{"text": "Fantastische Hörbücher von Lausch Das Mädchen mit der goldenen Schere von Julia Trosten Gelesen von Hergert Engert", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000000.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Ihre Begleiterin erwiderte nichts, sondern verzog nur geringschätzig den Mund.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000002.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Aber das sah die junge Frau nicht, denn die Vorhänge der Miettroschke, in der sie durch die eiskalte Wiener Nacht rollten, waren zugezogen, und die Dunkelheit im Inneren war undurchdringlich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000003.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "Die junge Frau schloss die Augen und konzentrierte sich auf das dumpfe Klappern der Pferdehufe und das Knirschen der Kutschenräder auf der festgefahrenen Schneedecke. Erst als es rechts neben ihr schrill bimmelte, fuhr sie erschrocken auf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000004.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "Eine fremde Männerstimme brüllte. »Himmelosch und Zwirn, deppert er nah! Glaubst du, du kannst deine Tram umfahren?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000005.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Ruckartig wich die Droschke der Pferdebahn aus und holperte dabei über die vereisten Rillen, die zahlreiche andere Gefährte auf der Schwarzspanierstraße hinterlassen hatten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000006.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Jesus Maria. Die junge Frau presste beide Hände auf ihren Bauch.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000007.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "»Rissen Sie sich zusammen«, zischte ihre Begleiterin aus der Dunkelheit. »Hätten's vor neun Monaten an Jesus und Maria gedacht, müssten wir jetzt nicht in diesem Schienakel durch die Nacht schaukeln.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000008.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "»Wenn wir nur bald im Spital sind«, keuchte die junge Frau. Die andere schnaubte. Doch dann öffnete sie den Vorhang einen Spalt und klopfte mit den Fingerknöcheln gegen die Fensterscheibe. »Beählung, Fierka!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000009.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Der Kutscher ließ die Peitsche zischen und die beiden Pferde trabten rascher durch die Nacht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000010.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Langsam veräppte der Schmerz im Unterleib der jungen Frau. Um sich abzulenken, blickte sie auf die kleinen Nebelschwaden ihres Atems, die im schmalen Lichtstreif, der in die Kutsche fiel, kurz sichtbar wurden und sich dann an der eiskalten Scheibe niederschlugen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000011.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Die Troschke bog rechts ab und nach wenigen Metern links. Sie fuhren noch ein kurzes Stück geradeaus, dann hielt der Wagen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000012.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "»Ruttenhausgasse, bitteschön, die Damen!« Der Kutscher sprang vom Bock und riss den Schlag auf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000013.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Licht drang ins Innere, das Gefährt stand unter einer Gaslaterne. Schneeflocken tanzten dicht an dicht dem gelben Schein. Seit Beginn der Adventszeit hatte es in Wien fast jeden Tag geschneit. Auf ein knappes Handzeichen ihrer Begleiterin hin stieg die Schwangere zuerst aus.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000014.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Ihre Bewegungen waren vorsichtig und schwerfällig. Dankbar ergriff sie die Hand, die der Kutscher ihr hinstreckte, damit sie nicht auf dem glatten Untergrund ausrutschte. Ihr weites Pelzkeb schützte sie gegen die eisige Kälte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000015.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Auf dem Kopf trug sie eine Pelzmütze. Ihr Gesicht war hinter einem dunklen Schiffonschleier verborgen, sodass niemand auch nicht der Kutsche erkennen konnte, wem er gerade aus seinem Wagen half.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000016.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Danach stieg ihre Begleiterin aus. Sie war genau wie die erste Dame gekleidet und auch ihr Gesicht war verschleiert.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000017.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Die beiden Frauen unterschieden sich einzig dadurch, dass sich bei der ersten die Rundungen der Schwangerschaft unter dem Cape erahnen ließen und die andere eine Reisetasche über dem Arm trug.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000018.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "Die Begleiterin zog eine Börse aus der Reisetasche und entnahm ihr mehrere Geldscheine. »Ich erwarte, dass Sie diese Fahrt vertraulich behandeln.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000019.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Sie überreichte die Scheine dem Kutscher. »Verlassen Sie sich ruhig auf mich, gnädigste.« Der Mann blickte zufrieden auf das Bündel, bevor er es in seine Jackentasche stopfte. »Habe die Ehre.« Er kletterte auf den Bock, ergriff die Zügel und ließ seine Pferde antraben.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000020.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Die Mauern des Allgemeinen Krankenhauses befanden sich auf der rechten Straßenseite.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000021.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Die Frau mit der Reisetasche schob die Schwangere vor das verschlossene Tor, fasste den Bronzering, der in der Mitte angebracht war, und klopfte energisch.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000022.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Wenig später wurde innen ein Riegel zurückgeschoben und ein Portier öffnete das Tor gerade so weit, dass ein einzelner Mensch passieren konnte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000023.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "In diesem Moment begannen die Kirchenglocken der nahen Motivkirche zur Christmette zu läuten. Die junge Frau seufzte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000024.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Dann trat sie nach ihrer Begleiterin durch das Tor.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000025.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Die beiden Frauen standen in einer Durchfahrt, die nur von einer Laterne, die unter der gewölbten Decke hing, beleuchtet wurde. Der Portiel verschloss das Tor und ging ihnen voran durch eine Tür in das Innere des Gebärhauses.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000026.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Gaslampen warfen mir flackerndes Licht auf die Steinfließen eines langen Flures, auf die Türen, die sich zu beiden Seiten befanden, und auf die schmucklosen, weißgekalkten Wände.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000027.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "»Wir werden von Frau Pfeiffer erwartet«, sagte die Frau mit der Reisetasche zu dem livrierten Mann. »Wo ist sie? Ich hab doch einen Boten geschickt, der uns ankündigt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000028.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "In diesem Moment wurde die letzte Tür auf der linken Seite des Ganges geöffnet und eine füllige, kleine Frau trat heraus.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000029.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Sie trug ein schwarzes Kleid und darüber eine gestärkte weiße Schürze, die bei jedem ihrer energischen Schritte raschelte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000030.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Ihr Haar steckte unter einer weißen Haube, sodass nur der Ansatz des grauen Scheitels zu sehen war. Ihre runden Wangen waren vom Laufen gerötet.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000031.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "»Grüß Gott, die Damen! Mein Name ist Josepha Pfeiffer. Ich bin die Oberpflegerin im Findelhaus«, sagte sie und musterte die beiden verschleierten Damen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000032.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Ihr Blick blieb an der Schwangeren hängen. »Ich bring sie auf ihr Zimmer.« Sie nahm die Reisetasche, die die Begleiterin auf den Boden gestellt hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000033.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "»Ich bin angewiesen, erst die Aufnahmegebühr zu kassieren«, bemerkte der Portier. »Vorher darf ich die Dame nicht in die Zahlabteilung lassen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000034.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Die junge Frau nickte und wandte sich ihrer Begleiterin zu, doch bevor sie etwas sagen konnte, wurde sie von einer neuen Wehe überrascht und schrie auf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000035.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Rasch trat Roseff an ihrer Seite und stützte sie mit der freien Hand. »Bitteschön, Gnädigste, seien's so nett und übernehmen's die Formalitäten«, sagte sie zu der Begleiterin. »Ih bring die Wöchnerin derweil aufs Zimmer.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000036.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Die Angesprochene warnte sich an die Schwangere. »Ich hole sie morgen Nachmittag wieder ab, um Punkt 3 Uhr.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000037.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "josepha nahm die junge frau am arm und zog sie mit sich den flur hinunter es ist net weit tröstete sie die frau die bei jedem schritt stöhnte und zog sie bis vor eine tür auf der rechten seite", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000038.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Sie drückte die Klinke herunter und trat in das dunkle Zimmer. Es knackte laut, als sie die Gaslampe unter der Decke anzündete. »Bitte kommens herein, gnädige Frau.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000039.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Die Schwangere trat mit schweren Schritten ein, steuerte auf das Bett zu, das frei zugänglich in der Raummitte stand, und ließ sich mit einem tiefen Seufzen auf die Matratze sinken.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000040.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "Ein paar Sekunden saß sie reglos. Dann zog sie ihre Handschuhe aus, nahm die Pelzmütze ab und ließ alles achtlos auf den Boden fallen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000041.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Den Schleier, den sie über Kopf und Gesicht gebunden hatte, löste sie jedoch nicht. Frauen, die ihr Kind anonym zur Welt brachten, durften auch während des Geburtsvorgangs verschleiert bleiben.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000042.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Hinter ihr wimmerte die junge Frau und Josefa drehte sich zu ihr. Bei ihnen dauert's gewissnimmer lang, bis das Kinderl da ist. Ihr habt den Doktor und der Hebamme schon benachrichtigt. Sie sind gleich hier.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000043.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Lassen Sie sich beim Auskleiden helfen, gnädige Frau.« Sie ging zum Bett, hob Pelzmütze und Handschuhe vom Boden und legte alles auf die Nachtkonsole.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000044.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "Dann nahm sie der Schwangeren das Keb ab, das wie die Mütze aus weichem Zobelpelz war, und hängte es an einen Haken an der Wand.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000045.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Zuletzt öffnete sie das Kleid und streifte es über den gerundeten Bauch, die Beine und die Füße.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000046.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Das weite Gewand war aus schmiegsamer Wolle, darunter kamen zarte Batistwäsche, seidene Strümpfe und hübsche ledene Knöpfstiefel zum Vorschein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000047.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Auch das Nachthemd, das Josef in der Reisetasche fand und der jungen Frau überzog, war weit schöner als jedes Sonntagskleid, das sie selbst je besessen hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000048.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Von den 25 ledigen Frauen, die an diesem Heiligen Abend schon in die Wiener Gebäranstalt gekommen waren,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000049.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Die allermeisten Frauen, die Josefa in über 30 Dienstjahren als Kinderpflegerin erlebt hatte,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000050.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "sich als Ammern für manchmal vier Findelkinder gleichzeitig zur Verfügung stellen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000051.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "befand sich in dem versiegelten Kuvert ein Zettel mit ihrem Namen und der Anschrift »Angehöriger«,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000052.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Und ein weiteres kleines Hascherl wird nie wissen, woher es kommt und wer seine Eltern sind, dachte Josefa. Sie fand den Umschlag unter einem frischen Leibchen auf dem Boden der Tasche.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000053.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Als sie das braune Kuvert in die Hand nahm, berührten ihre Finger eine erhabene Stelle auf der Rückseite. Sie drehte den Umschlag um und betrachtete ihn nachdenklich. Doch als die junge Frau hinter ihr erneut wimmerte, schob sie das Kuvert in die Brusttasche ihrer Schürze und eilte zum Bett.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000054.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Die Schwangere saß aufrecht und schien, soweit es unter dem Schleier erkennbar war, auf ihren Bauch zu blicken. Josefa berührte sie an der Schulter. »Geht's Ihnen gut, Gnädigste?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000055.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "»Ich glaub nicht.« Josefa schlug die Bettdecke zurück. Auf dem Laken unter der Schwangeren sah sie einen nassen, gelblichen Fleck, von dem ein leicht süßlicher Geruch aufstieg.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000056.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Ihr Fruchtwasser ist abgegangen, stellte sie fest. Das ist ganz normal. Die Geburt beginnt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000057.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Wenige Minuten später trat ein junger Arzt ins Zimmer, der sich als Dr. Fuchs vorstellte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000058.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Ihm folgte die Leiter der Hebamme, eine ältere, erfahrene Frau. Der Arzt warf einen Blick auf die Aufnahmepapiere, die er aus der Portiersloge mitgebracht hatte, und stellte fest,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000059.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Eine Erstgebärende. Er musterte die Schwangere, die jetzt zitternd auf der Bettkante kauerte, während Josefa ein frisches Laken über die Matratze breitete. Das nasse Leintuch warf sie in eine Ecke.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000060.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Dann half sie der Unbekannten, sich wieder hinzulegen, und breitete die Decke über sie.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000061.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Die Hebamme hatte sich inzwischen die Hände gewaschen und wollte die junge Frau nun untersuchen. »Ziehn's die Knie an und stell's die Füßbreit auseinander.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000062.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Doch statt der Aufforderung nachzukommen, zog die junge Frau sich die Decke bis zum Kinn und die Geburtshelferin musste die Beine selbst in der richtigen Position platzieren.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000063.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Alles verläuft normal, meldete sie dem Arzt, nachdem sie mit einer Hand über den Bauch der Schwangeren und mit der anderen unterhalb der Bettdecke den Geburtskanal abgetastet hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000064.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "»Ich will keine Schmerzen.« »Die kann Ihnen leider nicht ersparen.« Dr. Fuchs, der sich gerade die Hände desinfiziert hatte, trat zum Bett. »Ich weiß aber, dass es ein Mittel gibt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000066.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "Sie meinen Chloroform? Das kann ich Ihnen erst in der letzten Phase der Geburt geben, und es ist nicht ungefährlich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000067.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Tun sie es trotz... Ah, ah, ah!« Der Schmerz der nächsten Wehe überwältigte die Schwangere. »Jesus, Maria und Josef, das holt dir nicht aus. Hätte ich der verdammten Schwangerschaft nur gleich ein Ende gemacht, dann müsste ich nicht diese Qualen jetzt ertragen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000068.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "»Du hochso nah der Person, du«, dachte Josefa erbost, »denkst nur an dich. Das orme Hascherl ist da völlig wurscht. Sonst hättest ein gutes Heim dafür gesucht und würdest es net ins Findelhaus geben.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000069.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "»Das Kopf hat er kommt«, rief die Hebamme. Mit dem linken Arm hatte sie ein Knie der Gebärenden zur Seite gedrückt, während sie mit der rechten erneut die Position des Babys ertastete.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000070.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Wieder schrie die junge Frau auf und warf sich in der vergeblichen Hoffnung auf Erleichterung hin und her.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000071.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Ohne den Schleier zu entfernen, legte er die Maske über Mund und Nase der Gebärenden. Dann drückte er einige Male die Pumpvorrichtung, sodass ein feiner Chloroformnebel aus der Flasche durch den Schlauch in Mund und Nase der jungen Frau strömte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000072.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Eigentlich hätte sie nun augenblicklich entspannen sollen, doch ihr Körper blieb verkrampft. Mehr keuchte sie undeutlich unter der Atemmaske.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000073.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "»Es wird der Sternengucker«, stellte sie fest. Das Baby lag mit dem Gesicht nach oben, nicht nach unten, wie es sollte. Dr. Fuchs schaute sie beunruhigt an.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000075.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "In dieser Lage braucht der Kopf zu viel Platz in ihrem engen Becken. Die gnädigste ist eh zunächst mehr zu gebrauchen, weil sie so viel Chloroform inhaliert hat, erwiderte die Hebamme.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000076.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Josefa, der Doktor und die Geburtshelferin blickten auf die junge Frau, die betäubt auf der Matratze lag. Auch die Wehen hatten infolge der hohen Dosierung aufgehört.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000077.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "»Wenn Mutter und Kind überleben sollen, bleibt nur noch die Zange«, sagte Dr. Fuchs schließlich. Josefa erschrak", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000078.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Sie hatte schon mehrere Zangengeburten erlebt und wusste, dass sie für das Baby gefährlich und schmerzhaft waren. Auch wenn das Instrument fachkundig eingesetzt wurde, verursachte es Quetschungen und Blutergüsse, manchmal auch Fleischwunden und Nervenschädigungen, es konnte sogar passieren, dass das Kind bei der Tortur starb.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000079.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Sie müssen die Narkoseapparatur bedienen, Frau Oberpflegerin, unterbrach der Arzt ihre sorgenvollen Gedanken. Wenn die Patientin während der Operation Anzeichen des Erwachens zeigt, verabreichen sie ihr umgehend drei Bumpstöße.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000080.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "»Ich bin für das Kind hier. Wer wird sich um das Kleine kümmern, wenn ich die Gnädige narkotisieren muss?« wehrte Josefa ab.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000081.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Seffer wusste, dass die Frau recht hatte, doch ihr ungutes Gefühl blieb, als sie Gasflasche und Pumpvorrichtung vom Arzt übernahm.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000083.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Dr. Fuchs holte die Geburtszange aus seiner Tasche und desinfizierte sie mit Karbollösung. Sie war ungefähr so lang wie Josefas Unterarm und bestand aus glänzendem Edelstahl.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000084.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "Am einen Ende saßen die Griffe, zum Öffnen und Schließen, der beiden leicht gebogenen Löffel am entgegengesetzten Ende des Instruments.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000085.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "»Must stark sein, Haschal, und kämpfen, damit du deinen ersten Atemzug machen kannst«, dachte Josefa, während sie angespannt beobachtete, wie der Doktor die Löffel behutsam in die Scheide der Frau einführte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000086.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Um das Köpfchen des Kindes richtig zu greifen, konnte er sich nur auf sein Gefühl verlassen. Nachdem er die Löffel platziert hatte, sollte er eigentlich auf die nächste Wehe warten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000087.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Doch da der Gebärende keine Wehen mehr hatte und das Kind sterben konnte, wenn es zu lange im Geburtskanal steckte, begann er sofort damit, das Baby mit vorsichtigen Zieh- und Drehbewegungen zu holen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000088.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Das Kopf verließ heraus, meldete die Hebamme schließlich, und die Erleichterung war ihr anzuhören.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000089.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Josefa stellte die Narkoseapparatur auf die Nachtkonsole, rannte zum Regal, riss ein paar Handtücher heraus und positionierte sich am Fußende des Bettes.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000090.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "Sie hatte dieser Frau gegenüber, die keinerlei Verantwortung für das Leben in ihr übernommen hatte, ihre Pflicht erfüllt. Jetzt zählte nur noch das Kind.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000091.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Ihr Herz zog sich zusammen, als sie das Köpfchen des Babys sah. Durch die Drehbewegungen des Arztes zeigte sein Gesicht nun nicht mehr nach oben, sondern zur Seite.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000092.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Seine Augen waren geschlossen und wie der ganze Kopf von der typischen weißlichen Schmiere bedeckt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000093.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Trotzdem konnte sie die blutigen Quetschungen, die die Zange hinterlassen hatte, deutlich erkennen. Was hatte dieses unschuldige Geschöpf schon alles vor seinem ersten Atemzug ertragen müssen?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000094.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Aber nun war das Schlimmste überstanden. Der Doktor legte die Zange weg und zog den kleinen Körper mit seinen Händen aus dem Geburtskanal.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000095.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Danach durchtrennte Dr. Fuchs mit einer Schere die einzig noch bestehende Verbindung zwischen Mutter und Kind. Er knöpfte seinen Kittel auf und zog seine Uhr aus der Westentasche.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000097.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Halb sechs in der Früh, stellte er fest, das erste Kind an diesem Christtag und das 6572. im Jahr des Herrn 1889. Und es ist ein Mädchen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000098.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "ergänzte er nach einem Blick zwischen die krummen kleinen Beine des Babys. »Sie ist so still.« Josefa beugte sich über das Bündelchen, das reglos auf dem blutbefleckten Laken lag.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000099.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Nass war es. Die gerötete und von Schmiere bedeckte Haut war faltig und schien viel zu groß für den winzigen Körper. Mit einem Zipfel des Handtuchs tupfte sie Schleim und Schmiere von Nase und Mund des Neugeborenen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000100.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "»Geben Sie ihm lieber einen festen Klaps auf den Popo, dann sehen Sie, ob sie lebt«, riet die Hebamme.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000101.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Josefa spürte einen Kloß im Hals. Dieses kleine Mädchen nach seinem schweren und schmerzvollen Weg in die Welt zu schlagen, kam für sie nicht in Frage.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000102.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Stattdessen ruppelte und massierte sie den kleinen Körper sanft mit dem Handtuch, bis sie Schmiere und Blut entfernt hatte. Doch das Kind regte sich nicht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000103.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Also wickelte Josefa das Baby in ein frisches Handtuch, hob es hoch und drückte es an ihre Brust.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000104.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Mit einem Zeigefinger streichelte sie das feuchte, rötliche, blonde Haar, die Stirn und die Wangen, die kleinen Ohren und das winzige Mündchen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000105.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "»Atme, Haschel«, flüsterte sie, »atme«. Die Lippen des Kindes zuckten. Es blinzelte, öffnete seine braunen Augen und blickte Josefa unverwandt an.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000106.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Dann quäkte es heiser. »Du lebst«, lachend schob Josefa einen Zeigefinger in die winzige Rechte des Babys und spürte beglückt, wie fest es zupackte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000107.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "»Hat die Gnädige eigentlich verlauten lassen, wie er Weihnachtsengel heißen soll?«, fragte die Hebamme, während sie die blutigen Laken unter dem Körper der jungen Frau hervorzog.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000108.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Josefa blickte auf die Mutter des kleinen Mädchens. Sie erwachte gerade. Benommen und erschöpft von der Geburt lag sie auf dem Bett.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000109.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "»Sie haben a gesundes Mädel, gnädige Frau«, sagte Josefa. »Wie soll es heißen?« Doch die Frau antwortete nicht und starrte nur stumm an die Zimmerdecke.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000110.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Wien 1890", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000111.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Als sie auf den Gang sah, rollte ihr ein keuchendes Knäuel aus vier Armen, vier Beinen und zwei strubbeligen Haarschöpfen vor die Füße. »Hört sie wohl sofort mit dem Raufen auf?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000112.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Sie sah den Jungen nach, die über den Flur davontrabten, und schloss leise die Tür.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000113.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Josefas Blick wanderte aus dem Fenster auf den gegenüberliegenden Westflügel des Hauses. Das Tageslicht spiegelte sich in den Fenstern, hinter denen sich der Saal für die Neugeborenen befand.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000114.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Vom Hof drang undeutlich, Stimmgewehren, Babygeblär zu ihr hinauf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000115.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Wie jeden Tag drängten sich ein bis zwei Dutzend Kostfrauen am Eingangstor, um Säuglinge abzuholen. Für die Pflege eines Kindes bekamen sie Geld aus der Staatskasse, zusätzlich zur Wäsche und Windeln. Die Frauen stammten aus Handwerker- und Arbeiterfamilien in Wien und Umgebung.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000116.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Ihre Männer brachten oft wenig Geld in der Lohntüte nach Hause. Dementsprechend war das Pflegegeld eine willkommene zusätzliche Einnahmequelle, die nicht immer für die Pflegekinder verwendet wurde. Es gab zwar Kontrollen durch Visitatoren, doch Josefas Meinung nach fanden diese viel zu selten statt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000117.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Die Taufurkunde und die Bescheinigung über die Bockenimpfung waren darin abgeheftet. Sonst gab es nur lediglich einen Spalten unterteiltes Blatt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000118.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Die Spalte für den Namen der Eltern blieb leer, da es eine anonyme Geburt gewesen war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000120.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Und doch gab es jemanden außerhalb des Findelhauses, dem das Schicksal der Kleinen nicht egal war. Josefa dachte daran, wie sehr sie sich erschrocken hatte, als die erste Einzahlung auf ihrem Sparkonto eingegangen war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000121.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Es war eine anonyme Baareinzahlung gewesen, nur mit Angabe des Verwendungszwecks Kind Nummer 6572.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000122.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Die Summe war nicht üppig, aber groß genug, um ein Kind zu kleiden, zu ernähren und mit allem zu versorgen, was es brauchte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000123.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Natürlich hatte Josefa den Bankbeamten ausgefragt, doch der hatte steif und fest behauptet, sich nicht an die Person zu erinnern, die die Einzahlung vorgenommen hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000124.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Und er musste von Kind Nummer 6572 wissen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000125.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "Josefa hatte sich bemüht, eine zuverlässige Kostfrau für Fanny auszusuchen,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000126.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Josefa wusste sehr gut, dass ihre Gefühle nicht richtig waren,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000127.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Aber irgendwie, dachte sie und klappte Fannys Akte zu, hat das Hascherl mich nicht mehr losgelassen, seit es meinen Finger mit seiner kleinen Hand gebackt hat.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000128.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Plötzlich störte sie es nicht mehr, dass eine unbekannte Person Geld auf ihr Konto einzahlte. Im Gegenteil, sie wünschte sich, dass das noch sehr oft passierte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000129.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Hier lebte Fanny, allerdings im Hinterhaus. Sie trat durch einen Torbogen auf den Hof. Eine ältere Frau kehrte Müll zusammen, zwei Jungen spielten mit einem Kreisel.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000130.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "»Grüß Gott, wo bitte finde ich Familie Schindler?« erkundigte Josefa sich bei der Frau. »Na wo schon, da was laut ist«, knurrte die Alte, ohne mit dem Fegen aufzuhören.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000131.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "»Tag und noch, platzende Kinder, dass man immer schlafen kann«, fügte sie schlecht gelaunt hinzu. Josefa sah sie irritiert an, aber dann hörte sie es ebenfalls, das feine, aber ausdauernde Weinen eines Babys aus dem Hinterhaus.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000132.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Sie eilte quer über den Hof auf das Geräusch zu und stieß die Eingangstür eines zweistöckigen Hauses auf, von dessen grauer Fassade an mehreren Stellen die Farbe abblätterte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000133.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "im treppenhaus schlug ihr muffiger feuchter geruch entgegen das plärren des babys war nun nicht mehr zu überhören und kam aus einer der barterre wohnungen josepha klopfte kräftig an die holztür doch nichts regte sich als sie gerade noch einmal klopfen wollte hörte sie schritte", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000134.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Die Tür wurde in Entspalt geöffnet und eine verhärmte, blasse Frau mit unordentlichem Haar und fleckigem Kleid tauchte vor ihr auf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000135.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Josefa blieb fast dem Mund offen stehen. »Was war mit der saubernd gesund wirkenden Frau passiert, die Fanny vor drei Monaten im Findelhaus abgeholt hatte?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000136.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "»Frau Schindler?« fragte sie zögernd. »Was wollen Sie?« Die Frau klang feindselig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000137.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Bevor Josef verantworten konnte, drängte sich ein Junge von vier oder fünf Jahren an den Beinen seiner Mutter vorbei und musterte die fremde Frau halb misstrauisch, halb neugierig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000138.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Obwohl es im Hausflur kühl und zugig war, trug er weder Schuhe noch Socken, sondern nur Holzpantinen. Die Knie unter seinen kurzen Hosen wirkten spitz, und die Beine waren erschreckend dünn.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000139.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "»Grüß Gott, Frau Schringler«, Josefa verbarg ihren Schock und lächelte freundlich. »Vielleicht kennen Sie mich noch. Ich bin Josefa Pfeiffer, die Oberpflegerin vom Findelhaus. Ich möchte Fanny besuchen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000140.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Von dem Anlass ihres Besuches sagte sie vorerst lieber nichts. Sie versuchte, an der Frau vorbei in den Flur zu sehen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000141.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Der schmale, fensterlose Gang war zu dunkel, um etwas zu erkennen, doch sie hörte das Baby hinter einer verschlossenen Tür am Ende des Flures schreien.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000142.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "»Lassen Sie uns hineingehen«, schlug sie vor. »Hier draußen redet es sich so schlecht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000143.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Josefas Blick jedoch richtete sich auf den Holztisch mit vier Stühlen in der Mitte des Zimmers.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000144.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "Doch als sie jetzt zum Tisch stürzte und ihren Korb auf der Platte abgestellt hatte, zerrte sie zuerst an dem Wickelkissen. Sobald sie die viel zu stramme Schnürung gelöst hatte, wurde Fanny ruhiger.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000145.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Josef verschob mit einer Hand das Leibchen empor und erschrak erneut, als sie den kleinen, eingefallenen Bauch sah und die vorstehenden Rippen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000146.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "»Gruze fix, Sakraschindlerin, was haben's nur mit der Kleinen angestellt?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000147.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Beim Klang der fremden, zornigen Stimme ertönte unter dem Tisch plötzlich durchdringendes Plärren. Josefa beugte sich herunter und bemerkte erst jetzt, dass dort ein kleines Mädchen von ungefähr einem Jahr hockte und die fremde Frau aus aufgerissenen Augen anstarrte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000148.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Aus seiner Nase lief Schleim und Arme und Beinchen waren, wie bei seinem Bruder, viel zu mager. Josefa war außer sich. »Wann haben die Kinder zum letzten Mal was gegessen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000149.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "fuhr sie die Schindlerin an. Die stand wie fest gewachsen im Türrahmen, einen Arm um den Jungen gelegt und schwieg.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000150.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Mit Mühe unterdrückte Josefa einen weiteren Wutanfall. »Befand sich hier denn gar nichts Essbares?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000151.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Er war voller Wasser, doch als Josefa einen Finger hineintauchte, war es kalt. Ein Blick in die leere Schütte daneben verriet er, dass es auch keine Kohle zum Anheizen gab.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000152.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "In der Ecke bemerkte sie eine schmale Tür, hinter der sich die Speisekammer vermutete. Als sie die Tür öffnete, sah sie mehrere Regalbrette an den Wänden. Ein paar Körbe, Einmachgläser und Schalen aus Steingut befanden sich darauf. Auf dem Boden standen zwei Holzkisten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000153.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "In der einen entdeckte Josefa eine Handvoll Kartoffeln, in der anderen drei Zwiebeln.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000154.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Die Einmachgläser waren leer, genau wie die Vorratskörbe. Lediglich in einer Steingutschale lag ein trockener Brotkanten. Josefa verließ die Speisekammer und knallte die Tür hinter sich zu.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000155.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "Wo ist denn die Babynahrung? Die Schindlerin hatte keinen eigenen Säugling, deshalb konnte sie Fanny nicht stillen, sondern sollte sie mit einer Mischung aus abgekochter Milch und Haferschleim füttern.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000156.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Doch Josefa hatte weder Milch noch Haferflocken gesehen. Die Schindlerin blickte auf den Boden und schwieg.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000157.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "»Gibt's hier wirklich nix zu essen?«, blaffte Josefa. »Was haben's denn mit dem Geld angestellt, das die Staatskasse ihnen für Fanny zahlt? Worum schaut sie so verhungert aus?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000158.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "Und wann haben sie das letzte Mal die Windeln gewechselt? Schämen sollten sie sich, einen Säugling so verkommen zu lassen. Und ihren eigenen Kindern geht's auch nicht besser.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000159.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "»Ihr wollt die Pfanne grad wickeln, als sie kommen sind«, verteidigte die Schindlerin sich mit unsicherer Stimme. »Lügen's mich nicht an«, fuhr Josefa ihr über den Mund. »So wie's hier ausschaut, bezweifle ich, dass es eine einzige saubere Windel gibt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000160.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Die Schindlerin lief rot an und biss sich auf die Lippen. »Grotze, fix, sakra«, fluchte Josefa weiter. »Holen's mir von irgendwoher, paar saubere Tücher, aber fix.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000161.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Die Frau stolperte auf den Flur und verschwand hinter einer Seitentür. Als sie wenig später zurückkam und Josefa ein paar halbwegs saubere Handtücher entgegenstreckte, hatte sie Tränen in den Augen. Josefa riss ihr die Tücher aus der Hand, ging zum Herd und tauchte eines in den großen Topf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000162.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Dann legte sie Fanny auf den Tisch und reinigte sie notdürftig. Mit dem zweiten Handtuch trocknete sie sie ab und das dritte verwendete sie als Windel. »Ich nehme nicht an, dass Sie saubere Babywäsche haben«, fragte sie die Schindlerin. Die schüttelte den Kopf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000163.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Die Kleine nehme ich selbstverständlich mit und ein neues Pflegekind werden sie einstweilen auch nicht bekommen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000164.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "Doch trotz ihres Zornes auf die Schindlerin fühlte sie sich mitschuldig an Pfannes Schicksal. Hätte sie nur nicht so lange mit ihrem Besuch gewartet, dann hätte sie der Kleinen viel Hunger und Leid erspart.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000165.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Die Kleine sperrte hungrig den Mund auf und begann dann, eifrig an der Süßigkeit zu saugen. Josefa bückte sich zu dem kleinen Mädchen unter dem Tisch. Es weinte nicht mehr, sondern nuckelte hungrig an den Fingern einer Hand.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000166.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Der Junge nickte heftig und stopfte sich sofort eine Handvoll Kuchen in den Mund, als Josefa ihm die Tüte gab. Sie wandte sich zur Schindlerin. »Und jetzt erzähl's mir ganz genau, was passiert ist.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000167.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "»Mein Mann hatte vor einigen Wochen einen Unfall an der Säge,« begann die Frau stockend. »Er hat den rechten Daumen verloren. Seit er kann er nicht mehr arbeiten und verdient kein Geld mehr.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000168.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "»Ich weiß, dass ich nicht recht gehabt hab, als ich das Pflegegeld von der Kleinen aufgebraucht hab, aber ich wusste mir keinen anderen Rat. Es hat eh nicht für drei Kinder gelangt. Wenn der Herrgott böse ist, dann richtig«, schloss sie müde.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000169.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "Langsam wurde Josefa die Tragweite der Umstände bewusst. Ein Tischler, der seinen Daumern verlor, würde nie mehr in seinem Beruf arbeiten können. Auch viele andere Tätigkeiten waren ihm durch die Einschränkung versperrt, und dann dauerte es nicht lang, bis in einer Familie die Not regierte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000170.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Die Schindlerin brach in Tränen aus. »Disses ganze Elend bringt mich noch um.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000171.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Sie überlegte fieberhaft. Schließlich fiel ihr die städtische Armernfürsorge ein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000172.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Durch ihre Arbeit kannte sie viele der Beamten dort. »Ich werde gleich morgen den Herrn Urban zu ihnen schicken«, sagte sie. »Er ist Armenrat in der Leopoldstadt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000173.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Der Herr Urban ist ein guter Christenmensch, der Ihnen gewiss helfen wird, wieder auf die Füße zu kommen. »Mir soll es recht, wann es nur hilft«, erwiderte die Schindlerin leise. Aber Josepha sah erleichtert, dass ein Funken Hoffnung in ihren Augen glomm.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000174.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Sie griff in ihren Korb, zog ihre Geldbörse hervor und legte ein Bündel Scheine auf den Tisch. »Kaufen's den Kindern was zu essen und frische Milch. Und davon, dass sie in die Donau gehen, will sie nix mehr hören.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000175.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "»Na, Frau Pfeiffer, vergelt's Ihnen Gott«, erwiderte die Frau leise.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000176.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Als Josefa die Wohnküche verließ, war das kleine Mädchen unter dem Tisch hervorgekrabbelt und blinzelte ihr neugierig hinterher. Der Junge kroch auf allen Vieren über den Boden und pickte mit dem Zeigefinger Kuchenkrümel auf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000177.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Wien, 1904. A fesches Fräulein bis Gorden Haschall. Josefa musterte ihren Lieblingsstolz, ganz so, als Herr Fanny ihre eigene Tochter, oder besser Enkeltochter, denn immerhin feierte die leitende Pflegerin des Findelhauses bald ihren 67. Geburtstag.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000178.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Ihr Haschal hingegen war vor drei Monaten 14 Jahre geworden und ein hübsches junges Mädchen mit rotblonden Locken, braunen Augen und einer Figur, die bereits die verführerischen Kurven einer Frau zeigte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000179.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "In einem langen, dunkelblauen Rock mit der passenden Kostümjacke und einer weißen Bluse darunter sah sie sogar richtig erwachsen aus.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000180.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Aber das ist sie auch fast, dachte Josefa und unterdrückte ein wehmütiges Seufzen. Ende April, in nur vier Wochen, würde Fanny aus der Volksschule entlassen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000181.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Sie hatte vorgeschlagen, Fania auf ein Lyceum zu schicken, eine weiterführende Schule für Mädchen, aber diesen Vorschlag hatte Josefa abgelehnt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000183.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Fanny war keine höhere Tochter, die die Zeit bis zur Ehe mit ein paar zusätzlichen Schuljahren überbrückte, in denen sie, nach Josefas Meinung, ohnehin nichts Nützliches lernte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000184.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Mit 14 Jahren, fand sie, wurde es Zeit, dass Fanny einen Beruf erlernte und sich selbst versorgte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000185.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Doch es sprach nichts dagegen, ihrem Liebling den Beginn dieses neuen Lebensabschnitts mit einem besonderen Geschenk ein wenig zu versüßen, dem Stoff für ihr Abschlussballkleid.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000186.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Josefa wollte in eines der Kaufhäuser an der Maria-Hilfer-Straße fahren, aber Fanny hatte gefragt, ob sie nicht zum Graben gehen könnten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000187.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Ich will auch gar nichts kaufen, nur in die Schaufenster schauen, hatte sie so lange gebettelt, bis Josefa widerstrebend nachgegeben hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000188.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Seither freute Fanny sich so sehr, dass sie kaum an etwas anderes denken konnte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000189.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Das Geld, das eine unbekannte Person immer noch Monat für Monat für Kind Nummer 6572 zahlte, hatte Josefa nie angerührt. Auch nicht, als die staatliche Unterstützung mit Fannis' zehntem Geburtstag aufgehört hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000190.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Von diesem Geld, das inzwischen zu einem anständigen Sümmchen angewachsen war, ahnte Fanny nichts.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000191.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Josefa hatte beschlossen, ihr erst davon zu erzählen, wenn sie volljährig wurde, und das dauerte immer noch zehn Jahre. Lieber zweigte sie einen Teil ihres Lohnes für Fannes Unterhalt ab. Sie machte das gerne, denn Fanne war ja so ans Herz gewachsen wie niemand sonst.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000192.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Dennoch reichte Josefas Zuschuss nicht, deshalb musste Fanny auch selbst Geld verdienen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000193.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Jeden Nachmittag nach Schule und Hausaufgaben arbeitete sie im Findelhaus. Die ersten Versuche in der Spülküche und im Bügelzimmer waren nicht sehr erfolgreich gewesen. Fanny hatte sich in einem Fort beklagt, dass die Arbeit langweilig und dumm sei.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000194.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Die Köchin hatte sich über ihre vielen Widerworte beschwert und die Bügelfrau hatte sie aus ihrem Reich verbannt, nachdem sie zweimal mit dem heißen Eisenlöcher in die Bettwäsche gebrannt hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000195.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Es hatte Josefa danach einige Mühe gekostet, Fanny in der Nähstube unterzubringen, doch dort hatte sich das Blatt zu aller Überraschung gewendet.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000196.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Fanny lernte nicht nur schnell mit Nadel und Faden, sondern auch mit der Nähmaschine umzugehen. Es machte ihr Spaß, Leibchen, Hosen, Kittel und Schürzen für die kleinen Zöglinge des Findelhauses anzufertigen und sie mit hübschen Bändern und Borten zu verzieren.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000197.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Vielleicht wird ihr eine tüchtige Schneiderin aus meinem Haschal«, dachte Josefa, während sie sich mit einem Arm bei Fanny einhackte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000198.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Es gab Geschäfte, die Wäsche, Korsetts und Seidenstrümpfe oder Handschuhe und Hüte anboten. In anderen konnte man Kristall und Porzellan, Seifen und Parfüms oder Spielzeug und Kinderwagen erwerben.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000200.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Fanny blieb vor fast jedem Schaufenster stehen und drückte sich die Nase daran platt. Oder sie beäugte neugierig die vornehmen Damen und Herren, die von Geschäft zu Geschäft flanierten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000201.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Ach, hätt' ich doch auch so viel Geld, dass ich mir all diese schönen Dinge kaufen könnt«, seufzte sie, »und in einem großen Haus leben und Torte in einem eleganten Café essen, wann immer ich will.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000202.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Josefa lachte. »Fürchte, da musst du dir einen Fürsten oder zumindest einen Grafen als Mann angeln. Du bist nun mal nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000203.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Um das sicher zu wissen, müsste ich halt meine Eltern kennen, erwiderte Pfannenase weiß. Die ältere Frau seufzte. Darüber haben wir doch schon so oft gesprochen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000204.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Dass sie ihre Eltern nicht kannte, hatte Fanny all die Jahre keine Ruhe gelassen. Sobald sie alt genug war, hatte Josefa ihr erzählt, dass sie ein Zögling des Findelhauses und anonym geboren war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000205.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "Trotzdem hatte Fanny lange Zeit immer wieder gefragt, wann ihre Mutter denn endlich käme, um sie zu sich zu nehmen. Sie hatte angefangen, sich auf der Straße Passantinnen anzuschauen, die ihr gefielen, und laut zu überlegen, ob diese Frauen ihre Mutter sein könnten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000206.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Eine Weile hatte sie darauf beharrt, dass ihr Vater ein verwunschener Prinz und ihre Mutter eine Prinzessin waren, die in einem geheimen Ort von einer bösen Zauberin bewacht wurden und ihre Tochter deshalb nicht zu sich holen konnten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000207.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "»So ein Schmarn. Wenn ich etwas wüsste, würde ich es dir gewiss sagen. Aber deine Mutter wollte ja nicht einmal den Empfangsschein mitnehmen, mit dem sie dich wiederfinden kann,« erwiderte Josefa Brüsk.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000208.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Als sie sah, wie traurig Fannys Miene wurde, fügte sie rasch hinzu, »Es tut mir leid, Haschal. Nun lass uns nicht mehr zanken, sondern diesen schönen Nachmittag zusammen genießen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000209.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Fahne nickte. Sie haben recht, Frau Pfeiffer, und mir tut's auch leid. Bitte seins mal net böse.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000210.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Arm in Arm passierten sie die Dreifaltigkeitssäule, die ungefähr auf der Hälfte des Grabens stand.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000211.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Kaiser Leopold I. hatte sie vor mehr als 200 Jahren zum Dank nach einer Pestepidemie errichten lassen und dort entdeckte Fanny etwas, das sie endgültig von den trüben Gedanken an ihre unbekannten Eltern ablenkte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000212.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "Ein Automobil, das vor einem Geschäft mit Jagdflinten parkte. Es war nicht das erste Automobil, das sie sah, doch der Anblick dieser neumodischen Fortbewegungsmittel, die wie Kutschen ohne Pferde aussahen, war eine seltene Sensation in Wien.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000213.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "»Ich werde auch einmal ein Automobil haben und es selbst fahren«, verkündete Fanny mit einem Blick auf den uniformierten Chauffeur, der die ohnehin glänzende Karosserie mit einem Tuch polierte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000214.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "In diesem Moment wurde die Tür des Waffengeschäftes von innen geöffnet und ein Paar trat auf die Straße.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000215.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Der Herr war schon älter, sein Gesicht wirkte freundlich, war aber sehr blass und seine Nase schien seltsam deformiert. Beim Gehen stützte er sich auf einen Stock.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000216.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Der gebrechliche Eindruck wurde jedoch von der mit Tressen und Orden geschmückten Uniform wettgemacht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000217.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Die Dame, die ihn begleitete, war jung und schön. Sie trug einen Wagenradgroßen Hut und ein sehr elegantes Kleid, das jedoch nicht verbergen konnte, das sie in anderen Umständen war. Der Chauffeur steckte rasch sein Putztuch ein, riss den Wagenschlag auf und half den Herrschaften beim Einsteigen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000218.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Dann warf er den Motor an, indem er eine Kurbel, die er in die Motorhaube steckte, mehrmals schwungvoll drehte. Wenig später brauste das Gefährt knatternd davon.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000219.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "»Jesus, Maria«, rief Josefa, »das war der schöne Erzherzog mit der Robinson. Es hätte nicht viel gefehlt und sie hätte sich bekreuzigt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000220.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "»Der schöne Erzherzog?«, wiederholt der Pfanne erstaunt. »Wer ist das denn?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000221.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Erzherzog Otto, ein Neffe vom Kaiser. »Schön war er aber nicht, sondern alt«, stellte Fanny kritisch fest. »Man nennt ihn ja auch nur so. Warum denn? Ach, Kinderl, das verstehst du nicht.« Josefa wollte weitergehen, doch Fanny hielt sie am Ärmel fest. »Warum verstehe ich das nicht?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000222.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "»Weil du dafür noch zu jung bist. Das bin ich bestimmt nicht. Das werden's schon merken, wenn sie's ausprobieren.« Josefa seufzte. »Man nennt ihn so, weil er als junger Mann sehr fesch ausgeschaut hat.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000223.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Dann hatte er also viele Liebschaften. Um Gottes Willen, Kinderl, was weißt denn du über so etwas? Josefa war schockiert.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000224.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Auf den Illustrierten, die manchmal auf ihrem Schreibtisch liegen, steht immer, dass schon wieder ein bekannter Herr der Gesellschaft mit einer Dame eine Liebschaft hat.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000225.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "»Jetzt langt das aber, Fanny«, schnaufte Josefa und beschloss, ihre Zeitschriften nicht mehr offen herumliegen zu lassen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000226.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Sie zog ihren Schützling energisch mit sich. Doch kurz hinter dem Waffengeschäft erblickte Fanny die nächste Attraktion.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000227.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Das nenne ich schick«, rief sie beim Anblick des Schaufensters, das nicht nur vom Boden bis zur ersten Etage reichte, sondern auch fast die ganze Breite des Ladens einnahm. Die in rot und gold gestreiften Markisen waren geöffnet und zogen geschickt die Aufmerksamkeit der Passanten auf das Geschäft.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000228.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Vor der schwarz lackierten Eingangstür wartete ein livrierter Page. Über der Tür stand in schwungvollen goldenen Buchstaben »Sara Moreau Couture«, flankiert vom Wappen der Dona-Monarchie, das sie als Hoflieferanten auswies.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000229.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Vom Eingang bis zur Bordsteinkante war ein roter Teppich ausgerollt, damit die Kundinnen, wenn sie aus der Kutsche oder dem Automobil stiegen, mit ihren Schuhabsätzen nicht in den Ritzen der Pflastersteine hängen blieben.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000230.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "Fanny überlegte noch, was Couture wohl bedeuten mochte, da fiel ihr Blick auf die Schaufensterdekoration. Der Mund blieb ihr offen stehen, und ihr wurde klar, dass Couture das Wort für den märchenhaftesten Kleider war, den man sich nur vorstellen kann.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000231.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Andächtig musterte sie, die auf mehrere Figurinen trabierten Ballkleider, mit ihren weiten Röcken, langen Schleppen und kostbaren Stickereien waren sie schöner als alles, was sie bisher gesehen hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000232.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "»Wie sich die Stoffe wohl anfühlen und wie man sich selbst drin fühlt, wenn man so ein Kleid trägt.« »Lass uns weitergehen, Hascherl«, drängte Josefa hinter ihr, »sonst kommen wir heut nimmer bis zur Maria-Hilfer-Straßen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000233.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Fanny drehte sich langsam um. »Meinen Sie, wir können dort hineingehen?« flüsterte sie. »Da?« »Bist jetzt ganz narisch?« Josefa schüttelte heftig den Kopf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000234.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Fanny blickte zu der schwarz lackierten Tür. Der Page davor lächelte er freundlich zu. »Oh bitte, nur ganz kurz, nur um zu schauen«, bettelte sie und machte zwei Schritte auf die Tür zu.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000235.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "»Ganz gewiss net, so a Laden is was für Großkopferde, net für unser eins«, wehrte die ältere Frau sich. »Aber ich möcht so gern bitte, liebe Frau Pfeiffer.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000236.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Fanny machte noch zwei Schritte in Richtung Tür und zog die widerstrebende Josefa mit sich. In diesem Moment verneigte der Page sich leicht. »Habt die Ehre, meine Damen, ich bin Gustav stets zu Ihren Diensten.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000237.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Er riss die Tür auf und, bevor Josef etwas sagen konnte, schwebte Fanny an ihm vorbei in den Modesalon.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000238.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Die ältere Frau war einen Moment wie vom Donner gerührt. Dann eilte sie ihrem Zögling hinterher, nicht weil sie plötzlich mit Fannys Vorschlag einverstanden war, sondern um sie aus dem Laden heraus zu zerren.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000239.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Dass der Pache Gustav ihr mit einer erneuten Verbeugung, hüsste handgnädige Frau, nachrief, hörte sie gar nicht. Fanny war kurz hinter dem Eingang stehen geblieben und sah sich mit großen Augen um.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000240.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Vor ihr lag der von einem riesigen Kristalllüster beleuchtete Verkaufsraum. Sein Licht war so hell, wie nur elektrische Beleuchtung es ermöglichte und wurde von den mit weißen Seidentapeten bespannten Wänden reflektiert.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000241.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Überall hingen große goldgerahmte Spiegel und auf dem Boden lag ein roter Orientteppich, der alle Geräusche dämpfte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000242.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "In mehreren Vitrinen waren Federn, Borten, Spitzen und Knöpfe ausgestellt. An der rückwärtigen Wand befand sich ein großes Regal, das bis zur Decke reichte und mit Stoffen in allen Farben und Materialqualitäten gefüllt war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000243.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Davor stand ein langer Verkaufstresen. Verkäuferinnen in weißen Blusen und schwarzen Röcken kletterten auf Leitern vor dem Regal auf und ab, zogen Stoffballen aus den Fächern und präsentierten sie den Kundinnen, die vor dem Tresen warteten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000244.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Weitere Kundinnen beugten sich über die Vitrinen oder saßen auf Sofas an den Wänden, blätterten in dickleibigen Katalogen und nippten dabei Champagner.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000245.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "»Ich habe nicht geahnt, dass es so was gibt,« flüsterte Fanny Josefa andächtig zu.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000246.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Sie durfte einen Blick in eine, ihr bisher verborgenen Welt werfen, und je länger sie schaute, je mehr sehnte sie sich danach, Teil dieser Welt zu werden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000247.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Josefa nahm sie fest am Arm und versuchte, sie zur Tür zu zerren. »Kommst du wohl sofort wieder hier heraus?« zischte sie. Doch Fanny blieb wie angewurzelt stehen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000248.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "»Schauen's mal, da hinten, daneben der Tür ist ein Lift. Bestimmt fährt man damit zu den Nähstuben, in denen all diese wunderschönen Kleider angefertigt werden. Und das daneben in der Ecke muss ein Telefonapparat sein.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000249.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "»Das ist mir ganz gleich«, schimpfte Josefa. »Siehst du nicht, dass man schon auf uns aufmerksam wird? Lass uns gehen.« Beide blickten auf die Frau, die auf sie zukam.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000250.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Sie war sehr schlank und trug ein schlichtes schwarzes Kleid. Das Überraschende aber waren ihr silbriges Haar, das sie fast zu kurz geschnitten hatte wie ein Mann, und der kirschrot geschminkte Mund.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000251.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Eine solche Erscheinung hatte Fanny noch nie gesehen, aber sie gefiel ihr. Obwohl die Frau nicht mehr jung sein konnte, wirkte sie sehr elegant und modern. Sie blieb vor Fanny und Josepha stehen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000252.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "»Bonjour, Madame. Wie darf ich Ihnen helfen?« Ihre Stimme war dunkel und rauchig. Als sie lächelte, zeigte sich ein kranzfeiner Fältchen um ihre Augen und der französische Akzent bewies, dass sie der Besitzerin des Modesalons höchstpersönlich gegenüberstanden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000253.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "»Ruinieren wird es uns,« knurrte Josefa, »so viel steht schon fest.« Sarah Moreau wandte sich ihr zu. »Machen Sie sich keine Sorgen, Madame. Ich mache Ihnen eine Offre akzeptable.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000254.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "»Darf ich Ihnen zuerst etwas zu trinken anbieten? Ein Glas Champagner vielleicht?« Fanny wollte gerade losjubeln, aber Josefa antwortete zu ihrer Enttäuschung, »Na, vielen Dank, aber für Alkohol ist das Haschel noch zu jung.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000255.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "»Dann für Madame?« »Nein«, Josefa schüttelte den Kopf. »Am Ende kann ich nicht mehr mitrechnen, wenn Sie mit die Preise kommen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000256.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "»Wie Sie wünschen.« Madame Moreau lächelte amüsiert. »Dann zeige ich Ihnen nun unsere Stoffe? Darf ich Sie bitten, mir zu folgen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000257.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Sie drehte sich um und schwebte in eine Duftwolke von Rosen und Tabak gehüllt zum Verkaufstresen. Fahne stolperte hinter ihr her. Sie fühlte sich wie im Traum.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000258.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Sascha lacht's hier wirklich net leicht gehabt im Leben, dachte Josefa, da ist ein einmaliger Luxus erlaubt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000259.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Während Madame Moreau ihren beiden Kundinnen Stoffe vorlegte, erklärte sie Fanny, wie sie die verschiedenen Materialien verarbeiten sollte, zeigte er Borden, Knöpfe und Spitzen, fragte aber auch nach ihren Vorstellungen und hörte ihr interessiert zu.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000260.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Manchmal wickelte sie ein paar Meter von einem Ballen ab und drapierte ihn um Schultern, Taille und Hüften des jungen Mädchens.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000261.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Dann schob sie Pfanne vor einen der Spiegel und amüsierte sich, wenn ihre junge Kundin vor Begeisterung aufschrie.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000262.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Schließlich entschied Fanny sich, für einen blassblauen Seidenstoff für das Oberkleid, für die Unterröcke wählte sie fliederfarbenen Tüll.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000263.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Als Madame begann, den ersten Stopf mit einer hölzernen Elle abzumessen, drehte Fanny sich zur Josefa.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000264.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Diese Stoffe sind bestimmt sehr viel teurer als die aus den Kaufhäusern an der Maria-Hilfer-Straßen, sagte sie ernst.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000265.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Die ältere Frau lächelte gerührt. Benz der Qualenhascherl. Und die Madame Moreau wollte ja ein gutes Angebot machen, fügte sie in Richtung der Französin hinzu.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000266.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Danke, liebste Frau Pfeiffer, tausend Dank, das ist der schönste Tag meines Lebens. Fanny fiel der überraschten Josefa um den Hals und küsste sie auf beide Wangen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000267.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Auch Madame Moreau war von Fannys Entscheidung sehr angetan. Eine sehr gute Wahl.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000268.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Hervorragend zu ihrem Teint und zu ihrem schönen kupfernen Haar lobte sie, während sie von dem ersten Ballen mehrere Meter abwickelte. »Benötigen Sie Schnittmuster? Wir führen ein großes Sortiment der Firma Bitterik.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000269.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "»Eine gute«, begann Josefa, doch Fanny fiel ihr ins Wort. »Ich kann den Schnitt selbst anfertigen. Ich weiß genau, wie das Kleid ausschauen soll.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000270.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Josefa runzelte zweifelnd die Stirn. »Traust dir das wirklich zu, dass du mir ja nicht den teuren Stoff verschneidest?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000271.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Wenn ich für die Kinder im Findelhaus nähe, mach ich die Schnitte doch auch selbst. Die sind aber für Kittel und Leiberl, net für Ballkleider.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000272.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "»Machen Sie sich keine Sorge, Frau Pfeiffer, ich hab schon alles genau im Kopf«, versicherte Fanny. »Na gut«, gab Josefa nach, »dann suchen wir noch ein paar hübsche Knöpfe und Bandadeln für die Verzierung aus.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000273.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "15 Minuten später standen sie vor dem Tisch mit der silberblinkenden Registrierkasse und Josefa bezahlte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000274.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Die Summe erschien Fanny, trotz Madames Versprechen, einen guten Preis zu machen, sehr hoch. »Dafür müsste ich einen ganzen Monat in der Nähstube arbeiten,« flüsterte sie Josefa erschrocken zu.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000275.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "»Es passt schon. Sorg dich nicht.« Die ältere Frau tätschelte ihre Hand. Sie wusste, dass das, was Fanny sehr teuer erschien, in Wirklichkeit sehr günstig war, denn die Stoffe hatten eine außerordentliche Qualität.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000276.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Madame Moreau musste ihnen, warum auch immer, einen beachtlichen Nachlass gewährt haben. »Aber verschneiden darfst mir nix«, fügte sie hinzu.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000277.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "»Das schwöre ich«, versicherte Fanny feierlich. Eine Verkäuferin schlug die Stoffe sorgsam in Seidenpapier ein und wickelte anschließend Packpapier darum.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000278.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Josef erlegte das Paket in ihren Korb. Anschließend begleitete Madame Moreau ihre beiden Kundinnen zur Tür.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000279.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "»Habe ich das richtig verstanden, Mademoiselle? Sie haben gerade die Schule beendet?« fragte sie Fanny. »Ja, in vier Wochen werde ich entlassen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000280.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Madame blieb stehen. »Sie haben ein gutes Gespür für Mode, Mademoiselle. Haben Sie schon einmal überlegt, einen Beruf in diesem Metier zu ergreifen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000281.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Fanny starrte sie an. »Nein, noch nie.« Sarah Moreau mustete sie neugierig. »Und was für Pläne haben Sie, Mademoiselle?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000282.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "Fanny warf Josefa einen Blick zu. Sie hatte Pläne, aber darüber hatte sie noch mit niemandem gesprochen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000283.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Ich möchte weiter zur Schule gehen, begann sie zögernd, aufs Lyzeum und Matura machen. Ich bekomme nämlich das beste Abschlusszeugnis meines Jahrgangs, fügte sie stolz hinzu.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000284.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Was sagst du? Du willst die Schule weitermachen? Davon höre ich ja zum allerersten Mal, schnaufte Josefa völlig überrumpelt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000285.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Fanny drehte sich zu ihr. Die Frau Direktorin hat gesagt, dass sie es versuchen soll. Sie meinte, ich sei klug genug. Josefa grunzte unwillig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000286.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Insgeheim nahm sie sich vor, mit der Schulleiterin ein Hühnchen zu rüpfen. Wie kam die Frau dazu, Fanny zu diesem Unsinn zu ermutigen, wo sie ihr doch schon klar und deutlich gesagt hatte, dass ein Lyceum ausgeschlossen war?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000287.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "»Lassen Sie nur, Madame.« Sarah Moreau legte beschwichtigend eine Hand auf Josefas Arm. »Mademoiselle Fanny ist wirklich eine sehr kluge junge Frau. Ihre Pläne sind gut, Mademoiselle Fanny. Aber wenn Sie Ihre Meinung ändern, dürfen Sie gerne noch einmal zu mir kommen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000288.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Am nächsten Sonntag nach dem Mittagessen wollten Fanny und Josefa mit der Arbeit an dem Ballkleid beginnen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000289.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Fanny war die erste in der Nähstube des Findelhauses. Sie hatte eine Zeichnung ihres Ballkleides angefertigt, die sie auf den großen Tisch in der Raummitte legte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000290.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Dann ging sie zum Wandschrank mit den Arbeitsutensilien, holte einen braunen Papierbogen heraus und breitete ihn auf dem Tisch aus.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000291.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Nachdem Josefa ihre Maße genommen hatte, würde sie darauf den Schnitt aufzeichnen. Sie rollte die Zeichnung auf und betrachtete ihren Entwurf nachdenklich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000292.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Seit sie in der Nähstube arbeitete, fertigte Fanny ihre Kleidung selbst an, aber sie war sich bewusst, dass es eine Sache war, einen einfachen Rock oder eine Bluse zu nähen und eine andere an Ballkleid zu entwerfen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000293.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Aus diesem Grunde hatte sie beschlossen, auf raffinierte Falten oder Volants zu verzichten. Sie hatte sich einen sehr einfachen Entwurf überlegt, mit einem lockeren, blusenartigen Oberteil und einem Rock, der in zwei Stufen über den Unterrock fiel.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000294.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Das Kleid muss eben mehr durch das Material als durch einen raffinierten Schnitt wirken«, dachte sie, während sie das Paket aus dem Schrank holte und auf den Tisch legte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000295.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Sie öffnete es vorsichtig und betrachtete die Stoffe. Sie konnte immer noch nicht fassen, dass sie so etwas Kostbares besaß.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000296.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Die Seide schimmerte blau wie der Himmel, den sie durch das Fenster sehen konnte, und harmonierte wunderbar mit dem fliederfarbenen Tüll.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000297.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Waren sie sich aus dem Weg gegangen und hatten es vermieden, über den Vorschlag der Schulleiterin zu sprechen,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000298.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Josepha hielt Fannys Wunsch, Matura zu machen, für eine überflüssige Träumerei. Fanny wiederum fühlte sich von der älteren Frau nicht ernst genommen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000299.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Grüß Gott«, Josefa ging an ihr vorbei, schnurstracks auf den Wandschrank zu. Auf Fanny wirkte es, als vermied die ältere Frau, sie anzusehen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000300.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "»Sie müssen mir nicht helfen, wenn's nicht wollen«, sagte sie ein wenig schnippisch. »Kann das Kleid auch alleine nähen?« Josefa nahm ein Maßband, einen Block und einen Bleistift aus dem Schrank und schloss die Tür unsanft.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000301.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Fannys Tonfall ärgerte sie, und ihr seit Tagen angestauter Zorn brach hervor. »Und dann verhaust den teuren Stoff? Bist eh schon ein unvernünftiges Tschapperl!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000302.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "»Darf ich vielleicht keine eigenen Wünsche haben?« gab Fanny Pat sich zurück. »Nicht wenn's so depperte Wünsche sind«, erwiderte Josefa. Fanny funkelte die ältere Frau wütend an.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000303.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Acht Jahre haben sie mich jeden Tag ermahnt, dass ich mich in der Schule anstrengen und was lernen soll. Und jetzt, wo ich die Möglichkeit habe, weil meine Noten so gut sind, wollen sie es nicht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000304.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "»Wie könnte ich das je vergessen? Sie halten's mir ja ständig vor.« Pfannis Stimme war tränenerstickt. »Aber ich bin klug genug zum Studieren. Das hat die Frau Direktorin mir doch nicht umsonst gesagt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000306.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Josefa war verärgert. Fanny ahnte ja nicht, dass sie lange über den Vorschlag der Schulleiterin nachgedacht und sogar erwogen hatte, Fanny aufs Lyzeum zu schicken.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000307.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Dieses Geld war für andere, wichtigere Gelegenheiten reserviert, die gewiss irgendwann kamen. Josefas eigener Lohn reichte nicht aus, um Fanny das Lyceum zu bezahlen, und im Übrigen wollte Josefa das auch gar nicht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000309.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "Mit 14 Jahren war ihr Schützling alt genug, um ins Leben hinauszutreten, darauf hatte Josefa sie vorbereitet oder es zumindest versucht, denn offensichtlich war es ihr nicht geglückt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000310.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "»Aber vielleicht erwarte ich auch zu viel von ihr«, dachte sie, »vielleicht fehlt es ihr einfach noch an Vernunft und Weitsicht.« »Komm mal her, damit ich Maß nehmen kann«, brummte sie halb besänftigt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000311.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Das junge Mädchen gehorchte schweigend. Doch sie blickte stur auf ihre Füße, während Josefa das Maßband an Schultern, Brust, Rücken, Taille und Hüfte anlegte und die Zahlen auf ihrem Block notierte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000312.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "»Erst gestern hat der Direktor McClipp und Clark gesagt, dass du mit der Schulentlassung aus dem Findelhaus ausziehen musst«, erklärte sie Fanny. »Was bleibt dir also anderes übrig, als für dich selbst zu sorgen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000313.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Sie kniete ächzend nieder, um Fannys Beinlänge auszumessen. »Aber wenn ich doch so gute Noten hab,« wandte Fanny fast verzweifelt ein, »sogar im Rechnen hab ich einen Einser.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000314.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "»Wenn wir zusammen zum Direktor gehen und fragen, kann ich vielleicht noch die vier Jahre bis zum Matura hierbleiben?« Das sehr verschüttelte den Kopf. »Da ist nix zu machen, und vier Jahre schon gleich gar nicht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000315.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Du weißt, dass die anderen Kinder nur bis zu ihrem zehnten Geburtstag hierbleiben dürfen. Bitteschön, halt das Maßband einmal an der Hüfte fest.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000316.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Fanny nahm folgsam das obere Ende des Bandes und Josefa zog es bis zum rechten Knöchel des jungen Mädchens. »Netz so lang, Frau Pfeiffer«, rief Fanny, »der Rock soll hier aufhören.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000317.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Sie nahm die Zeichnung vom Tisch, rollte sie auseinander und hielt sie Josefa vor die Nase.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000318.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "»Extravagant, meinst wohl. Das ganze Gwandel ist extravagant.« Josefa hob sie stöhnend. »So will ich es eben. Und ich werde es auch genau so zuschneiden.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000319.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Heiliger Himmel, immer diese Widerworte. Darum sollst nicht aufs Lyceum gehen, weil dich das noch verdrehter macht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000320.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Schweigend rollte Fanny ihre Zeichnungen wieder zusammen. Sie würde sich nicht von ihrem Entschluss abbringen lassen. Als Josefa mit dem Ausmessen fertig war, konnte der Schnitt gezeichnet werden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000321.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Fanny holte die hölzerne Elle aus dem Schrank und wandte sich an Josefa. Sie sagen mir die Maße und ich zeichne den Schnitt auf. Einige Minuten arbeiteten sie schweigend.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000322.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "Dann sagte Fanny, »Wenn ich anbitte, mehr in der Nähstube zu arbeiten, kann ich vielleicht doch weiter im Findelhaus wohnen und noch das Schulgeld fürs Lyzeum bezahlen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000323.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "»Ach, Hascherl«, dachte Josefa, »zieh's doch ein. Die Idee mit dem Lyceum lasst sich nicht verwirklichen.« Laut sagte sie,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000324.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Wenn du auf diese Schule gehst, hast du keine Zeit mehr hier zu arbeiten. Da musst du nämlich viel mehr lernen als bisher. Schau mich an, Kinderl. Bin nur sechs Jahre in die Schule gegangen und arbeite seit meinem zwölften Lebensjahr. Und es hat mir nicht geschadet.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000325.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "»Hallo, Fräulein, der Ausschnitt sah auf deiner Zeichnung aber anders aus. Der geht ja bis zum Bauchnabel.« Mit spitzem Finger zeigte sie auf das tiefe Dreieck, das Fanny in ihren Schnitt gezeichnet hatte. »Glaub ja nicht, dass ich dich so nackert auf den Ball lass.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000326.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Fanny musste lachen. »Das ist doch der Rückenausschnitt. Vorne ist das Kleid hochgeschlossen. Und hinten soll man dir bis auf den Popo schauen? Sie übertreiben, Frau Pfeiffer. Der Ausschnitt hört ein ganzes Stück darüber auf.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000327.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "»Schauen Sie«, sie zeigte den Abstand mit den Händen, »der sind mit viel gutem Willen zehn Zentimeter, aber wenn der Ausschnitt kleine wird, ist die besondere Wirkung dahin.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000328.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "»Du und deine Extrawürsteln«, brummte Josefa. Pfannes Entwurf war ihr viel zu freizügig. Aber, da ihr Liebling schon auf das Lyceum verzichten musste, wollte sie ihr diesen Wunsch nicht auch noch verwehren.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000329.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Fanny spürte Josefas nachgiebige Stimmung. Sie blickte die ältere Frau treuherzig an. »Bitte, liebe Frau Pfeiffer, gibt's denn wirklich gar keine Möglichkeit, dass ich weiter zur Schule gehen kann?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000330.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Josefa räusperte sich. Es fiel ihr so schwer, ihrem Liebling diesen Wunsch abzuschlagen. Als sie noch darüber nachsahen, ob sie nicht vielleicht doch das Geld von Fannys Sparbuch dafür verwenden sollte, fiel ihr plötzlich eine andere Lösung ein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000331.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "»Kannst du dich noch erinnern, dass ich im November in der Pfarre in Breitensee zur Eröffnung einer neuen Mädchenschule eingeladen war?«, fragte sie.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000332.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Das Sankt Josefino, eine Lehranstalt für hauswirtschaftliche Frauenberufe.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000333.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Josefa dachte daran, wie angetan sie von der neuen Schule gewesen war. Die Ausbildung dauerte zwar drei Jahre, aber die Absolventinnen hatten danach eine Berufsausbildung und mussten nicht als ungelernte Arbeiterinnen in einer Fabrik oder als Dienstmädel für die niedrigsten Tätigkeiten in einen Haushalt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000334.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Vor allem würde ihr Liebling dort in guten Händen sein, denn die Schule wurde von Ordensfrauen der barmherzigen Schwestern geführt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000335.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "»Wenn's schon unbedingt weiter zur Schul gehen willst, ist das Sankt Josefinum gewiss sinnvoller als ein Lyzeum.« »Vielleicht haben's recht«, räumte Fanny zögernd ein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000336.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Tatsächlich hatte sie noch nie darüber nachgedacht, einen hauswirtschaftlichen Beruf zu erlernen. Sie war sich auch nicht sicher, ob ihr das Freude machen würde.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000337.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Gewiss habe ich recht, rief Josefa. Was du auf dieser Schule lernst, befähigt dich, eine Stellas-Wirtschaftlerin in einem großen Haus anzunehmen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000338.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "Vielleicht wirst du sogar die Gesellschafterin oder Kammerzofer der Hausherrin. Solche Positionen werden ordentlich bezahlt, hat man mir bei der Einweihungsfeier erzählt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000339.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Fahne nickte stumm. Das war zwar nicht das, was sie sich vorgestellt hatte, aber vielleicht konnte sie das unehelich geborene, im Findelhaus aufgewachsene Kind nicht mehr erwarten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000340.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "Josefa hingegen war überglücklich, dass sich eine Lösung für die Zukunft ihres Lieblings abzeichnete,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000341.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Während Tiffany beim Zuschneiden des Stoffes half, erzählte sie in einem Fort von dem schönen modernen Schulgebäude und den Unterrichtsfächern, zu denen neben Haushaltsführung, Wäschepflege, Nähen, Sticken, Kochen und Backen auch Benimmunterricht und Konversation gehörten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000342.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Fanny lauschte schweigend. Erst als Josefa berichtete, dass die Schülerinnen ihr Schulgeld selbst erwirtschafteten, indem sie Küche, Wäscherei und Näherei des zum Sankt-Josefinum gehörenden Mädchenpensionats betrieben, fragte sie,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000343.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Soll ich denn auch im Pensionat wohnen, Frau Pfeiffer? Josefa starrte sie an. Darüber hatte sie überhaupt noch nicht nachgedacht. Doch das Pensionat kostete zusätzliches Geld, somit schied diese Möglichkeit aus.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000344.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Und da Fanny auch nicht länger im Findelhaus wohnen durfte, gab es im Grunde nur eine Lösung. »Du wohnst während deiner Ausbildung bei mir«, sagte sie.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000345.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Auf der Couch in meiner Stube ist Platz zum Schlafen und wir werden uns gewiss gut vertragen. Nicht wahr, Haschal? Wenn du dann in drei Jahren in die Welt hinausziehst, gehe ich in den wohlverdienten Ruhestand.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000346.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "»In drei Jahren ist Frau Pfeiffer ja schon siebzig«, dachte Fanny schockiert. »Vielleicht hatte die langjährige Oberpflegerin des Findelhauses geplant, sich schon dieses Jahr zur Ruhe zu setzen, wenn sie, Fanny, nicht so sehr darum gebettelt hätte, weiter zur Schule gehen zu dürfen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000347.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "Sie zuckte zusammen, als Josefa sie in die Seite stieß. »Na, was sagst du meinem Vorschlag?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000348.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "»Er klingt sehr gut«, erwiderte Fanny vorsichtig, »und dass ich bei Ihnen wohnen darf, ist wirklich großzügig.« Josefa musterte sie eindringlich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000349.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Dann ist es also abgemacht. Fanny biss sich auf die Lippe. Und wenn ich nun doch nicht weiter zur Schule ging, sondern mir gleicher Arbeit such?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000350.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "»Ich habe gehört, dass bei Edlinger draußen in Kaisermühlen Frauen im Waschsall gesucht werden.« Josefa schluckte. Sie wusste, dass die Arbeit in den Großwäschereien sehr anstrengend war. Die Waschlaugen griffen die Haut an und die Luft in den Waschsälen waren so feucht, dass viele der Arbeiterinnen an Räume erkrankten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000351.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Auf keinen Fall wollte sie, dass ihr Liebling an so einem Ort sein Brot verdiente. Sie hob die rechte Hand und legte sie an Pfannes Wange.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000352.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Sorgte nicht, Haschal. Ich habe meine Pension genau so berechnet, dass ich mich in drei Jahren zur Ruhe setzen kann. Keinen Tag früher.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000353.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Nach dem Abendbrot kehrte Fanny noch einmal in die Nähstube zurück und betrachtete ihr Ballkleid, das sie mit Nadeln zusammengesteckt und auf eine Schneiderpuppe gezogen hatte. Im weichen Gaslicht wirkte es so duftig wie das Kleid einer Feenkönigin. Sie freute sich unbändig darauf, es auf dem Abschlussball zu tragen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000354.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Ob ich da drin auch den Jungen von der Bürgerschule gefallen werde, dachte sie. Traditionell wurden die Abschlussbälle der beiden benachbarten Schulen zusammengefeiert.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000355.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Fanny fühlte sich ganz aufgeregt bei dem Gedanken, sie kannte keine Jungen in ihrem Alter, geschweige denn Ältere, wie die von der Abschlussklasse der Bürgerschule, die mindestens 16 Jahre zählten, und sie nahm sich fest vor, sich den ganzen Abend zu amüsieren und keinen Tanz auszulassen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000356.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Sie ging zum Arbeitstisch, auf dem sich eine Wolke von fliederfarbenem Tüll bauschte, der Unterrock, der ebenfalls schon zugeschnitten und zusammengesteckt war. Sie nahm die Tüllwolke und ging damit zum Nähmaschinentisch vor dem Fenster.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000357.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Dann zog sie einen zweiten Faden aus dem Fach unterhalb des Nähfußes nach oben auf die Arbeitsplatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000358.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "»Ratat, ratat, ratat«, machte die alte Nähmaschine. Langsam bewegte sich der Stoff über die Arbeitsfläche, behutsam von Fannys Händen geführt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000359.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Als sie ein Gefühl dafür hatte, wie sich der Tüll verarbeiten ließ, trat sie das Pedal schneller.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000360.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Das gleichmäßige Rattern der Maschine hatte wie immer eine beruhigende Wirkung und sie merkte, dass die Zweifel an ihrer Entscheidung für die Hauswirtschaftsschule weniger wurden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000361.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "»Es ist gut, dass ich noch weiter zur Schule gehen darf«, dachte sie, »und meinen Weg werde ich trotzdem gehen, wohin auch immer er mich führt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000362.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Wien, 1909 Fanny stand auf der Florianegasse und sah an der Fassade eines alten dreistöckigen Mietshauses empor.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000363.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Hinter den beiden Fenstern von Josefos Wohnstube im ersten Stock war es dunkel, aber das musste nicht bedeuten, dass niemand zu Hause war. Fanny wusste, dass der alten Frau das Gehen schwer fiel und sie ihre Wohnung nur noch selten verließ.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000364.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Wahrscheinlich befand sie sich in der Küche, die zur Hofseite lag und im Gegensatz zur Stube auch während der kalten Jahreszeit beheizt wurde.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000365.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Fanny holte tief Luft, streckte die rechte aus und drehte den Klingelknopf neben der Haustür. Sie hörte ein schwaches Läuten aus der ersten Etage, aber es dauerte noch einige Zeit, bis über ihr ein Fenster geöffnet wurde und Josefa sich herausbeugte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000366.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Sie blickte auf die junge Frau, die zwischen zwei Gebäckstücken auf dem Trottoir stand und fragte ungläubig, »Bist du das, Fanny?« »Ja.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000367.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "Sie stellte sich unter die Straßenlaterne, damit die alte Frau sie besser erkennen konnte. Es war später Nachmittag, aber schon Ende Oktober und damit fast dunkel. »Grüß Gott, Frau Pfeiffer!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000368.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Jesus Maria«, Josefa schüttelte den Kopf, »dass du schon wieder mit deinem ganzen Zeug hier auftauchst, kann nix Gutes heißen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000369.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "»Wollen's mich nicht hereinlassen?« bat Fanny. »Dann erklär ich Ihnen alles.« »Deine Erklärung will ich lieber gar nicht hören.« Josefa zog den Kopf zurück und klappte das Fenster mit einem Knall zu.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000370.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Fanny seufzte leise und wartete. Wenige Minuten später hörte sie schlurfende Schritte auf dem Hausflur, ein Schlüssel drehte sich knirschend, ein Riegel wurde zurückgeschoben, dann öffnete sich die Tür und Josefa stand im Eingang.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000371.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Fanny fand, dass sie kleiner wirkte als bei ihrem letzten Wiedersehen, und ihr fiel auf, dass sie sich schwer auf ihren Stock stützte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000372.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Das schüttere weiße Haar war von einem dünnen Haarnetz bedeckt. Über dem Nachthemd trug sie einen langen Schlafrock und gegen die herbstliche Kühle ein wollernes Schultertuch.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000373.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Im Sommer war Josefa 72 Jahre geworden und das Alte setzte ihr zu. Doch ihre dunklen Augen blickten wach und wenig begeistert auf die junge Frau und ihre beiden Gebäckstücke.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000374.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "»Du hast also schon wieder deine Stellung verloren.« Fanny schaute sie zerknirscht an. »Bitte, Frau Pfeiffer, muss ich das wirklich hier draußen erklären?« Leise fügte sie hinzu. »Ich weiß doch nicht, wo ich sonst hingehen soll.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000375.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Josef verrunzelte missbilligend die Stirn. Mit dem modischen Zylinderhut, von dem Keck eine Feder wippte, dem eleganten Mantel und ein Knöpfstiefelchen aus dunkelrotem Leder, wirkte Pfanne nicht wie eine Frau, die kein Zuhause hatte. Spitz stellte sie fest.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000376.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Ausschauen tust, als könnte es dem Sacha logieren. Doch auch wenn sie ihren Liebling immer wieder für seinen extravaganten Geschmack kritisierte, hatte Sifani nie die Tür gewiesen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000377.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Fanny stellte ihren Koffer und die Nähmaschine auf dem Flur von Josefas Wohnung ab und folgte der alten Frau in die Küche.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000378.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Dort roch es durchdringend nach Kohl, aber wenigstens verströmte der Herd wohlige Wärme. Josefas Küche war ein handtuchschmaler, rechteckiger Raum mit einem weiß-grau gesprengelten Terrazzo-Boden und einem kleinen Fenster zum Hinterhof.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000379.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Daneben stand eine Teekanne, ein halbgeleerte Emeilbecher und eine Zuckerschale. »Bist hungrig? Ich hab noch Krautsuppen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000380.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Josefa ging zum Herd und hob den Deckel von einem Topf, der hinter dem Wasserkessel stand. Der Kohlgeruch wurde noch intensiver und hätte Fanny fast den Magen umgedreht. »Na, danke«, sie schüttelte den Kopf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000381.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "»Dann stell bitte schön noch ein Hefel auf den Tisch. Ich mach uns einen frischen Tee.« Während Fanny einen Becher aus dem Holzgestell nahm, holte Josefa das Sieb mit den Teeblättern aus dem Spülstein, gab es in die Kanne und goss aus dem Kessel heißes Wasser darüber.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000382.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Dabei brummelte sie die ganze Zeit unwillig vor sich hin. Fanny verstand einige undeutliche Satzfetzen, die nach »unerhört, noch nie erlebt« oder »eine Schande« klangen. Sie setzte sich auf den noch freien Stuhl, nahm ihren Hut ab und legte ihn auf den Tisch.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000383.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "»Wenn's etwas an mir auszusetzen haben, können's das ruhig laut sagen«, bemerkte sie. Die alte Frau starrte sie einen Moment ärgerlich an, bevor sie den Tee eingoss.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000384.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "»Braust gar nicht so hochnosat daherreden. Es ist das sechste Mal in zwei Jahren, dass du deine Stellung verloren hast. Willst du weitermachen, bis du jeden respektablen Haushalt in Wien durch hast?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000385.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "»Das war kein respektabler Haushalt«, fuhr Fanny auf, »und die anderen auch nett.« »Schmarrn«, Josefa gab einen Löffel Zucker in ihren Becher und rührte heftig. »Drei Monate hat es dieses Mal nur gebraucht, bis du geflogen bist.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000386.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Fannys Augen füllten sich mit Tränen. »Wollen's denn gar nicht wissen, was passiert ist? Lieber würde ich eine andere Geschichte von dir hören, dass die Herrschaften mit dir zufrieden sind, zum Beispiel.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000387.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Fanny fuhr sich mit beiden Händen durch die rotblonden Locken. »Ich hab mir Mühe gegeben, ganz ehrlich, Frau Pfeiffer. Aber hätten Sie sich von der Gnädigen anschreien lassen, nur weil Sie vergessen haben, die Vorhänge im Schlafzimmer zu schließen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000388.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "»Hast du's das erste Mal vergessen?« verlegen schüttelte Fanny den Kopf. »Das fünfte, glaube ich.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000389.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "»Fünfmal? Es erstaunt mich, dass die Gnädige nicht früh aus der Haut gefahren ist. Warum musst auch immer vergessen, was deine Pflichten sind?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000390.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "»Aber ich bin doch keine Maschine, sondern ein Mensch. Und ein Mensch kann doch auch einmal was vergessen.« Aber nicht fünfmal dasselbe. Josefa legte ihren Teelöffel auf die Tischplatte und blickte ihren ehemaligen Zögling streng an.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000391.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "»Bist du geflogen, weil du vergessen hast, die Vorhänge zuzuziehen, oder hast wieder dein Goschen nicht halten können?« »Muss ich mir denn alles gefallen lassen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000392.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Eine dumme Gans hatte alte Piscu an mich geschimpft, und da habe ich ihr gesagt, dass sie in der Zeit, in der sie mich auszankt, ihre dummen Vorhänge zehnmal selbst hätte auf- und zuziehen können.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000393.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Die alte Frau stöhnte. »Wann lernst endlich, dass du deiner Herrschaft keine Widerworte zu geben hast? Aber wenn ich immer alles runterschlucke, ersticke ich irgendwann dran.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000394.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "konnte Fanny sofort eine Stellung im Haushalt eines wohlhabenden Seifenfabrikanten antreten,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000395.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Doch acht Monate später hatte sie das erste Mal vor Josefas Tür gestanden, wütend, weinend und ohne Dach über dem Kopf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000396.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Der Seifenfabrikant hatte sie auf die Straße gesetzt, weil die Hausherrin sie erwischt hatte, als sie in einem ihrer Abendkleider vor dem Spiegel im Ankleidezimmer herumstolziert war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000397.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Schon damals hatte Josefa gesagt, Fanny habe eine Verfehlung begannen, während Fanny den Vorfall als Ungerechtigkeit empfunden hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000398.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "»Ich weiß gar nicht, warum die Gnädige so ein Theater gemacht hat«, hatte sie gesagt. »Das Kleid hatte sie ohnehin längst aussortiert.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000399.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Weil sie lieber in den Modeschurnalen der Gnädigen geschmökert hatte, als sich um die Haushaltsführung zu kümmern,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000400.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "Bei ihrer vierten Stelle hatte die Hausherrin sie schlafend in einem Lehnstuhl vorgefunden", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000401.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Die fünfte Stelle schließlich hatte sie verloren, weil sie den Pekinesen der Gnädigen nicht mehr baden wollte,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000402.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "»Hätten Sie mich doch die Matura machen lassen, dann könnte ich mein tägliches Brot mit einer besseren Arbeit verdienen.« »Es gibt immer irgendjemanden, der über dir steht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000403.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "»Außerdem glaubst du, dass immer nur die anderen Fehler machen, und das stimmt halt nicht«, stellte Josepha traurig fest. Fanny wurde rot. Sie griff über den Tisch und legte ihre rechte Hand auf die der alten Frau.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000404.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "»Entschuldigens, Frau Pfeiffer, ich sollt' net so mit Ihnen reden, wo Sie doch der einzige Mensch sind, der mich gut behandelt.« Die alte Frau nickte müde.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000405.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "»Gut, dass du wenigstens das einsiehst. Jetzt trink deinen Tee, bevor er ganz kalt ist.« Fannike heuchte. Während sie langsam ihren Becher leerte, dachte sie niedergeschlagen. »Wir sind die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee, die Tee", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000406.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Fanny starrte betrübt in ihre Teetasse. »Wenn sie doch nur eine Arbeit fände, die ihr Freude machte. Aber alles, was sie gelernt hatte, war, den Haushalt anderer Leute zu führen, und dabei hatte sie ein ums andere Mal versagt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000407.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Plötzlich hältte ihre Mina sich auf. »Ich werde zu Madame Moreau gehen. Sie hat gesagt, ich soll mich bei ihr melden, wenn ich einen Beruf in der Modewelt ergreifen will. Wäre das nicht wunderbar, wenn ich mein Geld mit schönen Kleidern und Stoffen verdienen könnte?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000408.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "Doch Josep verschüttelte den Kopf. »Bei Madame Marot kaufen alle deine früheren Gnädigen. Sie werden sich nicht freuen, wenn du ihnen dort über den Weg laufst.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000409.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "»Es hilft alles nichts. Du musst morgen zum St. Josephinum. Vielleicht hat die Direktorin passende Anfragen von Haushalten außerhalb Wiens.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000410.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Aber sie hat schon beim letzten Mal gesagt, dass sie sich nicht mehr für mich einsetzen will. Du musst es trotzdem versuchen. Wenn du Reue zeigst und ehrlich gelobst, dich zu bessern, hilft sie dir vielleicht noch einmal.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000411.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "»Nun gut«, murmelte Fanny niedergeschlagen, »ich versuch's.« Josefa schob ihren Stuhl zurück und erhob sich. »Schlafenszeit, Haschel. Morgen früh seh' immer weiter. Polster und Decken sind im Kasten auf dem Flur, und wo die Couch steht, weißt er ja.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000412.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Zwei Tage später stiegen Josef und Fanny vor dem Wiener Staatsbahnhof aus einer Mietbroschke. Von diesem, im Bezirk Favoriten liegenden Bahnhof verkehrten alle Züge nach oder von Osten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000413.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Es war mitten am Vormittag und auf dem Platz vor der Abfahrtshalle fuhren unentwegt Kutschen und Automobile mit Reisenden vor, die nach Böhmen, Meeren und Ungarn wollten oder von dort weiter bis Polen, Rumänien und in das russische Zarenreich reisten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000414.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Der Himmel hing an diesem Tag schwer an Bleiern über der Hauptstadt und kündete vom nahen Winter. Über den Vorplatz fegte eisiger Wind, der braunes Laub vor sich hertrieb, Männern den Hut vom Kopf riss und Frauen unter die Röcke fuhr.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000415.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Dazu fiel ein dichter Vorhang aus feinem Nieselregen, sodass die sonst so schmucke, weiße Fassade des Bahnhofsgebäudes dunkelgrau und trist wirkte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000416.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Fanny hatte den Fährker gebeten, direkt vor dem Eingang zur Kassenhalle zu halten. Sie kletterte als erste aus dem Gefährt und half Josefa beim Aussteigen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000417.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "»Gehen's nur schon ins Warme, Frau Pfeiffer, nicht, dass Sie sich verkühlen,« drängte Fanny. Josefa nickte. »Ich will nur noch rasch den Fiatka bezahlen, doch Fanny schob sie sanft vorwärts. Lassen's nur, dafür hab ich noch genug Geld.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000418.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "»Na gut«, willigte die alte Frau ein, »dann werde ich uns ein schönes Bankgeld direkt am Gleis suchen.« Sie entfernte sich langsam.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000419.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Der Kutscher lud Fannis Koffer und die Kassette mit ihrer Nähmaschine aus und stellte beides aufs Trottoir. Während sie in ihrer Handtasche nach ihrer Geldbörse kramte, merkte sie, dass ihre Finger zitterten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000420.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Seit sie wusste, dass sie Wien verlassen und nach Budapest gehen würde, hatte sie nicht mehr richtig geschlafen. Sie kannte nichts anderes als ihre Geburtsstadt Wien. Zwar gehörte Budapest als Hauptstadt des Königreichs Ungarn zur Monarchie, aber sie musste dennoch in ein fremdes Land mit einer fremden Sprache.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000421.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Der Weg zu den Abfahrtsgleisen führte durch die große Kassenhalle, in der lautes Stimmengewirr herrschte. Vor den Fahrkartenschaltern und den Glaskästen mit den Abfahrtsplänen stauten sich die Menschen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000422.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Andere kauften noch Erfrischungen oder eine Zeitung von einer der vielen kleinen Buden, suchten ihre Angehörigen oder ihre Gleisnummer.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000423.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "Fanny blieb kurz hinter dem Eingang stehen, um das Gebäck abzustellen. Während sie keuchend Atem holte und insgeheim ihr enges Mieder verfluchte, sagte eine Stimme neben ihr,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000424.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "Für zehn Heller passe ich auf ihren Koffer auf, während sie um mein Billett anstehen, und für noch einmal zehn Heller trage ich die Sachen bis zu ihrem Platz im Zug.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000425.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Er starrnd brähte sie den Kopf und sah einen schlachsigen Jungen, der sie, die Schiebermütze keck über ein Ohr gezogen, herausfordernd angrinste.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000426.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Sie hätte das Angebot gerne angenommen, doch sie schüttelte den Kopf. »Ich habe mein Billett schon gestern gekauft und mein Gebäck trage ich auch allein zum Zug.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000427.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Er grinste noch breiter. »So fesches Dirndl sollte seine Koffer nicht schleppen, als wäre es ein Lastesel.« Fanny musste lachen. »Das stimmt, aber meine letzten Heller brauche ich vielleicht noch für Wichtigeres.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000428.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Sie wollte sich nach ihrem Gebäck bücken, doch er sagte rasch, »Lass uns nur, Fräulein, ich trage Ihnen das Zeug ausnahmsweise umsonst.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000429.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Bevor sie antworten konnte, hatte er ihren Koffer genommen und das Behältnis mit der Nähmaschine geschultert. »Wo geht denn die Reise hin?«, fragte er. »Nach Budapest. Mit dem Expresszug um halb elf.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000430.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "»Der Fahrt von Klaas 3. Wollen Sie in Budapest Ihren Schatz besuchen?« Er zwinkerte ihr zu. »Fragen Sie Ihre Kundschaft immer so aus?« gab Fanny zurück. »Nur wenn sie mir gefällt«, erwiderte er nicht im mindesten Verlegen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000431.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Das Kompliment gefiel ihr, und sie merkte, wie sich ihre Stimmung hob. Zum ersten Mal seit zwei Tagen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000432.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Die Schulleiterin der St. Josephinums war sehr verärgert gewesen, als Fanny nur drei Monate nach ihrem letzten Besuch wieder in ihrem Büro gestanden hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000433.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Eigentlich habe ich keine Lust, mich noch einmal für sie einzusetzen, hatte sie gesagt. Sie ruinieren nämlich den guten Ruf dieser Schule.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000434.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "In einem Telefongespräch zwischen der Direktorin und dem Chef-Butler der Familie wurde die Vermittlung besiegelt. Und weil mit dem baldigen Beginn des Winters auch die Ballsaison anfing, sollte Fanny die Stelle sofort antreten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000435.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "»Geben Sie sich Mühe. Noch einmal möchte ich Sie hier nicht sehen«, hatte die Direktorin zum Abschied gesagt. »Fröhlein, hören Sie mir denn gar nicht zu?« Pfanne zuckte zusammen. »Wie bitte?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000436.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Ich hab sie schon zweimal gefragt, in welchem Waggon sie sitzen. Der Gebäckträger sah sie leicht vorwurfsvoll an. Oh, Verzeihung. Waggon 5, Platz 12.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000437.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "Sie hatten den Bahnsteig erreicht und Fanny war so in Gedanken versunken gewesen, dass sie es nicht gemerkt hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000438.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Neben mir auf dem Gleis wartete der Zug. Ganz vorne stand die riesige schwarze Lokomotive, mehrere Arbeiter waren mit der Wartung beschäftigt, füllten Bremssand, Kohle und Wasser auf und prüften die Funktionstüchtigkeit der Kessel.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000439.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Langsam folgte Fanny dem Gebäckträger, dessen Augen suchend über den langen Zug glitten. »Nummer fünf, hier ist es«, sagte er und wies mit dem Kinn auf einen dunkelgrünen Waggon. Er kletterte die beiden Stufen ins Innere und sprang kaum eine Minute später wieder auf den Bahnsteig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000440.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "Rasch wandte Fanny sich ab und blickte wieder zu dem Jungen. Erst jetzt fiel er auf, dass sein Kind kantig wie bei einem Mann war und auf seinen Wangen ein feiner, heller Pflaum wuchs.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000441.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Wie es sich wohl anfühlt, diesen zarten Pflaum zu küssen? Sie verdrängte die Gedanken an Josefa, stellte sich auf die Zehenspitzen und drückte hastig ihre Lippen auf seine linke Wange. Seine Haut war weich, sogar der Bartpflaum, und zu ihrem Erstaunen errötete er.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000442.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "»Verraten Sie mir auch Ihren Namen?«, fragte er leise. Pfanne schüttelte den Kopf. »Wir sehen uns ja eh nicht mehr wieder.« Sie verabschiedete sich hastig und eilte zu der Bank, auf der Josefa saß.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000443.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Die alte Frau begrüßte Fanny mit empörtem Gesichtsausdruck. »Seit wann busselst du jedes dahergelaufene Mannsbild ab?«, fragte sie missbilligend, kaum das Fanny neben ihr saß.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000444.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "»Er war doch sehr freundlich.« Verstohlen schaute Fanne dem Gebäckträger hinterher, der seine Dienste schon wieder anderen Reisenden anbot. »Ich nenne das nicht freundlich, sondern frech. So wie der dich angeschaut hat, schaut ein richtiger Herr keine Dame nicht an.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000445.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "»Es war doch nur ein Kuss auf die Wange. Eins führt zum anderen und am Ende entsteht aus Leichtfertigkeit der Kind. Denk an deine Mutter. Du wirst doch nicht enden wie sie.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000446.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Sekundenlang starrte Fanny die alte Frau an. Dann sagte sie leise, »Du redest, als wär's ein großes Unglück, dass ich auf der Welt bin.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000447.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Josefa biss sich auf die Lippen. »Das ist es natürlich nicht. Du weißt doch, wie gern ich dich hab, Hascherl.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000448.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Aber dein Vater und deine Mutter, die haben eine Mordstummheit begangen. Und so glücklich ich bin, dass du all die Jahre bei mir warst, hättest du doch lieber eine richtige Familie gehabt. Nicht wahr?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000449.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Sie streckte eine Hand aus und wollte Fannys Wange tätscheln. Doch die junge Frau wich ihr aus. Josefas Worte hatten sie sehr gekränkt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000450.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "»Ich bin im Findelhaus aufgewachsen und weiß nicht, wer meine Mutter und mein Vater sind, aber das macht mich nicht zu einem schlechten Menschen.« »Aber das hat doch auch niemand behauptet, Hascherl.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000451.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "»Doch, sie. Sie halten mich für leichtfertig. Nur weil sie meine Mutter für leichtfertig halten. Dabei wissen's gar nicht, was wirklich passiert ist. Vielleicht hatte sie gar keine andere Wahl, als mich allein zu lassen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000452.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Fanny brach ab, weil sie plötzlich einen dicken Kloß in der Kehle spürte. »Na, na, Haschel, bist du ja nicht allein, du hast doch mich.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000453.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Wieder streckte Josepha eine Hand aus und dieses Mal wich Fanny ihr nicht aus. »Ihr werdet nicht leichtfertig sein«, versicherte sie und sah Josepha einbringlich an. »Niemals!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000454.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "»Jetzt beruhig dich doch. Was sollen denn deine neuen Herrschaften denken, wenn du so aufgeregt bei ihnen ankommst?« Josefa warf einen Blick auf die große, runde Uhr an der Stirnseite der Abfahrtshalle.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000455.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "»In einer Viertelstunde müssen wir Abschied nehmen.« Pfanne lehnte sich an Josefas Schulter. »Ach, Frau Pfeiffer, muss ich denn wirklich nach Budapest?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000456.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "»Jetzt reiß dich zusammen und sei tapfer. Du weißt doch, dass es nicht anders geht. Budapest soll eine wunderschöne Stadt sein. Wie heißt das Fräulein, für das du arbeiten sollst, noch gleich?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000457.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Isabella Kahlmann, hoffentlich verstehe ich mich gut mit ihr, Fanny seufzte. Sie ist schon seltsam, jemandem zu dienen, der kaum älter ist als ich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000458.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "»So darfst nicht denken. Wichtig ist nur, dass du deine Pflicht erfüllst, ob das Fräulein Karlmann nun nett zu dir ist oder nicht. Aber ich war noch nie an der Kammerzoofer, weiß gar nicht, was ich zu tun haben werde.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000459.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "»Du sorgst dafür, dass das gnädige Fräulein immer hübsch aussieht. Das kannst du doch.« Josefa mustete ihren Liebling lächelnd.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000460.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Fanny trug heute ein Sandbarrett zu ihrem Mantel und den feinen Knöpfstiefelchen und sah damit so hübsch aus, dass sie dem jungen Gebäckträger seine Dreistigkeit nicht verübeln konnte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000461.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Ein schriller Pfiff ertönte. Der uniformierte Schaffner lief den Bahnsteig auf und ab und rief, »Bitt schön, alle Passagiere des Expresszuges nach Budapest einsteigen, in 15 Minuten ist Abfahrt!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000462.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Josefa stützte sich auf ihren Stock und erhob sich mühsam. »Pass mir ja gut auf dich auf, Hascherl, und lass sie nicht von dem Mannsbilder ansprechen während der Fahrt. Hörst?« Sie kramte in ihrer Tasche und zog ein flaches Päckchen heraus.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000463.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "»Das ist für unterwegs, damit du mehr nicht verhungerst.« Fannys mutlose Miene hält er sich auf. »Nussschokolade, die mag ich am liebsten. Tausend Dank.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000464.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Lächeln griff Josefa wieder in ihre Tasche und förderte einen braunen Umschlag zutage. »Da drin ist genug für Bahnfahrkarten zurück nach Hause. Pass gut drauf auf und gib's net für irgendwelchen Unsinn aus.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000465.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Sie überreichte Fanny den Umschlag. »Ach, Frau Pfeiffer, wenn Sie so gut zu mir sind, fällt mir der Abschied noch schwerer.« Fanny umarmte die alte Frau unter Tränen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000466.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Ein halbes Jahr hatte sie noch gewartet, dann hatte sie das ganze Geld auf einem fest verzinslichen Sparkonto zu Fannys Gunsten angelegt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000467.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "An ihrem 24. Geburtstag, wenn Fanny volljährig wurde, wollte Josefa ihr das Sparbuch übergeben.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000468.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Sollte sie vorher sterben, hatte sie eine Passage in ihr Testament einfügen lassen, die sicherstellte, dass Fanny bekam, was ihr gehörte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000469.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "Fannis Gedanken wanderten in die Zukunft, nach Budapest und zu ihrer neuen Stelle in der Familie Kahlmann. Sie gelobte sich, dieses Mal alles richtig zu machen. »Ich werde mir Mühe geben«, beteuerte sie Josefa, »fräulein Kahlmann wird keinen Grund zur Klage haben.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000470.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Die alte Frau räusperte sich. »Wir werden uns fest Briefe schreiben, Hascherl, und vielleicht kannst mich ja mal besuchen.« Pfanne nickte heftig. »Ganz bestimmt, Frau Pfeiffer.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000471.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Dabei wussten sie beide, wie unwahrscheinlich das war. Hausangestellte hatten höchstens einen freien Tag pro Woche. Sie mussten ihrer Herrschaft ständig zur Verfügung stehen und konnten von einem längeren Urlaub nur träumen. Wieder ertönte ein lauter Pfiff und die Lokomotive stieß eine schwarze Qualmwolke aus.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000472.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "»Achtung, in fünf Minuten ist Abfahrt für alle Passagiere Richtung Budapest«, rief der Schaffner. Fanny drückte Josefa ein letztes Mal an sich, dann stieg sie ein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000473.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Als der Zug langsam anfuhr, stand sie auf der Plattform und winkte Josefa zu, bis sie die Kleine auf ihren Stock gestützte Gestalt nicht mehr erkennen konnte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000474.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Budapest, 1909 Als Fanny gut vier Stunden später mit ihrem Gepäck aus dem Budapester Westbahnhof trat, stellte sie fest, dass es merklich wärmer war als in Wien.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000475.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Das nassglänzende Pflaster des Vorplatzes zeigte, dass es auch hier kürzlich geregnet hatte. Jetzt aber strahlte die Sonne und am Himmel zeigte sich neben grauen Wolken auch frisches helles Blau.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000476.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Die Direktorin des Sankt-Josefinums hatte mit dem Chef-Butler der Familie Kahlmann vereinbart,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000477.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Wenig später saß sie neben dem älteren Mann, der sich als Andrasch Papp vorgestellt hatte, und fuhr über einen breiten Boulevard.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000478.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Fanny sah neugierig rechts und links auf die großen Geschäftshäuser, eleganten Hotels und prächtigen Adelspalais, die sie an Wien erinnerten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000479.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Doch wenn sie versuchte, Straßennamen oder Ladenschilder zu entziffern, scheiterte sie kläglich. Sie konnte kein Ungarisch und hatte noch nie Worte gesehen, die aus einer so unaussprechlichen Aneinanderreihung von Buchstaben zu bestehen schienen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000480.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Bevor sie überhaupt versuchen konnte, den Sinn zu begreifen, war die Kutsche auch schon vorbeigerollt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000481.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Dafür erhaschte sie einen Blick auf das andere Donauufer, als sie über eine Kreuzung fuhren. Hinter einer Brücke mit Löwenstatuen und massiven Stützpfeilern erhob sich ein grün bewaldeter Hügel mit einer weitläufigen Burganlage.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000482.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "»Wie seltsam«, bemerkte sie, »da drüben ist es hügelig, hier aber brett eben.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000483.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Jenseits von Dona heißt Buddha, hier Pest, meine Stadt wie zwei schöne Schwestern, aber ganz verschieden, bemerkte Andrasch hörbar stolz.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000484.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Das Palais Karlmann war ein zweistöckiges cremeweißes Herrenhaus, das gegenüber des Nationalmuseums an einem kleinen, von Bäumen bestandenen Platz lag.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000485.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Die Fenster der Herrschaft in der am obersten Stockwerk gelegenen Belletage waren besonders groß und mit üppigen Reliefs verziert.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000486.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Eine weit prächtigere Flügeltür, über die die Herrschaften das Haus betraten, hatte sie gesehen, als sie unter dem Torbogen hindurchgefahren waren.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000487.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Im Nordflügel lagen die Wagenremise, Stallungen und ein Unterstand, in dem ein grau lackiertes Automobil parkte, an dem Fanny sofort die silberne, geflügelte Frauenfigur auf dem Kühler auffiel. Ein junger, hemmsärmeliger Mann putzte die Frontscheibe mit einem Schwamm.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000488.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Als er Fanny sah, unterbrach er seine Arbeit und blickte neugierig herüber. »Mein Sohn Ischtvan, er Chauffeur«, erklärte Andrasch, während er Fannys Gebäck ablud.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000489.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Diener bringt Koffer im Zimmer, ich jetzt Pferd abscheren und tu zu Frau Fischer Hausdame. Er zeigte auf die einfache Tür. Erste Zimmer auf Hofseite.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000490.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Fanny betrat einen langen, dunklen Flur mit mehreren Türen auf beiden Seiten und im Durchgang zum Dienstbotentreppenhaus. Bis auf die letzte waren alle geschlossen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000491.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "Von dort hörte sie leise Stimmen. Doch wie Andrasch ihr gesagt hatte, klopfte sie an die erste Tür auf der Hofseite. Eine weibliche Stimme antwortete auf Deutsch,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000492.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "»Ja, bitte?« Pfanne atmete tief durch, rief sich noch einmal all ihre guten Vorsätze in Erinnerung und trat ein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000493.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Durch ein kleines Fenster fiel spärliches Licht. Frau Fischer war eine Frau in mittleren Jahren. Mit stramm zurückgestecktem Haar, das schwarze Kleid hochgeschlossen, saß sie kerzengerade hinter dem Schreibtisch.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000495.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "An der Kommode lehnt ein ebenfalls schon älterer Mann, der den dreiteiligen schwarzen Anzug eines Butlers und ein weißes Hemd trug.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000496.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Beide blickten ihr mit einem Gesichtsausdruck entgegen, den Fanny nicht zu deuten vermochte. Etwas unsicher sagte sie, »Grüß Gott, ich bin die neue Kammerzofe, Fanny Schindler.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000497.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "»Sie sind Fräulein Schindler?« Die Frau hinter dem Schreibtisch zog die dünnen Augenbrauen empor, während sie Fanny von Kopf bis Fuß musterte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000498.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "»Ich habe Ihnen exaktes Gitschief, Herr Wenzel, wenn Sie das Personal telefonisch bestellen.« Fügt es in Richtung des Butlers hinzu. »Eine Frau von hier hätten wir uns vorher anschauen können, aber meine Meinung zählt ja nicht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000499.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "wo doch schon bald die ersten Gesellschaften stattfinden und Rosa gesagt hat, sie kann sich nicht eine ganze Saison um die gnädige Frau und das gnädige Fräulein kümmern.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000500.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "»Dürfte ich bitte erfahren, was Ihnen an mir nicht passt?« Es ärgerte sie, dass Butler und Hausdame sie nicht einmal begrüßt hatten, sondern über sie sprachen, als wäre sie gar nicht anwesend.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000501.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "Frau Fischer erhob sich und trat hinter dem Schreibtisch hervor. Dabei klimperte der dicke Schlüsselbund, den sie an einem Gürtel um die Hüften trug,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000502.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "»Furla sind sie also auch noch,« stellte sie streng fest. »Damit sie es nur gleich wissen. So ein aufgemarscheltes Ding wie sie haben wir uns nicht für das gnädige Fräulein vorgestellt. Wir schätzen hier ein bescheidenes und unauffälliges Auftreten. Wenn sie trotzdem eine Chance bekommen, dann nur, weil die Zeit pressiert.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000503.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Fanny schluckte mühsam eine scharfe Erwiderung herunter. Sie hatte Josefa zwar hoch und heilig versprochen, sich Mühe zu geben, aber musste sie sich deshalb beleidigen lassen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000504.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "»Bitteschön, Frau Fischer, jetzt lassen Sie das Fräulein Schindler doch erst einmal ankommen,« mischte der Butler sich ein. »Vielleicht zeigen Sie uns erst einmal Ihre Zeugnisse.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000505.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Zwei entsprechende Kleider finden sie in ihrem Zimmer. Fahne folgte Frau Fischer mit versteineter Miene zum Aufenthaltsraum der Dienerschaft am Ende des Flures.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000508.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Was erwartete sie schon in einem Haushalt, der sie so unfreundlich empfing? Heimweh nach Wien und nach Josefa überkamen sie, und nur der Gedanke, dass sie die alte Frau nicht schon wieder enttäuschen wollte, hielt sie davon ab, den nächsten Zug zurück nach Hause zu nehmen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000510.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Im Aufenthaltsraum saß fast die gesamte Dienerschaft um einen langen Holztisch, der nicht nur als Ess-, sondern auch als Arbeitsplatz diente.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000511.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Es war ein ruhiger Nachmittag und die Glocken, die in zwei Reihen neben der Tür hingen und mit den Schildern der zugehörigen Zimmer versehen waren, schwiegen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000512.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Der Hausherr befand sich wie meistens in einem seiner wahren Häuser und die Hausfrau war noch nicht von der nachmittäglichen Teestunde bei einer Freundin zurückgekehrt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000513.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Nur das gnädige Fräulein war zu Hause. Die beiden Stubenmädchen, die den Morgen damit verbracht hatten, die Wohnräume der Herrschaft zu putzen, saßen am Tisch, reinigten Silberbesteck und unterhielten sich dabei leise.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000514.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Der Kammerdiener polierte die Schuhe des gnädigen Herrn und ein Diener schärfte Messer mit einem Streichriemen. Auch Andrasch hockte am Tisch und putzte Zaumzeug.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000515.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Nur eine braunhaarige junge Frau hatte ihren Stuhl direkt ans Fenster gerückt, wo das beste Licht herrschte, und stopfte einen seidenen Damenstrumpf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000516.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Danach führte Frau Fischer Fanny in die Küche, wo die Vorbereitungen für das Abendessen bereits in vollem Gange waren. Deshalb blickten weder die beiden Küchenmädchen noch die böhmische Köchin Theresa auf, als Fanny mit Frau Fischer eintrat.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000517.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "»Wie viele Familienmitglieder hat dieser Haushalt?«, fragte Fanny, als sie etwas später hinter Rosa die schmale Dienstbotentreppe hinaufstieg.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000518.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Den gnädigen Herrn, seine Gattin und das Fräulein Isabella. Der junge Herr Maxim wohnt nicht mehr hier. Er ist Offizier bei den 9. Hussaren und dem Pressburg stationiert.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000519.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "»Sind Sie nett?« Rosa hob die Schultern. »Gwiss, solange man alles macht, wie Sie es haben wollen, aber das war bei Ihren früheren Herrschaften sicher nicht anders.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000520.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "»Oh ja«, seufzte Fanny. Rosa lachte und Fanny dachte bei sich, dass sie die junge Frau mochte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000521.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "»Wollen wir nicht du sagen?«, fragte sie. In einem Haushalt, der unter dem strengen Regiment von Frau Fischer stand, konnte es nicht schaden, eine Freundin zu haben.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000522.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Einverstanden. Aber eines sollst wissen.« Rosa blieb auf der Stufe über Fanny stehen und sah ihr in die Augen. »Der Kordel, der gehört mir. Von dem lasst die Finger. Hörst?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000523.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "»Mach dir keine Sorgen«, versicherte Fanny. »Sie wollte ja bei dieser Stellung alles richtig machen, und dazu gehört es sicher nicht, eine Liebschaft mit dem blassen, ein wenig spitzbäuchigen Gspusi von Rosa anzufangen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000524.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Im Gegensatz zu den Schlafräumen der männlichen Diener, die sich im ersten Stock befanden, waren die Kammern der weiblichen Hausangestellten unter dem Dach untergebracht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000525.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Nur Herr Wenzel und Frau Fischer hatten jeweils eine eigene kleine Wohnung in der ersten Etage. »Wir betreten nun die Jungfrauenetage«, Roser zwinkerte Fanny zu und öffnete die Tür, die vom Treppenhaus auf den Flur führte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000526.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Lass dich nur ja nie von der Fischerin oder Herrn Benzler wischen, wenn du Herrn Besuch hast. Dann fliegst nämlich gleich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000527.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "»Dein Kammer liegt neben meiner. Es ist nichts Besonderes. Aber immerhin hat der gnädige Herr im letzten Jahr in allen Dienstbotenzimmern elektrisches Licht und fließendes Wasser installieren lassen. Sogar eine Toilette mit Wasserspülungkammer am Ende des Ganges.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000529.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Fanny trat hinter Rosa in das Zimmer. Hier war es genauso kalt wie auf dem Flur, denn es gab keine Heizung. Dafür würde es im Sommer wahrscheinlich unerträglich heiß und stickig unter dem Dach werden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000530.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "Ihre neue Unterkunft war klein. Mehr als ein Bett mit einer dünnen Matratze, ein Schrank, eine Kommode und ein Waschbecken passten nicht hinein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000531.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Irgendjemand hatte ihren Koffer und die Nähmaschinenkassette vor dem Schrank abgestellt. Auf dem frisch bezogenen Bett lag ihre Dienstuniform.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000532.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Zwei triste schwarze Kleider, denen Fanny auf den ersten Blick ansah, dass sie steif, unbequem und ohne jeden schick waren, genau wie die ausgedrehten Schuhe vor dem Bett.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000533.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Du hast eine Nähmaschine?« stellte Rosa fest und musste neugierig die Holzkassette. »Jetzt verstehe, wieso du so fesch ausschaust. Du nähst dir deine Sachen selbst, nicht wahr?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000534.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "Während Fanny ihr Sandbarrett abnahm, ihren Mantel auszog und beides an einen Haken auf der Rückseite der Tür hängte, setzte Rosa sich aufs Bett.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000535.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "»Ich freue mich schon auf das Gesicht der Fischerin, wenn sie sieht, dass du die Kleider verändert hast,« stellte sie fest und wippte mit den Füßen. »Jetzt beeil dich. Wir sollten Fräulein Isabella nicht warten lassen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000536.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "Fanny rückte die Schleife am Kragen ihrer Bluse zurecht und glättete ihren Rock. »I bin fertig.« »Du ziehst dich nicht um?« fragte Rose erstaunt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000537.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Ich stelle mit dem gnädigen Fräulein bestimmt nicht in einem Kleid vor, das vorn und hinten nicht passt«, erwiderte Fanny, »und diese grässlichen Dinger werde ich auch nicht anziehen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000538.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Sie beförderte die ausgedrehten Schuhe, die einer ihrer Vorgängerinnen gehört hatten, mit einem Tritt unters Bett. Plötzlich fiel er wieder ein, was sie Josefa versprochen hatte, und sie fragte unsicher,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000539.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "»Oder glaubst du, sie nimmt mich nur, wenn ich wie ein Vogelscheuche ausschaue?« Rosa lachte. »Glaub mir, sie wird es mögen, wenn du so hübsch wie jetzt ausschaust.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000540.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "»Wir meinst'n das?« fragte Fanny erstaunt, aber Rosa stand schon auf dem Flur. »Bist so weit.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000541.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Rosa drehte sich um und lächelte der Pfanne über die Schulter zu. Als Pfanne stumm nickte, klopfte sie an Isabella Kahlmanns Tür.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000542.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "»Herein«, rief eine dunkle, melodische Stimme. Rosa öffnete die Tür und trat ein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000543.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Als die beiden jungen Frauen eintraten, drehte sie sich um, und Fanny stellte schockiert fest, dass sie ihren Morgenrock so nachlässig gebunden hatte, dass er nicht nur Isabellas spitzenbesetzte Smida und die Ansätze der vollen Brüste zeigte, sondern auch unterhalb der Taille auseinanderfiel und ihre nackten Beine entblößte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000544.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "»Gnädiges Fräulein, darf ich Ihnen Fanny Schindler vorstellen?« Isabella warf ihr langes schwarzes Haar über eine Schulter zurück und musste der Fanny.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000546.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Langsam wanderten ihre blauen Augen von Fannys Gesicht abwärts über ihre Bluse und den Rock bis zu den Knöpfstiefelchen, und gerade als Fanny sich beklommen fragte, ob diese gründliche Musterung ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war, sagte Isabella,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000547.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "»Hat Frau Fischer kein Kleid für dich zurechtgelegt?« Sie sprach Deutsch, aber in Fannis Ohren klang es trotzdem fremdartig, denn als Ungarin rollte sie das R beim Sprechen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000548.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Zwei sogar, sagte Fanny beherzt, aber sie passen mir nicht. Ich möchte zum Erlaubnis bitten, ein paar Änderungen daran vorzunehmen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000549.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "»Im Grunde kannst du mit den Fetzen anstellen, was du willst«, erwiderte Isabella wegwerfend, »aber zuerst möchte ich deine Fähigkeiten als Zofe kennenlernen.« »Natürlich, gnädiges Fräulein«, Fanny knickste.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000550.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Isabellas volle rosigen Lippen öffneten sich zu einem leichten Lächeln. »Gut, dann hilf mir jetzt, mich für das Abendessen anzukleiden.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000551.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Meine Eltern erwarten Gäste, Geschäftspartner meines Vaters mit ihren Frauen, deshalb darf die Garderobe festlich sein. Du kannst gehen, Rosa, meine Mutter erwartet dich bestimmt schon.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000552.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "»Gern, gnädiges Fräulein«, Rosa knickste. Bevor sie davonhuschte, wisperte sie Fanny noch zu, »Gern, gnädiges Fräulein«,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000553.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "»Viel Erfolg!« Isabella stand auf. »Komm, Fanny«, zeigete ihr mein Ankleidezimmer. Sie schlüpfte in ihre Pantöffelchen und ging zu einer Tür neben dem Kamin, öffnete sie und drehte das Licht an.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000554.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "»Ich bin neugierig, was du aussuchen wirst.« Sie ließ Fannyern sich vorbei in einen Raum, der gut und gerne dreimal so groß wie Fannys Schlafkammer unter dem Dach war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000555.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "In der Raummitte stand eine große Kommode mit mehreren Schubladen, in denen Fanny Handschuhe, Fächer, Wäsche und Strümpfe vermutete.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000556.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "»Wie kann eine einzelne Frau nur eine solche Menge Kleid absitzen?« dachte sie halb verblüfft, halb neidisch. Langsam ging sie vor der Kleiderstange mit den Abendruben auf und ab.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000557.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Jeder war märchenhaft schön und kostbar. Hatte sie eine entdeckt, die ihr für den Anlass genau richtig erschien, sah sie gleich daneben eine andere, die noch passender wirkte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000558.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Sie drehte sich zu Isabella. »Was halten Sie davon?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000559.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Dieses Kleid ist ganz neu. Es wurde nach Vorbildern eines Pariser Côtiers namens Paul Poré gefertigt, und ich habe es noch nicht getragen. Aber ich glaube, heute Abend wäre tatsächlich der richtige Zeitpunkt,« erwiderte Isabella nachdenklich. »Welchen Schmuck schlägst du vor?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000560.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Fanny sah sie unsicher an. Mit Schmuck kannte sie sich nicht besonders gut aus. Sie dachte an die Schmuckstücke, die sie in den Schatullen ihrer früheren Dienstherrinnen gesehen hatte und erwiderte unsicher,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000561.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "»Perlen? Eine gute Wahl.« Isabella klang zufrieden. »Ich besitze ein Perlenhalsband, das ich tragen werde.« Sie wandte sich zum Gehen. »Bring noch Stürmpfe mit. Sie sind in der Kommode«, rief sie über die Schulter.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000562.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Fanny sah ihr verstohlen nach, wie sie sich anmutig auf eine kleine Bank am Fußende des Bettes setzte und ihre Pantöffelchen abstreifte und dachte, dass sie noch nie eine so schöne Frau gesehen hatte wie Isabella Karlmann.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000563.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Sie suchte in der Kommode ein paar Strümpfe und fand dabei eine lange, blau schillernde Feder in einer Schublade mit Haarschmuck, die sie ebenfalls mitnahm.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000564.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Isabella lächelte ihr entgegen. Sie hatte auch ihren Morgenrock ausgezogen und achtlos aufs Bett geworfen. Ihre üppigen Brüste wurden vom Korsett hochgedrückt, ihre Talie war ganz schmal, die Hüften jedoch gerundet, und ihre Haut schimmerte sahnig weiß.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000565.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "»Wangen wir mit den Strümpfen an«, sagte sie und streckte Fanny eines ihrer langen, schlanken Beine entgegen. Fanny kniete nieder und rollte den ersten Strumpf behutsam über Isabellas Fuß.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000566.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Ihren früheren Herrschaften war sie nie so nahe gekommen, vor allem nicht, wenn sie so wenig anhatten wie Fräulein Isabella. Außerdem widerstrebte es ihr, vor einem anderen Menschen auf dem Boden zu knien.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000567.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "Aber das gehört wohl zu meinen Aufgaben als Kammerzofer, dachte sie, während sie den Strumpf Isabellas Schenkel emporrollte. Als sie ihn am Strumpfgürtel befestigen wollte, fiel ein Schatten über ihr Gesicht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000568.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Isabella hatte sich vorgebeugt und sah ihr in die Augen. »Was für kleine Hände du hast«, sagte sie leise und legte die Finger ihrer Rechten leicht über Fannis. Und so eine zarte Haut...", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000569.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Fanny senkte den Blick. Die Berührung war nicht unangenehm, trotzdem fühlte sie sich ungewohnt, ja verkehrt an. Vorsichtig zog sie ihre Hand unter Fräulein Kahlmanns Fingern hervor und befestigte das Strumpfband am Halter.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000570.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "Isabella sagte nichts, aber ihre Augen ließen Fanny nicht los. Eine halbe Stunde später war Isabella fertig angekleidet und betrachtete sich in einem großen Spiegel, der an der Innenseite der Tür zum Ankleidezimmer angebracht war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000571.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "In dem silbrigen Gewand mit der blauen Spitze sah sie fremdartig und exotisch aus. Das schwarze Haar hatte Fanny mit dufternder Pomade gekämmt und dem Nacken zu einem weichen Knoten gewunden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000572.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Der Haarschmuck bestand aus einem schmalen Stirnband, in das sie die blaue Feder gesteckt hatte, und die Perlen leuchteten auf Isabellas makelloser Haut.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000573.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "»Das hast du sehr gut gemacht«, stellte Isabella mit einem koketten Lächeln auf ihr Spiegelbild fest. »Ich möchte dich sehr gerne als meine Kammerzufe behalten. Bist du einverstanden?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000574.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Fanny schoss das Blut in die Wangen. Sie wollte etwas sagen, aber sie fand keine Worte. Isabella trat einen Schritt vor, sodass sie ganz dicht vor Fanny stand. »Wie alt bist du eigentlich, meine hübsche kleine Fanny?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000576.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Zu Weihnachten werde ich zwanzig«, murmelte Fanny. »Da sind wir fast gleich alterig«, stellte Isabella erfreut fest. »Ich bin im September zwanzig geworden.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000577.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Langsam hob sie eine Hand und streichelte ganz leicht mit der Spitze ihres Zeigefingers Fannys Mundwinkel. »Was denkst du, Fanny? Wäre es nicht schön, wenn wir Freundinnen werden?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000578.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Fanny schwieg, tödlich verlegen und verwirrt. Bevor sie ihre erste Stellung angetreten hatte, hatte Josepha sie gewarnt, dass höchste Vorsicht geboten war, wenn der Herr des Hauses begann, einer Hausangestellten Komplimente zu machen oder sie zu berühren.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000579.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "»Das heißt nix anderes, als dass er dich verführen will. Dem darfst net nachgeben, wenn du dich net in höchste Schwierigkeiten bringen willst«, hatte sie Fanny eingeschärft.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000580.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Von Gnädigen, die ihren weiblichen Hausangestellten Komplimente machten und sie berührten, hatte Josephe allerdings nichts gesagt. In diesem Moment schlug die Uhr auf dem Kamin Sims.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000581.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "»Du meine Güte, so spät schon«, rief Isabella, »höchste Zeit, dass ich hinuntergehe und die Gäste begrüße.« Sie eilte zur Tür, ohne Fanny noch weiter zu beachten, und war gleich darauf verschwunden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000582.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Liebe Norman starrte Fanny auf die geschlossene Tür. Sie wusste, sie sollte froh und dankbar sein, weil sie die Stellung als Kammerzofe bekommen hatte, doch diese erste Begegnung mit ihrer neuen Dienstherrin war recht seltsam verlaufen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000583.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "»Aber vielleicht bilde ich mir das ja auch ein«, dachte sie ratlos. Bei ihren früheren Dienstverhältnissen hatte sie immer gestört, dass die Gnädigen sie spüren ließen, dass sie gesellschaftlich haushoch über ihr standen. Jetzt war sie misstrauisch, weil Fräulein Kahlmann sie nicht so behandelt hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000584.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Sie bückte sich und nahm Isabellas Morgenrock vom Bett. Die Seide fühlte sich glatt und kühl an. Sie konnte den Duft von Isabellas Parfüm darin riechen, der rätselhaft und faszinierend war, wie Isabella selbst.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000585.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "»Bestimmt wollt sie einfach nur nett sein«, dachte Fanny, während sie den Morgenrock ins Ankleidezimmer trug und über einen Bügel hängte. »Sie hat mir sogar erlaubt, mit diesem schrecklichen Zofenkleid zu machen, was ich will.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000586.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Sie stellte noch Isabellas Pantöffelchen nebeneinander vor das Bett und rückte den Hocker vor dem Frisiertisch gerade. Dann verließ sie das Zimmer ebenfalls.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000587.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Am Abend war der Aufenthaltsraum der Dienerschaft voller Menschen. Wenn die Hausherren Gäste bewirteten, wurde es für ihre Angestellten in der Regel sehr spät, bis sie zu Bett gehen durften. Lediglich die beiden Stubenmädchen schliefen schon in ihren Kammern unter dem Dach.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000588.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Dafür begann ihr Tag auch besonders früh, weil sie lange vor allen anderen aufstehen mussten, um die Wohnräumer der Herrschaft zu putzen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000589.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Aus der an den Aufenthaltsraum angrenzenden Küche strömten köstliche Düfte, Topfdeckel klapperten und Theresa kommandierte die Küchenmädchen herum, damit jeder Gang genau dann serviert wurde, wenn die Herrschaften es wünschten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000590.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Herr Wenzel sorgte dafür, dass die passenden Weine bereitstanden und kontrollierte, zu Theresas Ärger, jede Platte, bevor sie ins Esszimmer durfte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000591.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "Die beiden Chauffeure der Gäste saßen mit Frau Fischer, Rosa und Karl am Tisch, rauchten und vertrieben sich die Zeit damit, mit den technischen Finessen der Automobile ihrer Herrschaften zu prallen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000592.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Nur Fanny fehlte. Sie war gleich nach dem gemeinsamen Abendessen der Dienstboten verschwunden und noch nicht wieder aufgetaucht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000593.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "»Wo bleibt denn nur, Fanny?«, fragte Frau Fischer und blickte zum wiederholten Male mit gerunzelter Stirn zur Tür. Sie schätzte es nicht, wenn sie nicht wusste, wo die eher unterstellteten Bediensteten steckten oder womit sie sich gerade beschäftigten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000594.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Rosa, die neben ihrem Liebsten saß und müde den Kopf auf seine Schulter gelegt hatte, antwortete, »Sie wollte etwas aus ihrer Kammer holen und gleich wieder zurück sein.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000595.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "»Gleich scheint bei Fanny ein dehnbarer Begriff zu sein. Sie ist schon eine halbe Stunde weg«, bemerkte die Hausdame. »Hoffentlich ist dir klar, dass sie noch von Fräulein Isabella gebraucht wird.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000596.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "»Davon gehe ich aus«, murmelt der Rosa und unterdrückte ein Gähnen. »Sie ist ja nicht dumm.« »Ich verbiete mir Frechheiten«, kam es streng von Frau Fischer.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000597.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Karl, der im Pester Lloyd, die Berichte des letzten Renntages auf der Budapester Trabrennbahn studiert hatte, mischte sich ein. »Jetzt lassen's, mein Schatzel, in Ruhe. Sie ist doch nettes Kindermädchen von unserer neuen Zofe.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000598.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Demonstrativ legte er einen Arm um Rosas Schultern und zog sie an sich. Frau Fischer schnaubte ungehalten, aber bevor sie etwas sagen konnte, ertönte ein ärgerlicher Ausruf von Franz, der schon den ganzen Abend mit Tabletts voller Speisen oder schmutzigem Geschirr Treppauf-Treppab flitzte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000599.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "»Kruzinessa, bist blind, fast hätte ich den Tafelspitz fallen lassen.« »Entschuldigung, ich hab dich nicht gesehen.« Fanny, die gerade durch die Tür wollte, wich im letzten Moment einem Zusammenstoß aus.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000600.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "In der einen Hand schleppte sie die Kassette mit ihrer Nähmaschine und in der anderen eine Papiertüte, in der sie Nähzeug und Stoffreste transportierte. Die ungeliebten Zofenkleider hingen über ihrem Arm. Sie hatte die Seitennähte in ihrer Kammer abgesteckt. Nun konnte sie es kaum erwarten, sich an die Nähmaschine zu setzen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000601.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Alle Anwesenden drehten sich um und einer der beiden Chauffeure sprang von seinem Stuhl auf. »Hoppla, Puppel, dass du nicht überhebst!« Er eilte zu Fanny und nahm ihr die Kassette ab. »Mäh, das ist schwer für ganz Puppel wie dich. Was hast da drin? Goldbarren?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000602.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "Er zwinkerte ihr zu. Lachend schüttelte sie den Kopf. »Meine Nähmaschine, wenn Sie so nett wären, Sie dort auf den Tisch zu stellen«, sie zeigte auf den freien Platz neben Rosa. Der Mann blickte ihr tief in die Augen. »Magst nicht lieber neben mir sitzen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000603.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "»Das langt«, Frau Fischer klopfte mit der flachen Hand auf die Tischplatte. Der Chauffeur stellte die Holzkassette neben Rosas Platz und zog dabei eine lustige Grimasse, sodass Pfanne den Kopf zur Seite drehte, um ihr Lachen vor der erregten Hausdame zu verbergen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000604.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Frau Fischer blickte misstrauisch von der Nähmaschine zu den schwarzen Kleidern. »Was soll das werden, Fanny?« »Die Kleider sind mir zu weit, und das gnädige Fräulein hat mir erlaubt, sie zu ändern.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000605.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Fanny legte die Kleider auf den Tisch. Dabei achtete sie darauf, sich nicht an den vielen Stecknadeln zu stechen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000606.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "»Mach es nur richtig eng, damit es gut an deiner hübschen Figur sitzt, Bubberl«, bemerkte der Mann, der mit der Nähmaschine geholfen hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000607.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Der Mann hob abwehrend die Hände. Frau Fischer drehte sich zu Fanny. Kommen Sie morgen früh in mein Dienstzimmer, damit wir Fräulein Isabellas Einladungen für die nächsten Monate durchgehen können. Eine Menge Aufgaben warten auf Sie.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000609.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "»Sehr wohl«, antwortete Fanny gleichmütig. Sie war so erleichtert, dass sie die Stelle als Tofe bekommen hatte, dass sie sich nicht einmal über das Gehabe der Hausdame ärgerte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000610.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Sie richtete ihre Nähmaschine ein und bald mischte sich das gleichmäßige Rattern mit den Stimmen der Anwesenden und den Geräuschen aus der Küche. Es dauerte nicht lange, bis sie fertig war und ihr Werk prüfend betrachtete.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000611.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Das schaut doch schon viel besser aus, stellte sie zufriedenfest. Nur noch der Kragen und die Manschetten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000612.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Sie legte die Kleider beiseite und wühlte in ihrer Tüte. Was hältst du denn davon? Sie gab Rosa, die ihr interessiert zusah, ein Stück weiße Baumwolle.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000613.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "»Das ist doch viel zu weich«, sagte Rosa zweifelnd. »Net, wenn ich den Kragen und den Manschetten wie Valence arbeite«, erklärte Fanny. »So.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000614.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Sie legte ein kleines Stück Stoff in gleichmäßigen Falten, wie sie sich es vorstellte. »Das könnte tatsächlich sehr schick ausschauen«, nickte Rosa. »Wenn's magst, helfe da!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000615.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Ihre Müdigkeit war vergessen. Während die beiden jungen Frauen gemeinsam die Teile ausmaßten und zuschnitten, unterhielten sie sich halblaut über ihre Erfahrungen in früheren Haushalten. Rosa erzählte, dass sie oft Heimweh nach ihrer Familie in Graz hatte und Fanny berichtete von ihrem Leben in Wien.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000616.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Aber als Rosa nach ihrem Elternhaus fragte, sagte sie nur, dass ihre Eltern schon lange tot waren und dass sie bei einer alten Tante aufgewachsen war. Die Jahre im Findelhaus verschwieg sie.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000617.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Es war keine schlechte Zeit gewesen, doch darüber zu sprechen hätte bedeutet zuzugeben, dass sie ihre Eltern nicht kannte und dass ihre eigene Mutter sie nicht genug geliebt hatte, um sie zu behalten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000618.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Diese Erkenntnis schmerzte Fanny so sehr, dass sie nicht einmal darüber nachdenken wollte. Die Unterhaltung wechselte zu Fannys neuen Dienstherrn.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000619.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "»Stört's dich, dass die Kahlmanns Juden seien?«, fragte Rosa, während sie einen Kragen mit Stecknadeln an den Ausschnitt heftete.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000620.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "War es schwierig, eine Kammerzofe für Fräulein Isabella zu finden, weil sie Jüdin ist? Wollte Fanny wissen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000622.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "»Ist dir nicht aufgefallen, dass Fräulein Isabella nicht wie andere Dienstherrinnen ist?« fragte Rosa leise und beugte sich tief über ihre Näharbeit.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000623.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "Fanny ließ die Manschette sinken, die sie gerade an einem Ärmel feststecken wollte, und schaute sie groß an. »Na komm schon«, drängte Rosa, »tu net so, als wüsstest du net, was ich mein. Ich hab doch gemerkt, wie sie dich angeschaut hat. Du g'fallst dir.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000624.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "»Ich weiß nicht, was du damit meinst«, murmelte Fanny, obwohl Fräulein Isabellas Berührungen und Komplimente ihr noch genau im Gedächtnis waren.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000625.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "»Affern, Elaine«, flüsterte Rosa, »bist wirklich so grün hinter den Ohren oder tust nur so? Ich geh jede Wette ein, dass das Fräulein Isabella mit dir geflirtet hat, kaum dass ich aus dem Zimmer war.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000626.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "Deshalb sind alle deine Vorgängerinnen nach kurzer Zeit wieder gegangen. Sie waren nett wie Fräulein Isabella. Was ist mit dir? Magst du Fräulein Isabella?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000627.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "»Bist du übergeschnappt?« platzte Fanny heraus. Alle im Raum drehten sich um und starrten sie an. Sogar Karl sah von seinen Rennergebnissen auf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000628.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Wenn sie ganz ehrlich war, verspürte sie sogar Neugier, wie ihre nächste Begegnung mit dem gnädigen Fräulein verlaufen würde. Herausfordernd wandte sie sich an Rosa.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000629.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "»Sag du mir lieber, ob du sie magst, obwohl du deinen Kadel hast.« »Ich bin da völlig unempfindlich. Mir gefällt nur mein Kadel.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000630.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "behauptete Rosa. »Mit mir hat sie auch gar nicht geflirtet. Wahrscheinlich hat sie Angst, dass mein Schatz sich beim gnädigen Herrn beschwert.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000631.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Frau Fischer klappte ihr Haushaltsbuch zu und warf einen Blick auf die Uhren der Wand. »Fanny, Rosa, die Bettende Herrschaften können aufgedeckt werden. Das Essen wird bald vorbei sein. Und von Ihnen, Fanny, erwarte ich, dass Sie ihr Durcheinander hier noch zusammen glauben, bevor Sie schlafen gehen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000632.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "Fanne nickte nur. Dann lief sie hinter Rosa her. Sie war aufgewühlt und vollkommen verwirrt. »Fräulein Isabella sollte mit ihr geflirtet haben?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000633.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "»Das kann doch nur ein ausgemachter Schmarrn sein«, dachte sie, »eine Frau, die mit einer anderen Frau flirtet, so etwas gibt's doch gar nicht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000634.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Budapest 1910 Guten Morgen, gnädiges Fräulein. Haben Sie gut geschlafen?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000635.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "Als Fanny um Punkt 8 Uhr mit einem Tablett Isabella Karlmanns Zimmer betrat, brannte bereits die Lampe auf dem Nachttisch. Isabella saß aufrecht in den Kissen, in ein Buch vertieft.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000636.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Sie war keine Langschläferin, aber sie liebte es, vor dem Frühstück einen Kaffee im Bett zu trinken. »Danke, ich habe sehr gut geschlafen. Du auch, Fanny?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000637.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Oder hast du wieder die halbe Nacht an der Nähmaschine gesessen? Sie klappte ihr Buch zu, legte es auf den Nachttisch und lächelte ihrer Kammer zu verfreundlich entgegen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000638.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Dass Fanny schöne Kleidung liebte und sehr gerne und gut nähte, war inzwischen im ganzen Haushalt bekannt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000639.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Isabella hatte ihr schon einige abgelegte Tageskleider geschenkt, die Fanny für sich umgearbeitet hatte, aber auch für Rosa, Reka und Esther hatte sie bereits Kleider geändert.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000640.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Und letzte Woche war sogar Frau Fischer bei ihr gewesen und hatte gefragt, ob Fanny ihr einen neuen Kragen an eine Bluse nähen könne. Trotz der etwas holprigen ersten Begegnung verstanden die beiden Frauen sich inzwischen recht gut.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000641.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Fahne hielt sich mit aufsässigen Bemerkungen zurück, wenn das strenge Regiment der Hausdame ihr auf die Nerven ging. Frau Fischer wiederum war erleichtert, dass die langwierige Suche nach einer Kammerzofe für Fräulein Karlmann nun beendet war, auch wenn sie das der kleinen Schindler gegenüber nie zugegeben hätte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000642.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "Fanny hatte sich in den letzten dreieinhalb Monaten gut im Haushalt der Karlmanns eingelebt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000643.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Am nächsten Morgen, Fannys Geburtstag, hatte sie noch einmal Geschenke von der Herrschaft bekommen, warme Hausschuhe, Handschuhe und einen Schal und von Isabella eine schöne Haarspange.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000644.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Die Hausangestellten hatten einen Kuchen gebacken und ein Ständchen gesungen und Fanny hatte zum ersten Mal das Gefühl gehabt, in diesem Haushalt heimisch werden zu können.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000645.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Lediglich Isabellas Bruder Maxim war sie noch nicht begegnet. Zu Weihnachten hatte er Dienst bei seinem Regiment gehabt und Silvester mit Freunden in Wien gefeiert.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000646.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Fahne ging zum Nachttisch und stellte das Tablett vorsichtig darauf ab. »Ich habe Rosa gestern Abend mit ihrem Kostüm geholfen. Sie will morgen doch mit ihrem Keul zum Faschingsball in die Redoute.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000647.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Die Redout war in großer Festsaal in Donaunähe auf der Pesterseite der Stadt. Fanny streckte die Hand nach der kleinen silbernen Kanne aus, um Kaffee einzugießen, aber Isabella hielt sie zurück.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000648.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "»Lass nur, Fanny. Ich schätze es wirklich, wenn du mich umsorgst. Aber wir wollen es nicht übertreiben.« »Wie Sie wünschen, gnädiges Fräulein.« Fanny knickste und ging zum Fenster, um die Vorhänge aufzuziehen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000649.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Es gefiel ihr, dass das gnädige Fräulein sich nicht von vorne bis hinten bedienen ließ, wie so manche ihrer früheren Herrschaften.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000650.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Gut gelaunt winkte sie dem Alten zu, der wie jeden Morgen zur Dämmerstunde durch die Straßen des Viertels zog und die Gaslaternen löschte. Atemwolken entwichen ihm aus Mund und Nase,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000651.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Seit Weihnachten lag Schnee und draußen war es bitterkalt. »Wissen schon, was heute Vormittag anziehen werden, gnädiges Fräulein?« fragte Fanny.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000652.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "In ihren früheren Haushalten hatte sie gelernt, dass die Kleidung einer Dame dem Anlass entsprechend mehrmals täglich nach festen Regeln gewechselt wurde.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000653.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Isabella nahm einen Schluck Kaffee und lehnte sich in den Kissen zurück. »Mach du mir einen Vorschlag.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000654.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Fanny hatte immer eine ausgefallene Idee, die Isabella zum glänzenden Stern auf den vielen Bällen, Empfängen, Tanztees und Schlittenpartien machte, mit denen die Budapester Gesellschaft sich während der Wintermonate die Zeit vertrieb.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000655.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Ich schlag das neue Wollkleid mit dem grünen Schottenmuster vor, sagte Fanny. Isabella nickte abwesend. In Gedanken hatte sie bereits das Thema gewechselt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000656.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "»Gehst du auch mit deinem Schatz in die Retout?«, wollte sie wissen. »Nein«, erwiderte Fanny und öffnete die Tür zum Ankleidezimmer. »Ich habe mich nicht um mein Kostüm gekümmert, und einen Schatz habe ich auch nicht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000657.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "»Du schwindelst doch. So ein hübsches Ding wie du hat bestimmt keine Schwierigkeiten, Tanzpartner zu finden. Hab ich recht?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000658.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Das hatte Rosa auch gesagt, und tatsächlich hatte Ischdwan, der Sohn des Chauffeurs, Pfanne in die Redout eingeladen, aber sie hatte keine Lust gehabt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000659.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Am Samstagabend, wenn sie frei hatte, war sie ein paar Mal mit Ischtwan Rosa und Karl ins Orpheum gegangen, einen Tanzpalast in der Nähe des Volkstheaters.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000660.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Hier verkehrte viel Künstlervolk, Zigeunerkapellen spielten zum Tanz auf, es wurde getrunken, gelacht und bis in den Morgenstunden getanzt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000661.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "All das hatte Fanny großen Spaß gemacht. Weniger gut gefallen hat ihr, dass Ischtwan später am Abend zudringlich geworden war und sie mit seinem nach Bier stinkenden Atem küssen wollte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000662.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "»Vorne an der Kleiderstange hängen zwei Leinensäcke«, sagte Fanny, als sie mit Isabellas Schottenkleid wieder aus dem Ankleidezimmer trat. »Ist da das Kostüm für den Maskenball heute Abend in der Oper drin?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000663.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "»Bevor ich dir deine Frage beantworte, meine kleine Fanny, musst du mir erst auf meine Frage antworten«, erwiderte Isabella. Fanny legte das Schottenkleid über eine Sessellehne.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000664.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "»Istwan hat gefragt, ob ich mit ihm ausgehe, aber ich mag nicht.« »Du hast ihm also einen Korb gegeben?« »Ehrlich gesagt passt mir das gut, denn ich habe noch eine Überraschung für dich.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000665.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Fanny sah Isabella neugierig an, doch die lächelte nur und goss sich noch einmal Kaffee ein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000666.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Nach ihrer ersten Begegnung hatte Isabella sich mit vertraulichen Berührungen und zweideutigen Bemerkungen zurückgehalten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000667.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Trotz ihrer Schönheit und ihres selbstsicheren Auftretens war Isabella tief in ihrem Herzen einsam.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000668.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Allerdings wagte sie nur noch selten, ihr Innerstes zu offenbaren. Sie war oft zurückgewiesen worden, wenn sie ihre Gefühle gezeigt hatte. Manche der Frauen hatten auch mit Abscheu reagiert. Sie hatte zwar einige Geliebte gehabt, aber alle hatten die Verbindung nach kurzer Zeit aus Angst vor Entdeckung abgebrochen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000669.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Nun wollte Isabella es anders anfangen. Sie wollte Fannys Freundschaft gewinnen und sie dann langsam mit dem Gefühl vertraut machen, dass zwei Frauen sich gegenseitig genauso viel Liebe geben konnten wie ein Mann und eine Frau.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000670.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Fannis sollte ihr Herz an sie verschenken, weil sie selbst es so wollte. Dann, so hoffte Isabella, würde die junge Frau sie auch nicht gleich wieder verlassen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000671.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Sie ahnte nicht, was Rosa Fanny erzählt hatte und wusste genauso wenig, dass Fanny dieses Gespräch noch immer durch den Kopf ging. Manchmal, wenn Fanny spätabends in dem schmalen Bett in ihrer Kammer lag und trotz ihrer Müdigkeit nicht schlafen konnte, weil das Heimweh sie plagte, schweiften ihre Gedanken zu Isabella.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000672.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Und sie fragte sich, wie es sich wohl anfühlte, von Isabellas vollen rosigen Lippen geküsst zu werden. Isabella stellte ihre Kaffeetasse auf die Nachtkonsole, rutschte aus dem Bett und lief zu Fanny.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000673.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "»Soll ich dir zeigen, was in den Kleidersäcken ist?« Ohne die Antwort abzuwarten, nahm sie Fannys Hand, zog sie hinter sich her ins Ankleidezimmer und knöpfte den ersten Sack auf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000674.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "»Jesus, Maria«, rief Fanny, »dieses Kostüm wollen Sie heute Abend anziehen?« Isabella nickte etwas angespannt. »Gefällt es dir?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000675.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "»Sehr gut sogar, aber es erfordert Mut, so was zu tragen.« Isabelle hatte sich das Kostüm eines Cousaren ausgesucht. Es bestand aus einem Dreispitz, einem weiten, weißen Hemd mit einer offenen Weste und roten Pluderhosen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000676.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "Außerdem gehörten Lederstiefel dazu, ein derber Gürtel, an dem die täuschend echt wirkende Attrappe eines Degens hing, und eine schwarze Maske, um das Gesicht zu verbergen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000677.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "»Ich wusste, dass ich mich auf dein Urteil verlassen kann,« rief Isabella erleichtert. »Mein Haar werde ich unter einem Tuch verstecken, dann setze ich noch den Dreispitz und die Maske auf, und niemand wird mich erkennen.« Sie kicherte. »Kannst du dir vorstellen, wie ich als Mann aussehen werde?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000678.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Fanny musterte sie lange. »Ich kann's mir sehr gut vorstellen«, zu ihrem Erstaunen errötete Isabella. »Ich möchte dir jetzt meine eigentliche Überraschung zeigen«, sagte sie und öffnete den zweiten Kleidersack.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000679.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Fannis Augen wurden weit. »Oh«, hauchte sie, »ist das schön!« In dem zweiten Sack steckte ebenfalls ein Kostüm.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000680.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Das Kleid war aus glänzendem dunkelrotem Brokatstoff mit einem weiten Rock, engen Ärmeln, die bis zum Ellbogen reichten, und einem spitzenverzierten Mieder.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000681.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "»Es ist das Kostüm einer Dame am französischen Königshof, so wie es vor 150 Jahren dort getragen wurde«, erklärte Isabella. »Wie findest du es?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000682.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "»Fantastisch«, erwiderte der Fanny atemlos. »Aber wer wird es anziehen?« »Du.« »Ich? Wie meinen sie das?« Isabella schloss den Karton wieder und richtete sich auf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000683.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "»Möchtest du mich auf den Maskenball in der Oper begleiten?« fragte sie feierlich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000684.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "Fanny starrte sie sprachlos an. Sie verstand nicht, warum das gnädige Fräulein ausgerechnet mit seiner Kammerzofe, den elegantesten aller Budapester Faschingsbäller, besuchen wollte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000685.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Schau mich doch nicht so entsetzt an«, rief Isabella, »sag einfach ja. Ich weiß, das werde jede Menge Spaß haben werden.« Fanny verspürte bei dem Gedanken an dieses Abenteuern aufgeregtes Krippeln im Bauch.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000686.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Das kann tatsächlich ein großer Spaß werden, aber wie soll es funktionieren? Wir können uns doch nicht einfach aus dem Haus schleichen und sie ohne Begleitung schon gleich gar nicht, gab sie zu bedenken.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000687.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "wenn ihre Eltern dahinter kommen. Darüber habe ich mir schon längst Gedanken gemacht, unterbrach Isabella ungeduldig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000688.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Meine Eltern sind morgen Abend zu einer privaten Feier eingeladen und haben angekündigt, dass sie erst nach Mitternacht zurück sein werden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000689.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Sobald sie fort sind, sehen wir uns um, und wenn die Dienstboten ins Bett gegangen sind, schleichen wir uns aus dem Haus und laufen nach vorne zum Nationalmuseum. Dort stehen Droschken. Bis zur Eröffnungspolonaise um neun schaffen wir es zwar nicht, aber dafür liegt dann die ganze Nacht vor uns.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000690.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "»Das könnte tatsächlich klappen. Herr Wenzel und Frau Fischer ziehen sich immer früh zurück, wenn die Herrschaften aus sind. Sobald's verschwunden sind, kommen wir unbemerkt nach draußen«, überlegte Fanny.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000691.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "»Dann gefällt dir meine Überraschung also?« »Sie ist von vorn bis hinten narrisch. Aber ja, sie quallt mir. Wir werden eine riesenhetzsam gnädiges Fräulein.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000692.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Isabella strahlte über das ganze Gesicht. Eines müssen wir aber noch klären. Was? Fanny sah sie überrascht an. Isabella nahm Fannys Gesicht zwischen beide Hände und sah tief in die Augen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000693.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "»Du darfst mich den ganzen Abend nicht gnädiges Fräulein nennen. Versprichst du mir das?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000694.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "»Ich habe noch etwas für dich«, sagte Isabella, als der Fiak am selben Abend vor der königlichen Oper an der Andraschi-Allee hielt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000695.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Die Vorhänge des Wagens waren offen und das Licht der vielen Laternen vor dem Opernhaus fiel ins Innere. Isabella zog eine Klappkarte aus der Tasche ihrer Piratenweste und legte sie in Fannys Schoß.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000696.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Wie hübsch, danke!« behutsam strich Pfanne mit den Fingerspitzen über die Karte aus feinem weißem Büttenpapier, die mit einer schmalen roten Seidenschleife zusammengehalten wurde.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000697.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Für F.S. stand in geschwungene Schrift auf der Vorderseite und darunter Maskenball in der Königlichen Oper zu Budapest am 17. Februar 1910.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000698.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "»Du musst sie öffnen.« Isabella beugte sich vor und zupfte an der Schleife. In ihrem Kosarenkostüm wirkte sie fremd und gleichzeitig vertraut.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000699.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Fanny fand, dass die Männerkleidung ihre Schönheit fast mehr als ein Kleid betonte und ihr etwas Rätselhaftes verlieh.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000700.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "»Das ist deine Carné de Ball, deine Tanzkarte«, erklärte Isabella. »Der Kavalier bereicht sie seiner Dame am Eingang des Ballsaales. An diesem Abend bin ich dein Kavalier.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000701.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "»Siehst du die Auflistung der Tänze?« fuhr Isabella fort. »Der Abend beginnt mit einer Polonaise, dann folgen ein Walzer, Polka, Masurka, Quadril, wieder ein Walzer und so weiter.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000703.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "»Kennst du die Schritte der einzelnen Tänze?« »Ich habe in der letzten Volksschulklasse Tanzunterricht gehabt. Zwar habe ich seit dem Schulabschluss keine Bälle mehr besucht, aber ich bin sicher, dass ich mich an die Schritte erinnere.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000704.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "»Du kannst hinter jedem Tanz deinen Tanzpartner eintragen, mit diesem Bleistift.« Isabella zeigte Fanny den Stift, der in einer kleinen Lasche auf der Innenseite der Karte befestigt war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000705.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "Ich will nicht, dass einer der anwesenden Herren mit dir tanzt. Deshalb möchte ich, dass du mich überall einträgst. Außer da, wo Damenwahl steht, da musst du mich auffordern.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000706.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "»Aber ich kann doch nicht Isabella Karlmann als Tanzpartner eintragen«, wandte Fanny ratlos ein. Isabella sah sie groß an. Dann schlug sie sich mit einer Hand an die Stirn.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000707.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Ich habe ja völlig vergessen, mir für heute Abend einen passenden Namen auszudenken, wie dumm von mir. »Wie wäre es mit dem Namen ihres Bruders?« schlug Fanny vor. »Oder ist er auch auf dem Ball?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000708.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Sie runzelte die Stirn und überlegte. »Ich werde mich Sir John nennen nach dem englischen Freibeuter John Hawkins«, sagte sie schließlich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000710.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "»Gab's denn wirklich?« erkundigte Fanny sich neugierig. Isabella hob die Schultern. »Keine Ahnung. Kennen aus dem Kinderbuch meines Bruders.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000711.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "»Magst du mich mit Sir John ansprechen?« »Ja, gnädiges Fräulein.« »Du?« »Genau das sollte da drinnen gleich nicht passieren.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000712.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Isabella drohte er scherzhaft mit einem Finger. »Jawohl, Sir John«, gab Fanny mit unschuldigem Augenaufschlag zurück.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000713.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Isabella lachte ausgelassen. Sie banden ihre Masken um, stiegen aus dem Fiatka und liefen die breite Treppe zum Opernhaus hinauf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000714.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Als sie das Foyer betraten, schlugen die Glocken der nahen Stephans Basilika halb zehn und es wimmelte von kostümierten und maskierten Menschen, die scherzten, lachten, sich zuprosteten und Isabella und Fanny mit ihrer Feierlaune ansteckten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000715.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Sie spielen die Faschingslieder. Komm, lass uns tanzen. Isabella nahm Fannis Hand und zusammen liefen sie in den Zuschauerraum.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000716.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Am Rande der Tanzfläche blieb Isabella stehen und verbeugte sich formvoll ändert. »Darf ich bitten?« Fanny nickte aufgeregt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000717.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Vielleicht hat sie das schon öfters gemacht, dass sie als Mann verkleidet heimlich tanzen gegangen ist.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000718.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "überlegte sie. Bei der Vorstellung, dass nur sie allein unter den vielen Ballgästen Isabellas Geheimnis kannte, verspürte sie ein aufgeregtes Krippeln im Bauch.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000719.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Als der Walzer wenig später endete und die Musik verstummte, fühlte sie sich fast, als würde sie aus einem Traum erwachen. Isabellas blaue Augen, fast das einzige, was von ihrem Gesicht hinter der Maske erkennbar war, richteten sich auf Fanny.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000720.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "»Jetzt ist eine kurze Pause, in der das Opernballett einige Tänze vorführt. Möchtest du dir das ansehen, während ich Champagner für uns organisiere?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000721.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Fast hätte Fanny das gnädige Fräulein daran erinnert, dass es ihre Aufgabe war, sich um Champagner zu kümmern, aber gerade rechtzeitig entsann sie sich, dass heute Abend alles anders war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000722.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Isabella war ihr Kavalier und musste daher ihr, der Dame, zu Diensten sein. Der Gedanke gefiel ihr. »Furchtbar gerne«, sagte sie strahlend.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000723.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Isabella botte den Arm und während sie zu einer Sitzgruppe in der Nähe der Bühne gingen, dachte Fanny, dass dieser Abend gewiss ein unvergessliches Erlebnis würde.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000724.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Nie hätte sie sich träumen lassen, dass Fanny Schindler, das Kind aus dem Wiener Findelhaus, eines Tages auf dem vornehmsten Faschingsball von ganz Budapest tanzen würde.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000725.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Sie erinnerte sich an ihren Besuch im Modersalon der Sarah Moreau. Auch heute hatte sie das Gefühl, ein wenig zu dieser exklusiven Gesellschaft zu gehören und so wie damals war es ein berauschendes Gefühl.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000726.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "»Die Champagnerbar befindet sich eine Etasche höher, wo die Logen zum ersten Rang sind. Es ist besser, du wartest hier auf mich, denn dort herrscht bestimmt ein furchtbares Gedränge.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000727.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "sagte Isabella, als sie die Sitzgruppe aus zwei Sesseln, einem Sofa und einem kleinen Tisch erreicht hatten. Von dort bot sich ein guter Blick auf die nahe Bühne.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000728.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "»Können wir uns nicht dort oben hinsetzen?« fragte Fanny. »Stell es mir wunderbar vor, so hoch über allen anderen zu sein.« Doch Isabella schüttelte den Kopf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000730.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "»Wir Kahlmanns besitzen zwar eine Loge, aber wir können sie nicht benutzen, weil ich inkognito hier bin.« »Ach, jetzt schau doch nicht so enttäuscht«, sie zwinkerte Pfanne aufmunternd zu.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000731.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "»Stell dir nur vor, was die Leute unter dem Schutz ihrer Maske alles tun, was sie sonst nie wagen würden.« »So wie wir beide, Sir John«, fragte Fanny augenzwinkernd.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000733.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "»Ich bin gleich zurück«, sagte sie und stand auf, »lass dich nicht von fremden Herren zum Tanz auffordern.« Sie verschwand in der Menge. Fanny lehnte sich bequem im Sessel zurück und betrachtete die fantasievollen Kostüme der Gäste.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000734.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Bei den Herren gab es zahlreiche Sultane und Maharadschas, aber auch römische Imperatoren und Halekine. Bei den Damen zählten Blumenmädchen, griechische Göttinnen und Engel zu den beliebtesten Verkleidungen, für die das prachtvolle Opernhaus eine großartige Kulisse bot.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000735.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Über ihr an der Kuppeldecke hing ein riesiger Kronleuchter, der von vergoldeten Stuckgelanden und farbenfrohen Gemälden umgeben war, die sich räkelnde Götter und musizierende Grazien zeigten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000736.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Auch sämtliche Stützpfeiler und die Brüstungen der Logen waren mit Blattgold verziert, sodass es aussah, als wäre der ganze große Zuschauerraum aus purem Gold.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000737.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Am Rande der Tanzfläche standen mehrere Sitzgruppen flankiert von Palmen und großartigen exotischen Blumengebinden. Fanny streckte die Beine aus und betrachtete ihre sandbesetzten Stiefelchen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000738.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Sie hatte noch nie so hübsches Schuhwerk getragen, nur leider war er darin ziemlich heiß, genau wie unter der silbrig-weißen Lockenperücke. Sie holte den Fächer aus ihrem kleinen Täschchen und wedelte sich Luft zu.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000739.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Dabei beobachtete sie das Opernballett, das gerade einen Reigen beendete.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000740.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Tänzer und Tänzerinnen trugen bäuerliche Trachten, die ihr sehr gut gefielen, besonders die weiten Röcke und die bunt bestickten Blusen der Frauen. Als die Gruppe von der Bühne getanzt war, machte das Orchester eine kurze Pause.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000741.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Dann ertönten die Klänge des Donauwalzers von Johann Strauß. Ringsum liefen die Paare auf die Tanzfläche. Fanny reckte den Hals nach Isabella, konnte sie aber nirgends sehen. Sie holte ihre Canis de Ball aus dem kleinen Täschchen und klappte es auf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000742.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "Beim Donawalzer war Damenwahl und Fanny hatte versprochen, Sir John aufzufordern. Doch jetzt war Sir John nicht da. Enttäuscht klappte sie das Kanä der Ball wieder zu.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000743.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "In diesem Moment hörte sie eine Männerstimme, die sie ansprach. Sicher war sie sich nicht, denn der Mann redete Ungarisch und davon verstand sie nur wenige Brocken.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000744.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Seine Augen unter der schwarzen Maske musterten sie aufmerksam. Sie spürte, wie er unter der Perücke noch heißer wurde.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000745.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "und wichen Geschäftigkeit aus, indem sie ihre Tanzkarte zurück in ihr Täschchen stopfte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000746.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "Als sie wieder aufsah, stand er immer noch da. Ein Lächeln spielte um seine schönen vollen Lippen. Über der Operlippe saß ein dunkler Bart mit leicht aufwärts gebogenen Spitzen, auch das Kinn zierte ein schmaler, senkrechter Bartstreifen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000747.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Sie räusperte sich. »Entschuldigen's, mein Herr, aber was sagtens grad?« Sein Lächeln vertiefte sich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000748.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "»Dass ich sie zum Tanz bitten würde, wenn nicht ausgerechnet jetzt Damenwahl wäre.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000749.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "»Nun hoffe ich, dass sie mich auffordern, schönes Fräulein«, antwortete er auf Deutsch. Ihr fiel auf, dass er das R beim Sprechen rollte wie Isabella, also musste er Ungar sein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000750.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "»Es tut mir leid«, stotterte sie überrumpelt, »aber ich habe all meine Tänze versprochen.« »Wem?« Er sah sich nach allen Seiten um. »Ich sehe niemanden.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000751.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "»Er holt mir gerade eine Erfrischung und ist jeden Moment wieder hier«, entgegnete sie und setzte sich in ihrem Sessel aufrecht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000752.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "»Wenn ich ihr Kavalier wäre, würde ich eine so reizende Dame nicht einfach hier herumsitzen lassen. Wenn Sie also diesen Tanz nicht verpassen wollen?« Er sprach nicht weiter.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000753.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "»Ich bedauere«, erklärte sie daher widerstrebend, »aber meine Antwort lautet Nein.« »Sie brechen mir das Herz«, erwiderte er betrübt. »Dann verraten Sie mir wenigstens, wer Sie sind, schöne Unbekannte.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000754.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Fanny kicherte und klappte ihren Fächer auf, sodass er nur noch ihre Augen sehen konnte. »Ist es nicht gerade der Sinn eines Maskenballs, dass man nicht verrät, wer man ist?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000755.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "»Sie spielen mit meinen Gefühlen«, gab er zurück. »Wie soll ich sie je wiederfinden, wenn sie mir keinen Hinweis geben?« »Vielleicht verliere ich ja einen Schuh auf der Treppe, wenn ich den Ball verlasse.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000756.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "»Den ich dann allen Buddebester Damen anprobieren muss. Ihre Grausamkeit kennt keine Grenzen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000757.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "»Wenn Sie mich wirklich finden wollen, müssen Sie sich halt ein bisserl anstrengen.« »Oha«, rief er und hob die Augenbrauen, »kann es sein, dass ich einen charmanten Wiener Akzent heraushöre, meine schöne Unbekannte?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000758.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "In diesem Moment unterbrach eine weitere Männerstimme das Getändel. »Hallo, Tatanjant, hier steckst du also.« »Du wolltest diesen Schatz hoffentlich nicht vor uns verstecken, mein Freund«, rief noch eine Stimme, und eine dritte tadelte. »Es gehört sich nämlich nicht, das süßeste Mädel des Balls für sich allein zu behalten.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000759.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Langsam wandte sich der Mann, den die anderen Dottagnan genannt hatten, zu seinen Kameraden und knurrte ungehalten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000760.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Er wisst offensichtlich nicht, wann es besser ist, sich aus dem Staub zu machen. »Aber, aber«, wertet der Erste ab, »heißt es nicht, eine für alle und alle für eine?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000761.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "»Ich muss doch sehr bitten. Keine Frechheiten gegenüber einer Dame.« Tatajan machte einen Schritt in Richtung der drei, aber sie verschränkten lachend die Arme vor der Brust und dachten nicht daran, das Feld zu räumen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000762.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Fanny beugte sich zur Seite, damit sie an Datoillon vorbeisehen konnte. Die drei jungen Kavaliere waren ähnlich gekleidet wie ihr Freund und musterten sie ebenfalls neugierig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000763.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Tatajan drehte sich wieder zu ihr und streckte ihr die rechte Hand entgegen. »Kommen Sie mit mir, schöne Unbekannte. Ich entführe Sie aus der Gesellschaft dieser ungehobelten Soldatenerrüppel.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000764.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "»Sie wissen doch, dass ich...«, begann sie zögernd. »Die Dame ist mit mir hier.« Die vier Männer fuhren herum und Pfanne zuckte Wertab zusammen. »Iss... äh... John, woher?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000765.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "»Da bin ich wohl gerade rechtzeitig gekommen«, unterbrach Isabella schneidend und drängte sich mitten durch die Musketiere.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000766.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Ihre Augen blitzten zornig und sie achtete nicht darauf, dass der Champagner über den Rand der beiden Gläser schwappte, die sie in den Händen hielt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000767.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Verschwindeln sie, oder ich sehe mich gezwungen, die Saalaufsicht zu informieren«, fuhr sie die vier an.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000769.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "»Echauffieren Sie sich nicht, mein Herr!« Der erste Musketier hob besänftigend die Hände. »Wir befinden uns bereits auf dem taktischen Rückzug.« Er verbeugte sich knapp und entfernte sich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000770.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Die beiden anderen Musketiere folgten ihm. »Nur D'Ataillant stand immer noch an derselben Stelle.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000771.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Isabella machte einen drohenden Schritt in seine Richtung. Doch er wich nicht aus, sondern packte sie an der Schulter. »Was fällt Ihnen ein?« schrie sie und versuchte vergeblich, sich aus seinem Griff zu winden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000772.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Fanny schoss von ihrem Sessel empor und schüttelte die Fäuste in Dattaians Richtung. »Schleich dich, du Grobian, oder du fangst dir a watschen!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000773.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "Sowohl Isabella als auch Dattalion fuhren herum und starrten sie an. Fanny starrte angriffslustig zurück. »Ich mein's ernst!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000774.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Tatajan nickte knapp. Doch bevor Isabella losließ, beugte er sich vor und flüsterte etwas in ihr Ohr. Einige Sekunden standen alle dreißig stumm gegenüber.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000775.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "Dann packte Isabella Fanny am Arm. »Komm!« D'Auillant blieb zurück und sah den beiden nach, wie sie durch den Ballseil hasteten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000776.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Erst als sie verschwunden waren, wandte er sich ebenfalls zum Gehen. Dabei fiel sein Blick auf Fanny's Samtäschchen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000777.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Als sie aufgesprungen war, um Isabella beizustehen, war es von ihrem Schoß gerutscht, ohne dass sie es gemerkt hatte. Er bückte sich, hob das Täschchen auf und betrachtete es nachdenklich von allen Seiten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000778.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Dann schob er das Täschchen in die Innenseite seines Capes. »Was hat der Fremde nur zu Ihnen gesagt?«, wollte Fanny wissen. Das plötzliche Ende des Ballabends hatte sie erschüttert, vor allem, weil sie wie zwei Räuber auf der Flucht aus dem Opernhaus gerannt waren.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000779.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Sie hörte sie jedoch atmen, so gepresst, als müsse sie gegen Tränen ankämpfen. »Womit hat dieser Mann sie so erschreckt?« wiederholte Fanny bedrückt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000780.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "Isabella seufzte leise. »Bitte frag nicht«, antwortete sie nach einer kurzen Pause rau. »Ich kann dir das nicht erklären.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000781.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Diese Antwort verwirrte Fanny noch mehr. »Wer war dieser Fremde, der sich Dottagor nannte? Ihr Bedauern, nicht mit ihm getanzt zu haben, hat es sich in Luft aufgelöst.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000782.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "Stattdessen verübelte sie dem Fremden, dass er mit seinem Auftauchen den schönen Abend verdorben und ihr gnädiges Fräulein in solche Verzweiflung gestürzt hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000783.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Sie hörte, wie Isabelle in ihrer Ecke leise schniefte und streckte suchend die Rechte ins Dunkle.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000784.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Als sie Isabellas Hand gefunden hatte, legte sie ihre Finger wie ein schützendes Dach darüber. Isabellas Hand zuckte, aber sie zog sie nicht weg.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000785.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Wenig später hielt der Feejacker vor dem Palais Karlmann und sie stiegen aus. Während Isabella den Kutscher bezahlte, blickte Fanny prüfend an der Fassade empor.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000786.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Hinter den Fenstern des Chef-Butlers und der Haushälterin im ersten Stock waren die Vorhänge geschlossen und Fanny hoffte, dass nicht noch einer der beiden auf war und sie gerade heimlich durch einen Spalt beobachtete.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000787.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Rasch lief sie hinter Isabella durch das Tor auf den von wenigen Laternen schwach beleuchteten Hof.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000788.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Meine Eltern sind noch nicht zurück, aber es ist ja auch erst kurz nach Mitternacht«, stellt Isabella nach einem Blick auf den leeren Unterstand des Automobils fest.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000789.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Sie schlüpften durch den Dienstboteneingang, zogen vor der Türe Stiefel aus und schlichen auf Zehenspitzen ins Haus. Kurz darauf hatten sie Isabellas Zimmer erreicht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000790.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Isabella schlüpfte zuerst hinein, wartete, bis Fanny durch die Tür war und schob dann den Riegel vor. Erst dann zogen sie ihre Masken vom Gesicht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000791.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Doch als Fanny ihre Maske in die kleine Tasche stecken wollte, stutzte sie. »Oh, verflixt! Ihr habt das Daschern verloren, das zu diesem Kostüm gehört!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000792.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Wahrscheinlich habe ich's fallen gelassen, als wir so schnell davongelaufen sind. Meine Tanzkarten war drin. Ach, wie schade. Ich wollte sie doch als Erinnerung an diesen Abend behalten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000793.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "»Ich wollte, dass dieser Abend unvergesslich wird. Aber nicht so, es tut mir so leid.« Ihre Worte rührten Fanny.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000795.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "»Aber es war ein schöner Abend, gnädiges Fräulein. Ohne sie hätte ich dieses wunderbare Fest nie besuchen können.« »Sagst du das auch nicht nur, um mich zu trösten?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000796.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "»Es ist die Wahrheit«, versicherte Fanny. »Wollen Sie mir nun endlich anvertrauen, was sie so erschüttert hat? Sie kennen diesen Fremden, habe ich recht?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000797.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Ein trauriges Lächeln huschte über Isabellas Gesicht. Ihre Finger wanderten von Fannys Wangen aufwärts bis zu der silbrig-weißen Perücke. Sie zog sie vorsichtig von Fannys Kopf und ließ sie dann auf den Boden fallen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000798.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Dann fuhren ihre Finger durch Fannes eigene flach gedrückte Locken. »Ach, meine kleine Fanny«, murmelte sie, »weißt du eigentlich, dass du wie ein bunter Schmetterling in mein Leben geflattert bist?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000799.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Sie beugte sich vor, bis ihre Lippen Pfannes rechtes Ohrläppchen kitzelten. »Du hast recht. Ich kenne D'Artagnan. Ich habe aber nicht damit gerechnet, ihm auf diesem Ball zu begegnen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000800.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "»Er muss ihre Stimme erkannt haben«, rief Fanny, »und dann hat er sie bedroht, weil sie heimlich und ohne Begleitung auf diesen Ball gegangen sind.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000801.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Isabella schüttelte den Kopf. »Er hat mich nicht bedroht. Er hat mir zu verstehen gegeben, dass er mich erkannt hat. Und dann...« Sie senkte den Kopf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000802.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Dann wollte er wissen, warum ich als Mann verkleidet in Begleitung einer Frau dort war. Fanny lauschte angespannt. Sie spürte, dass Isabella kurz davor war, ihr etwas Wichtiges anzuvertrauen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000803.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Isabella atmete tief durch, doch dann sagte sie nur, wir sollten uns jetzt umziehen und schlafen gehen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000804.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "»Jawohl«, murmelte Fanny. Enttäuscht lief sie ins Ankleidezimmer, um ihr Kleid und die Säcke für die Kostüme zu holen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000805.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Sie dachte, dass sie das gnädige Fräulein heute Abend von einer ganz neuen Seite erlebt hatte. Nicht nur selbstsicher und überlegen, sondern auch empfindsam und verletzlich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000806.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Fanny wusste immer noch nicht, was genau Isabella so erschüttert hatte und auch nicht, welche Rolle sie selbst bei dem Ganzen spielte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000807.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Doch wenn das gnädige Fräulein nicht darüber sprechen wollte, hatte sie das zu respektieren. Als sie aus dem Ankleidezimmer trat, nahm sie sich vor, kein Wort über den Abend zu verlieren.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000808.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Dann begann sie, die Verschnürung zu lockern, die den Rock und den Rücken des Oberteils mit dem Mieder verbannt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000809.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "»Nachdem ich einmal verstanden hatte, wie alles zusammengehört, war es nicht so furchtbar kompliziert«, kicherte Fanny. »Es kam mir wie verkehrte Welt vor, dass Isabella ihr beim Entkleiden half und nicht umgekehrt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000810.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "»Du bist heute Abend vielen Kavalieren aufgefallen, mein hübscher Schmetterling«, stellte Isabella fest und begann wie nebenbei, den obersten Haken von Fannys Korsett zu öffnen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000811.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Dabei streiften ihre Fingerspitzen über Fannis Brüste, die nur noch vom dünnen Stoff des Baumwollhemdchens bedeckt waren.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000812.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "»Wäre es dir lieber gewesen, mit einem von ihnen diesen Ball zu besuchen, zum Beispiel mit D'Artagnan?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000813.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Fanny errötete. Im Grunde war sie so damit beschäftigt gewesen, die Atmosphäre des Balles in sich aufzunehmen und die Schönheit des Opernhauses zu betrachten, dass sie nicht auf andere Herren geachtet hatte, bis dieser D'Artagnan aufgetaucht war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000814.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "Wenn sie an ihn dachte, verspürte sie ein heftiges Krippeln im Bauch, das den Groll verdrängte, den sie ihm gegenüber empfand.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000815.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "»Aber gnädiges Fräulein, Sie sind's doch, die immer alle Blicke auf sich zieht«, antwortete sie ausweichend. »Ich wett, Sie haben jede Menge Verehrer.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000816.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Isabella lachte leise, während sie den nächsten Haken des Korsetts öffnete.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000817.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Eine Frau ohne Ehemann und Kinder ist in unseren Kreisen eine Außenseiterin, bestenfalls bemitleidet, schlimmstenfalls belächelt. Will ich weiter dazugehören, werde ich irgendwann heiraten müssen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000819.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Aber ich werde diesen Tag so lange wie möglich hinauszögern, und ich werde nur einen Mann heiraten, der so ist wie ich. Nur dann kann ich meine Freiheit behalten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000820.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Sie werden gewisser kluge Wahl treffen«, erwiderte Fanny, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte, was genau das gnädige Fräulein meinte, wenn sie von einem Mann sprach, der war wie sie. Aber sie glaubte, dass Isabella einmal eine glänzende Partie machen und ein sorgloses Dasein führen würde.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000821.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Bei dem Gedanken verspürte sie ein wenig Neid. Sie selbst hatte in ihrem ganzen Leben nie mehr besessen, als in einen Koffer passte, und wahrscheinlich würde sie zu arm sein, um zu heiraten, denn eine Kammerzofe verdiente nicht viel.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000822.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Ganz davon abgesehen, dass sie bisher nicht einmal ansatzweise einen passenden Mann gefunden hatte, jemand wie Ishtwan, der auch nicht mehr hatte als sie selbst, wollte sie nämlich nicht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000823.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Sie unterdrückte ein Seufzen, als sie daran dachte, dass sie wohl ihr Leben lang würde arbeiten müssen, so wie Josefa, allerdings ohne ihren Beruf mit so viel Hingabe auszuüben wie ihre alte Erzieherin.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000824.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Einen passenden Ehemann zu finden wird nicht allzu schwer sein, unterbrach Isabella ihre Gedanken. Aber vielleicht möchte ich mein Leben lieber mit einem Menschen verbringen, den ich wirklich liebe, und das kann nicht mein Gatte sein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000825.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "»Dass Sie das schon so genau wissen,« murmelte Fanny verdutzt. »Liebe bedeutet für mich nicht das, was es für die meisten Menschen bedeutet,« eröffnete Isabella.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000826.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Wenn ich mich verliebe, ist es etwas ganz Besonderes. Meine Art von Liebe fühlt sich für mich wie das wunderbarste Wunder der Welt an. Gleichzeitig weiß ich, dass sie sich niemals erfüllen kann.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000827.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Sie öffnete den letzten Haken von Fannys Korsett und ließ es auf den Boden gleiten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000828.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "»Manchmal finde ich für kurze Zeit jemanden, der so ist wie ich, und in diesen kurzen Momenten muss ich dann all das Glück finden, für das andere ein ganzes Leben haben. Verstehst du, mein hübscher Schmetterling?« Sie legte ihre Hände auf Fannys Hüften und sah sie aufmerksam an.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000829.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "Fanny verstand kein Wort, doch da sie spürte, wie wichtig Isabella ihre Reaktion war, nickte sie zögernd.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000830.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Isabella lächelte befreit. Sie sah Fanny tief in die Augen, während ihre Hände aufwärts wanderten, Fannys Teil ihr umschlangen und sie an sich zogen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000831.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Sie wandte sich aus Isabellas Umarmung, griff nach ihrem Kleid und rannte zur Tür. »Bleib hier«, rief Isabella hinter ihr, »bitte.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000832.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Aber Fanny floh wortlos aus dem Zimmer. Budapest 1910", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000833.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "»Fanny und Rosa, bitte kommen Sie noch in mein Dienstzimmer«, sagte Frau Fischer nach dem Frühstück. Fanny schob ihren Stuhl zurück und warf Rosa einen fragenden Blick zu. Doch die hob ratlos die Schultern.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000834.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Als sie Rosa und der Hausdame in ihr Büro folgte, überlegte sie besorgt, ob Frau Fischer doch noch irgendwie von ihrem vier Wochen zurückliegenden Ausflug in die Budapester Oper erfahren hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000835.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Gestern Abend hat die gnädige Frau mich unterrichtet, dass Baronin Bathory und ihre Tochter direkt nach Ostern anreisen. Bei diesem Besuch zähle ich auf ihre Unterstützung. Sie blickte von Rosa zu Fanny, die unauffällig aufatmete. Eine von ihnen muss sich zu ihrer zusätzlichen Arbeit um Fräulein Helene kümmern.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000837.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "rosa vertrete die augen die baroness ist achtzehn jahre und wurde bei hofe vorgestellt gewöhnlich bekommt der junge dame ihre eigene kammer zu für wann sie erwachsen ist aber ich nehme an die barthoris haben dafür wieder kein geld", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000838.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Impertinente Bemerkungen stehen Ihnen in keiner Weise zu, Rosa.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000839.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "»Genau genommen, sollten Sie so etwas nicht einmal denken«, schnaubte die Hausdame. »Es wird wohl besser sein, ich vertraue meinen Anliegen Fanny an. Fanny, schaffen Sie es, sich neben Ihrer Arbeit für das gnädige Fräulein auch um die junge Baroness zu kümmern?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000840.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "»Kann das nette Kammerzofe der Baronin übernehmen?«, erwiderte Fanny unbehaglich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000841.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "»Ich möchte Fräulein Isabella nicht verärgern, weil ich nicht genug Zeit für sie hab.« »Das ist ein frömer Wunsch, Fanny«, rief Rosa dazwischen. »Die Baronin bar Rosa und erbraucher Fischer eisig. Gewiss haben sie dringende Aufgaben, die auf sie warten.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000842.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "»So wie jeden Morgen«, entgegnete Rosa unbeeindruckt. »Und Fanny auch. Sie sollte sich nicht noch um fremde Herrschaften kümmern müssen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000843.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Die Hausdame sah sie streng an. Rosa blickte einen Moment stur zurück, doch dann machte sie kehrt und verschwand. »Ich weiß, dass ich extra Arbeit von Ihnen verlange«, sagte Frau Fischer, sobald sie mit Fanny alleine war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000844.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Aber die Baroness ist nicht heikel. Ich glaube sogar, sie wird dankbar sein, wenn sie ihr mit ihrem Gespür für Eleganz zur Seite stehen. Kann ich also auf sie zählen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000845.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "»Ihr bin einverstanden«, willigte Fanny ein. Aber Gents recht war ihr der Auftrag nicht, denn sie wusste nicht, wie sie die zusätzliche Arbeit mit ihren Aufgaben für Isabella vereinbaren sollte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000846.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "»Sehr gut«, freute sich Frau Fischer. »Die Baronin und ihre Tochter bleiben einen Monat, vielleicht auch länger, und ihre Besucher bei uns haben eine gewisse Tradition. Doch obwohl wir die Vorleben der Damen natürlich kennen, bleibt uns noch viel zu tun in den fünf Tagen bis zu ihrer Anreise.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000847.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Fanne warf einen Blick auf die Uhr, die auf der Kommode unter dem Fenster stand. »Darf ihr dann jetzt gehen? In einer Viertelstunde erwartet Fräulein Isabella ihren Morgenkaffee.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000848.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "»Einen Moment noch, Fanny.« Die Hausdame lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und musterte sie schweigend. Fanny blickte verwirrt zurück.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000849.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "»Sie hatte doch eingewilligt, sich um Baroness Bathory zu kümmern. Was wollte Frau Fischer jetzt noch?« Die Hausdame räusperte sich. »Sie wissen, dass Herr Wenzel und ich bisher recht zufrieden mit ihrer Arbeit waren.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000850.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "»Bisher?« unterbrach Fanny gereizt. Frau Fischer gebot er, mit einer Handbewegung zu schweigen. Als die Herrschaften gestern Morgen beim Frühstück saßen, hatte Herr Wenzel gehört, wie Fräulein Isabella sich bei ihrer Mutter über sie beschwert hat.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000851.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Sie klagte, dass ihr Morgenkaffee kalt war, außerdem seien sie nicht mehr pünktlich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000852.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "»Natürlich. Sie müssen verstehen, dass ich solchen Sachen auf den Grund gehen muss. Immerhin haben wir nie Zeugnisse von Ihnen gesehen,« entgegnete die Hausdame unbeeindruckt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000853.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "»Sie sollten mich inzwischen gut kennen, um zu wissen, dass ich keinen Anlass für Beschwerden geboten habe.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000854.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "»Fräulein Isabella war anfangs sehr zufrieden mit Ihnen. Ich frage mich, warum sie es jetzt nicht mehr ist.« »Ich weiß nicht«, antwortete Fanny bedrückt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000855.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Dass Isabella unzufrieden mit dir war, hatte Fanny auch gemerkt. In den letzten Wochen war kein Tag vergangen, an dem Isabella sie nicht zurechtgewiesen hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000856.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Mal war ihr Korsett zu schramm geschnürt, mal hatte Fanny ihr beim Kämmen zu viel an den Haaren gerissen, oder sie beschuldigte sie, zu bummeln und unpünktlich zu sein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000857.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Die Anschuldigungen waren ungerecht und falsch, denn Fanny bemühte sich stets, es Isabella recht zu machen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000858.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "Doch weil sie nie ahnte, wann die nächste Rüge kam, fühlte sie sich allmählich völlig verunsichert und wusste kaum noch, wie sie sich in Isabellas Gegenwart verhalten sollte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000859.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Frau Fischer betrachtete sie nachdenklich. »Ich weiß, dass Sie pünktlich sind und Ihre Aufgaben sehr gut und zuverlässig verrichten. Dennoch ist das gnädige Fräulein mit Ihnen unzufrieden. Dafür wird es einen Grund geben.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000860.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "»Ja«, Pfanne ließ sich auf einen Stuhl am Arbeitstisch fallen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000861.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Aus der Küche schwebten verlockende Düfte nach Kaffee und frischgebackenem Brot. Sie warf einen Blick auf die runde Uhr über die Tür. Sie hatte noch zehn Minuten, bis sie Isabella ihren Morgenkaffee bringen musste, und die brauchte sie auch, um sich wieder zu beruhigen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000862.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Niemals hätte sie erwartet, dass das gnädige Fräulein sich über sie beschweren würde, noch dazu vollkommen grundlos. Hinter ihr plapperte Rosa weiter.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000863.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Das wundert mich gar nicht, dass die Bathuris noch keine Kammerzofe für das Fräulein Helene eingestellt haben. Varunin tut immer so fein, dass man denken könnte, sie sei mit dem Kaiserhaus persönlich verwandt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000864.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Dabei verstecken die Barthores nur hinter ihrem hochfeinen Namen, dass sie im Grunde arm wie die Kirchenmäuse sind. Iwette, die Baronin, hat den Besuch bei uns eingeführt, um in Budapest für Fräulein Helene einen passenden Ehemann zu angeln.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000865.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Vielleicht hat sie es sogar auf unseren Herrn Maxim abgesehen. Er schaut hervorragend aus und ist so reich, dass sämtliche Bar-Tourists von seinem Geld sorglos in den Tag hineinleben könnten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000866.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "»Dann nehmen sie es sogar in Kauf, dass er ja jut ist«, Fanny nickte abwesend. »Sind Fräulein Isabella und Fräulein Helene denn Freundinnen?«, fragte sie, um wenigstens den Eindruck zu erwecken, sie habe zugehört.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000867.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "»Oh, das wäre bei weitem zu viel«, behauptet. »Die beiden sind grundverschieden«, behauptete Rosa. »Die Familien kennen sich über die Wohltätigkeitsarbeit der Baronin.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000868.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Sie hat vor etlichen Jahren das Hilfskomitee für die tuberkulose kranken Kinder von Budapest ins Leben gerufen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000869.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Ist das Geld der einzige Grund, warum die Baronin sich mit einer bürgerlichen jüdischen Familie abgibt?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000870.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "»So, so«, murmelte Fanny und warf erneut einen Blick auf die Uhr. »Das Fräulein Helene ist eine liebe Person, aber ein bisschen farblos vielleicht«, fuhr Rosa fort. »Aber du wirst nicht viel Arbeit mit dir haben.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000871.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Die Baronin hingegen bildet sich enorm viel darauf ein, dass sie alt dem ungarischen Adel entstammt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000872.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Bei jeder Gelegenheit erwähnt sie, dass sie vor ihrer Heirat Hofdame bei unserer verstorbenen Kaiserin Elisabeth war. Wie man weiß, hat die Kaiserin stets ungarische Hofdamen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000873.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "»Denn sie liebt, der Ungarn. Sag mal, Fanny, warum schaust denn du eigentlich ständig auf die Uhr?« »Es ist nix«, murmelte Fanny ertappt. »Ich will nur nicht zu spät bei Fräulein Isabella sein.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000874.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Aber das bist du doch nie«, entgegnete Rosa erstaunt. Fanny sah zur Tür. Auf dem Flur war alles still. »Fräulein Isabella sagt was anderes«, gestand sie leise.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000875.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Rosa ging zur Tür, machte sie zu und zog einen Stuhl neben Fanny. »Was ist denn passiert?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000876.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Fanny dachte an den Faschingsball, der so schön angefangen und so verdreht geändert hatte. Hätte sie nur die Einladung, mit Isabella den Ball zu besuchen, nicht angenommen, hätte sie nur Isabellas Kuss nicht zugelassen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000877.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "»Das alles ist nur geschehen, weil du weder nicht wahrhaben wolltest, wo dein rechter Platz ist.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000878.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "hörte sie Josefas Stimme in ihrem Kopf. Fanny seufzte. Sie konnte sich noch so oft wünschen, besser auf den Rat ihrer alten Erzieherin gehört zu haben, die Ereignisse jener Nacht konnte sie nicht mehr ungeschehen machen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000879.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "Nun war alles anders zwischen ihr und dem gnädigen Fräulein. Isabella war nicht mehr freundlich, fröhlich und lebenswürdig, sondern kalt und unpersönlich, und wie Fanny heute erfahren hatte, scheinbar auch rachsüchtig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000880.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Sie vermutete, dass Isabelle er nicht verzieh, dass sie in jener Nacht vor ihren Zärtlichkeiten davongelaufen war. Aber war das nicht ihr gutes Recht?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000881.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Dass Isabella ihr gnädiges Fräulein war, bedeutete nicht, dass Fanny alles tun musste, was Isabella wünschte. Manchmal überlegte Fanny, ob es möglich war, mit dem gnädigen Fräulein in Ruhe über diese Nacht zu reden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000882.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Aber sie traute sich nicht, das Thema anzuschneiden, und Isabella selbst verlor auch kein Wort darüber.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000883.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "»Weiß Gott, ich habe mich bemüht, ihr zu zeigen, dass ich ihr Vertrauen und nicht ihre Ablehnung verdiene«, dachte Fanny.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000884.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Doch nichts, was sie sagte oder tat, schien zu Isabellas Herz durchzudringen und manchmal hatte Fanny das Gefühl, dass Isabella sie am liebsten fortgejagt hätte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000885.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Ihre Augen brannten, so sehr versuchte sie, die Tränen zurückzuhalten. Inzwischen war sie tatsächlich so verzweifelt, dass sie kurz davor stand, ihre Sachen zu packen und zu verschwinden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000886.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Schon mehrmals hatte sie den Umschlag mit Josefas Notgroschen aus ihrem Koffer geholt, mit dem festen Vorhaben, sich eine Bahnkarte nach Wien zu kaufen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000887.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Doch was würde Josefa sagen, wenn sie wieder aus einer Stellung floh, wovon ihr doch hoch und heilig versprochen hatte, keinen Anlass mehr zu Tadel zu geben?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000888.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Allein der Gedanke, dass sie ihre alte Erzieherin enttäuschen würde, hielt sie von dieser Flucht ab. Ein Küchenmädchen kam mit Isabellas Kaffee-Tablett. Fanny wollte aufstehen, aber Rosa hielt sie fest.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000889.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "»Weißt du noch, was ich dir am ersten Abend über das gnädige Fräulein erzählt habe?« wisperte sie Fanny ins Ohr. »Hast du deshalb Schwierigkeiten mit ihr?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000890.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Fanny fuhr sich mit dem Handrücken über die Augen und bedachte Rosa mit einem traurigen Blick. Als das Küchenmädchen wieder verschwunden war, sagte sie leise,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000891.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "»Ich mag das, gnädige Fräulein, aber eben nicht so, wie sie es sich wünscht, und ich fürchte, das nimmt sie mir übel.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000892.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Doch sie wollte die Hoffnung nicht aufgeben, dass Isabella wieder so wurde, wie sie war, freundlich, großzügig und lebenswürdig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000893.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Vorwärts, Franz, oder sollen die Damen die Haustür selbst öffnen? Ja, Wenzel schubste den Diener vorwärts.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000894.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Franz, der mit dem Chefpaddler in die Empfangshalle geeilt war, als knatternde Motorengeräusche die Rückkehr des Automobils anzeigten, rannte zur Tür und riss die Flügel gerade noch rechtzeitig auf, um die gnädige Frau, Isabella, Baronin Bathory und ihre Tochter Helene einzulassen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000895.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Hinter ihnen folgte Ischtwan, der kaum zu sehen war, unter dem Turm von Schachteln und Paketen, die er schleppte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000896.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Herr Wenzel scheuchte den Chauffeur mit einer raschen Handbewegung in Richtung der Dienstbotentreppe, die sich hinter einer fast unsichtbaren Tapetentür befand.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000897.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Dann knickte er mit einer perfekten kleinen Verbeugung zusammen. »Willkommen zurück. Ich hoffe, die Damen hatten einen angenehmen Tag.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000898.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Oh gewiss, bei einem Ehemann, der zwei wahren Häuser besitzt, in denen es alles gibt, was das Herz begehrt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000899.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "gab Johanna Kahlmann heiter zurück. Sie ließ sich vom Chefbuttler aus dem Mantel helfen und überreichte ihm Hut und Handschuhe.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000900.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Während Franz den anderen drei Frauen beim Ablegen der Mäntel behilflich war, sah sie die Post und die Visitenkarten durch, die während ihrer Abwesenheit abgegeben worden waren und auf einem silbernen Tablett in der Halle bereit lagen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000901.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Die Kahlmanns besaßen zwar ein Telefonapparat, wie inzwischen viele wohlhabende Budapester Familien, aber einen Besuch mit einem Telefonanruf anzukündigen, statt mit einer persönlich abgegebenen Visitenkarte, wäre eine grobe Unhöflichkeit gewesen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000902.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "Die Hausherrin nahm einen einzelnen Umschlag aus dem Stapel und reichte den Rest Herrn Wenzel. »Bitte bringen Sie die Post in den grünen Salon und lassen Sie auch Tee und Gebäck servieren. Wir können eine Erfrischung jetzt gut vertragen, Helene.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000903.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Sie ging auf das junge Mädchen zu, das stumm beobachtete, wie seine Mutter sich die üppig aufgetürmte Frisur vor dem Spiegel ordnete. »Ein Brief für dich von Max. Du willst ihn bestimmt gleich lesen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000904.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Johannes streckte ihr den Umschlag entgegen, den sie zuvor aus dem Stapel genommen hatte. »Danke«, erwiderte Helene erfreut und streckte die Hand aus. Doch ihre Mutter kam ihr zuvor und nahm den Brief rasch an sich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000905.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "»Solange ihr nicht verlobt seid, möchte ich als deine Mutter wissen, was die jungen Herren dir schreiben, Nelly.« Helene errötete. »Der Brief ist für mich, Mama. Bitte gib ihn mir zurück.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000906.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Doch die Baronin lachte nur. »Was deckst du, Kind? Bis du vor dem Altar stehst, bin ich für deinen Ruf verantwortlich, und diese Pflicht nehme ich sehr ernst.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000907.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "»Liebe Freundin, Sie sehen mich beschämt. Nur für meine Nelly nehme ich Ihre Großzügigkeit an. Sie machen meiner Kleinen eine wirkliche Freude damit.« Ida Bathory hackte sich bei der Hausherrin ein und Arm in Arm verließen sie die Empfangshalle.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000908.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "Die beiden jungen Frauen folgten langsamer. Isabella sagte leise zu Helene, »Du meine Güte, Nelly, du bist 18 Jahre.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000909.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Der Grüner Salon verdankte seinen Namen der pistaziengrünen Seidentapete an den Wänden,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000910.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "und einem großen persischen Teppich mit einem grünen Rankenmuster auf dem Parkettboden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000911.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Die Damen steuerten auf die Sitzgruppe vor dem Marmorkamin zu. Ida und Helene Barthory nahmen auf dem Sofa Platz, Johanna Kahlmann setzte sich in ihren Sessel neben dem Tisch mit der Post und den Visitenkarten und Isabella ließ sich in einen anderen Sessel sinken.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000912.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Natürlich hatten sie auch viel Zeit in den einzelnen Abteilungen der beiden Kaufhäuser verbracht. Isabella hatte sich dabei furchtbar gelangweilt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000913.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Ausgedehnte Einkaufsbummel hatten sie noch nie interessiert. Wenn sie etwas haben wollte, ließ sie sich eine Auswahl nach Hause schicken.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000914.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Doch Ida Bathory hatte es genossen, sich ausgiebig bedienen zu lassen und jede Menge zu ordern.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000915.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "Isabella blickte zu Helene, die ihre im Schoß ruhenden Hände betrachtete. »Was ist Nelly doch für ein langweiliges Ding?« dachte sie schlecht gelaunt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000917.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Neben ihrer Mutter, der Baronin, die eine elegante Dame mit stolzer Haltung und scharfen Gesichtszügen war, wirkte Helene meist brav und unscheinbar.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000918.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Heute allerdings in einem pfirsichfarbenen Kleid, das ihren zarten Teint und ihre kastanienbraunen Locken betonte und ihre ein wenig mollige Figur umschmeichelte, wirkte sie nicht unscheinbar, sondern richtig hübsch.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000919.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "»Das hat sie bestimmt Fanny zu verdanken«, dachte Isabelle, und sofort sank ihre Laune noch tiefer. Seit dem missglückten Faschingsball vor fast zwei Monaten fühlte sie sich entsetzlich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000920.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "Doch nun glaubte Isabella nicht mehr, jeden einen Menschen zu finden, der ihre Liebe erwiderte, und das machte sie unglücklich und verzweifelt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000921.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Franz hatte inzwischen die Porzellantassen mit dampfendem Tee gefüllt, Kuchen und Konfekt auf den Tellern angerichtet und ging nun von einer Dame zur anderen, um sie zu bedienen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000922.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Stolz blickte sie in die Runde. Baronin Bathoryt nippte an ihrem Tee. »Die Aufnahme an der Kriegsschule ist eine Auszeichnung, zu der ich herzlich gratulieren möchte.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000923.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Natürlich werden mehr Ungarn an der Schule aufgenommen, seit mein guter Bekannter Baron Rohr von Denta zum Generalinspektor der Einrichtung ernannt wurde. Ein Landsmann hilft dem anderen. Sie klang, als habe Max seine Zulassung an der renommierten Schule ihr zu verdanken, und das versetzte Isabella in Wut.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000924.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "Ich bin durchaus der Meinung, dass wir Ungarn uns gegenseitig protegieren sollten. Das kann nützlicher sein als die tatsächliche Befähigung.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000926.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Isabella setzte zu einer ärgerlichen Erwiderung an, aber ihre Mutter warf ihr einen warnenden Blick zu und wandte sich rasch an Helene. »Was hat Max denn in dem Brief an dich geschrieben, Nelly? Kommt er bald nach Budapest?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000927.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Sie hatte die junge Frau angesprochen, doch Ida Bathory antwortete. »Wir hatten noch keine Zeit, den Brief zu lesen, aber das werden wir sofort nachholen, nicht wahr, Nelly?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000928.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Doch statt das Schreiben ihrer Tochter auszuhändigen, überflog sie es selbst. »Das ist Nellys Brief«, bemerkte Isabella giftig, »und sie ist durchaus in der Lage, ihn selbst zu lesen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000929.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Kind, warum bist du so unhöflich?« rief Johanna Kahlmann peinlich berührt aus. Zu ihren Gästen gewandt fügte sie hinzu, »Kind, warum bist du so unhöflich?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000930.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "»Ich muss mich für meine Tochter entschuldigen. Es ist mir ein Rätsel, warum sie seit einigen Wochen so unerträgliche Laune hat.« Die Baronin lächelte schmallippig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000931.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "Isabella wird dieses Jahr 21, nicht wahr? Es ist im Charakter einer Frau nicht zuträglich, wenn sie zu lange wartet, ihre natürliche Bestimmung zu erfüllen. Unsere selige Kaiserin war mit 16 Jahren verheiratet und mit 17 Mutter.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000932.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "»Wenn es nach mir ginge, wäre Isabella schon längst verheiratet«, seufzte Johanna. »Es mangelt ihr nicht an Bewerbern, aber sie weist sie alle ab. Sie will sich nur an jemanden binden, den sie wirklich liebt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000933.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "»Liebe, du meine Güte«, die Baronin zog spöttisch die Augenbrauen empor, »das hat für eine erfolgreiche Ehe wirklich nicht die geringste Bedeutung.« Sie wandte sich wieder dem Brief zu und las weiter.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000934.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "»Maxim hat seinen Besuch abgesagt«, rief sie enttäuscht. »Er schreibt, dass er in seinem Regiment zum Manöver nach Galizien muss und erst im Frühsommer wieder zurück ist. Was für eine Enttäuschung für meine arme kleine Nelly!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000935.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "»Sie hat so auf seinen Besuch gehofft, nicht wahr?« Sie beugte sich vor und kniff ihrer Tochter in die Wange. Helene drehte den Kopf zur Seite.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000936.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "»Bitte lass das, Mama.« Die Baronin faltete den Brief zusammen und legte ihn in ihren Schoß. »Wenn Maxim jetzt verhindert ist, verbringt er eben den Sommer bei uns auf Gut Bathory.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000937.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Du musst ihm gleich heute Abend antworten, Nelly. Schreibe ihm, wie enttäuscht du bist, dass er sein Versprechen gebrochen hat. Gib ihm zu verstehen, dass er es nur wieder gut machen kann, wenn er unsere Einladung annimmt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000938.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Johanna gab Franz ein Zeichen. »Bitte such Pfanne und sag ihr, dass sie den Schal der Baronin holt.« Der Diener verschwand.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000939.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Nach kurzer Zeit kehrte er zurück und nur einige Minuten später klopfte es und Fanny trat mit dem Schal ein. »Bitte, Baronin«, Fanny knickste vor der Baronin. Ida Bathory nahm den Schal mit einem knappen Kopfnicken entgegen und schlangen sich um die Schultern.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000940.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Bevor sie sich bremsen konnte, fauchte sie. »Und wo ist mein Tuch, Fanny?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000941.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "»Natürlich wollte ich«, fauchte Isabella, das Grüne mit den langen Franzen. »Isabella«, rief Johanna Kallmann schockiert, »du hast Fanny keinen Auftrag erteilt. Ich denke, du solltest dich entschuldigen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000942.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "»Nach einem halben Jahr solltest du wissen, wann ich etwas brauche. Wofür bist du meine Kammerzofe?« Pfanne merkte, wie sie zornig wurde und all ihre guten Vorsätze und Versprechen, die sie Josefa gegeben hatte, ins Wanken gerieten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000943.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "»Ich hab mich immer gut um sie gekümmert, gnädiges Fräulein, und alle Aufgaben für sie erledigt, aber helle Seen kann ich net.« Sie machte auf dem Absatz Giert und rannte aus dem Salon.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000944.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "»Du beschämst mich, Isabella«, rief Johanna Karlmann, »ich habe dich gewiss nicht dazu erzogen, die Dienstboten schlecht zu behandeln, und ich verlange, dass du dich entschuldigst.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000945.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Isabella senkte den Blick. Sie wollte nicht, dass die anderen sahen, dass sie den Tränen nah war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000946.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Damit würde sie zeigen, dass sie impertinentes Verhalten von Dienstboten durchgehen lässt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000947.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "»Wie kannst du so etwas nur sagen, Mama? Niemand muss sich alles gefallen lassen, schon gar nicht, wenn es ungerecht ist«, rief Helene entsetzt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000948.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "»Von demokratischen Ideen verstehe ich nichts«, erwiderte Helena. »Aber seit wir gekommen sind, kümmert Fanny sich um mich, und ich weiß, dass sie sich stets die größte Mühe gibt, es mir recht zu machen. Bei Isabella wird es nicht anders sein.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000950.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "In diesem Moment ging die Tür auf und Fanny betrat den Salon. Sie hatte Helenes letzte Worte gehört und blieb überrascht stehen. Isabella sah, dass ihre Augen gerötet waren, doch jetzt hältte ihr Gesicht sich auf und sie lächelte Helene zu. Dann wandte sie sich zu Isabella.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000951.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Ihr Tuch, gnädiges Fräulein, das brauche ich nicht mehr. Isabella sprang auf und lief aus dem Salon.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000952.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Fanny trat zu Helene und blätterte die Zeitungsbeilage auf. »Wenn's einverstanden sind, werde ich diese Frisur bei Ihnen ausprobieren. Sie heißt »Psychefrisur«.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000953.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Das Bild zeigte eine junge Frau mit einem üppigen, gelockten Haartuff. Zierkämme, Bänder und Reifen schmückten die Frisur. »Das schaut sehr hübsch aus«, sagte Helene.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000955.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "»Aber wird es nicht furchtbar lange dauern?« »Ivo«, versicherte Fanny. »Die Locken, die ich Ihnen heute Morgen mit dem Brenneisen gelegt habe, halten noch.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000956.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Ich muss nur die Haare neu aufstecken und hübsch schmücken. Bis um 8 Uhr das Konzert beginnt, bin ich leicht fertig. Sie blickte in das offene Kästchen auf dem Schminktisch, in dem Helene ihre Haarspangen aufbewahrte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000957.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Der goldene Haarreif und die beiden Kämme mit den Schmetterlingen aus bunten Glassteinen würden sehr gut zu dieser psychische Frisur passen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000958.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Helenes Mundwinkel zuckten. »Bitte nimm es mir nicht übel, wenn ich dich korrigiere, aber es heißt Psychofrisur.« »Psychofrisur?«, wiederholte Fanny verlegen. »Das wusste ich nicht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000959.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "»Darum habe ich es dir ja gesagt, damit du es weißt, nicht weil ich dich zurechtweisen wollte«, erwiderte Helene rasch. »Warum gibt man einer Frisur einen Namen, den man nicht aussprechen kann, ohne sich die Zunge zu brechen?«, murmelte Fanny.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000960.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Die Frisur heißt so, weil sie Psyche, eine antike Sagengestalt zum Vorbild hat, erklärte Helene.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000961.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "Psyche war eine Königstochter von so großer Schönheit, dass sogar die Göttin Venus eifersüchtig wurde. Aber später verheiratete Venus Psyche mit ihrem Sohn Amor und die beiden bekamen eine Tochter, die sie Voluptas nannten, das heißt Wollust.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000962.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "»Hast du Isabella schon hergerichtet?«, fragte Helene. »Ja«, antwortete Fanny einsilbig. »War sie gut zu dir?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000963.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Doch sie wollte sich nicht bei Helene ausweinen. »Ich möchte Ihnen danken, dass Sie heute Nachmittag so freundliche Worte für mich gefunden haben.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000964.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "sagte sie, nahm einen der Schmetterlingskämme aus der Schatulle und steckte ihn an der rechten Seite von Helenes Frisur fest.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000965.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "»Du musst mir nicht danken, nur weil ich die Wahrheit gesagt habe.« Helene drehte den Kopf ein wenig zur Seite, um sich besser im Spiegel betrachten zu können. »Wie lange stehst du schon in Isabelas Diensten?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000966.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "»Erster knappes halbes Jahr. War sie immer so zu dir wie heute?« »Oh nein, die ersten Monate war sie sehr nett. Wir haben uns gut unterhalten und viel miteinander gelacht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000967.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "»Und was ist dann geschehen?« Fanny nahm den zweiten Kamm und befestigte ihn auf der linken Seite von Helenes Frisur.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000968.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "»Verzeihens, gnädiges Fräulein, aber es wäre falsch, darüber zu sprechen.« »Du hast recht, mich zu tadeln. Ich bin neugierig gewesen«, sagte Helene nach einer kleinen Pause.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000969.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Dass du deiner Brotherrin gegenüber so loyal bist, nötigt mir Respekt ab. Die beiden jungen Frauen warfen sich im Spiegel einen kurzen Blick zu und lächelten gleichzeitig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000970.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Dann öffnete Helene die Lade des Frisiertisches und zog einen zusammengefalteten Papierbogen heraus. »Das ist der Brief, den ich an Max geschrieben habe.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000971.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Natürlich wird Mama ihn lesen wollen.« Isabella sagt, »ich müsse mich endlich gegen sie durchsetzen. Aber ich weiß gar nicht, wie ich das anfangen soll.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000972.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "»Schreiben's doch einen zweiten Brief, in dem da steht, was Sie dem jungen Herrn Maxim wirklich sagen möchten, und schicken's den Brief heimlich ab«, schlug Fanny vor.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000974.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Helene sah sie erstaunt an, aber dann schüttelte sie den Kopf. »Nein, lieber nicht. Mama würde es herausbekommen und mir Vorwürfe machen.« »Ich bin traurig, dass Max seinen Besuch hier abgesagt hat«, fuhr sie nach einer kleinen Pause fort. »Ich habe ihn nicht mehr gesehen, seit er vor ein paar Jahren zum Militär gegangen ist.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000975.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "»Sind sie einander versprochen?«, fragte Fanny. Sofort hörte sie Josefas Stimme in ihrem Kopf. »Wie oft muss sie dann noch sagen, dass sie sich nicht gehört, andere Leute so auszufratscheln?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000976.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Verzeihen Sie«, sagte sie laut, »erzwei neugierig.« Doch Helene schien ihr sie nicht zu verübeln. Im Gegenteil, sie blabberte los, als wolle sie Fanny ihr Herz ausschütten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000977.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "»So weit sind wir noch lange nicht, obwohl es unseren Müttern gefallen würde.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000978.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Als wir klein waren, haben wir drei oft zusammen gespielt. Meistens hat Isabella bestimmt, was wir machen. Max war zwar älter und der Bub, aber er war schon damals ein kleiner Kavalier und hat seiner Schwester den Vortritt gelassen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000980.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "Als er mit 14 auf die Kadettenschule hier in Budapest kam, habe ich ihn leider nicht mehr so oft gesehen. Dann macht es doch nichts, wenn ihre Mutter versucht, eine Verbindung zwischen ihnen anzubahnen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000981.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "»Im Grunde nicht, denn ich mag ihn«, erwiderte Helene, »obwohl ich gerne einmal selbst über mein Leben entscheiden würde.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000982.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "»Ihre Frisur ist fertig, gnädiges Fräulein. Fällt sie Ihnen?«, fragte Fanny erwartungsvoll.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000983.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "Helena betrachtete sich von allen Seiten in dem dreiflügeligen Spiegel. »Sie ist sehr schön. Ich gefahle mir richtig gut.« Fanny freute sich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000984.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "»Haben Sie schon eine Wahl für Ihr Kleid getroffen? Such du mir eines aus.« Wie Isabella verließ auch Helene sich gerne auf Fannys Geschmack, und Fanny machte es Freude, ihr etwas Schönes und Außergewöhnliches zusammenzustellen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000985.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Sie ging zum Kleiderschrank und nahm eine Abendprobe aus Goldlamé mit einer auffallenden Schleppe aus pflaumenfarbenem Samt heraus.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000986.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "»Das ist mein schönstes Kleid«, stellte Helene fest. »Soll ich das wirklich zum Konzert tragen?« Pfanne nickte lächelnd.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000987.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Damit werden sie zu den hübschesten, am besten angezogenen Damen des Abends kühren. Helene streckte eine Hand aus und streichelte über den glänzenden Stoff.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000988.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Diese Robe habe ich letzten Herbst bekommen und bei der Neujahrskur am Hof getragen. Sie stammt von Madame Moreau, einer Französin, die einen sehr bekannten Modesalon in Wien führt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000989.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Helene sah sie neugierig an. »Du bist also ein Wiener Madl? Das habe ich vermutet, seit ich das erste Mal deinen Akzent gehört habe.« Fanny nickte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000990.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "»Ich bin in Wien geboren und aufgewachsen.« Sie hielt Helene das Kleid entgegen, damit sie hineinsteigen konnte. »Wie hübsch Sie aussehen, Fräulein Helene«, sagte sie, als das Kleid an Helenes Körper herunterfiel.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000991.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "»Ich wünschte, der junge Herr könnte sie so sehen. Er wird sie umwerfend finden.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000992.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "»Ich denke, er wird die Einladung irretwegen annehmen«, entgegnete Fanny. »Das ist lieb von dir, aber ich weiß, dass ich keine Schönheit bin«, sagte Helene traurig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000993.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "»Da muss ich entschieden widersprechen.« Fanny nahm sie sanft bei den Schultern und führte sie vor den Ankleidespiegel neben dem Schrank. »Nun?« Helene mustete sich ein paar Sekunden schweigend.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000994.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "Dabei verwandelte sich der bekümmerte Ausdruck auf ihrem Gesicht in ein staunendes Lächeln. Schließlich sagte sie, »Meine Güte, Fanny, du hast eine ganz neue Frau aus mir gemacht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000995.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "»Nein, nein«, wehrte Fanny ab, obwohl sie sich über das Lob freute. »Ich habe die Frau hervorgeholt, die schon immer in Ihnen gesteckt hat.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000996.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Helene drehte sich um und umarmte Fanny. »Ach, ich wünschte, ich könnte dich mitnehmen, wenn wir nächste Woche abreisen. Ich weiß gar nicht, wie ich ohne dich zurechtkommen soll.« Sie hielt inne und sah Fanny in die Augen. Dann platzte sie heraus. »Ich bin nicht mehr.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000997.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Kannst du dir vorstellen, meine Kammerzofe zu werden?« »Meinen Sie das ernst, Fräulein Helene?« fragte Fanny verwirrt. »Natürlich. Es sei denn, du willst lieber bei Isabella bleiben.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000998.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Pfanne senkte den Kopf und dachte nach. Wollte sie lieber bei Isabella bleiben?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_000999.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "»Guten Abend, Mama«, Helene trat zu ihrer Tochter und küsste sie auf die gepuderte Wange. Ida musterte sie von oben bis unten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001000.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "»Du bist ja eine richtige Erscheinung heute Abend, Nelly. Besonders dein Haar gefällt mir. Wie schade, dass Maxim dich so nicht sehen kann. Hast du den Brief an ihn geschrieben?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001001.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "»Ja, Mama«, Helene reichte ihr den zusammengefalteten Bogen. »Die Idee für die Frisur ist von Fanny. Sie hat auch das Kleid ausgesucht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001002.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Angespannt beobachtete sie, wie die Augen ihrer Mutter über die Zeilen flogen. Dann sagte sie,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001003.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "»Ich möchte, dass Fanny meine Kammer zuverwirrt. Ich habe sie bereits gefragt, und sie hat eingewilligt.« Ihre Mutter faltete den Brief zusammen und legte ihn auf ihren Frisiertisch. »Du weißt, dass du darüber zuerst mit mir hättest sprechen müssen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001004.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Helene spürte, wie der Widerspruchsgeist in ihr erwachte. »Ich bin erwachsen und möchte endlich meine eigenen Entscheidungen treffen.« Ida zog die Augenbrauen empor.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001005.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "»Lass uns bitte allein, Sophia.« Sie wartete, bis die Kammerzofe das Zimmer verlassen hatte, dann sagte sie, »Wenn du so erwachsen bist, hast du dir sicher auch bereits Gedanken gemacht, von welchem Geld du deine Kammerzofe entlohnen wirst. Du besitzt nämlich keinerlei eigenes Vermögen, mein liebes Kind.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001006.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "»Du irrst, Mama«, Helene sah erstaunend in den Augen ihrer Mutter aufblitzen und verspürte einen unerwarteten Moment des Triumphes.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001007.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Wenn ich mit Max verheiratet bin, verfüge ich über genug Geld, um ein ganzes Dutzend Kammerzofen einzustellen, wenn ich das möchte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001008.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Ida nahm den Flakon mit dem teuren französischen Parfüm, das sie sich in Sandor Kahlmanns Warenhaus ausgesucht hatte. Sie zog den Kristallverschluss heraus und tupfte ein paar Tropfen auf Hals und Dekolleté. »Ich wundere mich über deinen Ton, Nelly.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001011.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Aber im Grunde ist es einerlei, was du vorbringst. Dieses Mädchen wird nicht bei uns arbeiten. Ich habe erlebt, wie frech sie ist. Sie weiß nicht, wo der Platz eines Dienstboten ist.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001012.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Helene wurde so ärgerlich wie noch nie in ihrem Leben. Sie musste die Lippen zusammenpressen, damit ihr keine unbedachten Worte entschlüpften. Gleichzeitig überlegte sie fieberhaft, wie sie ihrer Mutter umstimmen konnte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001013.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Ida Bathuri stand auf und griff nach dem Abendtäschchen auf dem Frisiertisch. »Es ist höchste Zeit, hinunterzugehen. Ich möchte nicht, dass unsere Gastgeber auf uns warten müssen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001014.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Sie wollte zur Tür, aber Helene hielt sie fest. »Einen Moment noch, Mama.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001015.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Was wir ihr bis zu meiner Hochzeit als Lohn bezahlen, bekommst du danach zurück.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001016.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Istvan hatte das Automobil aus dem Unterstand gefahren und lud mit seinem Vater die Koffer auf den Gebäckträger am Heck. Die Zofe der Baronin stellte währenddessen den Korb mit dem Reiseproviant auf die Rückbank des Wagens.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001017.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Johanna Kahlmann stand neben ihrem Mann auf dem Hof und plauderte mit der Baronin und Helene. Zum Schutz gegen die Sonnenstrahlen hatten die Damen zierliche, spitzenbesetzte Schirme aufgespannt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001018.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Sandor Kahlmann, ein stattlicher Mann mit einem grauen Spitzbart und buschigen grauen Augenbrauen, blickte irritiert zum Hauseingang.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001019.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Die Gäste wollten aufbrechen, aber seine Tochter war nicht da, um sich zu verabschieden. Seine Frau hatte ihm versichert, dass Isabella nicht krank war, obwohl sie sich schon zum Frühstück hatte entschuldigen lassen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001020.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Auch von Fanny fehlte jede Spur. Obwohl Andrasch die Kiste mit ihrer Nähmaschine und ihren Koffer bereits aufgeladen hatte. »Es wird Zeit!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001021.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Sandor Kahlmann blickte auf seine Taschenuhr. »Ich frage mich, wo Isabella sich herumtreibt.« »Fan ist auch noch nicht da«, sagte Helene und schaute zur Dienstbotentür. »Ich frage mich, wo Isabella sich herumtreibt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001022.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "»Ich hoffe nicht, dass du deiner neuen Kammerzofe noch beibringen musst, was Pünktlichkeit bedeutet«, kommentierte Ida Bathory Spitz.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001023.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "»Gewiss nicht, Mama«, erwiderte Helene unbehaglich. »Bestimmt ist sie gleich da.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001024.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Fanny stand in ihrer Dienstbotenkammer unter dem Dach und blickte sich um. Der schmale Schrank und die Kommode waren leergeräumt und auf dem Waschtisch fehlten ihr Kamm, ihre Bürste und die Schale mit ihrer Seife.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001025.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Bisher hatten sich, bei allen ihren Stellungen, die Unterkünfte der Herrschaften und der Dienstboten hinsichtlich der Größe und des Komforts sehr voneinander unterschieden, und im Grunde hatte sie gar keine Lust mehr, in die nächste winzige Kammer zu ziehen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001027.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Eigentlich verging kein Tag, an dem sie sich nicht fragte, ob es richtig war, nun in Helene Barthoris Dienste zu treten. Sie schätzte die Baroness und glaubte, dass sie gut miteinander auskommen würden, doch das hatte sie bei Isabella anfangs auch geglaubt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001028.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Außerdem mochte sie Baronin Bathory nicht. Sie erschien ihr kalt und überheblich und mischte sich unaufhörlich in das Leben ihrer Tochter ein. Auch wenn Fanny an Josefa dachte, war er nicht ganz wohl zumute. Gestern hatte sie den Brief an ihre alte Erzieherin abgeschickt, indem sie ihr den neuerlichen Stellenwechsel beichtete.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001029.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Fanny wollte sich umdrehen, aber in diesem Moment schlangen sich zwei Arme von hinten um ihren Körper. »Bitte bleib«, flüsterte Isabella und schmiegte sich eng an sie.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001031.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Fanny erstarrte. Als sie Isabella informiert hatte, dass sie ihre Stelle als Kammerzofer bei ihr aufgeben würde, hatte Isabella nur kühl erwidert,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001032.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Tu, was du nicht lassen kannst. Von dem Moment an hatte sie auf Fannys Dienste verzichtet und sich von Rosa helfen lassen und Fanny hat nicht mehr an einen versöhnlichen Abschied geglaubt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001033.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Doch jetzt war Isabella da, ganz plötzlich und unerwartet, und ihre Worte trafen Fannyviers heiterem Himmel.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001034.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Einige Momente war sie völlig durcheinander, doch dann legte sie ihre Hand auf Isabellas Unterarme, löste sich sanft, aber nachdrücklich aus ihrer Umklammerung und drehte sich zu ihr.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001035.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "»Es gibt kein Zurück«, sagte sie fest. »Sie wissen warum.« Isabella sah sie verzweifelt an.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001036.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "»Kannst du mir denn nicht verzeihen?« drängte sie. »Es liegt daran, dass ich mich noch nicht bei dir entschuldigt habe, nicht wahr?« »Dann tue ich es jetzt. Fahne Schindler, ich bitte dich um Entschuldigung.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001037.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Sie ergriff Fannys Hände und presste sie. Fanny räusperte sich unbehaglich und suchte nach Worten. »Sie hatten wirklich einen schlimmen Pick auf mich in der letzten Zeit, aber daran will ich nicht mehr denken.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001038.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Sie versuchte, sich zu befreien, aber Isabella hielt sie nur noch fester. »Warum bleibst du dann nicht?« »Ich stehe bei Fräulein Helena im Wort und möchte Stelle bei ihr antreten.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001039.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "»Aber was willst du bei ihr?« entgegnete Isabella. »Sie ist langweilig, und es ist ihr völlig egal, was sie anzieht. Außerdem ist es furchtbar öde in der Puster.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001040.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Als du meine Küße erwidert hast, schienst du keine Bedenken zu haben«, gab Isabella bitte zurück, und ihre blauen Augen blitzten Fanny an. »Du hast Angst vor meiner Art zu leben, nicht wahr? Aber das musst du nicht. Du musst keine Angst vor mir haben.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001041.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Sie umarmte Fanny ungestüm und versuchte, sie zu küssen. »Nein!« Fanny schob sie so heftig von sich, dass Isabella rückwärts stolperte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001042.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "»Dann geh doch«, schrie Isabella, »verschwinde!« Brüsk wandte sie sich ab und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001043.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Fanny atmete tief durch. Isabellas Verzweiflung schmerzte sie tief, und sie wollte nicht im Streit mit ihr auseinandergehen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001044.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "»Wenn ich falsche Hoffnungen bei Ihnen geweckt habe, tut es mir von ganzem Herzen leid«, sagte sie.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001045.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Ich wünsche Ihnen wirklich, dass Sie den Menschen finden, den Sie so sehr sehnen und dass Sie glücklich werden. Aber ich bin nicht dieser Mensch.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001046.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Angespannt blickte sie auf Isabellas starren Rücken. Als sie nicht reagierte, wandte Fanny sich traurig um. Adieu, gnädiges Fräulein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001047.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Helene liebte das Landleben und genoss jeden einzelnen Tag in der Pusta, aber Fanny fand es ihr bedrückend einsam. »Du meine Güte, ist diese Gegend flach. Man sieht ja schon vier Wochen vorher, wann Besuch kommt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001048.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Auch ihre Talent als Kammerzofe waren überflüssig. Es gab keine eleganten Gesellschaften oder Bälle, und wie Isabella prophezeit hatte, legte Helene keinen Wert darauf, sich hübsch zu machen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001049.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Fanny hatte vielmehr den Eindruck, dass sie in ihr eine Freundin suchte, mit der sie ausreiten und sich unterhalten konnte. Helenes Vater hatte Fanny gleich am Tag ihrer Ankunft kennengelernt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001050.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Das Stadtkind Fanny, das gewohnt war, Lebensmittel im Geschäft oder auf dem Markt zu kaufen, hatte staunend erlebt, dass man sich auf dem Gut mit allem, was man aß, selbst versorgte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001051.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Die grauen Jäger wurden unbarmherzig verfolgt und waren sehr selten geworden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001053.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Helene hatte behauptet, das Pony sei lahmfromm, aber jedes Mal, wenn Fanny aufsteigen wollte, versuchte es, sie in den Po zu kneifen, und manchmal blieb es einfach stehen und verweigerte jede Reaktion auf Fannys Befehle, so sehr sie auch versuchte, es anzutreiben.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001054.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Kurz hinter dem Gut waren Knechte mit der ersten Mahd beschäftigt. In langen Reihen schritten sie über das Grasland und schwangen gleichmäßig ihre Sensen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001055.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Hinter ihnen gingen Frauen, die das Gras mit hölzernen Rechen auseinanderzogen, damit es gut trocknete.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001056.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Helene machte Pfanne immer wieder auf kleine Besonderheiten rechts und links des Weges aufmerksam. »Das ist Meerkohl«, sagte sie und zeigte auf eine kniehohe Pflanze mit fleischigen Blättern. »Man kann ihn kochen und essen. Und da drüben, die silbrigen Büschel, das ist Wermutkraut.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001057.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "»Ich dachte immer, Wermut sei ein Schnaps«, erwiderte Fanny, die sich erinnerte, dass Josefa nach einer schweren Mahlzeit gern ein Gläschen Wermut für die Verdauung trank.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001058.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "»Das ist richtig,« antwortete Helene, »aber der Schnaps wird aus diesem Kraut hergestellt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001059.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "»Die Alsa-Vorstadt kenne ich nicht«, sagte sie. »Wie lebt man dort? Erzähl mir doch ein bisschen von dir, Fanny.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001060.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "»Aber was ist mit deinen Eltern passiert? Warum bist du nicht bei ihnen geblieben?«, fragte Helene. Offensichtlich wusste sie nichts über den Sinn und Zweck eines Findelhauses.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001061.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Fällt dir denn nicht auf, wie fahl Nellys Teil wirkt, wenn sie grün trägt? Und das blaue Kleid kannst du auch gleich wieder weghängen. Es trägt um die Hüften auf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001062.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "»Kritisierte sie, als Fanny mit zwei Kleidern über dem Arm aus dem Ankleidezimmer kam. Sie stand hinter ihrer Tochter und zerrte an der Schnürung des Korsetts, bis Helene keuchte.« »Hör auf, Mama, ich werde gleich ohnmächtig.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001063.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Der Baron erhob sich von seinem Platz am Kopfende der Tafel.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001064.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "»Papa«, rief Helene empört, »du sollst nicht so reden.« »Habe ich denn nicht recht, meine Kleine?« Laszlo Bathory küsste seine Tochter auf die Wange, bevor er verschwand.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001065.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Während er durch die Wiese lief, fiel ihm jedoch ein, dass auch seine eigene Mutter in zahlreichen Briefen an ihn die Vorteile einer ehelichen Verbindung mit der Spielkameradin seiner Kindheit betont hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001066.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Ich ahne jetzt schon, wie groß Ihre Enttäuschung sein würde, falls Nelle und ich nicht heiraten, dachte er. Er lehnte sich an den dicken Stamm eines alten Apfelbaumes und zog sein Zigarettenetui aus der Hosentasche.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001067.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Heirateten sie jedoch, würde es der Familie Kahlmann beträchtlichen Nutzen bringen. Seinem Vater würden sich neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen, und seine Mutter konnte ihre Verbindungen zum Adel der Monarchie vertiefen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001068.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "Er selbst strebte eine militärische Karriere im Generalstab der K&K-Armee oder ein eigenes Kommando an, und dafür wäre es ihm in Zukunft mehr als nützlich, wenn seine Frau altem katholischem Adel entstammte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001069.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Er war sicher, dass sie als Eheleute gut miteinander auskommen würden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001070.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "Trotzdem lauerte in seinem Herzen ein winzig kleiner Zweifel, der beharrlich fragte, ob kühl kalkulierende Vernunft wirklich reichte, damit zwei Menschen den Rest ihres Lebens glücklich zusammen verbringen konnten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001071.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Sie kannten sich seit Kindertagen. Trotzdem fühlte er sich ein bisschen wie bei einer Lotterie.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001072.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Wo er beim Loskauf auch nicht vorher wusste, ob er eine Niete oder den Hauptgewinn zog. Ob Nelle ähnlich fühlte wie er?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001073.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Er erkannte, dass er nicht die geringste Ahnung hatte, was in ihrem Kopf vorging, und beschloss, dass sie sich unbedingt neu kennenlernen mussten, bevor sie sich für immer aneinander banden. Ein leises Rauschen riss ihn aus seinen Gedanken.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001074.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Sie hielt den Kopf gesenkt und hatte ihn noch nicht bemerkt. Fest drückte sie eine kleine schwarze Stallkatze an ihre Brust. »Ach, Morle!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001075.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Die junge Frau fuhr inzwischen fort, dem Kätzchen ihr Leid zu klagen. »Noch schrecklich als die Langeweile ist die Baronin. Ich sag dir, Morley, sie ist die schlimmste Biskuan, die ich je kennengelernt hab. Sie mag mich nett und findet ständig etwas an mir auszusetzen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001076.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Max hörte ein leises Schniefen und runzelte unbehaglich die Stirn. Weinende Frauen machten ihn nervös, denn er fühlte sich immer gedrängt, den Grund ihres Kummers zu beseitigen, auch wenn das oft gar nicht in seiner Macht lag.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001077.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Doch er war dazu erzogen worden, sich Frauen gegenüber ritterlich zu verhalten und ihnen alle Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001078.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Und wenn er das nicht konnte, fühlte er sich hilflos. Und er hasste es, sich hilflos zu fühlen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001079.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "»Ich habe wirklich gute Absichten«, schluchzte die junge Frau auf der anderen Seite des Baumstamms. »Aber irgendwie geht immer was schief.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001080.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Gebietet es die Höflichkeit nicht, dass Sie sich vorstellen, bevor Sie mich ausfragen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001081.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Sie lächelte. »Ich glaub, Sie sollten auch so eine Laterne tragen.« Er nickte langsam.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001082.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "»Damit er mit dir liebtun kann«, hörte sie wieder Josefas Stimme hinter ihrer Stirn. »Ich sollte darauf überhaupt nicht hören«, murmelte Fanny halblaut. »Sie kennt Max ja nicht einmal.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001083.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "»Das muss ich auch nicht«, antwortete die Stimme in ihrem Kopf. »Da sind die Mannsbilder nämlich alle gleich.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001084.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Fanny presste die Lippen zusammen. Sie fühlte sich gerade sehr glücklich und wollte sich da keinesfalls von irgendwelchen Zweifeln verderben lassen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001085.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Sie ließ die Hände sinken und betrachtete den dicken, geflochtenen Zopf im Spiegel, den sie wie einen Ehrenkranz um ihren Kopf gesteckt hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001086.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Dazu trug sie eine weiße Bluse und einen weiten, bunten Rock. Die Tracht hatte sie bei den Bauermädchen auf dem Markt gesehen, als sie mit Adam ins Dorf gefahren war, und sie hatte ihr so gut gefallen, dass sie gleich Stoff gekauft und mit dem Nähen angefangen hatte. Nur die bestickte Weste fehlte noch.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001087.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Aber es war auch abends noch so warm, dass sie darauf ohnehin verzichtet hätte. Sie warf einen Blick auf den Wecker auf ihrem Nachttisch. Es war fast halb neun.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001088.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Ob Max schon beim Apfelbaum auf mich wartet? überlegte sie, als sie in ihre Schuhe schlüpfte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001089.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Heute hatte sie ihn überhaupt noch nicht gesehen. Gleich nach dem Frühstück waren er und Helene zu einem langen Ritt in die Puste aufgebrochen. Fannys Anwesenheit als Anstandsdame war nicht erwünscht gewesen, und so hatte sie viel Muße gehabt, sich die gestrige Begegnung mit Max wieder in Erinnerung zu rufen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001090.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Sie hatte auch überlegt, ob sie in ihn verliebt war. Eine Erfahrung, die in ihrem Leben immer noch fehlte und von der sie sich fragte, woran sie überhaupt erkennen würde, dass sie verliebt war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001091.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Wenn Rosa von ihrem Karl geschwärmt hatte, hatte sie immer davon geredet, dass sie sich nichts Sehnlicher wünschte, als ihr ganzes Leben mit ihm zu verbringen und mit ihm eine Familie und ein Heim zu gründen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001092.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Doch danach sehnte Fanny sich nicht, wenn sie an Max dachte. »Nein«, sinnierte sie, während sie zum Fenster ging und die Läden öffnete, die sie tagsüber zum Schutz vor der Hitze geschlossen hatte. »Verliebt bin ich nicht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001093.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Dennoch verspürte sie ein verwirrendes Verlangen nach ihm, das sich am ehesten mit Hunger oder Gier vergleichen ließ und von einem aufregenden Krippeln tief in ihrem Bauch begleitet wurde.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001094.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Sie schaute in den Garten und erblickte Max. Beschwingten Schrittes durchquerte er die Pforte, die vom Garten auf die Obstbaumwiese führte, bog rechts ab und verschwand hinter den Stallgebäuden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001095.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Das Krippeln in Fannis Bauch vertiefte sich. Am liebsten wäre sie ihm hinterher in den Obstgarten gerannt, aber sie zwang sich zur Ruhe.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001096.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Max Kahlmann sollte nicht denken, dass er's kaum abwarten konnte, ihn wiederzusehen. Sie ging zu ihrem Nachttisch, nahm das sauber gewaschene und gebügelte Taschentuch aus der Schublade und strich behutsam mit den Fingerspitzen über das gestickte Monogramm.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001097.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Dann legte sie das Tuch zurück in den Nachttisch, schloss die Schublade und ging zur Tür. Max stand unter dem Apfelbaum, einen Fuß gegen den Stamm gestützt und rauchte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001098.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Als er Fanny durch die Wiese laufen sah, warf er die Zigarette weg und winkte ihr zu. Keiner der beiden bemerkte, die Gestalte vorsichtig um die Ecke des Stallgebäudes bog und sich rasch hinter einer Gruppe Himbeersträucher am Rande der Obstwiese duckte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001099.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Sie sind gekommen«, sagte Max, als Fanny atemlos vor ihm stand. Er zog seine Jacke aus, legte sie ins Gras unter dem Apfelbaum und ließ sich daneben nieder.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001100.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "»Setzen Sie sich!« Er klopfte mit der flachen Hand auf die Jacke und lächelte ihr zu. Sie strahlte zurück und ließ sich nieder.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001101.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Es gefiel ihr, wie höflich und charmant er war. »Hoffentlich wird die schöne Jacke nicht schmutzig.« Darüber hat sich noch kein Mädchen Gedanken gemacht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001102.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Er klang verwundert, und sie sah ihn von der Seite an. »Heißt das, Sie erlauben vielen Mädchen, auf ihrer Jacke Platz zu nehmen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001103.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "»Schuldig«, erhob lachend die Hände, »aber Sie, meine Liebe, haben die Ehre, die Erste zu sein, die sich auf dieser Wrackjacke niederlässt. Die ist nämlich noch ganz neu.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001104.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Fanny kicherte und ermusterte sie eingehend. »Wissen Sie eigentlich, dass Sie heute glücklich aussehen und Ihnen das ausgesprochen gut steht?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001105.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Sie zupfte mit einer Hand ihren Rocksaum zurecht. »Heute habe ich auch Grund zur Freude.« »Ja?« Er beugte sich ein wenig näher zu ihr. »Und welchen Grund haben Sie?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001106.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "»Das wissen's genau«, gab sie ein wenig verlegen zurück. »Sagen wir, ich hoffe es zu wissen. Wo haben Sie überhaupt mein Taschentuch?« »Ich habe es noch nicht gebügelt«, schwindelte sie.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001107.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "»Oh, dann müssen wir uns ja noch einmal treffen.« Er musterte sie forschend. »Ist es das, was Sie wollen? Oder möchten Sie das Taschentuch behalten?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001108.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "»Bilden Sie sich nur nix ein«, gab sie schnippisch zurück, weil er sie so leicht durchschaut hatte. Er ließ sich der Länge nach ins Gras sinken, stützte sich auf einen Ellbogen und schaute sie von unten herauf an.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001109.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Ich habe übrigens das Rätsel gelöst, das Sie mir aufgegeben haben. Sie wissen also, wie ich heiß? Wieder verspürte sie dieses wunderbare, wohlige Krippeln im Bauch. Er sah gut aus mit seinen blauen Augen, dem schmalen Bärtchen über der schön geformten Oberlippe und dem tiefschwarzen Haar.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001110.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Ihr Blick streifte seine Hände. Sie waren kräftig, von der Sonne gebräunt, mit langen Fingern und kurzen, eckigen Nägeln. Wie es sich wohl anfühlt, von diesen Händen berührt zu werden?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001111.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Er pflückte einen Grashalm und schob ihn hinter sein rechtes Ohr. »Sie heißen Fanny, Fanny Schindler. Adam hat es mir verraten.« Er schmunzelte. »Wissen Sie übrigens, dass Ihr Name ganz ausgezeichnet zu Ihnen passt?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001112.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "»Wir meinen es denn das?«, fragte sie erstaunt. Er setzte sich auf, streckte seine Hand aus und strich vorsichtig eine Haarlocke, die sich aus dem Zopfkranz gelöst hatte, hinter ihr Ohr zurück.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001113.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Was bekomme ich, wenn ich es Ihnen verrate?«, fragte er leise. »Was wollen's denn?«, fragte sie ebenso leise zurück. »Einen Guss?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001114.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Es war genau das, was sie auch wollte. Einige Momente waren nur das Summen der Bienen und Hummeln und das Zwitschern der Vögel in den Bäumen zu hören.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001115.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "Er setzte sich auf, legte eine Hand unter ihr Kinn und hob es sanft an, bis ihre Blicke sich trafen. »Ob er mich jetzt küssen wird?« fragte sie sich aufgeregt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001116.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Fanny heißt lustig«, murmelte er im Englischen. »Halten Sie mich denn für einen lustigen Menschen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001117.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "»Ich halte dich für einen Menschen mit überraschend vielen Seiten«, erwiderte er, »und es gefällt mir.« Langsam wanderte seine Hand von ihrem Kinn zu ihrem Nacken. Sein Mund näherte sich ihrem. Sie spürte seinen sanften Atem, seinen leichten Duft nach Tabak,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001118.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Und dann seine Lippen. Einen Moment verharrte er, als wolle er abwarten, wie sie reagierte, doch als er merkte, dass sie ihm entgegenkam, wurde sein Kuss tiefer und fordernder.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001119.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "»Jesus Maria, ist es fantastisch«, dachte Fanny von ihren Gefühlen davongetragen wie von einer gewaltigen Welle. Sie wollte mehr, viel mehr, und mit dem Mann verschmelzen, der sie gerade küsste. Doch er löste sich sanft von ihr.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001120.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "»Warum hörst du auf?« fragte sie enttäuscht. Er nahm ihre Rechte, führte ihre Fingerspitzen an die Lippen. »Ich möchte...«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001121.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "»Begann er und brach ab.« »Ja?« Fanny sah ihn gespannt an. Er atmete tief durch. »Ich will dich wirklich spüren, Fanny, deinen ganzen Körper, ohne all diesen Stoff zwischen dir und mir. Ich will dir so nah wie möglich sein.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001122.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "»Geht es dir genauso?« »Ja«, nickte sie, obwohl sie keine klare Vorstellung davon hatte, was er mit »wirklich spüren« meinte. Doch wenn es bedeutete, sich gegenseitig nackt von Kopf bis Fuß zu spüren, zu küssen und zärtlich zu streicheln, war es genau das, was auch sie wollte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001123.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "»Willst du heute Nacht in mein Zimmer kommen?«, fragte sie. Er schüttelte den Kopf. »Das ist so riskant. Man könnte mich sehen. Außerdem bin ich außerstande, bis heute Nacht auf dich zu warten.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001124.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Sie überlegte. »Dann lass uns in die Remis gehen. Am Abend kommt dort niemand mehr hin. Wir können in den Landauer steigen. Der ist groß und bequem und keiner wird uns stören.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001125.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Eine fantastische Idee«, er küsste sie. »Geh du vor, ich komme hinterher.« Fanny eilte auf Zehenspitzen durch die Halle des Gutshauses und schlüpfte durch die Vordertür auf den verlassenen Hof.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001126.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Dicht an die Mauern der Gebäude gedrückt, lief sie zur Remise und glitt durch eine schmale Seitentür ins Innere.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001127.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "Unwillkürlich sah sie sich nach allen Seiten um, aber außer ihr befand sich um diese Zeit keine Menschenseele hier. Eilig huschte sie zum Landauer, kletterte hinein und schloss hinter sich die Tür.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001129.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Dann zog sie die Vorhänge an der Innernseite der Fenster zu, setzte sich auf die weich gepolsterte Bank und wartete. »Was wohl gleich geschieht?« dachte sie erwartungsvoll.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001130.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "»Was wohl? Liebtun will er mit dir, wie ich es gesagt habe«, meldete sich wieder Josefas Stimme in ihrem Kopf. »Und du fallst drauf rein, du dummes Tschapperl!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001131.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Auf gar nichts fall ich rein, dachte Pfanne ärgerlich. Ich bin hier, weil ich hier sein will.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001132.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "»Aber du weißt schon, dass er sich mit dem Fräulein Helene verloben wird«, erwiderte Josefas Stimme. Dieser Einwand brachte Fanny sekundenlang aus dem Gleichgewicht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001133.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Tatsächlich hatte sie überhaupt noch nicht darüber nachgedacht, dass sie ein Stelldicher ein mit Helenes künftigem Bräutigam hatte. Aber sie sind noch gar nicht verlobt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001134.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "dachte sie und fühlte sich dabei ein bisschen kleinlaut. Und wenn sie sich tatsächlich verloben, dann weil es dem Vorteil ihrer beiden Familien dient. Es ist ein Geschäft, weiter nix.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001135.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Sie wollte dieser Verlobung ja auch gar nicht im Weg stehen, aber Max' Küsse hatten Verlangen und Neugier in ihr geweckt. Sie musste einfach wissen, wie sich Liebe und Leidenschaft anfühlten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001136.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "»Herr Gott«, dachte sie, »ich bin fast 21 Jahre alt und hab noch nix erlebt.« Das leise Klappen der Tür zur Remise unterbrach ihre Gedanken.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001137.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "Schritte tappten über den festgestampften Lehmboden, dann schlüpfte Max in den Landauer und glitt neben Fanny auf die Sitzbank. Ohne ein Wort nahm er sie in die Arme und küsste sie.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001138.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "»Herr Kahlmann, ich glaub, Sie fahren mich geradewegs ins Paradies«, flüsterte Fanny atemlos, als er sie freigab, und schmiegte sich an ihn. Seine Arme umschlossen sie, und seine Hände streichelten ihren Rücken hinab bis zu ihren Po-Backen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001139.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Nur widerstrebend lösten sie sich voneinander, damit er seine Jacke abstreifen konnte, und während Fanny seine Weste aufknöpfte, öffnete er die Verschlüsse ihres Kleides.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001140.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Sein Mund wanderte über ihren Hals zu den runden Wölbungen ihrer Brüste. Dann rutschte er von der Bank und kniete sich zwischen ihre Schenkel.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001141.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Die Fingerspitzen seiner rechten Hand suchten ihren Mund und bedeckten sanft ihre Lippen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001142.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "»Willst du enden wie deine Mutter?« Fannis lustvolle Gefühle lösten sich mit einem Schlag in nichts auf. Es lief ihr kalt den Rücken hinunter und schnürte ihr die Kehle zu. Sie drückte beide Hände gegen Max' Brust und stieß ihn mit aller Kraft von sich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001143.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Völlig überrascht stürzte er rückwärts und fing sich gerade noch mit einer Hand ab.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001144.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Sie raffte ihr offenes Kleid über der Brust zusammen, sprang von der Bank und stieß die Tür des Landauers auf. Während er sich verwirrt aufrappelte, hasteten ihre Schritte über den Boden der Remise, eine Tür wurde aufgerissen und wieder ins Schloss geworfen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001145.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "Dann war es still. In den nächsten beiden Wochen ging Fanny Max aus dem Weg. Das war nicht schwer, denn ihre Arbeit beschränkte sich darauf, sich um Helene zu kümmern, und das tat sie meistens in deren Zimmer.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001146.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Doch in der Nacht war es schwierig, sich abzulenken. Oft wälzte sie sich schlaflos hin und her, aber das lag nicht an der Augusthitze, die ihr Zimmer in einen stickigen Glutofen verwandelte, es waren Josefas Worte, die ihr nicht aus dem Kopf gingen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001147.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "»Willst du enden wie deine Mutter? Eins führt zum anderen und am Ende entsteht aus Leichtfertigkeit der Kind«, hatte die Erzieherin ihr vor etlichen Jahren gepredigt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001148.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "Wenn Fanny daran dachte, wie leicht diese Warnung Wirklichkeit hätte werden können, verspürte sie einen Schock.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001149.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Eine Heirat mit Max war ebenfalls ausgeschlossen. Fanny war nicht so dumm zu glauben, dass ein junger Herr wie er, der obendrein so gut wie verlobt mit einer anderen war, beabsichtigte, sie zu heiraten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001151.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Er würde nicht riskieren, dass seine Familie und seine Freunde ihn verstießen oder er seine gesellschaftliche Position verlor und seine militärische Karriere ruinierte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001152.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Doch all diese vernünftige Einsicht änderte nichts daran, dass Fanny sich schrecklich nach Max sehnte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001153.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Nach seiner Stimme, seinem Geruch, seinem Mund auf ihrem Mund und seinen Händen auf ihrer Haut. Wenn sie nachts allein in ihrem Bett lag, berührte sie jene verborgenen, lustvollen Stellen ihres Körpers zwischen ihren Schenkeln und stellte sich vor, dass es seine Hände waren, die sie streichelten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001154.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Doch all das vermochte ihr Verlangen nicht auszulöschen, und allein die Angst vor einem Schicksal wie dem ihrer Mutter hielt sie davor zurück, zu ihm zu laufen und sich in seine Arme zu werfen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001155.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Max fühlte sich wie betäubt, seit Fanny so plötzlich aus der Remise geflohen war. So etwas war ihm noch mit keiner Frau passiert. Irgendetwas musste er falsch gemacht haben.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001156.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Hätte er Fanny mehr umwerben müssen? Oder hatte er sie verschreckt, weil er zu schnell zu viel gewollt hatte?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001157.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Doch wenn er sich die Einzelheiten ihrer Begegnung in Erinnerung rief, spürte er, dass sie auf ihn ebenso hungrig gewesen war wie er auf sie.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001158.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Eine Woche lang wartete er jeden Abend unter dem Apfelbaum und hoffte auf ein Treffen und ein klärendes Gespräch mit ihr. Doch er wartete vergeblich, und auch sonst sei er Fanny nur kurz und nie allein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001159.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Schließlich schrieb er ihr einen Brief, in dem er sie um ein Treffen bat. Doch als er den Umschlag unter ihre Tür hindurchschieben wollte, stand plötzlich die Zofe der Baronin hinter ihm.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001160.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Er hatte sich zu Tode erschrocken und es gerade noch geschafft, den Brief im Ärmel seiner Jacke zu verbergen. Später hatte er den Umschlag verbrannt und sein Vorhaben aufgegeben.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001161.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Zu leicht konnte so ein Brief in die falschen Hände fallen. Einige Tage später sah er Fanny und Helene zusammen im Garten sitzen. Fanny beugte sich über eine Näharbeit und Nelle hielt einen Stickrahmen in den Händen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001162.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Er verbarg sich hinter einem Gebüschers hohen Malven, sodass die beiden jungen Frauen ihn nicht bemerkten und beobachtete von dort, wie sie sich unterhielten und zusammen lachten, so als wären sie Freundinnen und nicht Dienstherrin und Dienerin, und plötzlich verstand er, warum Fanny an jenem Abend davongelaufen war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001163.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Aus Loyalität gegenüber Helene. Er war unglaublich erleichtert, endlich einen Grund für Fannys seltsames Verhalten gefunden zu haben und noch erleichterter, dass er nichts mit ihm zu tun hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001164.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Auch am Nachmittag vor Helenes Nachmittagsfeier saßen die beiden jungen Frauen im Garten zusammen. Die Baronin besprach in der Küche mit der Köchin noch einmal die morgigen Speisen und Max war mit dem Baron zur Rinderherde geritten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001165.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "»Freuen Sie sich schon auf das Fest, gnädiges Fräulein?«, fragte Fanny, während sie eine schmale Samtborte an die Weste stichelte, die sie sich genäht hatte. Der Namenstag war ein wichtiges Familienfest, wichtiger sogar als der Geburtstag.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001166.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Sie blickte sich kurz nach allen Seiten um und flüsterte dann, »Papa wird morgen auf dem Fest Max und meine Verlobung bekannt geben.« »Herr Karlmann hat Ihnen also einen Antrag gemacht. Ich gratuliere Ihnen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001168.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Ungeachtet ihrer eigenen verwirrenden Gefühle, freute Fanny sich, dass sich für Helene und Max alles gefügt hatte. »Es war so romantisch«, schwärmte Helene. »Max und ich befanden uns fast genau an der Stelle, wo wir beide jetzt sitzen. Dort drüben.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001169.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Sie zeigte auf eine gusseiserne kleine Bank, die unter einem von Kletterrusen überwucherten Torbogen stand. Er hat meine Hand genommen und mir gesagt, dass er mich sehr schätzt und achtet. Dann hat er sich vor mich gekniet und mich ganz feierlich gefragt, ob ich einwilligen wolle, seine Frau zu werden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001170.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Ich war so nervös, dass ich gar nichts sagen konnte, sondern nur nicken. Da hat er mich in die Arme genommen und geküsst. Und erst dann konnte ich wirklich glauben, was gerade passiert war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001171.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "»Wirklich sehr romantisch«, murmelte Fanny und beugte sich über ihre Näharbeit. Die Erwähnung des Kusses zwischen Max und Helene hatte sie unerwartet schmerzlich getroffen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001173.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "Schließlich wusste sie genau, wie es sich anfühlte, von Max geküsst zu werden, und sie wollte dieses Gefühl nicht mit einer anderen Frau teilen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001174.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "»Das klingt jetzt nicht, als würdest du dich für uns freuen«, stellte Helene irritiert fest.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001175.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Gewiss tue ich das«, beeilte Fanny sich zu versichern, aber hörte selbst, wie dürr ihre Worte klangen. Helene jedoch schien ihre Antwort zu genügen. Sie rückte ihren Stuhl nahe an Fannys und wisperte, »Hier,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001176.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Erschrocken blickte Fanny auf. »Was meinen Sie?« Helene sah sie mit großen Augen an. »Ich bitte dich, Fanny, das weißt du doch.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001178.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "Sie holte tief Luft, aber sie hatte keine Ahnung, was sie sagen sollte. »Ich weiß nicht«, stottete sie, »fühlt sich ein Kuss nicht für jeden von uns anders an?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001180.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "»Und du?« Fannys Magen zog sich zusammen. Durch irgendeinen dummen Zufall musste Helene sie und Max unter den Apfelbäumen bei ihren leidenschaftlichen Küssen beobachtet haben, und jetzt steckte Fanny bis zum Hals in Schwierigkeiten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001182.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "»Was bin ich nur für eine dumme Gans?« dachte sie entsetzt über sich selbst. »Schon wieder habe ich mich in eine unmögliche Situation gebracht. Wie es gibt es keine zweite, die so deppert ist wie ich.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001183.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Krampfhaft überlegte sie, wie sie aus dieser Situation herauskommen konnte, doch ihr Kopf war wie leergefegt. Auf alles gefasst sah sie Helene an. Wenn die Baroness ihr als nächstes mitteile, dass sie ihre Sachen packen konnte, hatte sie es verdient.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001184.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Doch zu ihrer grenzenlosen Verblüffung beugte die junge Frau sich vor und legte ihr eine Hand auf den Arm.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001185.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Verzeih, dass ich dich mit unmöglichen Fragen bedrängt habe«, sagte sie. »Ich hatte einfach gehofft, dass du mehr über die Liebe weißt als ich.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001186.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Ihre Fantasie war mit ihr durchgegangen, wahrscheinlich, weil sie so ein schlechtes Gewissen hatte. Deshalb hatte sie Helene völlig falsch verstanden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001187.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "»Über die Hochzeitsnacht kann ich Ihnen zwar nix verraten, aber machen Sie sich keine Sorgen, gnädiges Fräulein«, versicherte sie eifrig. »Herr Kallmann ist ein guter Mensch. Er wird zärtlich und behutsam mit Ihnen sein.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001188.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Wann lernte sie endlich erst nachzudenken, bevor sie redete? Hastig stammelte sie. »Das habe ich jedenfalls immer gedacht, wenn ich sie beide miteinander gesehen habe.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001190.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "»Ich glaube, ich verliebe mich gerade in Max«, fuhr Helene mit einem winzigen Lächeln fort. »Ich hatte ihn schon immer gern und habe nicht erwartet, dass ich mich verlieben würde. Es fühlt sich an, als habe ich ständig Herzklopfen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001191.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Sie legte ihren Stickrahmen auf den Tisch, beugte sich in ihrem Stuhl weit vor und umarmte Fanny. »Danke, dass du mir zugehört hast.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001192.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Und morgen werde ich endlich mein Versprechen einlösen und mit Mama wegen deiner Mutter sprechen. Du wirst sehen, Fanny. Es wird alles gut.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001193.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Gut Batorie und Wien 1910", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001194.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "Darum herum lagen hübsch verpackte kleine Geschenke und Glückwunschkarten von ihren Taufpaten,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001195.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Kaum hatten sich alle gesetzt, öffnete sich die Tür erneut und die Hausangestellten erschienen. Die Köchin ging am Schluss und trug eine Platte mit Helenes Lieblingstorte, einem süßen Gebilde aus Biskuit, Schokoladencreme und Karamehl.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001196.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Während die Hausangestellten nacheinander gratulierten, blickte Fanny verstohlen zu Helene und Max. Helene strahlte und Max wirkte gewohnt charmant, als er ihre Hand an die Lippen führte und ihr zulächelte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001197.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Nach dem Frühstück wollte Helene ein Bad nehmen und sich mit Fannis Hilfe die Haare waschen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001198.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Auf dem Hof waren inzwischen die Vorbereitungen in vollem Gange. Helenes Namenstag wurde von Baron und Baronin Bathory alljährlich mit einem großen ausgelassenen Fest gefeiert, an dem von den Hirten über die Knechte bis zum jüngsten Stallburschen und den Küchenmädchen alle Gutsbewohner teilnahmen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001199.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Adam hatte die Tore der Remise geöffnet und die Wagen herausgefahren, damit die Knechte dort Tische und Bänke aufstellen konnten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001200.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Danach bauten sie eine Feuerstelle und ein Gestell auf, an das sie den Bogra hängten, einen großen gusseisernen Kochkessel.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001201.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Während die Küchenmädchen Körbe mit Geschirr und Besteck herbeischleppten und die Tische deckten, entzündete die Köchin das Feuer unter dem Bogra und bald brodelte darin eine würzige Suppe aus Rindfleisch, Kartoffeln, Paprika, Tomaten und Zwiebeln.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001203.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Appetitanregende Aromen zogen über den Hof und mischten sich mit dem Duft der frischgebackenen Hefeteigfladen, die mit Schafskäse und Sauerrahm gegessen wurden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001204.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Zur Trinken gab es Palinka, der aus den Aprikosen des Gutes gebrannt wurde, und dunklen Rotwein aus den Weingärten im Süden des Landes.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001205.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "Wie immer ließ der Baron es sich nicht nehmen, die erste Flasche Palenka an die Dienerschaft auszuschenken und mit ihnen auf ein gelungenes Fest anzustoßen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001206.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Um die Mittagszeit traf eine Gruppe Zigeuner ein, Männer, Frauen und Kinder, die im Sommer mit Pferden und Planwagen von Dorf zu Dorf und von Hof zu Hof durch die Puster zogen, um die Leute mit Musik, Tanz und kleinen Kunststücken zu unterhalten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001207.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Kurz nach ihnen kamen die Tschikosch, die Pferdehirten des Barons, die später waghalsige Reitkunststücke aufführen würden, mit den tief in die Stirn gezogenen Filzhüten und den leuchtend blauen Hosen und Leinenhemden saßen sie lässig in ihren breiten Sätteln und ließen ihre kurzstieligen Peitschen knallen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001208.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "Die Rinderhirten, die ebenfalls zu Pferde folgten, erhielten weit weniger Aufmerksamkeit. Am Nachmittag, als die Augusthitze nachließ, erschienen der Baron und seine Frau mit Helene und Max auf der Treppe, die zum Haupteingang des Wohnhauses führte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001209.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "In ihrem weißen, spitzenbesetzten Leinenkleid wirkte Helena schon fast wie eine Braut. Das Glück stand ihr ins Gesicht geschrieben und ließ sie hübscher als je zuvor aussehen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001210.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Max in seiner Hosarenuniform, mit den roten Reithosen und knieholenden Lederstiefeln war jeder Zoll ein junger, schneidiger Offizier und sah fast aus wie auf dem Foto, das Pfanne im Haus der Karlmanns in Budapest gesehen hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001211.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Damals hätte sie sich nicht träumen lassen, dass sie ihn eines Tages küssen würde, ja, sich ihm beinahe hingegeben hätte, aber wenn sie die beiden jetzt zusammen sah, war sie froh, dass sie es nicht getan hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001212.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Helene und Max passten gut zusammen, so als wären sie füreinander bestimmt. »Hat jeder was zu trinken?« rief der Baron in die Menge.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001213.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "»Igan, jawohl«, tönte es, und das Lachen und Reden ringsum wich gespannter Stille, obwohl sie auf dem Gut natürlich längst herumgesprochen hatte, dass das gnädige Fräulein und der junge Herr Karlmann sich verlobt hatten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001214.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Der Baron ließ den Blick über die Menge schweifen und verkündete feierlich, »Heute ist ein ganz besonderer Tag, denn meine geliebte Tochter Helene hat sich mit Maxim Karlmann verlobt.« Jubel brandete auf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001215.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Helenes Wangen glühten, sie war nicht gewohnt, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, doch Max nahm ihre Hand und gemeinsam traten sie an die Brüstung des Treppenabsatzes.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001216.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "Als Max die Braut in seine Arme zog und küsste, steigerte der Jubel sich zu lauten Hochrufen. »Illien, hoch«, tönte es von allen Seiten. »Ein langes, glückliches Leben und viele Kinder.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001217.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Der Baron hob die Rechte mit dem Schnapsbecher. »Ein hoch auf den Sommer, das Leben und die Liebe. Lasst uns darauf trinken, Ilien!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001218.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Nachdem alle die scharfe Gulaschsuppe mit reichlich Rotwein und Palinka genossen hatten, begannen die Reitvorführungen der Tschikosch. Fanny stand zwischen zwei Mägden und schaute zu, wie die Männer in halsbrecherischem Tempo die Auffahrt zum Hof hinaufpreschten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001219.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Dabei beugten sie sich weit aus ihren Sätteln herab und versuchten mit einer Hand die bunten Bänder zu greifen, die in kurzen Abständen auf dem Boden lagen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001220.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Der Sieger, ein junger Mann, der nicht nur die meisten Bände erbeutet hatte, sondern auch am schnellsten geritten war, trabte von Applaus begleitet auf seinem Pferd zu Helene und überreichte ihr die Trophäen mit einer tiefen Verneigung.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001221.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Der Höhepunkt der Darbietungen war die ungarische Post. Dafür wurden drei Vorder- und zwei Hinterpferde zusammengespannt. Ein Hirte kletterte auf eines der Hinterpferde und richtete sich auf, um sich dann mit dem linken Fuß auf die Gruppe des einen, mit dem rechten auf die Gruppe des anderen Tieres zu stellen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001222.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "Dann trieb er alle fünf Pferde mit lauten Rufen zum Galopp und drehte unter donnerndem Applaus einige Runden auf dem Hof.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001223.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Nach und nach fingen nun alle an zu tanzen. Einer der Tschikos forderte Fanny zum Tschadash auf und von da an kam sie nicht mehr zur Ruhe.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001224.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Nach dem Tschadasch folgten ein Werbungkoss, danach wieder ein Tschadasch und schließlich ein Kreistanz.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001225.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "Fanny genoss das Fest fast mehr als ihren heimlichen Besuch mit Isabella auf der Maskenball der Budapester Oper. Nach mehreren Tänzen war sie völlig außer Atem und ließ sich auf eine der Bänke fallen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001226.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Doch sie saß noch nicht ganz, da legte sich eine Hand auf ihre Schulter. Sie wandte sich um und sah die Zofe der Baronin.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001227.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "»Die gnädige Frau will dich sprechen«, sagte Sophia und wandte sich ohne weitere Erklärungen um.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001228.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Fanny folgte ihr verwirrt. Sie konnte sich nicht vorstellen, was die Baronin von ihr wollte, und sie ärgerte sich, dass Sophia nichts verraten hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001229.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001030.wav"} {"text": "In ihrer ganzen Zeit bei den Bar-Toris war sie mit der älteren, stets in strenges Schwarz gekleideten Frau nicht recht warm geworden. Fanny misstraute ihr, weil sie der Baronin treu ergeben war, umgekehrt warte auch Sophia Abstand zu Fanny.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001230.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Sophia führte Fanny zu dem kleinen Salon, in dem die Familie nach dem Abendessen zusammenzukommen pflegte. Sie klopfte kurz an die Tür und trat ein. Fanny folgte ihr.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001231.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Baronin Bathory stand in der Raummitte und sah der Kammerzofer ihrer Tochter mit Steinern am Miene entgegen. Pfanne blieb vor ihr stehen und knickste höflich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001232.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "»Sie haben mich rufen lassen, gnädige Frau?« Die Nasenflügel der Baronin vibrierten leicht. »Du packst sofort deine Sachen und verlässt dieses Haus. Adam wird dich zum Bahnhof bringen,« erklärte sie kühl.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001233.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "»Wie bitte?« Fanny starrte sie entgeistert an. »Du hast mich sehr gut verstanden«, entgegnete Ida Bathory mit so unverhohlenem Abscheu, dass Fanny erschrak.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001234.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "An die Abneigung, die die Baronin ihr entgegenbrachte, war sie gewöhnt, doch noch nie hatte sie Fanny solchen Hass gezeigt. Ida Bathory wandte sich zu ihrer Zofe, die bisher stumm neben der Tür gewartet hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001235.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "»Sag ihr, was du gesehen hast.« Sophia musterte Fanny mit einem Blick, der kaum weniger kalt war als der ihrer Herrin.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001236.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Ich habe dich und Herrn Kahlmann im Obstgarten in einer zutiefst ungehörigen Situation gesehen. Später habe ich gesehen, wie ihr in der Remise verschwunden seid.« Die Barone nickte zufrieden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001237.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "»Danke, Sophia. Du kannst jetzt gehen.« Die Zofe drehte sich um und verschwand. Fanny starrte er wie vom Donner gerührt hinterher.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001238.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "Nicht im Traum wäre ihr eingefallen, dass irgendjemand sie und Max beobachtet haben könnte, und der Schock traf sie wie ein Schlag. Ihr erster Gedanke galt der Baroness.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001239.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "»Weiß Helene davon?« fragte sie mit zitternder Stimme. Ida Bathory musterte sie wie ein Insekt, das sie am liebsten zwischen den Fingern zerquetscht hätte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001240.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "»Wenn du über meine Tochter sprichst, nennst du sie gefälligst gnädiges Fräulein, und natürlich weiß sie nichts von deiner Schande.« »Es ist genauso die Schande von Max«, rutschte es Fanny heraus.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001241.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000818.wav"} {"text": "Im ersten Moment verschlug es der Baronin die Sprache. Dann zischte sie. »Was bist du nur für ein impertinentes Stück! Und ich warne dich. Kein Wort von der Angelegenheit zu Helene. Oder du wirst Schwierigkeiten bekommen, die du dein Lebtag nicht vergessen wirst.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001242.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Fanny schluckte. Einerseits fühlte sie die Verachtung und den Hass der Baronin fast körperlich, andererseits schämte sie sich zutiefst, weil sie schon wieder durch eigenes Verschulden ihre Stellung und ihr Auskommen verloren hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001243.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Und dieses Mal war es noch schlimmer, denn sie hatte auch die Freundschaft mit Helene verspielt, einem der lebenswertesten Menschen, denen sie je begegnet war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001244.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "Gesenkten Kopfes drehte sie sich um und ging zur Tür. Doch als sie die Hand auf die Klinke legte, wandte sie sich noch einmal um. »Warum haben Sie zwei Wochen gewartet, um mich hinauszuwerfen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001245.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "»Warum haben sie es nicht gleich getan, nachdem Sophia mich und Max gesehen hatte?« »Ich wollte die Verlobung nicht gefährden«, entgegnete Ida Barthorikül.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001246.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Sie warf einen Blick auf die Uhr, die auf dem Kamin Sims hinter ihr tickte. »In dreißig Minuten bist du verschwunden. Verlass das Haus durch die Küche. Ich will nicht, dass Helene dich sieht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001247.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000528.wav"} {"text": "Wie betäubt stolperte Pfanne die Treppe hinauf in ihr Zimmer, zog ihren Koffer unter dem schmalen Bett hervor, nahm ihre Kleider aus dem Schrank und stopfte sie entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit achtlos hinein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001248.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "»Wieder einmal«, dachte sie niedergeschlagen. Als sie die Schublade des Nachttisches aufzog, sah sie Max gewaschenes und gebügeltes Taschentuch ganz oben auf dem Stapel Wäsche legen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001249.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Sie nahm es in die Hand, strich darüber und schnupperte den frischen Stärkegeruch. Stellen Sie sich vor, Sie tragen eine Laterne, die Ihnen immer den nächsten Schritt leuchtet.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001250.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000082.wav"} {"text": "»Hatte Max bei ihrem ersten Treffen unter dem Apfelbaum gesagt. An jenem Abend hatten seine Worte sie sehr getröstet, doch bewahrheitet hatten sie sich nicht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001251.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "»Jetzt stehe ich völlig allein und im Dunklen«, dachte sie verängstigt. Sie hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001252.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Ihr war nur eines klar, sie würde niemals wieder in Dienst gehen, sie hatte endgültig begriffen, dass sie für ein von Gehorsam und Unterordnung geprägtes Leben nicht geschaffen war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001253.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Doch wie sollte es weitergehen? »Vielleicht finde ich Arbeit in einer Fabrik«, dachte sie niedergeschlagen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001254.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Aber bei der Vorstellung, zehn Stunden und mehr am Tag an einer lärmenden Maschine zu stehen oder an einem Fließband zu sitzen und nichts als ein paar sich endloser Monotonie wiederholenden Handgriffe auszuführen, brach sie in Tränen aus.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001255.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "So ein Leben hatte sie sich nicht erträumt. »Lasst es, gsumpere Haschal«, hörte sie in diesem Moment Josefas Stimme in ihrem Inneren. »Jetzt kommst erst einmal heim nach Wien und dann schauen wir weiter.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001256.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Als Fanny an ihre alte Erzieherin dachte, fühlte sie tiefe Sehnsucht und plötzlich flammte auch die Hoffnung wieder wie ein winziges Licht in der Dunkelheit auf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001257.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Sie putzte sich mit Max' Taschen durch die Nase und stopfte es in ihre Rocktasche. Dann nahm sie ihren Koffer und den Kasten mit ihrer Nähmaschine und ging zur Tür.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001258.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Es tat ihr sehr leid, dass sie sich nicht von Helene verabschieden konnte. Sie würde gewiss sehr enttäuscht sein, dass ihre Kammerzofe so mir nichts dir nichts verschwand, doch daran wollte Fanny jetzt nicht denken. Sie brauchte ihre ganze Kraft und Zuversicht, um sich auf ihre Zukunft zu konzentrieren.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001259.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "»Höre ich richtig? Belästigst du mich wirklich mit so einem Unsinn, Nelly?« Undeutlich drang die Stimme der Baronin durch die geschlossene Tür. Fanny setzte vorsichtig ihr Gebäck auf den Boden und legte ihr Ohr an das Holz, damit sie besser verstehen konnte, was auf der anderen Seite gesprochen wurde.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001260.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "»Das ist kein Unsinn, Mama«, hörte sie Helene antworten. »Ich hatte gehofft, du verstehst mein Anliegen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001261.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000308.wav"} {"text": "»Verstehen? Um Himmels Willen. Manchmal glaube ich, du hast zu weit hinten gestanden, als der Herrgott die Weisheit verteilt hat. Weißt du eigentlich, was du da verlangst, Kind?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001262.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Ich bitte dich um eine Gefälligkeit für Fanny. Sie wünscht sich so sehr, endlich zu wissen, wer ihre Eltern sind. Es würde dich nur ein bisschen Tinte und Papier kosten, ihr zu helfen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001263.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Aber Fanny würde es so viel bedeuten. »Verdammt will ich sein, wenn ich für sie einen Finger krümme. Diese Frucht der Sünder sollte gar nicht erst am Leben sein.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001264.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Ida Barthoris Stimme klang schrill. Pfanne zuckte zusammen. Der Hass und die Unversöhnlichkeit in der Stimme und den Worten der Baronin traf sie wie Peitschenheber.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001265.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Auf der anderen Seite der Tür herrschte ein paar Sekunden Totenstille. Dann hörte sie Nellis bebende Stimme. »Dass du so grausam bist, hätte ich niemals von dir erwartet, Mama.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001266.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "»Aber wenn du, Fanny, nicht helfen willst, werde ich es tun. Ich kann ohne dich von unseren bekannten Informationen einholen.« Ein Stuhl wurde zurückgeschoben, rasche Schritte klackerten über den Boden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001267.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Dann hörte Fanny ein klatschendes Geräusch und Helenes Aufschrei. »Mama!« »Nichts dergleichen wirst du tun. Willst du uns in der Gesellschaft den Misskredit bringen? Was glaubst du, wie darüber getratscht wird, wenn du mit solchen Fragen haussieren gehst?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001268.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "»Aber ich will doch nur Fanny helfen.« »Und ich habe Nein gesagt. Dieses verkommene Plag verdient es nicht, dass du dich für sie einsetzt.« »Ich kann dir gar nicht sagen, wie enttäuscht ich von dir bin,« erklang Helenes Stimme.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001269.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "Wieder folgte eine kurze Pause. Dann sagte Ida Bathory beherrscht, »Du verstehst nicht, was du redest, Nelly. Es ist ohnehin zu spät. Sie ist nicht mehr da.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001270.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Was soll das heißen? Wo ist Fanny? Fört, du wirst sie nie wiedersehen. Was hast du getan, Mama?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001271.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "»Ich habe ihr gekündigt. Sie war eine schlechte Kammerzofe. Hätte ich nicht ständig aufgepasst, hätte sie aus dir eine Vogelscheuche gemacht. Wir werden eine neue Zofe für dich finden, eine, die ihr Handwerk besser versteht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001272.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "»Du dürftest sie nicht hinauswerfen, Mama. Dazu hattest du kein Recht, denn sie hat für mich gearbeitet und nicht für dich.« »Und ich will auch nicht, dass du so schlecht über sie redest. Sie hat dir nichts getan.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001273.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "»Aber mich hat sie schön gemacht, obwohl ich nicht schön bin.« Helenes Stimme klang, Tränen erstickt. »Sie war wie eine Freundin für mich. Mehr noch, ich habe sie geliebt wie eine Schwester.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001274.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Fannes Augen wurden nass. Elenas Worte gingen ihr zu Herzen und ihr wurde bewusst, wie gern sie sie hatte. Musste sie wirklich, ohne ein Wort des Abschieds, wie ein Dieb in der Nacht davonschleichen, nur weil die Baronin es so wollte?", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001275.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "»Nein«, dachte Fanny und legte die rechte Hand auf die Klinke. In diesem Moment klappte die Eingangstür und Max' Stimme rief. »Nelli, bist du hier, Nelli?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001276.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Fanny zuckte zusammen. Einen Moment stand sie wie festgewachsen und lauschte den sich nähernden Schritten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001277.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Dann bückte sie sich nach ihrem Koffer und dem Kasten mit der Nähmaschine und schlüpfte, gerade noch rechtzeitig durch die schmale Tür, die in die Küche führte, bevor Max um die Ecke bog.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001278.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "»Krözevig Sacrami, pressiert's jetzt aber wirklich?« polterte eine wütende Männerstimme und klopfte heftig an die Tür. »Eine Dreiviertelstund besetzen Sie das Häusl schon. Wollen's da herinnen hocken bleiben, bis wir in Wien sind?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001279.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Auf der anderen Seite wurde der Riegel zurückgeschoben. Dann öffnete sich die Tür und Fanny kam aus dem Abort des Zuges.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001280.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001172.wav"} {"text": "»Verzeihen Sie bitte«, sie lächelte entschuldigend, »nach der langen Fahrt musste ich mich einfach ein wenig erfrischen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001281.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Der ältere Herr starrte verblüfft auf die hübsche junge Dame vor ihm. Auf den rotblonden Locken saß ein Keckerzylinder mit einem Hutband aus weißer Spitze.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001282.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "»Keine Ursache. Wenn ich gewusst hätte, dass so eine Fesche...« stammelte er und lüftete seinen Hut. »Brauchen Sie vielleicht Hilfe mit der Bagage?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001284.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Sie sind so freundlich. Fannes Lächeln vertiefte sich. Aber danke vielmals. Ich kommts recht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001285.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001026.wav"} {"text": "Er starrte ihr mit offenem Mund hinterher, wie sie sich mit ihrem Koffer in der einen und ihrer Nähmaschinenkiste in der anderen Hand an ihm vorbei auf den schmalen Gang des Waggons zwängte und in einem der Coupés verschwand.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001286.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Zehn Minuten später fuhr der Zug laut pfeifend und schwarze Rußwolken ausstoßend in den Wiener Staatsbahnhof. Als die Waggontüren geöffnet wurden, standen schon die Kofferträger bereit.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001287.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "»Für nur zehn Heller bringe ich Ihnen das Gebäck zum Fiaka«, rief ein junger Mann, als Fanny in der Tür auftauchte. »Dankeschön, aber dafür trage ich meine Sachen selbst.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001288.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "Vorsichtig kletterte sie mit ihrem Gepäck die Stufen hinunter, doch sie verlor das Gleichgewicht und wäre gefallen, wenn der Kofferträger sie nicht rasch aufgefangen hätte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001289.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "»Ja, bist denn deppert? Sie kenn ich doch,« rief er erstaunt. »Hat's Ihnen in Budapest nimmer gefallen?« »Wie bitte? Wer sind's überhaupt?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001290.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Fanny befreite sich aus seinem festen Griff und sah ihn streng an. Dann stutzte sie und lachte. »Natürlich, mein Kavalier von der Abfahrt!«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001291.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Sie musterte seine breitschultrige Gestalt. »Ich muss schon sagen, Sie sind ein Mann geworden.« Er grinste geschmeichelt und zog die Schiebermütze tiefer in die Stirn. »Sie sehen aber auch wieder fesch aus, Gnädigste.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001292.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Er wollte sich nach ihrem Gebäck pücken, aber sie hielt ihn zurück. »Meine letzten Heller brauche ich noch.« Grinsend schüttelte er den Kopf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001293.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Da waren's fast ein Jahr fort, um Geld zu verdienen und haben immer noch keins, aber für sie trage ich das Gepäck ausnahmsweise noch einmal umsonst.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001294.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Ohne ihre Antwort abzuwarten, schultete er die Nähmaschinenkiste, nahm den Koffer und marschierte los. Fanny warf einen Blick auf die große, runde Uhr an der Stirnseite der Gleishalle. Fast halb vier.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001295.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Wenn sie heute noch alles schaffen wollte, was sie sich vorgenommen hatte, musste sie sich beeilen. »Nett hinaus, zum Gebäckraum«, rief sie dem jungen Kofferträger hinterher.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001296.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "»Soll Ihnen auch einen Fiaker rufen?«, fragte er, als sie ihre Sachen in Aufbewahrung abgegeben hatte. Sie schüttelte den Kopf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001297.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "»In ihm die elektrische und danke vielmals.« Sie wandte sich um und eilte in Richtung Ausgang. Doch so leicht ließ der junge Mann sich nicht abschütteln.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001298.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "»So warten's doch, Fräulein«, rief er, und schon tauchte er wieder neben ihr auf. Ungeduldig wandte sie den Kopf. »Was ist denn noch?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001299.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "»Wollen Sie mir nicht endlich Ihren Namen verraten?« Er hielt ihr die Tür zum Vorplatz auf. »Dafür habe ich leider keine Zeit. Davon wartet meine Straßenbahn.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001300.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Fanny lief los und winkte mit beiden Armen. »Halt! Warten!« Gerade noch rechtzeitig, bevor der Zug losrumpelte, sprang sie auf die Plattform.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001301.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "»Danke nochmals«, rief sie dem jungen Mann zu, der neben ihr hergerannt war. »Und ein richtiges Busseil habe ich auch noch nicht bekommen«, rief er, während die Bahn sich langsam entfernte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001302.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Sie beugte sich aus der offenen Tür und winkte im Lachen zu. »Vielleicht, wenn wir uns das nächste Mal treffen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001303.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Fjacker, Fuhrwerke, Kutschen und Automobile verstopften die Straßen, auf den Gehsteigen hasteten die Leute kreuz und quer und die Tische vor den Kaffeehäusern waren voll besetzt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001304.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Es war staubig und roch nach dem Benzin der Automobile und von allen Seiten prang Lärm an ihre Ohren.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001305.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "Doch als sie dem vertrauten Wiener Dialekt ihrer Sitznachbarn lauschte, verspühte sie tiefe Freude und merkte, wie sehr sie ihre Heimatstadt vermisst hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001306.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000916.wav"} {"text": "Am Schottenring stieg Fanny in einer Pferdetram um, die sie zum Stephansplatz brachte. Von dort eilte sie schnurstracks zum Graben und blieb erst vor dem Modehaus von Sarah Moreau stehen. Zwei Automobile und ein Landauer parkten vor der schwarz lackierten Tür.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001307.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "Eine Dame kam aus dem Geschäft und stieg in den Landauer, während der Kutscher dem Pagen, der sie begleitete, die großen Schachteln mit den Einkäufen abnahm und sie unter seine Sitzbank stellte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001308.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Fannis Blick wanderte zu dem Schild mit den geschwungenen Goldbuchstaben »Sara Moreau Couture« und weiter zu den in den Schaufenstern ausgestellten Roben.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001309.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "Seit ihrem ersten Besuch in dem Geschäft hatte sie die kostbaren Kleider in den Auslagen noch manches Mal sehnsüchtig betrachtet, aber es hatte bis zu ihrer langen Rückreise von der Puste nach Wien gedauert, um zu begreifen, dass sie lernen wollte, wie aus so schönen Stoffen all diese zauberhaften Kleider entstanden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001310.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Der Funkeln der Kristalllüste in der Mitte der Decke brannte, obwohl es heller Tag war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001311.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "Neu waren einzig die beiden elektrischen Ventilatoren, die sich leise summend drehten und dafür sorgten, dass die Temperaturen im Verkaufsraum trotz der sommerlichen Hitze angenehm blieben.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001312.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "Fannys Augen suchten Sarah Moreau, doch sie konnte die Französin nirgends entdecken. Dafür kam eine Verkäuferin auf sie zu.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001313.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Womit darf ich Ihnen dienen, meine Dame?« »Meine Dame«, diese Anrede gefiel Fanny ausgesprochen gut. »Ihm möcht' zu Madame Moreau«, erwiderte sie würdevoll.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001314.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "»Aber natürlich«, die Verkäuferin nickte freundlich, »wen darf ich anmelden?« »Fräulein Fandi Schindler.« »Sehr gerne«, die Verkäuferin nickte, »ich werde Madame sofort holen. Darf ich Ihnen in der Zwischenzeit ein Glas Champagner bringen lassen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001315.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Dafür waren die Röcke sehr eng, was zwar schick aussah, aber der Trägerin nur ermöglichte, sich in kleinen Trippelschritten vorwärts zu bewegen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001316.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "Verstohlen beobachtete sie eine Mutter und ihre Tochter, die auf einem Sofa in ihrer Nähe saßen und sich von einer Verkäuferin Kataloge mit der neuen Herbstmodellen zeigen ließen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001317.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "»Dieser Rock hat der große Palpourri entworfen«, erklärte die Verkäuferin. »In Paris ist er der Derniercris der Saison.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001318.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "»Ein Rock, der so eng ist, dass die Trägerin darin nur humpeln kann, als wäre sie fußkrank. Das müssen Sie mir erklären, meine Liebe«, sagte die Mutter irritiert zu der Verkäuferin.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001319.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "»Oh, wir haben eine Menge Anfragen für dieses Modell. Sehen Sie sich nur den Schnitt an.« Er verleiht jeder Frau eine wunderschöne schmale Silhouette. Die Verkäuferin tippte mit dem Zeigefinger auf die Seite im Katalog.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001320.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "»So etwas tragen jetzt wirklich alle, Mama«, warf die Tochter ein, und Fanny hörte, wie sehr sie sich einen dieser neuen Röcke wünschte. Ihre Mutter jedoch wollte nichts davon hören.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001321.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "»Ich weiß nicht, wen du mit alle meinst. Bei meinen Freundinnen habe ich so etwas jedenfalls noch nicht gesehen. Und ich weiß auch nicht, wie ich deinem Vater klären soll, dass du einen sünderen Rock brauchst, in dem du keinen Schritt laufen kannst.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001322.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Tatsächlich erhoben die Frauen sich wenig später und verabschiedeten sich. Während Fanny ihnen hinterher sah, sagte eine dunkle, rauchige Stimme mit deutlich französischem Akzent neben ihr,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001324.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "»Mademoiselle Schindler, sie wollte mich sprechen?« Fanny drehte sich um und erblickte Sarah Moreau. Mit dem kurzen, silbrigen Haar und dem kirschrot geschminkten Mund sah sie noch genauso extravagant aus, wie Fanny sie in Erinnerung hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001325.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Trotz der Sommerhitze trug sie ein hochgeschlossenes Kleid aus fließender schwarzer Seide, dessen einziger Schmuck eine große glitzernde Brosche in Form einer Eidechse oberhalb der linken Brust befestigt war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001326.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Rasch stellte Fanny ihr Champagnerglas auf ein Tischchen neben dem Sofa und stand auf. »Grüß Gott, Madame Maroux, erkennen's mich noch?« Sie streckte der Französin die Rechte entgegen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001327.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "»Oui, naturalement.« Madame schüttelte ihre Hand, aber sie klang verwirrt und Fahne merkte, dass sie sich nicht erinnern konnte. »Ich habe Ihnen den Stoff für mein erstes Ballkleid gekauft,« erklärte sie. »Es ist natürlich schon ein wenig her.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001328.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000199.wav"} {"text": "»Bien sûr. Und was kann ich heute für Sie tun?«, fragte Madame. Offensichtlich erkannte sie die junge Frau vor ihr immer noch nicht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001329.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Fanny schluckte. »Ehrlich gesagt habe ich gehofft, dass Sie noch ein Lehrmädchen suchen.« »Ah«, Madame zog die dünnen Augenbrauen empor.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001330.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "»Nun, ich denke, das sollten wir nicht hier besprechen, sondern in meinem Büro. Wenn Sie bitte mit mir kommen wollen, Mademoiselle Schindler.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001331.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Sie wandte sich um und ging zum Lift in der hinteren Ecke des Verkaufsraumes. Fanny folgte ihr nervös.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001332.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Während sie mit dem Lift aufwärts fuhren, wechselten die beiden Frauen kein Wort. Fanny blickte angespannt durch die Gittertüren. In der ersten Etage erhaschte sie ein paar Blicke auf einen langen Flur mit orientalisch gemusterten Läufern.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001333.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "Vor einem gerahmten Kristallspiegel stand ein zierlicher Tisch mit üppigem Blumenarrangement", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001334.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Und rechts und links daneben an der Wand hingen zwei elegante Leuchten aus Messing und Kristall.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001335.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "In den Werkstätten herrschten nicht vornehme Ruhe und Eleganz, sondern zweckmäßige Schlichtheit und geschäftige Betriebsamkeit. Der Boden bestand aus blank gescheuerten Holzdielen und unter der Decke hingen Lampen aus grauer Emilia.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001336.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000545.wav"} {"text": "Es war heiß und stickig und roch nach Holz, Staub und Kaffee. Mehrere Schneiderinnen eilten mit Stoffballen und halbfertigen Kleidungsstücken über dem Arm durch den Flur und warfen ihrer Chefin und Fanny nur kurze Blicke zu.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001337.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "Aus einem Raum nahe des Vorstuhls klang gleichmäßiges lautes Ratten. Durch die geöffnete Tür sah Fanny ungefähr zwanzig Frauen, die an langen Tischen vor Nähmaschinen saßen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001338.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "In einer der hinteren Ecken stand ein runder, gusseiserner Ofen, auf dem mehrere Bügeleisen erhitzt wurden, und daneben ein Bügelbrett.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001339.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Die Fenster waren der Hitze wegen weit geöffnet und der Straßenlärm mischte sich mit dem Rattern der Nähmaschinen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001340.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Als sie Madame und Fanny bemerkten, unterbrachen sie ihre Unterhaltung und musterten die fremde Besucherin neugierig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001341.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001010.wav"} {"text": "Ob ich hier wohl auch bald dazugehöre? dachte Fanny, und sie spürte, wie sehr sie sich das wünschte. Madame öffnete eine Tür am Ende des Flurs und Fanny trat hinter ihr in das Büro.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001342.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "An einer Wand befanden sich ein mit Büchern überfülltes Regal und ein wuchtiger, eiserner Tresor. Unter den Fenstern auf der anderen Seite stand ein langer Tisch, auf dem zwei aufgeschlagene Musterbücher, mehrere Bogen Zeichenpapier und ein buntes Durcheinander von Stiften, Knöpfen und Stoffproben lagen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001343.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "»Ich erinnere mich wieder an Sie, Mademoiselle Schindler. Sie waren das Mädchen, das Matura machen wollte, ne sais pas? Ein ungewöhnlicher Wunsch für eine junge Frau?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001344.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "»Ich nehme an, Sie konnten ihn nicht verwirklichen?« »Woher wissen Sie das?«, fragte Fanny verblüfft. Madame lächelte. »Wären Sie sonst hier?«, sie griff nach dem silbernen Etui.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001345.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "»Erzählen Sie mir ein bisschen von sich. Was haben Sie gelernt?« Sie öffnete das Etui, nahm ein Feuerzeug und eine Zigarette heraus und zündete sie an.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001346.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000065.wav"} {"text": "Zögernd berichtete Fanny von der Hauswirtschaftsschule und ihren verschiedenen Stellungen. Sie fürchtete, dass ihr Lebenslauf Madame nicht begeistern würde und versuchte, sich so kurz wie möglich zu fassen. Die Französin hörte ihr aufmerksam zu und musterte gleichzeitig ihre Erscheinung.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001347.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "»Haben Sie Ihr Kleid selbst angefertigt?«, fragte sie. »Nett nur das«, erwiderte Fanny glücklich über den Themenwechsel, »ich habe auch den Schnitt selbst gemacht.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001348.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Sarah Moreau erhob sich, bedeutete Pfanne ebenfalls aufzustehen und umrundete sie mit langsamen Schritten. »Paarmal«, murmelte sie.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001349.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "»Wo haben Sie die Idee gefunden?« »In meiner Fantasie.« »Aber manchmal finde ich die Ideen auch in meiner Umwelt.« »Als ich in der Puste lebte, habe ich mir ein Kleid nach dem Vorbild der Tracht der Frauen dort geschneidert.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001350.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Interessant? Sarah Moreau beugte sich vor, hob den Rock des Kleides an und begutachtete die Verarbeitung. Dann prüfte sie verschiedene Nähte, die Ausarbeitung der Spitzenbesätze an den Ärmeln und die winzigen Fältchen am Ausschnitt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001351.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Die Technik ist nicht perfekt, stellte sie fest, und der Schnitt könnte moderner sein, so enge Oberteile sind nicht mehr à la mode, aber dennoch dreschig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001352.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"} {"text": "»Wie alt sind Sie, ma chère?« »Zwanzig«, erwiderte Fanny mit klopfendem Herzen. »Ich wollte mich schon vor einem Jahr bei Ihnen bewerben, aber man hat mir abgeraten.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001353.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Beide Frauen setzten sich wieder. Sarah Moreau nahm einen tiefen Zug von ihrer Zigarette und blies den Rauch durch die gespitzten Lippen wieder hinaus.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001354.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000506.wav"} {"text": "»Ich erkenne ihr Talent, Mademoiselle Schindler, aber auch ihre Schwächen. Sie haben es nie lange irgendwo ausgehalten.« »Aber doch nur, weil ich noch nicht das Richtige gefunden hatte,« rief Fanny.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001355.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "»Und was, wenn Sie hier wieder nicht das Richtige finden? Dann habe ich umsonst viel Zeit in Ihre Ausbildung investiert? Einerseits erkenne ich Ihren Enthusiasme.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001356.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Sie runzelte die Stirn und betrachtete Fanny nachdenklich. »Ich sage Ihnen ehrlich, für eine Ausbildung als Schneiderin sind Sie mir ein wenig zu alt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001357.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "»Aber ich biete Ihnen eine Position als Verkäuferin. Dafür müssen Sie nur angelernt werden. Sind Sie einverstanden?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001358.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "»Nein«, Fanny schüttelte den Kopf, sie war bodenlos enttäuscht. »Ich will Kleider machen, ich will alles darüber lernen, und ich habe so viele Ideen im Kopf, die heraus wollen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001359.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001150.wav"} {"text": "»Natürlich will ich auch lernen, wie ich verkaufe, was ich entworfen und knet habe, aber zuallererst will ich schneidern und mit all diesen wunderschönen Stoffen arbeiten.« Sie spürte, wie ihr die Tränen kamen, aber noch wollte sie nicht aufgeben. Sie holte tief Luft und sah die Französin gerade heraus an.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001360.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "»Aber ich hab nicht vor zu heiraten«, versicherte Fanny. »Aber Sie haben einen Liebsten?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001361.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Ganz kurz flackerte die Erinnerung an Max vor Fannys innerem Auge auf, doch sie schob sie energisch zur Seite. »Nein«, sagte sie fest, »es gibt niemanden.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001362.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000119.wav"} {"text": "Sarah Moreau beugte sich vor und streifte die Asche ihre Zigarette im Aschenbecher ab.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001363.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000979.wav"} {"text": "»Ich weiß nicht.« Fanny starrte auf ihre Hände. Gleich würde Madame ihr endgültig absagen, und wenn sie das verhindern wollte, musste sie ihre ganze Überzeugungskraft in die Waagschale werfen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001364.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Ich hätte Ihnen Änderungen vorgeschlagen, die nicht offensichtlich sind, aber eine Menge bewirken, eine tiefe Falte zum Beispiel.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001365.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "»Paarmal«, erwiderte Sarah Moreau anerkennend. »Sie gebe nicht auf, Mademoiselle Schindler.« »Me ça me plaît.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001366.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Und Sie scheinen eine gute Verkäuferin zu sein. Wollen Sie mein Angebot nicht doch annehmen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001367.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001167.wav"} {"text": "»Nein«, wiederholte Fanny, »es hat lange gedauert, aber nun weiß ich, dass es mein größter Wunsch ist, von Ihnen in der Schneiderkunst ausgebildet zu werden. Wenn Sie mich nicht nehmen, werde ich es in den anderen Modeateliers versuchen. Irgendwo wird es klappen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001368.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001177.wav"} {"text": "Aber am liebsten möchte ich zu Ihnen. Nicht so voreilig, Mademoiselle Schindler? Sarah Moreau hob eine Hand. Sie haben mich überzeugt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001369.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Ich versuche es mit ihnen, aber ich warne sie. Ich verlange viel. Nicht nur Talent, sondern auch Ehrlichkeit, Fleiß und Disziplin.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001370.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "»Sind Sie mit meinen Bedingungen einverstanden?« »Ja, natürlich«, Fanny fühlte sich, als fiele eine zentnerschwere Last von ihrem Herzen. Sie strahlte über das ganze Gesicht.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001371.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "»Très bon«, nickte Sarah Moreau. »Dann wäre nur noch eine kleine Bagatell zu klären? Können Sie das Lehrgeld für Ihre Ausbildung aufbringen?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001372.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Eine Stunde später stieg Fanny in der Florianigasse aus dem Pferde-Omnibus", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001373.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Im Gegensatz zu ihrem letzten Besuch im Herbst vorigen Jahres war die Straße voller Leben.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001374.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001323.wav"} {"text": "Fanny legte den Kopf in den Nacken und blickte an der Fassade empor zu den Fenstern,", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001375.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "»Wisst ihr, ob die Frau Pfeiffer daheim ist?« fragte sie die beiden Mädchen. »Quiz«, erwiderte eine der beiden, »sie geht kaum noch fort.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001376.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "»Weil sie mit ihrer schlimmen Knie fast nimmer die Stiegen schafft«, ergänzte das andere Mädchen. Fanny nickte und drehte den Klingelknopf.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001377.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "Es dauerte eine ganze Weile, dann erschien Josefas Kopf über ihr. Einen Augenblick startet die alte Frau sie ungläubig an. Dann rief sie, »Jesus, Maria Haschel, was machst du denn hier?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001378.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Fanny atmete vorsichtig auf. Wenn Josefa sie Haschal nannte, war sie zumindest nicht verärgert. Noch nicht, aber Fanny wollte ihr Verärger auch keinen Grund geben.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001379.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "»Bitte, Frau Pfeiffer, haben Sie ein bisschen Zeit für mich? Ich habe Ihnen so viel zu erzählen.« Die alte Frau beugte sich noch etwas weiter über die Fensterbank.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001380.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "»Wo ist denn dein Gebäck?« »Das würde ich Ihnen ja gern erklären, aber nicht hier auf der Straße.« Josefa seufzte tief.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001381.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "»Na gut, komm hinauf, unten ist offen.« Sie brummelte noch etwas, das Fanny nicht verstand und verschwand. Als Fanny den Treppenabsatz der ersten Etage erreichte, stand ihre alte Erzieherin bereits in der offenen Tür und blickte ihr halb besorgt, halb streng durch die dicken Brillengläser entgegen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001382.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001202.wav"} {"text": "»Was hast denn nur wieder angestellt?« begrüßte sie ihren ehemaligen Zögling. »Nix dieses Mal. Im Gegenteil«, erwiderte Fanny. Sie bemerkte, dass Josefa sich schwer auf ihren Stock stützte, doch sonst schien sie wohl auf zu sein.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001383.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "»Ach, Frau Pfeiffer, ich bin ja so froh, Sie wiederzusehen.« Sie schlang beide Arme um ihre alte Erzieherin und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001384.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "»Ich bin auch froh«, sagte Josefa und umarmte sie fest. »Na komm schon herein«. Sie ließ Fanny los und humpelte ihr voran in die Küche.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001385.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "Nach den großen Herrenhäusern, in denen Pfanne im vergangenen Jahr gelebt hatte, erschien Josefas Wohnung ihr klein, ihr armselig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001386.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "»Ich bin froh um jeden Schritt, den ich nicht tun muss.« Die alte Frau ließ sich schwer atmend auf einen der beiden Stühle sinken. »Jetzt bis also wieder in Wien.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001387.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "Sie lehnte ihren Stock an die Tischkante. »Was hat mit der ungarischen Baroness denn nicht gepasst?« Fanny goss Wasser in die Gläser und räusperte sich.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001388.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "Dann erklärte sie Josefa, dass mit der Baroness eigentlich alles gepasst hatte, aber sie sich mit der Baronin einfach nicht verstand.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001389.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Max erwähnte sie natürlich nicht. Dass Josefa kein Verständnis für ihr Techtel-Mächtel aufbringen würde, war ihr sonnenklar.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001390.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "»Was habe ich nur falsch gemacht bei deiner Erziehung?« Pfanne streckte eine Hand aus und streichelte Josefas runselige, abgearbeitete Finger.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001392.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "»Sie haben nix falsch gemacht, Frau Pfeiffer, sondern ich, weil ich mich seit Jahren zu arbeiten zwing, die mir net liegen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001393.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000575.wav"} {"text": "»Die dir nicht liegen,« knurrte die alte Frau, »was sind denn das für neumodische Ansprüche? Hast du vergessen, dass du niemanden hast, der für dich sorgt? Das Wichtigste ist nicht, dass dir deine Arbeit liegt, sondern dass sie dir Brot auf den Teller bringt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001394.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000074.wav"} {"text": "»Aber ich hab doch endlich was gefunden, das mir liegt. Bei Madame Moreau. Erinnern Sie sich noch an sie?«, fragte Fanny gespannt. »Ja, freilich«, die alte Frau nickte, »wirst du ihre Haushälterin?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001395.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Fanny schüttelte den Kopf. »Viel besser.« Dann berichtete sie in allen Einzelheiten von ihrem Besuch im Kulturhaus Moreau.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001396.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Josefa musste an das Sparbuch denken, das sie vor vielen Jahren für Fanny eingerichtet hatte. Das Geld des anonymen Spenders war noch bis zu Fannys Volljährigkeit in vier Jahren fest verzinslich angelegt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001397.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001052.wav"} {"text": "Verflixt und zugenäht, dachte sie, das Haschall könnte das Ersparte jetzt gut für seine Lehrzeit brauchen. Doch es ließ sich nicht ändern. Sie kam an das Geld nicht heran.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001398.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "»Musst du denn für einen sehr viel geringeren Lohn arbeiten?« fragte sie mit gerunzelter Stirn. Wieder verneinte Fanny.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001399.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000509.wav"} {"text": "Madame ist sehr großzügig gewesen. Tatsächlich war die Summe, die Fanny abstottern musste, geringer als das Lehrgeld, das sie hätte entrichten müssen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001400.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Die Madame Rue scheint ja viel von dir zu halten, murmelte Josefa. Nun ja, du musst du wenigstens einmal eine Sache zu Ende bringen und bleibst vielleicht sogar bei mir in Wien, bis ich zu unserem Herrgott gehe.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001401.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "»Frau Pfeiffer, warum sagst denn so etwas? Sind's krank?« Fanny musterte die alte Frau besorgt. Josefa winkte ab. »Ewo, bis auf meine verflixten Knie bin ich bumperl gesund, aber ich bin eine alte Frau und...«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001402.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "»Sie werden noch ganz lange pumperlg'sund bleiben«, unterbrach Fanny. Sie sprang von ihrem Stuhl auf, lief um den Tisch und umarmte ihre alte Erzieherin.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001403.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "Auch Josefa drückte sie fest und lud sie ein, zum Abendbrot zu bleiben. »Hätt ich gewusst, dass du kommst, hätte ich was Gutes zum Essen besorgt«, sagte sie. »Jetzt kann ich dir nur ein Jausen anbieten.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001404.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Etwas Kaltes schmeckt eh besser bei dieser Hitze. Fanny stand auf, um den Tisch zu decken. Dann holte sie Brot, Butter und Aufschnitt aus der Speisekammer und kochte Tee.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001405.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000925.wav"} {"text": "Josefa ließ es sich nicht nehmen, ihr ein Brot dick mit Dauerwurst und ein anderes mit Käse zu belegen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001406.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000709.wav"} {"text": "Fanny erzählte währenddessen von der endlos weiten flachen Pusta mit ihren riesigen Tierherden, den Hirten, den Ziebrunnen und den Zigeunern, die im Sommer von Hof zu Hof zogen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001407.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000702.wav"} {"text": "»Ich bin ja nie aus Wien hinausgekommen, und in so einer Einsamkeit wird mir gewiss der Himmel auf den Kopf fallen,« stellte Josefa fest und schob Fanny das Brett mit den Broten zu. »Iss, Hascherl, du sollst mir ja nicht vom Fleisch fallen.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001408.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001189.wav"} {"text": "Die öffentliche Fürsorge hilft nur noch mit Geld und Unterkunft, wenn die Eltern zu arm sind, um das Kind selbst zu versorgen. Ob es ehrlich oder unehrlich geboren wurde, spielt keine Rolle mehr.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001409.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000096.wav"} {"text": "»Und Pflegemütter gibt es auch nicht mehr?« »Es gibt jetzt Erzieherinnen im Kinderheim. Wenn du mich fragst, ist das auch besser. Die Pflegemütter waren oft so arm, dass es ihnen häufig mehr ums Geld als ums Kind gegangen ist.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001410.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000494.wav"} {"text": "Du warst auch schon halbtot, als ich dich von der Schindlerin weggeholt hab. Sie machte eine Pause und trank einen Schluck Tee.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001411.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000794.wav"} {"text": "»Weißt noch, wie du als kleines Mädel immer zu mir gekommen bist und hören wolltest, wie ich dich vom Verhungern gerettet habe?« Fanny stützte die Ellbogen auf den Tisch und legte das Kinn auf die verschränkten Hände.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001412.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000768.wav"} {"text": "Ich beneide die Kinder, die heutzutage zur Welt kommen. Niemand kann ihnen mehr das Recht ihrer Herkunft verwehren. Ich hingegen werde nie herausfinden, wer meine Mutter oder mein Vater sind. Net war?«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001413.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001283.wav"} {"text": "Sie klang so traurig, dass es Josephe in der Seele wehtat. Rasch schlangte sie über den Tisch und kniff Pfannen in die Wange. »Ach, Haschal, so ist es eben bei einer anonymen Geburt.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001414.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000732.wav"} {"text": "Damit musst du einen Frieden machen. Hast du überhaupt ein Bett für die Nacht oder willst auf meiner Couch schlafen?« versuchte sie Fanny abzulenken.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001415.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Ich kann in einer der Dachkammern wohnen, die Madame Maron ihr Modehaus für die Lehrmädchen bereithält. Ich glaube, so ist es am praktischsten.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001416.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Fanny biss in ihr Brot. »Ach, Frau Pfeiffer«, sagte sie mit vollem Mund, »Sie haben ja so recht mit dem, was Sie sagen. Ich will aufhören, mich mit der Vergangenheit zu beschäftigen und nur noch an die Zukunft denken.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001417.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000507.wav"} {"text": "Auf die freue ich mich nämlich richtig.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001418.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000836.wav"} {"text": "Mit einer Hand hielt sie ihren Hut fest und mit der anderen umklammerte sie die Seitenlehne von Madames elegantem schwarzem Bugatti.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001419.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Es war die erste Autofahrt ihres inzwischen 76-jährigen Lebens und sie starrte ängstlich auf die Häuserfassaden der Tuchlauben, die in atemberaubendem Tempo an ihr vorbeischossen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001420.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000001.wav"} {"text": "»Haben Sie keine Angst, Madame ist eine erfahrene Autolenkerin«, sagte Sarah Moros Meisterin Elfriede Schubert beruhigend, und Fanny, die in der Mitte zwischen den beiden Frauen auf der Rückbank saß, legte ihr eine Hand auf die Schulter.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001421.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000305.wav"} {"text": "»C'est vrai«, rief die Französin, ohne die Augen von der Straße zu lassen. »Leider muss ich mich beeilen, wenn wir pünktlich bei Fanny's Lossprechung sein wollen. Aber Sie können mir vertrauen. Ich hatte noch nie einen Unfall.«", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001422.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000621.wav"} {"text": "Sie bog schwungvoll nach links in eine enge Gasse, drückte kurz und kräftig die Hupe, als ein paar Passanten nicht schnell genug von der Fahrbahn sprangen, und holperte die letzten Meter über buckliges Kopfsteinpflaster zum Judenplatz, wo sie vor einem noblen weißen Gebäude bremste.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001423.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "Geschafft! Madame warf einen Blick auf die fein gekleideten Menschen vor dem Eingangsbereich, die das Automobil und seine Insassen neugierig anstarrten, rückte ihren Hut zurecht und stieg aus.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001424.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000949.wav"} {"text": "dass Fanny ihr Gesellenstück, ein Wiener Schneider Kostüm, extra für sie angefertigt hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001425.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001181.wav"} {"text": "Als die vier Frauen auf die weit geöffneten Eingangstüren zugingen, hörte Fanny rechts und links Getuschel.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001426.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Ihr ungewöhnliches, um den Körper gewickeltes Kleid im Kimono-Stil erregte die Aufmerksamkeit der Frauen, genau wie Madame mit ihren kirschroten Lippen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001427.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001179.wav"} {"text": "Die Männer hingegen bewunderten den eleganten Bugatti und fachsimpelten über Kolben, Zylinder, Ventile und Leistungskraft.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001428.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000954.wav"} {"text": "Von Elfriede Schubert hatte sie das Handwerk gelernt. Frau Schubert war eine strenge Lehrmeisterin, die Fanny anfangs oft für ihre schlamperte Arbeitsweise getadelt hatte. Doch Fanny hatte die Widerworte, die ihr aus alter Gewohnheit auf der Zunge lagen, heruntergeschluckt.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001429.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000182.wav"} {"text": "Frau Schubert stand in Diensten von Sarah Moreau, seit das Modehaus vor über 20 Jahren eröffnet worden war.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001430.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000608.wav"} {"text": "Sie war in Wien eine der Besten ihres Faches und Fanny hatte schnell begriffen, dass sie eine Menge von ihr lernen konnte, angefangen von der exakten Erstellung einer Schnittschablone über maßgerechten Zuschnitt bis hin zu den unterschiedlichsten Näh- und Sticktechniken.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001431.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000729.wav"} {"text": "Außerdem besaß Frau Schubert hervorragende Kenntnisse über die Eigenschaften der verschiedenen Materialien und zeigte ihr, wie sie gepflegt oder mit dem Blätteisen in Form gebracht wurden.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001432.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001009.wav"} {"text": "Frau Schubert hatte Fanny auch bei der Anfertigung ihres Gesellenstücks zur Seite gestanden und sie freute sich sehr, dass ihre Schülerin sie zur feierlichen Verleihung des Gesellenbriefes eingeladen hatte.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001433.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001128.wav"} {"text": "Im Festsaal waren schon viele Stuhlreihen mit Lehrlingen, deren stolzen Eltern und Lehrmeistern besetzt, aber Fanny fand noch vier freie Stühle in einer der vorderen Reihen.", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001434.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_001391.wav"} {"text": "Sie sah sich neugierig um und entdeckte viele vertraute Gesichter aus anderen Werkstätten und Modehäusern, Mitschülerinnen und Mitschüler, die mit ihr", "audio": "de/s1/audio/de_s1_001435.wav", "voice_prompts": "de/s1/audio/de_s1_000973.wav"}