königreich zugesagt hatte dieses beides wollte die junge bäuerin erwerben 004911_3957_000017 der prinz und die prinzessin behielten jener seinen höcker diese ihre warze endlich fand sich ein mädchen das hatte noch keinen mann geküßt obgleich es schon siebzehn jahre zählte das mädchen war eine bäuerin und hieß 004911_3957_000018 bewahre die wohnt nicht hier da müsst ihr noch zwölf tage und zwölf nächte gehen weit ins gebirge hinein da findet ihr sie so weit kann ich nicht mehr fort sagte die alte und fiel zusammen am wege und starb 004911_3957_000019 nun wohnte in diesem walde ein mächtiger zauberer der den jungen mädchen nachstellte sich manchmal in einen wolf oder gar in einen bären verwandelte um den armen kindern schrecken einzuflößen 004911_3957_000020 ha der schändliche rief kinkerlinchen in eine flut von tränen ausbrechend so hat er mich also doch wieder verraten oh wie abscheulich so will ich denn nicht länger leben und ohne sich zu besinnen warf sie sich dem drachen in die arme allein kaum hatte die hässliche schnauze des untiers ihre zarten lippen berührt 004911_3957_000021 da antwortete kinkerlinchen nicht weiter sondern warf die türe zu und ihre diener kamen und trieben den unverschämten bettler aus dem hofe heraus am andern morgen lag kackerlitzchen verhungert im schlossgraben kinkerlinchen jedoch war mit ihrem mann glücklich bis an ihr lebensende 004911_3957_000022 kinkerlinchen brachte einen sehr schönen busen mit und frau kiribi legte ihn sich kaltblütig an ohne auch nur mit einem worte zu fragen was aus der ehemaligen trägerin desselben geworden war 004911_3957_000023 als diese den prinzen glücklich von seinem höcker befreit hatte sagte sie herr prinz ich hab schon einen schatz es tut mir leid ich kann die ihrige nicht werden und somit ließ sie den prinzen und das königreich im stich 004911_3957_000024 wer ist die bauerndirne dort unten fragte die königin wie kann ich das wissen entgegnete kackerlitzchen soll ich etwa jede gemeine hergelaufene dirne kennen 004911_3957_000025 wenn es eine gibt die mich über den verlust meines teuren kinkerlinchens trösten kann so ist's diese die prinzessin weinte als sie diese worte hörte und sagte so soll ich denn doch noch glücklich werden wie werden sich meine eltern freuen die weit über meer und land hinaus wohnen und mich schon längst als tot beweinten 004911_3957_000026 und als das ängstliche kinkerlinchen nicht wusste was sie noch ferner ausziehen sollte rief frau kiribi dumme kröte man sieht dass sie ein landmensch ist hier die nadeln zieh sie heraus nun rasch wird's bald 004911_3957_000027 kennst du mich wohl fragte kinkerlinchen ach mein gott schrie kackerlitzchen du bist kinkerlinchen an der ich so großes unrecht verübt ja zum dank für meine treue rief sie es soll nicht wieder geschehen 004911_3957_000028 so wie diese ausgezogen waren fielen der busen die hüften die wangen die schenkel die waden der bauch die schultern herab und lagen auf dem boden und frau kiribi stand als ein scheußliches knochengerippe vor dem erschreckten mädchen 004911_3957_000029 sogleich ward ein geschickter arzt geholt der auch etwas von der zauberei verstand der öffnete dem wolf den magen und brachte glücklich die großmutter und rotkäppchen lebend aus demselben hervor 004911_3957_000030 als sie ihn näher betrachtete erkannte sie kackerlitzchen der sein königreich verloren hatte der von seinem volke und seiner frau verjagt worden war und der jetzt auf der landstraße betteln ging 004911_3957_000031 sie kam ihm dicht auf dem fuße nach der junge förster rotkäppchens bräutigam sah den wolf schleichen legte auf ihn an tötete ihn und sah noch einen zipfel von rotkäppchens halstuch aus seinem maule hängen 004911_3957_000032 ganz gut ganz gut rief er so soll es sein aber es wurde nicht so die treulosigkeit der männer schafft so manches herzeleid als kackerlitzchen die prinzessin geküsst hatte fand er sie so wunder schön dass er mit freuden ihre hand annahm und das königreich und dabei das arme kinkerlinchen ganz vergaß 004911_3957_000033 du weißt wir haben des vaters feine wäsche zu plätten er will heut zum pfarrer gehen um über deine noch bevorstehende verlobung mit dem jungen förstergehilfen zu sprechen das junge mädchen wurde rot als es diese worte hörte allein gehorsam ihrer mutter sagte sie nichts sondern glättete ihr haar 004911_3957_000034 übrigens herrschte ein sehr übler duft nach blut und moder in dem toilettenzimmer und kinkerlinchen die sich im dunkeln nicht umzusehen wagte machte dass sie baldigst wieder hinauskam 004911_3957_000035 in dieser zeit ein drache sein hat gar sein angenehmes man führt so in den tag hinein ein leben ein bequemes wie andre austern und kaviar verspeist ein braver drache sein jungfräulein in jedem jahr das ist so unsre sache guten abend meine herren sagte kinkerlinchen mit einem knicks 004911_3957_000036 ei wo werde ich entgegnete sie bedenke doch dass ich noch nie geküsst habe und dass ich wenn ich nun küsse die gabe verliere den prinzen zu heilen es ist wahr sagte kackerlitzchen daran dachte ich in diesem augenblicke nicht 004911_3957_000037 wer war glücklicher als der förster und die beiden geretteten der wolf aber blieb tot und der wald und die umgegend waren somit von dem boshaften zauberer befreit 004911_3957_000038 siehst du wohl rief kinkerlinchen wir weiber sind immer gescheiter wie ihr aber ich will dir einen vorschlag machen wenn ich den prinzen geheilt und das königreich in empfang genommen haben werde so sage ich ehrenwerte durchlaucht ich mag sie nicht und nehme mein königreich und heirate dich 004911_3957_000039 oh gnädige frau ich habe wahrlich nicht verstanden was sie sangen gleichviel du bleibst dies sagte frau kiribi mit einem solchen tone und mit einem so scharfen befehlenden blicke dass das arme kinkerlinchen nicht zu widersprechen wagte sie blieb also bei der nichte des ogers 004911_3957_000040 nein gnädigster herr und ich hab auch kein verlangen ihn zu sehen es soll ein großer zottiger riese sein mit den zähnen eines ebers und den klauen eines bären reizende unschuld was sagten sie 004911_3957_000041 ich will dir das tuch etwas freier knüpfen sie lassen sie die flasche wein nicht fallen nein ich will sie auf den boden setzen während ich dein tuch losknüpfe siehst du nun merkst du wie du jetzt freier atmest 004911_3957_000042 denn eh mein kammermädchen ausplaudert meine kunst habe ich sie schon am fädchen sie büßt in feuersbrunst aber ich werde dich doch verraten schändliche hexe 004911_3957_000043 kackerlitzchen und kinkerlinchen machten miteinander bekanntschaft und teilten sich gegenseitig ihre pläne mit aus freude hierüber rief kackerlitzchen gib mir geschwind einen kuss hübsches mädchen 004911_3957_000044 wozu brauche ich in die stadt zu gehen ich nehme dich du bist mir ganz recht rief frau kiribi übrigens hast du mich singen gehört und wer mich einmal singen gehört hat der muss bei mir bleiben 004911_3957_000045 kinkerlinchen hörte nicht was er sprach sie war in die kammer nebenbei geschlüpft und befreite hier die prinzessin aus einem käfig in welchem diese arme unglückliche die stündlich ihren tod erwartete steckte beide liefen nun in den wald hinein 004911_3957_000046 als bestes mittel das geheimnis zu wahren auf mein wort tut sich erweisen die geliebte sofort aufzuspeisen der zauberer schlich sich jetzt als wolf aus der hütte er gedachte seinen palast rasch zu erreichen allein die strafe für seine untaten war noch rascher 004911_3957_000047 wie ihre gebieterin und zwar gab sie sich nur damit ab junge hübsche mädchen in ihre höhle zu locken sie zu töten und ihnen vorsichtig die schönen glieder abzulösen die sie dann für schweres geld der frau kiribi verkaufte 004911_3957_000048 nichts nichts nichts ich möchte an deiner brust in wonne vergehen oh welch ein augenblick küsse mich küsse mich meine lippen lechzen sich mit den deinigen zu vereinen mich ergreift eine wahre wut ach eine ameise eine ameise 004911_3957_000049 ich kenne die ehrwürdige alte dame sehr gut ich habe ihr mein gesangbuch geliehen wie sie das letzte mal in die kirche ging ach mein herr das ist unmöglich die großmutter geht nie aus sie ist schon seit drei jahren gelähmt 004911_3957_000050 ich hab in papieren spekuliert und mir ein ganz artiges vermögen erworden das sollen sie haben es liegt dort in der kommode mit den messingbeschlägen könnte ich nur aus der hütte entrinnen oder käme wenigstens das verwünschte mädchen mir zu hilfe 004911_3957_000051 und damit nahm der böse zauberer das arme kind warf sie zu sich ins bette und draußen säuselten die waldbäume und die vögel sangen die vögel sangen und die 004911_3957_000052 da erhob kinkerlinchen ihre stimme und rief unter tränen o du erzböser bin ich eine hergelaufene dirne ich hätte eine königin sein können so gut wie du ein könig allein ich habe nicht gewollt sondern aus liebe zu dir und um mein versprechen nicht zu brechen bin ich ledig geblieben dies ist mein dank 004911_3957_000053 sie ging und ging bald in diesen hohlweg bald in jene kluft bald in diese höhle bald in jene vertiefung und immer fand sie den nicht den sie suchte endlich an einem abende als sie schon wieder heimkehren wollte hörte sie etwas rascheln und sah aus einem felsenspalt einen greulichen kopf hervorgucken 004911_3957_000054 sie hat schon auf diese weise siebentausendundsechzig kammermädchen umgebracht es will niemand mehr zu ihr in den dienst sag ihr ich wüsste ein allerliebstes und sehr geschicktes kammermädchen für sie sie sollte nur kommen und es sich holen 004911_3957_000055 nein ich will deinen tod nicht antwortete sie hier hast du ein brot einen hering und eine kleine korbflasche dieses brot wird nie zu ende gehen solange du keine lüge über deine lippen bringst 004911_3957_000056 der könig hatte nämlich in der bekanntmachung dem der seine tochter heilen würde die hand derselben und die thronfolge im reiche versprochen er fragte den wirt des gasthofes in welchem er abgestiegen war sagt mir lieber mann was will denn die prinzessin geküsst haben 004911_3957_000057 denn dachte er wenn der riese die sieht so fragt er nach keiner andern speise und nimmt zuerst sie das gute kind hatte aber kein arg und ging gleich am nächsten tage ins gebirge hinaus 004911_3957_000058 ach das würde sich schlecht schicken zudem bin ich verlobt mein herr und darf außer meinem vater keinen anderen mann küssen als meinen bräutigam aber den wirst du küssen gewiss wenn er es verlangt 004911_3957_000059 indem trat rotkäppchen ein schönen guten tag großmama bonjour ma petite küss mir die hand was sangst du denn für ein lied großmama als ich hereintrat hm es wird wohl ein lied aus dem gesangbuch gewesen sein 004911_3957_000060 die frauen und mädchen hörten wohl diese aufforderung da sie aber den prinzen für einen argen schalk hielten und nicht wussten was er geküsst haben wollte etwa die nasenspitze oder das linke ohrläppchen so wandten sie sich unwillig weg und gingen von dannen 004911_3957_000061 der drache lebte als alter junggeselle ganz angenehm in seiner höhle und hatte eben einen besuch von einem andern drachen einem jugendkameraden und beide saßen vor der höhle und spielten tricktrack die alten knaben amüsierten sich vortrefflich sie sangen 004911_3957_000062 ach tu nur nicht so wie pflegt denn ein junges mädchen zu dergleichen zu kommen man geht durch den wald der weg ist einsam da kommt ein junger herr nimmt uns beim kopf küsst uns wirft uns nieder siehst du so 004911_3957_000063 und endlich fand sich auch ein junger schneidergeselle ein blasses feines männchen von noch nicht achtzehn jahren das hatte bis jetzt immer emsig in seinem dachkämmerlein geschneidert und war keinem manne noch weniger einem weibe jemals nahe gekommen 004911_3957_000064 kinkerlinchen nahm vom boden die zerstreuten glieder schaudernd zusammen und trug sie ins kabinett und legte sie dort an das offene fenster an die frische nachtkühle 004911_3957_000065 sie wendete sich zu ihr um und rief nun faule dirne was zögerst du pack die putzstücke hübsch zusammen und trage sie dort in mein toilettenzimmer morgen lege ich sie wieder an 004911_3957_000066 weil ich deinen spruch vergessen habe du meinst wohl wenn man hungrig und verdrießlich zu bette geht dass man da noch zeit haben soll alberne danksagungen herzustammeln ich habe das beten und danken nie leiden können selbst als ich noch schneidergeselle war und ich sollt jetzt daran gehen da ich geschmeckt habe wie es ist ein könig zu sein 004911_3957_000067 sie springt auf und läuft fort der zauberer ihr nachsehend da eilt sie hin wie ein junges reh so leichtfüßig ein entzückendes geschöpf frisch wie die knospe im tau die darf ich mir nicht entgehen lassen in der hütte der alten großmama wollen wir uns wiedertreffen 004911_3957_000068 dann nimm dich in acht dann ist's zwischen uns aus kinkerlinchen musst du wissen ist ein geduldiges mädchen aber gar zuviel verträgt sie auch nicht mit diesen worten ging sie fort und wanderte mehrere tage bis sie an das meer kam und dann musste sie noch viel fragen ehe man ihr die wohnung des drachen angab 004911_3957_000069 sie sang ich bin frau kiribi ich hab ein schön gefieder sind's gleich gestohlene glieder verraten werd ich nie denn eh mein kammermädchen ausplaudert meine kunst hab ich sie schon am fädchen sie büßt in feuersbrunst 004911_3957_000070 ei wozu viel grübeln ich fress die alte auf als wolf verwandelt kann ich mit dem bissen schon fertig werden und diesen plan eilte er sogleich auszuführen ehe noch rotkäppchen ihm den vorsprung abgewinnen konnte in die hütte der alten trat er ein und sagte 004911_3957_000071 ich will ihnen etwas sagen ich bin eine geborne freiin von mixpickel zufällig hier an einen förster verheiratet der schon längst tot meine verwandten sind sehr mächtig es könnte ihnen schlimm gehen wenn sie mir ein leid antäten das sind himmelblaue lügen und dann will ich ihnen noch etwas sagen 004911_3957_000072 frau kiribi bewohnte einen herrlichen palast wo die schönen herren und ritter aus der umgegend zusammenkamen um sich einen guten tag zu machen und bei der schönen frau der liebe zu pflegen 004911_3957_000073 als frau kiribi vollkommen geschmückt war sah sie wieder wunderlieblich aus so blühend und jugendfrisch die hässlichen blutroten nadeln wurden durch eine große anzahl perlenschnüre verdeckt die darüber hinfielen 004911_3957_000074 und zwar war dies keine gewöhnliche warze sondern vielmehr ein kleines horn das in alle farben spielte und ein höchst widriges ansehen hatte ein berühmter magier der den hof des königs besuchte gab ein mittel an das häßliche gewächs zu beseitigen und das mittel war der kuß eines jungen mannes der noch nie geküßt 004911_3957_000075 als kackerlitzchen kinkerlinchen auch hier wieder frisch und gesund heimkommen sah er hatte gewiss gehofft sie käme nie wieder kam ihm nochmals ein niederträchtiger einfall und er sprach zu dem armen gehorsamen und betrogenen mädchen 004911_3957_000076 man sagt aber dass die jungen mädchen damit nicht zufrieden waren sie hätten es lieber gesehen wenn der zauberer lebend geblieben wäre es gab sogar ein lied unter ihnen das so lautete 004911_3957_000077 willst du also zu ihm gehen und ihn recht schön bitten herzukommen ich will's tun antwortete kinkerlinchen aber höre wenn du mich dann wieder nicht nimmst wie kannst du nur an der redlichkeit deines kackerlitzchen zweifeln fragte der ehemalige schneider empfindlich 004911_3957_000078 ich kann sonst nicht den korb und unter dem andern arm die weinflasche tragen eines von beiden müsste fallen ich werde dir die weinflasche abnehmen aber trinken sie's nicht aus nicht doch ich habe selbst wein im keller 004911_3957_000079 die großmutter wird sagen dass ich mich heute liederlich gekleidet habe lass sie es sagen du bist nie schöner gewesen als grade so oh da ist wieder eine fliege halt sie haben mich in die schultern gebissen pfui gnädiger herr das ist ein hässliches betragen und überhaupt ich bin ihre gehorsame dienerin 004911_3957_000080 ich weiß nicht mein herr wie ich ihre worte deuten soll ich bin eine alte dame die von den renten lebt und sich in der einsamkeit nicht belästigt zu sehen wünscht oh ich will sie nicht weiter belästigen madame ich will sie nur auffressen 004911_3957_000081 und der hering fragte kinkerlinchen den verlor ich am zweiten tage da begegnete mir ein armer handwerksbursche der gab mir weil es gerade heftig regnete seinen mantel und ging selbst unbekleidet weil ich ihm glauben gemacht dass ich krank sei in der nachtherberge da er schlief stahl ich ihm sein kleidungsstück und lief damit davon 004911_3957_000082 kackerlitzchen war höchlich erstaunt als er kinkerlinchen gesund und frisch herankommen sah er dachte geschwind eine neue bosheit aus als er ihren bericht angehört hatte sprach er anscheinend sehr zufrieden es ist gut dass es so gekommen ist der riese ist nun tot und die gegend von ihm befreit 004911_3957_000083 der hering wird so lange ausreichen bis du einmal dem der dir gutes tat böses entgolten hast der wein wird nicht alle werden in dem fläschchen wenn du nicht vergisst alle abende laut herzusagen 004911_3957_000084 am morgen sagte frau kiribi mein busen taugt nicht mehr du musst zu meiner hofputzmacherin und kleiderverfertigerin gehen und mir geschwind einen neuen busen bestellen mit den hüften und den schenkeln glaub ich noch auszulangen 004911_3957_000085 es klang indes ziemlich fremdartig und warum wälzt du dich im bett herum großmama warum warum alberne frage weil ich noch verdammt hitziges geblüt habe hier ist der kuchen den ich dir mitgebracht 004911_3957_000086 wenn sie dann kommt liefere ich ihr meine frau aus und dann wenn meine frau am spieße steckt mach ich hochzeit mit dir bist du das zufrieden ich bin's erwiderte kinkerlinchen ganz erfreut ihren trauten schatz so sprechen zu hören 004911_3957_000087 ja setz ihn vor die tür ich mag keinen so ordinären kuchen wenns nicht pastete ist esse ichs nicht ei großmutter es war doch sonst dein leibgericht den wein gib herz den will ich austrinken was großmama in einem zuge hast du die ganze flasche geleert das ist noch nie da gewesen 004911_3957_000088 flocht sich zierliche zöpfe und setzte dann ein kleines scharlachrotes mützchen auf das sie zu ihrem letztvergangenen fünfzehnten geburtstag erhalten hatte und das ihr allerliebst kleidete 004911_3957_000089 und der wein fragte kinkerlinchen schon ganz erbittert und zornig der wein entgegnete der unverbesserliche wüstling der wein ist heute alle geworden es ist wahrlich kein tropfen mehr in der flasche und warum ist sie leer fragte sie 004911_3957_000090 und frau kiribi zeigte auf kleine rote nadelköpfe die hier und da an der schulter an den hüften und am halse und an den beinen hervorragten kinkerlinchen zog herzhaft an diesen nadelköpfen und zog lange blutrote nadeln hervor 004911_3957_000091 gleichwohl rief kackerlitzchen und wenn sie ein rhinozeros wäre und ich das horn des untiers küssen sollte ich tue es doch denn was tut man nicht um ein königreich zu erwerben 004911_3957_000092 nach drei tagen ließ kackerlitzchen das arme mädchen zu sich kommen und sprach zu ihr im geheim wisse kinkerlinchen dass ich mit meiner gemahlin der königin sehr unglücklich bin und dass ich gar gern wünsche sie wieder los zu sein 004911_3957_000093 wenn's mit dem riesen und frau kiribi nichts ist so gibt's doch noch ein drittes mittel wie ich von meiner frau loskomme um dann dich zu heiraten am meeresstrande in einer höhle wohnt ein drache der liebt nichts so sehr als von jungfrauen sich zu nähren 004911_3957_000094 es ist das knie einer prinzessin wir wollen aufstehen mein herr ich glaub es gibt an dieser stelle ameisen wie kämen die hierher oh sehr natürlich der böse zauberer der diesen wald bewohnt sendet sie aus hast du diesen zauberer schon mal gesehen 004911_3957_000095 ich glaub es wohl du sollst mich nämlich nicht wieder in die falle bekommen kinkerlinchen kinkerlinchen willst du mich umbringen lassen verdient hab ich's 004911_3957_000096 der zauberer sprang aber hin und schob den riegel vor die tür alsdann verwandelte er sich in einen wolf stürzte auf die alte hin und verschlang sie ha welch ein mord in dem stillen hause von dem schmause triest blutig die zunge da schnell im sprunge rafft alles er fort 004911_3957_000097 meine gemahlin die königin wäre so ein bissen nach seinem geschmack aber sie wird sich wohl hüten mir ins gebirge zu folgen du musst nun zum riesen hingehen und ihn schönstens bitten mir einen besuch inkognito abzustatten das heißt es muss niemand wie ich wissen dass er kommt auch muss er eine recht dunkle nacht zu seinem besuche wählen 004911_3957_000098 und sie wollten sie mit dem mund wegfangen ist das die manier wie man fliegen fängt es ist meine manier wie du hübsch rot geworden bist ich dachte landmädchen erröten nie 004911_3957_000099 die hochzeit wurde gefeiert und kinkerlinchen wurde nun königin eines tages kam ein bettler vor ihre tür und bat kläglich um ein almosen 004911_3957_000100 herr kackerlitzchen schickt mich hub das arme mädchen wieder an ach herr kackerlitzchen schrie der drache freudig so bist du es deren empfang er mir vor wenig stunden durch einen reitenden boten hat melden lassen 004911_3957_000101 in diesem augenblick hörte man rotkäppchens stimme draußen rufen großmama großmama da ist sie rief die alte dame erfreut 004911_3957_000102 und zog kackerlitzchen nach und war bis in den tod betrübt als sie vernahm dass dieser sein wort gebrochen und treulos an ihr gehandelt eines tages stand sie mitten im regen im schlosshof gerade als die junge königin und ihr gemahl ans fenster herantraten 004911_3957_000103 ah guten morgen mein schönes kind rief er dem mädchen entgegen das von ihrem sitze aufsprang und ihm eine tiefe verbeugung machte wobei es blutrot im gesicht wurde bleib sitzen mein engel rief er vielleicht hat der stein sogar platz für zwei 004911_3957_000104 dieser junge mann hieß kackerlitzchen und befand sich gerade auf der wanderschaft als in dem genannten königreich die bekanntmachung wegen der prinzessin verlesen wurde ei sagte der schneider wenn es weiter nichts ist ein weib hab ich noch nicht geküsst und des königs eidam zu werden das gelüstet mich allerdings 004911_3957_000105 nach der zweiten bösen tat die der zauberer jetzt vollführt hatte nahm er wieder seine wolfsgestalt an und es ist entsetzlich zu sagen verschlang auch das arme rotkäppchen 004911_3957_000106 vortrefflich und ich werde es ebenso mit der prinzessin machen rief der verliebte schneidergeselle so haben wir beide zusammen ein ganzes großes königreich und dazu hast du mich und ich dich 004911_3957_000107 du kannst dir selbst nicht treuer sein als ich es dir bin nun gut sagte sie ich glaube dir nochmals aber wenn du mich zum dritten mal in die gefahr schickst ohne dass ich merke dass ich zum ziele gelange 004911_3957_000108 ich werde dann die königin auf den balkon führen und von da kann er sie sich herablangen ich spreche dann zum volke räuber hätten sie entführt diesen rat gab der böse kackerlitzchen nur um dass er kinkerlinchen loswerde 004911_3957_000109 als das kammermädchen die dame entkleidet hatte und diese nun splitterfaselnackt vor ihr stand rief sie immer noch zornig nun wird's bald kleide mich vollends aus 004911_3957_000110 dies gefiel dem oger und er legte sich schlafen kinkerlinchen bereitete die sauce und als sie fertig war goß sie dieselbe dem schlafenden riesen ins ohr in die augen und in die nasenlöcher 004911_3957_000111 das glaub ich eine alte frau wie ich bin ist auch noch nie dagewesen komm kleine setz dich hier auf den bettrand und nun gib mir einen kuss rotkäppchen aufschreiend großmama du hast einen bart kind kind red nicht so einfältig das ist der schatten den meine nase wirft 004911_3957_000112 kinkerlinchen trat hervor und sagte ach gnädige frau ich wüsste euch ein sehr vortreffliches kammermädchen zu empfehlen die eure gnaden gewiss gut bedienen würde wollt ihr mir folgen dort in der stadt wohnt sie 004911_3957_000113 das bette die stühle den teppich umher von dumpfiger schwüle merkt niemand was mehr gemütlich und rein ist wieder das zimmerlein klein er legt sich selbst wieder zum jungen mann verwandelt mit einem hemde und nachtjäckchen der alten bekleidet und einem häubchen auf dem kopfe ins bette 004911_3957_000114 ja das weiß niemand war die antwort ist sie schön ja das weiß auch niemand man sieht sie nur ganz in der entfernung auf dem balkon erscheinen ihren spruch hersagen und wieder verschwinden 004911_3957_000115 auf diese weise sagte er sehr selbstzufrieden zu sich entgehe ich jeder lästigen untersuchung und mein kleines abenteuer hinterlässt keine spur vornehme herren amüsieren sich gern doch wollen sie nicht dass die leute davon sprechen sie ziehen nicht ans licht ihre kleinen schwächen 004911_3957_000116 und das arme kinkerlinchen lag neben dem scheußlichen skelett das seine dürren knochen an denen keine faser fleisch mehr war eng um den frischen warmen leib schmiegte es war gerade keine angenehme nacht 004911_3957_000117 rief kinkerlinchen in vollem zorn ist's wohl erlaubt auf solche weise das junge volk die hübschen jungen herren zu dutzenden zu betören sie denken sie küssen ein wunder von schönheit und sie pressen einen alten moderbeutel ans herz oh pfui doch 004911_3957_000118 es war aber in der gegend des hofes sehr schwer einen solchen jungen mann zu finden und auf dem lande entdeckte man ihn auch nicht die arme prinzessin stieg alle tage auf den balkon ihres väterlichen schlosses und rief 004911_3957_000119 je näher sie dem walde kam desto schweigsamer wurde sie die hohen fichtenbäume und die weitzweigigen eichen und ahorn verbreiteten einen dunkeln schatten und ließen ein geheimnisvolles rauschen vernehmen am eingang des waldes setzte sie sich auf einen stein und ruhte aus 004911_3957_000120 ich muss dies arme geschöpf das noch obenein eine prinzessin und von wunderbarer schönheit ist befreien hier gilt es mut zu haben sie trat also in die höhle und sagte herr oger ich würde ihnen vorschlagen eine lattichsoßee zu nehmen mit zerriebenen eiern und etwa einem quart provencer öl 006067_4772_000000 lassen sie uns nun in der mitteilung unserer ergebnisse fortfahren in einer anderen reihe von fällen führt die psychoanalytische erforschung die symptome allerdings nicht auf sexuelle sondern auf banale traumatische erlebnisse zurück aber diese unterscheidung wird durch einen anderen umstand bedeutungslos 006067_4772_000001 zeigt uns dass die pathogenen wunschregungen von der natur erotischer triebkomponenten sind und nötigt uns anzunehmen dass störungen der erotik die größte bedeutung unter den zur erkrankung führenden einflüssen zugesprochen werden muss und dies zwar bei beiden geschlechtern ich weiß diese behauptung wird mir nicht gerne geglaubt 006067_4772_000002 die primitive objektwahl des kindes die sich von seiner hilfsbedürftigkeit ableitet fordert unser weiteres interesse heraus sie wendet sich zunächst allen pflegepersonen zu die aber bald hinter den eltern zurücktreten 006067_4772_000003 die ablösung des kindes von den eltern wird so zu einer unentrinnbaren aufgabe wenn die soziale tüchtigkeit des jungen individuums nicht gefährdet werden soll während der zeit da die verdrängung die auslese unter den partialtrieben der sexualität trifft 006067_4772_000004 und später wenn der einfluss der eltern gelockert werden soll der den aufwand für diese verdrängungen im wesentlichen bestritten hat fallen der erziehungsarbeit große aufgaben zu die gegenwärtig gewiss nicht immer in verständnisvoller und einwandfreier weise erledigt werden 006067_4772_000005 welche diese verdrängungen wie wächter unterhalten kommt dann im pubertätsalter die hochflut der sexuellen bedürftigkeit so findet sie an den genannten seelischen reaktions- oder widerstandsbildungen dämme 006067_4772_000006 relatively distinct am meisten aber werden diejenigen von ihnen die an die infantile sexualität nicht glauben wollten überrascht sein zu hören dass unter diesen früh verliebten kindern nicht wenige sich im zarten alter von drei vier und fünf jahren befinden 006067_4772_000007 es ist unvermeidlich und durchaus normal dass das kind die eltern zu objekten seiner ersten liebeswahl mache aber seine libido soll nicht an diese ersten objekte fixiert bleiben sondern sie späterhin bloß zum vorbild nehmen und von ihnen zur zeit der definitiven objektwahl auf fremde personen hinübergleiten 006067_4772_000008 unter dem einfluss der in ihm selbst tätigen partialtriebe gelangt es zu einer anzahl von infantilen sexualtheorien wie dass es beiden geschlechtern das gleiche männliche genitale zuspricht dass es die kinder durch essen empfangen und durch das ende des darmes gebären lässt 006067_4772_000009 wenn die meisten menschen ärztliche beobachter oder andere vom sexualleben des kindes nichts wissen wollen so ist dies nur zu leicht erklärlich sie haben ihre eigene infantile sexualbetätigung unter dem drucke der erziehung zur kultur vergessen und wollen nun an das verdrängte nicht erinnert werden 006067_4772_000010 er dient der gewinnung verschiedener arten von lustempfindung die wir nach analogien und zusammenhängen als sexuallust zusammenfassen die hauptquelle der infantilen sexuallust ist die geeignete erregung bestimmter besonders reizbarer körperstellen 006067_4772_000011 aber sie wirken hier vom unbewussten her sie haben also eine verdrängung erfahren konnten sich aber derselben zum trotze im unbewussten behaupten die psychoanalyse lässt uns erkennen 006067_4772_000012 bis sie durch ihre eigenen analytischen bemühungen genötigt wurden sie zu der ihrigen zu machen die überzeugung von der richtigkeit des in rede stehenden satzes wird durch das benehmen der patienten nicht gerade erleichtert 006067_4772_000013 kehren wir nun nochmals zur sexualentwicklung des kindes zurück wir haben hier manches nachzuholen weil wir unsere aufmerksamkeit mehr den somatischen als den seelischen äußerungen des sexuallebens geschenkt haben 006067_4772_000014 es befinden sich hier unter ihnen einige meiner nächsten freunde und anhänger die die reise nach worcester mit mir gemacht haben fragen sie bei ihnen an und sie werden hören dass sie alle der behauptung von der maßgebenden bedeutung der sexuellen ätiologie zuerst vollen unglauben entgegenbrachten 006067_4772_000015 welche ihr den ablauf in die sogenannten normalen wege vorschreiben und es ihr unmöglich machen die der verdrängung unterlegenen triebe neu zu beleben es sind besonders die koprophilen das heißt die mit den exkrementen zusammenhängenden lustregungen der kindheit welche von der verdrängung am gründlichsten betroffen werden 006067_4772_000016 und ferner die fixierung an die personen der primitiven objektwahl meine herren ein satz der allgemeinen pathologie sagt aus dass jeder entwicklungsvorgang die keime der pathologischen disposition mit sich bringt insofern er gehemmt verzögert werden oder unvollkommen ablaufen kann 006067_4772_000017 gewöhnlich folgt es dabei selbst einer anregung der eltern deren zärtlichkeit die deutlichsten charaktere einer wenn auch in ihren zielen gehemmten sexualbetätigung hat 006067_4772_000018 die ursprüngliche gleichwertigkeit beider geschlechter als sexualobjekte kann sich erhalten und daraus wird sich eine neigung zur homosexuellen betätigung im reifen leben ergeben die sich unter umständen zur ausschließlichen homosexualität steigern kann 006067_4772_000019 die gefühle die in diesen beziehungen zwischen eltern und kindern und in den daran angelehnten zwischen den geschwistern untereinander geweckt werden sind nicht nur positiver zärtlicher sondern auch negativer feindseliger art 006067_4772_000020 der geschlechtsunterschied spielt aber in dieser kindlichen periode noch keine ausschlaggebende rolle sie können so jedem kinde ohne ihm unrecht zu tun ein stück homosexueller begabung zusprechen 006067_4772_000021 sie würden zu anderen überzeugungen gelangen wenn sie die untersuchung mit einer selbstanalyse einer revision und deutung ihrer kindheitserinnerungen beginnen würden lassen sie die zweifel fallen und gehen sie mit mir an eine würdigung der infantilen sexualität von den frühesten jahren an 006067_4772_000022 dasselbe gilt für die so komplizierte entwicklung der sexualfunktion sie wird nicht bei allen individuen glatt durchgemacht und hinterlässt dann entweder abnormitäten oder dispositionen zu späterer erkrankung auf dem wege der rückbildung regression es kann geschehen dass nicht alle partialtriebe sich der herrschaft der genitalzone unterwerfen 006067_4772_000023 dies zerfahrene reichhaltige aber dissoziierte sexualleben des kindes in welchem der einzelne trieb unabhängig von jedem anderen dem lusterwerbe nachgeht erfährt nun eine zusammenfassung und organisation nach zwei hauptrichtungen 006067_4772_000024 ich würde mich nicht wundern wenn sie diesen beobachtungen eines engsten landsmannes eher glauben schenken würden als den meinigen mir selbst ist es vor kurzem geglückt aus der analyse eines fünfjährigen an angst leidenden knaben 006067_4772_000025 ich verzweifle also nicht daran daß sie sich mit der anfänglich befremdlichen idee der infantilen sexualität befreunden werden und möchte ihnen noch das rühmliche beispiel des 006067_4772_000026 es beginnt zu forschen woher die kinder kommen und errät in verwertung der ihm gebotenen anzeichen mehr von den wirklichen verhältnissen als die erwachsenen ahnen können gewöhnlich hat die materielle bedrohung durch ein neu angekommenes kind in dem es zunächst nur den konkurrenten erblickt sein forscherinteresse geweckt 006067_4772_000027 meine damen und herren sie werden nun zu wissen verlangen was wir mit hilfe der beschriebenen technischen mittel über die pathogenen komplexe und verdrängten wunschregungen der neurotiker in erfahrung gebracht haben 006067_4772_000028 und ich darf sie daran erinnern daß mein freund dr c g jung ihnen in diesem saale vor wenigen stunden die beobachtung eines noch jüngeren mädchens vorlas welches aus dem gleichen anlass wie mein patient bei der geburt eines geschwisterchens fast die nämlichen sinnlichen regungen wunsch und komplexbildungen mit sicherheit erraten ließ 006067_4772_000029 diese mächtigen wunschregungen der kindheit dürfen wir aber ganz allgemein als sexuelle bezeichnen jetzt bin ich aber erst recht ihrer verwunderung sicher gibt es denn eine infantile sexualität werden sie fragen 006067_4772_000030 anstatt uns die auskünfte über ihr sexualleben bereitwillig entgegenzubringen suchen sie dieses mit allen mitteln zu verbergen die menschen sind überhaupt nicht aufrichtig in sexuellen dingen 006067_4772_000031 ist das kindesalter nicht vielmehr die lebensperiode die durch das fehlen des sexualtriebs ausgezeichnet ist nein meine herren es ist gewiss nicht so dass der sexualtrieb zur pubertätszeit in die kinder fährt wie im evangelium der teufel in die säue 006067_4772_000032 und die aktive und passive schaulust von welch ersterer später die wissbegierde abzweigt wie von letzterer der drang zur künstlerischen und schauspielerischen schaustellung 006067_4772_000033 period of ever lessons as has been thought er hat wie wir in europa sagen würden im amerikanischen stil gearbeitet nicht weniger als zweitausendfünfhundert positive beobachtungen im laufe von fünfzehn jahren gesammelt darunter achthundert eigene 006067_4772_000034 so wird die verdrängung der entwicklungszeit gerade an jenen stellen unterbrochen wo die infantilen fixierungen stattgefunden haben sie werden jetzt vielleicht den einwand machen aber das ist ja alles nicht sexualität 006067_4772_000035 das ludeln oder wonnesaugen der kleinsten kinder ist ein gutes beispiel einer solchen autoerotischen befriedigung von einer erogenen zone aus der erste wissenschaftliche beobachter dieses phänomens ein kinderarzt namens lindner in budapest hat es bereits richtig als sexualbefriedigung gedeutet 006067_4772_000036 und ihre befriedigung nur noch als vorbereitung und begünstigung des eigentlichen sexualaktes von bedeutung bleibt andererseits drängt die objektwahl den autoerotismus zurück so dass nun im liebesleben alle komponenten des sexualtriebes an der geliebten person befriedigt werden wollen 006067_4772_000037 wir gelangen hier zu dem gleichen ergebnis wie bei der erforschung der träume dass es die unvergänglichen verdrängten wunschregungen der kindheit sind die ihre macht zur symptombildung geliehen haben ohne welche die reaktion auf spätere traumen normal verlaufen wäre 006067_4772_000038 die dessen eigener vater kunstgerecht mit ihm vorgenommen ein ziemlich vollständiges bild der somatischen triebäußerungen und der seelischen produktionen auf einer frühen stufe des kindlichen liebeslebens zu gewinnen 006067_4772_000039 ich zeige ihnen hier die arbeit eines dr sanford bell die neunzehnhundertzwei im american journal of psychology abgedruckt worden ist der autor ist ein fellow der clark university desselben instituts in dessen räumen wir jetzt stehen 006067_4772_000040 und dessen übergang in andere und höhere formen der sexualbetätigung erschöpfend beschrieben eine andere sexualbefriedigung dieser lebenszeit ist die masturbatorische erregung der genitalien die eine so große bedeutung für das spätere leben behält und von vielen individuen überhaupt nie völlig überwunden wird 006067_4772_000041 und dass es den verkehr der geschlechter als einen feindseligen akt eine art von überwältigung erfasst aber gerade die unfertigkeit seiner sexuellen konstitution und die lücke in seinen kenntnissen die durch die latenz des weiblichen geschlechtskanals gegeben ist nötigt den infantilen forscher seine arbeit als erfolglos einzustellen 006067_4772_000042 ich gebrauchte das wort in einem viel weiteren sinne als sie gewohnt sind es zu verstehen das gebe ich ihnen gern zu aber es fragt sich ob nicht vielmehr sie das wort in viel zu engem sinne gebrauchen wenn sie es auf das gebiet der fortpflanzung einschränken 006067_4772_000043 diese reihe von störungen entspricht den direkten entwicklungshemmungen der sexualfunktion sie umfasst die perversionen und den gar nicht seltenen allgemeinen infantilismus des sexuallebens 006067_4772_000044 das kind hat seine sexuellen triebe und betätigungen von anfang an es bringt sie mit auf die welt und aus ihnen geht durch eine bedeutungsvolle an etappen reiche entwicklung die sogenannte normale sexualität des erwachsenen hervor 006067_4772_000045 so dass mit abschluss der pubertätszeit der definitive sexualcharakter des individuums meist fertig ausgebildet ist einerseits unterordnen sich die einzelnen triebe der oberherrschaft der genitalzone wodurch das ganze sexualleben in den dienst der fortpflanzung tritt 006067_4772_000046 noch in den achtzehnhundertfünfundneunzig mit dr j breuer publizierten studien über hysterie stand ich nicht auf diesem standpunkte ich musste mich zu ihm bekehren als meine erfahrungen zahlreicher wurden und tiefer in den gegenstand eindrangen meine herren 006067_4772_000047 meine herren urteilen sie nicht etwa dass wir uns mit diesen erörterungen über das sexualleben und die psychosexuelle entwicklung des kindes allzu weit von der psychoanalyse und von der aufgabe der beseitigung nervöser störungen entfernt haben 006067_4772_000048 neben diesen und anderen autoerotischen betätigungen äußern sich sehr frühzeitig beim kinde jene triebkomponenten der sexuallust oder wie wir gerne sagen der libido die eine fremde person als objekt zur voraussetzung nehmen 006067_4772_000049 wenn ihre patienten aber erst gemerkt haben dass sie sich's in ihrer behandlung behaglich machen dürfen dann legen sie jene lügenhülle ab und dann erst sind sie in der lage sich ein urteil über unsere streitfrage zu bilden 006067_4772_000050 sie zeigen ihre sexualität nicht frei sondern tragen eine dicke oberkleidung aus lügengewebe zu ihrer verhüllung als ob es schlechtes wetter gäbe in der welt der sexualität und sie haben nicht unrecht sonne und wind sind in unserer kulturwelt der sexuellen betätigung wirklich nicht günstig eigentlich kann niemand von uns seine erotik frei den anderen enthüllen 006067_4772_000051 die tatsache dieser kinderforschung selbst sowie die einzelnen durch sie zu tage geförderten infantilen sexualtheorien bleiben von bestimmender bedeutung für die charakterbildung des kindes und den inhalt seiner späteren neurotischen erkrankung 006067_4772_000052 aber nicht alle ursprünglichen triebkomponenten werden zu einem anteil an dieser endgültigen feststellung des sexuallebens zugelassen noch vor der pubertätszeit sind unter dem einfluß der erziehung äußerst energische verdrängungen gewisser triebe durchgesetzt und seelische mächte wie scham ekel moral hergestellt worden 006067_4772_000053 nun ich kann antworten ich weiß nicht warum sie es nicht sollten habe auch nichts dagegen aber die erfahrung zeigt daß sie solche bedeutung nicht haben daß sie höchstens die wirkung der sexuellen momente unterstützen nie aber die letzteren ersetzen können dieser sachverhalt wurde von mir nicht etwa theoretisch postuliert 006067_4772_000054 dass überstarke äußerung dieser triebe in sehr frühen zeiten zu einer art von partieller fixierung führt die nun einen schwachen punkt im gefüge der sexualfunktion darstellt stößt die ausübung der normalen sexualfunktion im reifen leben auf hindernisse 006067_4772_000055 leider sind auch die ärzte in ihrem persönlichen verhältnis zu den fragen des sexuallebens vor anderen menschenkindern nicht bevorzugt und viele von ihnen stehen unter dem banne jener vereinigung von prüderie und lüsternheit welche das verhalten der meisten kulturmenschen in sachen der sexualität beherrscht 006067_4772_000056 dem sich späterhin die inzestschranke abweisend entgegenstellt die hamlet dichtung shakespeares ruht auf demselben boden des besser verhüllten inzestkomplexes um die zeit da das kind von dem noch unverdrängten kernkomplex beherrscht wird setzt ein bedeutungsvolles stück seiner intellektuellen betätigung im dienste der sexualinteressen ein 006067_4772_000057 der sexualtrieb des kindes erweist sich als hoch zusammengesetzt er lässt eine zerlegung in viele komponenten zu die aus verschiedenen quellen stammen er ist vor allem noch unabhängig von der funktion der fortpflanzung in deren dienst er sich später stellen wird 006067_4772_000058 bleuler vorhalten der noch vor wenigen jahren öffentlich äußerte er stehe meinen sexuellen theorien ohne verständnis gegenüber und seither die infantile sexualität in ihrem vollen umfang durch eigene beobachtungen bestätigt hat 006067_4772_000059 einer jeden neurose darstellt und wir sind darauf gefasst ihn auf anderen gebieten des seelenlebens nicht minder wirksam anzutreffen der mythos vom könig ödipus der seinen vater tötet und seine mutter zum weib gewinnt ist eine noch wenig abgeänderte offenbarung des infantilen wunsches 006067_4772_000060 wie immer sie aber über den wortgebrauch entscheiden wollen halten sie daran fest dass der psychoanalytiker die sexualität in jenem vollen sinne erfasst zu dem man durch die würdigung der infantilen sexualität geleitet wird 006067_4772_000061 die beziehung der kinder zu ihren eltern ist wie direkte beobachtung des kindes und spätere analytische erforschung des erwachsenen übereinstimmend dartun keineswegs frei von elementen sexueller miterregung das kind nimmt beide elternteile und einen teil besonders zum objekt seiner erotischen wünsche 006067_4772_000062 die disposition zu den neurosen ist auf andere weise von einer schädigung der sexualentwicklung abzuleiten die neurosen verhalten sich zu den perversionen wie das negativ zum positiv in ihnen sind dieselben triebkomponenten als träger der komplexe und symptombildner nachweisbar wie bei den perversionen 006067_4772_000063 andere sexualbetätigungen des kindes fallen bereits unter den gesichtspunkt der objektwahl bei welcher eine fremde person zur hauptsache wird die ihre bedeutung ursprünglich rücksichten des selbsterhaltungstriebes verdankt 006067_4772_000064 wenn sie wollen können sie die psychoanalytische behandlung nur als eine fortgesetzte erziehung zur überwindung von kindheitsresten beschreiben ende von vierte vorlesung 006067_4772_000065 um erst dort auf die für die spätere erkrankung bestimmenden eindrücke und vorfälle zu stoßen erst die erlebnisse der kindheit geben die erklärung für die empfindlichkeit gegen spätere traumen und nur durch die aufdeckung und bewusstmachung dieser fast regelmäßig vergessenen erinnerungsspuren erwerben wir die macht zur beseitigung der symptome 006067_4772_000066 sie opfern dabei das verständnis der perversionen den zusammenhang zwischen perversion neurose und normalem sexualleben und setzen sich außer stande die leicht zu beobachtenden anfänge des somatischen und seelischen liebeslebens der kinder nach ihrer wahren bedeutung zu erkennen 006067_4772_000067 selbst solche forscher die meinen psychologischen arbeiten bereitwillig folgen sind geneigt zu meinen dass ich den ätiologischen anteil der sexuellen momente überschätze und wenden sich an mich mit der frage warum denn nicht auch andere seelische erregungen zu den beschriebenen phänomenen der verdrängung und ersatzbildung anlass geben sollen 006067_4772_000068 außer den genitalien der mund after und harnröhrenöffnung aber auch der haut und anderer sinnesoberflächen da in dieser ersten phase des kindlichen sexuallebens die befriedigung am eigenen körper gefunden und von einem fremden objekt abgesehen wird 006067_4772_000069 es ist nicht einmal schwer die äußerungen dieser kindlichen sexualbetätigung zu beobachten es gehört vielmehr eine gewisse kunst dazu sie zu übersehen oder wegzudeuten durch die gunst des schicksals bin ich in die lage versetzt einen zeugen für meine behauptungen aus ihrer mitte selbst anzurufen 006067_4772_000070 ein solcher unabhängig gebliebener trieb stellt dann das her was wir eine perversion nennen und was das normale sexualziel durch sein eigenes ersetzen kann es kommt wie bereits erwähnt sehr häufig vor dass der autoerotismus nicht völlig überwunden wird wovon die mannigfaltigsten störungen in der folge zeugnis ablegen 006067_4772_000071 die zur gründlichen aufklärung und endgültigen herstellung eines krankheitsfalles erforderliche analysenarbeit macht nämlich in keinem falle bei den erlebnissen der erkrankungszeit halt sondern sie geht in allen fällen bis in die pubertät und in die frühe kindheit des erkrankten zurück 006067_4772_000072 der so gebildete komplex ist zur baldigen verdrängung bestimmt aber er übt noch vom unbewussten her eine großartige und nachhaltige wirkung aus wir dürfen die vermutung aussprechen dass er mit seinen ausläufern den kernkomplex 006067_4772_000073 heißen wir die phase nach einem von havelock ellis geprägten wort die des autoerotismus jene für die gewinnung von sexueller lust bedeutsamen stellen nennen wir erogene zonen 006067_4772_000074 nun vor allem eines die psychoanalytische forschung führt mit wirklich überraschender regelmäßigkeit die leidenssymptome der kranken auf eindrücke aus ihrem liebesleben zurück 006067_4772_000075 diese triebe treten in gegensatzpaaren auf als aktive und passive ich nenne ihnen als die wichtigsten vertreter dieser gruppe die lust schmerzen zu bereiten sadismus mit ihrem passiven gegenspiel masochismus 006067_5154_000000 niemand der sie beisammen gesehen hätte erraten können dass sie brüder waren so vollständig waren sie in bezug auf den ausdruck und die züge des gesichts voneinander verschieden die bitteren erfahrungen welche der jüngere bruder in seiner jugend gemacht das unstete ausschweifende leben 006067_5154_000001 ja noch mehr man lasse ihn höflich einen jeden dieser vorübergehenden anreden und ihm in den schlichtesten worten und in der verständigsten weise auseinandersetzen dass sein kopf sich ohne hut weit leichter und behaglicher fühlt als mit einem solchen 006067_5154_000002 er verstand die falsche seite jeder beliebigen frage mit einem aufwand von sophistik und sarkasmen zu verteidigen um welche ihn selbst doktor johnson beneidet haben würde er hielt seine bücher bis auf den heller in der strengsten ordnung sein tun und wesen zeigte von früh an bis abends niemals etwas außergewöhnliches 006067_5154_000003 timon von london flüchtete sich vor seinesgleichen in ein vereinzelt stehendes haus in bayswater timon von athen machte seiner misanthropie in prachtvollen versen luft 006067_5154_000004 gleich seinem ältern bruder war er ein langer gutgewachsener mann sein hageres fahles gesicht aber hatte mit dem schönen offenen sonnverbranntem antlitz des kapitäns nicht die mindeste ähnlichkeit 006067_5154_000005 andrew kehrte nachdem ihm auf diese weise das leben schon beim beginn desselben verbittert worden in das haus seines vaters zurück er kehrte zurück um sich vorwürfe über die schulden machen zu lassen die er kontrahiert um einem menschen zu dienen der ihn auf die herzloseste weise gemissbraucht und schamlos betrogen hatte 006067_5154_000006 werden wir dadurch in der regel sehr in erstaunen und schrecken gesetzt nach einigen richtungen hin übersehen und in anderen falsch geleitet versuchten andrews ungeschlachte fähigkeiten zum guten sich in hilfloser weise selbst zu gestalten 006067_5154_000007 da shrowl nicht mit so vielen nachteiligen folgen von bildung und erziehung zu kämpfen hatte wie sein herr so gewann er bei diesen wettkämpfen gewöhnlich den sieg überhaupt war er obschon dem namen nach der diener doch eigentlich der herrschende geist im hause 006067_5154_000008 das gemeine gerücht welches mister treverton als wahnsinnigen verleumdete hatte indem es ihn als einen geizhals schilderte einen zweiten irrtum zu verantworten er sparte mehr als zwei dritteile des einkommens von seinem ziemlich bedeutenden vermögen 006067_5154_000009 als einige jahre später dieser freund auf die universität ging bat andrew darum auch auf die universität geschickt zu werden und attachierte sich hier enger als je an den seltsam gewählten kameraden seiner schulzeit eine solche anhänglichkeit hätte jeden rühren müssen der nur einen gewöhnlichen grad von edler denkweise besessen hätte 006067_5154_000010 hätte zu diesem zweck in der ganzen welt kein besseres modell finden können als in der person des würdigen mr shrowl weder herr noch diener wechselten bei der ersten begegnung an diesem tage ein wort oder nahmen die mindeste notiz von einander 006067_5154_000011 die seit dem tage wo sie die werkstatt des schustigers verlassen hatten nie wieder gewichst worden waren seine farbe war krankhaft rot seine dicken lippen kräuselten sich mit boshaftem feixen aufwärts und seine augen hatten an form und ausdruck ungemein viel ähnliches mit denen eines spürhundes 006067_5154_000012 schwal begann seinerseits nun ein wenig ärgerlich zu werden die ironische höflichkeit welche er bei seinem eintritt in das zimmer anzunehmen beliebt wich seiner gewohnten sauertöpfischen laune und dem natürlichen mürrischen ausdruck seiner stimme 006067_5154_000013 ein tiefes geheimnis von wilkie collins übersetzt von august kretzschmar band eins sechstes kapitel timon von london abschnitt zwei es war bei mister treverton frühstückszeit das heißt es war die zeit zu welcher er sich hungrig genug fühlte um daran zu denken etwas zu essen 006067_5154_000014 es schien ihm ein barbarisches gefühl der herzenserleichterung zu gewähren seine unzufriedenheit mit sich selbst nach der kunde von kapitän trevertons tod an dem andenken seines weibes auszutoben welches er so bitterlich hasste und an dem kinde welches sie hinterlassen nach einer weile hörte der leise grollende ton seiner stimme gänzlich auf 006067_5154_000015 der brief war auf kanzleipapier und die adresse von einer juristischen geschäftshand geschrieben als mister treverton ihn öffnete fielen aus zwei zeitungen geschnittene papierstreifen heraus 006067_5154_000016 charles sägte langsam sein stück speck vollends los und begann eine melodie zu pfeifen aus grundsatz mache ich keins wiederholte mister treverton reiche leute welche geld hinterlassen sind die säleute welche die saat menschlicher verruchtheit ausstreuen 006067_5154_000017 wenn ein mensch noch einen funke edelmut in seinem gemüt hat und man denselben auszulöschen wünscht so vermache man ihm etwas wenn ein mensch schlecht ist und man ihn noch schlimmer zu machen wünscht so setze man ihm ein vermächtnis aus 006067_5154_000018 erhob sich ungeduldig von seinem stuhl warf beide zeitungsartikel in das feuer sah zu bis sie verbrannt waren und seufzte als die schwarze leichte asche von dem luftzuge emporgetragen in den schlot hinauf verschwand 006067_5821_000000 wie früher müssen wir auf die nachsicht unserer leser und leserinnen bauen und sie abermals ersuchen mehr die gesinnung der schreiberin und das tiefgefühlte bedürfnis eines besseren weiblichen unterrichts welches sie vermochte sich darüber auszusprechen zu berücksichtigen als mit ihrer pädagogischen fähigkeit rechten zu wollen 006067_5821_000001 vorworte aus die frauen und ihr beruf von luise büchner vorwort zur ersten auflage die nachfolgenden blätter erheben keinerlei anspruch darauf für eine pädagogische schrift zu gelten 006067_5821_000002 denn wir sind uns bewusst in unserer gesinnung für sie die gleiche geblieben zu sein sind uns bewusst dass wir wenn vielleicht auch manchmal irrend nur nach bester und wärmster überzeugung das wahrhaftige und das weibliche zugleich aber auch das menschliche für sie anstreben 006067_5821_000003 wo wir anerkennen müssen dass es weit öfter eine notwendigkeit für mädchen der höheren stände ist sich selbstständig zu ernähren als wir dies früher geglaubt über diejenigen berufsarten welche in solchem falle sich nach unserem bescheidenen ermessen als die zweckmäßigsten darbieten haben wir uns in neuester zeit in einer besonderen kleinen schrift 006067_5821_000004 das interesse der verfasserin selbst an diesem gegenstande war inzwischen nicht allein das gleiche geblieben es war von jahr zu jahr gewachsen und sie darf sich das zeugnis geben dass sie nicht allein theoretisch zu wirken suchte 006067_5821_000005 zu überwinden welcher einer höheren entwicklung des eignen geschlechts noch so vielfach hemmend im wege steht damit endlich einmal die frau nicht immer nur das eigne herz sondern das herz der menschheit in ihrem busen schlagen fühle darmstadt august achtzehnhundertzweiundsiebzig luise büchner 006067_5821_000006 nicht durch die kritik sondern auf privatwegen mussten wir öfter ein bedenken darüber hören dass sich unser schriftchen nicht über das religiöse element in der erziehung verbreitet habe dagegen bemerken wir folgendes 006067_5821_000007 es scheint uns dass dieser fortschritt seine hauptsächlichste pflanzstätte in dem gebildeten mittelstande finden muss und von dessen verhältnissen sind wir bei unserer betrachtung vornehmlich ausgegangen 006067_5821_000008 im mittelstande ist dazu die nächste möglichkeit gegeben und dort vereinigen sich auch heute noch so viele gesunde elemente der weiblichkeit dass von ihm zunächst die verfasserin auf ein richtiges verständnis hoffen darf 006067_5821_000009 wohl fühlen wir vollkommen dass wir diesen wichtigen gegenstand nicht erschöpfend genug behandelt haben was weder der raum dieser blätter noch unsere eigene schwache kraft gestattet haben würde es gilt uns auch hierin hauptsächlich nur darum eine anregung zum besseren zu geben 006067_5821_000010 möge es uns gelingen auch heute wieder nach langer trennung warme freundinnen für unsere ansichten zu gewinnen möchten wir ein weniges dazu beitragen die noch immer bestehende lauheit den 006067_5821_000011 auch der abschnitt über die erziehung der weiblichen dienstboten ist aus der erkenntniss von einem gleich wichtigen und ernsten bedürfnisse entsprungen auf dessen allgemeine anerkennung gewiss auch bald die tat folgen wird 006067_5821_000012 einmal lag eine solche erwähnung außerhalb der tendenz unserer ausführung welche sich mehr mit den endzielen der erziehung als mit den mitteln dazu beschäftigt und zum zweiten glauben wir durch den beständigen hinweis auf die ausbildung der pflichttreue einer weisen selbstbeschränkung des schönheitsgefühls 006067_5821_000013 dass die verhältnisse manches von dem hier angesprochenen soll es eine praktische anwendung finden in einer oder der andern weise modifizieren werden verkennen wir nicht aber im großen ganzen glaubt die verfasserin nicht zu viel angestrebt und gefordert zu haben 006067_5821_000014 indem wir nun selbst in dieser weise der wirklichkeit nahe zu treten uns bemühten überzeugten wir uns wie das was wir früher ausgesprochen oft noch schärfer und nachdrücklicher hätte betont werden dürfen 006067_5821_000015 durch die freundliche aufnahme und den raschen erfolg ihres büchleins ermutigt übergibt die verfasserin unter nennung ihres namens diese zweite auflage mit gesteigertem vertrauen den händen der frauenwelt denen welche vielleicht nicht mit allem einverstanden sind was unsere überzeugung uns lehrte rufen wir zu prüfet alles und das beste behaltet 006067_5821_000016 dass sie seitdem auch unermüdlich auf dem praktischen felde gearbeitet und sich bemühte manches von dem was sie als richtig und wünschenswert erkannt in das leben rufen zu helfen dabei aber erwuchs ihr die feste überzeugung dass auch nur diejenigen 006067_5821_000017 in übereinstimmung mit dem gesagten ergibt sich von selbst dass wir ein kapitel der früheren auflagen verkehrte richtungen hinwegfallen ließen dagegen wurden wie bei der dritten auflage auch schon geschehen vier neue kapitel hinzugefügt 006067_5821_000018 zugleich aber dürfen wir nicht verschweigen wie wir selbst in folge eigner erfahrungen und prüfungen auch einige unserer persönlichen ansichten geändert und modifiziert haben es ist dies namentlich der fall bezüglich der weiblichen erwerbsfrage 006067_5821_000019 vorwort zur zweiten auflage die freundliche anteilnahme welche unserem kleinen werke alsbald nach seinem erscheinen zuteil wurde und in kurzer zeit eine wiederholte auflage nötig machte scheint uns den besten beweis dafür zu liefern 006067_5821_000020 möge das kleine werk so freundlich aufgenommen werden als es aus innerster überzeugung und dem lebhaftesten wunsche entsprungen ist etwas wirklich gutes zu fördern und anzuregen und mögen seine mängel der ungeübtheit einer weiblichen feder 006067_5821_000021 vorwort zur dritten auflage da eine dritte auflage unseres kleinen werkchens notwendig geworden hat es die verfasserin für gut gehalten noch einige sätze hinzuzufügen welche wie sie hofft zur vervollständigung des ganzen beitragen ohne dessen zusammenhang zu beeinträchtigen 006067_5821_000022 vorwort zur vierten auflage mit einem erklärlichen gefühl von wehmut und freude nehmen wir nach einem zeitraum von zwölf jahren unser kleines halbvergessenes buch wieder zur hand um eine vierte auflage desselben vorzubereiten 006067_5821_000023 dass die weibliche erziehung im augenblick die gemüter so lebhaft beschäftigt beweist am besten wie tief man deren mängel fühlt und wie zugleich die überzeugung erwacht ist dass eine höhere entwicklung der weiblichen kräfte durchaus notwendig und zeitgemäß sei 006067_5821_000024 als vielmehr dem umstande zu dass es in der tat ein bedürfnis der zeit zu sein scheint anregende worte über die wichtigkeit einer besseren weiblichen erziehung zu vernehmen einsichtsvolle und begabte erzieher werden es vielleicht nicht verschmähen in dem sinne fortzuwirken welcher wie wir uns überzeugt zu haben glauben anklang bei der frauen wie bei der männerwelt gefunden hat 007120_5144_000000 aber er ist doch nicht tot doktor was sagst du nein nein er atmet ganz leise aber er ist bös dran 007120_5144_000001 da habe er etwas glänzen sehen in einer ecke und habe es geholt und dann sei der müllerssohn gekommen und dann noch viele 007120_5144_000002 es kam auch eben eine helle mondnacht nach der anderen und otto hatte auf einmal einen einfall am allerschönsten müsste das schlittenfahren im mondschein sein 007120_5144_000003 weg gefunden wird von johanna spyri sechstes kapitel das alte und auch etwas neues der sommer war vergangen und auch die schönen herbsttage waren wohl zu ende 007120_5144_000004 sie hatte nicht annehmen können daß der andres wirklich tot sei und hatte alles ausgedacht was man brauchen könnte 007120_5144_000005 weniger anklang fand der vorschlag bei ottos mutter als er ihr mitgeteilt wurde und sie wurde gar nicht von der begeisterung hingerissen 007120_5144_000006 sieh nur wie viel birnen es gibt ich muss vom morgen bis zum abend auflesen so viel ich nur kann du hast ja ganz nasse schuhe und strümpfe bemerkte otto 007120_5144_000007 und der rote zuckerhahn spazierte durch miezchens träume und erfüllte sein herz mit einer so großen freude dass es jauchzte im schlaf 007120_5144_000008 sie stellte ihnen die kälte des späten abends vor die unsicherheit der fahrten bei dem ungewissen licht und alle gefahren die besonders das miezchen bedrohen könnten 007120_5144_000009 denn manchmal gab es dabei einen großartigen umsturz sämtlicher schlitten und menschen darauf das konnte er für das kleine wesen nicht riskieren 007120_5144_000010 endlich willigte die mutter ein mit großem jubel und wohlverpackt zogen die kinder ein paar stunden nachher in die helle nacht hinaus 007120_5144_000011 sag ihm ich lass ihn bitten er soll auf der stelle kommen dann half er selbst den andres vom boden aufheben und in die kammer hinein auf sein bett legen 007120_5144_000012 er hatte am späten abend sich hingesetzt den rücken gegen die fenster und die tür gekehrt mitten im zählen hörte er jemand hereinkommen 007120_5144_000013 dann besann er sich so gut er konnte um die frage der beiden herren zu beantworten er wusste aber nur folgendes zu sagen 007120_5144_000014 der doktor untersuchte genau den unbeweglichen körper da haben wir's rief er auf einmal aus hier auf den hinterkopf ist andres geschlagen worden da ist eine große wunde 007120_5144_000015 der gemeinderat war noch am beratschlagen da aber der oberst erklärte nun müsse gleich alles zum haus hinaus so fassten die männer den beschluss für einmal müsse der joggi eingesperrt werden 007120_5144_000016 erst jetzt trat der oberst an die schwatzenden leute heran um zu hören wie der vorfall sich zugetragen hatte ob jemand etwas näheres wisse 007120_5144_000017 damit ihm keiner in den rücken fahren konnte so hatte es otto eingerichtet er konnte dabei auch immer von zeit zu zeit mit einem schnellen blick gewahren ob miezchen richtig nachkomme 007120_5144_000018 damit kehrte sich otto um und ging mit seinem zorn nach hause hier suchte er gleich seine mutter auf und schüttete seine ganze empörung vor ihr aus 007120_5144_000019 er habe dann nach leuten gerufen dass der gemeindeammann auf den platz komme und wer sonst noch dahin gehöre 007120_5144_000020 an der halben höhe des berges stand das miezchen neben seinem schlitten und schrie aus allen seinen kräften und weinte ganze bäche dazu 007120_5144_000021 am buchenrain angekommen sah er den rudi vor der haustür am boden sitzen und von einem haufen birnen die neben ihm lagen eine nach der anderen zerbeißen 007120_5144_000022 furchtbare worte nachgerufen so viel kam endlich heraus unter immer neuem geschrei 007120_5144_000023 da es dem kinde in einer gründlichen weise könnte geholfen werden die sache liegt mir auch am herzen das kannst du glauben otto 007120_5144_000024 ihr aber habe er recht eingeschärft dass sie keinen menschen in die kammer hineinlasse andres dürfe auch noch kein wort reden wenn er auch wollte nicht 007120_5144_000025 joggi aber klemmte seine faust noch besser zusammen und wollte nichts hergeben aber die beiden waren stärker als er 007120_5144_000026 so stand joggi noch immer in einer ecke hielt seine faust fest zugeklemmt und lachte halblaut jetzt trat der doktor in die stube und hinter ihm her auch noch der präsident 007120_5144_000027 es ging alles ganz nach wunsch die schlittbahn war unvergleichlich und das geheimnisvolle der dunkeln stellen wo der mondschein nicht hinfiel erhöhte den reiz der unternehmung 007120_5144_000028 sei nur unbesorgt entgegnete der oberst für den andres gäbe meine frau alles her nicht nur die alte trine 007120_5144_000029 ob etwas mangele das dann schnell herbeigeschafft werden müsste otto und miezchen mussten jeden tag aufs neue besänftigt werden 007120_5144_000030 was war da geschehen otto hatte keine wahl er musste die lustpartie zu ende machen wie groß auch sein schrecken war 007120_5144_000031 der matten-joggi der dabeistand habe ihm lachend ein goldstück entgegengestreckt wie er hereingetreten sei 007120_5144_000032 bah hier ist's nicht gemütlich frierst du nicht wenn du so nass bist es schaudert mich nur manchmal ein wenig 007120_5144_000033 denn jetzt war der augenblick gekommen da andres wieder reden durfte und der doktor wollte ihn in gegenwart des obersten darüber befragen was er selbst von dem unglücklichen vorfall wisse 007120_5144_000034 augenblicklich warf der oberst seinen mantel um und eilte dem hause des schreiners zu als er in die stube hineintrat fand er schon eine menge leute da 007120_5144_000035 er musste unseren schlitten ausweichen in den schnee hinein das machte ihn böse und wie er dann hintenan das miezi allein antraf hat er es ein wenig erschreckt und seinen zorn an ihm ausgelassen 007120_5144_000036 gleich am anderen morgen eilte die frau oberst in voller sorge nach dem häuschen des andres hinunter trine kam leise aus der kammer heraus und brachte die frohe nachricht 007120_5144_000037 wenn du dem wiseli noch einmal etwas zuleide tust so packe ich dich so dass du noch einen schrecken hast davon wenn du siebzig jahr alt bist leb wohl wiseli 007120_5144_000038 mit jubel wurde der vorschlag angenommen und die schlittbahngenossen trennten sich gegen fünf uhr wie gewöhnlich da die nacht einbrach um sich um sieben uhr wieder zusammenzufinden 007120_5144_000039 nein schluchzte miezchen neuerdings überwältigt aber er wollte mit einem stecken so hat er ihn aufgestreckt und hat gesagt wart du 007120_5144_000040 der matten joggi der so hieß weil er unten in der matte wohnte war ein völlig törichter mensch der damit ernährt würde dass ihn die bauern in den geringen geschäften etwa mithelfen ließen 007120_5144_000041 hat er dich denn wirklich geschlagen fragte otto ganz zahm und teilnehmend denn er hatte angst 007120_5144_000042 ich habe nur zu danken der liebe gott hat mir ja sonst schon viel mehr gegeben als ich brauche die herren verließen den friedlichen andres und vor der tür sagte der doktor 007120_5144_000043 habe er im vorbeiweg schnell fragen wollen ob seine aussteuersachen auch zur zeit fertig werden er habe die tür der stube offen stehend den andres tot im blut liegend am boden gefunden 007120_5144_000044 er hatte seine summe beisammen die er jährlich dem herrn oberst zur verwahrung brachte diese wollte er noch einmal überzählen um seiner sache sicher zu sein 007120_5144_000045 lauf einer auf die halde befahl der oberst meine frau soll mir die trine herunterschicken es lief einer davon 007120_5144_000046 alles fort jetzt gute nacht oberst und mach dass die ganze bande zum haus hinauskommt rief er und schloss die tür zu nachdem der oberst hinausgetreten war 007120_5144_000047 eine menge kinder hatte sich eingefunden alle waren in der fröhlichsten stimmung otto ließ sie alle vorausfahren dann kam er und zuletzt musste das miezchen kommen 007120_5144_000048 der müllerssohn trat vor und erzählte er sei vor einer halben stunde da vorbeigekommen und da er noch licht gesehen in des schreiners stube 007120_5144_000049 damit lief der bote wieder davon der oberst und seine frau hatten genug gehört denn auch die hatten sich dem offenen fenster genähert 007120_5144_000050 es muss sein sagte der andres gelassen ich habe nie an so etwas gedacht es war immer alles offen es ist gut dass ihr noch etwas im trocknen habt andres bemerkte der oberst 007120_5144_000051 der tut ja keinem kinde etwas zuleide der hat mich nicht geschlagen andres hatte aber auch keinen anderen menschen den leisesten verdacht 007120_5144_000052 und wenn du nun gleich ganz still sein willst so geb ich dir den roten zuckerhahn vom christbaum weißt du 007120_5144_000053 denn die furcht und angst vor dem köpfen verfolgt ihn beständig schon zweimal war der präsident und der gemeindammann bei ihm gewesen und hatten ihm gesagt er solle nur alles sagen was er getan habe er werde nicht geköpft 007120_5144_000054 um ihm wieder aufzuhelfen so hatte sie schwamm und verbandzeug wein und öl und warme flanelle in einen korb gepackt und trine hatte nur zu rennen wie der bote kam der doktor war sehr zufrieden 007120_5144_000055 wenn ihr da beim hellen licht einen haufen geld auf dem tische liegen habt und zählt so kann das von außen jeder sehen und lust zum teilen bekommen 007120_5144_000056 dass sie ihren kranken freund noch nicht besuchen durften aber da war immer noch keine erlaubnis vom doktor die trine war noch durchaus unentbehrlich wurde auch täglich vom doktor gelobt für ihre sorgfältige pflege 007120_5144_000057 das wirkte mit einem male trocknete miezchen seine tränen weg und gab keinen laut mehr von sich 007120_5144_000058 wiseli streckte ganz erfreut dem otto die hand entgegen wir haben so viel zu tun darum durfte ich nicht kommen sagte es 007120_5144_000059 brach miezchen noch einmal in lautes weinen aus bscht bscht beschwichtigte otto sei doch still jetzt ich gehe nun nicht mehr von dir weg und der mann kommt nicht mehr 007120_5144_000060 dem ist wohler als dem anderen der ihn zusammenschlagen wollte vom joggi wurde eine traurige geschichte umhergeboten die alle buben in der schule beschäftigte und in große teilnahme versetzte 007120_5144_000061 otto versprach auch hoch und teuer er würde dem miezchen nichts geschehen lassen sondern immer in seiner nächsten nähe bleiben 007120_5144_000062 kaum hatte otto das gesehen als er auf den chäppi losfuhr ihn samt seinem kratten umwarf und ihn fest im genick packte hör auf ich muss ersticken gurgelte der chäppi jetzt lachte er nicht mehr 007120_5144_000063 rittlings auf seinem birnenkratten und zuhinterst lag der hans rücklings über den vollen korb hin und schaukelte sich so darauf dass der korb jeden augenblick umzustürzen drohte chäppi sah ihm zu und lachte bei jedem rucke 007120_5144_000064 hatte der joggi so viel gesagt so fing er wieder zu stöhnen an und hörte nicht mehr auf ende von abschnitt siebenundzwanzig 007120_5144_000065 als nun alles so herrlich vonstatten ging fiel einem der buben ein nun müsste einmal der ganze zug anhängen 007120_5144_000066 er meint es selbst nicht böse mit dem kinde und es ist kein genügender grund da ihm wiseli ganz wegzunehmen 007120_5144_000067 nach verfluß der acht tage schlug der doktor seinem freunde dem oberst vor nun einmal den kranken zu besuchen zu der zeit da er selbst dort sein würde 007120_5144_000068 so als müsste man sie vom himmel herunter lesen können auf sein papier ich wünsche dass das christkind das wiseli befreie 007120_5144_000069 würde verhandelt was es denn für ein mann könne gewesen sein der das miezchen habe totschlagen wollen 007120_5144_000070 wo steine und sand herumzutragen obst aufzulesen oder im winter holzbündelchen zu machen waren 007120_5144_000071 wenn du unterdessen das wiseli schützen und den rohen chäppi ein wenig zähmen kannst ohne selbst dabei roh zu werden so bin ich ganz damit einverstanden 007120_5144_000072 der joggi ging aber ganz willig davon und lachte und von zeit zu zeit guckte er vergnügt in seine faust hinein 007120_5144_000073 als andres vernahm wie der joggi gefunden worden und nun eingesperrt sei wurde er ganz unruhig sie sollen ihn doch gehen lassen den armen joggi sagte er 007120_5144_000074 jetzt entdeckte er drei schwarze punkte unter einem birnbaum und ging darauf zu richtig da bückte sich wiseli um die birnen zusammenzulesen dort saß der 007120_5144_000075 endlich aber mußte auch dies vergnügen ein ende nehmen denn es hatte längst acht uhr geschlagen die zeit da aufgebrochen werden sollte 007120_5144_000076 man hatte den friedensrichter und gemeindemann geholt und eine schar neugieriger und teilnehmender war mit ihnen eingedrungen 007120_5144_000077 der gemeindevorstand stellte sich nun mitten in die stube und beratschlagte der doktor ging direkt in die kammer hinein und der oberst folgte ihm nach 007120_5144_000078 mit welcher die kinder beide auf einmal und in den lautesten tönen ihr das wundervolle dieser unternehmung schilderten 007120_5144_000079 als wiseli den otto herankommen sah kam ein ganzer sonnenschein auf sein gesicht guten abend wiseli rief er von weitem warum bist du so lange nicht in die schule gekommen 007120_5144_000080 so jetzt wart nur joggi du wirst schon deinen lohn bekommen wart nur bis sie kommen sie werden dir's dann schon zeigen 007120_5144_000081 denn den großen roten zuckerhahn vom christbaum zu erlangen war miezchens allergrößter wunsch gewesen er war aber bei der teilung auf ottos teil gefallen 007120_5144_000082 und aus dem küchenkasten und brachten haufen von sachen in die kammer hinein aber nichts von dem was der doktor brauchte 007120_5144_000083 so sei doch nur still jetzt hör miezchen tu doch nicht so er hat dich ja doch nicht totgeschlagen 007120_5144_000084 aber die einwendungen entflammten immer mehr den brennenden wunsch und miezchen flehte als hinge seine einzige lebensfreude an dieser schlittenfahrt 007120_5144_000085 sei gegen morgen schon ein wenig zum bewußtsein gekommen schon sei auch der doktor dagewesen und habe den kranken über erwarten gut 007120_5144_000086 unter großem lärm und allgemeiner zustimmung ging man gleich ans werk für miezchen fand otto die fahrt doch ein wenig gefährlich 007120_5144_000087 brieten kartuschen da und wärmten sich die hände an einem solchen nebelgrauen abend kam otto aus der schule heimgerannt und erklärte seiner mutter er müsse nachsehen was das wiseli mache 007120_5144_000088 da klopfte es unten an die haustür mit solcher gewalt dass der oberst und seine frau vom tisch auffuhren an dem sie eben in gemütlichkeit gesessen und sich über ihre kinder unterhalten hatten 007120_5144_000089 andres hatte große freude dem herrn oberst die hand drücken zu dürfen er hatte ja schon lange bemerkt woher ihm alles gute und alle sorgfalt für sein wiederaufkommen kam 007120_5144_000090 es war niemand dahin gegangen da sei ja doch nichts mehr zu machen meinten die leute lauf was du kannst zum doktor befahl der oberst einem burschen der dastand 007120_5144_000091 wenn miezchen zurückblieb denn er war in der gewalt des zuges jetzt ging es los und herrlich und ohne anstand glitt die lange lange kette die glatte bahn hinunter 007120_5144_000092 der hans der korb und alle birnen die fuhren nach allen richtungen hin oh oh sagte wiseli kläglich nun muss man die alle wieder zusammenlesen 007120_5144_000093 im heimweg schärfte der otto dem miezchen ein zu hause nichts zu erzählen von dem vorfall sonst könnte die mutter angst bekommen und dann dürften sie gar nie mehr im mondschein schlitten gehen 007120_5144_000094 da muss eine frau her die verstand hat und weiß was ein kranker ist rief der doktor ungeduldig alle schrien durcheinander aber wenn einer eine wusste so rief ein anderer die kann nicht kommen 007120_5144_000095 dass er boshafte taten ausgeübt hätte hatte man bis jetzt nicht gehört der müllerssohn hatte ihm gesagt er solle da bleiben bis auch der präsident noch da sein werde 007120_5144_000096 keuchend und beladen kam die trine an viel schneller als man hätte hoffen können denn sie stand schon lange ganz parat mit einem großen korb am arm und die frau oberst stand neben ihr und lauschte ob einer gelaufen komme 007120_5144_000097 nur der doktor und die wärterin sollen vor seine augen kommen erklärte die trine in großem amtseifer damit war die frau oberst ganz einverstanden und höchst erfreut kehrte sie mit ihren 007120_5144_000098 dass man ihnen das wiseli entreiße die mutter hörte ruhig zu bis otto sich ein wenig abgekühlt hatte dann sagte sie 007120_5144_000099 den zuckerhahn müsse es gleich haben aber noch daraufhin versprechen nichts zu erzählen miezchen versprach hoch und teuer kein wort sagen zu wollen 007120_5144_000100 atemlos stürzte otto nun herzu und rief was hast du was hast du er hat mich er hat mich er hat mich schluchzte miezchen und kam nicht weiter vor innerem aufruhr 007120_5144_000101 er ließ seinen schlitten zuletzt anbinden der miezchens aber wurde freigelassen so fuhr es wie immer hinter dem bruder her nur konnte er jetzt nicht wie sonst seinen schlitten langsamer fahren lassen 007120_5144_000102 auch otto brachte sie nach hause und mußte sie jeden tag ein paarmal wiederholen denn jedesmal wenn er daran dachte machte sie ihm aufs neue einen großen eindruck 007120_5144_000103 dass das wiseli eine solche behandlung erdulden müsse er war auch ganz entschlossen auf der stelle zum herrn pfarrer zu gehen und den vetter götti und seine ganze familie anzuklagen 007120_5144_000104 und er sah ein dass das wiseli da nicht darauf wandeln könnte und als er dann zu weihnachten seine wünsche aufschreiben dürfte da schrieb er ganz desperat mit ungeheuren buchstaben 007120_5144_000105 er wusste nichts zu sagen als er habe beim andres ins fenster geschaut und der sei am boden gelegen er sei zu ihm hineingegangen und habe ihn ein wenig gestoßen da sei er tot gewesen 007120_5144_000106 die ganze gesellschaft sollte sich am abend um sieben uhr zusammenfinden und die mondscheinfahrten ausführen denn es war der tag des vollmonds da musste es prächtig werden 007120_5144_000107 sieh lieber junge das würde gar nix nützen das kind würde man dem vetter götti nicht wegnehmen nur ihn reizen wenn er so etwas hörte 007120_5144_000108 aber er hat ja er hat ja und ihr wart alle schon weit fort und ich war ganz allein und vor mitleid für seinen zustand und nachwirkendem schrecken 007120_5144_000109 und miezchen hatte den verlust nie verschmerzen können wie nun alles im geleise war und die kinder den berg hinanstiegen 007120_5144_000110 du stirbst einmal nicht am gescheitsein bemerkte otto und ging aufs geratewohl die große wiese hin die sich vom haus bis gegen den wald hinaufzog 007120_5144_000111 nachrichten nach hause zurück so vergingen acht tage jeden morgen ging die oberstin nach dem hause des kranken um genau bericht zu bekommen und zu hören 007120_5144_000112 und ganz furchtbare worte hat er mir nachgerufen so hat er dir eigentlich gar nichts getan sagte otto und atmete beruhigt auf 007120_5144_000113 die spuren seiner tränen waren auch längst vergangen und konnten nichts mehr verraten längst schon schliefen otto und miezchen auf ihren kissen 007120_5144_000114 nämlich ein schlitten an den anderen gebunden werden und so herunterfahren das müsste im mondenschein ein ganz besonderes juxstück abgehen 007120_5144_000115 nun wollte der doktor allerlei haben wasser und schwämme und weißzeug und noch vieles und die leute draußen liefen alle durcheinander und suchten und rissen alles von der wand 007120_5144_000116 und die auch rief chäppi und lachte heraus als die birne die er geworfen hatte dem wiseli an die schläfe fuhr dass es ganz bleich wurde und ihm vor schmerz das wasser in die augen kam 007120_5144_000117 als man den joggi an dem abend lachend ins armenhaus gebracht hatte da war er aufgefordert worden sein goldstück abzugeben an einen seiner führer den sohn des friedensrichters 007120_5144_000118 ich weiß wohl dass das arme kind jetzt ein hartes brot isst ich habe es auch gar nicht vergessen ich schaue immer danach aus ob mir der liebe gott nicht einen weg auftue 007120_5144_000119 ach was totschlagen rief otto dazwischen ich habe schon lange gemerkt was es war wir haben ja im herunterfahren den großen mann mit dem dicken stock auch angetroffen 007120_5144_000120 lasst's euch nicht zu herzen gehen das beste ist dass ihr wieder gesund werdet gewiss herr oberst erwiderte andres ihm die hand schüttelnd die er zum abschied hinhielt 007120_5144_000121 es wurde kühl und nebelig am abend und in den feuchten wiesen fraßen die kühe das letzte gras ab und hier und da flackerten auf den wiesen kleine feuer auf denn die hirtenbuben 007261_6264_000000 als er sich nun in diesen kleinen auszug vertieft der vielleicht nicht ohne absicht das kühnste und tiefsinnigste auf kleinem raume zusammendrängt findet er vieles das ihn abstößt oh nein im gegenteil es lockt 007261_6264_000001 die in dem kramladen dort unten zu haben war und die sie gerade brauchte eine unwiderstehliche sehnsucht ergreift ihn die verkrüppelte birke wiederzusehen die über den fluss hinaushängt nochmals auf der wie eine ruhebank geformten wurzel der alten kiefer zu sitzen 007261_6264_000002 so ist es denn kein wunder dass im ersten gärenden aufbrausen thesen und antithesen argumenta ad hominem und ad rem 007261_6264_000003 reductiones in absurdum paradoxen invektiven und sarkasmen in wahren tintenschauern sich über jedes erreichbare stück papier oder pergament ergießen 007261_6264_000004 mehr als einmal hat er schon die hand auf den türgriff gelegt um hinunterzugehen wo die möglichkeit ist renata zu treffen und mit einem seufzer hat er die hand wieder zurückgezogen um über diesen unerträglichen zustand hinwegzukommen hat er sich kopfüber in die arbeit gestürzt 007261_6264_000005 aber kann er vincentius das zu lesen geben was er da geschrieben hat er läßt das heft in dem er liest sinken als er diese frage an sich selbst stellt und schüttelt den kopf mit einem bissigen lächeln lieber selbst die langweilige arbeit der reinschrift auf sich nehmen es sei denn 007261_6264_000006 jedenfalls brechen sie diese einschläfernde stille schritte eine rufende stimme klirren von schüsseln beweise dass sich dort unten leben rührt töne jemand vom gesinde singt 007261_6264_000007 je mehr und je toller umso besser es ist raum genug dafür in meiner rechten tasche und meine linke weiß nichts davon ist es nun dass ottmar auf dessen schultern die bischöfliche würde mit ihren zukunftsaussichten etwas schwer zu lasten anfing 007261_6264_000008 das emporklettern jener goldenen leiter die eher die kirchliche sankt peters als die himmlische des erzvaters jakob war hatte den verfasser gar zu sehr in anspruch genommen um ihm zeit für solche allotria zu gewähren 007261_6264_000009 in der einen barg sich die wissenschaft in der anderen der glaube weit entfernt davon wählerisch zu sein schien er vielmehr zu rufen nur immer her mit euren glaubensforderungen 007261_6264_000010 nur nicht sich im durchglühten waldschatten umhertreiben das hieße sich den plagenden grübeleien erst recht ausliefern etwas unternehmen ja aber was 007261_6264_000011 sich hier auf burg langenstein wieder jung fühlt ist das der grund warum dieser jugendplan heute so fruchtbaren boden findet jedenfalls kampffröhlich und fehdebereit wie es die jugend ist 007261_6264_000012 oft hatte er damals mit zierlich gemalten schnörkelzügen von verschiedener größe einen entwurf des titelblattes geschrieben und sich dessen wirkung sowohl auf die meinungsgenossen wie auf die gegner vorzustellen versucht 007261_6264_000013 es war seine absicht gewesen diese verteidigungsschrift gegen die hauptleute des gegnerischen ordens william von occam zu richten den einzigen glänzenden namen der sich unter den unterschriften auf dem anklagedokumente gegen eckehart befand 007261_6264_000014 mein gott ist es so weit gekommen unmutig springt er auf und wirft das heft auf den tisch zwischen die papiere ja es ist dies verzweifelnde wetter tag für tag aber heute schlimmer denn je 007261_6264_000015 bei diesem lesen ist es ihm gar sonderbar ergangen er kannte eckehart hauptsächlich aus seinen lateinischen schriften das studium der freieren und individuelleren in deutscher sprache verfassten werke war ziemlich bald durch dringlichere arbeiten unterbrochen worden 007261_6264_000016 zittert sein ganzes wesen beim klange dieser heroldstrompete die zum geistigen turniere ruft wir wollen doch sehen ob es uns nicht gelingt mit der federlanze diesen unüberwindlichen von seinem hohen pferde zu stoßen und wenn auch die verteidigung das ursprüngliche war 007261_6264_000017 verteidige du mich mit dem schwert ich verteidige dich mit der feder weiter als zu diesem vielversprechenden titelblatt und zur niederschrift einzelner gesichtspunkte und ein paar leitender gedanken war diese streitschrift nie gediehen 007261_6264_000018 so ist es jetzt der angriff der ihn am stärksten reizt ist ihm doch occams nominalistische philosophie gleich der pest verhasst dies sinnliche haften an den einzeldingen 007261_6264_000019 wo er an dem tage saß da sie sich beim himbeerpflücken gezankt hatten und sie im zorne weglief noch einmal wieder unten auf der brücke zu stehen und zur lieben alten burg emporzublicken ich werde in schweiß gebadet zurückkehren aber lieber das als hier zu sitzen und inwendig zu kochen 007261_6264_000020 wie nicht weniger auf die etwas prahlerischen worte womit er den schutz des kaisers dem papste gegenüber angerufen hatte 007261_6264_000021 der tisch bezeugt dass er wenigstens seine zeit nicht verloren hat die platte verschwindet fast unter papierblättern und pergamentstücken von allerlei größe und form 007261_6264_000022 er ist durch lesen und grübelndes nachdenken auf eine weile verdrängt worden ottmar lässt das heft sinken runzelt die stirn nimmt das heft wieder auf blättert zurück liest nach lässt es nochmals sinken schüttelt den kopf und seufzt tief fast aufstöhnend 007261_6264_000023 sie strömt zu ihm herein er merkt es erst als er den kopf hinausstreckt und die stirn gegen sie stößt denn sie scheint draußen zu stehen gleich einer unbeweglichen sache von den vielen glühenden tagen ist dieser der glühendste 007261_6264_000024 etwas neues ist sie ja nicht nicht einmal dessen kann sie sich rühmen dass sie aber jetzt dreister denn je den kopf erhebt ist ein beunruhigendes zeichen der zeit in diesem 007261_6264_000025 muss man sich wirklich darauf beschränken zu glauben nicht nur ohne zu verstehen sondern ohne auch nur den wunsch des verstehens zu hegen ohne danach zu streben seinen glauben mit seinem übrigen geistesinhalt zusammenzureimen 007261_6264_000026 vado quia absurdum ich gehe weil es absurd ist travestie des tertullianischen wortes ich glaube weil es absurd ist 007261_6264_000027 ein schmerz war es ihm schon damals und ist es noch jetzt dass dieser gegner längst gestorben war er hatte jedoch gelehrte anhänger genug hinterlassen die seine sache verteidigen würden dass freilich occam ebenso wohl wie eckehart verketzert war 007261_6264_000028 bis zuletzt selbst die so sorgfältig gepflegten adligen finger zeugnis von der gewaltsamkeit dieser schriftstellerischen tätigkeit ablegen der schreibeifer hat sich jetzt völlig ausgerast 007261_6264_000029 verteidigung eckeharts den unüberwindlichen doktor überwindend ich verteidige dich mir der feder mit welchem stolz hatte er sich damals dieses doppelstachels gefreut die anzügliche hindeutung auf den eitlen ehrennamen den occams ordensbrüder und sonstige anhänger ihm beigelegt hatten 007261_6264_000030 es ist jenes heft das man in telheim bei dem alten wandernden sänger fand ein auszug aus den predigten meister eckeharts zuerst hatte renata wie von ungefähr diesen namen genannt der ihm schon wegen seines ordens teuer und ehrwürdig ist 007261_6264_000031 nicht allein ein satz wie dieser gott ist nicht gut ich bin gut der den guten vincentius so erschreckte dass das moralische nur auf irdischem gebiete geltung habe 007261_6264_000032 wochenlang hat man tag um tag solche wolken am himmel aufsteigen sehen verdrießlich schlägt ottmar das fenster zu dann lieber die eingeschlossene modrige luft der kammer und das gedämpfte grünliche licht der scheibchen 007261_6264_000033 er tritt auf die wendeltreppe hinaus lehnt sich an den pfeiler er ist so angenehm kühl und lauscht gertrud von laufen und renata wegen des lauschens braucht er sich keine vorwürfe zu machen die worte ertrinken im widerhall 007261_6264_000034 bischof ottmar reißt das fenster in der turmkammer auf frische luft gibt es zwar keine aber wenigstens luft wenn sie auch schwül ist schwül sie ist heiß wie die eines backofens 007261_6264_000035 engländer mit seinen beiden taschen in der einen gedankenloser glauben in der anderen ideenlose wissenschaft sorgfältig getrennt und leicht mitzunehmen in ihm sieht er so recht das gegenbild des deutschen genius der in dem großen mystiker so tief gedacht geschaut und gefühlt hat 007261_6264_000036 diese verleugnung der realität der begriffe der ideen und der urbilder denen sie anstatt solche göttliche wesen in einem himmelspalaste wohnen zu lassen eine dürftige heimstätte unter der menschlichen hirnschale anweist welcher gräuel des ärgernisses 007261_6264_000037 in jungen tagen als sein ehrgeiz mehr auf wissenschaftlichen ruhm denn auf kirchliche hoheit und macht gerichtet war hatte er des öfteren daran gedacht seine verteidigung des berühmten aber scharf angegriffenen meisters zu verfassen 007261_6264_000038 daß gott über unterschiede wie gut und böse erhaben sei das sind gedanken die einem geschulten verstande wie dem seinigen geläufig genug sind allein es gibt andere stellen die schwierig sind sehr schwierig so daß es sogar gefährlich sein dürfte sie anzuführen 007261_6264_000039 dass er geradezu darob erschrickt denn wie er nun so vornübergebeugt dasitzt den kopf in die rechte hand gestützt das heft in der linken herabhängend 007261_6264_000040 dann fiel ihm diese schrift des meisters in die hand endlich hat er gestern selber renata gegenüber sich auf eckehart berufen als ein beispiel freien und tiefen denkens innerhalb der kirche dadurch war ein alter plan bei ihm wieder lebendig geworden 007261_6264_000041 bis dasselbe nachdem es verschiedene wandlungen durchgemacht hatte sich in der knappen form festlegte defensio eckehardii doctorem invincibilem vincens te defendo calamo 007261_6264_000042 aber der klang der stimmen wiewohl verhüllt und übertrieben ist erkennbar genug sein herz fängt an zu pochen bald klopft es so heftig wie noch nie während dieses aufenthaltes auf burg langenstein 007261_6264_000043 auch das auge hat keine freude am sonnenlichte blendend genug ist es aber matt fast farblos bläulich weiß und einförmig stillstehend wie luft drüben über dem kamme des waldberges stehen ein paar rötliche wolkenblasen 007261_6264_000044 alle beschrieben hier eine ganze seite da eine halbe dort nur ein paar zeilen oft schräg hingekratzt wie das blatt gerade lag überall dieselben furchtbaren schriftzüge die er morgen kaum selber wird lesen können und die gewiss kein fremdes auge deuten kann das vincentius ausgenommen 007261_6264_000045 die noch dazu von den bald erklommenen sprossen aus betrachtet keineswegs zu empfehlen waren die schrift blieb wie so vieles andere ein jugendtraum aber nicht der jakobs 007261_6264_000046 nun ist nicht gerade heut früh die regensburger mission unten in der stadt angekommen man könnte ja hinunter in das elisabethinerinnenhaus gehen und hören was der einem wenig zusagende aber erfahrene franziskanermönch bruder martin von den dortigen zuständen hält 007261_6264_000047 wenn er sich aber in seiner stube eingeschlossen hat dann geschah es nicht um ruhe zu finden er hat nicht erwartet dort welche zu finden und es ist auch keine da wie still es auch ringsum ist 007261_6264_000048 so dass er weniger ketzerisch belastet war als der dominikaner meister oh nein an occams glauben war nichts auszusetzen die sache fiel ihm leicht genug hatte er doch die theorie der beiden taschen erfunden 007261_6264_000049 gereichte ottmar nur zu geringem troste denn einmal hatte der dreiste franziskaner mehr durch seine antipäpstliche politik als durch seine theologie die bulle auf sich gezogen und dann betraf die verdammung von occams theoretischen sätzen viel mehr seine philosophie als seinen glauben 007261_6264_000050 gleich einem blatte das von seinem zweige fallen will da ertappt er sich dabei die frage an sich selbst zu stellen hat dieser occam zu guter letzt dennoch recht 007261_6264_000051 eben deshalb ein annehmbarer umso mehr als dadurch etwas ausgerichtet wird außerdem hat er diesen pfad nicht betreten seitdem sein fuß jugendleicht bergab bergan sprang wenn es galt renata irgendeine sache zu verschaffen 007261_6264_000052 das unablässig quälende bewusstsein dass er solchermaßen eingemauert einen tag von den wenigen verliert die er sich hier auf burg langenstein gönnen kann noch dazu einen von den wenigeren da sein famulus abwesend ist wirkt wie ein steter störenfried 007261_6264_000053 unmöglich durch das fenster die luft von draußen hereinzulassen aber die tür zur wendeltreppe sperrangelweit auf damit das gibt doch jedenfalls freieren raum auch laute durch den widerhall seltsam vermummt 007261_6264_000054 das zwitschern eines vögleins wäre lieblicher und erfrischender aber eine küchenmagd die den kehrreim eines liedes trällert ist besser denn nichts gegen die stimmung in der er sich befindet und jetzt ein stimmenpaar frauen im gespräch 007261_6264_000055 mit ausnahme des kurzen mittagsmahles hat ottmar den ganzen tag in seiner kammer zugebracht er wünscht nicht renata allein zu treffen denn er will nicht in sie dringen oder auch nur den schein davon erwecken 007261_6264_000056 dies alles ist nicht nur sehr sonderbar es ist namentlich in hohem grade beunruhigend dass der ordensprovinzial der dominikaner und der lehrer der dogmatik an der hochschule zu köln kein ketzer war was auch ein welscher papst aus seinem französischen gefängnis in 007261_6264_000057 sie sehen aus als wären sie mit wüstenhitze gefüllt und bereit zu platzen um diese hitze dann über den abhang ins tal zu ergießen eher das als dass sie ein kühlendes gewitter verhießen 007261_6264_000058 dekretiert haben mochte das war von je ein ordensdogma für ottmar gewesen aber woher kam denn die schwierigkeit ist es etwa diese gluthitze diese ewig drückende luft die seinen verstand betäubt seine gedankenkraft lähmt und seinen geist derart herabstimmt 007261_6264_000059 irdische lebensgeister können auf die dauer diesen druck nicht ohne erschlaffung ertragen und dazu das gefängnisleben dem er sich heute verschrieben hat nein es ist nicht länger auszuhalten 007261_6264_000060 aber wie das verbotene lockt vieles findet er das je näher er es in der absicht betrachtet auf dem kirchlichen turnierplatz für dessen rechtgläubigkeit eine lanze zu brechen ihm immer schwieriger zu erklären erscheint wenigstens es anderen so zu erklären dass sie es als unketzerisch verstehen 007261_6264_000061 nicht gefährlich für ihn selber daran denkt er im augenblicke nicht gefährlich aber insofern als er dadurch leicht dem meister mehr schaden als nutzen bringen könnte 007261_6264_000062 eine tür unten schließt sich hinter dem stimmenpaar ottmars unruhe wird dadurch nicht gedämpft sie wird zur bewegung und zur unternehmungslust es ist freilich ein wetter in dem keine schnecke aus ihrem hause kriecht geschweige denn 007261_6264_000063 einen ebenso klugen wie flachstirnigen geist der an allem rüttelt was ihm selber teuer und heilig ist seinem innersten menschen vielleicht heiliger als manche doctrina sancta in welcher er von amtes wegen mit occam übereinstimmt 007261_6264_000064 und da er allzeit ein mann gewesen ist der wenn sich seiner ein einfall bemächtigt sofort zu dessen ausführung schreitet so vergehen nur auch wenige minuten und er befindet sich außerhalb der burgmauer unterwegs nach der stadt 007261_6264_000065 dass ein menschenkind aus freien stücken die steinerne schale verlassen sollte die das ärgste der nachmittagshitze fernhält warum also gerade jetzt ausgehen 007261_6264_000066 auch das würde dann eine kleine gemeinsame arbeit werden die renata und ihn verbände mit welchem eifer und verständnis würde ihr hoher geist nicht seinem ideenflüge folgen welche weihe wie durch die hand unserer lieben frau würde nicht seine arbeit durch diese gemeinschaft erfahren 007261_6264_000067 das lächeln wird alles andere denn bissig renata war in alten tagen die die jungen tage waren sehr gewandt seine krähenfüße zu deuten sie sind freilich seitdem noch ärger geworden aber wenn er sie erst genau durchginge die buchstaben hier und da etwas deutlicher nachschriebe 007261_6264_000068 welch taufrischer glanz würde diese gedanken umleuchten wenn er sich vorstellt dass er sie vor allem für ihren blick niederschreibe er vertieft sich wieder ins lesen 007261_6264_000069 um sich mit ihm über die notwendigen schritte zu beraten den burgfels hinunter und herauf an diesem ausgesuchten tage zu dieser ebenso ausgesuchten stunde wo die nachmittagssonne sein gestein bis zur ofenglut erhitzt hat allerdings ein verwegener ja fast wahnwitziger einfall 007261_6264_000070 und das tut gut es ist eine wahre wohltat das blut pulsieren zu fühlen anstatt zu merken wie das bleigewicht der gedanken immer tiefer und tiefer in eine leere von zweifel und geistiger ohnmacht sinkt 007261_6264_000071 die zuhörer blicken einander verwundert an von wessen gemüte spricht der meister da war er doch dort gerade mit bischof ottmar zusammen sollte er ihn meinen ist es möglich dass der himmel ein solches bekehrungswerk vorhabe welch ungeheurer gewinn wäre das für die gute sache 007261_6264_000072 da hat es nun auch leute gegeben die an unserer heiligen schrift deutelten und sagten dass der herr jesus der sohn eines zimmermannes war das hat eben diesen sinn er sei der sohn des weltschöpfers 007261_6264_000073 da kann ich denn sagen daß ich doch meine den frischen zug des morgenwindes zu spüren gerade so wie ich ihn spürte als ich jetzt in der dämmerung mich dieser trauten heimstätte näherte 007261_6264_000074 denn gesinnung ist alles was heißt das alles gott und teufel das nenn ich alles gott und teufel liebe und hass das hat ein alter heidnischer meister tief empfunden und gar fein ausgedrückt 007261_6264_000075 aber dies ist nur ein zeichen der zeit und ich war nicht weniger besorgt um euch und sagte früh und spät zu mir du mußt ihren geist aufrichten und sie waffnen gegen das böse was gewißlich im anzug ist 007261_6264_000076 nun steht die sache aber so daß je mehr wir die welt zum feinde haben um so mehr sind wir gottes freunde es kann also gar nicht anders sein als daß wir weit entfernt uns zu fürchten und verzagt zu sein 007261_6264_000077 aber fragt ihr mich nach dem wesen und namen des wirkenden gottes so nenne ich ihn mit dem apostel der liebe eben liebe und kenne keinen anderen namen und brauche auch einen solchen nicht zu kennen 007261_6264_000078 die nicht sich selber noch ihre befriedigung und lust sucht so wie unser herr jesus christus der von einer jungfrau geboren ward und im gleichnis eines menschen befunden wurde 007261_6264_000079 und warum fällt es dem fleische so schwer weil das fleisch wider den geist begehrt und gott ist geist das fleisch steht also auf der seite des feindes der welt die uns verfolgt 007261_6264_000080 wenn ihr nun in dieser zeit der bedrängnis berufen werden solltet mit der waffe in der hand eure herrin zu verteidigen und jemand da sagte es sei fern von mir zum schwerte zu greifen denn mit dem schwerte schlagen und töten das ist des teufels werk 007261_6264_000081 nein antworten wir es hat keinen anderen sinn als den daß es seiner demut angemessen war als sohn eines einfachen handwerkers auf die welt zu kommen und hatte sein vater ebensowohl ein schuster sein können 007261_6264_000082 sagen wir nun gott ist in der liebe so sprechen wir richtig und gut aber noch richtiger und besser sagt es der jünger von dem es heißt dass ihm der herr in besonderer liebe zugetan war wenn er schreibt 007261_6264_000083 wie da die leute wenn ein priester das allerheiligste zu einem sterbenden bringt zu sagen pflegen er trägt den lieben gott wie das pfäfflein trüge gott 007261_6264_000084 ob er ein so erfahrener arzt in seiner arzeneitasche nicht einen trank habe der ihm schnell den tod bringen und ihm die langen nutzlosen qualen ersparen könne und er bat und flehte ihm davon zu geben 007261_6264_000085 so aber ist zwar unser wesensgrund gott selber da herum hat sich jedoch der schlangenknäuel des alten satan geschlungen und über dem fünkchen der liebe ist die finsternis des hasses gelagert was wunder dann 007261_6264_000086 wo er uns eine ewige wohnstätte bereitet hat da zeigt er sich denn freilich als höchsten baumeister den alle unsere frommen bauhütten überall im deutschen lande zum herrn und werkführer haben 007261_6264_000087 ist nun gott die liebe und ist liebe unser eigener wesensgrund so sind wir sobald wir dies recht erkennen unserem tiefsten wesen nach eins mit gott wie denn auch die heilige katrei nach erlangter erleuchtung meister eckehart mit dem freudigen ausruf begrüßte 007261_6264_000088 auch wenn du zu deinem treuen hunde liebe hegst ja noch mehr die liebe die der hund dir mit rührendem blicke entgegenbringt die ist gott und ist hoch über alles erkennen der gottesgelahrten erhaben 007261_6264_000089 denn die liebe nährt sich von liebe wie der leib vom laib sollte aber jemand auch sagen wer solches lehrt der ist von der kirche abgefallen dem sollt ihr antworten nicht wir sind von der kirche abgefallen sondern die kirche ist von den freunden gottes abgefallen die immer da waren 007261_6264_000090 gott ist die liebe und das sollt ihr ganz schlicht und im eigentlichsten sinne verstehen nicht als ob er ein von euch verschiedenes wesen wäre das diese eigenschaft besäße etwa wie ich ein von euch verschiedenes wesen bin das euch gegenübersteht und die eigenschaft hat euch zu herzen reden zu können 007261_6264_000091 der war ein kundiger arzt und als er die wunden des armen überfallenen untersucht und verbunden hatte wusste er wohl dass sie tödlich seien langsam aber unaufhaltsam unter großen leiden sieche das leben dahin und keine kunst und wissenschaft könne da helfen 007261_6264_000092 gott ist die liebe sei es nun liebe zum freund oder zu frau und rind oder zu kaiser und reich wofern es nur lautere liebe ist die nicht sich selber sucht solche liebe ist gott 007261_6264_000093 ja da war sogar ein kleines vöglein im gebüsche das begann noch halb im schlaf einige töne seines süßen liedes anzustimmen als ob es sänge 007261_6264_000094 aus dem wir den trank des lebens mit den großen gegensätzen trinken honig und galle ich sehe die galle mitten im honige schweben also sang vor langer zeit ein edler sangesmeister und frommer ritter herr walther von der vogelweide 007261_6264_000095 als er sein leben überblickte seine dahingegangenen jahre und sich innig danach sehnte zum heiligen grabe zu fahren und an dem kreuzzuge teilzunehmen zu welchem damals auch der herr dieser burg sich rüstete 007261_6264_000096 deshalb auch ihr lieben freunde wenn ihr in euch die liebe erglühen fühlt dann braucht ihr keinen beweis für das dasein gottes weder den von anselm von canterbury 007261_6264_000097 so würde derjenige mehr nach seiner eigenen seelenruhe fragen als nach der gefahr seiner herrschaft einem solchen übel beratenen werde ich besser raten 007261_6264_000098 denn er ist in der liebe die sie darreicht wer ihn aber anderswo sucht als in der liebe der läuft einem götzenbilde nach und wenn es die monstranz selbst wäre 007261_6264_000099 wie viel zuversichtlicher dürfen dann wir denen durch gottes sohn die offenbarung zuteil wurde jener seligkeit entgegenharren dass diese vergottung mit uns allen vorgehen möge nicht nach unseren eigenen kurzsichtigen wünschen sondern nach göttlichem ratschluss wie es uns am besten frommt 007261_6264_000100 und so wollen wir uns denn begrüßen im namen des herrn der da gesagt hat in der welt habt ihr angst aber seid getrost ich habe die welt überwunden 007261_6264_000101 das walte der gott dessen walten ist allmacht der liebe in ewigkeit amen 007261_6264_000102 wie ja der herr selber sagt ich nenne euch freunde und nicht knechte und gleicherweise der apostel jakob von abraham er war ein freund gottes schreibt und ist in die knechtschaft des heidentums mit seinen opferbräuchen und zaubermitteln zurückgesunken 007261_6264_000103 damit sie wo die kirche die der weltlichkeit verfallen ist versagt unter euch erbaulich wirken können so suchen wir denn gott in der liebe und sagen er könne ebenso gut im gift wie im labetrunk sein 007261_6264_000104 den die anderen nicht erkannten woraus zu erlernen ist dass die liebe das erste und recht eigentlich göttliche ist das erkennen aber auch das höchste gotteserkennen nur das zweite und kreatürliche ist 007261_6264_000105 wenn er lehrt es gäbe überall nichts als liebe und haß und die ganze welt sei nur das schauspiel ihres kampfes wenn aber die liebe den haß gänzlich verdrängt und allein herrscht so sei dies das ende der welt 007261_6264_000106 nun bedenkt wie viel klüger die dienerschaft und die frau waren als das arme unvernünftige vieh bei diesem jedoch war die treue liebe größer und deshalb erkannte es seinen herrn 007261_6264_000107 und so sage ich euch denn wer den feind erschlägt nicht aus hass zu ihm sondern aus liebe zu denen die von ihm bedroht werden der begehrt nicht des teufels werk sondern gottes da ist gott in der schwertschneide wie wir ihn vorher im gifte fanden 007261_6264_000108 denn es wäre die nacht in der niemand schaffen kann wie unser herr jesus sagt denn schaffen ist geisteswerk jene mächte aber sind die des fleisches 007261_6264_000109 darüber hat uns ein heidnischer meister mit namen homerus ein überaus tiefes und schönes gleichnis gegeben er erzählt uns nämlich wie der könig ulisses vom kriegszuge gegen die stadt troja nach langen irrfahrten die heimat erreichte 007261_6264_000110 eine finstere zeit erleben wir und doch sagen wir lieber eine dämmerungszeit denn das ist ja das merkmal der dämmerung dass wie der evangelist schreibt das licht scheint in die finsternis täte es das nicht jetzt wie könnte ich hier stehen und zu euch reden dämmerung 007261_6264_000111 aber eine gibt es die nicht also fragt renata faltet die hände und dankt gott von herzen ein dämmerwesen und sind wir das nicht alle und ist nicht die ganze welt ein solches aus licht und finsternis gewoben ein mischkrug 007261_6264_000112 er war von wind und wetter mitgenommen und in bettlerlumpen elend gekleidet sodass ihn niemand auch seine frau nicht erkannte da war aber sein hund argus den hatte ulisses einst selber gezogen und zu allen künsten abgerichtet 007261_6264_000113 dann wären wir nicht fleischliche wesen in den banden des fleisches sondern reine geister wie gott selber die liebe ist ein geist ist wir wären lauter leben statt leben und tod lauter liebe statt liebe und hass lauter gott statt gott und teufel zugleich 007261_6264_000114 der verwundete aber mochte dies in seinen betrübten mienen lesen und fragte ihn aufs gewissen und der arzt konnte die wahrheit nicht verbergen nun fragte ihn der auf den tod 007261_6264_000115 fragt ihr mich freilich aus über das wesen der überwesenden übergottheit dann schweige ich und dies schweigen sei euch eine beredte antwort denn ihr name ist namenlos und ihr wort ihr ewiges wort ist schweigen 007261_6264_000116 und es ist nun einmal nicht anders je ferner der welt um so näher gott und dies nicht als ob es zwei getrennte sachen wären sondern wie man sagt das schiff hält vom land ab und steuert der hohen see zu so sind das nicht zwei bewegungen sondern eine und dieselbe ungeteilte 007261_6264_000117 eben deshalb nennen wir gott allmächtig nicht etwa wie die schulkinder weil er himmel und erde geschaffen habe als ob die welt ein holzkasten wäre den er zusammengezimmert hätte und uns gleich spänen hinein geschüttet 007261_6264_000118 ein flaches laibchen aus weizen und wasser gebacken das ist's was er trägt und weiter nichts erst der glaube das ist die liebe zu gott macht solchen laib zum leib gottes und zur geistigen glaubensspeise 007261_6264_000119 gertrud wagt es kaum renata anzublicken die sehr blaß aber mit unbeweglichen zügen dasitzt konrad tut es verstohlen sollte in den bösen worten stephans etwas mehr als loses gerede sein denkt er 007261_6264_000120 noch von einem anderen doktor der gottesgelahrtheit und werdet euch so wenig darum kümmern wie einer der auf seinen gesunden beinen läuft sich nach einem stelzbein umsieht 007406_6765_000000 wir wollen aber geschwind aufsteigen uns anziehen und zusammen fortgehen also standen die beiden kinder auf zogen sich geschwind an und gingen fort 007406_6765_000001 so werde du eine kirche und ich die krone darin wie nun die drei knechte dahin kamen war nichts da als eine kirche und eine krone darin sie sprachen also zu einander was sollen wir hier machen laßt uns nach hause gehen 007406_6765_000002 da sprachen sie hier ist nichts zu machen und gingen heim und sagten vor die köchin sie hätten nichts in der welt gesehen als nur ein rosenstöckchen mit einem röschen oben drauf 007406_6765_000003 brachte es heim und die zwei kinder wuchsen so miteinander auf das aber das auf dem baum gefunden worden war und weil es ein vogel weggetragen hatte wurde fundevogel geheißen 007406_6765_000004 da schalt die alte köchin ihr einfaltspinsel ihr hättet das rosenstöckchen sollen entzwei schneiden und das röschen abbrechen und mit nach haus bringen geschwind und tut's 007406_6765_000005 und ging dem schreien nach so sah er endlich einen hohen baum und oben darauf saß ein kleines kind unter dem baum aber lag eine frau die schlief 007406_6765_000006 und als die frau unter dem baum eingeschlafen war hatte ein raubvogel das kind in ihrem schoß gesehen flog hinzu nahm es mit seinem schnabel weg und setzte es auf den hohen baum 007406_6765_000007 aber die ente kam schnell geschwommen faßte sie mit ihrem schnabel beim kopf und zog sie ins wasser hinein da mußte die alte hexe ertrinken da gingen die kinder zusammen nach haus und waren herzlich froh und wenn sie nicht gestorben sind leben sie noch 007406_6765_000008 wie nun das wasser im kessel kochte ging die köchin in die schlafkammer und wollte fundevogel holen um ihn hineinzuwerfen allein als sie hineinkam und zu den betten trat waren die kinder alle beide fort so wurde ihr grausam angst und sprach vor sich 007406_6765_000009 aufgenommen von sebastian vom fundevogel es war einmal ein förster der ging in den wald auf die jagd und wie er in den wald kam hörte er schreien als ob's ein kleines kind wäre 007406_6765_000010 morgen früh wenn der förster auf die jagd ist da koche ich das wasser und wenns in dem kessel siedet werf ich den fundevogel nein und will ihn darin kochen 007406_6765_000011 was will ich nun sagen wenn der förster heim kommt und sieht dass die kinder weg sind geschwind hintennach dass wir sie wieder kriegen da schickte die köchin drei knechte nach die sollten laufen und die kinder einlangen 007406_6765_000012 wenn du's keinen menschen wieder sagen willst so will ich dir's wohl sagen da sagte lehnchen nein sie wollte es keinem menschen wieder sagen so sprach die köchin 007406_6765_000013 sie mussten also zum zweitenmal hinaus und suchen die kinder sahen sie aber von weiten kommen da sprach lehnchen fundevogel verlässt du mich nicht verlass ich dich auch nicht fundevogel sagte nun und nimmermehr 007406_6765_000014 da sprach der fundevogel nun und nimmermehr so sprach lehnchen werde du zum teich und ich die ente drauf die köchin aber kam herzu und als sie den teich sah legte sie sich drüber hin und wollte ihn aussaufen 007406_6765_000015 wenn ichs keinem menschen sagen wollte so wollte sie es mir wohl sagen so sprach ich ich wollte es gewiss keinem menschen sagen da sagte sie morgen früh wenn der vater auf die jagd wäre wollte sie den kessel voll wasser sieden und dich hineinwerfen und kochen 007406_6765_000016 wie sie nach haus kamen fragte die köchin ob sie nichts gefunden so sagten sie nein sie hätten nichts gefunden wie eine kirche da wäre eine krone darin gewesen ihr narren schalt die köchin warum habt ihr nicht die kirche zerbrochen und die krone mit heim 007406_6765_000017 da sagte lehnchen werde du zum rosenstöckchen und ich zum röschen drauf wie nun die drei knechte vor den wald kamen so war nichts da als ein rosenstrauch und ein röschen oben drauf die kinder aber nirgends 007406_6765_000018 die nahm eines abends zwei eimer und fing an wasser zu schleppen und ging nicht einmal sondern viele male hinaus an den brunnen und lehnchen sah es hör einmal alte sanne was trägst du denn so viel wasser zu 007406_6765_000019 und des anderen morgens in aller früh stieg der förster auf und ging auf die jagd und als er weg war lagen die kinder noch im bett da sprach lehnchen zum fundevogel 007406_6765_000020 nun machte sich die alte köchin selbst auf die beine und ging mit den drei knechten den kindern nach die kinder sahen aber die drei knechte von weitem kommen und die köchin wackelte hinten nach da sprach lehnchen fundevogel verlässt du mich nicht so verlass ich dich auch nicht 007406_6765_000021 verlässt du mich nicht so verlass ich dich auch nicht so sprach der fundevogel nun und nimmermehr da sprach lehnchen ich will es dir nur sagen die sanne schleppte gestern abend so viel eimer wasser ins haus so fragte ich sie warum sie das täte so sagte sie 007406_6765_000022 die kinder aber saßen vor dem wald und als sie die drei knechte von weitem laufen sahen sprach lehnchen zum fundevogel verlässt du mich nicht so verlass ich dich auch nicht so sprach fundevogel nun und nimmermehr 007406_6765_000023 fundevogel und lehnchen hatten sich so lieb nein so lieb dass wenn eins das andere nicht sah wurde es traurig der förster hatte aber eine alte köchin 007406_6765_000024 der förster aber stieg hinauf holte das kind herunter und dachte du willst das kind mit nach haus nehmen und mit deinem lehnchen zusammen aufziehen 007406_6765_000025 eines tags als sie ihr fünfzehntes jahr eben erreicht hatte war der könig und die königin ausgegangen und sie saß ganz allein im schloss da ging sie aller orten herum nach ihrer lust endlich kam sie auch an einen alten turm 007406_6765_000026 da kniete es sich vor den herd in die asche und wollte anfangen zu lesen indem flogen zwei weiße tauben durchs fenster und setzten sich neben die linsen auf den herd 007406_6765_000027 ich hab oben auf den taubenstall gestanden wie sie das hörte trieb sie der neid und sie befahl dass der taubenstall gleich sollte niedergerissen werden 007406_6765_000028 der tag kam heran wo das urteil sollte vollzogen werden es war gerade der letzte tag von den sechs jahren und sie war mit den sechs hemden fertig geworden nur an einem fehlte der linke ärmel 007406_6765_000029 was macht der garstige unnütz in den stuben sagte die stiefmutter fort mit ihr in die küche und wenn sie brot essen will muss sie's erst verdient haben sie kann unsere magd sein 007406_6765_000030 der prinz aber tanzte mit aschenputtel und ward ihm königliche ehre angetan er gedachte auch bei sich ich soll mir eine braut aussuchen da weiß ich mir keine als diese für so lange zeit in asche und traurigkeit lebte aschenputtel nun in pracht und freude 007406_6765_000031 und als da der glanz der viel tausend lichter auf es fiel da war es so schön dass jedermann sich darüber verwunderte und die schwestern standen auch da und ärgerten sich dass jemand schöner war wie sie aber sie dachten nimmermehr dass es das aschenputtel wäre das zu haus in der asche lag 007406_6765_000032 da streifte es den schweren schuh von dem linken fuß setzt ihn auf den goldenen pantoffel und drückte ein klein wenig da stand es darin als wär er ihm angegossen und als es sich aufbückte sah ihm der prinz ins gesicht da erkannte er die schöne prinzessin wieder und rief das ist die rechte braut 007406_6765_000033 es war als hielten sich die dornen fest wie an händen zusammen und sie blieben darin hängen und kamen jämmerlich um so währte das lange lange jahre 007406_6765_000034 wie sie nun zum scheiterhaufen geführt wurde nahm sie die sechs hemden mit sich und wie sie oben stand und das feuer sollte angesteckt werden sah sie sechs schwäne durch die luft daher ziehen und über sich herabsenken 007406_6765_000035 sie riefen aber noch immer da warf es seinen gürtel als auch dies nichts half seine strumpfbänder endlich alles was es entbehren konnte herunter so dass es nichts mehr als sein hemdlein anbehielt 007406_6765_000036 aschenputtel ging hin bäumlein rüttel dich und schüttel dich wirf schöne kleider herab für mich da fiel ein kleid herab noch viel herrlicher und prächtiger als das vorige ganz von gold und edelgesteinen dabei goldgezwickelte strümpfe und goldene pantoffel 007406_6765_000037 aschenputtel aber mußte sie wieder kämmen und putzen da sagte die jüngste die noch ein wenig mitleid im herzen hatte aschenputtel wenns dunkel wird kannst du hinzugehen und von außen durch die fenster gucken 007406_6765_000038 damit ging es zurück machte sich das gesicht staubig und legte sich in die asche schlafen am morgen darauf kamen die schwestern sahen verdrießlich aus und schwiegen still 007406_6765_000039 nein sagte die älteste das macht sie nur faul da hast du einen sack voll wicken aschenputtel da lese die guten und bösen auseinander und sei fleißig und wenn du sie morgen nicht rein hast so schütte ich sie dir in die asche und du musst hungern bis du sie alle herausgesucht hast 007406_6765_000040 so ging sie hinaus zu dem prinzen und wie der sah dass sie den pantoffel anhatte sagte er das sei die braut führte sie zum wagen und wollte mit ihr fortfahren wie er aber ans tor kam saßen oben die tauben und riefen 007406_6765_000041 die hoben es hinein und so ging's im gallop zu dem schloss des königs der prinz aber sah den wagen vor dem tor halten und meinte eine fremde prinzessin käme angefahren da ging er selbst die treppe hinab hob aschenputtel hinaus und führte es in den saal 007406_6765_000042 nachdem sie das gesagt tat sie die augen zu und starb das kind aber weinte und pflanzte ein bäumlein auf das grab und brauchte kein wasser hin zu tragen und es zu begießen denn es war genug mit seinen tränen 007406_6765_000043 auf eine zeit stellte der könig einen ball an der sollte in aller pracht drei tage dauern und sein sohn der prinz sollte sich eine gemahlin aussuchen dazu wurden die zwei stolzen schwestern auch eingeladen 007406_6765_000044 kaum hatte es das ausgesagt da lag ein prächtig silbern kleid vor ihm perlen seidene strümpfe mit silbernen zwickeln und silberne pantoffel und was sonst noch dazu gehörte 007406_6765_000045 weil die aber mit pech bestrichen war blieb einer von den goldenen pantoffeln festhängen und in der angst dacht es nicht daran ihn mitzunehmen und wie es den letzten schritt von der treppe tat da hatte es zwölf ausgeschlagen da war wagen und pferde verschwunden und aschenputtel stand in seinen aschenkleidern auf der dunkeln straße 007406_6765_000046 in dem augenblick kam der könig mit dem ganzen hofstaat zurück und da fing alles an einzuschlafen die pferde in den ställen die tauben auf dem dach die hunde im hof 007406_6765_000047 sein großvater habe ihm gesagt dass sonst viele prinzen gekommen wären und hätten hindurchdringen wollen sie wären aber in den dornen hängen geblieben und totgestochen worden 007406_6765_000048 aufgenommen von sebastian die sechs schwäne ein könig jagte in einem großen wald verirrte sich und konnte keinen ausgang finden 007406_6765_000049 da war der königssohn so erstaunt über ihre schönheit daß er sich bückte und sie küßte und in dem augenblick wachte sie auf und der könig und die königin und der ganze hofstaat und die pferde und die hunde und die tauben auf dem dach und die fliegen an den wänden 007406_6765_000050 da warf sie über jeden ein hemdchen und kaum hatte es ihren leib berührt da waren sie in schwäne verwandelt hoben sich auf in die luft und flogen davon 007406_6765_000051 der prinz war ihm nachgeeilt auf der treppe fand er den goldenen pantoffel riß ihn los und hob ihn auf wie er aber unten hinkam war alles verschwunden die leute auch die zur wache ausgestellt waren kamen und sagten daß sie nichts gesehen hätten 007406_6765_000052 aschenputtel war froh dass es nicht schlimmer gekommen war und ging nach haus da steckte es sein trübes öllämpchen an hängte es in den schornstein und legte sich in die asche es währte nicht lange so kamen die beiden schwestern auch und riefen aschenputtel steh auf und leucht uns 007406_6765_000053 da ging die älteste in ihre kammer und probierte den pantoffel an die fußspitze kam hinein aber die ferse war zu groß da nahm sie das messer und schnitt sich ein stück von der ferse bis sie den fuß in den pantoffel hineinzwängte 007406_6765_000054 am andern morgen aber sammelte das mädchen sternblumen setzte sich dann auf einen hohen baum und fing an zu nähen es redete auch kein wort und lachte nicht sondern sah nur auf seine arbeit 007406_6765_000055 und das feuer stand auf und flackerte und kochte das essen fertig und der braten brutzelte fort und der koch gab dem küchenjungen eine ohrfeige und die magd rupfte das huhn fertig da ward die hochzeit von dem königssohn mit dornröschen gefeiert und sie lebten vergnügt bis an ihr ende 007406_6765_000056 den jägern war aber das alles nicht genug sie stiegen auf den baum hoben es herab und brachten es mit gewalt zum könig der könig war verwundert über seine schönheit wickelte es in seinen mantel setzte es vor sich auf das pferd und führte es nach haus 007406_6765_000057 da musste das arme kind so schwere arbeit tun früh vor tag aufstehen wasser tragen feuer anmachen kochen und waschen und die stiefschwestern taten ihm noch alles gebrannte herzeleid an spotteten es schütteten ihm erbsen und linsen in die asche 007406_6765_000058 als sie nun den ersten prinzen zur welt brachte nahm die schwiegermutter ihn weg bestrich ihr den mund mit blut und gab dann bei dem könig vor die königin habe ihr eigen kind gefressen und sei eine zauberin der könig aber aus großer liebe wollte es nicht glauben 007406_6765_000059 danach als sie den zweiten prinzen gebar übte die gottlose schwiegermutter denselben betrug und klagte sie wieder beim könig an und weil sie nicht reden durfte sondern immer stumm saß und an den sechs hemden arbeitete so konnte sie nichts mehr erretten und ward zum feuer verdammt 007406_6765_000060 der prinz aber gedachte ist dir alles andere fehlgeschlagen so wird dir der pantoffel die braut finden helfen und ließ bekannt machen welcher der goldene pantoffel passe die solle seine gemahlin werden 007406_6765_000061 die alte frau gefiel ihr wohl und sie machte scherz mit ihr und sagte sie wolle auch einmal spinnen und nahm ihr die spindel aus der hand kaum aber hatte sie die spindel angerührt so stach sie sich damit und alsbald fiel sie nieder in einen tiefen schlaf 007406_6765_000062 aufgenommen von sebastian dornröschen ein könig und eine königin kriegten gar keine kinder und sie hätten so gern eins gehabt einmal saß die königin im bade da kroch ein krebs aus dem wasser ans land und sprach 007406_6765_000063 da kam er endlich zu einer hexe die bat er sie möge ihn wieder herausleiten die hexe aber antwortete das geschehe nimmermehr er müsse darin bleiben und sein leben verlieren und nur das eine könne ihn erretten dass er ihre tochter heirate 007406_6765_000064 wenn du uns erlösen willst mußt du in sechs jahren sechs hemdlein aus sternblumen zusammennähen während der zeit aber darfst du nicht sprechen und nicht lachen sonst ist alle arbeit verloren und als die brüder das gesprochen hatten war die viertelstunde herum und sie waren wieder in schwäne verwandelt 007406_6765_000065 und weil er fürchtete es könne ihnen von der stiefmutter ein leid angetan werden brachte er sie in ein schloss das er mitten in einem wald stehen hatte es stand so verborgen dass niemand den weg dahin wusste 007406_6765_000066 der prinz sah nieder da waren die weißen strümpfe der braut rot gefärbt und das blut war hoch herauf gedrungen da brachte sie der prinz der mutter wieder und sagte das ist auch nicht die richtige braut aber ist nicht noch eine tochter im haus 007406_6765_000067 aschenputtel es war einmal ein reicher mann der lebte lange zeit vergnügt mit seiner frau und sie hatten ein einziges töchterlein zusammen 007406_6765_000068 es war recht als wären alle lichter auf einmal ausgeblasen worden sagte die andere aschenputtel wußte wohl wer die fremde prinzessin war aber es sagte kein wörtchen 007406_6765_000069 sie fürchtete sich aber vor ihrer stiefmutter und bat ihn er möge sie nur noch die nacht in dem schloss lassen in der nacht aber entfloh sie und geradezu in den wald hinein 007406_6765_000070 aschenputtel setzte sich betrübt auf den herd und schüttete die wicken aus da flogen die tauben wieder herein und taten freundlich aschenputtel sollen wir dir die wicken lesen ja die schlechten ins kröpfchen die guten ins töpfchen 007406_6765_000071 aschenputtel gedachte wenn nur meine tauben nicht ausbleiben und das herz schlug ihm ein wenig die tauben aber kamen wie an dem vorigen abend und sagten aschenputtel sollen wir dir die erbsen lesen 007406_6765_000072 als aschenputtel ankam stand schon der prinz auf der treppe und führte sie in den saal und waren gestern alle über ihre schönheit erstaunt so erstaunten sie heute noch mehr und die schwestern standen in der ecke und waren blaß vor neid und hätten sie gewußt daß das aschenputtel war 007406_6765_000073 als aber mitternacht kam eh es zwölf geschlagen stand es auf neigte sich und wie der prinz bat und bat so wollte es nicht länger bleiben da führte es der prinz hinab unten stand der wagen und wartete und so fuhr es fort in pracht wie es gekommen war 007406_6765_000074 das erste war nun dass sie sich mit list den knäuel verschaffte dann nahm sie sieben kleine hemdchen und ging hinaus in den wald der knäuel zeigte ihr den weg und als die sechs kleinen prinzen sie von weitem kommen sahen freuten sie sich meinten ihr vater käm und liefen heraus auf sie zu 007406_6765_000075 da war auch ihr die sprache wiedergegeben und sie erzählte wie die schwiegermutter sie so boshaft verleumdet dafür ward diese auf den scheiterhaufen gebracht und verbrannt sie aber lebte mit dem könig und ihren sechs brüdern in freuden 007406_6765_000076 eine enge treppe führte dazu und da sie neugierig war stieg sie hinauf und gelangte zu einer kleinen thüre darin steckte ein gelber schlüssel den drehte sie um da sprang die thüre auf und sie war in einem kleinen stübchen darin saß eine alte frau und spann ihren flachs 007406_6765_000077 nein sagte die mutter nur ein garstiges aschenputtel ist noch da das sitzt unten in der asche dem kann der pantoffel nicht passen sie wollte es auch nicht rufen lassen bis der prinz es durchaus verlangte 007406_6765_000078 aschenputtel du gingst wohl auch gern mit auf den ball ach ja wie kann ich aber hingehen ich habe keine kleider nein sagte die älteste das wär mir recht dass du dich dort sehen ließest wir müssten uns schämen wenn die leute hörten 007406_6765_000079 als aschenputtel zu haus war ging es wieder zu dem bäumlein auf der mutter grab bäumlein rüttel und schüttel dich nimm die kleider wieder für dich da nahm der baum die kleider wieder und aschenputtel hatte sein altes aschenkleid an 007406_6765_000080 das soll mich nicht schrecken sagte der königssohn ich will durch die hecke dringen und das schöne dornröschen befreien da ging er fort und wie er zu der dornhecke kam waren es lauter blumen die taten sich von einander und er ging hindurch und hinter ihm wurden es wieder dornen 007406_6765_000081 als sie auch den ganzen tag bis zum abend fortgegangen war kam sie zu einer wildhütte sie stieg hinauf und fand eine stube mit sechs kleinen betten weil sie nun müde war legte sie sich unter eins und wollte da die nacht zubringen 007406_6765_000082 da ward aschenputtel gerufen und wie es hörte dass der prinz da sei wusch es sich geschwind gesicht und hände frisch und rein und wie es in die stube trat neigte es sich der prinz aber reichte ihr den goldenen pantoffel und sagte probier ihn an und wenn er dir passt wirst du meine gemahlin 007406_6765_000083 der schnee deckte ein weiß tüchlein auf der mutter grab und als die sonne es wieder weggezogen hatte und das bäumlein zum zweitenmal grün geworden war da nahm sich der mann eine andere frau 007406_6765_000084 pick pick pick pick gings so geschwind als wären zwölf hände da und als sie fertig waren sagten die tauben aschenputtel willst du auch auf den ball gehen und tanzen o du mein gott sagte es wie kann ich in meinen schmutzigen kleidern hingehen 007406_6765_000085 aschenputtel mußte zum drittenmal die zwei schwestern putzen und zum lohn gaben sie ihm eine schüssel mit erbsen die sollte sie rein lesen und daß du dich nicht unterstehst von der arbeit wegzugehen rief die älteste noch nach 007406_6765_000086 und er selber hätte ihn nicht gefunden wenn ihm nicht eine weise frau einen knäuel von garn gegeben wenn er den vor sich warf wickelte er sich auf und zeigte ihm den weg weil aber der könig seine kinder gar lieb hatte ging er oft hinaus 007406_6765_000087 da musste es den ganzen tag sitzen und sie wieder auslesen wenn es müd war abends kam es in kein bett sondern musste sich neben dem herd in die asche legen und weil es da immer in asche und staub herumwühlte und schmutzig aussah gaben sie ihm den namen aschenputtel 007406_6765_000088 ach sagte es und seufzte dabei da muß ich dran lesen bis mitternacht und darf die augen nicht zufallen lassen und wenn sie mir noch so weh thun wenn das meine mutter wüßte 007406_6765_000089 und zeigte ihm noch die schwanenfedern die von ihren sechs brüdern auf den hof gefallen waren der könig erschrak gedachte aber nimmermehr dass die königin die böse tat vollbracht und weil er besorgte die prinzessin möge ihm auch geraubt werden wollte er sie mit sich nach haus nehmen 007406_6765_000090 und um das ganze schloss zog sich eine dornhecke hoch und immer höher so daß man gar nichts mehr davon sah prinzen die von dem schönen dornröschen gehört hatten kamen und wollten es befreien aber sie konnten durch die hecke nicht hindurch dringen 007406_6765_000091 auf eine zeit jagte der könig dem das land gehörte in dem wald und seine jäger kamen zu dem baum auf welchem es saß sie riefen ihm zu es sollte herabsteigen weil es ihnen nun nicht antworten durfte wollte es sie mit geschenken befriedigen und warf ihnen seine goldene halskette herab 007406_6765_000092 dass du unsere schwester wärest du gehörst in die küche da hast du eine schüssel voll linsen wann wir wieder kommen muss sie gelesen sein und hüt dich dass keine böse darunter ist sonst hast du nichts gutes zu erwarten 007406_6765_000093 da kam er ins schloss und in dem hof lagen die pferde und schliefen und die bunten jagdhunde und auf dem dach saßen die tauben und hatten ihre köpfchen in den flügel gesteckt und wie er hineinkam schliefen die fliegen an den wänden und das feuer in der küche 007406_6765_000094 damit gingen sie fort und aschenputtel stand und sah ihnen nach und als es nichts mehr sehen konnte ging es traurig in die küche und schüttete die linsen auf den herd da war es ein großer großer haufen 007406_6765_000095 da zog einmal ein königssohn durch das land dem erzählte ein alter mann davon man glaube daß hinter der dornhecke ein schloß stehe und eine wunderschöne prinzessin schlafe darin mit ihrem ganzen hofstaat 007406_6765_000096 rucke di gu rucke di gu blut ist im schuh der schuh ist zu klein die rechte braut sitzt noch daheim der prinz bückte sich und sah auf den pantoffel da quoll das blut heraus und da merkte er dass er betrogen war und führte die falsche braut zurück 007406_6765_000097 sie kroch unter dem bett hervor und die brüder waren beides erfreut und betrübt sie zu sehen du kannst hier nicht bleiben sagten sie das ist eine räuberherberg und wenn die räuber vor ihrem zug heimkommen dann wohnen sie hier 007406_6765_000098 da nahmen ihm die stiefschwestern die kleider weg und zogen ihm einen alten grauen rock an der ist gut für dich sagten sie lachten es aus und führten es in die küche 007406_6765_000099 da ward die königin neugierig und wollte wissen was der könig so viel allein in dem wald zu tun habe sie forschte die diener aus und diese verrieten ihr das ganze geheimnis 007406_6765_000100 die eltern erschraken aber die zwölfte fee hatte noch einen wunsch zu tun da sprach sie es soll aber kein tod sein sie soll nur hundert jahre in einen tiefen schlaf fallen 007406_6765_000101 sie nickten mit den köpfchen und sagten aschenputtel sollen wir dir helfen linsen lesen ja antwortete aschenputtel die schlechten ins kröpfchen die guten ins töpfchen und pick 007406_6765_000102 ist es vielleicht die gewesen die in den prächtigen wagen mit den sechs rappen gefahren ist fragte aschenputtel woher weißt du das ich stand in der haustüre da sah ich sie vorbeifahren in zukunft bleib bei deiner arbeit sagte die älteste und sah aschenputtel böse an was brauchst du in der haustüre zu stehen 007406_6765_000103 der könig hoffte immer noch sein liebes kind zu erretten und ließ den befehl ausgehen daß alle spindeln im ganzen königreich sollten abgeschafft werden die prinzessin aber wuchs heran und war ein wunder von schönheit 007406_6765_000104 und als aschenputtel damit angekleidet war da glänzte es recht wie die sonne am mittag vor der türe hielt ein wagen mit sechs schimmeln die hatten hohe weiße federbüsche auf dem kopf und die bedienten waren in rot und gold gekleidet 007406_6765_000105 und ob es gleich stumm war liebte er es doch von herzen und es ward seine gemahlin des königs mutter aber war böse darüber sprach schlecht von ihr niemand wisse woher die dirne gekommen und sie sei des königs unwert 007406_6765_000106 darauf aber sagten die tauben aschenputtel willst du deine schwestern mit dem prinzen tanzen sehen so steig auf den taubenschlag aschenputtel ging ihnen nach und stieg bis auf den letzten 007406_6765_000107 sie meinte nun sie hätte alle stiefkinder weggeschafft und ging wieder heim und so war das mädchen das in seiner kammer geblieben war errettet am andern tag kam der könig in das waldschloß da erzählte es ihm was geschehen war 007406_6765_000108 aschenputtel riefen sie komm herauf kämme uns die haare bürst uns die schuhe und schnalle sie fest wir gehen auf den ball zu dem prinzen aschenputtel gab sich alle mühe und putzte sie so gut es konnte sie gaben ihm aber nur scheltworte dazwischen und als sie fertig waren fragten sie spöttisch 007406_6765_000109 weil er nur zwölf goldene teller hatte konnte er eine nicht einladen es waren ihrer nämlich dreizehen die feen kamen zu dem fest und beschenkten das kind am ende desselben die eine mit tugend die zweite mit schönheit und so die andern mit allem was nur auf der welt herrlich und zu wünschen war 007406_6765_000110 dein wunsch wird bald erfüllt werden und du wirst eine tochter zur welt bringen das traf auch ein und der könig war so erfreut über die geburt der prinzessin daß er ein großes fest anstellen ließ und dazu lud er auch die feen ein die im lande waren 007406_6765_000111 geh zu dem bäumlein auf deiner mutter grab schüttele daran und wünsche dir schöne kleider komm aber vor mitternacht wieder da ging aschenputtel hinaus schüttelte das bäumlein und sprach bäumlein rüttel und schüttel dich wirf schöne kleider herab für mich 007406_6765_000112 das zu haus in der asche lag sie wären gestorben vor neid der prinz aber wollte wissen wer die fremde prinzessin sei woher sie gekommen und wohin sie fahre 007406_6765_000113 doch wollte er was er versprochen hatte halten die alte führte dann beide auf den rechten weg und daheim ward die hexentochter seine gemahlin der könig aber hatte noch sieben kinder von seiner ersten frau sechs buben und ein mädchen 007406_6765_000114 da konnte es in den saal sehen und sah seine schwestern mit dem prinzen tanzen und es flimmerte und glänzte von viel tausend lichtern vor seinen augen und als es sich satt gesehen stieg es wieder herab und es ward ihm schwer ums herz und legte sich in die asche und schlief ein 007406_6765_000115 wie sie damit hervortrat meinte er das wäre die rechte und wollte mit ihr fortfahren als er aber in das tor kam riefen die tauben wieder rucke di guh rucke di guh blut ist im schuh der schuh ist zu klein die rechte braut sitzt noch daheim 007406_6765_000116 aber allen war er viel zu klein ja manche hätten ihren fuß nicht hineingebracht und wären die zwei pantoffel ein einziger gewesen endlich kam die reihe auch an die beiden schwestern die probe zu machen sie waren froh denn sie hatten kleine schöne füße und glaubten uns kann es nicht fehlschlagen wär der prinz nur gleich zu uns gekommen 007406_6765_000117 da ward die frau krank und als sie todkrank war rief sie ihre tochter und sagte liebes kind ich muss dich verlassen aber wenn ich oben im himmel bin will ich auf dich herabsehen 007406_6765_000118 die stiefmutter aber hatte schon zwei töchter von ihrem ersten mann die waren von angesicht schön von herzen aber stolz und hoffärtig und bös wie nun die hochzeit gewesen und alle drei in das haus gefahren kamen da ging schlimme zeit für das arme kind an 007406_6765_000119 pflanz ein bäumlein auf mein grab und wenn du etwas wünschest schüttele daran so sollst du es haben und wenn du sonst in not bist so will ich dir hilfe schicken nur bleib fromm und gut 007406_6765_000120 und hatte leute auf die straße gestellt die sollten acht darauf haben und damit sie nicht so schnell fortlaufen könnte hatte er die treppe ganz mit pech bestreichen lassen aschenputtel tanzte und tanzte mit dem prinzen war in freuden und gedachte nicht an mitternacht 007406_6765_000121 die fliegen an den wänden ja das feuer das auf dem herde flackerte ward still und schlief ein und der braten hörte auf zu brutzeln und der koch ließ den küchenjungen los den er an den haaren ziehen wollte und die magd ließ das huhn fallen das sie rupfte und schlief 007456_6660_000000 erstens habe ich keinen vater keine mutter keinen bruder keine schwester aber sie haben eine gütige tante und liebe vettern und cousinen wiederum hielt ich inne dann rief ich kindisch aus aber john reed hat mich zu boden geschlagen und meine tante hat mich im roten zimmer eingesperrt 007456_6660_000001 ich besann mich armut hatte etwas abschreckendes für erwachsene menschen für kinder aber noch mehr sie haben nicht viel sinn für fleißige arbeitsame ehrenhafte armut 007456_6660_000002 da ich aber fürchtete dass ich diese erste und einzige gelegenheit meinen kummer durch mitteilung zu erleichtern ungenützt vorübergehen lassen könnte gelang es mir nach einer unruhigen pause eine unzulängliche aber wahre antwort hervorzubringen 007456_6660_000003 der gute apotheker schien ein wenig verwirrt ich stand vor ihm er heftete seine augen fest auf mich diese augen waren klein und grau nicht sehr leuchtend aber ich glaube daß ich sie jetzt sehr klug finden würde 007456_6660_000004 kinder können wohl empfinden aber sie können ihr empfinden nicht zergliedern und wenn ihnen die zergliederung zum teil auch in gedanken gelingt so wissen sie nicht wie sie das resultat dieses vorganges in worte kleiden sollen 007456_6660_000005 mich aufhob und mich in eine sitzende stellung brachte und zwar viel zärtlicher und sorgsamer als mich bis jetzt irgendjemand gestützt oder emporgehoben hatte ich lehnte meinen kopf gegen einen arm oder ein polster und fühlte mich unendlich wohl 007456_6660_000006 nein ich möchte nicht bei armen leuten leben war meine antwort auch nicht wenn sie gütig gegen sie wären ich schüttelte den kopf 007456_6660_000007 während er auf dem stuhl neben meinem kopfkissen saß fühlte ich mich so beschützt so sicher und als die tür sich hinter ihm schloss wurde das ganze zimmer dunkel und mein herz verzagte von neuem es unterlag der last eines unbeschreiblichen grams 007456_6660_000008 bessie wäre lieber geblieben aber sie war gezwungen zu gehen weil die pünktlichkeit bei den mahlzeiten eine sache war auf welche in gateshead hall strenge gehalten wurde 007456_6660_000009 als ich erwachte war es mit dem gefühl eines schrecklichen alpdrückens vor mir sah ich eine unheimliche rote glut von der sich dicke schwarze stangen abhoben ich hörte stimmen die hohl an meinem ohr klang als würden sie durch das rauschen des wassers oder toben des windes übertönt 007456_6660_000010 und wenn ich nun strauchle am waldesrand oder ins meer versink wo mich führt keine hand so weiß ich doch dass den vater ich find er nimmt an sein herz das waisenkind 007456_6660_000011 ja ja ich bete miss georgiana an rief die begeisterte abbot der kleine süße liebling mit ihren langen locken und blauen augen und den süßen lieblichen farben gerade als ob sie angemalt wäre 007456_6660_000012 aber solch eine scheußliche kleine kröte kann einem doch unmöglich erbarmen einflößen nein nicht viel stimmte bessie ihr bei auf jeden fall würde eine so prächtige schönheit wie miss georgiana in einer solchen lage viel rührender sein 007456_6660_000013 kaum hatte ich einen salzigen tropfen von meiner wange getrocknet als auch schon ein anderer folgte und doch meinte ich dass ich augenblicklich glücklich sein müsste denn keiner von den reeds war da alle waren mit ihrer mama im großen wagen spazieren gefahren auch 007456_6660_000014 bessie war unten in der küche gewesen und brachte mir jetzt einen kuchen herauf der auf einem gewissen bunt gemalten porzellanteller lag dessen paradiesvogel welcher sich auf einem kranz von maiglöckchen und rosenknospen schaukelte stets eine enthusiastische bewunderung in mir wach gerufen hatte 007456_6660_000015 nun nun wer weiß denn was geschieht sagte mr lloyd indem er sich erhob das kind braucht luft und ortsveränderung fügte er hinzu mit sich selbst redend die nerven sind in einer bösen verfassung 007456_6660_000016 bessie stand am fußende meines bettes und hielt eine waschschüssel in der hand ein herr saß auf einem lehnstuhl neben mir und beugte sich über mich ich empfand eine unbeschreibliche erleichterung 007456_6660_000017 weshalb sandten sie mich so weit so weit durch feld und wald auf die berge wo es schneit die menschen sind hart doch die engel so lind bewachen mich armes waisenkind 007456_6660_000018 aufregung ungewißheit und ein alles beherrschendes gefühl des entsetzens hielt alle meine sinne gefangen es vergingen nur wenige augenblicke und dann gewahrte ich dass jemand mich berührte 007456_6660_000019 wiederum dachte ich nach kaum wusste ich was eine schule denn eigentlich sei bessie sprach zuweilen davon wie von einem ort an dem man von jungen damen erwartet dass sie außerordentlich manierlich und geziert sind john reed hasste seine schule und schmähte seinen lehrer 007456_6660_000020 bei dieser gelegenheit erfuhr ich auch aus miss abbots mitteilung an bessie dass mein vater ein armer prediger gewesen dass meine mutter ihn gegen den willen ihrer angehörigen geheiratet habe welche diese heirat für erniedrigend gehalten dass mein großvater reed so erzürnt über ihren ungehorsam gewesen dass er sie gänzlich enterbte 007456_6660_000021 sarah kam mit ihr zurück beide gingen zu bett sie flüsterten wenigstens noch eine halbe stunde miteinander bevor sie einschliefen ich hörte einige bruchstücke ihrer unterhaltung und aus diesen schloss ich den hauptgegenstand ihrer diskussion 007456_6660_000022 mein körper ist müd und wund ist mein fuß weit ist der weg den ich wandern muss bald wird es nacht und den weg ich nicht find den ich wandern muss armes waisenkind 007456_6660_000023 ich zweifelte gar nicht dass wenn ich eines tages eine weite reise machen könnte ich mit meinen eigenen augen die kleinen felder und häuser die winzigen menschen die zierlichen kühe schafe und vögel des einen königreichs sehen würde 007456_6660_000024 etwas ist an ihr vorüber geschwebt ganz in weiß gekleidet dann ist es verschwunden ein großer schwarzer hund hinter ihm dreimal hat es laut an der zimmertür geklopft ein licht auf dem friedhofe grade über seinem grabe und so weiter und so weiter 007456_6660_000025 es ist nicht mein eigenes haus sir und abbot sagt dass ich weniger recht habe hier zu sein als ein dienstbote dummes zeug sie können doch nicht so dumm sein zu wünschen dass sie einen so herrlichen ort wie diesen verlassen dürften 007456_6660_000026 ja vor mr reeds geist fürchte ich mich er starb in jenem zimmer und lag dort auf der bahre weder bessie noch sonst jemand geht am abend hinein wenn es nicht dringend notwendig ist und es war so furchtbar grausam mich dort allein ohne licht einzuschließen so grausam dass ich glaube ich werde es niemals vergessen können 007456_6660_000027 von liedern die sie singen und klavierpiecen die sie spielen von geldbörsen die sie häkeln von französischen büchern die sie übersetzen konnte bis mein gemüt während ich lauschte zur nachahmung aufgestachelt wurde 007456_6660_000028 dann erinnerte ich mich an nichts mehr 007456_6660_000029 im laufe des morgens kam mr lloyd wieder wie schon aufgestanden rief er als er in die kinderstube trat nun wärterin wie geht es ihr denn eigentlich bessie entgegnete dass es mir außerordentlich gut gehe 007456_6660_000030 zum zweiten mal holte mr lloyd seine schnupftabakdose hervor finden sie denn nicht daß gateshead hall ein wunderschönes haus ist fragte er sind sie nicht dankbar an einem so schönen ort leben zu können 007456_6660_000031 ich sah wie mr lloyd lächelte und zugleich die stirn runzelte ein geist was sie sind am ende doch nichts anderes als ein kleines kind sie fürchten sich vor geistern 007456_6660_000032 jetzt kam bessie zurück in demselben augenblick hörte man mrs reeds wagen über den kies der gartenwege rollen ist das ihre herrin wärterin fragte mr lloyd ich möchte noch mit ihr reden bevor ich gehe 007456_6660_000033 bethy ging in das anstoßende zimmer der hausmädchen ich hörte wie sie dort sagte sarah komm und schlaf bei mir in der kinderstube und wenn es mein leben gälte so könnte ich diese nacht nicht mit dem armen kinde allein bleiben es könnte sterben 007456_6660_000034 das ist meine hoffnung die kraft mir giebt dass gott da droben sein kind doch liebt bei ihm dort oben die heimat ich find er liebt auch das arme waisenkind 007456_6660_000035 aber jetzt obgleich ihre stimme noch immer lieblich klang lag für mich eine unbeschreibliche traurigkeit in dieser melodie zuweilen wenn sie ihre arbeit ganz in anspruch nahm sang sie den refrain sehr leise sehr langsam vor langer langer zeit 007456_6660_000036 so waren ihre erzählungen von verschiedenen talenten und kenntnissen welche diese selben jungen damen sich angeeignet hatten andererseits höchst verlockend sie prahlte von wunderschönen gemälden von landschaften und blumen welche sie vollendet 007456_6660_000037 was für dinge denn können sie mir die nicht nennen wie sehr wünschte ich offen und ehrlich auf diese frage zu antworten wie schwer war es aber worte für eine solche antwort zu finden 007456_6660_000038 bessie fragte mich ob ich ein buch haben wolle das wort buch wirkte wie ein vorübergehendes reizmittel und ich bat sie mir gullivers reisen aus der bibliothek zu holen 007456_6660_000039 als ich die seiten umblätterte und in den wundersamen bildern den reiz suchte welchen sie mir bis jetzt stets gewährt hatten da war alles alt und trübselig die riesen waren hagere kobolde 007456_6660_000040 der fall hat sie nicht krank gemacht nun was war es denn fragte mister lloyd weiter nachdem bessie gegangen war ich war in einem zimmer eingesperrt wo ein geist umgeht und es war schon lange dunkel 007456_6660_000041 eine wohltuende überzeugung der sicherheit und des beschütztseins als ich sah dass sich ein fremder im zimmer befand ein mensch der nicht zum haushalt von gateshead nicht zu den verwandten von mrs reed gehörte 007456_6660_000042 in einem anderen zimmer und während bessie hin und her ging spielsachen forträumte und schiebladen ordnete richtete sie dann und wann ein ungewöhnlich freundliches wort an mich 007456_6660_000043 das weiß ich nicht tante reed sagt wenn ich überhaupt angehörige habe so müssen sie bettlergesindel sein nein nein ich möchte nicht betteln gehen möchten sie nicht in die schule gehen 007456_6660_000044 denn nachdem ich die elfen vergebens unter den blättern des fingerhuts und der glockenblume unter pilzen und altem von efeu umrankten gemäuer gesucht hatte ich mein gemüt mit der traurigen wahrheit ausgesöhnt daß sie alle england verlassen hätten um in ein unbekanntes land zu gehen wo die wälder noch stiller 007456_6660_000045 dieses buch hatte ich schon unzählige male mit entzücken gelesen ich hielt es für eine erzählung von thatsachen und entdeckte in ihm eine ader die ein weit tieferes interesse für mich hatte als dasjenige welches ich in märchen gefunden hatte 007456_6660_000046 ja misses reed ihnen verdanke ich gar manchen qualvollen schmerz der seele aber ich sollte ihnen verzeihen denn sie wussten nicht was sie taten während sie jede faser meines herzens zerrissen glaubten sie nur meine bösen neigungen und anlagen zu ersticken 007456_6660_000047 am nächsten tage gegen mittag war ich bereits aufgestanden und angekleidet und saß in einen warmen schal gehüllt vor dem kaminfeuer ich fühlte mich körperlich schwach und gebrochen aber mein schlimmstes übel war ein unaussprechlicher jammer der seele ein jammer der mir fortwährend stille tränen entlockte 007456_6660_000048 nein ich war nicht heroisch genug um meine freiheit um den preis meiner kaste zu erkaufen aber sind ihre verwandten denn so arm gehören sie zu der arbeitenden klasse 007456_6660_000049 jetzt stellte man mir nun diesen kostbaren teller auf den schoß und bat mich freundlich das stückchen auserlesenen gebäcks welches auf demselben lag zu essen eitle gunst sie kam zu spät wie so manche andere die so innig erwünscht und so lange versagt worden war 007456_6660_000050 ich konnte den kuchen nicht essen und das gefieder des vogels die farben der blumen schienen mir seltsam verblasst ich schob sowohl teller wie gebäck von mir 007456_6660_000051 aber john reeds ansichten und geschmack waren keine regel für die meinen und wenn bessies berichte über schuldisziplin diese stammten von den töchtern einer familie in welcher sie gedient hatte bevor sie nach gateshead kam etwas abschreckend lauteten 007456_6660_000052 als er die tabakdose wieder in seine westentasche schob rief der laute klang einer glocke die dienstboten zum mittagessen er wusste was es bedeutet das gilt ihnen wärterin sagte er sie können hinunter gehen ich werde miss jane einige lehren geben bis sie zurückkehren 007456_6660_000053 und wilder und dicker die menschen noch spärlicher gesäet seien liliput hingegen und brobdignag waren nach meinem glauben solide bestandteile der erdoberfläche 007456_6660_000054 dann begann sie zu singen das lied lautete als wir durch wald und flur streiften vor langer langer zeit wie oft hatte ich dieses lied schon gehört und immer mit dem größten entzücken denn bessie hatte eine süße stimme wenigstens nach meinem geschmack 007456_6660_000055 noch fünf minuten und die wolken der bewußtlosigkeit begannen zu schwinden jetzt wußte ich sehr wohl daß ich in meinem eigenen bette lag und daß die rote glut nichts anderes war als das feuer im kamin der kinderstube es war nacht eine kerze brannte auf dem tische 007456_6660_000056 mich von bessie abwendend obgleich ihre gegenwart mir weit weniger unangenehm war als mir zum beispiel abbots gesellschaft gewesen wäre prüfte ich die gesichtszüge des herrn ich kannte ihn es war mr lloyd ein apotheker den mrs reed zuweilen rufen ließ wenn ihre dienstboten krank waren 007456_6660_000057 und ebenso die baumhohen kornfelder die mächtigen bullenbeißer die katzenungeheuer die turmhohen männer und frauen des anderen und doch als ich den geliebten band jetzt in händen hielt 007456_6660_000058 dann sollte sie aber fröhlicher aussehen kommen sie her miss jane sie heißen jane nicht wahr ja mein herr jane eyre nun sie haben geweint miss jane eyre wollen sie mir nicht sagen weshalb haben sie schmerzen nein herr 007456_6660_000059 ich konnte nicht begreifen wie arme leute überhaupt die mittel haben gütig zu sein und dann sprechen lernen wie sie ihre manieren annehmen schlecht erzogen werden aufwachsen wie eins jener armen weiber die ich zuweilen vor den türen der hütten ihre kinder warten und ihre kleider waschen sah 007456_6660_000060 dann klang es wie die schlusskadenz eines grabliedes endlich begann sie eine andere ballade zu singen diesmal eine wirklich traurige 007456_6660_000061 kommen sie miss jane weinen sie nicht sagte bessie als sie zu ende war ebensogut hätte sie dem feuer sagen können brenne nicht aber wie hätte sie denn auch eine ahnung von dem herzzerreißenden schmerz haben können dessen beute ich war 007456_6660_000062 als bessie diese erzählung mit anhörte seufzte sie und sagte abbot die arme miss jane ist auch zu bedauern ja ja entgegnete abbot wenn sie ein liebes gutes hübsches kind wäre so könnte man mitleid mit ihr haben weil sie so gänzlich verlassen ist 007456_6660_000063 ah ich vermute dass sie weint weil sie nicht mit mrs reed spazieren fahren durfte warf bessie hier ein oh nein gewiss nicht für solche albernheiten ist sie denn doch zu alt 007456_6660_000064 wie sonderbar dass miss jane einen solchen anfall haben musste ich mochte doch wissen ob sie irgend etwas gesehen hat mrs reed war dieses mal aber auch zu hart gegen sie 007456_6660_000065 außerdem wäre die schule doch eine gründliche abwechslung damit war eine lange reise verknüpft eine gänzliche trennung von gateshead ein eintritt in ein neues leben ich möchte in der tat in eine schule gehen war die hörbare schlussfolgerung meines nachsinnens 007456_6660_000066 forderte ihn auf ins frühstückszimmer zu gehen und geleitete ihn hinaus wie ich aus den nachfolgenden begebenheiten schloß wagte der apotheker während der unterredung mit 007456_6660_000067 unsinn und macht das sie so elend fürchten sie sich jetzt bei tage auch noch nein aber es dauert nicht lange und dann wird es wieder nacht und außerdem ich bin unglücklich sehr unglücklich um anderer dinge willen 007456_6660_000068 daß mein vater nachdem er kaum ein jahr mit meiner mutter verheiratet gewesen ein typhöses fieber bekommen während er die arme bevölkerung einer großen fabrikstadt in welcher seine pfarre lag besuchte und daß meine arme mutter kaum einen monat später ihrem gatten ins grab folgte 007456_6660_000069 gar oft hatte ich innig gebeten diesen teller in die hand nehmen zu dürfen um ihn genauer betrachten zu können bis jetzt hatte man mich aber stets einer solchen gunst für unwürdig gehalten 007456_6660_000070 glauben sie dass sie schlafen können miss fragte bessie mich ungewöhnlich sanft kaum wagte ich ihr zu antworten denn ich fürchtete dass ihre nächsten worte wieder rauh klingen würden ich will es versuchen sagte ich leise 007456_6660_000071 bessie war jetzt mit dem abstauben und aufräumen des zimmers zu ende und nachdem sie ihre hände gewaschen hatte öffnete sie eine gewisse schieblade welche mit den schönsten prächtigsten lappen von seide und atlas angefüllt war und begann einen hut für georginas neue puppe zu machen 007456_6660_000072 wenn ich nur wüsste wohin ich gehen sollte ich wäre wahrhaftig froh zu gehen aber ich darf gateshead erst verlassen wenn ich erwachsen bin vielleicht doch früher wer weiß haben sie außer mrs reed keine verwandten ich glaube nicht sir niemand der mit ihrem vater verwandt war 007456_6660_000073 das dachte ich auch und da meine selbstachtung durch die falsche beschuldigung verletzt war antwortete ich schnell in meinem ganzen leben habe ich noch keine träne um solche dinge vergossen ich hasse die spazierfahrten ich weine weil ich so unglücklich bin schämen sie sich miss rief bessie 007456_6660_000074 diese lage der dinge wäre für mich ein paradies des friedens gewesen für mich die ich nur an ein dasein voll unaufhörlichen tadels und grausame sklaverei gewöhnt war aber in der tat waren meine nerven jetzt in einem solchen zustande dass keine ruhe sie mehr sänftigen kein vergnügen sie mehr freudig erregen konnte 007456_6660_000075 endlich schliefen beide ein feuer und licht erloschen in schaurigem wachen ging die nacht für mich langsam hin entsetzen und angst hielten ohren augen und sinne wach entsetzen und angst wie nur kinder es zu empfinden imstande sind 007456_6660_000076 ich glaube die gnädige frau ist nur zu froh solch ein langweiliges boshaftes kind loszuwerden sie sieht immer aus als beobachte sie jeden menschen und schmiede heimliche pläne ich glaube wahrhaftig dass abbot mich für eine art kindlichen guy fawkes hielt 007456_6660_000077 ich weiß es nicht einmal fragte ich tante reed und da sagte sie dass ich möglicherweise irgendwelche arme heruntergekommene verwandte namens eyre haben könne dass sie aber nichts über sie wisse möchten sie denn zu ihnen gehen wenn sie solche angehörige hätten 007456_6660_000078 sie ist gefallen sagte bessie wieder einfallend gefallen nun das ist gerade wieder wie ein kind kann sie denn bei ihrem alter denn noch nicht allein gehen sie muss doch acht oder neun jahre alt sein 007456_6660_000079 ihr anzuempfehlen dass sie mich in eine schule schicke und ohne zweifel wurde dieser rat sehr bereitwillig angenommen denn als ich an einem der folgenden abende im bette lag und bessie und abbot mich schlafend glaubten sagte letztere 007456_6660_000080 jemand hat mich zu boden geschlagen lautete die derbe erklärung welche der schmerz gekränkten stolzes mir wiederum entriss aber das hat mich nicht krank gemacht fügte ich hinzu während mr lloyd bedächtig eine prise tabak nahm 007456_6660_000081 dieses wort erweckt in ihrem nur den gedanken an zerlumpte kleider kärgliche nahrung einen kalten ofen rohe manieren und entwürdigende laster auch für mich war armut gleichbedeutend mit entehrung 007456_6660_000082 bessie ich hätte wahrhaftig appetit auf einen gerösteten käse zum abendbrot ich auch ich auch mit geschmorten zwiebeln kommen sie wir wollen hinuntergehen und sie gingen 007456_6660_000083 diesem zwischenfall im roten zimmer folgte keine lange ernste körperliche krankheit nur eine heftige erschütterung meiner nerven deren widerhall ich noch bis auf den heutigen tag empfinde 007456_6660_000084 die pigmäen boshafte und scheußliche gnome gulliver ein trübseliger wanderer in öden und gefährlichen regionen ich schloss das buch in dem ich nicht länger zu lesen wagte und legte es auf den tisch neben das unberührte stück kuchen 007456_6660_000085 ah wir werden uns jetzt langsam erholen dann legte er mich nieder wandte sich zu bessie empfahl ihr sehr vorsichtig zu sein und mich während der nacht nicht zu stören nachdem er noch weitere weisungen erteilt und gesagt hatte dass er am folgenden tage wiederkommen würde ging er fort zu meiner größten betrübnis 007456_6660_000086 möchten sie nicht irgendetwas essen oder trinken nein ich danke bessie nun dann werde ich auch schlafen gehen denn es ist schon nach mitternacht aber sie können mich rufen wenn sie während der nacht irgendetwas brauchen 007456_6660_000087 für sich selbst und ihre kinder nahm sie immer nur die hilfe des arztes in anspruch nun wer bin ich fragte er ich sprach seinen namen aus und streckte ihm zu gleicher zeit meine hand entgegen er nahm sie lächelte und sagte 007456_6660_000088 welche seltene höflichkeit sie ermutigte mich eine frage zu stellen bessie was ist denn mit mir geschehen bin ich sehr krank ich vermute dass sie vor schreien im roten zimmer krank geworden sind aber sie werden ohne zweifel bald wieder ganz gesund sein 007456_6660_000089 trotz der harten züge hatte er ein gutmütiges gesicht nachdem er mich lange mit muße betrachtet hatte sagte er was hat sie gestern krank gemacht 007624_6814_000000 ei sieh da das kindlein das kind ist erwacht sein mund hat geschrien sein aug hat gelacht es sinkt in die knie die mutter am strand und rufet ganz trunken oh sehet doch gottes hand 007624_6814_000001 ein weib ist dazwischen das kind auf dem arm drückt's fester und flehet dass gott sich erbarm gerettet bewahret von göttlicher hand bewahrt vor dem abgrund der tiefe gestrand am ufer ich bete mit blumen geschmückt mein kind es ist eisig mein haupt ist gebückt 007624_6814_000002 ufergemälde von friederike kempner aufgenommen für librivox punkt org es heulet der sturm es tobet die see es peitschen die wellen die see in die höh es steuert ein fahrzeug am seegrünen strand es steiget die mannschaft mit beben ans land 007624_6814_000003 ist in der 007624_6814_000004 tot tot sie es sagen oh vater oh nein du lässest nicht halb nur gerettet uns sein es schloss in den fluten die äugelein zu oh rettender gott gelobet seist du 007624_6814_000005 belebe mein kindlein mein herz und mein blut sonst wollte ich lieber hinab in die flut zurück in die tiefe in wassers gewalt wo unser notschuss in klüften verhallt das auge sie hebet zum himmel empor da schlaget horch plötzlich ein schrei an ihr ohr 007624_6814_000006 die männer sie wenden verwundert sich um und geben das kindlein die runde herum sie heißen es jeder willkommen am land und murmeln dazwischen oh sehet doch gottes hand 007624_6814_000007 und tief aus hohem grase da schauten lieblich scheu hervor die blauen veilchen so schüchtern und so treu es wiegten in den wipfeln der hohen palmen sich die schönsten papageien und grüßten jubelnd mich 007624_6814_000008 verbann was deine welt entstellt verbann die lüge von der welt ende von wahrheit diese aufnahme ist in der public domain 007624_6814_000009 es war so bunt und üppig es war so frisch und grün ich sah zum ersten male purpurne rosen blüh'n ein buntes heer von blüten umgab das rasenland vergissmeinnicht und efeu sich um die felsen wand 007624_6814_000010 mein herz schlug laut und lauter doch ich vernahm es nicht denn voller freud und staunen sah ich ins sonnenlicht sah ich zur erde nieder zu allen blumen hin und fühlte wonnetrunken dass ich so selig bin 007624_6814_000011 oh allmacht mein die gnade und erbarmen und liebe sie sind dein ich weinte freudentränen schon schien das dämmerlicht der tau sank auf die palmen wie aufs vergissmeinnicht 007624_6814_000012 da fragt ich mich ganz ernsthaft wer schuf dies schöne sprich sprich seele herz oh sage erschufst du selber dich 007624_6814_000013 da tritt der mond hervor aus seiner hülle beleuchtend ein erhabenes bild die kokospalme blüht und der granatbaum brennt im frischen menschenhohen grase ist dies die menschliche oase wo man nicht hass noch liebe kennt 007624_6814_000014 fantasie von friederike kemptner aufgenommen für librivox punkt org die sanften blauen lüfte sie flüsterten mich ein mir träumte ich sei auf erden ganz mutterseelenallein 007624_6814_000015 die stille träne von friederike kempner aufgenommen für librivox punkt org die träne ach die stille nur sie sie brennet heiß in ihr wohnet der wille dass niemand davon weiß 007624_6814_000016 hoffnungsschimmer von friederike kempner aufgenommen für librivox punkt org hoffnungsschimmer licht des lebens lösche niemals gänzlich aus dunkler wird's sonst in dem herzen als im düstern erdenschoß 007624_6814_000017 leucht auch mir voran auf erden leit mich bis zum jenseits hin zum gestade voller hoffnung wo enthüllt der hoffnung sinn 007624_6814_000018 nicht immer ganz nicht immer oft bleibt zurück ein schimmer ein glänzend feuchter glanz wie perlen oder glimmer und trocknet sie erst ganz winkt jäh ein lorbeerkranz 007624_6814_000019 wahrheit von friederike kempner aufgenommen für librivox punkt org der abend dämmert weich und mild nichts stört des schweigens stille 007624_6814_000020 gerecht ist er und weise die größe ist nur er und heilig ist sein name er lautet ewiger erhebe dich erkenne wie er unendlich gut doch mehr kannst du nicht wissen du klebst an fleisch und blut 007624_6814_000021 sieh der frühling ist dein abbild wenn das erste grün ersprießt dann die seele hell vor freuden dich in ihre arme schließt lockst selbst kinder in die weite sei ihr wünschen auch gering sei's auch nur ein kleines blümlein dem das aug mit lieb anhing 007624_6814_000022 die frischen jungen rosen die lilien weiß und schlank die tausend kleinen blüten und all der vögel sang sie schienen mir zu sagen sie hätten auch ein herz sie wollten mit mir fühlen und teilen freud und schmerz 007624_6814_000023 sprichst du nur ihr werdet's finden freudig sind sie gleich bereit liebe hoffnung täusch sie nimmer mit den kindern hab mitleid 007624_6814_000024 die schmetterlinge flogen zu myrtenbüschen auf ich blickte immer höher und sah der sterne lauf verwundert und erhoben schaut endlich ich ins herz und fühlte drin vereinigt die sehnsucht lieb und schmerz 007624_6814_000025 da kam der morgen wieder vorüber war die nacht mich dünkt als wenn ich schliefe ich war erst aufgewacht 007624_6814_000026 dass niemand ahne es sähe wie sie dem auge entquillt ein auge in höchster höhe sie dennoch siehet und stillt 007624_6814_000027 ist in der 007624_6814_000028 im schatten eines palmenhains im weißen kleid mit langen haaren da kniet die priesterin von achtzehn jahren bestrahlt vom licht des mondenscheins sie spricht ein wunderbar gebet horch was sie leise innig fleht 007624_6814_000029 da rauscht es in den palmen mich fasst ein selig weh wer schuf mich und was bin ich wer schuf das was ich seh mein auge hatte tränen vernehmlich rief's in mir er schuf aus liebe alles er schuf das herz in dir 007624_6814_000030 ich war bewegt und setzte mich an des meeres strand sah in die höh und tiefe sah in der wellen brand gerührt und dankerglühet rief ich 007624_6814_000031 du kannst das nie ergründen was unergründlich ist so wie du nicht ergründest wie tief die tiefe ist nur leise wehten zweige durch blaue frühlingsluft des mondes bleiche helle schien in die felsenkluft 007624_6814_000032 zwei nachtigallen riefen einander liebend zu und dem gesange folgte harmonisch tiefe ruh ich sah die sonne scheiden mit trübem angesicht ich wusst nicht was es wäre und sah ins mondenlicht 007624_6902_000000 nach einer vergeblichen anstrengung sank die kleine auf dem niederen prellsteine in sich zusammen sie meinte die ganze welt drehe sich mit ihr im kreise und vor dem hämmern und pochen ihrer pulse könne sie nichts mehr hören 007624_6902_000001 seit sie mit tante sophie zum letzten mal hier gegangen waren die grünen jetzt schon zu mattem gelb bleichenden wände auf beiden wegseiten so himmelhoch gewachsen nur immer eine kurze strecke der vielfach gewundenen pfadlinie vor sich war das winzige menschenkind gleichsam eingeschachtelt im kornfelde 007624_6902_000002 sie waren so sonderbar wackelig und der kleine stern der gleich darauf drüben über dem tale auftauchte das licht in der hochgelegenen türmerstube des wachtturmes welcher die stadt beherrschte er schwankte auch als ob der alte bursche der vierschrötige turm zu tanzen anfange 007624_6902_000003 ja schlafen heimgehen und schlafen das war's das war's was sie mit einem ruck emportrieb und durch den garten und über den hof hinaus auf den feldweg taumeln machte 007624_6902_000004 lieber gott im himmel was sollte nun solch ein armes weithergelaufenes kind anfangen in der ersten verzweiflung lief die kleine wieder vor das hoftor während die magd in den stall zurückkehrte 007624_6902_000005 die weite kühle schlafstube in der sie den glühenden körper mit seinen pochenden pulsen ausstrecken durfte sie hörte tante sophiens gute stimme und sah die hände die sie auf den schoß heben und ihre schwere nasse last von den füßen streifen würden was dann kam anderen tages 007624_6902_000006 so lief sie gehorsam weiter zuletzt freilich mit einknickenden knien und keuchender brust bis die stadt erreicht war in manchem haus der letzten gasse durch die sie erschöpft schlich brannte noch licht aber die türen waren geschlossen und die matten tritte des kindes polterten förmlich auf dem hohlen kanalbürgchen 007624_6902_000007 den sie durchaus onkel nennen sollte ein schöner onkel der keinen bart hatte und noch gerade so wie sie auch über den schulaufgaben schwitzen musste ihr fehle die rute hatte er heute nachmittag gesagt und die finger die er ihr vor ärger beinahe zerdrückt hatte taten noch weh 007624_6902_000008 die kleine entlaufene war wieder allein nun die seelische erstarrung von ihr wich wurde sie sich des schmerzhaften druckes bewusst den die zusammenstrebenden zweige auf ihren eingezwängten körper ausübten 007624_6902_000009 aber schon nach wenigen schritten wurde halt gemacht nach hermsleben konnte man doch unmöglich laufen das war ja viel viel zu weit nein das ging absolut nicht da war es besser auf den großpapa zu warten und er kam vielleicht bald wieder 007624_6902_000010 sie presste die verschlungenen hände auf die brust aber sie sprach nicht weil das ja doch nichts half dachte das mädchen im vorüberhuschen denn wenn der papa einmal mit der großmama zusammen etwas beschloss da half kein bitten und betteln mehr die großmama setzte es durch 007624_6902_000011 ruhe bitte ich mir aus franziska ich will es so und hier bin ich herr da ging ja die großmama stets hinaus und die sache war abgemacht ja war man nur erst in dambach dann hatte es keine gefahr mehr 007624_6902_000012 das schweigen der nacht begann wenn sie auch selbst noch zögerte zu kommen es war ja ein goldener tag heute gewesen und wie noch der heiße sonnenatem schwer über der erde brütete so schien sich auch ein rest der funkelnden tagesglorie in den lüften festzuhalten und nicht erlöschen zu wollen 007624_6902_000013 und der käfer der seine blauglänzenden flügel ausspannte und leise surrend aufflog die buntlockige winde die sich an den halmen emporhalf um droben umschau zu halten sie hatten es besser 007624_6902_000014 doch diese befremdende erscheinung ging schnell wieder unter in dem einen vorwärts hetzenden trieb weiter heim zu tante sophie und im wispernden kornfeld hörte sie reinhold weinen weil ihm die wilde grete seinen 007624_6902_000015 er machte zwar einen ziemlich weiten bogen und war einsam aber sie kannte ihn und schlug ihn auch jetzt ein über der belebteren chaussee wirbelten ja bei jedem windhauch erstickende staubwolken die sie heute nachmittag beim hereinfahren wie mit mehl überpudert hatten 007624_6902_000016 ach ja und wenn sie ihn dann von hermsleben herangaloppieren hörte da wollte sie ihm entgegenlaufen und neben dem pferde hertraben dann sah er doch wenigstens auf seine wilde hummel herunter und da konnte ihr niemand etwas anhaben niemand 007624_6902_000017 wenn holdchen täppischer weise hinfiel dann wurde das wilde mädchen ausgezankt weinte er aus eigensinn so hatte ihn gewiß das ungezogene ding die grete gereizt 007624_6902_000018 er blieb dabei dass das kind sich die erscheinung im dunklen gange eingebildet habe dass daran die frau basen geschichten der gesindestube schuld seien und dass margarete sofort in ein institut übersiedeln müsse 007624_6902_000019 ach nur einmal nur für ein paar minuten den schweren kopf in ein weiches kissen drücken und einen schluck wasser aus dem kühlen hofbrunnen zu hause trinken dürfen das musste wohltun 007624_6902_000020 die thüre war auch zu ja sie erwies sich sogar als fest verschlossen und auf ein mehrmaliges klingeln rührte und regte sich nichts drinnen in ratlosem schrecken stand die kleine vor dem stillen hause der großpapa war gar nicht da 007624_6902_000021 damit lief das kleine mädchen nach dem pavillon zurück und setzte sich geduldig auf die schwelle der haustüre das tat den müdgelaufenen beinchen gut und auch die tiefe ruhe und stille ringsum war eine wohltat nach dem aufregenden marsch 007624_6902_000022 die bodennässe drang empfindlich durch die dünnen zeugstiefelchen und der busch wimmelte von mücken die ihr das gesicht und die entblößten arme blutdürstig umsummten 007624_6902_000023 und es jagte in der tat plötzlich ein reiter daher aber die kleine lief nicht nach dem tore sie horchte einen augenblick mit starrem entsetzen auf das getrappel der flüchtigen pferdehufe 007624_6902_000024 die schlaguhr auf dem türmchen des fabrikgebäudes schnurrte viertelstunde auf viertelstunde ab die neunte stunde war vorüber und nun war wohl das schlimmste überstanden in der stadt ging der großpapa stets um zehn uhr zu bette er hielt es sehr streng mit der pünktlichkeit und kam gewiss bald nach dambach zurück 007624_6902_000025 und zu häupten des kindes wisperte es ein seidiges rieseln wie wenn schleifendes gewand ganz leise daherkäme machte es bänglich in die höhe blicken aber bange machen gilt nicht und es geht alles in der welt mit natürlichen dingen zu 007624_6902_000026 ach ja es war gut sein bei tante sophie ein unbezähmbares sehnsuchtsgefühl nach der treuen pflegerin wallte plötzlich in der kleinen auf sie schlossmdie augen wieder und träumte sich in die schlafstube daheim 007624_6902_000027 ohne atem wie versteinert kauerte es im gestrüpp es hätte sich eher mit dem fuß in das wasser stoßen lassen als dass ihm auch nur ein antwortender laut entschlüpft wäre 007624_6902_000028 und draußen war es auch menschenleer die leute saßen noch nicht vor den haustüren dazu war der abend noch nicht weit genug vorgeschritten nur ein paar kleine barfüßige jungen ließen auf dem kanal der schmalen seichten wasserader welche die straße in der mitte durchschnitt papierschiffchen schwimmen 007624_6902_000029 war der mann dort auf dem pferde in diesem moment derselbe der heute nachmittag im dunklen gange über sie gebeugt nicht gewußt hatte ob er sie erwürgen oder zertreten solle 007624_6902_000030 herr lamprecht wandte sein pferd und ritt wieder hinaus es mochte wohl der knecht des faktors sein der eben mit schlürfenden schritten über den hof herkam und dem reiter die gittertüre öffnete 007624_6902_000031 die haben's gut dachte die kleine und marschierte über das brückchen in die benachbarte gasse dann kam man zu einem durchbruch der stadtmauer und von da lief ein fußweg durch die felder und eine niedere anhöhe hinauf nach dambach 007624_6902_000032 alle kraft zusammennehmend arbeitete sie sich wie toll durch die unheimliche wildnis bis die letzten starkstämmigen ausläufer rauschend und knackend hinter ihr zusammenschlugen 007624_6902_000033 aber im hofe sagte ihr eine junge stallmagd faktors seien mit der zurückkehrenden herrschaftskutsche nach der stadt zu einem polterabend gefahren den herrn amtsrat aber habe sie schon vor einigen stunden fortreiten sehen es sei heute kegelkränzchen beim oberamtmann in hermsleben das war ein ziemlich entfernt gelegenes gut 007624_6902_000034 das wäre ihr doch nie und nimmer eingefallen es war ja so selbstverständlich gewesen dass er zu hause sein musste wenn sie kam sie umging das haus von allen seiten hätte eines der fenster in der niederen erdgeschosswohnung offen gestanden 007624_6902_000035 ach und er kam ja nicht vor zwei uhr nachts fünf lange stunden sollte sie sich wehren gegen die mückenwolke die ihr immer näher auf den leib rückte so oft sie auch danach schlug und frösche und kröten gabs hier auch genug 007624_6902_000036 wie im traume hörte sie vereinzeltes hundegebell vom dorfe her und die turmuhr hatte wieder zwei viertelstunden angezeigt noch viele viele solcher viertelstunden mussten von dort oben herunterrasseln bis es zwei uhr war 007624_6902_000037 umgeworfen habe und bärbe murmelte in einem fort von der frau mit den karfunkelsteinen im haar und von dem wackelnden vorhang in der verschlossenen stube und die roten 007624_6902_000038 er fuhr herum wer ist denn da die grete was das kind aus dem hause um gottes willen kleine wie kommst du denn hierher 007624_6902_000039 er ließ seine gretel nicht fortschleppen am allerwenigsten aber in den großen vogelbauer wo sie alle in einem tone pfeifen mussten wie er stets sagte 007624_6902_000040 am himmel trat ein funkelnder stern nach dem anderen hervor die in die türecke gedrückte kleine bemerkte es nicht wenn sie die schweren lider hob dann sah sie nur dass das dunkel drunten den letzten schwachen schimmer des teichspiegels verschlang 007624_6902_000041 nur einer hatte noch gewalt wenn er dazwischen fuhr und kräftig polterte und wetterte und das war der großpapa in dambach der half das wußte sie 007624_6902_000042 jetzt wo ihm diese augen unter den starken schwarzen brauen glühten wie immer wenn er furchtbar böse war überkam das kleine mädchen ein unbeschreibliches ein förmlich lähmendes 007624_6902_000043 aber wenn es nur um gotteswillen niemand einfiel sie hier in dambach zu suchen ehe der großpapa zurück war ganz entsetzt fuhr sie empor und ihre augen forschten nach einem versteck in welchem sie sich nötigenfalls verkriechen konnte 007624_6902_000044 da hieß es denn sich tapfer auf seine zwei füße stellen und hinauslaufen im vorübergehen hatte sie ihren hut genommen der noch auf dem gartentisch lag sie knüpfte die bänder unter dem kinn und machte sich auf den weg 007624_6902_000045 der weite fabrikhof lag schweigend und menschenleer da die arbeiter hatten längst feierabend gemacht und durch den anstoßenden garten mit seinen schönen anlagen und dem schmucken klaren teich in welchem sich der pavillon spiegelte ging auch kein anderes leben als das leise rauschen der mächtigen baumwipfel 007624_6902_000046 sie wühlte sich tief in den dornigen busch das weiße kleid mit den heidelbeerflecken erhielt nun auch der risse genug und die füße versanken im morast trotzdem kauerte sie auf dem nassen boden nieder und schmiegte sich so enge zusammen als wolle sie ihren schmalen körper auf ein nichts reduzieren 007624_6902_000047 ach ja heute nachmittag da war noch alles gut gewesen sie hätte aufschreien mögen vor lust als die böcke mit ihr aus dem dambacher hoftor gestürmt waren der großpapa hatte gelacht und hurra hinterdrein geschrien und die dorfkinder ihre getreuen spielkameraden waren ein stück mitgelaufen 007624_6902_000048 sie antwortete nicht und griff nur mit tastender hand nach seiner rechten die er ausstreckte um ihr aufzuhelfen aber das ging absolut nicht und so nahm er sie ohne weiteres auf den arm und trug sie in die tiefe torwölbung hinein 007624_6902_000049 niemand hatte das kind gesehen als es durch den thorweg des packhauses auf die straße hinausschlüpfte es war keine menschenseele im hof auch blanka lenz hatte den offenen gang wieder verlassen 007624_6902_000050 dass doch solch eine großmutter niemals wusste wie lieb man sein brüderchen hatte und alles ja den bissen vom munde ach wie gern hingab nur damit es lachen und fröhlich sein sollte 007624_6902_000051 der kleine bruder hatte seinen turmbau im stich gelassen und hörte mit offenem munde zu und tante sophiens liebes lustiges gesicht war ganz blaß und fahl 007624_6902_000052 mit zurückgehaltenem atem und die aneinanderschlagenden zähne fest zusammenbeißend hörte sie zu wie der papa im hofe mit der aus einem fenster herabsehenden magd sprach 007624_6902_000053 nun in großpapas stube war es kühl da stand das große sofa mit den weichen federkissen auf welchem er stets sein nachmittagsschläfchen hielt und da ruhte auch das kind immer wenn es sich müde gelaufen hatte nur noch das stückchen weg hinter dem dorfe weg dann war ja alles gut 007624_6902_000054 und nun hörte ja auch die enge gasse endlich auf der weg ging über kartoffel- und rübenäcker dann über zertretenen graswuchs die anhöhe hinauf die ein laubwäldchen das sogenannte dambacher hölzchen krönte dahinter lag das dorf 007624_6902_000055 reinhold wollte sogar einmal gesehen haben daß eine lange bunte schlange aus dem busch gekrochen sei sie schüttelte sich vor grauen und fühlte es förmlich lebendig werden um und unter ihren füßen 007624_6902_000056 wohl war es noch hell genug dass das kind die großen erdbeerbüsche mit ihren weißen blütensternen und glühroten früchten zwischen den stämmen am waldessaum sehen konnte 007624_6902_000057 so weit durchlichtete der sternfunkelnde himmel die nacht doch dass man die umrisse einer gestalt zu erkennen vermochte der mann war herr lenz der im packhause wohnte und welchen die kleine margarete gar gern hatte 007624_6902_000058 sie wäre was sie schon oft im übermut getan hinaufgeklettert und über die brüstung ins innere gesprungen allein vor allen scheiben lagen die rollläden da war nichts zu machen 007624_6902_000059 was noch weiter gesprochen wurde war nicht zu verstehen herr lamprecht ritt über den hof zum tore hinaus und der mann schien ihn zu begleiten aber nicht über die chaussee durch die felder wurde der rückweg nach der stadt eingeschlagen 007624_6902_000060 denn nun wo sie heimlich davongelaufen war blieb gar kein zweifel dass man sie gleich morgen fortbrachte dafür sorgte schon die großmama diese unerbittliche großmama die so ungerecht sein konnte 007624_6902_000061 wenn die großmama auf ein mädcheninstitut hinwies ja er half was wollten sie denn machen wenn er wie er immer tat sobald ihm der widerspruch zu toll wurde mit den starken fingerknöcheln auf den tisch klopfte und mit seiner rauhen stimme ernsthaft sagte 007624_6902_000062 die fenster gingen auf den stillen hof und das brunnenplätschern klang leise und ununterbrochen herein es war von jeher das einlullende wiegenlied der beiden kinder gewesen sie lag im weißen weichen bett und tante sophie kühlte ihr das brennende gesicht und die zerstochenen arme bis sie einschlief 007624_6902_000063 vorbei ging es auch hier in achtloser hast und nur einmal prallte die kleine laufende seitwärts weißes gewand schwebte durch das dickicht ach es waren ja die birken mit ihren hellen stämmen sie standen nur nicht fest 007624_6902_000064 dann sprang sie mit einem wilden satze aus der türecke rannte um den teich und kroch in das fast undurchdringliche gebüsch welches sich zwischen die entgegengesetzte seite des teiches und das den garten vom fabrikhofe trennende eisengitter drängte der reiter kam von der stadt her es war der papa der sie suchte 007624_6902_000065 sie hörte nicht mehr dass die uhr schlug als sie das hoftor verließ das ängstliche zählen der viertelstunden war vorüber sie dachte auch nicht an die wegstrecke die vor ihr lag sie sah nur das ziel 007624_6902_000066 die das kind heute wie fackeln im korn glühen gesehen sie machten die enge dunkle gasse heiß zum ersticken aber mit dem niederlegen auf die kühle erde war es doch nichts weit drüben rief tante sophie immer wieder vorwärts gretel mach dass du heim kommst 007624_6902_000067 wie der sich freuen würde wenn sie die grete morgen wirklich in den wagen zerrten und ohne gnade in den vogelbauer schleppten aber das geschah ja nicht gott behüte sie wehrte sich mit händen und füßen dagegen sie wollte schreien dass die leute auf dem markte zusammenliefen 007624_6902_000068 und jetzt kam auch jemand die straße daher es waren kräftige schritte die sich dem packhause näherten und nach wenigen minuten trat ein mann unter den 007624_6902_000069 das weinen war ihr nahe aber noch verschluckte sie tapfer die tränen der großpapa war wohl zum faktor gegangen und der wohnte gleich da drüben in der fabrik 007624_6902_000070 ach wie schrecklich die nässe an den füßen jagte ihr ein frösteln nach dem anderen über den leib und die an die harte türbekleidung gelehnte stirn glühte und schmerzte heftig 007624_6902_000071 und jetzt wo er ihr ihr ganz nahe am teichufer hielt und die augen hinschweifen ließ über das seichte gewässer welches so blank und kristallklar dalag dass man selbst in der dämmerung den weißen sand auf dem grunde schimmern sah 007624_6902_000072 aber das murmeln des vorbeischießenden kanalwassers drang doch an ihr ohr und die kühle die es ausströmte wirkte belebend auf ihr hindämmerndes bewusstsein 007624_6902_000073 stimme klang heraus und margarete hörte beim herabkommen wie er zu tante sophie von lautem schreien laufen im korridor des seitenflügels von eingebildeten erscheinungen am hellen tage und seinem verweilen im roten salon sprach 007624_6902_000074 und die jungen hatten untereinander gesagt sapperlot die kann's aber nun kam sie wieder um sich beim großpapa zu verkriechen ach wenn er sie doch ganz und gar draußen behielte sie wäre ja um alles gern in die dorfschule gegangen dahinaus kam auch die großmama niemals 007624_6902_000075 der böse busch wollte sie nicht wieder fortlassen sie sollte dableiben in dem entsetzlichen moderdunst den sie durch ihr eindringen aufgerührt gefangen wie ein armer kleiner spatz in dem harten zähen geschlinge der zweige sollte sie warten bis der großpapa käme 007624_6902_000076 ach wenn doch nur endlich der großpapa käme aber es blieb totenstill im garten auch drüben auf der chaussee hatte das vereinzelte rollen und ächzen der wagenräder aufgehört 007624_6902_000077 während dieses durcheinander in dem aufgeregten hirn des kindes kreiste trabten die kleinen füße im schleunigsten tempo vorwärts ein langes stück weges ging es durch wogende getreidefelder und da wurde es dem kleinen mädchen doch ein wenig beklommen zu mute 007624_6902_000078 sie sagte immer sie könne den fabriklärm nicht ertragen und darauf meinte der großpapa allemal lächelnd und er bliebe draußen weil er ihren papagei nicht schreien hören könne 007624_6902_000079 die rasenplätze lagen schwarz unter den bäumen allerhand vorbeischwirrendes nachtgesindel machte sich bemerklich käuzchen schrien und vom dachboden des pavillons kamen die räuberischen fledermäuse 007624_6902_000080 mühsam richtete sie sich auf und hob die tief eingesunkenen füße aus dem morast der ihr schwer an den sohlen kleben blieb jetzt brach sie in ein leises trostloses jammern aus 007624_6902_000081 herr lamprecht sprach mit ihm und seine stimme klang so heiser und matt als verlechze ihm die kehle er fragte nach dem ausbleiben seines schwiegervaters und der mann sagte ihm dass der alte herr aus dem kegelkränzchen selten vor zwei uhr nachts zurückkäme 007624_6902_000082 das mädchen sagte ihm dssß das kind vor ihren augen umgekehrt und nach der stadt zurück sei sie habe es aus dem tore fortlaufen sehen trotz dieser versicherung ritt herr lamprecht in den garten herein margarete hörte seitwärts hinter dem gebüsch das wilde schnauben luzifers 007624_6902_000083 er warf ihr oft wenn sie im hofe spielte im vorübergehen ein heiteres scherzwort hin und für ihren freundlichen gruß strich er mit liebkosender hand über ihr haar lassen sie mich auch mit hinein murmelte sie heiser als er mit dem hausschlüssel das tor geöffnet hatte und im begriff war einzutreten 007624_6902_000084 sie lief hinaus in den hof um die ziegenböcke aus dem stalle zu holen aber der hausknecht hatte die türe zugeschlossen und eigentlich gab es doch wohl auch zu viel lärm wenn der wagen rasselte dann kam irgendwer und machte ihr das tor vor der nase zu und sie musste dableiben 007624_6902_000085 eine so tiefe nachtstille webte bereits in gassen und straßen und nun wölbte sich endlich der torbogen des packhauses über dem kleinen mädchen nur war es schlimm dass das schwere altväterische türschloss im torflügel gar so hoch saß eine kinderhand konnte es nicht erreichen 007624_6902_000086 es war eine jämmerlich zugerichtete kleine gestalt die nach dem pavillon zurück mehr taumelte als ging den hut hatten ihr schon beim eindringen die oberen äste weggerissen mochte er hängen bleiben 007624_6902_000087 die hände auf das geländer stützend glitt sie langsam stufe um stufe hinab die türe der wohnstube war offen geblieben herrn lamprechts starke 008125_6660_000000 von ihrer geburt an hatte man sie verwöhnt aber nicht vollständig verzogen sie war vorschnell aber gutmütig eitel und das war nicht ihre schuld da doch jeder blick in den spiegel ihr ein solches übermaß von liebreiz zeigte aber nicht geziert 008125_6660_000001 bilden sie sich doch nicht solch fürchterliche dinge ein denken sie lieber ich gäbe nach und schmölze dahin wie ich es in wirklichkeit tue irdische liebe sprudelt wie ein frischer quell in meiner seele und überschwemmt mit ihrem süßen rieseln das ganze feld das ich so sorgsam so mühselig bereitet 008125_6660_000002 ich dachte wieviel lieber ich bleiben möchte wo ich war als in irgend eine große familie des landes zu gehen mr oliver sprach von mr rivers und von der ganzen familie rivers mit größter hochachtung 008125_6660_000003 aus der wilden zähen wurzel menschlicher rechtschaffenheit hat sie ein richtiges gefühl der göttlichen gerechtigkeit gezeitigt aus dem ehrgeiz macht und ruhm für mein elendes selbst zu gewinnen hat sie den ehrgeiz gebildet das reich meines herrn zu verbreiten siege für die standarte des kreuzes zu erringen 008125_6660_000004 erstaunt blickte ich ihn an es ist seltsam fuhr er fort dass ich während ich rosamond oliver so grenzenlos so wild mit der ganzen glut einer ersten leidenschaft liebe deren gegenstand so unendlich schön anmutig und bezaubernd ist 008125_6660_000005 sie hegt große neigung für sie dessen bin ich gewiss sagte ich wie ich hinter seinem stuhle stand und ihr vater achtet sie außerdem ist sie ein süßes mädchen ein wenig gedankenlos aber sie würden ja hinreichend gedanken für sich selbst und sie haben sie sollten sie wirklich heiraten 008125_6660_000006 farbige bunte aufregende stürmische träume träume in denen ich in einer fremden umgebung voller abenteuer zwischen furchtbaren gefahren und romantischen zwischenfällen immer und immer wieder mr rochester traf jedesmal in dem augenblick wo irgendeine entscheidende krisis eintrat 008125_6660_000007 und diese letzteren sind derart dass sie in allem was ich anstrebe nicht mit mir sympathisieren könnte mir in keiner sache die ich unternähme zur seite stehen würde rosamond eine dulderin eine arbeiterin ein weiblicher apostel rosamond das weib eines missionars nein nein nein 008125_6660_000008 nur mit dem unterschiede daß eine innigere neigung für ein kind entsteht das wir behütet und belehrt haben als wir sie für eine erwachsene person hegen können welche dieselben vorzüge besitzt für mich hatte sie eine liebenswürdige laune gefaßt 008125_6660_000009 sie sagte ich sei mr rivers ähnlich doch fügte sie hinzu nicht halb so hübsch obgleich ich auch eine nette kleine person sei er aber sei doch ein engel indessen sei ich gut klug gesammelt und charakterfest wie er ich sei ein lusus naturae behauptete sie ein wunder von einer dorfschullehrerin 008125_6660_000010 ich ehre die duldung die ausdauer den fleiß das talent weil diese die mittel sind durch welche menschen große zwecke erreichen und zu schwindelnder höhe emporsteigen ich beobachte ihre karriere mit interesse weil ich sie für das beispiel eines fleißigen ordentlichen energischen weibes halte 008125_6660_000011 vollständig unwissend all ihre fähigkeiten schlummernd und ungeweckt schienen sie mir hoffnungslos dumm und auf den ersten blick auch alle gleichmäßig dumm aber bald sah ich meinen irrtum ein 008125_6660_000012 zurückhaltende menschen bedürfen der offenen besprechung ihrer kümmernisse und empfindungen in der tat oft mehr als die mitteilsamen schließlich ist der starrste stoiker doch auch nur ein mensch und oft ist es die größte wohlthat die man ihm erweisen kann wenn man sich mit mut und kühnheit und wohlwollen in die stille see seiner seele stürzt 008125_6660_000013 soweit ich die dinge begreife wäre es weiser und ratsamer wenn sie das original mit sich nähmen inzwischen hatte er sich gesetzt er hatte das bild vor sich auf den tisch gelegt und den kopf in beide hände gestützt betrachtete er es mit zärtlichen blicken 008125_6660_000014 es verschwand in seinem handschuh und mit einem heftigen nicken und einem guten abend verschwand er nun rief ich aus das übersteigt doch alles was ich bis jetzt an ihm erlebt habe 008125_6660_000015 jetzt blickte er flüchtig auf er sah mich an unentschlossen erregt dann heftete er das auge wieder auf das bild daß ich es gern besitzen möchte ist gewiß ob es aber klug und ratsam wäre das ist eine andere frage 008125_6660_000016 gewöhnlich kam sie um die zeit wo mr rivers damit beschäftigt war seinen täglichen katechismusunterricht zu geben ich fürchte dass das auge der holden besucherin das herz des jungen priesters schmerzlich durchbohrte 008125_6660_000017 ich freute mich darauf sie in farben zu malen und da es bereits spät geworden sagte ich ihr dass sie noch einmal kommen und mir zu dem bilde sitzen müsse ihrem vater erstattete sie einen solchen bericht von mir dass mr oliver selbst sie am nächsten abend begleitete 008125_6660_000018 auch mich selbst hatte ich geschmückt und nun lag der nachmittag vor mir an dem ich beginnen konnte was ich wollte die übersetzung einiger seiten deutsch nahm eine stunde in anspruch dann nahm ich meine palette und meine stifte und begann mit der weit beruhigenderen weil leichteren arbeit rosamond olivers miniaturbild zu vollenden 008125_6660_000019 dennoch zu gleicher zeit das ruhige klare bewusstsein hege dass sie mir keine gute gattin sein würde dass sie nicht die lebensgefährtin ist welche zu mir passt dass ich dies schon innerhalb eines jahres nach unserer heirat empfinden würde und dass auf die seligkeit eines einzigen jahres das elend und die reue eines ganzen langen lebens folgen würde 008125_6660_000020 wie unter den gebildeten so gab es auch zwischen ihnen einen unterschied und als ich erst anfing sie kennen zu lernen und sie mich entwickelte dieser unterschied sich mit rapider schnelligkeit 008125_6660_000021 so viel hat die religion für mich getan sie hat die ursprünglichen anlagen auf das beste verwendet sie hat die natur gezogen und veredelt aber sie konnte die natur nicht ausrotten und sie kann nicht ausgerottet werden als bis dieser sterbliche das gewand der unsterblichkeit anlegt 008125_6660_000022 würde es sie trösten oder würde es sie verletzen das gleiche bild zu besitzen sagen sie mir das wenn sie auf madagascar oder am cap oder in indien sind würde es ihnen da einen trost gewähren dieses andenken in ihrem besitz zu haben oder würde sein anblick erinnerungen heraufbeschwören welche nur dazu angetan sind sie traurig und mutlos zu machen 008125_6660_000023 und verschiedene zeichnungen nach der natur welche ich im tal von morton und auf den umliegenden moorgründen aufgenommen hatte zuerst war sie stumm vor erstaunen dann elektrisiert vor wonne 008125_6660_000024 diese konnten bereits lesen schreiben und nähen und sie lehrte ich die anfangsgründe der grammatik geographie geschichte und die feineren arten von handarbeit unter ihnen fand ich hochachtbare charaktere charaktere welche nach belehrung dürsteten und der bildung zugänglich waren 008125_6660_000025 ja ja das weiß ich alles aber was sagen sie zu der ähnlichkeit wem ist es ähnlich nach kurzem zögern entgegnete er miss oliver vermute ich 008125_6660_000026 so fleißig mit der saat guter vorsätze selbstverleugnender pläne angebaut hatte und jetzt überschwemmt es eine flut wie himmlischer nektar die jungen keime werden ertränkt süßes gift macht sie faulen 008125_6660_000027 dies irdische leben diese wandelbare welt genügt mir still still sagen sie nichts mein herz ist voll wonne meine sinne sind bezaubert lassen sie diese viertelstunde wenigstens in frieden vorübergehen 008125_6660_000028 aber er wollte kein atom seiner anwartschaft auf den himmel aufgeben er wollte für das elysium ihrer liebe nicht eine einzige hoffnung auf das wahre ewige paradies hingeben überdies konnte er nicht alles das was in seinem innersten sein schlummerte den wanderer den schwärmer den dichter den priester in die engen grenzen einer einzigen leidenschaft schmieden 008125_6660_000029 nach langem schweigen sagte ich und miss oliver bedeuten ihr kummer und ihre enttäuschung ihnen denn gar nichts miss oliver ist stets von bewerbern und schmeichlern umgeben in weniger als einem monat ist mein bild aus ihrem herzen gelöscht sie wird mich vergessen und wahrscheinlich einen mann heiraten der sie viel glücklicher machen wird als ich es vermöchte 008125_6660_000030 er konnte nicht er wollte nicht dem wilden schlachtfelde der mission für die prachtsäle und den frieden von vale hall entsagen dies alles erfuhr ich von ihm selbst durch einen einfall welchen ich trotz seiner zurückhaltung eines tages in sein vertrauen zu machen den mut hatte 008125_6660_000031 er riß es an sich er besah den rand dann warf er einen sonderbaren blick auf mich unbeschreiblich seltsam und mir ganz unverständlich ein blick der jeden punkt meiner gestalt meines gesichts meiner kleidung zu umfassen schien denn er überfuhr mich schnell wie der blitz 008125_6660_000032 die hoffnung auf das ewige leben für die furcht der hölle eingetauscht zu haben das soll ich aufgeben es ist mir teurer als das blut in meinen adern es ist das worauf ich hoffe wofür ich lebe 008125_6660_000033 ich will doch versuchen ob ich nicht die geheime springfeder ihres vertrauens finden und eine öffnung in dieser marmorbrust zu entdecken vermag durch welche ich einen tropfen des balsams der sympathie einträufeln kann ist das porträt ähnlich fragte ich geradezu ähnlich wem ähnlich ich habe es nicht so genau angesehen das taten sie doch mr rivers 008125_6660_000034 ich konnte mich in dem verkehr mit starken diskreten feinfühligen geistern nie ganz zufrieden geben bis ich über die außenwerke konventioneller zurückhaltung fortgekommen die schwelle des vertrauens überschritten und einen platz in dem innersten winkel ihres herzens erobert hatte so erging es mir sowohl mit frauen wie mit männern 008125_6660_000035 sie wandten eine falsche bezeichnung an ich bin nicht ein heidnischer sondern ein christlicher philosoph ein nachfolger der sekte des jesus christus als sein schüler nehme auch ich seine reinen barmherzigen milden lehrsätze an 008125_6660_000036 die skizze zu rosamonds porträt gefiel ihm außerordentlich er sagte ich müsse ein fertiges bild daraus machen er bestand auch darauf dass ich am nächsten tage nach vale hall kommen müsse um den abend dort zuzubringen ich ging hin und ich fand einen großen schönen wohnsitz welcher hinreichend zeugnis von dem reichtum seines besitzers ablegte 008125_6660_000037 ich war in die ausführung dieser hübschen details vertieft als nach einem kurzen hastigen klopfen meine tür geöffnet wurde und saint john rivers eintrat ich komme um zu sehen wie sie ihren feiertag zubringen sagte er 008125_6660_000038 wiederum zeigte der erstaunte ausdruck sich auf seinem gesicht er hatte nicht geglaubt daß ein weib so zu einem manne reden könne was mich anbetraf so fühlte ich mich ganz heimisch in dieser art von gesprächen 008125_6660_000039 nur fürchte er wie er sagte dass ich zu gut für die stelle sei nach allem was er gesehen und gehört habe und sie wohl bald gegen eine bessere vertauschen würde in der tat rief rosamond aus sie ist gescheit genug um gouvernante in einer vornehmen familie sein zu können papa 008125_6660_000040 mit all seiner festigkeit und selbstbeherrschung legt er sich zu viel auf dachte ich er verschließt jede empfindung jeden schmerz verleiht keinem gefühl worte bekennt nichts teilt nichts mit ich bin überzeugt es würde ihm guttun wenn er ein wenig über diese süße rosamonde spräche welche er nicht heiraten zu dürfen glaubt ich will ihn zum reden bringen 008125_6660_000041 sie sprechen sehr kühl und ruhig aber sie leiden in diesem kampfe sie reiben sich auf nein wenn ich vielleicht etwas schmächtiger werde so kommt das durch die angst um meine zukunft die so wenig gesichert durch die unruhe welche meine fortwährend hinausgeschobene abreise mir verursacht 008125_6660_000042 einige erwiesen sich sogar als verbindlich und liebenswürdig und ich entdeckte unter ihnen mehr als ein beispiel natürlicher angeborener höflichkeit und selbstachtung sowohl wie ausgezeichneter anlagen welche meine bewunderung und mein herzliches wohlwollen gewannen 008125_6660_000043 sie sind originell sagte er und durchaus nicht blöde es liegt etwas tapferes in ihrem geiste und etwas durchdringendes in ihrem auge aber gestatten sie mir sie zu versichern daß sie meine empfindungen teilweise 008125_6660_000044 dann erinnerte ich mich wo ich war und meiner lage dann erhob ich mich von meinem einfachen lager zitternd und bebend und die stille dunkle nacht sah die zuckungen der verzweiflung hörte den jammer der leidenschaft 008125_6660_000045 ihren besuch in der schule machte sie gewöhnlich zur zeit ihres täglichen morgenrittes sie pflegte an der tür des schulhauses vorzureiten hinter ihr ein livreediener ebenfalls zu pferde man kann sich kaum einen lieblicheren anblick denken als ihre erscheinung in ihrem dunkelroten reitkleide 008125_6660_000046 er fuhr fort das bild anzublicken je länger er es ansah desto fester hielt er es desto inniger schien er danach zu verlangen es ist ähnlich murmelte er es ist sehr ähnlich das auge ist prächtig getroffen farbe licht und ausdruck sind ausgezeichnet ganz vollkommen es lächelt 008125_6660_000047 jane eyre die weise von lowood teil zwei kapitel zwölf ich widmete mich dem lehrwerke an der dorfschule so treu und tätig wie ich konnte im anfang war es in der tat eine schwere arbeit es verging trotz all meiner anstrengungen geraume zeit bevor ich die art und die sprechweise meiner schülerinnen verstehen konnte 008125_6660_000048 sie halten sie für tiefer und mächtiger als sie sind sie lassen mir einen größeren anteil von sympathie zu teil werden als ich gerechterweise beanspruchen darf wenn ich vor miss oliver erröte oder erbebe so bemitleide ich mich nicht selbst 008125_6660_000049 es ist sehr wohltuend dies zu hören sagte er sehr bitte fahren sie noch eine viertelstunde so fort und in der tat zog er seine uhr aus der tasche und legte sie vor sich auf den tisch um die zeit zu bemessen 008125_6660_000050 er schien mit seinem traurigen entschlossenen blicke zu sagen wenn er es auch nicht aussprach ich liebe dich und ich weiß dass du mich lieb hast nicht weil ich am erfolg zweifle bleiben meine lippen stumm ich glaube dass du mein herz annehmen würdest wenn ich es dir darböte 008125_6660_000051 seine lippen öffneten sich als wollte er sprechen aber er unterdrückte den satz was es nun auch gewesen sein mochte was ist ihnen fragte ich nichts durchaus gar nichts lautete die antwort und indem er das papier auf das bild zurücklegte sah ich wie er heimlich ein kleines stück von dem rande abriß 008125_6660_000052 und diese taten ihre arbeit gar bald mit freuden sie hielten sich sauber sie lernten ihre aufgaben regelmäßig sie eigneten sich ruhige und ordentliche manieren an in einigen fällen war die schnelligkeit ihrer fortschritte sogar überraschend und ich empfand einen ehrlichen glücklichen stolz darüber 008125_6660_000053 ach die leser unserer zeit sind weniger begünstigt aber mut ich will mich nicht mit bereuen oder klagen aufhalten ich weiß dass die poesie noch nicht tot das genie noch nicht verloren ist 008125_6660_000054 natürlich und jetzt sir um sie zu belehren weil sie so trefflich geraten haben will ich versprechen ihnen ein sorgfältiges und getreues duplikat dieses bildes zu malen vorausgesetzt nämlich dass diese gabe ihnen angenehm ist ich will doch meine zeit und mühe nicht an eine arbeit verschwenden die für sie keinen wert hat 008125_6660_000055 seitdem ich mich vergewissert hatte dass rosamond ihn wirklich lieb hatte und dass ihr vater wahrscheinlich keine einwendung gegen die heirat machen werde hatte ich die ich weniger exaltiert war als st john in meinem stillen sinne beschlossen ihre verbindung zu fördern 008125_6660_000056 ich streite für sie ich habe geschworen sie zu verbreiten schon in der jugend habe ich mich der religion geweiht und sie hat meine angeborenen eigenschaften so veredelt aus dem kleinen keime der natürlichen liebe hat sie den großen schattenreichen baum der menschenliebe gezogen 008125_6660_000057 aber was nützt es fortzufahren fragte ich wenn sie so dasitzen und wahrscheinlich irgendeinen eisernen faustschlag des widerspruchs und der widerlegung vorbereiten oder eine neue kette schmieden um sie ihrem armen herzen anzulegen 008125_6660_000058 miss oliver beehrte mich bereits mit häufigen besuchen in meiner hütte ich hatte ihren ganzen charakter kennengelernt der weder heimlichkeiten noch verstellung kannte sie war kokett aber nicht herzlos herrisch aber nicht niedrig selbstsüchtig 008125_6660_000059 inmitten allgemeiner achtung zu leben wenn es auch nur die achtung einfacher arbeiter ist gleicht dem gefühl im sonnenschein im ruhigen süßen sonnenschein zu sitzen reine beruhigende empfindungen sprießen und knospen unter dem belebenden strahl 008125_6660_000060 aber sie brauchten doch nicht missionär zu werden sie würden diesen plan dann aufgeben aufgeben was meinen beruf mein großes werk den grundstein welchen ich auf erden für eine wohnung im himmel gelegt habe 008125_6660_000061 und dabei legte er ein soeben erschienenes werk auf den tisch ein gedicht eine jener genialen produktionen wie sie dem publikum so oft vergönnt wurde in jenen tagen dem goldenen zeitalter der modernen literatur 008125_6660_000062 ich verachte diese schwäche ich weiß sie ist unedel nichts als ein fieber des fleisches wahrlich nicht ein erbeben der seele das versichere ich sie diese ist so fest wie ein felsen der in den tiefsten tiefen des tobenden meeres wurzelt erkennen sie mich als das was ich bin ein kalter harter mann 008125_6660_000063 inmitten dieses ruhigen dieses nützlichen daseins nachdem ich den tag in ehrlichen bestrebungen zwischen meinen schülerinnen den abend mit zeichnen oder lesen still und zufrieden zugebracht pflegte ich in der nacht gar seltsame träume zu haben 008125_6660_000064 entdeckte sie zuerst zwei französische bücher einen band von schillers werken eine deutsche grammatik und ein wörterbuch dann meine zeichenutensilien und einige skizzen einen mit bleifeder gezeichneten kopf eines hübschen kleinen engelgleichen mädchens eine meiner schülerinnen 008125_6660_000065 dies weiß ich seltsam in der tat konnte ich nicht umhin auszurufen während etwas in mir krankhaft empfänglich für ihre reize und vorzüge ist fuhr er fort so ist ein anderes etwas ebenso tief verletzt durch ihre mängel und fehler 008125_6660_000066 dann fing ich an das papier zu prüfen aber ich konnte nichts darauf erblicken als einige matte farbklechse wo ich die farben meines pinsels versucht hatte ein oder zwei minuten grübelte ich über das geheimnis nach da ich es aber unergründlich fand und auch überzeugt war daß es nicht von großer bedeutung sein könne gab ich es auf und vergaß es bald ganz und gar 008125_6660_000067 ich kannte seine gedanken gar wohl und konnte deutlich in seinem herzen lesen in diesem augenblick empfand ich klarer und ruhiger als er ich war also momentan im vorteil gegen ihn und plötzlich kam mir der wunsch ihm etwas liebes zu erweisen wenn ich konnte 008125_6660_000068 er sagte dass es der älteste name in der ganzen gegend sei dass die vorfahren der familie sehr reich gewesen seien dass ganz morton einst ihnen gehört habe und dass er der ansicht sei der einzige repräsentant jenes hauses könne jetzt noch eine verbindung mit den ersten und größten familien anstreben 008125_6660_000069 während ich eifrig die hellen seiten von marmion denn das buch war marmion durchblätterte beugte st john sich nieder um meine zeichnung zu prüfen plötzlich schnellte seine schlanke figur nieder empor er sagte nichts ich sah zu ihm auf er vermied meinen blick 008125_6660_000070 es lag für mich eine freude darin diese einfache herzlichkeit anzunehmen und sie durch achtung und rücksichten zu vergelten peinliche rücksichten auf ihr gefühl an welche sie vielleicht nicht immer gewöhnt waren und welche sie zugleich erfreuten und ihnen von nutzen waren 008125_6660_000071 als ihr erstaunen über mich meine sprache meine befehle meine manieren erst einmal gewichen war sah ich zu meiner größten verwunderung wie einige dieser schwerfälligen gaffenden bauerndirnen sich zu klugen verständigen kleinen mädchen entwickelten 008125_6660_000072 der kopf war bereits fertig es fehlte nur noch die andeutung des hintergrundes und die schattierung der draperie ein hauch karmin musste noch auf die vollen reichen lippen gebracht werden hie und da eine sanfte welle auf das lockige haar eine tiefere nuance auf der wimper unter dem bläulichen augenlid 008125_6660_000073 aber sie war nicht tief interessant oder besonders empfänglich so war ihr gemüt zum beispiel himmelweit verschieden von dem der beiden schwestern saint johns und doch liebte ich sie ungefähr so wie ich meine schülerin adele liebte 008125_6660_000074 ich lächelte ungläubig sie haben mein vertrauen im sturm erobert fuhr er fort und jetzt steht es ihnen gänzlich zu diensten wenn man mir das blutgetränkte gewand herabreißt mit welchem das christentum menschliche schwächen und gebrechen bedeckt so bin ich einfach nichts als ein harter kalter ehrgeiziger mann 008125_6660_000075 jetzt sehe ich mich auf einer ottomane in vale hall zu den füßen meiner braut rosamond oliver sie spricht zu mir in ihrer melodischen stimme blickt auf mich herab mit jenen augen die sie so geschickt gemalt haben lächelt mich an mit jenen korallenlippen sie gehört mir ich gehöre ihr 008125_6660_000076 hastig entzog sie dann ihre hand der seinen und wandte sich heftig und zornig von ihm ab von ihm der dastand wie ein held und märtyrer zugleich ohne zweifel würde st john die welt darum gegeben haben hätte er ihr folgen sie zurückrufen zurückhalten können wenn sie ihn so verließ 008125_6660_000077 arme und nacken waren bloß ihr einziger schmuck waren ihre kastanienbraunen flechten welche in wilder und natürlicher anmut auf ihre schultern herabfielen ich nahm einen bogen feinen kartons und zeichnete mit großer sorgfalt die umrisse 008125_6660_000078 und dann erneuerte sich mit all seiner ersten macht seinem ersten feuer das gefühl in seinem arm zu liegen seine stimme zu hören seinem blick zu begegnen seine hand seine wange zu berühren ihn zu lieben von ihm geliebt zu werden und damit die hoffnung ein ganzes langes leben an seiner seite zuzubringen und dann erwachte ich 008125_6660_000079 die poesie zerstört das genie verbannt nein mittelmäßigkeit lass den neid dir nicht solche gedanken eingeben nein sie leben nicht nur sondern sie herrschen sie erlösen und ohne ihren göttlichen einfluss der überall hin dringt würdest du in der hölle sein in der hölle deiner eigenen gemeinheit 008125_6660_000080 meine hoffnung einst zu der zahl derer gerechnet zu werden welche allen ehrgeiz von sich gestreift haben um des größeren willen das menschengeschlecht besser gemacht zu haben kenntnisse und belehrung in das reich der unwissenheit getragen zu haben frieden an die stelle des krieges gestellt zu haben freiheit für knechtschaft religion für aberglauben 008125_6660_000081 cui bono nein dann zog er den bogen feinen papieres auf welchem meine hand während des malens ruhte um den karton nicht zu beschmutzen über das bild was er plötzlich auf diesem leeren papier sah ist mir unmöglich zu sagen aber irgend etwas war seinem blick begegnet 008125_6660_000082 ob ich diese bilder gemalt ob ich denn französisch und deutsch könne welch eine liebe welch ein wunder ich sei ich zeichne ja viel besser als ihr lehrer in dem ersten institut von s ob ich denn nicht eine skizze von ihr machen wolle um sie papa zu zeigen 008125_6660_000083 und mit ihnen brachte ich manchen freundlichen abend in ihrer eigenen häuslichkeit zu bei solchen gelegenheiten überhäuften mich die eltern der pächter und seine frau mit aufmerksamkeiten 008125_6660_000084 natürlich war sie sich ihrer macht bewusst und in der tat er verbarg es nicht vor ihr weil er es nicht konnte trotz seines christlichen stoizismus pflegte seine hand zu zittern sein auge aufzuflammen wenn sie auf ihn zuging und mit ihm sprach und ihm fröhlich ermunternd ja sogar zärtlich ins gesicht lächelte 008125_6660_000085 liebt sie mich fragte er gewiss mehr als irgend einen anderen menschen sie spricht unaufhörlich von ihnen es gibt kein thema das ihr so lieb wäre oder das sie so oft berührte 008125_6660_000086 zuerst sagte ich nehmen sie einen stuhl mr rivers aber er antwortete wie immer daß er nicht bleiben könne gut sagte ich dann in meinem sinne bleiben sie stehen wenn es ihnen beliebt aber ich habe beschlossen dass sie so schnell nicht wieder fortkommen denn die einsamkeit ist ihnen mindestens ebenso schädlich wie mir 008125_6660_000087 nachdem meine kleine dienerin mir geholfen hatte das haus zu reinigen war sie fortgegangen hoch beglückt durch das geschenk eines penny für ihre dienstleistungen alles um mich her war glänzend rein und spiegelblank gescheuerter fußboden polierter herd und reingewaschene stühle 008125_6660_000088 während der ganzen zeit meines aufenthalts war rosamond voll freude und liebenswürdigkeit ihr vater war freundlich und als er nach dem tee ein gespräch mit mir anfing gab er in starken ausdrücken seine zufriedenheit mit dem zu erkennen was ich in morton getan hatte 008125_6660_000089 freigebig vollständig frei von dem übermut der gewöhnlich großen reichtum begleitet ursprünglich hinreichend intelligent fröhlich lebhaft und gedankenlos kurzum sie war reizend selbst in den augen einer kühlen beobachterin wie ich es war 008125_6660_000090 nun sagte er diese kurze spanne zeit war der phantasie und der illusion gegönnt ich lehnte meine wangen an den busen der versuchung und beugte meinen nacken freiwillig unter ihr blumenjoch ich kostete von ihrem becher 008125_6660_000091 mr oliver betrachtete also das gute herkommen den alten namen und den frommen beruf des jungen geistlichen als hinreichenden ersatz für den mangel an vermögen es war der fünfte november und ein feiertag 008125_6660_000092 eine art von instinkt schien ihm ihren eintritt anzuzeigen selbst wenn er ihn nicht mit eigenen augen sah wenn er in der entgegengesetzten richtung von der tür blickte sobald sie in derselben erschien so wurden seine wangen wie mit glut übergossen und seine züge wie sehr er auch dagegen kämpfen mochte veränderten sich in unbeschreiblicher weise 008125_6660_000093 von allen gefühlen hat nur die liebe welche die natur uns ins herz gelegt dauernde macht über mich vernunft und nicht gefühl ist meine leiterin mein ehrgeiz kennt keine grenzen meine begierde höher zu steigen mehr zu tun als die anderen menschen ist unersättlich 008125_6660_000094 das polster brannte in dem blumenkranze ist eine wespe verborgen der wein schmeckt bitter ihre versprechungen sind hohl ihre gelübde sind falsch dies alles weiß ich und sehe ich 008125_6660_000095 das amazonenhütchen von schwarzem sammet graziös auf ihre langen locken gedrückt die ihre wangen umflossen und über ihre schultern herabwallten so trat sie in das einfache ländliche gebäude und schwebte zwischen den reihen der halbgeblendeten dorfkinder auf und ab 008125_6660_000096 auch hat der mammon noch keine macht über beide gewonnen er kann sie weder fesseln noch töten eines tages werden sie doch wieder ihr dasein ihre gegenwart ihre freiheit und ihre macht betätigen mächtige engel die ihr dort oben im himmel sicherheit gefunden habt ihr lächelt wenn niedrige schmutzige seelen triumphieren und schwache über ihre zerstörung weinen 008125_6660_000097 mich dünkte daß wenn er eines tages der besitzer von mr olivers großem vermögen werden würde er ebensoviel gutes stiften könnte als wenn er hinaus ginge in die weite welt wo sein genie unter einer tropischen sonne dahinwelken seine kraft vergeudet werden würde und mit dieser überzeugung antwortete ich jetzt 008125_6660_000098 sie sei überzeugt dass meine lebensgeschichte wenn man sie kennte den schönsten romanstoff geben würde eines abends als sie mit ihrer gewöhnlichen kindlichen lebhaftigkeit und gedankenlosen jedoch harmlosen neugierde den schrank und die schiebladen des tisches in meiner kleinen küche durchstöberte 008125_6660_000099 nicht in gedanken versunken hoffe ich nein das ist gut wenn sie malen werden sie sich nicht einsam fühlen sie sehen ich mißtraue ihnen noch immer obgleich sie sich bis jetzt wunderbar mutig gezeigt haben ich habe ihnen ein buch zum trost für die abendstunden gebracht 008125_6660_000100 erst heute morgen habe ich die nachricht erhalten dass der nachfolger dessen ankunft ich schon solange erwarte mich erst nach ablauf von drei monaten ersetzen kann und aus diesen drei monaten werden vielleicht noch sechs sie zittern und erröten sobald miss oliver in das schulzimmer tritt 008125_6660_000101 in dieser periode meines lebens schwoll mein herz viel öfter in dankbarkeit als dass es gejammert und getrauert hätte und doch mein lieber leser wenn ich dir alles sagen soll 008125_6660_000102 ich tat ihm den willen die uhr tickte weiter er atmete schnell und leise ich stand schweigend neben ihm und in dieser stille ging die viertelstunde vorüber dann schob er die uhr wieder in die tasche legte das bild hin erhob sich und stand vor dem kamin 008125_6660_000103 aber dieses herz liegt bereits auf einem heiligen altar die opferflamme brennt schon bald wird es nichts mehr sein als die asche des opfers und dann konnte sie schmollen wie ein zürnendes kind eine nachdenkliche wolke trübte ihre strahlende munterkeit 008125_6660_000104 mit vergnügen entgegnete ich und bei dem gedanken nach einem so vollkommenen und schönheitstrahlenden modell malen zu dürfen empfand ich etwas von dem entzücken des künstlers sie hatte gerade ein dunkelbraunes seidenkleid an 008125_6660_000105 während es sie in ihren eigenen augen erhob spornte es sie an sich der achtungsvollen behandlung wert zu machen welche ich ihnen zu teil werden ließ ich fühlte wie ich anfing der liebling meiner umgebung zu werden wenn ich hinauskam hörte ich von allen seiten freundliche grüße und wurde mit herzlichem lächeln bewillkommt 008125_6660_000106 um neun uhr am nächsten morgen begann ich pünktlich mit der schule ruhig gefasst vorbereitet auf die ernsten pflichten des tages rosamond oliver hielt ihr versprechen mich zu besuchen 008125_6660_000107 nachdem er dies gesagt hatte nahm er seinen hut welcher auf einem tische neben meiner palette lag noch einmal blickte er das porträt an sie ist wahrhaftig lieblich murmelte er sie trägt ihren namen rose der welt mit recht und soll ich nicht ein zweites für sie malen 008125_6660_000108 ein hoher grauköpfiger mann mit massiven gesichtszügen in mittleren jahren an dessen seite die liebliche tochter aussah wie eine prächtige blume neben einem eisgrauen turm er schien ein schweigsamer vielleicht auch ein hochmütiger mann aber gegen mich war er gütig und freundlich 008125_6660_000109 nicht weil ich tiefes mitgefühl für das hege was sie durchgemacht haben oder was sie noch leiden sie möchten sich selbst wie einen heidnischen philosophen hinstellen sagte ich nein zwischen mir und deistischen philosophen gibt es einen unterschied ich glaube und ich glaube an das evangelium 008125_6660_000110 außerdem hegte ich bald ein persönliches wohlwollen für einige der besten mädchen und sie liebten mich wiederum unter meinen schülerinnen befanden sich mehrere töchter von pächtern fast schon erwachsene mädchen 008125_6660_000111 jetzt merkte ich dass meine dreistigkeit ihn weder verletzt noch erzürnt hatte ich bemerkte sogar dass er es wie eine art neuer freude empfand wie eine unverhoffte erleichterung dass man mit ihm offen über einen gegenstand sprach den er bis jetzt für unnahbar gehalten hatte 008125_6660_000112 er meinte es sei jammerschade dass ein so schöner und talentvoller junger mann den plan gefasst habe missionär zu werden das hieße wirklich ein reiches wertvolles leben verschleudern es schien also dass der vater der verbindung rosamonds mit st john durchaus kein hindernis in den weg legen würde 008125_6660_000113 er schrak förmlich zusammen über meine plötzliche und seltsame rauheit dann blickte er mich erstaunt an oh das ist noch gar nichts murmelte ich vor mich hin diese kälte und steifheit ihrerseits soll mich durchaus nicht zurückschrecken ich bin entschlossen noch viel weiter zu gehen 008125_6660_000114 dann fuhr ich fort sie haben das bild genau und deutlich angesehen aber ich habe nichts dagegen dass sie es noch einmal ansehen und damit stand ich auf und reichte es ihm hin ein gut gemaltes bild sagte er sehr zartes klares kolorit sehr anmutige und korrekte zeichnung 008223_6660_000000 -te regiment dort stationiert und die offiziere sind die liebenswürdigsten leute der welt sie stellen alle eure jungen scherenschleifer und messerkaufleute in den schatten mir schien es als ob mr st johns unterlippe sich vorschob und die oberlippe sich für einen augenblick kräuselte 008223_6660_000001 er blickte nicht ein einziges mal zurück als er mit großen festen schritten dem pfarrhofe zuging dieser anblick der leiden und opfer eines anderen wandte mein sinnen von dem ausschließlichen nachdenken über mich selbst ab 008223_6660_000002 es verhielt sich so obgleich mr rivers bei dem ersten dieser wohllautenden akzente aufgefahren war wie wenn ein donnerkeil die wolken oberhalb seines kopfes zerrissen hatte so stand er noch jetzt als jener satz zu ende gesprochen war in derselben stellung in welcher die sprecherin ihn überrascht hatte 008223_6660_000003 so brauchen wir weder hungers zu sterben noch in verzweiflung still zu stehen wir müssen dann nur eine andere nahrung für unser gemüt suchen die ebenso kräftig ist wie jene die wir zu genießen verlangten und vielleicht reiner und gesünder 008223_6660_000004 nur drei von dieser zahl können lesen nicht eine einzige schreiben oder rechnen mehrere stricken nur einige nähen ein wenig sie sprechen den breitesten accent der gegend für den augenblick bietet sich ihnen wie mir noch die schwierigkeit unsere gegenseitige sprache zu verstehen 008223_6660_000005 haben sie die arbeit ihres ersten tages schwerer gefunden als sie erwarteten fragte er o nein im gegenteil ich glaube daß ich mit der zeit sehr gut mit meinen schülerinnen fertig werden könnte 008223_6660_000006 nicht heute abend miss rosamond nicht heute abend mr st john sprach beinahe wie ein automat nur er alleine wusste was es ihn kostete ihr diese bitte abzuschlagen 008223_6660_000007 wahrscheinlich ebensogut in ihrem herzen schlummern wie in dem der höchstgeborenen meine pflicht wird es sein diese keime zu entwickeln gewiss wird es mir befriedigung und genugtuung gewähren wenn ich gewissenhaft dieses amtes walte 008223_6660_000008 vor einem jahr noch war auch ich namenlos elend weil ich glaubte einen irrtum begangen zu haben indem ich mich dem geistlichen stande widmete seine einförmigen pflichten ermüdeten mich zu tode 008223_6660_000009 mild war die luft und süß der tau als ich so hinausblickte fühlte ich mich glücklich und war daher ganz erstaunt mich dennoch gleich darauf in tränen zu sehen und weshalb 008223_6660_000010 ich verlangte sehnsüchtig nach dem tätigen leben der großen welt nach den aufregenden mühen einer litterarischen carriere nach dem berufe eines künstlers schriftstellers redners alles alles andere nur kein priester 008223_6660_000011 meine hütte ist sauber und wetterfest meine möbeln sind bequem und hinreichend alles was ich sehe hat mich dankbar gemacht nicht traurig ich bin nicht ganz solch eine törin dass ich das fehlen eines teppichs eines sofas eines silbernen bestecks beklagen und beweinen könnte 008223_6660_000012 mein eng begrenztes dasein erweiterte sich plötzlich zu einer ebene ohne grenzen meine fähigkeiten vernahmen einen ruf vom himmel sich aufzuraffen all ihre kräfte zusammen zu nehmen ihre flügel auszubreiten und sich über den gesichtskreis zu erheben 008223_6660_000013 er sagte dies alles in seiner eigentümlichen gedämpften und doch pathetischen stimme als er zu sprechen aufgehört sah er nicht auf mich sondern auf die untergehende sonne die auch meine blicke gefesselt hielt 008223_6660_000014 ich habe kaum noch zeit gehabt mich eines gewissen gefühls der ruhe zu erfreuen wie viel weniger nun unter einem druck der einsamkeit ungeduldig zu werden nun gut 008223_6660_000015 außerdem vor fünf wochen besaß ich gar nichts ich war eine ausgestoßene eine bettlerin eine heimatlose auf der landstraße jetzt habe ich freunde ein heim eine beschäftigung ich staune die güte gottes an die großmut meiner freunde die milde meines geschicks 008223_6660_000016 ich bereue nichts ich beweine nichts aber sie empfinden die einsamkeit wie einen druck das kleine haus da hinter ihnen ist düster und leer 008223_6660_000017 morgen hoffe ich werde ich derselben vollständig herr werden und in wenigen wochen wird jegliche derartige empfindung aus meinem herzen geschwunden sein möglicherweise tritt in wenigen monaten schon zufriedenheit an die stelle des ekels wenn ich bei meinen schülerinnen fortschritte und eine wendung zum besseren wahrnehmen kann 008223_6660_000018 weit hinaus am äußersten ende erblickte man das dach von vale hall wo der reiche mr oliver mit seiner tochter wohnte ich legte die hand über die augen und lehnte meinen kopf an die steinerne umrahmung meiner tür 008223_6660_000019 darin stehen vier gemalte stühle und ein tisch eine uhr ein schrank mit zwei drei tellern und schüsseln und ein teeservice von delfter steingut darüber ein zimmer von derselben größe der küche mit einer bettstelle aus tannenholz und einer kommode die zwar klein 008223_6660_000020 ich sage einsam denn auf jenem teil desselben der meinem auge sichtbar befand sich nicht ein einziges gebäude mit ausnahme der kirche und des pfarrhofes und auch diese beiden waren fast gänzlich unter schattigen bäumen versteckt 008223_6660_000021 sein arm lehnte auf der pforte sein antlitz war nach westen gerichtet endlich wandte er sich um gemessen und langsam mir war es als sei eine liebliche vision an seiner seite erschienen 008223_6660_000022 einige gefühlssachen herzensangelegenheiten vernichtet ein letzter kampf mit menschlicher schwäche in dem ich weiß dass ich siegen werde weil ich geschworen habe dass ich siegen will so verlasse ich europa für immer und ziehe gen osten 008223_6660_000023 ich werde niemals wieder die süße huldigung empfinden die der schönheit der jugend und der anmut gezollt wird denn für keines andern augen werde ich jemals wieder mit diesen reizen ausgestattet erscheinen er hatte mich lieb er war stolz auf mich das wird kein mann wieder sein 008223_6660_000024 die wangen oval frisch und weich die lippen ebenso frisch rosig gesund und süß geformt die leuchtenden makellosen perlzähne das kleine kinn mit schelmischem grübchen der schmuck reicher schwerer haarflechten 008223_6660_000025 wahnsinnig vor liebe während eines teiles meines daseins denn für eine spanne zeit würde er mich geliebt haben oh ganz gewiss er würde mich vergöttert haben er hatte mich geliebt kein mensch wird mich jemals lieben wie er es tat 008223_6660_000026 ich sah wie ein plötzliches feuer die härte seines auges schmolz und dort in unbekämpfbarer rührung aufflackerte so gerötet und erregt sah er als mann fast ebenso schön aus wie sie als weib 008223_6660_000027 blickte unter demselben ein blühendes antlitz von vollkommener schönheit hervor vollkommene schönheit ist ein starker ausdruck aber ich nehme ihn nicht zurück und rechtfertige ihn auch nicht 008223_6660_000028 das ist es auch was ich zu tun gedenke entgegnete ich st john fuhr fort es ist eine schwere aufgabe unsere neigungen im zaum zu halten und unseren angeborenen trieben entgegen zu arbeiten dass man es jedoch kann das weiß ich aus erfahrung 008223_6660_000029 ja unter dem chorrock eines hilfspredigers schlug das herz eines politikers eines soldaten ich dürstete nach ruhm ich liebte die berühmtheit es gelüstete mich nach macht 008223_6660_000030 papa sagte mir dass sie ihre schule eröffnet hätten und dass die neue lehrerin angekommen sei und deshalb setzte ich nach dem tee meinen hut auf und lief ins tal hinauf um sie zu sehen ist sie das dabei deutete sie auf mich das ist sie sagte sinjohn 008223_6660_000031 als mein dämmerstundensinnen bei diesem punkt angelangt war ging ich an meine tür und betrachtete den sonnenuntergang des herbsttages die stillen felder vor meiner hütte welche samt der schule eine halbe meile vom dorfe entfernt lag die vögel sangen ihr letztes lied 008223_6660_000032 ich beschloss ein missionär zu werden von diesem augenblick an änderte sich mein gemütszustand die fesseln lösten sich und fielen ab von jeder fähigkeit und ließen von der gefangenschaft nichts zurück als die qualvoll schmerzhafte empfindlichkeit welche allein die zeit zu heilen vermag 008223_6660_000033 inzwischen will ich eine frage an mich richten was ist besser der versuchung erlegen zu sein der leidenschaft gehör geschenkt zu haben keine qualvolle anstrengung gemacht zu haben 008223_6660_000034 oh mr rivers ich bin während meines aufenthalts in s so lustig und ausgelassen gewesen gestern abend oder vielmehr diese nacht habe ich bis zwei uhr getanzt seit den revolten ist das 008223_6660_000035 sie antwortete mit einem zweiten lachen und lachen kleidete ihre jugend ihre rosen ihr grübchen ihre leuchtenden augen wohl als er so stumm und ernst dastand begann sie von neuem carlo zu liebkosen 008223_6660_000036 viel freude erwarte ich nicht von dem leben das vor mir liegt aber es wird mir zweifellos gelingen mich wenigstens von einem tage zum andern zu schleppen wenn ich mein gemüt stähle und meine kräfte bis aufs äußerste anstrenge 008223_6660_000037 kaum drei fuß von ihm entfernt stand eine weißgekleidete gestalt eine jugendliche anmutige figur voll doch von zarten konturen und als sie nachdem sie sich niedergebeugt um carlo zu liebkosen sich wieder emporrichtete und einen langen schleier zurückwarf 008223_6660_000038 ich war schwach genug über die armseligkeit und roheit alles dessen was ich um mich herum sah und hörte empört zu sein aber ich will mich um dieser gefühle willen nicht zu sehr hassen und verachten ich weiß daß sie ein großes unrecht waren und das ist schon ein großer schritt zur besserung ich werde kämpfen um über sie zu siegen 008223_6660_000039 keinen kampf gekämpft zu haben sondern in eine seidene schlinge geraten zwischen den blumen welche diese bedeckten eingeschlafen zu sein in einem südlichen klima inmitten des luxus einer prachtvilla zu erwachen jetzt in frankreich als mr rochesters geliebte zu leben 008223_6660_000040 ihr hund erkennt seine freunde schneller als sie sir er spitzte die ohren und wedelte mit dem schweife als ich noch am äußersten ende der wiese war und sie drehen mir noch jetzt den rücken zu sir 008223_6660_000041 ein lieblicher abend aber es ist zu spät als dass sie allein draußen sein dürften sagte er indem er die schneeigen köpfchen der schlafenden blumen zertrat oh ich bin erst heute nachmittag aus s zurück hier nannte sie den namen einer ungefähr zwanzig meilen entfernten großen stadt 008223_6660_000042 diana und mary haben sie verlassen moor-house ist verschlossen und sie sind einsam sie tun mir von herzen leid ganz gewiss kommen sie mit und besuchen sie papa 008223_6660_000043 zu weit um noch auf eine schließliche umkehr hoffen zu dürfen bei diesem gedanken wandte ich mein gesicht ab von dem lieblichen abendhimmel und dem einsamen tal von morton 008223_6660_000044 und traf ich eine gute wahl als ich alice wood zu ihrer dienerin machte das taten sie wirklich sie ist gelehrig und flink und dies dachte ich ist miss oliver die erbin ebenso reich durch die gaben des glücks wie durch jene der natur 008223_6660_000045 welche glückliche konstellation der gestirne mag nur bei ihrer geburt gewaltet haben ich werde zuweilen heraufkommen und ihnen in den lehrstunden behilflich sein fügte sie hinzu es wird eine abwechslung für mich sein wenn ich sie dann und wann besuchen darf und ich liebe die abwechslung 008223_6660_000046 haben sie ihre schülerinnen so aufmerksam gefunden wie sie erwarteten durchaus und gefällt ihnen ihr häuschen sehr habe ich es hübsch eingerichtet sehr hübsch in der tat 008223_6660_000047 aber dennoch zu groß ist als daß meine ärmlichen kleidungsstücke sie hätten ausfüllen können obgleich meine gütigen großmütigen freunde dieselben durch einen kleinen vorrat der allernotwendigsten dinge vermehrt hatten 008223_6660_000048 ich weiß allerdings nicht was sie verlassen hatten bevor ich sie kennenlernte aber ich rate ihnen standhaft jeder versuchung zu widerstehen welche ihnen einflüstern könnte zurückzublicken erfüllen sie ohne wanken die pflichten ihres jetzigen berufs für die dauer einiger monate wenigstens 008223_6660_000049 nun wenn sie so eigensinnig sind will ich sie verlassen denn ich darf nicht länger ausbleiben der tau beginnt schon zu fallen gute nacht sie streckte ihm ihre hand entgegen er berührte sie leicht 008223_6660_000050 ganz wohl beteuerte er und mit einer verbeugung entfernte er sich von der pforte sie ging nach der einen seite er nach der anderen sie wandte sich zweimal um ihm nachzublicken als sie einer elfe gleich über die felder talabwärts trippelte 008223_6660_000051 seine brust hob sich doch nur ein einziges mal als wenn sein herz des despotischen zwanges müde sich gegen seinen willen ausdehnte und einen verzweifelten versuch zur erlangung seiner freiheit machte 008223_6660_000052 war ich sehr freudig zufrieden stetig während der stunden die ich während dieses morgens und nachmittags dort unten in dem kahlen bescheidenen schulzimmer verbrachte 008223_6660_000053 ich begann zu überlegen mein leben war so elend daß ein wechsel eintreten mußte wenn ich nicht sterben sollte nach einer langen zeit der dunkelheit und des kampfes brach die erleuchtung über mich herein und hilfe und erlösung kamen 008223_6660_000054 die natur hatte sie augenscheinlich in ihrer glänzendsten laune geschaffen und indem sie ihren gewöhnlichen stiefmütterlichen anteil von gaben vergessen zu geben hatte sie diesen ihren liebling mit der freigebigkeit einer großmutter ausgestattet und was dachte st john rivers von diesem engel in menschengestalt 008223_6660_000055 mein vater widersetzte sich diesem entschluss in der tat aber seit seinem tode habe ich kein wichtiges oder berechtigtes hindernis mehr zu bestreiten wenn meine angelegenheiten geordnet sind ein nachfolger für morton gefunden 008223_6660_000056 jane eyre die waise von lowood von charlotte bronte teil zwei kapitel elf meine heimat ist also wenn ich endlich ein heim gefunden eine hütte ein kleiner raum mit weiß getünchten wänden ein mit sand bestreuter fußboden 008223_6660_000057 die langen dicken augenwimpern welche dem schönen auge einen so sanften reiz verliehen die geschweiften brauen welche soviel klarheit gaben die weiße reine stirn welche der lebhaften schönheit von farbe und ausdruck soviel ruhe hinzufügte 008223_6660_000058 ach ich vergaß rief sie aus indem sie ihren schönen lockenkopf schüttelte als sei sie über sich selbst entsetzt ich bin so gedankenlos und zerstreut verzeihen sie mir es war meinem gedächtnis gänzlich entfallen daß sie gründe genug haben um für mein albernes geschwätz nicht aufgelegt zu sein 008223_6660_000059 und in der nächsten schon von den bitteren tränen erstickt zu werden welche scham und gewissensbisse uns auspressen oder frei und ehrlich in einem frischen gebirgswinkel im gesunden herzen von england eine einfache dorfschullehrerin zu sein 008223_6660_000060 ich darf nicht vergessen daß diese armselig gekleideten kleinen dorfmädchen ebensogut von fleisch und blut sind wie die sprößlinge der edelsten geschlechter und daß die keime angeborener vortrefflichkeit verfeinerung intelligenz 008223_6660_000061 glauben sie dass morton ihnen gefallen wird fragte sie mich mit einer zarten und einfachen naivität des tones und der stimme die wenn auch kindisch so doch reizend war ich hoffe es zuversichtlich denn ich habe gar manche ursache dazu 008223_6660_000062 sein mund sah auf jeden fall sehr zusammengekniffen aus und der untere teil seines gesichts war ungewöhnlich ernst und gesetzt während das lachende mädchen ihm diese mitteilungen machte dann erhob er den blick von den tausendschönchen und heftete ihn auf sie es war ein durchdringender unfreundlicher bedeutsamer blick 008223_6660_000063 ja jetzt fühle ich dass ich recht tat als ich mich streng an gesetz und grundsätze hielt und die wahnsinnigen einflüsterungen eines unseligen augenblicks erstickte und vernichtete gott ließ mich die rechte wahl treffen ich danke der vorsehung für ihre gütige führung 008223_6660_000064 aber er bändigte es wie ein entschlossener reiter ein sich bäumendes pferd bändigen würde weder mit wort noch bewegung antwortete er auf ihr zartes entgegenkommen 008223_6660_000065 aber bald machte ein leises geräusch an der pforte welche meinen kleinen garten von der davorliegenden wiese abschloss mich wieder aufblicken ein hund der alte carlo mister rivers vorstehhund wie ich auf den ersten blick sah 008223_6660_000066 es war ganz natürlich dass ich diese frage an mich stellte als ich sah wie er sich zu ihr wandte und sie anblickte und ebenso natürlich suchte ich die antwort auf diese frage in seinem gesicht er hatte sein auge schon wieder von der peri abgewandt und sah auf ein bescheidenes büschel tausendschönchen welches an der pforte blühte 008223_6660_000067 ich näherte mich ihm um es entgegen zu nehmen es war eine willkommene gabe als ich zu ihm trat prüfte er mein gesicht wie es schien mit strenge und härte ohne zweifel trug es noch die allzu deutlichen spuren der eben vergossenen tränen 008223_6660_000068 züge so süß wie das gemäßigte klima albions sie nur jemals gemeiselt farben so rosenrot und lilienweiß wie sie unter diesem wolkigen himmel in diesen feuchten winden jemals erzeugt und geblüht rechtfertigen in diesem falle die bezeichnung vollkommene schönheit 008223_6660_000069 aber vielleicht ihre bequemlichkeit ihre hütte ihre möbeln haben ihre erwartungen getäuscht sie sind in der that armselig genug aber hier unterbrach ich ihn 008223_6660_000070 der arme carlo liebt mich sagte sie er ist nicht hart und fremd mit seinen freunden und wenn er sprechen könnte würde er nicht schweigen als sie den kopf des tieres streichelte und sich mit angeborener anmut vor seinem jungen strengen herrn beugte sah ich wie eine purpurne glut das antlitz jenes herrn überzog 008223_6660_000071 es war also nicht zu verwundern dass wir zusammenschraken als eine fröhliche stimme hell wie eine silberglocke ausrief guten abend mister rivers und guten abend alter carlo 008223_6660_000072 kein einziger reiz fehlte kein fehler war sichtbar das junge mädchen hatte zarte und regelmäßige züge die augen waren von solcher form und farbe wie wir sie nur auf lieblichen gemälden sehen groß und dunkel und offenen blicks 008223_6660_000073 aber wohin wandern meine gedanken und was sage ich vor allen dingen was empfinde ich ist es besser frage ich die sklavin in dem paradiese eines thoren im sonnigen süden zu sein vom fieber der seligkeit einer einzigen stunde befallen zu sein 008223_6660_000074 sowohl er wie ich hatten den rücken gegen den fußpfad gewendet welcher vom felde her an meine gartenpforte führte wir hatten auf dem grasbewachsenen wege keinen fußtritt vernommen der bach welcher durch das tal rieselte war der einzige sanfte laut des ortes und der stunde 008223_6660_000075 ich hoffe daß sie die zufriedenheit welcher sie ausdruck verleihen auch empfinden auf jeden fall wird ihr gesunder menschenverstand ihnen sagen daß es noch zu früh ist um der schwankenden furcht von lots weib nachzugeben 008223_6660_000076 stieß mit der schnauze an das tor und mister saint john selbst lehnte mit verschränkten armen darauf er runzelte die stirn und sah mich mit ernstem fast unwilligem blick an ich forderte ihn auf einzutreten 008223_6660_000077 gott hat uns bis zu einem gewissen grade die macht gegeben unser eigenes schicksal zu gestalten und wenn unsere kräfte eine stählung verlangen die sie nicht haben können wenn unser wille einem pfade zustrebt den wir nicht wandeln dürfen 008223_6660_000078 wenn ich mich nicht selbst täuschen will so muss ich entgegnen nein bis zu einem gewissen grade war ich trostlos ich fühlte mich ja idiotin die ich bin ich fühlte mich herabgewürdigt ich fragte mich ob ich nicht einen schritt getan der mich eher in der menschlichen gesellschaft herabsetzte als emporhob 008223_6660_000079 gott hatte eine mission für mich welche auszuführen gut auszuführen es der geschicklichkeit und kraft der beredsamkeit und des mutes der besten eigenschaften eines soldaten staatsmannes und redners bedurfte denn all diese konzentrieren sich in einem guten missionär 008223_6660_000080 einige von ihnen sind ebenso ungezogen roh unumgänglich wie unwissend andere wieder sind sanft hegen große lernbegierde und zeigen anlagen welche mir freude machen 008223_6660_000081 um des geschickes willen das mich von der seite meines herrn und meisters gerissen von ihm den ich in diesem leben nicht wiedersehen würde um des verzweifelten kummers und der verhängnisvollen wut willen die folgen meiner flucht welche ihn jetzt vielleicht vom pfade des rechtes abzogen 008223_6660_000082 es ist schon zu spät um mr oliver noch zu belästigen entgegnete st john schon zu spät aber ich erkläre ihnen dass es durchaus nicht zu spät ist dies ist grade die stunde in welcher papa am meisten der gesellschaft bedarf jetzt sind die eisenwerke geschlossen und er ruht aus von seinen geschäften 008223_6660_000083 nein ich kann nicht bleiben ich bringe ihnen hier nur ein kleines paket das meine schwestern für sie zurückgelassen haben ich glaube es enthält einen farbenkasten pinsel und papier 008223_6660_000084 hatte ihren bruder unerbittlich wie der tod genannt sie hatte nicht übertrieben 008223_6660_000085 alles vorzüge mit einem worte welche vereint das ideal wahrer schönheit verwirklichen und diese vorzüge besaß sie ich war erstaunt als ich diese schöne gestalt ansah ich bewunderte sie von ganzem herzen 008223_6660_000086 jetzt mr rivers ich bitte sie kommen sie weshalb sind sie so zurückhaltend so fürchterlich ernst dann füllte sie die lücke welche durch sein schweigen entstand durch ihre eigene antwort aus 008223_6660_000087 gute nacht wiederholte er mit einer stimme die so hohl und matt wie ein echo klang sie wandte sich zum gehen doch gleich darauf kam sie zurück sind sie ganz wohl fragte sie wohl mochte sie diese frage stellen denn sein gesicht war so bleich wie ihr gewand 008223_6660_000088 papa klagt dass sie uns niemals mehr besuchen fuhr miss oliver fort indem sie aufblickte sie sind ein fremder in vale hall geworden er ist heute abend allein und fühlt sich nicht ganz wohl wollen sie mit mir nach hause gehen und ihn besuchen 008223_6660_000089 wenn ich finde wie ich es halb und halb erwarte daß es dasjenige ist welches darauf berechnet ist alle dinge des lebens in guter ordnung und ruhig ausführen zu können so werde ich mich zu den lehren bekennen welche von rom ausgegangen sind und wahrscheinlich den schleier nehmen 008223_6660_000090 bleib bei ihm so lange du darfst nur noch wenige tage oder höchstens wochen und du bist für immer von ihm getrennt und dann erstickte mich eine neue seelenqual ein entsetzliches ungeheuerliches etwas das ich nicht anerkennen nicht macht über mich gewinnen lassen durfte 008223_6660_000091 sobald ich mich rühren kann werde ich umkehren ich brauche doch nicht zur absoluten närrin zu werden es gibt ja noch einen anderen weg nach dem herrenhause aber es ist gleichgültig wenn ich auch zwanzig wege kenne denn er hat mich bereits gesehen 008223_6660_000092 als wir uns trennten sagte sie leben sie wohl cousine jane eyre möge es ihnen gut gehen sie besitzen ziemlich viel einsicht und verstand und ich entgegnete 008223_6660_000093 wie es leuten ums herz sein muss die nach einer längeren oder kürzeren abwesenheit wieder in ihr heim zurückkehren das wusste ich nicht ich hatte diese erfahrung ja niemals machen können 008223_6660_000094 sie müssen den wagen ansehen jane und mir sagen ob sie nicht der ansicht sind daß er misses rochester durchaus gefallen wird und ob sie nicht aussehen wird wie eine königin wenn sie sich in die dunkelroten polster zurücklehnt 008223_6660_000095 fast täglich fragte ich misses fairfax ob sie irgend etwas bestimmtes gehört habe und immer lautete ihre antwort verneinend einmal sagte sie dass sie mister rochester geradezu gefragt habe wann er seine junge frau nach hause zu bringen gedenke 008223_6660_000096 dazu reicht keine zauberkraft aus sir und innerlich setzte ich hinzu ein liebendes auge ist aller zauber dessen es hier bedarf einem solchen wären sie schön genug vielmehr hat ihr ernster blick eine macht die größer ist als alle macht der schönheit 008223_6660_000097 sie haben recht entgegnete sie und mit diesen worten trennten wir uns und gingen jede unseres weges da ich nicht gelegenheit haben werde wieder auf sie oder ihre schwester zurückzukommen 008223_6660_000098 von mir wünschte sie dass ich mich um den haushalt kümmere besucher empfing und kondolenzschreiben beantworte eines morgens sagte sie mir dass sie meiner jetzt nicht weiter bedürfe 008223_6660_000099 an diesem abend war ich entschlossen meine augen vor der zukunft zu schließen ich wollte nicht auf die mahnende stimme hören die mich vor der nahenden trennung und künftigem kummer warnte 008223_6660_000100 schien ein bewusstsein gegenseitiger liebe uns wie mit einem goldenen ringe zu umschließen und ich sandte ein stilles gebet zum himmel dass unsere trennung nicht zu nahe bevorstehend sein möge 008223_6660_000101 hallo ruft er und hält buch und stift in die höhe da sind sie also nur näher kommen wenn's gefällig ist vermutlich gehe ich weiter obgleich ich nicht weiß wie dies geschieht da ich kein bewusstsein habe von dem was ich tue und nur das bestreben empfinde ruhig zu erscheinen 008223_6660_000102 meine reise war langweilig sehr langweilig fünfzig meilen am ersten tage nachtruhe in einem landwirtshause fünfzig meilen am zweiten tage 008223_6660_000103 als die teestunde vorüber und mrs fairfax ihr strickzeug genommen ich mich auf einen niedrigen sessel ihr zur seite gesetzt hatte und adele welche auf dem teppich kniete sich dicht an mich schmiegte 008223_6660_000104 sprach die vermutung aus daß er hingereist sei um vorbereitungen für seine hochzeit zu treffen da er davon gesprochen habe einen neuen wagen kaufen zu wollen 008223_6660_000105 und später hatte ich erfahren was es in lowood hieß nach langem marsche aus der kirche nach hause zu kommen ich sehnte mich nach einer guten reichlichen mahlzeit und einem warmen kaminfeuer und bekam keins von beiden 008223_6660_000106 wohl wusste ich was es für mich als kind bedeutete wenn ich in gateshead nach einem langen spaziergang heimkehrte ich wurde gescholten weil ich traurig und verfroren aussah 008223_6660_000107 jane eyre die waise von lowat von charlotte bronte teil zwei kapitel zwei mr rochester hatte mir nur eine woche urlaub gegeben aber trotzdem verfloss ein ganzer monat ehe ich gateshead verließ 008223_6660_000108 allerdings lag diese besitzung zwanzig meilen entfernt auf der grenze einer andern grafschaft aber was bedeutete diese entfernung für einen begeisterten liebhaber für einen so geübten und unermüdlichen reiter wie mr rochester war dieser weg doch nur ein morgenritt 008223_6660_000109 wenn ich den mut hätte würde ich sie anrühren um zu sehen ob sie schatten oder wirklichkeit sind sie elfe aber gerade so gut könnte es mir einfallen ein blaues ignis fatuus auf dem moor greifen zu wollen tagediebin tagediebin fügte er hinzu und schwieg dann einen augenblick 008223_6660_000110 sie tragen ihre eigene last im leben und quälen und belästigen niemand morgen fuhr sie fort begebe ich mich nach dem kontinent ich werde meinen aufenthalt in einem frommen hause bei lisle nehmen ein nonnenkloster wie man es zu nennen pflegt 008223_6660_000111 aber was ist so eigensinnig wie die jugend was so blind wie unerfahrenheit diese behaupteten dass es schon glück genug sei mr rochester nur anzublicken ob er mich ansähe oder nicht und sie fügten hinzu eile eile 008223_6660_000112 und tat mein bestes indem ich für sie nähte und arbeitete und wäsche und kleider für sie einpackte es ist wahr dass sie müßig umherging während ich arbeitete und gar oft dachte ich in meinem sinne nun cousine wenn wir beiden verurteilt wären miteinander zu leben so würden wir die sache bald anders anfassen 008223_6660_000113 ich war bei meiner tante sir die gestorben ist das ist wieder eine antwort a la jane eyre alle guten geister mögen mich schützen sie kommt aus dem jenseits aus der wohnung der leute die gestorben sind und das erzählt sie mir noch wenn sie mich hier allein in der dunkelheit trifft 008223_6660_000114 und nun folgte die frage wohin sollte ich dann gehen während der ganzen nacht träumte mir von miss ingram ein lebhafter morgentraum zeigte sie mir wie sie alle tore von thornfield vor mir schloss und mich auf einem anderen wege hinaus wies 008223_6660_000115 sie sagte der gedanke dass er miss ingram heiraten wolle erscheine ihr noch immer so seltsam aber nach allem was alle welt sagte und nach dem was sie mit eigenen augen gesehen könne wohl kein zweifel mehr daran sein dass die sache nahe bevorstehend sei 008223_6660_000116 ich wollte unmittelbar nach dem begräbnis abreisen aber georgina flehte mich an zu bleiben bis es ihr möglich sein würde nach london abzureisen wohin ihr onkel mr gibson sie nun endlich endlich eingeladen hatte 008223_6660_000117 dort werde ich ruhig und ungestört leben ich werde mich für einige zeit der prüfung des römisch-katholischen dogmas widmen und sorgfältig die werke über das system dieser lehre prüfen 008223_6660_000118 und fügte sie hinzu ich bin ihnen außerordentlich verbunden für ihre außerordentlichen dienste und ihr diskretes verhalten es ist freilich ein großer unterschied ob man mit ihnen lebt oder mit 008223_6660_000119 während der ersten zwölf stunden dachte ich an mrs reed und ihre letzten stunden ich sah ihr fahles entstelltes antlitz und hörte die seltsam veränderte stimme ich dachte über den begräbnistag nach über den sarg den leichenwagen den langen schwarzen zug von pächtern und dienern 008223_6660_000120 du wärst aber auch ungewöhnlich ungläubig wenn du daran zweifeltest sagte ich im geiste zu mir selbst ich meinesteils zweifle nicht einen augenblick daran 008450_6660_000000 eliza sprach noch immer sehr wenig augenscheinlich hatte sie keine zeit für die unterhaltung ich habe niemals eine geschäftigere person gesehen als sie zu sein schien und doch wäre es schwer gewesen zu sagen was sie eigentlich tat oder vielmehr irgendein resultat ihrer geschäftigkeit zu entdecken 008450_6660_000001 ihr bleiches gesicht war in die kissen zurückgesunken im kamin war das feuer dem verlöschen nahe ich legte frische nahrung auf die kohlen ordnete die betten und ließ meine blicke einige augenblicke auf der gestalt ruhen welche mich jetzt nicht ansehen konnte dann trat ich ans fenster 008450_6660_000002 so würde sie einen lange gehegten plan ausführen dort eine zuflucht suchen wo pünktliche gewohnheiten vor fortwährender störung gesichert seien und zwischen sich und der gottlosen welt eine mächtige scheidewand aufrichten 008450_6660_000003 ich zeichne mich madame und so weiter und so weiter john eyre madeira der brief war vor drei jahren geschrieben weshalb ist mir dies niemals mitgeteilt worden fragte ich langsam 008450_6660_000004 auf meine frage in bezug auf die verwendung dieses gegenstandes sagte sie mir dass es eine altardecke für eine kirche sei welche vor kurzem in der nähe von gateshead erbaut worden war 008450_6660_000005 sie haben mich holen lassen sagte ich und jetzt bin ich hier und es ist meine absicht hier zu bleiben bis ich sehe dass es sich mit ihnen zum besseren wendet oh natürlich hast du meine töchter gesehen ja 008450_6660_000006 es war ein feuchter winterlicher nachmittag georgina war bei dem lesen eines romans auf dem sofa eingeschlafen eliza war gegangen um in der neuen kirche einem gottesdienste zu ehren irgendeines heiligen beizuwohnen 008450_6660_000007 du hättest dir die mühe ersparen können diese tiraden loszulassen antwortete georgina jeder mensch weiß dass du das selbstsüchtigste herzloseste geschöpf auf gottes weitem erdenrund bist und ich kenne deinen trotzigen hass besonders gegen mich 008450_6660_000008 mit verschiedenen stiften und einigen bogen papier versehen pflegte ich entfernt von ihnen in einem fenster mein fliegendes atelier aufzuschlagen und mich damit zu beschäftigen phantasievignetten zu zeichnen indem ich jedes bild zu papier brachte das sich mir in dem fortwährend wechselnden kaleidoskop meiner einbildungskraft darbot 008450_6660_000009 sie machte eine anstrengung ihre lage zu verändern aber es gelang ihr nicht ihr gesicht veränderte sich sie schien eine innere bewegung zu spüren vielleicht die vorboten des letzten kampfes 008450_6660_000010 wie oft hatte dies auge nur hass und zorn und drohungen auf mich herabgeblitzt wie erwachte die erinnerung an die schrecken und den jammer der kindheit wieder in mir als ich diese harten gesichtszüge wieder erblickte und doch beugte ich mich zu ihr hinab und küsste sie 008450_6660_000011 bitten sie jetzt den allmächtigen gott um seine vergebung und finden sie frieden armes gequältes weib jetzt war es zu spät für sie jetzt konnte sie keine anstrengung mehr machen um ihr gemüt zu ändern während ihres lebens hatte sie mich nur gehasst auch im tode musste sie mich noch hassen 008450_6660_000012 weil ich dich zu sehr und zu unabänderlich hasste um die hand dazu zu leihen dass du zu wohlstand gelangtest ich konnte dein betragen gegen mich nicht vergessen jane die wut nicht vergessen mit welcher du dich einst gegen mich gewandt hast den ton nicht in welchem du mir erklärt dass du mich mehr hasstest als irgend jemand auf der welt 008450_6660_000013 ist es das porträt eines menschen den sie kennen fragte eliza welche unbemerkt an mich herangetreten war ich entgegnete dass es nur ein phantasiekopf sei und schob die zeichnung eilig unter die andern blätter natürlich sprach ich die unwahrheit denn es war ein sehr getreues porträt mr rochesters 008450_6660_000014 nimm dir doch den tag teile ihn in sektionen ein jeder sektion weise ihre aufgabe an lass nirgend verlorene viertelstunden zehn oder fünf minuten übrig wende sie alle an 008450_6660_000015 sie blickte zu mir auf ist es jane eyre fragte sie ja tante reed wie fühlen sie sich liebe tante ich hatte einmal geschworen dass ich sie nie wieder tante nennen wollte aber ich hielt es für keine sünde jenes gelübde in diesem augenblick zu brechen 008450_6660_000016 ich schrieb an ihn ich sagte dass es mir leid täte um den kummer den ich ihm bereiten müsse aber jane eyre sei tot sie sei am typhus in lowood gestorben jetzt magst du tun was dich gut dünkt schreib ihm und widersprich meinen angaben decke meine lügen auf sobald du willst 008450_6660_000017 ich habe noch etwas anderes zu sagen er droht mir er droht mir unaufhörlich mit seinem tode oder dem meinen und zuweilen träumt mir dass ich ihn mit einer großen wunde im halse oder mit blutigem entstelltem geschwärztem gesicht sehe 008450_6660_000018 gleich darauf wandte sie sich ab und ging zur tür hinaus dasselbe tat ich keine von uns hatte eine träne vergossen ende von kapitel eins 008450_6660_000019 ihr eigenes vermögen zu sichern habe sie sorge getragen und wenn ihre mutter stürbe denn es sei durchaus unwahrscheinlich dass sie jemals wieder genesen oder dass es noch lange mit ihr dauern könne bemerkte sie sehr ruhig 008450_6660_000020 wie nun ja wie jane eyre ich schwieg denn ich fürchtete eine katastrophe herbeizuführen wenn ich meine identität mit jane eyre erklärte 008450_6660_000021 und doch sagte sie fürchte ich dass ich mich irre meine gedanken täuschen mich ich wünschte jane eyre zu sehen und jetzt finde ich eine ähnlichkeit wo keine existiert außerdem muss sie sich doch während dieser acht jahre verändert haben 008450_6660_000022 jane eyre die waise von lowood von charlotte bronte teil zwei kapitel eins abschnitt zwei ich wandte mich also an die haushälterin verlangte von ihr daß sie mir ein zimmer anweise sagte ihr daß ich wahrscheinlich einige wochen als gast hier im hause weilen würde 008450_6660_000023 ich empfand kummer dann bemächtigte sich meiner der zorn und schließlich faßte ich den entschluß sie zu besiegen ihrer herr zu werden trotz ihrer hartherzigen natur und ihres starren willens 008450_6660_000024 so jetzt hatte ich das gesicht eines freundes vor meinen blicken was bedeutete es dann noch dass jene beiden jungen damen mir den rücken wandten ich sah die zeichnung an und musste über die sprechende ähnlichkeit lächeln nun vertiefte ich mich in das gesicht und war zufrieden und glücklich 008450_6660_000025 jetzt trat die wärterin ein und bessie folgte ihr ich verweilte noch eine halbe stunde immer auf ein zeichen von freundlichkeit und vergebung hoffend aber es war umsonst sie sah mich nicht mehr 008450_6660_000026 sanft und vorsichtig erklärte ich dass ich die person sei welche sie vermutete und welche sie zu sehen wünschte und als ich bemerkte dass sie mich verstand und dass sie vollständig bei sinnen war teilte ich ihr mit dass bessie ihren mann nach thornfield geschickt habe um mich nach gateshead zu holen 008450_6660_000027 was uns wenig zu denken gibt wenn wir gesund sind lastet schwer auf uns in einer stunde wie diese es für mich ist wärterin sind sie da oder ist außer dir noch jemand im zimmer 008450_6660_000028 hatte erbarmen mit ihm und er pflegte es zu liebkosen und zu beruhigen wie wenn es sein eigenes kind gewesen wäre nein mehr als er jemals die eigenen kinder beachtet hatte als sie in jenem alter waren 008450_6660_000029 das wohlbekannte gesicht war da finster strenge erbarmungslos wie immer jenes eigentümliche auge dessen blick nichts zu besänftigen vermochte die geschwungenen herrschsüchtigen despotischen brauen 008450_6660_000030 und nichts verursachte ihr größeren ärger als wenn irgend ein umstand eintrat welcher sie zwang die peinliche regelmäßigkeit ihrer arbeiten abzuändern eines abends als sie mehr zur mitteilsamkeit geneigt war als gewöhnlich 008450_6660_000031 ich sage dir ich konnte es nicht vergessen und ich suchte meine rache ich konnte den gedanken nicht ertragen daß dein onkel dich adoptieren und dich damit zu glück und wohlstand gelangen lassen wollte 008450_6660_000032 schön ob regen sie ging an jedem sonntag dreimal in die kirche und an jedem wochentage der einem heiligen geweiht war ebenfalls mir fiel es ein nach oben gehen zu wollen um zu sehen wie es der sterbenden frau erging um die sich fast niemand kümmerte 008450_6660_000033 und deshalb spieltest du die spionin und die klätscherin und zerstörtest für immer all meine hoffnungen auf lebensglück dann zog georgina ihr taschentuch hervor und schnäuzte sich noch eine ganze stunde lang eliza saß unbewegt da und arbeitete fleißig wie immer an ihrer altardecke 008450_6660_000034 sie hatte eine weckuhr die sie täglich früh wecken musste ich weiß nicht womit sie sich vor dem frühstück beschäftigte nach demselben hatte sie ihre zeit indessen in regelmäßige teile geteilt und jede stunde hatte die ihr zugeschriebene arbeit 008450_6660_000035 wenn das ganze menschliche geschlecht mit ausnahme von uns beiden plötzlich von der erde vertilgt würde und wir allein auf der erdoberfläche stünden so würde ich dich allein in der alten welt lassen und mich selbst in die neue hinüber begeben hier schwieg sie 008450_6660_000036 georgina konnte stundenlang unsinn mit ihrem kanarienvogel schwatzen ohne mich auch nur im entferntesten zu beachten aber ich war entschlossen mir es nicht an zerstreuung oder beschäftigung fehlen zu lassen ich hatte meine zeichen und malutensilien mitgebracht und diese verschafften mir beides 008450_6660_000037 er war kurz und enthielt folgendes madame wollen sie die güte haben mir die adresse meiner nichte jane eyre zu schicken und mir mitzuteilen wie es ihr geht es ist meine absicht ihr binnen kurzem zu schreiben und sie aufzufordern dass sie zu mir nach madeira herauskommt 008450_6660_000038 ich versicherte sie dass wir allein seien nun ich habe dir zweimal ein unrecht zugefügt das ich jetzt bereue das eine war dass ich das versprechen brach welches ich meinem manne gegeben dich stets wie mein eigenes kind halten zu wollen das andere hier hielt sie inne 008450_6660_000039 zwei stunden widmete sie ihrem tagebuche zwei weitere arbeitete sie allein im küchengarten eine brauchte sie für die regelung ihrer rechnungen und bücher 008450_6660_000040 sagte sie mir dass johns aufführung und der drohende ruin ihrer familie eine quelle tiefen und nagenden kummers für sie gewesen seien jetzt aber habe ihr gemüt sich beruhigt und ihr entschluss sei gefasst 008450_6660_000041 sie schien keiner gesellschaft keines verkehrs keiner unterhaltung zu bedürfen ich glaube dass sie auf ihre weise sehr glücklich war dieser sich täglich wiederholende schlendrian genügte ihr 008450_6660_000042 ich glaube du warst nur mir zur qual geboren meine letzte stunde wird durch die erinnerung an eine tat gemartert welche ich niemals zu begehen versucht gewesen wenn es sich nicht um dich gehandelt hätte 008450_6660_000043 dieser leichnam hatte etwas seltsames feierliches für mich mit schauer und kummer blickte ich auf ihn herab nichts sänftigendes nichts friedliches nichts erbarmungsreiches oder hoffnungerweckendes oder ruhig stimmendes flößte er mir ein 008450_6660_000044 vielleicht wäre es besser miss aber gegen abend spricht sie oft in dieser weise des morgens ist sie gewöhnlich viel ruhiger ich erhob mich bleib rief mrs reed aus 008450_6660_000045 mit ihren ausbrüchen von heftigkeit und ihrem unnatürlichen fortwährenden lauern und horchen auf alles was man tat ich kann versichern sie hat eines tages zu mir gesprochen wie eine wahnsinnige oder wie ein teufel kein kind hat jemals ausgesehen oder gesprochen wie sie kein kind 008450_6660_000046 die unkindliche stimme nicht nicht den unnatürlichen blick mit dem du gesagt daß der bloße gedanke an mich dich krank mache mit dem du versichert daß ich dich mit der elendesten grausamkeit behandelt habe 008450_6660_000047 zog ihre hand fort und indem sie ihr gesicht von mir abwandte bemerkte sie daß es ein sehr warmer abend sei und wieder blickte sie mich an so eisig kalt daß ich 008450_6660_000048 ich habe mehr mühe und kummer und verdrießlichkeiten mit dem kinde gehabt als irgend ein mensch glauben würde mir eine solche last aufzubürden und wieviel ärger sie mir täglich und stündlich mit ihren unbegreiflichen charakteranlagen verursacht hat 008450_6660_000049 bedeckte ich ihre eiskalte feuchte hand mit der meinen die schwachen finger zuckten unter meiner berührung zusammen die gläsernen augen mieden meinen blick nun wie sie wollen hassen sie mich oder lieben sie mich sagte ich endlich sie haben meine volle verzeihung 008450_6660_000050 bald hatte ich eine breite hervortretende stirn auf das papier geworfen die linien des untergesichts waren scharf und eckig diese konturen machten mir freude und geschäftig machten meine finger sich daran die übrigen züge hineinzuzeichnen 008450_6660_000051 du musst bewundert werden man soll dir schmeicheln du willst dass man dir den hof macht du verlangst musik tanz und gesellschaft oder du verschmachtest und stirbst hast du denn nicht soviel verstand dass du ein system erfinden kannst das dich unabhängig macht von allen anderen anstrengungen jedem anderen willen als dem deinen 008450_6660_000052 ich weiß daß ich sehr krank bin sagte sie nach einer weile vor ein paar minuten versuchte ich mich im bette umzudrehen und fühlte daß ich kein glied mehr rühren kann es wäre gut wenn ich mein gemüt erleichtern könnte bevor ich sterbe 008450_6660_000053 mein arm der auf dem kopfkissen ruhte suchte sie zu beruhigen augenblicklich wurde sie wieder ärgerlich lass los sagte sie ärgere mich nicht indem du mich festzuhalten suchst bist du wirklich jane eyre ich bin jane eyre 008450_6660_000054 denn in religionssachen war sie eine strenge formalitätenkrämerin um nicht zu sagen heuchlerin kein wetter konnte sie jemals an der ausübung dessen hindern was sie für ihre kirchlichen pflichten hielt 008450_6660_000055 die tränen waren mir in die augen gestiegen gerade so wie in den tagen meiner kindheit aber ich drängte sie an ihre quelle zurück dann brachte ich einen stuhl an das kopfende des bettes ich setzte mich und beugte mich über die polster 008450_6660_000056 ihre eigenen dienstboten erwiesen ihr eine nur sehr kärgliche aufmerksamkeit und die gemietete krankenwärterin welche in keiner weise kontrolliert wurde entwischte aus dem zimmer so oft sie 008450_6660_000057 meine finger hielten die hand umschlossen welche auf der bettdecke lag hätte sie die meine freundlich gedrückt so würde ich eine warme innige freude empfunden haben aber unempfindliche naturen werden nicht sobald weich gemacht und angeborene antipathien sind nicht so schnell auszurotten 008450_6660_000058 gar wohl erinnerte ich mich des gesichts von mrs reed und eifrig suchte ich nach den bekannten zügen es ist wahrlich ein glück dass die alles mildernde zeit auch die rachbegierde erstickt und die eingebungen der wut und des abscheus sänftigt 008450_6660_000059 die lampe auf dem tische war durch einen schirm verdeckt da stand das große himmelbett mit den bernsteinfarbenen vorhängen noch wie in alten zeiten dort der toilettetisch der lehnstuhl und der fußschemel auf dem zu knieen ich wohl hundertmal verurteilt gewesen 008450_6660_000060 ich werde es nie verstehen wie du während neun jahren jede schlechte behandlung ruhig und geduldig hinnehmen konntest um im zehnten in wut und heftigkeit auszubrechen mein charakter ist nicht so schlecht wie sie glauben tante reed ich bin leidenschaftlich aber nicht boshaft 008450_6660_000061 bring mir einen tropfen wasser aber beeile dich o beeile dich liebe mrs reed sagte ich indem ich ihr den gewünschten trunk reichte denken sie nicht mehr an all diese dinge schlagen sie sich sie aus dem sinn 008450_6660_000062 als eine schwache stimme vom bette her murmelte wer ist da ich wusste dass mrs reed schon tagelang nicht mehr gesprochen hatte kehrte sie denn zum leben zurück ich ging zu ihr ich bin es tante reed 008450_6660_000063 du brauchst dir nicht einzubilden dass ich jemals irgendeinen anspruch deinerseits an mich anerkennen werde nur weil wir zufällig gemeinsame eltern haben ich sage dir dies 008450_6660_000064 ich bedurfte keines führers nach dem wohlbekannten zimmer wie oft war ich in früheren tagen hineingerufen worden um einen verweis oder eine strafe zu bekommen ich eilte bessie voran und öffnete vorsichtig und leise die tür 008450_6660_000065 und nur darauf wartete wie ein böser kobold herausspringen und auf meinem nacken oder meinen armen umhertanzen zu können ich näherte mich dem bette ich zog die vorhänge zurück und lehnte mich über die hochaufgetürmten polster 008450_6660_000066 sie eliza würde den ihrigen finden wenn georgina mir nicht gerade ihr herz ausschüttete so brachte sie fast ihre ganze zeit auf dem sofa zu klagte und jammerte über die düsterkeit des hauses und wiederholte unaufhörlich den wunsch dass ihre tante gibson sie einladen möchte mit ihr nach london zu gehen 008450_6660_000067 gleich darauf wurde misses reed ruhiger und sank in eine art von halbschlaf dann ließ ich sie allein mehr als zehn tage vergingen bevor sich wieder die gelegenheit zu einem gespräch mit ihr bot sie lag entweder im delirium oder in lethargie und der doktor verbot alles was sie schmerzlich erregen könnte 008450_6660_000068 dass sie fest entschlossen sei mich bis zum letzten augenblick für ein schlechtes geschöpf zu halten denn im guten an mich zu glauben würde ihr keine hochherzige freude gewährt haben nein es wäre nur eine demütigung für sie gewesen 008450_6660_000069 ich hasste es schon als meine augen es zum ersten male sahen ein kränkliches weinerliches elendes ding die ganze nacht hindurch konnte es in seiner wiege liegen und winseln es schrie nicht herzlich und kräftig wie andere kinder nein es stöhnte und wimmerte 008450_6660_000070 nimm meinen rat es ist der erste und letzte den ich dir gebe dann wirst du weder mich noch irgend einen menschen brauchen was auch kommen möge vernachlässigst du diesen rat hingegen fährst du fort zu faulenzen zu jammern zu stöhnen zu wünschen wie bisher 008450_6660_000071 sie ist im parkhüterhäuschen tante tante wiederholte sie wer nennt mich tante du bist doch keine von den gibsons und doch kenne ich dich das gesicht und jene stirn und die augen das alles ist mir so bekannt du siehst aus wie 008450_6660_000072 der regen schlug heftig gegen die scheiben der wind pfiff und heulte um das haus da dachte ich hier liegt nun eine die bald über alle kämpfe der irdischen elemente fort sein wird und wohin wird jener geist der sich jetzt aus seiner körperlichen hülle losringt fliegen wenn er sich endlich losgerungen hat 008450_6660_000073 tue jeden teil deiner geschäfte zu seiner zeit aber mit methode mit strenger regelmäßigkeit dann wird der tag zu ende sein bevor du gemerkt hast dass er überhaupt begonnen hat und du bist keinem zu dank verpflichtet dass er dir geholfen hat einen leeren augenblick hinzubringen 008450_6660_000074 drei stunden widmete sie der beschäftigung mit goldfäden den rand eines viereckigen tuchstücks zu besticken welches für einen teppich beinahe groß genug gewesen wäre 008450_6660_000075 gefühl ohne vernunft ist in der that ein schwacher trunk aber vernunft die nicht durch gefühl gemildert wird ist ein zu bitterer und rauher bissen für den menschlichen geschmack 008450_6660_000076 er versuchte auch meine kinder freundlich gegen die kleine bettlerin zu stimmen aber meine lieblinge konnten sie nicht leiden und er wurde ärgerlich wenn sie ihre abneigung zeigten 008450_6660_000077 mit ihrer konstitution hätte sie ein schönes hohes alter erreichen können aber kummer hat ihr leben verkürzt dann zog ihr mund sich einen augenblick krampfhaft zusammen aber nur für einen augenblick 008450_6660_000078 aber ich kann mich nicht darein finden das zu tun und doch wie sollen wir sonst weiter leben zwei drittel meines einkommens gehen drauf um die zinsen der wucherschulden zu bezahlen john spielt ganz fürchterlich und er verliert immer der arme junge 008450_6660_000079 die augen brauchen mehr kraft und geist und ich machte den schatten noch dunkler damit das licht mehr zur geltung kam ein oder zwei glückliche striche waren von vollster wirkung 008450_6660_000080 es ist gar seltsam mit mir gekommen ich habe schweren grausamen kummer was ist aber zu tun woher soll ich das geld nehmen jetzt versuchte bessie sie zu überreden dass sie ein beruhigungsmittel nehme nur mit großer mühe gelang es ihr 008450_6660_000081 sie erzählte mir von der bewunderung die sie erregt von den aufmerksamkeiten die man ihr erwiesen und sie ließ sogar eine andeutung von der hochtönenden eroberung durchblicken die sie gemacht hatte 008450_6660_000082 scharf markierte horizontale augenbrauen mussten unter jene stirn gesetzt werden dann folgte natürlich eine schön gezeichnete nase mit geradem rücken und weiten nasenlöchern und nun ein großer aber biegsamer mund ein festes kinn das in der mitte gespalten war 008450_6660_000083 indem ich über dies große mysterium grübelte dachte ich an helen burns ihre letzten worte kehrten in mein gedächtnis zurück ihr glaube ihre lehre von der gleichheit aller entkörperten seelen noch horchte ich im geiste auf die laute ihrer unvergesslich süßen stimme 008450_6660_000084 ich zeichnete sie groß und formte sie schön die augenwimpern wurden lang und dunkel die iris glänzend und groß sehr gut aber doch nicht ganz ähnlich sagte ich zu mir selbst als ich die wirkung des ganzen betrachtete 008450_6660_000085 inzwischen stellte ich mich mit eliza und georgina so gut es eben gehen wollte anfangs waren sie in der tat sehr kalt eliza pflegte halbe tage hindurch dazusitzen und zu nähen zu schreiben oder zu lesen ohne auch nur eine einzige silbe mit ihrer schwester oder mir zu sprechen 008450_6660_000086 ich konnte meine eigenen empfindungen nicht vergessen die ich gehegt als du damals aufsprangst und all das gift deiner seele über mich ausgossest ich hatte furcht empfunden wie wenn ein tier das ich gestoßen oder geschlagen mich plötzlich mit menschlichen augen angesehen und mich mit einer menschlichen stimme verflucht hätte 008450_6660_000087 ich hatte ja eine probe davon als du mir jenen bösen streich mit lord edwin vere spieltest du konntest es nicht ertragen dass ich höher stehen sollte als du dass ich einen titel haben und in gesellschaften kommen würde in denen du nicht einmal wagen darfst dein böses gesicht zu zeigen 008450_6660_000088 dann trage auch die konsequenzen deiner blödsinnigen dummheit wie furchtbar und unerträglich diese auch sein mögen eines sage ich dir offen höre auf mich denn wenn ich auch niemals wiederholen werde was ich dir zu sagen im begriff bin so werde ich doch strenge danach handeln 008450_6660_000089 wer ich lautete ihre antwort wer bist du und dabei blickte sie mich erstaunt und ein wenig erschrocken aber doch nicht wild und abwesend an du bist mir ja ganz fremd wo ist bessie 008450_6660_000090 so schreist und jammerst du dass du vernachlässigt elend und misshandelt bist für dich soll das dasein einen immerwährenden wechsel und ewige aufregung bringen sonst nennst du die welt ein gefängnis 008450_6660_000091 der wirre blick und die veränderte sprache zeigten mir nur zu deutlich wie weit die zerstörung in diesem einst so kraftvollen körper bereits vorgeschritten war unruhig warf sie sich hin und her und begann an der bettdecke zu zupfen 008450_6660_000092 nach dem tode meiner mutter will ich nichts mehr mit dir zu tun haben von dem tage an wo man ihren sarg in das gruftgewölbe von gateshead tragen wird sind wir du und ich so weit voneinander geschieden als ob wir uns niemals gekannt hätten 008450_6660_000093 ihr gemüt schien sich nur mit der erinnerung an entschwundenes glück und der hoffnung auf künftige zerstreuungen zu beschäftigen jeden tag brachte sie ungefähr fünf minuten in dem krankenzimmer ihrer mutter zu das war alles 008450_6660_000094 am nächsten morgen kamen die wärterin und bessie um uns mitzuteilen dass alles vorüber sei man hatte sie schon auf das paradebett gelegt eliza und ich gingen um sie noch einmal zu sehen georgina brach in lautes krampfhaftes weinen aus und sagte sie habe nicht den mut zu gehen 008450_6660_000095 mir wäre es lieber gewesen wenn man mir die sorge für ein bettlerkind aus dem arbeitshause zur pflicht gemacht hätte aber er war so schwach schwach von natur john ist seinem vater durchaus nicht ähnlich und ich bin froh darüber john ist mir ähnlich und meinen brüdern er ist ein ganzer gibson 008450_6660_000096 jetzt brauchte ich natürlich einen schwarzen backenbart und kohlschwarzes haar das sich wollig an stirn und schläfen schmiegte und nun die augen ich hatte sie bis zuletzt gelassen weil sie die sorgsamste ausführung verlangten 008450_6660_000097 verzeihen sie mir meine leidenschaftliche sprache ich war damals ein kind acht fast neun jahre sind seit jenem tage vergangen sie beachtete meine worte nicht als sie aber das wasser getrunken und tief atem geholt hatte fuhr sie folgendermaßen fort 008450_6660_000098 eliza nahm von der indolenz und den klagen ihrer schwester nicht mehr notiz als wenn solch ein murmelndes stöhnendes träges geschöpf gar nicht in ihrer nähe gewesen wäre eines tages jedoch als sie ihr rechnungsbuch beiseite legte und ihre stickerei zur hand nahm fing sie plötzlich an ihr folgendermaßen die wahrheit zu sagen 008450_6660_000099 sie sank immer mehr und mehr in bewußtlosigkeit die besinnung kehrte nicht wieder um zwölf uhr in jener nacht starb sie ich war nicht da um ihre augen zudrücken zu können auch ihre töchter weilten nicht bei ihr 008450_6660_000100 im allgemeinen wird wenig wert auf wahres warmes großherziges empfinden gelegt hier waren nun aber zwei naturen von denen die eine durch den mangel daran unerträglich bitter die andere verächtlich geschmacklos geworden war 008450_6660_000101 nur einen herzzerreißenden angstvollen jammer um ihr weh nicht um meinen verlust und ein düsteres tränenloses entsetzen über die grauen des todes in dieser gestalt eliza blickte ruhig auf ihre mutter herab nach einigen minuten des schweigens bemerkte sie 008450_6660_000102 da lag nun sarah reeds einstmals so kräftiger lebensvoller körper starr und kalt und still die kalten lider bedeckten das scharfe erbarmungslose auge die stirn und die starren züge trugen noch den stempel ihrer unbeugsamen unerbittlichen seele 008450_6660_000103 augenblicklich fühlte wie ihre ansichten über mich ihre empfindungen für mich nicht um ein atom verändert waren überhaupt keiner änderung fähig waren ich sah es ihrem versteinerten auge welches niemals durch tränen genetzt niemals in zärtlichkeit aufgeleuchtet hatte an 008450_6660_000104 wie oft hatte ich dort verzeihung für sünden erflehen müssen die ich niemals begangen hatte ich blickte in einen gewissen winkel und erwartete eigentlich halb und halb die schlanken umrisse einer einst so gefürchteten reitgerte zu sehen die dort auf mich zu lauern pflegte 008450_6660_000105 sie sagte es beängstige sie wenn ich mich über das bett lehne und verlangte wiederum zu trinken als ich sie wieder niederlegte denn während des trinkens hatte ich sie aufgerichtet und mit meinem arm gestützt 008450_6660_000106 ich erbot mich auch ihre porträts zu skizzieren und jede saß dann zu einer bleistiftsilhouette schließlich brachte georgina ihr album ich versprach ihr eine wasserfarbenskizze für dasselbe und jetzt war sie augenblicklich in der besten laune sie schlug mir einen spaziergang im park vor 008450_6660_000107 jetzt geriet sie in eine furchtbare aufregung ich glaube es ist besser wenn ich sie jetzt verlasse sagte ich zu bessie die an der anderen seite des bettes stand 008450_6660_000108 die vorsehung hat meine bemühungen mit erfolg gekrönt ich habe mir ein vermögen erworben und da ich unverheiratet und kinderlos so bin ich willens sie noch bei lebzeiten zu adoptieren und ihr bei meinem tode alles zu hinterlassen worüber ich verfügen kann 008450_6660_000109 im laufe des nachmittags und des abends kam sie wieder auf diese andeutungen zurück und wurde noch deutlicher sie wiederholte einige zärtliche gespräche beschrieb mir mehrere sentimentale szenen kurzum sie improvisierte an diesem tage einen ganzen band novellen aus dem fashionablen leben zu meiner unterhaltung 008450_6660_000110 in seiner letzten krankheit ließ er es fortwährend an sein bett bringen und kaum eine stunde vor seinem tode ließ er mich einen heiligen eid ablegen daß ich das geschöpf stets erhalten und versorgen wolle 008450_6660_000111 dreimal am tage studierte sie ein kleines buch welches sich nach einer genaueren besichtigung meinerseits als das allgemeine gebetbuch erwies ich fragte sie einmal worin die große anziehungskraft dieses buches für sie liege und sie entgegnete mir in der liturgie 008450_6660_000112 aber was kümmerte das sie oder irgend jemand außer mir auch georgina kam um einen blick darauf zu werfen die anderen zeichnungen gefielen ihr ganz außerordentlich aber ihn nannte sie einen garstigen menschen beide schienen von meiner geschicklichkeit sehr überrascht 008450_6660_000113 nun du magst ihnen sagen daß ich wünsche dich hier zu behalten bis ich mit dir über einige dinge sprechen kann die mir auf der seele lasten heute abend ist es zu spät und es wird mir jetzt auch schwer mich auf die angelegenheit zu besinnen aber etwas wollte ich dir sagen ja was war es doch gleich 008450_6660_000114 und als wir kaum zwei stunden draußen gewesen waren wir mitten in einer vertraulichen unterhaltung sie beglückte mich mit einer beschreibung des glänzenden winters den sie vor zwei jahren in london zugebracht hatte 008450_6660_000115 er ist von lauter gaunern und tagedieben umgeben john ist ganz gesunken und verkommen er sieht grauenhaft aus ich schäme mich seiner wenn ich ihn sehe 008450_6660_000116 wenn ich dich nur überreden könnte tante reed nicht mehr an diese angelegenheit zu denken und mich mit güte und nachsicht und vergebung anzusehen du hast einen sehr bösen charakter sagte sie und dazu einen den ich bis auf den heutigen tag nicht zu begreifen imstande gewesen 009494_8747_000000 wegen der grausigsten verbrechen wird verantworten müssen das fehlen von findelhäusern in deutschland hat schon so manchem kleinen wesen das leben gekostet 009494_8747_000001 die wiese wurde von der schröder herbeigerufen die wiese habe sie heftig geschlagen sodass schröder dazwischen trat alsdann habe ihr die wiese geburtshilfe geleistet die wiese habe das kind in einen eimer mit wasser fallen lassen und alsdann auf einen sack gelegt 009494_8747_000002 wenn ein verschmähter liebhaber seinen nebenbuhler aus eifersucht niedersticht dann kann man vielleicht sagen er hat ohne überlegung gehandelt man wird aber nicht behaupten können die angeklagte habe die kleinen wesen ohne überlegung getötet 009494_8747_000003 wegen der schweren kuppelei und der versuchten verleitung zum meineid wurde die angeklagte zu einer gesamtstrafe von zwei jahren zuchthaus verurteilt die schuldfrage bezüglich des versuchten mordes hatten die geschworenen verneint 009494_8747_000004 als sie ihn deshalb zur rede stellte habe sie ihr mann mit einem kochtopf auf den kopf geschlagen sie sei infolgedessen in ohnmacht gefallen als sie wieder zu sich kam sei ihr mann mit dem kind verschwunden gewesen 009494_8747_000005 die verhandlung ergab dass tatsächlich in dem paket fauliges schiffsfleisch aber nicht menschliche leichen enthalten war höchst dramatisch gestaltete sich die vernehmung der paula berkefeld uneheliche tochter der angeklagten und auch des gatten der angeklagten des kesselschmiedes heinrich wiese 009494_8747_000006 dieses leben bekam jedoch paula berkefeld schließlich satt sie entfernte sich eines tages heimlich aus dem mutterhause entkam nach london und trat dort bei einer deutschen herrschaft in stellung 009494_8747_000007 sobald sie aber vermutete die mädchen befinden sich im besitz von größeren geldbeträgen machte sie ihnen den vorschlag ihr eine einmalige größere abfindungssumme zu zahlen 009494_8747_000008 ich kann diese frau nicht mehr als mutter anerkennen die angeklagte nannte darauf ihre tochter die person paula berkefeld während deren vernehmung zumeist wegen gefährdung der öffentlichen sittlichkeit die öffentlichkeit ausgeschlossen wurde 009494_8747_000009 eines versuchten mordes schwerer kuppelei und versuchter verleitung zum meineid in zwei fällen vor dem schwurgericht in hamburg zu verantworten frau wiese 009494_8747_000010 ihre unehelich geborenen kinder gegen zahlung von kostgeld zur pflege anboten auf solche anzeigen meldete sich vielfach eine frau wiese sie erbot sich die kinder gegen zahlung von kostgeld in pflege zu nehmen 009494_8747_000011 jawohl die angeklagte wiederholte auf befragen des vorsitzenden ihre behauptung dass ihr mann das kind klotsche sittlich missbraucht und es dabei erstickt habe 009494_8747_000012 für meine vermutung spricht auch der umstand dass sich die angeklagte mit verhältnismäßig geringen abfindungssummen begnügt hat dafür spricht weiter der umstand dass drei kinder die die angeklagte in pflege hatte am leben sind 009494_8747_000013 sie befinden sich in einem gräflichen oder fürstlichen schloss es fehle ihnen nichts weiter als das himmelreich eine weitere auskunft könne sie ihnen nicht geben die mädchen gaben sich aber damit nicht zufrieden um so weniger als sie die wiese im verdacht hatten es sei ihr nur um erlangung der abfindungssumme zu tun gewesen 009494_8747_000014 einzig und allein deshalb wurde die angeklagte aufs stadthaus geladen zu der jürgens sagte sie aber dann ich bin aufs stadthaus geladen weil ich ein kind um die ecke gebracht haben soll 009494_8747_000015 der gerichtshof verurteilte die angeklagte entsprechend dem wahrspruch der geschworenen wegen fünf vollendeter morde fünfmal zum tode und zu dauerndem verlust der bürgerlichen ehrenrechte 009494_8747_000016 zeugin sie sagte wenn man ein neugeborenes kind in einen eimer mit wasser stecke dann sterbe es sie habe das kind zunächst in einen kasten legen wollen sei aber durch die anwesenheit eines fräulein reich daran verhindert worden 009494_8747_000017 ich nahm an die wiese würde das kind in obhut nehmen am folgenden tage sagte mir die wiese auf mein befragen wo das kind sei das kind ist tot 009494_8747_000018 jawohl vors machten sie sich dabei keine gedanken wo ihr kind geblieben sei 009494_8747_000019 nach einigen jungen kam die wiese wieder und sagte ihre tochter habe einen hübschen jungen geboren dieser sei aber tot sie habe sogleich einen sarg für dreißig mark gekauft 009494_8747_000020 der staatsanwalt suchte im weiteren verlauf den nachweis zu führen daß die angeklagte sich auch der schweren kuppelei und des versuchten mordes gegen ihren ehemann schuldig gemacht habe in diesen beiden fällen handelte es sich aber um personen die sich immerhin wehren könnten 009494_8747_000021 die angeklagte wurde nachdem das urteil rechtskraft erlangte hingerichtet ende von abschnitt nummer achtzehn 009494_8747_000022 die beweisaufnahme hat zweifellos ergeben dass die angeklagte morphium im haus gehabt hat allein wozu bedürfe es einem solchen mittel ein handgriff ein falsches rücken des kissens genügt um solch kleine wesen vom leben zum tode zu befördern 009494_8747_000023 verteidiger rechtsanwalt dr bleckwedel gab der meinung ausdruck dass die angeklagte die kinder zwecks unterschiebung ins ausland verkauft habe unterschiebungen zwecks erbschaft und alimentenerlangung kommen keineswegs so selten vor 009494_8747_000024 an ihnen ist es der verletzten rechtsordnung die erforderliche sühne zu verschaffen entsprechend dem alten rechtsgrundsatz auge um auge zahn um zahn 009494_8747_000025 jedenfalls hat die beweisaufnahme ergeben vier kinder die der angeklagten gegen verhältnismäßig hohe geldbeträge in kostpflege gegeben waren sind spurlos verschwunden 009494_8747_000026 sehr erregt was die person hier gesagt hat ist alles lüge ich habe die person nicht geschlagen sie hat auch nicht in der schröderschen wohnung geboren die person hat kein lebendes kind geboren sondern nur einen umschlag gehabt 009494_8747_000027 sie gibt auch schließlich zu die kinder sommer und schultheiß sind tot diese habe die miosga getötet wahr ist dass die miosga vierundzwanzig stunden lang den knaben schweppke in pflege gehabt hat 009494_8747_000028 es wurde ihm nämlich häufig nach dem essen unwohl er mußte sich erbrechen und bekam einen starken hustenreiz so daß ihm das blut aus der nase quoll 009494_8747_000029 der ehemann wiese hegte verdacht dass seine gattin ihm nach dem leben trachte er besaß ein kleines vermögen frau wiese hatte zu nachbarsleuten geäußert ihr mann erfreue sich nicht der besten gesundheit 009494_8747_000030 wie kam die angeklagte dazu eine solche äußerung zu tun die angeklagte gibt selbst zu das kind klotsche ist tot aber nicht ich sondern mein mann hat das kind tot gemacht 009494_8747_000031 sie habe gesehen daß das kind mit den beinen zappelte männlichen geschlechts war und schwarze haare hatte die wiese sagte zu ihr mache das kind tot darauf habe sie geantwortet das kann und will ich nicht 009494_8747_000032 sollten sie trotzdem zu einem schuldigspruch kommen und das urteil an der angeklagten vollstreckt werden und später einmal eins der verschwundenen kinder auftauchen dann würde das ein lebendes wahrzeichen ihres fehlspruchs sein vor einem solchen fehlspruch möge sie der allmächtige gott bewahren 009494_8747_000033 sie erließ in verschiedenen zeitungen annoncen folgenden inhalts eine junge dame bittet einen edeldenkenden herrn um dreißig mark unterstützung gegen dankbare rückzahlung 009494_8747_000034 die angaben der angeklagten über den verbleib der kinder haben sich als freche lüge erwiesen der ehemann der angeklagten ist ein rechtschaffener braver und sehr fleißiger mann 009494_8747_000035 staatsanwalt sagte paula dass das kind gelebt hat zeugin das weiß ich nicht mehr paula berkefeld nochmal als zeugin vernommen bekundete sie habe auf veranlassung ihrer mutter mehrfach anzeigen folgenden inhalts aufgeben müssen 009494_8747_000036 es ist allerdings ein bloßer indizienbeweis der ihnen vorgeführt worden ist er hat aber die schuld der angeklagten in vollem umfange unwiderleglich dargetan ich bin überzeugt sie werden es mit einer großen befriedigung empfinden daß es gelungen ist die furchtbaren verbrechen zu entdecken 009494_8747_000037 vorsitzender hat die wiese auch gesagt dass das verbrennen der nachgeburt glück bringe zeugin ja sie sagte die kohlenreste die von dem verbrennen einer nachgeburt herrühren bringen glück 009494_8747_000038 dieser herzenswunsch seiner liebenswürdigen gattin war dem mann zu ohren gekommen von stunde ab wurde er misstrauisch und zwar umso mehr da verschiedene speisen und getränke die ihm seine gattin zubereitet hatte ihm verdächtig erschienen 009494_8747_000039 vorsitzender sagte sie nicht auch dass sie mit geistern verkehre zeugin jawohl sie erzählte mir einmal dass sie oftmals während der mitternachtsstunde mit geistern spreche 009494_8747_000040 das geschäft des kindermordens mag wohl bisweilen gestockt haben die megäre war daher bemüht ihre junge bildschöne tochter in die arme des lasters zu treiben um sich auch dadurch eine erwerbsquelle zu verschaffen 009494_8747_000041 es entsteht nun die frage sind die verschwundenen kinder getötet oder hat die angeklagte nur einen falschen weg der verteidigung eingeschlagen ich habe bereits bemerkt dass man anfänglich glaubte es handle sich um zwei betrügerische kindesunterschiebungen 009494_8747_000042 mehrere zeugen bestätigten die bekundungen der paula berkefeld der auch von ihrer dienstherrschaft in london das beste zeugnis gegeben war ein fräulein reich bekundete als zeugin sie habe einige monate bei der angeklagten gewohnt 009494_8747_000043 vors es meldeten sich herren auf diese anzeigen zeugin jawohl vors haben sie sich freiwillig hingegeben 009494_8747_000044 wenn sie sich die verzweiflung der zeugin schultheiß vergegenwärtigen der keine macht der erde ihr kind wiederzugeben vermag dann werden sie mit mir das gefühl hoher befriedigung teilen dass es gelungen ist solch verruchte verbrechen zur bestrafung zu bringen 009494_8747_000045 zeugin wenn ich es nicht tat wurde ich von der wiese heftig geschlagen vors hat auch bisweilen die wiese die anzeigen aufgegeben zeugin jawohl 009494_8747_000046 paula berkefeld wurde auch durch schläge und hunger gezwungen sich der straßenprostitution zu ergeben brachte das mädchen kein oder nicht genügend geld nach hause dann wurde es von dem entmenschten weib misshandelt 009494_8747_000047 es gelang aber nicht auch nur eine spur zu entdecken die ehemalige hebamme elisabeth wiese hatte sich anfang oktober neunzehnhundertvier wegen fünf vollendeter 009494_8747_000048 verschiedene vorkommnisse führten zu der vermutung dass frau wiese die kleinen wesen verbrenne sie soll bisweilen so stark geheizt haben dass die herdplatten zersprangen außerdem soll ein fürchterlicher geruch wahrgenommen worden sein 009494_8747_000049 paula berkefeld habe im sommer neunzehnhundertzwei einige tage bei dem schuhmacher schröder einem vierundsiebzig jahre alten manne gewohnt mit dem die angeklagte ein intimes liebesverhältnis verhältnis unterhalten hatte 009494_8747_000050 es wurde auch behauptet frau wiese sei beobachtet worden als sie am spätabend mit einem schweren paket noch einen spaziergang nach den ufern der elbe gemacht habe und ohne paket zurückgekehrt war 009494_8747_000051 frau wiese stellte ihre tochter als die hilfsbedürftige junge dame vor letztere sträubte sich sich dem laster hinzugeben frau wiese wusste aber durch furchtbare schläge mit dem pantoffel und anderen gegenständen den widerstand des mädchens zu brechen 009494_8747_000052 die vertreter der presse durften im saal bleiben machte sehr belastende aussagen sie ließ kaum einen zweifel dass ihre mutter das von ihr zeugin im sommer neunzehnhundertzwei geborene kind sogleich nach der geburt getötet habe paula berkefeld bemerkte auf befragen 009494_8747_000053 den knaben schweppke hat die angeklagte augenscheinlich auch zu töten versucht indem sie dem armen wesen schnupftabak in die nase steckte einem manne der das kind alsdann in pflege nahm hat die angeklagte schnupftabak mitgegeben mit der weisung diesen dem kind in die nase zu stecken 009494_8747_000054 zumal sie ja dann von der bezahlung des kostgeldes befreit waren nach einiger zeit gewann jedoch die mutterliebe wieder die oberhand sie verlangten von der wiese den aufenthalt ihrer kinder zu erfahren die wiese gab den mädchen die versicherung die kinder werden in seide gebettet 009494_8747_000055 die angeklagte hat aber außerdem vier wehrlose wesen ermordet sie befand sich immer in geldverlegenheit um dieser abzuhelfen beschloss sie kostkinder in pflege zu nehmen sie meldete sich auf zeitungsannoncen die von dienstmädchen erlassen wurden um ihre unehelich geborenen kinder in pflege zu geben 009494_8747_000056 allein nur sehr wohlhabende leute denen der kindersegen versagt ist pflegen kinder als eigen anzunehmen nicht aber leute vom schlage der angeklagten die sich in steter geldverlegenheit befunden hat 009494_8747_000057 achtzehnhundertfünzig geboren und katholischer konfession war bereits wegen anstiftung zum diebstahl hehlerei urkundenfälschung betruges betrugsversuchs und kuppelei mit gefängnis und ehrverlust bestraft 009494_8747_000058 auf ihre frage habe frau miosga geantwortet das paket enthalte fauliges schiffsfleisch sie werde es abends in die elbe werfen sie angeklagte habe sich des abends auf die lauer gelegt und gesehen dass die miosga das paket in die elbe geworfen habe 009494_8747_000059 aus diesem anlass schritt schließlich die polizei zur verhaftung der wiese frau wiese war einst die glückliche gattin des kesselschmieds heinrich wiese in den letzten jahren soll jedoch das eheliche verhältnis eine arge trübung erfahren haben 009494_8747_000060 wenn das alles nichts half sagte die wiese den herren sie sollten mir gewalt antun vorsitzender gaben die herren alle geld zeugin jawohl das nahm stets die wiese an sich 009494_8747_000061 wenn er sterben sollte und sie den witwenschleier anlegen müßte dann würde sie das von ihrem mann hinterlassene vermögen das ihr alsdann zufiele über den herben verlust sehr bald zu trösten vermögen 009494_8747_000062 vorsitzender hat ihnen die wiese nicht auch angeraten sich auf st pauli ein absteigequartier zu mieten zeugin 009494_8747_000063 meine frau hat wider meinen willen kinder in pflege genommen ich habe mich darum nicht weiter gekümmert es wurde hierauf dem zeugen das dienstmädchen klotsche mutter des verschwundenen kleinen klotsche vorgestellt 009494_8747_000064 vorsitzender wie sind sie überhaupt dazu gekommen diese frau zu heiraten zeuge es war damals ein ganz manierlich aussehendes mädchen und sehr geschickt in allen arbeiten 009494_8747_000065 als die tochter in der wohnung des schuhmachers schröder einen knaben geboren hatte da ermordete die angeklagte das eigene enkelkind die angaben der berkefeld über diesen mord werden von anderen zeugen im wesentlichen bestätigt die angeklagte sagte zu einer frau meine tochter hat einen hübschen jungen geboren das kind ist aber sofort gestorben 009494_8747_000066 anfänglich wurde die volle adresse später nur die chiffre hinzugefügt infolge dieser annonce meldeten sich herren die sich unter gewissen umständen bereit erklärten die gewünschte unterstützung zu zahlen 009494_8747_000067 den vorsitz des gerichtshofes führte landrichter dr crasemann die anklage vertrat staatsanwalt dr hollender die verteidigung als offizialverteidiger führte rechtsanwalt dr bleckwedel hamburg 009494_8747_000068 als frau wülfing das kind blank der angeklagten wiederbrachte weil sie kein kostgeld erhielt da sagte die angeklagte es ist gut dass das kind hier ist morgen kommt es nach england in diesem augenblick hat die angeklagte zweifellos den entschluss gefasst das kind zu töten 009494_8747_000069 sie beschuldigte insbesondere eine frau miosga zwei ihr übergebene kinder ermordet zu haben sie habe eines tages auf dem boden der miosga ein großes paket gesehen das nach leichen roch 009494_8747_000070 einmal war der kaffee in seiner kaffeeflasche ganz bitter und hatte einen fauligen geschmack als er nach hause kam sagte er zu seiner frau ich glaube du willst mich vergiften ich werde den kaffee untersuchen lassen 009494_8747_000071 sie werde nach london manchester wien berlin oder anderen orten fahren da sie in erfahrung gebracht habe dass dort eine grafen- oder fürstenfamilie ein kind zu adoptieren wünsche in mehreren fällen erklärten sich die mädchen wenn auch mit schwerem herzen bereit sich von ihren lieblingen für immer zu trennen 009494_8747_000072 frau wiese hat des nachts die fenster verhangen und in der küche licht brennen lassen sie sagte wenn sie alsdann betet der liebe gott solle sie einen lotteriegewinn machen lassen dann gehe das gebet in erfüllung 009494_8747_000073 auf weiteres befragen bemerkte der zeuge ich habe in den ersten jahren mit meiner frau sehr friedlich gelebt nach einigen jahren hat aber meine frau sechzig mark achtzig mark hundertfünfzig mark und so weiter von meinen ersparnissen aus der sparkasse abgehoben seit dieser zeit haben wir in unfrieden gelebt 009494_8747_000074 die angeklagte die sich mit großer zungenfertigkeit verteidigte bestritt alles die ihr übergebenen kinder seien zum teil zu sehr feinen herrschaften ins ausland gekommen teils müssten sie von anderen frauen denen sie die kinder übergeben habe ermordet worden sein 009494_8747_000075 der arzt habe ihr geraten im eppendorfer krankenhaus ihre geburt abzuwarten sie habe aber eines nachmittags als sie sich gerade in der schröderschen wohnung befand geburtswehen bekommen 009494_8747_000076 und der ihr übergebenen kinder habe sie sich in verbrecherischer weise entledigt die mädchen machten schließlich der 009494_8747_000077 sie hatte sich auch das sechste und siebente buch mosis gekauft in diesem las sie sehr eifrig es standen alle möglichen geistergeschichten darin ich musste ihr auch einmal aus diesen büchern ein gebet abschreiben 009494_8747_000078 ich habe es nach einem marien und eckernförder straßenecke belegenen beerdigungsinstitut gebracht und zwanzig mark bezahlt damit das kind beerdigt werde vorsitzender was hat ihnen die wiese außerdem noch erzählt 009494_8747_000079 vorsitzender was hat noch in den büchern gestanden zeugin ich glaube es hat auch etwas vom kinderschlachten darin gestanden 009494_8747_000080 sie war eine mittelgroße schlanke frau sie hatte ein speckgelbes gesicht eingefallene wangen eine lange habichtsnase und kleine stechende augen sie machte ganz den eindruck einer hexe mit der man kinder graulich machen konnte 009494_8747_000081 vorsitzender angeklagte ich habe schon viel gehört dass aber ein erwachsener mensch ein zwei monate altes kind sittlich missbraucht habe ich noch nicht gehört 009494_8747_000082 belastend für die angeklagte spricht doch der umstand dass sie bemüht war das kind schulz zurückzubekommen da es doch sehr bald krepieren werde sie wissen meine herren dass ihr dies nicht gelungen ist und dass der knabe schulz heute noch lebt 009494_8747_000083 einen stummen zeugen gegen die angeklagte bildete das zeug der kleinen blank das sie unaufgefordert dem zeugen klühs schenken wollte es ist ferner zu erwägen dass die angeklagte den müttern stets den vorschlag machte die kinder gegen eine einmalige größere abfindungssumme als eigen annehmen zu wollen 009494_8747_000084 eventuell vor gericht zu beschwören sie habe gesehen wie die verschwundenen kinder von feinen damen abgeholt wurden das gegenteil könne ja niemand beweisen 009494_8747_000085 denselben versuch machte frau wiese bei einer mitgefangenen die sie im untersuchungsgefängnis bei den gemeinsamen spaziergängen kennengelernt hatte die behörde war jahrelang aufs eifrigste bemüht durch ausschreibung von hohen belohnungen in den zeitungen und fachblättern des in und auslandes den verbleib der verschwundenen kinder zu ermitteln 009494_8747_000086 angeklagte es ist aber wahr mit mir hat er ja dieselben unsittlichkeiten vornehmen wollen ich muss noch bemerken dass mein mann an jenem tag besoffen war 009494_8747_000087 staatsanwalt haben sie auch mit paula berkefeld über das von dieser geborene kind gesprochen zeugin jawohl paula sagte es war ein hübsches kind es ist aber leider tot 009494_8747_000088 aber nicht der angeklagten sondern einem glücklichen zufall ist es zu verdanken dass diese kleinen wesen noch am leben sind es entsteht nun die frage hat die angeklagte mit überlegung gehandelt 009494_8747_000089 auf weiteres befragen bekundete die zeugin die wiese habe sie auch gezwungen in gemeinschaft mit einem jungen mädchen namens fuß sich der straßenprostitution hin zu ergeben 009494_8747_000090 die angeklagte machte den mädchen sofort den vorschlag die kinder für eine größere abfindungssumme als eigen anzunehmen beziehungsweise zu einer feinen herrschaft ins ausland bringen zu wollen 009494_8747_000091 wenn selbst das nichts half dann riet die megäre den männern gegen das mädchen gewalt anzuwenden das sündengeld strich selbstverständlich die wiese ein 009494_8747_000092 dies verfahren wurde nur dadurch vereitelt dass der mann verdacht schöpfte und die ganze nacht wachgeblieben war frau wiese hatte eine außerehelich geborene sehr hübsche tochter namens paula berkefeld 009494_8747_000093 der vorsitzende hielt dem zeugen alsdann die behauptungen der angeklagten vor wiese ich kann darauf nur erklären dass das eine totale lüge ist vorsitzender würden sie das vor gott und ihrem gewissen beschwören können zeuge gewiss 009494_8747_000094 einige tage darauf habe sie in der küche viele verbrannte kohlen gesehen auf ihre frage habe frau wiese gesagt sie habe die nachgeburt des von paula berkefeld geborenen kindes verbrannt 009494_8747_000095 sie hat der angeklagten allerdings von england aus zärtliche briefe geschrieben aber nachdem sie gehört hatte ihre mutter habe schnöden geldgewinnes halber vier kostkinder getötet da sagte sie ich kann diese frau nicht mehr als meine mutter ansehen 009494_8747_000096 vors hat ihr mann auch das kind geschlagen angekl das kind wurde auch getroffen es wurde alsdann kesselschmied heinrich 009494_8747_000097 der zeuge erklärte er kenne die klotsche nicht er habe niemals eine quittung geschrieben und auch niemals für ein pflegekind geld erhalten die klotsche und einige andere mädchen beklagten unter heftigem weinen den verlust ihrer lieblinge 009494_8747_000098 sie würdigte die mutter nicht eines blickes und sagte immer die wiese vors weshalb sagen sie immer die wiese die angeklagte ist doch ihre mutter 009494_8747_000099 nein ich habe mich zumeist gesträubt da zog die wiese ihren pantoffel aus und schlug mich heftig oftmals warf sie mich zu boden riss mich an den haaren und trat mich mit den füßen einmal flüchtete ich da verfolgte mich die wiese mit einem küchenmesser 009494_8747_000100 allein sehr bald meldeten sich noch zwei mütter die ihre kinder reklamierten ob sich sämtliche mütter die ihre kinder der angeklagten in kostpflege gegeben gemeldet haben oder ob nicht mehrere dienstmädchen aus falscher scham die anzeige vielleicht unterlassen haben lässt sich selbstverständlich nicht feststellen 009494_8747_000101 eine junge dame bittet einen edeldenkenden herrn um eine unterstützung von dreißig mark gegen dankbare rückzahlung vorsitzender weshalb gaben sie die anzeigen auf zeugin ich musste ja vorsitzender weshalb mussten sie 009494_8747_000102 die angeklagte war bemüht noch mehrere kinder gegen hohe abfindungssummen als eigen anzunehmen es ist ihr dies nur nicht gelungen die beweisaufnahme hat aber keinen zweifel gelassen dass die angeklagte die ihr übergebenen kinder sämtlich getötet hat 009494_8747_000103 alsdann habe sie das kind auf dem herd verbrennen wollen das habe sich aber auch nicht ausführen lassen da das kind zu groß war vorsitzender weshalb mag die wiese sie geschlagen haben zeugin weil ich nicht nach hause gegangen war 009494_8747_000104 im hause der angeklagten herrschte aber ein unsittliches treiben schnöden geldgewinnes halber hat die angeklagte zeitungsannoncen erlassen um ihre eigene tochter der unzucht in die arme zu führen und da die tochter sich sträubte wurde sie von der mutter in furchtbarster weise gemisshandelt 009494_8747_000105 meine herren geschworenen wenn nur die entfernteste möglichkeit vorliegt dass die kinder noch am leben sind und dies ist doch nicht ausgeschlossen dann müssen sie die angeklagte wegen der vier mordtaten freisprechen 009494_8747_000106 ferner wurde ermittelt dass bei frau wiese einmal eine schwindsüchtige tänzerin gewohnt habe diese hatte sich aufgrund eines ärztlichen rezepts von frau wiese morphium besorgen lassen die tänzerin ist nach einiger zeit von hamburg nach berlin übergesiedelt und dort gestorben 009494_8747_000107 das rezept soll aber im besitz der wiese geblieben sein und darauf soll sie sich morphium beschafft haben endlich meldeten sich zeugen die beobachtet haben wollten dass frau wiese das uneheliche kind ihrer tochter sofort nach der geburt getötet habe 009494_8747_000108 paula berkefeld wollte bei schröder ihre niederkunft abwarten eines morgens sei schröder zu der wiese gekommen und habe gesagt es ist soweit die wiese sei sofort zu schröder gegangen 009494_8747_000109 aber auch der umstand dass trotz aller bemühungen nicht die leiseste spur von den verschwundenen kindern zu entdecken war spricht dafür dass die angeklagte die kinder getötet hat man könnte einwenden einige kinder die der angeklagten übergeben waren leben noch 009494_8747_000110 vorsitzender kam es auch vor dass herren kein geld gaben zeugin jawohl in diesen fällen machte die wiese furchtbaren skandal und schlug mich 009494_8747_000111 vors sie haben die wiese ihre mutter sehr schwer belastet ich frage sie nochmals ist das auch alles wahr was sie hier gesagt haben zeugin ganz gewiß vors können sie das mit gutem gewissen vor gott beschwören 009494_8747_000112 ein im besten mannesalter stehender mann mit blondem vollbart der einen sehr guten eindruck machte als zeuge in den saal gerufen der vorsitzende bemerkte dem zeugen wenn er befürchte durch beantwortung einer frage sich einer strafrechtlichen verfolgung auszusetzen so habe er das recht die beantwortung dieser frage zu verweigern 009494_8747_000113 es ist auch gut so denn meine tochter muss nach england wieder zurück und ich kann ein kind nicht gebrauchen da haben sie den beweggrund meine herren geschworenen die berkefeld ist durchaus kein psychologisches rätsel 009494_8747_000114 die angeklagte soll sehr abergläubisch gewesen sein zeugin jawohl vorsitzender was wissen sie darüber zu sagen zeugin 009494_8747_000115 nach beendeter beweisaufnahme führte staatsanwalt dr hollender im plädoyer aus man nahm zuerst an dass es sich bloß um zwei betrügerische kindesunterschiebungen handle 009494_8747_000116 vorsitzender stand in den büchern dass das schlachten kleiner kinder glück bringe zeugin nein aber frau wiese sagte einmal kinderblut und blut von weißen tauben ist gut das bringt glück 009494_8747_000117 letztere schritt sofort ein zumal der wiese aus anlass ihrer vielen vorstrafen von der polizei untersagt war kostkinder in pflege zu nehmen benachbarte hausbewohner hegten schon längst verdacht dass frau wiese die engelmacherei das heißt den kindermord gewerbsmäßig betreibe ja 009494_8747_000118 endlich wurde frau wiese vom schicksal ereilt sie wurde wie bereits erwähnt in untersuchungshaft genommen noch ehe dies aber geschah suchte sie eine frau jürgens die vorübergehend bei ihr gewohnt hatte durch versprechen von geldgeschenken und so weiter zu bewegen 009494_8747_000119 ehret die frauen sie flechten und weben himmlische rosen ins irdische leben als schiller diese worte niederschrieb hat er jedenfalls nicht geahnt dass eine person in gestalt eines weibes sich dereinst vor einem schwurgerichtshof im herzen deutschlands 011695_8674_000000 zugegeben habe ich ich hätte unrecht gehabt war zu grob gewesen und sie sei ne ganz patente schwester na und lauter solchen quatsch denken sie sie hat sich bereden lassen keine spur 011695_8674_000001 der einzig feste grund ist die wahrheit auch wenn sie kantig und rauh und felsenhart ist ach wenn man immer die wahrheit sagen könnte 011695_8674_000002 also unpassend benommen haben sie sich mal gegen die christel sind ja 'n toller kerl sowas hätt ich ihnen duckmäuser gar nicht zugetraut was war denn los gewesen 011695_8674_000003 was will der kerl habe ich mich gefragt warum zieht er nicht mit seinen kameraden hat er nicht als musikant ein frohes faulenzerleben und was hält ihn hier die lotte ist fort so kann's nur die christel sein sehen sie und das war mein gram 011695_8674_000004 und wem sind sie denn im wege doch nicht dem herrn hartmann nein dem auch nicht der ist auch gut zu mir sehr gut aber jetzt ist er krank ich sehe ihn oft viele tage nicht aber die frau und der berthold der berthold auch 011695_8674_000005 früher vertrugen wir uns aber jetzt wo er so anders ist da die lore fort ist wo er mit allen liederlichen mädeln rumzieht da ich hab ein paarmal ihm zugeredet und seit der zeit ist's aus gestern hat er mir gesagt ich hätte auf seinem hofe gar nichts zu suchen 011695_8674_000006 es war so schwer zu tragen so schwer durchzuführen ich hab dich oft um rat bitten wollen ich durfte nicht der vater hatte es mir verboten aber jetzt muss ich dir alles sagen 011695_8674_000007 warum sie fragte in arglosem staunen warum weil weil ich sonst fort müsste denn hier im dorfe ihnen immer als der frau eines anderen zu begegnen das das hielt ich nicht aus das machte mich rasend das brächte mich um 011695_8674_000008 er fand einige unordentlichkeiten und stellte fest dass es nicht recht sei wenn ein verantwortlicher beamter wie er tagelang verreise nach dem feierabend traf er robert winter auf der straße er nahm den jungen mann der darob sehr erstaunte mit in seine wohnung 011695_8674_000009 falls ja falls denn ob es wirklich der fall sei wußte er nicht er war anderthalb tage lang verreist gewesen zeit genug um auch in wichtigeren dingen die übersicht über die lokalen geschehnisse zu verlieren 011695_8674_000010 er sah den musikanten mit tiefer bewegung an die ganze wahrheit aber es gibt fälle wo einem der mund verschlossen bleibt gegen allen guten willen 011695_8674_000011 groß richteten sich die augen des mädchens auf den mann seien sie nicht böse christel wegen dieses dummen geredes ich will sie ja auch wirklich nicht heiraten aber ich könnte es auch nicht mit ansehen dass sie die frau eines anderen sind weil ich ihnen 011695_8674_000012 bin der blamierte hätt ich sie einfach laufen lassen wär ich schön heraus wie ein märtyrer ständ ich da in meiner verlassenheit so 011695_8674_000013 und wenn sich da mal die vierundzwanzig bissel mausig macht da kann die fünfundvierzig gar nischt dagegen knurren denn sonst rückt die vierundzwanzig aus und die fünfundvierzig steht allein da und zielt mit ihren zwei falschen gleichheitsbalken ins blaue 011695_8674_000014 setzen sie sich robert ich komme gleich wieder der doktor brachte zwei flaschen wein und stellte sie auf den tisch also robert die eine flasche is sekt kostet vier mark fünfzig pfennige die andere ist mosel ist unter brüdern zwölf mark wert 011695_8674_000015 'ne flasche mosel für zwölf mark ist immer 'ne ehre für sie und für mich also dass sie sich nich etwa vor lauter erstaunen verschlucken ich hab mich verlobt robert winter verfärbte sich ein wenig 011695_8674_000016 dr friedlieb wandte sich ab und trat ans fenster freilich fuhr robert fort freilich für mich ist es schlimm denn wenn fräulein christel aus dem hause fortgeht dann werd ich auch nicht mehr bleiben 011695_8674_000017 ehe sie aus dem walde traten bekam er lust seiner braut einen kuss zu geben aber es kam ihm zu peinlich vor und so lenkte er sich selbst ab indem er sich nach der scharwenken erkundigte 011695_8674_000018 er wischte sich den schweiß von der stirn geschwindelt habe ich heute geheuchelt scheußlich zugeredet habe ich ihr sie soll wieder mit heim kommen 011695_8674_000019 christels augen irrten durch grünes blattgerank ins tiefe himmelsblau ihre wangen blühten wie roter mohn und ihre gestalt bebte leise wie die ähren auf reifendem felde 011695_8674_000020 weil ich so albern war zu denken das mädel könnte in sie verliebt sein aber jetzt robert das können sie glauben bin ich ihr bester freund eh ich sie fortlaufen ließe 011695_8674_000021 das heißt setzte er hinzu immer hübsch unparteiisch ich bin auch eins also sehen sie da liegt mein schöner römer in scherben und ein guter wein auf jettels guter gehäkelter tischdecke weil wir kamele sind also robert jetzt werde ich ihnen mal 'ne sonne aufgehen lassen die christel 011695_8674_000022 er sah sie ganz fassungslos an und nun wurde sein gesicht rot ich will jetzt gehen herr doktor wollen sie nicht hören was ich ihnen anvertrauen wollte 011695_8674_000023 dabei zeigte er abwechselnd mit dem zeigefinger nach roberts stirn und nach seiner stirn schließlich sagte er langsam und mit großer herzlichkeit robert sie sind ein kamel 011695_8674_000024 sie sprang auf nein das ist nicht wahr oder ich liebe ihn doch nicht so wie man einen mann liebt den man den man heiraten möchte er sah sie scharf an ach was was sie sagen und es muß wahr sein denn sie lügen nie 011695_8674_000025 und gesorgt hat er für den robert durch das testament das ist nu wieder mal anständig von dem hartmann wenigstens nach seinem tode erkennt er das kind an aber ich ich alter esel bin immerfort auf den robert eifersüchtig gewesen auf den bruder 011695_8674_000026 verreist ja verreist und fräulein schwester auch verreist sie vornweg ich hinterher sie ist nämlich ausgekniffen die jette ach 011695_8674_000027 robert winter wurde blutrot herr doktor ich kann ich will bitte erlassen sie mir das der doktor brummte nach einer weile sagte er ich kann mir's denken die christel ist sehr freundschaftlich zu ihnen gewesen und da haben sie gedacht sie sei in sie verliebt 011695_8674_000028 aber sie würde raufgehen und m alten ne szene machen also muss ichs mir verkneifen und kann sie mit der verlobung erst später ärgern der berthold ist n dummer kerl also sind von der ganzen familie bloß sie übrig dem ich mich anvertrauen kann 011695_8674_000029 gestern wie der berthold das zu mir gesagt hat hat sie laut gelacht sehn sie wenn man da n bisschen ehrgefühl hat da muss man doch gehen ich weiß nicht was die frau gegen mich hat aber sie will mich raushaben ich bin ihr ein dorn im auge sie zeigt mir das bei jeder gelegenheit 011695_8674_000030 als robert winter an diesem abend nach hause ging war sein herz leichter als sonst und in seiner seele dämmerte ein heimatsgefühl auf doch als er in den kretscham trat und daran dachte daß die christel das haus bald verlassen werde faßte ihn ein frösteln in der sommernacht 011695_8674_000031 das ist ja die mit der ich mich verlobt habe ach die christel ach und sie sagten auf der reise 011695_8674_000032 wollen mal erst die mosel trinken herr doktor ich weiß nicht wie ich zu der ehre wollen mal erst die mosel trinken 011695_8674_000033 das mädchen schwieg ja sehen sie christel wir passten einmal nicht zusammen sie war mir zu dumm und ich war ihr zu grob und das sagten wir uns bei jeder passenden gelegenheit 011695_8674_000034 ein grimmiges gelächter durchschüttelte seinen leib weil ich alles eingesehen habe weil ich zugebe dass sie nie schuld ist da da kommt sie wieder die treue schwester 011695_8674_000035 man steigt in der ziffer und sinkt im werte es ist wie bei den schulden weniger ist da immer mehr also wenn sich so eine minus fünfundvierzig neben eine minus vierundzwanzig stellt das ist eigentlich eine mogelei 011695_8674_000036 es gibt nur einen mann den ich lieb und den ich heiraten möchte aber der gar nicht daran denkt und das ist wer ist das wer wer ist der kerl wer ist der lausewenzel sie sie herr doktor 011695_8674_000037 ich liebe sie christel ich liebe sie und wenn ich nicht einundzwanzig jahre älter wäre als sie da wollte ich um sie werben ist es ist es nur das alter stammelte sie er hob den kopf hoch 011695_8674_000038 ich weiß es traurig sah christel vor sich hin dr friedlieb grübelte darüber wie er eine tröstende zärtlichkeit anbringen könne es fiel ihm aber nichts anderes ein als dass er das mädchen fest am oberarm nahm 011695_8674_000039 es ist es ist ganz gleich es ist gut so gut so wiederholte dr friedlieb in stupidem tonfall dann setzte er sich nieder 011695_8674_000040 christel ich möchte mich einmal zu ihnen aussprechen ich weiß sie sind klug sie werden mich verstehen sie werden mir auch nichts übelnehmen es ist ja schwer was ich sagen will 011695_8674_000041 dr friedlieb hob eine kleine schnecke auf die sich durch den sand quälte und setzte sie auf ein grünes blatt eine weile kämpfte er mit sich dann sagte er 011695_8674_000042 er schwieg ein bisschen dann fuhr er fort es ist ja schrecklich dumm von mir es ist unmotiviert es ist ruppig aber ich kann nicht anders denn der winter würde dann hier im dorfe bleiben und das wollt ich sie eben bitten fräulein christel wenn sie mal heiraten dann heiraten sie nach auswärts 011695_8674_000043 sie hatte geglaubt die entdeckung würde ihn in erregung versetzen das war nicht der fall ganz ruhig beinahe belustigt sagte er richtig die mutter 011695_8674_000044 kleine missverständnisse machen die menschen rasch vertraut miteinander sie schlagen leichte intime brücken von seele zu seele so bei diesen männern die sich bisher fast fremd geblieben waren beim dritten glase fragte dr friedlieb 011695_8674_000045 bleiben ich komme morgen hin dr friedlieb und schickte es durch einen eilboten nach der stadt nu kann ich morgen wieder verreisen knirschte er und alles das was ich gestern und heute so so rein anstandshalber geschwindelt habe widerrufen 011695_8674_000046 den musikanten fasste eine beschämung er stand auf herr doktor ich möchte nach hause nee nee keene spur ich hab nämlich ganz dasselbe gedacht 011695_8674_000047 sein glückliches lachen hallte laut durch den wald was sollen wir denn machen gib mir einen guten rat du bist so klug nee klug nicht aber sieh mal christel ich werd dir einen rat geben wir können nämlich gar nicht machen 011695_8674_000048 ja sehen sie der mensch kann sich täuschen wenn zum beispiel hier im dorfe mal ne witwe war und ich kümmerte mich n bissel um sie weil ich dachte das wär so meine pflicht und schuldigkeit gleich dachten die alten schachteln ich hätte absichten 011695_8674_000049 wilhelm friedlieb und christine hartmann hatten den wald noch nicht verlassen als sie ihm die not ihres lebens offenbarte sie klagte nicht über ihre freudlose jugend nicht über die mutter aber sie musste ihm das sagen wofür ihre seele keinen ausweg sah 011695_8674_000050 mit einem ruck drehte sich dr friedlieb wieder um das ist unsinn unsinn ist das gräulicher unsinn mensch das werden sie nicht tun sie werden auf alle fälle dableiben auf alle fälle abwarten 011695_8674_000051 librivox punkt org es war juni geworden auf dem schmalen fußwege der vom bahnhof her nach teichau führte schritt dr friedlieb 011695_8674_000052 und da sagen sie das mädel tut ihnen leid ja ich sollte auch gewiss nichts verraten es ist mir jetzt so entschlüpft raus mit der sprache was hat sie gesagt ich muss das wissen 011695_8674_000053 wirste schon christel wirste bestimmt jede ärgert die eine oft die andere manchmal die jettel oft du manchmal damit bin ich ganz zufrieden und sieh mal christel 011695_8674_000054 nein nein christel davon ist keine rede ich durchschaue sie doch aus dem alten schnauzigen doktor friedlieb machen sie sich doch im grunde genommen gar nichts 011695_8674_000055 sie bleibt was die in dem stifte gutes stiften wird ist mir unklar und ich sitz da hier und weiß nicht ob ich mich ärgern muss oder mich freuen darf 011695_8674_000056 die wilden bienen summten in ginster und klee der kuckuck rief von ferne der wind fuhr leise durch die blühenden zweige der linde das weib sucht bei dem manne den es liebt schutz 011695_8674_000057 immerhin dachte ich es is die schwester wirst ihr mal nachfahren eigentlich sagte ich mir musst du ihr gar nicht nachfahren denn wer fortlaufen will der lauft eben aber na ja ich fuhr er hielt inne 011695_8674_000058 sie können zu uns kommen jeden tag in tiefer bewegung streckte der musikant dem doktor die hand hin ja herr doktor ich werde dableiben auch wenn die christel heiratet so ist's recht so ist's abgemacht es wird alles gut werden 011695_8674_000059 o ja langsam und müde setzte sie sich nieder also heiraten will ich sie nicht begann er aufs neue es wäre ja sehr albern von mir 011695_8674_000060 und ich muss mal ne gute stunde abpassen dass ich's ihm sage sonst erschrickt er am ende zu sehr weil ich doch einundzwanzig jahre älter bin der frau gönne ich's ja denn der würde ich kaum sehr grün werden und wenn ich sultan wäre und von ihr dreißig töchter heiratete 011695_8674_000061 von ihrer verlobung ja natürlich nicht herr doktor aber ach gott ich war ja schuld ich hatte mich da mal so dumm benommen und da sagte mir die christel was sagte sie 011695_8674_000062 eher wartete ich noch mit der hochzeit na und das können sie nicht verlangen sie werden dableiben robert aushalten abwarten auch wenn die christel nicht mehr im kretscham ist 011695_8674_000063 der musikant saß vor dem doktor mit roten wangen ja das ist wahr wenn ich eine schwester hätte sie könnte nicht besser zu mir sein als fräulein christel und deswegen erschrak ich vorhin so und deswegen freu ich mich jetzt so dass es zwischen ihr und ihnen herr doktor so gekommen ist 011695_8674_000064 ich würde sagen ziehen sie zu mir aber das will ich doch jetzt der familie nicht antun wo ich heirate sie sind ja auch dort gar nicht zu entbehren die frau is bloß so vernagelt sie müsste ja froh sein dass sie da sind 011695_8674_000065 ja was sonst nur das alter nur das da stieß das stille mädchen einen leisen jubelruf aus und schlang die arme um den hals des mannes und presste das glühende gesicht an das seine doktor friedlieb saß ein bisschen ganz still da und stand dann auf 011695_8674_000066 es hat sich alles logisch und knapp entwickelt und abgespielt na ich hab natürlich getobt wie ichs rauskriegte namentlich weil sie mir so 'n blödsinnigen brief hinterlassen hatte der triefte von sentimentalität und 011695_8674_000067 sie wären ein grundschlechter mensch robert wenn sie's mir nicht sagten es hängt alles davon ab mein glück christels glück ist sie ist sie unglücklich 011695_8674_000068 oh nein herr doktor nicht doch ich weiß ja nicht was ich sah sie kann ja ihren sinn seitdem geändert haben was heißt seitdem seit sie mit ihr gesprochen haben seitdem den sinn geändert sehr gut das ginge ja flinker wie bei einer wetterfahne man soll sich nicht mit weibern einlassen 011695_8674_000069 dr friedliebs augen glänzten er hatte das gefühl sich jetzt als liebhaber unterhaltend und witzig gezeigt zu haben das kluge mädchen sah lächelnd auf die rechnung im sande 011695_8674_000070 was ist denn herr doktor die jettel sie telegraphiert weil du alles eingesehen hast und zugibst dass ich nie schuld bin komme ich morgen zurück deine treue schwester 011695_8674_000071 selbst wenn es keinen schutz brauchte würde es doch solchen suchen würde sich lieber absichtlich schwächer machen als daß es der holden gabe entbehrte 011695_8674_000072 das müssen wir verhindern ausreißen lass ich ihn nicht die andern musikanten sind mir zwar ausgerückt die jettel auch aber bei der jettel hab ich's gewusst jawohl gewusst ich hab's gemerkt dass sie zwei reisekörbe packte 011695_8674_000073 ein leichtes zucken ging durch des mädchens körper und ihr auge wurde starr der doktor bemerkte es nicht nein heiraten will ich sie nicht so dumm bin ich nicht 011695_8674_000074 weil ich ihnen so rasend gut bin er ergriff ihre hand und presste seine stirn darauf wie eine bildsäule saß das mädchen da mit weißer stirn und entfärbten wangen ganz leblos nur in den augen brannte ein seliges licht auf 011695_8674_000075 dr friedlieb ging langsam um den tisch und setzte sich aufs sofa ich mehr war er nicht imstande zu sagen ja sie herr doktor und wenn jetzt die christel hören wird dass sie sich auf der reise verlobt haben da wird sie natürlich 011695_8674_000076 es ist wohl über ein halbes jahr her der doktor starrte ihn an ein halbes jahr ja mensch was was haben sie denn vor einem halben jahr von meiner verlobung sprechen können 011695_8674_000077 aber zum teufel ich könnt mir nicht helfen sie hat mich zu viel geärgert das mädchen lächelte ein wenig und wenn ich dich ärgern sollte 011695_8674_000078 ja siehst du fuhr er ernster fort ich will dich nicht ängstigen aber es steht doch schlecht um deinen vater wenn einer mal so 'n schlaganfall weghat dann ist die größte schonung notwendig wenn es jetzt zu einem heftigen streit zwischen deinen eltern käme würde es wahrscheinlich deines vaters tod sein 011695_8674_000079 er trug eine leichte reisetasche bei einer wegkreuzung zog er die uhr rechnete aus dass jetzt kaffeezeit sei und dass nach einer geraumen weile hier die christel vorbeikommen müsse falls die hartmannschen leute auf den waldwiesen beschäftigt wären 011695_8674_000080 wie im frühjahr die musikanten ausgerückt sind habe ich mich schwer geärgert am meisten habe ich mich aber geärgert dass gerade der eine nicht mit ausgerückt ist der winter 011695_8674_000081 langsam begann der doktor die schwere sache zu verstehen und warum warum sagt ihr's ihm nicht ihr müsst ihm doch reinen wein einschenken der vater fürchtet sich die mutter 011695_8674_000082 mit witwen ist das überhaupt immer schwierig die erschweren einem die soziale fürsorge kolossal um mal auf was anderes zu kommen sehen sie robert von unserer verlobung weiß außer ihnen noch niemand was hartmann is krank 011695_8674_000083 auf der reise aufm wege vom bahnhof hierher hatte die reisetasche und das paraplü dabei in den händen und noch den lokomotivruß im gesichte 011695_8674_000084 der doktor hieb sein weinglas auf dass es zerbrach robert winter saß mit bleichem gesicht da was geht sie das überhaupt an brüllte der doktor auf ihn los wann wann haben sie mit der christel gesprochen 011695_8674_000085 robert winter lächelte ein wenig von der ganzen familie sagen sie herr doktor friedlieb erschrak ein bisschen und nahm sich vor sich nicht zu verraten ja nu ich meine sie sind doch so 'n bissel was wie 'n pflegesohn 011695_8674_000086 doch er setzte sich an den blühenden wegrand und wartete und er hatte sich nicht verrechnet die christel kam sie trug ein leeres körbchen am arm in dem sie den arbeitsleuten das vesperbrot gebracht hatte 011695_8674_000087 wie ich dann nach hause kam habe ich anstandshalber getobt und am andern tage bin ich nachgefahren alles nur zum scheine das war ne heuchelei von mir ne gefühlsrohheit 011695_8674_000088 der doktor lachte dass er sich schüttelte der musikant aber saß ganz betreten da arme christel entfuhr es ihm na hören sie mal robert das find ich nu nicht gerade sehr höflich von ihnen es ist ja wahr ich habs mir auch lange bedacht aber 011695_8674_000089 nicht so nicht so betrübt sein christel es ist ja auch unsinn der robert hat's doch ganz gut so das bissel zeit das dein vater noch lebt kann er sich gedulden und dann bringen wir schon alles ins richtige gleis wenn er aber vor der zeit von uns fortgeht wieder in die welt hinaus 011695_8674_000090 aber ich will's nicht so ewig mit mir rumtragen es wird mir leichter werden wenn sie alles wissen und dann werden wir erst recht freunde sein dass sie aber nicht von vornherein erschrecken sag ich's bald heiraten will ich sie nicht 011695_8674_000091 ich ich werd's ihr anstreichen ich schmeiß sie raus ich will sie nicht mehr ich will endlich meine ruhe ich will heiraten er grübelte düster vor sich hin dann setzte er ein telegramm auf 011695_8674_000092 verzeihen sie nur der herr doktor es is mir so rausgefahren mir tut halt das mädchen leid der herr doktor wissen ja nicht was weiß ich nicht hat sich ihnen die christel anvertraut der musikant nickte 011695_8674_000093 sie sind doch nich wie n gewöhnlicher angestellter sie müssen doch jetzt die ganze geschichte dort über wasser halten na und die christel die behandelt sie doch wirklich wie n bruder 011695_8674_000094 sie sie sollen ja auch nicht sagte sie heiser ich weiß ich weiß ich hab mir das selbst gesagt und deshalb haben sie nicht nötig mir einen korb zu geben ich weiß dass sie trotz allem und allem den musikanten lieben 011695_8674_000095 von fernher rief ein kuckuck und die alte linde am wege streute weiße blüten auf den weg auf ginster und rittersporn und auf das schweigende paar 011695_8674_000096 ja auch er schwieg heimlich summten wilde bienen in gelbem ginster und blühendem klee ein schmetterling setzte sich auf einen schwanken rittersporn vor die beiden menschenkinder und schlug leicht mit seinen bunten flügeln 011695_8674_000097 pack dacht ich damit sie recht unbehelligt flüchten konnte ging ich aus in der pappelallee hab ich gewartet und als ich sie fahren sah da da sah ich nach der uhr ob sie auch 'n schnellzug noch erwischen würde 011695_8674_000098 erlauben sie das das ist mir nicht klar christel schlug die hände vors gesicht mädel liebes mädel sieh mal einundzwanzig jahre 011695_8674_000099 sehr unglücklich sein und weil sie so ein gutes liebes mädchen ist tut sie mir halt leid dr friedlieb saß ganz still ganz leise nur grunzte er oder stieß ein kurzes meckriges lachen aus 011695_8674_000100 es klopfte eine magd brachte ein telegramm hastig öffnete es dr friedlieb entfärbte sich und sank aufstöhnend auf einen stuhl sie sie kommt wieder 011695_8674_000101 vorgestern früh hat die jettel dem winkler maurer 'n taler geborgt mittags hat er den taler versoffen nachmittags hab ich's rausgekriegt und mit der jettel krach gemacht und abends mitm letzten zuge fuhr sie ab alles an einem tage 011695_8674_000102 na ein schrecklicher angstmeier ist mir ja der hartmann gar kein richtiger mann und sie ist ne böse nummer doch halt verflixt das werden ja jetzt meine schwiegereltern 011695_8674_000103 sie wies auf die minus vierundzwanzig und wenn wir da dazurechnen was an hilflosigkeit und an fehlern da ist und von der fünfundvierzig abziehen die ganze tüchtigkeit die herzensgüte die hochachtung sie kam nicht weiter dr friedlieb zerstörte in hast die rechnung mit dem stocke 011695_8674_000104 sie saß neben ihm schaute ihn an fasste ihn an beiden händen tränen rannen über ihre wangen und dann schmiegte sie sich an seine schulter und sagte ihm mitten im schweigenden walde leise ins ohr von ihrer liebe 011695_8674_000105 so muss ich sie nein robert man soll nicht schwindeln nicht anstandshalber und nicht aus verlegenheit oder mitleid die lüge ist ein sumpf auf den man nicht bauen kann 011695_8674_000106 bist doch vier jahre in die stadtschule gegangen wirst das schon kapieren also minus fünfundvierzig jahre das bin ich und minus vierundzwanzig jahre das bist du verstehst du jedes jahr das man lebt ist minus eins 011695_8674_000107 das mädchen schwieg wieder wissen sie was christel ich werd mich einfach freuen freilich mein ganzes großes hauswesen ist jetzt ohne weibliche aufsicht und das wird ja das wird ja auf die dauer hm 011695_8674_000108 ja die verlobung muss sie ja unglücklich machen muss sie unglücklich machen so so muss sie unglücklich machen na dann sowas lässt sich ja gott sei dank rückgängig machen 011695_8674_000109 versprach ans landratsamt einen protest wegen ungerechter verhängung der hundesperre einzureichen hatte einen streit mit der alten leipelten weil sie ein kopftuch unter dem strohhute trug und untersuchte die hosentaschen einiger dorfbüblein ob sie auch brauchbare schnäuztüchlein enthielten 011695_8674_000110 und ein eigentümlicher gedanke fiel ihn an die christel würde ihm um heimisch zu werden mehr fehlen als die lore die er so leidenschaftlich geliebt hatte 011695_8674_000111 sieh mal er schrieb mit einem stocke in den sand fünfundvierzig gleich minus vierundzwanzig also das ist eine rechnung mit negativen größen 011695_8674_000112 während des restes dieses seines verlobungstages besuchte dr friedlieb noch fünf patienten erwog mit dem liebigbauern die anlage eines brunnens zankte eine magd aus die sich für ihre ausstattung beim tischler einen glasschrank bestellt hatte 011695_8674_000113 und wo trafen sie die schwester dr friedliebs gesicht nahm einen leidenden ausdruck an in einem jungfernstift o christel 011695_8674_000114 die jettel jawohl ausgekniffen desertiert genau so wie dieser verfluchte kerl der steiner und die anderen halunken einfach auf und davon na christel unter uns gesagt ich bin froh dass sie fort ist 011695_8674_000115 herr doktor haben sie sich verlobt auf der reise jawohl robert ganz recht auf der reise ganz richtig geraten auf der reise musste extra verreisen um endlich mal dazu zu kommen 011695_8674_000116 der fremde musikant der robert winter ist mein bruder dr friedlieb dem sein glück noch in den sinnen lag verstand sie nicht da erzählte sie alles vom eintreffen roberts bis auf diesen tag 011695_8674_000117 herr doktor das können sie mir nicht verdenken ich bin mit meinen früheren kameraden nicht fortgegangen ob sie mir das auch so zugeredet haben ich wollte aushalten hauptsächlich der christel wegen weil die immer freundlich war weil ich immer spürte die hat mich gern der bin ich nicht im wege 011695_8674_000118 sie sind so gütig zu mir herr doktor so von anfang an und immer nu nee immer nich es hat zeiten gegeben wo auch ich sie zum deibel gewünscht habe na wegen der christel 011695_8674_000119 siehst du christel ich bin doch alt ich kann nich in einen richtigen respektvollen schwiegersohnston reinfinden na er fürchtet sich ich versteh das 011695_8674_000120 dr friedlieb ging aufgeregt durch die stube ich glaube das gern robert aber das muss man eben auf sich nehmen denken sie wenn die jetzt meine schwiegermutter wird ich werde ein leichten stand haben aber fortlaufen kann ich deswegen nicht und wo wollen sie denn hin 011695_8674_000121 herr doktor sie waren verreist und wir hörten daß auch ihr fräulein schwester verreist sei der doktor zog das mädchen sanft neben sich an den wegrand 012379_8674_000000 die junge frau saß stumm auf einem stuhl er trat vor sie hin und faßte ihre hand na christel 012379_8674_000001 seine reliquie und er lenkte sich ab sah wieder zum altar er hörte die segensworte und sah sie in lieblicher erfüllung vor dem auge seiner seele 012379_8674_000002 lass sie christel lass sie sie spricht zwar nicht logisch aber sie spricht fließend sie sie ich geh überhaupt nicht mit zur hochzeit hat man sich sowas an seinen kindern erzogen sowas verdient und immer immer dieser kerl der zugelaufene bummler 012379_8674_000003 sind mein alter freund geheimrat professor könig und mein andrer alter freund gottlieb peuker frau hartmann stieß ein lautes lachen aus und berthold fing vor vergnügen an zu tanzen 012379_8674_000004 die leute fühlten keine härte weil so viel menschliches und so viel amüsant theatralisches dabei war und es gab keinen menschen im dorfe 012379_8674_000005 das tust du mir nicht an dass du dich etwa darüber ärgerst über so eine so eine da ärgert sich kein vernünftiger mensch wenn die auch nicht da ist pah 012379_8674_000006 deinen guten schwarzen rockanzug die frau brachte das stoßweise heraus und sah den mann erschrocken feindselig an hartmann machte eine hilflose gebärde 012379_8674_000007 als dieser brief vorgelesen wurde stand robert am fenster und starrte hinaus während der hochzeitsvorbereitungen hatte es im hartmannschen hause noch eine heftige szene gegeben 012379_8674_000008 robert wandte sich ab und ging fort die jungen leute standen alle stumm und verlegen da da sprang berthold von seinem holzpferde herab und eilte robert nach es schien als sei er plötzlich etwas nüchterner geworden wehe ihnen wenn sie klatschen 012379_8674_000009 er wusste nicht was ihm das leben kostbares geraubt hatte spannkraft und mut dass es ihn feig und scheu gemacht hatte unfähig zu den hohen dingen zu denen ungetrübte mitfreude gehört 012379_8674_000010 ganz egal es ist mir langweilig hier ist es feiner ich lass mir nichts mehr gefallen ich bin nicht mehr so dumm wie früher beim kommiss bin ich helle geworden freitour rosa hierbleiben nicht weggehen bei mir bleiben 012379_8674_000011 was sollen denn bloß die leute sagen was sollen sie sich denn denken und nicht amal 'n anständigen anzug hat er a 012379_8674_000012 die frau bemerkte das ihr blasses gesicht nahm eine graue färbung an sie musste heftig nach luft schöpfen als sie sagte das das wird ja die reinste dienstbotenhochzeit gibt's denn niemand anders 012379_8674_000013 da traf robert winter ein bertholds abwesenheit war bemerkt und robert abgeschickt worden den bruder der braut zum feste zurückzuholen 012379_8674_000014 fräulein jettel nahm nach einem seitenblick auf den geheimrat eine sehr vornehme haltung an und hub an also zu sprechen 012379_8674_000015 na nicht christel bloß das nicht na sieh mal ordnung muß sein und wenn man so viel älter is wilhelm du ängstigst mich so bist du denn krank du bist doch arzt du mußt das doch wissen ich hab kummer um dich 012379_8674_000016 was will denn der hier schrie berthold der angetrunken war kommt er mich etwa holen was niesen werd ich ihm freitour ich bezahle 012379_8674_000017 wenn das höheren orts bekannt wäre was ich mit meiner schwester jettel durchgemacht hab da kriegt ich's eiserne kreuz und meine frau die christel kriegte die rettungsmedaille 012379_8674_000018 die scheunen waren gefüllt und große getreideschober erhoben sich auf den feldern dicke gelbe türme die von macht und reichtum des bauers zeugen stolze außenwerke reicher höfe 012379_8674_000019 da wurde das erntefest begangen mit kuchenbacken schlachtfest kirchgang spiel und tanz das hauptinteresse des tages aber war der hochzeit des dr friedlieb mit christel hartmann gewidmet 012379_8674_000020 freundlich schien die sonne durch die bunten kirchenfenster und vergoldete christels grünen brautkranz der doktor stand stattlich neben ihr 012379_8674_000021 ist halt in hemdsärmeln beistand sagte berthold höhnisch a kann sich meinen schwarzen anzug anziehen sagte der alte hartmann leise a ist von meiner statur und ich werd keinen schwarzen rock mehr brauchen 012379_8674_000022 die scherwenken hielt den ganzen tag ihre fenster offen damit er sich nicht ärgere wenn er an ihrem häuslein vorbeiginge 012379_8674_000023 und die leipelten hatte obwohl nur neunzehn grad wärme waren kein kopftuch unter dem strohhut sondern nur höchst unauffällig die ohren mit watte vollgestopft 012379_8674_000024 nicht einmal darüber wunderte er sich wie feierlich und sicher der alte gottlieb peuker neben dem seinen professor aus der hauptstadt dastand 012379_8674_000025 da hast du ein hohen orden vom kaiser verdient sag ich sehr verdient da einen vom sultan weil du den mal 012379_8674_000026 jettel du du bist ja ganz verrückt ein empörter blick traf ihn ich will sagen jettel das ist doch von dir bloß ein hochzeitsulk das ist doch nicht dein ernst fräulein fräulein friedlieb ich bitte sie so sehr 012379_8674_000027 und das bunte dreiste mädchen schmiegte sich an ihn an und ließ sich schamlos vor den augen aller bertholds zärtlichkeiten gefallen die nacht war lau die leier lärmte die bunten purpurfetzen glitzerten mit ihren glasperlen 012379_8674_000028 der hochzeitszug ordnete sich die kirche zu verlassen gleich hinter dem brautpaar schritt der geheimrat mit fräulein jettel friedlieb die kurz vor der trauung in einem puritanisch einfachen hochzeitskleide erschienen war 012379_8674_000029 hartmann wurde sehr bleich dr friedlieb sprang zu ihm hören sie auf frau sehen sie denn nicht wie sie ihn aufregen wie sie ihm schaden herr hartmann seien sie ruhig trinken sie da mal n schluck wasser christel gib die medizin in dem braunen fläschchen her 012379_8674_000030 auf der dunklen dorfstraße rangen die halbbrüder miteinander um des vaters ehre da kam der alte gottlieb peuker der auch zum karussell hin wollte und schlichtete 012379_8674_000031 wenn sich mein freund könig der ein wirklicher könig der wissenschaft is zum gottlieb peuker stellt und er stellt sich gerne zu ihm das weiß ich da wirst du dich doch wohl zum robert winter stellen können also sei nich albern 012379_8674_000032 wilhelm heute bei der hochzeit sie schmiegte sich an ihn und sie die bei der ganzen trauung keine träne vergossen hatte fing leise an zu weinen 012379_8674_000033 geehrtes brautpaar ich habe es für meine pflicht gehalten der ehelichen verbindung meines bruders beizuwohnen und bringe meine gratulation dar gleichzeitig aber empfehle ich mich denn ich reise unverzüglich wieder ab 012379_8674_000034 denkt ihr nicht an meine verwandten hat nicht die christel genug vettern warum warum soll sich denn der berthold gerade neben einen knecht stellen nu eben sagte berthold das passt mir schon lange nicht 012379_8674_000035 der alte großknecht gottlieb aber sagte ich weiß herr doktor sie stuppen mich nich aus sie wollen's wirklich sie wollen mir alten mann die ehre antun ich danke schön ich rechne mir das hoch an aber ich nehm's natürlich nicht an 012379_8674_000036 die äußeren erscheinungen waren ihm gleichgültig vor ihm auf der bank lag ein altes gebetbüchlein in schwarzes leder gebunden er blätterte scheu darin dieses büchlein nahm er nur bei den wichtigsten veranlassungen seines lebens 012379_8674_000037 als das karussell hielt trat er zu berthold und fasste ihn derb am arm wenn sie jetzt nicht augenblicklich mitkommen dann sag ich's ihrem vater und dann wird herr dr friedlieb sie holen 012379_8674_000038 dr friedlieb vergaß die pietät die er als angehendes familienmitglied schuldig war und sagte berthold du bist 012379_8674_000039 da wird wenigstens der wein nicht so sauer schmecken ärgern am hochzeitstage ärgern was pfeifen werd ich ihr und er pfiff wirklich 012379_8674_000040 der winkler maurer sogar brachte ein schweres opfer er stellte sich nachmittags um drei uhr da die trauung war völlig nüchtern an die kirchentür und er sah blass aus wie ein aszet 012379_8674_000041 den guten schwarzen rockanzug begann sie noch einmal wenn der jemandem zukommt so ist's der berthold der sohn der sohn sage ich ja doch ja doch frau hartmann er kann ihn ja haben 012379_8674_000042 so und nun ist's gut damit regen sie sich nicht auf was ist auch dabei es war meine absicht dass robert beistand sein sollte ich hab's der christel eingeredet ich wollte es tun weil weil der robert weil ich ihn doch hergebracht habe und weil 012379_8674_000043 sah weit in der zukunft glückliche kinder spielen in der sicheren umfriedung der ehe die da vollzogen wurde seine seele wurde wieder matt und bitter 012379_8674_000044 es war in dem zimmer wo hartmann im lehnstuhl saß die ganze familie war versammelt dazu dr friedlieb und gottlieb peuker der doktor sprach über die trauzeugen meine beiden trauzeugen sagte er 012379_8674_000045 berthold zuckte trotzig die achseln die frau aber konnte ihre wut nicht mehr verbergen ein schaf ist der berthold nicht 012379_8674_000046 eine laue sommernacht es war neumondszeit in tiefer dunkelheit lag das dorf nur von einem freien platze hob sich ein phantastisches bild ab ein karussell drehte sich im kreise 012379_8674_000047 der kranke litt schwer aber er war machtlos und konnte sich nicht wehren ich werd hier meine meinung sagen und so dumm wie sie denken bin ich nich ich weiß was ich weiß richtig jawohl richtig wer's weiß wird's schon wissen 012379_8674_000048 robert gab ihm keine antwort wollen sie mich wirklich beim doktor und bei meinem alten verpetzen schämen sie sich sie sollten von ihrem vater mit mehr respekt reden berthold lachte frech 012379_8674_000049 was klatschen klatschen will der kerl der teufel hol ihn rausschmeißen werd ich ihn raus aus meinem hofe den stromer den fechtbruder 012379_8674_000050 sie sah ihn angstvoll an da fing er an zu lachen kummer hat sie kummer um mich kummer und er küsste sie viele male und brummte dazwischen kummer hat sie kummer ausgerechnet um mich kummer aber dann lachte er laut 012379_8674_000051 im übrigen jetzt aber stolz daher schritt und die zahlreich versammelte gemeinde nicht eines blickes würdigte zu hause angelangt führte der doktor seine braut in sein arbeitszimmer 012379_8674_000052 sie waren allein miteinander der doktor küßte seiner jungen frau zärtlich stirn mund und hand und schloß dann einen schub auf dem er ein schriftstück entnahm 012379_8674_000053 und dann lächelte der dicke schmierige karussellbesitzer und dann lächelte seine bunte dreiste tochter als berthold schon viel geld losgeworden war 012379_8674_000054 er litt schwer unter der aufregenden unterhaltung den schwarzen anzug hört nur hört nur hört nur das ist ja gar nicht als ob er der knecht wär das ist ja 012379_8674_000055 lachend stürzten sich die jungen leute auf die freien plätze und übermütig fuhr berthold mit seiner bunten gefährtin im kreis herum im kreis herum als das karussell anhielt trat robert zu berthold berthold sie möchten bald nach hause kommen 012379_8674_000056 sie müssen gottlieb he sie werden mir doch das nicht abschlagen das wär eine große kränkung für mich ich hab's extra so gemacht mein freund könig ist einer von den besten menschen in der großen stadt und mein freund peuker ist einer 012379_8674_000057 er fuhr jede tour schämte sich nicht auf hölzernen pferden löwen und ziegenböcken zu reiten und wechselte mit dem dreisten karussellmädchen verliebte blicke und worte 012379_8674_000058 sie gab weder dem bruder noch der jungen frau antwort sondern wandte sich an den geheimrat herr geheimrat bitte führen sie mich zum wagen 012379_8674_000059 der geheimrat kam zurück und sprach ein paar beruhigende worte friedlieb trat dicht vor ihn na könig du kennst sie ja von der studentenzeit her da sieh mal da bist du ein großer mann geworden 012379_8674_000060 ach der ich weiß genug der hat in seiner jugend noch ganz andre zicken gemacht der hat auch ein uneheliches kind robert gab ihm eine schallende ohrfeige 012379_8674_000061 unten im tanzsaal war freilich ein volksfest aber es hatte ihn fortgezogen zum karussell wo die tochter des besitzers in grellbuntem aufputz den fahrpreis einkassierte 012379_8674_000062 aber die nacht war schwül und robert winter dachte daran daß vielleicht nach einem jahr ein heimatlos kindlein mehr durch die welt ziehen würde das kind einer solchen mutter und eines solchen vaters 012379_8674_000063 nie um den mann oft auch nicht um das weib aber immer um das kind und es ekelte ihn des funkelnden gaukelspiels er erschrak daß in so elendem ringeltanz ein junges leben entstehen und verderben sollte 012379_8674_000064 steif und regungslos saß robert winter in der kirchbank wie durch einen schleier sah er den priester das brautpaar die vier trauzeugen 012379_8674_000065 der festkreis in der großen stube seiner väterlichen behausung dieser kreis wo der fremde geheimrat mit seinem neuen schwager plauderte war ihm langweilig geworden 012379_8674_000066 er war wieder der ausgewiesene heimatlose rechtlose der aus keiner ehe kam und wohl nie in eine ehe gehen würde scham befiel ihn dass er keine größere freude empfinde über das glück dieser beiden menschen die er doch lieb hatte 012379_8674_000067 der männergesangverein dem dr friedlieb als ehrenmitglied angehörte marterte sich mit einem chor dann klang die orgel allein weiter und das war schön 012379_8674_000068 keine spur ich sage dir ich bin geradezu auffällig gesund vor acht tagen habe ich mich um eine große summe in der lebensversicherung erhöht 012379_8674_000069 weil ich ihn bei den dorfleuten mal einheben wollte ja deshalb aber wenn deshalb hier streit und aufregung entsteht da können wir's ja lassen da müssen wir's ja lassen 012379_8674_000070 licht schüttle nich n kopp n licht sag ich denn ich lass mir mein bissel stolz dass ich mit so nem mann wie du studiert und promoviert hab nich nehmen 012379_8674_000071 na kurz und gut sie müssen mein trauzeuge sein da fuhr gottlieb mit der rauhen hand über das gesicht nickte zweimal mit dem kopfe und ging hinaus 012379_8674_000072 von einer seiner vielen krankheit kuriert hast und da noch n paar andere sieh mich an ich hab keinen einzigen orden ich bin n gewöhnlicher dorfquacksalber aber ich sage dir könig 012379_8674_000073 das den doktor bis zu tränen rührte und alle leute hatten geflaggt sogar die die sonst den sedantag vergaßen 012379_8674_000074 die lichter glänzten die bunten perlengestickten purpurvorhänge leuchteten eine leier tönte lärmend durch die stille nacht holzpferde flogen 012379_8674_000075 sogar als er heute früh den anzug den er sich für das von dr friedlieb geborgte geld gekauft hatte anzog mutete ihn die schwarze farbe an wie trauer 012379_8674_000076 wieder richtig ich bitte dich wilhelm es is die mutter natürlich na frau hartmann ich tu ihnen doch auch nichts ich verstehe bloß nicht wie sie sich so ereifern können 012379_8674_000077 der eigentlichen hochzeitsgäste waren wenige lore hatte abgeschrieben sie hatte einen knaben geboren zu dessen wartung sie daheim bleiben musste sie schrieb selten und wenig niemals etwas davon wie es ihr eigentlich gehe 012379_8674_000078 das ganze dorf wetteiferte dem freundlichen mädchen seine liebe dem doktor dankbarkeit zu bezeigen führte er auch ein altmodisch autokratisches oft sehr willkürliches regiment 012379_8674_000079 und einmal einmal blätterte er bis zum titelblatt zurück martha hellmich geboren den fünfzehnten juni achtzehnhundertfünfzig das gebetbuch das einzige erbe seiner mutter 012379_8674_000080 über robert winter kam ein tiefer grimm was lag ihm an diesem beschränkten und so leichtsinnigen burschen was lag ihm an diesem feilen mädchen mochten sie untergehen 012379_8674_000081 da kam ihm zum bewusstsein dass nicht jede hager ein menschlich mitleid verdient aber dass es immer und immer um das kind sei 012379_8674_000082 wie der schulze in seiner huldigungsrede hervorhob der lehrer brachte am klaren sommermorgen mit seinen schulkindern ein gesangsständchen 012379_8674_000083 und hatte es nicht verwinden können bei der rede des jungen priesters der die trauung vollzog ein paarmal zustimmend mit dem kopf zu nicken dann kamen die gebete um segen der weithin reicht über kinder und kindeskinder 012379_8674_000084 viel junges volk stand um das karussell burschen und mädchen unter ihnen berthold hartmann er hatte sich vom hochzeitsfeste seiner schwester 012379_8674_000085 entschuldige lieber freund die störung aber dein fräulein schwester wünschte durchaus dass ich sie sofort hierher führe nu wir wären ja gleich rübergekommen knurrte der doktor 012379_8674_000086 na dann dann wünsch ich zum wenigsten noch glückliche reise schrie ihr der doktor nach wütend schritt er durch das zimmer nahm das testament und hieb es auf den tisch da da streich ich den legat da passt nur mal auf 012379_8674_000087 dem sich der doktor noch nicht einmal nützlich erwiesen hätte für nützlichkeit aber haben die bauern verständnis so wurde am vorabend der hochzeit ein fackelzug veranstaltet in dem neben vielen bunten papierlaternen auch zehn pechfackeln zu sehen waren 012379_8674_000088 setzte sich auf sein bitten hin das mädchen neben ihn auf ein zweites pferd und er schlang den arm um sie und fuhr den närrischen ringelreihen indes die leier einen blöden gassenhauer spielte 012379_8674_000089 zwanzigstes kapitel die getreideernte war beendet die letzte fuhre weizen eingebracht kaum dass hier und da ein langsames bäuerlein noch ein fleckchen hafer liegen hatte 012379_8674_000090 lassen sie mich reden das ist ja vorläufig noch mein haus jawohl mein haus ohne mich ohne mein geld wär die bude hier längst zugemacht worden anna 012379_8674_000091 sehen sie mal 'n kirchlicher trauzeuge zu sein das ist nicht gerade was schweres man hat einfach dazustehen braucht nicht mal gauz zu sagen braucht nicht mal 'n namen schreiben da ist's doch ganz egal ob der robert dasteht oder 'n anderer 012379_8674_000092 sie brauchen ihm nicht vorzuwerfen dass er nicht so viel gelernt hat wie sie es kann nicht jeder doktor sein überhaupt wenn sie das so rausdrehen wollen dass wir ihnen zu gering sind da wär's ja besser mutter 012379_8674_000093 draußen stand er lange in der haustür dann färbten sich seine runzeligen backen rot er ging nach seiner stube zählte in einer truhe sein geld und begab sich dann zum schneider bei dem er sich einen anzug mit schwarzem gehrock bestellte 012379_8674_000094 da untersuchen sie einen höllisch genau denkst du die kerle fanden was an mir die versicherung ist froh daßss wir sie kriegen sagte der vertrauensarzt na zahlen muss ich auch genug es klopfte 012379_8674_000095 zuweilen wollte er seinen reichtum beweisen lud lärmend die anwesenden zu einer freitour ein die er bezahlte und freute sich wenn die ganze horde unter lärmen und gellendem schreien sich um die freien plätze zankten 012379_8674_000096 der kranke beruhigte sich etwas nur seine brust rang schwer nach atem die frau hantierte erregt auf dem tische herum berthold ging hinaus 012379_8674_000097 nur dass alle gesund seien betonte sie dass sie mit dem gelde auskämen und dass sie allen in teichau so dankbar sei auch ihr mann kam nicht zur hochzeit er gab an jetzt im dienste nicht abkömmlich zu sein 012379_8674_000098 und jetzt muss ich sie als arzt dringend auffordern dass hier ruhe wird die orgel klang ein paar junge mädchen und burschen des dorfes sangen eine kantate 012379_8674_000099 und meine trauzeugen sagte christel inzwischen werden sein berthold und robert robert winter ein schein der freude ging über das gesicht des kranken