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2024-12-02 11:25:18
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https://de.wikipedia.org/wiki/Vordertreppe_%E2%80%93_Hintertreppe
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Vordertreppe – Hintertreppe, auch genannt als Vordertreppe und Hintertreppe, ist ein 1914 gedrehter, jedoch erst 1916 aufgeführter deutscher Stummfilm in drei Akten. Unter der Regie von Urban Gad spielt Asta Nielsen die Hauptrolle. Flickschneiderstochter Sabine Schulze lebt mit ihren Eltern in einfachsten Verhältnissen in einem Hinterhauszimmer. Im Vorderhaus residiert unter anderem Husarenleutnant von Hammeln, ein Frauenheld, der jedoch notorische Geldsorgen hat. Sabine wird von Kellner Lehmann umworben, mit dem sie nach Willen der Eltern „so ziemlich“ verlobt ist, den sie jedoch beharrlich ignoriert. Erst als er ihr eines Tages ein mit ihrem Geburtsdatum ausgefülltes Lotterielos schenkt, beachtet sie ihn und gibt ihm zum Dank einen Kuss. Ihr Ziel ist jedoch eine bessere Partie. Als sie zu ihrem Leidwesen eines Tages die Vordertreppe putzen muss, trifft sie auf von Hammeln. Beide plaudern miteinander und der Leutnant verabredet sich mit Sabine spontan zu einem Stelldichein. Sie gehen in ein Café, wobei von Hammeln bereits auf dem Hinweg von Sabines Verhalten irritiert ist, versucht er doch vergeblich, mit ihr als unstandesgemäßer Partie kein Aufsehen zu erregen. Auch im Kaffeehaus, in dem Lehmann als Kellner arbeitet, fällt Sabine durch ihre unkonventionelle, derbe Art auf, wobei sie Lehmann zu ignorieren versucht. Der Leutnant reagiert peinlich berührt, zumal ihm Sabine im Café auch stolz ihr Lotterielos zeigt. Als beide gehen, vergisst Sabine das Los auf dem Tisch und Lehmann nimmt es traurig an sich. Sabine begibt sich mit von Hammeln in dessen Wohnung und schwelgt in Luxus. Seine teils rabiaten Annäherungsversuche wehrt sie ab. Zurück in ihrem Zimmer ist es die Mutter, die ihr wegen ihres Umgangs Vorwürfe macht. Die Aufregung legt sich, als von Hammeln der Familie kurz darauf einen Besuch abstattet: Die Sorge der Eltern um die Tochter wandelt sich in Stolz. Um aus seinen finanziellen Schwierigkeiten herauszukommen, sucht von Hammeln jedoch auch nach einer lukrativen „öffentlichen“ Beziehung und will sich mit der Tochter des Kommerzienrats Goldsohn verloben, was Goldsohn jedoch untersagt. Sabine wiederum wird plötzlich zur guten Partie: Von Hammeln erfährt aus der Zeitung, dass Sabines Los gewonnen und sie somit um 250.000 RM reicher gemacht hat. Kurzerhand begibt er sich in Gala-Uniform und mit Blumenstrauß zu Sabine und bittet sie um ihre Hand. Sabine, die vom Verlust des Loses und dem Hauptgewinn nichts weiß, nimmt die Verlobung überrascht und erfreut an. Es folgen verschiedene Unternehmungen, darunter ein Jahrmarktsbesuch, für den Sabine von ihrer älteren Schwester, die eine Affäre mit Goldsohn hat, herausgeputzt wird. Während Sabine begeistert die verschiedenen Attraktionen ausprobiert, wird von Hammeln schon bei der Fahrt mit der Schiffsschaukel schlecht. Längst plant von Hammeln, der nicht standesgemäßen Beziehung zu entkommen, und stiehlt der Familie Sabines ein kompromittierendes Foto Goldsohns. Notgedrungen lädt von Hammeln Sabine und ihre Eltern zu einem Maskenball ein. Die Eltern erscheinen als Ritter und Insel Cuba, während Sabine als Libelle verkleidet im Saal ankommt. Alle drei fallen mit ihrer Maskerade auf, sonnen sich aber zunächst im Glanz der Gesellschaft. Nach einer Weile zieht sich Sabine jedoch mit Lehmann, der auf der Veranstaltung als Kellner arbeitet, zurück. Sie erkennt, dass sie viel eher zu ihm als zu von Hammeln gehört. Beide tun sich zusammen und können so zwei adelige Frauen beim Kartenspiel hereinlegen. Von Hammeln hat unterdessen mit seinem Erpressungsversuch bei Goldsohn Erfolg und wird dessen Tochter ehelichen dürfen. Sabine und ihre Eltern sind für ihn nun nicht mehr interessant und er begegnet ihnen mit der Kühle seines Standes. Aufgrund des auffälligen Verhaltens der Familie lässt von Hammeln Vater, Mutter und Tochter hinauswerfen, was erst nach einigen Handgreiflichkeiten gelingt. Sabine verkündet, froh über ihre Herkunft von der Hintertreppe zu sein. Lehmann folgt der Familie nach Hause und zeigt Sabine schließlich ihr Gewinnlos. Die Familie und Lehmann feiern den Gewinn. Das Lustspiel Vordertreppe – Hintertreppe basiert auf Motiven des Schauspiels Die Ehre von Hermann Sudermann aus dem Jahr 1890. Der Film thematisierte das im Wilhelminismus durchaus heikle, soziale Thema der Standesunterschiede und Standesdünkel und stellte auf humoristische Weise die Frage, inwieweit zwei Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten miteinander glücklich werden können. Thematisch ähnlich, jedoch dramatisch und mit deutlich sozialkritischeren Untertönen angelegt, war bereits der 1912 uraufgeführte Gad/Nielsen-Film Die arme Jenny, der zudem mit der Szene des Treppeputzens eine „sehr ähnlich inszenierte… Szene“ enthielt. Das Set der Vordertreppe wurde wiederum auch für den Film Die Tochter der Landstraße verwendet. Gedreht wurde 1914 im Union-Atelier in Berlin-Tempelhof. Aufnahmeleiter Ernst Körner stand Regisseur Gad auch als Hilfsregisseur zur Seite. Die Filmbauten stammen aus der Hand von Fritz Seyffert. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verzögerte sich die Veröffentlichung des Films. Er wurde am 3. September 1915 der Zensur vorgelegt, wobei verschiedene Szenen zensiert wurden. Unter anderem wurde eine Szene gestrichen, in der von Hammeln Sabine körperlich bedrängt, sowie zwei Schiebtanzszenen auf dem Maskenball. Die Zensur gab den Film dennoch nicht für Kinder frei. Der Film wurde am 24. März 1916 in den Berliner Union-Theatern uraufgeführt. Er lief auch international, unter anderem ab dem 23. August 1916 in Dänemark sowie 1918 in den Niederlanden, in den Kinos. Vordertreppe – Hintertreppe besitzt drei Akte und war ursprünglich 1074 Meter lang. Die längste Kopie, die sich vom Film erhalten hat, ist 742 Meter lang. Kopien des Films befinden sich im Besitz des Bundesarchiv-Filmarchiv, der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, des Deutschen Filminstituts und des Gosfilmofond Moskau. In Der Kinematograph hieß es in Ausgabe Nr. 483 vom 29. März 1916, dass Asta Nielsen es den Zuschauer bedauern lasse, „dass wir sie so selten in humoristischen Rollen zu sehen bekommen. Sie ist und bleibt eine unserer vielseitigsten Künstlerinnen. Urban Gad hat wieder durch das Stilechte der Inszenierung seine grosse Meisterschaft bewiesen. Das Zimmer im Hinterhause sah man nicht nur – man roch es auch.“ In Reclams Filmführer heißt es, dass „der größte Aktivposten zweifellos das Spiel der Nielsen . Aber auch die Kamera löste sich gelegentlich von der Schablone: Einmal stellte Gad sie auf ein Karussell, so daß der Tanz der vorüberfliegenden Welt die Freude des Mädchens unmittelbar widerspiegelt.“ Heinrich Fraenkel befand, dass der Film „trotz der kitschigen Behandlung der sozialen Thematik durch die große Kunst der Nielsen berühmt geworden“ sei. Andere Kritiker sahen im Film „gewisse sozialkritische Haltungen“, so signalisiere der Film mit seiner ironischen Sicht Ansätze dafür, „eine wenn auch oberflächliche Widerspiegelung gesellschaftlicher Zustände der Wilhelminischen Ära ebenfalls in den Film einzubringen“, wodurch er sich in Ansätzen auch an zeitgenössische Bühnenstücke von Gerhart Hauptmann oder Arno Holz anlehne. Der Krieg von 1864 | Abgründe | Heißes Blut | Nachtfalter | Es gibt ein Glück | Der schwarze Traum | Im großen Augenblick | Zigeunerblut | Der fremde Vogel | Die Asphaltpflanze | Die Verräterin | Der Höhen-Weltrekord | Die Macht des Goldes | Die arme Jenny | Zu Tode gehetzt | Der Totentanz | Die Kinder des Generals | Wenn die Maske fällt | Nina, die weiße Sklavin | Das Mädchen ohne Vaterland | Jugend und Tollheit | Komödianten | Die Sünden der Väter | Der Tod in Sevilla | Die Suffragette | S1 | Die Filmprimadonna | Engelein | Das Kind ruft | Zapatas Bande | Das Feuer | Standrechtlich erschossen | Die Tochter der Landstraße | Die ewige Nacht | Vordertreppe – Hintertreppe | Engeleins Hochzeit | Aschenbrödel | Weiße Rosen | Das Spiel mit dem Tode | Die verschlossene Tür | Der rote Streifen | Die Gespensterstunde | Der breite Weg | Klosterfriede | Die Vergangenheit rächt sich | Die neue Daliah | Der Schmuck des Rajah | Vera Panina | Die Kleptomanin | Der schuldlose Verdacht | Das verhängnisvolle Andenken | Das sterbende Modell | Das Spiel von Liebe und Tod | Mein Leben als Nachtredakteur | Ich – bin – Du … | So ein Mädel | Der Abgrund der Seelen | Weltbrand | Die Flucht aus dem goldenen Kerker | Der vergiftete Strom | Die Insel der Verschollenen | Hanneles Himmelfahrt | Das Glücksrad
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2024-11-22 16:29:26
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https://de.wikipedia.org/wiki/Aufl%C3%B6sung_(Mikroskopie)
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Unter optischer oder räumlicher Auflösung versteht man in der Mikroskopie den Abstand, den zwei Strukturen mindestens haben müssen, um nach der optischen Abbildung noch als getrennte Bild-Strukturen wahrgenommen zu werden. Dabei wird beispielsweise der zur getrennten Erkennung nötige minimale Abstand zweier punktförmiger Objekte oder der minimale Abstand zwischen Linien in einem optischen Gitter betrachtet. Die erreichbare Auflösung ist in der klassischen Lichtmikroskopie fundamental dadurch begrenzt, dass die das Objekt umgebenden optischen Nahfelder nicht durch das optische System übertragen werden, was manchmal auch als Beugung am freien Raum bezeichnet wird. Dieser minimale Objektabstand wird als Auflösungsgrenze oder Abbe-Limit bezeichnet. Ernst Abbe hat diese Beziehung im 19. Jahrhundert beschrieben. Neuere methodische Ansätze erlauben eine Auflösung deutlich jenseits dieser Grenze, sie werden zusammenfassend als englisch Superresolution Microscopy bezeichnet. Derartige Techniken sind beispielsweise RESOLFT-Mikroskopie mit STED-Mikroskopie, Mikroskopie mit modulierter Beleuchtung , Photoactivated Localization Microscopy und optisches Rasternahfeldmikroskop. Es gibt verschiedene Ansätze, die erzielbare Auflösung zu bestimmen. Abbe ging von einem Gitter mit eng beieinander liegenden Linien aus, die von Licht durchstrahlt werden, und berechnete, wie dicht die Linien sein dürfen, so dass sie gerade noch als Linien aufgelöst werden können. Abbe untersuchte beleuchtete Objekte. John William Strutt, 3. Baron Rayleigh betrachtete punktförmige Lichtquellen. Er beschrieb den Abstand aktiver Objekte, die gerade noch als getrennt zu erkennen waren. Diesem Ansatz verwandt ist die Bestimmung der Halbwertsbreite des mikroskopischen Signals einer punktförmigen Lichtquelle. Alle drei Ansätze führen rechnerisch zu sehr ähnlichen Werten für die Auflösung. Um die theoretisch mögliche Auflösung zu ermöglichen, ist es erforderlich, dass genügend Licht gesammelt wird. Bei Hellfeldmikroskopie ist dies in der Regel unproblematisch. Bei der Fluoreszenzmikroskopie können niedrige Intensitäten in Verbindung mit kurzen Belichtungszeiten dazu führen, dass zu wenige Photonen am Detektor auftreffen und der erreichte Kontrast zur getrennten Erkennung der Strukturen nicht ausreicht. Von der Auflösung zu unterscheiden ist die Nachweisbarkeit und die erreichbare Positionierungsgenauigkeit. Mit Dunkelfeldmikroskopie, besonders der Ultramikroskopie, oder der Fluoreszenzmikroskopie lassen sich noch Partikel nachweisen, deren Größe erheblich unter der Auflösungsgrenze liegt, bei Fluoreszenzmikroskopie bis hinunter zu einzelnen Farbstoffmolekülen. Bei der Positionierungsgenauigkeit geht es darum, die Position einer Oberfläche oder eines Körpers möglichst genau im Raum zu bestimmen. Dazu kann das Helligkeitsmaximum des von einem Körper ausgehenden Lichts bestimmt werden. Dies ist mit einer Genauigkeit im Nanometerbereich möglich. In beiden Fällen unterschreitet die Auflösung jedoch nicht die Auflösungsgrenze: Es ist beispielsweise nicht möglich festzustellen, ob ausgesandtes Licht tatsächlich von einer punktartigen Struktur stammt oder von mehreren nahe beieinander liegenden. Ernst Abbe untersuchte das Beugungsverhalten des Lichts an Strichgittern. Je dichter die Striche des Gitters beieinander liegen , desto stärker wird hindurch tretendes Licht gebeugt. Es wird zunächst der Fall betrachtet, dass das Licht senkrecht auf die Rückseite des Gitters auftrifft . Um Informationen über die abzubildende Gitterstruktur zu erhalten, muss außer dem gerade durch das Gitter hindurch tretenden Hauptmaximum des Beugungsmusters auch mindestens das erste Nebenmaximum aufgefangen werden. Die Öffnung des Objektivs muss hierfür ausreichend groß sein. Liegen die Striche des Gitters so dicht beieinander, dass das erste Nebenmaximum nicht mehr vom Objektiv aufgefangen werden kann, wird die Gitterstruktur demnach nicht mehr aufgelöst. Abbe schrieb über diese Zusammenhänge 1873 in seinem Werk „Beiträge zur Theorie des Mikroskops und der mikroskopischen Wahrnehmung“: „ die physikalische Unterscheidungsgrenze hängt allein vom Oeffnungswinkel ab und ist dem Sinus seines halben Betrages proportional.“ und an anderer Stelle genauer: „Da nun auch beim Immersionssystem der Oeffnungswinkel durch kein Mittel erheblich über diejenige Grösse, die 180° in Luft entsprechen würde, hinausgeführt werden kann, so folgt, dass die Unterscheidungsgrenze für centrale Beleuchtung doch niemals über den Betrag der ganzen, und für äusserste schiefe Beleuchtung niemals über den der halben Wellenlänge des blauen Lichts um ein Nennenswerthes hinausgehen wird.“ „Schiefe Beleuchtung“ meint hier eine Beleuchtung mit Kondensor, der bewirkt, dass das Licht als Strahlkegel auf das Präparat auftrifft und nicht als Zylinder wie bei zentraler Beleuchtung. Eine korrekte Beleuchtung, die auch schräg einfallendes Licht einschließt, ist zum Erreichen der maximal möglichen Auflösung wesentlich. Außerdem zeigt sich die Bedeutung der Wellenlänge: Da kurzwelliges Licht weniger stark gebeugt wird als langwelliges , kann mit kurzwelligem Licht eine bessere Auflösung erreicht werden. Das Abbe-Kriterium ist absolut, es kann mit klassischer Mikroskopie nicht überwunden werden. Die abbeschen Überlegungen zur Bildentstehung gelten für Fälle, in denen einfallendes Licht vom Präparat gebeugt wird und dann weiter zum Detektor geleitet wird. Da die Beleuchtung von einer Lichtquelle kommt, kann sie als kohärent angesehen werden. Für selbstleuchtende Objekte machen Abbes Überlegungen keine Aussagen. Auch für die Auflösung entlang der optischen Achse wird keine Angabe gemacht. Für alle Formeln gilt: d {\displaystyle d} ist die erzielbare Auflösung, genauer: der Abstand, den zwei Linien in einem Gitter mindestens haben müssen, damit sie im Mikroskop noch als getrennte Linien erkannt werden können. Für den Fall einer ausschließlich zentralen Beleuchtung ohne Kondensor ergibt sich oder, da n ⋅ sin α {\displaystyle n\cdot \sin \alpha } die numerische Apertur ist, mit λ der Wellenlänge des verwendeten Lichts, n dem Brechungsindex des Immersionsmediums und α dem halben Öffnungswinkel des Objektivs. Die von Abbe erwähnte „äußerste schiefe Beleuchtung“ bezeichnet einen Durchlicht-Strahlengang, bei dem zur Beleuchtung ein Kondensor eingesetzt wird, der mindestens den gleichen Öffnungswinkel beziehungsweise mindestens die gleiche numerische Apertur hat wie das Objektiv. Für diesen Fall ergibt sich die Abbe’sche Formel in ihrer wohl bekanntesten Form: oder, wegen n ⋅ sin α = N A {\displaystyle n\cdot \sin \alpha =\mathrm {NA} } verkürzt Wenn die numerische Apertur von Kondensor und Objektiv gleich groß sind ergibt sich ein praktisches Problem: Der Bildkontrast ist sehr niedrig. Ein optimaler Bildkontrast stellt sich ein, wenn die numerische Apertur des Kondensors bei 2/3 der numerischen Apertur des Objektivs liegt. Gegebenenfalls kann die Kondensorblende zugezogen werden, um dies zu erreichen. Unter der Bedingung, dass die Kondensorapertur kleiner ist als die Objektivapertur gilt folgende Formel: Diese Fassung kann auch als allgemeine Form angesehen werden, da bei zentraler Beleuchtung gilt N A K o n d e n s o r = 0 {\displaystyle \mathrm {NA_{Kondensor}} =0} und sich bei gleich großen Aperturen wiederum 2NA unter dem Bruchstrich ergibt. Die Kondensorapertur kann maximal mit dem gleichen Wert eingehen wie die Objektivapertur, daher wird im Fall einer größeren Kondensorapertur die Objektivapertur mal zwei genommen. Für die Auflösung selbstleuchtender Strukturen, wie sie unter anderem in der Fluoreszenzmikroskopie auftreten, gelten die hier aufgeführten Gesetzmäßigkeiten. Die Erstbeschreibung dieser Regeln für die Mikroskopie wird je nach Lehrbuch entweder auf eine Arbeit von 1896 von John William Strutt, 3. Baron Rayleigh, zurückgeführt, oder auf Rayleigh und Hermann von Helmholtz oder nur auf Arbeiten von Helmholtz von 1873 oder 1874. In allen Fällen wird das entsprechende Kriterium als Rayleigh-Kriterium bezeichnet, das aus der Astronomie bzw. vom Teleskop auf das Mikroskop übertragen wurde. Mikroskopische Bilder selbstleuchtender Punkte sind keine Punkte, sondern Beugungsmuster, deren Helligkeitsverteilung von der Punktspreizfunktion abhängt. Diejenige Ebene des Musters, welche die höchste Intensität enthält , wird als Beugungsscheibchen bezeichnet. Das Rayleigh-Kriterium besagt, dass sich zwei selbstleuchtende Punkte, die nebeneinander in der Schärfeebene liegen, dann gerade noch unterscheiden lassen, wenn das Intensitätsmaximum des Beugungsscheibchens des ersten Punktes in das Minimum des Beugungsscheibchens des zweiten Punktes fällt . Die Helligkeit der dunkelsten Stelle zwischen den beiden Maxima beträgt dann 73,5 % der Maxima. Beim Rayleigh-Kriterium handelt es sich also um eine Konvention und nicht um ein absolutes Kriterium, da manche Beobachter vielleicht auch noch Beugungsscheibchen unterscheiden können, die noch dichter zusammen liegen. Die in diesem Abschnitt aufgeführten Formeln gelten für selbstleuchtende Punkte bei Beobachtung mit klassischer Mikroskopie, beispielsweise in der klassischen Fluoreszenzmikroskopie. Für konfokale Mikroskopie und Multiphotonen-Anregung siehe die entsprechenden Abschnitte. Auch beim Rayleigh-Kriterium geht die Wellenlänge ein, jedoch nicht wie beim Abbe-Limit die von am Objekt gebeugten Licht, sondern die Wellenlänge des vom Objekt abgestrahlten Lichts, bei Fluoreszenzmikroskopie also die Wellenlänge der Fluoreszenz. Die Auflösung in der Fokusebene beträgt wobei NA die numerische Apertur des verwendeten Objektivs ist und λ die Wellenlänge des emittierten Lichtes. Die Auflösung eines Mikroskops ist entlang der optischen Achse generell schlechter als innerhalb der Fokusebene. Für selbstleuchtende Punkte kann wie beim Rayleigh-Kriterium auch entlang der optischen Achse der Abstand berechnet werden, der zwischen dem Helligkeitsmaximum des Beugungsmusters und dem ersten Minimum entlang der optischen Achse liegt. Auf Grund der zugrunde liegenden theoretischen Annahmen gilt die sich ergebende Formel aber nur für paraxiale Optik, also für Objektive mit kleinen Öffnungswinkeln und niedriger numerischer Apertur. wobei n {\displaystyle n} der Brechungsindex des Mediums zwischen Objektiv und Deckglas oder Präparat ist, also zum Beispiel 1 für Luft bei Trockenobjektiven oder 1,518 für typisches Immersionsöl. Eine Bestimmung der Intensitätsverteilung für Objektive mit höherer numerischer Apertur kann unter Anwendung der Fresnel-Huygens-Theorie erreicht werden, wobei weniger Annahmen erforderlich sind und somit eine realistischere Verteilung resultiert. Während die laterale Auflösung bei Objektiven mit gleicher numerischen Apertur immer gleich ist, ergibt sich aus dieser Formel, dass Immersionsobjektive in axialer Richtung bei gleicher numerischen Apertur eine schlechtere Auflösung haben, da der Brechungsindex n des Immersionsmediums hier auch über dem Bruchstrich eingeht. Da Immersionsobjektive jedoch meistens eine höhere numerische Apertur haben als Trockenobjektive, kommt dieser Aspekt selten zum Tragen, da eine höhere numerische Apertur im Quadrat zu einer Verbesserung der Auflösung beiträgt. Die Auflösung nach dem Rayleigh-Kriterium lässt sich zwar berechnen, aber experimentell nur schwer bestimmen: Zwei sehr kleine Objekte müssten immer näher zusammengeschoben werden, bis sie nicht mehr unterscheidbar wären. Aus praktischen Gründen behilft man sich in der Fluoreszenzmikroskopie daher mit der Halbwertsbreite der Punktspreizfunktion . Die Punktspreizfunktion beschreibt das durch Beugung zu Stande kommende dreidimensionale Abbild eines fluoreszenten Punktes, sie ist eine Funktion des optischen Systems, im Wesentlichen des Objektivs. Sie kann ebenfalls berechnet werden. Für die experimentelle Bestimmung werden fluoreszierende Objekte eingesetzt, deren Größe unter der Auflösungsgrenze liegt, beispielsweise 150 Nanometer kleine, mit Fluoreszenzfarbstoff getränkte Latexkügelchen oder Quantenpunkte. Gemessen wird die Halbwertsbreite der Intensitätskurve in Nanometern oder Mikrometern . Auflösung und Halbwertsbreite der PSF stehen in einer mathematischen Beziehung zueinander, die PSF-Halbwertsbreite liegt bei etwas kleineren Werten als die Auflösung. Die in diesem Abschnitt aufgeführten Formeln gelten für selbstleuchtende Punkte bei Beobachtung mit klassischer Mikroskopie, beispielsweise in der klassischen Fluoreszenzmikroskopie. Für konfokale Mikroskopie und Multiphotonen-Anregung siehe die entsprechenden Abschnitte. In x,y-Richtung liegt die Halbwertsbreite der PSF bei wobei NA die numerische Apertur des verwendeten Objektivs ist und λ die Wellenlänge des emittierten Lichtes. Entlang der optischen Achse liegt die Halbwertsbreite der PSF bei Diese Formel kann bei numerischen Aperturen unter 0,5 verkürzt werden auf Für ein Ölimmersionsobjektiv mit einer numerischen Apertur von 1,4 und bei einer Wellenlänge von 550 nm ergibt sich in der Fokusebene eine Halbwertsbreite von Entlang der optischen Achse bei Verwendung eines Immersionsöls mit dem Brechungsindex n=1,518 ergibt sich Sowohl aus dem Abbe-Limit als auch aus dem Rayleigh-Kriterium ergibt sich, dass die Auflösung hin zu kleineren Werten auf zwei Wegen gesteigert werden kann: Durch Verkleinerung der Wellenlänge λ und durch Vergrößerung der numerischen Apertur NA. Der Ansatz der Verkleinerung der Wellenlänge führte Anfang des 20. Jahrhunderts zur Entwicklung der UV-Mikroskopie, bei der UV-Licht statt sichtbarem Licht eingesetzt wurde. August Köhler entwickelte entsprechende Geräte ab 1900 bei Zeiss. Damit ließ sich die Auflösung bei einer verglichen mit sichtbarem Licht halbierter Wellenlänge auf das Doppelte steigern. Da das menschliche Auge dieses Licht nicht wahrnehmen kann, ist eine Darstellung nur mittels Film oder Fluoreszenzschirmen möglich. Außerdem müssen Linsen, Objektträger und so weiter aus Quarzglas, Flussspat oder Lithiumfluorid hergestellt werden, da normales Glas UV-Licht absorbiert. Auf Grund dieser Schwierigkeiten konnte sich die UV-Mikroskopie nicht generell durchsetzen und blieb Spezialanwendungen vorbehalten. Als Nebeneffekt der Versuche von Köhler wurde die Möglichkeit der Fluoreszenzmikroskopie entdeckt, da einige untersuchte Stoffe bei Anregung mit UV-Licht fluoreszierten. Die numerische Apertur NA ist das Produkt aus n, dem Brechungsindex des Mediums zwischen Präparat und Objektiv, und sinα, dem Sinus des halben Öffnungswinkels. Um NA zu vergrößern muss also einer der beiden Faktoren vergrößert werden. Angenommen ein Objektiv hätte eine unendlich große Frontlinse, dann wäre der Öffnungswinkel 180°, der halbe Öffnungswinkel demnach 90° und dessen Sinus also 1. Da die Frontlinse des Objektivs aber endlich groß ist und auch ein gewisser Arbeitsabstand zwischen Schärfeebene und Frontlinse erforderlich ist, ist sinα immer kleiner als 1. Hochwertige Objektive können Werte von 0.95 erreichen. Der Brechungsindex kann gesteigert werden, indem Immersion eingesetzt wird, also eine Flüssigkeit zwischen Präparat und Objektiv eingebracht wird. Hierfür sind für verschiedene Immersionsmedien jeweils spezielle Objektive notwendig, deren Linsen so berechnet wurden, dass sie dem veränderten Brechungsverhalten vor dem Objektiv angepasst sind. Während Luft einen Brechungsindex von etwa 1 hat, liegt der von Wasser bei 1,33 und der von typischem Immersionsöl bei 1,518. Entsprechend kann die Auflösung mit Ölimmersion um über 50 % gegenüber immersionsfreier Mikroskopie gesteigert werden. Die höchsten numerischen Aperturen mit weiterer Verbreitung liegen daher bei NA=1,4 für Ölimmersionsobjektive mit einer Vergrößerung von 100× oder 60×. Auch Ölimmersionskondensoren können NA=1,4 erreichen. Einen noch höheren Brechungsindex als Öl hat Monobromnaphthalin mit n=1,666, das Ernst Abbe in die Mikroskopie einführte. Entsprechende Objektive erreichten eine NA von 1,63. Sie waren jedoch nicht für die Durchlichtmikroskopie biologischer Objekte geeignet, da zu ihrer Verwendung auch Objektträger, Deckgläser, Einbettungsmedium sowie das eigentliche Objekt einen mindestens gleich hohen Brechungsindex hätten aufweisen müssen. Höhere numerische Aperturen als 1,4 finden sich heute mit 1,45 bei speziellen Ölimmersionsobjektiven für die TIRF-Mikroskopie. Bei der konventionellen Fluoreszenzmikroskopie wird die Probe großflächig beleuchtet und durch das Objektiv abgebildet, so dass die PSF des Gesamtsystems nur durch die PSF des Objektivs bestimmt ist. Im Gegensatz dazu wird die Probe im Konfokalmikroskop mit dem Beugungsscheibchen der Beleuchtungslochblende beleuchtet. In diesem Fall wird die Auflösung des Gesamtsystems also durch die Multiplikation zweier Punktspreizfunktionen bestimmt, nämlich der Beleuchtungs-PSF und der Detektions-PSF. Durch die PSF-Multiplikation ändert sich der Durchmesser des Beugungsscheibchens nicht, das erste Minimum ist noch an der gleichen Stelle wie zuvor. Allerdings ist der Helligkeitsanstieg nun steiler, die Flanken der Helligkeitsverteilung rücken nach innen. Zwei solcher multiplizierten Beugungsscheibchen liegen daher dichter beieinander, wenn die minimale Intensität zwischen den Maxima die oben beim Rayleigh-Kriterium erwähnten 73,5 % erreicht, man spricht dann vom verallgemeinerten Rayleigh-Kriterium. Theoretisch ergibt sich dadurch eine Verbesserung der Auflösung um den Faktor 1 2 {\displaystyle {\tfrac {1}{\sqrt {2}}}} , also etwa 1 1 , 4 {\displaystyle {\tfrac {1}{1{,}4}}} . In der Fokusebene ergäbe sich für die Halbwertsbreite des Signals eines fluoreszierenden punktförmigen Objekts 0 , 51 λ 2 ⋅ N A {\displaystyle {\tfrac {0{,}51\lambda }{{\sqrt {2}}\cdot \mathrm {NA} }}} oder 0 , 37 λ N A {\displaystyle {\tfrac {0{,}37\lambda }{\mathrm {NA} }}} , wobei bei Fluoreszenz als Wellenlänge der Mittelwert von Anregungs- und Emissionswellenlänge einzusetzen ist. Bei grünem Licht entspricht dies bei einem Ölimmersionsobjektiv mit 1,4 numerischer Apertur einer Halbwertsbreite von 132 nm . Jedoch kann dieser Wert nur theoretisch, bei unendlich kleiner Lochblende erreicht werden, bei der also kein Licht mehr aufgefangen werden würde. Auch wird vorausgesetzt, dass das anregende Licht das Objektiv von der Rückseite her vollständig ausfüllt. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Die praktisch erzielbare Verbesserung ist daher geringer. Sie hängt davon ab, wie viel des Beugungsscheibchens von der Lochblendenöffnung durchgelassen wird, also vom Durchmesser der Lochblende. Liegt der Lochblendendurchmesser im ersten Minimum des Beugungsscheibchens, so ist die Auflösung in der Fokusebene nicht mehr besser als im nicht-konfokalen Fall, wogegen die Signalintensität dann schon fast maximal ist. Der Ausschluss von Fluoreszenz aus anderen Ebenen funktioniert jedoch noch recht gut. Daher ist dieser Wert bei kommerziellen Konfokalmikroskopen häufig voreingestellt. Er wird als eine Airy unit bezeichnet, nach den englischen Begriffen Airy disk und unit . Auch hier gibt sich wie in der Fokusebene theoretisch eine Verbesserung um den Faktor 1 2 {\displaystyle {\frac {1}{\sqrt {2}}}} , also für die Halbwertsbreite der PSF eines fluoreszierenden Punktobjekts 0 , 64 λ n − n 2 − N A 2 {\displaystyle {\frac {0{,}64\lambda }{n-{\sqrt {n^{2}-\mathrm {NA} ^{2}}}}}} Die Wellenlänge ist wiederum der Mittelwert von Anregungslicht und Fluoreszenzlicht. Eine dünne fluoreszierende Schicht hat für die Halbwertsbreite eine ähnliche, aber etwas andere Gleichung: Es ergeben sich für diese theoretische Auflösungsverbesserung die gleichen praktischen Einschränkungen, die im vorigen Abschnitt schon für die Auflösungsverbesserung in der Fokusebene beschrieben wurden. Eine Anregung mit zwei Photonen kommt bei der Zwei-Photonen-Fluoreszenzmikroskopie und bei der Second Harmonic Generation-Mikroskopie vor, siehe Multiphotonenmikroskop. Ähnlich wie bei der Konfokalmikroskopie wird die Auflösung daher durch die Multiplikation zweier Punktspreizfunktionen bestimmt, nur dass es sich hier zweimal um die Anregungs-PSF handelt. Es kommt also wiederum eine Verbesserung um den Faktor 1 / 2 {\displaystyle 1/{\sqrt {2}}} . Da bei der Multiphotonenanregung im Gegensatz zur Konfokalmikroskopie keine Lochblende eingesetzt wird, entfällt die entsprechende Einschränkung, und die verbesserte Auflösung ist hier tatsächlich möglich. Die Größe der PSF ist dabei ausschließlich von der Anregungswellenlänge abhängig. Da jedoch bei diesen Techniken in der Regel Anregungswellenlängen von 800 nm oder mehr eingesetzt werden, ergibt sich gemessen in Mikrometern keine bessere Auflösung als in der klassischen Fluoreszenz oder Konfokalmikroskopie. Wie bei der Konfokalmikroskopie ist es auch hier für die maximale Auflösung erforderlich, dass der anregende Laserstrahl das Objektiv von der Rückseite her vollständig ausfüllt. Für die Halbwertsbreite der PSF in der Fokusebene ergibt sich und dadurch zum Beispiel für eine Zwei-Photonen-Fluoreszenz-Anregung mit einem Wasserimmersionsobjektiv mit NA = 1,1 wogegen sich bei einer normalen, Ein-Photonen-Fluoreszenz-Anregung für den gleichen Farbstoff mit dem gleichen Objektiv nach den weiter oben aufgeführten Formeln zum Beispiel ergeben könnte Auch entlang der optischen Achse können die Formeln angewendet werden, die oben für ein Konfokalmikroskop mit geschlossener Lochblende angegeben wurden. Bei einer Anregung mit drei Photonen, also bei Drei-Photonen-Fluoreszenzmikroskopie und bei der Third-Harmonic-Generation-Mikroskopie, kommt es zu einer Verbesserung um den Faktor 1 3 {\displaystyle {\tfrac {1}{\sqrt {3}}}} . Bei gleicher Anregungswellenlänge ergibt sich also für Drei-Photonen-Anregung eine bessere Auflösung als für Zwei-Photonen-Anregung. Die Formel für die Halbwertsbreite der PSF in der Fokusebene ist Die theoretisch mögliche Auflösung nach den oben angegebenen Formeln lässt sich nur dann realisieren, wenn der Kontrast zwischen den hellen und dunklen Objekten hoch genug ist, so dass diese auch tatsächlich unterschieden werden können. Dies kann beispielsweise bei der Hellfeldmikroskopie von ungefärbten biologischen Präparaten zum Problem werden, wenn diese kaum Licht absorbieren. Der Kontrast kann hier in vielen Fällen verbessert werden, wenn kontraststeigernde Methoden wie Dunkelfeldmikroskopie, Phasenkontrast oder Differentialinterferenzkontrast eingesetzt werden. Speziell bei fluoreszenzmikroskopischen Anwendungen kann das Problem auftreten, dass die erzeugte Fluoreszenz sehr lichtschwach ist und daher eine gewisse Belichtungszeit nicht unterschritten werden darf, um genügend Photonen zu sammeln, um den erforderlichen Mindestkontrast beziehungsweise ein ausreichendes Signal-Rausch-Verhältnis zu erzielen. In der Hellfeldmikroskopie ist dies auf Grund der verwendeten relativ hohen Lichtintensitäten in der Regel kein Problem; das Phänomen lässt sich jedoch künstlich nachstellen, indem die Belichtungsstärke stark abgesenkt wird . Wenn mikroskopische Bilder digitalisiert werden, kann die optisch erzielte Auflösung nur dann erhalten werden, wenn im digitalen Bild die Bildpunkte dicht genug beieinander liegen. Stellt man sich zwei getrennt nebeneinander liegende helle Punkte vor, so können diese nur dann auch im digitalen Bild getrennt dargestellt werden, wenn zwischen ihnen vereinfacht gesprochen noch ein dunkleres Pixel liegt: Es kämen daher drei Pixel auf den minimal darstellbaren Abstand, zwei für die hellen Punkte und ein dunkles dazwischen. Tatsächlich sagt das Nyquist-Kriterium aus, dass für den kleinsten optisch darstellbaren Abstand 2,3 Pixel erforderlich sind. Wenn also beispielsweise die optisch erzielbare Auflösung bei 230 nm liegt, muss demnach die Größe der Pixel bei 100 nm liegen. Eine etwas genauere Abtastung, also etwas kleinere Pixel, kann in der Praxis gerechtfertigt sein, um kleine Unterschiede besser sichtbar zu machen. Ein Abtasten mit mehr als 3 Pixeln bringt jedoch keine weiteren Vorteile mehr. Die Bilddatei würde aber unnötig groß. Bei fluoreszenzmikroskopischen Anwendungen kommt hinzu, dass die Fluoreszenzfarbstoffe durch die einhergehende stärkere Beleuchtung unnötig schnell ausbleichen. Auch andere mikroskopische Präparate, die empfindlich auf starke Beleuchtung reagieren, können unnötig geschädigt werden. Das Nyquist-Kriterium gilt sowohl für die Fokusebene als auch entlang der optischen Achse . Unerheblich ist die Art der Digitalisierung, beispielsweise als parallele Rasterdetektion mittels einer CCD/CMOS-Kamera oder mit Hilfe eines schnellen Photodetektors und einem Scanner bei rasternden Verfahren. Insbesondere bei superauflösenden Techniken lässt sich die real erzielbare Auflösung nicht immer auf einfache Weise aus der Theorie ableiten. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten, diese experimentell zu bestimmen. Die zurzeit am weitesten verbreitete Methode dafür verwendet Strukturen des eukaryontischen Zytoskeletts, da sich mit diesen sehr eindrucksvolle Bilder erzielen lassen. Dabei wird das erhaltene Bild nach eng benachbarten, möglichst parallel verlaufenden Filamenten durchsucht und deren Abstand zueinander bestimmt. Der kleinste dabei gefundene Wert wird als erzielte Auflösung gewertet. Eine andere Möglichkeit basiert auf der Verwendung von Nanometerlinealen. Dieses sind auf DNA basierende Nanostrukturen, die Farbstoffmoleküle in genau definierten Abständen zueinander tragen. Sie ermöglichen somit eine weniger willkürliche und deutlich systematischere Bestimmung der optischen Auflösung.
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2024-11-22 23:22:21
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https://de.wikipedia.org/wiki/Oineus_(Weingott)
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Oineus , Sohn des Porthaon, war in der griechischen Mythologie König von Pleuron und Kalydon in Ätolien. Der Sage nach soll er als Erster die Berge Ätoliens mit Weinreben bepflanzt haben. Von seiner ersten Frau Althaia hatte er drei Kinder: Tydeus, Deïaneira und Meleagros. Tydeus wird von manchen Quellen Oineus’ zweiter Gattin Periboia zugeschrieben. Auf seine mangelnde Götterverehrung geht die sogenannte kalydonische Jagd zurück: Weil er vergisst, der Göttin Artemis zu opfern, schickt diese einen riesigen Eber, der weithin das Land verwüstet. Erst die kaledonische Jagd setzt dessen Treiben ein Ende. Nach einer späteren Sage rauben ihm die Söhne seines Bruders Agrios seinen Thron und seine Freiheit. Sein Enkel Diomedes, Sohn des Tydeus, erschlägt deshalb den Agrios und dessen Söhne, übergibt den Thron des Oineus dessen Schwiegersohn Andraimon und nimmt Oineus mit nach Argos.
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2024-12-02 10:56:22
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https://de.wikipedia.org/wiki/Naturpark_Maas-Schwalm-Nette
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Der Naturpark Maas-Schwalm-Nette ist ein grenzüberschreitender Naturpark in Deutschland und den Niederlanden, der 2002 gegründet wurde. Er ist ein regional bedeutsames Naherholungsgebiet. Insgesamt ist er 870 km² groß. Seinen Namen hat er von den durchfließenden Flüssen Maas, Schwalm und Nette. Oft wird er mit dem Naturpark Schwalm-Nette gleichgestellt. Dieser wurde jedoch schon 1965 gegründet; er ist inzwischen in den NMSN integriert. Er erstreckt sich über ein Gebiet in den Kreisen Kleve, Viersen und Heinsberg sowie in der Stadt Mönchengladbach in Deutschland und in den Gemeinden Roermond, Roerdalen, Venlo, Echt-Susteren, Leudal und Maasgouw in den Niederlanden. Im Naturpark Maas-Schwalm-Nette liegt auch das Naturschutzgebiet Krickenbecker Seen mit den vier durch Torfstich entstandenen Seen. Auf dem Gebiet der Gemeinde Niederkrüchten liegt die einzige Wacholderheide des Niederrheingebiets, umgeben vom Elmpter Schwalmbruch. Ferner gehört der Kaldenkirchener Grenzwald mit dem Arboretum Sequoiafarm und dem Geo-hydrologischen Wassergarten dazu. 21 Besucherzentren informieren über Landschaft, Kunst, Natur, Kultur und Geschichte. Zahlreiche Exkursionen und Aktivitäten werden angeboten. Der Wasserhaushalt wurde und wird durch den Braunkohletagebau südlich von Mönchengladbach beeinflusst. Nachdem das Abbaugebiet Garzweiler I ausgekohlt war, begann man mit Garzweiler II. Dieser nähert sich langsam Mönchengladbach und damit auch dem NMSN. Arnsberger Wald | Bergisches Land | Diemelsee | Dümmer | Hohe Mark | Hohes Venn-Eifel | Maas-Schwalm-Nette | Rheinland | Sauerland-Rothaargebirge | Siebengebirge | TERRA.vita | Teutoburger Wald/Eggegebirge 51.3111676.177621Koordinaten: 51° 18′ 40,2″ N, 6° 10′ 39,4″ O
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2024-12-03 16:34:36
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https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_Laugwitz
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Barbara Laugwitz ist eine deutsche Verlegerin. Von 2014 bis 2018 war sie verlegerische Geschäftsführerin des zum Holtzbrinck-Konzern gehörenden Rowohlt Verlags. Ihre Freistellung Ende August 2018 führte zu Autorenprotesten und rechtlichen Auseinandersetzungen. Ab 2019 war sie Verlagsdirektorin/Chief Publishing Officer der Ullstein Buchverlage in Berlin. Dort wurde sie im Sommer 2019 verlegerische Geschäftsführerin. Mit Wirkung ab 1. August 2020 wurde Laugwitz verlegerische Geschäftsführerin bei dtv. Barbara Laugwitz studierte an der Universität Oxford Altphilologie. Ihren Einstieg in die Verlagsbranche hatte sie mit einem Volontariat bei Droemer Knaur. Anschließend arbeitete sie als Lektorin beim Ullstein Verlag. 2005 wechselte sie zu Rowohlt in die Abteilung für Taschenbuch-Sachbücher. 2012 übernahm sie dort die Leitung der gesamten Taschenbuchsparte. Als Nachfolgerin von Alexander Fest wurde sie 2014 verlegerische Geschäftsführerin des Rowohlt Verlags. Unter ihrer Leitung wurden Autoren wie Jan Weiler und Eckart von Hirschhausen zu Rowohlt geholt und der Verlag war wirtschaftlich erfolgreich. Barbara Laugwitz’ Vertrag wurde zum Jahresende 2018 beendet, obwohl sie die erfolgreichste Verlegerin des ersten Halbjahrs 2018 war, gemessen an den Bestseller-Platzierungen sowohl bei Belletristik als auch bei Sachbüchern. Neuer verlegerischer Geschäftsführer bei Rowohlt wurde im Januar 2019 Florian Illies. Die Kündigung war mit „unterschiedliche Vorstellungen über den weiteren Weg“ begründet. Das Vorgehen mit fristgerechter Kündigung bei sofortiger Freistellung samt Kontaktverbot zu Autoren und Mitarbeitern sowie sofortigem Sperren des E-Mail-Accounts wurde vom Chefredakteur des Börsenblatts als vom Branchenüblichen deutlich abweichend kommentiert. In der Süddeutschen Zeitung wurde als Kündigungsgrund angenommen, Laugwitz habe ihre erfolgreiche Tätigkeit im Hintergrund geleistet und keine Aufmerksamkeit für den Verlag generiert. Die Verlegerin und Literaturagentin Elisabeth Ruge vermutete in einem Interview, die Entscheidung könne auch damit zu tun haben, dass Barbara Laugwitz eine Frau ist. Das Fachmagazin Buchreport listete mehrere Verlegerinnen auf, die zu diesem Zeitpunkt große deutsche Verlage leiteten. Nach Darstellung des Nachrichtenmagazins Der Spiegel waren persönliche Differenzen zwischen dem Leiter der Holtzbrinck-Buchverlage Joerg Pfuhl und Barbara Laugwitz der Grund für deren Kündigung. In einem Interview sagte Barbara Laugwitz im Oktober 2019 rückblickend, ihre Kündigung sei wahrscheinlich schon seit dem Herbst 2017 betrieben worden. Namhafte Schriftsteller des Verlags zeigten sich über die Kündigung entsetzt, dokumentiert in der FAZ am 9. September 2018. Elfriede Jelinek, Daniel Kehlmann, Eckart von Hirschhausen und die amerikanischen Schriftsteller Paul Auster, Siri Hustvedt und Jonathan Franzen äußerten Unverständnis und Kritik. 22 weitere Rowohlt-Autoren schrieben einen offenen Brief an Stefan von Holtzbrinck und Joerg Pfuhl, den CEO der Holtzbrinck-Buchverlage, darunter Thomas Melle, Eugen Ruge, Margarete Stokowski, Heinz Strunk und David Wagner. Er wurde am 12. September 2018 in der taz und auf Spiegel Online veröffentlicht. Erbost zeigten sich die Unterzeichner insbesondere über die Kontaktsperre. Ein weiterer offener Brief von Autoren folgte am 30. September in der FAS, in dem die mangelnde Reaktion von Pfuhl auf die Vorwürfe beklagt wurde. Der Konzern verwahrte sich in einer Stellungnahme vom 1. Oktober 2018 gegen die „zum Teil heftige persönliche Vorwürfe“ gegenüber Joerg Pfuhl. Die Verschwiegenheitsverpflichtung und die Kontaktsperre für Barbara Laugwitz gegenüber anderen Mitarbeitern und Autoren sei „in keiner Weise als dauerhaftes Kontaktverbot“ gedacht gewesen. Auf Antrag von Laugwitz erließ das Landgericht Berlin am 27. September 2018 eine einstweilige Verfügung, in der Joerg Pfuhl „bestimmte Formulierungen im Zusammenhang mit Vertraulichkeitsregelungen rund um die Entlassung der Geschäftsführerin Barbara Laugwitz untersagt“ wurden. Im Oktober 2018 wurde der Disput beigelegt. Laugwitz wechselte im Januar 2019 als Verlagsdirektorin/Chief Publishing Editor zu den Ullstein Buchverlagen. Im Mai 2019 kündigte das Unternehmen ihre Übernahme der verlegerischen Geschäftsführung von Gunnar Cynybulk zum Sommer des Jahres an. Am 1. August 2020 hat Laugwitz die verlegerische Geschäftsführung bei dtv übernommen. Sie wurde die Nachfolgerin von Claudia Baumhöver.
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2024-12-03 15:24:28
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https://de.wikipedia.org/wiki/Wahlkreis_See-Gaster
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Der Wahlkreis See-Gaster ist eine Verwaltungseinheit des Schweizer Kantons St. Gallen, die nach der neuen St. Galler Kantonsverfassung vom 10. Juni 2001 gebildet wurde. Für die Mehrheit der Bevölkerung im Wahlbezirk See-Gaster liegt Zürich näher als St. Gallen. Die Region gehört zu den wachstumsstärksten im Kanton und die Steuerkraft ist nirgendwo so hoch in St. Gallen. Einige internationale Unternehmen wie Geberit, Holcim oder Wicor haben ihren Sitz im Wahlkreis. Die Kehrseite des Wachstums ist, dass das Wohnen teuer ist. Beschaulicher geht es am östlichen Ende des Wahlkreises zu, wo am Walensee die Strukturen dörflich und kleinräumig sind. Für die regionale Identität sind die Kantonsgrenzen zweitrangig. Der Eishockeyclub SC Rapperswil-Jona Lakers hat viele Fans in den Nachbarkantonen. Politisch dominierte in Wahlkreis lange die Christlichdemokratische Volkspartei , aber auch der liberale Einfluss der FDP war stets stark. Der Kantonsratssitz der Grünliberalen Partei, die sich in dieser Region schon recht früh etablieren konnten, fiel 2016 dem Vormarsch der SVP zum Opfer, konnte aber vier Jahre später wiedergewonnen werden. Die Entwicklung im Wahlkreis See-Gaster zeigt ein ähnliches Muster wie im restlichen Kanton: Die früher dominante CVP wurde 2008 erstmals von der SVP überholt. Die FDP konnte ihren Rückgang 2012 und 2016 stoppen, die SP bereits ab 2008. Der Wahlkreis besteht seit dem 1. Januar 2003 aus den beiden früheren Bezirken See und Gaster. Er umfasst folgende Gemeinden: Stand: 1. Januar 2013 Rheintal | Rorschach | Sarganserland | See-Gaster | St. Gallen | Toggenburg | Werdenberg | Wil Ehemalige Bezirke des Kantons St. Gallen bis 30. Juni 1918: Stadt St. Gallen | Tablat Ehemalige Bezirke des Kantons St. Gallen bis 31. Dezember 2002: Alttoggenburg | Gaster | Gossau | Neutoggenburg | Oberrheintal | Obertoggenburg | Rorschach | Sargans | See | St. Gallen | Unterrheintal | Untertoggenburg | Werdenberg | Wil Kanton St. Gallen | Bezirke der Schweiz | Verwaltungsgliederung des Kantons St. Gallen | Gemeinden des Kantons St. Gallen Amden | Benken | Eschenbach | Gommiswald | Kaltbrunn | Rapperswil-Jona | Schänis | Schmerikon | Uznach | Weesen Ehemalige Gemeinden: Ernetschwil | Goldingen | Jona | Rapperswil | Rieden | St. Gallenkappel Kanton St. Gallen | Wahlkreise des Kantons St. Gallen | Gemeinden des Kantons St. Gallen Amden | Benken | Eschenbach | Gommiswald | Kaltbrunn | Rapperswil-Jona | Schänis | Schmerikon | Uznach | Weesen Liste der Kulturgüter im Kanton St. Gallen
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2024-11-22 18:51:31
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https://de.wikipedia.org/wiki/George_Rublee
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George Rublee ; † 26. April 1957 in New York City) war ein US-amerikanischer Rechtsanwalt. Er arbeitete auf den Schwerpunkten Staatsrecht und internationales Recht und war Initiator des Rublee-Wohlthat-Plans. Rublee wurde 1868 als Sohn von Horace Rublee und Kate Hopkins in Madison geboren. Sein Vater war Journalist, Parteiführer der Republikaner in Wisconsin und Botschafter in der Schweiz. Nach dem Besuch der Phillips Exeter Academy und der Groton School studierte George Rublee in Harvard, wo er 1890 seinen Bachelor of Arts und 1895 seinen Bachelor of Laws erhielt. In der Folge war Rublee in Washington, D.C. als Rechtsanwalt tätig und ab 1915 Mitglied der Federal Trade Commission. Als amerikanischer Delegierter war er ab ca. 1918 Mitglied des Allied Maritime Transport Council. Außerdem war er Berater der Regierung von Kolumbien. Im August 1938 wurde Rublee zusammen mit Robert Pell leitender Direktor des Intergovernmental Committee on Refugees . In dieser Funktion verhandelte er ab Dezember 1938 mit dem deutschen Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht und mit dem deutschen Ministerialdirigenten Helmuth Wohlthat über die Planung eines Programms für die „Auswanderung von Juden deutscher Staatsangehörigkeit und staatenloser Juden aus Deutschland“ . Rublee schied nach 6 Monaten aus seinem Amt als leitender Direktor des ICR aus. Von 1899 bis zu seinem Tod 1957 war er mit Juliet Barrett verheiratet.
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2024-12-04 07:09:03
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https://de.wikipedia.org/wiki/Meschacher_Wolfgangskirche
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Die römisch-katholische Kuratienkirche Meschach steht im Ortsteil Meschach am Götznerberg in der Marktgemeinde Götzis in Vorarlberg. Die dem Patrozinium hl. Wolfgang unterstellte Kuratienkirche gehört zum Dekanat Rankweil der Diözese Feldkirch. Die Kirche steht unter Denkmalschutz . Die Vorgängerkirche, urkundlich im Jahre 1463 errichtet und im Jahre 1548 als Filialkirche von Götzis geweiht, wurde im Jahre 1820 zur Expositurkirche erhoben, und in den Jahren 1865 bis 1866 vergrößert. Nach der Demolierung wurde in den Jahren 1881 bis 1883 nach den Plänen des Architekten Karl Holzhammer unter dem Baumeister Fidel Kröner die heutige Kirche errichtet und im Jahre 1891 geweiht. Die Kirche hat ein Langhaus und einen eingezogenen Chor, beide mit abgedachten Strebepfeilern, der Chor ist unter einem niedrigeren Satteldach. Der Kirchturm mit achteckigem Obergeschoss hat einen Giebelspitzhelm. Langhaus und Chor haben Spitzbogenfenster. Das Kircheninnere zeigt ein dreijochiges Langhaus unter einem Stichkappentonnengewölbe, einen eingezogenen spitzbogigen Triumphbogen und einen eingezogenen einjochigen Chor mit einem Fünfachtelschluss unter einem Kreuzrippengewölbe auf einem umlaufenden Gesims. Die Glasmalereien im Chor zeigen links Herz Jesu, mittig den hl. Wolfgang und rechts Herz Mariens von der M. Schneiderschen Glasmalereianstalt Regensburg 1883. Der neugotische Hochaltar mit Figuren schuf der Bildhauer Josef Bertsch 1883. Der linke und der rechte Seitenaltar mit Figuren schuf der Bildhauer August Valentin aus Brixen. Die Meschacher Krippe von Erasmus Kern aus 1624 befindet sich im vorarlberg museum. 47.331989.6696Koordinaten: 47° 19′ 55,1″ N, 9° 40′ 10,6″ O
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2024-12-02 10:38:18
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https://de.wikipedia.org/wiki/Expositur_(Kirche)
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Als Expositur wird im katholischen Kirchenwesen ein Seelsorgebezirk ohne eigene Vermögensverwaltung bezeichnet. Sie wird von einem Priester geleitet, der die Amtsbezeichnung „Pfarrvikar“ trägt und ortsabhängig teilweise auch den Titel Pastor innehat. Der Pfarrvikar ist aber zugleich immer auch Kaplan der Mutterpfarrei. Eine Expositur hat eigene Kirchenbücher, die jedoch als Teilregister der Mutterpfarrei geführt werden. Der Pfarrer der Mutterpfarrei behält seine pfarrlichen Rechte und Pflichten, soll von ihnen jedoch nur in dringenden Notfällen Gebrauch machen; der Pfarrvikar entscheidet daher in der Regel in eigener Verantwortung. Bezüglich der Seelsorge genießt die Expositur daher faktisch den Status einer Pfarrgemeinde. Ähnlich einer Pfarrvikarie ist es das Ziel einer Expositur, zur Pfarrei erhoben zu werden. Voraussetzung hierfür ist eine Stabilität der Ortsgemeinde und des eigenständigen kirchlichen Lebens. In der Praxis ist die Expositur daher einer Pfarrei gleichgestellt, auch wenn sie kirchenrechtlich untergeordnet ist. Eine Expositur hat meist einen eigenen Pfarrgemeinderat.
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2024-11-24 02:04:06
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https://de.wikipedia.org/wiki/Konferenz_von_Madrid
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Die Friedenskonferenz von Madrid war ein Versuch der internationalen Gemeinschaft, einen Friedensprozess für den Nahostkonflikt in Gang zu bringen, indem Israel, Syrien, Libanon, Jordanien und die Palästinenser an den Verhandlungstisch geholt wurden. Sie wurde durch die Regierung Spaniens unter Mitwirkung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion abgehalten. Die Konferenz begann am 30. Oktober 1991 und dauerte drei Tage. In der unmittelbaren Folge des Golfkriegs von 1991 hatten der amerikanische Präsident George H. W. Bush und sein Außenminister James Baker die Rahmenbedingungen formuliert und gemeinsam mit der Sowjetunion ein Einladungsschreiben formuliert, und am 30. Oktober 1991 Israel, Syrien, Libanon, Jordanien und den Palästinensern übermittelt. Die Delegation der Palästinenser war aufgrund von Einwendungen Israels anfänglich ein Teil der gemeinsamen palästinensisch-jordanischen Delegation und bestand aus Palästinensern aus dem Westjordanland und vom Gazastreifen, ohne eine offene Verbindung zur PLO. Saeb Erekat, Faisal Husseini, Hanan Aschrawi und Haidar Abdel Schafi waren allerdings ständig in Verbindung mit der PLO-Führung in Tunis. Der Zweck der Konferenz war der eines eröffnenden Forums für die Teilnehmer und die Konferenz hatte keinerlei Kompetenzen für Beschlüsse oder Ablehnungsvereinbarungen. Sie stand am Anfang von sowohl bilateralen als auch multilateralen Gesprächen, die auch die internationale Gemeinschaft einschlossen. Die Verhandlungsführer Syriens und des Libanon verständigten sich auf eine gemeinsame Strategie. Die ersten öffentlichen bilateralen Gespräche zwischen Israel und seinen Nachbarn zielten auf Friedensverträge zwischen den drei arabischen Staaten und Israel, während die Gespräche mit den Palästinensern auf einer zweiphasigen Verhandlungsform basierten: zunächst die Verhandlung von Interims-Selbstverwaltungs-Vereinbarungen, denen dann Verhandlungen über einen dauerhaften Status folgen sollten. Diese Verhandlungen wurden direkt nach der Konferenz am 3. November 1991 in Madrid begonnen und über ein Dutzend Gesprächsrunden in Washington, DC zwischen dem 9. Dezember 1991 und dem 24. Januar 1994 fortgesetzt. Die multilateralen Verhandlungen begannen am 28. Januar 1992 in Moskau und wurden in fünf Foren gegliedert, die sich jeweils auf ein Hauptproblem konzentrierten – Wasser, Umwelt, Waffenkontrolle, Flüchtlinge und Wirtschaftsentwicklung – und fanden bis November 1993 in verschiedenen Städten im Nahen Osten und in Europa statt. Zunächst weigerte sich Israel, an den Gesprächen über Flüchtlinge und Wirtschaftsentwicklungen teilzunehmen, weil palästinensische Vertreter von außerhalb des Westjordanlandes und des Gazastreifens anwesend waren. Syrien und Libanon weigerten sich, an den multilateralen Gesprächen teilzunehmen, solange kein erkennbarer Fortschritt auf bilateraler Ebene erkennbar war. Die formellen multilateralen Gespräche, die für einige Jahre eingefroren waren, wurden am 31. Januar 2000 durch ein Treffen des Steuerungsausschusses wieder aufgenommen, dem Treffen der Arbeitsgruppen folgten. Die israelisch-jordanischen Verhandlungen führten schließlich zu dem israelisch-jordanischen Friedensvertrag, der 1994 unterzeichnet wurde, während die israelisch-syrischen Gespräche nur zu einer Reihe von Verhandlungen führten, die Berichten zufolge zwar recht aussichtsreich waren, jedoch nicht zu einem Friedensvertrag führten. Die bilateralen Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern wurden schließlich durch die anfänglich geheimen Verhandlungen ersetzt, die am Ende zu dem Briefwechsel vom 9. und 10. September 1993 führten und der Unterzeichnung des Oslo-Abkommens am 13. September auf dem Rasen des Weißen Hauses führten. Israel nennt als großen Erfolg der Konferenz und des Friedensprozesses, dass die Anzahl der Staaten, die Israel anerkannt haben und die auch ein bestimmtes Maß an diplomatischen Beziehungen unterhalten, sich wesentlich erhöht hat, einschließlich der Großmächte China und Indien, aber auch in der arabischen Welt, Oman, Katar, Tunesien, Marokko und Mauretanien, sowie ein Abschwellen des arabischen Boykotts und ein Aufbau von Wirtschaftsbeziehungen mit einigen der arabischen Staaten.
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2024-12-04 02:09:05
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https://de.wikipedia.org/wiki/Lokalisationssch%C3%A4rfe
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Die Lokalisationsschärfe gehört zu den psycho-akustischen Bestimmungen . Sie ist die kleinste Änderung eines oder mehrerer Merkmale eines Schallereignisses, die gerade zu einer wahrgenommenen Ortsänderung des Hörereignisses führt. Das kann beim Hören von natürlichen Schallquellen oder bei der Wiedergabe von Lautsprecherstereofonie sein. Die Lokalisationsschärfe kennzeichnet die Tatsache, dass der Hörraum weniger differenziert ist als der Schallquellenraum. Die räumliche Auflösung des Gehörs ist geringer als die mit physikalischen Messtechniken erzielbare Auflösung. Als Lokalisationsschärfe bezeichnen wir – wie in der Psychoakustik üblich – diejenige Ortsänderung der Schallquelle, bei der gerade 50 % der Versuchspersonen eine Änderung des Hörereignisortes bemerken. Als Schwellendefinition kann man angeben 100 % = scharf: schmal, präzise, genau, gut fokussiert und 0 % = unscharf: breiter, unklar, räumlicher, schlecht fokussiert. Das Wort Lokalisationsunschärfe sollte wegen Unklarheit vermieden werden. Die Lokalisationsschärfe liegt bei rund 1°. Sie hängt ab von Die „Abbildungsschärfe“ ist die der Abbildung zwischen den Lautsprechern zugeordnete Lokalisationsschärfe. Das Optimum an Abbildungsschärfe stellt ein einziger Lautsprecher dar. Auch wenn es erstrebenswert erscheint, bei der Stereoaufnahme Phantomschallquellen immer mit der besten Lokalisationsschärfe zu erzeugen, so sprechen doch künstlerische Erwägungen bisweilen dagegen. | Stereobasis | Stereodreieck | Interchannel | Stereofonie | Laufzeitstereofonie | Intensitätsstereofonie | Äquivalenzstereofonie | Lokalisation | Monophonie | Summenlokalisation | Lautsprecherbasis | Aufnahmebereich | Ausdehnungsbereich | Mikrofon | Mikrofonanordnung | Abstandsgesetz | Hauptmikrofon | Stützmikrofon
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2024-12-03 20:38:57
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https://de.wikipedia.org/wiki/H._M._Gehrckens
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H. M. Gehrckens ist eine ehemalige Hamburger Reederei, die auch unter dem Kürzel H.M.G bekannt war. Gegründet um 1830 mit einigen gebrauchten Segelschiffen, wurde die Reederei von Heinrich Martin Gehrckens sehr bald besonders auf der Ostsee- und Westafrikafahrt bekannt. Das erste Schiff war die Galeasse Florentine II. 1869 verfügte Heinrich Martin I. bereits über acht Segelschiffe. H.M.G. II trat kein leichtes Erbe an. Privat musste er seine Mutter und seine sieben Geschwister abfinden, die alle am väterlichen Vermögen erbberechtigt waren. Die Reichsgründung 1871 gab der deutschen Seefahrt mächtige Impulse, doch H.M.G. II beteiligte sich nicht an den Neugründungen, die eine starke Verschmelzung von Unternehmertum, Großbanken und Überseefahrt brachten. Er ging seine eigenen Wege. Um die Firma lebensfähig zu halten, schaltete er sich in die Dampferlinienfahrt ein. Zunächst wurde er Mitinhaber der unter englischer Flagge fahrenden Kings-Lynn-Line, die er später ganz übernahm. Die Reederei stellte sich bald ganz auf Dampfschiffe um und konnte sich dadurch auch mit ihrem ersten Liniendienst von Hamburg nach Stockholm etablieren. H. M. Gehrckens betätigte sich von Anfang an als Linienreederei hauptsächlich in der Nord- und Ostseefahrt und trug dazu an dem Aufbau und der Entwicklung der Linienschifffahrt zwischen Deutschland, Finnland und Schweden einen wesentlichen Anteil bei. Ab etwa 1875 waren H.M.G.-Schiffe in regelmäßiger Fahrt zwischen Schweden und Deutschland sowie ab etwa 1885 im Verkehr zwischen finnischen und deutschen Häfen eingesetzt. Während H. M. Gehrckens zunächst seine Schiffe als Einzelreeder eingesetzt hatte, erfolgte später und bis zum Ende des Bestehens der Reederei die Durchführung dieser Dienste in Zusammenarbeit mit einigen Partnern: der Hamburger Ernst Russ Reederei, der Hamburger Mathies Reederei, Helsinkis Finska Ångfartygs Aktiebolaget und Stockholms Rederiaktiebolaget Svea. Unter H.M.G. III spezialisierte sich die Reederei auf das Durchfrachtengeschäft, für das Hamburg nach der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals im Jahr 1895 günstig lag. Zum Beispiel lieferten sie südamerikanischen Kaffee nach Schweden und von dort Eisen nach England oder Speck und Mehl aus den USA nach Finnland und von dort Butter nach England. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte sie im Mittel 14 Schiffe im Einsatz. Nach dem Ersten Weltkrieg mussten viele Schiffe abgegeben werden und H.M.G. III baute die Reederei mühsam mit Hilfe seines in die Firma 1919 eingetretenen Sohnes H.M.G. IV aus erster Ehe wieder auf. Dabei arbeitete er wieder mit der Mathies-Reederei zusammen. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Reederei wieder neu, erst mit einem Güterumschlagsbetrieb im Hamburger Raum und dann 1947 mit fünf alten Frachtdampfern. Diese waren ihre alten Schiffe, die sie damals von der Militärregierung zurückerhielt oder erwarb. Davon war die Söderhamn mit ihren 1499 BRT anfangs das Flaggschiff der gesamten in Deutschland verbliebenen Handelsflotte. Die Gehrckens’schen Dampfer wurden zu dieser Zeit größtenteils in die Fahrt mit dem aus deutschen Wäldern geschlagenen Bau- und Grubenholz nach England beschäftigt. 1949 war die Brook von Gehrckens der erste Frachtschiffneubau in Deutschland. Dann wurden Liniendienste nach Nordwestafrika eingerichtet, einer in Gemeinschaft mit der Firma Gebr. van Udens Scheepvaart & Agentuur Mij., Rotterdam, und ein anderer zusammen mit der früher in Stettin ansässigen Reederei Franz L. Nimtz im Rahmen des hierfür gegründeten Hanseatischen Afrika Dienstes. Dazu wurde in Verbindung mit der Nordafrikafahrt während der spanischen Orangensaison ein spezieller Fruchtdienst von Häfen der spanischen Ostküste nach nordeuropäischen Häfen aufgenommen. Mitte 1955 verfügte die Reederei über 14 Schiffe mit insgesamt circa 29.510 Tonnen Tragfähigkeit , die in regelmäßiger Fahrt nach Schweden, Finnland, Marokko und Westafrika eingesetzt waren. 1955 kamen drei neue Schiffe mit zusammen rund 7900 tdw hinzu. Damit wurde die Flottenkapazität auf ca. 38.000 tdw erhöht. Von diesen Neubauten wurden zwei Schiffe speziell für den Nordseedienst mit höchster Eisklasse ausgestattet. Diese Schiffe waren bereits mit Diesel- und Elektro-Diesel-Antrieb versehen. Von Juli 1967 bis Anfang 1972 betrieben die Hamburger Reedereien Mathies und H. M. Gehrckens zusammen mit der Reederei Nordström & Thulin aus Stockholm zwei neugebaute ConRo bzw. RoRo-Schiffe, die Hansa und Wasa des Sietas Typs 52 unter dem gemeinsamen Namen Teamline. Mitte der 1970er Jahre zählte Gehrckens zu den Gründungsmitgliedern der Railship AG, die bis 2002 die Eisenbahnfähren Railship I, Railship II und Railship III betrieb. Die Reederei erlosch 1988 als eigenständiges Unternehmen und ging in den Reedereien Railship und Team Lines auf, wobei Gehrckens' Liniendienst in letzterer eingebracht wurde. Der 1958 gebaute und bis 1970 von Gehrckens betriebene Stückgutfrachter Bleichen wird als Museumsschiff restauriert. Die Flagge der Reederei war blau mit den Initialen H.M.G.
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2024-12-04 00:39:27
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https://de.wikipedia.org/wiki/Bruce_Andrews
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Bruce Andrews ist ein US-amerikanischer Politikwissenschaftler, Hochschullehrer und Dichter der L=A=N=G=U=A=G=E poets, einer in den 1970er Jahren formierten literarischen Gruppe. Bruce Andrews absolvierte nach dem Schulbesuch ein Studium im Fach Internationale Beziehungen an der Johns Hopkins University sowie ein weiteres Studium im Fach Politikwissenschaft an der Harvard University. 1973 veröffentlichte er mit Edge sein erstes Buch. 1975 übernahm er eine Professur für Politikwissenschaften an der Fordham University. In seinen Vorlesungen kritisierte er außerhalb der üblichen Paradigmen heftig die aus seiner Sicht falsche US-amerikanische Regierungspolitik von Unterdrückung und Untergrabung. Daneben unternahmen seine Lehrveranstaltungen eine unorthodoxe Betrachtung des politischen Systems der Vereinigten Staaten. Neben seiner Lehrtätigkeit gehörte Andrews zu den Schlüsselfiguren der L=A=N=G=U=A=G=E poets, einer in den 1970er Jahren formierten literarischen Gruppe. Gemeinsam mit Charles Bernstein gab er zwischen 1978 und 1981 die namensgebende Literaturzeitschrift L=A=N=G=U=A=G=E heraus, die in diesen Jahren in 13 Ausgaben erschien. L=A=N=G=U=A=G=E war neben anderen literarischen Magazinen wie This, A Hundred Posters, Big Deal, Dog City, Hills, Là Bas, Oculist Witnesses, QU und Roof eine der wichtigsten Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Language Poetry, nach deren Auffassung die Rolle des Lesers bei der Auffassung der Bedeutung eines Textes betont wird. Auf Form und Ausdrucksweise wird weniger Wert gelegt, und das Gedicht als Konstrukt in der Sprache und Konstruktion von Sprache angesehen. 1984 veröffentlichten er und Bernstein die meisten Inhalte des Magazins in The L=A=N=G=U=A=G=E Book. Er lehnt den klassischen Begriff der Poesie als „direkte Behandlung“ von Dingen in der Sprache ab und argumentiert, dass das Einzige, was so behandelt werden kann, die Sprache selbst ist. Zu seinen weiteren Büchern gehören unter anderem Love Songs , Give em enough rope , Getting Ready to Have Been Frightened , Executive Summary , Paradise & method. A transcript from the talk series, St. Marks Project, New York City, April 7, 1991 , I Don't Have Any Paper So Shut Up , Tizzy Boost , Aerial 9 , Lip Service sowie Designated Heartbeat . In Deutschland erschienen seine Gedichte unter anderem in der 2009 erstmals herausgegebenen Literaturzeitschrift Randnummer. Nachdem sich einer seiner Studenten über die von ihm vertretenen linken Ansichten in seinen Vorlesungen beschwert hatte, trat Andrews im Oktober 2006 in der von Bill O’Reilly moderierten Talkshow The O’Reilly Factor in Fox News Channel auf.
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2024-11-30 20:51:02
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https://de.wikipedia.org/wiki/Mar%C3%ADa_Carl%C3%A9
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María Lourdes Carlé ist eine argentinische Tennisspielerin. Carlé, die am liebsten auf Sandplätzen spielte, begann im Alter von sechs Jahren mit dem Tennis. Sie spielt vor allem auf der ITF Women’s World Tennis Tour, wo sie bislang 12 Titel im Einzel und fünf im Doppel gewinnen konnte. Im Dezember 2023 konnte sie in Buenos Aires ihr erstes und in der Folgewoche in Montevideo gleich ihr zweites WTA-Challenger-Turnier gewinnen. Im Jahr 2016 spielte Carlé erstmals für die argentinische Billie-Jean-King-Cup-Mannschaft; ihre Billie-Jean-King-Cup-Bilanz weist bislang fünf Siege bei vier Niederlagen aus. Nadia Podoroska: 80 ▬ | María Carlé: 95 ▬ | Julia Riera: 114▼3 | Solana Sierra: 154▲2 | Jazmín Ortenzi: 274▲15 | Martina Capurro Taborda: 323▼5 | Julieta Lara Estable: 354▼2 | Luisina Giovannini: 490 ▬ | Melany Krywoj: 547▼2 | Victoria Bosio: 702▲32 María Carlé: 124▲2 | Melany Krywoj: 166▲10 | Julia Riera: 184▲6 | Jazmín Ortenzi: 341▲41 | Nadia Podoroska: 362 ▬ | Julieta Lara Estable: 490▲1 | Victoria Bosio: 641▼2 | Luisina Giovannini: 647▼2 | Justina Gonzalez Daniele: 687▲10 | Lourdes Ayala: 735▼2
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2024-11-24 13:16:22
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https://de.wikipedia.org/wiki/Elasmosauridae
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Rekonstruiertes Skelett von Thalassomedon hanigtoni im American Museum of Natural History Die Elasmosauridae sind eine Familie sehr langhalsiger Plesiosauria aus dem Jura und der Kreide. In der späten Kreidezeit waren sie, zusammen mit den kurzhalsigen Polycotylidae, die einzigen überlebenden Plesiosaurier. Die Elasmosauridae hatten 32 bis 72 Halswirbel, die einzelnen Wirbel waren dazu noch länger als bei anderen Plesiosauriern, vor allem die Wirbel, die näher zum Körper lagen. Ihre Körperlänge betrug drei bis 14 Meter. Die Tiere hatten maximal fünf Paar Zähne auf der Prämaxillare. Bei fortgeschrittenen Formen waren die Prämaxillarzähne und die vorn sitzenden Maxillarzähne vergrößert. Die Prämaxillarzähne und die vergrößerten Maxillarzähne wurden durch einige kleinere Zähne über der Naht zwischen Prämaxillare und Maxillare getrennt. Der Unterkiefer hatte ursprünglich 24 Zahnpaare, die bei den kreidezeitlichen Elasmosauriden verringert wurden, bei einem Minimum von 14 Paaren. Die Zähne waren durch zahlreiche Längskanten strukturiert. Im Zuge der Flossenentwicklung kam es zu einer Vermehrung der Fingerknochen . Der längste Finger enthielt bis zu 17 Einzelknochen. Jurassische Elasmosauriden unterschieden sich von denen der Kreidezeit durch eine Reihe von Merkmalen, vor allem in der Anatomie des Schultergürtels. Wie bei allen Plesiosauriern ist ihr Schulterblatt sehr viel kleiner als der Coracoid. Viele spätkreidezeitliche Formen haben dagegen ein gut entwickeltes Schulterblatt, an das starke Muskeln ansetzen konnten, so dass die Tiere sehr viel beweglicher waren als ihre früheren Verwandten. Bei kreidezeitlichen Elasmosauriden treffen sich der rechte und der linke Coracoid in der Mittellinie des Tieres, laufen dann auseinander und bilden eine herzförmige Öffnung. Jurassischen Elasmosauriden und allen anderen Plesiosauriern fehlt diese Öffnung im vorderen Schultergürtel. Bei spätjurassischen und kreidezeitlichen Formen haben die Halsrippen nur mit einem Gelenkkopf Kontakt zu den Halswirbeln. Die Langhalsigkeit der Elasmosauriden wirft die Frage nach ihrer Lebensweise auf. Zweifellos waren es keine schnellen Jäger, wie die kurzhalsigen Plesiosaurier. Der lange Hals hatte beim Schwimmen die Wirkung eines vorn liegenden Ruders, zudem hatten die Elasmosauridae schwächere Flossen als ihre Verwandten. Einige Wissenschaftler spekulierten, dass die Elasmosauriden nahe an der Meeresoberfläche lagen und mit dem nach unten gestreckten Hals Fische fingen. Andere nahmen an, dass sie, an der Wasseroberfläche liegend, Hals und Kopf weit darüber hoben und dann wie Reiher vorbeischwimmende Fische aus dem Wasser schnappten. Der Hals war allerdings nah am Rumpf relativ unbeweglich und konnte wahrscheinlich nicht weit aus dem Wasser gehoben werden. Am wahrscheinlichsten ist, das sie auf dem Grund der kreidezeitlichen Flachmeere auf Beute lauerten. Der Fund von als Ballast dienenden Steinen in der Magengegend einiger fossiler Elasmosauriden und die weit oben liegenden Augen stützen diese Theorie. Traditionell wurden alle langhalsigen Plesiosaurier in die Familie gestellt, aber neuere Forschungen haben die Systematik der Plesiosaurier kompliziert. Neben den Elasmosauridae gibt es auch langhalsige Cryptocliden, in die die bisherigen Elasmosauriden Colymbosaurus und Tricleidus gestellt wurden. Robert Bakker ist der Meinung, dass die Elasmosauriden der Kreidezeit unabhängig von den spätjurassischen von Pliosauriern ähnlich wie Leptocleidus evolvierten, so dass die Elasmosauridae eine polyphyletische, unnatürliche Gruppe sind. Kenneth Carpenter stellt die Elasmosauriden einschließlich der jurassischen Formen wieder her und sieht in ihnen nahe Verwandte der kurzhalsigen Polycotylidae, die aber auch Plesiosaurier i. e. S. sind. Die spätkreidezeitlichen Gattungen Artistonectes und Morturneria sind nur sehr ungenügend bekannt. Ihre Schädel ähneln denen der Cryptoclididae, wurden aber 1995 von Bardet in die Elasmosauridae gestellt. Neben den hier genannten Gattungen gibt es eventuell noch zwei weitere, bisher unbeschriebene. Ein im Courtenay Museum aufbewahrter, sehr großer Elasmosauride, der am Puntledge River westlich von Courtenay im Osten von Vancouver Island gefunden wurde, ist vielleicht eine neue Gattung. Sein Unterkiefer ist mit einer Länge von einem halben Meter für einen Elasmosauriden sehr lang. Eine weitere potentiell neue Gattung wird durch das als „Elasmosaurus“ amalitskii beschriebene Fossil repräsentiert, das aus Schichten des Turonium bei Liski in Russland gefunden wurde. Es besteht nur aus einigen Wirbeln und den stark verlängerten Bauchrippen.
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2024-12-02 08:03:29
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https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Heller
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Jakob Heller war ein Frankfurter Patrizier und Ratsherr. Er hatte mehrmals das Amt des Älteren Bürgermeisters der Freien Reichsstadt Frankfurt inne. Sein bedeutendes Vermögen setzte er für zahlreiche religiöse und künstlerische Stiftungen ein, darunter den berühmten Heller-Altar von Albrecht Dürer und Mathias Grünewald. Jakob Heller wurde ca. 1460 in Frankfurt am Main geboren. Er entstammte einer Familie, die aus dem Handwerkerstand in das Patriziat aufgestiegen und durch Tuchhandel zu einem beträchtlichen Vermögen gekommen war. Seine Eltern waren der Kaufmann und Ratsherr Bechthold Heller und Katharina Blum. Aus dieser Ehe stammten 12 Söhne und sieben Töchter. Auch Jakob Heller wurde ein angesehener Kaufmann, der seit 1483 der Ganerbschaft Zum Frauenstein angehörte. 1485 wurde er Ratsherr und 1494 Schöffe. 1490 war er jüngerer Bürgermeister, 1501 und 1513 Älterer Bürgermeister von Frankfurt. Heller vertrat die Stadt mehrfach erfolgreich auf Reichstagen, so 1510 in Augsburg und 1512 in Köln. 1515 traf er in Worms Kaiser Maximilian I., der ihn als Berater und Finanzier schätzte. Heller war Eigentümer des Hellerhofes, eines Hofguts westlich der Stadt im heutigen Gallus, und des Nürnberger Hofes in der Altstadt, wo die Nürnberger Kaufleute während der Frankfurter Messen Quartier nahmen. 1517 wohnte Kaiser Maximilian bei seinem letzten Aufenthalt in Frankfurt bei Heller im Nürnberger Hof. Er war verheiratet mit Katharina von Melem, der ältesten Tochter Johann von Melems. Die Ehe blieb kinderlos. Jakob Heller starb am 28. Januar 1522 in seiner Heimatstadt. Er wurde neben seiner 1518 verstorbenen Frau in der Dominikanerkirche bestattet. Mit ihm starb die Familie Heller aus. Jakob Heller hinterließ ein umfangreiches, 1519, nach dem Tode seiner Frau aufgesetztes Testament, in dem er alle Legate und Stiftungen genau aufzählte. Seine Aufzeichnungen vermitteln ein genaues Bild der sozialen und religiösen Anschauungen des Patriziats kurz vor Beginn der Reformation. Unter den von ihm gestifteten Kunstwerken ist die 1509 durch Hans Backoffen geschaffene Kreuzigungsgruppe für die Bartholomäuskirche, aufgestellt in der Turmhalle, hervorzuheben, vor allem aber der 1508 von Albrecht Dürer und Mathias Grünewald für die Dominikanerkirche gemalte Heller-Altar, eine Darstellung der Himmelfahrt und Krönung Mariens. Das Bild gelangte später nach München, wo es 1729 bei einem Brand zerstört wurde. Eine zeitgenössische Kopie befindet sich heute im Historischen Museum. Jakob Heller ist auf dem linken Flügel im unteren Bild dargestellt, seine Frau Katharina von Melem auf dem rechten Flügel. Heller hatte die Bekanntschaft Dürers 1507 in Nürnberg gemacht, wohin er als Tuchhändler und Besitzer des Nürnberger Hofes vielfältige Beziehungen hatte. In seinen neun in Abschriften erhaltenen Briefen an seinen Auftraggeber gibt Dürer wichtige Aufschlüsse über seine Arbeitsweise. Heller verkaufte 1510 dem Rat der Stadt das Haus Viole. Es wurde in den Rathauskomplex, den Römer, integriert und diente künftig als Archiv und Stadtbibliothek. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es zusammen mit seinen Nachbarhäusern Frauenrode und Schwarzenstein für einen historisierenden Neubau abgerissen. Nach Jakob Heller ist eine nach dem Zweiten Weltkrieg angelegte Straße im Frankfurter Stadtteil Dornbusch benannt.
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2024-12-01 12:44:21
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https://de.wikipedia.org/wiki/Fiduziarit%C3%A4t
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Fiduziarität bezeichnet treuhänderisches Eigentum an einer Sache sowie die treuhänderische Inhaberschaft einer Forderung oder eines anderen Rechts. Dies bedeutet, dass ein treuhänderisch übertragener Gegenstand später an einen anderen herausgegeben werden muss. Ein fiduziarischer Erbe ist beispielsweise ein einstweiliger Vermächtnisnehmer oder Nießbrauchserbe, der das Ererbte an den Fideikommissar abzugeben hat. Unter einer fiduziarischen Sicherheit versteht man im Kreditgewerbe im Unterschied zu den akzessorischen Sicherheiten eine nicht-akzessorische Sicherheit, die nicht vom Bestehen einer Forderung oder einer Verbindlichkeit abhängig ist, deren Verwertung jedoch nur bei Verzug des Schuldners erfolgen darf. Solche Sicherungsrechte sind das Vorbehaltseigentum, das Sicherungseigentum, die zur Sicherung erlangte Forderung und die Grundschuld. Nicht-akzessorische Sicherheiten bleiben bestehen, auch wenn die ursprüngliche Forderung getilgt wurde, und können somit als Sicherheiten für neue Verbindlichkeiten herangezogen werden. Für welche Forderungen die Sicherheit dienen kann, ergibt sich aus einer schuldrechtlichen Sicherungsabrede.
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2024-11-23 20:29:45
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https://de.wikipedia.org/wiki/Bethel_(Bielefeld)
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Bethel ist der Name eines Stadtteils und statistischen Bezirks im Stadtbezirk Gadderbaum der Stadt Bielefeld in Nordrhein-Westfalen. Er ist vor allem wegen des Sitzes der namensgebenden v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel bekannt und gilt, obwohl sie ihn nicht vollständig ausfüllen, als Synonym für diese. Der Stadtteil befindet sich am Nordrand des Stadtbezirks Gadderbaum im Kantensiektal östlich des Bielefelder Passes. Das Tal liegt unmittelbar südlich des Sparrenberges und der Sparrenburg. Folglich befindet sich der Stadtteil im Teutoburger Wald. Das Tal wird vom Kantensiekbach durchflossen. Da die verdichtende Bebauung auch die Hänge umfasst, befindet sich Bethel in einer Höhe von etwa 110 m bis 210 m. Nachbarstadtteile sind die statistischen Bezirke Alt- und Neustadt, Brands Busch, Eggeweg, Lonnerbach und Osningpass. Das Gebiet des heutigen Bethel war seit dem Mittelalter ein Teil der Streusiedlung Sandhagen und bestand aus mehreren Gehöften, die sich in den Straßennamen finden lassen, etwa am Quellenhofweg, und zum Teil noch mit veränderter Nutzung – wie der Lindenhof – bestehen. Einen wesentlichen Impuls setzte die Gründung der heutigen v. Bodelschwinghschen Stiftungen im Jahr 1867. Mit ihren Erweiterungen wuchs die Zahl der Gebäude und die Dichte der Bebauung. Die Anstalten Bethel wünschten zu einer aus ihrer Sicht günstigeren Entwicklung, insbesondere bei der Frage zu baulichen Belangen, mehr Freiheiten und die Bildung eines eigenen Gutsbezirks mit weitestgehender Selbstverwaltung. Entsprechend wehrte man sich gegen die von der Stadt Bielefeld und der Gemeinde Gadderbaum gewünschte Eingemeindung aus ökonomischen und verkehrstechnischen Erwägungen. Erst mit der Preußischen Landgemeindeordnung von 1891 endeten die Bestrebungen, da die Gutsherrschaft endgültig aufgehoben war. Der Ortsteil Bethel war im Grunde genommen mit den damaligen Anstalten identisch. Entsprechend wurde auch die Infrastruktur von diesen ausgebaut. 1886 wurde das erste Telefon angeschlossen und 1896 gab es bereits eine Telefonanlage mit 30 Anschlüssen. Die Stadtverwaltung Bielefeld besaß zu dieser Zeit lediglich einen. Auch die Straßenbeleuchtung, Stromversorgung und die Bethel-Schule zeugten von der engen Verflechtung. Bis heute wird die Wasserversorgung durch Betriebe der Stiftungen gewährleistet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Ortschaft von etwa 25.000 Brandbomben getroffen. Die Eingemeindung des Gadderbaumer Ortsteils nach Bielefeld fand erst 1971 statt . Diskussionen um einen kommunalen Sonderstatus verliefen im Sande. Der überwiegende Grundbesitz im Stadtteil befindet sich nach wie vor im Besitz der Stiftungen. Erkennbar ist dieser Umstand auch an den überall anzutreffenden blauen Hinweisschildern. Prägend sind die Kliniken, Pflegeheime und anderen Gebäude der v. Bodelschwinghschen Stiftungen. Insbesondere die Hauptverwaltung am sogenannten Betheleck und die Kliniken Gilead sind hier zu nennen. Baudenkmäler sind der Alte und Neue Friedhof Bethel, die Zionskirche, das ehemalige Pförtnerhaus neben der Hauptverwaltung und das alte Postamt. Es befindet sich auch der Japanische Garten in Bethel. Der Stadtteil ist durch mehrere Buslinien erreichbar. Insbesondere wird hier der Ringverkehr der Stadtbuslinie 122 eingesetzt. Diese dient auch zum Anschluss an die Stadtbahnhaltestelle Bethel. Zur Koordinierung des Gesamtverkehrs existiert seit 1998 ein durch die Stiftungen getragenes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement für den Stadtteil. Die Tallage und die relativ engen Durchgangsstraßen, verbunden mit den hohen Pendler-, Schüler- und Besucherzahlen, behindern zwar den Individualverkehr, schützen aber auch vor Geschwindigkeitsübertretungen. Insbesondere das Betheleck zwischen den Kliniken, der Hauptverwaltung der Stiftungen und der Artur-Ladebeck-Straße ist ein Unfallschwerpunkt. Brackwede | Holtkamp | Quelle | Ummeln Babenhausen | Großdornberg | Hoberge-Uerentrup | Kirchdornberg | Niederdornberg-Deppendorf | Schröttinghausen Bethel Altenhagen | Baumheide | Brake | Brönninghausen | Heepen | Milse | Oldentrup Jöllenbeck | Theesen | Vilsendorf Gellershagen | Sudbrack | Schildesche Buschkamp | Windelsbleiche | Windflöte Dalbke | Eckardtsheim | Heideblümchen | Sennestadt Hillegossen | Lämershagen-Gräfinghagen | Sieker | Stieghorst | Ubbedissen
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2024-12-03 20:25:45
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https://de.wikipedia.org/wiki/Maghreb-Federlibelle
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Maghreb-Federlibelle , Weibchen Die Maghreb-Federlibelle ist eine Libelle aus der Familie der Federlibellen . Ihr Name deutet auf ihr endemisches Vorkommen in den Maghreb-Staaten hin. Die Körperlänge der Maghreb-Federlibelle beträgt 33 bis 36 und die Flügelspannweite etwa 42 Millimeter. Die Grundfarbe des Männchens ist weiß bis hell grünlich blau, die des Weibchens bräunlich weiß. Wie andere Federlibellen der Gattung Platycnemis verfügt auch die Mahgreb-Federlibelle über schwarze Längsstreifen auf dem Abdomen, dem Thorax und den Beinen. Die ebenfalls für Federlibellen typische Verbreiterung der Tibien ist bei der Maghreb-Federlibelle vergleichsweise schwach ausgeprägt. Innerhalb ihres auf die Maghreb-Länder Algerien, Marokko und Tunesien beschränkten Verbreitungsgebietes, ist die Maghreb-Federlibelle besonders in den Tälern des Atlasgebirges zu finden. Hier bevorzugt sie saubere Fließgewässer. Seltener werden auch Gewässer mit schwach salzhaltigem Brackwasser angenommen. Die maximale Höhe, in der die Art nach den bisherigen Funden angetroffen werden kann, beträgt etwa 1.870 Meter über dem Meeresspiegel. Bemerkenswert ist ein 1978 gemachter Fund eines Exemplars auf Teneriffa, einer der zu Spanien zählenden und nahe Marokko liegenden Kanarischen Inseln. Da die Insel weit in der Hochsee liegt und die Maghreb-Federlibelle dort zuvor nicht bekannt war, wird vermutet, dass Luftströmungen das Tier auf die Insel geweht haben. Eine fehlerhafte Bestimmung ist allerdings auch nicht auszuschließen. Heute befindet sich das Exemplar im Naturalis in Leiden . Sollte sich auf der Insel eine eigene Population der Maghreb-Federlibellen herausbilden, wäre diese auch für die europäische Fauna von Bedeutung. Bisher wurden jedoch keine weiteren Exemplare dieser Libellen auf den Kanarischen Inseln oder auf dem gegenüber von Marokko liegenden spanischen Festland gefunden. Die Maghreb-Federlibelle vertritt die Blaue Federlibelle allopatrisch im Maghreb. Das Fortpflanzungsverhalten der Maghreb-Federlibelle wurde bislang überwiegend in Gefangenschaft untersucht. Ihre Flugzeit reicht von Anfang bei bis Mitte September, wobei die größte Zahl an Imagines im Juni auftritt. Nach der Paarung legt ein Weibchen Untersuchungen zufolge 35 bis 177 Eier. Bei selbiger Untersuchung, bei der die abgelegten Eier von neun Weibchen untersucht worden, schlüpften lediglich 48,8 % der abgelegten Eier. 14,5 % erwiesen sich als unfruchtbar und bei den weiteren 36,7 % war eine Schlupffähigkeit nicht gegeben. Die Erfolgsquote variierte allerdings bei den abgelegten Eiern der untersuchten Weibchen. 13 bis 51 Tage nach der Ablage schlüpften aus den Eiern die Larven. Diese wachsen nach Schlupf heran und sind von Dezember bis Mai anzutreffen. Sobald die Tiere das Adultstadium erreicht haben, Leben sie noch weitere wenige Tage als Imagines. Die Weibchen leben bis zu 37, die Männchen bis zu 48 Tage. Die Maghreb-Federlibelle ist univoltin. Innerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes ist die Maghreb-Federlibelle häufig anzutreffen und dementsprechend nicht gefährdet. In der Roten Liste des Mittelmeerraums der IUCN wird die Art als „nicht gefährdet“ eingestuft, in der weltweiten wird sie gar nicht gewertet. Die Maghreb-Federlibelle kann mit anderen Federlibellen, besonders mit der gattungsverwandten Blauen Federlibelle verwechselt werden. Sichere Unterscheidungsmerkmale zwischen diesen Arten sind die Färbungen ihrer beiden Geschlechter, die beim Männchen der Schwesterart in einem kräftigeren Blau und beim Weibchen grünlich weiß ausfällt. Außerdem sind die Tibien bei der Blauen Federlibelle stärker verbreitert. Wie alle Federlibellen sieht auch die Maghreb-Federlibelle den Schlanklibellen ähnlich.
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2024-12-03 21:20:35
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https://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Sch%C3%B6nborn#Bad_Langenbrücken
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Bad Schönborn ist eine Gemeinde im nördlichen Landkreis Karlsruhe in Baden-Württemberg. Der Kurort liegt in 105 bis 185 Meter Höhe am Ostrand des Oberrheingrabens und am Tor zum Kraichgauer Hügelland, etwa auf halber Strecke zwischen Karlsruhe und Heidelberg. Die Gemeinde Bad Schönborn besteht aus den beiden Ortsteilen Bad Langenbrücken und Bad Mingolsheim. Zum Ortsteil Bad Langenbrücken gehört neben dem Dorf die Lußhardtsiedlung. Zum Ortsteil Bad Mingolsheim gehören neben dem Dorf das Gehöft Bruchhöfe, die Orte Kislau und Waldhaus und das Haus Sägewerk Bender. Im Gebiet des Ortsteils Bad Langenbrücken liegt die Wüstung Kenel. Bad Schönborn entstand am 1. Januar 1971 im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg aus den beiden ehemaligen Gemeinden Bad Langenbrücken und Bad Mingolsheim. Die neue Gemeinde hieß zunächst Bad Mingolsheim-Langenbrücken und wurde am 7. August 1972 in Bad Schönborn umbenannt. Der Name Bad Schönborn geht auf Damian Hugo von Schönborn zurück, der das Schloss Kislau in Bad Mingolsheim umfassend neu gestaltete. Bis zur Kreisreform am 1. Januar 1973 gehörte Bad Schönborn zum Landkreis Bruchsal. Mingolsheim wurde erstmals 773 im Lorscher Codex erwähnt. 1353 geriet es unter die Herrschaft des Bischofs von Speyer . 1622 fand hier im Dreißigjährigen Krieg die Schlacht am Ohrenberg zwischen Graf Mansfeld und Tilly statt. Bereits 1825 war man bei der Suche nach Trinkwasser mit der ersten Bohrung in 30 Meter Tiefe auf eine Schwefelquelle gestoßen. 1835 bis 1846 wurde die erste Kuranstalt in Betrieb genommen, welche sich aber nicht weiter halten konnte. 1905 wurde erneut von privater Seite durch Otto Sebastian Weickgenannt nach Erbohrung einer zweiten Quelle auf seinem Grundstück ein Anfang gemacht. Diese nahm er unter Schwefelbad Mingolsheim in Betrieb und gründete schließlich am 3. März 1920 die Firma Schwefelbad Mingolsheim GmbH. Heute besteht die Anstalt als Sankt-Rochus-Kliniken weiter fort. Seit dem 30. Juni 1964 führt der Ort den Namenszusatz Bad. Im Mai 1970 fand eine neue Tiefbohrung in 645 Meter Tiefe eine Thermal-Sole, die mit einer Schüttung von vier Liter/sec und einer Temperatur von 45 °C artesisch austritt. Diese starke Natrium-Chlorid-Therme wurde als Lambertus-Quelle gefasst und 1975 mit dem neu errichteten Thermal-Sole-Bewegungsbad als Thermarium ihrer Bestimmung übergeben. Langenbrücken wurde im Jahr 1269 erstmals erwähnt, als der Bischof von Speyer die Grundherrschaft dort erwarb. Fürstbischof Franz Christoph von Hutten ließ 1766 nach dem Fund von Schwefelquellen ein Schwefelbad errichten, das zur Grundlage für den Kurbetrieb wurde. Langenbrücken gehörte bis 1802 zum Hochstift Speyer. Am 15. September 1802 wurde das rechtsrheinische Gebiet des Bistums, darunter auch Langenbrücken, durch den Markgrafen von Baden in Besitz genommen. Am 6. September 1965 wurde dem Ort durch die Landesregierung von Baden-Württemberg die Bezeichnung Bad verliehen. Der Name leitet sich von einer langen Brücke ab, die schon in der Römerzeit als Zollstation gedient haben soll. Mingolsheim und Langenbrücken wurden jahrhundertelang durch das Hochstift Speyer katholisch geprägt. Die Seelsorgeeinheit Bad Schönborn-Kronau gehört heute zum Erzbistum Freiburg. Daneben bestehen heute auch eine evangelisch-landeskirchliche und eine Freie evangelische Gemeinde . Auch die Neuapostolische Kirche ist im Ortsteil Langenbrücken mit einer Gemeinde vertreten. Vom 18. Jahrhundert bis 1935 gab es in Mingolsheim auch eine jüdische Gemeinde. 1714 wurden vier jüdische Familien gezählt, 1875 wurde mit 77 Personen der Höchststand erreicht. Ab 1827 gehörte die jüdische Gemeinde zum Rabbinatsbezirk Bruchsal. Bis in die 1930er Jahre bestand in Mingolsheim eine Synagoge. Die 2015 gründete Initiative Stolpersteine Bad Schönborn setzt sich aktiv dafür ein, die Erinnerung an die jüdischen Mitbürger von Bad Schönborn zu bewahren. Der von einer Steinmauer umschlossene jüdische Friedhof mit 154 Grabstätten befindet sich am nordöstlichen Ortsrand von Bad Mingolsheim. Die Fläche beträgt 24 Ar, wovon die Gräber und der Weg nur etwa 10,5 Ar in Anspruch nehmen, der Rest ist Wiese. Der Friedhof wurde 1878 fertiggestellt und bis 1939 genutzt. Auf ihm liegen neben den Mingolsheimer Juden auch die Juden aus Malsch und Östringen. Vor dieser Zeit wurden die Toten in Obergrombach beigesetzt. Die Gemeinde Bad Schönborn wird wie alle Kommunen in Baden-Württemberg von einem Gemeinderat und einem Bürgermeister verwaltet. Der Gemeinderat wird von der Bevölkerung auf fünf Jahre, der Bürgermeister auf acht Jahre gewählt. Der Gemeinderat hat 22 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender. Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis : Der Bürgermeister wird für jeweils acht Jahre direkt gewählt. Von 1995 bis 2011 amtierte Rolf Müller zwei Amtszeiten. Im Mai 2011 wurde Klaus Detlev Huge sein Nachfolger. Dieser wurde am 17. Februar 2019 im zweiten Wahlgang für weitere acht Jahre gewählt. Blasonierung: „In Blau ein nach links versetzter zweischaliger silberner Brunnen mit silberner Wasserfontäne, rechts oben beseitet von einem goldenen Schild, darin ein blau gekrönter roter Löwenkopf.“ Erklärung: Nach der Bildung der Gemeinde durch den Zusammenschluss von Bad Langenbrücken und Bad Mingolsheim wurde das Wappen der Gemeinde vom Innenministerium Baden-Württemberg 1975 verliehen. Das Schönborn’sche Wappen des Fürstbischofs ist hier auf einen Löwenrumpf reduziert. Der Name Schönborn spielt wie auch der Brunnen auf die seit dem 18. Jahrhundert genutzten Heilquellen des Kurortes an. Die Farben Blau und Silber sind die des Hochstifts Speyer, dem beide Orte bis 1803 angehörten. Bad Schönborn unterhält seit 2001 partnerschaftliche Beziehungen zu Niederbronn-les-Bains und Kiskunmajsa . In Bad Schönborn gibt es zwei katholische Pfarrkirchen, St. Lambertus in Mingolsheim und St. Vitus in Langenbrücken. Zudem wurde in Mingolsheim eine Rochuskapelle zu Ehren des Ortspatronen Rochus erbaut. Seit den 1950er Jahren gibt es in beiden Ortsteilen auch je eine evangelische Kirche, die Gustav-Adolf-Kirche in Mingolsheim sowie die Christuskirche in Langenbrücken. Im Ortsteil Bad Mingolsheim von Bad Schönborn liegt das Schloss Kislau. Das imposante Jagdschloss von 1721 geht wohl auf eine mittelalterliche Herrschaftsanlage aus dem 11. Jahrhundert zurück. Seit dem 19. Jahrhundert wird dieses bis heute als Gefängnis genutzt. siehe auch: Schlacht am Ohrenberg, Ritterkanton Kraichgau Franz Josef Mone schrieb in der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins: „Eine Anhöhe bei Langenbrücken heißt noch jetzt der Orenberg, vielleicht von diesen alten Besitzern. Es gab ein Geschlecht van Ore am Nierrhein , ein anderes von Oren in Franken “ Der Name der heutigen Ohrenbergstraße in Bad Mingolsheim, beginnend an der B 3 leicht ansteigend bis zur Falltorstraße, geht zurück auf dieses erloschene Rittergeschlecht. Deren Sitz, auf einer Burg Ore, dürfte auf dem 130 m hoch gelegenen Hügel, bei den heutigen Schulgebäuden gelegen haben. „Das Geschlecht der Ore war fränkischen Ursprungs und führte den Namen Rexendorf. Als es nach Dänemark kam, nahm es den Beinamen Ore an. Sein Wappen ist ein rother Ochse im silbernen Felde, mit einem halben rothen Ochsen auf dem Helme. Das Orische Geschlecht erlosch 1577 in Albrecht Johann Ore auf Nielstrup , der noch sieben andere Rittersitze besaß.“ Bad Schönborn verfügt über zwei Kurparks, in jedem Ortsteil einen. In Mingolsheim gibt es einen Kleintierpark, mit Spielplatz und Gaststätte. Der Waldparkring Mingolsheim war von 1949 bis 1958 eine Rennstrecke, die heute noch von Spaziergängern benutzt werden kann. Der Obstgengarten dient dem Erhalt alter Obstbaumsorten. Er befindet sich östlich des Kurgebiets in Mingolsheim. Die Grube im Posidonienschiefer in Langenbrücken schließt die jüngsten Gesteine des Kraichgaus auf. Jährlich am 2. Wochenende im Mai findet der Jahrmarkt in Mingolsheim statt, am 1. Wochenende im Oktober in Langenbrücken. Am 1. Advent ist in Mingolsheim und am 3. Advent in Langenbrücken Weihnachtsmarkt. Am Faschingssonntag gibt es einen Fastnachtsumzug in Mingolsheim. Der Nachtumzug in Langenbrücken findet nach einer Pause 2016 ab 2017 wieder jährlich am Freitagabend statt. Die Bertha Benz Memorial Route erinnert an die Strecke der ersten Autofahrt der Welt von Bertha Benz im Jahr 1888. Die damalige Langenbrücker Apotheke gilt als zweitälteste Tankstelle der Welt. Die Weinstraße Kraichgau-Stromberg verbindet zahlreiche Weinorte in der Region und führt dabei auch durch Bad Schönborn. Bad Schönborn zählt durch sein Schwefel- und Thermalwasser zu den bekannten Kurorten in Baden-Württemberg. Es verfügt über zahlreiche Kur- und Rehabilitationseinrichtungen. 1766 erwarb der Speyerer Fürstbischof Franz Christoph von Hutten die hiesige Schwefelquelle und benachbarte Grundstücke und ließ ein Badehaus und die heute noch bestehenden beiden Alleen anlegen. Der damalige Brunnenstein wurde bei der 200-Jahrfeier des Bades wieder aufgestellt. Nach Huttens Tod im Jahre 1770 wurde das Bad 1796 geschlossen, die Gebäude abgerissen und die Quellen verschüttet. 1824 erwarb der Heidelberger Kaufmann Franz Peter Sigel das Anwesen. In rascher Folge entstanden nun Badehaus, Ökonomiegebäude, Trink- und Wandelhalle sowie ein Musikpavillon. Als Krönung ließ Sigel durch einen Schüler des Karlsruher Architekten Weinbrenner das eindrucksvolle Kursaalgebäude mit Freitreppe errichten. Dieser Kursaal war vielfach Schauplatz großer Konzerte, Theateraufführungen und Festveranstaltungen. Das Schwefelbad zog bald vornehme Besucher auch über die Grenzen Badens hinaus an. Der prominenteste Badegast war die badische Markgräfin Amalie, die „Schwiegermutter Europas“, die ihren Witwensitz im Schloss in Bruchsal hatte. Zu ihren Ehren nannte Sigel seine Kuranstalt Amalienbad. Die verkehrsgünstige Lage an einer Post- und ab 1843 einer Bahnstation ermöglichte in der Folgezeit Adligen, vor allem aus Russland und Italien, zur Badekur nach Langenbrücken zu reisen. Einen wesentlichen Faktor zum Aufschwung des Kurortes brachte die Erschließung des St. Lambertus-Thermalbrunnens, die der ehemalige Bürgermeister Willhauck vorantrieb. Unter seinem Nachfolger Bender konnte 1975 das Thermarium im jetzigen Kurgebiet in Mingolsheim eingeweiht werden. Die wichtigsten Kliniken und Rehabilitationszentren am Ort sind in Bad Mingolsheim die Sankt-Rochus-Kliniken, die Sigmund-Weil- und Gotthard-Schettler-Klinik sowie in Bad Langenbrücken die Sigel-Klinik und die Fachklinik Mikina. 1956 wurde der Grundstein zum Bau des Mingolsheimer Werkes des Unternehmens Fuchs-Bagger aus Ditzingen bei Stuttgart gelegt. Damit begann ein wirtschaftlicher Aufschwung. Bis zu 1000 Menschen fanden hier in den späten Nachkriegsjahren Arbeit. 1985 übernahm das Langenburger Unternehmen Karl Schaeff GmbH & Co. die Johannes Fuchs KG Maschinenfabrik in Ditzingen und somit auch die ortsansässige Zweigstelle. Nach der erneuten Unternehmensübernahme 2002 durch den amerikanischen TEREX-Konzern aus Westport firmiert das Unternehmen unter Terex/Fuchs. Die Umschlag- und Lademaschinen mit dem himmelblauen Anstrich sind auf der ganzen Welt anzutreffen. Ein weiteres Unternehmen ist die Ophelis GmbH. Die Unternehmensgruppe Schäfer entwickelt, konstruiert und fertigt Werkzeuge, Maschinen und Sondermaschinen als manuelle, halb- und vollautomatisierte Systeme für die kabelverarbeitende Industrie. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte sich im Ortsteil Langenbrücken die Vogtländische Gardinenweberei Renz & Sohn GmbH an, die aus dem sowjetisch besetzten Teil Deutschlands geflohen war. Mit der Firma kamen viele ehemalige Arbeiter, die sich in Langenbrücken ansiedelten. Die Gardinen waren überregional bekannt, u. a. kam die Schauspielerin Maria Schell in den 1950er Jahren, um sich Gardinen auszusuchen. Beide Ortsteile sind an die Baden-Kurpfalz-Bahn angebunden. Die Eisenbahnstrecke Heidelberg–Bruchsal–Karlsruhe wurde am 10. April 1843 dem Verkehr übergeben. In Langenbrücken ist gleichzeitig eine Bahnstation eingerichtet worden . Der Bahnhof in Mingolsheim wurde erst 1875 gebaut . Auf der Strecke verkehren heute neben Fernzügen auch die Linien S 3 und S 4 der S-Bahn RheinNeckar. Die Gemeinde gehört mit ihren beiden Bahnhöfen zum Tarifgebiet des Karlsruher Verkehrsverbundes . Da die Tarifgrenze zum Verkehrsverbund Rhein-Neckar nördlich der Gemeinde verläuft, gehört sie auch zum Übergangsgebiet dieses Verbunds. Der Ort ist durch die Bundesstraße 3 an das überregionale Straßennetz angeschlossen. Im Ort zweigt die Bundesstraße 292 von der B 3 ab. In der Nähe verlaufen die Bundesautobahn 5 und die Bundesautobahn 6 . Der Ort leidet unter erheblichen Lärmbelastungen durch den Straßen- und Bahnverkehr, daher ist an mehreren Stellen ein Nachtfahrverbot für LKW im Gespräch. Eine Ortsumgehung ist ebenfalls in Planung. Neben der Realschule Bad Schönborn und der Michael-Ende-Gemeinschaftsschule gibt es in beiden Ortsteilen noch je eine Grundschule und außerdem die Franz-Josef-Mone-Förderschule. Für die Kleinsten gibt es zwei kommunale, vier römisch-katholische und einen evangelischen Kindergarten. Bretten | Bruchsal | Ettlingen | Kraichtal | Östringen | Philippsburg | Rheinstetten | Stutensee | Waghäusel Bad Schönborn | Dettenheim | Eggenstein-Leopoldshafen | Forst | Gondelsheim | Graben-Neudorf | Hambrücken | Karlsbad | Karlsdorf-Neuthard | Kronau | Kürnbach | Linkenheim-Hochstetten | Malsch | Marxzell | Oberderdingen | Oberhausen-Rheinhausen | Pfinztal | Sulzfeld | Ubstadt-Weiher | Waldbronn | Walzbachtal | Weingarten | Zaisenhausen
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2024-12-01 20:54:33
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https://de.wikipedia.org/wiki/Aria_Fischer
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Aria Fischer ist eine Wasserballspielerin aus den Vereinigten Staaten. Sie gewann bis 2021 zwei Titel bei Olympischen Spielen und bei Weltmeisterschaften sowie einen Titel bei Panamerikanischen Spielen. Die 1,83 m große Center-Spielerin bestritt ihr erstes großes Turnier im Erwachsenenbereich 2016 bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Dort traf das US-Team im Finale auf die Italienerinnen und siegte mit 12:5. Aria Fischer war in allen Partien dabei, erzielte aber kein Tor. Bei den Weltmeisterschaften 2017 in Budapest spielten im Finale die Spanierinnen und das US-Team gegeneinander, die Amerikanerinnen gewannen mit 13:6, Fischer erzielte im Finale einen Treffer. Kurz darauf trat Fischer bei der Universiade in Taipeh an und gewann dort mit der US-Auswahl den Titel. Bei den Weltmeisterschaften 2019 in Gwangju traf das US-Team im Finale auf die Spanierinnen und gewann mit 11:6. Aria Fischer wurde ins All-Star-Team gewählt. Unmittelbar im Anschluss an die Weltmeisterschaften siegten die frischgebackenen Weltmeisterinnen auch bei den Panamerikanischen Spielen 2019 in Lima. Bei den 2021 ausgetragenen Olympischen Spielen in Tokio trafen die Mannschaften aus den Vereinigten Staaten und aus Spanien wieder im Finale aufeinander, die Amerikanerinnen siegten mit 14:5. Aria Fischer warf im Finale zwei Tore. Aria Fischer ist die jüngere Schwester von Makenzie Fischer, die beiden spielten bei den meisten großen Turnieren zusammen im US-Team. Die Schwestern sind die Töchter von Erich Fischer, der 1992 Olympiavierter im Wasserball war.
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2024-12-04 01:46:33
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https://de.wikipedia.org/wiki/Vladimir_Shklyarov
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Wladimir Andrejewitsch Schkljarow war ein russischer Balletttänzer. Schkljarow studierte an der Waganowa-Ballettakademie in Sankt Petersburg in der Klasse von Witali Afanaskow und machte 2003 seinen Abschluss. Im selben Jahr wurde er Mitglied der Ballettkompagnie des Mariinski-Theaters, wo er 2011 offiziell zum Solotänzer aufstieg. Er gewann verschiedene Preise, u. a. 2008 den Léonide Massine International Prize. Er gehörte zu den führenden und beliebtesten Balletttänzern seiner Generation. Besonders bekannt war Schkljarow für seine Verkörperung der männlichen Hauptrollen klassischer Ballette wie La Sylphide, Giselle, Schwanensee, Der Nussknacker, Dornröschen, La Bayadère, Le Corsaire, Don Quixote, Raymonda und Romeo und Julia. Von seinen Interpretationen in Der Nussknacker, Romeo und Julia und Cinderella existieren Ballettvideos, die 2012 und 2013 im Mariinski-Theater aufgenommen und auf DVD veröffentlicht wurden. Auch TV-Filme mit Vladimir Schkljarow als Solor in La Bayadère und als Prinz Désiré in Dornröschen liegen vor . Schkljarow galt als ein „echter Danseur noble“, ein „dem Wesen nach eher ... lyrischer, feiner Tänzer mit großer Ausdruckskraft“, der jedoch in einigen Rollen auch „eine ungeheure Wucht entwickeln“ konnte, etwa in der Titelrolle von Juri Grigorowitschs Spartakus. Gepriesen wurden auch seine technische Brillanz und Präzision sowie sein großer Charme sowohl auf der Bühne als auch im Leben. Zu seinem umfangreichen und vielseitigen Repertoire gehörten auch mehrere Ballette von George Balanchine , von Michel Fokine , sowie diverser modernerer Choreographen, beispielsweise die Hauptrolle in Roland Petits und Jean Cocteaus Ballett Der junge Mann und der Tod. Beachtliches komödiantisches Talent zeigte er unter anderem als Iwan in Das Bucklige Pferdchen zur Musik von Schtschedrin und in der Choreografie von Alexei Ratmansky. Schkljarow arbeitete außerdem mit dem für seine Ballett-Rekonstruktionen bekannten Choreographen Sergei Wicharew zusammen und verkörperte den Zéphyr in dessen Produktion von Le Réveil de Flore und den Harlequin in Le Carnaval . Er tanzte auch verschiedene Rollen in Wicharews Rekonstruktion von Dornröschen , und war als Matteo in Pierre Lacottes Ondine zu sehen. 2014 und 2015 tanzte er als Gast beim American Ballet Theatre und ab September 2016 waren Schkljarow und seine Frau für ein Jahr als Gasttänzer im Bayerischen Staatsballett in München tätig; dort stellte er unter anderem John Crankos Onegin dar. Ab 2017 war er außerdem in London beim Royal Ballet tätig, wo er als Armand in Frederic Ashtons Marguerite and Armand und als Des Grieux in Kenneth MacMillans Manon auftrat. Im Jahr 2020 wurde Schkljarow als Verdienter Künstler der Russischen Föderation geehrt und feierte 2023 sein 20-jähriges Bühnenjubiläum mit einer Ballettgala im Kremlpalast. Schkljarow, der nach eigenen Worten eigentlich an Politik nicht interessiert war, sprach sich 2022 zu Beginn des Krieges in der Ukraine auf Instagram und/oder Facebook öffentlich gegen den russischen Überfall auf die Ukraine aus, bezeichnete die beiden Völker Russlands und der Ukraine als Freunde und äußerte sich damit kritisch über Wladimir Putin. sein Post wurde jedoch bald wieder gelöscht und er trat danach mehrfach in Sewastopol auf der besetzten Krim auf. Am 16. November 2024 stürzte der 39-jährige Tänzer unter ungeklärten Umständen vom Balkon seiner St. Petersburger Wohnung im fünften Stock in den Tod. Laut Medienberichten soll er wegen Problemen mit der Hüfte oder des Rückens kurz vor einer Operation gestanden und starke Schmerzmittel genommen haben; im Zusammenhang mit den körperlichen Beschwerden wurde auch über eine Sinnkrise des Tänzers berichtet, der zuletzt seine Auftritte hatte reduzieren müssen. Die Nachricht von seinem vorzeitigen Tod löste international besonders in der Ballettwelt große Bestürzung aus, führte aber auch zu zahlreichen Spekulationen. Unterschiedliche Medien stuften seinen Tod als Unfall ein. Schkljarow war mit der Balletttänzerin Marija Schirinkina verheiratet, von der er zwei Jahre zuvor geschieden worden war und mit der er zwei Kinder hatte. Am 21. November 2024 fanden Trauerfeiern zu Ehren Wladimir Schkljarows im Weißen Foyer des Mariinski-Theaters und später in der St.-Nikolaus-Marine-Kathedrale statt. Danach wurde er auf dem Smolensker Friedhof in St. Petersburg beigesetzt.
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2024-11-29 08:39:44
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https://de.wikipedia.org/wiki/Mischpult
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Ein Mischpult dient dem Zusammenführen verschiedener elektrischer Signale und findet sich hauptsächlich in den Bereichen Veranstaltungstechnik und Musikproduktion. Ein Mischpult zur Videobearbeitung nennt man herkömmlich auch Schnittpult, meistens jedoch Bildmischer. Die zur Beleuchtung von Bühnen benutzten Lichtsteuerungsanlagen werden umgangssprachlich oft als Lichtmischpult bezeichnet, obgleich hierbei keine Signale gemischt werden. Hauptsächlich verwendet man den Begriff Mischpult im Zusammenhang mit der Tontechnik. Ein Audio-Mischpult – auch als Ton-Mischpult, Tonpult, Mischer, Mixer oder Konsole bezeichnet – dient dazu, elektrische Tonsignale von verschiedenen Quellen auf zwei oder mehr Ausgangssummen oder -busse , meistens nach Frequenzgangs- und Dynamikveränderungen, zusammenzufügen. Für Mischungen in Stereofonie werden zum Beispiel alle am Mischpult anliegenden Signale auf die Stereo-Kanäle „Links“ und „Rechts“ zusammengeführt. Ferner lassen sich mit geeigneten Mischpulten Mehrkanal-Surroundmischungen erzeugen. Es gibt unterschiedliche Mischpulte für die jeweiligen tontechnischen Anwendungen, wie Aufnahme und Abmischung in Tonstudios, Live-Beschallung, DJ oder Sendung, die sich in Bezug auf Größe, Funktionsumfang, Ergonomie, Klangeigenschaften und Preis von 50 Euro bis über eine Million Euro stark unterscheiden können. Audio-Mischpulte gibt es in den Ausführungen Analogmixer, Digitalmixer und Powermixer. Ein Mischpult ist in den meisten Fällen in verschiedene Funktionsbereiche aufgeteilt. In der üblichen Konfiguration folgen die Signalwege dabei meist der Leserichtung von oben nach unten und von links nach rechts. Die erste Sektion bilden mehrere Audio-Eingänge. Diese sind gegebenenfalls weiter gruppiert nach Mono- und Stereo-Eingängen. Auf größeren Mischpulten finden sich Subgruppen, mit denen mehrere Eingangssignale zusammengefasst werden können, etwa um gleichzeitig deren Lautstärke regeln zu können, sie an verschiedene Spuren eines Aufnahmegeräts oder eine eigene PA-Gruppe zu schicken. Bei Mischern, die zum DJing verwendet werden, ist außerdem ein Crossfader zwischen den Subgruppen üblich. Die von den einzelnen Kanälen zu internen oder externen Effektgeräten abgezweigten Signale können wieder dem Summensignal, manchmal auch bestimmten Subgruppen zugemischt werden. Der finale Mix wird schließlich über einen Master-Fader einer – externen oder beim Powermixer integrierten – PA, einem Aufnahmegerät oder Sender zugeführt. Vom Bediener können verschiedene Punkte im Signalweg, meist mit einem „Solo“ gekennzeichneten Schalter/Taster, gewählt werden, um sie auf dem Kopfhörer oder Lautsprechern im Abhörraum wiederzugeben oder vorzuhören. Es gibt analoge, digitale und hybride Mischpulte. In Analogmischpulten ist das Signal immer ein elektrisches Abbild des Schalls und wird auch so verarbeitet. In Digitalmischpulten dagegen wird der Ton in ein digitales Signal umgewandelt und von Prozessoren verarbeitet. Hybridpulte besitzen eine digitale Steuerung und analoge Signalverarbeitung. Alle diese Techniken haben ihre Vor- und Nachteile. So kann ein kleines Mischpult günstiger in Analogtechnik hergestellt werden, da ein geringerer Schaltungsaufwand nötig ist. Mit der Anzahl der Kanalzüge und Ausgänge wächst der Schaltungsaufwand und damit steigt der Preis an. Große Mischpulte können meistens kostengünstiger in Digitaltechnik hergestellt werden, weil eine Grundausstattung zwar teurer, eine Erweiterung und Aufteilung allerdings preiswerter ist, da die digitalen Signale auf einem gemeinsamen Datenbus übertragen werden und nicht von separaten elektrischen Leiterbahnen. Außerdem kann bei Digitalpulten an der Anzahl der Bedienelemente gespart werden, da ein Regler oder eine Taste mit verschiedenen Funktionen belegt werden kann. Es müssen nicht mehr für alle Kanäle Bedienelemente vorhanden sein. Die vorhandenen Kanalbedienstreifen können durch Layer- oder Bankumschaltungen mehrfach genutzt werden. So sind Kanalzahlen möglich, die in analoger Bauweise aus reinen Platzgründen nicht mehr zu realisieren wären. Bei heutigen Digitalpulten lassen sich die meisten Einstellungen in so genannten Szenen oder Snapshots abspeichern und bei Bedarf in Sekundenbruchteilen wieder aufrufen. Oft sind Effektgeräte wie zum Beispiel Kompressoren in Digitalpulten bereits integriert. Dadurch können im Vergleich zur Analogtechnik Platz und Kosten für zusätzliche Geräte eingespart werden. Des Weiteren können manche digitalen Modelle auch dynamische Regelvorgänge wie etwa Faderbewegungen speichern und automatisch ablaufen lassen . Hybridpulte bieten diese Möglichkeit auch für analoge Signalverarbeitung. Der Schaltungsaufwand und damit der Preis für die Kopplung der digitalen Steuerung mit der analogen Signalverarbeitung ist verglichen mit einem rein digitalen Ansatz jedoch sehr hoch und findet deswegen heute kaum Anwendung. Einzig eine digitale Pegelsteuerung in ansonsten analogen Pulten ist noch gebräuchlich. Echte Hybridpulte wie etwa die Euphonix CS-Serie oder die Lawo PTR werden heute nicht mehr hergestellt. Mischpulte lassen sich auch auf einem Computer realisieren. Sie sind hierbei meistens in so genannte Digital Audio Workstations integriert. Die wichtigsten Merkmale eines Mischpultes sind die Anzahl der Eingangskanäle, die Anzahl der Ausgangsbusse, die Klangbearbeitungsmöglichkeiten und die ergonomische Anordnung der Bedienelemente für den jeweiligen Anwendungsbereich. Auf der rein technischen Seite ist das entscheidende Merkmal die Signalqualität. Der Frequenzgang sollte möglichst linear sein, und der Dynamikbereich, das heißt der Abstand zwischen dem Eigenrauschen des Mischpultes und seiner Verzerrungsgrenze, sollte möglichst groß sein. Am Anfang des Signalweges in einem Tonmischpult wird die Signalquelle je nach Pegel entweder an einen Line- oder einen Mikrofoneingang angeschlossen. Lineeingänge dienen zum Anschluss vergleichsweise hochpegliger Audiogeräte wie Keyboards und CD-Player und stehen meist in Form von Klinkenbuchsen, bei einfachen Geräten auch Cinch, zur Verfügung. Mikrofoneingänge sind hingegen meist in Form von XLR-Buchsen ausgeführt und verfügen oft über eine Phantomspeisung zur Verwendung hochwertiger Kondensatormikrofone. Über einen Drehregler wird der Eingangspegel der Signalquelle dem optimalen Arbeitsbereich des Mischpultes angepasst. Hier kann auch ein spezieller Mikrofon- oder Entzerrvorverstärker für Plattenspieler eingebaut sein. Zur optischen Kontrolle eines jeden Kanalpegels ist oft entweder ein Peakmeter oder ein vu-Meter vorhanden. Ergänzend zum Gainregler findet sich meist ein Pad-Schalter , mit dem ein zu lautes Eingangssignal um einen bestimmten Betrag abgesenkt werden kann. Ebenso findet sich bei vielen Mischpulten ein sogenannter Trittschallfilter . Oft kann die Grenzfrequenz dieses Filters eingestellt werden, entweder durch zweistufige Taster , oder sogar durch Drehpotentiometer. Handelt es sich um ein digitales Mischpult, so folgt an dieser Stelle die Analog-/Digitalwandlung des Signals. Anspruchsvoller ausgestattete Mischpulte verfügen als Nächstes über einen Phasenschalter, mit dem die Schwingungsrichtung des Signals um 180° gedreht werden kann . Dies ist nützlich, um entweder Polungsfehler in der Verkabelung zu korrigieren oder gegenpolige Signale aufgrund von Mehrfachmikrofonierung einer Klangquelle anzupassen . Als Nächstes durchläuft das Signal die Klangregelung . Der Klang eines Signals kann in verschiedenen Frequenzbändern bearbeitet werden. Diese Bänder lassen sich jeweils im Pegel anheben oder absenken. Verfügt das Mischpult ferner über einen Frequenzregler, so können die einzelnen Bänder ggfs. verschoben werden, was gezieltere Anpassungen an die tatsächlich im Signal vorkommenden Frequenzen ermöglicht. Ist darüber hinaus ein Gütenregler vorhanden, so kann die Breite der Beeinflussung eines Bandes variiert werden. Sind alle genannten Regelmöglichkeiten vorhanden, so spricht man von einem vollparametrischen Equalizer. Daneben können für den Bass- und den Höhenbereich auch noch separate, sehr steilflankige Hoch- und Tiefpassfilter vorhanden sein, die es erlauben, sämtliche Frequenzen ober- oder unterhalb einer bestimmten Grenzfrequenz komplett wegzufiltern. Bei manchen Pulten kann die Dynamik des Signals mittels Noise Gate und/oder Kompressor beeinflusst werden. Bestimmte Mischpulte verfügen des Weiteren über sogenannte Insertbuchsen in den Eingangssektionen der Kanäle, die das Einschleifen von externen Dynamik- oder Effektgeräten im betreffenden Kanal erlauben. Im weiteren Verlauf des Kanalzugs folgen anschließend der Ein-/Ausschalter sowie als elementares Bauteil der bei jedem Mischpult vorhandene Schieberegler für den Kanalpegel, üblicherweise als Fader bezeichnet, bei Kompaktmischern auch als Drehpotentiometer ausgeführt. Im Signalweg hinter dem Fader folgt der Panoramaregler , mit welchem bestimmt werden kann, wie das Signal im Stereobild der Mischpultsumme positioniert ist. Er ist ein Überblendregler und dient dazu, ein Signal nach dem Kanal-Fader auf den rechten und linken Kanal in der Stereosumme zu verteilen; ist der Kanal einer Subgruppe zugeordnet, wird das Signal entsprechend dorthin geleitet, wobei die rechte Reglerstellung der geradzahligen Subgruppe, die linke der ungeraden entspricht. Um dabei eine insgesamt gleich bleibende Lautheit zu erreichen, wird das Signal einer entsprechenden Kurve folgend auf der dem Regler abgewandten Seite stärker bedämpft, auf der dem Regler zugewandten Seite weniger. Bei der in Mischpulten üblichen Intensitätsstereofonie werden dabei keine Signale in ihrer Laufzeit verändert oder auf den gegenüberliegenden Kanal geleitet. Letztes Glied im Kanalzug ist das sogenannte Routing. Verfügt das Mischpult über Subgruppen, kann das Signal über Schalter neben dem Fader je nach Ausführung alternativ oder gleichzeitig zum Mastersignal an diese geschickt werden. Ebenso kann – besonders bei digitalen Mischern – jeder einzelne Eingangskanal direkt einer Spur eines Mehrkanal-Recorders zugeordnet werden. Das Signal eines Kanals kann an verschiedenen Stellen im Kanalzug auf sogenannte Effekt- oder Monitorwege geschickt werden. Meistens sind derartige Aux-Wege zwischen „pre-fader“ und „after-“ beziehungsweise „post-fader“ umschaltbar. Die Regler dafür finden sich auf dem Bedienfeld meist direkt über dem Panpot. Das Mischen mehrerer Signale stellt eine technische Herausforderung dar, da die Lautstärke eines Kanals keinen Einfluss auf die Lautstärke eines anderen haben darf. Verbindet man lediglich den Mittelschleifer aller Lautstärke- bzw. Panoramapotentiometer miteinander, beeinflusst die Ausgangsimpedanz eines Kanals die Lastimpedanz, die auf die anderen Kanäle wirkt, und kann so im Extremfall die anderen Ausgänge kurzschließen, wenn ein Kanal komplett „abgedreht“ ist, und sein etwaiger Panoramasteller sich in einer Extremstellung befindet . Um dies zu vermeiden, ist dafür zu sorgen, dass alle Kanäle eine feste Ausgangsimpedanz haben. In einfachen Passiv-Mischpulten geschieht das durch einen Widerstand in der Größenordnung des Potentiometerwiderstandes am Ausgang jedes Kanals. Da dieser Widerstand eine additive Konstante in der Funktion des Ausgangswiderstands von der Potentiometerstellung darstellt, wird der Einfluss der Potentiometerstellung auf den Ausgangswiderstand eines Kanals vermindert. In aktiven Mischpulten folgt auf jeden Kanal ein Impedanzwandler, also ein Operationsverstärker oder ein Transistor/Triode in Kollektorschaltung/Drainschaltung/Anodenschaltung mit definierter Ausgangsimpedanz. Dadurch sind die Impedanzen beim Mischen völlig unabhängig von den Ausgangsimpedanzen der Kanäle. Bei vielen Kanälen ist zu beachten, dass die – aus dem Überlagerungssatz hervorgehende – Mischspannung der Durchschnittsspannung entspricht, also die Amplitude eines Eingangs durch die Anzahl der Kanäle geteilt wird. Es muss daher eine Verstärkung um die Anzahl der Kanäle erfolgen, um tatsächlich die Summe der Spannungen zu erhalten. Hinter dem Routing folgt die Mastersektion des Pultes, in der die Mischung der Signale sowie die Ausgabe der Summe an einen oder mehrere Masterausgänge erfolgt. Separate Ausgänge um das PA-Summensignal aufzuzeichnen werden dabei meist als Two-Track, abgekürzt 2TK, bezeichnet; ein 2TK in-Weg dient dazu, das aufgenommene Signal ohne weitere Beeinflussung direkt wieder abzuspielen. Größere Mischpulte besitzen zusätzlich Subgruppen, auf denen eine Mischung mehrerer Eingangssignale erfolgt. So können Tonquellen wie Schlagzeug, Chor- oder Orchesterstimmen zusammengefasst und mit einem einzigen Fader ins Mastersignal geblendet werden. Ebenso können die einzelnen Spuren eines Aufnahmegeräts oder verschiedene Lautsprecheranlagen bespielt werden. Bei Mischpulten für Musikdarbietung ist mit dem waagerecht eingebauten Crossfader eine ähnliche Konstruktion vorhanden; hierbei werden der linken und rechten Seite ein oder mehrere Eingänge zugewiesen, zwischen denen mit einem einzigen Regler überblendet werden kann. Während einer Produktion braucht der Bediener am Pult neben dem Mastersignal auch die Möglichkeit, einzelne Kanäle oder Subgruppen im Regieraum oder auf dem Kopfhörer vorzuhören, ohne das Ausgangssignal zu beeinflussen. Mit dem Pre-Fader-Listening kann eine neue Signalquelle begutachtet werden, während auf dem Ausgangssignal noch andere Kanäle anliegen. Dazu besitzt jeder Abhörpunkt einen eigenen PFL-Schalter, bei dessen Aktivierung die Pult-Abhöre nur noch die einzelnen PFL-geschalteten Signale darstellt. Ähnlich erlaubt der Mixdown-Solomodus , einzelne Kanäle genau so abzuhören, wie sie im Mix klingen, also inkl. ihrer Pegel- und Panoramaeinstellung sowie auf sie angewandte Effekte. Nützlich ist dies auch bei der Fehlersuche oder zur Nachjustierung von Filtern während einer laufenden Produktion und zur Begutachtung gerade aufgenommenen Materials, die „Hinterbandkontrolle“. Ebenso ist es wichtig, den Agierenden ein Feedback zu geben, das sogenannte Monitoring. Sofern keine Kopfhörer oder In-Ear-Monitoring-Systeme benutzt werden, auf denen das Mastersignal laufen kann, ohne Rückkopplungen in die Tonabnehmer zu verursachen, müssen dazu spezielle Mixes erstellt werden. Dies kann im einfachsten Fall über die Aux-Wege realisiert werden, größere Mischpulte verfügen aber über spezielle Möglichkeiten zur Erstellung von Kopfhörer- und Monitormischungen und deren Verteilung auf die Aufnahmeräume und agierenden Personen. Bei großen Live-Aufführungen wird dafür auch ein eigenes Pult auf der Bühne benutzt. Einige Pulte bieten auch die Möglichkeit der Kommunikation des Tontechnikers mit den Personen im Aufnahmeraum . Professionelle Mischpulte für die Festinstallation in großen Studios haben meistens keine einzeln ausgeführten Ein- und Ausgangsanschlüsse mehr. Die Verkabelung erfolgt vielmehr über Multipin-Steckverbindungen. Damit können mit Multicore-Kabeln auch effizient und übersichtlich viele analoge Audiowege gelegt werden, etwa in verschiedene Studioräume oder vom FOH zur Bühne, wo die einzelnen Anschlüsse an Stageboxen aufliegen. Ein Steckfeld , in das Bedienpanel eingebaut oder in einem externen Rack, an das intern die Ein- und Ausgänge aller im Studio vorhandenen Audiogeräte angeschlossen sind, ermöglicht es, alle Geräte sehr leicht und flexibel durch einfaches Stecken kurzer Kabel miteinander zu verbinden . Bei diesem Konzept kann mit einem Kanal nur ein Signal bearbeitet werden, das heißt, die Hinterbandkontrolle kann nur über einen weiteren eigenen Kanal stattfinden. Die Anzahl der Subgruppen ist fest vorgegeben und kann nicht beliebig erweitert werden. Daher wird dieses Mischpultkonzept heute meistens im Live-Bereich als FOH-Mischer verwendet. Vor Aufkommen der Inline-Mischpulte waren Splitpulte auch im Studiobetrieb üblich, große Split-Konsolen besaßen zu diesem Zweck eine eigene Abhörsektion mit entsprechend vielen Kanälen. Ein Vorteil des Konzepts ist die bessere Übersicht über den Signalfluss, nachteilig die mangelnde Flexibilität und, insbesondere bei größeren Setups, der enorme Platzbedarf. Das erste Mischpult mit dem Inline-Konzept wurde von der Firma SSL entwickelt und ist bis heute der professionelle Standard in großen Musikstudios. Die Idee hinter diesem Konzept ist die, dass man mit einem Kanal gleichzeitig zwei Signale verarbeiten kann. Zum einen liegt das Input-Signal der aufzunehmenden Quelle am Hauptfader an und wird zum Tonbandgerät oder zur DAW geschickt. Gleichzeitig kann man über den „kleinen“ Fader im selben Kanalzug das Off-Tape--Signal abhören. Für die Abmischung kann man die Belegung der Fader wechseln, zusätzliche Signalquellen einspielen, Kanäle beliebig als Subgruppen definieren sowie die Filter und Ausspielwege flexibel zwischen den vorhandenen Signalen desselben Kanalzugs aufteilen. Ein zusätzlicher Vorteil ist die enorme Platzersparnis. Man bezeichnet das Inline-Konzept auch als „Sandwich-Bauweise“. Das Konzept der Splint-Konsolen ist eine Mischung aus den beiden vorangegangenen Mischpultkonzepten. Die Anzahl der Subgruppen ist zwar wie beim Split-Pult begrenzt, jedoch können pro Kanal zwei unterschiedliche Signale angelegt werden, von denen das eine über den Hauptfader, das andere über den „Small Fader“, zumeist ein kleiner Fader oder ein Potentiometer, geregelt wird. Die Signale können über Statusumschalter zwischen dem Hauptfader und dem „kleinen“ Fader, je nach Ausstattung des Pultes auch flexibel auf den Entzerrer oder die Ausspielwege geschaltet werden. Eins der bekanntesten Pulte dieser Bauart ist das „8-Bus“-Pult der Firma Mackie. Für besondere Einsatzzwecke werden Mischpulte mit zusätzlichen Funktionen ausgerüstet, die entweder über eigene Bedienelemente oder über die Verbindung mit vorhandenen Funktionen Arbeitsabläufe vereinfachen. Die im Studiobereich vorrangig verwendeten Kondensatormikrofone benötigen eine Betriebsspannung. Diese kann bei den meisten Mischpulten als Phantomspeisung zugeschaltet werden. Wenn ein Mischpult keine Phantomspeisung hat, besteht die Möglichkeit, ein Speiseteil oder einen geeigneten Vorverstärker zwischen Mikrofon und Mischpult zu schalten. Die Spannung beträgt meistens 48 Volt. Besonders bei Sendemischpulten und manchmal auch bei DJ-Mixern kann mit dem Hochziehen eines Kanal-Faders oder dem Drücken des SignalSchalters das an diesen Kanal angeschlossene Wiedergabegerät gestartet werden. Um Rückkopplungen zu vermeiden, darf in einem Studioraum, in dem ein Mikrofon in Betrieb ist, dessen Signal nicht wiedergegeben werden. Die Stummschaltung kann so konfiguriert werden, dass beim Öffnen eines Mikrofonkanales die Monitorboxen im entsprechenden Raum abgeschaltet werden und das Signal nur noch über Kopfhörer verfügbar ist. Insbesondere digitale Mischpulte können mit einer mehr oder weniger aufwendigen Effekt-Sektion ausgestattet sein . Dies reicht von einfachen Summeneffekten in Geräten des unteren Preissegmentes bis zu hochwertigen Effekt- und Dynamikbearbeitungseinrichtungen für jeden Kanalzug in teuren Pulten. Zusätzlich zu den Filtermöglichkeiten in den einzelnen Kanalzügen kann mit einem Summen-Equalizer das Ausgangssignal den Gegebenheiten des Raumes und der Lautsprecher angepasst werden. Ähnlich den integrierten Effekten genügen auch diese Equalizer bei billigen Geräten kaum professionellen Standards, schon wegen des begrenzten Platzangebots am Bedienfeld können nur wenige, damit relativ breite, Filterbänder geboten werden. Ein Powermixer fasst ein Mischpult und einen Tonfrequenz-Leistungsverstärker in einem Gerät zusammen. Geräte dieser Art werden vor allem für Live-Darbietungen vor etwas kleinerem Publikum von etwa 50 bis 100 Personen beispielsweise von Musikcombos, Tanzgruppen, für Karaoke-Events, von Schaustellern, Werbeveranstaltern eingesetzt. Sie halten als Teil einer Beschallungsanlage den Gesamtaufwand klein, da im Wesentlichen sonst nur noch die Lautsprecherboxen und die Tonquellen benötigt werden. Powermixer werden von verschiedenen Herstellern angeboten und haben meist die übliche Pultform. Sie gehören in ihrer Wirkungsweise grundsätzlich auch zur Gruppe der Audioverstärker und sind oft in Stereo-Technik, also zweikanalig aufgebaut. Einfachere, zumeist nicht in Pultform erscheinende und von der Frontplatte aus zu bedienende Geräte, die seltener zweikanalig sind, werden allgemein als „Mischverstärker“, im unteren Preissegment jedoch ebenfalls als „Powermixer“ bezeichnet. Die Definitionen sind daher nicht exakt abgrenzbar. In vernetzten Produktionssystemen wie dem ARD-Hörfunk sind viele Mischpulte in den Studios fernbedienbar. Die Regler des eigentlichen Pultes werden durch Servo- oder Linearmotoren mitbewegt. Dadurch bleibt die Stellung der Regler „aktuell“ und ein manueller Eingriff vor Ort ist weiterhin möglich. Typische Anwendungsfälle der Fernsteuerung sind:
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2024-12-02 09:41:15
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https://de.wikipedia.org/wiki/Hohenwartetalsperre
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Der Hohenwarte-Stausee bzw. die Hohenwartetalsperre ist ein Stausee, der in den 1930er Jahren durch Anstauung der Saale mittels einer nahe der namensgebenden Thüringer Ortschaft Hohenwarte gelegenen Staumauer entstand. Die gekrümmte Gewichtsstaumauer aus Beton wurde von 1936 bis 1942 erbaut. Ihre Höhe beträgt 75 m, ihre Länge 412 m. Beim Bau der Talsperre mussten 250 Menschen umgesiedelt werden. Das Dorf Preßwitz wurde dabei überflutet. Mit dem Speicherraum von 182 Millionen Kubikmeter Wasser ist diese Talsperre die viertgrößte in Deutschland. Das Wasser wird zu einer Gewässeroberfläche von 7,3 Quadratkilometern angestaut. Zweck des Stausees sind der Hochwasserschutz, die Betriebswasserversorgung und die Elektrizitätserzeugung und -speicherung durch das Pumpspeicherkraftwerk Hohenwarte I. Dieses verfügt über Turbinen mit einer Leistung von 63 Megawatt und gehört Vattenfall Europe. Bereits vor dem Staumauerbau arbeitete in der Nähe von Ziegenrück das Conrod-Kraftwerk. Der Hohenwarte-Stausee gehört zu der fast 80 Kilometer langen, fünffach gestuften Saalekaskade. Dazu gehören noch saaleabwärts das Ausgleichsbecken Eichicht sowie saaleaufwärts das Ausgleichsbecken Burgk, die Talsperre Walsburg und der Bleiloch-Stausee. Die Staumauer hat in der Mitte einen festen Kronenüberlauf mit sieben Feldern als Hochwasserentlastung. Der Bau erfolgte 1935 bis 1941 durch die Saaletalsperren AG. Es bestand Interesse am Hochwasserschutz besonders angeregt durch das Hochwasser im November 1890 sowie an elektrischem Strom durch Carl Zeiss in Jena. Das Wasserkraftwerk wurde bis Mitte des 20. Jahrhunderts von der Thüringische Landeselektrizitätsversorgungs-Aktiengesellschaft betrieben, danach – in der DDR – vom VEB Kraftwerke Saaletalsperren, ab 1954 vom VEB Energieversorgung Gera und ab 1979 vom Energiekombinat Gera. Nach der Wende wurden die Energiekombinate durch die Treuhandanstalt privatisiert . Die ostdeutschen Wasserkraftwerke wurden 1990 zunächst von der Vereinigte Kraftwerks AG übernommen, nach deren Fusion mit der Verbundnetz Elektroenergie AG im Jahre 1991 gingen die Kraftwerke an die Vereinigte Energiewerke AG über. 1994 erfolgte der Verkauf durch die Treuhandanstalt an ein aus der PreussenElektra AG, den Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerken AG und der Bayernwerk AG bestehendes Konsortium und im Jahr 2001 der zweite Verkauf an die kurz zuvor vom schwedischen Energiekonzern Vattenfall übernommene Hamburgische Electricitäts-Werke AG , so dass heute das Kraftwerk der Vattenfall GmbH gehört. Der Stausee ist mit Sportbooten mit und ohne Verbrennungsmotor befahrbar. Für Freizeitboote ist er von seinem Beginn in Ziegenrück bis an die Staumauer nutzbar. Außerdem gibt es eine Passagierschifffahrt. Bei der Linkenmühle führte eine 30 m hohe Brücke über den See, die 1943 eine ältere Talbrücke ersetzte und am 12. April 1945 gesprengt wurde, um den Vormarsch der Alliierten zu behindern. Wie vielerorts auch, war die Sprengung auch hier völlig sinnlos, da die Militärfahrzeuge der US-Truppen die noch nicht angestaute Saale leicht überwinden konnten. Es ist die vermutlich einzige größere Straßenbrücke Deutschlands, die weiterhin im Zustand wie unmittelbar nach dem Krieg ist. Die Überreste werden bei Niedrigwasser sichtbar. Der Vorgängerbau über die Saale liegt unter dem Wasserspiegel und kann betaucht werden. Seit einiger Zeit können Fußgänger und Autos von Frühjahr bis Herbst je nach Wasserstand mit einer Fähre übersetzen. Die Mühlfähre ist die einzige Autofähre Thüringens. Die Brückenruine ist weiterhin sichtbar. Pläne zum Wiederaufbau der Brücke stoßen auf energischen Protest der Anwohner, da diese befürchten, dass die Brücke regen Durchgangsverkehr durch die jetzt ruhigen Orte generieren würde. Der Stausee gilt als gutes Angelgewässer. Das Blaue Band vom Hohenwarte-Stausee ist ein seit 1966 stattfindendes Langstreckenschwimmen. Unweit der Staumauer hat eine Tauchbasis ihren Sitz.
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2024-11-23 23:28:28
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https://de.wikipedia.org/wiki/Tauwetter-Periode
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Tauwetter-Periode nennt man die auf den Tod Stalins im Jahr 1953 folgende Periode in der Sowjetunion und den Staaten des Ostblocks. Sie bedeutete eine Auflockerung des herrschenden Stalinismus durch größere Freiheit im kulturellen Bereich, einen beginnenden Abbau des Gulag-Systems und eine ansatzweise Entspannung des Ost-West-Konflikts. Sie endete spätestens mit der Entmachtung Nikita Chruschtschows im Jahr 1964. Der Name geht auf den 1954 erschienenen Roman Tauwetter von Ilja Ehrenburg zurück. Auslöser für das Ende der „Eiszeit“ und den Beginn des Tauwetters war der Tod Stalins am 5. März 1953. Drei Jahre später stieß Chruschtschow im Februar 1956 auf dem XX. Parteitag der KPdSU mit seiner Geheimrede Über den Personenkult und seine Folgen eine wahrnehmbare „Entstalinisierung“ an: Er übte erstmals Kritik am Personenkult um Stalin und benannte stalinistische Verbrechen der 1930er Jahre. Die Tauwetter-Periode führte auch zum Kurs der „friedlichen Koexistenz“ in der sowjetischen Außenpolitik. Gegenüber dem titoistischen Jugoslawien schlug Chruschtschow einen Anerkennungskurs ein. Hintergrund für den sowjetischen Kurswechsel war, dass bis zum Tode Stalins selbst höchste Parteifunktionäre, wenn sie in Ungnade fielen, um ihr Leben fürchten mussten; als Terrorinstrument diente Stalin insbesondere die Geheimpolizei. Daher lag die Tauwetterpolitik zunächst einmal im eigensten Interesse der Parteifunktionäre. Ein zweites Motiv für die Entspannungspolitik waren die hohen Verwaltungs- und militärischen Kosten, die die totalitäre Kontrolle über die Satellitenstaaten verursachte. Chruschtschow nutzte außerdem zusehends sein Image als Reformer im Machtkampf mit konservativen innerparteilichen Gegnern, die er als rückständig und gefährlich brandmarkte. Seine eigene Verstrickung in die Verbrechen der Stalin-Ära konnte er umso besser verschweigen. Während dieser Phase der Entstalinisierung schwächte sich die Zensur merklich ab, vor allem in Literatur, Kunst und Film wurde offener diskutiert. Wichtigste Plattform der Vertreter des Tauwetters war die Literaturzeitschrift Nowy Mir. Einige Werke dieser Periode gelangten auch im Westen zu größerer Bekanntheit, darunter Wladimir Dudinzews Der Mensch lebt nicht vom Brot allein und Alexander Solschenizyns Roman Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch, den Chruschtschow persönlich zur Veröffentlichung freigab. Weitere bedeutende Vertreter der Tauwetter-Periode waren die Schriftsteller Jewgeni Alexandrowitsch Jewtuschenko, Wiktor Petrowitsch Astafjew, Wladimir Fjodorowitsch Tendrjakow, Bella Achatowna Achmadulina, Robert Iwanowitsch Roschdestwenski, Andrej Andrejewitsch Wosnessenski und Anna Andrejewna Achmatowa. Im September 1955 reiste der damalige deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Moskau, um die Rückkehr der letzten deutschen Kriegsgefangenen aus sowjetischen Lagern zu erwirken. Zu dieser Zeit waren noch knapp 10.000 frühere Soldaten der Wehrmacht bzw. der Waffen-SS und etwa 20.000 politisch inhaftierte Zivilisten in sowjetischer Gefangenschaft ; sie durften ab dem 7. Oktober 1955 heimkehren. Viele politische Gefangene in der Sowjetunion und anderen Ostblock-Staaten wurden nach 1956 freigelassen und zum Teil rehabilitiert. Etliche unter Stalin deportierte Völker wurden 1957 rehabilitiert, so die Karatschaier, Kalmücken, Balkaren, Inguschen, Tschetschenen, und die Autonomie der Republiken im Nordkaukasus, in denen sie ursprünglich gelebt hatten, wurde wiederhergestellt. Ausgenommen waren die Wolgadeutschen und die Krimtataren, sie wurden im Beschluss des Obersten Sowjets der UdSSR nicht einmal erwähnt. Sie mussten in Sibirien und Kasachstan bleiben, ihre autonomen Republiken wurden nicht wiederhergestellt. Die Krim gehörte nicht mehr zur RSFSR, sie wurde bereits 1954 der Ukraine angeschlossen. In manchen Ländern kamen vergleichsweise liberale Ministerpräsidenten an die Macht, in Ungarn zum Beispiel Imre Nagy. Am 15. April 1955 wurde zunächst das Moskauer Memorandum mit Österreich, am 15. Mai dann der Österreichische Staatsvertrag zwischen den vier Besatzungsmächten und Österreich unterzeichnet und die Besatzung beendet. Nach diesen ersten Signalen einer neuen Haltung kam es noch im selben Jahr zur Genfer Gipfelkonferenz zwischen US-Präsident Eisenhower, Chruschtschow sowie den Regierungschefs Großbritanniens, Frankreichs und Bulgariens. Die Tauwetter-Periode hielt nicht lange an. Mit der Niederschlagung des Volksaufstands in Ungarn im November 1956 hatten viele Menschen Hoffnungen auf eine weiter gehende Öffnung begraben. Chruschtschows Hetzkampagne gegen Boris Pasternak, dem 1958 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde , zeigte den sowjetischen Künstlern deutlich die Grenzen der Liberalisierung. Die sowjetische Führung schwankte zusehends zwischen liberalen Ansätzen und der Angst, genau dadurch die Kontrolle zu verlieren. Im Oktober 1962 kam es während der Kubakrise mit den USA mit der Gefahr eines Dritten Weltkriegs zu einer Einigung im letzten Moment: im Ernstfall und unter Druck bevorzugte Chruschtschow eine friedliche Lösung. Spätestens mit seiner Entmachtung durch Leonid Breschnew endete die Tauwetter-Periode. Dass Chruschtschow nach seiner Absetzung unbehelligt weiterleben durfte und als Rentner starb, wäre ohne die Tauwetter-Periode und das Ende des Terrors zuvor wohl nicht denkbar gewesen. Nach Ende des Tauwetters konnten sowjetkritische Schriftstücke nur über nichtoffizielle Kanäle verbreitet werden. Die Tauwetter-Periode wurde letztlich zum Vorläufer der Reformen Michail Gorbatschows ab 1985, der auch die Entstalinisierung wieder aufnahm .
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2024-12-02 08:34:08
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https://de.wikipedia.org/wiki/Isabell_Lorenz
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Isabell Lorenz ist eine deutsche Übersetzerin. Sie überträgt literarische Werke aus dem Französischen und Englischen ins Deutsche. Isabell Lorenz absolvierte 1974 das Abitur und war anschließend als Sekretärin, Fremdsprachenkorrespondentin und Übersetzerin berufstätig. Von 1987 bis 1993 studierte sie Anglistik, Romanistik und Germanistik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seit 1990 arbeitet sie als freiberufliche Übersetzerin. Für die Übersetzung eines Werkes von Charles Nodier wurde Lorenz 1990 mit dem neu errichteten Stefan-George-Preis ausgezeichnet, einem seitdem alle zwei Jahre verliehenen Übersetzerpreis für junge Literatur-Übersetzer aus dem Französischen ins Deutsche; die Verleihung wurde durch Hans Theo Siepe für den Fachbereich Literaturübersetzen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf organisiert. Im Folgejahr wurde ihr der Förderpreis für Literatur der Landeshauptstadt Düsseldorf verliehen. Sie übersetzte mehr als fünfzig Werke der Genres Belletristik, Hörspiel, Unterhaltungsroman und Sachbuch, darunter Historische Kriminalromane, Historische Romane, Krimis, Thriller und Biografien. Als Spezialistin für klassische Musik, Ballett und Oper und übersetzte sie unter anderem Peter Watsons Nurejew-Biografie und Kevin Bazzanas Biografie von Glenn Gould ins Deutsche. Zu den von ihr übersetzten Autoren zählen Pierre Jean Jouve, Guillaume Apollinaire, Susan Sontag, Kazuo Ishiguro, Herman Melville, Muzi Mei, Elizabeth Haran und Renée Fleming. Isabell Lorenz ist Mitglied des Verbands deutschsprachiger Übersetzer/innen literarischer und wissenschaftlicher Werke . 2023 siegte sie in einer Folge der Sendung Der Quiz-Champion und gewann 100.000 Euro. Folgende Hörspieltexte übersetzte Lorenz ins Deutsche:
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2024-12-03 14:46:58
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https://de.wikipedia.org/wiki/HK_Witjas
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Der HK Witjas ist ein 1996 gegründeter Eishockeyclub aus Podolsk. Er spielt in der Kontinentalen Hockey-Liga . Die Vereinsfarben sind weiß, rot und schwarz. 2005 gelang der Aufstieg in die Superliga. Vorher spielte der Club überwiegend in der Wysschaja Liga. Der Verein wurde in Podolsk gegründet, zog jedoch 2000 nach Tschechow. Die Namensänderung zu Witjas Tschechow erfolgte 2004. Ab 2000 trug der Klub seine Heimspiele im Eispalast Witjas in Podolsk aus, der bis 2006 auch als Spielort des HK MWD Balaschicha genutzt wurde. Im Jahr 2004 wurde das Eishockey-Center Tschechow eröffnet, das zunächst 1370 Zuschauern Platz bot und fortan Heimspielstätte von Witja war. Während der Spielzeit 2007/08 wurde das Eishockey-Center auf 3300 Sitzplätze erweitert, genügt aber trotzdem nicht den Standards der Superliga bzw. KHL. Seit dem Beitritt zur KHL ist der Klub für seinen physischen und nordamerikanisch geprägten Spielstil bekannt. 2013 liefen die Ausnahmeregelungen der KHL für Stadien unter 5500 Zuschauern aus, so dass Witjas nach Podolsk zurückkehrte, um wieder im Eispalast Witjas zu spielen. Ost-Konferenz Charlamow Diwision: Ak Bars Kasan | Awtomobilist Jekaterinburg | HK Lada Toljatti | HK Metallurg Magnitogorsk | HK Traktor Tscheljabinsk | Neftechimik Nischnekamsk Tschernyschow Diwision: Admiral Wladiwostok | Amur Chabarowsk | Barys Astana | HK Awangard Omsk | HK Sibir Nowosibirsk | Salawat Julajew Ufa West-Konferenz Bobrow Diwision: HK Sotschi | HK Spartak Moskau | HK Witjas | SKA Sankt Petersburg | Torpedo Nischni Nowgorod Tarassow Diwision: HK Dinamo Minsk | HK Dynamo Moskau | HK ZSKA Moskau | Kunlun Red Star | Lokomotive Jaroslawl | Sewerstal Tscherepowez
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2024-12-02 10:16:29
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https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Sternmiere
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Große Sternmiere Die Große Sternmiere M.T.Sharples & E.A.Tripp, Synonym: Stellaria holostea L.), auch Echte Sternmiere oder Großblütige Sternmiere genannt, ist seit 2019 die einzige Art der Pflanzengattung Rabelera innerhalb der Familie der Nelkengewächse . Sie ist ein weitverbreiteter Frühjahrsblüher in den warmgemäßigten Gebieten Europas bis Westasiens und Nordafrikas. Die Große Sternmiere ist eine immergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 15 bis 30, selten bis zu 60 Zentimetern. Ihre dünnen kriechenden Rhizome sind ohne Wurzelknollen. Die aufsteigenden, vierkantigen Stängel sind im oberen Bereich kurz behaart, sonst kahl. Die längeren Stängel tragen zahlreiche langgestielte Blüten und finden oft Halt an Nachbarpflanzen. Insgesamt sind die Stängel der Große Sternmiere ziemlich schwach und zerreißen leicht im Bereich der Laubblätter. Die gegenständig an den Stängeln angeordneten Laubblätter sind alle sitzend. Die einfache, steife Blattspreite ist bei einer Länge von 3 bis 9 Zentimetern sowie einer Breite von 2 bis 10 Millimetern schmal-lanzettlich oder linealisch-lanzettlich mit runder und stängelumfassender Basis und zugespitztem oberen Ende und rauem, behaartem Blattrand; sie ist an ihrer Basis am breitesten. Ihr trugdoldenartiger Blütenstand enthält locker angeordnet 3 bis 31 Blüten. Sie stehen in einem dichasial verzweigten Blütenstand, einem sogenannten Zymoid. Dabei wiederholt sich mehrfach nacheinander ein Verzweigungsmuster, bei dem die Hauptachse in einer Blüte endet, welche wiederum von jeweils zwei Seitenachsen übergipfelt wird. Die laubblattähnlichen, krautigen 5 bis 50 Millimeter langen Deckblätter sind bewimpert. Der aufsteigende Blütenstiel ist 1 bis 60 Millimeter lang, dünn und flaumig behaart. Die zwittrigen Blüten sind bei einem Durchmesser von 2 bis 3 Zentimetern radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf kahlen Kelchblätter sind bei einer Länge von 6 bis 8 Millimetern eiförmig-lanzettlich mit spitzem oberen Ende und undeutlich dreinervig. Die fünf weißen Kronblätter sind bis zur Hälfte ihre Länge gespaltenen und sind bei einer Länge von 8 bis 14 Millimetern etwa 1,5 bis doppelt so lang wie die Kelchblätter. Selten fehlen Kronblätter. Meist sind zehn Staubblätter vorhanden, die manchmal durch Degeneration weniger sein können. Der Fruchtknoten ist oberständig. Es sind drei freie aufsteigende Griffel pro Blüte vorhanden, die etwa 4 Millimeter lang sind. Die bei einem Durchmesser von 5 bis 6 Millimetern kugelige, mit stumpfem oberen Ende, Kapselfrucht besitzt in etwa die Größe des Blütenkelchs. Bei Reife öffnen sich die Kapselfrüchte mit drei Klappen, die sich später in sechs Klappen aufspalten und entlassen die Samen. Die rötlich-braunen Samen sind bei einem Durchmesser von 2 bis 3 Millimetern nierenförmig und dicht papillös. Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 13; es wurden Chromosomenzahlen von 2n = 26 oder 56 ermittelt. In der Schweiz reicht die Blütezeit von Mai bis Juni, in anderen Gebieten beginnt die Blütezeit schon im April. Da nicht alle Blüten zugleich blühen, sondern an den Stielen nacheinander, zieht sich die Blütezeit über mehrere Monate hin, obwohl die Einzelblüten nur eine kurze Lebensdauer haben. Im Sommer reifen die Früchte. Bei der Großen Sternmiere handelt es sich um einen Chamaephyten. Über vegetative Vermehrung aus ihren Rhizomknospen und aus den vorjährigen, bodennahen Sprossachsen, bildet sie schnell kleine Horste aus. Die Große Sternmiere wird entweder von Insekten bestäubt oder ihre zwittrigen Blüten bestäuben sich selbst. Die Große Sternmiere tritt fast ausschließlich in größeren, allerdings selten bestandsbildenden, Gruppen auf. Die Ausbreitung ihrer Samen erfolgt durch den Wind. Sie ist eine wichtige Nahrungspflanze für etliche Nachtfalterarten. Beispielsweise ist sie eine Nektarpflanze des Hornkraut-Tageulchens . Für mehrere weitere Eulenfalter und Spanner stellt sie eine wichtige Raupen-Futterpflanze dar, insbesondere für den potenziell gefährdeten Sternmieren-Blattspanner , den stark gefährdeten Hornkraut-Blattspanner und die gefährdete Braune Glattrückeneule . Die Große Sternmiere ist in den warmgemäßigten Gebieten Europas, Westasiens und des Kaukasusraums sowie in einigen Ländern Nordafrikas weit verbreitet. Es gibt Fundortangaben für das nördliche Algerien, Marokko, Tunesien, das nördliche Portugal, Spanien und Frankreich, Belgien, die Niederlande, das Vereinigte Königreich, Irland, Dänemark, das südliche Norwegen und Schweden, Estland, Litauen, Lettland, den europäischen Teil Russlands, Belarus, die Ukraine, die Krim, Ciskaukasien, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Dagestan, das westliche Sibirien, die Türkei, Iran, Afghanistan, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien, Ungarn, Polen, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Rumänien, Bulgarien, Albanien, Nordmazedonien und das nördliche Griechenland. Sie ist beispielsweise im östlichen Nordamerika ein Neophyt. Die Große Sternmiere gedeiht meist in lichten, krautreichen Laub- und Mischwäldern, Hecken und Gebüschen. Dort besiedelt sie vor allem frische bis mäßig trockene, mäßig nährstoffreiche, meist kalkfreie, lehmige und sandige Böden bis in mittlere Gebirgslagen. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Carpinion, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Fagion, Pruno-Rubion oder Trifolion medii vor. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 , Lichtzahl L = 2 , Reaktionszahl R = 2 , Temperaturzahl T = 4+ , Nährstoffzahl N = 3 , Kontinentalitätszahl K = 3 . Die Erstveröffentlichung der Großen Sternmiere erfolgte 1753 unter dem Namen Stellaria holostea durch Carl von Linné in Species Plantarum, Band I, Seite 422. Das Artepitheton holostea leitet sich aus den altgriechischen Wörtern ὅλος hólos sowie ὀστέον ostéon für „Knochen“ ab und bedeutet „knochenhart“, dies bezieht sich auf die Stängel. Als Lectotypus wurde 1993 LINN-584.4 durch Bengt Edvard Jonsell und Charles Edward Jarvis in Regnum Vegetabile; ..., Volume 127, Seite 91 festgelegt. Die Neukombination zu Rabelera holostea M.T.Sharples & E.A.Tripp wurde im November 2019 durch Mathew T. Sharples und Erin A. Tripp in Phylogenetic Relationships Within and Delimitation of the Cosmopolitan Flowering Plant Genus Stellaria L. : Core Stars and Fallen Stars. In: Systematic Botany, Volume 44, Issue 4, S. 857–876 veröffentlicht. Dafür wurde die neue Gattung Rabelera M.T.Sharples & E.A.Tripp aufgestellt. Der Gattungsname Rabelera ehrt Richard Kevin Rabeler . Ein weiteres Synonym für Rabelera holostea M.T.Sharples & E.A.Tripp ist Alsine holostea Britton. Molekulargenetische Daten machten es erforderlich, in der Tribus Alsineae innerhalb der Familie Caryophyllaceae einige Veränderungen in der Systematik durchzuführen. Dabei wurden einige Arten, die bisher der Gattung Stellaria s. l. zugerechnet wurden, in andere Gattungen gestellt und neue Gattungen aufgestellt.
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2024-12-02 06:46:41
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https://de.wikipedia.org/wiki/Arkadak
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Arkadak ist eine Stadt in der Oblast Saratow mit 12.845 Einwohnern . Die Stadt liegt in der Oka-Don-Ebene etwa 250 km westlich der Oblasthauptstadt Saratow am Großen Arkadak nahe dessen Mündung in den Chopjor, einen Nebenfluss des Don. Arkadak ist Verwaltungszentrum des gleichnamigen Rajons. Die Stadt liegt an der 1896 eröffneten Eisenbahnstrecke Balaschow – Rtischtschewo – Pensa. Arkadak entstand 1721 als Dorf, welches seinen Namen nach dem Fluss bekam . 1939 erhielt der Ort den Status einer Siedlung städtischen Typs und 1963 das Stadtrecht. Anmerkung: Volkszählungsdaten In Arkadak ist die Himmelfahrtskirche von 1822 erhalten, außerdem ein relativ großer Teil der historischen hölzernen Bebauung. Die Stadt besitzt seit 1968 ein Heimatmuseum. Arkadak ist Zentrum eines Landwirtschaftsgebietes. In der Stadt sind verschiedene Betriebe der Lebensmittelindustrie angesiedelt, die teilweise bereits im 19. Jahrhundert gegründet wurden . ArkadakR | AtkarskR | BalakowoR | BalaschowR | ChwalynskR | EngelsR | JerschowR | KalininskR | KrasnoarmeiskR | Krasny KutR | MarxR | NowousenskR | PetrowskR | PugatschowR | RtischtschewoR | SaratowS/R | SchichanyS/G | WolskR Basarny KarabulakR | DergatschiR | DuchownizkojeR | GornyR | JekaterinowkaR | Kamenski | Krasny Oktjabr | Lyssyje GoryR | MokrousR | Nowyje BurassyR | OsinkiR | Pinerowka | Priwolschski | Puschkino | RomanowkaR | RownojeR | SamoilowkaR | Sennoi | Sokolowy | Sowetskoje | StepnojeR | SwetlyS/G | Swobodny | TatischtschewoR | TurkiR Alexandrow GaiR | BaltaiR | IwantejewkaR | MichailowskiS/G | PereljubR | PiterkaR | WoskressenskojeR
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2024-12-02 06:13:09
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https://de.wikipedia.org/wiki/Seewoosagur_Ramgoolam
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Sir Seewoosagur Ramgoolam war vom 12. März 1968 bis zum 16. Juni 1982 der erste Premierminister und vom 28. Dezember 1983 bis zu seinem Tod am 15. Dezember 1985 Generalgouverneur von Mauritius. Dabei vertrat er Elisabeth II. als Königin von Mauritius. Unter ihm wurde das Land nach 150 Jahren britischer Herrschaft unabhängig. Er gilt daher als Mauritius’ „Vater der Unabhängigkeit“. 1973 erhielt er den Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen. Der Botanische Garten in Pamplemousses und der internationale Flughafen von Mauritius sind nach ihm benannt. Sein Sohn Navin Ramgoolam war von 2005 bis 2014 und ist seit 2024 Premierminister. Seewoosagur Ramgoolam, auch bekannt als Kewal, wurde in eine indisch-mauritischen Hindu-Familie geboren. Sein Vater war ein indischer Arbeitsmigrant. Ramgoolam besuchte die örtliche Abendschule, wo Kinder der hinduistischen Gemeinschaft die Umgangssprache und Einblicke in die hinduistische Kultur lernten. Er lernte dort Sanskrit-Gebete und die heiligen Schriften. Bei der benachbarten römisch-katholischen Schule lernte er später Geschichte und Erdkunde sowie die Sprachen Englisch und Französisch. Nachdem er die Vorschule verlassen hatte, fuhr er täglich bis zum Ende der sechsten Klasse mit dem Zug zur Bel Air Government School. Im Alter von sieben Jahren verlor Ramgoolam seinen Vater und erlitt später im Alter von zwölf Jahren in einem Kuhstall einen schweren Unfall, bei dem er sein linkes Auge verlor. Dennoch setzte er seine Stipendienklasse an der Curepipe Boys’ Government School fort, während er bei seinem Onkel wohnte. Die Stipendienklassen, die die Grundlage der Sekundarstufe 1 bildeten, ermöglichten es Ramgoolam, direkt das Junior Cambridge am Royal College in Curepipe, zu besuchen. Nach der Sekundarschule arbeitete Ramgoolam für 3 Monate im öffentlichen Dienst. Mit finanzieller Hilfe seines Bruders Ramlall bekam Ramgoolam die Möglichkeit, ein Medizinstudium in England aufzunehmen. Er absolvierte das University College London und besuchte Vorlesungen an der London School of Economics. 1935 kehrte er nach Mauritius zurück. 1958 wurde er Stadtoberhaupt von Port Louis. Ramgoolam war von 1959 bis 1982 Vorsitzender der Mauritian Labour Party. In dieser Zeit bekleidete er zunächst mehrere Regierungsämter unter der Oberaufsicht der Kolonialverwaltung und wurde nach der Unabhängigkeit 1968 Premierminister. Seewoosagur Ramgoolam | Anerood Jugnauth | Navin Ramgoolam | Anerood Jugnauth | Paul Bérenger | Navin Ramgoolam | Anerood Jugnauth | Pravind Jugnauth | Navin Ramgoolam
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2024-12-04 04:28:22
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https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Baptist_Lechleitner
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Johann Baptist Lechleitner oder Georg Johann Lechleitner war ein Tiroler römisch-katholischer Theologe, Philosoph und Geistlicher. Lechleitner kam als kleiner Junge nach Innsbruck. Nach der Normalschule absolvierte er das Innsbrucker Gymnasium und anschließend das theologische Studium am k.k. Generalseminar. Am 22. August 1790 erfolgte seine Priesterweihe. Zunächst wurde er Seelsorger in Flaurling, dann ab 1792 in Pfunds. Dort begann er begabte Jungen, die das öffentliche Gymnasium nicht besuchen konnten, in Grammatik, Rhetorik und Philosophie zu unterrichten. In der Zeit von 1798 bis 1807 leitete er als Präfekt das Gymnasium in Hall in Tirol. Von 1798 bis 1804 hatte er zudem die Professur für Rhetorik inne. Als das Gymnasium unter bayerischer Herrschaft zunächst nicht weitergeführt wurde, zog er sich in Bozen als Privatier zurück. Lechleitner folgte 1809 einem Ruf des Fürstbischofs von Brixen Karl Franz von Lodron als Hofkaplan und Sekretär nach Brixen. Als 1816 das Zisterzienserstift Stams wiedererrichtet wurde, trat er als einer der ersten Fünf in das Stift ein. Das Ordensgelübde legte er am 26. November 1817 ab. In diesem Zuge nahm er den Ordensnamen Johann Baptist an. Dem Gelübde wohnten Bernhard Galura und Joseph Rapp bei, mit denen er befreundet war. Lechleitner wirkte zunächst am Wiederaufbau des Stifts mit, dann weitgehend zurückgezogen als Professor am Stift. 1824 vertrat er die Professur für Religionswissenschaft am Lyceum Innsbruck, 1826 die der Moraltheologie am Stift Wilten. Lechleitners Schriften stehen in der Tradition der von Herkulan Oberrauch und Philibert Gruber begründeten christlich-theologischen Metaphysik der Tiroler Schule.
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2024-12-02 04:24:47
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https://de.wikipedia.org/wiki/Weinstadt#Endersbach
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Weinstadt ist eine Stadt mit 27.245 Einwohnern im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Sie liegt etwa 15 Kilometer östlich der Landeshauptstadt Stuttgart. Weinstadt gehört zur Region Stuttgart und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Die erst im Rahmen der Gebietsreform zum 1. Januar 1975 neu gebildete Gemeinde ist seit dem 9. März 1976 eine Stadt und seit dem 1. Januar 1979 eine Große Kreisstadt. Heute ist sie hinsichtlich der Bevölkerungszahl die sechstgrößte Stadt des Rems-Murr-Kreises und bildet ein Unterzentrum im Mittelbereich Waiblingen/Fellbach. Das Stadtgebiet Weinstadts erstreckt sich zu beiden Seiten der Rems, die hier vom Remstal kommend in das Neckarbecken fließt, um bei Remseck am Neckar in den Neckar zu münden. Der Stadtteil Großheppach liegt nördlich des Flusses, die anderen Stadtteile südlich. Im Süden des Stadtgebiets ziehen sich die Weinberge an den Hängen der Ausläufer des Schurwaldes hoch, genauso im Norden des Stadtgebiets, in Großheppach, hier an den Hängen des Schwäbischen Waldes. In allen Stadtteilen wird Weinbau betrieben, daher leitet sich der Name der Stadt ab. Weinstadt gliedert sich in folgende Stadtteile : Der Sitz der Gemeindeverwaltung befindet sich in Beutelsbach. Die Stadtteile sind räumlich mit den früheren Gemeinden identisch, die offizielle Bezeichnung der Stadtteile erfolgt in der Form „Stadtteil …“ Darüber hinaus gibt es weitere Wohngebiete bzw. Wohnplätze mit eigenem Namen, deren Grenzen zum Teil nicht festgelegt sind. Das Gehöft Schönbühl, der Wohnplatz Burg und die Siedlung Benzach gehören zu Beutelsbach. Die abgegangenen Ortschaften Benzingen, Herberge und Wintzen gehören zu Endersbach. Der Weiler Gundelsbach und der Wohnplatz Wolfshof gehören zu Großheppach. Der Gemeindeteil Baach und der Wohnplatz Saffrichhof sowie die abgegangene Ortschaft Mühlhöflein gehören zu Schnait. Bei Strümpfelbach lagen der abgegangene Gandelhof und die ehemalige Befestigung Huschenburg. Auf der Gemarkung von Großheppach lag der Ort Geißlingen. Der hinter Großheppach liegende Ort Kleinheppach gehört zur Gemeinde Korb. Weinstadt bildet ein Unterzentrum für etwa 50.000 Einwohner im Mittelbereich Waiblingen/Fellbach der Region Stuttgart, deren Oberzentrum die Landeshauptstadt Stuttgart ist. Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Weinstadt. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Westen genannt: Kernen im Remstal, Waiblingen, Korb, eine Exklave der Stadt Waiblingen, Remshalden und Winterbach sowie Baltmannsweiler und Aichwald . Die Teilorte Weinstadts lagen im Hochmittelalter am nördlichen Rand des Herzogtums Schwaben. Sie kamen im Verlauf des Spätmittelalters bzw. der frühen Neuzeit zum Territorium Altwürttembergs und waren somit seit 1806 auch Bestandteile des neu gegründeten Königreichs Württemberg und des 1918 entstandenen freien Volksstaates Württemberg. 1938, im Zuge einer württembergischen Gebietsreform während der NS-Zeit, kamen die meisten Orte, die bisher auf die Oberämter Schorndorf und Waiblingen verteilten waren, zum Landkreis Waiblingen. 1945 fiel der Landkreis Waiblingen in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Bei der Kreisreform 1973 wurden die Gemeinden dem neu gebildeten Rems-Murr-Kreis zugeordnet, bevor sie sich 1975 zur neuen Gemeinde Weinstadt vereinigten, die 1976 zur Stadt erhoben wurde. Weinstadt entstand bei der Gemeindereform am 1. Januar 1975 durch die Vereinigung der vier ehemals selbstständigen Gemeinden Beutelsbach, Endersbach, Großheppach und Schnait. Bereits am 1. Januar 1973 war Strümpfelbach nach Endersbach eingemeindet worden. Daher gibt es auch heute noch fünf verschiedene Ortskerne, wobei die Stadtteile Beutelsbach und Endersbach inzwischen ein städtisches Gepräge haben. Die neu gebildete Gemeinde hatte bereits bei ihrer Gründung mehr als 20.000 Einwohner. Doch stellte die Gemeindeverwaltung erst 1978 den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was von der Landesregierung von Baden-Württemberg dann auch mit Wirkung vom 1. Januar 1979 beschlossen wurde. Die ehemaligen Gemeinden sind alte württembergische Orte, die jeweils eine lange Geschichte haben. Endersbach wurde 1278 als Andrespach erstmals erwähnt und kam wohl mit Schorndorf an Württemberg. Anders als Beutelsbach gehörte Endersbach 1762 bis 1765 und erneut ab 1807 zum Oberamt Waiblingen, aus dem 1938 der Landkreis Waiblingen hervorging. Endersbach erhielt 1861 einen Bahnhof an der neuen Remsbahn und war somit früh in das Schienennetz der Württembergischen Eisenbahn eingebunden. Schnait wurde 1238 als Snait erstmals erwähnt. Der Ort kam wohl mit Beutelsbach an Württemberg, doch hatten noch andere Herren bis 1605 Rechte am Ort. Er gehörte – wie Beutelsbach – zum Amt bzw. Oberamt Schorndorf und kam nach dessen Auflösung 1938 zum Landkreis Waiblingen. Die alte Kelter wurde 1934 erbaut. Strümpfelbach wurde 1265 als Striumphilbach erstmals erwähnt und kam wohl im 13. Jahrhundert an Württemberg. Der Ort gehörte zum Amt bzw. Oberamt Schorndorf und kam 1762 bis 1765 und dann erneut ab 1807 zum Oberamt Waiblingen, aus dem 1938 der Landkreis Waiblingen hervorging. Die alte Kelter wurde 1928 erbaut. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter . ¹ Volkszählungsergebnis Die Angaben der Jahre 1961 und 1970 beziehen sich auf die Gemeinden, aus denen im Jahr 1975 die Gemeinde Weinstadt gebildet wurde. Die Einwohnerzahlen waren wie folgt: Infolge der Zugehörigkeit zur Grafschaft bzw. zum Herzogtum Württemberg wurden in allen fünf heutigen Stadtteilen Weinstadt die Reformation eingeführt. Über Jahrhunderte waren die Orte fast ausschließlich protestantisch. Die fünf evangelischen Kirchengemeinden gehören wegen der früheren Zugehörigkeit der Gemeinden zu den Oberämtern Waiblingen und Schorndorf bis heute zu diesen beiden Dekanaten bzw. Kirchenbezirken innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Endersbach, Großheppach und Strümpfelbach gehören zum Kirchenbezirk Waiblingen, Beutelsbach und Schnait gehören zum Kirchenbezirk Schorndorf. Durch Zuzug von Katholiken in der Zeit des Eisenbahnbaus aus Bayern und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden auch katholische Kirchengemeinden und eigene Kirchen. So wurden 1956 in Beutelsbach die Kirche St. Anna und in Endersbach die Kirche St. Andreas erbaut. Schnait erhielt 1971 seine eigene katholische Kirche Heilig Kreuz, wobei die Gemeindeglieder zur Pfarrei Beutelsbach gehören. Großheppach erhielt 1974 seine eigene katholische Kirche St. Stephanus, wobei die Gemeindeglieder – wie auch die Gemeindeglieder aus Strümpfelbach – zur Pfarrei Endersbach gehören. Alle Kirchengemeinden gehören zum Dekanat Rems-Murr des Bistums Rottenburg-Stuttgart. Neben diesen beiden Kirchen gibt es in Weinstadt auch Freikirchen, wie die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde , die Missionsgemeinde Weinstadt und das Christus-Zentrum Weinstadt. Ferner sind auch die Neuapostolische Kirche und die Zeugen Jehovas in Weinstadt vertreten. Der Gemeinderat in Weinstadt hat 26 Mitglieder. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Oberbürgermeister als Vorsitzendem. Der Oberbürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem vorläufigen Endergebnis. 2013 wurde der Jugendgemeinderat Weinstadt gegründet. Alle Jugendgemeinderäte sind bei Amtsantritt zwischen 14 und 18 Jahre alt gewesen. Die Geschäftsführung wird durch das Stadtjugendreferat übernommen, das Haus der Jugendarbeit unterstützt den Jugendgemeinderat personell bei Projekten und Veranstaltungen und durch eine Büro- und Anlaufstelle. Zu Beginn der Amtszeit wählen die 13 Jugendlichen einen Vorsitzenden sowie einen Protokollanten, einen Abgeordneten für den Jugendgemeinderat-Dachverband und einen Kassenwart. Die Sitzungen des Jugendgemeinderats sind für alle Bürger öffentlich. Zu den bisher umgesetzten Projekten des Jugendgemeinderats gehören eine neue Skateranlage in Weinstadt und ein Filmprojekt zur Stadtentwicklung. Der Jugendgemeinderat beschäftigt sich derzeit mit: Ausfahrt in den Europapark, Bandcontest im Haus der Jugendarbeit und die Verbesserung der Busverbindungen innerhalb Weinstadt. Die Arbeit der Jugendgemeinderäte ist ehrenamtlich, um jedoch entstehende Kosten zu decken, erhält jeder Jugendgemeinderat einen Festsatz von 100 Euro pro Jahr. Alle zwei Jahre dürfen Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren aus Weinstadt den Jugendgemeinderat wählen. Dies geschieht durch Online-Wahl. Jeder Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren aus Weinstadt darf sich aufstellen lassen. Am Ende der Wahl werden die neu gewählten Jugendgemeinderäte bei einer Wahlparty verkündet. Wie im Gemeinderat gibt es auch im Jugendgemeinderat Sitzungen. Diese finden mindestens vier Mal im Jahr statt. Hierbei legen die Jugendlichen selber die Tagesordnungspunkte fest. Bei jeder Sitzung sind Mitglieder der im Gemeinderat vertretenen Parteien anwesend. In den jeweiligen Sitzungen werden aktuelle Themen angesprochen wie Jugend-, Sport- und Freizeiteinrichtungen oder der öffentliche Personennahverkehr. Um manche Probleme oder Ideen besser in die Tat umsetzen zu können, bildet man interne Ausschüsse . Diese Ausschüsse befassen sich dann näher mit den jeweiligen Aufgaben. Im Gegensatz zur öffentlichen Sitzung können die Ausschüsse auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. An der Spitze der Gemeinde Weinstadt stand zunächst der Bürgermeister. Mit der Erhebung zur Großen Kreisstadt am 1. Januar 1979 trägt das Stadtoberhaupt die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister. Dieser wird von den Wahlberechtigten auf 8 Jahre direkt gewählt. Er ist Vorsitzender des Gemeinderats. Er hat mit Thomas Deißler einen Beigeordneten als allgemeinen Stellvertreter, der die Amtsbezeichnung Erster Bürgermeister trägt. Des Weiteren stellt jede Fraktion im Gemeinderat einen ehrenamtlichen Bürgermeisterstellvertreter. Zurzeit sind dies Ulrich Witzlinger , Rolf Weller , Hans Randler und Manfred Siglinger . Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister: Scharmann wurde am 9. Oktober 2016 mit 64,3 Prozent der Stimmen gewählt. Am 20. Oktober 2024 wurde er mit 81,1 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Weinstadt unterhält seit 1980 eine Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Parthenay und seit 1990 mit der polnischen Stadt Międzychód. Freundschaftliche Beziehungen bestehen zu den Städten Abrantes , Arnedo , Casale Monferrato und Tipperary . Kulturelle Veranstaltungen gibt es vor allem in den verschiedenen Hallen im Stadtgebiet, Halle Beutelsbach, Jahnhalle Endersbach, Prinz-Eugen-Halle Großheppach, Schnaiter Halle und Strümpfelbacher Halle. Ferner gibt es in Strümpfelbach die Alte Kelter, die als Veranstaltungsort genutzt werden kann. In den Weinbergen von Strümpfelbach gibt es einen Skulpturenpfad. 29 Skulpturen und Plastiken aus Bronze und Stein, Werke aus drei Künstlergenerationen, säumen den Skulpturenpfad durch die Strümpfelbacher Weinberge: Bronzearbeiten von Fritz Nuss und dessen Sohn Karl Ulrich Nuss sowie die Steinskulpturen von Christoph Traub, dem Enkel von Fritz Nuss. Auf einem weiteren in Weinbergen gelegenen Skulpturenpfad, dem Skulpturen- und Weinlehrweg Schnait, lassen sich die Steinskulpturen vom Schnaiter Hobbykünstler und Wengerter Ludwig Heeß betrachten, wie beispielsweise die Weinpresse, der Traubenwagen, die Skulpturen Gölte und Ablässe, der steinerne Weintisch, Wengerterfrau und Traubenzuber. Eine Gedenktafel auf dem Friedhof des Ortsteils Endersbach erinnert an den baptistischen Kriegsdienstverweigerer Alfred Herbst, der 1943 in Brandenburg-Görden ermordet wurde. In den Weinbergen bei Endersbach und Strümpfelbach liegt der Aussichtspunkt Karlstein. Das bedeutendste Bauwerk und Wahrzeichen der Stadt ist die Stiftskirche in Beutelsbach, die ehemalige Grablege des Hauses Württemberg. Die heutige Kirche wurde um 1522 erbaut, ist im Kern jedoch älter. Die Endersbacher Pfarrkirche ist eine spätgotische ehemalige Wehrkirche, deren Schiff 1468 erbaut wurde. Chor und Sakristei stammen von 1491, der Turm wurde 1769 erbaut. 1730 wurde das Schiff barockisiert. Die Schnaiter Kirche ist jüngeren Datums. Sie wurde erst 1748 als so genannter Emporensaal erbaut. In Schnait gibt es außerdem noch die drei Schlösser der Herren von Gaisberg, welche zwischen 1500 und 1600 erbaut wurden. Die Pfarrkirche in Strümpfelbach ist eine spätgotische Chorturmanlage, die 1784 erweitert wurde. Außerdem bietet Strümpfelbach sehr viele Fachwerkhäuser. Beispielsweise das Alte Rathaus. In Großheppach ist besonders das Schloss Großheppach von 1592 sehenswert, welches seit etwa 1900 der Familie von Gaisberg gehört. Schon seit 1749 hatte es den weiblichen Vorfahren dieser Familie gehört. Es ist heute eines der wenigen Schlösser in Baden-Württemberg, die sich noch im Privatbesitz befinden. Neben dem Großheppacher Schloss gilt auch das, von den Herren von Gaisberg erbaute, Schnaiter Schloss als beliebtes Ausflugsziel für Fachwerkliebhaber. Vom 10. Mai bis 20. Oktober 2019 fand im Remstal ein Grünprojekt des Landes Baden-Württemberg statt, an dem sich auch Weinstadt beteiligt. Diese Remstal Gartenschau 2019 gehört zu den „kleinen“ Gartenschauen, die sich jährlich mit den Landesgartenschauen abwechseln. In diesem Zusammenhang wurde der Aussichtspunkt auf der Luitenbächer Höhe neu gestaltet, das „Remstalkino“ am Aussichtspunkt „Drei Riesen“ geschaffen und bei der Mündung des Heppach ein Altarm der Rems mit einem Sandstrand umgestaltet. An den „16 Stationen“, dem Architekturprojekt der Gartenschau, beteiligte sich Weinstadt mit einem 48.8161079.364625 weißen „Kaminhaus“ auf der Landzunge „Birkelspitze“ bei der Mündung des Haldenbachs, das an die Tradition des Fachwerkbaus erinnern soll. Im Beutelsbach findet jährlich im Frühjahr der Frühjahrsmarkt und im Herbst der Kirbemarkt statt. Das Weindorf in Beutelsbach in der Zeit um den 1. Mai lockt Besucher aus nah und fern an. In den Weinbergen zwischen Beutelsbach und Schnait gibt es seit 2008 am letzten Samstag im Juli den „Leuchtenden Weinberg“, der sich mittlerweile zu einer Großveranstaltung entwickelt hat. Geboten wird Wein, Kulinarik, Musik, Performances, Lichtkunst und ein abschließendes Feuerwerk. In Endersbach gibt es am zweiten Mittwoch im Mai den Fensterblümlesmarkt, im September das Weinfest mit Krämermarkt und im Dezember den Weihnachtsmarkt. In Schnait gibt es jährlich den Martinimarkt. In Großheppach gibt es im September bei der Häckermühle das Fest der 100 Weine. Besonders hervorzuheben ist die Nacht der Keller, bei der die verschiedenen Weingüter der Stadt ihre Weine in ihren Gewölbekellern präsentieren. In Strümpfelbach findet jährlich das dreitägige Kelterfest statt. Des Weiteren findet in zwei- bis dreijährigem Abstand das Bacchusfest statt, wobei sich die Ortsteile als Ausrichter reihum abwechseln. Im Mai bzw. Juni finden Weinproben in den Weinbergen von Großheppach bzw. Endersbach statt. Regional bekannt sind die Beutelsbacher Kirbe und die Schnaiter Kirbe . Die Stadtteile Weinstadts lebten früher hauptsächlich vom Weinbau. Mit einer Rebfläche von 489 ha steht Weinstadt flächenmäßig an vierter Stelle der Weinbaugemeinden im Weinbaugebiet Württemberg. Heute haben sich auch einige mittelständische Unternehmen niedergelassen. Darüber hinaus pendeln viele Arbeitnehmer in die umliegenden Städte, vor allem auch nach Waiblingen und Stuttgart. Durch das Stadtgebiet führt die hier als Schnellstraße ausgebaute Bundesstraße 29 Waiblingen–Schwäbisch Gmünd–Aalen-Nördlingen. Das Gebiet der Stadt kann über drei Abfahrten erreicht werden. Bie B 29 hat am Teiler B 14/B 29 Anschluss an die B 14 nach Stuttgart, ebenso in Aalen-Westhausen Anschluss an die Bundesautobahn 7 im Abschnitt Ulm-Würzburg. Weinstadt liegt an der Remsbahn Stuttgart–Aalen. Auf dieser Strecke verkehrt die S-Bahn-Linie S2 . Die folgenden Haltestellen liegen im Stadtgebiet von Weinstadt: Stetten-Beinstein, Endersbach und Beutelsbach. Innerhalb des Stadtgebiets verkehren mehrere Buslinien. Alle Linien sind zu einheitlichen Preisen innerhalb des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart zu benutzen. Es bestehen keine Halte des Schienenpersonenfernverkehrs in Weinstadt. Die Weinberge um Weinstadt sind mit einem dichten Netz asphaltierter Landwirtschaftswege durchzogen, so dass alle Ortsteile mit dem Fahrrad erreicht werden können, ohne auf Hauptstraßen fahren zu müssen. Entlang der meisten Landstraßen verlaufen ebenfalls getrennte asphaltierte Wirtschaftswege die auch als Radwege dienen. Innerorts bestehen wenige Radwege, teilweise jedoch Schutzstreifen. Über das Tagesgeschehen Weinstadts berichten als Tageszeitungen die Waiblinger Kreiszeitung. Das Blättle , in dem neben kirchlichen Terminen, Vereins- und anderen Veranstaltungen auch Berichte über Ereignisse der vergangenen Woche zu finden sind und das wöchentlich erscheint, erhält jeder Haushalt kostenlos. Weinstadt ist Sitz des seit 2001 bestehenden Online-Netzwerks Kwick. Weinstadt hat ein Notariat in Endersbach. In Weinstadt gibt es ein Gymnasium , eine Realschule , eine Werkrealschule , ab 2015 als Gemeinschaftsschule fortgeführt, und eine Förderschule , die im Bildungszentrum Weinstadt zwischen den Stadtteilen Endersbach und Beutelsbach zusammengefasst sind. Ferner gibt es in jedem Stadtteil eine Grundschule, wobei die Schulen in Endersbach und Großheppach jeweils einen besonderen Namen tragen. Zwei private Schulen, die Fachschule für Sozialpädagogik und die Fachschule für Altenpflege der Großheppacher Schwesternschaft, ergänzen das schulische Angebot in Weinstadt. Die Volkshochschule Unteres Remstal e. V. hat ihre Zweigstelle im Haus Wabe in Weinstadt. Mit rund 4000 Mitgliedern ist die Sportgemeinschaft Weinstadt e. V. der größte Sportverein in der Weinstadt und wurde 2014 gegründet. Vorsitzender ist Klaus Silbernagel. Im Jahr 2019 haben sich die Traditionsvereine VFL Endersbach, SV Weinstadt und der TSV Großheppach mittels Verschmelzung der SG Weinstadt angeschlossen. Bereits ein Jahr zuvor hat sich der Einspartenverein SC Weinstadt dazu entschlossen seine Eigenständigkeit aufzugeben und wurde auf die SG Weinstadt verschmolzen. Die SG Weinstadt betreibt unter anderem Handball, Fußball, Leichtathletik, Schwimmen, Tischtennis, Turnen, Skizunft, Herzsport und Volleyball. Der TSV Strümpfelbach wurde 1912 gegründet und ist ebenfalls ein Mehrspartenverein mit den Abteilungen Fußball, Laufen, Leichtathletik, Turnen, Aerobic und Badminton. Die im Jahre 1997 gegründete Handballspielgemeinschaft Weinstadt , hervorgegangen aus den Handballabteilungen des VfL Endersbach und des TSV Großheppach, wurde 2011 umbenannt in Spielgemeinschaft Weinstadt nachdem sich auch die Handballer des SV Weinstadt entschlossen, sich der Spielgemeinschaft anzuschließen. Die Spielgemeinschaft wurde 2019 aufgelöst, die Handballer sind nun Teil des Vereins SG Weinstadt e. V. Der Tennisclub Weinstadt Endersbach e. V., gegründet am 7. Dezember 1967, ist der älteste Tennisverein in Weinstadt. Die Stadt Weinstadt und ihre früheren Gemeinden haben folgenden Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen: Backnang | Fellbach | Murrhardt | Schorndorf | Waiblingen | Weinstadt | Welzheim | Winnenden Alfdorf | Allmersbach im Tal | Althütte | Aspach | Auenwald | Berglen | Burgstetten | Großerlach | Kaisersbach | Kernen im Remstal | Kirchberg an der Murr | Korb | Leutenbach | Oppenweiler | Plüderhausen | Remshalden | Rudersberg | Schwaikheim | Spiegelberg | Sulzbach an der Murr | Urbach | Weissach im Tal | Winterbach Beutelsbach mit Schönbühl, Burg und Benzach | Endersbach | Großheppach mit Gundelsbach und Wolfshof | Schnait mit Baach und Saffrichhof | Strümpfelbach
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2024-12-02 07:05:45
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https://de.wikipedia.org/wiki/Luotian
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Der Kreis Luotian ist ein Kreis im Nordosten der chinesischen Provinz Hubei. Er gehört zum Verwaltungsgebiet der bezirksfreien Stadt Huanggang. Er hat eine Fläche von 2.126 Quadratkilometern und zählt 552.700 Einwohner . Sein Hauptort ist die Großgemeinde Fengshan . Auf Gemeindeebene setzt sich der Kreis aus sieben Großgemeinden und fünf Gemeinden zusammen. 31.046388888889115.49611111111Koordinaten: 31° 3′ N, 115° 30′ O Stadtbezirk: Huangzhou Kreisfreie Städte: Macheng – Wuxue Kreise: Hong’an – Huangmei – Luotian – Qichun – Tuanfeng – Xishui – Yingshan
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2024-12-03 17:37:35
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https://de.wikipedia.org/wiki/Florentino_Asensio_Barroso
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Florentino Asensio Barroso war ein spanischer römisch-katholischer Bischof und als solcher Apostolischer Administrator des Bistums Barbastro und Titularbischof des Titularbistums Euroea in Epiro. Da seine Ernennung zum Apostolischen Administrator auf starke Ablehnung traf, wurde er im Zuge des Spanischen Bürgerkrieges erschossen. Die katholische Kirche erkannte sein Martyrium 1997 an und er wurde am 4. Mai 1997 von Johannes Paul II. seliggesprochen. Heute wird er u. a. als Patron des Bistums Barbastro verehrt. Er wurde in arme Verhältnisse hineingeboren. Die Priesterweihe empfing er am 1. Juni 1901. Bereits 1902 wurde er persönlicher Assistent des Erzbischofs von Valladolid, José Cos y Macho. Der Apostolische Nuntius in Spanien, Federico Tedeschini, empfahl ihn 1935 dem Papst als Kandidaten für die Ernennung zum Apostolischen Administrator des Bistums Barbastro, die dieser am 11. November 1935 auch vornahm. Die Bischofsweihe spendete ihm am 26. Januar 1936 der Erzbischof von Valladolid, Remigio Gandásegui y Gorrochátegui. Am 8. März 1936 nahm er die Arbeit als Bischof auf. Sein Wahlspruch lautete "Ut omnes unum sint", "Dass Alle Eins sein". Am 22. Juli 1936 wurde er in der bischöflichen Residenz festgenommen. In der Nacht des 8. August 1936 wurde er in Einzelhaft gebracht und verhört. Hierbei schnitt man ihm auch seine Genitalien ab. Am 9. August 1936 wurde er erschossen. Gemeinsam mit den Leichen anderer erschossener Gefangener wurde seine Leiche um 2 Uhr nachts auf den Friedhof gebracht und in ein Massengrab geworfen. Nach dem Krieg wurde seine Leiche anhand seiner mit seinen Initialen gekennzeichneter Unterwäsche identifiziert. Am 16. April 1993 führte man zudem eine Autopsie durch. Sein Gedenktag ist der 9. August. Aus Anlass seiner Seligsprechung wurden seine unversehrte Leiche in eine Kapelle der Kathedrale von Barbastro überführt, wo sie heute verehrt wird. In Valladolid dient er als Patron einer 2006 geweihten Kirche und der gleichnamigen Gemeinde.
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2024-11-22 19:22:50
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https://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Terentius_Varro
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Marcus Terentius Varro war der bedeutendste römische Polyhistor. Zur Unterscheidung von dem Dichter Publius Terentius Varro wird er oft nach seiner Herkunft als „Reatinus“ bezeichnet. Sein außerordentlich umfangreiches Werk war für die nachfolgenden Generationen eine Fundgrube kulturhistorischer Kenntnisse und hatte insbesondere auf die Kultur des augusteischen Zeitalters eine prägende Wirkung. Noch in der Spätantike war Varro eine bedeutende Autorität; auch Kirchenväter lasen und zitierten seine Werke. Heute ist nur noch ein kleiner Bruchteil seiner Schriften erhalten. Varros Eltern sind unbekannt; wahrscheinlich entstammte er einer ritterlichen Familie. Sein Urahn war vermutlich der Konsul Gaius Terentius Varro. Reate ist als seine Heimatstadt erst in einem Brief des spätantiken Gelehrten und Politikers Quintus Aurelius Symmachus ausdrücklich bezeugt. Augustinus gibt irrtümlich Rom als Geburtsstadt und Wohnsitz in der Zeit der Kindheit an. Aus den Schriften Varros ist ersichtlich, dass er zu Reate, das er oft erwähnt und wo er ein Gut besaß, und zum Sabinerland eine enge Beziehung hatte; daher ist seine Herkunft von dort plausibel. Varro studierte in Rom und Athen. Zu seinen Lehrern gehörten der Grammatiker und Literaturhistoriker Lucius Aelius Stilo, bei dem auch Cicero studierte, und der Platoniker Antiochos von Askalon, an dessen Unterricht Varro wohl um 84/82 in Athen teilnahm. Mit Cicero war er eng befreundet; vermutlich war er ein Verwandter von dessen Frau Terentia. Schon früh begann Varro seine Laufbahn, cursus honorum, im Staatsdienst. In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre war er triumvir capitalis, frühestens im Jahr 86 Quaestor. Er bekleidete das Tribunat , die kurulische Ädilität und die Praetur. Im Jahr 67 war er Legat seines Freundes Pompeius im Seeräuberkrieg, wofür er mit der Corona navalis ausgezeichnet wurde. In derselben Stellung kommandierte er 49 in Spanien, musste sich aber nach der Kapitulation von Ilerda Caesar ergeben. Obwohl er sich hierauf aufs Neue Pompeius anschloss, wurde er nach der Schlacht von Pharsalos von Caesar begnadigt und kehrte im Jahr 46 nach Rom zurück. Dort beauftragte ihn Caesar mit der Errichtung einer öffentlichen Bibliothek, doch fiel dieses Projekt den Wirren nach Caesars Tod zum Opfer. Nach Caesars Ermordung wurde Varro 43 von Marcus Antonius geächtet und entging nur mit knapper Not dem Tod. Von Oktavian begnadigt lebte Varro – bis an sein Lebensende im Jahr 27 literarisch tätig – auf seinem Landgut in den sabinischen Bergen. Plinius der Ältere berichtet, dass Varro auf seinen Wunsch in einem tönernen Sarg beigesetzt wurde, und zwar „nach pythagoreischer Sitte“ gebettet auf Blätter von Myrten, Ölbäumen und schwarzen Pappeln. Diese testamentarische Verfügung Varros zeigt seine enge Beziehung zum römischen Neupythagoreismus, die auch aus einer Reihe von Äußerungen in seinen Werken hervorgeht. Im Gegensatz zu dem hundert Jahre älteren Cato behandelt Varro das Thema eher theoretisch: Der Gutsherr bewirtschaftet sein Land nicht mehr selbst, sondern kontrolliert eher seinen Verwalter. Unter anderem berechnet Varro genau die Arbeitskraft der notwendigen Sklaven. Er empfiehlt, Landhäuser entfernt von Sümpfen anzulegen, in denen animalia quaedam minuta, quae non possunt oculi consequi leben, die, durch Mund und Nase aufgenommen, schwere Krankheiten hervorrufen können. Von Varro stammt die Berechnung des Jahres der Gründung der Stadt Rom, des natalis urbis . Auf dieses Jahr bezieht sich mit der Formel ab urbe condita die Jahresangabe. Varro ging – wie viele seiner Zeitgenossen – von einem spekulativ erschlossenen Zeitpunkt der Eroberung Trojas durch die Griechen aus, der nach unserer Zählung in das Jahr 1193 v. Chr. fällt. Nach seinen eigenen Angaben gelangte er durch die Einführung einer symbolischen Zahl zum Jahr der Stadtgründung: 440 Jahre galten ihm als Abstand zwischen Tod und Wiedergeburt eines Individuums in der Seelenwanderung. Dafür berief er sich auf Astrologen, die Geburtshoroskope stellten. Diese Annahme übertrug er auf Städte. Da er Rom nach dem Aeneasmythos als Wiedergeburt des heldenhaften Troia ansah, errechnete er für die Gründung das Jahr 753 vor Beginn der heute verwendeten Zeitrechnung. Allerdings begann sich die Jahreszählung mit dem Bezugspunkt der Stadtgründung erst in der Spätantike durchzusetzen. Man zählte, auch in der Kaiserzeit, weiterhin die Jahre nach den Konsuln. Außerdem war Varros Berechnung umstritten, wie Cicero feststellte. Der Kirchenvater Augustinus griff in seinem Werk De civitate Dei so oft auf Varros Antiquitates rerum humanarum et divinarum zurück, dass sie von der modernen Philologie aus seinen Zitaten teilweise rekonstruiert werden konnten. In diesen Zitaten aus Varros Werk findet sich auch der älteste überlieferte Beleg für den Begriff „Natürliche Theologie“. Ob er der erste war, der den Begriff theologia naturalis benutzt hat, lässt sich nicht sagen. Aber der Begriff ist dank der Überlieferung durch Augustinus geschichtsmächtig geworden. Varro stützt sich auf stoische Quellen. Er unterscheidet zwischen der von Dichtern geschaffenen mythischen Theologie , der Theologie der Philosophen und der Auffassung von den Göttern, die im Rahmen der Staatsreligion vorausgesetzt wird . Die Dichterfabeln lehnt Varro ab; er meint, dass ihnen nur das törichte Volk anhänge. Die philosophische Theologie hält er – trotz seiner Missbilligung der philosophischen Meinungsverschiedenheiten über die Natur der Götter – für wertvoll. Er befürwortet die Ausübung der traditionellen Staatsreligion und meint, dass sie den Bedürfnissen des Volkes angemessen sei, während vieles in der philosophischen Theologie über die Fassungskraft des Volkes hinausgehe. Nach seiner Ansicht wurde die ursprünglich reine Gottesverehrung der römischen Religion durch den Einfluss der Dichter verdorben. Damit stellt sich Varro in die Tradition der seit Platon gängigen Kritik am Umgang der Dichter mit der Religion. Als Vorbild altrömischer Frömmigkeit hebt Varro den sagenhaften, hochverehrten Friedenskönig Numa Pompilius hervor. Numas Name wurde in Rom mit dem von Varro sehr geschätzten Pythagoreismus assoziiert, wenn auch Gebildete wie Cicero und Livius darauf hinwiesen, dass Numa nicht, wie die Legende behauptete, ein Schüler des Pythagoras gewesen sein konnte. Varro setzt Numa chronologisch korrekt vor Pythagoras. Varros Gelehrsamkeit umfasste eine Vielzahl von Wissensgebieten, und seiner Produktivität kam kein anderer Römer gleich. Quintilian nannte ihn den „gelehrtesten aller Römer“. Die Gesamtzahl seiner Werke – größtenteils Abhandlungen und Dialoge, aber auch Gedichte – betrug über 70 in mehr als 600 „Büchern“ . Vollständig erhalten hat sich davon nur das im 80. Lebensjahr verfasste Lehrbuch über die Landwirtschaft in drei Büchern . Dieses Werk sollte seiner Frau Fundania, die sich eine Villa rustica gekauft hatte, als Leitfaden dienen. Von den 25 Büchern des Werkes De lingua Latina ist der größte Teil verloren; erhalten sind nur die Bücher 5–10 sowie einige Fragmente aus den verlorenen Büchern. Von den 15 Büchern Menippischer Satiren sind fast 600 Fragmente erhalten. Das restliche Werk ist nur aus Zitaten in Schriften anderer antiker Autoren und aus einer spätantiken Werkliste bekannt. Dazu gehören unter anderem: Antiquarische Werke: Sprachwissenschaftliche Werke: Literaturwissenschaftliche Werke: Enzyklopädische Werke: Philosophie: Die Gattung Varroa Oudemans, 1904 mit der Varroamilbe, welche die Bienenseuche Varroose verursacht, ist nach Marcus Terentius Varro benannt. Auch die Pflanzengattung Varronia P.Browne aus der Familie der Raublattgewächse ist nach ihm benannt. Gesamtausgaben und Ausgaben mehrerer Werke Antiquitates rerum divinarum De lingua Latina Gesamttext Einzelne Bücher Logistorici Rerum rusticarum libri tres Saturae Menippeae Übersichtsdarstellungen Einführung Untersuchungen zu einzelnen Themenbereichen
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2024-12-03 15:13:41
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https://de.wikipedia.org/wiki/Titularbistum_Elepla
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Elepla ist ein Titularbistum der römisch-katholischen Kirche. Es geht zurück auf einen untergegangenen Bischofssitz in der heutigen Stadt Niebla , die in der Spätantike in der römischen Provinz Baetica lag. Der Bischofssitz gehörte der Kirchenprovinz Sevilla an.
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2024-12-02 11:56:19
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https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Martin_Rauch
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Hans-Martin Rauch ist ein deutscher ehemaliger Landeskirchenmusikdirektor der evangelischen Landeskirche in Bayern. Rauch studierte Kirchenmusik an der Kirchenmusikschule Bayreuth und an der Musikhochschule München, an der er 1972 das kirchenmusikalische A-Examen und die künstlerische Staatsprüfung ablegte. Von 1972 bis 1975 war Rauch Kantor an der Apostelkirche in München-Solln und von 1976 bis 1991 Stadt- und Bezirkskantor an der Morizkirche in Coburg sowie Leiter des Coburger Bachchores. 1983 wurde er zum Kirchenmusikdirektor ernannt. 1991 folgte die Ernennung zum Landeskirchenmusikdirektor der Evang.-Luth. Kirche in Bayern im Teildienst, außerdem leitete er die Kirchenmusik an St. Sebald in Nürnberg. Dieses Amt hatte er bis 2001 inne. 2004 ging er in den Vorruhestand und lebte seitdem in St. Quirin am Tegernsee. Hans-Martin Rauch erlangte neben seiner Tätigkeit als Kirchenmusiker in den Jahren 2008 und 2009 mediale Aufmerksamkeit durch den Mord an seiner Frau Barbara, einer Volkshochschuldozentin. 2009 wurde er dafür zu lebenslanger Haft verurteilt.
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2024-12-02 00:18:14
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https://de.wikipedia.org/wiki/Everard_t%E2%80%99Serclaes
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Everard t’Serclaes war Herr von Cruyckembourg und ist einer der berühmtesten und meistverehrten Bürger Brüssels. Er befreite die Stadt von der Herrschaft Flanderns. Everard t’Serclaes entstammte einer noblen Familie. Nach dem Tod Johann III. von Brabant am 5. Dezember 1355 bestiegen dessen Tochter Johanna und ihr Gatte, Wenzel von Luxemburg , den brabantischen Thron. Im Januar 1356 wurde die Blijde Inkomst verkündet, die die Einheit des Herzogtums festschrieb, um dessen Teilung zwischen den Töchtern Johanns III. zu vermeiden. Ludwig von Male, Graf von Flandern und Ehemann der jüngeren Schwester Margarete, akzeptierte die Entscheidung nicht und griff Brabant an. Er nahm Brüssel ein und wollte die Stadt vom Herzogtum Brabant trennen. Am 24. Oktober 1365 wagte Everard t’Serclaes mit einer Gruppe bürgerlich gesinnter Truppen die Befreiung der Stadt. Er überwand die Stadtmauern bei Nacht und vertrieb die Flamen aus Brüssel. In der Folge wurde Everard fünfmal zum Schöffen im Brüsseler Stadtrat gewählt. Aus Rache ließ sein Feind Sweder d’Abcoude, Seigneur de Gaebeek, Everard überfallen und verwunden. Freunde konnten den Schwerverletzten zwar befreien, jedoch starb er am 31. März 1388 infolge der Verletzungen im Maison de l’Etoile am Grand-Place. Zu seinen Ehren schuf der Bildhauer Julien Dillens eine Grabplatte, die am Grand Place im Zentrum von Brüssel zu sehen ist. Das Denkmal zeigt den im Todesschlaf liegenden Everard. Die Legende besagt, wer den Arm Everards streichelt und sich dabei etwas wünscht, dem wird dieser Wunsch erfüllt.
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2024-12-03 23:14:02
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https://de.wikipedia.org/wiki/Manitu#Mntu_als_Teufel_bei_den_Mi’kmaq
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Manitu, Manito, Manitou oder Manit ist in den Algonkin-Sprachen Nordamerikas ein zentraler Begriff aus der traditionellen Religion der algonkinsprachigen Indianer. Sinngemäß bedeutet Manitu das Allumfassende Geheimnis bzw. die Große Kraft, die in allen Wesen, Dingen, Tätigkeiten und Erscheinungen enthalten ist. Wenn eine Wolke oder ein Gebrauchsgegenstand als Manitu bezeichnet wird, so deshalb, weil der Geist diese Form angenommen hat oder in ihr wohnt . Viele Aufzeichnungen belegen, dass diese Vorstellung immer dann assoziiert wurde, wenn alltägliche Dinge über herausragende oder ungewöhnliche Eigenschaften verfügten. Bei vielen Gruppen wurde der Begriff sowohl im Singular – für die „eine, höchste Macht“ – als auch im Plural – für die übernatürlichen, persönlich gedachten „Eigner“ von Wesen oder Gegenständen – verwendet. Die übergeordnete „Summe aller Kräfte“ wird als Kitchi Manitu bezeichnet. Dies wird zumeist als eine pantheistisch den gesamten Kosmos durchdringende – nicht persönliche, „körperlich wahrnehmbare“ – Hochgottheit oder „Weltseele“ vorgestellt. Ursprünglich bezeichnet Manitu also weder eine „bewusstlose“ naturgesetzliche Macht noch einen persönlich gedachten, anthropomorphen Gott. Die schnelle Adaption des christlichen Gottes macht es jedoch wahrscheinlich, dass das Manitu-Konzept durchaus ursprünglich auch als „höchstes Wesen“ angesehen wurde. Bei den nördlichen Algonkin gab es etwa den Ausdruck „Herr des Lebens“. Der deutsche Ethnologe Werner Müller geht davon aus, dass Manitu vormals sowohl höchstes Wesen als auch Summe alles Übernatürlichen gewesen sei. Im heutigen Panindianismus wird der Begriff häufig mit „Großer Geist“ übersetzt und synonym mit ähnlichen Konzepten anderer Stämme als Schöpfergott im Sinne des christlichen Gottes mit „indianischer Prägung“ verwendet. Missionare – insbesondere bei den Cree und Anishinabe – setzten Kitchi Manitu jedoch in der Regel mit der christlichen Gottesvorstellung gleich, belegten so den Begriff neu und verbreiteten diese vom ursprünglichen Konzept abweichende Vorstellung auch im englisch- und französischsprachigen Raum. Die Unterscheidung der Begriffe Kitchi Manitu , Mino Manitu und Matchi Manitu bezeugt jedoch, dass die Gottesvorstellungen der Algonkin und der Christen früher unterschiedlich waren. Die zum Teil voneinander abweichenden Beschreibungen in ethnographischen Texten beruhen auf Fehlinterpretationen und Übersetzungsfehlern, aber auch auf durchaus unterschiedlichen Vorstellungen bei den weit verstreuten Algonkin-Stämmen. Es heißt auf Massachusett manit, Narragansett manìt, Pequot-Mohegan manto, Mi’kmaq mntu , Cree manito oder manitow und Ojibwe manidoo, jeweils mit der Bedeutung „Gott“ oder auch „Geist“. In der Unami-Sprache der Lenni Lenape heißen die zahlreichen nicht-menschlichen Geister manëtu und auf Shawnee manito. Auf Cheyenne heißt „Gott“ oder „All-Vater“ dagegen Maheo und „Geist“ màtasooma. Im Sinne von „Großer Geist“, „Großer Gott“ wird das Wort mit gichi bzw. kisci oder kihci „groß“ kombiniert. Semantisch entsprechende Bildungen auf Cheyenne sind Maxemaheo und Maxemàtasooma. In der Unami-Sprache der Lenape ist der Name des „Großen Geistes“ aus drei Wörtern kontrahiert zu Kètanëtuwit, aus ket- „groß“, manëtu „Geist“ und -wi-t „seiend“. Die Shawnee kennen dagegen keinen entsprechenden „großen Geist“, sondern verehren „Unsere Großmutter“ Kohkumthena oder Kuhkoomtheyna, eine weibliche Schöpfergottheit, die durch die Geister mit den Menschen kommuniziert. Es gibt aber einen „guten Geist“ Wishemenetoo. Der Name der kanadischen Provinz Manitoba und der gleichnamige See haben ihren Ursprung im Namen Manitoowapaaw in der Sprache der Cree. Der Name der Insel Manitoulin geht auf den Ojibwe-Namen Manitoowaalink zurück, wobei die Insel heute auf Ojibwe Manidoo-minis oder Manidoo-minising heißt. Bei den Dakota und Lakota, deren Sioux-Sprachen nicht mit dem Algonkin verwandt sind, gibt es ähnliche Vorstellungen von einem Großen Geist, der in der Dakota- und der Lakota-Sprache Wakan Tanka heißt. Zu beachten ist die beim Lakota gegenüber dem Algonkin umgekehrte Reihenfolge von Substantiv und Adjektiv: wakan heißt „Geist“ oder „geheimnisvoll“ und tanka „groß“. Die Irokesen und Huronen bezeichnen eine ähnliche mythische Wirkmacht in allen Lebewesen und Dingen als Orenda. Sie erachten Manitu weder als positiv noch als negativ. Manitus können in Träumen erscheinen und speziellen Schutz, spezielle Kräfte oder Fähigkeiten verleihen. Kranke Algonkin-Indianer baten Manitu um Hilfe. Laut Paul Radin und I. Hallowell handelt es sich um eine immer personenbezogene Kraft, die belebten oder unbelebten Wesen durch Personen auferlegt wurde. Dabei kann es sich um die Person oder einen Teil der Person selbst handeln, die eine andere Gestalt angenommen hat, oder einen Teil der Kraft dieser Person. Ähnlich dem Hinduismus verstand sich Manitu nicht als „Obergott“, sondern war die Flora und Fauna selbst, während ein Krieger seinen eigenen Manitu-Schutzgeist erhielt und auch andere Naturgewalten verehren durfte. Gichi-Manidoo bzw. Kitchi-Manitu bezeichnet bei den Cree, Ojibwe, Algonkin , Odawa, Potawatomi, Naskapi und Innu das höchste spirituelle Wesen, das über sämtlichen übrigen Geistwesen stand. Dies wurde bereits im 17. Jahrhundert von christlichen Missionaren benutzt, um die Vorstellung ihres Gottes zu erklären und weiter zu verbreiten. Mit dieser Erklärung konnten sie bei vielen Stämmen Erfolge verzeichnen. In den Bibelübersetzungen und Katechismen – seien sie nun katholisch oder von einer der zahlreichen protestantischen Kirchen – ist Kicemanito , Kisemanitô , Kisemanitow auf Cree und Kishemanito , Kesha-Muhnedoo oder Gesha-Muhnedoo auf Ojibwe, Kije Manido auf Algonkin, Kshe'mune'to auf Potawatomi, tshishe Manitu auf Innu und Chisamanitu auf Naskapi die Bezeichnung für Gott. 1663 hatte John Eliot in seiner Bibel in der Massachusett-Sprache noch fast durchgehend das englische Wort God und nur ausnahmsweise das Algonkin-Wort Manit verwendet, so etwa zweimal im ersten Vers des Johannesevangeliums, im zweiten Vers jedoch wieder God. Johannes Campanius verwendete dagegen in seiner Übersetzung des Kleinen Katechismus von Martin Luther in die von ihm so genannte „amerikanisch-virginische Sprache“ in Neuschweden , bei der es sich um Delaware-Pidgin handelte, konsequent den Gottesnamen Manétto. Der Herrnhuter Missionar David Zeisberger nennt Gott auf Delawarisch wiederum in seiner 1806 fertiggestellten, aber erst 1821 posthum erschienenen Lenape/Munsee-Übersetzung der „Geschichte Jesu Christi“ – einer Zusammenfassung aller vier Evangelien von Samuel Lieberkühn – Getanittowit . Daneben wird Gott von den Herrnhutern auf Delawarisch auch Patamawos genannt, so in Abraham Luckenbachs Auszügen aus dem Alten Testament. Auch in den spärlichen Texten der Mohegan wird Manto als christlicher Gottesname verwendet – so in den Tagebüchern der letzten Pequot-Mohegan-Muttersprachlerin Fidelia Fielding Ende des 19. Jahrhunderts –, während Gladys Tantaquidgeon Káwtántowit als Schöpfer und Manto als „unseren Besitzer“ nennt. Bei den Übersetzungen des Neuen Testaments in andere Algonkin-Sprachen – komplette Bibelübersetzungen gibt es dort nicht – hat es keine Verwendung des Begriffs Manitu gegeben, jedoch sind andere Algonkin-Begriffe auf das christliche Gotteskonzept übertragen worden, so auf Shawnee Tapalamalikwa, auf Muhheconnuk Pohtomnowwaus , auf Mi’kmaq Nikscąm, Nĭkskam bzw. Niskam und dementsprechend auf Malecite-Passamaquoddy Nukskam, auf Abenaki Kchi Niwaskw oder ktchi-Niwaskw , auf Cheyenne Maheo bzw. Ma'heo'o , auf Arapaho Hejavaneauthau und auf Blackfoot Ap'isto-tok-iu-a. Bei den Mi’kmaq übertrugen katholische Missionare die Bedeutung des Algonkin-Wortes für „Geist“ mntu auf den Teufel, und in diesem Sinne findet man es in der Form mundo auch in einer Übersetzung des Johannesevangeliums von 1854 durch die protestantische Micmac Missionary Society und als mǔndoo in Silas Rands Übersetzung des Matthäusevangeliums 1871. Dies wird als ein erhebliches Hindernis für eine Wiederbelebung der Mi’kmaq-Kultur gesehen, da Gläubige, darunter Stammesälteste, fürchten, durch Anbetung des Teufels mntu in die Hölle zu kommen und deshalb eine Rückbesinnung auf alte Werte der Indigenen ablehnen. Der Ausdruck „Böser Geist“, auf Cree macimanito und Ojibwe maji-manidoo, eine Kombination des Wortes manito mit maci bzw. maji „böse“, bezeichnet in vielen Bibelübersetzungen den Teufel. So heißt der Teufel Macemanito oder Macemanitô auf Cree, Mvjimanito auf Ojibwe und Michiminitu auf Naskapi, außerdem Miceminato auf Shawnee sowie in den kontrahierten Formen Mattannit auf Massachusett und Machtando auf Lenape/Munsee . Jesse Edgar Middleton verwendete den Ausdruck Gitchi Manitou für Gott 1926 in seiner englischen Version des kanadischen Weihnachtslieds Jesous Ahatonhia , das bereits im 17. Jahrhundert von dem Jesuitenmissionar Jean de Brébeuf in der huronischen Sprache der Wyandot verfasst wurde. Im huronischen Original tritt das Wort allerdings nicht auf, denn das Wyandot gehört nicht zu den Algonkin-Sprachen, sondern zu den Irokesischen Sprachen. Der englische Text weicht inhaltlich und in seinen Bildern von der Weihnachtsgeschichte, der huronischen Vorlage und den religiösen Vorstellungen der Wyandot ab. Im populären Indianerbild im deutschen Sprachraum wird, insbesondere aufgrund des vielfältigen Gebrauchs in den Romanen Karl Mays, unter „Manitu“ oft fälschlich eine zentrale Gottheit der Indianer Nordamerikas angenommen; tatsächlich waren viele Zuschreibungen Mays dem christlichen Gott entlehnt. Die Mescalero-Apachen, deren fiktiver Häuptling Winnetou der Hauptheld ist, stehen bei Karl May im Fokus. Tatsächlich gibt es aber in der Religion der Apachen keinen dem Gichi-Manidoo bzw. Manito der Algonkin entsprechenden „Großen Geist“. Hauptgottheit ist vielmehr der „Schöpfer aller Dinge“ und „Lebensgeber“ bzw. genauer – da weder männlich noch weiblich – das „alles Erschaffende, Leben Gebende“, Ussen, Usen, Yus'n oder Ysun, bei den Mescalero Yusn, der im Gegensatz zu darunter stehenden Gottheiten wie den Berggeistern Ga'n, Gan oder Gah'e kaum angebetet wurde. Das Thema wird auch in einem Bericht über die heutigen Mescalero-Apachen in der „ZEIT“ aufgegriffen, wo der interviewte Medizinmann sagt : „Manitou? Unser Schöpfer heißt Bik’egu’in Dán. In eurer Sprache: Der uns Leben schenkt.“ Bik’ehgo’ihi’nań ist auch der Name für Gott, der in der West-Apache-Übersetzung des Neuen Testaments verwendet wird.
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2024-12-04 04:35:17
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https://de.wikipedia.org/wiki/Arie_Jan_Haagen-Smit
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Arie Jan Haagen-Smit war ein niederländischer Chemiker. Haagen-Smit studierte Chemie an der Universität Utrecht. 1926 schloss er mit dem Master ab und wurde 1929 promoviert. Von 1929 bis 1935 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent bei Fritz Kögl an der Universität Utrecht. In dieser Zeit war er gemeinsam mit Kögl und Hanni Erxleben an der Entdeckung des Auxin beteiligt. Ab 1936 war er bei Kenneth Thimann als Lecturer für Organische Chemie an der Harvard University. 1937 wurde er auf Einladung von Thomas Hunt Morgan Fakultätsmitglied am Caltech in Pasadena und war dort von 1940 bis 1971 Professor für bioorganische Chemie. Ab 1948 erforschte er die Luftverschmutzung und prägte den Begriff des Smog.
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2024-12-02 08:50:15
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https://de.wikipedia.org/wiki/John_J._Casey
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John Joseph Casey war ein US-amerikanischer Politiker. Zwischen 1913 und 1929 vertrat er vier Mal den Bundesstaat Pennsylvania im US-Repräsentantenhaus. John Casey besuchte die öffentlichen Schulen seiner Heimat und die St. Mary’s Parochial School. In seiner Jugend arbeitete er bereits im Bergbau. Später machte er sich in der regionalen Arbeiterbewegung einen Namen, indem er sich an der Gründung von Gewerkschaften beteiligte. Er setzte sich für die Minenarbeiter ein und wurde zunächst Mitglied der Labor Party. Zwischen 1907 und 1909 saß er als Abgeordneter im Repräsentantenhaus von Pennsylvania. Dann wechselte er zur Demokratischen Partei. Bei den Kongresswahlen des Jahres 1912 wurde Casey als Demokrat im elften Wahlbezirk von Pennsylvania in das US-Repräsentantenhaus in Washington, D.C. gewählt, wo er am 4. März 1913 die Nachfolge des Republikaners Charles Calvin Bowman antrat. Nach einer Wiederwahl konnte er bis zum 3. März 1917 zwei Legislaturperioden im Kongress absolvieren. Im Jahr 1913 wurden der 16. und der 17. Verfassungszusatz ratifiziert. 1916 verlor Casey gegen Thomas W. Templeton. 1918 war er Mitglied des Beraterstabs des Bundesarbeitsministeriums. Im selben Jahr wurde er erneut im elften Distrikt seines Staates in den Kongress gewählt, wo er am 4. März 1919 Templeton wieder ablöste. Da er im Jahr 1920 nicht bestätigt wurde, konnte er bis zum 3. März 1921 nur eine weitere Amtszeit im US-Repräsentantenhaus verbringen. Während dieser Zeit wurden der 18. und der 19. Verfassungszusatz ratifiziert. Bei den Wahlen des Jahres 1922 wurde Casey im zwölften Bezirk Pennsylvanias in den Kongress gewählt, wo er 4. März 1923 die Nachfolge von John Reber antrat. Im Jahr 1924 unterlag er Edmund Nelson Carpenter. Damit konnte er bis zum 3. März 1925 wieder nur eine Legislaturperiode im Parlament in Washington verbringen. Danach war er für die Gewerkschaft der Installateure und Klempner tätig. 1926 wurde er erneut im zwölften Distrikt von Pennsylvania in den Kongress gewählt, wo er am 3. März 1927 Carpenter wieder ablöste. Nach einer Wiederwahl konnte er sein Mandat bis zu seinem Tod ausüben. Er starb am 5. Mai 1929 während eines gesundheitlich bedingten Urlaubs in der Panamakanalzone an einem Schlaganfall. John Casey war verheiratet und hatte elf Kinder. 10. Distrikt: F. Muhlenberg | Bard | Woods | W. Hoge | J. Hoge | Hamilton | W. Hoge | Lyle | Irwin* | I. Smith* | W. Wilson* | J. Murray* | G. Denison* | T. Murray* | James Mitchell | King | Clark | Reily | Simonton | Brodhead | M. Dimmick | Middleswarth | Kunkel | Killinger | Strouse | Cake | Killinger | Mutchler | Bridges | Bachman | Mutchler | Sowden | Brosius | Cassel | Howell | W. Connell | Dale | Nicholls | Farr | McLane | Farr | C. Connell | Griest | Kinzer | Murphy | Scoblick | O’Neill | Carrigg | Prokop | W. Scranton | McDade | Sherwood | Carney | Marino | Perry • 11. Distrikt: P. Muhlenberg | Findley | Smilie | Lucas | S. Smith | Lacock | Findley | Marchand | Plumer | Findlay* | J. Wilson* | W. Ramsey* | Crawford* | McCoy* | Barnitz | Logan | Gerry | Bidlack | Leib | Butler | Brisbin | H. Fuller | Straub | Campbell | Dewart | Campbell | Johnson | Van Auken | Storm | Collins | Klotz | Storm | Buckalew | J. Scranton | Amerman | J. Scranton | W. Connell | H. Palmer | Lenahan | H. Palmer | Bowman | John Casey | Templeton | John Casey | C. Coughlin | Watres | P. Boland | V. Boland | Murphy | Flood | Jenkins | Flood | Bonin | Flood | Musto | Nelligan | Harrison | Kanjorski | Barletta | Smucker • 12. Distrikt: T. Scott | Gallatin | W. Hoge | Lyle | T. Patterson | Brown | John Mitchell | J. Scott | Allison | Chambers | Sheffer | Cooper | Read | G. Fuller| | Wilmot | Grow | Wright | H. Fuller | Montgomery | Leidy | G. Scranton | Wright | C. Denison | Woodward | Shoemaker | Ketcham | Stanton | Wright | J. Scranton | Connolly | J. Scranton | Lynch| | Osborne | Shonk | Hines | Leisenring | Williams | Davenport | H. Palmer | G. Patterson | C. Brumm | Garner | R. Lee | Heaton | Reber | John Casey | Carpenter | John Casey | Turpin | Flannery | T. Miller | Fenton | Whalley | Saylor | Murtha | Critz | Rothfus | Marino | Keller | S. Lee • 13. Distrikt: Smilie | Griffin | Tarr | Stewart | Tod | Thomson | Forward | Burd | J. Miller | Black | McClure | W. S. Ramsey | McClure | Gustine | Frick | Pollock | Joseph Casey | Gamble | Packer | W. Dimmick | Johnson | Tracy | Mercur | Bunnell | Strawbidge | Reilly | Ryon | C. Brumm | Reilly | C. Brumm | Ryan | G. Patterson | Kline | Rothermel | Dewalt | Gernerd | G. Brumm | C. Palmer | G. Brumm | Gildea | Fenton | Hoch | F. A. Muhlenberg | Rhodes | McConnell | Lafore | Schweiker | L. Coughlin | Margolies-Mezvinsky | Fox | Hoeffel | Schwartz | Boyle | Joyce * Der Wahlbezirk wurde während dieser Zeit von mehreren Kongressabgeordneten vertreten.
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2024-12-03 22:04:28
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https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Cabourn_Pocklington
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Henry Cabourn Pocklington war ein britischer Mathematiker und Physiker, der heute vor allem für Beiträge zur Zahlentheorie bekannt ist. Sein Vater Henry Pocklington war im Versicherungswesen und als Amateurwissenschaftler vor allem in der Mikroskopie bekannt. Pocklington studierte an der Universität Cambridge mit dem M.A.-Abschluss und erhielt später einen Ehrendoktor der Universität London. Pocklington war ein Lehrer in Leeds und übte den Beruf auch weiter aus, als er Fellow der Royal Society war. Er wird als Einzelgänger geschildert, der sich nur für Physik, Mathematik und Astronomie interessierte und keine persönlichen Kontakte suchte . Als Lehrer widmete er sich geduldig Schülern, bei denen er wissenschaftliche Interessen entdeckte, konnte aber Klassen insgesamt nicht kontrollieren, was seine Schüler ausnutzten. Hänseleien seiner Schüler ignorierte er und konnte nur kurzzeitig aus der Haut fahren, wenn ihm bei physikalischen Experimenten Streiche gespielt wurden. Trotz dieser äußerlichen Misserfolge als Lehrer lehnte er andere Angebote ab, etwa einen Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Kapstadt. Er schlug auch das Angebot aus, an die Universität Cambridge zu ziehen, als er Fellow des St. John’s College wurde. Der Grund waren die dort erforderlichen sozialen Kontakte mit anderen Fellows. Er ist bekannt für einen nach ihm benannten Primzahltest . Außerdem entwickelte er einen nach ihm benannten Algorithmus zur Lösung der Gleichung x 2 ≡ a ( mod p ) , {\displaystyle x^{2}\equiv a{\pmod {p}},\,} . Er gilt auch als Pionier der mathematischen Behandlung der Theorie der Antennen , für die er eine Integralgleichung ableitete. Er behandelte auch das Problem des Hohlwirbels in konformen Abbildungen . Eine Arbeit von ihm aus dem Jahr 1905 leitete Eigenschaften der später als Metamaterial bekannten optischen Materialien ab. Er war Fellow der Royal Society.
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2024-12-01 23:08:32
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https://de.wikipedia.org/wiki/INSEAD
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Insead ist eine 1957 gegründete private Wirtschaftshochschule mit Unternehmenssitz in Frankreich. Im Jahre 2016 wurden über 1.000 MBA-Studenten, mehr als 200 Executive MBA-Kandidaten, über 80 Doktoranden und mehr als 12.000 Führungskräfte aus 130 Ländern von 145 Professoren unterrichtet. Insead gilt als eine der angesehensten Business Schools der Welt und erreicht regelmäßig Spitzenpositionen in internationalen Rankings. Insead hat drei Standorte in Fontainebleau, Singapur und Abu Dhabi, zwischen denen die Studenten wählen können. Im Jahrgang 2017 lag der Anteil internationaler Studenten bei rund 96 % mit 94 Nationalitäten, bei den Professoren waren es rund 94 %. Seit Mai 2001 besteht eine Partnerschaft mit der Wharton School der University of Pennsylvania, die es den MBA-Studenten ermöglicht, einen Teil des Studiums in den Vereinigten Staaten zu absolvieren. Zudem existiert ein Doppelabschlussprogramm mit der School of Advanced International Studies der Johns Hopkins University, in dem Studenten die Abschlüsse beider Institutionen erwerben können. Das Zulassungsverfahren von Insead ist selektiv; weniger als ein Viertel der Bewerber werden aufgenommen. Zulassungsvoraussetzungen sind ein abgeschlossenes Studium, herausragende Leistungen in der bisherigen akademischen Laufbahn, berufliche Erfolge , erkennbare Internationalität im Lebenslauf, ein ausgezeichnetes Ergebnis im GMAT, zwei aussagekräftige Empfehlungsschreiben, die Verfassung von etwa 7–9 detaillierten Bewerbungs-Essays, die spontane Beantwortung von 4 Video-Interview-Fragen sowie zwei separate, abschließende Interviews durch Insead-Alumni. Die Studenten des Full-Time-MBA-Programms des Jahrgangs 2018 erreichten einen durchschnittlichen GMAT-Score von 709 Punkten, was den obersten 9 % der Testteilnehmer entspricht und der höchste durchschnittliche GMAT-Wert aller Wirtschaftshochschulen außerhalb der USA ist. Die Studiengebühren für das einjährige MBA-Programm lagen im Jahr 2018 bei 82.000 Euro. Etwa 90 % aller Studierenden des MBA-Jahrganges 2017 hatten 3 Monate nach Abschluss des Programmes eine Stelle gefunden; ihr Durchschnittsgehalt belief sich auf rund 104.800 USD. 79 % aller Studierenden wechselten nach Abschluss des Programmes die Arbeitsstelle, den Sektor oder den Ort. Drei Jahre nach Abschluss hatten die Absolventen des Jahrganges 2014 ein durchschnittliches Gehalt in Höhe von rund 177.100 USD. Insead hat die zweithöchste Anzahl von MBA-Alumni, die im Jahr 2015 CEO-Positionen in Unternehmen der Financial Times Global 500 innehatten. QS World Universities Rankings hat INSEAD seit 2018 im Fachranking für Business und Management weltweit auf Platz 2, hinter der Harvard University, eingestuft. Vor 2018 wurde INSEAD weltweit auf Platz 3 eingestuft. Dieses Ranking berücksichtigt den akademischen Ruf, Forschung, Zitate und Beschäftigungsfähigkeit in Business- und Managementabschlüssen. Das MBA-Programm von INSEAD hat die zweithöchste Anzahl an CEOs von Fortune-500-Unternehmen hervorgebracht, nach der Harvard Business School. Es gehört auch zu den 20 größten Produzenten von ultra high-net-worth individuals, und gehört zu den Top 10 der MBA-Programme weltweit, die die meisten Milliardärsalumni hervorbringen. In Bezug auf Unternehmertum schätzt INSEAD, dass etwa die Hälfte seiner Alumni irgendwann in ihrer Karriere ein Unternehmen gründet. Die Analyse von Pitchbook 2023 ergab, dass INSEAD weltweit den vierten Platz in Bezug auf aufgebrachte Kapitalmittel, Gründeranzahl und Unternehmensanzahl belegte . Ungefähr 800 Alumni der Schule haben mehr als 700 Unternehmen gegründet, die insgesamt 23 Milliarden US-Dollar aufgebracht haben. Ab 2023 sind Harvard University, Stanford University und INSEAD die einzigen drei Universitäten, die es auf die Liste von Poets and Quants geschafft haben, die die am meisten finanzierten Startups von MBA-Studenten auflisten. In Europa ist INSEAD die führende Universität, was die Gründung von Einhörnern betrifft, mit 18 von Absolventen gegründeten Einhörnern im Jahr 2022. In Saudi-Arabien ist INSEAD laut einer 10-Jahres-Analyse von 2014–2023 nach Stanford die zweitgrößte Alma Mater der bestfinanzierten Gründer. Im Jahr 2023 wurde INSEAD von Poets & Quants zum MBA-Programm des Jahres ernannt, insbesondere für sein Engagement für Nachhaltigkeit. Laut Poets & Quants hat „keine B-Schule auf der Welt mehr getan, um Nachhaltigkeit in ihre Programme zu integrieren als INSEAD“. Die Schule hat Nachhaltigkeit in ihr Curriculum in verschiedenen Disziplinen integriert und bereitet ihre Studierenden darauf vor, globale Herausforderungen im Zusammenhang mit ökologischen und sozialen Auswirkungen anzugehen. Linkedin's Global MBA Rankings 2024, das erste globale Ranking von MBA-Programmen, das Karrieredaten auf dem professionellen sozialen Netzwerk nutzt, stuft das MBA-Programm von INSEAD ebenfalls weltweit auf Platz 2 ein, hinter Stanford und vor Harvard. Laut LinkedIn gehören zu den häufigsten Berufsbezeichnungen für INSEAD-Absolventen Produktmanager, Strategieberater und Gründer. Das MBA-Programm von INSEAD belegte in den Global MBA Rankings der Financial Times 2021, 2017 und 2016 den ersten Platz. Der Dual-Degree Executive MBA mit der Tsinghua University wird von der Financial Times regelmäßig unter den Top Ten platziert. Das Master in Management -Programm von INSEAD belegte in der Financial Times Rangliste der besten Master in Management-Programme 2024 weltweit den zweiten Platz. Diese Platzierung ist ein bedeutender Erfolg für INSEAD, insbesondere angesichts des relativ jungen Alters seines MIM-Programms, das 2020 eingeführt wurde. Insead wurde 1957, drei Monate nach Unterzeichnung der Römischen Verträge, von Georges Frederic Doriot, einem franko-amerikanischen Harvard-Professor, in Fontainebleau gegründet. Insead war somit die erste Business School Europas und nahm eine Vorreiterstellung in der europäischen Wirtschaftshochschullandschaft ein. Die Gründungsidee war, eine künftige pan-europäische Business-Elite auszubilden und damit dem Wiederaufbau Europas zu dienen. Seit Anbeginn lehnt sich das Lehrangebot und die Art der Wissensvermittlung stark an amerikanische Vorbilder an. 1969 erfolgte die Eröffnung des heutigen Campus in Fontainebleau. 1989 begann das PhD-Programm. Im Januar 2000 starteten die ersten 53 MBA-Studenten aus 26 Ländern am neu eröffneten Campus in Singapur; im Oktober 2000 erfolgte die offizielle Eröffnung dieses Campus. Im Jahr 2001 wurde die Insead-Wharton-Allianz lanciert und 2003 erfolgte der Start des Executive-MBA-Programmes. 2010 wurde der Campus in Abu Dhabi eröffnet. Der Name INSEAD war eine Abkürzung von "Institut Européen d'Administration des Affaires" , Nach der Eröffnung eines Asien-Campus Anfang der 2000er Jahre und der Neupositionierung für eine globale Mission begann die Universität, ihren alten Namen zu vermeiden, der den spezifischen Ortsnamen "Europa" enthielt. Jetzt wird nur "INSEAD" als offizieller Name anerkannt. Das aktuelle Logo hat INSEAD in einem Kreis, der grün gefüllt ist und den Globus darstellt, sowie den Slogan "Business School for the World", der seine globale Mission signalisiert. Agrocampus Ouest • AgroParisTech • AgroSup Dijon • Arts et Métiers ParisTech • Bordeaux Sciences Agro • Chimie ParisTech • CNAM • CPE Lyon • CY Tech • EBI • École centrale • ECAM • ECE • École nationale des ponts et chaussées • École de l’air • École navale • ECPM • EFREI • EI Cesi • EIGSI • EIVP • École des mines (Alès · Albi-Carmaux · Douai · Nancy · Nantes · Mines ParisTech · Saint-Étienne) • ENAC • ENGEES • ENIB • ENIM • ENISE • École nationale de la statistique et de l’administration économique • ENSAI • ENSAIA • ENSAIT • ENSC • ENSCBP Bordeaux • ENSEA • ENSEIRB-MATMECA • ENSEM • ENSG-Géologie • ENSG-Géomatique • ENSGSI • ENSIC • ENSICAEN • ENSIIE • ENSISA • ENSSAT • ENSTA ParisTech • ENSTIB • ENTPE • École polytechnique • EPITA • EPF • EPMI • ESA • ESAIP • ESB • ESCOM • ESEO • ESIEA • ESIEE Amiens • ESIEE Engineering • ESIGELEC • ESITC Caen • ESILV • ESME Sudria • ESPCI ParisTech • ESTACA • ESTIA • ESTP • Grenoble INP • HEI • ICAM • IFP School • INP Toulouse (ENSEEIHT · ENSIACET · ENIT · ENM · ENSAT · EIP) • INSA • Institut d’optique • IPSA • ISA • ISAE • ISARA Lyon • ISAT • ISEN • ISEP • ISIMA • ISMANS • ITECH Lyon • Montpellier SupAgro • Polyméca • Réseau Polytech • Institut Mines-Télécom • SIGMA Clermont • Télécom Physique Strasbourg • UTBM • UTC • UTT • UniLaSalle • VetAgro Sup Audencia Nantes • EDC • EDHEC Business School • EMLV • EM Normandie • EM Strasbourg Business School • Emlyon Business School • Brest Business School • ESC Clermont • ESC Dijon Bourgogne • ESC La Rochelle • ESC Pau • ESC Rennes • ESC Troyes • ESCE • ESCEM • ESCP Business School • ESDES • PSB • ESSCA • ESSEC • EBS Paris • Grenoble École de Management • Montpellier Business School • HEC Paris • ICN Business School • IÉSEG • Insead • Groupe INSEEC • IPAG • ISC Paris • ISG • KEDGE Business School • NEOMA Business School • SKEMA Business School • Institut Mines-Télécom Business School • Toulouse Business School CELSA • CFJ • EHESP • ENA • ENAC Alumni • ENSFEA • ENS • ENS Paris-Saclay • ENS Lyon • ENS Rennes • ENSA Nancy • ENSBA • ENSCI-Les Ateliers • ENV Alfort • ENV Toulouse • Oniris • EOGN • ESA • ESM Saint-Cyr • ESA • HEC Alumni • IFM • ISIT • École de design Nantes Atlantique • Sciences Po Grenoble • Universität Paris-Dauphine • Union des industries et métiers de la métallurgie 1.3002777777778103.78777777778Koordinaten: 1° 18′ 1″ N, 103° 47′ 16″ O
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2024-11-22 21:21:23
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https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Strausberg
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Der Bahnhof Strausberg, inoffiziell und für den Bahnhof der Strausberger Eisenbahn auch Bahnhof Strausberg Vorstadt, liegt an der Preußischen Ostbahn. Er befindet sich im südlichen Stadtgebiet von Strausberg, wird von Regionalzügen und der Linie S5 der S-Bahn Berlin angefahren und liegt im Tarifbereich C des Tarifgebiets Berlin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg . Der Bahnhof liegt in West-Ost-Richtung, in flachem Gelände, mehrere Kilometer südlich des Stadtkerns im Strausberger Ortsteil Vorstadt. Das Gelände um den Bahnhof ist ein Verkehrsknotenpunkt von Straßenbahn, Bus, Berliner S-Bahn und Regionalbahn. Der Abschnitt von Berlin nach Küstrin der Preußischen Ostbahn wurde 1867 eröffnet, verlief aber mehrere Kilometer südlich der Stadt. Strausberg erhielt einen Bahnhof mit gemauertem Empfangsgebäude und zwei Seitenbahnsteigen, um das Gelände entwickelte sich der Ortsteil Vorstadt. Die etwa sechs Kilometer lange Verbindung mit dem Stadtzentrum wurde ab 1893 von der Strausberger Eisenbahn geschaffen. Deren Züge begannen und endeten am Kleinbahnhof nahe dem Bahnhofsvorplatz, von dort existierte eine Gleisverbindung zur Staatsbahn. Am 20. September 1896 ging südlich der Gleisanlagen der Staatsbahn der Bahnhof der Strausberg-Herzfelder Kleinbahn in Betrieb. Er hatte Weichenverbindungen zu Staatsbahn, mit der er sich die Ladestraße teilte, und wies neben umfangreichem Güterverkehr bis 1962 auch Personenverkehr auf. 1967 wurde die Strecke von Strausberg nach Herzfelde stillgelegt. 1924 entstand westlich des Bahnhofsgebäudes ein überdachter Mittelbahnsteig, die Vorortzüge aus Berlin endeten dort auf dem nördlichen Gleis. Während die bis dato existierenden Gleise von Gleis 1 am Hausbahnsteig ausgehend nach Süden hin durchnummeriert waren, erhielten die neuen Gleise die Nummern 9 und 8. Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis September 1945 war der Verkehr an allen Bahnsteiggleisen unterbrochen. 1948 wurde die Strecke mit seitlicher Stromschiene elektrifiziert, der Bahnhof wurde am 31. Oktober jenes Jahres zu einem der Endbahnhöfe der elektrisch betriebenen Berliner S-Bahn. Aus militärischen Gründen wurde 1955 die Bahnstrecke Strausberg–Strausberg Nord eröffnet. Sie fädelt westlich des Hausbahnsteigs aus der Fernstrecke aus und diente vorrangig dem Güterverkehr. Der Personenverkehr wurde im Anschluss an die Züge aus Berlin ab dem Bahnhof Strausberg zunächst mit Dieseltriebwagen durchgeführt. Im darauf folgenden Jahr wurde diese Strecke ebenfalls elektrifiziert, am 3. Juni 1956 fuhr erstmals ein planmäßiger S-Bahn-Zug vom Bahnhof Strausberg nach Strausberg Nord. Der Bahnsteig in Richtung Küstrin wurde im Zuge der Weiterführung der S-Bahn aufgegeben, das südliche Vorortgleis mit dem Hauptgleis Richtung Berlin verknüpft. Zwölf Jahre lang pendelten S-Bahn-Züge auf der Neubaustrecke, im Bahnhof Strausberg musste nach wie vor umgestiegen werden. Am 26. Mai 1968 fuhr erstmals ein durchgehender Zug im regulären Fahrgastverkehr von Berlin bis Strausberg Nord. Aufgrund seiner Nähe zur Barnim-Kaserne und damit zu den dort stationierten Luftwaffenausbildungskompanien war der Bahnhof auch ein wichtiger Knotenpunkt für die Bundeswehr. Alle drei Monate kamen hier bis zu 900 neue Wehrpflichtige an und legten dann nur noch den kurzen Weg über die Überführung der Gleisanlage zur Kaserne zurück, um ihren Dienst an der Waffe anzutreten. Dies endet mit der Aussetzung der Wehrpflicht und der Auflösung der in der Barnim-Kaserne stationierten Einheiten im Jahre 2012. Ende der 1990er Jahre wurde die Überdachung des S-Bahnsteigs abgerissen und durch vier gläserne Wartehallen ersetzt. Die Gleisverbindung zur Strausberger Eisenbahn wurde mittlerweile entfernt. Ende 2015 wurde die nach Strausberg Nord führende S-Bahn-Strecke um einen zweigleisigen Begegnungsabschnitt erweitert. Hierdurch wurde es möglich, statt vormals alle 40 Minuten nun im 20-Minuten-Takt nach Strausberg Nord zu fahren. Außerhalb der Hauptverkehrszeiten bleibt es beim 40-Minuten-Abstand. 8,5 Millionen Euro hat das Land Brandenburg hierfür investiert. Zur Erhöhung der Durchlässigkeit bei der S-Bahn und der Fahrplanstabilität auch bei der Regionalbahn wurden die Gleis- und Bahnsteiganlagen im Jahr 2017 umfangreich umgebaut. Etwa 70 % der Gleisanlagen wurden erneuert und nicht mehr benötigte Gleise und Weichen zurückgebaut. S-Bahn und Regionalbahn, die sich zuvor das Gleis 1 am Hausbahnsteig teilen mussten, wurden entflochten. Hierfür entstand für die Regionalbahnen ein neuer Bahnsteig parallel zum vorhandenen S-Bahnsteig. Die Güterzug-Überholgleise wurden in westlicher Richtung um ca. 200 Meter verlängert. Der Regionalbahnsteig wurde als Kombi-Bahnsteig für Regional- und S-Bahnen gestaltet, der Ende September 2017 in Betrieb ging. Dort halten die Regionalzüge auf der Südseite , die Nordseite mit 96 cm hoher Bahnsteigkante liegt am vorhandenen S-Bahn-Gleis 8. Somit entstand für die S-Bahn eine Art Spanische Lösung mit Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten auf beiden Seiten. Zwischen S-Bahn und Regionalbahn kann nun am selben Bahnsteig über Rampen und Treppen umgestiegen werden. Der schrankengesicherte Zugang zu diesem Bahnsteig erfolgt an dessen östlichem Ende. Die Kante des vorhandenen S-Bahnsteigs musste infolgedessen in westliche Richtung um mehrere Meter verlängert werden. Der bisher von den Regionalzügen genutzte Hausbahnsteig am Gleis 1 wurde östlich des Empfangsgebäudes im Rahmen der Baumaßnahmen abgerissen. Die umgebauten Gleisanlagen gingen im November 2018 endgültig in Betrieb. Seitdem ist der S-Bahnhof Strausberg an das elektronische Stellwerk Strausberg angeschlossen, welches bisher ausschließlich den Bereich Hegermühle steuerte. Der Bedienplatz des Fahrdienstleiters befindet sich bis zur Erweiterung der Betriebszentrale Halensee im Gebäude des ehem. Stellwerks B2. Außerdem ist der Bahnhof nun mit dem Zugbeeinflussungssystem S-Bahn Berlin ausgerüstet. Seit Juli 2024 steht auf dem Bahnhofsvorplatz ein Denkmal für den 1993 von Neonazis getöteten Obdachlosen Hans-Georg Jakobson. Die S-Bahnen der Linie S5 fahren den Bahnhof im 20-Minuten-Takt an, bis Dezember 2015 endete jeder zweite Zug auf dem nördlichen Gleis am S-Bahnsteig. Die durchgehenden Züge nach Strausberg Nord halten am südlichen Gleis. Sie wechseln dann auf das Gleis 1 und passieren den Hausbahnsteig ohne Halt. In fußläufiger Entfernung befindet sich die Straßenbahnendhaltestelle der Strausberger Eisenbahn .
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2024-12-03 19:51:41
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https://de.wikipedia.org/wiki/Ketzendorf
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Ketzendorf ist eine innerhalb der niedersächsischen Stadt Buxtehude südöstlich gelegene Ortschaft im Landkreis Stade. Ketzendorf und Ovelgönne bilden zusammen die Ortschaft Ovelgönne/Ketzendorf. Im Nordosten grenzt Ketzendorf an Neu Wulmstorf, im Osten an Wulmstorf und Daerstorf, im Südosten an Elstorf, im Süden an Ardestorf im Westen an Immenbeck und im Nordwesten an Ovelgönne. Funde von zahlreichen Feuersteingeräten südöstlich des Viertberges in den 1930er Jahren zeigen eine Besiedlung der Gegend in einem frühen Abschnitt der mittleren Steinzeit oder Magdalénien . Bei Ketzendorf gibt es 17 Hünengräber. 1810 bis 1814 lag Ketzendorf im Mairie Moisburg im Kanton Buxtehude im Arrondissement Lüneburg im Département des Bouches de l’Elbe des Französischen Kaiserreichs und zählte 90 Einwohner. Am Südende des Gemeindegebietes wurde 1983 die Siedlungsabfalldeponie Ketzendorf II eingerichtet und durch den Landkreis Stade betrieben. Sie ist inzwischen stillgelegt. Am 1. Mai 1964 wurde die Exklave Bredenheide in die Gemeinde Wulmstorf umgegliedert. Ketzendorf wurde mit dem Gebietsänderungsvertrag am 1. Juli 1972 in die Stadt Buxtehude eingegliedert. Ketzendorf gehörte vorher zum Landkreis Harburg und noch heute zur ev. Kirchengemeinde Elstorf. Daensen | Dammhausen | Eilendorf | Hedendorf | Immenbeck | Neukloster | Ottensen | Ovelgönne/Ketzendorf
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2024-12-02 03:19:09
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https://de.wikipedia.org/wiki/Bahra_(Gottleuba)
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Petrovický potok Die Bahra ist ein Fluss in Tschechien und Sachsen, der bei Langenhennersdorf von rechts in den Elbe-Zufluss Gottleuba mündet. Der Name stammt vom altsorbischen bara für „Schlamm, Sumpf“. Die Bahra entspringt im Osterzgebirge westlich der tschechischen Ortschaft Panenská als Petrovický potok. Nach etwa 500 m unterquert er die Autobahn D8. Er fließt weiter in nordöstlicher Richtung durch Petrovice , bevor er nach etwa 7,5 km auf etwa 420 m ü. NN deutsches Gebiet erreicht. Hier bildet er für etwa 350 m das Grenzgewässer und knickt dann, den Loschebach aufnehmend, nach Nordwesten ab. Nach etwa 700 m liegt das Hochwasserrückhaltebecken Buschbach, das als Trockenbecken ausgeführt ist. In Hellendorf nimmt er den von links kommenden Mordgrundbach auf, der mit seinem Quellbach Slatina nur unweit der Bahra entspringt. Die ab hier offiziell so genannte Bahra verläuft jetzt parallel der Staatsstraße. Nördlich Markersbach, an dessen Ortsende weitere Nebenbäche einmünden, durchfließt die Bahra ein eingeschnittenes Tal zwischen den bereits vom Elbsandstein geprägten Vollformen Heuleithe, Eibischsteine, Zeisigstein und zieht gemeinsam mit einer Kreisstraße durch die ihr gleichnamige Ortschaft Bahra, bevor sie südwestlich von Langenhennersdorf auf etwa 275 m ü. NN in die Gottleuba mündet. von der Quelle zur Mündung aufgelistet. Auswahl. Viele Mühlen existieren nicht mehr, einige sind umgebaut und dienen anderen Zwecken:
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2024-12-02 10:11:40
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https://de.wikipedia.org/wiki/Realerbteilung
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Realteilung oder auch Realerbteilungsrecht bedeutet, dass der Besitz einer Familie, insbesondere der Landbesitz , unter den Erbberechtigten gleich aufgeteilt wird. Diese Aufteilung findet bei jedem Erbgang statt, sodass die Parzellen stetig kleiner werden. Im Gegensatz dazu steht das Anerbenrecht. In adligen Familien war das Prinzip der Realteilung seit dem Mittelalter verbreitet und führte unter anderem auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches zur Territorialisierung . Adlige wie bäuerliche Realteilung wurde in Deutschland etwa südlich einer Linie Aachen, Bonn, Marburg, Erfurt praktiziert, also in der Pfalz, in Kurhessen, Nassau, Franken, Baden und in großen Teilen Württembergs, Thüringens und der preußischen Rheinprovinz. In anderen Gebieten Deutschlands konnte entweder der älteste Sohn den elterlichen Besitz übernehmen oder nur der jüngste Sohn erbte den Hof . Es gab auch Sonderformen: So wurde etwa in Hessen der Besitz nur ungeteilt weitergegeben, wenn er eine bestimmte Größe hatte, etwa über 5 Hektar. Zum Teil sind kuriose Auswüchse der gleichmäßigen Erbteilung überliefert, etwa die physische Teilung und damit Zerstörung einer Bibel oder eines Springerle-Models. In der Landwirtschaft führte die fortgesetzte Realteilung zu einer Zersplitterung des Ackerlandes in eine Vielzahl kleiner Äcker, oft in Form schmaler Streifen. Diese waren sehr ineffizient zu bearbeiten; zudem ging ein relativ hoher Anteil der nutzbaren Fläche für Grenzstreifen und Zufahrtswege verloren. Die Futterbasis für das Vieh wurde oft zu schmal, so dass verstärkt Kartoffeln angebaut wurden. Im Neckarkreis verfügten 1933 84 % der Betriebe über eine Anbaufläche von weniger als 5 Hektar, 45 % gar weniger als 2 Hektar. Aus ökologischer Sicht führte dies zwar zur Entwicklung artenreicher Wiesen- und Heckenbiotope, wirtschaftlich gesehen war dieser Zustand jedoch zunehmend unhaltbar. Daher wurden in der Geschichte immer wieder Flurbereinigungen durchgeführt. Dabei wird der Grundbesitz an Ackerland in einem bestimmten Gebiet mit dem Ziel umverteilt, anstelle zahlreicher kleiner nur noch wenige zusammenhängende Grundstücke von insgesamt zumindest gleichem Wert zu erhalten. Im 19. Jahrhundert kam es in vielen Regionen zu einer durch Realteilung bedingten Verelendung der Kleinbauern, was eine Rolle bei den sozialen Unruhen des Vormärz spielte. Die Lage besserte sich erst, als seit den 1850er und -60er Jahren die Abwanderung in die Industrie einsetzte. In einigen Regionen wie Tirol waren die Kleinbauern auch saisonal als Wanderarbeiter tätig. Die Ursache für die verschiedenen Lösungen waren die Höfeordnungen in der Landwirtschaft, die unterschiedliche Regelungen zum Inhalt haben. Sie können aber durch vertragliche Regelungen außer Kraft gesetzt werden, indem andere Verträge unter Lebenden im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge getroffen werden. Die Realteilung in Altwürttemberg hatte eine Vielzahl gesellschaftlicher Folgen. Die Realteilung förderte eine gewisse Gleichheit, weil Frauen und Männer gleichmäßig erbberechtigt waren und weil ein einzelnes Kind armer Eltern mehr erben konnte als ein Vermögender aus einer kinderreichen Familie. In anderen Teilen Württembergs, so in Hohenlohe, im Hochschwarzwald oder in Oberschwaben bestand demgegenüber das Anerbenrecht. In anderen Regionen mit Realteilung erbten nur männliche Kinder. Die Realteilung führte häufig zu einer Gemengelage, so dass die Äcker bald zu klein waren, um eine Familie zu ernähren; deshalb gab es in Württemberg schon früh Nebenerwerbslandwirte, die nebenbei ein Handwerk, eine Heimindustrie mit ein oder zwei Web- oder Wirkstühlen oder Hausierhandel betrieben oder sich zeitweise als Tagelöhner verdingen mussten. Gleichzeitig sicherte das ererbte Gut einen Mindestunterhalt; denn man erbte nicht nur ein Stück Acker, sondern auch einen Anteil am elterlichen Haus. Allerdings waren das oft nur einzelne Zimmer, in denen sich ganze Familien zusammendrängten. Gesinde und Landarbeiterschaft spielten im Vergleich zu den mithelfenden Familienangehörigen eine untergeordnete Rolle; oft wurden die eigenen Kinder an die Besitzer größerer Höfe verdingt. Allenfalls zur Getreideernte wurden Wanderarbeiter benötigt. Als Württemberg industrialisiert wurde, konnten die Fabrikanten auf eine breite Schicht von erfahrenen Kleinhandwerkern zurückgreifen, die gern in die Fabrik eintraten, weil hier die Verdienstmöglichkeiten besser waren. Allerdings mussten die Fabrikanten noch lange dagegen kämpfen, dass ihre Arbeiter in der entsprechenden Jahreszeit ihre Feldarbeit bevorzugt erledigten. Andererseits fühlten sich die württembergischen Arbeiter lange nicht als Angehörige des Proletariats, sondern sie waren eben auch Landbesitzer. Deshalb war die Arbeiterbewegung hier traditionell eher gemäßigt. In Gegenden mit Realteilung blieb die Allmende oft länger erhalten als in den Regionen mit Anerbenrecht.
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2024-12-04 02:40:09
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https://de.wikipedia.org/wiki/Schm%C3%B6lz_(Reichenbach)
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Schmölz ist ein Gemeindeteil des Marktes Presseck im Landkreis Kulmbach . Die Einöde liegt im tief eingeschnittenen Tal des Köstenbachs. Die Kreisstraße KU 25/KC 20 führt den Köstenbach entlang nach Schmölz bzw. nach Presseck zur Staatsstraße 2195 . Anfang des 17. Jahrhunderts gab es beim Ort einen Bergwerkstollen, in dem Kupfererz abgebaut wurde. Schmölz war eine Schmelzhütte, in der das Erz geläutert wurde. Infolge des geringen Ertrages und des Dreißigjährigen Krieges wurde der Betrieb eingestellt. 1757 kam es für kurze Zeit zur Neubelebung. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Schmölz aus einem Tropfhaus bei der ehemaligen Kupferschmelze. Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Wartenfels aus. Die Grundherrschaft über das Anwesen hatte das Amt Wartenfels. Mit dem Gemeindeedikt wurde ein Teil von Schmölz dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Wartenfels und der im selben Jahr gebildeten Ruralgemeinde Wartenfels zugewiesen. Am 12. April 1845 wurde die Gemeinde Reichenbach gebildet, zu der Schmölz gehörte. Bei der Vergabe der Hausnummern erhielten die beiden Anwesen eigene Nummern. Am 1. Januar 1976 wurde Schmölz im Rahmen der Gebietsreform in die Gemeinde Wartenfels eingegliedert, die ihrerseits am 1. Mai 1978 nach Presseck eingegliedert wurde. Zugleich wurde Schmölz mit Schmölz zu einem Gemeindeteil vereinigt. Schmölz ist katholisch geprägt und nach St. Bartholomäus gepfarrt. Altenreuth | Birken | Braunersreuth | Breiteneben | Daigmühle | Elbersreuth | Elbersreuthermühle | Eulenburg | Fels | Fürstenhof | Haid | Heinersreuth | Katzengraben | Köstenberg | Köstenhof | Kreuzknock | Kunreuth | Neumühle | Oberehesberg | Ochsengarten | Papiermühle | Petersmühle | Pinzenhof | Premeusel | Presseck | Reichenbach | Rützenreuth | Schafhaus | Schafhof | Schlackenmühle | Schlackenreuth | Schlopp | Schmölz | Schnebes | Schöndorf | Schübelsmühle | Seubetenreuth | Spitzberg | Trottenreuth | Unterehesberg | Waffenhammer | Wahl | Wartenfels | Wildenstein | Wustuben Wüstungen: Birken | Güldenstein | Lautengrund | Teichbühl
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2024-12-01 22:12:56
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https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Preis_von_S%C3%BCdafrika_1969
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Der Große Preis von Südafrika 1969 fand am 1. März auf dem Kyalami Grand Prix Circuit in Midrand statt und war das erste Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1969. Das erste Rennen der Saison fand nicht wie in den beiden vorangegangenen Jahren Anfang Januar, sondern Anfang März statt. Dadurch ergab sich ein Feld aus Fahrzeugen, die als repräsentativ für die Saison angesehen werden konnten, während in den Vorjahren aufgrund der frühen Termine jeweils meist Vorjahresfahrzeuge bei diesem Grand Prix zum Einsatz gekommen waren. Ferrari brachte nur einen Wagen an den Start, der von Chris Amon pilotiert wurde. Die übrigen namhaften Werksteams meldeten jeweils zwei Fahrer, Lotus mit Mario Andretti sogar einen dritten. Hinzu kamen einige Kundenteams, die jeweils ein bis zwei Fahrer meldeten, darunter die für den Großen Preis von Südafrika seit mehreren Jahren typischen einheimischen Teams und Fahrer, die ausschließlich bei diesem Grand Prix antraten. Bereits im ersten Training wurde offensichtlich, wie akribisch die Konstrukteure über den Winter an der Aerodynamik der Fahrzeuge gearbeitet hatten. Neben den im Vorjahr neu eingeführten, hoch über die Heckpartie der Wagen hinausragenden Flügeln befanden sich nun an einigen Fahrzeugen zusätzlich ähnliche Konstruktionen im Bereich der Vorderachse. Während der Trainingssitzungen kam es zu einigen Problemen, die damit im Zusammenhang standen. Jack Brabham, der sein eigenes Team von Repco- auf Ford-Cosworth-Motoren umgestellt hatte, fuhr die schnellste Rundenzeit und sicherte sich somit die Pole-Position. Jochen Rindt auf Lotus und Denis Hulme auf McLaren erreichten ebenfalls einen Startplatz in der aus drei Fahrzeugen bestehenden ersten Reihe. Mit Jackie Stewart auf Matra und Ferrari-Pilot Chris Amon, die die zweite Reihe bildeten, befanden sich fünf unterschiedliche Fahrzeuge auf den ersten fünf Startpositionen. Die Gelegenheitsfahrer Basil van Rooyen und John Love erzielten mit den Startplätzen neun und zehn beachtliche Leistungen. John Surtees erzielte keine gewertete Rundenzeit, wurde aber dennoch für das Rennen zugelassen und startete vom letzten Platz. Brabham übernahm nach dem Start zunächst die Führung, ohne sich allerdings von seinem direkten Verfolger Stewart absetzen zu können. Es folgten Rindt, Hill, Hulme, und McLaren. Noch während der ersten Runde überholte Stewart Brabham und gab die dadurch gewonnene Führung bis ins Ziel nicht mehr ab. Brabham blieb zunächst Zweiter, bis er aufgrund eines gebrochenen Heckflügels die Box ansteuern musste. Dadurch kam Rindt zunächst auf die zweite Position, wurde jedoch kurz darauf von Graham Hill überholt und fiel kurze Zeit später auch hinter Hulme zurück. Nach einem Duell um Platz drei zwischen Hulme und Joseph Siffert, welches Hulme für sich entschied, blieben die ersten Positionen in der zweiten Hälfte des Rennens unverändert. So gewann Stewart vor Hill und Hulme. Die restlichen Punkteplatzierungen belegten Siffert, McLaren und Jean-Pierre Beltoise. Anmerkungen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2, 1 Punkt. Die besten fünf Ergebnisse der ersten sechs und die besten vier der letzten fünf Rennen zählten zur Meisterschaft. In der Konstrukteurswertung zählten dabei nur die Punkte des bestplatzierten Fahrers eines Teams. 1934 | — | 1936 | 1937 | 1938 | 1939 | — | 1960 | 1961 | 1962 | 1963 | — | 1965 | 1966 | 1967 | 1968 | 1969 | 1970 | 1971 | 1972 | 1973 | 1974 | 1975 | 1976 | 1977 | 1978 | 1979 | 1980 | 1981 | 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | — | 1992 | 1993 Südafrika | Spanien | Monaco | Niederlande | Frankreich | Großbritannien | Deutschland | Italien | Kanada | USA | Mexiko
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2024-12-03 17:28:39
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https://de.wikipedia.org/wiki/%E3%81%86
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う in Hiragana oder ウ in Katakana ist einer der japanischen Kana, welches ein Mora repräsentiert. In der modernen japanischen alphabetischen Sortierung steht es an dritter Stelle. Es ist außerdem der 24. Buchstabe im Iroha, direkt nach dem む und vor dem ゐ. In der Gojūon-Tabelle steht う in der ersten Spalte und in der dritten Reihe . Beide Laute repräsentieren . Für die Kombination うぅ bzw. ウゥ gibt es jedoch keine einheitliche Regelung im Hepburn-System, nach der Variante Hyōjun-shiki in der Fassung von 1974 wird diese als wu transkribiert. Die Hiragana-Variante des Dakuten ゔ wird fast niemals verwendet, da der Laut im ursprünglichen Japanisch nicht vorkommt. Beide Formen う und ウ sind via Man’yōgana vom Kanji 宇 abgeleitet . Die verkleinerten Versionen der Zeichen werden verwendet, um Moren zu erstellen, die in der japanischen Sprache nicht vorkommen, zum Beispiel トゥ . Diese Anwendungsform ist relativ neu. In der Phrase Tutankhamuns cartouche zum Beispiel wird in dem neueren Lehnswort cartouche die neue phonetische Form verwendet. Im älteren Wort Tutankhamun wird ツ als Annäherung verwendet: Das Zeichen う wird in seiner normalen Form auch verwendet, um den Ton o zu verlängern, zum Beispiel im Wort 構想, in Hiragana geschrieben こうそう , ausgesprochen kōsō. In einigen Worten wird zur Verlängerung das Zeichen お verwendet. Das hat morphologische oder geschichtliche Gründe. Das Kana ウ mit Dakuten geschrieben ヴ wird verwendet, um dem Japanischen fremde Phone darzustellen, und normalerweise mit ブ angenähert, um den Laut wiederzugeben. Das Hiragana う wird mit zwei Strichen gezeichnet: Das Katakana ウ wird mit drei Strichen geschrieben.
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2024-11-22 16:54:41
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https://de.wikipedia.org/wiki/Grand_Central_Dispatch
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Grand Central Dispatch ist eine Softwaretechnologie und eine Programmierschnittstelle, die von Dave Zarzycki beim Unternehmen Apple entwickelt wurde, um die Unterstützung von mehreren Hauptprozessoren bzw. Prozessorkernen durch Abstraktion zu verbessern. Der Quelltext für die Einbindung von Grand-Central-Dispatch-Diensten, libdispatch, wurde am 10. September 2009 von Apple offengelegt. Grand Central Dispatch wurde ursprünglich entworfen, um Softwareentwicklern unter macOS , beginnend mit Mac OS X Snow Leopard , die Nutzung von mehreren Prozessorkernen zu erleichtern. Dies war nur ein logischer Schritt, nachdem zum Zeitpunkt der Einführung nahezu jeder Apple-Computer mit Mehrkernprozessor vertrieben wurde. Die Grundkonzeption der Technologie ist es, einzelne, zu verarbeitende Aufgaben zu definieren, die dann von GCD verwaltet und auf die verfügbaren Prozessoren verteilt werden. Daraus ergeben sich als Vorteile, dass sich Entwickler für die Implementierung von einfachen parallelen Aufgaben nicht mit den Details von Multithreading auskennen müssen, sowie dass Grand Central Dispatch unabhängig von der Anzahl der Prozessorkerne arbeitet – damit wird der Programmieraufwand für die Entwickler erheblich reduziert. Grand Central Dispatch beruht auf den gleichen Prinzipien wie auch Microsofts Task Parallel Library für das .Net-Framework, Suns Concurrency API für Java und Intels Threading Building Blocks. Am 26. September 2009 wurde die Verfügbarkeit von libdispatch unter FreeBSD 8.1 bekanntgegeben. Auch MidnightBSD 0.3-CURRENT beinhaltet libdispatch. Der aktuelle Quelltext des libdispatch-Projektes kompiliert und funktioniert auch unter Linux. Er wurde der Debian-Distribution bereits als Paket vorgeschlagen. Windows wird von zwei Forks unterstützt, die auf opensource.mlba-team.de und Github zu finden sind. Es wird angestrebt, libdispatch als ursprünglichen Bestandteil von Cocoa auch in andere Frameworks, wie etwa Qt, einzubinden.
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2024-12-01 13:10:33
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https://de.wikipedia.org/wiki/Kathleen_Hanna
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Kathleen Hanna ist eine US-amerikanische Musikerin, feministische Aktivistin und Autorin. Sie war Sängerin der Punkband Bikini Kill und gründete die Electropunkband Le Tigre. Außerdem veröffentlichte sie 1998 unter dem Namen Julie Ruin ein gleichnamiges Soloalbum. Sie trug erheblich zur Erneuerung des Feminismus in den USA bei und gilt als Symbolfigur der Riot-Grrrl-Bewegung. Kathleen Hannas Kindheit war geprägt von mehreren Wohnortwechseln, da ihr Vater mehrfach seinen Arbeitsplatz wechselte. Im Alter von neun Jahren nahm ihre Mutter sie mit auf eine Kundgebung der US-amerikanischen Feministin und Frauenrechtlerin Gloria Steinem, wo Hanna zum ersten Mal mit feministischem Gedankengut in Kontakt kam. Bald schon teilte sie die Sympathien ihrer Mutter zur Frauenbewegung und begann sich für feministische Literatur zu interessieren, insbesondere für Betty Friedans Buch Der Weiblichkeitswahn . Diese Erfahrungen prägten ihr Leben laut eigener Aussage erheblich und führten dazu, dass sie sich schon früh in ihrer Jugend für feministische Anliegen starkmachte. In einem Interview sagte Hanna, dass Feminismus für sie die Beendigung der Unterdrückung aller Menschen darstellt und nicht nur von weißen Frauen, welche die Karriereleiter hochklettern. In den späten 1980er-Jahren begann sie am Evergreen State College in Olympia, Washington ein Fotografie-Studium, das sie sich mit Auftritten als Burlesque-Tänzerin finanzierte. In dieser Zeit gründete sie zusammen mit ihren Freundinnen Heidi Arbogast und Tammy Rae Carland die unabhängige feministische Kunstgalerie Reko Muse. Bald begannen die drei Gründerinnen ihre Ausstellungen mit Bandauftritten zu eröffnen und gründeten dazu die Band Amy Carter. Zudem veranstaltete Hanna Spoken-Word-Auftritte, bei denen sie Themen wie Sexismus und Gewalt gegen Frauen ansprach. Inspiriert durch die Schriftstellerin Kathy Acker, die ihr den Rat gab, die Spoken-Word-Auftritte zugunsten einer Bandkarriere aufzugeben, gründete sie anschließend die Band Viva Knievel, mit der sie zwei Monate lang durch die USA tourte, bevor sich die Band wieder auflöste. In der Folgezeit schrieb sie zusammen mit ihren Mitstudentinnen Tobi Vail und Kathi Wilcox die Zines Revolution Girl Style Now und Bikini Kill, in denen sie sich kritisch über die verbreitete Diskriminierung von Frauen in der Punk-Rock-Szene äußerten. Um ihre Ideale durchzusetzen, gründeten die Drei 1990 schließlich zusammen mit Billy Karren als viertem Mitglied eine Punkband, die sie nach ihrem Zine Bikini Kill nannten. In den folgenden Jahren veröffentlichte die Band beim Independent-Label Kill Rock Stars fünf Alben, eine EP und mehrere Singles. Zudem wurde die Band von mehreren bekannten Künstlern, wie z. B. Nirvana oder Joan Jett, sowohl musikalisch als auch politisch unterstützt. Im April 1998 löste sich die Band schließlich auf. Nach der Auflösung widmete sich Hanna diversen anderen Musikprojekten, darunter auch ihrem Soloprojekt Julie Ruin, mit dem sie im August 1998 ein gleichnamiges Album veröffentlichte. Noch im selben Jahr zog sie nach New York City um und gründete dort zusammen mit der Zine-Herausgeberin Johanna Fateman und der Videokünstlerin Sadie Benning die Electropunkband Le Tigre, die anfangs eigentlich nur als Livebegleitband für Julie Ruin gedacht war. Die Band veröffentlichte bis heute insgesamt drei Alben, sechs EPs und mehrere Singles und war bis 2004 beim Label Mr. Lady Records unter Vertrag. Im Januar 2007 gab die Band bekannt, eine längere Pause einlegen zu wollen. Seitdem unterrichtete Hanna u. a. Kunst an der New York University und engagierte sich für diverse feministische Organisationen. Aufgrund der allgegenwärtigen Diskriminierung von Frauen in der Punkszene der frühen 1990er-Jahre verfasste Hanna regelmäßig zusammen mit anderen Frauen und Mitgliedern feministischer Bands sozialkritische Zines, in denen sie den Sexismus der von Männern dominierten Punkszene und mangelnde Gleichberechtigung von Frauen kritisierten. Diese feministische subkulturelle Punk-Bewegung, die sich anfangs vor allem auf Olympia, Washington, konzentrierte, brachte eine Fülle von Bands hervor, wie z. B. Babes in Toyland, Bikini Kill, Bratmobile, The Donnas, Hole, Jack Off Jill, L7, Le Tigre, Sleater-Kinney oder Team Dresch. Die Riot-Grrrl-Bewegung wurde nach dem von Hannas Band Bikini Kill und Mitgliedern der Band Bratmobile herausgebrachten Zine Riot Grrrl benannt. Auch der Slogan der Bewegung geht auf den Titel eines ihrer Zines zurück. Aufgrund ihres Engagements wird Kathleen Hanna deshalb bis heute als eine der frühesten und prominentesten Vertreterinnen der Bewegung angesehen, obwohl sie sich selbst mittlerweile nicht mehr als Teil davon sieht. Hannas Leben und ihre Rolle in der Riot-Grrrl-Bewegung untersuchte die Filmemacherin Sini Anderson in der 2013 veröffentlichten Dokumentation The Punk Singer. Hanna heiratete 2006 ihren langjährigen Freund Adam „Ad-Rock“ Horovitz, einen Rapper der Hip-Hop-Gruppe Beastie Boys. Hanna unterstützt die Pro-Choice-Bewegung und bekannte sich öffentlich dazu, in ihrer Jugend eine Abtreibung durchgeführt zu haben. Mit ihrem Beispiel will sie andere Frauen dazu ermutigen, offen über das Thema zu diskutieren und soziale Stigmatisierung zu überwinden. Hanna ist Atheistin. Der Titel von Nirvanas Lied Smells Like Teen Spirit entstand, als Hanna den Satz „Kurt Smells Like Teen Spirit“ an eine Wand in Kurt Cobains Wohnung schrieb, da Cobain nach dem Deodorant namens „Teen Spirit“ roch, das seine damalige Freundin Tobi Vail benutzte. Cobain gefiel die Implikation des Satzes, er verwendete ihn schließlich als Songtitel.
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2024-12-01 21:48:43
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https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Roberts_(Jockey)
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Michael Muis Roberts ist ein ehemaliger südafrikanischer Jockey. Die Karriere von Roberts begann in seinem Geburtsland Südafrika, wo er fünf Jahre an der südafrikanischen Akademie der Jockeys verbrachte, einem Nährboden für viele Spitzenjockeys. Insgesamt elfmal errang er den Titel des Champion Jockeys in seiner Heimat. Roberts kam 1978 nach Großbritannien und errang dort im selben Jahr noch 25 Siege. 1992 wurde er mit 206 Siegen Champion Jockey in Großbritannien. Seinen 1000. britischen Sieg holte er 1994 und er siegte 3.964 Mal in seiner weltweiten Karriere. Er hat über 25 Gruppen-Rennen einschließlich des Japan Cup 1995 auf Lando gewonnen. 1991 gewann er mit Sikeston den Premio Roma. Im September 2001 hatte er in Wolverhampton einen schweren Sturz mit Rückenwirbelverletzungen, der seine Karriere beendete, aber auch seine neue Laufbahn als Trainer einleitete.
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2024-11-29 09:14:39
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https://de.wikipedia.org/wiki/Antijudaismus#Martin_Luther
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Als Antijudaismus wird die Judenfeindschaft aus religiösen Motiven bezeichnet. Meist umfasst der Begriff die Gesamtheit antijüdischer Theorien und Verhaltensweisen im Christentum. Bei einer weiteren Definition umfasst er auch vorchristliche, örtlich und zeitlich begrenzte antike Judenfeindschaft und Judenfeindlichkeit im Islam. Antijudaismus durchzog die Kirchengeschichte seit ihren Anfängen. Nach Trennung des Christentums vom Judentum begleitete er den Aufstieg zur Staatsreligion des Römischen Reiches , die Christianisierung Europas, den universalen Herrschaftsanspruch des Papsttums und die Religionspolitik vieler christlicher Landesherren. Da Juden Jesus von Nazaret nicht als den Messias und Sohn Gottes anerkennen, stellten sie das kirchliche „Wahrheitsmonopol“ schon durch ihr Dasein in Frage. Sie wurden daher seit dem 4. Jahrhundert im christlichen Europa rechtlich, sozial und ökonomisch benachteiligt, ausgegrenzt und oft verfolgt, vertrieben und vielfach ermordet. Dies rechtfertigten Christen wiederum als „Strafe“ oder „Fluch Gottes“ für die angebliche „Verstockung“ oder „Gotteslästerung“ der Juden. Der Antijudaismus der Alten Kirche untermauerte großenteils überkommene judenfeindliche Stereotype, die in Ägypten verbreitet waren, mit einer Ideologie, die aus der Bibel hergeleitet, in gesamtkirchliche Lehren integriert, offiziell geschürt, europaweit verbreitet und so zu einem kulturellen Dauerzustand in der Geschichte Europas wurde. Er gilt deshalb als historische Voraussetzung des neuzeitlichen Antisemitismus. Das Verhältnis beider Formen zueinander und damit die Definition von Antisemitismus werden in der Antisemitismusforschung diskutiert. Das Neue Testament repräsentiert die wichtigsten Schriften des Urchristentums, die etwa zwischen 40 und 130 entstanden. Die Autoren waren fast alle Juden und verstanden sich als Angehörige des Judentums. Die NT-Texte setzen die bleibende Erwählung des Volkes Israel zum „Volk Gottes“ voraus und sehen den Juden Jesus aus Nazaret als Bestätigung dafür. Zugleich behaften sie die damaligen religiösen Führer der Juden und die ausführenden Römer mit der Schuld an seiner Kreuzigung. Jesus Christus habe sein Leben zur Versöhnung Gottes mit seinem Volk und mit allen Menschen gegeben. Paulus von Tarsus, der Begründer der Völkermission, sah Jesu stellvertretende Schuldübernahme als Erfüllung des Bundes Gottes mit dem erwählten Volk Israel. Dieser Bund sei nie gekündigt worden und der unaufgebbare Existenzgrund der Kirche. Er warnte judenfeindliche Christen in Rom, diese Wurzel zu leugnen und so ihr eigenes Heil zu verlieren . Sein Römerbrief gilt daher als ältestes Zeugnis gegen christlichen Antijudaismus. Die NT-Schriften widersprechen also einer pauschalen Ablehnung des Judentums, enthalten gleichwohl aber innerjüdische Polemik der Urchristen gegen andere damalige Juden. Später verwendeten Heidenchristen immer wieder einige dieser antijüdischen Aussagen ohne ihren Eigenkontext, um damit die Entrechtung, Unterdrückung und Verfolgung aller Juden zu rechtfertigen: etwa mit Mt 27,25 EU , Joh 8,44 EU oder 1 Thess 2,14-16 EU . Ob der spätere gesamtkirchliche Antijudaismus im NT selbst angelegt war und zwangsläufig daraus hervorging, ist in der Forschung stark umstritten. Die Christen missionierten anfangs vor allem unter Juden und „gottesfürchtigen“ Nichtjuden, die die Tora wie sie selbst als gültigen Willen Gottes achteten. Die Theologen der Alten Kirche entwickelten ihre Lehren unter ständiger Berufung auf die Bibel und versuchten, Jesu Messianität daraus zu beweisen. Dazu deuteten sie deren Texte oft gegen den Wortlaut als Hinweise auf Jesus Christus. Folglich grenzten Juden und Christen ihre Bibelauslegung gegeneinander ab; beide Seiten polemisierten heftig gegeneinander. Entgegen manchen NT-Versen, die das nahelegen, beteiligten sich Juden jedoch nicht an den Christenverfolgungen im Römischen Reich. Die Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die Römer beschleunigte den Trennungsprozess: Um 100 schlossen die Pharisäer als nunmehr führende jüdische Gruppe unter anderen die Christen als häretische Sekte aus dem Judentum aus und kanonisierten den Tanach. Ihre griechische Bibelübersetzung überließen sie den Christen, die sie später ihrerseits als Altes Testament kanonisierten. Mit dem Verlust der religiösen Teilautonomie und des Siedlungsrechts der Juden in Israel war die Trennung vom Christentum vollendet. Dieses bestand nun mehrheitlich aus Nichtjuden. Für die Mission unter Nichtjuden übernahmen die Kirchentheologen nun auch die überlieferten ägyptisch-römischen Klischees über Juden und untermauerten sie mit ihrer Bibelauslegung. Als frühe Dokumente des kirchlichen Antijudaismus gelten der Barnabasbrief , der Brief an Diognet und der Dialog mit dem Juden Tryphon . Sie enthalten erstmals jene Thesen, die später offizielle Kirchenlehren wurden: Infolge der Ersatz- oder Substitutionstheologie wurde den „von Gott verworfenen“ Juden auch ein Wohlergehen auf der Erde und ein Platz in der vom Christentum dominierten Gesellschaft abgesprochen und verwehrt. Ihre vermeintliche himmlische Ausgrenzung sollte auch eine irdische Entsprechung haben. Ausgangspunkt der antijudaistischen Lehren war der in einigen NT-Stellen angelegte Pauschalvorwurf, „die Juden“ hätten Jesus als ihren Messias abgelehnt und seinen Tod böswillig herbeigeführt. Diese Schuld sei unaufhebbar und wirke als „Fluch“ in allen Generationen der Juden fort. Dieser Vorwurf einer angeblichen jüdischen Kollektivschuld wurde bis 160 zur Gottesmord-Theorie gesteigert . Daraus wurde ein angeblich krimineller Charakter der Juden und ihre angebliche Mordlust an Christen gefolgert. Bis 300 übernahmen die meisten Kirchenväter diese Theorie und verbreiteten sie, etwa in Lasterkatalogen und Predigten zu hohen kirchlichen Feiertagen. Johannes Chrysostomos etwa predigte wenige Jahre nach dem nizänischen Konzil : „Wieder schicken sich die armen Juden, die unglücklichsten aller Menschen, an zu fasten, und wieder ist es nötig, die Herde Christi zu sichern . - Jene wissen nicht einmal im Traum etwas davon, sie, die für den Bauch leben, nach dem Gegenwärtigen gieren, nicht besser als Schweine und Böcke, was ihre Haltlosigkeit anbetrifft und ihre grenzenlose Völlerei . - Hör doch die Propheten, besser noch, hör Gott, wie er sie kategorisch von sich weist: Ich hasse eure Feste, ich verabscheue sie . - Deswegen hasse auch ich die Juden, weil sie im Besitz des Gesetzes gegen das Gesetz freveln und so die Schwächeren zu verführen suchen .“ Solche „harten Worte“ richtete Johannes Chrysostomus jedoch auch an die Adresse von Heiden oder Christen und waren eine damals durchaus übliche Rhetorik. Die jüdische Geschichte, besonders Tempel- und Landverlust, Zerstreuung, Verfolgung und Diaspora, wurde als Strafe Gottes für die Kreuzigung Jesu gedeutet. Aus diesem „Geschichtsbeweis“ wurde gefolgert, das Judentum sei zum Untergang verdammt und die übrigen Juden könnten nur durch die christliche Taufe gerettet werden. Viele frühchristliche Schriften zu verschiedenen Themen enthielten auch judenfeindliche Inhalte. Ab etwa 175 verfassten christliche Autoritäten gesonderte Schriften mit dem Titel Adversus Judaeos . Erhalten sind Texte dieser Art von Tertullian, Hippolyt von Rom, Cyprian und anderen. Sie spiegeln nur zum Teil reale Konflikte mit Juden und dienten nicht der Judenmission, die damals weithin als zwecklos aufgegeben worden war, sondern der innerchristlichen Identitätsfindung. Sie sollten Christen angreifen, die jüdische Traditionen wahrten, Christen für kommende Dispute mit Juden wappnen oder Nichtchristen vor befürchteten jüdischen Einflüssen warnen. Sie wurden zu einer von den Zeitumständen weitgehend unabhängigen Literaturgattung, die die antijudaistische Lesart des Alten Testaments für Jahrhunderte festlegte. Eusebius von Caesarea, der erste Kirchenhistoriker, führte die Fluchtheorie zu einer Geschichtstheologie aus, indem er behauptete, alle negativen Figuren der Bibel seien Juden, alle positiven dagegen „Hebräer“ gewesen. Letztere hätten den wahren Glauben gegen die Juden bewahrt und den Christen überliefert, die ihre von Beginn an erwählten Nachfahren seien. So sprach er den Juden alle biblischen Zusagen und Bundesschlüsse Gottes ab, kennzeichnete sie durchgehend als Feinde Gottes und stellte sie den Christen als eigene ethnische Gruppe gegenüber. Die Konstantinische Wende beendete die staatlichen Christenverfolgungen im Römischen Reich. Die Kirche hatte bis dahin bereits das monarchische Episkopat , eine in fünf Patriarchate und Parochien gegliederte zentralistische Verwaltungsstruktur und die Idee des Papsttums entwickelt. Kaiser Konstantin I. privilegierte das Christentum rechtlich, etwa mit Einführung der allgemeinen Sonntagsfeier , gegenüber dem bisherigen römischen Staatskult, dem Heidentum und dem Judentum. 315 verbot er den Übertritt zum Judentum mit Androhung der Todesstrafe und verbot schließlich Juden die Mission, Kauf und Beschneidung christlicher Sklaven. Gleichwohl behielt das Judentum seinen Status als erlaubte Religion . Kaiser Julian ergriff letztmals staatliche Maßnahmen gegen die Kirche. Sie fanden den Beifall vieler Juden, der die Judenfeindlichkeit der Christen verstärkte. Als Theodosius I. das Christentum 380 zur Staatsreligion des Römischen Reiches erhob, war das Fundament für den mittelalterlichen Antijudaismus gelegt. Das Christentum verbreitete sich bis 400 im ganzen römischen Reich. Jüdische Gemeinden gab es überall, seit 321 nachweisbar auch auf später deutschem Boden in Köln. Juden galten der Kirche wie „Heiden“ als „Ungläubige“, aber noch nicht als „Ketzer“. Sie durften nicht mehr missionieren, sondern wurden abgesondert und waren ständig gefährdet. Seit 380 kam es zu vereinzelten Stürmen auf heidnische Tempel und jüdische Synagogen. Diese gingen meist von Bischöfen, Priestern und Mönchen aus, wurden von den kaiserlichen Beamten aber in der Regel geduldet, vom Volk getragen und ausgeführt. 388 verbrannte eine vom dortigen Bischof aufgehetzte Gruppe Christen die Synagoge von Callinicum in Kleinasien. Dies reagierte eventuell auf Christenverfolgungen im Sassanidenreich, an der teils auch Juden beteiligt waren. Bischof Ambrosius von Mailand verhinderte den Wiederaufbau der Synagoge, indem er Theodosius die Sakramente verweigerte. Es sei nicht recht, das Geld von Christen für den Bau von Tempeln für Ungläubige zu verwenden und die Juden derart zu „begünstigen“. Darauf zog der Kaiser sein Vorhaben zurück. 410 zog eine Mönchstruppe unter Barsauma von Samosata durch Palästina, zerstörte dort Synagogen und richtete ein Blutbad unter Jerusalems Juden an. Bischof Kyrill von Alexandria hetzte – wie 300 Jahre vor ihm die hellenisierten Ägypter – zur Zerstörung der Synode von Alexandria, Vertreibung der Juden und Plünderung ihres Besitzes. 418 auf Menorca brannte ein Mob die Synagoge nieder und zwang alle dortigen Juden zur Taufe. Erneut war ein Bischof, Severus von Menorca, führend beteiligt. Unter dem Druck der Kirche entzogen die spätantiken Kaiser den Juden immer mehr frühere Rechte. Theodosius II. verbot den Bau neuer Synagogen und setzte 415 den letzten jüdischen Patriarchen, Gamaliel VI., wegen Verstoßes dagegen ab. Das beendete 429 das jüdische Patriarchat in Palästina. Der Kaiser legalisierte 438 die Umwandlung alter Synagogen in Kirchen. Die kirchlichen Konzile vom 4. bis 7. Jahrhundert erließen zahlreiche Edikte, die den Kontakt mit Juden und deren Einfluss unterbanden. Jeder Bürger konnte Juden durch Anzeige gerichtlich verfolgen lassen. Mission, Erwerb und Besitz christlicher Sklaven und Bekleidung öffentlicher Ämter wurden ihnen wiederholt verboten, Mischehen wurden diskriminiert, das Vermögen musste vorrangig getauften Kindern vererbt werden. So sollte das Judentum im Zustand der unterworfenen, gottfeindlichen, schwindenden Minderheit bleiben. Die entsprechende Kaisererlasse von 315 bis 429 wurden im Codex Theodosianus, danach im Codex Iustinianus gesammelt und wurden so zum Vorbild mittelalterlicher Judenpolitik. Augustinus von Hippo rechtfertigte diese Maßnahmen mit seinem Tractatus adversus Judaeos. Auf den jüdischen Vorwurf, die Kirche beanspruche zwar das Alte Testament, missachte aber die darin enthaltenen Gebote, antwortete er: „Wir beachten also die Sakramente nicht, die dort vorgeschrieben sind, weil wir verstehen, was dort vorhergesagt ist , und weil wir besitzen, was dort versprochen ist. Wie nämlich sollten sie dies sehen, über die vorhergesagt ist: ‚Ihre Augen mögen verdunkelt werden, damit sie nicht sehen‘, und wie sollten sie aufrecht sein und ihr Herz erheben, über die vorhergesagt ist: ‚Und ihr Rücken sei stets gebeugt‘ .“ Hier taucht die Blindheit der Synagoge auf, die als Gegenbild zur triumphierenden Ecclesia zum feststehenden Motiv des Mittelalters wurde. Über den jüdischen Erwählungsglauben sagte Augustin: „Ihr gehört also zu jenem Volk, das der Gott der Götter berufen hat von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Seid ihr nicht aus Ägypten ins Land Kanaan geführt worden? Aber ihr seid von dort zerstreut, nach Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Gehört ihr nicht eher zu den Feinden dessen, der im Psalm spricht: ‚Mein Gott hat mir an meinen Feinden bewiesen: Töte sie nicht, damit sie nicht dein Gesetz vergessen; zerstreue sie in deiner Macht‘ ?“ Hier sollte die Tatsache der Zerstreuung der Juden also den Verlust ihrer göttlichen Erwählung und Lebensverheißung beweisen. In dieser Rolle hielt die Kirche das Judentum fortan als Demonstrationsobjekt ihrer Überlegenheit fest. Dass das Judentum dennoch weiter existierte, erklärte Augustinus in De Civitate Dei so: „Die Juden sind Zeugen ihrer Bosheit und unserer Wahrheit.“ Erst bei der Parusie Jesu Christi würden sie sich bekehren; bis dahin seien sie für Gottes Heilsplan notwendig. Sie dienten unfreiwillig dessen Durchsetzung, indem sie mit ihrer Bibel die Weissagungen auf Christus verbreiteten und so der christlichen Völkermission den Weg ebneten. Darum müssten christliche Herrscher sie schützen. Diese Haltung bestimmte den Umgang mit jüdischen Minderheiten unter christlicher Herrschaft: Die Juden wurden in untergeordneter Stellung gehalten, um an ihnen die Überlegenheit des Christentums demonstrieren zu können. Die irrtümlich Augustin zugeschriebene Disputation Altercatio Ecclesiae et Synagogae lässt die allegorische Figur der Kirche zur Synagoge sagen: „Du kannst Dich nicht ändern, immer verneinst Du und streitest in Falschheit darüber, was falsch ist. Gewiss habe ich zuvor gesagt, dass Du regiert hast, als das Volk Israel ein großes Reich besaß. Schau auf die Feldzeichen der Legionen, und Du findest den Namen des Erlösers: Siehe, die Bekenner Christi sind die Herrscher, und erkenne, dass Du von der Regierung ausgeschlossen bist, und gestehe, dass Du uns – gemäß dem Versprechen des Testaments – dienst; Du zahlst mir Tribut, hast keinen Zugang zur Regierung, kannst keine Präfektur innehaben; ein Jude kann nicht Comes sein, der Eintritt in den Senat ist Dir untersagt; Du wirst nicht in den Militärdienst aufgenommen, zur Tafel der Reichen bist Du nicht zugelassen, Du hast den Ritterstand verloren, alles ist Dir verboten. Selbst zum Essen, womit Du Dein Leben fristen kannst, erhältst Du nicht das Nötige. Lies, was der Rebekka gesagt wurde, als sie die Zwillinge gebar: ‚Zwei Stämme sind in meinem Schoß und zwei Völker werden sich scheiden aus Deinem Leibe, und ein Volk wird dem Anderen überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen‘ .“ So eignete sich die Kirche die Israel zugesagten biblischen Verheißungen an, um ihre Macht zu legitimieren. Diese triumphale Selbstbestätigung und Erniedrigung des Judentums wurde dann in den mittelalterlichen Schauspielen jedes Jahr aufs Neue dem Volk vorgeführt. Erst als das Weströmische Reich 476 endgültig zusammenbrach, wurde die Entrechtung der Juden vorübergehend von einer nationalen und religiösen Pluralität abgelöst. In Ostrom schränkten die Judengesetze des Kaisers Justinian I. 534 die Rechte der jüdischen Minderheit noch mehr ein. Doch Justinian erließ auch verschiedene Schutzvorschriften für Juden wie die Gewährleistung der Sabbatruhe und der jüdischen Feiertage sowie Bestimmungen hinsichtlich innerjüdischer Zivilprozesse. Seit der persischen Invasion zu Beginn des 7. Jahrhunderts ordnete Kaiser Herakleios jedoch teils Zwangstaufen an. Dieses Vorgehen war wohl mit dem Verhalten der Juden begründet, die die einfallenden Sassaniden teils aktiv unterstützt hatten. Dabei war es auch zu Gräueltaten an Christen gekommen. In der neueren Forschung wird allerdings darauf hingewiesen, dass die konkrete Umsetzung im gesamten Reich sehr fraglich ist und der Hintergrund der Maßnahme wohl eschatologischer Natur war; man hoffte so, den Staat in einer Zeit religiöser Unruhe zu stabilisieren. Letztlich scheiterte die kaiserliche Strategie wohl auch deswegen, weil das Zusammenleben der verschiedenen religiösen Gruppen stärker von pragmatischen Bedürfnissen geprägt war und so die konkrete Umsetzung vor Ort oft ausblieb. In späterer Zeit wanderten auch zahlreiche Juden in das Byzantinische Reich ein; vor allem in der Zeit der Palaiologen kam es dort zu einem lebhaften Aufschwung der jüdischen Gemeinden. Viele Goten wurden während der Völkerwanderung Christen und wandten sich im 4. Jahrhundert dem Arianismus zu, auch nachdem die Konzile von Nicäa und Konstantinopel diesen als Häresie verurteilt hatten. Der Ostgotenkönig Theoderich der Große führte den Arianismus 493 in Italien für seine Heere und Beamten ein, zwang ihn aber Römern und Katholiken nicht auf. Diese relative Toleranz kam auch dem Judentum zugute. Die Westgoten ließen der katholischen Mehrheit und jüdischen Minderheit der Iberischen Halbinsel ihren Glauben. Aber schon 305 hatte die Synode von Elvira erste antijüdische Gesetze erlassen: Christinnen wurde es verboten, Juden zu heiraten, wenn diese nicht vorher konvertierten. Juden wurde verboten, Christen Gastfreundschaft zu gewähren, christliche Konkubinen zu haben und die Felder von Christen zu segnen. 587 trat König Rekkared I. zum Katholizismus über. Dies stieß bei Arianern und Juden auf Widerstand. Daraufhin verordnete 589 ein Konzil von Toledo, damals Hauptstadt des Westgotenreichs, Kinder aus Beziehungen von Juden und Christen zwangszutaufen. Ab 613 bis 620 verordnete König Sisebut weitere Zwangstaufen, nun auch von Erwachsenen. Die Kirchenkonzile bestätigten die darauf folgenden Sondergesetze gegen die zwangsbekehrten Juden: Die Archive des Klerus, nicht des Staates, verwalteten die abverlangten „Treueschwüre“ der Neugetauften. Ihnen wurde das Reisen und Ansiedeln stark erschwert, indem sie sich in jedem Ort neu die Weiterreise erlauben lassen mussten. Ein Spitzelsystem überwachte jeden ihrer Schritte, so dass ihre Lage schlimmer war als die der nichtgetauften Juden zuvor. Trotzdem beeinflussten die getauften „Neuchristen“, die in den Dokumenten der Kirche stets weiter „Juden“ genannt wurden, die „Altchristen“ mehr als umgekehrt. Daraufhin verfasste Isidor von Sevilla zwei polemische Schriften für die christliche Unterweisung der Zwangsbekehrten. Sie argumentieren mit Stellen aus dem Buch der Psalmen, die auf die Menschwerdung Christi verweisen sollten. Kurz darauf verfasste auch Ildefons von Toledo einen Traktat De Virginitate beatae Mariae, der die Jungfrauengeburt Jesu gegen von Juden eingebrachte Zweifel daran verteidigte. Aufgrund brutaler Übergriffe Egicas auf die verbliebenen Gemeinden nahmen einige der „bekehrten“ Juden Kontakte zu jüdischen Gemeinden in Nordafrika auf, um Fluchtmöglichkeiten zu erkunden. Dies stellte der König 694 zur Eröffnung des Konzils in Toledo als versuchte staatsfeindliche Verschwörung mit Muslimen dar, die seit 672 begonnen hatten, südspanische Küstenstädte zu überfallen. Er drängte darauf, alle spanischen Juden, ob Greis, Frau oder Kind, ohne individuelle Prüfung der Vorwürfe unbefristet zu verurteilen: Er nahm nur die gallische Provinz Septimanien aus, wo sie als Steuerzahler unentbehrlich waren. Dieser Versuch, das Judentum als Religion völlig auszulöschen, wurde erneut mit ihrer „Verstockung“, „Gotteslästerung“ und dem „Vergießen von Christi Blut“ begründet. Erst die islamischen Eroberer setzten diesem Vorgehen 713 ein Ende. In der Karolingerzeit waren Juden relativ geschützt und geachtet. Doch die christliche Ständegesellschaft schloss sie seit dem späten 10. Jahrhundert von allen „ehrenwerten“ Berufen aus und verhinderte ihre soziale Integration durch rechtliche Schranken. Ihre stets bedrohte Randexistenz prägte die mittelalterliche Gesellschaft. Im Frühmittelalter war der größte Teil Westeuropas katholisch christianisiert. In dieser Zeit kam es kaum zu Übergriffen auf Juden. Doch die Tradition der Kirchenväter, Schriften adversus Judaeos zu verfassen, wurde von den christlichen Theologen fortgesetzt. Sie verbreiteten die Ansicht, die Juden hielten sich für auserwählt und seien zudem die Mörder Christi. So impften sie den neuen Gläubigen das tiefe Misstrauen gegen sie ein. Im Frankenreich fanden Juden eine sichere Zuflucht. Karl der Große gewährte ihnen kirchlichen Schutz und räumte ihnen als Händlern besondere Privilegien ein. Daraufhin wurden einige Juden sehr reich. Im Volk entstand der Eindruck, es ginge allen Juden besser als ihnen. Manche konvertierten deshalb zum Judentum. Ludwig der Fromme stellte die Juden dann erneut unter seinen Schutz. Doch bald mussten sie sich diesen erkaufen, beispielsweise durch eine Sondersteuer oder so genannte Judenbriefe. Im 9. Jahrhundert entwickelte sich allmählich das feudalistische Lehnswesen . Grundbesitz war in Europas mittelalterlichen Agrarstaaten die wichtigste Voraussetzung für politische Teilhabe. Nichtchristen durften unter den Karolingern keine Lehnsmänner werden. Juden wurde es untersagt, Grundbesitz zu erwerben, so dass sie sich in Städten niederlassen mussten. Sie blieben ohne politischen Einfluss und konnten nicht zum Adel aufsteigen, weder von Geburt noch durch Verdienste wie das spätere Rittertum. Ab dem 10. Jahrhundert organisierten sich die Handwerker der Städte in Zünften, die zugleich christliche Bruderschaften waren. Sie verweigerten Juden die Mitgliedschaft und verdrängten sie so aus den meisten Berufen. Die Juden mussten sich auf von Christen geächtete Berufe wie Trödelhandel, Pfandleihe oder Kreditvergabe spezialisieren. Dabei war ihnen maßvolle Zinsnahme erlaubt. Da aber die wenigsten Kleingewerbe ohne Geldkredite auskamen, wurden Juden, besonders in ökonomischen Krisen, als „Wucherer“ betrachtet und beschimpft. Daraus entwickelte sich das Stereotyp des reichen, habgierigen, betrügerischen Juden. Die Geschichte des Aufstiegs und der Christianisierung der Kiewer Rus ist eng mit der Zerschlagung des Chasarenreichs verbunden, eines Khaghanats zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer. Dieses Reich hatte zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert die jüdische Religion als Staatsreligion eingeführt. 956 oder 957 zerstörte Swjatoslaw I. die Reichshauptstadt Itil an der Wolga und besiegelte damit den Untergang des Chasarenreichs. In der Tauflegende um Großfürst Wladimir I. von Kiew spielen die Chasaren noch einmal eine Rolle: Nach der Nestorchronik habe Wladimir Vertreter der vier großen Religionen empfangen, um selbst zu entscheiden, welcher Religion sich die Rus anschließen sollten. Das Judentum vertreten in dieser Legende Gesandte der Chasaren. Die Juden werden in der Legende als das zerstreute Volk dargestellt, das den Zorn Gottes auf sich gezogen habe und deshalb aus seiner Heimat vertrieben wurde, was ihre Religion aus der Sicht des Kiewer Fürsten gänzlich unattraktiv erscheinen lässt. Von Konstantinopel, dessen Religion sie annahmen, übernahmen die Kiewer Großfürsten auch den byzantinischen Antijudaismus. Ob nach der Zerschlagung des Chasarenreichs größere Gemeinschaften von Chasaren im Kiewer Herrschaftsgebiet existierten, ist in der historischen Forschung umstritten. Unter Großfürst Wladimir Monomach kam es um 1113 zu einem ersten Pogrom an Juden in Kiew. Geduldet blieben nur die kleinen, relativ wohlhabenden Gemeinden der Karäer. Mit Beginn des 11. Jahrhunderts wurden Juden immer öfter nicht nur als Feinde des wahren Glaubens, sondern auch als innenpolitische Verbündete äußerer Feinde des Heiligen Römischen Reiches dargestellt. Das bedrohte ihre bisherige relative Duldung schwer. 1007 eroberte Kalif Hakim Jerusalem, zerstörte dort die Grabeskirche und viele weitere Kirchen im „Heiligen Land“. Obwohl er ebenso gegen Synagogen vorging, hieß es in Frankreich: Dieses „ungeheure Verbrechen“ sei durch die „Bosheit der Juden“ bewirkt worden . So wurden diese nun landesweit aus Städten und Dörfern verbannt, in Flüssen ertränkt oder enthauptet. Viele töteten sich selbst, die übrigen ließen sich taufen. Papst Johannes XVIII. sandte vergeblich einen Legaten, um die Verfolgung zu beenden. Der Bevölkerung galt diese dennoch als von „Gott“ befohlenes Werk. Dies war ein deutliches Signal für die spätere Kreuzzugspropaganda. Nach dem 1. Investiturstreit hatte der neue Papst Urban II. an Macht gewonnen. Er sah sich nun als dem König- und Kaisertum übergeordnet und zur Weltherrschaft berufen. Als die türkischen Seldschuken Kleinasien eroberten und Byzanz bedrängten, nutzte er sein Amt am 27. November 1095 erstmals zu einem politischen Aufruf an alle Europäer. Der Erste Kreuzzug sollte Jerusalem von den „Heiden“ – den islamischen Herrschern – befreien. Das Bauernheer von 1096 wie auch das Ritterheer von 1097 sahen sich legitimiert, gegen alle Nichtkatholiken, vor allem gegen Juden – nach Guibert von Nogent die „übelsten Feinde Gottes“ –, vorzugehen und damit im eigenen Land zu beginnen. So berichtet der jüdische Chronist Salomo bar Simeon über den Herzog Gottfried von Bouillon: „Er tat den bösen Schwur, nicht anders seinen Weg zu ziehen, als indem er das Blut seines Erlösers an dem Blute Israels rächen und von jedem, der den Namen Jude trägt, weder Rest noch Flüchtling übrig lassen werde…“ Daraufhin baten die Juden Deutschlands Kaiser Heinrich IV. um Hilfe. Dieser wies Bouillon an, sie ungeschoren zu lassen, erlegte ihnen dafür aber eine hohe Geldzahlung an ihn auf. Auch Peter von Amiens erpresste von ihnen Geld und Wegzehrung für sein Heer. Das Gefolge von Emicho von Leiningen ließ sich dadurch nicht von Raub, Plünderung und Massenmord abhalten, da dies für einfache Bauern weit mehr Aussicht auf Reichtum bot. Verschuldete Adlige ergriffen die Gelegenheit, ihre verhassten Gläubiger und jüdischen Geldverleiher zu beseitigen. So zerstörten die Kreuzfahrer planmäßig viele der bislang blühenden jüdischen Gemeinden entlang der Reiseroute. Man ermordete die seit Generationen dort Ansässigen ohne Rücksicht auf Alter oder Geschlecht und hetzte die Fliehenden solange, bis auch sie getötet waren. Verschont wurden nur Juden, die sich rechtzeitig taufen ließen. Betroffen waren 1096 in Ostfrankreich u. a. Metz und Rouen, im Rheinland Speyer , Worms , Mainz , Trier, Köln , Neuss und Wevelinghoven , Altenahr , Xanten , Moers , Prag in Böhmen. Erst in Ungarn trafen die Kreuzfahrer auf Widerstand und wurden an der Grenze von einem katholischen Heer vernichtend geschlagen. Die übrigen Heere erreichten zuletzt das „Heilige Land“, wo sie in Jerusalem eins der grausamsten Massaker jenes Jahres anrichteten. Sie gingen in die jüdischen Annalen als Gezerot Tatnu ein. Noch heute wird in der jüdischen Liturgie der Opfer gedacht. Einige Kirchenführer versuchten das Morden aufzuhalten. Der Kölner Erzbischof verteilte Kölns Juden auf umliegende Dörfer und Städte, wo sie noch drei Wochen überlebten, bis man sie aufgespürt hatte. Dabei halfen oft ortsansässige Denunzianten. Nur eine Gruppe in Kerpen entging dem Tod. In vielen Fällen beging die versammelte Judengemeinde kollektiven Selbstmord, sobald ihr Versteck gefunden war. Deshalb stellte Heinrich IV. im Reichslandfrieden von 1103 die Juden unter seinen Schutz. Doch ein solches Dekret war nur begrenzt wirksam. Es verbot den Schutzbedürftigen das Tragen von Waffen. Menschen ohne Waffenrecht waren jedoch im mittelalterlichen Europa praktisch vogelfrei. Die folgenden Päpste hielten sich nun zurück: Im Decretum Gratiani von 1140 befassten sich nur wenige Canones mit den Juden. Als der Mönch Rudolph im Rheinland 1146 im Vorfeld des Zweiten Kreuzzugs erneut zu Judenpogromen hetzte, erließ Papst Eugen III. die Bulle Sicut Judaeis zu ihrem Schutz. Diese verbot Zwangstaufen, Übergriffe ohne Rechtsverfahren und erpresste Dienstleistungen, erlaubte ungestörte jüdische Feste, gebot den Schutz jüdischer Friedhöfe und drohte denen, die diese Regeln verletzten, die Exkommunikation an. Zugleich verlangte der angesehene Theologe Petrus Venerabilis von Cluny vom fränkischen König Ludwig VII., die Juden leben zu lassen, aber vollständig zu enteignen, um mit ihrem Besitz die Kreuzfahrer zu verpflegen und auszurüsten, denn sie seien weit schlimmere Feinde Gottes als die „Sarazenen“ . Dennoch sollten sie „zu einem Leben schlimmer als der Tod bewahrt bleiben“. Dagegen bezog Bernhard von Clairvaux öffentlich Stellung, indem er Psalm 59,11f. EU zitierte: „Töte sie nicht, damit meine Völker niemals vergessen.“ Juden seien in der Welt zerstreut als lebendige Zeichen für das Leiden Jesu, um die Völker auf kommende Erlösung hinzuweisen. Dann würden nach Röm 11,25f auch die Juden errettet werden. Dazu müssten sie verschont werden. Sie sollten nur auf Zinsen für ihre Kredite verzichten. Wo man sie töte, könnte es den Kreuzfahrern ähnlich ergehen wie denen in Ungarn. Damit konnte Bernhard ähnlich organisierte Gemetzel wie 1096 verhindern. Das 3. Laterankonzil von 1179 lockerte nach dem Zweiten Kreuzzug sogar manche der früheren antijüdischen Gesetze. In England war die Lage der kleinen jüdischen Minderheit seit ihrer Ansiedlung 1066 besser als auf dem europäischen Festland. Sie wurden als belebender Wirtschaftsfaktor begrüßt. Der Prior der Westminster Abbey, Gilbertus Crispinus, gewährte einem jüdischen Gelehrten sogar die Ehre einer offenen religiösen Diskussion. Dabei ging es um die allegorische oder wörtliche Auslegung des Alten Testaments. Der jüdische Vertreter schlug vor, Christen könnten sich auch bei übertragener Deutung an den Wortlaut halten, damit die Tora erfüllt und zum Segen für beiderseitiges Wohlergehen würde. Dies war ein seltenes Beispiel eines toleranten Gedankenaustauschs. Doch im Vorfeld des Dritten Kreuzzugs kam es auch in England erstmals zu Ritualmord-Vorwürfen und grausamen Judenpogromen. Als König Richard Löwenherz 1189 seine Teilnahme bekannt gab, griffen religiös fanatisierte Massen fast alle jüdischen Gemeinden in England an, um sie zu berauben. Am schwersten traf es die Stadt York, deren Juden – auch die, die zur Taufe bereit waren – völlig ausgerottet wurden. Philipp II. von Frankreich ließ auf „eigene Nachforschung“ eines angeblichen Ritualmords hin am 16. Februar 1181 sämtlichen Besitz aller Juden von Frankreich beschlagnahmen, um seine prekäre Finanzlage zu bessern. Im Jahr darauf vertrieb er sie aus dem ganzen Land, so dass auch ihr Grundbesitz an den Königshof fiel. Die Synagogen ließ er „reinigen“ und widmete sie dann zu Kirchen um. Mit Schenkungen solcher Gebäude band er den französischen Klerus umso fester an sich. 1198 rief er die vertriebenen Juden jedoch zurück in sein Land. Der Zisterzienser-Abt Adam von Perseigne verfasste im selben Jahr eine heftige Kritik an der Habsucht des Priesterstands: „Weder wagt noch vermag der Teufel sich so sehr gegen Christi Majestät versündigen, noch konnte die Unwissenheit der Juden so sehr gegen ihn fehlen, wie diese unseligen Christen gegen ihn Verbrechen aufhäufen.“ Im 12. Jahrhundert wurden jüdische Kaufleute mehr und mehr aus dem internationalen Handel verdrängt. Die Juden – eine Minderheit in der mittelalterlichen Feudalgesellschaft – wurden durch immer höhere Schutzzölle und Sondersteuern belastet. So erhob beispielsweise in England Johann Ohneland von den jüdischen Gemeinden hohe Steuern, die ihm 1210 66.000 Mark einbrachten. Die Brutalität, mit der diese Steuern eingetrieben wurden, wirkte sich auch auf die Schuldner der jüdischen Geldverleiher aus. Weitere Steuern wurden den Städten aufgelastet, weitere Einnahmequellen waren die Waldrechte sowie Geldstrafen und Erpressungen bis zur Folter. In dieser Zeit begann die jüdische Abwanderung nach Osteuropa. Nach der Erfahrung der Kreuzzüge erhielten die Juden 1236 von Friedrich II. den Rechtsstatus von kaiserlichen Kammerknechten. Dadurch gerieten sie in direkte Abhängigkeit vom Kaiser. Dieser ließ sich ihren Schutz mit einer „Judensteuer“ bezahlen. Dieses „Judenregal“ wurde nach dem Zusammenbruch der kaiserlichen Zentralgewalt im Interregnum von vielen deutschen Territorialfürsten beansprucht. Die Goldene Bulle von 1356 bestätigte den Kurfürsten das Recht dazu. Oft war die Schutzsteuer so hoch, dass sie die jüdischen Geldverleiher zwang, hohe Zinsen zu verlangen. Das erzeugte neue Vorurteile und verstärkte den Hass auf die „Wucherer“ in der christlichen Bevölkerung, die selber damals dem Zinsverbot unterlag. Auch die Päpste sahen sich als Schutzherren der Juden und unterstellten sie ihrer „Sündenknechtschaft“. So verlangte Papst Innozenz III. vom französischen König, er solle die Juden als Strafe für ihre Schuld am Tod Christi unterdrücken, „damit diese nicht wagen, ihren Nacken, der dem Joch ewiger Knechtschaft unterworfen ist, zu erheben…sondern immer die Scham ihrer Schuld betrachten.“ Das IV. Laterankonzil verpflichtete alle Juden und „Sarazenen“ zu einer Kleiderordnung, um „Mischehen“ auszuschließen. Es beschloss außerdem ein Ämterverbot für Juden. Getauften Juden wurde die Beachtung jüdischer Riten vollständig verboten. Berufsverbote für Juden waren seit 100 Jahren üblich. Auch die Einrichtung von Judenghettos lässt sich seit Beginn des 11. Jahrhunderts belegen. Die Beschlüsse des IV. Laterankonzils wurden nicht überall und nicht einheitlich umgesetzt. Erst seit dem 15. Jahrhundert mussten Juden neben dem Spitzhut einen gelben Ring oder Kreis auf dem Mantel tragen. Besonders seit dem „Judendekret“ des Konzils von Basel – das u. a. auf der Legationsreise des Kardinals Nikolaus von Kues nach dessen Ernennung zum päpstlichen Legaten zwischen 1450 und 1452 propagiert wurde – entstanden in den meisten deutschen Städten jüdische Stadtviertel. Diese als Ghettos oder Judengassen bezeichneten Stadtviertel waren von Mauern umgeben und wurden nachts durch Tore verschlossen. Dadurch wurden die Juden bei Pogromen zu einem leicht greifbaren Ziel. Seit Mitte des 12. Jahrhunderts beschuldigte man die Juden immer öfter einer begrenzten, stets wiederholten Auswahl „satanischer“ Verbrechen: Ritualmord , Hostienfrevel, Blasphemie, Brunnenvergiftung. Anonyme Anklagen dieser Art führten oft zu örtlichen Pogromen, da sie nicht einzelne, sondern alle Juden betrafen. Wo die Autoritäten eingriffen, kam es zu Schauprozessen und unter Folter erzwungenen „Geständnissen“. Die Feindbilder des christlichen Volksglaubens gleichen dabei frappierend jenen, die im römischen Reich den Christen selber gegenüber laut wurden und die damalige Christenverfolgung begleiteten. Sie wurden zwar von den Päpsten meist zurückgewiesen, von weltlichen Herrschern aber teilweise für finanzielle und politische Interessen benutzt. Ritualmordlegenden behaupteten, dass Juden christliche Kinder schlachten, deren Blut in ihr Passahbrot einbacken und damit Unheil auf die Christen herabbeschwören. Ähnlich hatten Römer früher die Abendmahlsfeier der Christen als kannibalischen Akt denunziert. Der Vorwurf wurde oft während der Karwoche vor Ostern erhoben und ignorierte das jüdische Verbot des Blutgenusses ebenso wie den Sinn des Pessachfestes: Dieses erinnert an Israels Befreiung aus der Sklaverei, die die Ablösung von Menschenopfern durch Tieropfer begründet. Ein Ritualmordvorwurf tauchte erstmals 1144 in Norwich, 1168 auch in Gloucester auf. 1171 führte eine erfundene Ritualmord-Anklage in Blois erstmals zu einem förmlichen Prozess gegen 40 Juden. Man bot ihnen an, sie am Leben zu lassen, falls sie sich zu Christus bekehrten. Als sie dies trotz Folter verweigerten, wurden sie verbrannt. 1235 wurde in Fulda erstmals im deutschsprachigen Raum ein Gerücht laut, Juden hätten einen Hausbrand und den Tod von fünf Kindern verursacht: Der Mord an 32 örtlichen Juden war von einer Mordanklage gegen alle Juden des Reiches begleitet. Friedrich II. ordnete eine Untersuchung an, die mit Freispruch endete. Nach dem Folterprozess von Valréas 1247 verbot Papst Innozenz IV. die Blutbeschuldigung und betonte – vergeblich –, dass die Tora Juden den Genuss von Blut verbiete. Auch der spätere Reformpapst Martin V. wies die Legendenbildung durch Hetzprediger in seiner Judenschutzbulle 1422 energisch zurück. Dennoch gab es Ritualmordanklagen und Schauprozesse dazu bis ins 20. Jahrhundert hinein. Die bekanntesten Fälle waren Hugo von Lincoln 1255, Werner von Oberwesel 1287 und Simon von Trient 1475. Noch 1840 wurde eine solche Anklage in der „Damaskusaffäre“ vom Vatikan gestützt. Mit dem Ritualmord verband sich auch das Rattenfänger-Motiv der „Kindesentführung“. Der Klerus fürchtete ohnehin ständig einen vermeintlich verderblichen Einfluss jüdischen Andersseins auf die christliche Jugend. Man warf Juden vor, was Christen ihnen oft selber real zufügten: Missionare und Inquisitoren nahmen „Ketzern“ und Juden in Spanien und anderswo ihre Kinder durch Zwangstaufe oder Zwangsadoption weg, um sie ihrem „gottlosen“ Einfluss zu entziehen. Der Vorwurf des Hostienfrevels tauchte vermehrt auf, nachdem das 4. Laterankonzil 1215 die Transsubstantiationslehre dogmatisiert hatte. Gerüchte über „Bluthostien“ sollten ungläubige Frevler widerlegen; als dies misslang, wurde Juden Hostienraub und Marter des Leibes Christi, also die Fortsetzung des Gottesmords an der konsekrierten Hostie, unterstellt. Analog zur heidnischen Magie folterten sie die Hostie angeblich mit Messern und Nägeln. 1290 wurden Pariser Juden deshalb zum Tod verurteilt. In Deutschland zog der fränkische Adelige Rintfleisch 1298 durch die Lande, um einen angeblichen Hostienfrevel in Röttingen anzuklagen: Dies führte zur Vernichtung von 140 jüdischen Gemeinden in Franken, Bayern und Österreich. Auch in Deggendorf wurde eine jüdische Gemeinde deswegen 1338 vollkommen ausgelöscht. Im Osten des Sacrum Romanum Imperium kam es 1492 in Sternberg und 1510 in Berlin zu spektakulären Hostienschänderprozessen. Im Sternberger Hostienschänderprozesses wurden 27 Juden zum Feuertod verurteilt und starben vor den Toren der Stadt auf dem Scheiterhaufen. Alle in Mecklenburg ansässigen Juden mussten das Land verlassen. Nach dem Berliner Hostienschänderprozess starben 39 Juden auf dem Scheiterhaufen, zwei weitere – diese waren durch Taufe zum Christentum übergetreten – wurden enthauptet. Alle übrigen Juden wurden aus der Mark Brandenburg ausgewiesen. Der Vorwurf der Gotteslästerung löste im 13. Jahrhundert einen großangelegten Feldzug gegen die rabbinische Literatur aus. Der getaufte Jude Nikolaus Donin begann ihn, indem er den Talmud wegen angeblich darin enthaltener „Gotteslästerungen“ 1239 bei Papst Gregor IX. anzeigte. Dieser verlangte daraufhin von den Königen Englands, Frankreichs, Kastiliens und Portugals, alle Talmudexemplare einzuziehen und alle Kleriker, die hebräische Bücher behielten, zu exkommunizieren. Nur König Ludwig IX. von Frankreich befolgte den Befehl am 3. März 1240, setzte aber eine öffentliche Disputation an, die erst die Vorwürfe klären sollte. Sie brachte dem Wortführer der jüdischen Seite, Rabbi Jechiel ben Josef, einen rhetorischen Sieg und hohes Ansehen. Doch das Urteil stand längst fest: Nach einem Aufschub wurden am 29. September 1242 einige 10.000 Talmudexemplare – 24 Wagen voll – in Paris öffentlich verbrannt. Papst Innozenz IV. bekräftigte 1244: Im Talmud würden Gott, Christus und Maria gelästert, seine mündliche Überlieferung verfälsche das biblische Gesetz, das auf Christus hinweise, und erziehe die Juden dazu, sich dem Hören auf die wahre Lehre der Kirche zu verweigern. Als eine jüdische Delegation erklärte, der Talmud sei für Juden unentbehrlich, um die Bibel zu verstehen, ließ er ihn untersuchen. 40 Gutachter der Universität von Paris, darunter Albertus Magnus, verurteilten den Talmud erneut. Dies rechtfertigte fortgesetzte Zensur-, Einzugs- und Verbrennungsaktionen späterer Päpste, französischer Könige und vor allem der dortigen Inquisition. Bernard Guis berühmtes „Ketzerhandbuch“ führte neben dem Talmud rabbinische Bibelkommentare auf, die es einzuziehen gelte, darunter Schriften von Maimonides. Er veranstaltete 1319 in Toulouse eine weitere Bücherverbrennung. In Deutschland blieb es bei öffentlicher Verhöhnung des Talmud und Hetzreden. Damals populäre Prediger wie Berthold von Regensburg und Konrad von Würzburg setzten Juden und Ketzer gleich. Da sie am Talmud festhielten, seien sie alle zur Hölle verdammt. In Spanien kam es bis 1263 zu Talmudverboten. Danach begnügte sich König Jakob I. von Aragon damit, dass Juden anstößige Stellen freiwillig strichen. Diese festzustellen überließ er einer Kommission unter dem Dominikaner Raimund von Penyafort. Als sich das Verfahren als unwirksam erwies, zog er den Zensurbefehl 1265 zurück. Ein Gutachter, der Mönch Raymundus Martinus, hatte das rabbinische Schrifttum positiver beurteilt. Er fand im Talmud viel Verwandtes zu Lehren Jesu und versuchte, aus Legenden der Haggada Jesu Messianität zu beweisen. Nur aus ihrem eigenen Schrifttum heraus könne der christliche Prediger die Juden überzeugen. Sein um 1280 entstandenes Hauptwerk Pugio fidei adversus Mauros et Iudaeos beeinflusste auch Martin Luther. Der Gegenpapst Benedikt XIII. jedoch erließ 1415 mit einer „Judenbulle“ ein Totalverbot der Talmudbenutzung und -verbreitung. Ausgenommen waren nur päpstlich beauftragte Judenmissionare. Dieser Vorwurf der Brunnenvergiftung tauchte erstmals im Jahr der großen Pestepidemie auf und führte zur Vernichtung zahlreicher Judengemeinden, vor allem – wie schon 1096 – im Rheinland. Die Anklage variiert das antike Motiv des Brunnenverstopfens. Warum sie nur Juden traf, ist kaum rational erklärbar. Es mangelte in mittelalterlichen Städten allgemein an sauberem Wasser; wegen fehlender Abwasserkanäle war die Hygiene der Bevölkerung schlecht. Die Tora verlangte zwar Reinheit im Alltag, so dass die Judenghettos ihre Brunnen tiefer anlegten und eher auf saubere Gassen und Körperhygiene achteten als die übrige Stadtbevölkerung. Doch sauberes Wasser war auch dort knapp. Die Pest betraf Juden ebenso. Doch die kirchliche Propaganda hatte das Vorurteil des heimtückischen, zu allen Verbrechen fähigen Juden längst tief im Aberglauben der mittelalterlichen Bevölkerung verankert und bestärkte es laufend. Die Pogrome des Jahres 1349 waren daher sehr oft eine „Prävention“, bevor die Pest einen Ort erreichte. Die Ankläger waren oft örtliche Handwerker, Bauern oder Kleingewerbetreibende, die bei Juden hoch verschuldet waren und die Gelegenheit nutzten, ihre Gläubiger loszuwerden. So schrieb der Priester Jakob Twinger von Königshofen über das „Valentinstagmassaker“ in Straßburg: „…am St. Veltlinstag verbrannte man die Juden auf ihrem Friedhof auf einem Holzgerüst. Man schätzt die Zahl der Getöteten auf 2000. Die sich aber wollten taufen lassen, ließ man am Leben… Was man den Juden schuldig war, wurde bezahlt und alle Pfandbriefe über Schulden wurden ihnen zurückgegeben, das bare Gut aber, das sie hatten, nahm der Rat und verteilte es unter die Handwerker nach der Kopfzahl. Das war auch das Gift, das die Juden tötete.“ Das Pogrom war also eine konzertierte Aktion des Stadtrats mit den christlichen Handwerkern. Auch nach den Jahren der Pest gab es immer wieder derartige Anklagen gegen Juden. Papst Martin V. wies diese ebenso wie den Ritualmord zurück: „Auch haben wir erfahren, dass man die Juden der Missetat anklagt, sie hätten die Brunnen vergiftet und mischten in ihr Osterbrot Menschenblut. Da dieses aber den Juden mit Unrecht vorgeworfen wird, so verbieten wir allen Christen und vorgenannten geistlichen und weltlichen Predigern, dass sie die Christen gegen die Juden in Bewegung setzen.“ Dies zeigt deutlich, von wem die Pogromhetze damals ausging. Zu diesen religiösen Anklagen gesellte sich im Lauf des Hochmittelalters das ökonomische Klischee des „Wucherjuden“; Juden war der Geldhandel zugewiesen worden, da Christen das Zins- und Wechselgeschäft – insbesondere in seiner als „Wucher“ bezeichneten Extremform – verboten war. Dieses galt für Christen als ehrlos, betrügerisch und anmaßend, s. Zinsverbot. Andererseits war man aus dem religiös begründeten Überlegenheitsanspruch heraus geneigt, Juden das Recht streitig zu machen, Forderungen an Christen zu stellen. Dieser Hass auf die Gläubiger konnte im Kontext von Wirtschaftskrisen leicht in Pogrome ausarten. Um 1330 griffen Hungerkatastrophen und Seuchen um sich, die die Gegensätze zwischen Arm und Reich und Stadt und Land verschärften. Immer mehr verarmte Bauern mussten Kredite bei städtischen Juden aufnehmen. Unzufriedene verschuldete Bauern rotteten sich nun als „Judenschläger“ zusammen, um an Ghettojuden wahllos Rache zu üben. So kam es 1336–1338 erneut zu einer Pogromwelle in Franken, Schwaben, Österreich, der Steiermark, dem Elsass und dem Rheingau. Das Wucher-Klischee wurde von italienischen Bettelmönchen, allen voran den Franziskanern, im 15. Jahrhundert mit reichsweiten Hetzpredigten geschürt. Bernhardin von Siena griff dabei den Wucher auch der Christen an. Bernhardin von Feltre dagegen galt als „Geißel“ der Juden: Als Friedensstifter von vielen Städten gerufen, stachelte er überall zu Pogromen gegen sie auf. Dabei ignorierte er päpstliche Schutzbriefe und beschwerte sich in Rom darüber, dass diese die „Anmaßung“ der Juden gegenüber Christen begünstigten. Daraufhin wurden die Päpste Eugen IV. und Nikolaus V. schwankend und griffen zum Teil auf Canones des 4. Laterankonzils zurück. Weder Mönche noch Päpste verstanden die ökonomischen Notwendigkeiten des aufkommenden Merkantilismus: Sie berücksichtigten nicht, dass ohne Zinsnahme kein Geldgeschäft und kein Handel möglich war. Gerade die ärmeren Handwerker und die Betreiber der Kleingewerbe in den Städten waren auf die Leihanstalten angewiesen, die, wie oben erläutert, Juden vorbehalten waren. Die wiederum erwirtschafteten ihren Lebensunterhalt weitestgehend aus den Zinsen und mussten obendrein auch ihre Abgaben daraus bestreiten. Folglich passten sie ihre Zinssätze zwangsläufig nach oben an, wenn die christlichen Herrscher höhere Abgaben von ihnen verlangten. Öffentliche Passionsspiele boten viel Raum für Verunglimpfung von Juden. Sie wurden häufig als der Satan dargestellt oder als der Antichrist „entlarvt“. Das Publikum durfte ihre Bestrafung fordern und festlegen, die auf der Bühne sofort vollzogen wurde. Das drang nun auch in die Dramaturgie der Fastnachtsspiele ein. So wurden Pogrom und Vertreibung eingeübt und symbolisch vorweggenommen. Auch damalige Karikaturen zeigen die wachsende Judenfeindlichkeit. Im 13. und 14. Jahrhundert kam es zu zahlreichen schweren Judenpogromen und Vertreibungen der Juden. 1221 wurde die jüdische Gemeinde in Erfurt ausgelöscht, 1235 folgte die in Fulda, 1285 die in München. 1264 wurden englische Juden Opfer eines Pogroms in London. In sämtlichen Fällen ging dem Pogrom der Vorwurf eines angeblichen Ritualmords voraus. 1290 vertrieb König Eduard I. von England alle Juden aus seinem Reich. 1306 tat Philipp IV. es ihm in Frankreich nach. Ludwig X. erlaubte 1315 die Rückkehr der französischen Juden, ehe sie 1394 unter Karl VI. endgültig vertrieben wurden. Die meisten aus England und Frankreich Vertriebenen flohen zunächst in das Heilige Römische Reich, in deutsche oder italienische Gebiete. Dort waren sie keineswegs überall vor Verfolgung sicher. Juden wurden in den europäischen Königreichen und Fürstentümern vielfach nur geduldet, solange sie den Herrschern wirtschaftlichen Nutzen brachten. Im deutschsprachigen Raum kam es während des „Rintfleisch-Pogroms“ und der „Armledererhebung“ zu Judenverfolgungen, die die gesamte Region Franken erfassten und sich auch auf die umliegenden Gegenden ausbreiteten. 1348 brach die Pest in weiten Teilen Mitteleuropas aus. Sofort kam das Gerücht auf, die Juden hätten „Brunnen vergiftet“ und dadurch die Seuche ausgelöst. Daraufhin erreichten die Judenverfolgungen einen grausamen Höhepunkt. Angesichts des um sich greifenden Zerfalls der Autoritäten, die hilflos gegenüber dem „Schwarzen Tod“ waren, fand die Bevölkerung in den Juden den geeigneten „Sündenbock“. Die Massenmorde an den Juden wurden aber nicht nur durch religiösen Hass, Aberglauben und politische Unfähigkeit verursacht. Hinzu kamen Interessen verschuldeter Adeliger und Bürger, die eine willkommene Gelegenheit sahen, ihre Gläubiger loszuwerden. Kaiser und Papst versuchten ihre Pflichten als Schutzherren der Juden wahrzunehmen und diese zu schützen. Clemens VI. argumentierte erstmals rational, indem er darauf hinwies, die Pest wüte auch dort, wo keine Juden lebten, und raffe auch sie dahin, wo sie lebten. Er verbot das Hinrichten von Juden ohne Gerichtsverfahren. Das half ihnen jedoch nur in Avignon. Kaiser Karl IV. schützte in seinem eigenen Herrschaftsbereich zwar die Juden, die für diesen Schutz im Rahmen des Judenregals Zahlungen leisteten, in einzelnen Fällen profitierte Karl aber auch finanziell von Pogromen. 1349 kam es in vielen Städten noch vor Ausbruch der Pest zu Massakern an Juden, oft angeheizt durch die Flagellanten. Zeitgenössische Quellen berichten auch von häufigen Selbstmorden ganzer Judengemeinden vor der ihnen angedrohten Massenverbrennung. Ein Jahr darauf lebten nur noch wenige Juden in Mitteleuropa. Nur in Spanien, Österreich und Polen erreichten die Herrscher ein vorzeitiges Ende der Pogrome. Zwischen 711 und 719 hatten die Mauren den größten Teil der vorher zum Westgotenreich gehörenden Gebiete der Iberischen Halbinsel erobert. Die als Reconquista bezeichnete Rückeroberung durch die angrenzenden christlichen Königreiche begann bereits im 8. Jahrhundert, setzte sich über das gesamte Mittelalter fort und endete 1492 mit der Eroberung des Emirats von Granada. Infolge der Reconquista entstanden auf dem Boden der unter maurischer Herrschaft islamisierten Gebiete die christlichen Königreiche Portugal und Spanien. Das Alhambra-Edikt von 1492 stellte Juden und Muslime vor die Wahl, entweder das Land zu verlassen oder sich taufen zu lassen. Sie mussten theologische Scheindebatten und Schauprozesse – sogenannte Autodafés – über sich ergehen lassen. Waren sie nicht gewillt, zum Christentum zu konvertieren, mussten sie Spanien verlassen oder endeten auf dem Scheiterhaufen. Doch selbst wenn Juden sich taufen ließen, wurden sie von der christlichen Mehrheit nicht als vollgültige Kirchenmitglieder geachtet, sondern als marranos beschimpft. Die Marranen wurden teils noch bis in die dritte Generation verachtet und angefeindet. Sie reagierten darauf ähnlich wie die verfolgten Muslime mit der Geheimhaltung ihres Glaubens . Das wiederum verstärkte das Misstrauen gegen alle Juden und Muslime. Für eine soziale Diskriminierung sorgte zusätzlich das Ideal der Limpieza de sangre . Viele Ämter blieben „reinblütigen“ Spaniern – ohne jüdische oder maurische Vorfahren – vorbehalten. Damit wurde die Judenfeindschaft erstmals nicht nur religiös begründet, sondern mit der Abstammung gerechtfertigt – ein Rassismus avant la lettre. Hinzu kam seit 1481 die spanische Inquisition. Ursprünglich war der Dominikanerorden mit der Durchsetzung religiösen Zwanges gegen Ketzer und Hexen beauftragt worden. Der spanische König Ferdinand II. und seine Gemahlin Isabella I. setzten die Inquisition aber auch ein, um jüdische und muslimische Konvertiten aufzuspüren, die heimlich ihre angestammte Religion weiter ausübten. Diese Hetzjagd erreichte unter Führung von Tomás de Torquemada, dem ersten spanischen Großinquisitor, ihren Höhepunkt. Die aus England , Frankreich , Spanien und Portugal vertriebenen Juden wanderten notgedrungen in andere Gebiete Europas und gründeten in vielen Reichsstädten neue Gemeinden. Daraufhin verstärkte sich dort oft der Judenhass. Im deutschsprachigen Raum waren die Juden rechtlich kaum geschützt und seitens der Bevölkerung häufigen lokalen Pogromen ausgesetzt. Zudem verbreiteten führende Theologen den Antijudaismus mit zahlreichen polemischen Schriften. Der 1487 verfasste, bis 1609 massenhaft verbreitete „Hexenhammer“ zum Beispiel rechtfertigte im Gefolge der Inquisition nicht nur die Verfolgung angeblicher „Hexen“, sondern auch die von Juden. Zwischen 1390 und 1520 wurden die Juden aus fast allen Reichsstädten, einigen Bischofstädten und vielen landesherrlichen Territorien und Städten des Heiligen Römischen Reiches vertrieben. Unter Kaiser Maximilian I. wurde es üblich, dass Reichsstädte sich die Erlaubnis zur Judenvertreibung vom Kaiser erkauften, um der Zahlung eines höheren Strafgeldes und anderweitigen Schwierigkeiten zu entgehen. So verfuhren zum Beispiel Nürnberg, Ulm, Donauwörth, Oberrehnheim, Schwäbisch Gmünd, Colmar, Reutlingen und Nördlingen. In den Reichsstädten entschieden also Stadträte und Kaiser gemeinsam über eine Judenvertreibung. In den landesherrlichen Städten und Territorien dagegen lag diese Entscheidung beim Landesherrn des jeweiligen Hoheitsgebiets. Anlass für die Vertreibungen aus Mecklenburg, Pommern und Brandenburg waren vorausgehende Judenpogrome. Zwischen 1490 und 1515 wurden die ansässigen Juden auch aus vielen landesherrlichen Territorien und Städten im Osten und Südosten des Heiligen Römischen Reiches ausgewiesen. Viele der Ausgewiesenen zogen in die Reichsstadt Frankfurt am Main. Deren Stadtrat erlaubte aber nur den finanzkräftigsten Vertriebenen die Niederlassung. 1515 lehnte der Rat es ab, ihr Aufenthaltsrecht zu verlängern. Ab Frühjahr 1515 verhandelte er mit dem Fürstbischof der angrenzenden Kurmainz Albrecht II. „der Juden halben, wie die zu vertrieben syen“. Beide Seiten waren an der Vertreibung der Juden aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet interessiert. Die Ratsherren wollten möglichst vermeiden, die Erlaubnis des Kaisers teuer erkaufen zu müssen, und außerdem eine spätere Rückkehr der Vertriebenen nach Frankfurt ausschließen. Dazu mussten sich auch die Landesherren der vielen kleinen und zersplitterten Territorien im Umland verpflichten, die Juden zu vertreiben und deren Aufnahme künftig zu verweigern. Andernfalls hätten die benachbarten Landesherren die vertriebenen Juden sofort aufgenommen und anstelle des Stadtrats die Judensteuern eingenommen. Auch hinsichtlich der Geschäftstätigkeit der Juden im Territorium wäre die Vertreibung ohne Effekt geblieben und deren Anwesenheit hätte sich kaum vermindert. Die angestrebte Vereinbarung zwischen Stadtrat und benachbarten Landesherren verfehlte jedoch die notwendige Mehrheit der bei den Verhandlungen vertretenen Stände. Außerdem hatten sich die Frankfurter Juden sofort an den Kaiser gewandt, der seine Rechte bedroht sah und die Vertreibung ablehnte. Albrecht II. selbst scheiterte 1515 und 1516 bei dem Versuch, die in seiner Bischofsstadt Mainz ansässigen Juden zu vertreiben. So behielten die Juden im Raum des späteren Landes Hessen großenteils auch später ihre Wohnsitze. Seit der von Italien ausgehenden Renaissance versuchten manche gebildete christliche Humanisten gegenseitige Toleranz zwischen Juden, Christen und Muslimen zu fördern, indem sie die Gemeinsamkeiten der drei Religionen herausstellten, zum Beispiel Nikolaus von Kues . Sie wollten damit der weitgehend erfolglosen Judenmission zum Durchbruch verhelfen. Der humanistisch gebildete Theologe Johannes Reuchlin hatte die hebräische Sprache gelernt, um die jüdische Kabbala zu studieren. Er übernahm die Ansicht des italienischen Humanisten Giovanni Pico della Mirandola, die spekulativ-mystische Deutung des Gottesnamens sei für Christen ein Weg, ihres Glaubens gewiss zu werden . Die Kölner Dominikaner um den Inquisitor Jakob van Hoogstraten bekämpften humanistische Versuche, jüdische Schriften zur Auslegung des Alten Testaments heranzuziehen, als Häresie. Dabei half ihnen der jüdische Konvertit Johannes Pfefferkorn, der sich 1504 christlich taufen ließ und erfolglos Judenmission betrieb. Er verfasste dann eine Serie judenfeindlicher Schriften wie den Judenspiegel , die Judenbeichte und das Osternbuch . In seiner Schrift Judenfeind beschrieb er die Juden als „gefährlicher als der Teufel“ und „Bluthunde“. Sie „trachteten den Christen nach dem Leben“. Jeder Christ sei daher verpflichtet, sie „wie räudige Hunde zu verjagen“. Vor allem ihre Bücher, in denen Gott, Jesus und Maria gelästert würden, seien an ihrer Verstocktheit und an aller Zwietracht unter den Christen Schuld. Erst wenn man sie ihnen gewaltsam wegnehme und verbrenne, könne man sie bekehren und Frieden unter Christen erreichen: „All die Gewalt, die den Juden geschieht, ist aus der Meinung, dass sie dadurch zu dem heiligen christlichen Glauben bewegt werden möchten … zu ihrer besten Besserung und nicht unseres Nutzens wegen.“ Als Haupthindernis für die Judenmission sah Pfefferkorn den Talmud, während er die Kabbala durchaus als Offenbarungszeugnis anerkannte. 1509 erlaubte ihm Kaiser Maximilian I., religiöse Schriften der Judengemeinden des Reichs einzuziehen. Die jüdische Gemeinde Frankfurt am Main protestierte beim Mainzer Erzbischof Uriel von Gemmingen und erreichte, dass dieser im kaiserlichen Auftrag eine theologische Prüfungskommission einsetzte. 1510 befahl der Kaiser Pfefferkorn, die bereits beschlagnahmten Bücher den Judengemeinden vorläufig zurückzugeben. Reuchlin, der wie Hoogstraten in die Kommission berufen worden war, urteilte als einziger der Gutachter im Oktober 1510 positiv über den Talmud und andere jüdische Schriften und trat gegen Pfefferkorns beabsichtigte Bücherverbrennung ein. Dabei billigte er den Juden die Rechte römischer Reichsbürger zu: Obwohl sie wegen ihres Gottesmords zu Recht zu Sklaven erklärt worden seien, blieben sie wie die Christen Untertanen des Kaisers und damit Teil der civilitas communis. Spanische Judenmissionare hätten den Talmud erfolgreich benutzt, um Juden zu Christus zu führen. Dieser selbst habe mit seinen Gegnern diskutiert. Auch Polemik gegen Christen könne man Juden nicht verdenken, da sie nur für ihren Glauben einträten. 1511 gab er sein Gutachten als Buch heraus und löste damit einen literarischen Streit aus. Pfefferkorn schrieb, Reuchlin habe die Kirche geschädigt und sich von Juden bestechen lassen. Der Kölner Theologe Arnold von Tungern schrieb, Reuchlin habe die Juden begünstigt und ihre Bosheit zu vertuschen versucht. Dieser nannte Pfefferkorn einen ungebildeten „Taufjuden“ und erwiderte 1513: „Ich begünstige Juden so, dass sie kein Unrecht tun, aber auch kein Unrecht leiden. Die Pflichten einfacher menschlicher Vereinigung, gesellschaftlichen Verkehrs verlangen, dass man selbst Verbrecher nicht für rechtlos erkläre und so behandele. Ungerechtigkeit ist Rohheit, die alle Menschlichkeit verleugnet und den, der ihr nachstrebt, zum wilden Tier macht.“ Nach mehreren negativen Universitätsgutachten über Reuchlins Augenspiegel leitete Hoogstraten 1513 einen Inquisitionsprozess gegen ihn ein. Reuchlin rief Papst Leo X. an, der die Entscheidung den Bischöfen von Speyer und Worms übertrug. Diese sprachen ihn 1514 frei. Danach veröffentlichten Reuchlins Anhänger, darunter der papstfeindliche Ritter Ulrich von Hutten, die anonymen Dunkelmännerbriefe für ihn. Sie verhöhnten die an den Universitäten herrschende Scholastik und forderten die Freiheit der Wissenschaft. Hoogstraten appellierte seinerseits an den Papst und erreichte schließlich, dass dieser Reuchlins Augenspiegel am 23. Juni 1520 als häretisch verbot. Zu diesem Umschwung hatten die Dunkelmännerbriefe und der Beginn der Reformation 1520 entscheidend beigetragen. Reuchlin trennte als einer der ersten führenden christlichen Theologen sein theologisches Urteil über das Judentum vom rechtlichen Umgang mit Juden. Viele Reichsgerichte und territoriale Hofgerichte übernahmen seine Auffassung, so dass der Antijudaismus sich in Gerichtsverfahren um politische Rechte von Juden weniger negativ auswirkte. Daher wurde Reuchlin früher oft als Wegbereiter der aufgeklärten Toleranz betrachtet. Neuere Forschungen betonten dagegen, dass er wie die meisten Humanisten weiterhin die antijudaistischen Thesen vom Gottesmord und der „Ehrlosigkeit“ der Juden vertrat und wie Augustinus nur für ihre „Duldung“ eintrat. Erasmus von Rotterdam, der führende Humanist im deutschsprachigen Raum, trat in seinen Schriften entschieden für „Eintracht“ und „Frieden“ ein, bezog diese Leitideen aber nur auf die Gemeinschaft unter Christen. Für Juden war darin kein Raum. Er kannte wahrscheinlich nur konvertierte Juden. Er glaubte, dass sie ihre angeblich ererbte Feindschaft gegen Christus nie restlos ablegen könnten, und warnte deshalb, sie in die Kirche aufzunehmen. In einem Brief an Reuchlin beurteilte er Pfefferkorn als typischen jüdischen Lügner: Juden hätten Jesus hingemetzelt; mit seinem Feldzug gegen gebildete tugendhafte Männer zeige Pfefferkorn sein wahres jüdisches Gesicht. Er machte „die Juden“ in Privatbriefen für Krieg und Raub in Europa verantwortlich, sah sie als Anstifter der Bauernkriege und Täufer-Bewegung und bejahte die Judenvertreibungen aus England, Frankreich und Spanien. Er betrachtete jüdischen Toragehorsam als bloß äußerliche, pedantische Befolgung sinnloser Riten und warf christlichen Mönchsorden „Judaisieren“ vor, um ihre strengen Regeln zu kritisieren. Das Studium des Hebräischen bei Juden sah er als Gefahr für die alleinige christliche Wahrheit. Daher betonen einige Historiker, dass die Humanisten sich kaum vom traditionellen Antijudaismus abhoben, sondern diesen zum Bestandteil der europäischen Bildungskultur machten und der späteren Aufklärungsepoche übermittelten. Luther kannte nur wenige Juden persönlich, thematisierte aber das Judentum von 1513 bis 1546 oft. Theologisch beurteilte er es seit 1513 wie das Papsttum und den Islam als Gesetzesreligion, die Gottes allein rettende Gnade im gekreuzigten Jesus Christus verleugne. Er lehnte Verbote des Talmud als zwecklos ab, betrachtete die Bibelexegese der Rabbiner aber als Gotteslästerung und Gefahr für die reformatorische Lehre. 1521 hielt er fest, dass der gebürtige Jude Jesus Israels Erwählung zum Volk Gottes bestätigt habe und die Abrahamsverheißung auch für Christen gültig sei und bleibe. Gleichwohl hielt er die meisten Juden aufgrund biblischer Weissagungen für unbekehrbar . Besonders beachtet wurden seine „Judenschriften“ . In Dass Christus ein geborener Jude sei verwarf er Ritualmord- und Hostienfrevel-Legenden als „Narrenwerk“ , machte kirchliche Gewalt gegen Juden für die erfolglose Judenmission verantwortlich, warb dafür, Juden als Menschen zu behandeln und ihnen Arbeiten in Landwirtschaft und Handwerk zu erlauben, um ihre Isolation aufzuheben. Er erwartete, „etliche“ Juden nach erfolgreicher Reformation vom evangelischen Glauben zu überzeugen. Ab 1526 veränderte sich diese Haltung. Nachdem Luther von einigen Missionserfolgen von Juden gehört hatte, verweigerte er 1537 eine Begegnung mit Josel von Rosheim, dem anerkannten Rechtsanwalt der Juden des Reichs, und begründete dies mit einem angeblichen Missbrauch seiner freundlichen Einladung von 1523. Er unterstellte allen Juden heimliche Mord- und Raubabsichten gegen die Christen. In Wider die Sabbather führte er die Glaubensüberzeugungen der zur Täuferbewegung zählenden Sabbater fälschlich auf jüdische Einflüsse zurück und warb dafür, diese christliche Glaubensgemeinschaft aus Mähren zu vertreiben. In Von den Juden und ihren Lügen stellte er wie frühere Adversos-Judaeos-Autoren einen Lasterkatalog zusammen: Die Juden seien „1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen“; sie seien „rechte Teufel“, die er am liebsten eigenhändig umbrächte. Private Gewalt gegen Juden lehnte er jedoch ab. Er behauptete, sie beuteten die Christen schamlos aus, hielten sie im eigenen Land gefangen „durch ihren verfluchten Wucher“, verhöhnten sie obendrein und seien „unsere Herren, wir ihre Knechte“. Deshalb forderte er von den evangelischen Fürsten: Sie sollten Synagogen und Judenschulen verbrennen, ihre Häuser zerstören, sie wie „Zigeuner“ in Ställen wohnen lassen, ihnen Gebetbücher und Talmudschriften wegnehmen, ihren Rabbinern das Lehren verbieten, ihr freies Geleit und Wegerecht aufheben, den Wucher verbieten, ihnen Bargeld und Schmuck wegnehmen und ihre jungen Männer zu körperlicher Arbeit zwingen. Falls die Fürsten diese Maßnahmen ablehnten, dann sollten sie wenigstens die jüdische Religionsausübung verhindern; andernfalls sollten sie die Juden aus ihren Gebieten vertreiben: „Drum immer hinaus mit ihnen!“ In Vom Schem Hamphoras verhöhnte er den Talmud und die rabbinische Bibelexegese mit Rückgriff auf die Wittenberger Judensau. Luther ergänzte seine letzte Predigt am 15. Februar 1546 mit einer kurzen Vermahnung wider die Juden, die seine Haltung bündelte: Juden seien zu bekehren oder bei ihrer Taufverweigerung zu vertreiben. Erst solle man ihnen den christlichen Glauben ernsthaft anbieten. Da sie diesen erwartungsgemäß ablehnen und Christus fortgesetzt lästern würden, sollten die evangelischen Fürsten sie aus ihren Gebieten jagen. Diese folgten Luthers Aufforderung aus praktischen Gründen und wegen Einnahmen aus Judensteuern jedoch meist nicht. Kursachsen erneuerte das Durchzugs- und Aufenthaltsverbot für Juden von 1536, Hessen erließ ein Lehrverbot für Rabbiner, und einige evangelische Städte vertrieben ihre Juden bald nach Luthers Tod. Luther stufte das Judentum durchgehend als Werkreligion ein und setzte voraus, dass Juden das Evangelium der Gnade und Menschwerdung Gottes nur ärgern könne, so dass sie allenfalls einzeln zu Jesus Christus zu bekehren seien. Dies hing mit seiner Lehre von Gesetz und Evangelium zusammen, die dem Judentum nur die Rolle des verworfenen Volkes und Beispiels für Gottes Zorngericht ließ. Die Lutherforschung versuchte lange, Luthers theologische Urteile über Juden von seinen religionspolitischen Forderungen zu trennen und seine späteren judenfeindlichen Schriften nur psychologisch aus enttäuschter Missionserwartung zu erklären. Seit den 1980er Jahren wird dagegen die Kontinuität des Antijudaismus in Luthers Theologie und sein Beitrag zur Entstehung des Antisemitismus herausgestellt. Die Herkunft einiger seiner Klischees aus Hetzschriften von Antonius Margaritha und der katholischen Tradition wurde genauer erforscht. Konsens besteht darin, dass Luther nicht rassistisch dachte, aber den Frühantisemitismus anbahnte und das Versagen des Protestantismus in der NS-Zeit mit ermöglichte. Die Reformation geschah in einer Zeit großer politischer, sozialer und ökonomischer Umbrüche. Der um 1450 erfundene Buchdruck erlaubte, Schriften in Massenauflage in ganz Europa zu verbreiten. Das Bildungsniveau wuchs. Debatten über theologische Fragen erregten viele Gemüter und blieben keine innerkirchliche Angelegenheit mehr. Luthers Bibelübersetzung erlaubte auch Laien die Überprüfung der Quelltexte und ermöglichte einen direkten Dialog mit jüdischen Theologen, wenn dieser auch noch selten geschah. Protestantische Pastoren erweiterten ihre Kenntnis der Hebräischen Bibel. Der Humanismus schuf erste Ansätze einer historisch-kritischen Bibelexegese. Die Haltung von Luthers Schülern und Zeitgenossen zum Judentum war daher differenzierter als die der katholischen Scholastik. Bei einigen Reformatoren wuchs dessen Ablehnung noch, während sich manche philosophisch geschulten Humanisten eher mäßigend zu Gunsten der Juden äußerten. Der literarische Judenhass war jedoch nicht immer Hauptanliegen der Autoren, sondern Konvention und Mittel, um sich Gehör zu verschaffen. Im Judentum förderte die Reformation ein selbstbewussteres Eintreten für den eigenen Glauben und dessen spirituelle Erneuerung, aber auch Endzeitstimmungen und Sektenbewegungen. Anfangs wurde Luther als möglicher Befreier von der kirchlichen Verfolgung wahrgenommen, so dass man Kontakt zu ihm suchte. Die wenigen von ihm zugelassenen Kontakte verliefen für beide Seiten enttäuschend. Josel von Rosheim kam zu dem Schluss, dass Luther ein noch schlimmerer Judenfeind als Kaiser Karl V. sei und sein Anliegen, mehr Rechte und Schutz für Juden im deutschsprachigen Raum zu erwirken, bei letzterem besser aufgehoben war. Im Luthertum wurden Luthers Grundthesen zum Judentum weitgehend geteilt. Andere Reformatoren wie Wolfgang Capito und Andreas Osiander widersprachen ihm jedoch sowohl theologisch wie praktisch. Paul Staffelsteiner verfasste 1536 Eine kurtze underrichtung. Darin bezeichnete er jüdische Gläubige als „Heuchler und Blender“, ihren Glauben als „ungegrundte erdichtete Ceremonien“. Dieser „aufklärerische“ Ansatz richtete sich nur gegen Juden. Von Wolfgang Rus erschien 1536 das judenfeindliche Buch der Altveter / des Israelitischen Volks / nemlich woher di Synagog, das Volck Gottes / oder die Kirche iren ursprung habe. Er stand in der Tradition der frühchristlichen Geschichtsfälschung. Antonius Margaritha war als jüdischer Konvertit politischer Berater christlicher Herrscher für antijüdische Maßnahmen. Sein Werk Der gantz judisch Glaub von 1531 zog das Fazit: „In summa kein Jud will keynem Christen wol“. Über die Arbeitsmoral der Juden hieß es wie bei Luther: „Nach diesem tun die Juden den ganzen Tag nichts. Wenn sie bedürfen einzuheizen, Licht anzuzünden, Kühe zu melken etc., nehmen sie etwa einen einfältigen armen Christen, der ihnen solches tue. Des berühmen sie sich, sie bilden sich ein, sie seien also Herren und die Christen ihre Knechte, sprechen, sie haben noch das wahre Regiment und die Herrschaft, sintemal die Christen ihnen dienten in aller Arbeit und sie müßig liegen.“ Auch das Motiv einer feindlichen Allianz von Türken und Juden gegen Christen trug er vor: „Die Juden frohlocken sehr, wenn sich ein Krieg in der Christenheit vor allem durch den Türken erhebt. Dann beten sie weiter gegen alle Obrigkeit der Christen. Sie können nicht leugnen, dass ihr Fluche auf die jetzigen christlichen Königreiche und das Kaisertum gehe.“ Die Reformatoren zitierten Margaritha gern als Experten. Doch 1530 auf dem Reichstag in Augsburg verlor er eine öffentliche Disputation gegen Josel von Rosheim, den damaligen Rechtsanwalt der Juden im Kaiserreich. Dieser widerlegte den Verdacht der Illoyalität und unterstützte den Kaiser gegen die evangelischen Reichsstände und Kurfürsten, weil er Luthers Ablehnung der Juden erkannt hatte. Margaritha musste die Versammlung verlassen. Trotzdem übernahm Luther 1543 die meisten seiner antijüdischen Stereotype und Forderungen. Martin Bucer schrieb 1539 einen Ratgeber, der Juden wie Nutztiere sah: von den jude / ob un wie die unde den Christe zu halten sind. Er empfahl, sie zu unterdrücken: „ir Recht ist jnen von dem Barmhertzigen Gott vff erlegt, das sie bey den volkern, bey denen sie wonen, die vndersten und der schwanz sein vnd am aller herttestenn gehalten werden sollen.“ Das entsprach den judenfeindlichen Konzilsedikten von 1215, zeigt also deren Kontinuität. Auch bibelfeste Reformatoren, die sonst der katholischen Tradition den Kampf angesagt hatten, folgten hier dem Zeitgeist. Philipp Melanchthon und der Schweizer Reformator Heinrich Bullinger jedoch kritisierten Luthers Schem Hamphoras öffentlich: Sie sei „von einem Schweinehirten, nicht von einem berühmten Seelenhirten geschrieben.“ Luthers Schmähschriften fanden also auch bei seinen Anhängern nicht immer Anklang. So verteidigte Melanchthon auf dem Ständetag in Frankfurt am Main 1539 posthum die Unschuld von 38 Juden, die 1510 wegen angeblichen Hostiendiebstahls verbrannt worden waren. Andreas Osiander schrieb 1529 ein Gutachten zu einem Mordfall, das er 1540 anonym veröffentlichte, bald aber als Autor von Johannes Eck entdeckt wurde: Ob es wahr und glaublich sey, daß die Juden der Christen kindt heymlich erwürgen und ihr Blut gebrauchen. Darin engagierte er sich differenziert gegen die antijudaistischen Ritualmordlegenden und fasste zusammen: Wer aber will so teuflische Hirngespinste glauben, die gegen Gottes Wort, die Natur und alle Vernunft sind? Diese Haltung blieb jedoch eine Ausnahme. Obwohl Renaissance, Humanismus und ein gewachsenes Bildungsniveau ihnen eine genauere Kenntnis des Judentums ermöglichten, behielten und überlieferten auch evangelische Christen weithin die traditionellen antijudaistischen Vorurteile. Papst Leo X. hatte zwar 1515 auf dem Laterankonzil eine Vorzensur für alle gedruckten Werke einführen lassen, diese aber gegenüber hebräischen Schriften liberal gehandhabt: So wurde in Venedig 1523 erstmals die babylonische Gemara gedruckt. Der jüdische Verleger Gerson ben Mose Soncino druckte außerdem zahlreiche Talmudausgaben und half aus Spanien geflohenen Juden. Diese Blütezeit ging seit Paul III. 1548 zu Ende. Unter Papst Julius III. ließ die römische Inquisition im Kirchenstaat alle talmudischen Bücher einziehen und am jüdischen Neujahrsfest, dem 9. September 1553, öffentlich verbrennen. Weitere Bücherverbrennungen folgten in Pesaro unter dem Inquisitor Michele Ghislieri, der spätere Papst Pius V., in Venedig und Ancona. Alle Bücher sollten vor dem Druck der Zensur vorgelegt werden; tatsächlich ließ Paul IV. auf Betreiben des Konvertiten Andreas de Monte 1557 auch alle bereits zensierten hebräischen Bücher einziehen. Er gab 1559 den ersten Index verbotener Bücher heraus, der die Lektüre des Talmud und aller Kommentare dazu verbot. Papst Pius IV. erlaubte im Trienter Index 1564 jedoch wieder den Druck talmudischer Schriften, sofern sie anders genannt wurden und keine Schmähungen des Christentums enthielten. Jakob von Bonaventura hatte das Konzil von Trient für die italienischen Juden erfolgreich darum gebeten und sich zur Übernahme der Prüfungskosten bereit erklärt. Seitdem hieß der „bereinigte“ Talmud für Juden stets Gemara oder Schischa Sedarim. Sie sorgten teilweise selbst für die Zensur, indem sie Listen der für Christen anstößigen Stellen anlegten, so zum Beispiel der Rabbiner Abraham Provenzale aus Mantua um 1555. Hinzu kam die Verschärfung der Sozialpolitik gegenüber den Juden im Kirchenstaat: Papst Paul IV. witterte angesichts der Ausbreitung des Protestantismus überall „Ketzerei“ und sah Juden als deren Drahtzieher. 1555 erließ er die Bulle Cum nimis absurdum, um die römischen Juden zu demütigen und an ihrer Entfaltung zu hindern. Er verbot christlichen Hausangestellten Dienste und die Anrede „Herr“ für Juden, diesen den Aufenthalt nahe Kirchen, gebot ihnen Latein als einzige Geschäftssprache und zwang sie zur Umsiedlung in den ärmsten Stadtteil am Tiberufer. Am 26. Juli mussten sie alle in das neue Ghetto ziehen. Papst Pius IV. hob einige dieser Maßnahmen seines Vorgängers wieder auf. Er erlaubte, dass Juden auf Reisen keinen Judenhut tragen mussten, so dass sie besser vor Überfällen geschützt waren. Auch die eingezogenen Bücher gab er ihnen zurück. Doch er regierte nur sechs Jahre; sein Nachfolger Pius V. erneuerte 1566 nur drei Monate nach Amtsantritt die Bulle Cum nimis absurdum und verbot jeden Kontakt zwischen Neuchristen und Juden: Sie durften nicht miteinander speisen und das jüdische Ghetto bei Folterandrohung nicht betreten. 1569 wies er alle Juden aus dem Kirchenstaat aus. Er rechtfertigte dies neben den bekannten Gottesmord-Anklagen mit angeblicher Wahrsagerei und Zauberei. Wer nach drei Monaten noch anzutreffen wäre, würde seinen ganzen Besitz verlieren. Nur die Juden in Rom und Ancona waren ausgenommen, weil er nahe dem Heiligen Stuhl ihre Bekehrung erhoffte. Damit war die kurze Phase der toleranten Begegnung von jüdischen und christlichen Humanisten beendet. Doch anders als der Talmud blieben die Kabbala-Schriften von der katholischen Zensur weitgehend unbehelligt und konnten sogar neu gedruckt werden: so der Sohar 1558/59. Der lutherische Antijudaismus blieb aktiv, etwa 1699 mit der Polemik Das schwer zu bekehrende Juden-Hertz / Nebst einigen Vorbereitungs-Mitteln zu der Jüden Bekehrung des Celler Konsistorialpredigers Sigismund Hosmann. Doch traten seit dem 17. Jahrhundert vermehrt Vertreter eines Philosemitismus auf, die eine generelle Verurteilung des Judentums ablehnten und auf seine Vorzüge hinwiesen: so beispielsweise Hugo Grotius, Simon Episcopius , Pierre Jurieu , Johann Christoph Wagenseil . Dieser verlangte sogar, die jüdische Literatur für die christliche Exegese der Bibel heranzuziehen. Im Pietismus wurde Israel als Gottes ersterwähltes Volk dann weithin anerkannt, jedoch umso mehr versucht, es zu Christus zu bekehren. Die Pietisten erachteten Luthers judenfreundliche Schrift von 1523 als theologisch maßgeblich und verdrängten seine späteren judenfeindlichen Schriften. Die Aufklärung beerbte und säkularisierte den christlichen Antijudaismus. Einige aufgeklärte Philosophen und Theologen des 18. Jahrhunderts, beispielsweise Montesquieu und auf jüdischer Seite Moses Mendelssohn haben die rechtliche Gleichstellung der Juden verlangt. Diese Entwicklung ging jedoch mit der Abkehr von den biblischen Traditionen einher. Sie verallgemeinerte die Besonderheit von Juden- und Christentum zu einer humanen Idee, Moral und Religiosität. Nach der Napoleonischen Zeit wurde im Deutschen Bund über die Judenemanzipation gestritten. Ein bekennender Gegner der rechtlichen Gleichstellung war u. a. Peter Beuth. Die Frage führte schließlich zu den Hep-Hep-Krawallen, bei denen sich zwischen August und Oktober 1819 zu einer Welle gewaltsamer antijüdischer Ausschreitungen in über 80 Städten und Ortschaften des Deutschen Bundes und über seine Grenzen hinaus ereigneten, insbesondere auch in Dänemark. Sie gelten als der größte überregionale Aufruhr im Deutschen Bund in der Restaurationsphase bis zur Revolution von 1848. In Würzburg, wo die Krawalle am 2. August 1819 ihren Anfang nahmen, in Frankfurt am Main und in Hamburg herrschten über mehrere Tage hinweg pogromartige Zustände, die erst durch den Einsatz von Militär beendet werden konnten. Aus weiteren 15 Orten sind schwere Ausschreitungen überliefert, insbesondere aus Franken, Baden, Dänemark und Danzig. Die Mehrheit der Vorfälle waren Menschenaufläufe, die „Hep-Hep“-Rufe skandierten, Steinwürfe gegen jüdische Wohn- und Geschäftshäuser und körperliche Angriffe auf deren jüdische Bewohnerinnen und Bewohner. Bei den Hep-Hep-Krawallen gab es keine jüdischen Todesopfer, allerdings wurden in Würzburg am 3. und 4. August 1819 bei Schießereien ein Angreifer und ein Soldat getötet. Die Hep-Hep-Krawalle hatten in vielen Ländern des Deutschen Bundes einen Rückschritt der Judenemanzipation zur Folge. Polen, das ab 1138 dem feudalen Partikularismus in Teilherrschaften erlag, wurde unter Władysław I. Ellenlang ein geeintes Königreich. Sein Sohn, Kasimir „der Große“ , festigte politisch, ökonomisch und militärisch das väterliche Erbe durch grundlegende Reform und Reorganisation des Staatsapparats. 1367 erlaubte er Juden die freie Ansiedlung und gewährte ihnen Gewerbe- und Steuerfreiheit. Dies war damals außergewöhnlich und bewirkte einen Zustrom von jüdischen Einwanderern aus ganz Europa. Sie blieben hier nicht auf das Geldgeschäft beschränkt und stellten bald in ganz Polen einen Hauptanteil an der Schicht des Kleinbürgertums. Zudem lebten sie meist in eigenen Stadtbezirken, dem „Schtetl“, und hatten dort ihre eigene Verwaltung, die „Kahale“. So standen sich Juden und Polen wie zwei Volksgruppen gegenüber. Im 16. Jahrhundert machte die polnische Aristokratie Juden häufig zu ihren Gutsverwaltern und Geschäftsführern. Nach der Union Polens mit Litauen, 1569, wurden Juden meist Landverpächter ukrainischer Bauern und zogen sich als „Ausbeuter“, „Fremde“ und „Ungetaufte“ deren Hass zu. Der Kosakenaufstand von 1649 ging mit Massakern der Bauernheere an etwa 10.000 polnischen Juden und Katholiken einher. Beide fochten in der Schlacht bei Berestetschko 1651 Seite an Seite dagegen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ging Polen als Staat unter. Das beendete dort die Toleranz gegen andere Religionen und Minderheiten. Es kam zu zahlreichen Ritualmordprozessen und Lynchmorden an Juden. Nach einer Beschwerde ihres Vertreters und einer Empfehlung des mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragten Kardinals Ganganelli, des späteren Papstes Clemens XIV., verdammte Papst Benedikt XIV. 1758 die „Blutlüge“. Der polnische König August III. bestätigte dies 1763 und setzte damit den Pogromen vorerst ein Ende. Im Zuge der rechtlichen Gleichstellung der Juden wurde 1764 die jüdische Selbstverwaltung in Polen abgeschafft. Zudem spaltete sich das polnische Judentum in Chassidim und Mitnaggedim . Der Hajdamakennaufstand von 1768 brachte erneute Bauernmassaker an Juden. Der „Vierjährige Reichstag“, der von 1788 an Staats- und Wirtschaftsreformen beschloss, änderte nichts an der Lage der Juden. Das polnische Bürgertum lehnte ihre Gleichstellung ab, wollte sie aber zugleich zur Assimilation zwingen. Selbst progressive Reformer wie Pater Stanisław Staszic sahen sie als „Heuschreckenplage“ und „Schmarotzerhaufen“. Um ihren Patriotismus zu zeigen, nahmen viele Juden wie Berek Joselewicz 1794 am Aufstand von Tadeusz Kościuszko gegen die Teilungen Polens teil. Ein jüdisches Regiment fiel am 4. November im Kampf für Polens Freiheit und Einheit gegen die russischen Eroberer. Napoleon Bonaparte gründete 1807 ein vom Ersten Französischen Kaiserreich politisch abhängiges Herzogtum Warschau. Doch er nahm die im Code Napoléon verankerte Gleichberechtigung der Juden schon 1808 wieder zurück. Dem folgte der Herzog Friedrich August von Sachsen mit einem Dekret, das den Juden die Bürgerrechte für 10 Jahre aberkannte, bis sie sich assimiliert hätten. Juden, die sich im Lebensstil ganz den Christen anpassten, erhielten jedoch zur Antwort: „Wie können aber die sich zu den mosaischen Gesetzen Bekennenden dieses Land als ihr Vaterland ansehen? Sind sie nicht von dem Wunsche beseelt, in die Heimat ihrer Vorfahren zurückzukehren? Fühlen sie sich nicht als eine Nation für sich? Mit der Änderung der Tracht ist es noch lange nicht getan.“ So wurde das Judentum auf den von Preußen, Österreich und Russland besetzten Gebieten Polens und Litauens weniger als Religionsgemeinschaft denn als eigenes Volk betrachtet und ausgegrenzt. Daran knüpfte der polnische Nationalismus und Antisemitismus in Teilen der Bevölkerung im 19. Jahrhundert fast nahtlos an. Im Kulturprotestantismus des 19. Jahrhunderts wurde es zur Regel, den angeblich überlegenen Universalismus und Moralismus der „absoluten“ christlichen Religion am unterlegenen, engen, materialistischen, überholten Judentum zu profilieren. Gerade die idealistischen und romantischen Heroen des Geistes erwiesen sich als hilflos und anfällig für den um sich greifenden sozialdarwinistischen und rassistischen Antisemitismus. Dazu kam eine Politisierung des lutherischen Christentums wie bei dem Berliner Hofprediger Adolf Stoecker. Er berief sich dazu allerdings noch nicht auf Luthers antijüdische Schriften. Erst nicht- oder anti-christliche Antisemiten entdeckten diese ab 1879 wieder und benutzten sie für ihre antisemitische Propaganda. In der katholischen Kirche war damals ein „doppelter Antisemitismus“ üblich: In einer Phase des Ultramontanismus und Antimodernismus lehnte man in Artikeln und Verlautbarungen zwar den Radau-Antisemitismus und den rassistischen Antisemitismus als mit dem Christentum unvereinbar ab . Andererseits erlaubte und gebot man den Gläubigen das Eintreten gegen den vermeintlich schädlichen Einfluss von Juden vor allem im Wirtschafts- und Kulturleben und unterstellte Juden oft einen Hass und entsprechende Agitation gegen das Christentum als solches. Dieser doppelte Antisemitismus umfasste neben altbekannten religiösen auch ältere weltliche Topoi wie den Vorwurf der Wucherei als auch neuere Anschuldigungen wie die eines jüdischen Weltmachtstrebens. Laut Olaf Blaschke reichte dieses Denken bis ins 20. Jahrhundert hinein, etwa im Bamberger Bistumsorgan St. Heinrichsblatt und Klerusblatt, die sich 1937 nach bereits erfolgter weitgehender staatlicher Entrechtung der Juden gegen den Begriff „Judenkirche“ verwahrten: „Daß die katholische Kirche in Deutschland unsere einheimische Rasse Jahrhunderte lang schützte, beweisen unsere katholischen Tauf- und Ehebücher, die heute noch als alleinige Zeugen für die arische Abstammung herangezogen werden.“ Die Kirche sei „im schroffsten und schärfsten Gegensatz zur Synagoge von Christus gestiftet“ worden. Die Novemberrevolution 1918 beendete mit der Monarchie die Oberaufsicht des Kaisers über die Kirche und das „Landesherrliche Kirchenregiment“, also das Recht der Landesregierungen, die höchsten Kirchenbeamten einzusetzen. Die Weimarer Verfassung gestattete den evangelischen Kirchen erstmals weitgehende Selbstverwaltung nach rein kirchlichen Gesichtspunkten. Das Synodalprinzip stärkte die Laien gegenüber Pastoren und Bischöfen. 1922 gründete sich der Deutsche Evangelische Kirchenbund als gemeinsames Dach bekenntnisgebundener Landeskirchen. Das Konzept einer „Volkskirche“, deren Gemeinden auf kommunaler Ebene von der Bevölkerung getragen und für ihre Belange offen sein sollten, konnte sich nun entfalten. Diese ungewohnte Unabhängigkeit vom Staat verunsicherte viele evangelische Pastoren, die sich in der Kaiserzeit im deutschnationalen Bürgertum heimisch gefühlt hatten. Ein Großteil war von Theologen ausgebildet worden, die den Ersten Weltkrieg mittrugen. Die Pfarrer waren häufig in antisemitischen Studentenverbindungen wie dem Verein Deutscher Studenten organisiert. Seit Stoecker und Paul de Lagarde hatten sich Teile des Luthertums dem rassistischen Antisemitismus geöffnet und diesen als politisches Programm über das Kriegsende hinaus etabliert. In der Nachkriegsnot erhielten der rückwärts gewandte Nationalismus und Antisemitismus enormen Auftrieb. Juden wie Hugo Preuß oder Walther Rathenau, die seit der Revolution in Führungspositionen aufsteigen konnten, wurden zur Zielscheibe des Hasses. Neue bürgerliche Parteien wie die DNVP propagierten die Dolchstoßlegende und lasteten alle Krisenphänomene dem „zersetzenden“ Einfluss des „Weltjudentums“ an. Eine Flut von Veröffentlichungen stärkte diese Propaganda, darunter Oswald Spenglers Untergang des Abendlandes: Der Autor stellte das Judentum als grenzen- und heimatloses, nur materiellen Zielen verhaftetes, unter die Völker zerstreutes „Fremdvolk“ dar, das wie ein Naturgesetz den Niedergang der „Wirtvölker“ und damit Hass und blutige Konflikte erzeugen würde. Das rechtfertigte rassistische „Lösungen“ der Judenfrage. Viele Protestanten standen der deutsch-völkischen Bewegung nahe, die die tragenden politischen Kräfte der Weimarer Republik, Sozialdemokratie, Liberalismus und katholische Deutsche Zentrumspartei, erbittert bekämpfte. In ihren Augen bedrohten die „Gottlosen“ im Verbund mit Katholiken und Juden die Verbindung von Volkstum und evangelischer Religion. Dabei behielt die Mehrheit Vorbehalte gegen den unverblümten Rassismus und wollte das Christentum dem Volkstum überordnen. Eine Minderheit wandte sich jedoch der nun aufstrebenden „deutschchristlichen Bewegung“ zu, die das Alte Testament als „jüdische Religionsurkunde“ abwertete und das Christentum „entjuden“ wollte, um es mit „germanischer“ Verehrung von „Blut und Boden“ zu verschmelzen. Von beiden Seiten aus wurden so die Grenzlinien zwischen christlichem Antijudaismus, der den Juden die Tür zur Kirche offenhielt, und rassistischem Antisemitismus, der sie aus dem Volksglauben geistig und politisch „ausmerzen“ wollte, immer mehr verwischt. Von diesen Strömungen im Kulturprotestantismus des Kaiserreichs und der Weimarer Republik ausgehend, hatte der kirchliche Antijudaismus dem staatlichen Antisemitismus des Nationalsozialismus wenig entgegenzusetzen. Nationalsozialisten wie Julius Streicher, Alfred Rosenberg und das Hetzblatt „Der Stürmer“ knüpften dabei ab 1938 auch an judenfeindliche Aussagen Luthers an, wobei sie deren theologischen und zeitgeschichtlichen Kontext stets ignorierten. Deutsche Christen und von ihnen geführte evangelische Landeskirchen beriefen sich in der NS-Zeit darauf und rechtfertigten damit die Novemberpogrome 1938, den Judenstern und somit indirekt auch den Holocaust. Zwar kam es aufgrund der von den Deutschen Christen erzwungenen Ausschließung von protestantischen Pfarrern jüdischer Abstammung zur Gründung des Pfarrernotbundes und zu einem Kirchenkampf, aus dem 1934 die Bekennende Kirche hervorging. Doch auch in dieser evangelischen Opposition überwogen antijudaistische und obrigkeitshörige Einstellungen, so dass es zu keinem kirchlichen Widerstand gegen die immer deutlichere Judenverfolgung des NS-Regimes kam und man sich weithin auf die Verteidigung kirchlicher Selbstverwaltung gegen staatliche Eingriffe begrenzte. Eine Ausnahme war Dietrich Bonhoeffer, der sich dem Widerstand des Kreisauer Kreises und Plänen zu einem Attentat auf Hitler anschloss. Schon 1933 ahnte Bonhoeffer das kommende Geschehen im Betheler Bekenntnis: „Wir verwerfen jeden Versuch, die geschichtliche Sendung irgendeines Volkes mit dem heilsgeschichtlichen Auftrag Israels zu vergleichen oder zu verwechseln. Es kann nie und nimmer Auftrag eines Volkes sein, an den Juden den Mord von Golgatha zu rächen.“ Das hielt den Holocaust nicht auf, der auch wegen der jahrhundertelangen kirchlichen Volkserziehung im Geist des Antijudaismus mit Hilfe Hunderttausender getaufter Mitläufer durchgeführt werden konnte. Die lutherischen Kirchen erkannten ihre Mitverantwortung dafür erst nach 1945 allmählich an. Seit dem Holocaust begannen die Kirchen allmählich, den christlichen Antijudaismus theologisch und praktisch aufzuarbeiten und ihr Verhältnis zum Judentum neu zu bestimmen. In der ersten Nachkriegserklärung der neu gegründeten EKD, dem Stuttgarter Schuldbekenntnis vom 19. Oktober 1945, fehlte noch jeder ausdrückliche Hinweis auf die Shoa; selbst die Aussage Martin Niemöllers fand nur gegen heftigen Widerspruch Eingang in den Wortlaut. Erst unter dem Einfluss von Theologen wie Karl Barth, Helmut Gollwitzer und Friedrich-Wilhelm Marquardt kam es zu einer theologischen Neubesinnung auf die unaufgebbaren jüdischen Wurzeln und Inhalte des christlichen Glaubens. Erst jetzt begann die EKD, zeitbedingte Judenfeindlichkeit und genuine Wort-Gottes-Theologie bei Luther auseinanderzuhalten. Die Deutschen Evangelischen Kirchentage der 1960er Jahre leisteten dabei exegetische, aufklärende und religionsdialogische Arbeiten. Ein Meilenstein zur Revision antijudaistischer theologischer Positionen war der Synodalbeschluss zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden, den die Evangelische Kirche im Rheinland am 11. Januar 1980 fasste. Eine Reihe evangelischer Landeskirchen folgte dem mit ähnlichen Erklärungen und Verfassungsänderungen. Eine Gruppe jüdischer Gelehrter des National Jewish Scholars Project hat diese Bemühungen der christlichen Seite im September 2000 mit der Erklärung Dabru Emet gewürdigt. In vielen Bereichen von Kirche und Theologie sowie im Religionsunterricht bleiben antijudaistische Stereotype jedoch bis in die Gegenwart hinein wirksam. Kritik von jüdischer Seite erfuhren beispielsweise feministischen Theologinnen, die das Judentum als „in seinem Wesenskern frauenfeindlich“ bezeichneten. Weiterhin wird dem rabbinischen Judentum oft eine rein äußerliche, am „Buchstaben“ orientierte Gesetzesfrömmigkeit unterstellt. Aufgrund seiner vielen Vorschriften sei es eine Religion der Werke und bilde somit die Negativfolie für die angeblich ethisch überlegene Lehre Jesu und des Christentums. Der Katholischen Pfadfinderschaft Europas wurden 2004 durch den Politikwissenschaftler Hans-Gerd Jaschke judenfeindliche Äußerungen gerichtlich nachgewiesen; alle Unterlassungsklagen der KPE hiergegen blieben 2010 erfolglos. Der Verlag Anton A. Schmid in Durach publiziert in seinem fundamentalistisch katholisch ausgerichteten Buchangebot auch religiös antisemitische Eigenveröffentlichungen wie die Reihe „Talmudismus – Erzfeind der Menschheit“. Papst Benedikt XVI. formulierte 2008 die Karfreitagsfürbitte für die Juden für die Tridentinische Messe neu. Diese Ausnahmefassung stieß auf Proteste bei Vertretern jüdischer Gemeinden, etwa dem Zentralrat der Juden in Deutschland und vielen Christen. Sie wurde unter anderem als Rückfall hinter die Erklärung Nostra aetate von 1965 beurteilt. Unter Papst Franziskus verzichtete die römisch-katholische Kirche im Dezember 2015 auf alle Versuche, Juden zur Konversion zum Christentum zu bewegen. Im November 2018 distanzierte sich auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. ausdrücklich von der katholischen Judenmission, die zuvor jahrhundertelang praktiziert worden war. Selbige sei nicht vorgesehen und nicht nötig. Im vom Islam geprägten Gebieten regelte das Rechtsinstitut der Dhimma die soziale Stellung von Juden, Christen und anderen anerkannten religiösen Minderheiten. Juden und Christen galten als Ahl al-kitāb , also Empfänger einer schriftlichen Offenbarungsurkunde Allahs. Als Dhimmis durften sie ihre Religion ausüben und waren rechtlich geschützt, mussten aber besondere Kopfsteuern zahlen, Kleiderordnungen befolgen und durften keine Waffen tragen. Diese Regeln wurden jedoch in der Geschichte des Islam verschieden streng gehandhabt. Es gab zeitweise relative Toleranz, zu anderen Zeiten schwere Verfolgungen, die jedoch nicht nur Juden betrafen. Eine systematische, in der Religion selbst geforderte und kontinuierlich ausgeübte Judenfeindschaft gab es im mittelalterlichen Islam nicht. Als die Mauren 713 die iberische Halbinsel eroberten, unterwarfen sich die Juden ihnen bereitwillig, da sie im Westgotenreich seit 587 verfolgt worden waren. Bis zum Ende des Kalifats der Umayyaden bestand im islamisch beherrschten al-Andalus eine relativ friedliche Koexistenz von Christen, Juden und Muslimen, die zu einem Kulturaustausch führte. Im mittelalterlichen Islam wurden nur in Marokko und Persien zeitweise Ghettos für Juden eingerichtet. Massaker an Juden blieben lokale Ausnahmen. Gewaltsame Übergriffe auf Juden waren im Islam seltener als im christlichen Europa. Als Spaniens christliche Herrscher die Juden und Muslime ihres Landes endgültig vertrieben , luden islamische Herrscher sie in ihr Osmanisches Reich ein und erlaubten aus Europa geflohenen Juden auch, sich erstmals seit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels wieder im früheren Israel-Palästina anzusiedeln. Bis zum Ersten Weltkrieg konnten jüdische Gemeinden im Osmanischen Reich aufblühen. Durch die Expansion nach Europa lernten die osmanischen Behörden von griechisch-orthodoxen Christen antijudaistische Stereotype kennen. Auf deren Betreiben kam es 1840 zur Damaskusaffäre, der ersten Ritualmordanklage gegen Juden in der islamischen Welt. Erst seit dem Palästinakonflikt der 1920er Jahre, in größerem Maß erst seit Israels Staatsgründung 1948, übernahmen Teile der arabisch-islamischen Eliten aus europäischen und amerikanischen Quellen antisemitische Verschwörungstheorien. . Quellen Gesamtdarstellungen Spätantike Mittelalter Frühe Neuzeit Martin Luther Islam Neuzeit Nach 1945
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2024-11-22 23:01:20
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https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Lufthansa
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Der Artikel Geschichte der Lufthansa befasst sich mit den geschichtlichen Hintergründen zu den verschiedenen Unternehmen, die als Deutsche Lufthansa firmierten bzw. heute noch firmieren. Die Darstellung umfasst den Zeitraum des Bestehens des ersten Unternehmens mit dem Namen Deutsche Luft Hansa AG , das am 6. Januar 1926 in Berlin gegründet wurde und den Flugbetrieb mit dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur 1945 einstellen musste sowie den Zeitraum seit Gründung der Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf im Jahr 1953, die 1954 in Deutsche Lufthansa AG umbenannt wurde und ihren ersten Linienflug am 1. April 1955 durchführte. Die heutige Deutsche Lufthansa AG ist nicht Rechtsnachfolgerin der seit 1933 nationalsozialistisch geprägten „alten“ Deutschen Lufthansa AG. Ungeachtet dessen stellt das heutige Unternehmen seinen ersten Linienflug am 1. April 1955 als „Neubeginn“ der unter dem Markennamen „Lufthansa“ operierenden Fluggesellschaft dar und macht sich in diesem Zusammenhang die technischen Fortschritte in der deutschen Verkehrsluftfahrt vor Gründung der heutigen Deutschen Lufthansa AG als Unternehmensgeschichte zu eigen. Mit Blick auf das NS-Regime ist dem heutigen Unternehmen bei seiner Selbstdarstellung eine bewusste Verdrängung der Beschäftigung von Zwangsarbeitern in der NS-Zeit nachgewiesen worden. In keinerlei rechtlicher Beziehung stand die „neue“ Deutsche Lufthansa AG mit der von der DDR am 1. Mai 1955 gegründeten Deutschen Lufthansa, die 1963 liquidiert und deren Flugbetrieb von der Interflug weitergeführt wurde. Im Dezember 1917 gründeten die Firmen HAPAG, Luftschiffbau Zeppelin und AEG unter Mitwirkung der Deutschen Bank die Deutsche Luft-Reederei . Ihren ersten Linienflug führte die D.L.R. im Februar 1919 von Berlin nach Weimar durch. Diese Verbindung gilt als die erste zivile Fluglinie Deutschlands. 1920 fusionierte die D.L.R. mit der Sablatnig Flugzeugbau GmbH zur Lloyd Luftverkehr Sablatnig. 1923 legten HAPAG und Norddeutscher Lloyd ihre Luftfahrtinteressen im Deutschen Aero Lloyd zusammen. Im selben Jahr, nach Ende der Inflation, ging eine Initiative von der Reichsregierung aus, die sich eine Verringerung der Subventionszahlungen an die beiden hoch verschuldeten Unternehmen Deutscher Aero Lloyd und Junkers Luftverkehr AG durch deren Fusion erhoffte. Auf privatwirtschaftlicher Seite spielte der stellvertretende Direktor der Deutschen Bank, Kurt Weigelt, dabei eine bedeutende Rolle. Vorsitzender der Fusionskommission war Max Schwab, Vorstandsvorsitzender der Rheinbahn AG in Düsseldorf, die wegen ihrer Beteiligung an der Düsseldorfer Flughafenbetriebsgesellschaft an der Entwicklung des Luftverkehrs interessiert war. Anlässlich der Aufnahme des Flugverkehrs Dresden–München wurde bei der Eröffnungsfeier im Dresdner Rathaus der Name Luft Hansa für diese neue geplante Gesellschaft kreiert. Am 6. Januar 1926 erfolgte die Fusion der beiden Unternehmen durch Gründung der Deutschen Luft Hansa Aktiengesellschaft mit Sitz Berlin. Bereits zu diesem Zeitpunkt verfolgten mehrere der Gründungsmitglieder bzw. die sie beauftragenden und im Hintergrund agierenden Institutionen, rein militärische Ziele mit diesem Schritt. Sie sahen in dem Konstrukt der AG lediglich eine geeignete Form, eine deutsche Luftrüstung und moderne Luftwaffe gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages aufzubauen. Zum provisorischen Direktorium gehörten: Major Martin Wronsky, Otto Julius Merkel sowie Erhard Milch , der anschließend Technischer Direktor und Vorstandsmitglied der Deutschen Luft Hansa AG und ab 1942 als glühender Verfechter des Nationalsozialismus Aufsichtsratsvorsitzender der bereits seit 1933 personell eng mit dem NS-Regime verflochtenen Deutschen Lufthansa AG wurde. Die Anfänge der Lufthansa in den 1920er- und 1930er-Jahren waren die Pionierzeit des deutschen Linienflugverkehrs. Der Lufthansa gelangen zahlreiche Pionierleistungen und betriebswirtschaftliche Erfolge. Bereits bis zum Ende der 1920er-Jahre etablierte sich die Deutsche Luft Hansa als internationale Luftfahrtgesellschaft mit dem erklärten Ziel, ein Liniennetz zwischen allen europäischen Metropolen zu knüpfen. Während der Passagierverkehr der 1933 in Deutsche Lufthansa AG umbenannten Fluggesellschaft in Berlin seit den 1930er Jahren auf dem Zentralflughafen Tempelhof abgefertigt wurde, entwickelte sich der Berliner Flugplatz Staaken ab Mitte der 1930er Jahre zur Hauptwerft der Lufthansa. Gemessen an der Infrastruktur und der Vielzahl der Werks- und Überführungsflüge entsprach der Flugplatz Staaken einem Großflughafen nach damaligen Maßstäben. Allerdings diente die Lufthansa-Hauptwerft bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs größtenteils der Luftwaffe der Wehrmacht, das heißt neben der einträglichen Reparatur von Kriegsflugzeugen insbesondere auch als Tarnung der Entwicklung und Austestung militärischer Luftfahrttechnik. Zu keiner Zeit flog die Lufthansa wirtschaftlich. Mit ihrer Gründung wurden sie und die Mehrzahl der Projekte staatlich subventioniert. Ab 1933 wurde dieser Weg verboten, da sie sich nunmehr über Rüstungsfinanzierungen und die Erprobung von Luftwaffentechnik quer-finanzierte. Gegen Ende der Weimarer Republik stand die Lufthansa vor allem wegen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor schwierigen Situationen. Der Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft und das Einsteigen in die Rüstungsindustrie schufen neue Bedingungen. So wurde beispielsweise Hermann Göring bereits als einfacher Reichstagsabgeordneter bestochen und Adolf Hitler bekam im Wahlkampf permanent und kostenlos ein Flugzeug gestellt. Entsprechend waren die Jahre 1933 bis 1945 von der Vereinnahmung der Lufthansa durch das NS-Regime geprägt, die Jahre vor Beginn des Zweiten Weltkriegs zudem durch die Kriegsvorbereitungen des Deutschen Reichs. Weil die Lufthansa das Ziel der Wirtschaftlichkeit aber bis zur Betriebseinstellung im April 1945 auch nicht annähernd erreichte, stand sie mehrfach auch in dieser Zeit kurz davor, aufgegeben zu werden. Den Schritten zur Gründung der Luft Hansa AG ab Oktober 1925 lagen neben verkehrstechnischen Gesichtspunkten auch militärische Motive zugrunde. Die Flugzeugflotte der Deutschen Luft Hansa Aktiengesellschaft umfasste an ihrem Gründungstag 6. Januar 1926 162 Flugzeuge, davon waren die meisten veraltete Militärmaschinen aus dem Ersten Weltkrieg. Jedoch verfügte Luft Hansa mit der Junkers F 13 auch über das erste als Passagiermaschine in Serie gefertigte Ganzmetallflugzeug. Anfänglich hatte der Berliner Flugplatz Staaken gute Aussichten, der Hauptflughafen der Luft Hansa zu werden. Jedoch wurde innerhalb kurzer Zeit der für den Passagiertransport verkehrsgünstiger gelegene Flughafen Berlin-Tempelhof zum offiziellen Heimatflughafen der Lufthansa, während der Flugplatz Staaken im Wesentlichen für Trainingsflüge und Wartungsarbeiten in den dortigen Luft Hansa-Hallen genutzt wurde, die Anfang der 1930er Jahre zum Hauptstandort der damaligen Lufthansa Technik ausgebaut wurden. So startete am 6. April 1926 der erste Linienflug der Luft Hansa vom Flughafen Tempelhof. Da das Ziel dieses Flugs Zürich war, über Halle, Erfurt und Stuttgart , handelte es sich zugleich um den ersten planmäßigen Auslandsflug der Luft Hansa. Das eingesetzte Flugzeug, ein Fokker-Grulich-Hochdecker, trug als Firmenlogo der neuen Fluggesellschaft das blau-gelbe Kranich-Emblem, das aus der Kombination der Firmenlogos der beiden Vorgängerfirmen entstand. Bereits in ihrem Gründungsjahr hatte die Luft Hansa Versuche mit Nachtflügen unternommen. Als Ergebnis dieser Versuche konnte ein Nachtpost- und Nachtfrachtverkehr aufgenommen werden. Ab dem 1. Mai wurde die erste Nachtflugstrecke mit einer dreimotorigen Junkers G 24 vom Flugplatz Tempelhof in Berlin nach Königsberg eröffnet. Ebenfalls bereits im Gründungsjahr wurden Anteile an der 1921 gegründeten Deutsch-Russischen Luftverkehrsgesellschaft übernommen. Aufsehen erregte die Einrichtung einer regelmäßigen Flugverbindung Berlin–Moskau, einer damals ungewöhnlich weiten Strecke. Nach dem Fall der Beschränkungen für die deutsche Luftfahrt durch das Pariser Luftfahrtabkommen wurde im Gründungsjahr eine Fluglinie Berlin–Köln –Paris in Zusammenarbeit mit den französischen Lignes Farman eingerichtet. Im Sommer kamen die beliebten Bäderstrecken an Nord- und Ostsee hinzu. Ende des Jahres waren bei der Luft Hansa bereits 1527 Personen beschäftigt. Laut Bilanz des ersten Betriebsjahrs wurden mehr als sechs Millionen Flugkilometer zurückgelegt und 56.268 Fluggäste, 258 Tonnen Fracht sowie 301 Tonnen Post transportiert. Im Jahr 1927 kam eine Reihe weiterer Strecken hinzu, so die Strecke München–Salzburg–Klagenfurt–Venedig. Über die Ostsee führte die von Flugbooten bediente Teilstrecke der Verbindung Berlin–Stettin–Kopenhagen–Göteborg–Oslo. Im August wurde mit der Deutschen Reichsbahn eine Kooperation beim Frachttransport abgeschlossen. Im Dezember wurden mit Beteiligung der Luft Hansa neue Fluglinien im Ausland gegründet: in Spanien die „Iberia – Compania Aerea de Transportes SA“ mit ihrer Strecke Madrid–Barcelona. In Brasilien wurde die „Syndicato Condor Ltda.“ ins Leben gerufen. Im Januar 1928 wurde mit Marseille–Barcelona das letzte Teilstück der Strecke Berlin–Madrid eröffnet. Dies war die längste durchgehende Strecke in Europa, Streckenlänge 2100 Kilometer. Am 12./13. April überquerte Hermann Köhl zusammen mit Günther von Hünefeld und James Fitzmaurice in einer Junkers W 33 von Baldonnel in Irland aus den Nordatlantik von Ost nach West und landete auf Greenly Island vor Labrador. Es folgte die Errichtung von verschiedenen Schnellverbindungen im Nonstop-Flug . Im August und September brach eine Junkers W 33 jeweils zu Flügen nach Sibirien auf. Im September/Oktober flog eine Junkers W 33 von Berlin nach Tokio. Zahlenrückgang in der Lufthansa-Bilanz 1929 gegenüber 1928: Zum 1. Mai 1929 bot die Deutsche Luft Hansa AG ihren Passagieren erstmals einen Rückflugschein mit 10 Prozent Ermäßigung an. Im Mai wurden Reichspoststrecken von Berlin nach London und von Berlin nach Malmö sowie im Juni von Stuttgart nach Basel eröffnet. Am 22. Juli wurde 400 km vor der Küste während der Jungfernfahrt des Schnelldampfers Bremen von einem Katapult aus eine Heinkel HE 12 gestartet, um den regelmäßigen Postverkehr über den Nordatlantik zu verkürzen. Zur Vorbereitung der Südatlantiküberquerung flog eine Arado von Sevilla nach Teneriffa. Ende der 1920er-Jahre stornierte die Luft Hansa bei den Bayerischen Flugzeugwerken einen Auftrag für eine Hochdeckerkonstruktion in Ganzmetallbauweise für zehn Passagiere, nachdem während eines Fluges Heck und Leitwerk des von Chefkonstrukteur Willy Messerschmitt entworfenen Verkehrsflugzeugs M20 abbrachen, was zu dessen Absturz führte. Später wurde die Luft Hansa gerichtlich gezwungen, den ursprünglichen Vertrag zu erfüllen. Dies trug Messerschmitt und den Bayerischen Flugzeugwerken die Feindschaft von Erhard Milch ein, des damaligen Luft Hansa-Chefs , nachdem Milch in den 1930er-Jahren Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium geworden war. Im Milch-Prozess wurde er 1947 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, aber bereits 1954 entlassen. Der Beginn der 1930er-Jahre stand im Zeichen der Weltwirtschaftskrise. Trotzdem strebte das Unternehmen zu neuen Zielen. Insbesondere der Südatlantikverkehr und der Ferne Osten galten als lohnende Ziele. So wurden auch hier wieder Pionierleistungen vollbracht. Zur Vorbereitung der chinesischen Luftfahrt gründete die Luft Hansa 1930 zusammen mit dem chinesischen Verkehrsministerium im Februar die Europäisch-Asiatische Luftpostaktiengesellschaft Eurasia. Das Starten von Postflugzeugen von Passagierschiffen aus wurde zur Routine. Es wurden in diesem Jahr 24 Starts dieser Art vorgenommen. Vom 18. bis 26. August flog eine Dornier Do J unter dem Piloten Wolfgang von Gronau von Warnemünde nach New York. Die Luftpoststrecke Wien–Budapest–Belgrad–Sofia–Istanbul mit einer Postlaufzeit Berlin–Istanbul von nur noch 24 Stunden wurde im Mai eingeweiht. Bereits seit den 1920er Jahren gab es eine Kooperation mit der Deutschen Reichsbahn beim Personen- und Gepäcktransport. 1930 wurde die Luft-Hansa Mitglied im Verein Deutscher Eisenbahnverwaltungen. Ab Mai 1931 wurde der Postdienst der Eurasia Shanghai–Nanjing–Peking–Manjur eingerichtet. Im April 1931 erfolgten regelmäßige Alpenüberquerungen. Im Juni wurde ein Flugpendeldienst von Köln–Frankfurt zum Preis einer 2.-Klasse-Bahnfahrkarte erprobt. Im Überseeverkehr führte die Luft Hansa in diesem Jahr insgesamt 31 Katapultstarts durch. Ab Juli 1932 wurde mit der Junkers G 38 das größte Passagierflugzeug der damaligen Zeit auf der Strecke Berlin–Amsterdam–London eingesetzt. Im Juni wurde als Vorbereitung für die regelmäßige Überquerung des Südatlantiks das Frachtschiff Westfalen des Norddeutschen Lloyd gechartert. Es fanden 36 Katapultstarts von Flugbooten des Typs Dornier Do J statt und weitere Katapultstarts für Postvorausflüge mit einer Ju 46 vom Schnelldampfer Europa auf der Nordatlantikroute. Bereits mit dem Jahr 1933 begann der Weg der Lufthansa AG in die Beteiligung an den Kriegsverbrechen des nationalsozialistischen Systems. Nicht nur durch die besondere Funktion des Unternehmens bei der Tarnung von Geheimrüstung zum Aufbau der Luftwaffe, sondern auch durch die ab 1933 erfolgte Umstellung auf Kriegstechnik sowie Bereitstellung der Werkstätten zum Aufbau, der Instandhaltung sowie Erprobung der Bomberstaffeln – besonders aus der Typenreihe Ju 52. Das prägte dann die gesamte Arbeit der Lufthansa-Werkstätten bis 1945. Ab diesem Zeitpunkt nahm das Gewicht des Unternehmens als Bestandteil der Lüftrüstungsindustrie, des Einsatzes von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen immer größere und verbrecherische Formen an. Von Mai 1933 an wurden zwei Junkers W34 nach Shanghai überführt. Die Heinkel He 70 wurde in die Erprobung genommen und brach insgesamt acht Weltrekorde. Die Deutsche Reichsbahn strich auf der Strecke Berlin–Königsberg als erste Eisenbahngesellschaft überhaupt einen Nachtzug zugunsten einer Flugverbindung. Neue Versuche mit größeren Katapulten für die Dornier Wal mit acht Tonnen Startgewicht und Versuchsflüge für die Südatlantik-Poststrecke fanden statt. Ab 1933 wurde in der Firmenbezeichnung das Wort „Lufthansa“ zusammen geschrieben. Im Februar 1934 richtete die Lufthansa die erste transatlantische Postlinie ein, die über den Südatlantik führte. Zu diesem Zweck wurde das Frachtschiff Schwarzenfels der DDG „Hansa“ gekauft und unter dem neuen Namen Schwabenland zum Katapultschiff umgebaut. Die sogenannten Reichsbahnstrecken von Berlin nach Münster, Stuttgart und Breslau wurden in den Flugplan aufgenommen. Im Mai folgte die neue Strecke von Berlin nach Warschau. Die Reisegeschwindigkeiten stiegen durch den Einsatz der Junkers Ju 52/3m und der Heinkel He 70 steil an. Die Heinkel He 70 flog die sogenannten Blitzstrecken ab Juni zwischen Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt am Main. Im September konnte der einmillionste Fluggast begrüßt werden. Für den Südatlantikdienst kamen jetzt auch Dornier-Wal mit zehn Tonnen Startgewicht zum Einsatz. Ein zweites Stützpunktschiff wurde eingesetzt und der Luftpostverkehr zwischen Deutschland und Südamerika wurde aufgenommen. Im Februar 1935 wurde ein Versuchsflug nach Kairo mit einer Junkers Ju 52/3m durchgeführt. In Kooperation mit der KLM nahm die Lufthansa die Strecke Amsterdam–Mailand in den Flugplan auf. Ab April wurden die Südatlantikstrecken mit Wasserflugzeugen auch im Nachtflug beflogen. Im August konnte bereits der 100. Postflug auf der Südatlantikroute gefeiert werden. Ein drittes Stützpunktschiff wurde in Auftrag gegeben. Zwei bereits 1933 bestellte Boeing 247 ergänzten vorübergehend die Flotte der Landflugzeuge. Als drittes Flugzeug aus US-Produktion kam eine DC-2 hinzu. Zu Beginn des Spanischen Bürgerkrieges 1936 brachten zwanzig Ju 52 der Deutsche Lufthansa AG auf Befehl Adolf Hitlers Truppen Francos von Tétouan in Spanisch-Marokko nach Cádiz; sie umgingen so die republikanische Marineblockade in der Straße von Gibraltar. Dies war die erste Luftbrücke der Geschichte und ermöglichte so den Sieg Francos gegen die Zweite Spanische Republik. 1936 feierte die Deutsche Lufthansa AG ihr 10-jähriges Jubiläum. Für den Südatlantikdienst wurden Flugboote des Typs Dornier Do 18 mit Junkers-Dieselmotoren beschafft. Damit konnte der Ozean auch bei Blindflugbedingungen überquert werden. Zur Erkundung der Asienstrecken überflog eine Junkers Ju 52/3m den Hindukusch und den Pamir. Im Juli 1937 wurde in Ecuador die Sociedad Ecuatoriana de Transportes Aereos gegründet. Die Lufthansa vercharterte an diese Gesellschaft zwei Junkers W34. Es folgten mit den neuen Blohm & Voss Ha 139 Versuchsflüge über den Nordatlantik, die erfolgreich verliefen. Im Oktober begann der Postflugdienst von Berlin nach Bagdad. Diese Linie wurde kurz darauf bis nach Teheran verlängert. Im April 1938 wurde die Route von Berlin nach Teheran auch für den Passagierdienst freigegeben und kurz darauf nach Kabul verlängert. In Peru wurde eine Tochtergesellschaft gegründet. Lufthansa stellte die als ziviles Langstreckenverkehrsflugzeug konzipierte viermotorige Focke-Wulf Fw 200 „Condor“ bereits ein Jahr nach ihrem Erstflug in den Liniendienst. Im Normalbetrieb konnte die Maschine 25 Passagiere aufnehmen und 3000 km weit fliegen. Die Probeflüge waren so überzeugend, dass die Lufthansa sofort die erste Serie in Auftrag gab. So folgten dem Prototyp einige Fw 200 A und die erste größere Serienversion, die Fw 200 B. Mit einer Flügelfläche von 118 Quadratmetern war die Condor fast so groß wie der heutige Airbus A 320. Am 10. August 1938 flog die mit Zusatztanks im Rumpf ausgestattete Fw 200 V1 „Condor“ , Werk-Nr. 2000, unter dem Kommando von Flugkapitän Alfred Henke und mit Hptm. Rudolf von Moreau , Paul Dierberg und Walter Kober als erstes landgestütztes Passagierlangstreckenflugzeug nonstop die 6.371,302 Kilometer lange Strecke von Staaken zum Floyd Bennett Field in New York City in 24 Stunden, 56 Minuten und 12 Sekunden; dies entsprach einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 255,499 km/h. Auf dem Rückflug von New York nach Berlin-Tempelhof legte die Maschine eine Strecke von 6.392 km in 19 Stunden und 55 Minuten zurück; dies entsprach einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 321 km/h. Beide Flüge wurden von der FAI als Flugweg-Rekorde, 2. Kategorie , anerkannt, was die damalige Spitzentechnik im zivilen Flugzeugbau darstellte. Am 28. November 1938 startete die D-ACON mit derselben Besatzung und mit Bordwart Georg Kohne und Konsul Heinz Junge von Berlin-Tempelhof aus zu einem weiteren Rekordflug mit drei Zwischenlandungen in Basra, Karatschi und Hanoi nach Tokio . Bei diesem Flug flog die Condor insgesamt 13.844 km in 46 Stunden und 18 Minuten. Dies entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 192 km/h . Auf dem Rückflug musste D-ACON in der Cavite-Bucht vor Manila am 6. Dezember 1938 wegen eines Defektes der Treibstoffleitung notwassern. Insgesamt absolvierte die Lufthansa im letzten vollen Betriebsjahr 1938, das auch ein Rekordjahr gewesen war, allein im Europa-Verkehr 19,3 Millionen Flugkilometer, wobei 254.713 Passagiere und 5.288 Tonnen Briefe befördert wurden. Anfang 1939 fand die Deutsche Antarktische Expedition 1938/39 statt: Von dem Expeditionsschiff Schwabenland aus starteten per Katapult zwei Dornier Wal, die auf mehreren Erkundungsflügen insgesamt 350.000 Quadratkilometer fotografierten. Dieses Gebiet wurde nach dem Schiff Neuschwabenland genannt. Zum 1. April 1939 wurde von der brasilianischen Lufthansa-Tochtergesellschaft Syndicato Condor die transkontinentale Strecke vom brasilianischen Natal nach Santiago de Chile übernommen. Ende Juni überquerte eine Focke-Wulf Fw 200 als erstes Landflugzeug der Lufthansa in 9 Stunden 47 Minuten im Nonstop-Flug den Südatlantik. Im April/Mai flog eine Junkers Ju 52/3m über Bangkok, Hanoi und Taipeh nach Tokio. Ein Liniendienst von Berlin nach Bangkok in fünf Etappen wurde ab Ende Juli angeboten. Am 25. August 1939 um 15:02 Uhr erteilte Hitler den Befehl, den „Fall Weiß“ auszulösen . Dieser Befehl wurde zwar etwa um 18:15 Uhr wieder aufgehoben, hatte jedoch zur Folge, dass am 26. August 1939 der planmäßige Linienverkehr der Lufthansa „vorläufig“ eingestellt wurde. Mit wenigen Ausnahmen wurde fast der gesamte Lufthansa-Flugzeugpark samt Besatzungen in die Luftwaffe integriert und bildete dort den Stamm des Kampfgeschwader z. b. V. 172 , geführt von Freiherr von Gablenz, Major der Reserve. Gablenz war Vorstandsmitglied seit 1933 und in den 1920er und 1930er Jahren maßgeblich am Ausbau des Überseeflugnetzes und moderner Flugtechnik beteiligt. Innerhalb des Geschwaders gab es eine sogenannte „Sonderstaffel“, die ausschließlich aus Angehörigen der Lufthansa bestand und der sämtliche viermotorigen Maschinen zugeteilt waren. Am 29. August 1939 erhielt diese Sonderstaffel ihren ersten Auftrag: die Reichstagsabgeordneten aus dem ganzen Deutschen Reich nach Berlin zu holen. Per Funk wurden die Flugzeuge jedoch zurückbeordert, da der Angriffsbefehl widerrufen wurde. Der gesamte zivile Luftverkehr wurde dann am 30. August 1939 völlig eingestellt. Am Abend des 31. August wurde dann der Auftrag ausgeführt, die Reichstagsabgeordneten nach Berlin zu befördern. Dort erfuhren sie am nächsten Morgen hochoffiziell, dass „seit 5:45 Uhr zurückgeschossen werde“. Der Zweite Weltkrieg hatte begonnen. Am 21. September 1939 erfolgte dann, allerdings nicht ab Tempelhof, sondern etwa 20 km südlich von Berlin vom Flugplatz Rangsdorf aus, eine bescheidene Wiederaufnahme des Flugverkehrs auf der Strecke Berlin–Danzig–Königsberg. Es folgte am 18. Oktober die Strecke Berlin–Wien–Budapest–Belgrad. Bis zum 7. März 1940 gab es keine Lufthansa-Flüge mehr ab Tempelhof – erst zu diesem Tage wurde der Heimathafen der Lufthansa wieder planmäßig angeflogen. Ende November 1940 wurde der Eurasia-Dienst nach Intervention der chinesischen Regierung eingestellt. Der Stützpunkt in Kunming wurde geräumt und sämtliche Mitarbeiter verließen die Republik China. Mitte Dezember 1941 musste die brasilianische Syndicato Condor den Betrieb einstellen. Bereits am 22. März musste die Deruluft liquidiert werden. Am 27. Oktober flog die Lufthansa erstmals seit dem Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion wieder nach Riga und Helsinki. Ab 1942 mussten mehr und mehr Strecken eingestellt werden, weil sich die Kampfhandlungen zu Ungunsten des Deutschen Reichs entwickelten. Flugreisen konnten nicht mehr frei verkauft werden, sondern mussten von staatlichen Stellen genehmigt werden. Werften und Personal der Lufthansa standen praktisch im Dienst der Luftwaffe. Im selben Jahr wurde das „Syndicato Condor Ltda.“ in „Servicos Aereos Cruzeiro do Sul Ltda.“ umbenannt. Von Gablenz, mittlerweile am 1. November 1941 zum Generalmajor ernannt und damit erster General der Reserve, stürzte am 21. August 1942 tödlich ab. 1943 bis 1945 wurden nach und nach immer mehr Strecken kriegsbedingt eingestellt. Nunmehr waren sämtliche Lufthansa-Piloten und die Lufthansa-Ausbesserungsbetriebe der Luftwaffe unterstellt. Zivilmaschinen der Lufthansa wurden zu Militärtransportern umgerüstet und von der Luftwaffe zweckentfremdet. Am 23. März 1945 gab die Lufthansa ihren letzten Flugplan heraus. Am 21. April 1945 führte die Lufthansa von Berlin aus den letzten Linienflug durch und mit einer Ju-52 startete am 22. April 1945 von Berlin-Tempelhof nach Warnemünde der allerletzte Flug der „alten“ Lufthansa. Dass die Lufthansa nicht generell aus Sympathisanten und Mitläufern des NS-Regimes bestand, belegt die Beschäftigung von Klaus Bonhoeffer, des Bruders des seit 1933 in öffentlicher Opposition zuerst zur Kirchenpolitik des Regimes stehenden Dietrich Bonhoeffer. Klaus Bonhoeffer war ab 1935 Rechtsanwalt in der Rechtsabteilung der Lufthansa und ab 1939 deren Chef-Syndikus bis zu seiner Verhaftung im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944, in das er eingeweiht war, und infolge dessen er noch am 22. April 1945 mit 12 Mitgefangenen durch Genickschuss ermordet wurde. Nach 19 Jahren Unternehmensgeschichte war die Deutsche Lufthansa AG am Ende: Mit dem Kriegsende unterstellten die Alliierten die Luftfahrt über deutschem Gebiet ihrer Kontrolle und untersagten zunächst alle zivilen Flüge. Erst am 1. Januar 1951 wurde das Restvermögen des alten Unternehmens Deutsche Lufthansa AG von den Alliierten vollständig liquidiert. Damit endete die Unternehmensgeschichte der „alten Deutschen Lufthansa AG“ auch in rechtlicher Hinsicht. Zu Beginn des so genannten Dritten Reiches hatte die Lufthansa bis 1936 über den zivilen Linienflugbetrieb hinaus die Aufgabe, Rüstung in der Luftfahrt, die nach dem Friedensvertrag von Versailles Deutschland nicht gestattet war, zu verdecken. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Passagierflugzeuge der Lufthansa auch für Kriegszwecke eingesetzt. Nach den Forschungsergebnissen von Lutz Budraß von der Ruhr-Universität Bochum wurde erstmals auch aus wissenschaftlicher Perspektive bestätigt, dass in der Zeit von 1933 bis 1945 die „alte“ Lufthansa Zwangsarbeiter beschäftigte. In dieser Zeit hat das Unternehmen mindestens 10.000 Männer und Frauen aus den unterschiedlichsten Regionen wegen ihrer ethnischen Herkunft resp. ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Religion und ihrer politischen Überzeugungen zwangsweise beschäftigt. Ihre Tätigkeit war im Wesentlichen die Reparatur von Flugzeugen der Luftwaffe. „Es stellte sich heraus, dass die besondere Rolle der Lufthansa bei der Beschäftigung von Zwangsarbeitern keine Verirrung war, eine Handlungsweise, die ihr von den Nationalsozialisten aufgezwungen war oder gar Folge eines nationalsozialistischen Moralkodex, sondern ein sehr bewusst in Kauf genommenes Ergebnis ihrer Wirtschaftlichkeitsstrategie, um nach dem Ausfall der eigentlichen Einnahmequelle Kapital für eine grundstürzende Modernisierung ihrer Flotte für den Luftverkehr der Nachkriegszeit zu sammeln.“ In der Dokumentation Fliegen heißt Siegen. Die verdrängte Geschichte der Deutschen Lufthansa berichtet der Journalist Christoph Weber über ca. 17.000 Zwangsarbeiter, darunter jüdische Deutsche, Ukrainer, Russen und Angehörige anderer Nationen, die in Berlin-Staaken, Berlin-Tempelhof und Leipzig-Schkeuditz zum großen Teil in der Flugzeugreparatur zwangsarbeiten mussten, darunter auch Kinder, die von der Schulbank verschleppt, angelernt und nach Deutschland transportiert worden waren. Bald nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 beurlaubte die Lufthansa Erich Schatzki, technischer Direktor der Lufthansa, wegen seiner jüdischen Herkunft. Nachdem die Niederlande 1940 von der Wehrmacht erobert worden waren, warnte ihn der damalige Lufthansa-Direktor Carl August von Gablenz wiederholt vor der akuten Gefahr durch die Judenverfolgung. Mit seiner Familie floh Schatzki daraufhin über Frankreich und Spanien im Juni 1941 in die Vereinigten Staaten. Im sogenannten Nürnberger Milch-Prozess vom 2. Januar bis 17. April 1947 vor dem amerikanischen Militärgerichtshof in Nürnberg war Erhard Milch, Aufsichtsratsvorsitzender der erst 1951 durch die Alliierten liquidierten Deutschen Lufthansa AG und zugleich ehemaliger Generalfeldmarschall, wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Konkret vorgeworfen wurde Milch u. a. eine Mittäterschaft bei der ungesetzlichen Pressung zur Zwangsarbeit und beim völkerrechtswidrigen Einsatz Kriegsgefangener zu Arbeiten, die direkt mit Kriegshandlungen in Verbindung standen. Zudem wurde seine Mitverantwortung für Misshandlung und Mord an Kriegsgefangenen angeklagt. Mit Urteil vom 17. April 1947 wurde Milch zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt . Hinweis: Über einige der damals existierenden und genutzten Flugplätze liegen keine zuverlässigen Quellen vor. Diese sind mit „Flugplatz unbekannt“ gekennzeichnet. Ergänzend flog die alte Lufthansa planmäßig mit Wasserflugzeugen Flugziele entlang der norwegischen Küste von Trondheim bis Kirkenes an. Einzelne ehemalige Mitarbeiter der vormaligen „Lufthansa“ versuchten bereits kurz nach Kriegsende, wieder die Grundlage für zivilen Luftverkehr in Deutschland zu schaffen. Allerdings hatten die Siegermächte sowohl den Flugzeugbau als auch den Flugbetrieb zunächst verboten. Jedoch waren der Kalte Krieg und das sogenannte „Wirtschaftswunder“ Anfang der 1950er-Jahre mitursächlich dafür, dass bereits kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in Deutschland geflogen werden durfte und – sowohl in finanzieller als auch in technischer Hinsicht – geflogen werden konnte. Im Zuge des rasanten Wiederaufbaus der Zivilluftfahrt in Deutschland erfolgte schnell die erstmalige Gründung einer westdeutschen Fluggesellschaft, wofür frühzeitig der Firmenname „Lufthansa“ käuflich erworben wurde. Im weiteren Verlauf entwickelte sich diese – offiziell schließlich als Deutsche Lufthansa AG firmierende – Fluggesellschaft zu einem profitablen, modernen und weltweit agierenden Flagcarrier. 1951 richtete Bundesverkehrsminister Seebohm im Verkehrsministerium eine Luftfahrtabteilung ein und verpflichtete Hans M. Bongers, letzter Verkehrsleiter der „alten“ Lufthansa, mit einem „Beratungsauftrag für Luftfahrtangelegenheiten“. In Köln wurde kurz danach das „Büro Bongers“ gegründet, in dem ehemalige „Lufthanseaten“ Unterlagen erarbeiteten, welche für die Bundesrepublik Deutschland die Möglichkeit und Vorzüge einer deutschen Fluggesellschaft zeigen sollten. Es bezog am 15. April 1952 Räume im Gebäude der Alten Universität, Claudiusstraße, das 1907 für die Städtische Handelshochschule Köln erbaut worden war. Hier hatte die Lufthansa 18 Jahre lang ihren Sitz, bis sie 1969 ins Lufthansahochhaus in Deutz zog. Am 26. Juni 1952 beschloss die Bundesregierung, dass für den geplanten Luftverkehr eine Vorbereitungsgesellschaft gegründet werden sollte. Am 26. September 1952 wurden von der Bundesregierung die Vorbereitungen zur Gründung einer Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf beschlossen und mit sechs Mio. DM Stammkapital unterstützt. Für den Aufbau einer deutschen Luftverkehrsgesellschaft konnten somit alle Vorbereitungen getroffen werden. Wie schon 1926 war am Aufbau Kurt Weigelt von der Deutschen Bank maßgeblich beteiligt. Lukrative Maschinen, günstige Preise und guter Service bei hoher Zuverlässigkeit ließen die neue Fluggesellschaft schließlich unter dem käuflich erworbenen Firmennamen „Lufthansa“ schnell in die Gewinnzone fliegen. Die heutige, am 6. Januar 1953 zunächst unter dem Firmennamen LUFTAG gegründete „neue“ Deutsche Lufthansa AG war bis 1962 zu fast 100 Prozent in staatlichem Besitz. 1966 wurde die Lufthansa-Aktie erstmals an der Börse gehandelt. Bis 1994 war „die Lufthansa“ der offizielle Flagcarrier der Bundesrepublik Deutschland. Dann reduzierte die öffentliche Hand ihren Anteil von über 50 Prozent auf nur noch 34 Prozent der Aktien. Seit 1997 ist die Deutsche Lufthansa AG vollständig privatisiert und leitet nunmehr den gesamten Lufthansa-Konzern , wobei die Passagierbeförderung im Linienflugbetrieb weiterhin das Kerngeschäft des Konzerns ist. Zu diesem Geschäftsfeld „Passage“ gehören – über die durch die Deutsche Lufthansa AG in Alleinzuständigkeit geleitete Fluggesellschaft „Lufthansa“ hinaus – noch zahlreiche weitere konzerneigene Fluggesellschaften im In- und Ausland mit jeweils eigener Geschäftsführung unter Aufsicht der Deutschen Lufthansa AG. Ungeachtet der rechtlichen Zäsur war die neue Deutsche Lufthansa AG aufgrund stellenweiser Personalkontinuität mit der NS-Vergangenheit der alten Lufthansa belastet. So war der wegen Verschweigung seiner SS-Fördermitgliedschaft und wegen Kriegsverbrechen mit zwei Jahren Gefängnis vorbestrafte Kurt Weigelt sowohl der letzte stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der alten Lufthansa als auch Aufsichtsratsvorsitzender sowohl der Vorbereitungs- und Gründungsgesellschaft LUFTAG als auch der daraus hervorgegangen heutigen Deutschen Lufthansa AG. Kurt Knipfer war jeweils in seiner Funktion als Ministerialbeamter sowohl zu NS-Zeiten als auch in den 1950er Jahren Mitglied in den o.a. Aufsichtsräten. Am 6. Januar 1953 wurde zunächst die LUFTAG unter Beteiligung von Nordrhein-Westfalen, dem Bund und der Deutschen Bundesbahn gegründet. Im August bestellte die LUFTAG vier Lockheed L-1049G „Super Constellation“. Im November 1953 begann die Piloten- beziehungsweise Flugbegleiterausbildung des ersten Bordpersonals. Am 6. August 1954 beschloss die ordentliche Hauptversammlung der LUFTAG den Namen LUFTAG in „Deutsche Lufthansa AG“ zu ändern und diese wurde mit einem Kapital von 50 Millionen Deutsche Mark ausgestattet . Am 17. September 1954 erwarb die LUFTAG für 30.000 DM die Markenrechte der alten „Deutschen Lufthansa AG in Liquidation“ inklusive Kranich-Logo und Flagge. Das Stammkapital von sechs Millionen DM kam vom Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen. Ende 1954 waren bereits fast 600 Personen bei der „neuen“ Lufthansa beschäftigt. Im Jahr 1955 erteilten die Alliierten der neuen Deutschen Lufthansa die Genehmigung zum Kauf von vier Convair CV-340 und etwas später für vier Super-Constellation-Flugzeugen. Am 1. März 1955 konnte der Probeverkehr aufgenommen werden. Mit dem Beginn des planmäßigen Linienflugverkehrs innerhalb Westdeutschlands am 1. April 1955 wurden zunächst vier Convair CV-340 eingesetzt. Die ersten Verbindungen bestanden zwischen Hamburg, Düsseldorf, Köln/Bonn, Frankfurt und München. Kurze Zeit später lieferte Lockheed in einem Nonstopflug von New York nach Hamburg die erste Super-Constellation-Langstreckenmaschine aus. Laut Aussagen des ehemaligen Lockheed-Verkäufers Paul White erhielten der Vorstand der Deutschen Bank Hermann Josef Abs und der Bundesminister Franz Josef Strauß Gelder im Zusammenhang mit dem Verkauf von Flugzeugen des Typs Lockheed Constellation und Electra an die Lufthansa. „White teilte dem ausländischen Verteidigungsministerium mit, dass Lockheed Frank Fahle auf Vorschlag von Herman Abs angestellt hat, dass Abs und Strauss im Zusammenhang mit dem Verkauf der Constellations und Electras an Lufthansa Geld bekommen haben und dass dieses Handlungsmuster auch weiterhin für den Verkauf der 104 gilt.“ Am 15. Mai 1955 konnten die ersten Ziele im Ausland angeflogen werden. Am 8. Juli 1955 erfolgte die Aufnahme in die IATA und am selben Tag begann der planmäßige Nordatlantikdienst . Bereits zwei Monate später wurde der Nordatlantik das hundertste Mal überflogen. Von der Bundesregierung wurden Anfang September 1955 zwei Super Constellation für die Reise Konrad Adenauers und seiner Delegation nach Moskau zu den Verhandlungen über die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen gechartert. Eine der beiden Maschinen ist in der Flugausstellung Hermeskeil ausgestellt. Die Verkehrsfliegerschule in Hamburg wurde am 1. Oktober eröffnet. Anfang November kam als neues Ziel Stuttgart hinzu. Am 21. Dezember 1955 wurde die Chartergesellschaft Deutscher Flugdienst als Tochtergesellschaft der Deutschen Lufthansa AG und zugleich als Gemeinschaftsunternehmen mit der Deutschen Bundesbahn, dem Norddeutschen Lloyd, Hapag, Deutsche Dampfschiffahrtsgesellschaft-„Hansa“ und der Hamburg-Amerika-Linie gegründet, aus der später die Condor Flugdienst hervorging . Sowohl die Deutsche Lufthansa AG als auch die 1955 von der Regierung der DDR gegründete Deutsche Lufthansa verwendeten anfänglich Markenzeichen der „alten Lufthansa“. Allerdings hatte die DDR-Regierung es versäumt, für die Deutsche Lufthansa zuvor die Namens- und Markenrechte zu sichern, so dass sie 1958 auf internationalen Druck in Interflug umbenannt wurde. Ende März 1956 startete eine Super Constellation erstmals mit ausschließlich deutscher Besatzung in die Vereinigten Staaten. Einen Monat später wurden Montréal und Chicago als neue Ziele in Nordamerika angesteuert. Am 1. Mai 1956 wurde die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Bremen eröffnet. Im August 1956 wurde der Südamerikadienst mit den Zielen Rio de Janeiro, São Paulo und Buenos Aires aufgenommen. Ab September 1956 flog die Lufthansa in den nahen und mittleren Osten mit den Zielen Istanbul, Beirut, Bagdad und Teheran. Spätestens seit diesen Auslandseinsätzen galt die Lufthansa als Flagcarrier der Bundesrepublik Deutschland. Ab dem 2. April 1957 befanden sich fünf neue Convair CV-440 in der Flotte. Die Verbindung nach Österreich wurde Mitte April 1957 aufgenommen. Eine Weiterentwicklung der Super Constellation, die Lockheed Starliner, flog 1957 von Kalifornien 9300 Kilometer nonstop nach Hamburg. Im Dezember 1957 erfolgte mit einer gecharterten Douglas DC-4 die Eröffnung eines Frachtdienstes von Deutschland in die USA. Ab 5. Januar 1957 flogen die neuen Lockheed Starliner die Strecke Frankfurt–New York nonstop im Passagierdienst. Wöchentlich fanden jetzt 30 Transatlantikflüge statt. Das Gesamtverkehrsvolumen stieg im Vergleich zum Vorjahr um gut 60 Prozent. Zusammen mit der British European Airways wurde ein Europafrachtdienst eingerichtet. Die Lufthansa-Flotte wurde ab Oktober 1958 um neue Turboprop-Maschinen Vickers Viscount für Mittelstrecken erweitert. Auch die Super Constellation wurden nun auf den Mittelstrecken eingesetzt. So kamen ab November 1958 Flüge nach Kairo hinzu. Im Jahr 1959 übernahm die Deutsche Lufthansa AG die Anteile der bisherigen Mitgesellschafter der „Condor Flugdienst“ und eröffnete ihren Nonstop-Frachtdienst von Frankfurt nach New York. Im April 1959 wurde eine Linie nach Stockholm eingerichtet und im Mai 1959 wurde erstmals Athen angeflogen. Am 11. Januar 1959 stürzte auf dem Lufthansa-Flug 502 die Super Constellation mit dem Kennzeichen D-ALAK beim Landeanflug auf den Flughafen Rio de Janeiro ab. Alle 29 Passagiere sowie sieben der zehn Besatzungsmitglieder starben. Im Winterflugplan 1959 standen Karatschi, Bangkok und Kalkutta erstmals im Flugplan. Die 1960er-Jahre standen im Zeichen des Fortschrittglaubens und des unbegrenzten Wachstums. Das Düsenflugzeug stand im Mittelpunkt des Interesses. Insbesondere auch neue Frachtfluglinien beschleunigten den Warentransport. Linienflüge in den Ostblock überwanden dabei ideologische Grenzen. Mit der ersten Lufthansa-Boeing 707, die am 2. März 1960 in Hamburg eintraf, begann bei der deutschen Gesellschaft das Düsenzeitalter. Der erste Passagierflug mit dieser Maschine fand am 13. März 1960 von Hamburg über Frankfurt/M. nach New York statt. Ab 1961 wurde die Verbindung nach Bangkok bis Tokio verlängert und auf die Boeing 707 umgestellt. Zu dem Langstreckentyp 707 kamen zunächst vier Mittelstreckenmaschinen des Typs Boeing 720-030B hinzu, die ab Juli 1961 die Verbindungen in den Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika bedienten. Zwei Boeing 720 stürzten 1961 und 1964 bei Trainingsflügen über westdeutschem Territorium ab. Ab dem 1. September 1961 wurde ein Nachtpostflugnetz eingerichtet und von Convair CV-440 und Viscount-Maschinen bedient. Im Dezember 1961 wurde in Kooperation mit der Seaboard World Airlines auch noch ein reiner Frachtdienst auf der Nordatlantikstrecke eingerichtet. Im Jahr 1962 nahm die Lufthansa den Liniendienst nach Afrika auf. Ab März 1962 wurde zweimal wöchentlich Lagos in Nigeria angeflogen. Ab Mai 1962 wurde Johannesburg mit Zwischenlandungen in Athen, Khartum, Nairobi und Salisbury angeflogen. Ab 1963 wurden die eigentlich für Langstrecken konzipierten Propeller-Flugzeuge des Typs Lockheed Super Constellation immer mehr auf Kurzstrecken eingesetzt. Ab dem 1. April 1963 erfolgte unter dem Namen „Airbus“ probeweise ihr Einsatz in einem Pendeldienst zwischen Frankfurt und Hamburg, der ohne Buchung, Abfertigung und Bordservice konzipiert war. Die Preise für die innerdeutschen Strecken lagen auf dem Niveau der Bahnpreise. Die Bundesbahn legte dagegen Beschwerde ein. Erstmals wurde ab 1963 Palma de Mallorca angeflogen. Ein von der Deutschen Lufthansa AG vor dem Höheren Wirtschaftsgericht der Republik Serbien in Belgrad wegen Markenrechtsverletzung gegen die Deutsche Lufthansa angestrengter Zivilprozess wurde im September 1963 ausgesetzt, nachdem der Verkehrsminister der DDR vorgeschlagen hatte, die Deutsche Lufthansa mangels Erfolgsaussichten im anhängigen Prozess aufzulösen. Die seit 1954 bestehende Deutsche Lufthansa wurde schließlich am 1. September 1963 aus markenrechtlichen und ökonomischen Gründen von der DDR-Führung liquidiert und ihre Flugzeuge, Flugplätze und Streckenrechte von der Fluggesellschaft Interflug übernommen, die nun die einzige in der DDR ansässige Fluggesellschaft wurde. Von März 1964 bis 1969 setzte Lufthansa insgesamt neun Curtiss C-46 als Frachter auf innereuropäischen Strecken ein. Sie wurden von Capitol International Airways in voller Lufthansa-Bemalung betrieben. Ab 1964 wurde auch im Kurz- und Mittelstreckenbereich von Propeller- auf Strahlflugzeuge umgestellt. Die verbliebenen sechs Mittelstreckenmaschinen Boeing 720 erfüllten nicht die in sie gesetzten Erwartungen und wurden an Pan American World Airways verkauft. Am 21. März 1964 landete die erste Boeing 727 der Lufthansa nach ihrem Überführungsflug. Dieser Typ wurde daraufhin zum standardmäßigen Kurz- und Mittelstreckenflugzeug der Lufthansa. Auf der Strecke Frankfurt–Hamburg–Kopenhagen–Anchorage–Tokio wurde erstmals im Liniendienst die Polroute beflogen, die je nach Windverhältnissen manchmal auch direkt über den Nordpol führte. Der fünfte Kontinent, Australien, wurde ab dem 1. April 1965 angeflogen. Von Mai bis Dezember 1965 setzte Lufthansa neben eigenen Boeing 707 auch eine von der Trans International Airlines geleaste Douglas DC-8 auf transatlantischen Flügen ein. Auch im Frachtverkehr wurden jetzt Düsenflugzeuge eingesetzt. Anfang November 1965 wurde die erste Boeing 707 in Frachtversion ausgeliefert. Es wurden zehn Boeing 727 in einer kombinierbaren Fracht-/Passagierausführung geliefert. Zwischen den beiden Einsatzmöglichkeiten konnte schnell gewechselt werden . Als erste Fluggesellschaft der Welt bestellte die Lufthansa 1965 21 Maschinen des Typs Boeing 737 . Das Flugzeug befand sich zum Bestellzeitpunkt noch in der Konstruktion. Bei der weiteren Entwicklung und Erprobung arbeiteten Ingenieure der Lufthansa mit, so dass die Lufthansa ein für ihre Einsatzbedürfnisse maßgeschneidertes Flugzeug erhielt. Ab Januar 1966 wurde Tunis angeflogen. Über New York wurde jetzt auch die Westküste Südamerikas erreicht. Am 28. Januar 1966 stürzte die Convair CV-440 Metropolitan D-ACAT in Bremen ab . Mit Prag wurde die erste Stadt im damaligen Ostblock angeflogen. Bereits am 6. April 1966 erfolgte ein Charterflug nach Moskau. Eine weitere Tochtergesellschaft, die Lufthansa Service GmbH, wurde am 1. Juli 1966 gegründet. Der Shuttledienst „Airbus“ wurde 1966 wieder eingestellt, nachdem die Bundesbahn eine Preiserhöhung bei der damals noch staatlichen Lufthansa durchgesetzt hatte, was das Shuttlekonzept nicht mehr attraktiv erscheinen ließ. Ab Dezember 1966 wurde eine Strecke nach Khartum, Entebbe und Daressalam in den Flugplan aufgenommen. Um dort angemessene Unterbringungsmöglichkeiten für Fluggäste bereitstellen zu können, beteiligte sich die Lufthansa an der Deutschen Hotelgesellschaft für Entwicklungsländer mbH. Ende 1966 verfügte die Lufthansa über insgesamt 54 Flugzeuge, davon 31 mit Strahltriebwerken. Im Jahr 1967 wurde erstmals eine Linie nach Bogotá eingerichtet. Die Staaten in Osteuropa wurden ab 1967 zunehmend für die Lufthansa interessant. Es entstanden Linien nach Belgrad, Zagreb, Bukarest sowie Budapest. Am 6. Oktober 1967 endete der Einsatz von Langstreckenkolbenmotorflugzeugen: die letzte Super Constellation wurde ausgemustert. Im Dezember 1967 lieferte Boeing die ersten Maschinen des Typs Boeing 737 an die Lufthansa aus. Am 1. Januar 1968 wurde die in finanzielle Schwierigkeiten geratene Chartergesellschaft Südflug von der Deutschen Lufthansa AG übernommen. Neben Helsinki, Genua und Neapel wurde ab 1968 auch Tel Aviv angeflogen. Im selben Jahr gehörten dann auch La Paz und Lima zu den südamerikanischen Lufthansa-Zielen, bedient mit der Boeing 707 und später mit der DC-10 über New York. Ebenso wurde Rio de Janeiro mit DC-10 von Frankfurt via Dakar als Tankstopp angeflogen. Am 14. März 1969 gründete Lufthansa gemeinsam mit Air France, UTA, Alitalia und Sabena das ATLAS-Konsortium. Die vier Unternehmen vereinbarten eine langjährige Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung, um die Schulungs-, Wartungs- und Betriebskosten beim Einsatz der bestellten Großraumflugzeuge der Typen Boeing 747 und Douglas DC-10 so gering wie möglich zu halten. Nach Recherchen der Neuen Zürcher Zeitung wurden mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ in den 1970er Jahren Schutzgeld-Zahlungen an palästinensische Kommandogruppen überwiesen. Schon im März 1970 wurde die erste Boeing 747 der Lufthansa eingesetzt. In der Öffentlichkeit wurde der Name „Jumbo-Jet“ für das damals größte Passagierflugzeug der Welt geprägt. Im März 1972 stellte die Lufthansa als erste Luftfahrtgesellschaft die Nur-Frachtversion der Boeing 747 in Dienst. Am 20. November 1974 stürzte die Boeing 747 „Hessen“ in Nairobi wegen ungenügenden Auftriebs beim Start ab. Aus dem brennenden Wrack konnten sich 84 der 139 Passagiere und 13 der 17 Besatzungsmitglieder retten . Am 2. Februar 1976 wurde der Airbus A300, das erste in Europa gebaute Großraumverkehrsflugzeug, in Dienst gestellt. Die Maschine des Typs A300B4 mit der Werk-Nr. 21 hatte das Kennzeichen D-AIAA. Die Bestellungen durch Lufthansa und Air France, beide staatliche Flagcarrier der Hauptanteilseigner an Airbus Industrie, der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich, ermöglichten die Serienproduktion dieses Flugzeugs. Am 10. März 1977 gründete Lufthansa eine eigene Non-IATA-Frachttochter, die Tochtergesellschaft German Cargo, die für Lufthansa das Frachtchartergeschäft übernahm. Zum Einsatz kamen zunächst Nurfrachtversionen der Boeing 707. Am 13. Oktober 1977 wurde die Boeing 737-200 „Landshut“ der Lufthansa auf dem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt von vier palästinensischen Terroristen entführt und am 18. Oktober 1977 von der GSG 9 in der Operation „Feuerzauber“ befreit. Am 26. Juli 1979 verunglückte D-ABUY, ein Boeing 707-330C-Frachter, auf dem Flug LH 527 nach Senegal kurz nach dem Start vom Flughafen Rio de Janeiro. Die dreiköpfige Besatzung kam ums Leben. Eine weitere interessante Lufthansa-Verbindung in diesen Jahren war der Flug mit Boeing 747-200 oder DC-10 2× wöchentlich über den Nordpol von Düsseldorf via Anchorage nach Tokio. Zu Beginn der 80er-Jahre begann die Gesellschaft ihre 747-Flotte gegen die zweite Generation mit treibstoffsparenden Triebwerken auszutauschen. Da andere Gesellschaften ihre Flotte noch auf Großraumflugzeuge umstellten, erzielte die Lufthansa dank der gründlichen und regelmäßigen Wartung der etwa zehn Jahre alten Maschinen einen hohen Preis. Teilweise wurde sogar ein höherer Verkaufspreis erzielt als der ursprüngliche Kaufpreis. Auch die 727-100-Flotte wurde ausgetauscht. Stattdessen wurden die längeren 727-200 angeschafft. Ab 1981 erfolgte eine weitere Umtauschaktion, bei der 36 Boeing City Jet gegen neue Maschinen ausgetauscht wurden. Zugleich stellte Lufthansa die Ausbildung von Flugingenieuren ein, da bei der Boeing 737 sowie bei dem Airbus A310 kein dritter Mann im Cockpit mehr benötigt wurde. Die Lufthansa ging vielmehr dazu über, diese bei entsprechender Eignung zu Flugzeugführern umzuschulen. Am 28. März 1982 begann eine Zusammenarbeit der Lufthansa mit der Deutschen Bundesbahn, da der Flugverkehr zwischen vielen deutschen Flughäfen isoliert betrachtet als unrentabel galt. So verkehrten vier Mal täglich Elektro-Triebzüge der DB-Baureihe 403, später auch DB-Züge mit Elektro-Lokomotiven der Baureihen 103 und 111 in den Farben der Lufthansa als Lufthansa-Airport-Express zwischen Düsseldorf, Köln, Bonn und Frankfurt mit vierstelliger Lufthansa-Flugnummer. Fahrkarten der DB waren in den Zügen nicht gültig. Während der Fahrt konnten die Passagiere bereits für ihren anschließenden Langstreckenflug einchecken und auch ihr Gepäck abgeben. Im ersten Betriebsjahr beförderte die Lufthansa bereits über 65.000 Passagiere auf Schienenwegen. Später folgte eine Bahnverbindung zwischen Stuttgart und Frankfurt. Der Service wurde 1993 eingestellt. Als Nachfolgeprojekt werden seit 1993 von der Lufthansa in Kooperation mit der Deutschen Bahn AG Sitzplatzkontingente in bestimmten ICE-Zügen unter dem Namen AIRail vermarktet. Im April 1983 wurde der Airbus A310 bei Lufthansa in Dienst gestellt. Bei der Planung und Entwicklung war die Lufthansa maßgebend beteiligt. Auch beim Bau dieses Flugzeuges gab die Lufthansa zusammen mit der Swissair durch ihren Auftrag über 25 Maschinen und einer Option über weitere 25 A310 den Ausschlag zur Produktion dieses Kurz- und Mittelstreckenflugzeugs. Im August 1984 erfolgte die Übernahme der niederländischen Penta Hotels NV . Im Oktober 1984 wurde auf der Jahrestagung der International Air Transport Association, das Lufthansa-Vorstandsmitglied Günter O. Eser zum Generaldirektor und der Vorstandschef Heinz Ruhnau zum Präsidenten der IATA gewählt. Mit 10 Prozent beteiligte sich die Lufthansa ab Dezember an der Berliner Kempinski Hotelbetriebs-Aktiengesellschaft. Erstmals flogen im August 1988 wieder Pilotinnen für die Lufthansa, ab 2000 auch Flugkapitäninnen. Nach der Aufnahme von Marga von Etzdorf im Jahr 1927 als Copilotin gab es dort über 60 Jahre lang keine Frauen mehr in dieser Funktion; bei der Lufthansa war ihnen der Pilotenberuf bis 1988 verschlossen. Die Deregulierung der EG erlaubte 1988 die „fünfte Freiheit“ im Luftverkehr und ein neuer Mitbewerber, die German Wings, durfte nun mit Billigangeboten befördern. Auf Bestreben der Lufthansa gründete Air France im Rahmen der deutsch-französischen Zusammenarbeit die Fluggesellschaft EuroBerlin France mit 49 Prozent Kapitalbeteiligung der Lufthansa und 51 Prozent der Air France. Auf diese Weise konnte Lufthansa indirekt einen Zugang nach West-Berlin erhalten . Den Flugbetrieb nahm die deutsch-französische Airline am 7. November 1988 auf. Sie verband den Flughafen Berlin-Tegel mit den westdeutschen Metropolen Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, Stuttgart und München. Als Fluggerät wurden ausschließlich moderne Boeing 737-300 eingesetzt, deren Sitzplatzkapazitäten durchschnittlich zu 60 Prozent ausgelastet waren. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands verlor EuroBerlin France ihre ursprüngliche Bedeutung . Im Jahr 1989 stockte die Deutsche Lufthansa AG ihren Kapitalanteil an der DLT – Deutsche Luftverkehrsgesellschaft mbH – auf 52 Prozent auf und wurde damit Mehrheitsgesellschafter der DLT, die später als Lufthansa CityLine GmbH 100-prozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Lufthansa AG wurde . Als Joint Venture der Deutschen Lufthansa AG und Turkish Airlines wurde 1989 die Charterfluggesellschaft Sun Express mit zunächst einer Boeing 737-300 und 64 Mitarbeitern gegründet . Am 1. Juli 1990, dem Vorabend des Inkrafttretens der Wirtschafts- und Währungsunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR, erklärte sich der Vorstand der Deutschen Lufthansa AG bereit, 100 % der Anteile der Interflug zu übernehmen. Erstes Ergebnis war der Charter-Einsatz von Interflug-Maschinen im Auftrag des Lufthansa-Konzerns. Die von beiden Fluggesellschaften angestrebte Fusion wurde jedoch am 30. Juli 1990 durch das Bundeskartellamt abgelehnt. Die von Interflug 1989 fabrikneu erworbenen Airbus-Flugzeuge des Typs A310 wurden – statt an die Lufthansa – für 25 Prozent ihres Einkaufspreises an die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung verkauft. Die Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 ermöglichte es der Lufthansa, 45 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, erstmals wieder Berlin anzufliegen. Am 14. September 1993 verunglückte der Airbus A320 „Kulmbach“ auf dem Lufthansa-Flug 2904 bei der Landung in Warschau. Von den 70 Personen an Bord konnten sich 68 aus dem brennenden Wrack retten. Die Tochtergesellschaft German Cargo wurde 1993 wieder in den Mutterkonzern integriert. Mit dem Deutsch-Amerikanischen Abkommen im Luftverkehr begann im April 1996 die Liberalisierung im transatlantischen Luftverkehrsmarkt und der Wettbewerb verschärfte sich. Daneben sah sich die Lufthansa, wie alle Fluggesellschaften in der EU, mit dem sich verschärfenden Wettbewerb infolge der Deregulierung des Luftverkehrs im Bereich der EU konfrontiert. Mit einem umfangreichen Sanierungsprogramm überwand Lufthansa ihre größte wirtschaftliche Krise. Das bislang noch mehrheitlich im Besitz der Öffentlichen Hand befindliche Unternehmen wurde in mehreren Schritten voll privatisiert, nachdem das schwierige Problem der Herauslösung der betrieblichen Altersversorgung aus dem Versorgungssystem für den öffentlichen Dienst zusammen mit dem Bund und den zuständigen Gewerkschaften ÖTV und DAG gelöst worden war. Dabei half der Bund mit erheblichen finanziellen Mitteln aus. Am Ende der Privatisierung gehörten dem Bund nur noch 36 % der Aktien. Die Geschäftsbereiche Technik, Fracht und Informatik wurden nunmehr als Tochtergesellschaften des Lufthansa-Konzerns mit eigener Kostenverantwortung betrieben. Innerhalb des Lufthansa-Streckennetzes führten Fluggesellschaften wie Augsburg Airways oder Contact Air ab 1996 unter der Marke Team Lufthansa Regional- und Zubringerflüge durch. Im Jahr 1997 schlossen Lufthansa, Air Canada, SAS, Thai Airways und United Airlines als Gründer der Star Alliance das erste multilaterale Geschäftsbündnis im Weltluftverkehr, dem sich weitere Fluggesellschaften anschlossen, um den neuen Herausforderungen von Deregulierung und Globalisierung gewachsen zu sein. Lufthansa und die KarstadtQuelle AG gründeten 1997 zum 1. November die C&N Touristic AG durch die Zusammenführung der NUR Touristic und der Condor Flugdienst . Beide Gesellschafter hielten 50 % an dem Konzern. Die NUR Touristik gehörte zu 90 % der C&N Touristik und zu 10 % direkt zu Karstadt, ebenso die Condor, die zu 90 % der C&N Touristik und zu 10 % direkt zur Lufthansa gehörte. Chancen und Risiken der Globalisierung prägten den Übergang des Lufthansa-Konzerns in das 21. Jahrhundert. Der Konzern positionierte sich mit einer Umstrukturierung seiner regionalen Verkehrsmärkte, der Neukonzeption der First, Business und Economy Class sowie der Bestellung modernster Flugzeugtypen für den verschärften Wettbewerb im Zeitalter der Globalisierung. Mit Ermöglichung der Nutzung von Breitband-Internetverbindungen an Bord verschaffte sich die Lufthansa insbesondere bei Geschäftsreisenden einen weiteren Wettbewerbsvorteil. Der Flughafen München hatte für die Lufthansa mittlerweile als zweites Drehkreuz neben dem Flughafen Frankfurt Main eine erhebliche marktstrategische Bedeutung. Der Star Alliance traten weitere Fluggesellschaften bei. Die sich abzeichnende hervorragende Geschäftsbilanz des Lufthansa-Konzerns wurde allerdings durch einschneidende Ereignisse empfindlich belastet: Die Terroranschläge am 11. September 2001 führten vorübergehend zum Rückgang der Passagierzahlen. Auf den Asien-Flugrouten hatte das im November 2002 erstmals in China auftretende sogenannte Schwere Akute Atemwegssyndrom einen zusätzlichen vorübergehenden Rückgang der Passagierzahlen zur Folge. Auch indirekte Folgen neuer Kriege, insbesondere des Irakkriegs, belasteten das Betriebsergebnis. Im Jahr 2005 feierte die „neue Lufthansa“ ihr fünfzigjähriges Jubiläum seit Wiederaufnahme des Luftverkehrs im Jahr 1955. Im März 2005 erwarb die Deutsche Lufthansa AG einen Kapitalanteil in Höhe von 49 Prozent an der Linienfluggesellschaft Swiss. Aufgrund einer Stimmbindungsvereinbarung wurde die Swiss faktisch vom Lufthansa-Konzern geleitet und in das Management des Lufthansa-Konzerns integriert. Der Flughafen Zürich, Heimatflughafen der Swiss, wurde drittes Drehkreuz der Lufthansa. Am 1. April 2006 trat die zum Lufthansa-Konzern gehörende Swiss der Star Alliance bei. Im Dezember 2006 haben die Lufthansa und Karstadt Quelle eine Absichtserklärung unterzeichnet, wonach der Lufthansa-Konzern seinen 50-Prozent-Anteil an Thomas Cook an die Karstadt Quelle zu einem Kaufpreis in Höhe von rund 800 Millionen Euro übereignen wird. Zugleich ist vereinbart worden, dass Lufthansa die Anteile der Condor an der türkischen Charterfluggesellschaft Sun Express erhalte. Karstadt Quelle kann nach zwei Jahren nach Schließung des Kaufvertrags den 24,9 % Anteil der Lufthansa an Condor übernehmen. Im Gegenzug hat der Lufthansa-Konzern eine Put-Option auf den Kapitalanteil der Karstadt Quelle . Die Übernahme fand im Februar 2007 offiziell statt. Seit 1. Juli 2007 ist der Lufthansa-Konzern Alleineigentümer der Swiss International Air Lines. Zuvor gehörte die Swiss aus rechtlichen Gründen bis zur Neuaushandlung von bilateralen Luftverkehrsrechten zwischen der Schweiz und insgesamt mehr als 140 außereuropäischen Ländern nur zu 49 % dem Lufthansa-Konzern. Die restlichen 51 % verblieben auf Grund einer sogenannten Nationalitätsklausel zwar bei der eigens zu diesem Zweck gegründeten Schweizer Stiftung Almea, jedoch hatte der Lufthansa-Konzern bereits damals aufgrund vertraglicher Regelungen bereits die operative Entscheidungsmacht inne. Almea und Lufthansa waren in diesem Verhältnis Eigentümer der Firma AirTrust AG, die wiederum Alleineigentümer der Swiss war. Somit galt die Swiss als Schweizer Firma und konnte so die vorhandenen Verkehrsrechte in den Ländern außerhalb der Europäischen Union beibehalten, die seit jeher weltweit zwischenstaatlich geregelt und nicht an andere Staaten veräußert werden. Anfang Dezember 2008 wurde zwischen der Deutschen Lufthansa AG und Austrian Airlines ein Vertrag zur Übernahme dieser österreichischen Fluggesellschaft unterzeichnet. Seit dem 1. Januar 2009 führt der Lufthansa-Konzern die Low-Cost-Airline Germanwings als hundertprozentige Tochtergesellschaft unter dem Dach der Lufthansa Commercial Holding. Zur Fußball-WM 2010 in Südafrika setzte Lufthansa den neu erworbenen Airbus A380 erstmals auf einem offiziellen Lufthansaflug ein. Zu den Fluggästen gehörte die deutsche Fußballnationalmannschaft. Lufthansa plante am Flughafen Berlin Brandenburg zur ursprünglich geplanten Eröffnung 2012 ein deutliches Wachstum mit vielen neuen Verbindungen ab Berlin. Anfang Mai 2012 wurden weltweit 3.500 der 120.000 Arbeitsplätze gestrichen, davon 2.500 in Deutschland. Mit einem Sparprogramm namens ‚Score‘ sollten bis 2014 1,5 Milliarden Euro eingespart werden. Ende 2017 wurde der Sitz der Hauptverwaltung in Köln-Deutz geschlossen. Im August 2014 startete CEO Carsten Spohr eine Innovationsoffensive an, im Rahmen derer bis zum Jahr 2020 rund 500 Millionen Euro investiert werden sollten. Mit dem Lufthansa Innovation Hub will der Luftfahrtkonzern näher an die Startup-Szene rücken. Die in Berlin-Kreuzberg etablierte Einheit wird von Spohrs ehemaligem Referenten Sebastian Herzog, Marketing-Leiter Alexander Schlaubitz sowie Startup-Serienunternehmer Gleb Tritus geführt. Dazu gehörten ein Innovationsfonds sowie eine Zentraleinheit, die Innovationsmanager der Tochtergesellschaften vereinen soll. In den Jahren 2014 und 2015 kam es zu insgesamt 14 Streiks von Piloten und Flugbegleitern. Der Gewinn vor Steuern erhöhte sich 2015 um 55 % auf 1,8 Milliarden Euro. Nach dem Absturz von Germanwings-Flug 9525 sagte die Lufthansa die geplante Feier zum 60. Jubiläum der Wiederaufnahme des Flugbetriebs ab. Die für den 15. April vorgesehenen Feierlichkeiten fänden „aus Respekt vor den Opfern des Absturzes von Flug 4U9525“ nicht statt. „An Stelle der geplanten Jubiläumsveranstaltung wird Lufthansa den Staatsakt aus dem Kölner Dom, bei dem Angehörige und Freunde am 17. April 2015 der Opfer gedenken werden, für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übertragen.“ Im Oktober 2017 übernahm die Lufthansa 81 Maschinen der insolventen Air Berlin. Der Gesamtkaufpreis für die von Lufthansa aus der Insolvenzmasse von Air-Berlin erworbenen Anteile betrug rund 210 Millionen Euro. Zuvor hatte Lufthansa die Luftfahrtgesellschaft Walter als Tochtergesellschaft übernommen, die das infolge der Insolvenz von Air Berlin entlassene Kabinenpersonal als Personalpool für die Lufthansa auf Zeitvertragsbasis einstellte. Zugleich wurden weitere Mitarbeiter angeworben. Am 19. März 2020 gab Lufthansa bekannt, dass diese, bedingt durch die in Folge der COVID-19-Pandemie von vielen Ländern verhängten Einreisestopps, 95 Prozent aller Flüge streicht. Das Flugangebot der Gruppe wurde auf drei internationale und 40 innereuropäische Verbindungen pro Tag beschränkt. Daneben flog Lufthansa die durch das Auswärtige Amt organisierte Flüge für Reiserückkehrer. Mit einer im Mai 2020 beschlossenen Änderung des Außenwirtschaftsgesetzes hat die Bundesregierung einen „Wirtschaftsstabilisierungsfonds“ geschaffen, der Stille Einlagen in der Höhe von bis zu 5,7 Milliarden Euro in das Vermögen der Deutsche Lufthansa AG zahlen soll. Die Zahlung soll vergütet werden und der Fonds soll mittels Kapitalerhöhung 20 Prozent Aktien am Grundkapital der Lufthansa zeichnen. Dieser Anteil sollte ursprünglich auf 25 Prozent ausgebaut werden, um eine allfällige feindliche Übernahme abwehren zu können. Darüber hinaus stellt die Bundesregierung in Zukunft zwei Sitze im Aufsichtsrat. Zusätzlich soll die Lufthansa einen Kredit von bis zu 3 Milliarden Euro unter Beteiligung der KfW und privaten Banken mit einer Laufzeit von drei Jahren erhalten. Im August 2021 kündigte der Bund die Reduzierung des Aktienanteils des WSF auf 15 Prozent an. Für den Bund ergab sich ein Verkaufsgewinn von rund 200 Millionen Euro, zugleich sank der Kurs der Lufthansa-Aktie. Bis November 2021 wurden dann alle Kredite und Einlagen des Bundes vorzeitig zurückgezahlt, wobei für den KfW-Kredit zusätzlich 3,75 Prozent Zinsen im Jahr bezahlt wurden. Das Unternehmen erwartet, in Folge der Pandemie in den nächsten Jahren nicht zur bisherigen Flottengröße von 763 Flugzeugen zurückzukehren und rechnet mit deutlich weniger Fluggästen. Ältere Flugzeuge sollen früher als geplant aus der Flotte genommen werden. Im September 2020 beschloss die Lufthansa, die Pilotenausbildung in Bremen einzustellen und forderte ihre Flugschüler auf, sich einen neuen Berufsweg zu suchen. Im Januar 2022 übertrug Lufthansa ihren seit über 40 Jahren bestehenden Ausbildungsbetrieb in Goodyear an die US-amerikanische United Airlines. Diese hat dort bereits den Betrieb aufgenommen und mit dem ersten Jahrgang ihrer neuen Flugschüler begonnen. Seit der Neugründung der Fluggesellschaft Lufthansa wurde die Flugzeugbemalung – unter Beibehaltung der aus der Zeit der „alten Lufthansa“ stammenden Lufthansafarben Blau und Gelb, des Kranichsymbols sowie der weißen Bemalung des oberen Rumpfs – öfter geändert. Dabei wiesen die Veränderungen stets eine Tendenz zur stilistischen Vereinfachung auf, – bis hin zum „zeitlos“ minimalistischen Design der heutigen Flotten unter dem Markennamen Lufthansa. Waren die Flugzeuge der alten Lufthansa noch metallisch grau mit einem schwarz abgesetzten Frontbereich, so wurde ab 1955 zunächst ein aufwendiger Anstrich mit einem kobaltblauen Fensterband mit melonengelben Begleitstreifen eingeführt, darüber war der Rumpf weiß angestrichen, darunter metallisch glänzend. Das Leitwerk trug einen kobaltblauen Balken, darin eine kobaltblau umfasste, sich zur hinteren Leitwerkskante hin öffnende melonengelbe Parabelfläche mit dem Kranich-Emblem. Der Schriftzug „LUFTHANSA“ war in kursiven Buchstaben mit Serifen über dem Fensterband angeschrieben. Die Front war ursprünglich blau, in einem Bogen in das Fensterband übergehend. Die Frontradarabdeckung war schwarz abgesetzt. Bereits zum Anfang der 1960er-Jahre wurde der Anstrich erstmals vereinfacht, die Begleitstreifen am Fensterband fielen weg und anstelle des aufwendigen Frontanstrichs wurden die Fensterbänder gerade zu den Cockpitfenstern weitergeführt. Der Firmenname wurde nun in Helvetica-Großbuchstaben angeschrieben. Das Signet stand teilweise anstelle der Parabel in einem gelben Balken auf dem Leitwerk. 1967 wurde das Erscheinungsbild der Lufthansa von Otl Aicher überarbeitet. Das Emblem stand nun in einer kobaltblau umrandeten melonengelben Kreisscheibe auf dem kobaltblau lackierten Leitwerk, der Schriftzug „Lufthansa“ wurde in Helvetica angeschrieben . Der Rumpfanstrich blieb gleich, die gelben Begleitstreifen waren jedoch nicht mehr vorhanden. Seit 1988 werden die Flugzeuge der Lufthansa überwiegend weiß lackiert, der untere Rumpfbereich in Hellgrau. Das Fensterband wurde weggelassen, die Flugzeugnase weiß lackiert. Die Gestaltung des Leitwerks und des Lufthansa-Schriftzugs auf dem vorderen Rumpfbereich ist seit 1967 nahezu unverändert beibehalten worden, allerdings wurde die kreisrunde Umrandung des Kranich-Emblems auf dem Leitwerk ab 1988 leicht verbreitert. Nach Aussagen der Lufthansa steht diese Gestaltung für „Klarheit, Einfachheit und positive Merkmale wie Sicherheit und Zuverlässigkeit“. Seit ca. 2010 steht die Web-Adresse „lufthansa.com“ in Helvetica auf dem hinteren Teil des Rumpfes. Beginnend Anfang 2018 wurde eine neue Bemalung eingeführt, bei der die Blaufärbung des Leitwerks durch eine dunklere Farbgebung als dominierendes Element ersetzt wurde, der Kranich ist nunmehr in Weiß ausgeführt und die Farbe Gelb lediglich als „Welcome“-Schild neben den vordersten Einstiegstüren auf der linken Seite erhalten geblieben, die Graufärbung der Rumpfunterseite fällt ganz weg. Die bisher genutzten Schriftarten Lufthansa Head und Lufthansa Type wurden durch die neue Schriftart Lufthansa Corporate Type ersetzt. Als erste Luftfahrzeuge wurden eine Boeing 747-8 und ein Airbus A321 umlackiert und am 7. Februar 2018 der Öffentlichkeit in Frankfurt und München vorgestellt. Aufgrund von Kritik nach der Vorstellung der neuen Bemalung kündigte der Konzern Ende Februar 2018 an, den Blauton zu überarbeiten, das grundsätzliche Design soll aber erhalten bleiben. Auch die Maschinen von Lufthansa Cargo tragen in Zukunft das neue Design: am 16. März 2018 landete die D-ALCB, eine MD-11, als erste Maschine der Frachttochter in neuer Bemalung in Frankfurt, um noch am gleichen Tag nach Singapur zu fliegen. Eine flugtaugliche Junkers JU 52 in den Farben der Lufthansa aus den 1920er-Jahren wird heute von der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung betrieben. Über die Flugzeugbemalung in den regulären Lufthansa-Farben hinaus waren bzw. sind im Linienverkehr des Öfteren Sonderbemalungen zu sehen: Da jedes Mitglied der Star Alliance sich verpflichtet hat, mindestens ein Flugzeug in seiner Flotte im Corporate Design der Star Alliance zu lackieren, befinden sich auch in der Flotte der Lufthansa immer wieder mal Flugzeuge in der Bemalung der Star Alliance, die sich im Design von der Star-Alliance-Bemalung der anderen Allianzmitglieder lediglich durch das jeweilige, dezent angebrachte Unternehmenslogo der Lufthansa unterscheiden. Aus ähnlichen Gründen, wie bei der Star Alliance, flog ein Flugzeug der Lufthansa Cargo AG im WOW-Look, um weltweit für diese Logistik-Allianz zu werben. Der Airbus A321 D-AIRY „Flensburg“ zeigte am Heck die Fernsehfigur „Die Maus“, da die Entstehung und Inbetriebnahme des Flugzeugs 1999 vom WDR für Die Sendung mit der Maus in neun Folgen verfilmt wurde.
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2024-11-24 05:50:46
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https://de.wikipedia.org/wiki/Lessing-Gymnasium_(Frankfurt)
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Das Lessing-Gymnasium ist ein altsprachliches Gymnasium mit musikalischem Schwerpunkt und eine der traditionsreichsten Schulen in Frankfurt am Main, benannt nach Gotthold Ephraim Lessing . Gemeinsam mit dem Goethe-Gymnasium geht es auf die städtische Lateinschule zurück, die der Rat der Reichsstadt Frankfurt 1520 zur Erziehung der Patriziersöhne gründete. 1897 wurde die Schule in zwei selbständige Gymnasien geteilt. Bis heute beruft sich das Lessing-Gymnasium auf seine humanistische Tradition, so dass die erste Fremdsprache Latein ist und in der achten Klasse als dritte Fremdsprache Altgriechisch gewählt werden kann. Im Schuljahr 2008/2009 besuchten ungefähr 940 Schüler das Lessing-Gymnasium. Das Lessing-Gymnasium ist der Tradition des humanistischen Gymnasiums verpflichtet. Zu den pädagogischen Zielen gehören eine breite Grundbildung, Werte- und Methodenorientierung, Wissenschaftsorientierung, Handlungs- und Berufsorientierung mit dem Ziel, die Persönlichkeit der Schüler umfassend zu bilden. Es ist eine der beiden Schulen in Frankfurt, die mit Latein als erster Fremdsprache beginnen. Englisch wird als zweite Fremdsprache ebenfalls bereits ab der Sexta unterrichtet. Bis Ende des 20. Jahrhunderts war Altgriechisch Pflichtfach, seitdem wird es neben Französisch als dritte Fremdsprache ab der Untertertia angeboten. In der Unter- und Oberprima belegten im Schuljahr 2006/2007 insgesamt fünf Schüler einen Griechischkurs, im Schuljahr 2007/2008 zwölf Schüler. Das Lessing-Gymnasium zeichnet sich besonders durch seine Orchester und Chöre aus und führt damit seine musische Tradition fort. So gibt es jeweils für die Unterstufe, die Mittelstufe und die Oberstufe ein Orchester. Daneben existieren noch drei Chöre, einer für die Sexta, einer für Quinta und Quarta und einer für die Mittel- und Oberstufe. Neben den traditionellen symphonischen Schulkonzerten, die in der Aula der Schule stattfinden, treten die Chöre auch gelegentlich auf öffentlichen Bühnen auf, so etwa an der Oper Frankfurt 2002 bei der Uraufführung der Kinderoper Dr. Popels fiese Falle von Moritz Eggert. Eine Theater-AG, an der sich Schüler aus allen Klassenstufen beteiligen können, rundet das kulturelle Angebot der Schule ab. Traditionell findet jährlich seit 1967 während der Weihnachtsferien eine Ski-Freizeit nach Niederau statt, an der über 200 Schüler teilnehmen. Eltern und Ehemalige bilden das Team der Betreuer und Skilehrer auf ehrenamtlicher Basis. Das Lessing-Gymnasium unterhält eine Schulpartnerschaft mit der Duluti Secondary School in Arusha, Tansania. Seit etwa 50 Jahren besteht ein regelmäßiger Schüleraustausch mit dem Lycée du Parc in der Frankfurter Partnerstadt Lyon. Am 14. September 2020 fand in der Frankfurter Paulskirche ein Festakt zum 500. Jahrestag der Gründung der Lateinschule statt. Die übrigen zum Jubiläum geplanten Festlichkeiten wurden wegen der COVID-19-Pandemie in Deutschland auf 2022 verschoben. Im ausgehenden Mittelalter hatte Frankfurt noch keine öffentlichen Schulen. An den drei Kollegiatstiften St. Bartholomäus, St. Leonhard und Zu unserer Lieben Frau auf dem Berge gab es Stiftsschulen, die jedoch vorwiegend der Ausbildung ihres geistlichen Nachwuchses dienten. Das aufstrebende Bürgertum war für die Erziehung seiner Söhne auf Privatlehrer angewiesen. Anfang des 16. Jahrhunderts begannen daher einflussreiche Patrizier, vor allem Hamman von Holzhausen, Claus Stalburg und Philipp Fürstenberger, die städtische Obrigkeit zur Einrichtung einer Lateinschule zu bewegen. Am 23. Dezember 1519 beschloss der Rat der Stadt Frankfurt schließlich, daß man nach einem redlichen, gelehrten und von mores geschickten Gesellen trachten solle, der die jungen Kinder in der Lehre anhalte und beauftragte Fürstenberger entsprechende Verhandlungen aufzunehmen. Zur Finanzierung der Rektorenstelle sollte künftig ein Reisiger Knecht weniger unterhalten werden, sofern die Stelle nicht mit Hilfe testamentarischer Vermächtnisse unterhalten werden konnte. Am 2. Juni 1520 bewarb sich Johannes Cochläus, seit Anfang des Jahres Dechant des Liebfrauenstiftes, bei Fürstenberger, allerdings vergeblich, denn der Rat berief am 14. September 1520, wahrscheinlich auf Empfehlung Stalburgs, den Poet und Erfarnen in lateinischer und griechischer Sprach Wilhelm Nesen zum ersten Rektor; dieser Tag gilt daher als Gründungsdatum der Lateinschule. Am 11. Oktober 1520 fertigte der Rat die Bestallungsurkunde aus. Nesen hatte schon seit dem Frühjahr 1520 in Frankfurt die Söhne einiger prominenter Patrizier privat unterrichtet, unter ihnen Justinian von Holzhausen. Nesen erhielt ein Jahresgehalt von 50 Gulden sowie ein Schulgeld von zwei Gulden pro Schüler und Jahr. Neben dem Unterricht für die Lateinschüler verpflichtete er sich auch, täglich eine Stunde Vorlesung für ehrbare Hörer zu halten und sich dem Rat für weitere Verwendungen, zum Beispiel als Verfasser von Prunkreden, bereitzuhalten. Die Schule war zunächst im Haus Zum Goldstein untergebracht . Schräg gegenüber lag der Gasthof Zum Strauß, wo Martin Luther auf seiner Reise zum Wormser Reichstag am Sonntag, dem 14. April 1521, sowie bei seiner Rückkehr am Samstag, dem 27. April 1521, abstieg. Am Tag nach seiner Ankunft besichtigte Luther die neugegründete Lateinschule und lernte dabei auch Nesen kennen. Nesen wurde zum intellektuellen Kopf der Anhänger Luthers in Frankfurt, seine Auseinandersetzung mit seinem unterlegenen Konkurrenten und radikalen Luther-Gegner Cochläus war einer der ersten Schritte zur Einführung der Reformation in Frankfurt. Im April 1523 wurde er an die Universität Wittenberg berufen. Nachfolger als Rektor der Lateinschule wurde sein Freund Ludwig Carinus aus Luzern. In Wittenberg lernte Nesen Philipp Melanchthon kennen, der für die weitere Entwicklung der Lateinschule prägend wurde. Im Sommer 1524 reisten Nesen, Melanchthon und Camerarius gemeinsam durch Frankfurt. Da Carinus in seinem Rektorenamt unzufrieden war, empfahl Melanchthon einen seiner Schüler, den erst 21 Jahre alten Jakob Micyllus, als Nachfolger. In seinem Empfehlungsschreiben an Hamman von Holzhausen schrieb er: „Nicht nur Micylls Gelehrsamkeit verdient Hochachtung, sondern seine Sitten sind auch so liebenswürdig, daß sie seiner Gelehrsamkeit zum Schmuck gereichen. Die Sitten und der Charakter mancher Gelehrten tun dem Rufe der Wissenschaften selbst Eintrag; aber Micylls feines und rücksichtsvolles Betragen kann nur dazu dienen, den Wert der gelehrten Studien in den Augen aller Wohlgesinnten zu erhöhen.“ Micyll wurde daraufhin zum Rektor berufen. Zu seinen ersten Schülern zählten Johann Fichard und Hartmann Beyer. Micyll blieb zunächst Rektor bis 1534 und nahm dann eine Professur in Heidelberg an. Dieses Amt war zwar schlechter bezahlt, doch hatte er in Frankfurt unter zunehmenden Angriffen der radikalen reformierten Prädikanten zu leiden. Nach seinem Weggang blieb das Rektorenamt zunächst vakant – der in einigen Chroniken als Nachfolger genannte Johann Moser war nicht durch den Rat berufen, sondern amtierte als Privatmann. In den Folgejahren suchte Frankfurt Anschluss an den lutherischen Flügel der Reformation. Nach dem Beitritt zum Schmalkaldischen Bund und der Unterzeichnung der Wittenberger Konkordie 1536 erreichten die Frankfurter Patrizier Justinian von Holzhausen, Johann Fichard und Johann von Glauburg, dass Micyll einen erneuten Ruf nach Frankfurt erhielt, verbunden mit einer Erhöhung seines Jahresgehalts auf 150 Gulden. Während seiner zweiten Amtszeit von 1537 bis 1547 etablierte sich das Gymnasium Francofurtanum endgültig. Es erhielt 1537 seine erste Schulordnung und bezog 1542 ein renoviertes Gebäude im Kreuzgang des ehemaligen Barfüßerklosters, wo es bis 1838 ansässig blieb. Die Schüler und Lehrer waren auch für den Chorgesang an der Barfüßerkirche , der evangelischen Hauptkirche von Frankfurt, zuständig. 1549 war die Schule in vier Klassen eingeteilt. Mit der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes im Schmalkaldischen Krieg 1547 und der erzwungenen Annahme des Augsburger Interims 1548 begann für die lutherische Reichsstadt Frankfurt eine Zeit der außenpolitischen und wirtschaftlichen Bedrängnis, die sich auch auf das Gymnasium auswirkte. Eine fortschreitende Geldentwertung und vor allem gegen Ende des 16. Jahrhunderts spürbare Münzverschlechterung bewirkte, dass die Lehrer trotz nominell steigender Gehälter erhebliche Verluste an Kaufkraft hinnehmen mussten. Auch der soziale Status der Collaboranten, die den Rektor unterstützten, war gering. Lersner erwähnte das Gymnasium in seiner Chronik hauptsächlich im Zusammenhang mit Gehaltsforderungen und Bittgesuchen von Lehrern. Unter dem 28. Mai 1555 schrieb er beispielsweise, dass Johannes Acontius und Johannes Latomus, beide Collaboranten in der Schul zu den Barfüßer, gebeten, sie des Fronens, Hütens und Wachens frei zu lassen: Soll man ihnen ihr Begehren abschlagen. Die Collaboranten waren somit nicht als Angehörige des Gelehrtenstandes anerkannt, im Gegensatz zu den Predigern und den Syndici des Rates. 1563 gelang es immerhin dem neu berufenen Rektor Jeremias Homberger, seine Befreiung vom Wachen und Hüten beim Rat durchzusetzen. Um ihren Lebensunterhalt zu fristen, waren vor allem die älteren Lehrer, die Familien zu ernähren hatten, auf Nebeneinkünfte angewiesen, zum Beispiel durch die Aufnahme von Privatschülern und Tischgästen im eigenen Haushalt, oder durch die Vermietung von Räumen während der Messen oder Kaiserkrönungen. Dabei finden sich in dieser Zeit immer wieder Klagen über unangemessene Nebentätigkeiten. 1561 entlässt der Rat den Sohn des Rektors Johannes Cnipius, der als Collaborant seines Vaters an der Schule arbeitet, weil er nebenher in der Egenolffschen Druckerei arbeitet. 1604 beantragt der Lehrer der Quinta, Laurentius Bulla, zu Messezeiten als Schreiber an der Stadtwaage arbeiten zu dürfen. Die Disziplin an der Schule ließ in dieser Zeit offenbar zu wünschen übrig. Vor allem während der Amtszeit des Rektors Adelarius Cravelius 1599 bis 1615 berichten die Chroniken über nächtliche Ausschweifungen von Schülern und Lehrern, die als grobe und verlaufene Bacchanten durch die Gassen zogen und sich dem Zugriff der Stadtwache durch Rückzug ins benachbarte Bockenheim entzogen. Cravelius war aus Pforzheim seiner Erudition, Person und Autorität wegen nach Frankfurt berufen worden, konnte aber die Erwartungen nicht erfüllen. Während des Fettmilch-Aufstandes 1612 bis 1614 ermahnte der Rat den Rektor, anstatt bisher gebrauchter Vehemenz eine gebührende Sanftmut und Bescheidenheit anzuwenden, seiner Schul fleißig abzuwarten, auf der Gasse bei Nacht das Singen einzustellen und auf Geschenke der Armenschüler künftig zu verzichten. Der Ruf des Frankfurter Gymnasium war dementsprechend schlecht. Um 1610 galten die Frankfurter Schüler an den umliegenden Universitäten als schlechte Grammatiker . Cravelius resignierte als Rektor und ging 1617 als Stadtschreiber nach Wertheim. Anstelle des bisherigen amtlichen Namens – Lateinische Schule, gelegentlich auch Schule zu den Barfüßern – kam zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Bezeichnung Gymnasium Francofurtanum auf, die im Laufe der Zeit den alten Namen verdrängte. Die Frankfurter Bürger nannten das Gymnasium bis ins 19. Jahrhundert nur „die Klasse“; die Gymnasiasten nannten sich selbst „Klässer“ oder sagten im Frankfurter Dialekt, sie gingen uff die Klaß’. 1615 wandte sich das Predigerministerium mit einer Petition an den Rat, um die Besoldung der Lehrer am Gymnasium zu verbessern und sie von ihren Nebeneinkünften unabhängiger zu machen. Die Lehrer der Sekunda, Tertia und Quarta erhielten daraufhin neben einem auf 200 Gulden erhöhten Jahresgehalt noch ein Wohngeld sowie Deputate an Korn, Salz und Feuerholz. Der Quintanus, Lehrer der Eingangsklasse, musste sich mit einem geringeren Gehalt von 130 Gulden begnügen, erhielt aber dafür eine freie Wohnung. Zum neuen Rektor berief der Rat Heinrich Hirtzwig, der zuvor Rektor in Speyer gewesen war. Er erhielt ein Jahresgehalt von 300 Gulden, was deutlich mehr war als die Bezüge eines Professors der nächstgelegenen Universität in Gießen. Hirztwig machte sich an einen Neuaufbau des Kollegiums. 1616 wurde der Quintanus Laurentius Bulla wegen Unfleißes entlassen, 1623 sein Nachfolger Eucharius Arminius. 1626 war keiner der Lehrer von 1615 mehr im Amt. In diesem Jahr verbot der Rat den Gymnasiallehrern strikt jeglichen Privatunterricht, auch in den Ferien. Auch um die Disziplin der Schüler bemühte sich Hirtzwig. Vier Schüler wurden der Anstalt verwiesen, das Amt eines für die Ordnung und Aufsicht verantwortlichen Decurio eingerichtet. Die Schülerzahlen wuchsen in diesen Jahren stark an. 1616 wurde eine Sexta als neue Eingangsklasse geschaffen. 1626 zählte die Sexta über 100 Schüler, so dass sie in zwei Haufen geteilt wurde und ihr unterer Haufe 1627 zur Septima erweitert. Überdies richtete Hirtzwig eine Exemtenklasse für ältere Schüler ein, die nicht in das normale Klassensystem integriert war. Primaner und Exemte bildeten zusammen die Oberstufe des Gymnasiums, sie wurden vom Rektor sowie dem eigens für den Unterricht in Dialektik, Rhetorik, Ethik, Physik und Metaphysik eingestellten Magister Ludwig Selzer unterrichtet. Die genaue Schülerzahl aus diesen Jahren ist nicht bekannt. Bei allem Reformeifer brachte Rektor Hirtzwig durch sein autokratisches Verhalten und eine Neigung zur Unnachgiebigkeit einflussreiche Gegner gegen sich auf, darunter die Prediger. Der Rat tadelte ihn wegen eigenmächtiger Veränderungen an der Schulordnung. Als Hirtzwig 1627 seine Berufung als Hofprediger nach Butzbach betrieb, verabschiedete ihn der Rat ohne große Formalitäten. Seine Bitte, das Frankfurter Bürgerrecht behalten zu dürfen, wurde abschlägig beschieden. Als Hirtzwigs Nachfolger amtierte Ludwig Selzer bis 1635, ohne dass ihn der Rat formal zum Rektor berief. Während des Dreißigjährigen Krieges brach 1635 eine schwere Pestepidemie in der Stadt aus. 80 Schüler sowie zahlreiche Exemte starben, andere zogen fort. Auch der 1635 neu berufene Rektor Johannes Valentini sowie drei Lehrer erkrankten an der Pest, wurden aber wieder gesund. Insgesamt starben während der Pestjahre 1635 und 1636 über 10.000 Menschen in Frankfurt. In der fast fünfzigjährige Amtszeit Valentinis ging die Schülerzahl drastisch zurück. Um 1680 zahlten nur noch 122 Schüler das sogenannte Holzgeld; die Zahl der Schüler kann kaum höher gewesen sein, denn außer den Söhnen der Lehrer wurden höchsten noch die Söhne der 12 Frankfurter Pfarrer davon befreit. Gleichzeitig verfielen die pädagogische Qualität des Unterrichtes und der Ruf der Schule. Erst unter dem Rektorat von Georgius Grabowius und vermehrt unter Johann Gerhard Arnold nahm das Gymnasium einen neuen Aufschwung. 1691 hatte das Gymnasium wieder 200 Schüler. Dennoch stagnierte die Entwicklung des Gymnasiums während des gesamten 18. Jahrhunderts. Obwohl die Rektoren von Arnold bis Johann Georg Purmann angesehene Gelehrte waren, blieben die Schülerzahlen gering. 1805, im letzten Jahr vor dem Ende des Heiligen Römischen Reiches, das auch die Epoche der Freien Reichsstadt Frankfurt beendete, hatte das Gymnasium 164 Schüler. Rektor Purmann hatte in 36 Amtsjahren 1251 Schüler aufgenommen, das entsprach einem Durchschnitt von 34 Neuaufnahmen pro Jahr. Ein wichtiger Grund für die stagnierenden Schülerzahlen war, dass die Frankfurter Patrizier und wohlhabenden Bürger ihre Söhne nicht auf das heimische Gymnasium schicken wollten. Sie bevorzugten auswärtige, bekannte Anstalten oder ließen die Schüler privat unterrichten. Johann Caspar Goethe, Sohn eines zu Wohlstand gekommenen Gastwirtes, besuchte beispielsweise das Casimirianum Coburg, und sein Sohn Johann Wolfgang erhielt Privatunterricht in der elterlichen Wohnung. Für den Unterricht in den alten Sprachen wählte er zwei renommierte Philologen des Gymnasiums, den Rektor Johann Georg Albrecht und den Prorektor Johann Jacob Gottlieb Scherbius. Ein Schüler des Gymnasiums, Friedrich Karl Ludwig Textor, setzte Scherbius in dem 1794 erschienenen Lustspiel Der Prorector ein literarisches Denkmal. Es ist das älteste überlieferte Theaterstück in Frankfurter Mundart. Die Schulaufsicht lag seit 1540 bei einer Ratskommission, deren zumeist vier Mitglieder als Scholarchen bezeichnet wurden. Sie versahen ihr Amt gemeinsam mit dem Predigerministerium, dem Führungsgremium der 12 lutherischen Pfarrer der Stadt. 1579 versuchte Rektor Heinrich Petreus, die Schule in einer neuen Schulordnung unabhängiger von den Scholarchen und den Predigern zu machen. Darüber kam es zum Konflikt, der damit endete, dass Petreus 1581 seinen Abschied nahm. Nachdem es zwischen Scholarchen und Predigern mehrfach zu Rang- und Kompetenzstreitigkeiten gekommen war, bildete der Rat 1728 eine gemeinsame Behörde, das Evangelisch-lutherische Consistorium, welches aus fünf Ratsherren, zwei Theologen und zwei Juristen bestand. Unter den Direktoren des Konsistoriums waren angesehene Ratsherren vom wohltätigsten Einfluß auf das Gymnasium, darunter Johann Wolfgang Textor, Johann Karl von Fichard, Friedrich Maximilian von Günderrode, Johann Wilhelm Metzler und Samuel Gottlieb Müller. Das Gymnasium Francofurtanum kannte noch kein Schuljahr, sondern unterteilte das Jahr in zwei Semester. Entsprechend dem Rhythmus von Frühjahrs- und Herbstmesse, der das Leben in Frankfurt bestimmte, begann das Semester jeweils am Samstag der letzten Meßwoche. Während der Frühjahrsmesse waren zwei Wochen Ferien, während der Herbstmesse drei Wochen. In der Schulordnung Micylls waren fünf Klassen von Quinta bis Prima vorgesehen, ab 1616 kam die Sexta hinzu. Jede Klasse war in drei bis vier Ordnungen, zwischen denen die Schüler mit jedem Semester nach individuellem Lernfortschritt wechseln konnten, so dass Sexta, Secunda und Prima im Allgemeinen in vier, Quinta, Quarta und Tertia in drei Halbjahren zu absolvieren waren. Die tägliche Unterrichtszeit sollte nach Micylls Plan vier Stunden betragen, doch ließ sich das Pensum mit den zur Verfügung stehenden Lehrern in dieser Zeit nicht leisten. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde im Allgemeinen je drei Stunden vormittags und nachmittags unterrichtet. Nur der Mittwoch und Samstagnachmittag blieben frei, so dass die Schüler auf 30 Wochenstunden kamen. Fächer im heutigen Sinne kannte das Gymnasium lange nicht. Der Schwerpunkt lag auf der Übung der alten Sprachen Latein und Griechisch, dazu kamen Musik, Katechismus und einmal wöchentlich Arithmetik. Erst seit Rektor Hirtzwig wurde zwischen Sprach- und Sachunterricht unterschieden. 1747 führte Rektor Albrecht für die Sekunda und Prima die erste Fachaufteilung ein. Neben Hebräisch und Griechisch werden – immer noch in lateinischer Sprache – Theologie, Historie, Poesie, Geographie, Philosophie und Rhetorik unterrichtet. 1784 kam mit Johann Jakob Römer der erste Französischlehrer an das Gymnasium. Zu größeren Reformen kam es erst Ende des 18. Jahrhunderts auf Betreiben der Frankfurter Schulreformer Wilhelm Friedrich Hufnagel und Friedrich Maximilian von Günderrode. Der 1795 berufene Konrektor Christian Julius Wilhelm Mosche führte das neue Fach Naturlehre ein und sorgte für eine stärkere Betonung des Deutschunterrichtes, der modernen Fremdsprachen und der sogenannten Realwissenschaften. Ab 1804 unterrichtete Carl Will Englisch für interessierte Freiwillige. 1805 wurde Johann Heinrich Moritz Poppe erster Lehrer für Mathematik und Physik und Klassenlehrer der Tertia – als erstes Kollegiumsmitglied, das kein Altphilologe war. Die Bandbreite der Aufgaben eines Rektors der Institution verdeutlicht der Dienstbrief des Matthäus Bader vom 24. März 1584. Ab 1737 gab das Frankfurter Gymnasium, nach dem Vorbild anderer gelehrter Anstalten, jährlich zwei Programme heraus, ab 1747 sogar vier. Anlass waren die Einladungen zu den öffentlichen Examina sowie zu den Progressionsfeiern. Die Examina fanden jeweils in der Woche vor der Frühjahrs- und der Herbstmesse statt, die Progressionen jeweils nach Ende der Messen. Von 1583 bis zum Abriss der alten Barfüßerkirche 1786 wurden die Feiern im großen Auditorium des Barfüßerklosters abgehalten, danach bis 1886 im Kaisersaal des Römer. Die erheblichen Druckkosten trug der Rat. Hauptteil jedes Programms war eine umfangreiche gelehrte Dissertation, die im Allgemeinen der jeweilige Rektor verfasste. Johann Georg Albrecht kam so auf 85 Abhandlungen zwischen 1737 und 1764, sein Nachfolger Johann Georg Purmann sogar auf 119. Der 1803 bis 1806 amtierende Konrektor Christian Julius Wilhelm Mosche vereinfachte 1805 die Examina. Von da an erschienen Programme bis 1853 noch zweimal jährlich, bis 1881 jährlich und danach bis zum Ersten Weltkrieg noch alle zwei Jahre. Im Programm 1881 schätzte Mommsen die Gesamtzahl der bis dahin erschienenen Programme auf 390, von denen jedoch schon damals nicht alle erhalten waren. Bis zum Ende der Freien Reichsstadt Frankfurt hatte die Schule ausschließlich lutherische Schüler und Lehrer. Erst mit dem Unterrichtsgesetz vom 1. Februar 1812 verfügte der neue Herrscher, Großherzog Karl Theodor von Dalberg, das Frankfurter Gymnasium für alle Konfessionen zu öffnen. Damit erhielten neben den erst seit 1811 gleichberechtigten Juden auch Katholiken und Reformierte Zugang zum Gymnasium, das jetzt Großherzogliches Gymnasium hieß. Das Gymnasium wurde unter die Aufsicht des Staates gestellt und die bisher angestellten Lehrer als Staatsbeamte verpflichtet. Auch auf Lehrpläne und Schulordnung des Gymnasiums nahm der Großherzog persönlich Einfluss. Am 27. Juli 1807 dekretierte er, daß die das hiesige Gymnasium frequentierenden Schüler...selbiges nicht verlassen sollen ohne wenigstens zwey Jahre dessen erste Classe fleißig besucht...zu haben, und hierüber durch die Lehrer...gehörig zu prüfen und ihnen über die abgelegten Beweise ihrer Fähigkeiten ein gewissenhaftes Testimonium auszufertigen ist. Bis dahin hatte es keine für alle Schüler des Gymnasiums verbindliche Reifeprüfung gegeben. Nach dem neuen Lehrplan vom 29. Oktober 1812 sollte das Gymnasium die niedere Gelehrtenschule darstellen und von den Schülern in sechs Jahren durchlaufen werden. Erst der anschließende Besuch des Lyceum Carolinum, der höheren Gelehrtenschule, führte in weiteren zwei Jahren zur Hochschulreife. Sechs Kollegiumsmitglieder wurden gleichzeitig zu Professoren des Lyceums berufen. Neben Rektor Friedrich Christian Matthiä waren dies sein Konrektor Georg Friedrich Grotefend, Friedrich Christoph Schlosser, Johann Heinrich Moritz Poppe, Georg Michael Roth und Heinrich Adolf Herling. Mit dem Ende des Großherzogtums Frankfurt 1813 und der Wiederherstellung der Freien Stadt Frankfurt kam der Unterricht am Lyceum zum Erliegen. Das Gymnasium und die Möglichkeit des direkten Zugangs vom Gymnasium zur Universität wurden auf Empfehlung einer Senatskommission wiederhergestellt. Das Gymnasium sollte „zugleich auch als Realschule bestehen und so eingerichtet werden, dass kein Religionsteil an dessen Besuchung verhindert werde.“ Ein entsprechender Senatsbeschluss erging am 25. August 1814. Für die Realien, Mathematik, Naturwissenschaften und Geschichte, wurden nun erstmals Fachlehrer in das Kollegium aufgenommen, die keine eigene Klasse zu leiten hatten. 1839 wurde das baufällig gewordene Barfüßerkloster abgerissen und die Schule zog in den Arnsburger Hof in der Predigergasse um. Der uralte, verwinkelte Gebäudekomplex war für den Schulbetrieb denkbar ungeeignet. Trotzdem erfolgte erst 1876 ein weiterer Umzug. Die Stadt hatte ein 1873 von der Gesellschaft zur Beförderung nützlicher Künste und deren Hilfswissenschaften errichtetes Gebäude in der Neuen Rothofstraße/Ecke Junghofstraße übernommen und für die Zwecke des Gymnasiums hergerichtet. Während die Schülerzahl in den ersten 350 Jahren der Schulgeschichte stets zwischen 100 und 200 gelegen hatte, stieg sie nach 1868 schnell an. 1886 besuchten bereits 744 Schüler das Gymnasium, das über 18 normale Klassenräume, zwei Fachräume für physikalischen und naturwissenschaftlichen Unterricht, einen Raum für den katholischen Religionsunterricht, einen Singsaal, einen Zeichensaal und eine kleine Turnhalle verfügte. 1888 wurde zur Entlastung das staatliche Kaiser-Friedrich-Gymnasium gegründet. Trotzdem stiegen die Schülerzahlen der nunmehr Städtisches Gymnasium genannten Schule weiter an. 1896 zählte das Gymnasium 638 Schüler, davon waren 138 jüdischen Glaubens. 1897 wurde die städtische Lehranstalt wegen der ständig steigenden Schülerzahlen geteilt, nachdem die Klassen bereits seit 1892 in zwei Abteilungen geführt worden waren: Das Goethe-Gymnasium wurde als Reformgymnasium nach dem Frankfurter Lehrplan des seit 1886 als Nachfolger von Tycho Mommsen amtierenden Direktors Karl Reinhardt neu gegründet. Es bezog einen Neubau in der Bahnstraße , während das Lessing-Gymnasium am alten Ort in der Junghofstraße unter dem bisherigen stellvertretenden Direktor Christian Baier die Tradition des humanistischen Gymnasiums fortführte. Es übernahm auch die Bibliothek und das Archiv des Städtischen Gymnasiums und gilt als dessen Nachfolger. 1902 bezog das Lessing-Gymnasium an der Hansaallee einen gotisierenden Neubau mit aufwendigem Treppenhaus und einer Aula, in der bis 1933 auch griechische Dramen in der Originalsprache aufgeführt wurden. Zum Schulgelände gehörten ein nördlicher und ein südlicher Schulhof sowie nördlich anschließend ein Palaestra genanntes Sportgelände. 1933 erreichte mit der nationalsozialistischen Machtergreifung auch der Antisemitismus das Lessing-Gymnasium. Am 1. April 1933 beging ein jüdischer Schüler, der Primaner Hans Stern, wegen der Schikanen durch seine Mitschüler Selbstmord. Der damalige Direktor, Ernst Majer-Leonhard, versuchte sich der Gleichschaltung zu widersetzen, wurde jedoch – nicht zuletzt aufgrund von Interventionen aus dem Kollegium – in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Das bisherige Wahlfach Hebräisch wurde 1934 abgeschafft. Die jüdischen Schüler wurden nach und nach von der Anstalt gedrängt. Ostern 1936 legte mit Werner Bamberger der letzte jüdische Abiturient seine Prüfung ab. Für die ehemaligen jüdischen Schüler gibt es im Treppenhaus ein Mahnmal. 1944 wurde die Schule bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main durch Fliegerbomben schwer beschädigt und die Schüler nach Bad Marienberg im Westerwald ausgelagert. Da das Schulgelände nach Kriegsende im amerikanischen Sperrgebiet um das I.G.-Farben-Haus lag, wurden die Klassen zunächst in den Räumen des gleichfalls beschädigten Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums unterrichtet. 1948 hatte das Lessing-Gymnasium 210 Schüler. 1952 konnte der Schulbetrieb in der notdürftig wiederhergestellten Ruine wieder aufgenommen werden. Turnhalle, Musik- und Zeichensaal waren zerstört, der Bau nur mit einem Notdach gedeckt. Zunächst standen nur zehn Klassenräume zur Verfügung, so dass der Unterricht bis 1955 im Schichtbetrieb stattfand. 1957 mietete die Stadt eine Wohnung im nahegelegenen Holzhausenviertel an, in der weitere vier Klassenräume und ein Lehrerzimmer entstanden. 1958 besuchten bereits 684 Schüler, darunter 107 Mädchen, das Lessing-Gymnasium. 1967/1968 wurde das heute noch bestehende Schulgebäude nach einem Entwurf von Günther Balser , einem Sohn von Ernst Balser, unter Mitarbeit von Lothar Menzel und K. Egli errichtet und bezogen. Der emeritierte Frankfurter Städelschul-Rektor Ferdinand Lammeyer gestaltete für den Neubau das Keramik-Relief „Aufbruch“. Die aus Ton handgefertigten und glasierten Platten nehmen neben dem Treppenaufgang zum Hauptportal eine Fläche von 13 × 10 m ein und stellen drei schreitende Figuren dar. Der Unterrichtsbetrieb wurde während der Bauzeit in Baracken fortgesetzt, die auf einem brachliegenden Gelände an der Hansaallee errichtet wurden. Die offizielle Einweihung des Neubaus fand am 4. März 1968 statt. 1976 führte das Lessing-Gymnasium als eine der letzten Schulen in Hessen die Reformierte Oberstufe ein. Die Schülerzahl stieg im Laufe der 1970er Jahre von etwa 700 auf über 900, um danach bis Ende der 1990er Jahre allmählich wieder auf etwa 620 Schüler abzusinken, da die altsprachliche Ausrichtung mit Griechisch als Pflichtfach allmählich an Attraktivität verlor. Mit der Umstellung der Lehrpläne begannen die Schülerzahlen wieder zu steigen. Vom Frühjahr 2010 bis zum Herbst 2013 wurde das Gebäude grundlegend saniert. Während der Bauzeit fand ein Teil des Unterrichts in Containern statt. Zahlreiche bekannte Personen waren und sind mit der Schule verbunden. Die folgende Liste enthält einige von ihnen: Auch drei der Widerständler vom 20. Juli 1944 haben am Lessing-Gymnasium ihr Abitur gemacht. Adorno-Gymnasium | Anna-Schmidt-Schule | Bettinaschule | Carl-Schurz-Schule | Elisabethenschule | Freiherr-vom-Stein-Schule | Friedrich-Dessauer-Gymnasium | Goethe-Gymnasium | Gymnasium Nord | Gymnasium Riedberg | Gymnasium Römerhof | Heinrich-von-Gagern-Gymnasium | Helene-Lange-Schule | Helmholtzschule | I. E. Lichtigfeld-Schule | Leibnizschule | Lessing-Gymnasium | Liebigschule | Max-Beckmann-Schule | Musterschule | Otto-Hahn-Schule | Schillerschule | Wöhlerschule | Ziehenschule
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2024-12-04 01:37:22
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https://de.wikipedia.org/wiki/Oesch%E2%80%99s_die_Dritten
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Oesch’s die Dritten sind eine Schweizer Volksmusikgruppe aus Schwarzenegg im Berner Oberland, die aus Hansueli und Annemarie Oesch, ihren Kindern Melanie, Kevin und Mike sowie dem Akkordeonisten Urs Meier besteht. Die Familientradition als Volksmusiker begann mit dem Trio Oesch von Hans Oesch. Sohn Hansueli setzte es fort. Zusammen mit den drei Kindern der dritten Generation nannten sie sich dann Oesch’s die Dritten. Bereits in den 1990er Jahren traten die Kinder mit den Eltern auf. Ende der 90er hatten sie erste Auftritte im regionalen und nationalen Fernsehen und nahmen eine erste CD auf. 2001 hatten sie mehrere Auftritte in den Vereinigten Staaten. Ihr Durchbruch im deutschsprachigen Raum kam 2007: Sie vertraten die Schweiz im Nachwuchswettbewerb des Musikantenstadls und gewannen mit deutlichem Vorsprung. Von da an waren sie regelmässig Gast in den verschiedenen Volksmusiksendungen im Fernsehen und bei grossen Volksmusikveranstaltungen. Beim Silvesterstadl 2007 gewannen sie den Stadlstern 2007. Beim Grand Prix der Volksmusik kamen sie 2008 mit Die Jodelsprache auf den dritten Platz. Ende 2007 veröffentlichten Oesch’s die Dritten das Album Jodelzauber, das sich monatelang in den Schweizer Charts hielt und inzwischen mit Doppelplatin ausgezeichnet wurde. Ein Jahr später folgte Frech – Frisch – Jodlerisch, das innerhalb kurzer Zeit Gold und Platin bekam. Ausserdem wurden auch die Alben Volksmusik ist international, Jodel-Time und Wurzeln und Flügel mit Gold ausgezeichnet. Im Oktober 2008 gewann ihr Ku-Ku-Jodel in der SF-1-Sendung Die grössten Schweizer Hits 2008 in der Kategorie «Heimat & Fernweh» und zog in das Finale der fünf Kategoriesieger ein, das sie am 30. November für sich entschieden. Das Jodellied konnte sich auch in den Schweizer Singles-Charts platzieren. Komponiert wurde es von Peter Hinnen. Weitere Alben Weitere Singles
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2024-11-24 19:09:22
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https://de.wikipedia.org/wiki/Visus_%E2%80%93_Expedition_Arche_Noah
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Visus – Expedition Arche Noah ist ein deutscher Abenteuerfilm aus dem Jahr 2011. Der Film feiert am 2. Juni 2011 in der Hauptsendezeit von RTL Premiere. Der Film basiert auf dem Buch Visus von Richard Hayer. Ein Forschungsschiff mit der Sprachenexpertin Anahit Sarian an Bord findet vor der türkischen Mittelmeerküste ein gesunkenes Schiff von Kreuzfahrern, das im Jahr 1369 auf dem Weg von Zypern nach Armenien untergegangen ist. Man birgt einen fünfeckigen Steinkörper von etwa drei Metern Durchmesser. Aufgrund der Position der Leichen der Besatzung geht man davon aus, dass die Pest an Bord gewütet hat, die zu dieser Zeit in Europa grassierte. Eine spezielle Eingreiftruppe eines geheimen Ordens kommt nachts an Bord des Schiffes, zerstört die Hülle des Steinkörpers, nimmt den Inhalt mit und sperrt die Mannschaft im Laderaum ein, zusammen mit dem Pest-Erreger. Anahit kann entkommen. Robert Kästner, der schon zweimal ein Studium abgebrochen hat und als Kleinkrimineller aufgefallen ist, reist auf Bitten seines Onkels, des Arche-Forschers Professor Sörensen, nach Italien, um dort einen Kollegen aufzusuchen. Er trifft ihn in der Wohnung nicht an, jedoch findet er eine antike armenische Schrift und eine mittelalterliche Mariendarstellung, die von einem Maler namens Visus stammt. Kästner findet den toten Forscher im Kühlschrank und muss vor der Polizei fliehen. Kästner und Sörensens Assistentin Anahit treffen in Jerewan in Armenien aufeinander, wo sie Hilfe vom Taxifahrer Hayk erhalten. Sie entschlüsseln die Schriften, die Kästner gefunden hat, die auf das Auge Gottes hindeuten, das auf der Arche Noah transportiert worden sein soll. Durch Zusammenbringen der zwei Teile des Auges würde die Schöpfung neu erschaffen. Dies ist auch das Ziel des geheimen Ordens, also die mittlerweile verdorbene Welt wieder in ihren Ursprung zurückzuversetzen. Währenddessen findet ein deutsches Urlaubspärchen bei einem Bootsausflug das havarierte Forschungsschiff und die tote Besatzung. Die jungen Leute infizieren sich ebenfalls mit der Pest. Die türkische Polizei richtet eine Quarantäne ein, doch beide sterben. Anahit, die zu dem Forschungsschiff zurückkehren will, wird ebenfalls verhaftet und untersucht, doch sie ist gesund. Gemeinsam mit der anwesenden Virologin fährt sie zu dem Forschungsschiff und rekonstruiert die Reste des Steinblocks. Ein Kommando des geheimen Ordens sprengt das Schiff, wobei die Virologin stirbt, aber Anahit entkommt. Doch sie ist nun auch mit der Pest infiziert. Kästner fährt zur Zentrale des geheimen Ordens, wo er auf seinen Onkel Professor Sörensen trifft. Beide werden eingesperrt, können aber durch einen geheimen Tunnel fliehen. Unterdessen wurde das Auge Gottes vom Meeresgrund nach Armenien gebracht. In Armenien treffen Kästner, Anahit und Hayk wieder aufeinander. Sie finden heraus, dass eine sowjetische Getränkefabrik über dem Kloster errichtet wurde. Sie treffen zeitgleich mit den Mitgliedern des Ordens am Kloster ein, Anahit wird angeschossen und lebensgefährlich verwundet. Die Ordensanhänger haben ihr Auge in die unterirdische Kathedrale des Klosters an Seilen herabgelassen, wo sich auch das andere Auge Gottes befindet. Zwischen beiden Augen findet eine Reaktion statt, die eine Explosion des Himmels hervorruft. Kästner kann die Seile des einen Auges kappen, wodurch die Verbindung getrennt und die Neuschöpfung verhindert wird. Das Auge fällt herunter und wird zerstört, die Ordensanhänger werden dabei außer Gefecht gesetzt. Anahit kann durch die Heilkraft des verbleibenden Auges gesunden. RTL gab im April 2010 bekannt, dass sie den Abenteuerfilm Das Vermächtnis der Arche produzieren würden. Die Dreharbeiten fanden vom 15. April 2010 bis zum 18. Juni 2010 statt, gedreht wurde der 4,3 Millionen Euro teure Film nicht nur in Deutschland, sondern auch in Istanbul, Kappadokien und Italien. „Tobi Baumann hat mit ‚Visus‘ einen bemerkenswerten klassischen Abenteuerfilm gedreht. RTL hat sich dieses zwei Stunden lange Action-Abenteuer 4,3 Millionen Euro kosten lassen. Der Film ist jeden Cent wert.“ „‚Visus – Expedition Arche Noah‘ ist visuell der perfekteste RTL-Flirt mit dem klassischen Abenteuerfilm. Die Besetzung mit Stephan Luca als sanfter, schöner Retter, Michael Gwisdek als verrückter Professor, Hilmi Sözer als origineller Sidekick und Jean Yves Berteloot als der Böse ist überaus stimmig und auch Julia Molkhou passt sehr viel besser ins Bild, als wenn mal wieder Bettina Zimmermann durch die Szenerie stöckeln würde. Wer das Genre mag, wird seinen Spaß haben mit Tobi Baumanns Event-Movie.“ „Leider bricht auch an der Schauspielerfront so ziemlich alles zusammen, was zusammenbrechen kann. Das liegt hauptsächlich an der vollständigen Fehlbesetzung von Julia Molkhou, da sie alles maßlos überzeichnet spielt, und auch Hauptdarsteller Stephan Luca macht seine Sache allenfalls mäßig. Die Prophezeiung von Quotenmeter.de: ein schnell wieder vergessener Film. Und das ist auch gut so.“ „Aufwändig produzierter Abenteuerfilm mit etlichen Mystery-Anleihen, der sich im Fahrwasser ähnlich gelagerter Kinospektakel bewegt.“
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2024-12-03 19:43:11
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https://de.wikipedia.org/wiki/Alpenkalk
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Der Alpenkalk ist ein wissenschaftshistorischer Sammelbegriff für verschiedene Kalksteine des Alpengebietes. Der Alpenkalk war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine der vier erfassten Formationen in den Kalkalpen. Er umfasste als eine von vier Formationen im Wesentlichen die Gesteine aus der Triaszeit und der Jurazeit. Neben der Alpenkalk-Formation gab es die Salzlagerstätten, die etwa der heutigen Alpinen Haselgebirge-Formation entsprechen, dann die Gruppe der Roten Schiefer und Sandsteine, die heute etwa dem Permoskyth-Komplex entsprechen und als vierte Formation die Gosau- oder Flysch-Formation. Nach einer ersten Phase der geologischen Erforschung der Kalkalpen Ende des 18. Jahrhunderts, etwa durch Mathias von Flurl oder Leopold von Buch wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Methodik verfeinert und die Forschung planmäßiger organisiert, unter anderem auch durch die Gründung der k.k. geologischen Reichsanstalt in Wien im Jahr 1849. Offene Fragen waren damals die relative Stellung der Formationen in den Kalkalpen zueinander und auch ihre Vergleichbarkeit mit außeralpinen Formationen. So etwa dachte sich der deutsche Geologe Christian Keferstein den Alpenkalk noch im Hangenden der Gosau-Formation. Da aber das Alter der großteils kreidezeitlichen Gosau-Formation damals schon bekannt war, ordnete er den Alpenkalk als Formation der harten Kreide auch in die Kreide ein. Erstmals richtig erfasst hatte die Reihenfolge Karl Lill von Lilienbach im Jahr 1830. Er unterschied dabei auch eine Untere Gruppe des Alpenkalkes von einer Oberen Gruppe des Alpenkalkes. Unklar blieb aber lange die zeitliche Einordnung des Alpenkalkes. So war man zwischen 1829 und 1847 meist der Annahme, der Alpenkalk repräsentiere Lias und Jura. 1848 ordnete Adolph von Morlot den tiefsten Abschnitt des Alpenkalkes in die Trias ein. Faktisch hatte diese Einordnung aber bereits zwei Jahre zuvor Franz von Hauer durch paläontologische Untersuchungen vollzogen, und bereits 1824 hatte Ami Boué den deutschen Muschelkalk mit dem Alpenkalk altersmäßig gleichgesetzt, was damals aber von der Fachwelt nicht anerkannt worden war. Durch immer feinere lithologische und altersmäßige Unterscheidungen wurde der Überbegriff Alpenkalk zusehends unbrauchbar, er konnte sich aber noch bis etwa 1860 in der geologischen Literatur halten. Franz von Hauer bezeichnete ihn schließlich 1875 als ungeeignet und veraltet.
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2024-12-01 22:47:58
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https://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Cl%C3%BCver
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Bernd Gerhard Clüver war ein deutscher Schlagersänger. Bernd Clüver studierte nach dem Abitur und der Bundeswehrzeit fünf Semester Rechtswissenschaft an der Universität Heidelberg. Zu dieser Zeit widmete er sich bereits der Musik. Seine Karriere als Sänger begann beim Talentschuppen auf der Funkausstellung 1971 in Berlin. Im September 1971 folgte ein Plattenvertrag beim Label Hansa. Mit dem Titel Sie kommt wieder trat er im Mai 1972 erstmals in der ZDF-Hitparade auf. Am 20. Januar 1973 stellte er dort – gemanagt von Klaus-Peter Schulenberg – das Lied Der Junge mit der Mundharmonika vor, mit dem ihm sein erster Nummer-eins-Hit gelang. Es handelte sich um die deutsche Coverversion des spanischen Nummer-eins-Hits El chico de la armónica von Micky vom März 1972, der in seiner deutschen Version nach Veröffentlichung im Februar 1973 über 500.000 Mal verkauft wurde. Bis 1974 verkaufte sich die Single über eine Million Mal in Deutschland sowie zwei Millionen Mal weltweit. Mit Der kleine Prinz hatte er im gleichen Jahr einen zweiten Nummer-eins-Erfolg in den deutschen Verkaufshitparaden, der sich hierzulande wie sein Vorgänger eine Million Mal verkaufte. Beide Singles stammen aus der Feder von Peter Orloff und zählen zu den meistverkauften Schlagern sowie insgesamt zu den meistverkauften Singles in Deutschland. Mit beiden Songs war er auch in einigen Nachbarländern sehr erfolgreich. Danach folgten zwei weitere Top-10-Hits: Bevor du einschläfst und Das Tor zum Garten der Träume. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere spielte er 1974 auch die männliche Hauptrolle in dem letzten, wenig erfolgreichen Schlagerfilm Zwei im siebenten Himmel. Bis 1979 konnte er noch vier weitere Lieder in den Verkaufslisten platzieren. Aufmerksamkeit erregte Clüver im Oktober 1976 durch die Veröffentlichung der Single Mike und sein Freund, eine Coverversion des Rubettes-Titels Under One Roof. Erstmals sang ein deutscher Schlagersänger über Homosexualität. Obwohl das Lied in den deutschen Charts bis auf Rang 44 stieg, durfte er damit weder in der ZDF-Hitparade noch in der Sendung disco auftreten. Vielmehr musste der Sänger „landauf, landab in Interviews versichern, daß er nicht ‚so‘ sei.“ Clüver beteiligte sich auch zweimal an deutschen Vorentscheidungen zum Eurovision Song Contest: 1983 wurde er mit dem von Dieter Bohlen geschriebenen Titel Mit 17 Dritter und 1985 mit Der Wind von Palermo Fünfter. Insgesamt verkaufte er über 10 Millionen Tonträger, hatte über 5000 Auftritte auf europäischen Bühnen und gewann zahlreiche Preise. Neben seiner Arbeit als Schlagersänger hatte er auch Erfolg als Rundfunkmoderator, unter anderem beim Südwestfunk Baden-Baden. Er war auch für sich und andere Künstler als Texter tätig. Insgesamt veröffentlichte er 17 Studioalben und ab 2002 beim eigenen Label mit Namen Phenomenia Records). Das einzige Studioalbum, das Clüver auf seinem eigenen Label veröffentlichte, erschien im Januar 2006 und hieß Offen & Ehrlich. In erster Ehe war Clüver mit dem Model Ute Kittelberger verheiratet und wohnte in Mannheim. Später lebte er mit seiner zweiten Frau Anja Hörnich, Miss Germany 1986/87 und Queen of Europe 1987, bei Llucmajor auf Mallorca und in Westerstede. Das Paar wurde 2011 geschieden. Clüver starb am 28. Juli 2011 im Alter von 63 Jahren an den Folgen schwerer Verletzungen, die er sich beim Sturz von einer Treppe in der Ortschaft Illetes auf Mallorca zugezogen hatte. Am 19. August 2011 wurde seine Urne in der Nordsee beigesetzt. Der Ortsrat Nordstadt der Stadt Hildesheim benannte im November 2023 einen Weg zum Volksfestplatz nach Bernd Clüver.
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2024-12-03 18:07:29
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https://de.wikipedia.org/wiki/Lorenz_H%C3%BCbner
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Lorenz Hübner war ein katholischer Aufklärer, Publizist und Übersetzer. Nach dem Besuch des Jesuitengymnasiums in Amberg trat er 1768 in die Gesellschaft Jesu ein und gehörte diesem Orden bis zu dessen Aufhebung im Jahre 1773 an. Von 1770 bis 1773 studierte er an der Universität Ingolstadt Philosophie . Von 1772 bis 1773 studierte er zusätzlich Theologie und ab 1774 Jurisprudenz. Nach Abschluss aller seiner Studien wurde Hübner 1774 unter Fürstbischof Ludwig Joseph von Welden im Freisinger Dom zum Priester geweiht. Ab 1775 war Hübner als Lehrer für Französisch und Italienisch, ab 1776 als Professor für Moralphilosophie am kurfürstlichen Gymnasium in Burghausen tätig. 1779 übernahm er die Redaktion der „Münchner Staatszeitung“ und der „Münchner Gelehrten Beyträge“. Unter dem Druck der von Kurfürst Karl Theodor verschärften Zensurbestimmungen verließ er München und begab sich 1784 nach Salzburg an den Hof des aufgeklärten Fürsterzbischofs Hieronymus von Colloredo. Mit dem 1785 bis 1799 in Salzburg erscheinenden „Salzburger Intelligenzblatt“ schuf Hübner ein Medium aufklärerischen Denkens, welches auch über die Landesgrenzen hinaus von Bedeutung war. Nach dem Tod von Kurfürst Karl Theodor kehrte Hübner 1799 nach München zurück, wo er auf Betreiben von Graf Anton Clemens von Toerring-Seefeld noch im selben Jahr als außerordentliches Mitglied, 1801 als ordentliches Mitglied in die Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde. Die Grabstätte von Lorenz Hübner befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München. Die ursprünglich vorhandene Grabplatte an der Nordseite der Kirche St. Stefan fehlt inzwischen. Die Hübnergasse im Salzburger Stadtteil Riedenburg wurde nach ihm benannt.
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2024-12-01 21:31:25
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https://de.wikipedia.org/wiki/Kabinett_Shinz%C5%8D_Abe_II_(Umbildung)
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Das umgebildete zweite Kabinett Abe regierte Japan unter Führung von Premierminister Shinzō Abe von einer Kabinettsumbildung am 3. September 2014, bei der bis auf den Premierminister und sechs übernommene Minister alle Mitglieder des Vorgängerkabinetts ausgewechselt und einige Positionen neu zugeschnitten wurden, bis zum 24. Dezember 2014. Gleichzeitig mit der Kabinettsumbildung wurde der Parteivorstand der Liberaldemokratischen Partei neu besetzt. Nach einer historisch langen Periode ohne Ministerwechsel und stabil – im Vergleich mit den vorangegangenen Kabinetten seit 2006 – relativ hohen Zustimmungswerten führte Abe im September 2014 eine umfassende Umbildung von Kabinett und Parteiführung durch. Acht Minister gehörten erstmals einem Kabinett an, außerdem zunächst insgesamt fünf Frauen, genauso viele wie anfangs im ersten Kabinett Koizumi 2001. Alle Minister waren Abgeordnete im nationalen Parlament, anfangs zwei Mitglieder des Rätehauses , alle übrigen im Abgeordnetenhaus . Im November 2014 löste das Kabinett Abe das Abgeordnetenhaus auf, nach der Abgeordnetenhauswahl am 14. Dezember 2014 trat das Kabinett vor der Wahl eines neuen Premierministers am 24. Dezember 2014 zurück und wurde noch am gleichen Tag durch das dritte Kabinett Abe abgelöst, das mit Ausnahme des Verteidigungsministers personell mit dem scheidenden Kabinett identisch ist. Staatssekretäre ab 4. September, die übrigen, viele davon aus dem bisherigen Kabinett übernommen, ab 3. September. Higashikuni | Shidehara | Yoshida I | Yoshida I | Katayama | Ashida | Yoshida II | Yoshida III | Yoshida III | Yoshida III | Yoshida III | Yoshida IV | Yoshida V | I. Hatoyama I | I. Hatoyama II | I. Hatoyama III | Ishibashi | Kishi I | Kishi I | Kishi II | Kishi II | Ikeda I | Ikeda II | Ikeda II | Ikeda II | Ikeda II | Ikeda III | Ikeda III | Satō I | Satō I | Satō I | Satō I | Satō II | Satō II | Satō II | Satō III | Satō III | Tanaka I | Tanaka II | Tanaka II | Tanaka II | Miki | Miki | T. Fukuda | T. Fukuda | Ōhira I | Ōhira II | Suzuki | Suzuki | Nakasone I | Nakasone II | Nakasone II | Nakasone II | Nakasone III | Takeshita | Takeshita | Uno | Kaifu I | Kaifu II | Kaifu II | Miyazawa | Miyazawa | Hosokawa | Hata | Murayama | Murayama | Hashimoto I | Hashimoto II | Hashimoto II | Obuchi | Obuchi | Obuchi | Mori I | Mori II | Mori II | Koizumi I | Koizumi I | Koizumi I | Koizumi II | Koizumi II | Koizumi III | Koizumi III | Abe I | Abe I | Y. Fukuda | Y. Fukuda | Asō | Y. Hatoyama | Kan | Kan | Kan | Noda | Noda | Noda | Noda | Abe II | Abe II | Abe III | Abe III | Abe III | Abe III | Abe IV | Abe IV | Abe IV | Suga | Kishida I | Kishida II | Kishida II | Kishida II | Ishiba I | Ishiba II
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2024-12-03 16:37:23
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https://de.wikipedia.org/wiki/Die_letzte_Einheit
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Die letzte Einheit ist ein Military-Science-Fiction-Roman von John Scalzi aus dem Jahre 2008 . Er setzt die Buchreihe um den Krieg der Klone, Geisterbrigaden, Die letzte Kolonie und Zwischen den Sternen als 5. von 6 Büchern fort. Die Geschehnisse, die im Buch Die letzte Kolonie beschrieben wurden, haben als Folge der Intervention von John Perry zu einem zumindest vorläufigen Versiegen des Zustroms an rekrutierungswilligen Soldaten von der Erde geführt. Auch die Erdregierungen sehen die Politik der Kolonialen Union derzeit skeptisch. Aufgrund des Soldatenmangels ist diese gezwungen, die Expansionspolitik zugunsten diplomatischer Initiativen zurückzustellen. Im Mittelpunkt des aus Episoden bestehenden Buches steht Lt. Harry Wilson, der bereits im ersten Buch eine Nebenrolle spielte und gemeinsam mit John Perry den Dienst in der Kolonialen Verteidigungsarmee aufgenommen hat. Sein technisches Talent wurde inzwischen entdeckt und da er zudem im Umgang mit Menschen und Außerirdischen geschickt agiert hat, wird er an das diplomatische Korps der Kolonialen Union ausgeliehen. Im Buch wird aus seiner Sicht, aber auch aus der weiterer Protagonisten erzählt, wie sich die Einsatzstrategie ändert, wie aber auch unbekannte Phänomene, wie das plötzliche Verschwinden von Raumschiffen sowohl der Kolonialen Verteidigungsarmee als auch der Konklave, zu Missverständnissen führen und eine Neuauflage des galaktischen Krieges unaufhaltsam erscheinen lassen. Der Buchredakteur Carsten Kuhr sagt über den Roman: „Voller Tempo, Humor und interessanter Personen verwöhnt der Autor uns mit Science Fiction, die immer wieder einmal aktuelle Entwicklungen und Probleme verklausuliert in die Zukunft versetzt aufgreift und uns dabei bestens unterhält.“
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2024-12-01 19:42:43
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https://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_2016/Wasserball
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Bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro fanden vom 6. bis 20. August 2016 zwei Wettbewerbe im Wasserball statt. Am Turnier der Frauen nahmen bei der fünften Ausspielung zum vierten Mal in Folge acht, am Turnier der Männer wie gewohnt zwölf Teams teil. Austragungsorte waren der Parque Aquático Maria Lenk sowie das temporär errichtete Olympic Aquatics Stadium. Es gab zwei Vorrundengruppen mit je sechs Teams; jedes Team spielte einmal gegen die anderen fünf. Die vier Bestplatzierten beider Gruppen spielten im Viertelfinale über Kreuz gegeneinander. Die Viertelfinalsieger rückten ins Halbfinale vor, während die Viertelfinalverlierer Platzierungsspiele austrugen. Schließlich spielten die Halbfinalsieger um die Goldmedaille, die Halbfinalverlierer um die Bronzemedaille. Es gab zwei Vorrundengruppen mit je vier Teams, wobei jedes Team einmal gegen die anderen drei spielte. Die Vorrunde diente nur der Festlegung der Viertelfinalpaarungen. Die Sieger der Viertelfinals rückten in das Halbfinale vor, die Verlierer trugen Platzierungsspiele aus. Schließlich spielten die Halbfinalsieger um die Goldmedaille, die Halbfinalverlierer um die Bronzemedaille. Melissa Seidemann, Maggie Steffens, Courtney Mathewson und Kami Craig gewannen ihre zweite Goldmedaille in Folge. Badminton | Basketball | Bogenschießen | Boxen | Fechten | Fußball | Gewichtheben | Golf | Handball | Hockey | Judo | Kanu | Leichtathletik | Moderner Fünfkampf | Radsport | Reiten | Rhythmische Sportgymnastik | Ringen | Rudern | Rugby | Schießen | Schwimmen | Segeln | Synchronschwimmen | Taekwondo | Tennis | Tischtennis | Trampolinturnen | Triathlon | Turnen | Volleyball: Halle / Beach | Wasserball | Wasserspringen 1900 • 1904 • 1908 • 1912 • 1920 • 1924 • 1928 • 1932 • 1936 • 1948 • 1952 • 1956 • 1960 • 1964 • 1968 • 1972 • 1976 • 1980 • 1984 • 1988 • 1992 • 1996 • 2000 • 2004 • 2008 • 2012 • 2016 • 2020 • 2024 bisher nicht ausgetragen 1904
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2024-12-03 15:21:05
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https://de.wikipedia.org/wiki/Andrea_Dobrowolski
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Andrea Dobrowolski ist eine deutsche Übersetzerin und Autorin. Andrea Dobrowolski studierte in Mainz, Bergen und Birmingham die Fächer Anglistik, Amerikanistik und Physik. Sie übersetzte mehrere Kriminalromane, Kurzgeschichten und einen Gedichtband aus dem Norwegischen. Ihre eigenen Texte sind vorwiegend der Gattung Lyrik zuzuordnen und wurden in mehreren Anthologien veröffentlicht. 2011 und 2012 war sie Mitglied der Darmstädter Textwerkstatt unter Kurt Drawert. Daneben arbeitet sie als Fernsehredakteurin und Dozentin.
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2024-12-03 19:19:06
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https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserturm_Friedlingen
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Der Wasserturm Friedlingen ist ein 1908 in Friedlingen, heute ein Stadtteil von Weil am Rhein, errichteter Wasserturm. Der nach dem Intzeprinzip gebaute Wasserturm ruht auf einem eisernen Gestell und hat ein Fassungsvermögen von 100 Kubikmeter. Der Wasserturm ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Der Wasserturm von Friedlingen gehörte zur Färberei & Appretur Schusterinsel GmbH, die zeitweise bis zu 1200 Mitarbeiter beschäftigte. Die Schweizer Veredelungsindustrie drängte Ende des 19. Jahrhunderts wegen der verkehrsgünstigen Grenzlage und der guten Eisenbahnanbindung auf den deutschen Markt. Der Wasserturm war Teil eines ursprünglich 35.000 Quadratmeter großen Areals mit einer Vielzahl an Fabrikgebäuden mit einer Fläche von 8000 Quadratmetern. 1930 wurde der Wasserturm durch einen Betonsockel ergänzt. Mit der Krise der Textilindustrie in den 1970er Jahren ging das Unternehmen in Konkurs, und das Werk wurde abgebrochen. Die Schusterinsel ist heute überwiegend Wohngebiet mit Gewerbeansiedlung, einem Park und Hafenanlegestelle. Der Wasserturm ist der einzig erhaltene Rest des großen Textilkomplexes. Der Wasserturm trägt seinen zylindrischen Wasserbehälter auf acht eisernen Pfeilern, die zusätzlich mit Diagonalverbänden gestützt werden. Basis des Bauwerks ist ein massiver Betonunterbau. Der Wasserzylinder hat auf seiner Unterkante einen Umgang mit Brüstung, der über eine schräge und vertikale Leiter für Wartungszwecke erreichbar ist. Auf der Spitze des Wasserbehälters befindet sich eine Laterne. 47.5913611111117.5963611111111Koordinaten: 47° 35′ 28,9″ N, 7° 35′ 46,9″ O
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2024-12-03 20:43:48
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https://de.wikipedia.org/wiki/Flavia_Iulia_Constantia
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Flavia Iulia Constantia war als Mitglied der konstantinischen Dynastie – sie war Tochter des Constantius Chlorus und Halbschwester Konstantins des Großen – und als Frau des Ostkaisers Licinius in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts n. Chr. römische Kaiserin. Constantia war die Tochter des Constantius I. und der Theodora. Ihre Geschwister waren Julius Constantius, Flavius Dalmatius, Flavius Hannibalianus, Anastasia und Eutropia. Konstantin war nur ihr Halbbruder, da er aus der Verbindung des Constantius mit Helena stammte, nicht aus der Ehe mit Theodora. Constantia wurde wohl in Trier geboren und aufgezogen. Als Constantius I. 306 starb, folgte ihm Konstantin als Kaiser nach. Es entwickelte sich ein Bürgerkrieg, in dessen Verlauf sich Konstantin mit Licinius gegen den Usurpator Maxentius verbündete. Zur Sicherung dieses Bündnisses wurde Constantia mit Licinius verlobt. Dadurch fühlte sich wiederum Maximinus Daia bedroht, der das Bündnis gegen sich gerichtet sah und sich daraufhin mit Maxentius verbündete. Konstantin konnte schließlich 312 Maxentius in Rom besiegen, Licinius besiegte 313 den Daia. Im Februar 313 trafen Licinius und Konstantin in Mailand zusammen, wo Constantia und Licinius heirateten. Außerdem verabschiedeten die beiden Kaiser die Mailänder Vereinbarung, die allen Religionen im Reich – auch dem noch unter Diokletian verfolgten Christentum – freie Religionsausübung zugestand. Im Juli 315 wurde schließlich der erste Sohn der Constantia und des Licinius geboren, Licinianus Licinius. 316 kam es zum offenen Konflikt im gespannten Verhältnis zwischen Licinius und Konstantin. Constantia begleitete ihren Mann auf den Feldzug und floh anschließend mit ihm von Sirmium nach Adrianopel. Als es 324 zum zweiten Bürgerkrieg kam, vermittelte Constantia in Nikomedia zwischen ihrem Halbbruder und ihrem Mann. Konstantin konnte diesen Krieg schließlich für sich entscheiden. Constantia konnte Konstantin überreden, Licinius und ihren Sohn nicht zu töten, die beiden wurden stattdessen arretiert. 325 ließ Konstantin Licinius trotzdem hinrichten, 326 dessen Sohn. Dabei verletzte er einen Schwur, den er Constantia gegenüber geleistet hatte. Constantia blieb trotzdem einflussreich am Hofe Konstantins, wo sie den ehrenvollen Titel einer nobilissima femina trug. Constantia, die in der Gunst Konstantins überaus hoch stand, versuchte diesen für den Arianismus zu gewinnen. Sie war schon seit 317, als sie in Nikomedia residierte, unter den Einfluss des arianischen Bischofs Eusebius von Nikomedia gekommen, der ihr Person und Lehre des Arius näher brachte. Auch auf dem Konzil von Nicaea 325 unterstützte sie die arianische Fraktion des Eusebius von Nikomedia, indem sie sie zur Annahme der Bekenntnisformel zu bewegen versuchte. Außerdem ist ein Briefwechsel Constantias mit Eusebius von Caesarea überliefert, in dem sie ihn um ein Bild Christi bittet. Etwa 330 starb Constantia schließlich. Konstantin ehrte sie noch nach ihrem Tod mit der Herstellung mehrerer Münzen und der Umbenennung der Stadt Maiuma in Constantia.
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2024-12-01 12:29:58
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https://de.wikipedia.org/wiki/Magnetisches_Feld
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Der Magnetismus ist eine physikalische Erscheinung, die sich unter anderem als Kraftwirkung zwischen Magneten, magnetisierten bzw. magnetisierbaren Gegenständen und bewegten elektrischen Ladungen äußert. Er lässt sich beschreiben durch ein Feld , das einerseits von diesen Objekten erzeugt wird und andererseits auf sie wirkt. Magnetfelder entstehen zum einen bei jeder Bewegung von elektrischen Ladungen. Das ist Grundlage von Elektromagneten und wegen des Induktionsgesetzes auch der induktiven elektronischen Bauelemente. Zum anderen existiert das magnetische moment von Elementarteilchen als Folge ihres Spins, was zu Dauermagneten und anderen magnetischen Eigenschaften von Festkörpern, aber auch Flüssigkeiten und Gasen führt. Der Magnetismus ist ein Teilgebiet des Elektromagnetismus. Die zugrundeliegende Grundkraft heißt elektromagnetische Wechselwirkung. Um die Erscheinungen des Magnetismus zu beschreiben, führte man den Begriff des Magnetfelds ein. Magnetfelder können verursacht werden durch Magnetische Feldlinien veranschaulichen in jedem Punkt des Feldes Richtung und Richtungssinn des Magnetfeldes bzw. des magnetischen Flusses. Diese Richtung wird dahin festgelegt, wie sich der Nordpol eines Probemagneten ausrichten würde. Die Stärke des Magnetfeldes ist proportional zum Drehmoment, das dieser Probemagnet erfahren würde, wenn man ihn um einen bestimmten Winkel aus dieser Richtung auslenkt. Der Abstand der Feldlinien zeigt die Stärke des Magnetfeldes an: Je dichter die Feldlinien, desto stärker das Feld. In der Magnetostatik gibt es im Gegensatz zur Elektrostatik keine Ladungen – echte magnetische Monopole sind zwar denkbar, alle experimentellen Tatsachen sprechen aber gegen ihre Existenz. Somit ist das Magnetfeld quellenfrei. Magnetische Feldlinien haben daher keinen Anfang und kein Ende. Der Verlauf magnetischer Feldlinien kann durch die Ausrichtung von Eisenfeilspänen oder einer Kompassnadel sichtbar gemacht werden; für dreidimensionale Demonstrationen kann man die Eisenfeilspäne zum Beispiel in Silikonöl suspendieren. Hall-Sonden sind elektronische Sensoren auf Basis des Hall-Effektes, die Stärke und oft auch Richtung der Magnetfelder messen können. Ein Stabmagnet an der Erdoberfläche richtet sich bei Fehlen anderer Kräfte so aus, dass eines seiner Enden in Richtung Norden, zum arktischen Magnetpol, und das andere in Richtung des antarktischen Magnetpols zeigt. Das nach Norden zeigende Ende wird Nordpol des Magneten genannt. Durch Definition wurde festgelegt, dass am Nordpol eines Magneten die Feldlinien aus dem Magneten aus- und an seinem Südpol in ihn eintreten. Deshalb bezeichnet man allgemein bei Elektromagneten oder Permanentmagneten Gebiete, aus denen die Feldlinien austreten, als Nordpol und Gebiete, in die sie eintreten, als Südpol. Da der Nordpol des Magneten vom arktischen Magnetpol angezogen wird, ist der arktische Magnetpol ein magnetischer Südpol. Gleiches gilt umgekehrt für den Südpol des Magneten und den antarktischen Magnetpol. Das magnetische Feld übt auf bewegte elektrische Ladungen q {\displaystyle q} die sogenannte Lorentzkraft F → L = q v → × B → {\displaystyle {\vec {F}}_{\mathrm {L} }=q\,{\vec {v}}\times {\vec {B}}} aus. Sie ist proportional zur Geschwindigkeit v → {\displaystyle {\vec {v}}} , wirkt senkrecht zu den Feldlinien des Magnetfeldes und senkrecht zur Bewegungsrichtung der Ladung. Sie ist die Grundlage von Elektromotoren und Generatoren sowie der Ablenkung bewegter geladener Teilchen . Mit einem statischen Magnetfeld wird dabei keine Energie ausgetauscht. Das magnetische Feld übt ferner Kräfte auf Magnete und magnetisierbare Körper aus. Magnete und gestreckte Probekörper aus magnetisierbaren Materialien richten sich immer längs der Feldlinien beziehungsweise antiparallel zu diesen aus, das heißt, der magnetische Südpol eines Probemagneten richtet sich entlang der Feldlinien zum Nordpol des erzeugenden Feldes aus. Dieser Effekt wird zum Beispiel beim magnetischen Kompass ausgenutzt, bei dem sich die Kompassnadel, ein magnetischer Dipol, nach dem Erdmagnetfeld ausrichtet. Zudem werden in inhomogenen Feldern magnetisierbare Körper in Richtung steigender Feldstärke gezogen, siehe Gradient, Anwendungen sind Elektromagnete und der Reluktanzmotor. Das gilt auch für Magnete, die sich frei ausrichten können. In entgegengesetzter Richtung orientierte Magnete werden dagegen abgestoßen. Ursache für diese Beobachtungen ist, dass ein energieärmerer Zustand eingenommen wird – die Kräfte und Drehmomente wirken stets so, dass die Gesamtenergie des Feldes abnimmt, wenn die Körper ihnen folgen, wobei die Bindungsenergie als mechanische Arbeit frei wird. Umgekehrt wird an den Körpern Arbeit verrichtet, wenn sie gegen die Kräfte bewegt werden. Die Arbeit senkt bzw. erhöht die Energie des Feldes. Sind Spulen beteiligt, so kann auch Elektroenergie zu- oder abgeführt werden. Die Stärke eines Magnetfeldes wird durch die magnetische Flussdichte B → {\displaystyle {\vec {B}}} beschrieben. Ihre Maßeinheit ist das Tesla bzw. das Gauß . Zur Beschreibung des Magnetfelds in Materie wird hilfsweise ein zweites Feld definiert, die magnetische Feldstärke oder magnetische Erregung H → {\displaystyle {\vec {H}}} mit der Maßeinheit A/m bzw. Oersted . Im Vakuum sind beide Felder gleichwertig; sie unterscheiden sich nur durch einen konstanten Faktor, der vom verwendeten Größen- und Einheitensystem abhängt. Im SI ist dieser Faktor die magnetische Feldkonstante μ 0 {\displaystyle \mu _{0}} : im gaußschen CGS-Einheitensystem ist er einfach die Zahl Eins. In Materie ist der Zusammenhang komplizierter: In diesem Fall ist B → {\displaystyle {\vec {B}}} über einen Querspalt hinweg stetig, H → {\displaystyle {\vec {H}}} über einen Längsspalt. Messungen mit einer Magnetfeld-Sonde in Quer- und Längsspalt können wesentlich verschieden ausfallen. Die Größe B → {\displaystyle {\vec {B}}} ist immer quellenfrei, während dies für H → {\displaystyle {\vec {H}}} nicht gilt. Während die magnetische Feldstärke H → {\displaystyle {\vec {H}}} bei Berechnungen mit elektrischen Strömen oder bei ferromagnetischem oder ferrimagnetischem Material von Vorteil ist, verwendet man die magnetische Flussdichte zum Berechnen von induzierten Spannungen oder der Lorentzkraft. Die beiden Feldgrößen sind über eine der Materialgleichungen der Elektrodynamik miteinander verknüpft, welche sich im einfachsten Fall über einen Faktor, die Permeabilitätszahl μ r {\displaystyle \mu _{r}} , ausdrücken lässt: In anisotropen Materialien ist H → {\displaystyle {\vec {H}}} nicht unbedingt parallel zu B → {\displaystyle {\vec {B}}} . Es gilt H → = B → μ 0 − M → , {\displaystyle {\vec {H}}={\tfrac {\vec {B}}{\mu _{0}}}-{\vec {M}}\,,} wobei M → {\displaystyle {\vec {M}}} die Magnetisierung des Materials ist. Quellenfreiheit von B → {\displaystyle {\vec {B}}} und Wirbelfreiheit von H → {\displaystyle {\vec {H}}\,} – letztere nur im Falle der Abwesenheit elektrischer Ströme, ȷ → = 0 {\displaystyle {\vec {\jmath }}=0\,} – drücken sich mathematisch durch die Gleichungen div B → = 0 {\displaystyle \,\operatorname {div} {\vec {B}}=0\,} bzw. rot H → = ȷ → {\displaystyle \,\operatorname {rot} {\vec {H}}={\vec {\jmath }}\,} aus. Dabei sind div {\displaystyle \operatorname {div} } und rot {\displaystyle \operatorname {rot} } die Differentialoperatoren für die Divergenz bzw. die Rotation, also für die Quellen- bzw. die Wirbeldichte eines Feldes. Das intergalaktische Magnetfeld schätzt man auf weniger als 0,1 nT , das der Milchstraße auf 30 nT. Das Magnetfeld der Erde hat an der Oberfläche eine Stärke um 40 µT, bzw. 0,4 Gauss. Die magnetische Flussdichte der Sonnenflecken liegt unter 1 mT. Auf der Oberfläche von Neutronensternen, wie z. B. Pulsaren, herrschen dagegen typischerweise Flussdichten von 108 Tesla, bei Magnetaren, einer speziellen Sorte von Neutronensternen, sogar 1011 Tesla. Die Sättigungsmagnetisierung von Eisen beträgt ca. 2 Tesla. Das mit 1 nT derzeit schwächste Magnetfeld auf der Erde findet man in einem speziell abgeschirmten kubischen Gebäude der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Berlin. Zweck des Kubus ist die Messung der schwachen Hirnströme und der Herzsignale von Menschen. Am National High Magnetic Field Laboratory in Tallahassee wird das mit 45 T derzeit stärkste zeitlich konstante Magnetfeld auf der Erde erzeugt. Noch höhere Magnetfelder sind mit Elektromagneten in kurzen Pulsen erreichbar. Den Weltrekord für zerstörungsfreie Magnetbauweisen hält derzeit das National High Magnetic Field Laboratory in Los Alamos, USA mit 100,75 T. Hohe Magnetfelder von beispielsweise 2800 T lassen sich mit Stromimpulsen erzeugen, wenn in Kauf genommen wird, dass die Spule dabei zerstört wird. Eine zusätzliche Steigerung der Flussdichte kann bei gleichzeitiger Komprimierung der Spule bzw. des Feldes mittels Sprengladungen erreicht werden; siehe auch Flusskompressionsgenerator. Mittels intensiver Laserstrahlung lassen sich für wenige Pikosekunden Flussdichten von bis zu 34 kT erzeugen. Jedes Magnetfeld enthält Energie. Die Energiedichte ρ m {\displaystyle \rho _{\mathrm {m} }} an einem beliebigen Punkt eines Magnetfelds im Vakuum ist gegeben durch Die Gesamtenergie des Magnetfelds einer stromdurchflossenen Spule beträgt Hier steht L {\displaystyle L} für die Induktivität der Spule und I {\displaystyle I} für die Stromstärke. Unter Elektromagnetismus versteht man die vielfältigen Beziehungen zwischen Magnetismus und rein elektrischen Phänomenen. Magnetfelder, die durch elektrische Ströme entstehen, können durch die Spezielle Relativitätstheorie als Folge der elektrostatischen Kräfte zwischen den Ladungen gedeutet werden. Die Erklärung beruht darauf, dass ein elektrischer Strom eine Relativbewegung entgegengesetzt geladener Teilchen darstellt, deren Ladungsdichten durch die Lorentzkontraktion verschieden beeinflusst werden. Geladene Elementarteilchen, die einen Eigendrehimpuls haben, besitzen auch ein magnetisches Moment und sind damit u. a. verantwortlich für den Ferromagnetismus. Dies wird durch die relativistische Quantenmechanik gedeutet. Auch bei der Wirkung eines Magnetfelds auf ein bewegtes geladenes Teilchen gibt es einen nur durch die Quantenmechanik erklärbaren Effekt . Hierbei beeinflusst ein räumlich begrenztes magnetisches Feld die Dynamik eines geladenen Teilchens, auch wenn dieses sich ausschließlich in einem Bereich mit verschwindendem Magnetfeld bewegt. Bewegungen von Ladungsträgern bewirken Veränderungen im elektrostatischen und magnetischen Feld ihrer Umgebung. Da sich diese Veränderungen gegenseitig beeinflussen und im Raum ausbreiten, spricht man von elektromagnetischen Wellen. Licht und Rundfunk sind die bekanntesten Formen dieses Phänomens, aber auch in der Metallverarbeitung und zum Erhitzen sogar nichtleitender Substanzen kommt diese Form des Elektromagnetismus zur Anwendung . Betrag und Vorzeichen der bewegten Ladungen sowie Betrag und Richtung ihrer Geschwindigkeit bestimmen die Stärke und Richtung der magnetischen Kräfte sowie der ihnen zugrundeliegenden magnetischen Felder, deren exakte Messung heute u. a. mit Hall-Sonden möglich ist. Für den Zusammenhang zwischen Stromrichtung und Richtung der magnetischen Kräfte bzw. der ihnen zugrundeliegenden magnetischen Felder ist dabei eine Reihe unterschiedlich bezeichneter Regeln und Merkhilfen im Umlauf, die sich zunächst einmal danach unterscheiden, ob bei ihnen von der „konventionellen“ bzw. „technischen“ Stromrichtung oder aber der Richtung des Elektronenflusses ausgegangen wird. Ist ersteres der Fall, spricht man von Rechte-Hand- oder Rechte-Faust-Regeln, ansonsten von Linke-Hand- oder Linke-Faust-Regeln, wobei die zuerst genannten traditionell vorherrschen. Die nächste Unterscheidung ist die danach, ob man sich bei der betreffenden Regel außer dem Daumen auch des jeweils im rechten Winkel zum Vorgänger abgespreizten Zeige- und Mittelfingers bedient oder aber sich alle Finger außer dem Daumen zu einer Faust geschlossen vorstellt. Während die zuerst genannten Regeln damit als eigentliche Linke- bzw. Rechte-Hand-Regeln – auch Drei-Finger-Regel, UVW-Regel oder IBF- bzw. FBI-Regel genannt – die Richtung der Lorentzkraft auf einen bewegten Ladungsträger in einem äußeren Magnetfeld anzeigen, dienen die an zweiter Stelle genannten Regeln – Linke- bzw. Rechte-Faust-Regel, Umfassungsregel, populär auch Schraubenregel bzw. Korkenzieherregel genannt – in erster Linie dazu, die Richtung des Magnetfeldes anzuzeigen, das der bewegte Ladungsträger durch seine Bewegung selbst erzeugt, sei es frei fliegend oder aber in einem geradlinigen bzw. ringförmigen elektrischen Leiter, z. B. einer Spule. Beispiele: Rechte-Hand-Regel bzw. UVW-Regel Beispiele: Rechte-Faust-Regel bzw. Korkenzieherregel Beim Magnetismus handelt es sich um spezifisch-quantenmechanische Effekte, die nicht einfach darzustellen sind. Ein erfolgreiches Modell wurde schon 1927 mit der Heitler-London-Theorie der Bildung von Wasserstoff-Molekülen entwickelt, obwohl diese Theorie zunächst nichts mit „Magnetismus“ zu tun zu haben schien. Nach dieser Theorie entstehen σ-Molekülorbitale, das heißt, aus den zwei atomaren Wasserstoff-Funktionen ui bildet sich ein orbitaler σ-Molekülzustand: Das letzte Produkt ergibt sich aus dem ersten wegen des quantenmechanischen Prinzips der Ununterscheidbarkeit identischer Teilchen. Es bedeutet: Das erste Elektron r1 kann sich nicht nur beim ersten Atomkern befinden, sondern ebenso gut in einem atomaren Wasserstoff-Orbital beim zweiten Atomkern, während sich das zweite Elektron beim ersten Atomkern befindet. Dies ergibt die „Austauschwechselwirkung“, die für das Zustandekommen des Magnetismus eine fundamentale Rolle spielt und um Faktoren von 100 bis 1000 stärker ist als die durch die Elektrodynamik beschriebenen phänomenologischen Terme. Bei der Spinfunktion χ, welche für den Magnetismus verantwortlich ist, gilt dann wegen des Pauli-Prinzips das komplementäre Verhalten d. h., es müssen nicht nur die ui ersetzt werden durch α und β , sondern auch + durch − sowie z. B. r1 durch die beiden diskreten Werte von s1, nämlich durch ±½. Und zwar gilt: Mit dem Minuszeichen in ergibt sich also eine Singulett-Spinfunktion. Das besagt: Die Spins sind antiparallel; beim Festkörper bedeutet das Antiferromagnetismus und bei zweiatomigen Molekülen Diamagnetismus. Die Tendenz zur Molekülbindung, entsprechend der oben angegebenen Ortsfunktion, ergibt also wegen des Pauli-Prinzips automatisch die schon erwähnte Singulettsymmetrie des Spinzustandes; wogegen die Coulomb-Abstoßung der beiden Elektronen zu einer Singulett-Ortsfunktion und komplementär dazu zu einer Triplett-Spinfunktion führen würde, d. h., „die Spins würden jetzt parallel stehen“. Der letztgenannte Effekt überwiegt bei Eisen, Kobalt und Nickel; diese Metalle sind ferromagnetisch. Bei den zweiatomigen Molekülen überwiegt er auch beim Sauerstoff, das im Gegensatz zu den anderen zweiatomigen Molekülen nicht diamagnetisch, sondern paramagnetisch ist. Der zuerst genannte Effekt überwiegt dagegen bei den anderen Metallen wie Natrium, Kalium, Magnesium oder Strontium, die nichtmagnetisch sind, oder bei Mangan, das antiferromagnetisch ist. Aus dem Heitler-London-Modell entstand durch Verallgemeinerung das grundlegende Heisenberg-Modell des Magnetismus . Die Erklärung des Phänomens beruht also letztlich auf allen Subtilitäten der Quantenmechanik, einschließlich ihrer mathematischen Struktur, insbesondere auf dem dort beschriebenen Spin und dem Pauli-Prinzip, während die Elektrodynamik eher die Phänomenologie beschreibt. Alle fundamentalen geladenen Elementarteilchen besitzen ein charakteristisches magnetisches Moment μ → {\displaystyle {\vec {\mu }}} . Es ist über das gyromagnetische Verhältnis mit ihrem Spin verknüpft. Als zusammengesetztes Teilchen hat auch das Neutron ein magnetisches Moment. Das magnetische Moment eines Atoms setzt sich zusammen aus dem Beitrag der Elektronenhülle und dem im Allgemeinen viel schwächeren Kernbeitrag . Zum Hüllenmoment tragen das Bahnmoment, das mit dem Bahndrehimpuls der Elektronen verknüpft ist, und das durch den Elektronenspin bestimmte Spinmoment bei. Die Summe der magnetischen Momente der Elektronen eines doppelt besetzten Atomorbitals ergibt jeweils null, sodass Atome, die keine halbbesetzten Orbitale besitzen, kein permanentes Hüllenmoment aufweisen. Das Kernmoment ist zwar sehr klein, es lässt sich aber dennoch nicht nur nachweisen , sondern auch praktisch anwenden [z. B. NMR-Spektroskopie . Magnetismus von Festkörpern ist ein kooperatives Phänomen. Die makroskopische Magnetisierung setzt sich additiv zusammen aus den Beiträgen der einzelnen Bausteine , aus denen der Festkörper aufgebaut ist. Bei vielen Materialien haben bereits die einzelnen Bausteine ein magnetisches Moment. Allerdings weisen selbst von den Materialien, deren Bausteine solche magnetische Momente tragen, nur wenige eine makroskopische Magnetisierung auf. In der Regel addieren sich nämlich die verschiedenen Momente zum Gesamtmoment Null. Nur wenn das nicht geschieht, wenn sich also ihre Beiträge nicht in der Summe aufheben, ist eine makroskopische Magnetisierung das Ergebnis. In Festkörpern können fünf Typen von Magnetismus auftreten. Ihre Namensgebung erfolgt beim magnetischen wie auch beim elektrischen Feld durch die Verwendung der entsprechenden Vorsilbe ganz analog: Darüber hinaus gibt es noch Formen des Magnetismus, die durch nicht magnetisches oder nichtlineares Verhalten der fünf Magnetismustypen geprägt sind: Mit Amagnetismus, amagnetisch, nichtmagnetisch oder unmagnetisch ist meist „nicht ferromagnetisch“ gemeint, beispielsweise als Eigenschaft von austenitischem Stahl im Gegensatz zu gewöhnlichem Baustahl. Stoffe, auf die ein Magnetfeld überhaupt keine Wirkung hat, gibt es nicht. Bei sehr hohen Magnetfeldstärken kann es auch bei „amagnetischen“ Materialien zu Anziehungs- oder im noch geringeren Maße zu Abstoßungseffekten kommen, wenn auch wesentlich schwächer als bei ferromagnetischen Stoffen. Die Bezeichnung amagnetisch wird nicht einheitlich gebraucht. Um die verschiedenen Arten des Magnetismus und deren Temperaturabhängigkeit zu untersuchen, werden sowohl verschiedene makroskopische als auch atomar-mikroskopische Methoden verwendet. Eine der empfindlichsten makroskopischen Methoden beruht auf dem Josephson-Effekt und wird im SQUID verwendet, der in der Materialforschung meist mit einem geregelten Kryostaten kombiniert wird. Der Hall-Effekt ist ebenfalls eine makroskopische Methode und findet auch Anwendung in vielen einfachen technischen Anwendungen, z. B. im Automotor. Auf atomarer Skala werden Atomkerne unter Verwendung der Hyperfeinwechselwirkung genutzt, um mit Atomkernen im Kristallgitter am Ort des jeweiligen Kerns die Größe des Magnetfeldes zu messen. Bekannte Methoden sind Mößbauer-Spektroskopie, Gestörte Gamma-Gamma-Winkelkorrelation und NMR. Weil jede Nervenaktivität auch aus elektrischen Strömen besteht, produziert unser Nervengewebe und insbesondere unser Gehirn ständig Magnetfelder, die mit empfindlichen Detektoren empfangen werden können. Magnetische Wechselfelder können über Induktion elektrische Ströme im Gewebe auslösen und können so einen Einfluss auf das Nervensystem haben. So kann der motorische Cortex derartig mit Hilfe der Transkraniellen Magnetstimulation stimuliert werden, dass es zu unwillkürlichen Muskelkontraktionen kommt. Auch die Nerven in den Muskeln selbst können auf diese Weise stimuliert werden. In entsprechend starken Feldern treten sogenannte Magnetophosphene auf. Des Weiteren ist seit langem bekannt, dass magnetische Wechselfelder die Sekretion von Hormonen beeinflussen können. Langzeitfolgen für den Menschen konnten dabei jedoch nicht beobachtet werden. Viele Vögel, Meeresschildkröten und weit ziehende Fische verfügen über einen Magnetsinn und können sich mittels des Erdmagnetfelds orientieren. Der Arzt Franz Anton Mesmer entwickelte eine Theorie, die 1784 von der französischen Akademie der Wissenschaften geprüft und verworfen wurde, nach der ein Fluid, das Mesmer als Magnetismus animalis bezeichnete, von Mensch zu Mensch übertragbar sei und bei der Hypnose und bestimmten Heilverfahren eine Rolle spielen sollte. Über den seinerzeit populären animalischen Magnetismus hinaus befasste sich in Orléans der Arzt und Magnetiseur Louis Joseph Jules Charpignon um 1845 auch mit Magnetismus in einer allgemeineren Bedeutung. Wirkungen oder Gefahren magnetischer Gleichfelder auf den Menschen sind nicht bekannt. Auch die gepulsten Felder bei der Kernspintomografie sind im Allgemeinen ungefährlich. Dagegen kommt es bei starken Feldern in folgenden Fällen zu Gefahren: Daher gelten in Magnetfeldlaboren und an Kernspintomografen Sicherheitsregeln, die gewährleisten, dass keinerlei ferromagnetische Teile in die Nähe geraten. Folgende Schäden sind weiterhin relevant: Siehe auch: Magnetotaxis, Magnetospirillum gryphiswaldense, Magnetospirillum magnetotacticum, Magnetosom Gepulste Felder können durch elektromagnetische Induktion sämtliche elektronischen und elektrischen Einrichtungen beeinflussen oder zerstören, vgl. auch Elektromagnetischer Puls. Unregelmäßigkeiten des Teilchenstroms von der Sonne führen auf der Erde zu sogenannten magnetischen Stürmen, die durch Induktion Telefon- und Überlandleitungen, Kabelsysteme und auch metallene Rohrleitungen gefährden können. Magnetische Felder können Aufzeichnungen auf magnetischen Datenträgern wie etwa Tonband, Videoband oder Festplatte löschen. Wenn ein Magnetfeld als Folge eines Zwischenfalls – Leitungsunterbrechung beim konventionellen Elektromagneten oder Quenchen beim Supraleitungsmagneten – schlagartig zusammenbricht, können durch Induktion sehr hohe elektrische Spannungsimpulse entstehen. Führen diese zu Stromfluss, können die dadurch wiederum erzeugten Magnetfelder z. B. Gegenstände gewaltsam in den Magneten hineinziehen. Daher dürfen Experimentieraufbauten in direkter Nähe des Magneten keine geschlossenen Leiterschleifen – beispielsweise in irgendwelchen Gestellen – enthalten; dies wird durch Einfügen isolierender Zwischenstücke erreicht. Die zwei ringförmigen Permanentmagnete aus dem Magnetron eines Mikrowellenherdes ziehen sich so stark an, dass man sich eine feine Fingerhautfalte dazwischen schmerzhaft einklemmen und verletzen kann. Zu Missverständnissen kommt es öfter durch die Verwechslung der Begriffe „magnetisch“ , „magnetisiert“ und „magnetisierbar“. In der Umgangssprache wird unter Magnetismus praktisch ausschließlich der Ferromagnetismus verstanden, denn dieser ist im Alltag häufig und vertraut: Haftmagnete an einer Blechtafel, die Wirkungsweise eines Kompasses usw. Die anderen Arten des Magnetismus sind dagegen in der alltäglichen Umwelt unauffällig. Mit „magnetisch“ ist also meist „ferromagnetisch“ gemeint. Die meisten Menschen verbinden den Begriff Magnetismus richtigerweise sehr stark mit den Werkstoffen Eisen und Stahl. Weniger bekannt ist, dass auch Nickel und Cobalt ferromagnetisch sind. Falsche Vorstellungen über die Magnetisierbarkeit sind verbreitet und finden sich auch in einigen Büchern und sonstigen Quellen. Beispielsweise ist ein Gegenstand aus einfachem Stahl ferromagnetisch und somit magnetisierbar, aber nur magnetisch „weich“, das heißt, er verliert seine Magnetisierung sehr schnell wieder. Nicht aus jedem beliebigen Stahldraht lässt sich durch Überstreichen mit einem Dauermagneten eine provisorische Kompassnadel herstellen, ein magnetisch weicher Stahldraht ist nicht dazu geeignet. Wenn man einen magnetisch weichen Stahldraht mit einem Dauermagneten berührt, dann wird er zwar angezogen, aber nicht dauerhaft magnetisiert. Eine magnetisch „harte“ Stahlnadel lässt sich dagegen dauerhaft magnetisieren, das heißt, sie verliert ihre Magnetisierung erst über einen langen Zeitraum und könnte damit als Behelfskompass funktionieren. Ob ein Gegenstand „magnetisch“ ist, kann man leicht prüfen, indem man ihn mit einem Dauermagneten berührt. Spürt man dabei eine Kraft, dann ist der Gegenstand ferromagnetisch. Ob ein Gegenstand „magnetisiert“ ist – das heißt, selbst ein Dauermagnet ist – kann man entsprechend an einem sehr leichten Teil aus unmagnetisiertem Stahl prüfen: Bleibt die Heftklammer an dem Gegenstand hängen, dann ist er magnetisiert. Eine Magnetisierung beispielsweise bei Werkzeugen kann in der Praxis erwünscht sein . Die Magnetisierung kann aber auch unerwünscht sein, weil dadurch ständig kleine Eisenfeilspäne o. Ä. am Gerät haften. Die Abschirmung elektrotechnischer Geräte, Einrichtungen und Räume dient dazu, elektrische und/oder magnetische Felder von diesen fernzuhalten oder umgekehrt die Umgebung vor den von der Einrichtung ausgehenden Feldern zu schützen. Magnetische Abschirmungen werden z. B. in Röhrenmonitoren und Oszilloskopen mit Kathodenstrahlröhre eingesetzt, da es aufgrund magnetischer Störquellen zu Bildstörungen kommen kann. Dauermagnete von Lautsprechern in Fernsehgeräten mit Bildröhre werden oft magnetisch abgeschirmt. Zur Abschirmung von statischen Magnetfeldern und von Magnetfeldern geringer Frequenz dienen weichmagnetische Werkstoffe, d. h. ferromagnetische Materialien hoher Permeabilität und geringer Remanenz. Eine magnetische Abschirmung wirkt zugleich elektrisch abschirmend, wenn sie hinreichend leitfähig ist. Hochfrequente, elektromagnetische Wechselfelder können nur mit elektrisch leitfähigen, allseitig geschlossenen Hüllen ausreichender Dicke vollständig abgeschirmt werden. Spalte oder Öffnungen verringern die Schirmdämpfung und machen diese unmöglich, wenn ihre größte Abmessung die Größenordnung der abzuschirmenden Wellenlänge erreicht oder überschreitet.
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2024-12-03 22:43:16
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https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_griechischer_Phrasen/Zeta
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Α, α | Β, β | Γ, γ | Δ, δ | Ε, ε | Ζ, ζ | Η, η | Θ, θ | Ι, ι | Κ, κ | Λ, λ | Μ, μ | Ν, ν | Ξ, ξ | Ο, ο | Π, π | Ρ, ρ | Σ, σ | Τ, τ | Υ, υ | Φ, φ | Χ, χ | Ψ, ψ | Ω, ω Gemeint ist damit, dass der linke griechische Oppositionspolitiker Grigoris Lambrakis lebt. Dieser Satz wird verkürzt zu „Ζ“. Lambrakis wurde am 22. Mai 1963 in Saloniki ermordet und der darauffolgende Prozess zog sich bis 1966 hin. Z ist ein französisch-algerischer Spielfilm von Constantin Costa-Gavras aus dem Jahr 1969 nach der Romanvorlage von Vassilis Vassilikos, der als ein genrebildender Klassiker des politisch engagierten Kinos gilt. Die Handlung lehnt sich an den Lambrakis-Mord an: In einem nicht namentlich genannten Staat, in dem Militär und Königshaus herrschen, wird Opposition als „kommunistischer Mehltau“ nur widerwillig geduldet. Als ein Oppositionspolitiker unter den Augen der Polizei ermordet wird, versuchen Polizei und Militärs den Mord als Unfall darzustellen. Mit den Ermittlungen wird ein junger Untersuchungsrichter beauftragt, der jedoch wider Erwarten penibel und hartnäckig ermittelt. Eine Anklage gegen diverse Respektspersonen aus dem Militär führt jedoch auch nicht zu deren Verurteilung, da mehrere Zeugen unter merkwürdigen Umständen ums Leben kommen. Neugriechische sprichwörtliche Redensart für: „Es geht ihm unverändert gut.“ Nach der neueren griechischen Volksüberlieferung wurde die Schwester Alexanders des Großen nach ihrem Tod in eine Gorgone, eine Art Nixe verwandelt, die im Wasser lebt und jedes vorbeikommende Boot fragt, ob Alexander noch lebe: «Ζεί ὁ βασιλιάς Αλέξανδρος;» „Lebt König Alexander noch?“ Lautet die Antwort „nein“, so zieht sie das Schiff mitsamt der ganzen Besatzung zu sich hinab. Die „richtige“ Antwort, die dem Schiffer sein Leben bewahrt, lautet: «Ζεί και βασιλεύει.» „Er lebt und herrscht als König.“ Ehrende Bezeichnung für den obersten Gott Zeus, der, auf Münzen im Himation thronend, mit einem Szepter in der linken Hand dargestellt wird. Zeus hat je nach Art der Verehrung weitere Beinamen: Die Bezeichnung „vom ganzen Volk verehrt“ wurde neben Zeus nur noch auf die Liebesgöttin Aphrodite angewandt, deren Verehrung Theseus in Athen eingeführt haben soll. Später wurde die Bezeichnung pandemos auch abwertend gebraucht, z. B. für Frauen, die sich jedem hingaben . Das deutsche Adjektiv gemein ist in Bedeutung und Begriffsentwicklung damit vergleichbar. Siehe auch βοῶπις Ἥρη und ῥοδοδάκτυλος Ἠώς . Beschreibung der Vier-Elemente-Lehre: Der Philosoph Thales von Milet vertrat die Ansicht, dass alle Stoffe nur verschiedene Aspekte des Urstoffes Wasser darstellen. Anaximenes aus Milet kam zu dem Schluss, dass die Luft der Urstoff sei und zum Mittelpunkt des Universums hin zusammengepresst werde, wodurch die anderen Elemente Wasser und Erde entstünden. Heraklit aus der Nachbarstadt Ephesos war der Ansicht, dass das sich stets wandelnde und verändernde Feuer der Urstoff sein müsse, da sich im Universum alles wandelt. Die breiteste Wirkung hatte jedoch die Formulierung des Naturphilosophen Empedokles, der annahm, dass die vier Elemente ewig existierende und unveränderliche Grundsubstanzen wären, die durch Mischung die Vielfalt der Stoffe bilden. Es darf allerdings nicht übersehen werden, dass Empedokles die vier Elemente zunächst als Götter einführte. So war das Feuer dem Zeus, die Luft der Hera, die Erde dem Aidoneus und das Wasser der Nestis zugeordnet. Empedokles nimmt an, dass die vier Elemente durch ständige Mischung und Entmischung alle Dinge hervorbringen: „Das Weltall vollzieht unter der einenden Kraft der Liebe und der trennenden des Hasses in einem pulsierenden Wechsel von Ausdehnung und Zusammenziehung .“ Siehe auch «Τέτταρα δὲ τοῖς στοιχείοις ἰσάριθμα, λευκὸν μέλαν ἐρυθρὸν ὠχρόν.» Diese Worte richtete König Philipp II. an seinen Sohn Alexander, nachdem dieser das Pferd Bukephalos gebändigt hatte. Bukephalas gilt als das bekannteste Pferd in der Antike. Alexander bekam es, als er zehn oder zwölf Jahre alt war. Es wird erzählt, dass dieses Pferd Philipp II., dem Vater Alexanders, zum Kauf angeboten wurde, aber dass niemand es zu reiten vermochte. Der zwölfjährige Alexander aber beobachtete, dass das Pferd Angst vor seinem eigenen Schatten hatte. Er stellte es so, dass es seinen Schatten nicht sehen konnte, und es gelang ihm dadurch, das Pferd zu reiten. Philipps ganzer Satz lautete nach Plutarch: «Ὦ παῖ, ζήτει σεαυτῷ βασιλείαν ἴσην, Μακεδονία γὰρ σ’ οὐ χωρεῖ.» „Ō pai, zētei seautō basileian isēn, Makedonia gar s’ ou chōrei.“ „Mein Sohn, suche dir ein Reich, das deiner würdig ist, denn Makedonien ist für dich nicht groß genug.“ Suche nach der historischen Wahrheit durch den Historiker Thukydides, wie er es in seiner Geschichte des Peloponnesischen Kriegs versuchte. In klarer Abgrenzung zu Herodot, der nicht strikt zwischen Mythen und Realem unterschied, wollte Thukydides nur das berichten, was auch wirklich vorgefallen ist. Pessimistische Aussage des Dichters Nikos Kazantzakis, die dem Buchtitel Jeder stirbt für sich allein von Hans Fallada entspricht. In Kazantzakis’ Odyssee sagt der alte todbereite Odysseus gelassen: Des Festes Ende ist gekommen, die Belustigung vorüber, der Wind schrieb im Vorüberwehen meinen Namen in den Sand. Diese Redewendung mit der Bedeutung „wie die Made im Speck leben“ bezieht sich auf Ali Pascha Tepelena, den Gouverneur von Epirus mit der Hauptstadt Ioannina. Ali Pascha kümmerte sich wenig um die Direktiven der Hohen Pforte und baute sich einen autonomen Machtbereich auf. Er paktierte mit Frankreich und Großbritannien. Ab 1807 beherrschte Ali Pascha, den man auch Löwe von Janina nannte, über große Teile Albaniens und Griechenlands. Der englische Dichter Lord Byron, der 1809 einige Zeit Gast am Hof Ali Paschas war, hinterließ eine farbenprächtige Schilderung des damaligen Lebens in Ioannina, einer blühenden Stadt mit 35.000 Einwohnern. 1820 entsandte Sultan Mahmud II. Truppen gegen den abtrünnigen Pascha. Ioannina wurde über 15 Monate belagert, bis man Ali Pascha im Februar 1822 aus seiner Festung locken konnte und ermorden ließ. Sentenz aus den Monosticha des Dichters Menander, die einen Grundgedanken des griechischen Pessimismus in einem Satz zusammenfasst. Ein Beispiel für diese Einstellung ist die Geschichte um die Brüder Kleobis und Biton, die auf Wunsch ihrer Mutter – einer Herapriesterin – von der Gottheit das beste erhielten, was einem Menschen widerfahren kann: Sie durften zusammen in der gleichen Nacht sterben. In diesem, wie auch in dem Fall um den Olympiasieger Diagoras von Rhodos ist der ruhmvolle Tod das Nonplusultra für die Sterblichen. Der Philosoph Friedrich Nietzsche erwähnt aber auch die Klagen der alten Griechen über den „kurzlebenden Achilleus“, „von dem blättergleichen Wechsel und Wandel des Menschengeschlechts“ und von dem Untergang der Heroenzeit. Er kommt zu dem Ergebnis: „Es ist des größten Helden nicht unwürdig, sich nach dem Weiterleben zu sehnen, sei es selbst als Tagelöhner.“ Siehe auch: Θνατοῖσι μὴ φῦναι φέριστον. Das Lösen des Brautgürtels war eine symbolische Handlung, die der Bräutigam vornahm, wenn er seine Braut in das Brautbett führte. Er löste den Gürtel, der entweder der Pallas Athene oder der Artemis geweiht wurde. Währenddessen hielt ein Türhüter die Frauen ab, welche der Braut scheinbar zu Hilfe eilen wollten. Danach zog sich die Hochzeitsgesellschaft zurück und feierte an einem anderen Ort weiter. Der Gürtel der Aphrodite oder der ihr gleichgesetzten Göttin Venus galt als Insigne ihres Liebeszaubers. Der Humanist Erasmus von Rotterdam schreibt in seiner Sprichwörtersammlung Adagia: „Den Gürtel der Venus besitzt, wer in überraschender Weise jedermanns Zuneigung gewinnt. Der Ausdruck stammt aus Homers Ilias, Buch 54, wo Hera, in der Absicht, Zeus in ihr Lager zu locken, zu Aphrodite geht und sich von ihr den Gürtel ausborgt, der liebenswürdig und begehrenswert macht.“ Den Gürtel der Artemis riefen verheiratete Frauen an, um Fruchtbarkeit und eine leichte Geburt zu erbitten. Um die Fruchtbarkeit zu erhöhen, banden sich Frauen geflochtene Beifuß-Gürtel um. Die Mädchen verehrten die jungfräuliche Göttin als Schützerin ihrer Keuschheit und brachten ihr vor ihrer Hochzeit eine Locke, den Gürtel und ihr Mädchenkleid als Opfer. In der Geschichte von Enipeus und Poseidon sagt der Meeresgott: „Deine Eifersucht kommt nun zu spät, mein guter Enipeus; du hättest vorher nicht so hoffärtig tun sollen. Übrigens ist der Tyro gar nichts Arges widerfahren, da sie den, der ihr den Gürtel löste, für dich hielt.“ Poseidon hatte die Gestalt des Enipeus angenommen und zeugte mit Tyro die Zwillinge Pelias und Neleus. Platon hatte den Menschen als ein „zweibeiniges Lebewesen ohne Federn“ definiert, denn er gehöre zum Tierreich, gehe auf zwei Beinen, besitze aber weder Fell noch Federn. Als er damit die Zustimmung seiner Schüler gefunden hatte, fühlte sich der Kyniker Diogenes zu einem Scherz provoziert. Er rupfte ein Huhn und stellte es Platons Schülern mit folgenden Worten als Mensch vor: «Οὗτός ἐστιν ὁ Πλάτωνος ἄνθρωπος.» „Houtos estin ho Platōnos anthrōpos.“ „Das ist der Mensch Platons!“ Daraufhin erweiterte Platon die Definition um „breite Krallen“ , weil die Vögel nichts Derartiges haben. Es handelt sich dabei um ein Wortspiel, da πλατυώνυχον platyōnychon im Griechischen ähnlich klingt wie πλατωνικόν platōnikon . Schon in der antiken Philosophie hatte man festgestellt, dass der Mensch offenbar das einzig bekannte sprachbegabte Vernunft- und Verstandeswesen ist, das die Voraussetzungen für eine Sinnreflexion vorweisen kann. Als vernünftiges Wesen und als soziales Wesen verwirklicht sich der Mensch durch seine Lebenspraxis. Der Mensch soll sich laut Aristoteles zunächst als Mensch durch die Sprache und in Gemeinschaft mit anderen Menschen verwirklichen , bevor er ein göttliches Leben erreichen kann. Die Übertragung in das Lateinische als animal rationale findet sich in verschiedenen römischen Schriften, so z. B. bei Seneca in Epistulae morales ad Lucilium . Boethius definierte: „Person ist die individuelle Substanz einer vernunftfähigen Natur“ und verwies darauf, dass der Einsatz der Vernunft der individuellen Willkür unterliegt. Ähnlich modifizierte Immanuel Kant die Begrifflichkeit und stellte fest, dass der Mensch „einen Charakter hat, den er sich selbst schafft, indem er vermögend ist, sich nach seinen von ihm selbst genommenen Zwecken zu perfectioniren; wodurch er als mit Vernunftfähigkeit begabtes Thier aus sich selbst ein vernünftiges Thier machen kann“. Bei Platon und Aristoteles heißt zoon politikon im Original πολιτικὸν ζῷον . Das ganze Zitat lautet in der Politik des Aristoteles: «Ἐκ τούτων οὖν φανερὸν ὅτι τῶν φύσει ἡ πόλις ἐστί, καὶ ὅτι ὁ ἄνθρωπος φύσει πολιτικὸν ζῷον.» „Ek toutōn oun phaneron hoti tōn physei hē polis esti, kai hoti ho anthrōpos physei politikon zōon.“ „Es ist offensichtlich, dass der Staat ein Werk der Natur ist und der Mensch von Natur aus ein staatenbildendes Lebewesen.“ Aristoteles beschreibt den Menschen als naturgemäß politisches Wesen: „Wie im Samen der ganze Baum veranlagt ist, so ist im Menschen der Staat veranlagt.“ Der Staat ist demnach auf metaphysischer Ebene bereits während des Naturzustandes vorhanden. Die Voraussetzung zur Staatenbildung ist der Besitz von Logos , mit Hilfe dessen der Mensch Gutes und Schlechtes benennen kann. Α, α | Β, β | Γ, γ | Δ, δ | Ε, ε | Ζ, ζ | Η, η | Θ, θ | Ι, ι | Κ, κ | Λ, λ | Μ, μ | Ν, ν | Ξ, ξ | Ο, ο | Π, π | Ρ, ρ | Σ, σ | Τ, τ | Υ, υ | Φ, φ | Χ, χ | Ψ, ψ | Ω, ω
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2024-12-04 00:06:06
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https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCckl%C3%B6schtaste
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Die Backspace-Taste ist eine Taste der PC-Tastatur, die bei Betätigung den Cursor um eine Position nach links verschiebt und das dort stehende Zeichen entfernt. Dies entspricht der Funktion der Korrekturtaste bei Schreibmaschinen mit Korrekturfunktion. Sie löscht damit in die entgegengesetzte Richtung der Entfernen-Taste. Auf Tastaturen ist die Taste häufig mit ← oder ⌫ beschriftet. Die meisten Webbrowser interpretieren die Backspace-Taste als „Zurück“ – das heißt, die im Verlauf zuvor aufgerufene Seite wird aufgerufen. Das Steuerzeichen für den Backspace hat im ASCII den Wert 8 und entspricht in vielen Terminals ^H . Bei EBCDIC hat BS den Wert 16hex. Verfügt ein ASCII-Terminal nicht über die Funktion, den Cursor nach links zu verschieben, wird stattdessen ^H ausgegeben. Eine Erweiterung des Backspace stellt ^W oder die Kombination Strg+Backspace dar, womit das letzte Wort gelöscht werden kann, d. h., es werden alle Zeichen bis zum letzten vorigen Whitespace entfernt. Ferner können mit ^U alle vorigen Zeichen der aktuellen Zeile gelöscht werden. Auch einige Texteditoren wie vim oder emacs bieten diese Möglichkeit. Unicode enthält als Symbol für das Steuerzeichen das Zeichen ␈ . Zudem befindet sich im Unicodeblock Verschiedene technische Zeichen das Zeichen ⌫ . In Anspielung auf die Darstellung des zugehörigen Steuerzeichens mittels ^H wird in Internetforen manchmal ein Wort in einem Satz begonnen und danach mit ausgeschriebenem „^H“ „gelöscht“, um eine Art absichtlichen Freudschen Versprecher darzustellen: Es zeigt, was eigentlich gemeint war, aber dann „gelöscht“ wurde.
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2024-11-23 20:51:54
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https://de.wikipedia.org/wiki/Philatelie
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Die Philatelie oder Briefmarkenkunde beschäftigt sich mit dem systematischen Sammeln von Postwertzeichen sowie von Belegen für ihre Verwendung auf Postsendungen jeglicher Art und der Erforschung postgeschichtlicher Dokumente. Der Begriff Philatelie wurde von Georges Herpin in der fünften Ausgabe der Pariser Briefmarkensammlerzeitschrift Le Collectionneur de timbres-postes vom 15. November 1864 geprägt als Zusammensetzung aus den griechischen Wörtern φίλος phílos „Freund“ und ἀτελής atelēs „lasten-/steuerfrei“, genauer aus dem Substantiv ἀτέλεια atéleia „Abgabenfreiheit“. Diese Abgabenfreiheit bezieht sich auf den Empfänger, der bei der zunächst ausschließlich üblichen Versandform unfrei für das Beförderungsentgelt aufzukommen hatte, wovon ihn die durch entsprechende Stempel oder Freimarken dokumentierte Frankierung, Freimachung auf Kosten des Absenders, befreite . Obwohl inhaltlich nicht auf Anhieb nachzuvollziehen, setzte sich der Wortbildungen wie Philosophie, Philanthropie und Philharmonie nachahmende Begriff in allen Sprachen durch. Andere Vorschläge wie Timbrophilie oder Timbrologie verschwanden bald wieder. Als deutsche Version für Philatelie wird häufig „Briefmarkenkunde“ und für die praktizierenden Personen „Briefmarkensammler“ oder „Briefmarkenliebhaber“ verwendet. Die Philatelie hat ihre Anfänge kurz nach der Ausgabe der ersten Briefmarke der Welt. Dabei handelt es sich um die sogenannte One Penny Black, die am 6. Mai 1840 in Großbritannien ausgegeben wurde. Die Einführung der Briefmarke in anderen Ländern verhalf auch dem Briefmarkensammeln zu seiner Verbreitung. Zunächst sammelte man aus Spaß die kleinen Postwertzeichen aus der Tagespost und verwendete sie beispielsweise zum Bekleben von Lampenschirmen oder Tapeten, was die Sammelobjekte fast immer zerstörte. Erst langsam begann man, sich mit den Briefmarken genauer zu befassen. Die Zahl der Briefmarken, die zur damaligen Zeit ausgegeben wurden, war noch sehr klein. Für den damaligen Sammler war es selbstverständlich, sogenannte Generalsammlungen anzulegen. Dies bedeutet, dass der Philatelist alle Briefmarken der Welt in seine Sammlung aufnahm. In den frühen Anfangsjahren standen dem Philatelisten noch keinerlei Hilfsmittel oder Aufbewahrungsmöglichkeiten, wie Briefmarkenalben, zur Verfügung, was dazu führte, dass die Briefmarken oft durch unsachgemäße Aufbewahrung oder das behelfsmäßige Aufkleben postfrischer Marken beschädigt oder sogar zerstört wurden. In den 1860er Jahren erschienen die ersten Briefmarkenalben der Welt. Das erste kommerzielle Album hatte der Pariser Philatelist Lallier 1862 herausgebracht. Dabei handelte es sich allerdings noch um eine einfache querformatige Mappe, die in Leder gebunden war. Für alle bisher erschienenen Briefmarken der Welt war auf den jeweils rechten Seiten ein Leerfeld angelegt, in das die Briefmarke hineingeklebt werden konnte. Auf den jeweils gegenüberliegenden linken Seiten befand sich das Wappen, die Flagge sowie eine kurze Beschreibung der Geographie und der bisher ausgegebenen Briefmarken des Landes. Das große Manko dieser Briefmarkenalben bestand darin, dass die einzelnen Briefmarken direkt mit Knochenleim oder Gummi arabicum in das Album geklebt werden mussten. Dies beschädigte die Briefmarke, vor allem beim Versuch des Ablösens, stark. Zahlreiche Philatelisten machten sich Gedanken über eine bessere Art der Aufbewahrung ihrer „Schätze“. Eine vernünftige Alternative wurde allerdings erst 21 Jahre später, im Jahr 1881, gefunden. Bereits ein Jahr später, 1861, entstanden die ersten Vorläufer der heutigen Briefmarkenkataloge. John Edward Gray und Oscar Berger-Levrault entwickelten die ersten „Briefmarkenverzeichnisse“. Zur selben Zeit kam es zur Gründung der ersten Briefmarkenvereine. In ihnen konnten Sammler zum ersten Mal ihre Erfahrungen und ihr Wissen sowie ihre Briefmarken austauschen. Im Jahr 1862 kam es zur Ausgabe der ersten philatelistischen Fachzeitschriften – zuerst erschien am 15. Dezember 1862 im Geburtsland der Philatelie „The Monthly Advertiser“. Kurz darauf erschienen auch die ersten Fachzeitschriften in Deutschland und Österreich-Ungarn. Bei dem ersten Briefmarkenfachblatt Deutschlands handelt es sich um das „Magazin für Briefmarken-Sammler“, das erstmals am 1. Mai 1863 vom Münzen- und Antiquitätengeschäft Zschiesche & Köder in Leipzig herausgegeben wurde. Die Briefmarkenzeitschriften förderten vor allem den Tausch von Briefmarken zwischen den Philatelisten. Außerdem berichteten sie über die Neuausgaben der ganzen Welt und informierten die Sammler über alles Wissenswerte der Philatelie. Im Jahre 1881 erschienen die ersten Falze für Briefmarken. Diese lösten längerfristig das Problem der Aufbewahrung von Briefmarken. Die Briefmarkenfalze wurden vom Frankfurter Briefmarkenhändler Dauth ausgegeben. Man nannte sie damals noch „Marken-Charniere“. 1000 Stück der ersten Briefmarkenfalze der Welt kosteten nur 75 Pfennig. Vor der Erfindung des Briefmarkenfalzes gab es einige einfallsreiche provisorische Lösungen, um das direkte Einkleben der Briefmarken in das Album zu verhindern. Man knickte beispielsweise die nicht benötigten Bogenränder der Briefmarken so um, dass ein Teil der Klebefläche auf die Briefmarke geklebt wird und der andere Teil des Bogenrandes auf die Unterlage. Der Briefmarkenfalz funktionierte nach dem Prinzip der Befestigung von Briefmarken auf Albumseiten mittels Bogenrändern, er wurde jedoch speziell dafür hergestellt. In den folgenden Jahrzehnten setzte sich der Briefmarkenfalz als Befestigungsmittel für Briefmarken bei den Philatelisten durch. Dies wurde natürlich auch bei der Herstellung der Briefmarkenalben berücksichtigt. Außerdem kamen immer mehr neue Formen auf den Markt. Heute werden keine Briefmarkenfalze mehr verwendet, da diese die Gummierung leicht beschädigen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie von Klemmtaschen und anderen Systemen der Briefmarkenaufbewahrung abgelöst, die es nicht mehr erforderten, die Marken irgendwo aufzukleben. Die Briefmarkenalben selbst wurden ebenfalls verbessert. Im Jahre 1884 vertrieb Dauth ein „Mechanisches Briefmarkenalbum“. Dies war das erste Briefmarkenalbum der Welt mit Schraubenheftung. Es ermöglichte ein einfaches Austauschen und Einfügen einzelner Blätter des Briefmarkenalbums. Neben den neuen Hilfsmitteln für den Philatelisten entstanden auch immer mehr Briefmarkenvereine und Veranstaltungen speziell für den Philatelisten. Bereits aus dem Jahre 1856 sind Treffen von Philatelisten in den Vereinigten Staaten bekannt. Im Jahre 1866 kam es zur offiziellen Gründung des ersten Briefmarkenvereines der Welt. Es handelt sich dabei um die Excelsior Stamp Association in den Vereinigten Staaten. Die weltweit älteste noch bestehende philatelistische Vereinigung wurde 1869 als The Philatelic Society, London gegründet. Heute ist sie als Royal Philatelic Society London bekannt. Im selben Jahr, im August 1869, kam es auch in Deutschland zur Gründung der ersten Briefmarkenvereine. Der erste deutsche Briefmarkensammlerverein, der Süddeutsche Philatelisten-Verein, wurde in Heidelberg gegründet. Es folgten in den nächsten drei Jahren Dresden, Stuttgart und Berlin mit heute noch aktiven Vereinen sowie Hamburg. Auch der 1886 in Hannover gegründete Briefmarken-Club Hannover von 1886 e. V. ist nach über 130 Jahren weiterhin mit wöchentlichen Treffen aktiv. Die steigende Zahl philatelistischer Vereine führte zu zahlreichen Zusammenschlüssen. In Deutschland ist dies heute der Bund Deutscher Philatelisten, in Österreich der Verband Österreichischer Philatelistenvereine und in der Schweiz der Verband Schweizerischer Philatelistenvereine. Seit 1889 gibt es den Philatelistentag in Deutschland, der erstmals in Mainz stattfand. In den Jahren von 1947 bis 2011 wurde der Deutsche Philatelistentag jährlich durchgeführt. Entsprechend einem Mehrheitsbeschluss der BDPh-Hauptversammlung am 3. September 2011 in Wuppertal wurde für die Durchführung der Deutschen Philatelistentage ab 2011 ein zweijähriger Rhythmus festgelegt. In Österreich ist diesbezüglich die größte Veranstaltung die Wiener Internationale Postwertzeichen Ausstellung . Mit der Zeit entstanden viele weitere große Veranstaltungen rund um die Briefmarke. In den 1960er und 1970er Jahren hatte die Philatelie ihre größte Beliebtheit und hatte sich von einer Freizeitbeschäftigung des Großbürgertums zu einem Volksphänomen entwickelt. Große Kaufhäuser hatten Regale mit Briefmarken und Zubehör, Fachgeschäfte befanden sich in den meisten Innenstädten. Um die Beliebtheit von Briefmarken zu bedienen, wurde Material gezielt für Sammler produziert und vertrieben, die auch zu Skandalen Anlass gab. Mitunter fehlte den Sammlern die Kenntnis, den geringen Wert der nur für Sammler produzierten Erzeugnisse zu bewerten. In den 1990er Jahren nahm die Bedeutung des Briefverkehrs ab, und Briefmarken wurden auf Poststücken z. B. durch die Labelfreimachung ersetzt. Briefmarken sind nunmehr eine Randerscheinung des Postverkehrs und abgestempelt werden diese in Deutschland in Anlagen, die allesamt mit dem Begriff „Briefzentrum“ abstempeln. Der frühere Einstieg über das Sammeln von Briefmarken aus der Tagespost existiert somit nicht mehr. Heutige Sammlungen haben meist nicht mehr die kaum noch existierende Gegenwart der Briefmarke im Fokus, als vielmehr die postgeschichtliche Vergangenheit, z. B. Belege der Wirtschaftsgeschichte oder Briefmarken mit Abstempelungen einer bestimmten Region und Epoche. Die Szene verlagert sich mehr und mehr von der Präsenz hin zu Internetforen, viele der Sammler treten nicht mehr in Erscheinung, so dass Vereine weniger Nachwuchs haben. Der Brite John Edward Gray, der die ersten Vorläufer der Briefmarkenkataloge, die Briefmarkenverzeichnisse, herausgegeben hatte, behauptete von sich selbst, der erste Philatelist der Welt gewesen zu sein, da er bereits Marken gesammelt habe, bevor es überhaupt Briefmarken gab, nämlich Steuer- und Stempelmarken aller Art. Gleich am 6. Mai 1840, dem Tag der Einführung der ersten Briefmarken weltweit in Großbritannien, kaufte er sich mehrere Exemplare dieser Marken in der Absicht, sie nicht zu verbrauchen, sondern aufzubewahren. John Edward Gray war eigentlich ein bedeutender Zoologe, nach dem die Reiherart Ardeola grayii benannt wurde. Dieser Vogel wurde von der Postverwaltung von Bangladesch am 15. Juli 2000 auf einer eigenen Briefmarke verewigt. Die Grundsteine für die heute berühmtesten und größten Sammlungen wurden vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelegt. Die Sammlung des Reichspostmuseums in Berlin zählt zu den größten und bedeutungsvollsten der Welt, obwohl während der Weltkriege und der Nachkriegszeit große Verluste entstanden. Die Sammlung musste mehrmals umziehen, da der ursprüngliche Aufbewahrungsort in der Leipziger Straße im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen wurde. Das Museum für Kommunikation in Bern ist in Besitz einer der größten öffentlich zugänglichen Briefmarkensammlungen der Welt. Auch in den Gebäuden der Vereinten Nationen in Genf ist eine umfangreiche Briefmarkensammlung ausgestellt. Die Sammlung des britischen Königshauses gilt als die größte Briefmarkensammlung weltweit. Die Sammlung besteht aus mehr als 400 Briefmarkenalben, die die größten Raritäten der Philatelie in sich vereinigen. Ihr Wert kann kaum geschätzt werden, da zahlreiche Unikate im Besitz des britischen Königshauses sind. Die Briefmarkensammlung wurde vor allem in der Zeit von König George V. zusammengetragen. Eine weitere berühmte Sammlung war die Sammlung des Königs Faruk von Ägypten, die jedoch nach seiner Absetzung aufgelöst und versteigert wurde. Ebenfalls berühmt wurden die Sammlungen König Carols von Rumänien sowie des Zaren Nikolaus II. von Russland. Zu der berühmtesten Sammlung einer Privatperson zählt sicherlich die Sammlung des Grafen Philipp la Renotière von Ferrary. Philipp von Ferrary konnte dank seines großen Vermögens so gut wie alle Weltraritäten kaufen. Zahlreiche Händler arbeiteten ausschließlich für ihn und suchten auf Auktionen auf der ganzen Welt nach den letzten fehlenden Stücken. Obwohl Philipp von Ferrary in Paris lebte, zog es ihn häufig nach Österreich und nach Deutschland. Er wurde schließlich österreichischer Staatsbürger, lebte aber weiterhin in Frankreich. Im Alter von 65 Jahren entschloss er sich, nach seinem Tode seine gesamten „Schätze“ dem von ihm sehr geschätzten Reichspostmuseum in Berlin zu hinterlassen. Der Erste Weltkrieg war jedoch bereits ausgebrochen und Philipp von Ferrary musste wegen seiner österreichischen Staatsangehörigkeit überstürzt in die Schweiz fliehen. Seine Sammlung hinterließ er vor seiner Abreise in der Österreichischen Botschaft. Die Sammlung wurde jedoch nach dem Krieg als Reparationszahlung angesehen und versteigert. Philipp von Ferrary erlebte die Zerstörung seines Lebenswerkes nicht mehr, da er ein Jahr vor Kriegsende verstarb. Die Versteigerung dauerte über sechs Jahre und brachte bis dahin nie erreichte Summen für die Briefmarken ein. Philipp von Ferrary war wohl auch der einzige Sammler in der Geschichte der Briefmarke, der von sich behaupten konnte, das Sammelgebiet „die ganze Welt“ komplett zu haben. Eine weitere berühmte Sammlung gehörte Arthur Hind, der ebenfalls dank seines großen Vermögens in den Besitz zahlreicher Raritäten kam. So kaufte er beispielsweise auf einer Ferrary-Auktion die legendäre British Guiana 1¢ magenta. Weitere berühmte Sammlungen wurden von Colonel Greens, Alfred Caspary sowie dem Schweizer Tabakmillionär Burrus aufgebaut. Legendär ist die Ganzsachensammlung der Brüder Ernst und Franz Petschek. Auch die Sammlung „Altdeutsche Staaten“ des Amerikaners John R. Boker dürfte zu den großen Sammlungen gehört haben; sie wurde inzwischen in mehreren eigenen Auktionen in Wiesbaden aufgelöst. Ebenfalls legendär ist die Sammlung von Erivan Haub, dem früheren Inhaber der Tengelmann-Gruppe. Erst nachdem er 2018 verstorben war, wurde bekannt, dass er seit seiner Jugend eine umfangreiche Briefmarkensammlung aufgebaut hat, die jedoch zu seinen Lebzeiten niemals öffentlich gezeigt wurde. Sie enthielt zahlreiche Seltenheiten von Weltrang. In der Altdeutschland-Philatelie gilt die Sammlung Haubs als die vollständigste jemals zusammengetragene Sammlung, die die Sammlungen von Philipp von Ferrary und John R. Boker noch übertrifft. Im Zeitraum vom Juni 2019 bis 2023 wird die Sammlung Erivan in mehr als 30 Auktionen durch die Auktionshäuser Heinrich Köhler in Wiesbaden, H. R. Harmer in New York und Corinphila in Zürich versteigert. Wenn alle jemals erschienenen Marken der Welt gesammelt werden, dann wird das als eine Generalsammlung oder Universalsammlung bezeichnet. Vollständige Generalsammlungen sind aber heute bei der großen Vielzahl an Sammelstücken kaum noch realisierbar und Sammler spezialisieren sich typischerweise irgendwann auf bestimmte Sammelgebiete. Man unterscheidet in der Philatelie zwei grundsätzlich verschiedene Arten des Briefmarkensammelns: die klassische Philatelie und das Motivsammeln. Bei der klassischen Philatelie beschäftigt man sich näher mit den Briefmarkenausgaben einzelner Staaten oder begrenzter Zeiträume in einem der beiden Erhaltungsformen „gestempelt“ oder „postfrisch“ . Früher wurde angestrebt das betreffende Gebiet komplett zu machen insbesondere bei Vordruckalben, heute wird häufig auf Vollständigkeit weniger Wert gelegt, in diesem Fall ist das Ziel möglichst viele Sammelstücke in qualitativ hochwertiger Erhaltung zusammenzutragen, und Lücken nicht mit minderwertigeren Exemplaren zu füllen. Das Sammeln kann auf verschiedene Besonderheiten ausgeweitet werden. Zu den wichtigsten Besonderheiten zählen: Beim Motivsammeln bzw. thematischen Sammeln werden Briefmarken aus aller Welt mit bestimmten Motiven bzw. Themen, wie z. B. Sport oder Komponisten gesammelt; dadurch unterscheidet es sich von der klassischen Philatelie. Der Vorwurf mancher klassischer Philatelisten, beim Motivsammeln handle es sich nur um ein Anhäufen von Briefmarken, ist mit nichts zu begründen. Motivsammler versuchen genau so ernsthaft, möglichst viele Marken und Sätze ihres Sammelgebiets zu erhalten und zu dokumentieren. Sehr viele Philatelisten sammeln neben ihrem klassischen Thema noch ein oder mehrere Motivgebiete. Bei Briefmarkenausstellungen sind Präsentationen von Motivsammlungen häufig interessanter und beliebter als klassische Sammlungen. Dies hängt damit zusammen, dass der klassische Sammler konkrete Themen, wie beispielsweise „100 Jahre Automobilbau“ oder „Olympische Spiele“, nur sehr eingeschränkt präsentieren kann. Der Motivsammler hat dagegen genau zu seinem Sammelgebiet umfangreiches Material. Seit Briefmarkenkataloge im Internet online eingesehen werden können und auch entsprechende Suchfunktionen vorhanden sind, haben Motivsammler erstklassige Möglichkeiten, nach Marken ihres Spezialgebiets zu suchen. Probleme haben Motivsammler seit vielen Jahren, weil insbesondere Entwicklungsländer Briefmarken speziell zu beliebten Motivthemen auflegen, um entsprechende Verkaufseinnahmen zu erzielen. In der Regel sind diese Marken frankaturgültig und damit reguläre Briefmarken. Seit dem Jahr 2000 ist verstärkt zu beobachten, dass Briefmarkenfälschungen zum Verkauf gebracht werden. Die Fälschungen werden insbesondere unter dem Namen von Ländern verkauft, in denen die staatliche Ordnung zusammengebrochen ist, wozu mehrere afrikanische Länder gehören. Über verschiedene Internetauktionshäuser werden zudem zahlreiche Produkte mit Bezeichnungen von ehemals sowjetischen Gebieten – oft mit dem Zusatz „Regionalmarken“ – angeboten. Hergestellt werden diese im philatelistischen Sinn wertlosen Fälschungen in professionellen Druckereien; sie sind von echten Briefmarken daher nicht zu unterscheiden. Beliebte Motive sind beispielsweise: Ein Philatelist benötigt einige Werkzeuge zum angemessenen Umgang mit Briefmarken. Eine Briefmarken-Pinzette ist sein wichtigstes Hilfsmittel. Sie hat stets abgerundete Ecken und glatte, möglichst polierte Innenflächen, da sie so keine Schäden an der Gummierung der Briefmarke anrichten kann. Wer Briefmarken gestempelt sammelt, wird diese zuerst in einem Wasserbad ablösen wollen. Löschpapier dient der schnellen und sicheren Trocknung. Zum Erkennen der Zähnung einzelner Briefmarken benötigt der Philatelist einen Zähnungsschlüssel. Diesen gibt es in zahlreichen verschiedenen Ausführungen. Um ein Wasserzeichen im Briefmarkenpapier zu erkennen, kann der Sammler die Marke in eine Benzinschale mit chemisch reinem Benzin legen, worauf es nach kurzer Zeit sichtbar wird. Ein deutlich einfacheres Hilfsmittel sind moderne optische Wasserzeichensucher, sogenannte Signoskope. Hier wird die Rückseite der Marke unter Druck einer durchsichtigen Kunststoffplatte seitlich angeleuchtet. Um die verschiedenen Details einer Briefmarke genauer erkennen zu können, braucht der Briefmarkensammler eine Lupe. Um bestimmte Prüfzeichen erkennen zu können, werden verschiedene UV-Lampen benötigt. Eine UV-Lampe mit einer Wellenlänge von 380 nm dient zum Erkennen von optischen Aufhellern oder phosphoreszierendem Papier, das manchmal bei modernen Briefmarken verwendet wird. Auch fluoreszierende Merkmale können mit einer 254-nm-UV-Lampe überprüft werden. Mit einem Mikrometer kann man die – bei manchen Ausgaben schwankende – Papierstärke der Briefmarke bestimmen. Ein Farbkatalog ermöglicht das exakte Bestimmen der Farbe einer Marke. Bei den heutigen Briefmarkenalben handelt es sich fast immer um gebundene Einsteckbücher, seltener auch welche als Ringbinder. Es gibt jedoch auch so genannte Vordruckalben in Klemm- oder Ringbindern, da jedes Jahr eine neue Serie hinzukommt. Bei diesen steckt man die Briefmarke an einen vorgesehenen Platz oder befestigt sie durch wiederablösbare Briefmarken-Klebefälze. Von Nachteil ist, dass einzelne Besonderheiten wie Eckrandstücke oder Paare keine Berücksichtigung finden können und die Gestaltung der Alben mit Platzierung der Briefmarken in der Mittelachse sehr konservativ ist. Für die Aufbewahrung gibt es spezielle Folien, die so genannten Klemmtaschen. Früher kam es oft vor, dass für diese Klarsichtstreifen noch Kunststofffolien mit briefmarkenschädigenden Weichmachern verwendet wurden. Nach ein paar Jahren erschienen die Marken braungelb und wurden damit oft minderwertig bis wertlos. Zu den wichtigsten Unterlagen des Philatelisten zählt der Briefmarkenkatalog. Es gibt meist verschiedene Kataloge für ein bestimmtes Sammelgebiet. Für weitere ergänzende Informationen dienen Fachzeitschriften für Briefmarken, in denen meist auch die neuesten Briefmarken des jeweiligen Landes vorgestellt werden. Außerdem wird das Studium von Handbüchern bzw. Spezialliteratur zu einzelnen Sammelgebieten unerlässlich, wenn ein Philatelist sich spezialisiert, d. h. sich auf ein oder mehrere überschaubare Gebiete festlegt. Dieser weiterführenden philatelistischen Literatur ist sehr viel mehr zu entnehmen als den Briefmarkenkatalogen: z. B. Auflistung und Bewertung von Spezialitäten , genaue Beschreibung der Echtheitsmerkmale der einzelnen Ausgaben, Erkennen von Fälschungen u. v. a. m. Die meisten Postverwaltungen unterhalten Abteilungen für Philatelisten, bei denen die herausgegebenen Briefmarken im Abonnement bezogen werden können: In Deutschland beim Sammler-Service der Deutschen Post AG in Weiden in der Oberpfalz, in Österreich beim Sammler-Service der Österreichischen Post AG in Wien und in der Schweiz beim Sammler-Service der Schweizerischen Post in Bern. Diese Orientierung in den Postverwaltungen an Sammlern ist nicht unumstritten. Innerhalb der Philatelie wird oft kritisiert, dass viele Verwaltungen ihre Briefmarkenausgabe primär an Sammlern ausrichten, um diese zum Kauf zu veranlassen und so Einnahmen zu erzielen. Mitunter werden Staaten, die diese Praxis besonders aggressiv betreiben , in der Sammlergemeinschaft als „Raubstaaten“ bezeichnet. Es handelt sich meist um Schwellenländer, die Briefmarken zur Erlangung von Devisen und als Beitrag zur Finanzierung ihres Staatshaushalts herstellen lassen. Angeboten wird das „Sammeln im Abonnement“ von postfrischen Briefmarken und von entwerteten. Die entwerteten haben meistens Stempel, die sich in der Aufmachung, der Druckqualität und häufig auch von der Position von jenen aus dem realen Postverkehr unterscheiden. Weiterhin werden auch andere Produkte angeboten, die sich an Sammler richten, beispielsweise Ersttagsblätter. Die seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Umlauf befindlichen Briefmarken eignen sich kaum als Wertanlage. Es ist in der Geschichte der Philatelie zu einigen Spekulationen gekommen, in denen Ausgaben bestimmter Epochen und Regionen oder einzelne Stücke enorme Wertzuwächse zu verzeichnen hatten. Dies hängt auch von der jeweiligen Auflage bzw. noch verfügbaren Zahl der Exemplare ab. In Krisenzeiten galten Briefmarken, ähnlich wie Zigaretten, als beliebtes Tauschmittel, so etwa während oder nach den beiden Weltkriegen. Die größte Spekulationsblase in jüngster Zeit bildete sich in den 1960er Jahren, als in der Bundesrepublik Deutschland und in der Schweiz die Anzahl der Sammler anstieg. Daraufhin verteuerten sich die Preise älterer Ausgaben. Ein prominentes Beispiel war der Frankfurter Briefmarkenhändler Hartmut Schwenn, der über Bankfilialen Briefmarkenpakete als Geldanlage vertrieb. Zeitgenössische Händler empfahlen Einsteigern in die Philatelie den Erwerb von aktuellen Briefmarkenausgaben des eigenen Landes. 1977 und 1982 erreichten die Preise verschiedener Sammelgebiete spekulative Höchstpreise. Nach Ende dieses Briefmarkenbooms setzte jedoch ein Preisverfall ein, der auf ein erweitertes Angebot zurückzuführen ist. Viele Postverwaltungen hatten die Zahl der Neuemissionen und die Auflagen dieser Emissionen immer weiter erhöht. Es wurde zunehmend mit schönen Motiven geworben, die jedoch später nur einen geringen Wert auf dem Markt hatten. Zum Beispiel hat der kleine Staat San Marino durch den Verkauf seiner Briefmarken zeitweise zehn Prozent seines Bruttonationaleinkommens erwirtschaftet. Die heutige Situation ist so, dass Briefmarkensammlungen in durchschnittlicher Erhaltung oder geläufiger Abstempelung schwer verkäuflich sind, mitunter bezeichnet man diese als „Großvaterware“. Bestände aus dem „Sammeln im Abonnement“ erreichen bei Veräußerung häufig nicht einmal mehr den Nominalwert. Während die Deutsche Post keinen Umtausch älterer nicht-entwerteter Briefmarken in DM-Nominale mehr anbietet, lassen sich in der Schweiz alte Sammlungen immerhin noch zum Frankieren von Briefen verwerten. Allenfalls extrem seltene Einzelbriefmarken und Briefe aus der Zeit bis in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts erreichten und erreichen immer wieder Spitzenpreise, ohne dass sich daraus ein regelmäßiger Wertzuwachs ableiten lässt. Die Philatelie folgt in der Wertermittlung eigenen Gesetzmäßigkeiten. Viele Briefmarken wären gestempelt in besten Erhaltungsgraden theoretisch erschwinglich, sind aber nur mit viel Mühe überhaupt aufzutreiben. Bekanntes Beispiel sind einige Briefmarken der Berliner Ausgaben der Dauerserie Frauen der deutschen Geschichte: Mit Vollstempeln aus dem Berliner Postverkehr sind diese kaum anzutreffen und noch seltener als Eckrandstücke, während die Katalognotierungen von Spitzenpreisen weit entfernt sind. Zudem gibt es viele Gefälligkeitsstempelungen, also Ganzsachen, die nicht tatsächlich gelaufen sind. Dazu gehören Ersttagsbriefe und Satzbriefe, die auf dem Markt meist nur einen geringen Wert erzielen. Postgeschichte Thurn und Taxis nach Ländern bzw. Epochen Thurn und Taxis | Habsburger Post | Habsburger Post | Kaiserliche Reichspost | Österreichische Postgeschichte bis 1806 Deutsch-österreichischer Postverein Thurn-und-Taxis-Post | Deutsch-Österreichischer Postverein Thurn und Taxis und Reichspost Satellitenstaaten bzw. Teile des Französischen Kaiserreichs Herzogtum Berg | Königreich Westphalen | Napoleonische Post in Norddeutschland | Altdeutsche Staaten Baden | Bayern | Bergedorf | Braunschweig | Bremen | Hamburg | Hannover | Lübeck | Mecklenburg | Oldenburg | Preußisches Postwesen | Preußische Postgeschichte | Sachsen | Schleswig-Holstein | Württemberg | Deutsch-Österreichischer Postverein | Norddeutscher Postbezirk Nach dem Ersten Weltkrieg Weimarer Republik und NS-Staat Nach dem Zweiten Weltkrieg Postgeschichte und Briefmarken Deutschlands unter alliierter Besetzung West-Berlin | Deutsche Bundespost | Deutsche Post Nach der Postreform II Deutsche Post AG Altdeutsche Staaten Baden | Bayern | Bergedorf | Braunschweig | Bremen | Hamburg | Hannover | Helgoland | Lübeck | Mecklenburg | Norddeutscher Postbezirk | Oldenburg | Preußische Postgeschichte | Sachsen | Schleswig-Holstein | Thurn und Taxis | Württemberg Dienstmarken: Norddeutscher Bund | Württemberg | Bayern | Freie Stadt Danzig Deutsche Reichspost: Hinweis: Wenn in einem Jahr keine neuen Briefmarken ausgegeben wurden, erfolgt keine Verlinkung. 1872 | 1873 | 1874 | 1875 | 1876 | 1877 | 1878 | 1879 | 1880 | 1881–1888 | 1889 | 1890–1899 | 1900 | 1901 | 1902 | 1903 | 1904 | 1905–1915 | 1916 | 1917 | 1918 | 1919 | 1920 | 1921 | 1922 | 1923 | 1924 | 1925 | 1926 | 1927 | 1928 | 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | 1934 | 1935 | 1936 | 1937 | 1938 | 1939 | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 | 1944 | 1945 Dauermarkenserien: Germania | Repräsentative Darstellungen des Deutschen Kaiserreichs | Köpfe berühmter Deutscher | Reichspräsidenten | Hindenburg-Medaillon | Adolf Hitler Dienstmarken: Deutsches Reich Briefmarkenausgaben des Deutschen Reiches in den Deutschen Kolonien und Schutzgebieten von 1900 bis 1919 Kaiseryacht SMS Hohenzollern Briefmarkenbesatzungsausgaben des Deutschen Reiches während des Zweiten Weltkrieges Albanien Albanien Böhmen und Mähren 1939 | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 | 1944 | 1945 | Dienstmarken Elsaß Elsaß Estland 1939 | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 | 1944 | 1945 Generalgouvernement 1939 | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 | 1944 | Dienstmarken Nachfolgende Ausgaben: Postgeschichte und Briefmarken Deutschlands unter alliierter Besetzung ab Mai 1945 bis 1949 Deutsche Post und Deutsche Bundespost : 1949 | 1950 | 1951 | 1952 | 1953 | 1954 | 1955 | 1956 | 1957 | 1958 | 1959 | 1960 | 1961 | 1962 | 1963 | 1964 | 1965 | 1966 | 1967 | 1968 | 1969 | 1970 | 1971 | 1972 | 1973 | 1974 | 1975 | 1976 | 1977 | 1978 | 1979 | 1980 | 1981 | 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | 1986 | 1987 | 1988 | 1989 | 1990 | 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 Deutsche Post Berlin und Deutsche Bundespost Berlin : 1948 | 1949 | 1950 | 1951 | 1952 | 1953 | 1954 | 1955 | 1956 | 1957 | 1958 | 1959 | 1960 | 1961 | 1962 | 1963 | 1964 | 1965 | 1966 | 1967 | 1968 | 1969 | 1970 | 1971 | 1972 | 1973 | 1974 | 1975 | 1976 | 1977 | 1978 | 1979 | 1980 | 1981 | 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | 1986 | 1987 | 1988 | 1989 | 1990 Dauermarkenserien, nur in Berlin herausgegeben: Berliner Bauten | Berliner Stadtbilder Dauermarkenserien: Posthornsatz | Bundespräsident Theodor Heuss | Bundespräsident Heuss | Bedeutende Deutsche | Deutsche Bauwerke aus zwölf Jahrhunderten | Brandenburger Tor | Bundespräsident Gustav Heinemann | Unfallverhütung | Industrie und Technik | Burgen und Schlösser | Frauen der deutschen Geschichte | Sehenswürdigkeiten Automatenmarken aus Deutschland: Automatenmarke Sonderpostwertzeichen-Serien: Bilder aus Deutschland | Deutsche Malerei des 20. Jahrhunderts | Fortschritt in Technik und Wissenschaft | Fremdenverkehr | Für uns Kinder | Hauptstädte der Länder der Bundesrepublik Deutschland | Wappen der Länder der Bundesrepublik Deutschland | Weltkulturerbe der UNESCO Zuschlagsmarkenserien: Tag der Briefmarke | Für den Umweltschutz Wohlfahrtsmarken: Helfer der Menschheit | Märchen | Altes Spielzeug | Musikinstrumente | Botanik, Blumen, Flora und Botanik, Blumen, Flora Weihnachten und Weihnachten Briefmarken-Jahrgänge der Deutschen Bundespost Saarland: 1957 | 1958 | 1959 Besonderheiten: Liste von nichtausgegebenen Briefmarken aus Deutschland | Personen, die zu Lebzeiten auf einer Briefmarke der Bundesrepublik Deutschland abgebildet wurden
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2024-11-29 08:49:22
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https://de.wikipedia.org/wiki/Binnensee
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Ein See ist ein Stillgewässer mit oder ohne Zu- oder Abfluss durch Fließgewässer, das vollständig von einer Landfläche umgeben ist. Seen werden oft als typische Beispiele für weitgehend geschlossene Ökosysteme herangezogen . Ein See ist ein Binnengewässer, das eine Ansammlung von Wasser in einer Bodenvertiefung einer Landfläche darstellt und im Gegensatz zu einem Binnenmeer oder Randmeer auf der 0-Meter-Höhenlinie keine direkte Verbindung zum Weltmeer hat. Damit weist er keinen durch Meeresströmungen bedingten Zu- und/oder Abfluss auf. Zu- und Abflussmenge sind in der Regel gegenüber der Gesamtwassermenge eines Sees gering. Im Gegensatz zu einem Fließgewässer weist ein See kein Gefälle auf. Der Begriff Binnensee wird gebraucht, um Seen des Binnenlandes von Küstenseen abzugrenzen, aber auch allgemein zur Bezeichnung von Seen. Ein See im Sinn der limnologischen Definition ist in der Regel wesentlich tiefer als ein Teich, Tümpel oder Weiher, so dass sich eine über Tage bis Monate stabile Temperaturschichtung ausbilden kann. Die Frequenz ihrer Durchmischung wird zu einer Einteilung der Seen benutzt, da sie auch weitreichende ökologische Folgen hat . In dieser Hinsicht gelten auch die flachen Steppenseen wie der Neusiedler See oder der Plattensee nicht als „echte“ Seen . Nach einer häufiger verwendeten Definition sind Seen nur stehende Gewässer mit einer Tiefe von über zwei Metern. Seen im eigentlichen Sinn sind natürliche Gewässer, nur im weiteren Sinn gehören auch künstliche Gewässer wie Stauseen und Bergbaurestseen dazu. Allerdings ist die genaue Abgrenzung zwischen Seen und Tümpeln/Weihern etc. unscharf und immer subjektiv. Deshalb bezeichnen einige Limnologen jede mit Wasser gefüllte Senke als See. Für ihre Kategorisierung wäre dann unerheblich, ob ein See ständig, periodisch oder episodisch mit Wasser gefüllt ist und ob er eine permanente Schichtung ausbildet. Umgangssprachlich ist die Zuordnung oft abhängig von der Salinität, diese ist jedoch kein Kriterium. Ein See enthält zwar meistens Süßwasser, es gibt aber auch große Salzseen, wie z. B. das Kaspische Meer , den Aralsee und das Tote Meer. Auch sodahaltige Seen gibt es, zum Beispiel die des Rift Valley im Ostafrikanischen Grabenbruch wie der Nakurusee, den anatolischen Vansee und einige der Lacken um den Neusiedler See. Eine weitere Definition kann über die Größe erfolgen. Die Mindestgröße eines Sees beträgt etwa einen Hektar. In der Astronomie spricht man auch dann von Seen, wenn diese eine andere Flüssigkeit als Wasser enthalten, etwa bei den Methanseen auf Titan. Im Niederdeutschen sind die Wortbedeutungen von „Meer“ und „See“ gegenüber dem Hochdeutschen vertauscht: Die an Norddeutschland angrenzenden Meere heißen Nordsee und Ostsee . Im Landesinneren liegen dagegen z. B. das Steinhuder Meer, das Zwischenahner Meer, das Große Meer und andere. In den Niederlanden wurde die Zuiderzee nach ihrer Eindeichung in IJsselmeer umbenannt, da auf Niederländisch ein Binnensee stets als „meer“ bezeichnet wird. Aus dem niederdeutschen Sprachraum gelangten viele Begriffe in den standarddeutschen Wortschatz. So wird ein großer Teil der Wortkombinationen mit Bezug zum Meer mit „See“ gebildet: „auf hoher See“, „in See stechen“, „raue See“, Seebad, Seefahrt, Seehandel, Seehund, Seekrankheit, Seeluft, Seenot, Seeräuber, Seevogel, Tiefsee, Übersee und viele mehr. Ein kontrastierendes Beispiel von außerhalb des Niederdeutschen wäre etwa die Seerose. Geologisch und geomorphologisch unterscheidet man folgende Seearten: Natürlich entstandene Seen kann man nach der Art ihrer Entstehung weiter untergliedern: Seen als Hohlformen werden natürlicherweise nach und nach mit Feststoffen angefüllt und haben daher, in geologischen Zeiträumen betrachtet, eine begrenzte Lebensdauer. Vor allem bei Seen, die durch einmündende Fließgewässer gespeist werden, füllt sich das Becken nach und nach durch Sedimentation von durch Flüsse mitgebrachtem Material, am Gewässergrund transportiertes Grobmaterial und im Wasser suspendierte Schwebstoffe. Da die Transportkraft des Wassers direkt von der Fließgeschwindigkeit abhängt, wirken in ein Fließgewässer eingeschaltete Standgewässer als Sedimentfallen. Die mitgeführte Feststofffracht sinkt, der Schwerkraft folgend, zu Boden. Bei der Sedimentation ist neben der Anlandung mineralischer Sedimente auch die Ablagerung im See selbst durch lebende Organismen gebildeter organischer Substanz von Bedeutung, dieser Vorgang wird dann als Verlandung bezeichnet. Im tatsächlichen Sprachgebrauch werden diese aber nicht immer so scharf unterschieden. Größere einmündende Flüsse schütten an der Mündung ein Flussdelta auf. In mitteleuropäischen Seen sind diese aber oft durch wasserbauliche Maßnahmen zerstört und nur selten noch aktuell erhalten. Der Sedimenteintrag durch kleine Bäche ist im Verhältnis meist weniger bedeutsam, kann aber bei Hochwasserereignissen in kurzer Zeit manchmal große Materialmengen liefern. Feineres Material wird nicht im Delta abgelagert und führt zur Wassertrübung, es setzt sich nach und nach am gesamten Grund des Sees ab. Von außen kommender Eintrag organischen Materials wie zum Beispiel Falllaub ist nur bei sehr kleinen Seen bedeutsam. Durch autochthone Verlandung verschwinden letztlich auch Seen ohne Sedimentfracht einmündender Fließgewässer, dieser Vorgang dauert aber meist länger. Sobald die organische Substanz über den Wasserspiegel emporsteigt, wird sie aber durch verstärkten Sauerstoffzutritt meist rascher mineralisiert, so dass der alte Seegrund nicht weiter ansteigt und ein Sumpfgebiet oder ein Bruchwald als Endpunkt der Verlandungsreihe zurückbleibt. In sehr sauren Seen kann sich ein hochmoor-artiges Verlandungsmoor ausbilden. Natürliche und künstlich angelegte Seen bieten neben ihrer Bedeutung für die Natur auch einige Nutzungsmöglichkeiten für den Menschen. Die meisten Seen werden entweder von Berufs- oder Angelfischern bewirtschaftet. Ferner können Seen als Badesee für Freizeit und Erholung, Schwimmen und Baden genutzt werden. Größere Seen bieten Möglichkeiten zum Wasserskifahren, Windsurfen und Segeln. Auf vielen großen Seen wird auch Binnenschifffahrt betrieben. Stauseen dienen oft der Stromerzeugung in Wasserkraftwerken. Aus Stauseen und hinreichend sauberen Naturseen wird auch oft Trinkwasser gewonnen. Die Nutzung von Wasserflächen, Uferbereichen, Anlandungen, Eisflächen sind rechtlich mitunter eine komplexe Materie. Am Bodensee sind die Staatsgrenzen innerhalb D-A-CH nicht festgelegt. Gemeindegebiete grenzen mitunter mitten in Seeflächen aufeinander. In Österreich sind Seen häufig im „Privat“eigentum der Österreichischen Bundesforste. Die Bezirkshauptmannschaft Salzburg-Umgebung sagt 2023, die Trumer Seen, Wallersee sowie Fuschl- und Wolfgangsee stellen keine öffentlichen Wasserflächen dar. Eine Anlandung vor einem privat besessenen Ufergrundstück darf bis zu einem gewissen Maß – Allgemeingebrauch: Badetuch ausbreiten – von jedermann benutzt werden. Länder und Gemeinden trachten mitunter danach, durch die Öffnung von Seegrundstücken und Errichtung von WC-Anlagen eine unkomplizierte Nutzungsmöglichkeit für jedermann zu schaffen. Etwa in Litzlberg am Attersee, grob um 1990. Weltweit gibt es 1,4 Millionen Seen mit Oberflächen größer als 10 Hektar. Das Land mit den meisten Seen ist Kanada mit über 900.000 Seen. Finnland hat 187.888 Seen. Das gesamte Wasser aller Seen würde die gesamte Landoberfläche 1,30 Meter hoch bedecken. Durchschnittlich tauscht sich das Wasser eines Sees alle fünf Jahre komplett aus. Die zehn größten Seen der Welt enthalten 85 Prozent des Wassers aller Seen. Der Baikalsee enthält alleine ein Fünftel des gesamten Süßwassers der Erde. Er ist mit mehr als 25 Millionen Jahren auch der älteste See der Erde. Der Lhagba Pool in Tibet lag 6.368 m hoch, seine Klassifizierung als See war allerdings umstritten. Der See ist heute nicht mehr vorhanden. Danach gilt der Kratersee des 5920 m hohen Vulkans Licancabur an der Grenze zwischen Bolivien und Chile als höchster See der Erde. Der Titicaca-See liegt 3810 m über dem Meeresspiegel und ist das höchstgelegene kommerziell schiffbare Gewässer der Erde. Der Blue Lake in der neuseeländischen Region Tasman hat mit 70–80 Metern die höchste Sichttiefe aller natürlichen Süßwassergewässer. Destilliertes Wasser für Laborzwecke hat eine Sichtweite von etwa 80 m. In Grönland und auf der Antarktis gibt es unter Gletschereis verborgene Seen. Höhlen und Untertage-Bergbaue können Seen aufweisen. Natürliche unterirdische Hohlräume, die groß genug für Seen sind, sind auf Karstregionen beschränkt , die Vorstellung, das Grundwasser bilde eine Art unterirdischen See, ist irrig. Hohlräume, die groß genug sind, um auch Menschen den Zutritt zu gewähren, werden Höhlen genannt. Diese können wassergefüllt sein oder luftgefüllt . Wenn der Hohlraum nur partiell mit Wasser gefüllt ist, bildet er einen Höhlensee. Seltener können diese auch, wie oberirdische Seen, durch an Barrieren gestautes Wasser entstehen. Gewöhnlich werden alle offenen stehenden Gewässer in Höhlen, unabhängig von ihrer Größe, als Seen bezeichnet. Eine menschgemachte Sprengung mit Zutritt von Grundwasser in ein Bergwerk schuf die Seegrotte in Niederösterreich. Auch der Lac Souterrain de Saint-Léonard in der Schweiz wird von Booten mit Touristen befahren. Der Anstieg der CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre im Anthropozän führt neben der Versauerung der Weltmeere auch zur Versauerung von Seen. Als weitere Folge der globalen Erwärmung ist der Sauerstoffgehalt von fast 400 untersuchten Süßwasserseen der gemäßigten Zone seit 1980 im Mittel um 5,5 Prozent in oberflächennahen Bereichen und um 18,6 Prozent in der Tiefe gesunken, was zu Todeszonen führen kann. Aufnahmen der Raumsonde Cassini zeigten, dass auf dem Saturnmond Titan Seen aus flüssigem Methan und Ethan existieren, die von Flüssen gespeist werden. Die Durchschnittstemperatur des Titan beträgt −179 °C, dadurch bleibt das Methan flüssig. Der größte See des Titan ist mit rund 400.000 Quadratkilometern das Kraken Mare. Unter der Eiskappe am Südpol des Mars wurde mittels Radar der Sonde Mars Express 2018 ein Salzwasser enthaltender See mit einer horizontalen Erstreckung von 20 km entdeckt. Unterirdische Seen sind auch auf den Eismonden von Jupiter und Saturn denkbar.
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2024-12-01 20:44:39
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https://de.wikipedia.org/wiki/Aquaparc
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46.3894444444446.8619444444444Koordinaten: 46° 23′ 22″ N, 6° 51′ 43″ O; CH1903: 555640 / 137728 Aquaparc ist ein Wasserpark in Le Bouveret im Kanton Wallis in der Schweiz. Der Aquaparc wurde am 26. November 1999 eröffnet. Von 2003 bis 2011 wurde der Park von der französischen Freizeitpark-Kette Grévin & Cie betrieben und Ende Januar 2011 zusammen mit sechs weiteren Freizeitangeboten von der Compagnie des Alpes an die Freizeitpark-Kette Looping Group verkauft, die den Park bis heute betreibt. Der Geschäftsführer des Aquaparc ist seit 1. Juli 2015 Franck Colin. Der Aquaparc ist in fünf Bereiche unterteilt:
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2024-11-24 00:06:39
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https://de.wikipedia.org/wiki/Abgasreinigung#Katalytische_Verfahren
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Als Abgasreinigung wird das Entfernen von Luftverunreinigungen aus Abgasen bezeichnet. Zum Entfernen von festen Bestandteilen im Abgas werden die Verfahren der Entstaubung angewandt. Für gasförmige und flüssige bzw. tropfenförmige Stoffe können je nach den chemischen und physikalischen Eigenschaften der Stoffe im Wesentlichen die nachfolgend beschriebenen Verfahren eingesetzt werden. Unter Abgas- oder Abluftreinigung versteht man die Entfernung schädlicher Komponenten aus der Gasphase. Die Begriffe Abgas und Abluft werden dabei uneinheitlich verwendet. Während in der TA Luft zum Beispiel dann von Abluft die Rede ist, wenn es um das Thema Tierhaltung geht, so wird in der Standardisierung häufig auf Gaszusammensetzung und -herkunft verwiesen: Mit Schadstoffen belastete Gase, die aus Räumen stammen, wo sich Menschen dauerhaft aufhalten können, werden als Abluft bezeichnet. Die Konzentration an Stickstoff und Sauerstoff muss dabei ähnlich der der Luft sein. Ansonsten handelt es sich um ein Abgas. Als Absorptionsmittel wird aus mehreren Gründen Wasser bevorzugt. Es ist in der Regel preisgünstig und in vielen Einsatzgebieten flächendeckend verfügbar. Reicht die Absorptionsfähigkeit von Wasser nicht aus, muss die Absorption durch chemische Umsetzung mit Zusätzen ergänzt werden. Insbesondere wasserlösliche Verunreinigungen werden aus dem Gas sehr gut herausgelöst. Die gelösten Stoffe dissoziieren dabei vollständig oder teilweise in Ionen. Durch die Absorption von Substanzen aus dem Gas kann die Waschflüssigkeit verunreinigt werden. Oft sind die aufgenommenen Stoffe saure oder basische Chemikalien, wie z. B. Chlorwasserstoff, Stickoxide oder Ammoniak. Durch eine geregelte Zufuhr von Chemikalien lässt sich das Absorptionsmittel auf einem gewünschten pH-Wert halten. Andere Absorptionsmittel sind Öle für organische Substanzen. Absorber können unter anderem als Sprühwäscher, Wirbelwäscher, Strahlwäscher oder Venturiwäscher aufgebaut sein und erreichen hohe Absorptionsgrade. Nachteile der Absorptionsverfahren sind die entstehenden Abwässer oder Deponierprobleme. Darüber hinaus können bei der Absorption Aerosole entstehen, die, damit sie nicht in die nachfolgenden Reinigungsstufen verschleppt oder gar aus dem Abgasreinigungssystem ausgetragen werden, mittels Aerosolabscheider abgetrennt werden müssen. Eine Sonderstellung nimmt die Rauchgasentschwefelung ein. Die unter dieser Bezeichnung eingesetzten Verfahren werden zur Entfernung von Schwefeldioxid aus Abgasen eingesetzt. Dadurch kann REA-Gips entstehen, der in der Bauindustrie Verwendung finden kann. Adsorptionsverfahren werden sowohl bei der Reinigung industrieller Abgase als auch in der Haustechnik, beispielsweise in Dunstabzugshauben, angewendet. Durch Anlagerung an die innere Oberfläche poröser Adsorbentien werden Luftschadstoffe, insbesondere Kohlenwasserstoffe, aus dem zu reinigenden Abgas entfernt. Man kann Festbett-, Wanderbett-, Rotor-, Wirbelbett- und Flugstrom-Adsorber unterscheiden. In mehrstufigen Abgasreinigungsanlagen werden Adsorber als finale Reinigungsstufe, als sogenannte Polizeifilter, eingesetzt. Als problematisch können sich große Konzentrationsschwankungen der Luftschadstoffe erweisen, wenn aufgrund niedriger Eingangskonzentration im bereits beladenen Adsorbens eine Desorption stattfindet und Luftschadstoffe in unerwünschter Konzentration den Adsorber verlassen . Sind solche Fälle zu erwarten, so ist der Adsorber größer zu dimensionieren oder das Adsorbens ist häufiger auszutauschen. Gebrauchte Adsorbentien sind zu regenerieren oder zu entsorgen. Für bestimmte Trennaufgaben können Adsorbentien imprägniert werden. Das Imprägniermittel dient dabei entweder als Reaktionspartner oder als Katalysator für die heterogene Katalyse. Die katalytische Abgasreinigung kommt in jedem modernen PKW, sowohl mit Ottomotor oder Dieselmotor und auch in industriellen Großanlagen zum Einsatz. Der Vorteil ist der vergleichsweise geringe Energieaufwand, der für die chemische Reaktion der Abgasreinigung notwendig ist. Nachteilig sind die z. T. höheren Investitions- und Wartungskosten der Katalysatoren und die Empfindlichkeit der Katalysatoren gegenüber Verunreinigungen und sogenannten Katalysatorgiften. Darum kann unter Umständen eine Vorabscheidung von Partikeln notwendig sein. Als Beispiel für die katalytische Abgasreinigung sei der Dreiwegekatalysator in PKWs mit Ottomotor erwähnt. Er besteht aus einem keramischen Grundkörper, der mit Edelmetallen wie zum Beispiel Platin, Rhodium u. a. beschichtet ist. An der Oberfläche laufen die chemischen Reaktionen der Abgasreinigung stark beschleunigt und in der Regel ohne Energiezufuhr ab. Das im Abgas enthaltene Kohlenmonoxid wird zu Kohlendioxid oxidiert, die Stickoxide werden zu Stickstoff reduziert, jedoch erst wenn der Katalysator eine gewisse Temperatur erreicht hat. Ein anderes Beispiel ist der Einsatz von Aktivkohle in großtechnischen Abgasreinigungsanlagen zum Beispiel zur Abscheidung von Dioxinen und Furanen, Schwermetallen, Stäuben und Halogenen nach Müllverbrennungsanlagen oder zur Entschwefelung und Entstickung nach Sinterbändern. Je nach Anlagengröße und Einsatzgebiet kann die beladene Aktivkohle regeneriert werden oder wird in Kohlekraftwerken verfeuert. Eine Methode ist das CSCR Verfahren. Die Abgasreinigung durch Kondensation wird insbesondere zur Abscheidung und Wiedergewinnung von Lösungsmitteln eingesetzt. Das Einsatzspektrum reicht dabei vom Labormaßstab mit einer Kühlfalle bis hin zu industriellen Großanlagen. Je nach Betriebstemperatur wird zwischen verschiedenen Arten der Kondensation unterschieden. Die Betriebstemperaturen reichen von der Lösemittelkondensation mit Temperaturen um 25 °C bis zur Kryogenkondensation mit Temperaturen von bis zu −120 °C. Die Kühlung kann direkt oder indirekt erfolgen, wobei die indirekte Kühlung über Wärmeübertrager bevorzugt wird, da eine anschließende Phasentrennung entfällt. Zu den nichtkatalytisch-chemischen Verfahren zählen solche Verfahren, bei denen schädliche Abgasbestandteile durch chemische Reaktionen mit speziell zugegebenen Chemikalien dazu führen, dass die Schadstoffe in eine weniger schädliche Form überführt werden. Ein in der Industrie häufig eingesetztes Verfahren ist das sogenannte SNCR-Verfahren . Bei dieser Form der Entstickung von Abgasen werden alle Stickoxide durch Ammoniak zu elementarem Stickstoff reduziert. Das Ammoniak wird dazu direkt in die Abgasleitung bei einer Temperatur von 900 bis 1000 °C eingedüst. Die eingesetzte Menge an Ammoniak ist allerdings genau auf die Menge an Stickoxiden abzustimmen da sich ansonsten Ammoniakreste im Abgas befinden können, die ebenfalls entfernt werden müssten. Zur Entfernung von Partikeln aus einem Abgas stehen unterschiedlichste Verfahren zur Verfügung, die in Abhängigkeit von der Abgaszusammensetzung und der Reinigungsaufgabe eingesetzt werden. Massenkraftabscheider, wie Schwerkraft- oder Fliehkraftabscheider, zeichnen sich durch geringe Investitions- und Betriebskosten sowie große Zuverlässigkeit aus. Da die für die Abscheidung wirksamen Kräfte proportional zur Partikelmasse sind, werden Massenkraftabscheider bevorzugt zur Grobentstaubung eingesetzt. Als Weiterentwicklung der Massenkraftabscheider können Gaswäscher verstanden werden, indem die resultierende Partikelmasse durch Anlagerung an Wassertröpfchen deutlich erhöht wird. Gaswäscher sind in der Lage, in einem Verfahrensschritt staub- und gasförmige Schadstoffe aus einem Abgas zu entfernen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie in explosionsfähiger Atmosphäre eingesetzt werden können. Nachteilig können die Entstehung von Schlämmen und eine Aerosolbildung durch die Waschflüssigkeit sein. Filternde Abscheider werden in Oberflächenfilter und Tiefenfilter unterschieden. Es können aber auch weitere Unterscheidungsmerkmale wie Art des Filtermediums und Konfektionierungsmerkmale herangezogen werden. Bei Oberflächenfiltern, auch Abreinigungsfilter genannt, entsteht während des Filtrationsvorgangs ein Filterkuchen, der einen wesentlich Anteil an der Reinigungsleistung des Filters hat und der in wiederkehrenden Abständen abgereinigt werden muss. Tiefenfilter ohne gewünschte Kuchenbildung werden im Gegensatz zu Oberflächenfiltern zur Abscheidung von partikelförmigen Verunreinigungen der Zu-, Ab- und Umluft von Lüftungs- und Klimaanlagen sowie zur Reinigung von Prozessluft eingesetzt. In Elektrofiltern werden Gasionen erzeugt, die eine elektrische Aufladung der abzuscheidenden Partikel bewirken. Die aufgeladenen Partikel werden an einer sogenannten Niederschlagselektrode abgeschieden. Die Niederschlagselektrode muss in regelmäßigen Abständen gereinigt und der Staub ausgetragen werden. Aufgrund der Unabhängigkeit von Partikelmasse und -durchmesser weisen sie kein charakteristisches Abscheideminimum auf. Im Allgemeinen lassen sich höhere Abscheidegrade mit Oberflächenfiltern und Elektrofiltern erzielen. Geringere Abscheidegrade werden mit Gaswäschern und Massenkraftabscheidern erreicht. Nichtthermisches Plasma wird zur Geruchseliminierung und zum Abbau organischer Kohlenwasserstoffe in der Abluft verwendet. Die Abluftreinigung mit dem NTP-Verfahren erfolgt durch Anregung in einem elektrischen Feld zwischen Elektroden und dielektrischer Barriere. NTP-Verfahren werden sowohl als Direktverfahren als auch als Injektionsverfahren eingesetzt. Bei den Direktverfahren durchläuft das Abgas das elektrische Feld und es erfolgt eine direkte Anregung der Schadstoffmoleküle, um deren Reaktionsfreudigkeit zu erhöhen. Beim Injektionsverfahren wird ein angeregter Luftstrom, der das elektrische Feld durchlaufen hat, in den Abgasstrom eingeleitet. Im Idealfall werden die Schadstoffmoleküle zu Wasser und Kohlenstoffdioxid umgesetzt. Zu beachten ist, dass durch die elektrische Anregung Sekundäremissionen, wie z. B. Ozon und Stickstoffoxide, entstehen können. NTP-Anlagen werden häufig in Kombination mit einer weiteren Verfahrensstufe ausgeführt. Die Nachverbrennung von Abgasen hat den Hauptzweck, deren Gehalt an Kohlenwasserstoffen zu mindern. Dazu wird das Abgas so weit erhitzt, dass Kohlenwasserstoffe im Idealfall zu Kohlenstoffdioxid und Wasser oxidiert werden. Bei den Nachverbrennungseinrichtungen wird zwischen Anlagen zur unterschieden. Die aufgeführten Verfahren unterscheiden sich unter anderem in der Prozessführung und den erreichten Temperaturen. In der Regel ist ein Einsatz von Zusatzbrennstoffen notwendig. Sofern die Konzentration an Kohlenwasserstoffen im Abgas groß genug ist, kann auf Zusatzbrennstoffe verzichtet werden. Bei der katalytischen wie auch der regenerativen Nachverbrennung ist wegen niedrigerer Prozesstemperaturen und der Art der Prozessführung der Bedarf an Zusatzbrennstoff geringer, jedoch weisen beide Verfahren einen höheren Platzbedarf auf und sind anfälliger gegenüber partikelförmigen Verunreinigungen. Beim Katalysatorbetrieb können zudem als Katalysatorgift wirksame Stoffe im Abgas auftreten. Bei der biologischen Abgasreinigung werden organische Abgaskomponenten von Mikroorganismen verstoffwechselt und als Energieträger oder zum Aufbau von Zellsubstanz verwendet. In der Regel handelt es sich um aerobe Bakterien, wie z. B. Pseudomonas, Streptomyces oder Xanthobacter, die im Idealfall die Abgasinhaltsstoffe zu Kohlenstoffdioxid und Wasser umwandeln. Aber auch Pilze wie Aspergillus oder Penicillium gehören zu den Mikroorganismen, die bei der biologischen Abgasreinigung vorkommen. Allen biologischen Verfahren ist gemein, dass der abzuscheidende Abgasinhaltsstoff zuerst in Lösung gebracht werden muss, um im Anschluss mikrobiologisch abgebaut zu werden. Für die Anwendung dieser Abgasreinigungsverfahren müssen demnach zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Die Mikroorganismen sind je nach Verfahren auf einer Oberfläche fixiert oder in einer Lösung suspendiert. Während ihr Kohlenstoffbedarf – eventuell auch der Bedarf an Schwefel und Stickstoff – durch die Abgasinhaltsstoffe gedeckt wird, müssen andere Substanzen, wie z. B. Phosphor und Spurenelemente, den Mikroorganismen auf andere Art und Weise zugeführt werden. Biologische Verfahren werden dann eingesetzt, wenn Folgende Verfahren der biologischen Abgasreinigung werden in der Industrie eingesetzt: Beschreibungen und Standards zu den vorgenannten Verfahren sind in dem von der Kommission Reinhaltung der Luft herausgegebenen VDI/DIN-Handbuch Reinhaltung der Luft enthalten.
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2024-12-01 21:54:16
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https://de.wikipedia.org/wiki/State_University_of_New_York_at_Stony_Brook
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Die Stony Brook University ist eine Universität im US-Bundesstaat New York und Teil des Hochschulverbundes State University of New York. Geläufig sind auch die Bezeichnungen State University of New York at Stony Brook sowie die Kurzformen SUNY Stony Brook, SBU oder SUNYSB. Der Hauptcampus liegt in Stony Brook auf Long Island. Die Universität betreibt auch Niederlassungen in Southampton und Manhattan. Im Herbstsemester 2019 sind 26.814 Studenten eingeschrieben. Die Hochschule wurde 1957 gegründet. Heute ist sie Mitglied der Association of American Universities und eine der bedeutendsten öffentlichen Universitäten der Vereinigten Staaten. Mit dem nahen Brookhaven National Laboratory besteht eine enge Zusammenarbeit. 2018 erhielt die Universität vom U.S. News & World Report in einem Ranking Platz 80 unter den US-amerikanischen Universitäten, ihr bisher bestes Ergebnis. 2018 wurden 41,8 % der Studienbewerber als Studierende angenommen. Der Großteil der akademischen Einrichtungen ist drei Colleges zugeordnet: Daneben gibt es mehrere sogenannte Schools für einige Gebiete und spezielle Programme: Der Hauptcampus in Stony Brook beherbergt mit 135 Gebäuden auf einer Fläche von 1.454 Acre die meisten Fachbereiche und Einrichtungen sowie mehrere Wohnheime für die Studenten. In Southampton befinden sich 50 Gebäude auf 83 Acre. Diese Außenstelle konzentriert sich auf Umweltforschung, -technik und -management. In Manhattan betreibt Stony Brook zwei Gebäude, in denen spezielle Vorlesungen und Veranstaltungen stattfinden. Der erste Vorläufer der Universität wurde 1957 in Oyster Bay gegründet und diente nur der Lehrerausbildung. 1962 wurde der heutige Hauptcampus in Stony Brook bezogen, das Gelände stiftete der lokale Unternehmer Ward Melville. In den 1960er Jahren wuchs die Anzahl von Studenten stark an, ohne dass die Infrastruktur der Universität im gleichen Maße nachziehen konnte. Im Laufe der Zeit gelang es, diese Probleme zu lösen. Die Stony Brook University wurde immer weiter ausgebaut, etwa wurde 2009 mithilfe einer Spende von 60 Millionen US$ der Simons Center for Geometry and Physics errichtet, 2012 für 40 Millionen Dollar der Walter J. Hawrys Campus Recreation Center und 2015 ein neues Gebäude für den Fachbereich der Informatik für 40,8 Millionen. Die Manhattan-Niederlassung wurde 2002 gegründet, 2006 das bisher zur privaten Long Island University gehörende Southampton College übernommen. Die Sportteams sind die Seawolves. Die Hochschule ist Mitglied in der Colonial Athletic Association. Nobelpreisträger Weitere derzeitige und ehemalige Professoren Babylon • Brookhaven • East Hampton • Huntington • Islip • Riverhead • Shelter Island • Smithtown • Southampton • Southold Amityville • Asharoken • Babylon • Belle Terre • Bellport • Brightwaters • Dering Harbor • East Hampton • Greenport • Head of the Harbor • Huntington Bay • Islandia • Lake Grove • Lindenhurst • Lloyd Harbor • Nissequogue • North Haven • Northport • Ocean Beach • Old Field • Patchogue • Poquott • Port Jefferson • Quogue • Sag Harbor • Sagaponack • Saltaire • Shoreham • Southampton • Village of the Branch • West Hampton Dunes • Westhampton Beach Amagansett • Aquebogue • Baiting Hollow • Bay Shore • Bayport • Baywood • Blue Point • Bohemia • Brentwood • Bridgehampton • Brookhaven • Calverton • Captree • Center Moriches • Centereach • Centerport • Central Islip • Cold Spring Harbor • Commack • Copiague • Coram • Cutchogue • Deer Park • Dix Hills • East Farmingdale • East Hampton North • East Islip • East Marion • East Moriches • East Northport • East Patchogue • East Quoque • East Setauket • East Shoreham • Eastport • Eatons Neck • Elwood • Farmingville • Fire Island • Fishers Island • Flanders • Fort Salonga • Gilgo • Gordon Heights • Great River • Greenlawn • Greenport West • Halesite • Hampton Bays • Hauppauge • Holbrook • Holtsville • Huntington • Huntington Station • Islip • Islip Terrace • Jamesport • Kings Park • Lake Ronkonkoma • Laurel • Manorville • Mastic • Mastic Beach • Mattituck • Medford • Melville • Middle Island • Miller Place • Montauk • Moriches • Mount Sinai • Napeague • Nesconset • New Suffolk • North Amityville • North Babylon • North Bay Shore • North Bellport • North Great River • North Lindenhurst • North Patchogue • North Sea • Northampton • Northville • Northwest Harbor • Noyack • Oak Beach • Oakdale • Orient • Peconic • Port Jefferson Station • Quiogue • Remsenburg-Speonk • Ridge • Riverhead • Riverside • Rocky Point • Ronkonkoma • St. James • Sayville • Selden • Setauket • Shelter Island • Shelter Island Heights • Shinnecock • Shirley • Smithtown • Sound Beach • South Huntington • Southold • Springs • Stony Brook • Stony Brook University • Terryville • Tuckahoe • Wading River • Wainscott • Water Mill • West Babylon • West Bay Shore • West Hills • West Islip • West Sayville • Westhampton • Wheatley Heights • Wyandanch • Yaphank Poospatuck Reservation • Shinnecock Reservation 40.913888888889-73.125277777778Koordinaten: 40° 54′ 50″ N, 73° 7′ 31″ W
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2024-12-04 04:23:19
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https://de.wikipedia.org/wiki/Sah%C5%ABr
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Sahūr ist im islamischen Fastenmonat Ramadan die letzte Mahlzeit vor der Morgendämmerung und somit vor dem Beginn des Tagesfastens. Sie findet im letzten Drittel der Nacht statt. Der Begriff bezeichnet die Speisen und Getränke, die man in dem genannten Zeitraum, den man die „Zeit des Saḥar“ nennt, verzehrt. Der Begriff suḥūr ist die Infinitivform und bezeichnet die Handlung selbst. In diesem Sinne lässt man den Propheten in einem Hadith sprechen: „wie vorzüglich ist die Speise des Gläubigen aus Datteln.“ Der Spruch wird in einer bei Ibn ʿAsākir verzeichneten Variante ergänzt mit: „wie vorzüglich ist Essig als Zutat zur Speise. Gott möge sich derjenigen erbarmen, die diese Speisen verzehren.“ Neben Datteln wird in einigen Traditionen auch Brei , sowie Wasser als Getränk empfohlen. Der Genuss der Saḥūrspeisen und Getränke wird vom Propheten direkt empfohlen und gilt daher in der Jurisprudenz als Sunna bzw. als empfohlene Handlung : „Nehmt das Saḥūrmahl ein, denn im Saḥūrmahl liegt Segen“. Der Spruch wird in den großen Hadithsammlungen mehrfach überliefert. In Richtung Verpflichtung der saḥūr-Mahlzeit weist eine dem Propheten zugeschriebene und bei an-Nasāʾī verzeichnete Anweisung: „Euch obliegt die saḥūr-Mahlzeit, denn sie ist die gesegnete Mahlzeit“. In die gleiche Richtung weist auch eine im as-Sunan al-kubrā von an-Nasāʾī erhaltene Tradition, die auf einen namentlich nicht genannten Kronzeugen zurückgeführt wird, der den Propheten beim Verzehr der Saḥūrmahlzeit gesehen haben will, der seinerseits gesagt haben soll: „dies ist ein Segen, den Gott euch geschenkt hat. Unterlasst es nicht!“ Angesichts einer beachtlichen Gruppe von Hadithen, die lediglich auf die Generation der Sahāba zurückgehen, oder Anonyme, wie in diesem Fall, als Kronzeugen angeben, ist es fraglich, ob die Suḥūrgewohnheiten und ihre Stellung im Fastenritual durchgehend als Prophetensunna zu gelten haben. Das Ende der saḥūr-Mahlzeit ist im Koran, Sure 2, Vers 187, festgelegt: „… und eßt und trinkt, bis ihr in der Morgendämmerung einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden könnt!“ Der Koranvers sagt über den obligatorischen Abbruch des Saḥūr allerdings nichts Konkretes aus, denn im islamischen Traditionswesen und der Koranexegese unterscheidet man zwischen der Morgendämmerung mit dem ersten aufsteigenden Licht und der zweiten Morgendämmerung, die sich als feiner Streifen über den Horizont ausbreitet. Es blieb dem Ḥadīth vorbehalten, in unterschiedlichen und kontroversen Aussagen, die sowohl auf den Propheten als auch seine Nachfolger zurückgeführt werden, den Beginn des Fastens am neuen Tag erst mit dem Einbruch der zweiten Morgendämmerung zu beginnen. Es wird sogar als empfehlenswert und nach der Prophetenpraxis als nachahmenswert empfunden, die Saḥūr-Zeit bis zu diesem Zeitpunkt hinauszuzögern . Die Rechtswissenschaft empfand diese Regelung allerdings keinesfalls als Prophetensunna, sondern lediglich als „empfehlenswert“ bzw. mustaḥabb, ohne verpflichtenden Charakter. Einer Tradition zufolge, verzeichnet u. a. von Muhammad ibn ʿĪsā at-Tirmidhī , soll die Saḥūr-Mahlzeit bis zum ersten Gebet, das den Fastenbeginn des neuen Tages einleitet so lang sein, wie der Vortrag von fünfzig Koranversen. Für eine mögliche individuelle Gestaltung der Saḥūr-Mahlzeit und für ihre Hinauszögerung bis zu Beginn der zweiten Morgendämmerung spricht ein Bericht des Prophetengefährten Sahl ibn Saʿd ibn Mālik : „Ich vollzog den Saḥūr im Kreis meiner Familie, und hatte mich dann zu beeilen, um zum suǧūd mit dem Gesandten Gottes zur rechten Zeit zu kommen.“
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2024-12-02 09:29:21
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https://de.wikipedia.org/wiki/Leibnizallee_4
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Im Haus Leibnizallee 4 in Weimar wohnte von 1854 bis 1860 August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Dass Hoffmann 1854 in Weimar Zuflucht fand, verdankte er Franz Liszt und Bettina von Arnim. In demselben Hause wohnte später die Schriftstellerin Gabriele Reuter. An dem Gebäude befindet sich eine Gedenktafel für Hoffmann von Fallersleben, eine für Gabriele Reuter jedoch nicht. Allerdings wohnte sie auch in der Freiherr-vom-Stein-Allee 5, woran sich eine Gedenktafel für sie befindet. Das von der Straßenseite her schlichte zweigeschossige Wohnhaus mit Mansarddach ist denkmalgeschützt und steht auf der Liste der Kulturdenkmale in Weimar . Auf der Hofseite besitzt es einen Mittelrisaliten, wo sich der Eingang befindet. Eine Gedenktafel befindet sich an dem Gebäude. Darauf steht: Im Jahre 1993 wurde das Haus in einem denkbar schlechtem Zustand von den Besitzern übernommen und bis 1998 wiederhergerichtet. Zum 200. Geburtstag Hoffmann von Fallersleben wurde dieser an der Stelle vom MDR und der Thüringer Lokalpresse gewürdigt. Genaue Angaben zur Entstehungszeit des Hauses fehlen, wenn man von seinem klassizistischen Antlitz einmal absieht. 50.9797111.33684Koordinaten: 50° 58′ 47″ N, 11° 20′ 12,6″ O
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2024-11-30 20:39:18
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https://de.wikipedia.org/wiki/Server_Name_Indication
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Server Name Indication ist eine Erweiterung des Standards Transport Layer Security , die es ermöglicht, dass sich mehrere verschlüsselt abrufbare Websites unterschiedlicher Domains einen Server auf dem TLS Port 443 teilen, auch wenn dieser nur eine IP-Adresse besitzt. Beim Aufbau einer TLS-Verbindung fordert der Client, der die Verbindung aufgebaut hat, vom Server ein digitales Zertifikat an, welches für die Verschlüsselung der Verbindung benötigt wird. Der Server sendet standardmäßig das mit seiner IP-Adresse verbundene Zertifikat zurück. Um unter einer IP-Adresse aber einen Server für verschiedene Hosts mit verschiedenen Zertifikaten zu betreiben, ist es erforderlich, dass der Client dem Server den gewünschten Host vor der Übermittlung des Zertifikats, also bevor über die Verbindung ein verschlüsselter Kanal aufgebaut wurde, mitteilt. SNI ist eine Erweiterung von TLS, die es dem Client erlaubt, diese Information unverschlüsselt zu übertragen. Um als Nutzer die Authentizität einer Webseite im Internet zu überprüfen, verwendet man in der Regel digitale Zertifikate. Da der verschlüsselte Verbindungsaufbau zum Server bereits stattfindet, bevor die angefragte URL übertragen wird, ist es mit TLS-1.0/SSL-Verschlüsselung nicht möglich, mehrere Domains unter einer IP-Adresse zu nutzen . Grund für diese Einschränkung ist, dass der Server bei mehreren Zertifikaten nicht weiß, welches Zertifikat, das meist nur für eine Domain gilt, er benutzen müsste. Zum Zeitpunkt der Spezifikation von SSL/TLS wurde die Möglichkeit von Virtual Hosting nicht vorgesehen. Im erweiterten SNI-Verfahren wird der Domainname vom Browser in dem sogenannten server_name-Parameter bereits beim Verbindungsaufbau dem Server mit übergeben, sodass der Server das passende Zertifikat auswählen und beim TLS-Handshake verwenden kann. Sogenannte „Wildcard-Zertifikate“ mit einem Kanonischen Namen wie hier *.wikipedia.org umfassen beliebige Namen in einer Domain. Ein Zertifikat kann auch alternative Namen umfassen. Zertifikatsanbieter verlangen für solche Zertifikate allerdings höhere Gebühren. Der server_name-Parameter wird unverschlüsselt übertragen und ist somit von einem Dritten, der die Verbindung belauschen kann, leicht auszuspähen. Dies verrät unter Umständen mehr Informationen als SSL/TLS ohne SNI, da das anschließend übertragene Server-Zertifikat ebenfalls die Domain, für die es ausgestellt wurde, im Klartext enthält. Wenn das Zertifikat für mehrere Domains gültig oder ein Wildcard-Zertifikat ist, würde der Ausspähende ohne SNI nicht den kompletten angeforderten Hostnamen erfahren. Mit Encrypted SNI und seinem Nachfolger Encrypted Client Hello gibt es Ansätze, dieses Problem zu lösen. Unabhängig von SSL/TLS und HTTP können Dritte auch die abgefragte Domain in Erfahrung bringen, da zum Verbindungsaufbau die Domain mittels DNS bzw. DNSSEC aufgelöst werden muss. Der vollständige Domainname wird dabei meistens unverschlüsselt übertragen. Mit DNS over TLS oder DNS over HTTPS gibt es Ansätze, dieses Problem zu lösen. Bei vielen, vor allem größeren Websites ist zudem eine Rückführung über die aufgerufene IP-Adresse möglich, da diese systembedingt nicht verschlüsselt werden kann. Bei mittelgroßen Websites ist dieses aber zumindest nicht für Subdomains möglich, sofern diese auf demselben Server liegen. Darüber hinaus kann dieses Problem durch die Verwendung eines VPN abgemildert werden. Anfänglich war Server Name Indication eine optionale Protokollerweiterung ab TLS 1.0 von 1999 und in folgenden Request for Comments standardisiert: Seit TLS 1.3 gehört SNI zum Grundfunktionsumfang von TLS, wobei dieser RFC zur Detailspezifikation von SNI auf RFC 6066 verweist.
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2024-11-23 14:10:57
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https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6sta_%C3%85sbrink
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GerätturnenModerner Fünfkampf Karl Gösta Åsbrink war ein schwedischer Sportler, der im Gerätturnen und im Modernen Fünfkampf aktiv war. Er startete bei den Olympischen Sommerspielen 1908 in London mit der schwedischen Turnriege, mit der er Olympiasieger im Mehrkampf wurde. Vier Jahre später bei den Olympischen Sommerspielen 1912 in seiner Geburtsstadt Stockholm errang er die Silbermedaille im Modernen Fünfkampf und komplettierte damit hinter dem Sieger Gösta Lilliehöök und vor dem Drittplatzierten Georg de Laval den schwedischen Dreifacherfolg in dieser erstmals bei Olympischen Spielen ausgetragenen Disziplin.
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2024-12-02 01:42:44
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https://de.wikipedia.org/wiki/Amt_Sch%C3%B6nheit_der_Arbeit#Nationalsozialistische_Musterbetriebe
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Das Amt „Schönheit der Arbeit“ war eine Organisation der von Robert Ley geführten Deutschen Arbeitsfront und damit eine Gliederung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei . Das Amt wurde am 27. November 1933 gegründet, am folgenden Tag wurde es in die NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude einbezogen. Sein Sitz befand sich in der Kaiserallee 25 in Berlin; Leiter war Albert Speer, Julius Schulte-Frohlinde sein Stellvertreter. Zu den Aufgaben gehörten die Verschönerung von Arbeitsstätten, die Verbesserung von Arbeitsbedingungen, Ergonomie sowie Arbeitssicherheit. Die zunächst winzige Organisation trat dabei in Konkurrenz zu den Gewerbeaufsichtsämtern: Einerseits wurden Betriebsbesichtigungen häufig gemeinschaftlich durchgeführt, andererseits betätigte sich das Amt als ständiger Kritiker und Antreiber der Gewerbeaufsicht, die für die bestehenden Missstände verantwortlich gemacht wurde. Es ist richtig darauf hingewiesen worden, dass die propagierten Verbesserungsvorschläge nur vordergründig eine schönere Arbeitswelt ins Auge fassten; tatsächlich dienten sie der Steigerung der Produktivität, der erhöhten Ausbeutung von Arbeitskraft und Produktionsmitteln, der Vorgaukelung einer NS-Volksgemeinschaft von Führung und Belegschaft sowie der Einsparung von Metallen, welche der Rüstungsindustrie vorbehalten bleiben sollten. Das Amt publizierte diverse Broschüren mit detaillierten Musterplänen, zum Beispiel für die Einrichtung von Waschräumen und Toiletten. Auf Veranlassung des Amtes wurden Kantinen, Aufenthaltsräume, Werksbibliotheken, Sport- und Sanitäranlagen eingerichtet sowie Kameradschaftsabende und Werkssportfeste organisiert. Die Kosten dieser Maßnahmen beliefen sich bis 1939 auf rund 200 Millionen Reichsmark, die von den Unternehmen getragen werden mussten. Bei Umsetzung amtlicher Vorgaben besonders eifrige Betriebe erhielten den Ehrentitel „Nationalsozialistischer Musterbetrieb“. Die Aktionen des Amtes „Schönheit der Arbeit“ standen unter jährlich wechselnden Mottos: 1934 „Entrümpelung der Betriebe“, 1935 „Kampf dem Betriebslärm“, 1936 „Gutes Licht, gute Arbeit“, 1937 „Saubere Menschen im sauberen Betrieb“, 1938 „Gesunde Luft im Arbeitsraum“ und 1939 „Warmes Essen im Betrieb“. Da die nationalsozialistische Propaganda durch Einführung „schlicht“ gestalteter Alltagsgegenstände eine quasi „überzeitliche Ewigkeitsgültigkeit“ anstrebte, beauftragte das Amt den bereits in ähnlicher Richtung wirkenden Heinrich Löffelhardt ab 1935 mit der Entwicklung des Kantinengeschirrs „Modell I“. Für die Umsetzung in Mutter- und Arbeitsformen war die Porzellanfabrik Gebrüder Bauscher in Weiden zuständig, wobei unter deren Ägide bis 1941 noch drei weitere, auch den Bedarf an feinerem Porzellan deckende, Geschirrentwürfe entstanden. Für die Herstellung dieser Modelle waren zunächst lediglich 10, späterhin sogar nur 5 Betriebe zugelassen. Hierbei kamen regelmäßig Häftlinge und Zwangsarbeiter zum Einsatz. Verbreitung fanden diese Kantinengeschirre hauptsächlich bei Wehrmacht und Waffen-SS. Mit Kriegsbeginn drängte das Motiv der Produktivitätssteigerung andere Bemühungen vollends in den Hintergrund: Eine bessere Ausleuchtung von Arbeitsplätzen diente der Reduzierung von Ausschuss, verbesserte Hygiene verringerte den Krankenstand. Nahmen die Mitarbeiter ihre Mahlzeiten im Betrieb ein, konnte der Verbrauch besser gesteuert werden, vor allem der von unerwünschten Importprodukten. Nebenbei konnten die Gespräche der Mitarbeiter zentral belauscht werden, womit eine Solidarisierung innerhalb von Kleingruppen am Arbeitsplatz eingedämmt werden konnte. Betriebssport diente immer auch der Wehrertüchtigung. Seit 1937 wurde im Rahmen des am 29. August 1936 von der Deutschen Arbeitsfront ins Leben gerufenen Leistungskampfs der deutschen Betriebe die Auszeichnung „nationalsozialistischer Musterbetrieb“ verliehen. Den Beschäftigten wurde mit diesem Leistungskampf die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit suggeriert, wobei gleichzeitig für die DAF geworben wurde. Durchgeführt wurde der Wettkampf vom „Amt für soziale Selbstverantwortung“ der DAF. Die Ehrungen durch Adolf Hitler oder Robert Ley fanden jährlich am 1. Mai, dem „Tag der nationalen Arbeit“, statt. Die ausgezeichneten Firmen erhielten mit der Überreichung der Urkunde „das Recht, die Flagge der Deutschen Arbeitsfront mit goldenem Rad und goldenen Fransen zu führen“. Diese ein Jahr lang geführte Flagge wurde üblicherweise kurz als „Goldene Fahne“ der DAF bezeichnet. Zwar nahmen die Beschäftigten die damit verbundenen sozialen Verbesserungen gern an; allerdings war die Teilnahme an den Leistungskämpfen oft mit verstärkter Zeitnot bei der Arbeit sowie mit erhöhtem Druck seitens Unternehmensleitung und DAF verbunden. Insgesamt führten 297 Betriebe die „Goldene Fahne“. Monographien Informationsschriften Von November 1934 bis Juni 1938 erschienen 20 Broschüren, darunter Monatszeitschrift Sonderhefte anderer Zeitschriften
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2024-12-04 11:19:49
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https://de.wikipedia.org/wiki/Gordischer_Knoten
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Der Ausdruck Gordischer Knoten bezeichnet ursprünglich kunstvoll verknotete Seile, die einer griechischen Sage nach am Streitwagen des phrygischen Königs Gordios befestigt waren. Sie verbanden die Deichsel des Wagens untrennbar mit dem Zugjoch. Bekannt wurde der aus dem Bast der Kornelkirsche bestehende Knoten, weil Alexander der Große ihn mit seinem Schwert durchschlagen haben soll. Heute bedeutet die Redewendung „den gordischen Knoten durchschlagen“ oder „den gordischen Knoten lösen“ die Überwindung eines schwierigen Problems mit energischen beziehungsweise unkonventionellen Mitteln. Der Sage nach prophezeite ein Orakel, dass derjenige die Herrschaft über Asien erringen werde, der den Gordischen Knoten lösen könne. Viele kluge und starke Männer versuchten sich an dieser Aufgabe, aber keinem gelang es. Plutarch und Quintus Curtius Rufus beschreiben, dass im Frühjahr 333 v. Chr. Alexander der Große auf seinem Zug Richtung Persien diesen Knoten einfach mit seinem Schwert durchgeschlagen und damit seinen Siegeszug durch Asien eingeläutet habe. Es existiert noch eine andere Überlieferungsvariante von Arrian, der sich auf den Alexander begleitenden Aristobulos von Kassandreia beruft, dem zufolge Alexander den Knoten durch Raffinesse gelöst haben soll: Es heißt, er habe erkannt, dass er nur den Deichselnagel herauszuziehen brauche, damit er das Joch wegziehen könne.
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2024-12-01 14:17:26
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https://de.wikipedia.org/wiki/Archive_I_%E2%80%93_1967%E2%80%931975
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Archive I – 1967–1975 ist eine 4-CD-Box der britischen Rockband Genesis und zugleich der erste Teil der Archive-Reihe aus dem Jahr 1998. Archive I deckt die Schaffensperiode von Genesis mit Peter Gabriel als Sänger zwischen 1967 und 1975 ab. Auf den ersten beiden CDs ist eine Liveaufnahme des Konzeptalbums The Lamb Lies Down on Broadway enthalten. Dazu wurde am 24. Januar 1975 in Los Angeles ein Konzert vollständig mitgeschnitten. Da Sänger Peter Gabriel und Gitarrist Steve Hackett bei den Vorbereitungen zur Veröffentlichung des Archivs mit ihren musikalischen Anteilen nicht zufrieden waren, wurden viele Gesangs- und einige Gitarrenspuren 1995 neu eingespielt. Dies gilt auch für die auf der dritten CD enthaltenen Liveaufnahmen von verschiedenen Songs der Progressive-Rock-Phase von Genesis. Auf der vierten CD befinden sich schließlich Aufnahmen aus der Anfangszeit von Genesis gegen Ende der 1960er-Jahre. Die Phase von Genesis nach dem Ausstieg Peter Gabriels und mit Phil Collins als Sänger wird vom zweiten Teil der Archivreihe, Archive II – 1976–1992, abgedeckt. Alle Titel der ersten beiden CDs stammen von einem Mitschnitt eines Konzertes am 24. Januar 1975 in Los Angeles. Ursprung der Aufnahmen der dritten CD: Alle Titel auf der vierten CD stammen aus der Frühphase von Genesis zwischen 1967 und 1970. Es handelt sich um Remixe der Titel des Debütalbums, Demoaufnahmen, Liveversionen und Singles.
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2024-11-22 19:27:27
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https://de.wikipedia.org/wiki/Ogygia_(Insel)
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Ogygia ist der Name der Insel der griechischen Mythologie, auf der die Nymphe Kalypso wohnte. Auf der Insel hielt Kalypso laut Homer Odysseus sieben Jahre lang fest, ehe ihr der Götterbote Hermes die Entscheidung der Götter übermittelte, Odysseus weiterziehen zu lassen. Homer beschreibt die Insel in seinem Epos wie folgt: Als er die ferne Insel jetzo erreichte, Stieg er aus dem Gewässer des dunkeln Meeres ans Ufer, Wandelte fort, bis er kam zur weiten Grotte der Nymphe Mit schönwallenden Locken, und fand die Nymphe zu Hause. Vor ihr brannt’ auf dem Herd’ ein großes Feuer, und fernhin Wallte der liebliche Duft vom brennenden Holze der Ceder Und des Citronenbaums. Sie sang mit melodischer Stimme, Emsig, ein schönes Gewebe mit goldener Spule zu wirken. Rings um die Grotte wuchs ein Hain voll grünender Bäume, Pappelweiden und Erlen und düftereicher Cypressen. Unter dem Laube wohnten die breitgefiederten Vögel, Eulen und Habichte und breitzüngichte Wasserkrähen, Welche die Küste des Meers mit gierigem Blicke bestreifen. Um die gewölbete Grotte des Felsens breitet’ ein Weinstock Seine scharrenden Ranken, behängt mit purpurnen Trauben. Und vier Quellen ergossen ihr silberblinkendes Wasser, Eine nahe der andern, und schlängelten hierhin und dorthin. Wiesen grünten umher, mit Klee bewachsen und Eppich. Die Beschreibung der Flora auf Ogygia lässt erahnen, dass es sich um eine Toteninsel handelt. Echter Sellerie ist ein Zeichen der Trauer. Die Lage der Insel wird als am „Nabel des Meeres“ angegeben. Das mythische Ogygia wird häufig mit der maltesischen Insel Gozo, auf der man eine „Kalypso-Grotte“ zeigt, identifiziert. Aber auch die griechische Insel Gavdos südlich von Kreta beansprucht, der Wohnort der Nymphe gewesen zu sein. Gavdos hat den Slogan „Gavdos, Insel der Kalypso“ in ihre Eigenwerbung aufgenommen. Bereits Kallimachos setzte im 4. Jahrhundert v. Chr. Ogygia mit der Insel Gaudos gleich. In der moderneren Forschung sind allerdings Zweifel aufgekommen, ob Kallimachos damit Gavdos meinte oder die Insel Gozo. Auch die Insel Melite vor der kroatischen Küste wurde und wird mit der Kalypso-Insel verbunden. Auf der zu Sizilien gehörenden Insel Pantelleria wird die Grotta di Sateria auch als Grotte der Kalypso angesehen und man beruft sich dabei u. a. auf Samuel Butler, der Ogygia mit Pantelleria identifizierte. Ferner wurde auch eine Lokalisierung auf Lipari oder Panarea vorgeschlagen. Außer im Mittelmeer wurde Ogygia auch in der Straße von Gibraltar oder jenseits der Meerenge, im Atlantik, gesucht. Bereits Strabon lokalisierte Ogygia aufgrund der Angaben Homers im Atlantik. Dem schlossen sich einige neuzeitliche Forscher an: Arthur Breusing sah in Madeira die Insel der Kalypso, während Richard Hennig offen ließ, ob Madeira oder eine der westlichen Kanareninseln mit Ogygia zu identifizieren sei. Oberhalb des Ramla Bay befindet sich die „Kalypso-Grotte“ der Insel Gozo. Nachdem ein Teil der Höhle eingestürzt ist, ist sie für Besucher gesperrt und nur noch von oben zu besichtigen.
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2024-12-02 06:00:30
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https://de.wikipedia.org/wiki/Zehntausend_M%C3%A4rtyrer
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Die Legende von den zehntausend Märtyrern oder die Legende von den zehntausend Rittern entstand um die Zeit der Kreuzzüge. Diese Legende beruht auf keinerlei historisch belegbaren Begebenheit. Sie sollte wohl die Kreuzfahrer in ihrem Glauben und Durchhaltewillen bestärken. Ein römischer Kaiser sandte 9000 Soldaten unter dem Anführer Achatius nach Armenien, um dort Aufständische niederzuschlagen. Die Soldaten wurden aber mit einer zehnfachen Übermacht konfrontiert. Sie bekehrten sich zum christlichen Glauben und konnten so mit Gottes Hilfe das feindliche Heer besiegen. Als der römische Kaiser von der Bekehrung hörte, schickte er erzürnt ein Barbarenheer, um die neuen Christen zu vernichten. Während der Kämpfe traten ebenfalls tausende Barbaren zum Christentum über. Die auf die Zahl von Zehntausend angewachsene Christenschar wurde aber schließlich doch besiegt, mit Dornen gefoltert und auf dem Berg Ararat gekreuzigt. Den Zehntausend Märtyrern ist der 22. Juni als katholischer Gedenktag gewidmet. Die Kirche Santi Diecimila Martiri in Palermo war ihnen geweiht, ebenso die Kirche zu den 10.000 Rittern in Lenthe. In der religiösen Kunst wird diese Legende des Öfteren dargestellt, so von Albrecht Dürer und Vittore Carpaccio. Die umfangreichste bildliche Darstellung entstand in den Jahren 1448 bis 1450 als Glasmalerei im Berner Münster: Das dortige Zehntausend-Ritter-Fenster enthielt ursprünglich einen Bilderzyklus in 40 Rechteckfeldern, acht Kopfscheiben und drei Maßwerkfüllungen. Nach erheblichen Verlusten, möglicherweise durch Hagelschlag, blieben von diesen Glasmalereien elf Rechtecke und eine Dreipass-Kopfscheibe erhalten, die in ein anderes Fenster umgesetzt wurden. Zwei wichtige Schlachten der Alten Eidgenossen fanden im Zusammenhang mit dem Gedenktag der Zehntausend Ritter statt: die Schlacht von Laupen am 21. Juni 1339 und die Schlacht bei Murten am 22. Juni 1476, die beide mit einem Sieg der Eidgenossen endeten. Als Tag für die Schlacht von Murten hatten die Berner und ihre Verbündeten bewusst den 22. Juni ausgewählt, im Vertrauen auf den Schutz durch die zahlreichen Heiligen und in der Hoffnung, dass sich das Kriegsglück von Laupen wiederholen möge. Nach dem Sieg bei Murten im Jahr 1476 wurde der 22. Juni in vielen Orten der Eidgenossen zu einem herausragenden Feiertag . Besonders in Bern wurde die Verehrung der Zehntausend Märtyrer durch die Ereignisse auf dem Schlachtfeld verstärkt.
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2024-12-04 00:30:13
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https://de.wikipedia.org/wiki/Goldener_Spatz_1983
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Das 3. Nationale Festival „Goldener Spatz“ für Kinderfilme der DDR in Kino und Fernsehen fand vom 4. Februar bis zum 11. Februar 1983 in Gera statt. Es war die dritte Auflage des Kinderfilmfestivals Goldener Spatz, welches 1979 erstmals stattfand. Unter der Leitung von Präsidentin Beate Hanspach wurde das Festival durch den Film Die Schüsse der Arche Noah, unter der Regie von Egon Schlegel, eröffnet. Der Eröffnungsfilm war Teil des ausgewählten Wettbewerbsprogramms aus 19 Animationsfilmen, 16 Dokumentarfilmen und Beiträgen der Fernsehpublizistik, 16 Spielfilme und Fernsehspielen. Die Wettbewerbsveranstaltungen fanden im Panorama-Palast und dem Bergarbeiter-Kulturhaus statt. Für die anderen Festivalbeiträge und das Familien-Film-Fest wurden das Metropol-Theater und das Geraer Haus der Kultur genutzt. Ehrengast des Familien-Film-Fests war der Schauspieler Gojko Mitić. Insgesamt besuchten 34.962 Kinder und 325 Fachgäste die Veranstaltungen. In Gemeinden der Region, wie z. B. Zeulenroda, wurden einige der Veranstaltungen dann noch einmal wiederholt. Zu diesen Veranstaltungen kamen zusätzlich noch einmal 3.637 Kinder. Folgend sind alle Preisträger des 3. Nationalen Festivals "Goldener Spatz" für Kinderfilme der DDR in Kino und Fernsehen aufgelistet: Erstmals vergab die 11-köpfige Jury des jungen Publikums aus Gera und Umgebung den Preis für den besten Spielfilm/Fernsehspiel an drei der 16 gezeigten Filme dieser Kategorie. 1979 | 1981 | 1983 | 1985 | 1987 | 1989 | 1991 | 1993 | 1995 | 1997 | 1999 | 2001 | 2003 | 2005 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023
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2024-11-30 19:35:33
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https://de.wikipedia.org/wiki/Young_Global_Leaders
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Das Weltwirtschaftsforum , englisch World Economic Forum , französisch Forum économique mondial, italienisch Forum economico mondiale, rätoromanisch Forum economic mundial, ist eine Schweizer Stiftung und Lobbyorganisation, die in erster Linie für das von ihr veranstaltete gleichnamige Jahrestreffen in Davos bekannt ist. Hierbei kommen zahlende Mitglieder, international führende Wirtschaftsexperten, Politiker, Wissenschaftler, gesellschaftliche Akteure und Journalisten zusammen, um über aktuelle globale Fragen zu diskutieren. Neben der Wirtschaftspolitik, welche traditionell im Fokus stand, konzentriert sich das WEF im Rahmen seiner Agenda zunehmend auch auf Themen wie Umweltschutz und soziales Unternehmertum. Das Forum, das sich hauptsächlich durch seine 1000 Mitgliedsunternehmen – typischerweise globale Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als fünf Milliarden US-Dollar – sowie durch öffentliche Zuschüsse finanziert, wurde 1971 von Klaus Schwab gegründet. Es organisiert im Verlauf des Jahres weitere Treffen weltweit, darunter das Annual Meeting of the New Champions in China. Neben den Veranstaltungen publiziert das WEF regelmässig selbst finanzierte Forschungsberichte. Seine Mitglieder betätigen sich in branchenspezifischen Initiativen. Im Mai 2024 gab das WEF bekannt, dass Schwab im Januar 2025 von seiner Rolle als Executive Chairman auf den Vorsitz des Kuratoriums wechseln wird. Ein Nachfolger wurde bislang nicht benannt. Das Weltwirtschaftsforum wurde 1971 als Stiftung gegründet und hat seit 2015 offiziell den Status einer internationalen Organisation. Es bezeichnet sich selbst als unparteiisch und an keinerlei politische oder nationale Interessen gebunden. Das WEF hat Beobachterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen und steht unter der externen Aufsicht des Eidgenössischen Departement des Innern. Sein höchstes internes Aufsichtsgremium ist der Stiftungsrat. Mitglieder und Direktoren ergeben sich aus dem Eintrag im Handelsregister des Kantons Genf. Die Mission des Forums lautet, «den Zustand der Welt zu verbessern» . Der Hauptsitz des Weltwirtschaftsforum ist Cologny im Schweizer Kanton Genf. Es gibt darüber hinaus Büros in Peking , New York und Tokio . 2016 eröffnete das Forum das «Center for the Fourth Industrial Revolution» in San Francisco . Das typische Mitgliedsunternehmen ist ein globales Unternehmen mit einem Umsatz von über 5 Milliarden US-Dollar, wobei dies je nach Branche und Region variieren kann. Ausserdem zählen die meisten dieser Unternehmen zu den wichtigsten Unternehmen ihrer Branche und/oder ihres Landes und spielen bei der Zukunftsgestaltung ihrer Branche und/oder Region eine wichtige Rolle. Seit 2005 bezahlt jedes Mitgliedsunternehmen eine Basis-Jahresmitgliedsgebühr von 42'500 Schweizer Franken und eine Gebühr von 18'000 Franken für die Teilnahme ihres Präsidenten am Jahrestreffen in Davos. Industrie- und strategische Partner bezahlen jeweils 250'000 Franken und 500'000 Franken, um massgeblich an den Initiativen des Forums mitzuwirken. Für das Jahr 2019 hat Bloomberg insgesamt 436 börsennotierte Unternehmen identifiziert, die am Jahrestreffen teilgenommen haben, und dabei eine Underperformance der Davos-Teilnehmer von rund −10 Prozent gegenüber dem S&P 500 im selben Jahr gemessen. Treiber sind u. a. eine Überrepräsentation von Finanzunternehmen und eine Unterrepräsentation von wachstumsstarken Unternehmen aus dem Gesundheitswesen und der Informationstechnologie auf der Konferenz. The Economist hatte in einer früheren Studie ähnliche Ergebnisse gefunden, die eine Underperformance der Davos-Teilnehmer gegenüber dem MSCI World Index und dem S&P 500 zwischen 2009 und 2014 zeigten. Das Forum wird von seinen rund 1000 Mitgliedsunternehmen sowie durch staatliche Zuschüsse finanziert. An den Kosten der Veranstaltung ist die Schweiz mit Aufwendungen für Polizei- und Militäreinsatz beteiligt. So wurden für das Treffen im Jahr 2019 knapp elf Millionen Franken veranschlagt. An den Polizeikosten von neun Millionen Franken – vornehmlich für Personenschutz – beteiligt sich die Stiftung mit einem Viertel. Der Grossteil entfällt auf die öffentliche Hand, aufgeteilt auf den Bund, den Kanton Graubünden und die Gemeinde Davos. Die Armee schützt die Verkehrswege und Gebäude und überwacht den Luftraum. Bis zu 5000 Angehörige der Streitkräfte können eingesetzt werden. Die Kosten sind im regulären Verteidigungsbudget eingeplant. Eingesetzt werden zu einem grossen Teil Wehrpflichtige in ihrer jährlichen Militärdienstleistung. Dafür entstehen Kosten in Höhe von 32 Millionen Franken, die ohnehin für die Übungen anfallen würden, zuzüglich etwa vier Millionen Franken für Material und Fahrzeuge. Diese Kosten trägt der Bund. Nach Kritik aus Politik und Zivilgesellschaft zur Finanzierung der Sicherheitsmassnahmen, gab das WEF 2021 bekannt, ihre Beteiligung an der Finanzierung zu erhöhen. Dadurch sinken die Kosten für den Bund von 3,675 Millionen Franken auf 2,55 Millionen Franken pro Jahr für die Jahrestreffen 2022, 2023 und 2024. In Davos gibt es während des WEF einige Einschränkungen. Über das Aufgebot der Polizei und der Schweizer Armee wird regelmässig berichtet. Auch auf österreichischer Seite der Grenze wird die Luftraumsicherung für das Treffen im Rahmen der Operation Dädalus des österreichischen Bundesheers gewährleistet. Die Gewährleistung der Sicherheit des Forums kostet die Schweiz jährlich mehrere Millionen Franken. Die Kosten der Sicherheitsmassnahmen, die vom Forum und von den Schweizer Kantonal- und Bundesbehörden gemeinsam getragen werden, werden in der Schweiz auch häufig kritisiert und sind auch Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Im Februar 2021 hat der Bundesrat eine Botschaft zuhanden des Parlaments verabschiedet, bei welcher der Kanton Graubünden für die Jahre 2022 bis 2024 mit einem Beitrag von maximal 2,55 Millionen Franken pro Jahr für die Sicherheitskosten unterstützt werden soll. Das WEF fordert mit Initiativen wie dem «Global Redesign» und dem «Great Reset» einen Multistakeholder-Governance-Ansatz, um globale Entscheidungen nicht zwischenstaatlich, sondern in «Koalitionen» mit multinationalen Konzernen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zu treffen. Es sieht dabei Phasen globaler Instabilität – wie während der Weltfinanzkrise 2007–2008 und der COVID-19-Pandemie – als Zeitfenster, seine Programmatik intensiviert voranzutreiben. Die zentrale Veranstaltung des Forums ist das Treffen der mehr als 1000 Mitgliedsunternehmen sowie von Politikern und Vertretern der Wissenschaft, von Nichtregierungsorganisationen, Religion und Medien alljährlich im Januar oder Februar in Davos. Die Gäste können während der fünftägigen Veranstaltung an rund 220 Sitzungen des offiziellen Programms teilnehmen. In den Diskussionen des offiziellen Programms werden wichtige Fragen von globaler Bedeutung sowie mögliche Lösungen behandelt. Daneben finden viele informelle Treffen sowie Empfänge und Präsentationen von Unternehmen und Staaten statt. Davoser Ladengeschäfte werden von Unternehmen oder Staaten während des Treffens angemietet, um darin Veranstaltungen durchzuführen. Am Jahrestreffen nehmen rund 500 Internet-, Druck-, Radio- und Fernsehjournalisten teil. Medienvertreter haben Zugang zu allen Veranstaltungen des offiziellen Programms, die auch als Webcast live übertragen werden. 2007 führte das Forum das «Jahrestreffen der New Champions» ein, das alljährlich in China stattfindet und auch als «Sommer-Davos» bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um ein Treffen von Teilnehmern, die das Forum als Vertreter «globaler Wachstumsunternehmen» bezeichnet. Bei diesen Unternehmen handelt es sich in erster Linie um Vorzeigeunternehmen aus schnell wachsenden Schwellenländern wie China und Indien, aber auch um Schnellstarter aus Industrieländern. Bei den Treffen kommen auch die globalen Führungskräfte der nächsten Generation und führende Vertreter schnell wachsender Regionen und konkurrierender Städte sowie Technologiepioniere aus der ganzen Welt zusammen. Das Treffen 2013 fand vom 11. bis 13. September in der chinesischen Hafenstadt Dalian statt und wurde vom damaligen chinesischen Premierminister Li Keqiang eröffnet. Zusätzlich zum Jahrestreffen in Davos finden regionale Veranstaltungen statt. Im Jahr 2014 zählten dazu das India Economic Summit, das Annual Meeting of the New Champions in China, das Japan Meeting, das World Economic Forum on East Asia, zuletzt auf den Philippinen, das World Economic Forum on Africa, zuletzt in Nigeria, das World Economic Forum on Latin America, zuletzt in Panama, und das Summit on the Global Agenda in Dubai. Hinzu kommen Einzelveranstaltungen mit nationalen Schwerpunkten, so im November 2013 zur Lage in der Ukraine. 2005 rief das Forum die Community der Young Global Leaders ins Leben. Sie ist als Schweizer Stiftung organisiert und wird von einem 14-köpfigen Stiftungsrat geleitet. Sie ist aus der Gemeinschaft der Global Leaders of Tomorrow hervorgegangen, die von 1993 bis 2003 bestand. Die Mitglieder von YGL sind junge Führungskräfte, die verschiedensten Sparten und Disziplinen angehören und aus allen Teilen der Welt stammen. Sie werden für sechs Jahre berufen und dürfen zum Zeitpunkt der Berufung das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Nach dem Ablauf ihrer Zugehörigkeit zu den YGL können Mitglieder der YGL Alumni Community beitreten. Die Mitglieder unterhalten die 2030 Initiative, die einen Aktionsplan zur Verwirklichung der Vision einer idealen Welt im Jahr 2030 zum Ziel hat. Jährlich werden neue Mitglieder berufen. Im Jahr 2014 zählten die Young Global Leaders mehr als 900 Mitglieder. Prominente Young Global Leaders in Deutschland waren die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel , die ehemaligen Bundesminister für Gesundheit Andrea Fischer, Daniel Bahr, Philipp Rösler und Jens Spahn sowie die ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen und Aussenministerin Annalena Baerbock, ausserdem die Fernsehjournalistin Sandra Maischberger. Der Staatspräsident von Frankreich, Emmanuel Macron, der amtierende Premierminister von Belgien, Alexander De Croo, der amtierende Regierungschef von Irland Leo Varadkar, die ehemalige Ministerpräsidentin der Republik Finnland, Sanna Marin, die ehemaligen Präsidenten der EU-Kommission Jean-Claude Juncker und José Manuel Barroso, der ehemalige britische Premierminister Tony Blair, der ehemalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz, die ehemalige Umweltministerin von Dänemark, Ida Auken, die ehemalige neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern, der kanadische Regierungschef Justin Trudeau und Ska Keller, Vorsitzende der Fraktion Die Grünen/EFA und MEP, waren ebenfalls Mitglied bei den Young Global Leaders. 2011 gründete das Forum das weltweite Netzwerk Global Shapers für Menschen zwischen 20 und 30 Jahren, die grosses Potenzial für zukünftige Führungsrollen in der Gesellschaft besitzen. Die Global Shapers Community besteht aus selbstorganisierten lokalen Hubs in Grossstädten. Die Zielsetzung der Aktivitäten und Veranstaltungen der Global Shapers ist, einen positiven Einfluss auf die jeweilige lokale Gemeinschaft zu erzielen. Am 24. Oktober 2020 zählte Global Shapers 500 Hubs und 10251 Shapers in 152 Ländern. In Deutschland ist Global Shapers in Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart aktiv. In Österreich gibt es jeweils einen Hub in Salzburg und Wien. Dazu existieren in der Schweiz Hubs in Bern, Davos, Genf und Zürich und es gibt einen Hub in der Stadt Luxemburg. Seit 2000 fördert das Forum Modelle, die von führenden Sozialunternehmern der Welt in enger Zusammenarbeit mit der Schwab Foundation for Social Entrepreneurship entwickelt werden. Die Stiftung betrachtet Sozialunternehmer und ihre Arbeit als wichtiges Element für den Fortschritt von Gesellschaften und für die Lösung sozialer Probleme. Ausgewählte Sozialunternehmer werden zur Teilnahme an den regionalen Treffen und zum Jahrestreffen eingeladen, bei denen sie Gelegenheit haben, mit Top-Managern und leitenden Regierungsbeamten in Kontakt zu kommen. Das Forum ernennt alljährlich rund 30 Technologiepioniere, Unternehmen deren Technologie bahnbrechend ist. Seit 2003 wurde diese Auszeichnung bereits 391 Unternehmen verliehen. Das Forum, das auch als Thinktank fungiert, produziert eine Reihe von jährlichen Wirtschaftsberichten : Der Global Competitiveness Report misst die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern und Volkswirtschaften; der Global Information Technology Report beurteilt ihre Wettbewerbsfähigkeit aufgrund ihrer Bereitschaft, IT zu verwenden; der Global Gender Gap Report beleuchtet kritische Bereiche der Ungleichbehandlung von Männern und Frauen; der Global Risk Report erfasst wichtige globale Risiken; der Global Travel and Tourism Report misst die Wettbewerbsfähigkeit der Reise- und Tourismusbranche, und der Global Enabling Trade Report präsentiert eine landesübergreifende Analyse der vielfältigen Massnahmen, die den Handel zwischen den Nationen erleichtern. Im Januar 2011 veröffentlichte das Weltwirtschaftsforum, als Initiative seines Risk Response Network, einen ersten Outlook on the Global Agenda mit den Ergebnissen des Summit on the Global Agenda 2010 in Dubai. Der Report wird seither jährlich veröffentlicht und berichtet zu grossen Herausforderungen der Zeit. Die Global Health Initiative wurde von Kofi Annan beim Jahrestreffen 2002 gegründet. Die Mission der GHI besteht darin, öffentlich-private Partnerschaften zwischen Unternehmen in den Bereichen HIV/AIDS, Tuberkulose, Malaria und Gesundheitssystemen zu fördern. Die Global Education Initiative , gegründet beim Jahrestreffen 2003, bringt internationale IT-Unternehmen und Regierungen in Jordanien, Ägypten und Indien zusammen. Diese Initiative führte dazu, dass neue PC-Hardware in Schulen eingesetzt wird und mehr lokale Lehrkräfte in E-Learning ausgebildet werden. Diese Neuerungen haben reale Auswirkungen auf das Leben der Kinder. Das skalierbare und nachhaltige GEI-Modell wird jetzt in anderen Ländern wie Ruanda als Bildungsmodell eingesetzt. Die Environmental Initiative befasst sich mit Klimawandel und Wasser. Im Rahmen des Gleneagles Dialogue on Climate Change ersuchte die Regierung des Vereinigten Königreichs das World Economic Forum beim G8-Gipfel in Gleneagles 2005, einen Dialog mit der Wirtschaft zwecks Entwicklung von Empfehlungen für die Reduktion von Treibhausgasemissionen in die Wege zu leiten. Diese von einer Gruppe internationaler CEOs unterstützten Empfehlungen wurden den Führungspersönlichkeiten vor dem G8-Gipfel in Tōyako 2008, der im Juli 2008 stattfand, vorgelegt. Die Water-Initiative bringt verschiedene Anspruchsgruppen wie Alcan, die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit , USAID Indien, UNDP Indien, die Confederation of Indian Industry , die Regierung von Rajasthan und die NEPAD Business Foundation zusammen, um öffentlich-private Partnerschaften im Bereich Wasserwirtschaft in Südafrika und Indien zu entwickeln. In dem Bestreben, die Korruption zu bekämpfen, wurde im Januar 2004 beim Jahrestreffen in Davos die Partnering Against Corruption Initiative von CEOs aus den Branchen Engineering und Bauwesen, Energie und Metalle sowie Bergbau ins Leben gerufen. PACI ist eine Plattform für Peer-Austausch über praktische Erfahrungen und Dilemmasituationen. Rund 140 Unternehmen haben die Initiative unterzeichnet. Alle öffentlichen Debatten und Pressekonferenzen des Jahrestreffens in Davos und der Regionalkonferenzen werden auf der Website des Weltwirtschaftsforums live gestreamt und sind auf YouTube verfügbar. Fotos können für nicht kommerzielle Verwendungen von Flickr heruntergeladen werden. Das Weltwirtschaftsforum listet seine zum Teil mehrsprachigen Social-Media-Auftritte und die Zahl der Fans, Follower und Views auf Facebook, LinkedIn, Twitter, YouTube und Instagram auf einer eigenen Webseite. Der Blog des Weltwirtschaftsforums veröffentlicht täglich Artikel auf Englisch, Französisch, Spanisch, Chinesisch und Japanisch. Das Weltwirtschaftsforum betreibt zudem seit April 2019 eine WhatsApp-Gruppe. 1971 lud Klaus Schwab, damals Professor für Unternehmenspolitik an der Universität Genf, 444 Führungskräfte westeuropäischer Unternehmen zum ersten European Management Symposium ein, das in dem damals neu erbauten Kongresszentrum von Davos stattfand. Schwab beabsichtigte, unter der Schirmherrschaft der Europäischen Kommission und europäischer Industrieverbände europäische Unternehmen mit Managementpraktiken der Vereinigten Staaten bekannt zu machen. Zu diesem Zweck gründete er das European Management Forum als Stiftung mit Sitz in Genf und lud alljährlich im Januar führende europäische Wirtschaftsvertreter nach Davos zum Jahrestreffen ein. „Ich dachte mir, Europa aufzurütteln und den Leuten die fortschrittlichsten Management-Konzepte vorzustellen, sei eine gute Sache“ Schwab propagierte den Managementansatz der Stakeholder, dem zufolge der Erfolg eines Unternehmens davon abhängt, dass die Manager nicht nur die Interessen der Aktionäre, der Klienten und Kunden berücksichtigen, sondern auch jene der Mitarbeiter, der Gemeinde, in der das Unternehmen seinen Sitz hat, und der Regierungen. Einschneidende Ereignisse des Jahres 1973, namentlich der Zusammenbruch des Mechanismus der festen Wechselkurse von Bretton Woods und der Jom-Kippur-Krieg, führten dazu, dass das Jahrestreffen seinen Fokus von Managementfragen auf wirtschaftliche und soziale Themenbereiche ausweitete und im Januar 1974 erstmals führende Politiker nach Davos eingeladen wurden. Das European Management Forum änderte seinen Namen 1987 auf World Economic Forum und war in der Folge bestrebt, seine Vision zu erweitern und sich zu einer Plattform für die Lösung internationaler Konflikte zu entwickeln. Führende Politiker nutzen Davos als neutrale Plattform zur Beilegung ihrer Differenzen. So wurde die Davos Declaration, die Griechenland und die Türkei in letzter Minute davon abhielt, einen Krieg zu beginnen, 1988 von diesen beiden Ländern unterzeichnet. Beim Jahrestreffen 1992 traten der südafrikanische Präsident Frederik Willem de Klerk, Nelson Mandela und Mangosuthu Buthelezi erstmals gemeinsam ausserhalb Afrikas auf. Beim Jahrestreffen 1994 unterzeichneten der israelische Aussenminister Schimon Peres und PLO-Vorsitzender Jassir Arafat einen Vertragsentwurf über Gaza und Jericho. 2008 hielt Bill Gates einen Keynote-Vortrag über Creative Capitalism – die Kapitalismusform, die einerseits Gewinne generiert und andererseits die Ungleichheiten der Welt beseitigt, indem sie die Marktkräfte dazu nutzt, den Bedürfnissen der Armen besser Rechnung zu tragen. Kurz vor Weihnachten 2013 wurde bekannt, dass der ehemalige deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Technologie Philipp Rösler mit Wirkung zum 20. Februar 2014 in das Management des Weltwirtschaftsforums berufen worden war. Der frühere Bundesvorsitzende der FDP übernahm dort Verantwortung für die weltweiten Regierungskontakte des Forums und wurde zuständig für die regionalen Aktivitäten ausserhalb der Schweiz. Im Mai 2024 gab Klaus Schwab bekannt, sich aus dem Tagesgeschäft des Weltwirtschaftsforums zurückzuziehen, was Fragen über die Zukunft der Davos-Konferenz aufwarf. Beim 36. Jahrestreffen vom 25. bis 29. Januar war das Thema «Der kreative Imperativ». Das 38. Jahrestreffen fand vom 23. bis 27. Januar 2008 statt und stand unter dem Motto «The Power of Collaborative Innovation» . Unmittelbar vor Eröffnung des Jahrestreffens in Davos war es an den internationalen Börsen zu massiven Kursverlusten gekommen. Die Eröffnungsrede des Treffens hielt die amerikanische Aussenministerin Condoleezza Rice. In ihrer Rede warb Rice für Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft und verwies auf günstige Wachstumsperspektiven. Der britische Premierminister Gordon Brown warnte im Zusammenhang mit der Kreditkrise vor einem neuen Protektionismus, forderte aber Reformen bei den Vereinten Nationen und der Weltbank. Ein kurz zuvor von US-Präsident George W. Bush verkündetes Konjunkturpaket wurde auf dem Treffen von Experten als unzureichend kritisiert. So bezweifelte der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz dessen Wirksamkeit und regte für die Vereinigten Staaten ein Insolvenzrecht für Hausbesitzer an. Stiglitz forderte zudem Zinssenkungen von der Europäischen Zentralbank. Besondere Aufmerksamkeit wurde während des Treffens dem US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Nouriel Roubini zuteil, der beim Jahrestreffen 2007 für die Vereinigten Staaten zutreffend einen wirtschaftlichen Abschwung vorhergesagt hatte. Roubini äusserte sich angesichts der wirkungslosen Zinssenkung durch die US-Notenbank pessimistisch zum weiteren Verlauf der Krise und prognostizierte eine «schwere Rezession». Der Wissenschaftler sagte der US-Wirtschaft eine «harte Landung» voraus und sah für den europäischen Wirtschaftsraum keine Möglichkeit, der Krise zu entkommen. Unterstützung erhielt Roubine von Stephen Roach, Volkswirt der US-Investmentbank Morgan Stanley. Der japanische Premierminister Yasuo Fukuda präsentierte auf dem Treffen das Programm seiner laufenden G8-Präsidentschaft, in dessen Mittelpunkt Klimaschutz und eine Förderung Afrikas standen. Ein Schwerpunkt des Jahrestreffens war der Bereich Social Media. So zählten unter anderem Jimmy Wales, Gründer der Wikipedia, Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, Caterina Fake, Miterfinderin von Flickr, und Chad Hurley von YouTube zu den Gästen. Das Treffen zählte etwa 2500 Teilnehmer, darunter die Vorstandsvorsitzenden von 74 der 100 weltweit grössten Unternehmen. Das 39. Jahrestreffen fand vom 28. Januar bis 1. Februar 2009 statt und stand unter dem Motto «Shaping the Post-Crisis World» . Mit mehr als 40 Staats- und Regierungschefs nahmen deutlich mehr Spitzenpolitiker an dem Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums teil. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hielt die Eröffnungsrede des Treffens. In seiner Rede warnte Putin vor Protektionismus und zu vielen staatlichen Interventionen in der bestehenden Wirtschafts- und Finanzkrise. Der russische Ministerpräsident verwies auf die Sowjetunion als Beispiel staatlicher Überregulierung. Putin warnte vor der Abhängigkeit vom Dollar als einziger globaler Reservewährung und bezeichnete diese als «Gefahr für die Weltwirtschaft». Der russische Ministerpräsident empfahl, sämtliche faulen Finanzwerte in den Bilanzen der Banken offenzulegen und abzuschreiben. Dies sei, so Putin, ein schmerzhafter Prozess, der aber eine Verlängerung der Krise verhindere. Vor dem Hintergrund einer russisch-ukrainischen Auseinandersetzung um Gaslieferungen sprach sich Putin für neue internationale rechtliche Rahmenbedingungen für Energielieferungen aus. In seiner Rede erklärte der chinesische Premierminister Wen Jiabao, dass China für das Jahr 2009 ein Wirtschaftswachstum von acht Prozent anstrebe. Der chinesische Premier machte die Vereinigten Staaten für die Krise verantwortlich, ohne sie jedoch namentlich zu nennen. Wen sprach vielmehr von einer «unpassenden makroökonomischen Politik mancher Volkswirtschaften», die zu einem Missverhältnis von Konsum und Sparen geführt habe. Wen beschrieb die Konsequenzen der Krise auf sein eigenes Land. Dazu gehörten eine deutlich gesunkene Auslandsnachfrage, Überkapazitäten in einigen Wirtschaftszweigen, verschlechterte Bedingungen für Unternehmen, steigende Arbeitslosigkeit in den städtischen Gebieten und gedrücktes Wirtschaftswachstum. Trotzdem zeigte sich der Premier überzeugt, dass sein Land einen Weg aus der Krise finden und zusätzlich auch der Weltwirtschaft wichtige Impulse geben werde. Wens japanischer Amtskollege Tarō Asō betonte die Bedeutung des asiatischen Wirtschaftsraums für die Weltwirtschaft und bei der Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise. Der Premier kündigte in seiner Rede ein Hilfspaket seines Landes im Umfang von 17 Milliarden Dollar an, mit dem asiatische Staaten bei der Überwindung der Wirtschaftskrise unterstützt werden sollten. Die Mittel seien für Investitionen zur Infrastruktur und für die Förderungen des Handels vorgesehen. Asō warnte zudem vor Protektionismus, ebenso wie der britische Premierminister Gordon Brown. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte auf dem Treffen die Schaffung einer «Charta des nachhaltigen Wirtschaftens» und die Einrichtung eines Weltwirtschaftsrates bei den Vereinten Nationen. Die französische Finanzministerin Christine Lagarde warnte vor sozialen Unruhen in Europa, solange die globale Wirtschaftskrise nicht erfolgreich bekämpft werde. Die Regierungen forderte die Ministerin auf, ihre Bürger klar und unmissverständlich über künftige Massnahmen zu informieren. Lagarde bezeichnete Protektionismus und soziale Unruhen als grösste Risiken der Krise. Sie betonte, dass verlorenes Vertrauen wiederhergestellt werden müsse. Zugleich bezeichnete die französische Finanzministerin ein gewisses Mass an Protektionismus als «notwendiges Übel». Scharfe Kritik übte Lagarde an der Entscheidung der amerikanischen Regierungen unter George W. Bush, das amerikanische Finanzinstitut Lehman Brothers nicht durch eine Rettungsaktion vor der Insolvenz zu bewahren. Dies habe einer Vereinbarung der Finanzminister widersprochen, systemrelevante Finanzinstitute zu stützen. Zu einem Eklat kam es während einer Diskussionsveranstaltung zur Lage im Gazastreifen, an der auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und der israelische Präsident Schimon Peres teilnahmen, als der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan aus Protest das Podium verliess. Der Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet erklärte, dass dem Euro durch die Finanzkrise keine Gefahr drohe. Der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, bezeichnete den Euro als einen «Schutzschild für die Länder, die ihm angehören» und beschrieb ihn als «Anker für die Stabilität». Die neue US-Regierung wurde durch Valerie Jarrett repräsentiert. Insgesamt nahmen etwa 2200 Teilnehmer am WEF 2009 teil. Das 40. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums fand vom 27. bis 31. Januar 2010 statt und stand unter dem Motto «Improve the State of the World: Rethink, Redesign, Rebuild» . In seiner Eröffnungsrede sprach sich der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy für eine grundlegende Reform des Finanz- und Währungssystems aus. Sarkozy forderte ein neues Bretton-Woods-Abkommen und sprach von einer Krise der Globalisierung. Der französische Präsident prangerte die Selbstbedienungsmentalität von Bankern ebenso an wie unfaire Handelspraktiken von Schwellenländern wie China. Sarkozy plädierte im Zusammenhang mit der Globalisierung für die Durchsetzung einer «moralischen Dimensio». Nachdem US-Präsident Obama vor dem WEF eine Regulierung des amerikanischen Banken-Sektors angekündigt hatte, war dies auch Thema beim Jahrestreffen in Davos. Anwesende Bankmanager warnten vor einer zu weitreichenden Regulierung des Finanzsektors. So sah Peter Sands, Vorstandschef der britischen Standard Chartered Bank, im Fall einer Überregulierung die Gefahr von Wachstumseinbussen voraus. Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, warnte vor einem Effizienzverlust bei den Kapitalmärkten. Zugleich forderte er dazu auf, Bankenschelte und Schuldzuweisungen zu beenden, ermahnte jedoch ebenfalls seine Branche: «Banken müssen proaktiver sein und zeigen, dass sie zu helfen bereit sind. Weil am Ende arbeiten wir nicht für uns selbst und nicht allein für die Volkswirtschaft, sondern wir arbeiten zum Wohl von Menschen weltweit.» Ackermann brachte erneut seine Idee eines gemeinsamen von europäischen Staaten und Banken finanzierten Fonds zur Rettung oder Abwicklung gefährdeter Banken in die Diskussion ein. Ackermann war neben Melinda Gates Co-Vorsitzender des Treffens. Im Zusammenhang mit der von Barack Obama geplanten Aufspaltung von Grossbanken in Investmentbanken und Banken mit Einlagen- und Kreditgeschäft verwies Axel Weber, Präsident der Bundesbank, auf die guten Erfahrungen, die Europa mit dem Universalbankensystem gemacht habe. Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, befürwortete die Pläne Obamas, insbesondere die geplante Begrenzung von Eigenhandel und Institutsgrösse. Auch der chinesische Vize-Regierungschef Li Keqiang forderte Reformen bei internationalen Finanzinstituten und -märkten sowie eine internationale Koordination von staatlichen Stützungsmassnahmen. Das 41. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums fand vom 26. bis zum 30. Januar 2011 statt und stand unter dem Motto «Shared Norms for the New Reality» . Das Treffen, zu dem 2.500 Teilnehmer angereist waren, wurde vom russischen Präsidenten Dmitri Medwedew eröffnet. In seiner Eröffnungsrede bezeichnete Medwedew den Sturz des tunesischen Staatschefs Zine el-Abidine Ben Ali als «Lektion». Zunehmende Ungleichheit führe zu wachsenden sozialen Spannungen, erklärte der russische Präsident und mahnte: «Was sich ereignet hat, ist, glaube ich, eine ernste Lektion für alle Amtsträger in allen Ländern.» Medwedew sagte die Unterstützung für eine völlige Freiheit des Internets zu und erklärte: «Russland wird keine Initiativen unterstützen, die Freiheit des Internets zu beschneiden.» Das 42. Jahrestreffen fand vom 25. bis 29. Januar 2012 statt und stand unter dem Motto «The Great Transformation: Shaping New Models» . Das Treffen hatte 2600 Teilnehmer, was laut Veranstalter einen Rekord darstellte. Zu den Teilnehmern zählten 40 Staats- und Regierungschefs, darunter auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die die Eröffnungsrede hielt. In ihrer Rede warnte Merkel im Zusammenhang mit den Massnahmen zur Überwindung der Schuldenkrise vor einer Überforderung Deutschlands. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kritisierte während des Treffens die griechische Regierung und warf ihr mangelnde Sparanstrengungen vor. Der Finanzminister wehrte sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion auch gegen eine vom französischen Finanzminister François Baroin geforderte Aufstockung des EFSF-Rettungsfonds. Schäuble widersprach damit zugleich dem britischen Premier Cameron, der am Vortag ebenfalls eine Anhebung der Bürgschaften gefordert und das Krisenmanagement der deutschen Bundeskanzlerin Merkel heftig kritisiert hatte. Auch US-Finanzminister Timothy Geithner kritisierte die europäischen Schritte zur Überwindung der Finanzkrise als zu einseitig an Sparmassnahmen orientiert. Geithner forderte die stärkere Ausrichtung auf ein künftiges Wirtschaftswachstum, das die Voraussetzung für eine Überwindung der Krise sei. Das 43. Jahrestreffen fand vom 23. bis 27. Januar 2013 statt. Das Motto des Treffens lautete «Resilient Dynamism» . Das Treffen zählte mehr als 2500 Teilnehmer, darunter über 1500 hochrangige Manager aus 100 Ländern. Über 40 Staats- und Regierungschefs reisten ebenfalls an. Dazu zählten neben der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel auch der britische Premierminister David Cameron und die Ministerpräsidenten Russlands und Italiens, Dmitri Medwedew und Mario Monti, der die Eröffnungsrede hielt. Darin übte der italienische Premier deutliche Kritik an der Politik seines Amtsvorgängers Silvio Berlusconi. Zu dem vom britischen Premier Cameron kurz zuvor angekündigten Referendum zum Verbleib seines Landes in der EU äusserte Monti, dass er mit einer Zustimmung der Briten rechne, da die Vorteile einer Mitgliedschaft deren Nachteile deutlich überwiegen würden. «Die EU braucht keine Europäer, die keine Europäer sein wollen», erklärte Monti weiter. Während des Treffens forderte Bundeskanzlerin Merkel in einer Rede weitere Massnahmen innerhalb der EU zur Senkung der Arbeitslosigkeit und erklärte die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit zur zentralen Aufgabe bei der künftigen Sicherung des europäischen Wohlstands. Der britische Premier Cameron verteidigte auf dem Treffen das angekündigte Referendum zum Verbleib seines Landes in der EU und bekräftigte seinen Widerstand gegen eine vertiefte politische Integration der EU-Staaten. Die Präsidentin des Internationalen Währungsfonds , Christine Lagarde, gab während des Jahrestreffens eine IWF-Prognose zur ökonomischen Entwicklung des Jahres 2013 bekannt, die von einer «zerbrechlichen und ängstlichen Erholung» der Weltwirtschaft ausging. Lagarde warnte zugleich, dass die Weltwirtschaft die Krise noch nicht überwunden habe. Vielmehr sei die weitere wirtschaftliche Erholung von einer konsequenten Fortführung des bisherigen Stabilitätspolitik abhängig, erläuterte die IWF-Chefin weiter. Der amerikanische Investor George Soros kritisierte die Sparpolitik Deutschlands und warnte vor einem Währungskrieg. Soros befürwortete weitere geldpolitische Lockerungen. Axel A. Weber, Verwaltungsratsvorsitzender der Schweizer Bank UBS und ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank, trat für eine einheitliche globale Regulierung des Bankensektors ein und mahnte die Banken, sich bei Managergehältern und Boni auf ethisch vertretbare Standards festzulegen. Das 44. Jahrestreffen fand vom 22. bis 25. Januar 2014 statt und stand unter dem Motto «The Reshaping of the World: Consequences for Politics, Business and Society» . Die Eröffnungsrede des Treffens hielt der japanische Premierminister Shinzō Abe. Der Premier präsentierte dabei seine als Abenomics bezeichneten Wirtschaftspolitik, mit der die bestehende Deflation in Japan überwunden und sich das Land zur weltweit wirtschaftsfreundlichsten Nation entwickeln soll. Die von Abe als Folge der expansiven Fiskalpolitik des deficit spending tolerierte Schwächung des Yen zur Ankurbelung japanischer Exporte wurde in Davos auch als Angriff auf die von Deutschland verfolgte Stabilitätspolitik bezeichnet. Abe sprach sich gegen weitere militärische Expansionen im asiatischen Raum und für Transparenz bei den Verteidigungsausgaben in der Region aus. Seine im Zusammenhang mit dem Konflikt um die Senkaku-Inseln geäusserte Forderung nach Einhaltung des internationalen Seerechts richtete sich an China, dessen direkte Erwähnung Abe jedoch vermied. Gegenüber Journalisten verglich Abe das Verhältnis zwischen Japan und China mit dem von Deutschland und dem Vereinigten Königreich vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Seinen von China und anderen Nachbarn kritisierten Besuch im Yasukuni-Schrein Ende 2013 wollte Abe als «Antikriegsgeste» verstanden wissen. Erstmals hatte der Vatikan mit Kardinal Peter Turkson einen Sondergesandten zum Weltwirtschaftsforum geschickt, der am Eröffnungstag eine Botschaft von Papst Franziskus an die Konferenzteilnehmer verlas. Darin lobte der Papst die Erfolge des modernen Unternehmertums und forderte zugleich eine gerechtere Verteilung des globalen Wohlstands. Franziskus erinnerte an die «klare Verantwortung gegenüber anderen, vor allem denjenigen, die am zerbrechlichsten, schwächsten und verwundbarsten sind» und verurteilte den weltweiten Hunger als «nicht hinnehmbar». Die erstmals anwesende brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff schilderte eine positive Lage ihres Landes, nachdem eine Bloomberg-Umfrage unter Investoren im November 2013 pessimistische Erwartungen zur wirtschaftlichen Entwicklung Brasiliens und negative Einschätzungen zu Rousseffs Wirtschaftspolitik ergeben hatte. Rousseff verwies auf grosse soziale Fortschritte, die für breite Schichten der Bevölkerung zu einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage geführt hätten. Auch seien in den vorangegangenen zehn Jahren in Brasilien über vier Millionen neue Arbeitsplätze entstanden, während das Durchschnittseinkommen um sieben Prozent zugenommen habe. Als entscheidend für den bisherigen und künftigen wirtschaftlichen Aufstieg Brasiliens bezeichnete Rousseff Investitionen zur Verbesserung der Infrastruktur des Landes. Als wichtige Ziele ihrer künftigen Politik nannte sie die Konsolidierung öffentlicher Finanzen, den Abbau von Inflation und die Stabilisierung der brasilianischen Währung. Rousseff versprach, die Wettbewerbsfähigkeit Brasiliens zu steigern, und versicherte ausländischen Investoren, dass ihr Land über sichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen verfüge und geschlossene Verträge eingehalten würden. Als konkretes Ziel ihrer Wirtschaftspolitik nannte Rousseff die Verringerung der jährlichen Inflation von 6 auf 4,5 Prozent. Nach Angaben ihrer Berater diente Rousseffs Rede vor allem dem Ziel, das Vertrauen von Investoren zurückzugewinnen. Zur brasilianischen Delegation zählten neben Rousseff auch ihr Finanzminister Guido Mantega und die Präsidenten der brasilianischen Zentralbank, Alexandre Tombini, und der Brasilianischen Entwicklungsbank, Luciano Coutinho. Der iranische Präsident Hassan Rohani nutzte die erste Rede eines Präsidenten der Islamischen Republik seit zehn Jahren dazu, das Interesse seines Landes an besseren Beziehungen zum Westen zu verkünden. Rohani warb um ausländische Investitionen für sein Land, vor allem für die Ölindustrie, für die er ein neues Investitionsmodell ankündigte. In einem Interview hatte er zuvor als Signal der Entspannung eine Wiedereröffnung der US-Botschaft in Teheran in Aussicht gestellt. Rohani bekräftigte den «friedlichen Charakter» des iranischen Atomprogramms. Iran habe nicht die Absicht, Atomwaffen zu produzieren, sondern wolle innerhalb von 30 Jahren zu den zehn grössten Volkswirtschaften der Welt aufsteigen, so der Präsident weiter. Nachfragen des WEF-Gründers Klaus Schwab bei einer späteren Podiumsdiskussion bezüglich freundschaftlicher Beziehungen zu Israel erteilte Rohani eine Absage. Der britische Premier David Cameron forderte In seiner Rede die europäischen Staaten auf, die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents zu erhöhen. Um dies zu erreichen, müsse das wirtschaftliche Umfeld liberalisiert und die Steuern gesenkt werden, erklärte der Premier. Ziel sei es, so Cameron, möglichst viele der in der Vergangenheit aus Europa abgewanderten Arbeitsplätze zurückzuholen, vor allem aus Asien und Osteuropa. Für sein Land gab er die Vorgabe aus, zu einer «Reshore»-Nation zu werden. Der Premier wiederholte seine Forderung nach Begrenzung von Immigration und seine Ablehnung einer Zuwanderung in die Sozialsysteme. Immigration müsse mit «Wohlfahrt und Ausbildung kombiniert werden», so Cameron. Am Abschlusstag des Treffens bekräftigte der EU-Währungskommissar Olli Rehn, dass die Existenzkrise des Euro überwunden sei und sich die Währung in einer Erholungsphase befände. Zuvor hatte Axel A. Weber, Verwaltungsratspräsident der Schweizer Grossbank UBS und bis 2011 Bundesbankpräsident, vor einer erneuten Verschärfung der Euro-Krise gewarnt. Weber mahnte, aufgrund einer leichten wirtschaftlichen Erholung in Europa und günstiger Prognosen für das Jahr 2014 nicht in Euphorie zu verfallen. Als drohende Risiken für 2015 nannte Weber das Erstarken EU-kritischer Parteien bei der Europawahl im Mai und das Ergebnis des EZB-Bankenstresstests im November. Weber äusserte sich skeptisch zur ökonomischen Situation der EU-Länder, von denen nur Deutschland bereits wieder Vorkrisenniveau erreicht habe, während in vielen südeuropäischen Staaten die wirtschaftliche Situation für grosse Teile der Bevölkerung weiter angespannt sei. Unterschiedlich bewertete er auch die Situation in Europa und den Vereinigten Staaten bei der Krisenbewältigung: «Die USA sind zurück, Europa nicht.» Das 45. Jahrestreffen fand vom 21. bis 24. Januar 2015 statt und stand unter dem Motto The New Global Context . Es wurden vier Kernthemen diskutiert: Crisis & Cooperation , Growth & Stability , Innovation & Industry sowie Society & Security . Über 2.500 Personen aus 140 Ländern nahmen teil. Eine Berechnung ergab, dass bei der Anreise der Teilnehmer mit Flugzeugen, darunter ungefähr 200 Privatjets, ca. 1400 Tonnen des Treibhausgases CO2 ausgestossen wurden. Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang hielt die offizielle Eröffnungsrede des Treffens. In seiner Ansprache versuchte der Premier Ängste auszuräumen, dass das Wirtschaftswachstum Chinas künftig erlahmen könne, nachdem das Wirtschaftswachstum seines Landes 2014 auf den niedrigsten Stand seit 1990 gesunken war. Li sagte für 2015 ein Wachstum der chinesischen Wirtschaft von sieben Prozent voraus und bezeichnete dies als «neue Normalität», bei der die Steigerungsraten niedriger ausfielen, aber stabiler seien. Der chinesische Premier warb in Davos zugleich um internationale Investoren und kündigte für sein Land Reformen bei Eigentumsrechten, Rechtsstandards und Marktzugangsbeschränkungen an. Li nannte hier auch eine schrittweise Freigabe des Yuan und die Förderung von privatem Unternehmertums in der chinesischen Bevölkerung zur Ankurbelung der Inlandsnachfrage. Zu den sechs Co-Vorsitzenden des Treffens zählten Eric Schmidt, Executive Chairman von Google sowie Jim Yong Kim, Präsident der Weltbank. In seiner Rede lobte der französische Präsident Hollande das EZB-Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen und bezeichnete es als Aufforderung, bei künftigen Reformen innerhalb der EU mutiger zu sein, um Wachstums- und Beschäftigungshemmnisse zu beseitigen. Zugleich bezeichnete Hollande die Steigerung des Wirtschaftswachstums innerhalb der EU als vorrangig und erklärte, das EZB-Programm werde die Finanzierung für europäische Unternehmen erleichtern und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern. Mit dem Anschlag auf Charlie Hebdo vom 7. Januar 2015 sei nicht nur Frankreich angegriffen worden, sondern die Fundamente jeder freien Gesellschaft, erklärte der französische Präsident. Hollande forderte die Wirtschaft auf, sich am Kampf gegen den Terror zu beteiligen, und hob die Verantwortung von Internetkonzernen und Banken hervor, um den Terrorismus von seinen Ressourcen abzuscheiden. Er forderte in diesem Zusammenhang, die Überwachung von Unternehmensnetzwerken und des Internets auszuweiten. Hollande warnte die anwesenden Unternehmer: «Alimentieren Sie nicht heute eine Bestie, die Sie angreifen kann.» Zugleich sprach sich der Präsident für ein verstärktes internationales Engagement in Syrien aus und kündigte für sein Land eine Ausweitung der militärischen und humanitären Einsätze an. Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel betonte in ihrer Rede die Unabhängigkeit der EZB bei ihrer Entscheidung für das Aufkaufprogramm und forderte zugleich von der Politik, Wachstumsimpulse durch «vernünftige Rahmenbedingungen» zu setzen. Merkel warnte davor, dass die Flut an Liquidität die wirkliche ökonomische Lage von einzelnen Staaten verdecken könne. Staaten, die schon in der andauernden Niedrigzinsphase ihre Haushaltsprobleme nicht lösen könnten, sagte sie Probleme für den Fall einer Normalisierung des Zinsniveaus voraus und nannte die Aufhebung der Euro-Bindung beim Schweizer Franken als Beispiel einer Normalisierung. Zur Eurokrise sagte die Kanzlerin: «Sie haben wir einigermaßen im Griff, überwunden aber ist sie nicht. Europa hat noch nicht ausreichend Vertrauen und noch nicht ausreichend Wettbewerbsfähigkeit zurückgewonnen.» Für Deutschland kündigte sie eine Fortsetzung des Spar- und Reformkurses an. Ausdrücklich lobte Merkel den Reformfortschritt in Italien. Sie warb auch für das geplante Freihandelsabkommen TTIP mit den Vereinigten Staaten und erklärte, ein «großes Plädoyer» für Freihandelsabkommen abgeben zu wollen. Merkel nannte die Abkommen eine «einzigartige Chance», Wachstumsmöglichkeiten durch den Abbau transatlantischer Handelshemmnisse zu vergrössern und europäische Standards beim Umwelt- und Verbraucherschutz durchzusetzen. Merkel kündigte eine Aufholjagd Europas bei der Digitalisierung an. Der amerikanische Aussenminister Kerry rief in seiner Rede beim Jahrestreffen die Anwesenden zur Einigkeit auf: «Wir müssen dem Terrorismus zeigen, dass wir immer stärker werden, je mehr man uns versucht zu trennen.» Zugleich müsse man die Faktoren verstehen lernen, die Menschen in den Terrorismus führten, so Kerry weiter. Der Aussenminister betonte weiterhin den Unterschied zwischen Verstehen und Akzeptanz und erklärte, es gebe keinen Grund, der Terror rechtfertigen könne. In einer emotionalen Rede schilderte Kerry persönliche Eindrücke von Gräueltaten des IS, die er bei Besuchen in betroffenen Gebieten erhalten habe. Den «IS zu besiegen» sei eine zentrale Herausforderung, so der Aussenminister weiter, der die internationalen Massnahmen und Absprachen zur Bekämpfung der Terrorgruppe ausdrücklich lobte. Das Vorgehen der nigerianischen Terrorgruppe Boko Haram, ganze Landstriche zu erobern und zu halten, beschrieb er als ein neues Phänomen. Von der internationalen Staatengemeinschaft forderte Kerry, mehr Mittel zur Terrorbekämpfung zur Verfügung zu stellen. Der amerikanische Aussenminister warnte davor, Muslime unter Generalverdacht zu stellen: «Der größte Fehler wäre, Muslime kollektiv zu beschuldigen. Der gewalttätige Extremismus macht sich in allen Gegenden der Welt und in allen Religionen breit.» Von Unternehmen und Konzernen forderte der US-Aussenminister stärkere Unterstützung im politischen Kampf gegen den Terror. So müsse die Jugendarbeitslosigkeit verringert und die Möglichkeiten zur beruflichen Bildung verbessert werden, um dem Terrorismus den Nährboden zu entziehen. Dazu brauche man die Privatwirtschaft, so Kerry weiter. Aus Russland war im Vorfeld des Treffens berichtet worden, dass Präsident Putin und Ministerpräsident Medwedew 2015 nicht nach Davos reisen würden. Stattdessen nahmen die russischen Regierungsmitglieder Igor Schuwalow und Arkadi Dworkowitsch an dem Treffen teil. Während einer Podiumsdiskussion erklärte Schuwalow, dass Sanktionen gegenüber Russland wirkungslos bleiben würden. Sie seien der Versuch, Russland in eine Ecke zu drängen und zu bevormunden. Dem werde sein Land nicht nachgeben, so Schuwalow weiter. Seinem Hinweis, dass westliche Freiheiten in Russland bereits seit der Zarenzeit unter Katharina der Grossen zwangsläufig zu Chaos führen würden, was sich auch nach Glasnost und Perestroika unter Gorbatschow bestätigt habe, wurde auch von russischen Diskussionsteilnehmern widersprochen. Der ehemalige russische Finanzminister Kudrin nannte Gorbatschows Reformen notwendig, da die sowjetische Führung das Land vorher durch Inkompetenz abgewirtschaftet habe. Ursache der russischen Probleme sei nicht ein Übermass an Freiheit, sondern weiterhin unterentwickelte Institutionen, schilderte Kudrin. Schuwalow gestand ein, dass die Lage in seinem Land «sehr schwierig» sei, und widersprach zugleich Gerüchten, seine Regierung werde die Unabhängigkeit der russischen Zentralbank beenden oder Währungskontrollen einführen. Er sagte eine weitere Intensivierung der wirtschaftlichen Kooperation mit China voraus. Der ukrainische Präsident Poroschenko verkürzte aufgrund des Wiederaufflammens der militärischen Auseinandersetzungen in der Ostukraine seine Anwesenheit auf lediglich den ersten Tag. In einer Rede verglich Poroschenko das russische Vorgehen mit Terroranschlägen islamistischer Attentäter und forderte von den europäischen Staaten Solidarität. Er erklärte, die Ukraine sei «komplett europäisch» und kämpfe «für die europäische Einheit und für die europäischen Werte». Russland sei als Aggressor mit mehr als 9000 Soldaten und 500 Panzern in die Ukraine eingerückt, so Poroschenko weiter. Während seiner Rede hielt der ukrainische Präsident ein zerschossenes Blech in die Runde und gab an, dies stamme von einem Passagierbus, der unter russischen Raketenbeschuss geraten sei. Nach Angaben Poroschenkos befürwortet eine breite Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung die Westintegration ihres Landes und mehr als 50 Prozent einen Beitritt zur NATO. Zur Unterstützung seines Landes forderte der Präsident von der internationalen Gemeinschaft Kredite. Nach einem Treffen mit Poroschenko sagte die IWF-Chefin Lagarde ihre Unterstützung zu. Hohe Resonanz rief Google-Chairman Eric Schmidt mit seiner Prognose zum «Verschwinden des Internets» hervor. Auf einer Podiumsdiskussion, an der auch Microsoft-CEO Satya Nadella, Facebook-COO Sheryl Sandberg, Yahoo-Chefin Marissa Mayer und Vodafone-CEO Vittorio Colao teilnahmen, erklärte Schmidt, dass das Internet so in den menschlichen Alltag integriert sein werde, dass es künftig nicht mehr als solches spürbar sein werde. Nach Schmidt werde die «Grenze zwischen dem Online- und Offline-Sein» verschwinden. Die unabhängige Nicht-Regierungs-, Entwicklungs- und Katastrophenschutzhilfeorganisation Oxfam wies anlässlich der Konferenz auf die zunehmende Auseinanderentwicklung von Einkommen und Vermögensverteilung innerhalb der Weltbevölkerung sowie auf die umfangreiche Lobbyarbeit der Vermögenden und ihrer Institutionen unter massivem Geldeinsatz hin. Winnie Byanyima, amtierende Geschäftsführerin von Oxfam International, nahm ebenfalls als Co-Vorsitzende an dem Treffen teil. Nach einer Diskussion zum Thema prognostizierte die Mehrheit der Anwesenden, die Ungleichheit auch in den Industrieländern werde weiter zunehmen. Der amerikanische Investor und Dollar-Multi-Milliardär George Soros kritisierte gegen Schluss der Veranstaltung, dass das am 22. Januar von der Europäischen Zentralbank verkündete «Expanded asset purchase programme» zum Ankauf von europäischen Staatsanleihen die weltweite Spaltung zwischen Arm und Reich verstärken, vor allem Aktionäre massiv unterstützen sowie die Löhne weiter unter Druck halten werde. Das Treffen ging mit Beratungen zu Krisenbewältigungen sowie der Suche nach Möglichkeiten zur Reduzierung der zunehmenden weltweiten Armut und nach weiterem Wirtschaftswachstum zu Ende. Das 46. Jahrestreffen fand vom 20. bis 23. Januar 2016 statt und stand unter dem Motto Mastering the Fourth Industrial Revolution . Zum Treffen eingeladen waren 2795 Teilnehmer, darunter mehr als 90 Minister sowie über 40 Staats- und Regierungschefs. Nach zwölf Jahren nahm mit Joe Biden erstmals wieder ein US-Vizepräsident an dem Treffen teil. Von der US-Regierung waren zugleich Aussenminister John Kerry, Verteidigungsminister Ashton Carter, Justizministerin Loretta Lynch und Gesundheitsministerin Sylvia Mathews Burwell in Davos vertreten. Auch der britische Premierminister David Cameron nahm an dem Treffen teil. Im Herbst 2015 hatte das Weltwirtschaftsforum an Nordkorea eine Einladung zum Jahrestreffen ausgesprochen, so dass Pjöngjang erstmals nach 18 Jahren eine Delegation für Davos angemeldet hatte. Die Delegation sollte unter der Leitung des nordkoreanischen Aussenministers Ri Su-yong stehen, der zuvor für sein Land schon Botschafter in der Schweiz und Repräsentant bei den Vereinten Nationen in Genf gewesen war. Im Zusammenhang mit einem nordkoreanischen Kernwaffentest Anfang Januar 2016 zog das Weltwirtschaftsforum seine Einladung aber zurück, da diese nach den Worten des WEF-Vorstands Rösler nicht mehr angemessen gewesen sei. Die Ausladung wurde von der nordkoreanischen Führung scharf kritisiert. Aus Deutschland waren Finanzminister Wolfgang Schäuble und Bundespräsident Joachim Gauck angereist, der die Eröffnungsrede hielt. Thema seiner Rede war die Flüchtlingskrise in Europa. Gauck sprach sich für eine offene Debatte über die Aufnahmefähigkeit Deutschlands aus und erklärte, eine Strategie zur Begrenzung könne «moralisch und politisch sogar geboten sein, um die Handlungsfähigkeit des Staates zu erhalten» oder «die Unterstützung für eine menschenfreundliche Aufnahme der Flüchtlinge zu sichern». Sie sei daher «nicht per se unethisch», so Gauck weiter. Zugleich bezeichnete er die Aufnahme von Flüchtlingen als ein humanitäres Gebot, das nicht aus Kostengründen verweigert werden dürfe. Der Bundespräsident forderte auch eine offene Diskussion über die Probleme im Zusammenhang mit Migration und Integration, um nicht «Populisten und Fremdenfeinden das Feld» zu überlassen. Kritik äusserte er an der fehlenden Solidarität in der Europäischen Union, und vor allem in Osteuropa. «Ich kann aber nur schwer verstehen, wenn ausgerechnet Länder Verfolgten ihre Solidarität entziehen, deren Bürger als politisch Verfolgte einst selbst Solidarität erfahren haben», kritisierte Gauck. Der deutsche Finanzminister Schäuble debattierte in Davos mit den Ministerpräsidenten Mark Rutte, Niederlande und Alexis Tsipras, Griechenland, sowie dem französischen Premierminister Manuel Valls zur «Zukunft Europas». Schäuble forderte einen neuen europäischen Marshallplan, dessen Gelder nicht nach Europa fliessen, sondern für die Versorgung von Flüchtlingen in den Nachbarstaaten Syriens und zum Wiederaufbau der vom Bürgerkrieg zerstörten Landesteile dienen sollten. Er kündigte an, dass viele Milliarden ausserhalb von Europa investiert würden, «um den Druck auf die Außengrenzen zu verringern». Das Ertrinken von Flüchtlingen an den europäischen Aussengrenzen erklärte der Finanzminister zu einer «Schande für unsere europäische Kultur und Zivilisation.» Die Krisenherde im Nahen Osten und in Afrika nannte er ein europäisches Problem: «Was dort schiefgeht, landet nicht in den USA oder in Australien, es landet in Europa.» Weil feste europäische Schlüssel zur Verteilung von Flüchtlingen zuvor gescheitert waren, sprach sich Schäuble bei der Versorgung von Flüchtlingen für eine «Koalition der Willigen» aus. Zu den Kosten der Flüchtlingskrise sagte er, dass diese Europa viel mehr kosten werde als bislang angenommen. Schäuble wiederholte in Davos seinen Vorschlag, zur Finanzierung der Flüchtlingskrise eine Benzinsteuer einzuführen. Der griechische Ministerpräsident Tsipras sprach sich gegen eine Abriegelung der europäischen Aussengrenzen aus. Sein niederländischer Kollege Rutte nannte die folgenden sechs bis acht Wochen entscheidend, um die Zuwanderung zu reduzieren. Zu den von Tsipras während der Diskussion geäusserten Klagen über die Härte der Auflagen für das dritte Hilfspaket erklärte der Bundesfinanzminister, dass die getroffenen Vereinbarungen umgesetzt werden müssten. Schäuble bekräftige seine Forderung dabei durch eine Abwandlung eines Wahlkampfmottos des früheren US-Präsidenten Bill Clinton: «It’s the implementation, stupid!» Vorwürfe, er habe mit dieser Äusserung den griechischen Ministerpräsident beleidigt, wies eine Sprecherin Schäubles kurz darauf zurück. Einige ökonomische Aussagen von Tsipras führten bei Teilnehmern in Davos zu Irritationen und an den internationalen Finanzmärkten zu steigenden Renditen bei griechischen Staatsanleihen. Der US-amerikanische Investor George Soros warnte im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise vor einem Auseinanderfallen Europas. Sollte es der EU nicht gelingen, sich auf eine gemeinsame Asylpolitik zu einigen, werde der Konflikt die Union sprengen, sagte Soros in Davos voraus. Der Investor verglich Europa mit einem «Kino ohne Notausgänge, in dem Feuer ausgebrochen ist.» Die Situation in Griechenland bezeichnete er als ein dauerhaftes Problem, für das es keine Lösung gebe und bei dem man sich weiter «durchwursteln» müsse. Soros beschrieb die wirtschaftliche Lage in Asien als problematisch und erklärte weiter, dass China mit hoher Wahrscheinlichkeit einen starken Wirtschaftseinbruch erleben werde. Diese Sorge um die künftige wirtschaftliche Entwicklung Chinas wurde in Davos von vielen geteilt. Die anwesenden Vertreter chinesischer Unternehmen, darunter Jiang Jianqing, Vorsitzender der Industrial and Commercial Bank of China, und Jack Ma, der Gründer und CEO der Alibaba Group, sprachen sich für eine differenziertere Beurteilung der ökonomischen Lage aus. Viele Konferenzteilnehmer äusserten sich in Davos besorgt zu den unbeabsichtigten wirtschaftlichen Folgen der Anti-Korruptionskampagne des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping, welche die Finanzmärkte erschütterten. IWF-Direktorin Christine Lagarde kritisierte in diesem Zusammenhang das Kommunikationsverhalten der chinesischen Führung. «Es führt zu Unsicherheit, wenn die Märkte nicht wissen, was die Politik macht und wie das einzuschätzen ist», erklärte Lagarde auf dem Jahrestreffen. Zugleich rief sie zu mehr Geduld auf. Zur Flüchtlingskrise erklärte die IWF-Chefin, dass diese zu mehr Wirtschaftswachstum führen werde. Für Gesamteuropa nannte Lagarde ein Plus von 0,2 Prozent und für Deutschland ein Plus von 0,5 Prozent. Zugleich warnte sie vor den wirtschaftlichen Folgen für den Fall, dass das Schengener Abkommen scheitere. Lagarde kündigte in Davos ihre Kandidatur für eine weitere Amtszeit an. Im Zusammenhang mit der vierten Industriellen Revolution forderte US-Vizepräsident Biden in einer Rede die Regierungen in Davos auf, sich auf die Kernaufgaben des Staates zu konzentrieren, um den Herausforderungen einer weiteren Digitalisierung der Gesellschaft begegnen zu können. Biden warnte im Zusammenhang mit der Digitalisierung vor Arbeitsplatzverlusten. Er betonte vor allem die Risiken für den gesellschaftliche Mittelstand, den er als «Gewebe, das die Gesellschaft zusammenhält» bezeichnete. Er forderte in diesem Zusammenhang, die Digitalisierungsgewinne durch progressive Steuergesetze gerechter zu verteilen, um den Mittelstand zu stärken und eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern. Die wachsende Ungleichheit zwischen Arm und Reich beschrieb Biden als Wachstumshemmnis und als Nährboden für eine Radikalisierung. Der Vizepräsident bekräftigte die Bedeutung von Bildung und Infrastruktur für die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Gemäss seiner Verbundenheit mit der Mittelklasse beschrieb Biden sich selbst in Davos als «Mittelklassen-Joe». Auch der Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums Schwab warnte vor den Gefahren einer weiteren Verschmelzung der physikalischen und digitalen Welt und erklärte zur Digitalisierung: «In ihrer pessimistischsten Form hat sie das Potential, die Menschheit zu Robotern zu machen und uns unsere Seele zu nehmen». Um dieses zu verhindern, forderte Schwab von den Teilnehmern einen grösseren Willen zur aktiven Gestaltung der laufenden Veränderungsprozesse. Im Zusammenhang mit dem Motto des Weltwirtschaftsforums, der Vierten industriellen Revolution, wurden Themen rund um künstliche Intelligenz und ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten diskutiert. Ulrich Spiesshofer, Chef des Schweizer Konzerns ABB, Vishal Sikka, Chef des indischen IT-Dienstleisters Infosys, und Günther Oettinger, Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, betonten die Chancen von intelligenten Robotern und selbstlernenden Softwareprogrammen. Das Thema künstliche Intelligenz verbanden die Vertreter der Wirtschaft mit grossen Fortschritts- und Wachstumsvoraussagen. RWE-Chef Peter Terium forderte einheitliche europäische Datenschutzregeln, die Unternehmen nicht zu sehr einschränkten. Das 47. Jahrestreffen fand vom 17. bis 20. Januar 2017 statt und stand unter dem Motto Responsive and Responsible Leadership . An dem Treffen nahmen über 3000 Besucher aus über 100 Ländern teil, darunter mehr als 40 Staats- und Regierungschefs. Mit Xi Jinping nahm erstmals ein chinesischer Staatspräsident am Jahrestreffen teil. Xi hielt auch die Eröffnungsrede. Weitere Gäste waren der US-Vizepräsident Joe Biden und US-Aussenminister John Kerry, deren Amtszeit allerdings mit der Amtseinführung des neuen Präsidenten Donald Trump am 20. Januar 2017, dem letzten Tag des Jahrestreffens, offiziell endete. Ein Vertreter der neuen US-Administration war Anthony Scaramucci, ein früherer Hedgefonds-Manager. Von den Regierungschefs der G7-Staaten war nur die britische Premierministerin Theresa May angereist. Sie erläuterte den Teilnehmern des Jahrestreffens das Vorgehen ihrer Regierung im Zusammenhang mit dem zuvor angekündigten «harten Brexit». Beobachter beschrieben die Reaktionen auf ihren Vortrag als fast unhöflich, da die Teilnehmer von ihrer zuvor bereits in gleichem Wortlaut gehaltenen Rede enttäuscht gewesen seien. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan warnte in Davos vor den Folgen eines «harten Brexits», da Unternehmen nicht einfach von London auf den Kontinent ausweichen würden, sondern nach «Hongkong, Singapur oder irgendwo sonst». Aus Deutschland waren Finanzminister Wolfgang Schäuble und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zu dem Jahrestreffen angereist. Internationale Organisationen wurden durch den neuen UN-Generalsekretär António Guterres vertreten, sowie durch die Generaldirektorin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde und Jim Yong Kim, den Generaldirektor der Weltbank. Ein zentrales Thema des Jahrestreffens war die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Auch die Rede des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping stand im Zusammenhang mit der Wahl Trumps, obwohl er den neuen amerikanischen Präsidenten namentlich nicht erwähnte. In seiner Rede bekräftigte Xi die Unterstützung seines Landes für Globalisierung und Freihandel. Er sprach sich zugleich gegen Protektionismus aus und erklärte: «Protektionismus ist, als ob man sich in einen dunklen Raum einschließt». Xi appellierte unmittelbar an Trump: «Niemand wird als Sieger aus einem Handelskrieg hervorgehen. Wenn wir auf Schwierigkeiten stoßen, sollten wir uns nicht beschweren, anderen die Schuld geben oder weglaufen. Stattdessen sollten wir Hand in Hand gehen und uns der Herausforderung stellen». Beobachter werteten die Rede von Xi positiv, beschrieben aber zugleich die gravierenden Defizite Chinas bei der Öffnung seiner eigenen Wirtschaft, bei Menschenrechten, Zensur und beim Umweltschutz. Xi Jinpings Äusserungen wurden auch als Beleg für ein Erstarken des Landes im internationalen Vergleich gedeutet. Beobachter berichteten, die Stimmung auf der Konferenz sei von Sorgen über ein Versagen der liberalen Ordnung bestimmt gewesen. Der italienische Finanz- und Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan erklärte die in vielen europäischen Staaten zu beobachtende Hinwendung bestimmter Bevölkerungsgruppen zum Populismus durch eine Desillusionierung vieler Arbeitnehmer. Diese seien enttäuscht von einem schlechten Schutz durch ihre Sozialsysteme und den geringen Zukunftschancen ihrer Kinder, so Padoan weiter, der zugleich davon sprach, dass die Ablehnung dieser Menschen gegenüber dem Establishment «die politische Landschaft dominiert». Und während die Herausforderungen offenkundig seien, fehlten Europa Visionen, wie diese Probleme durch glaubwürdige Politik gelöst werden könnten. Der frühere Chefökonom der Weltbank Larry Summers bezeichnete als Hauptgrund für die Unzufriedenheit der Menschen nicht Globalisierung oder Digitalisierung, sondern ein schweres Versagen der Politik. Hätte die Politik weltweit «nur ein Zehntel» der Energie, die zum Schutz der Patente grosser Konzerne aufgewendet wurde, in die Bekämpfung der Steuerflucht investiert, wäre die Welt heute ein lebenswerterer Ort, so Summers weiter. Und in einer solchen Welt wäre auch die Mittelklasse viel einfacher von der Politik zu überzeugen. Christine Lagarde fügte hinzu, dass der Internationale Währungsfonds bereits vor Jahren vor den Folgen wachsender Ungleichheit gewarnt habe, diese Mahnungen jedoch ungehört verklungen seien. Nachdem in den Vereinigten Staaten ca. 50 Prozent statt zuvor 60 Prozent zur Mittelklasse gerechnet werden könnten, seien geringes Wirtschaftswachstum und Ungleichheit Elemente einer «Krise der Mittelklasse in den Industriestaaten». Klaus Schwab, der Gründer und Vorsitzende des WEF, forderte in seiner Rede, dass der «Kapitalismus inklusiver» werden und das weltwirtschaftliche Wachstum einer möglichst grossen Zahl von Menschen zugutekommen müsse. In diesem Zusammenhang wurden vier Themenblöcke erörtert: Wirtschaftswachstum, «Ausgleichsmechanismen zwischen den Verlierern und den Gewinnern in einer Marktwirtschaft», Digitalisierung und gerechtere Märkte. Das 48. Jahrestreffen fand vom 23. bis 26. Januar 2018 statt. Es zählte mehr als 3000 Teilnehmer, darunter mehr als 70 Staats- und Regierungschefs, ein neuer Rekord. Es stand unter dem Motto Creating a Shared Future in a Fractured World . Schwerpunkte des Treffens waren Umweltprobleme sowie Cyberattacken, politische Krisen und wirtschaftliche Ungleichheit. Der Gründer des WEF, Klaus Schwab, appellierte im Vorfeld angesichts «der Chance wirtschaftlicher Erholung» an Staats- und Regierungschefs, «entschlossen und gemeinsam gegen komplexe Probleme in allen Bereichen vorzugehen». Laut Konferenzleiter Schwab stammte ein Drittel der über 3000 Teilnehmer aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Während des Forums waren bis zu 5000 Soldaten im Einsatz, davon 1100 aus Österreich. Der Luftraum über Davos wurde in einem Umkreis von 50 Kilometern gesperrt. Gäste und Redner waren US-Präsident Donald Trump, Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni, die britische Premierministerin Theresa May, Spaniens König Felipe VI., EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, die Chefin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde, Indiens Premierminister Narendra Modi, Alphabet-Präsident Eric Schmidt, JPMorgan-Chase-CEO James Dimon, Alibaba-CEO Daniel Zhang, die Schauspielerin Cate Blanchett und der Musiker Elton John. Zur Delegation des US-Präsidenten gehörten nach Angaben des Weissen Hauses Aussenminister Rex Tillerson, Handelsminister Wilbur Ross, Arbeitsminister Alexander Acosta, Verkehrsministerin Elaine Chao, Energieminister Rick Perry und die Ministerin für innere Sicherheit Kirstjen Nielsen. Weitere Delegationsmitglieder waren Handelsbeauftragter Robert Lighthizer, Thomas Bossert, Assistent des Präsidenten für Sicherheit und Terrorabwehr, Chefberater und Schwiegersohn des Präsidenten Jared Kushner und Mark Andrew Green, Administrator der US-Agentur für internationale Entwicklung. Die Delegation wurde von Finanzminister Steven Mnuchin angeführt. Ein zentrales Thema des Treffens war die Teilnahme des seit einem Jahr amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, der am 9. Januar 2018, 14 Tage vor Beginn der Veranstaltung, seine Einladung angenommen hatte. Medien spekulierten, dass die Zusage durch Trumps Trennung von seinem früheren Chefberater Stephen Bannon begünstigt wurde, der das WEF als «Hort der feigen globalen Elite» beschrieben hatte. Es gab auch Berichte, dass Donald Trump von Emmanuel Macron in einem Telefonat zur Teilnahme bewegt worden sei. Trump gab durch seine Sprecherin Sarah Huckabee Sanders an, er wolle in Davos seine «America First»-Politik voranbringen. In Davos nahm Trump erstmals am WEF teil. Als Geschäftsmann hatte er allerdings bereits im Jahr 2002 das WEF in New York besucht, berichtete der deutsche Unternehmer und WEF-Mitgründer Ulrich L. Bettermann. Einen amtierenden US-Präsidenten als Teilnehmer des WEF hatte es vor Donald Trump nur einmal mit Bill Clinton im Jahr 2000 gegeben. Kanadas Regierungschef Justin Trudeau verkündete den Abschluss eines neuen Freihandelsvertrags für den pazifischen Raum , und der Schweizer Präsident Alain Berset warnte vor Misstrauen in Multilateralität und Freihandel: Furcht sei «kein Treibstoff für Innovationen». US-Präsident Donald Trump – wenn auch gerade er als Symbol einer «Welt der Fragmentierung» mit nationalistischer und protektionistischer Rhetorik gesehen werden konnte – erhöhte kurz vor dem WEF die US-Zölle auf Waschmaschinen und Solarzellen, von denen ein Grossteil in China und Südkorea produziert werden. In ihrem alljährlich vor dem WEF-Jahrestreffen veröffentlichten Bericht Reward Work, not Wealth warnte die Entwicklungsdachorganisation Oxfam vor weiter zunehmender weltweiter Ungleichheit: 82 Prozent des 2017 neu erwirtschafteten Vermögens seien an das reichste Prozent der Weltbevölkerung geflossen; dieses besitze damit mehr als die anderen 99 Prozent zusammen, während 2002 dieser Wert noch bei 43 Prozent gelegen habe. Das 49. Jahrestreffen in Davos wurde am 22. Januar 2019 zum Thema Globalization 4.0: Shaping a Global Architecture in the Age of the Fourth Industrial Revolution eröffnet. Das Treffen hatte 3000 Teilnehmer aus 110 Ländern und umfasste 400 Vorträge und Workshops. Die Anzahl der Gäste lag damit auf dem Niveau des Vorjahres. Die Schwerpunkte der Veranstaltung waren die Finanzkrise, Handelskriege, wirtschaftliche Ungleichheit sowie der Klimawandel. Das gewählte Thema der Globalisierung 4.0 werteten Beobachter als einen Versuch, die Umgestaltung der Gesellschaft im technologischen Wandel zu diskutieren. «Die nie da gewesene Geschwindigkeit der technologischen Modernisierung bedeutet, dass unsere Systeme der Gesundheit, Kommunikation, Produktion, Verteilung und Energie – um nur einige zu nennen – vollständig umgestaltet werden», sagte Klaus Schwab, der Gründer des WEF auf der Veranstaltung. Das Konzept der vierten industriellen Revolution wurde erstmals 2016 auf der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums 2016 thematisiert. Wenige Tage vor dem Jahrestreffen erschien der jährliche Risikobericht des Weltwirtschaftsforums, der als Diskussionsvorschlag für die Veranstaltung gewertet wurde. Über 90 Prozent der Befragten rechneten mit wirtschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen wichtigen Staaten. «In vielen Ländern ist die Polarisierung auf dem Vormarsch. In manchen Fällen fasern die sozialen Verträge aus, die die Gesellschaften zusammenhalten», erklärte Børge Brende, der Präsident des WEF. Zu den prominentesten Gästen des Treffens gehörten neben der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, der japanische Ministerpräsident Shinzō Abe, der chinesische Vizepräsident Wang Qishan, der brasilianische Staatspräsident Jair Bolsonaro, die Chefin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde und die Facebook Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg. Die Eröffnungsrede hielt der Schweizer Bundespräsident Ueli Maurer am Dienstag, nach einer Rede von WEF Gründer Klaus Schwab. Am Nachmittag hielt der seit Jahresbeginn 2019 regierende brasilianische Präsident Jair Bolsonaro seine erste offizielle Rede in Europa. Diesen Auftritt hatten Beobachter mit Spannung erwartet, weil Bolsonaro seit seinem Amtsantritt widersprüchliche politische Signale gegeben hatte. Die Teilnahme einer US-Delegation mit US-Präsident Trump wurde wegen des Government Shutdowns abgesagt und durch eine Rede von Aussenminister Mike Pompeo per Live-Schaltung ersetzt. Er verteidigte die amerikanische Aussen- und Handelspolitik und nannte die Disruption eine positive Entwicklung. Ihre Teilnahme sagten auch die britische Premierministerin Theresa May wegen des ungeklärten «Brexits» ab und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron aufgrund der Auseinandersetzungen mit der Gelbwestenbewegung. Das Fehlen wichtiger europäischer Staatschefs und eine Teilnahme von Autokraten wie İlham Əliyev hinterfragte der Schweizer Tages-Anzeiger kritisch; das WEF betonte dagegen seine Offenheit als Raum für Dialog, in dem alle Teilnehmer verpflichtet seien, sich «auch mit den offiziellen Themen auseinandersetzen». Deutschland wurde neben Merkel auch durch die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vertreten. UNO-Generalsekretär António Guterres sprach in seiner Rede den Klimawandel als drängendstes Problem an und sprach sich für einen stärkeren Multilateralismus aus, der die Voraussetzung sei, um den Klimawandel als drängendstes Problem zu lösen. Der britische Prinz William interviewte den Naturforscher David Attenborough, der betonte, dass es schwieriger geworden sei, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Natur und Fragen des Naturschutzes zu lenken. Als einen der Höhepunkte der Veranstaltung werteten Beobachter die Rede des US-amerikanischen Philanthropen und Investors George Soros. Soros bezeichnete Chinas Präsident und Staatschef Xi Jinping als den «gefährlichsten Gegner offener Gesellschaften» und hielt ihm vor, mit Künstlicher Intelligenz einen Überwachungsstaat aufbauen zu wollen. Seine Rede wurde in Davos unter vielen Teilnehmern diskutiert. Ein neues Thema auf diesem Treffen war die sogenannte «Vertrauenskrise» in der Technologie-Branche bedingt durch zahlreiche Datenskandale wie Cambridge Analytica. «Wir stecken tief in einer Vertrauenskrise», sagte der Vorstandschef eines amerikanischen Technologie-Unternehmens. «Vertrauen ist im Moment das wichtigste Thema der Branche», sagte Eileen Donahoe von der amerikanischen Denkfabrik Global Digital Policy Incubator auf dem Treffen. In diesem Zusammenhang stand auch die Aussage der Facebook Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg: «Bitte vergessen Sie nicht, wie viel Gutes wir tun». Diese Aussage werteten Beobachter als Ausdruck einer Verunsicherung. Teilnehmer warnten vor der Gefahr, dass Europa als Folge zu starker Regulierung Innovation verhindern und so in dem Technologiewettlauf mit den Vereinigten Staaten und China weiter verlieren könnte. Das 50. WEF fand zwischen dem 21. und 24. Januar 2020 wiederum in Davos-Klosters statt. Es stand unter dem Motto «Stakeholders for a Cohesive and Sustainable World» und erwartet wurden erneut ca. 3000 Teilnehmer. Das Treffen wollte – bereits zum vierten Mal – klimaneutral organisiert sein. Themen waren z. B. die Auswirkungen und Potentiale des neuen Mobilfunkübertragungsstandards 5G, Deepfakes, die spezifische Mobilität von Frauen, die «skandalöse» Kobalt-Schürfung , unternehmerische Möglichkeiten zu Deeskalation des US-amerikanisch/chinesischen «Handelskriegs», die Beseitigung finanzieller und politischer Hürden für eine «Zukunft mit sauberer Energie» sowie eine technologische Marktführerschaft Europas. Wenige Tage vor dem Jahrestreffen erschien der jährliche Global Risk Report des Weltwirtschaftsforums als Arbeitsgrundlage für das Treffen. Das «Scheitern des Klimaschutzes und der Anpassung an den Klimawandel» wurden als langfristiges Hauptrisiko genannt. Erstmals in der fünfzehnjährigen Geschichte des wohl wichtigsten Berichts über globale Risiken belegten die Gefahren des Klimawandels, der Verlust der Biodiversität und damit verbundene Umweltrisiken einige der zehn Spitzenplätze der wahrscheinlichsten Bedrohungen im kommenden Jahrzehnt. Die kurzfristigen Auswirkungen des Klimawandels könnten sich demnach zu einem «planetarischen Notfall» summieren, der Todesfälle, soziale und geopolitische Spannungen sowie negative wirtschaftliche Auswirkungen mit sich bringen werde. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg von Fridays for Future kündigte über ein Interview im britischen Guardian an, mit ihrer Bewegung in Davos «die Staats- und Regierungschefs aufzufordern, die Wirtschaft mit fossilen Brennstoffen aufzugeben»; WEF-Gründer Klaus Schwab verwahrte sich in einem Interview dagegen, das Treffen in Davos von Klimaaktivisten instrumentalisieren zu lassen. Zusammen auf dem Podium mit drei weiteren jungen Aktivisten aus Kanada, Puerto Rico und Sambia begann Thunberg ihre Teilnahme mit dem Ignorieren einer Panelfrage und forderte die anwesenden Journalisten stattdessen auf, endlich über den aktuellen IPCC-Report über die Erderwärmung zu berichten und zitierte Zahlen zum CO2-Budget aus dem Bericht mit Betonung der sozialen Komponente im Klimaschutz . Aufgrund der COVID-19-Pandemie in Europa wurde das Treffen 2021 auf den 25. bis 28. Mai nach Singapur verlegt, infolge der weltweiten gestiegenen Fallzahlen jedoch abgesagt; bereits vom 25. bis 29. Januar fand ein virtuelles Treffen unter dem Namen Davos Agenda statt. Das Forum fand vom 22. bis 26. Mai 2022 in Davos statt und stand unter dem Motto «Working Together, Restoring Trust». Auf der Agenda standen der Klimanotstand, die Ernährungskrise, die Unsicherheit hinsichtlich der Energie, der digitale Umbruch, die Inflation, Gesundheitskrisen sowie die politischen, humanitären und wirtschaftlichen Konsequenzen des Ukraine-Kriegs. Unter den mehr als 2200 Teilnehmern waren Olaf Scholz und Robert Habeck , Pedro Sánchez , Andrzej Duda , Tamim Bin Hamad Bin Khalifa Al Thani , rund 50 Finanzminister, Vorsitzende internationaler Organisationen und politischer Organe wie Christine Lagarde , Ursula von der Leyen und Jens Stoltenberg . Zudem kamen Bill Gates, Al Gore und George Soros, fast alle Schweizer Bundesräte und viele Vorsitzende von Schweizer Unternehmen. Die Regierungschefs der Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China fehlten. Russland wurde komplett ausgeladen, hingegen waren der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko sowie sein Bruder, Wladimir Klitschko, anwesend; der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wurde zur Eröffnung per Video zugeschaltet. Das Forum fand vom 16. bis 20. Januar 2023 in Davos statt und stand unter dem Motto «Zusammenarbeit in einer fragmentierten Welt». Grundgedanke des Programms ist die Annahme, dass die aktuellen weltweiten Krisen durch «größere systemische Mängel» verursacht sind, die nach Überzeugung der Veranstalter nur in einem öffentlich-privaten Dialog bewältigt werden können. Zum Abschluss des Treffens begrüsste der Harvard-Ökonom Lawrence Summers die aktuellen US-Subventionen in grüne Technologien , es dürfe jedoch nicht darum gehen, andere Länder zu schädigen, sondern der besten grünen Technologien zum Durchbruch zu verhelfen. Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire plädierte dafür, darauf zu achten, dass der Streit über solche Subventionen die Welt nicht noch weiter zersplittert. In der Debatte zum mögliche Ende der marktgetriebenen Globalisierung vertrat er die Ansicht, dass die Welt in eine Ära der politisch-machtgetriebenen Globalisierung eingetreten ist. Das Forum fand vom 15. bis 19. Januar 2024 in Davos statt und stand unter dem Motto «Rebuilding Trust» . Gemeint waren die drei wesentlichen Ebenen «Vertrauen in die Zukunft, innerhalb von Gesellschaften und zwischen den Staaten». Zu den Gesprächen wurden Vertreter von mehr als einhundert Regierungen und der Zivilgesellschaft sowie der jungen Generation, die wichtigsten internationalen Organisationen, Unternehmen, Experten, Sozialunternehmer und die Medien erwartet. Die vier Hauptthemen der Tagesordnung waren: «Sicherheit und Zusammenarbeit in einer zersplitterten Welt erreichen», «Wachstum und Arbeitsplätze für ein neues Zeitalter schaffen», «Künstliche Intelligenz als treibende Kraft von Wirtschaft und Gesellschaft» sowie «eine Langfriststrategie für Klima, Natur und Energie». Das Weltwirtschaftsforum ist immer wieder Ziel öffentlicher Kritik und Demonstrationen. Von Globalisierungskritikern wird das WEF als neoliberale Organisation angesehen, daher zieht es die Aufmerksamkeit zahlreicher linker Gruppen auf sich – ähnlich wie der G8-Gipfel oder die WTO wird das WEF als «Symbol des Kapitalismus» betrachtet. Ende der 1990er-Jahre gerieten das Forum, der G8-Gipfel, die Weltbank, die WTO und der IWF unter die massive Kritik von Globalisierungskritikern, deren Meinung nach Kapitalismus und Globalisierung die Armut verstärken und die Umwelt zerstören. Das Weltwirtschaftsforum und sein jährliches Treffen in Davos werden zusammenfassend in folgenden Punkten kritisiert: 1500 Demonstranten störten im September 2000 das World Economic Forum in Melbourne, Australien, indem sie 200 Delegierten den Zutritt zu dem Treffen verwehrten. Auch Davos war wiederholt Schauplatz von Demonstrationen gegen das Treffen von «Bonzen im Schnee» , wie Rocksänger Bono es ausdrückte. Im Januar 2000 marschierten 1000 Demonstranten durch Davos und zerschmetterten das Schaufenster der lokalen McDonald’s-Filiale. Bruno Manser flog mit einem Gleitschirm auf Davos hinunter, da er von Klaus Schwab keine Einladung erhielt. Während des Treffens 2012 errichteten 45 Aktivisten der Occupy-Bewegung unter dem Motto «Occupy WEF» ein Iglu-Camp in Davos. Sicherheitsmassnahmen rund um Davos halten Demonstranten von dem Alpenurlaubsort fern, ein Grossteil der Demonstrationen fand in Zürich, Bern oder in Basel statt. Nach Jahren der relativen Ruhe war 2018 auch wegen der Anwesenheit von Donald Trump demonstriert worden. Mit einer dreitägigen Strike-Winterwanderung für Klimagerechtigkeit von Landquart über Schiers zum 50. WEF im Jahr 2020 ermahnte das Bündnis Klimawanderung mit Payal Parekh und etwa 1000 weiteren Demonstrierenden der Klimabewegung die Gipfelteilnehmer und Wirtschaftsbosse zu mehr sozialer Verantwortung. Die weltweit 1000 grössten Unternehmen seien massgeblich Verursacher der Klimakatastrophe, die Pariser Klimaziele gelten auch für öffentliche Institutionen wie die Europäische Zentralbank, so Attac Deutschland; Christine Lagarde solle der EZB neue Leitlinien für Umwelt- und Klimaschutz mit sozialem Ausgleich geben. Am 29. Juni 2024 veröffentlichte das The Wall Street Journal einen Artikel, verfasst von den Reportern Shalini Ramachandran und Khadeeja Safdar, in dem behauptet wird, dass WEF-Gründer Klaus Schwab von ehemaligen WEF-Mitarbeitern beschuldigt wird, in zwei Fällen sexuelle Belästigung begangen zu haben. Darüber hinaus behauptet eine ehemalige Mitarbeiterin, dass sie nach einer kurzen Probezeit aus ihrer Rolle als Leiterin einer Initiative für Start-ups „herausgedrängt“ wurde, nachdem sie Schwab mitgeteilt hatte, dass sie schwanger sei. Schwab sei verärgert darüber gewesen, dass sie nicht in der Lage wäre, im gleichen Tempo weiterzuarbeiten, sagten Personen, die mit dem Vorfall vertraut sind, und teilte ihr mit, dass sie für ihre neue Führungsrolle nicht geeignet sei. Ein weiterer Vorwurf war, dass Schwab die Entlassung aller Personen über 50 Jahre beim WEF angeordnet habe, was der damalige Personalchef Paolo Gallo verweigerte. Daraufhin habe Schwab Gallo angeblich entlassen. Der Artikel ging dann auf angebliches Fehlverhalten anderer hochrangiger WEF-Mitarbeiter ein, das nicht direkt mit Schwab in Verbindung stand. Der WSJ-Artikel zitierte die Reaktion des WEF auf die spezifischen Vorwürfe gegen Schwab, die die Autoren vor der Veröffentlichung des Artikels gesammelt hatten, wie folgt: „Schwab hat niemals sexuelle Annäherungsversuche gegenüber einem Mitarbeiter gemacht, und die Anschuldigungen der Frauen waren vage und falsch“ und dass „Herr Schwab sich nicht und hat sich niemals so vulgär verhalten, wie Sie es beschreiben“. Drei Tage später wurde der WSJ-Artikel separat und jeweils in den Schweizer Tageszeitungen Tages-Anzeiger und Neue Zürcher Zeitung berichtet, wobei das WEF weiter kommentierte, dass „es zutiefst enttäuschend ist, dass das WSJ nachweislich falsche Anschuldigungen gemacht hat“ und dass es eine Null-Toleranz-Politik für derartiges Fehlverhalten gebe. In der Folge dieser Enthüllungen spekulierten einige Kommentatoren über die Zukunft des WEF. Eine Reihe von Nichtregierungsorganisationen hat das Weltwirtschaftsforum genutzt, um auf wachsende Ungleichheiten und Wohlstandsgefälle hinzuweisen, die ihrer Ansicht nach nicht umfassend genug angegangen oder sogar durch Institutionen wie das WEF verstärkt würden. Winnie Byanyima, die Exekutivdirektorin der Anti-Armutsorganisation Oxfam International, war Ko-Vorsitzende des Treffens 2015, wo sie einen kritischen Bericht über die globale Vermögensverteilung vorstellte, der auf statistischen Untersuchungen des Credit Suisse Research Institute beruht. Laut dieser Studie besitzt das reichste eine Prozent der Menschen auf der Welt 48 Prozent des weltweiten Reichtums. Auf der Tagung 2019 stellte sie einen weiteren Bericht vor, in dem sie behauptete, die Kluft zwischen Arm und Reich habe sich nur vergrössert. In dem Bericht «Public Good or Private Wealth» heisst es, dass das Vermögen von 2.200 Milliardären weltweit um 12 Prozent gestiegen sei, während das Vermögen der ärmsten Hälfte um 11 Prozent gesunken sei. Oxfam fordert eine globale Steuerreform, um die Steuersätze für Unternehmen und reiche Privatpersonen zu erhöhen und zu harmonisieren. Die Herausbildung einer losgelösten Elite, die oft mit dem Neologismus «Davos Man» bezeichnet wird, bezieht sich auf eine globale Gruppe, deren Mitglieder sich als vollkommen «international» betrachten. Der Begriff bezieht sich auf Menschen, die «wenig Bedarf an nationaler Loyalität haben, nationale Grenzen als Hindernisse betrachten, die zum Glück verschwinden, und nationale Regierungen als Überbleibsel aus der Vergangenheit ansehen, deren einzige nützliche Funktion darin besteht, die globalen Operationen der Elite zu erleichtern», so der Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington, dem die Erfindung des Neologismus zugeschrieben wird. In seinem 2004 erschienenen Artikel «Dead Souls: The Denationalization of the American Elite» argumentiert Huntington, dass diese internationale Perspektive eine elitäre Minderheitsposition sei, die von der nationalistischen Mehrheit des Volkes nicht geteilt werde. Das Transnational Institute beschreibt den Hauptzweck des Weltwirtschaftsforums als «eine sozialisierende Institution für die entstehende globale Elite, die ‹Mafiokratie› der Globalisierung aus Bankern, Industriellen, Oligarchen, Technokraten und Politikern. Sie fördern gemeinsame Ideen und dienen gemeinsamen Interessen: ihren eigenen.» Der Manager Magazin-Journalist Henrik Müller argumentierte 2019, dass der «Davos Man» bereits in verschiedene Gruppen und Lager zerfallen sei. Er sieht drei zentrale Treiber für diese Entwicklung: Das Weltwirtschaftsforum fordert in seinem «Global Redesign»-Bericht aus dem Jahr 2010, dass eine globalisierte Welt am besten von einer Koalition aus multinationalen Unternehmen, Regierungen und ausgewählten zivilgesellschaftlichen Organisationen gesteuert wird. Darin wird argumentiert, dass Regierungen nicht mehr «die überwältigend dominierenden Akteure auf der Weltbühne» seien und dass «die Zeit für ein neues Stakeholder-Paradigma der internationalen Governance gekommen ist». Die Vision des WEF beinhaltet den Aufbau einer «öffentlich-privaten» UNO, in der bestimmte Sonderorganisationen unter gemeinsamen staatlichen und nicht-staatlichen Governance-Systemen arbeiten. In seinem Buch „COVID-19: Der große Umbruch“ betont jedoch gegenteilig dazu der Gründer des Forums Klaus Schwab, zusammen mit Coautor Malleret Thierry, die seiner Ansicht nach zukünftig notwendigerweise steigende Bedeutung nationaler Regierungen, besonders in Bezug auf wirtschaftliche Regulierungen. Laut des Transnationalen Instituts plane das Forum, ein anerkanntes demokratisches Modell durch ein Modell zu ersetzen, bei dem eine selbstgewählte Gruppe von «Stakeholdern» Entscheidungen im Namen des Volkes treffe. Der Think Tank fasst zusammen, dass wir zunehmend in eine Welt eintreten würden, in der Versammlungen wie Davos «ein stiller globaler Staatsstreich» seien, um globale Führungsstrukturen zu übernehmen. Im September 2019 kritisierten mehr als 400 zivilgesellschaftliche Organisationen und 40 internationale Netzwerke ein Partnerschaftsabkommen zwischen dem WEF und den Vereinten Nationen scharf und forderten den UN-Generalsekretär auf, diese zu beenden. Sie sehen in einem solchen Abkommen eine «beunruhigende unternehmerische Vereinnahmung der UN, die die Welt gefährlich in Richtung einer privatisierten Global Governance bewegt». Seit 2011 befasst sich das Weltwirtschaftsforum mit seiner eigenen Geschlechterquote, um mindestens eine Frau pro fünf anwesenden Führungskräften zu garantieren. Der Frauenanteil stieg zwischen 2001 und 2005 von 9 Prozent auf 15 Prozent. 2016 waren 18 Prozent der WEF-Teilnehmer weiblich; Diese Zahl stieg 2017 auf 21 % und 2020 auf 24 %. Mehrere Frauen haben seitdem ihre persönlichen Eindrücke aus Davos in Medienartikeln geteilt und hervorgehoben, dass die Probleme tiefgreifender seien als «eine Quote für weibliche Führungskräfte in Davos oder Treffen zum Thema Vielfalt und Inklusion». Das Weltwirtschaftsforum hat in diesem Zusammenhang rechtliche Schritte gegen mindestens drei investigative Artikel der Reporter Katie Gibbons und Billy Kenber eingeleitet, die von der britischen Zeitung The Times im März 2020 veröffentlicht wurden. Unter anderem als Ergänzung zum jährlichen Weltwirtschaftsforum in Davos, auch, weil es sich bislang sehr männerlastig und -dominiert darstellt, treffen sich führende Managerinnen aus der ganzen Welt seit 2014 einmal jährlich auf dem Global Female Leaders-Kongress. Er fand erstmals in Zürich statt, die zweite Auflage 2015 in Berlin. Nach Ansicht des Think Tanks des Europäischen Parlaments sähen Kritiker das WEF auch als Instrument für politische und wirtschaftliche Führungskräfte, «Entscheidungen ohne Rechenschaft gegenüber Wählern oder Aktionären treffen zu können». Das deutsche Cicero Magazin fasste die Situation so zusammen, dass akademische, kulturelle, mediale und wirtschaftliche Eliten nach gesellschaftlicher Macht greiften und dabei politische Entscheidungsprozesse ausser Acht liessen. Ein materiell gut ausgestattetes Milieu würde in diesem Zusammenhang versuchen, seine «Meinungsherrschaft zu zementieren und die einfachen Menschen maternalistisch-paternalistisch mit sozialen Wohltaten zu sedieren», sodass man beim Lenken nicht durch das Volk gestört werde. Der ehemalige Journalist der Frankfurter Allgemeine Zeitung, Jürgen Dunsch, kritisierte Anfang 2017, dass Finanzberichte des WEF wenig transparent seien, wobei «weder die Einnahmen noch die Ausgaben aufgeschlüsselt» würden. Die offenbar nicht unbeträchtlichen Gewinne würden reinvestiert. Wie reich das Forum wirklich ist, sei unklar. «Tatsache ist, dass das Forum auf einer starken, über die Jahrzehnte angehäuften finanziellen Basis ruht», resümierte Dunsch. Die zuletzt durch das WEF veröffentlichten Jahresberichte enthalten eine detailliertere Aufschlüsselung seiner Finanzdaten und zeigen einen Umsatz von 349 Millionen Schweizer Franken für das Jahr 2019 mit Reserven von 310 Millionen und einem Grundkapital von 34 Millionen Franken. Zu den Anlageklassen oder Titeln werden keine weiteren Details angegeben, in die das WEF seine finanziellen Vermögenswerte in Höhe von 261 Millionen Franken alloziert hat. In einer Anfrage an den Schweizerischer Nationalrat kritisierte 2020 die Schweizer Grüne Partei, dass Einladungen zum Jahrestreffen und Programme des Weltwirtschaftsforums nach unklaren Kriterien vergeben werden. Sie betonten, dass «Despoten» wie Saif al-Islam al-Gaddafi, der Sohn des ehemaligen libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, regelmässig zu den WEF-Jahrestreffen eingeladen und sogar in den Club der «Young Global Leaders» aufgenommen worden seien. Kritiker betonen, dass das Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums kontraproduktiv sei, wenn es um die Bekämpfung drängender Menschheitsprobleme wie der Klimakrise geht. Noch im Jahr 2020 reisten die Teilnehmer mit rund 1300 Privatjets zum WEF-Jahrestreffen nach Davos, die gesamte Emissionsbelastung durch Transport und Unterkunft sei ihrer Ansicht nach enorm. 2019 erhielt die Schweizer Zeitung WOZ eine Ablehnung ihres Akkreditierungsantrags für das Jahrestreffen, woraufhin die Redaktion das Weltwirtschaftsforum beschuldigte, bestimmte Medien zu bevorzugen. Die Zeitung hob hervor, dass das WEF in seiner Ablehnungsmitteilung erklärte, es bevorzuge Medien, mit denen es das ganze Jahr über zusammenarbeite. Der stellvertretende Leiter der WOZ, Yves Wegelin, nannte dies eine merkwürdige Vorstellung von Journalismus, denn «im Journalismus muss man nicht unbedingt mit grossen Unternehmen zusammenarbeiten, sondern sie eher kritisieren». Michael Burkard, Generalsekretär des Schweizer Journalistenverbandes «Impressum», kritisierte den Entscheid des WEF als «höchst beunruhigend». Er sieht die Gefahr, dass andere Unternehmen, die in exponierten Bereichen tätig sind, diese Strategie kopieren und kritischen Journalisten den Zugang zu ihren Generalversammlungen oder anderen Informationsveranstaltungen verweigern, sollte das WEF mit dieser Strategie durchkommen. In einem Dezember 2020 in The Intercept veröffentlichtem Artikel beschreibt Autorin Naomi Klein, dass die WEF-Initiativen wie «The Great Reset» lediglich ein «Coronavirus-getriebenes Rebranding» von Dingen seien, die das WEF bereits tat, und dass es sich um einen Versuch der Reichen handele, sich selbst gut aussehen zu lassen. Sie kommt zu dem Schluss, dass der Great Reset lediglich die jüngste Ausgabe dieser Tradition war, die sich kaum von früheren Davoser «Big Ideas» unterscheidet. Auch in seiner Rezension von COVID-19: The Great Reset übt der Ethiker Steven Umbrello parallele Kritik an der Agenda. Er sagt, dass das WEF «eine scheinbar optimistische Zukunft nach dem Großen Reset mit Schlagworten wie Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit beschönigt», während es diese Ziele funktionell gefährde. Eine im Journal of Consumer Research veröffentlichte Studie untersuchte die soziologischen Auswirkungen des WEF. Sie kam zu dem Schluss, dass es keine Probleme wie Armut, globale Erwärmung, chronische Krankheiten oder Schulden löse. Es habe lediglich die Last für die Lösung dieser Probleme von Regierungen und Unternehmen auf «verantwortungsbewusste Verbraucherthemen» verlagert: den grünen Verbraucher, den gesundheitsbewussten Verbraucher und den finanziell gebildeten Verbraucher. Im Dezember 2021 kritisierte der Kardinal und frühere Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Gerhard Ludwig Müller, in einem kontrovers diskutierten Interview, dass Menschen wie der Gründer des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab «auf dem Thron ihres Reichtums» sässen und von den alltäglichen Schwierigkeiten und Leiden der Menschen durch die Corona-Pandemie nicht berührt würden. Im Gegenteil sähen sie in solchen Krisen laut Müller eine Chance, jetzt ihre Agenda eines meritokratischen globalen «Great Reset» durchzusetzen. Er kritisierte vor allem ein steigendes Mass an Kontrolle, das solche Leute über die Gesellschaften und Menschen ausüben wollten, sowie deren Unterstützung und Förderung von Bereichen wie dem Transhumanismus. Der Zentralrat der Juden verurteilte diese Kritik, die auch in Verbindung mit jüdischen Finanzinvestoren steht, als antisemitisch. Das andere Davos ist ein früher grösstenteils von Attac Schweiz organisiertes Forum, das sich mit allen Themen der Globalisierung auseinandersetzt. So hatten auch eine Gruppe Schauspieler ihre Hauptprobe im anderen Davos, bevor sie beim Public Eye on Davos spielten. Dazu kommen jedes Jahr noch überall in der Schweiz Demonstrationen, Filmabende, Diskussionsveranstaltungen und Konzerte gegen das WEF. Seit 2016 wird das Andere Davos als politische Gegenveranstaltung zum WEF von der Bewegung für den Sozialismus wieder jährlich organisiert. Es findet jeweils im Volkshaus Zürich statt und legt den Fokus auf die internationale Vernetzung verschiedener sozialer Bewegungen und die Perspektive der Lohnabhängigen auf die unterschiedlichen globalen Probleme, wie die Zerstörung der Umwelt, die Verschlechterung von Arbeitsbedingungen, wirtschaftliche Krisen und den Abbau des Service public. Globalisierungskritiker organisieren seit 2001 parallel zum Weltwirtschaftsforum den Gegengipfel des Weltsozialforums . Er fand von 2001 bis 2003 und 2005 in Brasiliens Porto Alegre statt, 2004 im indischen Mumbai , 2006 an drei Orten in Afrika, Asien und Südamerika gleichzeitig und 2007 in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. 2008 fand das WSF in Form eines globalen Aktionstages statt, 2009 wurde es in Belém organisiert. Ferner gab es von 2000 bis 2015 simultan zum WEF in Davos das Treffen Public Eye on Davos, das am Eröffnungstag jeweils den Negativpreis Public Eye Award in vier Kategorien verlieh. Dazu kam der Positivpreis. Beim Jahrestreffen im Januar 2002 wurde in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund und Brot für alle in Davos parallel zu der Hauptveranstaltung erstmals das Open Forum Davos abgehalten, das die Diskussion über die Globalisierung für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich machte. Das Open Forum findet alljährlich in der örtlichen Alpinen Mittelschule statt, in gut besuchten Veranstaltungen hatten u. a. Bundesrat Couchepin 2005 mit Peter Brabeck von Nestlé und mit dem Wirtschaftsethiker Peter Ulrich das Thema «Die Schweiz – vom Musterland zum Durchschnittsstaat?» diskutiert. Das Jahrestreffen wurde unter anderem als «Mischung von Pomp und Plattitüden» kritisiert. Laut Kritikern bewegt es sich weg von ernsthaften wirtschaftswissenschaftlichen Analysen und bringt kaum nennenswerte Ergebnisse, insbesondere aufgrund der zunehmenden Einbindung von Nichtregierungsorganisationen, die über wenig oder kein wirtschaftliches Fachwissen verfügen. Davos ist heute nicht länger Schauplatz von Diskussionen zwischen Experten, führenden Wirtschaftsvertretern und Spitzenpolitikern über die Weltwirtschaft, sondern eher ein Forum für die wichtigsten medienpolitischen Themen . Im November 2014 gaben die Veranstalter von Public Eye on Davos, Erklärung von Bern und Greenpeace, bekannt, dass Public Eye sich 2015 vom Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos zurückziehen werde. Die Stiftung «In the Spirit of Davos», von Bund, vom Kanton Graubünden und von Landschaft Davos mit je 100'000 Franken alimentiert, bestand von 2002 bis 2004. Sie sollte den Dialog über Auswirkungen der Globalisierung parallel zum WEF fördern. Der Auftrag war schwierig zu erfüllen, ohne anderen Veranstaltungen wie dem «Public Eye of Davos» in die Quere zu kommen, weshalb die Stiftung im Frühjahr 2004 aufgelöst wurde. 46.2252696.191688Koordinaten: 46° 13′ 31″ N, 6° 11′ 30,1″ O; CH1903: 503795 / 120080
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2024-12-02 01:51:50
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https://de.wikipedia.org/wiki/Goldfield_(Nevada)
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Goldfield ist eine ehemalige Goldgräberstadt am U.S. Highway 95 im US-Bundesstaat Nevada. Das U.S. Census Bureau hat bei der Volkszählung 2020 eine Einwohnerzahl von 225 ermittelt. Dabei ist sie Verwaltungssitz des Esmeralda County. Im Jahr 1902 wurde in der Region Gold entdeckt. Schon 1904 wurde Gold im Wert von 2.300.000 Dollar abgebaut, was allein 30 % der staatlichen Produktion dieses Jahres ausmachte. Zwischen 1903 und 1940 förderten die Minen in Goldfield Gold im Wert von 86 Millionen Dollar. Goldfield wuchs schnell zu beachtlicher Größe heran und beherbergte zu seiner Blütezeit bis zu 30.000 Einwohner. 1905 wurde Virgil Earp, einer der Earp-Brüder und Beteiligten der Schießerei am O. K. Corral, als Sheriff in Goldfield engagiert. Er starb aber bereits einige Monate später an einer Lungenentzündung. Sein Bruder Wyatt Earp, der ebenfalls in Goldfield weilte, verließ daraufhin die Stadt. 1906 erreichte Goldfield eine Einwohnerzahl von 30.000. Die Einwohner von Goldfield hatten die Absicht, ihren Ort in den Blickpunkt der USA zu bringen, und baten dafür um die Hilfe von Tex Rickard. Dieser wusste, dass Boxkämpfe die gewünschte Aufmerksamkeit in den Zeitungen bekamen. Es gelang ihm, die Boxweltmeisterschaft im Leichtgewicht in die Stadt zu holen. Tex Rickards hatte seinen „Northern Saloon“ in eine Boxarena mit 8000 Sitzen umgebaut, aber es kamen doppelt so viele Zuschauer, um den Boxkampf zwischen Joe Gans und Oscar Mathæus Nielsen zu sehen. Am 1. Montag im September 1906 fand der Kampf statt. Im berühmtesten Kampf der unteren Gewichtsklassen des frühen 20. Jahrhunderts traf der dänisch-stämmige Nielsen auf den Konterboxer Gans, den zweiten afroamerikanischen Weltmeister der modernen Boxgeschichte. In Runde 42 gewann Gans nach einem Tiefschlag von Nelson. Dieser Rekord steht immer noch im „Guinness Book of World Records“. Der Gewinner, Joe Gans, erhielt ein Preisgeld von 30.000 $. Am 4. Juli 1908 forderte Nelson ihn erneut heraus, um den Titel zurückzugewinnen, und besiegte ihn durch K. o. in der 7. Runde. In einem erneuten Kampf zwei Monate später siegte erneut Nelson in Runde 21. Durch Streiks der Minenarbeiter in Goldfield wurde die radikale Gewerkschaft Industrial Workers of the World zum ersten Mal bekannt. Die IWW arbeitete dort mit der Western Federation of Miners zusammen. Es gelang ihr, über die Minenarbeiter hinaus weite Teile der Arbeiterschaft in der damals boomenden Goldgräberstadt zu organisieren. Auch die Stadtverwaltung sympathisierte mit der Gewerkschaft. Während einer Bankenkrise im Jahr 1907 wurden die Minenarbeiter nicht mehr in Bargeld, sondern in Schuldscheinen ausgezahlt. Die daraufhin stattfindenden Streiks nahmen die Minenbesitzer zum Anlass, den Einfluss der IWW zu brechen. Sie veranlassten den Einsatz von Bundestruppen, die John Sparks, der damalige Gouverneur Nevadas, zu Hilfe rief. US-Präsident Theodore Roosevelt bewertete den Truppeneinsatz später als unangemessen. 1907 brach die Goldfield State Bank nach dem Niedergang einer der führenden Minengesellschaften zusammen. Schon im Jahr 1910 zählte die Stadt nur noch 4838 Einwohner. Im Jahr 1923 fiel ein großer Teil der Stadt einem Feuer zum Opfer. Vor allem die Holzgebäude wurden zerstört. Einige wenige historische Ziegelgebäude wie das bemerkenswerte Goldfield Hotel, das alte Schulhaus und das Minengebäude blieben bis heute erhalten. Die von der 1904 gegründeten und 1906 von Wingfield und Nixon übernommenen Goldfield Mohawk Mining Co. Incorporated betriebene Mohawk Mine, genauer Mohawk Nr. 2, war 1909 eine der reichsten Produzenten in Goldfield. Abgebaut wurden hier hauptsächlich Erze für die Gewinnung von Antimon, Arsen, Bismut, Kupfer, Gold und Silber in Form der Minerale Bismuthinit, Chalkopyrit, Famatinit, Hessit, Petzit, Sylvanit sowie Minerale aus der Tennantit- und Tetraedritgruppe . Die Mine gilt als Typlokalität für die hier zuerst entdeckten Minerale Blakeit, Mackayit, Goldfieldit und Stibiogoldfieldit. Für letztere ist die ehemalige Goldgräberstadt Namensgeberin. Insgesamt wurden hier bisher 29 anerkannte Mineralarten gefunden. Von 1907 bis 1908 wurde das Goldfield Hotel für die damals unglaubliche Summe von etwa 300.000 bis 400.000 Dollar erbaut, das zu jener Zeit als das spektakulärste Hotel des Staates Nevada angesehen wurde. Zu den Eröffnungsfeierlichkeiten erschien sogar Präsident Teddy Roosevelt. Champagner soll die Eingangsstufen hinuntergeflossen sein. Die 154 Zimmer waren mit wertvollen Tapeten und Teppichen sowie mit Telefon, elektrischem Licht und Dampfheizung ausgestattet. Viele Zimmer verfügten über ein eigenes Bad. Die Eingangshalle war ganz in Mahagoniholz gehalten und mit schwarzen Lederpolstern möbliert. Von den mit Blattgold verzierten Decken mit den vergoldeten Pfeilern hingen wertvolle Kristallleuchter. Das Hotel verfügte über einen der ersten Fahrstühle westlich des Mississippi. Es galt als luxuriösestes Haus zwischen den Rocky Mountains und dem Pazifischen Ozean. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Soldaten in dem mittlerweile heruntergekommenen Haus untergebracht. Nach dem Krieg schloss es 1945 seine Tore. Es gibt Pläne, es wieder zu eröffnen. Die begonnenen Renovierungen ruhen aber derzeit. Eine Legende spricht von einem Geist, der angeblich im Goldfield Hotel spuken soll. Es soll sich um den Geist einer Prostituierten namens Elizabeth handeln, die von dem damaligen Eigentümer des Hotels, George Wingfield, ein Kind erwartet haben soll. Um einen Skandal zu vertuschen, soll er sie in seinem Hotel im Zimmer 109 eingesperrt haben. Darüber, ob sie im Kindbett starb oder Wingfield sie tötete, gehen die Legenden auseinander. Das Kind sei angeblich in einen der Minenschächte geworfen worden. Seitdem soll Elizabeth im Hotel spuken, um nach Wingfield zu suchen – angeblich sei von Zeit zu Zeit das leise Wimmern eines Babys zu hören. Der historische Wahrheitsgehalt dürfte eher gering sein, aber die Legende trägt bis heute zum Ruhm des Hauses bei. Im südlichen Teil von Goldfield hat der Künstler Chad Sorg aus Reno, gemeinsam mit einem Anwohner namens Mark Rippie, den „International Car Forest of the Last Church“ erschaffen, ein Kunstprojekt aus ca. 40 Autos und Bussen, die größtenteils aufrecht mit der Front oder dem Heck im Boden vergraben und mit verschiedenen Graffiti verziert sind. Das Kunstwerk erinnert an die wesentlich bekanntere Cadillac Ranch in der Nähe von Amarillo, Texas. Dyer • Goldfield • Silver Peak Timbi-Sha Shoshone Reservation‡
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2024-12-03 16:39:22
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https://de.wikipedia.org/wiki/KJM_Buchverlag
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Der KJM Buchverlag hat seinen Verlagssitz in Hamburg. KJM verlegt ein kleines Vollprogramm von Belletristik und Sachbuch bis zu Kinder- und Jugendbuch sowie Foto- und Cartoonbänden. Das Programm gründet in der Zusammenarbeit mit Autoren aus dem norddeutschen Raum. Das Thema Norden spiegelt sich darüber hinaus in der Zusammenarbeit mit skandinavischen Autoren wider. 2014 gründete der Literaturwissenschaftler, Autor und Verleger Klaas Jarchow den KJM Buchverlag mit Firmensitz in Hamburg-Blankenese in der Rechtsform einer GmbH & Co. KG. Geschäftsführer der Verwaltungs GmbH ist Klaas Jarchow. Themen des Programms sind u. a. Natur und Landschaft, Roman und Historischer Roman, Junge Literatur, Essen und Trinken, Humor und Zeichnung. Neben dem freien Programm veröffentlicht der Verlag immer wieder thematisch passende Bücher in Zusammenarbeit mit Unternehmen, Stiftungen oder Vereinen. Der KJM Buchverlag verlegt jährlich bis zu 30 Titel. Zu den Autoren zählen unter anderem Karsten Reise, Mona Harry, Jan von der Bank, Ingebjörg Berg Holm, Selina Seemann, Claus-Peter Lieckfeld, Jörgen Bracker, Til Mette, Tetsche, Detlef Jens, Norbert Klugmann, Eckart Brandt, Dagmar Hirche, Thomas Sampl, Lore Otto, Katharina Henne, Jens Mecklenburg, Hella Kemper, Karin Baron, Jan Kurz, Martin Stock, Rainer Kolbe.
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2024-12-03 18:02:55
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https://de.wikipedia.org/wiki/U_226
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1 Schiff U 226 war ein deutsches U-Boot vom Typ VII C, das im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Kriegsmarine eingesetzt wurde. Der Auftrag für das Boot wurde am 15. August 1940 an die Germaniawerft in Kiel vergeben. Die Kiellegung erfolgte am 1. August 1941, der Stapellauf am 18. Juni 1942, die Indienststellung unter Kapitänleutnant Rolf Borchers fand schließlich am 1. August 1942 statt. U 226 unternahm während seiner Dienstzeit drei Feindfahrten, auf denen es ein Schiff mit einer Tonnage von 7.134 BRT versenken konnte: Am 6. November 1943 wurde U 226 im Nordatlantik, östlich von Neufundland, durch Wasserbomben der britischen Sloops Starling, Woodcock und Kite unter dem Kommando von Frederic John Walker auf der Position 44° 49′ N, 41° 13′ W44.816666666667-41.216666666667 versenkt. Alle 51 Besatzungsmitglieder fanden dabei den Tod. U 226 verlor während seiner Dienstzeit vor der Versenkung keine Besatzungsmitglieder. U-Boote: U 1 | U 2 | U 3 | U 4 | U 5 | U 6 | U 7 | U 8 | U 9 | U 10 | U 11 | U 12 | U 13 | U 14 | U 15 | U 16 | U 17 | U 18 | U 19 | U 20 | U 21 | U 22 | U 23 | U 24 | U 25 | U 26 | U 27 | U 28 | U 29 | U 30 | U 31 | U 32 | U 33 | U 34 | U 35 | U 36 | U 37 | U 38 | U 39 | U 40 | U 41 | U 42 | U 43 | U 44 | U 45 | U 46 | U 47 | U 48 | U 49 | U 50 | U 51 | U 52 | U 53 | U 54 | U 55 | U 56 | U 57 | U 58 | U 59 | U 60 | U 61 | U 62 | U 63 | U 64 | U 65 | U 66 | U 67 | U 68 | U 69 | U 70 | U 71 | U 72 | U 73 | U 74 | U 75 | U 76 | U 77 | U 78 | U 79 | U 80 | U 81 | U 82 | U 83 | U 84 | U 85 | U 86 | U 87 | U 88 | U 89 | U 90 | U 91 | U 92 | U 93 | U 94 | U 95 | U 96 | U 97 | U 98 | U 99 | U 100 | U 101 | U 102 | U 103 | U 104 | U 105 | U 106 | U 107 | U 108 | U 109 | U 110 | U 111 | U 112 | U 113 | U 114 | U 115 | U 116 | U 117 | U 118 | U 119 | U 120 | U 121 | U 122 | U 123 | U 124 | U 125 | U 126 | U 127 | U 128 | U 129 | U 130 | U 131 | U 132 | U 133 | U 134 | U 135 | U 136 | U 137 | U 138 | U 139 | U 140 | U 141 | U 142 | U 143 | U 144 | U 145 | U 146 | U 147 | U 148 | U 149 | U 150 | U 151 | U 152 | U 153 | U 154 | U 155 | U 156 | U 157 | U 158 | U 159 | U 160 | U 161 | U 162 | U 163 | U 164 | U 165 | U 166 | U 167 | U 168 | U 169 | U 170 | U 171 | U 172 | U 173 | U 174 | U 175 | U 176 | U 177 | U 178 | U 179 | U 180 | U 181 | U 182 | U 183 | U 184 | U 185 | U 186 | U 187 | U 188 | U 189 | U 190 | U 191 | U 192 | U 193 | U 194 | U 195 | U 196 | U 197 | U 198 | U 199 | U 200 | U 201 | U 202 | U 203 | U 204 | U 205 | U 206 | U 207 | U 208 | U 209 | U 210 | U 211 | U 212 | U 213 | U 214 | U 215 | U 216 | U 217 | U 218 | U 219 | U 220 | U 221 | U 222 | U 223 | U 224 | U 225 | U 226 | U 227 | U 228 | U 229 | U 230 | U 231 | U 232 | U 233 | U 234 | U 235 | U 236 | U 237 | U 238 | U 239 | U 240 | U 241 | U 242 | U 243 | U 244 | U 245 | U 246 | U 247 | U 248 | U 249 | U 250
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2024-12-04 01:35:07
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https://de.wikipedia.org/wiki/Quantic
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Will Holland ist ein britischer Musiker, DJ und Produzent aus Bewdley, Worcestershire. Bekannt ist er vor allem unter dem Pseudonym Quantic. Zudem ist er in den Projekten The Quantic Soul Orchestra, Quantic and his Combo Bárbaro, Quantic presenta Flowering Inferno und The Limp Twins aktiv. Sein Musikstil ist recht breit, zeichnet sich aber vor allem durch Elemente aus Downtempo, Funk und Jazz aus. Er besitzt Ähnlichkeiten mit denen von Nostalgia77, Bonobo und TM Juke, welche bei dem Label Tru Thoughts unter Vertrag sind bzw. waren. Holland beherrscht Gitarre, Bass, Kontrabass, Klavier, Orgel, Percussion und Saxophon. In einen großen Teil seiner Kompositionen spielt er selbst Samples ein. 2008 war der Song Mi Swing Es Tropical, welcher in Zusammenarbeit mit Nickodemus entstand, Teil einer Fernsehwerbung für den iPod. Als Quantic hat Holland fünf Studioalben und ein B-Side-Album unter dem Label Tru Thoughts veröffentlicht. The Quantic Soul Orchestra besteht aus Holland und wechselnden Musikern, unter anderen seiner Schwester, Lucy, am Saxophon und Russ Porter, sein Partner aus dem Projekt Limp Twins. Ihr drittes Album entstand in Kooperation mit Spanky Wilson.
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2024-11-24 19:18:56
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https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Katze_auf_dem_hei%C3%9Fen_Blechdach
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Die Katze auf dem heißen Blechdach ist ein von Tennessee Williams geschriebenes Theaterstück über eine reiche amerikanische Farmer-Familie. Es wurde 1958 unter gleichem Titel verfilmt. Der Titel entstammt einem amerikanischen Sprichwort, dem zufolge die Katze auf dem Dach so lange zögert hinunterzuspringen, bis das Dach überheiß wird; dann aber gibt es nichts Entschlosseneres als sie: Mit einem Satz springt sie. Die „Katze“ im Stück ist Maggie. Das Familienoberhaupt der vermögenden Familie Pollitt, „Big Daddy“, das sein Leben lang eine Baumwollplantage erfolgreich aufgebaut hat, ist an Krebs erkrankt und wird bald sterben, aber er weiß davon noch nichts. Der Sohn Gooper, angestachelt von seiner Ehefrau Mae, versucht, das Vermögen nach Big Daddys Tod zu bekommen. Das Stück spielt während Big Daddys letzter Geburtstagsparty und beginnt mit einem Streitgespräch zwischen Goopers Bruder, dem alkoholsüchtigen Brick, dem das Leben gleichgültig ist, und dessen Frau Margaret, „Maggie“, die ebenfalls einen Teil des Vermögens erben möchte. Um sich bei Big Daddy beliebt zu machen, zeigen sich der Rechtsanwalt Gooper und Mae um ihn und die Plantage besorgt. Sie lassen ihre Kinder, die von Margaret als „halslose Ungeheuer“ bezeichnet werden, für Big Daddy vorsingen oder vorspielen. Nachdem sie eine Unterhaltung zwischen Margaret und dem ehemaligen Footballspieler und Sportreporter Brick belauscht haben, werfen sie den beiden vor, noch kein Kind bekommen zu haben, weil Brick ihrer Meinung nach eine homoerotische Beziehung zu seinem verstorbenen Jugendfreund Skipper gehabt haben soll und weil er wegen seiner Trinksucht impotent sei. In einer Diskussion zwischen Big Daddy und Brick, bei der Big Daddy ihn fragt, aus welchem Grund er eigentlich trinke, wird Goopers und Maes Verdacht bestätigt; es wird jedoch auch deutlich, dass Big Daddy keineswegs vorhat, seinen Besitz an Gooper zu vererben, er vielmehr Brick von seiner Sucht befreien und ihm die Plantage übertragen möchte. Big Daddy, der geglaubt hat, er sei gesund, erfährt in einem Streitgespräch mit Brick, dass er bald sterben wird. Um den sterbenskranken Schwiegervater zu trösten, spielt Maggie ihm vor, sie erwarte von seinem Lieblingssohn, ihrem Mann Brick, ein Kind. Doch sie ist auch entschlossen, das Vorgespielte Wirklichkeit werden zu lassen. Noch in dieser Nacht, so verlangt sie von Brick, wollen sie ein Kind zeugen. Wer den Besitz nach Big Daddys Tod erhält, bleibt am Ende des Stücks jedoch offen. Im Stück geht es um Verlogenheit, Habgier und die Beschäftigung mit Krankheit und Tod. Zeitweise sorgen bissige Bemerkungen zwischen Margaret und Mae und die übertriebene Besorgnis von Gooper und seiner Frau um Big Daddy und auch um seine Frau Big Mama für die Erheiterung des Lesers bzw. des Zuschauers. Williams selbst beschrieb das Stück so:
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2024-12-04 07:43:16
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https://de.wikipedia.org/wiki/Ersatz%C3%BCbergangsstelle
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Eine Ersatzübergangsstelle ist eine als Ersatz für eine Brücke gedachte und zur militärischen Verwendung errichtete, zum Wasser hin abfallende größere gepflasterte oder betonierte Fläche auf einer Seite eines Flusses, meist mit einer entsprechenden Rampe auf der gegenüberliegenden Seite. Eine solche Rampe führt oft sehr weit unter die Wasserlinie. Vor allem während des Kalten Krieges wurden in der Bundesrepublik Ersatzübergangsstellen geschaffen. Volkstümlich wird eine solche Ersatzübergangsstelle NATO-Rampe genannt. Unter derselben Bezeichnung ist im Bundeswehrjargon in einigen Bereichen auch eine Eisenbahnverladerampe geläufig; in beiden Bedeutungen wird auch die Bezeichnung „Panzerrampe“ verwendet. Besonders an der Mosel hört man auch die Bezeichnung „Feuerwehrrampe“. Im Verteidigungsfall sollten NATO-Rampen den Transport von Panzern und anderen militärischen Fahrzeugen mithilfe von Amphibienfahrzeugen, Landungsfahrzeugen und Behelfsbrücken über den Rhein und andere westdeutsche Flüsse sicherstellen. Sie waren für Ponton- und Schwimmbrücken, teilweise auch für Flussfähren vorgesehen. Es gab und gibt immer wieder spektakuläre Schwerlasttransporte, welche – da sie den Weg über Brücken nicht nutzen können – über diese Ersatzübergangsstellen geleitet werden. Beispielsweise wurde so Ende März 2002 in mehreren Etappen eine in fünf Teile zerlegte Boeing 747 vom Baden-Airpark in Rheinmünster-Söllingen auf dem Weg in das 100 km entfernte Technik-Museum Speyer über die Söllinger NATO-Rampe zur Pontonverladung transportiert. Seit der Beseitigung von Absperrketten bieten die sogenannten NATO-Rampen vielfältige Nutzungsmöglichkeiten für die Bevölkerung. Vorrangig werden sie im Wassersport als Slipanlagen zum bequemen Zuwasserlassen von Falt- und Schlauchbooten und zum Trailern von Motorbooten genutzt sowie für Starten und Landen von Jet-Skis . Auch Angler nutzen die Rampen gerne als Sitz. Vor allem in den Sommermonaten führt allerdings das zunehmende Camping an den NATO-Rampen oft zu Problemen. Beispielsweise beklagen Naturschutzbund und Gemeindeverwaltung von Rheinmünster für die dortige NATO-Rampe Söllingen trotz bestehender Verbote nicht nur das wilde Campen mit Übernachten, das einhergeht mit Ansammlungen von Wohnmobilen, Lärmbelästigung, Lagerfeuern und deren Resten, sondern auch übermäßige Fütterung von Wasservögeln, Müllablagerungen und mangelnde Hygiene angesichts fehlender Toiletten und eine Zunahme der Rattenplage mit der Folge der Beschädigung der Uferanlagen. Besondere Bekanntheit als Versammlungsort erlangte die Ersatzübergangsstelle in der Rheinaue bei Wyhl durch den Widerstand der Bevölkerung gegen den beabsichtigten Bau des Kernkraftwerks Wyhl in unmittelbarer Nähe, wo der vorgesehene, teils schon abgeholzte Bauplatz im Februar 1975 besetzt wurde. Der dort am 20. Februar 2000 errichtete Gedenkstein, ein mannshoher Brocken aus dem Vulkangestein des benachbarten Kaiserstuhls, erinnert an diese Ereignisse mit dem kurzen eingravierten Satz „Nai hämm'r gsait“ . Der Platz an diesem Denkmal – wie auch bei Bedarf häufig das Gelände der Ersatzübergangsstelle selbst – wurde immer wieder von Bürgerinitiativen für Veranstaltungen, Kundgebungen und Gedenken genutzt. Es gibt mehrere, gern zum Wassersport genutzte NATO-Rampen in der Bundesrepublik Deutschland an verschiedenen größeren Flüssen, z. B.: An den Bundeswasserstraßen in der Bundesrepublik Deutschland sind 144 Ersatzübergangsstellen vorhanden.
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2024-11-24 05:38:08
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https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Joachim_Moser
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Hans Joachim Moser war ein deutscher Musikwissenschaftler, Komponist, Sänger und Schriftsteller. Moser war der Sohn des Musikprofessors Andreas Moser . Er machte 1907 sein Abitur am Berliner humanistischen Bismarck-Gymnasium. Er studierte Musikgeschichte , Germanistik und Philosophie in Marburg, Berlin und Leipzig und bei seinem Vater Violine. Mit der Arbeit Die Musikergenossenschaften im deutschen Mittelalter wurde er 1910 in Rostock promoviert. Während seines Studiums sang er im Chor der Sängerschaft St. Pauli Leipzig. Er nahm als Leutnant am Ersten Weltkrieg teil, habilitierte sich 1919 an der Universität Halle und wurde 1922 außerordentlicher Professor. Er wurde Mitglied der Sängerschaft Salia Halle. 1925 folgte er einem Ruf nach Heidelberg. 1927 bis 1933 war er als Nachfolger von Carl Thiel Direktor der Staatlichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Berlin. Gleichzeitig erhielt er eine Honorarprofessur an der Universität Berlin. 1933 verlor Moser seine Honorarprofessur an der Universität Berlin. Der NS-Forscher Michael Grüttner schrieb 2007, dies habe keine politischen Gründe gehabt. Moser wurde vorgeworfen, als Direktor der Staatlichen Akademie Studentinnen, mit denen er intime Beziehungen hatte, Vorteile verschafft zu haben. „Mitwisser ließ er aus der Akademie entfernen.“ Er wurde trotz der bestehenden Aufnahmesperre mit Wirkung vom 1. April 1936 in die NSDAP aufgenommen . 1938 wurde Moser stellvertretender Leiter der Reichsstelle für Musikbearbeitungen im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda; von 1940 bis 1945 war er deren Generalsekretär. Unter seiner Ägide vergab die Reichsstelle ab 1940 auch Aufträge zur „Arisierung“ der Oratorien von Georg Friedrich Händel. In der Zeit von 1938 bis 1940 schrieb Moser zusätzlich für das SS-Blatt Germanien. 1944 publizierte er in Rosenbergs Zeitschrift Musik im Kriege. Moser erhielt 1947 eine Professur an der Universität Jena, wurde nach zwei Monaten jedoch wegen seiner Tätigkeit im Propagandaministerium entlassen. 1950 bis 1960 wirkte Moser als Direktor am Städtischen Konservatorium in West-Berlin. 1963 wurde ihm die Mozartmedaille der Mozartgemeinde Wien verliehen. Moser verfasste Studien über zahlreiche Komponisten, wie Paul Hofhaimer, Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach sowie Studien über Das deutsche Lied seit Mozart. In den 1920er Jahren veröffentlichte er eine mehrfach aufgelegte zweibändige Geschichte der deutschen Musik. Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb Moser eine Geschichte der evangelischen Kirchenmusik in Deutschland und zahlreiche biographische Abhandlungen, wie z. B. die Musikgeschichte in 100 Lebensbildern. Sein Musik-Lexikon erlebte bis 1955 vier Auflagen. Dessen 2. Auflage von 1943 ist stark von nationalsozialistischem Gedankengut durchdrungen oder gekennzeichnet; von Offenbach heißt es, er habe mit dem Instinkt seiner „Rasse“ für Wirkungen gesorgt; Mahlers 10 Sinfonien seien projüdisch maßlos überschätzt worden und wiesen banale Erfindungen und leerlaufende Längen auf). In der 3. Auflage des Musik-Lexikons sind derartige Zuschreibungen wieder entfernt. Die Lebensbilder zeigen aber sein weiterhin völkisches Denken, etwa im Artikel zu Mozart: „In der südlich überfremdeten Welt Salzburgs errang er sich schrittweise deutsche Gesinnung und trug zur Weltgeltung unserer Musik entscheidendes bei.“ 1957 erschien das in der Tradition des Germanisten Josef Nadler stehende Buch Die Musik der deutschen Stämme. Moser war der Neubearbeiter der Denkmäler Deutscher Tonkunst . Mosers kompositorisches Œuvre umfasst Klavierstücke, Lieder, Schauspielmusiken und Chorwerke. Hans Joachim Moser starb Mitte August 1967 im Alter von 78 Jahren in Berlin. Die Beisetzung erfolgte auf dem landeseigenen Friedhof Heerstraße im heutigen Ortsteil Berlin-Westend. Das Grab ist nicht erhalten. Moser war zweimal verheiratet. Nach zwei Kindern aus erster Ehe hatte er mit seiner zweiten Ehefrau Dorothea geb. Duffing vier Kinder, darunter die Sängerin Edda Moser und den Cellisten Kai Moser . Die Söhne Dietz-Rüdiger Moser , Volkskundler und Literaturwissenschaftler, und Wolf-Hildebrand Moser , Opernsänger , stammen aus der Verbindung zu Hanna Walch , mit der Moser nicht verheiratet war. Hanna Walch war eine Urenkelin von Clara Schumann.
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2024-12-01 21:49:36
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https://de.wikipedia.org/wiki/Copley_Fielding
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Copley Anthony Vandyke Fielding war ein englischer Maler und Zeichner. Fielding, Sohn des Porträtmalers Nathan Theodore Fielding , zeichnete sich besonders in der Aquarellmalerei aus und galt geraume Zeit hindurch für den Hauptvertreter dieser Kunst, wie er auch 24 Jahre lang von 1831 bis an seinen Tod die Stelle des Präsidenten der Society of Painters in Water Colours bekleidete. Ungemein produktiv, wenn auch nicht frei von Manieriertheit, leistete er namentlich in Landschaften und Seestücken Treffliches. Er starb am 3. März 1855 in Brighton. Der Maler und Zeichner Theodore Henry Fielding war sein Bruder. Einer seiner Schüler war der Maler und Aquarellist William Callow. Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888 bis 1890.
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2024-12-03 14:04:42
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https://de.wikipedia.org/wiki/Mitregent
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Als Mitregent eines Herrschers wird ein Thronfolger oder Adeliger bezeichnet, der vom Herrscher – gewöhnlich zwecks Regelung der Nachfolge – zu seinem Stellvertreter erhoben und oft an der Macht beteiligt wird. Auf diese Weise wurde im Mittelalter allmählich der Übergang von Wahlmonarchien zu Erbmonarchien gefördert. In manchen Fällen erhält der Mitregent eine auf bestimmte Bereiche bezogene Entscheidungsbefugnis. Vereinzelt wurde in der Geschichte auch ein hoher Beamter zum Mitregenten ernannt. Zu den historisch bedeutsamen Mitregenten zählen:
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2024-11-24 00:31:01
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https://de.wikipedia.org/wiki/Jubil%C3%A4umswarte
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Die Jubiläumswarte ist eine Aussichtswarte auf dem Gallitzinberg am westlichen Stadtrand von Wien. Sie steht an der Adresse Johann-Staud-Straße 80 auf der Vogeltennwiese im 16. Wiener Gemeindebezirk Ottakring auf 449 Meter Seehöhe. Die Aussichtsplattform der Jubiläumswarte liegt 31 m über Grund auf 480 m Höhe und ist über eine außen liegende Wendeltreppe frei zugänglich. Bei Eis oder Schnee ist der Zugang jedoch gesperrt. Zu erreichen ist sie mit der Buslinie 52B von den Haltestellen „Jubiläumswarte“ pro Tag und Richtung angefahren) bzw. „Siedlung Kordon“ , auf Fahr- und Wanderwegen vom Schottenhof und vom Heuberg; weiters mit den Linien 46A und 46B, Haltestelle „Feuerwache am Steinhof“ oder „Savoyenstraße“ und etwa zwanzig Minuten Fußweg. Mit dem Kfz oder Fahrrad erreicht man die Warte über die Johann-Staud-Straße und den Pelzer Rennweg. Von der kreisringförmigen Aussichtsplattform mit etwa 5 m Durchmesser in 31 Meter Höhe über Grund hat man einen Rundumblick nach Westen über den angrenzenden Wienerwald und nach Osten über das Wiener Stadtgebiet. Die im Linksschraubensinn 8,4-fach gewendelte Betonstiege auf die Plattform ist 90 cm breit und hat 183 Stufen. Während man in steter Rechtskurve hinaufsteigt, findet man 1¼ und 2 Wendungen ab dem Auftritt halbrund auskragende Ausweichplateaus vor und jeweils 2 Stockwerke höher wiederum, insgesamt 8 Stück. Eine Plateauserie liegt etwa in Richtung Süden, die andere Richtung Nordost. Das Geländer aus Stahlrohr ist um eine zweite Reling erhöht. Am Geländer der Aussichtsplattform sind einige Platten mit Hinweisen zu Aussichtszielen montiert. An klaren Tagen ist der Ausblick über weite Teile des Wiener Beckens möglich. Am Horizont sind dann im Osten die Hainburger Berge und das Leithagebirge zu sehen, im Süden die Kalkalpen mit dem Schneeberg. An besonders klaren Tagen kann man im Nordosten auch noch die Weißen Karpaten erkennen. Unmittelbar östlich der Warte liegt das Haus der Wiener Waldschule als Nachbar. Etwa 300 m nordnordöstlich der Warte steht der Gaugefechtsstand Wien, vulgo Schirachbunker, aus dem Zweiten Weltkrieg. ein unzugänglicher Bunker des Nationalsozialismus, dessen Eingänge gesprengt und/oder zugemauert wurden. 330 m östlich der Warte, südlich der Staudstraße und der Mini-Kapelle befindet sich im Wald eine weitere Bunkerruine. Im August 1898 wurde auf der Vogeltennwiese anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. ein hölzerner Turm errichtet. Noch im selben Jahr wurde diese „Kaiser-Jubiläums-Warte“ von einem Sturm umgefegt. In diesem Jahr fand die Jubiläumsausstellung im Prater statt. Für diese Veranstaltung wurde ein 27,5 Meter hoher Eisenturm aufgestellt, der nach der Ausstellung wieder verkauft werden sollte. Der am 14. September 1875 gegründete „Ottakringer Verschönerungsverein“ unter seinem Obmann Alexander Ritter von Dornfeld jun. kaufte das Eisengestell um 35.000 Kronen und stellte es statt des Holzturmes auf. Die Eröffnung des neuen Turmes wurde am 6. Juli 1899 von Bürgermeister Karl Lueger vorgenommen. Der Aufzug wurde jedoch ausgebaut und die Besucher konnten die obere Aussichtsplattform nur über die Treppe erreichen. Am 2. Dezember 1900 wurde neben dem Turm eine Schutzhütte eröffnet, die bald beliebtes Ausflugsziel wurde. Im Zweiten Weltkrieg und den darauf folgenden Jahren begann der Turm zu verfallen und wurde 1952 gesperrt. Auch das Gasthaus hatte inzwischen seinen Betrieb eingestellt. Im Jahr 1953 wurde beides abgerissen. Der Neubau der Warte wurde 1955 begonnen und am 7. September 1956 erfolgte die Eröffnung durch Vizebürgermeister Karl Honay und Stadtrat Leopold Thaller. Der neue Bau kostete 320.000,– Schilling . Als Baumaterial wurde Beton gewählt, ausgerüstet mit stahlarmierten Pfeilern. Gleichzeitig errichtete die Kahlenberg AG am Fuße der Jubiläumswarte eine moderne Gastwirtschaft. Im Jahr 1982 wurde die Warte um zwei Millionen Schilling umfassend renoviert. Nach dem Tod des letzten Pächters im Jahr 1995 blieb das inzwischen baufällig gewordene Ausflugsgasthaus geschlossen. Das Gebäude wurde renoviert und am 8. Mai 1998 als „Wiener Waldschule“ des Forstamtes, der Magistratsabteilung 49, eröffnet. In dieser soll Wiener Schulkindern an „Waldschultagen“ Umweltbewusstsein vermittelt werden. Mit Schautafeln wird auf den Tier- und Baumreichtum des Wienerwaldes aufmerksam gemacht. Auf der und um die Aussichtsplattform herum befinden sich eine Reihe von Richtfunkantennen. Seit 2009 befindet sich hier auch die Wetterstation 11044 der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. 2012 wurde die Jubiläumswarte generalsaniert. Anfang 2024 wurde die weiß gestrichene Spindel der Wendeltreppe in Vandalismusmanier von Fans des Fußballvereins SK Rapid Wien abschnittsweise von unten nach oben grün/Abstand/rot/blau/Abstand/grün und mit dem gesprühten Schriftzug „125 Jahre“ bemalt. Kriminalpolizei und szenekundige Organe der LPD Wien ermittelten mehrere der groben Sachbeschädigung verdächtige Personen. Im Juli 2024 wurde bekannt, dass nach Abschluss der Beweisaufnahmen die MA 49 der Stadt Wien den Reparaturauftrag ausschreiben will, um die Warte wieder ganz weiß zu streichen. 48.22133055555616.265630555556Koordinaten: 48° 13′ 16,8″ N, 16° 15′ 56,3″ O
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2024-12-04 06:37:09
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https://de.wikipedia.org/wiki/St._Joseph_(Simmerberg)
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Die denkmalgeschützte römisch-katholische Pfarrkirche St. Joseph steht in Simmerberg, einem Gemeindeteil des Markts Weiler-Simmerberg im bayerisch-schwäbischen Landkreis Lindau von Bayern. Das Bauwerk ist beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in der Liste der Baudenkmäler in Weiler-Simmerberg als Baudenkmal unter der Nr. D-7-76-129-53 eingetragen. Die Pfarrei gehört zum Dekanat Lindau des Bistums Augsburg. Die 1805 errichtete Saalkirche besteht aus einem Langhaus, einem eingezogenen, korbbogig geschlossenen Chor im Nordosten und einem Chorflankenturm auf quadratischem Grundriss, der mit einem spitzen Helm bedeckt ist und der 1838 an die Südostwand des Chors angebaut wurde. Die Fresken, im Innenraum des Chors mit der Auferstehung Jesu Christi, im Langhaus mit der Heiligen Familie, wurden 1895 von Johann Jakob Bertle gestaltet. Die neuromanischen Altäre wurden um 1850 aufgestellt. Auf dem Altarretabel des Hochaltars wurde die Kreuzigung Christi gemalt. Ein Gemälde stammt von Balthasar Lempenzeder. Die 1966 von den Gebrüdern Hindelang gebaute Orgel wurde durch einen Neubau von Siegfried Schmid ersetzt. 47.5861749.94476Koordinaten: 47° 35′ 10,2″ N, 9° 56′ 41,1″ O
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2024-12-03 18:34:51
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https://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Kleveland
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Marcus Kleveland ist ein norwegischer Snowboarder. Er startet in den Disziplinen Slopestyle und Big Air. Kleveland nimmt seit 2010 an Wettbewerben der Ticket to Ride World Snowboard Tour teil. Dabei holte er im Februar 2013 im Slopestyle bei den Burton European Junior Open in Laax seinen ersten Sieg. Im September 2014 wurde er im Big Air-Wettbewerb beim freestyle.ch Zweiter. In der Saison 2015/16 errang er beim Air & Style in Innsbruck den zweiten Platz, in Los Angeles den zehnten Platz und in Peking den 22. Platz. Zudem siegte er im Big Air beim Norgescup in Trysil und errang bei den X-Games Oslo 2016 den 12. Platz im Big Air. Im März 2016 wurde er norwegischer Meister im Slopestyle und im Big Air. Zu Beginn der Saison 2016/17 kam er bei The Mile High im Perisher auf den zweiten Platz und beim Thredbo Big Air in Thredbo auf den ersten Platz. Im November 2016 debütierte er in Mailand im Snowboard-Weltcup. Dabei gewann er den Big-Air Wettbewerb. Im selben Monat siegte er ebenfalls beim Air & Style in Peking. Bei den Winter-X-Games 2017 in Aspen holte er die Silbermedaille im Big Air und die Goldmedaille im Slopestyle. Im Februar 2017 errang er beim Air & Style in Innsbruck den zweiten und in Los Angeles den dritten Platz und gewann damit die Air & Style Gesamtwertung. Zudem errang er beim Weltcup in Québec den dritten Platz im Slopestyle und erreichte zum Saisonende jeweils den achten Platz im Big Air und im Freestyle-Weltcup. Im März 2017 gewann er bei den Snowboard-Weltmeisterschaften 2017 in Sierra Nevada die Bronzemedaille im Big Air und wurde bei den X-Games Norway 2017 in Hafjell jeweils Fünfter im Slopestyle und im Big Air. In der Saison 2017/18 siegte er im Weltcup in Cardrona im Slopestyle und beim Weltcup in Mönchengladbach im Big Air und erreichte damit den fünften Platz im Freestyle-Weltcup und den dritten Rang im Slopestyle-Weltcup. Bei den Winter-X-Games 2018 in Aspen holte er die Silbermedaille im Big Air und die Goldmedaille im Slopestyle und bei den X-Games Norway 2018 in Fornebu die Silbermedaille im Big Air. Im Februar 2018 belegte er bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang den 18. Platz im Big Air und den sechsten Rang im Slopestyle. Im folgenden Monat errang er bei den Burton US Open in Vail den dritten Platz im Slopestyle. Bei den X-Games Norway 2020 in Hafjell holte er die Goldmedaille im Knuckle Huck und errang den siebten Platz im Slopestyle. In der Saison 2020/21 holte er zwei Weltcupsiege und gewann damit den Freestyle und den Slopestyle-Weltcup. Bei den Winter-X-Games 2021 gewann er Gold im Big Air und bei den Snowboard-Weltmeisterschaften 2021 Bronze im Big Air und Gold im Slopestyle. In der Saison 2021/22 holte Kleveland im Slopestyle in Silvaplana seinen sechsten Weltcupsieg und gewann bei den Winter-X-Games 2022 die Silbermedaille im Slopestyle sowie die Goldmedaille im Big Air. Beim Saisonhöhepunkt, den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking, belegte er den 14. Platz im Slopestyle und den achten Rang im Big Air. 2011: Seppe Smits | 2013: Roope Tonteri | 2015: Ryan Stassel | 2017: Seppe Smits | 2019: Chris Corning | 2021: Marcus Kleveland | 2023: Marcus Kleveland 1997: Daniel Franck | 1998: Ross Powers | 1999: Peter Line | 2000: Kevin Jones | 2001: Kevin Jones | 2002: Travis Rice | 2003: Shaun White | 2004: Shaun White | 2005: Shaun White | 2006: Shaun White | 2007: Andreas Wiig | 2008: Andreas Wiig | 2009: Shaun White | 2010: Eero Ettala | 2011: Sébastien Toutant | 2012: Mark McMorris | 2013: Mark McMorris | 2014: Max Parrot | 2015: Mark McMorris | 2016: Mark McMorris | 2017: Marcus Kleveland | 2018: Marcus Kleveland | 2019: Mark McMorris | 2020: Darcy Sharpe | 2021: Dusty Henricksen | 2022: Mark McMorris | 2023: Mark McMorris | 2024: Redmond Gerard
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2024-11-22 15:35:23
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https://de.wikipedia.org/wiki/Aminos%C3%A4ure
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Aminosäuren , unüblich aber genauer auch Aminocarbonsäuren, veraltet Amidosäuren genannt, sind chemische Verbindungen mit einer Stickstoff enthaltenden Aminogruppe und einer Kohlenstoff und Sauerstoff enthaltenden Carbonsäuregruppe. Aminosäuren kommen in allen bekannten Lebewesen vor. Sie sind die Bausteine von Proteinen und werden frei bei der Zerlegung von Proteinen . Essentielle Aminosäuren kann ein Organismus nicht selbst herstellen, sie müssen daher mit der Nahrung aufgenommen werden. Zur Klasse der Aminosäuren zählen organische Verbindungen, die zumindest eine Aminogruppe und eine Carboxygruppe als funktionelle Gruppen enthalten, also Strukturmerkmale der Amine und der Carbonsäuren aufweisen. Chemisch lassen sie sich nach der Stellung ihrer Aminogruppe zur Carboxygruppe unterscheiden – steht die Aminogruppe am Cα-Atom unmittelbar benachbart zur endständigen Carboxygruppe, nennt man dies α-ständig und spricht von α-Aminosäuren. Ausgewählte α-Aminosäuren sind die natürlichen Bausteine von Proteinen. Sie werden miteinander zu Ketten verknüpft, indem die Carboxygruppe der einen Aminosäure mit der Aminogruppe der nächsten eine Peptidbindung eingeht. Die auf diese Weise zu einem Polymer verketteten Aminosäuren unterscheiden sich in ihren Seitenketten und bestimmen zusammen die Form, mit der das Polypeptid im wässrigen Milieu dann zum nativen Protein auffaltet. Diese Biosynthese von Proteinen findet in allen Zellen an den Ribosomen nach Vorgabe genetischer Information statt, die in Form von mRNA vorliegt. Die Basensequenz der mRNA codiert in Tripletts die Aminosäurensequenz, wobei jeweils ein Basentriplett ein Codon darstellt, das für eine bestimmte proteinogene Aminosäure steht. Die hiermit als Bausteine für die Bildung von Proteinen in einer bestimmten Reihenfolge angegebenen Aminosäuren formen die Proteine. Beim Menschen sind es 21 verschiedene proteinogene Aminosäuren, neben den standardmäßig 20 Aminosäuren auch Selenocystein. Nach der Translation können die Seitenketten einiger im Protein eingebauter Aminosäuren noch modifiziert werden. Das Spektrum der Aminosäuren geht allerdings über diese rund zwanzig proteinogenen weit hinaus. So sind bisher über 400 nichtproteinogene natürlich vorkommende Aminosäuren bekannt, die biologische Funktionen haben. Die vergleichsweise seltenen D-Aminosäuren stellen hierbei eine spezielle Gruppe dar. Die Vielfalt der synthetisch erzeugten und die der theoretisch möglichen Aminosäuren ist noch erheblich größer. Einige Aminosäuren spielen als Neurotransmitter eine besondere Rolle, ebenso verschiedene Abbauprodukte von Aminosäuren; biogene Amine treten nicht nur als Botenstoffe im Nervensystem auf, sondern entfalten auch als Hormone und Gewebsmediatoren vielfältige physiologische Wirkungen im Organismus. Die einfachste Aminosäure, Glycin, konnte nicht nur auf der Erde, sondern auch auf Kometen, Meteoriten und in Gaswolken im interstellaren Raum nachgewiesen werden. Die erste Aminosäure wurde 1805 im Pariser Labor von Louis-Nicolas Vauquelin und dessen Schüler Pierre Jean Robiquet aus dem Saft von Spargel isoliert und danach Asparagin genannt. Als letzte der üblichen proteinaufbauenden Aminosäuren wurde das Threonin 1931 im Fibrin entdeckt sowie 1935 seiner Struktur nach geklärt von William Rose. Rose hatte durch Experimente mit verschiedenen Futtermitteln herausgefunden, dass die bis dato entdeckten 19 Aminosäuren als Zusatz nicht ausreichten. Er stellte auch die Essentialität anderer Aminosäuren fest und ermittelte je die für ein optimales Wachstum mindestens erforderliche Tagesdosis. In der Zeit zwischen 1805 und 1935 waren viele der damals bekannten Chemiker und Pharmazeuten daran beteiligt, Aminosäuren erstmals zu isolieren sowie deren Struktur aufzuklären. So gelang Emil Fischer, auf den auch die Fischer-Projektion zurückgeht, die finale Aufklärung der Struktur von Serin , Lysin , Valin und Cystein . Auch Albrecht Kossel , Richard Willstätter und Frederick Hopkins wurden später Nobelpreisträger. Der deutsche Chemiker Ernst Schulze isolierte drei Aminosäuren erstmals – 1877 Glutamin aus Rüben, 1881 Phenylalanin und 1886 Arginin aus Lupinen – und war an der Strukturaufklärung weiterer Aminosäuren beteiligt. Zuvor hatte Heinrich Ritthausen 1866 Glutaminsäure aus Getreideeiweiß, dem Gluten, kristallin gewonnen. Wilhelm Dittmar klärte 1872 die Struktur von Glutamin und Glutaminsäure, deren Salze Glutamate sind, auf. Bereits 1810 entdeckte William Hyde Wollaston das schwefelhaltige Cystin als „cystic oxide“ in Blasensteinen, doch erst 1884 Eugen Baumann das monomere Cystein. 1819 trennte Henri Braconnot das Glycin aus Leim ab und Joseph Louis Proust das Leucin aus Getreide. Eugen von Gorup-Besánez isolierte 1856 das Valin aus Pankreassaft. Schon 1846 hatte Justus von Liebig aus Casein erstmals das Tyrosin abtrennen können, dessen Struktur 1869 Ludwig von Barth klärte. Im Hydrolysat des Casein entdeckte Edmund Drechsel 1889 auch das Lysin und später John Howard Mueller 1922 das schwefelhaltige Methionin als 19. Aminosäure, deren Strukturformel George Barger und Philip Coine 1928 angaben. In Melasse hatte Felix Ehrlich schon 1903 als 18. das Isoleucin gefunden, ein Strukturisomer des Leucin. Friedrich Wöhler, dessen Synthesen in den 1820er Jahren das Gebiet der Biochemie eröffneten, entdeckte keine Aminosäure, doch waren drei seiner Schüler daran beteiligt, neben den erwähnten Gorup-Besánez und Schulze auch Georg Städeler . 18 der 20 entdeckten Aminosäuren wurden aus pflanzlichem oder tierischem Material isoliert, nur die beiden Aminosäuren Alanin und Prolin durch organische Synthese erhalten. Während die Analyse der stofflichen Zusammensetzung bis hin zur Summenformel mit den damaligen Methoden gut zu bewerkstelligen war, konnte die Strukturformel vieler Aminosäuren oftmals nur durch Teilschritte der Synthese endgültig aufgeklärt werden, was manchmal erst Jahre später gelang. Die Struktur des Asparagins und die von Asparaginsäure klärte Hermann Kolbe erst 1862 auf, 57 Jahre nach der ersten Beschreibung. Den Gattungsnamen verdanken Aminosäuren zwei funktionellen Gruppen, ihre Einzelnamen mal einem hellen Aussehen , einem süßen Geschmack oder dem Material, in dem sie gefunden wurden , Merkmalen der chemischen Struktur bzw. beidem und mal auch den Edukten ihrer Synthese . Dass Proteine als Ketten aus Aminosäuren, verbunden durch Peptidbindungen, aufgebaut sind, schlugen zuerst 1902 auf der Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Karlsbad gleichzeitig und unabhängig voneinander sowohl Emil Fischer als auch Franz Hofmeister vor . Zu den Pionieren der Chromatographie der Aminosäuren gehören seit Ende der 1940er Jahre William Howard Stein und Stanford Moore. Aminosäuren bestehen aus mindestens zwei Kohlenstoffatomen. Die instabile Carbamidsäure besitzt lediglich ein Kohlenstoffatom und ist damit keine Aminosäure, sondern ein Kohlensäureamid. Aminosäuren lassen sich in Klassen einteilen je nach dem Kohlenstoffatom, an dem sich die Aminogruppe relativ zur Carboxygruppe befindet. Sind im Molekül mehrere Aminogruppen vertreten, so bestimmt das Kohlenstoffatom, dessen Aminogruppe dem Carboxy-Kohlenstoff am nächsten steht, um welche Klasse von Aminosäuren es sich handelt. Die Bezeichnung weiterer Klassen der Aminosäuren ergibt sich nach dem gleichen Schema. Die Aminosäuren einer Klasse unterscheiden sich durch ihre Seitenkette R. Ist die Seitenkette R verschieden von den anderen Substituenten, die sich am Kohlenstoff mit der Amino-Gruppe befinden, so befindet sich hier ein Stereozentrum und es existieren von der entsprechenden Aminosäure zwei Enantiomere. Enthält die Seitenkette R selbst weitere Stereozentren, so ergeben sich auch Diastereomere und die Zahl möglicher Stereoisomerer nimmt entsprechend zur Anzahl der weiteren Stereozentren zu. Von Aminosäuren mit zwei verschieden substituierten Stereozentren gibt es vier Stereoisomere. Unter bestimmten Bedingungen können alle drei ionogenen Gruppen geladen werden , dann bilden sie Doppelsalze. Aminoacyl-Gruppe bezeichnet die einwertige Gruppe, die aus einer Aminosäure durch Entfernen der Hydroxygruppe aus der Carboxygruppe entsteht, also das univalente Radikal. Aus einer α-Aminosäure wird so eine α-Aminoacyl-Gruppe gebildet; aus der Aminosäure Tyrosin beispielsweise entsteht so die Tyrosylgruppe als eine spezielle α-Aminoacyl-Gruppe. Als proteinogene Aminosäuren werden Aminosäuren bezeichnet, die in Lebewesen als Bausteine der Proteine während der Translation nach Vorgabe genetischer Information verwendet werden. Bei der Biosynthese von Proteinen, die an den Ribosomen einer Zelle stattfindet, werden im Zuge der Proteinbiosynthese ausgewählte Aminosäuren durch Peptidbindungen in bestimmter Reihenfolge zur Polypeptidkette eines Proteins verknüpft. Die Aminosäurensequenz des ribosomal gebildeten Peptids wird dabei vorgegeben durch die in der Basensequenz einer Nukleinsäure enthaltene genetische Information, wobei nach dem genetischen Code eine Aminosäure durch ein Basentriplett codiert wird. Die proteinogenen Aminosäuren sind stets α-Aminosäuren. Bis auf die kleinste, Glycin, sind sie chiral und treten mit besonderer räumlicher Anordnung auf. Eine Besonderheit weist die Aminosäure Prolin auf, deren Aminogruppe ein sekundäres Amin besitzt und die sich daher nicht so flexibel in eine Proteinfaltung einfügt wie andere proteinogene Aminosäuren – Prolin gilt beispielsweise als Helixbrecher bei α-helikalen Strukturen in Proteinen. Aufgrund der sekundären Aminogruppe wird Prolin auch als sekundäre Aminosäure – öfters fälschlicherweise bzw. veraltet auch als Iminosäure – bezeichnet. Von den spiegelbildlich verschiedenen Enantiomeren sind jeweils nur die L-Aminosäuren proteinogen . Die molekularen Komponenten des zum Aufbau der Proteine notwendigen zellulären Apparats – neben Ribosomen noch tRNAs und diese mit Aminosäuren beladende Aminoacyl-tRNA-Synthetasen – sind selber auch chiral und erkennen allein die L-Variante. Dennoch kommen in Lebewesen vereinzelt auch D-Aminosäuren vor. Diese werden jedoch unabhängig von proteinogenen Stoffwechselwegen synthetisiert und dienen nicht dem ribosomalen Aufbau von Proteinen. So wird zum Beispiel D-Alanin in Peptidoglycane der bakteriellen Zellwand eingebaut oder D-Valin in bakterielle Cyclo-Depsipeptide wie Valinomycin. Verschiedene Arten von Archaeen, Bakterien, Pilzen und Nacktkiemern verfügen über nichtribosomale Peptidsynthetasen genannte Multienzymkomplexe, mit denen solche Aminosäuren in ein nichtribosomales Peptid eingebaut werden können. Für 20 der proteinogenen Aminosäuren finden sich Codons in der Standardversion des genetischen Codes. Diese werden daher als Standardaminosäuren oder auch kanonische Aminosäuren bezeichnet. In Aminosäuresequenzen werden die Aminosäuren meist mit einem Namenskürzel im Dreibuchstabencode angegeben oder im Einbuchstabencode durch ein Symbol dargestellt. Der Einbuchstabencode wurde von IUPAC-IUB auf Grundlage der folgenden Regeln gewählt: Neben den oben angegebenen Codes werden zusätzliche Zeichen als Platzhalter benutzt, wenn aus der Proteinsequenzierung oder Röntgenstrukturanalyse nicht auf die genaue Aminosäure geschlossen werden kann. Zu den natürlich vorkommenden Aminosäuren gehören außer den kanonischen die übrigen als nichtkanonische Aminosäuren bezeichneten Aminosäuren, wozu proteinogene und nicht-proteinogene zählen. Hierbei lassen sich mehrere Gruppen unterscheiden: Der Mensch nutzt neben den 20 kanonischen auch Selenocystein als proteinogene Aminosäure. Von den 20 kanonischen Aminosäuren werden 12 vom menschlichen Organismus beziehungsweise durch im menschlichen Verdauungstrakt lebende Mikroorganismen synthetisiert. Die restlichen 8 Aminosäuren sind für den Menschen essentiell, das heißt, er muss sie über die Nahrung aufnehmen. Der Einbau künstlicher, nahezu beliebig gebauter Aminosäuren im Zuge eines Proteindesigns ist unter anderem über die Ersetzung des Liganden in der entsprechenden Aminoacyl-tRNA-Synthetase möglich. Diese Verfahren sind teilweise so weit fortgeschritten, dass damit gezielt bestimmte Proteine eine Markierung erhalten können, die beispielsweise das Protein nach Behandlung mit spezifischen Reagenzien zur Fluoreszenz anregen . Damit ist eine genaue Lokalisierung des Proteins auch ohne Produktion und Reaktion mit Antikörpern möglich. L-Aminosäuren sind in der Biochemie von großer Bedeutung, da sie die Bausteine von Peptiden und Proteinen sind. Bisher sind über zwanzig sogenannte proteinogene Aminosäuren bekannt. Dies sind zunächst jene 20 L-α-Aminosäuren, die als Standard-Aminosäuren durch Codons von je drei Nukleinbasen in der DNA nach dem Standard-Code codiert werden. Zu diesen kanonisch genannten Aminosäuren sind inzwischen zwei weitere hinzugekommen, Selenocystein und Pyrrolysin. Beide nicht-kanonischen sind ebenfalls α-Aminosäuren, bezogen auf die endständige Carboxygruppe ist die Aminogruppe am unmittelbar benachbarten Kohlenstoffatom gebunden . Darüber hinaus gibt es noch weitere Aminosäuren, die als Bestandteil von Proteinen oder Peptiden auftreten, jedoch nicht codiert werden. Aminosäureketten mit einer Kettenlänge unter zirka 100 Aminosäuren werden meist als Peptide bezeichnet, bei den größeren ribosomal gebildeten spricht man von Makropeptiden oder Proteinen. Die einzelnen Aminosäuren sind dabei innerhalb der Kette je über Peptidbindungen verknüpft. Ein automatisiertes Verfahren zur Synthese von Peptiden liefert die Merrifield-Synthese. In Form von Nahrung aufgenommene Proteine werden bei der Verdauung in L-Aminosäuren zerlegt. In der Leber werden sie weiter verwertet. Entweder werden sie zur Proteinbiosynthese verwendet oder abgebaut . Die wichtigsten Mechanismen des Aminosäurenabbaus sind: Aminosäuren, die ein Organismus benötigt, jedoch nicht selbst herstellen kann, heißen essentielle Aminosäuren und müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Alle diese essentiellen Aminosäuren sind L-α-Aminosäuren. Für Menschen sind Valin, Methionin, Leucin, Isoleucin, Phenylalanin, Tryptophan, Threonin und Lysin essentielle Aminosäuren. Seit 1985 wird von der WHO auch die Aminosäure Histidin als essenzielle Aminosäure eingestuft. Es gibt somit neun essenzielle Aminosäuren. Bedingt essentielle oder semi-essentielle Aminosäuren müssen nur in bestimmten Situationen mit der Nahrung aufgenommen werden, zum Beispiel während des Wachstums oder nach schweren Verletzungen. Die übrigen Aminosäuren werden entweder direkt synthetisiert oder aus anderen Aminosäuren durch Modifikation gewonnen. So kann Cystein aus der essentiellen Aminosäure Methionin synthetisiert werden. Solange das Vermögen, aus Phenylalanin die Aminosäure Tyrosin herzustellen, noch nicht ausgereift ist, zählt auch diese neben den anderen zu den essentiellen Aminosäuren im Kindesalter. Aus ähnlichem Grund muss auch bei einer Phenylketonurie Tyrosin zugeführt werden. Daneben gibt es andere Erkrankungen, die den Aminosäurestoffwechsel beeinträchtigen und die Aufnahme einer eigentlich nicht-essentiellen Aminosäure unter Umständen erfordern. Pflanzen und Mikroorganismen können alle für sie notwendigen Aminosäuren selbst synthetisieren. Daher gibt es für sie keine essentiellen Aminosäuren. Die proteinogenen Aminosäuren lassen sich nach ihren Resten in Gruppen aufteilen . Dabei kann eine Aminosäure in verschiedenen Gruppen gleichzeitig auftauchen. In einem Mengendiagramm lassen sich die Überlappungen der Gruppen grafisch darstellen. Die Eigenschaften der Seitenkette von Cystein betreffend haben die Autoren unterschiedliche Ansichten: Löffler hält sie für polar, während Alberts sie für unpolar hält. Richtigerweise handelt es sich bei Schwefel um ein Heteroatom, folglich gilt: Die Seitenkette von Cystein hat schwach polare Eigenschaften. Aufgrund der basischen Aminogruppe und der sauren Carbonsäuregruppe sind Aminosäuren zugleich Basen und Säuren. Als Feststoffe und in neutralen wässrigen Lösungen liegen Aminosäuren als Zwitterionen vor, das heißt, die Aminogruppe ist protoniert und die Carboxygruppe ist deprotoniert. Verallgemeinert lässt sich das Zwitterion so darstellen: Als Zwitterion kann die protonierte Aminogruppe als Säure und die Carboxylatgruppe kann als Base reagieren. In sauren Lösungen liegen Aminosäuren als Kationen und in basischen Lösungen als Anionen vor: Die Ladung eines Aminosäuremoleküls hängt vom pH-Wert der Lösung ab. Bei einem Zwitterion mit einer sauren und einer basischen Gruppe ist bei neutralem pH-Wert die Gesamtladung des Moleküls null. Daneben besitzen die Seitenketten der Aminosäuren teilweise saure oder basische geladene Gruppen. Der pH-Wert mit einer Nettoladung von Null ist der isoelektrische Punkt einer Aminosäure. Am isoelektrischen Punkt ist die Wasserlöslichkeit einer Aminosäure am geringsten. Für das Säure-Base-Verhalten proteinogener Aminosäuren ist vor allem das Verhalten ihrer Seitenkette interessant. In Proteinen sind die NH2- und COOH-Gruppen bei physiologischem pH-Wert wegen der Peptidbindung nicht protonierbar und damit auch nicht titrierbar. Ausnahmen sind der Amino- und der Carboxy-Terminus des Proteins. Daher ist für das Säure-Base-Verhalten von Proteinen und Peptiden der Seitenkettenrest R maßgeblich. Das Verhalten der Seitenkette R hängt von ihrer Konstitution ab, das heißt, ob die Seitenkette selbst wieder als Protonenakzeptor oder als Protonendonator wirken kann. Die proteinogenen Aminosäuren werden nach den funktionellen Gruppen eingeteilt in solche mit unpolarer oder polarer Aminosäureseitenkette und weiter unterteilt in nach Polarität sortierte Untergruppen: aliphatische, aromatische, amidierte, Schwefel-enthaltende, hydroxylierte, basische und saure Aminosäuren. Die Seitenketten von Tyrosin und Cystein sind zwar im Vergleich zu den anderen unpolaren Seitenketten relativ sauer, neigen aber erst bei unphysiologisch hohen pH-Werten zum Deprotonieren. Prolin ist eine sekundäre Aminosäure, da der N-Terminus mit der Seitenkette einen fünfatomigen Ring schließt. Innerhalb eines Proteins bindet der Carboxy-Terminus einer vorhergehenden Aminosäure an den Stickstoff des Prolins, welcher aufgrund der bereits erwähnten Peptidbindung nicht protonierbar ist. Histidin, Tyrosin und Methionin kommen jeweils in zwei Untergruppen vor. Der pK-Wert ist der pH-Wert, bei dem die titrierbaren Gruppen zu gleichen Teilen protoniert und deprotoniert vorliegen; die titrierbare Gruppe liegt dann zu gleichen Teilen in ihrer basischen wie in ihrer sauren Form vor . Es ist meist üblich, anstatt vom pKS vom pK zu sprechen, so vom pK der Säure. In diesem Sinne müsste allerdings vom pK des Lysins als pKB, vom pK der Base gesprochen werden. Aus Gründen der Vereinfachung wird diese Notation aber allgemein weggelassen, da sich auch aus dem Sinnzusammenhang ergibt, ob die Gruppe als Base oder Säure wirkt. Der pK ist keine Konstante, sondern hängt von der Temperatur, der Aktivität, der Ionenstärke und der unmittelbaren Umgebung der titrierbaren Gruppe ab und kann daher stark schwanken. Ist der pH höher als der pK einer titrierbaren Gruppe, so liegt die titrierbare Gruppe in ihrer basischen Form vor. Ist der pH niedriger als der pK der titrierbaren Gruppe, so liegt die titrierbare Gruppe in ihrer sauren Form vor: Die Seitenketten basischer Aminosäuren sind in ihrer protonierten Form einfach positiv geladen und in ihrer deprotonierten Form ungeladen. Die Seitenketten der sauren Aminosäuren sind in ihrer protonierten Form ungeladen und in ihrer deprotonierten Form einfach negativ geladen. Da das Verhalten der Seitenkette ein ganz anderes ist, wenn sie geladen bzw. ungeladen ist, spielt der pH-Wert für die Eigenschaften der Seitenkette eine so wichtige Rolle. Die titrierbaren Seitenketten beeinflussen zum Beispiel das Löslichkeitsverhalten der entsprechenden Aminosäure. In polaren Lösungsmitteln gilt: Geladene Seitenketten machen die Aminosäure löslicher, ungeladene Seitenketten machen die Aminosäure unlöslicher. In Proteinen kann das dazu führen, dass bestimmte Abschnitte hydrophiler oder hydrophober werden, wodurch die Faltung und damit auch die Aktivität von Enzymen vom pH-Wert abhängt. Durch stark saure oder basische Lösungen können Proteine daher denaturiert werden. 18 der 20 proteinogenen Aminosäuren haben gemäß der Cahn-Ingold-Prelog-Konvention am α-Kohlenstoff-Atom die -Konfiguration, lediglich Cystein besitzt die -Konfiguration, da hier der Kohlenstoff mit der Thiolgruppe eine höhere Priorität als die Carbonsäuregruppe hat. Glycin ist achiral, daher kann keine absolute Konfiguration bestimmt werden. Zusätzlich zum Stereozentrum am α-C-Atom besitzen Isoleucin und Threonin in ihrem Rest R je ein weiteres stereogenes Zentrum. Proteinogenes Isoleucin ist dort -konfiguriert, Threonin -konfiguriert. Es sind bislang über 400 nichtproteinogene Aminosäuren, die in Organismen vorkommen, bekannt. Dazu gehört etwa das L-Thyroxin, ein Hormon der Schilddrüse, L-DOPA, L-Ornithin oder das in fast allen Arten von Cyanobakterien nachgewiesene Neurotoxin β-Methylaminoalanin . Die meisten nichtproteinogenen Aminosäuren leiten sich von den proteinogenen ab, die L-α-Aminosäuren sind. Dennoch können dabei auch β-Aminosäuren oder γ-Aminosäuren entstehen. Zu den nichtproteinogenen Aminosäuren zählen auch alle D-Enantiomere der proteinogenen L-Aminosäuren. D-Serin wird im Hirn durch die Serin-Racemase aus L-Serin erzeugt. Es dient sowohl als Neurotransmitter als auch als Gliotransmitter durch die Aktivierung des NMDA-Rezeptors, was zusammen mit Glutamat die Öffnung des Kanals erlaubt. Zum Öffnen des Ionenkanals muss Glutamat und entweder Glycin oder D-Serin binden. D-Serin ist an der Glycin-Bindungsstelle des Glutamatrezeptors vom NMDA-Typ ein stärkerer Agonist als Glycin selbst, war aber zum Zeitpunkt der Erstbeschreibung der Glycin-Bindungsstelle noch unbekannt. D-Serin ist nach D-Aspartat die zweite D-Aminosäure, die in Menschen gefunden wurde. Zu den synthetischen Aminosäuren gehört die 2-Amino-5-phosphonovaleriansäure , ein Antagonist des NMDA-Rezeptors und das ökonomisch wichtige D-Phenylglycin , das in der Seitenkette vieler semisynthetischer β-Lactamantibiotica als Teilstruktur enthalten ist. - und -tert-Leucin sind synthetische Strukturisomere der proteinogenen Aminosäure -Leucin und werden als Edukt in stereoselektiven Synthesen eingesetzt. Es gibt auch Aminosulfonsäuren , α-Aminophosphonsäuren und α-Aminophosphinsäuren. Das sind auch α-Aminosäuren, jedoch keine α-Aminocarbonsäuren. Statt einer Carboxygruppe ist eine Sulfonsäure-, Phosphonsäure- bzw. Phosphinsäuregruppe in diesen α-Aminosäuren enthalten. Ein quantitativer photometrischer Nachweis von Aminosäuren kann unter anderem per Kaiser-Test mit Ninhydrin oder mit dem Folin-Reagenz erfolgen, wodurch primäre Amine nachgewiesen werden. Für sekundäre Amine werden der Isatin-Test oder der Chloranil-Test verwendet. Ebenso können Trennung und Nachweis von Aminosäuren per Kapillarelektrophorese oder per HPLC erfolgen, teilweise als Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung. Während die meisten Aminosäuren kein UV-Licht mit Wellenlängen über 220 nm absorbieren, sind die Aminosäuren Phenylalanin, Tyrosin, Histidin und Tryptophan aromatisch und absorbieren UV-Licht mit einem Maximum zwischen 260 nm und 280 nm. Die Aminosäurezusammensetzung eines Proteins kann durch Hydrolyse des Proteins untersucht werden. Die langsam eintretende Racemisierung der Aminosäuren in den ursprünglich ausschließlich aus L-Aminosäuren aufgebauten Proteinen wird bei der Aminosäuredatierung untersucht. Aminosäuren werden entweder aus Naturstoffen durch Auftrennung eines hydrolysierten Proteins oder auf synthetischem Wege gewonnen. Ursprünglich diente die Entwicklung einer Synthese für die diversen Aminosäuren hauptsächlich der Strukturaufklärung. Inzwischen sind diese Strukturfragen gelöst und mit den verschiedenen Synthesen, soweit sie noch aktuell sind, werden gezielt die gewünschten Aminosäuren dargestellt. Bei den Synthesen entstehen zunächst racemische Gemische, die getrennt werden können. Eine Methode hierfür ist eine selektive enzymatische Hydrolyse, die zur Racematspaltung eingesetzt wird. Nachfolgend ein Überblick über diverse Synthesen, die von Chemikern bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden. Einige dieser älteren Synthesen sind wegen geringer Ausbeuten oder sonstiger Probleme nur von historischem Interesse. Allerdings wurden diese alten Verfahren teilweise weiterentwickelt und einige sind auch noch heute zur Darstellung von Aminosäuren aktuell. Weitergehende Einzelheiten zu diesen Synthesen einschließlich der Gleichungen für die Synthesen sind unter den Links zu den Synthesen und den angegebenen Aminosäuren angeführt. Industriell werden Aminosäuren heute nach folgenden Verfahren hergestellt: Aminosäuren haben für die Ernährung des Menschen eine fundamentale Bedeutung, insbesondere solche, die als essentielle Aminosäuren nicht selbst erzeugt werden können. In der Regel wird im Zuge einer ausgewogenen Ernährung der Bedarf an essentiellen Aminosäuren durch tierische oder eine geeignete Kombination verschiedener pflanzlicher Proteine vollkommen gedeckt. Pflanzliche Proteine haben meist hinsichtlich ihrer Aminosäurenzusammensetzung eine geringere biologische Wertigkeit. Futtermittel in der Nutztierhaltung werden daher oft angereichert durch Zusatz bestimmter Aminosäuren, beispielsweise Methionin und Lysin sowie verzweigtkettige Aminosäuren , wodurch der Nährwert erhöht wird. Verschiedene Aminosäuren werden als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Aminosäuren bzw. ihre Derivate finden Verwendung als Zusatz für Lebensmittel. Die menschliche Zunge besitzt einen Glutamatrezeptor, dessen Aktivierung allgemein mit einem gesteigerten Geschmack assoziiert ist. Daher wird als Geschmacksverstärker Natriumglutamat verwendet. Der Süßstoff Aspartam enthält eine Aminosäure. Aminosäuren sind Vorstufen für bestimmte Aromastoffe, die beim trockenen Garen von Speisen über die Maillard-Reaktion entstehen. Aminosäuren werden in der Zellbiologie und Mikrobiologie als Bestandteile von Zellkulturmedien verwendet. In der Biochemie werden Derivate von Aminosäuren wie Photo-Leucin oder Photo-Methionin zur Strukturaufklärung von Proteinen und andere zur Molekülmarkierung verwendet. Daneben werden Aminosäuren auch als Hilfsstoffe eingesetzt, z. B. als Salzbildner, Puffer. In der Pharmazie bzw. Medizin werden L-Aminosäuren als Infusionslösungen für die parenterale Ernährung und als Stabilisatoren bei bestimmten Lebererkrankungen angewendet. Bei Krankheiten mit einem Mangel von Neurotransmittern verwendet man L-Dopa. Für synthetische Peptidhormone und für die Biosynthese von Antibiotika sind Aminosäuren notwendige Ausgangsstoffe. Magnesium- und Kalium-Aspartate spielen bei der Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen eine Rolle. Cystein, beziehungsweise die Derivate Acetylcystein und Carbocystein, finden zudem eine Anwendung bei infektiösen Bronchialerkrankungen mit erhöhtem Bronchialsekret. Zudem wird L-Cystein als Reduktionsmittel in der Dauerwelle eingesetzt. Aminosäuren werden in der Kosmetik Hautpflegemitteln und Shampoos zugesetzt. Aminosäuren können nach ihren Abbauwegen in ketogene, glucogene und gemischt keto- und glucogene Aminosäuren eingeteilt werden. Ketogene Aminosäuren werden beim Abbau dem Citrat-Zyklus zugeführt, glucogene Aminosäuren der Gluconeogenese. Weiterhin werden im Stoffwechsel aus Aminosäuren verschiedene Abbauprodukte mit biologischer Aktivität gebildet. Tryptophan ist der Vorläufer von Serotonin. Tyrosin und sein Vorläufer Phenylalanin sind Vorläufer der Catecholamine Dopamin, Epinephrin und Norepinephrin . Phenylalanin ist der Vorläufer von Phenethylamin in Menschen. In Pflanzen ist Phenylalanin der Vorläufer der Phenylpropanoide. Glycin ist der Ausgangsstoff der Porphyrinsynthese . Aus Arginin wird der sekundäre Botenstoff Stickstoffmonoxid gebildet. Ornithin und S-Adenosylmethionin sind Vorläufer der Polyamine. Aspartat, Glycin und Glutamin sind Ausgangsstoffe der Biosynthese von Nukleotiden. Bei verschiedenen Infektionen des Menschen mit Pathogenen wurde eine Konkurrenz mit dem Wirt um die Aminosäuren Asparagin, Arginin und Tryptophan beschrieben.
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2024-12-02 06:48:42
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https://de.wikipedia.org/wiki/Amy_Leverenz
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Amy Leverenz ist eine US-amerikanische Sängerin . Nach einem Medizinstudium in den USA studierte Leverenz ab 1972 Gesang bei Karl Tuttner an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. Im Mittelpunkt ihres Repertoires stehen zeitgenössische Musik, Jazz und Rock. Von 1973 bis 1978 war sie Mitglied des Ensemble Contraste für zeitgenössische Musik, außerdem von 1976 bis 1978 Gastsolistin des Arnold Schoenberg Chores. Nach und neben Konzertreisen Anfang der 1980er Jahre mit Musikern und Bands wie Udo Jürgens, Band, Drahdiwaberl, Hansi Lang und Milva wandte sich Leverenz zunehmend eigenen Projekten zu. Mit dem Pianisten Olaf Joksch gab sie in den 1980er Jahren in Frankfurt und Offenbach Kleinkunstabende ein Liederabend – Liederbissen von Bach bis Zappa im Theater am Turm 1985–1986 und 500 Jahre Filmmusik in der Alten Oper 1986–1988). Im Theater am Kurfürstendamm gab sie 1980–1981 120 Vorstellungen Sie singen unser Lied, in den Berliner Kammerspielen trat sie 1981 50 Mal in Großstadtkinder auf und mit der Tourneetruppe der Kleinen Oper Bad Homburg führte sie in der Rolle des Max mehr als einhundert Mal die Kinder-Opernrevue Max und Moritz auf. Als eigene Projekte realisierte sie u. a. Staffellauf im Wespennest , eine Vorstellung mit Gesang und Pantomime mit Olaf Joksch, die Operetten-Talkshow Lieber reich aber glücklich mit dem Schauspieler Peter Bauer und der Pianistin Elisabeth Süsser und die multimedialen Concerti Piccoli zum 100. Geburtstag von Marie Luise Kaschnitz mit Peter Bauer und Heike Michaelis und Kompositionen von Alberto Mompellio, Piero Milesi und Erik Freitag. In mehreren Programmen trat Leverenz mit dem Jazzgitarristen Markus Fleischer auf, so Dreamers and Jokers – Jazz-Standards aus Musical und Film , Brecht: Happy End? und Stilwechsel – Kammerrock . Für den Komponisten René Staar schrieb sie die Libretti zu Fortunes Of War und The Gypsy Boy . Seit 1986 gibt Leverenz Gesangsunterricht. Von 1994 bis 2002 unterrichtete sie an der von ihr mitbegründeten Scream Factory in Frankfurt, seit 2002 ist sie Lehrbeauftragte für Gesang an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Privaten Gesangsunterricht bei ihr nahmen u. a. Xavier Naidoo, Sabrina Setlur, Sebastian Hämer, Christine Kaufmann, Bela B., Nadja Benaissa, Kevin Russell, Stefan Weidner, Lisa Da Costa und Beukes Willemsen.
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