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Gesundheitsminister Rösler möchte eine Kopfpauschale einführen. Dummerweise ist völlig unklar, was das am Ende kostet - und wer was zahlen soll. Die Einführung einer Kopfpauschale oder Gesundheitsprämie würde die Art und Weise ändern, wie sich die gesetzliche Krankenkasse (GKV) finanziert. Derzeit sind bis zu einer Obergrenze von 3750 Euro auf den Bruttolohn Abgaben von 14,9 Prozent fällig. 7,9 Prozentpunkte davon zahlen die Beschäftigten, sieben Punkte die Arbeitgeber. Das Geld fließt in den Gesundheitsfonds, der es an die Kassen verteilt. Reicht diesen das Geld nicht, können sie Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern verlangen. Innerhalb dieses Systems federn nicht nur die Jungen die Alten und die Gesunden die Kranken ab, sondern auch die Besserverdienenden die Schlechterverdienenden. Sozialausgleich vorgesehen Letzteres würde sich mit einer Kopfpauschale ändern, denn der Sozialausgleich zwischen Arm und Reich würde über das Steuersystem geregelt. Grundsätzlich zahlen bei einer Pauschale alle GKV-Mitglieder den gleichen Beitrag, egal ob sie gutverdienende Facharbeiter sind oder als Putzhilfe jobben. Damit es trotzdem gerecht zugeht, soll die Putzfrau aus den Kassen des Bundes einen Sozialausgleich erhalten. Wie viel Steuergeld aufgewendet werden muss, hängt davon ab, wie viel vom Arbeitnehmerbeitrag als Prämie ausgestaltet wird. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) schätzt die Kosten auf maximal zehn Milliarden Euro. Daraus ergibt sich, dass er nur einen kleinen Teil in eine Pauschale überführen möchte. Zur Finanzierung dieser Ausgaben soll ein Teil des Bundeszuschusses an die GKV verwendet werden, der 2010 gut 15 Milliarden Euro beträgt. Dieses Geld müsste er an anderer Stelle einsparen oder über höhere Beiträge finanzieren. Die CSU ignoriert diese Vorgaben in ihrer Kritik. Sie nimmt stattdessen an, dass der komplette Arbeitnehmerbeitrag in Form einer Pauschale erhoben werden soll. Diese läge dann rein rechnerisch bei 145 Euro im Monat und der Sozialausgleich würde zwischen 20 und 35 Milliarden Euro kosten. Offen ist ferner, wie der Sozialausgleich eigentlich gezahlt werden soll. Rösler will ihn automatisieren. Das heißt, die monatlichen Steuern würden entsprechend niedriger sein. Die CSU hält das für enorm kompliziert, weil zum Beispiel nicht alle Kassenmitglieder Steuern zahlen. Deshalb werde es darauf hinauslaufen, dass die meisten der 50 Millionen Kassenmitglieder gezwungen würden, einen Antrag beim Finanzamt zu stellen. Rösler mache damit Bürger zu Bittstellern. Die CSU beruft sich dabei auf Berechnungen, wonach gut 35 Millionen Bürger einen Ausgleich erhalten müssten. Dies gilt aber wiederum nur für den Fall, dass der gesamte Arbeitnehmerbeitrag in eine Pauschale umgewandelt wird. | Gesundheitsminister Rösler möchte eine Kopfpauschale einführen. Dummerweise ist völlig unklar, was das am Ende kostet - und wer was zahlen soll. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/krankenkassen-wuester-zank-um-die-kopfpauschale-1.20362 | Krankenkassen - Wüster Zank um die Kopfpauschale | 00/03/2010 |
Deutsche Privatbanken wollen den Verkauf von Darlehen erleichtern. Das weckt böse Erinnerungen, könnte aber dabei helfen, eine Kreditklemme zu verhindern. Diese Wörter haben auch zweieinhalb Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise nichts von ihrem Schrecken verloren: Verbriefungen, Asset Backed Securities (ABS), Zweckgesellschaften. Es hat sich herumgesprochen, dass es solche Instrumente waren, die die weltweite Finanzkrise ausgelöst haben. Ihr schlechter Ruf wird für Banken und Unternehmen zunehmend zum Problem. Denn eigentlich könnten die Instrumente dazu beitragen, die derzeit größte Gefahr für die deutsche Wirtschaft zu lindern: die drohende Kreditklemme. Die deutschen Privatbanken haben am Montag einen Plan vorgestellt, um den Verbriefungsmarkt wieder anzukurbeln. Das soll über ein Gütesiegel geschehen, das dafür sorgen soll, dass keine windigen Kredite verbrieft werden. Verbriefungen können die Banken beim Eigenkapital entlasten; sie gewinnen dadurch Spielraum, mehr Kredite an den Mittelstand zu vergeben. Branche liegt brach "Die Wiederbelebung des Verbriefungsmarktes ist eine Voraussetzung, um die Kreditklemme zu verhindern", sagte Andreas Schmitz, der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, schon im Dezember. In der Finanzbranche gibt es kaum jemanden, der anderer Meinung wäre. Auch die Bundesregierung erklärte sich im Koalitionsvertrag bereit, dem Verbriefungsmarkt auf die Beine zu helfen. Zuletzt geriet das Thema allerdings etwas in Vergessenheit. Stattdessen trat der Mittelstandsfonds der Deutschen Bank in den Vordergrund; dessen Volumen von 500 Millionen Euro ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein wieder funktionierender Verbriefungsmarkt könnte mehr bringen. Noch liegt dieser Markt brach: 2008 wurden in Deutschland Kredite über 75 Milliarden Euro verbrieft, 2009 waren es nur noch rund 30 Milliarden Euro. "Wenn Banken im großen Volumen verbriefen können, fördert dies die Kreditvergabe", sagt Stefan Ziese, der bei der Commerzbank die Abteilung für Verbriefungen leitet. Trend seit den 90er Jahren Üblich ist das Verbriefen von Krediten in Deutschland seit Mitte der 90er Jahre. Verbrieft werden können Firmenkredite ebenso wie private Immobilien- oder Autokredite. Beim Verbriefen bündelt die Bank mehrere Darlehen und verkauft diese über eine Zweckgesellschaft an Anleger. Ein Beispiel: Eine Großbank hat 3000 Kredite über insgesamt eine Milliarde Euro an mittelständische Unternehmen vergeben. Sie verbrieft diese und bringt sie in Form einer Anleihe an den Kapitalmarkt. Damit können institutionelle Anleger Geld in diese Kredite investieren. Da die Kredite unterschiedlich ausfallgefährdet sind, bringt die Bank drei Tranchen auf den Markt: Für die zehn Millionen Euro mit den riskantesten Krediten erhalten Anleger sechs Prozentpunkte über dem gängigen Marktzins, für die 90 Millionen Euro mit mittlerem Risiko drei Prozentpunkte darüber und für die 900 Millionen Euro relativ sicheren Kredite 0,15 Prozentpunkte darüber. Fallen Kredite aus, tragen die Investoren das Risiko: zunächst jene in der untersten, höchstverzinsten Tranche, dann wandert das Risiko nach oben. | Deutsche Privatbanken wollen den Verkauf von Darlehen erleichtern. Das weckt böse Erinnerungen, könnte aber dabei helfen, eine Kreditklemme zu verhindern. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/verbriefung-banken-sehnen-revival-herbei-1.20912 | Verbriefung - Banken sehnen Revival herbei | 00/03/2010 |
Wer in Griechenland den Gang der Dinge bei Behörden, dem Finanzamt oder im Krankenhaus etwas beschleunigen will, muss zahlen. Und das nicht zu knapp. Besser mal zahlen: Griechenlands Wirtschaft und Gesellschaft sind trotz schwerer Wirtschaftskrise einer Studie von Transparency International (TI) fest im Griff der Korruption. Die Griechen zahlten laut einer von der Tageszeitung Die Welt veröffentlichten TI-Studie im vergangenen Jahr durchschnittlich 1355 Euro Bestechungsgeld, wenn sie die Ausstellung eines Führer- oder Fahrzeugscheins beschleunigen, eine Baugenehmigung kaufen, schneller in ein öffentliches Krankenhaus aufgenommen oder die Ergebnisse einer Steuerprüfung manipulieren wollten. 2008 lag das durchschnittliche Bestechungsgeld in diesem Bereich bei 1374 Euro. Im privaten Bereich - etwa bei Anwälten, Ärzten oder Banken - stieg die durchschnittliche Bestechungssumme den Angaben zufolge sogar deutlich. Dabei zahlten Griechen 2009 durchschnittlich 1671 Euro Bestechungsgeld, das gewöhnlich in einem Briefumschlag unter dem Tisch übergeben wird. Ein Jahr zuvor waren es noch 1575 Euro. Grundlage der Untersuchung ist eine Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Public Issue im Auftrag von TI unter 6122 erwachsenen Griechen führte. Den Meinungsforschern gaben 13,4 Prozent der Befragten zu Protokoll, dass von ihnen Bestechungsgeld verlangt worden sei. Transparency International kalkuliert der Welt zufolge, dass griechische Haushalte 2009 insgesamt 787 Millionen Euro Bestechungsgeld zahlten: 462 Millionen Euro an Staatsdiener, 325 Millionen Euro im privaten Sektor. Die Summe der Bestechungsgelder wäre damit in nur zwei Jahren um gut 23 Prozent gestiegen: 2007 kalkulierten die Korruptionsforscher noch mit einer Gesamtbestechungssumme von 639 Millionen Euro. | Wer in Griechenland den Gang der Dinge bei Behörden, dem Finanzamt oder im Krankenhaus etwas beschleunigen will, muss zahlen. Und das nicht zu knapp. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/korruption-in-griechenland-schieb-mal-was-rueber-1.3349 | Korruption in Griechenland - Schieb mal was rüber | 00/03/2010 |
Der klassische Parketthandel an der Frankfurter Börse wird bald eingestellt. Doch auch für den Börsensaal gilt: Es gibt ein Leben nach dem Aus. Den klassischen Parketthandel an der Frankfurter Wertpapierbörse wird es nicht mehr lange geben - er soll am 28. März 2012 eingestellt werden. Das beschloss der Börsenrat einstimmig, wie die Deutsche Börse AG mitteilte. Aktien und Renten sollen dann komplett über das elektronische System Xetra gehandelt werden. Der Blick von der Galerie des Frankfurter Börsensaales auf die Tische der Skontroführer, auch Schranken genannt, mit der Dax-Tafel im Hintergrund ist für viele Privatanleger der Inbegriff der Frankfurter Börse. Schon seit Jahren laufen mehr als neunzig Prozent des Börsengeschehens über den Computerhandel, Spöttern gilt der Handelssaal in der Frankfurter Innenstadt ohnehin nur noch als Kulisse fürs Fernsehen. Äußerlich soll sich aber nicht viel ändern. Die bisherigen Skontroführer, die Geld- und Briefkurse für von ihnen betreute Wertpapiere stellen, sollen durch Xetra-Spezialisten ersetzt werden. Das Parkett werde auch künftig belebt sein, versicherte der Börsenbetreiber: Auch für die künftigen Xetra-Spezialisten gelte dort Präsenzpflicht. Der Börsenrat hatte im Frühjahr 2009 mit der Prüfung begonnen, wie der Parketthandel optimiert werden kann. Zu der Entscheidung sagte der Vorsitzende des Börsenrates, Lutz Raettig: Mit dem Beschluss werde gewährleistet, dass die Frankfurter Wertpapierbörse "ihre volkswirtschaftliche Funktion als Börse auch in Zukunft unter erheblich veränderten Marktverhältnissen optimal erfüllen kann". | Der klassische Parketthandel an der Frankfurter Börse wird bald eingestellt. Doch auch für den Börsensaal gilt: Es gibt ein Leben nach dem Aus. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/deutsche-boerse-parketthandel-schluss-aus-vorbei-1.21995 | Deutsche Börse: Parketthandel - Schluss! Aus! Vorbei! | 00/03/2010 |
Auf baufälligen Stahlstelzen poltern die Züge der Linie 7 durch die Vielvölkerviertel von Queens. Asiaten, Europäer, Afrikaner und Latinos wohnen Tür an Tür in Apartmenthäusern links und rechts der Bahnstrecke. 150 verschiedene Sprachen werden hier gesprochen. Auf kulturelle Barrieren stößt man überall, und doch verbindet die Menschen, die hier leben, mehr als gemeinsame Hausnummern. Sie teilen einen Traum, den Traum vom bescheidenen Wohlstand, den Fleiß und Disziplin schaffen können. Frühmorgens fährt die Metro die Einwanderer nach Manhattan, wo sie Lifte bedienen, Taxis fahren oder Fenster putzen. Erst spät abends bringt sie sie zurück. Wenn die Einwanderernation Amerika ein Herz hat, dann schlägt es hier. Und wenn es im Wirtschaftskreislauf New Yorks Lebensadern gibt, dann sind es diese Gleise. Jagdrevier der Wall Street Queens ist ein Stadtteil der Working Class. Doch inzwischen ist es auch ein Jagdrevier der Wall Street. In den Jahren vor der großen Rezession schickten sich Dutzende Beteiligungsfirmen an, die letzten Wohnraumreserven New Yorks zu erschließen. Der Markt in Manhattan war bereits überhitzt, und der Boom breitete sich aus bis tief nach Brooklyn, Queens und in die Bronx. Bald gerieten Sozialwohnungen zu Spekulationsobjekten - und ihre Bewohner zu Renditerisiken. Denn gerade in den Einwanderervierteln deckelt die Stadtverwaltung die Mieten, die Immobilienbesitzer verlangen können. So soll die Vielfältigkeit der Viertel erhalten bleiben. Doch die Mietgrenzen gelten nur für Altmieter. Wer neu einzieht, muss Marktpreise zahlen. Die Idee, die hinter der Gründung der Beteiligungsgesellschaften stand, war daher denkbar einfach: Das Geschäftsmodell lautete Vertreibung. Ricardo Aguaiza fand die erste Mahnung im Juli 2007 in seinem Briefkasten. Er erinnert sich genau. "Ich wohne seit mehr als 20 Jahren in diesem Haus. Nie hatte ich Ärger. Ich habe meine Miete immer pünktlich überwiesen." Doch den neuen Eigentümern ging es nicht um Pünktlichkeit, schon gar nicht um Fairness. Sie wollten Aguaiza loswerden. Ihn, seine Familie und möglichst auch all die anderen Altmieter in diesem Backsteinbau auf der 45. Straße. Die neuen Eigentümer waren Finanzinvestoren, die sich den klangvollen Namen Vantage zugelegt hatten. Vorteil heißt das, Vorteil Wall Street. Insgesamt erwarb das Unternehmen seit 2006 auf Streifzügen durch Queens 5000 Apartments, weitere 4000 in Harlem. Kaum waren die Kaufverträge unterschrieben, begann Vantage damit, den Altmietern zu kündigen und sie mit Klagen zu überziehen. Dass die meisten Klagen völlig haltlos waren, war Teil des Kalküls. Das zumindest sagen Sozialarbeiter. Vantage widerspricht: Wenn Hausbewohner Probleme hätten, dann nur, weil sie ihre Mietverträge nicht einhielten. | In New York haben Finanzinvestoren ein Zehntel des günstigen Wohnraums aufgekauft und wollen höhere Mieten durchdrücken. Jetzt wehren sich die Bewohner. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/new-york-immobilienspekulation-renditejagd-im-arbeiterviertel-1.10435 | New York: Immobilienspekulation - Renditejagd im Arbeiterviertel | 00/03/2010 |
Wer wissen will, was für ein Land dieses Griechenland ist, muss nur einen Blick in die hiesigen Boulevard-Blätter werfen. Von korrupten Politikern ist da die Rede, von Schwarzarbeit und Steuerbetrug, von mieser Zahlungsmoral und Luxus-Renten. Mehr als ein Drittel der griechischen Arbeitnehmer ist im öffentlichen Dienst beschäftigt, es gibt 14 gesetzliche Feiertage, und fällt einer davon auf ein Wochenende, bleiben die Beamten einfach an einem anderen Tag zu Hause. Und einem solchen Volk sollen die Bundesbürger ihr Geld hinterherwerfen? In der FDP hat es Anfang Februar eine kurze Debatte darüber gegeben, ob sich die drohende Staatspleite Griechenlands nicht innenpolitisch ausschlachten ließe, schließlich ist das Thema absolut stammtischtauglich. Für einen Bundesaußenminister wäre das jedoch unziemlich gewesen, weshalb es am Ende nicht die Griechen waren, die für die Profilierungskampagne des FDP-Vorsitzenden herhalten mussten, sondern die Hartz-IV-Empfänger. Es gibt aber noch einen zweiten Grund, der die Liberalen zur Zurückhaltung bewog: Wie alle anderen Mitglieder der Bundesregierung weiß auch Guido Westerwelle ganz genau, dass es in Wahrheit längst nicht mehr um die Frage geht, ob die Welt Griechenland hilft, sondern nur noch wie. So wahr es ist, dass Ministerpräsident Giorgos Papandreou mit dem gedankenlosen Anspruchsdenken vieler seiner Mitbürger zunächst einmal selbst fertig werden muss, so wahr ist es auch, dass er den Zwei-Fronten-Kampf gegen die Gewerkschaften einerseits und die Weltfinanzmärkte andererseits allein nicht wird gewinnen können. Vordergründig betrachtet könnte das den EU-Partnern egal sein, denn Griechenland spielt für die europäische Wirtschaft praktisch keine Rolle. Auch Portugal und Irland tun das nicht. Anders sieht es da bei Spanien und Italien aus: Springt die Krise auf sie über, hat plötzlich die gesamte Euro-Zone ein gravierendes Problem: Dann droht ein Auseinanderbrechen der Währungsunion und damit, wie es der US-Ökonom Barry Eichengreen einmal sagte, die "Mutter aller Finanzkrisen". Hinzu kommt: Die EU-Partner sind keineswegs unschuldig an den Problemen ihrer südlichen Nachbarn. Sie guckten nicht nur weg, als die Griechen ihre Statistiken fälschten und die Spanier ihre Immobilienblase produzierten. Sie taten auch zu wenig dafür, die Währungsunion zur politischen Union weiterzuentwickeln und damit ihren größten Geburtsfehler zu beseitigen: Heute wird die Geldpolitik in Europa zentral gesteuert, während in der Wirtschafts- und Finanzpolitik nach wie vor jeder unkoordiniert vor sich hinwerkelt. | In der EU tobt eine heftige Auseinandersetzung um Griechenland. Wer soll retten? Tut es keiner, droht die "Mutter aller Finanzkrisen". | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/krise-in-der-eu-griechenland-ist-nicht-kalifornien-1.11887 | Krise in der EU - Griechenland ist nicht Kalifornien | 00/03/2010 |
Die Sorge vor wachsenden Staatsschulden in Europa führt zu immer größeren Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten. Nachdem die Spekulanten in den vergangenen Tagen auf eine Staatspleite in Griechenland und einen Verfall des Euro gewettet hatten, geriet am Montag auch das britische Pfund massiv unter Druck. Die Anleger fürchten offenbar, dass auch Großbritannien wegen seiner hohen Neuverschuldung Probleme bekommen könnte. Die EU-Kommission rechnet damit, dass Großbritannien in diesem Jahr ein Defizit von 12,9 Prozent der Wirtschaftsleistung auftürmen wird. Das wäre sogar noch ein wenig höher als in Griechenland: Für Athen erwartet die EU-Kommission ein Minus von 12,7 Prozent. Im Fall von Großbritannien rechnen die Spekulanten nicht mit einer Staatspleite wie bei Griechenland. Sie fürchten aber, dass die nächste Regierung in London Mühe haben wird, die Schulden zurückzufahren. Zusätzlich genährt wurde diese Furcht am Montag durch eine neue Umfrage, wonach nach den Unterhaus-Wahlen im Mai ein Patt zwischen den Konservativen und der Labour-Partei drohen könnte. Daraufhin stürzte der Kurs der britischen Währung gegenüber dem US-Dollar zeitweise um vier Cent ab. Zum ersten Mal seit zehn Monaten rutschte die britische Währung damit unter die Marke von 1,50 Dollar. Dem Pfund ergeht es mithin ähnlich wie dem Euro, der seit Wochen immer mehr an Wert verliert. Angesichts der Krise der europäischen Gemeinschaftswährung erhöhte die EU-Kommission am Montag ihren Druck auf die Griechen. Das von der griechischen Regierung vorgelegte Sparprogramm reiche nicht aus, weitere Maßnahmen seien notwendig, sagte der für Währungsfragen zuständige Kommissar Olli Rehn nach einem Gespräch mit dem griechischen Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am Montag in Athen. Die deutsche Regierung schloss derweil aus, Mittel aus dem Haushalt zur Verfügung zu stellen, um den vom Bankrott bedrohten Griechen aus der Klemme zu helfen. Die EU treibt die Sorge um, dass das Land keine Kredite mehr erhalten könnte und damit ohne fremde Hilfe pleite wäre. Das würde die Stabilität des Euro gefährden und die Währungsunion in eine bedrohliche Krise treiben. Unklar blieb weiterhin, wie die EU helfen will, wenn das Sparprogramm der griechischen Regierung nicht ausreicht, um die Märkte wieder zu beruhigen. Finanzspritzen aus der Kasse der Bundesregierung sind nicht vorgesehen. "Es gibt keine Haushaltsmittel für Griechenland", betonte eine Regierungssprecherin. In Regierungskreisen hieß es, man wolle zunächst abwarten, wie die Griechen das Problem angingen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werde dies auch mit dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou erörtern, der am Freitag Berlin besucht. Griechenland hat bislang weder bei der EU noch bei einzelnen Staaten finanzielle Hilfe erbeten. In Berlin wurden Spekulationen zurückgewiesen, die staatseigene KfW könnte für griechische Staatsanleihen bürgen, die von Banken aufgekauft würden. "Das machen wir auf keinen Fall", hieß es. Klar sei jedoch, dass sich die EU auf Hilfen verständigen werde, wenn Athen zahlungsunfähig werde. Man setze aber darauf, dass dies nicht geschehen werde. | Finanzmärkte in Aufruhr: Gnadenlose Zocker setzen nach dem Euro nun das britische Pfund massiv unter Druck. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/finanzmaerkte-spekulanten-attackieren-das-britische-pfund-1.3525 | Finanzmärkte - Spekulanten attackieren das britische Pfund | 00/03/2010 |
Eine Spur der Verwüstung: Das Sturmtief Xynthia zog zwar schnell ab, hinterließ aber verheerende Schäden. Wie Versicherte die Kosten des Sturms gering halten können. So schnell wie sie kam, ist Xynthia wieder abgezogen. Binnen weniger Stunden hatte sich der Wind am Sonntag aus Südwesten kommend zu einem Orkan aufgebaut. Bereits am Montag beruhigte sich die Wetterlage wieder. Doch bei Betroffenen in ganz Europa wird Xynthia in schlimmer Erinnerung bleiben. Das Sturmtief zog eine Spur der Verwüstung von Portugal und Spanien über Frankreich, wo der Schaden am verheerendsten ist, bis nach Deutschland. Hier waren vor allem Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Teile Baden-Württembergs betroffen. Das ganze Ausmaß der Schäden ist noch nicht zu überschauen. Zwar bezifferte das Innenministerium von Rheinland-Pfalz am Montag die Schäden auf fast zwei Millionen Euro. Doch Versicherer wehren Fragen nach dem tatsächlichen Schaden noch ab. "Es ist noch zu früh, die Schäden zu schätzen", sagte eine Sprecherin des Rückversicherers Munich Re. Betroffene Bürger und Unternehmen sollten sich aber so rasch wie möglich mit ihren Versicherern in Verbindung setzen, rät der Bundesverband der Versicherungswirtschaft (GDV). So ließen sich weitere Schäden vermeiden und die Schadensregulierung fehlerlos angehen. Von einem Sturm spricht man versicherungstechnisch ab Windstärke acht. Für Schäden die durch einen solchen Sturm verursacht werden, kommen verschiedene Versicherungen auf. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Umgang mit den Sturmschäden: Was sollen Betroffene tun? "Erstellen Sie unmittelbar nach dem Schadensfall eine vollständige Liste aller zerstörten oder beschädigten Gegenstände", rät die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Falls vorhanden, sollten Einkaufsbelege herausgesucht werden, ansonsten sollten Anschaffungsdatum und -preis geschätzt werden. Die beschädigten Gegenstände sollten aufbewahrt oder, wenn sie gleich repariert werden müssen, vorher fotografiert oder gefilmt werden. Sind ganze Gebäude beschädigt, ist es überdies ratsam, ein Schadensprotokoll zu erstellen. Erst in Absprache mit dem Versicherer sollten Schäden beseitigt werden, es sei denn, der Schaden droht sich durch Nichtstun zu vergrößern. So sollte beispielsweise ein abgedecktes Dach notdürftig gegen Regen abgedichtet werden, empfiehlt die Allianz. | Eine Spur der Verwüstung: Das Sturmtief Xynthia zog zwar schnell ab, hinterließ aber verheerende Schäden. Wie Versicherte die Kosten des Sturms gering halten können. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/nach-xynthia-hoffentlich-gut-versichert-1.6857 | "Nach ""Xynthia"" - Hoffentlich gut versichert" | 00/03/2010 |
Mit fast 200 Milliarden Dollar haben die USA AIG gerettet. Jetzt verkauft der Konzern sein Asiengeschäft - und zahlt einen Teil der Schulden zurück. Der angeschlagene US-Versicherer AIG zahlt einen Teil seiner Schulden beim amerikanischen Staat zurück. Die nötigen Mittel besorgt sich AIG über den Verkauf seiner Asiensparte an den britischen Wettbewerber Prudential. Das Geschäft hat einen Wert von 35,5 Milliarden Dollar. Der Spartenverkauf sei der bislang wichtigste Schritt bei den Bemühungen, dem Steuerzahler sein Geld zurück zu geben, sagte AIG-Chef Robert Benmosche in New York. Die US-Regierung hatte mehr als 182 Milliarden Dollar in den einst weltgrößten Versicherungskonzern pumpen müssen, um ihn in der Finanzkrise vor dem Kollaps zu bewahren. Dadurch ist der Staat nun mit rund 80 Prozent der größte Anteilseigner. 25 Milliarden Dollar für den Staat Vom Kaufpreis fließen 25 Milliarden Dollar in bar. Dieses Geld geht komplett an den amerikanischen Staat. Der Rest sind Aktien und andere Wertpapiere von Prudential. Auch diese will AIG über kurz oder lang flüssig machen. Um den Kaufpreis aufzubringen, wollen die Briten ihrerseits eine Kapitalerhöhung von 20 Milliarden Dollar vornehmen und sich fünf Milliarden Dollar an Fremdkapital beschaffen. Die neue Gruppe wird der führende Lebensversicherer in Hongkong, Singapur, Malaysia, Indonesien, Vietnam, Thailand und auf den Philippinen. Das Asiengeschäft habe im vergangenen Jahr schon 44 Prozent zum Konzerngewinn beigetragen, sagte Prudential-Chef Tidjane Thiam. Diese Position werde nun weiter ausgebaut. Die Übernahme versetze das Unternehmen in eine starke Führungsposition "in allen kritischen Wachstumsmärkten der Region", sagte Thiam. Die Börse reagierte ausgesprochen negativ auf die Nachrichten. Die Prudential-Aktie brach um elf Prozent ein. | Mit fast 200 Milliarden Dollar haben die USA AIG gerettet. Jetzt verkauft der Konzern sein Asiengeschäft - und zahlt einen Teil der Schulden zurück. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/usa-finanzkrise-versicherungsgigant-aig-macht-sich-klein-1.19888 | USA: Finanzkrise - Versicherungsgigant AIG macht sich klein | 00/03/2010 |
Der Handelskonzern Arcandor liegt am Boden und wird abgewickelt, doch die Ex-Konzerntochter Karstadt-Quelle-Bank soll wieder aufblühen. Ein Namenswechsel läutet jetzt den Neustart ein. Nach dem Untergang des Essener Arcandor-Konzerns geht die Karstadt-Quelle-Bank unter neuem Namen an den Start. Vom 8. März an will das Institut als Valovis Commercial Bank Kunden vor allem im Mittelstand gewinnen, sagte Vorstand Theodor Knepper. Die hundertprozentige Tochter der Essener Valovis Bank mit Sitz in Neu-Isenburg bei Frankfurt wird sich nach den Angaben auf die Geschäftsfelder Kreditkarten, Liquiditätssicherung im Handel und Absatzfinanzierung konzentrieren. Bei letzterem bietet die Bank dem Handel Finanzierungsmöglichkeiten für die Kreditkäufe der Endkunden an. Privatkunden sollen über die Kreditkarten-Ausgabe sowie Anlagen in Tagesgeldkonten oder Sparbriefe gewonnen werden. Die Geschäfte laufen über Händler, die ihren Kunden über das Institut Ziel- oder Ratenkäufe ermöglichen, sowie über Internet und Telefon. Ihre neun Filialen in Karstadt-Kaufhäusern hatte die Bank im vergangenen Jahr geschlossen. Die Zahl der Mitarbeiter sank von 240 auf 160. Ein weiterer Personalabbau sei derzeit nicht geplant. Nach einem Verlust von 11,1 Millionen Euro im vergangenen Jahr peilt das Institut 2010 nur noch ein kleines Minus an. "2011 wollen wir in die Gewinnzone gelangen", betonte Knepper. Die Bilanzsumme lag 2009 bei 477,7 Millionen Euro. Management peilt Verkauf an Die Karstadt-Quelle-Bank war vor 20 Jahren gegründet worden und entwickelte sich zum zentralen Kreditinstitut für Konsumentenkredite und Kreditkarten im Arcandor-Konzern. Sie ist nach eigenen Angaben mit 900.000 Kreditkarten-Kunden der größte Mastercard-Emittent in Deutschland. Die Bank wurde im Januar 2009 vom Karstadt-Quelle-Mitarbeitertrust übernommen und im April in die Valovis Bank AG integriert. Ein späterer Verkauf sei nach erfolgreicher Restrukturierung denkbar, sagte Knepper: "Wenn alles gut läuft, wird es Interessenten geben." Im vergangenen Jahr war die Warenhauskette Karstadt, deren Zukunft unsicher ist, der mit Abstand wichtigste Vertriebspartner der Karstadt-Quelle-Bank. "Rund 80 Prozent unserer Vertriebsleistung machten wir mit Karstadt." Die Summe solle konstant bleiben, der Anteil am Gesamtgeschäft aber durch neue Kunden sinken. | Der Handelskonzern Arcandor liegt am Boden und wird abgewickelt, doch die Ex-Konzerntochter Karstadt-Quelle-Bank soll wieder aufblühen. Ein Namenswechsel läutet jetzt den Neustart ein. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/karstadt-quelle-bank-karstadt-tochter-wagt-neuanfang-1.2855 | Karstadt-Quelle-Bank - Karstadt-Tochter wagt Neuanfang | 00/03/2010 |
Die EU knöpft sich Griechenland vor: Währungskommissar Rehn pocht auf stärkere Sparbemühungen und Luxemburgs Ministerpräsident droht mit drastischen Worten. Die Europäische Union erhöht ihren Druck auf Griechenland, denn EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn hat von dem Balkanland zusätzliche Sparmaßnahmen gefordert. Er wolle die griechische Regierung "ermuntern", in den kommenden Tagen weitere Maßnahmen zu prüfen, um die Ziele zu erreichen, sagte Rehn am Montag nach einem Gespräch mit dem griechischen Finanzminister Giorgos Papakonstantinou. Der vom Bankrott bedrohte Mittelmeerstaat müsse noch mehr gegen sein drastisches Haushaltsloch unternehmen, sagte Rehn Griechenland hat ein Defizit von 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und soll es binnen eines Jahres auf 8,7 Prozent senken. Rehn wollte in Athen auch Wirtschaftsministerin Louka Katseli, Vize-Regierungschef Theodoros Pangalos und Zentralbankchef Giorgos Provopoulos treffen. Überwachung der Sparbemühungen Auch ein Gespräch mit Regierungschef Giorgos Papandreou war vorgesehen. Die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) überwachen die Fortschritte bei den Sparbemühungen der Regierung in Athen. Sollten sie die Maßnahmen für nicht ausreichend erachten, könnten die EU-Finanzminister auf ihrem Treffen am 16. März eine Verschärfung des Sparkurses verlangen. Unterdessen drohte der luxemburgische Ministerpräsident und Eurogruppen-Chef, Jean-Claude Juncker, den Finanzmarktsakteuren kurz vor der Umschuldung griechischer Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe staatliche Sanktionen an. "Wir haben die Folterwerkzeuge im Keller, und wir zeigen sie, wenn es nötig ist", sagte Juncker dem Handelsblatt. "Wir müssen das Primat der Politik wieder stärken, sie muss die Finanzmärkte stoppen können", so Juncker. "Gemeinsame Wirtschaftsregierung notwendig" Die Politik sei nur soweit erpressbar, wie sie sich erpressen lasse. Sollte Griechenland seine Vorgaben einhalten, die Märkte aber dennoch weiter gegen das Land spekulieren, "werden wir die Märkte da nicht einfach durchmarschieren lassen." Mit welchen Maßnahmen die EU gegen die Spekulation vorgehen könnte, ließ Juncker offen. Man werde aber ganz allgemein über die Auswirkungen des Verhaltens gerade auch der Banken reden müssen. Neue Regeln für die Zukunft Der Chef der Eurogruppe sieht zudem nach einer Lösung der Krise die Notwendigkeit, die Regeln in der Eurozone zu ergänzen. "Wenn wir das griechische Problem gelöst haben, müssen wir uns einen Werkzeugkasten zulegen, um ähnliche Probleme in der Zukunft zu vermeiden", sagte Juncker. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an seinen früheren Vorschlag eines Eurobonds. Für Griechenland lehnte Juncker eine Hilfe des Internationalen Währungsfonds ab. "Ich halte ein Engagement des IWF, das über die technische Hilfe hinausgeht, für nicht notwendig", sagte er. Juncker wandte sich zudem strikt dagegen, mehr Inflation zuzulassen, wie es der IWF vorgeschlagen hatte. Die Debatte über eine Entschuldung per Inflation sei schädlich. Zugleich forderte Juncker eine Reform der europäischen Wirtschaftspolitik. Nötig sei eine gemeinsame Wirtschaftsregierung, die vor allem in der Eurozone die Wirtschaftspolitik verstärkt koordiniere. Auf diesem Wege werde die Eurogruppe vorangehen. Im März werde sie eine Erklärung zu Wettbewerbsunterschieden in der Eurozone abgeben. Dann werde sie wirtschaftspolitische Empfehlungen für jedes Land aussprechen. Deutschland und das Problem der Binnennachfrage Jedes Land werde sagen müssen, in welchem Zeitraum es seine Wettbewerbsungleichgewichte beseitigen wolle. Ein nationales Vorpreschen einzelner Länder ohne Absprache mit seinen Partnern im Euroraum wäre nicht hilfreich. Juncker mahnte in diesem Zusammenhang aber auch Deutschland. Auch wenn Deutschland nicht das größte Problem darstelle, müsse sich das Land fragen lassen, "ob es nicht eine weitere Stärkung der Binnennachfrage braucht". Er nannte dabei die Tarifpolitik. Rürup mahnt Hilfe für Griechenland an Der frühere Chef der Wirtschaftsweisen Bert Rürup warnte unterdessen vor den Folgen einer möglichen Staatspleite Griechenlands. "Die europäische Staatengemeinschaft muss Griechenland bei der Bewältigung seiner Schuldenkrise helfen - und zwar im eigenen Interesse. Denn im Falle einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands - also eines Staatsbankrotts - würden rasch Länder wie Portugal, Spanien, Italien und Irland finanziell in die Knie gehen. Diese Länder müssten dann aufgrund des gestiegenen Misstrauens sehr viel mehr bezahlen, um Kredite zu bekommen," sagte der Ökonom der Bild-Zeitung. Der Euro wäre dann als gemeinsame europäische Währung gefährdet. | Die EU knöpft sich Griechenland vor: Währungskommissar Rehn pocht auf stärkere Sparbemühungen und Luxemburgs Ministerpräsident droht mit drastischen Worten. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/griechenland-rehn-zieht-griechen-die-daumenschrauben-an-1.22341 | Griechenland - Rehn zieht Griechen die Daumenschrauben an | 00/03/2010 |
Ein Cent, was ist das schon? Für einen Cent kann man sich nichts kaufen. Wenn man ihn hat, bringt er nichts. Wenn man ihn nicht hat, fehlt er nicht. Diese billige Erkenntnis haben sich Betrüger jetzt zunutze gemacht. Das Bundesverbraucherschutzministerium berichtet von Fällen, in denen Bankkunden auf ihrem Konto den Eingang von einem einzigen Cent festgestellt haben. Absender ist meist eine nichtssagende Adresse. Die Kontoinhaber wundern sich kurz - und legen den Fall ad acta. Ist ja nichts passiert. Schließlich haben sie nichts verloren, sondern im Gegenteil Geld bekommen, wenn auch lächerlich wenig. Was sie nicht wissen: Oft steckt dahinter ein perfider Trick. Betrüger versuchen, auf diese Weise an neue Kontonummern zu kommen. Die Auftraggeber der Überweisung lassen quasi einen Testballon steigen, indem sie an frei erfundene Zahlenkombinationen winzige Beträge verschicken. Kommen die Überweisungen nicht zurück, wissen sie, dass es die Nummer tatsächlich gibt. In der Folge buchen sie von dem fremden Konto einen Betrag ab. Nicht zu viel, damit es nicht auffällt. Aber auch nicht zu wenig, der Aufwand muss sich ja lohnen. Allzu häufig sei das bislang nicht vorgekommen, heißt es im Ministerium. Aber ärgerlich sei das Ganze trotzdem. Dass die Masche überhaupt so leicht funktioniert, liegt an einer Gesetzesänderung, die Ende Oktober in Kraft trat. Seither müssen Banken bei einer Überweisung nicht mehr prüfen, ob Kontonummer und Name des Empfängers übereinstimmen. Die Betrüger können daher in das Überweisungsformular einfach eine beliebige Zahlenreihe eintragen und sich einen Namen dazu ausdenken. Mit der neuen Regelung setzte der deutsche Gesetzgeber eine EU-Richtlinie um, die den Geldverkehr in der EU beschleunigen soll. Banken sollen nicht mehr davon profitieren, dass sie sich möglichst viel Zeit lassen beim Ausführen von Aufträgen. Vom Jahr 2012 an müssen deshalb alle Zahlungen grundsätzlich bis zum Ende des folgenden Geschäftstags abgewickelt sein. Bewerkstelligen lässt sich die Beschleunigung aber nur, indem das Überweisungsverfahren vollautomatisiert wird. Die Kontonummer wird also von einer Maschine abgelesen, der egal ist, ob der Name passt oder nicht. Kontoauszüge sorgfältig prüfen Haben die Betrüger erst einmal die Kontonummer, ist die Abbuchung einfach. Sie müssen nur bei ihrer Bank behaupten, sie hätten das Recht, per Lastschrift Beträge von dem fremden Konto einzuziehen. Ob sie das tatsächlich dürfen, prüft die Bank nicht. So ist das Lastschriftverfahren geregelt in Deutschland, und im Großen und Ganzen hat es sich auch bewährt. Stadtwerke buchen auf diese Weise ab, die GEZ oder auch Vereine. Damit die Kunden aber nicht völlig schutzlos sind, haben sie ein Widerspruchsrecht, das sie sechs Wochen lang bei ihrer Bank geltend machen können. Im Fall von Betrügereien könnten sie sogar 13 Monate lang widersprechen, heißt es im Ministerium. Und deshalb rät der Sprecher von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner auch dringend, Kontoauszüge regelmäßig sorgfältig zu prüfen. "So können Bankkunden sich vor einem Missbrauch des Lastschriftverfahrens schützen." Gleichzeitig weist er daraufhin, dass die Banken - schon um Ärger zu vermeiden - normalerweise nur seriösen Unternehmen die Teilnahme am Lastschriftverfahren gestatten. Doch offenbar hapert es da manchmal an der Urteilskraft - sonst wäre es zu den Betrügereien wohl kaum gekommen. | Schnell viel Geld absahnen: Mit einer Mini-Überweisung spionieren Betrüger Kontonummern aus. Die Abbuchung an sich ist dann ein Kinderspiel. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/betrug-via-abbuchung-der-ein-cent-trick-1.18835 | Betrug via Abbuchung - Der Ein-Cent-Trick | 00/03/2010 |
Die EU darf Griechenland kein Geld geben. Doch wer soll es sonst tun? Jetzt sagen Experten des Bundestags: Der Währungsfonds muss ran. Damit widersprechen sie klar Finanzminister Schäuble. Griechenland ist pleite - wer soll helfen? Befürworter von Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Griechenland und künftige Problemfälle haben durch ein Gutachten Auftrieb erhalten. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages schrieb in einem Bericht, der Reuters am Montag vorlag, für ein Land der Euro-Gruppe sei es grundsätzlich möglich, Finanzhilfen des IWF in Anspruch zu nehmen, zu denen es als IWF-Mitglied Zugang habe. Mögliche Finanzhilfen des IWF seien in den Verbotsbestimmungen der europäischen Verträge, die Hilfen der Partnerländer für ein notleidendes Euro-Land (Non-Bail-Out-Klausel) ausschließen, nicht erfasst. Die schwarz-gelbe Regierungskoalition ist sich über IWF-Hilfen für Griechenland nicht einig. Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte kürzlich erklärt, das Land sei kein Fall für den IWF. Diese Auffassung vertraten offenbar auch die anderen europäischen Mitglieder in der Gruppe der sieben führenden Industrieländer (G7) unlängst in Kanada. "Für so was haben wir im Kern den IWF" In Regierung und Koalitionsparteien gibt es aber auch Stimmen, die für eine Einschaltung des IWF sprechen. So sagte der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler: "Für so was haben wir im Kern den IWF." Er wäre das richtige Instrument für Hilfen. Der IWF hatte in den vergangenen Monaten bereits drei EU-Ländern - die allerdings nicht Mitglied der Euro-Gruppe sind - Kredithilfen geleistet. Es handelt sich um Ungarn, Lettland und Rumänien. Der Fonds hat die Bereitschaft signalisiert, auch im Falle Griechenland tätig zu werden. | Die EU darf Griechenland kein Geld geben. Doch wer soll es sonst tun? Jetzt sagen Experten des Bundestags: Der Währungsfonds muss ran. Damit widersprechen sie klar Finanzminister Schäuble. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/griechenland-in-der-krise-alarm-fuer-den-waehrungsfonds-1.19994 | Griechenland in der Krise - Alarm für den Währungsfonds | 00/03/2010 |
Wilhelm Tell hat mit einem einzigen Bolzenschuss die Schweiz begründet, aber erst Jean-Marie Musy verschaffte ihr den Ruf als Banktresor der ganzen Welt. Während es bei Tell um Leben und Tod geht und es überall vom Tyrannenmord wetterleuchtet, sind von dem staubtrockenen Finanzokraten Musy nur so unsterblich öde Formulierungen wie diese überliefert: "Wer vorsätzlich als Revisor oder Revisionsgehilfe die ihm bei der Durchführung einer Revision oder bei der Abfassung oder Erstattung des Revisionsberichtes obliegenden Pflichten gröblich verletzt (...) wird mit Buße bis zu zwanzigtausend Franken oder Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft." Doch auch wenn die Prosa von Bundesrat Musy nicht ganz an den Freiheitspathos von Friedrich Schiller heranreicht, die Schweiz verdankt ihm in Gestalt dieses Artikels 47 die Formulierung des weltweit einmaligen Bankgeheimnisses. In einer bemerkenswert offenherzigen Geschichte hat jetzt der Zürcher SonntagsBlick die Geschichte des Mannes recherchiert, der vor 75 Jahren mit ein paar Sätzen die Schweiz zur schier uneinnehmbaren Finanzfestung machen konnte. Der 1876 im Greyerzerland geborene Rechtsanwalt Musy trat erst mit 35 in eine Bank ein - passenderweise, um sie zu sanieren. Gleichzeitig beginnt er eine Laufbahn als Politiker, engagiert sich bei der Partei der Katholisch-Konservativen und gelangt mit ihr alsbald in den Bundesrat, dem er von 1925 bis 1930 als Bundespräsident vorsteht. Nebenbei erregt er Aufsehen mit einer ebenso exzentrischen wie verschwenderischen Ehefrau. Am 2. Februar 1934 bringt Musy, inzwischen nur mehr einfacher Bundesrat, jenen Gesetzesvorschlag ein, der fortan alle am Geldverkehr Beteiligten bei Gefahr harter Strafen zum ewigen Schweigen verpflichtet. Das Gesetz wird am 8. November 1934 vom Nationalrat mit 119:1 Stimmen verabschiedet und tritt am 1. März 1935 in Kraft. Im Groll aus dem Amt Musy ist da schon nicht mehr dabei. Im Groll ist er aus dem Amt geschieden. Nicht wegen seines Gesetzes, sondern weil er in einer Kleinigkeit eine Niederlage erlitten hatte, zieht er sich auf seine Güter zurück, er will privatisieren, jagen und ein bisschen malen. Dafür erringt sein Sohn Pierre, ältestes der sieben Kinder, 1936 bei den Olympischen Winterspielen in Garmisch die Goldmedaille im Viererbob. Die Politik lässt den Vater aber nicht los. Mit Staunen und nicht ohne Neid erlebt er, wie sich im großen Nachbarland im Norden die Nationalsozialisten durchgesetzt haben. Musy sympathisiert ganz offen mit den Nazis. Er gründet eine Zeitung, La Jeune Suisse, er finanziert einen antikommunistischen Propagandafilm ("Die rote Pest"), bewundert Franco und Mussolini und er freundet sich mit Herrschaften wie Heinrich Himmler an, dem Reichsführer SS. | Jean-Marie Musy hat das Schweizer Bankgeheimnis erfunden - vor genau 75 Jahren trat es in Kraft. Der Rechtsanwalt und Finanzpolitiker sympathisierte offen mit den Nazis. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/schweiz-bankgeheimnis-der-revierhueter-1.18258 | Schweiz: Bankgeheimnis - Der Revierhüter | 00/03/2010 |
Ein früheres Kindermädchen wirft Paul McCartneys Ex-Frau Heather Mills Diskriminierung während der Schwangerschaft vor. Doch die sagt: "Ich war nicht fordernd genug." Heather Mills hat Ärger mit ehemaligem Personal: Ein früheres Kindermädchen hat Paul McCartneys Ex-Frau wegen Diskriminierung verklagt, weil Mills sie wegen ihrer Schwangerschaft aus ihrem Job gedrängt haben soll. Außerdem sei sie von dem ehemaligen Model schikaniert und ausgebeutet worden. Die ehemalige Nanny verlangt von Mills jetzt eine Entschädigung. Das frühere Model war bei der Anhörung anwesend - und wehrte sich unter Tränen gegen die Vorwürfe. Die junge Frau sei für sie wie eine Tochter und eine gute Freundin gewesen. Auch ihre anderen Angestellten, wie etwa ihren Personal Trainer, habe sie immer freundlich behandelt. "Ich war nicht fordernd genug, und das war immer mein Problem", sagte Mills. "Solange alle ihre Arbeit gut gemacht haben, haben sie nie etwas von mir gehört." Die 42-Jährige bekundete, sie sei überzeugt, das Ex-Kindermädchen wolle mit der Klage nur Geld machen. Die 26-Jährige Sara Tumble hatte zuvor vor dem Arbeitsgericht in Ashford in der britischen Grafschaft Kent ausgesagt, die Ex-Frau von Paul McCartney habe sie noch während ihres Mutterschaftsurlaubs zur Arbeit bestellt und vor versammelter Mannschaft erklärt, dass künftig ein anderes Kindermädchen nach Beatrice, der gemeinsamen Tochter von Mills und McCartney, sehen werde. Tumble solle von nun an als Putzfrau arbeiten. Nach Angaben der BBC warf Trumble ihrer ehemaligen Arbeitgeberin ferner einen gefühllosen Umgang mit ihrer Schwangerschaft vor, die überdies problematisch verlaufen sei. Unter anderem habe Mills sie dazu gezwungen, sie auf Auslandsreisen zu begleiten. Das Ex-Kindermädchen warf Mills vor, sie sei "mehr als fähig, zu lügen". Dabei habe sie Mills in der Zeit der Trennung von dem Ex-Beatle eine Schulter zum Ausweinen geboten. "Heather war gegenüber Paul eiskalt", sagte sie. Sie dagegen sei ihr in dieser Zeit loyal beigestanden. Unbezahlte Überstunden Tumble, die mit der Familie des Ex-Beatles unter einem Dach lebte, kümmerte sich nach BBC-Angaben ab 2004 fünf Tage die Woche um die damals sechs Monate alte Tochter des Paares - bis dieses sich 2006 trennte. Sie verdiente umgerechnet knapp 290 Euro wöchentlich. Dem Bericht nach sagte Tumble weiter aus, dass sie oft Überstunden schieben musste, während sich das Paar auf Abendveranstaltungen vergnügte. Die Extra-Stunden seien von dem millionenschweren Paar nicht entlohnt worden. Der Beginn des Verfahrens hatte sich nach BBC-Angaben zuvor verzögert, weil es Unstimmigkeiten über die Zulässigkeit von Beweismitteln gab. Das Arbeitsgericht entschloss sich schließlich, das Scheidungsverfahren zwischen Mills und McCartney nicht zu berücksichtigen - damals hatte Mills unter Eid vor Gericht gelogen. Bei der Scheidung von McCartney 2006 wurden Mills umgerechnet knapp 27 Millionen Euro zugesprochen, von denen sie auch das Kindermädchen für die gemeinsame Tochter bezahlen sollte. | Ein früheres Kindermädchen wirft Paul McCartneys Ex-Frau Heather Mills Diskriminierung während der Schwangerschaft vor. Doch die sagt: "Ich war nicht fordernd genug." | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/heather-mills-verklagt-von-nun-an-putzfrau-1.2393 | "Heather Mills verklagt - ""Von nun an Putzfrau""" | 00/03/2010 |
Vielleicht ist das Böse einfach so gekommen: Den Geheimcode der Täter konnte der Eislingen-Prozess lüften - nicht aber die Frage nach dem Warum. Heute wird das Urteil gesprochen. Ein ganzes Jahr lang, sagt Andreas H., habe er nun Zeit gehabt zu überlegen, was er sagen solle in seinem letzten Wort. Der psychiatrische Gutachter beugt sich nach vorne, der Richter greift nach seinem Kuli, um mitzuschreiben. Andreas H. nimmt seine Faust vor den Mund und saugt die Luft ein, so als brauche er viel davon, vor dem, was jetzt kommt. Viel kommt da aber nicht, und für einen Moment wirkt es so, als sei Andreas H. selbst enttäuscht, wie wenig ihm da eingefallen ist in diesem Jahr. "Es tut mir leid, so viele Leben geändert oder in sie Eingriff genommen zu haben", sagt Andreas H. Andreas H., 19, hat Leben nicht nur verändert, er hat Leben beendet, das seiner ganzen Familie, die er nicht beim Namen nennt in seinen letzten Worten. Else, 55, Hansjürgen, 57, Ann-Christin, 24, und Annemarie, 22. Kein Bock, die Eltern auch noch zu töten In der Nacht zum Karfreitag 2009 sind Andreas H. und sein Freund Frederik B. die Treppe zum Zimmer der Schwestern hochgestiegen, sie haben die abgesägten Colaflaschen über die Mündung der Pistolen gestülpt, damit es nicht so laut ist, und 19 Mal geschossen. "Was soll denn der Scheiß", hat die eine Schwester noch gesagt, und diese Frage stellt sich letztlich bis heute. Als die Schwestern tot vor dem Fernseher lagen, hat Frederik gesagt, er habe "kein Bock mehr", nun auch die Eltern zu töten. So sagte er später aus. "Aber Andreas hat mich in den Arm genommen, und gesagt: Halte durch, es ist gleich vorbei." Also sind sie zu den Eltern von H. gegangen, die in einer Kneipe saßen, sie haben mit ihnen gelacht und getrunken. Dann haben sie auch die Eltern erschossen, als die wieder nach Hause kamen. Und haben sich schlafen gelegt. Das Landgericht Ulm hat sich ein halbes Jahr und 19 Prozesstage Zeit genommen, um eine Antwort zu finden auf die Frage, wie es das geben kann: ein Familiendrama, das so aussieht, als habe der Sohn einfach keine Lust mehr auf seine Familie gehabt. "Sie ist ihm lästig geworden, deshalb musste sie sterben", sagt die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Andreas sei es leid gewesen, immer nach der Pfeife des Vaters tanzen zu müssen. Einfach auszuziehen habe er sich nicht getraut. Die Familie töten schon. Mit dem Erbe hätten er und Frederik sich ein schönes Leben machen wollen. Der beste Schauspieler der Schul-Theatergruppe Frederik war es wohl, der die Schüsse abgab. Ein Freundschaftsdienst. "Frederik hat die Aussicht, einen Mord zu begehen, weniger erschreckt, als seinen Freund zu verlieren", sagt sein Anwalt Klaus Schulz. Am Morgen danach sind Andreas und Frederik aufgestanden und wieder zum Haus der Familie gelaufen, sie sind über die Leichen gegangen und haben die Polizei gerufen. Dann haben sie sich vor das Haus auf den Gehsteig gesetzt und geweint. Sanitäter kümmerten sich um sie. Das Gesicht von Andreas H. war ganz nass vor lauter Tränen, und immer wieder hat er geschrien, dass er die umbringen werde, die das getan haben. Vor Gericht sagt ein Lehrer von ihm aus, Andreas H. sei der beste Schauspieler, den es jemals gegeben habe in der Theatergruppe der Schule in Eislingen. "Irgendwie bin ich heute noch stolz auf ihn", sagt der Lehrer im Gericht. Eislingen ist ein Ort mit 20.000 Einwohnern in der Nähe von Göppingen, was wiederum in der Nähe von Stuttgart liegt. Ein Ort, in dem die Menschen so fleißig sind wie gläubig. Mehr als 30 Leute aus Eislingen hat das Gericht als Zeugen geladen, um sich ein Bild der Familie H. zu machen. Fast alle sagen dasselbe Wort: Vorzeigefamilie. Eine Familie, die ihr Glück auch gerne vorgezeigt hat. Die, sobald es ein bisschen warm wurde, im Garten saß zum Essen. Das große Glück auf der kleinen Bühne vor dem Haus. Der Vater war Heilpraktiker, die Mutter Lehrerin. Die Familie war in fast allen Vereinen aktiv, die der Ort hergab: in der Kirche, der DLRG, dem Schützenverein. An Weihnachten verschickten die Eltern eine Karte: "Wir sind mit unseren Kindern sehr gesegnet." Vater mit zwei Gesichtern Andreas H. hatte an der Realschule als Klassenbester abgeschnitten und war dann auf ein Wirtschaftsgymnasium gewechselt. Er hatte Erfolg bei den Mädchen. Er konnte gut reden und hatte eigentlich alles, was in diesem Alter so wichtig ist. Für alle Zeugen war er der "Sonnyboy". Zum 18. Geburtstag fuhr der Vater mit ihm eine schöne Uhr kaufen, und auf dem Rückweg schaute man noch im Bordell vorbei. Mit den Frauen sei es ja so, soll der Vater gesagt haben: Die Ehefrau sei doch eher ein Kamerad, für das andere bezahle man besser. Andreas wollte nicht bezahlen. Sie fuhren schweigend nach Hause. Der Vorzeigevater und der Sohn, den man gerne vorzeigte, dem man eine schöne Uhr schenkte: Das war die eine Seite. Die andere, das war der gläubige Vater, der in den Puff geht und die Mutter offenbar verachtet. Der Besuch im Puff habe Andreas gezeigt, dass die Familienidylle eine einzige Lüge sei, sagt Verteidiger Hans Steffan. Der Vater sei ein Choleriker gewesen, ein herrschsüchtiger Tyrann, von dem Andreas sich habe befreien müssen. Am Anfang des Verfahrens sah es so aus, als würde Hansjürgen H. der Prozess gemacht, obwohl er doch tot ist. Er war ein asketischer Mann mit einem kühlen Lächeln, dessen Leben ziemlich viele Wendungen genommen hat. Früher hatte er einen Sexladen in Geislingen, wurde dort Porno-Hansi genannt, später zog er nach Eislingen, machte bei der CDU mit und wurde Heilpraktiker. Die Religion hat er nie gewechselt, aber im Leben ist er konvertiert, aus Porno-Hansi wurde der geachtete Bürger Hansjürgen H. "Sein Wort war Gesetz", sagt eine Zeugin über ihn. Er war die Legislative der Familie, die die Regeln festlegte, und gleichzeitig die Exekutive, die sie kontrollierte. Einmal zog er die Tochter an den Haaren über den Tisch, zum einen Teil der Verwandtschaft verhängte er nach einem Streit eine Kontaktsperre. Lesen Sie auf der nächsten Seite, was es mit dem Geheimcode 5142 auf sich hat. | Vielleicht ist das Böse einfach so gekommen: Den Geheimcode der Täter konnte der Eislingen-Prozess lüften - nicht aber die Frage nach dem Warum. Heute wird das Urteil gesprochen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/vierfachmord-von-eislingen-geheimcode-5142-1.4550 | Vierfachmord von Eislingen - Geheimcode 5142 | 00/03/2010 |
Grauenhafter Fund in China: In einem Fluss in der Nähe eines Krankenhauses sind 21 Babyleichen entdeckt worden. Es könnte sich um abgetriebene Säuglinge handeln. In einem Fluss im Osten Chinas sind 21 Babyleichen entdeckt worden. Die Säuglinge wurden offenbar von Mitarbeitern eines nahegelegenen Krankenhauses im Fluss versenkt, teilten die Behörden mit. Mehrere Ärzte des Krankenhauses in Jijing seien suspendiert worden. Anwohner hatten die Leichen, die in Plastiksäcken steckten, am Wochenende in der Nähe des Flussufers gefunden. Acht von ihnen hatten an den Füßen noch Erkennungszettel des Universitätskrankenhauses von Jining. Die anderen 13 Säuglinge konnten zunächst nicht identifiziert werden, berichtete die Zeitung Renmin Ribao. Recherchen der Zeitung zufolge waren mindestens drei der acht identifizierten Kinder in lebensbedrohlichem Zustand in die Klinik der Medizinischen Hochschule eingeliefert worden. Unter den toten Babys waren Neugeborene, das älteste war einige Monate alt. Weiteren Medienberichten zufolge könnte es sich teilweise auch um abgetriebene Babys handeln. Abtreibung gibt es vor allem wegen der Ein-Kind-Politik in China sehr oft. Offiziellen Statistiken zufolge werden pro Jahr etwa 13 Millionen Abtreibungen vorgenommen. Von dem Krankenhaus war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. | Grauenhafter Fund in China: In einem Fluss in der Nähe eines Krankenhauses sind 21 Babyleichen entdeckt worden. Es könnte sich um abgetriebene Säuglinge handeln. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/china-21-babyleichen-in-fluss-entdeckt-1.14490 | 21 Babyleichen in Fluss entdeckt | 00/03/2010 |
In einem chinesischen Bergwerk sitzen 153 Arbeiter fest - riesige Mengen von Grundwasser haben den Schacht überflutet. Nach einem Grundwassereinbruch in einem chinesischen Bergwerk sind 153 Arbeiter unter Tage eingeschlossen. Der Schacht in der Stadt Linfen in der nordchinesischen Provinz Shanxi war am Sonntag überschwemmt worden. Am Montag versuchten Rettungsmannschaften weiter, zu den Verschütteten zu gelangen. Ersten Untersuchungen der Behörden zufolge hatte sich in einem leerstehenden Bergwerk in der Nähe Wasser angesammelt, das in das neue Kohlebergwerk lief. Nach Angaben von Behördenvertretern arbeiteten 261 Menschen in dem überfluteten Schacht, 108 von ihnen hätten sich retten können. Bei den meisten Eingeschlossenen handele es sich um Wanderarbeiter aus anderen Provinzen, sagte ein Helfer. In die staatliche Zeche wurden zwischen 130.000 und 140.000 Kubikmeter Wasser gespült, berichtete das staatliche Fernsehen. Das entspricht 52 großen Schwimmhallenbecken. Wie Sicherheitskräfte mitteilten, sei das Einströmen des Wassers in den Schacht mittlerweile gestoppt worden. Sechs Pumpen wurden installiert, die pro Stunde rund 300 Kubikmeter Wasser aus dem Schacht befördern. Zwei weitere Pumpen sollten im Laufe des Tages errichtet werden. Außerdem seien Spezialgeräte aus Peking und anderen Regionen unterwegs, hieß es. Im Vordergund stehe nun der Versuch, Frischluft in den Schacht zu pumpen. Die Kohlebergwerke in China gelten als die gefährlichsten der Welt. Vor allem kleinere Zechen halten sich aus Kostengründen häufig nicht an die Sicherheitsvorschriften. Im vergangenen Jahr starben in chinesischen Kohlebergwerken mehr als 2600 Menschen. Das Land deckt mehr als zwei Drittel seines Energiebedarfs durch Kohle. | In einem chinesischen Bergwerk sitzen 153 Arbeiter fest - riesige Mengen von Grundwasser haben den Schacht überflutet. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/grubenunglueck-in-china-eingeschlossen-unter-tage-1.9971 | Grubenunglück in China - Eingeschlossen unter Tage | 00/03/2010 |
Szenen wie im James-Bond-Film: Mit Vorschlaghammern und Maschinenpistolen bewaffnet stürmte eine Bande das Grand Casino Basel - bei laufendem Betrieb. Also, die Berliner Täter, die kürzlich im Grand Hyatt Hotel mit Pistolen und Macheten ein Pokerturnier überfallen und eine knappe Viertelmillion Euro erbeutet haben, können es nicht gewesen sein: Die sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft. Aber offenbar haben sie Nachahmer gefunden, denn der Überfall auf das Grand Casino Basel in der Nacht zum Sonntag sah ziemlich ähnlich aus: Das Ganze war Actionkino pur. Zehn vermummte, schwarz gekleidete und mit Maschinenpistolen sowie Vorschlaghämmern bewaffnete Männer rasten nach Angaben der Baseler Staatsanwaltschaft in zwei grauen Audis vor die Tore des Spielcasinos an der Flughafenstraße in Basel, sprangen heraus, zertrümmerten die Eingangstüren und stürmten um vier Uhr nachts in das Gebäude. Das Casino hat von zehn Uhr morgens bis fünf Uhr in der Früh geöffnet; als im Schutz der Nacht die Räuber hereinstürmten, saßen etwa 600 erschrockene Menschen an den Spieltischen. Die schwer bewaffneten Männer stießen Angestellte und Gäste zur Seite, dann teilte man sich: Eine Hälfte rannte in den Keller, räumte dort eine Kasse aus und versuchte, die Türen zum Tresor zu öffnen - offenbar vergeblich, worauf ein paar Schüsse fielen. Eine zweite Gruppe stürmte ins Obergeschoss und leerte dort eine weitere Kasse aus. Während des Überfalls schossen die Männer einige Male in die Luft, um Personal und Gäste einzuschüchtern - was allerdings nur begrenzt nötig war, denn viele hatten sich in Panik zu Boden geworfen. Anschließend rannten die Räuber mit mehreren hunderttausend Franken Beute hinaus, sprangen in ihre Wagen und wollten gen Frankreich davonfahren. Eine unbeteiligte Frau, die mit ihrem Wagen die Fluchtautos behinderte, wurde von den Tätern aus ihrem Auto gezerrt und geschlagen; dann raste die Gruppe davon. Das Grand Casino, das sich gern als "The Swiss Las Vegas" preist, liegt im Dreiländereck von Deutschland, Frankreich und der Schweiz; das Unternehmen wirbt auf seiner Webseite damit, dass man in drei Minuten am Flughafen und in fünf Minuten in der Innenstadt von Basel sei. Zur Grenze nach Frankreich, die wegen des Schengenabkommens nicht bewacht wird, ist es ebenfalls nicht weit. Die schweizerische Polizei leitete zusammen mit den französischen Behörden Ermittlungen ein. "Wir sind alle sehr geschockt'', sagte Casino-Geschäftsführer Michael Favrod im Schweizer Fernsehen. Bis zum Abend gab es keine heiße Spur der Täter - anders als nach dem Überfall auf das Berliner Pokerturnier, das von der Spielbank Berlin ausgerichtet worden war. Schon kurz nach der Tat kursierten erste Videoaufnahmen und Hinweise auf mögliche Täter. Das Casino in Basel ist ein futuristischer, nachts rot beleuchteter Bau. Nach dem Überfall, bei dem ein Sicherheitsmann und einige Gäste leicht verletzt wurden, klingt die Eigenwerbung makaber: "Langeweile wird sicherlich nicht aufkommen." | Szenen wie im James-Bond-Film: Mit Vorschlaghammern und Maschinenpistolen bewaffnet stürmte eine Bande das Grand Casino Basel - bei laufendem Betrieb. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/casino-in-basel-ausgeraubt-der-coup-1.4622 | Casino in Basel ausgeraubt - Der Coup | 00/03/2010 |
Innerhalb von 36 Stunden sind zwei Jugendliche in der Londoner U-Bahn getötet worden. Bei der Bevölkerung werden alte Ängste wach. Erst wurde ein Schuljunge vor den Augen zahlreicher Pendler in London erstochen - nur 36 Stunden später fiel ein zweiter Jugendlicher vermutlich einem Bandenkrieg zum Opfer: Der 17 Jahre alte Teenager wurde am Samstag im Nordosten Londons erstochen. Bei der Messerstecherei im Stadtteil Hackney erlitten zudem zwei weitere junge Menschen schwere Verletzungen. Mit den beiden Taten innerhalb so kurzer Zeit kamen wieder Ängste vor brutalen Jugendgangs in der britischen Hauptstadt hoch. Seit Jahresbeginn sind fünf Teenager in London ermordet worden. In vielen Stadtteilen kämpfen seit langem rivalisierende Banden gegeneinander, allerdings war die Zahl der Morde im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Es gab keine Hinweise, dass die beiden aktuellen Taten zusammenhängen. Die Polizei teilte mit, dass der 17-Jährige noch am Tatort starb. Vier mutmaßliche Angreifer liefen davon. Nachbarn erzählten, in der Wohngegend hätte es "Revierkämpfe" zwischen verschiedenen Gangs gegeben. "Es war klar, dass sowas passieren musste. Es war schon immer eine harte Gegend", sagte ein Anwohner, der anonym bleiben wollte. Auch der 15 Jahre alte Teenager, der am Donnerstagabend mitten in der Rush-Hour an der U-Bahnstation Victoria niedergestochen wurde, musste sein Leben offenbar lassen, weil sich zwei Schulgangs bekriegten. Die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass der Kampf in dem Bahnhof - einem der wichtigsten im Zentrum von London - im Voraus geplant war. Die oder der Täter hatten neben dem Ticketschalter in der U-Bahnstation mehrmals auf den Oberkörper ihres Opfers eingestochen. Die Polizei hielt am Samstag noch 19 Jungen im Alter zwischen 14 und 17 in Gewahrsam. Warum der 15-Jährige aus West-London als Opfer ausgesucht wurde, war am Wochenende immer noch unklar. Die britische Metropole ist immer wieder Schauplatz von Teenager-Morden: Vergangenes Jahr wurden 14 Jugendliche umgebracht - die meisten davon erstochen. Im Jahr davor kamen sogar fast 30 Teenager um. Die Morde hatten damals eine große politische Diskussion entfacht. Dabei ging es vor allem darum, was gegen die vielen Messerstechereien getan werden kann. Premierminister Gordon Brown hat auch jetzt wieder in seinem Wahlprogramm versprochen, mehr gegen "asoziales" Verhalten und Jugendkriminalität zu tun. | Innerhalb von 36 Stunden sind zwei Jugendliche in der Londoner U-Bahn getötet worden. Bei der Bevölkerung werden alte Ängste wach. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/london-erstochen-in-der-u-bahn-1.12210 | London - Erstochen in der U-Bahn | 00/03/2010 |
Der Name Jörg Kachelmann wird mittlerweile nicht mehr mit launigen Wetterberichten in Verbindung gebracht, sondern mit dem Vorwurf der Vergewaltigung. Der TV-Moderator gibt den Behörden die Schuld. Genau eine Woche ist es her, dass Jörg Kachelmann aus Kanada kommend am Frankfurter Flughafen festgenommen wurde. Zunächst blieb der gemeinsame Coup der Mannheimer Staatsanwaltschaft und der Bundespolizeidirektion des Frankfurter Flughafens geheim. Am Montag sickerte die prominente Verhaftung dann aber doch durch, und die Frankfurter Behörde bestätigte Medienberichte, wonach der Schweizer wegen des Verdachts der Vergewaltigung seiner Freundin in Haft genommen worden sei. Nun will der Wetter-Moderator der ARD gegen die Bundespolizei klagen: "Wir werden gegen die Bundespolizei vorgehen, weil sie rechtswidrig den Namen von Kachelmann preisgegeben hat", sagte dessen Strafverteidiger Reinhard Birkenstock dem Nachrichtenmagazin Spiegel. Kein Grund zur Geheimhaltung Man habe aus den Medien erfahren, dass Kachelmann plane, juristisch gegen die Behörde vorzugehen, sagte die Sprecherin der Bundespolizeidirektion Flughafen Frankfurt/Main, Nicole Ramrath, auf Anfrage von sueddeutsche.de. Offiziell wisse man jedoch noch nichts von einer entsprechenden Klage. Nachdem der Name des Fernsehmoderators bereits in den Medien genannt worden sei, habe man am Montag bestätigt, dass es sich bei dem Festgenommenen tatsächlich um Jörg Kachelmann handle. In der Causa sei verfahren worden wie bei anderen Fällen dieser Art. Es habe keinen speziellen Grund gegeben, den Vollnamen geheimzuhalten. "Uns hat zu diesem Zeitpunkt niemand gesagt, warum wir den Namen nicht preisgeben sollten", sagte Ramrath. Nach einem Bericht des Spiegel war die Festnahme des TV-Moderators am Frankfurter Flughafen von langer Hand geplant. Drei Wochen habe eine "Soko Flughafen" die geheime Kommandoaktion vorbereitet. Die Beamten hätten gewusst, dass der unter Vergewaltigungsverdacht stehende Kachelmann am Samstag - einen Tag früher als geplant - aus Vancouver zurückkommen würde. So sei der Parkhausabschnitt rund um seinen Wagen bereits 24 Stunden vorher abgeriegelt worden. Kriminalbeamte seines Wohnorts Schwetzingen hätten an Kachelmanns Auto gewartet, während Frankfurter Polizisten den TV-Star observierten. An seinem Fahrzeug wurde der TV-Wetterexperte dann gegen 11.40 Uhr verhaftet. Das Polizeipräsidium Frankfurt wollte den Bericht jedoch nicht kommentieren und verwies auf die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Mannheim. Die hessische Landespolizei habe sich wegen der Aktion in einem internen Bericht ausgiebig selbst gelobt, berichtete der Spiegel weiter . Man habe "eindrucksvoll unter Beweis gestellt", dass es gelingen könne "an einem so offiziellen Platz wie dem Frankfurter Flughafen" eine "Person der Öffentlichkeit festzunehmen, ohne dass die Öffentlichkeit davon etwas mitbekommt". Inwiefern sich die Behörden nach der prominenten Festnahme möglicherweise weniger professionell und vorschriftsmäßig verhalten haben, wird sich erst noch zeigen müssen. Wetter-ModeratorJörg Kachelmann sitzt nach seinem Haftprüfungstermin am Mittwoch weiter in Mannheim in Untersuchungshaft. Er bestreitet den Vergewaltigungsvorwurf. | Der Name Jörg Kachelmann wird mittlerweile nicht mehr mit launigen Wetterberichten in Verbindung gebracht, sondern mit dem Vorwurf der Vergewaltigung. Der TV-Moderator gibt den Behörden die Schuld. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/klage-gegen-die-bundespolizei-kachelmann-wehrt-sich-1.5550 | Klage gegen die Bundespolizei - Kachelmann wehrt sich | 00/03/2010 |
Mitten im Berufsverkehr ist ein Jugendlicher im Zentrum Londons erstochen worden. Eine Bande Schulkinder jagte den 15-Jährigen zuvor durch die Victoria Station. Bluttat unter Jugendlichen in London: Schulkinder haben einen 15-Jährigen am Donnerstagabend erst durch den Bahnhof Victoria gejagt, bevor er an einem Ticketschalter in der U-Bahnstation niedergestochen wurde. Der Bahnhof ist einer der geschäftigsten der Metropole und Knotenpunkt für unzählige Pendler und Touristen. Zwanzig Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren wurden festgenommen, teilte die Polizei am Freitag mit. Der Teenager starb im Krankenhaus, vermutlich wurde er das Opfer eines Bandenkrieges zwischen zwei Schulen. Die Station verbindet den Bahnhof Victoria, wo auch der Zug vom Flughafen Gatwick ankommt, mit mehreren U-Bahn-Linien. Sie wurde am Abend vorübergehend geschlossen. Die Polizei kündigte an, nach der "rücksichtslosen Gewalttat" dort mehr auf Streife zu gehen. Der Junge sei von mehreren Jugendlichen in Schuluniform verfolgt worden, berichtete ein Augenzeuge, der in der Schalterhalle arbeitete. Ein anderer erzählte: "Ich habe zu viel gesehen, er lag auf dem Boden und blutete." Die Polizei beschlagnahmte mehrere Messer. Ein Ladenbesitzer in der Station berichtete von einem ähnlichen Vorfall vor einiger Zeit. Dabei habe eine Jugendgang einen Jungen in ein Geschäft gejagt und den Laden anschließend verwüstet. Ein Pendler erzählte zudem, dass es am Vorabend in dem Bahnhof zu einer Rauferei mit bis zu 15 Jugendlichen gekommen war. In London gibt es in mehreren Stadtteilen Probleme mit Jugendgangs. Vergangenes Jahr wurden 13 Jugendliche ermordet, das Jahr zuvor sogar 29. | Mitten im Berufsverkehr ist ein Jugendlicher im Zentrum Londons erstochen worden. Eine Bande Schulkinder jagte den 15-Jährigen zuvor durch die Victoria Station. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/u-bahn-in-london-jugendlicher-erstochen-1.24123 | U-Bahn in London - Jugendlicher erstochen | 00/03/2010 |
Aufgerissenes Blech, Scherben und Blut - aber keine Bremsspur: Mit voller Wucht prallt nahe Flensburg ein Kleinbus in einen Linienbus. Ein Unfall? Ein schrecklicher Unfall - oder das Ergebnis einer Familientragödie? Ein 43 Jahre alter Mann hat seinen Kleinbus, in dem auch sein vierjähriger Sohn saß, offenbar bei voller Fahrt in einen Linienbus gelenkt. Der 71-jährige Busfahrer starb bei dem Zusammenprall zwischen Glücksburg und Flensburg. Mindestens 22 Menschen wurden verletzt. Schon kurz nach dem Unfall kam ein schrecklicher Verdacht auf: Wurde der Kleinbus mit Absicht auf Kollisionskurs gelenkt? Auch Stunden nach dem schrecklichen Busunfall ist die Straße zwischen Glücksburg und Flensburg übersät mit Wrackteilen. Am Straßenrand, wo die Leichtverletzten betreut wurden, zeugen noch blutverschmierte Mulltücher von dem schrecklichen Unfall. Möglicherweise ist ein Familienstreit Auslöser des tragischen Unglücks. Am Morgen kommt es ersten Polizeiermittlungen zufolge in Flensburg zum Streit zwischen dem Mann und seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Er verletzt die 32-Jährige, sie muss von einem Arzt behandelt werden. Plötzlich schnappt er sich den vierjährigen Jungen und fährt davon. Auf gerader Strecke kommt dem Mann der Linienbus entgegen. Das Auto gerät auf die Gegenfahrbahn, ein Frontalzusammenstoß. Es gibt keine Bremsspur. "Der Zusammenprall erfolgte ohne jeden Grund oder Abbruch", sagt der Staatsanwalt Rüdiger Meienburg. Die Polizei ermittelt deswegen gegen den Unglücksfahrer wegen des Verdachts auf Totschlag und wegen Kindesentziehung. Der Mann schwebt zunächst in Lebensgefahr, auch der Sohn kommt mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Neben dem völlig zerstörten Auto stehen ein kaputter Kindersitz und eine kleine Sporttasche mit Kinderkleidung. Überall liegen Glassplitter und Plastikteile der Fahrzeuge. Der rote Kleinbus - auf der Heckscheibe steht "Pampers Bomber" - sieht von vorn nicht mehr nach einem Auto aus. Das Dach haben Feuerwehrleute abgeschnitten und hochgebogen, um die Verletzten zu bergen. Die Türen sind am Unfallort zerstreut. Auch der gelbe Linienbus, der auf dem Weg nach Flensburg war, ist vorn völlig zerstört und liegt halb in einem Graben, der Tacho hängt heraus. Die Polizei hat den Unglücksort weiträumig abgesperrt, davor steht eine Frau mit Tränen in den Augen. "Grauenvoll", sagt der Gemeindewehrführer der Feuerwehr Glücksburg, Frank Makolla. Er war nach den Sanitätern als einer der Ersten an der Unfallstelle. Viele Feuerwehrleute sind sichtlich schockiert. Auch die Marinesoldaten, die ganz in der Nähe des Unfallortes stationiert sind und schnell die Rettung unterstützen, müssen betreut werden. Leichtverletzte werden von Notfallseelsorgern betreut Insgesamt 20 Fahrgäste des Linienbusses werden verletzt, mehrere davon schwer, einer lebensgefährlich. Die Feuerwehr musste den 43-Jährigen, dessen Sohn und einen Fahrgast des Linienbusses mit Rettungsscheren aus den Wracks schneiden. Die Leichtverletzten wurden von Notfall-Seelsorgern betreut und später mit einem Sonderbus vom Unfallort weggebracht. Insgesamt waren drei Feuerwehren und acht Rettungswagen am Unfallort, drei Verletzte wurden mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Die Uferstraße blieb bis zum Nachmittag gesperrt. Der Unfall erinnert an einen 42-Jährigen, der vor rund einem Monat in Kiel wegen Herbeiführens eines Unglücksfalls zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. Der überschuldete Mann war mit Frau und Kind im Wagen absichtlich in den Gegenverkehr gefahren, um sich zu töten. | Aufgerissenes Blech, Scherben und Blut - aber keine Bremsspur: Mit voller Wucht prallt nahe Flensburg ein Kleinbus in einen Linienbus. Ein Unfall? | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/busunglueck-ein-toter-vater-lenkt-auto-mit-kind-in-linienbus-1.13689 | Busunglück: Ein Toter - Vater lenkt Auto mit Kind in Linienbus | 00/03/2010 |
Ein 29-Jähriger aus Rheine soll im Sommer 2009 einen zehnjährigen Jungen aus einer Jugendherberge entführt haben. Der Verdächtige schweigt - die Polizei aber ist sich sicher, den Richtigen erwischt zu haben. Die Entführung eines Kindes im Juni 2009 aus einer Jugendherberge im münsterländischen Rheine ist aufgeklärt. Die Polizei habe anhand von DNA-Spuren an der Kleidung des zehnjährigen Opfers einen Verdächtigen ermittelt, sagte der Steinfurter Landrat Thomas Kubendorff am Freitag bei einer Pressekonferenz. Unter Tatverdacht stehe ein 29-Jähriger, der wegen Eigentums- und Drogendelikten bereits seit Oktober vergangenen Jahres in Untersuchungshaft sitze. Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei dem Verdächtigen auch um den Mann handelt, der seit 2001 immer wieder Kinder in ihren Schlafzimmern in Rheine belästigte. Zu den Vorwürfen schweige er. Im vergangenen Sommer soll der Mann den schlafenden Jungen nachts aus einem Mehrbettzimmer der Herberge getragen und in einen nahen Stadtpark gebracht haben. Dort zwang ihn "der große Mann mit den weißen Turnschuhen" - wie der Junge später seinen Peiniger beschrieb - seine Hose ausziehen. Schließlich habe er den Jungen aber laufen lassen. Ein anfangs vermuteter Zusammenhang zum ungeklärten Mord am neunjährigen Dennis aus Niedersachsen 2001 sei ausgeschlossen, betonte Kubendorff. Die SOKO Dennis ermittele in fünf Mordfällen bei denen ein Serientäter seit den 90er Jahren Jungen aus Zeltlagern oder Herbergen entführt und ermordet hatte. Der Beschuldigte im münsterländischen Fall habe für einige dieser Fälle ein Alibi und sei zudem zu jung gewesen. Der 29-Jährige aus Rheine war schon früh ins Visier der Ermittler geraten. Kurz nach der Entführung des aus dem Harz in Niedersachsen stammenden Jungen war er mehrfach vernommen worden. Die Polizei ließ ihn aber laufen, weil ihn die zunächst ausgewerteten DNA-Spuren noch nicht eindeutig belasteten. Erst ein weitergehendes Gutachten von Ende Januar überführte den Mann. Ob der Beschuldigte pädophile Neigungen habe, sei unklar. Sexueller Missbrauch konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Er soll aber schon früher Kinder belästigt haben: 2001 soll er zwei Zehnjährigen in ihren Häusern aufgelauert haben, auch 2009 soll er einen weiteren schlafenden Jungen in seinem Zimmer überfallen haben. Zudem habe er sich ein Jahr vor der Entführung in Rheine als Hausmeister in der dortigen Herberge ausgegeben. Skeptische Besucher hatten ihn damals vertrieben. "Wir sind überzeugt, dass er die Tat begangen hat", sagte Polizei- Ermittler Jürgen Poscher. Aus polizeilicher Sicht sei es ein geklärter Fall. Die Polizei hatte 3300 Menschen überprüft. Eine eigens eingerichtete Kommission mit zeitweise 27 Beamten löste sich ohne Fahndungserfolg ein halbes Jahr nach der Tat auf. Auch Hinweise nach der Fernsehsendung Aktenzeichen XY hatten keine heiße Spur ergeben. Der betroffene Junge aus der Herberge hat sich nach Angaben der Polizei mittlerweile wieder gefangen. Er sei aber gerade mit der Familie im Urlaub und konnte daher noch nicht über die Ermittlungsergebnisse informiert werden. | Ein 29-Jähriger aus Rheine soll im Sommer 2009 einen zehnjährigen Jungen aus einer Jugendherberge entführt haben. Der Verdächtige schweigt - die Polizei aber ist sich sicher, den Richtigen erwischt zu haben. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/kindesentfuehrung-aus-herberge-polizei-ermittelt-verdaechtigen-1.8166 | Kindesentführung aus Herberge - Polizei ermittelt Verdächtigen | 00/03/2010 |
Fünf Monate nach dem rätselhaften Verschwinden eines Rentners hat die Polizei einen grausigen Fund gemacht: Die Ermittler entdeckten Menschenknochen. Eine krimireife Geschichte hat sich in Südbaden zugetragen: Monatelang suchte die Polizei nach einem verschwundenen Rentner aus Kappel-Grafenhausen. Nun ist klar, dass die Ehefrau dahinter steckt und zumindest seine Leiche verschwinden ließ. Die 54-Jährige habe zwar bestritten, dass der 70-Jährige gewaltsam zu Tode gekommen sei. Allerdings habe sie zugegeben, dass sie ihn verbrannt hat, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Sie habe ihn mit Beton übergossen, den Beton-Sarg dann aber wieder aufgehackt und den Toten verbrannt. Die Geschichte kam heraus, als sie mit einem Doppelgänger ihres Ehemannes bei einem Anwalt und einem Notar aufkreuzte. Am Donnerstag hatte die Polizei Menschenknochen mit Brandspuren vor dem Haus der Frau entdeckt. Allerdings ist noch unklar, ob die Skelettteile tatsächlich von dem Rentner stammen. "Wir wissen, dass der Mann tot ist, aber wir wissen nicht, wie er starb", sagte ein Polizeisprecher. Nachbarn hatten nach dem Verschwinden des Mannes schwarzen Rauch aus dem Kamin aufsteigen sehen und über einen "üblen Geruch" geklagt. Die Ermittler untersuchen nun Teile eines Kachelofens aus dem Haus des Paares. Die Ehefrau gab an, sie habe Asche und Knochenreste ihres Mannes vor dem Haus in den Fluss Elz gestreut. Sie habe damit einem Wunsch des Verstorbenen entsprochen. Ihren Mann hatte sie vor fünf Monaten als vermisst gemeldet. Zu diesem Zeitpunkt war er nach Überzeugung der Ermittler schon mehrere Monate tot. Die 54-Jährige sitzt seit zwei Wochen in Untersuchungshaft. Die Todesumstände des Rentners und ein Motiv für eine Gewalttat sind nach Angaben der Ermittler weiter unklar. Bei ihren Ermittlungen war die Polizei vor einigen Wochen auf eine Maskenbildnerin gestoßen, die den Doppelgänger für seine Auftritte hergerichtet hatte. Der Mann hat bereits gestanden. Gegen ihn wird wegen Urkundenfälschung ermittelt. | Fünf Monate nach dem rätselhaften Verschwinden eines Rentners hat die Polizei einen grausigen Fund gemacht: Die Ermittler entdeckten Menschenknochen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/baden-wuerttemberg-rentner-verschwunden-frau-verbrannte-ihn-1.22107 | Baden-Württemberg - Rentner verschwunden - Frau verbrannte ihn | 00/03/2010 |
Zahllose Robben ballen sich in Neufundland an immer weniger Orten. Zugleich droht ihnen andere Gefahr: Kanada hat die Fangquote für die Tiere stark erhöht. Die Bewohner des kanadischen Fischerdorfes Anchor Point in Neufundland sind derzeit Zeugen eines äußerst seltenen Phänomens: Tausende Robben, viele davon Mütter mit Babys, liegen auf Eisschollen in Sichtweite ihrer Häuser. Der Wind hat das Eis und die Tiere direkt an die Nordwestküste Neufundlands getrieben. Selbst alte Leute können sich nicht erinnern, dass Robben je so nahe in ihre Häfen gelangt sind und dort ihre Nachkommen geboren haben. Noch sind diese Tiere sicher, denn die Robbenjagd vor den Küsten der kanadischen Insel Neufundland wird frühestens Ende März eröffnet. Trotz des Importverbots von Robbenprodukten in der Europäischen Union ist Kanadas Regierung entschlossen, die von Tierschützern als grausam kritisierte Jagd fortzusetzen. Das kanadische Fischereiministerium hat nun sogar die Fangquote für diese Saison um 50.000 Tiere erhöht: Insgesamt dürfen 388.200 Robben getötet werden. Rebecca Aldworth von der Tierschutzorganisation Humane Society International kritisiert vor allem die Jagd auf Sattelrobben als "ökologische Katastrophe". Für diese Säugetiere, die ihre Jungen auf den Schollen gebären, schmelze das Eis förmlich unter ihnen weg. Tatsächlich gibt es in diesem Winter extrem wenig Eis im Osten Kanadas. Viele Neufundländer haben zu ihren Lebzeiten nie einen solchen Eismangel erlebt. Deshalb mussten die Robben ihre Jungen so nahe der Küste gebären, wo sie noch Eis finden. Im St.-Lorenz-Golf, wo normalerweise die Jagd Ende März beginnt, gibt es derzeit weder Eis noch Robben. Nur weit im Norden, an der Küste von Labrador, finden sich große Eismassen. Die Robben, die sich dort sammeln, werden aber für viele Jäger wegen der Distanz unerreichbar bleiben. Bereits letztes Jahr war schlecht für Kanadas Robbenjäger, weil der Preis pro Pelz mit rund neun Euro zu tief war. Nachdem die EU ab diesem Winter ein Importverbot für alle Robbenprodukte wie Felle, aber auch Omega-3-Öl verhängt hat, ist die Nachfrage deutlich eingebrochen. Bislang hat noch keine Firma im Osten Kanadas angekündigt, in dieser Saison Robbenfelle kaufen zu wollen. Aber Kanadas Regierung will sich vom EU-Handelsverbot nicht einschüchtern lassen. In der Hauptstadt Ottawa wurde vor kurzem demonstrativ Robbenfleisch auf das Menü der Parlamentarier gesetzt. Fischereiministerin Gail Shea, der im Januar eine Tierschützerin eine Torte ins Gesicht geschmiert hatte, erklärte, die Robbenjagd sei nachhaltig. Die Population der Sattelrobben sei mit geschätzten 6,9 Millionen Tieren "mehr als dreimal so hoch wie in den siebziger Jahren". Im Territorium Nunavut, der Heimat der kanadischen Inuit, will der Parlamentarier Fred Schell aus Rache den Verkauf von alkoholischen Getränken aus Europa verbieten lassen. Die EU ächtet die Robbenjagd der Inuit aber nicht. | Zahllose Robben ballen sich in Neufundland an immer weniger Orten. Zugleich droht ihnen andere Gefahr: Kanada hat die Fangquote für die Tiere stark erhöht. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/robben-fangquoten-in-kanada-gnadenlose-jagd-1.23852 | Robben-Fangquoten in Kanada - Gnadenlose Jagd | 00/03/2010 |
Kalkuliert und kaltblütig stach er auf zwei Taxifahrten zu: Das Landgericht Oldenburg hat einen 20-Jährigen nun zur Höchststrafe verurteilt. Der 20-Jährige brauchte dringend Geld und war bereit dafür zu töten. Genau vor einem halben Jahr, am 25. September 2009, nahm Micky M. eins seiner Messer, bestieg im niedersächsichen Oldenburg ein Taxi und stach dem Fahrer an einem abgelegenen Ort direkt ins Herz. Einen Tag später überfiel er eine Taxifahrerin, die lebensgefährlich verletzt davon kam. Seine Beute: 230 Euro - für die er nun lange Zeit ins Gefängnis muss. Das Landgericht Oldenburg verurteilte den jungen Mann am Donnerstag wegen Mordes, schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu zehn Jahren Jugendstrafe. "In beiden Fällen handelt es sich um brutal durchgeführte Taten. Es war kein Mitgefühl für die Opfer zu erkennen", sagte der Vorsitzender Richter Dietrich Janßen in seiner mehr als einstündigen Begründung. Es komme nur die Höchststrafe in Betracht. Damit schloss sich die Jugendkammer in weiten Teilen der Staatsanwaltschaft an, die zehn Jahre Haft wegen Mordes und versuchten Mordes gefordert hatte. Der Verteidiger Rüdiger Bibow plädierte dagegen auf eine deutlich mildere Strafe. Er will nun prüfen, ob er Revision einlegt. DNS-Spuren überführten den Täter Den Angriff auf die Taxifahrerin hatte der 20-Jährige gestanden, die tödlichen Messerstiche auf den 58-Jährigen bestritt er bis zuletzt. "Nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung steht fest, dass der Angeklagten die beiden ihm zu Last gelegten Taten begangen hat", betonte Janßen. DNS-Spuren, die die Ermittler auf der Mordwaffe und Kleidung in Nähe des Tatorts gefunden hatten, hätten ihn eindeutig überführt. Der 20-Jährige nahm das Urteil regungslos hin. Während des Verfahrens hatte Micky M. die meiste Zeit eisern auf die Tischplatte gestarrt. "Es tut mir wirklich leid", sagte er nach dem Plädoyer seines Anwalts. Dabei blickte er die Taxifahrerin erstmals direkt an, die im Prozess als Nebenklägerin aufgetreten war. An jedem Verhandlungstag hatte sie dem Mann im Gerichtssaal gegenüber gesessen. "Die körperlichen Verletzungen sind soweit geheilt, die psychischen noch lange nicht", sagte die heute 62-Jährige zu Prozessbeginn aus. 13 Mal hatte der angehende Elektriker mit seinem Messer auf einem verlassenen Parkplatz in Stuhr (Kreis Diepholz) auf die Frau eingestochen. Er traf sie in der Brust, im Rücken, an den Armen, Händen und im Gesicht. Für die Frau kam der Angriff völlig überraschend. Auf der Fahrt hatte sie mit dem Mann nett geplaudert. Es wirkte alles ganz normal. Auch der 58-Jährige schöpfte keinen Verdacht, bis das Messer in seiner Brust steckte. "Er hat überhaupt nicht mit einem Angriff gerechnet", sagte Janßen. Hilfe rufen konnte der Taxifahrer nicht mehr. Er verblutete innerhalb weniger Sekunden. Janßen bezeichnete die Überfälle als hinterhältig. Nach Ansicht von Staatsanwaltschaft und Nebenklage ging Micky M. dabei kalkuliert und kaltblütig vor. "Er hat sich tatsächlich nach dem vollendeten Mord an den Abendbrottisch gesetzt und mit großen Appetit gegessen", schilderte die Anwältin Kirsten Eicher, die die Witwe des Taxifahrers vertritt. | Kalkuliert und kaltblütig stach er auf zwei Taxifahrten zu: Das Landgericht Oldenburg hat einen 20-Jährigen nun zur Höchststrafe verurteilt. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/taximord-prozess-stiche-ins-herz-fuer-230-euro-beute-1.2170 | Taximord-Prozess - Stiche ins Herz für 230 Euro Beute | 00/03/2010 |
Die Maschinenpistolen im Anschlag, die Schlagstöcke griffbereit: Als am Duisburger Landgericht am Donnerstag der Prozess um einen heimtückischen Mord im Rockermilieu begann, demonstrierte die Polizei schon am frühen Morgen Stärke und Entschlossenheit. Einsatzhundertschaften der Polizei patrouillierten auf den Straßen, die angereisten Mitglieder der Bandidos und Hells Angels standen unter Dauerbewachung. Zwischenfälle gab es nicht - nicht einmal Provokationen. Angeklagt ist ein Mitglied des Motorradclubs Hells Angels. Der 31-Jährige soll am 8. Oktober 2009 ein 32 Jahre altes Mitglied der verfeindeten "Bandidos" erschossen haben. Es war 8.51 Uhr, als die graue Mercedes-Limousine mit hohem Tempo vor dem Duisburger Landgericht auftauchte. Am Steuer: ein Elitepolizist, mit Sturmhaube vermummt. Auf den Rücksitz: der Angeklagte. Als er später in den Gerichtssaal geführt wurde, grüßte er in das Publikum, lächelte - und schwieg. Genau wie alle anderen. Zu den Vorwürfen wollte an diesem ersten Verhandlungstag niemand etwas sagen. Der Angeklagte nicht, die Verteidiger nicht, die Delegationen der verfeindeten Motorradclubs nicht. Die Anwälte ließen nicht einmal die Verlesung der Anklageschrift zu. Sie rügten die Zusammensetzung des Gerichts und erzwangen nach zweieinhalb Stunden eine Vertagung. Warum der Angeklagte geschossen hat, ist nicht ganz klar. Er soll mit einem weißen Mercedes direkt vor das Bandidos-Clubhaus Fat Mexican im Duisburger Stadtteil Hochfeld gefahren sein und mehrfach abgedrückt haben. Die Kugeln trafen sein Opfer, flogen außerdem knapp an den Köpfen zweier unbeteiligter Frauen vorbei. Die Anklage lautet deshalb nicht nur auf Mord, sondern auch auf zweifachen versuchten Totschlag. Beide Frauen waren am Donnerstag vor Gericht erschienen. Nach Angaben ihrer Anwälte hat sie die Tat schwer mitgenommen. "Es ist Wahnsinn, dass da nicht noch mehr Leute getroffen wurden", sagte Reinhard Peters, Anwalt der 22-Jährigen am Rande des Prozesses. Am Tatabend hatten sich zahlreiche Menschen vor dem Fat Mexican aufgehalten. Es war ein warmer Herbsttag, die Stimmung war gut. Bis plötzlich die Schüsse fielen - vier oder fünf, vielleicht auch mehr. "Es kann sein, dass nicht alle Hülsen gefunden wurden", sagte Peters auf dem Gerichtsflur. Der Angeklagte habe einfach durch die Menge hindurch geschossen. Um Macht und Vorherrschaft ging es diesmal aber wohl nicht. Angeblich war das Motiv einfach nur Eifersucht. Wie es heißt, hatte die Freundin des Angeklagten den Mann und damit auch die Seiten gewechselt - von den Hells Angels zu den Bandidos. Zu der Beerdigung des Opfers waren noch 300 Bandidos aus mehreren Ländern gekommen. Auch zum Prozessauftakt war ursprünglich mit zahlreichen Rockern gerechnet worden. Doch dann hatte es Gespräche zwischen Polizei und Präsidenten gegeben. Das Ergebnis: Beide Motorradclubs schickten lediglich Delegationen von jeweils zehn Mitgliedern. Wie sie ausgewählt wurden ist nicht ganz klar. Kenner der Szene erklärten am Rande des Verfahrens, dass es sich um "erfahrene" Leute handeln soll. Zumindest. Zu den Hells Angels, die im Gerichtssaal Platz nahm, gehörte auch ein Mann, dem nachgesagt wird, dass er zu den führenden Köpfen in Deutschland und Europa gehört. Der Prozess geht am 31. März weiter. Mit einem Urteil wird frühestens Mitte Mai gerechnet. | Keine Zwischenfälle, keine Provokationen. Der Duisburger Rockerprozess eröffnete ruhig - auch weil schwerbewaffnete Polizisten Bandidos und Hells Angels strikt trennten. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/rockerprozess-in-duisburg-schweigen-zum-auftakt-1.22333 | Rockerprozess in Duisburg - Schweigen zum Auftakt | 00/03/2010 |
Einen Monat nach ihrem Rücktritt als EKD-Vorsitzende stehen für Margot Käßmann die Folgen ihrer Trunkenheitsfahrt fest: Nicht nur der Führerschein ist weg. Die ehemalige Bischöfin von Hannover und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) muss rund 8000 Euro Strafe zahlen und für mindestens zehn Monate auf ihren Führerschein verzichten. Die 51-Jährige habe einem Strafbefehl des Amtsgerichts Hannover in Höhe eines Monatsgehalts und dem Führerscheinentzug zugestimmt, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Hannover bestätigte am Donnerstag entsprechende Medienberichte. Leichtere Vergehen und Ordnungswidrigkeiten können in Deutschland auch ohne Gerichtsverhandlung mit einem sogenannten Strafbefehl geahndet werden, sofern alle Beteiligten dem zustimmen. Es handelt sich dabei um ein rechtskräftiges Urteil. Das Verfahren soll die Justiz entlasten und den Beschuldigten eine eventuell Aufsehen erregende öffentliche Verhandlung ersparen. Das Strafmaß liegt im üblichen Rahmen bei Fällen, in denen Menschen erstmals entsprechend alkoholisiert am Steuer auffallen. Käßmann war am 20. Februar in der Innenstadt von Hannover von Polizisten betrunken am Steuer ihres Autos erwischt worden. Sie hatte mit 1,54 Promille Alkohol im Blut eine rote Ampel überfahren. Wenige Tage später trat sie als EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin von Hannover zurück. Zu den Umständen der privaten Fahrt im Zentrum von Hannover hatte Käßmann sich nicht geäußert. Das Strafmaß liegt im üblichen Rahmen bei Fällen, in denen Menschen erstmals entsprechend alkoholisiert am Steuer auffallen. "Ich bin über mich selbst erschrocken, dass ich einen so schlimmen Fehler gemacht habe", hatte Käßmann erklärt. Sie "bedauere das zutiefst". Unterdessen zeichnet sich für die Theologin ein schnelles Comeback ab. Auf dem Ökumenischen Kirchentag Mitte Mai in München wird Käßmann einen Hauptvortrag halten und unter anderem eine Bibelarbeit gestalten. Käßmann will einen großen Teil der ursprünglich vierzehn im Programm angekündigten Veranstaltungen wahrnehmen. Sie hatte sich zunächst eine Auszeit genommen und ist bislang nicht mehr öffentlich aufgetreten. Auch innerhalb der evangelischen Kirche gibt es den Wunsch, Käßmann in Zukunft wieder ein wichtige Rolle zu geben. | Einen Monat nach ihrem Rücktritt als EKD-Vorsitzende stehen für Margot Käßmann die Folgen ihrer Trunkenheitsfahrt fest: Nicht nur der Führerschein ist weg. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/nach-trunkenheitsfahrt-margot-kaessmann-akzeptiert-strafbefehl-1.11842 | Nach Trunkenheitsfahrt - Margot Käßmann akzeptiert Strafbefehl | 00/03/2010 |
LKA-Ermittler Thomas Jungbluth über die Regeln der Rocker und den Kampf der Polizei vor dem Mordprozess gegen einen Hells Angel in Duisburg. Weil an diesem Donnerstag in Duisburg der Mordprozess gegen ein Mitglied der Hells Angels beginnt, haben Polizei und Justiz massive Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Hintergrund des Prozesses ist eine Bluttat im Rotlichtmilieu der Stadt, bei der im vergangenen Oktober ein Mitglied der Bandidos erschossen wurde. Beide Clubs sind verfeindet, als Motiv gilt der Streit um eine Frau. Die Stadt rechnet wegen des Prozesses mit der Anreise vieler Gang-Mitglieder sowie mit weiterer Gewalt. Thomas Jungbluth, Leiter der Abteilung für organisierte Kriminalität am LKA Nordrhein-Westfalen, über zwei Motorradclubs, deren Brutalität immer wieder Schlagzeilen macht. SZ: Herr Jungbluth, das Thema "Rockerkrieg" ist präsent wie selten. Erst vergangene Woche hat ein Mitglied der Hells Angels im rheinland-pfälzischen Anhausen einen Polizisten durch seine geschlossene Wohnungstür hindurch erschossen. Erleben wir eine Zuspitzung der Gewalt? Thomas Jungbluth: Von einer neuen Qualität der Gewalt könnten wir nur sprechen, wenn wir sicher wüssten, dass dies ein bewusster Angriff auf die Polizei war. Das muss jetzt die Staatsanwaltschaft herausfinden. Sicher ist aber, dass es bei diesen Gruppen eine erhebliche Bereitschaft gibt, scharfe Schusswaffen einzusetzen. SZ: Wie groß ist nach Ihren Erkenntnissen das Potential dieser Gruppen? Jungbluth: In Nordrhein-Westfalen sind es vor allem die zwei bekannten Gruppierungen Hells Angels mit etwa 140 und die Bandidos mit 200 Mitgliedern. Dazu kommen Unterstützer-Gruppen. SZ: Diese Gruppenstärke wirkt überschaubar. Aber sie bewirkt trotzdem, dass in der Öffentlichkeit - etwa nach der Gewaltnacht von Duisburg - der Eindruck entsteht, die Polizei sei hilflos. Jungbluth: Nein, wir haben insbesondere nach den Vorgängen in Duisburg deutlich gemacht, dass wir nie und nirgendwo rechtsfreie Räume dulden und das Gewaltmonopol beim Staat liegt. Dank dieser massiven Präsenz ist es seit Herbst auch hier in NRW merklich ruhiger. SZ: Ruhiger, aber wie jetzt in Duisburg wegen des Prozesses weiter gespannt? Jungbluth: Spontane Auseinandersetzungen sind nie auszuschließen. Aber die Botschaft, dass sie nicht tun und lassen können, was sie wollen, ist angekommen. SZ: Also gibt es eine Art Waffenstillstand der Rocker-Clubs? Jungbluth: Waffenstillstand klingt mir zu martialisch. Aber ich habe den Eindruck, dass es eine Art Übereinkunft gibt, sich jetzt etwas zurückzuziehen. SZ: Um ihr Image als marodierende Schlägertruppe abzuschwächen? Jungbluth: Die Gruppierungen versuchen ja schon, über ihre Öffentlichkeitsarbeit den Eindruck zu erwecken, es handle sich bei ihnen um freiheitsliebende Harley-Davidson-Fahrer, die sich nur etwas außerhalb bürgerlicher Normen bewegen. SZ: Das sieht die Polizei anders. Jungbluth: Wir stellen zumindest fest, dass wir auf diese Gruppen oft in Milieus treffen, die eine Affinität zur Kriminalität haben: im Rotlichtmilieu, in der Türsteher-Szene, im Bereich von Drogenhandel, bei Verstößen gegen das Waffengesetz. SZ: Es geht, so heißt es bei Ermittlern, vorwiegend um Drogengeschäfte, Prostitution und Menschenhandel. Jungbluth: Die Brutalität untereinander lässt sich zumindest nicht damit erklären, dass es einen Streit darum gibt, wer die richtige Kutte trägt. Das hat hier nichts mit Schlägereien unter verfeindeten Gruppierungen zu tun, wie man es beispielsweise von den Hooligans kennt. Hier geht es nach unserer Einschätzung um Gebietsansprüche, um Einflussbereiche, hier werden die Claims abgesteckt, wer wo etwas zu sagen hat. | LKA-Ermittler Thomas Jungbluth über die Regeln der Rocker und den Kampf der Polizei vor dem Mordprozess gegen einen Hells Angel in Duisburg. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/bandenkriminalitaet-gewalt-ist-ein-teil-der-rocker-kultur-1.11965 | "Bandenkriminalität - ""Gewalt ist ein Teil der Rocker-Kultur""" | 00/03/2010 |
Der bekannte TV-Wetterexperte Jörg Kachelmann wird verdächtigt, seine langjährige Freundin vergewaltigt zu haben. Aus der Untersuchungshaft heraus lässt er die Vorwürfe als "falsch und frei erfunden" zurückweisen, der Anwalt der Frau will indessen rechtsmedizinische Beweise vorbringen. Unabhängig davon, wer in diesem Fall das Opfer ist: Die Causa Kachelmann hat sexuelle Gewalt in Beziehungen ins öffentliche Interesse gerückt. Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen und ehemaliger niedersächsischer Justizminister, sprach mit sueddeutsche.de über diese Problematik . sueddeutsche.de: Wie häufig kommen Vergewaltigungen in Beziehungen vor? Christian Pfeiffer: Leider liegt die letzte detaillierte Befragung zu diesem Thema 18 Jahre zurück. Demnach haben 5,7 Prozent aller Frauen sexuelle Gewalt durch den Partner erfahren, von Gewalttätern außerhalb der Familie sind es 4,3 Prozent. Erschwerend hinzu kommt, dass außerfamiliäre Vergewaltigungen - vom Betrunkenen in der Kneipe oder Angreifer im Park - meist einmalig passieren. Innerhalb der Familie kennt die Gewalt aber oft kein Ende. Bei unserer Befragung stießen wir auf Frauen, die wöchentlich von ihrem Partner vergewaltigt wurden. Deutlich nachweisen konnten wir, dass Gewalt in der Familie steigt, wenn der Mann in einer objektiven Krise ist - zum Beispiel nachdem er seinen Job verloren hat. In so einer Situation versucht der Täter, sein angeschlagenes Ego durch sexuelle Gewalt zu stabilisieren. sueddeutsche.de: Wie viele Frauen entscheiden sich zu einer Anzeige? Pfeiffer: Wenn der Täter ein Unbekannter ist - also der berüchtigte Auflauerer hinterm Busch - liegt die Anzeigenquote bei fast 60 Prozent. Gehört der Täter zum Kollegen- oder Bekanntenkreis, wird jede vierte Vergewaltigung angezeigt. Innerhalb des Familienkreises sind es 17 Prozent. Und im engsten Familienkreis - wenn der Täter also der eigene Partner ist - entscheiden sich so wenige Frauen zu einer Anzeige, dass wir gar keine zuverlässigen Zahlen haben. Wir reden von einer Anzeigenquote von null bis fünf Prozent. Generell kann man sagen: Je enger das Verhältnis des Opfers zum Täter, desto unwahrscheinlicher ist eine Anzeige. sueddeutsche.de: Geraten auch unschuldige Männer ins Visier der Ermittler? Pfeiffer: Natürlich besteht diese Gefahr. Gerade in Beziehungen sind gewaltige Emotionen im Spiel, die auch Racheakte auslösen können. Umgekehrt gilt für die Opfer: Frauen, denen eine Vergewaltigung widerfahren ist, tun gut daran, sofort einen Arzt aufzusuchen und sich etwaige Verletzungen bestätigen zu lassen. Opfer sollten sich sofort an einen Menschen ihres Vetrtauens wenden und haarklein erzählen, was vorgefallen ist. Der Beschuldigte wird natürlich zugeben, mit seiner Frau Geschlechtsverkehr gehabt zu haben - ein Sperma-Nachweis sagt da gar nichts aus. Der Täter mag auch sagen, dass ein Missverständnis vorliege und dass das Paar im Umgang miteinander etwas rau sei - das ist die übliche Verteidigungsstrategie. sueddeutsche.de: Welche Voraussetzungen müssen vorliegen, damit ein mutmaßlicher Täter in Untersuchungshaft kommt? Pfeiffer: Entscheidend ist, dass außer der Aussage der Frau Indizien vorliegen, die auf eine Vergewaltigung schließen lassen. Die schlichte Aussage "Er hat mich vergewaltigt" würde normalerweise nicht ausreichen, um so einen gravierenden Einschnitt wie eine Untersuchungshaft anzuordnen - zumal bei einer öffentliche Person, bei der man damit ja eine soziale Hinrichtung vollzieht. Das ist jedem Haftrichter klar, der dieses scharfe Schwert wählt. Er tut es nur, wenn es unumgänglich ist. Auch wenn Indizien wie körperliche Merkmale, Zeugenaussagen und ärztliche Gutachten vorliegen, ist die Tat damit natürlich noch nicht bewiesen - wohl aber, dass ein Anlass besteht, dem Verdacht nachzugehen. sueddeutsche.de: Wie geht die Polizei mit Frauen um, die Anzeige gegen ihre Partner erstatten? Pfeiffer: In der Regel sehr korrekt und beschützend. Früher waren das auf der Polizeiwache lüsterne Großereignisse, die Frauen wurden zum zweiten Mal Opfer. Heute führen Polizeibeamtinnen die Vernehmung durch, es werden sofort medizinische und psychologisch geschulte Sachverständige hinzugezogen. Gesellschaftlich werden Vergewaltigungsopfer dagegen oft immer noch wie Aussätzige behandelt. Auf einer Vortragseise in den USA kam einmal eine Studentin auf mich zu und erzählte, sie sei von ihrem Freund vergewaltigt worden. Auf meine Frage hin, warum sie das mir und nicht der Polizei erzähle, antwortete sie, sie wolle nicht behandelt werden wie ein second hand car, also wie ein gebrauchtes Auto. In dieser kleinen, überschaubaren College-Welt hätte diese Frau nach Bekanntwerden der Vergewaltigung keine Chance mehr gehabt, einen neuen Partner zu finden. sueddeutsche.de: Dann ist es nachvollziehbar, wenn Frauen auf eine Anzeige verzichten. Pfeiffer: Ich rate trotzdem jedem Opfer unbedingt dazu. Eine Nichtanzeige belastet sie ein Leben lang. Die psychischen Verletzungen nach einer Vergewaltigung durch den Partner sind viel schlimmer als nach einem Missbrauch durch einen Fremden. Wenn man vom eigenen Partner missbraucht wird, entsteht sofort der Reflex, sich zu fragen: "Was habe ich falsch gemacht, dass er so ausgerastet ist?" Die Enttäuschung sitzt so tief, dass ausgerechnet der Mensch, dem man sich anvertaut hat, dem man das Intimste preisgegeben hat, so etwas Grauenhaftes tut. Das lässt einen zweifeln an der eigenen Fähigkeit, den richtigen Partner zu wählen. Die Opfer verlieren jedes Gefühl des In-sich-Geborgenseins. Anzeige zu erstatten kann bei der Bewältigung eines solchen Traumas ungemein helfen. Das Opfer kann mit erhobenem Haupt sein Leben weiterführen. | Der Kriminologe Christian Pfeiffer über sexuelle Gewalt in Beziehungen - und Voraussetzungen einer Untersuchungshaft wie im Fall Kachelmann. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/vergewaltigung-in-beziehungen-ein-sperma-nachweis-sagt-gar-nichts-aus-1.2065 | "Vergewaltigung in Beziehungen - ""Ein Sperma-Nachweis sagt gar nichts aus""" | 00/03/2010 |
Ein Güterzug fährt führerlos quer durch Oslo und bringt beim Entgleisen am Hafen eine Lagerhalle zum Einsturz. Drei Menschen kommen dabei ums Leben. In einer Geisterfahrt quer durch Oslo haben mehrere Güterwaggons ohne Lokomotive eine Halle zum Einsturz gebracht und sind anschließend in den Fjord der norwegischen Hauptstadt gestürzt. Dabei seien mindestens drei Menschen getötet und drei weitere schwer verletzt worden, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Bei dem Unglück hatten sich 16 Güterwagen auf einem Rangierbahnhof selbstständig gemacht. Die führerlosen Wagons sind mehrere Kilometer durch Oslo gefahren und schließlich entgleist. In einem Industriegebiet brachten sie eine Lagerhalle zum Einsturz, am Ende stürzten sie in den Oslofjord. Augenzeugen berichteten in der Internetausgabe der Zeitung Verdens Gang (VG), dass der Güterzug mit viel zu hoher Geschwindigkeit die Kaianlage auf der Halbinsel Sjursøya am nördlichen Ende des Oslofjords passierte. Nach Angaben der Nachrichtenagentur NTB wurde Großalarm mit Einsatz von Rettungshubschraubern, Booten und Krankenwagen ausgelöst. Einen Tag nach der Geisterfahrt gibt es auch erste Angaben zur Ursache: Wahrscheinlich wurde das Unglück durch technische oder menschlich bedingte Fehler beim Rangieren ausgelöst. Das sagte ein Sprecher der staatlichen Havariekommission der Zeitung Verdens Gang (VG). | Ein Güterzug fährt führerlos quer durch Oslo und bringt beim Entgleisen am Hafen eine Lagerhalle zum Einsturz. Drei Menschen kommen dabei ums Leben. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/zugunglueck-in-norwegen-gueterzug-entgleist-tote-in-oslo-1.22381 | Zugunglück in Norwegen - Güterzug entgleist - Tote in Oslo | 00/03/2010 |
Jörg Kachelmann sah ganz anders aus, als man ihn aus dem Fernsehen kennt. Nicht bleich wegen der Vorwürfe und der Tage im Gefängnis. Nein, er federte zur Tür hinaus und wurde erst gar nicht erkannt, weil der ARD-Wettermann keinen Bart mehr trug und auch keinen Anzug, sondern eine Lederjacke. Insgesamt machte er in seinem gestreiften T-Shirt einen recht jugendlichen Eindruck. Kachelmann stieg in den grünen Gefangenentransport und sagte noch: "Ich bin unschuldig, das ist alles, was ich im Moment sagen kann." Eigentlich sollte am Mittwoch geprüft werden, ob der 51-Jährige noch länger in Untersuchungshaft bleibt, in der er sitzt, weil seine frühere Lebensgefährtin ihn wegen Vergewaltigung angezeigt hat. Aber aus der Prüfung durch einen Haftrichter wurde nur eine Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft im Amtsgericht Mannheim. In gewisser Weise ist der Fall Kachelmann aber längst ein öffentlicher Prozess geworden, lange bevor man im juristischen Sinne davon sprechen kann. Etwa vier Stunden lang wurde der Schweizer Staatsbürger von der Staatsanwaltschaft zum Vorwurf der Vergewaltigung befragt. Ursprünglich hatte sein Kölner Anwalt Reinhard Birkenstock einen Haftprüfungstermin beantragt, diesen aber zurückgezogen, da erst weitere Beweise für die Unschuld seines Mandanten vorgelegt werden sollten. "Man ist in Deutschland, wenn ein solcher Verdacht an einem hängt, schnell verhaftet. Die Enthaftung dauert in der Regel länger", sagte Birkenstock. "Glaubhafte Aussagen" Kachelmanns frühere Lebensgefährtin hatte angegeben, von ihm nach einem Streit vergewaltigt worden zu sein - bereits im Februar hatte sie Anzeige erstattet. "Wir schätzen die Aussagen der Frau als glaubhaft ein", bestätigte ein Sprecher der Mannheimer Staatsanwaltschaft. Es bestehe dringender Tatverdacht. Bei einer medizinischen Untersuchung seien bei der Frau "tattypische Verletzungen" festgestellt worden, sagte der Anwalt der ehemaligen Lebensgefährtin, Thomas Franz. Kachelmann beschäftigt zwei Anwälte: Ralf Höcker, der selbst oft als juristischer Experte im Fernsehen auftritt und ein "Lexikon der Rechtsirrtümer" geschrieben hat. Vom anderen, dem versierten Strafverteidiger Reinhard Birkenstock, gibt es nun auch viele Bilder, weil er bei allem, was er tat, von Medienleuten begleitet wurde, ob an der Fußgängerampel oder beim Rauchen. Auch dem Beschuldigten selbst durften sich Kameras und Journalisten nähern, als er das Gerichtsgebäude verließ: Die Staatsanwaltschaft hatte Ort und Uhrzeit seiner Vernehmung bekannt gegeben. Die Öffentlichkeit ist also im Fall Kachelmann erstaunlich nahe dran, lange bevor es überhaupt eine staatsanwaltschaftliche Anklage gibt. | Der unter Vergewaltigungsverdacht stehende Wettermoderator Jörg Kachelmann bleibt in Untersuchungshaft. Vor dem Gericht kommen die Medien ihm ganz nahe. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/kachelmann-bleibt-in-haft-ich-bin-unschuldig-1.12069 | "Kachelmann bleibt in Haft - ""Ich bin unschuldig""" | 00/03/2010 |
Nach stundenlangen Vernehmungen entschied das Gericht: Jörg Kachelmann bleibt vorerst in Untersuchungshaft. Dem ARD-Wetter-Star wird vorgeworfen, seine Freundin vergewaltigt zu haben. Er sagt: unschuldig. Sie sagt: schuldig. Und das Mannheimer Amtsgericht entscheidet nach stundenlangen Beratungen: Jörg Kachelmann bleibt vorerst in Untersuchungshaft. Dem Wetterexperten und bekannten ARD-Moderator wird vorgeworfen, seine Freundin vergewaltigt zu haben. Unklarheit herrschte zunächst über die Art des Gerichtstermins, der um 10:30 Uhr begonnen hatte und sich bis in den Nachmittag hineinzog. Der Strafverteidiger des Moderators, Anwalt Reinhard Birkenstock, erklärte, dass es sich nicht um einen Haftprüfungstermin, sondern lediglich eine Vernehmung handele. Bei der sei auch der Staatsanwalt anwesend. Volker Schmelcher, der Sprecher des Amtsgerichts Mannheim, widersprach indessen: Es handele sich um einen Haftprüfungstermin, der bereits vor Tagen beantragt worden sei. Kachelmann war am Samstag auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet worden. Jüngsten Angaben zufolge handelte es sich tatsächlich nicht um eine Haftprüfung, da ein entsprechender Antrag von Kachelmanns Anwalt offenbar zurückgezogen wurde. Im Vorfeld des Termins hatte Jurist Birkenstock Zweifel an einer raschen Freilassung seines Mandanten geäußert: "Man ist in Deutschland, wenn ein solcher Verdacht an einem hängt, schnell verhaftet", sagte Kachelmanns Rechtsvertreter. "Die Enthaftung dauert in der Regel länger." Ist Jörg Kachelmann, der Star der Wetterberichte im Ersten vor der Tagesschau und nach den Tagesthemen, das Opfer einer Stalkerin und dann des Rechtssystems geworden? Der Gerichtstermin am Mittwoch dauerte offenbar mehrere Stunden. Kachelmann war am frühen Morgen zum Gerichtsgebäude gebracht worden. Nach einer Pause war die Entscheidung auf den Nachmittag verlegt worden. Dem 51-jährigen Schweizer wird vorgeworfen, er habe seine langjährige Freundin nach einem Streit gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Kachelmann bezeichnet sich jedoch in einer Presseerklärung als unschuldig; seine Anwälte bezeichneten die Vorwürfe der Frau als "frei erfunden". Deren Rechtsanwalt Thomas Franz widersprach ihnen: "Die Verletzungen und die Vergewaltigung wurden bei einer Untersuchung in der Gerichtsmedizin auch festgestellt", sagte er. Im Video: Nach einer mehrstündigen Vernehmung steht fest: Der TV-Wetterexperte Jörg Kachelmann bleibt vorerst in Haft. Weitere Videos finden Sie hier | Nach stundenlangen Vernehmungen entschied das Gericht: Jörg Kachelmann bleibt vorerst in Untersuchungshaft. Dem ARD-Wetter-Star wird vorgeworfen, seine Freundin vergewaltigt zu haben. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/verdacht-auf-vergewaltigung-kachelmann-bleibt-in-haft-1.17946 | Verdacht auf Vergewaltigung - Kachelmann bleibt in Haft | 00/03/2010 |
Ein Student ist in Berlin wegen Mordes an einem Obdachlosen zu knapp 14 Jahren Haft verurteilt worden. Der so genannte deutsche "American Psycho" hatte sein Opfer kaltblütig zerstückelt und gehäutet. Er zechte mit seinem Opfer, nahm es mit in seiner Wohnung und zerstückelte es mit einer Axt: Ein Student, der einen Obdachlosen kaltblütig getötet und zerstückelt hat, ist vom Berliner Landgericht wegen Mordes verurteilt worden. Der von den Boulevard-Blättern als deutscher "American Psycho" bezeichnete Germanistikstudent - gutaussehend, intelligent, skrupellos - muss für 13 Jahre und 10 Monate hinter Gitter. "Er hat ihm ein Nachtlager bereitet und ihm wie mit einem Fallbeil den Kopf eingeschlagen", schilderte Richterin Angelika Dietrich die grausame Tat. Das Gericht bewertete die Zerstückelung der Leiche bis hin zum Abziehen der Rückenhaut als außerordentlich grausam. Der Student hatte sein Opfer Ende August 2009 am Bahnhof Zoo kennengelernt und wenige Stunden später in seiner Wohnung im Bezirk Schöneberg umgebracht. Seiner Mutter schrieb der Student nach der Tat aus dem Gefängnis, es habe Streit um Kleingeld gegeben. Er sei ausgerastet und habe wie von Sinnen mit der Axt zugeschlagen. In Panik habe er die Spuren verwischt. Die Leichenteile des verstümmelten Brandenburgers hatte der Student auf einem verlassenen Güterbahnhof und in seiner Kühltruhe versteckt. Er hatte selber die Polizei informiert. Die Verteidigung hatte auf Totschlag im Affekt plädiert, ohne ein Strafmaß zu beantragen. Ein fast perfekter Mord Der wegen Erpressung vorbestrafte Berliner selbst schwieg vor Gericht. Auch nach der Aussage des Gutachters Hans-Ludwig Kröber blieb das Motiv für das furchtbare Verbrechen im Dunkeln. Es könnte ein Plan zu einem perfekten Mord gewesen sein, sagte der Psychiater. Zu sehen wie es ist, sich als Herr über Leben und Tod zu inszenieren - viele junge Männer hätten solche Fantasien, argumentierte der Experte. Was den 28 Jahre alten Angeklagten tatsächlich umtrieb, als er den Obdachlosen mit nach Hause nahm, bleibt aus Sicht des Gutachters aber offen. Eine Persönlichkeitsstörung liege nicht vor. Eine verminderte Schuldfähigkeit wegen des Alkoholkonsums sei zugunsten des Studenten aber nicht auszuschließen. Zur Tatzeit soll er Schätzungen zufolge einen Promillewert zwischen 1,7 und 2,9 gehabt haben. | Ein Student ist in Berlin wegen Mordes an einem Obdachlosen zu knapp 14 Jahren Haft verurteilt worden. Der so genannte deutsche "American Psycho" hatte sein Opfer kaltblütig zerstückelt und gehäutet. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/obdachlosen-mord-herr-ueber-leben-und-tod-1.19768 | Obdachlosen-Mord - Herr über Leben und Tod | 00/03/2010 |
Der wegen fahrlässiger Tötung angeklagte ehemalige Leibarzt des King of Pop muss um seine Zulassung bangen - der kalifornische Justizminister will sie ihm abnehmen. Der kalifornische Justizminister Jerry Brown will dem früheren Leibarzt von Michael Jackson die Zulassung als Arzt entziehen. Der nach dem Tod des Sängers wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Kardiologe Dr. Conrad Murray solle zumindest für die Dauer des Prozesses ein Berufsverbot in Kalifornien erhalten, forderte Brown am Dienstag nach Angaben der Los Angeles Times. "Murray verabreichte Jackson eine tödliche Dosis Propofol sowie andere Medikamente", machte der Justizminister in einem Gerichtsantrag in Los Angeles geltend. Er habe fahrlässig gehandelt und solle daher nicht als Arzt in Kalifornien praktizieren. Murrays Anwalt, Edward Chernoff, sagte laut CNN, dass der Kardiologe seit mehreren Monaten wieder Patienten in Nevada und Texas, nicht aber in Kalifornien behandelt. Ein Richter hatte Murray grünes Licht zum Arbeiten gegeben, ihm allerdings die Verordnung und Verabreichung von Beruhigungs- und Betäubungsmitteln verboten. Jüngst waren neue Vorwürfe gegen Murray laut geworden: Ein früherer Angestellter Jacksons warf dem Leibarzt vor, die Wiederbelebungsversuche in den letzten dramatischen Minuten vor dem Tod des Popstars mehrmals unterbrochen zu haben, um belastendes Material wegräumen zu lassen. Murrays Anwalt Edward Chernoff verwahrte sich umgehend gegen die Angaben des Mannes. Sie widersprächen ersten Aussagen, die der Zeuge am Tag nach Jacksons Tod vor der Polizei gemacht habe. Chernoff bezichtigte die Staatsanwaltschaft, sie habe den Bericht gezielt an die Presse durchsickern lassen, um zehn Tage vor einem wichtigen Gerichtstermin Stimmung gegen Jacksons früheren Leibarzt zu machen. Murray, der bei der Anklage auf nicht schuldig plädiert hatte, ist gegen Kaution auf freiem Fuß. Die nächste Anhörung soll am 5. April sein. Im Falle eines Schuldspruchs drohen dem Arzt bis zu vier Jahre Haft. Jackson erlag am 25. Juni 2009 im Alter von 50 Jahren einem Herzversagen. Todesursache war eine "akute Vergiftung" mit dem Narkosemittel Propofol, das sein Leibarzt ihm gegen Schlaflosigkeit gespritzt hatte. | Der wegen fahrlässiger Tötung angeklagte ehemalige Leibarzt des King of Pop muss um seine Zulassung bangen - der kalifornische Justizminister will sie ihm abnehmen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/prozess-gegen-jackson-arzt-arzt-lizenz-in-gefahr-1.24412 | Prozess gegen Jackson-Arzt - Arzt-Lizenz in Gefahr | 00/03/2010 |
Seit Samstag sitzt der Fernsehmoderator Jörg Kachelmann in einer Zelle der Justizvollzugsanstalt Mannheim. Der Vorwurf, der gegen ihn erhoben wird, ist ungeheuerlich: Vergewaltigung - das bedeutet eine Mindeststrafe von zwei Jahren, eine Aussetzung zur Bewährung wäre kaum noch möglich, vom beruflichen Ruin ganz zu schweigen. Doch wie tragfähig die Anschuldigungen sind, ist noch nicht abzuschätzen. Seine Anwälte Ralf Höcker und Reinhard Birkenstock haben sich am Dienstag auf ihrer Homepage an die Medien gewandt und beteuert: "Jörg Kachelmann ist unschuldig. Er hat die ihm vorgeworfene Tat nicht begangen." An diesem Mittwoch werde er sich gegenüber der Staatsanwaltschaft umfassend äußern - und zwar nur dort: Er werde nicht der Unsitte folgen, "nun eine mediale Schlammschlacht zu beginnen, denn hierunter würden alle Beteiligten nur noch zusätzlich zu leiden haben". Die Faktenlage - soweit sichtbar - ist bisher noch unübersichtlich. Anfang Februar soll der 51-jährige Wetterexperte seine langjährige Freundin nach einem Beziehungsstreit in ihrer Wohnung im baden-württembergischen Schwetzingen zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch die Angaben der Frau, was - wenn es der einzige Anhaltspunkt wäre - wohl zu wenig für den "dringenden Tatverdacht" wäre, den ein Haftbefehl voraussetzt. Ihre Beweise will die Staatsanwaltschaft Mannheim nicht offenbaren, nur so viel teilt Behördensprecher Andreas Grossmann mit: "Wir haben mehr als eine bloße Anzeige." Nach SZ-Informationen liegt den Ermittlern ein Gutachten vor, in dem die Rechtsmedizin bei der Frau in den Tagen nach der angeblichen Tat blaue Flecken festgestellt hat, die auf eine Vergewaltigung hindeuten. Die Anklage stützt sich nur auf die Aussagen der Frau Ohne zusätzliche Indizien würde kein Gericht einen Haftbefehl wegen Vergewaltigung erlassen, das bestätigen auch Staatsanwälte, die nichts mit dem Fall zu tun haben. Andererseits: Dieselben Experten warnen vor vorschnellen Schlüssen. Weil bei Vergewaltigungen normalerweise keine Zeugen zugegen sind, eignen sich solche Anschuldigung auch für einen Rachefeldzug wegen verletzter Gefühle. Verwunderlich ist zudem, dass das Opfer eine langjährige Freundin oder gar Lebensgefährtin von Kachelmann gewesen sein soll, doch selbst in den einschlägigen Magazinen nichts von ihr zu finden ist. Die Bild-Zeitung zitiert einen ungenannten "engen Geschäftspartner" Kachelmanns, der die Existenz dieser langjährigen Beziehung in Abrede stellt. Aus Justizkreisen ist zu hören, dass die Staatsanwaltschaft sich in diesem Punkt vorerst nur auf die Angaben der Frau stützt. Dass die Staatsanwaltschaft Kachelmann Fluchtgefahr attestiert und deshalb die Inhaftierung beantragt hat, entspricht den Usancen in solchen Fällen: Kachelmann ist Schweizer, er lebt in der Schweiz, damit wäre er nicht einmal per EU-Haftbefehl greifbar. Zumindest gegen eine Kaution wird er das Gefängnis womöglich bald wieder verlassen dürfen. | ARD-Fernsehmoderator Jörg Kachelmann will sein Schweigen brechen und vor der Staatsanwaltschaft aussagen. Die Faktenlage ist unübersichtlich. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/vorwurf-der-vergewaltigung-kachelmann-will-aussagen-1.18476 | Vorwurf der Vergewaltigung - Kachelmann will aussagen | 00/03/2010 |
Klar ist nur, dass die mutmaßlichen Poker-Räuber ihre Beute sehr ungleich aufgeteilt haben. Nun rätselt die Polizei, wo das Geld geblieben ist. Mehr als zwei Wochen nach dem großen Poker-Raub im Berliner Hyatt-Hotel hat die Polizei zwar fünf Verdächtige festgenommen. Doch die Ermittler sind noch ratlos, wo der Großteil der erbeuteten 242.000 Euro geblieben ist. Klar ist bislang nur: Die Räuber haben die Beute ziemlich ungleich untereinander aufgeteilt. So erhielten drei der beteiligten Diebe bis zu 45.000 Euro, einer nur 5000 Euro. Das geht aus den Aussagen der Verdächtigen hervor. Der vermutliche Drahtzieher, ein 28 Jahre alter Libanese, soll etwa 100.000 Euro für sich behalten haben - vielleicht hat er davon aber noch weitere Tipp- und Auftraggeber bezahlt, vermutet die Polizei. Das Geld hat der Drahtzieher seinen Helfern wohl nach der Bedeutung oder Gefährlichkeit ihres Einsatzes zugeteilt. Dazu versammelten sich die mutmaßlichen Räuber laut Angaben der Polizei in einer Garage in Berlin-Friedenau. Der Beteiligste, der nur 5000 Euro und damit am wenigsten erhalten hatte, hat seinen Anteil mittlerweile wieder zurückgegeben. Er überreichte der Polizei noch verbliebene 4000 Euro, den Rest habe er "auf der Flucht verbraucht", versicherte er der Staatsanwaltschaft. Weitere Diebe wollten Geld zurückgeben Die Ermittler hoffen nun, dass weitere Räuber ihre Anteile an der Beute zurückgeben. Der zuerst festgenommene Verdächtige, ein 21-jähriger Mann, hatte das für seinen Anteil von 40 000 Euro auch angekündigt - bisher ist das Geld aber nicht aufgetaucht. Die Ermittler ziehen in Erwägung, dass ein arabischstämmiger Clan hinter dem Überfall auf das Poker-Turnier im Hotel Grand Hyatt am 6. März stecken könnte. Dann dürfte es schwierig sein, den Rest der Beute aufzuspüren. So sagte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Bodo Pfalzgraf, auf das Konto arabischer Großfamilien gingen jedes Jahr Tausende Straftaten. Die Clans seien im Rotlicht- und Drogenmilieu sowie bei Schutzgelderpressungen in der Hauptstadt aktiv. Es sei sehr schwer, in diese Strukturen einzudringen und staatliches Recht durchzusetzen. So sprächen die Familien teilweise spezielle Dialekte, für die es kaum Dolmetscher gebe. Auch das Einschleusen von V-Leuten sei kaum möglich. Unterdessen gehen die Ermittlungen gegen weitere mögliche Verdächtige weiter. Polizeipräsident Dieter Glietsch deutete an, es gebe weitere "Auftraggeber oder Hintermänner". | Klar ist nur, dass die mutmaßlichen Poker-Räuber ihre Beute sehr ungleich aufgeteilt haben. Nun rätselt die Polizei, wo das Geld geblieben ist. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/poker-raub-in-berlin-verdaechtige-gefasst-beute-verschwunden-1.24730 | Poker-Raub in Berlin - Verdächtige gefasst - Beute verschwunden | 00/03/2010 |
Bluttat an einer Grundschule: Ein psychisch kranker ehemaliger Arzt hat in China 13 Schüler niedergestochen. Acht Kinder kamen ums Leben. Ein ehemaliger Klinikarzt ist am Dienstag in eine Grundschule der ostchinesischen Stadt Nanping eingedrungen und hat 13 Schüler mit einem großen Messer niedergestochen. Acht von ihnen kamen ums Leben, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Der offenbar psychisch kranke Täter wurde festgenommen. Er passte die Kinder am Eingang der Schule gegen 7 Uhr ab und stach auf sie ein. Am Tatort starben drei oder vier Kinder, die anderen erlagen später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Die Verletzten wurden in ein Krankenhaus der Stadt Nanping gebracht. Der Täter wurde von Polizisten verhaftet. Es handelt sich um einen 41 oder 42 Jahre alten Mann, der psychisch krank sein soll und seine Arbeit als Arzt niedergelegt hat. Anderen Quellen zufolge war dem Mann von seinem Arbeitgeber gekündigt worden. Die Schule in der Provinz Fujian wurde nach der Bluttat vom Dienstag geschlossen, die Schüler wurden nach Hause geschickt. | Bluttat an einer Grundschule: Ein psychisch kranker ehemaliger Arzt hat in China 13 Schüler niedergestochen. Acht Kinder kamen ums Leben. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/verbrechen-in-china-messerstecher-toetet-acht-kinder-1.1242 | Verbrechen in China - Messerstecher tötet acht Kinder | 00/03/2010 |
Zunächst fand der Vater die Leichen seiner sieben und zwölf Jahre alten Kinder - von der Mutter keine Spur. Nun haben Spaziergänger auch eine Frauenleiche entdeckt. Im nordrhein-westfälischen Lünen hat sich ein Familiendrama ereignet. Nach ersten Erkenntnissen hat eine Mutter erst ihre beiden Kinder getötet und dann Suizid begangen. Zunächst waren nur die Leichen der sieben und zwölf Jahre alten Geschwister gefunden worden. Von der Mutter fehlte jede Spur. Nun fanden Spaziergänger zweieinhalb Kilometer von der Wohnung entfernt eine Frauenleiche - es spreche einiges dafür, dass es sich um die Mutter der getöteten Kinder handele, sagte die Dortmunder Staatsanwältin Ina Holznagel. Die Frau soll von einem hohen Strommast in den Tod gesprungen sein. Die Leiche ist mittlerweile geborgen worden und soll nun obduziert werden. Nach ersten Befunden hatte die 39-Jährige zuvor ihre beiden Kinder erstickt. Gewissheit soll eine Kohlenmonoxid-Untersuchung an den Kinderleichen ergeben. Genauere Angaben zum Tatmotiv und zum Ablauf der Tat gibt es bislang nicht. In einem Brief hatte die Mutter jedoch über ihre verzweifelte Situation geklagt. Der von der Familie getrennt lebende Vater hatte die toten Kinder im Schlafzimmer der Mutter entdeckt. Nachbarn berichteten, sie hätten einen beißenden Geruch aus dem Zimmer wahrgenommen. Nach der Tat standen die Fenster zum Lüften stundenlang weit offen. Die Nachbarn im Lünener Wohnviertel trauern nun um die Familie. Mitschüler und Bekannte steckten vor dem Doppelhaus Kerzen an und legten Blumen und Stofftiere ab. | Zunächst fand der Vater die Leichen seiner sieben und zwölf Jahre alten Kinder - von der Mutter keine Spur. Nun haben Spaziergänger auch eine Frauenleiche entdeckt. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/familiendrama-in-nrw-mutter-toetet-ihre-kinder-dann-sich-selbst-1.20560 | Familiendrama in NRW - Mutter tötet ihre Kinder, dann sich selbst | 00/03/2010 |
"Konnopke's Imbiß" ist eine Berliner Institution. Den Sommer über soll die legendäre Currywurst-Bude schließen - gegen den Willen der Besitzerin. Dies ist ein Berliner Drama. Hauptakteure sind eine alte Dame und ein Bezirksstadtrat, sie zanken um einen Kiosk in Prenzlauer Berg. Es geht um Renovierungsarbeiten. Nicht weiter interessant eigentlich, würde es sich nicht um Konnopke's Imbiss handeln. Hier wurde 1960 angeblich die erste Currywurst-Ost gebrutzelt, der Inbegriff für Berliner Cuisine, Teilung hin, Teilung her. Alle Welt futterte schon bei Konnopke, Kanzler Gerhard Schröder ließ die Wurst seinerzeit zum Dienstwagen kommen, erzählt Waltraud Ziervogel, die 74 Jahre alte Besitzerin. Arbeiter schauen hier vorbei, Touristen, immer wieder Promis, auch international und so. Liza Minnelli stellte sich brav an, unlängst erst. Kurzum: Konnopke, das ist Currywurst, Currywurst ist Berlin und damit Konnopke. Also: Institution, ganz klar. Beträchtliche Fallhöhe, deshalb großes Drama. Der klobige Kiosk steht unter dem Viadukt, über den alle fünf Minuten U-Bahnzüge donnern, vorne und hinten rauscht der Verkehr vorbei, mehr als 40.000 Fahrzeuge jeden Tag. Im Krieg wurde die stählerne Trasse arg ramponiert, danach instandgesetzt, seitdem nur sporadisch ausgebessert. Nun steht die Generalüberholung an. Unter anderem soll mit Sandstrahlern die Farbe abgespritzt werden. Monate dauert das, von Mai bis September. In dieser Zeit soll Konnopke dichtmachen. "Ick wehre mich jejen Arsch-Rolle" Und hier kommt Jens-Holger Kirchner, der Bezirksstadtrat, ins Spiel. "Partikel von hundert Jahre alter Farbe und Wurst vertragen sich schlecht", seufzt der Grüne, und sein Berlinerisch ist noch breiter als das von Frau Ziervogel. Kirchner ist Leiter der Abteilung Öffentliche Ordnung beim zuständigen Bezirksamt Pankow und mit der Curry-Causa befasst. "Mein janz besonderer Freund", nennt Frau Ziervogel Herrn Kirchner. Und der sagt manchmal "die resolute Frau Konnopke" und meint Ziervogel. Deren Haltung sei legitim, sein Vorgehen auch "sehr redlich", beteuert er: "Ick wehre mich in der Jeschichte die Arsch-Rolle zu spielen." Inzwischen haben Berliner Zeitungen über den Fall berichtet, viele Konnopke-Kunden sind alarmiert, der Herr Stadtrat bekam Post, darin wurde er so richtig "anjerotzt". Dabei hatte alles so harmonisch begonnen. Kirchner informierte Ziervogel schon vor zwei Jahren über die Renovierung. Dann wurden mehrere Szenarien durchgespielt: Ein neuer Standplatz, einen Steinwurf entfernt. Ein neuer Kiosk. Oder Standplatz beibehalten, den Kiosk luftdicht verpacken. "Hätte zusammen 70.000 Euro jekostet", Kirchners Stimme wird hoch, "das hat 'se abjelehnt!" "Das ist mein Zuhause" Waltraud Ziervogel sieht das anders: Der Alternativplatz sei abgelegen, die Lagermöglichkeiten begrenzt. "Reine Schikane", sagt ihr Sohn Mario Ziervogel, man wolle Konnopke weglocken vom begehrten Standplatz. Und das im 80. Jahr nach der Gründung von Konnopke. "Das ist mein Zuhause", sagt Waltraud Ziervogel traurig. Sie will nicht weg. Auf keinen Fall. Mindestens genauso gekränkt klingt Stadtrat Kirchner. Wie eine "verschmähte Braut" habe man sich gefühlt, schimpft er. Eine Ausnahme, eine "Lex Konnopke" werde es nicht geben, Wurst hin, Bullette her. Bald werde saniert, erklärt Stadtrat Kirchner. Und die Konnopke-Leute müssten zusehen, wie sie die "Aluminiumhütte" hinterher wieder sauber bekommen. Reden würde er jederzeit mit Frau Ziervogel. Dass er auf einen Happen am Stand vorbeischaut, ist unwahrscheinlich. Kirchner hat seine letzte Wurst bei Konnopke im Juli 1979 verputzt. "Currywurst", sagt er, "ist nicht so mein Ding." | "Konnopke's Imbiß" ist eine Berliner Institution. Den Sommer über soll die legendäre Currywurst-Bude schließen - gegen den Willen der Besitzerin. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/berlin-bratwurst-streit-mit-staub-und-ketchup-1.23724 | Berlin: Streit um Konnopkes Currywurst - Mit Staub und Ketchup | 00/03/2010 |
Kampfansage aus der Untersuchungshaft: Wettermann Jörg K. droht mit juristischen Schritten gegen den Vergewaltigungsvorwurf - die Gegenseite kündigt medizinische Beweise an. Der wegen des Verdachts auf Vergewaltigung verhaftete TV-Wetterexperte Jörg Kachelmann will sich seiner Firma Meteomedia zufolge juristisch zur Wehr setzten. "Jörg Kachelmann wird wegen falscher Anschuldigung Klage erheben", teilte Meteomedia am Montagabend mit. "Ohne dem Gang der Justiz vorgreifen zu wollen, halten wir es für undenkbar, dass die Anschuldigungen stimmen könnten." Die Vorwürfe seien absolut ungerechtfertigt. "Selbstverständlich wird Kachelmann gegen die uns bekannte Anzeigeerstatterin Anzeige erstatten." Kachelmanns Anwalt Ralf Höcker aus Köln wies die Anschuldigungen in einer ersten Stellungnahme ebenfalls deutlich zurück. "Die Vorwürfe sind falsch und frei erfunden", sagte Höcker der Nachrichtenagentur dpa. Die Beschuldigungen würden "jeglicher Grundlage entbehren". Der Anwalt des mutmaßlichen Opfers bekräftigte dagegen in der Bild-Zeitung die Vorwürfe seiner Mandantin. Die Vergewaltigung sei bei einer rechtsmedizinischen Untersuchung festgestellt worden. Seine Mandantin leide stark unter den Vorkommnissen - "schließlich war sie acht Jahre lang Herr Kachelmanns feste Lebenspartnerin", wird Anwalt Thomas Franz in dem Blatt zitiert. Unbekannter verbreitet Stalking-Gerücht Darin äußert sich auch ein angeblicher enger, namentlich nicht genannter Geschäftspartner des Moderators. Er wirft der Klägerin "Stalking" vor. Kachelmann habe in Schwetzingen niemals eine langjährige Bekanntschaft gepflegt, sagte er laut Bild-Zeitung. Der 51-jährige Wetterexperte war am Samstag am Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Der Verhaftete soll demnach seine Freundin nach einem Streit in ihrer Wohnung im baden-württembergischen Schwetzingen vergewaltigt haben. Nach der Anzeige vom Februar 2010 habe sich der Tatverdacht erhärtet. Deshalb "hat das Amtsgericht Mannheim gegen den Beschuldigten auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl erlassen". Angeblich wird Fluchtgefahr gesehen, weil der Schweizer in Deutschland keinen festen Wohnsitz hat. Kleinkrimineller Zellennachbar Nach Informationen der Bild-Zeitung teilte sich der in der Justivollzugsanstalt Mannheim einsitzende Kachelmann bis zum Montag eine Zelle mit einem Kleinkriminellen. Demnächst sollte er jedoch in eine Einzelzelle verlegt werden. Diese Woche wird Kachelmann nicht wie gewohnt in der ARD zu sehen sein, sagte eine ARD-Sprecherin in München. Wer ihn vertrete, sei derzeit noch unklar. Die Dienstpläne würden umgestellt. Kachelmann präsentiert mit seinem Meteorologen-Team die Sendung Wetter im Ersten, die täglich vor der Tagesschau und nach den Tagesthemen läuft. Seit Frühjahr 2002 steht Kachelmann dabei im Wechsel mit Claudia Kleinert und Sven Plöger vor der Kamera. Kachelmann, der in der Schweiz wohnt, hat in der Vergangenheit öffentlich Aktionen gegen häusliche Gewalt unterstützt. Noch Mitte Dezember präsentierte der Wetterexperte in Berlin beim Start einer Kampagne gegen die Misshandlung von Kindern ein Plakat mit der Aufschrift "Gewalt hinterlässt Spuren". | Kampfansage aus der Untersuchungshaft: Wettermann Jörg K. droht mit juristischen Schritten gegen den Vergewaltigungsvorwurf - die Gegenseite kündigt medizinische Beweise an. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/verdacht-auf-vergewaltigung-der-moderator-wehrt-sich-1.18913 | Verdacht auf Vergewaltigung - Der Moderator wehrt sich | 00/03/2010 |
Ein siebenjähriges Mädchen und ein zwölfjähriger Junge sind in Lünen bei Dortmund tot im Schlafzimmer ihrer Mutter aufgefunden worden. Von der Frau fehlt jede Spur. Familiendrama in Lünen bei Dortmund: Eine verzweifelte Mutter hat an diesem Montag vermutlich ihre beiden Kinder umgebracht und ist geflüchtet. Die 39-Jährige hinterließ einen Abschiedsbrief. "Die getrennt von ihrem Mann lebende Frau hat darin ihre Verzweiflung ausgedrückt. Es ist aber in dem Brief nicht die Rede davon, dass sie ihre Kinder oder sich selbst umbringen wollte", sagte Staatsanwältin Ina Holznagel in Dortmund. Der Vater fand das sieben Jahre alte Mädchen und den zwölfjährigen Jungen am Mittag tot im Schlafzimmer der Frau in der Doppelhaushälfte. Obwohl die Leichen äußerlich keine Anzeichen von Gewalt aufwiesen, gehen die Ermittler davon aus, dass sie getötet wurden. Darauf deute die Auffinde-Situation hin. Der Junge und das Mädchen sollen jetzt bei der Obduktion vor allem auf eine Vergiftung hin untersucht werden. Tabletten oder auch eine Gasvergiftung sind nicht auszuschließen. Dass die Geschwister mit einem Kissen erstickt wurden, nimmt die Polizei nicht an. Dazu sei der Junge vermutlich auch zu kräftig gewesen. Als die Feuerwehr nach der Alarmierung an dem Haus eintraf, waren die Kinder schon mehrere Stunden tot. Die Polizei suchte stundenlang die weitere Umgebung vergeblich nach der Mutter ab. Auch der Einsatz von Suchhunden brachte keinen Erfolg. Die Polizei hat eine Mordkommission eingerichtet. Einen verzweifelten Eindruck habe sie nie gemacht In dem Wohnviertel mit kleinen Reihenhaus-Neubauten und traditionellen Arbeiterhäusern aus Backsteinen vor den Toren von Dortmund stehen bis zum Abend die Nachbarn auf der Straße - geschockt, fragend, weinend. "Ich habe die Kinder hier immer spielen gesehen", bringt Nachbarin Elke Limberg vor einer Fernsehkamera noch heraus, dann versagt ihr die Stimme. Die 45-Jährige wohnt nur wenige Meter von dem Haus entfernt, aus dem am Montagmittag ein Notruf bei der Feuerwehr einging. Im zweiten und dritten Stock des Hauses waren noch am Abend alle Fenster weit aufgerissen. "Es war eine ordentliche Frau, sie hat ihre Kinder hier nie angeschrien", berichtet Metin Külahci, der Inhaber des Kiosks schräg gegenüber. Der Kiosk ist das Zentrum des Viertels. Wie fast alle hat auch die 39-jährige Mutter Bonbons und Spielzeug für die Kinder und Zigaretten und die Zeitung für sich selbst gekauft. Einen verzweifelten Eindruck habe sie dabei nie gemacht, berichtet Külahci. Dass sie sich im vergangenen Jahr von ihrem Mann getrennt hat, hat er natürlich mitbekommen. Monatelang habe er ihn nicht mehr gesehen, bis diesen Montag. | Ein siebenjähriges Mädchen und ein zwölfjähriger Junge sind in Lünen bei Dortmund tot im Schlafzimmer ihrer Mutter aufgefunden worden. Von der Frau fehlt jede Spur. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/familiendrama-in-nrw-geschwister-tot-mutter-verschwunden-1.14086 | Familiendrama in NRW - Geschwister tot, Mutter verschwunden | 00/03/2010 |
Man könnte sie jetzt natürlich alle verwenden, die Bilder, mit denen Jörg Kachelmann auch sein Geld verdient. Die schwarzen Wolken, das drohende Unwetter, der Sturm, der nun aufzieht über dem Leben Kachelmanns. Man kann es aber auch ganz sachlich formulieren, so, wie es die Staatsanwaltschaft Mannheim an diesem Montag tat: 51-jähriger Moderator wegen des Verdachts der Vergewaltigung seiner langjährigen Freundin verhaftet. Am Samstagmorgen vergangener Woche ist Jörg Kachelmann am Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Er sitzt nun in einer Zwei-Personen-Zelle im Mannheimer Untersuchungsgefängnis. Wetternachrichten als Unterhaltungsformat Kachelmann war gerade aus Vancouver zurückgekehrt, wo er für die ARD das Olympiawetter gemacht, über die Aussichten auf Schnee und Medaillen gesprochen hat und auch viel über sich selbst. Wenn er nicht live zu sehen war, hat er kleine Nachrichten verschickt über den Twitterdienst: "Ab Mittwoch viel Sonne für mehrere Tage, natürlich auch dank Ihren Gebührengeldern, in diesem Sinne vielen Dank dafür!" Jörg Kachelmann ist immer sehr lebensbejahend, auch wenn das Wetter schlecht ist. Er hat aus den Wetternachrichten eine Unterhaltungsform gemacht, er hat die Vorhersagen privatisiert, die davor in der Hand der Beamten waren und ein schönes Geschäft daraus gemacht. Wenn es um Sonne oder Regen geht, ist man sofort bei ihm. Mit seiner Firma Meteomedia ist er eine Art Guido Knopp des Wetters geworden. Vor Kachelmann, einem in Deutschland geborenen Schweizer, war das Verweisen auf anstehende Hochs und Tiefs eine hochseriöse Angelegenheit. Beherrschte Männer wie Uwe Wesp trugen Fliege und ernste Miene noch zu den tiefsten Tiefausläufern. Kachelmann hat den Wetterbericht ins Comedy-Genre gezogen, indem er Naturphänomene verputzigte ("da kommt ein Tief reingekringelt"). Lesen Sie auf der nächsten Seite: Was die Staatsanwaltschaft denkt und wie Kachelmann die Wetternachrichten revolutionierte. | Jörg Kachelmann sitzt in Untersuchungshaft. Deutschlands prominentester Wettermoderator soll nach einem Streit seine ehemalige Freundin vergewaltigt haben. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/kachelmann-in-u-haft-verdacht-auf-vergewaltigung-1.10070 | Kachelmann in U-Haft - Verdacht auf Vergewaltigung | 00/03/2010 |
Deutschlands bekanntester Wetter-Moderator soll seine Freundin vergewaltigt haben. Er wurde am Frankfurter Flughafen festgenommen und sitzt in U-Haft - wegen Fluchtgefahr. Der Fernseh-Moderator Jörg Kachelmann sitzt wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung in Untersuchungshaft. Der Sprecher der Bundespolizei, Armin Thiel, teilte am Montag der Nachrichtenagentur DAPD mit, die Landespolizei Hessen habe Kachelmann am vergangenen Samstag am Frankfurter Flughafen bei der Einreise aufgrund eines Haftbefehls festgenommen. Der Vollzug wurde mit Fluchtgefahr begründet. Nach Angaben der Mannheimer Staatsanwaltschaft wird dem Angeklagten vorgeworfen, seine langjährige Freundin Anfang Februar nach einem Streit in ihrer Wohnung im baden-württembergischen Schwetzingen, Rhein-Neckar-Kreis, vergewaltigt haben. Noch im selben Monat erstattete das Opfer Anzeige. Nachdem sich der Verdacht gegen ihn erhärtet habe, sei der Moderator am vergangenen Samstag auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wollte den Namen des Verdächtigen zunächst nicht mitteilen. Wie lange Kachelmann in U-Haft sitzen muss, ist noch nicht abzusehen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte dem DAPD, es sei nicht bekannt, ob ein Haftprüfungstermin beantragt sei. Weatherman und Unternehmer Jörg Kachelmann produziert mit seiner Firma Meteomedia Wettersendungen in der ARD - seit 1994 vor der 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau und seit 2002 nach den Tagesthemen. Seine Karriere bei der ARD hatte er 1990 als Weatherman beim Radiosender SWF 3 (inzwischen SWR) gestartet. Damals hatte er sich in Bächli bei St. Gallen als autodidaktische Meteorologe selbständig gemacht und die Meteomedia gegründet. Mit dem Start des ARD-Frühstücksfernsehens im Jahr 1992 begann seine Fernsehkarriere. In den neunziger Jahren machte er sich auch in der Fernsehunterhaltung einen Namen. Er war seit 1997 viele Jahre Moderator der MDR-Talkshow Riverboat. Keinen Erfolg hatte er als Quizmaster, als er 1998 die Neuauflage der legendären Show Einer wird gewinnen übernahm, die Hans Joachim Kulenkampff berühmt gemacht hatte. Im Video: Der Moderator und Journalist Jörg Kachelmann ist festgenommen worden, wie die Bundespolizei bestätigt. Weitere Videos finden Sie hier | Deutschlands bekanntester Wetter-Moderator soll seine Freundin vergewaltigt haben. Er wurde am Frankfurter Flughafen festgenommen und sitzt in U-Haft - wegen Fluchtgefahr. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/vorwurf-der-vergewaltigung-kachelmann-in-untersuchungshaft-1.3977 | Vorwurf der Vergewaltigung - Kachelmann in Untersuchungshaft | 00/03/2010 |
Nach dem spektakulären Überfall auf ein Berliner Pokerturnier ist der Polizei auch der mutmaßliche Kopf der Bande ins Netz gegangen - die Beute bleibt verschwunden. Nach dem spektakulären Überfall auf ein Pokerturnier in Berlin hat die Polizei den mutmaßlichen Drahtzieher festgenommen. Es handele sich um einen 28 Jahre alten Libanesen, sagte ein Polizeisprecher. Er soll nach dem Raub im Hyatt-Hotel am 6. März das Fluchtauto gefahren haben. Damit sitzen alle fünf mutmaßlichen Räuber aus dem Hotel in Untersuchungshaft. Geklärt ist der Fall jedoch noch nicht ganz: Über den Verbleibt der Beute von 242.000 ist weiterhin nichts bekannt. Für den mutmaßlichen Drahtzieher war das Spiel am Sonntag gegen 23.15 Uhr zu Ende, wie die Polizei mitteilte. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung hatten Spezialkräfte der Polizei bereits am Nachmittag die Wohnung des Mannes gestürmt, ihn aber nicht angetroffen. Es soll sich um den nur wenige Jahre älteren Onkel eines bereits verhafteten Poker-Räubers handeln. Bis zum Wochenende hatte die Berliner Polizei bereits vier Tatverdächtige aus Neukölln und Kreuzberg festgenommen. Bei den zwei vorletzten Verdächtigen klickten am Samstag auf dem Flughafen Berlin-Tegel die Handschellen. Ein 19-Jähriger hatte sich in den Libanon, ein 20-Jähriger in die Türkei abgesetzt. Sie landeten unabhängig voneinander innerhalb weniger Stunden in der Hauptstadt und stellten sich den Fahndern. Organisierte Kriminalität? Zuvor hatte sich bereits ein 21-Jähriger freiweillig der Polizei gestellt. Er hatte der Polizei Angaben zu seinen Komplizen gemacht. Ein 20-Jähriger ließ sich bei einer zufälligen Kontrolle widerstandslos abführen. Die Männer türkischer und arabischer Herkunft waren der Polizei schon vorher bekannt: Sie standen bereits wegen Diebstählen oder Raubüberfällen vor Gericht. Sie sitzen nun getrennt voneinander im deutschlandweit größten Untersuchungsgefängnis für Männer in Berlin-Moabit. Bei dem Überfall hatten sie sie jede Menge Spuren hinterlassen und wurden auch von Überwachungskameras gefilmt. Unklar blieb am Montag, ob hinter dem Raub tatsächlich zwei verfeindete arabische Familien stehen, wie die Berliner Morgenpost unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet hatte. Informationen, wonach wesentliche Tipps zur Identität der Poker-Räuber von einer der Familien stammten, wollte die Polizei dem Bericht zufolge nicht bestätigen. Bei den Auseinandersetzungen zwischen den Clans soll es um Drogenhandel, die Rotlichtszene und andere Bereiche der organisierten Kriminalität gehen. | Nach dem spektakulären Überfall auf ein Berliner Pokerturnier ist der Polizei auch der mutmaßliche Kopf der Bande ins Netz gegangen - die Beute bleibt verschwunden. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/jagd-auf-poker-raeuber-ocean-s-five-der-boss-faellt-als-letzter-1.11921 | "Jagd auf Poker-Räuber - ""Ocean's Five"": Der Boss fällt als Letzter" | 00/03/2010 |
Zwei Wochen nach dem Überfall auf ein Pokerturnier in Berlin haben sich nun auch die beiden übrigen mutmaßlichen Täter gestellt. Genau zwei Wochen nach dem spektakulären Überfall auf ein Poker-Turnier in Berlin sind alle mutmaßlichen Räuber gefasst. Die Polizei nahm den vierten und letzten Verdächtigen am Samstagabend auf dem Flughafen Tegel fest. Der 19-Jährige war zunächst geflüchtet. Er kam gegen 19 Uhr mit einer Maschine aus Beirut zurück und stellte sich. Sein Anwalt hatte dies zuvor den Ermittlern angekündigt, wie Polizeisprecher Frank Millert sagte. Nur wenige Stunden zuvor war ein 20-Jähriger ebenfalls in Tegel bei der Einreise festgenommen worden. Nach den Männern war international gefahndet worden. Wo die Beute von 242.000 Euro ist, blieb unklar. Dem dritten Verdächtige waren gegen elf Uhr nach seiner Landung in Tegel Handschellen angelegt worden. Auch dessen Anwalt hatte der Polizei vorher signalisiert, dass der Geflüchtete aufgeben will. Er soll zuvor in die Türkei geflüchtet sein. Insgesamt vier junge Männer hatten am 6. März das Poker-Turnier im Hotel Grand Hyatt überfallen und die Beute unter sich aufgeteilt. Der zuerst Festgenommene hatte angekündigt, seinen Teil der Beute zurückzugeben. Die Männer türkischer und arabischer Herkunft sind der Polizei bekannt. Sie standen schon vorher wegen Diebstählen oder Raubüberfällen vor Gericht. Zwei der mutmaßlichen Räuber sitzen bereits in Untersuchungshaft. Zuerst hatte sich am Montagabend ein 21-Jähriger bei der Polizei gestellt. Er verriet seine Komplizen. Nach den Geflüchteten war mit Fotos und Namen gefahndet worden. Am Mittwoch wurde der zweite Verdächtige in Berlin festgenommen. Der 20-Jährige war eher zufällig von einer Zivilstreife kontrolliert worden und ließ sich widerstandslos abführen. | Zwei Wochen nach dem Überfall auf ein Pokerturnier in Berlin haben sich nun auch die beiden übrigen mutmaßlichen Täter gestellt. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/poker-raub-in-berlin-alle-vier-verdaechtigen-festgenommen-1.15804 | Poker-Raub in Berlin - Alle vier Verdächtigen festgenommen | 00/03/2010 |
Insel in Not: Islands Behörden haben nach einem Vulkanausbruch für den südlichen Landesteil den Ausnahmezustand ausgerufen. 700 Anwohner aus der Umgebung des Gletschergebiets hatten das Gebiet verlassen müssen. Hier gaben die Behörden am Sonntag teilweise Entwarnung. Betroffene durften vorübergehend auf ihre Höfe zurück, um die Tiere zu füttern. Wie ein lokaler Rundfunksender berichtete, kam es kurz nach Mitternacht zu ersten Eruptionen unter dem Eyjafjalla-Gletscher. Geologen erklärten nach ersten Hubschrauberflügen, dass sich der Riss in dem Gletscher über eine Länge von etwa 500 Metern erstrecke. Die Eruption habe sich aber nicht unter dem Gletscher ereignet, sagte der Geologe Tumi Gudumundsson. In einem kilometerlangen Spalt war Lava zu sehen. Der Eyjafjallajökull-Vulkan hingegen brach zuletzt vor rund 200 Jahren aus. Das Zentrum des Vulkanausbruchs lag nicht direkt unter dem Gletscher, sondern jenseits der Eisgrenze am benachbarten Ausflugsgebiet Fimmvörduhals. Deshalb wurde die Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen durch Schmelzwasser als gering eingestuft. "Es ist ein ziemlich begrenzter Ausbruch, nicht zu vergleichen mit dem letzten von Hekla vor zehn Jahren", sagte ein Sprecher der nationalen Einsatzzentrale in Reykjavik. Hekla, der bekannteste und aktivste von 30 noch aktiven Vulkanen auf Island, war zuletzt im Jahr 2000 heftig ausgebrochen. Auch den Flugverkehr konnten die Behörden wieder freigeben. Ein Sprecher sagte, die Eruptionen seien so begrenzt, dass keine Gefahr mehr für Flugzeuge durch Lava oder Asche in der Luft bestehe. Unmittelbar nach den ersten Vulkanaktivitäten in der Nacht waren alle Starts und Landungen auf dem internationalen Flugplatz Keflavik sowie auf den Flugplätzen in Reykjavik und Akureyri untersagt worden. Die Atlantik-Insel Island ist aus vulkanischen Aktivitäten entstanden und birgt in ihrem Untergrund zahlreiche aktive Vulkansysteme. | Vulkanausbruch auf Island: Hunderte Menschen mussten bereits ihre Häuser verlassen. Die Behörden riefen den Notstand aus. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/island-ausnahmezustand-nach-vulkanausbruch-1.21860 | Island - Ausnahmezustand nach Vulkanausbruch | 00/03/2010 |
Ein Anruf bei Alain Cullier, dessen Handy ständig klingelt, weil seine Nummer in einem Depardieu-Film auftaucht. Nach jeder Ausstrahlnug bekommt er Dutzende Anrufe. Zunächst dachte Alain Cullier, 62, an einen Stalker, als im Frühjahr 2009 fast jeden Abend sein Handy klingelte und am Ende der Leitung auflegt wurde. Bis ihm nach einigen Wochen ein Anrufer erzählte, woher er seine Nummer hatte: In Claude Chabrols Kinofilm "Kommissar Bellamy" gehört sie einem Mann, der bei der von Gérard Depardieu gespielten Hauptfigur Hilfe sucht. Seit der Film im Fernsehen läuft und als DVD zu kaufen ist, kriegt Alain Cullier wieder regelmäßig Anrufe von Unbekannten. Der Franzose wartet auf eine Entschuldigung des Regisseurs, bisher vergeblich. Süddeutsche Zeitung: Herr Cullier, warum haben Sie nicht einfach die Telefonnummer gewechselt? Cullier: Na hören Sie mal, das ist mein Diensthandy, da kann ich nicht einfach die Nummer ändern. Außerdem sehe ich das gar nicht ein. Es ist ja nicht meine Schuld, dass sie in einem Film vorkommt. SZ: Normalerweise wird vorher überprüft, ob eine Nummer vergeben ist. Cullier: Claude Chabrol und seine Kollegen haben das offensichtlich vergessen. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass sie das besonders schlimm finden. Der Pressesprecher von Herrn Chabrol wollte mir nicht einmal glauben, dass mich so viele Leute anrufen. SZ: Wie viele waren es denn bisher? Cullier: Sicher über hundert, die meisten davon abends oder nachts. Als "Kommissar Bellamy" neulich im Fernsehen lief, habe ich mein Handy ausnahmsweise ausgemacht. Am nächsten Morgen hatte ich 13 verpasste Anrufe. SZ: Was wollen die Leute denn? Cullier: Die meisten sind nur neugierig, ob es die Nummer wirklich gibt. Wenn ich abhebe, erschrecken sie und legen auf. Anfangs habe ich mich manchmal mit "Hallo, hier Kommissar Bellamy" gemeldet. SZ: Gehört die Nummer im Film nicht einem Mann, der dem Kommissar den Mord an seiner Frau beichten möchte? Cullier: Wirklich? Ich habe den Film noch gar nicht gesehen. Ich dachte immer, die Anrufer erschrecken auch so, weil sie denken, sie hätten den Kommissar am Apparat, also Gérard Depardieu. SZ: Sind Sie jetzt enttäuscht? Cullier: Ach was. Aber ein lustiger Zufall wäre das schon: Ich bin nur ein Jahr älter als Gérard Depardieu und mache einen ähnlichen Job wie die Figur, die er spielt. SZ: Sie sind Kommissar? Cullier: Nein, aber früher war ich tatsächlich bei der Gendarmerie. Jetzt bin ich Direktor des Verbands für Straßensicherheit des Départements Meurthe-et-Moselle in Nancy. Wir gehen in Schulen und Unternehmen und klären über die Gefahren im Straßenverkehr auf. Von allen tödlichen Arbeitsunfällen passieren mehr als die Hälfte unterwegs, wussten Sie das? Ich versuche also, Todesfälle zu verhindern. So ähnlich wie ein Kommissar. SZ: Was glauben Sie, warum wurde ausgerechnet Ihre Nummer ausgewählt? Cullier: Sicher, weil sie so gut zu merken ist: 06 12 24, das ist einfach. Dann 82 68, das kriegt man auch noch hin. Ein Freund hat mir erzählt, dass die Nummer zwei Mal langsam wiederholt wird. SZ: Wollen Sie den Film nicht mal anschauen, wenn schon Ihre Handynummer darin mitspielt? Cullier: Nein. Solange Claude Chabrol sich nicht bei mir entschuldigt hat, boykottiere ich seinen Film. SZ: Wie könnte so eine Entschuldigung aussehen? Cullier: Eine kleine Spende für meinen Verband fände ich eine nette Geste. Aber ganz ehrlich, mir würde auch ein kurzer Anruf von Herrn Chabrol reichen, dass ihm die ganze Sache leid tut. So schwer kann das doch nicht sein. Und meine Nummer hat er ja. | Ein Anruf bei Alain Cullier, dessen Handy ständig klingelt, weil seine Nummer in einem Depardieu-Film auftaucht. Nach jeder Ausstrahlnug bekommt er Dutzende Anrufe. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/telefonterror-in-frankreich-hallo-hier-kommissar-bellamy-1.5623 | "Telefonterror in Frankreich - ""Hallo, hier Kommissar Bellamy""" | 00/03/2010 |
Neues Urteil in einem jahrelangen Streit: Ein US-Gericht hat entschieden, dass die Erben des Models Anna Nicole Smith die Millionen ihres Kurzzeit-Ehemanns nicht bekommen. Der Millionenstreit dauert schon fast 15 Jahre, und die meisten Beteiligten sind inzwischen tot: In San Francisco hat ein Berufungsgericht entschieden, dass die Erben des Models Anna Nicole Smith kein Anrecht auf die Millionen ihres Kurzzeit-Ehemanns haben. Die Richter in Kalifornien bestätigten damit ein früheres Urteil aus Texas. Er hoffe, dass der Rechtsstreit damit endlich beendet sei, sagte der Richter. Smiths Erben kündigten aber bereits an, in Berufung gehen zu wollen. In dem Verfahren geht es um 300 Millionen Dollar (220 Millionen Euro). Begonnen hatte alles im Jahre 1994, als der Unternehmer Howard Marshall das Playmate in einem Club kennenlernte und wenig später heiratete - die Nackttänzerin war 24, der Milliardär 89. Schon ein Jahr später starb Marshall und ein Rechtsstreit begann zwischen Smith und Marshalls Sohn Pierce. Sie behauptete, Howard habe ihr mehrere Hundert Millionen Dollar versprochen. Pierce, fast 29 Jahre älter als die Stiefmutter, sagte hingegen, Smith habe von seinem Vater bereits zu Lebzeiten Geschenke im Wert von mehreren Millionen Dollar bekommen. Ein Gericht sagte Smith zunächst 474 Millionen Dollar zu. Die Summe wurde in Berufungsverfahren erst gekürzt und dann gestrichen. Der Rechtsstreit durch die Instanzen, bis Smith im Februar 2007 bewusstlos in einem Hotelzimmer gefunden wurde. Sie überlebte den Weg ins Krankenhaus nicht. Ihr Stiefsohn und Widersacher Pierce war ein halbes Jahr zuvor mit 67 an einer plötzlichen Infektion gestorben. Von einer positiven Entscheidung hätte Smiths Sohn aus erster Ehe profitieren können. Doch auch Daniel war im September 2006 mit 20 Jahren in einem Krankenhaus auf den Bahamas an einer Überdosis gestorben. Drei Tage zuvor hatte Smith im gleichen Krankenhaus ihre Tochter Dannielynn zur Welt gebracht. Als sie nicht einmal ein halbes Jahr später starb, stritten sich gleich vier Männer um die Vaterschaft für die Millionenerbin. Ein DNA-Test wies letztlich den Fotografen Larry Birkhead als den biologischen Vater aus. Ihm wurde auch das Sorgerecht übertragen. | Neues Urteil in einem jahrelangen Streit: Ein US-Gericht hat entschieden, dass die Erben des Models Anna Nicole Smith die Millionen ihres Kurzzeit-Ehemanns nicht bekommen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/streit-um-millionenerbe-anna-nicole-smiths-erben-gehen-leer-aus-1.15705 | Streit um Millionenerbe - Anna Nicole Smiths Erben gehen leer aus | 00/03/2010 |
Für Terry Richardson haben sich schon Tausende Menschen ausgezogen. Nun steht der Starfotograf im Verdacht, seine Modelle sexuell bedrängt zu haben. Terry Richardson provoziert gerne. Trotzdem - oder gerade deswegen - hat das enfant terrible der Fotografenszene es ganz nach oben geschafft. Der Amerikaner hat für Gucci und Sisley fotografiert, vor seiner Kamera standen Topmodel Kate Moss, Schauspielerin Juliette Lewis, Modezar Karl Lagerfeld, die Spice Girls und im Jahr 2007 sogar Barack Obama. Er hat den Vogue-Kalender 2008 gestaltet und diesjährigen Pirelli-Kalender. Meist inszeniert er seine Models in einer schmutzigen Pornoheft-Asthetik. Terry Richardson geht nah ran, er zeigt auch die unschönen Seiten der Menschen und verleiht ihnen so einen schmutzigen Porno-Chic. Sie zogen sich trotzdem für den 44-Jährigen aus - auch wenn es immer wieder Gerüchte gab, dass das eine oder andere Fotoshooting in eine Gruppensex-Runde überging. Nun werden Vorwürfe laut, der New Yorker sei manchen seiner Fotomodelle zu nah gekommen: Eines seiner Models hat Richardson laut der britischen Zeitung The Guardian vorgeworfen, die Arbeit mit ihm sei degradierend, und sein Vorgehen manipulativ. Die Aussage der Frau hat in US-amerikanischen Medien eine Debatte über Richardsons Arbeit ausgelöst. Rie Rasmussen, dänisches Supermodel, soll ihn bei der Fashion Week in Paris auf die Vorwürfe angesprochen haben. "Ich sagte zu ihm, das, was du tust, ist sehr herabwürdigend für die Frauen". Richardson habe die Schau daraufhin fluchtartig verlassen. Der New York Post sagte sie: "Er holt sich junge Mädchen, manipuliert sie, bis sie ihre Kleider ausziehen und schießt dann Bilder von ihnen, für die sie sich schämen müssen. Die Mädchen trauen sich nicht, nein zu sagen, weil ihre Agenturen sie für diesen Job gebucht haben und sie zu jung sind, um sich durchzusetzen." Dem Model, das als erstes öffentlich gesagt hat, dass sie sich von dem Fotograf bedrängt gefühlt habe, sind unterdessen andere Mädchen zur Seite gesprungen: Richardson hat laut The Guardian etliche anonyme Zuschriften von Ex-Models bekommen, die sich bei den Fotosessions ebenfalls unwohl fühlten. Richardson selbst schweigt zu den Vorwürfen bislang. Doch als vor fünf Jahren in Manhatten seine Ausstellung Terryworld eröffnet wurde, sagte er: "Ich nutze gar niemanden aus. Das ist nicht meine Art. Jeder hat Spaß bei meinen Shootings." Und er sagte noch etwas: "Meine Regel ist, dass ich niemanden um etwas bitte, das ich nicht selbst tun würde." Das allerdings hat bei Richardson nicht viel zu sagen. Denn dass er ein nicht ganz gewöhnliches Verhältnis zur Sexualiltät hat, ist ihm selbst bewusst: "Ich glaube nicht, dass ich sexsüchtig bin", sagte er einmal. "Aber ich habe sicher das eine oder andere Problem." Jetzt hat er erst recht eins. | Für Terry Richardson haben sich schon Tausende Menschen ausgezogen. Nun steht der Starfotograf im Verdacht, seine Modelle sexuell bedrängt zu haben. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/terry-richardson-wenn-ein-fotograf-zu-nahe-rangeht-1.16934 | Wenn ein Fotograf zu nahe rangeht | 00/03/2010 |
In der Nacht zum Donnerstag verließ eine hochgiftige Monokelkobra heimlich, still und leise ihr heimisches Terrarium in einer Mietwohnung in Mülheim an der Ruhr. Der Halter des gefährlichen Haustiers habe die Einsatzkräfte sogleich informiert, sagte Feuerwehrsprecher Horst Brinkmann. Zwei Tage lang haben Feuerwehr, Ordnungsamt und Reptilienexperten nach der Schlange gesucht - bisher ohne Erfolg. Wahrscheinlich befinde sich die Schlange noch in der Wohnung des Besitzers, sagte Brinkmann. Das Problem sei, dass das Jungtier noch sehr klein sei und es in dem ausgebauten Dachgeschoss zahlreiche Hohlräume gebe, in denen es sich verschanzt haben könnte. Die Kobra ist nur fingerdick und erst 30 Zentimeter lang. Ein Biss könnte dennoch fatal sein: Das Gift kann innerhalb weniger Stunden tödlich wirken. Vorsorglich wurde bereits das entsprechende Gegengift aus dem Düsseldorfer Zoo nach Mülheim gebracht. Die drei Mietparteien hatten das Haus bereits Donnerstagnacht verlassen und bei Bekannten übernachtet. Die junge Kobra gehörte noch nicht lange zu den Hausbewohnern: Ihr Besitzer hatte sie nur wenige Tage zuvor auf einer Reptilienmesse erworben. Zunächst durchsuchte ein 30-köpfiges Einsatzteam die Dachgeschosswohnung des Schangenhalters, entfernte dabei Möbel und sogar Bodendielen. Feuerwehrsprecher Brinkmann zufolge soll die Wohnung nun komplett entkernt werden, um das flüchtige Tier aufzustöbern. Das könne dort allerdings bis zu 40 Tage ausharren, ohne zu fressen, sagte Brinkmann. Nicht nur wegen des Bodenbelags könnte den Besitzer sein neues Haustier teuer zu stehen kommen: Bei dem Großeinsatz fielen Kosten von bis zu 850 Euro pro Stunde an, rechnete der Feuerwehrsprecher vor. Unterdessen forderte die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie (Amphibien- und Reptilienkunde) und Terrarienkunde eine obligatorische Überprüfung von Schlangenhaltern in Nordrheinwestfalen. "Die Terraristik hat in den letzten Jahren einen gewaltigen Boom erlebt", sagte Silvia Macina, die Geschäftsführerin des Verbandes. "Darunter sind sicherlich auch Leute, die das einfach nur machen, weil es gerade 'in' ist." Macinas Schätzung nach halten ungefähr vier Millionen Menschen in Deutschland Amphibien oder Reptilien in Terrarien. | Klein, aber gefährlich: In Mülheim an der Ruhr ist eine junge Kobra ausgebüxt. Experten suchen im Großaufgebot nach dem Reptil. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/nordrhein-westfalen-monokelkobra-auf-der-flucht-1.14793 | Nordrhein-Westfalen - Monokelkobra auf der Flucht | 00/03/2010 |
"Sind deine Eltern da?" Ein Mädchen ist in Solingen an der Haustür überfallen und missbraucht worden. Nun hat ein Zeitungsverkäufer die Tat gestanden. Er klingelte an der Haustür und fragte die arglose Elfjährige: "Sind deine Eltern da?" Als die Kleine verneinte, fiel er sofort über sie her. Das Mädchen war kurz davor von der Schule heimgekehrt und allein zu Hause. Nun hat ein 20-jähriger Zeitungsverkäufer das schwere Sexualverbrechen an der Schülerin in Solingen gestanden. Nach Polizeiangaben ist das Kind körperlich nur leicht verletzt, aber "erheblich traumatisiert". Polizisten hatten den dringend Verdächtigen in der Nacht zum Freitag im Duisburger Norden festgenommen. Er habe sofort ein umfassendes Geständnis abgelegt und dabei auch Informationen offenbart, die nur der Täter wissen kann, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft in Wuppertal. Es seien auch Spuren von ihm am Tatort gesichert worden. "Wir sind 100-prozentig überzeugt, dass er es ist." Hinweise aus der Bevölkerung, speziell ausgebildete Spürhunde und eine gute Täterbeschreibung des Opfers hätten zu dem schnellen Fahndungserfolg geführt. Eine sechsköpfige Sonderkommission "Eifel" hatte nach einem dünnen, jungen Mann, etwa 1,70 Meter groß, gesucht. Der Fall hatte in dem bürgerlichen Wohnviertel in Solingen-Merscheid Entsetzen und große Besorgnis ausgelöst. Aus der Bevölkerung kamen zahlreiche Hinweise auf eine Gruppe von Zeitungsverkäufern aus dem Ruhrgebiet, die im Tatzeitraum in der Nähe Obdachlosenzeitungen verkauft hatten. "Geständnis sprudelte heraus" Für die Personensuche speziell ausgebildete sogenannte Mantrailer-Spürhunde hatten die Ermittler auf den Fluchtweg des Täters und damit ebenfalls auf die Route der Zeitungsverkäufer geführt. Schließlich sei es gelungen, einen Mann aus der Gruppe ausfindig zu machen und festzunehmen. Dieser habe die Tat bestritten, aber einen Hinweis auf einen anderen Mann aus den eigenen Reihen gegeben. Der habe die Tat ebenfalls bestritten, aber den Wohnort der ganzen fünfköpfigen Gruppe in Duisburg verraten sowie einen Hinweis auf den 20-Jährigen gegeben. Am Freitag um 1:50 Uhr in der Nacht schlugen die Ermittler dann zu: 15 Polizisten nahmen den 20-Jährigen in der Wohnung fest. Noch im Polizeiwagen habe der Mann auf Rumänisch ein Geständnis abgelegt. "Es ist nur so aus ihm herausgesprudelt", berichteten die Ermittler. Ein Dolmetscher habe die Aussage festgehalten. Der Festgenommene habe sie später im Präsidium wiederholt. Opfer an geheimem Ort Das Opfer habe trotz seines Traumas "eine bewundernswerte Auffassungsgabe" bewiesen und den Täter detailliert beschreiben können, lobten die Ermittler. Um das Kind zu schützen, wollten die Behörden keine Details zur Tat mitteilen. Die Elfjährige werde an einem geheim gehaltenen Ort fachkundig betreut. Der 20-Jährige soll nun wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs einem Haftrichter vorgeführt werden. Bei Anwendung von Erwachsenen-Strafrecht drohen ihm bis zu 15 Jahre, bei Jugendstrafrecht bis zu zehn Jahre Haft. | "Sind deine Eltern da?" Ein Mädchen ist in Solingen an der Haustür überfallen und missbraucht worden. Nun hat ein Zeitungsverkäufer die Tat gestanden. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/sexualverbrechen-zeitungsverkaeufer-faellt-ueber-elfjaehrige-her-1.11123 | Sexualverbrechen - Zeitungsverkäufer fällt über Elfjährige her | 00/03/2010 |
Neue Runde im Kampf gegen die Auslieferung: Roman Polanskis Anwälte werfen der US-Justiz geheime Absprachen im Vergewaltigungsprozess vor - und gehen in Berufung. Mit einem weiteren Antrag kämpfen die Anwälte von Roman Polanski in Kalifornien gegen dessen Auslieferung in die USA. Nach einem Bericht der Los Angeles Times machten die Juristen vor einem Berufungsgericht Verfahrensfehler geltend, die Staatsanwaltschaft und Richter bei dem Prozess 1977 durch geheime Unterredungen begangen haben sollen. Von dem inzwischen verstorbenen Richter Laurence J. Rittenband und anderen Beteiligten sei Polanski damals unfair behandelt worden. Der Regisseur sollte daher nicht an die Behörden in Kalifornien ausgeliefert werden, so die Forderung. Ein früherer Staatsanwalt habe in diesem Jahr gegen den Richter ausgesagt. Polanski steht zurzeit in der Schweiz unter Hausarrest, die USA haben seine Auslieferung beantragt. Der Starregisseur war im vorigen September wegen eines US-Haftbefehls bei der Einreise in die Schweiz verhaftet worden. Die amerikanischen Behörden werfen ihm vor, 1977 eine 13-Jährige missbraucht zu haben. Polanski legte damals ein Schuldbekenntnis ab und saß 42 Tage in Haft, entzog sich 1978 aber dem weiteren Verfahren durch Flucht ins Ausland. Mit Fußfessel im Chalet Gegen eine Millionen-Kaution wurde Polanski Anfang Dezember aus der Auslieferungshaft entlassen. Er bekam eine elektronische Fußfessel und darf sein Chalet im Prominentenort Gstaad nicht verlassen. Mitte Januar lehnte ein Richter in Los Angeles einen Antrag von Polanskis Anwälten auf Verurteilung in Abwesenheit ab. Ein Berufungsgericht hatte zunächst eingeräumt, dass bei dem Prozess in den 1970er Jahren möglicherweise Fehler gemacht wurden, die jetzt einen Freispruch des 76-Jährigen rechtfertigen könnten. Dennoch wurde im Januar erneut Polanskis Auslieferung beantragt. Auch die Fernsehdokumentation "Roman Polanski: Wanted and Desired" aus dem Jahr 2008 deckte juristische Pannen im Zusammenhang mit Richter Rittenband auf. Bei der Berlinale wurde der unter Hausarrest stehende Regisseur für seinen Thriller "Der Ghostwriter" mit dem Regiepreis ausgezeichnet. | Neue Runde im Kampf gegen die Auslieferung: Roman Polanskis Anwälte werfen der US-Justiz geheime Absprachen im Vergewaltigungsprozess vor - und gehen in Berufung. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/verfahrensfehler-polanski-laesst-nicht-locker-1.22605 | Verfahrensfehler - Polanski lässt nicht locker | 00/03/2010 |
Ein Musikproduzent und angeblicher Ex-Lover von Lady Gaga will für sein Zutun am Ruhm der Grammy-Gewinnerin entlohnt werden. Auch auf Beyoncé ist er schlecht zu sprechen. Anwaltsschreiben vom Ex: Lady Gaga ist von einem Musikproduzenten auf 30,5 Millionen Dollar verklagt worden. Rob Fusari wirft der Grammy-Gewinnerin vor, ihn fallengelassen zu haben, nachdem er einige Stücke für sie geschrieben und ihrer Karriere auf die Sprünge geholfen habe. Er habe zusammen mit Lady Gaga die Songs "Paparazzi" und "Beautiful, Dirty, Rich" geschrieben, die auf ihrem Debutalbum The Fame erschienen. Laut Klageschrift hatten die beiden auch eine romantische Beziehung. Das Management von Lady Gaga war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Fusari hat an Hits wie Will Smiths "Wild, Wild West" und "Bootylicious" von Destiny's Child mitgewirkt. Deren Frontfrau Beyoncé Knowles, die inzwischen als Solo-Künstlerin Erfolge feiert, hatte Fusari ebenfalls der Verletzung seiner Rechte als Miturheber bezichtigt. Monatelange Zusammenarbeit Nach eigenen Angaben hat Fusari Stefani Germanotta, die spätere Lady Gaga, im März 2006 kennengelernt. Er habe dann monatelang jeden Tag in seinem Studio mit ihr zusammengearbeitet und sie überzeugt, in ihren Stücken Rock-Riffs fallenzulassen und stattdessen auf Dancebeats zu setzen, erklärte der Produzent weiter. Details zu der angeblichen Romanze nannte er nicht. Die 23-jährige Grammy-Gewinnerin aus New York ist für ihre exzentrischen Auftritte und ausgeflippten Videos bekannt. Vor wenigen Tagen stellte sie den provokanten Clip für ihren Titel "Telephone" vor, in dem sie in knapper Kleidung auftritt - übrigens an der Seite von Beyonce Knowles. | Ein Musikproduzent und angeblicher Ex-Lover von Lady Gaga will für sein Zutun am Ruhm der Grammy-Gewinnerin entlohnt werden. Auch auf Beyoncé ist er schlecht zu sprechen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/musikstar-angeklagt-gaga-forderung-ein-ex-will-30-millionen-1.15910 | Musikstar angeklagt - Gaga-Forderung: Ein Ex will 30 Millionen | 00/03/2010 |
Auch das ist ein Jubiläum: In dieser Woche ist genau ein Jahr her, seit Bernard Madoff, der größte Wirtschaftsverbrecher in der Geschichte der Wall Street, in das Bundesgefängnis von Butner in North Carolina eingeliefert wurde. Von der Strafe, zu der ihn das Gericht in Manhattan seinerzeit verurteilte, hat er jetzt somit, rein rechnerisch, noch genau 149 Jahre abzusitzen. Während Madoffs Opfer immer noch versuchen, so viel wie möglich von ihrem Restvermögen zu sichern, fragt sich die US-Öffentlichkeit immer wieder mal, was der Gefangene mit der Nummer 61727-054, der einmal angesehener Verwaltungsrat der Computerbörse Nasdaq war, wohl so macht den ganzen Tag. Gelegentlich wird die Neugier befriedigt. Im vergangenen Dezember zum Beispiel meldete sich ein verurteilter Bankräuber namens Kenneth C. White, dessen Resthaft sich mit den ersten Haftwochen von Madoff überlappte. White malte noch im Gefängnis ein Porträt des 71-Jährigen - standesgemäß in Anzug und Krawatte und nicht in Gefängniskleidern -, das er stolz Reportern präsentierte. Madoff habe sich im Gefängnis so verhalten, als sei er seit Jahren daran gewohnt, berichtete der Ex-Häftling. Er spiele Schach und Dame und spüle das Geschirr in der Gefängnisküche. Einige Häftlinge, so wurde damals auch bekannt, baten Madoff um eine Unterschrift, damit sie sie später einmal über Ebay würden versteigern können. Viele wollten sich mit ihm anfreunden, weil sie glaubten, dass jemand, der ein so geniales Schneeballsystem aufziehen konnte wie Madoff, ganz sicher irgendwo noch Reichtümer versteckt hat. Er war wohl ein Star unter den Häftlingen. Nase gebrochen, Rippen angebrochen Jetzt zeigt sich, dass dieser Starstatus für den Betroffenen auch noch eine andere Seite hatte. Das Wall Street Journal berichtet, ein Mithäftling habe Madoff im Dezember verprügelt, und zwar so sehr, dass er in der Krankenstation des Gefängnisses behandelt werden musste. Der Wall-Street-Mann habe eine gebrochene Nase, angebrochene Rippen und Schnitte auf dem Kopf und im Gesicht davongetragen. Die Gefängnisverwaltung erklärte allerdings, sie habe keine Hinweise auf den Vorfall. Madoff sei im Dezember zwar tatsächlich auf der Krankenstation gewesen, aber nur weil er sich unwohl gefühlt habe. Dagegen bestätigten drei Ex-Häftlinge die Version der Zeitung. Der Täter sei ein "muskulöser" Mann gewesen, der wegen Drogenhandels in Butner einsitzt. Er sei als Bodybuilder ausgebildet und besitze den schwarzen Judogürtel. Zu der Prügelei soll es übrigens gekommen sein, weil der muskulöse Drogenhändler glaubte, Madoff schulde ihm Geld. Manchmal hat das Schicksal einfach schwarzen Humor. | Remmidemmi unter Knastbrüdern: Milliardenbetrüger Bernard Madoff kassiert Prügel - und muss arg lädiert auf die Krankenstation. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/aerger-im-knast-madoff-bekommt-was-auf-die-nase-1.23468 | Ärger im Knast - Madoff bekommt was auf die Nase | 00/03/2010 |
Schwein gehabt, Schwein verloren: In den Niederlanden hat sich eine Gefängnisinsassin mit einem Löffel einen Fluchttunnel gegraben. Doch ihre Freiheit währte nicht lang. Der Trick mit der im Kuchen eingebackenen Feile funktioniert schon lange nicht mehr. Und Gegenstände, die zum Durchsägen von Gitterstäben zweckentfremdet werden könnten, werden vom Wachpersonal in der Regel mit Argusaugen beobachtet. Wer heutzutage aus dem Gefängnis türmen will, muss sich etwas einfallen lassen - und Geduld haben, wie der Fall einer Ausbrecherin in den Niederlanden zeigt. Mit einem Löffel hat sich eine 35-Jährige in monatelanger und mühseliger Kleinstarbeit einen Tunnel aus dem Gefängnis gegraben. Die Flucht wurde möglich, weil die Frau nicht mehr in einer regulären Zelle, sondern in einem Sondergebäude untergebracht war. In dem Haus, direkt an der Gefängnismauer gelegen, werden Langzeitgefangene auf die Entlassung ins Zivilleben vorbereitet. Die Niederländerin hatte noch knapp 22 Monate einer achtjährigen Gefängnisstrafe abzusitzen, als ihr die Flucht gelang: Die Frau buddelte vom Keller unter der Küche einen schmalen Tunnel zum Gehweg neben der Knastmauer. Einmal in Freiheit stellte sich die Ausbrecherin dann aber weniger geschickt an: Nur vier Wochen nach ihrem spektakulären "Löffel-Coup" wurde sie von der Polizei gefasst - in einer Wohnung nur eine Stunde von der Haftanstalt entfernt. Die 35-Jährige war ursprünglich wegen Mordversuchs an ihrem Bruder und deren Freundin verurteilt worden. | Schwein gehabt, Schwein verloren: In den Niederlanden hat sich eine Gefängnisinsassin mit einem Löffel einen Fluchttunnel gegraben. Doch ihre Freiheit währte nicht lang. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/ausbrecherin-gefasst-umsonst-geloeffelt-1.10340 | Ausbrecherin gefasst - Umsonst gelöffelt | 00/03/2010 |
Die hat doch einen im Tee Teatime mit Folgen: Drei Packungen Eistee im Gepäck bescherten einer Reisenden in Australien fünf Tage hinter schwedischen Gardinen. Australische Zollbeamte haben eine Touristin verhaftet, weil sie in den Getränkekartons mit Eistee, die die Frau mit sich führte, Drogen vermuteten. Die Filipina hatte bei ihrer Ankunft am Flughafen von Melbourne mehrere Tetrapaks des Erfrischungsgetränks im Gepäck. Die Spürhunde schlugen an - und der Zoll kam zu dem Schluss, die Touristin schmuggle Amphetamine in den drei Päckchen Eistee mit Zitronengeschmack. Fünf Tage verbrachte die Frau daraufhin in Untersuchungshaft. Trauma - wegen ein bisschen Tee Bei Tests stellte sich dann jedoch heraus, dass der Durststiller wirklich nur die angegebenen Inhaltsstoffe enthielt - und die Frau vollkommen zu Unrecht festgenommen worden war. Die Staatsanwaltschaft zog ihre Vorwürfe gegen die 29-Jährige daraufhin zurück - und entließ sie zurück in die Freiheit. Im Gefängnis sei seine vollkommen unschuldige Mandantin zusammen mit schweren Straftäterinnen inhaftiert gewesen, beklagte der Anwalt der Filipina. Sie sei nach den fünf Tagen traumatisiert, habe mehrere Kilo abgenommen und werde ärztlich behandelt. Zumindest finanziell wird die Frau nun für ihren Zwangsurlaub hinter australischen schwedischen Gardinen entschädigt: Ein australisches Gericht sprach der Besucherin von den Philippinen eine Entschädigung von 5000 Australischen Dollar (3367 Euro) zu. | Teatime mit Folgen: Drei Packungen Eistee im Gepäck bescherten einer Reisenden in Australien fünf Tage hinter schwedischen Gardinen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/australien-zoll-verhaftet-touristin-die-hat-doch-einen-im-tee-1.16885 | Australien: Zoll verhaftet Touristin - Die hat doch einen im Tee | 00/03/2010 |
Ende Januar verschwand Hotelgast Sony Millbrook spurlos. Mehrere Male wurde das Zimmer der jungen Frau seitdem neu vermietet. Nun machte die Polizei von Memphis eine grausige Entdeckung. Kleine Kinder fürchten sich bisweilen davor, unter ihre Matratze zu schauen. Ein Mordfall aus Memphis im US-Bundesstaat Tennessee scheint diese menschliche Urangst vor dem Bösen unter dem Bett nun zu bestätigen: Polizeibeamte entdeckten dort unter einem Hotelbett die Leiche einer vermissten Frau. Nach Behördenangaben fiel sie einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Das Hotel hatte die Polizei alarmiert, nachdem Gäste sich über den "schlechten Geruch" in dem Hotelzimmer beschwert hatten. Die nach Angaben lokaler Medien 28-jährige Sony Millbrook hatte zuvor selbst in dem Raum übernachtet: Zuletzt war sie von einem Hotelangestellten am Morgen des 27. Januar gesehen worden. Seitdem galt sie als vermisst. Nachdem Millbrook ihre Hotelrechnung nicht mehr bezahlt hatte, war Zimmer 222 gereinigt - und "rund fünf Mal" wieder vermietet worden. Der stellvertretende Polizeichef von Memphis, Joe Scott, erklärte, die Leiche sei vom Reinigungspersonal vermutlich unentdeckt geblieben, weil der Rahmen des Hotelbetts bis zum Boden reiche und niemand auf die Idee gekommen sei, die Matratze anzuheben. Die Behörden hatten nach dem Verschwinden der Frau zwar in dem Hotel Ermittlungen aufgenommen - Raum 222 wurde jedoch nicht untersucht. "Zweimal war ein Beamter vor Ort - und beide Male war das Zimmer vermietet", sagte Scott. "Hätte rückblickend ein Beamter in den zweiten Stock gehen und das Zimmer auf den Kopf stellen müssen? - Natürlich." Über die Todesursache wollte die Polizei zunächst keine Angaben machen. Im Zusammenhang mit dem Mord an der jungen Frau wurde jedoch ihr Freund festgenommen. | Ende Januar verschwand Hotelgast Sony Millbrook spurlos. Mehrere Male wurde das Zimmer der jungen Frau seitdem neu vermietet. Nun machte die Polizei von Memphis eine grausige Entdeckung. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/usa-horror-unterm-hotelbett-1.14868 | USA - Horror unterm Hotelbett | 00/03/2010 |
Elf Tage nach dem Raubüberfall auf ein Pokerturnier in Berlin hat sich ein Täter gestellt, ein zweiter wurde festgenommen. Nach dem spektakulären Raubüberfall auf ein Pokerturnier in Berlin sind möglicherweise zwei der vier Täter in Polizeigewahrsam. Einer der vier Räuber hat nach einem Bericht der Bild-Zeitung aufgegeben und sich der Polizei gestellt. Der 21 Jahre alte Mann habe bereits am Montagabend im Beisein seines Anwalts die Beteiligung an dem spektakulären Überfall auf das Pokerturnier gestanden, hieß es in der Mittwochausgabe des Blattes. Der Festgenommene habe bislang aber weder Details zum Geldversteck noch zu seinen Komplizen verraten. Am Mittwochabend gelang es der Polizei dennoch, einen weiteren Mann festzunehmen. Der Mann sei jedoch noch nicht endgültig identifiziert, sagte ein Sprecher. Vier maskierte Männer hatten bei einem internationalen Pokerturnier am 6. März im Luxushotel Grand Hyatt im Zentrum Berlins 242.000 Euro erbeutet. Dabei wurden sie von mehreren Videokameras gefilmt, hinterließen jede Menge Fingerabdrücke und gingen recht dilettantisch vor. Bei dem Raubüberfall ist auf Bildern aus Überwachungskameras zu sehen, dass einer der Räuber keine Handschuhe trug. Von einem anderen soll das Gesicht zu sehen sein, weil sich die Täter auf der Flucht die Masken vom Kopf gerissen haben. Die Polizei ging deshalb zunächst von einem schnellen Fahndungserfolg aus. Erst am vergangenen Wochenende musste die Polizei bei den Ermittlungen einen Rückschlag einstecken. Einen am Freitag festgenommenen Tatverdächtigen mussten die Beamten am Samstag mangels Beweisen wieder laufen lassen. Der Mann war in einer Wohnung in Berlin von Spezialeinsatzkräften der Polizei unter dem Vorwurf des gemeinschaftlichen schweren Raubes festgenommen worden. Der Haftbefehl wurde allerdings wenig später auf Antrag der Staatsanwaltschaft vom Berliner Amtsgericht Tiergarten wieder aufgehoben. Grund: Der dringende Tatverdacht des schweren Raubes gegen den Mann bestätigte sich nach den Ermittlungen nicht. | Elf Tage nach dem Raubüberfall auf ein Pokerturnier in Berlin hat sich ein Täter gestellt, ein zweiter wurde festgenommen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/ueberfall-auf-berliner-hotel-zwei-festnahmen-nach-poker-raub-1.20811 | Überfall auf Berliner Hotel - Zwei Festnahmen nach Poker-Raub | 00/03/2010 |
Geht es nach der Berliner Staatsanwaltschaft, ist der spektakuläre Überfall auf das Pokerturnier im Nobelhotel Grand Hyatt "weitgehend aufgeklärt". Mit einer Einschränkung: Zwei weitere Verdächtige sind noch untergetaucht. Einen Mann nahm die Polizei am Mittwoch auf einem Berliner U-Bahnhof fest. Er sei jedoch noch nicht endgültig identifiziert, hieß es am Abend. Ein weiterer junger Mann sitzt bereits in Untersuchungshaft. Die Männer sollen gemeinsam am 6. März mit einer Machete und einer Pistole bewaffnet in das Hotel am Potsdamer Platz gestürmt sein und 242000 Euro erbeutet haben. Die vier im Alter zwischen 19 und 21 Jahren sind einschlägig bekannt. Am Montag stellte sich ein 21-Jähriger der Polizei und nannte "nach intensiven Befragungen" die Namen seiner Komplizen, sagte Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra. Es ist jener Mann, der auf mehreren Fotos und Videos in roter Jacke zu sehen ist: Ein Wachmann hat ihn zu Boden gerissen und festgehalten, während die anderen drei Maskierten bereits flüchten wollten. Nach dem Kampf ließ er eine Tasche voller Geld zurück - angeblich mehrere hunderttausend Euro. Er habe sich "wegen des großen Fahndungsdrucks" selbst gestellt, sagte Kamstra. Seit einigen Tagen besteht gegen ihn ein Haftbefehl. Das Kennzeichen des Fluchtautos brachte die Ermittler auf seine Spur. Die Beute haben die vier bereits aufgeteilt - der Anteil des 21-Jährigen befinde sich noch "bei Dritten", hieß es. Ob einer der Komplizen ein Insider des Pokerturniers war, blieb unklar: Der Verdächtige habe zwar von einem "Hinweis" gesprochen, wonach bei dem Turnier viel zu holen sei, habe aber keine Details genannt. Sicher ist, dass er schon vor dem Raub am Tatort war, um die Lage zu erkunden. Kurzzeitig war auch ein 28-Jähriger verdächtigt worden. Er kam am Samstag wieder frei, hatte aber zumindest Kontakt zu den mutmaßlichen Tätern: Bei ihm wurde ein Zettel mit sechs Namen gefunden. Drei davon gehören zu den Tatverdächtigen. "Mit den anderen auf der Liste werden wir das Gespräch suchen", sagte Kriminaldirektor Stefan Teller. Er wies außerdem darauf hin, dass er und seine Kollegen seit der Tat "rund um die Uhr ermittelt", etwa hundert Zeugen befragt und bestimmt "keinen Sekt kaltgestellt" hätten. Die Polizei war in die Kritik geraten, weil hochrangige Polizisten eine rasche Aufklärung ankündigten, die Ermittler selbst jedoch tagelang davon sprachen, noch keine heiße Spur zu haben. Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt nannte die Täter sogar "Dilettanten" und sprach von einer "neuen Dimension der Dummheit" von Verbrechern. Über manche dieser Aussagen hätten sich die Ermittler "maßlos geärgert", kritisierte Teller. In einem Punkt schloss er sich dem Polizeigewerkschaftler Wendt an: Die Sicherheitsvorkehrungen hätten es den Tätern "relativ einfach gemacht". Für den reibungslosen Ablauf war die Berliner Spielbank verantwortlich, die wegen der Größe des Turniers mit fast 1000 Teilnehmern in das nebenan gelegene Hotel auswich. Statt Panzerglas gab es im Grand Hyatt nur einen brusthohen Tresen, hinter dem Angestellte mit mehreren hunderttausend Euro Bargeld hantierten. Zeitweise war nur ein Sicherheitsmann in der Nähe, der Hinterausgang war zudem unbewacht. Doch was im Nachhinein leichtsinnig erscheint, gab den Kontrolleuren der Senatsverwaltung für Inneres und Sport vor dem Turnier "keinen Anlass zu Beanstandungen", wie eine Sprecherin erklärt. | Der Raubüberfall auf ein Berliner Pokerturnier ist weitgehend aufgeklärt: Elf Tage danach hat sich ein Täter gestellt, ein zweiter wurde festgenommen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/poker-raub-ausgespielt-1.16021 | Poker-Raub - Ausgespielt | 00/03/2010 |
In den Niederlanden hat ein Polizist mit dem Mord an einer Zwölfjährigen Entsetzen ausgelöst. Den Ermittlern wird vorgeworfen, bei der Fahndung versagt zu haben. Schock in den Niederlanden: Ein Polizist hat die Ermordung eines zwölfjährigen Mädchens aus seiner Nachbarschaft gestanden. Nach Angaben der Behörden stellte sich der 26 Jahre alte Beamte und führte die Ermittler zur Leiche der seit Tagen landesweit gesuchten Milly B. - im Garten seines Wohnhauses im südholländischen Dordrecht. Eine Untersuchung soll nun klären, ob die Polizei möglicherweise bei der Fahndung nach Milly versagt hat. Ihr wird vorgeworfen, nicht sofort nach der Vermisstenmeldung der Eltern am Mittwoch vergangener Woche eine große Suchaktion in der Nachbarschaft eingeleitet zu haben. Der Täter habe unweit der Familie des Opfers gewohnt, sagte der Bürgermeister Arno Brok bei einer Pressekonferenz. Er habe das Mädchen unter einem Vorwand aus der elterlichen Wohnung mit in sein Haus genommen, dort umgebracht und die Leiche vergraben. Ob das Kind von dem Polizisten sexuell missbraucht wurde, sei noch unklar. Der Täter und das Mädchen hätten "in einer nachbarschaftlichen Beziehung gestanden", erklärte der Chefermittler. Professionelle Betreuung für Polizeikollegen Der Täter hatte den Mord zunächst seiner Freundin gebeichtet, die ihn aufforderte, sich zu stellen. Am Dienstagabend meldete er sich bei einem Polizeirevier und führte seine Kollegen zu der Leiche. Ein Sprecher des Polizeikorps von Rotterdam-Rijnmond, bei dem der Täter beschäftigt war, erklärte, der Kindesmord durch einen Kollegen habe auf dessen Dienststelle "starke emotionale Reaktionen ausgelöst". Für einige der entsetzten Polizisten sei "professionelle Betreuung" organisiert worden. Dordrechts Bürgermeister räumte ein, es habe von Anfang an Hinweise darauf gegeben, dass das Mädchen von einem Nachbarn mitgenommen worden sei. Milly hatte gerade mit ihrer Mutter telefoniert, als es an der Haustür klingelte. Das Kind beendete das Telefongespräch mit dem Hinweis, es wolle die Tür für einen davor wartenden Mann öffnen. Mitschüler des Mordopfers bekundeten Trauer, äußerten sich aber auch wütend. "Wieso heißt es, dass die Polizei dein bester Freund ist?", schrieb jemand in ein Online-Kondolenzbuch. Justizminister Ernst Hirsch Ballin sprach den Eltern Millys das Beileid der niederländischen Regierung aus. | In den Niederlanden hat ein Polizist mit dem Mord an einer Zwölfjährigen Entsetzen ausgelöst. Den Ermittlern wird vorgeworfen, bei der Fahndung versagt zu haben. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/maedchenmord-in-den-niederlanden-dein-freund-und-moerder-1.22635 | Mädchenmord in den Niederlanden - Dein Freund und Mörder | 00/03/2010 |
Einsatz im Rockermilieu: Ein Mitglied der Hells Angels hat sich gegen die Durchsuchung seiner Wohnung gewehrt - mit tödlichen Folgen für einen Beamten. Bei Ermittlungen in der Rockerszene ist am Mittwoch ein 42-jähriger Polizist in Anhausen (Rheinland-Pfalz) von einem Mitglied der Hells Angels getötet worden. Der 43-Jahre alte Rocker, der räuberische Erpressung im Rotlichtmilieu begangen haben soll, hatte kurz vor einer polizeilichen Durchsuchung seiner Wohnung ohne Warnung zwei Schüsse durch die geschlossene Tür abgegeben, wie die Staatsanwaltschaft Koblenz mitteilte. Mindestens ein Schuss traf den Beamten des Sondereinsatzkommandos (SEK) Rheinland-Pfalz. Der 42-Jährige wurde so schwer verletzt, dass er kurz darauf starb. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, Haftbefehl wegen Mordes zu beantragen. Sie geht von den Mordmerkmalen Heimtücke und Verdeckung einer anderen Straftat aus. Der nicht vorbestrafte Rocker und seine Lebensgefährtin waren den Angaben zufolge ohne Einsatz von Schusswaffen überwältigt und festgenommen worden. Die Ermittlungen in der Rockerszene richten sich gegen insgesamt fünf Tatverdächtige, die Prostituierte aus Konkurrenzgründen von einem lukrativen Platz im Westerwald vertrieben haben sollen. Durchsuchungen gab es in dieser Sache am Morgen zeitgleich an sieben Orten. Weil es zuvor Hinweise gab, dass der 43-Jährige eine Schusswaffe besitzt, sollte das SEK dessen Wohnungstür öffnen. Der getötete Beamte trug dabei zwar eine Schutzweste, weil ihn die Kugel jedoch seitlich traf, konnte sie durch seinen Arm in den Oberkörper eindringen. | Einsatz im Rockermilieu: Ein Mitglied der Hells Angels hat sich gegen die Durchsuchung seiner Wohnung gewehrt - mit tödlichen Folgen für einen Beamten. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/razzia-gegen-motorrad-gang-hells-angels-rocker-erschiesst-polizisten-1.7375 | Razzia gegen Motorrad-Gang - Hells Angels: Rocker erschießt Polizisten | 00/03/2010 |
Ein Feuer hat historische Königsgräber in Kampala zerstört. Das Gerücht der Brandstiftung geht um - und schürt Unruhen in der aufgebrachten Bevölkerung. Ein Feuer hat die zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Königsgräber am Rand der Haupstadt Kampala in Uganda zerstört. Die von Strohdächern bedeckten Grabstätten aus Schilfrohr brannten komplett nieder, berichtete die BBC. Ihrem Reporter zufolge sind die Menschen in Kampala wegen des Verlusts der Grabstätten zutiefst betroffen und aufgebracht. Die Ursache des Feuers war zunächst unklar. Jedoch löste das Gerücht der Brandstiftung in der Bevölkerung Unruhen aus. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP wurden Polizisten und Soldaten in die Hauptstadt entsandt, um eine Eskalation zu verhindern. Sie versuchten die ganze Nacht lang, Proteste wütender Jugendlicher aufzulösen. In Kampala kam es im vergangenen Jahr zu Ausschreitungen. Anhänger des Königs Ronald Muwenda der zum Teil unabhängigen Provinz Buganda befürchteten eine Beschneidung ihrer Autonomie durch die Zentralregierung. Die Monumente in Kampalas Vorort Kasubi wurden im 19. Jahrhundert als Grabstätte für die Könige von Buganda errichtet. Buganda ist das größte der vier Königreiche im heutigen Uganda. Das Reich der Buganda-Könige wurde um 1300 von Wanderhirten und eingesessenen Stämmen gegründet und hatte lange eine Vormachtstellung in Zentralafrika. | Ein Feuer hat historische Königsgräber in Kampala zerstört. Das Gerücht der Brandstiftung geht um - und schürt Unruhen in der aufgebrachten Bevölkerung. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/grabstaetten-in-uganda-unesco-weltkulturerbe-niedergebrannt-1.20969 | Grabstätten in Uganda - Unesco-Weltkulturerbe niedergebrannt | 00/03/2010 |
Ein Familienvater ist in den USA beim Joggen am Strand von einem in Not geratenen Kleinflugzeug getötet worden - er trug Kopfhörer und bekam von der Notlandung nichts mit. Bei einer Notlandung an einem Strand in den USA hat ein Kleinflugzeug einen 38-jährigen Jogger erfasst und getötet. Der Vater von zwei Kindern hatte keine Chance: Er trug Kopfhörer und hörte Musik von seinem iPod, als sich ihm die Propellermaschine auf Hilton Head Island im US-Bundesstaat South Carolina von hinten näherte. Die beiden Insassen der Unglücksmaschine blieben unverletzt. Neben den Kopfhörern wurde dem Jogger ein weiterer Umstand zum Verhängnis: Der Pilot hatte den Motor des viersitzigen Flugzeugs abgeschaltet, wie örtliche Medien am Dienstag berichteten: Das machte den Anflug noch leiser. Nach Behördenangaben verlor die einmotorige Maschine, die auf dem Weg von Florida nach Virginia war, in etwa 3.900 Metern Höhe Öl. Der Pilot habe eine Notlandung auf dem örtlichen Flughafen versucht. Dies schlug den Angaben zufolge aber fehl, weil auslaufendes Öl auf die Windschutzscheibe spritzte und die Sicht des Piloten behinderte. Schließlich fiel auch noch der Propeller aus. Der Pilot entschloss sich deshalb, die Maschine in der Nähe einer Feriensiedlung auf Hilton Head Island in seichtem Wasser aufzusetzen. An Bord war noch ein Passagier. Beide Insassen überstanden die Notlandung unverletzt. Der Jogger stammte aus Atlanta in Georgia und befand sich auf einer Geschäftsreise in South Carolina. Am Mittwoch hatte er wieder heimkehren wollen - rechtzeitig zum dritten Geburtstag seiner Tochter. | Ein Familienvater ist in den USA beim Joggen am Strand von einem in Not geratenen Kleinflugzeug getötet worden - er trug Kopfhörer und bekam von der Notlandung nichts mit. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/notlandung-am-strand-propellermaschine-toetet-jogger-1.16957 | Notlandung am Strand - Propellermaschine tötet Jogger | 00/03/2010 |
Der Zyklon Tomas wütet über den Fidschi-Inseln. Der Tropensturm richtet verheerende Schäden an und forderte erste Menschenleben. Die Gefahr ist noch nicht vorbei. Entwurzelte Bäume, umgestürzte Strommasten, bis zu sieben Meter hohe Wellen, die Küstenstädte überfluten. Der Wirbelsturm Tomas trifft das Urlaubsparadies Fidschi-Inseln mit voller Wucht. Die Regierung hat für die Inseln im Norden und Osten des Landes den Notstand ausgerufen. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern in der Stunde zog der Zyklon über den Inselstaat und hat dabei eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Der Wirbelsturm erreichte die Kategorie vier auf einer fünfstufigen Skala und war damit einer der stärksten Zyklone, die in den letzten 30 Jahren gemessen wurden. Häuser, Flugplätze und Gesundheitsstationen wurden beschädigt, die Strom- und Wasserversorgung war zum Teil unterbrochen. Der Chef der Militärregierung, Vorege Bainimarama, sprach von "unermesslichen" Schäden, deren Ausmaß noch nicht abzusehen sei. Aus Angst vor Plünderungen verhängte die Polizei eine Ausgangssperre. Bevor der tropische Wirbelsturm die Fidschi-Inseln erreichte, wurden etwa 17.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Sie mussten ihre Häuser verlassen und Schutz in Notunterkünften suchen. Trotz aller Vorkehrungsmaßnahmen geht die Regierung davon aus, dass Menschen ums Leben gekommen sind. Wie viele es sind, ist allerdings noch nicht bekannt. Die Behörden können keine genaueren Angaben dazu machen, da die Kommunikation mit einigen besonders betroffenen Inseln noch nicht wieder möglich ist. Ein erstes Todesopfer hat Tomas bereits am Wochenende gefordert. Eine Frau ertrank, nachdem sie ihre beiden Kinder aus dem Meer rettete. Sie wurde nach Polizeiangaben, nach der Rettung ihrer Kinder von hohen Wellen und der starken Strömung ins Meer gerissen. Bainimarama ließ jetzt das Militär ausrücken, um Lebensmittel und Zelte zu verteilen. Außerdem soll das Militär bei den Aufräumarbeiten helfen. Wie die Tourismusbehörde mitteilte, waren Touristen nicht in Gefahr. Die Hotels seien gut vorbereitet gewesen und darüber hinaus ausreichend mit Medikamenten und Vorräten versorgt. Die Gefahr für die Bewohner der Fidschi-Inseln ist noch nicht vorüber. Der Sturm soll nach Einschätzung von Meterologen jetzt weiter über die südlichen Inseln hinwegziehen. Dabei würde er aber langsam an Stärke verlieren. | Der Zyklon Tomas wütet über den Fidschi-Inseln. Der Tropensturm richtet verheerende Schäden an und forderte erste Menschenleben. Die Gefahr ist noch nicht vorbei. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/zyklon-ueber-fidschi-hoelle-im-paradies-1.4391 | Zyklon über Fidschi - Hölle im Paradies | 00/03/2010 |
Der Freund des Entführers von Natascha Kampusch wird sich doch vor Gericht verantworten müssen - weil er Priklopil vor der Polizei geschützt haben soll. Eine Mittäterschaft wird dagegen ausgeschlossen. Im Entführungsfall Natascha Kampusch wird es nun doch zu einer Anklage kommen. Der Freund des Kampusch-Entführers Wolfgang Priklopil, Ernst H., werde sich vor Gericht wegen "Begünstigung" verantworten müssen, berichtete die Zeitung Die Presse. Ihm wird zwar nicht vorgeworfen, sich an der Entführung von Natascha Kampusch beteiligt zu haben. Jedoch habe er seinen Freund Priklopil absichtlich der Strafverfolgung entzogen. Die Straftat der Begünstigung nach österreichischem Recht entspricht der Strafvereitelung nach dem deutschen Strafgesetzbuch. Das Blatt berief sich auf Angaben der Oberstaatsanwaltschaft Wien. Ernst H. wird beschuldigt, er habe den Entführer am 23. August 2006 getroffen und in sein Auto einsteigen lassen - kurz nachdem Kampusch die Flucht gelungen war. So habe er Priklopil, der kurz danach Suizid beging, vor der Verfolgung durch die Polizei geschützt. Bei dem Treffen soll der Entführer vor seinem Freund eine Art "Lebensbeichte" abgelegt haben. Anschließend warf er sich vor einen Zug. Konkret wird Ernst H. deshalb vorgeworfen, er habe Priklopil "der Verfolgung (...) absichtlich zum Teil entzogen". Die Anklage wird in den nächsten Tagen eingebracht. Dem 45-Jährigen drohen bis zu zwei Jahre Haft. "Bauernopfer als Rechtfertigung" Die Anklage kommt überraschend, da der Fall eigentlich bereits abgeschlossen war. Auf Anweisung der Oberstaatsanwaltschaft wird er nun wieder aufgerollt. Ernst H.'s Anwalt Manfred Ainedter betonte, der Tatbestand der "Begünstigung" sei weder subjektiv noch objektiv erfüllt. Der Beschuldigte sei "ein Bauernopfer, mit dem man nun versucht, mit Gewalt im Nachhinein die Neuauflage der Untersuchungen zum Fall Kampusch zu rechtfertigen", zitierte die Nachrichtenagentur APA den Juristen. Natascha Kampusch war von Priklopil achteinhalb Jahre in einem Kellerverlies im niederösterreichischen Strasshof gefangen gehalten worden. Eine Mittäterschaft von Ernst H. schließen die Behörden jedoch weiter aus. Priklopil gilt als Einzeltäter. | Der Freund des Entführers von Natascha Kampusch wird sich doch vor Gericht verantworten müssen - weil er Priklopil vor der Polizei geschützt haben soll. Eine Mittäterschaft wird dagegen ausgeschlossen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/anklage-erhebung-wende-im-kampusch-fall-1.23090 | Anklage-Erhebung - Wende im Kampusch-Fall | 00/03/2010 |
Der laut Guinness-Buch kleinste Mann der Welt ist tot. Der knapp 75 Zentimeter große Chinese He Pingping starb nach einem TV-Auftritt in Rom - im Alter von nur 21 Jahren. Der laut Guinness-Buch der Rekorde kleinste Mann der Welt ist tot. Der 21-jährige Chinese He Pingping starb in Rom nach dem Auftritt in einer Fernsehshow. Er maß nur 74,6 Zentimeter. Der Kettenraucher war wegen Brustbeschwerden ins Krankenhaus gebracht worden, wie der Chefredakteur des Guinness-Buchs der Rekorde in London mitteilte. Todesursache seien Herzprobleme gewesen. Bereits vor zwei Wochen sei He in einem Krankenhaus wegen Schmerzen in der Brust behandelt worden, berichtete die BBC. "Für einen solch kleinen Mann hat er großen Eindruck rund um die Welt gemacht", erklärte der Chefredakteur des Guinness-Buches, Craig Glenday. Der an einer seltenen Knochenkrankheit leidende He stammte aus der Inneren Mongolei in Nordchina und soll bei seiner Geburt in die Handfläche seines Vaters gepasst haben. He hielt den Rekord des kleinsten Menschen der Welt seit März 2008. In der kommenden Ausgabe des Buches soll an ihn erinnert werden, bevor ein Nachfolger für den Titel gesucht wird. | Der laut Guinness-Buch kleinste Mann der Welt ist tot. Der knapp 75 Zentimeter große Chinese He Pingping starb nach einem TV-Auftritt in Rom - im Alter von nur 21 Jahren. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/tod-nach-fernsehshow-kleinster-mann-der-welt-gestorben-1.1998 | Tod nach Fernsehshow - Kleinster Mann der Welt gestorben | 00/03/2010 |
Hilferuf vom Skandal-Rapper: Bushido ist in Berlin-Neukölln bei einem Streit von zwei bewaffneten Männern bedroht worden. Die Polizei nahm die mutmaßlichen Täter fest - von der Waffe fehlt jedoch jede Spur. Der deutsche Rapper Bushido ist am Montagabend in Berlin-Neukölln von zwei angeblich bewaffneten Männern bedroht worden. Der Berliner Musiker wurde nicht verletzt. Die Polizei wurde nach eigenen Angaben über den Notruf 110 alarmiert. Ein Anrufer habe gesagt, dass zwei bewaffnete Männer in Neukölln einen Mann bedrohten. Die Polizei war rechtzeitig am Tatort und hat die Männer zunächst festgenommen. Eine Waffe konnten die Beamten bei einer Durchsuchung jedoch nicht finden. Warum der 31-jährige Rapper bedroht wurde, ist noch völlig unklar. Zuvor soll es zu einem Streit gekommen sein. Die Ermittlungen dauern an. Der einstige Skandal-Rapper machte mit schwulen- und frauenfeindlichen Texten Schlagzeilen. Frauenrechterlin Alice Schwarzer bezeichnte ihn einmal als "kleinbürgerlichen Spießer". Ende Januar brachte Filmproduzent Bernd Eichinger die Biographie des Schulabbrechers aus Berlin-Tempelhof unter dem Titel "Zeiten ändern dich" in die Kinos. | Hilferuf vom Skandal-Rapper: Bushido ist in Berlin-Neukölln bei einem Streit von zwei bewaffneten Männern bedroht worden. Die Polizei nahm die mutmaßlichen Täter fest - von der Waffe fehlt jedoch jede Spur. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/polizei-notruf-in-berlin-ueberfall-auf-bushido-1.20740 | Polizei-Notruf in Berlin - Überfall auf Bushido | 00/03/2010 |
Eine Mutter steht in Frankreich wegen mehrfacher Kindstötung vor Gericht. Die Frau war mit den in Plastiksäcken verpackten Leichen ihrer Babys sogar umgezogen. Prozess um mehrfachen Kindsmord erschüttert Frankreich: Ihre Babys hätten alle gelebt, sagte die angeklagte Mutter vor Gericht in Coutances. Die 38-jährige Französin räumte ein, sechs ihrer Kinder nach der Geburt erstickt oder erwürgt zu haben. Die Leichen hatte sie in Plastiksäcken im Keller ihres Hauses in Valognes im Nordwesten Frankreichs versteckt. Die Frau wurde 2007 festgenommen, nachdem ihr damaliger Lebenspartner die toten Babys entdeckt hatte. Bei einem Schuldspruch droht der 38-Jährigen eine lebenslange Haftstrafe. Der Prozess ist auf vier Tage angesetzt. Schon in Verhören unmittelbar nach ihrer Festnahme hatte die Frau eingeräumt, zwei ihrer Babys erwürgt und vier erstickt zu haben. Mit gebeugtem Kopf verfolgte sie im Gericht die Verlesung der Anklageschrift. Auf Drängen von Richter Herve Locu, der wissen wollte, ob die Babys noch gelebt hätten, antwortete sie: "Sie waren am Leben." Mehrere Mediziner und Psychologen sollen noch vor Gericht angehört werden. "Wir sind hier, um sie zu verstehen, bevor wir über sie urteilen", sagte Locu. Die Kinder wurden zwischen 2000 und 2007 geboren. Der Vater von fünf der Kinder soll ein Ex-Freund sein, der nach ihrer Festnahme 2007 auch vernommen wurde. Gegen ihn wurde jedoch keine Anklage erhoben. Der Vater des sechsten Kindes ist der Mann, der die Kindstötungen aufdeckte und der Polizei meldete. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft zog die Frau, die einen 14-jährigen Sohn hat, nach der Trennung von dem Vater der fünf getöteten Säuglinge 2006 zu ihrem neuen Lebenspartner: Die Säcke mit den Babyleichen nahm sie mit in das neue Haus. | Eine Mutter steht in Frankreich wegen mehrfacher Kindstötung vor Gericht. Die Frau war mit den in Plastiksäcken verpackten Leichen ihrer Babys sogar umgezogen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/prozess-in-frankreich-mutter-toetete-sechs-ihrer-babys-1.17106 | Prozess in Frankreich - Mutter tötete sechs ihrer Babys | 00/03/2010 |
Ein 33-jähriger Elektriker hat den Griff des Garagentors seiner Ex-Freundin unter Strom gesetzt. Nur ihre Schuhe retteten der schwangeren Frau das Leben. Er machte sich sein berufliches Wissen für einen perfiden Plan zunutze: Ein 33-jähriger Elektriker muss für fünf Jahre ins Gefängnis, weil er seine schwangere Ex-Freundin mit einem unter Strom gesetzten Garagengriff töten wollte. "Sie war völlig arglos", begründete die Vorsitzende Richterin Regina Rieker-Müller das Urteil des Landgerichts Stuttgart. Nur ihre schlecht leitenden Schuhe hätten die 33-Jährige im Juli 2009 gerettet: So blieb die Frau bei dem versuchten Attentat unverletzt. Offenbar hatte der Mann die Trennung von seiner ehemaligen Lebensgefährtin und deren neue Beziehung nicht verkraftet. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert und erklärt, der Elektriker habe der Frau nur einen Schrecken einjagen wollen. Das Gericht zeigte sich jedoch überzeugt, dass es sich bei der Tat um versuchten Mord handelte. Der Elektriker habe gewollt, dass seine Ex-Freundin durch einen Stromschlag ums Leben kommt, als er Steckdose und Garagengriff fachmännisch mit einem Kabel verband, sagte die Richterin. "Im April 2009 hat er in einer Handy-Kurznachricht angekündigt, sie 'platt' zu machen." Selbst mit den isolierenden Sohlen bestand höchste Gefahr für die Frau. Wenn Schuhe und Boden durch den einsetzenden Regen schon nass gewesen wären, hätte die Konstruktion nach Ansicht der Sachverständigen sehr wahrscheinlich zum Tod durch Herzversagen geführt. Die Frau hätte die Beziehung zu dem 33-Jährigen im September 2008 nach einer Abtreibung beendet, weil der Angeklagte nicht zu seinem ungeborenen Kind stehen wollte, sagte die Richterin. | Ein 33-jähriger Elektriker hat den Griff des Garagentors seiner Ex-Freundin unter Strom gesetzt. Nur ihre Schuhe retteten der schwangeren Frau das Leben. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/urteil-wegen-versuchten-mordes-gefaehrlicher-griff-ans-garagentor-1.18415 | Urteil wegen versuchten Mordes - Gefährlicher Griff ans Garagentor | 00/03/2010 |
Weil zwei Sibirische Tiger in einem Zoo im Nordosten Chinas einen Wärter anfielen, wurden ihre Artgenossen offenbar einer drakonischen Kollektivstrafe unterzogen. In freier Wildbahn gibt es nur noch etwa 500 Sibirische Tiger, die majestätischen Raubtiere sind im äußersten Osten Russlands und den angrenzenden Gebieten Chinas beheimatet. Doch auch in Gefangenschaft muss die größte Katzenart der Welt ums Überleben kämpfen: In einem Privatzoo im Nordosten Chinas sind elf Sibirische Tiger aufgrund von Unterernährung und mangelndem Auslauf verendet. Wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, bekamen die Tiger unter anderem aus Geldmangel seit Monaten nur noch Hühnerbeine zu fressen. Zudem wurden sie nicht mehr ins Freie gelassen. Mit dieser Behandlung sollten die Tiere offenbar auch für eine Attacke auf einen Tierwärter im November bestraft werden: Zwei der Raubkatzen hatten den Mann angefallen und verletzt. Er überlebte - die Tiger wurden erschossen. Offenbar waren die Tiere bereits damals unterernährt und deswegen gefährlich. Die katastrophalen Zustände in dem Zoo von Shenyang wurden vom Vizechef der dortigen Tierschutzbehörde aufgedeckt. In China gibt es etwa 200 private Zoos, die zum Teil unter chronischem Geldmangel leiden. Insgesamt werden in chinesischen Zoos rund 6000 Tiger in Gefangenschaft gehalten. Nach dem Hungertod der auch Amurtiger genannten Raubkatzen bekommt der Zoo nun eine kräftige Finanzspritze. Neben einer Aufstockung der staatlichen Förderung um umgerechnet knapp 728.000 Euro leiteten die örtlichen Behörden jedoch auch eine Untersuchung der Missstände ein, wie staatliche Medien berichteten. Neben den Sibirischen Tigern starben in dem Zoo noch 22 weitere, zum Teil vom Aussterben bedrohte Tiere: so beispielweise zwei Makaken (Meerkatzenart) und ein Braunbär. | Weil zwei Sibirische Tiger in einem Zoo im Nordosten Chinas einen Wärter anfielen, wurden ihre Artgenossen offenbar einer drakonischen Kollektivstrafe unterzogen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/china-tierquaelerei-in-zoo-elf-tiger-verhungert-1.20724 | China: Tierquälerei in Zoo - Elf Tiger verhungert | 00/03/2010 |
Erst tötet ein 53-Jähriger seinen Sohn, dann schießt er im Haus seiner Ex-Frau um sich. Als ein herbeigerufener Polizist im Treppenhaus stolpert, muss auch er sterben. Ein Vater hat am Sonntag im flämischen Riemst, südwestlich von Maastricht, seinen 15-jährigen Sohn erschossen. Bei einem anschließenden Feuergefecht mit der Polizei im Haus seiner geschiedenen Frau im nahegelegenen Bilzen tötete der Mann außerdem einen Polizisten und kam dann selbst durch eine Kugel ums Leben, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Unklar blieb zunächst, ob der Schütze durch eine Polizeikugel starb oder sich selbst erschoss. Auch auf seine Ex-Frau, von der er sich vor mehr als zwei Jahren hatte scheiden lassen, feuerte er. Besessen von Waffen Der 53-Jährige war den Behörden bereits als aggressiv bekannt. Er habe "aus familiären Gründen den Kopf verloren", sagte Innenministerin Annemie Turtelboom. Sie fuhr an den Ort des Geschehens, nachdem sie über den Tod des Polizisten informiert worden war. Der Täter war nicht als Besitzer von Schusswaffen registriert, wie Belga berichtete. "Wir haben in Belgien eines der strengsten Waffengesetze, aber dieses Gesetz ist trotzdem umgangen worden", sagte der zuständige Staatsanwalt Ivo Delbrouck. "Der Mann war offensichtlich besessen von Waffen." Der getötete Polizist war ein Familienvater mit zwei erwachsenen Kindern. Er sollte in zwei Jahren in Rente gehen. Mit einem Kollegen soll der getötete Beamte den Täter im Badezimmer der Wohnung in Bilzen angetroffen haben. Die beiden Beamten wollten dann jedoch das Gebäude wieder verlassen, um Verstärkung zu holen. Im Treppenhaus sei einer der beiden gestolpert: Er habe nicht mehr fliehen können und sei von dem Täter hinterrücks erschossen worden, berichtete Belga. Der Täter war bereits vor einigen Jahren in einen Vorfall mit Schusswaffen verwickelt. Damals sollen ihm mehrere Waffen weggenommen worden sein. | Erst tötet ein 53-Jähriger seinen Sohn, dann schießt er im Haus seiner Ex-Frau um sich. Als ein herbeigerufener Polizist im Treppenhaus stolpert, muss auch er sterben. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/familiendrama-in-belgien-vater-erschiesst-sohn-1.11414 | Familiendrama in Belgien - Vater erschießt Sohn | 00/03/2010 |
Zwei Wochen nach dem schweren Erdbeben hat ein massiver Stromausfall weite Teile Chiles lahmgelegt. 80 Prozent der Einwohner des Landes saßen im Dunkeln. Ein Stromausfall hat in Chile am Sonntagabend nahezu die gesamte Bevölkerung des südamerikanischen Landes in Dunkelheit gehüllt. Nach Angaben des Stromunternehmens Transelec waren 80 bis 90 Prozent der 17 Millionen Einwohner von dem Blackout betroffen. Viele der nach der Erdbebenkatastrophe Ende Februar und den zahlreichen Nachbeben ohnehin schon verängstigten Menschen rannten in Panik auf die Straßen. Ursache sei ein Kurzschluss in einer Transformatorstation gewesen, sagte Innenminister Rodrigo Hinzpeter. Der Stromausfall habe nicht direkt mit dem Erdbeben der Stärke 8,8 vom 27. Februar zu tun, betonte der Minister. Allerdings sei das Netz durch die Erdbebenschäden geschwächt. In der Hauptstadt Santiago musste die Feuerwehr zahlreiche Menschen aus steckengebliebenen Fahrstühlen befreien. 21 U-Bahnzüge blieben zwischen Stationen im Tunnel stehen und die Fahrgäste mussten durch die Tunnel geleitet werden. Die Sicherheitskräfte verstärkten ihre Präsenz auf den Straßen, um mögliche Plünderer abzuschrecken. Etwa eine Stunde nach dem Zusammenbruch des Stromnetzes gab es in einigen Städten wieder Licht, vereinzelt auch im Großraum von Santiago, wo sieben Millionen Menschen leben. Bis zur vollen Wiederherstellung der Stromversorgung werde es aber noch Stunden dauern, hieß es. | Zwei Wochen nach dem schweren Erdbeben hat ein massiver Stromausfall weite Teile Chiles lahmgelegt. 80 Prozent der Einwohner des Landes saßen im Dunkeln. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/blackout-in-chile-millionen-menschen-ohne-strom-1.9240 | Blackout in Chile - Millionen Menschen ohne Strom | 00/03/2010 |
Was genau machen eigentlich chinesische Beamte den ganzen Tag? Diese Frage ist nun beantwortet, jedenfalls was den Beamten Han Feng betrifft. Sein Tagebuch fand den Weg ins Internet. Millionen von Chinesen haben es inzwischen gelesen. Es dokumentiert für den Zeitraum September 2007 bis Januar 2008 vor allem drei Tätigkeiten, die sich fast täglich wiederholten. Han kassierte Schmiergelder. Han schlief mit einer seiner Geliebten. Han soff Unmengen von Alkohol. Han Feng war Abteilungsleiter des örtlichen Tabakmonopolbüros des Städtchens Laibin in der Südwestprovinz Guangxi. In der Volksrepublik China hat sich der Staat das Monopol für den Verkauf von Tabak reserviert, was seine Beamten in eine beneidenswerte Position versetzt, wie dem Tagebuch zu entnehmen ist. Nachdem Hans Vorgesetzte öffentlich eingeräumt haben, dass der im Internet veröffentlichte Text zumindest "teilweise authentisch" sei, wurde das Schriftstück von mehreren chinesischen Medien veröffentlicht. Die folgenden Auszüge stammen aus dem Jahr 2007: "16. September, Sonntag, 24 bis 31 Grad Celsius, sonnig. Wang Shucheng lud uns beide zum Lunch im Guijing-Hotel ein. Er gab mir zwei Flaschen Maotai-Schnaps und 50.000 Yuan in bar. Ich brachte 30.000 Yuan zur Bank und nahm 20.000 Yuan mit nach Hause. 18. September, Dienstag. 21 bis 32 Grad Celsius, sonnig. Ging zum Guoda-Hotel und mietete ein Zimmer. Ging zurück ins Büro. Sex mit Xiao Tan Yong Rixian und die anderen kamen vorbei. Sie machen morgen die Kommissarsprüfung. Trank eine Menge Rotwein mit ihnen an diesem Abend. Gegen elf Uhr kehrte ich zurück ins Guoda-Hotel. Xiao Tan war schon da. Ich schlief mit ihr. 19. September, Mittwoch, 21 bis 32 Grad Celsius, sonnig. Mittags kamen Hong He, Anhui, Li Yuefen und andere. Ich speiste mit ihnen zu Mittag. Trank eine Menge Schnaps. Schlief am Nachmittag. Ging abends ins Guoda-Hotel. Hatte Sex mit Xiao Tan. 20. September, Donnerstag, 19 bis 32 Grad Celsius, sonnig. Sehr müde. Ging erst nachmittags ins Büro. Chen Zhang kam vorbei und gab mir 20.000 Yuan." So geht es immer weiter. Die Aufzählung wird, trotz einiger saftiger Details schnell langweilig. Einzelne Stellen aber fanden trotzdem sehr aufmerksame Leser. Pech für Han Feng war vor allem, dass er sämtliche Schmiergeldzahlungen akribisch dokumentiert hatte. Die Summen schwankten zwischen umgerechnet 220 und gut 11.000 Euro. Insgesamt verzeichnet sein Tagebuch über den Zeitraum von nur fünf Monaten Schmiergelder in Höhe von 162.000 Yuan (etwa 18.000 Euro), nicht weniger als 56 feuchtfröhliche Bankette und zahlreiche Intimkontakte. Die Kommission prüft Wie so vielen Beamten in China ist dem staatlichen Tabak-Kommissar allerdings am Ende nicht etwa das Kassieren von Schmiergeldern zum Verhängnis geworden. Das ist in Chinas Amtsstuben so weit verbreitet, dass sich deshalb kaum noch eine Augenbraue hebt. Vielmehr war es die Tatsache, dass der gehörnte Ehemann einer von Hans zahlreichen Konkubinen das Tagebuch fand und aus Rache ins Internet stellte. Da war auch die Zentralregierung zum Handeln gezwungen. Bald meldete die regierungsnahe Zeitung China Daily: "Han ist von seinen Posten zurückgetreten". Eine Disziplinarkommission werde das Tagebuch nun intensiv unter die Lupe nehmen. "Han Feng war ein guter Beamter", kommentiert hingegen der bekannte chinesische Blogger Han Han. Er habe in sechs Monaten doch eine relativ geringe Summe an Schmiergeldern eingesteckt. "Wo finden wir heutzutage noch so einen sauberen Beamten wie Han Feng?", spottet der Blogger. | In China kursieren Aufzeichnungen eines Beamten im Netz. Sex, Alkohol, Bestechung - er schreibt über sein Treiben während der Arbeitszeit. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/staatsdiener-in-china-intime-bekenntnisse-eines-beamten-1.20500 | Staatsdiener in China - Intime Bekenntnisse eines Beamten | 00/03/2010 |
Peinliche Fahndungspanne: Der verhaftete Verdächtige im Fall des spektakulären Pokerturnier-Überfalls ist wieder auf freiem Fuß - offenbar hatte die Polizei ihn verwechselt. Der nach dem Raubüberfall auf ein Pokerturnier in Berlin festgenommene Tatverdächtige ist wieder frei. Ein Sprecher der Polizei bestätigte einen entsprechenden Bericht der Berliner Morgenpost. Nach Angaben der Zeitung soll der Mann das Opfer einer Verwechslung sein. Unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete das Blatt vorab, die Beweise für die Aufrechterhaltung des Haftbefehls gegen den Mann reichten nicht aus. Der Festgenommene habe seine Beteiligung an dem Überfall bestritten. Der Mann war am Freitagabend gegen 21 Uhr in einer Wohnung in Berlin von Spezialeinsatzkräften der Polizei festgenommen worden. Zuvor hatte ein Amtsrichter Haftbefehl erlassen. Der Vorwurf lautet nach Angaben des Polizeisprechers auf gemeinschaftlichen schweren Raub. Zum Alter und zur Identität des Verhafteten wurden keine Angaben gemacht. Nach der Festnahme waren auf der Suche nach weiteren mutmaßlichen Tätern zwei Wohnungen durchsucht worden. Polizei und Staatsanwaltschaft baten die Öffentlichkeit um Verständnis, dass aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Angaben über den Stand der Fahndung gemacht werden könnten. Vier bewaffnete und maskierte Männer hatten am vergangenen Samstag das prominent besetzte Turnier der European Poker Tour im Hotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz überfallen und 242.000 Euro erbeutet. Wegen zahlreicher Filmaufnahmen von dem Überfall, Zeugenaussagen, DNA-Spuren und Fingerabdrücken zeigte sich die Polizei optimistisch, die Bande schnell zu fassen. Nach Angaben der Berliner Morgenpost soll die Polizei bereits Anfang der Woche Hinweise auf das Fluchtfahrzeug der Männer bekommen haben. Zudem sei der festgenommene Verdächtige auch an einem Überfall auf eine Berliner Spielbank im Jahr 2004 beteiligt gewesen. Insgesamt gingen seit vergangenem Samstag 80 Zeugenaussagen bei der Polizei ein: 40 Zeugen seien bereits vernommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Zudem erhofften sich die Ermittler durch einen Bericht in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY... ungelöst weitere Erkenntnisse. Trotz eines Millionenpublikums habe es aber keine neuen Hinweise gegeben, sagte eine Sprecherin der Sendung. | Peinliche Fahndungspanne: Der verhaftete Verdächtige im Fall des spektakulären Pokerturnier-Überfalls ist wieder auf freiem Fuß - offenbar hatte die Polizei ihn verwechselt. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/ueberfall-auf-pokerturnier-die-polizei-verzockt-sich-1.19826 | Überfall auf Pokerturnier - Die Polizei verzockt sich | 00/03/2010 |
Im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der neunjährigen Corinna aus Sachsen werden am ersten Verhandlungstag erschütternde Details bekannt. Erschütterung im Gerichtssaal zum Auftakt des Prozesses im Fall Corinna: Das neunjährige Kind hat der Anklage zufolge vor seinem Tod ein Martyrium durchlitten. Das Mädchen aus dem sächsischen Eilenburg wurde geschlagen, missbraucht und gewürgt, bis es schließlich qualvoll erstickte. Mehr als sieben Monate nach der Tat muss sich ihr mutmaßlicher Mörder Lutz Peter Sch. jetzt vor dem Leipziger Landgericht verantworten. Dem 39-Jährigen, der während der Anklageverlesung keinerlei Regung zeigte, droht lebenslange Haft wegen Mordes. Corinna war der Staatsanwaltschaft zufolge völlig arglos, als sie am Nachmittag des 28. Juli ihrem späteren Peiniger begegnete. Kurz zuvor hatte das Mädchen mit dem braunen Haarschopf die Wohnung ihrer Familie verlassen, um Spielen zu gehen. Doch sie kehrte nicht mehr zurück. Vor einem Einkaufszentrum traf Corinna auf nach Überzeugung der Anklage auf Lutz Peter Sch. Zu diesem Zeitpunkt habe er bereits den Entschluss gefasst, die Neunjährige zu missbrauchen, sagte Staatsanwalt Ulrich Jakob vor Gericht. Er lockte das ahnungslose Kind auf sein Gartengrundstück, wo ein ausrangierter Bauwagen stand und er sich laut Jakob ungestört wusste. Um das Mädchen in Sicherheit zu wiegen, schaltete er einen Zeichentrickfilm im Fernsehen an. Anschließend soll Sch. versucht haben, das Kind auszuziehen und zu missbrauchen. Als es sich schreiend wehrte, habe er Corinna geschlagen, ihr den Mund zugehalten und sie gewürgt, bis sie kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Die Leiche des Kindes steckte er den Ermittlungen zufolge in einen blauen Müllsack und brachte sie mit dem Fahrradanhänger in einen nahegelegenen Wassergraben, wo sie einen Tag später gefunden wurde. Lutz Peter Sch. versuchte demnach auch, Spuren zu verwischen und verbrannte sogar die Puppe des Mädchens. Drei Tage nach der Tat wurde er jedoch aufgrund von Zeugenhinweisen festgenommen. Am ersten Prozesstag kam von Lutz Peter Sch. keinerlei Wort der Reue. Nahezu reglos und mit verschränkten Armen folgte der Mann im schwarzen Kapuzenpullover der Verhandlung. Der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf verlas einen Brief der Mutter des Angeklagten, in dem diese ihren Sohn bat, sich zu seiner Tat zu bekennen. Doch bis auf knappe Angaben zu seiner Person schwieg der Angeklagte. Klare Aussage Das Gericht vernahm allerdings die Polizistin als Zeugin, die Sch. nach seiner Verhaftung vernommen hatte. Ihr gegenüber gestand er die Tat - nach Ansicht seines Anwalts ist das Geständnis aber nichts wert: 2,8 Promille habe sein Mandant bei der Vernehmung im Blut gehabt. Die Polizistin sagte aus, sie sei erstaunt gewesen, wie klar und ohne jegliche Ausfallerscheinungen sich Sch. trotz seines hohen Alkoholpegels geäußert habe. "Es sprudelte nur so aus ihm heraus, ich hatte das Gefühl, als wolle er es so schnell wie möglich loswerden", erinnerte sich die Beamtin. Sch. habe eingeräumt, er habe schon länger geplant, ein Kind zu missbrauchen. Als er Corinna auf der Straße gesehen habe, habe es "im Kopf geknallt", wurde der Angeklagte zitiert. Der 39-Jährige, der bis in die 1990er Jahre hinein in einer Eilenburger Süßwarenfabrik arbeitete und zuletzt arbeitslos war, ist wegen Brandstiftung und Verkehrsdelikten vorbestraft. Wegen Sexualdelikten trat er bislang nicht in Erscheinung. "Meine Mandantin wünscht sich die gesetzliche Höchststrafe: lebenslang", sagte Rechtsanwältin Ina Alexandra Tust, die Corinnas Mutter als Nebenklägerin vertritt. Der Vorsitzende Richter wies darauf hin, dass im Fall der Verurteilung wegen Mordes auch die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden könnte. Dies würde einer vorzeitigen Entlassung nach 15 Jahren Gefängnis verhindern. Im Video: Der 39-jährige Angeklagte wird beschuldigt, im vergangenen Sommer die damals neunjährige Corinna ermordet zu haben. Weitere Videos finden Sie hier | Im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der neunjährigen Corinna aus Sachsen werden am ersten Verhandlungstag erschütternde Details bekannt. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/mordfall-corinna-geschlagen-und-missbraucht-1.13555 | Mordfall Corinna - Geschlagen und missbraucht | 00/03/2010 |
"Fahrlässiges Verhalten" der französischen Luftfahrtgesellschaft: 840.000 Euro hat ein brasilianisches Gericht der Familie eines Opfers des Air-France-Flugzeugabsturzes zugesprochen. Neun Monate nach dem Absturz eines Air-France-Flugzeugs über dem Atlantik ist die Fluglinie in Brasilien zu einer Entschädigungszahlung für eines der Opfer verurteilt worden. Die französische Airline müsse umgerechnet 840.000 Euro an die Familie des früheren Generalstaatsanwalts Marcelle Valpacos Fonseca zahlen, urteilte ein Bundesrichter in Rio de Janeiro. Die Katastrophe sei auf das "fahrlässige Verhalten" von Air France zurückzuführen, befand das Gericht. Es sei wichtig, dass der Verlust eines Familienmitgliedes als "unersetzlich" anerkannt werde. Air France in Paris wollte sich zu dem Urteil nicht äußern. Valpacos Fonseca saß in der Unglücksmaschine, die in der Nacht zum 1. Juni auf dem Flug von Rio nach Paris ins offene Meer gestürzt war. Dabei kamen 228 Menschen ums Leben, darunter auch 28 Deutsche. Die Unglücksursache ist bis heute ungeklärt, weil die Flugschreiber der Maschine nicht gefunden werden konnten. Demnächst soll mit einem internationalen Großaufgebot ein letzter Versuch unternommen werden, die Black Boxes am Meeresgrund zu finden. Air France und auch dem europäischen Flugzeugbauer Airbus war nach dem Unfall vorgeworfen worden, sie hätten zu lange auf die außen angebrachten Geschwindigkeitsmesser der Maschinen vertraut, obwohl es mit den sogenannten Pitot-Sonden etliche Zwischenfälle gegeben habe. Mittlerweile haben zahlreiche Hinterbliebene von Opfern Schadenersatzklagen eingereicht. | "Fahrlässiges Verhalten" der französischen Luftfahrtgesellschaft: 840.000 Euro hat ein brasilianisches Gericht der Familie eines Opfers des Air-France-Flugzeugabsturzes zugesprochen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/flugzeugabsturz-ueber-dem-atlantik-air-france-muss-zahlen-1.16511 | Flugzeugabsturz über dem Atlantik - Air France muss zahlen | 00/03/2010 |
Weil eine 18-Jährige mit ihrer Freundin und im Smoking zum Abschlussball kommen wollte, hat eine Highschool in Mississippi das Fest abgesagt. Jetzt wehrt das Mädchen sich vor Gericht Sie wollte ihre Freundin zum Abschlussball mitbringen und einen Smoking anziehen - doch nachdem die Schule von diesen Plänen einer lesbischen Schülerin aus dem US-Bundesstaat Mississippi erfuhr, sagte sie das jährliche Fest einfach ab. Das will Constance McMillen sich aber nicht gefallen lassen: Die 18-Jährige hat ihre Highschool nun kurzerhand verklagt. Sie wolle die Verwaltung zwingen, die Anfang April geplante Feier doch noch zu erlauben, erklärte die Amerikanische Bürgerrechtsunion (ACLU). Die Schulverwaltung im Bezirk Itawamba hatte zuvor erklärt, der Ball finde wegen "Störungen" nicht statt. Die ACLU reichte im Namen des Mädchens daraufhin Klage ein. Die Schule müsse die Abschlussfeier nicht nur erlauben, sondern auch dem Bekleidungswunsch McMillens und der Teilnahme ihrer Freundin zustimmen, forderte die Bürgerrechtsunion. Die Regeln des Schulbezirks sehen vor, dass nur Paare unterschiedlichen Geschlechts am Abschlussball teilnehmen dürfen. Dies verstößt nach Ansicht der ACLU gegen die amerikanische Verfassung. "Stolz darauf, wer ich bin" Die 18-Jährige erklärte, einige Mitschüler hätten nach der Entscheidung der Schulverwaltung schwer enttäuscht reagiert. "Jemand hat gesagt 'Danke, dass du mein Abschlussjahr ruiniert hast'", sagte sie der Nachrichtenagentur AP. Nur nach gutem Zureden ihres Vaters sei sie am nächsten Tag wieder in die Schule gegangen. Er habe ihr gesagt, "dass ich ihnen zeigen muss, dass ich immer noch stolz darauf bin, wer ich bin". Mit ihrer Klage werde sie anderen helfen, die das gleiche Problem hätten, zeigt sich die Schülerin zuversichtlich. Die Schulverwaltung hatte am Mittwoch erklärt, die Feier werde nun hoffentlich privat organisiert. Ein Angebot dafür gab es bereits: Ein Hotelier aus New Orleans bot den Schülern an, sie kostenlos mit Bussen in die Stadt zu bringen und für sie dort einen Ball zu organisieren. Die Highschool abzuschließen solle eine schöne Erfahrung sein, sagte er der Zeitung The Clarion-Ledger. Der demokratische Kongressabgeordnete Jared Polis sagte, er habe bereits einen Gesetzentwurf eingebracht, der die Diskriminierung homosexueller Schüler verbietet. In mindestens zehn Staaten gebe es bereits ähnliche Regelungen. Der Fall McMillens zeige, dass "wir Schüler gegen Diskriminierung schützen müssen. In diesem Fall ist es ein Ball. In einem anderen geht es darum, verprügelt oder getötet zu werden", sagte Polis. Der Politiker aus Colorado ist nach eigenen Angaben der erste bekennende Homosexuelle, der ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. | Weil eine 18-Jährige mit ihrer Freundin und im Smoking zum Abschlussball kommen wollte, hat eine Highschool in Mississippi das Fest abgesagt. Jetzt wehrt das Mädchen sich vor Gericht | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/usa-abschlussball-abgesagt-lesbische-schuelerin-verklagt-highschool-1.20881 | USA: Abschlussball abgesagt - Lesbische Schülerin verklagt Highschool | 00/03/2010 |
Haftstrafe für den einstigen Star-Chirurgen Christoph Broelsch: Weil er die Not todkranker Patienten ausnutzte, muss der frühere Leibarzt des verstorbenen Bundespräsidenten Rau für drei Jahre ins Gefängnis. Der Chirurg Christoph Broelsch ist vom Landgericht Essen zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Nach Ansicht der Richter hat sich der frühere Chefarzt des Essener Universitätsklinikums der Steuerhinterziehung, der Bestechlichkeit, der Nötigung und des Betruges schuldig gemacht. Zwischen 2002 und 2007 habe der Transplantationsmediziner Broelsch unter anderem von 30 todkranken Krebspatienten die Zahlung "freiwilliger Spenden" an die Uniklinik gefordert. Nur dann hätten die Patienten damit rechnen können, frühzeitig und vor allem durch ihn persönlich behandelt zu werden. Broelsch galt jahrelang als Star-Chirurg. Er war auch der Leibarzt des verstorbenen Bundespräsidenten Johannes Rau. Die Staatsanwaltschaft hatte für Broelsch eine vierjährige Haftstrafe und drei Jahre Berufsverbot gefordert, sein Verteidiger hatte dagegen auf Freispruch plädiert. Broelsch selbst wies die Vorwürfe noch in seinem Schlusswort entschieden zurück. n der Urteilsbegründung bezeichneten die Richter das Verhalten des Angeklagten als stellenweise "absolut unerträglich". Sie führten aus, die meisten Patienten seien über das Ansinnen des Chefarztes zwar schockiert gewesen. Trotzdem hätten sie in der Hoffnung auf Genesung die Zahlungen in Höhe von bis zu 10.000 Euro geleistet. Einem Patienten soll der Professor dabei klar gemacht haben: "Ich brauche die Knete aber vor der Operation." In einem anderen Fall soll sich Broelsch bereit erklärt haben, die Spende von 10.000 Euro in zwei Raten zu teilen. Dabei soll er gesagt haben, die zweiten 5000 Euro würden aber auch dann fällig, "wenn der Patient auf dem Tisch bleibt". | Haftstrafe für den einstigen Star-Chirurgen Christoph Broelsch: Weil er die Not todkranker Patienten ausnutzte, muss der frühere Leibarzt des verstorbenen Bundespräsidenten Rau für drei Jahre ins Gefängnis. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/essen-ex-chefarzt-broelsch-verurteilt-geschaeft-mit-der-todesangst-1.17401 | Essen: Ex-Chefarzt Broelsch verurteilt - Geschäft mit der Todesangst | 00/03/2010 |
Die niederländische Seglerin Laura Dekker gibt nicht klein bei: Die 14-Jährige will im Juli auf jeden Fall zu ihrer Rekord-Segeltour um die Welt starten - notfalls ohne gerichtliche Zustimmung. Die niederländische Seglerin Laura Dekker bleibt stur: Im Juli werde die 14-jährige von der niederländischen Südprovinz Zeeland aus zu ihrem Rekordversuch der Alleinumseglung der Welt als bislang jüngster Mensch starten, kündigte ihr Vater am Freitag "vorbehaltlos" an. Damit brach Dick Dekker möglicherweise einen neuen Streit mit den Behörden vom Zaun. Schon zwei Mal hat ein Gericht in Utrecht der passionierten Hobby-Seglerin den Rekordversuch verboten. Begründung: Laura sei für so eine gefährliche Tour noch zu jung und seelisch noch zu verletzbar. Kurz vor Weihnachten 2009 entschied das Gericht, das Mädchen bis zum Juli weiter unter die Aufsicht des Jugendamtes zu stellen. Sie darf zwar bei ihrem Vater bleiben, der jedoch keine wichtige Entscheidung über Laura ohne Zustimmung der Behörde treffen darf. Im Frühsommer wollen die Richter zunächst erneut Gutachter zu der Frage anhören, ob die Teenager-Seglerin genügend Erfahrung und psychische Standfestigkeit für eine viele Monate dauernde Solo-Reise über die Weltmeere besitzt. Laura selbst ist davon ebenso überzeugt wie ihr Vater und auch ihre Großeltern väterlicherseits. Trotzdem sei die Ankündigung des Solo Törns eine Provokation der Behörden, fand die Zeitung de Volkskrant. Lauras deutsche Mutter, die schon lange von Dick Dekker geschieden ist, hat sich klar gegen einen baldigen Start ihrer Tochter ausgesprochen. Im April steht eine Gerichtsverhandlung über einen Berufungsantrag an, den Lauras Vater gegen die richterliche Entscheidung eingelegt hat, die Aufsicht des Jugendamtes über seine Tochter bis zum Juli zu verlängern. Zur Vorbereitung ihres Rekordversuchs, bei dem es zunächst von Zeeland aus vor die Küste Portugals und von dort weiter über den Atlantik gehen soll, ist Laura mit ihrem Vater aus der Umgebung von Utrecht nach Zeeland umgezogen. Sie wohnen jetzt in Zierikzee auf der Zeeland-Insel Schouwen-Duiveland. Dort liegt auch Lauras neue Jacht vor Anker. Von ihrem alten Boot "Guppy" habe sich Laura ebenso getrennt wie von ihrem bisherigen Sponsor, berichtete ihr Anwalt Peter de Lange. Der alte Sponsor habe "andere Auffassungen über die Vorbereitung gehabt, das führte zu Spannungen", zitierte de Volkskrant den Anwalt. Auch die bisherige Sprecherin sei nicht mehr für Laura tätig, "da sie ihre eigenen Vorstellungen davon hat, was sie tun will". Ende Januar war die 16-jährige Amerikanerin Abby Sunderland in Kalifornien in See gestochen, um als bislang jüngster Mensch allein die Welt zu umsegeln. Seit Mitte Oktober befindet sich bereits ein anderer Teenager auf einer Weltumsegelung, die etwas ältere Australierin Jessica Watson. Beide könnten den bisherigen Rekordhalter Mike Perham ablösen. Der Engländer wurde im vergangenen Sommer im Alter von 17 Jahren zum jüngsten Weltumsegler. | Die niederländische Seglerin Laura Dekker gibt nicht klein bei: Die 14-Jährige will im Juli auf jeden Fall zu ihrer Rekord-Segeltour um die Welt starten - notfalls ohne gerichtliche Zustimmung. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/14-jaehrige-laura-dekker-und-sie-segelt-doch-1.17135 | 14-jährige Laura Dekker - Und sie segelt doch | 00/03/2010 |
Sie gelten als Helden, ruinierten ihre Gesundheit - und mussten auf Entschädigung klagen. Nun hat New York sich mit den Rettungskräften von Ground Zero geeinigt. Mehr als 10.000 Menschen, die seit den Rettungs- und Aufräumarbeiten nach dem 11. September 2001 in New York mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben, sollen nun endlich entschädigt werden. Die Feuerwehrleute, Polizisten oder Bauarbeiter, die nach dem Einsturz des World Trade Centers (WTC) giftigen Stoffen und Unmengen von Staub ausgesetzt waren, könnten insgesamt 657 Millionen Dollar (gut 480 Millionen Euro) an Ausgleichszahlungen erhalten, teilte der Versicherer WTC Captive mit. Der Einigung zwischen der Stadt und den Einsatzkräften müssen noch ein Richter und die klagenden Einsatzkräfte selbst zustimmen. Wie die New York Times am Donnerstagabend online berichtete, haben die Geschädigten, unter ihnen viele Polizisten, Feuerwehrleute, Sanitäter und Bauarbeiter, bereits ihre Zustimmung gegeben. Geklagt hatten sie gegen insgesamt 90 Beschuldigte, darunter die Stadt New York und Firmen, die mit den Aufräumarbeiten betraut worden waren. Die Helfer führten an, sie seien ohne ausreichende Schutzausrüstung zum Ground Zero entsandt worden. Die meisten der etwa 10.000 Geschädigten klagen über Asthma und andere durch die hohe Staubbelastung am Ground Zero bedingte Erkrankungen. Einige sollen auch an Krebs leiden. Je nach Schwere der Krankheit sollen sie Summen von einigen tausend bis zu über einer Million Dollar erhalten, hieß es. Bürgermeister Michael Bloomberg sprach nach Bekanntwerden der Einigung von einer "fairen und vernünftigen Lösung". Die Versicherungsgesellschaft WTC Captive Insurance war eigens gegründet und mit Bundesmitteln ausgestattet worden, um die Stadt von Entschädigungsansprüchen freizustellen. Al-Qaida-Terroristen hatten am 11. September 2001 vier US-Passagierflugzeuge entführt. Zwei davon steuerten sie direkt in die Zwillingstürme des World Trade Center in New York. Ein weiteres schlug im Pentagon ein. Das vierte Flugzeug stürzte bei Shanksville in Pennsylvania ab - vermeintliches Ziel der Terroristen war das Weiße Haus in Washington. Mehr als 3000 Menschen verloren an diesem Tag ihr Leben. | Sie gelten als Helden, ruinierten ihre Gesundheit - und mussten auf Entschädigung klagen. Nun hat New York sich mit den Rettungskräften von Ground Zero geeinigt. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/11-september-2001-millionen-fuer-die-helfer-vom-ground-zero-1.9899 | 11. September 2001 - Millionen für die Helfer vom Ground Zero | 00/03/2010 |
In Deutschland und Österreich werden immer mehr Missbrauchsfälle bekannt. Ehemalige Schüler berichten von einer "Terror- und Angstatmosphäre". Auch in Österreich kommen dieser Tage immer mehr Missbrauchsfälle ans Licht der Öffentlichkeit. Bei den Wiener Sängerknaben soll es nach Angaben der österreichischen Tageszeitung Standard zu sexuellen Übergriffen und Gewalt gegen Chormitglieder gekommen sein. Zwei ehemalige Sänger des weltberühmten Chores berichteten den Angaben des Blattes zufolge von einer "Terror- und Angstatmosphäre", die allen bekannt gewesen sei. Nach Angaben der Zeitung kündigten Verantwortliche des Chores eine Prüfung der betreffenden Akten im Archiv an. Bei den beiden Opfern soll es sich um zwei Deutsche handeln. Ein heute 33-jähriger Mann aus Berlin, der in den 80er Jahren dem Wiener Knabenchor angehört hatte, habe von Duschritualen unter Anwesenheit der Erzieher berichtet, schreibt das Blatt. Bei dem zweiten früheren Chormitglied handelt es sich um einen heute 51-Jährigen, der in den 60er Jahren in dem Chor sang und heute ebenfalls in Deutschland lebt. Indes wurden nach schweren Anschuldigungen drei Patres des Stiftes Kremsmünster bei Linz ihrer Ämter enthoben, wie die Nachrichtenagentur APA berichtete. Ein 75 Jahre alter Mönch habe eine ihm vorgeworfene Tat mittlerweile zugeben, hieß es in einer Pressekonferenz. Auch in anderen Teilen des Landes meldeten sich weitere mutmaßliche Opfer von Gewalt und sexuellen Übergriffen. In Deutschland werden ebenfalls immer neue Missbrauchsfälle bekannt. An der privaten Odenwaldschule in Hessen, im Maristenkloster im niedersächsischen Meppen sowie im ehemaligen DDR-Kinderheim Pretzsch (Sachsen-Anhalt) soll es weitere Übergriffe gegeben haben. Die Leipziger Volkszeitung zitierte einen ehemaligen Heimbewohner, der angab, dort im Zeitraum zwischen 1969 und 1979 zusammen mit weiteren Kindern missbraucht worden zu sein. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau prüft den Fall. In Baden-Württemberg sind ebenfalls weitere Missbrauchsfälle an kirchlichen Einrichtungen bekanntgeworden. An der evangelischen Internatsschule Schloss Gaienhofen am Bodensee wurden Kinder und Jugendliche in fünf Fällen sexuell missbraucht. Auch bei der katholischen Diözese Rottenburg- Stuttgart sind in den vergangenen Wochen mehrere Hinweise auf Missbrauchs-Fälle eingegangen. Neue Vorwürfe gibt es auch gegen Erzieher aus der Vorschule der Regensburger Domspatzen: Dort sollen sogar in der jüngeren Vergangenheit Kinder mit fragwürdigen Methoden schikaniert worden sein. Ein heute 19-Jähriger sagte dem Bayerischen Rundfunk, dass sich noch vor etwa zehn Jahren Internatsschüler, die die Nachtruhe störten, stundenlang barfuß in den dunklen Waschraum stellen mussten. Klosterschwestern hätten den Buben verboten, sich zu setzen oder an die Wand zu lehnen. Auch im Erzbistum Bamberg ist es den neuesten Angaben zufolge zu Übergriffen gekommen. Erstmals befasst sich Papst Benedikt XVI. an diesem Freitag direkt mit dem Missbrauchsskandal an katholischen Einrichtungen in Deutschland. Benedikt XVI. empfängt den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, der ihm Bericht erstatten soll. | In Deutschland und Österreich werden immer mehr Missbrauchsfälle bekannt. Ehemalige Schüler berichten von einer "Terror- und Angstatmosphäre". | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/missbrauchsskandal-sexuelle-uebergriffe-bei-wiener-saengerknaben-1.3093 | Missbrauchsskandal - Sexuelle Übergriffe bei Wiener Sängerknaben | 00/03/2010 |
Wieder hat es in Chile ein heftiges Erdbeben gegeben. Nur wenige Minuten vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten zitterte die Erde - und versetzte die hochrangigen Gäste in Schrecken. Wieder ist Chile von mehreren heftigen Erdstößen erschüttert worden. Das neuerliche Erdbeben ereignete sich nur wenige Minuten vor der Amtseinführung des neuen chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte hatte das Beben die Stärke 7,2, ein weiterer Erdstoß erreichte die Stärke 5,1. Das Epizentrum lag den Angaben zufolge 150 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago. Auch in der Hafenstadt Valparaiso, wo zu diesem Zeitpunkt gerade die Amtseinführung des neuen Regierungschefs stattfand, war das Beben heftig zu spüren. Die Erdstöße versetzten viele ausländische Staatschefs, die zur Amtseinführung nach Valparaiso gereist waren, in Angst und Schrecken. Unter ihnen waren auch Boliviens Präsident Evo Morales und sein Amtskollege aus Paraguay, Fernando Lugo. Mit besorgten Gesichtern sie auf die Kronleuchter, die an der Decke des Parlamentssaales bedrohlich schwankten. Auch in den Fernsehstudios sahen sich die Nachrichtensprecher besorgt um, als das Bild zu wackeln begann. Piñera wurde trotzdem wie geplant vereidigt. In der Hauptstadt Santiago de Chile rannten Tausende Menschen aus ihren Häusern auf die Straßen. Die chilenischen Behörden lösten eine Tsunami-Warnung aus. Bewohner küstennaher Orte wurden aufgefordert, sich sofort in höher gelegene Gebiete zu begeben. Über mögliche neue Opfer oder Schäden gab es zunächst keine Angaben. Am 27. Februar hatte sich im Süden Chiles ein Erdbeben der Stärke 8,8 ereignet und zahlreiche Häuser zum Einsturz gebracht. Es war eines der schwersten jemals auf der Welt registrierten Beben. Dabei waren mindestens 497 Menschen ums Leben gekommen. Insgesamt sind Schätzungen zufolge rund zwei Millionen Menschen von der Katastrophe betroffen. Die bisherige Staatschefin Michelle Bachelet hatte in der vergangenen Woche erklärt, der Wiederaufbau in den betroffenen Gebieten werde bis zu vier Jahre dauern. | Wieder hat es in Chile ein heftiges Erdbeben gegeben. Nur wenige Minuten vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten zitterte die Erde - und versetzte die hochrangigen Gäste in Schrecken. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/suedamerika-schweres-nachbeben-erschuettert-chile-1.18590 | Südamerika - Schweres Nachbeben erschüttert Chile | 00/03/2010 |
Im Vorstand der Odenwaldschule herrscht Meinungsverschiedenheit über den Ausweg aus der Krise. Nach Auskunft eines Gremiummitglieds wird der Vorstand vorerst nicht geschlossen zurücktreten. Die Missbrauchsvorwürfe gegen vorwiegend katholische Schulen und Heime werden zu einem Flächenbrand: Am Mittwoch gerieten ein katholisches Internat im südhessischen Bensheim, ein Kinderheim der Caritas im hessischen Hofheim und ein Kinderheim in Sachsen unter Verdacht. An der von massiven Missbrauchsfällen erschütterten Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim gibt es jetzt Meinungsverschiedenheiten über den Weg aus der Krise. Allerdings will der Vorstand nicht, wie bisher angenommen, geschlossen zurücktreten, berichtet die Frankfurter Rundschau. Demnach bezeichnete Friedrich Springorum die Ankündigung als "Falschmeldung" - zumindest bis zur außerordentlichen Mitgliederversammlung des Odenwaldschulträgervereins am 27. März werde der Vorstand im Amt bleiben. Möglicherweise neue Besetzung Dann werde das Gremium "in einer möglicherweise neuen Besetzung" demokratisch gewählt. Springorum sagte im HR-Fernsehen: "Im Lichte der in diesen Tagen bekannt gewordenen Fälle von Kindesmissbrauch und aufgrund der zögerlichen Aufarbeitung" sei eine vorzeitige Neuwahl des Vorstandes zwingend. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau erwarte die Schulleiterin Margarita Kaufmann allerdings weiterhin den Rücktritt des Gremiums, dem sie selbst angehört. Nach Informationen der Rundschau sitzen in dem Gremium auch Weggefährten des ehemaligen Schulleiters, dessen Missbruch an Jugendlichen inzwischen eingeräumt wurde. Der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit sagte der Wochenzeitung Die Zeit, er sei erschüttert, dass an der Odenwaldschule eine libertäre Sexualmoral dazu benutzt wurde, Menschen sexuell zu missbrauchen und auszubeuten. Zugleich verteidigte er die Liberalisierung der Moralvorstellungen in den 60er und 70er Jahren. Die "repressive Vor-68er-Sexualmoral" habe großen Schaden angerichtet. Cohn-Bendit war von 1958 bis 1965 selbst Schüler der Odenwaldschule. Suche nach betroffenen Heimkindern Beim Caritasverband Frankfurt, der Träger des Heims Vincenzhaus in Hofheim ist, meldeten sich drei ehemalige Heimkinder, die den Vorwurf erheben, in den 50er und 60er Jahren misshandelt und missbraucht worden zu sein. "Wir sind über diese Vorwürfe außerordentlich beunruhigt und versuchen nun - soweit das möglich ist - Aufklärungsarbeit zu leisten", erklärte Caritas-Direktor Hartmut Fritz. Die Caritas bittet möglicherweise ebenfalls betroffene ehemalige Heimkinder, sich unter 069-2982-142 zu melden. Im Ernst-Schneller-Heim für erziehungsauffällige Kinder im sächsischen Eilenburg soll es nach Angaben eines ehemaligen Bewohners zwischen 1970 und 1980 täglich zu sexuellen Übergriffen gekommen sein, wie die Leipziger Volkszeitung berichtet. Zölibat nicht als Ursache Der heutige Leiter, Hans-Otto-Schlotmann, sagte, ehemalige Bewohner hätten sehr strenge Erziehungsmethoden geschildert. Er schließe nicht aus, dass es auch zu sexuellen Übergriffen gekommen sei. Der Kriminologe Christian Pfeiffer widersprach der These, das Zölibat sei eine Ursache für sexuellen Missbrauch in katholischen Einrichtungen. "Wir sehen das als Wissenschaftler eher anders", sagte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen dem Sender N24. "Denn pädophil ist man bereits mit 15, 16. Aber das Gelübde, keusch zu bleiben, legt man als Priester erst mit 25 oder 30 ab. Da ist also von der sexuellen Identität her alles gelaufen." Im Video: Die Leiterin der Schule veröffentlichte Details der Übergriffe und bat die Opfer um Vergebung Weitere Videos finden Sie hier | Im Vorstand der Odenwaldschule herrscht Meinungsverschiedenheit über den Ausweg aus der Krise. Nach Auskunft eines Gremiummitglieds wird der Vorstand vorerst nicht geschlossen zurücktreten. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/missbrauch-an-odenwaldschule-vorstand-beharrt-auf-aemtern-1.11516 | Missbrauch an Odenwaldschule - Vorstand beharrt auf Ämtern | 00/03/2010 |
Er war das Teenie-Idol der achtziger Jahre. Im Alter von 38 Jahren ist Corey Haim in Burbank bei Los Angeles gestorben, vermutlich an einer Überdosis an Medikamenten. Er war der Teenie-Schwarm der achtziger Jahre: US-Schauspieler Corey Haim, der durch seine Rolle in The Lost Boys berühmt wurde, ist im Alter von 38 Jahren in Burbank bei Los Angeles gestorben. Er sei am Mittwoch in der Wohnung seiner Mutter zusammengebrochen und später im Krankenhaus in Burbank gestorben, teilte die Gerichtsmedizin in Kalifornien mit. Nach Polizeiangaben litt der in Kanada geborene Schauspieler an grippeähnlichen Symptomen und nahm mehrere Medikamente gleichzeitig. Ein Autopsiebericht liegt noch nicht vor, doch dem Internetdienst Tmz.com zufolge gehen die Ermittler von einer versehentlichen Medikamentenüberdosis aus. Über Jahre hinweg hatte der gebürtige Kanadier gegen seine Drogensucht gekämpft. In früheren Interviews gab er zu, Kokain und Crack genommen zu haben. Der Star aus Filmkomödien wie Daddy's Cadillac und dem Vampirstreifen Lost Boys hatte bereits als Zehnjähriger in Fernsehwerbespots mitgewirkt und stand 1984 erstmals vor der Kamera, als er mit Teri Garr (Tootsie), Sarah Jessica Parker und Robert Downey Jr. das Drama Moving In drehte. Fataler Medikamentencocktail Ein Jahr später folgte Lucas mit Charlie Sheen und Winona Ryder in ihrer ersten Filmrolle. In den neunziger Jahren brach seine Karriere ein. Zuletzt arbeitete er wieder an einigen Filmprojekten. Mit seinem häufigen Ko-Star Corey Feldman drehte er Fernsehfilme und eine Reality-Show. Drogen oder Medikamente haben in Hollywood immer wieder zu tragischen Todesfällen geführt. River Phoenix starb 1993 im Alter von 23 Jahren an einer Überdosis Drogen, Heath Ledger kam 2008 mit 28 Jahren durch eine Überdosis Medikamente ums Leben. Zuletzt starb im Dezember die 31-jährige Schauspielerin Brittany Murphy. Auch ihr Tod hängt mit Medikamenten zusammen. Im Video: Der Hollywood-Teeniestar aus den 80er-Jahren starb im Alter von 38 Jahren an einer Überdosis in seiner Wohnung in Los Angeles. Weitere Videos finden Sie hier | Er war das Teenie-Idol der achtziger Jahre. Im Alter von 38 Jahren ist Corey Haim in Burbank bei Los Angeles gestorben, vermutlich an einer Überdosis an Medikamenten. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/medikamentenueberdosis-lost-boys-star-corey-haim-ist-tot-1.21569 | "Medikamentenüberdosis - ""Lost Boys""-Star Corey Haim ist tot" | 00/03/2010 |
Ein Arzt gab Patienten gefährliche Drogen, um eine Psychotherapie zu verstärken - für zwei Menschen mit tödlichem Ausgang. Vor Gericht hat er nun seine Schuld eingeräumt und brach weinend zusammen. Ein halbes Jahr nach einer tödlichen Drogentherapie in Berlin hat sich der angeklagte Arzt zu "großer Schuld und Trauer" bekannt. Gleichzeitig wies der 51-jährige Psychotherapeut zum Prozessauftakt am Landgericht Berlin den Vorwurf des versuchten Mordes zurück. Er sei sich sicher gewesen, dass die von ihm angebotene Menge Ecstasy völlig ungefährlich gewesen sei, sagte er unter Tränen. Allerdings habe er offenbar den Umgang mit den illegalen Substanzen "völlig falsch eingeschätzt". Bei der sogenannten psycholytischen Intensivsitzung mit zwölf Männern und Frauen am 19. September 2009 starben zwei Männer an einer Überdosis der Droge. Mehrere Patienten mussten mit Vergiftungen ins Krankenhaus. Die Anklage wirft dem Arzt Körperverletzung mit Todesfolge und versuchten Mord vor. Der Angeklagte wollte eine vorbereitete Erklärung vortragen, verlor aber die Fassung. Sein Verteidiger Ferdinand von Schirach übernahm für ihn das Vorlesen. Erst nach seiner Festnahme seien ihm Bedenken gekommen, dass er wegen einer kaputten Waage eine Überdosis verabreicht haben könnte, beteuerte der Therapeut in der Erklärung. Er habe die Patienten über die Wirkung der Droge aufgeklärt und niemanden gezwungen, sie zu nehmen. Den Gesundheitszustand aller Patienten habe er als unbedenklich eingestuft. Der Therapeut bestritt, einen 28-jährigen Patienten vor der Rettungsärztin versteckt zu haben, um die gefährlichen Drogen zu vertuschen. "Das ist absurd, ich wollte helfen und nicht schaden", wehrte er sich gegen den Vorwurf des versuchten Mordes. Der Mann starb in einem Krankenhaus. Ein 59-jähriger Patient starb noch in den Räumen der Hermsdorfer Praxis. Selbstverantwortung der Patienten Den Vorwurf des versuchten Mordes stützt die Staatsanwaltschaft darauf, dass der Arzt den lebensbedrohlichen Zustand des 28-Jährigen erkannt, jedoch notärztliche Hilfe verhindert habe, um die illegale Drogentherapie geheim zu halten. Der Patient soll aus der Praxis in die Privaträume des Arztes gebracht worden sein. Verteidiger von Schirach verwies auf die Selbstverantwortung von Patienten. Ärzte seien heutzutage nicht mehr die Halbgötter in Weiß, man könne die Verantwortung nicht auf sie abladen. Die Patienten hätten genau gewusst, was ihnen gegeben worden sei, sagte er am Rande des Prozesses. Das Geschehen sei eher ein Unfall und der Angeklagte kein Verbrecher. Die Katastrophe vom 19. September sei auch eine persönliche Katastrophe. Tod im Delirium Ein Teilnehmer der Sitzung hatte im Herbst von seinen Erfahrungen in einer Zeitung berichtet. Danach probierten neun der zwölf Teilnehmer Drogen in Form von weißem Pulver oder weißen Tabletten. Die meisten Frauen und Männer seien im Delirium gewesen. Die beiden späteren Todesopfer hätten sowohl Pulver als auch Tabletten eingenommen. Die Drogen seien auch bei früheren Sitzungen geschluckt worden, alle Mitglieder der Gruppe hätten Bescheid gewusst. Für die Sitzungen bezahlten die Teilnehmer demnach jeweils 100 bis 150 Euro. Die "psycholytische Therapie" ist in Deutschland von den Krankenkassen nicht zugelassen. Bei dieser Behandlung werden verschiedene Drogen eingesetzt, um Hilfesuchende - etwa depressive Menschen - zu behandeln. Viele der dabei verwendeten künstlichen und natürlichen Substanzen beeinflussen Nerven-, Muskel- und Gehirnzellen. Sie greifen in deren Reizleitung und Kommunikation ein - mit zahlreichen Folgen. "Kick" als Ziel Dazu gehört nach Angaben der Giftnotrufzentrale Nord in Göttingen vor allem ein übersteigertes Farbsehen, das von den Konsumenten als "Kick" wahrgenommen wird. Weitere Effekte sind traumähnliche Empfindungen, gehobene Stimmung oder Synästhesie, der Kopplung zweier Sinneswahrnehmungen. Es kann aber auch negative Folgen wie Depressionen und Störungen des Ich-Erlebens geben. Einige Drogen können Hirnschäden, Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen sowie Herzrasen auslösen. Bei einer Kombination verschiedener Mittel kann sich die Wirkung noch verstärken. Die Gruppe der "psychedelischen" Drogen ist vielfältig. Natürliche Halluzinogene werden seit Jahrtausenden benutzt. Sie verändern Sinneswahrnehmungen und geben den Konsumenten das Gefühl, das Bewusstsein zu "erweitern". Vor Tausenden Jahren beschränkte sich die Anwendung meist auf religiöse Rituale. In den sechziger und siebziger Jahren verbreitete sich der Gebrauch in der Öffentlichkeit. | Ein Arzt gab Patienten gefährliche Drogen, um eine Psychotherapie zu verstärken - für zwei Menschen mit tödlichem Ausgang. Vor Gericht hat er nun seine Schuld eingeräumt und brach weinend zusammen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/tod-nach-therapiesitzung-voellig-falsch-eingeschaetzt-1.15879 | "Tod nach Therapiesitzung - ""Völlig falsch eingeschätzt""" | 00/03/2010 |
Das Erdbeben in der Türkei hat viele Dörfer zerstört. Die Regierung will die Ortschaften wieder aufbauen lassen - vielleicht aber an anderer Stelle. Die Dörfer die bei dem Erdbeben am Montag in der Türkei zerstört wurden, sollen wieder aufgebaut werden. Allerdings erwägt die türkische Regierung, die Ortschaften möglicherweise an anderer Stelle errichten zu lassen. Der Vize-Premierminister Cemil Cecik gab bekannt, dass zunächst die geologischen Verhältnisse vor Ort untersucht werden. Erst wenn die für das Beben verantwortliche Verwerfungslinie überprüft sei, werde eine Entscheidung über eine mögliche Umsiedlung getroffen. Er kündigte außerdem an, dass die staatliche Wohnungsgesellschaft "Toki" mit dem Wiederaufbau beauftragt werde. Bei dem Beben der Stärke 6,0 am Montag waren mehrere Ortschaften in der ostanatolischen Provinz Elazig zu großen Teilen zerstört worden. Der Grad des Schadens ist nach Meinung von Experten auch auf die traditionelle Bauweise vieler Häuser zurückzuführen. Die aus Lehm und Naturstein errichteten Bauernhäuser hätten nicht die bauliche Substanz, um einem Erdbeben standzuhalten. Cicek deutete an, diese Bauweise zukünftig verbieten lassn zu wollen. Die Zahl der Toten wurde indes von 51 auf 41 korrigiert. Wie die Provinzregierung mitteilte, wurden in der "Verwirrung" nach dem Erdbeben zehn Leichen doppelt registriert. Das sei auch deshalb geschehen, da viele Frauen, die nur kirchlich verheiratet waren, zusätzlich unter ihrem Mädchennamen registriert waren. Die Zahl der Verletzten wird inzwischen mit 74 angegeben. | Das Erdbeben in der Türkei hat viele Dörfer zerstört. Die Regierung will die Ortschaften wieder aufbauen lassen - vielleicht aber an anderer Stelle. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/tuerkei-nach-dem-erdbeben-wiederaufbau-woanders-1.11806 | Türkei: Nach dem Erdbeben - Wiederaufbau, woanders | 00/03/2010 |
In der Nähe von Moskau haben Verkehrspolizisten Autofahrer gestoppt und angewiesen, ihre Fahrzeuge quer zur Fahrbahn zu stellen. Sekunden später raste ein Auto heran. Mit merkwürdigen Methoden bei der Verbrecherjagd hat die russische Polizei Empörung ausgelöst: Beamte sollen in der Nähe der russischen Hauptstadt Autofahrer angehalten und als menschliche Prellböcke missbraucht haben, um einen flüchtigen Verbrecher zum Anhalten zu zwingen. Stanislaw Sutjagin erklärte, er sei mit seinem Wagen auf einer Moskauer Umgehungsstraße unterwegs gewesen, als er und andere Autofahrer von Verkehrspolizisten angewiesen worden seien, sich quer auf die Fahrbahn zu stellen. Eine Begründung habe es nicht gegeben. Sekunden später sei mit großer Geschwindigkeit ein Auto herangerast und habe seinen Wagen und weitere Fahrzeuge beschädigt. In einem der demolierten Autos habe eine schwangere Frau gesessen. Hinter dem Steuer des rollenden Rammbocks soll ein flüchtiger Krimineller gesessen haben. Sutjagin hatte den ganzen Vorfall mit seiner Kamera festgehalten und das Bildmaterial anschließend im Internet veröffentlicht. Die Autofahrer seien als lebende Schutzschilde missbraucht worden, beklagt Sutjagin in dem Video - und fragt: "Ist unser Leben in unserem Land wirklich nichts wert?" Mitglieder des russischen Unterhauses forderten Fernsehberichten zufolge eine Erklärung von der Polizei. "Der Zynismus und die Gedankenlosigkeit dieser Beamten hat Menschenleben aufs Spiel gesetzt", sagte Michail Grischankow von der Regierungspartei Einiges Russland dem Fernsehsender NTW. Nach dem Vorfall sollen die Polizisten ihren unfreiwilligen Helfern erklärt haben, es gebe keinen finanziellen Ausgleich für die Schäden an ihren Auto - schließlich sei der Täter entkommen. | In der Nähe von Moskau haben Verkehrspolizisten Autofahrer gestoppt und angewiesen, ihre Fahrzeuge quer zur Fahrbahn zu stellen. Sekunden später raste ein Auto heran. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/russische-polizei-in-der-kritik-autofahrer-als-prellboecke-1.21800 | Russische Polizei in der Kritik - Autofahrer als Prellböcke | 00/03/2010 |
Anfangs hatte der Erpresser noch argumentiert, er habe TV-Moderator Letterman die Rechte an einem Drehbuch verkaufen wollen. Der Plot: Die außerehelichen Affären des TV-Moderators. Nun die Wende. Lange Jahre besuchte er als Reporter die Krisenherde dieser Welt, berichtete für das US-Fernsehen CBS aus Bosnien, Afghanistan und dem Irak. Seine nächste Reise führt Robert "Joe" Halderman nun in ein US-Gefängnis: Dort wird sich der 52-Jährige jedoch nicht als investigativer Journalist betätigen, sondern eine Haftstrafe verbüßen. Halderman bekannte sich im Rahmen einer Vereinbarung mit der New Yorker Staatsanwaltschaft schuldig, den TV-Moderator und Comedian David Letterman erpresst zu haben. Er wurde zu sechs Monaten Gefängnis, fünf Jahren Bewährung und 1000 Sozialstunden verurteilt. CBS-Produzent Halderman räumte ein, von Letterman zwei Millionen US-Dollar gefordert zu haben - bei Nichtzahlung wollte er die außerehelichen Abenteuer des Gastgebers der Late Show publik machen. "Vorschlag für ein Drehbuch" Im September 2009 habe er Lettermans Chauffeur einen Umschlag für seinen Chef mitgegeben mit der Aufschrift "vertraulich": "Der Briefumschlag enthielt eine Reihe von Dokumenten, eines trug den Titel 'Vorschlag für ein Drehbuch'. Dieser so genannte Vorschlag war eine kaum verhüllte Drohung, Mr. Letterman zu ruinieren, wenn er mir nicht eine Menge Geld bezahlt", zitiert cnn.com ein offizielles Statement Haldermans. Der weitere Ablauf der Erpressung ging dann sehr geschäftsmäßig vonstatten: Dreimal traf sich der preisgekrönte Fernsehproduzent nach eigener Aussage mit Lettermans Anwalt Jim Jackoway, um die finanziellen Details zu klären. Am ersten Oktober habe er dann einen Scheck über zwei Millionen Dollar eingezahlt, den ihm Jackoway übergeben habe. Der Schweigegeld-Scheck erwies sich jedoch als Finte des Erpressungsopfers: Noch am selben Abend ging Letterman in die Offensive und machte seine Seitensprünge zum Thema in seiner eigenen TV-Show. Nur einen Tag, nachdem er seinen Kontostand um den Millionenbetrag erhöht hatte, klickten bei Halderman die Handschellen. "Während der ganzen Zeit war mir bewusst, dass es sich nicht um ein rechtmäßiges Geschäft zwischen mir und Mr. Letterman handelt und dass das, was ich tat, gegen das Gesetz von New York verstieß", gestand Halderman. Er entschuldigte sich für sein Verhalten, das die Privatsphäre von Letterman und seiner Familie verletzt habe. Zunächst hatte Haldermans Anwalt noch argumentiert, seine Mandat habe lediglich vorgehabt, ein Buch bzw. Drehbuch über Lettermans Affären zu schreiben. Die Rechte an dem Stück habe er Letterman für zwei Millionen Dollar angeboten. Die Durchsichtigkeit dieser Verteidigungsstrategie ist Halderman und seinem Rechtsberater dann aber offenbar doch noch bewusst geworden - und man entschied sich für einen Deal mit der Staatsanwaltschaft. Als Haftantrittstermin wurde der vierte Mai festgelegt. David Letterman zeigte sich dankbar und erleichtert über den Ausgang und das Ende der für ihn peinlichen Affäre. | Anfangs hatte der Erpresser noch argumentiert, er habe TV-Moderator Letterman die Rechte an einem Drehbuch verkaufen wollen. Der Plot: Die außerehelichen Affären des TV-Moderators. Nun die Wende. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/letterman-erpresser-gesteht-ein-drehbuch-fuer-david-1.22431 | Letterman-Erpresser gesteht - Ein Drehbuch für David | 00/03/2010 |
Schwere Geburt in Sydney: Der kleine Dickhäuter hatte verkehrt herum im Geburtskanal gelegen, Tierärzte konnten keine Herztöne mehr feststellen - doch nun die Überraschung. Sie hatten schon befürchtet, der kleine Dickhäuter sei im Mutterleib gestorben - doch zur Überraschung von Tierärzten und Pflegern ist im australischen Sydney ein Elefantenbaby lebend geboren worden. Der Elefantenexperte Thomas Hildebrandt, der eigens aus Berlin in den Taronga-Zoo eingeflogen worden war, bezeichnete die Geburt als "Wunder". Das Elefantenkalb hatte falsch herum im Geburtskanal gelegen. Bei einer Ultraschalluntersuchung am Montag waren keine Herztöne mehr zu hören gewesen. Die 18-jährige Elefantenmutter Porntip brauchte für die Geburt ihres 100 Kilo schweren Juniors neun Tage. Das Riesenbaby war zwar zunächst schwach auf den Beinen, rappelte sich dann aber auf - und begann durstig zu trinken. "Sie entpuppt sich als hervorragende Mutter", sagte Tierarzt Larry Vogelnest über Elefantendame Porntip. "Die anderen Elefanten stupsen den Kleinen mit ihren Rüsseln" Auch die Artgenossen scheinen erfreut über den glücklichen Ausgang der Problemschwangerschaft: "Die anderen Elefanten sind aufgeregt und neugierig und stupsen den Kleinen mit ihren Rüsseln, wenn er nahe kommt", teilte der Zoo mit. Zuvor hatten sich die grauen Dickhäuter von der trächtigen Porntip abgewandt - was Elefanten-Experte Hildebrandt als Zeichen gewertet hatte, dass der Mini-Elefant im Mutterleib gestorben war. Als sich die Nachricht über den vermeintlichen Tod des Kalbs im Zoo verbreitete, hatten Tierpfleger Tränen in den Augen. Im Internet entstand spontan ein Kondolenzbuch, in dem Zoobesucher ihr Mitgefühl ausdrückten. Inzwischen gehen die Experten davon aus, dass der kleine Bulle wahrscheinlich im Koma lag und deshalb überlebte. "Wenn er bewusstlos war, erklärt das, warum wir bei den vielen Untersuchungen keine Lebenszeichen festgestellt haben", sagte Tierarzt Vogelnest. Nach Angaben von Zoodirektor Cameron Kerr war Elefanten-Spezialist Hildebrandt selbst völlig erstaunt über den Verlauf: "Er sagte, dass nach dieser Geburt die Bücher über Elefantengeburten neu geschrieben werden müssen." | Schwere Geburt in Sydney: Der kleine Dickhäuter hatte verkehrt herum im Geburtskanal gelegen, Tierärzte konnten keine Herztöne mehr feststellen - doch nun die Überraschung. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/totgeglaubtes-elefantenbaby-lebt-toeroe-1.1875 | "Totgeglaubtes Elefantenbaby lebt - ""Törö!""" | 00/03/2010 |
Als bewaffnete Einbrecher in sein Elternhaus eindringen, wählt ein Siebenjähriger in Kalifornien den Notruf - und fordert Unterstützung von Polizei und Militär. David gegen Goliath - oder wie ein kleiner Junge drei Einbrecher in die Flucht schlägt: Als drei bewaffnete Männer in das Haus seiner Familie in der Nähe von Los Angeles eindringen und seine Eltern mit vorgehaltener Waffe bedrohen, reagiert ein Siebenjähriger geistesgegenwärtig. Der Knips verschanzt sich mit seiner Schwester im Badezimmer und wählt den Notruf. Bestimmt weist der Kleine dann die Notrufzentrale an, sie möge schnell "jede Menge" Polizisten schicken - "und Soldaten auch". Bevor die alarmierte Polizei jedoch vor Ort ist, entdecken die Räuber die Kinder: Sie packen den Jungen - doch der gibt nicht klein bei. Der couragierte Knirps schreit lauthals und informiert die Einbrecher über seinen Anruf bei der Polizei. Die Eindringlinge geben daraufhin Fersengeld - ohne etwas mitzunehmen. Für die Polizei von Los Angeles ist der Siebenjährige ein Held: Die Beamten lobten den Jungen für seinen Mut. Er habe geholfen, eine Tragödie zu verhindern. Das Räuber-Trio ist allerdings weiter auf der Flucht. | Als bewaffnete Einbrecher in sein Elternhaus eindringen, wählt ein Siebenjähriger in Kalifornien den Notruf - und fordert Unterstützung von Polizei und Militär. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/junge-vertreibt-einbrecher-knirps-mit-courage-1.18618 | Junge vertreibt Einbrecher - Knirps mit Courage | 00/03/2010 |
100.000 Dollar für ein Kinderfoto: Ein Deutscher hatte Model Cindy Crawford damit gedroht, ein Foto ihrer Tochter an die Presse zu geben - nun wurde der Erpresser verurteilt. Ein 26-jähriger Deutscher muss für zwei Jahre in Haft, weil er versucht hat, das US-Topmodel Cindy Crawford zu erpressen. Das entschied das Amtsgericht im baden-württembergischen Kirchheim unter Teck. 100.000 Dollar für ein Kinderfoto Der Täter hatte eingeräumt, Crawford mit einem Foto ihrer Tochter erpresst zu haben. Das Bild zeigt die Siebenjährige, wie sie beim Spielen gefesselt auf einem Stuhl sitzt. Der polizeibekannte 26-Jährige hatte damit gedroht, das Foto an die Presse weiterzugeben. Von Crawford verlangte er für das Zurückhalten des Bildes 100.000 Euro. Als Motiv für die Tat nannte der Richter Rache am Ehemann des berühmten Models: Diesen machte der Angeklagte dafür verantwortlich, dass er im Herbst 2009 aus den USA abgeschoben wurde und seine Freundin zurücklassen musste. Mit dem erpressten Geld plante er, seine "große Liebe" nach Europa zu holen und sich dort ein neues Leben aufzubauen. Der 26-Jährige wollte ursprünglich in die USA einwandern, lebte dort aber monatelang nur als Tourist. Über das ehemalige Kindermädchen der Crawfords gelangte er an das Foto der Tochter. Damit soll er in den USA von Crawford und ihrem Mann Rande Gerber laut ursprünglicher Anklage Mitte 2009 einen Betrag von 1000 US-Dollar (rund 740 Euro) erpresst haben. Der Angeklagte bestritt, dass es sich im damaligen Fall um Erpressung handelte: Er habe die Familie nur darauf hinweisen wollen, dass sie mit dem Kindermädchen keinen guten Fang gemacht habe. Er habe nie ernsthaft vorgehabt, dass Foto an die Medien zu geben. Wenige Monate nachdem er von der Familie des ehemaligen Supermodels nach eigener Aussage 1000 Dollar "Aufwandsentschädigung" bekommen hatte, nahm die US-Einwanderungsbehörde den Deutschen in Gewahrsam, Mitte Oktober wurde er abgeschoben. Da erst fasste der 26-Jährige nach den Worten von Spieth den Entschluss, die Familie Crawford büßen zu lassen. In Telefonaten forderte er hohe Summen, zuletzt 100.000 Euro. Im November 2009 stellte er sich dann aber der Polizei. | 100.000 Dollar für ein Kinderfoto: Ein Deutscher hatte Model Cindy Crawford damit gedroht, ein Foto ihrer Tochter an die Presse zu geben - nun wurde der Erpresser verurteilt. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/cindy-crawford-supermodel-erpresst-zwei-jahre-haft-1.2831 | Supermodel erpresst - zwei Jahre Haft | 00/03/2010 |
Der Pilot einer Passagiermaschine aus London will auf dem Flughafen Leipzig-Altenburg landen, doch aus dem Tower kommt keine Antwort. Kein Wunder: Der Turm ist leer. Eine Panne auf dem Flughafen Leipzig-Altenburg hat die Landung einer Linienmaschine aus London verhindert. Der Grund: Es war kein Fluglotse im Tower. Schuld sei eine "unklare Dienstplanung", sagte der zuständige Regionalmanager der Tower Company, Markus Asmussen, am Dienstag zu dem Vorfall vom Sonntag. Damit bestätigte er einen Bericht der Ostthüringer Zeitung. Das Flugzeug der Billig-Airline Ryanair mit etwa 180 Passagieren musste nach Berlin-Schönefeld ausweichen. Laut Asmussen wurde eine interne Untersuchung angeordnet. Sie soll klären, wie es zu dem schweren Versäumnis kommen konnte. "So etwas ist bei uns noch nie passiert." Der Vorfall sei ärgerlich, fügte er hinzu. "Da, wo Menschen arbeiten, passieren aber eben auch Fehler," teilte das Unternehmen mit. Die Tower Company ist eine Tochter der Deutschen Flugsicherung und arbeitet für Regionalflughäfen. Ungläubige Fluggäste Einer der Fluggäste sagte der Chemnitzer Freien Presse, an Bord der Maschine habe man die vom Piloten kurz vor der geplanten Landung übermittelte Nachricht erst gar nicht glauben wollen. Es könne doch nicht sein, dass der Tower unbesetzt sei. Die Passagiere wurden mit Bussen nach Altenburg gebracht, die wartenden Fluggäste in Altenburg fuhren nach Berlin. Beim Altenburger Flugplatz wollte sich am Dienstag niemand zu dem Vorfall äußern. Stattdessen wurde auf die für die Flugsicherung zuständige Tower Company verwiesen. Dass das Flugzeug nicht den nächstgelegenen Flughafen Leipzig/Halle ansteuerte, hängt mit den Vorgaben der Fluglinie zusammen. Der irische Billiganbieter steuert üblicherweise nur Landeplätze an, bei denen er gemeldet ist. | Der Pilot einer Passagiermaschine aus London will auf dem Flughafen Leipzig-Altenburg landen, doch aus dem Tower kommt keine Antwort. Kein Wunder: Der Turm ist leer. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/flughafenpanne-tower-anyone-1.21932 | Flughafenpanne - Tower? Anyone? | 00/03/2010 |
Neun Deutsche haben sich vor der Oscarverleihung unter die Stars gemischt - mit gefälschten VIP-Pässen. Die Nacht verbrachten sie hinter Gittern. Für den Traum, Schulter an Schulter mit Hollywoods größten Stars im Blitzlichtgewitter zu stehen, sind neun Deutsche unter die Dokumentenfälscher gegangen: Die Polizei nahm die deutschen Staatsbürger mit gefälschten VIP-Pässen auf dem roten Teppich vor dem Kodak Theatre in Los Angeles fest, berichtete die Internet-Seite Tmz.com. Die Männer hatten nach Angaben eines Polizeisprechers versucht, sich mitten im Schaulaufen der hochkarätigen Stars zur Oscar-Gala hineinzuschleichen. Von Sicherheitsleuten angesprochen, wedelten sie unbekümmert mit VIP-Pässen, auf denen Logos des Musiksenders MTV und einer kanadischen Radiostation aufgedruckt waren. Als die Fälschung aufflog, wurden die Eindringlinge sofort von diskreten Sicherheitsleuten eingekreist und abgeführt. Die Nacht verbrachten die Männer, über deren Identität nichts Näheres bekannt war, fernab von ihrer Heimat in einem Gefängnis von Los Angeles. "Sicherer als das Weiße Haus" Die Internet-Gemeinde amüsierte sich über den Vorfall: "Wow, sie haben dort bessere Sicherheitsmaßnahmen als für den Präsidenten", kommentierte ein Leser mit Blick auf mehrere Sicherheitspannen, nach denen ungebetene Gäste ins Weiße Haus gelangt waren. Ein weiterer User erkannte Parallelen zu einem der Wettbewerbsfilme: "Es sieht ganz danach aus, dass hier Deutsche mit falschem amerikanischen Akzent eine Szene aus Inglorious Basterds nachspielten." Klatsch-Blogger Perez Hilton zeigte sich besorgt um das Wohlergehen seiner Hollywood-Lieblinge und schimpfte mit den europäischen Eindringlingen: "So einen Mist könnt ihr bei den Oscars nicht bringen - nein!" Am Sonntag wurden im Kodak Theatre in Los Angeles zum 82. Mal die Academy Awards vergeben. Wegen anhaltenden Regens war der rote Teppich am Sonntagnachmittag sicherheitshalber mit Plastikfolie abgedeckt worden. Beim Schaulaufen der Stars lief jedoch alles glatt - zumindest für die geladenen Gäste. | Neun Deutsche haben sich vor der Oscarverleihung unter die Stars gemischt - mit gefälschten VIP-Pässen. Die Nacht verbrachten sie hinter Gittern. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/oscar-2010-sicherheitspanne-vom-roten-teppich-in-den-knast-1.21764 | Oscar 2010: Sicherheitspanne - Vom roten Teppich in den Knast | 00/03/2010 |
Die Kölner Verkehrsbetriebe haben Fehler bei der Überwachung des U-Bahn-Baus eingeräumt. Der Pfusch am Bau soll mitverantwortlich sein für den Einsturz des Stadtarchivs. Ein Jahr nach dem Einsturz des Stadtarchivs haben die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) Fehler eingeräumt. Nach bisherigen Untersuchungen habe es bei der Überwachung des U-Bahn-Baus durch die KVB Versäumnisse gegeben, sagte der von der KVB beauftragte Fachanwalt für Baurecht, Gero Walter, in Köln. Demnach habe die KVB unter anderem den Einbau von Eisenbügeln sowie Betonierungsprotokolle nicht ausreichend kontrolliert. Dass in der Baugrube vor dem Archiv am Waidmarkt in den Monaten vor dem Unglück zu viel Grundwasser abgepumpt wurde, liege in der Verantwortung der Baufirmen, sagte Walter. Ob die KVB darüber informiert war, sei bisher unklar. KVB will sich von Technik-Vorstand trennen Im Zusammenhang mit Vorwürfen wegen des Archiv-Einsturzes beschloss der KVB-Aufsichtsrat die Trennung von Technik-Vorstand Walter Reinarz. Der Aufsichtsratsvorsitzende Wilfried Kuckelkorn sagte, das Gremium habe ihn beauftragt, mit Reinarz über einen einvernehmlichen Auflösungsvertrag zu verhandeln. Dieser könne aus aktienrechtlichen Gründen nicht einfach abberufen werden. Zumal gebe es zurzeit keine ausreichenden Beweise, um Reinarz ein Verschulden nachzuweisen. Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) hatte Reinarz am Jahrestag des Stadtarchiv-Einsturzes vergangene Woche öffentlich kritisiert und ihm das Vertrauen entzogen. Am Waidmarkt waren ohne Erlaubnis 19 statt genehmigter vier Brunnen angelegt worden. Die Firmen-Arbeitsgemeinschaft unter Führung des Mannheimer Konzerns Bilfinger Berger sei dafür zuständig gewesen, die erforderliche wasserrechtliche Genehmigung einzuholen, sagte Walter. Dies sei nicht geschehen. Die Ingenieurgesellschaft, die das Projekt leitet, habe davon erfahren und nichts unternommen. Ob die Ingenieurgesellschaft den Vorgang an die KVB weitergemeldet hat, wisse er noch nicht. KVB-Vorstandssprecher Jürgen Fenske erklärte, der Vorstand habe erst nach dem Einsturz am 3. März 2009 erfahren, dass gegen die wasserrechtliche Genehmigung verstoßen wurde. Katastrophe mit Ankündigung Wie viele Eisenbügel in der Baugrube am Waidmarkt fehlen, sei bisher unbekannt, sagte Walter. "Die Auswertung der Protokolle hat aber ergeben, dass die Bauüberwachung der KVB hier nicht ausreichend war." Erst vor wenigen Wochen kam heraus, dass an einer anderen U-Bahn-Baugrube - am Heumarkt - mehr als 80 Prozent dieser stabilisierenden Bügel fehlen. Zudem sollen Messprotokolle gefälscht worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen Baugefährdung. Wenige Monate vor dem Einsturz gab es nach Angaben von Walter sogenannte Setzungsrisse an der Vorder- und Rückseite des Archivs. An den Gebäuden, die auf der anderen Seite der Baugrube lagen, habe es dagegen keine Risse gegeben. Dieser Widerspruch hätte den Baufirmen auffallen müssen, sagte Walter. Ob irgendeiner dieser Punkte tatsächlich ursächlich war für den Archiv-Einsturz, bei dem zwei Menschen starben, sei aber völlig unklar, sagte Walter. Das müssten weitere Untersuchungen und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeigen. Vorstandssprecher Fenske sagte, die KVB wolle versuchen, aufzuklären und so das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen. Die eigentliche Ursache für den Archiv-Einsturz ist noch unbekannt, ein Zusammenhang mit dem U-Bahn-Bau gilt aber als sicher. | Die Kölner Verkehrsbetriebe haben Fehler bei der Überwachung des U-Bahn-Baus eingeräumt. Der Pfusch am Bau soll mitverantwortlich sein für den Einsturz des Stadtarchivs. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/einsturz-des-koelner-stadtarchivs-reuige-verkehrsbetriebe-1.18384 | Einsturz des Kölner Stadtarchivs - Reuige Verkehrsbetriebe | 00/03/2010 |
Ist er der "American Psycho", der aus purer Lust wahllos Menschen tötet? Oder war es eine Tat im Affekt? In Berlin steht ein Student wegen Mordes an einem Obdachlosen vor Gericht. Für den Boulevard ist er der deutsche "American Psycho": Gutaussehend, intelligent und völlig skrupellos. Mehrmals wurde das Bild von Michael Z. neben dem des Hollywood-Schauspielers Christian Bale abgedruckt, in seiner Filmrolle als hedonistischer Geschäftsmann, der aus purer Lust wahllos Menschen tötet. Am Montag hat vor dem Berliner Landgericht der Mordprozess gegen den 28-jährigen Germanistikstudenten Z. begonnen. Er soll im Sommer 2009 einen Obdachlosen mit mehreren Axthieben und Messerstichen getötet, den Körper zerstückelt und Teile davon an einem stillgelegten Güterbahnhof in Berlin versteckt haben. Andere Teile der Leiche lagen in seiner Tiefkühltruhe. Auch nach dem ersten Verhandlungstag bleiben die Tat und das Motiv rätselhaft. Der Angeklagte hat vor der Polizei ein Geständnis abgelegt. Im Gerichtssaal sitzt er scheinbar regungslos in einem abgeschirmten Bereich hinter seinem Verteidiger, während die Richterin sein handgeschriebenes Geständnis vorliest: "Ich habe einen Menschen getötet", steht auf dem Blatt, dazu knappe Hinweise, wo die Leichenteile versteckt sind. Vor zwei Monaten hat Mario Z. außerdem einen Brief an seine Mutter geschrieben.In etwas sperrigen Sätzen erzählt er darin, wie er an jenem Sommertag in Berlin die Nacht durchfeierte, und am Bahnhof Zoo den Obdachlosen Jochen G. kennenlernte. Eigentlich habe er sich schon "in Richtung Heimat in Bewegung setzen" wollen. Doch Jochen G. habe ihn überredet weiterzutrinken. In den frühen Morgenstunden seien die beiden zu einer Tankstelle gegangen, um Bier zu holen. In der Wohnung des Studenten in Schöneberg habe man zu zweit eine Art Wetttrinken veranstaltet, dann seien er und der Obdachlose in Streit geraten. Es ging um Kleingeld, nicht mehr als ein paar Münzen. "Wie von Sinnen" habe Z. deshalb mit der Axt auf den Obdachlosen eingeschlagen - dem Verteidiger zufolge ist die zweischneidige Waffe ein "antiquarisches" Sammlerstück. "Ich muss auch ein Messer genommen haben, denn ein Arzt hat Stiche festgestellt", schreibt Z. an seine Mutter. Am nächsten Morgen sei er dann panisch erwacht, habe sich an kaum etwas erinnern können und wollte alle Spuren verwischen. In dem Brief ist auch von Gott und dem Evangelium die Rede, und von Vergebung. Die Staatsanwaltschaft glaubt ihm kein Wort: Sie will beweisen, dass sich Z. schon ein Jahr lang mit dem Gedanken trug, "einen perfekten Mord" zu begehen - dass er einen völlig Fremden als Opfer auswählte, einen Obdachlosen, dessen Verschwinden nicht so rasch auffallen würde, und von dem aus keine Spuren zu ihm führen würden. Sie fordert lebenslange Haft. Sein Verteidiger Matthias Zieger widerspricht: Sein Mandant habe sich am Tag nach der Tat freiwillig gestellt. "So handelt niemand, der einen perfekten Mord begehen will", sagt er. Doch kann jemand, der im Affekt zuschlägt und über sich selbst entsetzt ist, tatsächlich noch die Kälte aufbringen, einen Körper zu zerstückeln, in Plastiktüten zu packen und teilweise zu vergraben? Michael Z. schweigt vor Gericht. Er möchte keine Angaben mehr machen. Sicher ist, dass das Opfer in der Nacht seines Todes 3,8 Promille im Blut hatte. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet den Mann als "alkoholkrank". Ob auch der Täter alkoholisiert war, ist unklar - die Verteidigung möchte das mit Zeugen belegen, die ihn an der Tankstelle sahen. Das Urteil soll am 24. März fallen. | Ist er der "American Psycho", der aus purer Lust wahllos Menschen tötet? Oder war es eine Tat im Affekt? In Berlin steht ein Student wegen Mordes an einem Obdachlosen vor Gericht. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/mordprozess-gegen-studenten-ein-perfektes-opfer-1.15167 | Mordprozess gegen Studenten - Ein perfektes Opfer | 00/03/2010 |
Bei einem Erdbeben im Osten der Türkei sind fast 60 Menschen ums Leben gekommen - darunter viele Kinder. Experten sprechen von einer Katastrophe mit Ansage. Bei einem schweren Erdbeben im Osten der Türkei sind 57 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 100 weitere seien verletzt worden, teilte das Krisenzentrum in Ankara mit. Es wurde erwartet, dass die Zahl der Opfer noch steigt. Rettungsmannschaften und Helfer suchten am Vormittag in den Trümmern nach Opfer des Bebens. Unter den Toten sind auch zahlreiche Kinder. Das Beben in der ostanatolischen Provinz Elazig rund 550 Kilometer östlich von Ankara erreichte den Angaben zufolge die Stärke 6,0. Häuser und die Minarette einiger Moscheen stürzten ein. In der Region rannten die Menschen in Panik ins Freie und verbrachten die Nacht aus Angst vor weiteren Beben im Freien. Rettungsmannschaften versuchten am Montag, Verschüttete zu retten. "Hier ist nicht ein Stein auf dem anderen geblieben" Das Epizentrum des Bebens lag bei der Stadt Karakocan. Besonders betroffen seien die Ortschaften Okcular, Yukari Kanatli und Kayali, teilte das Krisenzentrum mit. "Das Dorf ist vollkommen zerstört", sagte der Gemeindevorsteher von Okcular, Hasan Demirdag, dem Fernsehsender NTV. Ähnliche Berichte gab es auch aus dem Dorf Yukari Kanatli: "Hier ist nicht ein Stein auf dem anderen geblieben", sagte Gemeindevorsteher Yadin Apaydin. Das Beben ereignete sich am frühen Montagmorgen. Später folgten etwa 27 Nachbeben mit einer Stärke von bis zu 4,1. Das Zentrum lag in der Nähe des Dorfes Basyurt. Vor allem ältere, aus Lehm und Steinen gebaute Wohnhäuser wurden zerstört. Fernsehbilder zeigten Trümmerhaufen und umgestürzte Wände, die unter den Dächern zusammengefallen waren. "An den aus Zement gebauten Häusern gibt es nur geringe Schäden", sagte der Provinzgouverneur Muammer Erol. Der türkische Rote Halbmond richtete ein Krisenzentrum ein. Die Bewohner zerstörter Häuser sollen zunächst in Containern untergebracht werden. Der Osten der Türkei wurde zuletzt 2003 von einem schweren Erdbeben erschüttert. Damals wurde ein Schulwohnheim in der Provinz Bingöl zerstört, 83 Kinder wurden bei dem Unglück getötet. Bei zwei heftigen Beben im Nordwesten des Landes kamen im August und im November 1999 etwa 20.000 Menschen ums Leben. Unterschätzte Gefahr Die Türkei liegt in einer erdbebengefährdeten Zone und wird regelmäßig von Erdstößen erschüttert, weil dort die Kontinentalplatten Afrikas und Eurasiens kollidieren. Das jüngste Beben ereignete sich in einem Gebiet, in dem die Nordanatolische und die Ostanatolische Verwerfung tektonische Verschiebungen und Spannungen erzeugen. Fachleute wie der selbst aus der Unglücksprovinz Elazig stammende Istanbuler Wissenschaftler Naci Görür kritisieren deshalb, dass die Behörden und die Einwohner selbst nicht mehr getan haben, um die Folgen möglicher Erdbeben in der Region zu minimieren. Dass die Gegend um Elazig ganz besonders bebengefährdet ist, sei erst bei kürzlichen Informationsveranstaltungen in der Region thematisiert worden, sagt Görür im Fernsehen. "Aber unsere Bevölkerung und unsere Behörden nehmen die Warnungen nicht ernst." Das betrifft vor allem die in der ganzen Türkei anzutreffende Nachlässigkeit bei der Errichtung erdbebenfester Häuser. Bei einem Beben der Stärke 6,0 muss in einem so an Erdbeben gewöhnten Land wie der Türkei eigentlich kein Wohnhaus einstürzen. Das zeigt das Beispiel Japans, ein Land, in dem vergleichbare Beben kaum Schäden verursachen. Ahmet Mete Isikara, der bekannteste Erdbebenexperte der Türkei, fordert von seinen Landsleuten ein grundlegendes Umdenken. Schließlich ist fast das gesamte Staatsgebiet erdbebengefährdet: "Wir müssen lernen, mit Erdbeben zu leben", sagt Isikara der Internetausgabe der Zeitung Sabah. Zu diesem Lernprozess gehöre eine ebenso einfache wie wichtige Lektion, fügt der Forscher hinzu: "Nicht das Beben tötet - einstürzende Häuser töten." Im Video: Bei einem schweren Erdbeben im Osten der Türkei sind viele Menschen getötet oder verletzt worden. Weitere Videos finden Sie hier | Bei einem Erdbeben im Osten der Türkei sind fast 60 Menschen ums Leben gekommen - darunter viele Kinder. Experten sprechen von einer Katastrophe mit Ansage. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/naturkatastrophe-schweres-erdbeben-erschuettert-tuerkei-1.2107 | Naturkatastrophe - Schweres Erdbeben erschüttert Türkei | 00/03/2010 |
Nach dem Erdbeben haben Plünderer zugeschlagen. Jetzt zeigen viele Täter Reue - und geben Diebesgut im Wert von 1,5 Millionen zurück. Der Täter kommt immer zum Tatort zurück. Diese Weisheit gilt für TV-Krimis. Doch nun bewahrheitet sie sich auch in Chile. In dem Gebiet um die Stadt Concepción gab es nach dem schweren Beben Plünderungen im großen Stil. Jetzt kommen viele Plünderer wieder, allerdings nicht um weiter zu rauben: Sie zeigen sich reumütig und übergeben Diebesgut an die Behörden. Der Wert bislang: Etwa 1,5 Millionen Euro. Aber Reue ist wohl nicht das alleinige Motiv. Chiles Präsidentin, Michelle Bachelet, vermutet vielmehr, dass die erplünderte Ware aufgrund des Drucks, aufgebaut von Armee- und Polizeipatrouillen, zurückgegeben wurde. Außerdem habe "dieses Plündern mit Überleben nichts zu tun", fügte Bachelet bei einem Besuch eines Lagers mit wiedergebrachten Gütern an. Die Plünderer seien "einfach nur Leute, die Profit aus dem Elend der Anderen schlagen wollen", so Bachelet. Bei den erbeuteten Waren handelt es sich hauptsächlich um Möbel, Waschmaschinen oder Fernsehgeräte. Das Erdbeben vom 27. Februar hat laut aktuellen Angaben 452 Menschen das Leben gekostet. Zwischenzeitlich war sogar von 800 Toten die Rede. Es bleibt immer noch damit zu rechnen, dass die Zahl der Todesopfer wieder nach oben korrigiert werden muss. | Nach dem Erdbeben haben Plünderer zugeschlagen. Jetzt zeigen viele Täter Reue - und geben Diebesgut im Wert von 1,5 Millionen zurück. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/nach-dem-erdbeben-in-chile-pluenderer-mit-gewissensbissen-1.2068 | Nach dem Erdbeben in Chile - Plünderer mit Gewissensbissen | 00/03/2010 |
Eklatante Sicherheitslücke: Ein Journalist schleust in Amsterdam unbehelligt eine präparierte Flasche an Bord einer US-Maschine - zwei Monate nach dem Beinahe-Attentat von Detroit. Gut zwei Monate nach dem knapp vereitelten Bombenanschlag auf eine in Amsterdam gestartete US-Passagiermaschine hat ein Reporter auf dem dortigen Flughafen ein Sprengstoff-Imitat in ein Flugzeug geschmuggelt und ist damit bis in die USA geflogen. Der für solche Aktionen bekannte niederländische TV-Journalist Alberto Stegeman berichtete, er habe auf dem Airport Schiphol einen Liter Flüssigkeit im Handgepäck durch die Kontrollen geschleust und sei damit über den Londoner Heathrow-Flughafen in die US-Hauptstadt Washington geflogen. "Das hätte jederzeit auch Explosivstoff sein können", erklärte der Reporter. Das Nationale Koordinierungsbüro der Niederlande für Terrorismusbekämpfung ordnete nach der TV-Sendung eine sofortige Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen an, sagte ein Sprecher der Behörde. "Wir haben die Fernsehsendung ausgewertet und sind im Gespräch mit Vertretern des Flughafens Schiphol über Veränderungen, die nötig sind, um das Problem rasch zu lösen." Stegeman erklärte Sonntagabend im Recherche-Magazin Undercover Nederland des TV-Senders SBS6: "Es ist immer noch recht einfach, eine Bombe in ein Flugzeug zu bekommen." Für seine Aktion habe er Sicherheitslücken im Bereich des Duty-Free-Verkaufs am Amsterdamer Flughafen ausgenutzt. Manche Duty-Free-Shops liegen zwar nach der Pass-, aber noch vor der Sicherheitskontrolle am Einstiegsgate. Der "Trick": Ein Mitglied des Stegeman-Recherche-Teams kaufte auf Schiphol eine Literflasche Alkohol, ohne den Flug, für den er sich dabei mit seiner Bordkarte ausgewiesen hatte, tatsächlich zu nehmen. Letzter Stopp Duty-Free-Shop Stegeman füllte die Flasche außerhalb des Airports mit Wasser und verschloss sie wieder. Dann legte er die präparierte Flasche an der Kasse des Duty-Free-Shops zum Kauf vor, wo sie von einem ahnungslosen Verkäufer ordnungsgemäß in einer Sicherheitstüte versiegelt wurde. Damit konnte Stegeman - obwohl Beamte den in Holland prominenten Journalisten erkannten und seine Sachen besonders genau durchsuchten - die Sicherheitskontrolle passieren. Schiphol war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, nachdem ein Nigerianer dort am ersten Weihnachtstag 2009 am Körper versteckten Plastiksprengstoff in eine Maschine der US-Gesellschaft Delta/Northwest Airlines geschmuggelt und versucht hatte, die Bombe beim Landeanflug auf Detroit zu zünden. Der 23-jährige Umar Farouk Abdulmutallab war von Passagieren und Besatzungsmitgliedern überwältigt worden. Nach dem Anschlagsversuch führte Schiphol als erster Flughafen der Welt sogenannte Nacktscanner zur routinemäßigen Kontrolle von Passagieren bei Flügen in die USA ein. Bereits im Dezember 2008 hatte Stegeman Sicherheitslücken im niederländischen Luftverkehr angeprangert. Damals war es ihm und einer Mitarbeiterin gelungen, mit auf einem einfachen Kopierer gefälschten Ausweisen der Gesellschaft KLM bis zur Sondermaschine von Königin Beatrix zu gelangen. | Eklatante Sicherheitslücke: Ein Journalist schleust in Amsterdam unbehelligt eine präparierte Flasche an Bord einer US-Maschine - zwei Monate nach dem Beinahe-Attentat von Detroit. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/flughafensicherheit-sprengstoff-imitat-fliegt-mit-1.3025 | Flughafensicherheit - Sprengstoff-Imitat fliegt mit | 00/03/2010 |
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