diff --git "a/data/train/1800-1899/keller_legenden_1872.jsonl" "b/data/train/1800-1899/keller_legenden_1872.jsonl" new file mode 100644--- /dev/null +++ "b/data/train/1800-1899/keller_legenden_1872.jsonl" @@ -0,0 +1,884 @@ +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":0,"date":1872,"orig":"Sieben Legenden.","norm":"Sieben Legenden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":7.562399864196777} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":1,"date":1872,"orig":"Sieben Legenden.","norm":"Sieben Legenden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":7.562399864196777} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":2,"date":1872,"orig":"Von Gottfried Keller. Stuttgart.","norm":"Von Gottfried Keller . Stuttgart.","lang_fastText":"en","lang_py3langid":"en","lang_cld3":"de","lang_de":0.333,"norm_lmscore":7.71589994430542} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":3,"date":1872,"orig":"G. J. Göſchen'ſche Verlagshandlung.","norm":"G. J. Göschen'sche Verlagshandlung.","lang_fastText":"en","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":0.667,"norm_lmscore":4.220900058746338} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":4,"date":1872,"orig":"1872.","norm":"1872.","lang_fastText":"en","lang_py3langid":"en","lang_cld3":"ja","lang_de":0,"norm_lmscore":5.119999885559082} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":5,"date":1872,"orig":"K. Hofbuchdruckerei Zu Guttenberg (Carl Grüninger) in Stuttgart.","norm":"K. Hofbuchdruckerei zu Gutenberg (Carl Grüninger) in Stuttgart.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.9586000442504883} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":6,"date":1872,"orig":"Vorwort.","norm":"Vorwort.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.930500030517578} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":7,"date":1872,"orig":"Beim Leſen einer Anzahl Legenden wollte es dem Urheber vorliegenden Büchleins ſcheinen, als ob in der überlieferten Maſſe dieſer Sagen nicht nur die kirchliche Fabulirkunſt ſich geltend mache, ſondern wohl auch die Spuren einer ehmaligen mehr profanen Erzählungsluſt oder Novelliſtik zu bemerken ſeien, wenn man aufmerkſam hinblicke.","norm":"Beim Lesen einer Anzahl Legenden wollte es dem Urheber vorliegenden Büchleins scheinen, als ob in der überlieferten Masse dieser Sagen nicht nur die kirchliche Fabulierkunst sich geltend mache, sondern wohl auch die Spuren einer ehemaligen mehr profanen Erzählungslust oder Novellistik zu bemerken seien, wenn man aufmerksam hinblicke.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.812900066375732} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":8,"date":1872,"orig":"Wie nun der Maler durch ein fragmentariſches Wolkenbild, eine Gebirgslinie, durch das radirte Blättchen eines verſchollenen Meiſters zur Ausfüllung eines Rahmens gereizt wird, ſo verſpürte der Verfaſſer die Luſt zu einer Reproduktion jener abgebrochen ſchwebenden Gebilde, wobei ihnen freilich zuweilen das Antlitz nach einer anderen Himmelsgegend hingewendet wurde, als nach welcher ſie in der überkommenen Geſtalt ſchauen.","norm":"Wie nun der Maler durch ein fragmentarisches Wolkenbild, eine Gebirgslinie, durch das radierte Blättchen eines verschollenen Meisters zur Ausfüllung eines Rahmens gereizt wird, so verspürte der Verfasser die Lust zu einer Reproduktion jener abgebrochen schwebenden Gebilde, wobei ihnen freilich zuweilen das Antlitz nach einer anderen Himmelsgegend hingewendet wurde, als nach welcher sie in der überkommenen Gestalt schauen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.563199996948242} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":9,"date":1872,"orig":"Der ungeheure Vorrath des Stoffes ließe ein Ausſpinnen der Sache in breiteſtem Betriebe zu; allein nur bei einer mäßigen Ausdehnung des harmloſen Spieles dürfte demſelben der beſcheidene Raum gerne gegönnt werden, den es in Anſpruch nimmt.","norm":"Der ungeheure Vorrat des Stoffes ließe ein Ausspinnen der Sache in breitestem Betriebe zu; allein nur bei einer mäßigen Ausdehnung des harmlosen Spieles dürfte demselben der bescheidene Raum gerne gegönnt werden, den es in Anspruch nimmt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.443299770355225} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":10,"date":1872,"orig":"Inhalt.","norm":"Inhalt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"is","lang_de":0.667,"norm_lmscore":4.76230001449585} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":11,"date":1872,"orig":"Seite.","norm":"Seite.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.765899896621704} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":12,"date":1872,"orig":"Eugenia 1","norm":"Eugenia 1","lang_fastText":"en","lang_py3langid":"pl","lang_cld3":"sr","lang_de":0,"norm_lmscore":6.354100227355957} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":13,"date":1872,"orig":"Die Jungfrau und der Teufel 29","norm":"Die Jungfrau und der Teufel 29","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.545599937438965} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":14,"date":1872,"orig":"Die Jungfrau als Ritter 45","norm":"Die Jungfrau als Ritter 45","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"af","lang_de":0.667,"norm_lmscore":9.248499870300293} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":15,"date":1872,"orig":"Die Jungfrau und die Nonne 67","norm":"Die Jungfrau und die Nonne 67","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"af","lang_de":0.667,"norm_lmscore":6.001900196075439} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":16,"date":1872,"orig":"Der ſchlimm-heilige Vitalis 83","norm":"Der schlimmheilige Vitalis 83","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":10.092300415039062} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":17,"date":1872,"orig":"Dorothea's Blumenkörbchen 121","norm":"Dorotheas Blumenkörbchen 121","lang_fastText":"en","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"nl","lang_de":0.333,"norm_lmscore":5.981200218200684} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":18,"date":1872,"orig":"Das Tanzlegendchen 137","norm":"Das Tanzlegendchen 137","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":9.569899559020996} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":19,"date":1872,"orig":"Eugenia.","norm":"Eugenia.","lang_fastText":"en","lang_py3langid":"pl","lang_cld3":"sr","lang_de":0,"norm_lmscore":3.8341000080108643} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":20,"date":1872,"orig":"Ein Weib ſoll nicht Mannsgeräthe tragen, und ein Mann ſoll nicht Weiberkleider anthun; denn wer ſolches thut, iſt dem Herrn, deinem Gott, ein Gräuel.","norm":"Ein Weib soll nicht Mannsgeräte tragen, und ein Mann soll nicht Weiberkleider antun; denn wer solches tut, ist dem Herrn, deinem Gott, ein Gräuel.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":2.983700037002563} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":21,"date":1872,"orig":"5. 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Mos. 22.","lang_fastText":"cs","lang_py3langid":"te","lang_cld3":"lb","lang_de":0,"norm_lmscore":5.972499847412109} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":22,"date":1872,"orig":"5.","norm":"5.","lang_fastText":"en","lang_py3langid":"en","lang_cld3":"ja","lang_de":0,"norm_lmscore":2.28410005569458} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":23,"date":1872,"orig":"Wenn die Frauen den Ehrgeiz der Schönheit, Anmuth und Weiblichkeit hintanſetzen, um ſich in andern Dingen hervor zu thun, ſo endet die Sache oftmals damit, daß ſie ſich in Männerkleider werfen und ſo dahintrollen.","norm":"Wenn die Frauen den Ehrgeiz der Schönheit, Anmut und Weiblichkeit hintansetzen, um sich in anderen Dingen hervorzutun, so endet die Sache oftmals damit, dass sie sich in Männerkleider werfen und so dahintrollen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.803800106048584} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":24,"date":1872,"orig":"Die Sucht, den Mann zu ſpielen, kommt ſogar ſchon in der frommen Legendenwelt der erſten Chriſtenzeit zum Vorſchein und mehr als eine Heilige jener Tage war von dem Verlangen getrieben, ſich vom Herkommen des Hauſes und der Geſellſchaft zu befreien.","norm":"Die Sucht, den Mann zu spielen, kommt sogar schon in der frommen Legendenwelt der ersten Christenzeit zum Vorschein und mehr als eine Heilige jener Tage war von dem Verlangen getrieben, sich vom Herkommen des Hauses und der Gesellschaft zu befreien.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.233500003814697} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":25,"date":1872,"orig":"Ein ſolches Beiſpiel gab auch das feine Römermädchen Eugenia, freilich mit dem nicht ungewöhnlichen Endreſultat, daß ſie, in große Verlegenheit gerathen durch ihre männlichen Liebhabereien, ſchließlich doch die Hilfsquellen ihres natürlichen Geſchlechtes anrufen mußte, um ſich zu retten.","norm":"Ein solches Beispiel gab auch das feine Römermädchen Eugenia, freilich mit dem nicht ungewöhnlichen Endresultat, dass sie, in große Verlegenheit geraten durch ihre männlichen Liebhabereien, schließlich doch die Hilfsquellen ihres natürlichen Geschlechtes anrufen musste, um sich zu retten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.354499816894531} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":26,"date":1872,"orig":"Sie war die Tochter eines angeſehenen Römers, der mit ſeiner Familie in Alexandria lebte, wo es von Philoſophen und Gelehrten aller Art wimmelte.","norm":"Sie war die Tochter eines angesehenen Römers, der mit seiner Familie in Alexandria lebte, wo es von Philosophen und Gelehrten aller Art wimmelte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.23169994354248} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":27,"date":1872,"orig":"Demgemäß wurde Eugenia ſehr ſorgfältig erzogen und unterrichtet, und dies ſchlug ihr ��o wohl an, daß ſie, ſobald ſie nur ein wenig in die Höhe ſchoß, alle Schulen der Philoſophen, Scholiaſten und Rhetoren beſuchte, wie ein Student, wobei ſie ſtets eine Leibwache von zwei niedlichen Knaben ihres Alters bei ſich hatte.","norm":"Demgemäß wurde Eugenia sehr sorgfältig erzogen und unterrichtet, und dies schlug ihr so wohl an, dass sie, sobald sie nur ein wenig in die Höhe schoss, alle Schulen der Philosophen, Scholiasten und Rhetoren besuchte, wie ein Student, wobei sie stets eine Leibwache von zwei niedlichen Knaben ihres Alters bei sich hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.011899948120117} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":28,"date":1872,"orig":"Dies waren die Söhne von zwei Freigelaſſenen ihres Vaters, welche zur Geſellſchaft mit ihr erzogen waren und an all ihren Studien theilnehmen mußten.","norm":"Dies waren die Söhne von zwei Freigelassenen ihres Vaters, welche zur Gesellschaft mit ihr erzogen waren und an all ihren Studien teilnehmen mussten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.480599880218506} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":29,"date":1872,"orig":"Mittlerweile ward ſie das ſchönſte Mädchen, das zu finden war, und ihre Jugendgenoſſen, welche ſeltſamer Weiſe beide Hyazinthus hießen, wuchſen desgleichen zu zwei zierlichen Jünglingsblumen, und wo die liebliche Roſe Eugenia zu ſehen war, da ſah man allezeit ihr zur Linken und zur Rechten auch die beiden Hyazinthen ſäuſeln oder anmuthig hinter ihr hergehen, indeſſen die Herrin rückwärts mit ihnen disputirte.","norm":"Mittlerweile wurde sie das schönste Mädchen, das zu finden war, und ihre Jugendgenossen, welche seltsamerweise beide Hyazinthus hießen, wuchsen desgleichen zu zwei zierlichen Jünglingsblumen, und wo die liebliche Rose Eugenia zu sehen war, da sah man allezeit ihr zur Linken und zur Rechten auch die beiden Hyazinthen säuseln oder anmutig hinter ihr hergehen, indessen die Herrin rückwärts mit ihnen disputierte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.182000160217285} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":30,"date":1872,"orig":"Und es gab nie zwei wohlgezogenere Genoſſen eines Blauſtrümpfchens; denn nie waren ſie anderer Meinung als Eugenia, und ſtets blieben ſie in ihrem Wiſſen um einen Zoll hinter ihr zurück, ſo daß ſie ſtets Recht behielt und nie befürchten mußte, etwas Ungeſchickteres zu ſagen, als ihre Geſpielen.","norm":"Und es gab nie zwei wohlgezogenere Genossen eines Blaustrümpfchens; denn nie waren sie anderer Meinung als Eugenia, und stets blieben sie in ihrem Wissen um einen Zoll hinter ihr zurück, so dass sie stets Recht behielt und nie befürchten musste, etwas Ungeschickteres zu sagen, als ihre Gespielen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.3231000900268555} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":31,"date":1872,"orig":"Alle Bücherwürmer von Alexandrien machten Elegien und Sinngedichte auf die muſenhafte Erſcheinung, und die guten Hyazinthen mußten dieſe Verſe ſorgfältig in goldene Schreibtafeln ſchreiben und hinter ihr her tragen.","norm":"Alle Bücherwürmer von Alexandria machten Elegien und Sinngedichte auf die musenhafte Erscheinung, und die guten Hyazinthen mussten diese Verse sorgfältig in goldene Schreibtafeln schreiben und hinter ihr her tragen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.268099784851074} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":32,"date":1872,"orig":"Mit jedem halben Jahre wurde ſie nun ſchöner und gelehrter, und bereits luſtwandelte ſie in den geheimnißvollen Irrgärten der neuplatoniſchen Lehren, als der junge Prokonſul Aquilinus ſich in Eugenia verliebte und ſie von ihrem Vater zum Weibe begehrte.","norm":"Mit jedem halben Jahre wurde sie nun schöner und gelehrter, und bereits lustwandelte sie in den geheimnisvollen Irrgärten der neuplatonischen Lehren, als der junge Prokonsul Aquilinus sich in Eugenia verliebte und sie von ihrem Vater zum Weibe begehrte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.831500053405761} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":33,"date":1872,"orig":"Dieſer empfand aber einen ſolchen Reſpekt vor ſeiner Tochter, daß er trotz des römiſchen Vaterrechtes nicht wagte, ihr den mindeſten Vorſchlag zu machen und den Freier an ihren eigenen Willen verwies, obgleich kein Eidam ihm willkommener war, als Aquilinus.","norm":"Dieser empfand aber einen solchen Respekt vor seiner Tochter, dass er trotz des römischen Vaterrechtes nicht wagte, ihr den mindesten Vorschlag zu machen und den Freier an ihren eigenen Willen verwies, obgleich kein Eidam ihm willkommener war, als Aquilinus.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.439799785614014} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":34,"date":1872,"orig":"Aber auch Eugenia hatte ſeit manchen ſchönen Tagen heimlich das Auge auf ihn geworfen, da er der ſtattlichſte, angeſehenſte und ritterlichſte Mann in Alexandrien war, der überdies für einen Mann von Geiſt und Herz galt.","norm":"Aber auch Eugenia hatte seit manchen schönen Tagen heimlich das Auge auf ihn geworfen, da er der stattlichste, angesehenste und ritterlichste Mann in Alexandria war, der überdies für einen Mann von Geist und Herz galt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.967400074005127} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":35,"date":1872,"orig":"Doch empfing ſie den verliebten Konſul in voller Ruhe und Würde, umgeben von Pergamentrollen und ihre Hyazinthen hinter dem Seſſel.","norm":"Doch empfing sie den verliebten Konsul in voller Ruhe und Würde, umgeben von Pergamentrollen und ihre Hyazinthen hinter dem Sessel.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.882199764251709} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":36,"date":1872,"orig":"Der eine trug ein azurblaues Gewand, der andere ein roſenfarbiges und ſie ſelbſt ein blendend weißes, und ein Fremdling wäre ungewiß geweſen, ob er drei ſchöne zarte Knaben oder drei friſchblühende Jungfrauen vor ſich ſehe.","norm":"Der eine trug ein azurblaues Gewand, der andere ein rosenfarbiges und sie selbst ein blendend weißes, und ein Fremdling wäre ungewiss gewesen, ob er drei schöne zarte Knaben oder drei frischblühende Jungfrauen vor sich sehe.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.035999774932861} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":37,"date":1872,"orig":"Vor dieſes Tribunal trat nun der männliche Aquilinus in einfacher würdiger Toga und hätte am liebſten in traulicher und zärtlicher Weiſe ſeiner Leidenſchaft Worte gegeben; da er aber ſah, daß Eugenia die Jünglinge nicht fortſchickte, ſo ließ er ſich ihr gegenüber auf einen Stuhl nieder und that ihr ſeine Bewerbung in wenigen feſten Worten kund, wobei er ſich ſelbſt bezwingen mußte, weil er ſeine Augen unverwandt auf ſie gerichtet hielt und ihren großen Liebreiz ſah.","norm":"Vor dieses Tribunal trat nun der männliche Aquilinus in einfacher würdiger Toga und hätte am liebsten in traulicher und zärtlicher Weise seiner Leidenschaft Worte gegeben; da er aber sah, dass Eugenia die Jünglinge nicht fortschickte, so ließ er sich ihr gegenüber auf einen Stuhl nieder und tat ihr seine Bewerbung in wenigen festen Worten kund, wobei er sich selbst bezwingen musste, weil er seine Augen unverwandt auf sie gerichtet hielt und ihren großen Liebreiz sah.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.404799938201904} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":38,"date":1872,"orig":"Eugenia lächelte unmerklich und erröthete nicht einmal, ſo ſehr hatte ihre Wiſſenſchaft und Geiſtesbildung alle feinern Regungen des gewöhnlichen Lebens in ihr gebunden.","norm":"Eugenia lächelte unmerklich und errötete nicht einmal, so sehr hatte ihre Wissenschaft und Geistesbildung alle feineren Regungen des gewöhnlichen Lebens in ihr gebunden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.42579984664917} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":39,"date":1872,"orig":"Dafür nahm ſie ein ernſtes, tiefſinniges Ausſehen an und erwiederte ihm:","norm":"Dafür nahm sie ein ernstes, tiefsinniges Aussehen an und erwiderte ihm:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.5897998809814453} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":40,"date":1872,"orig":"„Dein Wunſch, o Aquilinus, mich zur Gattin zu nehmen, ehrt mich in hohem Grade, kann mich aber nicht zu einer Unweisheit hinreißen; und eine ſolche wäre es zu nennen, wenn wir, ohne uns zu prüfen, dem erſten rohen Antriebe folgen würden.","norm":"„Dein Wunsch, o Aquilinus, mich zur Gattin zu nehmen, ehrt mich in hohem Grade, kann mich aber nicht zu einer Unweisheit hinreißen; und eine solche wäre es zu nennen, wenn wir, ohne uns zu prüfen, dem ersten rohen Antriebe folgen würden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.092000007629394} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":41,"date":1872,"orig":"Die erſte Bedingung, welche ich von einem etwaigen Gemahl fordern müßte, iſt, daß er mein Geiſtesleben und Streben verſteht und ehrt und an demſelben theilnimmt!","norm":"Die erste Bedingung, welche ich von einem etwaigen Gemahl fordern müsste, ist, dass er mein Geistesleben und Streben versteht und ehrt und an demselben teilnimmt!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.5625} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":42,"date":1872,"orig":"So biſt du mir denn willkommen, wenn du öfter um mich ſein und im Wetteifer mit dieſen meinen Jugendgenoſſen dich üben magſt, mit mir nach den höchſten Dingen zu forſchen.","norm":"So bist du mir denn willkommen, wenn du öfter um mich sein und im Wetteifer mit diesen meinen Jugendgenossen dich üben magst, mit mir nach den höchsten Dingen zu forschen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.723999977111816} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":43,"date":1872,"orig":"Dabei werden wir dann nicht ermangeln, zu lernen, ob wir für einander beſtimmt ſind, oder nicht, und wir werden uns nach einer Zeit gemeinſamer geiſtiger Thätigkeit ſo erkennen, wie es gottgeſchaffenen Weſen geziemt, die nicht im Dunkel, ſondern im Lichte wandeln ſollen!“","norm":"Dabei werden wir dann nicht ermangeln, zu lernen, ob wir füreinander bestimmt sind, oder nicht, und wir werden uns nach einer Zeit gemeinsamer geistiger Tätigkeit so erkennen, wie es gottgeschaffenen Wesen geziemt, die nicht im Dunkel, sondern im Lichte wandeln sollen!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.7304999828338623} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":44,"date":1872,"orig":"Auf dieſe hochgetragene Zumuthung erwiederte Aquilinus, nicht ohne eine geheime Aufwallung, doch mit ſtolzer Ruhe:","norm":"Auf diese hochgetragene Zumutung erwiderte Aquilinus, nicht ohne eine geheime Aufwallung, doch mit stolzer Ruhe:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.936299800872803} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":45,"date":1872,"orig":"„Wenn ich dich nicht kennte, Eugenia, ſo würde ich dich nicht zum Weibe begehren, und mich kennt das große Rom ſowohl wie dieſe Provinz!","norm":"„Wenn ich dich nicht kennte, Eugenia, so würde ich dich nicht zum Weibe begehren, und mich kennt das große Rom sowohl wie diese Provinz!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.59630012512207} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":46,"date":1872,"orig":"Wenn daher dein Wiſſen nicht ausreicht, ſchon jetzt zu erkennen, was und wie ich beſchaffen bin, ſo wird es, fürchte ich, nie ausreichen.","norm":"Wenn daher dein Wissen nicht ausreicht, schon jetzt zu erkennen, was und wie ich beschaffen bin, so wird es, fürchte ich, nie ausreichen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.872499942779541} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":47,"date":1872,"orig":"Auch bin ich nicht gekommen, nochmals in die Schule zu gehen, ſondern eine Ehegenoſſin zu holen; und was dieſe beiden Kinder betrifft, ſo wäre es, wenn du mir deine Hand vergönnteſt, mein erſter Wunſch, daß du ſie endlich entlaſſen und ihren Eltern zurückgeben möchteſt, damit ſie denſelben beiſtehen und nützlich ſein könnten.","norm":"Auch bin ich nicht gekommen, nochmals in die Schule zu gehen, sondern eine Ehegenossin zu holen; und was diese beiden Kinder betrifft, so wäre es, wenn du mir deine Hand vergönntest, mein erster Wunsch, dass du sie endlich entlassen und ihren Eltern zurückgeben möchtest, damit sie denselben beistehen und nützlich sein könnten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.812999963760376} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":48,"date":1872,"orig":"Nun bitte ich dich, mir Beſcheid zu geben, nicht als ein Gelehrter, ſondern als ein Weib von Fleiſch und Blut!“","norm":"Nun bitte ich dich, mir Bescheid zu geben, nicht als ein Gelehrter, sondern als ein Weib von Fleisch und Blut!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.157099962234497} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":49,"date":1872,"orig":"Jetzt war die ſchöne Philoſophin doch roth geworden, und zwar wie eine Purpurnelke, und ſie ſagte, während ihr das Herz klopfte:","norm":"Jetzt war die schöne Philosophin doch rot geworden, und zwar wie eine Purpurnelke, und sie sagte, während ihr das Herz klopfte:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.327099800109863} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":50,"date":1872,"orig":"„Mein Beſcheid iſt bald gegeben, da ich aus deinen Worten entnehme, daß du mich nicht liebſt, o Aquilinus!","norm":"„Mein Bescheid ist bald gegeben, da ich aus deinen Worten entnehme, dass du mich nicht liebst, o Aquilinus!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.454899787902832} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":51,"date":1872,"orig":"Dieſes könnte mir gleichgiltig ſein, wenn es nicht beleidigend wäre für die Tochter eines edlen Römers, angelogen zu werden!“","norm":"Dieses könnte mir gleichgültig sein, wenn es nicht beleidigend wäre für die Tochter eines edlen Römers, angelogen zu werden!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.01039981842041} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":52,"date":1872,"orig":"„Ich lüge nie!“ ſagte Aquilinus kalt; „lebe wohl!“","norm":"„Ich lüge nie!“ sagte Aquilinus kalt; „lebe wohl!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.115399837493896} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":53,"date":1872,"orig":"Eugenia wandte ſich ab, ohne ſeinen Abſchied zu erwiedern, und Aquilinus ſchritt langſam aus dem Hauſe nach ſeiner Wohnung.","norm":"Eugenia wandte sich ab, ohne seinen Abschied zu erwidern, und Aquilinus schritt langsam aus dem Hause nach seiner Wohnung.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.532700061798096} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":54,"date":1872,"orig":"Jene wollte, als ob nichts geſchehen wäre, ihre Bücher vornehmen; allein die Schrift verwirrte ſich vor ihren Augen und die Hyazinthen mußten ihr vorleſen, indeſſen ſie voll heißen Aergers mit ihren Gedanken anderwärts ſchweifte.","norm":"Jene wollte, als ob nichts geschehen wäre, ihre Bücher vornehmen; allein die Schrift verwirrte sich vor ihren Augen und die Hyazinthen mussten ihr vorlesen, indessen sie voll heißen Ärgers mit ihren Gedanken anderwärts schweifte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.6082000732421875} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":55,"date":1872,"orig":"Denn wenn ſie bis auf dieſen Tag den Conſul als denjenigen betrachtet hatte, den ſie allein unter allen Freiern zum Gemahl haben mochte, wenn es ihr allenfalls gefiele, ſo war er ihr jetzt ein Stein des Anſtoßes geworden, über den ſie nicht hinweg kommen konnte.","norm":"Denn wenn sie bis auf diesen Tag den Konsul als denjenigen betrachtet hatte, den sie allein unter allen Freiern zum Gemahl haben mochte, wenn es ihr allenfalls gefiele, so war er ihr jetzt ein Stein des Anstoßes geworden, über den sie nicht hinweg kommen konnte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.039999961853027} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":56,"date":1872,"orig":"Aquilinus ſeinerſeits verwaltete ruhig ſeine Geſchäfte und ſeufzte heimlich über ſeine eigene Thorheit, welche ihn die pedantiſche Schöne nicht vergeſſen ließ.","norm":"Aquilinus seinerseits verwaltete ruhig seine Geschäfte und seufzte heimlich über seine eigene Torheit, welche ihn die pedantische Schöne nicht vergessen ließ.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.5183000564575195} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":57,"date":1872,"orig":"Es vergiengen beinahe zwei Jahre, während welcher Eugenia womöglich immer merkwürdiger und eine wahrhaft impoſante Perſon wurde, indeſſen die Hyazinthen allbereits zwei ſtarke Bengel vorſtellten, denen der Bart wuchs.","norm":"Es vergingen beinahe zwei Jahre, während welcher Eugenia womöglich immer merkwürdiger und eine wahrhaft imposante Person wurde, indessen die Hyazinthen allbereits zwei starke Bengel vorstellten, denen der Bart wuchs.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.840199947357178} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":58,"date":1872,"orig":"Obgleich man jetzt von allen Seiten anfing, ſich über dies ſeltſame Verhältniß aufzuhalten, und anſtatt der bewundernden Epigramme ſatyriſche Proben dieſer Art aufzutauchen begannen, ſo konnte ſie ſich doch nicht entſchließen, ihre Leibgarde zu verabſchieden; denn noch war ja Aquilinus da, der ihr dieſelbe hatte verbieten wollen.","norm":"Obgleich man jetzt von allen Seiten anfing, sich über dies seltsame Verhältnis aufzuhalten, und anstatt der bewundernden Epigramme satirische Proben dieser Art aufzutauchen begannen, so konnte sie sich doch nicht entschließen, ihre Leibgarde zu verabschieden; denn noch war ja Aquilinus da, der ihr dieselbe hatte verbieten wollen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.603099822998047} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":59,"date":1872,"orig":"Er ging ruhig ſeinen Gang fort und ſchien ſich um ſie nicht weiter zu bekümmern; aber er ſah auch kein anderes Weib an, und man hörte von keiner Bewerbung mehr, ſo daß auch er getadelt wurde, als ein ſo hoher Beamter unbeweibt fortzuleben.","norm":"Er ging ruhig seinen Gang fort und schien sich um sie nicht weiter zu bekümmern; aber er sah auch kein anderes Weib an, und man hörte von keiner Bewerbung mehr, so dass auch er getadelt wurde, als ein so hoher Beamter unbeweibt fortzuleben.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.47790002822876} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":60,"date":1872,"orig":"Um ſo mehr hütete ſich die eigenſinnige Eugenia, ihm durch Entfernung der anſtößigen Geſellen ſcheinbar ein Zeichen der Annäherung zu geben.","norm":"Um so mehr hütete sich die eigensinnige Eugenia, ihm durch Entfernung der anstößigen Gesellen scheinbar ein Zeichen der Annäherung zu geben.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.488500118255615} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":61,"date":1872,"orig":"Ueberdies reizte es ſie, der allgemeinen Sitte und der öffentlichen Meinung zum Trotz nur ſich allein Rechenſchaft zu geben und unter Umſtänden, welche für alle andern Frauen gefährlich und unthunlich geweſen wären, das Bewußtſein eines reinen Lebens zu bewahren.","norm":"Überdies reizte es sie, der allgemeinen Sitte und der öffentlichen Meinung zum Trotz nur sich allein Rechenschaft zu geben und unter Umständen, welche für alle anderen Frauen gefährlich und untunlich gewesen wären, das Bewusstsein eines reinen Lebens zu bewahren.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.188099861145019} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":62,"date":1872,"orig":"Denn alle ſolche Wunderlichkeiten lagen dazumal in der Luft.","norm":"Denn alle solche Wunderlichkeiten lagen dazumal in der Luft.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.866799831390381} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":63,"date":1872,"orig":"Mittlerweile befand ſich Eugenia doch nicht wohl und zufrieden; ihre geſchulten Diener mußten Himmel, Erde und Hölle durchphiloſophiren, um plötzlich unterbrochen zu werden und ſtundenweit mit ihr im Feld herumzulaufen, ohne eines Wortes gewürdigt zu ſein.","norm":"Mittlerweile befand sich Eugenia doch nicht wohl und zufrieden; ihre geschulten Diener mussten Himmel, Erde und Hölle durchphilosophieren, um plötzlich unterbrochen zu werden und stundenweit mit ihr im Feld herumzulaufen, ohne eines Wortes gewürdigt zu sein.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.121799945831299} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":64,"date":1872,"orig":"Eines Morgens verlangte ſie auf ein Landgut hinauszufahren; ſie lenkte ſelbſt den Wagen und war lieblicher Laune; denn es war ein klarer Frühlingstag und die Luft mit Balſamdüften erfüllt.","norm":"Eines Morgens verlangte sie auf ein Landgut hinauszufahren; sie lenkte selbst den Wagen und war lieblicher Laune; denn es war ein klarer Frühlingstag und die Luft mit Balsamdüften erfüllt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.289100170135498} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":65,"date":1872,"orig":"Die Hyazinthen freuten ſich der Fröhlichkeit, und ſo fuhren ſie durch eine ländliche Vorſtadt, wo es den Chriſten erlaubt war, ihren Gottesdienſt zu halten.","norm":"Die Hyazinthen freuten sich der Fröhlichkeit, und so fuhren sie durch eine ländliche Vorstadt, wo es den Christen erlaubt war, ihren Gottesdienst zu halten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.766200065612793} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":66,"date":1872,"orig":"Sie feierten eben den Sonntag; aus der Kirche eines Mönchskloſters ertönte ein frommer Geſang, Eugenia hielt die Pferde an, um zu hören, und vernahm die Worte des Pſalmes:","norm":"Sie feierten eben den Sonntag; aus der Kirche eines Mönchsklosters ertönte ein frommer Gesang, Eugenia hielt die Pferde an, um zu hören, und vernahm die Worte des Psalmes:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.518700122833252} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":67,"date":1872,"orig":"„Wie eine Hindin nach den Waſſerquellen, ſo lechzet meine Seele, o Gott! nach dir!","norm":"„Wie eine Hindin nach den Wasserquellen, so lechzet meine Seele, o Gott! nach dir!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.889999866485596} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":68,"date":1872,"orig":"Meine Seele dürſtet nach dem lebendigen Gott!“","norm":"Meine Seele dürstet nach dem lebendigen Gott!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"lb","lang_de":0.667,"norm_lmscore":3.448699951171875} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":69,"date":1872,"orig":"Bei dem Klange dieſer Worte, aus frommen demüthigen Kehlen geſungen, vereinfachte ſich endlich ihr künſtliches Weſen, ihr Herz ward getroffen und ſchien zu wiſſen, was es wolle, und langſam, ohne zu ſprechen, fuhr ſie weiter nach dem Landgute.","norm":"Bei dem Klange dieser Worte, aus frommen demütigen Kehlen gesungen, vereinfachte sich endlich ihr künstliches Wesen, ihr Herz wurde getroffen und schien zu wissen, was es wolle, und langsam, ohne zu sprechen, fuhr sie weiter nach dem Landgute.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.635200023651123} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":70,"date":1872,"orig":"Dort zog ſie ins geheim männliche Kleider an, winkte die Hyazinthen zu ſich und verließ das Haus mit ihnen, ohne von dem Geſinde geſehen zu werden.","norm":"Dort zog sie ins geheim männliche Kleider an, winkte die Hyazinthen zu sich und verließ das Haus mit ihnen, ohne von dem Gesinde gesehen zu werden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.872400045394897} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":71,"date":1872,"orig":"Und ſie kehrte nach dem Kloſter zurück, klopfte an der Pforte und ſtellte ſich und ihre Begleiter dem Abt als drei junge Männer vor, welche begehrten, als Mönche in das Kloſter aufgenommen zu werden, um von der Welt abzuſcheiden und dem Ewigen zu leben.","norm":"Und sie kehrte nach dem Kloster zurück, klopfte an der Pforte und stellte sich und ihre Begleiter dem Abt als drei junge Männer vor, welche begehrten, als Mönche in das Kloster aufgenommen zu werden, um von der Welt abzuscheiden und dem Ewigen zu leben.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.1470999717712402} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":72,"date":1872,"orig":"Sie wußte, da ſie wohl unterrichtet war, auf die prüfenden Fragen des Abtes ſo trefflich zu antworten, daß er alle drei, die er für feine und vornehme Leute halten mußte, in das Kloſter aufnahm und den geiſtlichen Habit anziehen ließ.","norm":"Sie wusste, da sie wohl unterrichtet war, auf die prüfenden Fragen des Abtes so trefflich zu antworten, dass er alle drei, die er für feine und vornehme Leute halten musste, in das Kloster aufnahm und den geistlichen Habit anziehen ließ.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.008500099182129} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":73,"date":1872,"orig":"Eugenia war ein ſchöner, faſt engelgleicher Mönch und hieß der Bruder Eugenius, und die Hyazinthen ſahen ſich wohl oder übel desgleichen in Mönche verwandelt, da ſie gar nicht gefragt worden waren und ſich längſt daran gewöhnt hatten, nicht anders zu leben, als durch den Willen ihres weiblichen Vorbildes.","norm":"Eugenia war ein schöner, fast engelgleicher Mönch und hieß der Bruder Eugenius, und die Hyazinthen sahen sich wohl oder übel desgleichen in Mönche verwandelt, da sie gar nicht gefragt worden waren und sich längst daran gewöhnt hatten, nicht anders zu leben, als durch den Willen ihres weiblichen Vorbildes.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.088500022888184} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":74,"date":1872,"orig":"Doch bekam ihnen das Mönchsleben nicht übel, indem ſie ungleich ruhigere Tage genoſſen, nicht mehr zu ſtudiren brauchten und ſich gänzlich einem leidenden Gehorſam hingeben konnten.","norm":"Doch bekam ihnen das Mönchsleben nicht übel, indem sie ungleich ruhigere Tage genossen, nicht mehr zu studieren brauchten und sich gänzlich einem leidenden Gehorsam hingeben konnten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.726799964904785} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":75,"date":1872,"orig":"Der Bruder Eugenius hingegen raſtete nicht, ſondern wurde ein berühmter Mönch, weiß wie Marmor im Geſicht, aber mit glühenden Augen und dem Anſtand eines Erzengels.","norm":"Der Bruder Eugenius hingegen rastete nicht, sondern wurde ein berühmter Mönch, weiß wie Marmor im Gesicht, aber mit glühenden Augen und dem Anstand eines Erzengels.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.374899864196777} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":76,"date":1872,"orig":"Er bekehrte viele Heiden, pflegte die Kranken und Elenden, vertiefte ſich in die Schrift, predigte mit goldener Glockenſtimme und ward ſogar, als der Abt ſtarb, zu deſſen Nachfolger erwählt, alſo daß nun die feine Eugenia ein Abt war über ſiebenzig gute Mönche, kleine und große.","norm":"Er bekehrte viele Heiden, pflegte die Kranken und Elenden, vertiefte sich in die Schrift, predigte mit goldener Glockenstimme und wurde sogar, als der Abt starb, zu dessen Nachfolger erwählt, also dass nun die feine Eugenia ein Abt war über siebzig gute Mönche, kleine und große.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.48799991607666} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":77,"date":1872,"orig":"Während der Zeit, als ſie ſo plötzlich verſchwunden war mit ihren Gefährten und nirgends mehr aufzufinden, hatte ihr Vater ein Orakel befragen laſſen, was aus ſeiner Tochter geworden ſei, und dieſes verkündete, Eugenia ſei von den Göttern entrückt und unter die Sterne verſetzt worden.","norm":"Während der Zeit, als sie so plötzlich verschwunden war mit ihren Gefährten und nirgends mehr aufzufinden, hatte ihr Vater ein Orakel befragen lassen, was aus seiner Tochter geworden sei, und dieses verkündete, Eugenia sei von den Göttern entrückt und unter die Sterne versetzt worden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.686199903488159} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":78,"date":1872,"orig":"Denn die Prieſter benützten das Ereigniß, um den Chriſten gegenüber ein Mirakel aufzuweiſen, während dieſe den Haſen längſt in der Küche hatten.","norm":"Denn die Priester benützten das Ereignis, um den Christen gegenüber ein Mirakel aufzuweisen, während diese den Hasen längst in der Küche hatten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.801499843597412} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":79,"date":1872,"orig":"Man bezeichnete ſogar einen Stern am Firmament mit zwei kleineren Nebenſchnüppchen als das neue Sternbild, und die Alexandriner ſtanden auf den Straßen und den Zinnen ihrer Häuſer und ſchauten hinauf, und Mancher, der ſie einſt hatte herumgehen ſehen und ſich ihrer Schönheit erinnerte, verliebte ſich nachträglich in ſie und guckte mit feuchten Augen in den Stern, der ruhig im dunkeln Blau ſchwamm.","norm":"Man bezeichnete sogar einen Stern am Firmament mit zwei kleineren Nebenschnippchen als das neue Sternbild, und die Alexandriner standen auf den Straßen und den Zinnen ihrer Häuser und schauten hinauf, und mancher, der sie einst hatte herumgehen sehen und sich ihrer Schönheit erinnerte, verliebte sich nachträglich in sie und guckte mit feuchten Augen in den Stern, der ruhig im dunklen Blau schwamm.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.343299865722656} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":80,"date":1872,"orig":"Auch Aquilinus ſah hinauf; aber er ſchüttelte den Kopf und die Sache wollte ihm nicht einleuchten.","norm":"Auch Aquilinus sah hinauf; aber er schüttelte den Kopf und die Sache wollte ihm nicht einleuchten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.361000061035156} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":81,"date":1872,"orig":"Deſto feſter glaubte der Vater der Verſchwundenen daran, fühlte ſich nicht wenig erhoben und wußte es mit Hilfe der Prieſter durchzuſetzen, daß Eugenien eine Bildſäule errichtet und göttliche Ehren erwieſen wurden.","norm":"Desto fester glaubte der Vater der Verschwundenen daran, fühlte sich nicht wenig erhoben und wusste es mit Hilfe der Priester durchzusetzen, dass Eugenie eine Bildsäule errichtet und göttliche Ehren erwiesen wurden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.144599914550781} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":82,"date":1872,"orig":"Aquilinus, der die obrigkeitliche Bewilligung ertheilen mußte, that es unter der Bedingung, daß das Bild der Entrückten ähnlich gemacht würde; das war leicht zu bewerkſtelligen, da es eine ganze Menge Büſten und Bildchen von ihr gab, und ſo wurde ihre Marmorſtatue in der Vorhalle des Minervatempels aufgeſtellt und durfte ſich ſehen laſſen vor den Göttern und Menſchen, da es unbeſchadet der ſprechenden Aehnlichkeit ein Idealwerk war in Kopf, Haltung und Gewändern.","norm":"Aquilinus, der die obrigkeitliche Bewilligung erteilen musste, tat es unter der Bedingung, dass das Bild der Entrückten ähnlich gemacht würde; das war leicht zu bewerkstelligen, da es eine ganze Menge Büsten und Bildchen von ihr gab, und so wurde ihre Marmorstatue in der Vorhalle des Minervatempels aufgestellt und durfte sich sehen lassen vor den Göttern und Menschen, da es unbeschadet der sprechenden Ähnlichkeit ein Idealwerk war in Kopf, Haltung und Gewändern.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.82669997215271} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":83,"date":1872,"orig":"Die ſiebenzig Mönche des Kloſters, als dieſe Neuigkeit dort verhandelt wurde, ärgerten ſich höchlich über den Trumpf, der von heidniſcher Seite ausgeſpielt worden, über die Errichtung eines neuen Götzenbildes und die freche Anbetung eines ſterblichen Weibes.","norm":"Die siebzig Mönche des Klosters, als diese Neuigkeit dort verhandelt wurde, ärgerten sich höchlich über den Trumpf, der von heidnischer Seite ausgespielt worden, über die Errichtung eines neuen Götzenbildes und die freche Anbetung eines sterblichen Weibes.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.868599891662597} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":84,"date":1872,"orig":"Am heftigſten ſchalten ſie über das Weib ſelber als über eine Landläuferin und betrügeriſche Gauklerin, und ſie machten während des Mittagsmahles einen ganz ungewöhnlichen Lärm.","norm":"Am heftigsten schalten sie über das Weib selber als über eine Landläuferin und betrügerische Gauklerin, und sie machten während des Mittagsmales einen ganz ungewöhnlichen Lärm.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.197000026702881} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":85,"date":1872,"orig":"Die Hyazinthen, welche zwei gutmüthige Pfäfflein geworden und das Geheimniß des Abtes in der Bruſt begraben hielten, ſahen dieſen bedeutungsvoll an; aber er winkte ihnen zu ſchweigen und ließ das Schelten und Toben über ſich ergehen als Strafe für ſeinen heidniſchen Sündengeiſt.","norm":"Die Hyazinthen, welche zwei gutmütige Pfäfflein geworden und das Geheimnis des Abtes in der Brust begraben hielten, sahen diesen bedeutungsvoll an; aber er winkte ihnen zu schweigen und ließ das Schelten und Toben über sich ergehen als Strafe für seinen heidnischen Sündengeist.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.516499996185303} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":86,"date":1872,"orig":"In der Nacht aber, als Mitternacht vorüber war, erhob ſich Eugenia von ihrem Lager, nahm einen ſtarken Hammer und ging leiſe aus dem Kloſter, um das Bild aufzuſuchen und zu zerſchlagen.","norm":"In der Nacht aber, als Mitternacht vorüber war, erhob sich Eugenia von ihrem Lager, nahm einen starken Hammer und ging leise aus dem Kloster, um das Bild aufzusuchen und zu zerschlagen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.85260009765625} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":87,"date":1872,"orig":"Leicht fand ſie den marmorglänzenden Stadttheil, wo die Tempel und öffentlichen Gebäude lagen und wo ſie ihre Jugendzeit zugebracht hatte.","norm":"Leicht fand sie den marmorglänzenden Stadtteil, wo die Tempel und öffentlichen Gebäude lagen und wo sie ihre Jugendzeit zugebracht hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.225900173187256} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":88,"date":1872,"orig":"Keine Seele rührte ſich in der ſtillen Steinwelt; als der weibliche Mönch die Stufen zum Tempel hinaufging, erhob ſich eben der Mond über die Schatten der Stadt und warf ſein taghelles Licht zwiſchen die Säulen der Vorhalle hinein.","norm":"Keine Seele rührte sich in der stillen Steinwelt; als der weibliche Mönch die Stufen zum Tempel hinaufging, erhob sich eben der Mond über die Schatten der Stadt und warf sein taghelles Licht zwischen die Säulen der Vorhalle hinein.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.164700031280518} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":89,"date":1872,"orig":"Da ſah Eugenia ihr Bild, weiß wie der gefallene Schnee, in wunderbarer Anmuth und Schönheit daſtehen, die feinfaltigen Gewänder ſittig um die Schultern gezogen, mit begeiſtertem Blick und leis lächelndem Munde vor ſich hinſehend.","norm":"Da sah Eugenia ihr Bild, weiß wie der gefallene Schnee, in wunderbarer Anmut und Schönheit dastehen, die feinfaltigen Gewänder sittig um die Schultern gezogen, mit begeistertem Blick und leis lächelndem Munde vor sich hinsehend.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.423600196838379} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":90,"date":1872,"orig":"Neugierig ſchritt die Chriſtin darauf zu, den erhobenen Hammer in der Hand; aber ein füßer Schauder durchfuhr ihr Herz, als ſie das Bild in ſeiner Deutlichkeit ſah, der Hammer ſank nieder und lautlos weidete ſie ſich am Anblicke ihres eigenen früheren Weſens.","norm":"Neugierig schritt die Christin darauf zu, den erhobenen Hammer in der Hand; aber ein Füße Schauder durchfuhr ihr Herz, als sie das Bild in seiner Deutlichkeit sah, der Hammer sank nieder und lautlos weidete sie sich am Anblicke ihres eigenen früheren Wesens.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.483500003814697} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":91,"date":1872,"orig":"Eine bittere Wehmuth umfing ſie, das Gefühl, als ob ſie aus einer ſchöneren Welt ausgeſtoßen wäre und jetzt als ein glückloſer Schatten in der Oede herum irre; denn wenn das Bild auch zu einem Ideal erhoben war, ſo ſtellte es gerade dadurch das urſprüngliche innere Weſen Eugenias dar, das durch ihre Schulfuchſerei nur verhüllt wurde, und es war ein edleres Gefühl, als Eitelkeit, durch welches ſie ihr beſſeres Selbſt in dem magiſchen Mondglanz nun erkannte.","norm":"Eine bittere Wehmut umfing sie, das Gefühl, als ob sie aus einer schöneren Welt ausgestoßen wäre und jetzt als ein glückloser Schatten in der Öde herumirre; denn wenn das Bild auch zu einem Ideal erhoben war, so stellte es gerade dadurch das ursprüngliche innere Wesen Eugenias dar, das durch ihre Schulfuchserei nur verhüllt wurde, und es war ein edleres Gefühl, als Eitelkeit, durch welches sie ihr besseres Selbst in dem magischen Mondglanz nun erkannte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.200500011444092} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":92,"date":1872,"orig":"Das machte ihr eben zu Muthe, wie wenn ſie die unrechte Karte ausgeſpielt hätte, um modern zu reden, da es damals freilich keine Karten gab.","norm":"Das machte ihr eben zu Mute, wie wenn sie die unrechte Karte ausgespielt hätte, um modern zu reden, da es damals freilich keine Karten gab.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.606200218200684} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":93,"date":1872,"orig":"Plötzlich ließ ſich ein raſcher Männertritt hören; Eugenia verbarg ſich unwillkürlich im Schatten einer Säule und ſah die hohe Geſtalt des Aquilinus heranſchreiten.","norm":"Plötzlich ließ sich ein rascher Männertritt hören; Eugenia verbarg sich unwillkürlich im Schatten einer Säule und sah die hohe Gestalt des Aquilinus heranschreiten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.7484002113342285} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":94,"date":1872,"orig":"Sie ſah, wie er ſich vor die Statue ſtellte, dieſelbe lange betrachtete und endlich den Arm um ihren Hals legte, um einen leiſen Kuß auf die marmornen Lippen zu drücken.","norm":"Sie sah, wie er sich vor die Statue stellte, dieselbe lange betrachtete und endlich den Arm um ihren Hals legte, um einen leisen Kuss auf die marmornen Lippen zu drücken.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.743900060653686} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":95,"date":1872,"orig":"Dann hüllte er ſich in ſeinen Mantel und ging langſam hinweg, ſich mehr als einmal nach dem glänzenden Bilde umſchauend.","norm":"Dann hüllte er sich in seinen Mantel und ging langsam hinweg, sich mehr als einmal nach dem glänzenden Bilde umschauend.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.621999979019165} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":96,"date":1872,"orig":"Eugenia zitterte ſo ſtark, daß ſie es ſelbſt bemerkte; zornig und gewaltſam nahm ſie ſich zuſammen und trat wieder vor die Bildſäule mit dem erhobenen Hammer, um dem ſündhaften Spuck ein Ende zu machen; aber ſtatt das ſchöne Haupt zu zerſchlagen, drückte ſie, in Thränen ausbrechend, ebenfalls einen Kuß auf ſeine Lippen und eilte von dannen, da ſich die Schritte der Nachtwache hören ließen.","norm":"Eugenia zitterte so stark, dass sie es selbst bemerkte; zornig und gewaltsam nahm sie sich zusammen und trat wieder vor die Bildsäule mit dem erhobenen Hammer, um dem sündhaften Spuk ein Ende zu machen; aber statt das schöne Haupt zu zerschlagen, drückte sie, in Tränen ausbrechend, ebenfalls einen Kuss auf seine Lippen und eilte von dannen, da sich die Schritte der Nachtwache hören ließen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.652699947357177} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":97,"date":1872,"orig":"Mit wogendem Buſen ſchlich ſie in ihre Zelle und ſchlief ſelbige Nacht nicht, bis die Sonne aufging, und während ſie das Frühgebet verſäumte, träumte ſie in raſch folgendem Wechſel von Dingen, die dasſelbe nichts angingen.","norm":"Mit wogendem Busen schlich sie in ihre Zelle und schlief selbige Nacht nicht, bis die Sonne aufging, und während sie das Frühgebet versäumte, träumte sie in rasch folgendem Wechsel von Dingen, die dasselbe nichts angingen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.221199989318848} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":98,"date":1872,"orig":"Die Mönche ehrten den Schlaf des Abtes als eine Folge geiſtlicher Nachtwachen.","norm":"Die Mönche ehrten den Schlaf des Abtes als eine Folge geistlicher Nachtwachen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.669899940490723} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":99,"date":1872,"orig":"Allein zuletzt ſahen ſie ſich genöthigt, Eugenias Schlummer zu unterbrechen, da es für ſie etwas beſonderes zu thun gab.","norm":"Allein zuletzt sahen sie sich genötigt, Eugenias Schlummer zu unterbrechen, da es für sie etwas Besonderes zu tun gab.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.057700157165527} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":100,"date":1872,"orig":"Eine vornehme Wittwe, welche krank und chriſtlicher Hilfe bedürftig darnieder zu liegen vorgab, hatte nach ihr geſandt, den geiſtlichen Zuſpruch und den Rath des Abtes Eugenius verlangend, deſſen Wirken und Perſon ſie ſeit geraumer Zeit verehrte.","norm":"Eine vornehme Witwe, welche krank und christlicher Hilfe bedürftig danieder zu liegen vorgab, hatte nach ihr gesandt, den geistlichen Zuspruch und den Rat des Abtes Eugenius verlangend, dessen Wirken und Person sie seit geraumer Zeit verehrte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.597400188446045} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":101,"date":1872,"orig":"Die Mönche wollten daher dieſe Eroberung nicht fahren laſſen, welche ihrer Kirche zu Anſehen verhalf, und ſie weckten Eugenia.","norm":"Die Mönche wollten daher diese Eroberung nicht fahren lassen, welche ihrer Kirche zu Ansehen verhalf, und sie weckten Eugenia.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.2581000328063965} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":102,"date":1872,"orig":"Halb verwirrt und mit hold gerötheten Wangen, wie man ſie lange nicht geſehen, machte ſie ſich auf den Weg, mit ihren Gedanken mehr in den Träumen des Morgenſchlummers und unter den nächtlichen Tempelſäulen verweilend, als bei dem, was vor ihr lag.","norm":"Halb verwirrt und mit hold geröteten Wangen, wie man sie lange nicht gesehen, machte sie sich auf den Weg, mit ihren Gedanken mehr in den Träumen des Morgenschlummers und unter den nächtlichen Tempelsäulen verweilend, als bei dem, was vor ihr lag.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.062399864196777} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":103,"date":1872,"orig":"Sie betrat das Haus der Heidin und wurde in deren Gemach geführt und mit ihr allein gelaſſen.","norm":"Sie betrat das Haus der Heidin und wurde in deren Gemach geführt und mit ihr allein gelassen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.110799789428711} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":104,"date":1872,"orig":"Ein ſchönes Weib von noch nicht dreißig Jahren lag auf einem Ruhebette ausgeſtreckt, allein nicht wie eine Kranke und Zerknirſchte, ſondern glühend von Stolz und Lebensluſt.","norm":"Ein schönes Weib von noch nicht dreißig Jahren lag auf einem Ruhebette ausgestreckt, allein nicht wie eine Kranke und Zerknirschte, sondern glühend von Stolz und Lebenslust.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.4344000816345215} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":105,"date":1872,"orig":"Kaum vermochte ſie ſich leidlich ruhig und beſcheiden anzuſtellen, bis der vermeintliche Mönch auf ihre Anordnung dicht an ihrer Seite Platz genommen; dann ergriff ſie ſeine beiden weißen Hände, drückte ihre Stirn darauf und bedeckte ſie mit Küſſen.","norm":"Kaum vermochte sie sich leidlich ruhig und bescheiden anzustellen, bis der vermeintliche Mönch auf ihre Anordnung dicht an ihrer Seite Platz genommen; dann ergriff sie seine beiden weißen Hände, drückte ihre Stirn darauf und bedeckte sie mit Küssen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.655200004577637} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":106,"date":1872,"orig":"Eugenia, welche von ihren anderweitigen Gedanken eingenommen, nicht auf das unheilige Ausſehen des Weibes geachtet hatte und ihr Gebahren für Demuth und geiſtliche Hingebung hielt, ließ ſie gewähren, und dadurch aufgemuntert, ſchlang die Heidin ihre Arme um Eugenias Hals, den ſchönſten jungen Mönch zu umarmen wähnend.","norm":"Eugenia, welche von ihren anderweitigen Gedanken eingenommen, nicht auf das unheilige Aussehen des Weibes geachtet hatte und ihr Gebaren für Demut und geistliche Hingebung hielt, ließ sie gewähren, und dadurch aufgemuntert, schlang die Heidin ihre Arme um Eugenias Hals, den schönsten jungen Mönch zu umarmen wähnend.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.491499900817871} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":107,"date":1872,"orig":"Kurz, ehe der ſich's verſah, fand er ſich von der leidenſchafterfüllten Perſon umklammert und fühlte ſeinen Mund von einem Regen der heftigſten Küſſe getroffen.","norm":"Kurz, ehe der sich es versah, fand er sich von der leidenschafterfüllten Person umklammert und fühlte seinen Mund von einem Regen der heftigsten Küsse getroffen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.089200019836426} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":108,"date":1872,"orig":"Ganz betäubt erwachte endlich Eugenia aus ihrer Zerſtreuung; doch dauerte es Minuten bis ſie ſich aus der wilden Umhalſung losmachen und aufrichten konnte.","norm":"Ganz betäubt erwachte endlich Eugenia aus ihrer Zerstreuung; doch dauerte es Minuten bis sie sich aus der wilden Umhalsung losmachen und aufrichten konnte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.230599880218506} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":109,"date":1872,"orig":"Sogleich aber begann die Zunge des heidniſchen Satans ſich zu rühren; in einem Sturm von Worten that die Teufelin dem entſetzten Abt ihre Liebe und Sehnſucht kund und ſuchte ihm auf jegliche Art zu beweiſen, daß es die Pflicht ſeiner Schönheit und Jugend ſei, dieſe Sehnſucht zu ſtillen, und daß er zu nichts anderem da ſei.","norm":"Sogleich aber begann die Zunge des heidnischen Satans sich zu rühren; in einem Sturm von Worten tat die Teufelin dem entsetzten Abt ihre Liebe und Sehnsucht kund und suchte ihm auf jegliche Art zu beweisen, dass es die Pflicht seiner Schönheit und Jugend sei, diese Sehnsucht zu stillen, und dass er zu nichts anderem da sei.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.859400033950805} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":110,"date":1872,"orig":"Dabei ließ ſie es an neuen Angriffen und zärtlichen Verlockungen nicht fehlen, ſo daß Eugenia ſich kaum zu erwehren wußte, endlich aber ſich entrüſtet zuſammenraffte und mit blitzenden Augen der Unholdin ſo derb den Text las und mit ſo kräftigen Verwünſchungen, wie ſie nur einem Mönch zu Gebote ſtehen, antwortete, daß jene das Mißlingen ihres übeln Vorhabens erkannte, mit Einem Schlag ſich verwandelte und den Ausweg einſchlug, den ſchon das Weib des Potiphar eingeſchlagen und der ſeither hundert und tauſend Mal begangen wurde.","norm":"Dabei ließ sie es an neuen Angriffen und zärtlichen Verlockungen nicht fehlen, so dass Eugenia sich kaum zu erwehren wusste, endlich aber sich entrüstet zusammenraffte und mit blitzenden Augen der Unholdin so derb den Text las und mit so kräftigen Verwünschungen, wie sie nur einem Mönch zu Gebote stehen, antwortete, dass jene das Misslingen ihres üblen Vorhabens erkannte, mit einem Schlag sich verwandelte und den Ausweg einschlug, den schon das Weib des Potiphar eingeschlagen und der seither hundertundtausend Mal begangen wurde.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.18310022354126} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":111,"date":1872,"orig":"Sie ſprang wie ein Tiger auf Eugenia zu, umſchlang ſie nochmals wie mit eiſernen Armen, riß ſie zu ſich auf das Bett nieder und erhob gleichzeitig ein ſolches Zetergeſchrei, daß ihre Mägde von allen Seiten in das Gemach ſtürzten.","norm":"Sie sprang wie ein Tiger auf Eugenia zu, umschlang sie nochmals wie mit eisernen Armen, riss sie zu sich auf das Bett nieder und erhob gleichzeitig ein solches Zetergeschrei, dass ihre Mägde von allen Seiten in das Gemach stürzten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.967900037765503} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":112,"date":1872,"orig":"„Helft mir!","norm":"„Helft mir!","lang_fastText":"pl","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"lb","lang_de":0.333,"norm_lmscore":3.848900079727173} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":113,"date":1872,"orig":"Helft mir!“ ſchrie ſie, „dieſer Mann will mir Gewalt anthun!“ und zugleich ließ ſie Eugenien los, die ſich athemlos, verwirrt und erſchrocken auf die Füße ſtellte.","norm":"Helft mir!“ schrie sie, „dieser Mann will mir Gewalt antun!“ und zugleich ließ sie Eugenie los, die sich atemlos, verwirrt und erschrocken auf die Füße stellte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.692500114440918} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":114,"date":1872,"orig":"Die herbeigelaufenen Weiber ſchrieen alſobald noch ärger als ihre Herrin, liefen dahin und dorthin und riefen auch männliche Geiſter herbei; Eugenia wußte vor Schrecken kein Wort hervorzubringen, ſondern flüchtete ſich voll Scham und Abſcheu aus, dem Hauſe, vom Lärm und den Verwünſchungen des tollen Haufens verfolgt.","norm":"Die herbeigelaufenen Weiber schrien alsobald noch ärger als ihre Herrin, liefen dahin und dorthin und riefen auch männliche Geister herbei; Eugenia wusste vor Schrecken kein Wort hervorzubringen, sondern flüchtete sich voll Scham und Abscheu aus, dem Hause, vom Lärm und den Verwünschungen des tollen Haufens verfolgt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.9303998947143555} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":115,"date":1872,"orig":"Nun ſäumte die teufliſche Wittwe nicht, ſchnurſtracks und mit einem guten Gefolge zum Konſul Aquilinus zu laufen und bei ihm den Mönch der ärgſten Schandthat anzuklagen, wie er heuchleriſcher Weiſe in ihr Haus gekommen ſei, um ſich erſt mit Bekehrungsverſuchen aufzudrängen und, nachdem dieſe fehlgeſchlagen, ſie gewaltthätig ihrer Ehre zu berauben.","norm":"Nun säumte die teuflische Witwe nicht, schnurstracks und mit einem guten Gefolge zum Konsul Aquilinus zu laufen und bei ihm den Mönch der ärgsten Schandtat anzuklagen, wie er heuchlerischer Weise in ihr Haus gekommen sei, um sich erst mit Bekehrungsversuchen aufzudrängen und, nachdem diese fehlgeschlagen, sie gewalttätig ihrer Ehre zu berauben.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.767499923706054} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":116,"date":1872,"orig":"Da ihr ganzes Gefolge die Wahrheit ihrer Ausſage bezeugte, ließ der entrüſtete Aquilinus ſofort das Kloſter mit Kriegsvolk beſetzen und den Abt ſammt den Mönchen vor ſich bringen, um ſie zu richten.","norm":"Da ihr ganzes Gefolge die Wahrheit ihrer Aussage bezeugte, ließ der entrüstete Aquilinus sofort das Kloster mit Kriegsvolk besetzen und den Abt samt den Mönchen vor sich bringen, um sie zu richten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.296000003814697} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":117,"date":1872,"orig":"„Iſt das euer Beginnen, ihr niederträchtigen Heuchler?“ redete er ſie mit ſtrengem Tone an, ſticht euch ſchon dermaßen der Hafer, daß ihr, kaum geduldet, die Ehre unſerer Frauen beleidigt und herum ſchleicht, wie die reißenden Wölfe?","norm":"„Ist das euer Beginnen, ihr niederträchtigen Heuchler?“ redete er sie mit strengem Tone an, sticht euch schon dermaßen der Hafer, dass ihr, kaum geduldet, die Ehre unserer Frauen beleidigt und herumschleicht, wie die reißenden Wölfe?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.50439977645874} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":118,"date":1872,"orig":"Hat euer Meiſter, den ich mehr achte, als ihr Lügner! euch dergleichen gelehrt oder geboten?","norm":"Hat euer Meister, den ich mehr achte, als ihr Lügner! euch dergleichen gelehrt oder geboten?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":6.137700080871582} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":119,"date":1872,"orig":"Mit Nichten!","norm":"Mit Nichten!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":6.470099925994873} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":120,"date":1872,"orig":"Ihr ſeid ein Haufen und eine Bande Elender, die ſich öffentlich einen Namen geben, um im Stillen dem Verderben zu fröhnen!","norm":"Ihr seid ein Haufen und eine Bande Elender, die sich öffentlich einen Namen geben, um im Stillen dem Verderben zu frönen!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.120100021362305} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":121,"date":1872,"orig":"Vertheidigt euch, wenn ihr könnt, gegen die Anklage!“","norm":"verteidigt euch, wenn ihr könnt, gegen die Anklage!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.303800106048584} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":122,"date":1872,"orig":"Die ſchändliche Wittwe wiederholte jetzt, von heuchleriſchen Seufzern und Thränen unterbrochen, ihre lügenhafte Erzählung.","norm":"Die schändliche Witwe wiederholte jetzt, von heuchlerischen Seufzern und Tränen unterbrochen, ihre lügenhafte Erzählung.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.3678998947143555} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":123,"date":1872,"orig":"Als ſie geendigt und ſich ſittſam wieder in ihre Schleier hüllte, ſahen die Mönche voll Furcht einander an und auf ihren Abt, an deſſen Tugend ſie nicht zweifelten, und ſie erhoben gemeinſam ihre Stimmen, um die falſche Anklage abzuwehren.","norm":"Als sie geendigt und sich sittsam wieder in ihre Schleier hüllte, sahen die Mönche voll Furcht einander an und auf ihren Abt, an dessen Tugend sie nicht zweifelten, und sie erhoben gemeinsam ihre Stimmen, um die falsche Anklage abzuwehren.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.423699855804443} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":124,"date":1872,"orig":"Allein nicht nur das zahlreiche Geſinde der Lügnerin, ſondern auch mehrere Nachbarn und Vorübergehende, welche den Abt voll Scham und Verwirrung aus jenem Hauſe hatten entfliehen ſehen und ihn ſchlechtweg für ſchuldig hielten, bezeugten jetzt nacheinander und zumal mit lauter Stimme die begangene Unthat, ſo daß die armen Mönche zehnmal überſtimmt und überſchrieen wurden.","norm":"Allein nicht nur das zahlreiche Gesinde der Lügnerin, sondern auch mehrere Nachbarn und Vorübergehende, welche den Abt voll Scham und Verwirrung aus jenem Hause hatten entfliehen sehen und ihn schlichtweg für schuldig hielten, bezeugten jetzt nacheinander und zumal mit lauter Stimme die begangene Untat, so dass die armen Mönche zehnmal überstimmt und überschrien wurden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.4730000495910645} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":125,"date":1872,"orig":"Sie ſahen daher voll Zweifel auf ihren Abt, und ſeine Jugendlichkeit kam den Graubärten unter ihnen jetzt auf einmal auch verdächtig vor.","norm":"Sie sahen daher voll Zweifel auf ihren Abt, und seine Jugendlichkeit kam den Graubärten unter ihnen jetzt auf einmal auch verdächtig vor.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.305600166320801} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":126,"date":1872,"orig":"Sie riefen, wenn er ſchuldig ſei, ſo würde Gottes Strafgericht nicht ausbleiben, wie ſie ihn auch dem weltlichen Richter jetzt ſchon Preis gäben!","norm":"Sie riefen, wenn er schuldig sei, so würde Gottes Strafgericht nicht ausbleiben, wie sie ihn auch dem weltlichen Richter jetzt schon Preis gäben!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.572299957275391} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":127,"date":1872,"orig":"Aller Blicke waren nun auf Eugenia gerichtet, welche inmitten der Verſammlung verlaſſen daſtand.","norm":"Aller Blicke waren nun auf Eugenia gerichtet, welche inmitten der Versammlung verlassen dastand.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.8780999183654785} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":128,"date":1872,"orig":"Sie hatte weinend in ihrer Zelle gelegen, als ſie mit den Mönchen ergriffen worden, und ſtand die ganze Zeit über mit geſenkten Augen und die Mönchskappe tief über das Haupt gezogen, da und befand ſich nun in der allerſchlimmſten Lage; denn wenn ſie das Geheimniß ihrer Herkunft und ihres Geſchlechtes bewahrte, ſo unterlag ſie dem falſchen Zeugniß, und offenbarte ſie daſſelbe, ſo erhob ſich der Sturm gegen das Kloſter heftiger als vorher und ſie weihte dasſelbe dem Untergange, indem ein Kloſter, das ein ſchönes junges Weib zum Abte hat, des unſeligſten Verdachtes und Geſpöttes der böswilligen Heidenwelt gewärtig ſein mußte.","norm":"Sie hatte weinend in ihrer Zelle gelegen, als sie mit den Mönchen ergriffen worden, und stand die ganze Zeit über mit gesenkten Augen und die Mönchskappe tief über das Haupt gezogen, da und befand sich nun in der allerschlimmsten Lage; denn wenn sie das Geheimnis ihrer Herkunft und ihres Geschlechtes bewahrte, so unterlag sie dem falschen Zeugnis, und offenbarte sie dasselbe, so erhob sich der Sturm gegen das Kloster heftiger als vorher und sie weihte dasselbe dem Untergange, indem ein Kloster, das ein schönes junges Weib zum Abte hat, des unseligsten Verdachtes und Gespöttes der böswilligen Heidenwelt gewärtig sein musste.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.200300216674805} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":129,"date":1872,"orig":"Dieſe Furcht und Ungewißheit hätte ſie nicht empfunden, wenn ſie, nach Mönchsbegriffen, noch reinen Herzens geweſen wäre; allein allbereits ſeit der letzten Nacht war der Zwieſpalt in ihr Gemüth eingebrochen und ſelbſt die unglückliche Begegnung mit dem ſchlimmen Weibe hatte ſie noch mehr verwirrt, ſo daß ſie nunmehr den Muth nicht fand, entſchloſſen aufzutreten und ein Wunder herbeizuführen.","norm":"Diese Furcht und Ungewissheit hätte sie nicht empfunden, wenn sie, nach Mönchsbegriffen, noch reinen Herzens gewesen wäre; allein allbereits seit der letzten Nacht war der Zwiespalt in ihr Gemüt eingebrochen und selbst die unglückliche Begegnung mit dem schlimmen Weibe hatte sie noch mehr verwirrt, so dass sie nunmehr den Mut nicht fand, entschlossen aufzutreten und ein Wunder herbeizuführen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.172299861907959} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":130,"date":1872,"orig":"Doch als Aquilinus ſie aufforderte, zu reden, erinnerte ſie ſich ſeiner Neigung zu ihr, und indem ſie Vertrauen zu ihm faßte, verfiel ſie auf eine Ausflucht.","norm":"Doch als Aquilinus sie aufforderte, zu reden, erinnerte sie sich seiner Neigung zu ihr, und indem sie Vertrauen zu ihm fasste, verfiel sie auf eine Ausflucht.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.788700103759765} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":131,"date":1872,"orig":"Mit leiſem und beſcheidenem Tone ſagte ſie, ſie ſei nicht ſchuldig und wolle es dem Konſul beweiſen, wenn ſie allein mit ihm ſprechen dürfe.","norm":"Mit leisem und bescheidenem Tone sagte sie, sie sei nicht schuldig und wolle es dem Konsul beweisen, wenn sie allein mit ihm sprechen dürfe.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.91700005531311} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":132,"date":1872,"orig":"Der Klang ihrer Stimme rührte den Aquilinus, ohne daß er wußte warum, und er gab zu, daß ſie unter vier Augen mit ihm reden möge.","norm":"Der Klang ihrer Stimme rührte den Aquilinus, ohne dass er wusste warum, und er gab zu, dass sie unter vier Augen mit ihm reden möge.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.03879976272583} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":133,"date":1872,"orig":"Er ließ ſie deshalb in das Innere ſeines Hauſes führen und verſchloß ſich dort allein mit ihr in ein Zimmer.","norm":"Er ließ sie deshalb in das Innere seines Hauses führen und verschloss sich dort allein mit ihr in ein Zimmer.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.8438000679016113} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":134,"date":1872,"orig":"Dort ſchlug Eugenia ihre Augen zu ihm auf, warf die Kapuze zurück und ſagte:","norm":"Dort schlug Eugenia ihre Augen zu ihm auf, warf die Kapuze zurück und sagte:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.269000053405762} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":135,"date":1872,"orig":"„Ich bin Eugenia, die du einſt zur Frau begehrt haſt!“","norm":"„Ich bin Eugenia, die du einst zur Frau begehrt hast!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.256400108337402} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":136,"date":1872,"orig":"Sogleich erkannte er ſie und war überzeugt, daß ſie es ſei; aber zugleich ſtieg ein großer Aerger und eine brennende Eiferſucht in ihm auf, weil die ſo plötzlich Wiedergefundene als ein Weib zum Vorſchein kam, das die ganze Zeit über heimlich unter ſiebenzig Mönchen gelebt hatte.","norm":"Sogleich erkannte er sie und war überzeugt, dass sie es sei; aber zugleich stieg ein großer Ärger und eine brennende Eifersucht in ihm auf, weil die so plötzlich Wiedergefundene als ein Weib zum Vorschein kam, das die ganze Zeit über heimlich unter siebzig Mönchen gelebt hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.698499917984009} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":137,"date":1872,"orig":"Er hielt daher gewaltſam an ſich und ſtellte ſich, während ſeine Blicke ſie prüfend überflogen, als ob er ihren Worten nicht im mindeſten glaubte und ſagte:","norm":"Er hielt daher gewaltsam an sich und stellte sich, während seine Blicke sie prüfend überflogen, als ob er ihren Worten nicht im mindesten glaubte und sagte:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.854400157928467} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":138,"date":1872,"orig":"„Du ſiehſt in der That jener thörichten Jungfrau ziemlich ähnlich.","norm":"„Du siehst in der Tat jener törichten Jungfrau ziemlich ähnlich.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.296599864959717} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":139,"date":1872,"orig":"Doch das kümmert mich nicht; vielmehr bin ich begierig zu wiſſen, was du mit der Wittwe gemacht haſt!“","norm":"Doch das kümmert mich nicht; vielmehr bin ich begierig zu wissen, was du mit der Witwe gemacht hast!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.441999912261963} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":140,"date":1872,"orig":"Eugenia erzählte eingeſchüchtert und ängſtlich den Vorgang und Aquilinus erkannte aus der ganzen Art der Erzählung die Falſchheit und Schlechtigkeit der Anklage, erwiederte jedoch mit ſcheinbarer Kaltblütigkeit:","norm":"Eugenia erzählte eingeschüchtert und ängstlich den Vorgang und Aquilinus erkannte aus der ganzen Art der Erzählung die Falschheit und Schlechtigkeit der Anklage, erwiderte jedoch mit scheinbarer Kaltblütigkeit:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.240600109100342} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":141,"date":1872,"orig":"„Und auf welche Weiſe willſt du denn, wenn du Eugenia biſt, ein Mönch geworden ſein, in welcher Abſicht und wie war es möglich?“","norm":"„Und auf welche Weise willst du denn, wenn du Eugenia bist, ein Mönch geworden sein, in welcher Absicht und wie war es möglich?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.327099800109863} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":142,"date":1872,"orig":"Auf dieſe ſeine Worte erröthete ſie und blickte verlegen auf die Erde; doch dünkte es ſie nicht unbehaglich, hier zu ſein und endlich wieder einmal zu einem guten alten Bekannten von ſich und ihrem Leben zu ſprechen; ſie ſäumte auch nicht und berichtete mit natürlichen Worten Alles, was ſich ſeit ihrem Verſchwinden mit ihr zugetragen, nur daß ſie ſeltſamer Weiſe der beiden Hyazinthen mit keiner Silbe erwähnte.","norm":"Auf diese seine Worte errötete sie und blickte verlegen auf die Erde; doch dünkte es sie nicht unbehaglich, hier zu sein und endlich wieder einmal zu einem guten alten Bekannten von sich und ihrem Leben zu sprechen; sie säumte auch nicht und berichtete mit natürlichen Worten alles, was sich seit ihrem Verschwinden mit ihr zugetragen, nur dass sie seltsamerweise der beiden Hyazinthen mit keiner Silbe erwähnte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.813499927520752} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":143,"date":1872,"orig":"Die Erzählung gefiel ihm nicht übel, überhaupt wurde es ihm jede Minute ſchwerer, ſein Wohlgefallen an der ſchönen Wiedergefundenen zu verbergen.","norm":"Die Erzählung gefiel ihm nicht übel, überhaupt wurde es ihm jede Minute schwerer, sein Wohlgefallen an der schönen Wiedergefundenen zu verbergen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.457399845123291} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":144,"date":1872,"orig":"Aber dennoch bezwang er ſich und beſchloß, durch ihr ferneres Benehmen bis zum Schluſſe zu erfahren, ob er an Zucht und reiner Sitte die frühere Eugenia vor ſich habe.","norm":"Aber dennoch bezwang er sich und beschloss, durch ihr ferneres Benehmen bis zum Schlusse zu erfahren, ob er an Zucht und reiner Sitte die frühere Eugenia vor sich habe.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.956099987030029} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":145,"date":1872,"orig":"Er ſagte darum:","norm":"Er sagte darum:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.205800056457519} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":146,"date":1872,"orig":"„Alles dies iſt eine gut vorgetragene Geſchichte; dennoch halte ich das Mädchen, das du jetzt zu ſein vorgibſt, trotz ſeiner Sonderlichkeit nicht für dergleichen gar zu befremdliche Abenteuer fähig; wenigſtens hätte die wahre Eugenia es gewiß vorgezogen, eine Nonne zu werden.","norm":"„Alles dies ist eine gut vorgetragene Geschichte; dennoch halte ich das Mädchen, das du jetzt zu sein vorgibst, trotz seiner Sonderlichkeit nicht für dergleichen gar zu befremdliche Abenteuer fähig; wenigstens hätte die wahre Eugenia es gewiss vorgezogen, eine Nonne zu werden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.546000003814697} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":147,"date":1872,"orig":"Denn was ſoll um aller Welt willen eine Mönchskutte und das Leben unter ſiebenzig Mönchen für ein Verdienſt und Heil ſein auch für die gelehrteſte und frömmſte Frau? deshalb halte ich dich nach wie vor für einen glatten unbärtigen Kauz von Betrüger, dem ich gar nicht traue!","norm":"Denn was soll um aller Welt Willen eine Mönchskutte und das Leben unter siebzig Mönchen für ein Verdienst und Heil sein auch für die gelehrteste und frommste Frau? deshalb halte ich dich nach wie vor für einen glatten unbärtigen Kauz von Betrüger, dem ich gar nicht traue!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.743000030517578} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":148,"date":1872,"orig":"Ueberdies iſt jene Eugenia für göttlich und in den Sternen wohnend erklärt worden, ihr Bild ſteht im Tempel geweiht und es wird dir ſchlimm genug ergehen, wenn du auf deiner läſterlichen Ausſage beharrſt!“","norm":"Überdies ist jene Eugenia für göttlich und in den Sternen wohnend erklärt worden, ihr Bild steht im Tempel geweiht und es wird dir schlimm genug ergehen, wenn du auf deiner lästerlichen Aussage beharrst!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.600900173187256} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":149,"date":1872,"orig":"„Dies Bild hat ein gewiſſer Mann die vergangene Nacht geküßt!“ erwiederte Eugenia mit leiſer Stimme und ſah mit ſeltſamen Blicken zu dem betroffenen Aquilinus hinüber, der ſie anſtarrte, wie eine mit höherem Wiſſen Begabte.","norm":"„Dies Bild hat ein gewisser Mann die vergangene Nacht geküsst!“ erwiderte Eugenia mit leiser Stimme und sah mit seltsamen Blicken zu dem betroffenen Aquilinus hinüber, der sie anstarrte, wie eine mit höherem Wissen begabte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.435299873352051} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":150,"date":1872,"orig":"„Wie kann der gleiche Mann das Urbild peinigen?“","norm":"„Wie kann der gleiche Mann das Urbild peinigen?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.39079999923706} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":151,"date":1872,"orig":"Aber er 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Mitteilungen haben mich nicht befriedigt!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.100900173187256} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":154,"date":1872,"orig":"Da rief Eugenia: „So helfe mir Gott!“ und riß ihr Mönchsgewand entzwei, bleich wie eine weiße Roſe und in Scham und Verzweiflung zuſammen brechend.","norm":"Da rief Eugenia: „So helfe mir Gott!“ und riss ihr Mönchsgewand entzwei, bleich wie eine weiße Rose und in Scham und Verzweiflung zusammen brechend.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.399600028991699} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":155,"date":1872,"orig":"Aber Aquilinus fing ſie in ſeinen Armen auf, drückte ſie an ſein Herz und umhüllte ſie mit ſeinem Mantel, und ſeine Thränen fielen auf ihr ſchönes Haupt; denn er ſah wohl, daß ſie eine ehrbare Frau war.","norm":"Aber Aquilinus fing sie in seinen Armen auf, drückte sie an sein Herz und umhüllte sie mit seinem Mantel, und seine Tränen fielen auf ihr schönes Haupt; denn er sah wohl, dass sie eine ehrbare Frau war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.423099994659424} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":156,"date":1872,"orig":"Er trug ſie in das nächſte Zimmer, wo ein reichgerüſtetes Gaſtbett ſtand, legte ſie ſanft in dasſelbe hinein und deckte ſie mit Purpurdecken zu bis an's Kinn.","norm":"Er trug sie in das nächste Zimmer, wo ein reichgerüstetes Gastbett stand, legte sie sanft in dasselbe hinein und deckte sie mit Purpurdecken zu bis ans Kinn.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.2006001472473145} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":157,"date":1872,"orig":"Dann küßte er ſie auf den Mund, vielleicht drei oder vier Mal, ging hinaus und verſchloß die Thüre wohl.","norm":"Dann küsste er sie auf den Mund, vielleicht drei oder vier Mal, ging hinaus und verschloss die Türe wohl.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.252599954605102} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":158,"date":1872,"orig":"Dann nahm er den noch warmen Mönchshabit, der auf dem Boden lag, und begab ſich wieder zu der harrenden Menge hinaus, die er alſo anredete:","norm":"Dann nahm er den noch warmen Mönchshabit, der auf dem Boden lag, und begab sich wieder zu der harrenden Menge hinaus, die er also anredete:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.877000093460083} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":159,"date":1872,"orig":"„Das ſind abſonderliche Dinge.","norm":"„Das sind absonderliche Dinge.","lang_fastText":"pl","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":0.667,"norm_lmscore":3.88860011100769} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":160,"date":1872,"orig":"Ihr Mönche ſeid unſchuldig und könnt nach eurem Kloſter 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Augen in ein Nichts verflossen und spurlos verschwunden!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.337699890136719} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":163,"date":1872,"orig":"Dies Weib hier hingegen, welches ſich des Dämons bediente, Euch zu verderben, iſt der Zauberei verdächtig und ſoll in's Gefängniß geworfen werden.","norm":"Dies Weib hier hingegen, welches sich des Dämons bediente, Euch zu verderben, ist der Zauberei verdächtig und soll ins Gefängnis geworfen werden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.095099925994873} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":164,"date":1872,"orig":"Und hiemit begebt Euch allerſeits nach Hauſe und ſeid guter Dinge!“","norm":"Und hiermit begebt Euch allerseits nach Hause und seid guter Dinge!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.109700202941894} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":165,"date":1872,"orig":"Alles erſtaunte über dieſe Rede und ſchaute furchtſam auf das Gewand des Dämons.","norm":"Alles erstaunte über diese Rede und schaute furchtsam auf das Gewand des Dämons.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.567800045013428} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":166,"date":1872,"orig":"Die Wittib erblaßte und verhüllte ihr Geſicht, wonach ſie genugſam ihr böſes Gewiſſen zu erkennen gab.","norm":"Die Wittib erblasste und verhüllte ihr Gesicht, wonach sie genügsam ihr böses Gewissen zu erkennen gab.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.426000118255615} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":167,"date":1872,"orig":"Die guten Mönche erfreuten ſich ihres Sieges und zogen mit der leeren Kutte dankbarlichſt von dannen, nicht ahnend, welch' ſüßer Kern darin geſteckt habe.","norm":"Die guten Mönche erfreuten sich ihres Sieges und zogen mit der leeren Kutte dankbarlichst von dannen, nicht ahnend, welch süßer Kern darin gesteckt habe.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.70389986038208} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":168,"date":1872,"orig":"Die Wittwe wurde in's Gefängniß abgeführt, und Aquilinus rief ſeinen vertrauteſten Diener, mit welchem er die Stadt durchſtreifte, Kaufleute aufſuchte und eine Laſt der köſtlichſten Frauengewänder einkaufte.","norm":"Die Witwe wurde ins Gefängnis abgeführt, und Aquilinus rief seinen vertrautesten Diener, mit welchem er die Stadt durchstreifte, Kaufleute aufsuchte und eine Last der köstlichsten Frauengewänder einkaufte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.249199867248535} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":169,"date":1872,"orig":"Dieſe mußte der Sklave ſo geheim und raſch als möglich in's Haus bringen.","norm":"Diese musste der Sklave so geheim und rasch als möglich ins Haus bringen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.335899829864502} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":170,"date":1872,"orig":"Sachte trat der Conſul in das Gemach, wo Eugenia war, ſetzte ſich auf den Rand ihres Bettes und ſah, daß ſie ganz vergnüglich ſchlief, wie Jemand der ſich von ausgeſtandenen Beſchwerden erholt.","norm":"Sachte trat der Konsul in das Gemach, wo Eugenia war, setzte sich auf den Rand ihres Bettes und sah, dass sie ganz vergnüglich schlief, wie Jemand der sich von ausgestandenen Beschwerden erholt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.495999813079834} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":171,"date":1872,"orig":"Er mußte lachen über ihren ſchwarzſammtenen geſchorenen Mönchskopf und fuhr mit leiſer Hand über das dichte kurze Haar.","norm":"Er musste lachen über ihren schwarzsamtenen geschorenen Mönchskopf und fuhr mit leiser Hand über das dichte kurze Haar.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.4653000831604} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":172,"date":1872,"orig":"Da erwachte ſie und ſperrte die Augen auf.","norm":"Da erwachte sie und sperrte die Augen auf.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.141700029373169} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":173,"date":1872,"orig":"„Willſt Du nun endlich mein Weib ſein?“ fragte er ſanft, worauf ſie weder ja noch nein ſagte, wohl aber leiſe unter ihren Purpurdecken ſchauderte, in denen ſie eingewickelt lag.","norm":"„Willst Du nun endlich mein Weib sein?“ fragte er sanft, worauf sie weder ja noch nein sagte, wohl aber leise unter ihren Purpurdecken schauderte, in denen sie eingewickelt lag.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.470900058746338} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":174,"date":1872,"orig":"Da brachte Aquilinus an Kleidern und Schmuck Alles herein, was eine zierliche Frau damals bedurfte, um ſich vom Kopf bis zu den Füßen zu kleiden, und verließ ſie ſodann.","norm":"Da brachte Aquilinus an Kleidern und Schmuck alles herein, was eine zierliche Frau damals bedurfte, um sich vom Kopf bis zu den Füßen zu kleiden, und verließ sie sodann.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.786700010299682} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":175,"date":1872,"orig":"Nach Sonnenuntergang desſelben Tages fuhr er mit ihr, einzig von dem Vertrauten begleitet, nach einem ſeiner Landhäuſer hinaus, welches einſam und reizend im Schatten dichter Bäume gelegen war.","norm":"Nach Sonnenuntergang desselben Tages fuhr er mit ihr, einzig von dem Vertrauten begleitet, nach einem seiner Landhäuser hinaus, welches einsam und reizend im Schatten dichter Bäume gelegen war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.60129976272583} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":176,"date":1872,"orig":"Auf dem Landhauſe vermählte ſich nun das Paar in der grüßten Einſamkeit, und ſo lange es gedauert hatte, bis ſie endlich zuſammengekommen, ſo ſchien ihnen darum doch keine Zeit verloren zu ſein, vielmehr empfanden ſie die herzlichſte Dankbarkeit für das Glück, das ſie ſich gegenſeitig gewährten.","norm":"Auf dem Landhause vermählte sich nun das Paar in der grüßten Einsamkeit, und so lange es gedauert hatte, bis sie endlich zusammengekommen, so schien ihnen darum doch keine Zeit verloren zu sein, vielmehr empfanden sie die herzlichste Dankbarkeit für das Glück, das sie sich gegenseitig gewährten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.76990008354187} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":177,"date":1872,"orig":"Aquilinus widmete die Tage ſeinem Amte und fuhr des Abends mit den ſchnellſten Pferden zu ſeiner Gattin.","norm":"Aquilinus widmete die Tage seinem Amte und fuhr des Abends mit den schnellsten Pferden zu seiner Gattin.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.99560022354126} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":178,"date":1872,"orig":"Nur etwa an unfreundlichen ſtürmiſchen Regentagen liebte er es, unverſehens ſchon früher nach dem Landhauſe zu eilen, um Eugenien aufzuheitern.","norm":"Nur etwa an unfreundlichen stürmischen Regentagen liebte er es, unversehens schon früher nach dem Landhause zu eilen, um Eugenie aufzuheitern.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.487599849700928} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":179,"date":1872,"orig":"Dieſe gab ſich jetzt, ohne viel Worte zu machen, mit eben der gründlichen Ausdauer, welche ſie der Philoſophie und der chriſtlichen Askeſe gewidmet hatte, dem Studium ehelicher Liebe und Treue hin.","norm":"Diese gab sich jetzt, ohne viel Worte zu machen, mit eben der gründlichen Ausdauer, welche sie der Philosophie und der christlichen Askese gewidmet hatte, dem Studium ehelicher Liebe und Treue hin.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.210400104522705} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":180,"date":1872,"orig":"Als aber ihr Haupthaar wieder die gehörige Länge erreicht hatte, führte Aquilinus ſeine Gemahlin mit Erfindung einer geſchickten Fabel endlich wieder nach Alexandrien zurück, brachte ſie zu ihren erſtaunten Eltern und feierte ein glänzendes Hochzeitsfeſt.","norm":"Als aber ihr Haupthaar wieder die gehörige Länge erreicht hatte, führte Aquilinus seine Gemahlin mit Erfindung einer geschickten Fabel endlich wieder nach Alexandria zurück, brachte sie zu ihren erstaunten Eltern und feierte ein glänzendes Hochzeitsfest.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.214099884033203} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":181,"date":1872,"orig":"Der Vater war zwar überraſcht, anſtatt einer unſterblichen Göttin und eines himmliſchen Sternbildes in ſeiner Tochter eine verliebte irdiſche Ehefrau wieder zu finden, und ſah mit Wehmuth die geweihte Bildſäule aus dem Tempel wegtragen; doch überwog löblicher Weiſe das Vergnügen an ſeiner leibhaften Tochter, welche jetzt erſt ſo ſchön und liebenswerth erſchien, wie noch nie.","norm":"Der Vater war zwar überrascht, anstatt einer unsterblichen Göttin und eines himmlischen Sternbildes in seiner Tochter eine verliebte irdische Ehefrau wiederzufinden, und sah mit Wehmut die geweihte Bildsäule aus dem Tempel wegtragen; doch überwog löblicherweise das Vergnügen an seiner leibhaften Tochter, welche jetzt erst so schön und liebenswert erschien, wie noch nie.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.1803998947143555} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":182,"date":1872,"orig":"Die Marmorſtatue ſtellte Aquilinus in den ſchönſten Raum ſeines Hauſes; doch hütete er ſich, dieſelbe nochmals zu küſſen, da er nun das lebenswarme Urbild zur Hand hatte.","norm":"Die Marmorstatue stellte Aquilinus in den schönsten Raum seines Hauses; doch hütete er sich, dieselbe nochmals zu küssen, da er nun das lebenswarme Urbild zur Hand hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.743800163269043} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":183,"date":1872,"orig":"Nachdem nun Eugenia das Weſen der Ehe genugſam erkundet hatte, wandte ſie ihre Erkenntniß dazu an, ihren Gemahl zum Chriſtenthum zu bekehren, dem ſie nach wie vor anhing, und ſie ruhte nicht eher, als bis Aquilinus ſich öffentlich zu ihrem Glauben bekannte.","norm":"Nachdem nun Eugenia das Wesen der Ehe genügsam erkundet hatte, wandte sie ihre Erkenntnis dazu an, ihren Gemahl zum Christentum zu bekehren, dem sie nach wie vor anhing, und sie ruhte nicht eher, als bis Aquilinus sich öffentlich zu ihrem Glauben bekannte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.719000101089477} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":184,"date":1872,"orig":"Die legende erzählt nun weiter, wie die ganze Familie nach Rom zurückkehrte um die Zeit, da der chriſtenfeindliche Valerianus zur Regierung gelangte, und wie nun während der ausbrechenden Verfolgungen Eugenia noch eine berühmte Glaubensheldin und Märtyrerin wurde, welche vor ihrem Tode die merkwürdigſten Wunder verrichtete.","norm":"Die Legende erzählt nun weiter, wie die ganze Familie nach Rom zurückkehrte um die Zeit, da der christenfeindliche Valerianus zur Regierung gelangte, und wie nun während der ausbrechenden Verfolgungen Eugenia noch eine berühmte Glaubensheldin und Märtyrerin wurde, welche vor ihrem Tode die merkwürdigsten Wunder verrichtete.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.131899833679199} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":185,"date":1872,"orig":"Ihre Gewalt über Aquilinus war ſo groß geworden, daß ſie auch die geiſtlichen Hyazinthen aus Alexandrien mit nach Rom nehmen konnte, allwo dieſelben ebenfalls die Märtyrerkrone gewannen.","norm":"Ihre Gewalt über Aquilinus war so groß geworden, dass sie auch die geistlichen Hyazinthen aus Alexandria mit nach Rom nehmen konnte, wo dieselben ebenfalls die Märtyrerkrone gewannen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.217299938201904} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":186,"date":1872,"orig":"Erſt neuerlich ſind in einem Sarkophag der Katakomben ihre Leiber vereinigt gefunden worden, gleich zwei Lämmchen in einer Bratpfanne, und es hat ſie Papſt Pius einer franzöſiſchen Stadt geſchenkt, welcher die Preußen ihre Heiligen verbrannt haben.","norm":"Erst neuerlich sind in einem Sarkophag der Katakomben ihre Leiber vereinigt gefunden worden, gleich zwei Lämmchen in einer Bratpfanne, und es hat sie Papst Pius einer französischen Stadt geschenkt, welcher die Preußen ihre Heiligen verbrannt haben.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.629700183868408} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":187,"date":1872,"orig":"Ihre Fürſprache ſoll namentlich für träge Schülerinnen gut ſein, die in ihren Studien zurückgeblieben ſind.","norm":"Ihre Fürsprache soll namentlich für träge Schülerinnen gut sein, die in ihren Studien zurückgeblieben sind.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.6579999923706055} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":188,"date":1872,"orig":"Die Jungfrau und der Teufel.","norm":"Die Jungfrau und der Teufel.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.004300117492676} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":189,"date":1872,"orig":"Freund! wach' und ſchau dich um, der Teufel geht ſtets runden, Kommt er dir auf den Leib, ſo liegeſt du ſchon unten.","norm":"Freund! wache und schau dich um, der Teufel geht stets runden, kommt er dir auf den Leib, so liegest du schon unten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.027100086212158} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":190,"date":1872,"orig":"Angelus Sileſius, Cherub.","norm":"Angelus Silesius, Cherub.","lang_fastText":"nl","lang_py3langid":"la","lang_cld3":"sn","lang_de":0,"norm_lmscore":4.155900001525879} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":191,"date":1872,"orig":"Wandersmann VI. Buch 206.","norm":"Wandersmann VI. Buch 206.","lang_fastText":"en","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"cy","lang_de":0.333,"norm_lmscore":7.704500198364258} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":192,"date":1872,"orig":"Es war ein Graf Gebizo, der beſaß eine wunderſchöne Frau, eine prächtige Burg ſammt Stadt und ſo viele anſehnliche Güter, daß er für einen der reichſten und glücklichſten Herren im Lande galt.","norm":"Es war ein Graf Gebizo, der besaß eine wunderschöne Frau, eine prächtige Burg samt Stadt und so viele ansehnliche Güter, dass er für einen der reichsten und glücklichsten Herren im Lande galt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.816699981689453} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":193,"date":1872,"orig":"Dieſen Ruf ſchien er denn auch dankbar anzuerkennen, indem er nicht nur eine glänzende Gaſtfreundſchaft hielt, wobei ſein ſchönes und gutes Weib gleich einer Sonne die Gemüther der Gäſte erwärmte, ſondern auch die chriſtliche Wohlthätigkeit im weiteſten Umfange übte.","norm":"Diesen Ruf schien er denn auch dankbar anzuerkennen, indem er nicht nur eine glänzende Gastfreundschaft hielt, wobei sein schönes und gutes Weib gleich einer Sonne die Gemüter der Gäste erwärmte, sondern auch die christliche Wohltätigkeit im weitesten Umfange übte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.479800224304199} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":194,"date":1872,"orig":"Er ſtiftete und begabte Klöſter und Spitäler, ſchmückte Kirchen und Kapellen, und an allen hohen Feſttagen kleidete, ſpeiſte und tränkte er eine große Zahl von Armen, manchmal zu Hunderten, und einige Dutzend mußten täglich, ja faſt ſtündlich auf ſeinem Burghofe ſchmauſend und ihn lobpreiſend zu ſehen ſein, ſonſt hätte ihm ſeine Wohnung, ſo ſchön ſie war, verödet geſchienen.","norm":"Er stiftete und begabte Klöster und Spitäler, schmückte Kirchen und Kapellen, und an allen hohen Festtagen kleidete, speiste und tränkte er eine große Zahl von Armen, manchmal zu Hunderten, und einige Dutzend mussten täglich, ja fast stündlich auf seinem Burghofe schmausend und ihn lobpreisend zu sehen sein, sonst hätte ihm seine Wohnung, so schön sie war, verödet geschienen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.155099868774414} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":195,"date":1872,"orig":"Allein bei ſolch' ſchrankenloſer Freigebigkeit iſt auch der größte Reichthum zu erſchöpfen, und ſo kam es, daß der Graf nach und nach alle ſeine Herrſchaften verpfänden mußte, um ſeinem Hange zu großartigem Wohlthun zu fröhnen, und je mehr er ſich verſchuldete, deſto eifriger verdoppelte er ſeine Vergabungen und Armenfeſte, um dadurch den Segen des Himmels, wie er meinte, wieder zu ſeinen Gunſten zu wenden.","norm":"Allein bei solch' schrankenloser Freigebigkeit ist auch der größte Reichtum zu erschöpfen, und so kam es, dass der Graf nach und nach alle seine Herrschaften verpfänden musste, um seinem Hange zu großartigem Wohltun zu frönen, und je mehr er sich verschuldete, desto eifriger verdoppelte er seine Vergabungen und Armenfeste, um dadurch den Segen des Himmels, wie er meinte, wieder zu seinen Gunsten zu wenden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.748800039291382} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":196,"date":1872,"orig":"Zuletzt verarmte er gänzlich, ſeine Burg verödete und verfiel; erfolgloſe und thörichte Stiftungen und Schenkungsbriefe, welche er aus alter Gewohnheit immer noch zu ſchreiben nicht unterlaſſen konnte, trugen ihm nur Spott ein, und wenn er hie und da noch einen zerlumpten Bettler auf ſeine Burg locken konnte, ſo warf ihm dieſer das magere Süppchen, das er ihm vorſetzte, mit höhniſchen Schmähworten vor die Füße und machte ſich davon.","norm":"Zuletzt verarmte er gänzlich, seine Burg verödete und verfiel; erfolglose und törichte Stiftungen und Schenkungsbriefe, welche er aus alter Gewohnheit immer noch zu schreiben nicht unterlassen konnte, trugen ihm nur Spott ein, und wenn er hie und da noch einen zerlumpten Bettler auf seine Burg locken konnte, so warf ihm dieser das magere Süppchen, das er ihm vorsetzte, mit höhnischen Schmähworten vor die Füße und machte sich davon.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.483700037002563} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":197,"date":1872,"orig":"Nur Eines blieb ſich immer gleich, die Schönheit ſeiner Frau Bertrade; ja, je öder es im Hauſe ausſah, deſto lichter ſchien dieſe Schönheit zu werden.","norm":"Nur eines blieb sich immer gleich, die Schönheit seiner Frau Bertrade; ja, je öder es im Hause aussah, desto lichter schien diese Schönheit zu werden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.063300132751465} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":198,"date":1872,"orig":"Und auch an Huld, Liebe und Güte nahm ſie zu, je ärmer Gebizo wurde, ſo daß aller Segen des Himmels ſich in dies Weib zu legen ſchien und tauſend Männer den Grafen um dieſen einen Schatz, der ihm noch übrig blieb, beneideten.","norm":"Und auch an Huld, Liebe und Güte nahm sie zu, je ärmer Gebizo wurde, so dass aller Segen des Himmels sich in dies Weib zu legen schien und tausend Männer den Grafen um diesen einen Schatz, der ihm noch übrig blieb, beneideten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.542699813842773} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":199,"date":1872,"orig":"Er allein ſah nichts von alledem, und jemehr ſich die holde Bertrade bemühte, ihn aufzuheitern und ſeine Armuth zu verſüßen, deſto geringer ſchätzte er dies Kleinod und verfiel in einen bittern und verſtockten Trübſinn und verbarg ſich vor der Welt.","norm":"Er allein sah nichts von alledem, und je mehr sich die holde Bertrade bemühte, ihn aufzuheitern und seine Armut zu versüßen, desto geringer schätzte er dies Kleinod und verfiel in einen bitteren und verstockten Trübsinn und verbarg sich vor der Welt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.777400016784668} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":200,"date":1872,"orig":"Als einſt ein herrlicher Oſtermorgen anbrach, wo er ſonſt gewohnt war, fröhliche Schaaren nach ſeiner Burg wallfahren zu ſehen, ſchämte er ſich ſeines Falles, daß er nicht einmal in die Kirche zu gehen wagte und in Verzweiflung war, wie er die ſchönen ſonnigen Feſttage zubringen ſollte.","norm":"Als einst ein herrlicher Ostermorgen anbrach, wo er sonst gewohnt war, fröhliche Scharen nach seiner Burg wallfahren zu sehen, schämte er sich seines Falles, dass er nicht einmal in die Kirche zu gehen wagte und in Verzweiflung war, wie er die schönen sonnigen Festtage zubringen sollte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.909600019454956} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":201,"date":1872,"orig":"Umſonſt bat ihn ſein Weib mit perlenden Thränen und mit lächelndem Munde, ſich nicht zu grämen und unverzagt mit ihr zur Kirche zu gehen; er machte ſich unwirſch los und ging auf und davon, ſich in den Wäldern zu verbergen, bis Oſtern vorbei wäre.","norm":"Umsonst bat ihn sein Weib mit perlenden Tränen und mit lächelndem Munde, sich nicht zu grämen und unverzagt mit ihr zur Kirche zu gehen; er machte sich unwirsch los und ging auf und davon, sich in den Wäldern zu verbergen, bis Ostern vorbei wäre.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.980700016021728} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":202,"date":1872,"orig":"Berg auf und ab lief er, bis er in eine uralte Wildniß kam, wo ungeheure bärtige Tannenbäume einen See umſchloſſen, deſſen Tiefe die nächtigen Tannen ihrer ganzen Länge nach wiederſpiegelte, ſo daß alles düſter und ſchwarz erſchien.","norm":"Berg auf und ab lief er, bis er in eine uralte Wildnis kam, wo ungeheure bärtige Tannenbäume einen See umschlossen, dessen Tiefe die nächtigen Tannen ihrer ganzen Länge nach widerspiegelte, so dass alles düster und schwarz erschien.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.427499771118164} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":203,"date":1872,"orig":"Die Erde um den See war dicht bedeckt mit abenteuerlichem langfranzigem Mooſe, in welchem kein Tritt zu hören war.","norm":"Die Erde um den See war dicht bedeckt mit abenteuerlichem langfranzigem Moose, in welchem kein Tritt zu hören war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.785600185394287} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":204,"date":1872,"orig":"Hier ſetzte ſich Gebizo nieder und grollte mit Gott ob ſeines elenden Geſchickes, welches ihm nicht mehr erlaubte, ſeinen Hunger genugſam zu ſtillen, nachdem er Tauſende mit Freuden geſättigt, und ihm obenein ſeine Werkthätigkeit mit dem Hohn und Undank der Welt vergalt.","norm":"Hier setzte sich Gebizo nieder und grollte mit Gott ob seines elenden Geschickes, welches ihm nicht mehr erlaubte, seinen Hunger genügsam zu stillen, nachdem er Tausende mit Freuden gesättigt, und ihm obenein seine Werktätigkeit mit dem Hohn und Undank der Welt vergalt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.598599910736084} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":205,"date":1872,"orig":"Unverſehens bemerkte er mitten auf dem See einen Nachen und in demſelben einen hochgewachſenen Mann.","norm":"Unversehens bemerkte er mitten auf dem See einen Nachen und in demselben einen hochgewachsenen Mann.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.207900047302246} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":206,"date":1872,"orig":"Da der See nur klein und leicht zu überſehen war, ſo konnte Gebizo nicht begreifen, wo der Fährmann auf einmal herkomme, da er ihn zuvor nirgends bemerkt; genug er war jetzt da, that einen einzigen Ruderſchlag und landete alsbald dicht vor dem Ritter, und ehe dieſer ſich einen bedanken machen konnte, fragte er ihn, warum er ein ſo ſchlimmes Geſicht in die Welt ſchneide?","norm":"Da der See nur klein und leicht zu übersehen war, so konnte Gebizo nicht begreifen, wo der Fährmann auf einmal herkomme, da er ihn zuvor nirgends bemerkt; genug er war jetzt da, tat einen einzigen Ruderschlag und landete alsbald dicht vor dem Ritter, und ehe dieser sich einen bedanken machen konnte, fragte er ihn, warum er ein so schlimmes Gesicht in die Welt schneide?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.374000072479248} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":207,"date":1872,"orig":"Da der Fremde ungeachtet eines ſehr hübſchen Ausſehens einen Zug gründlicher Unzufriedenheit um Mund und Augen hatte, erweckte dies das Vertrauen Gebizos und er klagte unverholen ſein Mißleiden und all' ſeinen Groll.","norm":"Da der Fremde ungeachtet eines sehr hübschen Aussehens einen Zug gründlicher Unzufriedenheit um Mund und Augen hatte, erweckte dies das Vertrauen Gebizos und er klagte unverhohlen sein Missleiden und alle seinen Groll.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.493899822235107} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":208,"date":1872,"orig":"„Du biſt ein Thor,“ ſagte Jener hierauf; „denn du beſitzeſt einen Schatz, der größer iſt, als Alles was Du verloren haſt.","norm":"„Du bist ein Tor,“ sagte jener hierauf; „denn du besitzest einen Schatz, der größer ist, als alles was Du verloren hast.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.709199905395508} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":209,"date":1872,"orig":"Wenn ich dein Weib hätte, ſo wollte ich nach allen Reichthümern, Kirchen und Klöſtern und nach allen Bettelleuten der Welt nichts fragen!“","norm":"Wenn ich dein Weib hätte, so wollte ich nach allen Reichtümern, Kirchen und Klöstern und nach allen Bettelleuten der Welt nichts fragen!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.493100166320801} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":210,"date":1872,"orig":"„Gib mir dieſe Dinge wieder und du kannſt wohl mein Weib dafür haben!“ erwiederte Gebizo bitter lachend und Jener rief blitzſchnell:","norm":"„Gib mir diese Dinge wieder und du kannst wohl mein Weib dafür haben!“ erwiderte Gebizo bitter lachend und jener rief blitzschnell:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.230599880218506} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":211,"date":1872,"orig":"„Es gilt!","norm":"„Es gilt!","lang_fastText":"pl","lang_py3langid":"es","lang_cld3":"ru","lang_de":0,"norm_lmscore":5.978499889373779} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":212,"date":1872,"orig":"Suche unter dem Kopfkiſſen deiner Frau, dort wirſt du finden, was für deine ganze Lebenszeit ausreicht, alle Tage ein Kloſter zu bauen und tauſend Menſchen zu ſpeiſen, und wenn du hundert Jahre alt würdeſt! dafür bringe mir dein Weib hier zur Stelle, unfehlbar am Abend vor Walpurgistag!“","norm":"Suche unter dem Kopfkissen deiner Frau, dort wirst du finden, was für deine ganze Lebenszeit ausreicht, alle Tage ein Kloster zu bauen und tausend Menschen zu speisen, und wenn du hundert Jahre alt würdest! dafür bringe mir dein Weib hier zur Stelle, unfehlbar am Abend vor Walpurgistag!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.5528998374938965} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":213,"date":1872,"orig":"Es ſprühte bei dieſen Worten ein ſolches Feuer aus ſeinen dunklen Augen, daß davon zwei röthliche Lichter über den Rockärmel des Grafen und von da über Moos und Tannenſtämme wegſtreiften.","norm":"Es sprühte bei diesen Worten ein solches Feuer aus seinen dunklen Augen, dass davon zwei rötliche Lichter über den Rockärmel des Grafen und von da über Moos und Tannenstämme wegstreiften.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.814799785614014} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":214,"date":1872,"orig":"Da ſah Gebizo, wen er vor ſich habe, und nahm das Anerbieten des Mannes an.","norm":"Da sah Gebizo, wen er vor sich habe, und nahm das Anerbieten des Mannes an.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.456500053405762} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":215,"date":1872,"orig":"Dieſer rührte das Ruder und fuhr wieder auf die Mitte des Sees hinaus, wo er ſammt dem Schiffe im Waſſer verſank mit einem Getön welches dem Gelächter von vielen ehernen Glocken ähnlich war.","norm":"Dieser rührte das Ruder und fuhr wieder auf die Mitte des Sees hinaus, wo er samt dem Schiffe im Wasser versank mit einem Getöne welches dem Gelächter von vielen ehernen Glocken ähnlich war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.720399856567383} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":216,"date":1872,"orig":"Gebizo eilte mit einer Gänſehaut bekleidet auf dem geradeſten Wege nach ſeiner Burg, unterſuchte ſogleich Bertradens Bett und fand unter ihrem Kopfkiſſen ein altes unſcheinbares Buch, das er nicht leſen konnte.","norm":"Gebizo eilte mit einer Gänsehaut bekleidet auf dem geradesten Wege nach seiner Burg, untersuchte sogleich Bärtradens Bett und fand unter ihrem Kopfkissen ein altes unscheinbares Buch, das er nicht lesen konnte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.09660005569458} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":217,"date":1872,"orig":"Wie er aber darin blätterte, fiel ein Goldſtück nach dem andern heraus.","norm":"Wie er aber darin blätterte, fiel ein Goldstück nach dem anderen heraus.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.807399988174438} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":218,"date":1872,"orig":"Sobald er das merkte, machte er ſich mit dem Buche in das tiefſte Gewölbe ſeines Thurmes und blätterte dort in aller Verborgenheit für's Erſte, ſo lange das Oſterfeſt dauerte, einen hinreichenden Haufen Goldes aus dem intereſſanten Werke heraus.","norm":"Sobald er das merkte, machte er sich mit dem Buche in das tiefste Gewölbe seines Turmes und blätterte dort in aller Verborgenheit fürs Erste, solange das Osterfest dauerte, einen hinreichenden Haufen Goldes aus dem interessanten Werke heraus.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.343599796295166} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":219,"date":1872,"orig":"Dann trat er wieder auf vor der Welt, löſete alle ſeine Beſitzungen ein, rief Werkleute herbei, die ſein Schloß herſtellten, prächtiger als es je geweſen, und ſpendete Wohlthaten rings herum gleich einem Fürſten, der eben gekrönt worden iſt.","norm":"Dann trat er wieder auf vor der Welt, löste alle seine Besitzungen ein, rief Werkleute herbei, die sein Schloss herstellten, prächtiger als es je gewesen, und spendete Wohltaten rings herum gleich einem Fürsten, der eben gekrönt worden ist.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.467700004577637} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":220,"date":1872,"orig":"Das Hauptwerk aber war die Grundlegung einer mächtigen Abtei für fünfhundert der frömmſten und vornehmſten Capitularen, eine ordentliche Stadt von Heiligen und Schriftgelehrten, in deren Mitte dereinſt ſeine Begräbnißſtätte ſein ſollte.","norm":"Das Hauptwerk aber war die Grundlegung einer mächtigen Abtei für fünfhundert der frommsten und vornehmsten Kapitularen, eine ordentliche Stadt von Heiligen und Schriftgelehrten, in deren Mitte dereinst seine Begräbnisstätte sein sollte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.044099807739258} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":221,"date":1872,"orig":"Dieſe Vorſicht glaubte er ſeinem ewigen Seelenheil ſchuldig zu ſein.","norm":"Diese Vorsicht glaubte er seinem ewigen Seelenheil schuldig zu sein.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.095499992370605} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":222,"date":1872,"orig":"Da über ſeine Frau anders verfügt war, ſo wurde eine Grabſtätte für ſie nicht vorgeſehen.","norm":"Da über seine Frau anders verfügt war, so wurde eine Grabstätte für sie nicht vorgesehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.593400001525879} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":223,"date":1872,"orig":"Am Mittage vor Walpurgis befahl er zu ſatteln, und gebot ſeiner ſchönen Frau ihr weißes Jagdpferd zu beſteigen, da ſie einen weiten Weg mit ihm zu reiten hätte.","norm":"Am Mittage vor Walpurgis befahl er zu satteln, und gebot seiner schönen Frau ihr weißes Jagdpferd zu besteigen, da sie einen weiten Weg mit ihm zu reiten hätte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.592299938201904} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":224,"date":1872,"orig":"Zugleich verbot er, daß irgend ein Knappe oder Diener mitkäme.","norm":"Zugleich verbot er, dass irgendein Knappe oder Diener mitkäme.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.727499961853027} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":225,"date":1872,"orig":"Eine große Angſt befiel die Arme, ſie zitterte an allen Gliedern und belog zum erſten Mal in ihrer Ehe den Gemahl, indem ſie ſich für unwohl ausgab und ihn bat, ſie zu Hauſe zu laſſen.","norm":"Eine große Angst befiel die Arme, sie zitterte an allen Gliedern und belog zum ersten Mal in ihrer Ehe den Gemahl, indem sie sich für unwohl ausgab und ihn bat, sie zu Hause zu lassen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.55430006980896} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":226,"date":1872,"orig":"Da ſie kurz vorher halblaut ein wenig geſungen hatte, ſo ward Gebizo zornig über dieſe Lüge und glaubte nun ein doppeltes Recht über ſie zu haben.","norm":"Da sie kurz vorher halblaut ein wenig gesungen hatte, so wurde Gebizo zornig über diese Lüge und glaubte nun ein doppeltes Recht über sie zu haben.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.4797000885009775} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":227,"date":1872,"orig":"Sie mußte, dazu noch möglichſt wohl geſchmückt, zu Pferde ſitzen und ritt traurig mit ihrem Manne von dannen, ohne zu wiſſen, wohin es gehen ſollte.","norm":"Sie musste, dazu noch möglichst wohl geschmückt, zu Pferde sitzen und ritt traurig mit ihrem Manne von dannen, ohne zu wissen, wohin es gehen sollte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.111700057983398} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":228,"date":1872,"orig":"Als ſie ungefähr die Hälfte des Weges zurückgelegt, kamen ſie zu einem Kirchlein, das Bertrade in früheren Tagen ſo nebenbei einſt gebaut und der Mutter Gottes gewidmet hatte.","norm":"Als sie ungefähr die Hälfte des Weges zurückgelegt, kamen sie zu einem Kirchlein, das Bertrade in früheren Tagen so nebenbei einst gebaut und der Mutter Gottes gewidmet hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.46120023727417} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":229,"date":1872,"orig":"Es war einem armen Meiſter zu Gefallen geſchehen, welchem wegen ſeiner mürriſchen und unlieblichen Perſon Niemand etwas zu thun gab, ſo daß auch Gebizo, dem Jeder mit gefälligem und ehrerbietigem Weſen nahen mußte, ihn nicht leiden mochte und bei allen ſeinen Werken leer ausgehen ließ.","norm":"Es war einem armen Meister zu Gefallen geschehen, welchem wegen seiner mürrischen und unlieblichen Person niemand etwas zu tun gab, so dass auch Gebizo, dem Jeder mit gefälligem und ehrerbietigem Wesen nahen musste, ihn nicht leiden mochte und bei allen seinen Werken leer ausgehen ließ.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.567999839782715} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":230,"date":1872,"orig":"Heimlich hatte ſie das Kirchlein bauen laſſen und der verachtete Meiſter hatte gleichſam als Feierabendarbeit zum Dank noch ein gar eigenthümlich anmuthiges Marienbild ſebſt gearbeitet und auf den Altar geſtellt.","norm":"Heimlich hatte sie das Kirchlein bauen lassen und der verachtete Meister hatte gleichsam als Feierabendarbeit zum Dank noch ein gar eigentümlich anmutiges Marienbild sebst gearbeitet und auf den Altar gestellt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.570899963378906} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":231,"date":1872,"orig":"In dieſes Kirchlein begehrte jetzt Bertrade für einen Augenblick einzutreten, um ihr Gebet zu verrichten, und Gebizo ließ es geſchehen; denn er dachte, ſie könnte es wohl brauchen.","norm":"In dieses Kirchlein begehrte jetzt Bertrade für einen Augenblick einzutreten, um ihr Gebet zu verrichten, und Gebizo ließ es geschehen; denn er dachte, sie könnte es wohl brauchen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.423099994659424} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":232,"date":1872,"orig":"Sie ſtieg alſo vom Pferde und ging, indeſſen der Mann draußen harrte, hinein, kniete vor dem Altare nieder und empfahl ſich in den Schutz der Jungfrau Maria.","norm":"Sie stieg also vom Pferde und ging, indessen der Mann draußen harrte, hinein, kniete vor dem Altare nieder und empfahl sich in den Schutz der Jungfrau Maria.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.150499820709228} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":233,"date":1872,"orig":"Da fiel ſie in einen tiefen Schlaf; die Jungfrau ſprang vom Altar herunter, nahm Geſtalt und Kleidung der Schlafenden an, trat aus der Thüre friſchen Muthes und beſtieg das Pferd, worauf ſie an der Seite des Grafen und an Bertradens Statt den Weg fortſetzte.","norm":"Da fiel sie in einen tiefen Schlaf; die Jungfrau sprang vom Altar herunter, nahm Gestalt und Kleidung der Schlafenden an, trat aus der Türe frischen Mutes und bestieg das Pferd, worauf sie an der Seite des Grafen und an Bärtradens Statt den Weg fortsetzte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.335999965667725} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":234,"date":1872,"orig":"Der Elende wollte ſein Weib noch täuſchen und je näher ſie dem Ziele kamen, mit um ſo größerer Freundlichkeit einſchläfern und zerſtreuen; und er redete deshalb über dieſes und jenes mit ihr und die Jungfrau gab ihm trauliche Antwort in ſüßem Geplauder, ſich ſtellend, als ob ſie alle Bangigkeit verlöre.","norm":"Der Elende wollte sein Weib noch täuschen und je näher sie dem Ziele kamen, mit um so größerer Freundlichkeit einschläfern und zerstreuen; und er redete deshalb über dieses und jenes mit ihr und die Jungfrau gab ihm trauliche Antwort in süßem Geplauder, sich stellend, als ob sie alle Bangigkeit verlöre.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.756400108337402} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":235,"date":1872,"orig":"So erreichten ſie die dunkle Wildniß an dem See, über welchem falbe Abendwolken hingen; die alten Tannen blühten mit Purpurknoſpen wie es nur in den üppigſten Frühlingen geſchieht; im Dickicht ſchlug eine geſpenſtige Nachtigall ſo ſtark wie mit Orgelpfeifen und Cymbeln, und aus den Tannen ritt der bewußte Mann hervor auf einem ſchwarzen Hengſt, in reicher ritterlicher Tracht, ein langes Schwert zur Seite.","norm":"So erreichten sie die dunkle Wildnis an dem See, über welchem falbe Abendwolken hingen; die alten Tannen blühten mit Purpurknospen wie es nur in den üppigsten Frühlingen geschieht; im Dickicht schlug eine gespenstige Nachtigall so stark wie mit Orgelpfeifen und Zimbeln, und aus den Tannen ritt der bewusste Mann hervor auf einem schwarzen Hengst, in reicher ritterlicher Tracht, ein langes Schwert zur Seite.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.254799842834473} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":236,"date":1872,"orig":"Er näherte ſich ganz manierlich, obgleich er einen ſo grimmigen Blick ſchnell auf Gebizo ſchoß, daß dieſem die Haut ſchauderte; ſonſt ſchienen nicht einmal die Pferde Unheil zu wittern, denn ſie blieben ruhig.","norm":"Er näherte sich ganz manierlich, obgleich er einen so grimmigen Blick schnell auf Gebizo schoss, dass diesem die Haut schauderte; sonst schienen nicht einmal die Pferde Unheil zu wittern, denn sie blieben ruhig.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.540599822998047} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":237,"date":1872,"orig":"Gebizo warf dem Fremden zitternd die Zügel ſeiner Frau zu und ſprengte ohne ſie von dannen und ohne ſich nach ihr umzuſehen.","norm":"Gebizo warf dem Fremden zitternd die Zügel seiner Frau zu und sprengte ohne sie von dannen und ohne sich nach ihr umzusehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.552700042724609} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":238,"date":1872,"orig":"Der Fremde aber ergriff die Zügel mit haſtiger Fauſt und fort ging es wie ein Sturmwind durch die Tannen, daß Schleier und Gewand der ſchönen Ritterfrau flogen und flatterten, über Berg und Thal und über die fließenden Waſſer, daß die Hufe der Pferde kaum die Schäume der Wellen berührten.","norm":"Der Fremde aber ergriff die Zügel mit hastiger Faust und fort ging es wie ein Sturmwind durch die Tannen, dass Schleier und Gewand der schönen Ritterfrau flogen und flatterten, über Berg und Tal und über die fließenden Wasser, dass die Hufe der Pferde kaum die Schäume der Wellen berührten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.177299976348877} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":239,"date":1872,"orig":"Von ſauſendem Sturme gejagt, wälzte ſich vor den Roſſen her eine roſig duftende Wolke, die in der Dämmerung leuchtete, und jene Nachtigall flog unſichtbar vor dem Paare her und ſetzte ſich da und dort auf einen Baum, ſingend, daß die Lüfte ſchallten.","norm":"Von sausendem Sturme gejagt, wälzte sich vor den Rossen her eine rosig duftende Wolke, die in der Dämmerung leuchtete, und jene Nachtigall flog unsichtbar vor dem Paare her und setzte sich da und dort auf einen Baum, singend, dass die Lüfte schallten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.145599842071533} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":240,"date":1872,"orig":"Endlich nahmen alle Hügel und alle Bäume ein Ende und die Beiden ritten in eine endloſe Haide hinein, in deren Mitte wie aus weiter Ferne die Nachtigall ſchlug, obgleich weder Strauch noch Zweig zu ahnen war, auf dem ſie hätte ſitzen können.","norm":"Endlich nahmen alle Hügel und alle Bäume ein Ende und die Beiden ritten in eine endlose Heide hinein, in deren Mitte wie aus weiter Ferne die Nachtigall schlug, obgleich weder Strauch noch Zweig zu ahnen war, auf dem sie hätte sitzen können.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.18559980392456} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":241,"date":1872,"orig":"Unverſehens hielt der Reiter an, ſprang vom Pferde und half der Dame mit den Geberden eines vollkommenen Ritters aus dem Sattel.","norm":"Unversehens hielt der Reiter an, sprang vom Pferde und half der Dame mit den Gebärden eines vollkommenen Ritters aus dem Sattel.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.749500036239624} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":242,"date":1872,"orig":"Kaum berührte ihr Fuß die Haide, ſo entſproß rings um das Paar ein mannshoher Roſengarten mit einem herrlichen Brunnen und Ruheſitz, über welchem ein Sternenhimmel funkelte, ſo hell, daß man bei ſeinem Lichte hätte leſen können.","norm":"Kaum berührte ihr Fuß die Heide, so entspross rings um das Paar ein mannshoher Rosengarten mit einem herrlichen Brunnen und Ruhesitz, über welchem ein Sternenhimmel funkelte, so hell, dass man bei seinem Lichte hätte lesen können.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.357999801635742} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":243,"date":1872,"orig":"Der Brunnen aber beſtand aus einer großen runden Schale, in welcher einige Teufel in der Weiſe, wie man heut zu Tage lebende Bilder macht, eine verführeriſche weiße Marmorgruppe ſchöner Nymphen bildeten oder darſtellten.","norm":"Der Brunnen aber bestand aus einer großen runden Schale, in welcher einige Teufel in der Weise, wie man heute zu Tage lebende Bilder macht, eine verführerische weiße Marmorgruppe schöner Nymphen bildeten oder darstellten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.578700065612793} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":244,"date":1872,"orig":"Sie goſſen ſchimmerndes Waſſer aus ihren hohlen Händen, wo ſie es hernahmen, wußte nur ihr Herr und Meiſter; das Waſſer machte die lieblichſte Muſik, denn jeder Strahl gab einen andern Ton und das Ganze ſchien geſtimmt wie ein Saitenſpiel.","norm":"Sie gossen schimmerndes Wasser aus ihren hohlen Händen, wo sie es hernahmen, wusste nur ihr Herr und Meister; das Wasser machte die lieblichste Musik, denn jeder Strahl gab einen anderen Ton und das Ganze schien gestimmt wie ein Saitenspiel.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.228799819946289} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":245,"date":1872,"orig":"Es war ſozuſagen eine Waſſerharmonika, deren Akkorde alle Süßigkeiten der erſten Mainacht durchbebten und mit den reizenden Formen der Nymphengruppe in einander floſſen; denn das lebende Bild ſtand nicht ſtill, ſondern wandelte und drehte ſich unvermerkt.","norm":"Es war sozusagen eine Wasserharmonika, deren Akkorde alle Süßigkeiten der ersten Mainacht durchbebten und mit den reizenden Formen der Nymphengruppe ineinander flossen; denn das lebende Bild stand nicht still, sondern wandelte und drehte sich unvermerkt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.053100109100342} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":246,"date":1872,"orig":"Nicht ohne feine Bewegung führte der ſeltſame Herr die Frau zu dem Ruheſitz und lud ſie ein, Platz zu nehmen; dann aber ergriff er gewaltſam zärtlich ihre Hand und ſagte mit einer das Mark erſchütternden Stimme:","norm":"Nicht ohne feine Bewegung führte der seltsame Herr die Frau zu dem Ruhesitz und lud sie ein, Platz zu nehmen; dann aber ergriff er gewaltsam zärtlich ihre Hand und sagte mit einer das Mark erschütternden Stimme:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.184700012207031} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":247,"date":1872,"orig":"„Ich bin der ewig Einſame, der aus dem Himmel fiel!","norm":"„Ich bin der ewig Einsame, der aus dem Himmel fiel!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.079699993133545} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":248,"date":1872,"orig":"Nur die Minne eines guten irdiſchen Weibes in der Mainacht läßt mich das Paradies vergeſſen und gibt mir Kraft, den ewigen Untergang zu tragen.","norm":"Nur die Minne eines guten irdischen Weibes in der Mainacht lässt mich das Paradies vergessen und gibt mir Kraft, den ewigen Untergang zu tragen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.395500183105469} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":249,"date":1872,"orig":"Sei mit mir zu Zweit und ich will dich unſterblich machen und dir die Macht geben, Gutes zu thun und Böſes zu hindern, ſo viel es dich freut!“","norm":"Sei mit mir zu Zweit und ich will dich unsterblich machen und dir die Macht geben, Gutes zu tun und Böses zu hindern, so viel es dich freut!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.674299955368042} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":250,"date":1872,"orig":"Er warf ſich leidenſchaftlich an die Bruſt des ſchönen Weibes, welches ſeine Arme lächelnd öffnete; aber in demſelben Augenblicke nahm die heilige Jungfrau ihre göttliche Geſtalt an und ſchloß den Betrüger, der nun gefangen war, mit aller Gewalt in ihre leuchtenden Arme.","norm":"Er warf sich leidenschaftlich an die Brust des schönen Weibes, welches seine Arme lächelnd öffnete; aber in demselben Augenblicke nahm die heilige Jungfrau ihre göttliche Gestalt an und schloss den Betrüger, der nun gefangen war, mit aller Gewalt in ihre leuchtenden Arme.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.877000093460083} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":251,"date":1872,"orig":"Augenblicklich verſchwand der Garten ſammt Brunnen und Nachtigall, die kunſtreichen Dämonen, ſo das lebende Bild gemacht, entflohen als üble Geiſter mit ängſtlichem Wimmern, ihren Herrn im Stich laſſend, und dieſer rang mit Titanengewalt, ſich aus der qualvollen Umarmung loszuwinden, ohne aber einen Laut zu verlieren.","norm":"Augenblicklich verschwand der Garten samt Brunnen und Nachtigall, die kunstreichen Dämonen, so das lebende Bild gemacht, entflohen als üble Geister mit ängstlichem Wimmern, ihren Herrn im Stich lassend, und dieser rang mit Titanengewalt, sich aus der qualvollen Umarmung loszuwinden, ohne aber einen Laut zu verlieren.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.630300045013428} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":252,"date":1872,"orig":"Die Jungfrau hielt ſich aber tapfer und entließ ihn nicht, obgleich ſie alle Kraft zuſammennehmen mußte; ſie hatte nichts Minderes im Sinn, als den überliſteten Teufel vor den Himmel zu tragen und ihn dort in all' ſeinem Elend zum Gelächter der Seligen an einen Thürpfoſten zu binden.","norm":"Die Jungfrau hielt sich aber tapfer und entließ ihn nicht, obgleich sie alle Kraft zusammennehmen musste; sie hatte nichts Minderes im Sinn, als den überlisteten Teufel vor den Himmel zu tragen und ihn dort in alle seinem Elend zum Gelächter der Seligen an einen Türpfosten zu binden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.081200122833252} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":253,"date":1872,"orig":"Allein der Böſe änderte ſeine Kampfweiſe, hielt ſich ein Weilchen ſtill und nahm die Schönheit an, welche er einſt als der ſchönſte Engel beſeſſen, ſo daß es der himmliſchen Schönheit Marias nahe ging.","norm":"Allein der Böse änderte seine Kampfweise, hielt sich ein Weilchen still und nahm die Schönheit an, welche er einst als der schönste Engel besessen, so dass es der himmlischen Schönheit Marias nahe ging.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.695899963378906} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":254,"date":1872,"orig":"Sie erhöhte ſich, ſo viel als möglich; aber wenn ſie glänzte wie Venus, der ſchöne Abendſtern, ſo leuchtete Jener wie Luzifer, der helle Morgenſtern, ſo daß auf der dunklen Haide ein Leuchten begann, als wären die Himmel ſelbſt herniedergeſtiegen.","norm":"Sie erhöhte sich, so viel als möglich; aber wenn sie glänzte wie Venus, der schöne Abendstern, so leuchtete jener wie Luzifer, der helle Morgenstern, so dass auf der dunklen Heide ein Leuchten begann, als wären die Himmel selbst herniedergestiegen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.987299919128418} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":255,"date":1872,"orig":"Als die Jungfrau merkte, daß ſie zu viel unternommen und ihre Kräfte ſchwanden, begnügte ſie ſich den Feind gegen Verzicht auf die Grafenfrau zu entlaſſen, und alsbald fuhren die himmliſche und die hölliſche Schönheit auseinander mit großer Gewalt.","norm":"Als die Jungfrau merkte, dass sie zu viel unternommen und ihre Kräfte schwanden, begnügte sie sich den Feind gegen Verzicht auf die Grafenfrau zu entlassen, und alsbald fuhren die himmlische und die höllische Schönheit auseinander mit großer Gewalt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.581600189208984} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":256,"date":1872,"orig":"Die Jungfrau begab ſich etwas ermüdet nach ihrem Kirchlein zurück; der Böſe hingegen, unfähig, länger irgend eine Verwandlung zu tragen und wie an allen Gliedern zermalmt, ſchleppte ſich in grauſig dürftiger Geſtalt, wie der leibhafte geſchwänzte Gram, im Sande davon.","norm":"Die Jungfrau begab sich etwas ermüdet nach ihrem Kirchlein zurück; der Böse hingegen, unfähig, länger irgendeine Verwandlung zu tragen und wie an allen Gliedern zermalmt, schleppte sich in grausig dürftiger Gestalt, wie der leibhafte geschwänzte Gram, im Sande davon.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.648600101470947} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":257,"date":1872,"orig":"So übel war ihm das vorgehabte Schäferſtündchen bekommen!","norm":"So übel war ihm das vorgehabte Schäferstündchen bekommen!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.144000053405762} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":258,"date":1872,"orig":"Gebizo indeſſen, nachdem er ſein liebliches Weib verlaſſen, war in der beginnenden Nacht irr geritten und Roß und Mann in eine Kluft geſtürzt, wo er den Kopf an einem Stein zerſchellte, ſo daß es nun überall aus mit ihm war.","norm":"Gebizo indessen, nachdem er sein liebliches Weib verlassen, war in der beginnenden Nacht irre geritten und Ross und Mann in eine Kluft gestürzt, wo er den Kopf an einem Stein zerschellte, so dass es nun überall aus mit ihm war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.250699996948242} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":259,"date":1872,"orig":"Bertrade dagegen verharrte in ihrem Schlafe bis die Sonne des erſten Maitages aufging; da erwachte ſie und verwunderte ſich über die verfloſſene Zeit.","norm":"Bertrade dagegen verharrte in ihrem Schlafe bis die Sonne des ersten Maitages aufging; da erwachte sie und verwunderte sich über die verflossene Zeit.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.766299962997436} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":260,"date":1872,"orig":"Doch ſagte ſie gleich ihr Ave Maria, und als ſie geſund und munter vor das Kirchlein trat, ſtand ihr Pferd davor wie ſie es verlaſſen.","norm":"Doch sagte sie gleich ihr Ave-Maria, und als sie gesund und munter vor das Kirchlein trat, stand ihr Pferd davor wie sie es verlassen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.068699836730957} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":261,"date":1872,"orig":"Sie wartete nicht lang auf ihren Gemahl, ſondern ritt froh und eilig nach Hauſe; denn ſie ahnte, daß ſie irgend einer großen Gefahr entgangen ſei.","norm":"Sie wartete nicht lang auf ihren Gemahl, sondern ritt froh und eilig nach Hause; denn sie ahnte, dass sie irgendeiner großen Gefahr entgangen sei.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.674599885940551} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":262,"date":1872,"orig":"Bald fand und brachte man die Leiche des Grafen.","norm":"Bald fand und brachte man die Leiche des Grafen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.845399856567383} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":263,"date":1872,"orig":"Bertrade ließ ihn mit allen Ehren beſtatten und ſtiftete unzählige Meſſen für ihn.","norm":"Bertrade ließ ihn mit allen Ehren bestatten und stiftete unzählige Messen für ihn.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.071100234985352} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":264,"date":1872,"orig":"Aber alle Liebe zu ihm war unerklärlicher Weiſe für ſie aus ihrem Herzen weggetilgt, obgleich dasſelbe ſo freundlich und zärtlich blieb, als es je geweſen.","norm":"Aber alle Liebe zu ihm war unerklärlicherweise für sie aus ihrem Herzen weggetilgt, obgleich dasselbe so freundlich und zärtlich blieb, als es je gewesen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.103300094604492} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":265,"date":1872,"orig":"Deshalb ſah ſich ihre hohe Gönnerin im Himmel nach einem andern Manne für ſie um, der ſolch anmuthiger Liebe würdiger wäre, als jener todte Gebizo, und dieſe Sache begab ſich, wie in der folgenden Legende geſchrieben ſteht.","norm":"Deshalb sah sich ihre hohe Gönnerin im Himmel nach einem anderen Manne für sie um, der solch anmutiger Liebe würdiger wäre, als jener tote Gebizo, und diese Sache begab sich, wie in der folgenden Legende geschrieben steht.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.634099960327148} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":266,"date":1872,"orig":"Die Jungfrau als Ritter.","norm":"Die Jungfrau als Ritter.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"af","lang_de":0.667,"norm_lmscore":6.5594000816345215} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":267,"date":1872,"orig":"Maria wird genenn't ein Thron und Gott's Gezelt, Ein Arche, Burg, Thurm, Haus, ein Brunn, Baum, Garten, Spiegel.","norm":"Maria wird genannt ein Thron und Gotts Gezelt, ein Arche, Burg, Turm, Haus, ein Brunnen, Baum, Garten, Spiegel.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.705900192260742} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":268,"date":1872,"orig":"Ein Meer, ein Stern, der Mond, die Morgenröth', ein Hügel:","norm":"Ein Meer, ein Stern, der Mond, die Morgenrot, ein Hügel:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.050399780273437} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":269,"date":1872,"orig":"Wie kann ſie alles ſeyn? ſie iſt ein' and're Welt.","norm":"Wie kann sie alles sein? sie ist eine andere Welt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.282299995422363} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":270,"date":1872,"orig":"Angeli Sileſii cherub.","norm":"Angeli Silesii cherub.","lang_fastText":"en","lang_py3langid":"sw","lang_cld3":"ig","lang_de":0,"norm_lmscore":6.519800186157227} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":271,"date":1872,"orig":"Wandersmann 2. Buch, 42.","norm":"Wandersmann 2. Buch, 42.","lang_fastText":"en","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"cy","lang_de":0.333,"norm_lmscore":5.518400192260742} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":272,"date":1872,"orig":"Gebizo hatte zu ſeinen früheren Beſitzungen noch ſo viele neue erworben, daß Bertrade über eine bedeutende Grafſchaft gebot und ſowohl ihres Reichthums als ihrer Schönheit wegen im deutſchen Reiche berühmt wurde.","norm":"Gebizo hatte zu seinen früheren Besitzungen noch so viele neue erworben, dass Bertrade über eine bedeutende Grafschaft gebot und sowohl ihres Reichtums als ihrer Schönheit wegen im deutschen Reiche berühmt wurde.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.809500217437744} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":273,"date":1872,"orig":"Da ſie zugleich eine große Beſcheidenheit und Freundlichkeit gegen Jedermann kund that, ſo ſchien das Kleinod ihrer Perſon allen unternehmenden und ſchüchternen, kühnen und furchtſamen, großen und kleinen Edelleuten gleich leicht zu gewinnen, und männiglich, wer ſie einigemal geſehen, wunderte ſich, warum er ſie eigentlich nicht ſchon an der Hand hätte.","norm":"Da sie zugleich eine große Bescheidenheit und Freundlichkeit gegen jedermann kund tat, so schien das Kleinod ihrer Person allen unternehmenden und schüchternen, kühnen und furchtsamen, großen und kleinen Edelleuten gleich leicht zu gewinnen, und männiglich, wer sie einige Mal gesehen, wunderte sich, warum er sie eigentlich nicht schon an der Hand hätte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.059800148010254} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":274,"date":1872,"orig":"Dennoch war mehr als ein Jahr verfloſſen, ohne daß man von Einem vernahm, der wirkliche Hoffnung gewonnen.","norm":"Dennoch war mehr als ein Jahr verflossen, ohne dass man von Einem vernahm, der wirkliche Hoffnung gewonnen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.5329999923706055} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":275,"date":1872,"orig":"Auch der Kaiſer hörte von ihr, und da er wünſchte, daß ein ſo anſehnliches Lehen in die Hand eines rechten Mannes käme, beſchloß er, auf einer Reiſe die berühmte Wittwe zu beſuchen, und zeigte ihr dies in einem gar wohlgeneigten und freundlichen Briefe an.","norm":"Auch der Kaiser hörte von ihr, und da er wünschte, dass ein so ansehnliches Lehen in die Hand eines rechten Mannes käme, beschloss er, auf einer Reise die berühmte Witwe zu besuchen, und zeigte ihr dies in einem gar wohlgeneigten und freundlichen Briefe an.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.895999908447265} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":276,"date":1872,"orig":"Dieſen gab er einem jungen Ritter Zendelwald, welcher gerade des Weges zu reiten hatte.","norm":"Diesen gab er einem jungen Ritter Zendelwald, welcher gerade des Weges zu reiten hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.460400104522705} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":277,"date":1872,"orig":"Der wurde von Bertrade huldreich empfangen und bewirthet wie Jeder, der auf ihrer Burg einkehrte; er beſah ſich ehrerbietig die herrlichen Säle, Zinnen und Gärten und verliebte ſich nebenbei heftig in die Beſitzerin.","norm":"Der wurde von Bertrade huldreich empfangen und bewirtet wie Jeder, der auf ihrer Burg einkehrte; er besah sich ehrerbietig die herrlichen Säle, Zinnen und Gärten und verliebte sich nebenbei heftig in die Besitzerin.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.22599983215332} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":278,"date":1872,"orig":"Doch blieb er um deswillen nicht eine Stunde länger auf der Burg, ſondern als er ſeinen Auftrag verrichtet und Alles beſehen, nahm er kurzen Abſchied von der Frau und ritt von dannen.","norm":"Doch blieb er um deswillen nicht eine Stunde länger auf der Burg, sondern als er seinen Auftrag verrichtet und alles besehen, nahm er kurzen Abschied von der Frau und ritt von dannen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.157100200653076} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":279,"date":1872,"orig":"Er war der Einzige von Allen, die je hier geweſen, der nicht daran dachte, dieſen Preis erringen zu können.","norm":"Er war der Einzige von allen, die je hier gewesen, der nicht daran dachte, diesen Preis erringen zu können.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.848999977111816} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":280,"date":1872,"orig":"Ueberdies war er träg in Handlungen und Worten.","norm":"Überdies war er träg in Handlungen und Worten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.8403000831604} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":281,"date":1872,"orig":"Wenn ſein Geiſt und ſein Herz ſich eines Dinges bemächtigt hatten, was immer vollſtändig und mit Feuer geſchah, ſo brachte es Zendelwald nicht über ſich, den erſten Schritt zu einer Verwirklichung zu thun, da die Sache für ihn abgemacht ſchien, wenn er inwendig damit im Reinen war.","norm":"Wenn sein Geist und sein Herz sich eines Dinges bemächtigt hatten, was immer vollständig und mit Feuer geschah, so brachte es Zendelwald nicht über sich, den ersten Schritt zu einer Verwirklichung zu tun, da die Sache für ihn abgemacht schien, wenn er inwendig damit im Reinen war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.131199836730957} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":282,"date":1872,"orig":"Obgleich er ſich gern unterhielt, wo es nicht etwa galt, etwas zu erreichen, redete er doch nie ein Wort zur rechten Zeit, welches ihm Glück gebracht hätte.","norm":"Obgleich er sich gern unterhielt, wo es nicht etwa galt, etwas zu erreichen, redete er doch nie ein Wort zur rechten Zeit, welches ihm Glück gebracht hätte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.9581000804901123} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":283,"date":1872,"orig":"Aber nicht nur ſeinem Munde, auch ſeiner Hand waren ſeine Gedanken ſo voraus, daß er im Kampfe von ſeinen Feinden öfters beinahe beſiegt wurde, weil er zögerte, den letzten Streich zu thun, den Gegner ſchon im Voraus zu ſeinen Füßen ſehend.","norm":"Aber nicht nur seinem Munde, auch seiner Hand waren seine Gedanken so voraus, dass er im Kampfe von seinen Feinden öfters beinahe besiegt wurde, weil er zögerte, den letzten Streiche zu tun, den Gegner schon im Voraus zu seinen Füßen sehend.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.1915998458862305} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":284,"date":1872,"orig":"Deshalb erregte ſeine Kampfweiſe auf allen Turnieren Verwunderung, indem er ſtets zuerſt ſich kaum rührte und nur in der größten Noth mit einem tüchtigen Ruck obſiegte.","norm":"Deshalb erregte seine Kampfweise auf allen Turnieren Verwunderung, indem er stets zuerst sich kaum rührte und nur in der größten Not mit einem tüchtigen Ruck obsiegte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.774899959564209} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":285,"date":1872,"orig":"In voller Gedankenarbeit, deren Gegenſtand die ſchöne Bertrade war, ritt dieſer Zendelwald jetzt nach ſeinem Heimatſchlößchen, das in einem einſamen Bergwalde lag.","norm":"In voller Gedankenarbeit, deren Gegenstand die schöne Bertrade war, ritt dieser Zendelwald jetzt nach seinem Heimatschlösschen, das in einem einsamen Bergwalde lag.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.90500020980835} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":286,"date":1872,"orig":"Nur wenig Köhler und Holzſchläger waren ſeine Unterthanen, und ſeine Mutter harrte daher jedesmal ſeiner Rückkunft mit bitterer Ungeduld, ob er jetzt endlich das Glück nach Hauſe bringe.","norm":"Nur wenig Köhler und Holzschläger waren seine Untertanen, und seine Mutter harrte daher jedes Mal seiner Rückkunft mit bitterer Ungeduld, ob er jetzt endlich das Glück nach Hause bringe.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.441999912261963} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":287,"date":1872,"orig":"So läſſig Zendelwald war, ſo handlich und entſchloſſen war ſeine Mutter, ohne daß es ihr viel genützt hätte, da ſie ihrerſeits dieſe Eigenſchaft ebenfalls jederzeit übertrieben geltend gemacht und daher zur Zweckloſigkeit umgewandelt hatte.","norm":"So lässig Zendelwald war, so handlich und entschlossen war seine Mutter, ohne dass es ihr viel genützt hätte, da sie ihrerseits diese Eigenschaft ebenfalls jederzeit übertrieben geltend gemacht und daher zur Zwecklosigkeit umgewandelt hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.229599952697754} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":288,"date":1872,"orig":"In ihrer Jugend hatte ſie ſo bald als möglich an den Mann zu kommen geſucht und mehrere Gelegenheiten ſo ſchnell und eifrig überhetzt, daß ſie in der Eile gerade die ſchlechteſte Wahl traf in der Perſon eines unbedachten und tollkühnen Geſellen, der ſein Erbe durch jagte, einen frühzeitigen Tod fand und ihr nichts als ein langes Wittwenthum, Armuth und einen Sohn hinterließ, der ſich nicht rühren wollte, das Glück zu erhaſchen.","norm":"In ihrer Jugend hatte sie so bald als möglich an den Mann zu kommen gesucht und mehrere Gelegenheiten so schnell und eifrig überhetzt, dass sie in der Eile gerade die schlechteste Wahl traf in der Person eines unbedachten und tollkühnen Gesellen, der sein Erbe durchjagte, einen frühzeitigen Tod fand und ihr nichts als ein langes Witwentum, Armut und einen Sohn hinterließ, der sich nicht rühren wollte, das Glück zu erhaschen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.006199836730957} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":289,"date":1872,"orig":"Die einzige Nahrung der kleinen Familie beſtand aus der Milch einiger Ziegen, Waldfrüchten und aus Wild.","norm":"Die einzige Nahrung der kleinen Familie bestand aus der Milch einiger Ziegen, Waldfrüchten und aus Wild.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.387700080871582} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":290,"date":1872,"orig":"Zendelwalds Mutter war eine vollkommene Jägerin und ſchoß mit der Armbruſt wilde Tauben und Waldhühner nach Gelüſten; auch fiſchte ſie Forellen aus den Bächen und pflaſterte eigenhändig das Schlößchen mit Kalk und Steinen, wo es ſchadhaft war.","norm":"Zendelwalds Mutter war eine vollkommene Jägerin und schoss mit der Armbrust wilde Tauben und Waldhühner nach Gelüsten; auch fischte sie Forellen aus den Bächen und pflasterte eigenhändig das Schlösschen mit Kalk und Steinen, wo es schadhaft war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.011000156402588} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":291,"date":1872,"orig":"Eben war ſie mit einem erlegten Haſen heimgekommen und ſchaute, als ſie das Thier vor das Fenſter ihrer hochgelegenen Küche hing, nochmal in's Thal hinaus; da ſah ſie ihren Sohn den Weg heraufreiten und ließ freudig die Brücke nieder, weil er ſeit Monaten fortgeweſen.","norm":"Eben war sie mit einem erlegten Hasen heimgekommen und schaute, als sie das Tier vor das Fenster ihrer hochgelegenen Küche hing, nochmal ins Tal hinaus; da sah sie ihren Sohn den Weg heraufreiten und ließ freudig die Brücke nieder, weil er seit Monaten fort gewesen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.365900039672852} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":292,"date":1872,"orig":"Sogleich begann ſie zu forſchen, ob er nicht irgend ein Schwänzchen oder eine Feder des Glückes erwiſcht und mitgebracht hätte, woran ſich klüglich zu halten wäre, und als er die wie gewöhnlich unerheblichen Ergebniſſe ſeiner letzten Kriegsfahrt erzählte, ſchüttelte ſie ſchon zornig den Kopf; als er aber vollends ſeiner Botſchaft zur reichen und reizenden Bertrade erwähnte und deren Huld und Schönheit rühmte, da ſchalt ſie ihn einen Faulpelz und Bärenhäuter wegen ſeines ſchimpflichen Abzuges.","norm":"Sogleich begann sie zu forschen, ob er nicht irgendein Schwänzchen oder eine Feder des Glückes erwischt und mitgebracht hätte, woran sich klüglich zu halten wäre, und als er die wie gewöhnlich unerheblichen Ergebnisse seiner letzten Kriegsfahrt erzählte, schüttelte sie schon zornig den Kopf; als er aber vollends seiner Botschaft zur reichen und reizenden Bertrade erwähnte und deren Huld und Schönheit rühmte, da schalt sie ihn einen Faulpelz und Bärenhäuter wegen seines schimpflichen Abzuges.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.497099876403809} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":293,"date":1872,"orig":"Bald ſah ſie auch, daß Zendelwald an nichts dachte als an die ferne Herrenfrau, und nun wurde ſie erſt recht ungeduldig über ihn, da er mit einer ſo trefflichen Leidenſchaft im Herzen gar nichts anzuwenden wüßte, während ihm die ſchwere Verliebtheit eher ein Hemmniß als ein Antrieb zum Handeln war.","norm":"Bald sah sie auch, dass Zendelwald an nichts dachte als an die ferne Herrenfrau, und nun wurde sie erst recht ungeduldig über ihn, da er mit einer so trefflichen Leidenschaft im Herzen gar nichts anzuwenden wüsste, während ihm die schwere Verliebtheit eher ein Hemmnis als ein Antrieb zum Handeln war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.340499877929687} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":294,"date":1872,"orig":"So hatte er nicht die beſten Tage; die Mutter ſchmollte mit ihm und aus Aerger, um ſich zu zerſtreuen, beſſerte ſie das verfallende Dach des Schloßthurmes aus, ſo daß es dem guten Zendelwald angſt und bange ward, als er ſie oben herumklettern ſah.","norm":"So hatte er nicht die besten Tage; die Mutter schmollte mit ihm und aus Ärger, um sich zu zerstreuen, besserte sie das verfallende Dach des Schlossturmes aus, so dass es dem guten Zendelwald Angst und bange wurde, als er sie oben herumklettern sah.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.473999977111816} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":295,"date":1872,"orig":"Unwirſch warf ſie die zerbrochenen Ziegel herunter und hätte faſt einen fremden Reitersmann todt geſchmiſſen, welcher eben in das Thor zog, um ſich ein Nachtlager auszubitten.","norm":"Unwirsch warf sie die zerbrochenen Ziegel herunter und hätte fast einen fremden Reitersmann tot geschmissen, welcher eben in das Tor zog, um sich ein Nachtlager auszubitten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.942999839782715} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":296,"date":1872,"orig":"Es gelang dieſem aber, die Freundlichkeit der herben Dame zu wecken, als er beim Abendbrod viel gute Dinge erzählte und beſonders, wie der Kaiſer ſo eben auf der großen Burg der ſchönen Wittwe weile, wo ein Feſt das andere dränge und die wonnige Frau vom Kaiſer und ſeinen Herren unabläſſig beſtürmt werde, unter dieſen ſich einen Gemahl zu wählen.","norm":"Es gelang diesem aber, die Freundlichkeit der herben Dame zu wecken, als er beim Abendbrot viel gute Dinge erzählte und besonders, wie der Kaiser so eben auf der großen Burg der schönen Witwe Weile, wo ein Fest das andere dränge und die wonnige Frau vom Kaiser und seinen Herren unablässig bestürmt werde, unter diesen sich einen Gemahl zu wählen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.525899887084961} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":297,"date":1872,"orig":"Sie habe aber den Ausweg ergriffen, ein großes Turnier auszuſchreiben und dem Sieger über Alle ihre Hand zu reichen, feſt vertrauend, daß ihre Beſchützerin, die göttliche Jungfrau, ſich in's Mittel legen und dem Rechten, der ihr gebühre, den Arm zum Siege lenken werde.","norm":"Sie habe aber den Ausweg ergriffen, ein großes Turnier auszuschreiben und dem Sieger über alle ihre Hand zu reichen, fest vertrauend, dass ihre Beschützerin, die göttliche Jungfrau, sich ins Mittel legen und dem Rechten, der ihr gebühre, den Arm zum Siege lenken werde.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.749199867248535} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":298,"date":1872,"orig":"„Das wäre nun eine Unternehmung für Euch, ſchloß der Mann, ſich an Zendelwald wendend, „ein ſo hübſcher junger Ritter ſollte ſich recht daran hin machen, das Beſte zu erwerben, was es nach irdiſchen Begriffen in dieſen Zeitläuften gibt; auch ſagt man allgemein, die Frau hoffe, es werde ſich auf dieſem Wege irgend ein unbekanntes Glück für ſie einfinden, ſo ein armer tugendlicher Held, welchen ſie alsdann recht hätſcheln könnte, und die großen bekannten Grafen und eiteln Freier ſeien ihr alle zuwider.“","norm":"„Das wäre nun eine Unternehmung für Euch, schloss der Mann, sich an Zendelwald wendend, „ein so hübscher junger Ritter sollte sich recht daran hinmachen, das Beste zu erwerben, was es nach irdischen Begriffen in diesen Zeitläuften gibt; auch sagt man allgemein, die Frau hoffe, es werde sich auf diesem Wege irgendein unbekanntes Glück für sie einfinden, so ein armer tugendlicher Held, welchen sie alsdann recht hätscheln könnte, und die großen bekannten Grafen und eitlen Freier seien ihr alle zuwider .“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.792500019073486} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":299,"date":1872,"orig":"Als der Fremde weggeritten war, ſagte die Mutter:","norm":"Als der Fremde weggeritten war, sagte die Mutter:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.815500020980835} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":300,"date":1872,"orig":"„Nun will ich wetten, daß niemand anders als Bertrade ſelbſt dieſen Boten hergeſandt hat, dich auf die richtige Spur zu locken, mein lieber Zendelwald!","norm":"„Nun will ich wetten, dass niemand anders als Bertrade selbst diesen Boten hergesandt hat, dich auf die richtige Spur zu locken, mein lieber Zendelwald!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.467199802398682} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":301,"date":1872,"orig":"Das iſt mit Händen zu greifen; was hätte der Kauz, der unſer letztes Krüglein Wein zu ſich genommen hat, ſonſt zu thun und zu reiſen in dieſem Wald?“","norm":"Das ist mit Händen zu greifen; was hätte der Kauz, der unser letztes Krüglein Wein zu sich genommen hat, sonst zu tun und zu reisen in diesem Wald?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.328499794006348} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":302,"date":1872,"orig":"Der Sohn fing über ihre Worte mächtig an zu lachen und lachte immer ſtärker, theils über die offenbare Unmöglichkeit der mütterlichen Einbildungen, theils weil ihm dieſe Einbildungen doch wohlgefielen.","norm":"Der Sohn fing über ihre Worte mächtig an zu lachen und lachte immer stärker, teils über die offenbare Unmöglichkeit der mütterlichen Einbildungen, teils weil ihm diese Einbildungen doch wohlgefielen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.305200099945068} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":303,"date":1872,"orig":"Der bloße Gedanke, Bertrade könnte wünſchen, ſeiner habhaft zu werden, ließ ihn nicht aus dem Lachen heraus kommen.","norm":"Der bloße Gedanke, Bertrade könnte wünschen, seiner habhaft zu werden, ließ ihn nicht aus dem Lachen heraus kommen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.332699775695801} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":304,"date":1872,"orig":"Doch die Mutter, welche glaubte, er lache, um ſie zu verſpotten, gerieth in Zorn und rief: „So höre denn!","norm":"Doch die Mutter, welche glaubte, er lache, um sie zu verspotten, geriet in Zorn und rief: „So höre denn!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.543100118637085} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":305,"date":1872,"orig":"Meinen Fluch gebe ich Dir, wenn Du mir nicht gehorchſt und Dich von Stund an auf den Weg machſt, jenes Glück zu erwerben!","norm":"Meinen Fluch gebe ich Dir, wenn Du mir nicht gehorchst und Dich von Stunde an auf den Weg machst, jenes Glück zu erwerben!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.838599920272827} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":306,"date":1872,"orig":"Ohne daſſelbe kehre nicht zurück, ich mag Dich dann nie wieder ſehen!","norm":"Ohne dasselbe kehre nicht zurück, ich mag Dich dann nie wieder sehen!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.025300025939941} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":307,"date":1872,"orig":"Oder wenn Du dennoch kommſt, ſo nehme ich mein Schießzeug und gehe ſelbſt fort, ein Grab zu ſuchen, wo ich von Deiner Dummheit unbeläſtigt bin!“","norm":"Oder wenn Du dennoch kommst, so nehme ich mein Schießzeug und gehe selbst fort, ein Grab zu suchen, wo ich von Deiner Dummheit unbelästigt bin!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.295300006866455} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":308,"date":1872,"orig":"So hatte Zendelwald nun keine Wahl; um des lieben Friedens willen rüſtete er ſeufzend ſeine Waffen und ritt in Gottes Namen in der Richtung nach Bertradens Wohnſitz hin, ohne daß er überzeugt war, wirklich dort anzukommen.","norm":"So hatte Zendelwald nun keine Wahl; um des lieben Friedens willen rüstete er seufzend seine Waffen und ritt in Gottes Namen in der Richtung nach Bärtradens Wohnsitz hin, ohne dass er überzeugt war, wirklich dort anzukommen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.889400005340576} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":309,"date":1872,"orig":"Doch hielt er den Weg ſo ziemlich inne und je näher er dem Ziele kam, um ſo deutlicher geſtaltete ſich der Gedanke, daß er das Ding eigentlich wohl unternehmen könnte, ſo gut wie ein Anderer, und wenn er mit den Rivalen fertig geworden ſei, ſo werde es den Kopf auch nicht koſten, mit der ſchönen Frau ein Tänzchen zu wagen.","norm":"Doch hielt er den Weg so ziemlich inne und je näher er dem Ziele kam, umso deutlicher gestaltete sich der Gedanke, dass er das Ding eigentlich wohl unternehmen könnte, so gut wie ein Anderer, und wenn er mit den Rivalen fertig geworden sei, so werde es den Kopf auch nicht kosten, mit der schönen Frau ein Tänzchen zu wagen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.882200002670288} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":310,"date":1872,"orig":"Zug für Zug fand jetzt in ſeiner Vorſtellung das Abenteuer ſtatt und verlief auf das Beſte, ja er hielt bereits Tage lang, während er durch das ſonnengrüne Land ritt, ſüße Zwiegeſpräche mit der Geliebten, worin er ihr die ſchönſten Erfindungen vorſagte, daß ihr Antlitz in holder Freude ſich röthete, d.h. alles dies in ſeinen Gedanken.","norm":"Zug für Zug fand jetzt in seiner Vorstellung das Abenteuer statt und verlief auf das Beste, ja er hielt bereits Tage lang, während er durch das sonnengrüne Land ritt, süße Zwiegespräche mit der Geliebten, worin er ihr die schönsten Erfindungen vorsagte, dass ihr Antlitz in holder Freude sich rötete, d.h. alles dies in seinen Gedanken.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.871099948883057} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":311,"date":1872,"orig":"Als er eben wieder eine erfreuliche Begebenheit innerlich ausmalte, ſah er in Wirklichkeit an einem blauen Höhenzuge die Thürme und Zinnen der Burg in der Morgenſonne erglänzen und die vergoldeten Geländer aus der Ferne herüberfunkeln und erſchrack ſo darüber, daß all' ſein Traumwerk zerſtob und nur ein zages, unſchlüſſiges Herz zurückließ.","norm":"Als er eben wieder eine erfreuliche Begebenheit innerlich ausmalte, sah er in Wirklichkeit an einem blauen Höhenzuge die Türme und Zinnen der Burg in der Morgensonne erglänzen und die vergoldeten Geländer aus der Ferne herüberfunkeln und erschrak so darüber, dass alle sein Traumwerk zerstob und nur ein zages, unschlüssiges Herz zurückließ.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.066800117492676} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":312,"date":1872,"orig":"Unwillkürlich hielt er das Pferd an und ſchaute, nach Art der Zauderer, rings nach einer Zuflucht aus.","norm":"Unwillkürlich hielt er das Pferd an und schaute, nach Art der Zauderer, rings nach einer Zuflucht aus.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.730599880218506} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":313,"date":1872,"orig":"Da gewahrte er ein zierliches Kirchlein, das nämliche, welches einſt Bertrade der Mutter Gottes erbaut und in welchem ſie jenen Schlaf gethan hatte.","norm":"Da gewahrte er ein zierliches Kirchlein, das nämliche, welches einst Bertrade der Mutter Gottes erbaut und in welchem sie jenen Schlaf getan hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.219500064849853} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":314,"date":1872,"orig":"Sogleich beſchloß er, da einzukehren und ſich vor dem Altare ein wenig zu ſammeln, beſonders da es der Tag war, an welchem das Turnier abgehalten wurde.","norm":"Sogleich beschloss er, da einzukehren und sich vor dem Altare ein wenig zu sammeln, besonders da es der Tag war, an welchem das Turnier abgehalten wurde.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.817500114440918} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":315,"date":1872,"orig":"Eben ſang der Prieſter die Meſſe, welcher bloß zwei oder drei arme Leute beiwohnten, ſo daß der Ritter der kleinen Gemeinde zur nicht geringen Zierde gereichte; als aber alles vorbei war und Pfaff und Küſter das Kirchlein verlaſſen, war es Zendelwald noch ſo wohl in dieſem Aufenthalt, daß er ganz gemächlich einſchlief und Turnier und Geliebte vergaß, wenn er nicht davon träumte.","norm":"Eben sang der Priester die Messe, welcher bloß zwei oder drei arme Leute beiwohnten, so dass der Ritter der kleinen Gemeinde zur nicht geringen Zierde gereichte; als aber alles vorbei war und Pfaff und Küster das Kirchlein verlassen, war es Zendelwald noch so wohl in diesem Aufenthalt, dass er ganz gemächlich einschlief und Turnier und Geliebte vergaß, wenn er nicht davon träumte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.585400104522705} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":316,"date":1872,"orig":"Da ſtieg die Jungfrau Maria wieder von ihrem Altare herunter, nahm ſeine Geſtalt und Waffenrüſtung an, beſtieg ſein Pferd und ritt geſchloſſenen Helmes, eine kühne Brunhilde, an Zendelwalds Statt nach der Burg.","norm":"Da stieg die Jungfrau Maria wieder von ihrem Altare herunter, nahm seine Gestalt und Waffenrüstung an, bestieg sein Pferd und ritt geschlossenen Helmes, eine kühne Brunhilde, an Zendelwalds Statt nach der Burg.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.164400100708008} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":317,"date":1872,"orig":"Als ſie eine Weile geritten, lag am Wege ein Haufen grauen Schuttes und verdorrten Reiſigs.","norm":"Als sie eine Weile geritten, lag am Wege ein Haufen grauen Schuttes und verdorrten Reisigs.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.227499961853027} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":318,"date":1872,"orig":"Das kam der aufmerkſamen Jungfrau verdächtig vor und ſie bemerkte auch, daß etwas wie das Schwanzende einer Schlange aus dem Wirrſal hervorguckte.","norm":"Das kam der aufmerksamen Jungfrau verdächtig vor und sie bemerkte auch, dass etwas wie das Schwanzende einer Schlange aus dem Wirrsal hervorguckte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.17579984664917} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":319,"date":1872,"orig":"Da ſah ſie, daß es der Teufel war, welcher, noch immer verliebt, auch in der Nähe der Burg herumgeſchlichen war und ſich vor der Jungfrau ſchnell in das Gerölle verſteckt hatte.","norm":"Da sah sie, dass es der Teufel war, welcher, noch immer verliebt, auch in der Nähe der Burg herumgeschlichen war und sich vor der Jungfrau schnell in das Gerölle versteckt hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.059400081634521} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":320,"date":1872,"orig":"Scheinbar achtlos ritt ſie vorüber, ließ aber geſchickt das Pferd einen kleinen Seitenſprung machen, daß es mit dem Hinterhufe auf jenes verdächtige Schwanzende trat.","norm":"Scheinbar achtlos ritt sie vorüber, ließ aber geschickt das Pferd einen kleinen Seitensprung machen, dass es mit dem Hinterhufe auf jenes verdächtige Schwanzende trat.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.444699764251709} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":321,"date":1872,"orig":"Pfeifend fuhr der Böſe hervor und davon und machte ſich an dieſem Tage nicht mehr bemerklich.","norm":"Pfeifend fuhr der Böse hervor und davon und machte sich an diesem Tage nicht mehr bemerkbar.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.935500144958496} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":322,"date":1872,"orig":"Durch dieſes kleine Abenteuer erheitert, ritt ſie guten Muthes vollends auf die Burg Bertrades, wo ſie eben ankam, als die zwei ſtärkſten Kämpen übrig geblieben, um die Entſcheidung unter ſich herbeizuführen.","norm":"Durch dieses kleine Abenteuer erheitert, ritt sie guten Mutes vollends auf die Burg Bertrades, wo sie eben ankam, als die zwei stärksten Kämpen übrig geblieben, um die Entscheidung unter sich herbeizuführen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.462500095367432} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":323,"date":1872,"orig":"Langſam und in nachläſſiger Haltung, ganz wie Zendelwald, ritt ſie auf den Platz und ſchien unentſchloſſen, ob ſie ſich betheiligen wolle oder nicht.","norm":"Langsam und in nachlässiger Haltung, ganz wie Zendelwald, ritt sie auf den Platz und schien unentschlossen, ob sie sich beteiligen wolle oder nicht.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.937099933624267} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":324,"date":1872,"orig":"„Da kommt noch der träge Zendelwald,“ hieß es, und die zwei ſtarken Ritter ſagten:","norm":"„Da kommt noch der träge Zendelwald,“ hieß es, und die zwei starken Ritter sagten:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.11299991607666} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":325,"date":1872,"orig":"„Was will uns der?","norm":"„Was will uns der?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"en","lang_cld3":"de","lang_de":0.667,"norm_lmscore":4.866000175476074} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":326,"date":1872,"orig":"Laßt uns ihn noch ſchnell abthun, ehe wir's unter uns ausmachen!“","norm":"Lasst uns ihn noch schnell abtun, ehe wir es unter uns ausmachen!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.296500205993652} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":327,"date":1872,"orig":"Der Eine nannte ſich „Guhl der Geſchwinde“.","norm":"Der Eine nannte sich „Guhl der Geschwinde“.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":6.560200214385986} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":328,"date":1872,"orig":"Er pflegte ſich mit ſeinem Roſſe wie ein Wirbelwind herum zu tummeln und ſuchte ſeine Gegner mit hundert Streichen und Liſten zu verwirren und zu beſiegen.","norm":"Er pflegte sich mit seinem Rosse wie ein Wirbelwind herumzutummeln und suchte seine Gegner mit hundert Streichen und Listen zu verwirren und zu besiegen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.618500232696533} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":329,"date":1872,"orig":"Mit ihm mußte der vermeintliche Zendelwald zuerſt den Kampf beſtehen.","norm":"Mit ihm musste der vermeintliche Zendelwald zuerst den Kampf bestehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":6.713200092315674} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":330,"date":1872,"orig":"Er trug einen pechſchwarzen Schnurrbart, deſſen Spitzen ſo ſteif gedreht wagrecht in die Luft ragten, daß zwei ſilberne Glöckchen, die daran hingen, ſie nicht zu biegen vermochten und fortwährend klingelten, wenn er den Kopf bewegte.","norm":"Er trug einen pechschwarzen Schnurrbart, dessen Spitzen so steif gedreht waagerecht in die Luft ragten, dass zwei silberne Glöckchen, die daran hingen, sie nicht zu biegen vermochten und fortwährend klingelten, wenn er den Kopf bewegte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.242700099945068} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":331,"date":1872,"orig":"Dies nannte er das Geläute des Schreckens für ſeine Feinde, des Wohlgefallens für ſeine Dame!","norm":"Dies nannte er das Geläute des Schreckens für seine Feinde, des Wohlgefallens für seine Dame!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.484899997711182} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":332,"date":1872,"orig":"Sein Schild glänzte, je nachdem er ihn drehte, bald in dieſer, bald jener Farbe, und er wußte dieſen Wechſel ſo raſch zu handhaben, daß das Auge davon geblendet wurde.","norm":"Sein Schild glänzte, je nachdem er ihn drehte, bald in dieser, bald jener Farbe, und er wusste diesen Wechsel so rasch zu handhaben, dass das Auge davon geblendet wurde.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.099599838256836} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":333,"date":1872,"orig":"Sein Helmbuſch beſtand aus einem ungeheuren Hahnenſchwanz.","norm":"Sein Helmbusch bestand aus einem ungeheuren Hahnenschwanz.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.12909984588623} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":334,"date":1872,"orig":"Der andere ſtarke Ritter nannte ſich „Maus der Zahlloſe“, womit er zu verſtehen gab, daß er einem ungezählten Heere gleich zu achten ſei.","norm":"Der andere starke Ritter nannte sich „Maus der Zahllose“, womit er zu verstehen gab, dass er einem ungezählten Heere gleich zu achten sei.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.498000144958496} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":335,"date":1872,"orig":"Zum Zeichen ſeiner Stärke hatte er die aus ſeinen Naslöchern hervorſtehenden Haare etwa ſechs Zoll lang wachſen laſſen und in zwei Zöpfchen geflochten, welche ihm über den Mund herab hingen und an den Enden mit zierlichen rothen Bandſchleifen geſchmückt waren.","norm":"Zum Zeichen seiner Stärke hatte er die aus seinen Naschlöchern hervorstehenden Haare etwa sechs Zoll lang wachsen lassen und in zwei Zöpfchen geflochten, welche ihm über den Mund herab hingen und an den Enden mit zierlichen roten Bandschleifen geschmückt waren.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.026800155639648} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":336,"date":1872,"orig":"Er trug einen großen weiten Mantel über ſeine Rüſtung, der ihn faſt ſammt dem Pferde umhüllte und aus tauſend Mausfellchen künſtlich zuſammengenäht war.","norm":"Er trug einen großen weiten Mantel über seine Rüstung, der ihn fast samt dem Pferde umhüllte und aus tausend Mausfellchen künstlich zusammengenäht war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.077899932861328} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":337,"date":1872,"orig":"Als Helmzierde überſchatteten ihn die mächtig ausgebreiteten Flügel einer Fledermaus, unter welchen er drohende Blicke aus geſchlitzten Augen hervorſandte.","norm":"Als Helmzierde überschatteten ihn die mächtig ausgebreiteten Flügel einer Fledermaus, unter welchen er drohende Blicke aus geschlitzten Augen hervorsandte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.316299915313721} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":338,"date":1872,"orig":"Als nun das Signal zum Kampfe mit Guhl dem Geſchwinden gegeben wurde, ritt dieſer gegen die Jungfrau heran und umkreiste ſie mit immer größerer Schnelligkeit, ſie mit ſeinem Schilde zu blenden ſuchend und mit der Lanze hundert Stöße nach ihr führend.","norm":"Als nun das Signal zum Kampfe mit Guhl dem Geschwinden gegeben wurde, ritt dieser gegen die Jungfrau heran und umkreiste sie mit immer größerer Schnelligkeit, sie mit seinem Schilde zu blenden suchend und mit der Lanze hundert Stöße nach ihr führend.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.4394001960754395} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":339,"date":1872,"orig":"Inzwiſchen verharrte die Jungfrau immer auf derſelben Stelle in der Mitte des Turnierplatzes und ſchien nur die Angriffe mit Schild und Speer abzuwehren, wobei ſie mit großer Kunſt das Pferd auf den Hinterfüßen ſich drehen ließ, ſo daß ſie ſtets dem Feinde das Angeſicht zuwendete.","norm":"Inzwischen verharrte die Jungfrau immer auf derselben Stelle in der Mitte des Turnierplatzes und schien nur die Angriffe mit Schild und Speer abzuwehren, wobei sie mit großer Kunst das Pferd auf den Hinterfüßen sich drehen ließ, so dass sie stets dem Feinde das Angesicht zuwendete.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.17080020904541} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":340,"date":1872,"orig":"Als Guhl das bemerkte, ritt er plötzlich weit weg, kehrte dann um und rannte mit eingelegter Lanze auf ſie ein, um ſie über den Haufen zu ſtechen.","norm":"Als Guhl das bemerkte, ritt er plötzlich weit weg, kehrte dann um und rannte mit eingelegter Lanze auf sie ein, um sie über den Haufen zu stechen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.911999940872192} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":341,"date":1872,"orig":"Unbeweglich erwartete ihn die Jungfrau, aber Mann und Pferd ſchienen von Erz, ſo feſt ſtanden ſie da, und der arme Kerl, der nicht wußte, daß er mit einer höheren Gewalt ſtritt, flog unverſehens, als er auf ihren Speer rannte, während der ſeinige wie ein Halm an ihrem Schilde zerbrach, aus dem Sattel und lag auf der Erde.","norm":"Unbeweglich erwartete ihn die Jungfrau, aber Mann und Pferd schienen von Erz, so fest standen sie da, und der arme Kerl, der nicht wusste, dass er mit einer höheren Gewalt stritt, flog unversehens, als er auf ihren Speer rannte, während der seinige wie ein Halm an ihrem Schilde zerbrach, aus dem Sattel und lag auf der Erde.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.135300159454346} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":342,"date":1872,"orig":"Unverweilt ſprang die Jungfrau vom Pferde, kniete ihm auf die Bruſt, daß er unter der gewaltigen Stärke ſich nicht rühren konnte, und ſchnitt ihm mit ihrem Dolche die beiden Schnäuze mit den Silberglöcklein ab, welche ſie an ihrem Wehrgehänge befeſtigte, indeſſen die Fanfaren ſie oder vielmehr den Zendelwald als Sieger begrüßten.","norm":"Unverweilt sprang die Jungfrau vom Pferde, kniete ihm auf die Brust, dass er unter der gewaltigen Stärke sich nicht rühren konnte, und schnitt ihm mit ihrem Dolche die beiden Schnäuze mit den Silberglöcklein ab, welche sie an ihrem Wehrgehänge befestigte, indessen die Fanfaren sie oder vielmehr den Zendelwald als Sieger begrüßten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.576200008392334} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":343,"date":1872,"orig":"Nun kam Ritter Maus der Zahlloſe an den Tanz.","norm":"Nun kam Ritter Maus der Zahllose an den Tanz.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"lb","lang_de":0.667,"norm_lmscore":6.628900051116943} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":344,"date":1872,"orig":"Gewaltig ſprengte er einher, daß ſein Mantel wie eine unheildrohende graue Wolke in der Luft ſchwebte.","norm":"Gewaltig sprengte er einher, dass sein Mantel wie eine unheildrohende graue Wolke in der Luft schwebte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.327499866485596} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":345,"date":1872,"orig":"Allein die Jungfrau-Zendelwald, welche ſich jetzt erſt an dem Kampfe zu erwärmen ſchien, ſprengte ihm ebenſo rüſtig entgegen, warf ihn auf den erſten Stoß mit Leichtigkeit aus dem Sattel und ſprang, als Maus ſich raſch erhob und das Schwert zog, ebenfalls vom Pferde, um zu Fuße mit ihm zu kämpfen.","norm":"Allein die Jungfrau-Zendelwald, welche sich jetzt erst an dem Kampfe zu erwärmen schien, sprengte ihm ebenso rüstig entgegen, warf ihn auf den ersten Stoß mit Leichtigkeit aus dem Sattel und sprang, als Maus sich rasch erhob und das Schwert zog, ebenfalls vom Pferde, um zu Fuße mit ihm zu kämpfen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.706200122833252} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":346,"date":1872,"orig":"Bald aber war er betäubt von den raſchen Schlägen, mit denen ihr Schwert ihm auf Haupt und Schultern fielen, und er hielt mit der Linken ſeinen Mantel vor, um ſich dahinter zu verbergen und ihn dem Gegner bei günſtiger Gelegenheit über den Kopf zu werfen.","norm":"Bald aber war er betäubt von den raschen Schlägen, mit denen ihr Schwert ihm auf Haupt und Schultern fielen, und er hielt mit der Linken seinen Mantel vor, um sich dahinter zu verbergen und ihn dem Gegner bei günstiger Gelegenheit über den Kopf zu werfen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.9128999710083012} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":347,"date":1872,"orig":"Da fing die Jungfrau mit der Spitze ihres Schwertes einen Zipfel des Mantels und wickelte Maus den Zahlloſen mit ſolch' zierlicher Schnelligkeit ſelbſt von Kopf bis zum Fuße in den Mantel ein, daß er in kurzer Zeit wie eine von einer Spinne eingeſponnene ungeheure Weſpe ausſah und zuckend wie eine ſolche auf der Erde lag.","norm":"Da fing die Jungfrau mit der Spitze ihres Schwertes einen Zipfel des Mantels und wickelte Maus den Zahllosen mit solch' zierlicher Schnelligkeit selbst von Kopf bis zum Fuße in den Mantel ein, dass er in kurzer Zeit wie eine von einer Spinne eingesponnene ungeheure Wespe aussah und zuckend wie eine solche auf der Erde lag.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.159500122070312} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":348,"date":1872,"orig":"Nun zerdraſch ihn die Jungfrau mit der flachen Klinge und mit ſolcher Behendigkeit, daß der Mantel ſich in ſeine urſprünglichen Beſtandtheile auflöſte und die umherſtäubenden Mäuſefellchen unter dem allgemeinen Gelächter der Zuſchauer die Luft verfinſterten, während der Ritter allmählig wieder zu Tage kam und als ein geſchlagener Mann davonhinkte, nachdem ſein Beſieger ihm die Naſenzöpfchen abgeſchnitten hatte.","norm":"Nun drasch ihn die Jungfrau mit der flachen Klinge und mit solcher Behändigkeit, dass der Mantel sich in seine ursprünglichen Bestandteile auflöste und die umherstäubenden Mäusefellchen unter dem allgemeinen Gelächter der Zuschauer die Luft verfinsterten, während der Ritter allmählich wieder zu Tage kam und als ein geschlagener Mann davonhinkte, nachdem sein Besieger ihm die Nasenzöpfchen abgeschnitten hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.633399963378906} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":349,"date":1872,"orig":"So war denn die Jungfrau als Zendelwald der letzte Sieger auf dem Platze.","norm":"So war denn die Jungfrau als Zendelwald der letzte Sieger auf dem Platze.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.737800121307373} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":350,"date":1872,"orig":"Sie ſchlug nun das Viſier auf, ſchritt hinauf zur Königin des Feſtes, beugte das Knie und legte die Siegestrophäen zu deren Füßen.","norm":"Sie schlug nun das Visier auf, schritt hinauf zur Königin des Festes, beugte das Knie und legte die Siegestrophäen zu deren Füßen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.088500022888184} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":351,"date":1872,"orig":"Dann erhob ſie ſich und ſtellte einen Zendelwald dar, wie dieſer gewöhnlich zu blöde war, es zu ſein.","norm":"Dann erhob sie sich und stellte einen Zendelwald dar, wie dieser gewöhnlich zu blöde war, es zu sein.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.223499774932861} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":352,"date":1872,"orig":"Ohne indeſſen ſeiner Beſcheidenheit zu viel zu vergeben, grüßte ſie Bertraden mit einem Blicke, von deſſen Wirkung auf ein Frauenherz ſie ſicher war; kurz, ſie wußte ſich als Liebhaber wie als Ritter ſo zu benehmen, daß Bertrade ihr Wort nicht zurücknahm, ſondern dem Zureden des Kaiſers, der am Ende froh war, einen ſo tapfern und edlen Mann mächtig zu ſehen, ein williges Ohr lieh.","norm":"Ohne indessen seiner Bescheidenheit zu viel zu vergeben, grüßte sie Betraten mit einem Blicke, von dessen Wirkung auf ein Frauenherz sie sicher war; kurz, sie wusste sich als Liebhaber wie als Ritter so zu benehmen, dass Bertrade ihr Wort nicht zurücknahm, sondern dem Zureden des Kaisers, der am Ende froh war, einen so tapferen und edlen Mann mächtig zu sehen, ein williges Ohr lieh.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.155300140380859} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":353,"date":1872,"orig":"Es geſchah jetzt ein großer Feſtzug nach dem hochragenden Lindengarten, in welchem das Banket bereitet war.","norm":"Es geschah jetzt ein großer Festzug nach dem hochragenden Lindengarten, in welchem das Bankett bereitet war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.9857001304626465} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":354,"date":1872,"orig":"Dort ſaß Bertrade zwiſchen dem Kaiſer und ihrem Zendelwald; aber es war gut, daß jenem für eine ſchöne und muntere Nachbarin geſorgt war; denn dieſer ließ ſeiner Braut nicht viel Zeit, mit Andern zu ſprechen, ſo geſchickt und zärtlich unterhielt er ſie.","norm":"Dort saß Bertrade zwischen dem Kaiser und ihrem Zendelwald; aber es war gut, dass jenem für eine schöne und muntere Nachbarin gesorgt war; denn dieser ließ seiner Braut nicht viel Zeit, mit Anderen zu sprechen, so geschickt und zärtlich unterhielt er sie.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.438499927520752} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":355,"date":1872,"orig":"Er ſchien ihr die feinſten Dinge zu ſagen, da ſie ein Mal um das andere glückſelig erröthete.","norm":"Er schien ihr die feinsten Dinge zu sagen, da sie ein Mal um das andere glückselig errötete.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.085499763488769} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":356,"date":1872,"orig":"Es ſchien überhaupt Alles glücklich zu ſein; in den grünen Laubgewölben in der Höhe ſangen die Vögel um die Wette mit den Muſikinſtrumenten, ein Schmetterling ſetzte ſich auf die goldene Krone des Kaiſers und die Weinpokale dufteten wie durch einen beſonderen Segen gleich Veilchen nnd Reſeda.","norm":"Es schien überhaupt alles glücklich zu sein; in den grünen Laubgewölben in der Höhe sangen die Vögel um die Wette mit den Musikinstrumenten, ein Schmetterling setzte sich auf die goldene Krone des Kaisers und die Weinpokale dufteten wie durch einen besonderen Segen gleich Veilchen und Reseda.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.485000133514404} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":357,"date":1872,"orig":"Aber vor Allen fühlte ſich Bertrade ſo glücklich, daß ſie, während Zendelwald ſie bei der Hand hielt, in ihrem Herzen ihrer göttlichen Beſchützerin gedachte und derſelben ein heißes, ſtilles Dankgebet abſtattete.","norm":"Aber vor allen fühlte sich Bertrade so glücklich, dass sie, während Zendelwald sie bei der Hand hielt, in ihrem Herzen ihrer göttlichen Beschützerin gedachte und derselben ein heißes, stilles Dankgebet abstattete.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.79610013961792} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":358,"date":1872,"orig":"Die Jungfrau Maria, welche ja als Zendelwald neben ihr ſaß, las dies Gebet in ihrem Herzen und war ſo erfreut über die fromme Dankbarkeit ihres Schützlings, daß ſie Bertraden zärtlich umfing und einen Kuß auf ihre Lippen drückte, der begreiflicher Weiſe das holde Weib mit himmliſcher Seligkeit erfüllte; denn wenn die Himmliſchen einmal Zuckerzeug backen, ſo geräth es zur Süße.","norm":"Die Jungfrau Maria, welche ja als Zendelwald neben ihr saß, las dies Gebet in ihrem Herzen und war so erfreut über die fromme Dankbarkeit ihres Schützlings, dass sie Betraten zärtlich umfing und einen Kuss auf ihre Lippen drückte, der begreiflicherweise das holde Weib mit himmlischer Seligkeit erfüllte; denn wenn die Himmlischen einmal Zuckerzeug backen, so gerät es zur Süße.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.531300067901611} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":359,"date":1872,"orig":"Der Kaiſer aber und die übrige Geſellſchaft riefen dem vermeintlichen Zendelwald ihren Beifall zu, erhoben die Becher und tranken auf das Wohl des ſchönen Paares.","norm":"Der Kaiser aber und die übrige Gesellschaft riefen dem vermeintlichen Zendelwald ihren Beifall zu, erhoben die Becher und tranken auf das Wohl des schönen Paares.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.747200012207031} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":360,"date":1872,"orig":"Indeſſen war der wirkliche Zendelwald aus ſeinem unzeitigen Schlaf erwacht und fand die Sonne ſo ſtark vorgeſchritten, daß das Turnier wohl vorbei ſein mußte.","norm":"Indessen war der wirkliche Zendelwald aus seinem unzeitigen Schlaf erwacht und fand die Sonne so stark vorgeschritten, dass das Turnier wohl vorbei sein musste.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.192299842834473} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":361,"date":1872,"orig":"Obgleich er nun des Handelns glücklich enthoben war, fühlte er ſich doch ſehr unglücklich und traurig, denn er hätte doch die Frau Bertrade gar zu gerne geheirathet.","norm":"Obgleich er nun des Handelns glücklich enthoben war, fühlte er sich doch sehr unglücklich und traurig, denn er hätte doch die Frau Bertrade gar zu gerne geheiratet.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.123499870300293} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":362,"date":1872,"orig":"Auch durfte er jetzt nicht mehr zu ſeiner Mutter zurückkehren, und ſo entſchloß er ſich, eine immerwährende freudloſe Irrfahrt anzutreten, bis ihn der Tod von ſeinem unnützen Daſein erlöſen würde.","norm":"Auch durfte er jetzt nicht mehr zu seiner Mutter zurückkehren, und so entschloss er sich, eine immerwährende freudlose Irrfahrt anzutreten, bis ihn der Tod von seinem unnützen Dasein erlösen würde.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.3071999549865723} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":363,"date":1872,"orig":"Nur wollte er vorher noch ein Mal die Geliebte ſehen und ſich ihr Bild für die übrigen Tage einprägen, damit er ſtets wüßte, was er verſcherzt habe.","norm":"Nur wollte er vorher noch ein Mal die Geliebte sehen und sich ihr Bild für die übrigen Tage einprägen, damit er stets wüsste, was er verscherzt habe.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.981300115585327} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":364,"date":1872,"orig":"Er legte alſo den Weg bis zur Burg vollends zurück.","norm":"Er legte also den Weg bis zur Burg vollends zurück.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.177000045776367} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":365,"date":1872,"orig":"Als er das Menſchengedränge erreichte, hörte er überall das Lob und das Glück eines armen Ritters Zendelwald ausrufen, der den Preis errungen habe, und bitterlich neugierig, wer dieſer glückliche Namensvetter ſein möge, ſtieg er vom Pferde und drängte ſich durch die Menge, bis er am Rande des Gartens einen Platz gewinnen konnte, und zwar an einer erhöhten Stelle, wo er das ganze Feſt überſah.","norm":"Als er das Menschengedränge erreichte, hörte er überall das Lob und das Glück eines armen Ritters Zendelwald ausrufen, der den Preis errungen habe, und bitterlich neugierig, wer dieser glückliche Namensvetter sein möge, stieg er vom Pferde und drängte sich durch die Menge, bis er am Rande des Gartens einen Platz gewinnen konnte, und zwar an einer erhöhten Stelle, wo er das ganze Fest übersah.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.233699798583984} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":366,"date":1872,"orig":"Da erblickte er in Schmuck und Glanz und unweit der funkelnden Krone des Königs das in Glück ſtrahlende Antlitz der Geliebten, aber Haupt an Haupt bei ihr zu ſeinem bleichen Erſtaunen ſeine eigene Perſon, wie er leibte und lebte.","norm":"Da erblickte er in Schmuck und Glanz und unweit der funkelnden Krone des Königs das in Glück strahlende Antlitz der Geliebten, aber Haupt an Haupt bei ihr zu seinem bleichen Erstaunen seine eigene Person, wie er leibte und lebte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.474199771881103} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":367,"date":1872,"orig":"Wie leblos ſtarrte er hin, juſt ſah er ſeinen Doppelgänger die fromme Braut umfangen und küſſen; da ſchritt er, unbeachtet in der allgemeinen Freude, unaufhaltſam durch die Reihen, bis er dicht hinter dem Paare ſtand, von ſeltſamer Eiferſucht gepeinigt.","norm":"Wie leblos starrte er hin, just sah er seinen Doppelgänger die fromme Braut umfangen und küssen; da schritt er, unbeachtet in der allgemeinen Freude, unaufhaltsam durch die Reihen, bis er dicht hinter dem Paare stand, von seltsamer Eifersucht gepeinigt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.407199859619141} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":368,"date":1872,"orig":"In demſelben Augenblicke war ſein Ebenbild von Bertrades Seite verſchwunden, und dieſe ſah ſich erſchrocken nach ihm um.","norm":"In demselben Augenblicke war sein Ebenbild von Bertrades Seite verschwunden, und diese sah sich erschrocken nach ihm um.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.39769983291626} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":369,"date":1872,"orig":"Als ſie aber Zendelwald hinter ſich ſah, lachte ſie voll Freude und ſagte: Wo willſt Du hin?","norm":"Als sie aber Zendelwald hinter sich sah, lachte sie voll Freude und sagte: Wo willst Du hin?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.915699958801269} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":370,"date":1872,"orig":"Komm, bleibe fein bei mir!","norm":"Komme, bleibe fein bei mir!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"lb","lang_de":0.667,"norm_lmscore":6.105299949645996} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":371,"date":1872,"orig":"Und ſie ergriff ſeine Hand und zog ihn an ihre Seite.","norm":"Und sie ergriff seine Hand und zog ihn an ihre Seite.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.393500089645385} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":372,"date":1872,"orig":"So ſaß er denn, und um den vermeintlichen Traum recht zu probiren, ergriff er den vor ihm ſtehenden Becher und leerte ihn auf einen Zug.","norm":"So saß er denn, und um den vermeintlichen Traum recht zu probieren, ergriff er den vor ihm stehenden Becher und leerte ihn auf einen Zug.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.531199932098389} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":373,"date":1872,"orig":"Der Wein hielt Stich und ſtrömte ein zuverſichtliches Leben in ſeine Adern; wohl aufgelegt wandte er ſich zum lächelnden Weibe und ſah ihr in die Augen, worauf dieſe zufrieden die trauliche Unterhaltung fortſetzte, in welcher ſie vorhin unterbrochen worden war.","norm":"Der Wein hielt Stich und strömte ein zuversichtliches Leben in seine Adern; wohl aufgelegt wandte er sich zum lächelnden Weibe und sah ihr in die Augen, worauf diese zufrieden die trauliche Unterhaltung fortsetzte, in welcher sie vorhin unterbrochen worden war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.440100193023682} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":374,"date":1872,"orig":"Allein Zendelwald wußte nicht, wie ihm geſchah, als Bertrade ihm wohlbekannte Worte ſprach, auf welche er einige Male, ohne ſich zu beſinnen, Worte erwiederte, die er auch ſchon irgendwo geſprochen hatte; ja, nach einiger Zeit merkte er, daß ſein Vorgänger genau das nämliche Geſpräch mit ihr geführt haben mußte, welches er während der Reiſetage phantaſirend ausgedacht hatte, und welches er jetzt bedächtig fortſetzte, um zu ſehen, welches Ende das Spiel eigentlich nehmen wolle.","norm":"Allein Zendelwald wusste nicht, wie ihm geschah, als Bertrade ihm wohlbekannte Worte sprach, auf welche er einige Male, ohne sich zu besinnen, Worte erwiderte, die er auch schon irgendwo gesprochen hatte; ja, nach einiger Zeit merkte er, dass sein Vorgänger genau das nämliche Gespräch mit ihr geführt haben musste, welches er während der Reisetage phantasierend ausgedacht hatte, und welches er jetzt bedächtig fortsetzte, um zu sehen, welches Ende das Spiel eigentlich nehmen wolle.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.905999898910522} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":375,"date":1872,"orig":"Aber es nahm kein Ende, vielmehr wurde es immer erbaulicher; denn als die Sonne niederging, wurden Fackeln angezündet und die ganze Verſammlung zog auf den größten Saal der Burg, um dort des Tanzes zu pflegen.","norm":"Aber es nahm kein Ende, vielmehr wurde es immer erbaulicher; denn als die Sonne niederging, wurden Fackeln angezündet und die ganze Versammlung zog auf den größten Saal der Burg, um dort des Tanzes zu pflegen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.77180004119873} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":376,"date":1872,"orig":"Nachdem der Kaiſer den erſten Gang mit der Braut gethan, nahm Zendelwald ſie in den Arm und tanzte mit ihr drei oder vier Mal um den Saal, bis die Erglühende ihn plötzlich bei der Hand nahm und zur Seite führte in ein ſtilles Erkergemach, das vom Mondſchein erfüllt war.","norm":"Nachdem der Kaiser den ersten Gang mit der Braut getan, nahm Zendelwald sie in den Arm und tanzte mit ihr drei oder vier Mal um den Saal, bis die Erglühende ihn plötzlich bei der Hand nahm und zur Seite führte in ein stilles Erkergemach, das vom Mondschein erfüllt war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.039199829101562} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":377,"date":1872,"orig":"Dort warf ſie ſich an ſeine Bruſt, ſtreichelte ihm den blonden Bart und dankte ihm für ſein Kommen und ſeine Neigung.","norm":"Dort warf sie sich an seine Brust, streichelte ihm den blonden Bart und dankte ihm für sein Kommen und seine Neigung.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.210900068283081} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":378,"date":1872,"orig":"Der ehrliche Zendelwald aber wollte jetzt wiſſen, ob er träume oder wache und befragte ſie um den richtigen Sachverhalt, beſonders was ſeinen Doppelgänger betraf.","norm":"Der ehrliche Zendelwald aber wollte jetzt wissen, ob er träume oder wache und befragte sie um den richtigen Sachverhalt, besonders was seinen Doppelgänger betraf.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.193900108337402} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":379,"date":1872,"orig":"Sie verſtand ihn lange nicht; doch ein Wort gab das andere, Zendelwald ſagte, ſo und ſo iſt es mir ergangen, und erzählte ſeine ganze Fahrt, von ſeiner Einkehr in das Kirchlein und wie er eingeſchlafen ſei und das Turnier verſäumt habe.","norm":"Sie verstand ihn lange nicht; doch ein Wort gab das andere, Zendelwald sagte, so und so ist es mir ergangen, und erzählte seine ganze Fahrt, von seiner Einkehr in das Kirchlein und wie er eingeschlafen sei und das Turnier versäumt habe.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.08489990234375} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":380,"date":1872,"orig":"Da ward Bertraden die Sache ſoweit klar, daß ſie abermals die Hand ihrer gnädigen Patronin erblickte.","norm":"Da wurde betraten die Sache soweit klar, dass sie abermals die Hand ihrer gnädigen Patronin erblickte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.963500022888184} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":381,"date":1872,"orig":"Jetzt erſt aber durfte ſie den wackern Ritter keck als eine Himmelsgabe betrachten, und ſie war dankbar genug, das handfeſte Geſchenk recht an's Herz zu drücken und demſelben den ſüßen Kuß vollwichtig zurückzugeben, den ſie vom Himmel ſelbſt empfangen.","norm":"Jetzt erst aber durfte sie den wackeren Ritter keck als eine Himmelsgabe betrachten, und sie war dankbar genug, das handfeste Geschenk recht ans Herz zu drücken und demselben den süßen Kuss vollwichtig zurückzugeben, den sie vom Himmel selbst empfangen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.062900066375732} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":382,"date":1872,"orig":"Von jetzt an verließ aber den Ritter Zendelwald alle ſeine Trägheit und träumeriſche Unentſchloſſenheit; er that und redete alles zur rechten Zeit, vor der zärtlichen Bertrade ſowohl, als vor der übrigen Welt, und wurde ein ganzer Mann im Reiche, ſo daß der Kaiſer ebenſo zufrieden mit ihm war, als ſeine Gemahlin.","norm":"Von jetzt an verließ aber den Ritter Zendelwald alle seine Trägheit und träumerische Unentschlossenheit; er tat und redete alles zur rechten Zeit, vor der zärtlichen Bertrade sowohl, als vor der übrigen Welt, und wurde ein ganzer Mann im Reiche, so dass der Kaiser ebenso zufrieden mit ihm war, als seine Gemahlin.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.329800128936768} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":383,"date":1872,"orig":"Zendelwalds Mutter aber erſchien bei der Hochzeit hoch zu Roß und ſo ſtolz, als ob ſie zeitlebens im Glück geſeſſen hätte.","norm":"Zendelwalds Mutter aber erschien bei der Hochzeit hoch zu Ross und so stolz, als ob sie zeitlebens im Glück gesessen hätte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.581200122833252} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":384,"date":1872,"orig":"Sie verwaltete Geld und Gut und jagte bis in ihr hohes Alter in den weitläufigen Forſten, während Bertrade es ſich nicht nehmen ließ, ſich alljährlich einmal von Zendelwald in deſſen einſames Heimathſchlößchen bringen zu laſſen, wo ſie auf dem grauen Thurme mit ihrem Liebſten ſo zärtlich horſtete, wie die wilden Tauben auf den Bäumen umher.","norm":"Sie verwaltete Geld und Gut und jagte bis in ihr hohes Alter in den weitläufigen Forsten, während Bertrade es sich nicht nehmen ließ, sich alljährlich einmal von Zendelwald in dessen einsames Heimatschlösschen bringen zu lassen, wo sie auf dem grauen Turme mit ihrem Liebsten so zärtlich horstete, wie die wilden Tauben auf den Bäumen umher.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.308800220489502} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":385,"date":1872,"orig":"Aber niemals unterließen ſie, unterwegs in jenes Kirchlein zu treten und ihr Gebet zu verrichten vor der Jungfrau, die auf ihrem Altar ſo ſtill und heilig ſtand, als ob ſie nie von demſelben heruntergeſtiegen wäre.","norm":"Aber niemals unterließen sie, unterwegs in jenes Kirchlein zu treten und ihr Gebet zu verrichten vor der Jungfrau, die auf ihrem Altar so still und heilig stand, als ob sie nie von demselben heruntergestiegen wäre.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.889699935913086} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":386,"date":1872,"orig":"Die Jungfrau und die Nonne.","norm":"Die Jungfrau und die Nonne.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"af","lang_de":0.667,"norm_lmscore":4.40850019454956} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":387,"date":1872,"orig":"Wer gibt mir Taubenflügel, daß ich auffliege und Ruhe finde.","norm":"Wer gibt mir Taubenflügel, dass ich auffliege und Ruhe finde.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.680600166320801} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":388,"date":1872,"orig":"(Pſ. 55, 7.)","norm":"(Ps. 55, 7.)","lang_fastText":"hr","lang_py3langid":"te","lang_cld3":"cs","lang_de":0,"norm_lmscore":5.253099918365478} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":389,"date":1872,"orig":"Ein Kloſter lag weit ausſchauend auf einem Berge und ſeine Mauern glänzten über die Lande. Innen aber war es voll Frauen, ſchöne und nicht ſchöne, welche alle nach ſtrenger Regel dem Herrn dienten und ſeiner jungfräulichen Mutter.","norm":"Ein Kloster lag weit ausschauend auf einem Berge und seine Mauern glänzten über die Lande . Innen aber war es voll Frauen, schöne und nicht schöne, welche alle nach strenger Regel dem Herrn dienten und seiner jungfräulichen Mutter.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.714799880981445} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":390,"date":1872,"orig":"Die ſchönſte von den Nonnen hieß Beatrix und war die Küſterin des Kloſters.","norm":"Die schönste von den Nonnen hieß Beatrix und war die Küsterin des Klosters.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.088099956512451} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":391,"date":1872,"orig":"Herrlich gewachſen von Geſtalt, that ſie edlen Ganges ihren Dienſt, beſorgte Chor und Altar, waltete in der Sakriſtei und läutete die Glocke vor dem Morgenroth und wenn der Abendſtern aufging.","norm":"Herrlich gewachsen von Gestalt, tat sie edlen Ganges ihren Dienst, besorgte Chor und Altar, waltete in der Sakristei und läutete die Glocke vor dem Morgenrot und wenn der Abendstern aufging.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.440499782562256} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":392,"date":1872,"orig":"Aber dazwiſchen ſchaute ſie vielmals feuchten Blickes in das Weben der blauen Gefilde; ſie ſah Waffen funkeln, hörte das Horn der Jäger aus den Wäldern und den hellen Ruf der Männer, und ihre Bruſt war voll Sehnſucht nach der Welt.","norm":"Aber dazwischen schaute sie vielmals feuchten Blickes in das Weben der blauen Gefilde; sie sah Waffen funkeln, hörte das Horn der Jäger aus den Wäldern und den hellen Ruf der Männer, und ihre Brust war voll Sehnsucht nach der Welt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.656799793243408} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":393,"date":1872,"orig":"Als ſie ihr Verlangen nicht länger bezwingen konnte, ſtand ſie in einer mondhellen Juninacht auf, bekleidete ſich mit neuen ſtarken Schuhen und trat vor den Altar, zum Wandern gerüſtet:","norm":"Als sie ihr Verlangen nicht länger bezwingen konnte, stand sie in einer mondhellen Juninacht auf, bekleidete sich mit neuen starken Schuhen und trat vor den Altar, zum Wandern gerüstet:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.135900020599365} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":394,"date":1872,"orig":"„Ich habe dir nun manches Jahr treu gedient,“ ſagte ſie zur Jungfrau Maria, „aber jetzt nimm du die Schlüſſel zu dir, denn ich vermag die Gluth in meinem Herzen nicht länger zu ertragen!“","norm":"„Ich habe dir nun manches Jahr treu gedient,“ sagte sie zur Jungfrau Maria, „aber jetzt nimm du die Schlüssel zu dir, denn ich vermag die Glut in meinem Herzen nicht länger zu ertragen!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.586199998855591} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":395,"date":1872,"orig":"Hierauf legte ſie ihren Schlüſſelbund auf den Altar und ging aus dem Kloſter hinaus.","norm":"Hierauf legte sie ihren Schlüsselbund auf den Altar und ging aus dem Kloster hinaus.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.9591000080108643} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":396,"date":1872,"orig":"Sie ſtieg hernieder durch die Einſamkeit des Berges und wanderte, bis ſie in einem Eichenwalde auf einen Kreuzweg gelangte, wo ſie unſchlüſſig, nach welcher Seite ſie ſich wenden ſollte, ſich an einem Quell niederſetzte, der da für die Vorüberziehenden in Stein gefaßt und mit einer Bank verſehen war.","norm":"Sie stieg hernieder durch die Einsamkeit des Berges und wanderte, bis sie in einem Eichenwalde auf einen Kreuzweg gelangte, wo sie unschlüssig, nach welcher Seite sie sich wenden sollte, sich an einem Quell niedersetzte, der da für die Vorüberziehenden in Stein gefasst und mit einer Bank versehen war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.918699979782104} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":397,"date":1872,"orig":"Dort ſaß ſie, bis die Sonne aufging und wurde feucht vom fallenden Thau.","norm":"Dort saß sie, bis die Sonne aufging und wurde feucht vom fallenden Tau.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.584199905395508} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":398,"date":1872,"orig":"Da ging die Sonne auf hinter dem Walde und ihre erſten Strahlen, welche durch die Waldſtraße ſchoſſen, trafen einen prächtigen Ritter, der völlig allein in ſeinen Waffen daher geritten kam.","norm":"Da ging die Sonne auf hinter dem Walde und ihre ersten Strahlen, welche durch die Waldstraße schossen, trafen einen prächtigen Ritter, der völlig allein in seinen Waffen daher geritten kam.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.105199813842773} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":399,"date":1872,"orig":"Die Nonne ſchaute aus ihren ſchönen Augen, ſo ſtark ſie konnte, und verlor keinen Zoll von der mannhaften Erſcheinung; aber ſie hielt ſich ſo ſtill, daß der Ritter ſie nicht geſehen, wenn nicht das Geräuſch des Brunnens ſein Ohr berührt und ſeine Augen hin gelenkt hätte.","norm":"Die Nonne schaute aus ihren schönen Augen, so stark sie konnte, und verlor keinen Zoll von der mannhaften Erscheinung; aber sie hielt sich so still, dass der Ritter sie nicht gesehen, wenn nicht das Geräusch des Brunnens sein Ohr berührt und seine Augen hingelenkt hätte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.212999820709228} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":400,"date":1872,"orig":"Sogleich bog er ſeitwärts nach dem Quell, ſtieg vom Pferde und ließ es trinken, während er die Nonne ehrerbietig begrüßte.","norm":"Sogleich bog er seitwärts nach dem Quell, stieg vom Pferde und ließ es trinken, während er die Nonne ehrerbietig begrüßte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.562600135803223} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":401,"date":1872,"orig":"Er war ein Kreuzfahrer, welcher nach langer Abweſenheit einſam heimwärts zog, nachdem er alle ſeine Leute verloren.","norm":"Er war ein Kreuzfahrer, welcher nach langer Abwesenheit einsam heimwärts zog, nachdem er alle seine Leute verloren.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.192100048065185} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":402,"date":1872,"orig":"Trotz ſeiner Ehrerbietung wandte er aber kein Auge von der Schönheit der Beatrix, welche ihrerſeits es ebenſo hielt und den Kriegsmann nach wie vor anſtaunte; denn das war ein beträchtliches Stück von der Welt, nach der ſie ſich ſchon lange im Stillen geſehnt hatte.","norm":"Trotz seiner Ehrerbietung wandte er aber kein Auge von der Schönheit der Beatrix, welche ihrerseits es ebenso hielt und den Kriegsmann nach wie vor anstaunte; denn das war ein beträchtliches Stück von der Welt, nach der sie sich schon lange im Stillen gesehnt hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.049499988555908} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":403,"date":1872,"orig":"Doch jählings ſchlug ſie die Augen nieder und ſchämte ſich.","norm":"Doch jählings schlug sie die Augen nieder und schämte sich.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.69320011138916} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":404,"date":1872,"orig":"Endlich fragte ſie der Ritter, welchen Weges ſie zöge und ob er ihr in etwas dienen könne?","norm":"Endlich fragte sie der Ritter, welchen Weges sie zöge und ob er ihr in etwas dienen könne?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.7204999923706055} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":405,"date":1872,"orig":"Der volle Klang ſeiner Worte ſchreckte ſie auf; ſie ſah ihn abermals an, und bethört von ſeinen Blicken geſtand ſie, daß ſie dem Kloſter entflohen ſei, um die Welt zu ſehen, daß ſie ſich aber ſchon fürchte und weder ein noch aus wiſſe.","norm":"Der volle Klang seiner Worte schreckte sie auf; sie sah ihn abermals an, und betört von seinen Blicken gestand sie, dass sie dem Kloster entflohen sei, um die Welt zu sehen, dass sie sich aber schon fürchte und weder ein noch aus wisse.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.846199989318847} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":406,"date":1872,"orig":"Da lachte der Ritter, welcher nicht auf den Kopf gefallen war, aus vollem Herzen, und bot der Dame an, ſie vorläufig auf einen guten Weg zu leiten, wenn ſie ſich ihm anvertrauen wolle.","norm":"Da lachte der Ritter, welcher nicht auf den Kopf gefallen war, aus vollem Herzen, und bot der Dame an, sie vorläufig auf einen guten Weg zu leiten, wenn sie sich ihm anvertrauen wolle.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.39739990234375} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":407,"date":1872,"orig":"Seine Burg, fügte er hinzu, ſei nicht weiter als eine Tagreiſe von hier entfernt; dort möge ſie, ſofern es ihr gefalle, in Sicherheit ſich vorbereiten und nach weislicher Erwägung in die weite ſchöne Welt auslaufen.","norm":"Seine Burg, fügte er hinzu, sei nicht weiter als eine Tagreise von hier entfernt; dort möge sie, sofern es ihr gefalle, in Sicherheit sich vorbereiten und nach weislicher Erwägung in die weite schöne Welt auslaufen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.539000034332275} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":408,"date":1872,"orig":"Ohne Erwiederung, aber auch ohne Widerſtand ließ ſie ſich, immerhin ein wenig zitternd, auf das Pferd heben; der Ritter ſchwang ſich nach und, die rothglühende Nonne vor ſich, trabte er luſtig durch Wälder und Auen.","norm":"Ohne Erwiderung, aber auch ohne Widerstand ließ sie sich, immerhin ein wenig zitternd, auf das Pferd heben; der Ritter schwang sich nach und, die rotglühende Nonne vor sich, trabte er lustig durch Wälder und Auen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.194699764251709} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":409,"date":1872,"orig":"Zwei- oder dreihundert Pferdelängen weit hielt ſie ſich aufrecht und ſchaute unverwandt in die Weite, während ſie ihre Hand gegen ſeine Bruſt ſtemmte.","norm":"Zwei- oder dreihundert Pferdelängen weit hielt sie sich aufrecht und schaute unverwandt in die Weite, während sie ihre Hand gegen seine Brust stemmte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.69320011138916} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":410,"date":1872,"orig":"Bald aber lag ihr Geſicht an dieſer Bruſt aufwärts gewendet und litt die Küſſe, welche der reiſige Herr darauf drückte; und abermals nach dreihundert Schritten erwiederte ſie dieſelben ſchon ſo eifrig, als ob ſie niemals eine Kloſterglocke geläutet hätte.","norm":"Bald aber lag ihr Gesicht an dieser Brust aufwärts gewendet und litt die Küsse, welche der reisige Herr darauf drückte; und abermals nach dreihundert Schritten erwiderte sie dieselben schon so eifrig, als ob sie niemals eine Klosterglocke geläutet hätte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.813499927520752} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":411,"date":1872,"orig":"Unter ſolchen Umſtänden ſahen ſie nichts vom Lande und vom Lichte, das ſie durchzogen, und die Nonne, die ſich erſt nach der weiten Welt geſehnt, ſchloß jetzt ihre Augen vor derſelben und beſchränkte ſich auf einen Bezirk, den ein Pferd auf ſeinem Rücken forttragen konnte.","norm":"Unter solchen Umständen sahen sie nichts vom Lande und vom Lichte, das sie durchzogen, und die Nonne, die sich erst nach der weiten Welt gesehnt, schloss jetzt ihre Augen vor derselben und beschränkte sich auf einen Bezirk, den ein Pferd auf seinem Rücken forttragen konnte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.335299968719482} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":412,"date":1872,"orig":"Auch Wonnebold, der Ritter, dachte kaum an ſeiner Väter Burg, bis die Thürme derſelben im Mondlichte vor ihm glänzten.","norm":"Auch Wonnebold, der Ritter, dachte kaum an seiner Väter Burg, bis die Türme derselben im Mondlichte vor ihm glänzten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.467100143432617} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":413,"date":1872,"orig":"Aber ſtill war es um die Burg und noch ſtiller in derſelben und nirgends ein Licht zu erblicken.","norm":"Aber still war es um die Burg und noch stiller in derselben und nirgends ein Licht zu erblicken.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.473599910736084} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":414,"date":1872,"orig":"Vater und Mutter Wonnebolds waren geſtorben und alles Geſinde weggezogen bis auf ein ſteinaltes Schloßvögtchen, welches nach langem Klopfen mit einer Laterne erſchien und vor Freuden beinahe ſtarb, als es den Ritter vor dem mühſam geöffneten Thore erblickte.","norm":"Vater und Mutter Wonnebolds waren gestorben und alles Gesinde weggezogen bis auf ein steinaltes Schlossvögtchen, welches nach langem Klopfen mit einer Laterne erschien und vor Freuden beinahe starb, als es den Ritter vor dem mühsam geöffneten Tore erblickte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.866199970245361} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":415,"date":1872,"orig":"Doch hatte der Alte trotz ſeiner Einſamkeit und ſeiner Jahre das Innere der Burg in wohnlichem Zuſtande erhalten und beſonders das Gemach des Ritters in immerwährende Bereitſchaft geſetzt, damit derſelbe wohl ausruhen könne jeden Augenblick, wo er von ſeinen Fahrten zurückkäme.","norm":"Doch hatte der Alte trotz seiner Einsamkeit und seiner Jahre das Innere der Burg in wohnlichem Zustande erhalten und besonders das Gemach des Ritters in immerwährende Bereitschaft gesetzt, damit derselbe wohl ausruhen könne jeden Augenblick, wo er von seinen Fahrten zurückkäme.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.6595001220703125} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":416,"date":1872,"orig":"So ruhte denn Beatrix mit ihm und ſtillte ihr Verlangen.","norm":"So ruhte denn Beatrix mit ihm und stillte ihr Verlangen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.222599983215332} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":417,"date":1872,"orig":"Keines dachte nun daran, ſich vom andern zu trennen.","norm":"Keines dachte nun daran, sich vom anderen zu trennen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.269199848175049} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":418,"date":1872,"orig":"Wonnebold öffnete die Truhen ſeiner Mutter.","norm":"Wonnebold öffnete die Truhen seiner Mutter.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.59689998626709} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":419,"date":1872,"orig":"Beatrix kleidete ſich in die reichen Gewänder derſelben und ſchmückte ſich mit ihrem Geſchmeide, und ſo lebten ſie vor der Hand herrlich und in Freuden, nur daß die Dame recht- und namenlos dahin lebte und von ihrem Geliebten als deſſen Leibeigene angeſehen wurde; indeſſen verlangte ſie nichts beſſeres.","norm":"Beatrix kleidete sich in die reichen Gewänder derselben und schmückte sich mit ihrem Geschmeide, und so lebten sie vor der Hand herrlich und in Freuden, nur dass die Dame recht- und namenlos dahin lebte und von ihrem Geliebten als dessen Leibeigene angesehen wurde; indessen verlangte sie nichts Besseres.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.5304999351501465} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":420,"date":1872,"orig":"Einſt aber kehrte ein fremder Baron mit Gefolge auf der Burg ein, die ſich inzwiſchen auch wieder mit Dienſtleuten belebt hatte, und es wurde zu deſſen Ehren feſtlich gelebt.","norm":"Einst aber kehrte ein fremder Baron mit Gefolge auf der Burg ein, die sich inzwischen auch wieder mit Dienstleuten belebt hatte, und es wurde zu dessen Ehren festlich gelebt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.188199996948242} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":421,"date":1872,"orig":"Endlich geriethen die Herren auch auf das Würfelſpiel, bei welchem der Hausherr ſo glücklich und beſtändig gewann, daß er im Rauſche ſeines Glückes und ſeines Glaubens daran ſein Liebſtes, wie er ſagte, auf's Spiel ſetzte, nämlich die ſchöne Beatrix, wie ſie war, ſammt dem köſtlichen Geſchmeide, das ſie eben trug, gegen ein altes melancholiſches Bergſchloß, welches ſein Gegner lächelnd einſetzte.","norm":"Endlich gerieten die Herren auch auf das Würfelspiel, bei welchem der Hausherr so glücklich und beständig gewann, dass er im Rausche seines Glückes und seines Glaubens daran sein Liebstes, wie er sagte, aufs Spiel setzte, nämlich die schöne Beatrix, wie sie war, samt dem köstlichen Geschmeide, das sie eben trug, gegen ein altes melancholisches Bergschloss, welches sein Gegner lächelnd einsetzte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.247600078582764} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":422,"date":1872,"orig":"Beatrix, welche dem Spiele vergnügt zugeſchaut hatte, erbleichte, und mit Recht; denn der alſobald erfolgende Wurf ließ den Uebermüthigen im Stich und gab dem Baron gewonnen.","norm":"Beatrix, welche dem Spiele vergnügt zugeschaut hatte, erbleichte, und mit Recht; denn der alsobald erfolgende Wurf ließ den Übermütigen im Stich und gab dem Baron gewonnen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.232699871063232} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":423,"date":1872,"orig":"Der ſäumte nicht, ſondern brach augenblicklich auf mit ſeinem ſüßen Gewinnſt und mit ſeinem Gefolge; kaum fand Beatrix noch Zeit, die unglücklichen Würfel an ſich zu nehmen und in ihrem Buſen zu verbergen, worauf ſie unter ſtrömenden Thränen dem rückſichtsloſen Gewinner folgte.","norm":"Der säumte nicht, sondern brach augenblicklich auf mit seinem süßen Gewinn und mit seinem Gefolge; kaum fand Beatrix noch Zeit, die unglücklichen Würfel an sich zu nehmen und in ihrem Busen zu verbergen, worauf sie unter strömenden Tränen dem rücksichtslosen Gewinner folgte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.474699974060059} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":424,"date":1872,"orig":"Als der kleine Zug einige Stunden geritten war, gelangte er in ein anmuthiges Gehölz von jungen Buchen, durch welches ein klarer Bach floß.","norm":"Als der kleine Zug einige Stunden geritten war, gelangte er in ein anmutiges Gehölz von jungen Buchen, durch welches ein klarer Bach floss.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.993299961090088} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":425,"date":1872,"orig":"Wie ein leichtes grünes Seidenzelt ſchwebte die zarte Belaubung in der Höhe, von den ſchlanken Silberſtangen emporgehalten, und die offene Sommerlandſchaft ſchaute darunter herein.","norm":"Wie ein leichtes grünes Seidenzelt schwebte die zarte Belaubung in der Höhe, von den schlanken Silberstangen emporgehalten, und die offene Sommerlandschaft schaute darunter herein.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.899899959564209} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":426,"date":1872,"orig":"Hier wollte der Baron mit ſeiner Beute ausruhen.","norm":"Hier wollte der Baron mit seiner Beute ausruhen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.758999824523926} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":427,"date":1872,"orig":"Er hieß ſeine Leute ein Stück vorwärts fahren, indeſſen er ſich mit Beatrixen in der luftigen Grüne niederließ und ſie mit Liebkoſungen an ſich ziehen wollte.","norm":"Er hieß seine Leute ein Stück vorwärtsfahren, indessen er sich mit Beatrexen in der luftigen Grüne niederließ und sie mit Liebkosungen an sich ziehen wollte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.3317999839782715} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":428,"date":1872,"orig":"Da erhob ſie ſich ſtolz und indem ſie einen flammenden Blick auf ihn warf, rief ſie: wohl habe er ihre Perſon gewonnen, nicht aber ihr Herz, welches nicht für ein altes Gemäuer zu gewinnen ſei.","norm":"Da erhob sie sich stolz und indem sie einen flammenden Blick auf ihn warf, rief sie: wohl habe er ihre Person gewonnen, nicht aber ihr Herz, welches nicht für ein altes Gemäuer zu gewinnen sei.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.007400035858154} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":429,"date":1872,"orig":"Sei er ein Mann, ſo ſolle er etwas Rechtes dagegen einſetzen.","norm":"Sei er ein Mann, so solle er etwas Rechtes dagegen einsetzen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.244100093841553} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":430,"date":1872,"orig":"Wolle er ſein Leben daran wagen, ſo wolle ſie mit ihm um ihr Herz würfeln, welches ihm, wenn er gewinne, auf ewig verpfändet und zu Eigen ſein ſolle, wenn aber ſie gewinne, ſo ſolle ſein Leben in ihrer Hand ſtehen und ſie wieder eigene Herrin ihrer ganzen Perſon ſein.","norm":"Wolle er sein Leben daran wagen, so wolle sie mit ihm um ihr Herz würfeln, welches ihm, wenn er gewinne, auf ewig verpfändet und zu Eigen sein solle, wenn aber sie gewinne, so solle sein Leben in ihrer Hand stehen und sie wieder eigene Herrin ihrer ganzen Person sein.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.992000102996826} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":431,"date":1872,"orig":"Dies ſagte ſie mit großem Ernſt, ſah ihn aber dabei ſo ſeltſam an, daß ihm jetzt erſt das Herz zu klopfen anfing und er verwirrt ſie betrachtete.","norm":"Dies sagte sie mit großem Ernst, sah ihn aber dabei so seltsam an, dass ihm jetzt erst das Herz zu klopfen anfing und er verwirrt sie betrachtete.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.337299823760986} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":432,"date":1872,"orig":"Immer ſchöner ſchien ſie zu werden, als ſie mit leiſerer Stimme und fragendem Blicke fortfuhr:","norm":"Immer schöner schien sie zu werden, als sie mit leiserer Stimme und fragendem Blicke fortfuhr:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.3383002281188965} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":433,"date":1872,"orig":"„Wer wird ein Weib minnen wollen ohne Gegenminne und das von ſeinem Muthe nicht überzeugt iſt?","norm":"„Wer wird ein Weib minnen wollen ohne Gegenminne und das von seinem Mute nicht überzeugt ist?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.849899768829346} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":434,"date":1872,"orig":"Gebt mir Euer Schwert, nehmt hier die Würfel und wagt es, ſo mögen wir verbunden werden wie zwei rechte Liebende!","norm":"Gebt mir Euer Schwert, nehmt hier die Würfel und wagt es, so mögen wir verbunden werden wie zwei rechte Liebende!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.850100040435791} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":435,"date":1872,"orig":"Zugleich drückte ſie ihm die buſenwarmen Elfenbeinwürfel in die Hand.","norm":"Zugleich drückte sie ihm die busenwarmen Elfenbeinwürfel in die Hand.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.048799991607666} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":436,"date":1872,"orig":"Bethört gab er ihr ſein Schwert ſammt dem Gehänge und warf ſofort eilf 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Schwert unter den Arm und ging eilfertig davon in der Richtung, woher ſie gekommen waren.","norm":"„Ich schenke' Euch Euer Leben!“ sagte sie, verneigte sich ernsthaft vor dem Baron, nahm ihre Gewänder ein wenig zusammen und das Schwert unter den Arm und ging eilfertig davon in der Richtung, woher sie gekommen waren.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.934400081634521} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":439,"date":1872,"orig":"Als ſie jedoch dem noch ganz verblüfften und zerſtreuten Herrn aus den Augen war, ging ſie ſchlauer Weiſe nicht weiter, ſondern um das Gehölze herum, trat leiſe wieder in dasſelbe hinein und verbarg ſich, kaum fünfzig Schritte von dem Getäuſchten entfernt, hinter den Buchenſtämmchen, welche ſich in dieſer Entfernung durch ihre Menge eben hinreichend in einander ſchoben, um die kluge Frau zur Noth zu bedecken.","norm":"Als sie jedoch dem noch ganz verblüfften und zerstreuten Herrn aus den Augen war, ging sie schlauerweise nicht weiter, sondern um das Gehölze herum, trat leise wieder in dasselbe hinein und verbarg sich, kaum fünfzig Schritte von dem Getäuschten entfernt, hinter den Buchenstämmchen, welche sich in dieser Entfernung durch ihre Menge eben hinreichend ineinander schoben, um die kluge Frau zur Not zu bedecken.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.136000156402588} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":440,"date":1872,"orig":"Sie hielt ſich ganz ſtill; nur ein Sonnenſtrahl fiel auf einen edlen Stein an ihrem Hals, ſo daß derſelbe durch das Gehölz blitzte, ohne daß ſie es wußte.","norm":"Sie hielt sich ganz still; nur ein Sonnenstrahl fiel auf einen edlen Stein an ihrem Hals, so dass derselbe durch das Gehölz blitzte, ohne dass sie es wusste.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.943599939346313} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":441,"date":1872,"orig":"Der Baron ſah ſogar dieſen Schein und ſtarrte in ſeiner Verwirrung einen Augenblick hin.","norm":"Der Baron sah sogar diesen Schein und starrte in seiner Verwirrung einen Augenblick hin.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.09089994430542} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":442,"date":1872,"orig":"Aber er hielt es für einen ſchimmernden Thautropfen an einem Baumblatt und achtete nicht darauf.","norm":"Aber er hielt es für einen schimmernden Tautropfen an einem Baumblatt und achtete nicht darauf.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.746599912643432} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":443,"date":1872,"orig":"Endlich erwachte er aus ſeiner Starrheit und ſtieß mit Macht in ſein Jagdhorn.","norm":"Endlich erwachte er aus seiner Starrheit und stieß mit Macht in sein Jagdhorn.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.686500072479248} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":444,"date":1872,"orig":"Als ſeine Leute herbei gekommen, ſprang er auf's Pferd und jagte der Entflohenen nach, um ſich ihrer wieder zu verſichern.","norm":"Als seine Leute herbeigekommen, sprang er aufs Pferd und jagte der Entflohenen nach, um sich ihrer wieder zu versichern.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.618299961090088} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":445,"date":1872,"orig":"Es dauerte wohl eine Stunde, bis die Reiter wieder zurückkamen und verdrießlich und langſam durch die Buchen zogen, ohne ſich diesmal aufzuhalten.","norm":"Es dauerte wohl eine Stunde, bis die Reiter wieder zurückkamen und verdrießlich und langsam durch die Buchen zogen, ohne sich diesmal aufzuhalten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.127900123596191} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":446,"date":1872,"orig":"Sobald die lauſchende Beatrix den Weg ſicher ſah, machte ſie ſich auf und eilte heimwärts, ohne ihre feinen Schuhe zu ſchonen.","norm":"Sobald die lauschende Beatrix den Weg sicher sah, machte sie sich auf und eilte heimwärts, ohne ihre feinen Schuhe zu schonen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.220900058746338} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":447,"date":1872,"orig":"Wonnebold hatte in der Zeit einen ſehr ſchlechten Tag verbracht, von Reue und Zorn gepeinigt, und da er wohl fühlte, daß er ſich auch vor der ſo leichtfertig verſpielten Geliebten ſchämte, ward er inne, wie hoch er ſie unbewußt hielt und daß er kaum ohne ſie leben mochte.","norm":"Wonnebold hatte in der Zeit einen sehr schlechten Tag verbracht, von Reue und Zorn gepeinigt, und da er wohl fühlte, dass er sich auch vor der so leichtfertig verspielten Geliebten schämte, wurde er inne, wie hoch er sie unbewusst hielt und dass er kaum ohne sie leben mochte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.171800136566162} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":448,"date":1872,"orig":"Als ſie daher unverſehens vor ihm ſtand, breitete er, noch ehe er ſeine Ueberraſchung ausdrückte, ſeine Arme nach ihr aus und ſie eilte ohne Klagen und ohne Vorwürfe in dieſelben hinein.","norm":"Als sie daher unversehens vor ihm stand, breitete er, noch ehe er seine Überraschung ausdrückte, seine Arme nach ihr aus und sie eilte ohne Klagen und ohne Vorwürfe in dieselben hinein.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.725100040435791} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":449,"date":1872,"orig":"Laut lachte er auf, als ſie ihm ihre Kriegsliſt erzählte, und wurde nachdenklich über ihre Treue, denn jener Baron war ein ganz anſehnlicher und ſchmucker Geſell.","norm":"Laut lachte er auf, als sie ihm ihre Kriegslist erzählte, und wurde nachdenklich über ihre Treue, denn jener Baron war ein ganz ansehnlicher und schmucker Gesell.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.160099983215332} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":450,"date":1872,"orig":"Um ſich nun gegen alle künftigen Unfälle zu wahren, machte er die ſchöne Beatrix zu ſeiner rechtmäßigen Gemahlin vor allen ſeinen Standesgenoſſen und Hörigen, ſo daß ſie von jetzt an eine Rittersfrau vorſtellte, die ihres Gleichen ſuchte bei Jagden, Feſten und Tänzen ſowohl als in den Hütten der Unterthanen und im Herrenſtuhl der Kirche.","norm":"Um sich nun gegen alle künftigen Unfälle zu wahren, machte er die schöne Beatrix zu seiner rechtmäßigen Gemahlin vor allen seinen Standesgenossen und Hörigen, so dass sie von jetzt an eine Rittersfrau vorstellte, die ihresgleichen suchte bei Jagden, Festen und Tänzen sowohl als in den Hütten der Untertanen und im Herrenstuhl der Kirche.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.320700168609619} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":451,"date":1872,"orig":"Die Jahre gingen wechſelvoll vorüber und während zwölf reichen Herbſten gebar ſie ihrem Gatten acht Söhne, welche emporwuchſen wie junge Hirſche.","norm":"Die Jahre gingen wechselvoll vorüber und während zwölf reichen Herbsten gebar sie ihrem Gatten acht Söhne, welche emporwuchsen wie junge Hirsche.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.7729997634887695} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":452,"date":1872,"orig":"Als der älteſte achtzehn Jahre zählte, erhob ſie ſich in einer Herbſtnacht von der Seite ihres Wonneboldes, ohne daß er es merkte, legte ſorgfältig all' ihren weltlichen Staat in die nämlichen Truhen, aus denen er einſt genommen worden, und verſchloß dieſelben, die Schlüſſel an die Seite des Schlafenden legend.","norm":"Als der älteste achtzehn Jahre zählte, erhob sie sich in einer Herbstnacht von der Seite ihres Wonneboldes, ohne dass er es merkte, legte sorgfältig alle ihren weltlichen Staat in die nämlichen Truhen, aus denen er einst genommen worden, und verschloss dieselben, die Schlüssel an die Seite des Schlafenden legend.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.658100128173828} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":453,"date":1872,"orig":"Dann ging ſie mit bloßen Füßen vor das Lager ihrer Söhne und küßte leiſe einen nach dem andern; zuletzt ging ſie wieder an das Bett ihres Mannes, küßte denſelben auch, und erſt jetzt ſchnitt ſie ſich das lange Haar vom Haupt, zog das dunkle Nonnengewand wieder an, welches ſie ſorgfältig aufbewahrt hatte, und ſo verließ ſie heimlich die Burg und wanderte durch die brauſenden Winde der Herbſtnacht und durch das fallende Laub jenem Kloſter zu, welchem ſie einſt entflohen war.","norm":"Dann ging sie mit bloßen Füßen vor das Lager ihrer Söhne und küsste leise einen nach dem anderen; zuletzt ging sie wieder an das Bett ihres Mannes, küsste denselben auch, und erst jetzt schnitt sie sich das lange Haar vom Haupt, zog das dunkle Nonnengewand wieder an, welches sie sorgfältig aufbewahrt hatte, und so verließ sie heimlich die Burg und wanderte durch die brausenden Winde der Herbstnacht und durch das fallende Laub jenem Kloster zu, welchem sie einst entflohen war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.765399932861328} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":454,"date":1872,"orig":"Unermüdlich ließ ſie die Kugeln ihres Roſenkranzes durch die Finger rollen und überdachte betend das genoſſene Leben.","norm":"Unermüdlich ließ sie die Kugeln ihres Rosenkranzes durch die Finger rollen und überdachte betend das genossene Leben.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.538700103759766} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":455,"date":1872,"orig":"So wallte ſie unverdroſſen, bis ſie wieder vor der Kloſterpforte ſtand.","norm":"So wallte sie unverdrossen, bis sie wieder vor der Klosterpforte stand.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.540600061416626} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":456,"date":1872,"orig":"Als ſie anklopfte, that die gealterte Pförtnerin auf und grüßte ſie gleichgiltig mit ihrem Namen, als ob ſie kaum eine halbe Stunde abweſend geblieben wäre.","norm":"Als sie anklopfte, tat die gealterte Pförtnerin auf und grüßte sie gleichgültig mit ihrem Namen, als ob sie kaum eine halbe Stunde abwesend geblieben wäre.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.5048999786376953} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":457,"date":1872,"orig":"Beatrix ging an ihr vorüber in die Kirche, warf ſich vor dem Altar der heiligen Jungfrau auf die Kniee und dieſe begann zu ſprechen und ſagte:","norm":"Beatrix ging an ihr vorüber in die Kirche, warf sich vor dem Altar der heiligen Jungfrau auf die Knie und diese begann zu sprechen und sagte:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.740200042724609} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":458,"date":1872,"orig":"„Du biſt ein bischen lange weggeblieben, meine Tochter!","norm":"„Du bist ein bisschen lange weggeblieben, meine Tochter!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.000899791717529} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":459,"date":1872,"orig":"Ich habe die ganze Zeit deinen Dienſt als Küſterin verſehen; jetzt bin ich aber doch froh, daß du da biſt und die Schlüſſel wieder übernimmſt!“","norm":"Ich habe die ganze Zeit deinen Dienst als Küsterin versehen; jetzt bin ich aber doch froh, dass du da bist und die Schlüssel wieder übernimmst!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.538300037384033} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":460,"date":1872,"orig":"Das Bild neigte ſich herab und gab der Beatrix die Schlüſſel, welche über das große Wunder freudig erſchrack.","norm":"Das Bild neigte sich herab und gab der Beatrix die Schlüssel, welche über das große Wunder freudig erschrak.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.754199981689453} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":461,"date":1872,"orig":"Sogleich that ſie ihren Dienſt und ordnete das und jenes, und als die Glocke zum Mittagsmahl erklang, ging ſie zu Tiſch.","norm":"Sogleich tat sie ihren Dienst und ordnete das und jenes, und als die Glocke zum Mittagsmahl erklang, ging sie zu Tisch.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.138700008392334} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":462,"date":1872,"orig":"Viele Nonnen waren alt geworden, andere geſtorben, junge waren neu angekommen und eine andere Aebtiſſin ſaß oben am Tiſch; aber Niemand gewahrte, was mit Beatrix, welche ihren gewohnten Platz einnahm, vorgegangen war; denn die Maria hatte ihre Stelle in der Nonne eigener Geſtalt verſehen.","norm":"Viele Nonnen waren alt geworden, andere gestorben, junge waren neu angekommen und eine andere Äbtissin saß oben am Tisch; aber niemand gewahrte, was mit Beatrix, welche ihren gewohnten Platz einnahm, vorgegangen war; denn die Maria hatte ihre Stelle in der Nonne eigener Gestalt versehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.17140007019043} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":463,"date":1872,"orig":"Nachdem nun abermals etwa zehn Jahre vergangen waren, feierten die Nonnen ein großes Feſt und wurden einig, daß jede von ihnen der Mutter Gottes ein Geſchenk, ſo fein ſie es zu bereiten vermöchte, darbringen ſolle.","norm":"Nachdem nun abermals etwa zehn Jahre vergangen waren, feierten die Nonnen ein großes Fest und wurden einig, dass jede von ihnen der Mutter Gottes ein Geschenk, so fein sie es zu bereiten vermöchte, darbringen solle.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.690900087356567} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":464,"date":1872,"orig":"So ſtickte die Eine ein köſtliches Kirchenbanner, die Andere eine Altardecke, die Dritte ein Meßgewand.","norm":"So stickte die Eine ein köstliches Kirchenbanner, die Andere eine Altardecke, die Dritte ein Messgewand.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.009099960327148} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":465,"date":1872,"orig":"Eine dichtete einen lateiniſchen Hymnus und die Andere ſetzte ihn in Muſik, die Dritte malte und ſchrieb ein Gebetbuch.","norm":"Eine dichtete einen lateinischen Hymnus und die Andere setzte ihn in Musik, die Dritte malte und schrieb ein Gebetbuch.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.6020002365112305} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":466,"date":1872,"orig":"Welche gar nichts anderes konnte, nähte dem Chriſtuskinde ein neues Hemdchen und die Schweſter Köchin buck ihm eine Schüſſel Kräpflein.","norm":"Welche gar nichts anderes konnte, nähte dem Christuskinde ein neues Hemdchen und die Schwester Köchin buk ihm eine Schüssel Kräpflein.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.179399967193603} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":467,"date":1872,"orig":"Einzig Beatrix hatte nichts bereitet, da ſie etwas müde war vom Leben und mit ihren Gedanken mehr in der Vergangenheit lebte als in der Gegenwart.","norm":"Einzig Beatrix hatte nichts bereitet, da sie etwas müde war vom Leben und mit ihren Gedanken mehr in der Vergangenheit lebte als in der Gegenwart.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.044400215148926} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":468,"date":1872,"orig":"Als nun der Feſttag anbrach und ſie keine Weihgabe darlegte, wunderten ſich die übrigen Nonnen und ſchalten ſie darum, ſo daß ſie ſich in Demuth ſeitwärts ſtellte, als in der blumengeſchmückten Kirche alle jene prächtigen Dinge vor den Altar gelegt wurden in feierlichem Umgang, während die Glocken läuteten und die Weihrauchwolken emporſtiegen.","norm":"Als nun der Festtag anbrach und sie keine Weihgabe darlegte, wunderten sich die übrigen Nonnen und schalten sie darum, so dass sie sich in Demut seitwärts stellte, als in der blumengeschmückten Kirche alle jene prächtigen Dinge vor den Altar gelegt wurden in feierlichem Umgang, während die Glocken läuteten und die Weihrauchwolken emporstiegen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.921600103378296} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":469,"date":1872,"orig":"Wie hierauf die Nonnen gar herrlich zu ſingen und zu muſiciren begannen, zog ein greiſer Rittersmann mit acht bildſchönen bewaffneten Jünglingen des Weges, alle auf ſtolzen Roſſen, von ebenſoviel reiſigen Knappen gefolgt.","norm":"Wie hierauf die Nonnen gar herrlich zu singen und zu musizieren begannen, zog ein greiser Rittersmann mit acht bildschönen bewaffneten Jünglingen des Weges, alle auf stolzen Rossen, von ebenso viel riesigen Knappen gefolgt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.452400207519531} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":470,"date":1872,"orig":"Es war Wonnebold mit ſeinen Söhnen, die er dem Reichsheere zuführte.","norm":"Es war Wonnebold mit seinen Söhnen, die er dem Reichsheere zuführte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.190100193023682} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":471,"date":1872,"orig":"Das Hochamt in dem Gotteshaus vernehmend, hieß er ſeine Söhne abſteigen und ging mit ihnen hinein, um der heiligen Jungfrau ein gutes Gebet darzubringen.","norm":"Das Hochamt in dem Gotteshaus vernehmend, hieß er seine Söhne absteigen und ging mit ihnen hinein, um der heiligen Jungfrau ein gutes Gebet darzubringen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.361000061035156} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":472,"date":1872,"orig":"Jedermann erſtaunte über den herrlichen Anblick, als der eiſerne Greis mit den acht jugendlichen Kriegern kniete, welche wie ebenſoviel geharniſchte Engel anzuſehen waren, und die Nonnen wurden irre in ihrer Muſik, daß ſie einen Augenblick aufhörten.","norm":"Jedermann erstaunte über den herrlichen Anblick, als der eiserne Greis mit den acht jugendlichen Kriegern kniete, welche wie ebenso viel geharnischte Engel anzusehen waren, und die Nonnen wurden irre in ihrer Musik, dass sie einen Augenblick aufhörten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.529399871826172} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":473,"date":1872,"orig":"Beatrix aber erkannte alle ihre Kinder an ihrem Gemahl, ſchrie auf und eilte zu ihnen, und indem ſie ſich zu erkennen gab, verkündigte ſie ihr Geheimniß und erzählte das große Wunder, ſo mit ihr geſchehen.","norm":"Beatrix aber erkannte alle ihre Kinder an ihrem Gemahl, schrie auf und eilte zu ihnen, und indem sie sich zu erkennen gab, verkündigte sie ihr Geheimnis und erzählte das große Wunder, so mit ihr geschehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.1072998046875} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":474,"date":1872,"orig":"So anerkannte nun Jedermann, daß ſie heute der Jungfrau die reichſte Gabe dargebracht, und daß dieſelbe angenommen wurde, bezeugten acht Kränze von jungem Eichenlaub, welche plötzlich auf den Häuptern der Jünglinge zu ſehen waren, von der unſichtbaren Hand der Himmelskönigin darauf gedrückt.","norm":"So anerkannte nun jedermann, dass sie heute der Jungfrau die reichste Gabe dargebracht, und dass dieselbe angenommen wurde, bezeugten acht Kränze von jungem Eichenlaub, welche plötzlich auf den Häuptern der Jünglinge zu sehen waren, von der unsichtbaren Hand der Himmelskönigin darauf gedrückt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.184199810028076} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":475,"date":1872,"orig":"Der ſchlimm-heilige Vitalis.","norm":"Der schlimmheilige Vitalis.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":7.8084001541137695} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":476,"date":1872,"orig":"Meide den traulichen Umgang mit Einem Weibe, empfiehl du überhaupt lieber das ganze andächtige Geſchlecht dem lieben Gott.","norm":"Meide den traulichen Umgang mit einem Weibe, empfiehl du überhaupt lieber das ganze andächtige Geschlecht dem lieben Gott.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.810100078582764} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":477,"date":1872,"orig":"Thomas a Kempis, Nachfolge, 8, 2.","norm":"Thomas a Kempis, Nachfolge, 8, 2.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"ht","lang_de":0.667,"norm_lmscore":6.127799987792969} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":478,"date":1872,"orig":"Zu Anfang des achten Jahrhunderts lebte zu Alexandria in Egypten ein wunderlicher Mönch, Namens Vitalis, der es ſich zur beſondern Aufgabe gemacht hatte, verlorene weibliche Seelen vom Pfade der Sünde hinwegzulocken und zur Tugend zurückzuführen.","norm":"Zu Anfang des achten Jahrhunderts lebte zu Alexandria in Ägypten ein wunderlicher Mönch, Namens Vitalis, der es sich zur besonderen Aufgabe gemacht hatte, verlorene weibliche Seelen vom Pfade der Sünde hinwegzulocken und zur Tugend zurückzuführen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.38670015335083} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":479,"date":1872,"orig":"Aber der Weg, den er dabei einſchlug, war ſo eigenthümlich, und die Liebhaberei, ja Leidenſchaft, mit welcher er unabläſſig ſein Ziel verfolgte, war mit ſo ſeltſamer Selbſtentäußerung und Heuchelei vermiſcht, wie in der Welt kaum wieder vorkam.","norm":"Aber der Weg, den er dabei einschlug, war so eigentümlich, und die Liebhaberei, ja Leidenschaft, mit welcher er unablässig sein Ziel verfolgte, war mit so seltsamer Selbstentäußerung und Heuchelei vermischt, wie in der Welt kaum wieder vorkam.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.308599948883056} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":480,"date":1872,"orig":"Er führte ein genaues Verzeichniß aller jener Buhlerinnen auf einem zierlichen Pergamentſtreifen, und ſobald er in der Stadt oder deren Umgebung ein neues Wild entdeckt, merkte er Namen und Wohnung unverweilt auf demſelben vor, ſo daß die ſchlimmen Patrizierſöhne von Alexandria keinen beſſeren Wegweiſer hätten finden können, als den emſigen Vitalis, wenn er einen minder heiligen Zweck hätte verfolgen wollen.","norm":"Er führte ein genaues Verzeichnis aller jener Buhlerinnen auf einem zierlichen Pergamentstreifen, und sobald er in der Stadt oder deren Umgebung ein neues Wild entdeckt, merkte er Namen und Wohnung unverweilt auf demselben vor, so dass die schlimmen Patriziersöhne von Alexandria keinen besseren Wegweiser hätten finden können, als den emsigen Vitalis, wenn er einen minder heiligen Zweck hätte verfolgen wollen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.932499885559082} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":481,"date":1872,"orig":"Allein wohl entlockte der Mönch ihnen in ſchlauem ſpaßhaftem Geplauder manche neue Kunde und Notiz in dieſer Sache; nie aber ließ er ſich dergleichen ſelbſt ablauſchen von den Wildfängen.","norm":"Allein wohl entlockte der Mönch ihnen in schlauem spaßhaftem Geplauder manche neue Kunde und Notiz in dieser Sache; nie aber ließ er sich dergleichen selbst ablauschen von den Wildfängen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.02209997177124} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":482,"date":1872,"orig":"Jenes Verzeichniß trug er zuſammengerollt in einem ſilbernen Büchſchen in ſeiner Kaputze und nahm es unzählige Male hervor, um einen neuentdeckten, leichtfertigen Namen hinzuzufügen oder die bereits vorhandenen zu überblicken, zu zählen und zu berechnen, welche der Inhaberinnen zunächſt an die Reihe kommen würde.","norm":"Jenes Verzeichnis trug er zusammengerollt in einem silbernen Büchschen in seiner Kapuze und nahm es unzählige Male hervor, um einen neuentdeckten, leichtfertigen Namen hinzuzufügen oder die bereits vorhandenen zu überblicken, zu zählen und zu berechnen, welche der Inhaberinnen zunächst an die Reihe kommen würde.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.524499893188477} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":483,"date":1872,"orig":"Zu dieſer ging er dann in Eile und halb verſchämt und ſagte haſtig:","norm":"Zu dieser ging er dann in Eile und halb verschämt und sagte hastig:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.358500003814697} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":484,"date":1872,"orig":"„Gewähre mir die zweite Nacht von heute und ſage keinem Andern zu!“","norm":"„Gewähre mir die zweite Nacht von heute und sage keinem Anderen zu!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.270599842071533} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":485,"date":1872,"orig":"Wenn er zur beſtimmten Zeit in das Haus trat, ließ er die Schöne ſtehen und machte ſich in die hinterſte Ecke der Kammer, fiel dort auf die Kniee und betete mit Inbrunſt und lauten Worten die ganze Nacht für die Beſitzerin des Hauſes.","norm":"Wenn er zur bestimmten Zeit in das Haus trat, ließ er die Schöne stehen und machte sich in die hinterste Ecke der Kammer, fiel dort auf die Knie und betete mit Inbrunst und lauten Worten die ganze Nacht für die Besitzerin des Hauses.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.410799980163574} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":486,"date":1872,"orig":"Mit der Morgenfrühe verließ er ſie und unterſagte ihr ſtreng, zu verrathen, was er bei ihr gemacht habe.","norm":"Mit der Morgenfrühe verließ er sie und untersagte ihr streng, zu verraten, was er bei ihr gemacht habe.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.233200073242187} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":487,"date":1872,"orig":"So trieb er es eine gute Zeit und brachte ſich in den allerſchlechteſten Ruf.","norm":"So trieb er es eine gute Zeit und brachte sich in den allerschlechtesten Ruf.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.87280011177063} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":488,"date":1872,"orig":"Denn während er im Geheimen, in den verſchloſſenen Kammern der Buhlerinnen durch ſeine heißen Donnerworte und durch inbrünſtiges ſüßes Gebetlispeln manche Verlorene erſchütterte und rührte, daß ſie in ſich ging und einen frommen Lebenswandel begann, ſchien er es öffentlich vollſtändig darauf anzulegen, für einen laſterhaften und ſündigen Mönch zu gelten, der ſich luſtig in allem Wirrſal der Welt herumſchlüge und ſeinen geiſtlichen Habit als eine Fahne der Schmach aushänge.","norm":"Denn während er im Geheimen, in den verschlossenen Kammern der Buhlerinnen durch seine heißen Donnerworte und durch inbrünstiges süßes Gebetlispeln manche Verlorene erschütterte und rührte, dass sie in sich ging und einen frommen Lebenswandel begann, schien er es öffentlich vollständig darauf anzulegen, für einen lasterhaften und sündigen Mönch zu gelten, der sich lustig in allem Wirrsal der Welt herumschlüge und seinen geistlichen Habit als eine Fahne der Schmach aushänge.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.4730000495910645} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":489,"date":1872,"orig":"Befand er ſich des Abends, wenn es dunkelte, in ehrbarer Geſellſchaft, ſo rief er etwa unverſehens:","norm":"Befand er sich des Abends, wenn es dunkelte, in ehrbarer Gesellschaft, so rief er etwa unversehens:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.217299938201904} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":490,"date":1872,"orig":"„Ei, was mache ich doch?","norm":"„Ei, was mache ich doch?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.077600002288818} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":491,"date":1872,"orig":"Bald hätt' ich vergeſſen, daß die braune Doris meiner wartet, die kleine Freundin!","norm":"Bald hätte ich vergessen, dass die braune Doris meiner wartet, die kleine Freundin!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.437300205230713} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":492,"date":1872,"orig":"Der tauſend, ich muß gleich hin, daß ſie nicht ſchmollt!“","norm":"Der tausend, ich muss gleich hin, dass sie nicht schmollt!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.604000091552734} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":493,"date":1872,"orig":"Schalt man ihn nun, ſo rief er, wie erboſt:","norm":"Schalt man ihn nun, so rief er, wie erbost:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.346399784088135} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":494,"date":1872,"orig":"„Glaubt Ihr, ich ſei ein Stein?","norm":"„Glaubt Ihr, ich sei ein Stein?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.43120002746582} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":495,"date":1872,"orig":"Bildet Ihr Euch ein, daß Gott für die Mönche keine Weiblein geſchaffen habe?“","norm":"Bildet Ihr Euch ein, dass Gott für die Mönche keine Weiblein geschaffen habe?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.714799880981445} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":496,"date":1872,"orig":"Sagte Jemand: „Vater, legt lieber das kirchliche Gewand ab und heirathet, damit die Andern ſich nicht ärgern!“ ſo antwortete er:","norm":"Sagte jemand: „Vater, legt lieber das kirchliche Gewand ab und heiratet, damit die Anderen sich nicht ärgern!“ so antwortete er:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.583799839019775} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":497,"date":1872,"orig":"„Aergere ſich, wer will und mag, und renne mit dem Kopfe gegen die Mauer!","norm":"„Ärgere sich, wer will und mag, und renne mit dem Kopfe gegen die Mauer!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.493800163269043} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":498,"date":1872,"orig":"Wer iſt mein Richter?“","norm":"Wer ist mein Richter?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.314199924468994} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":499,"date":1872,"orig":"Alles dies ſagte er mit Geräuſch und großer Verſtellungskunſt, wie Einer, der eine ſchlechte Sache mit vielen und frechen Worten vertheidigt.","norm":"Alles dies sagte er mit Geräusch und großer Verstellungskunst, wie Einer, der eine schlechte Sache mit vielen und frechen Worten verteidigt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.490600109100342} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":500,"date":1872,"orig":"Und er ging hin und zankte ſich vor den Hausthüren der Mädchen mit den Nebenbuhlern herum, ja er prügelte ſich ſogar mit ihnen und theilte manche derbe Maulſchelle aus, wenn es hieß: „Fort mit dem Mönch!","norm":"Und er ging hin und zankte sich vor den Haustüren der Mädchen mit den Nebenbuhlern herum, ja er prügelte sich sogar mit ihnen und teilte manche derbe Maulschelle aus, wenn es hieß: „Fort mit dem Mönch!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.999500036239624} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":501,"date":1872,"orig":"Will der Kleriker uns den Platz ſtreitig machen?","norm":"Will der Kleriker uns den Platz streitig machen?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.971999883651733} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":502,"date":1872,"orig":"Zieh' ab, Glatzkopf!“","norm":"Zieh ab, Glatzkopf!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"pl","lang_de":0.667,"norm_lmscore":4.5295000076293945} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":503,"date":1872,"orig":"Auch war er ſo beharrlich und zudringlich, daß er in den meiſten Fällen den Sieg davontrug und unverſehens, in's Haus ſchlüpfte.","norm":"Auch war er so beharrlich und zudringlich, dass er in den meisten Fällen den Sieg davontrug und unversehens, ins Haus schlüpfte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.537899971008301} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":504,"date":1872,"orig":"Kehrte er beim Morgengrauen in ſeine Zelle zurück, ſo warf er ſich nieder vor der Mutter Gottes, zu deren Preis und Ehre er allein dieſe Abenteuer unternahm und den Tadel der Welt auf ſich lud, und wenn es ihm gelungen war, ein verlorenes Lamm zurückzuführen und in irgend einem heiligen Kloſter unterzubringen, ſo dünkte er ſich ſeliger vor der Himmelskönigin, als wenn er tauſend Heiden bekehrt hätte.","norm":"Kehrte er beim Morgengrauen in seine Zelle zurück, so warf er sich nieder vor der Mutter Gottes, zu deren Preis und Ehre er allein diese Abenteuer unternahm und den Tadel der Welt auf sich lud, und wenn es ihm gelungen war, ein verlorenes Lamm zurückzuführen und in irgendeinem heiligen Kloster unterzubringen, so dünkte er sich seliger vor der Himmelskönigin, als wenn er tausend Heiden bekehrt hätte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.847399950027466} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":505,"date":1872,"orig":"Denn dies war ſein ganz beſonderer Geſchmack, daß er das Martyrium beſtand, vor der Welt als ein Unreiner und Wüſtling dazuſtehen, während die allerreinſte Frau im Himmel wohl wüßte, daß er noch nie ein Weib berührt habe und ein Kränzlein weißer Roſen unſichtbar auf ſeinem vielgeſchmähten Haupte trage.","norm":"Denn dies war sein ganz besonderer Geschmack, dass er das Martyrium bestand, vor der Welt als ein Unreiner und Wüstling dazustehen, während die allerreinste Frau im Himmel wohl wüsste, dass er noch nie ein Weib berührt habe und ein Kränzlein weißer Rosen unsichtbar auf seinem vielgeschmähten Haupte trage.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.245999813079834} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":506,"date":1872,"orig":"Einſt hörte er von einer beſonders gefährlichen Perſon, welche durch ihre Schönheit und Ungewöhnlichkeit viel Unheil und ſelbſt Blutvergießen anrichte, da ein vornehmer und grimmiger Kriegsmann ihre Thüre belagere und Jeden niederſtrecke, der ſich mit ihm in Streit einlaſſe.","norm":"Einst hörte er von einer besonders gefährlichen Person, welche durch ihre Schönheit und Ungewöhnlichkeit viel Unheil und selbst Blutvergießen anrichte, da ein vornehmer und grimmiger Kriegsmann ihre Türe belagere und jeden niederstrecke, der sich mit ihm in Streit einlasse.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.726300001144409} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":507,"date":1872,"orig":"Sogleich nahm Vitalis ſich vor, dieſe Hölle anzugreifen und zu überwinden.","norm":"Sogleich nahm Vitalis sich vor, diese Hölle anzugreifen und zu überwinden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.569300174713135} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":508,"date":1872,"orig":"Er ſchrieb den Namen der Sünderin nicht erſt in ſein Verzeichnis, ſondern ging geraden Weges nach dem berüchtigten Hauſe und traf an der Thüre richtig mit jenem Soldaten zuſammen, der in Scharlach gekleidet hochmüthig daherſchritt und einen Wurfſpieß in der Hand trug.","norm":"Er schrieb den Namen der Sünderin nicht erst in sein Verzeichnis, sondern ging geraden Weges nach dem berüchtigten Hause und traf an der Türe richtig mit jenem Soldaten zusammen, der in Scharlach gekleidet hochmütig daherschritt und einen Wurfspieß in der Hand trug.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.341800212860107} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":509,"date":1872,"orig":"„Duck' dich hier bei Seite, Mönchlein!“ rief er höhniſch dem frommen Vitalis zu, „was wagſt du, an meiner Löwenhöhle herumzukrabbeln?","norm":"„Duck' dich hier bei Seite, Mönchlein!“ rief er höhnisch dem frommen Vitalis zu, „was wagst du, an meiner Löwenhöhle herumzukrabbeln?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.20550012588501} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":510,"date":1872,"orig":"Für dich iſt der Himmel, für uns die Welt!“","norm":"Für dich ist der Himmel, für uns die Welt!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.9911999702453613} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":511,"date":1872,"orig":"„Himmel und Erde ſammt allem, was darin iſt, rief Vitalis, „gehören dem Herrn und ſeinen fröhlichen Knechten!","norm":"„Himmel und Erde samt allem, was darin ist, rief Vitalis, „gehören dem Herrn und seinen fröhlichen Knechten!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.407100200653076} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":512,"date":1872,"orig":"Pack' dich, aufgeputzter Lümmel, und laß mich gehen, wo mich gelüſtet!“","norm":"Packe dich, aufgeputzter Lümmel, und lass mich gehen, wo mich gelüstet!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.793300151824951} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":513,"date":1872,"orig":"Zornig erhob der Krieger den Schaft ſeines Wurfſpießes, um ihn auf den Kopf des Mönches niederzuſchlagen; doch dieſer zog flugs den Aſt eines friedlichen Oelbaumes unter der Kutte hervor, parirte den Streich und traf den Raufbold ſo derb an die Stirne, daß ihm die Sinne beinahe vergingen, worauf ihm der ſtreitbare Kleriker noch viele Knüffe unter die Naſe gab, bis der Soldat ganz betäubt und fluchend ſich davon machte.","norm":"Zornig erhob der Krieger den Schaft seines Wurfspießes, um ihn auf den Kopf des Mönches niederzuschlagen; doch dieser zog flugs den Ast eines friedlichen Oelbaumes unter der Kutte hervor, parierte den Streiche und traf den Raufbold so derb an die Stirn, dass ihm die Sinne beinahe vergingen, worauf ihm der streitbare Kleriker noch viele Knüffe unter die Nase gab, bis der Soldat ganz betäubt und fluchend sich davon machte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.914099931716919} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":514,"date":1872,"orig":"Alſo drang Vitalis ſiegreich in das Haus, wo über einem ſchmalen Treppchen die Weibsperſon ſtand, eine Lampe tragend, und auf das Lärmen und Schreien horchte.","norm":"Also drang Vitalis siegreich in das Haus, wo über einem schmalen Treppchen die Weibsperson stand, eine Lampe tragend, und auf das Lärmen und Schreien horchte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.761899948120117} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":515,"date":1872,"orig":"Es war eine ungewöhnlich große und feſte Geſtalt mit ſchönen großen aber trotzigen Geſichtszügen, um welche ein röthliches Haar in reichen wilden Wellen gleich einer Löwenmähne flatterte.","norm":"Es war eine ungewöhnlich große und feste Gestalt mit schönen großen aber trotzigen Gesichtszügen, um welche ein rötliches Haar in reichen wilden Wellen gleich einer Löwenmähne flatterte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.613900184631348} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":516,"date":1872,"orig":"Verachtungsvoll ſchaute ſie auf den anrückenden Vitalis herab und ſagte:","norm":"Verachtungsvoll schaute sie auf den anrückenden Vitalis herab und sagte:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.472099781036377} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":517,"date":1872,"orig":"„Wohin willſt du?“","norm":"„Wohin willst du?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"en","lang_cld3":"de","lang_de":0.667,"norm_lmscore":4.706699848175049} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":518,"date":1872,"orig":"„Zu dir, mein Täubchen!“ antwortete er, „haſt du nie vom zärtlichen Mönch Vitalis gehört, vom luſtigen Vitalis?“","norm":"„Zu dir, mein Täubchen!“ antwortete er, „hast du nie vom zärtlichen Mönch Vitalis gehört, vom lustigen Vitalis?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.963599920272827} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":519,"date":1872,"orig":"Allein ſie verſetzte barſch, indem ſie die Treppe ſperrte mit ihrer gewaltigen Figur: „Haſt du Geld, Mönch?“","norm":"Allein sie versetzte barsch, indem sie die Treppe sperrte mit ihrer gewaltigen Figur: „Hast du Geld, Mönch?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.113999843597412} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":520,"date":1872,"orig":"Verdutzt ſagte er:","norm":"Verdutzt sagte er:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.107399940490723} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":521,"date":1872,"orig":"„Mönche tragen nie Geld mit ſich!“","norm":"„Mönche tragen nie Geld mit sich!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.8196001052856445} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":522,"date":1872,"orig":"„So trolle dich deines Weges, rief ſie, „oder ich laſſe dich mit Feuerbränden aus dem Hauſe peitſchen!“","norm":"„So trolle dich deines Weges, rief sie, „oder ich lasse dich mit Feuerbränden aus dem Hause peitschen!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.997200012207031} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":523,"date":1872,"orig":"Ganz verblüfft kratzte Vitalis hinter den Ohren, da er dieſen Fall noch nicht bedacht hatte; denn die Geſchöpfe, die er bisanhin bekehrt, hatten dann natürlicherweiſe nicht mehr an einen Sündenlohn gedacht, und die Unbekehrten begnügten ſich, ihn mit ſchnöden Worten für die koſtbare Zeit, um die er ſie gebracht, zu ſtrafen.","norm":"Ganz verblüfft kratzte Vitalis hinter den Ohren, da er diesen Fall noch nicht bedacht hatte; denn die Geschöpfe, die er bisanhin bekehrt, hatten dann natürlicherweise nicht mehr an einen Sündenlohn gedacht, und die Unbekehrten begnügten sich, ihn mit schnöden Worten für die kostbare Zeit, um die er sie gebracht, zu strafen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.086599826812744} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":524,"date":1872,"orig":"Hier aber konnte er gar nicht in's Innere gelangen, um ſeine fromme That zu beginnen; und doch reizte es ihn über alle Maßen, gerade dieſe rothſchimmernde Satanstochter zu bändigen, weil große ſchöne Menſchenbilder immer wieder die Sinne verleiten, ihnen einen höheren menſchlichen Werth zuzuſchreiben, als ſie wirklich haben.","norm":"Hier aber konnte er gar nicht ins Innere gelangen, um seine fromme Tat zu beginnen; und doch reizte es ihn über alle Maßen, gerade diese rotschimmernde Satanstochter zu bändigen, weil große schöne Menschenbilder immer wieder die Sinne verleiten, ihnen einen höheren menschlichen Wert zuzuschreiben, als sie wirklich haben.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.165299892425537} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":525,"date":1872,"orig":"Verlegen ſuchte er an ſeinem Gewande herum und bekam dabei jenes Silberbüchschen in die Hand, welches mit einem ziemlich werthvollen Amethiſt geziert war.","norm":"Verlegen suchte er an seinem Gewande herum und bekam dabei jenes Silberbüchschen in die Hand, welches mit einem ziemlich wertvollen Amethist geziert war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.052499771118164} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":526,"date":1872,"orig":"„Ich habe nichts, als dies,“ ſagte er, „laß mich hinein dafür!","norm":"„Ich habe nichts, als dies,“ sagte er, „lass mich hinein dafür!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.412799835205078} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":527,"date":1872,"orig":"Sie nahm das Büchschen, betrachtete es genau und hieß ihn dann mit hineingehen.","norm":"Sie nahm das Büchschen, betrachtete es genau und hieß ihn dann mit hineingehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.830900192260742} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":528,"date":1872,"orig":"In ihrem Schlafgemache angekommen, ſah er ſich nicht weiter nach ihr um, ſondern kniete nach ſeiner Gewohnheit in eine Ecke und betete mit lauter Stimme.","norm":"In ihrem Schlafgemache angekommen, sah er sich nicht weiter nach ihr um, sondern kniete nach seiner Gewohnheit in eine Ecke und betete mit lauter Stimme.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.518399953842163} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":529,"date":1872,"orig":"Die Hetäre, welche glaubte, er wolle ſeine weltlichen Werke aus geiſtlicher Gewohnheit mit Gebet beginnen, erhob ein unbändiges Gelächter und ſetzte ſich auf ihr Ruhbett, um ihm zuzuſehen, da ſeine Geberden ſie höchlich beluſtigten.","norm":"Die Hetäre, welche glaubte, er wolle seine weltlichen Werke aus geistlicher Gewohnheit mit Gebet beginnen, erhob ein unbändiges Gelächter und setzte sich auf ihr Ruhbett, um ihm zuzusehen, da seine Gebärden sie höchlich belustigten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.230400085449219} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":530,"date":1872,"orig":"Da das Ding aber kein Ende nahm und anfing, ſie zu langweilen, entblößte ſie unzüchtig ihre Schultern, ſchritt auf ihn zu, umſtrickte ihn mit ihren weißen ſtarken Armen und drückte den guten Vitalis mit ſeinem geſchornen und tonſurirten Kopf ſo derb gegen ihre Bruſt, daß er zu erſticken drohte und zu pruſten begann, als ob er im Fegefeuer ſtäcke.","norm":"Da das Ding aber kein Ende nahm und anfing, sie zu langweilen, entblößte sie unzüchtig ihre Schultern, schritt auf ihn zu, umstrickte ihn mit ihren weißen starken Armen und drückte den guten Vitalis mit seinem geschorenen und tonsurierten Kopf so derb gegen ihre Brust, dass er zu ersticken drohte und zu prusten begann, als ob er im Fegefeuer stecke.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.680799961090088} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":531,"date":1872,"orig":"Es dauerte aber nicht lang, ſo fing er an, nach allen Seiten auszuſchlagen, wie ein junges Pferd in der Schmiede, bis er ſich von der hölliſchen Umſchlingung befreit hatte.","norm":"Es dauerte aber nicht lang, so fing er an, nach allen Seiten auszuschlagen, wie ein junges Pferd in der Schmiede, bis er sich von der höllischen Umschlingung befreit hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.366899967193603} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":532,"date":1872,"orig":"Dann aber nahm er den langen Strick, welchen er um den Leib trug, und packte das Weib, um ihr die Hände auf den Rücken zu binden, damit er Ruhe vor ihr habe.","norm":"Dann aber nahm er den langen Strick, welchen er um den Leib trug, und packte das Weib, um ihr die Hände auf den Rücken zu binden, damit er Ruhe vor ihr habe.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.356199979782104} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":533,"date":1872,"orig":"Er mußte jedoch tüchtig mit ihr ringen, bis es ihm gelang, ſie zu binden; und auch die Füße band er ihr zuſammen und warf den ganzen Pack mit einem mächtigen Ruck auf das Bett.","norm":"Er musste jedoch tüchtig mit ihr ringen, bis es ihm gelang, sie zu binden; und auch die Füße band er ihr zusammen und warf den ganzen Pack mit einem mächtigen Ruck auf das Bett.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.91890001296997} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":534,"date":1872,"orig":"Wonach er ſich wieder in ſeinen Winkel begab und ſeine Gebete fortſetzte, als ob nichts geſchehen wäre.","norm":"Wonach er sich wieder in seinen Winkel begab und seine Gebete fortsetzte, als ob nichts geschehen wäre.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.846100091934204} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":535,"date":1872,"orig":"Die gefeſſelte Löwin wälzte ſich erſt zornig und unruhig hin und her, ſuchte ſich zu befreien und ſtieß hundert Flüche aus; dann wurde ſie ſtiller, während der Mönch nicht abließ, zu beten, zu predigen und zu beſchwören, und gegen Morgen ließ ſie deutliche Seufzer vernehmen, welchen bald, wie es ſchien, ein zerknirſchtes Schluchzen folgte.","norm":"Die gefesselte Löwin wälzte sich erst zornig und unruhig hin und her, suchte sich zu befreien und stieß hundert Flüche aus; dann wurde sie stiller, während der Mönch nicht abließ, zu beten, zu predigen und zu beschwören, und gegen Morgen ließ sie deutliche Seufzer vernehmen, welchen bald, wie es schien, ein zerknirschtes Schluchzen folgte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.463000059127807} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":536,"date":1872,"orig":"Kurz, als die Sonne aufging, lag ſie als eine Magdalena zu ſeinen Füßen, von ihren Banden befreit, und benetzte den Saum ſeines Gewandes mit Thränen.","norm":"Kurz, als die Sonne aufging, lag sie als eine Magdalena zu seinen Füßen, von ihren Banden befreit, und benetzte den Saum seines Gewandes mit Tränen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.635999917984009} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":537,"date":1872,"orig":"Würdevoll und heiter ſtreichelte ihr Vitalis das Haupt und verſprach, mit einbrechender künftiger Nacht wiederzukommen, um ihr kund zu thun, in welchem Kloſter er eine Bußzelle für ſie ausfindig gemacht hätte.","norm":"Würdevoll und heiter streichelte ihr Vitalis das Haupt und versprach, mit einbrechender künftiger Nacht wiederzukommen, um ihr kund zu tun, in welchem Kloster er eine Bußzelle für sie ausfindig gemacht hätte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.531499862670898} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":538,"date":1872,"orig":"Dann verließ er ſie, vergaß aber nicht, ihr vorher einzuſchärfen, daß ſie inzwiſchen nichts von ſeiner Bekehrung verlauten laſſen und vor Allem nur Jedermann, der ſie darum befragen würde, ſagen ſolle, er habe ſich recht luſtig bei ihr gemacht.","norm":"Dann verließ er sie, vergaß aber nicht, ihr vorher einzuschärfen, dass sie inzwischen nichts von seiner Bekehrung verlauten lassen und vor allem nur jedermann, der sie darum befragen würde, sagen solle, er habe sich recht lustig bei ihr gemacht.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.811599969863891} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":539,"date":1872,"orig":"Allein wie erſchrack er, als er zur beſtimmten Stunde wieder erſcheinend, die Thüre feſt verſchloſſen fand, indeſſen das Frauenzimmer friſch geſchmückt und ſtattlich aus dem Fenſter ſah.","norm":"Allein wie erschrak er, als er zur bestimmten Stunde wieder erscheinend, die Türe fest verschlossen fand, indessen das Frauenzimmer frisch geschmückt und stattlich aus dem Fenster sah.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.417500019073486} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":540,"date":1872,"orig":"„Was willſt du, Prieſter?“ rief ſie herunter, und erſtaunt erwiederte er halblaut:","norm":"„Was willst du, Priester?“ rief sie herunter, und erstaunt erwiderte er halblaut:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.280099868774414} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":541,"date":1872,"orig":"„Was ſoll das heißen, mein Lämmchen?","norm":"„Was soll das heißen, mein Lämmchen?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.222199916839599} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":542,"date":1872,"orig":"Thu' von dir dieſen Sündenflitter und laß mich ein, daß ich dich zu deiner Buße vorbereite!“","norm":"Tue von dir diesen Sündenflitter und lass mich ein, dass ich dich zu deiner Buße vorbereite!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.427700042724609} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":543,"date":1872,"orig":"„Du willſt zu mir herein, ſchlimmer Mönch?“ ſagte ſie lächelnd, als ob ſie ihn mißverſtanden hätte, „haſt du Geld oder Geldeswerth bei dir?“","norm":"„Du willst zu mir herein, schlimmer Mönch?“ sagte sie lächelnd, als ob sie ihn missverstanden hätte, „hast du Geld oder Geldeswert bei dir?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.295499801635742} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":544,"date":1872,"orig":"Mit offenem Munde ſtarrte Vitalis empor; dann rüttelte er verzweifelt an der Thüre; aber ſie war und blieb verſchloſſen und vom Fenſter war das Weib auch verſchwunden.","norm":"Mit offenem Munde starrte Vitalis empor; dann rüttelte er verzweifelt an der Türe; aber sie war und blieb verschlossen und vom Fenster war das Weib auch verschwunden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.33519983291626} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":545,"date":1872,"orig":"Das Gelächter und die Verwünſchungen der Vorübergehenden trieben den ſcheinbar verdorbenen und ſchamloſen Mönch endlich von dem verrufenen Hauſe hinweg; allein ſein einziges Sinnen und Trachten ging dahin, wieder in das nämliche Haus zu gelangen und den Böſen, der in dem Weibe ſteckte, auf jede Weiſe zu überwinden.","norm":"Das Gelächter und die Verwünschungen der Vorübergehenden trieben den scheinbar verdorbenen und schamlosen Mönch endlich von dem verrufenen Hause hinweg; allein sein einziges Sinnen und Trachten ging dahin, wieder in das nämliche Haus zu gelangen und den Bösen, der in dem Weibe steckte, auf jede Weise zu überwinden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.8610000610351562} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":546,"date":1872,"orig":"Von dieſem Gedanken beherrſcht lenkte er ſeine Schritte in eine Kirche, wo er, ſtatt zu beten, über Mittel und Wege ſann, wie er ſich den Zutritt bei der Verlorenen verſchaffen könne.","norm":"Von diesem Gedanken beherrscht lenkte er seine Schritte in eine Kirche, wo er, statt zu beten, über Mittel und Wege sann, wie er sich den Zutritt bei der Verlorenen verschaffen könne.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.306399822235107} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":547,"date":1872,"orig":"Indem fiel ſein Blick auf die Lade, in welcher die Gaben der Mildthätigkeit aufbewahrt lagen, und kaum war die Kirche, in welcher es dunkel geworden, leer, ſo ſchlug er die Lade mit kräftiger Fauſt auf und warf ihren Inhalt, der aus einer Menge kleiner Silberlinge beſtand, in ſeine aufgeſchürzte Kutte und eilte ſchneller, als ein Verliebter, nach der Wohnung der Sünderin.","norm":"Indem fiel sein Blick auf die Lade, in welcher die Gaben der Mildtätigkeit aufbewahrt lagen, und kaum war die Kirche, in welcher es dunkel geworden, leer, so schlug er die Lade mit kräftiger Faust auf und warf ihren Inhalt, der aus einer Menge kleiner Silberlinge bestand, in seine aufgeschürzte Kutte und eilte schneller, als ein Verliebter, nach der Wohnung der Sünderin.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.946199893951416} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":548,"date":1872,"orig":"Eben wollte ein zierlicher Stutzer in die aufgehende Thüre ſchlüpfen; Vitalis ergriff ihn hinten an den duftenden Locken, ſchleuderte ihn auf die Gaſſe und ſchlug die Thüre, indem er hineinſprang, jenem vor der Naſe zu, und ſo ſtand er nach einigen Augenblicken abermals vor der ruchloſen Perſon, welche ihn mit funkelnden Augen beſah, da er ſtatt des erwarteten Stutzers erſchien.","norm":"Eben wollte ein zierlicher Stutzer in die aufgehende Türe schlüpfen; Vitalis ergriff ihn hinten an den duftenden Locken, schleuderte ihn auf die Gasse und schlug die Türe, indem er hineinsprang, jenem vor der Nase zu, und so stand er nach einigen Augenblicken abermals vor der ruchlosen Person, welche ihn mit funkelnden Augen besah, da er statt des erwarteten Stutzers erschien.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.9535999298095703} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":549,"date":1872,"orig":"Vitalis ſchüttete aber ſchnell das geſtohlene Geld auf den Tiſch und ſagte:","norm":"Vitalis schüttete aber schnell das gestohlene Geld auf den Tisch und sagte:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.93149995803833} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":550,"date":1872,"orig":"„Genügt das für dieſe Nacht?“","norm":"„Genügt das für diese Nacht?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.145599842071533} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":551,"date":1872,"orig":"Stumm aber ſorgfältig zählte ſie das Gut und ſagte dann:","norm":"Stumm aber sorgfältig zählte sie das Gut und sagte dann:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":6.166699886322021} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":552,"date":1872,"orig":"„Es genügt!“ und that es beiſeite.","norm":"„Es genügt!“ und tat es beiseite.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":6.118199825286865} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":553,"date":1872,"orig":"Nun ſtanden ſie ſich ſonderbarlich gegenüber.","norm":"Nun standen sie sich sonderbarlich gegenüber.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.9573001861572275} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":554,"date":1872,"orig":"Das Lachen verbeißend ſchaute ſie darein, als ob ſie von nichts wüßte, und der Mönch prüfte ſie mit ungewiſſen und kummervollen Blicken und wußte nicht, wie er es anpacken ſollte, ſie zur Rede zu ſtellen.","norm":"Das Lachen verbeißend schaute sie darein, als ob sie von nichts wüsste, und der Mönch prüfte sie mit ungewissen und kummervollen Blicken und wusste nicht, wie er es anpacken sollte, sie zur Rede zu stellen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.844700098037719} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":555,"date":1872,"orig":"Als ſie aber plötzlich in verlockende Geberden überging und mit der Hand in ſeinen glänzenden dunkeln Bart fahren wollte, da brach das Gewitter ſeines geiſtlichen Gemüthes mächtig los, zornig ſchlug er ihr auf die Hand, warf ſie dann auf ihr Bett, daß es erzitterte, und indem er auf ſie hinkniete und ihre Hände feſthielt, fing er, ungerührt von ihren Reizen, dergeſtalt an ihr in die Seele zu reden, daß ihre Verſtocktheit endlich ſich zu löſen ſchien.","norm":"Als sie aber plötzlich in verlockende Gebärden überging und mit der Hand in seinen glänzenden dunklen Bart fahren wollte, da brach das Gewitter seines geistlichen Gemütes mächtig los, zornig schlug er ihr auf die Hand, warf sie dann auf ihr Bett, dass es erzitterte, und indem er auf sie hinkniete und ihre Hände festhielt, fing er, ungerührt von ihren Reizen, dergestalt an ihr in die Seele zu reden, dass ihre Verstocktheit endlich sich zu lösen schien.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.634500026702881} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":556,"date":1872,"orig":"Sie ließ nach in den gewaltſamen Anſtrengungen, ſich zu befreien, häufige Thränen floßen über das ſchöne und kräftige Geſicht, und als der eifrige Gottesmann ſie nun frei gab und aufrecht an ihrem Sündenlager ſtand, lag die große Geſtalt auf demſelben mit ausgeſtreckten müden Gliedern, wie von Reue und Bitterkeit zerſchlagen, ſchluchzend und die umflorten Augen nach ihm richtend, wie verwundert über dieſe unfreiwillige Verwandlung.","norm":"Sie ließ nach in den gewaltsamen Anstrengungen, sich zu befreien, häufige Tränen flossen über das schöne und kräftige Gesicht, und als der eifrige Gottesmann sie nun frei gab und aufrecht an ihrem Sündenlager stand, lag die große Gestalt auf demselben mit ausgestreckten müden Gliedern, wie von Reue und Bitterkeit zerschlagen, schluchzend und die umflorten Augen nach ihm richtend, wie verwundert über diese unfreiwillige Verwandlung.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.4328999519348145} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":557,"date":1872,"orig":"Da verwandelte ſich auch das Ungewitter ſeines beredten Zornes in weiche Rührung und inniges Mitleid; er pries innerlich ſeine himmliſche Beſchützerin, welcher zu Ehren ihm dieſer ſchwerſte aller Siege gelungen war, und ſeine Rede floß jetzt verſöhnend und tröſtend wie lindes Frühlingswehen über das gebrochene Eis dieſes Herzens.","norm":"Da verwandelte sich auch das Ungewitter seines beredten Zornes in weiche Rührung und inniges Mitleid; er pries innerlich seine himmlische Beschützerin, welcher zu Ehren ihm dieser schwerste aller Siege gelungen war, und seine Rede floss jetzt versöhnend und tröstend wie lindes Frühlingswehen über das gebrochene Eis dieses Herzens.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.59060001373291} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":558,"date":1872,"orig":"Fröhlicher, als wenn er das lieblichſte Glück genoſſen hätte, eilte er von dannen, aber nicht, um auf ſeinem harten Lager noch ein Stündchen Schlaf zu finden, ſondern um vor dem Altare der Jungfrau für die arme reuevolle Seele zu beten, bis der Tag vollends angebrochen wäre; denn er gelobte, kein Auge zu ſchließen, bis das verirrte Lamm nunmehr ſicher hinter den ſchützenden Kloſtermauern verwahrt ſei.","norm":"Fröhlicher, als wenn er das lieblichste Glück genossen hätte, eilte er von dannen, aber nicht, um auf seinem harten Lager noch ein Stündchen Schlaf zu finden, sondern um vor dem Altare der Jungfrau für die arme reuevolle Seele zu beten, bis der Tag vollends angebrochen wäre; denn er gelobte, kein Auge zu schließen, bis das verirrte Lamm nunmehr sicher hinter den schützenden Klostermauern verwahrt sei.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.640399932861328} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":559,"date":1872,"orig":"Kaum war auch der Morgen lebendig geworden, ſo machte er ſich wieder auf den Weg nach ihrem Hauſe, ſah aber auch gleichzeitig vom andern Ende der Straße den wilden Kriegsmann daher kommen, welcher nach einer durchſchwelgten Nacht, halb betrunken, es ſich in den Kopf geſetzt hatte, die Hetäre endlich wieder zu erobern.","norm":"Kaum war auch der Morgen lebendig geworden, so machte er sich wieder auf den Weg nach ihrem Hause, sah aber auch gleichzeitig vom anderen Ende der Straße den wilden Kriegsmann daher kommen, welcher nach einer durchschwelgten Nacht, halb betrunken, es sich in den Kopf gesetzt hatte, die Hetäre endlich wiederzuerobern.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.186399936676025} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":560,"date":1872,"orig":"Vitalis war näher an der unſeligen Thüre und behende ſprang er darauf zu, um ſie vollends zu erreichen; da ſchleuderte jener den Speer nach ihm, der dicht neben des Mönches Kopf in der Thüre ſtecken blieb, daß der Schaft zitterte.","norm":"Vitalis war näher an der unseligen Türe und behände sprang er darauf zu, um sie vollends zu erreichen; da schleuderte jener den Speer nach ihm, der dicht neben des Mönches Kopf in der Türe stecken blieb, dass der Schaft zitterte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.967999935150146} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":561,"date":1872,"orig":"Aber noch ehe er ausgezittert, riß ihn der Mönch mit aller Kraft aus dem Holz, kehrte ſich gegen den wüthend herbeigeſprungenen Soldaten, der ein bloßes Schwert zückte, und trieb ihm mit Blitzesſchnelle den Speer durch die Bruſt; todt ſank der Mann zuſammen und Vitalis wurde faſt im ſelbigen Augenblicke durch einen Trupp Kriegsknechte, die von der Nachtwache kamen und ſeine That geſehen, gefangen genommen, gebunden und in den Kerker geführt.","norm":"Aber noch ehe er ausgezittert, riss ihn der Mönch mit aller Kraft aus dem Holz, kehrte sich gegen den wütend herbeigesprungenen Soldaten, der ein bloßes Schwert zückte, und trieb ihm mit Blitzesschnelle den Speer durch die Brust; tot sank der Mann zusammen und Vitalis wurde fast im selbigen Augenblicke durch einen Trupp Kriegsknechte, die von der Nachtwache kamen und seine Tat gesehen, gefangen genommen, gebunden und in den Kerker geführt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.053199768066406} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":562,"date":1872,"orig":"Wahrhaft kummervoll ſchaute er nach dem Häuschen zurück, in welchem er ſein gutes Werk nun nicht vollenden konnte: die Wächter glaubten, er bedaure lediglich ſeinen Unſtern, von einem ſündhaften Vorſatz abgelenkt zu ſein, und traktirten den vermeintlich unverbeſſerlichen Mönch mit Schlägen und Schimpfworten, bis er im Gefängniß war.","norm":"Wahrhaft kummervoll schaute er nach dem Häuschen zurück, in welchem er sein gutes Werk nun nicht vollenden konnte: Die Wächter glaubten, er bedaure lediglich seinen Unstern, von einem sündhaften Vorsatz abgelenkt zu sein, und traktierten den vermeintlich unverbesserlichen Mönch mit Schlägen und Schimpfworten, bis er im Gefängnis war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.761899948120117} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":563,"date":1872,"orig":"Dort mußte er viele Tage liegen, mehrfach vor den Richter geſtellt; zwar wurde er am Ende ſtraflos entlaſſen, weil er den Mann in der Nothwehr umgebracht.","norm":"Dort musste er viele Tage liegen, mehrfach vor den Richter gestellt; zwar wurde er am Ende straflos entlassen, weil er den Mann in der Notwehr umgebracht.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.422399997711182} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":564,"date":1872,"orig":"Doch ging er immerhin als ein Todtſchläger aus dem Handel hervor und Jedermann rief, daß man ihm endlich das geiſtliche Gewand abnehmen ſollte.","norm":"Doch ging er immerhin als ein Totschläger aus dem Handel hervor und jedermann rief, dass man ihm endlich das geistliche Gewand abnehmen sollte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.217999935150146} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":565,"date":1872,"orig":"Der Biſchof Johannes, welcher dazumal in Alexandria vorſtand, mußte aber irgend eine Ahnung von dem wahren Sachverhalt oder ſonſt einen höheren Plan gefaßt haben, da er ſich weigerte, den verrufenen Mönch aus der Kleriſei zu ſtoßen, und befahl, denſelben einſtweilen noch ſeinen ſeltſamen Weg wandeln zu laſſen.","norm":"Der Bischof Johannes, welcher dazumal in Alexandria vorstand, musste aber irgendeine Ahnung von dem wahren Sachverhalt oder sonst einen höheren Plan gefasst haben, da er sich weigerte, den verrufenen Mönch aus der Klerisei zu stoßen, und befahl, denselben einstweilen noch seinen seltsamen Weg wandeln zu lassen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.761899948120117} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":566,"date":1872,"orig":"Dieſer führte ihn ohne Aufenthalt zu der bekehrten Sünderin zurück, welche ſich mittlerweile abermals umgekehrt hatte und den erſchrockenen und bekümmerten Vitalis nicht eher herein ließ, bis er wiederum irgendwo einen Werthgegenſtand entwendet und ihr gebracht.","norm":"Dieser führte ihn ohne Aufenthalt zu der bekehrten Sünderin zurück, welche sich mittlerweile abermals umgekehrt hatte und den erschrockenen und bekümmerten Vitalis nicht eher hereinließ, bis er wiederum irgendwo einen Wertgegenstand entwendet und ihr gebracht.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.007900238037109} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":567,"date":1872,"orig":"Sie bereute und bekehrte ſich zum dritten Mal, und auf gleiche Weiſe zum vierten und fünften Mal, da ſie dieſe Bekehrungen einträglicher fand, als alles Andere, und überdies der böſe Geiſt in ihr ein hölliſches Vergnügen empfand, mit wechſelnden Künſten und Erfindungen den armen Mönch zu äffen.","norm":"Sie bereute und bekehrte sich zum dritten Mal, und auf gleiche Weise zum vierten und fünften Mal, da sie diese Bekehrungen einträglicher fand, als alles Andere, und überdies der böse Geist in ihr ein höllisches Vergnügen empfand, mit wechselnden Künsten und Erfindungen den armen Mönch zu äffen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.283999919891357} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":568,"date":1872,"orig":"Dieſer war jetzt wirklich von innen heraus ein Märtyrer; denn je ärger er getäuſcht wurde, deſto weniger konnte er von ſeinem Bemühen laſſen, und es dünkte ihn, als ob ſeine eigene Seligkeit gerade von der Beſſerung dieſer Einen Perſon abhange.","norm":"Dieser war jetzt wirklich von innen heraus ein Märtyrer; denn je ärger er getäuscht wurde, desto weniger konnte er von seinem Bemühen lassen, und es dünkte ihn, als ob seine eigene Seligkeit gerade von der Besserung dieser Einen Person abhange.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.264599800109863} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":569,"date":1872,"orig":"Er war jetzt bereits ein Todtſchläger, Kirchenräuber und Dieb; allein lieber hätt' er ſich eine Hand abhauen laſſen, ehe er im Geringſten ſeinen Ruf als Wüſtling aufgegeben hätte, und wenn dies alles ihm endlich in ſeinem Herzen ſchwer und ſchwerer zu tragen war, ſo beſtrebte er ſich um ſo eifriger, vor der Welt die ſchlimme Außenſeite mit frivolen Worten aufrecht zu halten.","norm":"Er war jetzt bereits ein Totschläger, Kirchenräuber und Dieb; allein lieber hätte er sich eine Hand abhauen lassen, ehe er im Geringsten seinen Ruf als Wüstling aufgegeben hätte, und wenn dies alles ihm endlich in seinem Herzen schwer und schwerer zu tragen war, so bestrebte er sich um so eifriger, vor der Welt die schlimme Außenseite mit frivolen Worten aufrecht zu halten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.095300197601318} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":570,"date":1872,"orig":"Denn dieſe märtyrliche Spezialität hatte er einmal erwählt.","norm":"Denn diese märtyrliche Spezialität hatte er einmal erwählt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.501800060272217} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":571,"date":1872,"orig":"Doch wurde er bleich und ſchmal dabei und fing an, herumzuſchleichen, wie ein Schatten an der Wand, aber immer mit lachendem Munde.","norm":"Doch wurde er bleich und schmal dabei und fing an, herumzuschleichen, wie ein Schatten an der Wand, aber immer mit lachendem Munde.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.726999998092651} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":572,"date":1872,"orig":"Gegenüber jenem Hauſe der Prüfung nun wohnte ein reicher griechiſcher Kaufmann, der ein einziges Töchterchen beſaß, Jole geheißen, welche thun konnte, was ihr beliebte, aber doch nicht recht wußte, was ſie den langen Tag hindurch beginnen ſollte.","norm":"Gegenüber jenem Hause der Prüfung nun wohnte ein reicher griechischer Kaufmann, der ein einziges Töchterchen besaß, Jole geheißen, welche tun konnte, was ihr beliebte, aber doch nicht recht wusste, was sie den langen Tag hindurch beginnen sollte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.744800090789795} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":573,"date":1872,"orig":"Denn ihr Vater der ſich zur Ruhe geſetzt hatte, ſtudirte den Plato, und wenn er deſſen müde war, ſo verfaßte er zierliche Xenien über die geſchnittenen antiken Steine, deren er eine Menge ſammelte und beſaß.","norm":"Denn ihr Vater der sich zur Ruhe gesetzt hatte, studierte den Plato, und wenn er dessen müde war, so verfasste er zierliche Xenien über die geschnittenen antiken Steine, deren er eine Menge sammelte und besaß.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.7829999923706055} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":574,"date":1872,"orig":"Jole hingegen, wenn ſie ihr Saitenſpiel bei Seite geſtellt hatte, wußte ihren lebhaften Gedanken keinen Ausweg und guckte unruhig in den Himmel und in die Ferne, wo ſich eine Oeffnung bot.","norm":"Jole hingegen, wenn sie ihr Saitenspiel bei Seite gestellt hatte, wusste ihren lebhaften Gedanken keinen Ausweg und guckte unruhig in den Himmel und in die Ferne, wo sich eine Öffnung bot.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.301300048828125} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":575,"date":1872,"orig":"So entdeckte ſie auch den Verkehr des Mönches in der Straße und erfuhr, welche Bewandtniß es mit dem berüchtigten Klerikus habe.","norm":"So entdeckte sie auch den Verkehr des Mönches in der Straße und erfuhr, welche Bewandtnis es mit dem berüchtigten Klerikus habe.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.004899978637695} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":576,"date":1872,"orig":"Erſchreckt und ſcheu betrachtete ſie ihn von ihrem ſicheren Verſteck aus und konnte nicht umhin, ſeine ſtattliche Geſtalt und ſein männliches Ausſehen zu bedauern.","norm":"Erschreckt und scheu betrachtete sie ihn von ihrem sicheren Versteck aus und konnte nicht umhin, seine stattliche Gestalt und sein männliches Aussehen zu bedauern.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.478399991989135} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":577,"date":1872,"orig":"Als ſie aber von einer Sklavin, welche mit der Sklavin der böſen Buhlerin vertraut war, vernahm, wie Vitalis von letzterer betrogen würde, und wie es ſich in Wahrheit mit ihm verhalte, da verwunderte ſie ſich über alle Maßen, und weit entfernt, dies Martyrium zu verehren, befiel ſie ein ſeltſamer Zorn und ſie hielt dieſe Art Heiligkeit der Ehre ihres Geſchlechts nicht für zuträglich.","norm":"Als sie aber von einer Sklavin, welche mit der Sklavin der bösen Buhlerin vertraut war, vernahm, wie Vitalis von letzterer betrogen würde, und wie es sich in Wahrheit mit ihm verhalte, da verwunderte sie sich über alle Maßen, und weit entfernt, dies Martyrium zu verehren, befiel sie ein seltsamer Zorn und sie hielt diese Art Heiligkeit der Ehre ihres Geschlechts nicht für zuträglich.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.9307000637054443} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":578,"date":1872,"orig":"Sie träumte und grübelte eine Weile darüber und immer unzufriedener wurde ſie, während gleichzeitig ihre Theilnahme für den Mönch ſich erhöhte und mit jenem Zorne kreuzte.","norm":"Sie träumte und grübelte eine Weile darüber und immer unzufriedener wurde sie, während gleichzeitig ihre Teilnahme für den Mönch sich erhöhte und mit jenem Zorne kreuzte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.801199913024902} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":579,"date":1872,"orig":"Plötzlich entſchloß ſie ſich, wenn die Jungfrau Maria nicht ſo viel Verſtand habe, den Verirrten auf einen wohlanſtändigeren Weg zu führen, dies ſelbſt zu übernehmen und ihr etwas in's Handwerk zu pfuſchen, nicht ahnend, daß ſie ſelbſt das unbewußte Werkzeug der bereits einſchreitenden Himmelskönigin war.","norm":"Plötzlich entschloss sie sich, wenn die Jungfrau Maria nicht so viel Verstand habe, den Verirrten auf einen wohlanständigeren Weg zu führen, dies selbst zu übernehmen und ihr etwas ins Handwerk zu pfuschen, nicht ahnend, dass sie selbst das unbewusste Werkzeug der bereits einschreitenden Himmelskönigin war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.626699924468994} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":580,"date":1872,"orig":"Und alſogleich ging ſie zu ihrem Vater, beſchwerte ſich bitterlich über die unangemeſſene Nachbarſchaft der Buhldirne und beſchwor ihn, dieſelbe um jeden Preis vermittelſt ſeines Reichthums und augenblicklich zu entfernen.","norm":"Und alsogleich ging sie zu ihrem Vater, beschwerte sich bitterlich über die unangemessene Nachbarschaft der Buhldirne und beschwor ihn, dieselbe um jeden Preis vermittels seines Reichtums und augenblicklich zu entfernen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.428400039672852} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":581,"date":1872,"orig":"Der Alte verfügte ſich, nach ihrer Anweiſung, auch ſogleich zu der Perſon und bot ihr eine gewiſſe Summe für ihr Häuschen, wenn ſie es zur Stunde verlaſſen und ganz aus dem Revier wegziehen wolle.","norm":"Der Alte verfügte sich, nach ihrer Anweisung, auch sogleich zu der Person und bot ihr eine gewisse Summe für ihr Häuschen, wenn sie es zur Stunde verlassen und ganz aus dem Revier wegziehen wolle.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.745999813079834} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":582,"date":1872,"orig":"Sie verlangte nichts Beſſeres und war noch am gleichen Vormittag aus der Gegend verſchwunden, während der Alte wieder hinter ſeinem Plato ſaß und ſich nicht weiter um die Sache kümmerte.","norm":"Sie verlangte nichts Besseres und war noch am gleichen Vormittag aus der Gegend verschwunden, während der Alte wieder hinter seinem Plato saß und sich nicht weiter um die Sache kümmerte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.402400016784668} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":583,"date":1872,"orig":"Deſto eifriger war nun Jole, das Häuschen von unten bis oben von Allem räumen zu laſſen, was an die frühere Beſitzerin erinnern konnte, und als es gänzlich ausgefegt und gereinigt war, ließ ſie es mit feinen Spezereien ſo durchräuchern, daß die wohlduftenden Rauchwolken aus allen Fenſtern drangen.","norm":"Desto eifriger war nun Jole, das Häuschen von unten bis oben von allem räumen zu lassen, was an die frühere Besitzerin erinnern konnte, und als es gänzlich ausgefegt und gereinigt war, ließ sie es mit feinen Spezereien so durchräuchern, dass die wohlduftenden Rauchwolken aus allen Fenstern drangen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.048799991607666} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":584,"date":1872,"orig":"Dann ließ ſie in das leere Gemach nichts als einen Teppich, einen Roſenſtock und eine Lampe hinübertragen, und als ihr Vater, welcher mit der Sonne zur Ruhe ging, eingeſchlafen war, ging ſie ſelbſt hin, das Haar mit einem Roſenkränzlein geſchmückt, und ſetzte ſich mutterſeelenallein auf den ausgebreiteten Teppich, indeſſen zwei zuverläſſige alte Diener die Hausthüre bewachten.","norm":"Dann ließ sie in das leere Gemach nichts als einen Teppich, einen Rosenstock und eine Lampe hinübertragen, und als ihr Vater, welcher mit der Sonne zur Ruhe ging, eingeschlafen war, ging sie selbst hin, das Haar mit einem Rosenkränzlein geschmückt, und setzte sich mutterseelenallein auf den ausgebreiteten Teppich, indessen zwei zuverlässige alte Diener die Haustür bewachten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.05210018157959} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":585,"date":1872,"orig":"Dieſelben jagten verſchiedene Nachtſchwärmer davon; ſobald ſie dagegen den Vitalis herankommen ſahen, verbargen ſie ſich und ließen ihn ungehindert in die offene Thüre treten.","norm":"Dieselben jagten verschiedene Nachtschwärmer davon; sobald sie dagegen den Vitalis herankommen sahen, verbargen sie sich und ließen ihn ungehindert in die offene Türe treten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.499899864196777} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":586,"date":1872,"orig":"Mit vielen Seufzern ſtieg er die Treppe hinan, voll Furcht, ſich abermals genarrt zu ſehen, und voll Hoffnung, endlich von dieſer Laſt befreit zu werden durch die aufrichtige Reue eines Geſchöpfes, welches ihn verhinderte, ſo viele andere Seelen zu retten.","norm":"Mit vielen Seufzern stieg er die Treppe hinan, voll Furcht, sich abermals genarrt zu sehen, und voll Hoffnung, endlich von dieser Last befreit zu werden durch die aufrichtige Reue eines Geschöpfes, welches ihn verhinderte, so viele andere Seelen zu retten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.8436999320983882} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":587,"date":1872,"orig":"Allein wie erſtaunte er, als er, in das Gemach getreten, dasſelbe von all' dem Flitterſtaat der wilden rothen Löwin geleert und ſtatt ihrer eine anmuthige und zarte Geſtalt auf dem Teppich ſitzend fand, das Roſenſtöckchen ſich gegenüber auf demſelben Boden.","norm":"Allein wie erstaunte er, als er, in das Gemach getreten, dasselbe von alledem Flitterstaat der wilden roten Löwin geleert und statt ihrer eine anmutige und zarte Gestalt auf dem Teppich sitzend fand, das Rosenstöckchen sich gegenüber auf demselben Boden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.857600212097168} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":588,"date":1872,"orig":"„Wo iſt die Unſelige, die hier wohnte?“ rief er, indem er verwundert um ſich ſchaute und dann ſeine Blicke auf der lieblichen Erſcheinung ruhen ließ, die er vor ſich ſah.","norm":"„Wo ist die Unselige, die hier wohnte?“ rief er, indem er verwundert um sich schaute und dann seine Blicke auf der lieblichen Erscheinung ruhen ließ, die er vor sich sah.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.727299928665161} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":589,"date":1872,"orig":"„Sie iſt fortgewandert in die Wüſte,“ erwiederte Jole ohne aufzublicken, „dort will ſie das Leben einer Einſiedlerin führen und büßen; denn es hat ſie dieſen Morgen plötzlich übernommen und darnieder geworfen gleich einem Grashalm, und ihr Gewiſſen iſt endlich aufgewacht.","norm":"„sie ist fortgewandert in die Wüste,“ erwiderte Jole ohne aufzublicken, „dort will sie das Leben einer Einsiedlerin führen und büßen; denn es hat sie diesen Morgen plötzlich übernommen und danieder geworfen gleich einem Grashalm, und ihr Gewissen ist endlich aufgewacht.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.385700225830078} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":590,"date":1872,"orig":"Sie rief nach einem gewiſſen Prieſter Vitalis, daß er ihr beiſtehen möchte.","norm":"Sie rief nach einem gewissen Priester Vitalis, dass er ihr beistehen möchte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.53980016708374} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":591,"date":1872,"orig":"Allein der Geiſt, der in ſie gefahren, ließ ſie nicht länger harren; die Thörin raffte alle ihre Habe zuſammen, verkaufte ſie und gab das Geld den Armen, worauf ſie ſtehenden Fußes in einem härenen Hemd und mit abgeſchnittenem Haar, einen Stecken in der Hand, hinauszog, wo die Wildniß iſt.“","norm":"Allein der Geist, der in sie gefahren, ließ sie nicht länger harren; die Törin raffte alle ihre Habe zusammen, verkaufte sie und gab das Geld den Armen, worauf sie stehenden Fußes in einem härenen Hemd und mit abgeschnittenem Haar, einen Stecken in der Hand, hinauszog, wo die Wildnis ist .“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.819600105285644} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":592,"date":1872,"orig":"„Geprieſen ſeiſt du, Herr, und gelobt deine gnadenvolle Mutter!“ rief Vitalis, voll fröhlicher Andacht die Hände faltend, indem es ihm wie eine Steinlaſt vom Herzen fiel; zugleich aber betrachtete er das Mädchen mit ſeinem Roſenkränzchen genauer und ſprach:","norm":"„Gepriesen seist du, Herr, und gelobt deine gnadenvolle Mutter!“ rief Vitalis, voll fröhlicher Andacht die Hände faltend, indem es ihm wie eine Steinlast vom Herzen fiel; zugleich aber betrachtete er das Mädchen mit seinem Rosenkränzchen genauer und sprach:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.058800220489502} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":593,"date":1872,"orig":"„Warum ſagteſt du: die Thörin? und wer biſt du?","norm":"„Warum sagtest du: die Törin? und wer bist du?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.353899955749512} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":594,"date":1872,"orig":"von woher kommſt du und was haſt du vor?“","norm":"von woher kommst du und was hast du vor?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.092800140380859} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":595,"date":1872,"orig":"Die liebliche Jole richtete jetzt ihr dunkles Auge noch tiefer zur Erde; ſie beugte ſich vorn über und eine hohe Schamröthe übergoß ihr Geſicht, da ſie ſich ſelbſt der argen Dinge ſchämte, die ſie jetzt vor einem Mann zu ſagen im Begriffe war.","norm":"Die liebliche Jole richtete jetzt ihr dunkles Auge noch tiefer zur Erde; sie beugte sich vorn über und eine hohe Schamröte übergoss ihr Gesicht, da sie sich selbst der argen Dinge schämte, die sie jetzt vor einem Mann zu sagen im Begriffe war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.124599933624268} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":596,"date":1872,"orig":"„Ich bin,“ ſagte ſie, „eine verſtoßene Waiſe, die weder Vater noch Mutter mehr hat.","norm":"„Ich bin,“ sagte sie, „eine verstoßene Waise, die weder Vater noch Mutter mehr hat.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.032399892807007} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":597,"date":1872,"orig":"Dieſer Teppich, dieſe Lampe und dieſer Roſenſtock ſind die letzten Ueberbleibſel von meinem Erbe, und damit habe ich mich hier niedergelaſſen, um das Leben zu beginnen, das Jene verlaſſen hat, welche vor mir hier wohnte!“","norm":"Dieser Teppich, diese Lampe und dieser Rosenstock sind die letzten Überbleibsel von meinem Erbe, und damit habe ich mich hier niedergelassen, um das Leben zu beginnen, das Jene verlassen hat, welche vor mir hier wohnte!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.932399988174438} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":598,"date":1872,"orig":"„Ei, ſo ſoll dich doch — !“ rief der Mönch und ſchlug die Hände zuſammen, „ſeht mir einmal an, wie fleißig der Teufel iſt!","norm":"„Ei, so soll dich doch —!“ rief der Mönch und schlug die Hände zusammen, „seht mir einmal an, wie fleißig der Teufel ist!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.36359977722168} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":599,"date":1872,"orig":"Und dies harmloſe Thierlein hier ſagt das Ding ſo trocken daher, wie wenn ich nicht der Vitalis wäre!","norm":"Und dies harmlose Tierlein hier sagt das Ding so trocken daher, wie wenn ich nicht der Vitalis wäre!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.952199935913086} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":600,"date":1872,"orig":"Nun, mein Kätzchen, was willſt du thun?","norm":"Nun, mein Kätzchen, was willst du 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flüchtig auf den Strauch; doch brachte sie die Worte kaum heraus und versank vor Scheu beinahe in den Boden, so duckte sie sich zusammen, und diese natürliche Scham diente der Schelmin sehr gut, den Mönch zu überzeugen, dass er es hier mit einer kindlichen Unschuld zu tun habe, die nur vom Teufel besessen mit beiden Füßen in den Abgrund springen wolle.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.128099918365478} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":603,"date":1872,"orig":"Er ſtrich ſich vor Vergnügen den Bart, einmal ſo zu rechter Zeit auf dem Platz erſchienen zu ſein, und um ſein Behagen noch länger zu genießen ſagte er langſam und humoriſtiſch:","norm":"Er strich sich vor Vergnügen den Bart, einmal so zu rechter Zeit auf dem Platz erschienen zu sein, und um sein Behagen noch länger zu genießen sagte er langsam und humoristisch:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.715199947357178} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":604,"date":1872,"orig":"„Und dann nachher, mein Täubchen?“","norm":"„Und dann nachher, mein Täubchen?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.727399826049805} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":605,"date":1872,"orig":"„Nachher will ich in die Hölle fahren als eine allerärmſte Seele, wo die ſchöne Frau Venus iſt, oder vielleicht auch, wenn ich einen guten Prediger finde, etwa ſpäter in ein Kloſter gehen und Buße thun!“","norm":"„Nachher will ich in die Hölle fahren als eine allerärmste Seele, wo die schöne Frau Venus ist, oder vielleicht auch, wenn ich einen guten Prediger finde, etwa später in ein Kloster gehen und Buße tun!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.098700046539307} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":606,"date":1872,"orig":"„Gut ſo, immer beſſer!“ rief er, „das iſt ja ein ordentlicher Kriegsplan und gar nicht übel errathen!","norm":"„Gut so, immer besser!“ rief er, „das ist ja ein ordentlicher Kriegsplan und gar nicht übel erraten!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.297699928283691} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":607,"date":1872,"orig":"Denn was den Prediger betrifft, ſo iſt er ſchon da, er ſteht vor dir, du ſchwarzäugiges Höllenbrätchen!","norm":"Denn was den Prediger betrifft, so ist er schon da, er steht vor dir, du schwarzäugiges Höllenbrätchen!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"lb","lang_de":0.667,"norm_lmscore":3.761300086975097} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":608,"date":1872,"orig":"Und das Kloſter iſt dir auch ſchon hergerichtet wie eine Mausfalle, nur daß man ungeſündigt hinein ſpaziert, verſtanden?","norm":"Und das Kloster ist dir auch schon hergerichtet wie eine Mausfalle, nur dass man ungesündigt hineinspaziert, verstanden?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.929800033569336} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":609,"date":1872,"orig":"Ungeſündigt bis auf den ſauberen Vorſatz, der indeſſen einen erklecklichen Reueknochen für dein ganzes Leben abgeben und nützlich ſein mag; denn ſonſt wärſt du kleine Hexe auch gar zu poſſierlich und ſcherzhaft für eine rechte Nonne!","norm":"Ungesündigt bis auf den sauberen Vorsatz, der indessen einen erklecklichen Reueknochen für dein ganzes Leben abgeben und nützlich sein mag; denn sonst wärst du kleine Hexe auch gar zu possierlich und scherzhaft für eine rechte Nonne!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.453800201416016} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":610,"date":1872,"orig":"Aber nun, fuhr er mit ernſter Stimme fort, „herunter vorerſt mit den Roſen vom Kopf und dann aufmerkſam zugehört !“","norm":"Aber nun, fuhr er mit ernster Stimme fort, „herunter vorerst mit den Rosen vom Kopf und dann aufmerksam zugehört!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.384799957275391} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":611,"date":1872,"orig":"„Nein,“ ſagte Jole etwas kecker, „erſt will ich zuhören und dann ſehen, ob ich die Roſen herunter nehme.","norm":"„Nein,“ sagte Jole etwas kecker, „erst will ich zuhören und dann sehen, ob ich die Rosen herunternehme.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.503200054168701} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":612,"date":1872,"orig":"Nachdem ich einmal mein weibliches Gefühl überwunden, genügen Worte nicht mehr mich abzuhalten, eh' ich die Sünde kenne, und ohne Sünde werde ich keine Reue kennen, dieß gebe ich dir zu bedenken, ehe du dich bemühſt!","norm":"Nachdem ich einmal mein weibliches Gefühl überwunden, genügen Worte nicht mehr mich abzuhalten, ehe ich die Sünde kenne, und ohne Sünde werde ich keine Reue kennen, dies gebe ich dir zu bedenken, ehe du dich bemühst!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.400000095367432} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":613,"date":1872,"orig":"Aber immerhin will ich dich anhören!“","norm":"Aber immerhin will ich dich anhören!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":6.781599998474121} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":614,"date":1872,"orig":"Jetzt begann Vitalis ſeine ſchönſte Predigt, die er je gehalten.","norm":"Jetzt begann Vitalis seine schönste Predigt, die er je gehalten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.395699977874756} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":615,"date":1872,"orig":"Das Mädchen hörte ihm anmuthig und aufmerkſam zu und ihr Anblick übte einen erheblichen Einfluß auf die Wahl ſeiner Worte, ohne daß er deſſen inne ward, da die Schönheit und Feinheit des zu bekehrenden Gegenſtandes wie von ſelbſt eine erhöhte Beredtſamkeit hervorrief.","norm":"Das Mädchen hörte ihm anmutig und aufmerksam zu und ihr Anblick übte einen erheblichen Einfluss auf die Wahl seiner Worte, ohne dass er dessen innewurde, da die Schönheit und Feinheit des zu bekehrenden Gegenstandes wie von selbst eine erhöhte Beredsamkeit hervorrief.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.419700145721435} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":616,"date":1872,"orig":"Allein da es ihr nicht im mindeſten ernſt war mit dem, was ſie frevelhafter Weiſe vorgab, ſo konnte die Rede des Mönches ſie auch nicht ſehr erſchüttern; ein liebliches Lachen ſchwebte vielmehr um ihren Mund, und als er geendigt und ſich erwartungsvoll den Schweiß von der Stirne wiſchte, ſagte Jole:","norm":"Allein da es ihr nicht im mindesten ernst war mit dem, was sie frevelhafter Weise vorgab, so konnte die Rede des Mönches sie auch nicht sehr erschüttern; ein liebliches Lachen schwebte vielmehr um ihren Mund, und als er geendigt und sich erwartungsvoll den Schweiß von der Stirn wischte, sagte Jole:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.787699937820434} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":617,"date":1872,"orig":"„Ich bin nur halb gerührt von deinen Worten und kann mich nicht entſchließen, mein Vorhaben aufzugeben; denn ich bin allzuneugierig, wie es ſich in Luſt und Sünden lebe!“","norm":"„Ich bin nur halb gerührt von deinen Worten und kann mich nicht entschließen, mein Vorhaben aufzugeben; denn ich bin allzuneugierig, wie es sich in Lust und Sünden lebe!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.052599906921387} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":618,"date":1872,"orig":"Wie verſteinert ſtand Vitalis da und wußte nicht ein einziges Wort hervorzubringen.","norm":"Wie versteinert stand Vitalis da und wusste nicht ein einziges Wort hervorzubringen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.677700042724609} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":619,"date":1872,"orig":"Es war das erſte Mal, daß ihm ſeine Bekehrungskunſt ſo rund fehlgeſchlagen.","norm":"Es war das erste Mal, dass ihm seine Bekehrungskunst so rund fehlgeschlagen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.884500026702881} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":620,"date":1872,"orig":"Seufzend und nachſinnend ging er im Gemach auf und nieder und beſah dann wieder die kleine Höllenkandidatin.","norm":"Seufzend und nachsinnend ging er im Gemach auf und nieder und besah dann wieder die kleine Höllenkandidatin.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.185999870300293} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":621,"date":1872,"orig":"Die Kraft des Teufels ſchien ſich hier auf unheimliche Weiſe mit der Kraft der Unſchuld zu verbinden, um ihm zu widerſtehen.","norm":"Die Kraft des Teufels schien sich hier auf unheimliche Weise mit der Kraft der Unschuld zu verbinden, um ihm zu widerstehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.6949000358581543} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":622,"date":1872,"orig":"Aber um ſo leidenſchaftlicher gedachte er dennoch obzuſiegen.","norm":"Aber um so leidenschaftlicher gedachte er dennoch zusiegen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.807600021362305} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":623,"date":1872,"orig":"„Ich geh' nicht von der Stelle,“ rief er endlich, bis du bereuſt, und ſollt' ich drei Tage und drei Nächte hier zubringen!“","norm":"„Ich gehe nicht von der Stelle,“ rief er endlich, bis du bereust, und sollt' ich drei Tage und drei Nächte hier zubringen!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.047299861907959} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":624,"date":1872,"orig":"„Das würde mich nur hartnäckiger machen,“ erwiederte Jole, „ich will mir aber Bedenkzeit nehmen und die kommende Nacht dich wieder anhören.","norm":"„Das würde mich nur hartnäckiger machen,“ erwiderte Jole, „ich will mir aber Bedenkzeit nehmen und die kommende Nacht dich wieder anhören.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.387800216674805} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":625,"date":1872,"orig":"Jetzt bricht der Tag bald an, geh' deines Weges; indeſſen verſprech' ich, nichts in der Sache zu thun und in meinem jetzigen Zuſtand zu verbleiben, wogegen du verſprechen mußt, nirgends meiner Erwähnung zu thun und nur in dunkler Nacht hieher zu kommen!“","norm":"Jetzt bricht der Tag bald an, gehe deines Weges; indessen verspreche ich, nichts in der Sache zu tun und in meinem jetzigen Zustand zu verbleiben, wogegen du versprechen musst, nirgends meiner Erwähnung zu tun und nur in dunkler Nacht hierherzukommen!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.958199977874756} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":626,"date":1872,"orig":"„Es ſei ſo!“ rief Vitalis, machte ſich fort und Jole ſchlüpfte raſch in ihr väterliches Haus zurück.","norm":"„Es sei so!“ rief Vitalis, machte sich fort und Jole schlüpfte rasch in ihr väterliches Haus zurück.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.03249979019165} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":627,"date":1872,"orig":"Sie ſchlief nur kurze Zeit und erwartete mit Ungeduld den Abend, weil ihr der Mönch, dem ſie die Nacht durch ſo nahe geweſen, noch beſſer gefallen hatte, als ſonſt aus der Ferne.","norm":"Sie schlief nur kurze Zeit und erwartete mit Ungeduld den Abend, weil ihr der Mönch, dem sie die Nacht durch so nahe gewesen, noch besser gefallen hatte, als sonst aus der Ferne.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.155499935150146} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":628,"date":1872,"orig":"Sie ſah jetzt, welch' ein ſchwärmeriſches Feuer in ſeinen Augen glühte und wie entſchieden, trotz der geiſtlichen Kleidung, alle ſeine Bewegungen waren.","norm":"Sie sah jetzt, welch ein schwärmerisches Feuer in seinen Augen glühte und wie entschieden, trotz der geistlichen Kleidung, alle seine Bewegungen waren.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.424300193786621} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":629,"date":1872,"orig":"Wenn ſie ſich dazu ſeine Selbſtverleugnung vergegenwärtigte, ſeine Ausdauer in dem einmal Erwählten, ſo konnte ſie nicht umhin, dieſe guten Eigenſchaften zu ihrem eigenen Nutzen und Vergnügen verwendet zu wünſchen, und zwar in Geſtalt eines verliebten und getreuen Ehemannes.","norm":"Wenn sie sich dazu seine Selbstverleugnung vergegenwärtigte, seine Ausdauer in dem einmal Erwählten, so konnte sie nicht umhin, diese guten Eigenschaften zu ihrem eigenen Nutzen und Vergnügen verwendet zu wünschen, und zwar in Gestalt eines verliebten und getreuen Ehemannes.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.950900077819824} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":630,"date":1872,"orig":"Ihre Aufgabe war demnach, aus einem wackeren Märtyrer einen noch beſſeren Ehemann zu machen.","norm":"Ihre Aufgabe war demnach, aus einem wackeren Märtyrer einen noch besseren Ehemann zu machen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.19789981842041} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":631,"date":1872,"orig":"In der kommenden Nacht fand ſie Vitalis zeitig wieder auf ihrem Teppich und er ſetzte ſeine Bemühungen um ihre Tugend mit unvermindertem Eifer fort.","norm":"In der kommenden Nacht fand sie Vitalis zeitig wieder auf ihrem Teppich und er setzte seine Bemühungen um ihre Tugend mit unvermindertem Eifer fort.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.223999977111816} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":632,"date":1872,"orig":"Er mußte fortwährend dazu ſtehen, wenn er nicht zu einem Gebete niederkniete.","norm":"Er musste fortwährend dazu stehen, wenn er nicht zu einem Gebete niederkniete.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.280300140380859} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":633,"date":1872,"orig":"Jole dagegen machte es ſich bequem; ſie legte ſich mit dem Oberleib auf den Teppich zurück, ſchlang die Arme um den Kopf und betrachtete aus halb geſchloſſenen Augen unverwandt den Mönch, der vor ihr ſtand und predigte.","norm":"Jole dagegen machte es sich bequem; sie legte sich mit dem Oberleib auf den Teppich zurück, schlang die Arme um den Kopf und betrachtete aus halb geschlossenen Augen unverwandt den Mönch, der vor ihr stand und predigte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.8057000637054443} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":634,"date":1872,"orig":"Einigemal ſchloß ſie die Augen, wie vom Schlummer beſchlichen, und ſobald Vitalis das gewahrte, ſtieß er ſie mit dem Fuße an, um ſie zu wecken.","norm":"Einigemal schloss sie die Augen, wie vom Schlummer beschlichen, und sobald Vitalis das gewahrte, stieß er sie mit dem Fuße an, um sie zu wecken.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.348400115966797} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":635,"date":1872,"orig":"Aber dieſe mürriſche Maßregel fiel den¬ noch jedesmal milder aus, als er beabſichtigte:","norm":"Aber diese mürrische Maßregel fiel den¬ noch jedes Mal milder aus, als er beabsichtigte:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.6296000480651855} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":636,"date":1872,"orig":"denn ſobald der Fuß ſich der ſchlanken Seite des Mädchens näherte, mäßigte er von ſelbſt ſeine Schwere und berührte nur ſanft die zarten Rippen, und deſſen ungeachtet ſtrömte dann eine gar ſeltſamliche Empfindung den ganzen langen Mönch hinauf, eine Empfindung, die ſich bei allen den vielen ſchönen Sünderinnen, mit denen er bisher verkehrt, im Entfernteſten nie eingeſtellt hatte.","norm":"denn sobald der Fuß sich der schlanken Seite des Mädchens näherte, mäßigte er von selbst seine Schwere und berührte nur sanft die zarten Rippen, und dessen ungeachtet strömte dann eine gar seltsame Empfindung den ganzen langen Mönch hinauf, eine Empfindung, die sich bei allen den vielen schönen Sünderinnen, mit denen er bisher verkehrt, im Entferntesten nie eingestellt hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.327400207519531} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":637,"date":1872,"orig":"Jole nickte gegen Morgen immer häufiger ein; endlich rief Vitalis unwillig:","norm":"Jole nickte gegen Morgen immer häufiger ein; endlich rief Vitalis unwillig:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":6.2453999519348145} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":638,"date":1872,"orig":"„Kind, du hörſt nicht, du biſt nicht zu erwecken, du verharrſt in Trägheit!“","norm":"„Kind, du hörst nicht, du bist nicht zu erwecken, du verharrst in Trägheit!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.045700073242187} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":639,"date":1872,"orig":"„Nicht doch,“ ſagte ſie, indem ſie die Augen plötzlich aufſchlug und ein ſüßes Lächeln über ihr Geſicht flog, gleichſam als wenn der nahende Tag ſchon darauf zu ſehen wäre, „ich habe gut aufgemerkt, ich haſſe jetzt jene elende Sünde, die mir um ſo widerwärtiger geworden, als ſie dir Aergerniß erregt, lieber Mönch; denn Nichts könnte mir mehr gefallen, was dir mißfällt!“","norm":"„Nicht doch,“ sagte sie, indem sie die Augen plötzlich aufschlug und ein süßes Lächeln über ihr Gesicht flog, gleichsam als wenn der nahende Tag schon darauf zu sehen wäre, „ich habe gut aufgemerkt, ich hasse jetzt jene elende Sünde, die mir um so widerwärtiger geworden, als sie dir Ärgernis erregt, lieber Mönch; denn nichts könnte mir mehr gefallen, was dir missfällt!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.036799907684326} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":640,"date":1872,"orig":"„Wirklich?“ rief er voll Freuden, „ſo iſt es mir doch gelungen?","norm":"„Wirklich?“ rief er voll Freuden, „so ist es mir doch gelungen?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.385300159454346} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":641,"date":1872,"orig":"Jetzt komm' nur gleich in das Kloſter, damit wir deiner ſicher ſind.","norm":"Jetzt komme nur gleich in das Kloster, damit wir deiner sicher sind.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.775400161743164} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":642,"date":1872,"orig":"Wir wollen diesmal das Eiſen ſchmieden, weil es noch warm iſt!“","norm":"Wir wollen diesmal das Eisen schmieden, weil es noch warm ist!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.371300220489502} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":643,"date":1872,"orig":"Du verſtehſt mich nicht recht, erwiederte Jole und ſchlug erröthend die Augen wieder zur Erde, „ich bin in dich verliebt und habe eine zärtliche Neigung zu dir gefaßt!“","norm":"Du verstehst mich nicht recht, erwiderte Jole und schlug errötend die Augen wieder zur Erde, „ich bin in dich verliebt und habe eine zärtliche Neigung zu dir gefasst!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.4506001472473145} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":644,"date":1872,"orig":"Vitalis empfand augenblicklich, wie wenn ihn eine Hand auf's Herz ſchlüge, ohne daß es ihm jedoch dünkte, weh' zu thun.","norm":"Vitalis empfand augenblicklich, wie wenn ihn eine Hand aufs Herz schlüge, ohne dass es ihm jedoch dünkte, wehe.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.47569990158081} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":645,"date":1872,"orig":"Beklemmt ſperrte er die Augen und den Mund auf und ſtand da.","norm":"Beklemmt sperrte er die Augen und den Mund auf und stand da.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.356100082397461} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":646,"date":1872,"orig":"Jole aber fuhr fort, indem ſie noch röther wurde, und ſagte leiſe und ſanft:","norm":"Jole aber fuhr fort, indem sie noch röter wurde, und sagte leise und sanft:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.516300201416016} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":647,"date":1872,"orig":"„Nun mußt du mir auch noch dies neue Unheil ausreden und verbannen, um mich gänzlich vom Uebel zu befreien, und ich hoffe, daß es dir gelingen werde!“","norm":"„Nun musst du mir auch noch dies neue Unheil ausreden und verbannen, um mich gänzlich vom Übel zu befreien, und ich hoffe, dass es dir gelingen werde!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.706899881362915} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":648,"date":1872,"orig":"Vitalis, ohne ein Wort zu ſagen, machte kehrt um und rannte aus dem Hauſe.","norm":"Vitalis, ohne ein Wort zu sagen, machte kehrt um und rannte aus dem Hause.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.929600000381469} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":649,"date":1872,"orig":"Er lief in den ſilbergrauen Morgen hinaus, ſtatt ſein Lager aufzuſuchen, und überlegte, ob er dieſe verdächtige junge Perſon ein für allemal ihrem Schickſal überlaſſen oder verſuchen ſolle, ihr dieſe letzte Grille auch noch auszutreiben, welche ihm die bedenklichſte von allen und für ihn ſelbſt nicht ganz ungefährlich ſchien.","norm":"Er lief in den silbergrauen Morgen hinaus, statt sein Lager aufzusuchen, und überlegte, ob er diese verdächtige junge Person ein für allemal ihrem Schicksal überlassen oder versuchen solle, ihr diese letzte Grille auch noch auszutreiben, welche ihm die bedenklichste von allen und für ihn selbst nicht ganz ungefährlich schien.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.056399822235107} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":650,"date":1872,"orig":"Doch eine zornige Schamröthe ſtieg ihm in's Haupt bei den Gedanken, daß dergleichen für ihn ſelbſt gefährlich ſein ſollte; aber dann fiel ihm gleich wieder ein, daß der Teufel ihm ein Netz geſtellt haben könnte, und wenn dem ſo wäre, ſo ſei dieſes am Beſten bei Zeiten zu fliehen.","norm":"Doch eine zornige Schamröte stieg ihm ins Haupt bei den Gedanken, dass dergleichen für ihn selbst gefährlich sein sollte; aber dann fiel ihm gleich wieder ein, dass der Teufel ihm ein Netz gestellt haben könnte, und wenn dem so wäre, so sei dieses am besten beizeiten zu fliehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.103300094604492} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":651,"date":1872,"orig":"Aber feldflüchtig werden vor ſolchem federleichten Teufelsſpuck?","norm":"Aber feldflüchtig werden vor solchem federleichten Teufelsspuk?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":6.170499801635742} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":652,"date":1872,"orig":"Und wenn das arme Geſchöpfchen wirklich es gut meinte und durch einige kräftige grobe Worte von ſeiner letzten unzukömmlichen Phantaſie zu heilen wäre?","norm":"Und wenn das arme Geschöpfchen wirklich es gut meinte und durch einige kräftige grobe Worte von seiner letzten unzukömmlichen Phantasie zu heilen wäre?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":6.107600212097168} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":653,"date":1872,"orig":"Kurz, Vitalis konnte nicht mit ſich einig werden, und das um ſo weniger, als auf dem Grunde ſeines Herzens bereits ein dunkles Wogen das Schifflein ſeiner Vernunft zum Schaukeln brachte.","norm":"Kurz, Vitalis konnte nicht mit sich einig werden, und das um so weniger, als auf dem Grunde seines Herzens bereits ein dunkles Wogen das Schifflein seiner Vernunft zum Schaukeln brachte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.4552998542785645} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":654,"date":1872,"orig":"Er ſchlüpfte daher in ſeiner Bedrängniß in ein Gotteshäuschen, wo vor Kurzem ein ſchönes altes Marmorbild der Göttin Juno, mit einem goldenen Heiligenſchein verſehen, als Marienbild aufgeſtellt worden war, um dieſe Gottesgabe der Kunſt nicht umkommen zu laſſen.","norm":"Er schlüpfte daher in seiner Bedrängnis in ein Gotteshäuschen, wo vor Kurzem ein schönes altes Marmorbild der Göttin Juno, mit einem goldenen Heiligenschein versehen, als Marienbild aufgestellt worden war, um diese Gottesgabe der Kunst nicht umkommen zu lassen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.955800056457519} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":655,"date":1872,"orig":"Vor dieſer Maria warf er ſich nieder und trug ihr inbrünſtig ſeinen Zweifel vor und er bat ſeine Meiſterin um ein Zeichen.","norm":"Vor dieser Maria warf er sich nieder und trug ihr inbrünstig seinen Zweifel vor und er bat seine Meisterin um ein Zeichen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.592299938201904} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":656,"date":1872,"orig":"Wenn ſie mit dem Kopfe nickte, ſo wolle er die Bekehrung vollenden, wenn ſie ihn ſchüttle, ſo wolle er davon abſtehen.","norm":"Wenn sie mit dem Kopfe nickte, so wolle er die Bekehrung vollenden, wenn sie ihn schüttle, so wolle er davon abstehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.518100023269653} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":657,"date":1872,"orig":"Allein das Bild ließ ihn in der grauſamſten Ungewißheit und that keins von beidem, weder nickte es, noch ſchüttelte es den Kopf.","norm":"Allein das Bild ließ ihn in der grausamsten Ungewissheit und tat keins von beidem, weder nickte es, noch schüttelte es den Kopf.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.980200052261352} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":658,"date":1872,"orig":"Nur als ein röthlicher Schein vorüberziehender Frühwolken über den Marmor flog, ſchien das Geſicht auf das holdeſte zu lächeln, mochte es nun ſein, daß die alte Göttin, die Beſchützerin ehelicher Zucht und Sitte, ſich bemerklich machte, oder daß die neue über die Noth ihres Verehrers lachen mußte; denn im Grunde waren beides Frauen und dieſe lächert es immer, wenn ein Liebeshandel im Anzug iſt.","norm":"Nur als ein rötlicher Schein vorüberziehender Frühwolken über den Marmor flog, schien das Gesicht auf das holdeste zu lächeln, mochte es nun sein, dass die alte Göttin, die Beschützerin ehelicher Zucht und Sitte, sich bemerkbar machte, oder dass die neue über die Not ihres Verehrers lachen musste; denn im Grunde waren beides Frauen und diese lächert es immer, wenn ein Liebeshandel im Anzug ist.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.7281999588012695} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":659,"date":1872,"orig":"Aber Vitalis wurde davon nicht klüger; im Gegentheil machte ihm die Schönheit des Anblickes noch wunderlicher zu Muth, ja merkwürdiger Weiſe ſchien das Bild die Züge der erröthenden Jole anzunehmen, welche ihn aufforderte ihr die Liebe zu ihm aus dem Sinne zu treiben.","norm":"Aber Vitalis wurde davon nicht klüger; im Gegenteil machte ihm die Schönheit des Anblickes noch wunderlicher zu Mut, ja merkwürdigerweise schien das Bild die Züge der errötenden Jole anzunehmen, welche ihn aufforderte ihr die Liebe zu ihm aus dem Sinne zu treiben.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.042200088500977} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":660,"date":1872,"orig":"Indeſſen wandelte um die gleiche Zeit der Vater Joles unter den Cypreſſen ſeines Gartens umher; er hatte einige ſehr ſchöne neue Steine erworben, deren Bildwerke ihn ſo früh auf die Beine gebracht.","norm":"Indessen wandelte um die gleiche Zeit der Vater Joles unter den Zypressen seines Gartens umher; er hatte einige sehr schöne neue Steine erworben, deren Bildwerke ihn so früh auf die Beine gebracht.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.236700057983398} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":661,"date":1872,"orig":"Entzückt betrachtete er dieſelben, indem er ſie in der aufgehenden Sonne ſpielen ließ.","norm":"Entzückt betrachtete er dieselben, indem er sie in der aufgehenden Sonne spielen ließ.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.19920015335083} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":662,"date":1872,"orig":"Da war ein nächtlicher Amethyſt, worauf Luna ihren Wagen durch den Himmel führte, nicht ahnend, daß ſich Amor hinten aufgehockt, während umherſchwärmende Amoretten auf griechiſch ihr zuriefen:","norm":"Da war ein nächtlicher Amethyst, worauf Luna ihren Wagen durch den Himmel führte, nicht ahnend, dass sich Amor hinten aufgehockt, während umherschwärmende Amoretten auf Griechisch ihr zuriefen:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.019700050354004} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":663,"date":1872,"orig":"Es ſitzt Einer hintenauf!","norm":"Es sitzt Einer hinten auf!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":8.01360034942627} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":664,"date":1872,"orig":"Ein prächtiger Onix zeigte Minerva, welche achtlos ſinnend den Amor auf dem Schoße hielt, der mit ſeiner Hand eifrig ihren Bruſtharniſch polirte, um ſich darin zu ſpiegeln.","norm":"Ein prächtiger Onyx zeigte Minerva, welche achtlos sinnend den Amor auf dem Schoß hielt, der mit seiner Hand eifrig ihren Brustharnisch polierte, um sich darin zu spiegeln.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.969599962234497} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":665,"date":1872,"orig":"Auf einem Carneol endlich tummelte ſich Amor als ein Salamander in einem veſtaliſchen Feuer herum und ſetzte die Hüterin desſelben in Verwirrung und Schrecken.","norm":"Auf einem Karneol endlich tummelte sich Amor als ein Salamander in einem vestalischen Feuer herum und setzte die Hüterin desselben in Verwirrung und Schrecken.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.014900207519531} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":666,"date":1872,"orig":"Dieſe Scenen reizten den Alten zu einigen Diſtichen und er beſann ſich, welches er zuerſt in Angriff nehmen wolle, als ſein Töchterchen Jole blaß und überwacht durch den Garten kam.","norm":"Diese Szenen reizten den Alten zu einigen Distichen und er besann sich, welches er zuerst in Angriff nehmen wolle, als sein Töchterchen Jole blass und überwacht durch den Garten kam.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.189199924468994} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":667,"date":1872,"orig":"Beſorgt und verwundert rief er ſie an und fragte, was ihr den Schlaf geraubt habe?","norm":"Besorgt und verwundert rief er sie an und fragte, was ihr den Schlaf geraubt habe?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.437000036239624} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":668,"date":1872,"orig":"Ehe ſie aber antworten konnte, zeigte er ihr ſeine Kleinode und erklärte ihr den Sinn derſelben.","norm":"Ehe sie aber antworten konnte, zeigte er ihr seine Kleinode und erklärte ihr den Sinn derselben.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.000100135803223} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":669,"date":1872,"orig":"Da that ſie einen tiefen Seufzer und ſagte: „Ach, wenn alle dieſe großen Mächte, die Keuſchheit ſelbſt, die Weisheit und die Religion ſich nicht vor der Liebe bewahren können, wie ſoll ich armes unbedeutendes Geſchöpf mich wider ſie befeſtigen?“","norm":"Da tat sie einen tiefen Seufzer und sagte: „Ach, wenn alle diese großen Mächte, die Keuschheit selbst, die Weisheit und die Religion sich nicht vor der Liebe bewahren können, wie soll ich armes unbedeutendes Geschöpf mich wider sie befestigen?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.8111000061035156} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":670,"date":1872,"orig":"Ueber dieſe Worte erſtaunte der alte Herr nicht wenig.","norm":"Über diese Worte erstaunte der alte Herr nicht wenig.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.429100036621094} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":671,"date":1872,"orig":"„Was muß ich hören?“ ſagte er, „ſollte dich das Geſchoß des ſtarken Eros getroffen haben?“","norm":"„Was muss ich hören?“ sagte er, „sollte dich das Geschoss des starken Eros getroffen haben?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.783299922943115} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":672,"date":1872,"orig":"„Es hat mich durchbohrt, erwiederte ſie, „und wenn ich nicht binnen Tag und Nacht im Beſitz des Mannes bin, welchen ich liebe, ſo bin ich des Todes!“","norm":"„Es hat mich durchbohrt, erwiderte sie, „und wenn ich nicht binnen Tag und Nacht im Besitz des Mannes bin, welchen ich liebe, so bin ich des Todes!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.448499917984009} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":673,"date":1872,"orig":"Obgleich nun der Vater gewohnt war, ihr in allem zu willfahren, was ſie begehrte, ſo war ihm dieſe Eile jetzt doch etwas zu heftig und er mahnte die Tochter zu Ruhe und Beſonnenheit.","norm":"Obgleich nun der Vater gewohnt war, ihr in allem zu willfahren, was sie begehrte, so war ihm diese Eile jetzt doch etwas zu heftig und er mahnte die Tochter zu Ruhe und Besonnenheit.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.98009991645813} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":674,"date":1872,"orig":"Letztere fehlte ihr aber keineswegs und ſie gebrauchte dieſelbe ſo gut, daß der Alte ausrief:","norm":"Letztere fehlte ihr aber keineswegs und sie gebrauchte dieselbe so gut, dass der Alte ausrief:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.056900024414062} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":675,"date":1872,"orig":"„So ſoll ich denn die elendeſte aller Vaterpflichten ausüben, indem ich nach dem Erwählten, nach dem Männchen auslaufe und es an der Naſe zum Beſten hinführe, was ich mein nenne, und ihn bitte, doch ja Beſitz davon zu nehmen?","norm":"„So soll ich denn die elendeste aller Vaterpflichten ausüben, indem ich nach dem Erwählten, nach dem Männchen auslaufe und es an der Nase zum Besten hinführe, was ich mein nenne, und ihn bitte, doch ja Besitz davon zu nehmen?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.340799808502197} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":676,"date":1872,"orig":"Hier iſt ein ſchmuckes Weibchen, lieber Herr, bitte, verſchmäh es nicht?","norm":"Hier ist ein schmuckes Weibchen, lieber Herr, bitte, verschmäh es nicht?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.748199939727783} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":677,"date":1872,"orig":"Ich möchte dir zwar lieber einige Ohrfeigen geben, aber das Töchterchen will ſterben und ich muß höflich ſein!","norm":"Ich möchte dir zwar lieber einige Ohrfeigen geben, aber das Töchterchen will sterben und ich muss höflich sein!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.063899993896484} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":678,"date":1872,"orig":"Alſo laß' dir's doch in Gnaden belieben, genieße um's Himmels willen das Paſtetchen, das ſich dir bietet!","norm":"Also lass dir es doch in Gnaden belieben, genieße ums Himmels Willen das Pastetchen, das sich dir bietet!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.717299938201904} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":679,"date":1872,"orig":"Es iſt trefflich gebacken und ſchmilzt dir auf der Zunge!“","norm":"Es ist trefflich gebacken und schmilzt dir auf der Zunge!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.844900131225586} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":680,"date":1872,"orig":"„Alles das iſt uns erſpart,“ ſagte Jole, „denn wenn du es nur erlaubſt, ſo hoffe ich ihn dazu zu bringen, daß er von ſelbſt kommt und um mich anhält.“","norm":"„Alles das ist uns erspart,“ sagte Jole, „denn wenn du es nur erlaubst, so hoffe ich ihn dazu zu bringen, dass er von selbst kommt und um mich anhält .“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.80649995803833} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":681,"date":1872,"orig":"„Und wenn er alsdann, den ich gar nicht kenne, ein Schlingel und ein Taugenichts iſt?“","norm":"„Und wenn er alsdann, den ich gar nicht kenne, ein Schlingel und ein Taugenichts ist?“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.671400070190429} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":682,"date":1872,"orig":"„„Dann ſoll er mit Schimpf weggejagt werden!","norm":"„„Dann soll er mit Schimpf weggejagt werden!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.510799884796143} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":683,"date":1872,"orig":"Er iſt aber ein Heiliger!““","norm":"Er ist aber ein Heiliger!“ “","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.516900062561035} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":684,"date":1872,"orig":"„So geh' denn und überlaß mich den Muſen! ſagte der gute Alte.","norm":"„So gehe denn und überlasse mich den Musen! sagte der gute Alte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.851600170135498} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":685,"date":1872,"orig":"Als der Abend kam, folgte die Nacht nicht ſo ſchnell der Dämmerung, als Vitalis hinter Jole her im bekannten Häuschen erſchien.","norm":"Als der Abend kam, folgte die Nacht nicht so schnell der Dämmerung, als Vitalis hinter Jole her im bekannten Häuschen erschien.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.47569990158081} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":686,"date":1872,"orig":"Aber ſo war er noch nie hier eingetreten.","norm":"Aber so war er noch nie hier eingetreten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.1803998947143555} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":687,"date":1872,"orig":"Das Herz klopfte ihm und er mußte empfinden, was es heiße, ein Weſen wieder zu ſehen, das einen ſolchen Trumpf ausgeſpielt hat.","norm":"Das Herz klopfte ihm und er musste empfinden, was es heiße, ein Wesen wiederzusehen, das einen solchen Trumpf ausgespielt hat.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.109399795532227} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":688,"date":1872,"orig":"Ein anderer Vitalis ſtieg die Treppe hinauf, als in der Frühe heruntergeſtiegen war, obſchon er ſelbſt am wenigſten davon verſtand, da der arme Mädchenbekehrer und verrufene Mönch nicht einmal den Unterſchied zwiſchen dem Lächeln einer Buhldirne und demjenigen einer ehrlichen Frau gekannt hatte.","norm":"Ein anderer Vitalis stieg die Treppe hinauf, als in der Frühe heruntergestiegen war, obschon er selbst am wenigsten davon verstand, da der arme Mädchenbekehrer und verrufene Mönch nicht einmal den Unterschied zwischen dem Lächeln einer Buhldirne und demjenigen einer ehrlichen Frau gekannt hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.230800151824951} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":689,"date":1872,"orig":"Doch kam er immerhin in der guten Meinung und mit dem alten Vorſatze, dem Ungeheuerchen jetzt endlich alle unnützen Gedanken aus dem Köpfchen zu treiben; nur ſchwebte ihm vor, als ob er nach gelungenem Werke dann doch etwa eine Pauſe in ſeiner Märtyrthätigkeit ſich erlauben möchte, zumal ihn dieſe ſehr zu ermüden begann.","norm":"Doch kam er immerhin in der guten Meinung und mit dem alten Vorsatze, dem Ungeheuerchen jetzt endlich alle unnützen Gedanken aus dem Köpfchen zu treiben; nur schwebte ihm vor, als ob er nach gelungenem Werke dann doch etwa eine Pause in seiner Märtyrthätigkeit sich erlauben möchte, zumal ihn diese sehr zu ermüden begann.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.809100151062012} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":690,"date":1872,"orig":"Aber es war ihm beſchieden, daß in dieſer verhexten Behauſung ſtets neue Ueberraſchungen ſeiner warteten.","norm":"Aber es war ihm beschieden, dass in dieser verhexten Behausung stets neue Überraschungen seiner warteten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.92549991607666} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":691,"date":1872,"orig":"Als er jetzt das Gemach betrat, war es auf's Anmuthigſte ausgeziert und mit allen Wohnlichkeiten verſehen.","norm":"Als er jetzt das Gemach betrat, war es aufs Anmutigste ausgeziert und mit allen Wohnlichkeiten versehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.605299949645996} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":692,"date":1872,"orig":"Ein fein einſchmeichelnder Blumenduft erfüllte den Raum und ſtimmte zu einer gewiſſen ſittigen Weltlichkeit; auf einem blühweißen Ruhebett, an deſſen Seide kein unordentliches Fältchen ſichtbar war, ſaß Jole herrlich geſchmückt, in ſüß bekümmerter Melancholie, gleich einem ſpintiſirenden Engel.","norm":"Ein fein einschmeichelnder Blumenduft erfüllte den Raum und stimmte zu einer gewissen sittigen Weltlichkeit; auf einem blühweißen Ruhebett, an dessen Seide kein unordentliches Fältchen sichtbar war, saß Jole herrlich geschmückt, in süß bekümmerter Melancholie, gleich einem spintisierenden Engel.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.660799980163574} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":693,"date":1872,"orig":"Unter dem ſchönfaltigen Bruſtkleide wogte es ſo rauh, wie der Sturm in einem Milchbecher, und ſo ſchön die weißen Arme erglänzten, die ſie unter der Bruſt übereinander gelegt hatte, ſo ſah doch all' dieſer Reiz ſo geſetzlich und erlaubt in die Welt, daß Vitaliſens gewohnte Redekunſt in ſeinem Halſe ſtecken blieb.","norm":"Unter dem schönfaltigen Brustkleide wogte es so rau, wie der Sturm in einem Milchbecher, und so schön die weißen Arme erglänzten, die sie unter der Brust übereinander gelegt hatte, so sah doch alle dieser Reiz so gesetzlich und erlaubt in die Welt, dass Vitalisens gewohnte Redekunst in seinem Halse stecken blieb.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.946199893951416} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":694,"date":1872,"orig":"„Du biſt verwundert, ſchönſter Mönch!“ begann Jole, „dieſen Staat und Putz hier zu finden!","norm":"„Du bist verwundert, schönster Mönch!“ begann Jole, „diesen Staat und Putz hier zu finden!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.999100208282471} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":695,"date":1872,"orig":"Wiſſe, dies iſt der Abſchied, den ich von der Welt zu nehmen gedenke, und damit will ich zugleich die Neigung ablegen, die ich leider zu dir empfinden muß.","norm":"Wisse, dies ist der Abschied, den ich von der Welt zu nehmen gedenke, und damit will ich zugleich die Neigung ablegen, die ich leider zu dir empfinden muss.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.611799955368042} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":696,"date":1872,"orig":"Allein dazu ſollſt du mir helfen nach deinem beſten Vermögen und auf die Art, wie ich mir ausgedacht habe und wie ich von dir verlange.","norm":"Allein dazu sollst du mir helfen nach deinem besten Vermögen und auf die Art, wie ich mir ausgedacht habe und wie ich von dir verlange.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.025100231170654} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":697,"date":1872,"orig":"Wenn du nämlich in dieſem Gewande und als geiſtlicher Mann zu mir ſprichſt, ſo iſt das immer das Gleiche, und das Gebaren eines Klerikers vermag mich nicht zu überzeugen, da ich der Welt angehöre.","norm":"Wenn du nämlich in diesem Gewande und als geistlicher Mann zu mir sprichst, so ist das immer das Gleiche, und das Gebaren eines Klerikers vermag mich nicht zu überzeugen, da ich der Welt angehöre.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.6470999717712402} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":698,"date":1872,"orig":"Ich kann nicht durch einen Mönch von der Liebe geheilt werden, da er ſie nicht kennt und nicht weiß, von was er ſpricht.","norm":"Ich kann nicht durch einen Mönch von der Liebe geheilt werden, da er sie nicht kennt und nicht weiß, von was er spricht.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.275099992752075} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":699,"date":1872,"orig":"Iſt es dir daher recht, mir Ruhe zu geben und mich dem Himmel zuzuwenden, ſo geh' in jenes Kämmerlein, wo weltliche Gewänder bereit liegen.","norm":"Ist es dir daher recht, mir Ruhe zu geben und mich dem Himmel zuzuwenden, so gehe in jenes Kämmerlein, wo weltliche Gewänder bereitliegen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.8951001167297363} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":700,"date":1872,"orig":"Dort vertauſche deinen Mönchshabit mit jenen, ſchmücke dich als Weltmann, ſetze dich nachher zu mir, um gemeinſam mit mir ein kleines Mahl einzunehmen, und in dieſer weltlichen Lage biete alsdann all' deinen Scharfſinn und Verſtand auf, mich von dir ab und der Gottſeligkeit zuzudrängen!“","norm":"Dort vertausche deinen Mönchshabit mit jenen, schmücke dich als Weltmann, setze dich nachher zu mir, um gemeinsam mit mir ein kleines Mahl einzunehmen, und in dieser weltlichen Lage biete alsdann alle deinen Scharfsinn und Verstand auf, mich von dir ab und der Gottseligkeit zuzudrängen!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.809999942779541} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":701,"date":1872,"orig":"Vitalis erwiederte hierauf nichts, ſondern beſann ſich eine Weile; ſodann beſchloß er, alle Beſchwerde nun mit Einem Schlage zu enden und den Weltteufel wirklich mit ſeinen eigenen Waffen zu Paaren zu treiben, indem er auf Joles eigenſinnigen Vorſchlag einginge.","norm":"Vitalis erwiderte hierauf nichts, sondern besann sich eine Weile; sodann beschloss er, alle Beschwerde nun mit einem Schlage zu enden und den Weltteufel wirklich mit seinen eigenen Waffen zu Paaren zu treiben, indem er auf Joles eigensinnigen Vorschlag einginge.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.632800102233887} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":702,"date":1872,"orig":"Er begab ſich alſo wirklich in das anſtoßende Gemach, wo ein paar Knechtlein mit prächtigen Gewändern in Linnen und Purpur ſeiner harrten.","norm":"Er begab sich also wirklich in das anstoßende Gemach, wo ein paar Knechtlein mit prächtigen Gewändern in Linnen und Purpur seiner harrten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.428999900817871} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":703,"date":1872,"orig":"Kaum hatte er dieſelben angezogen, ſo ſchien er um einen Kopf höher zu ſein, und er ſchritt mit edlem Anſtand zu Jolen zurück, welche mit den Augen an ihm hing und freudevoll in die Hände klatſchte.","norm":"Kaum hatte er dieselben angezogen, so schien er um einen Kopf höher zu sein, und er schritt mit edlem Anstand zu Jollen zurück, welche mit den Augen an ihm hing und freudevoll in die Hände klatschte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.021399974822998} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":704,"date":1872,"orig":"Nun geſchah aber ein wahres Wunder und eine ſeltſame Umwandelung mit dem Mönch; denn kaum ſaß er in ſeinem weltlichen Staat neben dem anmuthvollen Weibe, ſo war die nächſte Vergangenheit wie weggeblaſen aus ſeinem Gehirn und er vergaß gänzlich ſeines Vorſatzes.","norm":"Nun geschah aber ein wahres Wunder und eine seltsame Umwandelung mit dem Mönch; denn kaum saß er in seinem weltlichen Staat neben dem anmutvollen Weibe, so war die nächste Vergangenheit wie weggeblasen aus seinem Gehirn und er vergaß gänzlich seines Vorsatzes.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.406499862670898} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":705,"date":1872,"orig":"Anſtatt ein einziges Wort hervorzubringen, lauſchte er begierig auf Joles Worte, welche ſeine Hand ergriffen hatte und ihm nun ihre wahre Geſchichte erzählte, nämlich wer ſie ſei, wo ſie wohne und wie es ihr ſehnlichſter Wunſch wäre, daß er ſeine eigenthümliche Lebensweiſe verlaſſen und bei ihrem Vater ſich um ihre Hand bewerben möchte, auf daß er ein guter und Gott gefälliger Ehemann würde.","norm":"Anstatt ein einziges Wort hervorzubringen, lauschte er begierig auf Joles Worte, welche seine Hand ergriffen hatte und ihm nun ihre wahre Geschichte erzählte, nämlich wer sie sei, wo sie wohne und wie es ihr sehnlichster Wunsch wäre, dass er seine eigentümliche Lebensweise verlassen und bei ihrem Vater sich um ihre Hand bewerben möchte, auf dass er ein guter und Gott gefälliger Ehemann würde.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.614500045776367} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":706,"date":1872,"orig":"Sie ſagte noch viele wunderſame Dinge in den zierlichſten Worten, über eine glückliche und tugendreiche Liebesgeſchichte, ſchloß aber mit dem Seufzer, daß ſie wohl einſehe, wie vergeblich ihre Sehnſucht ſei, und daß er nun ſich bemühen möge, ihr alle dieſe Dinge auszureden, aber nicht, bevor er ſich durch Speiſe und Trank gehörig dazu geſtärkt habe.","norm":"Sie sagte noch viele wundersame Dinge in den zierlichsten Worten, über eine glückliche und tugendreiche Liebesgeschichte, schloss aber mit dem Seufzer, dass sie wohl einsehe, wie vergeblich ihre Sehnsucht sei, und dass er nun sich bemühen möge, ihr alle diese Dinge auszureden, aber nicht, bevor er sich durch Speise und Trank gehörig dazu gestärkt habe.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.666399955749511} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":707,"date":1872,"orig":"Nun trugen auf ihren Wink ihre Leute Trinkgefäße auf den Tiſch nebſt einem Körbchen mit Backwerk und Früchten.","norm":"Nun trugen auf ihren Wink ihre Leute Trinkgefäße auf den Tisch nebst einem Körbchen mit Backwerk und Früchten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.069200038909912} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":708,"date":1872,"orig":"Jole miſchte dem ſtillen Vitalis eine Schale Wein und reichte ihm liebevoll etwas zu eſſen, ſo daß er ſich wie zu Hauſe fühlte und ihm faſt ſeine Kinderjahre in den Sinn kamen, wo er als Knäbchen zärtlich von ſeiner Mutter geſpeiſ't worden.","norm":"Jole mischte dem stillen Vitalis eine Schale Wein und reichte ihm liebevoll etwas zu essen, so dass er sich wie zu Hause fühlte und ihm fast seine Kinderjahre in den Sinn kamen, wo er als Knabchen zärtlich von seiner Mutter gespeist worden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.476600170135498} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":709,"date":1872,"orig":"Er aß und trank, und als dies geſchehen, da war es ihm, als ob er nun vorerſt von langer Mühſal ausruhen möchte, und ſiehe da, mein Vitalis neigte ſein Haupt zur Seite, nach Jolen hin, und ſchlief ohne Säumniß ein und bis die Sonne aufging.","norm":"Er aß und trank, und als dies geschehen, da war es ihm, als ob er nun vorerst von langer Mühsal ausruhen möchte, und siehe da, mein Vitalis neigte sein Haupt zur Seite, nach Jollen hin, und schlief ohne Säumnis ein und bis die Sonne aufging.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.136600017547607} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":710,"date":1872,"orig":"Als er erwachte, war er allein und Niemand weder zu ſehen noch zu hören.","norm":"Als er erwachte, war er allein und niemand weder zu sehen noch zu hören.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.025099992752075} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":711,"date":1872,"orig":"Heftig ſprang er auf und erſchrack über das glänzende Gewand in dem er ſteckte; haſtig ſtürmte er durch das Haus von oben bis unten, ſeine Mönchskutte zu ſuchen; aber nicht die kleinſte Spur war davon zu finden, bis er in einem kleinen Höfchen Kohlen und Aſche ſah, auf welchen ein halbverbrannter Aermel ſeines Prieſtergewandes lag, ſo daß er mit Recht vermuthete, dasſelbe ſei hier feierlich verbrannt worden.","norm":"Heftig sprang er auf und erschrak über das glänzende Gewand in dem er steckte; hastig stürmte er durch das Haus von oben bis unten, seine Mönchskutte zu suchen; aber nicht die kleinste Spur war davon zu finden, bis er in einem kleinen Höfchen Kohlen und Asche sah, auf welchen ein halbverbrannter Ärmel seines Priestergewandes lag, so dass er mit Recht vermutete, dasselbe sei hier feierlich verbrannt worden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.991300106048584} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":712,"date":1872,"orig":"Er ſteckte nun vorſichtig den Kopf bald durch dieſe, bald durch jene Oeffnung auf die Straße und zog ſich jedesmal zurück, wenn Jemand nahte.","norm":"Er steckte nun vorsichtig den Kopf bald durch diese, bald durch jene Öffnung auf die Straße und zog sich jedes Mal zurück, wenn Jemand nahte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.6956000328063965} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":713,"date":1872,"orig":"Endlich warf er ſich auf das ſeidene Ruhebett, ſo bequem und läßig, als ob er nie auf einem harten Mönchslager geruht hätte; dann raffte er ſich zuſammen, ordnete das Gewand und ſchlich aufgeregt an die Hausthüre.","norm":"Endlich warf er sich auf das seidene Ruhebett, so bequem und lässig, als ob er nie auf einem harten Mönchslager geruht hätte; dann raffte er sich zusammen, ordnete das Gewand und schlich aufgeregt an die Haustür.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.968600034713745} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":714,"date":1872,"orig":"Dort zögerte er noch ein Weilchen; plötzlich aber riß er ſie weit auf und ging mit Glanz und Würde in's Freie.","norm":"Dort zögerte er noch ein Weilchen; plötzlich aber riss er sie weit auf und ging mit Glanz und Würde ins Freie.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.940799951553344} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":715,"date":1872,"orig":"Niemand erkannte ihn, Alles hielt ihn für einen großen Herrn aus der Ferne, welcher ſich hier zu Alexandria einige gute Tage mache.","norm":"Niemand erkannte ihn, alles hielt ihn für einen großen Herrn aus der Ferne, welcher sich hier zu Alexandria einige gute Tage mache.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.048900127410889} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":716,"date":1872,"orig":"Er ſah indeſſen weder rechts noch links, ſonſt würde er Jole auf der Zinne ihres Hauſes geſehen haben.","norm":"Er sah indessen weder rechts noch links, sonst würde er Jole auf der Zinne ihres Hauses gesehen haben.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.866799831390381} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":717,"date":1872,"orig":"So ging er denn geraden Weges nach ſeinem Kloſter, wo aber ſämmtliche Mönche ſammt ihrem Vorſteher eben beſchloſſen hatten, ihn aus ihrer Mitte zu verſtoßen, weil das Maß ſeiner Sünden nun voll ſei und er nur zum Aergerniß und Schaden der Kirche gereiche.","norm":"So ging er denn geraden Weges nach seinem Kloster, wo aber sämtliche Mönche samt ihrem Vorsteher eben beschlossen hatten, ihn aus ihrer Mitte zu verstoßen, weil das Maß seiner Sünden nun voll sei und er nur zum Ärgernis und Schaden der Kirche gereiche.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.2855000495910645} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":718,"date":1872,"orig":"Als ſie ihn gar in ſeinem weltlichen hoffärtigen Aufzuge ankommen ſahen, ſtieß das dem Faße ihrer Langmuth vollends den Boden aus; ſie beſprengten und begoßen ihn mit Waſſer von allen Seiten und trieben ihn mit Kreuzen, Beſen, Gabeln und Kochlöffeln aus dem Kloſter.","norm":"Als sie ihn gar in seinem weltlichen hoffärtigen Aufzug ankommen sahen, stieß das dem Fass ihrer Langmut vollends den Boden aus; sie besprengten und begossen ihn mit Wasser von allen Seiten und trieben ihn mit Kreuzen, Besen, Gabeln und Kochlöffeln aus dem Kloster.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.234799861907959} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":719,"date":1872,"orig":"Dieſe ſchnöde Behandlung wäre ihm zu anderer Zeit ein Hochgenuß und Triumph ſeines Märtyrthums geweſen.","norm":"Diese schnöde Behandlung wäre ihm zu anderer Zeit ein Hochgenuss und Triumph seines Märtyrthums gewesen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.493500232696533} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":720,"date":1872,"orig":"Jetzt lachte er zwar auch innwendig, aber in ziemlich anderm Sinne.","norm":"Jetzt lachte er zwar auch inwendig, aber in ziemlich anderem Sinne.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.833399772644043} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":721,"date":1872,"orig":"Noch ging er einmal um die Ringmauern der Stadt herum und ließ ſeinen rothen Mantel im Winde fliegen; eine herrliche Luft wehte vom heiligen Lande her über das blitzende Meer, aber Vitalis wurde immer weltlicher im Gemüth und unverſehens lenkte er ſeinen Gang wieder in die geräuſchvollen Straßen der Stadt, ſuchte des Haus, wo Jole wohnte, und erfüllte deren Willen.","norm":"Noch ging er einmal um die Ringmauern der Stadt herum und ließ seinen roten Mantel im Winde fliegen; eine herrliche Luft wehte vom heiligen Lande her über das blitzende Meer, aber Vitalis wurde immer weltlicher im Gemüt und unversehens lenkte er seinen Gang wieder in die geräuschvollen Straßen der Stadt, suchte des Haus, wo Jole wohnte, und erfüllte deren Willen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.335899829864502} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":722,"date":1872,"orig":"Er wurde jetzt ein eben ſo trefflicher und vollkommener Weltmann und Gatte, als er ein Märtyrer geweſen war; die Kirche aber, als ſie den wahren Thatbeſtand vernahm, war untröſtlich über den Abgang eines ſolchen Heiligen und wendete Alles an, den Flüchtigen wieder in ihren Schoß zu ziehen.","norm":"Er wurde jetzt ein eben so trefflicher und vollkommener Weltmann und Gatte, als er ein Märtyrer gewesen war; die Kirche aber, als sie den wahren Tatbestand vernahm, war untröstlich über den Abgang eines solchen Heiligen und wendete alles an, den Flüchtigen wieder in ihren Schoß zu ziehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.025199890136719} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":723,"date":1872,"orig":"Allein Jole hielt ihn feſt und meinte, er ſei bei ihr gut genug aufgehoben.","norm":"Allein Jole hielt ihn fest und meinte, er sei bei ihr gut genug aufgehoben.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.146500110626221} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":724,"date":1872,"orig":"Dorotheas Blumenkörbchen.","norm":"Dorotheas Blumenkörbchen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"gl","lang_de":0.667,"norm_lmscore":4.180200099945068} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":725,"date":1872,"orig":"Aber ſich ſo verlieren, iſt mehr ſich finden.","norm":"Aber sich so verlieren, ist mehr sich finden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.980199813842773} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":726,"date":1872,"orig":"Franciscus Ludovicus Bloſius, Geiſtlicher Unterricht, Cap. 12.","norm":"Franciscus Ludovicus Blosius, Geistlicher Unterricht, Cap. 12.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"la","lang_de":0.667,"norm_lmscore":4.986100196838379} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":727,"date":1872,"orig":"Am ſüdlichen Ufer des Pontus euxinus, unweit der Mündung des Fluſſes Halys, lag im Lichte des hellſten Frühlingsmorgens ein römiſches Landhaus.","norm":"Am südlichen Ufer des Pontus euxinus, unweit der Mündung des Flusses Halys, lag im Lichte des hellsten Frühlingsmorgens ein römisches Landhaus.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.519499778747559} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":728,"date":1872,"orig":"Von den Waſſern des Pontus her trug ein Nordoſtwind erfriſchende Kühle durch die Gärten, daß es den Heiden und den heimlichen Chriſten ſo wohlig zu Muthe war, wie den zitternden Blättern an den Bäumen.","norm":"Von den Wassern des Pontus her trug ein Nordostwind erfrischende Kühle durch die Gärten, dass es den Heiden und den heimlichen Christen so wohlig zu Mute war, wie den zitternden Blättern an den Bäumen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.639800071716309} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":729,"date":1872,"orig":"In einer Laube am Meere ſtand abgeſchieden von der übrigen Welt ein junges Paar, ein hübſcher junger Mann gegenüber dem allerzarteſten Mädchen.","norm":"In einer Laube am Meere stand abgeschieden von der übrigen Welt ein junges Paar, ein hübscher junger Mann gegenüber dem allerzartesten Mädchen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.277999877929687} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":730,"date":1872,"orig":"Dieſes hielt eine große, ſchöngeſchnittene Schaale empor, aus durchſcheinendem röthlichem Steine gemacht, um ſie von dem Jünglinge bewundern zu laſſen, und die Morgenſonne ſtrahlte gar herrlich durch die Schaale, deren rother Schein auf dem Geſichte des Mädchens deſſen eigenes Erröthen verbarg.","norm":"Dieses hielt eine große, schöngeschnittene Schale empor, aus durchscheinendem rötlichem Steine gemacht, um sie von dem Jünglinge bewundern zu lassen, und die Morgensonne strahlte gar herrlich durch die Schale, deren roter Schein auf dem Gesichte des Mädchens dessen eigenes Erröten verbarg.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.28350019454956} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":731,"date":1872,"orig":"Es war die Patrizierstochter Dorothea, um welche ſich Fabrizius, der Statthalter der Provinz Kappadocien, heftig bewarb.","norm":"Es war die Patrizierstochter Dorothea, um welche sich Fabrizius, der Statthalter der Provinz Kappadocien, heftig bewarb.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.7335000038146973} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":732,"date":1872,"orig":"Da er aber ein pedantiſcher Chriſtenverfolger war und Dorotheas Eltern ſich von der neuen Weltanſchauung angezogen fühlten und dieſelbe ſich fleißig anzueignen ſuchten, ſo ſträubten ſie ſich ſo gut als möglich gegen das Andrängen des mächtigen Inquiſitoren.","norm":"Da er aber ein pedantischer Christenverfolger war und Dorotheas Eltern sich von der neuen Weltanschauung angezogen fühlten und dieselbe sich fleißig anzueignen suchten, so sträubten sie sich so gut als möglich gegen das Andrängen des mächtigen Inquisitoren.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.014699935913086} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":733,"date":1872,"orig":"Nicht daß ſie etwa ihre Kinder in geiſtliche Kämpfe hineinziehen und deren Herzen als Kaufſchillinge des Glaubens verwerthen wollten; hiezu waren ſie zu edel und frei geſinnt.","norm":"Nicht dass sie etwa ihre Kinder in geistliche Kämpfe hineinziehen und deren Herzen als Kaufschillinge des Glaubens verwerten wollten; hierzu waren sie zu edel und frei gesinnt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.69980001449585} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":734,"date":1872,"orig":"Allein ſie dachten eben, ein religiöſer Menſchenquäler ſei jederzeit auch ein ſchlechter Herzensbefriediger.","norm":"Allein sie dachten eben, ein religiöser Menschenquäler sei jederzeit auch ein schlechter Herzensbefriediger.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.674900054931641} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":735,"date":1872,"orig":"Dieſe Erwägung brauchte Dorothea ſelbſt zwar nicht anzuſtellen, da ſie ein anderes Schutzmittel gegen die Bewerbung des Statthalters beſaß, nämlich die Neigung zu deſſen Geheimſchreiber Theophilus, der eben jetzt bei ihr ſtand und ſeltſam in die röthliche Schaale blickte.","norm":"Diese Erwägung brauchte Dorothea selbst zwar nicht anzustellen, da sie ein anderes Schutzmittel gegen die Bewerbung des Statthalters besaß, nämlich die Neigung zu dessen Geheimschreiber Theophilus, der eben jetzt bei ihr stand und seltsam in die rötliche Schale blickte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.06659984588623} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":736,"date":1872,"orig":"Theophilus war ein ſehr wohlgebildeter und feiner Menſch von helleniſcher Abkunft, der ſich aus widrigen Schickſalen emporgeſchwungen und bei Jedermann eines guten Anſehens genoß.","norm":"Theophilus war ein sehr wohlgebildeter und feiner Mensch von hellenischer Abkunft, der sich aus widrigen Schicksalen emporgeschwungen und bei jedermann eines guten Ansehens genoss.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.195600032806396} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":737,"date":1872,"orig":"Aber von der Noth ſeiner Jugend her war ihm ein etwas mißtrauiſches und verſchloſſenes Weſen geblieben, und indem er ſich mit dem, was er ſich ſelbſt verdankte, begnügte, glaubte er nicht leicht, daß ihm irgend Jemand aus freien Stücken beſonders zugethan ſei.","norm":"Aber von der Not seiner Jugend her war ihm ein etwas misstrauisches und verschlossenes Wesen geblieben, und indem er sich mit dem, was er sich selbst verdankte, begnügte, glaubte er nicht leicht, dass ihm irgendjemand aus freien Stücken besonders zugetan sei.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.401900053024292} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":738,"date":1872,"orig":"Er ſah die junge Dorothea für ſein Leben gern; aber ſchon der Umſtand, daß der vornehmſte Mann in Kappadocien ſich um ſie bewarb, hielt ihn ab, etwas für ſich zu hoffen, und um keinen Preis hätte er neben dieſem Herrn eine lächerliche Figur machen mögen.","norm":"Er sah die junge Dorothea für sein Leben gern; aber schon der Umstand, dass der vornehmste Mann in Kappadocien sich um sie bewarb, hielt ihn ab, etwas für sich zu hoffen, und um keinen Preis hätte er neben diesem Herrn eine lächerliche Figur machen mögen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.151999950408935} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":739,"date":1872,"orig":"Nichts deſto weniger ſuchte Dorothea ihre Wünſche zu einem guten Ziele zu führen und ſich vor der Hand ſo oft als möglich ſeiner Gegenwart zu verſichern.","norm":"Nichtsdestoweniger suchte Dorothea ihre Wünsche zu einem guten Ziele zu führen und sich vor der Hand so oft als möglich seiner Gegenwart zu versichern.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.515200138092041} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":740,"date":1872,"orig":"Und da er fortwährend ruhig und gleichgültig ſchien, ſteigerte ſich ihre Leidenſchaft bis zu mißlichen kleinen Liſten und ſie ſuchte ihn durch die Eiferſucht in Bewegung zu bringen, indem ſie ſich mit dem Statthalter Fabrizius zu ſchaffen zu machen und freundlicher gegen denſelben zu werden ſchien.","norm":"Und da er fortwährend ruhig und gleichgültig schien, steigerte sich ihre Leidenschaft bis zu misslichen kleinen Listen und sie suchte ihn durch die Eifersucht in Bewegung zu bringen, indem sie sich mit dem Statthalter Fabrizius zu schaffen zu machen und freundlicher gegen denselben zu werden schien.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.873799800872803} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":741,"date":1872,"orig":"Aber der arme Theophil verſtand dergleichen Spaß gar nicht, und wenn er ihn verſtanden hätte, ſo wäre er viel zu ſtolz geweſen, ſich eiferſüchtig zu zeigen.","norm":"Aber der arme Theophil verstand dergleichen Spaß gar nicht, und wenn er ihn verstanden hätte, so wäre er viel zu stolz gewesen, sich eifersüchtig zu zeigen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.923399925231933} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":742,"date":1872,"orig":"Dennoch wurde er allmälig hingeriſſen und verwirrt, ſo daß er ſich zuweilen verrieth, aber ſofort wieder zuſammen nahm und verſchloß, und der zarten Verliebten blieb nichts anderes übrig, als etwas gewaltſam vorzugehen und bei Gelegenheit das Netz unverſehens zuzuziehen.","norm":"Dennoch wurde er allmählich hingerissen und verwirrt, so dass er sich zuweilen verriet, aber sofort wieder zusammen nahm und verschloss, und der zarten Verliebten blieb nichts anderes übrig, als etwas gewaltsam vorzugehen und bei Gelegenheit das Netz unversehens zuzuziehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.281799793243408} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":743,"date":1872,"orig":"Er hielt ſich in Staatsgeſchäften in der pontiſchen Landſchaft auf, und Dorothea, dies wiſſend, war ihren Eltern aus Cäſarea für die angebrochenen Frühlingstage auf das Landgut gefolgt.","norm":"Er hielt sich in Staatsgeschäften in der pontischen Landschaft auf, und Dorothea, dies wissend, war ihren Eltern aus Cäsarea für die angebrochenen Frühlingstage auf das Landgut gefolgt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.33050012588501} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":744,"date":1872,"orig":"So hatte ſie ihn an dieſem Morgen auf mühevoll ausgedachte und kluge Weiſe in die Laube zu bringen gewußt, halb wie aus Zufall, halb wie mit freundlicher Abſicht, daß beides ihn, das gute Geſchick und die erzeigte Freundlichkeit, heiter und zutraulich ſtimmen ſollten und es auch thaten.","norm":"So hatte sie ihn an diesem Morgen auf mühevoll ausgedachte und kluge Weise in die Laube zu bringen gewusst, halb wie aus Zufall, halb wie mit freundlicher Absicht, dass beides ihn, das gute Geschick und die erzeigte Freundlichkeit, heiter und zutraulich stimmen sollten und es auch taten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.142399787902832} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":745,"date":1872,"orig":"Sie wollte ihm die Vaſe zeigen, die ihr ein wohlwollender Oheim zum Namensfeſt aus Trapezunt herübergeſendet hatte.","norm":"Sie wollte ihm die Vase zeigen, die ihr ein wohlwollender Oheim zum Namensfest aus Trapezunt herübergesendet hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.737100124359131} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":746,"date":1872,"orig":"Ihr Geſicht ſtrahlte in reiner Freude, den Geliebten ſo nah und einſam bei ſich ſehen und ihm etwas Schönes zeigen zu können, und auch ihm ward wirklich froh zu Muth; die Sonne ging endlich voll in ihm auf, ſo daß er nicht mehr hindern konnte, daß ſein Mund gläubig lachte und ſeine Augen glänzten.","norm":"Ihr Gesicht strahlte in reiner Freude, den Geliebten so nah und einsam bei sich sehen und ihm etwas Schönes zeigen zu können, und auch ihm wurde wirklich froh zu Mut; die Sonne ging endlich voll in ihm auf, so dass er nicht mehr hindern konnte, dass sein Mund gläubig lachte und seine Augen glänzten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.3144001960754395} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":747,"date":1872,"orig":"Aber die Alten haben vergeſſen, neben dem holden Eros die neidiſche Gottheit zu nennen, welche im entſcheidenden Augenblicke, wenn das Glück dicht am nächſten ſteht, den Liebenden einen Schleier über die Augen wirft und ihnen das Wort im Munde verdreht.","norm":"Aber die Alten haben vergessen, neben dem holden Eros die neidische Gottheit zu nennen, welche im entscheidenden Augenblicke, wenn das Glück dicht am nächsten steht, den Liebenden einen Schleier über die Augen wirft und ihnen das Wort im Munde verdreht.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.8101999759674072} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":748,"date":1872,"orig":"Als ſie ihm die Schaale vertrauensvoll in die Hände gab und er fragte, wer ſie geſchenkt habe, da verleitete ſie ein freudiger Uebermuth zu der Schalkheit, daß ſie antwortete: „Fabrizius“! und ſie war dabei des ſicheren Gefühles, daß er den Scherz nicht mißverſtehen könne.","norm":"Als sie ihm die Schale vertrauensvoll in die Hände gab und er fragte, wer sie geschenkt habe, da verleitete sie ein freudiger Übermut zu der Schalkheit, dass sie antwortete: „Fabrizius“! und sie war dabei des sicheren Gefühles, dass er den Scherz nicht missverstehen könne.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.797499895095825} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":749,"date":1872,"orig":"Da ſie jedoch unfähig war, ihrem froh erregten Lächeln jenen Zug von Spott über den genannten Abweſenden beizumiſchen, welcher den Scherz deutlich gemacht hätte, ſo glaubte Theophilus feſt, ihre holde ehrliche Freude gelte nur dem Geſchenk und deſſen Geber und er ſei arg in eine Falle gegangen, indem er einen Kreis übertreten, der ſchon geſchloſſen und ihm fremd ſei.","norm":"Da sie jedoch unfähig war, ihrem froh erregten Lächeln jenen Zug von Spott über den genannten Abwesenden beizumischen, welcher den Scherz deutlich gemacht hätte, so glaubte Theophilus fest, ihre holde ehrliche Freude gelte nur dem Geschenk und dessen Geber und er sei arg in eine Falle gegangen, indem er einen Kreis übertreten, der schon geschlossen und ihm fremd sei.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.06059980392456} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":750,"date":1872,"orig":"Stumm und beſchämt ſchlug er die Augen nieder, fing an zu zittern und ließ das glänzende Schauſtück zu Boden fallen, wo es in Stücke zerſprang.","norm":"Stumm und beschämt schlug er die Augen nieder, fing an zu zittern und ließ das glänzende Schaustück zu Boden fallen, wo es in Stücke zersprang.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.393699884414673} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":751,"date":1872,"orig":"Im erſten Schreck vergaß Dorothea ihren Scherz gänzlich und auch ein wenig den Theophilus und bückte ſich nur bekümmert nach den Scherben, indem ſie rief:","norm":"Im ersten Schreck vergaß Dorothea ihren Scherz gänzlich und auch ein wenig den Theophilus und bückte sich nur bekümmert nach den Scherben, indem sie rief:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.01639986038208} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":752,"date":1872,"orig":"„Wie ungeſchickt!“ ohne ihn anzuſehen, ſo daß ſie jene Veränderung in ſeinem Geſichte nicht bemerkte und keine Ahnung von ſeinem Mißverſtändniſſe hatte.","norm":"„Wie ungeschickt!“ ohne ihn anzusehen, so dass sie jene Veränderung in seinem Gesichte nicht bemerkte und keine Ahnung von seinem Missverständnisse hatte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.581500053405762} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":753,"date":1872,"orig":"Als ſie ſich wieder aufrichtete und ſich ſchnell faſſend zu ihm wendete, hatte ſich Theophilus ſchon ſtolz zuſammengerafft.","norm":"Als sie sich wieder aufrichtete und sich schnell fassend zu ihm wendete, hatte sich Theophilus schon stolz zusammengerafft.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.350500106811523} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":754,"date":1872,"orig":"Finſter und gleichgültig drein ſchauend, blickte er ſie an, bat ſie beinahe ſpöttiſch um Verzeihung, einen vollen Erſatz für das verunglückte Gefäß verheißend, grüßte und verließ den Garten.","norm":"Finster und gleichgültig drein schauend, blickte er sie an, bat sie beinahe spöttisch um Verzeihung, einen vollen Ersatz für das verunglückte Gefäß verheißend, grüßte und verließ den Garten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.222899913787842} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":755,"date":1872,"orig":"Erblaſſend und traurig ſah ſie ſeiner ſchlanken Geſtalt nach, welche die weiße Toga feſt an ſich zog und den ſchwarzen Krauskopf wie in fern abſchweifenden Gedanken zur Seite neigte.","norm":"Erblassend und traurig sah sie seiner schlanken Gestalt nach, welche die weiße Toga fest an sich zog und den schwarzen Krauskopf wie in fern abschweifenden Gedanken zur Seite neigte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.465400218963623} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":756,"date":1872,"orig":"Die Wellen des ſilbernen Meeres ſchlugen ſanft und langſam gegen die Marmorſtufen des Ufers, ſtille war es ſonſt weit umher und Dorothea mit ihren kleinen Künſten zu Ende.","norm":"Die Wellen des silbernen Meeres schlugen sanft und langsam gegen die Marmorstufen des Ufers, stille war es sonst weit umher und Dorothea mit ihren kleinen Künsten zu Ende.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.288899898529053} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":757,"date":1872,"orig":"Weinend ſchlich ſie mit den zuſammengeleſenen Scherben der Schaale nach ihrem Gemach, um ſie dort zu verbergen.","norm":"Weinend schlich sie mit den zusammengelesenen Scherben der Schale nach ihrem Gemach, um sie dort zu verbergen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.146299839019775} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":758,"date":1872,"orig":"Sie ſahen ſich jetzt manche Monate nicht mehr; Theophilus kehrte unverweilt nach der Hauptſtadt zurück und als auch Dorothea im Herbſte wieder kam, vermied er ſorgfältig jedes Zuſammentreffen, da ihn ſchon die Möglichkeit, ihr zu begegnen, erſchreckte und aufregte, und ſo war die ganze Herrlichkeit für einmal zu Ende.","norm":"Sie sahen sich jetzt manche Monate nicht mehr; Theophilus kehrte unverweilt nach der Hauptstadt zurück und als auch Dorothea im Herbste wieder kam, vermied er sorgfältig jedes Zusammentreffen, da ihn schon die Möglichkeit, ihr zu begegnen, erschreckte und aufregte, und so war die ganze Herrlichkeit für einmal zu Ende.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.523399829864502} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":759,"date":1872,"orig":"Es begab ſich nun auf natürliche Art, daß ſie Troſt ſuchte in dem neuen Glauben ihrer Eltern und ſobald dieſe es vermerkten, ſäumten ſie nicht, ihr Kind darin zu beſtärken und ſie ganz in ihre Glaubens- und Ausdrucksweiſen einzuführen.","norm":"Es begab sich nun auf natürliche Art, dass sie Trost suchte in dem neuen Glauben ihrer Eltern und sobald diese es vermerkten, säumten sie nicht, ihr Kind darin zu bestärken und sie ganz in ihre Glaubens- und Ausdrucksweisen einzuführen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.002299785614014} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":760,"date":1872,"orig":"Inzwiſchen hatten jene ſcheinbaren Freundlichkeiten Dorotheas auf den Statthalter ebenfalls ihre unglückliche Wirkung geübt, ſo daß Fabrizius mit verdoppelter Heftigkeit ſeine Bewerbung erneuerte und ſich hiezu für berechtigt hielt.","norm":"Inzwischen hatten jene scheinbaren Freundlichkeiten Dorotheas auf den Statthalter ebenfalls ihre unglückliche Wirkung geübt, so dass Fabrizius mit verdoppelter Heftigkeit seine Bewerbung erneuerte und sich hierzu für berechtigt hielt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.117599964141846} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":761,"date":1872,"orig":"Um ſo betroffener war auch er, als Dorothea ihn kaum mehr anzublicken vermochte und er ihr mehr zuwider geworden zu ſein ſchien, als das Unglück ſelbſt.","norm":"Um so betroffener war auch er, als Dorothea ihn kaum mehr anzublicken vermochte und er ihr mehr zuwider geworden zu sein schien, als das Unglück selbst.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.892800092697143} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":762,"date":1872,"orig":"Allein er zog ſich deßhalb nicht zurück; vielmehr ſteigerte er ſeine Zudringlichkeit, indem er zugleich anfing, wegen ihres neuen Glaubens zu zanken und ihr Gewiſſen zu bedrängen, Schmeicheleien mit ſchlecht verhehlten Bedrohungen vermiſchend.","norm":"Allein er zog sich deshalb nicht zurück; vielmehr steigerte er seine Zudringlichkeit, indem er zugleich anfing, wegen ihres neuen Glaubens zu zanken und ihr Gewissen zu bedrängen, Schmeicheleien mit schlecht verhehlten Bedrohungen vermischend.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.015299797058105} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":763,"date":1872,"orig":"Dorothea jedoch bekannte ſich offen und furchtlos zu ihrem Glauben und wendete ſich von ihm weg, wie von einem weſenloſen Schatten, den man nicht ſieht.","norm":"Dorothea jedoch bekannte sich offen und furchtlos zu ihrem Glauben und wendete sich von ihm weg, wie von einem wesenlosen Schatten, den man nicht sieht.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.5947999954223633} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":764,"date":1872,"orig":"Theophil hörte von all dieſem und wie das gute Mädchen nicht die beſten Tage hätte.","norm":"Theophil hörte von all diesem und wie das gute Mädchen nicht die besten Tage hätte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.439000129699707} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":765,"date":1872,"orig":"Am meiſten überraſchte ihn die Kunde, daß ſie von dem Prokonſul ſchlechterdings nichts wiſſen wolle.","norm":"Am meisten überraschte ihn die Kunde, dass sie von dem Prokonsul schlechterdings nichts wissen wolle.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.636000156402588} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":766,"date":1872,"orig":"Obgleich er in Anſehung der Religion altweltlich oder gleichgültig geſinnt war, nahm er doch kein Aergerniß an dem neuen Glauben des Mädchens und begann voll Theilnahme ſich wieder mehr zu nähern, um etwa beſſer zu ſehen und zu hören, wie es ihr ginge.","norm":"Obgleich er in Ansehung der Religion altweltlich oder gleichgültig gesinnt war, nahm er doch kein Ärgernis an dem neuen Glauben des Mädchens und begann voll Teilnahme sich wieder mehr zu nähern, um etwa besser zu sehen und zu hören, wie es ihr ginge.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.260499954223633} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":767,"date":1872,"orig":"Aber wo ſie ſtand und ging, ſprach ſie jetzt nichts, als in den zärtlichſten und ſehnſüchtigſten Ausdrücken von einem himmliſchen Bräutigam, den ſie gefunden, der in unſterblicher Schönheit ihrer warte, um ſie an ſeine leuchtende Bruſt zu nehmen und ihr die Roſe des ewigen Lebens zu reichen u. ſ. w.","norm":"Aber wo sie stand und ging, sprach sie jetzt nichts, als in den zärtlichsten und sehnsüchtigsten Ausdrücken von einem himmlischen Bräutigam, den sie gefunden, der in unsterblicher Schönheit ihrer warte, um sie an seine leuchtende Brust zu nehmen und ihr die Rose des ewigen Lebens zu reichen u. s. w.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.580399990081787} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":768,"date":1872,"orig":"Dieſe Sprache verſtand er ganz und gar nicht, ſie ärgerte und kränkte ihn und erfüllte ſein Herz mit einer ſeltſam peinlichen Eiferſucht gegen den unbekannten Gott, welcher den Sinn des ſchwachen Weibes bethöre; denn er konnte die Ausdrucksweiſe der aufgeregten und verlaſſenen Dorothea auf keine andere, als auf alt mythologiſche Manier verſtehen und erklären.","norm":"Diese Sprache verstand er ganz und gar nicht, sie ärgerte und kränkte ihn und erfüllte sein Herz mit einer seltsam peinlichen Eifersucht gegen den unbekannten Gott, welcher den Sinn des schwachen Weibes betöre; denn er konnte die Ausdrucksweise der aufgeregten und verlassenen Dorothea auf keine andere, als auf alt mythologische Manier verstehen und erklären.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.306600093841553} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":769,"date":1872,"orig":"Gegen einen Ueberirdiſchen aber eiferſüchtig zu ſein, verletzte ſeinen Stolz nicht mehr, ſo¬ wie auch das Mitleid für ein Weib verſtummte, welches ſich der Vereinigung mit Göttern rühmte.","norm":"Gegen einen Überirdischen aber eifersüchtig zu sein, verletzte seinen Stolz nicht mehr, so¬ wie auch das Mitleid für ein Weib verstummte, welches sich der Vereinigung mit Göttern rühmte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.806099891662598} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":770,"date":1872,"orig":"Und doch war es nur die fruchtloſe Liebe zu ihm, welche ihr jene Reden in den Mund gab, ſowie er ſelbſt den Stachel der Leidenſchaft fortwährend im Herzen behielt.","norm":"Und doch war es nur die fruchtlose Liebe zu ihm, welche ihr jene Reden in den Mund gab, sowie er selbst den Stachel der Leidenschaft fortwährend im Herzen behielt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.336900234222412} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":771,"date":1872,"orig":"So zog ſich der Zuſtand eine kleine Weile hin, als Fabrizius unverſehens denſelben gewaltſam anpackte.","norm":"So zog sich der Zustand eine kleine Weile hin, als Fabrizius unversehens denselben gewaltsam anpackte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.6803998947143555} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":772,"date":1872,"orig":"Erneuerte kaiſerliche Befehle zur Chriſtenverfolgung zum Vorwand nehmend, ließ er Dorothea mit ihren Eltern gefangen ſetzen, die Tochter jedoch getrennt in einen Kerker werfen und um ihren Glauben peinlich verhören.","norm":"Erneuerte kaiserliche Befehle zur Christenverfolgung zum Vorwand nehmend, ließ er Dorothea mit ihren Eltern gefangen setzen, die Tochter jedoch getrennt in einen Kerker werfen und um ihren Glauben peinlich verhören.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.7399001121521} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":773,"date":1872,"orig":"Neugierig näherte er ſich ſelbſt und hörte, wie ſie laut die alten Götter ſchmähte, ſich zu Chriſto als dem alleinigen Herrn der Welt bekannte, dem ſie als Braut anverlobt ſei.","norm":"Neugierig näherte er sich selbst und hörte, wie sie laut die alten Götter schmähte, sich zu Christo als dem alleinigen Herrn der Welt bekannte, dem sie als Braut anverlobt sei.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.885600090026855} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":774,"date":1872,"orig":"Da befiel auch den Statthalter eine grimmige Eiferſucht.","norm":"Da befiel auch den Statthalter eine grimmige Eifersucht.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.23330020904541} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":775,"date":1872,"orig":"Er beſchloß ihre Vernichtung und befahl ſie zu martern, und, wenn ſie beharre, zu tödten.","norm":"Er beschloss ihre Vernichtung und befahl sie zu martern, und, wenn sie beharre, zu töten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.562900066375732} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":776,"date":1872,"orig":"Dann ging er weg.","norm":"Dann ging er weg.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"no","lang_cld3":"no","lang_de":0.333,"norm_lmscore":3.1003000736236572} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":777,"date":1872,"orig":"Sie wurde auf einen eiſernen Roſt gelegt, unter welchem Kohlen in der Art entfacht waren, daß die Hitze nur langſam anſtieg.","norm":"Sie wurde auf einen eisernen Rost gelegt, unter welchem Kohlen in der Art entfacht waren, dass die Hitze nur langsam anstieg.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.020699977874756} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":778,"date":1872,"orig":"Aber es that dem zarten Körper doch weh.","norm":"Aber es tat dem zarten Körper doch weh.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.600200176239014} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":779,"date":1872,"orig":"Sie ſchrie gedämpft einige Male, indem ihre an den Roſt gefeſſelten Glieder ſich bewegten und Thränen aus ihren Augen floßen.","norm":"Sie schrie gedämpft einige Male, indem ihre an den Rost gefesselten Glieder sich bewegten und Tränen aus ihren Augen flossen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.390500068664551} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":780,"date":1872,"orig":"Unterdeſſen hatte Theophilus, der ſich von jeder Betheiligung an ſolchen Verfolgungen fern zu halten pflegte, von der Sache gehört und war voll Unruhe und Schrecken herbeigeeilt; die eigene Sicherheit vergeſſend, drängte er ſich durch das gaffende Volk, und als er nun Dorothea ſelber leiſe klagen hörte, entriß er einem Soldaten das Schwert und ſtand mit einem Sprunge vor ihrem Marterbette.","norm":"Unterdessen hatte Theophilus, der sich von jeder Beteiligung an solchen Verfolgungen fernzuhalten pflegte, von der Sache gehört und war voll Unruhe und Schrecken herbeigeeilt; die eigene Sicherheit vergessend, drängte er sich durch das gaffende Volk, und als er nun Dorothea selber leise klagen hörte, entriss er einem Soldaten das Schwert und stand mit einem Sprunge vor ihrem Marterbette.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.264800071716309} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":781,"date":1872,"orig":"„Thut es weh, Dorothea?“ ſagte er ſchmerzlich lächelnd, im Begriffe, ihre Bande zu durchſchneiden.","norm":"„Tut es weh, Dorothea?“ sagte er schmerzlich lächelnd, im Begriffe, ihre Bande zu durchschneiden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.337100028991699} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":782,"date":1872,"orig":"Aber ſie antwortete, plötzlich wie von allem Schmerz verlaſſen und von größter Wonne erfüllt:","norm":"Aber sie antwortete, plötzlich wie von allem Schmerz verlassen und von größter Wonne erfüllt:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.185100078582764} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":783,"date":1872,"orig":"„Wie ſollte es weh thun, Theophilus?","norm":"„Wie sollte es weh tun, Theophilus?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"en","lang_cld3":"de","lang_de":0.667,"norm_lmscore":4.258600234985352} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":784,"date":1872,"orig":"Das ſind ja die Roſen meines vielgeliebten Bräutigams, auf denen ich liege!","norm":"Das sind ja die Rosen meines vielgeliebten Bräutigams, auf denen ich liege!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.11899995803833} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":785,"date":1872,"orig":"Siehe, heute iſt meine Hochzeit!","norm":"Siehe, heute ist meine Hochzeit!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.18179988861084} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":786,"date":1872,"orig":"Gleich einem feinen lieblichen Scherze ſchwebte es um ihre Lippen, während ihre Augen voll Seligkeit auf ihn blickten.","norm":"Gleich einem feinen lieblichen Scherze schwebte es um ihre Lippen, während ihre Augen voll Seligkeit auf ihn blickten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.839600086212158} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":787,"date":1872,"orig":"Ein überirdiſcher Glanz ſchien ſie ſammt ihrem Lager zu verklären, eine feierliche Stille verbreitete ſich, Theophilus ließ das Schwert ſinken, warf es weg und trat wiederum beſchämt und betreten zurück, wie an jenem Morgen in dem Garten am Meere.","norm":"Ein überirdischer Glanz schien sie samt ihrem Lager zu verklären, eine feierliche Stille verbreitete sich, Theophilus ließ das Schwert sinken, warf es weg und trat wiederum beschämt und betreten zurück, wie an jenem Morgen in dem Garten am Meere.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.712399959564209} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":788,"date":1872,"orig":"Da brannte die Gluth aufs Neue, Dorothea ſeufzte auf und verlangte nach dem Tode.","norm":"Da brannte die Glut aufs Neue, Dorothea seufzte auf und verlangte nach dem Tode.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.901000022888184} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":789,"date":1872,"orig":"Der wurde ihr denn auch gewährt, ſo daß ſie auf den Richtplatz hinausgeführt wurde, um dort enthauptet zu werden.","norm":"Der wurde ihr denn auch gewährt, so dass sie auf den Richtplatz hinausgeführt wurde, um dort enthauptet zu werden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.124900102615356} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":790,"date":1872,"orig":"Leichten Schrittes ging ſie einher, gefolgt von dem gedankenloſen und lärmenden Volke.","norm":"Leichten Schrittes ging sie einher, gefolgt von dem gedankenlosen und lärmenden Volke.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.131400108337402} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":791,"date":1872,"orig":"Sie ſah den Theophilus am Wege ſtehen, der kein Auge von ihr wandte.","norm":"Sie sah den Theophilus am Wege stehen, der kein Auge von ihr wandte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.807600021362305} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":792,"date":1872,"orig":"Ihre Blicke begegneten ſich, Dorothea ſtand einen Augenblick ſtill und ſagte anmuthig zu ihm: „O Theophilus, wenn du wüßteſt, wie ſchön und herrlich die Roſengärten meines Herren ſind, in welchen ich in wenigen Augenblicken wandeln werde, und wie gut ſeine ſüßen Aepfel ſchmecken, die dort wachſen, du würdeſt mit mir kommen!“","norm":"Ihre Blicke begegneten sich, Dorothea stand einen Augenblick still und sagte anmutig zu ihm: „O Theophilus, wenn du wüsstest, wie schön und herrlich die Rosengärten meines Herren sind, in welchen ich in wenigen Augenblicken wandeln werde, und wie gut seine süßen Äpfel schmecken, die dort wachsen, du würdest mit mir kommen!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.61459994316101} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":793,"date":1872,"orig":"Da erwiederte Theophilus bitter lächelnd:","norm":"Da erwiderte Theophilus bitter lächelnd:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.61899995803833} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":794,"date":1872,"orig":"„Weißt Du was, Dorothea?","norm":"„Weißt Du was, Dorothea?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"en","lang_cld3":"de","lang_de":0.667,"norm_lmscore":4.923900127410889} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":795,"date":1872,"orig":"Sende mir einige von deinen Roſen und Aepfeln, wenn du dort biſt, zur Probe!“","norm":"Sende mir einige von deinen Rosen und Äpfeln, wenn du dort bist, zur Probe!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.7846999168396} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":796,"date":1872,"orig":"Da nickte ſie freundlich und zog ihres Weges weiter.","norm":"Da nickte sie freundlich und zog ihres Weges weiter.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.684999942779541} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":797,"date":1872,"orig":"Theophilus blickte ihr nach, bis die von der Abendſonne vergoldete Staubwolke, welche den Zug begleitete, in der Ferne verſchwand und die Straße leer und ſtille war.","norm":"Theophilus blickte ihr nach, bis die von der Abendsonne vergoldete Staubwolke, welche den Zug begleitete, in der Ferne verschwand und die Straße leer und stille war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.874399900436401} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":798,"date":1872,"orig":"Dann ging er mit verhülltem Haupte nach ſeinem Hauſe und beſtieg wankenden Schrittes deſſen Zinne, von wo aus man nach dem Argeusgebirge hinſchauen konnte, auf deſſen Vorhügeln einem der Richtplatz gelegen war.","norm":"Dann ging er mit verhülltem Haupte nach seinem Hause und bestieg wankenden Schrittes dessen Zinne, von wo aus man nach dem Argeusgebirge hinschauen konnte, auf dessen Vorhügeln einem der Richtplatz gelegen war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.429599761962891} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":799,"date":1872,"orig":"Er konnte gar wohl ein dunkles Menſchengewimmel dort erkennen und breitete ſehnſüchtig ſeine Arme nach jener Gegend aus.","norm":"Er konnte gar wohl ein dunkles Menschengewimmel dort erkennen und breitete sehnsüchtig seine Arme nach jener Gegend aus.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.568399906158447} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":800,"date":1872,"orig":"Da glaubte er im Glanze der ſcheidenden Sonne das fallende Beil aufblitzen zu ſehen und ſtürzte zuſammen, mit dem Geſichte auf den Boden hingeſtreckt.","norm":"Da glaubte er im Glanze der scheidenden Sonne das fallende Beil aufblitzen zu sehen und stürzte zusammen, mit dem Gesichte auf den Boden hingestreckt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.116600036621094} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":801,"date":1872,"orig":"Und in der That war Dorothea's Haupt um dieſe Zeit gefallen.","norm":"Und in der Tat war Dorotheas Haupt um diese Zeit gefallen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.895999908447266} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":802,"date":1872,"orig":"Aber nicht lange war er reglos ſo gelegen, als ein heller Glanz die Dämmerung erleuchtete und blendend unter Theophils Hände drang, auf denen ſein Geſicht lag, und in ſeine verſchloſſenen Augen ſich ergoß, wie ein flüſſiges Gold.","norm":"Aber nicht lange war er reglos so gelegen, als ein heller Glanz die Dämmerung erleuchtete und blendend unter Theophils Hände drang, auf denen sein Gesicht lag, und in seine verschlossenen Augen sich ergoss, wie ein flüssiges Gold.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.272299766540527} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":803,"date":1872,"orig":"Gleichzeitig erfüllte ein feiner Wohlgeruch die Luft.","norm":"Gleichzeitig erfüllte ein feiner Wohlgeruch die Luft.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.730999946594238} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":804,"date":1872,"orig":"Wie von einem ungekannten neuen Leben erfüllt, richtete der junge Mann ſich auf; ein wunderſchöner Knabe ſtand vor ihm, mit goldenen Ringelhaaren, in ein ſternenbeſäetes Gewand gekleidet und mit leuchtenden nackten Füßen, der in den ebenſo leuchtenden Händen ein Körbchen trug.","norm":"Wie von einem ungekannten neuen Leben erfüllt, richtete der junge Mann sich auf; ein wunderschöner Knabe stand vor ihm, mit goldenen Ringelhaaren, in ein sternenbesäetes Gewand gekleidet und mit leuchtenden nackten Füßen, der in den ebenso leuchtenden Händen ein Körbchen trug.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.9830000400543213} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":805,"date":1872,"orig":"Das Körbchen war gefüllt mit den ſchönſten Roſen, dergleichen man nie geſehen, und in dieſen Roſen lagen drei paradieſiſche Aepfel.","norm":"Das Körbchen war gefüllt mit den schönsten Rosen, dergleichen man nie gesehen, und in diesen Rosen lagen drei paradiesische Äpfel.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.43310022354126} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":806,"date":1872,"orig":"Mit einem unendlich treuherzigen und offenen Kinderlächeln und doch nicht ohne eine gewiſſe anmuthige Liſt ſagte das Kind: „Dies ſchickt dir Dorothea!“ gab ihm das Körbchen in die Hände, indem es noch fragte:","norm":"Mit einem unendlich treuherzigen und offenen Kinderlächeln und doch nicht ohne eine gewisse anmutige List sagte das Kind: „Dies schickt dir Dorothea!“ gab ihm das Körbchen in die Hände, indem es noch fragte:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.821199893951416} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":807,"date":1872,"orig":"„Hältſt du's auch?“ und verſchwand.","norm":"„Hältst du es auch?“ und verschwand.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.200399875640869} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":808,"date":1872,"orig":"Theophilus hielt das Körbchen wirklich in Händen, das nicht verſchwunden war; die drei Aepfel waren leicht angebiſſen von zwei zierlichen Zähnen, wie es unter den Liebenden des Alterthums gebräuchlich war.","norm":"Theophilus hielt das Körbchen wirklich in Händen, das nicht verschwunden war; die drei Äpfel waren leicht angebissen von zwei zierlichen Zähnen, wie es unter den Liebenden des Altertums gebräuchlich war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.479800224304199} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":809,"date":1872,"orig":"Er aß dieſelben langſam auf, den entflammten Sternenhimmel über ſich.","norm":"Er aß dieselben langsam auf, den entflammten Sternenhimmel über sich.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.481800079345703} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":810,"date":1872,"orig":"Eine gewaltige Sehnſucht durchſtrömte ihn mit ſüßem Feuer und, das Körbchen an die Bruſt drückend, es mit dem Mantel verhüllend, eilte er vom Hausdache herunter, durch die Straßen und in den Palaſt des Statthalters, der beim Mahle ſaß und einen wilden Aerger, der ihn erfüllte, mit unvermiſchtem Cholcher Wein zu betäuben ſuchte.","norm":"Eine gewaltige Sehnsucht durchströmte ihn mit süßem Feuer und, das Körbchen an die Brust drückend, es mit dem Mantel verhüllend, eilte er vom Hausdache herunter, durch die Straßen und in den Palast des Statthalters, der beim Mahle saß und einen wilden Ärger, der ihn erfüllte, mit unvermischtem Cholcher Wein zu betäuben suchte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.273300170898437} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":811,"date":1872,"orig":"Mit glänzenden Augen trat Theophilus vor ihn, ohne ſein Körbchen zu enthüllen, und rief vor dem ganzen Hauſe:","norm":"Mit glänzenden Augen trat Theophilus vor ihn, ohne sein Körbchen zu enthüllen, und rief vor dem ganzen Hause:","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.111100196838379} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":812,"date":1872,"orig":"„Ich bekenne mich zu Dorothea's Glauben, die ihr ſo eben getödtet habt, es iſt der allein wahre!“","norm":"„Ich bekenne mich zu Dorotheas Glauben, die ihr so eben getötet habt, es ist der allein wahre!“","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.837600231170654} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":813,"date":1872,"orig":"„So fahre der Hexe nach!“ antwortete der Statthalter, der von jähem Zorne und von einem glühenden Neide gepeinigt aufſprang und den Geheimſchreiber noch in derſelben Stunde enthaupten ließ.","norm":"„So fahre der Hexe nach!“ antwortete der Statthalter, der von jähem Zorne und von einem glühenden Neide gepeinigt aufsprang und den Geheimschreiber noch in derselben Stunde enthaupten ließ.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.374300003051758} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":814,"date":1872,"orig":"So war Theophilus noch am gleichen Tage für immer mit Dorotheen vereinigt.","norm":"So war Theophilus noch am gleichen Tage für immer mit Dorothee vereinigt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.5507001876831055} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":815,"date":1872,"orig":"Mit dem ruhigen Blicke der Seligen empfieng ſie ihn; wie zwei Tauben, die, vom Sturme getrennt, ſich wieder gefunden und erſt in weitem Kreiſe die Heimath umziehen, ſo ſchwebten die Vereinigten Hand in Hand, eilig, eilig und ohne Raſten an den äußerſten Ringen des Himmels dahin, befreit von jeder Schwere und doch ſie ſelber.","norm":"Mit dem ruhigen Blicke der Seligen empfing sie ihn; wie zwei Tauben, die, vom Sturme getrennt, sich wieder gefunden und erst in weitem Kreise die Heimat umziehen, so schwebten die Vereinigten Hand in Hand, eilig, eilig und ohne Rasten an den äußersten Ringen des Himmels dahin, befreit von jeder Schwere und doch sie selber.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.993599891662598} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":816,"date":1872,"orig":"Dann trennten ſie ſich ſpielend und verloren ſich in weiter Unendlichkeit, während Jedes wußte, wo das andere weile und was es denke, und zugleich mit ihm alle Creatur und alles Daſein mit ſüßer Liebe umfaßte.","norm":"Dann trennten sie sich spielend und verloren sich in weiter Unendlichkeit, während Jedes wusste, wo das andere Weile und was es denke, und zugleich mit ihm alle Kreatur und alles Dasein mit süßer Liebe umfasste.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.094399929046631} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":817,"date":1872,"orig":"Dann ſuchten ſie ſich wieder mit wachſendem Verlangen, das keinen Schmerz und keine Ungeduld kannte; ſie fanden ſich und wallten wieder vereinigt dahin oder ruhten im Anſchauen ihrer ſelbſt und ſchauten die Nähe und Ferne der unendlichen Welt.","norm":"Dann suchten sie sich wieder mit wachsendem Verlangen, das keinen Schmerz und keine Ungeduld kannte; sie fanden sich und wallten wieder vereinigt dahin oder ruhten im Anschauen ihrer selbst und schauten die Nähe und Ferne der unendlichen Welt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.381199836730957} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":818,"date":1872,"orig":"Aber einſt geriethen ſie in holdeſtem Vergeſſen zu nahe an das kryſtallene Haus der heiligen Dreifaltigkeit und gingen hinein; dort verging ihnen das Bewußtſein, indem ſie, gleich Zwillingen unter dem Herzen ihrer Mutter, entſchliefen und wahrſcheinlich noch ſchlafen, wenn ſie inzwiſchen nicht wieder haben hinauskommen können.","norm":"Aber einst gerieten sie in holdestem Vergessen zu nahe an das kristallene Haus der heiligen Dreifaltigkeit und gingen hinein; dort verging ihnen das Bewusstsein, indem sie, gleich Zwillingen unter dem Herzen ihrer Mutter, entschliefen und wahrscheinlich noch schlafen, wenn sie inzwischen nicht wieder haben hinauskommen können.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.697400093078613} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":819,"date":1872,"orig":"Das Tanzlegendchen.","norm":"Das Tanzlegendchen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":7.306099891662598} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":820,"date":1872,"orig":"Du Jungfrau Israel, du ſollſt noch fröhlich pauken, und herausgehen an den Tanz.","norm":"Du Jungfrau Israel, du sollst noch fröhlich pauken, und herausgehen an den Tanz.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.0914998054504395} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":821,"date":1872,"orig":"— Alsdann werden die Jungfrauen fröhlich am Reigen ſein, dazu die junge Mannſchaft, und die Alten miteinander.","norm":"— Alsdann werden die Jungfrauen fröhlich am Reigen sein, dazu die junge Mannschaft, und die Alten miteinander.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.7829999923706055} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":822,"date":1872,"orig":"Jerimia 31. 4. 13.","norm":"Jerimia 31. 4. 13.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"it","lang_cld3":"hr","lang_de":0.333,"norm_lmscore":4.209799766540527} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":823,"date":1872,"orig":"Nach der Aufzeichnung des heiligen Gregorius war Muſa die Tänzerin unter den Heiligen.","norm":"Nach der Aufzeichnung des heiligen Gregorius war Musa die Tänzerin unter den Heiligen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.969699859619141} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":824,"date":1872,"orig":"Guter Leute Kind, war ſie ein anmuthvolles Jungfräulein, welches der Mutter Gottes fleißig diente und nur von einer Leidenſchaft bewegt war, nämlich von einer unbezwinglichen Tanzluſt, dermaßen, daß wenn das Kind nicht betete, es unfehlbar tanzte.","norm":"Guter Leute Kind, war sie ein anmutvolles Jungfräulein, welches der Mutter Gottes fleißig diente und nur von einer Leidenschaft bewegt war, nämlich von einer unbezwinglichen Tanzlust, dermaßen, dass wenn das Kind nicht betete, es unfehlbar tanzte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.177199840545654} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":825,"date":1872,"orig":"Und zwar auf jegliche Weiſe.","norm":"Und zwar auf jegliche Weise.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.43179988861084} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":826,"date":1872,"orig":"Muſa tanzte mit ihren Geſpielinnen, mit Kindern, mit den Jünglingen und auch allein; ſie tanzte in ihrem Kämmerchen, im Saale, in den Gärten und auf den Wieſen, und ſelbſt wenn ſie zum Altare ging, ſo war es mehr ein liebliches Tanzen als ein Gehen, und auf den glatten Marmorplatten vor der Kirchenthüre verſäumte ſie nie, ſchnell ein Tänzchen zu probiren.","norm":"Musa tanzte mit ihren Gespielinnen, mit Kindern, mit den Jünglingen und auch allein; sie tanzte in ihrem Kämmerchen, im Saale, in den Gärten und auf den Wiesen, und selbst wenn sie zum Altare ging, so war es mehr ein liebliches Tanzen als ein Gehen, und auf den glatten Marmorplatten vor der Kirchentüre versäumte sie nie, schnell ein Tänzchen zu probieren.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.4860999584198} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":827,"date":1872,"orig":"Ja, eines Tages, als ſie ſich allein in der Kirche befand, konnte ſie ſich nicht enthalten, vor dem Altar einige Figuren auszuführen und gewiſſermaßen der Jungfrau Maria ein zierliches Gebet vorzutanzen.","norm":"Ja, eines Tages, als sie sich allein in der Kirche befand, konnte sie sich nicht enthalten, vor dem Altar einige Figuren auszuführen und gewissermaßen der Jungfrau Maria ein zierliches Gebet vorzutanzen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.084799766540527} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":828,"date":1872,"orig":"Sie vergaß ſich dabei ſo ſehr, daß ſie blos zu träumen wähnte, als ſie ſah, wie ein ältlicher aber ſchöner Herr ihr entgegen tanzte und ihre Figuren ſo gewandt ergänzte, daß beide zuſammen den kunſtgerechteſten Tanz begingen.","norm":"Sie vergaß sich dabei so sehr, dass sie bloß zu träumen wähnte, als sie sah, wie ein ältlicher aber schöner Herr ihr entgegen tanzte und ihre Figuren so gewandt ergänzte, dass beide zusammen den kunstgerechtesten Tanz begingen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.127099990844727} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":829,"date":1872,"orig":"Der Herr trug ein purpurnes Königskleid, eine goldene Krone auf dem Kopf und einen glänzend ſchwarzen gelockten Bart, welcher vom Silberreif der Jahre wie von einem fernen Sternenſchein überhaucht war.","norm":"Der Herr trug ein purpurnes Königskleid, eine goldene Krone auf dem Kopf und einen glänzend schwarzen gelockten Bart, welcher vom Silberreif der Jahre wie von einem fernen Sternenschein überhaucht war.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.598599910736084} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":830,"date":1872,"orig":"Dazu ertönte eine Muſik vom Chore her, weil ein halbes Dutzend kleiner Engel auf der Brüſtung deſſelben ſtand oder ſaß, die dicken runden Beinchen darüber hinunterhängen ließ und die verſchiedenen Inſtrumente handhabte oder blies.","norm":"Dazu ertönte eine Musik vom Chore her, weil ein halbes Dutzend kleiner Engel auf der Brüstung desselben stand oder saß, die dicken runden Beinchen darüber hinunterhängen ließ und die verschiedenen Instrumente handhabte oder blies.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.128499984741211} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":831,"date":1872,"orig":"Dabei waren die Knirpſe ganz gemüthlich und praktiſch und ließen ſich die Notenhefte von ebenſoviel ſteinernen Engelsbildern halten, welche ſich als Zierrath auf dem Chorgeländer fanden; nur der Kleinſte, ein pausbäckiger Pfeifenbläſer, machte eine Ausnahme, indem er die Beine übereinander ſchlug und das Notenblatt mit den roſigen Zehen zu halten wußte.","norm":"Dabei waren die Knirpse ganz gemütlich und praktisch und ließen sich die Notenhefte von ebenso viel steinernen Engelsbildern halten, welche sich als Zierrat auf dem Chorgeländer fanden; nur der Kleinste, ein pausbäckiger Pfeifenbläser, machte eine Ausnahme, indem er die Beine übereinander schlug und das Notenblatt mit den rosigen Zehn zu halten wusste.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.193600177764893} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":832,"date":1872,"orig":"Auch war der am eifrigſten: die Uebrigen baumelten mit den Füßen, dehnten, bald dieſer, bald jener, kniſternd die Schwungfedern aus, daß die Farben derſelben ſchimmerten wie Taubenhälſe, und neckten einander während des Spieles.","norm":"Auch war der am eifrigsten: Die Übrigen baumelten mit den Füßen, dehnten, bald dieser, bald jener, knisternd die Schwungfedern aus, dass die Farben derselben schimmerten wie Taubenhälse, und neckten einander während des Spieles.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.747000217437744} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":833,"date":1872,"orig":"Ueber alles dies ſich zu wundern, fand Muſa nicht Zeit, bis der Tanz beendigt war, der ziemlich lang dauerte; denn der luſtige Herr ſchien ſich dabei ſo wohl zu gefallen, als die Jungfrau, welche im Himmel herumzuſpringen meinte.","norm":"Über alles dies sich zu wundern, fand Musa nicht Zeit, bis der Tanz beendigt war, der ziemlich lang dauerte; denn der lustige Herr schien sich dabei so wohl zu gefallen, als die Jungfrau, welche im Himmel herumzuspringen meinte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.860099792480469} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":834,"date":1872,"orig":"Allein als die Muſik aufhörte und Muſa hochaufathmend daſtand, fing ſie erſt an, ſich ordentlich zu fürchten und ſah erſtaunt auf den Alten, der weder keuchte noch warm hatte und nun zu reden begann.","norm":"Allein als die Musik aufhörte und Musa hochaufatmend dastand, fing sie erst an, sich ordentlich zu fürchten und sah erstaunt auf den Alten, der weder keuchte noch warm hatte und nun zu reden begann.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.388400077819824} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":835,"date":1872,"orig":"Er gab ſich als David, den königlichen Ahnherrn der Jungfrau Maria zu erkennen und als deren Abgeſandten.","norm":"Er gab sich als David, den königlichen Ahnherrn der Jungfrau Maria zu erkennen und als deren Abgesandten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.748899936676025} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":836,"date":1872,"orig":"Und er fragte ſie, ob ſie wohl Luſt hätte, die ewige Seligkeit in einem unaufhörlichen Freudentanze zu verbringen, einem Tanze, gegen welchen der ſo eben beendigte ein trübſeliges Schleichen zu nennen ſei?","norm":"Und er fragte sie, ob sie wohl Lust hätte, die ewige Seligkeit in einem unaufhörlichen Freudentanze zu verbringen, einem Tanze, gegen welchen der so eben beendigte ein trübseliges Schleichen zu nennen sei?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.212399959564209} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":837,"date":1872,"orig":"Worauf ſie ſogleich erwiederte, ſie wüßte ſich nichts Beſſeres zu wünſchen!","norm":"Worauf sie sogleich erwiderte, sie wüsste sich nichts Besseres zu wünschen!","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.6905999183654785} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":838,"date":1872,"orig":"Worauf der ſelige König David wiederum ſagte: Wohlan, ſo habe ſie nichts anderes zu thun, als während ihrer irdiſchen Lebenslage aller Luſt und allem Tanze zu entſagen und ſich lediglich der Buße und den geiſtlichen Uebungen zu weihen, und zwar ohne Wanken und ohne allen Rückfall.","norm":"Worauf der selige König David wiederum sagte: Wohlan, so habe sie nichts anderes zu tun, als während ihrer irdischen Lebenslage aller Lust und allem Tanze zu entsagen und sich lediglich der Buße und den geistlichen Übungen zu weihen, und zwar ohne Wanken und ohne allen Rückfall.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.021500110626221} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":839,"date":1872,"orig":"Dieſe Bedingung machte das Jungfräulein ſtutzig und ſie ſagte: Alſo gänzlich müßte ſie auf das Tanzen verzichten?","norm":"Diese Bedingung machte das Jungfräulein stutzig und sie sagte: Also gänzlich müsste sie auf das Tanzen verzichten?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.868800163269043} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":840,"date":1872,"orig":"Und ſie zweifelte, ob denn auch im Himmel wirklich getanzt würde?","norm":"Und sie zweifelte, ob denn auch im Himmel wirklich getanzt würde?","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.779200077056885} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":841,"date":1872,"orig":"Denn Alles habe ſeine Zeit; dieſer Erdboden ſchiene ihr gut und zweckdienlich, um darauf zu tanzen, folglich würde der Himmel wohl andere Eigenſchaften haben, anſonſt ja der Tod ein überflüſſiges Ding wäre.","norm":"Denn alles habe seine Zeit; dieser Erdboden schiene ihr gut und zweckdienlich, um darauf zu tanzen, folglich würde der Himmel wohl andere Eigenschaften haben, ansonst ja der Tod ein überflüssiges Ding wäre.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.076799869537353} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":842,"date":1872,"orig":"Allein David ſetzte ihr auseinander, wie ſehr ſie in dieſer Beziehung im Irrthum ſei, und bewies ihr durch viele Bibelſtellen ſowie durch ſein eigenes Beiſpiel, daß das Tanzen allerdings eine geheiligte Beſchäftigung für Selige ſei.","norm":"Allein David setzte ihr auseinander, wie sehr sie in dieser Beziehung im Irrtum sei, und bewies ihr durch viele Bibelstellen sowie durch sein eigenes Beispiel, dass das Tanzen allerdings eine geheiligte Beschäftigung für Selige sei.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.433599948883057} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":843,"date":1872,"orig":"Jetzt aber erfordere es einen raſchen Entſchluß, ja oder nein, ob ſie durch zeitliche Entſagung zur ewigen Freude eingehen wolle oder nicht; wolle ſie nicht, ſo gehe er weiter; denn man habe im Himmel noch einige Tänzerinnen von Nöthen.","norm":"Jetzt aber erfordere es einen raschen Entschluss, ja oder nein, ob sie durch zeitliche Entsagung zur ewigen Freude eingehen wolle oder nicht; wolle sie nicht, so gehe er weiter; denn man habe im Himmel noch einige Tänzerinnen vonnöten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.622000217437744} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":844,"date":1872,"orig":"Muſa ſtand noch immer zweifelhaft und unſchlüſſig und ſpielte ängſtlich mit den Fingerſpitzen am Munde; es ſchien ihr zu hart, von Stund an nicht mehr zu tanzen um eines unbekannten Lohnes willen.","norm":"Musa stand noch immer zweifelhaft und unschlüssig und spielte ängstlich mit den Fingerspitzen am Munde; es schien ihr zu hart, von Stunde an nicht mehr zu tanzen um eines unbekannten Lohnes Willen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.7870001792907715} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":845,"date":1872,"orig":"Da winkte David und plötzlich ſpielte die Muſik einige Takte einer ſo unerhört glückſeligen, überirdidiſchen Tanzweiſe, daß dem Mädchen die Seele im Leibe hüpfte und alle Glieder zuckten; aber ſie vermochte nicht eines zum Tanze zu regen und ſie merkte, daß ihr Leib viel zu ſchwer und ſtarr ſei für dieſe Weiſe.","norm":"Da winkte David und plötzlich spielte die Musik einige Takte einer so unerhört glückseligen, überirdidischen Tanzweise, dass dem Mädchen die Seele im Leibe hüpfte und alle Glieder zuckten; aber sie vermochte nicht eines zum Tanze zu regen und sie merkte, dass ihr Leib viel zu schwer und starr sei für diese Weise.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.549099922180176} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":846,"date":1872,"orig":"Da ſchlug ſie voll Sehnſucht ihre Hand in diejenige des Königs und gelobte das, was er begehrte.","norm":"Da schlug sie voll Sehnsucht ihre Hand in diejenige des Königs und gelobte das, was er begehrte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.030200004577637} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":847,"date":1872,"orig":"Da war er nicht mehr zu ſehen und die muſizirenden Engel rauſchten, flatterten und drängten ſich durch ein offenes Kirchenfenſter davon, nachdem ſie in muthwilliger Kinderweiſe ihre zuſammengerollten Notenblätter den geduldigen Steinengeln um die Backen geſchlagen hatten, daß es klatſchte.","norm":"Da war er nicht mehr zu sehen und die musizierenden Engel rauschten, flatterten und drängten sich durch ein offenes Kirchenfenster davon, nachdem sie in mutwilliger Kinderweise ihre zusammengerollten Notenblätter den geduldigen Steinengeln um die Backen geschlagen hatten, dass es klatschte.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.262199878692627} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":848,"date":1872,"orig":"Da ging Muſa andächtigen Schrittes nach Hauſe, jene himmliſche Melodie im Ohr tragend, und ließ ſich ein grobes Gewand anfertigen, legte alle Zierkleidung ab und zog jenes an.","norm":"Da ging Musa andächtigen Schrittes nach Hause, jene himmlische Melodie im Ohr tragend, und ließ sich ein grobes Gewand anfertigen, legte alle Zierkleidung ab und zog jenes an.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.556700229644775} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":849,"date":1872,"orig":"Zugleich baute ſie ſich im Hintergrunde des Gartens ihrer Eltern, wo ein dichter Schatten von Bäumen lagerte, eine Zelle, machte ein Bettchen von Moos darin und lebte dort von nun an abgeſchieden von ihren Hausgenoſſen als eine Büßerin und Heilige.","norm":"Zugleich baute sie sich im Hintergrunde des Gartens ihrer Eltern, wo ein dichter Schatten von Bäumen lagerte, eine Zelle, machte ein Bettchen von Moos darin und lebte dort von nun an abgeschieden von ihren Hausgenossen als eine Büsserin und Heilige.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.407400131225586} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":850,"date":1872,"orig":"Alle Zeit brachte ſie im Gebete zu und öfter ſchlug ſie ſich mit einer Geißel; aber ihre härteſte Bußübung beſtand darin, die Beine ſtill und ſteif zu halten; ſobald nur ein Ton erklang, das Zwitſchern eines Vogels oder das Rauſchen der Blätter in der Luft, ſo zuckten ihre Füße und meinten, ſie müßten tanzen.","norm":"Alle Zeit brachte sie im Gebete zu und öfter schlug sie sich mit einer Geißel; aber ihre härteste Bußeübung bestand darin, die Beine still und steif zu halten; sobald nur ein Ton erklang, das Zwitschern eines Vogels oder das Rauschen der Blätter in der Luft, so zuckten ihre Füße und meinten, sie müssten tanzen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.041800022125244} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":851,"date":1872,"orig":"Als dies unwillkürliche Zucken ſich nicht verlieren wollte, welches ſie, zuweilen, ehe ſie ſich deſſen verſah, zu einem kleinen Sprung verleitete, ließ ſie ſich die feinen Füßchen mit einer leichten Kette zuſammenſchmieden.","norm":"Als dies unwillkürliche Zucken sich nicht verlieren wollte, welches sie, zuweilen, ehe sie sich dessen versah, zu einem kleinen Sprung verleitete, ließ sie sich die feinen Füßchen mit einer leichten Kette zusammenschmieden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.538300037384033} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":852,"date":1872,"orig":"Ihre Verwandten und Freunde wunderten ſich über die Umwandlung Tag und Nacht, freuten ſich über den Beſitz einer ſolchen Heiligen und hüteten die Einſiedelei unter den Bäumen wie einen Augapfel.","norm":"Ihre Verwandten und Freunde wunderten sich über die Umwandlung Tag und Nacht, freuten sich über den Besitz einer solchen Heiligen und hüteten die Einsiedelei unter den Bäumen wie einen Augapfel.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.7778000831604} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":853,"date":1872,"orig":"Viele kamen, Rath und Fürbitte zu holen.","norm":"Viele kamen, Rat und Fürbitte zu holen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.026199817657471} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":854,"date":1872,"orig":"Vorzüglich brachte man junge Mädchen zu ihr, welche etwas träg und unbeholfen auf den Füßen waren, da man bemerkt hatte, daß alle, welche ſie berührt, alſobald leichten und anmuthvollen Ganges wurden.","norm":"Vorzüglich brachte man junge Mädchen zu ihr, welche etwas träg und unbeholfen auf den Füßen waren, da man bemerkt hatte, dass alle, welche sie berührt, alsobald leichten und anmutvollen Ganges wurden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.678999900817871} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":855,"date":1872,"orig":"So brachte ſie drei Jahre in ihrer Klauſe zu; aber gegen das Ende des dritten Jahres war Muſa faſt ſo dünn und durchſichtig wie ein Sommerwölklein geworden.","norm":"So brachte sie drei Jahre in ihrer Klause zu; aber gegen das Ende des dritten Jahres war Musa fast so dünn und durchsichtig wie ein Sommerwölklein geworden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.004000186920166} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":856,"date":1872,"orig":"Sie lag beſtändig auf ihrem Bettchen von Moos und ſchaute voll Sehnſucht in den Himmel, und ſie glaubte ſchon die goldenen Sohlen der Seligen durch das Blau hindurch tanzen und ſchleifen zu ſehen.","norm":"Sie lag beständig auf ihrem Bettchen von Moos und schaute voll Sehnsucht in den Himmel, und sie glaubte schon die goldenen Sohlen der Seligen durch das Blau hindurch tanzen und schleifen zu sehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.518899917602539} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":857,"date":1872,"orig":"An einem rauhen Herbſttage endlich hieß es, die Heilige liege im Sterben.","norm":"An einem rauen Herbsttage endlich hieß es, die Heilige liege im Sterben.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.022600173950195} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":858,"date":1872,"orig":"Sie hatte ſich das dunkle Bußkleid ausziehen und mit blendend weißen Hochzeitsgewändern bekleiden laſſen.","norm":"Sie hatte sich das dunkle Bußkleid ausziehen und mit blendend weißen Hochzeitsgewändern bekleiden lassen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.068399906158447} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":859,"date":1872,"orig":"So lag ſie mit gefalteten Händen und erwartete lächelnd die Todesſtunde.","norm":"So lag sie mit gefalteten Händen und erwartete lächelnd die Todesstunde.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.066400051116943} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":860,"date":1872,"orig":"Der ganze Garten war mit andächtigen Menſchen angefüllt, die Lüfte rauſchten und die Blätter der Bäume ſanken von allen Seiten hernieder.","norm":"Der ganze Garten war mit andächtigen Menschen angefüllt, die Lüfte rauschten und die Blätter der Bäume sanken von allen Seiten hernieder.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.686000108718872} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":861,"date":1872,"orig":"Aber unverſehens wandelte ſich das Wehen des Windes in Muſik, in allen Baumkronen ſchien dieſelbe zu ſpielen, und als die Leute emporſahen, ſiehe, da waren alle Zweige mit jungem Grün bekleidet, die Myrthen und Granaten blühten und dufteten, der Boden bedeckte ſich mit Blumen und ein roſenfarbiger Schein lagerte ſich auf die weiße zarte Geſtalt der Sterbenden.","norm":"Aber unversehens wandelte sich das Wehen des Windes in Musik, in allen Baumkronen schien dieselbe zu spielen, und als die Leute emporsahen, siehe, da waren alle Zweige mit jungem Grün bekleidet, die Myrten und Granaten blühten und dufteten, der Boden bedeckte sich mit Blumen und ein rosenfarbiger Schein lagerte sich auf die weiße zarte Gestalt der Sterbenden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.084199905395508} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":862,"date":1872,"orig":"In dieſem Augenblicke gab ſie ihren Geiſt auf, die Kette an ihren Füßen ſprang mit einem hellen Klange entzwei, der Himmel that ſich auf weit in der Runde, voll unendlichen Glanzes, und Jedermann konnte hinein ſehen.","norm":"In diesem Augenblicke gab sie ihren Geist auf, die Kette an ihren Füßen sprang mit einem hellen Klange entzwei, der Himmel tat sich auf weit in der Runde, voll unendlichen Glanzes, und jedermann konnte hineinsehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.316699981689453} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":863,"date":1872,"orig":"Da ſah man viel tauſend ſchöne Jungfern und junge Herren im höchſten Schein, tanzend im unabſehbaren Reigen.","norm":"Da sah man viel tausend schöne Jungfern und junge Herren im höchsten Schein, tanzend im unabsehbaren Reigen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.354300022125244} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":864,"date":1872,"orig":"Ein herrlicher König fuhr auf einer Wolke, auf deren Rand eine kleine Extramuſik von ſechs Engelchen ſtand, ein wenig gegen die Erde und empfing die Geſtalt der ſeligen Muſa vor den Augen aller Anweſenden, die den Garten füllten.","norm":"Ein herrlicher König fuhr auf einer Wolke, auf deren Rand eine kleine Extramusik von sechs Engelchen stand, ein wenig gegen die Erde und empfing die Gestalt der seligen Musa vor den Augen aller Anwesenden, die den Garten füllten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.522799968719482} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":865,"date":1872,"orig":"Man ſah noch, wie ſie in den offenen Himmel ſprang und augenblicklich tanzend ſich in den tönenden und leuchtenden Reihen verlor.","norm":"Man sah noch, wie sie in den offenen Himmel sprang und augenblicklich tanzend sich in den tönenden und leuchtenden Reihen verlor.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.160399913787842} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":866,"date":1872,"orig":"Im Himmel war eben hoher Feſttag; an Feſttagen aber war es, was zwar vom heiligen Gregor von Nyſſa beſtritten, von demjenigen von Razianz aber aufrecht gehalten wird, Sitte, die neun Muſen, die ſonſt in der Hölle ſaßen, einzuladen und in den Himmel zu laſſen, daß ſie da Aushülſe leiſteten.","norm":"Im Himmel war eben hoher Festtag; an Festtagen aber war es, was zwar vom heiligen Gregor von Nisse bestritten, von demjenigen von Razianz aber aufrecht gehalten wird, Sitte, die neun Musen, die sonst in der Hölle saßen, einzuladen und in den Himmel zu lassen, dass sie da Aushülse leisteten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.94290018081665} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":867,"date":1872,"orig":"Sie bekamen gute Zehrung, mußten aber nach verrichteter Sache wieder an den andern Ort gehen.","norm":"Sie bekamen gute Zehrung, mussten aber nach verrichteter Sache wieder an den anderen Ort gehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.703400135040283} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":868,"date":1872,"orig":"Als nun die Tänze und Geſänge und alle Ceremonien zu Ende und die himmliſchen Heerſchaaren ſich zu Tiſche ſetzten, da wurde Muſa an den Tiſch gebracht, an welchem die neun Muſen bedient wurden.","norm":"Als nun die Tänze und Gesänge und alle Zeremonien zu Ende und die himmlischen Heerscharen sich zu Tische setzten, da wurde Musa an den Tisch gebracht, an welchem die neun Musen bedient wurden.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.471999883651733} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":869,"date":1872,"orig":"Sie ſaßen faſt verſchüchtert zuſammengedrängt und blickten mit den feurigen ſchwarzen oder tiefblauen Augen um ſich.","norm":"Sie saßen fast verschüchtert zusammengedrängt und blickten mit den feurigen schwarzen oder tiefblauen Augen um sich.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.480800151824951} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":870,"date":1872,"orig":"Die emſige Martha aus dem Evangelium ſorgte in eigener Perſon für ſie, hatte ihre ſchönſte Küchenſchürze umgebunden und einen zierlichen kleinen Rußfleck an dem weißen Kinn und nöthigte den Muſen alles Gute freundlich auf.","norm":"Die emsige Martha aus dem Evangelium sorgte in eigener Person für sie, hatte ihre schönste Küchenschürze umgebunden und einen zierlichen kleinen Rußfleck an dem weißen Kinn und nötigte den Musen alles Gute freundlich auf.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.243800163269043} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":871,"date":1872,"orig":"Aber erſt, als Muſa und auch die heilige Cäcilia und noch andere kunſterfahrene Frauen herbei kamen und die ſcheuen Pierinnen heiter begrüßten und ſich zu ihnen geſellten, da thauten ſie auf, wurden zutraulich und es entfaltete ſich ein anmuthig fröhliches Daſein in dem Frauenkreiſe.","norm":"Aber erst, als Musa und auch die heilige Cäcilia und noch andere kunsterfahrene Frauen herbeikamen und die scheuen Pierrinnen heiter begrüßten und sich zu ihnen gesellten, da tauten sie auf, wurden zutraulich und es entfaltete sich ein anmutig fröhliches Dasein in dem Frauenkreise.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.9375} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":872,"date":1872,"orig":"Muſa ſaß neben Terpſichore und Cäcilia zwiſchen Polyhymnien und Euterpen und Alle hielten ſich bei den Händen.","norm":"Musa saß neben Terpsichore und Cäcilia zwischen Polyhymnien und Euterepen und alle hielten sich bei den Händen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":5.006599903106689} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":873,"date":1872,"orig":"Nun kamen auch die kleinen Muſikbübchen und ſchmeichelten den ſchönen Frauen, um von den glänzenden Früchten zu bekommen, die auf dem ambroſiſchen Tiſche ſtrahlten.","norm":"Nun kamen auch die kleinen Musikbübchen und schmeichelten den schönen Frauen, um von den glänzenden Früchten zu bekommen, die auf dem ambrosischen Tische strahlten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.366199970245361} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":874,"date":1872,"orig":"König David ſelbſt kam und brachte einen goldenen Becher, aus dem Alle tranken, daß holde Freude ſie erwärmte; er ging wohlgefällig um den Tiſch herum, nicht ohne der lieblichen Erato einen Augenblick das Kinn zu ſtreicheln im Vorbeigehen.","norm":"König David selbst kam und brachte einen goldenen Becher, aus dem alle tranken, dass holde Freude sie erwärmte; er ging wohlgefällig um den Tisch herum, nicht ohne der lieblichen Erato einen Augenblick das Kinn zu streicheln im Vorbeigehen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.841400146484375} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":875,"date":1872,"orig":"Als es dergeſtalt hoch herging an dem Muſentiſch, erſchien ſogar unſere liebe Frau in all' ihrer Schönheit und Güte, ſetzte ſich auf ein Stündchen zu den Muſen und küßte die hehre Urania unter ihrem Sternenkranze zärtlich auf den Mund, als ſie ihr beim Abſchiede zuflüſterte, ſie werde nicht ruhen, bis die Muſen für immer im Paradieſe bleiben könnten.","norm":"Als es dergestalt hoch herging an dem Musentisch, erschien sogar unsere liebe Frau in alle ihrer Schönheit und Güte, setzte sich auf ein Stündchen zu den Musen und küsste die hehre Urania unter ihrem Sternenkranze zärtlich auf den Mund, als sie ihr beim Abschiede zuflüsterte, sie werde nicht ruhen, bis die Musen für immer im Paradiese bleiben könnten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.072000026702881} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":876,"date":1872,"orig":"Es iſt freilich nicht ſo gekommen.","norm":"Es ist freilich nicht so gekommen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":3.956799983978271} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":877,"date":1872,"orig":"Um ſich für die erwieſene Güte und Freundlichkeit dankbar zu erweiſen und ihren guten Willen zu zeigen, rathſchlagten die Muſen untereinander und übten in einem abgelegenen Winkel der Unterwelt einen Lobgeſang ein, dem ſie die Form der im Himmel üblichen feierlichen Choräle zu geben ſuchten.","norm":"Um sich für die erwiesene Güte und Freundlichkeit dankbar zu erweisen und ihren guten Willen zu zeigen, ratschlagten die Musen untereinander und übten in einem abgelegenen Winkel der Unterwelt einen Lobgesang ein, dem sie die Form der im Himmel üblichen feierlichen Choräle zu geben suchten.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.015900135040283} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":878,"date":1872,"orig":"Sie theilten ſich in zwei Hälften von je vier Stimmen, über welche Urania eine Art Oberſtimme führte, und brachten ſo eine merkwürdige Vokalmuſik zuwege.","norm":"Sie teilten sich in zwei Hälften von je vier Stimmen, über welche Urania eine Art Oberstimme führte, und brachten so eine merkwürdige Vokalmusik zuwege.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.492800235748291} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":879,"date":1872,"orig":"Als nun der nächſte Feſttag im Himmel gefeiert wurde und die Muſen wieder ihren Dienſt thaten, nahmen ſie einen für ihr Vorhaben günſtig ſcheinenden Augenblick wahr, ſtellten ſich zuſammen auf und begannen ſänftlich ihren Geſang, der bald gar mächtig anſchwellte.","norm":"Als nun der nächste Festtag im Himmel gefeiert wurde und die Musen wieder ihren Dienst taten, nahmen sie einen für ihr Vorhaben günstig scheinenden Augenblick wahr, stellten sich zusammen auf und begannen sänftlich ihren Gesang, der bald gar mächtig anschwellt.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.257400035858154} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":880,"date":1872,"orig":"Aber in dieſen Räumen klang er ſo düſter, ja faſt trotzig und rauh, und dabei ſo ſehnſuchtsſchwer und klagend, daß erſt eine erſchrockene Stille waltete, dann aber alles Volk von Erdenleid und Heimweh, ergriffen wurde und in ein allgemeines Weinen ausbrach.","norm":"Aber in diesen Räumen klang er so düster, ja fast trotzig und rau, und dabei so sehnsuchtsschwer und klagend, dass erst eine erschrockene Stille waltete, dann aber alles Volk von Erdenleid und Heimweh, ergriffen wurde und in ein allgemeines Weinen ausbrach.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.224299907684326} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":881,"date":1872,"orig":"Ein unendliches Seufzen rauſchte durch die Himmel; beſtürzt eilten alle Aelteſten und Propheten herbei, indeſſen die Muſen in ihrer guten Meinung immer lauter und melancholiſcher ſangen und das ganze Paradies mit allen Erzvätern, Aelteſten und Propheten, Alles, was je auf grüner Wieſe gegangen oder gelegen, außer Faſſung gerieth.","norm":"Ein unendliches Seufzen rauschte durch die Himmel; bestürzt eilten alle Ältesten und Propheten herbei, indessen die Musen in ihrer guten Meinung immer lauter und melancholischer sangen und das ganze Paradies mit allen Erzvätern, Ältesten und Propheten, alles, was je auf grüner Wiese gegangen oder gelegen, außer Fassung geriet.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.777699947357178} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":882,"date":1872,"orig":"Endlich aber kam die allerhöchſte Trinität ſelber heran, um zum Rechten zu ſehen und die eifrigen Muſen mit einem lang hinrollenden Donnerſchlage zum Schweigen zu bringen.","norm":"Endlich aber kam die allerhöchste Trinität selber heran, um zum Rechten zu sehen und die eifrigen Musen mit einem lang hinrollend Donnerschlage zum Schweigen zu bringen.","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.839700222015381} +{"basename":"keller_legenden_1872","par_idx":883,"date":1872,"orig":"Da kehrten Ruhe und Gleichmuth in den Himmel zurück; aber die armen neun Schweſtern mußten ihn verlaſſen und durften ihn ſeither nicht wieder betreten","norm":"Da kehrten Ruhe und Gleichmut in den Himmel zurück; aber die armen neun Schwestern mussten ihn verlassen und durften ihn seither nicht wieder betreten","lang_fastText":"de","lang_py3langid":"de","lang_cld3":"de","lang_de":1.0,"norm_lmscore":4.4039998054504395}