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Damit genug Geld für den Transrapid da ist, sollen die Fahrgäste mehr zahlen als bislang geplant. Am Ende könnte die kurze Reise von der Innenstadt zum Flughafen fast genauso teuer kommen wie ein Billigflug quer durch Europa. Bayerns Verkehrsminister Erwin Huber (CSU) sagte der Süddeutschen Zeitung, er befürworte eine moderate Preissteigerung auf bis zu 17 Euro pro Fahrt. Detailansicht öffnen So soll der Transrapid einmal fahren. (Foto: Computersimulation: ddp) Bislang sind 14 bis 15 Euro vorgesehen. Die Deutsche Bahn (DB) als Betreiber des Transrapid könne dann später mehr Geld einnehmen und deshalb jetzt auch mehr Mittel in das 1,85 Milliarden Euro teure Projekt investieren, rechnete Huber vor. Derzeit fehlen noch mehrere hundert Millionen Euro für den Bau der 40 Kilometer langen Strecke vom Hauptbahnhof zum Flughafen. Laut Huber wollen Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in den kommenden Wochen bei einem Spitzengespräch versuchen, das Finanzproblem zu lösen. Bund und Freistaat streiten, wer die Finanzlücke schließen soll. "Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben" Bei den Verhandlungen von Bund und Freistaat waren intern zuletzt sogar 20 Euro für eine Fahrt mit dem Transrapid im Gespräch gewesen. Das geht aus einem Schreiben von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) an seinen bayerischen Kollegen Huber hervor. Die kurze Reise zum Flughafen würde dann sogar mehr kosten als mancher Billigflug quer durch Europa. Doch jetzt, nachdem diese Idee an die Öffentlichkeit gelangt ist, will keiner die 20 Euro genannt haben - weder die Bundes- noch die Staatsregierung. Huber sagt, er halte 20 Euro für ausgeschlossen. "Das wäre zu hoch, das ginge zu Lasten der Akzeptanz." Er könne sich einen "Rahmen von 14 bis 17 Euro pro Fahrt vorstellen". Auch Tiefensee hatte in seinem Brief an Huber einem Ticketpreis von 20 Euro eine Absage erteilt. Nach Untersuchungen der DB und des Freistaats Bayern ginge dann die Zahl der erwarteten Fahrgäste von acht auf fünf Millionen pro Jahr zurück, wandte Tiefensee ein. "Die Wirtschaftlichkeit des Projekts wäre nicht mehr gegeben." Außerdem ließe sich dann das Vorhaben nicht mehr so gut rechtfertigen, weil ein Aufkommen von fünf Millionen Reisenden "Auch von einer S-Bahn-Alternative bewältigt werden kann". Dieser Hinweis des Bundesverkehrsministers könnte der SPD und den Grünen in München Auftrieb geben, die für einen Ausbau der S-Bahn plädieren. Bayerns CSU-Regierung hält dagegen an ihren Plänen fest und kalkuliert, mit einem etwas höheren Ticketpreis könnte die DB mehr einnehmen. Die DB hätte durch die geplante Magnetschwebebahn noch einen weiteren finanziellen Vorteil, sagt Huber. Es würden mehr Leute mit dem Zug nach München und von dort weiter mit dem Transrapid zum Flughafen fahren. Projekt steht auf der Kippe Die DB solle daher auch mehr als die bislang von ihr zugesagten 185 Millionen Euro bereitstellen. Huber schlägt vor, dass der Bund oder der Freistaat oder beide gemeinsam der DB eine Staatsbürgschaft geben, mit der das Unternehmen billige Kredite für den Bau der Transrapid-Strecke aufnehmen könne. Diese Darlehen könne das Unternehmen dann später mit Mehreinnahmen zurückzahlen, rechnet der Minister vor. Sein Bundeskollege Tiefensee hat gegen eine solche Bürgschaft aber Bedenken. Das stelle eine zusätzliche Begünstigung der DB dar und müsse bei der Europäischen Union als staatliche Beihilfe angemeldet werden, schrieb Tiefensee am 6. Juni an Huber. Das bisherige Modell sehe aber anders aus. Deshalb müsse man bei den Vorschlägen zum Schließen der Finanzlücke darauf achten, "dass nicht die gesamte Projektstruktur gefährdet wird". Huber antwortete wenige Tage später, am 11. Juni, er nehme Tiefensees Schreiben "mit Verwunderung zur Kenntnis". Der Briefwechsel dokumentiert, dass der Transrapid in München auf der Kippe steht. Bund und Land streiten teilweise heftig über die Finanzierung. Der Bund will maximal die Hälfte der Kosten übernehmen, also allenfalls 925 Millionen Euro. Eventuelle Zuschüsse der Europäischen Union hat Tiefensee im Bundesanteil für den Transrapid schon berücksichtigt. So steht es in seinem Schreiben an Huber. Bayerns Verkehrsminister bezichtigte Tiefensee daraufhin indirekt des Wortbruchs. Einige Kernaussagen von Tiefensee widersprächen einem Ergebnis, das man Anfang Mai bei einem Gespräch in Bonn erzielt habe. Bayerns Wirtschafts- und Verkehrsminister schreibt weiter, es sei aus seiner Sicht nicht akzeptabel, mögliche EU-Mittel auf den Zuschuss des Bundes anzurechnen. Das führe zu einer Verringerung der Bundesmittel. Huber weist in seinem Brief an Tiefensee auch dessen Aufforderung zurück, die bayerische Regierung soll das noch fehlende Geld auftreiben. Für die geplante Transrapid-Strecke seien Bund und Freistaat gemeinsam verantwortlich. Die Finanzierung müsse letztlich auf höchster Ebene geklärt werden. Ministerpräsident Stoiber sei zu einem solchen "Gipfeltreffen" mit Kanzlerin Merkel bereit, notierte Huber. Neben den 925 Millionen Euro des Bundes und den 185 Millionen der Bahn sind bislang lediglich nur 300 Millionen Euro vom Freistaat zugesagt worden. Huber rechnet mit weiteren 100 Millionen Euro von der Münchner Flughafengesellschaft. Gegen einen solchen Zuschuss will die Stadt München als Mitbetreiberin der Flughafengesellschaft aber ihr Veto einlegen. In der CSU-Landtagsfraktion gibt es Überlegungen, mit dem Verkauf von noch vorhandenem Vermögen des Freistaats einen Teil der Finanzlücke zu schließen. Bis Juli soll eine Lösung her, sonst will die DB die Planung für den Transrapid nicht länger auf eigene Kosten vorantreiben. Wird das Münchner Projekt eingestellt, dann ist der Transrapid in Deutschland tot.
Damit genug Geld für den Transrapid da ist, sollen die Fahrgäste mehr zahlen als bislang geplant. Am Ende könnte die kurze Reise von der Innenstadt zum Flughafen fast genauso teuer kommen wie ein Billigflug quer durch Europa.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/transrapid-in-muenchen-teurere-tickets-sollen-milliardenprojekt-retten-1.918645
Transrapid in München - Teurere Tickets sollen Milliardenprojekt retten
00/05/2010
Nachdem Adidas im Mai die Trennung vom schwächelnden Wintersportspezialisten Salomon bekannt gegeben hatte, übernimmt der Sportartikelhersteller nun den US-Rivalen Reebok. Ein Überblick über die Geschichte und die aktuelle Lage des Unternehmens. Mit 20 Jahren fertigte Adolf "Adi" Dassler 1920 seinen ersten Sportschuh aus Leinen. Schon acht Jahre später trugen Athleten bei den Olympischen Spielen in Amsterdam seine Modelle. Detailansicht öffnen Die drei Streifen sind das Markenzeichen von Adidas. (Foto: Foto: dpa) Nach dem Zweiten Weltkrieg startete Dassler mit 47 Mitarbeitern neu. Aus seinem Vor- und Zunamen entstand 1948 der Firmenname Adidas. Ein Jahr später meldete Dassler die drei Streifen als Markenzeichen an. Bald fertigte das Unternehmen Schuhe für nahezu jede Sportart, ab Ende der 60er Jahre auch Trainingskleidung. Nach dem Tod des Firmengründers übernahmen seine Frau Käthe und sein Sohn Horst 1978 die Firma. 1989 wurde Adidas in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, blieb aber bis zum Börsengang 1995 im Familienbesitz. Nach einer Flaute Anfang der 90er verhalfen danach Stars wie Madonna oder David Beckham den drei Streifen zum Comeback. 1997 übernahm Adidas den französischen Wintersportausrüster Salomon mit seinen Golf- und Radsport-Töchtern für rund 1,2 Milliarden Euro und stieg so zur weltweiten Nummer zwei auf. Ein Jahr später wurde das Unternehmen in den Deutschen Aktienindex (DAX) aufgenommen. Im Jahr 2004 sehr erfolgreich Adidas-Salomon setzte im vergangenen Jahr 6,5 Milliarden Euro um und schrieb mit 314 Millionen Euro den höchsten Gewinn seiner Geschichte. Salomon steuerte rund zehn Prozent des Umsatzes bei, die Gewinne bei der französischen Tochter blieben jedoch unbefriedigend. Im Mai verkaufte Adidas die Wintersportsparte für 485 Millionen Euro an die finnische Amer Sports, und kündigte an, sich auf die Bereiche Sportschuhe und Bekleidung sowie auf die wachsende Golfkategorie konzentrieren zu wollen. In diese Strategie passt die Übernahme von Reebok perfekt. Das US-Unternehmen ist besonders stark auf seinem Heimatmarkt in Sportarten wie American Football und Basketball. Bald wieder Umbenennung in Adidas AG In Nordamerika wird rund die Hälfte des weltweiten Sportartikelgeschäfts getätigt: Zusammen mit Reebok will Adidas-Salomon daran stärker teilhaben und hofft auf eine Verdoppelung seiner Verkäufe auf dem Markt. Im vergangenen Jahr erzielte die neue Gruppe pro Forma einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro. Neben dem Stammsitz im bayerischen Herzogenaurach hat Adidas-Salomon ein weiteres Zentrum in Portland im US-Bundesstaat Oregon. Im kommenden Jahr soll das Unternehmen wieder in Adidas AG umbenannt werden. Reebok soll wie bisher von seinem Hauptquartier in Canton im US-Bundesstaat Massachusetts geführt werden.
Nachdem Adidas im Mai die Trennung vom schwächelnden Wintersportspezialisten Salomon bekannt gegeben hatte, übernimmt der Sportartikelhersteller nun den US-Rivalen Reebok. Ein Überblick über die Geschichte und die aktuelle Lage des Unternehmens.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/das-unternehmen-adidas-erfolgsgeschichte-mit-drei-streifen-1.899477
Das Unternehmen Adidas - Erfolgsgeschichte mit drei Streifen
00/05/2010
Kosten, Ärger, Frust - plötzlich ist er da, der Rechtsstreit. Die meisten stehen dem juristischen Konflikt erst mal hilflos gegenüber. Doch wie findet man den richtigen Anwalt? Erstes Hindernis ist das Standesrecht der Rechtsanwälte. Es verbietet ihnen Werbung - nur ein Kanzleischild oder etwa ein dezent gestalteter Briefkopf sind erlaubt. Hier eine Stellenanzeige, dort ein Internetauftritt - mehr ist für Anwälte nicht herauszuholen. Anlaufstelle deshalb: Die Gelben Seiten oder das Telefonbuch. Dumm nur, dass in Großstädten die Zahl der Anwälte ins Unermeßliche steigt. Da telefoniert man sich schnell mal ins Sankt Nimmerleinsland. Was also tun? Wer glaubt, er frage einfach bei Gericht, der kommt nicht viel weiter: Gerichte geben in der Regel keine Empfehlungen für einen guten Anwalt ab. Auch Behörden oder Jugendämter üben sich in Zurückhaltung. "Das verzerrt sonst den Wettbewerb", erklärt Dr. Schneider, Richter am Amtsgericht. Wer Glück hat, bekommt zumindest eine Übersicht aller zugelassenen Anwälte. Der Versuch ist es wert. Fachanwälte sind spezialisiert Wichtigster Filter für die Anwaltssuche ist die Fachanwaltsbezeichnung: Nur wer als Anwalt mindestens drei Jahre zugelassen ist und über besondere theoretische und praktische Erfahrung in dem Rechtsgebiet verfügt, darf die Bezeichung Fachanwalt führen. Es ist sozusagen ein Qualitätssiegel. Fachanwälte gibt es im Steuer-, Verwaltungs-, Insolvenz-, Arbeits- und Familienrecht. Auch im Sozial- und Strafrecht können Anwälte durch Prüfungen und umfangreiche Praxis den Titel erlangen. "Für 2006 sind bereits sechs neue Sparten geplant, in denen die Bezeichnung Fachanwalt vergeben wird", sagt Robert Maiwald von der Kanzlei Winkelmeier in München, "etwa im Miet-und Eigentümerrecht." Die Rechtsanwaltskammer überprüft die Vergabe der Titel. So kann der Mandant sicher sein, dass der Anwalt ein Spezialist ist. Listen der Rechts-und Fachanwälte finden sich ebenfalls dort - abrufbar im Internet oder bei telefonischer Nachfrage. Schwerpunkt der Tätigkeit "Die Bezeichnung Tätigkeitsschwerpunkt kann ebenfalls ein guter Hinweis sein", weiß Rechtsanwältin Nicole Gebhardt von Rembert-Rechtsanwälte in Hamburg, "der Rechtsanwalt signalisiert damit, dass er sich auf das Gebiet spezialisiert hat." Hilfreich ist dies etwa für Arzt-, Handels- oder Urheberrecht, aber auch exotische Gebiete wie Fischerei oder Weinrecht. Erlaubt ist jetzt der Begriff "Spezialist in" - aber "nur, wenn es nicht den geschützten Bereich der Fachanwaltsbezeichnung tangiert", sagt Gebhardt, "sonst würde der Anwalt die Überprüfung der Kammer umgehen." Unzuverlässiger Partner Internet Auch das Internet quillt über an Links und Hinweisen. Eine wirklich objektive Empfehlung findet der User aber nicht. Viele gute Kanzleien haben noch nicht mal eine eigene Homepage und sind auch in den Suchmaschinen nicht enthalten. Seriöse und vollständige Listen sind selten. Und was ist mit Beratungsstellen, kirchlichen Einrichtungen, Verbraucherschutzverbänden oder Mietervereinen? Manch einer kann da mit einem guten Tipp weiter helfen - schließlich kennen die Stellen viele Betroffene. Nachfragen lohnt sich also auch hier auf jeden Fall. Oftmals lernt der Hilfesuchende dort Anwälte persönlich kennen, die direkt mit den Stellen zusammenarbeiten. Am Besten also - fragen, fragen, fragen: Freunde, Bekannte, Verwandte. Auch andere Anwälte haben manchmal einen Ratschlag. Die persönliche Empfehlung ist immer noch die sicherste.
Kosten, Ärger, Frust - plötzlich ist er da, der Rechtsstreit. Die meisten stehen dem juristischen Konflikt erst mal hilflos gegenüber. Doch wie findet man den richtigen Anwalt?
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/anwalt-suchen-schwieriger-als-gedacht-1.899185
Anwalt suchen - Schwieriger als gedacht
00/05/2010
Peter Hartz entkommt dem Gefängnis, weil alle Beteiligten am Landgericht Braunschweig einem Deal zustimmen. Die Verhandlung läuft präzise, wie nach einem Drehbuch. Und als die Vorsitzende Richterin der 6. Großen Strafkammer des Landgerichts Braunschweig, Gerstin Dreyer, am Donnerstag um 15.30 Uhr das Urteil verkündet, ist niemand im Saal überrascht. Detailansicht öffnen Verlässt als Verurteilter das Langericht Braunschweig: Der frühere VW-Vorstand Peter Harzt in seiner Limousine. (Foto: Foto: AP) Der frühere VW-Personalvorstand Peter Hartz wird wegen Untreue und wegen Begünstigung des früheren VW-Betriebsratschefs Klaus Volkert in elf Fällen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und zu einer Geldstrafe in Höhe von 576.000 Euro verurteilt. Den Schaden für VW bemisst das Gericht mit rund 2,6 Millionen Euro. Hartz habe sich das ,,Wohlwollen des mächtigsten VW-Betriebsrats'' sichern wollen, der heimliche Sonderboni von rund 1,9 Millionen Euro erhielt. Umfassendes Geständnis gegen zügiges Verfahren Zwei Tage waren angesetzt - keine Zeugen, die aufgehalten hätten, keine Sachverständigen, die in die Quere hätten kommen können. Die Beteiligten hatten sich abgesprochen: Umfassendes Geständnis gegen kurzen Prozess. So geht es inzwischen häufig in Verfahren zu, die ansonsten umfangreich und schwierig zu werden drohen. In Braunschweig wird die Urteilsabsprache, deren Regeln der Bundesgerichtshof aufgestellt hat, perfekt umgesetzt. Der Saal 141 des Landgerichts erinnert an eine Turnhalle, aber finden heutzutage in Turnhallen auch Konferenzen statt? Punkt zehn Uhr eröffnete die Richterin Dreyer den zweiten Verhandlungstag im Untreue-Prozess gegen Hartz und es herrscht beste Konferenzatmosphäre. Die Richter, die Strafverfolgerinnen, der Verteidiger gehen sehr artig miteinander um und erweisen einander außerordentlichen Respekt. Die Atmosphäre wirkt versöhnlich und der Angeklagte ist nur noch daran zu erkennen, dass er als einziger keine Robe trägt. Spalten voller Leserbriefe Leserbriefschreiber haben sich in den vergangenen Tagen in der Lokalzeitung spaltenlang über das "abgekartete Spiel", ausgelassen und einer meinte sogar, den "faden Beigeschmack des Deals" schmecken zu können. Im Wesentlichen geht es bei den fraglichen Zahlungen um Sonderboni für den ehemaligen Betriebsratschef Klaus Volkert in Höhe von knapp zwei Millionen und Zahlungen in Höhe von knapp 400.000 Euro für dessen brasilianische Ex-Geliebte. Atemberaubende Zahlen Mancher im Publikum holt angesichts der atemraubenden Zahlen tief Luft durch die Nase. Aber in der Öffentlichkeit werden mehr die Rotlichtpartys von VW-Betriebsräten, das Viagra auf Betriebskosten und die Lust- und Liebesreisen der Vertreter der Arbeiterklasse kolportiert. Doch über all das wird nicht verhandelt. Natürlich weiß auch jeder im Saal, dass sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht längst auf eine Strafobergrenze im Gegenzug für ein Geständnis verständigt haben: zwei Jahre Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe von circa 567.000 Euro. Eine eher milde Sanktion wäre das, aber der Angeklagte, der tief in die VW-Affäre verstrickt ist, wird nach Abschluss seines Verfahrens sich fragen müssen, welchen Rest an Selbstachtung er in die Zukunft retten kann. Klare Regeln Die Hauptverhandlung zu Braunschweig findet, wie Frau Dreyer betont, nach Regeln statt, die im März 2005 der Große Senat für Strafsachen des Bundesgerichtshofs für den Fall solcher Urteilsabsprachen empfohlen hat: Das Ergebnis der Absprache ist offen zu legen, alle Verfahrensbeteiligten sind einzubeziehen, das Geständnis ist auf seine Glaubhaftigkeit zu prüfen. Ein perfekter Handel mit der Gerechtigkeit. Lateinisch gebildete Verteidiger sprechen gern von einem Strafverfahren als einem Prozeß, weil es voranschreiten soll. Für die Beteiligten kann daraus ein Lernprozess werden, auch für die Zuhörer, von denen die meisten noch nie eine solche perfekte Inszenierung vor Gericht erlebt haben. Einige Formalien sind an diesem Donnerstagmorgen noch zu erledigen.
Peter Hartz entkommt dem Gefängnis, weil alle Beteiligten am Landgericht Braunschweig einem Deal zustimmen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gericht-haelt-sich-an-absprache-ende-eines-kurzen-prozesses-1.906458
Gericht hält sich an Absprache - Ende eines kurzen Prozesses
00/05/2010
"Zweifel werden im deutschen Strafrecht zu Gunsten der Angeklagten ausgelegt", begründet die Richterin die Freisprüche aller Angeklagten im Untreue-Prozess. Sie beklagt jedoch, dass massiv versucht wurde, Einfluss auf die Verhandlungen zu nehmen. Die Vorsitzende Richterin im Mannesmann-Prozess, Brigitte Koppenhöfer, hat zu Beginn der Urteilsbegründung in einer persönlichen Erklärung eine massive Einflussnahme durch Politik und Wirtschaft auf den Prozess beklagt. Detailansicht öffnen Brigitte Koppenhöfer, Vorsitzende Richterin im Mannesmann-Prozess. Foto: dpa Noch nie in ihren 25 Dienstjahren sei derart versucht worden, auf das Urteil Einfluss zu nehmen. "Das reichte von Telefonterror bis zu offenen Drohungen", sagte sie. Stammtisch-Experten Sie sei überrascht, wie viele Stammtische sich in Deutschland zu diesem Thema gebildet hätten. "Dass sich sämtliche Stammtische melden, war nicht überraschend. Überraschend war, wer an den Stammtischen Platz genommen hat. Zu den Stammtischrechtsexperten gehörten auch Politiker, die Straftatbestände wie Sauerei, Schweinerei und Perversion erfunden haben." Politiker aller Parteien hätten den Prozess als eine Gefährdung für den Wirtschaftsstandort Deutschland gesehen. Verteidigung und Angeklagte hätten versucht, die Presse zu instrumentalisieren. "Das mag ihr Recht sein. Ob es ein gutes Recht ist, sei dahingestellt. Dass das auch von Seiten der Staatsanwaltschaft geschieht, war mir neu. Das halte ich für unangebracht." "Kein Scherbengericht" Dann wies die Richterin darauf hin, dass das Gericht nur für die Bewertung der strafrechtlichen Relevanz zuständig gewesen sei. "Es hat keine Moral- und Werturteile zu fällen. Wir sind kein Scherbengericht für die Wirtschaft. Wir bewerten nicht die deutsche Unternehmenskultur, selbst wenn die Beweisaufnahme Anlass zu Verwunderung gab", sagte die Richterin. Die Kammer hatte nach ihren Worten Zweifel. "Und Zweifel werden im deutschen Strafrecht zu Gunsten der Angeklagten ausgelegt. Man muss Angeklagten nicht alles glauben. Man darf ihnen aber auch nicht alles unterstellen."
"Zweifel werden im deutschen Strafrecht zu Gunsten der Angeklagten ausgelegt", begründet die Richterin die Freisprüche aller Angeklagten im Untreue-Prozess. Sie beklagt jedoch, dass massiv versucht wurde, Einfluss auf die Verhandlungen zu nehmen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/urteilsbegruendung-man-muss-angeklagten-nicht-alles-glauben-1.907385
"Urteilsbegründung - ""Man muss Angeklagten nicht alles glauben"""
00/05/2010
Der Nordsee-Eigentümer scheitert am Kauf von Müller-Brot und Ankerbrot und hat nun weiter eine gut gefüllte Kasse. Allerdings bleibt er ein früherer Großbäcker ohne Bäckerei. Seit mehr als einem Jahr unterrichtet Heiner Kamps die Öffentlichkeit gern und regelmäßig über seine anspruchsvollen unternehmerischen Pläne: Der frühere Großbäcker und gescheiterte Börsenstar will eine europäische Lebensmittelgruppe aufbauen, die in drei Jahren 1,5 bis zwei Milliarden Euro Umsatz macht. Detailansicht öffnen Heiner Kamps: In seiner ersten Karriere als Unternehmer brachte er es zügig zum Umsatz-Milliardär. (Foto: Foto: dpa) Doch über Ankündigungen kommt Kamps nicht hinaus. Bisher besteht die Gruppe unverändert aus der Fischrestaurant-Kette Nordsee, die etwa 350 Millionen Euro umsetzt, und dabei scheint es vorerst auch zu bleiben. Am Mittwoch musste Kamps nämlich mitteilen, dass die seit Monaten laufenden Gespräche über eine Übernahme von Müller-Brot, Ankerbrot und Löwenbäcker Leipzig geplatzt seien. Nach eingehender Prüfung der Bücher hätten sich die Parteien nicht auf einen Kaufvertrag einigen können. Vielversprechender Beginn Dabei hatte Kamps' Rückkehr in die deutsche Wirtschaft im Sommer 2005 noch vielversprechend begonnen. Zusammen mit dem Molkerei-Unternehmer Theo Müller hatte er die etwas angestaubte Firma Nordsee übernommen, die unter seiner operativen Führung zu alter Ertragsstärke zurückkehren sollte. Zumindest das ist ihm weitgehend gelungen: Im vergangenen Geschäftsjahr konnte Nordsee das operative Ergebnis um 50 Prozent verbessern und eine Rendite von gut sieben Prozent ausweisen. Jetzt verwaltet Kamps eine gut gefüllte Kasse bei seiner International Food Retail Capital (IFRC), über die er seine Geschäfte abwickelt, und hält Ausschau nach Übernahmemöglichkeiten.
Der Nordsee-Eigentümer scheitert am Kauf von Müller-Brot und Ankerbrot und hat nun weiter eine gut gefüllte Kasse. Allerdings bleibt er ein früherer Großbäcker ohne Bäckerei.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verhandlungen-gescheitert-keine-baeckereien-fuer-heiner-kamps-1.899981
Verhandlungen gescheitert - Keine Bäckereien für Heiner Kamps
00/05/2010
EU-Wettbewerbskommissar Monti will eine hohe Strafe gegen Microsoft verhängen, da die Verhandlungen über eine einvernehmliche Lösung gescheitert sind. Der Softwarekonzern wird wohl mindestens 200 Millionen Euro zahlen müssen. Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte seit Dienstag mit Monti um eine Einigung in letzter Minute gerungen, um einen EU-Beschluss zu verhindern. Einen solchen Rechtsakt fürchtet das Unternehmen, weil Konkurrenten auf dieser Basis in den USA Zivilklagen erheben könnten, hieß es in Brüssel. Detailansicht öffnen EU-Kommissar Mario Monti will sich diesmal gegenüber Microsoft unerbittlich zeigen. (Foto: Foto: AP) Dennoch war im Milliardenpoker zwischen den Kontrahenten keine Einigung möglich. Trotz konstruktiver Gespräche "musste ich die Lösung wählen, die für Wettbewerb und Verbraucher in Europa am besten ist", sagte Monti nach dem Abbruch dreitägiger Verhandlungen. Gegen Monopole Beide Seiten wollten sich an einem zentralen Punkt nicht bewegen. Dabei geht es um die Strategie des Unternehmens, sein weltweit dominierendes Betriebssystem Windows mit Anwendungen wie einem Multimedia-Player zum Abspielen von Musik und Videos auf dem Computer zu kombinieren. Nach Ansicht Montis führt dies dazu, dass Kunden grundsätzlich auch den Microsoft-Player wählen und Konkurrenzprodukte wie der RealPlayer von RealNetworks auf Dauer keine Chance haben. Weil Microsoft Windows in Zukunft mit immer mehr lukrativen Produkten koppeln wolle, geht es für Monti um eine Grundsatzfrage. Er will verhindern, dass auf einem milliardenschweren Softwaremarkt nach dem anderen eine Art Monopol für Microsoft entsteht und die Verbraucher nach der marktwirtschaftlichen Lehre mit höheren Preisen bezahlen müssten. Microsoft bislang unbeweglich Microsoft war dem Vernehmen nach nicht bereit, einem Verkauf von Windows ohne Multimedia-Player zuzustimmen. CEO Steve Ballmer sei auch gegen eine dauerhafte Koppelung des Betriebssystems mit Produkten der Konkurrenz, die Monti auch für künftige Anwendungen vorschwebt. Deshalb will Monti seinen Kollegen in der Kommission nach fünfjahrigen Untersuchungen kommenden Mittwoch vorschlagen, die bisher höchste EU-Strafe wegen Wettbewerbsverstößen zu verhängen. Bisheriger Rekord waren 75 Millionen Euro. Microsoft muss wahrscheinlich mindestens 200 Millionen Euro zahlen. Mehr Freiheit für die Konkurrenz Stärker dürfte den Konzern treffen, dass Monti Microsofts Software-Konkurrenten höhere Chancen einräumen will, entweder durch eine Trennung von Windows und Microsoft-Anwendungen oder durch eine verpflichtende Koppelung von Windows mit Anwendungen anderer Unternehmen. Zwischen EU und Microsoft zuletzt kaum noch umstritten war dagegen, dass der US-Konzern für eine bessere Kompatibilität von Windows mit der Konkurrenten-Software für Server sorgen soll, die PC in Unternehmensnetzen steuern. In den Vereinigten Staaten ist Microsoft bereits wegen Wettbewerbsverstößen bestraft worden. "Die Entscheidung der EU-Kommission wird ein erster Schritt sein, um das Vertrauen der Verbraucher und Innovationen in vielen Märkten wiederherzustellen", sagte Ed Black vom Branchenverband CCIA, in dem zahlreiche Microsoft-Konkurrenten vertreten sind. "Das wettbewerbswidrige Verhalten von Microsoft in diesem Fall ist nur die Spitze des Eisbergs". Nun könne sich die Kommission mit größerer Geschwindigkeit anderen Missbräuchen von Microsoft zuwenden, etwa der CCIA-Beschwerde wegen Windows XP. Ballmer hofft weiter auf Einigung Microsoft-Chef Ballmer will weiter kämpfen. "Wir haben hart daran gearbeitet, den Fall ohne einen Prozess zu lösen", sagte er. "Ich hoffe, dass wir vielleicht später noch eine Einigung erzielen werden." Microsoft-Anwalt Horacio Gutierrez kündigte an, das Unternehmen werde gegen einen negativen Bescheid vor dem Europäischen Gerichtshof klagen. "Heute ist nur ein weiterer Schritt in einem Prozess, der sich lange hinziehen könnte", sagte Gutierrez. Der Europäische Gerichtshof hatte Unternehmen in Wettbewerbsfragen in den vergangenen Jahren wiederholt Recht gegeben und Entscheidungen der Kommission aufgehoben.
EU-Wettbewerbskommissar Monti will eine hohe Strafe gegen Microsoft verhängen, da die Verhandlungen über eine einvernehmliche Lösung gescheitert sind. Der Softwarekonzern wird wohl mindestens 200 Millionen Euro zahlen müssen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-droht-microsoft-monti-empfiehlt-die-harte-gangart-1.903636
EU droht Microsoft - Monti empfiehlt die harte Gangart
00/05/2010
Weil in Bochum seit sechs Tagen die Bänder still stehen, fehlten der Nachtschicht in Antwerpen bereits Teile für die Produktion. Trotz Drohungen des Managements und scharfer Kritik aus der Wirtschaft setzten die Arbeiter ihren wilden Streik fort. Nach einem Bericht der Tageszeitung Die Welt erwägt die Opel-Geschäftführung, fristlose Kündigungen gegen die Rädelsführer des Protests vor den Bochumer Werkstoren auszusprechen. Die Kündigung solle mit Verstößen gegen das Betriebsverfassungsgesetz begründet werden, schrieb die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise. Detailansicht öffnen Weil die Arbeiter im Bochumer Werk seit sechs Tagen nicht mehr produzieren, drohen in Belgien Engpässe. (Foto: Foto: dpa) Zunächst wolle Opel jedoch die Entwicklung beim heutigen europaweiten Aktionstag gegen den geplanten drastischen Jobabbau abwarten. In Bochum werden zu der Protestaktion über 10000 Menschen erwartet. Die Demo soll vor dem Schauspielhaus Bochum in einer Kundgebung enden. Zu dem europaweiten Aktionstag gegen den von General Motors (GM) angekündigten Abbau von bis zu 12 000 der 63000 Stellen in Europa hatten Gewerkschaften und Betriebsräte aufgerufen. Der Generalsekretär des Europäischen Metallgewerkschaftsbundes (EMB), Reinhard Kuhlmann, rechnet mit einer Teilnahme an den verschiedenen Veranstaltungen von rund 40 000 Beschäftigten. Es werde "Pressekonferenzen und Veranstaltungen vor den Werkstoren" geben, sagte er der "Netzeitung". Für den Vormittag ist eine Kundgebung in Rüsselsheim geplant. In Kaiserslautern wollen 2500 Arbeiter vorübergehend die Arbeit niederlegen. In Bochum werden mehr als 10 000 Menschen zur Protestkundgebung erwartet. Im polnischen Gliwice (Gleiwitz) soll die Arbeit fortgesetzt werden, aber die Belegschaft über die Entwicklung in Deutschland informiert werden. "Wilde Streiks sind unzulässig" Die Beschäftigten des Werkes in Bochum setzten auch in der Nacht trotz aller Appelle zur Wiederaufnahme der Arbeit ihren Ausstand weiter fort. Durch die Produktionsausfälle wurden im belgischen Werk Antwerpen für die Nachtschicht die Teile knapp. Opel Belgien ist auf die Lieferung von Fahrzeugteilen wie Türen aus Bochum angewiesen. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erklärte, er erwarte nun ein Signal des Vorstands. Die Arbeitsniederlegung halte er allerdings für falsch. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mahnte am Montagabend in Berlin zu einer Lösung am Verhandlungstisch. Die großen Wirtschaftsverbände kritisierten den wilden Streik in Bochum als Gefahr für den Standort Deutschland. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte der Berliner Zeitung : "Wilde Streiks sind unzulässig und rechtswidrig. Sie gefährden den Standort Deutschland, führen zu einer Radikalisierung und schaden dem Betriebsfrieden." Fahrplan für Verhandlungen Unterdessen ließ die Opel-Geschäftsleitung Flugblätter verteilen, auf denen die Beschäftigten aufgefordert werden, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Bei den Verhandlungen in Rüsselsheim will die Arbeitnehmerseite vor allem Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verhindern. Am Montagabend war nach zehn Stunden die erste Verhandlungsrunde über die Sanierung der deutschen Opel-Werke in Rüsselsheim zu Ende gegangen. Zunächst sollte nur ein Fahrplan für die schwierigen Gespräche entwickelt werden, hieß es. Die Unternehmensleitung will heute Details nennen. Die Arbeitnehmerseite will bei den Verhandlungen Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verhindern. Gleichzeitig kündigten die Gewerkschaften allerdings an, einen Beitrag zu der von GM geplanten Kostenreduzierung von 500 Millionen Euro leisten zu wollen. Spitzengespräch nicht ausgeschlossen "Ich gehe davon aus, dass sich die Personaleinsparziele erheblich relativieren lassen", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Klaus Mehrens der Nachrichtenagentur dpa. General Motors hatte vergangene Woche angekündigt, in Deutschland binnen zwei Jahren 10000 Stellen streichen zu wollen, davon jeweils 4000 in Bochum und Rüsselsheim. An der ersten Verhandlungsrunde nahmen keine prominenten IG-Metall-Funktionäre teil, ein Spitzengespräch zwischen Opel und der Gewerkschaft wurde aber für die kommenden Tage nicht ausgeschlossen. IG-Metall-Vize Berthold Huber sagte der Stuttgarter Zeitung, dass die Verhandlungen über den Erhalt der Standorte am Donnerstag fortgesetzt würden.
Weil in Bochum seit sechs Tagen die Bänder still stehen, fehlten der Nachtschicht in Antwerpen bereits Teile für die Produktion. Trotz Drohungen des Managements und scharfer Kritik aus der Wirtschaft setzten die Arbeiter ihren wilden Streik fort.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wilder-streik-in-bochum-raedelsfuehrern-droht-fristlose-kuendigung-1.898845
Wilder Streik in Bochum - Rädelsführern droht fristlose Kündigung
00/05/2010
Extrawurst oder Produktivitätsgarant? Die in der Metallindustrie Nordbadens und Nordwürttembergs gewährte Erholungszeit von acht Minuten pro Stunde avanciert mal wieder zum Streitthema. Im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg gab es am Mittwoch erste Warnstreiks im Tarifkonflikt der Metallindustrie. Detailansicht öffnen Ein DaimlerChrysler-Mitarbeiter beim Warnstreik im Werk Sindelfingen. (Foto: Foto: AP) Zunächst hätten die rund 1000 Beschäftigten der Nachtschicht bei DaimlerChrysler in Sindelfingen die Arbeit niedergelegt, sagte IG-Metall-Sprecher Kai Bliesener in Stuttgart. Danach folgten Kundgebungen in anderen Daimler-Werken sowie bei Bosch in Stuttgart-Feuerbach. Die IG Metall kämpft in Baden-Württemberg nicht nur für fünf Prozent mehr Lohn für die knapp 800.000 Beschäftigten, sondern auch für den Erhalt einer je nach Gusto als Steinkühler- oder Pinkelpause bezeichneten Arbeitsunterbrechung - einer bezahlten Erholungszeit von acht Minuten pro Stunde. Dieses Privileg der Südwest-Akkordarbeiter war bereits im Sommer 2004 von der DaimlerChrysler-Konzernleitung zur Disposition gestellt worden. Die damalige Kompromisslösung sah für die betroffene Belegschaft des deutsch-amerikanischen Konzerns eine Gegenrechnung mit Weiterbildungszeiten vor. "Bestandteil dieses Produktionssystems" Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück verteidigte diese Sonderregelung für Metaller in Nordbaden und Nordwürttemberg; "Das ist keine Extrawurst, sondern Bestandteil dieses Produktionssystems", sagte der Porsche-Betriebsrat im ZDF-Morgenmagazin. "Wer Akkord arbeitet, braucht diese Pausen, damit die Qualität beibehalten werden kann." Nur so könnten die Beschäftigten die hohe Produktivität auf Dauer halten. "Auch durch diese Erholzeiten konnte Porsche in den letzten Jahren seine Produktivität steigern und Gewinne einfahren", betonte der Gewerkschafter. Die zusätzlichen Pausen seien auch in anderen Unternehmen mit Akkordarbeit anzutreffen. "Sinnvoll und effizient" Hück forderte, dass die verfügbaren Arbeitszeiten "sinnvoll und effizient" gestaltet werden sollen.
Extrawurst oder Produktivitätsgarant? Die in der Metallindustrie Nordbadens und Nordwürttembergs gewährte Erholungszeit von acht Minuten pro Stunde avanciert mal wieder zum Streitthema.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/warnstreiks-die-pinkelpause-erhitzt-wieder-die-gemueter-1.907451
"Warnstreiks - Die ""Pinkelpause"" erhitzt wieder die Gemüter"
00/05/2010
Die Finanzkrise trifft die Deutsche Bank massiv: Im dritten Quartal erwartet das größte deutsche Geldhaus Lasten von 2,2 Milliarden Euro. Dennoch steht der Konzern im dritten Quartal besser da als im Vergleichszeitraum. Allein 700 Millionen Euro der Belastungen stammen aus der Neubewertung von Kreditzusagen für Übernahmen, wie die Deutsche Bank am Mittwoch mitteilte. Die restlichen 1,5 Milliarden Euro resultierten aus dem Geschäft mit strukturierten Kreditprodukten, verbrieften Wohnungsimmobilien sowie aus dem Handel mit festverzinslichen Produkten und Aktien. Der Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities werde deshalb einen Verlust vor Steuern zwischen 250 und 350 Millionen Euro ausweisen, hieß es. Detailansicht öffnen 2,2 Milliarden Euro Verluste im dritten Quartal - die Deutsche Bank hält aber an ihren Jahreszielen fest. (Foto: Foto: dpa) Insgesamt erwartet die Deutsche Bank für das dritte Quartal ein Konzernergebnis vor Steuern in der Größenordnung von 1,2 Milliarden Euro. Hinzu kämen Steuererträge, insbesondere aus der Unternehmenssteuerreform in Deutschland, aus Vorteilen aus der Beilegung von Steuerverfahren sowie aus Steuerforderungen aus dem laufenden und aus vergangenen Jahren. Auf dieser Grundlage gehe die Bank derzeit von einem Gewinn nach Steuern von mehr als 1,4 Milliarden Euro aus. Ein Sechstel mehr als im Vergleichszeitraum Unterm Strich ist das ein Sechstel mehr als im Vorjahresquartal. "Trotz eines herausfordernden Quartals für unsere Investmentbankingeinheiten zeigten unsere 'stabilen' Geschäftsfelder weiterhin eine gute Leistung", sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auf einer Investorenkonferenz in London. Für die Zukunft gibt sich der Schweizer optimistisch. "Nach der Phase der Marktkorrrektur sehen wir wieder substanzielle Möglichkeiten im Investmentbanking." Die Bank halte daher an ihren Zielen für das kommende Jahr fest. Lesen Sie weiter, wie die Börse auf die vorläufigen Quartalszahlen reagierte
Die Finanzkrise trifft die Deutsche Bank massiv: Im dritten Quartal erwartet das größte deutsche Geldhaus Lasten von 2,2 Milliarden Euro. Dennoch steht der Konzern im dritten Quartal besser da als im Vergleichszeitraum.
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Hypothekenkrise belastet Deutsche Bank - Zahlenwunder Ackermann - das Plus im Minus
00/05/2010
An allen Wochentagen, rund um die Uhr: Geschäfte in Nordrhein-Westfalen können künftig beliebig lange öffnen. Das Kabinett verabschiedete einen entsprechenden Gesetzentwurf - die Händler könnten schon zum Weihnachtsgeschäft davon profitieren. In Nordrhein-Westfalen sollen Läden schon in der Vorweihnachtszeit an Wochentagen beliebig lange öffnen dürfen. Detailansicht öffnen Öffnungszeiten: In Nordrhein-Westfalen gehören sie der Vergangenheit an. (Foto: Foto: dpa) Das Landeskabinett beschloss am Dienstag in Düsseldorf eine weitestgehende Aufhebung der Ladenschlussregelungen. Wirtschaftsministerin Christa Thoben erklärte, eine zügige Behandlung im Landtag vorausgesetzt, könnten die Einzelhändler "idealerweise schon im Weihnachtsgeschäft von den neuen Regelungen profitieren". Das Ladenöffnungsgesetz erlaubt es den Geschäften, an Werktagen beliebig zu öffnen. Sie erwarte dennoch keine Öffnungszeiten von 24 Stunden am Tag, sagte Thoben. "Das werden die Unternehmen mit den Beschäftigten aushandeln müssen", meinte die CDU-Politikerin. Geschlossen bleiben die Läden in der Regel an Sonntagen, allerdings mit zahlreichen Ausnahmen. Zehn Stunden Sonntagsarbeit Lediglich die Adventssonntage dürfen dem Entwurf zufolge auf keinen Fall freigegeben werden. Ansonsten sind weiterhin vier verkaufsoffene Sonn- und Feiertage pro Jahr mit jeweils maximal fünf Stunden Öffnungszeit zulässig. Allerdings wird kein vorgeblicher Grund wie ein Volksfest oder Schützenzug für die Genehmigung mehr benötigt. "Wir passen die Rechtslage den veränderten Arbeits- und Lebensgewohnheiten an", sagte Thoben. Sonntagsöffnungen sind außerdem zulässig für bestimmte Warengruppen wie Blumen, Milch und Zeitungen und für bestimmte Verkaufsstätten wie Tankstellen oder Läden in Flughäfen und Bahnhöfen. In Kurorten, Ausflugs-, Erholungs- und Wallfahrtsorten dürfen die Läden außerdem an bis zu 40 Sonn- und Feiertagen im Jahr Waren verkaufen, "die zum speziellen Angebot dieser Orte gehören". Für die Beschäftigten gelten nach dem Entwurf bei Sonntagsarbeit künftig die Bestimmungen des Bundesarbeitszeitgesetzes. Demnach sind maximal zehn Stunden Sonntagsarbeit zulässig. Bisher waren es nach dem Ladenschlussgesetz acht Stunden. Handel erwartet keine Umsatzsteigerung Thoben wies von der Gewerkschaft ver.Di geäußerte Befürchtungen zurück, von der Erweiterung der Ladenöffnungszeiten würden vor allem die großen Konzerne profitieren. Erfahrungen im Ausland zeigten vielmehr, dass gerade die großen Kaufhäuser früh schlössen, weil es nicht möglich sei, nur einzelne Abteilungen offen zu halten, für die es Kundennachfrage gebe. Der Einzelhandelsverband Nordrhein-Westfalen begrüßte die Freigabe der Öffnungszeiten. Sie eröffne den Geschäften die Chance zur individuellen Ausrichtung an den Kundenbedürfnisse, erklärte Hauptgeschäftsführer Peter Achten. Umsatzsteigerungen oder Beschäftigungseffekte erwarte der Verband nicht, allenfalls Verschiebungen innerhalb der Branche.
An allen Wochentagen, rund um die Uhr: Geschäfte in Nordrhein-Westfalen können künftig beliebig lange öffnen. Das Kabinett verabschiedete einen entsprechenden Gesetzentwurf - die Händler könnten schon zum Weihnachtsgeschäft davon profitieren.
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Gesetzentwurf - NRW verabschiedet sich vom Ladenschluss
00/05/2010
Die großen Medien hatten sich in Darmstadt versammelt, als dort der erste Prozess über eine internationale Schmiergeldaffäre von Siemens endete - mit glimpflichen Urteilen für die beiden Angeklagten und einer saftigen Strafe für den Weltkonzern. Mit Verspätung, kurz vor zehn Uhr, gibt der Vorsitzende Richter Rainer Buss das Strafmaß bekannt. Andreas Kley, ehemaliger Finanzchef der Kraftwerkssparte, erhält 2 Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Bestechung und Untreue. Außerdem muss er 400.000 Euro an gemeinnützige Organisationen zahlen, davon 50.000 Euro an die Antikorruptionsinitivative Transparency International. Der Mitangeklagte, der ehemalige Siemens-Mitarbeiter Horst V., kommt mit neun Monaten auf Bewährung davon, wegen Beihilfe zur Bestechung. Siemens muss 38 Millionen Euro an den Staat zahlen - als "Wertersatz", sozusagen eine Wertabschöpfung aus dem illegalen Geschäft. Der Konzern kündigte wenige Minuten nach dem Urteil an, in Revision gehen zu wollen. Beide Angeklagten werden für schuldig befunden, zwischen 1999 und 2002 zwei Topmanager des italienischen Energiekonzerns Enel mit sechs Millionen Euro bestochen zu haben, um so Großaufträge für Gasturbinen in Höhe von 338 Millionen Euro zu erhalten. Das Schmiergeld, so war es während des Prozesses zu hören, soll aus schwarzen Kassen gestammt haben. Spektakulärer Wirtschaftskrimi Eine Dreiviertelstunde länger als vorgesehen müssen die beiden Angeklagten an diesem Montag auf ihr Urteil warten. Erst erweist sich der urspüngliche Sitzungssaal 4 als zu klein für den großen Andrang. Das Gericht zieht in Saal 3 um. Dort müssen die beiden Beschuldigten das obligatorische Blitzlichtgewitter ein zweites Mal über sich ergehen lassen. Kley wendet den Fotografen und Kameraleuten den Rücken zu und nutzt den Umstand aus, dass er aus dem Zuschauerraum nicht abgelichtet werden darf. Die Prozessbeteiligten und das Publikum sind in Saal 3 durch eine Glasfront voneinander getrennt. Die Fotografen halten sich vorne auf, an der Richterbank; von hinten, aus dem Zuschauerraum, drückt keiner auf den Auslöser. Ein Saal mit Glasfront, das wirkt so, als werde hier über Mord und Totschlag verhandelt, als müsse das Publikum vor Schwerkriminellen geschützt werden. Es ist aber nur ein Wirtschaftskrimi, ein sehr spektakulärer allerdings, bei dem das Gericht vor dem Urteil noch einmal kurz in die Beweisaufnahme einsteigen muss. Der Angeklagte Horst V. nutzt die Gelegenheit zu einem nochmaligen Schlusswort. Er bitte um ein gerechtes und mildes Urteil, wenig später weiß er Bescheid. Weitere Prozesse um Schmiergeld und schwarze Kassen Diesem Siemens-Verfahren in Darmstadt werden wohl bald weitere folgen: Schwarze Kassen, Schmiergeld, darum und um noch viel mehr dürfte es in den nächsten Jahren auch in zahlreichen weiteren Prozessen gehen, die vermutlich in Bayern bevorstehen. Vorstände, ehemalige Vorstände, Spartenvorstände, weitere Führungskräfte, ein ehemaliger Aufsichtsratschef, die Liste der Beschuldigten ist lang. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen weltweiter Bestechung in der Sparte Telekommunikation, die Nürnberger Staatsanwaltschaft wegen der heimlichen Finanzierung der Arbeitnehmerorganisation AUB, einer Kampftruppe gegen die IG Metall. In München sollen es schon mehrere Dutzend Beschuldigte sein, die prominentesten von ihnen sind der ehemalige Finanzvorstand Heinz-Jochen Neubürger und der frühere Zentralvorstand Thomas Ganswindt. In Nürnberg steht eine Handvoll Manager unter Verdacht, bis hin zum bisherigen Vorstand Johannes Feldmayer. Sie alle dürften nach dem Urteil in Darmstadt nun bangen vor dem, was auf sie zukommt. Die Justiz hat die Messlatte bei Siemens hoch gehängt. Vor allem die Chefs, so sie denn im Bilde waren, sollen für die vielen Verfehlungen büßen; nicht nur diejenigen, die gewissermaßen Handlager waren und im Auftrag des Konzerns schwarze Kassen anlegten, Millionenbeträge in Koffern durch die Welt transportierten, falsche Rechnungen schrieben, und was sonst so alles bei Schmiergeldzahlungen gang und gäbe ist. Die "schützende Hand" Das Amtsgericht München hat schon frühzeitig in einem Haftbefehl für einen Spitzenmanager notiert, dieser Beschuldigte sei zwar über die Details der schwarzen Kassen und Schmiergeldzahlungen nicht informiert gewesen. Er habe aber gewusst, dass ein langjähriger Mitarbeiter eine entsprechende "Sonderaufgabe" übernommen habe. Der Spitzenmanager habe aber seine "schützende Hand" über die Täter gehalten, er habe die Korruption auf diese Weise gleichsam zur "Chefsache" gemacht und so kriminelle Vorgänge dieses Ausmaßes überhaupt erst ermöglicht. Die schützende Hand des Spitzenmanagers sei für die Korruption geradezu unumgänglich gewesen. So hat das Amtsgericht München einen Haftbefehl begründet, und so ließen sich später womöglich auch Haftstrafen rechtfertigen. Das ist keine tolle Perspektive für Feldmayer, Neubürger oder Ganswindt und viele andere. Die Justiz meint es offenbar ernst, nicht nur in Darmstadt. Ein erstes Urteil liegt vor, ein Einzelfall, der in Italien spielt. Die systematische Aufarbeitung der systematischen Korruption bei Siemens steht erst noch bevor.
Die großen Medien hatten sich in Darmstadt versammelt, als dort der erste Prozess über eine internationale Schmiergeldaffäre von Siemens endete - mit glimpflichen Urteilen für die beiden Angeklagten und einer saftigen Strafe für den Weltkonzern.
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Korruptionsprozess - Ex-Manager kommen mit Bewährung davon - Siemens muss 38 Millionen Euro zahlen
00/05/2010
Mit eigenen Shops wollen Konsumgüterproduzenten wie Maggi oder Nivea die Kundenbindung stärken. Doch nicht alle sind damit erfolgreich. Hohe Decken, Stuck, wenige und schicke Möbel, mitten im Raum eine offene Küche: Das Frosta-Bistro kann es vom Ambiente her mit jedem Szene-Restaurant aufnehmen. Kaum zu glauben, dass hier in bester Innenstadtlage am Hamburger Rathausmarkt Tiefkühlkost auf den Tisch kommt. Mittagszeit, der Laden ist voll. Detailansicht öffnen Frosta-Bistro (Foto: Foto: W&V) "Jeden Tag gehen 250 Essen über den Tresen", sagt Restaurant-Manager Martin Blunck. Allein die drei riesigen Gefrierschränke in der Ecke zeugen davon, dass das Bistro kein gewöhnliches Speiselokal ist: Hat es geschmeckt, kann man die Produkte des Tiefkühlherstellers Frosta gleich mitnehmen. Ein paar Schritte weiter am Jungfernstieg, zwischen noblen Boutiquen und Herrenausstattern, kreist der Kochlöffel im Maggi-Kochstudio. Der Geruch von Brühwürfeln und Tütensuppen dringt bis auf die Straße. Im Maggi-Tempel gibt es nicht nur Fertiggerichte zum Verzehr - neben Kochbüchern und Devotionalien ist das gesamte Sortiment erhältlich. "Über Monate hinweg ausgebucht" Roter Teppichboden, gelbe Wände: Alles ist in den Firmenfarben gehalten. Statt Pfeffer und Salz stehen die kleine braune Flasche und das Fondor-Döschen auf dem Tisch. Alle Gerichte gibt es auch zum Mitnehmen. Die Kochkurse in der riesigen Showküche im ersten Stock des Gebäudes seien "über Monate hinweg ausgebucht", freut sich Gunda-Hedi Pfeifer, Geschäftsführerin der drei zum Nestlé-Konzern gehörenden Kochstudios. Rund 800.000 Menschen, sagt sie, hätten im vergangenen Jahr den Maggi-Locations in Hamburg, Frankfurt und Leipzig einen Besuch abgestattet. Noch weit aufwändiger setzt sich Beiersdorf in Hamburg mit seinem im April eröffneten Nivea-Haus in Szene: In direkter Nachbarschaft zum Nobelhotel Vier Jahreszeiten präsentiert der Körperpflegemittel-Hersteller auf 800 Quadratmetern und drei Ebenen nicht nur seine Cremes und Shampoos, sondern auch "Wohlfühlmomente inmitten der pulsierenden Metropole", wie es heißt. Insgesamt 30 Nivea-Kräfte stehen für verschiedenste Wellness- und Kosmetikanwendungen Gewehr bei Fuß: von Gesichts- und Haarpflege über Maniküre und Farbberatung bis hin zu Shiatsu- und Reflexzonenmassage. Im Obergeschoss lockt eine Badewanne mit Alsterblick. Kurzzeit-Wellness "Das Haus zählt jeden Tag 700 Besucher", sagt Beiersdorf-Marketingleiter Thomas Schönen, der damit in den "Bereich der Kurzzeit-Wellness" vorstoßen will. Wellness und Kultur werden so auf neue Art und Weise interpretiert. Maggi, Frosta, Beiersdorf: Immer mehr Konsumgüterhersteller suchen mit Marken-Shops den direkten Kontakt zum Kunden. "Wir möchten ganz nah am Verbraucher dran sein und hören, was ihm gefällt und was nicht", erklärt Maggi-Köchin Pfeifer. "Anders als im normalen Handel wird die Marke Nivea hier erlebbar", sagt Beiersdorf-Manager Schönen: "Das Nivea-Haus ist für uns ein zentrales, integriertes Instrument der Markenführung." Im Supermarkt bekomme der Käufer oft nur einen Ausschnitt des Sortiments zu sehen, erläutert Martin Ruppmann, Sprecher des Markenverbands: "In so einer losgelösten Umgebung aber können Unternehmen ihre Produktwelten komplett abbilden." Zudem böten Innenstädte und Flaniermeilen einen idealen Querschnitt durch die unterschiedlichsten Kundenschichten. Fußgängerzonen wie die in Hamburg werden damit aber auch zum Labor für Trendforscher und Produkttests.
Mit eigenen Shops wollen Konsumgüterproduzenten wie Maggi oder Nivea die Kundenbindung stärken. Doch nicht alle sind damit erfolgreich.
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Von Milram-Milchbar bis Nutelleria - Eintauchen in die Markenwelt
00/05/2010
Der Nici-Chef betrieb eine blühende Schattenwirtschaft, die Mitarbeiter wussten davon nichts und pumpten Millionen in die Firma - einige stehen jetzt vor dem Ruin. Als daheim die heile Plüschtierwelt zerbrach, gönnte sich Georg Vornbrunn gerade einen Urlaub in Schlesien. Detailansicht öffnen Ein Mitarbeiter der Nici AG befüllt im Firmensitz des Spielwarenherstellers in Altenkunstadt das offizielle Maskottchen der Fussballweltmeisterschaft 2006, Goleo, mit Watte. (Foto: Foto: ddp) "Ich habe sofort meine Koffer gepackt und bin nach Hause gefahren", sagt der Bürgermeister von Altenkunstadt. Während der gesamten Rückfahrt ins Oberfränkische dachte der 49-jährige Kommunalpolitiker ungläubig darüber nach, ob denn tatsächlich sein könne, was ihm sein Mitarbeiter aus dem Rathaus per Handy mitgeteilt hatte. Die Nachricht geht um die Welt Die Nici AG, Hersteller von "Goleo", dem offiziellen Maskottchen der Fußball-WM, und regelmäßig nicht nur von Mitgliedern der bayerischen Staatsregierung in höchsten Tönen als Vorzeigefirma gepriesen, ist pleite. Die Nachricht ging um die Welt, wegen "Goleo". Vier Tage nach dem Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit wirkt der Bürgermeister noch immer schockiert. "Niemand hat vorher etwas geahnt", sagt er. Vermutlich hat sich niemand auch nur in kühnsten Träumen vorstellen können, dass in den Gebäuden der Nici AG am Ortsrand der knapp 6000 Einwohner großen Gemeinde nicht nur ein weltweit erfolgreicher Hersteller von Plüschtieren und Geschenkartikeln residiert, sondern auch eine bizarre Scheinwelt. Darin wurden Rechnungen, Lieferscheine und Frachtpapiere für Waren ausgestellt, die es offenbar überhaupt nicht gab. Bilanzen sollen in großem Stil frisiert worden sein. Und Nici hat sogar Steuern auf Umsätze gezahlt, die es überhaupt nicht gab. Scheinrechnungen über 55 Millionen Die Staatsanwaltschaft in Hof verdächtigt das Unternehmen, seit dem Jahr 2000 Scheinrechnungen an Kunden über angebliche Lieferungen von Nici-Artikeln in Höhe von insgesamt 55,172 Millionen Euro geschrieben zu haben. Die Scheinrechnungen seien an so genannte Factoring-Gesellschaften weitergereicht worden, die sich vornehmlich im Besitz von Banken befinden. Solche Finanzfirmen kaufen in großem Stil Forderungen auf, um sie später einzutreiben. Die Finanzfirmen überwiesen, so erste Ermittlungsergebnisse, 40,485 Millionen Euro an Nici. Ob dieses Geld ins Unternehmen floss, um dort die Bilanzen zu schönen, oder ob es in privaten Kanälen versickerte, ist offen. "Das ist, wie wenn man heiße Luft in Dosen füllt, Geschenkpapier drum herum wickelt und das dann mehrmals verkauft", beschrieb der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé den Hausbanken das System. Ein stattliches Aufgebot von Staatsanwälten und Polizeibeamten durchsuchte am Donnerstag bis in den späten Abend hinein sechs Objekte in Süddeutschland, darunter die Nici-Firmenzentrale sowie das Privathaus des Unternehmensgründers und langjährigen Vorstandschefs Ottmar Pfaff, den der Aufsichtsrat eine Woche vorher geschasst hatte. Anschließend erstattete das Kontrollgremium Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft schlug schnell zu und beschlagnahmte nun Computer und Kisten voller Unterlagen. Die Strafverfolger ermitteln gegen Pfaff wegen Betrugsverdachts. Auch der bisherige kaufmännische Leiter von Nici steht im Verdacht, in die Manipulationen verwickelt zu sein. Tränen und Sorge um die Aktien Aus Ermittlerkreisen verlautete, die mutmaßlichen Betrügereien seien so komplex und raffiniert angelegt gewesen, dass unmöglich nur eine Person sie habe bewerkstelligen können. Retten soll das Unternehmen nun der Münchner Anwalt Jaffé, der Dienstagnachmittag eingesetzt worden war.
Der Nici-Chef betrieb eine blühende Schattenwirtschaft, die Mitarbeiter wussten davon nichts und pumpten Millionen in die Firma - einige stehen jetzt vor dem Ruin.
wirtschaft
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Goleo-Hersteller - Die Scheinwelt des Herrn Pfaff
00/05/2010
Das CDU-regierte Hessen will ausländische Spitzenmanager in Deutschland steuerlich entlasten - und erntet breiten Widerstand, auch im eigenen Lager. Ausländische Manager und Spitzenarbeitskräfte in Deutschland sollen ihren Bruttoarbeitslohn künftig höchstens 30 Prozent versteuern müssen. Detailansicht öffnen Josef Ackermann, der als Vorstandschef der Deutschen Bank 2003 rund elf Millionen Euro einnahm, könnte als prominenteste Spitzenkraft von dem vorgeschlagenen Gesetz profitieren. (Foto: Foto: AP) Das wären zwölf Prozentpunkte weniger als der seit Jahresanfang geltende Spitzensteuersatz von 42 Prozent. So steht es im "Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der steuerlichen Rahmenbedingungen für ausländische Spitzenarbeitskräfte in Deutschland" des Landes Hessen. Er soll am Donnerstag im Finanzausschuss der Länderkammer beraten werden. Hessen geht damit sogar noch deutlich über seinen früheren Antrag hinaus, der eine Besteuerung von 35 Prozent vorgesehen hatte. Auch Ausland gewährt "vielfältige Vergünstigungen" "Die deutsche Volkswirtschaft benötigt in vielen Bereichen hoch qualifizierte ausländische Fach- und Führungskräfte", heißt es zur Begründung. Weil das Ausland den Top-Managern jedoch "vielfältige Vergünstigungen" gewähre, müssten auch in Deutschland die steuerlichen Bedingungen verbessert werden. Allerdings soll die Pauschalsteuer nach den hessischen Plänen nur für insgesamt drei Jahre gelten, "letztmals für die im Jahr 2007 zuziehenden Arbeitnehmer". Danach sind die Führungskräfte entweder nicht mehr in Deutschland - oder sie werden wieder zu den normalen Sätzen veranlagt. Abzüge für Werbungskosten oder Sonderausgaben sollen in diesem Zeitraum nicht möglich sein. Die Betroffenen können wählen, ob sie die Vergünstigung in Anspruch nehmen oder nicht. Von der Option für die Pauschalbesteuerung profitiere ein lediger Arbeitnehmer, wenn sein Bruttoarbeitslohn über 76.000 Euro im Jahr liege, heißt es in dem Antrag. Verheiratete würden ab einem Jahreseinkommen von mehr als 149.000 Euro begünstigt. Eichel: Keine "Steuervergünstigungen für Super-Reiche" Gegen die hessischen Pläne formiert sich breiter Widerstand. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) ließ erklären, "die Schaffung von Steuervergünstigungen für Super-Reiche wird es mit dieser Bundesregierung nicht geben". Neben führenden SPD-Politikern und Grünen wies auch der FDP-Finanzexperte Carl-Ludwig Thiele das Vorhaben zurück. "Neue Sonderregeln im Steuerrecht locken weder Spitzenkräfte ins Land, noch schaffen sie Arbeitsplätze."
Das CDU-regierte Hessen will ausländische Spitzenmanager in Deutschland steuerlich entlasten - und erntet breiten Widerstand, auch im eigenen Lager.
wirtschaft
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"Bundesrats-Initiative - Empörung über ""Lex Ackermann"""
00/05/2010
Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten in ihrem Herbstgutachten, das sie heute vorstellen, einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit. Beim Wachstum 2005 sehen sie Deutschland wieder als Schlusslicht in Europa. Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute bezweifeln, dass die rot-grünen Reformen für eine Wende am Arbeitsmarkt sorgen werden. In ihrem Herbstgutachten, das sie heute in Berlin vorstellen, warnen die Institute, dass die Auswirkungen vorerst "gering bleiben werden". Insbesondere durch die Hartz-IV-Reform könne sich im nächsten Jahr ein durchschnittlicher Anstieg der Zahl der Arbeitslosen "um knapp 100.000 ergeben". Die Ökonomen sagen für 2005 ein Wachstum von 1,5 Prozent voraus. Deutschland fiele damit wieder auf den letzten Platz in der Europäischen Union zurück. Die Institute warnen in ihrem halbjährlichen Gutachten, das sie im Auftrag der Regierung erstellt haben, insbesondere davor, allzu große Hoffnungen in die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zu setzen. Dies werde im nächsten Jahr zu einem Anstieg, nicht aber zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit führen. Zwiespältige Bilanz Es ist davon auszugehen, dass sich bei der Integration Langzeitarbeitsloser wegen Anlaufschwierigkeiten keine allzu großen Beschäftigungseffekte einstellen", heißt es in dem Gutachten, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt. So erwarten die Ökonomen, dass zu Beginn des nächsten Jahres 300.000 ehemalige Sozialhilfe-Empfänger erstmals in der Arbeitslosenstatistik auftauchen werden, von denen aber mittelfristig nur 200.000 einen neuen Job finden werden. "Dabei handelt es sich allerdings zum großen Teil um Ein-Euro-Jobs", schreiben die Institute. Gleichzeitig werde die Zahl der Arbeitslosen, die sich in Ich-AGs selbstständig machen, kaum noch steigen, weil für deren Förderung nun strengere Regeln gelten. Die Institute ziehen in ihrem mehr als hundert Seiten starken Gutachten eine höchst zwiespältige Bilanz der bisherigen Arbeitsmarktreformen. So seien bislang zwar 165.000 Ich-AGs gegründet und zudem etwa 600.000 Mini-Jobs geschaffen worden; allerdings sei "eine rege Inanspruchnahme der neuen Instrumente noch kein Gradmesser für den Erfolg der Neuausrichtung der Arbeitsmarktpolitik". Insbesondere die Mini-Jobs hätten "die Erosion der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung verstärkt". So weisen die Institute mehrmals darauf hin, "dass sozialversicherungspflichtige Tätigkeiten in mehrere Minijobs aufgespalten worden sind", mit anderen Worten: Die Unternehmen haben, um Kosten zu sparen, reguläre Vollzeitstellen abgeschafft und durch Teilzeitjobs ersetzt, auf die nur geringe Steuern und Sozialversicherungsbeiträge anfallen. Geringe Dynamik Die Regierung habe "damit indirekt die Probleme in der Sozialversicherung verschärft". Kritisch bewerten die Institute auch den Boom bei den Ich-AGs. Sie gehen davon aus, dass nach Ablauf der staatlichen Förderung viele Gründer "wieder aufgeben werden". Ähnliche Verdrängungs- und Mitnahmeeffekte erwarten die Institute auch bei den "Ein-Euro-Jobs", mit denen Langzeitarbeitslose wieder an den Berufsalltag herangeführt werden sollen. So rechnen die Institute entgegen den Beteuerungen der Regierung damit, dass die Kommunen und Wohlfahrtsverbände "reguläre Tätigkeiten in Ein-Euro-Jobs umwandeln". Um dies zu verhindern, sollten Umfang und Dauer der gemeinnützigen Tätigkeit begrenzt werden. Sollten hier und anderswo Korrekturen unterbleiben, dann sei, so warnen die Institute, "die Gefahr groß, dass der Staat in wachsenden Segmenten des Arbeitsmarkts Arbeitsplätze auf Dauer subventioniert". Der Stillstand am Arbeitsmarkt hat nach Ansicht der Wissenschaftler auch mit der geringen Wachstumsdynamik zu tun. So wird die deutsche Wirtschaft nach Ansicht von fünf der sechs Institute zwar dieses Jahr um 1,8 und im nächsten Jahr um 1,5 Prozent wachsen. Dies sei aber für hiesige Verhältnisse schon ein hoher Wert. Nächstes Jahr werde Deutschland beim Wachstum wieder auf den 25. und damit letzten Platz in der Europäischen Union zurückfallen. Dieses Jahr rangiert die Bundesrepublik auf Rang 19 vor Österreich, den Niederlanden, Malta, Portugal und Italien, wie aus dem Gutachten hervorgeht. Nur das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ist optimistischer und rechnet für 2005 mit einem Plus von zwei Prozent. Größtes Problem der deutschen Konjunktur sei auch im nächsten Jahr die schwache Binnennachfrage. So werde der private Konsum zwar erstmals seit langem wieder wachsen; dies sei jedoch zu wenig, um die schwindende Dynamik im Export auszugleichen. Bremsend auf die Kauflust wirkten unter anderem die hohen Energiekosten und die unsicheren Aussichten bei Löhnen und Gehältern. Die Institute gehen davon aus, dass Deutschland auch im nächsten Jahr -- und damit zum vierten Mal in Folge -- gegen die Schuldengrenze des EU-Stabilitätspakts verstoßen wird. Das Defizit werde in diesem Jahr 3,8 und im nächsten Jahr 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen.
Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten in ihrem Herbstgutachten, das sie heute vorstellen, einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit. Beim Wachstum 2005 sehen sie Deutschland wieder als Schlusslicht in Europa.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/herbstgutachten-fuer-die-bundesregierung-institute-bezweifeln-erfolg-der-hartz-reform-1.907757
Herbstgutachten für die Bundesregierung - Institute bezweifeln Erfolg der Hartz-Reform
00/05/2010
Zu wissen, wo sich welche Waren in Echtzeit befinden, wird für alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette immer wichtiger. Der Einsatz von Informationstechnologien ist mit der Logistik eng verknüpft. Detailansicht öffnen Mit der RFID-Technologie lassen sich die Warenströme in der Wirtschaft auch innerhalb der Transportkette effizient steuern. (Foto: Foto:) Von der Produktion in der Fabrik über das Distributionszentrum des Logistikdienstleisters bis zum Lager des Wiederverkäufers zieht sich die Verbindungskette. Zu wissen, wo sich welche Waren in Echtzeit befinden, wird für alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette immer wichtiger. Die technischen Möglichkeiten reichen von der Satellitennavigation, Radio Frequency Identification (RFID) und drahtloser Vernetzung von Geräten bis hin zu elektronischen Lieferscheinen, um nur einige Bereiche zu nennen. Dabei ist ein Trend eindeutig: Satellitennavigation, RFID und mobile Kommunikationssysteme verschmelzen zu einer integrativen Lösung. So genannte RealTime-Lokationssysteme machen durch Echtzeitdaten den gesamten Materialfluss transparenter, egal ob auf dem Lkw, hoher See oder im Bahnverkehr. GPS dominiert, Marktfähigkeit von Galileo in den Sternen Um Abläufe transparenter und rationaler zu gestalten, ist die satellitengesteuerte Navigation für die Logistik unabdingbar. Weltweit wird hauptsächlich das US-amerikanische Global Positioning System (GPS) eingesetzt, etwa bei der Sendungsverfolgung und Sendungsüberwachung, der Ortung von Fahrzeugen und Containern sowie bei verkehrsträgerübergreifenden Einsätzen zur Überwachung von Gefahrguttransporten. Ob das europäische Satellitennavigationssystem Galileo bis 2011 auch für europäische Logistikdienstleister einsatzbereit sein wird, steht zurzeit noch in den Sternen. Neben der satellitengestützten Sendungsverfolgung in Echtzeit erhöhen andere Informationstechnologien die Transparenz unternehmensübergreifender Logistikprozesse entlang der gesamten Versorgungskette. Transparenz von der Produktion bis zum Endkunden Durch elektronische Warenwirtschaftssysteme mit Barcodes und Scanner kann der Standort jeder Sendung auch im Lager exakt verfolgt werden. Bei der Auslieferung können durch die mobile Datenerfassung auch abseits eines PC-Arbeitsplatzes Daten ins Netz eingespeist werden. So sind die Informationen sofort verfügbar und können ausgewertet werden. Das reicht bis zum Endkunden: Elektronische Lieferscheine ermöglichen die Unterschrift auf einem Touch-Screen. Eine Schlüsseltechnologie zur Vernetzung sind drahtlose Sensornetze, mit denen etwa hochpreisige Konsumgüter durch Funkkomponenten vernetzt werden. Das Entfernen von Produkten von einer Palette wird so augenblicklich durch das Funknetz und dessen Lokalisierungsmechanismen erkannt. Rewe Vorreiter bei Sprachdialogsystemen Einen weiteren Vorteil dieser Technologie stellt die Möglichkeit dar, die Lesesicherheit von großen Warenströmen an Tordurchfahrten deutlich zu erhöhen. Drahtlose Sensornetze bieten eine Fülle weiterer Anwendungsmöglichkeiten in der logistischen Kette. So hat das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund ein funkgestütztes System zur Kommissionierunterstützung auf Behälterebene entwickelt. Durch die eingesetzten Sensorknoten ermöglicht das Verfahren gleichzeitig die automatische Erfassung der Temperatur und bietet sich damit für Branchen wie dem Lebensmittelsektor oder Pharma an. In Kombination mit Sprachdialogsystemen sieht Bernhard Steimel, Sprecher der Initiative Voice Business, gute Möglichkeiten bei der Entwicklung von smarten Logistikkonzepten. So habe der Handelskonzern Rewe sein Personal im Zentrallager Westfalen mit sprachgesteuerten Endgeräten ausgestattet. Das Zauberwort heißt RFID "Statt wie vorher mit Handhelds umherzulaufen, Listen abzuarbeiten und zu bestätigen, haben sie nun einen Kopfhörer und bekommen Schritt für Schritt angesagt, was sie zu konfektionieren haben. Man bestätigt den Ladevorgang per Sprache. Durch die Umstellung von Touchpad-Steuerung der Lagerarbeit auf Sprachsteuerung können die Konfektionierungszeiten erheblich verkürzt werden", berichtet Steimel. Indes: Das Zauberwort heißt RFID. Experten gehen davon aus, dass sich in der Welt der Logistik in den nächsten Jahren mit Hilfe der elektronischen Etiketten ein Paradigmenwechsel vollziehen wird. Nicht nur große Industrie- und Handelsunternehmen investieren in Transponder, Portale und Software - RFID ist auch eine Mittelstandstechnologie. Die Möglichkeiten von RFID gehen weit über die reine Objektidentifikation hinaus. Durch RFID können Objekte im Materialfluss in die Lage versetzt werden, eigenständig den Weg durch ein logistisches Netzwerk zu finden. Die technische Bandbreite reicht von passiven Labels für die Identifikation von Waren bis hin zu Minicomputern in Streichholzschachtelgröße, die aktiv miteinander kommunizieren. Das "Internet der Dinge" Zukünftig sollen RFID-Chips auf den Objekten über ein ausreichendes Maß an Intelligenz verfügen, um autonome Entscheidungen zu treffen, ihre Umgebung wahrzunehmen und Ressourcen anzufordern. Das "Internet der Dinge" wäre die Folge einer solchen Entwicklung. "Es ist Zeit, dass wir fragen, was ein Paket für uns tun kann und nicht, was wir für ein Paket tun können", meint Michael ten Hompel, Leiter des Fraunhofer IML. Auch die Management-Beratung Detecon International ist davon überzeugt, dass sich RFID als Schlüsseltechnologie für die Logistik durchsetzen wird, zumal sich schon heute RFID-Projekte in ausgewählten Anwendungsbereichen amortisierten. Der Detecon Logistik Trend Radar erwartet für die nächsten Jahre einen hohen Bedarf für das Real Time Tracking und Tracing. Weiterhin werden Fälschungsschutz über RFID-basierte Lösungen, Sensornetzwerke bei Gefahrgütertransport, industrielle PDAs sowie Anforderungen für Reparatur, Recycling von Material und Teilen großen Einfluss auf die Logistik entfalten. RFID in Großbritannien dreimal so populär wie in Deutschland Künftig werde diese Selbststeuerung intelligenter Objekte zunehmen, indem Ziele und Strategien auf RFID-Tags gespeichert werden und Internetportale die Informationshistorie abbilden. Auf dem von Detecon veranstalteten Kompetenztag "Logistik 2010" zeigte Volker Lange, Leiter Verpackungs- und Handelslogistik beim Fraunhofer IML neue technische Möglichkeiten auf: So würden schon heute Unternehmen mittels RFID falsche Beladungen von Lkw nahezu ausschließen. In erfolgreichen Versuchen bewies das Fraunhofer-Institut unter Praxisbedingungen die Funktionsfähigkeit. 200 Behälter waren bei diesem Versuch integriert. Auf einer Palette im Pulk ließen sie sich identifizieren. Allgemein bemängelte Lange jedoch zögerliche Entscheidungsprozesse: "Wir brauchen in den Unternehmen mehr Mut zur Veränderung und weniger Bedenkenträger." So würden in Großbritannien ungefähr dreimal mehr RFID-Anwendungen in Betrieb gehen als in Deutschland.
Zu wissen, wo sich welche Waren in Echtzeit befinden, wird für alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette immer wichtiger.
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Logistik und IT - Hier spricht dein Paket
00/05/2010
Die größte Übernahmeschlacht in der Geschichte der Stahlindustrie ist zu Ende. Arcelor hat das neue Übernahmeangebot des Branchenführers Mittal akzeptiert. Das teilte Arcelor nach Beratungen des Vorstands mit. Arcelor hatte zuvor zwei Mittal-Angebote als zu niedrig zurückgewiesen und einer Fusion mit dem russischen Konzern Severstal den Vorzug gegeben. Detailansicht öffnen Arcelor ist das weltweit zweitgrößte Unternehmen der Stahlindustrie (Foto: Foto: Reuters) Der Fernsehsender CNBC und die Zeitung Times of India berichteten, der neue Konzern werde Arcelor Mittal heißen und von Mittal-Chef Lakshmi Mittal und dem Arcelor-Vorsitzenden Joseph Kinsch gemeinsam geführt werden. Die Aktionäre sollen am Freitag über die Übernahme abstimmen. Oligarch Alexej Mordaschow und der indische Milliardär Lakshmi Mittal warben noch am Samstag für ihr jeweiliges Angebot. Am Sonntagmittag wurde bekannt, dass Mittal überraschend in London seinen Aufsichtsrat einberief. Das deutete auf eine Entscheidung zugunsten von Mittal hin. Durchbruch nach Zugeständnissen Seit Ende Februar hatte das Arcelor-Management Mittals Angebot als feindlich eingestuft und weit von sich gewiesen. Gespräche mit Mittal lehnte es mehr als vier Monate lang ab. Eine Wende kündigte sich Mitte vergangener Woche an. Eine für Mittwoch anberaumte außerordentliche Arcelor-Hauptversammlung war kurzfristig abgesagt worden, weil es unter den Aktionären keine Mehrheit für eine Fusion mit dem vom Arcelor-Management bevorzugten "weißen Ritter" Severstal gab. Der Widerstand gegen Severstal im Aktionärskreis gewann dagegen an Gewicht. Arcelor-Aktionäre forderten sogar den Rücktritt von Arcelor-Chef Guy Dollé. Vor knapp 14 Tagen lenkte Dollé ein und nahm erstmals Gespräche mit Mittal auf. Zum Durchbruch zwischen den Kontrahenten soll es Ende vergangener Woche gekommen sein, als Mittal weitere Zugeständnisse signalisiert hatte. Den Berichten zufolge stockte er sein nachgebessertes Angebot noch einmal auf und zahlt jetzt 43 Euro pro Arcelor-Aktie. Andere Quellen berichten von einer Erhöhung auf 40,37 Euro je Aktie. Bislang bot Mittal 37 Euro, was Arcelor mit 23 Milliarden Euro bewerten würde. Wegen der unübersichtlichen Lage war die Arcelor-Aktie am Mittwoch vom Handel genommen worden. Dort wurde sie zuletzt mit 35 Euro gehandelt. Zwar läge das von Mittal stark nachgebesserte Angebot immer noch unter dem Preis von 44 Euro je Aktie, den Severstal angeblich für Arcelor geboten hat. Auswirkungen für ThyssenKrupp fraglich Mittal soll das Arcelor-Management aber trotzdem überzeugt haben, weil der Milliardär angeblich weitere Zugeständnisse machte. Bereits am Freitag hieß es, er sei bereit, auf unrentable Werke und Standortgarantien am Arcelor-Sitz Luxemburg zu verzichten und erhebe nur Anspruch auf 45 Prozent des Arcelor-Kapitals. Arcelor soll mehrheitlich von unabhängigen Direktoren geführt werden, der umstrittene Franzose Dollé dürfe aber für eine bestimmte Zeit im Amt bleiben, ebenso wie der Aufsichtsratsvorsitzende von Arcelor, Joseph Kinsch. Mittal wolle sich vorerst mit der Rolle des Co-Aufsichtsratsvorsitzenden zufrieden geben. Nach Angaben des Wall Street Journal sollen die Arcelor-Aktionäre außerdem 3,3 Milliarden Euro in bar ausgezahlt bekommen. Arcelor seinerseits soll Severstal wegen der nichtvollzogenen Fusion einen Ausgleich von 130 Millionen Euro zahlen. Der neue, mit einer Stahlproduktion von jährlich mehr als 100 Millionen Tonnen mit Abstand größte Stahlkonzern der Welt soll den Namen Arcelor Mittal tragen. Fraglich waren am Sonntagnachmittag die Auswirkungen der Fusion für ThyssenKrupp. Offenbar wollen Mittal und Arcelor die kanadische Dofasco behalten. Bisher hieß es, Mittal wolle im Falle einer Fusion mit Arcelor den vor kurzem von Arcelor übernommenen Konzern an Thyssen-Krupp abgeben. Sollte es nicht dazu kommen, wäre das ein Rückschlag für die Deutschen. ThyssenKrupp hatte ebenfalls für Dofasco geboten, unterlag aber. Inzwischen prüft der Düsseldorfer Konzern Alternativen, bekannt wurde aber bislang keine Annäherung mit einem Konkurrenten. Ein Sprecher von Thyssen-Krupp hielt sich am Sonntag noch mit einer Bewertung zurück, solange in Luxemburg keine offizielle Entscheidung getroffen war.
Die größte Übernahmeschlacht in der Geschichte der Stahlindustrie ist zu Ende. Arcelor hat das neue Übernahmeangebot des Branchenführers Mittal akzeptiert.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-fuenfmonatiger-uebernahmeschlacht-fusion-von-arcelor-und-mittal-perfekt-1.901966
Nach fünfmonatiger Übernahmeschlacht - Fusion von Arcelor und Mittal perfekt
00/05/2010
Wie das Wirtschaftsmagazin "Plusminus" aufdeckt, bedroht eine bislang kaum beachtete Steueränderung die Existenz tausender von mittelständischen Unternehmen. Tausenden deutschen Unternehmen droht einem ARD-Bericht zufolge wegen einer kaum beachteten Änderung der Körperschaftssteuer die Pleite. Wie das ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus" am Dienstag berichtet (21.55 Uhr), sind vor allem Firmen mit der Rechtsform GmbH betroffen, die hohe Zinszahlungen für Kredite zu leisten haben. Detailansicht öffnen Deutsche Banken und ein Kredit für Mittelständler - wenn nichts geschieht, schon bald unvereinbar. (Foto: Foto: ddp) Bundes-Kommisson bereits errichtet Da die Zahlungen nicht mehr steuerlich absetzbar seien, drohe den Firmen der Ruin. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) wird derzeit an einer Entschärfung des Gesetzes gearbeitet. Das Bundesfinanzministerium habe dazu eine Bund-Länder-Kommission eingerichtet. Bedroht sind laut "Plusminus" Unternehmen, die mehr als 250.000 Euro pro Jahr an Zinsen zahlen, eine Eigenkapitalquote von weniger als 40 Prozent aufweisen und ihre Kredite mit Inhaberbürgschaften abgesichert haben. Nach BDI-Angaben treffen diese Merkmale auf einen Großteil der deutschen Unternehmen zu. Kredite für den Mittelstand bald Vergangenheit? Der deutsche Mittelstand müsse nun damit rechnen, dass ihm der Kredithahn zugedreht werde, berichtete das ARD-Magazin. Alle deutschen Banken prüften derzeit, welche laufenden Kredite von der Gesetzesänderung betroffen seien. Im schlimmsten Fall würden den Firmen nicht nur neue Kredite verweigert, sondern auch alte gekündigt.
Wie das Wirtschaftsmagazin "Plusminus" aufdeckt, bedroht eine bislang kaum beachtete Steueränderung die Existenz tausender von mittelständischen Unternehmen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/die-schreckliche-steuer-pleitewelle-per-gesetz-1.897940
Die schreckliche Steuer - Pleitewelle per Gesetz
00/05/2010
Er gilt als die Revolution der Luftfahrt: Nun hat der US-Konzern Boeing seinen neuen Dreamliner-Jet erstmals unter dem Jubel Tausender begeisterter Fans der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Unter dem Applaus Tausender begeisterter Fans und in einem Blitzlichtgewitter der Fotografen wurde die Boeing 787 Dreamliner im Boeing-Werk Everett rund 40 Kilometer nördlich von Seattle beim sogenannten Roll Out erstmals präsentiert. "Meine Damen und Herren, hier ist Ihr Boeing Dreamliner", rief Programmchef Mike Bair ins Publikum. Der als besonders spritsparend geltende Flieger ist mit mehr als 670 Vorbestellungen schon jetzt ein Verkaufsschlager. "Ich habe an den Tragflächen mitgearbeitet", sagte Boeing-Techniker John Bandur, der mit seinem kleinen Sohn zur Vorstellung der Maschine ins Werk gekommen war: "Das ist ein toller Tag." Erste neue Boeing seit 13 Jahren Der Dreamliner ist die erste neue Boeing seit 13 Jahren - und dürfte eine der Wichtigsten überhaupt in der Geschichte des Flugzeugbauers sein. Boeing verspricht den Fluglinien einen um 20 Prozent verringerten Spritverbrauch gegenüber vergleichbaren Maschinen, zum Beispiel durch den Einsatz von leichteren Verbundstoffen anstelle des traditionell verwendeten Aluminiums. Außerdem besteht der Rumpf aus einem Stück, während bisher mit Zehntausenden von Nietnägeln gearbeitet wurde. Dadurch soll die Maschine weniger reparaturanfällig werden, und die Wartungskosten sollen um ein Drittel sinken. Katalogpreis von mindestens 146 Millionen Dollar In den kommenden zwei Jahrzehnten will Boeing rund 2000 Dreamliner zu einem Katalogpreis von mindestens 146 Millionen Dollar (rund 107 Millionen Euro) verkaufen. Der Start ist schon geglückt: 677 Bestellungen von 47 Unternehmen für den Flieger sind bereits eingegangen. Allein die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hat nach eigenen Angaben 50 Jets geordert und will diese von 2013 an für Langstreckenflüge einsetzen. Der europäische Boeing-Konkurrent Airbus kommt dagegen nach längerem Hin und Her mit seinem Modell A350 XWB erst 2013 auf den Markt. Neubestellungen erst ab 2015 lieferbar Boeing-Programmchef Bair erklärte, angesichts der vollen Auftragsbücher könnten Neubestellungen für den Dreamliner erst 2015 geliefert werden. Mit einer einzigen Tankfüllung kann der Dreamliner nach Konzernangaben bis zu 15.750 Kilometer zurücklegen: Damit könnte die Maschine beispielsweise einen Flug von New York nach Manila oder von Moskau nach São Paulo ohne Schwierigkeiten meistern. Bislang war das nur den größeren Maschinen des Konzerns wie der Boeing 777 oder 747 möglich. Vom Dreamliner stehen drei Modelle zur Verfügung - mit 210 bis 330 Sitzplätzen. Boeing zufolge verspricht der Dreamliner Passagieren mehr Komfort, zum Beispiel durch größere Fenster, höhere Luftfeuchtigkeit in der Kabine und ein neues System, das Turbulenzen während des Flugs weniger spürbar macht. Jungfernflug im Herbst Der Jungfernflug des Dreamliner ist für Herbst terminiert. 2008 soll er dann von der ersten Fluggesellschaft regulär in Dienst genommen werden: Die japanische Fluglinie All Nippon Airways (ANA) will als Erste mit der neuen Boeing starten; sie hatte die ersten neuen Flieger bereits vor vier Jahren bestellt.
Er gilt als die Revolution der Luftfahrt: Nun hat der US-Konzern Boeing seinen neuen Dreamliner-Jet erstmals unter dem Jubel Tausender begeisterter Fans der Weltöffentlichkeit vorgestellt.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/weltpremiere-an-der-us-westkueste-neue-dreamliner-boeing-frenetisch-bejubelt-1.901599
Weltpremiere an der US-Westküste - Neue Dreamliner-Boeing frenetisch bejubelt
00/05/2010
Das System von Geben und Nehmen funktionierte in der VW-Stadt jahrelang reibungslos. Jetzt gerät die enge Verbindung der mächtigen Arbeitnehmer mit dem Management und der Politik ins Wanken. Eine Reportage vom Niedergang der Marke VW. Südstraße, Sektor 16, dritter Stock. An diesem Ort auf dem VW-Werksgelände in Wolfsburg kommt niemand vorbei. Als Christian Holstein, 33, hierher bestellt wurde, ist er guten Mutes. Detailansicht öffnen VW-Vorstandsvorsitzender Bernd Pischetsrieder, Personalvorstand Peter Hartz und Gesamtbetriebsrats-Mitglied Bernd Osterloh (v.l.). (Foto: Foto: ddp) Einstellungstests und ärztliche Untersuchung hatte der Automechaniker schon hinter sich. Jetzt soll er den Vertrag für einen Job in der Montage unterschreiben. "Aber dann wurden wir in diesen Raum von der Gewerkschaft geführt", erzählt Holstein. Das Zimmer der Vertrauensleute liegt auf demselben Stockwerk wie das Einstellbüro des Unternehmens, was wohl kein Zufall ist. "Die Aufnahmeanträge für die IG Metall wurden verteilt, und einer hielt eine Rede", erzählt Holstein. "Da hieß es, wer nicht eintritt, der wird es nicht leicht haben bei VW." "Da wurde das Klima gleich frostig" Holstein unterschrieb nicht - als einziger von 60 Bewerbern. "Da wurde das Klima gleich frostig", erinnert er sich an die offenbare Macht der IG Metall bei Volkswagen. Und er wird den Verdacht nicht los, dass seine Weigerung der Grund war, warum er den Job am Ende nicht bekam. Auch Menschen, die schon lange bei VW arbeiten, berichten vom Druck zum Gewerkschaftsbeitritt. "Wer was dagegen sagt, der wird schnell mal auf einen unangenehmen Arbeitsplatz versetzt", schimpft ein Betroffener. Doch das "System VW", die enge Verbindung der mächtigen Arbeitnehmer mit dem Management und der Politik, gerät ins Wanken. Am Freitag reichte Personalvorstand Peter Hartz sein Rücktrittsgesuch ein - ein schwerer Schlag für den Konzern und für den Chef Bernd Pischetsrieder. Der 63-jährige Hartz, Manager und Gewerkschaftsmitglied, ist eine der Schlüsselfiguren für das System VW, der wohl bekannteste Mann im Auto-Konzern. Und er gehört zu den engen Beratern von Regierungschef Gerhard Schröder. Seinen Namen tragen die Arbeitsmarktreformen des SPD-Kanzlers. Die dunkle Seite der Macht Seit Jahrzehnten ist die IG Metall stolz darauf, dass sie im Werk Wolfsburg den ungewöhnlich hohen Organisationsgrad von 97 Prozent hat. Bei der Konkurrenz ist der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder viel geringer. Doch im Lichte der derzeitigen Affäre um Schmiergelder, Tarnfirmen und Lustreisen erscheint die Macht der IG Metall bei VW in einem anderen Licht. Auch Hartz soll in die Affäre verwickelt sein. Klaus Volkert, der langjährige Gesamtbetriebsratsvorsitzende, ist schon vor einer Woche zurückgetreten, und gegen zwei Mitarbeiter des Personalwesens hat der Konzern Anzeige erstattet - wegen Untreue oder Betrugs. Management, Betriebsrat und Gewerkschaften sind durch eine Affäre desavouiert, in der es neben Scheinfirmen auch um brasilianische Freundinnen und Luxusnutten geht. Jetzt wächst in Wolfsburg das Misstrauen über die Nähe von Management und Belegschaftsvertretern, das so genannte VW-System. "Die duzen sich alle", sagt ein Insider. Und ein hoher Gewerkschafter bestätigt: "Natürlich gibt es ein System VW - und ich fürchte, manchmal verschwimmen da die Grenzen zwischen Kooperation und Kumpanei." Der größte Autokonzern Europas dominiert die Stadt Wolfsburg. Er ist Gebieter über Tausende von Autohändlern und Auftraggeber für Hunderte von Zulieferern. Gleichzeitig haben Politiker auf das Unternehmen direkten Einfluss. Niedersachsen ist noch mit 18,2 Prozent an dem ehemaligen Staatsbetrieb beteiligt und hat zwei Sitze im Aufsichtsrat. Die Politik hat meist dasselbe Interesse wie die Gewerkschaften: Die Zahl der Arbeitsplätze muss möglichst groß bleiben. Gegründet von den Nazis Gemeinsam bringen Politiker und Gewerkschafter im Aufsichtsrat eine Mehrheit gegen das Management zusammen. Das schafft Nähe und ein Klima, in dem die jetzige Schmiergeld- und Korruptionsaffäre gedeihen konnte. VW, das war eine Idee des Nazi-Staates. Adolf Hitler wollte die Deutschen mit einem Volksauto mobilisieren und gründete dazu 1937 etwa 75 Kilometer westlich von Hannover ein Autowerk. Die daneben angesiedelte neue Stadt, das heutige Wolfsburg, bekam den Namen "Stadt des Kraft-durch-Freude-Wagens". Doch so richtig begann die Autoproduktion erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Wiederaufstieg Deutschlands ist ohne den "Käfer" aus Wolfsburg nicht denkbar. Der Staat, dem das Werk bis in die sechziger Jahre gehörte, und die IG Metall, der die Arbeiter folgten, waren Paten für diesen Aufstieg. Heute ist Volkswagen ein Moloch. Das Wolfsburger Werk ist fast so groß wie der Stadtstaat Monaco. Das Unternehmen hat 340.000 Beschäftigte, davon mehr als die Hälfte im Inland und 50.000 in Wolfsburg. Volkswagen baut in Mexiko und Brasilien genauso Autos wie in China, Kassel oder Emden. Der Konzern, zu dem auch die Marken Audi, Seat, Skoda, Bugatti, Lamborghini und Bentley gehören, stieg in den neunziger Jahren zum größten Autokonzern Europas auf. Kein Cent Gewerbesteuer Doch das Zentrum bleibt die Provinzstadt mit ihren nur 123.000 Einwohnern. Kein zweiter Ort in Deutschland ist so mit einem Unternehmen verbunden wie die Retortenstadt am Mittellandkanal. Wolfsburg ist vom Werk abhängig. Solange es mit dem Automobilbau aufwärts ging, war diese Bindung für die Stadt mehr Segen als Last. Aber es geht nicht mehr aufwärts; es geht bergab. Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (CDU) bekommt schon seit zwei Jahren keinen Cent Gewerbesteuer mehr von VW.
Das System von Geben und Nehmen funktionierte in der VW-Stadt jahrelang reibungslos. Jetzt gerät die enge Verbindung der mächtigen Arbeitnehmer mit dem Management und der Politik ins Wanken. Eine Reportage vom Niedergang der Marke VW.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schmiergelder-tarnfirmen-lustreisen-bei-volkswagen-goetterdaemmerung-in-wolfsburg-1.900973
Schmiergelder, Tarnfirmen, Lustreisen bei Volkswagen - Götterdämmerung in Wolfsburg
00/05/2010
Ein neues Gesetz soll die Lebensversicherer zu mehr Transparenz zwingen. Gleichzeitig sollen die Versicherten erstmals an den gewaltigen stillen Reserven der Unternehmen beteiligt werden. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) sagte, durch die Neuregelungen würden die Versicherten "deutlich besser gestellt". Das derzeit geltende Gesetz stamme aus dem Jahr 1908 und werde den Bedürfnissen eines modernen Verbraucherschutzes nicht mehr gerecht. Deshalb habe man sich entschieden, es nicht mehr zu ändern, sondern "ein vollständig neues Gesetz" zu formulieren. Detailansicht öffnen Ein Großteil der Deutschen sorgt mit einer oder mehreren Lebensversicherungen für das Alter vor. (Foto: Foto: ddp) Im Mittelpunkt der Änderungen stehen die Lebensversicherungen. In Deutschland gibt es derzeit 94 Millionen Verträge mit einer Versicherungssumme von insgesamt 2,3Billionen Euro. Allein im laufenden Jahr leisten die Kunden dafür Beiträge in Höhe von 72,6Milliarden Euro. Beteiligung an stillen Reserven garantiert Das neue Gesetz garantiert den Versicherten erstmals eine Beteiligung an den gewaltigen stillen Reserven der Unternehmen. Die Versicherer müssen diese Reserven, etwa aus Wertsteigerungen von Immobilien und Aktien, künftig offen legen und jeden Kunden einmal jährlich über seinen Anteil unterrichten. Bei Vertragsende muss die Hälfte dieser stillen Reserven ausgezahlt werden. Die andere Hälfte verbleibt im Unternehmen, um Wertschwankungsrisiken ausgleichen zu können. Zypries sagte, mit dieser "Fifty-Fifty-Lösung" wolle man die Versicherungsnehmer an den stillen Reserven beteiligen, ohne den Konzernen die nötigen Sicherheitspolster zu nehmen. Vorzeitige Kündigung soll günstiger werden Mit dem neuen Gesetz werden auch die Rechte der Kunden bei der Überschussbeteiligung, dem Frühstorno und der Berechnung des Rückkaufwerts der Policen verbessert. So wird der Anspruch auf eine Überschussbeteiligung künftig als Regelfall gesetzlich festgeschrieben. Die vorzeitige Kündigung einer Police soll für den Kunden günstiger werden. Bisher werden die hohen Abschlusskosten in der Regel nur mit den Prämien der ersten beiden Versicherungsjahre verrechnet. Das führt dazu, dass bei einer Kündigung in dieser Zeit der Versicherte oft kein Geld zurückbekommt. Zypries will die Unternehmen deshalb zwingen, die Abschlusskosten auf die ersten fünf Jahre zu verteilen. Auch die Regelungen für den Rückkaufswert insgesamt sollen geändert werden.
Ein neues Gesetz soll die Lebensversicherer zu mehr Transparenz zwingen. Gleichzeitig sollen die Versicherten erstmals an den gewaltigen stillen Reserven der Unternehmen beteiligt werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/versicherungskunden-deutlich-besser-gestellt-1.902125
"Versicherungskunden - ""Deutlich besser gestellt"""
00/05/2010
Die jüngsten Vorwürfe in der Korruptionsaffäre um den Technologiekonzern Siemens verleihen dem Fall eine neue Dimension. "Halte dich an Recht und Gesetz!", so lautet die Botschaft der Unternehmensrichtlinien, auf die Siemens jeden Mitarbeiter verpflichtet. Soweit die Theorie. Ein internationales Finanzsystem schwarzer Kassen, durch das Hunderte Millionen Euro geflossen sein sollen, Konten in der Schweiz, inhaftierte Spitzenmanager und Verdacht auf Bestechung. Das scheint in den vergangenen Jahren die Praxis gewesen zu sein. Und nun gibt es auch noch Hinweise darauf, dass selbst ein Mitglied des inneren Machtzentrums, des Zentralvorstands, in die Affäre verstrickt sein könnte. Für das Unternehmen und seine Führung wird der Fall zum Offenbarungseid. Das deutsche Vorzeigeunternehmen steht plötzlich als Hort fragwürdiger Geschäfte da. Die Frage stellt sich, wie eine ganze Gruppe hochrangiger Manager jahrelang anscheinend unbehelligt ihr Unwesen treiben konnte. Der defensive Umgang des Unternehmens mit der Affäre gibt viele Rätsel auf. So wusste Siemens früh von den Ermittlungen der schweizerischen Staatsanwaltschaft. Doch der Konzern hielt es trotz eigener Nachforschungen nicht für nötig, deutsche Strafverfolger einzuschalten. Stattdessen trennte er sich in diesem Frühjahr geräuschlos von einer Führungskraft, die in die Sache verstrickt war. Der Verdacht drängt sich nun auf, dass der Fall unter den Teppich gekehrt werden sollte. Korruption wird immer noch als Kavaliersdelikt gesehen Einer der größten deutschen Konzerne wird von einem Skandal erschüttert, der seinesgleichen sucht. Die Konzernführung unter Vorstandschef Klaus Kleinfeld bringt das in große Erklärungsnot. Wer wusste alles von den dubiosen Machenschaften? Wurden wohlfeile ethische Grundsätze formuliert, obwohl die Unternehmenskultur eine ganz andere war? Die Folgen des Falls reichen indes weit über Siemens hinaus. Denn die Enthüllungen in der Affäre machen ein gravierendes Problem nicht nur in der deutschen Wirtschaft deutlich: In Firmen gilt Korruption im Ausland offenbar noch immer als Kavaliersdelikt oder notwendiges Übel. Auch andere Unternehmen, die Exporterfolge haben, kämpfen gegen ähnliche Vorwürfe. Vor allem jene Konzerne tauchen in der Schmiergeldstatistik weit oben auf, die an Großprojekten wie Kraftwerken, Staudämmen oder Flughäfen beteiligt sind. Bis 1999 war Bestechung außerhalb der Landesgrenze nicht einmal strafbar. Die Zahlungen konnten Konzerne hierzulande als "Betriebsausgabe" von der Steuer absetzen. Die Affäre wird Siemens über Jahre beschäftigen Aus gutem Grund sagen die Staatsanwaltschaften der Korruption derzeit verstärkt den Kampf an. Schmiergelder mögen die Geschäfte mancher Multis ölen, für die zumeist betroffenen Volkswirtschaften in Afrika, Asien, Osteuropa und Lateinamerika haben sie jedoch verheerende Konsequenzen. Bestechung und Bakschisch sind Sand im Getriebe beim Versuch, der Armut zu entkommen. Korruption fördert die organisierte Kriminalität, unterminiert die Demokratie und behindert wirtschaftliches Wachstum. In afrikanischen Staaten hat sie schon zu einer massiven Kapitalflucht geführt. Nach Angaben der Vereinten Nationen kommen Investitionen in korrupten Staaten um 20 Prozent teurer. Die Großrazzia der Strafverfolger in der vergangenen Woche an verschiedenen Siemens-Standorten macht deutlich, dass die Staatsanwaltschaft in München im Fall Siemens eine härtere Gangart gegen Korruption an den Tag legt als Strafverfolger in vergleichbaren Fällen zuvor. Schon jetzt ist absehbar, dass die Affäre das Unternehmen noch über Jahre beschäftigen wird. Die Ermittlungen in München zeigen aber auch klar: Deutsche Firmen werden sich bei Geschäften im Ausland grundlegend umstellen müssen. Die neue Aufmerksamkeit der Behörden wird manchen Auftrag im Ausland kosten.
Schwarze Kassen, verhaftete Manager: Die Finanzaffäre wird für den Konzern zum Offenbarungseid.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schmiergeld-skandal-siemens-im-zwielicht-1.907449
Schmiergeld-Skandal - Siemens im Zwielicht
00/05/2010
Der letzte Auftritt von Helmut Panke als BMW-Chef hat keinen Rückschluss darüber zugelassen, ob er im Groll geht. Der Zahlenmensch kaschierte seine Gefühle lieber mit einem Rekordgewinn. Bei seinem letzten großen Auftritt als BMW-Chef hat Zahlenmensch Helmut Panke nur äußerst ungern über seine Gefühle sprechen wollen. "Ich habe hier mehr als 24 Jahre Spaß und Freude an der Aufgabe gehabt", blickte der 59-Jährige am Donnerstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in München auf seine Zeit bei BMW zurück. Detailansicht öffnen BMW-Chef Helmut Panke muss seinen Chefsessel räumen. (Foto: Foto: ddp) Ob er im Groll geht? Diese Frage ließ der scheidende Vorstandsvorsitzende unbeantwortet. Viel wichtiger sei doch der Blick auf die Zahlen, die im ersten Halbjahr mit einem Rekordgewinn vor Steuern von 2,5 Milliarden Euro für den BMW-Konzern gut ausgefallen sind. Altersgrenze liegt bei 60 Jahren Panke übergibt zum 1. September - einen Tag nach seinem 60. Geburtstag - den Vorstandsvorsitz an Produktionsvorstand Norbert Reithofer. Eigentlich wäre Pankes Vertrag noch bis zur Hauptversammlung im Frühjahr 2007 gelaufen. Zudem hatte er angedeutet, dass er gerne verlängern würde. Der Aufsichtsrat pochte aber auf eine interne Altersgrenze von 60 Jahren und zog den Wechsel an der Spitze stattdessen vor. Es sei nicht die Zeit, über die "Gefühle und Stimmungen einzelner" zu sprechen, sagte Panke nun. "Die ganze Mannschaft, alle 106.000 Mitarbeiter bei BMW sind gut unterwegs." Die Zahlen können sich denn auch sehen lassen. Im ersten Halbjahr legte der Absatz um acht Prozent zu, der Umsatz um zehn Prozent und der Vorsteuergewinn um fast die Hälfte. Das zweite Halbjahr wird zwar zyklusbedingt etwas schwieriger. Dennoch sprach Aufsichtsrat Werner Neugebauer für viele, als er sagte: "Panke hat einen guten Job gemacht." Was er nun vor hat, ließ der scheidende Vorstandschef am Mittwoch offen. Seine Mandate in den Verwaltungsräten von Microsoft und UBS wird er jedenfalls erst einmal weiter ausüben. Der richtige Chef für Expansionsphase Nach Einschätzung von Christoph Stürmer, Autoexperte beim Prognoseinstitut Global Insight, war Panke der richtige Chef für die Expansionsphase bei BMW in den vergangenen Jahren. Die Pläne für die massive Ausweitung des Absatzvolumens hätten bei seinem Amtsantritt 2002 zwar schon in den Schubladen gelegen. "Man brauchte aber jemanden, der diese Hyperexpansionsphase straff managt." 2001 erreichte der Auto-Absatz in der Gruppe fast 940.000, im vergangenen Jahr lag er bereits bei 1,33 Millionen.
Der letzte Auftritt von Helmut Panke als BMW-Chef hat keinen Rückschluss darüber zugelassen, ob er im Groll geht. Der Zahlenmensch kaschierte seine Gefühle lieber mit einem Rekordgewinn.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vorstandswechsel-bei-bmw-24-jahre-spass-gehabt-1.919641
"Vorstandswechsel bei BMW - ""24 Jahre Spaß gehabt"""
00/05/2010
Das Rating der Bundesrepublik wird sich durch die angespannte Haushaltslage und die drohende Rekord-Verschuldung nicht verschlechtern, berichtet der Münchner Merkur unter Berufung auf führende internationale Rating-Agenturen. Detailansicht öffnen Das Frankfurter Bankenviertel. (Foto: Foto: dpa) Stattdessen genießt Deutschland weiterhin eine erstklassige Bonität. Bonitätsnoten auch für die nächsten zwölf Monate erstklassig Deutschland behalte die Bonitätsnoten AAA und A-1+ für lang- bzw. kurzfristige Verbindlichkeiten. Das Rating hat unmittelbare Aus-wirkungen auf das Niveau der Kreditzinsen. "Das Ergebnis der Steuerschätzung erhöht den Druck auf den Haushalt, wirft jedoch nicht die Bonität über den Haufen. Innerhalb der nächsten zwölf bis 18 Monate ist für Deutschland keine Veränderung des Ratings zu erwarten", sagte Analyst Kai Stukenbrock von der Rating-Agentur Standard & Poor's. Der unmittelbare Steuerausfall sei "relativ gering", das Gros der Ausfälle erst in den Jahren 2005 bis 2007 zu erwarten. Probleme: Staatsdefizit, Schuldenquote, Wachstumsschwäche "Die beiden größten Schwächen Deutschlands sind das hohe Staatsdefizit und die Schuldenquote. Die anhaltende Wachstums-schwäche verschärft die Problematik", so Stukenbrock. Von allen Staaten mit einem AAA-Rating habe Deutschland die höchste Schuldenquote. Auch David Riley von der Londoner Rating-Agentur Fitch sieht die Kreditwürdigkeit Deutschlands nicht gefährdet: "Der Schuldenstand ist nicht das wichtigste Kriterium. Entscheidend ist die Umsetzung weiterer struktureller Reformen im Rahmen der Agenda 2010", sagte der Analyst.
Trotz enormer Steuerausfälle genießt Deutschland als Kreditnehmer international einen erstklassigen Ruf. Ratingagenturen haben Bestnoten vergeben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/innen-pfui-aussen-hui-deutschland-ein-gern-gesehener-schuldner-1.901253
Innen pfui, außen hui - Deutschland — ein gern gesehener Schuldner
00/05/2010
Finanzmanagerin Robin Saunders genoss bei der WestLB in London viel Vertrauen - zu viel, wie sich nun zeigt. (SZ vom 24.06.2003) — An Warnzeichen hatte es intern nicht gefehlt. Zumindest diejenigen, die von Umfang und Umständen der Deals wussten, die Robin Saunders für die Westdeutsche Landesbank (WestLB) abwickelte, hätten erkennen können, dass in der Londoner WestLB-Einheit für das Investment-Banking die Worte "kaufmännische Vorsicht" sehr klein geschrieben wurden. Geblendet Es galt offenbar das Prinzip, irgendwie werde schon alles gut gehen. Manche Mitarbeiter der Bank hatten, heißt es in London, auch gewarnt. Aber das Gefühl, plötzlich zu den ganz wichtigen Finanzhäusern Europas zu gehören, ein paar erfolgreiche Geschäfte gemacht zu haben und der Glanz der Star-Mitarbeiterin Robin Saunders blendeten offenkundig auch die WestLB-Spitze. Es ist ein ganz kleiner Bereich, der zum Zentrum des Skandals um die riesigen Verluste gehört: Die Einheit "Haupt-Finanzierungen" in London beschäftigt nur rund 30 Mitarbeiter, und an ihrer Spitze steht die 40-jährige amerikanische Bankerin Saunders. Sie baute diesen Bereich mehr oder weniger um sich herum auf, als die WestLB sie 1998 von der Deutschen Bank abgeworben hatte. An Vertrauensvorschuss Saunders gegenüber hat es die Bank nicht fehlen lassen. Denn die Frau, da sind sich alle einig, ist eine begnadete Verkäuferin. Und dass ihr blonder Kopf daneben noch wirkt wie die Antwort der Londoner City auf Claudia Schiffer, hat ihr im Kreise der gesetzten Banken-Herren die Überzeugungsarbeit vielleicht auch ein bisschen leichter gemacht. Die Grundidee Saunders und ihres Bereichs ist einfach: Die Bank kauft ein Unternehmen und finanziert den Kaufpreis durch die Ausgabe von Anleihen; diese festverzinslichen Wertpapiere werden durch die laufenden Einnahmen des Unternehmens besichert. Damit schiebt der Unternehmenskäufer - also die Bank - viele Risiken auf die Anleihen-Käufer. Nach dieser "Umstrukturierung" verkauft man das Unternehmen mit Gewinn weiter. Einkaufsfreudig Das Risiko eines solchen Geschäfts liegt nicht nur darin, dass die Bank das Unternehmen nach der Umstrukturierung tatsächlich gewinnbringend los wird, sondern auch darin, dass sie Käufer für solche Anleihen findet. Saunders pflegte auf die Frage nach den Risiken bis vor kurzem zu antworten, sie habe in ihren 18 Jahren als Bankerin noch nie einen Verlust gemacht. Ob die Rechnung tatsächlich aufgeht, stellt sich bei solchen Geschäften oft erst nach mehreren Jahren heraus. In der Zwischenzeit kann die Bank beispielsweise die Anleihen so bilanzieren, als würden sie zu einem guten Kurs einen Käufer finden. Schnell allerdings hatte sich etwa bei dem Metallhandelskonzern RBG herausgestellt, dass die Bank jungen Hochstaplern auf den Leim gegangen war. Inwieweit Saunders persönlich in das 200-Millionen-Euro-Debakel verwickelt war, wurde nie ganz klar. Vor Saunders Einkaufsfreude war offenbar nichts sicher. Einmal wollte sie im Namen der WestLB das gesamte britische Schienennetz übernehmen, ein anderes Mal beinahe das gesamte britische Telefon-Netz. Selbst beim ersten großen Saunders-Coup - es ging um die Finanzierung des Formel 1-Rennzirkus - hat die WestLB nie offiziell mitgeteilt, auf welchem Teil der Anleihen sie sitzen geblieben ist. Zum größten Desaster bislang ist es freilich bei einem Fall gekommen, den Robin Saunders möglicherweise gar nicht selbst eingefädelt hat, sondern eher ausbaden musste: Das britische Unternehmen Box Clever, bei dem sich die WestLB bereits seit 1999 engagiert hatte, gilt mittlerweile als sanierungsbedürftig. Es bescherte der Bank einen so genannten Wertberichtigungsbedarf von über 400 Millionen Euro. Ob dieses Geld endgültig in den Sand gesetzt ist, weiß niemand, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Aus dem Kreis der nordrhein-westfälischen WestLB-Eigner ist vor allem auch Unmut darüber zu hören, dass Saunders persönlich bei all den Geschäften, welche die Bank nun viel Geld kosten, richtig reich geworden ist.
Finanzmanagerin Robin Saunders genoss bei der WestLB in London viel Vertrauen - zu viel, wie sich nun zeigt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/robin-saunders-und-die-westlb-im-glanz-der-begnadeten-verkaeuferin-1.899072
Robin Saunders und die WestLB - Im Glanz der begnadeten Verkäuferin
00/05/2010
Deutschland muss weiter mit einem geringen Wirtschaftswachstum rechnen und wird 2005 womöglich zum vierten Mal gegen den Stabilitätspakt verstoßen. Nach der in Brüssel veröffentlichten Herbstprognose der EU-Kommission wird das an der Wirtschaftsleistung gemessene Haushaltsdefizit 2004 bei 3,9 Prozent liegen Für dieses Jahr rechnet die Kommission mit 4,2 Prozent. Bei unveränderter Politik würde das Defizit 2005 mit 3,4 Prozent erneut die Stabilitätsmarke von drei Prozent überschreiten, hieß es weiter. Nullwachstum in 2003 Nach einem "Nullwachstum" in diesem Jahr soll das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2004 bei 1,6 Prozent liegen und sich 2005 nur leicht auf 1,8 Prozent beschleunigen. Eine Entlastung für den Arbeitsmarkt wird es aus Sicht der Kommission bis dahin nicht geben. Nach ihrer Prognose wird die Arbeitslosenquote 2003 bei 9,4 Prozent liegen und 2004 nochmals auf 9,6 Prozent steigen. Erst 2005 soll die Quote leicht auf 9,5 Prozent sinken. Die schwache Konjunktur schlägt sich laut Prognose auch bei der Staatsverschuldung nieder. Anstieg der Staatsverschuldung Nach 60,8 Prozent des BIP im vergangenen Jahr soll sie in diesem Jahr auf 63,8 Prozent steigen. 2004 soll sie mit 65,0 und 2005 mit 65,8 Prozent weiter zunehmen. Das Schuldenkriterium im Maastricht-Vertrag zieht die Stabilitätsmarke bei 60 Prozent. Keine Sorgen müssen sich die Deutschen bei der Inflation machen: Für 2003 geht Brüssel von einer Teuerungsrate von 1,1 Prozent aus, die 2004 mit 1,6 Prozent leicht zunehmen und 2004 auf 1,3 Prozent sinken soll.
Deutschland muss weiter mit einem geringen Wirtschaftswachstum rechnen und wird 2005 womöglich zum vierten Mal gegen den Stabilitätspakt verstoßen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-herbstprognose-deutschland-droht-auch-2005-zu-hohes-defizit-1.901246
EU-Herbstprognose - Deutschland droht auch 2005 zu hohes Defizit
00/05/2010
Im kommenden Jahr fällt der Muttertag auf den Pfingstsonntag. Weil deswegen die Blumenläden nicht geöffnet haben dürfen, fürchtet der Einzelhandel um seine Einahmen. Aus Sorge um die Einnahmen aus dem Blumenverkauf will der Einzelhandel den Muttertag im kommenden Jahr um eine Woche vorziehen. Im Jahr 2008 falle der Muttertag auf den 11. Mai und so auf den Pfingstsonntag, an dem Blumenläden nicht öffnen dürften, erklärte der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr, am Mittwoch in Berlin. Der Muttertag solle auf den 4. Mai vorgezogen werden. "Die Mütter und der Heilige Geist haben einen eigenen Feiertag verdient", forderte Pellengahr. Wichter als der Valentinstag Der Muttertag ist nach HDE-Angaben für den Einzelhandel wichtiger als der Valentinstag. Jeder Deutsche gebe für den Tag im Schnitt 25 Euro für Geschenke aus. Dabei gehe der Trend zu Sachgeschenken wie Parfüm, Pralinen, Schmuck, Mode oder Musik. Häufigstes Muttertagsgeschenk blieben jedoch Blumen, hieß es. Allein in der Muttertagswoche wird mit Schnittblumen laut Zentraler Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) ein Umsatz von bis zu 130 Millionen Euro erzielt. Kein gesetzlicher Feiertag Alle Bundesländer haben nach HDE-Angaben den Blumenverkauf an Weihnachten, Ostern und Pfingsten untersagt. Der Muttertag ist kein gesetzlicher Feiertag. Deshalb sollen nach dem Willen des HDE die Politik, die Wirtschaft und die Kirchen ein Vorziehen des Feiertags durchsetzen, forderte Pellengahr. So solle die Initiative etwa von den Wirtschaftsministern der Länder aufgenommen werden. Laut Pellengahr fiel schon im Jahr 1989 der Muttertag und Pfingsten zusammen. Auch damals habe es ähnliche Bestrebungen gegeben. Für das Jahr 2008 gebe es auch in der Schweiz eine "Tendenz", den Muttertag vorzuziehen, sagte Pellengahr. Immer am zweiten Sonntag im Mai Der Muttertag findet jeweils am zweiten Sonntag im Mai statt. Meist liegt dieser Termin zwischen Ostern und Pfingsten. Im kommenden Jahr fallen die christlichen Feiertage allerdings sehr früh.
Im kommenden Jahr fällt der Muttertag auf den Pfingstsonntag. Weil deswegen die Blumenläden nicht geöffnet haben dürfen, fürchtet der Einzelhandel um seine Einahmen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/angst-um-einnahmen-einzelhandel-will-muttertag-vorziehen-1.905714
Angst um Einnahmen - Einzelhandel will Muttertag vorziehen
00/05/2010
Heuschrecken-Debatte hin oder her: Nie zuvor haben ausländische Finanzinvestoren in Deutschland so viele Unternehmen gekauft wie in diesem Jahr. Dabei investierten sie mindestens 30 Milliarden Euro. Bis die Risikofonds einen Dax-Konzern übernehmen, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit. Zugleich sammelten die Risikofonds Rekordsummen bei ihren Geldgebern ein. Analysten rechnen für das kommende Jahr erstmals auch mit der Übernahme eines Dax-Konzerns durch ausländische Beteiligungsfirmen. Detailansicht öffnen Hoher Kommunikationsbedarf: Das Geschäft der Risikonfonds läuft immer schneller. (Foto: Foto: AP) Damit dürfte die im Frühjahr von dem damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering angestoßene Debatte über die Rolle der Finanzinvestoren, die er als "Heuschrecken" bezeichnet hatte, neue Nahrung erhalten. Finanzinvestoren haben im Jahr 2005 in Deutschland 133 Unternehmen übernommen und dabei 29,6 Milliarden Euro investiert. Nur etwa eine halbe Milliarde Euro kam von deutschen Beteiligungsgesellschaften, der Rest von meist angelsächsischen Firmenkäufern wie Kohlberg Kravis Roberts (KKR), Blackstone oder CVC. Das ist das Ergebnis einer Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young. Tatsächlich noch mehr investiert Tatsächlich dürften Beteiligungsgesellschaften noch weit mehr in deutsche Firmen investiert haben, da die Studie nur Firmenkäufe berücksichtigt, deren Preis bekannt ist. Beteiligungsfirmen übernehmen Unternehmen mit überwiegend geliehenem Geld, bürden den Firmen die Schulden auf und verkaufen sie nach einigen Jahren mit Gewinn weiter. Die größte Übernahme 2005 war der Kauf der Wohnungsgesellschaft Viterra durch die britische Terra Firma für sieben Milliarden Euro. "Viele deutsche Unternehmen haben in den letzten Jahren die Effizienz gesteigert sowie die Marktposition verbessert", sagt Wolfgang Taudte, Partner bei Ernst & Young. Diese Fortschritte würden gerade von ausländischen Investoren gesehen. Falls die Zinsen nicht deutlich stiegen, werde der Boom der Beteiligungsbranche in Deutschland anhalten. Dax auf höchstem Stand seit vier Jahren Das wachsende Interesse ausländischer Investoren an deutschen Firmen schlägt sich auch am Aktienmarkt nieder. So stieg der Leitindex Dax in diesem Jahr um 27 Prozent und erreichte am Mittwoch den höchsten Stand seit fast vier Jahren. Deutsche Aktien entwickelten sich damit besser als amerikanische und die meisten anderen europäischen Märkte. Als Motor des Anstiegs gelten ausländische Aktienfonds und Hedge-Fonds, also Risiko-Anleger.
Heuschrecken-Debatte hin oder her: Nie zuvor haben ausländische Finanzinvestoren in Deutschland so viele Unternehmen gekauft wie in diesem Jahr. Dabei investierten sie mindestens 30 Milliarden Euro. Bis die Risikofonds einen Dax-Konzern übernehmen, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit.
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Trotz Heuschrecken-Debatte - Rekordjahr für Firmenjäger in Deutschland
00/05/2010
Im Volkswagenkonzern hört künftig alles auf das Kommando des neuen Vorstandschefs. Für VW-Markenchef Bernhard bleibt kein Platz. Martin Winterkorn, der bisher Chef der Volkswagen-Tochter Audi war und den der Aufsichtsrat zum 1. Januar auf die Führungsposition in Wolfsburg setzte, wird nicht nur der neue Konzernchef sein. Gleichzeitig wird der 59-jährige Ingenieur auch die Führung der Marke Volkswagen übernehmen, des wichtigsten von sieben Fabrikaten des Konzerns. Detailansicht öffnen Zentraler Zuschnitt: Unter dem neuen Chef Martin Winterkorn wird die Markenstruktur von VW neu geordnet. (Foto: Foto: dpa) Winterkorn wird im VW-Konzern auch das Vorstandsressort Forschung und Entwicklung verantwortlich leiten und zudem noch die Entwicklung für die Fahrzeuge aller Marken im Konzern leiten, die zur Golf-Klasse gehören oder kleiner sind. Nach einer Sitzung des Aufsichtsrates teilte VW auch mit, dass der bisherige Markenchef von Volkswagen, Wolfgang Bernhard, das Unternehmen "im gegenseitigen Einvernehmen verlassen wird." Scania-Übernahme durch MAN abgelehnt Der 46-jährige Bernhard war nur knapp zwei Jahre bei Volkswagen. Der ehemalige Manager von DaimlerChrysler hatte die Aufgabe, die Kernmarke Volkswagen zu sanieren, war aber auf wachsende Widerstände im Aufsichtsrat und bei den Arbeitnehmern gestoßen. "Das Unternehmen dankt Dr. Bernhard für seine Arbeit in den zurückliegenden Jahren", verkündete Volkswagen nach der Aufsichtsratssitzung. Nach der Sitzung teilte der VW-Aufsichtsrat zudem mit, er lehne den Plan des Münchner MAN-Konzerns zur Übernahme des schwedischen Lkw-Herstellers Scania ab. Volkswagen ist sowohl an MAN wie an Scania beteiligt. MAN-Chef Hakan Samuelsson hatte im September vergangenen Jahres überraschend bekannt- gegeben, der Münchner Konzern wolle den schwedischen Wettbewerber übernehmen. Keine unterschiedlichen Markengruppen mehr Der Volkswagen-Konzern, der schon seit einigen Jahren 33 Prozent der Stimmrechte von Scania hält, hatte sich dem Übernahmeplan gegenüber offiziell stets zurückhaltend geäußert. Der VW-Aufsichtsrat hat den Vorstand jetzt beauftragt, für die Zusammenführung von Scania und MAN "eine freundliche Zusammenführung anzustreben". Das könnte das Ende des Plans von MAN-Chef Hakan Samuelsson sein. Der schwedische Scania-Großaktionär Investor hat wiederholt erklärt, er sei gegen die Übernahme durch die Deutschen. Der VW-Konzern wird unter Martin Winterkorn neu aufgeteilt. In Zukunft werden alle sieben Marken von Volkswagen (VW, Audi, Skoda, Seat, Bentley, Lamborghini und Nutzfahrzeuge) gleichberechtigt unter dem Konzernvorstand angesiedelt. Die bisherigen beiden Markengruppen, die von VW und Audi geführt wurden, werden aufgelöst. Der Konzernvorstand bekommt zwei neue Mitglieder. Das neue Ressort Produktion, das für die Fabriken des Konzerns zuständig ist, übernimmt am 1. Februar Jochem Heizmann, der diese Aufgabe bisher bei der VW-Tochter Audi in Ingolstadt innehat. Zudem wird im Konzern ein Vertriebsressort geschaffen. Wer diese Aufgabe übernehmen soll, ist noch offen. Darüber hinaus wird das Unternehmen quer durch die Marken in drei sogenannte Technologiegruppen aufgeteilt. Neben Winterkorn, der für die Entwicklung der kleineren Autos die Verantwortung trägt, soll der Audi-Chef Rupert Stadler die neuen Modelle kreieren, die oberhalb der Golf-Klasse liegen. Zudem ist diese Gruppe für die Entwicklung von Gelände- und Sportwagen zuständig. Die dritte Technologiegruppe ist für die Entwicklung von Nutzfahrzeugen zuständig. Auch im Vorstand des Konzernteils Volkswagen kommt es zu Veränderungen. Winterkorn übernimmt vom ausscheidenden Bernhard die Leitung der Marke. Ulrich Hackenberg wird das Entwicklungsressort übernehmen. Werner Neubauer übernimmt im Markenvorstand das Ressort für Komponentenfertigung. Stephan Grühsem wird im Range eines Generalbevollmächtigten der Volkswagen AG dem Vorstand zugeordnet und für die Konzernkommunikation sowie Investor Relations verantwortlich sein. Der Aktienkurs von Volkswagen reagierte auf die Nachrichten mit einem Plus von 0,29 Prozent. Die Titel vonScania fielen um 3,46 Prozent.
Im Volkswagenkonzern hört künftig alles auf das Kommando des neuen Vorstandschefs. Für VW-Markenchef Bernhard bleibt kein Platz.
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Wolfgang Bernhard verlässt VW - Alle Macht für Martin Winterkorn
00/05/2010
Angesichts besserer Unternehmenszahlen gönnt sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Wie in Finanzkreisen bestätigt wurde, stiegen seine ohnehin nicht knappen Bezüge von 2002 auf 2003 um knapp 60 Prozent. Josef Ackermann ist auf dem besten Weg, zum höchstbezahlten Manager Deutschlands aufzusteigen. Während die exzessiven Bezüge der Führungskräfte von Großkonzernen immer stärker in die Kritik geraten, meldete nun die Financial Times, dass der Vorstandssprecher der Deutschen Bank im vergangenen Jahr eine Vergütung von elf Millionen Euro bezogen hat - das waren gut 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Detailansicht öffnen Josef Ackermann vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Nicht etwa am Ende seines Verfahrens, sondern zu Beginn. (Foto: Foto: ddp) Damit hat Ackermann die Einkünfte von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp aus dem vergangenen Jahr getoppt, der 2002 mit 10,8 Millionen Euro der Spitzenverdiener unter den deutschen Unternehmenslenkern war. Die Deutsche Bank wollte sich zur Höhe der Einkünfte von Ackermann nicht äußern und verwies auf die Veröffentlichung des Geschäftsberichts am 25. März. Dazu gehört auch die Bekanntgabe der Vorstandsbezüge gemäß den vor drei Jahren verabschiedeten Verhaltensregeln, den so genannten Corporate-Governance-Grundsätzen. Der Wahrheit sehr nahe Finanzkreise bestätigten jedoch, dass die in der Financial Times unter Berufung auf einen Bericht an die amerikanische Börsenaufsicht SEC veröffentlichte Vergütung Ackermanns der Wahrheit sehr nahe komme. Die Einkünfte der Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank werden auf der Grundlage einer komplexen Formel berechnet, die im Corporate-Governance-Kodex steht. Danach setzt sich das Einkommen aus einem festen Gehalt und verschiedenen Sonderzahlungen zusammen. Die feste Vergütung wird auf der Grundlage der Gehälter festgelegt, die vergleichbare internationale Unternehmen an die Mitglieder ihrer Geschäftsleitungen zahlen. Eigenkapitalrendite Hiernach lag Ackermanns Festgehalt im Jahr 2002 bei einer Million Euro. Hinzu kommen Jahresboni und Aktienoptionen, deren Höhe von der für das entsprechende Geschäftsjahr geplanten Eigenkapitalrendite und der Aktienkurse der eigenen Bank und der vergleichbarer Institute abhängt. Diesen Berechnungen zufolge erhielt Ackermann 2002 eine Gesamtvergütung von 6,9 Millionen Euro - und lag damit deutlich unter den Bezügen der Vorstandschefs amerikanischer Investmentbanken oder denen von UBS-Chef Marcel Ospel. Dieser Abstand hat sich aufgrund des für gewöhnliche Arbeitnehmer traumhaften Einkommenssprungs von 60 Prozent etwas verringert. Von den Gehältern amerikanischer Bankmanager ist Ackermann immer noch ein gutes Stück entfernt. So haben sich die Bezüge des Vorstandssprechers der US-Bank J.P.Morgan, Bill Harrison, dem zuletzt nachgesagt wurde, er sei an einer Übernahme der Deutschen Bank interessiert, nahezu verdreifacht. Sie stiegen von 7,7 Millionen Dollar (rund sechs Millionen Euro) 2002 auf 20 Millionen Dollar im letzten Jahr. James Cayne, der Chef der US-Bank Bear Stearns, brachte es 2003 gar auf ein Gehalt von 27 Millionen Dollar. Regeln Unabhängig von der Frage, ob die nun bekannt gewordenen Bezüge von elf Millionen Euro gerechtfertigt sind, lässt sich deren gewaltige Steigerung durch die im Corporate-Governance-Kodex festgelegten Regeln erklären. Danach dürfte 2003 weniger das Fixgehalt Ackermanns von einer Million Euro überdurchschnittlich gestiegen sein, sondern vor allem die an die Entwicklung der Eigenkapitalrendite gebundenen Bonuszahlungen. Bei der Vorlage ihrer Bilanz Anfang Februar hatte die Deutsche Bank mitgeteilt, dass sich 2003 die Eigenkapitalrendite vor Steuern gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifacht hat, auf 13 Prozent gegenüber vier Prozent 2002. Auch der Aktienkurs des Instituts legte im vergangenen Jahr um gut 36 Prozent zu. Vor riesigem Sprung Hiervon dürften auch die drei anderen Vorstandsmitglieder der Bank sowie die Chefs der operativen Geschäftseinheiten, dem Executive Committee, profitiert haben. Sollte es der Bank gelingen, die für 2005 angestrebte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zu erwirtschaften, dürften die Bezüge Ackermanns und seiner Vorstandskollegen noch einmal einen riesigen Sprung nach oben machen. Dann kann sich der Banker endlich mit seinen amerikanischen Kollegen messen.
Angesichts besserer Unternehmenszahlen gönnt sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Wie in Finanzkreisen bestätigt wurde, stiegen seine ohnehin nicht knappen Bezüge von 2002 auf 2003 um knapp 60 Prozent.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/60-prozent-mehr-gehalt-leistung-muss-sich-wieder-lohnen-1.906333
60 Prozent mehr Gehalt - Leistung muss sich wieder lohnen
00/05/2010
Die Karstadt-Filiale am Münchner Stachus gehört zu den Ertragsstärksten. Jetzt wird das Gebäude vergrößert, um exklusivere Waren anbieten zu können. Das Geschäft läuft, die Mitarbeiter stehen unter Druck. Vier Kräne drehen sich über der riesigen Baugrube hinter dem Karstadt "Oberpollinger" am Stachus (Karlsplatz). Der Gestank von heißem Asphalt liegt in der Luft. Bauarbeiter schreien gegen den ohrenbetäubenden Lärm der Maschinen an. Detailansicht öffnen "Schon mal kräftig vorfreuen", empfehlen die Plakate an den Bauzäunen So sieht also eine Baustelle aus, auf der 10.000 Quadratmeter Kaufhausfläche entstehen. "Schon mal kräftig vorfreuen", empfehlen die Plakate an den Bauzäunen. Vorfreuen auf ein noch größeres Einkaufzentrum mitten in der Münchner Innenstadt. Schon heute bietet Karstadt im "Oberpollinger", dem Haus am Dom und dem Sporthaus direkt nebenan auf insgesamt 40.000 Quadratmetern alles an, was zum Leben nötig ist. Und mehr. Im Erdgeschoss stehen pubertierende Mädchen kichernd vor einer breiten Palette Parfüms, sie wissen nicht für welche Marke sie sich entscheiden sollen. Die Damenmode breitet sich über zwei Stockwerke aus. In der dritten Etage Herrenmode, im vierten Stock alles für Kinder. Fast überall Markenware, gehobene Preisklasse. "Hier bewegt sich etwas" Im März 2006, wenn der Anbau fertig ist, werde das Sortiment noch breiter sein und das Angebot noch internationaler, verspricht Geschäftsführer Detlef Wulfes. "Hier bewegt sich etwas", sagt er. "Größer, schöner, moderner" werde das so genannte "Lifestyle-Warenhaus" nach der Renovierung sein, verkündet die Karstadt-Homepage. Die Mitarbeiter sprechen derweil von Gehaltskürzungen, weniger Urlaubstagen und größerem Druck. Was im Zuge der Konzernsanierung genau auf sie zukommt, wissen sie noch nicht. Das Personal wird jedoch alles hinnehmen. An Protest oder Streik denke keiner, sagt Petra Schoens: "Wir sind froh, wenn wir unsere Arbeitsplätze behalten." Der Anbau sei ein Glück, meint sie: "Das wird gut bei den Kunden ankommen." Auch wenn die Mitarbeiter dann noch mehr zu tun hätten. Der Druck ist schon heute groß. "Alle Abteilungen haben zu wenig Personal", sagt Azubi Max Niedermeier. Seine Aufgabe ist es, Ledertaschen und Reisegepäckstücke an den Mann zu bringen. In seiner Abteilung werde sich das Angebot 2006 verdreifachen, sagt er. Auch Rubina Nasiri, Auszubildende mit Fachgebiet Herrenkonfektion, geht davon aus dass in ihrer Abteilung nach der Renovierung "noch mehr spezielle Marken" angeboten werden. Beide Lehrlinge sind zufrieden mit ihrer Lehrstelle: "Die Stimmung ist gut, es werden viele Schulungen angeboten." Mehr als 1.000 Kunden pro Stunde Gut geschult müssen die Verkäufer auch sein, um den Anforderungen des Alltags gewachsen zu sein. Ein älterer Herr hat eine Hose bei Karstadt gekauft und anschließend beim Schneider richten lassen. Jetzt möchte er die Rechnung von Karstadt bezahlt bekommen. Zwei Verkäuferinnen nehmen sich viel Zeit, um ihm zu erklären, warum das nicht geht. Eine Beraterin sucht im gesamten Stockwerk nach dem "grünen Pullover von Benetton", den ein Kunde in der Werbung gesehen haben will. Den Pullover gibt es nicht, aber die Verkäuferin bleibt freundlich. Am Eingang steht eine junge Mitarbeiterin und zählt die Kunden, die das Gebäude betreten. In den Hauptzeiten macht sie auf ihrem Zettel mehr als 1.000 Striche pro Stunde. Das Geschäft läuft. Am Karstadt Oberpollinger liegt es nicht, dass der Konzern in die tiefste Krise seiner Geschichte geraten ist. Vor dem Umbau sei sein Haus das Ertragsstärkste im gesamten Konzern gewesen, sagt Detlef Wulfes. Während den Bauarbeiten wird das Sortiment kleiner gefahren, der Umsatz ist deutlich gesunken. Doch Wulfes kann das verkraften: Über eine Auslagerung aus dem Karstadt-Konzern wird ohnehin nur bei den Filialen mit weniger als 8.000 Quadratmetern diskutiert. Am Ausgang stehen noch mehr Azubis - hier gibt es noch Ausbildungsplätze im Überfluss. Sie fragen die Kunden, wie zufrieden sie mit dem Geschäft, der Übersicht, der Beratung und den Preisen sind. Die meisten Einkäufer wollen schnell ins Freie, möglichst nicht mit vollen Einkaufstüten in der Hand in eine Diskussion verwickelt werden und antworten kurz angebunden, dass alles prima sei. Nur die Preise halten einige für zu hoch. Zumindest das wird sich auch nach dem Umbau mit Sicherheit nicht ändern.
Die Karstadt-Filiale am Münchner Stachus gehört zu den Ertragsstärksten. Jetzt wird das Gebäude vergrößert, um exklusivere Waren anbieten zu können. Das Geschäft läuft, die Mitarbeiter stehen unter Druck.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/karstadt-oberpollinger-groesser-schoener-moderner-und-teurer-1.899016
"Karstadt ""Oberpollinger"" - Größer, schöner, moderner - und teurer"
00/05/2010
Im Skandal um den U-Bahn-Tunnel in Barcelona droht weiteren Häusern der Einsturz. Verantwortlich will für den Pfusch aber keiner sein. Am Montag begann der nächste Einsatz in Barcelonas Notstandsgebiet. Spezialisten werden im Viertel Carmel in den kommenden Wochen drei weitere Gebäude abbauen, und sie wollen das so vorsichtig tun, dass am Ende wenigstens die einen Nachbarhäuser stehen bleiben können. Das sechsstöckige Bauwerk auf der anderen Seite musste Ende Januar sofort abgerissen werden, nachdem sich nebenan die Erde geöffnet hatte und eine Garagenhalle samt Wohnung eingestürzt war. Krater von 30 Metern Durchmesser Die neue Rettungsaktion hinter Sicherheitszäunen an der Straße Conca de Tremp und der Passage Calafell bezeichnet der leitende Architekt nun als "ersten Schritt, um die am meisten beschädigte Zone wieder zu gewinnen". Für die Mieter und Besitzer jedoch ist dies zunächst die Fortsetzung einer Tragödie. Ihren Höhepunkt hatte der Bauskandal am 27. Januar, als sich während der Arbeiten zur Verlängerung der Barceloneser Metro-Linie 5 ein Krater von 30 Metern Durchmesser und 35 Metern Tiefe auftat. Das Loch entstand über dem Tunnel und unter mehreren Häusern - es war reiner Zufall, dass niemand verletzt wurde. 1057 Anwohner mussten in Sicherheit gebracht werden, die meisten von ihnen wohnen bis heute in Hotels und konnten in den meisten Fällen nur die wichtigsten Wertsachen in Sicherheit bringen. Zwei Schulen, diverse Geschäfte und Lokale wurden geschlossen, die Bilder verzweifelter Menschen gingen durch die Medien der Nation. Seither spricht ganz Spanien von Carmel, das zuvor vielen unbekannt war. Es ist wie ein Erdbeben, und die Erschütterungen sind bis nach Madrid zu spüren. Carmel gerät allmählich zum Symbol für unternehmerische Sorglosigkeit und staatliches Versagen, wie auf andere Weise vor zweieinhalb Jahren der Name des Unglückstankers Prestige vor der galicischen Küste. Schwache Röhre Im katalanischen Parlament befasst sich inzwischen eine Untersuchungskommission mit der Affäre, sie löst termingerecht den nationalen Ausschuss über die Ursachen und Folgen der Madrider Terroranschläge vom 11. März 2004 ab. Unfassbare Details dringen dabei an die Öffentlichkeit. Spanien staunt über die Chronik einer zerstörerischen Pfuscherei. So wurde am Donnerstag vergangener Woche bekannt, dass der verwendete Beton über der Röhre nicht einmal halb so stabil gewesen sei wie gefordert. Immer wieder brechen in Spanien Häuser wegen billiger Substanz zusammen, gierige Bauherren sparten vor allem früher gerne am Wesentlichen. Allerdings galt das eher als Praxis der Vergangenheit und schien undenkbar zu sein an einer städtischen Baustelle in einer modernen Metropole wie Barcelona. Am Freitag hieß es dann, die Konstrukteure der U-Bahn hätten von den Klagen über den mangelhaften Zement bereits seit September 2004 gewusst. Dazu erfuhr man, Carmel tauche in den offiziellen Rechnungen gar nicht auf. Das Publikum ist sprachlos, die Parteien streiten. Wer trägt die Schuld an dem Desaster, mit dem Hunderte gefährdet und um ihr Zuhause gebracht worden sind? Die mit Linksrepublikanern und Vereinten Linken regierenden Sozialisten von Kataloniens Ministerpräsidenten Pasqual Maragall natürlich, finden die katalanischen Nationalisten und fordern Rücktritte. Aber zurück getreten ist niemand, spanische Politiker halten wenig von persönlicher Verantwortung. Die Sozialisten beschuldigen wiederum die Nationalisten, unter deren Ägide sei die Linie 5 schließlich geplant worden. Maragall warf ihnen außerdem vor, bei öffentlichen Projekten drei Prozent der Baukosten kassiert zu haben. Von solchen Beiträgen wird im Rahmen des spanischen Baubooms mit seinen irrwitzigen Immobilienpreisen zwar wiederholt berichtet, Maragall entschuldigte sich dennoch und entging einem Misstrauensvotum. Die Leidtragenden sind entsetzt von dem Theater auf ihre Kosten. "Sie lügen uns an und machen sich über unser Unglück lustig", schimpft Antonio Rodriguez im Internet-Forum der Zeitung La Vanguardia. Die Enttäuschung richtet sich vor allem gegen die Sozialisten, die in Carmel traditionell mehrheitlich gewählt werden, gegen Maragall, Bürgermeister Joan Clos und auch Spaniens Premier Jose Luis Rodriguez Zapatero. Mittlerweile gibt es eine Interessensvereinigung, die Kundgebungen organisiert und höhere Entschädigungen fordert. Zuzüglich zu den staatlichen 6000 Euro pro Familie plus 1000 Euro pro Person und 1000 Euro pro Monat außerhalb der Wohnung fordern die Wortführer 15.000 Euro für "die außerordentlichen körperlichen und psychischen Schäden". Das Geld, schreibt ein zorniger Demonstrant, verlange man für jedes betroffene Lebewesen, "einschließlich Katze, Hund und Kanarienvogel".
Im Skandal um den U-Bahn-Tunnel in Barcelona droht weiteren Häusern der Einsturz. Verantwortlich will für den Pfusch aber keiner sein.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/spanien-gierige-bauherren-zornige-bewohner-1.905229
Spanien - Gierige Bauherren, zornige Bewohner
00/05/2010
Als erste Fluggesellschaft sollte Singapore Airlines den A380 schon im Sommer 2006 in Dienst stellen. Doch nun ist der Termin in die zweite Hälfte des kommenden Jahres verlegt worden. Die Financial Times Deutschland zitierte einen Airbus-Sprecher am Montag mit den Worten: "Wir haben ein neues Abkommen getroffen, das jetzt eine Auslieferung in der zweiten Jahreshälfte 2006 vorsieht". Zuletzt habe Airbus die Überstellung an die asiatische Fluggesellschaft für den Sommer 2006, möglichst vor dem 30. Juni, in Aussicht gestellt, schreibt die Zeitung. Detailansicht öffnen Die Crew verlässt den A380 nach gelungenem Jungfernflug. (Foto: Foto: AP) Bei der ursprünglichen Bestellung durch Singapore Airlines Mitte 2001 sei sogar eine Auslieferung im ersten Quartal 2006 vereinbart gewesen, hieß es in dem Bericht weiter. Bei verzögerten Auslieferungen drohten Strafzahlungen. Dazu habe Airbus allerdings keine Angaben gemacht. Hinter Gesamtplanung Der Flugzeugbauer war mit dem gelungenen Erstflug des A380 in der vergangenen Woche um rund einen Monat hinter der Gesamtplanung. Gleichzeitig schwelt der Handelsstreit um Subventionen für die Flugzeugindustrie zwischen der EU und den USA weiter. Nach Ansicht des neuen US-Handelsbeauftragten Robert Portman wird der Streit zwischen der EU und den USA um Subventionen für Airbus und Boeing nicht automatisch durch seine Amtsübernahme beendet. Weitreichende Meinungsunterschiede Die weitreichenden Meinungsunterschiede würden nicht einfach verschwinden, sagte Portman in einem Interview mit dem Wall Street Journal Europe. Er hoffe aber, eine neue Perspektive in die Gespräche bringen zu können. Die EU und die USA hatten es nicht geschafft, die selbst gesetzte Frist zur Beendigung des Disputs am 11. April einzuhalten.
Als erste Fluggesellschaft sollte Singapore Airlines den A380 schon im Sommer 2006 in Dienst stellen. Doch nun ist der Termin in die zweite Hälfte des kommenden Jahres verlegt worden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/riesen-airbus-auslieferung-des-a380-verzoegert-sich-1.905210
Riesen-Airbus - Auslieferung des A380 verzögert sich
00/05/2010
Knapp vier Wochen vor dem Start der Gesundheitsreform zeigt sich, dass die Kassen ihre Beiträge offenbar nicht so stark senken wie von der rot-grünen Koalition erhofft. (SZ vom 2.12.03) — Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus Kassenkreisen werden viele Kassen ihre Sätze nur geringfügig reduzieren. So dürften von den 17 Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) vermutlich nur die Hälfte ihre Beiträge verringern. Besonders mehrere AOK in den neuen Ländern, wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt oder auch in Berlin, könnten die Sätze kaum senken, weil sie unter Finanznöten litten und schon heute massive Hilfen aus dem Westen erhielten, hieß es. Spielraum Dagegen hätten einige West-AOK, wie die AOK Westfalen-Lippe, durchaus Spielraum. Insider erwarten, dass die AOK im Schnitt ihre Sätze nur um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte reduzieren. In den nächsten Wochen legen die Verwaltungsräte der Kassen die Sätze für das neue Jahr fest. Ähnlich zögerlich gehen auch einzelne Ersatzkassen vor. So wird die Barmer Ersatzkasse vermutlich ihren Satz von derzeit 14,9 Prozent nur um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte senken. Die Entscheidung darüber fällt am 12. Dezember. Eine Sprecherin der Barmer wollte sich vorher nicht äußern. Die Techniker Krankenkasse (TK) hat bereits beschlossen, ihren Satz von 13,7 Prozent vorerst unverändert zu lassen. Kräftige Reduzierung Nach dem ersten Quartal 2004 will sie eine mögliche Senkung erneut prüfen. Dagegen verringert die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) ihren Satz zum Januar um 0,4 Prozentpunkte auf 14,4 Prozent. Auch die DAK plant eine kräftige Reduzierung, so soll der derzeitige Satz von 15,2 Prozent vermutlich um 0,5 Prozentpunkte auf 14,8 Prozent schrumpfen. Darüber befindet der Verwaltungsrat der DAK am 10. Dezember, vorher wollte sich das Unternehmens nicht äußern. Die Betriebskrankenkassen (BKK) planen ihre Sätze im Schnitt um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte zu reduzieren, wobei es zwischen den einzelnen BKK allerdings große Unterschiede geben soll. Einige BKK wollen ihren Beitrag im Januar sogar anheben. Ursprünglich sollten die Kassen im Zuge der Gesundheitsreform ihre Sätze kräftig drücken. Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) versprach, dass der durchschnittliche Beitragssatz 2004 von derzeit 14,4 auf 13,6 Prozent fallen wird. Inzwischen hat sich aber die Finanzlage der Kassen weiter verschärft. Weniger Beiträge So fließen etwa wegen der hohen Arbeitslosigkeit weniger Beiträge, aber auch die Hartz-Gesetze führen zu Einnahmeausfällen bei den Kassen. Außerdem steigen die Arzneikosten weiter. Viele Kassenmanager beurteilen die Einsparungen der Reform skeptisch. Für das laufende Jahr erwartet der Chef des AOK-Bundesverbandes, Hans Jürgen Ahrens, in der gesetzlichen Krankenversicherung ein Minus von drei Milliarden Euro.
Knapp vier Wochen vor dem Start der Gesundheitsreform zeigt sich, dass die Kassen ihre Beiträge offenbar nicht so stark senken wie von der rot-grünen Koalition erhofft.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gesundheitspolitik-krankenkassen-zoegern-mit-beitragssenkung-1.906324
Gesundheitspolitik - Krankenkassen zögern mit Beitragssenkung
00/05/2010
Während der neue Großaktionär Porsche dessen Chef Wendelin Wiedeking als Vorsitzenden installieren will, möchte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff nach SZ-Informationen Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer auf dem Posten sehen. Der Sportwagenhersteller Porsche wird nach einer Mitteilung vom Freitag Ende Oktober 18,53 Prozent der VW-Stammaktien besitzen. Er ist dann größter Einzelaktionär bei Volkswagen. Den Kauf der noch fehlenden 8,27 Prozent habe sich Porsche gesichert. Detailansicht öffnen Ferdinand Piëch (Foto: Foto: ddp) Porsche strebt bei VW einen Anteil von 21,98 Prozent an. So interpretieren Finanzkreise die Mitteilung des Unternehmens, man könne noch weitere 3,40 Prozent der VW-Aktien über die Märkte erwerben. Porsche teilte aber mit, die Beteiligung werde nicht die Schwelle von 25 Prozent erreichen, bei der das Unternehmen ein öffentliches Angebot zur Übernahme von Volkswagen abgeben müsse. Zum Preis der Anteile, die von institutionellen Anlegern gekauft wurden, machte das Stuttgarter Unternehmen keine Angaben. Porsche will drei Sitze haben Nach Abwicklung der angekündigten Transaktion hält Porsche einen höheren Kapitalanteil als das Land Niedersachsen mit seinen 18,2 Prozent und ist damit größter Einzelaktionär. Porsche strebe "eine entsprechende Vertretung im Aufsichtsrat des Wolfsburger Konzerns" an, hieß es mit Blick auf die Aufsichtsratsmandate des Bundeslandes. Für Niedersachsen gehören Ministerpräsident Christian Wulff und Wirtschaftsminister Walter Hirche dem Gremium an, das an diesem Montag in Wolfsburg tagen wird. Aus Automobilkreisen ist zu erfahren, dass der neue Großaktionär Porsche im VW-Aufsichtsrat drei Sitze beanspruchen will. Das soll auf der VW-Hauptversammlung am 21. April nächsten Jahres entschieden werden. Zudem wird Porsche den Aufsichtsratsvorsitz verlangen. Der Plan ist, dass der Porsche-Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking nach dem Ende der Amtszeit von Ferdinand Piëch im Jahr 2007 den Posten als Chefkontrolleur bei VW übernimmt. Wie die Süddeutsche Zeitung aus Unternehmenskreisen erfuhr, will Wulff dagegen den ehemaligen Siemens-Chef Heinrich von Pierer, der auch im Kontrollgremium von Volkswagen sitzt, zum Aufsichtsratschef machen. Porsche würde gerne die Aufsichtsratssitze von Pierer und von Klaus Liesen übernehmen. Pierer habe sich aber geweigert, seinen Posten zu verlassen. Gespanntes Verhältnis Das Verhältnis von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zum niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, der dem Präsidium des Aufsichtsrates angehört, gilt als besonders gespannt. Wulff will offenbar den VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch aus seinem Amt entfernen. Unternehmenskenner berichten, Wulff habe das Piëch auch persönlich gesagt. Wulff kritisiert am früheren VW-Chef Piëch, ihm fehle für den Posten des obersten Kontrolleurs die Unabhängigkeit. Piëch ist Miteigentümer von VW-Vertriebsfirmen in Österreich und Osteuropa. Zudem ist er Mitgesellschafter der Porsche AG. Die IG Metall hat sich allerdings hinter Piëch gestellt. "Für politisch motivierte Aktionen und Putschversuche stehen wir nicht zur Verfügung", sagte eine Sprecherin. Gegen den Willen der Arbeitnehmervertreter kann Piëch nicht abgesetzt werden. Der rechtliche Rahmen für eine Ablösung des Aufsichtsratschefs ist jedoch vorhanden: Für einen Aufsichtsrat zählt die Wahl seines Vorsitzenden zu den Dingen, die er selber regelt. Er habe das Recht, sich umzuorganisieren, sagt der Münchner BWL-Professor Manuel Theisen. "Das ist wie im Kegelclub." Mit einer Mehrheit kann das Gremium einen neuen Vorsitzenden wählen. Der Corporate Governance Kodex vertraut auf die Vernunft der Beteiligten: "Wesentliche und nicht nur vorübergehende Interessenkonflikte in der Person eines Aufsichtsratsmitgliedes sollen zur Beendigung des Mandats führen." Für den Fall, dass Piëch sich weigert, den Aufsichtsrat zu verlassen, gibt es keine klaren Regeln. Gerhard Cromme war zu einer Stellungnahme nicht bereit - er ist dreifach kompetent: als Vorsitzender der Regierungskommission für den Corporate Governance Kodex, als Aufsichtsratsvorsitzender der Thyssen-Krupp AG und als Mitglied des VW-Aufsichtsrates. Folgenlos bleiben Verstöße gegen den Kodex für die verantwortungsvolle Führung von Unternehmen nicht oft, heißt es in Finanzkreisen. Bei der nächsten Hauptversammlung sei mit unangenehmen Fragen zu rechnen. Die VW-Aktie notierte am Freitag mit 49,60 Euro ein Prozent im Minus. Das Bundeskartellamt hat laut Porsche grünes Licht für die Beteiligung gegeben.
Während der neue Großaktionär Porsche dessen Chef Wendelin Wiedeking als Vorsitzenden installieren will, möchte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff nach SZ-Informationen Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer auf dem Posten sehen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wolfsburg-machtkampf-bei-volkswagen-1.900114
Wolfsburg - Machtkampf bei Volkswagen
00/05/2010
Microsoft setze Kunden und Konkurrenten unter Druck, damit sie in Brüssel keine Aussage machten, sagte der Präsident des Branchenverbandes CCIA, Ed Black. Manager trauten sich nicht, gegen den Softwaregiganten auszusagen. Das sei "zu gefährlich". In der Computer and Communications Industry Association (CCIA) sind große IT-Unternehmen wie Oracle, Nokia und Sun Microsystems vertreten. Microsoft seinerseits hatte am Donnerstag betont, eine einvernehmliche Lösung mit der EU-Kommission finden zu wollen. Die EU-Wettbewerbshüter prüfen schon seit Februar 2000 Vorwürfe illegaler Geschäftspraktiken von Microsoft. Die Kommission wirft dem Softwareriesen vor, seine beherrschende Stellung bei Personalcomputern auf einfache Server für PC-Netze in Unternehmen zu übertragen. Unliebsame Konkurrenz Außerdem versuche Microsoft durch die Verknüpfung seines Media-Player-Programms mit dem auf 90 Prozent aller PCs weltweit installierten Windows-Betriebssystem, Konkurrenzprodukte wie RealPlayer und Apple QuickTime vom Markt zu drängen. Im Extremfall könnte Brüssel Strafen in Höhe von bis zu zehn Prozent des weltweiten Microsoft-Umsatzes verhängen, das wären rund drei Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro). Unlautere Mittel Wie der CCIA-Präsident behauptet, kämpft der vom US-Milliardär Bill Gates gegründete Konzern nun auch mit unlauteren Mitteln darum, die Brüsseler Kommissare von einer Entscheidung gegen Microsoft abzubringen. Manager verschiedener Unternehmen "haben mir gesagt, dass sie gerne gekommen wären, dass es für sie aber zu gefährlich sei", erläuterte Black. "Wenn Sie in Ihrem Unternehmen 5000 Computer haben, werden Sie früher oder später auf die Hilfe von Microsoft angewiesen sein." Black forderte die Kommission auf, sich nicht auf einen faulen Kompromiss einzulassen, sondern eine formale Strafe gegen den US-Konzern zu verhängen. Microsoft sucht Einigung Microsoft-Chefanwalt Brad Smith hatte am Donnerstag am Rande von Gesprächen mit EU-Vertretern in Brüssel betont, seine Firma wolle sich mit der Kommission einigen. "Wir werden viel Energie und Kreativität einbringen, um jede mögliche Lösung für die bestehenden Fragen und Probleme zu ergründen", sagte er, ohne jedoch konkrete Vorschläge zu nennen. Die hinter verschlossenen Türen stattfindenden Gespräche sollten am Freitagnachmittag abgeschlossen werden; eine einvernehmlich Lösung zeichnete sich bis Freitag Mittag nicht ab. Die Entscheidung der Brüsseler Wettbewerbshüter wird allerdings erst im Frühjahr 2004 erwartet. Ein ähnlicher Wettbewerbsstreit um Microsoft in den USA war vor einem Jahr mit einem Kompromiss beigelegt worden, den die Microsoft-Gegner als völlig unzureichend betrachten. Gates verkauft Anteile Wie unterdessen am Donnerstag (Ortszeit) in New York bekannt wurde, verkaufte Microsoft-Gründer Gates bereits am vergangenen Dienstag fast zwei Millionen Aktien seines Unternehmens für 52 Millionen Dollar. Ein Grund dafür ging aus den bei der New Yorker Börsenaufsicht (SEC) hinterlegten Dokumenten über den Verkauf nicht hervor. In Bill Gates' Besitz verbleiben demnach noch knapp 1,2 Milliarden Microsoft-Aktien. )
Microsoft setze Kunden und Konkurrenten unter Druck, damit sie in Brüssel keine Aussage machten, sagte der Präsident des Branchenverbandes CCIA, Ed Black. Manager trauten sich nicht, gegen den Softwaregiganten auszusagen. Das sei "zu gefährlich".
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-wettbewerbsverfahren-schwere-vorwuerfe-gegen-microsoft-1.906683
EU-Wettbewerbsverfahren - Schwere Vorwürfe gegen Microsoft
00/05/2010
Weil ein Kakaopulver keinen Hinweis auf gentechnisch veränderte Organismen trug, verklagt eine Chinesin den Nestlé-Konzern - und möchte ihm eine Lektion erteilen. Frau Zhu kaufte den Kakao für ihren Sohn, eine gelbe Packung mit fröhlichem Hasenbild. Kakao ist nahrhaft, dachte sie, Milch auch nicht ungesund. Ihr Sohn ist dreieinhalb Jahre alt, sie hat ihn Zhongyi genannt - "Chinas Nummer eins". Das Schokoladenpulver machte Zhu Yanling zu einer Kämpferin. Sie, die Businessfrau, die Marketingmanagerin bei China Merchants Fund. Es war ein Donnerstagabend im März, als Frau Zhu für die wöchentlichen Familieneinkäufe in den Supermarkt fuhr. Sie kaufte Reis, Brot, Wein und das Schokopulver Nesquik von Nestlé. Hohe Ansprüche Zhu vertraute den ausländischen Marken, denn im Westen sind die Ansprüche hoch und die Qualitätskontrollen strikt. Eine Woche später surfte Zhu nach der Arbeit im Internet und landete zufällig auf der Website einer Umweltorganisation. Dort fand sie eine schwarze Liste über genveränderte Lebensmittel im chinesischen Handel. An siebter Stelle der Aufzählung stand: Nestlé Nesquik. Auf der Packung mit dem lachenden Hasen hatte von alldem kein Wort gestanden. Frau Zhu fühlte sich getäuscht und entschied sich, den Weltkonzern zu verklagen: Zhu Yanling gegen Nestlé China. Streitwert: 6,8 Yuan für den Kakaotrunk und 6,8 Yuan Schadensersatz, umgerechnet 1,29 Euro. Seit März 2002 sind genetisch modifizierte Lebensmittel in China kennzeichnungspflichtig. Schwarze Liste Nach Angaben von Yang Changju, einem Umweltexperten der Pekinger Volksuniversität, besteht diese Kennzeichnungspflicht für Produkte aus 17 verschiedenen Kategorien. Unklar ist, ob auch Kakaopulver darunter fällt. Nesquik war auf die schwarze Liste gelangt, nachdem das deutsche Unternehmen GeneScan - anerkannter Weltmarktführer für molekularbiologische Untersuchungen - im Auftrag von Greenpeace Spuren genetisch manipulierter Zutaten in dem Kakao nachgewiesen hatte. Nestlé bestreitet das Ergebnis und verweist auf langjährige Kooperation mit vertrauenswürdigen Zulieferbetrieben, welche die Verwendung gentechnik-freier Zutaten garantiert hätten. Vier Labors hätten zudem nachgewiesen, dass Frau Zhus Kakao, der inzwischen versiegelt von der Polizei aufbewahrt wird, keine genetisch veränderten Substanzen enthalte. "Wir sind uns 100 Prozent sicher, nie genmodifizierten Nesquik in China verkauft zu haben", sagt Nestlé-Sprecher Marcel Rubin. "Vielleicht haben die Nestlé-Labors für ihre Untersuchungen schwächere Mikroskope benutzt", sagt Zhu. Sie ist keine Biologin. Last der Geschichte Ihr Anwalt Wu Dong verweist auf mehrere Studien, welche die Anklage stützten. GeneScan-Manager Chuk Ng betont, ein Fehler seines Tests sei durch mehreren Wiederholungen auszuschließen: "Die untersuchte Probe enthält mit absoluter Sicherheit modifizierte Zutaten." Das Zweite Mittlere Volksgericht der Stadt Schanghai wird die Wahrheit finden müssen. Doch aus dem Streit um die Tüte Kakaopulver ist inzwischen eine Stellvertreterschlacht geworden. 1839 erzwangen 16 englische Kriegsschiffe mit 4000 Soldaten die Öffnung Chinas und überfluteten das Reich mit Opium. 1868 gründeten die ausländischen Kolonialherren in Schanghai einen Park, in dem ein Schild am Eingang Chinesen und Hunden den Zutritt verbot. Die Geschichte hat ihre Spuren in der chinesischen Seele hinterlassen. Friedliches Europa Nie wieder will sich China vom Ausland ungerecht behandelt fühlen. Zhu hat im Schweizer Luzern Tourismusmanagement studiert. Sie mag Europa, wo es ruhig ist, friedlich und "alles so gut organisiert". Sie weiß, dass Nestlé in Europa versprochen hat, auf den Verkauf genetisch modifizierter Lebensmittel zu verzichten. Für China möchten die Schweizer dieses Versprechen nicht geben, denn grundsätzlich steht Nestlé der Gentechnologie positiv gegenüber. "Ich sehe nicht ein, warum Nestlé die Chinesen anders behandelt als die Europäer", sagt Zhu. Ein viertel Jahrhundert nach der wirtschaftlichen Öffnung der Volksrepublik sind die Konsumenten selbstbewusster geworden - und ihr Ärger hat bereits mehrere ausländische Konzerne in Unruhe versetzt. Schlechter Mercedes Im Dezember 2001 ließ ein Geschäftsmann namens Wang Sheng aus der Provinzmetropole Wuhan seinen Mercedes von sieben kräftigen Männern mit Brecheisen und Vorschlaghämmern zertrümmern - selbstverständlich im Beisein der amüsierten chinesischen Presse. Der Wagen sei immer wieder kaputt gegangen, der Kundenservice zu schlecht, Mercedes habe sich geweigert, das Auto zurückzunehmen, klagte Wang. Die Zeitungen schrieben, Mercedes verletze die Gefühle des chinesischen Volkes. Ein Jahr davor hatte sich der japanische Elektronikkonzern Toshiba geweigert, chinesischen Kunden einen Schadensersatz für ein eventuell fehlerhaftes Laufwerk zu zahlen. Dann berichteten chinesische Medien, amerikanische Käufer des gleichen Gerätes seien mit insgesamt 1,05 Milliarden Dollar entschädigt worden. Eine Wutwelle schwappte über den Computerhersteller. Aufgebrachte Kunden Händler weigerten sich, Produkte des japanischen Konzerns zu verkaufen. Toshiba-Vizepräsident Masaichi Koga reiste extra nach Peking, um aufgebrachte Kunden zu beruhigen. Doch auf einer Pressekonferenz wurde er von chinesischen Journalisten beschimpft und persönlich angegriffen. Die Schanghaier Kakao-Affäre könnte für Nestlé zu einem ähnlichen Desaster werden - unabhängig davon, ob sich der Konzern rechtmäßig verhalten hat oder nicht. Das zumindest will Zhu: "Ich will eine Lektion erteilen", sagt sie, "Nestlé hat das Recht gebrochen, mein Recht. Jemand muss aufstehen." Yang Ke, Direktorin des chinesischen Verbrauscherschutzverbandes, sieht darin eine grundlegende Wende. Größter Markt "Die chinesischen Konsumenten interessieren sich mehr und mehr für ihre Rechte, denn auch die chinesische Gesellschaft entwickelt sich weiter." China ist der größte Lebensmittelmarkt der Welt. Allein Nestlé betreibt dort etwa 20 Fabriken. Vielleicht setzt die Meinung der dortigen Verbraucher bald international Maßstäbe. Zhu ist eine zierliche junge Frau mit energischem Blick, 33 Jahre alt. Unter ihrem Arm trägt sie eine Notebooktasche, sie schaut oft auf die Uhr. "Ich hätte mir nie vorstellen können, einmal eine Aktivistin zu sein", sagt sie. Inzwischen spricht sie von sich im Plural, immer häufiger sagt sie: "Wir werden", "Wir denken". Zhu, die Anführerin einer kleinen Bewegung.
Weil ein Kakaopulver keinen Hinweis auf gentechnisch veränderte Organismen trug, verklagt eine Chinesin den Nestlé-Konzern - und möchte ihm eine Lektion erteilen.
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Kampf dem Nestlé-Konzern - Frau Zhu und ihre Bewegung
00/05/2010
Seit zwei Uhr morgens läuft der angekündigte 30-Stunden-Streik der Lokführer. Obwohl ein Verkehrschaos bisher ausgeblieben ist, zeigt sich die Lokführergewerkschaft zufrieden. Denn der Regional- und S-Bahn-Verkehr konnte mancherorts zum Teil empfindlich gestört werden. Der jüngste Streik der Lokführergewerkschaft GDL hat am Donnerstag zu starken Einschränkungen im Regional- und S-Bahnverkehr geführt. Detailansicht öffnen Eingeschränkter Verkehr: Pendler im Norden und Osten wie hier in Hamburg sind vom Bahnstreik am stärksten betroffen. (Foto: Foto: AP) Die stärksten Einschränkungen gab es nach Angaben der Bahn AG in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Bei den S-Bahnen der Großstadtregionen sei es jedoch gelungen, den Verkehr reduziert aufrechtzuerhalten. So seien in Hamburg zwar zwei S-Bahn-Linien völlig ausgefallen. Die anderen fuhren aber alle 20 Minuten. In Frankfurt verkehre die S-Bahn im Stundentakt. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen seien rund 50 Prozent der Regionalzüge gefahren, bei der S-Bahn Rhein-Ruhr gebe es einen 30-Minuten-Takt. Auch in Bayern wurde der Bahnverkehr teilweise lahmgelegt. Etwa jeder zweite Nahverkehrszug stehe im Freistaat derzeit still, teilte die Bahn mit. Bei der Münchner S-Bahn verkehrten am frühen Morgen die meisten Linien nur im Stundentakt. Lediglich die S-Bahn zum Flughafen schaffte einen 20-Minuten-Takt. Auf den Autobahnen und Einfahrtsstraßen rund um die Landeshauptstadt bildeten sich teils kilometerlange Staus. Deutliche Zunahme an Staus Weil viele Pendler und Bahnreisende auf das Auto umstiegen, rechnet der ADAC für den Tag in einigen Regionen mit etwa 20 Prozent mehr Verkehr. Der Verkehrslagedienst der Polizei meldete am Morgen bereits eine deutliche Zunahme an Staus, mehrere Unfalle ließen den Verkehr zusätzlich erlahmen. Ein regelrechtes Verkehrschaos gebe es jedoch nicht. Die Pendler hätten sich insgesamt gut auf die Lokführer-Streiks eingestellt. Viele Beschäftigte standen deutlich früher auf als gewöhnlich und fuhren schon in den frühen Morgenstunden in die Innenstädte. In Berlin, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gebe es "eine sehr hohe Streikbeteiligung", sagte Sven Grünwoldt von der zentralen Streikleitung der GDL am Donnerstagmorgen in Frankfurt am Main. In ganz Norddeutschland sei es zu erheblichen Ausfällen gekommen. Auch in Brandenburg fuhren demnach im Regionalverkehr nur wenige Züge. Die S-Bahnen in Leipzig und Dresden fielen aus, zwischen Halle und Leipzig fuhren die Züge im Stundentakt. Längster Streik bisher Der neuerliche Streik soll mit 30 Stunden der längste Ausstand in der laufenden Tarifrunde sein. Angestrebt wird ein Zugausfall von 80 Prozent. Der Streik soll bis Freitagmorgen um 8 Uhr andauern. Der Tarifkonflikt ist seit Wochen festgefahren. Während der Konzern nur sein jüngstes Angebot als Verhandlungsgrundlage akzeptieren will, beharrt die GDL auf einem eigenständigen Tarifvertrag und deutlichen Lohnsteigerungen. "Die Stimmung bei den Kollegen ist sehr gut", sagte Grünwoldt. Nach einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg gebe es "eine wesentlich höhere Streikbereitschaft". Darin sei es der Bahn untersagt worden, streikbereite Lokführer unter Androhung einer Abmahnung zu planmäßigen Einsätzen heranzuziehen. Grünwoldt sagte, der Ausstand habe im Unterschied zu früheren Streiks ohne Druck von Seiten des Arbeitgebers begonnen. "Wir bezweifeln, dass es der Bahn gelingen wird, in sämtlichen Regionen ihren Notfallplan umzusetzen." Mehr als 7000 streikfähige Lokführer Von den 20.000 Lokführern in Deutschland werden nach Angaben der GDL 12.100 im Nah- und Regionalverkehr eingesetzt. Von diesen seien 4400 Beamte, so dass es mehr als 7000 "streikfähige Lokführer" gebe, sagte Grünwoldt. Mehr als 80 Prozent seien bei der GDL organisiert. "Wir gehen davon aus, dass unsere Mitglieder sich alle an dem Streik beteiligen", sagte der Gewerkschafter. Für telefonische Informationen hat die Bahn rund um die Uhr eine kostenlose Service-Hotline unter der Nummer 08000 99 66 33 geschaltet. Kunden könnten sich im Internet unter www.bahn.de/aktuell über den Ersatzfahrplan informieren, Fahrgäste in München finden Informationen unter www.s-bahn-muenchen.de. Bahn appelliert an die GDL In einer halbseitigen Anzeige in großen überregionalen Tageszeitungen wandte sich die Bahn am Donnerstag an die streikenden Lokführer. Das bereits gemachte Angebot sei das "beste, was wir machen können". "Mehr kann unser Unternehmen nicht verkraften, wenn es weiterhin sichere Arbeitsplätze bieten soll und Kündigungen ausschließt", hieß es darin. Das Unternehmen appellierte an die GDL, das Angebot auch im Interesse der Kunden anzunehmen. Es orientiert sich nach wie vor an dem Abschluss, der im Sommer mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA erzielt wurde. Es sieht 4,5 Prozent mehr Einkommen und eine Einmalzahlung von 600 Euro vor.
Seit zwei Uhr morgens läuft der angekündigte 30-Stunden-Streik der Lokführer. Obwohl ein Verkehrschaos bisher ausgeblieben ist, zeigt sich die Lokführergewerkschaft zufrieden. Denn der Regional- und S-Bahn-Verkehr konnte mancherorts zum Teil empfindlich gestört werden.
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Streik der Lokführer - Gewerkschaft klopft sich auf die Schulter
00/05/2010
Unternehmen fordern geringere Arbeitskosten und drohen mit Entlassungen oder Standortverlagerungen. Deutschlands mächtigste Gewerkschaft will jetzt eine Antwort darauf finden. Erst war da Siemens mit der Ankündigung, die Handy-Werke Bocholt und Kamp-Lintfort nötigenfalls zu schließen. Dann kam der Personalkostenstreit bei Daimler in Sindelfingen. Dann Opel - und das sind nur die ganz großen Fälle, alle in diesem Jahr. Die Gewerkschafter sehen hier ein Muster, Hardliner wie der Vorsitzende Jürgen Peters gar eine Art Kampagne: Immer sollen die Arbeitskosten runter, sei es durch längere Arbeitszeiten oder andere Einschnitte. Immer steht die Drohung dahinter, Personal werde entlassen oder gar der Standort verlagert. Die Arbeitnehmer stolpern, so wirkt es, von einer Abweichung vom Tarifvertrag zur nächsten. Mehrere Alternativen Die IG Metall ist nun heftig dabei, eine neue tarifpolitische Strategie zu suchen. Drei mögliche Antworten auf die betrieblichen Herausforderungen kristallisieren sich in internen Debatten heraus. Erstens könnte der Flächentarif der Metall- und Elektroindustrie durch viel kleinere Branchentarife ersetzt werden. Zweitens sind differenzierte Abschlüsse denkbar, mit einer Stufe für die Fläche und einer zweiten betrieblichen Stufe. Drittens geht es um ein systematisiertes Vorgehen bei betrieblichen Abweichungen von der Fläche. Kleinere Branchentarife werden etwa in Teilen der bayerischen IG Metall favorisiert. Wenn für alle Metaller von Porsche bis zum kriselnden Textilmaschinenhersteller derselbe Tarif abgeschlossen wird, sind Abweichungsverhandlungen programmiert, so die Überlegung. Hingegen seien zum Beispiel alle der vielleicht zehn Betriebe für Haushaltsgeräte, die so genannte weiße Ware, in einer ähnlichen Wettbewerbssituation und also für einen gemeinsamen Tarif prädestiniert, meinen die Befürworter. Nur haben viele Gewerkschafter die Erfahrung gemacht, dass die betreffenden Unternehmen dies strikt ablehnen. Sie fürchten die Transparenz in ihrer dann sehr kleinen Branche. Vor allem deshalb geben einige wichtige Tarifpolitiker der IG Metall den kleinen Branchentarifen wenig Chancen. Differenzierten Abschlüssen hat Peters am Dienstagabend eine klare Absage erteilt. "Dafür gab es keine Mehrheit und wird es auch keine geben", sagte er in München. Zweistufige Verträge Fast geringschätzig fügte er an: "Diskussionen werde ich nicht verbieten, wozu auch?" Vor wenigen Tagen hatte der zweite Vorsitzende Berthold Huber, lange Zeit als Bezirkschef Baden-Württembergs Peters schärfster Konkurrent, die zweistufigen Abschlüsse erneut thematisiert. Damit überraschte er in der IG Metall viele; offenbar lässt Huber in diesen Wochen ein neues Konzeptpapier erarbeiten. Auf dem letzten Gewerkschaftstag hatte er den Vorschlag noch zurückziehen müssen, weil er sonst in einer Kampfentscheidung für immer und ewig vom Tisch gestimmt worden wäre. Im kommenden Oktober erst ist die große tarifpolitische Konferenz der IG Metall, in der es dann ums Ganze gehen wird.
Unternehmen fordern geringere Arbeitskosten und drohen mit Entlassungen oder Standortverlagerungen. Deutschlands mächtigste Gewerkschaft will jetzt eine Antwort darauf finden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rumoren-im-apparat-die-ig-metall-sucht-eine-neue-strategie-1.905508
Rumoren im Apparat - Die IG Metall sucht eine neue Strategie
00/05/2010
Nach den derzeitigen Tarifverträgen fallen für die Beschäftigten des Einzelhandels vermehrt Abendzuschläge an, wenn die Ladenöffnungszeiten wie geplant bald freigegeben werden. Doch die Arbeitgeber sträuben sich. Wegen der geplanten Freigabe des Ladenschlusses in Deutschland müssen die Beschäftigten des Einzelhandels um ihre Zuschläge für die Arbeit am Abend fürchten. Detailansicht öffnen Bald länger im Einsatz: Verkäuferin im Lebensmittel-Einzelhandel. (Foto: Foto: ddp) Das derzeitige System mit Extra-Geld ab 18.30 Uhr stamme aus dem vergangenen Jahrhundert und sei nicht mehr zeitgemäß, sagte der Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr, am Dienstag. Die Gewerkschaft Verdi wehrt sich gegen den Vorstoß. "Wir werden uns in den Tarifverhandlungen für den Erhalt der Zuschläge stark machen", sagte Verdi-Sprecherin Cornelia Haß. "System aus dem vorigen Jahrhundert" "Unser Ziel sind kundenfreundliche Öffnungszeiten, und die sind mit dem derzeitigen Zuschlagsystem aus dem vorigen Jahrhundert nicht möglich", sagte Pellengahr. Die Extrazahlungen von im Schnitt 20 Prozent ab 18.30 Uhr und 50 Prozent nach 20.00 Uhr seien weder zeitgemäß noch bezahlbar. Pellengahr warnte die Gewerkschaften, es gehe nicht um Besitzstandswahrung, denn den Zuschlag von 50 Prozent hätten in der Realität bisher nur wenige Beschäftigte bekommen, da kaum ein Geschäft nach 20.00 Uhr habe öffnen dürfen. Wenn die Betriebe nun aber vermehrt draufzahlen müssten, weil sie länger öffneten, würden viele dem Flächentarif den Rücken kehren. "Wichtiger Teil des Einkommens" Die Zuschläge seien ein wichtiger Teil des Einkommens, konterte Verdi-Sprecherin Haß. Eine Verkäuferin in Vollzeit verdiene im Schnitt 2000 Euro brutto, die meisten arbeiteten jedoch in Teilzeit.
Nach den derzeitigen Tarifverträgen fallen für die Beschäftigten des Einzelhandels vermehrt Abendzuschläge an, wenn die Ladenöffnungszeiten wie geplant bald freigegeben werden. Doch die Arbeitgeber sträuben sich.
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Freigabe der Ladenöffnungszeiten - Verkäufer müssen um Abendzuschläge fürchten
00/05/2010
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September leicht verschlechtert. Die schwache Binnennachfrage bleibt die Achillesferse der Konjunktur. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September wegen eines erneuten Rückgangs der Erwartungen etwas eingetrübt. Das Minus des ifo-Geschäftsklimaindex von 95,3 auf 95,2 Punkte fiel jedoch etwas geringer aus als von Experten erwartet. Der Rückgang im September ist der vierte in fünf Monaten. "Es ist mit einer Fortsetzung der moderaten konjunkturellen Erholung zu rechnen", sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. "Lage und Erwartung haben sich auf einem insgesamt leicht optimistischen Niveau angenähert." Die Entwicklung des Geschäftsklimaindikators sei in Ostdeutschland etwas ungünstiger als im Westen ausgefallen. Experten stuften den erneuten Rückgang des ifo-Index als Beleg für eine langsamere konjunkturelle Gangart ein. "Die höchsten Quartalswachstumsraten liegen bereits hinter uns", sagte Volkswirt Deka-Bank-Volkswirt Andreas Scheuerle. Für 2004 sei ein Wachstum von 1,9 Prozent und für 2005 von 1,2 Prozent zu erwarten. Die "in Ketten liegende Binnennachfrage" und die an Schwung verlierende Weltwirtschaft trübten die Stimmung. Auch die HVB bleibt wegen der weiterhin "mausetoten" Nachfrage im Inland für die Konjunkturaussichten pessimistisch. Unternehmen planen Verlangsamung des Beschäftigungsabbaus Die aktuelle Geschäftslage wurde nach ifo-Angaben im Gegensatz zu den Erwartungen etwas günstiger eingeschätzt. Nur im verarbeitenden Gewerbe sei es zu einer geringfügig schwächeren Lagebeurteilung gekommen. "Im Bauhauptgewerbe, im Großhandel und im Einzelhandel hat sich die Beurteilung der Lage dagegen verbessert", sagte Sinn, "nach dem Exportboom der letzten Monaten erwarten die Unternehmen eine leichte Abschwächung der Aufschwungkräfte im Geschäft mit dem Ausland." Die Unternehmen planten eine Verlangsamung des Beschäftigungsabbaus. Der Auftragsbestand habe sich verbessert. Die Erwartungskomponente sank von revidierten (zuvor 96,0) 95,9 Punkten auf 95,7 Punkte (Prognose: 95,7). Die HVB rechnet damit, dass sich die Erwartungen noch bis zum Frühjahr verschlechtern. Die Beurteilung der aktuellen Lage stieg von 94,7 Punkten auf 94,8 Zähler. Experten hatten hier einen Anstieg auf 95,0 Zähler erwartet. An den Aktien- und Devisenmarkt wirkte sich der ifo-Index kaum aus. Am Rentenmarkt sorgte der erneute Rückgang des deutschen Frühindikators dagegen für Kursgewinne. Der richtungsweisende Bund-Future drehte nach Bekanntgabe des ifo-Index leicht in die Gewinnzone. Ifo-Rückgang ist de facto Abwärtssignal Für die Fondsgesellschaft Invesco ist der deutliche Rückgang des ifo-Index seit Januar de facto ein Abwärtssignal für die deutsche Konjunktur. Allerdings sei kein abrupter Abbruch des Wachstums zu erwarten. Dieses dürfte sich in den kommenden Quartalen allmählich abschwächen, schreibt Invesco-Chefvolkswirt Jörg Krämer in einer Analyse. Die Commerzbank geht hingegen davon aus, dass sich die Lage der Unternehmen in den nächsten Monaten weiter verbessern wird, da die Konjunktur weltweit in Schwung bleiben dürfte. "Damit sollten sich sukzessive auch die Erwartungen wieder aufhellen. Da diese Entwicklung wohl nur sehr langsam vorankommt, wird auch die Konjunktur kurzfristig kaum an Schwung gewinnen", heißt es in einer Analyse der Commerzbank, "aber nur ein weiteres deutliches Anziehen des Ölpreises könnte an den per saldo positiven Aussichten für die deutsche Wirtschaft etwas Grundlegendes ändern." Der ifo-Index ist einer der wichtigsten Frühindikatoren der deutschen Wirtschaft. Das Institut ermittelt den Geschäftsklimaindex einmal monatlich aus einer Umfrage unter 7.000 Unternehmen.
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September leicht verschlechtert. Die schwache Binnennachfrage bleibt die Achillesferse der Konjunktur.
wirtschaft
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"Geschäftsklimaindex - ""Ifo-Rückgang ist de facto ein Abwärtssignal"""
00/05/2010
Ursprünglich wollte der Autokonzern 5000 Arbeitsplätze abbauen. Die Streichungen werden für den Konzern teuer: Wegen eines Beschäftigungspakts darf die Konzernspitze keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen. Mercedes rechnet dafür mit Kosten von 950 Millionen Euro. Wie DaimlerChrysler am Mittwochabend mitteilte, sollen die Mitarbeiter innerhalb der nächsten zwölf Monate durch freiwillige Vereinbarungen aus dem Unternehmen ausscheiden. Diese "Personalanpassung" sei notwendig, damit "die Produktion am Standort Deutschland nachhaltig abgesichert werden kann", verteidigte die Konzernleitung den massiven Stellenabbau. Detailansicht öffnen Rote Ampel vor dem Mercedes-Werk in Sindelfingen. (Foto: Foto: dpa) Für den heutigen Donnerstag wurde in Sindelfingen eine Betriebsversammlung anberaumt, wo Mercedes-Chef Dieter Zetsche und Gesamtbetriebsratsvorsitzender Erich Klemm die Belegschaft über Einzelheiten des Personalabbaus informieren wollen. Nach dem Beschäftigungssicherungspakt vom Juli 2004 verzichtet der Autokonzern auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2011. Dafür spart die Belegschaft mit flexiblen Arbeitszeiten, Pausenkürzungen und weiterem finanziellem Entgegenkommen 500 Millionen Euro pro Jahr ein. Ausscheiden mit Abfindung An dieser Vereinbarung halte DaimlerChrysler "ohne Abstriche" fest, teilte der Konzern am Mittwochabend weiter mit. Daher ist der Stellenabbau im wesentlichen nur durch freiwilliges Ausscheiden von Mitarbeitern möglich. Diesen Kostenaufwand in Höhe von fast einer Milliarde Euro will DaimlerChrysler durch außerordentliche Erträge - etwa durch den Verkauf der Tochter MTU Friedrichshafen - sowie durch Ergebnisverbesserungen im operativen Geschäft kompensieren. Der größere Anteil der Belastungen soll noch im vierten Quartal 2005 in der Bilanz verbucht werden. In diesem Jahr hat der Autokonzern bereits 1,1 Milliarden Euro an Restrukturierungskosten für die angeschlagene Kleinwagenmarke Smart veranschlagt. Ohne Berücksichtigung der Kosten für Smart geht DaimlerChrysler für das Geschäftsjahr 2005 weiterhin von einem "leichten Anstieg" des operativen Gewinns aus, der 2004 bei 5,8 Milliarden Euro gelegen hatte. Wie Betriebsrat Erich Klemm mitteilte, werde neben dem freiwilligen Ausscheiden auch an Angebote zur Frühpensionierung sowie an Teilzeit- und Sabbatical-Lösungen gedacht. Außerdem soll interessierten Beschäftigten ermöglicht werden, im Rahmen eines so genannten "Placements" auf eine neue Stelle außerhalb des Unternehmens vermittelt zu werden; Existenzgründungen sollen ebenfalls unterstützt werden. In einer Reihe mit Opel und VW Mit dem Stellenabbau zur Kostensenkung steht Mercedes in einer Reihe mit Opel und VW. Auch bei diesen Autoherstellern sind in diesem Jahr schon Tausende von Stellen gestrichen worden, oder die Mitarbeiter hatten sich zur Sicherung ihrer Jobs auf weitreichende Lohnzugeständnisse eingelassen. Mercedes beschäftigt in Deutschland 94 000 Mitarbeiter, davon allein 62 800 an den Hauptstandorten Sindelfingen und Untertürkheim, wo die größten Personalüberhänge bestehen. Klemm kritisierte allerdings, dass diese auf Annahmen künftiger Rationalisierungsfortschritte beruhten. "Es ist also beabsichtigt, zuerst Personal abzubauen und dann erst im Nachgang die Maßnahmen zu suchen, die diesen Abbau rechtfertigen", so Klemm. Wegen der schleppenden Autonachfrage und Qualitätsmängeln, die zu einer Reihe von Rückrufaktionen führten, war der Mercedes-Absatz seit Ende 2004 eingebrochen. Im vergangenen Jahr waren 1,2 Millionen Autos der Marke Mercedes verkauft worden, im ersten Halbjahr 2005 fanden nur noch 520 000 Mercedes-Autos einen Käufer. Schon der Vorgänger des heutigen Mercedes-Chefs, Eckhard Cordes, hatte Anfang des Jahres ein Sparprogramm aufgelegt, durch das die Kosten bis 2007 um drei bis vier Milliarden Euro gesenkt werden sollten. Noch auf der Frankfurter Automobilausstellung Mitte September hatte Zetsche bekräftigt, das Sparprogramm fortsetzen zu wollen. Um einen Personalabbau zu vermeiden, müsste Mercedes den Autoabsatz erheblich steigern. Dass bei Mercedes mehr als 5000 Stellen gefährdet sein könnten, behauptet eine Analyse der Unternehmensberatung McKinsey vom Juni 2004. Darin kamen die von DaimlerChrysler beauftragten Berater zu dem Ergebnis, dass die Mercedes-Car-Group (Mercedes, Maybach, Smart) über eine "Produktivitätsreserve" von ungefähr zehn Prozent verfüge. Dies entspräche ungefähr den 8500 Stellen, die wegfallen sollen. Die Berichte über solche Dimensionen des Personalabbaus beflügelten die Börse. Am Mittwoch stieg der Kurs der DaimlerChrysler-Aktie bis Handelsschluss um 3,92 Prozent auf 45,65 Euro. "Es ist zwar zynisch, aber das treibt die Aktie an", sagte ein Händler.
Ursprünglich wollte der Autokonzern 5000 Arbeitsplätze abbauen. Die Streichungen werden für den Konzern teuer: Wegen eines Beschäftigungspakts darf die Konzernspitze keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen. Mercedes rechnet dafür mit Kosten von 950 Millionen Euro.
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Stellenabbau bei DaimlerChrysler höher als erwartet - Mercedes baut 8500 Stellen ab
00/05/2010
Die Branche der Maschinen- und Anlagenbauer könnte 2007 ein weiteres Rekordjahr erleben - die Gewinne steigen leicht, die Auslastung ist gut. Sorgen bereiten Kapazitätsgrenzen und der starke Euro. Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau steuert auf das vierte Rekordjahr in Folge zu. Noch zögert der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), seine Schätzung vom Dezember zu korrigieren. Detailansicht öffnen Die Lage ist so gut wie schon seit Ende der neunziger Jahre nicht mehr - im Bild eine Baumaschine von Ahlmann. (Foto: Foto: ddp) "Unsere Prognose für 2007 von vier Prozent ist nicht in Stein gemeißelt. Es kann auch mehr werden", kündigte VDMA-Präsidente Dieter Brucklacher am Montag bei der Hannover Messe an. "Wir werden uns in den nächsten Wochen Gedanken machen müssen", sagte Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Verbandes zum möglichen Ausmaß der Anhebung. Für 2006 war der VDMA eigentlich von einem Produktionsplus von drei Prozent ausgegangen, am Ende lag das Wachstum preisbereinigt bei 7,8 Prozent. "Ich glaube nicht, dass es in diese Richtung gehen wird", sagte Wiechers. Der begrenzende Faktor sei nicht die Nachfrage auf den Weltmärkten, sondern seien die Kapazitäten der Betriebe. Im Schnitt sind sie für die kommenden fünfeinhalb Monate ausgelastet, "einige bereits über das ganze Jahr hinaus", sagte Wiechers. Auslastung über fünfeinhalb Monate Sorgen bereiten Brucklacher die Engpässe in der Beschäftigung und die Wechselkursentwicklung. Viel weiter dürfe sich der Kurs des Dollar im Vergleich zum Euro nicht nach unten bewegen. "Ein Umrechnungskurs von 1,35 Dollar für einen Euro tut uns weh", sagt Brucklacher. Noch seien die deutschen Unternehmen aufgrund besserer Auslastung und höherer Erträge in der Lage, den erstarkten Euro auszugleichen. "Wenn da 1,40 Dollar stehen, haben wir nicht nur ein Ertragsproblem, sondern dann sinken auch die Absatzzahlen", erwartet Brucklacher. Ertragslage um die vier Prozent Über die Ertragslage der deutschen Maschinenbauer sind sich Präsident und Chefvolkswirt nicht einig. Brucklacher veranschlagt die Nettoumsatzrendite auf knapp unter, Wiechers sieht sie leicht über vier Prozent. Sie ist damit so hoch wie seit Ende der neunziger Jahre nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Ertragslage nach Einschätzung Brucklachers etwas gebessert. Von einer "Gewinnexplosion" könne aber nicht die Rede sein, weil der Maschinenbau höhere Rohstoffpreise zu verkraften hatte und die Personalkosten gestiegen seien. Ein Fünftel der Firmen arbeitet VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse zufolge "an der Nulllinie". Acht Prozent der deutschen Maschinenbauer machen Verlust. Deutschland weltweit Nummer zwei Im vergangenen Jahr hat Deutschland - auch wechselkursbedingt - mit einem Produktionsvolumen von 180 MilliardenEuro Japan als weltweit zweitgrößten Hersteller von Maschinen abgelöst. Spitzenreiter sind nach wie vor die USA mit 270 Milliarden Euro (siehe Graphik). Der in früheren Jahren beobachtete "starke Trend" zur Verlagerung der Produktion ins Ausland sei etwas gebrochen, sagte Brucklacher. Die Stimmung bessere sich und das Vertrauen in den Standort Deutschland wachse. Moderate Tarifabschlüsse Brucklacher warnte davor, die gute Stimmung durch hohe Tarifabschlüsse zu gefährden. "Wir sind dafür, dass die Arbeitnehmer am Erfolg beteiligt werden, aber nur bei den erfolgreichen Unternehmen." Der tabellenwirksame Abschluss müsse aber moderat ausfallen. Die deutschen Maschinenbauer werden auch in diesem Jahr neue Stellen schaffen. Chefvolkswirt Wiechers schloss allerdings nicht aus, dass die Unternehmen erst einmal den Tarifabschluss in den derzeit laufenden Verhandlungen der Metall- und Elektroindustrie abwarten. Qualifizierte Arbeitskräfte fehlen nach wie vor, beklagte Brucklacher, obwohl die Zahl der Ausbildungsverträge stark gestiegen sei. Die Ausbildungsquote der Branche liegt bei 7,6 Prozent.
Die Branche der Maschinen- und Anlagenbauer könnte 2007 ein weiteres Rekordjahr erleben - die Gewinne steigen leicht, die Auslastung ist gut. Sorgen bereiten Kapazitätsgrenzen und der starke Euro.
wirtschaft
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"Maschinenbau in Deutschland - ""Vertrauen in den Standort wächst"""
00/05/2010
Er ist ein leiser, freundlicher Herr, Anfang 60, leicht gebräunt und mit sorgfältig frisiertem grauen Haarschopf. Er hat ein Haus an der Bergstraße und eine Büroadresse in den USA. Die meiste Zeit des Jahres verbringt er buchstäblich in der Luft, wenn er rund um den Globus unterwegs ist auf dem Weg von einer Firmenniederlassung zur nächsten. Seit 24 Jahren leitet Jürgen Gromer Firmen, seit April 1999 ist er President der Tyco Electronics Corporation, dem Weltmarktführer im Bereich passiver elektronischer Bauelemente. Das klingt kompliziert, heißt aber konkret, dass Tyco mit seinen Steckern, Sensoren und anderen Modulen so ziemlich überall da ist, wo Strom durchfließt: ob in Auto, Kühlschrank oder Handy. Das Unternehmen macht jährlich Geschäfte im Wert von umgerechnet knapp zehn Milliarden Euro und beschäftigt 95.000 Menschen in 54 Ländern dieser Welt. Wer der Globalisierung ein Gesicht geben will, ist bei Jürgen Gromer richtig. Das globale Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Berwyn im US-Bundesstaat Pennsylvania hat und Aktionären aus aller Welt gehört, zählt in Deutschland zur Metall- und Elektroindustrie, dem Lastpferd der hiesigen Wirtschaft. Jeder siebte Arbeitsplatz hängt hier mindestens indirekt an der Automobilindustrie, die von den weltbekannten Autobauern ebenso geprägt ist wie von zahllosen Zulieferfirmen. Als die Globalisierung noch nicht so hieß Viele dieser Spezialproduktfirmen haben Namen, die kaum einer kennt, und sind doch mit ihren Schrauben, ihrem Antriebsteil oder ihrer Elektronik international die Nummer eins oder zwei. Als "Hidden Champion" werden sie gerne tituliert, als Weltmeister im Verborgenen, und es gibt einige tausend von ihnen. Der Erfolg der deutschen Wirtschaft nach der Stunde Null des Kriegsendes 1945, das bald anhebende Wirtschaftswunder, das in seinem Kern bis heute trägt, haben vor allem diese Firmen geschultert, ihre Mitarbeiter und Chefs; häufig handelt es sich um Familienunternehmen. Früh belieferten sie die Weltmärkte und profitierten bereits von der Globalisierung, als diese noch nicht so hieß - stattdessen war nüchtern vom "Export-Erfolg" die Rede. In der Tat sind die Deutschen bis heute Ausfuhrweltmeister (allerdings nur bei Waren, während sie bei den immer wichtigeren grenzüberschreitenden Dienstleistungen weit hinter den USA und Großbritannien liegen). Wenn die Weltwirtschaft so gut läuft wie zurzeit, dann profitieren diese Firmen. Sie haben volle Auftragsbücher, nehmen Milliarden Euro ein und akzeptieren sogar (wie soeben in Baden-Württemberg) einen Tarifabschluss von in der Summe fast sechs Prozent über zwei Jahre. So viel zur schönen Seite der Globalisierung, die viel zu oft vergessen oder als selbstverständlich abgehakt wird. Der Vorsprung schmilzt Die Kritiker der Weltwirtschaft kaprizieren sich lieber auf die negativen Begleiterscheinungen, auf die Folgen eines beinharten internationalen Wettbewerbs. Dieser hatte beruhigend lange auf sich warten lassen, und tobt seit den neunziger Jahren umso heftiger. Weltweiter Austausch kann auf Dauer keine Einbahnstraße sein, und mit den modernen Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten ist er das auch nicht mehr. In der "flachen Welt", wie der amerikanische Publizist Thomas Friedman sagt, holen zunehmend andere Länder auf. In Asien und Osteuropa wird für einen Bruchteil der Kosten produziert, und entsprechend preisgünstig kommen diese Waren auf die Weltmärkte. China ist die Werkbank der Welt geworden, und andere Staaten wie Vietnam, das die USA noch vor 35 Jahren in die Steinzeit zurückbomben wollte, stehen am Start. Viele Branchen sind bereits aus Deutschland verschwunden, andere werden folgen - eine Entwicklung, die man mit großem Einsatz und individuellem Verzicht der Belegschaften aufhalten, aber selten ganz verhindern kann. Den Deutschen bleibt nichts anderes übrig, als auf Hochleistung zu setzen. Noch haben sie Vorteile wegen ihrer traditionell hohen Qualifikation - aber auch hier schmilzt der Vorsprung. Deutschland hat noch immer viele Stärken Was in den Schwellenländern mit einfachen Arbeiten begonnen hat, klettert die Leiter der menschlichen Leistungsfähigkeit immer weiter hinauf. In der aufstrebenden Millionenmetropole Schanghai werden jedes Jahr Tausende Ingenieure ausgebildet, die keinen Deut schlechter sind als die vielgerühmten aus Deutschland. Dies ist das Gesicht der Globalisierung, das den Deutschen Angst macht - aber nicht Angst machen muss. Denn Deutschland hat noch immer viele Stärken. Es hat eine leistungsfähige Forschungslandschaft, trotz aller Pisa-Rügen ein immer noch vergleichsweise erfolgreiches Schulsystem, eine ausgeklügelte Infrastruktur und eine gewachsene Wirtschaftskraft. Keiner dieser Parameter allerdings schützt Deutschland für die Ewigkeit. Nicht nur, dass überall nachgebessert, in Bildung investiert, neue Flughäfen gebaut, Spitzenforschung provoziert werden muss - es gilt vor allem auch die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung zu nutzen. Nicht alle Arbeitsplätze können in Deutschland gehalten werden, wohl aber können billige Jobs in Fernost andere, hochwertigere Arbeitsplätze in Deutschland sichern oder schaffen. Der Elektronikkonzern Tyco produziert weltweit, und meist für einen Bruchteil der hiesigen Lohnkosten. Aber Gromer verdoppelt derzeit auch seine Belegschaft im Werk Bensheim auf 1300 Mitarbeiter. Audi hat ein Werk in Ungarn und sichert damit Arbeitsplätze in Ingolstadt. Adidas produziert nicht mehr in Deutschland, denkt und lenkt aber weiter in Herzogenaurach. Dort arbeiten immerhin noch 2500 Menschen, mit wieder wachsender Tendenz. Niemand kann die Globalisierung aufhalten, aber man kann von ihr profitieren - auch in Zukunft.
Traditionelle Jobs verschwinden, neue entstehen: Die Globalisierung verwandelt die deutsche Wirtschaft und noch hat das Land viele Stärken.
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Deutschland und die Globalisierung - Die versteckten Weltmeister
00/05/2010
Mit dem Beitritt Russlands entsteht aus der WTO ein globales Gremium aller großen Staaten der Welt. Für Russlands Handelspartner könnte es in Zukunft einfacher werden. Das russische Wirtschaftsministerium bestätigte am Freitag, dass nach 13 Jahren wesentliche Hindernisse für den Beitritt ausgeräumt seien. Die Regierung in Moskau habe mit der lange skeptischen US-Regierung ein Abkommen erzielt, das die Aufnahme Russlands vorsehe, hatte zuvor bereits der Chef der russischen Industriellenvereinigung, Alexander Schochin, erklärt. Detailansicht öffnen Auch Russlands Häfen sollen vom Beitritt des Landes zur WTO profitieren. (Foto: Foto: dpa) Der russische Vize-Wirtschaftsminister Andrej Scharonow berichtete ebenso von einem Durchbruch wie EU-Diplomaten. Wenn die US-Regierung zustimmt, ist der Weg für Russland frei. Von einem Beitritt wird ein konjunktureller Impuls für viele Staaten erwartet. Die Regierung in Moskau muss ihre Zölle für ausländische Industriegüter auf durchschnittlich etwa acht Prozent senken, wodurch auch europäische Staaten mehr nach Russland exportieren können. Sicherheit für den Westen Gleichzeitig muss der Westen auf längere Zeit nicht damit rechnen, von billigen russischen Industrieprodukten überschwemmt zu werden. Zwei Drittel der heutigen russischen Exporte bestehen aus Öl und Gas. Für das Land selbst erwartet die Weltbank durch einen Beitritt mittelfristig jährliche wirtschaftliche Vorteile von 19 Milliarden Dollar. 99 Prozent aller russischen Haushalte profitierten von einer Mitgliedschaft, schätzt die Weltbank. Der Beitritt Russlands als 151. Mitglied würde die erste wahrhaft globale Wirtschaftsorganisation entstehen lassen, weil nun alle große Nationen in der WTO versammelt wären. China war im Jahr 2001 Mitglied geworden. Damit könnte die Organisation zu einem Forum werden, in dem alle Arten von Globalisierungsfragen besprochen werden.
Mit dem Beitritt Russlands entsteht aus der WTO ein globales Gremium aller großen Staaten der Welt. Für Russlands Handelspartner könnte es in Zukunft einfacher werden.
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Nach jahrelangem Ringen - Russland tritt der WTO bei
00/05/2010
Armut und Reichtum gehören in Deutschland zu den Tabus. Wer die Verteilung des Wohlstands diskutieren will, dem wird schnell vorgeworfen, Neid schüren oder den Erben von Einfamilienhäusern an den Kragen zu wollen. (SZ vom 20.09.03) — Aber die Frage, wie viel Ungleichheit ein demokratisches Land verträgt und ob diese der Wirtschaft nützt, ist legitim und lässt sich nicht umgehen. Der Bundesregierung gebührt das Verdienst, vor zwei Jahren erstmals einen nationalen Armuts- und Reichtumsbericht vorgelegt zu haben. Seitdem wissen wir etwas mehr über die Kluft zwischen mehr und weniger Wohlhabenden. Demnach ist das Vermögen nicht nur ungleich verteilt, die Schere hat sich auch von 1993 bis 1998 leicht, aber stetig geöffnet. Schere klafft auseinander Ordnet man die Bevölkerung nach ihrem Nettovermögen (Bruttovermögen minus Schulden), verfügt das obere Fünftel über 62,6 Prozent des gesamten Reichtums der Haushalte. Das unterste Fünftel besitzt, außer Gebrauchsgegenständen wie Auto, Möbeln oder Kleidern, überhaupt kein Vermögen. In Wirklichkeit dürften die Unterschiede noch größer sein. Gerade die Reichen und Superreichen werden von den Statistikern bei Umfragen nur unzureichend erfasst. Um so aufschlussreicher sind die Daten, die das Investmenthaus Merrill Lynch zusammen mit einem Beratungsunternehmen im German Wealth Report vorgelegt hat: Etwa ein Viertel des gesamten deutschen Privatvermögens ist auf 365.000 Personen oder 0,5 Prozent der Bevölkerung konzentriert. Keine Obergrenze Nun besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass der Staat keine Obergrenze für ein bestimmtes Einkommen oder Vermögen festlegen kann. Weder gibt es dafür ein klar definiertes Kriterium, noch passt dies in die Marktwirtschaft. Also tatenlos zusehen und alles dem Markt überlassen? Jeder Bürger sollte zumindest die Chance haben, Vermögen zu bilden. Sonst verliert das Wirtschaftssystem seine Legitimation. Tatsächlich häufen nicht nur glückliche Erben und erfolgreiche Unternehmer Millionen und Milliarden an. Sparweltmeister Deutschland Ein Großteil der Vermögenszuwächse ist darauf zurückzuführen, dass die Deutschen fleißig gespart haben und der Wert ihrer Eigenheime, Lebensversicherungen und Aktien kräftig gestiegen ist. Sparen kann allerdings nur, wer von seinem Einkommen etwas abknapsen kann. Und genau hier liegt das Problem. Der Abstand zwischen niedrigen und großen Einkommen wird immer größer, weil sich die Verteilung der Steuer- und Abgabenlast radikal verschoben hat. Die Belastung der Gewinn- und Kapitaleinkommen hat seit Anfang der sechziger Jahre stetig abgenommen, die Belastung der Lohneinkommen durch direkte Steuern ist dagegen bis Ende der neunziger Jahre drastisch gestiegen. Eine Analyse der letzten Vermögensteuerstatistiken zeigt, dass hohe Einkommen - trotz des Progressionseffekts - mit direkten Steuern eher mäßig belastet sind. Reichtumsforscher sprechen deshalb von einer "weitgehenden Aushöhlung der Steuerbemessungsgrundlagen". Legale Schlupflöcher Auf deutsch: Die Vermögenden nutzen geschickt alle legalen Schlupflöcher im Steuerrecht. Inzwischen profitieren die Arbeitnehmerhaushalte zwar von der Steuerreform, dieser positive Effekt wird durch die steigenden Sozialabgaben aber wieder aufgehoben. Zum Sparen fehlt in vielen Haushalten das Geld. Der griechische Philosoph Platon wollte das Verhältnis zwischen Einkommen und Vermögen der Reichen und der Armen auf vier zu eins beschränken. Darüber mag man heute lächeln. Die Sorge, die Platon umtrieb, ist jedoch nach wie vor berechtigt. Platon fürchtete bei extremer Armut und extremem Reichtum die Spaltung der Gesellschaft. Und das droht auch in Deutschland, wenn nicht gegengesteuert wird. Reformen dringend nötig Nötig ist eine radikale Steuerreform, die die vielen Ausnahmetatbestände im Steuerrecht abschafft und im Gegenzug die Einkommensteuer reduziert. Die Finanzierung des Sozialstaats muss auf eine breitere Grundlage gestellt und vom Faktor Arbeit entkoppelt werden. Dann lässt sich vielleicht auch wieder etwas sachlicher über eine neue Vermögensteuer oder eine höhere Erbschaftsteuer diskutieren, die bei den großen Vermögenstransfers stärker zugreift, ohne dabei Betriebsübergaben zu gefährden. Diese Steuern bewegten und bewegen sich in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern auf einem so niedrigen Niveau, dass ein sonst genügsam gewordener Staat hier durchaus ein paar Wohlhabende stärker zur Kasse bitten kann.
Armut und Reichtum gehören in Deutschland zu den Tabus. Wer die Verteilung des Wohlstands diskutieren will, dem wird schnell vorgeworfen, Neid schüren oder den Erben von Einfamilienhäusern an den Kragen zu wollen.
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SZ-Serie zur Gerechtigkeit, Folge 13 - Die große Umverteilung
00/05/2010
Aluminium glänzt nicht nur wie Silber, auch sein Preis strebt derzeit in die Region der Edelmetalle. Bis zu 1800 Dollar kostet die Tonne Leichtmetall an der Londoner Metallbörse. Weltweit steigt der Bedarf, aber in Deutschland grassiert das Hüttensterben. Binnen vier Jahren hat sich der Aluminiumbedarf in China vervierfacht. Detailansicht öffnen Eine große Rolle mit Aluminiumband. (Foto: Foto: dpa) 2004 erreichte der Pro-Kopf-Verbrauch des Milliardenvolkes vier Kilogramm. Sollte sich die Aufholjagd zu den Industriestaaten ungebremst fortsetzen, droht dem internationalen Aluminiummarkt ein Kollaps, befürchten Experten. Hierzulande werden pro Kopf der Bevölkerung bereits mehr als 20 Kilogramm verbraucht. Die internationalen Aluminiumhütten arbeiten seit Jahren an den Kapazitätsgrenzen. Dennoch gelingt es, den Ausstoß Jahr für Jahr um etwa fünf Prozent zu erhöhen. 2005 wird mit einer Weltproduktion um 30 Millionen Tonnen gerechnet. Vorkommen im Äquatorialgürtel Aluminium ist ein junges Metall. Seine industrielle Herstellung wurde erst mit Erfindung der Elektrolyse zur Mitte des 19. Jahrhunderts möglich. Der Rohstoff ist Bauxit, dessen Vorkommen sich im Äquatorialgürtel konzentrieren. Europa verfügt nur über etwas mehr als ein Prozent der auf 23 Milliarden Tonnen geschätzten Reserven, vornehmlich in Griechenland und Frankreich. Ein Drittel der Weltreserven liegt in Guinea, gefolgt von Jamaika, Australien und Brasilien. Vorprodukt für die Metallproduktion ist staubförmiges Aluminiumoxid, auch Tonerde genannt. Um daraus glänzendes Metall zu machen, werden große Mengen Strom und Anoden aus Kohlenstoff benötigt. Hoher Energiebedarf Bis zu 50 Prozent kann der Energiekostenanteil an der Aluminiumherstellung betragen. Daher besteht eine enge Korrelation zwischen den Aluminiumnotierungen und der Entwicklung der Energiepreise. Die hohen Energiepreise in Europa sind eine Ursache dafür, dass die führenden Hüttenkonzerne Alcan, Alcoa und Norsk Hydro ihre Standorte dort abbauen. Investitionen in neue Produktionsanlagen fließen etwa in die Golf-Staaten. Allein in Deutschland stehen derzeit drei von fünf Aluminiumhütten zur Disposition.
Aluminium glänzt nicht nur wie Silber, auch sein Preis strebt derzeit in die Region der Edelmetalle. Bis zu 1800 Dollar kostet die Tonne Leichtmetall an der Londoner Metallbörse.
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SZ-Serie: Rohstoffe (IV) - Aluminium vom Persischen Golf
00/05/2010
Nach dem eher traurigen Schicksal der Riester-Rente will der Staat seine Bürger schon wieder für eine neue Vorsorge-Form begeistern. Man darf gespannt sein, welche Bezeichnung sich durchsetzen wird. "Rürup-Rente" nennen viele Beobachter jene zusätzliche Form der privaten Alters-vorsorge, die in dieser Woche vom Bundestag endgültig beschlossen wurde. Detailansicht öffnen Die Angehörigen bekommen bei der Rürup-Rente keinen Euro. Foto: ddp Namensgeber ist hier der Wirtschafts-professor und Regierungsberater Bert Rürup, der die Idee zu der Neuerung hatte. Die Versicherer favorisieren hingegen den Begriff "Basisrente". Assoziationen mit der Riester-Rente vermeiden Ein Sprecher des Branchenverbandes GDV sagt, man halte es "generell für schlecht, wenn solche Benennungen von Personen abhängig gemacht werden". Zur Begründung zieht er die Parallele zur Riester-Rente, die vor zwei Jahren vom damaligen Sozialminister Walter Riester eingeführt wurde — der Namensgeber ist nicht mehr im Amt. Doch auch aus anderen Gründen haben die Konzerne ein Interesse daran, Assoziationen mit der Riester-Rente möglichst gering zu halten. Denn bei dieser Spielart der staatlich geförderten privaten Alters-vorsorge sind die Kundenzahlen weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Rürup-Rente, die Anfang kommenden Jahres startet, könnte durchaus ein ähnliches Schicksal erleiden. Keine Vererbbarkeit Ein Grund dafür sind die erheblichen Restriktionen. Die Policen à la Rürup sollen zwar von Privatunternehmen angeboten werden, doch sind die rechtlichen Vorgaben weitgehend die gleichen wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung. So werden die Leistungen nur in monatlichen Raten überwiesen und nicht auf einen Schlag. Das aufgelaufene Guthaben ist nicht beleihbar, veräußerbar oder vorzeitig auszahlbar; dabei könnte so etwas durchaus nützlich sein, wenn der Kunde in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Die Vererbbarkeit ist sogar noch stärker eingeschränkt als beim gesetzlichen Pendant: Während dort zumindest ein Bruchteil der Leistungen an den Ehepartner oder eventuelle Waisen weiterbezahlt wird, bekommen die Angehörigen bei der Rürup-Rente keinen Euro. Die Bundesregierung und Rürup selbst betonen, nur diese strengen Regeln garantierten, dass möglichst viel Geld den tatsächlich Rentenberechtigten zukomme. Und dies sei volkswirtschaftlich nötig, um die immer spärlicher fließende gesetzliche Rente zuverlässig aufzustocken. Dieses Argument bezeichnen manche Experten als zwar theoretisch zutreffend, aber praxisfern. "Kaum jemand wird so eine Police kaufen, wenn bei seinem Tod das Geld komplett weg ist", meint beispielsweise Manfred Poweleit, Herausgeber des Finanz-Informationsdienstes map-report.
Nach dem eher traurigen Schicksal der Riester-Rente will der Staat seine Bürger schon wieder für eine neue Vorsorge-Form begeistern.
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Nach dem Riester-Reinfall - Vielleicht bald der nächste Flop
00/05/2010
Der Bau der neuen Konzernzentrale Campeon spielte beim Sturz des früheren Infineon-Chefs Ulrich Schumacher offenbar eine entscheidende Rolle. Nach SZ-Informationen aus dem Aufsichtsrat soll es zu Unregelmäßigkeiten bei dem mehrere hundert Millionen Euro teuren Prestigeprojekt gekommen sein. Bei einem Treffen zwischen Aufsichtsrat und Vorstand im März 2004 habe der Infineon-Vorstand nach Angaben des Aufsichtsrats schwere Vorwürfe gegen Ex-Chef Schumacher wegen des Baus des künftigen Infineon-Hauptquartiers in Neubiberg bei München erhoben. Detailansicht öffnen Ex-Infineon-Chef Schumacher soll seine Entscheidungsbefugnis für Vetternwirtschaft missbraucht haben. (Foto: Foto: AP) "Die immens hohen Kosten für das Projekt waren für die Trennung von Herrn Schumacher mit ausschlaggebend", heißt es. Interne Prüfer hätten die Abrechnungen der beauftragten Architekten und der Betreibergesellschaft Moto unter die Lupe genommen und herausgefunden, dass der "Abrechnungsspielraum der Architekten mit Duldung Schumachers sehr großzügig genutzt wurde." Überteuerter Neubau Das ganze Projekt hätte viel billiger werden können. "Die Honorare haben sich am absoluten Limit bewegt", heißt es. In der Campeon genannten Firmenzentrale wollte Schumacher die verschiedenen Münchner Infineon-Standorte zusammenlegen. Veranschlagt war für das Projekt mit 150.000 Quadratmetern oberirdischer Geschossfläche ein Planungsvolumen von einer Milliarde Mark, das sind gut 500 Millionen Euro. Bereits die Vorlaufkosten des Projekts summierten sich auf einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag, heißt es. Das habe klar über dem üblichen Maß gelegen. Nachdem das Projekt anfangs schon 2003 fertiggestellt werden sollte, ist der Bezug nun für Anfang 2006 geplant. Begünstigtes Architekturbüro Im Zentrum der Vorwürfe steht das Architekturbüro TEC PMC. Betreiber des Büros sind Sebastian und Moritz Knorr, Söhne des Schumacher-Förderers und Vertrauten Jürgen Knorr, dem ehemaligen Chef der Siemens-Halbleitersparte, aus der 1999 Infineon hervorging. Den Zuschlag erhielt TEC PMC unter, wie es heißt, "dubiosen" Umständen. Denn eigentlich hatte das Architekturbüro Meier-Scupin & Petzet Ende 2000 bereits einen Direktauftrag für das Projekt bekommen und mit einem 140-köpfigen Team seine Arbeiten vorangetrieben. Der Entwurf wurde vom Vorstand abgesegnet. In einer Pressemitteilung erklärte der Konzern am 12. Dezember 2000: "Mit der Planung und Realisierung dieses Vorhabens wurden international renommierte Architekten unter der Federführung des Architekturbüros Meier-Scupin & Petzet beauftragt.
Der Bau der neuen Konzernzentrale Campeon spielte beim Sturz des früheren Infineon-Chefs Ulrich Schumacher offenbar eine entscheidende Rolle. Nach SZ-Informationen aus dem Aufsichtsrat soll es zu Unregelmäßigkeiten bei dem mehrere hundert Millionen Euro teuren Prestigeprojekt gekommen sein.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/infineon-affaere-vorwuerfe-um-campeon-belasten-schumacher-1.900772
Infineon-Affäre - Vorwürfe um Campeon belasten Schumacher
00/05/2010
Die drastischen Kostensenkungen der vergangenen Jahre zahlen sich aus. Die Löhne steigen und die Arbeitsproduktivität verbessert sich, die Hoffnung auf höhere Investitionen und bald auch steigende Beschäftigtenzahlen ist nicht mehr unbegründet. Das Beste, was die Regierung jetzt tun kann, ist Kurs halten. Wenn die Stimmung trübe ist, werden gute Nachrichten gerne übersehen. So könnte es auch den neuen Wirtschaftszahlen des Statistischen Bundesamtes zum zweiten Quartal 2004 ergehen. Ja, die Statistik hat unschöne Aspekte: Das Staatsdefizit wird erneut die Maastricht-Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts kräftig überschreiten. Die Inlandsnachfrage bleibt schwach, die Konsumausgaben der privaten Haushalte sind zurückgegangen - kein Wunder angesichts der grassierenden Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, vor der Praxisgebühr und HartzIV. Auch die Investitionen der Unternehmen bleiben hinter den Erwartungen zurück. Trotzdem ist die deutsche Wirtschaft im Jahresvergleich um zwei Prozent gewachsen - dank eines exorbitanten Anstiegs der Exporte um rund 13 Prozent gegenüber 2003. Die Zahlen zeigen: Die Hoffnung auf einen echten Aufschwung in Deutschland ist inzwischen gut begründet. Eine Wachstumsrate von zwei Prozent ist auch im internationalen Vergleich durchaus beachtlich. Der Exportanstieg zeigt, dass die deutschen Unternehmen trotz des teuren Euros international wettbewerbsfähiger geworden sind. Höhere Löhne, mehr Produktivität Das ist der Lohn der drastischen Kostensenkungen der vergangenen Jahre. Außerdem sind die Löhne, aller unsinnigen Arbeitskämpfe zum Trotz, vergleichsweise langsam gestiegen. Die Arbeitsproduktivität hat sich ebenfalls verbessert, unter anderem, weil der Krankenstand in den Betrieben gesunken ist. Bleibt es bei diesen Zahlen, dann dürften die Fabriken in der zweiten Jahreshälfte deutlich besser ausgelastet sein. Dies hätte höhere Investitionen zur Folge und bald auch steigende Beschäftigtenzahlen. Aber was ist mit der Inlandsnachfrage? In der Tat bleibt die Stimmung der Verbraucher gedrückt. Die Einkommen der Arbeitnehmer sind geschrumpft, und von dem Wenigen haben sie noch mehr gespart. Hartz hilft langfristig Muss man also Hartz IV zurücknehmen, um die Kaufkraft der kleinen Leute zu schonen, so wie es die Montagsdemonstranten in Leipzig, Magdeburg und anderswo fordern? Das Argument klingt bestechend, führt aber exakt in die falsche Richtung. Die Sozialreformen der Agenda 2010 zielen nicht auf kurzfristige Konjunktureffekte. Sie sollen tiefe Strukturprobleme des deutschen Wohlfahrtsstaates lindern und langfristig mehr Wachstum und Beschäftigung ermöglichen. Wenn die deutsche Wirtschaft jetzt vom Wachstum der Weltwirtschaft profitiert, dann erleichtert dies die Reformen, ganz einfach weil die Opfer der Betroffenen kleiner werden; der Aufschwung macht die Reformen aber nicht überflüssig. Das Beste, was die Regierung jetzt tun kann, ist Kurs halten, in Sachen Hartz IV und bei den Reformen überhaupt. Wenn sich zeigt, dass die Dinge in Deutschland wirklich besser werden, wenn die Regierung ihre Ziele vermitteln kann, dann fassen Unternehmer und Verbraucher Vertrauen in die Zukunft.
Die drastischen Kostensenkungen der vergangenen Jahre zahlen sich aus. Die Löhne steigen und die Arbeitsproduktivität verbessert sich, die Hoffnung auf höhere Investitionen und bald auch steigende Beschäftigtenzahlen ist nicht mehr unbegründet. Das Beste, was die Regierung jetzt tun kann, ist Kurs halten.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-lohn-der-angst-1.901297
Kommentar - Lohn der Angst
00/05/2010
Michael Maier, früherer Chefredakteur des Stern, versucht sich an einer Mitmach-Zeitung im Netz. Die Redaktion wird klein sein, doch darin hat sich Maier bereits bei der meist eher dünn besetzten Netzeitung geübt. Zeit nehmen will sich der Journalist Michael Maier mit seinem jüngsten Projekt. Das wundert, bewegt er sich mit seiner Readers Edition doch in einem Geschäftsfeld, in dem die Konkurrenz die Erwartungen ins Unermessliche schraubt. Maier erforscht derweil in Harvard, womit er im Web 2.0 künftig Geld verdienen will: ,,Alles was man hier sieht, bestärkt einen: Bürgerjournalismus ist ein Zukunftsmodell'', sagt Maier. Im Juni wird er nach Berlin zurückkommen und sich dem Neustart der Readers Edition widmen, einer von Internetnutzern bestrittenen Nachrichtenseite, einer Zeitung 2.0 sozusagen. Die ist offenbar, seit sie Meier zum Jahresanfang übernommen hat, auf Standby geschaltet. Es tut sich wenig: Die Aufmacher-Artikel sind oftmals vom Vortag oder älter. "20 Millionen Redakteure gesucht!" Bis vor kurzem war in der Readers Edition auch noch der Aufruf zu lesen, mit dem das Projekt vor knapp einem Jahr an den Start ging: ,,20 Millionen Redakteure gesucht! Werden Sie selbst Journalist. Veröffentlichen Sie eigene Geschichten, Berichte und Fotos. Schreiben Sie! Sie werden gelesen.'' Jeder kann groß rauskommen - das ist das Versprechen des Mitmach-Internet. Oder war es zumindest. Maier glaubt mittlerweile eher an ein Hybridmodell, an die Kooperation von Lesern und Journalisten, nicht mehr an die große Spielwiese, auf der sich jeder nach Laune austoben kann. Ursprünglich war die Readers Edition als eine Leserausgabe der Netzeitung gedacht, einer ausschließlich im Internet erscheinenden Zeitung, die Maier sieben Jahre lang als Chefredakteur verantwortete. Zum Jahreswechsel verließ er die Netzeitung, die Readers Edition nahm er mit. Kostenlose Frischzellenkultur für den Online-Journalismus Maier sagt heute über die Bürgerjournalisten: ,,Die wollen mit Leuten zusammenarbeiten, die was vom Handwerk verstehen.'' Die Leser brächten ihre Themen und Geschichten, Journalisten gewährleisteten die Qualität. Maier vergleicht das mit der Open-Source-Bewegung im Software-Bereich. Texte also, an deren Weiterentwicklung alle mitwirken könnten. Eine kostenlose Frischzellenkur für den Online-Journalismus? Ausbeutung nennen das andere. Kurz nach der Übernahme der Readers Edition durch Maier mehrten sich in Blogs ehemaliger Mitstreiter die Vorwürfe. Der Web 2.0-Nutzer liefere die Ware, andere wollten damit Geschäfte machen. Ehemalige Moderatoren, die ehrenamtlich die Readers Edition pflegten, sprachen, nachdem sie wegen angeblich mangelhafter Mitarbeit ihres Amtes enthoben wurden, von Ignoranz und Überheblichkeit. Aufwandsentschädigung denkbar Leser-Geschichten, die mit umfangreicherer Recherche verbunden sind, könnten honoriert werden, verspricht Maier für den Relaunch nach seiner Rückkehr aus den USA. Auch eine Aufwandsentschädigung für die Moderatoren sei denkbar. Zudem wolle er Journalisten einstellen, ,,keine Heerscharen, aber schon ein paar''. Mit wenigen Leuten möglichst viel zu stemmen - darin hat sich Maier bereits bei der meist eher dünn besetzten Netzeitung geübt.
Michael Maier, früherer Chefredakteur des Stern, versucht sich an einer Mitmach-Zeitung im Netz. Die Redaktion wird klein sein, doch darin hat sich Maier bereits bei der meist eher dünn besetzten Netzeitung geübt.
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Neue Mitmachzeitung im Netz - Mit wenig Leuten möglichst viel stemmen
00/05/2010
Neuwagen-Bonus, Hausbesitzer-Nachlässe, Wenigfahrer- und Garagen-Rabatte - die Anbieter von Kfz-Versicherungen haben in Deutschland ein Durcheinander geschaffen, durch das kaum ein Kunde mehr durchblickt. Dennoch lohnt sich der schwierige Vergleich: "Beim Wechsel lässt sich rund die Hälfte des Beitrags sparen, manchmal mehr", sagt Frank Braun, Geschäftsführer des Bundes der Versicherten (BdV). Noch bis zum 30. November können viele Autohalter ihre Kfz-Versicherungen kündigen und sich auf die Suche nach einem günstigeren Anbieter machen. "Die Angebote an Kfz-Versicherungen sind irrsinnig unübersichtlich", sagt Frank Helmert, Sprecher des Internetdienstleisters FinanzScout24. Zum Vergleich der Tarife lohnt sich oft ein Klick ins Internet. Bei FinanzScout24 etwa laufen die Daten von rund 50 Anbietern ein. Beträchtliche Unterschiede Gibt ein Autofahrer dort seine für die Versicherung maßgeblichen Daten ein, filtert ihm der Rechner die fünf günstigsten Tarife heraus. Schon hier können die Unterschiede beträchtlich sein, weiß Helmert. So fahre ein Golf-IV-Besitzer bei der günstigsten Gesellschaft rund 100 Euro billiger als beim Fünftplazierten. In einem besonders krassen Beispiel hatte die Verbraucherzeitschrift Finanztest für einen jungen Sportwagenbesitzer einen Preisunterschied von 4000 Euro errechnet. Vielzahl an Angeboten Die Vielzahl der Rabatte machen die Entscheidung für einen neuen Anbieter nicht leichter: So kann es es eine Rolle spielen, ob der Versicherte als Beamter arbeitet oder als Selbstständiger, ob er als Single lebt oder Familienvater ist - oder auch, ob sein Auto statt einer Alarmanlage eine Wegfahrsperre hat. Teilweise sind die Preisunterschiede selbst für Fachleute nicht mehr nachvollziehbar: Warum etwa ein Hausbesitzer besser fahren soll als ein Mieter, ist für Braun völlig rätselhaft. "Fehlt bloß noch, dass nach Sternzeichen unterschieden wird", moniert der BdV-Geschäftsführer. Garagenpflicht Wer aber einmal angegeben hat, eine Garage zu besitzen, muss sein Auto auch dort parken. Bleibt das Fahrzeug über Nacht draußen stehen und ist dann die Scheibe eingeschlagen oder ein Kabel vom Mader durchknabbert, zahlt die Versicherung im Zweifel nicht. Auch wer als Wenigfahrer bis zu 15 Prozent Rabatt eingestrichen hat, sollte nur in Ausnahmefällen seine Kilometerleistung überschreiten. Um das Chaos perfekt zu machen, verwenden nicht alle Versicherer die selben Rabattmerkmale oder ändern ständig die Bedingungen. Daran haben auch die seit dem 1. Oktober geltenden neuen Typ- und Regionalklassen nichts geändert. "Wer im letzten Jahr der Günstigste war, muss es in diesem Jahr nicht sein", sagt Braun. Augenwischerei Doch woran sollen sich Verbraucher orientieren? Zum einen seien Rabatte oft Augenwischerei, warnen die Experten. Gerade Direktversicherer seien oft auch ohne komplizierte Sondertarife günstiger. "Mit Rabatten locken eher die teureren Versicherer", sagt Braun. Helmert hat dazu gleich ein schlechtes Beispiel parat: "Frauentarife sind nie unter den ersten Fünf." Ein sinnvolles Extra ist dagegen der so genannte Rabattretter, den einige Firmen anbieten: Wer zuvor lange unfallfrei gefahren ist, für den steigt die Prämie auch nach einem Zusammenprall nicht. Wer nicht gleich wechseln will und dennoch weniger zahlen, sollte seinem Versicherer günstigere Vergleichsangebote vorlegen. "Kunden, die seit zehn Jahren dabei sind, lassen die nicht so einfach ziehen", weiss Helmert über die Kulanz der Assekuranzen. Nur bei Direktversicherern lohne der Handel nicht, denn "die haben ohnehin knallhart kalkuliert und wenig Spielraum".
Neuwagen-Bonus, Hausbesitzer-Nachlässe, Wenigfahrer- und Garagen-Rabatte - die Anbieter von Kfz-Versicherungen haben in Deutschland ein Durcheinander geschaffen, durch das kaum ein Kunde mehr durchblickt.
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Kfz-Versicherungen - Rabatt-Dschungel macht Vergleiche schwierig
00/05/2010
Der Aufstieg in die Welt der Hochfinanz war Jean-Claude Juncker nicht in die Wiege gelegt. Bis heute fühlt sich der Sohn eines Stahlarbeiters den Malochern daheim näher als den vielen Bankern in seinem Großherzogtum Luxemburg. Dennoch genießt der Sprecher der zwölf Euro-Staaten in Finanzkreisen Respekt. Dass die zwölf Euro-Staaten sich ausgerechnet den Premier- und Finanzminister ihres kleinsten Club-Mitglieds zum Sprecher wählten, ist kein Zufall: Der Luxemburger Jean-Claude Juncker, seit 1. Januar für zwei lange Jahre als "Mr. Euro" der Sprecher der Währungsunion, genießt bei seinen Kollegen Respekt. Detailansicht öffnen Muss sich als Währungspolitiker in Zurückhaltung üben: Jean-Claude Juncker. (Foto: Foto: AP) Der 50-jährige Christdemokrat saß schon Anfang der Neunzigerjahre als Finanzminister am Tisch, als sich Europa in Maastricht der Idee einer gemeinsamen Währung verschrieb. Längst Senior Und später, bei den Verhandlungen um den Stabilitätspakt 1996, war er es, der zwischen Deutschen und Franzosen eine Einigung vermittelte. Von Helmut Kohl einst als "der Junior" tituliert, ist Juncker längst der Senior im trauten Kreis der "Euro-Gruppe" - jener Dutzend-Runde der Finanzminister der Währungsunion, die wichtige Finanzfragen gern ohne ihre 13 Amtsbrüder aus den Nicht-Euro-Staaten unter sich ausmachen. Der Aufstieg in die Welt der Hochfinanz war diesem Sohn eines Stahlarbeiters nicht in die Wiege gelegt. Bis heute fühlt sich der Anhänger der katholischen Soziallehre den Malochern daheim näher als den Direktoren der knapp 200 Banken, die seinem Großherzogtum das bei weitem höchste Pro-Kopf-Einkommen aller EU-Staaten bescheren. Erlesene Gremien Als "Mr. Euro" wird Juncker versuchen, das politische Profil des Euros in erlesenen Gremien wie den G-7 oder bei IWF und Weltbank zu schärfen. Dabei, so verspricht er, wolle er "anderen keine Lektionen erteilen oder mit dem Euro-Megaphon durch die Weltgeschichte reisen." Diese Zurückhaltung wird dem studierten Juristen nicht leicht fallen, seine spöttischen Aperçus etwa über endlose EU-Sitzungen ("Es war alles zwar gesagt, aber noch nicht von jedem") sind in Brüssel gefürchtet. Vorsichtige Dosierung Vor allem seine Kommentare zum schmerzlich hohen Außenwert des Euro wird er vorsichtig dosieren müssen. Juncker übt schon: "Wir Euro-Finanzminister wollen die Lage aufmerksam beobachten." Den Einwurf, dies sei keine sehr eindeutige Erklärung, pariert er so: "Aber so redet kein Blinder. Ein Blinder würde nie sagen, dass er etwas aufmerksam beobachtet."
Der Aufstieg in die Welt der Hochfinanz war Jean-Claude Juncker nicht in die Wiege gelegt. Bis heute fühlt sich der Sohn eines Stahlarbeiters den Malochern daheim näher als den vielen Bankern in seinem Großherzogtum Luxemburg. Dennoch genießt der Sprecher der zwölf Euro-Staaten in Finanzkreisen Respekt.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-malocher-jean-claude-juncker-1.900339
Der Malocher - Jean-Claude Juncker
00/05/2010
Ab Juli haben es Steuerflüchtlinge schwerer: Dann müssen deutsche Banken und Investmentfonds dem Fiskus detailliert darüber Auskunft geben, welche Zinserträge ihre EU-Kunden erhalten. Es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum gläsernen Bankkunden. Detailansicht öffnen Ein weiterer Schritt zum gläsernen Bankkunden. (Foto: Foto: ddp) In einem Schreiben an die obersten Finanzbehörden schreibt Eichels Ministerium detailliert vor, welche Informationen Banken und Fonds ab Sommer dieses Jahres an das Bundesamt für Finanzen melden müssen. Sie müssen über sämtliche Zinserträge informieren, die Bürger aus anderen EU-Ländern in Deutschland kassieren; sie müssen die Kontonummern melden, den Namen des Geldinstituts und die persönlichen Daten des Kontorsbesitzers. Dazu zählen neben der Steueridentifikations-Nummer, die es spätestens ab 2007 geben soll, die Adresse, das Geburtsdatum und der Geburtsort. Der deutsche Fiskus leitet diese Informationen anschließend an die Steuerbehörden des Heimatlandes weiter. Erstmals detaillierte Infos Eichel setzt damit die Zinsrichtlinie der Europäische Union um, die ab Juli dieses Jahres gilt und der Steuerflucht bei Zinserträgen entgegen wirken soll. Die Regierung hat dazu bereits im vergangenen Jahr die Zinsinformations-Verordnung verabschiedet. In dem 34-seitigen Schreiben erläutert Eichels Ministerium nun erstmals detailliert, wie die EU-Richtlinie in Deutschland umgesetzt werden soll und was dies für Geldinstitute wie Kunden bedeutet.
Ab Juli haben es Steuerflüchtlinge schwerer: Dann müssen deutsche Banken und Investmentfonds dem Fiskus detailliert darüber Auskunft geben, welche Zinserträge ihre EU-Kunden erhalten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/datenschutz-eichel-will-den-glaesernen-bankkunden-1.918415
Datenschutz - Eichel will den gläsernen Bankkunden
00/05/2010
Haim Saban ist viel schneller wieder weg, als er selbst immer beteuert hatte - und macht einen hohen Gewinn. Locker, selbstbewusst und gewandt hatte Haim Saban seinen ersten großen öffentlichen Auftritt in Deutschland gemeistert. Detailansicht öffnen Machte ein gutes Geschäft: Haim Saban. (Foto: Foto: ddp) Im Oktober vor drei Jahren - kurz nach der Übernahme von Pro Sieben Sat 1 - trat der Milliardär aus Los Angeles bei den Münchner Medientagen auf. Der große Charmeur war mit seiner gesamten Familie und einer Schar von Leibwächtern gekommen. Am Abend zuvor hatte ihn Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber mit einem feierlichen Dinner begrüßt. Telegen hielt Saban vor dem Medienpublikum die Wörterbücher "Englisch-Deutsch" und "Englisch-Hebräisch" hoch und versprach: "Vielleicht rede ich das nächste Mal auf Deutsch." Ansehnlicher Gewinn Die Mühe kann er sich jetzt sparen. An diesem Donnerstag hat er trotz aller Beteuerungen, er werde sich langfristig in Deutschland engagieren, seine Sendergruppe an die Finanzinvestoren Permira und KKR weiterverkauft - und dabei einen ansehnlichen Gewinn gemacht. Saban und seine Partner konnten den Einsatz in nur drei Jahren mehr als vervierfachen. Am Wochenende weilte Saban in Washington auf dem Saban-Forum, einer hochkarätigen Diskussionsveranstaltung zur Zukunft Israels. Dann flog er im Privatjet nach London und machte den Deal perfekt. Bis vier Uhr morgens wurde verhandelt. "Er ist sehr gut drauf", heißt es aus Sabans Umfeld. Für ihr Verhandlungsgeschick sind der 62-jährige Medienmanager und sein enger Vertrauter Adam Chesnoff berühmt. Beim Einstieg in München kam er erst spät ins Rennen, sprang ab, kehrte zurück und kaufte. Saban setzte sich gegen viele Dutzend Interessenten durch. Der Kauf aus der Insolvenzmasse von Leo Kirch erwies sich als Schnäppchen. Geschickte Verhandlungstaktik Und auch beim Verkauf bewies Saban langen Atem. Obwohl der Deal mit Axel Springer im Frühjahr scheiterte, wagte Saban einen zweiten Anlauf. Zwar sprangen die ganz Großen der Branche ab, doch der Amerikaner mit israelischem Pass, der in Ägypten als Sohn eines Händlers zur Welt kam, hielt die verbliebenen Interessenten bei Laune. Er trieb den Preis immer weiter in die Höhe. Zuletzt kam ihm zur Hilfe, dass der türkische Medienkonzern Dogan mit seinem Interesse das Verfahren weiter anheizte. Parallel dazu konnte der Chef von Pro Sieben Sat1, Guillaume de Posch, auch ein enger Vertrauter von Saban, gute Zahlen vorlegen. Stets gab es Spekulationen, Saban suche in München nur das schnelle Geschäft. Mit dem Ausstieg hat irgendwie jeder gerechnet. Auch wenn Saban selbst immer wieder abwiegelte und seine Langfristigkeit beteuerte. Einmal sagte er: "Ich habe sogar gelernt, Schweinebraten wirklich zu lieben."
Haim Saban ist viel schneller wieder weg, als er selbst immer beteuert hatte - und macht einen hohen Gewinn.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-prosiebensat1-verkaeufer-abschied-des-zampanos-1.906796
Der ProSiebenSat1-Verkäufer - Abschied des Zampanos
00/05/2010
Die Telekom bereitet sich auf Preiskämpfe mit harten Bandagen vor. Allerdings könnten Preissenkungen eher der Garant für noch härter werdende Preiskämpfe als für sich wieder erholende Umsätze und Erträge sein. Für Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und dessen Vorstandskollegen hat es sicherlich schon angenehmere Pressekonferenzen gegeben als den am kommenden Donnerstag zum Auftakt der diesjährigen Internationalen Funkausstellung geplanten Auftritt in Berlin. Detailansicht öffnen Die Telekom im August 2006: Heftige Auseinandersetzungen darüber, wie man sich auf der diesjährigen IFA präsentieren sollte. (Foto: Foto: dpa) Nach einer desaströsen Halbjahres-Vorstellung, die eine Welle von Spekulationen über ein Revirement an der Konzernspitze auslöste, gab es auf der Vorstandsetage offenbar heftige Auseinandersetzungen darüber, in welcher personellen Konstellation und mit welchen Themen sich die Telekom auf der diesjährigen IFA präsentieren sollte. Etwa nur reine Produktpräsentationen durch die drei ,,Säulenheiligen'' von T-Com, T-Mobile und T-Systems oder lieber mehr Konzernübergreifendes mit einem sich kämpferisch gebenden Vorstandsvorsitzenden Ricke? Gemischte Gefühle Nun aber reisen sie alle vier zum Presse-Meeting auf der IFA - Ricke und die drei Vorstände von T-Com, T-Mobile und T-Systems. Sie dürften es aber mit sehr gemischten Gefühlen tun, denn was sie dort zu verkünden haben, ist ausgesprochen dürftig. Zwar gibt es auch diesmal, wie alle Jahre wieder, die eine oder andere Produktinnovation im IT-Bereich vorzustellen. Unangenehmer für die Vorstandscrew dürften hingegen die Fragen nach der künftigen Preisstrategie im Festnetz- und im Mobilfunkgeschäft sein, mit der die Telekom ihre derzeitige Krise zu überwinden hofft. Keine Alternative Billig, billiger, am billigsten soll offenbar in absehbarer Zeit die Devise sein. Ricke selbst hatte am 10. August betont, dass es zur rigorosen Verteidigung der Marktanteile durch aggressive Preissenkungen keine Alternative mehr für die von der Konkurrenz bedrängte Deutsche Telekom gebe. Einen ersten Vorgeschmack, was Ricke darunter versteht, gab T-Mobile Deutschland bereits am Montag in Bonn. Ziel der neuen Preisstrategie beim Handy-Telefonieren sei es, die ,,Preiswahrnehmung beim Kunden positiv zu verändern und damit dem Teuerimage des Mobilfunks entgegen zu wirken'', hieß es.
Die Telekom bereitet sich auf Preiskämpfe mit harten Bandagen vor. Allerdings könnten Preissenkungen eher der Garant für noch härter werdende Preiskämpfe als für sich wieder erholende Umsätze und Erträge sein.
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Deutsche Telekom - Billig, billiger, am billigsten
00/05/2010
Die Lokomotivführer werden von Donnerstagfrüh an den Bahn-Personenverkehr bestreiken. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen. Wie können sich Fahrgäste über Behinderungen informieren? Die Bahn hat einen Notfahrplan für den Fern- und Regionalverkehr erstellt, der von Donnerstag bis Samstagfrüh um 2 Uhr gilt. Er ist im Internet auf der Seite www.bahn.de zu finden oder über Handys mit WAP-Technologie unter mobile.bahn.de/ris abrufbar. Außerdem ist die kostenfreie Informations-Telefonnummer 08000 996633 geschaltet. Mehr als 1000 Mitarbeiter sollen zusätzlich für den Kundenservice im Einsatz sein. Welche Züge sollen trotz des Streiks rollen? Im Fernverkehr will die Bahn vor allem ICE-Züge, internationale Züge, Auto- und Nachtzüge fahren lassen. Dafür fallen etliche Intercity (IC) aus, viele Fernzüge fahren nur verkürzte Strecken. Im Regionalverkehr wollen die Planer der Bahn möglichst jeden zweiten Zug fahren lassen. Bei S-Bahnen sind teils stark ausgedünnte Taktzeiten zu erwarten. Welche Regeln gelten bei schon gekauften Tickets? Für alle Fahrkarten, also auch solche mit Bahncard-Rabatt und allen anderen Formen von Spartarifen gilt: Sie werden bis Ende November kostenlos umgetauscht oder erstattet, wenn Fahrgäste wegen der Streiks ihre Reise nicht antreten können. Zeitkarten der Bahn werden anteilig erstattet, sofern Geltungsbereich und Reisetage von den Streiks betroffen sind. Die bei Sparpreisen übliche Bindung an feste Züge ist aufgehoben, wenn diese Züge nicht erreicht werden. Bei verpassten Anschlüssen können Reisende den nächsten, gegebenenfalls auch höherwertigen Zug nutzen (also etwa IC statt Regionalexpress). Können Pendler auf andere Verkehrsmittel ausweichen? U-Bahnen und Busse im örtlichen Nahverkehr werden nicht bestreikt, dürften aber deutlich voller als sonst sein. Der Verkehrsclub Deutschland empfiehlt zudem, Fahrgemeinschaften zu bilden. Zwischen vielen Städten fahren auch Fernbusse. In manchen Regionen können Reisende auf Regionalzüge privater Bahnunternehmen ausweichen.
Die Lokomotivführer werden von Donnerstagfrüh an den Bahn-Personenverkehr bestreiken. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.
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Tarifkonflikt - Fragen und Antworten zum Bahn-Streik
00/05/2010
Deutschlands größte Fluggesellschaft hat im Jahr 2005 auf 653.980 Flügen 51,3 Millionen Passagiere befördert. Die Zahl der Fluggäste erhöhte sich damit gegenüber 2004 um ein knappes Prozent. Die Lufthansa erzielte 2005 auch bei der Auslastung einen neuen Rekord. Detailansicht öffnen Die Kranich-Gesellschaft fliegt gutes Geld ein. (Foto: Foto: AP) Insgesamt beförderte die Fluggesellschaft 51,3 Millionen Passagiere auf 653.980 Flügen. Auch der so genannte Sitzladefaktor erreichte mit 75,0 Prozent im Konzern einen neuen Rekordwert, teilte die Deutsche Lufthansa am Dienstag in Frankfurt mit. Das Plus bei den Fluggästen im Vergleich zu 2004 lag bei 0,7 Prozent, die Auslastung konnte um einen ganzen Prozentpunkt gesteigert werden. Bei Lufthansa Cargo gab es hingegen leichte Rückgänge: Das Volumen der beförderten Fracht und Post sank um ein Prozent auf 1,7 Millionen Tonnen. In der Cargo-Sparte lag die Auslastung der Maschinen bei 65,0 Prozent (minus 2,0 Prozentpunkte). Einträgliche Weihnachtszeit Im Dezember zählte Deutschlands größte Airline mit 3,7 Millionen Passagieren 3,6 Prozent mehr Kunden an Bord als im Vorjahr. Die Auslastung im Bereich Passage lag in dem Monat bei 71,2 Prozent. Die für den Ertrag wichtige Kennzahl der verkauften Sitzkilometer stieg in der Weihnachtszeit um 3,4 Prozent auf 7,707 Milliarden. Im zurückliegenden Jahr flogen die Passagiere insgesamt 108,185 Milliarden Kilometer (plus 4,0 Prozent) mit den Lufthansa-Maschinen. Erneut ging die Passagierzahl auf dem wichtigsten, aber auch hart umkämpften Markt der Amerika-Strecken zurück. Im Dezember flogen 3,5 Prozent weniger zu Zielen in Nord- oder Südamerika, im Gesamtjahr legte die Zahl dagegen um 0,3 Prozent zu. Zuwachs auf den Strecken Asien/Pazifik am größten Auch in den anderen Regionen wurde 2005 überall ein Plus erzielt, wobei der Zuwachs auf den Strecken Richtung Asien/Pazifik mit 5,8 Prozent am größten ausfiel. Die Nachfrage in den Nahen Osten und Afrika nahm seit Jahresbeginn 2005 ebenfalls deutlich zu (plus 4,5 Prozent). Im Europa-Verkehr, wo der Konkurrenzkampf mit den Billigfliegern besonders groß ist, schaffte die Lufthansa ein leichtes Plus von 0,1 Prozent. Auch bei den wichtigsten Mitbewerbern British Airways und AirFrance-KLM sowie bei den Billigfliegern Ryanair und easyJet waren die Passagierzahlen zuletzt gestiegen. Bilanz wird im März vorgelegt Die Bilanz mit den Geschäftszahlen für 2005 will Lufthansa am 23. März vorlegen. Früheren Angaben zufolge soll ein operativer Gewinn von "deutlich mehr als 400 Millionen Euro" eingeflogen worden sein.
Deutschlands größte Fluggesellschaft hat im Jahr 2005 auf 653.980 Flügen 51,3 Millionen Passagiere befördert. Die Zahl der Fluggäste erhöhte sich damit gegenüber 2004 um ein knappes Prozent.
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Geschäftsjahr 2005 - Lufthansa erzielt Passagierrekord
00/05/2010
Um die New York Stock Exchange im Fusionspoker um die Vierländerbörse Euronext doch noch auszustechen, bessert die Deutsche Börse ihr bisheriges Angebot kräftig auf. Sogar zur Aufgabe des Hauptsitzes Frankfurt und des Handelssystems Xetra ist sie bereit. Im Fusionspoker um die Vierländerbörse Euronext hat die Deutsche Börse ein neues Angebot vorgelegt. Darin verzichtet sie auf Frankfurt als alleinigen Hauptsitz, das Aktiensystem Xetra und räumt den Plätzen Paris und Amsterdam dominierende Positionen ein. Mehr Geld bietet sie jedoch nicht an. Detailansicht öffnen Im Gerangel um Euronext legt die Deutsche Börse jetzt nach. (Foto: Foto: AFP) Der veränderte Fusionsvorschlag wurde am Montagabend im Anschluss an eine Sitzung des Aufsichtsrats unterbreitet. "Die einmalige Chance auf eine europäische Lösung darf nicht vergeben werden, ohne alles versucht zu haben", sagte Vorstandschef Reto Francioni. Nach der Entscheidung des Euronext-Managements für eine Fusion mit der New York Stock Exchange (Nyse) habe die Deutsche Börse den Kontakt zu Anteilseignern und Kunden der Euronext sowie zur Politik gesucht. "Gezielte Korrekturen" "Wir haben dann gezielt in den Punkten Korrekturen vorgenommen, die diesen verschiedenen Stakeholdern wichtig waren", sagte Francioni. Mit dem Management um Euronext-Chef Jean-Francois Théodore habe man dagegen keine weiteren Gespräche geführt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Viermetz sagte im Anschluss an die Sitzung: "Wir sind davon überzeugt, dass unser Vorschlag die Stakeholder von Euronext sowie weitere künftige Partner in europäischen Ländern überzeugt, zum Beispiel Italien." Bei den Veränderungen geht die Deutsche Börse vor allem auf den Wunsch der Euronext-Partner nach einer föderalen Struktur ein. Sollte die operative Führung der Börse bislang in Frankfurt konzentriert sein, würden die Zentralfunktionen nach dem neuen Vorschlag auf Frankfurt, Paris und Amsterdam verteilt, wobei Vorstandschef und Finanzvorstand in Frankfurt sitzen würden. In Paris wäre unter anderem das Risikomanagement angesiedelt, in Amsterdam das Generalsekretariat. Lokale Standorte blieben erhalten Das Management der Geschäftsbereiche soll sich wie folgt auf die Finanzzentren verteilen: Informationsdienste sollen in Amsterdam, der Aktienhandel in Paris, der Derivatehandel in Frankfurt und London, die Informationstechnologie (IT) in Frankfurt und Paris sowie Clearstream in Luxemburg angesiedelt sein. Betrieben würden die Aktienbörsen jedoch an ihren jeweiligen lokalen Standorten in Übereinstimmung mit der lokalen Regulierung. Francioni sagte, er erwarte keine kartellrechtlichen Probleme, auch nicht bei der Abwicklungsgesellschaft Clearstream. Beim Aktienclearing sei die Börse bereit, weit reichende Zugeständnisse zu machen, um kartellrechtlichen Bedenken entgegenzutreten.
Um die New York Stock Exchange im Fusionspoker um die Vierländerbörse Euronext doch noch auszustechen, bessert die Deutsche Börse ihr bisheriges Angebot kräftig auf. Sogar zur Aufgabe des Hauptsitzes Frankfurt und des Handelssystems Xetra ist sie bereit.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ringen-um-euronext-deutsche-boerse-bringt-grosse-opfer-1.914568
Ringen um Euronext - Deutsche Börse bringt große Opfer
00/05/2010
Richard Branson war Plattenhändler und betreibt eine Fluggesellschaft - nun eröffnet er eine Bank für Nabelschnurblut. Mit seinem Gespür für neue Trends hat Richard Branson wieder eine Marktlücke entdeckt. Der britische Musikunternehmer, Schnellzugbetreiber, Fluggesellschafts-Chef und Raumfahrer eröffnet zusammen mit der Londoner Investmentfirma Merlin Biosciences eine Bank für Nabelschnurblut. Detailansicht öffnen Richard Branson setzt voll und ganz auf Innovation: Sein neuestes Projekt ist eine Bank für Nabelschnurblut. (Foto: Foto: AFP) Sie heißt, wie sollte es anders sein, Virgin Health Bank, und greift damit auf den zentralen Namensbestandteil von Bransons anderen Unternehmen zurück. Für 1500 Pfund (2500 Euro) können Eltern das Nabelschnurblut ihrer Babys aufbereiten und für 20 Jahren deponieren lassen. Stammzellen-Forschung Und wie immer, wenn der 56-Jährige als Pionier zu neuen Horizonten aufbricht, ist er von einem geradezu missionarischen Eifer beseelt. ''Ich bin absolut begeistert von Stammzellen-Forschung'', sagt Branson. Profitgier kann man ihm im Zusammenhang mit dem Projekt nicht nachsagen; eher schon die Befriedigung seiner notorischen Publicity-Sucht. Denn die Stammzellen, die aus dem Nabelblut gewonnen werden, sollen nur zur Hälfte für die Spender reserviert sein, die andere Hälfte soll kostenlos für jedermann zur Verfügung stehen. Außerdem hat sich Branson verpflichtet, die Erlöse aus seinem 50-Prozent-Anteil an der Bank für die Stammzellenforschung zu spenden. ''Will sich Branson selbst verdoppeln?'' Umstritten ist das Projekt dennoch: Zwar werden embryonale Stammzellen erprobt, um seltene Immunschwäche-Krankheiten, Alzheimer und Parkinson zu bekämpfen. Kritisiert wird aber, dass die Zellen als Wundermittel gepriesen werden. Außerdem befürchten Fachleute, dass sie für das Klonen von Menschen missbraucht werden könnten.
Richard Branson war Plattenhändler und betreibt eine Fluggesellschaft - nun eröffnet er eine Bank für Nabelschnurblut.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/innovative-geschaeftsidee-auf-der-suche-nach-der-ultimativen-marktluecke-1.905615
Innovative Geschäftsidee - Auf der Suche nach der ultimativen Marktlücke
00/05/2010
Die Übernahmespekulationen um die Postbank sind kaum beendet, da taucht ein Papier auf, wonach der Frankfurter Konzern den Wert der Post-Tochter überraschend niedrig einschätzt. In einem an institutionelle Investoren verteilten Informationsblatt gibt das Geldhaus diesen Börsenwert mit lediglich 4,4 bis 5,3 Milliarden Euro an. Detailansicht öffnen Josef Ackermann, Vorstands-Chef der Deutschen Bank. Foto: dpa In der Frankfurter Finanzwelt ist die Empörung groß. "Der Branchenprimus tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste", sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Bereits in den vergangenen Wochen war die Bank in die Schusslinie geraten. Als Kaufgerüchte laut wurden, hatte das Institut schweigend den Spekulationen freien Lauf gelassen. Jetzt lautet der Vorwurf erneut, die Bank nutze die Informationen aus dem Postbank-Mandat für ihre eigenen Interessen. Post-Chef zeigt sich verärgert Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte die Existenz des Papiers, betonte aber, der Infobrief gebe nur eine Einschätzung des Marktes wieder und nicht die des Instituts. Postchef Klaus Zumwinkel, der dem Vernehmen nach für maximal die Hälfte der Tochter drei Milliarden Euro erlösen will, reagierte verärgert. "Wir diktieren dem Markt nichts, aber wir lassen uns auch von anderen nichts diktieren", erklärte Zumwinkel, was von Beobachtern als deutliche Warnung an die Deutsche Bank gesehen wurde. Der Branchenprimus ist gemeinsam mit Morgan Stanley Konsortialführer beim größten Börsengang in Deutschland seit dem Herbst 2000. "Der Nagel, an den die Deutsche Bank gehängt wird" "Das ist ein Papier, das gar nicht existieren dürfte", zitierte die Financial Times Deutschand (FTD) aus Post-Kreisen. "Wenn das stimmt, ist das der Nagel, an den die Deutsche Bank gehängt wird. Das Papier mit der Überschrift "Preliminary Offering Summary" (Vorläufige Zusammenfassung des Angebots) könnte laut FTD ein Verstoß gegen die so genannte "Blackout"-Periode sein, in der die Konsortialbanken keine Aussagen über die Bewertung machen dürfen. Die Periode begann am 22. Mai. Verteilt wurde das Papier noch danach. Eigene Bewertung der Deutschen Bank noch offen Die Deutsche Bank betonte, das Papier sei zwei Wochen alt. Es enthalte zudem nur Einschätzungen des Marktes. Ihre eigene Bewertung für die Postbank ließ die Deutsche Bank weiter offen. Die Post betonte, verlässlich seien zu diesem Zeitpunkt nur die den institutionellen Investoren aktuell vorliegenden Berichte, "deren Inhalte sich weitgehend mit den Vorstellungen des Emittenten deckten". Börsengang auf der Kippe Die Bewertung der Deutschen Bank entspricht nach dem Bericht einer Preisspanne der Postbank-Aktie von 26,83 bis 32,32 Euro. In Finanzkreisen habe es bislang geheißen, die Analysten der Konsortialbanken schätzen den Wert der Postbank-Aktie auf 35 bis 38 Euro. Analysten zeigten sich nicht überrascht über die angeblich niedrigere Bewertung der Postbank. "Die genannten 6 Milliarden Euro sind viel zu hoch", sagte Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz. "Das gehört alles zum Taktieren. Die Deutsche Post hat den Emissionspreis extra hoch angesetzt, um dann runterzugehen." Die FTD berichtete weiter, der Börsengang stehe möglicherweise ohnehin auf der Kippe, da unsicher sei, welchen Preis Investoren zu zahlen bereit seien. "Es kommt jetzt auf die Schmerzgrenze der Postbank an", wird ein hochrangiger Investmentbanker zitiert. Die Post betonte dagegen, es bleibe bei dem vorgesehenen Zeitplan und der Erstnotitz auf dem Börsensettel am 21. Juni. Preisspanne noch nicht festgelegt Die Deutsche Bank hat Spekulationen über eine Preisspanne zum Börsengang der Postbank zurückgewiesen. Die Preisspanne werde erst am 4. Juni festgelegt, teilte der Konsortialführer mit. Die Bank stellte klar, dass die Preisspanne von den Konsortialführern und der Deutschen Post festgelegt werde und nicht auf Basis einer vorläufigen internen Übersicht über die Transaktion.
Die Übernahmespekulationen um die Postbank sind kaum beendet, da taucht ein Papier auf, wonach der Frankfurter Konzern den Wert der Post-Tochter überraschend niedrig einschätzt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bank-von-einem-fettnaepfchen-ins-naechste-1.900157
"Deutsche Bank - ""Von einem Fettnäpfchen ins nächste"""
00/05/2010
Die Parteien streiten um die Hilfen für Langzeitarbeitslose. Das Projekt ist weitaus folgenreicher und wirtschaftspolitisch bedeutender als eine mittelgroße Steuersenkung, die längst im Gesetzbuch stand. (SZ vom 12.12.03) - Im öffentlichen Gezerre um die Steuerreform geht der schwierigste Teil des Vermittlungsverfahrens unter. Es handelt sich um die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, die weitaus folgenreicher und wirtschaftspolitisch bedeutender ist als eine mittelgroße Steuersenkung, die längst im Gesetzbuch stand und womöglich ein Jahr früher kommt. Während draußen der Steuerstreit tobte, ging es denn auch während der Auftaktsitzung des Vermittlungsausschusses stundenlang nur um die Details und finanziellen Folgen der beiden Vorschläge zur Sozialreform: Das Paket von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement läuft unter der Marke Hartz IV, die Union unterstützt den Entwurf von Hessens Ministerpräsident Roland Koch für ein Existenzgrundlagengesetz (EGG). Die Positionen liegen weit auseinander, einig waren sich die Verhandler nur darin, dass die Reform wegen ihrer Komplexität erst im übernächsten Jahr in Kraft treten kann. Schärfe des Streits schwer zu verstehen Die Schärfe des Streits ist schwer zu verstehen, weil die Parteien sich über das grundsätzliche Ziel der Reform einig sind: Endlich soll es für die rund zwei Millionen Langzeitarbeitslosen nur noch eine Hilfsleistung geben, das Arbeitslosengeld II. Das bürokratische Parallelwesen von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe wird abgeschafft - nur wer wegen Krankheit oder Drogensucht nicht erwerbsfähig ist, kann sich in Zukunft der Vermittlung durch Jobcenter entziehen. Auch die Höhe der Leistung, die in etwa auf Sozialhilfeniveau liegen soll, ist nicht strittig. Zwar will die Union verhindern, dass es einen zweijährigen Aufschlag gibt für jene, die in die Langzeitarbeitslosigkeit abgleiten. Weil dies der Bund zahlen würde, ist die Leidenschaft aber gering. In dem Konflikt geht es also nicht um das Ziel der Reform, dafür aber umso heftiger um ihre Organisation und ihre Finanzierung. Weil der Bund die Leistung zahlt und so die Städte und ihre Sozialämter entlastet, soll die Bundesanstalt für Arbeit nach Clements Vorschlag verantwortlich sein. Auch hätten nur die Arbeitsämter den Überblick über den Arbeitsmarkt. Koch entgegnet, dass die Kommunen sich besser um Langzeitarbeitslose kümmern könnten, die sie jetzt schon im Rahmen der Sozialhilfe betreuen. Die Bundesanstalt sei längst überfordert. Clement sieht jedoch nicht ein, dass die Kommunen verantwortlich sind, der Bund aber zahlt. Annäherung Die Bundesregierung hat Schwachpunkte in ihrem ersten Konzept eingeräumt und sich in den vergangenen Wochen der Union genähert: In den Jobcentern sollen Arbeitsämter und Kommunen in einer "Arbeitsgemeinschaft" gleichberechtigt wirken. Während sich die Bundesanstalt um die Auszahlung des Arbeitslosengeldes II und um die Vermittlung kümmert, bleiben die Kommunen für Schuldner- und Drogenberatung zuständig. Auch übernehmen sie die Zuständigkeit und die Finanzierung von Unterkunft und Heizung für die Langzeitarbeitslosen. Das Jobcenter soll die "einheitliche Anlaufstelle" bleiben, in der alle Leistungen aus einer Hand kommen. Auch ihr erstes Finanzierungskonzept hat die Regierung zurückgezogen: Der Bund nimmt den Kommunen 11,6 Millionen Euro an Sozialhilfekosten ab, dafür sollen jetzt die Kommunen 8,9Milliarden Euro für die Unterkunftskosten bezahlen. Einen Teil der Differenz dürfen die Kämmerer behalten. Weil die Ostländer mit ihrer hohen Zahl an Arbeitslosenhilfeempfängern benachteiligt würden, soll es einen Ausgleich über die Umsatzsteuer geben. Unklar ist, wie Niedriglöhne gefördert werden - und welches der Modelle letztlich teurer wäre. Kochs Unionskollegen streuen, dass die Regierungslinie sich durchsetzen könnte. Die Kommunen selbst wollten den Job wegen des Finanzrisikos ohnehin nie übernehmen.
Die Parteien streiten um die Hilfen für Langzeitarbeitslose. Das Projekt ist weitaus folgenreicher und wirtschaftspolitisch bedeutender als eine mittelgroße Steuersenkung, die längst im Gesetzbuch stand.
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Vermittlungsausschuss: Noch sieben Tage - Eine Frage des Geldes
00/05/2010
Für McDonald's ist ist Europa zurzeit der aufregendste Wachstumsmarkt. Deswegen bietet die Schnellrestaurant-Kette verstärkt hiesige Spezialitäten an. Die US-Fastfood-Kette McDonald's will weg vom Hamburger-Image und setzt in Deutschland stärker auf beliebte Spezialitäten. Seit wenigen Tagen testen 30 deutsche Filialen mit integriertem Café neben Müsli-Joghurt auch Suppen wie die traditionelle russische Soljanka - eine heiße Terrine aus Fleisch, Tomatenmark und sauer eingelegtem Gemüse. Die Kunden seien von dem Angebot positiv überrascht gewesen, sagte Unternehmenssprecher Alexander Schramm am Dienstag in München. Dass sie in Kürze jedoch eine McCurrywurst serviert bekämen, sei wenig wahrscheinlich. Gemüsesticks mit Humus In der Testregion Braunschweig, Köln und Nürnberg würden auch vegetarische Thai-, indische Curry- und italienische Tomatensuppe, aber auch Sandwiches, Salate und Gemüsesticks mit Humus, einer Kichererbsen-Paste, serviert. "Wir sind zwar eine amerikanische Marke. Aber wir müssen europäischer werden", sagte McDonald's-Vize Ralph Alvarez der Financial Times Deutschland. Neben den Speisen solle sich in Zukunft auch das Design der europäischen Filialen stärker von der US-Optik unterscheiden. "Es geht nicht mehr nur darum, schnell etwas zu essen", sagte Schramm. Entspannen und Sich-wohl-fühlen laute das neue Motto. Zunehmendes Gesundheitsbewusstsein In Europa kämpfte die Hamburger-Kette mit dem großen, gelben "M" bis vor ein paar Jahren mit schleppenden Absätzen. Zu schaffen machte dem Fastfood-Konzern vor allem das zunehmende Gesundheitsbewusstsein. Die Kehrtwende brachten regionale Gerichte oder Kaffeespezialitäten. Zum Imagegewinn tragen auch lokale Partnerschaften bei. "Zurzeit führen wir dazu Gespräche in verschiedenen Regionen", sagte Alvarez. Erst kürzlich war die deutsche Tochter eine Kooperation mit der vor allem bei jungen Leuten beliebten Öko-Limonade Bionade eingegangen. Nur halb so viele Restaurants wie auf dem Heimatmarkt Der US-Konzern hat Europa zum wichtigsten Wachstumsmarkt erklärt: Die Fastfood-Kette will in diesem Jahr auf dem Kontinent genauso viel investieren wie auf dem Heimatmarkt - obwohl es hier nur halb so viele Restaurants gibt. "Zurzeit ist Europa die aufregendste Region für uns", sagte Alvarez. Bis zu 800 Millionen Dollar (knapp 600 Millionen Euro) seien in diesem Jahr für Investitionen in Europa vorgesehen. Von den Europa-Investitionen fließen demnach in diesem Jahr 250 Millionen Euro nach Deutschland, knapp die Hälfte mehr als 2006.
Für McDonald's ist ist Europa zurzeit der aufregendste Wachstumsmarkt. Deswegen bietet die Schnellrestaurant-Kette verstärkt hiesige Spezialitäten an.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/weg-vom-hamburger-image-mcsoljanka-im-test-1.878375
Weg vom Hamburger-Image - McSoljanka im Test
00/05/2010
Schlechte Noten für die Bundesregierung in puncto Anleger- und Verbraucherschutz: Die Rechtslage habe sich teilweise eher verschlechtert als verbessert, kritisiert Edda Müller vom Bundesverband Verbraucherzentralen. Das Fazit zur bisherigen Umsetzung des im Frühjahr 2003 aufgelegten 10-Punkte-Programms für Anlegerschutz sei ernüchternd, sagte die Vorsitzende des Bundesverbandes Verbraucherzentralen (vzbv), Edda Müller, am Dienstag in Berlin. Detailansicht öffnen Edda Müller, die Vorsitzende des Bundesverbandes Verbraucherzentralen. (Foto: Foto: dpa) In wesentlichen Punkten blieben die bisherigen Maßnahmen hinter den Zielen zurück oder führten teils zu einer Verschlechterung der Rechte von Anlegern. Weniger Aktionäre Wichtige Probleme seien bisher noch nicht aufgegriffen. Der erhoffte Vertrauenszuwachs der Anleger in die Märkte habe sich nicht eingestellt. Die Zahl der Aktionäre und Anleger in Aktienfonds in Deutschland sei trotz der Gegenmaßnahmen weiter zurückgegangen auf 4,6 beziehungsweise 5,2 Millionen. Die Politik sei gegenüber den Interessen der Wirtschaft eingeknickt, insbesondere bei den zurückgezogenen Plänen für eine schärfere Managerhaftung, kritisierte Müller. "Mit diesem Einknicken gegenüber der Unternehmenslobby wird man das Vertrauen der privaten Anleger nicht zurückgewinnen können." Bundesregierung und Wirtschaftsverbände wiesen die Kritik zurück. 10-Punkte-Programm sollte Finanzplatz D stärken Nach Bilanzskandalen und Milliardenpleiten an den Börsen hat die Bundesregierung ein 10-Punkte- Programm für mehr Anlegerschutz und zur Stärkung des Finanzplatzes Deutschland vorgestellt. Dabei geht es um härtere Strafen für Manager bei Betrügereien, mehr Schutz auf dem betrugsanfälligen "Grauen Kapitalmarkt", neue Bilanzregeln und eine Art Bilanzpolizei sowie Vorgaben für Abschlussprüfer und Ratingagenturen. Erste Gesetze sind bereits verabschiedet, einige noch in Arbeit, andere verzögern sich nach Kritik. Auf scharfe Ablehnung bei Verbraucherschützern und Vertretern der Kleinaktionäre stößt vor allem die Rücknahme erster Pläne für eine persönliche Haftung von Vorständen und Aufsichtsräten bei vorsätzlichen und grob fahrlässigen Falschinformationen.
Schlechte Noten für die Bundesregierung in puncto Anleger- und Verbraucherschutz: Die Rechtslage habe sich teilweise eher verschlechtert als verbessert, kritisiert Edda Müller vom Bundesverband Verbraucherzentralen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/scharfe-kritik-kapitalmarkt-weiterhin-ein-el-dorado-fuer-betrueger-1.899682
"Scharfe Kritik - Kapitalmarkt weiterhin ein ""El Dorado"" für Betrüger"
00/05/2010
Die Reaktionen auf den Streit zwischen Russland und Weißrussland grenzen teilweise an Panik. Die Energiekrise könnte die Chance für die Zukunft sein. Druschba war gestern. Druschba, Freundschaft, galt vielleicht noch etwas in den Siebzigern, als die ehemaligen Ostblockstaaten gemeinsam die gleichnamige Pipeline vorantrieben. Die Röhre sollte die sozialistischen Bruderstaaten westlich der UdSSR mit dem Erdöl Westsibiriens versorgen, ganz freundschaftlich. Keine dreißig Jahre später hört bei der Energie jede Freundschaft auf. Energie ist Wirtschaftswachstum, ist Wohlstand, ist Wärme. Energie ist knapp und teuer. Moskau will Hahn nicht ganz zudrehen Obwohl das nicht erst seit gestern so ist, grenzen die Reaktionen auf das plötzliche Versiegen der Druschba-Pipeline an Panik. Reflexartig stellen Politiker wahlweise die Verlässlichkeit Russlands oder den deutschen Atomausstieg oder beides gleichzeitig in Frage. Diese Reaktionen sind so durchsichtig wie übertrieben. Man mag Putins Russland mit gutem Grund misstrauen, eine Sorge aber ist unbegründet: Russland dreht den Hahn nicht zu. An einer Unterbrechung der Energielieferungen nach Westeuropa hat Moskau so wenig Interesse wie Westeuropa selbst. Energie ist Wirtschaftswachstum und Wohlstand - eben auch in Russland, das seine Ökonomie auf seine Rohstoffe gründet. Eifrig kündigt die Bundeskanzlerin Gespräche mit dem Kreml über die Energieversorgung an. Keine Angst: Die wird Russland auch so wieder ins Lot zu bringen versuchen. Derweil versucht die Union, mit dem Öl die Kernkraft-Debatte anzufachen. Nur treiben Reaktoren eben keine Autos an, sie versorgen auch keine Brennkessel. Kernkraft löst hierzulande kein Ölproblem. Steigende Energiepreise, Lieferunterbrechungen bei Öl und Gas, wachsende Konkurrenz um die verbliebenen Reserven illustrieren etwas viel Grundsätzlicheres. Die Industrieländer müssen sich damit abfinden, dass ihr bisheriges Erfolgsmodell sich verändert. Menschliche Entwicklung war stets mit Energie verbunden, und diese war selten begrenzt. Wasserkraft ließ die ersten Mühlen laufen, Dampf die ersten großen Maschinen, Öl trieb die Autos an, Kohle die großen Kraftwerke. Stets brauchten die Staaten mehr, stets schufen sie die entsprechenden Infrastrukturen: Stromnetze, Ölpipelines, Gasröhren. Mal war Kapital knapp, mal Arbeitskraft. Energie aber war in der entwickelten Welt selten rar. Abhängigkeit Europas steigt Die Europäer müssen nicht weit reisen, um sich den Wandel anzusehen. Die Nordsee wirft von Jahr zu Jahr weniger Öl und Gas ab. Die Abhängigkeit Europas von ausländischen Energieträgern wird sich bis 2030 verdoppeln, schätzt die EU. Die Konkurrenz mit anderen Importeuren, etwa den Boomländern China und Indien, nimmt rasant zu, und ein wachsender Anteil der Rohstoffe stammt aus politisch instabilen Regionen. Wer in dieser Situation noch wachsen will, muss das mit weit weniger Energie bewerkstelligen oder zumindest mit anderer. Warum auch nicht? Deutschland, Europa, die Industriestaaten insgesamt sollten die Entwicklung als Chance verstehen. Nirgends steht in Stein gemeißelt, dass unsere Formen der Energieerzeugung und -nutzung die einzig richtigen sind. Lösungen gibt es von ganz klein bis ganz groß. Selbst die sparsamen Deutschen gehen immer noch zu verschwenderisch mit ihrer Energie um, sie achten Geschwindigkeit oft höher als Spritpreise, und ihre Häuser wärmen die Außenwelt zu stark mit. In der Industrie verschleudern alte Elektromotoren Energie, in den Kellern fressen technisch überholte Heizungen unnötig viel Geld. Kraftwerke geben wertvolle Wärme an die Umwelt ab, statt sie in Fernwärmenetze einzuspeisen. Energie der Zukunft wird diejenige sein, die gar nicht erst verbraucht wird. Energiepolitik als Kern der deutschen EU-Ratspräsidentschaft So gesehen, sollte gerade Deutschland dankbar sein für den Ärger gleich zu Beginn seiner EU-Ratspräsidentschaft. Es erweist sich als richtig, dass die Bundesregierung Energiepolitik und Klimaschutz zu Kernfragen ihres Europa-Vorsitzes gemacht hat. Dies sind zwei Seiten derselben Medaille. Nur gemeinsam kann Europa hier vorankommen. Alternativen gibt es weder zum Klimaschutz noch zum sorgsameren Umgang mit Energie. Die Europäer dürfen sicher sein, dass sie nicht die Einzigen sind, die sich darüber Gedanken machen. Auch jenseits des Atlantiks und in Fernost wächst die Sorge. Mit Glück aber zählen Europas Ingenieure zu den ersten, die Antworten finden - vor allem auf die Frage, wie sich Wirtschaftswachstum, teure Energie und Kampf gegen den Klimawandel vereinbaren lassen. Effiziente Technologien, dezentrale, erneuerbare Energieformen, Fahrzeuge und Häuser, die immer weniger verbrauchen - der nächste große Innovationszyklus gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit der Energie. Nach langer Zeit könnte Europa wieder mal an der Spitze einer Bewegung stehen. Energiesparen als Lösung Gesellschaftlich ist die Zeit reif dafür. Die Chancen erneuerbarer Energien sind mittlerweile unbestritten. Mieter und Hausbesitzer werden zu Klimaschützern, allein um Kosten zu sparen. Auf den großen Automessen, etwa dieser Tage in Detroit, begeistern die Spritschlucker allenfalls noch Fetischisten: Das große Geschäft macht, wer sparsame Autos baut. Wenn dies der Weg in die Energiezukunft bleibt, kann uns die sibirische Art der Freundschaft womöglich irgendwann gestohlen bleiben.
Die Reaktionen auf den Streit zwischen Russland und Weißrussland grenzen teilweise an Panik. Die Energiekrise könnte die Chance für die Zukunft sein.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/oel-versorgung-energie-fuer-morgen-1.907083
Öl-Versorgung - Energie für morgen
00/05/2010
Der viel beachtete ifo-Index für das Geschäftsklima hat sich im Dezember unerwartet gut entwickelt. Fast alle Branchen erwarten bessere Geschäfte. Der Konsum bleibt trotz einer leichten Belebung aber ein Sorgenkind. In Deutschland hat sich die Stimmung in der Wirtschaft im Dezember überraschend deutlich aufgehellt. Der ifo-Geschäftsklimaindex sei von 97,8 Punkten im November auf 99,6 Zähler geklettert, teilte das ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Freitag in München mit. Detailansicht öffnen So hoch wie seit über fünf Jahren nicht mehr: der Index-Stand des ifo-Index. (Foto: Grafik: sueddeutsche.de) Befragte Volkswirte hatten im Schnitt hingegen nur mit einem Anstieg auf 98,1 Punkte gerechnet. Die Firmen beurteilten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Aussichten für die kommenden Monate besser. "Die neuen Daten bestätigen den seit diesem Frühjahr anhaltenden Aufwärtstrend", sagte ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Auch nach Einschätzung der Commerzbank sind die Aussichten für die Wirtschaft für 2006 "zweifellos gut". Gleichwohl sollte der kräftige Anstieg des ifo-Index nicht überinterpretiert werden, sagte Ökonom Matthias Rubisch. "Ordentlich" Aus Sicht des Bankhauses HSBC Trinkaus & Burkhardt reiht sich der ifo-Index in eine ganze Folge guter Konjunkturdaten ein. Im vierten Quartal sei mit einem "ordentlichen" Wachstum zu rechnen, sagte Volkswirt Rainer Sartoris. Auch im ersten Halbjahr 2006 werde sich die Konjunktur gestützt durch den Export freundlich entwickeln. Der Konsum bleibt den Experten zufolge trotz einer leichten Belebung aber ein Sorgenkind. "Extrem kurzer" Vorlauf Der "extreme Gleichlauf" von Lage- und Erwartungskomponente signalisiert nach Ansicht der Commerzbank einen "extrem kurzen" Vorlauf des Indikators. Möglicherweise spiegele der ifo-Index derzeit lediglich die sehr gute Entwicklung in der Industrie. Im Dezember legten sowohl der Lage- als auch der Erwartungsindikator im Gleichklang jeweils von 97,8 auf 99,6 Punkte zu. Die Reaktion der Finanzmärkte auf die Daten war eindeutig. Der Euro kletterte zeitweise mit 1,2026 US-Dollar wieder über die Marke von 1,20 Dollar und erreichte sein Tageshoch. Der Rentenmarkt stand etwas unter Druck, während der Aktienmarkt seine Kursgewinne ausbaute. Wichtigster deutscher Frühindikator Das ifo Institut ermittelt den Geschäftsklimaindex einmal monatlich aus einer Umfrage unter 7.000 Unternehmen. Er gilt als wichtigster deutscher Frühindikator.
Der viel beachtete ifo-Index für das Geschäftsklima hat sich im Dezember unerwartet gut entwickelt. Fast alle Branchen erwarten bessere Geschäfte. Der Konsum bleibt trotz einer leichten Belebung aber ein Sorgenkind.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ifo-index-hoechster-stand-seit-sommer-2000-1.904569
ifo-Index - Höchster Stand seit Sommer 2000
00/05/2010
Der Emissionshandel in Europa ist beschlossene Sache: Vom kommenden Jahr an müssen Industrie- und Energieanlagen für jede Tonne Kohlendioxid, die sie in die Atmosphäre pusten, ein entsprechendes Verschmutzungsrecht vorweisen. Um die Zuteilung der zunächst kostenlosen CO2-Zertifikate wird zwischen Umweltminister Jürgen Trittin (SPD), Wirtschaftsminister Wolfang Clement (SPD) und der Wirtschaft jedoch hart gerungen. Zentrale Punkte sind umstritten: GRUNDLAGE für die Zuteilung der CO2-Zertifikate sollen nach Trittins Plänen die Emissionen der mehr als 2600 betroffenen Anlagen zwischen 2000 und 2002 sein. In einem Gegenentwurf fordert der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) dagegen, den Bemessungszeitraum flexibel zu wählen, um Jahre mit ungewöhnlich geringem CO2-Ausstoß auszuklammern. Schwache Jahre 2000 bis 2002 etwa seien äußerst schwache Jahre für die stromintensive Bauindustrie gewesen, argumentiert der BDI. Darum sei in dieser Zeit auch weniger Kohlendioxid ausgestoßen worden. Die GESAMTMENGE der Zertifikate will Trittin bis 2010 schrittweise VERMINDERN, um die deutsche Klimaschutzverpflichtung aus dem Kyoto-Protokoll zu erreichen. Dabei beruft sich Trittin auf die Selbstverpflichtung der Wirtschaftsverbände, die vor drei Jahren zusagten, bis 2010 45 Millionen Tonnen CO2 gegenüber 1998 einzusparen - damals hatten Industrie und Energiewirtschaft 508 Millionen Tonnen ausgestoßen. Jährliche Minderungsvorschriften lehnt die Industrie aber ab - die Selbstverpflichtung hat in ihren Augen mit dem Emissionshandel nichts zu tun. Die Energiewirtschaft fordert darüber hinaus einen Ausgleich für den von Rot-Grün vorgegebenen ATOMAUSSTIEG, weil der Umstieg auf fossile Brennstoffe höhere Emissionen verursacht. Zudem müssten Investitionen in effizientere Kraftwerke aus den Vorjahren mit zusätzlichen Gratis-Zertifikaten belohnt werden - in stärkerem Maß, als Trittin das ohnehin plant. Brennstoffabhängige Zuteilung Beim Bau von NEUANLAGEN will Trittin den Betreibern die Wahl des Brennstoffs überlassen - aber nur Zertifikate für hoch effiziente Gas- und Dampfkraftwerke zuteilen. Die Energiewirtschaft sieht die CO2-intensiveren Kohlekraftwerke dadurch benachteiligt und pocht auf eine brennstoffabhängige Zuteilung. Beim Ersatz alter Kraftwerke durch effizientere Neubauten will Trittin dem Unternehmen die dann nicht mehr benötigten Zertifikate als Innovationsanreiz überlassen, damit sie im EU-weiten Handel zu Geld gemacht werden können. Der BDI fordert dagegen, den Überschuss zur Stärkung der deutschen Wirtschaft im Land zu belassen und proportional an alle Unternehmen auszuschütten.
Der Emissionshandel in Europa ist beschlossene Sache: Vom kommenden Jahr an müssen Industrie- und Energieanlagen für jede Tonne Kohlendioxid, die sie in die Atmosphäre pusten, ein entsprechendes Verschmutzungsrecht vorweisen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/umweltverschmutzung-erbitterter-poker-1.906541
Umweltverschmutzung - Erbitterter Poker
00/05/2010
Noch schärfer als die EU-Kommission will das Europaparlament gegen Preistreiber bei Handy-Auslandsgesprächen vorgehen. Die Anbieter sollen zu einem Höchsttarif verpflichtet werden, der unter dem von EU-Medienkommissarin Viviane Reding vorgeschlagenen Maximalsatz liegt. Handy-Telefonate im Ausland sollen nach dem Willen des Industrie-Ausschusses im Europaparlament deutlich günstiger werden. Das Gremium sprach sich am Donnerstag mit breiter Mehrheit für eine Obergrenze von 40 Cent pro Gesprächsminute aus. Die Annahme eines Anrufs sollte maximal 15 Cent pro Minute kosten, forderten die Abgeordneten. Das Europaparlament stimmt Anfang Mai über eine Senkung der Auslandstarife für Mobilfunkgespräche, der so genannten Roaming-Gebühren, ab. Wenn das Plenum der Empfehlung des Ausschusses folgt, muss allerdings noch ein Kompromiss mit den Regierungen der EU-Staaten gefunden werden. Einigung auf Höchstpreis steht noch aus Die für Telekommunikation zuständigen Minister sprachen sich im März bei einem Treffen auf der Cebit zwar ebenfalls für eine Senkung der Roaming-Gebühren aus, konnten sich aber noch nicht auf einen Höchstpreis einigen. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft hat eine Obergrenze von 52 Cent pro Minute für ausgehende Anrufe und von 25 Cent für die Annahme eines Gesprächs vorgeschlagen. EU-Medienkommissarin Viviane Redings Vorschlag für eine Obergrenze beläuft sich hingegen auf 44 Cent pro Minute. Die Bundesregierung strebt eine Einigung noch vor Ablauf der deutschen Ratspräsidentschaft Ende Juni an. Frist Dass die Verbraucher schon im Sommerurlaub billiger telefonieren können, scheint ausgeschlossen: Da den Mobilfunkanbietern für eine Umsetzung der Vorgaben bis zu drei Monate Zeit gegeben werden sollen, dürften Handy-Gespräche im Ausland frühestens im Herbst günstiger werden.
Noch schärfer als die EU-Kommission will das Europaparlament gegen Preistreiber bei Handy-Auslandsgesprächen vorgehen. Die Anbieter sollen zu einem Höchsttarif verpflichtet werden, der unter dem von EU-Medienkommissarin Viviane Reding vorgeschlagenen Maximalsatz liegt.
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Auslandsgespräche mit dem Handy - Europaparlament will Roaming-Gebühren deckeln
00/05/2010
Das deutsche Vorzeigeunternehmen SAP weist in einer ganz spezifischen Hinsicht ein Alleinstellungsmerkmal auf: Trotz seiner Größe ist der IT-Koloss bis dato eine betriebsratsfreie Zone geblieben. Doch das könnte sich nun ändern. Es ist eines der großen deutschen Vorzeigeunternehmen, in mancherlei Hinsicht etwas anders als andere große Mittelständler und Konzerne im Lande. In einer Randlage der Bundesrepublik, weitab von den Metropolen, siedelt im nordbadischen Walldorf der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware, SAP. Detailansicht öffnen Betriebsräte mischen sich hier noch nicht ein: Die SAP-Zentrale in Walldorf. (Foto: Foto: dpa) In den mehr als 30 Jahren nach der Firmengründung ist Deutschlands bis heute einziger Softwarekonzern ständig gewachsen, beschäftigt inzwischen weltweit 32.000 Mitarbeiter, davon 14.000 in Deutschland und 7500 am Firmensitz in der badischen Provinz. SAP mit seiner Erfolgsgeschichte weist auch in einer ganz spezifischen Hinsicht ein Alleinstellungsmerkmal auf: Trotz der Größe ist der IT-Koloss aus Walldorf bis heute eine betriebsratsfreie Zone geblieben. Eine neue Ära könnte anbrechen Es könnte sein, dass sich diese Zeiten bald dem Ende nähern, dass am kommenden Donnerstag eine neue Ära für SAP anbricht. Zum 2. März haben drei SAP-Beschäftigte die Belegschaften in Walldorf und im benachbarten St. Leon-Rot zur Betriebsversammlung geladen. Zweck der Veranstaltung: Kür eines Wahlvorstands für die zwischen März und Ende Mai stattfindenden Betriebsratswahlen im Lande. Dafür muss der Wahlvorstand dann eine Liste von Mitarbeitern zusammenstellen, die für solch einen Posten kandidieren. Keine Frage, dass die IG-Metall, die auch für diese Branche zuständig ist, das Vorhaben wohlwollend unterstützt - nicht zuletzt durch allerlei Aufklärung auf der eigens eingerichteten Webseite www.sap.igm.de. Kritisch beäugt Ebenso keine Frage, dass der SAP-Mitgründer und heutige Großaktionär Dietmar Hopp dieses Vorhaben äußerst kritisch beäugt. In seinen Chefzeiten bei SAP lautete seine Standdardauskunft: "Wer einen Betriebsrat gründet, der fliegt." Jetzt tat er einem Online-Magazin seine Sorge kund, dass es dem Unternehmen schlecht bekommen werde, "wenn die IG Metall in der SAP einen fremd gesteuerten Betriebsrat installiert".
Das deutsche Vorzeigeunternehmen SAP weist in einer ganz spezifischen Hinsicht ein Alleinstellungsmerkmal auf: Trotz seiner Größe ist der IT-Koloss bis dato eine betriebsratsfreie Zone geblieben. Doch das könnte sich nun ändern.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sap-nicht-laenger-rat-los-1.901520
SAP - Nicht länger Rat-los
00/05/2010
Ex-Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz räumt die Annahme von Schmiergeld ein und belastet auch seinen früheren Chef und Freund Ulrich Schumacher. Es waren längliche Briefumschläge, voll mit Fünfhundertern, ganz neuen Banknoten, erst D-Mark-Scheine, später Euroscheine. ,,Von wem bekamen Sie das Geld'', fragt der Vorsitzende Richter Wolf-Stefan Wiegand. ,,Von Herrn Schneider. Ich hab das Kuvert genommen und in die Seitentasche meiner Geschäftstasche gesteckt.'' Detailansicht öffnen Andreas von Zitzewitz erscheint als Zeuge vor dem Münchner Landgericht. (Foto: Foto: dpa) Genauso lief es bei jeder Geldübergabe ab, sagt Andreas von Zitzewitz, Ex-Vorstandsmitglied beim Chiphersteller Infineon, am Donnerstag vor dem Münchner Landgericht. Nachgezählt habe er nie. Zitzewitz ist einer der Hauptzeugen im ersten Korruptionsprozess um den Münchner Dax-Konzern Infineon. Angeklagt in dem Verfahren, das seit Ende Juni läuft, ist der Sponsorenvermittler Udo Schneider, Chef der Schweizer Agentur BF Consulting. Bestechungsvorwurf Über Jahre hinweg soll er ehemalige Topmanager von Infineon bestochen und Geld von Sponsoren, das dem Chipkonzern zustanden hätte, veruntreut haben. Auch Zitzewitz bekam, wie er jetzt erstmals öffentlich eingeräumt hat, Geld von Schneider. ,,Im Prinzip war mir immer unwohl, aber auf der anderen Seite habe ich mich über das Geld gefreut'', sagt der Manager. ,,Das war ein Fehler'', sagt der 46-Jährige in seiner Zeugenvernehmung am Donnerstag. ,,Ich habe mir dadurch meine Unabhängigkeit abkaufen lassen.'' Schneider habe sich wohl erhofft, dass sich auf diese Weise jemand im Konzern für ihn stark macht. Maximal 70.000 bis 100.000 Euro Es seien aber nicht 260.000 Euro gewesen, wie von Schneider behauptet, sondern maximal 70.000 bis 100.000 Euro, sagte Zitzewitz. ,,Woher wissen Sie das, wenn Sie nicht nachgezählt haben'', fragt Wiegand. ,,Weil ich noch genau weiß, wofür ich das Geld ausgegeben habe: Immer zur Begleichung von Unkosten im Zusammenhang mit meiner Leidenschaft für den Motorsport.'' Teilnahmegebühren, Bremsbeläge, Felgen, mal eine Reparatur, dafür sei das Geld draufgegangen. Schließlich sei er fünf bis sechs Rennen pro Jahr gemeinsam mit seinen Söhnen gefahren.
Ex-Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz räumt die Annahme von Schmiergeld ein und belastet auch seinen früheren Chef und Freund Ulrich Schumacher.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/infineon-korruptionsprozess-gib-dem-andreas-doch-auch-etwas-1.906234
"Infineon-Korruptionsprozess - ""Gib dem Andreas doch auch etwas"""
00/05/2010
Zuerst wurden unsere E-Mail-Accounts damit überschwemmt. Dann versprachen SMS die heißen Flirts oder Gewinne. Jetzt hat Spam - massenhafter Werbemüll - das Festnetztelefon erreicht. Eine neue Abzockmasche macht die Runde: Windige Anbieter nutzen automatische Anrufmaschinen, um massenhaft Telefonnummern anzuwählen. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: AP) Wer abnimmt, hört eine Computerstimme. Die will dazu verleiten, persönliche Daten preiszugeben, Produkte zu bestellen oder teure Nummern zu wählen. So genannte automatische Anrufmaschinen wählen eine Telefonnummer nach der anderen. Nimmt jemand ab, beglückt ihn eine Computerstimme mit dubiosen Botschaften. "Beschwerden über unerwünschte Spam-Anrufe von Maschinen häufen sich seit einem Jahr ganz massiv", sagt Markus Saller, Leiter der Rechtsabteilung bei der Verbraucherzentrale Bayern. Viele Haushalte hätten bereits unliebsame Erfahrungen gemacht. Oft wird mit der Chance auf Gewinn gelockt Die freundlichen Stimmen von der Festplatte wollen den Angerufenen meist verleiten, eine Nummer mit teuren 0190- oder 0900-Vorwahlen zu wählen. So werde dem Opfer häufig weisgemacht, er sei als Teilnehmer eines exklusiven Ratespiels ausgewählt, berichtet Saller. Um die Lösung der simplen Quizfrage loszuwerden, muss der Angerufene auflegen und die teure Nummer eines Mehrwertdienstes ins Telefon tippen. Doch bis der Ratefreund antworten kann, schindet das Computerprogramm reichlich Zeit: Indem es das Opfer zum Beispiel mehrfach Namen oder Adresse buchstabieren lässt oder es in kostenpflichtigen Warteschleifen parkt. Adressen werden verkauft Die Abzocke funktioniere auch ohne neue Anwahl, sagt Saller - wenn der Belästigte auf eine Frage der Computerstimme hin ausdrücklich einwilligt, nun einen kostenpflichtigen Dienst nutzen zu wollen. Evelyn Keßler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nennt weitere Motive für unerwünschte Anrufe: So wollen Adress-Sammler den Opfern deren persönliche Daten entlocken - häufig ebenfalls unter dem Vorwand eines Gewinnspiels. Die Angaben werden verkauft. Oder die Fräuleins von der Festplatte bringen überrumpelte Gesprächspartner dazu, Produkte zu bestellen.
Zuerst wurden unsere E-Mail-Accounts damit überschwemmt. Dann versprachen SMS die heißen Flirts oder Gewinne. Jetzt hat Spam - massenhafter Werbemüll - das Festnetztelefon erreicht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/waehlprogramme-bei-anruf-abzocke-1.907268
Wählprogramme - Bei Anruf Abzocke
00/05/2010
Die Dresdner Bank zahlte zwar Abfindungen an entlassene Mitarbeiter — aber unter falschen Voraussetzungen, sagen viele und gehen vor Gericht. Es ist nicht allzu lange her, da hegten die Verantwortlichen der Münchner Allianz AG große Pläne für die Advance Bank. Die Tochter der Dresdner Bank - beide Institute wurden von dem Finanzriesen im Jahr 2001 übernommen - sollte ein wichtiger Teil im künftigen Allfinanz-Konzern werden. Detailansicht öffnen Im November letzten Jahres übernahm die Dresdner Bank alle Funktionen der Advance Bank — auch den Ärger mit den Ehemaligen. (Foto: Foto: ddp) Einst große Pläne - doch dann ... Zunächst war vorgesehen, das Beratungsangebot der Direktbank massiv auszubauen: Das geplante Investitionsvolumen belief sich auf bis zu 700 Millionen Euro. Doch dann begannen sich die Versicherungsleute zu sorgen, das Projekt könnte zu teuer kommen. Vor gut einem Jahr folgte eine Kehrtwende in Form des Beschlusses, die Advance Bank aufzulösen. Das ist mittlerweile geschehen, und geblieben sind viele Verlierer. 900 Mitarbeiter mussten bei Schließung den Arbeitsplatz aufgeben — 400 von der Advance Bank, 500 von der im Aufbau befindlichen Advance Finanzplanung. "Die haben uns rausgesetzt, nachdem sie unser Know-how abgezapft haben", klagt ein ehemaliger Banker, der mehrere Mitarbeiter führte. Wie vielen anderen wurde ihm im Herbst 2003 eine Auflösung des Vertrages nahe gelegt. Wie viele andere erhielt er eine nur "mäßige" Abfindung. Enttäuscht ist er noch immer. Prozesstermin am Freitag Nicht alle gaben sich zufrieden. Mehr als 100 ehemalige Advance-Banker, die meisten von der Finanzplanung, hatten Klage vor Arbeitsgerichten eingereicht. Mehr als die Hälfte von ihnen habe anschließend einen Vergleich geschlossen, sagt der zuständige Anwalt Martin Pröpper. Dahinter steht der Vorwurf: Die Sozialpläne seien falsch berechnet, die Abfindungen zu niedrig. Ein Prozess, der Modellcharakter für weitere Entscheidungen haben dürfte, geht an diesem Freitag vor der 3. Kammer des Arbeitsgerichts München in die entscheidende Phase (Az. Ca 145 13/03). Geladen ist der ehemalige Vorstand der Advance Holding AG, Thomas Pleines, inzwischen Vorsitzender der Geschäftsleitung der schweizerischen Allianz-Tochter Allianz Suisse, sowie der ehemalige Vertriebsvorstand Peter Stober. Ebenfalls vorgeladen: der damalige Betriebsratsvorsitzende der Advance-Gruppe, Anton Kopleder. Alle haben entscheidend an den Sozialplänen mitgestrickt. Ansprüche klären Der Vorsitzende Richter Christian Neumaier sagte auf Anfrage der SZ, er wolle mit Hilfe der Zeugen vor allem die Ansprüche aus den Sozialplänen klären. Die Parteien streiten laut Neumaier darüber, an welchem Grundgehalt sich die Abfindungen orientieren dürfen. Anwalt Pröpper möchte nach eigenen Worten dagegen "etwas Grundlegenderes" klären, nämlich ob es sich bei der Schließung der Advance Bank um eine Stilllegung oder um einen Betriebsübergang gehandelt hat. Ist die Direktbank stillgelegt worden, so wie es Allianz und Dresdner Bank behaupten, dann hätte den Mitarbeitern kurzfristig gekündigt werden dürfen - so, wie es die Firmen bei vielen Mitarbeitern taten. Handle es sich um einen Betriebsübergang, also eine Weiterführung der Geschäfte durch die Dresdner Bank, dann "hätte man die Advance-Bank-Mitarbeiter nicht betriebsbedingt vor die Tür setzen dürfen", argumentiert der Rechtsanwalt. Gezielte Kundenstamm-Übernahme Die Folge laut Pröpper: Alle Mitarbeiter hätten einen Bestandsschutz von einem Jahr in Anspruch nehmen können. "Viele Abfindungen wären höher ausgefallen", mutmaßt er. Für den Anwalt, der für die Kanzlei Ulrich Weber&Partner mehr als 120 Ex-Mitarbeiter verteidigt, handelt es sich nur um eine "vordergründige Betriebsschließung". Pröppers Argumentation: Die Dresdner Bank habe gezielt die 300.000 Kunden von der Advance Bank und weitere 20.000 Kunden von der Advance Finanzplanung übernommen, immerhin eine knapp zehnprozentige Erweiterung des Dresdner-Kundenstammes. Dadurch habe die Bank de facto die Geschäfte weitergeführt. "Durch diese Übernahme wurde die Dresdner Bank der neue Arbeitgeber der Advance-Bank-Mitarbeiter und trägt die Verantwortung", argumentiert Pröpper. Bisher sei auch immer die Dresdner Bank aufgekommen, wenn seine Mandanten zusätzlich zur Abfindung Geld aus den gerichtlichen Vergleichen erhalten hätten. Für Pröpper der Beweis, dass die Bank verantwortlich ist. Kunden heftig umworben Die Dresdner Bank wollte im Hinblick auf das laufende Verfahren diese Vorwürfe nicht kommentieren. Ein Sprecher sagte auf Anfrage: "Natürlich haben wir den Kunden angeboten, zu uns zu wechseln." In früheren Stellungnahmen hatte das Geldhaus allerdings mehrmals erklärt, dass es die Kunden der Advance-Gruppe auf keinen Fall gezielt herübergezogen habe. In Kontrast zu dieser zurückhaltenden Darstellung steht der hohe Marketing-Aufwand, mit dem die Bank den Wechsel vorangetrieben hat: Bis zu zehn Briefe flatterten Advance-Bank-Kunden im November und Dezember 2003 ins Haus. Dresdner-Bank-Vertreter vereinbarten Telefongespräche, und in der Filiale warteten Allianz-Vertreter auf die Kunden, um ihnen Versicherungen zu verkaufen. Menschlich enttäuscht Vielen Mitarbeitern geht es aber nicht nur um die Höhe der Abfindungen. Sie sind enttäuscht vom Vorgehen von Allianz und Dresdner. "Noch im Frühjahr 2003 hat man viele von uns gebeten zu bleiben", sagt der Ex-Mitarbeiter. Drei Monatsgehälter als Bleibeprämie habe die Dresdner vielen Wissensträgern geboten, Stellen seien glaubwürdig versprochen worden. "Alles nur vorgegaukelt. Die wollten bloß, dass wir das sinkende Schiff nicht zu früh verlassen", sagt der Ex-Banker, in dessen Abfindungsvertrag festgeschrieben ist, dass er offiziell zu den Vorgängen schweigen muss. Das Schlimmste sei die monatelange Unsicherheit gewesen. "Die haben uns so lange hingehalten." Erst im Herbst 2003 habe der Vorstand bei einer Betriebsversammlung einen Auflösungsplan vorgestellt. Da hätten die letzten verstanden, dass man sie nicht wirklich halten wollte. Geschafft hätten es bei der Advance Bank nur wenige, erzählt der Mitarbeiter. 25 bis 30 Vermögensberater seien nun bei der Dresdner Bank angestellt. Sie kümmern sich ausschließlich um die reichen Kunden.
Die Dresdner Bank zahlte zwar Abfindungen an entlassene Mitarbeiter — aber unter falschen Voraussetzungen, sagen viele und gehen vor Gericht.
wirtschaft
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"Ärger um die aufgelöste Advance Bank - ""Alles nur vorgegaukelt"""
00/05/2010
Ab dem ersten August gilt nach dem Festnetz nun auch für Handys die Preisansagepflicht bei der Anwahl von 0190er-und 0900er Rufnummern. Wird nicht über den Preis informiert, muss die Rechnung nicht bezahlt werden. Handynutzer werden künftig besser vor Nepp mit teuren Telefonnummern geschützt. Detailansicht öffnen Kunden müssen die Rechnung nur bezahlen, wenn sie vor dem Gespräch über die Preise informiert wurden sind. Foto: dpa Die Regulierungsbehörde in Bonn hat darauf hingewiesen, dass ab 1. August auch in den Mobilfunknetzen die Preisansagepflicht für die Anwahl von 0190er-und 0900er Rufnummern gilt, die für das Festnetz schon seit rund einem Jahr eingeführt ist. Damit seien die im vergangenen Jahr beschlossenen Regelungen des Missbrauchs-bekämpfungsgesetzes nun vollständig in Kraft getreten. Kostenlose Preisansage Die Ansage bei 0190er- und 0900er Rufnummern muss nach den Angaben der Regulierungsbehörde kostenlos sein und spätestens drei Sekunden vor Beginn der Entgeltpflichtigkeit erfolgt sein. Auf deren Beginn muss hingewiesen werden. Aus der Ansage muss hervorgehen, ob sich der Preis auf jede angefangene Minute oder auf jede Einwahl bezieht. Der angesagte Preis muss die Umsatzsteuer und sonstigen Preisbestandteile enthalten. Ändert sich der Preis während der Inanspruchnahme des Mehrwertdienstes, so ist wiederum vor Beginn des neuen Tarifabschnitts der neue Preis in gleicher Weise anzusagen. Information vor Beginn der Kostenpflicht Wie bisher gelte die gesetzliche Preisansagepflicht auch bei der Weitervermittlung von einer Rufnummer — zum Beispiel von Auskunftsdiensten — zu einer 0190er- oder 0900er Rufnummer, betonte die Regulierungsbehörde. Nach dem Telekommunikationsgesetz müssten Telefonkunden die Leistungen der teuren Telefonnummern nur bezahlen, wenn sie vor Beginn der Dienstleistung in der beschriebenen Weise über den Preis informiert worden seien, unterstrich die Behörde.
Ab dem ersten August gilt nach dem Festnetz nun auch für Handys die Preisansagepflicht bei der Anwahl von 0190er-und 0900er Rufnummern. Wird nicht über den Preis informiert, muss die Rechnung nicht bezahlt werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/0190er-nummern-ohne-preisansage-wird-s-billig-1.905837
0190er-Nummern - Ohne Preisansage wird's billig
00/05/2010
Bei der Suche nach Einnahmequellen hat der Finanzminister das World Wide Web entdeckt. Dort läuft seiner Meinung nach zu viel Geld am deutschen Fiskus vorbei. Jedem Finanzminister seine exklusive Schlagzeile. Bayerns Etatwächter Kurt Faltlhauser (CSU) will sich als Steuersenker profilieren und dem notgeplagten Firmen-Mittelstand die Erbschaftsteuer erlassen, nachzulesen am Montag in der Süddeutschen Zeitung. Detailansicht öffnen Hans Eichel will den Online-Handel schärfer kontrollieren. (Foto: Foto: ddp) Von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) dagegen war am selben Tag in der Bild-Zeitung zu erfahren, dieser wolle nun auch noch eine Internet-Steuer einführen. Eichels Pech war es, dass er in dem Interview zwar eine tadellos unverdächtige Antwort gegeben hatte, diese aber in der Überschrift verkürzt und damit verfälscht wurde. Eine Internet-Steuer, so ließ er am Montag verbreiten, schwebe dem Minister nun ganz und gar nicht vor. Damit ist er gut beraten, weil andernfalls auch noch das letzte Fünkchen Vertrauen in die Urteilsfähigkeit des Finanzministers verloren gewesen wäre. Internethandel ein Lichtblick In der labilen wirtschaftlichen Situation Deutschlands und angesichts der miesen Umfragewerte für die regierende rot-grüne Koalition auch noch mit der Idee einer neuen Steuer zu jonglieren, käme vermutlich einem politischen Selbstmord ziemlich nahe. In der ansonsten trostlosen Situation des deutschen Konsums ist der Internethandel einer der wenigen Lichtblicke, und sogar der Bundeskanzler hat gerade erst wieder für eine stärkere Internetnutzung der Bürger zum Wohle des Landes geworben. Auktionen und Shops im Ausland sehr beliebt Einer von der Postbank veröffentlichten Studie zufolge schätzen vor allem leitende Angestellte und Selbstständige sowie Gutverdiener den Einkauf im Internet wegen der Zeitersparnis und der Unabhängigkeit von Öffnungszeiten. Deutlich gestiegen in der Gunst der Online-Käufer generell sind Auktionen im Internet sowie ausländische Shops. Diese und andere Nutzer dürfen ziemlich sicher sein: Es wird keine Internetsteuer geben, obwohl das Thema von den EU-Finanzministern seit Jahren immer wieder hin- und hergewendet wird.
Bei der Suche nach Einnahmequellen hat der Finanzminister das World Wide Web entdeckt. Dort läuft seiner Meinung nach zu viel Geld am deutschen Fiskus vorbei.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/grauzone-e-commerce-eichel-will-steuerloecher-im-internet-schliessen-1.900408
Grauzone E-Commerce - Eichel will Steuerlöcher im Internet schließen
00/05/2010
Der US-Computerhersteller Apple schickt sich wieder an, die ganze Branche umzukrempeln. In Kooperation mit EMI bietet Apples Musikhandel iTunes bald als erste Plattform Songs ohne Kopierschutz an. Bei iTunes gibt es schon bald Songs von Top-Künstlern wie den Rolling Stones oder Norah Jones - und zwar frei von Kopierschutz. Der Grund dafür ist eine wegweisende Vereinbarung zwischen dem iTunes-Betreiber Apple und dem weltweit viertgrößten Musikkonzern EMI. Wie Apple und EMI am Montag in London mitgeteilt haben, wird Apples iTunes Music Store als erste Plattform Musik ohne Kopierschutz anbieten - also frei von der DRM-Beschränkung (Digital Rights Management). Dabei kann Apple auf fast den gesamten EMI-Katalog zurückgreifen. Die jüngste Entscheidung von EMI wird nach Meinung von Branchenkennern erheblichen Druck auf den gesamten Online-Musikhandel haben. Ein Song für 1,29 Dollar "Unser Ziel ist es, den Konsumenten das bestmögliche digitale Musik-Erlebnis zu bieten", sagte EMI-Chef Eric Nicoli. Bislang hätten die DRM- Beschränkungen unter den Musikfans vielfach für Frustration gesorgt. EMI vollzieht damit eine Kehrtwendung in seiner Vertriebspolitik. Wie andere Branchenriesen auch, hat der in London ansässige Musikkonzern das unbeschränkte Kopieren von Musikdateien erbittert bekämpft und den Kopierschutz verteidigt. Der Musikriese folgt als erster dem Aufruf von Apple-Chef Steve Jobs, Songs im Internet ohne Kopierschutz zu verkaufen und auf das so genannte Digital Rights Management (DRM) zu verzichten. Bislang war ein möglichst sicherer Schutz der Online-Musik gegen illegale Piraterie für die Musikindustrie die absolute Grundvorgabe, um ihre Inhalte für den Online-Vertrieb freizugeben. Über die Internetseite "iTunes" von Apple werden derzeit rund 70 Prozent der legalen Musik heruntergeladen. "Die Kunden werden das lieben" Mit dem Format ohne Kopierschutz sollen die Musikstücke auch eine deutlich bessere Klang-Qualität besitzen. Apple verkauft die Songs künftig mit einer doppelt so hohen Bitrate wie bisher (256 statt 128 Kilobit pro Sekunde in der MPEG-4-Variante AAC). Das neue Angebot von EMI soll das bisherige Angebot allerdings nicht ersetzen, sondern ergänzen. Einzelne Songs sollen in der verbesserten Qualität statt wie üblich 99 Cent für 1,29 Dollar angeboten werden. Alben will das Plattenlabel mit höherer Qualität jedoch zum gleichen Preis verkaufen wie kopiergeschützte. Apple-Chef Steve Jobs erwartet, dass bis Ende 2006 die Hälfte aller Songs in iTunes ohne Kopierschutz angeboten werden. "Unsere Kunden werden das lieben." Unbezahlte Downloads nicht verhindert "Digitale Musik DRM-frei anzubieten ist für die Musik-Industrie der richtige Schritt nach vorn", sagte Jobs. Jobs hatte im Februar die Verantwortlichen in der Musikindustrie in einem offenen Brief aufgefordert, auf einen Kopierschutz generell zu verzichten. Die gängigen Systeme würden ohnehin nicht verhindern, dass Musik illegal kopiert werde. Mit den "Digital Rights Management" (DRM) versucht die Musik-Industrie, Piraterie in großem Stil zu verhindern. Die verschiedenen Kopierschutz-Systeme sorgen allerdings auch dafür, dass die Verbraucher ihre gekauften Songs nicht einfach auf allen Playern nutzen können. So können Songs aus dem iTunes Store nur auf dem iPod mobil abgespielt werden. Damit, so die Befürchtung der Musikindustrie, wird aber auch das Geschäft mit Online-Musik selbst ausgebremst. Nach Angaben des "Wall Street Journal" trägt der Online- Markt in den USA rund 15 Prozent zum Umsatz bei. Spiel mit großen Risiken Nach Meinung von Experten birgt der Richtungswechsel auch erhebliche Risiken. Derzeit ist die Art des Abspielgeräts und die Online-Plattform eng aneinander ausgerichtet. So können auf iTunes herunter geladene Songs auch nur auf dem von Apple hergestellten iPod abgespielt werden. Auch Microsoft will mit seinem neuen Player Zune künftig dieselbe Strategie verfolgen. Apple konnte davon bisher kräftig profitieren: Trotz des inzwischen fast unübersichtlichen Angebots verschiedenster Player ist es bislang noch keinem Hardware-Hersteller gelungen, die Marktführerschaft des iPod zu brechen. Künftig sollen die Songs nicht nur frei von Kopierbeschränkungen, sondern auch auf allen Playern abgespielt werden können. Es wird sich zeigen, ob dann der Absatz des bekanntesten Apple-Produkts, des MP3-Players iPod, unverändert hoch bleibt.
Der US-Computerhersteller Apple schickt sich wieder an, die ganze Branche umzukrempeln. In Kooperation mit EMI bietet Apples Musikhandel iTunes bald als erste Plattform Songs ohne Kopierschutz an.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kooperation-mit-musikkonzern-emi-satisfaction-bei-apple-1.901913
Kooperation mit Musikkonzern EMI - Satisfaction bei Apple
00/05/2010
Nach wochenlangen Verhandlungen haben sich die beiden Fluglinien auf ihren Zusammenschluss geeinigt. Gemessen am Umsatz ist die neue Gesellschaft Air France-KLM die größte Airline der Welt. Zusammen kamen die beiden Gesellschaften im vergangenen Jahr auf Einnahmen von 19,7 Milliarden Euro und lagen damit vor dem US-Branchenriesen American Airlines (AMR), der rund 17,3 Milliarden Dollar (nach aktuellen Wechselkursen rund 15 Milliarden Euro) erwirtschaftete. Nach Fluggastzahlen haben jedoch weiter die drei amerikanischen Gesellschaften AMR, Delta Airlines und United Airlines die Nase vorn. Lufthansa gelassen Die Lufthansa reagierte gelassen auf den Zusammenschluss von Air France und KLM. "Die Konzentration ist ein Prozess, der sich schon seit Jahren abgezeichnet hat", sagte Konzernsprecher Thomas Jachnow. Der europäische Markt werde sich um die drei Branchenriesen - Lufthansa, die neue Air-France-KLM und British Airways - konzentrieren. "Mit unserer Star Alliance bleiben wir die Nummer eins bei den Bündnissen", betonte Jachnow. Das gelte für Verbindungen in Europa und auf Langstrecken. Zu dem Bündnis gehören 16 Fluggesellschaften, darunter unter anderem United Airlines und Singapore Airlines sowie in Europa die skandinavische SAS, Austrian, Spanair und British Midland. In die fusionierte Gesellschaft wird Air France 356 Flugzeuge einbringen, KLM 162. Für beide Airlines arbeiten derzeit 101.325 Angestellte. Die Fusion soll laut der gemeinsamen Erklärung der beiden Unternehmen über einen Aktientausch abgewickelt werden. In der neuen Gesellschaft soll der französische Anteil 81 Prozent ausmachen, der niederländische 19 Prozent. Der Anteil des französischen Staates an Air France wird dadurch von 54 auf 44 Prozent sinken. Der Heimat-Flughafen der Air France in Paris liegt mit jährlich 48,3 Millionen Passagieren europaweit vor dem niederländischen Schiphol (40,7 Millionen) auf Platz drei. Alitalia stimmt zu Wie bei Air France stimmte auch bei der italienischen Alitalia der Verwaltungsrat dem Zusammengehen von Air France und KLM zu. Sein Unternehmen werde kein Veto gegen die Aufnahme der niederländischen Gesellschaft in die Luftfahrt-Allianz SkyTeam einlegen, zitierten die Nachrichtenagenturen Ansa und Radiocor Alitalia-Chef Giuseppe Bonomi. Alitalia und Air France sind Partner bei SkyTeam. Sie haben eine Überkreuz-Beteiligung von jeweils zwei Prozent. In der geplanten Holding von Air France und KLM soll auch ein Alitalia-Vertreter sitzen. Die Bekanntgabe der geplanten Fusion wirkte sich auf die Börsennotierung der beiden Gesellschaften sehr unterschiedlich aus: Der Kurs der französischen Gesellschaft sank um rund 2,5 Prozent, während das KLM-Papier einen Kurssprung von 20 Prozent verzeichnete. Aufschlag von 40 Prozent Als der Handel mit den beiden Werten am Dienstag morgen um eine halbe Stunde verzögert einsetzte, wurde Air France in Paris bei 13,35 Euro gehandelt. Der Anteilsschein von KLM wurde in Amsterdam bei 14,35 Euro notiert. Nominell wird KLM durch das Übernahmeangebot von Air France um 40 Prozent höher bewertet als die letzte KLM-Notierung am Montag bei Börsenschluss. Die Beschränkung der Air-France-Beteiligung an KLM auf eine Minderheit soll es den Niederländern wohl erlauben, die Flugrechte der KLM zu erhalten. Damit würde Air France auf die niederländischen Besorgnisse eingehen, die den Abschluss der bisher zwanzigmonatigen Gespräche immer wieder verzögert haben. Es ging dabei insbesondere um Garantien für den Flughafen Amsterdam-Schiphol. Die Niederländer befürchten, er könnte zu einem bloßen Anhängsel des Pariser Flughafens Charles de Gaulle werden. Schiphol-Chef Gerlach Cerfontaine hatte deshalb vor den Folgen einer Fusion gewarnt. Er sieht die Position von Schiphol bedroht, wenn KLM Flüge an Paris verliert. Beschäftigungsgarantie Auch das jetzige Vetorecht der niederländischen Regierung bei der KLM sowie beschäftigungspolitische Aspekte spielten bisher eine wichtige Rolle. Zwar hat Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta eine Beschäftigungsgarantie bis 2005 gegeben. Doch die Gewerkschaften befürchten einen Arbeitsplatzabbau. Auch niederländische Wirtschaftswissenschaftler hatten vor einer Fusion von KLM und Air France gewarnt, die zu Lasten der KLM gehe und bei der die angestrebten Synergie-Effekte nur Air France zugute kommen würden. Die niederländische Regierung hat deshalb noch auf ihrer letzten Sitzung nachdrückliche Garantien von der französischen Regierung gefordert. Auf französischer Seite ist mit der Fusion untrennbar die weitere Privatisierung der Air France verbunden, wie Frankreichs Wirtschaftsminister Francis Mer bereits betonte. Nachdem der Staatsanteil durch die Übernahme von 54 auf unter 40 Prozent sinken wird, soll er durch eine folgende Privatisierung auf rund 20 Prozent gedrückt werden. Teilprivatisierung Dem Bündnis soll zu einem späteren Zeitpunkt die Alitalia beitreten, die mit Air France bereits über eine wechselseitige, zweiprozentige Kapitalbeteiligung und kommerzielle Abkommen verbandelt ist. Im römischen Schatzministerium ist derzeit ein Gesetz in Vorbereitung, mit dem die Regierung einen Rückzug des Staates aus der 1947 gegründeten Airline unter die 50-Prozent-Marke autorisieren will. Noch hält das Schatzministerium 62,39 Prozent des Kapitals. Eine weitere Teilprivatisierung Alitalias ist Voraussetzung dafür, dass das Unternehmen sich auf Aktientauschbasis an einer Fusion beteiligen kann. Das wird aber nicht vor 2004 möglich sein.
Nach wochenlangen Verhandlungen haben sich die beiden Fluglinien auf ihren Zusammenschluss geeinigt. Gemessen am Umsatz ist die neue Gesellschaft Air France-KLM die größte Airline der Welt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einigung-klm-landet-bei-air-france-1.917294
Einigung - KLM landet bei Air France
00/05/2010
Die Wrackwelle rollt. Deutsche Rostlauben überschwemmen den polnischen Markt. In Afrika drängen noch ältere Kisten die Kamele von der Straße. Die Iraker fahren alles, was noch rollt, und der Rest der Welt importiert vor allem gebrauchte Geländewagen und Luxuskarossen aus Deutschland. Jährlich machen sich hunderttausende deutsche Gebrauchtwagen auf eine lange Reise gen Osten oder Süden. Dort werden die Autos dann weiter verkauft, auseinander genommen, repariert, oder gefahren, bis sie auseinander fallen. Detailansicht öffnen Gebrauchtwagen aus Deutschland werden vor allem in den Osten und Süden exportiert. (Foto: Foto: sueddeutsche.de) Über sechs Millionen Gebrauchtwagen wechseln in Deutschland jährlich den Besitzer. Jedes zehnte Fahrzeug wird exportiert, schätzt Ferdinand Dudenhöffer vom Center for Automotive Research. Vor allem alte Autos treten die Reise ins Ausland an. "Dort rentiert es sich oft noch, sie zu fahren, weil Steuer und Versicherung deutlich niedriger liegen, außerdem wird billig und kreativ repariert", sagt Ansgar Klein vom Bundesverband der freien Kfz-Händler. Bärbel Baudach aus Passau hat ihren Mercedes 280er Kombi, Baujahr 1993, auch exportieren lassen. Zuerst hat sie versucht, ihn in Deutschland loszuwerden, doch kein Händler wollte ihn. Der Grund: Gebrauchtwagenhändler sind zu einem Jahr Gewährleistung verpflichtet. "Wer kann bei einem elf Jahre alten Auto schon gewährleisten, dass im nächsten Jahr nichts kaputt geht?", fragt Bärbel Baudach. Verkaufen Händler die Autos ins Ausland, fällt die Gewährleistungspflicht weg. Die meisten Autos verlassen Deutschland über die Grenze zu Polen. Der Anblick eines Sattelschleppers voller Rostlauben war auf den Autobahnen Richtung Osten ein vergessener Anblick, doch seit dem Beitritt des Landes zur EU im Mai dieses Jahres rollen wieder über 2000 Gebrauchte täglich über die polnische Grenze. Billigware Über 150.000 importierte Autos zählte das polnische Finanzministerium allein im Mai und Juni 2004. Auf nur knapp über 1000 Autos hingegen kommt das Statistische Bundesamt. Der Grund für die Differenz: Die deutschen Statistiker zählen innerhalb der EU nur Autos, die für mehr als 1000 Euro gekauft wurden. Die meisten der nach Polen verkauften Autos sind jedoch billiger, auch sind über 70 Prozent der Fahrzeuge älter als zehn Jahre. In den vergangenen Jahren war der deutsch-polnische Autohandel fast zum Erliegen gekommen. Seit dem Jahr 2000 durften nur noch Autos eingeführt werden, die nach 1996 gebaut wurden und bestimmten Abgasvorschriften entsprachen. Das traf jedoch nur die Importeure, in Polen durften auch die älteren Wagen gehandelt und gefahren werden. Nach EU-Standards war das ungerecht, und deswegen musste die Beschränkung zum EU-Beitritt weg. Seitdem ist der Import in neuem Schwung. Das merken auch die deutschen Schrotthändler. Sie sind schlecht ausgelastet, und die Preise für Schrott steigen. Exportieren ist eben lukrativer als verschrotten. Erhebliche Preisdifferenzen Ansgar Klein vom Bundesverband der freien Kfz-Händler erklärt: "Der Preis eines 20 Jahre alten Golfs liegt hierzulande bestenfalls bei 50 bis 100 Euro, da er sich nur noch zur Verschrottung und als Ersatzteilspender eignet. In Osteuropa kann sein Wert jedoch bei 500 Euro liegen. " Der Warschauer Regierung ist der deutsche Autoschrott ein Dorn im Auge. Darum hat sie vor, den Import durch eine Anmeldesteuer oder eine Recycling-Gebühr unattraktiv zu machen. Auf die Preise für Gebrauchtwagen in Deutschland hat der Auto-Exodus nach Osten keinen Einfluss, behaupten Fachleute. Diese Fahrzeuge sind kaum gefragt, meint Hubert Jung, Geschäftsführer des Gebrauchtwagenmarkt-Analysten Eurotax Schwacke. Anders sieht es auf dem polnischen Markt aus. Eurotax Polska, Schwackes polnisches Gegenstück, hat einen signifikanten Preisverfall festgestellt. Für Kraftfahrzeuge, die vor 1998 hergestellt wurden, wird circa 15 Prozent weniger gezahlt als vor dem EU-Beitritt.
Die Wrackwelle rollt. Deutsche Rostlauben überschwemmen den polnischen Markt. In Afrika drängen noch ältere Kisten die Kamele von der Straße. Die Iraker fahren alles, was noch rollt, und der Rest der Welt importiert vor allem gebrauchte Geländewagen und Luxuskarossen aus Deutschland.
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Gebrauchtwagen - Schrott für den Osten, Luxus für die Welt
00/05/2010
Die Universal Music Group, der weltweit größte Musikvertrieb, weigert sich, Apple weiterhin mit Songs für iTunes zu beliefern. Die Branche möchte die Fesseln ablegen. Nach dem Run auf die langerwarteten iPhones von Apple schien es, als könne Apple-CEO Steve Jobs durch nichts und niemanden mehr aufgehalten werden. Doch wärend die Mobilfunkbranche noch gespannt auf die Verkaufszahlen der iPhones schielt, droht ausgerechnet aus der Musikindustrie Ungemach. Detailansicht öffnen Der lange Schatten von Steven P. Jobs. Das Konterfei des CEO vor dem Firmenlogo von Apple Computers. (Foto: Foto: dpa) Die Universal Music Group gab jetzt bekannt, den jährlichen Exklusivvertrag über den Vertrieb der iTunes nicht verlängern zu wollen. Damit verlöre Apple nicht nur den Zugriff auf lukrative Universal-Stars wie U2 oder Amy Winehouse, sondern auch auf das gesamte Künstlerrepertoire von Plattenlabels wie Motown Records oder der renommierten Deutschen Grammophon, die ebenfalls unter dem Konzerndach Vivendi Universal veröffentlichen. Verschmerzbarer Verlust? Universal erhofft sich von dieser Ankündigung mehr Verhandlungsspielraum gegenüber Apple. Denn das Wohl und Wehe des Musikverlags hängt bei weitem nicht allein von der zahlungskräftigen iPod-Kundschaft ab: Zwar stammt jede dritte Neuveröffentlichung aus dem Hause Universal, der Verkauf von Musikdateien im iTunes-Format sorgt jedoch mit 200 Millionen Dollar nur für 15 Prozent des Umsatzes (erstes Quartal 2007). Insgesamt dominiert Universal rund ein Viertel des weltweiten Musikgeschäfts, während Apple 75 Prozent des stetig wachsenden Geschäfts mit digitaler Musik hält. Sollten sich die beiden Platzhirsche also nicht über die Konditionen einigen können, wäre dies ein schmerzhafter, aber durchaus verkraftbarer Verlust für beide Parteien. Für Brancheninsider kommt dieser Schritt nicht unerwartet: An der monopolartigen Position reiben sich die Plattenfirmen schon länger. Kritisiert wird vor allem die Preisbindung der iTunes bei 99 Cent (mit Kopierschutz) oder die Nicht-Kompabilität der iPods mit anderen Abspielsystemen (mp3-Player). Allerdings sind sich auch die Experten nicht einig, ob der Weg, den jetzt Universal eingeschlagen hat, sinnvoll ist. Wenn deren Kunden verrückt nach iPods seien, schneide man sich womöglich ins eigene Fleisch, sagte Rechtsanwalt Ken Hertz gegenüber der New York Times. Andere wiederum erhoffen sich eine Wiederbelebung des Wettbewerbs und eine Chance für andere Labels, sich dem Druck von Apple zu entziehen. Sony BMG Music Entertainment, die Nummer zwei nach Universal, hat den Vertrag mit Apple allerdings schon verlängert. Friss oder stirb Auch für die Zukunft des Mobilfunks könnte diese Entwicklung nicht ganz unbedeutend sein. In Deutschland stehen derzeit die Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 in Verhandlung mit Apple über die Exklusivvertriebsrechte am iPhone. Apple trete dabei "unglaublich arrogant" auf, sagte Avi Greengart, Telekom-Analyst des Marktforschers Current Analysis vor kurzem der Netzeitung. Und auch Markus Eckstein von der Fachzeitschrift Connect resümmiert: "Normalerweise picken sich die Netzbetreiber die Handys raus, jetzt ist es umgekehrt."
Die Universal Music Group, der weltweit größte Musikvertrieb, weigert sich, Apple weiterhin mit Songs für iTunes zu beliefern. Die Branche möchte die Fesseln ablegen.
wirtschaft
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Das Ende der Alleinherrschaft - Universal sucht Machtprobe mit Apple
00/05/2010
Auf dem deutschen Biermarkt geht es in diesem Jahr turbulent wie selten zu. Um zehn Prozent könnte 2003 der Branchenumsatz fallen, erwartet die Hamburger Holsten-Brauerei. "Die Unsicherheiten stellen für die Branche und die Holsten-Brauerei eine erhebliche Herausforderung dar", sagte Vorstandschef Andreas Rost am Donnerstag in Hamburg. Eine Prognose sei nicht möglich. Im ersten Quartal ging der Bierverkauf in Deutschland um 10,5 Prozent zurück, bei Holsten im Inland um 11,5 Prozent. Die Hauptsorge der Branche und des Marktführers gilt dem Dosenpfand und der geplanten Novellierung der Verpackungsverordnung. Warten auf Trittin "Bis zum 1. Oktober kann wohl kaum ein bundesweites Rücknahmesystem für Einwegverpackungen eingerichtet werden", sagte Rost. Der Handel werde nicht Milliardenbeträge investieren, ehe klar sei, welche Verpackungen einem Pflichtpfand unterliegen. Das wolle Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) in einer neuen Verpackungsverordnung regeln, die zunächst durch das Gesetzgebungsverfahren muss. "Ehe das nicht abgeschlossen ist, wird es keine Rücknahme-Automaten geben", sagte der Holsten-Chef. Der größte deutsche Bierkonzern (Holsten Pilsener, König Pilsener, Licher Pilsner, Lübzer Pils) ist vom Dosenpfand besonders betroffen, weil er bislang rund 45 Prozent seiner Ware in Dosen verkaufte. "Je nach Marke ist der Absatz in Einwegverpackungen um bis zu 70 Prozent zurückgegangen", sagte Rost. Mehrweg-Absatz steigt kräftig Im Gegenzug nahm der Mehrweg-Absatz um bis zu 35 Prozent zu, konnte aber die Einbußen nicht ausgleichen. Ob die Einführung eines Rücknahmesystems dem Dosenabsatz wieder auf die Beine hilft, ist nach Rosts Worten kaum vorherzusehen. Holsten reagierte auf die Marktveränderungen mit Einsparungen und Kurzarbeit. Unabhängig vom Dosenpfand hat Holsten bereits in den vergangenen Monaten des vergangenen Jahres eine deutliche Zurückhaltung der Verbraucher bemerkt, vor allem in der Gastronomie. Zeichen für eine Wende des Verbraucherverhaltens seien nicht erkennbar. "Es gibt nach wie vor keine klare Linie aus Berlin, um die privaten Haushalte zu entlasten", sagte Rost. Die Holsten-Brauerei kann sich dennoch auf der Ertragsseite annähernd stabil halten, weil sie einen Teil ihrer Umsätze im Ausland erwirtschaftet und auch alkoholfreie Getränke verkauft. So will der Vorstand auch in diesem Jahr wieder eine Dividende erreichen - "ob es gelingt, wissen wir nicht". Im vergangenen Jahr erreichte die Holsten-Gruppe ein Umsatzplus von 2,6 Prozent auf 834 Millionen Euro und setzte im In- und Ausland 14,35 Millionen Hektoliter Getränke ab, davon 10,22 Millionen Hektoliter Bier. Der Marktanteil im Inland stieg von 8,5 auf 9,4 Prozent. Der Vorsteuergewinn (EBT), der im Vorjahr noch leicht negativ war, stieg auf 18,9 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen nach einem dividendenlosen Jahr wieder eine Ausschüttung von 45 Cent je Aktie erhalten.
Dosenpfand, die geplante Veränderung der Verpackungsordnung und sparsame Verbraucher: Deutschlands Bierbrauer raufen sich die Haare.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutschland-der-biermarkt-in-aufruhr-1.903682
Deutschland - Der Biermarkt in Aufruhr
00/05/2010
Ist das nur ein Automobil? Ja! Der Phaeton verkauft sich nicht, weil er nicht "unverwechselbar genug" ist. Zum ersten Mal hat VW-Chef Bernd Pischetsrieder Fehler bei dem umstrittenen Luxuswagen eingeräumt. Es sei falsch gewesen, das Modell als konventionelle Stufenhecklimousine zu bauen, sagte Pischetsrieder der britischen Autozeitschrift Car. Detailansicht öffnen Der Phaeton wird in Dresden gefertigt. Foto: dpa 2003 hatte VW nur rund 6.000 Phaeton verkauft und damit sein eigenes Ziel verpasst. Für das laufende Jahr rechnet VW früheren Angagen zufolge mit einem Absatz von 15.000 Phaeton. Seit 2002 auf dem Markt Betriebsrat und Aktionärsschützer hatten die VW-Luxusstrategie, für die vor allem der Phaeton steht, wiederholt scharf kritisiert. VW müsse stattdessen wieder mehr preiswertere Autos anbieten. Der Phaeton kam 2002 auf den Markt. Pischetsrieder sagte der Zeitschrift, der nächste Phaeton werde möglicherweise eine Mischung aus Kombi und Coupé. Er werde sicher keine "normale" Limousine. Als Beispiel für ein "unverwechselbares" Modell, das sich sehr gut verkaufe, nannte der VW-Chef den VW-Geländewagen Touareg. VW-Sprecher Hans-Gerd Bode betonte, der Phaeton (ab 63.500 Euro), der in Dresden gefertigt wird, werde weiter gebaut. Der Phaeton sei ein "langfristig angelegtes Projekt", bei dem man Geduld brauche. "In Zeiten konjunktureller Tiefen wird diese Geduld auf die Probe gestellt", sagte Bode. Fast 90 Prozent Gewinneinbruch Es gebe beim Phaeton bei VW eine "Lernkurve". Volkswagen müsse bei Wagen in diesem Segment "individuell auf die Menschen zugehen". Der Wolfsburger Autobauer war miserabel ins Jahr gestartet. Im ersten Quartal brach der Gewinn unter dem Strich um fast 90 Prozent auf nur noch 26 Millionen Euro ein. Die Markengruppe Volkswagen unter anderem mit dem Golf, dem Passat und dem Phaeton rutsche operativ ins Minus. Nur die ertragsstarke Finanzsparte bewahrte VW insgesamt vor einem Verlust.
Der Phaeton verkauft sich nicht, weil er nicht "unverwechselbar genug" ist. Zum ersten Mal hat VW-Chef Bernd Pischetsrieder Fehler bei dem umstrittenen Luxuswagen eingeräumt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einsicht-bei-volkswagen-ist-das-nur-ein-automobil-ja-1.902750
Einsicht bei Volkswagen - Ist das nur ein Automobil? Ja!
00/05/2010
Das ist der Strohhalm, an den wir uns gerne klammern wollen: Der Geschäftsklimaindex des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) in München ist erneut gestiegen, geringer zwar als erwartet, aber doch ein Stückchen weit und vor allem zum dritten Mal in Folge. (SZ vom 29.07.03) - Kommt der Aufschwung, endlich? Das Ifo-Institut selbst sieht "eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent, dass es nun nach oben geht". Eine zugleich gewagte und wohlfeile Argumentation. Wohlfeil deshalb, weil es natürlich wieder aufwärts gehen wird - es fragt sich nur: wann und mit welcher Kraft? Die Talsohle der Konjunkturflaute ist aus vielerlei Gründen vermutlich erreicht. Nicht gesagt aber ist, dass es mit der allgemein miesen Stimmung von Unternehmen und Bürgern wirklich ein Ende hat. Genauerer Blick ernüchtert Der genauere Blick auf die Ergebnisse der Ifo-Umfrage bei 7.000 Unternehmen ernüchtert: In der Summe sind es allein die Erwartungen, die die Besserung des Geschäftsklimas bewirken, die Lagebeurteilung dagegen hat sich weiter eingetrübt. Auch der "Branchenmix" ist unausgewogen. Wieder einmal war es in erster Linie der Einzelhandel, dessen Geschäftsklima sich überdurchschnittlich stark verbessert hat. Die Stimmung aber kann schnell wieder umschlagen - wenn die Erwartung an bessere Zeiten fehlgeht, wenn namentlich die Regierung die Hoffnungen enttäuschen sollte, die sie heute weckt. Unmittelbar mit Beginn der Sommerpause bietet das Team um Kanzler Gerhard Schröder (SPD) ein heftig widersprüchliches Bild. Es hat einige auf den ersten Blick gute Nachrichten parat - die sich aber bei näherem Hinsehen als Mogelpackungen entpuppen. So hat die Regierung rasche Steuersenkungen versprochen: ein Vorziehen der Steuerreform weitgehend ohne Gegenfinanzierung. Das ist steuersystematisch falsch, könnte aber - für sich allein betrachtet - die Konjunktur stabilisieren. Finanzierung völlig offen Nur ist die Finanzierung völlig offen, und mit einem ordentlichen Schuss Pech werden im Herbst die Haushalte kollabieren. Sodann hat die Regierung mit der Union unter großem Getöse eine Gesundheitsreform beschlossen. Doch der laut Oppositions-Unterhändler Horst Seehofer (CSU) "historische Durchbruch" löst keine Probleme, sondern kaschiert nur die Finanzprobleme durch massive Zusatzbelastung der Bürger. Und schließlich hat Kanzler Schröder soeben bei der Gewerbesteuerreform eine Kehrtwende im Sinne der alarmierten Wirtschaft vollzogen - aber wird die neue Linie den Protest der nächsten Tage überleben? Die Ungewissheit hält an, mit und ohne Ifo-Zahlen.
Das ist der Strohhalm, an den wir uns gerne klammern wollen: Der Geschäftsklimaindex des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) in München ist erneut gestiegen, geringer zwar als erwartet, aber doch ein Stückchen weit und vor allem zum dritten Mal in Folge.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-ungewissheit-mit-und-ohne-ifo-1.906500
Kommentar - Ungewissheit mit und ohne Ifo
00/05/2010
Nun mag man ihn selbst in Mexiko nicht mehr haben: Nach knapp 70 Jahren soll in diesem Sommer der letzte Käfer vom Band rollen. Zum Abschied darf er aber nochmals hochleben — in cremeweiß und hellblau. In diesem Sommer rollt eine Auto-Legende letztmalig vom Band: der nur noch in Mexiko hergestellte Urtyp des VW-Käfer. "Die Käfer-Produktion geht dem Ende entgegen", sagte ein Volkswagen-Sprecher. Demnach soll Ende Juli nach knapp 70 Jahren und mehr als 21,5 Millionen Autos Schluss sein. Derzeit werden nach VW-Angaben nur noch 53 Käfer pro Tag im Werk in Puebla montiert. 30 Prozent Steigung sollte er schon schaffen müssen Der Titel des Papiers war so nüchtern wie das beschriebene Produkt: "Expose betreffend den Bau eines deutschen Volkswagens" stand über den Gedanken des 55-jährigen Ingenieurs Ferdinand Porsche, die er am 17. Januar 1934 aufschrieb. Er ahnte nicht, dass aus seinen nur skizzierten Ideen die weltweit größte Erfolgsgeschichte des Automobilbaus hervorgehen sollte: Der Käfer. Das Konzept von Porsche gilt als Geburtsstunde des meistgebauten Autos der Welt. Adolf Hitler war es Anfang der 30er Jahre, der nach einem Volkswagen verlangt hatte - zum Ärger der Autoindustrie, die ihre Absatzchancen durch den neuen Wettbewerber gefährdet sah. Der Volkswagen sollte nach den Porsche-Ideen vier Personen Platz bieten, 100 Stundenkilometer erreichen, 30-prozentige Steigungen erklettern, verschiedene Aufbauten tragen und nicht mehr als 1.000 Reichsmark kosten. Im Juni schloss Porsche mit dem Reichsverband der Autoindustrie einen Vertrag über den Bau des Volkswagen-Prototypen. Während Porsche noch über Boxermotor und Brezelfenster brütete, wurde die Naziorganisation "Deutsche Arbeitsfront" als Träger für ein neu zu bauendes VW-Werk in der Mitte Deutschlands bestimmt. Die ersten Prototypen des Volkswagens waren längst auf Testfahrten unterwegs, als der Flecken Fallersleben bei Braunschweig zum Fabrikstandort bestimmt wurde. Mit dem Geld vieler tausend Sparer, die auf einen Volkswagen hofften, wurde dort eine Fabrik aus dem Boden gestampft. Schon 1953 in 88 Länder exportiert Der Krieg machte alle Pläne jedoch zunichte, nur wenige Käfer wurden montiert, bevor im Werk Deutsche und Zwangsarbeiter Flugzeugteile, Granatenteile und den auf Käfer-Technik basierenden Kübelwagen herzustellen begannen. Nach dem Krieg waren Ende 1947 rund 7.000 Arbeiter im Wolfsburger Werk vor allem mit dem Wegschaufeln von Schutt beschäftigt. Die britische Besatzungsmacht beschloss, die Produktion wieder anzufahren, um den Käfer als Dienstfahrzeug für Armee und Verwaltung herzustellen. 1948 bestellten sie Heinrich Nordhoff zum Direktor, der VW zum größten Automobilwerk Europas und zum bedeutendsten Autoexporteur machte. Der Volkswagen war das Auto, nach dem die Zeit verlangte: Billig, einfach zu reparieren und zuverlässig. Nordhoff setzte auf nur ein Modell, das kostengünstig in großen Massen hergestellt werden konnte. Während die Technik ständig verbessert wurde, blieb das Äußere des Käfers weitgehend unangetastet. Schon 1949 ließ er ein Exportmodell mit Chromstoßstangen und besserer Polsterung herstellen, 7.000 Wagen gingen ins Ausland. Nordhoff hatte erkannt, das der noch schwache deutsche Markt allein nicht reichen würde. Ende 1953 wurde der Wagen schon in 88 Länder exportiert. Nordhoff senkte die Preise, die Massenproduktion machte es möglich: 1954 kostete das Standardmodell 3.950 Mark. Ein Jahr später lief der millionste Käfer vom Band. Werksintern war der Kosename übrigens verpönt, man sprach vom "Typ1". Technisch totgelaufen Die Produktion eilte von Rekord zu Rekord: 1957 die zweite Million Käfer, 1959 die Dritte. Immer weiter feilten die Ingenieure in Wolfsburg am Käfer: Größere Heckfenster, 12-Volt-Elektrik, stärkere Motoren und mehr. Und VW entdeckte die Werbung: "Er läuft und läuft und läuft..." Ist ein Klassiker geworden. Ende der 60er Jahre kam die Wende. Technisch hatte sich der Käfer längst totgelaufen: Die Luftkühlung kam an die Grenze, das Fahrverhalten des Heckmotors wurde bei immer höheren Geschwindigkeiten gefährlich, der Stauraum war zu klein. Trotzdem gingen die Verkaufszahlen nicht schlagartig zurück, weshalb VW in eine Sackgasse steuerte, denn technisch moderne Wagen schafften es nicht ins Programm. Erst lange nach dem Tod von Käfer-Fan Nordhoff 1968 kam 1974 die Rettung mit dem Golf. Der Käfer selbst lief derweil noch munter weiter: Am 17. Februar 1972 lief der 15.007.034. Käfer vom Band, damit war das Model T von Ford überholt, der Käfer der meistverkaufte Wagen. 1974 wurde die Produktion von Wolfsburg in die Werke Hannover und Emden verlegt. Am 19. Januar 1978 lief in Emden der letzte in Deutschland produzierte Käfer vom Band. Doch im VW-Werk Puebla in Mexiko ging es weiter. Der Wagen wurde nun im- statt exportiert - bis zum 17. August 1985. Damals kamen die letzten 3.150 offiziellen Käfer im Hafen von Emden an. In Mexiko war der runde Krabbler aber noch Jahrzehnte gefragt, ein billiger, robuster Wagen kam gut an. Heute versucht der VW-Konzern mit dem New Beetle von der Aura des alten Käfers zu profitieren. Die rundliche Karosserie auf dem Golf-Fahrwerk soll unter anderem alt gewordene VW-Fans ansprechen, die in klapprigen Käfer ihre Jugend verbracht haben. Einen großen Abschied soll es nach dem Willen der Konzernspitze in Wolfsburg für den Käfer am Ende nicht geben, dafür ein Sondermodell in hellblau und cremeweiss - in Erinnerung an die erfolgreichen fünfziger Jahre. (sueddeutsche.de/AP/AFP)
Nun mag man ihn selbst in Mexiko nicht mehr haben: Nach knapp 70 Jahren soll in diesem Sommer der letzte Käfer vom Band rollen. Zum Abschied darf er aber nochmals hochleben — in cremeweiß und hellblau.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/volkswagen-der-kaefer-stirbt-1.906828
Volkswagen - Der Käfer stirbt
00/05/2010
Beim Finanzierungsleasing schließt der Kunde gleichzeitig mehrere Verträge ab - zum einen mit dem Leasinggeber, zum anderen mit dem Lieferanten. Kompliziert wird es, wenn die Ware mangelhaft ist. Finanziert ein Kunde eine Investition über Leasing, spricht man von einem Finanzierungsleasinggeschäft. Ist die gelieferte Ware mangelhaft, entstehen zahlreiche rechtliche Besonderheiten aus der Konstruktionsweise des Geschäftes, da nicht nur ein Vertrag mit zwei Partnern, sondern zwei Verträge mit jeweils verschiedenen Partnern geschlossen werden. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: dpa) So bildet sich das typische Leasingdreieck, bestehend aus einem Liefervertrag zwischen Leasinggeber und Lieferant und einem Leasingvertrag zwischen Leasinggeber und Leasingnehmer. 1. Haftet der Leasinggeber für Mängel der gelieferten Waren? Grundsätzlich haftet der Leasinggeber gegenüber dem Kunden für Sachmängel wie ein Vermieter. In der Praxis zeichnen sich Leasinggeber in ihren Allgemeinen Leasingbedingungen (ALB) von dieser Haftung frei, indem sie dem Kunden die Ansprüche aus dem Kaufvertrag mit dem Lieferanten abtreten. Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) ist diese Haftungsbeschränkung wirksam, wenn dem Kunden sämtliche Rechte und Ansprüche gegen den Lieferanten ohne Einschränkungen abgetreten werden. 2. Wie muss der Kunde bei Auftreten eines Sachmangels vorgehen? Tritt ein Sachmangel auf, muss der Kunde zunächst die ihm vom Leasinggeber abgetretenen Ansprüche und Rechte gegen den Lieferanten geltend machen. Er muss also dem Lieferanten den Mangel anzeigen und ihn unter Fristsetzung zur Nachlieferung oder zur Nachbesserung auffordern. Erst wenn die Nacherfüllung nicht möglich ist, fehlgeschlagen ist, vom Lieferanten verweigert oder nicht innerhalb der gesetzten Frist vorgenommen wird, kann der Kunde vom Lieferanten eine Rückabwicklung des Geschäfts verlangen. 3. Was muss der Kunde tun, wenn der Lieferant nicht mit der Rückabwicklung einverstanden ist? Verweigert der Lieferant die Rückabwicklung, muss der Kunde beim zuständigen Gericht Klage gegen den Lieferanten erheben, und zwar auf Rückzahlung des Kaufpreises an den Leasinggeber. In diesem Rechtsstreit wird dann die Berechtigung des Rücktritts, insbesondere das Vorliegen des behaupteten Mangels, geklärt.
Beim Finanzierungsleasing schließt der Kunde gleichzeitig mehrere Verträge ab - zum einen mit dem Leasinggeber, zum anderen mit dem Lieferanten. Kompliziert wird es, wenn die Ware mangelhaft ist.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gewaehrleistung-verantwortung-im-dreieck-1.903561
Gewährleistung - Verantwortung im Dreieck
00/05/2010
Die Mehrwertsteuererhöhung kommt - doch Aldi bietet jetzt schon Preisgarantien: 200 Artikel des Discounters sollen im neuen Jahr nicht teurer werden. Konkurrent Norma reagierte prompt. Der Discounter Aldi ist seinen Konkurrenten wieder einmal eine Nasenlänge voraus. Mit einer aufsehenerregenden Aktion zur bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung setzt der Marktführer die gesamte Branche unter Druck. Detailansicht öffnen Aldi: Der Konkurrenz wieder einmal eine Nasenlänge voraus. (Foto: Foto: AP) Sowohl Aldi Süd als auch Aldi Nord kündigten Preisgarantien für mehr als 200 Produkte an. Die Liste mit den entsprechenden Artikeln wurde in den vergangenen Tagen in großflächigen Zeitungsanzeigen veröffentlicht. ,,Für alle betroffenen unten aufgeführten Artikel unseres Standardsortiments gelten auch nach dem 31.12.2006 die heute günstigen Preise'', sicherte der Discounter darin seinen Kunden zu und setzte sogar noch das Versprechen drauf: ,,Die Mehrwertsteuer-Erhöhung übernehmen wir!'' Vorwürfe Der Discounter reagiert damit als eines der ersten Unternehmen in der Branche offensiv auf Vorwürfe, dass der Handel die höhere Mehrwertsteuer schon jetzt durch vorgezogene Preissteigerungen vorwegnehme. Vor allem Verbraucherverbände hatten dies als Preistreiberei angeprangert. Nach den Plänen der Bundesregierung soll die Umsatzsteuer ab dem kommenden Jahr 19 statt bisher 16 Prozent betragen, ausgenommen sind davon allerdings die meisten Lebensmittel, die weiterhin nur mit sieben Prozent belegt werden. Seitenhieb auf Drogerieketten Dass in der von Aldi veröffentlichten Preisliste auch auffällig viele Artikel aus dem Drogeriebereich zu finden sind, ist sicher kein Zufall. Vielmehr ist es ein Seitenhieb auf Drogerieketten wie dm, Schlecker oder Müller, die in den vergangenen Wochen mit Preiserhöhungen aufgefallen sind. Sie taten dies auch auf Empfehlung ihres Verbandes und wurden dafür heftig kritisiert.
Die Mehrwertsteuererhöhung kommt - doch Aldi bietet jetzt schon Preisgarantien: 200 Artikel des Discounters sollen im neuen Jahr nicht teurer werden. Konkurrent Norma reagierte prompt.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aldi-forciert-preiskampf-die-mehrwertsteuer-erhoehung-uebernehmen-wir-1.906850
Aldi forciert Preiskampf - ,,Die Mehrwertsteuer-Erhöhung übernehmen wir!''
00/05/2010
Die Bundesbank könnte in den kommenden fünf Jahren 500 Tonnen ihres Goldschatzes verkaufen. Ob der Finanzminister davon etwas abbekommt, ist allerdings fraglich. Bank-Chef Welteke möchte den Schatz profitabel verwalten und die Erlöse in Forschung und Bildung stecken lassen. Im Herbst 2004 läuft das Goldabkommen von 15 europäischen Notenbanken aus, die ihre Verkaufsmenge seit 1999 auf insgesamt 2000 Tonnen begrenzen um den Goldpreis zu stabilisieren. Ralf Kreikenbaum, Leiter der Edelmetallabteilung der Commerzbank, hält ein Anschluss-Abkommen in ähnlichem Umfang für realistisch. "Eine Verlängerung würde den Markt stützen", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Als Verkäufer im großen Stil kämen in Europa nicht mehr viele Staaten in Frage, weil die Briten, die Belgier, die Holländer und die Schweizer sich bereits von erheblichen Mengen an Währungsgold getrennt haben. An erster Stelle stehen die Deutschen mit ihren insgesamt 3500 Tonnen, gefolgt von den Franzosen mit 3000 Tonnen und den Italienern mit 2 500 Tonnen. Paris und Frankfurt könnten jeweils 500 Tonnen anbieten und damit die Hälfte des neuen Abkommens auf sich vereinen. Alte Begehrlichkeiten Die Bundesbank bestätigt den Umfang von geplanten Goldverkäufen von 500 Tonnen nicht. Präsident Ernst Welteke regt aber seit längerem an, die Deutschen sollten beim nächsten Goldabkommen ihren Hut in den Ring werfen. Die Menge der Goldverkäufe hängt nicht nur von den Absprachen der Notenbanken ab. Welteke will die erwarteten Gewinne nicht an die Regierung abgeben. "Ginge es allein nach dem Willen der Politik, wäre unser Goldschatz schon längst verteilt", sagte er der Börsenzeitung. Tatsächlich weckt die Währungsreserve der Bundesbank seit Jahren die Begehrlichkeit der Volksvertreter. In die Geschichte ging die "Operation Goldfinger" des ehemaligen Finanzministers Theo Waigel (CSU) ein, der seine Nöte mit den Maastricht-Kriterien hatte. Daher wollte er die Gold- und Devisenbestände neu bewerten und den Gewinn in den Bundeshaushalt einstellen. Aber auch die Renten, die Pflegeversicherung, die Jahrhundertflut und Umweltprojekte standen schon auf der Wunschliste der Politiker. Nach geltendem Bundesbankgesetz erhöhen gehobene stille Reserven den Gewinn der Bundesbank und fließen dem Bundesfinanzminister zu. Der gesamte Goldschatz birgt eine stille Reserve von 28 Milliarden Euro, die zur Debatte stehenden 500 Tonnen demnach vier Milliarden Euro, verteilt über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die Reserve ergibt sich aus dem Unterschied zwischen Buchwert und Marktpreis. Bildung statt Schuldenabbau In der neuen Debatte, die erneut um hohe Staatsschulden kreist, gibt die Bundesbank zu Bedenken, ein möglicher Gewinn von einer Milliarde Euro pro Jahr aus Goldverkäufen lindere die deutsche Staatsverschuldung nur sehr begrenzt. Die Nettokreditaufnahme des Bundes in diesem Jahr sei höher als der Buchwert des gesamten Währungsgoldes (36 Milliarden Euro) und weit höher als die darin schlummernden Reserven (28 Milliarden Euro). Welteke möchte den Goldschatz als Volksvermögen erhalten und profitabel verwalten lassen. Ihm schwebt vor, die Erlöse aus diesem Goldfonds in die Forschung und die Bildung fließen zu lassen. In diesen beiden Bereichen gebe es die meisten Defizite in der deutschen Gesellschaft. Im Bundesbankvorstand, der allein zuständig für die Währungsreserven ist, sind noch keine Entscheidungen über Goldverkäufe oder deren Verwendung gefallen. Offen ist ferner, welche Haltung die Regierung zur gewünschten Änderung des Bundesbankgesetzes einnimmt. Auf dem Weltmarkt des Goldes gibt es im übrigen keine Absatzprobleme. Einer jährlichen Goldproduktion von 2 700 Tonnen steht eine Nachfrage von 3 500 Tonnen gegenüber. Hauptabnehmer ist die Schmuckindustrie oder "die Damen dieser Welt", wie es Kreikenbaum formuliert. Schwergewichte unter den Käufern seien Abnehmer aus dem Nahen Osten und Fernen Osten.
Die Bundesbank könnte in den kommenden fünf Jahren 500 Tonnen ihres Goldschatzes verkaufen. Ob der Finanzminister davon etwas abbekommt, ist allerdings fraglich. Bank-Chef Welteke möchte den Schatz profitabel verwalten und die Erlöse in Forschung und Bildung stecken lassen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundesbank-gold-fuer-die-bildung-1.918864
Bundesbank - Gold für die Bildung
00/05/2010
Die Europäische Union nimmt Rumänien auf, obwohl das Land überhaupt nicht reif dafür ist. Es wird Zeit, einen Saal für den feierlichen Augenblick in Luxemburg zu dekorieren. Die EU-Außenminister können dort in knapp zwei Wochen die Aufnahme von Rumänien und Bulgarien im Jahr 2007 oder wenig später besiegeln. Der Weg ist frei, nachdem das Europäische Parlament der Erweiterung am Mittwoch zustimmte. Die Abgeordneten taten dies im Falle Rumäniens trotz zahlreicher Bedenken, und ihr Plazet kommt fast zwei Jahre vor dem Beitritt verfrüht. Es sendet ein zu freundliches Signal an einen Kandidaten, der noch nicht reif ist für die EU. Die Parlamentarier haben die Chance verpasst, zum Wohle ihrer Wähler berechtigte Zweifel zu artikulieren. Unbestritten mangelhaft Rumänien rangiert auf internationalen Korruptionsbarometern weit oben. Diese Wertung bedeutet: In dem Karpatenstaat wird so viel geschmiert wie im Senegal oder der Dominikanischen Republik. Das Land ist noch kein guter Ort für die mehr als 40 Milliarden Euro Subventionen, die von der EU in den kommenden Jahren an die beiden Neulinge überwiesen werden. Auch die Justizreform lahmt, und es gibt Defizite in der Psychiatrie, im Umweltschutz und im Kampf gegen das Verbrechen. Das Erstaunlichste daran ist: Niemand bestreitet diese Mängel, weder die Brüsseler Kommission noch die EU-Regierungschefs. Beide Institutionen wollen den rumänischen Zögling schon in der Mitte des Schuljahres versetzen, obwohl seine Zensuren ungenügend sind. "Im Zweifel für den Kandidaten", fordert Erweiterungskommissar Olli Rehn. Warum eigentlich? Rehn stützt sich auf die Hoffnung, bis zum Beitritt werde schon alles irgendwie in Ordnung kommen. Das ist selbst für einen frisch berufenen Kommissar zu viel der Naivität. Durch ihre voreilige Zustimmung geben die EU-Gremien das letzte Druckmittel aus der Hand und lockern den Reformzwang für Bukarest. Was, wenn die neue Regierung unter Calin Tariceanu ihre Versprechen nicht erfüllen will oder kann? "Beitritt auf Krücken" Seit Mittwoch steht fest: Sie darf trotzdem in die Union. Die Aufnahme kann höchstens noch um ein Jahr verzögert werden. Der Parlamentarier Klaus Hänsch spricht von einem "Beitritt auf Krücken". Die Gemeinschaft lädt sich den problematischen Patienten in einem Moment auf, der ungünstiger kaum sein könnte. Selten klopften so viele an das EU-Haus. Und selten trafen sie auf Bewohner, die so erweiterungsverdrossen waren. Ob die Ukraine, Serbien oder Kroatien: Immer mehr Länder drängen in die Wohlstandsunion. Dabei wird deren Mitgliedern zunehmend bewusst, dass solche Kandidaten weniger zum klassischen Europa passen als die Neuzugänge Tschechien oder Ungarn. Die Causa Türkei, der Beitrittswunsch jenes ebenso armen wie andersartigen Anwärters, prägt die Stimmung. Bei der Erweiterung empfinden viele Bürger, vorsichtig gesagt, eher Sorge als Vorfreude. Es ist ja noch nicht einmal klar, ob die heutige EU mit ihren 450 Millionen Bewohnern und 25Regierungen funktionieren wird. Am negativsten aber dürfte das Gefühl wirken, das viele Alt-EU-Bürger angesichts der billigen Arbeitskräfte aus dem Osten befällt. Die Westeuropäer haben Angst um ihren Job - nicht immer zurecht, doch sehr vehement, wie die Anti-Haltung vieler Franzosen gegen die EU-Verfassung zeigt. In dieser Situation will sich Europa um 22 Millionen Rumänen erweitern, die das Kontingent günstiger osteuropäischer Arbeitskräfte in der Gemeinschaft um ein Viertel vergrößern. Es sind ausgerechnet die Staats- und Regierungschefs der EU, die trotz der Defizite Bukarests auf eine schnelle Aufnahme drängen - allen voran Jacques Chirac und Gerhard Schröder, die derzeit so heftig gegen billige Polen und Tschechen polemisieren. Das EU-Parlament hat es versäumt, dieses doppelte Spiel zu stoppen und klarzustellen: Rumänien darf erst beitreten, wenn es Europa nicht zur Last fällt.
Die Europäische Union nimmt Rumänien auf, obwohl das Land überhaupt nicht reif dafür ist.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-osterweiterung-gefaehrlicher-grossmut-1.906295
EU-Osterweiterung - Gefährlicher Großmut
00/05/2010
Nach den neuen Terroranschlägen in Istanbul sieht Europas größter Tourismuskonzern TUI keine nachhaltigen negativen Folgen für den Tourismus in der Türkei. Die beliebten Urlaubsziele an der türkischen Mittelmeerküste seien einige hundert Kilometer von Istanbul entfernt, sagte TUI-Sprecher Mario Köpers. Keine Änderungen Die Lufthansa will ihre Flugpläne vorläufig nicht ändern. Falls nötig, würden zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft. Dagegen wagte der Reiseveranstalter Neckermann keine Prognose, ob es Stornierungen oder Rückgänge bei Buchungen geben werde. Neckermann-Gäste, die bis zum Jahresende eine Reise nach Istanbul geplant hatten, können nach Angaben einer Sprecherin kostenlos umbuchen. Nur 17 Gäste Derzeit befinden sich den Angaben zufolge 17 Gäste der TUI in Istanbul. Aller Voraussicht nach sei keiner von ihnen zu Schaden gekommen. 2002 verbuchte TUI nach den Worten von Köpers konzernweit rund 1,1 Millionen Urlauber in der Türkei - 99 Prozent davon seien an die türkische Mittelmeerküste gereist. Im Sommer 2003 gehörte die Türkei als Tourismusziel zu den größten Verlierern bei der TUI. Im Kernmarkt Deutschland verzeichnete die TUI einen Buchungsrückgang in die Türkei von 22,8 Prozent.
Nach den neuen Terroranschlägen in Istanbul sieht Europas größter Tourismuskonzern TUI keine nachhaltigen negativen Folgen für den Tourismus in der Türkei.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-den-anschlaegen-reiseveranstalter-nicht-beunruhigt-1.899037
Nach den Anschlägen - Reiseveranstalter nicht beunruhigt
00/05/2010
Kläglicher hätte die Arbeitsmarktreform Hartz IV kaum scheitern können: Etliche Betroffene leben mittlerweile am Existenzminimum, die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch und die Kosten explodieren. Warum? Das weiß niemand so genau. Knapp eineinhalb Jahre nach Inkrafttreten der Arbeitsmarktreform Hartz IV ist der Katzenjammer groß. Denn bislang ist das Reformwerk in so gut wie allen Belangen grandios gescheitert: Die Arbeitslosigkeit grassiert wie eh und je in Deutschland und die erhoffte Entlastung für die Staatsfinanzen ist zudem vollständig ausgeblieben. Detailansicht öffnen Arbeitsmarktreform: Arbeitslosigkeit - hoch, Staatsausgaben - hoch, Arbeitslosengeld - gering. (Foto: Foto: ddp) Als das Gesetz am 1. Januar 2005 in Kraft trat, veranschlagte die damalige rot-grüne Bundesregierung die Ausgaben für 2005 mit 14 Milliarden Euro. Am Ende des Jahres beliefen sich die Ausgaben dann aber auf 24,4 Milliarden Euro. Die Fehlkalkulation betrug also satte 74 Prozent. Und die Hartz-IV-Ausgaben laufen auch unter der neuen schwarz-roten Koalition munter weiter aus dem Ruder: Von Januar bis April 2006 summierten sich die Ausgaben auf 9,2 Milliarden Euro. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr kommt auf den Bund somit eine Belastung von 27,6 Milliarden Euro zu. Kostensteigerungsprogramm Rechnet man alle drei Gebietskörperschaften Bund, Länder und Gemeinden zusammen, betrugen die Ausgaben in der neuen Hartz-IV-Welt im vergangenen Jahr 37,5 Milliarden Euro. Die Arbeitsmarktreform erwies sich also nicht als Kostensenkungs- sondern als veritables Kostensteigerungsprogramm. Denn hätte im Jahr 2005 noch das alte System von Sozial- und Arbeitslosenhilfe gegolten, so wären die Transferausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden mit etwa 35,5 Milliarden Euro um zwei Milliarden Euro niedriger ausgefallen. Das zumindest ergab eine Anfrage der Linkspartei bei Arbeitsminister Müntefering. Da kann die Bundesregierung die Steuern noch so massiv erhöhen - die Angst vor neuen Haushaltslücken ist unter diesen Voraussetzungen ganz flugs wieder präsent. Dementsprechend häufen sich die Warnrufe: Nachdem die Wohlfahrtsverbände in der vergangenen Woche Änderungen bei Hartz IV angemahnt hatten, setzte der Bundesrechnungshof am Montag noch einen drauf. Die Rechnungsprüfer lassen in ihrem Bericht kaum ein gutes Haar an der Arbeitsmarktreform. Die beabsichtigte Förderung der Arbeitslosen werde ebenso verfehlt wie deren Kontrolle: Im Schnitt, so der Rechnungshof, vergingen drei Monate, ehe ein Betreuer mit Arbeitslosen "ein qualifiziertes Erstgespräch" führe, und vier Monate, ehe eine Eingliederungsvereinbarung abgeschlossen werde. Kein Grundbuchauszug Auf der anderen Seite prüfe die Bundesagentur für Arbeit kaum, ob Langzeitarbeitslose tatsächlich Anspruch auf die Hilfen hätten. Bei neuen Anträgen hätten die Jobagenturen die Vermögensverhältnisse in sieben von zehn Fällen "nicht oder nicht ausreichend geprüft". Sie hätten kaum Kontoauszüge angefordert. Und Immobilienbesitzer mussten keinen Auszug aus dem Grundbuch vorlegen. Auf den Nenner gebracht bedeutet das aber, dass die Vermittlung von Arbeitslosen nicht erfolgreicher und auch nicht billiger geworden ist als vor Einführung der Arbeitsmarktreform. Ein desaströses Ergebnis, bedenkt man die tiefen Einschnitte, die viele der früheren Arbeitslosenhilfe-Empfänger mittlerweile ja durchaus hinnehmen müssen. Die Logik des Jahres 2004 Als sie im Sommer 2004 auf die Straße gingen um gegen die Kürzungen zu demonstrieren, wurde ihnen vollmundig versprochen, dass ihre neue Genügsamkeit insgesamt zu ihrem besten Nutzen sei. Die Bescheidung auf niederste Ansprüche würde es nämlich ermöglichen, die Arbeitslosen schneller wieder in Lohn und Brot zu bringen - so die damalige Logik.
Kläglicher hätte die Arbeitsmarktreform Hartz IV kaum scheitern können: Etliche Betroffene leben mittlerweile am Existenzminimum, die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch und die Kosten explodieren. Warum? Das weiß niemand so genau.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hartz-iv-der-kostenschock-1.915342
Hartz IV - Der Kostenschock
00/05/2010
Wenn es ausgerechnet den Musikmanagern die Sprache verschlägt, dann muss etwas wirklich Schockierendes geschehen sein: Ein Anbieter hat erstmals die CD-Preise im großen Stil gesenkt. (SZ vom 06.09.03) - In der Plattenbranche wird über alles lustvoll geredet, über die Marotten der Popstars und ihre Affären, und über Erfolge und Pleiten sowieso. Doch nun, nachdem der weltgrößte Musikkonzern Universal bei seinen CDs Preissenkungen von bis zu einem Drittel angekündigt hat, herrscht Ruhe. "Kein Kommentar", heißt es überall. Sogar kleine, konzernunabhängige Plattenlabel wie V2 (mit Musikern wie Paul Weller, Moby, Heather Nova) tauchen ab. Der Schreck sitzt tief. Universal hat endlich ein Tabu gebrochen - zunächst in den USA, aber schon bald bestimmt auch in Deutschland: Der Musikriese (No Angels, Bryan Adams, U2) will es in der schweren Krise mit einem bewährten ökonomischen Mechanismus probieren: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Umsätze brechen weg Vor allem die Jugendlichen kaufen immer weniger CDs, die Umsätze brechen dramatisch weg. Um die miesen Verkaufszahlen wieder anzukurbeln, senkt Universal jetzt die Preise. Dieser mutige Schritt ist, man glaubt es kaum, ein Novum seit der Einführung der CD vor gut zwanzig Jahren. Bislang kannte die Industrie beim Preis immer nur eine Richtung - nach oben. Universal versucht nun als erstes großes Plattenunternehmen, ein folgenschweres Missverständnis zu beheben. Die Musiktrends wechseln immer rascher, die meisten Popstars werden zunehmend austauschbar, das Geschäft gibt sich immer banaler und schnelllebiger. Kein außergewöhnlicher Wertgegenstand mehr Pop- und Rockmusik ist ein Phänomen der Alltagskultur und längst nicht mehr ihr wichtigstes. Die CD aber, der silbrige Datenträger aus Plastik, wird von der Industrie beharrlich als außergewöhnlicher Wertgegenstand angepriesen, für den es sich notfalls zu sparen lohnt. Die zumeist jungen Musikfans setzen schon längst ihre Discount-Strategie dagegen - sie kopieren ihren Lieblingssound kostenlos aus dem Internet und brennen CDs. Das wilde Überspielen erschüttert die gesamte Plattenbranche. Universal Music gehorcht dieser Not und unternimmt zugleich viel mehr. Billigere CDs regen tendenziell die Nachfrage an. Und die Konsumenten werden neu rechnen, ob sich für sie die Zeit raubende, zumeist illegale Musikbeschaffung weiterhin lohnt.
Wenn es ausgerechnet den Musikmanagern die Sprache verschlägt, dann muss etwas wirklich Schockierendes geschehen sein: Ein Anbieter hat erstmals die CD-Preise im großen Stil gesenkt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tabubruch-bei-cds-pop-piraten-und-profit-1.907431
Tabubruch bei CDs - Pop, Piraten und Profit
00/05/2010
Kaum ein Produkt hat bei seinem Verkaufsstart einen größeren Andrang ausgelöst als das iPhone bei seiner Premiere in den USA. Doch die ersten konkreten Verkaufszahlen erwiesen sich nun als enttäuschend. Der Verkaufsstart von Apples iPhone in den USA ist offenbar nicht so erfolgreich wie erwartet verlaufen. Der exklusive Vertriebspartner AT&T erklärte am Dienstag bei der Vorlage seiner Geschäftsbilanz, an den ersten beiden Verkaufstagen lediglich 146.000 iPhone-Käufer freigeschaltet zu haben. Einige Experten hatten mit bis zu 500.000 verkauften Telefonen gerechnet. Die Apple-Anleger reagierten geschockt: Die Aktie gab an der Wall Street daraufhin um sechs Prozent nach. Damit sank der Marktwert des Unternehmens um mehr als sieben Milliarden Dollar (fünf Milliarden Euro). Analysten gaben jedoch zu bedenken, dass möglicherweise weit mehr iPhones verkauft wurden als von AT&T genannt. Viele Käufer hätten Probleme bei der Aktivierung gehabt und ihre Telefone daher erst einige Tage später freischalten können. "Möglicherweise überreagiert" "Die Anleger haben möglicherweise überreagiert", sagte James Grossman, Manager beim US-Pensionsfonds Thrivent Financial for Lutherans. "Ich habe die ganze Hysterie aus erster Hand von Anfang an beobachtet", so der Fondsmanager zu der US-Nachrichtenagentur Bloomberg weiter. "Gemessen daran, was ich gesehen habe, finde ich die Zahl 146.000 schockierend niedrig", sagte Grossman, der selbst für das iPhone angestanden hatte. Auch die AT&T-Papiere gaben etwas nach. Dann jedoch beruhigte AT&T die Nerven der Börsianer etwas mit der Aussage, dass die Nachfrage nach der Kombination aus Handy und iPod weiter hoch sei. Apple legt Quartalszahlen vor Da das Gerät am 29. Juni auf den Markt gekommen ist, werden erst die Zahlen für das dritte Quartal einen umfassenden Überblick über die Nachfrage nach dem iPhone liefern. Apple legt am Mittwochabend die Zahlen für das zweite Quartal vor. Den Gewinn von AT&T im abgelaufenen Vierteljahr bis Ende Juni beeinflusste der Verkaufsstart des iPhone noch nicht: Dank eines starken Internet- und Mobilfunkgeschäfts legte der Konzern beim Gewinn im Frühjahr deutlich zu. Mit einem Anstieg des Nettoergebnisses um mehr als 50 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar übertraf AT&T die Markterwartungen. Der Umsatz stieg um zwei Prozent auf etwa 30 Milliarden Dollar. Fokus auf Internet und Mobilfunk AT&T setzt angesichts eines Rückgangs im traditionellen Festnetzgeschäft auf Internet und Mobilfunk. Die Mobilfunksparte gewann 1,5 Millionen Kunden hinzu. Damit nutzen nunmehr insgesamt 63,7 Millionen Menschen AT&T-Handydienste. Apple wollte am (heutigen) Mittwoch in seinem Quartalsbericht weitere Einzelheiten nennen.
Kaum ein Produkt hat bei seinem Verkaufsstart einen größeren Andrang ausgelöst als das iPhone bei seiner Premiere in den USA. Doch die ersten konkreten Verkaufszahlen erwiesen sich nun als enttäuschend.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/iphone-verkaufszahlen-enttaeuschen-katzenjammer-nach-dem-hype-1.904505
iPhone-Verkaufszahlen enttäuschen - Katzenjammer nach dem Hype
00/05/2010
Das mit Dioxin belastete Frühstücksei, Pestizid-Rückstände in Weintrauben, Paprika oder Erdbeeren, Keime im Fleisch, verunreinigter Formschinken für die Pizza - in Fachkreisen sind die Belastungen und Mängel von Lebensmitteln längst bekannt. Christian Grugel, Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz, will dennoch keine Alarmstimmung verbreiten: "Die Situationen, in denen die Gesundheit der Verbraucher akut gefährdet ist, sind rar." Detailansicht öffnen Ein Kontrolleur zeigt eine Fleischprobe mit Rinderhirn. (Foto: Foto: dpa) Sein Amt registriere jährlich nicht mehr als "einige hundert Fälle" - Tendenz in den vergangenen Jahren eher gleichbleibend. Grugels Bericht zu den von den Lebensmittelbehörden der Bundesländer durchgeführten Kontrollen im vergangenen Jahr verderben den Konsumenten dennoch den Appetit. Denn Mängel bei der Hygiene und bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln bleiben in Deutschland auf der Tagesordnung. Zahlreiche Verstöße Jeder fünfte Betrieb, der Nahrungsmittel herstellt, verarbeitet oder verkauft, verstieß laut Bundesamt 2004 gegen lebensmittelrechtliche Bestimmungen. Besonders viele Verstöße gab es bei Eis und Desserts. Von den knapp sieben Prozent der genommenen Proben waren mikrobiologisch verunreinigt. Bei Fleisch und Wurst bemängelten die Kontrolleure bei mehr als zwölf Prozent der Proben eine falsche Kennzeichnung, 4,5 Prozent wiesen zu hohe Keimzahlen auf oder waren bereits verdorben. Mehr als eine Million Kontrollbesuche zählten die Ämter im vergangenen Jahr in 600 000 Betrieben. Überprüft wurde die Frittenbude an der Ecke genauso wie das Feinschmeckerlokal, Großhändler ebenso wie Fleischverarbeiter. Strengere Kontrollen Die Lebensmittelskandale der neunziger Jahre haben die Verbraucherschützer zu strengeren Kontrollen animiert. Das allein reicht aber nicht aus. Im Alleingang bleiben ihre Erfolge mäßig, weil die Ernährungsindustrie längst auf den globalen Zug aufgesprungen ist. Im vergangenen Jahr machte der Außenhandelsumsatz der deutschen Lebensmittelwirtschaft im Vergleich zum Vorjahr einen Sprung um fast sieben Prozent auf mehr als 28 Milliarden Euro. Mit den durch die fallenden Grenzen weltweit wachsenden Warenströmen sei ein deutlicher Informationsverlust über Herkunft und Verarbeitungsqualität der Lebensmittel verbunden, warnt Grugel. Nötig sei deshalb ein verstärktes Qualitätsmanagement der Unternehmen, das die vorgelagerten Stufen der Produktion mit einbezieht. Schwer kontrollierbare Importe Fehlende Kenntnisse der Lebensmittelimporteure über die tatsächlichen Bedingungen der landwirtschaftlichen Produktion und Verarbeitung sind aber längst noch kein "Schuldbeweis" für Verfehlungen von Produzenten aus Entwicklungsländern, die nun mit Macht auf den EU-Markt drängen. So sind die Pestizid-Rückstände in Tafelweintrauben aus Europa weit höher als in Lieferungen aus Ländern der so genannten Dritten Welt. Mehr Sicherheit setzt aber auch ein anderes Verbraucherverhalten voraus. Sensibilisiert durch die öffentlich gewordenen Skandale fordern zwar immer mehr Konsumenten eine höhere Lebensmittelqualität, doch die damit verbundenen höheren Preise akzeptieren die wenigsten von ihnen. Im Gegenteil, deutsche Verbraucher geben im Durchschnitt nur noch rund zwölf Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus. In den siebziger Jahren dagegen waren es noch 30 Prozent. Die Preise für Nahrungsmittel sind damit die niedrigsten in Europa - mit allen Folgen für Lebensmittelsicherheit und -qualität.
Das mit Dioxin belastete Frühstücksei, Pestizid-Rückstände in Weintrauben, Paprika oder Erdbeeren, Keime im Fleisch, verunreinigter Formschinken für die Pizza - in Fachkreisen sind die Belastungen und Mängel von Lebensmitteln längst bekannt.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundesamt-fuer-verbraucherschutz-wir-haben-jede-fuenfte-fleischprobe-beanstandet-1.919028
"Bundesamt für Verbraucherschutz - ""Wir haben jede fünfte Fleischprobe beanstandet"""
00/05/2010
Daimler-Chef Schrempp steht massiv in der Kritik — die Hauptversammlung am 7. April dürfte entsprechend unangenehm werden. Doch zum einen hat Schrempp ernsthaft wohl doch nichts zu befürchten, zum anderen ist der Mann inzwischen einiges gewohnt. DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp ist seit Jahren heftige Kritik gewöhnt. Doch auf der diesjährigen Hauptversammlung (HV) des Autokonzerns am kommenden Mittwoch (7.April) in Berlin wird ihn der Unmut der Aktionäre geballt treffen. Denn nicht nur verärgerte Kleinaktionäre werden den schlechten Wert ihrer Anteile beklagen - auch Vertreter von großen Aktienfonds wollen mit kritischen Worten die Unternehmenspolitik der DaimlerChrysler AG kommentieren. Detailansicht öffnen Jürgen Schrempp - ein Mann, der Visionen wie Kritik gewohnt ist. (Foto: Foto: dpa) Schrempp will noch lange bleiben Bei diesem Aufstand der Anteilseigner könnte leicht aus dem Blickfeld geraten, dass der Mittwoch in Berlin für Schrempp auch ein Tag der persönlichen Genugtuung sein dürfte; schließlich wird der neu konstituierte Aufsichtsrat vermutlich noch am Abend nach der HV seinen Vertrag als Vorstandschef um weitere drei Jahre verlängern. Die einstimmige Absichtserklärung des Gremiums liegt ja schon vor. Genau dies erzürnt die Kleinaktionäre. So fordert beispielsweise Hans-Walter Grünewälder aus Wuppertal, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Anstatt den Vertrag zu verlängern, wäre es die Pflicht des Aufsichtsrates, Schrempp zu entlassen, schreibt er in seinem Gegenantrag. Vision gescheitert? Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz gibt mit dem Satz "Die Vision des Vorstandsgremiums von der Welt-AG ist gescheitert" die Stimmung etlicher Aktionäre wieder und fordert ebenso Nicht-Entlastung wie die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Nach den Probleme bei Chrysler, die die Aktionärstreffen der vergangenen Jahre bestimmt haben, sind jetzt der Riesenverlust bei der japanischen Beteiligung Mitsubishi, der ungewisse Ausgang des Kerkorian-Schadensersatzprozesses und die Toll-Collect-Pleite Reizthemen, die Schrempp und seinem Oberaufseher Hilmar Kopper auf der HV Stunden lang vorgehalten werden dürften. Die großen Fonds kritisieren vor allem die Performance der Aktie und das Aktienoptionsprogramm für das Management. Letzteres gilt ihnen als zu wenig ambitioniert, sprich: die DaimlerChrysler-Manager werden nach Ansicht der institutionellen Investoren schon für eine recht bescheidene Leistung großzügig entlohnt. Ernsthaft ist Schrempp aber nicht in Gefahr Union Investment, eine der größten deutschen Fondsgesellschaften, kündigte allerdings auch an, Vorstand und Aufsichtsrat trotz deutlicher Kritik entlasten zu wollen. Dies zeigt, dass sich wie schon in den Vorjahren Schrempp, Kopper und Co. trotz heftiger und manchmal im Ton aggressiver Kritik ernsthaft keine Sorgen um die Entlastung machen müssen. Und auch die Wiederwahl des 68 Jahre alten Ex-Deutsche-Bank-Chef Kopper und der übrigen Aufsichtsräte der Anteilseignerseite wird nach Ansicht von Beobachtern problemlos über die Bühne gehen. Denn die großen Aktionärsgruppen wie auch die Arbeitnehmervertreter stehen hinter der Strategie von Schrempp, einen globalen Automobilkonzern zu schaffen, der sich mit Fahrzeugen vom Lastwagen bis zum Mini-Pkw auf allen wichtigen Märken der Welt dem Wettbewerb stellen will. Die Deutsche Bank ist mit 12 Prozent größter Einzelaktionär der DaimlerChrysler AG (Stuttgart), gefolgt von Kuwait mit sieben Prozent. Institutionelle Anleger besitzen 53 Prozent der rund eine Milliarde DaimlerChrysler-Aktien, private Anleger halten 28 Prozent. Vor einem Jahr war es ähnlich Im vergangenen Jahr wurden Top-Management und Aufsichtsrat des Autokonzerns im Berliner Congress Centrum nach stundenlangen Unmutsäußerungen der Kleinaktionäre mit über 99 Prozent der Stimmen entlastet. Ähnliches erwarten Beobachter auch am Abend des 7. April. Lange Zeit zum Luftschöpfen hat der DaimlerChrysler-Vorstand danach aber nicht, denn schon Mitte April müssen Schrempp und Co. zusammen mit den anderen Mitsubishi-Aktionären beraten, ob die "Eingreiftruppe" um Smart-Chef Andreas Renschler für den japanischen Autokonzern einen tragfähigen Rettungsplan geschmiedet hat.
Daimler-Chef Schrempp steht massiv in der Kritik — die Hauptversammlung am 7. April dürfte entsprechend unangenehm werden. Doch zum einen hat Schrempp ernsthaft wohl doch nichts zu befürchten, zum anderen ist der Mann inzwischen einiges gewohnt.
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DaimlerChrysler - Auf ins jährliche Donnerwetter
00/05/2010
Ungewöhnliche Töne aus Stuttgart: Die erfolgsverwöhnte Sportwagenschmiede Porsche dämpft die Erwartungen ans laufende Geschäftsjahr. In den USA gebe es sogar einen Umsatzeinbruch. "Gedämpft zuversichtlich" sei der Konzern für das am 1. August angelaufene Geschäftsjahr 2006/2007, erklärte Porsche am Mittwoch bei der Vorlage seiner Bilanz in Stuttgart. Detailansicht öffnen Der teuerste Porsche: Der Carrera GT wird in Leipzig zusammengebaut. (Foto: Foto: dpa) Mit einer weiteren Gewinnsteigerung werde allerdings nicht gerechnet. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte das Unternehmen mit einem Vorsteuerergebnis von 2,11 Milliarden Euro noch einen Rekordgewinn ausgewiesen. Die Bestmarke beim Ergebnis lag indes vor allem an Unternehmensverkäufen und einmaligen Effekten aus der Beteiligung an Volkswagen. "Diese Ergebnis wird sich in dieser Höhe nicht halten lassen", sagte Vorstands-Chef Wendelin Wiedeking am Mittwoch in Stuttgart. "Auch bei uns wachsen die Bäume nicht in den Himmel", fügte er mit Blick auf die ersten vier Monate des neuen Geschäftsjahres hinzu, in denen der Umsatz gegenüber dem Vorjahr wohl leicht um 0,7 Prozent auf 2,05 Milliarden Euro gewachsen ist. Der Absatz in Nordamerika brach jedoch um 17,6 Prozent auf 9310 Einheiten ein. Dritter Aufsichtsratssitz bei VW angestrebt Darüber teilte Porsche mit, dass der Einfluss bei Volkswagen mit einem dritten Aufsichtsratssitz ausgebaut werden solle. Bei der Neubesetzung des VW-Aufsichtsrats im kommenden Jahr müsse Porsche als Großaktionär "mindestens drei" statt bisher zwei Sitze in dem Gremium besetzen, forderte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking am Mittwoch in Stuttgart. Ob er dabei selbst für den Vorsitz des Gremiums zur Verfügung stehen würde, ließ er offen. "Darüber zu philosophieren ist interessant, aber am Ende wird der gesamte VW-Aufsichtsrat entscheiden." Derzeit gehören als Porsche-Vertreter Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter dem VW-Kontrollorgan an. Interpretationssubjekt Piëch Ob der Aufsichtsratsvorsitzende und Porsche-Großaktionär Ferdinand Piëch als Porsche-Vertreter gelten müsse, "ist eine Interpretationsfrage", sagte Wiedeking weiter. Meldungen, Porsche habe sich im Frühjahr mit dem Land Niedersachsen als zweitgrößtem VW-Anteilseigner vereinbart, den derzeitigen VW-Aufsichtsratschef bei der turnusgemäßen Neubesetzung im kommenden Jahr nicht erneut an die Spitze des Gremiums zu wählen, wollte der Porsche-Chef nicht kommentieren.
Ungewöhnliche Töne aus Stuttgart: Die erfolgsverwöhnte Sportwagenschmiede Porsche dämpft die Erwartungen ans laufende Geschäftsjahr. In den USA gebe es sogar einen Umsatzeinbruch.
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Umsatzeinbruch in den USA - Porsche steigt nach rasanter Fahrt auf die Bremse
00/05/2010
Das Bundesverfassungsgericht hat den "Halbteilungsgrundsatz" des Staatsrechtlers Paul Kirchhof gekippt. Daraus hatte der kurzzeitige Polit-Einsteiger des vergangenen Jahres eine Obergrenze der Steuerbelastung von etwa 50 Prozent abgeleitet. Paul Kirchhof hat schon bessere Zeiten erlebt. Erst scheiterte der Steuerreform-Professor aus Heidelberg bei dem Versuch, seinen großen Reformentwurf an der Seite von Angela Merkel durch den Bundestagswahlkampf zu bringen. Detailansicht öffnen Der zweite Senat des Bundesverfassungsgerichtes. (Foto: Foto: AP) Jetzt kippen seine Nachfolger am Bundesverfassungsgericht den "Halbteilungsgrundsatz", mit dem Kirchhof einige Berühmtheit erlangt hat. Der Staatsrechtler hatte aus der Verfassung eine Obergrenze für den Zugriff des Steuerstaates von ungefähr 50 Prozent abgeleitet. So steht das zwar nicht im Grundgesetz, aber dank einer beherzten Auslegung und mit Verweis auf die deutsche Verfassungstradition zurück bis zu Friedrich dem Großen legten Kirchhof und seine Kollegen dem Gesetzgeber im Vermögensteuerurteil von 1995 Fesseln an - zu Recht. Umstritten In Politik und Wissenschaft blieb das allerdings heftig umstritten, und auch der Bundesfinanzhof hat immer wieder gegen den Stachel gelöckt, den Kirchhof dem gefräßigen Fiskus ins Fleisch gesetzt hatte. Nun zieht der Zweite Senat mit fünf zu drei Stimmen einen Schlussstrich unter die Ära Kirchhof. Das ist - auch wenn es offiziell nicht zugegeben wird - die bewusste Abkehr von einer Steuerrechtsprechung, die sich einmischen wollte. Es ist ein Rückzug ins Unpolitische. Den Bürgern erweisen die fünf Richter keinen Gefallen. Denn nun gilt wieder allein der alte Verhältnismäßigkeitsgrundsatz. Natürlich darf der Staat den Bürger auch weiterhin nicht komplett aussaugen. Auswirkungen auf den Mittelstand 90 Prozent Steuerbelastung wären sicher nicht mehr verhältnismäßig. 50, 60, 70 Prozent aber schon. Die Entscheidung hat über den Einzelfall hinaus Auswirkungen gerade auf den Mittelstand, erst recht für Familien, die viel konsumieren (müssen). 2007 soll die Mehrwertsteuer auf 19 Prozent steigen, zugleich werden Steuervergünstigungen gestrichen. Inklusive Einkommen- und anderen Steuern kommt ein Bürger mit einem Jahreseinkommen ab 40.000 Euro dann auf eine Gesamtsteuerbelastung von bis zu 60 Prozent, von Abgaben und Gebühren ganz zu schweigen. Diese Entwicklung trifft zusammen mit der vordringenden Ansicht, dass Unternehmen weiter steuerlich begünstigt werden sollen, Arbeitnehmer jedoch nicht. Für Letztere zieht sich die Steuerschlinge immer stärker zu. Die Elite will nicht folgen Kirchhof will das nicht akzeptieren. Er wirbt immer noch für sein einfaches Steuerrecht, bei dem jeder - aber dann auch wirklich jeder - 25 Prozent zahlt. Auf Veranstaltungen erhält er dafür weiterhin viel Beifall. Doch die politische, wissenschaftliche und richterliche Elite folgt ihm immer weniger. Leider.
Das Bundesverfassungsgericht hat den "Halbteilungsgrundsatz" des Staatsrechtlers Paul Kirchhof gekippt. Daraus hatte der kurzzeitige Polit-Einsteiger des vergangenen Jahres eine Obergrenze der Steuerbelastung von etwa 50 Prozent abgeleitet.
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Ende der Ära Kirchhof - Schwarzer Tag für Steuerzahler
00/05/2010
Als EnBW-Chef Utz Claassen vor kurzem seinen Ausstieg ankündigte, war die Überraschung groß. Nun wird bekannt, dass offenbar millionenschwere Übergangszahlungen auf ihn warten. Der scheidende Vorstandschef des Energieversorgers EnBW, Utz Claassen, hat nach einem Bericht des Handelsblatts Anspruch auf eine millionenschwere "Frührente". Aus dem Geschäftsbericht 2006 lasse sich ableiten, dass sich die jährlichen Zahlungen an den 44-Jährigen auf knapp 400.000 Euro belaufen könnten, berichtete die Zeitung am Mittwoch. Bis zum Erreichen der Altersgrenze mit 63 Jahren würde Claassen demnach rund sieben Millionen Euro Übergangsgeld erhalten. Claassen und die EnBW lehnten auf Nachfrage eine Stellungnahme dazu ab. Schreiben des Aufsichtsratsvorsitzenden Der Zeitung liege ein Schreiben des EnBW-Aufsichtsratsvorsitzenden Claus Dieter Hoffmann vor, in dem dieser bestätigt, "dass Herr Prof. Claassen unmittelbar nach Beendigung seiner Tätigkeit für die EnBW Anspruch auf Versorgungsbezüge hat." Claassen verlässt zum 30. September den Stromkonzern - nach eigener Darstellung freiwillig. Sollte er einen neuen Job antreten, würde das Gehalt auf sein Übergangsgeld angerechnet. Nach 2026 bekommt Claassen dem Bericht zufolge eine EnBW-Rente, die genau so hoch ist wie das Übergangsgeld. Arbeitsrechtler kritisierten laut "Handelsblatt" solche Abfederungen als unangemessen. "Es ist keine Rechtfertigung dafür ersichtlich, einem Vorstand nach seinem Ausscheiden noch 18 Jahre lang bis zur Pension sechsstellige Summen zu überweisen", sagt der Stuttgarter Fachanwalt Alexander Burger von der Stuttgarter Kanzlei Kasper Knacke Wintterlin & Partner. "Bedient unnötig den Neidkomplex" Der Kienbaum-Vergütungsexperte Alexander von Preen meinte: "Die Bezahlung sollte sich an der Leistung und Tätigkeitsdauer orientieren. Was da bei der EnBW passiert, tut der gesamten Managerriege nicht gut und bedient unnötig den Neidkomplex.". Auch Aktionärsschützer zeigten sich empört. Der Sprecher der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz, betonte, der Corporate-Governance-Kodex sehe zwar eine angemessene Vergütung vor. "Warum aber soll es angemessen sein, dass jemand über Jahre hinweg solche Zahlungen erhält", sagte Kurz. Im Fall Claassen handele es sich um die Möglichkeit einer "19- jährigen Frühverrentung". "Hier sind Aufsichtsräte gefordert, wenn solche Verträge zu Lasten Dritter, der Aktionäre, geschnürt werden", sagte Kurz. "Nicht im Sinne des Corporate-Governance- Kodex" "Zahlreiche Unternehmen machen in ihren Geschäftsberichten keine Aussagen zu Übergangsgeldern. Das ist nicht transparent und daher auch nicht im Sinne des Corporate-Governance- Kodex." Einer Kienbaum-Studie zufolge zahlen rund ein Drittel der 1500 deutschen Kapitalgesellschaften ähnliche Übergangsgelder. Laut Handelsblatt ist die Ausgestaltung aber sehr unterschiedlich. So zahle die Deutsche Bank nur sechs Monate Übergangsgeld. Andere Unternehmen befristeten es auf zwei Jahre oder zahlten nur, wenn ein scheidender Vorstand mindestens 55 Jahre alt sei.
Als EnBW-Chef Utz Claassen vor kurzem seinen Ausstieg ankündigte, war die Überraschung groß. Nun wird bekannt, dass offenbar millionenschwere Übergangszahlungen auf ihn warten.
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Utz Claassen - Mit 44 in die millionenschwere Frührente
00/05/2010
Der Dämpfer durch die höhere Mehrwertsteuer scheint überwunden, das Konsumklima hellt sich auf. Nach einem schwachen Jahresstart sind die Verbraucher nun wieder zum Einkaufen bereit. Die Schwächephase beim Konsumklima in Deutschland nach der Mehrwertsteuererhöhnung ist nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmen s GfK überwunden. Detailansicht öffnen Die Konsumenten greifen wieder zu. (Foto: Foto: dpa) "Mit dem Frühjahr ist die Konsumdelle bereits überwunden", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl am Mittwoch. Die Delle scheine "zeitlich sehr überschaubar". Während der befürchtete kräftige Preisschub in Deutschland durch die Mehrwertsteuererhöhung ausgeblieben sei, entwickele sich die deutsche Konjunktur insgesamt "spürbar positiver" als noch vor wenigen Monaten angenommen. Das Konsumklima prognostiziere nach revidiert 4,3 (Erstschätzung 4,4) Punkten im März einen Wert von 4,4 Punkten für April, teilte die GfK mit. Verbesserte Einkommensaussichten Volkswirte hatten im Durchschnitt mit 4,4 Punkten gerechnet. Eine wieder ansteigende Konsumneigung sowie verbesserte Einkommensaussichten sorgten für den Aufwärtstrend. Die sehr optimistischen Konjunkturaussichten stützten die Anschaffungsneigung und die Einkommenserwartungen. "Das Wirtschaftswachstum ist stärker als gedacht", betonte Bürkl. Die Forschungsinstitute erhöhten in jüngster Zeit gleich reihenweise ihre Prognosen. Dieses positive Konjunkturbild gewinne auch bei den Konsumenten mehr und mehr "die Oberhand", sagte Bürkl. Die negativen Effekte auf die Konsumstimmung aus der Mehrwertsteuererhöhung seien hingegen bereits weitgehend verarbeitet. Auch die günstige Entwicklung bei den Energiepreisen habe die negativen Folgen der Steuererhöhungen zu Jahresbeginn abgemildert.
Der Dämpfer durch die höhere Mehrwertsteuer scheint überwunden, das Konsumklima hellt sich auf. Nach einem schwachen Jahresstart sind die Verbraucher nun wieder zum Einkaufen bereit.
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"Verbraucher wieder in Kauflaune - ""Die Konsumdelle ist überwunden"""
00/05/2010
Das Statistische Bundesamt hat vorläufige Zahlen bestätigt, wonach die Wirtschaftsleistung in Deutschland in den vergangenen beiden Quartalen gesunken ist. Nach der allgemeingültigen Definition befindet sich die Bundesrepublik damit in der Rezession. Die deutsche Wirtschaft steckt im Dauertief fest: Ein deutlicher Exportrückgang und leicht gesunkene Investitionen der Unternehmen ließen das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal erneut schrumpfen. Mit 0,1 Prozent entsprach der Rückgang ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamtes. Bereits in den ersten drei Monaten dieses Jahres war das BIP um 0,2 Prozent gesunken. Die Hoffnungen ruhen nun auf dem zweiten Halbjahr. Die Exporte, die unter der Euro-Stärke und der schwachen Weltkonjunktur litten, sanken nach Angaben der Statistiker vom Donnerstag im ersten Quartal um 2,3 Prozent. Die nur leichte Zunahme der inländischen Verwendung um 0,4 Prozent habe dies nicht ausgleichen können. Staat konsumierte mehr Die Konsumausgaben des Staates stiegen im zweiten Quartal um 1,3 Prozent, erstmals legten auch wieder die Investitionen am Bau zu und zwar um 0,3 Prozent. Die privaten Konsumausgaben stagnierten, nachdem sie in den ersten drei Monaten etwas zugenommen hatten. Die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen fielen nach einer leichten Erholung in den beiden vorangegangenen Quartalen mit minus 0,1 Prozent schwächer aus. Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich das BIP im zweiten Quartal sogar um 0,6 Prozent. Allerdings stand ein Arbeitstag weniger zur Verfügung. Bereinigt um diesen Effekt hätte der Rückgang 0,2 Prozent betragen. Auch im Vorjahresvergleich schlug der Rückgang der Exporte auf das Bruttoinlandsprodukt durch. Staatliche und private Konsumausgaben stiegen zwar. In Ausrüstungen und in Bauten wurde im zweiten Quartal 2003 dagegen deutlich weniger investiert als im Vorjahr. Industrie mit geringerer Wertschöpfung Deutliche Rückgänge bei der Wertschöpfung gab es bei der Industrie mit minus 1,5 Prozent sowie im krisengeschüttelten Baugewerbe mit minus 4,9 Prozent. Dagegen ging es bei Handel, Gastgewerbe und Verkehr mit 0,8 Prozent aufwärts, Land- und Forstwirtschaft, Fischerei sowie öffentliche und private Dienstleister verzeichneten ebenfalls einen leichten Zuwachs. Nach Einschätzung des Konjunkturexperten vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, Ulrich Fritsche, ist trotz jüngst gestiegener Zuversicht von Verbrauchern und Industrie der Wendepunkt in der Konjunkturentwicklung noch nicht sicher. Die Erfahrungen des vergangenen Jahres zeigten, dass verbesserte Erwartungen keineswegs automatisch zu einer konjunkturellen Erholung führten, sagte er der Börsenzeitung. Negative Schocks oder eine kontraproduktive Wirtschaftspolitik könnten eine Belebung im Keim ersticken. "Gespenst" Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels erklärte: "Das Gespenst der Rezession wird unser Dauergast". Trotz des Rückgangs der Exporte im zweiten Quartal, bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum in Deutschland. Das eigentliche Problem sei die Entwicklung im Inland, die schwache Entwicklung im Investitionsbereich, die anhaltende Stagnation beim Privatkonsum sowie insbesondere der überproportional starke Anstieg beim Staatskonsum.
Das Statistische Bundesamt hat vorläufige Zahlen bestätigt, wonach die Wirtschaftsleistung in Deutschland in den vergangenen beiden Quartalen gesunken ist. Nach der allgemeingültigen Definition befindet sich die Bundesrepublik damit in der Rezession.
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Jetzt ist es amtlich - Deutschland in der Rezession
00/05/2010
Die Schmiergeldaffäre bei Siemens hat die Konzernspitze erreicht. Der frühere Zentralvorstand Thomas Ganswindt wurde nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft verhaftet. Zugleich gestand Siemens erstmals öffentlich jahrelange Korruption im Konzern ein. Detailansicht öffnen "Immer wieder auf den Namen gestoßen": Ex-Top-Manager Ganswindt (Foto: Foto: dpa) Ganswindt gehörte dem Siemens-Vorstand seit Ende 2002 an und war im Oktober 2004 sogar in den engsten Führungskreis, den Zentralvorstand, berufen worden. Dort war er unter anderem für die Sparte Telekommunikation (Com) zuständig. Alle Transaktionen gingen durch die Bücher In diesem Geschäftsbereich war nach den bisherigen Ermittlungen ein System schwarzer Kassen eingerichtet worden. Im September hatte er den Konzern verlassen. Die genauen Vorwürfe und der Grund der Verhaftung wurden zunächst nicht bekannt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll Ganswindt in der Justizvollzugsanstalt Landsberg in Untersuchungshaft sitzen. Bei den Vernehmungen der Beschuldigten waren die Ermittler bislang immer wieder auf den Namen Ganswindt gestoßen. Der habe "auf jeden Fall" von den Geldverschiebungen gewusst, soll der ehemalige Siemens-Manager Reinhard S. am 15. November den Fahndern gesagt haben. Er sei Anfang 2004 "mindestens einmal" zu Ganswindt gegangen und habe ihm geraten, die sogenannten Provisionszahlungen "massiv zu reduzieren", da strafrechtliche Probleme drohten. Ganswindt habe sich erklären lassen, welche Summen in welche Länder transferiert würden. Ebenfalls belastet wurde Ganswindt von einem ehemaligen Bereichsvorstand der Com-Sparte. Der Top-Manager, der seit Ende vergangener Woche vernommen wird, soll behauptet haben, dass Ganswindt das System geduldet habe. Vor Bekanntwerden der Verhaftung Ganswindts räumte die Konzernspitze von Siemens am Dienstag ein, dass die Affäre finanziell größere Ausmaße hat als bislang angenommen. Siemens stuft inzwischen Zahlungen von 420 Millionen Euro als zweifelhaft ein. In den vergangenen drei Wochen habe eine Arbeitsgruppe im Konzern die Geschäftsberichte der Jahre 1999 bis 2006 durchforstet, sagte Vorstandschef Klaus Kleinfeld beim ersten Treffen der Konzernspitze mit Journalisten seit Bekanntwerden der Vorwürfe. Dabei seien fragwürdige Zahlungen von beinahe einer halben Milliarde Euro festgestellt worden. Meist gehe es um zweifelhafte Beraterverträge, sagte Finanzchef Joe Kaeser. Immense Steuernachzahlungen Alle Transaktionen seien durch die Bücher gegangen und von Mitarbeitern abgezeichnet worden. Die Staatsanwaltschaft hatte den Schaden für Siemens bisher auf 200 Millionen Euro beziffert. Wegen voraussichtlich fälliger Steuernachzahlungen muss der Konzern den Gewinn in den Büchern nachträglich um zunächst 168 Millionen Euro korrigieren. Der Gesamtschaden ist aber noch nicht absehbar: "Weitere Belastungen zum Beispiel durch Strafen oder Schadenersatzforderungen könnten auf Siemens zukommen", sagte Finanzchef Kaeser. Die Siemens-Führung erklärte erstmals öffentlich, dass es jahrelang Korruption gegeben hat. Sie machte dafür einige Beschäftigte verantwortlich. Die Konzernspitze wolle "diesem Spuk ein Ende zu machen", sagte Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer. "Eine Gruppe von Mitarbeitern hat sich zusammengeschlossen, um alle Sicherungen außer Kraft zu setzen." In der Com-Sparte hätten sich der kaufmännische Leiter, der Vertriebschef, der Leiter des Rechnungswesens und der Leiter der Revision "ihre Posten zunutze gemacht". Das interne Kontrollsystem habe hier trotz der Verschärfung im Jahr 2001 nicht gewirkt. Pierers Interessenkonflikt Pierer, zur Zeit des Aufbaus schwarzer Kassen Siemens-Vorstandschef, sagte, er sehe keinen Grund für einen Rückzug aus dem Aufsichtsrat: "Wenn man jedes Mal eine politische Verantwortung konstruieren würde, hätten wir alle paar Monate einen neuen Vorstand." Ein Konzernchef beschäftige sich zu Recht nicht mit einzelnen Buchungen. Von einem System schwarzer Kassen habe er erst mit der Razzia im November erfahren. Gründe für persönliche Konsequenzen erkenne er nicht. Er halte es für seine Aufgabe, die Aufklärung voranzutreiben. Aktionärsschützer warnten dagegen vor Problemen: Pierer habe einen Interessenskonflikt, der schwer zu überwinden sei, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.
Die Schmiergeldaffäre bei Siemens hat die Konzernspitze erreicht. Der frühere Zentralvorstand Thomas Ganswindt wurde nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft verhaftet.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schmiergeldskandal-erreicht-konzernspitze-ex-vorstand-von-siemens-verhaftet-1.904894
Schmiergeldskandal erreicht Konzernspitze - Ex-Vorstand von Siemens verhaftet
00/05/2010
Lebenshilfe für Geliebte und Betrogene gibt es jetzt auch im Netz. Unter www.diegeliebte.de können Betroffene ihr Herz ausschütten. (SZ vom 29.8.) Liebe kann ja so vielfältig sein. Ein Gefühl irgendwo zwischen explodierenden Golfbällen, Kurzurlaub im Wellness-Paradies und HepatitisB. Zitat: "Um uns das Schreiben zu erleichtern, haben sich hier die Bezeichnungen 1.Geige (für die Ehefrau/den Ehemann), 2.Geige (für die Geliebte /den Geliebten) und Geiger (für den "Betrüger"/"Betrügerin") durchgesetzt." Wir befinden uns auf der Homepage von Barbara Unterberger aus Wolfratshausen. Es geht um Ehebruch. Familie mit 1000 Mitgliedern 14 Monate lang lebte Frau Unterberger - um in ihrem Fachjargon zu bleiben - als Zweitgeige. Nach der Trennung von ihrem Ex-Gatten vor sechs Jahren hatte sich die Mutter eines kleinen Buben in einen verheirateten Mann verliebt. Sodann schuf die ehemalige Krankenpflegerin und Sanitätshaus-Angestellte vor drei Jahren ihre ganz persönliche Lebenshilfe-Seite "www.diegeliebte.de". Seitdem wird hier gegeigt, was das Zeug hält. Weit mehr als eine Million Mal wurde die Homepage bisher aufgerufen. Die Internet-Familie zählt etwa 1000 Mitglieder. Oh Zeiten, oh Sitten. "Ich ahnte irgendwie schon, dass dieser ganze Sexhype bei dir etwas mit deinem Selbstwertgefühl zu tun hat, aber ich hatte keine Vorstellung, wie die Zusammenhänge sind", schreibt Svenja in ihrem bitteren Abschiedsbrief an einen bereits anderwertig Vergebenen. Auch Bruni zieht Bilanz. Mit Schüttelreimen: "Ich hatte gebrochen/Sie war nicht mehr da/Die Liebe hatte sich verkrochen/Ich wollte sie lassen wo sie war." Fast wie bei Werther. Daneben steht Werbung für Internet-Seiten, die interessant für Ehebrecher sein könnten. Kurzurlaube, Mitfahrzentralen, Damenwäsche. Und damit der Humor nicht zu kurz kommt, gibt es auch einen Link zu einem Scherzartikelshop. Dort kann man Hundehaufen aus Plastik (2,95Euro) kaufen, Kugelschreiber mit Elektroschlag (24,95Euro) und explodierende Golfbälle (7,95Euro). Geigenhumor, würde Unterberger sagen. Gefährliche Körperflüssigkeiten Eine ziemlich verwirrende Mischung das alles. Sekunden später lesen wir nämlich, welche Gefahren in Körperflüssigkeiten lauern (Aids-Prophylaxe - wichtiges Thema). Oder, dass sich Markus aus der Schweiz trotz Therapie und Neuanfang allein und hilflos fühlt. Wem es weniger um die theoretische Analyse außerpartnerschaftlicher Akte geht und eher um den praktisch vollzogenen Seitensprung, der kann auf die Seite einer professionellen Nebenbuhler-Agentur weiterspringen. Für die, die selber betrogen wurden, hat Barbara Unterberger die Zusatz-Adresse www.betrogene.de eingerichtet. Aber aufgepasst. Zum Selbsthilfe-Brunch Anfang September am Starnberger See wird nicht nur hier, sondern auch auf der Geliebten-Homepage eingeladen. "Das ist Absicht", sagt Unterberger. "Alle sollen an einen Tisch. Gegenseitiges Verstehen ist mir wichtig." Sie selber habe einmal mit einer Betrogenen ein Hotelzimmer geteilt. "Wir haben uns gut verstanden." Für die 40 Jahre alte Barbara Unterberger bedeutet die Aufarbeitung deutschsprachiger Beziehungskisten einen echten Vollzeitjob. Es gibt viel zu betreuen. Die Foren für Geliebte und Betrogene sind gut besucht, ein Team von Freiwilligen moderiert den Chat. Alles gute zum Burzeltag! Die virtuelle Pinnwand quillt über mit Anniversariens-Adressen - statt zum Geburtstag wünscht man sich hier zum "Burzeltag" alles Gute. Auch die Gewinne des Preisausschreibens müssen noch verschickt werden. Emelie erhält ein handsigniertes Buch mit dem Titel "Du hast es mir angetan". Wie passend. Drei Bankkonten hat Barbara Unterberger für Spendengelder eingerichtet: In Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Allein im August sind dort 42Spenden unterschiedlicher Höhe eingegangen. Trotzdem, sagt sie, sei ihre Arbeit "ein einziges finanzielles Fiasko". Ihr Logo (ein selbst entworfener Kreis mit drei, sagen wir, Tränen-Herzen-Keilen) kann in Wolfratshausen für nur fünf Euro als Aufkleber angefordert werden. Auf's Auto geklebt erleichtert dieser - ähnlich dem Umriss der Nordseeinsel Sylt oder dem christlichen Fisch-Symbol - das gegenseitige Kennenlernen. Doch abermals Achtung: Noch hat Frau Barbara für Betrogene und für "Geigen" nur ein Logo - wenn auch in unterschiedlicher Farbgestaltung. Nur drei Prozent der Geiger bleiben übrigens dauerhaft bei ihrer Buhlschaft. Sagt die Statistik. Ein ernüchterndes Ergebnis angesichts eines derart ausgeprägten digitalen Mitteilungsbedürfnisses.
Lebenshilfe für Geliebte und Betrogene gibt es jetzt auch im Netz. Unter www.diegeliebte.de können Betroffene ihr Herz ausschütten.
wirtschaft
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E-Business mal anders - Ehebruch, Körpersäfte und die wahre Liebe
00/05/2010