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Klimaschutz: Warum E-Scooter doch zur Verkehrswende beitragen können
Anne Hidalgo hat genug. Als Bürgermeisterin von Paris hat sie viel versucht, um E-Scooter zu einem akzeptierten Verkehrsmittel zu machen. Sie hat im Zentrum der Stadt 2.500 Stellplätze für die Roller einrichten lassen, etwa alle 100 Meter einen. Mit strengen Regeln und hohen Bußgeldern hat sie versucht, die Wege und Grünanlagen von den Scootern freizuhalten. Aber der Frust der Bürgerinnen und Bürger ist noch immer groß. Nun sollen sie Anfang April darüber abstimmen , ob die E-Scooter bleiben dürfen – oder verboten werden. Auch in Deutschland würden manche die Roller am liebsten verbieten, weil sie immer wieder Fußwege und Plätze blockieren oder auf Radwegen herumliegen. Und auch hier probieren es die Städte zunächst mir schärferen Regeln . Sie verbieten Anbietern etwa, die Scooter in Parks, Fußgängerzonen oder in Gewässernähe abzustellen. Das lässt sich über sogenanntes Geofencing sicherstellen. Außerdem erheben sie von den Anbietern Gebühren, um die Allgemeinheit am Geschäft mit den Scootern teilhaben zu lassen. In Bremen fallen im Jahr 26 Euro pro E-Scooter an, in Münster 50 Euro, in Düsseldorf je nach Standort 30 bis 50 Euro und in Köln 85 bis 130 Euro. Aber lohnt sich der Aufwand überhaupt? Sind die Roller nicht nur Spielzeug? Tatsächlich können sie durchaus einen Beitrag zur Verkehrswende leisten, sagen Forscherinnen und Forscher. Eine aktuelle Studie am Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) ergab: Immerhin elf Prozent der Fahrten mit Scootern ersetzen Autofahrten. Ebenso viele Fahrten hätten ohne Scooter mit dem eigenen Rad stattgefunden, 19 Prozent mit dem ÖPNV und 43 Prozent zu Fuß. Vor allem aber wird ein Effekt in der öffentlichen Diskussion oft vergessen: Leihscooter können Bus und Bahn stärken. "Der öffentliche Verkehr kann durch die Kombination mit E-Scootern attraktiver werden", sagt Uta Bauer, Expertin für Stadt- und Regionalverkehr am Difu und Mitautorin der Studie. Jeder vierte E-Scooter-Fahrer kombiniere seine Fahrten bereits mit dem ÖPNV. Roller warten an den Haltestellen Wie das im Idealfall funktioniert, zeigt ein Pilotprojekt in den nördlichen Hamburger Stadtteilen Lokstedt und Langenhorn. Mit Sharing-Angeboten wie E-Scootern und Rufbus-ähnlichen Systemen will der Verkehrsbetrieb Hochbahn dort den sogenannten "Hamburg-Takt" etablieren. Der verspricht: Bis 2030 erreichen Hamburgerinnen und Hamburger innerhalb von fünf Minuten ein öffentliches Nahverkehrsangebot. Damit das klappt, muss das Angebot in den Wohngebieten deutlich verbessert werden. Ein Baustein ist das E-Scooter-Sharing. Der Sharing-Anbieter Tier startete 2019 mit 200 E-Tretrollern in den beiden Stadtteilen und stockte die Flotte im Projektverlauf auf 400 auf. Tier wirbt um Geduld, bis sich die gewünschten Effekte einstellen: "E-Scooter sind für viele Menschen immer noch ein neues Angebot. Sie müssen sich erst an sie gewöhnen, die Fahrzeuge ausprobieren und sie als verlässliches Angebot wahrnehmen", sagt Christine Wenzel, Director Public Policy bei Tier. Erst dann würden sie überhaupt darüber nachdenken, sie in ihre Alltagsmobilität zu integrieren. Die Anzahl der Fahrten wuchs während des Projekts immerhin schon von 7.000 im ersten Monat auf 17.000 im August 2022. Für Constanze Dinse, Sprecherin der Hochbahn, ist das ein gutes Signal. Eine Umfrage habe gezeigt: "Die Kombination mit E-Scootern steigert die Attraktivität für 60 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer", sagt Dinse. Zum Projektstart wurden an Haltestellen Parkflächen für die Fahrzeuge eingerichtet. "Die Kunden wussten, dass sie dort mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Fahrzeug für den Rückweg finden", sagt Dinse.
Andrea Reidl
Über die Tretroller wird emotional diskutiert. Dabei spricht einiges dafür, dass E-Scooter den Verkehr grüner machen können – wenn die Bedingungen passen.
[ "E-Scooter", "Straßenverkehr", "Elektromobilität", "Verkehrswende", "Klimaschutz", "Verkehr", "Anne Hidalgo", "Uta Bauer", "Constanze Dinse", "Deutschland" ]
mobilitaet
Article
2023-01-21T09:59:48+01:00
2023-01-21T09:59:48+01:00
https://www.zeit.de/mobilitaet/2023-01/e-scooter-verkehrswende-klimaschutz-oepnv?&icode=01w0040k0059Inhemanew2104&utm_medium=email&utm_source=elbvertiefung&utm_campaign=zplus&utm_content=&wt_zmc=emanew.int.zabo.elbvertiefung.zplus....x
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Popkultur: Ein pinkfarbener Atompilz
Billie Eilish ist eine Barbie, wer hätte das gedacht. Im Video ihres neuen Songs What Was I Made For? sieht die Sängerin aus wie eine Puppe, ein Spielzeug im Vierzigerjahre-Look. Das ist komisch, aber auch irgendwie logisch, schließlich ist das Stück Teil des Soundtracks von Greta Gerwigs Film Barbie , der Ende Juli starten soll. Endlich, könnte man entgegnen, oder auch: erst? Nach Monaten des Vorfreudezinnobers, nach so vielen Szenenbildern, die Margot Robbie und Ryan Gosling, Barbie und Ken im Film, beim Rollerbladen oder Cadillacfahren in einer bonbonbunten Welt zeigen, glaubt man beinahe, den Film längst gesehen zu haben. Auch zu hören kriegte man schon einiges: etwa das fabelhafte Gerüchte, dass nach dem Bau des Bühnenbilds die pinke Farbe auf der ganzen Welt knapp wurde . Begleitmusik gab es ebenfalls. Nicht nur Billie Eilish, sondern auch Superstars wie Nicki Minaj und Dua Lipa veröffentlichten bereits Songs aus dem Soundtrack. Barbie ist nicht nur larger than life , sondern vielleicht auch größer, als ein Film es je sein könnte. Es ist der Sommer der popkulturellen Riesenspektakel, der Gemeinschaftsbegeisterung von einem Ausmaß, wie man es lange nicht erlebt hat. Barbie könnte einer der erfolgreichsten Filme des Jahres werden, ist aber nicht das einzige Ereignis, auf das sich gerade alle einigen können. Kolleginnen und Freunde, die man bislang eher nicht als Konzertbiester kannte, würden plötzlich eine Niere verkaufen für eine Eintrittskarte zu Taylor Swifts Wanderzirkus der Lebensphasen, ihre Eras -Tour, die – nach Stationen auf vier Kontinenten – im kommenden Jahr in Deutschland gastieren soll. Auch an Bildern und Videos von Beyoncés offenbar triumphaler Renaissance -Tour kommen popaffine Social-Media-Nutzer kaum vorbei. Mit religiösem Ernst diskutieren Fans im Internet Setlist- und Kostümwechsel, weinen vor gemeinschaftlicher Rührung über die Auftritte von Beyoncés Tochter Blue Ivy und loben die flamboyanten Outfits der Konzertbesucher. Laut Forbes könnte Beyoncé am Ende der Tour 2,1 Milliarden Dollar eingenommen haben, 500 Millionen mehr als Taylor Swift. Die Renaissance -Tour war allein mit einem Instagram-Post beworben. Lange hat sich Popkultur, zumindest im sogenannten Westen, nicht mehr so nach Naturgewalt angefühlt. Lange glaubten viele, die sich nach den angeblich guten, in jedem Fall aber alten Zeiten sehnen, dass die jungen Leute vor lauter Tröt, Hampel und Piep auf TikTok gar nicht mehr wüssten, wie elektrisierend das Aufgehen in ganz analogen Massen doch sein kann. Nun werden eben diese Jungen (und ihre mittelalte Vorgängergeneration) selbst zur Masse, zur Gemeinschaft der kollektiv Entflammten, die Kinos überrennt und die Server von Ticketanbietern zum Heißlaufen bringt. Spannung unter der Oberfläche Fast scheint es bei alledem bumsegal zu sein, wie gut die umhypten Filme oder Touren wirklich sind; allein das Reden darüber ist ein Motor für viel Kreativität. Nach den körperlosen Coronajahren gleichen die Events des Sommers nicht nur einem Lagerfeuer, sie bilden einen kleinsten gemeinsamen Nenner inmitten des krisenhaften Gegenwartsgewirrs. Von diesem common ground aus startet man schließlich, um eigene Inhalte zu produzieren, Memes und Witze mit zwölfeinhalb layers etwa, die sich am Ende doch nur einem Spezialpublikum erschließen sollen. Neu ist das selbstverständlich nicht. Letztlich ging es im Pop, wenn wir uns die Frechheit erlauben wollen, immer nur am Rande um Musik und populäre Filme. Sondern um die Inszenierung des Events, um die richtige Oberfläche und darum, was man selbst anstellt mit all dem schönen Schwindel. Früher dekorierten Jugendliche ihr Zimmer zum Popkulturtempel hoch, heute kann man seine Verehrung auf digitalem Wege zeigen. Wenn man so will, tut die Popkultur, diese große Identitätsmaschine, in diesem Sommer also mal wieder unter Hochdruck, was sie schon immer getan hat. Einerseits. Andererseits ballt sich unter der Oberfläche aller Spektakel dieser Saison aber auch besonders viel Spannung. Barbie , aber auch die Kunst von Beyoncé und Taylor Swift sind wie geschaffen für die Gesetzmäßigkeiten der Netzkultur, fürs Zurückverweisen und wilde Weiterspinnen. Unter anderem, weil sie alle eine Art produktive Nostalgie bedienen, ein Gefühl, das Rückgriffe auf Bekanntes (und damit intuitiv Wohliges) erlaubt und doch in die Zukunft weist; ein "Kenn’ ich, aber anders". Genau die Barbie, die als todschicke, aber teflonartige Plastikmadame Millionen von Kindheiten begleitete, soll in Gerwigs Film in eine Existenzkrise geraten: ein Wiedersehen unter ganz neuen, menschlichen, womöglich sogar feministischen Vorzeichen.
Julia Lorenz
Barbie, Beyoncé und Taylor Swift: Es ist der Sommer der popkulturellen Großereignisse. Warum können wir Streithähne uns plötzlich wieder auf so vieles einigen?
[ "Barbie", "USA", "Popkultur", "Film", "Musik", "Tournee", "Kulturbetrieb", "Taylor Swift", "Großereignis", "Beyoncé Knowles" ]
kultur
Article
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Johannes Kahrs: Das Schließfach des Herrn Kahrs
Was haben 214.800 Euro in einem Schließfach der Hamburger Sparkasse mit dem Cum-Ex-Skandal der Hamburger Warburg-Bank und mit Bundeskanzler Olaf Scholz zu tun? Die kurze Antwort lautet: Niemand weiß es. Die lange Antwort führt tief in eine Affäre, die einen Untersuchungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft nun schon seit bald zwei Jahren beschäftigt. Am vergangenen Wochenende war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Köln in einem Bankschließfach des früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs jene 214.800 Euro gefunden hatte, außerdem 2.400 US-Dollar. Woher dieses Geld kommt, weiß sie nicht. Es wurde von den Ermittlern nicht sichergestellt, Kahrs durfte es behalten. Denn sicherstellen dürften die Ermittler das Geld nur, wenn ein konkreter Verdacht vorliegt, dass es aus krummen Geschäften stammt. Es ist nach Auskunft der BaFin auch nicht verboten oder meldepflichtig, große Mengen an Bargeld in einem Schließfach aufzubewahren. Einen Nachweis über die Herkunft des Geldes muss erst erbringen, wer das Geld auf ein Konto einzahlen will und es damit in Umlauf bringt. So soll Geldwäsche verhindert werden. Allerdings könnte sich das Finanzamt dafür interessieren, ob das Geld versteuert worden ist. Geöffnet hatte die Staatsanwaltschaft das Schließfach im Zuge einer Hausdurchsuchung. Am 28. September 2021 hatten Ermittler die Wohnung von Kahrs durchsucht , weil sie ihn der Begünstigung zur Steuerhinterziehung verdächtigen. Dieser Verdacht führt viele Jahre zurück, zum Cum-Ex-Fall der Warburg-Bank. Die Warburg-Bank machte von 2006 an illegale Cum-Ex-Geschäfte und ließ sich Steuern erstatten, die sie zuvor nie gezahlt hatte. Mehrere Mitarbeiter der Bank wurden dafür vom Landgericht Bonn zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, die Bank musste mehr als 176 Millionen Euro zurückzahlen. Die Staatsanwaltschaft Köln legte jüngst die Anklageschrift gegen den früheren Bankchefs Christian Olearius vor. Olearius bestreitet alle Vorwürfe. Im Januar 2016 durchsuchten Ermittler die Geschäftsräume der Warburg-Bank. Sie fanden dabei auch Tagebücher von Olearius. Doch trotz der laufenden Ermittlungen verzichtete die Hamburger Steuerverwaltung Ende 2016 darauf, 47 Millionen Euro aus Cum-Ex-Geschäften von der Warburg-Bank zurückzufordern und ließ die Sache verjähren. Im Jahr darauf wurde eine weitere Verjährung von 43 Millionen Euro nur durch eine Weisung des Bundesfinanzministeriums gestoppt. Johannes Kahrs beriet Olearius in jener Zeit, so steht es im Tagebuch. Kahrs war damals Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Hamburg-Mitte, saß seit 1998 im Bundestag, war dort einflussreiches Mitglied im Haushaltsausschuss und haushaltspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Er schlug Olearius laut Tagebuch beispielsweise vor, er könne über den Fall mit der Leitung der BaFin oder dem Bundesfinanzministerium sprechen. Und er sagte, er werde mit Olaf Scholz reden, der damals Erster Bürgermeister Hamburgs war. Scholz sagte später, er könne sich nicht an ein Gespräch mit Kahrs über die Warburg-Bank erinnern. 2017 trafen sich Kahrs und Olearius weiter. Bei einer dieser Begegnungen hatte Kahrs ein Anliegen: Er wollte Geld für die SPD. Ihm sei ein Spender abgesprungen, sagte er Olearius laut Tagebuch. Nur vier Tage später registrierte die Hamburger SPD eine Spende über 13.000 Euro von einer Firma, an der Olearius beteiligt war. Weitere Firmen, an denen Olearius Anteile hielt, spendeten 2017 ebenfalls, insgesamt gingen 45.500 Euro an die SPD. Den größten Teil davon erhielt der Kreisverband Mitte.
Karsten Polke-Majewski
Ein Bankfach voller Geld, ein Steuerraub und ein Bundeskanzler mit Erinnerungslücken: Plötzlich blicken alle wieder auf den Hamburger Warburg-Skandal.
[ "Johannes Kahrs", "Kay Nietfeld", "Olaf Scholz", "Hanno Berger", "Arne Dedert", "Sarah Vojta", "Carsten Dammann", "Karsten Polke-Majewski", "Christian Salewski", "Christian Olearius" ]
hamburg
Article
2022-08-09T15:25:37+02:00
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Fettes Brot: Geht's besser?
Kurz nach ihrer Gründung vor 30 Jahren hatten Fettes Brot ihren ersten großen Hit: Nordisch by Nature . Der Song wurde so erfolgreich, dass ihn die Band später selbst wieder aus dem Verkauf nahm, weil ihr die Sache unheimlich wurde. Es half nichts. Auf Betriebsfeiern füllt Nordisch by Nature bis heute verlässlich die Tanzfläche. Und noch in Regensburg wird auf Studentenpartys jede Zeile mitgerappt, obwohl dort eventuell nicht jeder weiß, was "Waterkant" bedeutet oder "Dans op de Deel". Seit Jahrzehnten ist die Band um König Boris, Björn Beton und Dr. Renz erstaunlich konsensfähig und sehr erfolgreich. Genau das ist der Grund, warum man jenen, die "echten Rap" lieben, mit Fettes Brot gar nicht kommen braucht. "Als es kommerziell richtig erfolgreich wurde und sogar Frau Schmidt Nordisch by Nature hörte, wurden wir sauer", erinnert sich die Rapperin Cora E. in Könnt ihr uns hören , einem Buch über die Geschichte der deutschen Hip-Hop-Szene. "Dadurch, dass das auch Nicht-Hip-Hopper lustig fanden, kam uns das wie Nestbeschmutzung vor." Die Folge: Keine andere Gruppe, vielleicht mit Ausnahme der Fantastischen Vier, ist wohl so oft und so hart aus der Szene heraus gedisst worden wie Fettes Brot. Beispielhaft rappte Kool Savas: "Die meisten meiner Feinde sehen aus wie Dr. Renz." Dass Fettes Brot auch von jenen, die ihre Hits lieben, als "Klamauk-Rap" oder "Spaßrap" wahrgenommen werden, verkennt zwei Dinge, die diese Band ausmachen: Erstens, wie handwerklich stark diese Band schon zu einem frühen Zeitpunkt war. Und zweitens, wie wach und lebendig sie bis zum Schluss geblieben ist. Man kann das veranschaulichen mit zwei Tracks, die nicht zu den Hits gehören, die vermutlich sogar als weitgehend vergessen gelten können und an die es sich gerade deshalb zu erinnern lohnt: Bundeskanzler und Vorurteile Pt. III . Bundeskanzler erschien 1998 auf dem dritten Album, Fettes Brot lässt grüßen. Es ist nicht ihre bekannteste Platte und auch nicht ihre beste, aber sie zeigt, wie avanciert die Rapper damals schon waren. In Bundeskanzler heißt es: "Wir hörten Metalgeschreddel aus Seattle und spielten Scrabble / Bei behaglicher Beleuchtung auf Boris' Bett / Und lachten über die Frisur von Alanis Morissette." Was da technisch passiert, ist selbst aus heutiger Sicht noch beeindruckend. In der ersten Zeile reimt sich jedes Hauptwort ("Meddl", "Schreddl", "Sjeddl", "Skrebbl"), in der zweiten schiebt sich plötzlich ein endlos langer Stabreim in den Text (B-B-B-B-B), und während man sich fragt, wie die Band diese Sprachspielereien in der folgenden Zeile noch überbieten will, hört man schon: Sie tut es nicht. Sondern bindet die Szene mit einem perfekten Doppelreim ab.
Oskar Piegsa
Fast jeder kennt die Hits von Fettes Brot. Aber wie gut ihre Texte waren, wird noch nicht ausreichend gewürdigt. Eine Verneigung zum Abschied
[ "Musik", "Popmusik", "Popkultur", "Kunst", "Hip-Hop", "Lyrik", "Fettes Brot", "Klamauk", "Tiefgang", "Verneigung" ]
hamburg
Article
2022-09-01T20:50:47+02:00
2022-09-01T20:50:47+02:00
https://www.zeit.de/hamburg/2022-09/fettes-brot-deutschrap-abschied-texte?=&%20icode=01w0040k0059Inhemanew2104&utm_medium=email&utm_source=elbvertiefung&utm_campaign=zplus&utm_content=&wt_zmc=emanew.int.zabo.elbvertiefung.zplus....x
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3
Abriss am Johannisbollwerk 10: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
Und plötzlich ist da eine Lücke. Wer in Hamburg auf der Promenade zwischen Landungsbrücken und Baumwall spaziert und seinen Kopf landeinwärts Richtung Norden wendet, sieht dort, wo über 100 Jahre lang ein prächtiger Bau der Gründerzeit stand, nur noch gähnende Leere. Binnen weniger Tage ist das Gebäude von Abrissbaggern dem Erdboden gleichgemacht worden. Hier wird nun stattdessen ein neues Büro- oder Hotelgebäude entstehen. Das Haus mit der Adresse Johannisbollwerk 10 war ein eindrucksvolles Wohngebäude mit sechs Etagen und hohen Decken. Die Fassade zum Hafen hin war wundervoll plastisch durchgearbeitet und wohlproportioniert: Zwei kräftige Erker, einer kubisch, einer gerundet, schoben sich vertikal aus der Hausfront heraus, in den dazwischenliegenden Feldern befanden sich Balkone. Ein Giebel und ein kleines Türmchen schlossen den Putzbau nach oben hin ab. Das Haus war eines der letzten, die hier noch von der Vergangenheit künden: Es gehörte zu einem Quartier, das einst wegen seiner vielen Einwanderer "Die Küste" genannt wurde und heute unter dem Namen Portugiesenviertel bekannt ist. Diese Gegend war viele Jahre durch Kleingewerbe, Hafenarbeiter und Firmen der Schifffahrtsbranche geprägt, bis in den Nachkriegsjahrzehnten die Hafen- und Schifffahrtsunternehmen langsam abwanderten und immer mehr Restaurants und Cafés entstanden. Heute ist das Viertel ein touristischer Hotspot, aber auch die Hamburgerinnen und Hamburger trinken hier immer noch gerne ihren Galão, naschen eine süße Pastéis de Nata und träumen vom Süden. Die kleinteilige Bebauung aus der vorindustriellen Zeit wurde in der Sanierungswelle um 1900 beseitigt zugunsten zeittypischer Blockrandbebauungen, die sich an den Geesthang schmiegen. Und weil das Stadtpanorama von der Elbe her immer die wichtigste Stadtansicht war (festgehalten in zahlreichen Stichen und Fotografien), wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Gebäude in erster Reihe am Elbufer, hier an den Straßen Johannisbollwerk und Vorsetzen, größer und eindrucksvoller als die dahinter liegenden errichtet. Genau drei Gebäude kündeten in der Häuserzeile noch von dieser Zeit: Die Häuser Johannisbollwerk 10 und 19 (in dem man noch Taue und Schiffsbeschläge erwerben kann) und Vorsetzen 53. Die beiden letzten wurden unter Denkmalschutz gestellt, das erste nicht – was nun zum Abriss führte. Warum es nicht unter Schutz gestellt wurde, bleibt unklar. Wahrscheinlich lehnte das Denkmalschutzamt die Unterschutzstellung wie so oft mit der Begründung ab, dass das Gebäude im Inneren umgebaut worden war und somit zu wenig originale Bausubstanz erhalten blieb. Das allerdings wäre absurd: Fast alle historischen Gebäude sind irgendwann einmal unter Verlust historischer Bausubstanz verändert und modernisiert worden, auch die, die heute unter Denkmalschutz stehen. Ohne das Umbauen und Umnutzen würde heute wohl kaum noch ein altes Gebäude stehen – von der Börse, die heute die Handelskammer birgt, bis zur Speicherstadt, in der statt Kaffee- und Gewürzhändlern nun Medienunternehmen und Finanzdienstleister ihren Geschäften nachgehen. In Zeiten der Klimakrise erst wird richtig deutlich, wie wichtig dieses ressourcenschonende und CO2-vermeidende Weiterbauen ist: Es gibt kaum eine schlimmere Energievernichtung und -verschwendung, als Häuser abzureißen und neu zu bauen.
Claas Gefroi
In Hamburg muss ein historisches Kontorhaus einem Bürogebäude weichen. Dabei gibt es kaum eine schlimmere Energie-Verschwendung, als Häuser abzureißen und neu zu bauen.
[ "Stadtplanung", "Immobilienmarkt", "Elbe", "Hamburger Hafen", "Bauindustrie", "Hamburg", "Hafenkante", "Johannisbollwerk", "Elbpromenade", "Flutschutzpromenade" ]
hamburg
Article
2021-07-29T20:57:40+02:00
2021-07-29T20:57:40+02:00
https://www.zeit.de/hamburg/2021-07/abriss-johannisbollwerk-10-gebaeude-gruenderzeit-elbpomenade-hamburg?&icode=01w0040k0059Inhemanew2104&utm_medium=email&utm_source=elbvertiefung&utm_campaign=zplus&utm_content=&wt_zmc=emanew.int.zabo.elbvertiefung.zplus....x
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Meinhard von Gerkan: Ein Baumeister für die ganze Welt
Wer baut, handelt sich Ärger ein. Von den Kollegen, die es – hinterher natürlich – noch ein bisschen besser gewusst haben wollen, von den Bauherren, denen das Ganze dann doch zu teuer wurde. Von der Architekturkritik, vom Publikum, von jedem, der Zug oder Flugzeug verpasst hat, weil er aufs falsche Gleis oder an den falschen Flugsteig gerannt ist. Meinhard von Gerkan kannte sich da aus. Er war Ärger gewohnt. Denn der in Hamburg ansässige Architekt hat viel gebaut, richtig viel. Beim Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg, kurz BER , ist ihm dann der Kragen geplatzt. Schon zum Baubeginn 2006 hatte das Aushängeschild einer wiedervereinigten und von straffem Selbstbewusstsein erfüllten Bundesrepublik nicht mehr den Anforderungen entsprochen, die 1997 auftragsgemäß in die Planung eingeflossen waren. Die Pläne mussten revidiert, die Kosten neu berechnet werden, das Projekt hangelte sich von einem Eröffnungstermin zum nächsten, bis BER in der ganzen Welt als Kürzel für eine pompöse, sehr deutsche Überheblichkeit verbreitet war. Als die internationale Lachnummer schließlich drohte, das Renommee eines der größten und erfolgreichsten Planungsbüros in Deutschland, gmp, also von Gerkan, Marg und Partner, ernsthaft zu schädigen, setzte sich der Mitbegründer Meinhard von Gerkan hin und schrieb ein Buch. Titel: Black Box BER , in Anspielung auf den fest verschlossenen Kasten in einem Flugzeug, aus dem etwa nach einem Absturz die Daten über den wirklichen Ablauf der Katastrophe geborgen werden können. Genau das tat der Autor nun. Untertitel: "Wie Deutschland seine Zukunft verbaut". Weil die ganze Angelegenheit eben kein Unfall war, sondern ein Symptom. So ein Buch hatte es lange nicht gegeben. Was noch, Gerkans Naturell entsprechend, jovial begann mit den Leuten von Seldwyla aus Gottfried Kellers Sammlung von Novellen und den Bürgern von Schilda, die sich auch so manchen Unfug geleistet hatten, wurde zur eiskalten Abrechnung des Architekten mit den öffentlichen Bauherren, ganz nebenbei auch mit seinen Kritikern und den schnellfertigen Spöttern. Was war schiefgelaufen? Kurz gesagt: alles. Zuständigkeitschaos, Chaos bei den Ausschreibungen, bei den Kosten. 286 Planänderungsanträge hatten den Fortgang des Projekts gebremst, 487 Anordnungen wurden geändert, "überfallartig", wie der zornige Gerkan anmerkte, dazu Eitelkeiten, Inkompetenz, Wahlkampf, Personalkarussell und alles noch mal von vorn. In a nutshell : Das Büro habe geliefert, pünktlich, auftragsgemäß, in jedem Fall professionell. Also bitte: gmp baute seit mehr als fünf Jahrzehnten Fußballstadien, Bahnhöfe, Opernhäuser, Museen, ganze Städte, alles. Und bei einem Gespräch in seinem Besprechungszimmer über dem Hamburger Hafen, einem runden Raum mit Panoramafenstern, damit niemand sich in seiner Ideenproduktion gehemmt fühle, fügte der längst weißhaarige Baumeister zum Debakel um den BER noch hinzu: "Es gab aufseiten der Auftraggeber nicht eine einzige Person, keinen Bauleiter, keinen Senator und keinen Bürgermeister, der vom Anfang bis zur Eröffnung dabei gewesen wäre. Niemand stand in der Verantwortung, und niemand auch fühlte sich verantwortlich. Wie kann man da bauen?" Eröffnung am 31. Oktober 2020, das wollte er noch unterstrichen haben – da war das Büro der Planer schon seit acht Jahren nicht mehr dabei. Vor die Tür gesetzt von einem Bauherrn, der keinen Namen und kein Gesicht hatte, nur Rechtsanwälte. Die über 20 Jahre angesammelte Bitterkeit war Gerkan in diesem Augenblick anzumerken. Dabei war es ausgerechnet ein Berliner Flughafen gewesen, nämlich Tegel, mit dem er und sein Freund und Partner Volkwin Marg 1965 auf die Szene getreten waren, und das einigermaßen spektakulär, ein Bubenstück geradezu.
Martin Tschechne
Der Architekt Meinhard von Gerkan hat Stadien, Bahnhöfe, Opernhäuser, Museen, ganze Städte entworfen. Sie alle sind, wie er selbst war: menschenfreundlich. Ein Nachruf
[ "Meinhard von Gerkan", "Daniel Haas", "Maxim Schulz", "Hanno Rauterberg", "Gottfried Keller", "Sean Gallup", "Volkwin Marg", "Hamburg", "Elbe", "China" ]
kultur
Article
2022-12-02T10:18:15+01:00
2022-12-02T10:18:15+01:00
https://www.zeit.de/kultur/2022-12/meinhard-von-gerkan-architekt-nachruf?=&%20icode=01w0040k0059Inhemanew2104&utm_medium=email&utm_source=elbvertiefung&utm_campaign=zplus&utm_content=&wt_zmc=emanew.int.zabo.elbvertiefung.zplus....x
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Nachrichtenpodcast: Warum die Türkei-Wahl auch in Deutschland entschieden wird
Am kommenden Sonntag steht in der Türkei die Wahl an. Dann werden rund 60,7 Millionen Wahlberechtigte im Land über das Parlament und den Präsidenten entscheiden. Auch die 1,5 Millionen Türkinnen und Türken, die in Deutschland leben, hatten bis zum 9. Mai die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben – und fast die Hälfte von ihnen hat von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Drei Tage vor der Wahl sind im Mercedes-Werk in Sindelfingen zwei Menschen getötet worden. Türkische Medien berichteten, ein 53-jähriger Mitarbeiter habe wegen politischer Differenzen zwei Kollegen erschossen. Wie aufgeheizt die Stimmung innerhalb der türkischen Community hierzulande ist, weiß die Soziologin Rosa Burç . Mit der Wahlrechtsreform soll die Zahl der Sitze im Parlament auf 630 begrenzt werden. Nach dem Bundestag hat diesem Projekt der Ampel-Koalition nun auch der Bundesrat zugestimmt . Bayerns Ministerpräsident Markus Söder von der CSU hingegen will vor dem Bundesverfassungsgericht dagegen klagen. Die Reform sei politisch falsch, verfassungswidrig und spalte Deutschland. Diese Position verbindet die CSU mit ihr politisch ansonsten völlig fremden Partei Die Linke. Sollte das neue Wahlrecht eingeführt, also Überhangs- und Ausgleichsmandate sowie die Grundmandatsklausel abgeschafft werden, könnten beide Parteien zukünftig an der Fünfprozenthürde scheitern. Ein 57-jähriger Mann hat gestern in Ratingen eine Explosion in einem Hochhaus verursacht. Dabei sind laut Polizei mehr Menschen zu Schaden gekommen als bisher angenommen . Fünf Einsatzkräfte sind im künstlichen Koma, zwei davon lebensgefährlich verletzt und eine weitere Person ist gestorben. In der Wohnung des mutmaßlichen Täters sind die Einsatzkräfte außerdem auf die Leiche einer Frau gestoßen – wahrscheinlich seine Mutter. Sie muss bereits längere Zeit tot gewesen sein. Das Motiv für die Explosion ist noch unklar. Was noch? Das Verfahren um eine 13.000 Euro teure Champagnerflasche wird eingestellt . Moderation und Produktion: Azadê Peşmen Redaktion: Moses Fendel Mitarbeit: Clara Löffler Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier . Fragen, Kritik, Anregungen? Sie erreichen uns unter wasjetzt@zeit.de .
Azadê Peşmen
Am Sonntag wählt die Türkei. Wie viel Einfluss haben die 1,5 Millionen Stimmberechtigten in Deutschland? Außerdem im Update: Bundesrat billigt Wahlrechtsreform.
[ "Türkei", "Bundesrat", "CSU", "Recep Tayyip Erdogan", "Präsidentenwahl", "Markus Söder", "Wahlrecht" ]
politik
Article
2023-05-12T17:14:08+02:00
2023-05-12T17:14:08+02:00
https://www.zeit.de/politik/2023-05/tuerkei-wahl-deutschland-2023-recep-tayyip-erdogan-nachrichtenpodcast?&icode=01w0040k0059Inhemanew2104&utm_medium=email&utm_source=elbvertiefung&utm_campaign=zplus&utm_content=&wt_zmc=emanew.int.zabo.elbvertiefung.zplus....x
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Hamburger Programmkino Abaton: "Die Lust der Leute auf Kino ist groß, bloß …"
Mitte März mussten in Deutschland alle Filmtheater schließen. Auch das Abaton – eines der ältesten deutschen Programmkinos – musste 106 Tage lang pausieren. Seit Juli sind die drei Säle wieder geöffnet, doch bisher dürfen nur 20 Prozent der Sitze belegt werden. Das ist zu wenig, damit das Lichtspielhaus dauerhaft überleben kann. Kinoeigner und Geschäftsführer Felix Graßmann erklärt, wie sich die Auflagen vertretbar lockern ließen und wie er seine Zuschauer zurückgewinnen will. ZEIT: Herr Graßmann, deutsche Kinos hatten in der Pandemie Ausfälle bis zu 200 Millionen Euro. Wie hart es das Abaton getroffen? Felix Graßmann: Das war schon ziemlich hart. Wir sind eines der ältesten deutschen Programmkinos, mein Vater hat es gegründet und ich bin hier groß geworden. Wir waren in den vergangenen 50 Jahren immer offen, selbst zu Weihnachten und an Silvester. Nun mussten wir Mitte März plötzlich schließen und hatten keinerlei Einnahmen mehr. 106 Tage lang. Erst Ende Juni ging es wieder los. ZEIT: Wie läuft es seither? Graßmann: Die ersten zwei Wochen waren wir oft ausverkauft, aber es gibt einen Haken: Wir dürfen nur 20 Prozent der 500 Plätze nutzen, weil zwischen den Zuschauern ein Abstand von 1,50 Metern herrschen muss – jede zweite Reihe bleibt gesperrt. Im Großen Saal sind das nur 60 Plätze. Zudem fehlen uns Einnahmen aus Werbefilmen und aus Anzeigen in der Programmzeitung. Auf Dauer geht das so nicht. ZEIT: Wie überlebt man das als Kinobetreiber? Graßmann: Wir bilden im Frühjahr immer Rücklagen, um den Sommer zu überstehen. Dieses Jahr müssen wir von Reserven leben, und ich bin froh, dass wir sehr schnell Unterstützung von Bund und Land bekamen. Wenn die Hamburger Kinos keine Hilfen erhalten hätten, wären viele jetzt pleite. ZEIT: Wie viel Geld gab es? Graßmann: Wir haben 25.000 Euro aus dem Topf von Kulturstaatsministerin Monika Grütters erhalten. Mit der Corona- Soforthilfe der Stadt haben wir einen Teil der laufenden Kosten finanziert. ZEIT: Wie geht es den Kinos jetzt? Graßmann: Viele kämpfen, aber ich bin optimistisch. Wir und die anderen Lichtspielhäuser in Hamburg werden die Krise überstehen. ZEIT: Das klingt nach Wunschdenken. Graßmann: Ich glaube fest daran. Die Lust der Leute auf Kino ist groß, sie müssen sich bloß wieder in geschlossene Räume trauen. Wir werden im August mit Schwarze Milch und Auf der Couch in Tunis zwei hochkarätige Filme zeigen, die uns sicher Zuschauer bringen werden. ZEIT: Haben Sie erwogen, jetzt wieder alte Filme zu zeigen? Graßmann: Ach, das funktioniert selten. Alte Filme bekommt man auf einem Streamingportal oft umsonst, dafür geht niemand ins Kino. Um die Menschen trotzdem zu begeistern, braucht man am besten einen Gast, der den alten Film vorstellt. Wir haben jetzt wieder mit Sonderveranstaltungen begonnen: Im August werden wir zwei Filme von Christoph Schlingensief zeigen – zusätzlich zum neuen Dokumentarfilm seiner Editorin Bettina Böhler. Dafür kommt der ehemalige Hamburger Oberstaatsanwalt Dietrich Kuhlbrodt zu uns und diskutiert mit dem Publikum. Kuhlbrodt war nebenberuflich Schauspieler bei Schlingensief und hatte eine Leidenschaft für subversive Filme.
Kristina Läsker
Felix Graßmann leitet das Hamburger Abaton-Kino. Im Gespräch verrät er, wie er in Zeiten von Corona Zuschauer zurückgewinnen will.
[ "Kulturbetrieb", "Monika Grütters", "Wirtschaftskrise", "Abaton", "Kino", "Hamburg", "Felix Graßmann", "Deutschland", "Christoph Schlingensief", "Weihnachten" ]
hamburg
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2020-08-03T16:29:36+02:00
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Cum-Ex-Affäre: Die Suche nach dem letzten Beweis
Diesen Freitag geht es also los: Hamburg klärt den Cum-Ex-Skandal auf – oder versucht es jedenfalls. Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss (PUA) der Bürgerschaft vernimmt von heute an Zeugen und studiert geheime Akten, um frühestens Anfang kommenden Jahres einen Bericht vorzulegen, der zu vier unterschiedlichen Ergebnissen kommen dürfte: zu einem des rot-grünen Regierungslagers, zu einem der CDU-Fraktion, die in dieser Sache weder mit AfD noch mit Linken gemeinsam wird agieren wollen, dazu noch zu zwei weiteren dieser beiden Fraktionen . Im November hat die Bürgerschaft die Einsetzung des Ausschusses beschlossen, ohne Gegenstimme, bei Enthaltung der rot-grünen Mehrheit. Bisher stritten die Mitglieder um die beste Vorgehensweise, insbesondere die Reihenfolge, in der Zeuginnen vernommen werden oder, auch das ist vorgesehen, Gelegenheit zu Vorträgen bekommen. Ab heute soll es um die Sache gehen. Was ist da zu erwarten? Zur Erinnerung: Hier wird nicht die jahrelange illegale Steuererstattung in Milliardenhöhe durch deutsche und internationale Banken und Investoren untersucht, ein "gewerbsmäßiger Bandenbetrug", wie das Frankfurter Oberlandesgericht gerade festgestellt hat. Diesen Skandal haben außer den Tätern vor allem die Finanzminister einer schwarz-gelben und mehrerer großer Koalitionen im Bund zu verantworten. Sondern es geht um ein Detail: Wie kam es, dass die Stadt Hamburg in den Jahren 2016 ff im Umgang mit der hier ansässigen Warburg-Bank so wenig Anstrengungen unternahm, den entstandenen Schaden zu begrenzen? Medien, unter ihnen DIE ZEIT , haben über diesen erstaunlichen Vorgang ausführlich berichtet. Sogar Vertretern der Opposition im Untersuchungsausschuss fällt es schwer, zu erklären, welche zusätzlichen Einsichten sie sich noch erhoffen. Es ist ja vieles längst bekannt : Dass die Warburg-Bank sich in ihrer Auseinandersetzung mit der Hamburger Finanzbehörde um Steuerrückzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe um den politischen Beistand des Ersten Bürgermeister bemüht hat, weiß man. Dass die Behörde sich später die Sicht der Bank zu eigen machte und sie gegen das Bundesfinanzministerium verteidigte, ist ebenfalls bekannt. Dass das eine mit dem anderen nichts zu tun habe, wie Bank und Behörden beteuern, ist wenig plausibel, aber nicht eindeutig zu widerlegen. Was wäre diesem Erkenntnisstand hinzuzufügen? Dass es noch eindeutigere Beweise gibt, etwa ein Dokument, in dem der Bürgermeister oder sein Finanzsenator die Behörde angewiesen hätte, die Bank zu schonen – daran glaubt auch unter den Kritikern des Senats niemand. Zusätzliche Indizien, vielleicht auch nur auffällige Lücken in der Aktenführung – auf mehr kann die Opposition kaum hoffen.
Frank Drieschner
Nach der journalistischen Untersuchung der Hamburger Cum-Ex-Affäre beginnt nun die politische. Die wird nicht leicht – und der Ehrgeiz der Sozialdemokraten ist begrenzt.
[ "Cum-Ex" ]
hamburg
Article
2021-04-15T19:11:39+02:00
2021-04-15T19:11:39+02:00
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Viva con Agua: "Es gibt andere Möglichkeiten, sich den Hintern sauber zu machen"
Malte Schremmer, 32, bekam 2011 bei einer Reise durch Burkina Faso Durchfall. Da spürte er zum ersten Mal in seinem Leben schmerzlich, wie wichtig Toiletten sind. Er schrieb seine Bachelorarbeit über alternative Sanitärsysteme und gründete das Sozialunternehmen Goldeimer, das seit 2014 Teil der Hamburger Non-Profit-Organisation Viva con Agua ist. Goldeimer macht Komposttoiletten für Festivals – und verkauft in großen Supermarktketten Toilettenrollen aus Recyclingpapier. Ein sehr gefragtes Gut in Zeiten von Corona. DIE ZEIT: Seit heute steht auf Ihrer Website, dass alles Klopapier im Onlineshop ausverkauft ist. Sind Sie an Ihre Grenzen gestoßen? Malte Schremmer: Im Onlineshop ja. Allerdings macht der nur einen einstelligen Prozentbereich unseres Gesamtumsatzes mit Toilettenpapier aus. Wir haben den Shop gegründet, weil es unser Produkt anfangs nur in Hamburg und nur in den Filialen des Drogeriekonzerns Budnikowsky gab. Es kamen aber viele Anfragen aus anderen Regionen Deutschlands. ZEIT: Wie schnell war Ihr Lager leer? Schremmer: Was sonst einen Monat lang hält, war dieses Mal in vier Tagen weg. Eigentlich passen ins Lager ungefähr 6.000 Pakete, jeder Kunde muss 9 Packungen bestellen. Das ist kein Anreiz für Hamsterkäufe, sondern hat ökologische Gründe: Wir halten es für sinnlos, eine einzelne Klopapierpackung online zu bestellen und sie sich zuschicken zu lassen. Jetzt, da alles leer ist, wollen wir nichts verkaufen, was wir nicht auf Lager haben, daher haben wir den Shop vorübergehend geschlossen. ZEIT: Die Toilettenpapierbranche ist eine der Profiteure der Corona-Krise. Sie müssen ein glücklicher Mensch sein. Schremmer: Das ist überhaupt nicht der Fall. Aus meiner Sicht ist das ganz einfache Mathematik: Niemand wird häufiger scheißen gehen als sonst auch. Wenn jetzt also viele Leute Klopapier kaufen, wird es bald eine Phase geben, in der ganz wenige was brauchen, weil alle einen Vorrat zu Hause haben. Sich zu freuen, dass die Nachfrage gerade explodiert, wäre sinnlos. Der Verbrauch von Toilettenpapier ist keinen großen Schwankungen unterworfen, nicht nach unten und nicht nach oben. ZEIT: Wird es zu Versorgungsengpässen kommen? Schremmer: Das glaube ich nicht. Die großen Firmen produzieren am laufenden Band. Ich ärgere mich eher darüber, was das für ein Zeichen unserer Gesellschaft ist. Das ist absolut unsolidarisch – einige decken sich mit allem Möglichen ein und fahren einen Egotrip an den Regalen, während andere nichts mehr bekommen, weil alles leergefegt ist. Es zeigt mir, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der ein paar Dinge grundsätzlich überdacht werden müssen. Mich ärgert diese "Ich zuerst"-Mentalität. ZEIT: Sie haben selbst keinen Vorrat zu Hause? Schremmer: Nein, gar nicht. Tatsächlich ist mein Mitbewohner gerade vom Supermarkt gekommen. Das Klopapier war ausverkauft und wir haben nur noch zwei Rollen zu Hause. ZEIT: Sie haben ja den Vorteil, dass Sie in der Not an was rankommen. Schremmer: Ich habe kein geheimes Lager. Und was mir viel wichtiger ist zu sagen: Ich käme auch ohne Toilettenpapier zurecht. Es gibt andere Möglichkeiten, sich den Hintern sauber zu machen. Wenn die Menschen mehr Kartoffeln kaufen, kann ich das auf eine Art verstehen. Aber Toilettenpapier ist nichts Essenzielles. Das ist das letzte Produkt, an das ich bei Hamsterkäufen gedacht hätte. ZEIT: Wie haben Sie die Entwicklung in den vergangenen Wochen erlebt? Schremmer: Ich habe sie als allererstes in Australien bemerkt, wo die Leute große Mengen an Toilettenpapier aus den Supermärkten rausgetragen haben. Da habe ich gedacht: Was soll das? Dann gab es online immer mehr Bilder von leeren Regalen, Nudeln, Konserven, aber auch immer wieder Toilettenpapier. Das hat die Sache ziemlich befeuert. Und je mehr leere Regale im Netz veröffentlicht werden, desto mehr gehen die Leute los und kaufen ein. Ich glaube aber nicht, dass diese Entwicklung noch Wochen anhält, gerade nicht bei Klopapier. Die allermeisten werden sich irgendwann gut eingedeckt haben. ZEIT: Auf einmal ist die Aufmerksamkeit groß für Toilettenpapier. Das ist doch ideal für ein Unternehmen wie Ihres. Schremmer: Das stimmt und ist für uns aus einem Grund erfreulich. Unser eigentliches Anliegen ist nämlich ein viel Wichtigeres: Zwei Drittel der Weltbevölkerung haben keinen Zugang zu gesicherter Sanitärversorgung, über 500.000 Kinder sterben jährlich an den Folgen von Durchfallerkrankungen. Das Geld, das wir mit dem Verkauf des Toilettenpapiers verdienen, setzen wir für Projekte ein, die daran etwas ändern wollen. Wenn wir dafür nun mehr Aufmerksamkeit bekommen sollten, hat dieser Irrsinn in den Supermärkten wenigstens einen guten Effekt.
Kilian Trotier
Toilettenpapier ist an vielen Orten ausverkauft. Malte Schremmer müsste sich darüber freuen, er produziert es mit seinem Unternehmen. Tut er aber nicht.
[ "Coronavirus", "Einzelhandel", "Virus", "Malte Schremmer", "Toilettenpapier" ]
hamburg
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2020-03-18T15:46:04+01:00
2020-03-18T15:46:04+01:00
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Queere Kinder: Wie schütze ich mein Kind vor Anfeindungen?
Elternsein heißt, sich Sorgen zu machen. Das beginnt mit der Geburt und hat kein Verfallsdatum: Dreht sich das Baby altersgemäß? Hat das Kita-Kind genügend Anschluss in seiner Gruppe? Wie finden wir die richtige Schule? Es geht immer so weiter. Und später, so dachte ich, kommen bei einem Mädchen all die Themen, die mit weiblichem Erwachsenwerden zu tun haben: Wie gelangt man nach einer Partynacht sicher nach Hause? Wie schützt man sich vor Belästigung und Übergriffen? Kurz: Wie erhält man sich als junge Frau die Freiheit, sich zu bewegen, wo, wie und wann man will, anzuziehen, was man will, ohne dadurch zur Zielscheibe zu werden? Mittlerweile ist meine Tochter* 17, und ich mache mir tatsächlich Gedanken. Allerdings nicht diese. Sie ist keine große Clubgängerin, Gefahren im Nachtleben sind also gerade kein Thema. Ihr Thema ist ein anderes: Sie ist queer, verortet sich als "genderfluid", außerhalb der gängigen Geschlechterschubladen (deshalb schreibe ich "Tochter*" mit Sternchen), kommt androgyn daher, ist in ihren romantischen Gefühlen nicht festgelegt. Kann ich sie schützen? Damit keine Missverständnisse entstehen: Die Sache selbst ist es nicht, was mir Sorgen macht – auch wenn ich gestehe, dass mich ihr Coming-out in mehreren Stufen zunächst schon herausgefordert und irritiert hat, als mittelalte Hetero-Mutter. Ist das nur eine pubertäre Laune? Sucht sie ihren Platz in der Familie? Steckt eine psychische Not dahinter, die sich auf diese Weise zeigt? Aber das war es alles nicht, es hatte auch nichts mit mir zu tun. Heute bin ich sehr stolz, wie selbstbewusst meine Tochter* zu sich steht. Ist es nicht das, was wir unseren Kindern vermitteln wollen: Sei du selbst, finde deinen Weg zu einem guten Leben? Und ich bin dankbar für neue Lebens- und Gefühlswelten, die ich durch sie und ihre Freund*innen kennenlerne. Fast durchgehend freundliche, empathische, kommunikationsbegabte junge Menschen, viele davon mit beeindruckenden Geschichten. Es ist etwas anderes, das mir zunehmend Bauchschmerzen bereitet: die Aggression, mit der Teile der Gesellschaft auf Menschen wie meine Tochter* und ihre Freund*innen reagieren. Und damit indirekt auch auf die, die solche Menschen lieben und mit ihnen leben. Wir leiden mit, fühlen uns mit gemeint. Wie können wir unsere Nächsten schützen, wenn überhaupt? Bisher ist sie nicht in die Statistik eingegangen Die Stimmung ist bedrohlicher geworden, weltweit, aber auch in Deutschland. Gerade in den Jahren, in denen sich meine Tochter* auf den Weg gemacht hat, herauszufinden, wer sie ist. Die Statistik des Bundesinnenministeriums weist steigende Zahlen bei Verbrechen gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität nach, also Beleidigung, Volksverhetzung, Gewalt – 2020 wurden knapp 1000 gemeldet, 2021 über 1200. 2022 änderten sich die erfassten Kategorien, weshalb die Werte nicht eins zu eins vergleichbar sind, doch die Zahlen sind ähnlich hoch. Bei politisch motivierten Straftaten aufgrund sexueller Orientierung verzeichnet das Bundeskriminalamt im Jahresvergleich einen Anstieg von 15 Prozent. Bisher ist meine Tochter* in dieser Statistik nicht als Fall aufgetaucht, zum Glück. Sie lebt in einer liberalen Großstadt, es könnte sehr viel schlimmer sein. Aber auch hier ist sie gefährdet. Eben nicht, weil sie eine Frau wäre, sondern gerade, weil sie sich im Uneindeutigen eingerichtet hat. In ihrem Aussehen, in der Frage, wen sie küsst, mit wem sie Hand in Hand geht. Als sie kürzlich mit Freund*innen zur großen Demo des Hamburger Christopher Street Day (CSD) aufbrach, gegen Diskriminierung, für die Rechte von Transmenschen, schärfte ich ihr ein: Lasst euch nicht provozieren, falls es zu Gegendemos kommt oder wenn Einzelne euch beleidigen. Bringt euch in Sicherheit, sucht nicht die Auseinandersetzung. Ich war erleichtert, als sie wieder zu Hause war. Das ist keine Panikmache, meine Sorge lässt sich leider begründen. Immer wieder kam es in den letzten Jahren zu schweren homo- und transphoben Übergriffen, im Juni wurde ein Mensch im Alter meiner Tochter* nach dem CSD in Hannover Opfer gewaltvoller Übergriffe, 2022 endete eine Attacke in Münster gar tödlich. Die Anfeindungen sind vielen zu heftig Spricht man mit denen, die täglich mit transgeschlechtlichen oder homosexuellen Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu tun haben, ergänzt sich das düstere Bild. Samira Bekkadour-Hotz, die in Berlin-Neukölln mit einer Kollegin das queere Jugendzentrum Q*ube leitet, berichtet mir von offenen Drohungen. Männern, die an der Tür im Vorbeigehen drohen: Bis Silvester brennt euer Laden! Und Isabelle Melcher, die in Ulm als Therapeutin mit dem Schwerpunkt geschlechtliche Vielfalt arbeitet, erzählt mir von jungen Patient*innen, die am Ende einer Therapie sagen: Es geht nicht, ich schaffe es nicht, öffentlich zu dem zu stehen, wer ich bin. Weil der Druck, die Anfeindungen, die tägliche Diskriminierung einfach zu groß sind. Die Gewalt, die in der Polizeistatistik auftaucht, ist nur die Spitze des Eisbergs. Bedrohung beginnt viel niedrigschwelliger, im Alltag. Und leider ist auch hier ein gesellschaftlicher Rückschritt zu verzeichnen. Selbst wenn man von außen den Eindruck bekommen könnte, dass die Akzeptanz steigt, weil in Streaming-Serien zunehmend homosexuelle Charaktere vorkommen oder Models im Non-binary-Look für große Firmen werben – das ist leider nur ein Teil der Wahrheit. Die Bertelsmann Stiftung hat die Einstellungsveränderungen im Verlaufe der Pandemie-Jahre in Baden-Württemberg gemessen. Die Studie ist eine umfassende Erhebung zum Mentalitätswandel und kommt zu besorgniserregenden Ergebnissen, die im ganzen Land wohl ähnlich sind: Die Frage "Hätten Sie gern einen Homosexuellen als Nachbarn?" bejahten 2019 93 Prozent, 2022 waren es nur noch 80 Prozent. "Ungern als Nachbarn" gaben 2022 fast doppelt so viele an wie 2019, nämlich 9 gegenüber 5 Prozent. Natürlich macht diese Einstellung noch niemanden zum Gewalttäter, und man kann friedlich jahrelang Tür an Tür leben, ohne dieselben Werte zu teilen. Im besten Fall führt die alltägliche Begegnung sogar dazu, Vorurteile abzubauen. Aber es kann auch die erste Stufe auf einer nach oben offenen Eskalationsskala sein, von der stillen Missbilligung bis zu körperlicher Gewalt. Für Heranwachsende aus dem Regenbogen-Spektrum ist einer der bedrohlichsten Orte übrigens die Schule: Laut einer Umfrage der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte wird fast jede*r zweite von ihnen im Lauf der Schulzeit gemobbt, 46 Prozent sagen, dass sie bei Beleidigungen nie jemand verteidigt hätte.
Verena Carl
Ihr 17-jähriges Kind ist queer. Und Ziel von Hass und Bedrohungen. Unsere Autorin macht sich Sorgen – und Gedanken darüber, was sie tun und ihrer Tochter* mitgeben kann.
[ "Kinder", "Queerness", "Eltern", "Diskriminierung", "Queerfeindlichkeit", "Christopher Street Day" ]
Article
2023-08-25T13:06:21+02:00
2023-08-25T13:06:21+02:00
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Alexander Steinhilber: "Die Orgel kann alles"
Mozart nannte die Orgel die Königin aller Instrumente. Unter dem Motto "Hamburg zieht alle Register" feiert die Stadt mit mehr als 900 Konzerten und anderen Veranstaltungen ein oft unterschätztes Instrument. Wie faszinierend die Orgel sein kann, erklärt Alexander Steinhilber, der Orgelbeauftragte der Stadt. ZEIT ONLINE: Die Orgel gilt als langweilig und verstaubt. Die meisten Menschen denken erst einmal an Kirchenmusik. Was entgegnen Sie denen? Alexander Steinhilber: Die Orgel kann alles! Viele glauben, die Orgel sei ein lautes Instrument für getragene Musik, das von einem Typen im Rollkragenpullover gespielt wird. Aber die Orgel kann auch leise sein und sehr virtuos gespielt werden. Sie ist kein graues Monster, sondern eine feine Dame. Auf der Orgel kann die Musik für ein ganzes Orchester erklingen, nur dass man dafür statt 60 Musiker nur einen braucht. Orgel kann auch nicht nur klassische Musik, sondern genauso Jazz und Pop. ZEIT ONLINE: Wie wollen Sie im Orgeljahr die Menschen für das Instrument begeistern? Steinhilber: Indem wir nicht nur Konzerte in Kirchen machen, sondern überall: in Schulen, beim Elbjazz-Festival, sogar an öffentlichen Plätzen. Dafür sind wir im Sommer auch mit einer Orgel auf einem Truck unterwegs. Wir kommen damit zu den Leuten. Außerdem wird es im Museum für Kunst und Gewerbe ab Juli die Ausstellung "Manufaktur des Klangs" über 2.000 Jahre Orgelbau und -musik geben. Da bauen wir eine kleine Orgelwerkstatt auf. Die Besucher können nicht nur zuschauen, sondern auch selbst ausprobieren. Darauf freue ich mich besonders. ZEIT ONLINE: Sie sind Orgelbeauftragter der Stadt. Wie steht es um die Orgeln in Hamburg? Steinhilber: Gut, wir haben hier viele herausragende Instrumente aus den unterschiedlichsten Stilepochen – von bekannten Barockorgeln bis zum ganz modernen Instrument in der Elbphilharmonie . Für das Orgeljahr haben wir die mehr als 300 Orgeln inventarisiert und in einem virtuellen Stadtrundgang versammelt. Es gibt sogar vier Orgeln in Gefängnissen, die bei Andachten gespielt werden. 1997 gab es schon mal so ein Verzeichnis. Seitdem hat sich einiges getan. Manche Instrumente sind leider weg, weil Kirchen aufgegeben wurden. Aber es gibt auch Neubauten. In der Katharinenkirche steht zum Beispiel seit 2013 eine neue Orgel, die alte wird jetzt in Polen gespielt. ZEIT ONLINE: Was haben Sie für Aufgaben als Orgelbeauftragter? Steinhilber: Ich kümmere mich um die 20 städtischen Instrumente, die in Schulen, Veranstaltungssälen und eben in den Gefängnissen stehen. Ich begleite Restaurierungsarbeiten und bin auch Ansprechpartner für das Denkmalamt, wenn etwa an Orgeln in Kirchen gearbeitet wird. Da geht es ja nicht nur um das Aussehen, sondern auch um den Klang. ZEIT ONLINE: Anlass des Festjahres ist der 300. Todestag des Orgelbauers Arp Schnitger. Warum ist er so wichtig? Steinhilber: Arp Schnitger war einer der bekanntesten Orgelbauer des Barocks und hatte seine Werkstatt in Neuenfelde. Von dort aus hat er im gesamten norddeutschen Raum gearbeitet, von den Niederlanden bis Dänemark – und zwar qualitativ auf einem sehr hohen Niveau. Schnitger hat einen eigenen Orgeltypus mit speziellem Aussehen entwickelt, den Hamburger Prospekt – so nennt sich diese Anordnung der sichtbaren Pfeifen. Sie findet sich auf der ganzen Welt wieder. Schnitgers Bauweise setzte Maßstäbe und hat bis heute Auswirkungen auf den Orgelbau. ZEIT ONLINE: Haben Sie noch einen Tipp, was man im Orgeljahr als Hamburger auf jeden Fall unternehmen sollte? Steinhilber: Eine Orgelführung! Das bekannteste Instrument von Arp Schnitger steht in der Jacobi-Kirche. Da gibt es zum Beispiel jeden Donnerstag um zwölf Uhr die Möglichkeit, sich die Orgel genauer anzusehen. Für die Zuhörer bleibt das Instrument sonst ja statisch, die Fassade sieht immer gleich aus, egal was zu hören ist. Bei einer Führung kann man meist auf die Empore rauf und dort das Instrument ganz aus der Nähe erleben. Das ist faszinierend. Und wenn man nett fragt, darf man vielleicht auch mal eine Taste drücken.
Kathrin Fromm
Hamburg nennt sich in diesem Jahr Orgelstadt und feiert den 300. Todestag des bedeutenden Barock-Orgelbauers Arp Schnitger.
[ "Orgel", "Alexander Steinhilber", "Arp Schnitger", "Elbphilharmonie", "Barock" ]
hamburg
Article
2019-01-09T23:46:37+01:00
2019-01-09T23:46:37+01:00
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Reisen während Corona: Kein Wunder, dass viele Menschen lieber Auto fahren
Eigentlich ist die Sache klar: Egal wie stetig die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Deutschland sinkt, wie gering die Auslastung der Krankenhäuser ist und wie sehr in vielen Bereichen eine Rückkehr zur Normalität möglich sein mag: Die Einhaltung grundlegender Hygieneregeln gilt weiter. Eine der wichtigsten Vorgaben lautet deshalb nach wie vor zu Recht, im öffentlichen Raum Abstand zu halten. Das gilt an der Supermarktkasse, in Restaurants oder im Kino. Ein Bereich scheint jedoch vom Abstandsgebot völlig unverständlicherweise ausgenommen: In Bahn, Bus und Flugzeug dürfen Reisende, die nicht zu einem Haushalt gehören, nebeneinander aufgereiht sitzen. Die Unternehmen sind nicht dazu verpflichtet, Sitzplätze abzusperren. Bislang mag das oft kein großes Problem gewesen sein, da das Reiseaufkommen gering war. Flugzeuge hoben halbleer ab, Bahnreisende hatten teilweise ganze Zugteile für sich allein. Doch inzwischen sind viele Züge der Deutschen Bahn zu den Stoßzeiten wieder voll. Dazu kommt der Urlaubsverkehr – und plötzlich beträgt der Abstand zum fremden Sitznachbarn statt der geforderten 1,5 Meter nur noch wenige Zentimeter. Es wäre Aufgabe von Bund und Ländern gewesen, für klare Regeln zu sorgen und den Unternehmen Vorgaben zu machen. Ende April dachte der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in einem Interview mit ZEIT ONLINE noch laut darüber nach, ob Sitzplätze in Bussen und Bahnen reduziert werden müssten, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Der CSU-Politiker räumte ein, dass der Staat die Verdienstausfälle der Unternehmen dann kompensieren müsse. Doch passiert ist nichts. Gut möglich, dass sich das noch als fahrlässig herausstellt. Maskenpflicht? Nicht zuständig Die Unternehmen haben keinen Grund, von sich aus zu reagieren. Nach wochenlanger Leerfahrt oder auch komplettem Betriebsstopp gilt es, endlich wieder profitabel zu werden. Dafür müssen so viele Tickets wie möglich verkauft und somit Plätze belegt werden. Die Deutsche Bahn präsentiert sich nach außen zwar verantwortungsbewusst, um Fahrgäste zurückzugewinnen. "Auch in unseren Zügen gilt das empfohlene Abstandhalten zu den Mitreisenden", hieß es Anfang Mai in einem Blogeintrag . Während der Reise "unterstützen unsere Mitarbeiter*innen dabei, sich innerhalb der Züge bestmöglich zu verteilen", versprach die Bahn. Inzwischen, da immer mehr Fahrgäste zurückkehren, ist jedoch zu beobachten, dass die Bahn noch nicht mal dazu bereit ist, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung durchzusetzen. Auf die Beschwerde eines Fahrgasts auf Twitter hin teilte die Bahn mit, dass für die Durchsetzung von staatlichen Maßnahmen die Behörden zuständig seien. Auch das Hausrecht könne in diesem Fall nicht angewandt werden, da die Maskenpflicht nicht in den Beförderungsbedingungen stehe. Vermutlich will die Bahn zum einen coronamüde Kundinnen nicht verprellen und zum anderen ihre Beschäftigten davor bewahren, sich mit Corona-Skeptikern anlegen zu müssen. Das ist nachvollziehbar und ihr gutes Recht.
Jurik Caspar Iser
Warum werden Abstandsregeln überall durchgesetzt, aber nicht in Bahn, Bus und Flugzeug? Die Regierung hat es versäumt, den Unternehmen klare Vorgaben zu machen.
[ "Coronavirus", "Reisen", "Bundesregierung", "Flugzeug", "FlixBus", "Deutsche Bahn", "Airline", "Fernbus", "Luftfahrtgesellschaft", "Corona" ]
mobilitaet
Article
2020-07-19T14:59:35+02:00
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https://www.zeit.de/mobilitaet/2020-07/reisen-corona-regeln-maskenplicht-regierungsvorgaben-bus-bahn-flugzeug?wt_zmc=emanew.int.zabo.zelbv.keine..text.allgemein.x&utm_medium=email&utm_source=zelbv&utm_campaign=keine&utm_content=Inhalt__text_allgemein_x&wt_cc3=01w0015k0000Inhemanew1901f%7bmid%7d
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Galeria Karstadt Kaufhof: Leider nur scheinreich
Dass die Lage in René Benkos Signa-Reich dramatisch war, das war allgemein bekannt. Wie groß die Not allerdings wirklich ist, zeigte sich vorvergangenen Mittwoch, als Erhard Grossnigg, Vorstand und Sanierer von zwei insolventen Signa-Gesellschaften, einen Bettelbrief schrieb. Es war schon der zweite in weniger als zwei Wochen. "Sehr geehrter Investor", begann Grossnigg sein Schreiben vom 3. Januar, das der ZEIT vorliegt. Kürzlich habe er die Adressaten schon einmal angeschrieben, um ihnen anzubieten, die insolventen Gesellschaften der Signa mit Geld zu versorgen. Dieses Angebot wiederholte er in diesem zweiten Brief. Er sei der Ansicht, dass das Immobilienvermögen der Signa-Gruppe nur dann "im Wert zu erhalten" sei, wenn "wir die nötige Liquidität haben, um laufende Rechnungen zu bezahlen". Und diese Liquidität wolle er gern von den Investoren einsammeln. In anderen Worten: Entweder ihr zahlt oder ihr verliert euren Einsatz. In dem Brief stand zwar nichts von der Signa-Beteiligung an Galeria Karstadt Kaufhof (GKK). Das Management der Kaufhauskette dürfte die Botschaft aber mit Sorge registriert haben. GKK sollte bis 2025 noch Millionen Euro aus dem Signa-Reich erhalten. Doch wenn die Lage so dramatisch ist, dass man ohnehin schon frustrierte Investoren anpumpt, dann ist fraglich, woher dieses Geld kommen soll. Die Briefe waren an Investoren adressiert, die Signa-Gründer René Benko lange geblendet hatte. Er hatte ihnen ein stetig wachsendes Immobilienunternehmen präsentiert, in dem der Wert der Gebäude zumindest in der Bilanz in den Himmel wuchs. Nicht wenige Geldgeber wurden durch Einladungen in Benkos Park Hyatt Hotel in Wien oder auf dessen Jacht im Mittelmeer beeindruckt. Doch spätestens im vergangenen Jahr zeigte sich, dass Benkos Reich finanziell betrachtet eine Art Potemkinsches Dorf war: schöne Fassaden, aber dahinter bröckelte die Substanz. Die Briefe des Sanierers Grossnigg lesen sich wie ein letztes Aufbäumen gegen etwas, das wohl nicht mehr zu verhindern ist: das Ende des bisherigen Benko-Imperiums und seiner Signa-Gruppe. Lange präsentierte Signa sich als eine der größten Immobiliengesellschaften Europas. Zweifellos war sie eine der schillerndsten, im Portfolio edle Warenhäuser wie das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg, der Oberpollinger in München. In Wien gehört die Edelmeile Goldenes Quartier mehrheitlich der Signa, in Hamburg baut das Unternehmen mit dem Elbtower gerade das höchste Gebäude der Stadt, sogar das New Yorker Chrysler Building gehört zu Signa. Derartige Superlative halfen bei der Gewinnung von Investoren. Doch als Benko die abenteuerlich hohen Bewertungen seiner Immobilien zuletzt nach unten korrigieren musste, meldete nun eine Gesellschaft nach der anderen Insolvenz an. Den Anfang machte Ende Oktober die Signa Sports United. Ende November folgte die Dachgesellschaft Signa Holding. Zwischen den Jahren waren dann die wohl wertvollsten Unternehmen aus dem Konzern dran, die Signa Prime (zu ihr gehören wertvolle Warenhäuser in Deutschland sowie Selfridges an der Londoner Oxford Street) und die Signa Development (sie hat 39 Immobilienprojekte im Portfolio und ist an nicht weniger als 290 Gesellschaften beteiligt). Allein vergangenen Freitag stellten mehr als ein Dutzend weitere Signa-Gesellschaften in Deutschland Insolvenzanträge. Selten war der Begriff Pleitewelle derart passend.
Ingo Malcher
Galeria Karstadt Kaufhof folgt René Benkos Signa in die Insolvenz. Interne Unterlagen zeigen die verzweifelte Suche nach neuen Geldgebern.
[ "René Benko", "Hans Christian Plambeck", "Erhard Grossnigg", "Berlin", "Signa", "Wien", "Mittelmeer", "Hamburg", "GALERIA Kaufhof", "ZEIT" ]
wirtschaft
Article
2024-01-09T21:47:39+01:00
2024-01-09T21:47:39+01:00
https://www.zeit.de/wirtschaft/2024-01/rene-benko-galeria-karstadt-kaufhof-insolvenz?=&%20icode=01w0040k0059Inhemanew2104&utm_medium=email&utm_source=elbvertiefung&utm_campaign=zplus&utm_content=&wt_zmc=emanew.int.zabo.elbvertiefung.zplus....x
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Einzelhandel in Hamburg: Darf’s noch etwas sein?
Nach den Monaten der Stubenhockerei, in denen der weiteste Weg manchmal nur bis zur Wohnungstür führte, überraschte uns das Statistikamt Nord mit dieser Meldung: Im ersten Halbjahr 2021 wurden in Hamburg so viele neue Betriebe gegründet wie seit Jahren nicht mehr. Trotz Lockdown und Online-Shopping gibt es 2700 neue Läden und Unternehmen in der Stadt, so viele wie zuletzt 2008, die meisten liegen in den Bezirken Mitte, Nord und Altona. Was ist der Grund? Der Bundesverband Deutscher Start-ups schwärmt von "Innovation statt Krise", beim Statistikamt klingen sie prosaischer und diagnostizieren pandemiebedingte "Nachholeffekte". Das passt, denn Nachholbedarf haben wir auch. Auf dieser Seite stellen wir neue, inhabergeführte Geschäfte in Hamburg vor. Für einen gemeinsamen Bummel in der Stadt statt im Internet. Fotoladen Khrome In der Neustadt gibt es seit diesem Sommer ein Fachgeschäft für analoge Fotografie. Den beiden Gründern Oliver Heinemann und Anatol Kotte ist schon klar, dass sich kein Mensch mehr mit Filmrollen und Fotolaboren herumplagen muss, weil auch Handykameras fantastische Bilder machen. Ihnen sei aber aufgefallen, dass nach der Schallplatte nun auch die analoge Fotografie ein Comeback erlebe. Heinemann sagt: "Wir haben das eine Weile in den sozialen Medien verfolgt und stellten dann fest, dass der Bedarf in unserer Heimatstadt gar nicht gedeckt ist." Nun verkauft er Kameras, Filme und Fotozubehör in einem Laden mit nostalgischem Interieur. "Wir sehen Khrome als Begegnungsort für alle Generationen", sagt Mitgründer Anatol Kotte. "Die Jüngeren empfinden es hier als magisch, die Älteren haben manchmal Tränen in den Augen, weil es sie an früher erinnert." Die Foto-Begeisterung der beiden geht über die Technik hinaus: Im vergangenen Monat gründeten sie die Galerie Capitis, in der noch bis Anfang Dezember Porträtfotos von Andreas Mühe zu sehen sind. In Planung seien zudem ein Fotolabor und eine Ausbildungsstätte für Fotografen. Kaiser-Wilhelm-Str. 73, Dienstag bis Samstag 11–19 Uhr, khrome.de Fleischerei Ein Stück Land Was kommt heraus, wenn ein diplomierter Bauingenieur und eine angehende Juristin sich ihrer Begeisterung für Fleisch widmen? Crowdbutching. Die Wortschöpfung von Hinrich Carstensen und Lina Kypke setzt sich zusammen aus "Crowdfunding", also der Finanzierung eines Projekts durch viele Kleininvestoren, und "butcher", zu Deutsch Schlachter. Das Ziel dabei sei, so viel vom Tier wie möglich zu verwerten. Ursprünglich hatte Carstensen 2017 mit einem Online-Handel begonnen. Heute sagt er: "Bloß 500 Gramm Fleisch zu verschicken hinterließe einen zu großen CO₂-Abdruck." Deshalb ergänzt er das Versandgeschäft nun um einen Hofladen auf der Uhlenhorst, in dem er verkauft, was online nicht weggegangen ist. Neben Filet und Hüfte gibt es hier auch Ochsenschwanz, Schweinebäckchen oder Herz vom Weiderind. Massentierhaltung kommt dabei nicht infrage: Ein Rind darf vor der Schlachtung ein Jahr lang auf der Weide stehen, ein Schwein hat 90 Quadratmeter Platz. Geplant ist eine Erweiterung des Sortiments um "Fertigessen, das auch wirklich schmeckt", sagt Carstensen. Hackbällchen in Tomatensoße etwa oder hauseigene Bolognese. Papenhuder Str. 30, Donnerstag und Freitag 13–18 Uhr, Samstag 11–17 Uhr, einstueckland-hofladen.de Delikatessenladen Bruno & Bao Werbung für seinen Delikatessenladen mit Mittagstisch im Karoviertel hat Bao Vu nicht gemacht. Eine Website existiert nicht und auch keine Telefonnummer. Beste Voraussetzungen also, um ein Geheimtipp zu bleiben. "Du gehst im Umkreis von einem Kilometer von Laden zu Laden und stellst dich vor", sagt Bao Vu. "Dann kommen die Leute." Zusammen mit seinem Geschäftspartner Bruno Bruni junior eröffnete er im September das Bruno & Bao, wo Buns mit Schweinefleisch serviert werden, Kimchi-Eintopf oder Bibimbap. Wie schon in seinem Restaurant Vu in der Kleinen Freiheit kommt die Küche nicht ohne Rezepte von Vus vietnamesischer Mutter aus. Und wer die Gerichte lieber zu Hause essen möchte, kann sie auch abgefüllt in Gläsern kaufen. Wie auch die hausgemachte Soße XO aus getrockneten Jakobsmuscheln, Yunnan-Schinken und weiteren Zutaten. Neuer Kamp 19, geöffnet Mittwoch bis Samstag 12–19 Uhr, Instagram: @vubaovu Buchhandlung Seitenweise Acht Wochen nachdem Alexandra Kröger ihre Buchhandlung Seitenweise in Hamm eröffnet hatte, kam der erste Lockdown. Buchläden galten damals noch nicht als Geschäfte des täglichen Bedarfs und mussten schließen. "Das war natürlich Mist", sagt Kröger. Als studierte Bibliothekarin ist sie eine Quereinsteigerin und wollte sich eigentlich erst mal in Ruhe das Handwerk und den Tagesablauf einer Buchhändlerin von ihren beiden Vorgängerinnen abgucken. Stattdessen hievte sie nun meterhohe Bücherregale ins Schaufenster, damit die Menschen draußen möglichst viele Titel sehen und telefonisch bestellen konnten. Kröger reichte verkaufte Bücher durch die Tür hinaus oder brachte sie bei den Kunden zu Hause vorbei. Alexandra Kröger sagt: "Ich gehe davon aus, dass es die persönliche Nähe und das Gefühl von Zusammenhalt waren, die die Menschen dazu brachte, bei mir zu bestellen statt online." Das Geschäft lief so gut, dass sie vor einigen Wochen sogar einen zweiten Buchladen in Dulsberg aufmachte. Bald findet dort die erste Lesung statt: Am 20. November stellt Annemarie Stoltenberg ab 13 Uhr ihr Buch Die Magie des Lesens vor . Dithmarscher Str. 32, geöffnet Montag bis Freitag 9–18.30 Uhr, Samstag 9–13 Uhr, seitenweise-hamburg.de
Nina Faecke
Hamburgs Einzelhandel blüht. Ein Stadtbummel durch die neuesten inhabergeführten Läden.
[ "Oliver Heinemann", "Anatol Kotte", "Andreas Mühe", "Hinrich Carstensen", "Lina Kypke", "Bruno Bruni", "Alexandra Kröger", "Sören Korte", "Christian Temme", "Hamburg" ]
Article
2021-11-09T18:22:33+01:00
2021-11-09T18:22:33+01:00
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Abitur 2019: Wie Hamburg beim Matheabi neu rechnet
Gleich nach den Klausuren Anfang Mai haben sich einige der Schüler und Schülerinnen beschwert: Das Matheabi war zu schwer, fanden sie und starteten eine Onlinepetition ( hier ein Interview mit dem Initiator ). Die Schulbehörde prüfte daraufhin die Aufgaben – und gab den Schülern zumindest teilweise recht. Wer die Prüfung auf Grundkursniveau gemacht hatte, konnte zu einer freiwilligen mündlichen Nachprüfung antreten, die dann mit der schriftlichen Note verrechnet wurde. Später gab die Schulbehörde außerdem bekannt, dass die Matheklausur besser bewertet werden würde als ursprünglich vorgesehen. Jetzt liegt eine vorläufige Auswertung der Abiturergebnisse vor. Wie schnitten die Hamburger Schüler in Mathe ab? Bei den Prüfungen auf grundlegendem Niveau lag der Schnitt nach der Notenanpassung bei 3,46, damit reiht er sich in die Vorjahre ein: 2018 lag er bei 3,39; 2017 bei 3,54. Wären die Abiklausuren allerdings wie geplant gewertet worden, läge der Schnitt vermutlich bei 4,20 und damit deutlich schlechter als in den vergangenen Jahren. Die Chance, ihre Note zusätzlich noch durch eine mündliche Prüfung zu verbessern, nutzten 400 der 1.200 betroffenen Schülern. In der Matheprüfung auf erhöhtem Niveau gab es übrigens keine Anpassung bei den Noten. Der Schnitt lag dieses Jahr bei 3,38 und hat sich zum Vorjahr, als er bei 3,34 lag, kaum verändert. Wie wurden die Noten verbessert? Der Bewertungsschlüssel wurde geändert und zwar so, dass die Schüler schon eine Topnote erhalten, wenn sie 85 Prozent der Aufgaben richtig lösen konnten. Ansonsten wären dafür 100 Prozent nötig. Im Schnitt bekam durch diese Maßnahme jeder zwei Punkte mehr – was einer Verbesserung von etwa 0,66 bei der Note entspricht. Warum waren die Aufgaben so schwer? Hamburg bedient sich für den Abiturprüfungen aus einem bundesweit einheitlichen Pool an Aufgaben, die das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in Berlin entwickelt. Die Aufgaben für das Matheabitur stammen seit 2017 komplett aus diesem Pool. Bei den beiden vorangegangenen Jahrgängen gab es damit keine Probleme. Dieses Mal räumte die Schulbehörde allerdings ein, dass die Aufgaben zu schwer waren. Gab es diese Probleme auch in anderen Bundesländern? Ja, aber nicht so sehr. Auch in Niedersachsen und Bayern starteten Schüler und Schülerinnen Onlinepetitionen wegen des Matheabis. Die Noten wurden dort allerdings nicht angepasst. In anderen Bundesländern wie etwa Bremen und dem Saarland wird der Bewertungsschlüssel ebenfalls verbessert. Allerdings stellt nur Hamburg seine Abiturprüfungen komplett aus dem bundesweit einheitlichen Pool zusammen. Die anderen Ländern nutzen nur einzelne Aufgaben und konzipieren andere selbst. Welche Änderungen sind nun geplant? Hamburg plant ein zusätzliches Sicherungssystem: Ganz normale Mathelehrer sollen die Abiprüfungen zur Probe einmal bearbeiten. Außerdem dürfen die bundesweiten Aufgaben ab 2021 nicht mehr nachträglich geändert werden. Das ist bislang noch möglich. Andere Bundesländer hatten davon Gebrauch gemacht. Unklar ist noch, ob Hamburg künftig wieder eigene Landesaufgaben formulieren wird. Schulsenator Rabe sagte dazu: "Das Ziel ist es ja eigentlich, dass die Abiturprüfungen einheitlich sind. Allerdings kann es nicht sein, dass Hamburgs Schüler die Opfer sind." Ist Mathe insgesamt zu schwer? Zumindest weichen die Noten in Mathe deutlich von denen in den anderen Kernfächern ab. In den schriftlichen Prüfungen in Deutsch lag der Schnitt dieses Jahr bei 3,08 und in Englisch bei 2,74. Insgesamt liegt die Abidurchschnittsnote bei 2,42. Allerdings zeigten die Probleme in diesem Jahr, dass auch die Schüler in anderen Bundesländern ähnlich in Mathe abschneiden. Hamburgs Schulsenator nannte etwa Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Berlin, die ebenfalls beim Notenschnitt zwischen 3,0 und 3,5 liegen. "Mittelfristig wird sich die Frage stellen, ob nicht irgendetwas hier grundsätzlich nicht stimmt und die Anforderungsmaßstäbe in Mathematik noch mal überprüft werden müssen", sagte Rabe.
Kathrin Fromm
Weil die Aufgaben zu schwer waren, kündigte die Schulbehörde an, das Matheabi besser zu bewerten. Nun stehen die Ergebnisse fest.
[ "Mathematik", "Bildung", "Abitur", "Hamburg" ]
hamburg
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2019-06-24T23:08:45+02:00
2019-06-24T23:08:45+02:00
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Hamburger Rathausquartier: "Wir mussten nie ein Auto abschleppen lassen"
Die Idee entstand im Mai 2018 bei einem Workshop in der Patriotischen Gesellschaft, wo Hamburger gemeinsam überlegten, wie sie die Altstadt lebenswerter machen könnten. "Die Aufenthaltsqualität erhöhen", heißt das in der Sprache der Stadtplaner. Straßen gleich dauerhaft für Autos zu sperren erschien den Vordenkern zu tollkühn, der Widerstand wurde als zu massiv eingeschätzt. Also ein zeitlich begrenztes Experiment. Um zu zeigen, wie das Leben in der Stadt auch aussehen könnte. Im August 2019 schließlich wurden zwei Straßen im Rathausquartier tagsüber für den normalen Autoverkehr gesperrt, diese Woche endet das Experiment. Mario Bloem gehört zu den Initiatoren des Projekts. ZEIT ONLINE: Herr Bloem, hat sich das Experiment gelohnt? Mario Bloem: Es hat sich gelohnt. Das heißt aber nicht, dass wir alles richtig gemacht hätten. Wir mussten mehrfach nachsteuern. Zum Beispiel haben am Anfang viele Privatleute trotz Verbots in den gesperrten Straßen geparkt. ZEIT ONLINE: Was haben Sie dagegen unternommen? Bloem: Wir haben uns an die Zugänge gestellt und die Fahrer über das Parkverbot informiert. Das half auch noch nicht. Als Nächstes haben wir Schranken aufgestellt. Das war dann deutlich genug. ZEIT ONLINE: Wie haben die Anlieger die Sperrung aufgenommen? Mario Bloem: Wir haben so viel Feedback bekommen wie noch nie. Das Niveau der Antworten ist erstaunlich hoch; viele Leute haben sich hingesetzt und lange Texte geschrieben. Selbst Kritik wurde nicht giftig formuliert. ZEIT ONLINE: Das Rathausquartier ist kein Wohnquartier, dort bewegen sich vor allem Touristen und Hamburger, die dort arbeiten. War deshalb die Stimmung ruhiger? Bloem: Das glaube ich nicht. Eine große Rolle spielte sicherlich, dass täglich jemand von uns für drei Stunden vor Ort war. Wenn etwas nicht funktioniert hat oder jemand unzufrieden war, konnte er uns direkt ansprechen. Das hat sehr viel Spannung rausgenommen. Wir mussten nie ein Auto abschleppen lassen, die Stimmung ist friedlich geblieben. ZEIT ONLINE: Die Gastwirte haben sich im Vorfeld eine Steigerung des Umsatzes erhofft. Hat das geklappt? Bloem: Ich kann nicht in die Kassen gucken. Aber die Gastronomen haben uns berichtet, dass sie noch nie so viele Gäste auf ihren Außenflächen hatten. Die Mittagszeiten haben sich ausgeweitet, die Leute sind länger geblieben. Einige Wirte mussten deshalb sogar neues Personal einstellen. ZEIT ONLINE: Sie hatten im Vorfeld Wert darauf gelegt, den öffentlichen Raum nicht zu kommerzialisieren. Es sollten nicht zu viele Events stattfinden. Hat sich das bewährt? Bloem: Es gab zu Anfang verschiedene Bedenken. Wird es nicht zu leer? Muss der Raum bespielt werden? Meine Position war: erst mal abwarten und dann schrittweise nachlegen, wenn es nötig ist. Mein Fazit ist: Die Menschen genügen sich selbst. Die Mittagspause mit den Kollegen ist für sich schon eine sehr wichtige Zeit, da braucht es nicht auch noch Straßenmusik. Wichtig waren die öffentlichen Sitzgelegenheiten, auf denen man verweilen konnte, ohne etwas zu konsumieren. Davon hätte es noch mehr gegeben können, da haben viele Menschen gesessen und gelesen oder ihre Butterstulle gegessen. ZEIT ONLINE: So viele Menschen waren gar nicht immer auf den Straßen zu sehen … Bloem: Dazu müssten wir einmal diskutieren, was eine Fußgängerzone auszeichnet. Müssen sich dort unbedingt viele Menschen bewegen oder ist sie auch als Ruheraum und entschleunigter Stadtbereich wertvoll? Reicht es auch schon, wenn die Büronutzer über die Straßen gehen können, ohne Angst haben zu müssen, von einem Auto angefahren zu werden? ZEIT ONLINE: Welche Faktoren haben Sie unterschätzt? Bloem: Den privaten Autoverkehr. Der Lieferverkehr, auf den immer alle schimpfen, ist gar nicht so schlimm. Den kann man in drei Stunden locker abwickeln, wenn der private Verkehr nicht die Abladeflächen blockiert. Aber private Fahrer setzen sich gern mal über Regeln hinweg. ZEIT ONLINE: Angenommen, ein anderes Quartier möchte ein ähnliches Experiment wagen. Was könnten sich die Organisatoren von Ihnen abschauen? Bloem: Den Ansatz. Wir sind angetreten mit der Haltung: Wir machen ein Experiment. Und nicht: Wir wissen schon alles. Ein Geschäftsquartier ist anders als ein Wohnquartiert, das Rathausquartier anders als Ottensen. Die erste Frage muss lauten: Besteht überhaupt Interesse, das mal auszuprobieren? Und wenn die Leute es wollen, probiert man es in einer begrenzten Zeit einfach mal aus. Dafür sind drei Monate gut. Man muss regelmäßige Feedbackschleifen einbauen und abfragen, was funktioniert. Wir haben das sehr detailliert gemacht: Waren die Sitzmöbel gut? Wie war die Kunst? Es ist wie bei einer Speisekarte, man muss immer gucken, welches Gericht ankommt und welches nicht.
Friederike Lübke
Zwei Straßen im Rathausquartier sind seit August für den Verkehr gesperrt. Diese Woche endet das Experiment – die Bilanz der Initiatoren fällt (fast) euphorisch aus.
[ "Fußgängerzone", "Autofrei City", "Autofahrer", "Auto", "Rathausquartier", "Hamburg" ]
hamburg
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2019-10-27T20:47:18+01:00
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Homeschooling: "Es ist spürbar, aber kein Erdrutsch"
Jedes Jahr finden an Hamburgs Schulen groß angelegte Untersuchungen statt. Bei den sogenannten Kermit-Tests (kurz für "Kompetenzen ermitteln") werden möglichst alle Schülerinnen und Schüler einer Klassenstufe mit einheitlichen Aufgaben auf ihre Fähigkeiten im Lesen, Rech nen, Schreiben oder in anderen Fächern geprüft. Wenn die Ergebnisse vorliegen, wissen die zuständigen Lehrerinnen und Lehrer, wo ihre Schutzbefohlenen im Vergleich zum Durchschnitt der Gleichaltrigen stehen und welche Förderung noch nötig ist. Zum Wochenende hat die Schulbehörde die Befunde der diesjährigen "Kermit 3"-Untersuchung veröffentlicht , die im Mai in den dritten Klassen durchgeführt worden ist. Die Ergebnisse wurden nicht nur von pädagogischen Fachleuten erwartet. Denn jetzt lässt sich erstmals mit einer validen Datenbasis sagen, welche Rückstände durch die lange Schulschließung in der ersten Jahreshälfte entstanden sind – zumindest punktuell, nämlich in den dritten Klassen und in den abgefragten Fähigkeiten. Die Tests zeigen, dass die Gruppe der lernschwachen Schülerinnen und Schüler im Bereich Lesen um 11,1 Prozent gewachsen ist. Dieser Trend fällt mit 13,6 Prozent noch etwas stärker aus, wenn man sich nur Schulen ansieht, die einen niedrigen Sozialindex haben, an denen also viele Kinder aus armen oder nicht deutschsprachigen Familien lernen. Im Bereich Mathematik stieg der Anteil lernschwacher Schülerinnen und Schüler um 8,7 Prozent beziehungsweise um 11,2 Prozent in den besonders geforderten Schulen. Es gibt auch gute Nachrichten: In Rechtschreibung haben sich die Schülerinnen und Schüler gegenüber dem Vorjahr verbessert, was aber wohl nichts mit der Pandemie zu tun hat, sondern mit einem neuen Förderprogramm, das sich zum ersten Mal in den Testergebnissen niederschlägt. Die Daten stammen aus der Auswertung des Instituts für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ) , das zur Schulbehörde gehört. Im Interview erklärt Martina Diedrich, die Direktorin des IfBQ, was sich aus den Zahlen ablesen lässt – und was nicht. ZEIT ONLINE: Frau Diedrich, was wissen wir über die Folgen der Schulschließung für die Schülerinnen und Schüler? Martina Diedrich: Wir wissen zweierlei. Erstens: Nach der Schulschließung zum Pandemiebeginn im vergangenen Jahr hat es unter den von uns getesteten Jahrgängen fast keine messbaren Lernstandseinbußen gegeben. Nach der zweiten Schulschließung, die kurz vor Weihnachten einsetzte und mehrere Monate lang dauerte, stellen wir jetzt erkennbare Rückstände in den dritten Klassen fest. Das betrifft zum Teil Mathematik, insbesondere aber das Lesen. Zweitens: Diese Rückstände betreffen die Schülerinnen und Schüler in der Breite. Wir finden sie auch in Schulen an sozial wenig belasteten Standorten. Lern- und Leseförderung ist jetzt überall nötig. ZEIT ONLINE: Rund elf Prozent mehr lernschwache Schülerinnen und Schüler im Lesen, rund neun Prozent mehr in Mathematik – ist das ein dramatisches Ergebnis? Diedrich: Es ist spürbar, aber kein Erdrutsch. Man hätte auch Schlimmeres befürchten können. Unsere Tests fanden für viele Schülerinnen und Schüler unmittelbar nach der Rückkehr in die Klassenzimmer statt, teilweise schon in der ersten Woche nach sechs Monaten ohne Präsenzunterricht. In den weiterführenden Schulen setzen wir externe Testleiter ein, in den Grundschulen machen das die Lehrkräfte, die mit den Kindern vertraut sind. Es ist also nicht auszuschließen, dass sie ihre Schüler während der Tests unterstützt und etwas großzügiger als sonst Rückfragen beantwortet haben. Vielleicht wollten sie die Frustration vermeiden, die entsteht, wenn Kinder zurück in die Schule kommen und merken: "Ich kann gar nichts mehr." Das würde plausibilisieren, warum die Ergebnisse nicht dramatischer ausgefallen sind. Es ist aber reine Spekulation. Gut ist, dass uns diese Ergebnisse nun vorliegen und dass die politischen Rahmenbedingungen für Fördermaßnahmen geschaffen wurden. ZEIT ONLINE: Bisher galt in Hamburg die Mathematik als Problemfach. Hat es Sie überrascht, dass jetzt die Defizite im Lesen größer ausgefallen sind? Diedrich: Ehrlich gesagt, ja. Wir können das auch noch nicht recht deuten. Wir haben die Daten schnell veröffentlicht, die vertiefenden Analysen stehen noch aus. Als Nächstes werden wir uns einzelne Aufgaben anschauen und ihre Beantwortung genau mit der aus den Vorjahren vergleichen. Demnächst können wir dann auch sagen, wie Jungs im Vergleich zu Mädchen dastehen, das haben wir bisher nicht ausgewertet. ZEIT ONLINE: Dass das Leseverständnis deutlicher gelitten hat, ist auch deshalb erstaunlich, weil man denken könnte, dass während des Lockdowns verstärkt in Schriftsprache kommuniziert wurde. Statt uns persönlich zu sehen und zu sprechen, saßen wir vor Displays und schrieben und lasen E-Mails ... Diedrich: Ja, aber wir sprechen hier von Drittklässlern. Was haben die im Distanzunterricht gelesen? Kurze Anweisungen auf Arbeitsblättern, die immer ähnlich formuliert sind. Das zahlt nicht auf das Leseverständnis komplizierter Texte ein. Ansonsten fand die Kommunikation mündlich in Videokonferenzen statt.
Oskar Piegsa
Welche Folgen hatte die Schulschließung fürs Rechnen, Schreiben und Lesen? In Hamburg liegen dazu erste Daten vor. Die Bildungsforscherin Martina Diedrich erläutert sie.
[ "Corona", "Corona-Maßnahmen", "Homeschooling", "Bildungspolitik", "Bildungssystem", "Martina Diedrich", "Bildungsforschung", "Pandemie", "Jens Büttner", "Schulschließung" ]
hamburg
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2021-09-13T20:22:30+02:00
2021-09-13T20:22:30+02:00
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Hendriks Graszoden: Niederländische Firma will keinen Rasen für WM in Katar liefern
Der renommierte niederländische Sportrasenhersteller Hendriks Graszoden wird keinen Rasen für die WM 2022 in Katar liefern – unter anderem wegen Menschenrechtsverletzungen. Das bestätigte das Unternehmen ZEIT ONLINE, wollte sich aber nicht weiter zu der Angelegenheit äußern. Zuvor hatte die britische Zeitung Guardian berichtet , dass in Katar seit der Vergabe der WM vor zehn Jahren rund 6.500 Arbeiter gestorben seien. "Wir wussten, dass es während der Arbeit Todesfälle gab, aber wir wussten nicht, dass es ungefähr 6.500 sind", sagte Managerin Gerdien Vloet dem lokalen Radiosender 1Limburg . Man finde es unverständlich, dass die Fifa nicht eingreife. Die Arbeitsbedingungen seien aber nicht der einzige Grund gewesen, den Auftrag abzulehnen, sagte Vloet 1Limburg. Der Transport des Rasens per Flugzeug wäre teuer gewesen und katarische Rasenproduzenten hätten Graszoden nicht die gewünschte Qualität liefern können. Das Unternehmen hatte den Rasen für die WM 2006 in Deutschland und die Europameisterschaften 2008 und 2016 geliefert. Es ist das erste Unternehmen, das einen Auftrag für die WM in Katar mit Verweis auf die Menschenrechtslage ablehnt. Dem Deutschlandfunk zufolge hatte das niederländische Außenhandelsministerium zuletzt eine geplante Reise großer Unternehmen nach Katar kurzfristig abgesagt. Und bereits im Februar habe das Parlament entschieden, dass der König und der Ministerpräsident dem Turnier fernbleiben sollen.
Sören Götz
Hendriks Graszoden hat bereits für große Turniere den Rasen gestellt. Für Katar lehnt Hendriks den Auftrag ab – auch weil dort beim Stadionbau Tausende Arbeiter starben.
[ "Katar", "Deutschland", "Aston Villa", "Turnier", "Stadionbau", "Fußball-WM", "Fußball", "Menschenrechte", "Boykott", "Sportrasen" ]
sport
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2021-03-12T13:48:00+01:00
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18
G20-Gipfel in Hamburg: Einzelne Exzesse
Eineinhalb Jahre Prozess münden in diesen Moment, und dann passiert erst einmal: nichts. Kein Aufstöhnen, keine Unruhe. Ein Angeklagter scheint noch schnell ein Stoßgebet zur Saaldecke zu schicken, der Vater eines anderen nimmt kurz die Hand seiner Frau. Die Zuschauer hören einfach zu. Es ist eine lange Urteilsbegründung, die sie zu hören bekommen. Eine, in der die Vorsitzende Richterin zunächst lange über den politischen Rahmen des Prozesses spricht, ehe sie zu den Tatvorwürfen kommt. "Wir hätten uns einen unideologischen Blick auf das Geschehen auf der Elbchaussee damals gewünscht", sagt sie. Stattdessen hätten beide Seiten politische Stimmungsmache betrieben, die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung. Während des G20-Gipfels in Hamburg vor drei Jahren hatten sich die fünf jungen Angeklagten, zwischen 19 und 26 Jahre alt, an einem Protestmarsch durch die Elbchaussee beteiligt. Rund 200 Randalierer hinterließen am Morgen des 7. Juli eine Schneise der Verwüstung: abgebrannte Autos, zersplitterte Fensterscheiben. Die Angeklagten selbst warfen jedoch keine Steine oder Brandsätze. Sie setzen sich sogar irgendwann von dem Aufzug ab, weil es ihnen dort zu gewalttätig wurde. Die Verteidigung verweist auf das Grundgesetz Die Herausforderung in diesem Prozess war nun, zu beurteilen, ob die Männer dennoch Landfriedensbruch begangen haben – und vor allem: ob ihnen all die Zerstörungen persönlich anzulasten sind. Der Staatsanwalt wollte alle fünf ins Gefängnis schicken. In seinem Plädoyer sprach er von einem arbeitsteiligen Zusammenwirken. Die Angeklagten hätten den Gewalttätern den Schutz der anonymen Masse geboten, deshalb seien sie für alle Zerstörungen persönlich verantwortlich. Die Verteidigung dagegen verlangte Freispruch. Die Angeklagten, ein Franzose und vier Männer aus Hessen, seien nach Hamburg gekommen, um gegen den G20-Gipfel zu demonstrieren. Auch an jenem Morgen auf der Elbchaussee hätten sie nur demonstrieren wollen – und dies sei ein Grundrecht.
Elke Spanner
Fünf Männer wurden verurteilt, weil sie dabei waren, als andere beim G20-Gipfel auf der Elbchaussee randalierten. Doch auch die Staatsanwaltschaft wurde kritisiert.
[ "G20-Gipfel", "Justiz", "Brandstiftung", "Grundgesetz", "Staatsanwaltschaft", "Hamburg", "Landfriedensbruch", "Elbchaussee", "Prozess" ]
hamburg
Article
2020-07-10T20:16:54+02:00
2020-07-10T20:16:54+02:00
https://www.zeit.de/hamburg/2020-07/g20-gipfel-hamburg-urteil-ausschreitungen-elbchaussee-landfriedensbruch-brandstiftung?wt_zmc=emanew.int.zabo.zelbv.keine..text.allgemein.x&utm_medium=email&utm_source=zelbv&utm_campaign=keine&utm_content=Inhalt__text_allgemein_x&wt_cc3=01w0015k0000Inhemanew1901f%7bmid%7d
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19
Unfallforscher: "Vielen Senioren ist nicht klar, welche Schwächen sie am Steuer haben"
Autos schießen aus der Parklücke auf den Bürgersteig, reißen Auslagen um, krachen in Schaufenster oder brechen sogar durch bis in die Boutiquen oder Friseursalons: Es sind dramatische Szenen, die sich regelmäßig in der Waitzstraße in Groß Flottbek abspielen. Seit Ende 2018 stehen schwere Granitbänke vor den Schaufenstern, doch auch die wurden bereits zweimal umgefahren. Erst letzte Woche krachte es wieder: Ein Mercedes fuhr in die Auslage eines Blumenladens, riss dabei einen Poller um und zerquetschte ein Fahrrad. Verletzt wurde niemand. Mehr als 20 solcher Unfälle gab es in den vergangenen Jahren in der Waitzstraße. Fast immer saßen Senioren am Steuer, älter als 75 Jahre alt. Das Bezirksamt Altona will nun Stahlstelen aufstellen lassen, die örtliche Grundeigentümergemeinschaft verspricht einen Bringdienst für die ansässigen Arztpraxen – denn davon drängen sich 44 Stück auf einer Strecke von 300 Metern. So könnten einige Fahrer ihr Auto künftig stehen lassen. Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, hat die Unfallserie untersucht. ZEIT ONLINE: Herr Brockmann, was ist los in der Waitzstraße? Siegfried Brockmann: Es gibt da zwei Probleme. Erstens: In der Waitzstraße wird trotz Tempo 20 relativ schnell gefahren. Zweitens: Die Straße ist voller Schrägparkplätze. Da kann man mit recht hoher Geschwindigkeit reinfahren, aber auch raus. Und genau das versuchen die Senioren, um rechtzeitig in eine Lücke zwischen den Autos zu gelangen, die eben mit hohem Tempo vorbeifahren. Die Senioren wollen schnell raus aus dem Parkplatz. ZEIT ONLINE: Aber doch nicht über den Bürgersteig. Brockmann: Es wird immer gesagt, sie würden Gas und Bremse bei ihren Automatikwagen verwechseln. Aber das glaube ich nicht. Die meisten Senioren haben 40, 50 Jahre Fahrerfahrung, da ist eine Verwechslung fast unmöglich. Meine Theorie ist: Die befinden sich im Irrtum über die eingelegte Stufe. Das ist bei vielen Autos ja leider auch nicht intuitiv: Wenn man den Hebel nach hinten zieht, landet man im Vorwärtsgang, wenn man ihn nach vorn drückt, im Rückwärtsgang. Das kennt jeder Automatikfahrer. ZEIT ONLINE: Fährt bloß nicht jeder in Schaufenster. Brockmann: Jüngere Menschen bemerken den Irrtum schneller, die brauchen zwei Zehntelsekunden und stehen auf der Bremse. Viele Senioren brauchen länger. Und wenn sie unter dem Druck stehen, schnell ausparken zu müssen, deswegen aufs Gas drücken, den Hebel aber versehentlich auf "D" statt auf "R" gelegt haben – dann schießt der Wagen nach vorn, ohne dass sie rechtzeitig reagieren können. ZEIT ONLINE: Trügt der Eindruck oder geht von Senioren im Straßenverkehr tatsächlich eine größere Gefahr aus als von anderen Altersgruppen? Brockmann: Das Verkehrsministerium sagt nein und verweist immer gern auf die Unfallstatistik. Das ist aber allenfalls die halbe Wahrheit. Erstens rechnet das Ministerium Menschen ab 65 als Senioren. Menschen zwischen 65 und 75 sind aber vergleichsweise unauffällige Autofahrer, interessant wird es ab 75. Zweitens wird das Unfallaufkommen pro Altersgruppe jeweils pro 100.000 Einwohner ermittelt, was in den älteren Jahrgängen ebenfalls wenig Sinn ergibt. ZEIT ONLINE: Warum? Brockmann: Weil viele ältere Frauen gar keinen Führerschein haben oder das Fahren lange aufgegeben haben. Bei den Menschen über 75 gibt es also viel weniger Autofahrer als in der Vergleichsgruppe. Sobald sie das Unfallaufkommen aber auf gefahrene Kilometer beziehen, sehen Sie die Wahrheit, und die lautet: Ab 75 ist das Unfallrisiko ähnlich hoch wie bei den 18- bis 21-Jährigen, die gemeinhin als Hochrisikogruppe gelten. ZEIT ONLINE: Bräuchte es dann nicht verpflichtende Fahrtests ab 75? Brockmann: Das wäre nicht sinnvoll. Wenn jemand auffällig wird, muss er zur MPU (zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung, d. Red) , da wird er einen ganzen Tag durchleuchtet und das kostet mehrere Hundert Euro – aber das kann man ja nicht verdachtslos bei allen 75-Jährigen machen. Das wäre weder adäquat noch politisch durchsetzbar. Für die große Masse der Senioren, die noch nie aufgefallen sind, muss man also andere Möglichkeiten finden, günstiger und weniger zeitintensiv. Das Problem ist aber: Wenn man einen Senior nur eine Stunde lang testet, dann kriegt man kein verlässliches Ergebnis – vielleicht fährt er eigentlich total sicher, ist aber aufgeregt beim Test. Auf Grundlage eines solchen Ergebnisses kann man keinen Führerschein einziehen, das wäre verfassungswidrig und geht einfach nicht. ZEIT ONLINE: Was also tun? Brockmann: Schon seit Langem fordere ich eine sogenannte qualifizierte Rückmeldefahrt. Da müsste sich jeder Autofahrer ab 75 für eine Stunde von einem Profi begleiten lassen und würde dann ein Feedback bekommen, das er entweder beherzigt oder nicht – darauf hätte man keinen Einfluss. Ich glaube aber, das würde dennoch etwas bringen. Zumindest, solange das Feedback differenziert ist. Schwarz-Weiß-Empfehlungen, Auto fahren oder nicht, wird es auch gar nicht so häufig geben. Vielleicht aber die Anregung, künftig Innenstädte oder unbekannte Strecken zu meiden. Vielen Senioren ist gar nicht klar, welche Schwächen sie am Steuer haben. Wenn man 50 Prozent der Teilnehmer an den Rückmeldefahrten zu verändertem Verhalten bringt, wäre das schon ein großer Gewinn. ZEIT ONLINE: Zurück zur Waitzstraße: Noch gibt es keine "qualifizierten Rückmeldefahrten", also muss das Problem anders gelöst werden. Ihr Vorschlag? Brockmann: Drastische Geschwindigkeitsreduzierung, am besten auf 10 km/h, durch Aufpflasterungen zum Beispiel. Das würde den Druck auf die Senioren mindern, schnell aus diesen Parklücken rauszufahren. ZEIT ONLINE: Von 10 km/h ist derzeit offenbar keine Rede. Stattdessen werden Stelen in den Boden gelassen und künftig soll ein Bringdienst die zahlreichen Arztpraxen anfahren. Brockmann: Das sind auch sinnvolle Ideen. Senioren, die im Ernstfall nicht mehr bremsen können, wenn sie falsch herum unterwegs sind, die sind natürlich auch insgesamt eine Gefahr für den Straßenverkehr. Damit sie aber ihr Auto stehen lassen können, brauchen sie ein gutes alternatives Angebot. So ein Bringdienst könnte da ein guter erster Schritt sein.
Félice Gritti
In der Waitzstraße in Hamburg krachen regelmäßig Autos ins Schaufenster. Nun sollen Stahlpfeiler helfen. Unfallforscher Siegfried Brockmann hat eine andere Idee.
[ "Straßenverkehr", "Autofahrer", "Siegfried Brockmann", "Hamburg", "Unfall", "Altona", "Fahrrad", "Stahlpfeiler" ]
hamburg
Article
2019-08-27T19:51:34+02:00
2019-08-27T19:51:34+02:00
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20
Ministerpräsidentenkonferenz: So will Deutschland der vierten Welle und Omikron trotzen
Seit Wochen fordern Unionspolitiker im Kampf gegen das Virus schärfere Mittel. So auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff. Seine Staatskanzlei schickte am Vormittag kurz vor der Videoschalte der Regierungschefs von Bund und Ländern eine deutliche Botschaft nach Berlin: Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts, das die Ausgangssperren und Betriebsschließungen im Frühjahr für verfassungskonform erklärt hatte, sei zu begrüßen und schaffe Rechtssicherheit, hieß es darin. Und die sich bildende Ampel-Regierung habe "sehr deutliche Hinweise bekommen", was man "zum Schutz von Leib und Leben" im Kampf gegen Corona tun kann. Jene Ampel, die erst kürzlich das Infektionsschutzgesetz entschärfte und die sich gegen Betriebsschließungen sperrt. Die vierstündige Videoschalte fand dann in einem schwierigen Umfeld statt: Die Intensivstationen sind zu 19 Prozent mit Covid-Patienten belegt – das ist der Spitzenwert der dritten Welle und nur noch drei Punkte unterhalb des Allzeitpeaks der zweiten. Zur infektiösen Delta-Variante kommt im beginnenden Winter nun die noch wenig erforschte Omikron-Variante hinzu – Verantwortliche warnen seit Wochen vor dem Kollaps von Kliniken. Regiert wird derzeit von zwei Seiten: Die neue Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP verabschiedete erste Gesetze und bildet derzeit einen neuen Krisenstab, dagegen ist die abgewählte Regierung von Kanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn nur noch verwaltend tätig. Auslöser des Treffens war der Beschluss der Karlsruher Richter. Und während sich Ampel-Vertreter enttäuscht zeigten, nutzten vor allem die Unionspolitiker der Länder das Urteil des Verfassungsgerichts, um Maßnahmenverschärfungen doch noch zu ermöglichen. Heraus kam eine Reihe von Plänen: Wie soll das Impfen jetzt beschleunigt werden? Bis Weihnachten sollen 30 Millionen Erst-, Zweit und Boosterimpfdosen in die Oberarme, also 1,25 Millionen pro Tag. Das wird hart, denn bisher gab es an nur wenigen Tagen mehr als eine Million Injektionen pro Tag , meist waren es mehrere Hundert- oder Zehntausend. Derzeit steigen die Impfzahlen wieder: Am 26. November, als die Grenze von 100.000 Toten überschreiten wurde, gab es erstmals in der vierten Welle mehr als 100.000 Erstimpfungen . Neben Betriebs- und Fachärzten sollen nun weitere Berufsgruppen mitimpfen , darunter die Zahnärzte, Tierärzte oder auch Apotheker. Das widerstrebt ärztlichem Standesdenken: Schließlich sehen vor allem die Kassenärzte das Impfen als "originär ärztliche Aufgabe". Dabei schreibt kein Gesetz vor, dass nur Ärzte impfen dürfen, das Injizieren gehört ja sogar zur Ausbildung von Pflegenden. Das RKI empfiehlt , dass bei Impfungen ein Arzt in der Nähe ist, falls es Komplikationen gibt. Geprüft wird zudem, wie man neben der einrichtungsbezogenen Impfpflicht in Gesundheitseinrichtungen auch eine allgemeine Impfpflicht einführen und bis Februar ganz Deutschland durchimpfen könnte. Entscheiden soll darüber der Bundestag. Bisher ist in Deutschland nur die Masernimpfung verpflichtend: für Kinder, Schüler und Beschäftigte in Schulen und Kitas. Das Erstaunliche: Wie Grüne und FDP war der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz vor drei Monaten noch strikt dagegen: "Es wäre falsch, wenn jetzt eine Debatte beginnt", hatte er im Bundestag über die allgemeine Impfpflicht gesagt. Nun rechtfertigt er sein Umdenken mit dem Verlauf der Pandemie und der Impfkampagne: "Hätten wir eine höhere Impfquote, hätten wir eine andere Lage", sagte er dem Sender Bild TV , wo er anstelle einer Pressekonferenz die Beschlüsse erläuterte. Helfen soll hier auch der von Scholz gebildete neue Krisenstab im Kanzleramt: Leiten wird ihn der Bundeswehrgeneral Carsten Breuer, angehören sollen ihm der Berliner Virologe Christian Drosten, der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, Vertreter des RKI, der Kinder- und Jugendmedizin, der Bildungsforschung, Praktiker der kommunalen Ebene, darunter etwa Bürgermeister sowie Pandemieforscher und -modellierer. Hauptaufgabe des Stabes: Impfstofflieferengpässe vermeiden, wie sie es in den vergangenen Wochen in verschiedenen Regionen Deutschlands immer wieder gab. Jedoch: Das aktuelle Infektionswachstum lässt sich durch jetzt verabreichte Impfungen nicht eindämmen – denn der Impfschutz wirkt erst nach einigen Wochen. Der Impfschutz soll zudem ein Verfalldatum bekommen: Die Gültigkeitsdauer von Impfzertifikaten zu beschränken, sei derzeit auf EU-Ebene im Gespräch, wie Koalitionspolitiker erläutern. Scholz soll in interner Runde von sechs Monaten gesprochen haben – jener Zeitspanne, nach der nach jetzigem Wissensstand der Impfschutz kontinuierlich nachlässt. Derzeit garantieren die QR-Codes und Impfausweise noch unbegrenzten Zugang zu 2G-Bereichen. Werden jetzt Clubs und Diskotheken geschlossen? Hier setzten vor allem die Unionspolitiker durch: Sie wollten, dass das flächendeckende Schließen von Betrieben, also Gaststätten oder Beherbergungsbetrieben möglich ist, um die Infektionen zu drücken. Am liebsten wäre ihnen gewesen, der Bundestag würde die sogenannte epidemische Lage von nationaler Tragweite erneut erklären , wodurch die Schließungen möglich würden. Dafür fehlen aber die Stimmen der sich bildenden Ampel-Koalition, die gegen Schließungen und Ausgangssperren ist und Betriebe höchstens regional schließen will.
Tilman Steffen
Impfpflicht, 2G im Einzelhandel, Schließung von Clubs, ein neuer Krisenstab, impfende Tierärzte und Apotheker: ein Überblick über die neuen Pläne von Bund und Ländern
[ "Robert Michael", "Reiner Haseloff", "Angela Merkel", "Jens Spahn", "Tilman Steffen", "Olaf Scholz", "Carsten Breuer", "Deutschland", "Dresden", "Berlin" ]
politik
Article
2021-11-30T20:39:41+01:00
2021-11-30T20:39:41+01:00
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21
Bundesliga: Geduscht wird jetzt zu Hause
Seit Montag sind die Profis des Hamburger SV und des FC St. Pauli zurück auf dem Rasen, nach 25 Tagen Zwangspause. Dies verdanken sie einer Ausnahmegenehmigung der Behörde für Inneres und Sport, die den Clubs erlaubt, Mannschaftstraining in Kleingruppen durchzuführen. Wenn das Trainingsverbot fortbestünde, könnte den Mannschaften ein Wettbewerbsnachteil entstehen – so begründet die Behörde ihre Entscheidung. Inzwischen haben alle 36 Proficlubs der ersten beiden Ligen das Training wieder aufgenommen, die Saison ist nicht abgebrochen, nur unterbrochen. Doch Fußballtraining läuft in Zeiten von Corona ein wenig anders ab als gewohnt. Die Abläufe sind an strenge Auflagen angepasst: Das Training findet im Schichtdienst zu unterschiedlichen Zeiten statt, damit eine möglichst geringe Anzahl an Personen gleichzeitig vor Ort ist. Für den Fall einer Infektion müsste zudem nicht der gesamte Kader mitsamt allen beteiligten Mitarbeitern in Quarantäne, sondern nur die betroffene Gruppe. Jede wird von einem Trainer und einem Physiotherapeuten betreut, hat eine eigene Kabine zur Verfügung und muss ihre Wäsche selbst waschen. Kontakt ist weiterhin verboten, Zweikämpfe werden deshalb nicht geführt. Auch beim Fußballtraining gilt der Mindestabstand von 1,5 Metern. Geduscht wird zur Sicherheit zu Hause. Der nächste Schritt stellt die 36 Proficlubs der ersten und zweiten Liga vor eine existenzielle Herausforderung. Alle sind sich einig darüber, dass die Saison zu Ende gespielt werden muss – sogar Geisterspiele sind besser als gar keine Spiele. Denn bei einem vorzeitigen Abbruch droht nach aktuellem Stand etwa ein Drittel der Clubs die Insolvenz, berichtet der kicker . Das würde das System zum Kollabieren bringen.
Daniel Jovanov
Der Hamburger SV und der FC St. Pauli dürfen unter strengen Auflagen wieder trainieren – dank einer Ausnahmegenehmigung der Innenbehörde. Muss das sein?
[ "Coronavirus", "Fußball-Bundesliga", "FC St. Pauli", "Hamburger SV", "Fußball" ]
hamburg
Article
2020-04-08T20:54:29+02:00
2020-04-08T20:54:29+02:00
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Covid-19: Deutsche Industrie erwartet drastischen Produktionseinbruch
Das Coronavirus breitet sich weiter aus . Die aktuellen Zahlen zu Infizierten und Opfern in Deutschland zeigt unsere interaktive Karte . Wie die weltweiten Zahlen zu interpretieren sind, lesen Sie hier. Derzeit gilt nach einem Beschluss von Bund und Ländern ein Kontaktverbot . Mehr als zwei Menschen dürfen in der Öffentlichkeit nicht mehr zusammenkommen. Ausgenommen sind Familien sowie in einem Haushalt lebende Personen. Außerdem gelten in fast allen Bundesländern weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens: Schulen, Kindergärten und viele Geschäfte sind geschlossen. Laut Bundesregierung wird es eine Lockerung dieser Maßnahmen nicht vor dem 20. April geben . Das Robert Koch-Institut stuft die Risikoeinschätzung für Menschen als "hoch" ein, nach Einschätzung seiner Experten könnte die Pandemie bis zu zwei Jahre dauern. Das Coronavirus kann eine Atemwegserkrankung mit hohem Fieber auslösen und zu einer Lungenentzündung führen. Auch junge Menschen und Kinder können erkranken und einen mittelschweren Verlauf haben. Aber nur für wenige Infizierte verläuft die Krankheit tödlich . Die Weltgesundheitsorganisation hat die Erkrankung als Covid-19 benannt, das Virus heißt Sars-CoV-2. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Virus und der dadurch verursachten Krankheit lesen Sie hier . Für unser Blog greifen wir neben eigenen Recherchen und Behördeninformationen auch auf Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP, Reuters, KNA und AP zurück Alle weiteren Hintergründe und ausführliche Analysen zur Lungenkrankheit finden Sie auf unserer Themenseite .
Rieke Havertz
Laut Ifo-Institut werden alle Branchen deutlich unter der Corona-Krise leiden. Italien legt ein Konjunkturpaket der Geschichte auf. Das Newsblog zum Nachlesen
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2020-04-07T08:27:05+00:00
2020-04-07T08:27:05+00:00
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