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Der Konflikt zwischen der Bundesregierung und dem Betreiberkonsortium für die geplante Lkw-Maut, Toll Collect, verschärft sich: DaimlerChrysler und Deutsche Telekom lehnen Schadenersatzforderungen des Bundes strikt ab. Einen neuen Termin für den regulären Mautstart wollen die beiden Konzerne ebenfalls nicht nennen. Das Verhältnis zwischen der rot-grünen Bundesregierung und den maßgeblichen Toll Collect-Eignern DaimlerChrysler und Telekom erscheint mittlerweile nachhaltig zerrüttet. Seitdem fest steht, dass Toll Collect auch den zweiten Starttermin des Mautsystems am 2. November wegen anhaltender technischer Pannen nicht einhalten kann, überziehen sich beide Seiten mit Vorwürfen. Die zuständigen Konzernvorstände Klaus Mangold (DaimlerChrysler) und Josef Brauner (Deutsche Telekom) reagierten am Dienstag in Berlin gereizt auf Pläne des Bundes, Toll Collect Mitte Dezember gegebenenfalls den milliardenschweren Auftrag für das Mautsystem zu entziehen. "Wenn der Verkehrsminister und das Bundesamt für Güterverkehr einen Betreiber haben, der es besser und schneller kann, wären wir die letzten, die sich dagegen stellen", sagte Mangold. Die Konzerne fühlten sich aber durch Kündigungsandrohungen "überhaupt nicht unter Druck gesetzt", sagte er. Der Bund habe bei dem komplizierten Mautprojekt einen viel zu knappen Zeitrahmen gesetzt und zudem bei der EU-Kommission und im Bundesrat viel zu spät für Rechtssicherheit gesorgt. Unternehmen wollen nicht "Schwarzer Peter" sein "Das Schwarze-Peter-Spiel muss aufhören", forderte Mangold gleichwohl. Er bestätigte, dass der Bund gegenüber Toll Collect ein Ausstiegsrecht habe. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) bezeichnete dies ebenfalls als "Tatsache". Allerdings habe er nicht die Absicht, den Vertrag zu kündigen, sagte Stolpe am Dienstag. Der in Regierungskreisen genannte 15.Dezember als Stichtag für eine Vertragsauflösung tauche in der Vereinbarung nicht auf, betonte der DaimlerChrysler-Manager. Er verweigerte jeden Kommentar darüber, ob der Bund im Falle des Auftragsentzugs die gesamte Erhebungstechnik und die Gebrauchsrechte für das elektronische Mautsystem übernehmen könne. "Das ist streng vertraulich", sagte Mangold. Ein weiterer Konfliktpunkt sind die unterschiedlichen Auffassungen über Haftungsfragen und Vertragsstrafen. Der Bund, aber auch die rot-grüne Regierungsfraktion fordern von Toll Collect einen spürbaren Ausgleich für die monatlichen Mauteinnahme-Verluste in Höhe von gut 156 Millionen Euro. Toll Collect: Vertragsstrafen erst ab 2005 Mangold und Telekom-Vorstand Brauner lehnten dies strikt ab und verwiesen auf gültige Vereinbarungen. "Warum sollen wir irgendetwas erstatten, was wir laut Vertrag nicht leisten müssen", sagte Brauner. Dies könne man allein schon gegenüber den Telekom-Aktionären nicht verantworten. Toll Collect müsse erst von Januar an täglich 250.000 Euro Strafe zahlen, sollte bis dahin das Mautsystem immer noch nicht funktionieren, bestätigte Mangold. Weitere Verpflichtungen gebe es nicht. Deutlich weniger entschlossen äußerten sich die beiden Manager über einen neuen regulären Starttermin. "Ich mache nicht noch einmal den Fehler und nenne einen exakten Termin", sagte Mangold. Stolpe wiederum hatte zuletzt betont, dass Toll Collect einen neuen Zeitpunkt festlegen müsse. Der Schlüssel liege beim Bundesamt für Güterverkehr, sagte der DaimlerChrysler-Manager. Allein die Behörde habe über den Beginn des Probebetriebs und über den Alltagsstart zu befinden. Aus seiner Sicht ist ein mehrmonatiger Testbetrieb sinnvoll, der frühestens Mitte Oktober beginnen kann. Personelle Konsequenzen in den Unternehmen wegen des anhaltenden Maut-Desasters lehnten sowohl Mangold als auch Brauner ab.
Der Konflikt zwischen der Bundesregierung und dem Betreiberkonsortium für die geplante Lkw-Maut, Toll Collect, verschärft sich: DaimlerChrysler und Deutsche Telekom lehnen Schadenersatzforderungen des Bundes strikt ab. Einen neuen Termin für den regulären Mautstart wollen die beiden Konzerne ebenfalls nicht nennen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/maut-kuendigung-angedroht-daimlerchrysler-und-telekom-greifen-den-bund-an-1.898135
Maut-Kündigung angedroht - DaimlerChrysler und Telekom greifen den Bund an
00/05/2010
Die internationale Krise an den Finanzmärkten hat längst die deutschen Bankhäuser erfasst: Jetzt gibt erstmals Deutsche-Bank-Chef Ackermann Fehler zu - und rechnet mit massiven Auswirkungen für das eigene Haus. Josef Ackermann gibt sich ungewohnt zerknirscht: Auch Deutschlands größte Bank sei in der allgemeinen Markteuphorie zu Beginn des Jahres übertriebene Kreditengagements eingegangen, die derzeit nicht mehr weiterverkauft werden könnten und daher neu bewertet würden. "Und das belastet unsere Erfolgsrechnung im dritten Quartal", sagte Ackermann am Mittwochabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Er gab sich aber zuversichtlich, dass das Gröbste überstanden sei. "Auch die Deutsche Bank hat Fehler gemacht, auch in dieser Krise", sagte Ackermann. Er rechne mit einer Belastung des Ergebnisses im dritten Quartal, weil Kreditversprechen für große Zukäufe im Umfang von 29 Milliarden Euro neu bewertet werden müssten. Konkrete Zahlen, wie hoch die Belastungen ausfallen könnten, nannte Ackermann allerdings nicht. Auch die geplante Aufstockung des Personals ist laut Ackermann gestoppt: Sein Haus habe geplant, die Zahl der Mitarbeiter von derzeit 76.000 noch in diesem Jahr auf 80.000 zu erhöhen. "Das werden wir wahrscheinlich jetzt nicht tun, weil die Märkte das so nicht hergeben", sagte der Manager weiter. Nicht an "vorderster Front" agiert Wie viel die Deutsche Bank an der Krise der Mittelstandsbank IKB verdient habe, wisse er nicht. "Klar ist, dass wir die IKB wie alle anderen Produkte verkauft haben", fügte Ackermann hinzu. Diese Produkte seien auch sehr gut gewesen. "Da hat man sehr viel Geld verdient über lange Zeit." Sein Haus sei dabei aber "bei weitem nicht an vorderster Front" gewesen. Ackermann sagte, dass sein Haus dabei nicht mit Nachdruck auf die Risiken hinwies. Bei Privatkunden sei es Teil der Beratung, vor finanziellen Schwierigkeiten zu warnen. Bei Banken als Kunden sei dies schwierig, weil diese eigene Aufsichtsorgane und ein eigenes Management hätten. "Zu sagen, um Himmels Willen, Sie gehen da ein bisschen zu weit - ich glaube, wir würden damit nicht gerade viele Freunde gewinnen." Der Vorstandschef: "Ich habe nie die IKB geführt und ich fühle mich auch nicht als Aufsichtsrat der IKB. Wir sind ein Geschäftspartner." Vorwürfe abgewehrt Er wies zugleich Vorwürfe zurück, die Deutsche Bank habe von der Schieflage der IKB durch Spekulationen der eigenen Investmentbänker profitiert. Er habe sogar klar kommuniziert: "Wir wollen da gar nicht dabei sein. Wenn das Gefühl besteht, wir wollen da noch einmal profitieren, dann verzichten wir darauf. Wir haben das nicht nötig." Weitere Gefahren für deutsche Banken sieht Ackermann nicht. Er geht nach eigenen Worten davon aus, "dass hier keine größeren Zeitbomben ticken" und "dass jetzt alle größeren Risiken transparent gemacht wurden". Er hoffe, "dass die Märkte sich wie immer normalisieren". Banken weltweit finden derzeit an den Finanzmärkten kaum mehr Käufer für Kreditrisiken, da die Anleger im Zuge der Krise am US-Hypothekenmarkt sehr zurückhaltend geworden sind. Zahlreiche fremdfinanzierte Übernahme-Deals von Beteiligungsfirmen liegen deshalb auf Eis. Insgesamt werden Käufer für Kredite in Höhe von mehr als 220 Milliarden Euro gesucht. Die Deutsche Bank ist unter anderem an der Finanzierung der mehr als 16 Milliarden Euro schweren Übernahme der britischen Apothekenkette Alliance Boots durch den US-Finanzinvestor KKR beteiligt. Dieser größte schuldenfinanzierte Zukauf in Europa kommt wegen der Zurückhaltung der Investoren nur schleppend voran.
Die internationale Krise an den Finanzmärkten hat längst die deutschen Bankhäuser erfasst: Jetzt gibt erstmals Deutsche-Bank-Chef Ackermann Fehler zu - und rechnet mit massiven Auswirkungen für das eigene Haus.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/die-deutsche-bank-und-die-us-finanzkrise-ackermann-zeigt-reue-1.889861
Die Deutsche Bank und die US-Finanzkrise - Ackermann zeigt Reue
00/05/2010
Über die Meerenge zwischen der schleswig-holsteinischen Ostsee-Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland führt mit rund 20 Kilometern der kürzeste Weg zwischen Skandinavien und dem kontinentalen Westeuropa. Er soll nun durch eine Brücke verbunden werden. Der Fehmarnbelt unterbricht die direkte Landverbindung zwischen dem Großraum Kopenhagen/Südschweden im Norden sowie der Region Hamburg/Lübeck im Süden. Hier sind im Halbstunden-Rhythmus auf der so genannten Vogelfluglinie Fähren im Einsatz, die für eine Überfahrt jeweils 45 Minuten benötigen. Eine doppelstöckige Auto- und Eisenbahnbrücke würde gut fünf Milliarden Euro kosten, bei mindestens siebenjähriger Bauzeit und privater Finanzierung. Diskussion seit anderthalb Jahrzehnten Über den Bau einer festen Querung wurde seit anderthalb Jahrzehnten diskutiert. Das Vorhaben wurde 2005 auch in die Koalitionsverträge auf Landes- und Bundesebene aufgenommen. Die ungeklärte Finanzierung hatte bisher trotz zahlreicher Treffen eine positive Entscheidung verhindert. Die Regierungen Schleswig-Holsteins und Dänemarks sowie die Wirtschaft in beiden Ländern haben den Brückenbau gefordert. Wegen des deutlich geringeren deutschen Interesses erklärte Dänemark sich zur Übernahme der kompletten Baukosten bereit. Naturschützer und ein Großteil der Bewohner Fehmarns lehnen eine feste Querung dagegen ab. Ökologische Bedenken Sie haben ökologische Bedenken und die Sorge, dass die Insel Urlauber verlieren könnte. Zudem befürchtet die Fährwirtschaft in Schleswig- Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Einbußen.
Über die Meerenge zwischen der schleswig-holsteinischen Ostsee-Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland führt mit rund 20 Kilometern der kürzeste Weg zwischen Skandinavien und dem kontinentalen Westeuropa. Er soll nun durch eine Brücke verbunden werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stichwort-die-fehmarnbelt-querung-1.904803
Stichwort - Die Fehmarnbelt-Querung
00/05/2010
80 Prozent der Kartenumsätze entfallen auf die EC-Karte. Jetzt wollen auch die Kreditkartenfirmen ein großes Stück vom Kuchen. Und setzen auf eine neue Karte. "Unser Ziel sind 25 Prozent Marktanteil bei Debitkarten in Deutschland bis 2009, das wären 20 Millionen neue Kunden", sagte Visas Europa-Chef Hans van der Velde der Financial Times Deutschland (FTD). Detailansicht öffnen Bislang geht ein Gros des Einzelhandel-umsatzes an Visa und Mastercard vorbei. In den Markt dringt auch der Visa-Konkurrent Mastercard. "Es geht darum, das Mastercard-Produkt Maestro zum nationalen System zu machen. Wir sind in Gesprächen mit einem sehr großen deutschen Bankenverband", sagte ein Mastercard-Sprecher der FTD. EC-Karte in Deutschland Nummer Eins Anders als bei Kreditkarten wird bei Debitkarten die Zahlung umgehend vom Konto abgebucht. Auf die vom Zentralen Kreditausschuss der deutschen Banken verantwortete EC-Karte entfielen nach Angaben des Euro-Handelsinstituts (EHI) im vergangenen Jahr 80 Prozent des Kartenumsatzes, so die FTD. Ein Viertel des gesamten Einzelhandelsumsatzes werde mit der EC-Karte bezahlt, 2003 knapp 89 Milliarden Euro. Dieses Geschäft gehe bislang an Visa und Mastercard vorbei. Die internationalen Anbieter setzten nun auf die wachsende Unzufriedenheit von Banken und Handel mit der EC-Karte. Chancen hätten sie dabei bei den rund 1.400 Genossenschaftsbanken in Deutschland. Ablösung der EC-Karte "Wir sind interessiert an Lösungen, die den Ertrag bei Debit-Karten steigern", bestätigte Oliver Hommel, Referent beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) der Zeitung. Für eine Umstellung von der EC-Karte auf ein anderes Produkt sei der Verband offen. "Wir prüfen kontinuierlich, ob diese Ertragssteigerung mit Visa oder mit Mastercard verbessert werden kann", sagte Hommel. Auch der Einzelhandel ist interessiert. "Wenn das eine günstige und sichere Lösung ist, würden wir das begrüßen", sagt Michael Gerling, Geschäftsführer des branchennahen EuroHandelsinstitut (EHI). Den ausländischen Unternehmen könnte die Umstellung vom Magnetstreifen auf die Chipkarte helfen. "Bereits Ende 2005 werden Chipterminals in den meisten Banken stehen. Die Technik macht es gegenüber der EC-Karte leichter", sagte Visa-Manager van der Velde.
80 Prozent der Kartenumsätze entfallen auf die EC-Karte. Jetzt wollen auch die Kreditkartenfirmen ein großes Stück vom Kuchen. Und setzen auf eine neue Karte.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/visa-und-mastercard-konkurrenz-fuer-die-ec-karte-1.901858
Visa und Mastercard - Konkurrenz für die EC-Karte
00/05/2010
Nach monatelangem Streit zwischen den beteiligten Architekten wurde im Juli schließlich der Grundstein des Freiheitsturms gelegt. Nun will ein ehemaliger Yale-Student im Nachfolger des Wrold Trade Centers einen seiner eigenen Entwürfe wiedererkennen und hat das beauftragte Architektenbüro verklagt. Thomas Shine aus Brookline im US-Staat Massachusetts reichte am Montag seine Klage gegen bei einem Bundesgericht in Manhattan ein. Dem Architekturbüro Skidmore, Owings & Merrill (SOM) LLP und dem Chefarchitekten David Childs wirft er Design-Diebstahl vor. Detailansicht öffnen Ein Modell des Freedom Towers, der auf Ground Zero gebaut wird. (Foto: Foto: AP) Laut Anklageschrift sieht die Planung für den Freedom Tower einem Entwurf "erstaunlich ähnlich", den Shine für ein Gebäude in Manhattan gestaltet hat, das bei einer Vergabe der Olympischen Spiele 2012 an New York gebaut werden soll. Childs soll dies der Anklage zufolge gesehen haben, als er 1999 die Architektur-Fakultät von Yale besuchte. Die äußere Gestaltung des Olympia-Modells sei identisch mit der Planung für den Freedom Tower, der im Dezember vergangenen Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Der Grundstein ist schon gelegt Die jetzige Planung für den Freedom Tower ist ein Kompromiss zwischen Childs und dem Architekten Daniel Libeskind. Libeskind hatte zwar den Wettbewerb um die Neubebauung gewonnen. Doch die Lower Manhattan Development Corporation (LMDC) und die Port Authority von New York und New Jersey, die Eignerin des Landes ist, beauftragten Childs vom Architekturkonzern SOM. Libeskind ist lediglich ein "Mitglieds im Entwurfsteam". Der Grundstein für das Hochhaus wurde am 4. Juli gelegt, dem Nationalfeiertag der USA. Auch in der Höhe liegt Symbolik Der neue "Freiheitsturm" soll 533 Meter hoch werden oder 1.776 Fuß - damit wäre das Gebäude das höchste der Welt und ein symbolisches Zeichen: Die Höhe von 1.776 Fuß steht für das Jahr 1776, in dem die Vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit erklärten. Bis zum Jahr 2009 soll ein Wolkenkratzer mit 70 Geschossen entstehen. Die Baukosten werden auf 1,5 Milliarden Dollar geschätzt.
Nach monatelangem Streit zwischen den beteiligten Architekten wurde im Juli schließlich der Grundstein des Freiheitsturms gelegt. Nun will ein ehemaliger Yale-Student im Nachfolger des Wrold Trade Centers einen seiner eigenen Entwürfe wiedererkennen und hat das beauftragte Architektenbüro verklagt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ground-zero-freedom-tower-soll-ein-plagiat-sein-1.903187
"Ground Zero - ""Freedom Tower"" soll ein Plagiat sein"
00/05/2010
Wie ein Signal mag mancher den Tarifabschluss im Baugewerbe empfinden. Rückkehr der 40-Stunden-Woche! Minusrunde bei den Arbeitskosten! Das klingt nach Fanfarenstößen. Den einen klingen sie süß in den Ohren, Arbeitgebern und vielen Ökonomen; die meisten Arbeitnehmer dagegen finden die Töne wohl arg schrill. Die Verlängerung der Arbeitszeit ist in der Tat ungewöhnlich, selbst wenn es nur eine Stunde ist. Beim Thema Mehrarbeit wächst damit der Druck. Dennoch leitet dies jetzt wohl kaum einen grundlegenden Wandel der Arbeitszeitentwicklung quer durch die Branchen ein. Düstere Lage In vielen Wirtschaftszweigen, vor allem aber in der durch den Wahlkampf angeheizten politischen Debatte, geht es derzeit eher um die Öffnung der Flächentarife für betriebliche Abweichungen. Dagegen hat sich die Gewerkschaft IG Bau in ihrer Branche erfolgreich gesperrt - wofür sie bei der Arbeitszeit einen Preis zahlen musste. Dass ein Verzicht auf spürbare Lohnsteigerungen als Preis nicht ausreichte, liegt an der besonderen Lage der Bauwirtschaft: Sie ist im elften Rezessionsjahr. Eine solche Krise lässt sich so in keiner anderen Branche finden; der Abschluss lässt sich daher nicht einfach übertragen. Dies wäre auch nicht vernünftig. Wichtiger als pauschale Arbeitszeitverlängerungen sind Lösungen für die immer stärker unterschiedliche Situation in den unterschiedlichen Betrieben einer Branche. Hierbei kann durchaus das Veto-Recht der Gewerkschaft erhalten bleiben, wie die Metallindustrie vormacht. Auch erfolgsabhängige Entgeltanteile können zur notwendigen Differenzierung beitragen. Mehrarbeit für alle, das ist zu simpel. Eine Minusrunde Eher übertragbar ist, dass der Tarifabschluss unter dem Strich eine Minusrunde ist. Zwar ist auch hierfür die miese Branchenkonjunktur ein Grund. Aber weit über den Bausektor hinaus sind die Lohnerhöhungen in Deutschland seit Jahren meist maßvoll bis mickrig, das ist der Trend. Angesichts des immer noch hohen Lohnniveaus im Land ist das unvermeidbar. Tarifpolitik kann nicht den ausbleibenden Aufschwung ausgleichen, indem sie mit hohen Abschlüssen den Konsum ankurbelt. Für ihre Lohnmäßigung bekommen die Arbeitnehmer aber leider nicht die Anerkennung, die sie verdienen. Die Arbeitgeber nutzen hier schlicht die starke Position im Tarifpoker, die sie derzeit haben -- dank Arbeitslosigkeit, Kostenwettbewerb, Wirtschaftsflaute. Nun sollten sie auch hierbei Maß halten. Grundsätzlich aber zeigt der Abschluss, dass das Tarifsystem nicht so starr ist, wie gerne behauptet wird.
Wie ein Signal mag mancher den Tarifabschluss im Baugewerbe empfinden. Rückkehr der 40-Stunden-Woche! Minusrunde bei den Arbeitskosten! Das klingt nach Fanfarenstößen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-suesse-klaenge-schrille-toene-1.917567
Kommentar - Süße Klänge, schrille Töne
00/05/2010
Ein Finanzinvestor könnte möglicherweise bald neuer Eigentümer des insolventen Handyherstellers BenQ sein. Ein Kauf vor Neujahr wird angestrebt. Die Gespräche mit einem Finanzinvestor für den insolventen Handyhersteller BenQ Mobile sind nach Angaben des Insolvenzverwalters Martin Prager weit fortgeschritten. Detailansicht öffnen Möglicherweise gibt es einen Käufer für den insolventen Handy-Hersteller BenQ. (Foto: Foto: ddp) Der Kaufinteressent habe die Bücher geprüft. Nun bleibe zu hoffen, dass er sich bald äußere, sagte Pragers Sprecherin am Montag in München. Alle Interessenten hätten angekündigt, im Falle eines Kaufes das verbliebene Geschäft von BenQ komplett übernehmen zu wollen. "Das Geschäft ist ohne Investor nicht fortzuführen", sagte die Sprecherin. Seit der Insolvenzanmeldung habe BenQ nur 50 Millionen Euro Umsatz gemacht. Das sei ein Achtel dessen, was für das vierte Quartal geplant war. Ohne Investor müsse das Unternehmen am 1. Januar das formelle Insolvenzverfahren eröffnen. Einer aus vier potentiellen Investoren? Ein IG-Metall-Sprecher sagte, er wisse von vier potenziellen Investoren. Die Betriebsratschefin von BenQ München, Susanne Hahlweg, sagte nach einer Betriebsversammlung am Montag: "Der Insolvenzverwalter hat alle Informationen dazu sehr vage gehalten." Bisher haben 400 ehemalige Mitarbeiter des Handyherstellers einen neuen Job gefunden, wie Pragers Sprecherin sagte. Etwa 2.000 der insgesamt 3.000 werden seit Oktober abgebaut. Im Falle einer Insolvenz könnten auch die bisher noch verbliebenen 2.600 Beschäftigten in eine Transfergesellschaft wechseln. Schwere Entscheidung Probleme entstünden dabei allerdings für jene 1.700 Mitarbeiter, die Widerspruch zum Betriebsübergang von Siemens auf BenQ eingelegt hätten. Hahlweg erklärte, sie müssten ihren Widerspruch zurückziehen, um Ansprüche in der Transfergesellschaft geltend zu machen. Damit verfielen aber sämtliche Ansprüche gegenüber Siemens. "Besonders langjährige Mitarbeiter werden da jetzt in einen Gewissenskonflikt kommen", sagte Hahlweg. Der Handyhersteller BenQ, der früher zum Siemens-Konzern gehört hatte, musste Ende September Insolvenz anmelden, weil der Mutterkonzern BenQ in Taiwan seine Zahlungen eingestellt hatte.
Ein Finanzinvestor könnte möglicherweise bald neuer Eigentümer des insolventen Handyherstellers BenQ sein. Ein Kauf vor Neujahr wird angestrebt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/weiterfuehrung-von-benq-moeglicher-kaeufer-prueft-die-buecher-1.898215
Weiterführung von BenQ - Möglicher Käufer prüft die Bücher
00/05/2010
Die umstrittene Vizechefin Engelen-Kefer und ihre Gegner an der Spitze der Gewerkschaft versuchen hinter den Kulissen Fakten zu schaffen. Der Kampf wird mit harten Bandagen geführt. Eine Woche vor dem Bundeskongress spitzt sich der Machtkampf an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zu. Die umstrittene Vize-vorsitzende des Dachverbandes der Arbeitnehmervertretung, Ursula Engelen-Kefer, und ihre Widersacher an der Spitze der mächtigen Einzelgewerkschaften, versuchen noch vor Beginn der Jahrestagung am kommenden Montag in Berlin hinter den Kulissen Fakten zu schaffen. Insbesondere die Vorsitzenden der IG Metall, Jürgen Peters, und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, wollen die streitbare Langzeit-Gewerkschafterin aus dem Machtzentrum des DGB verdrängen. Mit dem Hinweis, dass die 62-Jährige im Laufe einer erneuten Amtszeit das Rentenalter erreichen würde, soll sie seit Monaten zum freiwilligen Rückzug gezwungen werden. Die Arbeitsmarktexpertin, die vor allem unter den Gewerkschaftsfrauen Unterstützung genießt, weigert sich standhaft. Der Kampf wird mit harten Bandagen geführt, so soll Engelen-Kefer mit dem Verlust anderer gewerkschaftsnaher Ämter gedroht worden sein, wenn sie sich jetzt nicht aus dem Vorstand zurückziehe. "Netzwerke waren noch nie meine Sache" Erstmals hat die Stellvertreterin von DGB-Chef Michael Sommer jetzt in einem Interview auch öffentlich Stellung bezogen. Dem Berliner Tagesspiegel sagte sie: "Ich habe immer deutlich gemacht, dass ich weiterarbeiten will." Sie pries die eigenen Verdienste in der Arbeitsmarktpolitik und als Gewerkschaftsvertreterin bei der Bundesanstalt für Arbeit. Zugleich sprach sie von einer Kampagne gegen ihre Person: "Netzwerke waren noch nie meine Sache. Aber es gab schon welche gegen mich." Berichte, die daraufhin von einer Ankündigung einer Kampfkandidatur sprachen, sind nach Informationen der Süddeutschen Zeitung jedoch verfrüht. "Sie wollte sich alle Möglichkeiten offen halten, ohne sich ausdrücklich zu erklären", hieß es in Gewerkschaftskreisen. Entscheidend seien die Gremiensitzungen vor und zu Beginn des Bundeskongresses. Sollte die stellvertretende Vorsitzende dort zur Kandidatur aufgefordert werden, werde sie antreten. Nominierung abgelehnt Der Vorstand des DGB dagegen hat die Weichen bereits anders gestellt. Er lehnte ihre erneute Nominierung ab und schlug stattdessen für ihren Vizeposten sowie für ihre angestammten Arbeitsgebiete im Bereich der Arbeitsmarkt- und der Sozialpolitik vier andere Kandidaten vor. Diese sind nach Ansicht des Engelen-Kefer-Lagers nicht ausreichend fachkompetent und profiliert. Es wird dort befürchtet, dass der DGB in der Sozialpolitik an Einfluss verlieren könnte und dass die Chefs der Einzelgewerkschaften beim DGB "durchregieren". Engelen-Kefer hat sich in jahrzehntelanger Arbeit Anerkennung über das Gewerkschaftslager hinaus erworben. Sie gilt als kompetent und integer, aber auch als Traditionalistin und schwierig im Umgang. Insbesondere mit dem früheren SPD-Partei- und Regierungschef Gerhard Schröder, aber auch mit dem Chef der Einzelgewerkschaften, ist sie mehrfach heftig aneinander geraten.
Die umstrittene Vizechefin Engelen-Kefer und ihre Gegner an der Spitze der Gewerkschaft versuchen hinter den Kulissen Fakten zu schaffen. Der Kampf wird mit harten Bandagen geführt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/interner-konflikt-machtkampf-beim-dgb-spitzt-sich-zu-1.903582
Interner Konflikt - Machtkampf beim DGB spitzt sich zu
00/05/2010
Bahnchef Hartmut Mehdorn steht vor einem Desaster. Nach der Lokführer-Kampftruppe GDL wollen plötzlich auch die beiden größeren Bahngewerkschaften Transnet und GDBA notfalls die Arbeit niederlegen. Gerade hat die GDL mit ihrem Streik bei den Güterzügen begonnen, was die Deutsche Bahn (DB) und die Wirtschaft viel Geld kosten könnte, da drohen nun auch die Transnet und die GDBA mit einem Arbeitskampf. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: ddp) Sie wollen das neue Modell für die Privatisierung des Staatskonzerns verhindern, das derzeit in der Regierungskoalition diskutiert wird. Minister von CDU und SPD hatten am Donnerstag mit Mehdorn besprochen, ob die Bahn entgegen den bisherigen Plänen nun doch ohne das Schienennetz an die Börse gebracht werden solle. Das könnte über eine Finanzholding innerhalb der DB geschehen, in der die Unternehmensbereiche Personenverkehr sowie Transport und Logistik aufgingen. Das 34.000 Kilometer lange Schienennetz und die Bahnhöfe blieben beim Bund. Mehdorn in der Klemme Transnet und GDBA hatten zuvor davon Wind bekommen und sofort härtesten Widerstand angekündigt - notfalls bis hin zu Streiks. "Wir werden dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen, sondern alle rechtsstaatlichen Mittel nutzen, um erforderliche Korrekturen durchzusetzen", schrieben die Chefs beider Gewerkschaften, Norbert Hansen und Klaus-Dieter Hommel, in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Falls es nicht gelinge, die Bahn beim Börsengang als Konzern zu erhalten, müsse "Plan B" greifen. Die Privatisierung müsse abgesagt werden und das Unternehmen im Eigentum des Bundes bleiben, heißt es in dem Schreiben, das sueddeutsche.de vorliegt. Für kommenden Donnerstag haben Hansen und Hommel eine Sondersitzung des Aufsichtsrats der Bahn durchgesetzt, bei der das neue Modell besprochen werden soll. "Wir verlangen Aufklärung", sagt Hommel. Den Gewerkschaften gehe es darum, die Arbeitsplätze zu sichern. "Wenn der Konzern zerschlagen wird, kostet das viele tausend Stellen." Die Bahn werde dann viele Dienstleistungen, die sie bislang selbst erledige, an andere Unternehmen vergeben. Börsengang faktisch gescheitert Außerdem werde der konzernweite Arbeitsmarkt zerstört, kritisiert Hommel. Bislang sei es möglich, Mitarbeiter, deren Stellen der Rationalisierung zum Opfer fielen, anderswo im Unternehmen unterzubringen. Damit sei es dann vorbei. Für Mehdorn kommt die Attacke von Transnet und GDBA zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Eine Lösung des Konflikts mit der GDL ist nicht in Sicht. Und das bisherige Modell für einen Börsengang der Bahn inklusive Schienennetz ist faktisch gescheitert, weil die SPD-Basis nicht mitmacht. Der SPD-Parteitag hat beschlossen, es dürften nur stimmrechtslose Volksaktien ausgegeben werden. Finanzkräftige Investoren, auf die Mehdorn hofft, wären daran aber nicht interessiert. Und die Union ist mit den SPD-Plänen nicht einverstanden.
Bahnchef Hartmut Mehdorn steht vor einem Desaster. Nach der Lokführer-Kampftruppe GDL wollen plötzlich auch die beiden größeren Bahngewerkschaften Transnet und GDBA notfalls die Arbeit niederlegen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/boersengang-der-bahn-nun-wollen-alle-streiken-1.889295
Börsengang der Bahn - Nun wollen alle streiken
00/05/2010
General Motors will laut einer schwedischen Zeitung das Tochterunternehmen Saab abstoßen. Der Konzern weist den Bericht entschieden zurück. Bei der Neuordnung des Europageschäfts von General Motors (GM) sind nach einem Pressebericht die Würfel zu Gunsten von Opel in Rüsselsheim bereits gefallen. Detailansicht öffnen General Motors will Saab angeblich verkaufen - damit hätte der Opel-Standort Rüsselsheim den konzerninternen Überlebenskampf gewonnen. (Foto: Foto: dpa) GM wolle die schwedische Tochter Saab, die mit Opel im Wettstreit um den Bau der künftigen Mittelklasse steht, verkaufen, berichtete die schwedische Zeitung Dagens Industri. Saab wies den Bericht vehement zurück. GM habe sich entschlossen, die gesamte europäische Mittelklasse-Produktion in Rüsselsheim zu konzentrieren, berichtete Dagens Industri unter Berufung auf eine ungenannte Quelle "mit guten Kontakten bei GM". Der weltgrößte Autobauer wolle dies aber erst nach dem Genfer Automobilsalon vom 1. bis zum 13. März bekannt geben. "Vollkommen unbegründete Spekulation" Zum Verkauf von Saab habe es Gespräche mit hinesischen Unternehmen gegeben, die aber bisher keine Ergebnisse gebracht hätten, hieß es weiter. Daneben sei Renault eine "interessante Alternative". Saab-Sprecher Örjan Åslund sagte AFP, die Angaben der Zeitung seien eine "vollkommen unbegründete Spekulation", die "sehr weit von der Wahrheit entfernt" seien. Normalerweise würden Spekulationen in der Presse nicht kommentiert, betonte Åslund. "Hier tun wir es aber, weil es wirklich falsch ist, wir dementieren alles." GM will seine Pläne für Saab noch im ersten Quartal vorstellen. GM hat im vergangenen Jahr im Europageschäft einen Verlust von 742 Millionen Dollar (rund 562 Millionen Euro) geschrieben. Ende des Jahres hat der weltgrößte Autobauer deshalb den Abbau von 12.000 Stellen angekündigt, 10.000 davon bei der deutschen Tochter. Gleichzeitig sollte eines der Hauptwerke für die Mittelklasse-Produktion geschlossen werden: entweder Rüsselsheim oder das Saab-Werk in Trollhättan. Interner Richtungsstreit Bereits Mitte Februar hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, dass GM ernsthaft die Schließung von Saab erwäge. Demnach gibt es einen Richtungsstreit in der GM-Führung, wobei eine Seite hinter Opel, die andere hinter Saab stehe. "Die Haltung zur Zukunft von Saab hat sich im vergangenen Monat verändert", zitierte Dagens Industri die ungenannte Quelle. "Unter dem Druck von Banken und fortgesetzter Verluste hat das GM-Management jetzt realisiert, dass es schwer werden wird, Saab zu einer unabhängigen Luxus-Premium-Marke zu entwickeln." Nach dem Bericht von Dagens Industri soll der neue kleine Cadillac BLS, der für den europäischen Markt auf der selben Plattform wie der Saab 9-3 entwickelt wurde, zwar 2006 im schwedischen Trollhätten gebaut werden. Später werde die Fertigung aber nach Rüsselsheim verlagert. Die Produktion des Saab 9-3 werde bis 2007/2008 weiterlaufen, danach werde das Werk nach und nach geschlossen, wenn GM keinen Käufer für Saab finde. Die schwedische Regierung hatte versucht, eine Schließung durch den Ausbau der Verkehrswege zu dem im Südwesten des Landes gelegenen Werk und die Finanzierung von Weiterbildungsprogrammen zu verhindern. Dafür sollen insgesamt zwei Milliarden Kronen (220 Millionen Euro) bereit gestellt werden.
General Motors will laut einer schwedischen Zeitung das Tochterunternehmen Saab abstoßen. Der Konzern weist den Bericht entschieden zurück.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/general-motors-verwirrspiel-um-saab-verkauf-1.919009
General Motors - Verwirrspiel um Saab-Verkauf
00/05/2010
Eon räumt zwar ein, dass die Ursache für den Stromausfall in ihrem Netz zu suchen sei - trägt aber bislang nicht viel zur Aufklärung bei. Der Strom fällt in Europa großflächig aus - doch die Ursachen sind kaum bekannt. Fest steht bislang nur, dass eine Stromleitung in Friesland der Ausgangspunkt für den Blackout gewesen war: Um die Durchfahrt eines von der Meyer-Werft in Papenburg gebauten Kreuzfahrtschiffes zu ermöglichen, nahm Eon die Leitung vom Netz. Es "ist klar, dass ein Zusammenhang mit der Abschaltung einer Höchstspannungsleitung besteht", teilte Eon am Montagabend in einer Erklärung mit. "Etwa eine halbe Stunde nach dieser Abschaltung traten außergewöhnliche Belastungen anderer Hochspannungsleitungen in Nordwestdeutschland auf, die schließlich zu einer noch nicht geklärten Abfolge von Leitungsausfällen führten", heißt es weiter. Allerdings wurde zu ähnlichen Anlässen in der Vergangenheit genau diese Leitung schon häufiger vom Netz genommen, ohne dass entsprechende Störungen auftraten. Windenergie soll nicht schuld sein Auch der Vorwurf, die Einspeisung von Windenergie habe das Netz destabilisiert, trägt offenbar nicht. Das Stromnetz sei am Samstagabend - wie zu dieser Zeit üblich - nur schwach ausgelastet gewesen, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Windenergie sueddeutsche.de. Zudem seien die Wetterprognosen, anhand derer die von den Windkraftanlagen voraussichtlich eingespeiste Strommenge berechnet werde, in etwa eingetroffen. Daher könne die Windenenergie für den Stromausfall nicht verantwortlich gemacht werden. Diese Energieform belaste allenfalls dann das Netz, wenn die Wetterprognosen nicht einträfen und damit gegebenfalls zu viel oder zu wenig Energie eingespeist würde. Bis zum Zeitpunkt der Netzstörung um 22.10 Uhr am Samstagabend habe die Windenergie rund 5.800 Megawatt - knapp 30 Prozent der installierten Leistung - zur Stromerzeugung in Deutschland beigetragen. Nach den bisherigen Erkenntnissen hätten alle Windkraftanlagen auf die Frequenzabweichungen im Verbundnetz wie vorgesehen reagiert: Bei hoher Über- oder Unterfrequenz werden einzelne Anlagen abgeschaltet, um die Nachfrage nach und das Angebot von Strom wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Politik schäumt Zur Aufklärung des Falls hat die zuständige Aufsicht, die Bundesnetzagentur, bei den von den Stromausfällen betroffenen Netzbetreibern Berichte eingefordert. In den "unverzüglich einzureichenden" Stellungnahmen müssten die Unternehmen sowohl die Ursache der Störung als auch das Ausmaß der entstandenen Schäden darlegen, sagte eine Sprecherin der Behörde. Die unklare Ausfallursache hat unterdessen die Spekulationen über den Zustand des Stromnetzes wieder angefacht. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel warf den Konzernen vor, ihre Netze zu vernachlässigen. "Wir wissen seit geraumer Zeit, dass wir Engpässe im Stromnetz haben und die Versorger nicht ausreichend dafür gesorgt haben, dass die Netze ausgebaut werden", sagte der SPD-Politiker. Erst auf Druck der Bundesregierung hätten sich die Konzerne zu größeren Investitionen in die Stromnetze bereit erklärt. Eon wies am Abend diese Vorwürfe zurück und warnte vor vorschnellen Schuldzuweisungen.
Eon räumt zwar ein, dass die Ursache für den Stromausfall in ihrem Netz zu suchen sei - trägt aber bislang nicht viel zur Aufklärung bei.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stromausfall-in-europa-und-alle-fragen-offen-1.906623
Stromausfall in Europa - Und alle Fragen offen
00/05/2010
Harry Stonecipher - 2003 aus dem Ruhestand in die Konzernspitze geholt, um die Skandalserie bei dem Flugzeugbauer zu beenden - sorgt nun mit seiner Liebesaffäre selbst für Negativschlagzeilen. Boeing kommt nicht zur Ruhe. Konkurrent Airbus übernahm dauerhaft die Führung bei den Verkehrsflugzeugen und prescht mit seinem riesigen A380 vor, noch frisch ist die Erinnerung an den Skandal um Pentagon-Aufträge, der unter anderem Finanzchef Mike Sears ins Gefängnis brachte. Detailansicht öffnen Mit Harry Stonecipher an der Spitze sollte es für Boeing wieder aufwärts gehen - nun sorgt seine Affäre mit einer Mitarbeiterin für neue Negativschlagzeilen. (Foto: Foto: AP) Und nun sorgt ausgerechnet der als Retter aus dem Ruhestand geholte Konzernchef Harry Stonecipher für Negativschlagzeilen, weil ihn der Verwaltungsrat wegen der Beziehung zu einer Mitarbeiterin feuerte. Der 68-jährige Stonecipher führte den Flugzeugbauer und Rüstungskonzern erst seit Dezember 2003. Der damalige Konzernchef Phil Condit war nach einem Beschaffungsskandal mit der amerikanischen Luftwaffe zurückgetreten. Fähigster Spitzenmanager der Luft- und Raumfahrtbranche Die Beschaffungsbeamtin Darleen Druyun hatte mit Boeing über eine Stelle verhandelt, während sie das Unternehmen bei der Vergabe von Milliarden-Großaufträgen begünstigte. Sie wurde zu neuen Monaten Gefängnis verurteilt. Sears bekam vier Monate. Ein 23 Milliarden-Dollar-Programm für 100 Tankerflugzeuge der US-Luftwaffe wurde neu ausgeschrieben. Boeing fiel auch wegen der unzulässigen Verwendung von Lockheed-Dokumenten auf. Stonecipher, der als einer der fähigsten Spitzenmanager der Luft- und Raumfahrtbranche gilt, war gerade mit dem Auftrag geholt worden, die Negativserie zu beenden und Ruhe in das Unternehmen zu bringen - was ihm bisher auch zu gelingen schien. Betonung des Rüstungsgeschäfts Unter anderem schuf er durch die stärkere Betonung des Rüstungsgeschäfts eine Alternative zu der Auftragsmisere bei Verkehrsflugzeugen. Boeing steigerte den Jahresumsatz 2004 auf 52,5 (Vorjahr: 50,3) Milliarden Dollar und den Gewinn auf 1,9 (0,7) Milliarden Dollar.
Harry Stonecipher - 2003 aus dem Ruhestand in die Konzernspitze geholt, um die Skandalserie bei dem Flugzeugbauer zu beenden - sorgt nun mit seiner Liebesaffäre selbst für Negativschlagzeilen.
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Stonecipher-Affäre - Die Skandalwelle bei Boeing nimmt kein Ende
00/05/2010
Warum sich der Milliardärssohn Bill Ford für die Familienfirma entschied - und gegen ein Leben voller Partys, Villen und Affären. Das Teil sieht martialisch aus: Der Ford F-250 Super Chief dominiert den Stand auf der Detroit Motor Show, und selbst die abgebrühtesten Motorjournalisten drücken sich an seinen Scheiben die Nasen platt, während sie die Pappschale mit Hähnchenschenkel und Pommes plus Mayonnaise und Krautsalat, ihren Lunch to go, beim Rundgang über den Stand des drittgrößten Autoherstellers der Welt leeren. Detailansicht öffnen Entschied sich gleich nach dem Management-Studium an der Elite-Universität Princeton für eine Karriere im Familienbetrieb: Bill Ford. (Foto: Foto: dpa) Namensgeber des Prototyps, der so protzig wohl nie in Serie gehen wird, sind die berühmten "American Super Chief"-Passagierzüge, die zwischen 1936 und 1971 alle Metropolen der USA miteinander verbanden. Die hohe Motorhaube, die flache Fensterlinie und der imposante Kühlergrill sind von den mächtigen Dieselloks dieser Züge inspiriert. Riesenautos für ganz Amerika - das ist die Philosophie, mit der Ford Jahrzehnte lang Geld verdiente. Doch diese Zeit ist längst vorbei, lange vor dem "schwarzen Montag" dieser Woche, an dem Konzernchef William (Bill) Clay Ford jr. drastische Einschnitte bekannt geben musste. Partys, Villen, Affären Der 49-jährige Sohn aus Amerikas ältestem Industriellen-Clan hätte genug Geld für ein Leben voller Partys, Villen und Affären. Doch er entschied sich gleich nach dem Management-Studium an der Elite-Universität Princeton für eine Karriere im Familienbetrieb. Dort irritierte er die Manager anfangs durch intensive Kontakte zu den Gewerkschaften. Zweieinhalb Jahrzehnte später hat er das Image eines Visionärs mit konservativen Wertvorstellungen. So setzte Bill Ford durch, dass jeder Fabrikarbeiter einen Computer erhält und daran ausgebildet wird. Ford sorgte für die Umsetzung der Normen des Kyoto-Protokolls zur Minderung des Ausstoßes von Kohlendioxid und begreift den Umweltschutz als Beitrage zur Optimierung der Arbeitsprozesse. Konzernchef wurde Bill Ford im Herbst 2001 durch einen Überraschungscoup. Seit mehr als 20 Jahren hatte kein Mitglied der Gründerfamilie, die 40 Prozent der Stimmrechte hält, das Unternehmen geführt. Gewinne durch Pick-ups - bis die Asiaten kamen Bill Ford löste damals Jacques (Jac) Nasser ab, der den Autohersteller in eine schwere Schieflage manövriert hatte durch aufwändige Internet-Projekte und etliche Zukäufe von Firmen, die wenig Geld verdienten. Die Gewinne kamen von den in Amerika so beliebten Pick-ups mit Fahrerkabine und Pritsche sowie den spritschluckenden Geländewagen, den Sports Utility Vehicles (SUV). In diesem Segment griffen die asiatischen Hersteller erfolgreich an. Hinzu kam die Affäre um die platzenden Reifen des Bestsellers Ford Explorer. Nasser ließ alle Reifen austauschen - das kostete Milliarden und brachte Bill Ford auch persönlich in Verlegenheit: Seine Mutter ist eine geborene Firestone. Die heutigen Schwierigkeiten gehen vor allem auf die von General Motors ausgelöste Preisschlacht zurück, mit denen der Marktführer seine spritschluckenden großen Autos trotz hoher Benzinpreise loswerden wollte. Vegetarier, Weinverächter - ein Mann mit Zukunft Hinzu kam der Druck aus Japan: Toyota verdrängte Ford vom zweiten Platz unter den größten Autoherstellern der Welt. Die neuen Sanierungsmaßnahmen sind nicht die ersten: Bereits im September hatte Ford angekündigt, die Zahl seiner Lieferanten aus Kostengründen von über 2500 auf unter 1000 verringern zu wollen. Kurz darauf verkauft Ford den ertragstarken Autovermieter Hertz für 5,6 Milliarden Dollar an Finanzinvestoren, die zusätzlich noch Schulden von 9,4 Milliarden Dollar übernehmen. Hertz hatte vor dem Verkauf fast noch so viel verdient wie Ford Europa und die Luxuswagen-Sparte PAG zusammen. Bill Ford, vom World Economic Forum in Davos als ein Mann der Zukunft (Global Leader for Tomorrow) ausgeguckt, ist entgegen dem ersten Anschein auch privat ein harter Bursche: Er spielt Tennis und Hockey, hat sogar den Schwarzen Gürtel im Taekwondo. Bill Ford ist Vegetarier und lässt auch das beste Glas Rotwein stehen. Mit seiner Frau Lisa und vier Kindern verließ er die Milliardärs-Residenz und bezog ein Reihenhaus im Universitätsstädtchen Ann Arbor in der Umgebung von Detroit. Im Mai vorigen Jahres hatte Bill Ford bekannt gegeben, dass er auf jegliches Gehalt verzichte, bis der Autokonzern wieder dauerhaft rentabel arbeite. Nun spielt das Gehalt bei einem Mitglied der Familie Ford nicht eine so zentrale Rolle wie im Leben der meisten Arbeitnehmer, dennoch steht nach dem Schwarzen Montag für den Autokonzern fest: Es könnte noch eine Weile dauern, bis Ford an Bill Ford wieder Gehalt überweist.
Warum sich der Milliardärssohn Bill Ford für die Familienfirma entschied - und gegen ein Leben voller Partys, Villen und Affären.
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Ford - Ein ungewöhnlicher Erbe
00/05/2010
Im Gasstreit rennt Russland und der Ukraine die Zeit davon. Der russische Gasproduzent Gasprom ergriff bereits Maßnahmen, um die Gaslieferungen an die Ukraine am Sonntag notfalls reduzieren zu können. Den Versuch, für die Verhandlungen Zeit zu gewinnen, lehnte Gasprom ab. Ein Gasprom-Sprecher teilte am Freitag in Moskau mit, dass im Tagesverlauf eine Expertenkommission zusammenkomme, die das Vorgehen nach dem Auslaufen der gültigen Gasverträge mit der Ukraine zum Jahreswechsel koordinieren solle. Detailansicht öffnen Mess-Station in der russischen Region Kursk zur Überprüfung des Gasflusses in die Ukraine und nach Westeuropa. (Foto: Foto: dpa) Am Freitag, dem letzten Arbeitstag des Jahres, wollten beide Seiten in Moskau ihre Verhandlungen über erhöhte Exportpreise für russisches Gas an die Ukraine fortsetzen. Eine Reduzierung der Gasexporte ab dem 1. Januar ist nach Gasprom- Angaben technisch problemlos möglich. "Das haben Tests, die wir in der Vorwoche durchgeführt haben, zweifelsfrei bewiesen", sagte der Sprecher des staatlich kontrollierten Gasförderers, Sergej Kuprijanow, dem staatlichen Fernsehsender Rossija. Kein Aufschub bis 10. Januar Gasprom wies zudem am Freitag einen Vorschlag des ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko zurück, den Preis bis zum 10. Januar einzufrieren. Das meldete die Nachrichtenagentur RIA-Nowosti. Juschtschenko wollte mit seinem Vorschlag offenbar Zeit für die Gespräche zur Beilegung des Streits gewinnen. Moskau droht, die Lieferungen an seinen Nachbarn am Sonntag um 08.00 Uhr einzustellen, sollte Kiew die Vervierfachung des Preises nicht akzeptieren. Russland will den Preis für je 1.000 Kubikmeter Erdgas von derzeit 50 Dollar (42 Euro) auf 220 bis 230 Dollar (186 bis 194 Euro) anheben. Das entspricht in etwa dem Weltmarktniveau. Die Ukraine befürchtet davon Nachteile für ihre energiehungrige Schwerindustrie und hat darum gebeten, die Erhöhung über fünf Jahre zu strecken. Die Gespräche zur Beilegung des Streits wurden am Freitagmorgen in Moskau in Arbeitsgruppen fortgesetzt, wie der Sender Rossija meldete. Gasprom-Chef bekräftigt Drohungen Gasprom-Chef Alexej Miller bekräftigte derweil die Drohungen gegen die Ukraine. "Wir werden klar und entschlossen handeln", sagte er. Der Gasprom gehörende russische Fernsehsender NTV unterbrach extra sein Programm, um die Äußerungen Millers live zu übertragen. Ein Sprecher von Gasprom wies Einlassungen des ukrainischen Ministerpräsidenten Juri Jechanurows zurück, wonach Gasprom neue Vorschläge unterbreitet habe. Jechanurow erklärte auch, sein Land erhalte nächstes Jahr 40 Milliarden Kubikmeter Gas aus Turkmenien. Diese Lieferungen seien bereits vertraglich vereinbart, betonte er in einem Radiointerview. Er trat damit offenbar Befürchtungen entgegen, die Ukraine werde künftig weniger Gas aus Turkmenien erhalten. Gas aus Turkmenien Die russische Regierung hatte am Donnerstag angekündigt, im kommenden Jahr ihre Gasimporte aus Turkmenien zu erhöhen. Analysten vertraten die Ansicht, damit würde weniger Gas aus Turkmenien für den Export in die Ukraine übrig bleiben. Die Ukraine deckt ihren Gasbedarf zu etwa 45 Prozent aus Turkmenien. Aus Russland kommen etwa ein Drittel.
Im Gasstreit rennt Russland und der Ukraine die Zeit davon. Der russische Gasproduzent Gasprom ergriff bereits Maßnahmen, um die Gaslieferungen an die Ukraine am Sonntag notfalls reduzieren zu können. Den Versuch, für die Verhandlungen Zeit zu gewinnen, lehnte Gasprom ab.
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Russisch-Ukrainischer Gasstreit - Moskau erhöht den Druck
00/05/2010
Bayerns IG Metall will den Pilotabschluss von Nordrhein-Westfalen möglichst schnell übernehmen. Andere Bezirke überlegen ebenfalls. "Ich finde es gut, dass der Sprung über die Drei-Prozent-Marke gelungen ist", sagte Bezirkschef Werner Neugebauer am Morgen der dpa. Es sei wichtig, dass die Beschäftigten endlich wieder mehr Geld in der Tasche hätten. Detailansicht öffnen Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer (Foto: Foto: dpa) In letzter Minute "Die Menschen werden zuversichtlich in die nächsten Monate gehen." Die Gewerkschaft wolle den Abschluss 1:1 auf Bayern übertragen. Man werde sich voraussichtlich Mitte der Woche mit den Arbeitgebern zusammensetzen. Die Einigung von NRW kam aus bayerischer Sicht in letzter Minute. In Bayern waren die Tarifverhandlungen für die 710 000 Beschäftigten der Branche am Mittwoch ergebnislos abgebrochen worden. Die IG Metall beantragte daraufhin die Urabstimmung über einen Streik. "Sehr, sehr schwierig" Allerdings sollten erst die Verhandlungen in Düsseldorf abgewartet werden. Die Gespräche seien diesmal "sehr, sehr schwierig" gewesen, sagte Neugebauer. Nur mit Hilfe der massiven Warnstreiks sei ein Abschluss über drei Prozent erzielt worden - nach Neugebauers Rechnung sind es 3,4 Prozent. Er sei froh, dass ein Streik vermieden werden konnte, sagte Neugebauer. "Streik ist immer eine schwierige Nummer." Ihn stimme das Gesamtpaket zufrieden. So sei es erfreulich, dass auch etwas für die Auszubildenden getan werde und das Thema Qualifizierung in den Tarifvertrag mitaufgenommen worden sei. Auch anderswo wird wieder verhandelt: Bereits am Nachmittag treffen die Tarifparteien für das Gebiet Nord-Württemberg/Nordbaden zu Gesprächen über die besonders strittige so genannte Steinkühler-Pause. Ab dem Nachmittag neue Verhandlungen in weiteren Bezirken Das sagte der baden-württembergische IG-Metall-Sprecher Kai Bliesner auf AP-Anfrage. Zum Teil heute, morgen und womöglich auch noch am Montag wollten die anderen Bezirke ihre Verhandlungen wieder aufnehmen, wie IG-Metall-Sprecher Georgis Arwanitidis ebenfalls auf AP-Anfrage erklärte. Zwischen den Bundesverbänden von Arbeitgebern und IG Metall sei klar, dass der Abschluss von Nordrhein-Westfalen "in allen Bezirken übernommen werden soll". Ein Streik sei damit abgewendet.
Bayerns IG Metall will den Pilotabschluss von Nordrhein-Westfalen möglichst schnell übernehmen. Andere Bezirke überlegen ebenfalls.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-der-nrw-einigung-metaller-abschluss-soll-auch-in-bayern-gelten-1.915276
Nach der NRW-Einigung - Metaller-Abschluss soll auch in Bayern gelten
00/05/2010
Das Original der Auszieh-Kultur war stets ein Reiseführer durch Utopia - und fand billige Epigonen. (SZ vom 6.12.03) — Werfen wir einen sehr kurzen und sehr flüchtigen, ja, fast flüchtenden Blick auf einen einzigen Quadratmeter Kiosk-Wahrheit im Advent. "1628 Männer sind ganz ehrlich: Was sie im Bett gern probieren würden" - davon berichtet die Zeitschrift Glamour. Detailansicht öffnen Hugh Hefner mit der Ur-Ausgabe. (Foto: Foto: AP) Das Fachblatt Jolie untersucht dagegen, "warum Männer auf Blow-Jobs und Frauen auf Doggy-Style stehen". Joy bietet einen "Report" über "One-Night-Stands". Men's Health weiß guten Rat: "So machen Sie jede Frau scharf". Young verrät: "Die Beste im Bett zu sein, ist ganz einfach". Maxim berichtet von der "perfekten Affäre", GQ von den "Sex-Ikonen des Pop", Flash vom "Sex zu dritt" - und was macht eigentlich Brigitte auf diesem ubiquitären Weihnachtsmarkt der so genannten Tabulosigkeiten? Essen sexy? Hat man in der guten alten frauenlieben Brigitte endlich, ENDLICH mal Ruhe vor all den perfekten Blow-Jobs zu dritt und all den geschärften Frauen, vor all den besten One-Night-Stands dieser Welt und vor den 1628 Versuchen über die Ehrlichkeit im Bett? Vielleicht stattdessen etwas über Tischdekoration? Oder Plätzchenrezepte? Was verspricht uns also der Brigitte-Titel im Dezember? "Warum essen so sexy ist" - mein Gott! Kann es eigentlich sein, dass viel zu viel Sex in der Welt ist? Stimmt womöglich die Pop-These, wonach unsere Gesellschaft entschieden "oversexed", vermutlich aber zugleich auch gewaltig "underfucked" sei? Kann gut sein. Kann sehr gut sein. Dann wäre der Kiosk jener Ort, an dem wir unserem zu Zeitschriftenpapier gewordenen Ersatzleben begegnen können: Es wäre also der traurigste Ort der Welt. Wobei man sich die Welt nicht als Scheibe und auch nicht als Kugel, sondern nur als gigantische, bläulich-längliche Viagra-Pille denken muss, die nur verlassen darf, wer den soeben bei Fit for fun erschienenen "großen Erotik-Ratgeber" auswendig hersagen kann. Goldenes Heft Man wünscht sich die Welt beinahe als sexfreie Zone. Und deshalb ist es fraglich, ob dem Playboy nun zu seinem 50.Geburtstag und zu seinem wie aus einem Goldbarren gestanzten "großen Jubiläumsheft mit den schönsten Frauen der Welt" zu gratulieren ist. Müsste man Hugh Hefners Zeitschrift nicht schon für den Satz "alles, was Männern Spaß macht" wegen erwiesener Spaßlosigkeit verhaften? Müssten die Redakteure nicht zur Verantwortung gezogen werden für die unfassbare Tristesse jener artifiziellen Silikonlandschaften, welche nur von alternden Playboys und erblindeten Lustgreisen mit dem Terrain von Sex und Erotik verwechselt werden? Urgrund "Playboy" Die Frage ist: Was kann der Playboy dafür, dass die behauptete Lust und der ersehnte Luxus natürlich dort nicht sein können, wo alle Lust und aller Luxus sind? Antwort: Der Playboy ist durchaus so etwas wie der Urgrund all der durchsexten Blättchen, der dümmlichen Erotik-Ratgeber und der läppischen Sex-Studien-Auszieher - nur darf man ihn nicht mit den Epigonen verwechseln. Er hat schon etwas zu tun mit dem allgemeinen Dämmerschlafrotlicht unserer Zeit - aber er verhält sich zu den Blow-Job-Börsen dennoch wie ein würdiger Ahnherr zu seinen missratenen Quengel-Kindern. Der Playboy ist immerhin das Original - und in gewisser Weise unerreicht. Schon deshalb darf man ihm ganz gewiss zu seinem 50. Geburtstag gratulieren. Hugh Hefner, ausgestattet mit 30-Schlafzimmer-Schlösschen, Privatzoo voller Häschen, Unterwasserbar und einer Sammlung von 1000 Seidenpyjamas, mag das sein, was man als peinlichen Viagragreis bezeichnen könnte - aber man darf sein erstaunlich vitales Werk nicht mit ihm verwechseln. Verfrühte Nachrufe All die Nachrufe auf den Playboy, die schon seit geraumer Zeit zu lesen sind, erscheinen deshalb ein wenig verfrüht. Übrigens steigt die Auflage: In den ersten drei Quartalen 2003 hat die deutsche Ausgabe (Burda) ein Plus von mehr als 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erreicht. Das Problem des 50-jährigen Playboy besteht wohl nicht darin, dass wahrhaftige Playboys nur als smarte Jungs, nicht aber als mittelalterliche Männer lebendig sein können, dass sie also eben nicht 50 werden dürften; es liegt vielmehr darin, dass es dem Playboy nur in einer Zeit gut gehen kann, die etwas von dessen Style weiß: von Lebensart als Kunst eines Lebens, das den schönen Dingen als Sehnsuchtsversprechungen vielleicht noch mehr gewidmet ist als schönen Frauen. Die besten Playboy-Hefte waren immer auch präzise Reiseführer durch Utopia. Verblasster Mythos So gesehen: Man ist ein wenig enttäuscht, auf Seite 20 der Jubiläums-Nummer auf das "Dean Spyder Motorbike" verwiesen zu werden - gedacht als zeitgemäße Übersetzung jenes Porsche 550 Spyders, mit dem sich James Dean einst zu Tode beschleunigte. Nun ist aus einer Art Mythos offenbar eine Art Mofa geworden, Höchstgeschwindigkeit 50 km/h. Und wer wissen will, warum es der Playboy sowie die letzten Playboys nicht gerade leicht haben im Jahr 2003 - der muss die Mofawerdung jener Welt berücksichtigen, die einst als rasende Sehnsuchtsmaschine gestartet war. Große Fotographen Kein Wunder, dass auch die "Akte Arianne", Seite 103ff., nicht ganz mithalten kann in der großen Revue eines halben Playboy-Jahrhunderts - angefangen beim allerersten Titel mit Marilyn Monroe über Sophia Loren, Ursula Andress, Cindy Crawford, Nastassja Kinski bis Elle MacPherson. Fotografiert haben etwa Russ Meyer, Helmut Newton oder Herb Ritts. Auf Seite 103 ist über Arianne zu lesen: "Die 21-Jährige liegt nackt auf der Couch. An ihren Füßen High Heels. Ihre Hände mit einer Schleife gefesselt. Verpackt wie ein schönes Geschenk..." Fesselnd? Nein, traurig.
Das Original der Auszieh-Kultur war stets ein Reiseführer durch Utopia - und fand billige Epigonen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/50-jahre-playboy-die-haeschen-schule-1.907124
"50 Jahre ""Playboy"" - Die Häschen-Schule"
00/05/2010
Lange Gesichter bei Anlegern: Ausgerechnet Hedge-Fonds, die Sicherheit gegen Marktturbulenzen bieten sollen, haben erheblich unter den Turbulenzen der letzten Wochen gelitten. "Die ersten viereinhalb Monate des Jahres liefen sehr gut, aber seit Mitte Mai ist es schrecklich", sagte ein Vermögensverwalter. Nicht wenige Hedge-Fonds haben dem Vernehmen nach Verluste von mehr als zehn Prozent hinnehmen müssen; bei etlichen Hedge-Fonds habe die Marktentwicklung der letzten Wochen alle Gewinne der ersten vier Monate ausradiert. Detailansicht öffnen Kursstürze in Schwellenländern haben den Hedge-Fonds zugesetzt: Plakat zum Absturz des indischen Aktienindex Sensex. (Foto: Foto: AP) Gebeutelt wurden vor allem Fonds, deren Anlageschwerpunkt in Fernost und auf Schwellenländern liegt. Der Index von Credit Suisse und Tremont, der die Wertentwicklung in der Branche insgesamt widerspiegeln soll, hat im Mai 1,3 Prozent verloren, obwohl die ersten beiden Wochen des Monats noch positiv waren. Aktuellere Branchen-Zahlen gibt es noch nicht, und viele Hedge-Fonds zeigen Außenstehenden ihren Anlage-Erfolg überhaupt nicht oder nur monatlich. Doch diverse Einzelwerte lassen darauf schließen, dass zahlreiche Hedge-Fonds im Juni neuerlich Einbußen hinnehmen mussten. Der Fonds "Penta Japan" etwa verbuchte in den vier Wochen bis zum 21. Juni ein Minus von gut 16 Prozent. Bei der Fondsgesellschaft RMF, die wöchentliche Schätzungen veröffentlicht, sind die jüngsten Zahlen über die ganze Tabelle hinweg rot. Ihr RMF Global Hedge Funds etwa weist für die ersten drei Wochen des Juni ein Minus von 1,3 Prozent aus. Dabei ist RMF keineswegs ein Negativ-Beispiel. Sie gehört zur Londoner Man Group, dem größten börsennotierten Hedge-Fonds-Manager der Welt, und es geht bei ihr nur transparenter zu als bei vielen anderen Hedge-Fonds. Hedge-Fonds haben auf Grund ihrer teilweise spektakulären Anlage-Erfolge in den vergangenen Jahren Unmengen an Geld angezogen. Die Branche besteht mittlerweile aus schätzungsweise 8500 Fonds, die zusammen 1,3 Milliarden Dollar verwalten. Das Geld stammt in vielen Fällen von wenigen Großanlegern, und deshalb haben solche Fonds keine Publizitätspflichten und jede Freiheit bei ihren Anlageentscheidungen. Sie können beispielsweise auch Aktien, Anleihen oder Devisen auf Termin verkaufen und damit - in der Theorie - auch bei fallenden Kursen gute Gewinne machen. Hoffnung nicht erfüllt In der Praxis hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Zwar weisen diverse Fonds auch für das laufende Jahr noch zweistellige Renditen auf. Doch im Durchschnitt lagen offenbar die Profis mit ihren Prognosen ähnlich daneben wie Privatanleger. "Bei einer abrupten Trendumkehr an den Börsen leiden die Hedge-Fonds immer stark", sagte ein Vermögensverwalter. "Diese Fonds brauchen Schwankungen und einen Trend", argumentiert auch Thomas Della Casa von RMF. An den Schwankungen mangelt es mittlerweile nicht mehr, aber der Trend hat sich bei Aktien und Anleihen eben geändert. "Viele haben schon Wochen vorher von der Korrektur gesprochen, aber als sie dann kam, hat das eben doch niemand erwartet", erzählt Della Casa. Aber immerhin hätten sich die Hedge-Fonds meist besser entwickelt als die Börsen-Indizes. Die Stabilität der Branche sieht Della Casa nicht gefährdet. "Ein Fall wie LTCM (ein Hedge-Fonds, der Ende der neunziger Jahre in eine Milliarden-Schieflage schlitterte) kann natürlich immer wieder einmal vorkommen." Aber insgesamt hätten die Hedge-Fonds schon seit Frühjahr ihre Risiken reduziert. Dass die Anleger ihre Gelder abzögen, sei nicht zu beobachten, auch habe sich das Risikomanagement verbessert. Mittlerweile sehe die Branche auch wieder Trends, speziell eine weitere Aufwärtsbewegung bei den weltweiten Zinsen. Dies und die stärkeren Börsenschwankungen, so hofft Della Casa, würden am Ende 2006 noch zu einem guten Jahr für die Hedge-Fonds machen. Müller fordert Regulierung Notenbankern und Finanzaufsichtsbehörden fürchten dagegen, Probleme bei Hedge-Fonds könnten das gesamte Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen, wenn viele Spekulanten gleichzeitig ihr Geld aus illiquiden Märkten abziehen. Beispielsweise hatten Hedge-Fonds in den vergangenen Jahren viel in Schwellenländer, Rohstoffe und Hochzinsanleihen investiert, um höhere Renditen zu erreichen. Angesichts steigender Zinsen in den Industriestaaten steigen sie jetzt aus diesen riskanteren Märkten wieder aus. Für Banken besteht noch auf anderem Wege Ansteckungsgefahr. Sie versorgen Hedge-Fonds mit Krediten und geben im großen Stil Derivate aus, etwa Optionen und Futures, mit denen Hedge-Fonds auf künftige Kursentwicklungen spekulieren. Verlieren die Spekulanten ihre Wette und können sie nicht einlösen, drohen den Banken Zahlungsausfälle. Zwar sichern sie sich gegen solche Risiken teils ab. Doch weil niemand überblickt, welche Hedge-Fonds in welchen Märkten welche Risiken eingehen, sind Wechselwirkungen und das Gesamtrisiko schwer einzuschätzen. "Es lässt sich mangels Information eben nicht abschätzen, wie hoch Korrelations- und Systemrisiken inzwischen sind", sagte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller am Mittwochabend in Frankfurt. Müller fordert daher eine bessere Aufsicht über die Branche. "Langfristig kommen wir um eine direkte Regulierung und Kontrolle der Hedge-Fonds nicht herum." Der Commerzbankchef plädierte für ein abgestimmtes Vorgehen der amerikanischen und europäischen Aufsichtsbehörden.
Lange Gesichter bei Anlegern: Ausgerechnet Hedge-Fonds, die Sicherheit gegen Marktturbulenzen bieten sollen, haben erheblich unter den Turbulenzen der letzten Wochen gelitten.
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Kursverluste - Heftige Rückschläge für Hedge-Fonds
00/05/2010
Daumenschrauben für die mächtigen Agenturen: Ein neuer Verhaltenskodex soll die willkürlich schlechte Notengebung stoppen. Jochen Sanio, Präsident der Bundesfinanzaufsicht, lobte den "gelungenen Weltstandard". Die Agenturen müssen viel mehr Details ihrer Arbeit offen legen und auf Kritik eingehen, wenn sie Unternehmen und Staaten benoten und damit die Kosten für deren Kreditaufnahme am Kapitalmarkt diktieren. Detailansicht öffnen Jochen Sanio, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen. (Foto: Foto: AP) Jochen Sanio, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin), lobte die Vereinbarungder internationalen Wertpapier-Aufsichtsbehörden als einen "gelungenen Weltstandard". Dieses Papier dürfe sich jeder Emittent unter das Kopfkissen legen, sich darauf berufen und die darin festgelegten Standards einfordern, sagte Sanio und kritisierte zugleich das Auftreten der Ratingagenturen in Deutschland als "in einzelnen Fällen nicht besonders glücklich". Als Beispiel erwähnte er die Firma ThyssenKrupp, deren Pensionsverpflichtungen von Standard & Poors (S&P) schlagartig anders bewertet wurden und deren Benotung - auf englisch Rating - am Kapitalmarkt damit in die Nähe von Schrottanleihen rückte. Nach den neuen Regeln sind schnelle Änderungen von Bewertungsmethoden ausgeschlossen. Oft unerfahrene "Spezialisten" am Werk Ratingagenturen müssen diese Methoden vorher veröffentlichen. Für Aufsehen sorgte auch die Münchener Rückversicherung, deren Benotung so stark unter Druck kam, dass die Manager in aller Eile eine massive Kapitalerhöhung durchpeitschen mussten. Nach den neuen Regeln sollen Ratingagenturen schriftlich festgelegte, strenge und systematische Verfahren und Methoden einsetzen, wenn sie ihr Urteil fällen. Ihre Analyse soll gründlich sein, alle verfügbaren Informationen berücksichtigen und auf historischer Erfahrung beruhen. Sie verpflichten sich ferner, qualifizierte Mitarbeiter für die Benotung einzusetzen. In der Vergangenheit wurden auch unerfahrene, hoch bezahlte Analysten an verantwortungsvolle Jobs gesetzt. Die Gründe für die Ratings sollen dokumentiert und dauerhaft aufgehoben werden. Zur Vermeidung von Interessenskonflikten und Gefälligkeitsgutachten sollen Ratingagenturen, die auch als Berater arbeiten, ihre Geschäftsbeziehungen offen legen. Die Angestellten dürfen nicht mit Aktien der zu beurteilenden Firmen handeln. Die Ratings sollen zügig und zeitnah veröffentlicht werden. Aus ihnen muss hervorgehen, ob das Unternehmen die Beurteilung in Auftrag gegeben hat oder nicht. Den Firmen muss vor Veröffentlichung der Note Gelegenheit eingeräumt werden, Stellung zu nehmen. Diese Vermeidung von unvertretbaren Fehleinschätzungen hob Sanio als wichtigen Punkt der deutschen Verhandlungsführung hervor. Wichtig sei auch die Information darüber, ob der Betroffene in den weiteren Prozess einbezogen wurde. Schieflagen nicht rechtzeitig erkannt In die öffentliche Kritik gerieten die Ratingagenturen mit Unternehmensskandalen wie den Bilanzfälschungen der amerikanischen Enron und WorldCom. Ihnen wurde vorgeworfen, Schieflagen nicht rechtzeitig erkannt und Anleger auf die falsche Fährte gelockt zu haben. Bafin-Chef Sanio stört sich aber eher an den plötzlichen Richtungswechseln bei Bewertungsmethoden und der Veröffentlichung von Ratings zur falschen Zeit. Er hat sich als öffentlicher Kritiker der unkontrollierten Macht der Ratingagenturen einen Namen gemacht, unter denen global die beiden großen amerikanischen Institutionen S&P und Moody's dominieren. Die neuen Verhaltensregeln wurden bei einer Sitzung der Iosco in Berlin im Prinzip vereinbart, müssen aber noch von nationalen Gremien bestätigt werden; für Sanio ist das "eine Formalität". Hinter dem Namen Iosco verbirgt sich der Zusammenschluss von über 100 Wertpapieraufsehern in der Welt. Positive Reaktionen Sanio hatte mehrfach damit gedroht, sich in Deutschland oder Europa für eine gesetzliche Kontrolle einzusetzen, wenn die Klagen der Unternehmen über die Ratingagenturen nicht aufhören. Die neue Regelung findet zwar auf freiwilliger Basis statt, aber: "Ich bin mir sicher, der Markt wird das erzwingen", meint der Bafin-Chef. Sollten die Ratingagenturen die Regeln nicht zügig umsetzen, finde in zwei bis drei Jahren eine erneute Überprüfung statt. Sanio bezeichnete die bisherige Reaktion der Ratingagenturen als "recht positiv". Er sei sich sicher, dass diese das Papier auch mit unterschreiben könnten. Einige Änderungen hätten die Ratingagenturen seit dem Fall Enron bereits selbst eingeleitet. Aber nun gehe es um eine "hoffentlich tragfähige, friedensstiftende Lösung für Emittenten, Investoren und den Ratingagenturen", so Sanio.
Daumenschrauben für die mächtigen Agenturen: Ein neuer Verhaltenskodex soll die willkürlich schlechte Notengebung stoppen. Jochen Sanio, Präsident der Bundesfinanzaufsicht, lobte den "gelungenen Weltstandard".
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Frankfurt - Ratingagenturen an die Kette
00/05/2010
Bei erneut ungewöhnlich starken Umsätzen hat der deutsche Aktienmarkt am Freitag weiter an Boden verloren. Nach deutlichen Kursverlusten zur Handelseröffnung erholte sich der Leitindex Dax allerdings im weiteren Handelsverlauf. Lufthansa gehörten zu den größten Verlierern. Wenige Minuten nach Handelsstart fiel der Dax unter 3.900 Punkte und büßte 1,29 Prozent auf 3.854,69 Zähler ein. Gegen Mittag notierte der deutsche Leitindex allerdings nur noch mit einem moderaten Minus von 0,3 Prozent bei 3894 Zählern. Laut einer in London erscheinenden arabischen Zeitung hat die islamische Terrororganisation El Kaida einen kurz bevorstehenden neuen Anschlag in den USA angekündigt. Wochenende vor der Tür "Der Markt ist zurzeit sehr nervös und das Wochenende steht vor der Tür. Die Anleger tendieren daher stark dazu, ihre Aktienbestände zu verkaufen, bevor sie womöglich noch mehr fallen", sagte ein Marktstratege aus Düsseldorf. Das bringe die Börsen weiter unter Druck. Zu den größten Verlierern zählten Lufthansa, die auf ein Minus von 1,82 Prozent auf 13,45 Euro kamen. Das Geschäft der Fluggesellschaft ist besonders stark von den zunehmenden Terrorängsten betroffen. Die außergewöhnlich guten Verkehrszahlen der Fraport AG Frankfurt Airport Services Worldwide halfen dem Papier des Flughafenbetreibers kaum. Trotz eines Rekordwachstums bei den Passagierzahlen im Februar fiel der Anteilsschein um etwa ein Prozent auf 23,77 Euro. Herabstufung Bayer-Aktien , die von den Analysten der Citigroup Smith Barney von "Buy" auf "Hold" abgestuft worden waren, büßten 1,01 Prozent auf 21,58 Euro ein. Papiere der Deutschen Post gaben trotz einer Hochstufung durch die Dresdner Kleinwort Wasserstein von "Hold" auf "Buy" um 0,16 Prozent auf 18,18 Euro nach. Der Stahlkonzern Salzgitter peilt für das laufenden Jahr ein deutlich höheres Ergebnis an. "Die Aussichten für den Konzern sind durch die sich abzeichnende Belebung des Rohrmarktes besser als in 2003, sagte Vorstandvorsitzender Wolfgang Leese dem Handelsblatt. Die Aktie büßte dennoch um 0,60 Prozent auf 9,95 Euro ein. Wella Vorzüge notierten mit minus 0,47 Prozent auf 72,51 Euro. Der Aufsichtsrat des Kosmetikkonzerns hat der Hauptversammlung eine Dividende auf Vorjahresniveau vorgeschlagen. Deutlich gegen den Trend präsentierte sich das Papier des Online-Brokers Comdirect bank AG , das um 7,08 Prozent auf 8,17 Euro zulegte. Die Aktie hatten in den vorangegangenen Tagen kräftige Verluste verzeichnet. Das Unternehmen hat auf seiner Internetseite frühere Aussagen zum Ausblick 2004 bestätigt.
Bei erneut ungewöhnlich starken Umsätzen hat der deutsche Aktienmarkt am Freitag weiter an Boden verloren. Nach deutlichen Kursverlusten zur Handelseröffnung erholte sich der Leitindex Dax allerdings im weiteren Handelsverlauf. Lufthansa gehörten zu den größten Verlierern.
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Börse - Angst vor Terror belastet Lufthansa
00/05/2010
Angesichts der besonders guten Lage in der Metallindustrie fordert die Gewerkschaft bis zu fünf Prozent mehr Geld für die 3,5 Millionen Beschäftigten der Branche. Dies sei "bezahlbar und sozial gerechtfertigt", sagte IG-Metall-Chef Jürgen Peters. Die Forderung setzt sich zusammen aus der Produktivitätssteigerung und dem Preisauftrieb, was nach gewerkschaftlicher Rechnung vier Prozent entspräche. Hinzu kommt laut Peters wegen der besonders günstigen Lage der Metallbranche ein einprozentiger Zuschlag. Detailansicht öffnen IG-Metall-Chef Jürgen Peters. (Foto: Foto: dpa) Die Laufzeit soll zwölf Monate betragen; beim Abschluss 2004 war sie fast doppelt so lang. Hintergrund ist auch die für 2007 erwartete Anhebung der Mehrwertsteuer. Sollte sie Auswirkungen auf die Inflation haben, würde dies künftige Tarifforderungen der IG Metall beeinflussen - derzeit spiele die Steuererhöhung noch keine Rolle, versicherte Peters. Die von den Arbeitgebern gekündigten vermögenswirksamen Leistungen sollen als Beitrag zum Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge weitergeführt werden, verlangt die IG Metall mit Blick auf die demografische Entwicklung. Pinkelpause soll wieder kommen In Baden-Württemberg will die Gewerkschaft die gleichfalls von den Arbeitgebern gekündigte und in Anspielung auf einen früheren IG-Metall-Vorsitzenden als Steinkühler-Pinkelpause bekannt gewordene Regelung zu Erholungszeiten im Fließbandakkord erneut durchsetzen. Zusätzlich zur Geldforderung will die Gewerkschaft qualitative tarifvertragliche Regelungen durchsetzen: Jeder Arbeitgeber soll seinem Betriebsrat regelmäßig einen Bericht über den Ausbau der Innovationsfähigkeit des Unternehmens vorlegen, und insbesondere ältere Arbeitnehmer sollen neue Ansprüche auf Weiterbildung erhalten. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wies diese Forderungen zurück. Die Produktivität sei nur um 1,2 Prozent gestiegen, dies beziffere den maximalen Verteilungsspielraum, hieß es bei dem Verband. Arbeitgeber räumen bessere Situation ein Zwar habe sich die Situation der Branche im Vergleich zum Vorjahr etwas verbessert, räumten verschiedentlich Vertreter ein, aber dies dürfe nun nicht durch höhere Arbeitskosten zunichte gemacht werden. Der Gewinn der Unternehmen liege im Schnitt bei 2,7 Prozent - ein Viertel stehe deutlich besser da, ein weiteres Viertel aber schreibe rote Zahlen, erklärte ein Sprecher. Tarifverträge zu Qualifikation und Innovation würden nach Ansicht von Gesamtmetall das Regelwerk überfrachten, sinnvoll seien hier nur freiwillige Regelungen auf betrieblicher Ebene. Pforzheimer Abkommen Vor zwei Jahren hatten die Tarifparteien sich auf eine Entgelterhöhung um 2,2 Prozent 2004 und weitere 2,7 Prozent 2005 geeinigt. Zusätzlich hatten sie im Pforzheimer Abkommen eine stärkere Öffnung des Flächentarifs für betriebliche Abweichungen vereinbart, von der inzwischen je nach Zählweise bis zu zehn Prozent der Unternehmen Gebrauch gemacht haben.
Angesichts der besonders guten Lage in der Metallindustrie fordert die Gewerkschaft bis zu fünf Prozent mehr Geld für die 3,5 Millionen Beschäftigten der Branche. Dies sei "bezahlbar und sozial gerechtfertigt", sagte IG-Metall-Chef Jürgen Peters.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tarifverhandlungen-ig-metall-fordert-bis-zu-fuenf-prozent-mehr-geld-1.920170
Tarifverhandlungen - IG Metall fordert bis zu fünf Prozent mehr Geld
00/05/2010
Die Einzelhändler im Berliner Szene-Bezirk Prenzlauer Berg planen die regionale Währung "Berliner" und folgen damit dem Beispiel anderer sogenannter Regio-Währungen, etwa in Bremen oder im Chiemgau. Mit einem PR-Gag wollen Berliner Einzelhändler aus dem Szene-Stadtteil Prenzlauer Berg neue Kunden werben und dadurch den Rabattaktionen der Discounter eigene Attraktionen entgegensetzen. Sie schaffen eine lokale Währung, nennen sie "Berliner" und verbinden dies mit sozialen Anliegen. Detailansicht öffnen Eine Ladenbesitzer im oberbayerischen Prien am Chiemsee zeigt stolz seine "Chiemgauer". (Foto: Foto: dpa) Den neuen Berliner gibt es ab September als Einer-, Fünfer- und 20er-Schein. Sein Wert zum Euro beträgt eins zu eins. Die Initiatoren wollen die Nebenwährung später auf ganz Berlin und Brandenburg ausweiten. Die Parallelwährung, so sagen sie, stabilisiert das Wirtschaftssystem. Sie hoffen dabei auf einen ähnlichen Erfolg wie im bayerischen Chiemgau, wo diese Werbemasche schon seit mehreren Monaten mit Fleiß praktiziert wird. Trost Die Lokalwährung in der Region Rosenheim heißt "Chiemgauer" und soll unter anderem Kunden trösten, die sich noch nicht mit dem Euro haben anfreunden können. Die Bayern waren nicht die Ersten, die mit Regionalgeld Umsatzwachstum erzielen wollten. In Bremen wurde schon vor mehr als einem Jahr der "Roland" als Nebenwährung eingeführt. Das fand Nachahmer in Brandenburg und am Bodensee. Inzwischen gibt es im Bundesgebiet an die 20 Initiativen dieser Art. Bei allen stehe nicht der Kommerz im Vordergrund, sondern das Bestreben, einen konstruktiven Beitrag zur Zukunft der Region zu leisten, sagen die Beteiligten. Die kleinen Händler in Berlin sind einem besonderen Druck ausgesetzt: Sie verlieren Umsatz an die Großen der Branche. Mit ihrem Appell an den Lokalpatriotismus wollen sie den Trend umkehren. Beim Rücktausch des Berliners in Euro fällt eine fünfprozentige Gebühr an, die in soziale Projekte in Prenzlauer Berg fließen soll. Keine rechtlichen Probleme Rechtliche Probleme gibt es dabei keine. Bei dem neuen Zahlungsmittel handelt es sich ja nicht um Geld im engeren Sinn, das nur die Europäische Zentralbank (EZB) drucken und in Umlauf bringen darf. Die Berliner, Chiemgauer oder Rolands sind in Wahrheit Gutscheine, die nur durch Vereine ausgegeben werden können. Interessenten müssen also erst einmal Mitglied werden, ehe sie mitmachen dürfen. Damit sind aber noch nicht alle Hürden genommen. Das Modell kann eigentlich nur funktionieren, wenn es gelingt, den Wirtschaftskreislauf umfassend zu schließen und nicht nur zwischen Handel und Verbrauchern. Mit im Boot sitzen müssten auch die Erzeuger, sonst verpuffe die Wirkung, sagen Sprecher der örtlichen Waldorfschule, die den Chiemgauer erfunden haben. Rudolf Steiner, Begründer der Waldorfschulen, vertrat diese Idee. Für ihn lag der Sinn des Geldes im Dienen und Vermitteln von Leistungen und nicht im Ausbeuten und Horten von Vermögen. Abrechnungsproblem In Bayern interessieren sich zwar auch Bauern, Bäcker und Käsereien für die Ersatzwährung. Das Mitmachen fällt ihnen aber schwer, denn sie wickeln ihre Geschäfte üblicherweise bargeldlos über Banken ab und bekommen deshalb mit der lokalen Währung ein Abrechnungsproblem. Aus diesem Grund arbeiten die Waldorfer zusammen mit der GLS-Gemeinschaftsbank in Bochum an einem elektronischem Buchungssystem. Ob das jemals funktioniert, ist allerdings offen, denn da hat die Europäische Zentralbank mit ihrem Geldmonopol schon noch ein Wort mitzureden.
Die Einzelhändler im Berliner Szene-Bezirk Prenzlauer Berg planen die regionale Währung "Berliner" und folgen damit dem Beispiel anderer sogenannter Regio-Währungen, etwa in Bremen oder im Chiemgau.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/regiogeld-berliner-statt-euro-1.917458
Regiogeld - Berliner statt Euro
00/05/2010
Nicht nur im Fernverkehr werden Bahntickets schon ab Dezember mehr kosten, sondern auch im Nahverkehr steigen die Preise. Sogar noch kräftiger als bei Fernreisen. Zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember kosten Tickets für ICE und Intercity im Schnitt 3,1 Prozent mehr, wie die Bahn am Dienstag mitteilte. Auch im Nahverkehr sollen die Preise nach dem Willen des Vorstands zeitgleich um bis zu 3,9 Prozent steigen. Unter den Ländern, die dies genehmigen müssen, wurde aber bereits Widerstand laut. Die Bahn begründete ihren Schritt mit höheren Energiekosten und Mittelkürzungen für den Nahverkehr. Mit neuen Sonderangeboten will sie Kunden dennoch bei der Stange halten. Zweite Erhöhung binnen Jahresfrist Verbände und Politik warnten vor einem Kurs auf Kosten der Fahrgäste. Bahnchef Hartmut Mehdorn blieb ungeachtet des heftigen Ärgers der vergangenen Tage hart. Dabei muten die Manager im Bahntower ihren Kunden mit dem nun gefassten Beschluss einiges zu: Für Fernreisende und Pendler ist es die zweite Erhöhung binnen zwölf Monaten. Erst im April waren die Tickets im Fernverkehr im Schnitt um 3,4 Prozent teurer geworden, im Nahverkehr kam die jüngste Erhöhung um 4,1 Prozent im vergangenen Dezember. Nach Preisrunden an den Tankstellen und Kerosinzuschlägen fürs Fliegen müssten aber auch auf der Schiene höhere Treibstoffkosten an die Kunden weitergeben werden, lautet die Argumentation der Konzernspitze. Wie stark die Reisenden die Preiserhöhungen im Portemonnaie spüren werden, hängt davon ab, mit welchem Ziel sie in den Zug steigen. Für eine kurze Fahrt von Bremen nach Hamburg aber auch eine weite Sechs-Stunden-Reise von Hamburg nach München bleiben die Tarife stabil. 1. Klasse zahlt noch mehr drauf Auf mittellangen Routen zwischen 150 und 400 Kilometern schlagen aber bis zu 4,2 Prozent Plus zu Buche. Für die viel genutzte Strecke Berlin- Frankfurt/Main sind dann etwa 95 Euro statt 92 Euro fällig. Für die erste Klasse soll der Aufschlag mit fünf bis sechs Prozent noch etwas höher ausfallen. Die Preise für Bahncards bleiben gleich. Während die Bahn bei den Preisen in ICE und Intercity freie Hand hat, ist sie im Nahverkehr auf eine Genehmigung der Länder angewiesen - mit ungewissem Erfolg. Er habe "keine Sorge", letztlich grünes Licht zu bekommen, sagte Personenverkehrschef Karl-Friedrich Rausch. Schließlich lägen die geplanten Anhebungen von bis zu 3,9 Prozent "im unteren Korridor" der Erhöhungen von vier Prozent, die im nächsten Jahr bei den Verkehrsverbünden anstehen. Die ersten Länder stellten die Signale allerdings prompt auf Rot. "Wenn ein Unternehmen innerhalb so kurzer Zeit ein zweites Mal die Preise deutlich erhöht, ist das sicher nicht die richtige Strategie, um mehr Fahrgäste zu gewinnen", sagte Verkehrsminister Stefan Mappus (CDU) in Baden-Württemberg. Bayerns Ressortchef Otto Wiesheu (CSU) nannte die Begründung höherer Energiepreisen nicht stichhaltig. "Falsche Strategie" Auch aus dem Bundestag kam harsche Kritik. Grünen-Verkehrsexperte Albert Schmidt beklagte eine "falsche Strategie auf Kosten der Fahrgäste", die FDP wähnt den wahren Grund im Börsengang, den die Bahn für 2006 anstrebt. Mehdorn peilt dafür 2004 die Fahrt in die Gewinnzone an. Inwiefern die Preiserhöhungen die Kasse wirklich aufbessern, muss sich aber erst erweisen. Der Vorstand machte keine Angaben über erwartete Mehreinnahmen. Personenverkehrschef Rausch betonte aber, er gehe weiter von steigenden Umsätzen und Reisendenzahlen aus. Um den Ärger zu dämpfen, kündigte die Bahn aber gleich an, nach 730.000 verkauften sommerlichen Billigtickets von Oktober an erneut Sonder- Angebote ab 19 Euro anbieten zu wollen. Aus Sicht des Verkehrsclubs Deutschland finanzieren aber eigentlich die Stammkunden über höhere Ticketpreise die Sonderangebote für Gelegenheitsfahrer.
Nicht nur im Fernverkehr werden Bahntickets schon ab Dezember mehr kosten, sondern auch im Nahverkehr steigen die Preise. Sogar noch kräftiger als bei Fernreisen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/allen-protesten-zum-trotz-millionen-bahnfahrer-muessen-mehr-bezahlen-1.903816
Allen Protesten zum Trotz - Millionen Bahnfahrer müssen mehr bezahlen
00/05/2010
Mit dem weit reichenden Schuldenerlass für den Irak müssten auch die deutschen Baukonzerne auf 80 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Nun droht die Bauindustrie mit Klagen gegen den Bund. Die Bauindustrie sei zu einem 50-prozentigem Schuldenerlass bereit, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, Michael Knipper. Detailansicht öffnen Die Bauindustrie hält den Schuldenerlass für "exorbitant". (Foto: Foto: ddp) Angebote zu einer darüber hinaus gehenden Schuldenlösung habe Berlin "rundweg abgelehnt". Jetzt fühle sich die Branche "von der Bundesregierung im Stich gelassen". Weiterhin sagte Knipper, er könne nicht ausschließen, "dass das eine oder andere betroffene Unternehmen versuchen wird, seine Forderungen auf dem Klagewege einzutreiben". Den Schuldenerlass hatte der Pariser Club der Geberstaaten am Sonntag beschlossen. Durch den Verzicht Deutschlands auf 80 Prozent der Irak-Schulden bleibe die Bauindustrie auf Forderungen von mehr als 1,3 Milliarden Euro sitzen. Stufenweiser Schuldenerlass Bei dem Geld handelt es sich dem Vernehmen nach vor allem um Hermes-Bürgschaften des Staates für Kreditausfälle. Das Wirtschaftsministerium hatte zuletzt Entschädigungsforderungen bei einem Schuldenerlass für den Irak immer abgelehnt. Die Schulden gegenüber Deutschland betragen nach Regierungsangaben einschließlich Zinsen rund 5,3 Milliarden US-Dollar (4,1 Milliarden Euro). Nach Verbandsangaben entfallen rund 1,7 Milliarden Euro auf die Bauindustrie. Hier handele es sich um Forderungen für in den 80er Jahren gebaute Straßen, Flughäfen und einen Staudamm. Die seien in Folge des Iran-Irak-Krieges nie bezahlt worden.
Mit dem weit reichenden Schuldenerlass für den Irak müssten auch die deutschen Baukonzerne auf 80 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Nun droht die Bauindustrie mit Klagen gegen den Bund.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/irak-schuldenerlass-die-deutsche-bauwirtschaft-zahlt-die-zeche-1.901692
"Irak-Schuldenerlass - ""Die deutsche Bauwirtschaft zahlt die Zeche"""
00/05/2010
Die grob vereinfachende SPD-Wahlkampagne unter dem Stichwort "Merkel-Minus" erzürnt die Union, die ihrerseits mit einer Eichel-Giftliste kontert, die so wahrscheinlich gar nicht existiert. Fazit: Einen ehrlichen Wahlkampf gibt es nicht. An deftigen Worten mangelt es dem Streit nicht. "Lügner" nennt Steffen Kampeter (CDU) Bundeskanzler Gerhard Schröder und seinen Finanzminister Hans Eichel (beide SPD). Der Vorwurf des haushaltspolitischen Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat es in sich: Um die Wähler nicht zu vergrätzen, halte die Regierung eine so genannte Giftliste mit Einsparungen von bis zu 30 Milliarden Euro zurück. Detailansicht öffnen Mussten ihren Namen für Wahlkampfgetöse hergeben: Angela Merkel und Hans Eichel. (Foto: Fotos: AP, ddp) Kampeter sieht schon die zweite Maastricht-Lüge heraufziehen und spielt damit auf das Jahr 2002 an, in dem Eichel erst kurz nach der Bundestagswahl damit herauskam, dass Deutschland das erste Mal den Stabilitätspakt verletzen werde. Der Lügenausschuss des Bundestags wies dem Minister später nach, dass er viel früher von dem Minus wusste. "Wirre Ideen" Alles Unsinn, kontert das Finanzministerium. Es gebe keine geheimen Sparprogramme. Bei den Listen, die in den vergangenen Tagen in diversen Hauptstadtredaktionen gestreut wurden, handele es sich um die "wirren Ideen einzelner CDU-naher Beamter". Die Vorschläge würden nie umgesetzt und die Verantwortlichen, die das in die Welt gesetzt hätten, müssten mit gravierenden Konsequenzen rechnen. SPD-Finanzexperte Joachim Poß meint gar, CDU-Generalsekretär Volker Kauder habe die Sparliste bei "seinen Parteigängern" im Finanzministerium bestellt und vermarkte sie nun als Eichels Giftliste, um von der Diskussion über den inzwischen umstrittenen Steuerreformer Paul Kirchhof abzulenken. "Kauder versucht, die letzten Tage des Wahlkampfs mit erfundenen und bestellten Geschichten zu überstehen", sagt Poß. Was denn nun, mag sich der Bürger in einem Wahlkampf fragen, den die CDU-Vorsitzende Angela Merkel doch mit dem Versprechen begonnen hatte, für mehr Ehrlichkeit in der Politik zu sorgen. Die Wahrheit liegt in der Mitte Wie meistens in solchen Fällen liegt die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte. So ist zunächst einmal unbestritten, dass die Haushaltslage in Deutschland - unabhängig vom Wahlausgang - dramatisch bleibt. Die Bundesrepublik verstößt in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge gegen den Europäischen Stabilitätspakt. 2006 werden mehr als 50 Milliarden Euro in der Kasse des Bundes fehlen, auch für die Jahre danach sieht es düster aus. Eichel räumte vergangene Woche ein, dass es 2007 "keine nennenswerten Privatisierungserlöse geben wird" - alles Tafelsilber ist verhökert, nichts geht mehr.
Die grob vereinfachende SPD-Wahlkampagne unter dem Stichwort "Merkel-Minus" erzürnt die Union, die ihrerseits mit einer Eichel-Giftliste kontert, die so wahrscheinlich gar nicht existiert. Fazit: Einen ehrlichen Wahlkampf gibt es nicht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/unehrlicher-wahlkampf-merkel-minus-gegen-eichel-giftliste-1.917671
Unehrlicher Wahlkampf - Merkel-Minus gegen Eichel-Giftliste
00/05/2010
Das Bürgerliche Gesetzbuch kennt den Kaufvertrag, den Mietvertrag, den Darlehensvertrag - die einschlägigen Vorschriften fürs Finanzierungsleasing sind aber auf zahlreiche Gesetze verteilt. Sieben Antworten auf häufig gestellte Fragen sollen helfen, den Paragrafendschungel besser zu durchblicken. Da es den Finanzierungsleasing-Vertrag im BGB (eigentlich) nicht gibt, kommt es hier in der Praxis häufig zu Problemen. Das liegt auch daran, dass die Branche meist Begriffe benutzt, die den Kunden unklar sind. Detailansicht öffnen Das BGB kennt eine ganze Reihe von Verträgen - aber nicht den Leasingvertrag. (Foto: Foto: iStock) Wer wird beim Finanzierungsleasing-Geschäft mein Vertragspartner? Wie bei einem "normalen" Kaufvertrag verhandelt der Autokunde, der "seinen Neuen" nicht bar bezahlen kann oder will, auch bei einer Finanzierung "über Leasing" im Autohaus ausschließlich mit dem Lieferanten seiner Wahl über sämtliche technischen Einzelheiten des Kraftfahrzeuges und die Höhe des Kaufpreises. Der Lieferant wird jedoch nicht Vertragspartner des Kunden. Der Kunde schließt einen Leasingvertrag mit der Leasinggesellschaft, die dann für ihn das Auto beim Lieferanten erwirbt und den vereinbarten Kaufpreis bezahlt. Der Kunde muss den Aufwand der Leasinggesellschaft ausgleichen, indem er die Raten für die vereinbarte Laufzeit und Sonderzahlungen am Vertragsbeginn oder -ende an die Gesellschaft zahlt. Werde ich Eigentümer meines neuen Autos? Wer "sein" neues Auto - oder einen anderen Gegenstand - "über Leasing" finanziert, glaubt oft, er werde Eigentümer, da er sich ja sein Lieblingsmodell nach seinen Wünschen aussucht, Kasko- sowie Haftpflichtversicherung abschließt, als Fahrzeughalter im Kfz-Brief eingetragen wird und das Auto wie ein Eigentümer nutzt. Der Leasingkunde wird aber nur berechtigter Besitzer. Rechtlicher Eigentümer wird die Leasinggesellschaft, der die Sache in ihrer Bilanz steuerlich zugerechnet wird. Wie lange darf ich mein neues Auto benutzen? Der Leasingvertrag ist ein so genannter "atypischer Mietvertrag". Wie bei einem "normalen" Mietvertrag muss der Mieter/Leasingkunde die ihm überlassene Sache am Ende der vereinbarten Nutzungszeit oder nach einer Kündigung an den Vermieter/Leasinggeber als Eigentümer herausgeben. Kann ich mein Auto am Vertragsende behalten oder erwerben? Leasingkunden gehen wie selbstverständlich davon aus, dass sie die Leasingsache nach Beendigung des Vertrages weiter nutzen können, wenn sie diesen Wunsch an die Leasinggesellschaft herantragen. Da der Leasing-Geber als Eigentümer grundsätzlich über das Auto am Ende der Laufzeit frei verfügen kann, ist dies nur der Fall, wenn der Leasinggeber dem Kunden ausdrücklich eine Kaufoption einräumt. Lesen Sie auf Seite 2, was Sie tun müssen, um "Ihr" Auto zu behalten!
Das Bürgerliche Gesetzbuch kennt den Kaufvertrag, den Mietvertrag, den Darlehensvertrag - die einschlägigen Vorschriften fürs Finanzierungsleasing sind aber auf zahlreiche Gesetze verteilt. Sieben Antworten auf häufig gestellte Fragen sollen helfen, den Paragrafendschungel besser zu durchblicken.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/paragrafendschungel-mein-auto-dein-auto-1.899459
Paragrafendschungel - Mein Auto, dein Auto
00/05/2010
Die Cebit, einst trockene Fachmesse, ist von der Unterhaltungselektronik entdeckt worden. Das führt zu ganz neuen Problemen und Machtkämpfen. Wie sehr die weltgrößte Computermesse Cebit nach 19 Jahren Eigenständigkeit zwischen den Stühlen sitzt, zeigte sich am Wochenende auf dem Messegelände mit all den High-Tech-Produkten besonders deutlich. Die Nobelkarossen des VIP-Service mit so manchem Vorstandschef quälten sich auf den Messe-Straßen vorbei an tausenden Computer-Kids — alle auf der Suche nach "coolen Handys" oder Computerspielen. Detailansicht öffnen Cebit-Neuheit: Alt und jung vergnügt sich gleichermaßen mit modernen Computerspielen. (Foto: Foto: dpa) Erstmals "Computer-Gedaddel" 2004 räumte die Cebit erstmals auch der Unterhaltungselektronik breiten Raum ein und reservierte riesige Stände für "Computer-Gedaddel". Die Zeiten, in denen etwa Sony oder Microsoft verboten wurden, ihre Spielekonsolen in Hannover zu zeigen, liegen zwar erst zwei Jahre zurück, scheinen aber längst vergessen. Der Spagat der Computermesse gefällt nicht allen Ausstellern. Skeptisch ist etwa der Deutschland-Chef des weltgrößten Computerkonzerns IBM. Walter Raizner sagt: "Im Augenblick beklagen wir uns noch nicht." Die Branchen der IT-Industrie und der Consumer Electronic wüchsen natürlich zusammen. IBM wolle aber Informationstechnologie zeigen. Und er wird noch deutlicher: "Uns geht es nicht darum, wer das beste Spielzeug hat, sondern wer die beste IT-Unternehmenslösung bietet." Neue Berührungspunkte Auf der anderen Seite stehen Firmen wie Sony oder Philips. Philips-Manager Gottfried Dutiné meint, noch vor Jahren hätten die verschiedenen Industriezweige auf der Cebit keine Berührungspunkte gehabt. Nun aber ermögliche die Digitalisierung die Entwicklung von Produkten wie Foto-Handys oder Breitband-Fernseher, die keiner Branche mehr exakt zuzuordnen sind. "Heute sind verschiedene Branchen wie Telekom-Unternehmen, Inhalteanbieter oder Elektronik-Unternehmen alle Teil einer Wertschöpfungskette", sagte Dutiné. Um den Veränderungen in der digitalisierten Welt Rechnung zu tragen, seien vermehrt Kooperationen nötig, sagt Dutiné. Und: Angesichts der tief greifenden Veränderungen habe die weltgrößte Computermesse weiter an Bedeutung gewonnen. "Die Cebit war noch nie so wertvoll wie heute." Die Grenzen verschwimmen Nach Ansicht des Branchenverbandes Bitkom vollzieht die Cebit nur die Entwicklung des Marktes nach. "Die Grenze zwischen Business und Unterhaltungselektronik wird sich nicht mehr halten lassen — auch nicht auf der Cebit", meint Sprecher Volker Müller. "In den nächsten Jahren wird es eine Vielzahl neuer Geräte geben, die am Arbeitsplatz, zu Haus oder im Auto eingesetzt werden." Angesichts des immer weiter voran schreitenden Zusammenwachsens gebe es auch für die Cebit keine Alternative, "wenn wir uns nicht von der Zukunft abhängen wollen." Das Zusammenwachsen der Medien der digitalen Welt spüren auch die Verbände. Bislang ist der mächtigste der Bitkom, der nur die Wirtschaftsseite vertritt — noch. Die Diskussion ist entbrannt — ausgerechnet bei der Vorstandssitzung auf der Cebit. "Die Frage ist doch, in wie weit sich der Bitkom erweitern will in Richtung Unterhaltungselektronik", sagt Müller. Auf der anderen Seite gibt es die Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu), den Trägerverband der Berliner Funkausstellung. Und dass die Inhalte beider Messen sich aufeinander zu bewegen, sehen auf der Cebit viele. Werktags ist noch Ruhe Die Deutsche Messe AG als Veranstalter sieht keinen gefährlichen Spagat, meint Vorstandsmitglied Ernst Raue. Aber es sei eben nicht mehr zu unterscheiden, ob ein Handy oder das Internet privat oder geschäftlich genutzt werde. Die Zielrichtung der Cebit sei nach wie vor eindeutig die Geschäftswelt. Und in der Tat scheint das Konzept, die Besucher über die Eintrittspreise zu steuern, aufzugehen. Kaum ein jugendlicher Computerfreak zahlt werktags die 36 Euro an der Tageskasse. Er wartet auf die mit 17 Euro deutlich preiswerteren Karten am Wochenende. An den Werktagen sind die Geschäftsleute unter sich — fast jedenfalls.
Die Cebit, einst trockene Fachmesse, ist von der Unterhaltungselektronik entdeckt worden. Das führt zu ganz neuen Problemen und Machtkämpfen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/interessenskonflikte-auf-der-cebit-zwischen-den-stuehlen-1.900873
Interessenskonflikte auf der Cebit - Zwischen den Stühlen
00/05/2010
"E wie einfach" heißt die neue Tochter des Energiekonzerns Eon. Neun Jahre nach Liberalisierung der deutschen Energiemärkte könnte man auch sagen: "E wie endlich". Denn die Wartezeit auf den Wettbewerb war lang. Einen hübschen Namen hat sich der Energiekonzern Eon für seine neue Tochter ausgedacht: E wie einfach. Einfacher als bislang sollen Strom- und Gaskunden künftig wechseln können, und fündig sollen sie bei der E-Tochter werden. Geht es nach Eon, sollen sich Verbraucher ab sofort mit ein paar Klicks im Internet von ihrem bisherigen Versorger trennen können. Neun Jahre nach Liberalisierung der deutschen Energiemärkte könnte man auch sagen: E wie endlich. Endlich erkennt ein großer Energiekonzern, dass die Zeiten im Monopol ungemütlich werden, und die Zukunft in einem Wettbewerb liegt, der den Namen verdient. Mürbe gemacht Wachsende Kritik der Verbraucher, immer neue Auflagen aus Berlin und Brüssel haben die Unternehmen offenbar mürbe gemacht. Und endlich, weil das neue Angebot vielleicht auch die Verbraucher wachrüttelt: Obwohl sich beim Strom schon jetzt ordentlich Geld sparen lässt, verharrt jeder zweite deutsche Haushalt bisher im Grundtarif seines Versorgers - häufig das teuerste Angebot. Dabei ist Wechseln gar nicht schwer. Das Eon-Angebot ist noch kein Supersonderangebot. Wer tatsächlich Preise vergleicht, wird oftmals noch billigere Anbieter finden. Wichtig ist, dass in den Markt Bewegung kommt - und das nicht nur beim Strom, sondern erstmals auch in den verkrusteten deutschen Gasmarkt. Lange genug haben die etablierten Unternehmen nach Kräften versucht, die Konkurrenz fernzuhalten. Extreme regionale Preisunterschiede Das Ergebnis waren extreme regionale Preisunterschiede vor allem beim Erdgas. All das könnte sich jetzt ändern: Wenn der Marktführer sich in den Wettbewerb stürzt, werden andere nicht lange warten können. Recht so.
"E wie einfach" heißt die neue Tochter des Energiekonzerns Eon. Neun Jahre nach Liberalisierung der deutschen Energiemärkte könnte man auch sagen: "E wie endlich". Denn die Wartezeit auf den Wettbewerb war lang.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eon-entdeckt-den-wettbewerb-e-wie-endlich-1.917118
Eon entdeckt den Wettbewerb - E wie endlich
00/05/2010
Das Herbstgutachten der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute fällt ernüchternd aus: Die Hoffnung auf eine kräftige Konjunkturerholung im kommenden Jahr schwindet. Die deutsche Wirtschaft wird im kommenden Jahr an Schwung verlieren. In ihrem am Dienstag veröffentlichten Herbstgutachten geht die überwiegende Mehrheit der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute davon aus, dass die Wirtschaftsleistung 2005 nur noch um 1,5 Prozent zulegen wird, nachdem das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr noch um 1,8 Prozent wachsen soll. Abweichende Einschätzung Eine abweichende Einschätzung vertritt lediglich das Deutsche Institut für Wirtschaftfsforschung (DIW), das für 2005 von einem Wachstum von zwei Prozent ausgeht. Für Deutschland werde 2005 "konjunkturell kein schlechtes Jahr", betonten die Institute. "Die Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft wird jedoch nicht überwunden." Impulse seien bisher ausschließlich aus dem Ausland gekommen. "Sie haben noch nicht auf die Nachfrage im Inland übergegriffen, und die binnenwirtschaftliche Schwäche hält nunmehr ungewöhnlich lange an." Nun sei zu erwarten, dass die vom Export getragenen Impulse "schwächer werden, da der globale Aufschwung insbesondere in seinen Kraftzentren USA und China an Tempo verliert". Noch keine Besserung am Arbeitsmarkt Am Arbeitsmarkt habe die konjunkturelle Erholung bisher nicht zu einer Besserung der Lage geführt, heißt es in dem Gutachten weiter. Zwar habe die Zahl der Beschäftigten seit Jahresbeginn langsam zugenommen; dies sei aber vor allem Folge neuer Instrumente der Arbeitsmarktpolitik wie Minijobs und Ich-AGs. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei dagegen weiter gesunken, und die Arbeitslosigkeit "spürbar gestiegen". Mit fortschreitender Belebung der Konjunktur würden sich allmählich die Beschäftigungsperspektiven zwar aufhellen, prognostizieren die Experten. Angesichts des von der Mehrheit der Institute erwarteten moderaten Wachstumstempos sei "eine rasche und durchgreifende Besserung der Lage am Arbeitsmarkt im Prognosezeitraum allerdings wenig wahrscheinlich".
Das Herbstgutachten der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute fällt ernüchternd aus: Die Hoffnung auf eine kräftige Konjunkturerholung im kommenden Jahr schwindet.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/herbstgutachten-wachstumsdelle-statt-starkem-aufschwung-1.918125
Herbstgutachten - Wachstumsdelle statt starkem Aufschwung
00/05/2010
Großbanken buhlen um private Sparer wie selten zuvor. Für Kunden birgt das die Chance, gründlich ihren Anlage- und Kreditbedarf zu analysieren, bevor sie Verträge schließen. Rund 2000 Privatkundenbetreuer der HypoVereinsbank drücken derzeit die Schulbank. In dreitägigen Seminaren üben sie sich in Gesprächsführung. Detailansicht öffnen "Es geht darum, im Beratungsgespräch gemeinsam Anlage- und Finanzierungsstrategien zu entwickeln und dabei ohne zu frühe Produktdiskussionen die Wünsche und Ziele der Kunden einzubeziehen", erklärt Anja Welsch, Leiterin des Kundengruppen-Managements bei der HVB. Das Ziel dahinter beschreibt sie so: "Die Kunden möglichst genau kennenlernen, um ihnen später in jeder Lebensphase die passenden Lösungen bieten zu können." "Strukturierte Beratungen sind die Basis, um mit den Kunden ständig im Gespräch zu bleiben", bestätigt auch Birgit Krupp, Leiterin des Referats private Finanzplanung bei der Dresdner Bank. Keine Verknüpfung mit Verkaufsquoten Die Bank-Tochter der Allianz-Versicherung arbeitet besonders hartnäckig daran, ihr Image als "Beraterbank" zu pflegen. Im Gespräch bleiben heißt freilich auch, regelmäßig und besser als bislang mit dem Kunden ins Geschäft zu kommen. Bis auf die Ausnahme der Deutschen Bank bleiben die Renditen im Privatkundengeschäft bei fast allen heimischen Instituten im internationalen Vergleich deutlich zurück. Wesentlicher Grund dafür: Die deutschen Banken konnten in den vergangenen Jahren im Schnitt mit jedem Kunden kaum mehr als zwei Anlage- und/oder Kreditgeschäfte abschließen. In stärker konsolidierten Märkten wie etwa Frankreich oder Skandinavien liegt die Quote bei deutlich mehr als drei. Erstaunlicherweise gilt es unter leitenden Privatkundenbankern trotzdem zunehmend als Tabu, konkrete Absatzziele mit den Finanzplan-Konzepten in einem Atemzug zu nennen. "Wir haben mit dem neuen Konzept keine Verkaufsquoten verknüpft. Denn damit gewinnt keine Bank das Vertrauen ihrer Kunden", meint HVB-Vertreterin Welsch. Wandel beschleunigt Jörg Brock, Leiter für Anlageprodukte des Privatkundengeschäfts der Commerzbank, spannt den Bogen sogar noch viel weiter: "Die Bankenbranche hat seit dem Aktiencrash 2000 ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Umfassende Beratungsansätze ohne direkten Verkaufsdruck spielen eine wesentliche Rolle dabei, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen." Hinter vorgehaltener Hand sind sich die Bankvertreter freilich einig, dass sie "das Privatkundengeschäft mit den Finanzplan-Konzepten nicht neu erfinden", wie es ein Produktmanager ausdrückt.
Großbanken buhlen um private Sparer wie selten zuvor. Für Kunden birgt das die Chance, gründlich ihren Anlage- und Kreditbedarf zu analysieren, bevor sie Verträge schließen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sz-serie-finanzplanung-teil-ii-beratung-mit-system-1.898875
SZ-Serie Finanzplanung Teil II - Beratung mit System
00/05/2010
Bei den Tarifverhandlungen haben Konzernchef Mehdorn und die Gewerkschaft eine Kompromissformel gefunden: Senkung der Arbeitskosten bei gleichzeitigem Verzicht auf Entlassungen. "Wir haben uns auf Eckpunkte verständigt", sagte der Sprecher der Gewerkschaft Transnet, Michael Klein, am Mittwochabend in Berlin. Die Gewerkschaften hätten sich mit der Bahn geeinigt, dass betriebsbedingte Kündigungen bis 2010 ausgeschlossen bleiben. Im Gegenzug sollen die Arbeitskosten um 5,5 Prozent gesenkt werden. Detailansicht öffnen Einigung mit den Gewerkschaften: Bahnchef Hartmut Mehdorn. (Foto: Foto: dpa) Die endgültige Einigung wollen die Tarifparteien in einer weiteren Verhandlungsrunde Mitte Dezember erzielen. Die kleinere Lokführer-Gewerkschaft GDL hatte am Treffen aber nicht teilgenommen. Der Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen und die GDBA sprachen von einem "ersten großen und richtigen Schritt" in den Gesprächen für rund 150.000 Beschäftigte. Mehdorn sagte, beide Seiten hätten sich bewegt und "einen guten Schritt in Richtung Wettbewerbsfähigkeit der Bahn" getan. Mehr sei wirtschaftlich aber nicht vertretbar. Die Eckpunkte sehen vor, zum 1. Januar 2005 einen Tarifvertrag in Kraft zu setzen, der bis zum 31. Dezember 2010 laufen soll. Bis dahin sollen Beschäftigte, die mindestens fünf Jahre im Konzern tätig sind, vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt sein. Beteiligung der Beschäftigten am Unternehmenergebnis Das aktuelle Beschäftigungsbündnis läuft Ende 2004 aus. Vereinbart wurde zudem, die Beschäftigten künftig am Unternehmensergebnis zu beteiligen. Die Arbeitskostensenkung von 5,5 Prozent soll laut Bahn "primär" durch eine Erhöhung der Arbeitszeit erreicht werden. Nach Angaben der Gewerkschaften ist über die konkrete Umsetzung aber noch zu sprechen. Die Bahn hatte unter anderem eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ins Gespräch gebracht. Bei der verlangten Entlastung kam der Konzern den Gewerkschaften damit nochmals entgegen. Zuletzt war eine Senkung der Arbeitskosten um sechs Prozent gefordert worden.
Bei den Tarifverhandlungen haben Konzernchef Mehdorn und die Gewerkschaft eine Kompromissformel gefunden: Senkung der Arbeitskosten bei gleichzeitigem Verzicht auf Entlassungen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bahn-beschaeftigungsgarantie-bis-2010-1.901935
Bahn - Beschäftigungsgarantie bis 2010
00/05/2010
Inzwischen sind 93 Prozent der Unternehmen online, aber ein Drittel von ihnen klagt über mangelnde IT-Kenntnisse der Mitarbeiter. (SZ vom 11.08.2003) — Nach einer soeben vorgelegten Forschungsarbeit am Europäischen Zentrum für Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim hat sich Deutschland in den vergangenen zwei Jahren einen weiteren Schritt in Richtung Internetökonomie bewegt. Bei der letzten Unternehmensbefragung des ZEW im Jahre 2000 hatten erst 85 Prozent der Firmen über einen Internet-Anschluss verfügt. Inzwischen erledigen schon 41 Prozent der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe und 57 Prozent der Mitarbeiter in ausgewählten Dienstleistungsbranchen ihre Arbeit am Computer, was einem Anstieg um fünf beziehungsweise neun Prozentpunkten innerhalb von zwei Jahren entspricht. Über einen Internetzugang am Arbeitsplatz verfügen mittlerweile 43 Prozent der Beschäftigten in Deutschland, vor zwei Jahren waren es erst 28 Prozent. Potenzial für den Vertrieb Dabei variiert die Bedeutung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) relativ stark zwischen den einzelnen Branchen. Am meisten genutzt werden Computer und Internet im Arbeitsalltag von Banken und Versicherungen, in der EDV und bei Telekommunikationsdienstleistern. Mehr als 80 Prozent der Angestellten arbeiten hier überwiegend am PC. Im verarbeitenden Gewerbe sind IKT-Anwendungen deutlich weniger wichtig. Dennoch ist beispielsweise auch in der Verbrauchsgüter- und der Grundstoffindustrie (ohne Chemie) als den Wirtschaftszweigen mit der geringsten Verbreitung von Computern in Deutschland der PC für mehr als jeden dritten Beschäftigten inzwischen unverzichtbares Arbeitsmittel. Die Befragung von 4500 Unternehmen ergab weiter, dass neun von zehn Firmen mit dem Einsatz der neuen Techniken vor allem die Geschäftsprozesse beschleunigen wollen. Nur etwas mehr als die Hälfte bezeichnete die Möglichkeit, Personalkosten zu sparen, als wichtiges Ziel. Das Internet nutzen bisher aber nur 34 Prozent der Firmen als Vertriebskanal für Geschäfte mit anderen Unternehmen ("B2B") und nur 22 Prozent für Geschäfte mit Endverbrauchern ("B2C"). Mangelnde Kenntnisse des Personals sind bei einem Drittel der Unternehmen das entscheidende Hindernis, IKT noch intensiver einzusetzen. Volkswirt Thomas Hempell, Mitarbeiter der ZEW-Forschungsgruppe "Informations- und Kommunikationstechnologien", führt dies zurück auf geringe Weiterbildungsaktivitäten vor allem kleinerer Unternehmen, aber auch auf mögliche Vorbehalte älterer Mitarbeiter gegen die neue Technik. Aus empirischen Begleitstudien der Forschungsgruppe geht nach Angaben von Hempell hervor, dass Unternehmen, die den IKT-Einsatz durch Weiterbildung flankieren, produktiver seien als Wettbewerber, die dies nicht tun. In einer weiteren Untersuchung hatten die Mannheimer Forscher den Zusammenhang zwischen der rasanten Verbreitung von IKT und der Verschiebung der Anforderungsprofile der Arbeitnehmer hin zu höheren Bildungsabschlüssen dokumentiert. Neue Umfrage IT-Fachkräfte zum nächstmöglichen Zeitpunkt einstellen wollen 2,8 Prozent der Unternehmen in den befragten Branchen. Im Jahr 2000 hatte dieser Anteil noch gut sechs Prozent betragen. Die jüngste Umfrage des Bundesverbands für Unternehmen der Informationswirtschaft, der Telekommunikation und der neuen Medien (Bitkom) ergab, dass jedes fünfte ITK-Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter einstellen wolle. 42 Prozent der Firmen signalisierten aber einen Fachkräftemangel. "Selbst der geringere Bedarf an IT-Fachkräften kann von unserem Bildungssystem nicht vollständig befriedigt werden", kritisiert Bitkom-Vizepräsident Jörg Menno Harms, zugleich Chef von Hewlett Packard Deutschland. Die IKT-Branche beschäftigt nach Angaben von Bitkom etwa 800000 Menschen in 1300 Unternehmen.
Inzwischen sind 93 Prozent der Unternehmen online, aber ein Drittel von ihnen klagt über mangelnde IT-Kenntnisse der Mitarbeiter.
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Immer mehr Betriebe nutzen das Internet - Hälfte der deutschen Arbeitsplätze ist vernetzt
00/05/2010
Die Niederlande gelten vielen Reformern in Deutschland als Vorbild: Dort haben Politiker, Gewerkschafter und Arbeitgeber den Arbeitsmarkt im Konsens reformiert, der hohe Anteil der Teilzeitarbeit ist legendär und die Arbeitslosigkeit ist längst deutlich niedriger als in Deutschland. (SZ-Artikel vom 16.10.03) — Jetzt sorgt das Nachbarland wieder für Gesprächsstoff: Zur Sicherung von Beschäftigung in der Krise haben Regierung und Tarifparteien einen Lohnstopp verkündet. Manch ein von Umsatz- und Ertragseinbrüchen geplagter Unternehmer mag nun auch diesseits der Grenze in diesem Rezept sein Heil sehen. Doch vor voreiligen Schlüssen sei gewarnt. Detailansicht öffnen Arbeitskosten in Westdeutschland zu hoch Richtig ist, dass Westdeutschland im internationalen Vergleich immer noch die höchsten Arbeitskosten pro Stunde hat und dass dies wesentlich zur hohen Arbeitslosigkeit beigetragen hat. Richtig ist auch, dass sich die Gewerkschaften in die Tasche lügen, wenn sie immer nur darauf hinweisen, dass ja die Lohnstückkosten, also die Arbeitskosten unter Berücksichtigung der Produktivität, in Deutschland nur mäßig oder gar nicht steigen. In die Lohnstückkosten fließen abgebaute oder ausgewanderte Arbeitsplätze gar nicht ein, die Statistik sieht also schöner aus, als sie ist. Mangelnde Dynamik in den Niederlanden Andererseits sind Lohnstopps und die Förderung der Teilzeitarbeit sehr defensive Maßnahmen; sie tragen nicht dazu bei, dass ein Land aus seinen Problemen herauswächst. Dies zeigt gerade das Beispiel der Niederlande: Dort beklagen Kritiker die mangelnde Dynamik von Wirtschaft und Gesellschaft. Menschen, die wenig Geld verdienen, können auch wenig kaufen, und wenn die Konsumenten ausbleiben, dann investieren die Unternehmer auch nicht. Das Ziel muss es sein, die Arbeitskosten möglichst schonend auf ein verträgliches Maß herunterzuführen. Dazu gehört an erster Stelle der Abbau der Lohnnebenkosten, also niedrigere Renten- und Krankenkassenbeiträge. Lohnpolitik muss maßvoll sein Zweitens ist eine maßvolle Lohnpolitik notwendig, was bedeutet, dass die Tarifparteien nur einen Teil des errechneten Spielraums bei den Lohnverhandlungen verteilen, während der Rest für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit bleiben muss. Und schließlich Flexibilität für Betriebe, Branchen und einzelne Arbeitnehmer. Eine der einfachsten Methoden zur Senkung von Arbeitskosten wäre die schrittweise Verlängerung der Arbeitszeit: Die Betriebe würden entlastet, und die Arbeitnehmer hätten trotzdem nicht weniger im Geldbeutel. Aber dagegen steht vermutlich noch das in zwanzig Jahren gepflegte Vorurteil, man könne mit Arbeitszeitverkürzung Arbeitsplätze schaffen.
Die Niederlande gelten vielen Reformern in Deutschland als Vorbild: Dort haben Politiker, Gewerkschafter und Arbeitgeber den Arbeitsmarkt im Konsens reformiert, der hohe Anteil der Teilzeitarbeit ist legendär und die Arbeitslosigkeit ist längst deutlich niedriger als in Deutschland.
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Kommentar - Der richtige Lohn
00/05/2010
Die beiden privaten Fonds Carlyle und Permira kämpfen um den Zuschlag für das Modeunternehmen Valentino und dessen Tochter Hugo Boss. Die Eigentümer-Clans haben wohl jeweils ihren Favoriten unter den kaufwilligen Investoren. In der 170 Jahre alten Textildynastie Marzotto aus Norditalien ist Eintracht seit langem unbekannt. So konnte auch der Ausstieg der sich befehdenden Erben aus ihrer florierenden Mode-Holding nicht glatt verlaufen. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen kämpfen die beiden privaten Fonds Carlyle und Permira seit Freitag um den Zuschlag für Valentino Fashion Group (VFG) und dessen lukrativen Goldesel Hugo Boss aus dem schwäbischen Metzingen. Auch nach einem nahezu pausenlosen Verhandlungsmarathon stellte sich am Dienstag zunächst noch keine Einigung unter den Großaktionären ein. Jede Clan-Fraktion hat offenbar ihren Favoriten unter den Investoren. Die Zeit jedoch drängt. Die Aktie VFG ist bereits seit Montag früh in Mailand vom Handel ausgesetzt. Carlyle gilt als aussichtsreicher als Permira Der amerikanische Private-Equity-Fonds Carlyle legte schon am Freitagabend seine Offerte auf den Tisch und gilt als aussichtsreicher als der britische Rivale Permira. Die beiden Finanzinvestoren sprechen auf Verkäuferseite mit dem Großaktionär und Valentino-Präsidenten Antonio Favrin, der über die Finanzholding Canova zusammen mit einigen Sprösslingen der Marzotto-Sippe 19,7 Prozent an der renditestarken Modegruppe kontrolliert. Auch ein anderer Zweig der großen Familie will sich nun überraschenderweise verabschieden. Seine Aktien sind in der Luxemburger Holding International Capital Group (ICG) gebündelt. Mit 29,9 Prozent ist ICG der größte Teilhaber von Valentino. "Industrielle Seele" Während Favrin und Canova seit geraumer Zeit Verkaufsabsichten nachgesagt wurden, galt die gegnerische Fraktion als die ,,industrielle Seele'' der Valentino Fashion Group mit langfristigen Ambitionen. Da keine Gruppe stark genug war, die andere abzudrängen, fiel die Marzotto-Holding in der schnelllebigen Fashionbranche zuletzt durch eine gewisse Unbeweglichkeit auf. Erst vor zwei Jahren hatte Valentino an der Börse debütiert. Entstanden ist VFG durch die Ausgliederung der Modeaktivitäten aus dem traditionsreichen und größten italienischen Textilkonzern Marzotto. Kern der Holding ist der deutsche Modehersteller Hugo Boss, der bereits 1991 von Marzotto übernommen wurde. Die Italiener kontrollieren das ehedem kränkelnde schwäbische Unternehmen mit 51 Prozent. Hugo Boss steuert heute 75 Prozent zum Umsatz und knapp 80 Prozent zum Gewinn der Holding bei. Auch das 2002 in einem schlimmen Zustand aufgekaufte römische Modehaus Valentino wurde erfolgreich saniert und erreichte 2004 die Gewinnschwelle. Der inzwischen expandierende Edel-Couturier von der Spanischen Treppe trägt elf Prozent zum Geschäft der Gruppe bei. Die restlichen 14 Prozent stammen aus Lizenzlinien wie Marlboro Classics, M Missoni und Lebole. Mode und Finanz Hand in Hand Der bevorstehende Verkauf an eine große Investmentfirma zeigt, dass die internationale Beteiligungsbranche nun auch die Luxusszene entdeckt hat. Mode und Finanz gehen schon seit einem Jahrzehnt Hand in Hand. Ende der neunziger Jahre waren es die Luxuskonzerne, die mit ihrer Mehr-Marken-Strategie eine Übernahmewelle lostraten. In den Krisenjahren nach 2001 kam die Einkaufstour zum Erliegen, um nun dank der guten Weltkonjunktur wieder aufzuleben. Nun treten neben die Luxuskonglomerate wie PPR und LVMH die Fonds. Sie kamen bereits bei namhaften Marken zum Zuge, die aber meist aus der zweiten Reihe stammten. So gingen Jil Sander, Emanuel Ungaro, Cerruti, Bruno Magli und Tacchini in die Hände von Beteiligungsfirmen über. Die Übernahme von Tommy Hilfinger vor zwei Jahren durch Apax Partners für 1,6 Milliarden Dollar war die erste Transaktion von Gewicht. Diese Marke würde nun deutlich übertroffen. Indiskretionen aus Mailänder Verhandlungskreisen zufolge bietet Carlyle circa 34 Euro pro VFG-Aktie. Zu den 2,6 Milliarden Euro für eine Übernahmeofferte an die VFG-Aktionäre müssten dann weitere 1,5 Milliarden Euro für ein Kaufangebot an die Minderheitsaktionäre von Hugo Boss addiert werden.
Die beiden privaten Fonds Carlyle und Permira kämpfen um den Zuschlag für das Modeunternehmen Valentino und dessen Tochter Hugo Boss. Die Eigentümer-Clans haben wohl jeweils ihren Favoriten unter den kaufwilligen Investoren.
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Finanzbranche entdeckt Modeindustrie - Kopf-an-Kopf-Rennen um Valentino und Hugo Boss
00/05/2010
Der deutsch-amerikanische Autobauer DaimlerChrysler hat im dritten Quartal beim Konzernergebnis einen Verlust von 1,65 Milliarden Euro verzeichnet. Hintergrund ist die Abwertung der Beteiligung an der EADS. Auf den operativen Gewinn hat das keinen Einfluss. Dennoch verzeichnete der deutsch-amerikanische Autobauer im dritten Quartal einen operativen Gewinn von 1,25 Milliarden Euro (Vorjahresquartal:1,5 Milliarden Euro). Verbesserung bei Chrysler Chrysler hat nach einem Verlust im zweiten Quartal mit 147 Millionen Euro nun wieder einen operativen Gewinn erwirtschaftet. Die Verbesserung bei der US-Sparte gegenüber dem zweiten Quartal ist insbesondere auf die erfolgreiche Umsetzung weiterer Kostensenkungsmaßnahmen und einen geringeren als ursprünglich erwarteten Anstieg der Kaufanreize zurückzuführen. Vorjahresniveau erreicht Die Mercedes Car Group erreichte mit einem operativen Gewinn in Höhe von 793 Millionen Euro wieder das Vorjahresniveau. Trotz der schwierigen Automobilmärkte vor allem in Nordamerika und Westeuropa hat DaimlerChrysler im dritten Quartal weltweit 1,1 Millionen Autos abgesetzt. Auf Grund der Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar und des niedrigen Fahrzeugabsatzes hat der Konzernumsatz mit 34,6 Milliarden Euro 5 Prozent unter dem Wert des Vorjahres gelegen.
Der deutsch-amerikanische Autobauer DaimlerChrysler hat im dritten Quartal beim Konzernergebnis einen Verlust von 1,65 Milliarden Euro verzeichnet.
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Autoindustrie - DaimlerChrysler mit Milliarden-Verlusten
00/05/2010
Wegen seiner hochtrabenden Pläne wird Carlos Ghosn von vielen Renault-Mitarbeitern schlicht Napoleon genannt. Doch sein Waterloo könnte kurz bevorstehen. Vor genau einem Jahr präsentierte ein vor Kraft strotzender, selbstbewusster Carlos Ghosn aller Welt seinen Drei-Jahres-Plan für Renault. Die Inszenierung sollte glauben machen, es handele sich um einen Geniestreich. Detailansicht öffnen Auf der Bilanzpressekonferen 2007 musste Renault-Boss Carlos Ghosn einen 15-prozentigen Gewinnrückgang erklären. (Foto: Foto: AFP) In diesem Jahr waren Ort und Zeitpunkt zwar gleich, aber Ghosn, Renault- und Nissan-Chef in Personalunion, war ein anderer. Nicht kleinlaut, aber doch auf das Normalmaß zurechtgestutzt, sprach der in Brasilien geborene und im Libanon aufgewachsene Chef in Paris von einer mit Ach und Krach erreichten Umsatzrendite von 2,56 Prozent bei Renault. 100.000 Fahrzeuge weniger verkauft Damit nicht genug: Er deutete auch an, die geplante Absatzsteigerung von 800.000 Wagen bis 2009 möglicherweise nicht einhalten zu können. Renault verkaufte im vergangenen Jahr 100.000 Fahrzeuge weniger. Diesen Rückgang muss Ghosn nun erst einmal kompensieren. Derzeit deutet aber wenig darauf hin, dass es im laufenden Jahr zu einer Trendwende kommen könnte. Und davon, dass der Laguna, wie Ghosn im vorigen Jahr versprach, zum Aushängeschild des französischen Herstellers in der Oberklasse werden solle, hörte man auch nicht mehr viel. Am Donnerstag sprach nicht "Carlos der Große", "Napoleon" oder "Gott", wie er wahlweise Renault-intern genannt wird. Es trat stattdessen ein entzauberter Carlos Ghosn an, der zwei leidende Autohersteller vertritt: Nissan meldete vergangene Woche in Japan einen Gewinneinbruch, Partner Renault folgt nun mit weiteren Hiobsbotschaften. Ein doppelter Schlag für den erfolgsverwöhnten Ghosn, den der Absatzrückgang von Renault auf dem französischen Heimatmarkt und in Europa dabei besonders treffen dürfte. Er kann sich nicht mal auf ein schwieriges Umfeld berufen. Sein unmittelbarer Rivale Toyota legt gerade das siebte Rekordergebnis in Folge hin. Auch die deutschen Hersteller, zum Beispiel VW, schnitten nicht schlecht ab. Ghosn kann die Schwäche von Renault und Nissan nicht einfach wegreden. Kommt der nächste Stellenabbau? Sich als Kostenkiller zu bewähren, reicht offenbar nicht aus. Mit dem Streichen von 20.000 Stellen hatte er zwar Nissan vor der Pleite gerettet. Jetzt zeichnet sich jedoch ab, dass seine Strategie der Kostenminimierung allein auf Dauer nicht trägt, zumal er im Moment noch vor einem großen Stellenabbau, der vor allem Frankreich treffen würde, zurückschreckt. Womöglich hängt das mit den dort bevorstehenden Präsidentschaftswahlen zusammen. Noch fixiert er sich auf das in Rumänien von der Tochtergesellschaft Dacia gefertigte Billigauto Logan. Es hat Ghosn davor bewahrt, noch schlechtere Zahlen vorzulegen. Und auch in Zukunft wird es zu seinen Trümpfen zählen. Doch nicht nur, weil Ghosn für das Auto ausgerechnet den im Moment politisch geächteten Iran als einen der Zukunftsmärkte auserkoren hat, ist diese Strategie ein Wagnis. Ghosn manövriert sich so in eine Situation hinein, in der fast all seine Hoffnung auf einem Billigauto ruht. Auf diesem Markt lässt er sich auf einen gefährlichen Wettbewerb mit dem Spitzenreiter Toyota ein. Darüber gerät der lukrative Oberklassemarkt aus dem Blick, den er mit dem Laguna erobern wollte. Soll sein Drei-Jahres-Plan aufgehen, wird sich Ghosn etwas einfallen lassen müssen.
Wegen seiner hochtrabenden Pläne wird Carlos Ghosn von vielen Renault-Mitarbeitern schlicht Napoleon genannt. Doch sein Waterloo könnte kurz bevorstehen.
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Die Entzauberung des Renault-Bosses - Napoleons Abstieg
00/05/2010
Am Dienstag wird vor dem Europäischen Gerichtshof über deutsche Schrottimmobilien verhandelt - tausende ruinierter Kleinanleger bangen mit. Den 28. September 2004 hat sich Erkan Gece schon vor Monaten im Kalender rot angestrichen. "Es ist die letzte Chance für mich und meine Familie", sagt der 36-Jährige leise. Die Dramatik, die in seinen Worten mitschwingt, ist ihm unangenehm. Er versucht zu lächeln, doch es will ihm nicht so recht gelingen. Vor elf Jahren hat Gece einen Fehler gemacht, den er bis heute bitter bereut. Den Abend, an dem alles begann, wird er nie vergessen. Es war ein Werktag im Dezember 1993. Der damals 25-jährige Kurierfahrer saß mit seiner Frau in seiner Wohnung in Neufahrn, einem Vorort von München, als es an der Haustür klingelte. Ein großer kräftiger Mann mit Vollbart stand draußen. "Er wirkte seriös" "Er hatte eine angenehme Stimme, wirkte vertrauenerweckend und seriös", sagt Gece in sehr gutem Deutsch. Er ist türkischer Abstammung, besitzt aber seit Jahren einen deutschen Pass. "Wir sind gastfreundlich, deshalb baten wir den Mann herein." Eine Entscheidung, an deren Folgen er vermutlich sein Leben lang zu tragen hat. "Ich bin ruiniert", sagt der Vater dreier Kinder heute und blättert in den Unterlagen, die vor ihm auf dem Küchentisch liegen. Sechs Leitzordner, einige davon aufgeschlagen, bedecken fast die gesamte Fläche. Sie sind beschriftet mit "Osnabrück", "Korrespondenz mit Bank" oder "Schrottimmobilien". Der Inhalt dokumentiert ein Drama, das sich so oder so ähnlich tausendfach auch in anderen Familien zugespielt hat. Nach Schätzungen des Verbraucherzentrale Bundesverbands in Berlin sind bundesweit mindestens 300000 Menschen betroffen, überwiegend Klein- und Normalverdiener. Sie alle haben in den neunziger Jahren per Kreditfinanzierung eine Immobilie gekauft, die sich im Nachhinein als mehr oder weniger wertlos herausgestellt hat. Positives Signal aus Luxemburg Und wie Gece hoffen sie nun, dass am 28. September vom Europäischen Gerichtshof in Luxemburg ein positives Signal kommt. Dort ist ein Verfahren des Landgerichts Bochum anhängig: Die Bochumer Richter bezweifeln, dass die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe in Einklang mit dem EU-weiten Verbraucherschutz steht. Denn die obersten deutschen Zivilrichter erlauben den betroffenen Immobilienbesitzern zwar, unter Umständen ihren Kreditvertrag zu widerrufen, nicht aber den Kaufvertrag für die Wohnung. Damit läuft das Widerrufsrecht faktisch ins Leere. Woher sollen die Betroffenen das Geld für die Rückzahlung des Kredits nehmen, wenn sie gleichzeitig auf der wertlosen Immobilie sitzen bleiben? Auf die Bank vertraut Am Dienstag wird der Europäische Gerichtshof noch kein Urteil in Sachen Schrottimmobilien fällen, doch der Generalanwalt wird seine Schlussanträge stellen. Und Gece hat gelesen, dass das Gericht dem Antrag des Generalanwalts meistens folgt. "Der EuGH ist unsere letzte Hoffnung!", hat er im Juli an den Gerichtshof geschrieben. "Bitte entscheiden Sie so, dass die geschädigten Familien zu ihren Rechten kommen." Den Durchschlag des Briefs hat Gece abgeheftet, ebenso wie die Antwort aus Luxemburg: ein vorformulierter Standardtext über die Zuständigkeiten des EuGH. Gece kann damit nichts anfangen. "Der Kauf der Wohnung war doch nicht meine Idee gewesen", erzählt er weiter. "Der Vermittler hat es so dargestellt, dass man denken musste, man sei dumm, wenn man jetzt nicht zugreift." Fast immer war der Immobilienkauf nicht die Idee der Betroffenen. Häufig wurden sie überraschend daheim von einem Vermittler aufgesucht. "Er hat uns vorgerechnet, dass wir überhaupt kein eigenes Geld brauchen, die Mieteinnahmen und die Steuerersparnis würden alles decken", sagt Gece. "Das Formular der Bank für eine Selbstauskunft hatte er auch schon dabei." Eine Kopie hat Gece aufbewahrt: rechts oben das Logo der damaligen Hypobank, heute HypoVereinsbank. "Genauso gut hätte es aber auch die Commerzbank sein können", sagt Stefan Frisch, Anwalt bei der Kanzlei Tilp Rechtsanwälte in Berlin. Und auch Dresdner und Deutsche Bank haben seiner Erfahrung nach diese Kredite finanziert - wenn auch in geringerem Umfang. Einträgliches Geschäft Für die Banken war es ein einträgliches Geschäft. Die Vermittler brachten ihnen gleich reihenweise neue Kreditkunden. Geces Wohnung lag in Osnabrück, war etwa 28 Quadratmeter groß und kostete inklusive Stellplatz 147340 DM (rund 75000 Euro). Da noch Notarkosten, Provision und andere Gebühren anfielen, belief sich sein Darlehen auf 184000 DM. Was hat er sich dabei gedacht? Man kauft doch nicht eben mal so von einem wildfremden Mann eine Wohnung, schon gar nicht, ohne diese vorher zu besichtigen. "Ich weiß", sagt Gece nur, "heute weiß ich das." Damals aber war er unerfahren, der Vermittler sprach von "einer einmaligen Chance", die Zeit dränge, da der Vertragsabschluss wegen der Steuerersparnis noch im Dezember erfolgen müsse. Es seien kaum noch Wohnungen da, und der Notar habe nur noch wenige Termine frei. "Wir müssten uns um nichts kümmern, hat er immer wieder gesagt." Letztlich war es vor allem ein Gedanke, der Gece beruhigte: "Die Bank würde das doch nicht finanzieren, wenn es Schrott wäre." Ein paar Jahre ging alles gut, doch dann kündigte der Mieter, die Wohnung stand leer. Gece konnte seine Kreditraten nicht mehr bezahlen, ebenso wenig wie den Hausverwalter in Osnabrück. Dort häuften sich neue Schulden an. Vor wenigen Wochen wurde die Wohnung für 8000 Euro verkauft. Gece war froh, dass sich überhaupt ein Käufer fand. Die Bank hatte ihr Einverständnis zum Verkauf gegeben und kassierte das Geld gleich ein. Altersvorsorge weg Auch Geces Lebensversicherung und seinen Bausparvertrag rückt sie nicht mehr raus. "Meine gesamte Altersvorsorge ist weg", sagt der Vater dreier Kinder, der sein Leben lang selbstständig war. Er hätte nichts dagegen gehabt, seinen richtigen Namen in der Zeitung zu lesen. "Ich habe nichts mehr zu verlieren", meint er. Doch dann denkt er an seine Frau. Die 37-Jährige saß nur kurz mit am Tisch. Sie will die Geschichte nicht mehr hören. Ihre Ärztin hat ihr dringend geraten, sich nicht damit zu befassen. Seit drei Jahren ist die frühere Postangestellte in psychiatrischer Behandlung, seit zwei Jahren ist sie berufsunfähig. Angstattacken plagen sie, ihre Ärztin führt das auf die Geldsorgen der Familie zurück. Bankenfreundliche Rechtssprechung Viel Kritik hat die bankenfreundliche Rechtsprechung des elften BGH-Senats in den vergangenen Monaten erfahren. Gece verfolgt die Diskussion genau. Dutzende von Artikeln aus Zeitungen und Magazinen hat er gesammelt. Er weiß, dass nicht nur die EU-Kommission den BGH scharf gerügt hat, sondern auch Richterkollegen aus dem eigenen Haus. So sprach der Vorsitzende Richter des zweiten Senats von einer "Pervertierung" des Verbraucherschutzes. Anwälte von Geschädigten meinen, die Betroffenen müssten aus den Darlehen entlassen werden und im Gegenzug ihre Wohnung zurückgeben dürfen. Auch Anwalt Frisch hofft, dass der Europäische Gerichtshof den deutschen Richtern klare Regeln zur Auslegung des Verbraucherschutzes vorgibt. Er stellt "eine gewisse Sorglosigkeit auf beiden Seiten" fest. Während die Kunden darauf verzichtet hätten, sich die Wohnungen anzusehen, hätten die Banken darauf verzichtet, sich die Vermittler genauer anzusehen. "Und sicher wollten einige Banken auch gar nicht so genau wissen, mit wem sie da zusammenarbeiten", meint Frisch.
Am Dienstag wird vor dem Europäischen Gerichtshof über deutsche Schrottimmobilien verhandelt - tausende ruinierter Kleinanleger bangen mit.
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Immobilien - Letzte Hoffnung Luxemburg
00/05/2010
Nach London für 19,99 Euro? Damit ist bald Schluss - wenn es nach dem Willen prominenter Umweltpolitiker von SPD und Grünen geht. Sie werfen den Billigfliegern vor, mit Dumpingpreisen die Passagierzahlen zu Lasten des Klimas in die Höhe zu treiben. SPD-Bundesvorstandsmitglied Hermann Scheer sagte der Bild am Sonntag, mit den Dumpingpreisen müsse "schleunigst Schluss" sein. Es sei "klimapolitisch pervers", dass ein Flug nach New York billiger sei als eine Bahnfahrt von Hamburg nach München. Auch Politiker der Grünen prangerten unfaire Wettbewerbsbedingungen zwischen Flugverkehr und Bahn an. Regierungssprecher Bela Anda stellte jedoch klar, die Bundesregierung wolle nicht in das Marktgeschehen eingreifen. Mindestens so teuer wie die Bahn Alle innerdeutschen Flüge sollten mindestens so teuer sein wie die entsprechende Bahnfahrt, verlangte Scheer. Anda stellte jedoch in Berlin klar, es gebe von Seiten der Bundesregierung keine Pläne, Billigfluglinien finanziell stärker zu belasten. Die Preise sollten wie üblich über Angebot und Nachfrage vom Markt ermittelt und festgelegt werden. Der umweltpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Winfried Hermann, nannte die Dumpingpreise in der BamS ökologisch gesehen einen "Skandal". Kommunen und Landesregierungen müssten damit aufhören, mit Steuergeldern Regionalflughäfen zu fördern, die für Billigfluglinien keine oder nur geringe Gebühren berechneten. Damit Fliegen nicht billiger sei als Bahnfahren muss laut Hermann "endlich die europäische Kerosinbesteuerung kommen". Auch dürfe der innereuropäische Flugverkehr nicht länger von der Mehrwertsteuer befreit bleiben. Nötig seien Start- und Landegebühren entsprechend den ökonomischen und ökologischen Kosten sowie eine "Lärmschutzgebühr von bis zu fünf Euro pro Ticket". Die Europaabgeordnete der Grünen, Heide Rühle, kündigte an, dass sich die Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament für eine Erhöhung der Flugpreise einsetzen werde. Vorsichtig äußerte sich der Grünen-Verkehrspolitiker Albert Schmidt. Er verwies darauf, dass die Flughafenbetreiber ihre Gebühren in der Regel in eigener Regie festlegen könnten. Auch in die Preisgestaltung der Billigflieger könne die Politik nicht eingreifen. Kerosinsteuer einführen, Mehrwertsteuerbefreiung abschaffen Auch Schmidt plädierte aber für die Einführung einer Kerosinsteuer sowie die Aufhebung der Mehrwertsteuerbefreiung für den Flugverkehr: "Es kann nicht sein, wenn ein Kunde eine Fahrkarte von München nach Paris löst, dass er dann Mehrwertsteuer bei der Bahn bezahlen muss, wenn er aber mit dem Flieger fliegt, muss er nichts bezahlen." Dies seien Ungerechtigkeiten, "die dringend beseitigt werden müssen". Gegen eine höhere Steuerlast für den Flugverkehr wandte sich der FDP-Finanzpolitiker Carl-Ludwig Thiele. Er forderte in Berlin SPD und Grüne auf, "dass ständige Gerede über Steuererhöhungen sofort zu beenden".
Nach London für 19,99 Euro? Damit ist bald Schluss - wenn es nach dem Willen prominenter Umweltpolitiker von SPD und Grünen geht. Sie werfen den Billigfliegern vor, mit Dumpingpreisen die Passagierzahlen zu Lasten des Klimas in die Höhe zu treiben.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/billigflieger-am-pranger-klimapolitisch-pervers-1.905173
"Billigflieger am Pranger - ""Klimapolitisch pervers"""
00/05/2010
(SZ-Artikel vom 30.9.2003)— Die Lichter waren in Italien nach dem großen Stromausfall gerade wieder angegangen, da teilten die Experten der heimischen Energiewirtschaft schon mit, eine solche Katastrophe sei in Deutschland unmöglich. Ein Vertreter der Gruppe Vattenfall, zu dem die Stromversorger in Hamburg und Berlin gehören, will so etwas ganz "ausschließen." Die Forschung nach den Gründen der Katastrophe in Italien, die 57 Millionen Menschen stundenlang ohne Strom ließ, ist noch im Gang. Dennoch weiß auch die Bundesregierung bereits, dass die Panne "ein Sonderfall" war. Deutschland keine "Insel der Glückseeligen" Doch es gibt erste Stimmen, die auch in Deutschland Gefahren für die Versorgungssicherheit sehen. "Wir sitzen nicht auf einer Insel der Glückseeligen", sagt Joachim Vanzetta, Leiter der Systemführung beim Netzbetreiber RWE.Heiko Neus, vom Energiewirtschaftlichen Institut der Universität Köln kann "nicht völlig ausschließen", dass es in Deutschland zu einem Totalausfall kommen könnte. "Es müssten dafür aber viele unwahrscheinliche Ereignisse zeitgleich passieren", so der Kölner Experte. Zum nächsten Kollaps nach den Stromausfällen von Nordamerika oder London war es offenbar gekommen, nachdem im Schweizer Kanton Schwyz am Sonntagmorgen um drei Uhr ein Baum auf eine 380-Kilovolt-Leitung gefallen war. Als danach wegen Überlastung eine weitere Schweizer Durchgangsleitung ausfiel war die Versorgung Italiens mit dringend nötigem Importstrom aus Frankreich unterbrochen. Das italienische Netz brach zusammen. Im übrigen Europa mussten Kraftwerke eilig hinunterfahren, weil Frankreich plötzlich den überschüssigen Strom in seinen Leitungen loswerden musste. Eine solche Kettenreaktion sei in Deutschland nicht denkbar, heißt es bei dem Energieunternehmen Vattenfall. Es gebe in diesem Land "hinlängliche Kapazität" zur Stromerzeugung, das Leitungsnetz sei "stabil genug", sagt ein Vattenfall-Vertreter. Ähnlich äußert sich Eon, der größte Stromversorger Deutschlands: "Ein Blackout wie in Italien ist bei uns nicht möglich". Auf Import angewiesen Italien ist zu stark auf Stromlieferungen aus dem Ausland angewiesen, doch die Leitungen, die aus Frankreich nach Italien führen, seien zu schwach gewesen, wissen Fachleute. Experten der Stromkonzerne erklären, das deutsche Stromnetz sei so ausgelegt, dass beim Ausfall eines Kraftwerks, einer Umschaltstation oder eines Transformators sofort Ersatz zur Verfügung stehen müsse. Das deutsche Stromnetz ist historisch über mehr als hundert Jahre gewachsen. Ausgehend von regionalen Versorgungsgebieten in Städten und Ballungsräumen schalteten nach und nach alle Versorger ihre Netze zusammen. So entstand ein flächendeckendes System mit "engen Maschen", wie die Fachleute sagen. Es ist heute in vier so genannte Regelzonen eingeteilt. Sie werden von den großen Konzernen gemanagt. Jeder Netzbereich ist so ausgelegt, dass der zuständige Betreiberkonzern den Bedarf im eigenen Gebiet decken kann. Die Kraftwerke stehen meist nahe an den großen Verbrauchsstandorten. Zur Sicherheit sind die Regelzonen miteinander verbunden, so dass bei Bedarf auch Strom aus anderen Zonen bezogen werden kann. Die Bundesrepublik verfügt über eine Kraftwerksleistung von gut 100000 Megawatt. Auch zu Zeiten des Spitzenbedarfs im Winter waren die Kraftwerke bisher nur zu 85 bis 90 Prozent ausgelastet. Die deutschen Energiemanager glauben auch, dass der Mix aus unterschiedlichen Energieträgern, wie Braun- und Steinkohle (44 Prozent), Kernkraft (22 Prozent), Wasser (9 Prozent) Wind, Öl oder Gas erheblich zur Versorgungssicherheit beiträgt. Durch die geplante Stilllegung der Atommeiler und die Modernisierung anderer Kraftwerke müssen in den nächsten zehn bis 20 Jahren aber Kraftwerke mit einer Kapazität von 40 000 Megawatt ersetzt werden. In der Energiebranche gibt es aber zunehmend kritische Stimmen, die in sinkenden Investitionen eine Gefahr für die Zukunft sehen. Abgesehen von den Engpässen wegen der Hitzewelle im Juli und August war die Stromversorgung bedingt durch ungünstige Wetterverhältnisse in der Vergangenheit auch in Deutschland mehrfach angespannt. Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur (Dena), die sich im Auftrag der Bundesregierung und der Kreditanstalt für Wiederaufbau um Energiefragen kümmert, ist der Meinung, dass die Gefahr von Systemausfällen à la Italien in Deutschland täglich wächst. Nach dem Italiendebakel sind nach Kohlers Meinung "die Minen in der deutschen Energiewirtschaft deutlich nachdenklicher geworden." Auch wir können langfristig Probleme bekommen", sagt Kohler. Weniger Investitionen Der Grund sei die Liberalisierung des Strommarktes, die in Deutschland vor fünf Jahren begonnen habe. In manchem europäischen Land hätten die Stromkonzerne nicht mehr ausreichend in ihre Kraftwerke und Netze investiert, um die Sicherheit der Versorgung garantieren zu können. "Wir profitieren noch von den Überkapazitäten aus den Monopolzeiten", meint Kohler. "Das wird aber abnehmen." Die zukünftige deutsche Regulierungsbehörde für die Stromwirtschaft müsse daher Bedingungen schaffen, die ausreichende Investitionen in Netze und Kraftwerke sicher stelle. Diese Bedingungen hätten sich in Deutschland in den vergangenen Jahren "deutlich verschoben" - zum Nachteil der Versorgungssicherheit. Ähnlich sieht das Uwe Leprich, Energiefachmann an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken: "Ein großer Ausfall kann mittelfristig auch bei uns passieren". Der Grund sei, "dass sich in Deutschland niemand für die Versorgungssicherheit verantwortlich fühlt."
Großkonzerne und Regierung sehen die Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleistet. Doch Fachleute sind skeptisch.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-dem-blackout-in-italien-stromausfall-koennte-auch-deutschland-treffen-1.905576
Nach dem Blackout in Italien - Stromausfall könnte auch Deutschland treffen
00/05/2010
Der VW-Aufsichtsrat sucht zwei Tage lang hinter verschlossenen Türen nach einer Lösung für die Finanzprobleme des Konzerns. Der verschärfte Sparkurs könnte mehr Stellen kosten als erwartet. Offiziell war bisher stets die Rede von 20.000 Stellen, die von dem verschärften Sparkurs betroffen sein könnten. So hatte es Vorstandsvorsitzender Bernd Pischetsrieder am 10. Februar angekündigt. Aus dem Unternehmen nahe stehenden Kreisen war im Vorfeld der Sitzung des obersten Kontrollgremiums zu erfahren, dass bei rein betriebswirtschaftlicher Betrachtung ein Handlungsbedarf besteht, der weit über den angekündigten hinausgeht. Von mindestens 40.000 überflüssigen Stellen ist die Rede. Mindestens, das heißt im Klartext: Jede zweite Stelle in den zu teuer produzierenden deutschen Werken könnte zu viel sein, sagen Insider, die mit solchen unangenehmen Schätzungen aber nicht in Verbindung gebracht werden wollen. "Politisch nicht durchsetzbar" Eine offizielle Bestätigung gibt es für derlei Schreckenszahlen nicht. Die mit der Situation Vertrauten betonen, dass im mitbestimmten VW-Konzern die wirtschaftlich notwendigen harten Schnitte politisch nicht durchsetzbar sein werden. Bei der Sanierung der Traditionsmarke VW wird es nach Auffassung von VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh nicht zu harten Einschnitten kommen. Das sagte Osterloh, der auch Aufsichtsrat ist, kurz vor Beginn der Klausurtagung des Kontrollgremiums. Die Situation bei VW müsse verbessert werden. Dabei müsse es eine "Beschäftigungs- und Standortsicherung" geben. Mit Blick auf entsprechende Spekulationen wandte sich Osterloh gegen eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit bei VW von 28,8 auf 35 Stunden. 35-Stunden-Woche Zur Senkung der Arbeitskosten könnte VW zur Fünf-Tage-Woche mit 35 Stunden zurückkehren - ohne Lohnausgleich. Zur Zeit gilt die Vier-Tage-Woche mit 28,8 Stunden. So ließen sich die Werke besser auslasten. Allein dadurch würden 20.000 Stellen überflüssig. Da niemand auf den stagnierenden Märkten in Europa und Nordamerika mit großartig steigenden Absatzzahlen rechnet, verschärft jede Steigerung der Produktivität das Problem der ohnehin bestehenden Überkapazitäten. Europas größter Autohersteller lastet seine Werke derzeit nur zu 80 Prozent aus, das Stammwerk Wolfsburg sogar nur zu gut der Hälfte. Die Autos der Marke VW sind aber auch zu teuer in der Herstellung, weil sie zu aufwändig konstruiert sind.
Der VW-Aufsichtsrat sucht zwei Tage lang hinter verschlossenen Türen nach einer Lösung für die Finanzprobleme des Konzerns. Der verschärfte Sparkurs könnte mehr Stellen kosten als erwartet.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sondersitzung-des-aufsichtsrates-volkswagen-vor-harten-einschnitten-1.920128
Sondersitzung des Aufsichtsrates - Volkswagen vor harten Einschnitten
00/05/2010
Auf mehr Ruhe im Unternehmen hatten die Mitarbeiter von Infineon nach dem Abgang von Konzernchef Ulrich Schumacher vor etwa einem Jahr gehofft - vergeblich. Am Mittwoch konfrontierte sie der Konzern mit einer neuen Hiobsbotschaft. Nach massiven Einschnitten in Randbereichen greift Konzernchef Wolfgang Ziebart nun am Konzernsitz in München durch und schließt das Werk Perlach. Innerhalb von zwei Jahren werde die Produktion eingestellt, kündigte Infineon an. Kündigungen möglich Betroffen sind etwa 800 Mitarbeiter. Davon könne Infineon nach Angaben von Reinhard Ploss, Leiter des Bereichs Automobil- und Industrieelektronik und Multimarket, nur "wenige" an anderen Standorten weiter beschäftigen. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht ausgeschlossen, sagte er. Für Branchenbeobachter kommt die Entscheidung nicht überraschend. Der Technologie-Konzern steckt in einer schweren Krise. Seit 2001 hatte Infineon Verluste von 2,1 Milliarden Euro angehäuft - vor allem in den Abschwungphasen des zyklischen Chipgeschäfts. Nach Ansicht von Experten läuft die Branche derzeit erneut auf einen Abschwung zu. Marktforscher gehen für 2005 bestenfalls noch von einem Wachstum um rund fünf Prozent aus - nach einem Plus von 23 Prozent im vergangenen Jahr. Der im September angetretene Infineon-Chef und ehemalige Continental-Manager Wolfgang Ziebart sah sich nach einem schwachen Jahresauftakt nun offenbar zum Handeln gezwungen. Bei Infineon war der Umsatz im Auftaktquartal für das laufende Geschäftsjahr um neun Prozent auf knapp 1,82 Milliarden Euro eingebrochen - und das, obwohl das Weihnachtsquartal in der Technologiebranche als das stärkste gilt. Besonders schwach ausgefallen war das Geschäft der neuen Kommunikationssparte, die zu Beginn des Geschäftsjahres durch den Zusammenschluss von Mobilfunk- und Festnetzgeschäft entstanden war. Sie war im ersten Quartal mit einem Minus von 27 Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht. Ziebart hatte nach seinem Start angekündigt, weitaus stärker als sein Vorgänger Schumacher auf die Rendite zu achten, um auch in branchenschwachen Zeiten Gewinne zu erwirtschaften. Unprofitable Nebenbereiche sollen abgestoßen werden. Überholte Technik Am Morgen war der Infineon-Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengetroffen. Anschließend wurde die Entscheidung auch im Wirtschaftsausschuss des Konzerns beraten. Das Werk in München-Perlach fertigt vor allem Bauelemente für Spezialtechnologien. Den größten Anteil hatten dabei Chips im Hochfrequenzbereich, wie sie in Mobiltelefonen zum Einsatz kommen. Allerdings werden die Funktionen dieser Halbleiter immer stärker in andere Chips integriert, so dass sich die Auslastung in dem Werk nach Angaben von Infineon immer stärker verringerte. Der Produktionsstandort München ist den Angaben zufolge "technisch überholt". Eine weitere Nutzung sei deshalb wirtschaftlich und technisch nicht sinnvoll, erklärte Infineon. Der Konzern will nun Gespräche mit dem Betriebsrat führen und in spätestens drei Monaten ein Konzept für die Schließung des Werkes erarbeiten. Ein Teil der Produktion solle in die Werke Regensburg und Villach transferiert werden. Mit der Werksschließung bahnt sich ein Konflikt mit der IG Metall an. Die Gewerkschaft kritisierte die Investitionspolitik des Konzerns. Während in den USA und Malaysia in den nächsten Jahren mehrere Milliarden Euro in Fertigungen investiert werden, seien die Fertigungsinvestitionen in Deutschland unzureichend. Der Beschluss lasse sich nicht mehr rückgängig machen, sagte Dieter Scheitor, für die IG Metall im Infineon-Aufsichtsrat, der Süddeutschen Zeitung. "Aber wir werden versuchen, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern und den Zeitplan zu strecken." Experten erwarten weitere Einschnitte. "Ich glaube, dass das nicht der letzte Schritt gewesen ist", sagte Chip-Spezialist Bernd Laux von der Bank Cheuvreux. Steigen wird der Druck vor allem auf unprofitable Werke im Logik-Geschäft. Die Börse reagierte auf die Ankündigungen mit Kursgewinne. Infineon-Aktien, die zeitweise zwei Prozent im Minus lagen, drehten ins Plus und notierten am Nachmittag mit 7,89 Euro 0,5 Prozent fester.
Der Chipkonzern verschärft seinen Sparkurs und schließt den defizitären Produktionsstandort München.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/muenchen-infineon-zieht-die-notbremse-1.907307
München - Infineon zieht die Notbremse
00/05/2010
Google ist nicht zu stoppen: Ein eigenes Bezahlsystem soll Transaktionen im Internet vereinfachen - und könnte dem Unternehmen zu noch mehr Macht verhelfen. Der Suchmaschinenbetreiber Google will mit einem neuen Dienst Zahlungen im Internet erleichtern. Damit greift die US-Firma direkt das Online-Auktionshaus Ebay an, das mit der Tochterfirma Paypal einen ähnlichen Service bietet. Analysten warnen vor einem drohenden Informationsmonopol von Google. Detailansicht öffnen Nur ein kleiner Klick - und weg ist das Geld (Foto: Foto: dpa) Checkout nennt Google einen Internet-Service, über den die Branche schon lange rätselt. Seit beinahe einem Jahr kursieren Gerüchte über den Dienst, vormals auch unter den Namen Gbuy oder Google Wallet. Nun startete der Service offiziell. Er läuft zunächst als Testbetrieb in den USA. Google arbeite daran, das System auch nach Europa und Asien zu bringen, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Durch das Bezahlsystem wolle Google den Käufern ein sicheres und einfaches Einkaufen gewährleisten, erklärte er weiter. Zugleich hofft das Unternehmen, die Verkaufszahlen bei teilnehmenden Online-Shops zu steigern. Die Informationen der Welt organisieren Checkout heißt im Englischen der Bezahlvorgang in Supermärkten. Der Google-Dienst will das virtuelle Pendant zum Einkauf im Laden um die Ecke bilden: Nutzer müssen sich nur einmal bei dem Suchmaschinenbetreiber anmelden, dort Kreditkarteninformationen und Lieferadresse hinterlegen, und können dann bei akkreditierten Händlern einkaufen, ohne jedesmal aufs Neue sensible Daten anzugeben. Experten warnten vor zu viel Macht des Unternehmens, das sich selbst zum Ziel gesetzt hat, die Informationen der Welt zu organisieren. "Microsoft wollte den Arbeitsplatz des Nutzers kontrollieren - Google strebt das Monopol über dessen Informationen an", sagte Forrester-Analystin Charlene Li. Mit Checkout greift das US-Unternehmen das Online-Auktionshaus Ebay und dessen Tochterfirma Paypal an. Das Transaktionsverfahren von Paypal verfügt bereits über mehr als 100 Millionen Mitgliederkonten. Ebay setzt das System vor allem für die Abwicklung von Zahlungen bei Internet-Auktionen ein. Rivalität in der Preisgestaltung Mittlerweile gehören aber auch Firmen wie Apple oder Dell zu Paypal-Handelspartnern. Kürzlich gab sich Ebay-Chefin Meg Whitman bei der Hauptversammlung ihres Unternehmens noch kämpferisch. "Wir schaffen den weltweiten Standard für Online-Zahlungen", sagte sie. Die Rivalität beider Systeme zeigt sich in der Preisgestaltung: Bei Checkout zahlen Händler zwei Prozent des Umsatzes und 0,20 US-Dollar pro Transaktion. Bei Paypal hingegen werden 1,9 Prozent fällig plus 0,30 US-Dollar für jeden Einkauf. Google gewährt zusätzlich Rabatt für Anzeigenkunden. "Auf diese Weise erhöht Google die Loyalität der Kunden - und indirekt die Werbeumsätze", sagte David Bradshaw, Analyst bei Ovum. Ein Gericht in Paris hat unterdessen die Rechte von Markenbesitzern innerhalb des Google-Werbeumfelds gestärkt. Google hatte auf Suchergebnisseiten zu Louis Vuitton Verknüpfungen zu Internet-Seiten von Produktfälschern eingeblendet. Der Luxuswarenhersteller Vuitton klagte dagegen und hat in zweiter Instanz erneut Recht bekommen. Die Suchmaschine muss 300 000 Euro an das französische Unternehmen zahlen.
Google ist nicht zu stoppen: Ein eigenes Bezahlsystem soll Transaktionen im Internet vereinfachen - und könnte dem Unternehmen zu noch mehr Macht verhelfen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/angriff-auf-paypal-die-geld-suchmaschine-1.919292
Angriff auf Paypal - Die (Geld-)Suchmaschine
00/05/2010
Wenn die Luxuskonzerne nicht aufpassen, haben sie bald ein Riesenproblem: Teure Labels kommen immer mehr aus der Mode. (SZ-Magazin vom 05.09.03) - Ein Bus hält an der New Yorker Fifth Avenue und heraus steigen drei Dutzend Touristen aus Oklahoma. Sie haben eine supergünstige Pauschalreise nach New York gebucht - inklusive Musical, Dinner auf dem Empire State Building und: Shopping-Nachmittag in den Boutiquen der Fifth Avenue. Detailansicht öffnen Luxus-Labels: gestern in, heute in der Bredouille. (Foto: Foto: dpa) Ohne ein paar Mitbringsel von Dior oder Burberry fahren die Touristen nicht heim nach Oklahoma. Also steigen sie aus dem Bus und eilen in das nächste klimaanlagengekühlte Geschäft, den Flagship Store von Gucci. Ein freundlicher Herr öffnet die Tür mit dem silbernen "G" drauf und begrüßt sie wie gern gesehene Gäste. Das Verkaufspersonal scheint erfreut zu sein, dass überhaupt ein paar Passanten den Weg in ihr Geschäft finden. Die Europäer haben Depressionen Denn wochentags geht nicht mehr viel in der Straße mit den weltweit höchsten Mieten: Die großzügigen Japaner bleiben neuerdings in Japan. Die Europäer haben Depressionen, die Araber fühlen sich nicht mehr willkommen in den USA und die New Yorker Internetmillionäre verkaufen jetzt selbst Klamotten bei Gap. Also bedient man neuerdings gern die Sparfüchse aus der Provinz. Für diese Art Verkaufsgespräch sind die Mitarbeiter von Gucci zwar nicht unbedingt ausgebildet, aber was soll's: Ein Pärchen steht am verchromten Tresen, er mit Kobe-Bryant-Trikot und Steghose, sie im pastellgelben Nicki-Anzug. Beide sind dick. Ihre Beine schwabbeln bei jeder Bewegung. Er: "Was haben Sie für unter hundert Dollar da?" Verkäufer: "Schlüsselanhänger, Täschchen, Handytasche und so weiter." Er: "Aber da muss Gucci draufstehen." Verkäufer: "Das steht auf all unseren Produkten." Das Pärchen entscheidet sich für die Handytasche zu 48 Dollar. Ein guter Kauf, heute gibt es alles zum halben Preis. Mit ihren Tüten trotten die beiden hinüber auf die andere Straßenseite, wo Prada und Dior locken: "Alle Teile bis zu 70% billiger." Dilemma Diese Szene, erlebt an einem Dienstag im Juli an der Fifth Avenue, zeigt das ganze Dilemma von Luxuskonzernen wie Gucci: Im ersten Quartal 2003 fiel der Umsatz bei Gucci im Vergleich zum bereits miserablen Vorjahr um sieben Prozent, das Unternehmen machte zum ersten Mal einen Verlust im operativen Geschäft, seit es vor acht Jahren eine Aktiengesellschaft wurde: 24,4 Millionen Euro verlor der zweitgrößte Luxuskonzern der Welt in drei Monaten. Dem Marktführer, der französischen Gesellschaft Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH), gelang es nur durch Verkäufe von Unternehmensteilen, seine Schulden im letzten Jahr um rund zwei Milliarden Dollar zu reduzieren. Und Prada, der dritte große Konzern, verschob seinen Börsengang schon zum dritten Mal. Der schwache Markt sei schuld, sagte Prada. Doch nun wird es eng. Ist der Börengang bis 2005 nicht vollzogen, muss Prada seinen Investoren mehr als 800 Millionen Dollar an Obligationen zurückzahlen. Der Vorstandsvorsitzende von Gucci, Domenico De Sole, erklärt den dramatischen Einbruch mit der Weltlage: "Wir stehen einer schwachen Konjunktur, der Angst vor Terror, einem Krieg und einer Seuche gegenüber, die die Leute vom Reisen abhielt - alles Dinge, auf die wir keinen Einfluss haben. Wenn das vorbei ist, geht es wieder aufwärts. Spätestens im Herbst." De Sole gilt als der cleverste Manager der Branche und vermutlich weiß er ganz genau, dass die Krise nicht einfach mit dem Krieg im Irak und SARS verschwinden wird. Bernard Arnault, Chairman bei LVMH, sieht die Lage realistischer. Der Branchenzeitung Women's Wear Daily sagte er: "Unsere Industrie ist in einer heiklen, ja vielleicht in einer alles entscheidenden Phase. Aber leider sind die Umstände so unüberschaubar, dass kein Mensch voraussagen kann, was die nächsten Jahre bringen." Früher Luxus, heute Massenware Das wahre Problem von De Sole, Arnault und ihren Kollegen lautet: Sie haben in ihrer Gier die Luxusfirmen zu Massenproduzenten umgeformt - und damit ihr wertvollstes Kapital zerstört: die Exklusivität. Der Käufer eines Kleides von Dior oder einer Tasche von Louis Vuitton möchte nicht nur eine elegante Tasche kaufen oder ein sexy Kleid, sondern das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu besitzen. Doch wenn die Nachbarin, die Kollegin und die Tante das gleiche Teil tragen, macht es keinen Spaß, Tausende von Euros dafür zu bezahlen. Je mehr uninteressante Menschen die Produkte einer bestimmten Marke tragen, desto weniger wird diese Marke begehrt. Das Mailänder Beratungsunternehmen InterCorporate veröffentlichte gerade eine Studie zur Lage der Luxus-industrie: Seit zwei Jahren stagniert der Umsatz bei sechzig Milliarden Dollar; gleichzeitig entstehen weltweit neue teure Boutiquen; Firmen wie Dior, Versace, Givenchy oder Burberry verwässern ihr Image mit Billiglinien (Thomas Burberry) und Einsteigerprodukten (Schlüsselanhänger bei Givenchy für dreißig Euro). Nur die superteuren Marken, die sich wie Hermès oder Chanel an die wirklich Reichen wenden, haben noch Erfolg. Die neue Gleichgültigkeit der Kunden Doch das schlimmste Phänomen dieser neuen Epoche ist die Gleichgültigkeit der Kunden. Wer vor einigen Jahren eine Party in der Medien/Kunst/Film/Musik-Welt besuchte, konnte davon ausgehen, dass jeder Gast informiert war über die jüngste Kollektion seines Lieblingsdesigners. Menschen waren stolz, sich mit Mode auszukennen, guter Geschmack war damals wichtiger als ein guter Witz. Das ist vorbei, die Mode ist sozusagen aus der Mode, sie langweilt einfach nur noch. Es gibt schließlich so viele spannendere Themen auf der Welt: Wie finde ich einen neuen Job? Oder: Wird Bush uns alle umbringen? Der Ursprung der McDonaldisierung des Luxus war eine irrwitzige Wachstumsstrategie, die die Konzerne in den Neunzigern verfolgten: Angefeuert von den Milliarden, die die Börsengänge einbrachten, übernahmen sie im Monatstakt neue Firmen und bauten für diese weltweit identische Boutiquen. De Sole und sein Partner Tom Ford kauften für Gucci unter anderem Yves Saint Laurent, Balenciaga, Bottega Veneta und finanzierten Stella McCartney und Alexander McQueen eigene Labels. Tom Ford erklärte vor zwei Jahren, dass ein Luxuskonzern nur überleben könne, wenn er mit vielen Marken operiere, denn eine Marke habe nur eine begrenzte Lebensdauer. Sein berühmter Spruch lautete: "Mein Ziel ist es, die Welt zu beherrschen mit meinem Stil." Geblieben ist mit Gucci eine Marke, die wegen Massenverbreitung ihren Glanz verloren hat. Bombastische Filialen - leider menschenleer Noch in diesem Jahr haben Stella McCartney, Alexander Mc-Queen und Balenciaga in New York bombastische Filialen eröffnet und man kann dort Stunden verbringen, ohne einen Kunden anzutreffen. Im August wurden die Preise zum dritten Mal innerhalb von Monaten gesenkt: Ein 400-Dollar-T-Shirt von Balenciaga hängt jetzt für achtzig Dollar im Laden. Trotzdem will es keiner haben. Und bei Louis Vuitton hängen in jedem Laden überall auf der Welt die gleichen braunen Beutel mit den goldenen LV-Logos. Aber beinahe jede Frau in der zivilisierten Welt hat schon so ein Teil. Also druckt LV neuerdings bunte Logos auf weiße Taschen. Auf diese Weise sind sie immerhin noch ein paar Millionen Exemplare losgeworden. Wie soll es nur weitergehen mit der Luxusindustrie? An der Produktion zu sparen lohnt nicht, denn die macht ohnehin nur zehn Prozent der Kosten aus (zum Vergleich: Ins Marketing gehen vierzig bis fünfzig Prozent). Die Qualität der Stücke ist oft so miserabel, dass die Sachen nicht mal die erste Reinigung überstehen. Luxusfirmen lassen in Billiglohnländern produzieren Wer jemals ein Kleid von Balenciaga oder ein Hemd von Helmut Lang gewaschen hat, weiß, wie teuer schlampige Verarbeitung sein kann. Große Teile ihrer Kollektionen und Lizenzprodukte produzieren die Luxusfirmen in Billiglohnländern. Nicht mal das "Made in Italy"-Zeichen am Kragen stellen sie in Italien her. Aber weil es in Italien eingenäht wird, gilt dann der ganze Pullover als "Made in Italy". Trotz all dieser Probleme ist nirgends ein Aufbruch oder eine Vision erkennbar. Raf Simmons blamiert sich mit einer Terroristen-Kollektion und der Texaner Tom Ford schlägt für Gucci den "George Bush hackt Holz auf seiner Farm"-Stil vor. Überhaupt dieser Tom Ford: Er lässt sich gern als das Designgenie seiner Generation feiern, doch seine Arbeit hat wie die keines anderen dazu beigetragen, dass sich immer weniger Leute für Mode interessieren. Nachdem er sich im Januar 2000 zum Chefdesigner der Pariser Mode-Institution Yves Saint Laurent (YSL) ernannt hatte, lautete sein Auftrag an die Designabteilung angeblich, man solle mal bitte ins Archiv gehen, ein paar schicke Teile aus den Sechzigern zusammensuchen, dann die Ausschnitte grö-ßer und die Röcke kürzer machen und das in allen Farben produzieren lassen. YSL als Softporno Am Tag vor der Modeschau kreuzte Ford wieder auf und suchte aus dem riesigen Haufen Klamotten die freizügigsten Teile aus. YSL sah plötzlich aus wie eine Softporno-Version von Gucci. Einziger Weg aus der Krise, so scheint es, sind neue Konzepte für den Vertrieb. Doch die Manager tun sich schwer damit zu erahnen, in welcher Umgebung die Kunden in Zukunft einkaufen wollen. Prada entschied sich Mitte der Neunziger für das Konzept "Stararchitekt entwirft Shopping-Palast". Der Laden von Rem Koolhaas in New York enttäuschte allerdings, ebenso der von Herzog & de Meuron in Tokio. Ein ähnliches Konzept für San Francisco hat Prada vor kurzem abgeblasen. Geschäftsführer Patrizio Bertelli erklärte, die Welt brauche im Moment keine neuen Geschäfte, die Mode wie moderne Kunst präsentieren. Louis Vuitton hat zwar soeben am Hamburger Neuen Wall auf vier Stockwerken eine gigantische Boutique eingeweiht, das Konzept stammt allerdings aus der Zeit, als vor den Geschäften in Paris, Mailand und Rom Horden japanischer Touristen auf Einlass warteten. Offensichtlich hat sich die Kofferfirma entschlossen, einfach so weiter zu expandieren wie bisher. Nur mit erhöhtem Tempo. Einen anderen Weg gehen Chanel und Versace. Sie schließen unrentable Läden und eröffnen intime Geschäfte mit individuellem Design. Paola Durante, bei Merrill Lynch als Analystin für die Luxusbranche beschäftigt, prophezeite der New York Times, dass dieser Weg die Zukunft sei: "Die Leute wollen in einer fremden Stadt Läden finden, die anders aussehen als die zu Hause." Sehnsucht nach Individualität Die Sehnsucht nach mehr Individualität und weniger Corporate Identity verhilft sogar Kleinstfirmen zu Erfolgen. Im Mai eröffnete Loulou de la Falaise ein Geschäft für ihre eigenen Entwürfe. Sie hatte dreißig Jahre lang Yves Saint Laurent als Muse gedient und wurde so zur Ikone der Modewelt. Ihr Geschäft sieht aus wie ein Rokokozimmer und ihre Mode ist für die meisten Menschen untragbar. Doch Suzy Menkes, die gnadenlose Kritikerin von der International Herald Tribune, feierte sie: "Ein Geschäft mit einer persönlichen Handschrift ist heute der ultimative Luxus für stilbewusste Menschen. Die weltweite Verbreitung von Luxusketten, das war in den Neunzigern. Dieses Jahrhundert handelt von Originalität." Unterdessen hat sich auch Tom Ford eine Strategie gegen die Krise überlegt: Er verkaufte für 38 Millionen Dollar einen Teil seiner Gucci-Aktien - allerding zu einem Kurs, der deutlich niedriger war als der Höchststand aus dem Jahr 2000.
Wenn die Luxuskonzerne nicht aufpassen, haben sie bald ein Riesenproblem: Teure Labels kommen immer mehr aus der Mode.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neuer-trend-marken-sind-out-1.903599
Neuer Trend - Marken sind out
00/05/2010
Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft will Otto mit seiner Hermes-Logistik der Deutschen Post im Paketdienst bundesweit Konkurrenz machen. (SZ vom 05.09.03) - Ab Herbst bundesweiter Paketdienst auch für Private / Versandhandel trotzt der Flaute Trotz der hartnäckigen Konsumflaute glaubt die Otto-Gruppe, Umsatz und Ertrag in diesem Jahr mindestens halten zu können. Das Internet-Geschäft wird ausgebaut. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft will Otto mit seiner Hermes-Logistik der Deutschen Post im Paketdienst bundesweit Konkurrenz machen. Schon jetzt ist die Hermes-Logistik der Hamburger Otto-Gruppe der zweitgrößte Paketversender Deutschlands. Im B2C-Geschäft, also dem Versand von Firmen zu Privatkunden, wird jedes dritte Paket über Hermes zugestellt. Das Drittgeschäft - die Bereitstellung der Logistik für andere Firmen - macht im Moment rund 20 Prozent der Kapazitäten aus. Vor zwei Jahren waren es noch zehn Prozent. Keine Kapazitätsgrenze Konzernchef Michael Otto plant einen "zügigen Ausbau" dieses Geschäfts. Eine Kapazitätsgrenze gibt es praktisch nicht. Nach einer Testphase in München und Hannover, die "ausgesprochen gut angenommen" wurde, wird Hermes die Logistik zum Herbst auch Privatkunden anbieten. An den bundesweit mehr als 9000 Paketshops können dann Pakete abgegeben werden; Otto bietet aber auch die Abholung zuhause an. Zu den Preisen sagt Otto wenig: Die Tarife seien mal günstiger, mal ungünstiger als die der Deutschen Post. Die aktuellen Zahlen des Einzelhandels deuten keine Belebung an. Im ersten Halbjahr stagnierte das Geschäft, im Juli lag es deutlich unter dem Vorjahr. Hoffnungsträger Online-Handel In dem für Otto bedeutenden Segment Textilien, Bekleidung, Schuhe lag das Minus im Halbjahr bei 3,2 Prozent. Otto verbuchte in dieser Zeit in Deutschland einen Rückgang von zwei Prozent, rechnet aber mit einer Belebung bis Jahresende, sodass insgesamt der Umsatz mindestens gehalten werden könnte. Besondere Hoffnung ruht dabei auf dem ständig wachsenden Online-Handel. Für den Ertrag sieht Otto 2003 eher noch eine Steigerungsmöglichkeit. Im vergangenen Geschäftsjahr (28.2.) schrumpfte der Gruppenumsatz um 0,8 Prozent auf 19,19 Milliarden Euro. Der Konzern (ohne Fegro/Selgros und Zara) lag mit 16,09 Milliarden Euro um 2,5 Prozent unter dem Vorjahr. Der Jahresüberschuss verbesserte sich zwar um 25,9 Prozent auf 233 Millionen Euro, reichte damit aber noch nicht wieder an das vorvergangene Geschäftsjahr (257 Millionen Euro) heran. Herbe Einbußen im vergangenen Jahr Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Otto herbe Einbußen erlitten, da hohe Anlaufverluste von E-commerce-Töchtern verkraftet werden mussten. Die diesjährige Verbesserung erklärt Otto mit strikten Sparmaßnahmen quer durch die Gruppe. Wesentlichen Anteil hatte auch eine Verbesserung der Rohertragsmarge - dank billigeren Einkaufs in China statt in Taiwan. Zu der in Schwierigkeiten steckenden amerikanischen Spiegel-Gruppe, an der die Familie Otto mit 85 Prozent beteiligt ist, wollte Otto sich mit Hinweis auf die laufende Restrukturierung nicht äußern. Der 1865 gegründete Versand- und Stationärhändler hatte im Frühjahr Gläubigerschutz gemäß Chapter 11 beantragt. Ursache der Probleme war ein stark expandierendes Kreditkartengeschäft der zu Spiegel gehörenden Bank für Verbraucherkredite FCNB. Da viele Kunden wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage zahlungsunfähig wurden, stiegen die Schulden der Bank erheblich. Einige Banken des Konsortiums, bei dem die FCNB sich refinanziert, wollten schließlich die Kredite nicht mehr verlängern. Die Otto-Gruppe selbst ist davon nicht berührt, da Spiegel nicht konsolidiert wird.
Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft will Otto mit seiner Hermes-Logistik der Deutschen Post im Paketdienst bundesweit Konkurrenz machen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/paketdienst-otto-macht-der-post-konkurrenz-1.902861
Paketdienst - Otto macht der Post Konkurrenz
00/05/2010
Ein Unternehmen aus Peine will den Menschen im Irak helfen und am Wiederaufbau Geld verdienen — aber der Widerstand ist massiv. Immer, wenn Tony Zraiqat die Grenze zwischen Jordanien und dem Irak überquert, zückt er seinen amerikanischen Pass. Das macht ihn unverdächtig. Viele Jahre hat der Jordanier in den Vereinigten Staaten gearbeitet, der Pass ist ein nützliches Überbleibsel, ein Sesam-öffne-Dich in dieser Nachkriegszeit. Früher war es umgekehrt, da hatte er ihn bei Reisen in den Irak immer verstecken müssen, hatte nur seine jordanischen Papiere gezeigt und Arabisch gesprochen. Heute ist eben vieles anders. Zraiqat ist Unternehmer und auf dem Weg nach Bagdad. Der 40-Jährige arbeitet als Leiter der Ammaner Büros für den Brunnenbau-Zulieferer German Water and Energy (GWE). Die GWE ist eine deutsche Firma mit Sitz in Peine. Keine optimale Voraussetzung in diesen Zeiten, in denen deutsche Firmen bei amerikanischen Soldaten nicht den besten Ruf genießen. Weshalb der Jordanier nicht nur den amerikanischen Pass zückt, wann immer es nötig ist, sondern auch seinen deutschen Arbeitgeber so lange wie möglich verschweigt. Besser als gedacht Am 8. Juni hat die Coalition Provisional Authority (CPA), die amerikanische Zivilverwaltung, den Irak de facto zur Freihandelszone erklärt. Bis Ende des Jahres werden keine Zölle erhoben, um die Wirtschaft zu stimulieren. Auch die Firma in Peine will davon profitieren. Und so fährt Zraiqat alle zwei Wochen in den Irak, um die niedersächsische Firma mit den 300 Mitarbeitern wieder ins Geschäft zu bringen. Bereits im Herbst, lange vor dem Krieg, hatte das Iraker Landwirtschaftsministerium einen Spezialbohrer bei GWE bestellt, der den Brunnenbau erleichtert. Längst war der Auftrag von den deutschen Behörden bewilligt worden, denn er entsprach den strengen Auflagen des UN-Programms Öl-für-Lebensmittel. Doch seit der Krieg vorbei ist, wartet man in Peine vergeblich auf eine Genehmigung der Amerikaner. "Unsere Unterlagen liegen da irgendwo in einem Office in New York, und wir können nichts tun," beklagt sich Michael Stötzel. Der 35-Jährige leitet den Bereich Nahost. Zwanzig Prozent des jährlichen 50-Millionen-Euro-Umsatzes macht GWE dort. Stötzel versteht nicht, dass die Amerikaner so lange für die Genehmigung brauchen. "Mensch, die brauchen das Ding doch da unten." So, wie die GWE den Zehn-Millionen-Auftrag braucht, der schon fest im Budget eingeplant war. Immerhin sind nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) die Chancen für deutsche Firmen im Irak besser als zunächst vermutet. Es gebe gute Geschäftsmöglichkeiten, heißt es in einer soeben veröffentlichten Studie. Ursprünglich war erwartet worden, dass Wiederaufbau-Projekte ausschließlich an US-Firmen und Unternehmen aus Ländern vergeben werden, die sich am Krieg gegen Saddam beteiligt hatten. In der Studie wird nun betont, dass sowohl die Vereinten Nationen als auch die US-Übergangsverwaltung bereits Wiederaufbauprojekte international ausgeschrieben haben. Das ist die Theorie. In der Praxis ist für Zraiqat das Geschäft im Irak mit Angst verbunden: Angst, während der Reise auf dem knapp 1000 Kilometer langen Highway zwischen Amman und Bagdad überfallen zu werden. Angst vor einem Unfall, wenn der Jeep mal wieder zu schnell fährt, Angst vor Minen. "Das alles ist saugefährlich", sagt Stötzel, der sich zu Hause in Peine ans Telefon klemmt, wenn seine Kollegen "irgendwo in der Wüste" sind. Stötzel würde selbst fliegen, aber noch gibt es keine zivilen Flüge in den Irak. Vor vier Wochen hat die Lufthansa eine Landelizenz für den Bagdader Flughafen bei der amerikanischen Zivilverwaltung beantragt, doch auch hier ist bisher nichts entschieden. Stötzels Mitarbeiter Tony Zraiqat hat gerade durchgegeben, wie es aussieht in Bagdad. Zäh und schmierig lastet die Hitze auf der Stadt. Seit der großen Plünderung nach dem Krieg funktionieren die Pumpen der Kläranlagen nicht mehr. Strom gibt es nur wenige Stunden am Tag, und in vielen Häusern tröpfelt das Wasser spärlich aus den Hähnen. Alltag drei Monate nach Kriegsende. Zäh und schmierig gestalten sich auch die Geschäfte. Alte Geschäftspartner sind verschwunden, neue noch nicht aufgespürt. "Zurzeit suchen wir händeringend Ansprechpartner", sagt Stötzel. Hätte man erst einmal Leute gefunden, laufe vieles über Mundpropaganda - wobei der eine oder andere kleine Geldbetrag hilfreich sein kann. Doch selbst mit dem Schmiergeld sei das nicht mehr wie früher, als das "Bakschisch" noch vieles erleichterte. "Wir wissen nicht mal mehr, wen wir überhaupt schmieren sollen." Nicht alle Firmen haben es so schwer, wenn sie im Irak Fuß fassen wollen. Aufträge im Wert von zwei Milliarden Dollar hat die amerikanische Entwicklungshilfe-Organisation US-Aid gleich nach Kriegsende ausgeschrieben. Alle bisher erteilten Zuschläge gingen an US-Firmen. Eine Zusage über 680 Millionen für Wiederaufbau-Projekte erhielt zum Beispiel der amerikanische Baukonzern Bechtel. Chancen als Subunternehmer Doch ob es sich nun um die Flughäfen in Bagdad und Basra handelt oder um die Eisenbahnlinie von Mosul nach Bagdad - Bechtel kann die Vorhaben allein nicht bewältigen, weshalb die amerikanische Firma 90 Prozent der Aufträge für Subunternehmer ausgeschrieben hat. "Eine Riesenchance für deutsche Unternehmen", sagt Jürgen Münker, Referatsleiter Nahost der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Berlin. "Augenwischerei", sagt Stötzel dazu. Mit seiner Kritik steht Stötzel nicht allein:"Das heißt hier überall ,zur Hölle mit den Deutschen!'", sagt ein Berliner Unternehmer, der Energieanlagen im Irak verkaufen möchte und auf gar keinen Fall namentlich genannt werden will. Er fürchtet um den Verlust der Aufträge. Bereits vor dem UN-Embargo lieferte der Berliner - wie viele andere deutsche Firmen - seine Produkte in den Irak. Laut Statistischem Bundesamt betrug der Wert der Ausfuhren 1989 mehr als 1,1 Milliarden Euro. Während des ersten Golfkriegs schrumpften die Ausfuhren auf sechs Millionen zusammen und stiegen nur langsam wieder auf 410 Millionen Euro im Jahr 2002. Viele deutsche Firmen haben noch Kontakte in den Irak, und nötig wäre das Engagement der nahosterfahrenen Unternehmer allemal: "50 bis 100 Milliarden US-Dollar" koste allein der Wiederaufbau der Infrastruktur, verkündete der amerikanische Zivilverwalter Paul Bremer kürzlich. Jahre wird es dauern, bis die wirtschaftlichen Lebensadern erneuert sind, dringend werden sie gebraucht, die Kraftwerkbauer, Logistikunternehmen und Energielieferanten. In Peine glaubt man nicht daran, dass die Amerikaner deutsche Firmen am Wiederaufbau verdienen lassen. Daher geht Stötzel nun andere Wege: Gemeinsam mit einer UN-Organisation will er die zur Wassergewinnung nötigen Anlagen in den Irak bringen. Dazu hat er bereits mit der in Rom ansässigen Food and Agriculture Organization (FAO) telefoniert. Die FAO kümmert sich im Irak seit Kriegsende wieder um die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Das Peiner Unternehmen könnte Glück haben: Durch den Aufruf des UN-Generalsekretärs Kofi Annans kamen zwei Milliarden US-Dollar zusammen, gespendet von der internationalen Staatengemeinschaft. "Viele nichtstaatliche Organisationen suchen dringend Subunternehmer", sagt Nahost-Experte Münker. Der Jordanier Zraiqat wird Ende der Woche zurück in Amman sein. Dann wird er viel diskutiert und gefeilscht haben, wahrscheinlich ohne zählbaren Erfolg. Gewiss ist nur eines: Seinen amerikanischen Pass wird er bei der Einreise nach Jordanien nicht brauchen.
Ein Unternehmen aus Peine will den Menschen im Irak helfen und am Wiederaufbau Geld verdienen — aber der Widerstand ist massiv.
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Irak - Zur Hölle mit den Deutschen
00/05/2010
Die Deutschen zeigen in ihren Einstellungen zur Gesellschaft erstaunlich wenig Unterschiede. Die Reform des Sozialstaats macht vielen Deutschen Angst. Sie sorgen sich, dass die soziale Gerechtigkeit unter die Räder kommen könnte. Aber was verstehen sie eigentlich unter diesem Begriff? (16.10.03) — Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat für die SZ in einer Umfrage versucht, diese Frage zu klären. Grundlage der DIW-Untersuchung über die Vorstellung der Deutschen von sozialer Gerechtigkeit ist eine Umfrage aus dem vergangenen Sommer unter 846 zufällig ausgewählten Bürgern, die mindestens 16 Jahre alt sind. Die Befragung durch Infratest Sozialforschung (München) fand statt im Rahmen einer Sonderstudie des am DIW Berlin geführten Sozio-ökonomischen Panels (SOEP). Auffallend ist dabei, dass die Befragten sehr klare, aber auch auf den ersten Blick widersprüchliche Vorstellungen haben: Der Vorgabe "Soziale Gerechtigkeit bedeutet, dass alle Bürger die gleichen Lebensbedingungen haben" stimmten 67 Prozent ganz oder teilweise zu. Leistungsanreiz Geld Praktisch genau so große Zustimmung (69 Prozent) fand der Satz: "Ein Anreiz für Leistung besteht nur, wenn die Unterschiede im Einkommen groß genug sind". Dabei sind die Unterschiede in der Beurteilung der sozialen Gerechtigkeit kleiner als man vermuten könnte. 71 Prozent der Ostdeutschen stimmten dem eher egalitären Leitbild ("gleiche Lebensbedingungen für alle") zu, aber immerhin auch 66 Prozent der Westdeutschen. Ein Indiz für Stimmungen mag die Tatsache sein, dass 14 Prozent das Bekenntnis zu Einkommensunterschieden vollkommen ablehnten, aber nur 4 Prozent der Ostdeutschen. Der Satz wurde im übrigen von jungen Menschen (bis 35) stärker in Frage gestellt als im Durchschnitt (29 Prozent lehnten den Satz eher ab, 9 Prozent vollkommen, gegenüber 25 und 6 Prozent im Durchschnitt). Resignation im Alter Darüber hinaus gibt es aber für alle Aspekte des Gerechtigkeits-Themas vergleichsweise nur geringe Unterschiede je nach Alter. Am Deutlichsten ist der Alterseffekt bei der Einschätzung "Es ist zwecklos, sich über soziale Gerechtigkeit zu streiten, weil sich die Verhältnisse doch nicht ändern lassen." 49 Prozent der Jungen stimmten diesem Satz ganz oder teilweise zu, aber 65 Prozent der 46- bis 55-Jährigen. Deutlicher waren die Unterschiede nach dem Geschlecht: Frauen sind deutlich "sozialer" eingestellt als Männer. 61 Prozent der männlichen Befragten stimmten der Forderung nach gleichen Lebensbedingungen ganz oder teilweise zu, aber 73 Prozent der Frauen. Praktisch ohne Gegenstimmen wird die Aussage abgelehnt, dass die Kinder Wohlhabender bessere Chancen haben sollten. Soziale Politik muss also nach den Vorstellungen der Deutschen Chancengleichheit über ein ausreichendes und angemessenes Bildungsangebot herstellen. Ostdeutsche sozialer eingestellt Zu ihren Ergebnissen schreiben die DIW-Forscher Jürgen Schupp und Gert G. Wagner: "Erwartungsgemäß sind in Ostdeutschland die Befragten sozialer eingestellt - wir halten die Differenzen aber für überraschend gering." Bei der Unterscheidung nach dem Erwerbsstatus sei nicht überraschend, dass Selbstständige weniger "sozial" eingestellt seien als andere Gruppen. Aber auch in der Gruppe der Selbstständigen überwiege eine soziale Einstellung ganz deutlich. Auch Selbstständige lehnten überwiegend bessere Chancen für die Kinder Wohlhabender ab - wenn auch weniger deutlich als abhängig Beschäftigte. Insgesamt scheinen die Deutschen nach diesem Meinungsbild in ihren Vorstellungen von der Gesellschaft erstaunlich homogen zu sein.
Die Deutschen zeigen in ihren Einstellungen zur Gesellschaft erstaunlich wenig Unterschiede. Die Reform des Sozialstaats macht vielen Deutschen Angst. Sie sorgen sich, dass die soziale Gerechtigkeit unter die Räder kommen könnte. Aber was verstehen sie eigentlich unter diesem Begriff?
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sz-serie-zur-gerechtigkeit-folge-16-gleiche-chancen-und-leistungsanreize-1.904173
SZ-Serie zur Gerechtigkeit, Folge 16 - Gleiche Chancen und Leistungsanreize
00/05/2010
Künftig sollen nicht mehr die Länder die Steuern von Bürgern und Unternehmen eintreiben, sondern es soll der Bund tun — und zwar über eine eigenständige nationale Steuerbehörde. Die Regierung erhofft sich davon Mehreinnahmen. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) will im Zuge der Föderalismusreform einen weitreichenden Vorschlag zur Neugestaltung der Finanzverwaltung machen. Gleiches Gesetz für alle... Ein Sprechers Eichels bestätigte am Sonntag einen Bericht des Spiegel, wonach in einem Grundsatzpapier des Ministeriums "die Gründung einer formal eigenständigen nationalen Steuerbehörde" vorgeschlagen wird. Demnach sollen künftig nicht mehr die Länder die Steuern von Bürgern und Unternehmen eintreiben, sondern der Bund. Das Grundsatzpapier werde derzeit auf Fachebene mit den Ländern diskutiert, sagte der Ministeriumssprecher. Ziel sei die "gleichmäßige Anwendung der Steuergesetze", die durch die unterschiedliche Ausstattung der Länder derzeit noch "teilweise erschwert" werde. ...soll "signifikante Mehreinnahmen" bringen Bei einer Umsetzung werde mit "signifikanten Mehreinnahmen" gerechnet. Der Sprecher äußerte sich allerdings skeptisch zur Durchsetzbarkeit des Vorschlags. Aus den Ländern komme bereits jetzt Widerstand beispielsweise in Fragen der Harmonisierung der Datenverarbeitung. Als Vorteile einer zentralen Finanzverwaltung nannte der Spiegel unter anderem eine effizientere Steuerprüfung. Zudem könnte die Steuerverwaltung über bisherige Ländergrenzen hinweg auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten werden, wie beispielsweise Unternehmen einer bestimmten Branche. Dem zitierten Papier zufolge könnten die "insgesamt realisierbaren, erheblichen Effzienzgewinne" zur Steuersenkung genutzt werden.
Künftig sollen nicht mehr die Länder die Steuern von Bürgern und Unternehmen eintreiben, sondern es soll der Bund tun — und zwar über eine eigenständige nationale Steuerbehörde. Die Regierung erhofft sich davon Mehreinnahmen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eichels-neue-plaene-die-welt-der-steuer-in-einer-hand-1.902631
Eichels neue Pläne - Die Welt der Steuer in einer Hand
00/05/2010
Wenn Privatanleger heuer knapp zwölf Milliarden Euro in geschlossene Fonds investieren, sind das gut zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Dies bedeutet aber nicht, dass die Fondsinitiatoren eben nur diesen Betrag ausgeben, etwa für Gewerbeimmobilien, Containerschiffe und Tanker, Windräder, Filmproduktionen und gebrauchte Lebensversicherungen. Der jeweilige Fonds an sich hat in der Regel auch eine ansehnliche Fremdkapitalquote. Üblicherweise stammt das Investitionsvolumen eines geschlossenen Fonds - je nach Segment - zur Hälfte von den Investoren und Kredit gebenden Banken. Mit - angenommenen - 500 Millionen Euro Eigenkapital lassen sich also um die eine Milliarde Euro Investitionsvolumen bewegen. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Einer der naheliegenden: Für den Fondsanbieter ist es einfacher, 500 Millionen statt einer Milliarde Euro einzusammeln. Steuerliche Vorteile Zweiter Grund: Wie bei Direktinvestitionen - zum Beispiel in das vermietete Mehrfamilienhaus um die Ecke - bringt Fremdkapital steuerliche Vorteile, weil die Schuldzinsen auch auf Fondsebene von den Einnahmen abgezogen werden und deshalb dem Investor Steuerersparnisse bescheren. Zusammen mit den üblichen Abschreibungen auf das Investitionsgut ergeben sich mehr oder weniger hohe Anfangsverluste, die der Anleger bis zu bestimmten Grenzen mit seinem restlichen Einkommen verrechnen darf. Nicht unterschätzt werden darf auch der so genannte Hebeleffekt, der aus einer relativ hohen Fremdkapitalquote resultiert. Durch sie lässt sich demnach die Rendite auf das von Anlegern eingesetzte Eigenkapital deutlich liften. Letztlich ein Zinsdifferenz-Geschäft, sofern der Preis fürs Fremdgeld spürbar unter der operativen Rendite des Investitionsgutes liegt. Niedrige Zinsen Bei niedrigen Zinsen scheint eine relativ hohe Fremdfinanzierungsquote derzeit besonders lukrativ. Vorsicht: Kredite haben eine Laufzeit von fünf oder zehn Jahren und müssen somit mindestens einmal umgeschuldet werden, bevor der Fonds aufgelöst wird. Deshalb ergeben sich aus der Anschlussfinanzierung Risiken für den Fondsanleger. Dann nämlich, wenn die Kreditzinsen zum Umschuldungszeitpunkt deutlich höher liegen als zu Beginn.
Wenn Privatanleger heuer knapp zwölf Milliarden Euro in geschlossene Fonds investieren, sind das gut zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lexikon-der-geschlossenen-fonds-3-eigenkapital-1.906240
Lexikon der geschlossenen Fonds (3) - Eigenkapital
00/05/2010
Runter mit den Sätzen, weg mit den Schlupflöchern: Der Bund senkt die Steuern - und holt sich gleich einen Teil wieder zurück. Für Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ist es eine Selbstverständlichkeit: Er senkt die Steuersätze für Unternehmen - aber holt sich einen Teil dessen, was dies den Fiskus kostet, wieder zurück. Die Steuersenkungen, die der Bundestag an diesem Freitag endgültig beschließt, würden für sich genommen etwa 30 Milliarden Euro kosten. Das ist Steinbrück, aber auch Ländern und Kommunen zu viel. Deshalb wird die Große Koalition zu Beginn des nächsten Jahres auch zahlreiche Steuervergünstigungen und Schlupflöcher schließen. Damit wird das Minus, wie von der SPD verlangt, auf fünf Milliarden Euro begrenzt. Allerdings: Die niedrigeren Sätze wirken sofort, viele Gegenfinanzierungsmaßnahmen jedoch erst nach und nach. Deshalb werden die Ausfälle nach Schätzungen des Finanzministeriums im nächsten Jahr, wenn Steinbrücks wichtigste Reform in Kraft tritt, zunächst rund 6,5 Milliarden Euro betragen, erst in den Jahren danach schrumpft die Lücke auf fünf Milliarden Euro. Langfristig soll die Reform allerdings sogar Mehreinnahmen bringen, weil sie das Wachstum ankurbelt. Entlastungen, die auf Unternehmen ab 2008 zukommen Körperschaft- und Gewerbesteuer: Für Aktiengesellschaften und GmbHs sinkt die Gesamtbelastung vom kommenden Jahr an von durchschnittlich 38,7 auf 29,8 Prozent. Damit rückt Deutschland innerhalb Europas vom Tabellenende ins Mittelfeld vor. Konkret sieht das Gesetz eine Reduzierung des Körperschaftsteuersatzes von 25 auf 15 Prozent und eine Senkung der Gewerbesteuermesszahl von 5,0 auf 3,5 Prozent vor. Thesaurierungsrücklage: Auch für Personengesellschaften soll die Steuerlast verringert werden: Große und ertragsstarke Firmen profitieren davon, dass nur noch bei ausgeschütteten Gewinnen der persönliche Einkommensteuersatz des Eigentümers von bis zu 45 Prozent greift. Dagegen werden im Unternehmen verbleibende Erträge nur noch mit 28,3 Prozent belastet. Damit soll die Eigenkapitalbasis der Betriebe gestärkt werden. Löst das Unternehmen diese sogenannte "Thesaurierungsrücklage" später ganz oder teilweise auf und schüttet das Geld an die Eigentümer aus, werden noch einmal 25 Prozent Abgeltungsteuer fällig. Investitionsabzugsbetrag: Kleine und mittlere Personengesellschaften, die das Gros der Wirtschaft bilden, profitieren von einer verbesserten Ansparabschreibung: Ab 2008 können für künftige Investitionen bis zu 235.000 Euro steuermindernd zurückgestellt werden. Experten bezweifeln allerdings, dass die Unternehmen in großem Stil davon Gebrauch machen werden. Gewerbesteuerschuld: Personengesellschaften können ihre Gewerbesteuerzahlungen in größerem Umfang als bisher auf die Einkommensteuerschuld anrechnen. Dafür kann die Gewerbesteuerschuld nicht mehr von der eigenen Bemessungsgrundlage abgezogen werden. Belastungen, die auf Unternehmen ab 2008 zukommen Zinsschranke: Sie soll verhindern, dass über konzerninterne Verschiebereien Kosten nach Deutschland und Gewinne in ausländische Steueroasen verlagert werden. Deshalb wird der Fiskus Zinsaufwendungen nur noch teilweise anerkennen. So darf der Saldo aus Zinszahlungen und -erträgen den Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen nur um maximal 30 Prozent schmälern. Um nicht die Falschen zu treffen, gibt es einen Freibetrag von einer Million Euro. Zudem greift die Schranke nicht, wenn der gesamte Konzern viel investiert und daher hohe Zinskosten zu schultern hat.
Runter mit den Sätzen, weg mit den Schlupflöchern: Der Bund senkt die Steuern - und holt sich gleich einen Teil wieder zurück.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/steuerreform-was-auf-die-unternehmen-zukommt-1.904466
Steuerreform - Was auf die Unternehmen zukommt
00/05/2010
Die Bundesbürger müssen sich nach der jüngsten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts auf weitere Erhöhungen der Rundfunkgebühren einstellen. Allerdings geloben die Sender vorläufig noch Zurückhaltung. Die öffentlich-rechtlichen Sender seien durch die von den Bundesländern festgelegten Abgaben um Einnahmen in Millionenhöhe gebracht worden, urteilte das Bundesverfassungsgericht am Dienstag in Karlsruhe. Die im April 2005 geringer als von den Anstalten gewünscht erhöhten Gebühren seien verfassungswidrig. Das Grundrecht auf Rundfunkfreiheit sei verletzt worden. 440 Millionen Euro weniger Den Öffentlich-Rechtlichen entgehen nach Angaben des Gerichts in der laufenden Gebührenperiode Einnahmen in Höhe von 440 Millionen Euro. Die bis Ende 2008 geltende Monatsgebühr von 17,03 Euro bleibt nach den Worten des Ersten Senats aber gleichwohl in Kraft. Zwar hat das Gericht den Anstalten zugestanden, für die Mindereinnahmen von insgesamt 440 Millionen Euro einen Ausgleich bei der nächsten Gebührenanhebung zum 1. Januar 2009 zu fordern. Davon wollen ARD und ZDF aber keinen Gebrauch machen. "Es wird keinen Nachschlag geben. Es ging uns nicht um eine Erhöhung", sagte ZDF-Intendant Markus Schächter. Auch WDR-Intendantin Monika Piel versicherte: "Niemand muss befürchten, dass er jetzt irgendetwas nachzahlen muss für die Gebührenperiode." Rechte der Länder neu definiert Die Länder dürften zwar grundsätzlich von der Empfehlung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) abweichen, sagte Gerichtspräsident Hans-Jürgen Papier. Im konkreten Fall seien die Gründe für die Abweichung jedoch zum Teil nicht nachvollziehbar oder gingen sogar von falschen Annahmen aus. Bei der Neufestsetzung der Gebühren für 2009 müssten außerdem eventuelle finanzielle Verluste der Sender ausgeglichen werden. Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff erklärte, die KEF sei gestärkt worden. Der Verband privater Rundfunk und Telemedien forderte, der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im digitalen Zeitalter müsse definiert werden. Erst dann könne die Gebührenfestsetzung geordnet verlaufen, sagte Verbands-Präsident Jürgen Doetz. ARD, ZDF und Deutschlandfunk hatten dagegen geklagt, dass sich die Länder bei der Festsetzung der Abgaben erstmals nicht an die Empfehlung der KEF gehalten haben. So erhöhten die Länder die Gebühren ab dem 1. April 2005 nur um 88 Cent auf 17,03 Euro. Die Empfehlung der Kommission sah Erhöhung der Gebühren zum 1. Januar 2005 um 1,09 Euro auf 17,24 Euro vor. Die Länder hatten dafür unter anderem die damalige wirtschaftlichen Lage mit stagnierenden Renten und hoher Arbeitslosigkeit als Begründung angeführt. Die Gebührenhöhe dürfe keinen medienpolitischen Zwecken dienen, sagte Gerichtspräsident Papier. Die Rundfunkfreiheit dürfe nicht gefährdet sein. "Die Anstalten müssen durch eine bedarfsgerechte Finanzierung ihren Auftrag erfüllen können." Dennoch seien Abweichungen von den Empfehlungen der KEF erlaubt. Die Länder dürften dazu neben rundfunkspezifischen Gründen auch die wirtschaftliche Lage, die Einkommensentwicklung oder sonstige Abgabenbelastungen der Bürger als Begründung anführen. Dann müssten sie jedoch auch beweisen können, dass die empfohlene Anhebung zu einer unangemessenen Belastung führe. Dies bei den Gebühren 2005 nicht ausreichend geschehen. Es sei deutlich geworden, dass die Gebühren nicht dazu dienen dürften, die Balance zwischen privaten und öffentlichen Sender zu verschieben, sagte der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck (SPD), in Karlsruhe. Ebenso dürfe der Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender nicht kommerzialisiert werden. Sein Amtskollege aus Baden-Württemberg, Günther Oettinger (CDU), erklärte, künftig müssten Abweichungen von den Empfehlungen der KEF genauestens begründet werden.
Die Bundesbürger müssen sich nach der jüngsten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts auf weitere Erhöhungen der Rundfunkgebühren einstellen. Allerdings geloben die Sender vorläufig noch Zurückhaltung.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rundfunkgebuehren-urteil-es-wird-keinen-nachschlag-geben-1.880408
"Rundfunkgebühren-Urteil - ""Es wird keinen Nachschlag geben"""
00/05/2010
Automotoren, Porzellan, der Zeigertelegraf - mehr als hundert Jahre nahm Deutschland mit seinen Erfindungen einen Spitzenplatz in der Welt ein. Dieser Innovationsgeist droht einzuschlafen: Woran das liegt und was man dagegen tun kann. Der deutsche Unternehmer Gottlieb Daimler war ein Revolutionär des Automotorenbaus. Johann Friedrich von Böttger wurde bekannt als Erfinder des Porzellans. Werner von Siemens baute den Zeigertelegrafen und die Dynamokraftmaschine und begründete mit seinen elektrischen Erfindungen den weltweiten Siemens-Konzern. Emil Rathenau, der AEG-Gründer, sorgte für die flächendeckende öffentliche Verbreitung des elektrischen Lichts. Carl Zeiss, der Optiker, wird gerühmt als Erfinder des hitzebeständigen Glases. Schöpferische Unternehmer, Wissenschaftler und Erfinder haben die deutsche Wirtschaftskraft begründet. Das reichte seit mehr als hundert Jahren für einen Spitzenplatz in der Welt. Und heute? Detailansicht öffnen Ein Mitarbeiter von Daimler-Benz arbeitet an einem Motor für das Smart-Modell. In der Automobilbranche steht Deutschland mit Innovationen noch relativ gut da. (Foto: Foto: AP) Das Selbstbewusstsein der Deutschen ist sichtbar angeknackst. Kritisiert werden Schwächen des Forschungsstandorts. "Deutschland verspielt seine Zukunft", warnen Experten. Wichtige neue Trends entwickeln sich jenseits der Grenzen. Der MP3-Player wurde hierzulande erfunden, aber nicht industriell umgesetzt. Das war kein Ausrutscher. Auch das Fax, die Digitaluhr und die Videotechnik stammen aus Deutschland, ausländische Konzerne aber verdienen damit ihr Geld. Und ehrgeizige deutsche Forscher suchen ihr Glück gerne in Amerika. Widersprüchliche Signale Diese Tendenzen sind gefährlich. Deutschland braucht innovative Köpfe und Aufbruchstimmung. Nur wenn Ideen und Produkte besser sind als anderswo, kann es sich das Hochlohnland Deutschland erlauben, teurer zu sein. Anders gesagt: Wir müssen um soviel besser sein, wie wir teurer sind. Dafür wird zu wenig getan. Auch von der Politik - obwohl diese immer wieder (und jetzt auch im Koalitionsvertrag der Regierung Merkel) die Bedeutung der Forschung betont. Doch die Signale sind widersprüchlich. So hatte die rot-grüne Bundesregierung 2004 zum "Jahr der Innovation" erklärt - und zugleich den Etat für Bildung und Forschung um 240 Millionen auf 8,2 Milliarden Euro gekürzt. Von den drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die ein Land wie Japan für die Forschung ausgibt, ist Deutschland weit entfernt. Leben von der Substanz Man mag sich damit beruhigen, dass das Land nach wie vor reich an Geist ist. 23.044 Patente aus Deutschland wurden 2004 beim Europäischen Patentamt in München angemeldet. Weltweit heißt das: Platz 2 hinter den USA. Wichtiger noch: Im Vergleich zu den Vorjahren wurden weniger Bagatell-Patente, mehr hochwertige Erfindungen registriert. Unbestritten geben deutsche Konzerne viel Geld für Forschung aus. DaimlerChrysler hat mit 59 Milliarden Euro Forschungs- und Entwicklungsausgaben sogar Bill Gates' Microsoft vom ersten Platz im weltweiten Ranking verdrängt.
Automotoren, Porzellan, der Zeigertelegraf - mehr als hundert Jahre nahm Deutschland mit seinen Erfindungen einen Spitzenplatz in der Welt ein. Dieser Innovationsgeist droht einzuschlafen: Woran das liegt und was man dagegen tun kann.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutschland-und-die-innovation-entdecker-gesucht-1.900705
Deutschland und die Innovation - Entdecker gesucht
00/05/2010
(SZ vom 06.06.2003) — Die beiden Finanzexperten der Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG, die vor wenigen Monaten das Zahlenwerk der ProSiebenSat.1 Media AG durchleuchteten, machten sich Sorgen um das Unternehmen. Die größte kommerzielle Fernsehfamilie in Deutschland könne auf mittlere Sicht ernsthafte Probleme bekommen, lautete die Einschätzung. Der Bilanz 2002 wollten die KPMG-Leute einen entsprechenden Hinweis anfügen, der an der Börse bestimmt nicht gut angekommen wäre. Rückläufige Einschaltquoten und Werbeeerlöse sowie die insolvente Kirch Media als Hauptaktionär - das waren einfach keine guten Aussichten. Richtig bedacht Doch Urs Rohner, Vorstandschef der aus Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1 und N 24 bestehenden Fernseh AG, verhinderte den Rüffel. Auf Betreiben des früheren Schweizer Meisters im Hürdenlauf verpflichtete sich der Gläubigerausschuss der Kirch Media zu einer Kapitalzufuhr in Höhe von 105 Millionen Euro, falls es finanziell eng werde. Erst als dieser Beschluss vorlag, bescheinigten die Kontrolleure, dass "unsere Prüfung zu keinen Einwendungen geführt hat". Die KPMG-Leute mochten sich eben nicht darauf verlassen, nach der gescheiterten Übernahme der ProSiebenSat.1 AG und des Filmhandels der Kirch Media durch den Hamburger Großverlag Bauer werde nun das Vorhaben klappen, die Sender und die Zelluloidware an den US-Medieninvestor Haim Saban zu verkaufen. Rohner hingegen freute sich öffentlich auf stabile Verhältnisse. Mit "Wunschpartner" Saban bekomme man einen "starken, fernseherfahrenen Mehrheitsgesellschafter", frohlockte der Vorstandschef. Das war etwas voreilig. Jetzt ist der Milliarden-Vertrag zwischen der Kirch Media, deren Gläubigerbanken und Saban geplatzt. Die KPMG lag mit ihren Bedenken richtig; nun müssen Insolvenzverwalter Michael Jaffé und die Gläubigerbanken in den nächsten Jahren selbst Regie führen, so wie bei Firmen wie Brau und Brunnen, die in Finanzprobleme gerieten. Jaffé und die Bank-Vorstände sind keine TV-Manager, wie sich nach der Kirch-Insolvenz zeigte. Die Geschäfte der konkurrierenden RTL-Gruppe laufen, trotz der Krise in der Medienbranche, eindeutig besser. Und um Vorstandschef Rohner gab es zuletzt immer wieder Gerüchte, ihm drohe die Ablösung. Die Kirch Media sieht sich deshalb jetzt sogar genötigt, ihm öffentlich das Vertrauen auszusprechen. "Rohner steht nicht zur Disposition. Die Kirch Media steht voll hinter ihm", sagt ein Sprecher. Das soll die Unruhe in der Senderfamilie und bei Geschäftspartnern dämpfen. Ob das gelingt, ist fraglich. Die Bundesliga will weg Die Fußball-Bundesliga etwa will unbedingt weg von Sat 1, obwohl ARD und ZDF den Klubs kaum mehr zahlen würden. Wer weiß schon, wie weit es bei der Fernseh AG nach dem Verlust von 33 Millionen Euro im ersten Quartal noch abwärts geht - auch wenn Rohner fürs Gesamtjahr Gewinne prophezeit. Die Senderfamilie ist mit gut einer Milliarde Euro verschuldet, auch das hemmte am Ende den Abschluss mit Saban. Die Hausbanken der AG wollten die Kreditlinie reduzieren, um ihr Risiko zu minimieren. Saban wiederum hatte den Kapitalbedarf unterschätzt - da war der Deal nicht mehr zu retten. Nun müssen Kirch Media und die Banken selbst 200 bis 300 Millionen in ProSiebenSat.1 investieren, statt mit den erhofften Verkaufserlösen einen Teil der Altschulden tilgen zu können. So war die Bewältigung der Kirch-Pleite nicht geplant.
Nach dem Absprung von Haim Saban brechen für den Fernsehsender ProSiebenSat.1 schwere Zeiten an.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/prosiebensat-1-der-wunschpartner-ist-weg-1.919875
ProSiebenSat.1 - Der Wunschpartner ist weg
00/05/2010
Der neue Einser steht noch nicht mal beim Händler, da plant BMW schon die nächste Reihe — einen Familienvan. Der Hang zu immer neuen Modellen — ein merkwürdiger Trend in der Autoindustrie. Porsche stand lange für nur ein Auto, den Klassiker, den 911er-Sportwagen. Heute gibt es drei Baureihen aus Zuffenhausen und über eine vierte wird nachgedacht. Detailansicht öffnen Der Einser wird nicht nur nur Neukunden gewinnen, sonderen auch Dreier-Fahrer abwerben. Foto: AP Bei VW, wo es Jahrzehnte nur den Käfer gab, später allenfalls Polo, Golf und Passat, rollen heute zehn Typen von den Bändern, bis hinauf zum Phaeton. Da will BMW nicht nachstehen. Waren den Bayern lange ihre Dreier, Fünfer und Siebener genug, so gibt es inzwischen auch Gelände- und Sportwagen. Elfte Reihe schon in Planung Die Konzernmarke Rolls Royce bietet Karossen für die Gen- und Geld-Aristokratie, die unter 360.000 Euro nicht zu haben sind und unter der Marke Mini ist ein flinker Winzling im Angebot. Jetzt kommt Modell-Reihe zehn: BMW baut ein Auto in der Golf-Klasse. Der kompakte Neuling im Kombi-Design — Einser genannt — wird diese Woche in München vorgestellt und am 18. September steht er beim Händler. Und längst denken die Münchner schon über die elfte Serie nach: einen Familien- und Freizeitvan. Abstieg in die Golfklasse Helmut Panke, der Vorstandsvorsitzende von BMW begründet den Abstieg in die Golfklasse so: "Die Kompaktklasse bildet das größte Marktsegment für Automobile". Das Wachstum in dieser Klasse betrage bis zum Jahr 2010 etwa 20 Prozent. Die Premium-Marken in dieser Klasse würden sogar um 50 Prozent zulegen. Da wollen die Münchner, die lange andere Pläne hatten, dabei sein und zwar mit einem heckgetriebenen Auto. Das ist untypisch in diesem Segment der Fronttriebler, aber es ist typisch BMW.
Der neue Einser steht noch nicht mal beim Händler, da plant BMW schon die nächste Reihe — einen Familienvan. Der Hang zu immer neuen Modellen — ein merkwürdiger Trend in der Autoindustrie.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/automobil-industrie-ein-bmw-in-der-golf-klasse-1.900490
Automobil-Industrie - Ein BMW in der Golf-Klasse
00/05/2010
Bei den Millionenprämien für die Mannesmann-Manager sind am Donnerstag einige Ungereimtheiten an den Tag gekommen. Obwohl Ex-Vorstandschef Esser gar nicht für Prämienausschüttungen zuständig war, vergab er diese froh und munter - auf Geburtstags-Briefpapier. Im Mannesmann-Konzern gab es schon früh erhebliche Bedenken gegen die Art und Weise, wie Millionenprämien an Vorstandsmitglieder und Manager ausgeschüttet wurden. Die für Vorstandsangelegenheiten zuständige Sachbearbeiterin, Helga Anne Schoeller, sagte am Donnerstag im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess, das Protokoll des Aufsichtsratspräsidiums zu den Millionenprämien für Konzernchef Klaus Esser und den Aufsichtsratschef Joachim Funk habe überhaupt nicht dem üblichen Standard entsprochen. Detailansicht öffnen Klaus Esser - ein Mann mit feinem Gespür für ungewöhnliche Prämienbriefe. (Foto: Foto: dpa) Kein normales Protokoll "Das war kein Protokoll, wie ich es kannte. Ich habe es zunächst überhaupt nicht als Beschlussprotokoll angesehen." Dies gelte formal aber auch inhaltlich, sagte die Sachbearbeiterin, die 25 Jahre fast alle Protokolle des Präsidiums vorbereitet hatte. Schon auf den ersten Blick sei ihr aufgefallen, dass sich Funk selbst eine Prämie von rund 4,5 Millionen Euro genehmigt habe und dass das nicht zulässig gewesen sei. Daraufhin habe sie einen Wirtschaftsprüfer der KPMG zu Rate gezogen. Dies hatte offensichtlich Wirkung, wie ein zweiter Zeuge berichtete. Denn der bereits an die Deutsche Bank erteilte Überweisungsauftrag für die Esser-Prämie in Höhe von 15,9 Millionen Euro sei wegen Zweifeln an der Zulässigkeit des gesamten Beschlusses Hals über Kopf zurückgezogen worden, berichtete der für die Überweisung der Prämien zuständige Mannesmann-Mitarbeiter. Erst gut einen Monat später wurde das Geld dann doch noch angewiesen. Kein Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums Doch auch bei den Millionenprämien für andere Vorstandsmitglieder lief offenbar einiges schief. Zunächst habe ihr kein Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums für die Zahlungen an vier weitere Vorstandsmitglieder vorgelegen, sondern nur die von Funk und Esser unterschriebenen Anschreiben mit der Benachrichtigung über die Prämienzahlung, berichtete Frau Schoeller. Sie habe daraufhin dem mitangeklagten Personalvorstand Dietmar Droste gesagt, "dass man auf gar keinen Fall aufgrund dieses Briefes Geld zahlen kann". Auch formal habe der Brief zahlreiche Ungereimtheiten aufgewiesen. So sei Esser für die Vergabe von Prämien an Vorstandskollegen nicht zuständig gewesen. Außerdem sei der Brief nicht - wie bei solchen Schreiben üblich - auf dem Briefbogen des Aufsichtsratsvorsitzenden geschrieben worden, sondern auf einem Blatt, dass sonst für Geburtstagsbriefe verwendet werde. "Geschäftserfolg war nicht zu sehen" Die Sachbearbeiterin betone, ihr sei es bei ihrer Kritik um die formale Seite gegangen. "Der Inhalt oder die Höhe der Beträge, da stand mir ein Nachdenken gar nicht zu." Allerdings habe sie sich daran gestoßen, dass den Vorständen in dem Prämienschreiben für ihre erfolgreiche Arbeit gedankt worden sei. "Ich habe begriffen, dass es ein Erfolg für die Aktionäre war, aber einen Geschäftserfolg habe ich darin nicht gesehen." Esser muss sich vor dem Düsseldorfer Landgericht zusammen mit dem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, dem früheren Mannesmann-Aufsichtsratschef Funk, Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und zwei weiteren Managern wegen des Vorwurfs der "gemeinschaftlichen Untreue in einem besonders schweren Fall" beziehungsweise Beihilfe dazu verantworten. Sie sollen die 180 Milliarden Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkriesen Vodafone Anfang 2000 benutzt haben, um Managern und Ex-Vorständen des Unternehmens ungerechtfertigte Abfindungen in Höhe von fast 60 Millionen Euro zuzuschieben.
Bei den Millionenprämien für die Mannesmann-Manager sind am Donnerstag einige Ungereimtheiten an den Tag gekommen. Obwohl Ex-Vorstandschef Esser gar nicht für Prämienausschüttungen zuständig war, vergab er diese froh und munter - auf Geburtstags-Briefpapier.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mannesmann-prozess-zum-geburtstag-viel-freud-1.905372
Mannesmann-Prozess - Zum Geburtstag viel Freud
00/05/2010
Sie wollen wieder auf einander zugehen: Die Arbeitnehmer-Vertreter kündigen ein Kompromiss-Modell an und wollen den Konflikt mit den Arbeitgebern noch diese Woche beilegen. (SZ vom 25.6.2003) — Nach mehr als drei Wochen ohne Gespräche wollen Gewerkschaft und Arbeitgeber der Metallbranche wieder miteinander reden. Der Arbeitskampf um die Einführung der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland soll nach dem Willen der IG Metall noch in dieser Woche in Verhandlungen beigelegt werden. "Beide Seiten brauchen ein Aufeinander-Zugehen", sagte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel. Die Gewerkschaft will ein Kompromiss für die Angleichung der Arbeitszeit Ost an den Standard West vorlegen. Noch ist aber ungewiss, ob sich die Tarifparteien annähern. Die Arbeitgeber nahmen das Gesprächsangebot an. Der Präsident der sächsischen Verbandes, Bodo Finger, erklärte jedoch, er sehe "derzeit keine Perspektive" für einen Erfolg der Gespräche. Ein Sprecher der Arbeitgeber Berlin-Brandenburg verlangte, vor Verhandlungen müsse erst der Arbeitskampf gestoppt werden — das lehnte die IG Metall mit einer Ausnahme vorerst ab. Bei ZF, dem Brandenburger Zulieferer von BMW, wird der Streik ab Donnerstag ausgesetzt. Ein Signal der IG Metall: Dadurch könnte wohl in absehbarer Zeit BMW wieder die Arbeit aufnehmen. Ausloten von Lösungsmöglichkeiten Bei einem Spitzentreffen der Führung von IG Metall und dem Dachverband der Arbeitgeber, Gesamtmetall, sollen am Donnerstag Lösungsmöglichkeiten ausgelotet werden. Am Freitag werden dann in Berlin die Verhandlungen aufgenommen, am Tisch sitzen alle fünf Metall-Arbeitgeberverbände Ostdeutschlands und die Chefs der Gewerkschaftsbezirke. Sollte sich bis Sonntag keine Lösung andeuten, "dann verfestigt sich der Eindruck, dass einige Arbeitgeber verbrannte Erde wollen", sagte Zwickel. Er drohte, dann werde die IG Metall Haustarife erkämpfen und "auch im Westen offensiv aktiv werden". Als Beispiel verwies Zwickel auf VW in Salzgitter, wo eine ganztägige Betriebsversammlung die Produktion zum Stocken brachte. Betriebsräte wie Manfred Schoch von BMW betonten zwar den Wert der innergewerkschaftlichen Solidarität. Bei aller Zurückhaltung sagte Schoch aber, er plane keine zusätzlichen Betriebsversammlungen. Er wolle Schaden von BMW abwenden: "Wir haben flexible Arbeitszeitregelungen, können beispielsweise die Vier-Tage-Woche auf fünf Tage ausbauen, da haben wir viele Möglichkeiten, um die Produktionsausfälle wieder aufzuholen." Bei BMW mussten zuletzt mehr als 10000 Beschäftigte mit Kurzarbeit Null nachhause geschickt werden, weil Zulieferer bestreikt wurden. Bei VW in Wolfsburg muss am Freitag die Fertigung des Golf vorerst eingestellt werden. Wegen des Streiks im Zweigwerk Mosel bei Zwickau fehlen wichtige Teile für die Produktion, erklärte ein Sprecher. Insgesamt würden 20000 Autos weniger vom Band laufen können. Zwickel deutete in drei Punkten Kompromissbereitschaft an. Er sprach davon, ein Arbeitszeitmodell mit dem Thema Qualifizierung zu verknüpfen. Dies könnte bedeuten, dass weiter 38 Stunden bezahlt werden, ein Teil davon aber statt für Arbeit für Qualifizierung verwendet wird. Eine ähnliche Regelung stellt bereits das 5000x5000-Modell von VW dar. Anpassungsklausel für den Stufenplan Zum Zweiten ließ Zwickel erkennen, dass in einem Stufenplan zur Arbeitszeitreduzierung nicht alle Stufen zeitlich fixiert werden müssten. Drittens sprach er "ausdrücklich von einer Anpassungsklausel" für die einzelnen Stufen. Dies würde bedeuten, dass über jeden Schritt der Verkürzung anhand ökonomischer Kriterien verhandelt wird. Die mit der Stahlbranche zur Arbeitszeitverkürzung bis 2009 vereinbarte Revisionsklausel sieht dagegen solche Verhandlungen nur für den Ausnahmefall vor. Sollten die Verhandlungen mit den Arbeitgebern scheitern, "so steht das Ende des Flächentarifs Ost bevor", sagte Zwickel. Und fügte hinzu: "Man kann nicht ausschließen, dass das die Atomisierung der Tarifpolitik insgesamt beschleunigt" — also auch im Westen. Mehr als die Hälfte der Ostdeutschen lehnt den Streik ab. Das ergab eine Umfrage des Mitteldeutschen Rundfunks. In einem gemeinsamen Brief an die Tarifparteien warben über Parteigrenzen hinweg die Ministerpräsidenten der vom Streik besonders betroffenen Länder Brandenburg, Sachsen und Bayern, Matthias Platzeck (SPD), Georg Milbradt (CDU) und Edmund Stoiber (CSU), dafür, dass der Streik rasch endet.
Sie wollen wieder auf einander zugehen: Die Arbeitnehmer-Vertreter kündigen ein Kompromiss-Modell an und wollen den Konflikt mit den Arbeitgebern noch diese Woche beilegen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streik-in-ostdeutschland-das-ende-der-sprachlosigkeit-1.914286
Streik in Ostdeutschland - Das Ende der Sprachlosigkeit
00/05/2010
Um diesen Termin war Klaus Kleinfeld nicht zu beneiden: Die Präsentation der Halbjahreszahlen am Donnerstag verlangte dem Siemens-Chef eisernste Pflichterfüllung ab - zu viel hatte sich in kürzester Zeit gegen ihn zusammengebraut. Schon zu Beginn der Woche war aus dem Siemens-Aufsichtsrat durchgesickert, dass die beiden Mitglieder Josef Ackermann und Gerhard Cromme seine Ablösung betrieben, um in dem von Schmiergeld- und Korruptionsskandalen gebeutelten Konzern einen glaubhaften Neuanfang zu signalisieren. Der Entscheidung des Aufsichtsrats zuvorgekommen Das ist schon kein gutes Omen für einen Konzernchef, der eigentlich nur über Geschäftszahlen reden will. Als noch unangenehmer erweist sich für Kleinfeld am Donnerstag dann allerdings, dass er am Tag zuvor seinen Abgang für September angekündigt hat. Damit ist er einer Entscheidung des Aufsichtsrates zuvorgekommen, der seinen Vertrag wohl nicht verlängert hätte. Ob Kleinfeld will oder nicht: Er muss sich an diesem Tag der Öffentlichkeit stellen, obwohl seine Tage bei Siemens gezählt sind. Wer allerdings glaubt, dass der Noch-Chef in dieser außergewöhnlichen Situation Einblicke in die turbulenten Geschehnisse der vergangenen Tage oder gar in sein Seelen-Inneres gestattet, wird eines Besseren belehrt: Der Vorstandschef wahrt bei diesem vermutlich letzten großen Auftritt auf diesem Posten absolute Contenance - von Nachkarten keine Spur. Nachfragen zu brisanten Themen wie etwa dem als belastet geltenden Verhältnis zu seinem Vorgänger Heinrich von Pierer oder der kolportierten Gegnerschaft Crommes und Ackermanns zu ihm, perlen an Kleinfeld ab. Entgegen den Gerüchten sei sein Verhältnis zu Pierer "sehr gut" und werde durch die Ereignisse der vergangenen Tage sogar "eher noch gestärkt." Über Cromme und Ackermann verliert er ebenfalls kein böses Wort, nicht einmal deren Namen nimmt er in den Mund. Die Frage, wie die beiden Aufsichtsräte ihn beurteilten, sei dem entsprechenden Gremium zu stellen. "Ich bin da der denkbar schlechteste Ansprechpartner", bürstet er die Frage kurz und knapp ab. Immer nur im Dienst des Unternehmens Stattdessen wiederholt er gebetsmühlenartig seine Version der Dinge. Die zeichnet das Bild eines Mannes, der vor allem immer nur dem Unternehmen dienen wollte: "Bei der Doppelbelastung, die operative Leistung weiter voranzubringen und gleichzeitig die Korruptionsvorwürfe bedingungslos aufzuklären, musste ich täglich meine persönliche Autorität in die Waagschale werfen. Dies war nur möglich, solange der Aufsichtsrat geschlossen hinter mir stand." Die Rückenstärkung durch das Kontrollorgan sei nun aber offensichtlich nicht mehr gegeben gewesen, da das Gremium die Verlängerung seines Vertrages vertagen wollte. "Dadurch drohte ein unakzeptabler Schwebezustand, den ich mit meiner Entscheidung verhindert habe", so Kleinfeld. So redet kein geknickter Manager, und zu Trübsal sieht Kleinfeld wohl auch nicht den geringsten Anlass: "Über meine persönliche Zukunft habe ich in den letzten Tagen sehr wenig nachgedacht", bekennt er freimütig. Die Zukunft des Siemens-Konzerns betrachtet er hingegen in den rosigsten Farben, und zwar unabhängig von seiner Ablösung: "Wir haben eine klasse Mannschaft und wir haben es geschafft, in allen unseren Konzernbereichen mit an der Weltspitze zu stehen", schwärmt er. Die Schmiergeldskandale seien nicht das, wofür Siemens 160 Jahre lang gestanden habe. Der Name Siemens verbinde sich vielmehr mit Innovation und Internationalität und das werde auch so bleiben. Beeindruckende Zahlen In der Tat sind die Geschäftszahlen, die Kleinfeld präsentiert, beeindruckend: Um knapp 50 Prozent steigerte der Elektrokonzern im zweiten Quartal den operativen Gewinn auf 1,96 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg dabei um knapp zehn Prozent auf 20,6 Milliarden Euro. "Das ist brilliant", kommentiert Branchenanalyst Theo Kitz von Merck, Finck & Co. die vorgelegten Zahlen: "Alle Konzernbereiche haben ihre Zielbänder erreicht oder übertroffen, das habe ich so nicht erwartet", lobt Kitz. Skeptisch sei er vor allem bei den Sparten SBS (EDV), SBT (Gebäudesysteme) und PG (Stromerzeugung) gewesen, doch auch diese hätten ihre Ziele allesamt erreicht, so der Experte. Kleinfeld ist der Stolz darüber, dass es in dem Elektrokonzern kaum noch Schwachstellen zu geben scheint, deutlich anzumerken. Er lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er ein gut bestelltes Haus hinterlässt. Es drängt sich der Eindruck auf, dass dieser Auftritt schon eine Bewerbung für eine neue große Aufgabe gewesen sein könnte.
Nur einen Tag nach seinem angekündigten Abtritt präsentiert Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hervorragende Halbjahreszahlen. Dabei bewahrt der 49-Jährige die Contenance - von Nachkarten keine Spur.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fuehrungskrise-bei-siemens-kleinfeld-stellt-sich-der-oeffentlichkeit-1.906783
Führungskrise bei Siemens - Kleinfeld stellt sich der Öffentlichkeit
00/05/2010
Die Gewerkschaft Verdi will den beschlossenen Abbau von 32.000 Stellen bei der Telekom nicht einfach so hinnehmen. Notfalls werde gestreikt, kündigte der stellvertretende Verdi-Chef Franz Treml an. Die Gewerkschaft ver.Di will die Telekom notfalls mit Kampfmaßnahmen zu Verhandlungen über den vom Aufsichtsrat genehmigten Stellenabbau zwingen. Detailansicht öffnen Einen Tag nachdem der Aufsichtsrat den geplanten Abbau von 32.000 Stellen genehmigt hat, demonstrieren Hunderte von Telekom-Beschäftigten in Hamburg gegen die Maßnahmen. (Foto: Foto: dpa) Das kündigte der stellvertretende ver.Di-Chef, Franz Treml, am Dienstag in Bonn an. Telekom-Sprecher Peter Kespohl betonte, das Unternehmen sei "zu allen Themen jederzeit generell gesprächsbereit". Der Aufsichtsrat hatte am Montagabend gegen die Stimmen der Arbeitnehmerseite dem vom Konzern-Vorstand geplanten Wegfall von 32.000 Arbeitsplätzen bis 2008 zugestimmt. Sondersitzung Die Gewerkschaft wolle jetzt Verhandlungen über die sozialverträgliche Ausgestaltung sowie den Schutz der Beschäftigten vor Überlastung führen, erklärte Treml, der zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Telekom ist. Weitere Einzelheiten des Vorgehens wolle der ver.Di-Vorstand am 21. Dezember in einer Sondersitzung beraten. Die Gewerkschaft nehme zur Kenntnis, dass der Arbeitsplatzabbau bis 2008 nach dem Willen des Telekom-Vorstandes sozialverträglich erfolgen solle, sagte Treml. Die Telekom hat dafür 3,3 Milliarden Euro eingeplant. Abfindungen Bisher seien aber die Maßnahmen noch überhaupt nicht konkretisiert, kritisierte Treml. Die Gewerkschaft fordert Verhandlungen über die Ausgestaltung von Abfindungen und Vorruhestandsregelungen. Zudem will sie den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen über 2008 hinaus verlängert wissen.
Die Gewerkschaft Verdi will den beschlossenen Abbau von 32.000 Stellen bei der Telekom nicht einfach so hinnehmen. Notfalls werde gestreikt, kündigte der stellvertretende Verdi-Chef Franz Treml an.
wirtschaft
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Stellenabbau - Verdi will Telekom in Verhandlungen zwingen
00/05/2010
VW fährt angesichts der weltweiten Branchenflaute seine Investitionen bis 2008 um 11 Prozent zurück. Dennoch fließen allein in den Automobilbereich mehr als 30 Milliarden Euro. Geplant sei, dass der Konzern insgesamt 41,6 Milliarden Euro ausgibt, teilte VW am Freitag in Wolfsburg nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. Der Löwenanteil von 30,9 Milliarden Euro - 7 Prozent weniger als bislang geplant - soll in den Automobilbereich fließen. Ziel sei es weiter, bis 2008 den jährlichen Absatz von knapp 5 Millionen (2002) auf mehr als 6 Millionen zu steigern. Mehr als 27 Milliarden Euro steckt der Konzern in den neuen Passat, den neuen Audi A6, zusätzliche Varianten von Golf und den Nutzfahrzeugen sowie die nötige Produktion dafür. Auch soll die Modellpalette erweitert werden. Ebenso sind neue Motoren und Getriebe für einen geringeren Treibstoffverbrauch vorgesehen. 21 Milliarden Euro bleiben in Deutschland Finanzvorstand Dieter Pötsch sagte mit Blick auf die Kürzungen: "Die bestehende Modellplanung des Konzerns bleibt davon unberührt." Möglich werde der geringere Rahmen unter anderem durch bessere Auslastung der Kapazitäten und der konzernweiten Modulstrategie. Sie sieht vor, dass zahlreiche, nicht direkt sichtbare Teile Marken- übergreifend verwendet werden. Mehr als 21 Milliarden Euro investiert VW in Deutschland, dabei vor allem in den neuen Passat in den Werken Emden und Mosel sowie den Audi A6 in Ingolstadt und Neckarsulm. Weitere Schwerpunkte sind nach Worten eines Sprechers Spanien, Tschechien, aber auch Mexiko und Brasilien. Zunächst seien in dem Finanzplan keine Investitionen in Russland vorgesehen. Immer wieder gibt es Gerüchte, VW wolle dort ein Werk bauen. In China will VW zusammen mit seinen Joint-Venture-Partnern insgesamt 6 Milliarden Euro investieren. Mit dem Geld sollen auch dort neue Modelle, Aggregate und Fabriken entstehen. Diese Summe taucht allerdings nicht in den Automobilinvestitionen auf, weil das China-Geschäft von VW bei der Bilanzierung ins Finanzergebnis einfließt und VW nicht die gesamte Summe tragen muss. Kein Kurswechsel Der Aufsichtsrat habe die Pläne des Vorstandes voll getragen, hieß es in Kreisen. Es sei eine schnell, ruhige und sachliche Sitzung gewesen. VW wechsele keinesfalls den eingeschlagenen Kurs, sondern passe den Fünf-Jahresplan lediglich an die weltweite Marktlage an. Kontrovers sei allerdings um das Brasilien-Geschäft diskutiert worden. Dort will VW auf Grund der dortige Krise 4000 Stellen abbauen. Schließlich habe aber Einigkeit geherrscht, dass es keine Alternative zu den Plänen gebe.
VW fährt angesichts der weltweiten Branchenflaute seine Investitionen bis 2008 um 11 Prozent zurück. Dennoch fließen allein in den Automobilbereich mehr als 30 Milliarden Euro.
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Volkswagen - 31 Milliarden Euro für das Automobil
00/05/2010
Den Lokführern geht die Puste aus: Am Freitag soll jetzt erst einmal doch nicht gestreikt werden. Auch am Wochenende sollen die Züge rollen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) werde am Freitag und am Wochenende nicht zu Streiks bei der Deutschen Bahn aufrufen, teilte die Gewerkschaft mit. Ob der Arbeitskampf möglicherweise in der kommenden Woche fortgesetzt wird, ließ die Gewerkschaft offen. Der dritte Lokführerstreik innerhalb von zwei Wochen hatte am Donnerstag zu einem Verkehrschaos auf den Straßen der Ballungszentren geführt. Auf den Bahnhöfen war es dagegen relativ ruhig. Der stellvertretende GDL-Vorsitzende Günther Kinscher forderte die Bahn erneut auf, ein verhandelbares Angebot vorzulegen. Bahn zweifelt Streikerfolg an Die GDL hatte bis zum Vormittag den Regionalverkehr und die S-Bahnen bundesweit bestreikt und eine positive Bilanz der Aktion gezogen. Im Osten Deutschlands seien rund 85 Prozent der Züge ausgefallen. Im Westen habe dieses Ergebnis durch den Einsatz von Beamten nicht erreicht werden können. "Dennoch stand die überwiegende Mehrheit der Züge still." Auch im Fernverkehr sei es teilweise zu Beeinträchtigungen gekommen. Die Deutsche Bahn bezweifelte den Erfolg des Streiks. Weniger als 40 Prozent der Regionalzüge und S-Bahnen seien während des neunstündigen Streiks ausgefallen. Eine Wiederaufnahme von Gesprächen zwischen GDL und Bahn zeichnete sich auch am Donnerstag nicht ab.
Den Lokführern geht die Puste aus: Am Freitag soll jetzt erst einmal doch nicht gestreikt werden. Auch am Wochenende sollen die Züge rollen.
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Gewerkschaft - Nun also doch kein Bahnstreik am Freitag
00/05/2010
Was bei der Debatte um die Zuwanderung übersehen wird: Aus Osteuropa droht eine Armutswanderung. Für nicht-erwerbstätige EU-Bürger wird die Migration erleichtert. Bei der aktuellen Debatte um das deutsche Zuwanderungsgesetz für Menschen, die von Nicht-EU-Staaten kommen, wird die neue Freizügigkeitsrichtlinie für Wanderungen innerhalb der EU von Politik und Öffentlichkeit total übersehen. Detailansicht öffnen Die Richtlinie soll bis Juli in Kraft treten. Polnische Ich-AGs rollen bereits den Berliner Taximarkt auf. Foto: AP Die Richtlinie tritt pünktlich zum Verfassungsgipfel im Juni und zum EU-Beitritt der osteuropäischen Länder in wenigen Tagen in Kraft und hat sicherlich eine weitaus größere Bedeutung für unser Land als das Zuwanderungsgesetz. Erleichterungen für Nicht-Erwerbstätige Die Richtlinie wurde bereits am 10. März 2003 vom Europäischen Parlament verabschiedet und muss bis zum 1. Juli 2005 in nationales Recht übertragen werden. Sie erleichtert und vereinheitlicht die Migration der nicht erwerbstätigen EU-Bürger zwischen den Ländern der Gemeinschaft, und sie antizipiert und konkretisiert die in Paragraf II-34 des Verfassungsentwurfs vorgesehenen Rechte für eine Immigration in den Sozialstaat. Bislang hieß es, dass nur Erwerbstätige das Recht auf freie Niederlassung und volle Inklusion in den Sozialstaat haben. Das ist nun anders. Nach der Richtlinie hat jeder EU-Bürger das Recht, in Deutschland eine bis zu fünfjährige Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, und anschließend wird ihm das Daueraufenthaltsrecht gewährt. Gleiche Sozialleistungen wie Einheimische Von Anfang an hat auch der nicht Erwerbstätige Anspruch auf alle sozialen Leistungen des Staates wie ein Einheimischer. Das wird viele, die in den ärmeren Regionen Europas zu Hause sind, veranlassen, in die reichen Sozialstaaten der EU zu wandern. Die einzige Bremse, die die neue Richtlinie gegen eine Zuwanderung in den Sozialstaat einbaut, liegt in dem Nachweis eines Kranken-versicherungsschutzes und in der Erfordernis der so genannten Existenzmittel, die man bei der Beantragung einer Aufenthaltserlaubnis vorweisen muss. Diese Mittel sind so zu bemessen, dass sie für die Dauer des beantragten Aufenthalts reichen. Sie sollen verhindern, dass der Zuwandernde die Sozialhilfe in Anspruch nehmen muss. Was mit den Existenzmitteln genau gemeint ist, ist freilich nicht klar, denn ein unzureichendes Vermögen des Zuwanderers kann ein Staat nach der Präambel der Richtlinie nicht als Grund für die Verweigerung einer Aufenthaltsgenehmigung anführen. Das wäre eine unzulässige Diskriminierung im Vergleich zu Inländern. Geldbestände werden zirkulieren Der Mittelnachweis muss sich nach den Verhältnissen des einzelnen Migranten richten. Die Richtlinie verbietet es, für die Zuwanderung eines mittellosen Roma die gleichen Kriterien festzulegen wie für die Zuwanderung eines vermögenden Römers. Was immer die benötigten Mittel sind: Die Betroffenen werden Wege finden, die nötigen Beträge nachzuweisen. Man kann sich schon jetzt lebhaft vorstellen, wie schnell die Geldbestände, die man nachweisen muss, zwischen den Konten mancher Immigrantengruppen zirkulieren werden.
Was bei der Debatte um die Zuwanderung übersehen wird: Aus Osteuropa droht eine Armutswanderung. Für nicht-erwerbstätige EU-Bürger wird die Migration erleichtert.
wirtschaft
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EU-Freizügigkeitsrichtlinie - Freifahrt in den Sozialstaat
00/05/2010
Eine der größten Investitionen in den neuen Bundesländern ist perfekt: Der US-Halbleiterkonzern Advanced Micro Devices schafft für 2,4 Milliarden Euro etwa 2.300 Arbeitsplätze. Das gab die sächsische Landesregierung bekannt. Durch das Werk sollen demnach 1000 neue Arbeitsplätze entstehen, bei Zulieferern weitere 1300. Dresden wird damit zu einem der weltweit wichtigsten Mikroelektronik Standorte. Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) begrüßten die Entscheidung von AMD. Sie nahmen zusammen mit AMD-Chef Hector Ruiz den symbolischen Spatenstich vor. Chipmetropole Dresden Dresden werde durch die neue Ansiedlung zur "Chipmetropole Nummer eins in Europa und katapultiert sich in die weltweiten Top-Five-Standorte", sagte Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt. Bisher galt der im Volksmund auch als "Saxony Valley" bekannte Standort in der sächsischen Landeshauptstadt nach Grenoble als zweitgrößter europäischer Branchen-Ballungsraum. Bulmahn erklärte, die Entscheidung für Dresden werde "dazu beitragen, eine neue Wachstumsdynamik in unserem Land in Gang zu setzen". AMD-Chef Ruiz betonte, bereits die erste Fabrik seines Unternehmens in Dresden sei "ein großartiger Erfolg" gewesen. "Wir freuen uns darauf, auf diesem Erfolg aufzubauen." Bund hilft In den vergangenen Tagen hatten der Bund und das Land Sachsen mit Kredit-Bürgschaften in dreistelliger Millionenhöhe die letzten Hindernisse für das geplante Projekt aus dem Weg geräumt. Noch steht die endgültige Zustimmung des Bundestags-Haushaltsausschusses zu den Bürgschaften aus, der nun aber vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. AMD kann bei seiner Investition mit umfangreichen Subventionen rechnen. "Natürlich spielen auch die geplanten staatlichen Beihilfen von Land, Bund und EU bei einer solchen Investition eine Rolle", erklärte Milbradt. Konkurrenz ausgestochen Dem MDR sagte Milbradt, Dresden habe es geschafft, konkurrierende Standorte in Singapur und Nordamerika auszustechen. Mit Blick auf die geplante Chipfabrik in Frankfurt an der Oder betonte er, im Dresden stimme die Kalkulation und der Markt. Außerdem sei bereits ein Investor ansässig. Die Zukunft des Frankfurter Milliardenprojekts ist derzeit ungewiss. Die Bauarbeiten mussten dort aus Geldmangel unterbrochen werden. Das Emirat Dubai als Großinvestor macht sein weiteres Engagement von einer Bürgschaft des Bundes abhängig. Auch AMD-Konkurrent Intel ist an dem Projekt beteiligt. Moderne Technik Im Dresdner Werk will AMD - hinter Marktführer Intel weltweit Nummer zwei der Branche - Chips mit der modernen 300-Millimeter Wafer-Technik produzieren. Auf den 300 Millimeter großen Siliziumscheiben können mehr Computerchips untergebracht und die Produktionskosten dadurch deutlich gesenkt werden. Seit 1996 betreibt AMD in Dresden ein Werk, in dem rund 2000 Menschen arbeiten. Auch in diese Fabrik, die erste des Unternehmens außerhalb der USA, wurden rund zwei Milliarden Euro investiert. Mikroelektronikstandort DD Insgesamt sind an dem Dresdner Mikroelektronikstandort rund 20.000 Menschen in über 750 Unternehmen der Branche beschäftigt. Auch der deutsche Branchenriese Infineon betreibt dort ein Werk. Vor wenigen Wochen hatten Infineon, AMD und das US-Elektronikunternehmen DuPont eine gemeinsame Fabrik für die Herstellung von Photomasken eingeweiht, einem wichtigen Element bei der Chip-Produktion. Der Standort baut auf den Strukturen der DDR-Chipindustrie der 80er Jahre auf.
Eine der größten Investitionen in den neuen Bundesländern ist perfekt: Der US-Halbleiterkonzern Advanced Micro Devices schafft für 2,4 Milliarden Euro etwa 2.300 Arbeitsplätze.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/saxony-valley-zweite-amd-chipfabrik-in-dresden-wird-gebaut-1.899612
"""Saxony Valley"" - Zweite AMD-Chipfabrik in Dresden wird gebaut"
00/05/2010
Geheime Zahlenkolonnen aus einem Regierungs-Gutachten belegen, wie risikoreich ein Börsengang des Staatsbetriebs wäre. Um ihre Züge besser auszulasten, lässt sich die Deutsche Bahn (DB) einiges einfallen. Detailansicht öffnen Der ICE braucht dringend mehr Fahrgäste, sonst stimmt die Kalkulation für eine Privatisierung der Bahn nicht mehr. Foto: dpa Im Juli bietet der Schienenkonzern preisgünstige Kurzurlaube in 14 Städten an. Die Reise und eine Übernachtung kosten lediglich 99 Euro, ganz egal, wie weit die Kunden unterwegs sind. Vielleicht steigen dann mehr Leute in den ICE ein, der dringend neue Fahrgäste braucht. Der Unternehmensbereich Fernverkehr will nach einem Verlust von 460 Millionen Euro im vergangenen Jahr endlich wieder profitabel werden. Es müssen mehr Menschen ICE fahren Auch für den von Vorstandschef Hartmut Mehdorn geplanten Börsengang des Staatsbetriebs wäre es hilfreich, die Umsätze im ICE zu steigern. In den nächsten fünf Jahren soll die Auslastung der Fernzüge von 40 auf 50 Prozent steigen. Wird dieses Ziel nur um zwei Prozent verfehlt und mangelt es noch an ein paar Kunden beim Nahverkehr, dann sinkt der für 2008 prognostizierte Gewinn in Höhe von 1,9 Milliarden Euro gleich um 12,1 Prozent. So steht es in einem Gutachten der Investmentbank Morgan Stanley, die im Auftrag der Bundesregierung die Chancen für eine rasche Teil-Privatisierung der Bahn untersuchte. Profite könnten um bis zu 90 Prozent schmelzen Eine Kurzfassung der Studie präsentierte Verkehrsminister Manfred Stolpe kürzlich der Presse und dem Parlament. Ein Börsengang der Bahn vor der nächsten Bundestagswahl im Herbst 2006 sei schwierig, aber nicht aussichtslos, lautete der Tenor. Wie heikel dieses Vorhaben ist, ergibt sich erst aus der 500-seitigen Langfassung. Dort haben die Investmentbanker beispielsweise zahlreiche "Sensitivitäten" bei den kalkulierten Profiten aufgelistet. Die könnten in den nächsten Jahren im schlimmsten Fall um bis zu 90 Prozent dahinschmelzen, sollten diverse Unternehmensziele nicht erreichbar sein und die erhofften Hilfen der Politik ausbleiben.
Geheime Zahlenkolonnen aus einem Regierungs-Gutachten belegen, wie risikoreich ein Börsengang des Staatsbetriebs wäre.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/riskante-privatisierung-die-bahn-auf-irrfahrt-1.904620
Riskante Privatisierung - Die Bahn auf Irrfahrt
00/05/2010
Etwa 50 Milliarden Dollar werden jährlich weltweit für Entwicklungshilfe ausgegeben. Aber wird das Geld auch sinnvoll eingesetzt? Renommierte Wissenschaftler werden in dieser Woche auf einer Konferenz in Kopenhagen vorschlagen, wofür man diese Summe am besten ausgibt - gegen den Hunger, gegen Seuchen oder für den Umweltschutz? Die Experten wägen Kosten und Nutzen ab und betrachten nur Probleme, die mit Geld zu lösen sind. Neue Lösungen für alte Probleme Der umstrittene dänische Umweltforscher Björn Lomborg und die britische Zeitung The Economist haben vergangenes Jahr das Projekt "Copenhagen Consensus" gegründet. Sie engagierten neun Wissenschaftler, darunter die Ökonomie-Nobelpreisträger Robert Fogel, James Heckman, Douglass North und Vernon Smith. Dann wurden fünf Schritte festgelegt. Erstens: Man benennt die zehn wichtigsten Probleme der Erde. Ausgewählt wurden - in alphabetischer Folge - Ausbildung, Bevölkerung und Migration, Hunger und Unterernährung, Hygiene und Wasser, Instabilität der Finanzmärkte, Klimaerwärmung, militärische Konflikte, politische Führung und Korruption, Protektionismus, Seuchen. Zweitens: Die Wissenschaftler erarbeiten Lösungen und fragten zum Beispiel, wie viel es koste, die Zahl der 800 Millionen Hungernden in überschaubarem Zeitraum zu halbieren. Drittens: Junge Forscher überprüfen diese Konzepte. Viertens: Die Wissenschaftler treffen sich in Kopenhagen und stellen die Ergebnisse vor. Fünftens: Man nimmt Kontakt zu Politikern auf. "Copenhagen Consensus" hat viele Kritiker. Das liegt nicht in erster Linie daran, dass einige den Ansatz des Projektes als "naiv", "zynisch" oder "zu ökonomisch orientiert" bezeichnen, sondern vor allem am Veranstalter: Björn Lomborg polarisiert, seit er 2001 das Buch "The Skeptical Environmentalist" herausgegeben hat. Der 39-Jährige Statistik-Professor an der Uni Aarhus und Leiter des dänischen Instituts für Umweltbewertung geißelte die angebliche Hysterie von Umweltorganisationen, die mit einseitigen Daten und verzerrten Darstellungen arbeiteten. Die Energiereserven, behauptet er, gingen noch lange nicht zu Ende und auch die Luft werde dank neuer Techniken immer besser. Man solle sich deshalb auf anderes konzentrieren: "Für das, was das Kyoto-Abkommen in einem Jahr kostet, können wir allen Menschen der Erde sauberes Wasser und ein Abwassersystem liefern", sagt er. "Damit verhindern wir jährlich zwei Millionen Tote und eine halbe Milliarde ernsthaft Erkrankte." Protestkonferenz Manchmal treibt es Lomborg auf die Spitze: Es sei billiger, die Bevölkerung der Malediven oder von Bangladesch zu evakuieren als gegen den klimabedingten Anstieg der Meere zu kämpfen. Kein Wunder, dass sich Widerstand formiert: Umweltorganisationen, darunter der WWF und Attac Dänemark, haben zu einer Gegenkonferenz nach Kopenhagen eingeladen. Ihre Fragestellung ist ähnlich der des Umweltaktivisten Lomborg. Aber Teilnehmer wie der UN-Umweltexperte Klaus Töpfer und die EU-Umweltkommissarin Margot Wallström dürften darauf andere Antworten geben. (SZ vom 24.05.2004)
Der dänische Forscher Björn Lomborg spaltet Umweltexperten mit eigenwilligen Ansichten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/entwicklungspolitik-wider-die-geldverschwendung-1.899915
Entwicklungspolitik - Wider die Geldverschwendung
00/05/2010
Steinbrück sagte zum Auftakt des "Führungstreffens Wirtschaft" der Süddeutschen Zeitung in Berlin, es reiche nicht aus, immer nur Forderungen an die Politik zu richten. Der Minister nutzte die Anwesenheit von 150 Top-Managern aus Großkonzernen und Familienbetrieben zu einer Grundsatzkritik am Verhalten vieler Unternehmen und ihrer Verbände. "Bislang läuft die Diskussion meist nach dem Motto: Wenn die Wirtschaft schlecht läuft, ist die Politik schuld, läuft Sie gut, ist das Ihr Verdienst, also das der Manager", sagte Steinbrück. "Damit muss ein für allemal Schluss sein." Nur dann lasse sich in Deutschland ein Mentalitätswechsel in Gang setzen, der auch von der Wirtschaft immer wieder verlangt werde. Henkel in der Kritik Harte Kritik übte der SPD-Politiker vor allem an "Maximalisten" wie dem ehemaligen Industriepräsidenten Hans-Olaf Henkel, die immer schärfere Reformen forderten und die Verlustängste vieler Menschen dabei ignorierten. Wer verlange, dass der Reformzug immer schneller fahre, sich aber nicht darum kümmere, "wenn am hinteren Ende zwei, drei Waggons aus den Schienen springen", sei mit Schuld daran, wenn sich die Bürger vom Staat abwendeten und Protestparteien wählten. "Sie stellen sich dann ja nicht mit mir auf die Apfelsinenkiste auf dem Marktplatz und verteidigen die Beschlüsse", sagte Steinbrück. Auch die Medien trügen Verantwortung. Ihnen gehe es jedoch bei politischen Debatten häufig weniger um die Inhalte als um die Frage nach Sieger und Verlierer. Als Beispiel für ein aus seiner Sicht verfehltes Engagement der Wirtschaft nannte er den dauernden Ruf nach Steuersenkungen. Auch die Unternehmen bräuchten einen vernünftig ausgestatteten, funktionieren Staat, weil dies im internationalen Wettbewerb ein Standortvorteil sei. Stattdessen aber beschäftigten sich vor allem in den großen Konzernen ganze Abteilungen damit, nach Inkrafttreten jedes neuen Gesetzes sofort nach Möglichkeiten zu suchen, wie man sich auf legalem Wege der Steuerpflicht entziehen könne. "Wenn Sie sich nicht Tage und Wochen damit beschäftigen würden, nach Umgehungsmöglichkeiten zu suchen, könnte ich die Steuern senken", sagte Steinbrück, der trotz aller Kritik viel Applaus für seine Rede erhielt. Von alten Vorstellungen verabschieden Er verwies zudem auf die Krise am US-Markt für schlecht besicherte Hypothekendarlehen, die auch Kleinanleger hierzulande zu spüren bekommen hätten, sowie auf die zunehmende Praxis auch deutscher Banken, Immobilienkredite einfach zu verkaufen. "Wenn Sie den Menschen solche komplexen Finanzmarktmechanismen nicht erklären, werden Sie noch stärkere Abwehrreflexe bei ihnen hervorrufen", sagte der Minister. Wenn die Unternehmen zudem nicht endlich offener agierten, könne schon bald die nächste Krise ins Haus stehen.
Bundesfinanzminister Steinbrück (SPD) hat der deutschen Wirtschaft vorgeworfen, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht zu werden. Vor allem "Maximalisten" erteilte der Minister eine verbale Watschen.
wirtschaft
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SZ-Veranstaltung in Berlin - Steinbrück geißelt Managerverhalten
00/05/2010
Der Neue, der mal wieder die WestLB retten soll Keiner hatte Alexander Stuhlmann auf der Liste der potenziellen WestLB-Chefs. Dabei passt der frisch inthronisierte Hanseat gut: Er gilt als idealer Supervisor für verunsicherte Mitarbeiter. Die Prozedur erinnert an den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier", in dem Phil Connors immer den gleichen Tag erlebt. Wiederkehrend scheinen auch bei der WestLB die Tage zu sein, an denen Manager, die die Bank aus einer ihrer Krisen führen sollen, vom Aufsichtsratschef mit Vorschusslorbeeren präsentiert werden. So war es mit Jürgen Sengera, der ein neues Geschäftsmodell finden sollte. So war es, als Thomas Fischer das Kommando übernahm. Beide Manager jagten die Eigentümer - Sparkassen, Kommunen und das Land Nordrhein-Westfalen - später weg, nachdem die Finanzaufsicht dem Management gravierende Fehler attestiert hatte. Nun soll es Alexander Stuhlmann richten. Gelassen wirkte der Hanseat, als er sich neben Rolf Gerlach auf das Podium setzte. Aus dem Ruhestand gerissen Der Aufsichtsratschef hatte den ehemaligen HSH-Nordbank-Chef am Montag aus seinem Ruhestand gerissen, ihm den Job des WestLB-Feuerwehrmanns angeboten. Drei Tage später präsentierte sich Stuhlmann als frisch gewählter Vorstandschef. Über Stuhlmann redeten die anwesenden Aufsichtsratsmitglieder gerne, über die Ursachen der Millionenverluste durch Fehlspekulationen mit VW-Aktien und den Rauswurf Fischers sowie des Risikovorstands Matthijs van den Adel schwiegen sie beharrlich. Stattdessen hörte man die altbekannte Formulierung. "Wir haben genau den richtigen Mann gefunden", sagte Gerlach über Stuhlmann. Über den sechs Herren auf dem Podium projizierte die Regie in blauem Schriftzug den Spruch "Bank der neuen Antworten". Wie diese aussehen sollen, darüber schweigen sie. Nur so viel verraten sie: Die Bank wolle mitspielen, wenn es zum Finale der Landesbanken-Konsolidierung kommt. Makellose Bilanz Stuhlmanns Bankbilanz ist makellos. Er managte die Fusion der Landesbanken Schleswig-Holstein und Hamburg geräuschlos. Umso überraschender kam sein Rückzug. Heftig wies Stuhlmann den Verdacht zurück, er sei wegen Insidergeschäften bei einem Hauskauf zurückgetreten. In der Tat wurde das Verfahren später eingestellt. Er wolle stärker über seine Zeit bestimmen, sagte Stuhlmann und kündigte an, er werde gewiss kein Rentnerdasein führen. Doch auf der Liste der potentiellen WestLB-Chefs hatte ihn zunächst niemand. Dabei passt er gut. So betonte er selbst, er habe keine persönlichen Karriereambitionen mehr. Somit dürfte Stuhlmann leichten Herzens gehen, sollte sich die Bank mit einem Partner zusammentun. Idealer Supervisor Zudem gilt Stuhlmann als idealer Supervisor für die verunsicherten Mitarbeiter, von denen sich einige angesichts der erneuten Krise ebenfalls als Darsteller des Murmeltier-Films fühlen könnten. Stuhlmann ist konsensorientiert, kein Mann für schmerzliche Einschnitte. Den wohl unausweichlichen Arbeitsplatzabbau dürften erst seine Nachfolger durchführen, vielleicht die Manager der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Für Fusionsgespräche gilt der besonnene Stuhlmann als Traumbesetzung. Dass er bei der WestLB dereinst zum Abschied gedrängt wird, ist unwahrscheinlich. Schließlich will er schon bald freiwillig gehen, er spricht selbst von sich als Übergangslösung. Klingt wie ein neues Drehbuch der WestLB.
Keiner hatte Alexander Stuhlmann auf der Liste der potenziellen WestLB-Chefs. Dabei passt der frisch inthronisierte Hanseat gut: Er gilt als idealer Supervisor für verunsicherte Mitarbeiter.
wirtschaft
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Portrait Alexander Stuhlmann - Der Neue, der mal wieder die WestLB retten soll
00/05/2010
Die Hauptversammlung der Telekom erweist sich für René Obermann als Belastungsprobe: Während seines gut einstündigen Lageberichts wurde der Konzernchef mehrfach durch Buhrufe und ein gellendes Pfeifkonzert unterbrochen. Die Wut über die geplanten Job-Auslagerungen ist bei manchen Aktionären groß. Der Protest kam vor allem von Seiten der Belegschaftsaktionäre, die an der Hauptversammlung teilnahmen und sich gegen die Pläne des Vorstands wandten, rund 50.000 Arbeitsplätze in Servicegesellschaften auszulagern, Arbeitszeiten zu verlängern, die Gehälter zu kürzen. Vorstandschef René Obermann reagierte seinerseits mit scharfer Kritik an der Gewerkschaft Verdi. Die Dienstleistungsgewerkschaft sei mit für die wettbewerbliche Schieflage verantwortlich, unter der die Telekom jetzt leide, sagte Obermann bei seiner Rede auf dem Aktionärstreffen. Dabei wiederholte er seinen Vorwurf, dass Verdi mit Wettbewerbern Tarifverträge für ähnliche Tätigkeiten zu erheblich schlechteren Bedingungen akzeptiert habe. Bei der Telekom bestehe Verdi dagegen auf "Besitzstandswahrung", monierte der Telekom-Chef. "Arbeitsplätze wirtschaftlicher machen" "Die Fakten sind, wie sie sind", sagte Obermann. Die Telekom müsse nun ihre Kosten senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Er verteidigte vor diesem Hintergrund die Pläne zur Jobverlagerung. "Unser Ziel ist es, diese Arbeitsplätze im Konzern wirtschaftlicher zu machen und möglichst zu erhalten." Nach der Ablehnung eines Tarifangebots für die betroffenen Mitarbeiter durch Verdi wolle der Konzern nun im Alleingang T-Service gründen. Allerdings sagte Obermann auch: "Die Tür für eine Einigung mit Verdi bleibt offen." Am Freitag will die Große Tarifkommission der Gewerkschaft über eine Ausweitung der Streiks entscheiden. In der kommenden Woche sollen dann die Telekom-Mitarbeiter in einer Urabstimmung zustimmen. Am Donnerstag beteiligten sich nach Verdi-Angaben rund 15.000 Beschäftigte an Warnstreiks. "Der Betrieb wird dadurch in erheblichem Umfang beeinträchtigt", sagte ein Gewerkschaftssprecher. Akquisitionen im Ausland Zu seinen weiteren Vorhaben sagte Obermann, dass die Telekom mit Akquisitionen im Ausland auf den Wachstumspfad zurückkehren wolle. "Allein aus dem Deutschlandgeschäft heraus, werden wir nicht weiter als Konzern wachsen können", so der Konzernchef. "Zusätzlich werden wir uns jetzt mit einem möglichen Verkauf von Teilen der Servicebereiche an Drittanbieter auseinandersetzten müssen", sagte Obermann weiter. Zusätzlich Brisanz erhielt der Konflikt zwischen den Tarifparteien durch die Berufung von Thomas Sattelberger zum neuen Personalvorstand, die Obermann gegen das Votum der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat durchsetzte. "Wir werden uns dennoch um eine konstruktive Zusammenarbeit bemühen", sagte Lothar Schröder, Verdi-Vorstand und Telekom-Vizeaufsichtsratschef.
Die Hauptversammlung der Telekom erweist sich für René Obermann als Belastungsprobe: Während seines gut einstündigen Lageberichts wurde der Konzernchef mehrfach durch Buhrufe und ein gellendes Pfeifkonzert unterbrochen. Die Wut über die geplanten Job-Auslagerungen ist bei manchen Aktionären groß.
wirtschaft
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Protest auf der Hauptversammlung - Telekom-Chef als Buhmann
00/05/2010
Ausgerechnet der Gewerkschaftsgegner Joachim Hunold schließt nun Tarifverträge. Doch seine Air-Berlin-Gruppe ist für die Tariffreiheit inzwischen zu groß. Nun also trifft es auch ihn. Joachim Hunold, Chef des Billigfliegers Air Berlin, bekommt die Gewerkschaften direkt ins Haus. Ausgerechnet Hunold, der erbitterte Gegner der Arbeitnehmer-Organisationen schließt Tarifverträge mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und Verdi ab. Dabei hat der Mann bisher alles Mögliches getan, um die Gewerkschaften aus der Air Berlin herauszuhalten. Vor allem mit der streikerprobten Vereinigung Cockpit, die ihm stets vorwarf, die Mitarbeiter auszubeuten, wollte Hunold nichts zu tun haben. Welch ein Erfolg Nun bescheinigen ihm die Gewerkschaften quasi einen guten Umgang mit den Beschäftigten, denn in den Tarifverträge bei Air Berlin werden die momentanen Arbeitsbedingungen festgeschrieben. Welch ein Erfolg für Hunold. Schon lange stand fest, dass Hunold, der die Funktionäre gerne als Betonköpfe bezeichnet hat, umdenken und sich mit ihnen an einen Tisch setzen muss. Air Berlin ist seit über einem Jahr börsennotiert und will wachsen. Die Wachstumsstory hat Hunold mit Bravour gefunden, indem zunächst der Konkurrent DBA und bald darauf der Ferienflieger LTU geschluckt wurde. Hunold bekam, was er brauchte: Die Air-Berlin-Aktie reagierte mit einem Freudensprung auf die Deals. Das war Balsam für den Air-Berlin-Chef, für den der anfangs misslungene Börsengang ein harter Schlag war. Das Konglomerat ergänzt sich gut Das Konglomerat aus Air Berlin, DBA und LTU soll dem Marktführer Lufthansa Konkurrenz machen, denn die drei Fluggesellschaften ergänzen sich gut. DBA ist stark im innerdeutschen Flugverkehr, LTU bei Fernflügen und Air Berlin auf der Mittelstrecke. Doch die Wachstumsstory für die Börse ist die eine Seite. Die andere ist, dass bei DBA und LTU die Gewerkschaften an Bord sind und dass es deshalb Tarifverträge dort gibt. Zudem wird die Air-Berlin-Gruppe durch die Übernahmen auch so groß, dass Tarifverträge unumgänglich sind. Die Zeiten, in denen Hunold mit jedem Mitarbeiter individuelle Arbeitsverträge schloss, sind vorbei. Warnstreiks beleuchten Kräfteverhältnisse Klar war auch, dass Hunold langfristig einen anderen Ton gegenüber den Gewerkschaften anschlagen muss. Denn die Warnstreiks bei DBA und LTU haben gezeigt, wie rasch die Gewerkschaften einen dicken Strich durch die ausgetüftelten und aufeinander abgestimmten Flugpläne machen können. Eigentlich hätte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit am liebsten sofort einen Tarifvertrag für LTU und DBA ausgehandelt, in den auch die Air Berlin einbezogen worden wäre. Das wird nun der nächste folgerichtige Schritt sein. Noch war dies zu früh, weil das Bundeskartellamt den LTU-Deal noch nicht gebilligt hat. Deshalb werden die Tarifverträge für DBA und LTU noch gesondert verhandelt. Die Streikdrohungen bei diesen beiden Airlines sind damit auch noch nicht vom Tisch. Doch das Einlenken Hunolds bei Air Berlin sollte die Gewerkschaften verständig stimmen. Denn in beiden Fällen geht es darum, mehr Gehalt durchzusetzen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Es wäre fahrlässig, wenn die Mitarbeiter von DBA und LTU durch lange Arbeitskämpfe die Zukunft ihrer Firmen aufs Spiel setzten. Ehemalige Sanierungsfälle Beide Fluggesellschaften waren Sanierungsfälle und wurden nur durch Hilfe Dritter vor dem Aus bewahrt. Die DBA sollte dicht gemacht werden, als ihre britische Mutter British Airways mit ihr nichts mehr anzufangen wusste. Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl übernahm schließlich die DBA für dem symbolischen Preis von einem Euro, machte sie profitabel und verkaufte sie vor einem Jahr an Air Berlin. Inzwischen sind die DBA-Flugzeuge auf Air-Berlin-Farben umlackiert. Die LTU überlebte die Pleite ihrer Mutter Swissair im Jahr 2001 nur knapp durch eine Landes-Bürgschaft, später stieg Wöhrl auch bei der LTU ein, und verkaufte sie dann an Air Berlin. Sicher, die Mitarbeiter haben einen Beitrag zur Sanierung geleistet und verlangen nun zu Recht einen größeren Zuschlag beim Geld. Doch die LTU ist finanziell noch nicht über dem Berg. Das sollte bedacht werden, wenn die Gewerkschaft zum Arbeitskampf aufruft. Dass sie nun beim "Erzfeind" Air Berlin gelandet ist, sollte ihr ein Entgegenkommen wert sein.
Ausgerechnet der Gewerkschaftsgegner Joachim Hunold schließt nun Tarifverträge. Doch seine Air-Berlin-Gruppe ist für die Tariffreiheit inzwischen zu groß.
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Pilotenvereinigung Cockpit - Beim Erzfeind gelandet
00/05/2010
Seit der Hochgeschwindigkeitszug 1981 erstmals von Paris nach Lyon donnerte, stellt er immer neue Rekorde auf und entwickelte sich zu einem kommerziellen Erfolg. Anonym rast der Jubel-Fahrgast mit einem TGV durch die französischen Lande. Die Staatsbahn SNCF wollte kein "Gesicht" aus der großen Masse der Tempo-Reisenden herauspicken, die sich ihren Berechnungen zufolge an diesem Freitag auf eine Milliarde Passagiere summmieren. Anfangs schaffte der Zug Höchsttempo 380, 1990 wurden erstmals 515,3 Stundenkilometer erzielt. Seit 2001 gehört es zu den liebsten Ferienfreuden der Pariser, in drei Stunden im Zug ans Mittelmeer zu flitzen. Die nächste Herausforderung ist der "TGV-Ost" von Paris nach Straßburg, der 2007 in Betrieb gehen soll. Ein Erfolg Im Gegensatz zum Güterverkehr und zum regionalen Personenverkehr, die in Frankreich mit ebenso großen und strukturellen Problemen zu kämpfen haben wie in Deutschland, war der "Train à grande vitesse" von vornherein ein Erfolg. Nach dem Überschalljet Concorde konnte Frankreich weltweit mit einem weiteren Tempo-Projekt renommieren: Am 27. September 1981 ging es mit der Strecke Paris-Lyon los, 1989 waren knapp 200 Kilometer Richtung Bordeaux fertig, 1993 die Strecke von der Hauptstadt nach Calais am Ärmelkanal. Wie eine Krake ihre Fangarme, so rollte die SNCF die Schienenstränge von Paris ins Land - und konnte sowohl dem Autoverkehr als auch den Flugzeugen Marktanteile abjagen. Komplizierte Technik Die weit reichenden Ambitionen stellte die SNCF - und damit der hinter ihr stehende, ständig Milliardenbeträge zuschießende französische Staat - im vergangenen Jahrzehnt neu unter Beweis. Die TGV-Fangarme wurden ins Ausland ausgeworfen: Seit 1994 ist Großbritannien durch den Kanaltunnel mit dem Eurostar erreichbar, seit 1996 verkehren Thalys-Züge auf dem Streckennetz zwischen Paris, Brüssel, Amsterdam und Köln - vollgestopft mit komplizierter Technik, weil sie durch vier Länder rollen und mit vier unterschiedlichen Volt-Stärken zurechtkommen müssen. Die Internationalisierung ist nicht abgeschlossen: Ein gutes Jahrzehnt wird es noch dauern, bis eine Strecke zwischen Lyon und Turin auch Italien ans französische Netz anschließt. Dabei sind ebenso aufwändige Tunnelbauten erforderlich wie auf der geplanten Pyrenäen-Durchquerung Richtung Spanien. Zum internationalen Ausbau zählt die SNCF auch das derzeit größte Projekt, den "TGV Osteuropa", der über die Strecke Paris-Straßburg zugleich kürzere Fahrtzeiten Richtung München und Wien bringen soll. Rund 4000 Arbeiter sind dabei, dieses Projekt aus dem Boden zu stampfen. Im Jahr 2007 soll das 400 Kilometer entfernt liegende Straßburg von Paris aus in 140 Minuten erreichbar sein. Das Hochgeschwindigkeitsnetz der SNCF, das völlig ohne Bahnübergänge auskommt und seit 22 Jahren ohne tödliche Kollision betrieben wird, wächst dann auf 1800 Kilometer an. Geschwindigkeitsrekord eingebüßt Den Geschwindigkeits-Weltrekord hat der TGV kurz vor der Jahrtausendwende eingebüßt. Mit 552 Stundenkilometern zog die japanische Magnetschwebebahn Maglev an ihm vorbei. Auch auf den internationalen Märkten konnten sich die Franzosen nicht überall durchsetzen. In Taiwan hatte der japanische Shinkansen die Nase vorn, auf der Strecke Madrid-Barcelona der ICE. Aber auf dem heimischen Markt, wo die SNCF bislang eine Monopolstellung genießt, sind sich alle Provinzstädte einig - sie wollen schnellstmöglich ans TGV-Netz angebunden werden. Das kann mitunter skurrile Blüten treiben. So verkehrt der TGV zum Badeort Les Sables d'Olonne am Atlantik auf den letzten hundert Kilometern auf einer völlig überalterten Trasse. Dort wird eine Diesellok angekuppelt, um die High-Tech-Züge an die Küste zu ziehen. Spitz bemerkt der Pariser Express, es sei, als würde ein Esel vor einen Spitzen-Galopper gespannt.
Seit der Hochgeschwindigkeitszug 1981 erstmals von Paris nach Lyon donnerte, stellt er immer neue Rekorde auf und entwickelte sich zu einem kommerziellen Erfolg.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tgv-jubilaeum-1-000-000-000-fahrgaeste-1.902533
TGV-Jubiläum - 1.000.000.000 Fahrgäste
00/05/2010
Im Tarifstreit bei der Deutschen Telekom verwahrt sich Streikleiter Ado Wilhelm gegen jede Kritik an der Doppelfunktion des Verdi-Verhandlungsführers Lothar Schröder. Auch wenn Schröder Telekom-Aufsichtsrat sei, bestehe kein Interessenkonflikt. Die Mitarbeiter der Telekom streiken weiter. "Am Donnerstag beteiligen sich bundesweit wieder 15.000 Beschäftigte an dem Arbeitskampf", sagte der Streikleiter Ado Wilhelm der Süddeutschen Zeitung. Für den Beginn der sechsten Streikwoche am Freitag kündigte er eine Reduzierung an, dann sollen 10.000 Beschäftigte ihre Arbeit niederlegen. Angesichts der Wut der Beschäftigten sei es schwierig, die Streiks zurückzufahren, sagte Wilhelm. 50.000 Beschäftigten will die Telekom in den neuen Bereich T-Service verlagern. Dort sollen sie für weniger Geld länger arbeiten. Die Streik-Aktionen haben den Betriebsablauf bei der Telekom erheblich gestört. Verhandlungen in Bad Neuenahr Unterhändler der Gewerkschaft und der Telekom verhandeln seit Mittwoch im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr über die Tarifkonditionen für die rund 50.000 Mitarbeiter. Sie werden am Donnerstagmittag die Verhandlungen fortsetzen. Weil Telekom und Gewerkschaft in vielen zentralen Fragen noch auseinander liegen ist eine gesichtswahrende Lösung schwierig. Mit einer schnellen Einigung sei nicht zu rechnen, sagt Wilhelm. Allerdings haben die Arbeitnehmer durch die Streiks schon einiges erreicht. So pocht die Telekom nun nur noch auch neun Prozent Lohnkürzung und vier Stunden längere Arbeitszeiten, anfangs waren es zwölf Prozent weniger und sechs Stunden Mehrarbeit. Laufen die Geschäft gut, dann sollen die Beschäftigten zudem Bonuszahlungen erhalten. 30 bis 40 Details zu klären Verdi sperrt sich bislang gegen Lohnkürzungen. Darüber hinaus gibt es viele Details zu klären. Hier reden wir über 30 bis 40 Punkte, sagte Wilhelm, beispielsweise Rentenansprüche. Eine Einigung sei nicht vor dem Wochenende möglich, hieß es aus Verhandlungskreisen. Deutlich wies Wilhelm die Kritik an der Doppelfunktion von Gewerkschaftsmitgliedern als Streikverantwortliche und Aufsichtsratsfunktionen zurück. Interessen der Arbeitnehmer Bei der Betrachtung des Unternehmenswohls müssten selbstverständlich neben den Kapitalinteressen auch die Interessen der Arbeitnehmer berücksichtigt werden. Über rechtliche Konsequenzen mache sich deswegen niemand bei Verdi einen Kopf sagte Wilhelm, der nicht nur Streikführer sondern ebenfalls stellvertretender Aufsichtsratschef bei T-Mobil ist. Kritisch geäußert hatte sich der Jurist Marcus Lutter, er hatte auf einen Interessenkonflikt bei dem Verhandlungsführer von Verdi im Telekomkonflikt verwiesen. Lothar Schröder sei als Verhandlungsleiter den Streikenden verpflichtet, als stellvertretender Telekom-Aufsichtsratschef den Unternehmensinteressen. Wilhelm sieht in den Aussagen des Juristen einen Angriff auf die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer in Deutschland.
Im Tarifstreit bei der Deutschen Telekom verwahrt sich Streikleiter Ado Wilhelm gegen jede Kritik an der Doppelfunktion des Verdi-Verhandlungsführers Lothar Schröder. Auch wenn Schröder Telekom-Aufsichtsrat sei, bestehe kein Interessenkonflikt.
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Tarifstreit bei der Telekom - Verdi bestreitet Interessenkonflikt
00/05/2010
In Wolfsburg freut man sich über kräftige Gewinnsteigerung beim größten Autohersteller Europas. Doch nicht nur steigende Absatzzahlen sind dafür verantwortlich. Der Volkswagen-Konzern hat Gewinn und Absatz im vergangenen Jahr kräftig gesteigert. Das Ergebnis nach Steuern hat sich 2006 mehr als verdoppelt und liegt bei 2,75 Milliarden Euro. Detailansicht öffnen Auf Hochglanz poliert: Nicht nur das VW-Logo. (Foto: Foto: dpa) VW hatte im vergangenen Jahr auf Grund vieler neuer Modelle einen Absatzrekord erzielt und die Wettbewerbsfähigkeit durch drastische Kostensenkungen deutlich erhöht. Die Zahl der Auslieferungen an Kunden legte um 9,4 Prozent auf 5,73 Millionen Fahrzeuge zu, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Knapp 20 Prozent Marktanteil Der Marktanteil des Volkswagenkonzerns in Europa stieg von 18,9 Prozent im Jahr 2005 auf 19,9 Prozent im Jahr 2006. Der Umsatz legte um 11,6 Prozent auf 104,9 Milliarden Euro zu. Allerdings drückten hohe Kosten für den Abbau von 20.000 Stellen auf das Ergebnis: Das operative Ergebnis nach Sondereinflüssen fiel um 20,8 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro. VW hatte 2006 auch als das "Jahr der Restrukturierung" bezeichnet. Anhebung der Dividende Die Aktivitäten zur Verbesserung der Kostenstrukturen und der Prozesse sollen im laufenden Jahr mit "unverminderter Kraft" fortgesetzt werden. Die Dividende für 2006 soll angehoben werden, und zwar auf 1,25 (1,15) Euro je Stammaktie. An der Börse gewann die VW- Aktie fast fünf Prozent. Der Jahresabschluss 2006 ist geprägt von mehreren Sonderfaktoren. Belastend wirkten sich hohe Kosten für die Sanierung der Kernmarke VW aus. VW nannte keine genaue Summe. Positiv zu Buche schlug ein Sonderertrag aus dem Verkauf der Autovermiet-Tochter Europcar. Dazu kam eine Körperschaftsteuergutschrift. Unterm Strich betrug das Ergebnis nach Steuern 2,75 Milliarden Euro, nach 1,12 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 11,6 Prozent auf fast 105 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einem leichten Anstieg der Auslieferungen an Kunden und damit mit einem höheren Umsatz. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen werde voraussichtlich über dem des Vorjahres liegen.
In Wolfsburg freut man sich über kräftige Gewinnsteigerung beim größten Autohersteller Europas. Doch nicht nur steigende Absatzzahlen sind dafür verantwortlich.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/volkswagen-praesentiert-bilanzzahlen-ein-gutes-jahr-fuer-vw-1.919401
Volkswagen präsentiert Bilanzzahlen - Ein gutes Jahr für VW
00/05/2010
Der Vorschlag von Industrie und Arbeitgebern, die betriebliche Mitbestimmung einzuschränken, stößt auf breite Kritik bei Gewerkschaftern wie Verdi-Chef Frank Bsirske und den Parteien. Nur die FDP signalisiert Zustimmung. "Das Kapital sieht eine historische Chance, wieder ganz allein das Sagen zu haben", sagte IG-Metall-Vize Berthold Huber. Detailansicht öffnen Verdi-Chef Bsirske spricht sich gegen die "Zerschlagung der Arbeitnehmerrechte" aus. (Foto: Foto: dpa) Die Regierung erklärte, sie plane keine Änderungen am Mitbestimmungsgesetz. Die Gewerkschaften wiesen den Vorstoß der Wirtschaftsverbände als "Generalangriff" auf die Mitbestimmung zurück. Politiker der SPD-, aber auch der CDU/CSU-Bundestagsfraktion übten Kritik an dem Konzept des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Diese hatten zuvor einen 60 Seiten umfassenden Bericht einer gemeinsamen Arbeitskommission vorgelegt, in dem sie sich für deutliche Einschnitte bei der Mitsprache von Arbeitnehmervertretern in Unternehmen aussprechen. Im Kern sieht das Konzept vor, dass Management und Arbeitnehmer Form, Art und Umfang der Mitbestimmung in den Betrieben selbst über Vereinbarungen regeln. Bei Streitigkeiten sollen gesetzliche Regelungen greifen, die zu Ungunsten der Beschäftigten von den derzeit gültigen Vorschriften abweichen. Insbesondere die Rolle der Gewerkschaften würde erheblich geschwächt. Diese kritisierten das Konzept dementsprechend scharf. "Einige Arbeitgeberfunktionäre wittern offenbar Morgenluft für die Zerschlagung von Arbeitnehmerrechten", sagte Verdi-Chef Frank Bsirske der Süddeutschen Zeitung. Keine bewährten Arbeitnehmerrechte "über Bord werfen" Dabei habe sich die Beteiligung der Arbeitnehmer "als sehr geeignet erwiesen, tragfähige Lösungen für die Zukunft von Unternehmen herbeizuführen, wie nicht zuletzt das Beispiel Karstadt sehr gut dokumentiert". Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, erklärte, über Jahrzehnte bewährte Arbeitnehmerrechte "über Bord zu werfen für eine vorgebliche Modernisierung der Mitbestimmung, hieße den Standort Deutschland nachhaltig zu schwächen". Beifall nur von der FDP Auch in der Regierung stieß das Konzept von BDI und BDA, über das die Verbandspräsidien im November abstimmen sollen, auf wenig Zustimmung. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) teilte mit, Rot-grün plane keine Änderungen am Mitbestimmungsgesetz. Man stehe allerdings vor der Herausforderung, die deutschen Regelungen europatauglich zu machen. Darüber führe man mit den Gewerkschaften Gespräche.
Der Vorschlag von Industrie und Arbeitgebern, die betriebliche Mitbestimmung einzuschränken, stößt auf breite Kritik bei Gewerkschaftern wie Verdi-Chef Frank Bsirske und den Parteien. Nur die FDP signalisiert Zustimmung.
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Vorstoß von BDI und BDA - Ein Generalangriff auf die Mitbestimmung
00/05/2010
Die Senioren haben das Kino neu für sich entdeckt und die Branche reagiert: Mit ausgefeilten Events rund um den gezeigten Film und Knabberware jenseits von Nachos mit Käseimitat. Gurken-Papaya-Salat, Kartoffelpfanne mit Hähnchen und Pfifferlingen, Crêpes mit Heidelbeerquarkfüllung, Verkostung von Frankenweinen und dazu die Vorpremiere der Komödie Wer schneller stirbt ist länger tot - alles zusammen für 15 Euro. Detailansicht öffnen Die Kinowerbung hat Senioren als Zielgruppe entdeckt. (Foto: Foto:) Wenn das Bayreuther Cineplex-Kino zu seiner Veranstaltungsreihe "Kino & Vino" lädt, darf und soll der Besucher schlemmen, manchmal kulinarisch abgestimmt auf den Film, den es im Anschluss zu sehen gibt. Die Event-Reihe ist ein Angebot der inhabergeführten Thomas Filmtheater für das Publikum ab 45 Jahren. "Man muss sich schon etwas einfallen lassen, um Leute ins Kino zu holen, die dort meist schon lange nicht mehr waren", sagt Betreiber Michael Thomas, im Zweitberuf Vizepräsident der Gilde Deutscher Filmtheater. Schmackhaft gemacht Filme wie "Die Reise des jungen Che", "Die weiße Massai" oder "Stolz & Vorurteil" wurden dem Publikum mittleren Alters schon erfolgreich schmackhaft gemacht. Gemeinsam mit dem evangelischen Bildungswerk etablierte Thomas die Reihe "Delikatessen" - eine Kombination aus Filmsehen und Diskutieren. So konnten sich Kinobesucher im Anschluss an "Im toten Winkel - Hitlers Sekretärin" mit einem Historiker austauschen. Eine Streetworkerin diskutierte nach Detlev Bucks Jugendgang-Film "Knallhart" mit dem Publikum. Demografischer Wandel Kein Zweifel, auch die Filmwirtschaft bekommt den demografischen Wandel zu spüren: Obwohl die Anzahl der Kinobesucher insgesamt in den letzten fünf Jahren um 26 Millionen auf 127 Millionen jährlich schrumpfte, stieg der Anteil der über 50-jährigen Kinobesucher an - um sechs Millionen auf 14 Millionen Zuschauer. Zugleich ging der Anteil der 20- bis 29-jährigen Kinobesucher von 40 auf 28 Millionen zurück. Die deutschen Best Ager sind allerdings ziemliche Kinomuffel, im Gegensatz zu Schweizern und Franzosen, die gerade bei anspruchsvollen Filmen bis zu zehnmal häufiger ins Kino gehen.
Die Senioren haben das Kino neu für sich entdeckt und die Branche reagiert: Mit ausgefeilten Events rund um den gezeigten Film und Knabberware jenseits von Nachos mit Käseimitat.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zielgruppe-senioren-im-abendkleid-ins-kino-1.905762
Zielgruppe Senioren - Im Abendkleid ins Kino
00/05/2010
Der in die Kritik geratene EADS-Chef Noel Forgeard streitet die Schuld für die Lieferprobleme bei Airbus ab. Mitschuld trage vielmehr das Hamburger Airbus-Werk. Damit wies Forgeard die Schuld von sich und nahm den Deutschen Gustav Humbert, der ihm vor einem Jahr als Airbus-Chef nachfolgte, indirekt in Schutz. Detailansicht öffnen Geht in die Offensive: EADS-Co-Chef Noel Forgeard. (Foto: Foto: Reuters) Der Großaktionär Lagardère hatte zuvor angekündigt, gemeinsam mit dem deutschen Partner und EADS-Großaktionär DaimlerChrysler die Verantwortung Forgeards und auch Humberts für das Debakel überprüfen zu wollen. "Ich möchte bleiben und meinen Teil beitragen", antwortete Forgeard im französischen Radio auf die Frage nach seinem Rücktritt, "aber darüber müssen die Aktionäre entscheiden." Er fügte hinzu: "Es liegt nicht in meiner Natur, aufzugeben." "Konzentration von Problemen in Hamburg" Eine "ziemlich starke Konzentration von Problemen" sieht Forgeard in Hamburg. Dort wird die Verkabelung und Innenausstattung des A380 vorgenommen. Bei Modellen des A340 war es vor zwei Jahren bereits zu Verzögerungen gekommen. Der deutsche Airbus-Chef Gerhard Puttfarcken wies den Angriff aus Frankreich zurück, nahm aber zu den Argumenten nicht näher Stellung. "Wir brauchen keine Schuldzuweisungen, das ist nicht in Ordnung", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Sinnvoller sei es, die Mitarbeiter zu motivieren, um die Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Ob die Verzögerungen Konsequenzen für die Mitarbeiter an den deutschen Standorten haben würden, wie etwa in Form längerer Arbeitszeiten, könne er derzeit noch nicht absehen. Kritik an knapper Begründung Analysten bemängelten am Freitag die knappe Begründung von Airbus für die Verzögerung. In Anbetracht des Vertrauensverlustes seien ausführliche Details wünschenswert gewesen, meinte Nils Machemehl von MM Warburg.
Der in die Kritik geratene EADS-Chef Noel Forgeard streitet die Schuld für die Lieferprobleme bei Airbus ab. Mitschuld trage vielmehr das Hamburger Airbus-Werk.
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Airbus-Krise - Forgeard weist Verantwortung von sich
00/05/2010
"Es war ein herausragendes Quartal für Apple", so Konzernchef Steve Jobs. Dank starker Verkäufe des Macintosh-Computers und des Musikplayers iPod laufen die Geschäfte so gut, wie seit Jahren nicht mehr. Der Umsatz legte um 36 Prozent auf gut zwei Milliarden Dollar zu, so viel wie seit vier Jahren nicht mehr. Auch in Deutschland laufen die Geschäfte des Computerbauers gut. Für das laufende zweite Quartal rechnet Apple mit prozentual zweistelligen Zuwächsen bei Gewinn und Umsatz. Den Umsatz erwartet Apple bei 1,8 Milliarden Dollar, den Gewinn bei 8 bis 10 Cent je Aktie. Bisher gingen Analysten von 7 Cent Gewinn je Aktie und 1,7 Milliarden Dollar Umsatz aus. Im nachbörslichen Handel legte die Aktie um rund 5 Prozent auf 22,95 Dollar zu. Gewinne nach Verlusten Im dem Ende Dezember abgeschlossenen ersten Quartal erzielte Apple einen Gewinn von 17 Cent je Aktie nach einem Verlust in Höhe von 2 Cent vor einem Jahr. Unterm Strich war das ein Überschuss von 63 Millionen Dollar - deutlich über den von Analysten erwarteten 58 Millionen Dollar. Vor einem Jahr hatte der Quartalsverlust acht Millionen Euro betragen. Apple-Chef Jobs verwies er auf den Erfolg der Musikplattform iTunes, die im legalen Online-Musikmarkt einen Marktanteil von 70 Prozent habe. Dies schlug sich auch auf die Verkäufe der digitalen Musikabspielgeräte nieder. In den drei Monaten verkaufte Apple 829.000 iPod-Player, zwölf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bis Ende 2003 hatte Apple über iTunes 25 Millionen Musikstücke verkauft. Zugpferd iPod Auch in Deutschland sieht sich Apple sich vor allem dank des Musikplayers iPod im Aufwind. "Der iPod ist das große Zugpferd." Er sei überzeugt davon, dass der Trend bei tragbaren Musikabspielgeräten Apple über die nächsten Jahre begleiten werde und nicht nur eine Modewelle sei. Einen Schub für das Geschäft werde es noch einmal gebe, wenn es auch in Europa ein Internet-Portal für den Download von Musikstücken gebe. In den USA können sich die Kunden für 99 Cent Songs aus dem Apple-eigenen iTunes Music Store herunterladen. Insgesamt konnte Apple in Deutschland nach Angaben Steinhoffs im abgelaufenen Quartal sogar noch stärker zulegen als im Rest Europas. Enge Budgets "Es geht Schritt für Schritt aufwärts." Die klassischen Kunden von Apple in Verlagen und Agenturen seien allerdings in Deutschland noch immer zurückhaltend. "Die Budgets sind nach wie vor sehr eng." In Bereichen wie Architektur und der Medizin ziehe die Nachfrage spürbarer an. Insgesamt laufe besonders das Geschäft mit den tragbaren Geräten gut.
"Es war ein herausragendes Quartal für Apple", so Konzernchef Steve Jobs. Dank starker Verkäufe des Macintosh-Computers und des Musikplayers iPod laufen die Geschäfte so gut, wie seit Jahren nicht mehr.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/apple-computer-der-apfel-gedeiht-1.917303
Apple Computer - Der Apfel gedeiht
00/05/2010
Ohne viel Aufhebens und nach bemerkenswert kurzen Verhandlungen haben sich Gewerkschaft und Arbeitgeber in der Chemieindustrie auf Lohnerhöhungen von gut zweieinhalb Prozent geeinigt. Mit Einkommenserhöhungen von 2,6 Prozent setzen die Chemiker erneut die Orientierungsmarke für andere Branchen wie Druck, Papierverarbeitung oder Handel. Zufriedene Verhandlungspartner Beide Seiten waren sichtlich zufrieden, dass sie das Tarifpaket in nur drei Verhandlungsrunden geschnürt bekamen. Mit den nun ausgehandelten 2,6 Prozent ist die Gewerkschaft zwar nicht ganz zufrieden, mehr war aber diesmal nicht herauszuholen. Die lahmende Wirtschaft macht auch der Chemieindustrie zu schaffen. Die rund 1800 Unternehmen rechnen in diesem Jahr nur noch mit einem Plus von 0,5 Prozent bei der Produktion. Besonders stolz sind Gewerkschaft und Arbeitgeber auf den ersten Tarifvertrag zur Ausbildung, den IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt prompt zur Nachahmung empfahl. Während bundesweit über eine Zwangsabgabe zur Schaffung von mehr Lehrstellen diskutiert wird, hat die Chemie das Problem für sich selbst gelöst. Perspekitve bis 2007 Bis 2007 verpflichten sich die Unternehmen, entsprechend der steigenden Schulabgängerzahlen mehr Ausbildungsplätze für junge Menschen zur Verfügung zu stellen. Wenn die Industrie die Vorgaben übertrifft, ist die Gewerkschaft bereit, über das Einfrieren der Ausbildungsvergütungen zu verhandeln. Sollten die Arbeitgeber das Ziel verfehlen, wird nachverhandelt.
Ohne viel Aufhebens und nach bemerkenswert kurzen Verhandlungen haben sich Gewerkschaft und Arbeitgeber in der Chemieindustrie auf Lohnerhöhungen von gut zweieinhalb Prozent geeinigt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tarifrunde-abgeschlossen-die-chemie-stimmt-1.898182
Tarifrunde abgeschlossen - Die Chemie stimmt
00/05/2010
Der taiwanesiche Hersteller BenQ übernimmt die verlustbringende Mobilfunksparte komplett. Statt einen Kaufpreis zu erhalten, gibt Siemens eine umfangreiche Mitgift mit auf den Weg. Der taiwanesische BenQ-Konzern übernimmt die Sparte und darf die Marke Siemens fünf Jahre lang nutzen. Detailansicht öffnen Das Outdoor-Handy M65 von Siemens liegt zu Vorführung seiner Robustheit im Sand. (Foto: Foto: dpa) "Mit dieser Partnerschaft haben wir eine nachhaltige Perspektive für unser Mobiltelefongeschäft gefunden", sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. In der Branche war spekuliert worden, dass Siemens über ein Gemeinschaftsunternehmen eine Zeit lang engagiert bleibt. Dies ist nun aber nicht der Fall. Die Trennung kostet Siemens 350 Millionen Euro vor Steuern. Das Werk in Kamp-Lintfort soll erhalten bleiben. "Für uns war die Weiterführung des Standorts Kamp-Lintfort ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für einen Käufer", sagte Kleinfeld. Arbeitsplätze bedroht Der Ergänzungstarifvertrag für das Werk gilt laut Siemens weiter. Im vergangenen Jahr hatten sich die Beschäftigten auf längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn eingelassen. Im Gegenzug wurden die Arbeitsplätze für zwei Jahre bis zum Sommer 2006 gesichert. Darüber hinaus gibt BenQ aber entgegen Medienspekulationen keinerlei Garantien für die mehr als 3000 Arbeitsplätze in Deutschland. Neben Kamp-Lintfort mit gut 2000 Beschäftigten ist vor allem München betroffen. Siemens hatte zuletzt mit den Handys täglich mehr als eine Million Euro Verlust gemacht. Der Weltmarktanteil brach dramatisch auf nur noch 5,5 Prozent ein. Interesse am Markennamen BenQ, eine Ausgliederung des Acer-Konzerns, ist an der vor allem in Europa und Südamerika noch immer starken Marke Siemens interessiert. Hier sind die Asiaten bisher noch praktisch gar nicht aktiv. "Durch die Akquisition sind wir unserem Ziel, zu den größten Anbietern im Markt aufzuschließen, ein erhebliches Stück näher gekommen", sagte BenQ-Chef KY Lee laut Mitteilung. "Mit der Transaktion bekommen wir exzellente Mitarbeiter, etablierte Vertriebskanäle und eine hochkarätige Kundenbasis." Siemens kommt der Befreiungsschlag noch einmal teuer zu stehen. Im Rahmen des Verkaufs bekommt Siemens kein Geld, sondern muss der Abspaltung noch Mittel mit auf den Weg geben. Zugeständnisse an BenQ Um das Vertrauen in BenQ zu dokumentieren, übernimmt Siemens zudem neue Aktien von BenQ für 50 Millionen Euro. Die beiden Unternehmen wollen außerdem enge Geschäftsbeziehungen pflegen. BenQ sei künftig der bevorzugte Lieferant für Endprodukte in der mobilen Kommunikation. Siemens hatte ursprünglich das Handygeschäft gemeinsam mit den Schnurlos-Telefonen ausgegliedert. Bei einem Komplettverkauf wären 10.000 Beschäftigte betroffen gewesen. Das profitable Schnurlossegment mit seinem Werk Bocholt bleibt aber bei Siemens.
Der taiwanesiche Hersteller BenQ übernimmt die verlustbringende Mobilfunksparte komplett. Statt einen Kaufpreis zu erhalten, gibt Siemens eine umfangreiche Mitgift mit auf den Weg.
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Siemens-Handys - Nur der Name bleibt
00/05/2010
VW-Personalvorstand Peter Hartz hat dem Aufsichtsrat des Wolfsburger Unternehmens seinen Rücktritt angeboten. Der 63-Jährige war in den vergangenen Tagen in einer Korruptions- und Schmiergeldaffäre, in die Vertraute von ihm verstrickt waren, immer stärker unter Druck geraten. Der niedersächsische CDU-Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff erklärte, der Rücktritt solle "mit sofortiger Wirkung" akzeptiert werden. Nach offizieller Darstellung des Automobilkonzerns übernimmt Hartz "die politische Verantwortung für die Unregelmäßigkeiten einzelner Mitarbeiter". Der VW-Konzern teilte mit, die Spekulationen und Anwürfe hätten "ein Ausmaß erreicht, das im Hinblick auf das Image unseres Unternehmens, unserer Produkte und unserer Mitarbeiter nicht tolerierbar ist", sagte der Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder. Konto für spezielle Wünsche "In den zurückliegenden Wochen ist der Konzern durch das Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter auf eine unerträgliche Art und Weise in die Schlagzeilen geraten", sagte Pischetsrieder. Er kündigte "eine lückenlose und zügige Aufklärung" und Konsequenzen "ohne Rücksicht auf Ämter und Personen" an. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte, der Rücktritt sei "kein Thema für den Bundeskanzler". Hartz habe "sehr, sehr viel gegeben für VW und auch für Deutschland". Ansonsten sei das Ganze eine Angelegenheit des Unternehmens. Wann der Aufsichtsrat über den Rücktritt Hartz' entscheidet, ist offen. Bereits am Donnerstag hatten nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Pischetsrieder und Wulff über die Krise bei dem Konzern gesprochen. Sie sollen sich einig gewesen sein, dass Hartz nicht mehr zu halten sei. Hartz, der seit Einführung der nach ihm benannten Arbeitsmarktreform der bekannteste Personalvorstand Deutschlands ist, wird vorgeworfen, ein Netz von Abhängigkeiten zwischen Betriebsräten und Managern geknüpft zu haben. Das System flog auf, als zwei seiner Vertrauten versuchten, über Tarnfirmen mit Volkswagen Geschäfte zu machen. Hartz war in den vergangenen Tagen im Zusammenhang mit vom Konzern finanzierten Lustreisen für Betriebsratsmitglieder in die Kritik geraten. Eine Schlüsselrolle in der Affäre spielt ein früherer Mitarbeiter seiner Personalabteilung, Klaus-Joachim Gebauer. Der Manager, der einst Treffen des Europa- und Weltbetriebsrates organisierte und seit mehr als einem Jahrzehnt für die Koordination zwischen Gesamtbetriebsratsausschuss und Vorstand zuständig war, hatte nach eigenen Angaben auch sehr delikate Angelegenheiten arrangiert. Der inzwischen entlassene Gebauer, der von dem Kieler Anwalt Wolfgang Kubicki vertreten wird, hat eine 60 Seiten umfassende Beichte verfasst. In seinen Erinnerungen, die zu einer Geschichte in der Bild-Zeitung über Liebschaften in Hartz' Umfeld führten, beschreibt Gebauer das System der Vergünstigungen für Betriebsratsmitglieder - einschließlich Zahlungen für Affären. Zu Reisen der Arbeitnehmer beispielsweise sollen Prostituierte eingeflogen worden sein. Eigenbelege in Höhe von einer Million Euro Gebauer unterhielt bei der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg ein Konto , das von VW gespeist wurde. Von diesem wurden nach Darstellung Gebauers spezielle Wünsche von VW-Mitarbeitern bezahlt. Es wurden Eigenbelege über fünfstellige Summen ausgestellt, die ohne Rückfrage vom Konzern akzeptiert wurden. Nach SZ-Informationen wurden innerhalb von zwei Jahren Eigenbelege in Höhe von einer Million Euro verzeichnet. Auch sollen, mit Wissen von Hartz, Mitglieder des Betriebsratsausschusses samt Frauen mit dem Firmenflieger einmal im Jahr in europäische Metropolen gereist sein, den Frauen soll "Taschengeld" von 1000 bis 2000 Euro überreicht worden sein. Die Verwendung des auf das Konto eingegangenen Geldes sollte auf Anweisung des Vorstands nicht genau überprüft werden. Der frühere Betriebsratschef Klaus Volkert, auch er ein Hartz-Vertrauter und noch immer Aufsichtsrats-Mitglied, konnte sich auch in sehr privaten Angelegenheiten auf VW verlassen. Der Konzern zahlte einer Brasilianerin, mit der er eine Liaison hatte und die angeblich Firmenvideos produzierte, pro Quartal 23.008 Euro auf ein weiteres Gifhorner Konto. Dazu kamen Flüge durch Europa und nach Südamerika im Wert von bis zu 10.000 Euro im Monat. Die Abrechnungen wurden als Auslagen des Betriebsrats getarnt.
Der VW-Personalvorstand übernimmt die "politische Verantwortung für Unregelmäßigkeiten einzelner Mitarbeiter".
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Konsequenzen aus der Affäre bei Volkswagen - Hartz gibt auf
00/05/2010
Nach einer Umfrage der Süddeutschen Zeitung rechnen die meisten Banken nicht damit, dass die Europäische Zentralbank am kommenden Donnerstag die Leitzinsen weiter senken wird. Im Herbst könnten sich die Währungshüter aber noch einmal zu einem Zinsschritt durchringen, glauben manche der Bank-Volkswirte. (SZ vom 1.9.2003) Die Volkswirte großer Banken sind sich nicht einig, ob die Talsohle bei den Zinsen in Europa erreicht ist oder nicht. Einige erwarten eine weitere Senkung der Leitzinsen bis Jahresende, andere halten dies weder zur Stützung des Aufschwungs noch angesichts der Preisentwicklung für erforderlich. In einem Punkt stimmen die von der Süddeutschen Zeitung befragten Bankvolkswirte überein. Am kommenden Donnerstag dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen unverändert beim Satz von zwei Prozent belassen. Entscheidend für den weiteren Kurs der Geldpolitik wird das Ausmaß des erwarteten Aufschwungs in Euroland, die Preisentwicklung und der Kurs des Euro sein. Der Wert der europäischen Währung ist von 1,19 Dollar Ende Mai auf derzeit rund 1,08 Dollar zurückgefallen. Nach Ansicht von Allianz-Volkswirt Michael Heise sollte die EZB weder eine Lockerung noch eine Straffung ihrer Geldpolitik signalisieren. Im Euroraum gebe es berechtigte Hoffnungen auf eine Wirtschaftsbelebung. Der Preisanstieg sei hartnäckiger als zunächst angenommen. "Dies ist kein Umfeld mehr, in das eine weitere Leitzinssenkung passt", schätzt der Volkswirt die Lage ein. Lediglich auf einen - allerdings unwahrscheinlichen - Dollar-Absturz müsse die EZB mit geldpolitischer Lockerung reagieren. Euro unter Wert Holger Schmieding von der Bank of America sieht das ähnlich. Angesichts des bevorstehenden Aufschwungs gebe es für die Zentralbank keinen Grund, einzugreifen. Die Geldpolitiker könnten ein ganzes Jahr lang passiv bleiben, wenn der Wechselkurs des Euro keinen weiteren Handlungsbedarf signalisiere, sagte Schmieding. Der Kurs der Einheitswährung wird sich nach seiner Einschätzung bei 1,08 bis 1,14 Dollar einpendeln.Sollten sich die Wirtschaftsdaten wie erwartet verbessern, dann ist das Zinstief im laufenden Zyklus erreicht, meint Ulrich Ramm von der Commerzbank. Er erwartet in diesem Jahr keine Zinssenkung mehr. Der Dollar habe seine Schwächephase überwunden, der Euro werde schon wieder unter Wert gehandelt. Erste Anzeichen für eine zögerliche konjunkturelle Erholung sind für den Morgan-Stanley-Experten Joachim Fels kein Grund, die Leitzinsen bei zwei Prozent zu belassen. "Wir sehen noch eine Zinssenkung von 0,25 Basispunkten im vierten Quartal", sagt er. Allerdings könne eine weitere Euro-Schwäche auch das Aus für eine Zinssenkung bedeuten. Auch nach Ansicht von Michael Hüther (Dekabank) hat die EZB anders als die US-Notenbank "noch Luft für einen weiteren kleinen Zinsschritt". Angesichts der Aussicht auf eine Inflationsrate von 1,3 Prozent im Schnitt des kommenden Jahres in der Eurozone habe die Notenbank gute Gründe für diesen Schritt. Er sei im Dezember zu erwarten. Ein Gegenargument läge in einer weiteren Euro-Abwertung. Hüther sieht den Euro aber zum Jahresende eher bei 1,15 Dollar. "Spielraum nach unten" Weil das Wirtschaftswachstum in Europa weitaus schwächer ausfallen wird als in den USA, hält es auch Martin Hüfner von der HypoVereinsbank für richtig, dass die EZB im Herbst die Zinsen noch einmal senkt. "Es ist zu befürchten, dass die Belebung eher ein Strohfeuer ist und die mittelfristigen Preisperspektiven eine Zinssenkung durchaus zulassen", meint er. Sicher ist er aber nicht, dass es zu einer weiteren Lockerung kommt. Sollten sich das Wachstum oder die Preisentwicklung mehr beschleunigen als derzeit erwartet, werde die EZB nicht prozyklisch wirken wollen. Nach Meinung von Jürgen Michels (Citigroup) hat die Zinspolitik in Europa "durchaus Spielraum nach unten". Er rechnet mit einer Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte im November. Der Euro werde sein derzeitiges Niveau halten. Die Notenbanken in den USA und Europa würden im übrigen erst 2005 die Wende zu höheren Leitzinsen einleiten. Die EZB hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren die Leitzinsen von 4,75 Prozent in sieben Schritten auf zwei Prozent gesenkt. Sie ging damit nicht ganz so radikal wie die amerikanische Notenbank Fed vor - sie stellt den Banken für die Geldleihe nur noch ein Prozent Zinsen in Rechnung.
Nach einer Umfrage der Süddeutschen Zeitung rechnen die meisten Banken nicht damit, dass die Europäische Zentralbank am kommenden Donnerstag die Leitzinsen weiter senken wird. Im Herbst könnten sich die Währungshüter aber noch einmal zu einem Zinsschritt durchringen, glauben manche der Bank-Volkswirte.
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Geldpolitik - Hoffnung auf Leitzins-Senkung schwindet
00/05/2010
Investoren aus dem weiteren Umfeld Ferdinand Piëchs kaufen nach Aussage von Beobachtern derzeit in großem Stil VW-Aktien auf. So wolle Piëch seine Position bei dem Autobauer stärken, heißt es. VW-Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch steht möglicherweise hinter den Investoren, die seit Mitte Oktober an den Börsen VW-Aktien aufkaufen. In dieser Zeit stieg der Kurs von 70 Euro auf zeitweise über 80 Euro, so hoch wie seit acht Jahren nicht. Detailansicht öffnen Will seine Macht nun auch mit Aktien absichern: VW-Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch. (Foto: Foto: ddp) Piëch ist über sein Familienunternehmen Porsche bereits heute mit 21,3 Prozent größter Aktionär bei Volkswagen. Die Aufstockung auf 29,9 Prozent ist im Gespräch und durch eine Option teilweise schon abgesichert. Investoren aus dem "weiteren Umfeld Piëchs" würden derzeit fünf bis sieben Prozent der VW-Aktien aufkaufen, hieß es am Wochenende. Das Ziel sei die Mehrheit auf der traditionell schwach besuchten Hauptversammlung. Eine aktienrechtlich erforderliche Meldung beim Überschreiten bestimmter Anteilsschwellen wird nun in den nächsten Tagen erwartet, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Süddeutschen Zeitung. Eine Unternehmenssprecherin lehnte am Sonntag einen Kommentar ab. Piëch hatte mit der auf sein Betreiben hin vom Präsidium des Aufsichtsrates am vergangenen Dienstag beschlossenen Ablösung von VW-Chef Bernd Pischetsrieder durch den Audi-Spitzenmanager Martin Winterkorn deutlich gemacht, wer bei Europas größtem Autohersteller faktisch das Sagen hat. Verzicht auf Chefposten nicht fix Nun strebt der 69-jährige ehemalige Chef des VW-Vorstandes auch die aktienrechtliche Absicherung seiner Stellung an. Angeblich denkt er auch keineswegs mehr daran, bei der nächsten Hauptversammlung im Mai - wie angekündigt - auf eine Kandidatur für den Aufsichtsrat zu verzichten. Nach dem Präsidium muss nun der gesamte Aufsichtsrat an diesem Freitag dem Wechsel von Pischetsrieder zu Winterkorn zustimmen. Der designierte VW-Chef will offenbar die Konzernstruktur ändern und die Automarken neu aufteilen. Es soll eine "Premiumgruppe" mit den Marken Audi, Bentley, Bugatti und Lamborghini geben und eine "Volumengruppe" mit Volkswagen, Seat und Skoda.
Investoren aus dem weiteren Umfeld Ferdinand Piëchs kaufen nach Aussage von Beobachtern derzeit in großem Stil VW-Aktien auf. So wolle Piëch seine Position bei dem Autobauer stärken, heißt es.
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Aufkauf von Aktien - Piëch baut seine Macht bei VW aus
00/05/2010
NBC und News Corp. steigen ins Online-Video Geschäft ein. Leidtragender ist der Marktführer Google mit seiner Website YouTube. Die US-Medienriesen News Corp. und NBC Universal steigen in großem Stil ins Internet-Videogeschäft ein und machen damit Google und seiner Video-Website YouTube massiv Konkurrenz. Detailansicht öffnen YouTube muss sich in Acht nehmen - die Konkurrenz schläft nicht. (Foto: Foto: dpa) News Corp. mit seinen Fox-Filmstudios und -Fernsehkanälen und NBC Universal wollen ein Video-Vertriebsnetz aufbauen. Partner, bei denen die Videos zu sehen sein werden, sind am Anfang die Onlinefirmen AOL (Time Warner), Yahoo!, MSN (Microsoft) und MySpace. Sie werden TV-Sendungen, Filme und andere Videos in Ausschnitten oder voller Länge anbieten können, wie die beiden Unternehmen am Donnerstag in New York mitteilten. Eine eigene Website ist auch geplant. Internet als vollständiges Unterhaltungsmedium Zu den werbenden Unternehmen gehören Großkonzerne wie General Motors, Intel, Cisco und Cadbury Schweppes. Zu den angebotenen Sendungen gehören unter anderem "Saturday Night Live", "The Simpsons", "Heroes", "The Tonight Show" und viele andere. Unter den angebotenen Filmen sind unter anderem "Borat", "Little Miss Sunshine" oder "Der Teufel trägt Prada". Das neue Unternehmen sei der Beweis dafür, dass das Internet ein vollständiges Unterhaltungsmedium sei, betonte AOL-Chef Randy Falco. Das neue Video-Plattform soll auch anderen Medienkonzernen offen stehen. Mit dem neuen Dienst steigt der Druck auf die populäre Video-Website YouTube, die im vergangenen Herbst von Google für 1,65 Milliarden Dollar in Aktien gekauft worden war. Bei YouTube werden die Videos vor allem von den Nutzern platziert, das Unternehmen will aber auch ein Kanal für Medienunternehmen sein. Problem: Urheberschutz Ein Problem ist allerdings, dass viele YouTube-Nutzer urheberrechtlich geschütztes Material ins Netz stellen. Der Medienkonzern Viacom (MTV, Nickelodeon) verklagte deshalb vor kurzem die Video-Website und den Mutterkonzern Google. Der Markt für Internet-Video entwickelt sich in den USA immer schneller. Viacom arbeitet mit dem konkurrierenden Online-Videodienst Joost zusammen, der sich noch im Aufbau befindet. Apple bietet über seinen iTunes Store TV-Sendungen und Filme zum Download an, hat aber bisher nur wenige Partner unter den Studios gewinnen können.
NBC und News Corp. steigen ins Online-Video Geschäft ein. Leidtragender ist der Marktführer Google mit seiner Website YouTube.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/konkurrenz-fuer-youtube-videoschlacht-im-netz-1.914924
Konkurrenz für YouTube - Videoschlacht im Netz
00/05/2010
So genannte GbR-Beteiligungen kommen immer mehr in Mode. Letztlich sind sie nichts anderes als Dachfonds für Steueraufschieber. Vorteil: Falls das Management während der befristeten Fonds-Laufzeit nicht völlig versagt, ist am Ende sogar noch Geld übrig. Da sage noch einer, Deutschlands Steuerspar-Branche gingen die Ideen aus. Zwar gibt es längst kein Fördergebietsgesetz mehr, dessen seinerzeitiger 50-prozentiger Sonderabschreibung es zu verdanken ist, dass die ostdeutschen Bundesländer fast überquellen vor unvermietbaren Büroobjekten, Einkaufscentern ohne Kunden und Schwimm-Opern ohne notorische Wasserratten. Detailansicht öffnen Der Welthandel boomt. Dem wachsenden Tonnagebedarf wird durch kräftigen Zubau begegnet. Im Bild Schiffstaufe in Stralsund. (Foto: Foto: ddp) Auch bei Schiffsbeteiligungen ist es mit hohen Anfangsverlusten, aus denen für Investoren zumindest eine Steuerstundung resultiert, mittlerweile nicht mehr weit her. Ab dem kommenden Jahr werden nur noch Fonds aufgelegt, die der so genannten Tonnage-Besteuerung unterliegen. Mit ihr ist zumindest sichergestellt, dass das Finanzamt - vom Gesetzgeber so gewollt - die Ausschüttungen an die Anleger ziemlich weit links liegen lässt. Kaum noch hohe Buchverluste am Anfang Aber anfangs hohe (Buch-)Verluste, mit denen vor allem Üppig-Verdiener ihr steuerpflichtiges Einkommen auf Hartz-IV-Niveau drücken konnten, gibt es kaum noch. Wer mit einem Investment jetzt noch rote Zahlen einfahren möchte, um sich im Finanzamt völlig legal deutlich ärmer zu rechnen, als er tatsächlich ist, muss schon auf Medienfonds und Beteiligungen an alternativen Energie-Produzenten ausweichen. Doch bis dato scheint es so, dass aus den zunächst buchhalterischen Miesen solcher Investments auf Dauer tatsächliche Verluste werden. Denn zumindest "bislang hat kein Medienfonds wirtschaftlich positive Ergebnisse abgeliefert", sagt etwa Peter Kastell, Geschäftsführer des Hamburger Analysehauses FondsMedia (FMG), das auf die Prüfung von Angeboten des so genannten freien Kapitalmarktes spezialisiert ist. Ob da außer steuerlichen Anfangsverlusten allein Luftnummern angeboten werden, wird sich in den nächsten Jahren noch herausstellen. Innovativ Substanz statt der vagen Hoffnung, dass ein Film zum Kinoknüller wird oder der Wind in den nächsten Jahren unentwegt und kräftig bläst, versprechen die Anbieter noch vergleichsweise neuer, vor allem aber recht innovativer geschlossener Beteiligungen. Arbeitstitel: Man nehme eine Reihe unterschiedlicher offener Fonds, deren Manager das Kapital in Aktien, Anleihen oder auch am Geldmarkt investieren, packe alles zusammen in einen geschlossenen Fonds und mache daraus ein so genanntes GbR-Modell, also eine "Gesellschaft bürgerlichen Rechts". Respekt der Experten Diesen Angeboten zollen auch Experten durchaus Respekt. So attestiert Karlheinz Meschede, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Partner der Kanzlei Rotthege, Wassermann & Partner (RWP) in Essen, einen "einfachen, zugleich spitzfindigen Kniff". Dessen Grundlage ist, dass solche GbR-Beteiligungen nicht bilanzierungspflichtig sind, sondern fürs Finanzamt lediglich eine so genannte Einnahme-Überschuss-Rechnung abliefern müssen. Finanzamt steuert etwas bei Folge für den Anleger: Er kann sein gesamtes Investment, angenommen 20.000 Euro plus Ausgabeaufschlag von drei bis fünf Prozent, in voller Höhe als Anfangsverlust steuersparend geltend machen. Je nach individuellem Steuersatz (plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer) steuert das Finanzamt rund die Hälfte der Beteiligungssumme bei.
So genannte GbR-Beteiligungen kommen immer mehr in Mode. Letztlich sind sie nichts anderes als Dachfonds für Steueraufschieber. Vorteil: Falls das Management während der befristeten Fonds-Laufzeit nicht völlig versagt, ist am Ende sogar noch Geld übrig.
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GbR-Beteiligungen - Steuerstundung und Substanz gleichzeitig
00/05/2010
Während sich Angela Merkel auf die Seite von DaimlerChrysler stellt, kritisiert Franz Müntefering den Stuttgarter Autokonzern hart. Der Arbeitskampf geht unterdessen weiter, 12.000 Mitarbeiter blieben am Samstagmorgen der Arbeit fern. Manche Unternehmer versuchten, die "Ungunst der Stunde zu nutzen, um die Arbeitnehmer zu knebeln", sagte der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering der Berliner Zeitung. "Da tauchen Rituale auf, von denen ich gehofft hatte, sie seien längst vorbei." Die IG Metall habe Recht, wenn sie von einem organisierten Angriff auf Arbeitnehmerrechte spreche. "Der Kurs ist falsch", sagte der SPD-Vorsitzende an die Adresse der Arbeitgeber. "Deutschlands Zukunft liegt nicht in Niedriglöhnen." Demgegenüber äußerte CDU-Chefin Angela Merkel Verständnis für das Verhalten des Daimler-Konzerns. "Großverdiener jenseits aller Moral" Er wolle zwar keine Einzelfälle beurteilen, sagte Müntefering zu der Auseinandersetzung um das Daimler-Stammwerk in Sindelfingen. "Ich sage aber: Unternehmen haben eine Verantwortung gegenüber den Arbeitnehmern, mit denen sie am Standort reich geworden sind." Kritik übte er zugleich an den Millionengehältern von Topmanagern wie dem Daimler-Chef Jürgen Schrempp. "Mir ist im Leben noch nie einer begegnet, der hundert Mal besser ist als andere", sagte der SPD-Chef. "Die Beträge, die sich manche Großverdiener bei uns in die Tasche stecken, sind jenseits aller Moral." Wenn sich Unternehmenschefs zudem noch dagegen versicherten, für Fehlentscheidungen haftbar gemacht zu werden, erwecke dies kein Vertrauen. CDU-Chefin Angela Merkel hingegen sagte in einem Interview: "Wenn ein Unternehmen den selben Autotyp in Bremen billiger produzieren kann als in Sindelfingen, dann will es diese Kostenvorteile auch nutzen." Merkel warnte zudem vor zu großzügigen Tarifabschlüssen. Gewerkschaften wie Arbeitgeber seien sich dabei ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl nicht immer bewusst. Zuversichtlicher Mercedes-Chef Die Verhandlungen zwischen Gesamtbetriebsrat, IG Metall und Mercedes-Chef Hubbert sollen am Dienstag weitergehen. Der Manager äußerte sich im Spiegel zuversichtlich: In vielen Punkten sei man sich näher gekommen. Hubbert fordert Einsparungen von einer halben Milliarde Euro pro Jahr durch die Verlängerung der effektiven Arbeitszeit und Aufgabe überkommener Sonderregelungen im nordwürttembergischen Tarifvertrag. Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, werde die neue Mercedes-C-Klasse ab 2007 nicht mehr in Sindelfingen, sondern in Bremen und Südafrika gebaut. Dadurch wären in Baden-Württemberg 6000 Arbeitsplätze in Gefahr. Der Betriebsrat hat Zugeständnisse im Wert von 200 Millionen jährlich angeboten.
Während sich Angela Merkel auf die Seite von DaimlerChrysler stellt, kritisiert Franz Müntefering den Stuttgarter Autokonzern hart. Der Arbeitskampf geht unterdessen weiter, 12.000 Mitarbeiter blieben am Samstagmorgen der Arbeit fern.
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"Müntefering kritisiert DaimlerChrysler - ""Die Ungunst der Stunde genutzt, um Arbeitnehmer zu knebeln"""
00/05/2010
Also doch: Der Kreml hat das Filetstück des Yukos-Konzerns mittels eines Strohmanns unter seine Kontrolle gebracht. Die Methode erinnere stark an die Vorgehensweise des Yukos-Großaktionärs Chodorkowskij in den 90-er Jahren, sagen Kritiker. Die kritische Moskauer Zeitung Nowaja Gaseta schrieb am Donnerstag zu der umstrittenen Zwangsversteigerung des Kernstücks Juganskneftegas der Ölfirma Yukos: "Präsident Wladimir Putin gibt Michail Chodorkowskij im Nachhinein Recht. Detailansicht öffnen Die Methoden ähneln sich: Michail Chodorkowskij (links) und Wladimir Putin. (Foto: Foto: Reuters) Der Präsident sagte, dass es bei der Versteigerung von Juganskneftegas strikt nach russischem Gesetz zugegangen sei. "Strafsache genau studiert" Chodorkowskij wird vorgeworfen, er habe (das Düngemittelwerk) Apatit mit Hilfe von Briefkastenfirmen aufgekauft. Allem Anschein nach haben die Käufer von Juganskneftegas die Strafsache Chodorkowskij genau studiert. Und dann sein Verhalten kopiert." Zuvor war bekannt geworden, dass der Staatskonzern Rosneft 100 Prozent der Aktien der Baikal-Finanzgruppe aufgekauft habe. Dies gab die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf einen Rosneft-Sprecher bekannt. Keine Büroräume Baikal hatte Yuganskneftegas am Sonntag bei einer Zwangsversteigerung völlig überraschend erworben. Bis zur Versteigerung war das Unternehmen keinem Beobachter bekannt gewesen. An dem angegebenen Firmensitz im mittelrussischen Twer unterhielt Baikal offensichtlich auch keinerlei Büroräume. Rosneft ist die letzte große Ölfirma in russischem Staatsbesitz. Seit Tagen kursierten allerdings schon Gerüchte, dass die Baikal-Finanzguppe in Verbindung zum Kreml stehe. Mit dem Kauf will Rosneft nach Angaben des Sprechers seinen Umbau zu einem "ausgewogenen nationalen Energiekonzern" fortführen, indem die Förderkapazitäten entwickelt würden. Der Erwerb von Yukanskneftegas sei "im Rahmen der Entwicklungsprojekte von Rosneft realisiert" worden. Die Baikal-Finanzgruppe hatte für umgerechnet sieben Milliarden Euro den Zuschlag für die bisherige Yukos-Fördertochter erhalten. Enge Verbindungen Rosneft ist der siebtgrößte Energiekonzern in Russland. Im vergangenen Jahr förderte er 19,4 Millionen Barrel Rohöl. Zwischen Rosneft und dem halbstaatlichen Konzern Gasprom, der lange als Anwärter auf den Kauf von Yuganskneftegas galt, bestehen enge Verbindungen. Im September gaben beide Unternehmen den Plan für eine Fusion bekannt. Gasprom hatte sein Gebot für Yukanskneftegas kurz vor der Zwangsversteigerung zurückgezogen.
Also doch: Der Kreml hat das Filetstück des Yukos-Konzerns mittels eines Strohmanns unter seine Kontrolle gebracht. Die Methode erinnere stark an die Vorgehensweise des Yukos-Großaktionärs Chodorkowskij in den 90-er Jahren, sagen Kritiker.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/yukos-krimi-brueder-im-geiste-1.903411
Yukos-Krimi - Brüder im Geiste
00/05/2010
Bilanzpressekonferenz eins nach Schumacher: Interims-Vorsitzender Kley sagt, dass man sich mit den Besten messen wolle, dass sich das Unternehmen keineswegs in der Schwebe befinde und dass Teamgeist ungeheuer wichtig sei. Nur einen neuen Chef, den hat er (noch) nicht. Vier Wochen nach dem Ende der Ära Schumacher setzt der Chipkonzern Infineon auf Gemeinschaftsgeist. "Unternehmensführung ist eine Team-Veranstaltung. Ich lege Wert auf einen kollegialen Führungsstil", grenzte sich der Interims-Vorsitzende Max Dietrich Kley am Mittwoch bei seinem ersten öffentlichen Auftritt von seinem Vorgänger Ulrich Schumacher ab. Detailansicht öffnen Strahlen für die Fotografen: Kley demonstriert, wie es gemacht wird. (Foto: Foto: dpa) Was ist Führungsstärke? Führungsstärke heiße auch, Widerspruch von Untergebenen annehmen zu können. Vor der Bekanntgabe überraschend guter Ergebnisse für das abgelaufene Quartal legte Kley erst einmal demonstrativ für die Fotografen den Arm auf die Schultern seiner Vorstandskollegen. Schumacher wollte dem Vernehmen nach dagegen die Vorstände entmachten und wurde auch deshalb vom Aufsichtsrat zum Rücktritt gezwungen. Die wahren Hintergründe der Führungskrise bei dem Chipkonzern blieben aber auch am Mittwoch im Dunklen. "Es war ein nicht sehr geordneter Übergang", räumte Kley ein, der den Vorstandsvorsitz als Aufsichtsrats-Chef kommissarisch übernommen hat, bis ein Nachfolger gefunden ist. Der Rücktritt Schumachers habe persönliche Gründe, beteuerte Kley. Es habe keine Unregelmäßigkeiten beim Bau der neuen Konzernzentrale gegeben. Ansonsten aber sei Stillschweigen vereinbart worden. Derzeit werde über die Modalitäten der Vertragsauflösung mit Schumacher und den anderen Managern verhandelt, die mit dem egozentrischen Vorstandsvorsitzenden gehen mussten. Ganz neues Infineon-Gefühl Infineon ohne Schumacher — das war bisher undenkbar. Der Manager hatte das Unternehmen seit der Abspaltung von Siemens geführt und erfolgreich an die Börse gebracht. Seither aber ging es bergab. In den vergangenen drei Jahren machte Infineon in der Branchenkrise Verluste von rund 2,5 Milliarden Euro. Zudem legte sich Schumacher mit der mächtigen IG Metall an und drohte immer wieder mit der Verlagerung des Konzernsitzes ins Ausland. Dieses Thema ist aber endgültig vom Tisch, sandte Kley am Mittwoch Friedenssignale an die Arbeitnehmervertreter aus. Dennoch wird Infineon weiter seine Kosten reduzieren müssen. Denn auch jetzt im Aufschwung verdient der Konzern mit einem operativen Gewinn von 71 Millionen Euro im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2003/04 (30. September) weit weniger als beispielsweise Konkurrent Samsung. "Beim Ergebnis wollen wir uns an den besten der Branche orientieren", sagte denn auch Finanzvorstand Peter Fischl. Mit dem Ergebnis sei man daher nicht zufrieden, auch wenn die Analysten-Erwartungen deutlich übertroffen wurden. Gewinn, aber wie? Manche Beobachter befürchteten angesichts der Interims-Lösung an der Unternehmensspitze nun erst einmal Stillstand. Kley versuchte, dem entgegenzutreten. "Es gibt kein Vakuum in der Unternehmensführung." Allerdings blieb offen, wie ein Ertragssprung geschafft werden soll. Schließlich soll es an der Strategie keine großen Veränderungen geben. Fehler, die Schumacher gemacht haben könnte, wollte Kley auch auf Nachfrage nicht nennen. Der 64-jährige Kley hatte im vergangenen Jahr seinen Posten als Finanzvorstand und stellvertretender Chef bei BASF aufgegeben und sich in den Ruhestand verabschiedet — von etlichen Aufsichtsratsmandaten einmal abgesehen. Für seine Hobbys wie Literatur und Geschichte dürfte der studierte Jurist derzeit noch weniger Zeit haben. Nicht nur deshalb will der Aufsichtsratschef bis zum Sommer einen Nachfolger präsentieren. Mit zwei externen Kandidaten steht er derzeit in Verhandlungen. Beide kommen aus Deutschland und haben Erfahrung in der Chipbranche. Namen nannte Kley nicht. Die, die sich selbst ins Gespräch gebracht hätten oder in den Zeitungen gehandelt wurden, kämen in solchen Fällen aber ja meist nicht zum Zuge. Damit dürften Intel-Deutschlandchef Jürgen Thiel und Siemens-Vorstand Klaus Wucherer schon einmal nicht zu den Kandidaten gehören.
Bilanzpressekonferenz eins nach Schumacher: Interims-Vorsitzender Kley sagt, dass man sich mit den Besten messen wolle, dass sich das Unternehmen keineswegs in der Schwebe befinde und dass Teamgeist ungeheuer wichtig sei. Nur einen neuen Chef, den hat er (noch) nicht.
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Quartalszahlen Infineon - Auf den Dominator folgt der Teamspieler
00/05/2010
Trotz hoher Preise und massivem Druck aus den USA drosseln die Opec-Länder mit sofortiger Wirkung ihre Ölförderung. Allerdings hat die Entscheidung des Kartells den Öl-Preis vorerst nicht weiter in die Höhe getrieben, da die Märkte sich bereits auf die Entscheidung eingestellt hatten. Bei dem außerordentlichen Treffen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) am Mittwoch in Wien hat sich eine harte Linie durchgesetzt. Selbst Saudi-Arabien, das normalerweise eine etwas verbraucherfreundlichere Position vertritt, präsentierte sich als Falke. Detailansicht öffnen Drosselgemeinschaft: Das 130. Treffen der Organisation erdölfördender Staaten (Opec) in Wien. (Foto: Foto: AP) Beobachter sprachen sogar davon, dass der weltgrößte Öl-Produzent sich besonders für eine Drosselung eingesetzt habe. Damit wird auf jeden Fall die Mehrheit der Opec-Staaten an diesem Donnerstag die Produktions-Kürzungen in Kraft setzen, die bei einem Treffen im Februar in Algier vereinbart worden waren. Die Folgen von Algier Der Beschluss, die Öl-Förderung zu drosseln, war hinter den Kulissen speziell von den Vereinigten Staaten kritisiert worden, und er ist selbst innerhalb der Opec umstritten. Die Preise liegen derzeit weit über dem Ziel-Korridor, den die Organisation selbst gesetzt hatte. Etliche Opec-Mitglieder allerdings halten den Zielkorridor wegen der Dollar-Schwäche für obsolet. Die meisten Mitgliedsstaaten würden an den beschlossenen Kürzungen festhalten, sagte der libysche Ölminister Fethi bin Chetwane am Rande des Treffens. Ein iranisches Delegationsmitglied meinte, es sei einfach zu spät, um die Vereinbarung von Algier rückgängig zu machen. Spekulative Käufe als Preistreiber? Lediglich Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate plädierten dafür, die Kürzung auszusetzen und abzuwarten, ob der Markt sich abkühlt. Ein saudischer Delegierte sagte dagegen, physisch sei der Markt mit Öl gut versorgt, die Preise lägen nur wegen spekulativer Käufe so hoch. Bliebe die Förderung unverändert, komme es in vier bis acht Wochen wegen des jahreszeitlich niedrigen Verbrauchs zu einer Öl-Schwemme. Die Opec hatte im Februar vereinbart, dass ihre zehn Mitgliedsstaaten - der Irak als elfter nimmt an den Abstimmungen noch nicht wieder teil - ihre Produktion um 4,1 Prozent oder eine Million Barrel täglich drosseln. Überdies sollen die Länder ihre jeweiligen Fördergrenzen genauer einhalten. Dies könnte das Angebot sogar um bis zu 6,4 Prozent oder 1,5 Millionen Barrel zusätzlich verringern. Fachleute erwarten Geheimverkäufe Allerdings glauben Fachleute, dass die Opec-Länder dem Reiz hoher Preise nur teilweise widerstehen können und insgeheim weiter über die offiziellen Fördergrenzen hinaus Öl verkaufen. Die amerikanische Regierung fürchtet, dass bei einer Förderdrosselung die ohnehin niedrigen Vorräte bis zu Beginn der Reisezeit nicht aufgestockt werden. Kurz vor der Präsidentschaftswahl wären die Amerikaner dann mit Rekordpreisen an den Tankstellen konfrontiert. Die Rohöl-Notierungen hatten in den vergangenen Tagen kurzzeitig den höchsten Stand seit 13 Jahren erreicht. Am Mittwoch reagierten die Preise allerdings kaum noch auf die Verhandlungen der Opec in Wien, weil der Markt mit der Kürzung bereits gerechnet hatte. Am Abend notierte die europäische Leitsorte Brent dann sogar um drei Prozent niedriger. Der Handel verlief nervös, nachdem es am Morgen zu einer Explosion in einer großen texanischen Raffinerie des Öl-Multis BP gekommen war. Der Brand war nach vier Stunden gelöscht, und am Abend sagte ein BP-Sprecher, dass 95 Prozent der Raffinerie, wenn auch mit gedrosselter Leistung, in Betrieb seien. Für einen Terror-Anschlag gebe es keinerlei Anzeichen. Weitere Gründe für hohen Preis Eine Ursache für die hohen Öl-Preise liegt in der unvorhergesehen starken Nachfrage Chinas. Die Internationale Energie-Agentur, eine Dachorganisation der Verbraucherstaaten, hat deshalb vor wenigen Tagen ihre Prognose für den weltweiten Verbrauch nach oben korrigiert. Als zweite Hauptursache gelten politische Instabilitäten, besonders in Venezuela und Nigeria. Auf beide Länder zusammen entfallen 17 Prozent der Opec-Produktion. Auch der Export aus dem Irak gilt als anfällig, und generell reagiert der Ölmarkt auf kleine Mengenänderungen und großen Preissprüngen.
Trotz hoher Preise und massivem Druck aus den USA drosseln die Opec-Länder mit sofortiger Wirkung ihre Ölförderung. Allerdings hat die Entscheidung des Kartells den Öl-Preis vorerst nicht weiter in die Höhe getrieben, da die Märkte sich bereits auf die Entscheidung eingestellt hatten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/harte-linie-setzt-sich-durch-opec-drosselt-oel-foerderung-trotz-hoher-preise-1.901545
Harte Linie setzt sich durch - Opec drosselt Öl-Förderung trotz hoher Preise
00/05/2010
Eklat in Gütersloh: Der Aufsichtsratsvorsitzende Gerd Schulte-Hillen verlässt Bertelsmann nach einem Streit mit Vorstandschef Gunter Thielen. Offenbar war die Zukunft der Musiksparte strittig. Schulte-Hillen war 34 Jahre für Bertelsmann in den unterschiedlichsten Funktionen tätig. Die Aktionäre der Bertelsmann AG - die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft und die Groupe Bruxelles Lambert - und Schulte-Hillen hätten sich auf eine einvernehmliche und freundschaftliche Beendigung der Mandate zum Jahresende verständigt, bestätigte das Unternehmen am späten Mittwochabend in Gütersloh. Detailansicht öffnen Die kritischen Wortmeldungen häuften sich zuletzt: Gerd Schulte-Hillen. (Foto: Foto: AP) Neben dem Aufsichtsratsvorsitz hatte Schulte-Hillen auch das Amt des stellvertretender Präsidiumsvorsitzenden der Bertelsmann-Stiftung inne. Schulte-Hillen habe wegen unterschiedlicher Ansichten über die künftige Ausrichtung des Konzerns seinen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender der Bertelsmann AG sowie als Präsidiumsmitglied der Bertelsmann-Stiftung erklärt. "Ich bedaure die Entwicklung sehr, die zu der Entscheidung von Gerd Schulte-Hillen geführt hat", ließ Thielen mitteilen. "In bestem Einvernehmen" Schulte-Hillen erklärte, er gehe "in bestem Einvernehmen". Der Manager war 34 Jahre für Bertelmann tätig. Thielen würdigte die Arbeit des scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden als "partnerschaftliche Kooperation zwischen Aktionären, Management und Mitarbeitern". Das Bielefelder Westfalen-Blatt berichtete unter Berufung auf Quellen im Unternehmen, beim Rücktritt von Schulte- Hillen hätten auch unterschiedliche Auffassungen über die Fusion der Bertelsmann-Musiksparte BMG und Sony Music eine Rolle gespielt. Demnach stimmte der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende als einziges Mitglied des Kontrollgremiums gegen die Fusion. Nachfolger Ex-Thyssen-Chef Vogel Bis zur Wahl eines Nachfolgers übernimmt der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, Dieter Vogel, die Leitung des Aufsichtsgremiums der Bertelsmann AG. Der 1940 geborene Schulte-Hillen begann 1969 nach einem Ingenieur- und Wirtschaftstudium seine Karriere als Assistent der Geschäftsleitung der Bertelsmann-Druckerei Mohndruck in Gütersloh. Nach mehrjährigen Auslandsaufenthalten für das Unternehmen in Spanien und Portugal wurde dem damals 32-Jährigen 1973 die Leitung der G+J Druckerei in Itzehoe bei Hamburg übertragen. Mit der Übernahme des Vorstandsvorsitzes 1981 konzentrierte sich Schulte-Hillen auf die strategischen Ausrichtungen der Verlagsaktivitäten von Gruner+Jahr. 1985 wurde er in den Vorstand der Bertelsmann AG berufen, ein Jahr danach zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. Seit November 2000 war Schulte-Hillen Aufsichtsratsvorsitzender.
Eklat in Gütersloh: Der Aufsichtsratsvorsitzende Gerd Schulte-Hillen verlässt Bertelsmann nach einem Streit mit Vorstandschef Gunter Thielen. Offenbar war die Zukunft der Musiksparte strittig. Schulte-Hillen war 34 Jahre für Bertelsmann in den unterschiedlichsten Funktionen tätig.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bertelsmann-das-urgestein-tritt-zurueck-1.901810
Bertelsmann - Das Urgestein tritt zurück
00/05/2010
87 Milliarden Euro Umsatz machte der Weltkonzern im vergangenen Geschäftsjahr. Deutschland spielt dabei nur mehr eine kleine Rolle. Siemens macht seit Jahren den Großteil seiner Geschäfte im Ausland. Am Donnerstag zum Beispiel verkündete der Konzern einen Großauftrag aus Saudi-Arabien. Für mehr als 100 Millionen Euro soll Siemens die prozesstechnische Ausrüstung für eine Stahlanlage liefern. Im vergangenen Geschäftsjahr machte das Auslandsgeschäft 81 Prozent des Gesamtumsatzes von 87 Milliarden Euro aus. Dieser Trend wird sich noch verstärken. Denn das Wachstum der Auftragseingänge - der Umsatz von morgen - um 15 Prozent im Geschäftsjahr 2005/06 ist praktisch allein auf neue Auslandsorders zurückzuführen. In Deutschland wuchsen die Bestellungen um gerade einmal ein Prozent. Geschäft in schwierigen Regionen Besonders stark ist das Wachstum bei Siemens - wie bei vielen anderen deutschen Unternehmen auch - in Regionen, die beim Korruptionsindex von Transparency International eher schlechter abschneiden. So legten die Siemens-Auftragseingänge in Afrika, dem Mittleren Osten und in Russland und den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion (plus 35 Prozent) noch stärker zu als in der Boomregion Asien-Pazifik (plus 26 Prozent). Allerdings gibt es Fälle von Korruption in allen Staaten der Welt. So hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei frühere Siemens-Manager wegen des Verdachts der Schmiergeldzahlung für Aufträge in Italien erhoben. Strukturwandel Auch in der Struktur des Geschäfts gab es bei Siemens in den vergangenen Jahren einen Wandel. Von dem Verkauf von Konsumprodukten hat sich der Konzern in den vergangenen Jahren teilweise oder ganz verabschiedet. So gingen die Hausgeräte und die Computer in ein Gemeinschaftsunternehmen, die Handys wurden an BenQ abgegeben. Stattdessen positioniert sich Siemens als Infrastruktur-Anbieter, der stark von langfristigen Großaufträgen profitiert, die teilweise staatlich vergeben werden.
87 Milliarden Euro Umsatz machte der Weltkonzern im vergangenen Geschäftsjahr. Deutschland spielt dabei nur mehr eine kleine Rolle.
wirtschaft
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International aufgestellt - Wo Siemens seine Geschäfte macht
00/05/2010
Nach der erfolgreichen Landung des A380 hat sich die Test-Crew begeistert gezeigt: Der A380 sei ein "ausgezeichnetes Flugzeug", das sich lenken lasse "wie ein Fahrrad". Der erfolgreiche fast vierstündige Testflug gibt dem europäischen Flugzeugbauer Schub im harten Wettkampf mit Boeing auf dem Markt für Maschinen mit 450 bis 950 Sitzen. Detailansicht öffnen Die beiden Testpiloten Claude Lelaie und Jacques Rosay jubeln nach der Landung. (Foto: Foto: Reuters) "Die europäische Luftfahrt kann stolz sein", sagte Airbus-Chef Noel Forgeard. Der Jungfernflug des größten Passagierflugzeugs aller Zeiten sei ein "kollektiver Erfolg der 50.000 Mitarbeiter." Unter dem Beifall tausender Schaulustiger hob der A380 um 10.29 Uhr in Toulouse ab. Auch bei der perfekten Landung um 14.22 Uhr brandete Applaus auf. "Wie ein Fahrrad" "Die Beschleunigung des Flugzeugs und die Steuerung sind exakt so wie auf dem Simulator", meldete Testpilot Jacques Rosay. Der A380 sei ein "ausgezeichnetes Flugzeug", das sich "wie ein Fahrrad" lenken lasse, sagte er nach der Landung. Die Maschine sei auf die geplante Flughöhe von 3000 Metern aufgestiegen und habe dort das Fahrwerk eingefahren. Aufmerksamen Betrachtern fällt ein Stein vom Herzen. Denn das Fahrwerk mit seinen 22 Rädern war noch Minuten nach dem Start zu sehen, was ebenso gut auf eine schwere Panne hätte hindeuten können. Airbus-Technikchef Alain Garcia bestätigt, das späte Einfahren sei "so vorgesehen" gewesen, selbst wenn es die Fluggeschwindigkeit verringere und den Treibstoffverbrauch erhöhe. Zaungäste in Volksfeststimmung Die Maschine mit knapp 80 Metern Spannweite, die in der Standardversion 555 Passagiere über 15.000 Kilometer befördern soll und in der Charterklasse 853 Plätze bietet, habe ihre Stabilität auch im automatischen Flug behalten. Bereits seit Tagen hatten viele Zaungäste nahe der Flugwerft übernachtet, um das Ereignis nicht zu verpassen. Zeitweise herrschte Volksfeststimmung. "Wir sind extra mit dem Campingwagen aus Hamburg angereist", sagte eine Frau. "Das hier ist fantastisch." Airbus will über die nächsten 40 Jahre rund 150 Milliarden Euro mit dem A380 einnehmen. 2006 soll der erste A380 den Liniendienst für Singapore Airlines aufnehmen, der erste Frachter soll 2008 fliegen. Mit Aufträgen für 127 Passagiermaschinen und 27 Frachter liegt Airbus bisher im Plan. "Nervenkrieg" mit Boeing Als schwerer Schlag gegen Boeing wird dabei gewertet, dass China Southern den A380 rechtzeitig für die Olympischen Spiele 2008 in China bestellt hat und die US-Frachtflieger UPS und FedEx den A380 zum Rückgrat ihrer Flotte machen wollen. Der Jungfernflug des A380 erfolgte exakt zum 1. Jahrestag des Programmstarts des 787 Dreamliner, mit dem Boeing die Europäer wieder überrunden will.
Nach der erfolgreichen Landung des A380 hat sich die Test-Crew begeistert gezeigt: Der A380 sei ein "ausgezeichnetes Flugzeug", das sich lenken lasse "wie ein Fahrrad".
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"Nach dem Jungfernflug - Airbus lenkt sich ""wie ein Fahrrad"""
00/05/2010
Die Zweifel, die die Nürnberger Arbeitsrichterin Silja Steindl an der Rechtmäßigkeit des Lokführerstreiks hegt, sind selbst unter Richter-Kollegen umstritten. Nein, sagt der Sprecher des Nürnberger Arbeitsgerichts, die Richterin Silja Steindl rede jetzt mit niemandem, nicht einmal mit ihm selbst. Während er wegen Medienanfragen aus ganz Deutschland seit zwei Tagen vom Telefon kaum noch wegkommt, sei die promovierte Juristin "völlig abgetaucht". In aller Ruhe bereite sie sich auf die Verhandlung an diesem Freitag vor, wenn sie über einen Widerspruch der Lokführergesellschaft GDL zu entscheiden hat. Dieser richtet sich gegen den Beschluss, den die 46-Jährige selbst am Mittwoch unter dem Aktenzeichen 13 Ga 65/07 erlassen hat. Die Lokführer dürften vorläufig zumindest nicht streiken, weil sie damit nicht nur der Deutschen Bahn AG, "sondern der gesamten Volkswirtschaft insbesondere in der Hauptreisezeit immense wirtschaftliche Schäden" zufügen würden, hatte Steindl entschieden. Einschränkung des Streikrechts Sie habe "Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Streiks". Diese Einschränkung des Streikrechtes "im Rahmen einer Gesamtabwägung" sei "angesichts der irreversiblen Folgen derzeit eher hinzunehmen, als einen möglicherweise rechtswidrigen Streik zuzulassen". Eine Rechtsposition, die heftige politische Debatten ausgelöst hat, die Gewerkschaften bis hin zur GDL-Konkurrenz Verdi auf die Palme bringt und selbst unter Steindls Berufskollegen höchst umstritten ist. "Ein Witz" sei das Urteil seiner Nürnberger Kollegin, sagte der Bremer Arbeitsrechtler Wolfgang Däubler. Es verletze das Grundrecht auf Streik. Im Alleingang vom Schreibtisch Silja Steindl traf die Entscheidung im Alleingang vom Schreibtisch aus. Da der Lokführer-Ausstand bereits am nächsten Morgen hätte beginnen sollen, sei keine Zeit zur mündlichen Verhandlung geblieben. Seit 2001 richtet sie am Nürnberger Arbeitsgericht. Sie ist Vorsitzende der 13.Kammer, der außer ihr noch zwei ehrenamtliche Richter angehören. Anders als Kammern an Straf- und Zivilgerichten sind jene am Arbeitsgericht nicht nach juristischen Zuständigkeitsbereichen aufgeteilt. "Bei uns macht jeder alles", sagt der Gerichtssprecher. Soll heißen: Die eingehenden Verfahren werden nach der Reihenfolge ihres Eingangs reihum verteilt. Durch puren Zufall also kam Richterin Steindl zum bislang aufsehenerregendsten Fall ihrer Karriere. Freundlich im Ton Über deren frühere Stationen hüllt man sich am Nürnberger Arbeitsgericht "aus Datenschutzgründen" in Schweigen. In örtlichen Juristenkreisen heißt es, Silja Steindl führe ihre Verfahren freundlich und verbindlich im Ton, in der Sache aber sei sie sehr nüchtern, sachlich, bisweilen kühl und einzig daran interessiert, Gesetzesparagraphen ohne Rücksicht auf die jeweiligen Streitparteien korrekt anzuwenden. Wer so arbeitet, tut dies in der Regel unauffällig. Nur einmal sorgte Steindl bislang für lokale Schlagzeilen. Nämlich als sie Thomas Brunner, einen beliebten ehemaligen Fußballprofi des 1. FC Nürnberg, in einer Streitsache mit seinem früheren Arbeitgeber "knallhart abblitzen ließ", wie die Abendzeitung formulierte. Nun registrierte das Boulevardblatt genüsslich, Silja Steindl errege seit Mittwoch soviel Aufsehen wie zuletzt die Fürther Landrätin Gabriele Pauli mit ihren Latex-Fotos.
Die Zweifel, die die Nürnberger Arbeitsrichterin Silja Steindl an der Rechtmäßigkeit des Lokführerstreiks hegt, sind selbst unter Richter-Kollegen umstritten.
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Profil Silja Steindl - Die Arbeitsrichterin, die den Bahnstreik blockiert
00/05/2010
Bei der anstehenden Gesundheitsreform wurde die Pharma-Industrie zwar mit Glacé-Handschuhen angefasst. Doch der weltgrößte Pillenproduzent Pfizer will sich auch vergleichsweise geringe Einschnitte nicht gefallen lassen und stellt seine Deutschland-Aktivitäten auf den Prüfstand. "Zur Zeit identifizieren wir kurz- und mittelfristige Sparpotenziale. Und dies betrifft jeden Bereich", sagte Walter Köbele, Deutschland-Chef des Viagra-Herstellers der Welt. Bereits beschlossen sei die Verlagerung der kompletten Forschung von Freiburg nach Großbritannien. Betroffen von dieser Schließung seien 150 Mitarbeiter. Darüber hinaus gehende Personalanpassungen wollte Köbele nicht ausschließen. Zwangsrabatte Insgesamt beschäftigt Pfizer in Deutschland laut dem Bericht etwa 6.000 Mitarbeiter. Wegen der staatlich angeordneten Zwangsrabatte auf innovative Medikamente erwarte Pfizer Belastungen für das nächste Geschäftsjahr von rund 140 Millionen Euro. Für das aktuelle Geschäftsjahr wird der Konzern in Deutschland nach Köbeles Angaben daher nicht die ursprünglichen Prognosen erreichen. "Wir wachsen nicht in den Maß, wie wir uns das vorgenommen haben. Auch den Patentauslauf eines unserer etablierten Pilzmedikamente müssen wir verkraften", sagte Köbele der Welt. Weltweit drittgrößter Markt In Zukunft sei nur noch ein Umsatzwachstum im einstelligen Prozent-Bereich zu erwarten, meinte Köbele. Im April hatte Pfizers Deutschland-Chef noch ein Umsatzwachstum von jährlich zwölf Prozent bis 2006 in Aussicht gestellt. Deutschland ist für Pfizer der drittgrößte Markt hinter den USA und Japan. Mit einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro sind die Amerikaner in Deutschland Marktführer. Nach einem Bericht der Welt am Sonntag soll es auch das Potenzmittel Viagra von Pfizer sowie ähnliche Produkte künftig nicht mehr auf Krankenschein geben. Dies sei Bestandteil der von SPD und CDU/CSU beschlossenen Gesundheitsreform. "Life-Style-Produkte werden nicht länger von der Solidargemeinschaft bezahlt. Wer Vitamin-Pillen, Mineralprodukte oder Viagra nehmen will, muss künftig selbst dafür bezahlen", zitierte das Blatt den CDU-Sozialexperten Andreas Storm. Laut Welt am Sonntag wird das Gesetz gleichermaßen für Sozialhilfeempfänger angewendet. Pharmaverbände und Unternehmen wie Boehringer Ingelheim, Merck, Schwarz Pharma oder Altana hatten bereits zuvor vor Millioneneinbußen in Folge der Reform gewarnt.
Bei der anstehenden Gesundheitsreform wurde die Pharma-Industrie zwar mit Glacé-Handschuhen angefasst. Doch der weltgrößte Pillenproduzent Pfizer will sich auch vergleichsweise geringe Einschnitte nicht gefallen lassen und stellt seine Deutschland-Aktivitäten auf den Prüfstand.
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Gesundheitsreform - Pfizer wandert womöglich aus Deutschland ab
00/05/2010
Schweizer haben es in Deutschland in den letzten Jahren zu einiger Wirkung gebracht. Josef Ackermann lenkt die Deutsche Bank, Roger Schawinski den Fernsehsender Sat1. Von besonderer Güte aber ist ein Presse-Vorhaben des Züricher Großverlegers Michael Ringier. Detailansicht öffnen Michael Ringier (Foto: Foto: AP) An diesem Donnerstag kreuzt der hoch aufgeschossene Unternehmer mit der gesamten Konzernleitung in Berlin auf. Der Weg führt nach Potsdam, in eine Villa nahe der Glienicker Brücke, in deren Nachbarschaft früher die große Weltbühne erschien. Nun arbeiten vor den Toren Berlins rund 20 Leute im Auftrag Ringiers an einem neuen "Magazin für politische Kultur", wie es im Untertitel heißt: Cicero soll jeden Monat die Debattenkultur Deutschlands beleben. Die Spaßgesellschaft ist vorbei "Wir machen, wofür andere keinen Platz haben", sagt Chefredakteur Wolfram Weimer: "Es gibt in Deutschland ein Bedürfnis nach vertieften, ernsthaften Diskussionen." Die Spaßgesellschaft ist zu Ende. Der Journalist hat recht schnell nach seinem Abgang aus der Welt-Spitze in der Axel Springer AG den eidgenössischen Branchenprimus Ringier für die Idee eines deutschen Atlantic Monthly gewinnen können. Nun liegt die Nullnummer auf dem Tisch eines Münchner Restaurants. Weimer hat die Vorarbeiten für einen Tag unterbrochen und ist auf dem Weg nach Garmisch-Partenkirchen, um wie in den vergangenen Jahren mit den Kindern die berüchtigte Kandahar-Skiabfahrt herunterzukurven. Er erklärt Ressorts wie "Weltbühne", "Berliner Republik", "Kapital" und "Medienmacht". Man schaut auf ein Gerhard-Schröder-Fotoessay von Jim Rakete und auf zeitgenössische Gemälde aus dem Kanzlerheim in Hannover, die Schröder als Machtmensch zeigen. Man sieht ganzseitige Porträtfotos anderer Menschen, erspäht Kolumnen ("Stadt Land Fluss") wie im New Yorker und merkt sich Autoren wie Habermas, Nadolny, Schäuble, Walser, Raddatz. Ein Angebot für Bildungsbürger Am 25. März erscheint Cicero. 120.000 Exemplare Druckauflage, sieben Euro, 140 Seiten. Ein Angebot an politisch interessierte Bildungsbürger, denen der römische Redner Marcus Tullius Cicero kein Unbekannter ist und die auch nach Lektüre von Tageszeitungen, Spiegel und Zeit neugierig sind. Michael Ringier hat das Projekt Potsdam im Dezember von seiner "Privat-AG", mit der er in Verheißungsvolles investiert, in die Konzern AG überführt. Der Start wird erleichtert, da der Condé Nast Verlag wohl kein Objekt in der Art seiner US-Erfolgsblätter Vanity Fair und New Yorker lanciert. Was aber startet, ist Metropol von Buchautor und Ex-FAZ-Mann Florian Illies. Große Verluste entstehen durch Cicero nicht, rechneten Ringiers Manager; der Investitionsbedarf dürfte bei knapp über zehn Millionen Euro liegen. Das ist wenig für einen Konzern, der in der Schweiz die größte Boulevardzeitung (Blick) und die größte Zeitschrift (Schweizer Illustrierte) herausgibt, der in Osteuropa zur Zeitungsmacht aufstieg und mit dem Handelsriesen Coop das lukrative Kochheft Betty Bossi macht, das in China als Bettys Kitchen existiert. Beim Mittagessen dementiert Ringier, dass er das hochwertige Magazin in Deutschland starte, weil er den Niederungen des Boulevards entkommen wolle, in denen sich etwa Streitereien über eine angebliche Sex-Affäre des ehemaligen Schweizer Botschafters Thomas Borer abspielten. Reine Lust auf Neues Erstens sei Blick mit einem eigenen Kulturteil anspruchsvoll, zweitens gehe es höchstens um eine Anreicherung des Portfolios. Ihn treibe die Lust an Cicero: "Das ist keine Frage der Liga, in der man spielt." Als Verleger wolle er, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, Neues wagen. Zudem sehe er das Blatt als "Andockstelle", um Autoren zu binden, die auch für andere Ringier-Objekte schreiben könnten. Selbst mit der Ertragskraft einer Auflage von 50.000 könnte man im Falle Ciceros gut leben. Tatsache ist, dass Ringier schon mal in Deutschland mit Spezialzeitschriften (Globo, Natur) scheiterte. Tatsache ist auch, dass er wiederholt die einst angesehene Züricher Weltwoche kaufen wollte. "In der Schweiz allein kommen wir nicht mehr weiter", sagt Ringier. Und der einst diskutierte Einstieg bei Springer wäre ihm zu teuer gekommen ("es war eine Opportunität"). Erster Journalist des Hauses Michael Ringier ist - so wie in Deutschland Hubert Burda - als Verleger auch allererster Journalist des Hauses. So legt er beim Besuch in Potsdam schon mal persönlich Hand an Cicero. Die nötigen Dienstleistungen hat er klug an mehrere Verlage verteilt: Burda kümmert sich um Abonnenten, Gruner+Jahr um den Kioskvertrieb, die Holtzbrinck-Tochter GWP um Anzeigen. Es sitzen viele in diesem Boot. Kanzler Gerhard Schröder, den deutsche Medien derzeit lustvoll zerzausen, ist sehr an der Schweizer Sache interessiert. Ringiers journalistischer Doyen Frank A. Meyer hat ihn 2003 beim Filmfestival von Locarno eingeweiht. An diesem Donnerstag nun feiert Meyer mit Ringier sowie den Top-Managern und prominenten Autoren in einer Berliner Bar seinen 60. Geburtstag - und auch der Kanzler kommt. Vielleicht kann er von Cicero noch lernen.
Der Schweizer Verleger Michael Ringier startet "Cicero", ein Magazin für Deutschland und die politische Kultur.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/cicero-ein-ambitioniertes-zeitschriftenprojekt-1.904069
Cicero - Ein ambitioniertes Zeitschriftenprojekt
00/05/2010
Überraschende Wendung: Die Regierung macht offenbar einen Rückzieher. Statt die Bahn an die Börse zu bringen, prüft sie einen Teilverkauf an Finanzinvestoren. Die Regierung will bis zum Sommer entscheiden, in welcher Form sie das größte Verkehrsunternehmen der Republik aus der Staatshand entlässt. Detailansicht öffnen Die attraktive Seite der Bahn: Ein ICE fährt an einem Rapsfeld vorbei. (Foto: Foto: dpa) Bewusst rede man nicht von einem Börsengang, sondern von einer (Teil-)Privatisierung, heißt es in einem der beteiligten Ministerien. Im Finanzministerium wird darauf verwiesen, dass der Bund schon früher Unternehmen verkauft habe, ohne sie an der Börse zu platzieren. So gingen die Autobahntankstellen von Tank& Rast an Finanzinvestoren, ebenso die Bundesdruckerei. Potenzielle Investoren stehen Schlange Erst vor wenigen Wochen verkaufte die Staatsbank KfW zudem ein größeres Paket mit Telekom-Aktien an den amerikanischen Finanzinvestor Blackstone. Die Finanzbranche verstand dies als Signal, dass sie auch bei einer größeren Privatisierung direkt zum Zuge kommen könnte. Die Regierung prüft derzeit mehrere Varianten eines direkten Verkaufs. Sie greift dabei auch auf die Ratschläge von Investmentbanken zurück. Vertreter aus der Geldbranche hatten der Regierung geraten, sich nicht vorschnell auf einen Börsengang festzulegen. Frühes Stadium der Überlegungen Die Banker halten es für möglich, einzelne Teile des Konzerns zu veräußern. Man sei noch in einem frühen Stadium der Überlegungen, heißt es in Regierungskreisen. Erst im Sommer werde das Kabinett eine Grundsatzentscheidung über die Privatisierung fällen, erst danach werde man gegebenenfalls mit Investoren reden. Noch gebe es keine Gespräche mit möglichen Käufern. "Wenn jemand auf uns zukommt, würden wir uns das aber natürlich anhören", heißt es in der Regierung. Filetstück ist das Logistikgeschäft In den Koalitionsfraktionen fühlen Investoren schon vor. "Die geben sich im Bundestag die Klinke in die Hand", berichtet der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Uwe Beckmeyer. Allerdings würden weder Summen genannt, noch gebe es bislang ein konkretes Szenario für die Veräußerung. Als Filetstück gilt vor allem das Logistikgeschäft, das Bahnchef Hartmut Mehdorn kräftig ausgebaut hat. Mehdorn gegen Zerschlagung Dazu gehört unter anderem die Spedition Schenker und der gesamte Güterverkehr auf der Schiene. Mehdorn dagegen will den Konzern in der jetzigen Konstruktion belassen und ihn in Gänze, also mitsamt des Schienennetzes, an die Börse bringen. Er hat sich immer wieder gegen eine Zerschlagung gewandt.
Überraschende Wendung: Die Regierung macht offenbar einen Rückzieher. Statt die Bahn an die Börse zu bringen, prüft sie einen Teilverkauf an Finanzinvestoren.
wirtschaft
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Privatisierung der Bahn - Zerschlägt der Bund den Konzern?
00/05/2010
Der Streit zwischen dem Volkswagen-Betriebsrat und VW-Großaktionär Porsche um die Mitbestimmung eskaliert. Die VW-Arbeitnehmervertretung habe beim Arbeitsgericht Stuttgart Klage gegen Porsche eingereicht, sagte ein Betriebsratssprecher am Montag. Außerdem soll die Eintragung der neuen Porsche-Holding ins Handelsregister mit einer Einstweiligen Verfügung blockiert werden. Hintergrund des Konflikts ist die Mitbestimmungsregelung bei der Holding, in der die Familien Piech und Porsche ihre Aktivitäten beim Stuttgarter Sportwagenbauer und bei Europas größtem Autokonzern bündeln wollen. Die VW-Arbeitnehmer sehen sich im Vergleich zur geltenden Regelung bei VW schlechter gestellt. Kein Termin bei Wiedeking "Wir wollten diese Fragen in Gesprächen mit Herrn Wiedeking erörtern", sagte der VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh der Berliner Zeitung. "Da wir aber bis heute auf einen Terminvorschlag warten, haben wir Klage beim Arbeitsgericht Stuttgart eingereicht." Die Regeln der Holding gingen eindeutig zu Lasten der VW-Arbeitnehmer. "Den Vertrag hat man, ohne uns zu beteiligen, aber schon heute so gestaltet, dass er praktisch unkündbar ist", sagte der Betriebsratschef der Zeitung weiter. Ein Porsche-Sprecher gab sich gelassen. Das Unternehmen sei mit seiner Position sowohl bei der rechtlichen Herausforderung, als auch der versuchten Blockade des Eintrags ins Handelsregister, zuversichtlich. "Wir sind bei keinem von beidem beunruhigt", sagte ein Sprecher von Porsche, der weiter keine Stellungnahme abgeben wollte. "Unbestreitbares Recht des Betriebsrats" Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff als Vertreter des zweitgrößten VW-Aktionärs appellierte an die Kontrahenten, sich zu einigen. "Es ist das unbestreitbare Recht des Betriebsrates, strittige Fragen rechtlich klären zu lassen. Wir hoffen aber auf eine Verständigung zwischen VW-Betriebsrat und Porsche", sagte er der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hatte kürzlich bezogen auf die starke Rolle von VW-Betriebsrat und IG Metall sowie auf den VW-Haustarifvertrag gesagt, es dürfe keine "heiligen Kühe" geben. Daraufhin hatten die Arbeitnehmervertreter gedroht, Wiedeking riskiere einen Großkonflikt mit den Beschäftigten. "Harmlose Äußerung" Konzernchef Martin Winterkorn hatte während der IAA erklärt: "Wir diskutieren im Moment den Haustarifvertrag nicht." Wiedeking erklärte am Wochenende nun, das "Schlachten heiliger Kühe" habe er ganz allgemein gemeint. "Wenn aber aus einer harmlosen Äußerung ein solcher Aufruhr wird, dass die IG Metall sogar mit Kampfmaßnahmen droht, dann sage ich: Da muss ich wohl noch mal genauer hinsehen", sagte der Porsche-Chef. Unterdessen griff VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh einem Pressebericht zufolge Wiedeking und indirekt auch Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück in einem internen Brief an alle 324.000 weltweiten VW-Konzern-Mitarbeiter an. "Das Vorgehen des Porsche-Chefs steht dem Demokratieprinzip der sozialen Marktwirtschaft und der von unserem Kollegen Uwe Hück gelobten deutschen Mitbestimmung zutiefst entgegen." Erstmals Brief an alle Standorte Das berichtet die Wolfsburger Allgemeine Zeitung, die aus dem dreiseitigen Brief zitiert. Erstmals in seiner Amtszeit habe Osterloh an alle weltweiten Konzern-Mitarbeiter an 44 Standorte geschrieben. In dem Brief kritisiere Osterloh mit Blick auf die neu gegründete "Porsche Holding SE", dass die 12.000 Arbeitnehmer "genauso viel Gewicht wie die der 324.000 Beschäftigten des Volkswagen-Konzerns erhalten". Weiter heißt es: "Damit wir keinen Einfluss mehr auf unsere eigenen Geschicke nehmen können, hat sich der Porsche-Vorstand einen weiteren Kniff einfallen lassen. Der Vertrag der Holding SE ist praktisch unkündbar. Eine Kündigung ist frühestens nach zehn Jahren möglich. Und auch dann nur, wenn zwei Drittel der Arbeitnehmervertreter von Porsche im Betriebsrat der Porsche Automobil Holding SE zustimmen." Kein Streit mit Porsche Gegen Ende des Briefes beschwichtige Osterloh aber auch: "Hier geht es also keinesfalls um einen Streit mit Porsche, sondern lediglich um die Klärung unterschiedlicher Rechtsauffassung. Wir waren und sind der Überzeugung, dass die Partnerschaft mit Porsche für beide Seiten große Vorteile haben kann. Uns schützt das Engagement der Familien Piech und Porsche vor der Übernahme durch Hedge-Fonds. Das finden wir gut. Porsche wiederum braucht VW, um nicht von den immensen Entwicklungskosten für Kleinserien aufgefressen zu werden. Es geht also um eine Partnerschaft, die für beide Seiten Vorteile bringt. Diese Partnerschaft darf aber nicht einseitig zu Lasten der Rechte der VW-Belegschaft gehen." Der Stuttgarter Sportwagenhersteller ist mit 31 Prozent größter Aktionär bei Volkswagen und besitzt nach Wiedekings Aussagen genügend Optionen, um seine Stellung deutlich auszubauen.
Der Streit zwischen dem Volkswagen-Betriebsrat und VW-Großaktionär Porsche um die Mitbestimmung eskaliert.
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Mitbestimmungsrechte - VW-Betriebsrat zieht gegen Porsche vor Gericht
00/05/2010
Unilever steht für Marken wie Rama, Knorr oder Omo. Nun will der niederländisch-britische Konsumgüterkonzern mit einem massiven Stellenabbau rentabler werden. Jeder zehnte Arbeitsplatz ist in Gefahr. Bei der Vorlage des Konzernergebnisses für das zweite Quartal kündigte Vorstandschef Patrick Cescau die Streichung von 20.000 der weltweit 180.000 Arbeitsplätze in den nächsten vier Jahren an. Über Einzelheiten äußerte er sich nicht. Damit ist bei dem britisch-niederländischen Konsumgüterkonzern mehr als jeder zehnte Arbeitsplatz in Gefahr. Unilever teilte am Donnerstag mit, vor allem Arbeitsplätze in Europa seien betroffen. Weitere Details - etwa ob auch einige der 6800 Jobs in Deutschland wackeln - wollte die Nummer drei der Branche nicht nennen. Von seinen insgesamt 300 Produktionsstätten will Unilever im Rahmen des Umbauprogramms 50 schließen oder rationalisieren. Riesige Produktpalette Wichtigste Standorte in Deutschland sind Heilbronn, Heppenheim, Ansbach und Mannheim. Zur riesigen Unilever-Produktpalette gehören auch Brotaufstriche wie Lätta sowie Axe- Deos und Knorr-Suppen. Im zweiten Quartal konnte der Konsumgüterriese den Umsatz um 3 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro steigern. Der Überschuss aus dem fortgeführten Geschäft legte um 14 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro zu. Ohne Währungseffekte und Verkäufe verbesserte sich der Umsatz von Unilever im zweiten Quartal und auch im ersten Halbjahr um 5,8 Prozent. Das ist das beste Ergebnis seit Jahren. Für das Gesamtjahr erwartet Unilever nun eine Umsatzsteigerung im oberen Bereich der anvisierten Spanne von drei bis fünf Prozent. Auf profitablem Kurs Wachstum und Kosteneinsparungen sollen das in Rotterdam und London beheimatete Unternehmen auf profitablem Kurs halten. Cescau kündigte an, dass sich Unilever entschlossener als bisher von jenen seiner mehr als 400 Marken trennen will, die unter den Absatzerwartungen blieben. Er kündigte den Verkauf von Aktivitäten mit einem Umsatz von zwei Milliarden Euro an, darunter das Geschäft mit Waschmitteln in Nordamerika.
Unilever steht für Marken wie Rama, Knorr oder Omo. Nun will der niederländisch-britische Konsumgüterkonzern mit einem massiven Stellenabbau rentabler werden. Jeder zehnte Arbeitsplatz ist in Gefahr.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rentabilitaetsdruck-unilever-will-20-000-stellen-streichen-1.904277
Rentabilitätsdruck - Unilever will 20.000 Stellen streichen
00/05/2010
Was der deutsche Finanzminister verzweifelt zu verhindern sucht, hat sein französischer Kollege Mer tout simplement als Fakt verkündet: Frankreich werde 2004 zum dritten Mal in Folge gegen das Euro-Defizitlimit von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts verstoßen. Die Freude darüber in der EU hält sich in Grenzen. (SZ vom 16.7.2003) — Die neue französische Kritik am Stabilitätspakt löste beim Treffen der EU-Finanzminister eine heftige Kontroverse aus. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) lehnte das Ansinnen Chiracs ab, die Defizitregeln für eine gewisse Zeit auszusetzen: "Wir brauchen keine Diskussion über eine Lockerung und Veränderung des Pakts". Der Stabilitätspakt sei jeder Anforderung gewachsen — "also auch, um Wachstum zu bekommen". Staatssekretär Caio Koch-Weser sagte, Eichels Ansicht sei unter den Finanzministern "breiter Konsens" gewesen. "Der Stabilitätspakt ist ein flexibles Mittel, das auch unter jetzigen Umständen Wachstum und Stabilität bieten kann", sagte der amtierende Vorsitzende der Euro-Gruppe, Italiens Finanzminister Giulio Tremonti. Sein österreichischer Kollege Karlheinz Grasser forderte Sanktionen gegen Länder, die dauerhaft gegen die Drei-Prozent-Grenze verstoßen und Sparanweisungen der anderen EU-Staaten ignorieren. Laufende Strafverfahren Gegen Frankreich und Deutschland laufen bereits Strafverfahren wegen Verletzung des Stabilitätspakts. Beide Staaten könnten im Jahr 2004 erneut ein Haushaltsdefizit von mehr als drei Prozent erreichen. In diesem Fall können die EU-Staaten verpflichtende Sparauflagen und Geldbußen in Milliardenhöhe beschließen. Während Eichel ankündigte, Deutschland wolle die Marke 2004 einhalten, fachte der französische Finanzminister Mer die Diskussion weiter an. Mer relativierte in keiner Weise die Äußerung Chiracs, der am Montag in einer Rede zum Nationalfeiertag für eine Aussetzung der Defizitregeln plädiert hatte. Zudem räumte Mer in der vertraulichen Diskussion der Finanzminister offenbar ein, dass Frankreich im kommenden Jahr erneut die Defizitgrenze überschreiten werde. Dies berichteten der österreichische Finanzminister Grasser und sein irischer Kollege Charles Mc Creevy. Immer unwahrscheinlicher wird aber auch die Ankündigung von Finanzminister Eichel, 2004 einen Verstoß gegen den Stabilitätspakt zu vermeiden. Eichel hat die Einhaltung der Drei-Prozent-Grenze an ein Wachstum von zwei Prozent im kommenden Jahr gebunden. Nach Angaben von EU-Währungskommissar Pedro Solbes haben sich die Konjunkturaussichten in der Eurozone weiter verschlechtert. Für dieses Jahr rechnet Solbes nur noch mit einem Wachstum von 0,7 Prozent, für kommendes Jahr mit 2,3 Prozent. Ein deutlicher Aufschwung könnte sich bis 2005 hinauszögern. Endgültig beigelegt ist der Streit um die Nachfolge des ersten Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg. Trichet erwartungsgemäß nominiert Die Finanzminister nominierten erwartungsgemäß den Gouverneur der französischen Notenbank, Jean-Claude Trichet, der das Amt am 1. November antreten soll. Vom Direktorium der Zentralbank und vom Europäischen Parlament wird kein Widerstand erwartet. Die Ernennung Trichets war erst möglich geworden, nachdem ein Pariser Gericht den 60-Jährigen im Juni vom Vorwurf der Verwicklung in einen Betrugsskandal freigesprochen hatte. Um die Besetzung des Chefpostens bei der Zentralbank hatte es von Anfang an Streit gegeben. Frankreich wollte Trichet bereits 1998 als ersten EZB-Präsidenten durchsetzen, scheiterte aber am Widerstand der anderen EU-Staaten, die Duisenberg favorisierten. Der französische Staatschef verlangte daraufhin eine kürzere Amtszeit Duisenbergs, der in diesem Herbst nach nur vier Jahren abtritt. Trichet soll dagegen für acht Jahre amtieren, wie es das EU-Recht für den Posten des EZB-Präsidenten vorsieht. Debatte über Konjunkturplan Keinen Beschluss fassten die Finanzminister über den Vorschlag der italienischen Ratspräsidentschaft, die europäische Konjunktur mit einem Infrastrukturprogramm anzukurbeln. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi will 60 bis 70 Milliarden Euro für den Ausbau von Verkehrswegen und die Förderung der Forschung ausgeben. Die Mittel sollen über Kredite der Europäischen Investitionsbank und über staatlich garantierte Darlehen an private Investoren aufgebracht werden. Staatssekretär Koch-Weser sagte, wichtig sei, dass bei dem Programm die Belastung der öffentlichen Haushalte minimiert und ein Maximum an privater Finanzierung erreicht werde. Auch wirkten Infrastrukturprojekte oft erst mittelfristig. Die Finanzminister wollen im Oktober weiter über den Vorschlag beraten.
Was der deutsche Finanzminister verzweifelt zu verhindern sucht, hat sein französischer Kollege Mer tout simplement als Fakt verkündet: Frankreich werde 2004 zum dritten Mal in Folge gegen das Euro-Defizitlimit von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts verstoßen. Die Freude darüber in der EU hält sich in Grenzen.
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EU-Streit über Staatsschulden - Offensiv ins Defizit
00/05/2010
Die Briten machens vor, die Deutschen nach: Fußballvereine verkaufen nicht nur Devotionalien — sondern neuerdings auch Finanzprodukte. Jüngst vereinbarte der deutsche Meister Bayern München eine Zusammenarbeit mit der HypoVereinsbank (HVB) und eifert damit dem englischen Rivalen Manchester United nach, der schon seit Jahren auf seiner Internet-Seite Sparverträge, Autoversicherungen oder Darlehen anbietet. "Wir gehen im deutschen Fußball in Sachen Finanzen neue Wege", sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Das erste gemeinsame Produkt soll im Herbst auf den Markt kommen. "Spielerei" In der Branche herrscht noch Skepsis vor. Thomas Dörflinger von der Landesbank Baden-Württemberg glaubt nicht an große Wirkungen durch solche Partnerschaften zwischen Bank und Club. "Für den normalen Fan ist das kein Grund die Bank zu wechseln", sagte er. Die Geldanlage mit Extra-Verzinsung, die zum Beispiel ManU anbietet, ist für ihn zum Beispiel "eine Spielerei, eine neue Wette auf sportliche Ergebnisse". Für die Bank werde es erst interessant, wenn es um Unternehmenskäufe oder einen Börsengang ihres Partner-Clubs gehe, sagte er. Nach Aussagen von Rummenigge würde die HVB als neue Hausbank des FCB im Fall eines Börsengangs "den Leadpart" übernehmen. Der englische Meister bietet einige Beispiele, was im Bereich Finanzen und Fußball möglich ist. So zahlte ManU in Zusammenarbeit mit der MBNA Europa Bank den Anlegern in der vergangenen Saison eine Bonusverzinsung von 0,5 Prozent für das Erreichen des Viertelfinales in der Champions League und gewährt in diesem Jahr einen Nachlass von zehn Pfund auf die Autoversicherung, wenn das Team mindestens 40 Auswärtstore erzielt. Einen speziellen Anreiz bietet das Projekt "RedRewards". Je nach Kreditkartenumsatz gibt es Lose und damit die Chance, Preise wie eine Führung durch das Old-Trafford-Stadion oder ein handsigniertes Trikot zu gewinnen. Bei Erfolg Zinszuschlag Das erste vergleichbare Produkt in Deutschland soll nach Angaben von HVB-Sprecher Ralf Horak im Herbst auf den Markt kommen. Auf drei Punkte wolle das Unternehmen dabei achten. Zum einen sollen Anleger vom sportlichen Erfolg des FC Bayern profitieren: Für Sparer könnte es dann auf den Basis-Sparzins noch einen Extra-Zuschlag an Zinsen geben. Daneben sollen die Inhaber der FCB-Bankprodukte in den Genuss besonderer Leistungen kommen. "Zum Beispiel könnten unter diesen Kunden handsignierte Bälle oder Reisen mit der Mannschaft zu Auswärtsspielen verlost werden", sagte Horak. Emotional wolle die Bank die Kunden über das Vereinslogo und ein dementsprechendes Design der Sparkarte ansprechen. Das Geschäft mit Bankkarten, auf denen das Vereinsemblem abgebildet wird, ist nicht neu. So arbeiten die Berliner Clubs Hertha BSC und Union mit der dortigen Volksbank zusammen. Hertha-Fans mit "Haut und Haaren", so wirbt die Bank, kämen an der Karte nicht vorbei. Neben den Eigenschaften einer normalen Bankkarte beinhaltet sie einen Fanartikel-Gutschein für 30 Euro, außerdem bringt sie dem Inhaber fünf Prozent Nachlass auf Fanartikel und Dauerkarten. Ähnlich sind die Konditionen bei der Union-Karte. Die Citibank kooperiert mit Borussia Dortmund, dem 1. FC Kaiserslautern und Hansa Rostock und brachte eine VISA-Card mit Vereinswappen heraus. Über die normale Kreditkartenfunktion hinaus gibt es eine Stadionunfallversicherung für Heimspiele des jeweiligen Clubs. "Wir wollen mehr anbieten als klassisches Co-Branding", sagte HVB-Sprecher Horak. Ähnliche Kooperationen wie die zwischen dem bedeutendsten deutschen Fußball-Club und der zweitgrößten Bank in Deutschland könnten folgen. "Grundsätzlich kommen in jedem Fall die Brandnames der Branche für eine solche Partnerschaft in Frage", sagte Ingo Süßmilch von der WGZ-Bank.
Die Briten machens vor, die Deutschen nach: Fußballvereine verkaufen nicht nur Devotionalien — sondern neuerdings auch Finanzprodukte.
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Fußballclubs - Schals, Trikots und Sparbücher
00/05/2010
Wie gerne hätte die Eisenbahn abgehoben. Wäre aus dem Bahnhof gerollt, hätte beschleunigt und wäre dann aufgestiegen, um noch einmal in weiß und rot aufzuleuchten und dann im Gewölk zu verschwinden. (SZ vom 21.05.2003) — Seit den fünfziger Jahren, seit dem Bau des TransEuropaExpress und der Einführung des Großraumwagens hatte die Eisenbahn an diesem Traum gearbeitet, den Wettbewerb mit dem Flugzeug aufnehmen und gewinnen zu können. Vom Flugzeug übernahm sie die unpraktische Anordnung der Sitze, den schlechten Service und das falsche Deutsch: "Wir befinden uns in der Anfahrt auf München Hauptbahnhof." Kapitaler Dirigismus Vom Flugzeug übernahm sie zuletzt auch die Anmaßung, der Reisende habe sich auf die Bedingungen seines Verkehrsmittels einzustellen - anstatt umgekehrt danach zu fragen, wie es das Verkehrsmittel dem Reisenden recht machen könnte. "Das neue Preissystem" hieß diese Anmaßung, und es lief auf eine gigantische Erziehungsmaßnahme, auf die Umschulung von halb Deutschland, auf einen kapitalen Dirigismus hinaus. Am Dienstag musste die Bahn zugeben, bei diesem jüngsten Versuch einer Himmelfahrt krachend auf die Gleise zurückgestürzt zu sein. "Die Bahn hat sich verkalkuliert", sagte Verkehrsminister Stolpe, und die beiden heftigsten Verfechter des neuen Preissystems im Vorstand der Bahn müssen das Unternehmen verlassen. Dabei geht es weniger ums Rechnen als um einen Idealismus. Das Flugzeug - das war der große Traum von der Selbstveredelung der Bahn durch Leichtigkeit, Schnelligkeit und Eleganz. Und es symbolisierte die Verachtung für den Dreck zwischen den Schienen, die Gebundenheit an die Erde und die physische Schwerfälligkeit des Fahrens auf Gleisen. Was für ein Irrtum, und welche Blindheit gegenüber der Schönheit dieses Materials! Denn nicht mit dem Flugzeug konkurriert die Eisenbahn, sondern mit dem Automobil, sie ist der Straßenbahn ähnlicher als der Rakete. Anstatt den Zeitensprung zu vollenden, fällt die Bahn nun ihre Zeit zurück. Um so besser für die Reisenden. Hartmut Mehdorn, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, darf nun noch fünf Jahre im Amt bleiben. Dabei träumte er besonders heftig von der Selbstbefreiung seiner Züge. Wenn Winterstürme den Eisenbahnverkehr zum Erliegen brächten, maulte er vor wenigen Monaten, so werde dafür seine Firma verantwortlich gemacht. Wenn sich aber auf der verschneiten Autobahn lange Staus bildeten, sei bloß das Wetter schuld. Der Mann, so muss man sagen, hat das Produkt seines Unternehmens nicht verstanden. Denn das Auto ist ein Vehikel des Individualismus und der Spontaneität, es ist das Verkehrsmittel des modernen Subjekts, und wenn dessen Einzelgängertum an seinen Voraussetzungen scheitert, dann gibt es mehr dazu nicht zu sagen. Die Eisenbahn aber fährt nach Plan, sie ist eine kollektive Technik im doppelten Sinne des Wortes, und sie darf sich nicht darüber wundern, wenn sie als gesellschaftlich geschaffene und gesellschaftlich verfügbare Materie behandelt wird. Während also bei der Bahn die wunderlichsten Vorstellungen kursieren, wofür sie eigentlich da sei, haben ihre Konkurrenten die strukturelle Schwäche des Schienenverkehrs allzu gut verstanden. "Taxi nach Köln" heißt der Slogan eines Billigfliegers auf Plakaten in Berlin - "Taxi", wohlgemerkt, nicht "Schnellzug", denn auch ein Taxi verheißt Spontaneität, während jeder Bezug auf die Bahn gegenwärtig nur unangenehme Assoziationen an die so kläglich gescheiterte Heuchelei wachruft, den Zwang zur langfristigen Planung einschließlich empfindlicher Strafe bei unentschuldigtem Fernbleiben von der Bahn als besonders günstigen Rabatt zu verkleiden. Für solche Lügen ist die Deutsche Bahn zwangsläufig von ihren besten Kunden, eben den modernen Subjekten, den spontan, oft geschäftlich und meistens teuer Reisenden, bestraft worden. Solche Leute kann man nicht mit der Aussicht auf verbilligte Gruppenreisen locken - in ihren Ohren klingt das Angebot zu sehr nach türkischem Sammeltaxi. Die alte Sehnsucht nach Bahn Ganz zu schweigen davon, dass es mittlerweile viele Firmen gibt, die frühzeitig die Kontingente durch Frühbuchung verbilligter Plätzen aufkaufen - um so zu versuchen, Preisvorteil und Spontaneität zu verbinden, worauf die meisten Sessel dann doch leer bleiben. Wollte also die ökonomisch wie ökologisch allen anderen Verkehrsmitteln überlegene Bahn tatsächlich versuchen, ein erfolgreiches Unternehmen zu werden, so müsste sie endlich aus dem Traum vom Fliegen aufwachen und sich ihren tatsächlichen Wettbewerbern stellen. Vor allem müsste sie auf den Gedanken verzichten, ihre Reisenden wie langfristig angekündigtes Sperrgut verstauen und verschicken zu wollen. Hartmut Mehdorn beschwert sich, die Bahn werde gegenwärtig für alles und jedes verantwortlich gemacht, sie werde wie ein universell Schuldiger behandelt. Er sollte nicht jammern, sondern sich darüber freuen. Tatsächlich interessiert sich in diesem Land fast jeder für die Eisenbahn, und dafür gibt es einen handfesten Grund. Denn in dem allgegenwärtigen Geschimpfe verbirgt sich die alte Sehnsucht nach der Eisenbahn als dem idealen sozialen Verkehrsmittel einer industriellen Gesellschaft moderner Individuen.
Wie gerne hätte die Eisenbahn abgehoben. Wäre aus dem Bahnhof gerollt, hätte beschleunigt und wäre dann aufgestiegen, um noch einmal in weiß und rot aufzuleuchten und dann im Gewölk zu verschwinden.
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Bruchlandung einer Illusion - Warum das neue Preissystem scheiterte
00/05/2010
Tüchtig, zuverlässig, preiswert: Ausländische Putzfrauen sind in deutschen Haushalten beliebt, aber die jüngsten Gesetzesinitiativen dürften ihre Lage eher noch verschlechtern. Agnes hat einen Mann und zwei erwachsene Töchter; alle drei leben in Polen und sind arbeitslos. Agnes selbst wohnt in einer winzigen Wohnung im Münchner Norden und hat nichts anderes als ihre Arbeit: Rund 50 Stunden pro Woche putzt die 50-Jährige in Grünwald und am Starnberger See, am Kolumbusplatz und in Bogenhausen Fußböden für fremde Leute, abends fährt sie heim in ihre Wohnung und schaut polnisches Kabelfernsehen. Detailansicht öffnen Im Schutze der Dunkelheit: Ausländische Haushaltshilfen in Deutschland. (Foto: Foto: dpa) Seit zehn Jahren tut sie das. Ihren Mann und die ältere Tochter sieht Agnes zwei Monate im Sommer und in den Weihnachtsferien, während die jüngere Tochter unterdessen ihre Putzstelle in München übernimmt. Seit Jahren illegal in Deutschland Denn einen Einkommensausfall kann sich die Familie nicht leisten. Agnes spricht kaum Deutsch - ihre Arbeitgeber sind in der Regel nicht daheim, wenn sie arbeitet, und am Abend trifft sie höchstens mal polnische Bekannte, die wie sie ohne Arbeitsgenehmigung seit Jahren in Deutschland leben. "Natürlich wäre ich lieber bei meiner Familie", sagt Agnes, "aber daheim gibt es keine Jobs." Schwarzarbeit und die Angst vor der Entdeckung sind seit zehn Jahren Alltag für sie. Ihre Arbeitgeber wiederum ziehen die tüchtige und zuverlässige Agnes anderen, legalen Arbeitskräften vor und begehen damit wissentlich eine Ordnungswidrigkeit: ohne Arbeitserlaubnis ist natürlich auch keine offizielle Anmeldung möglich. Ausländische Illegale, die wie Agnes zeitlich flexibel und zu niedrigen Preisen in deutschen Haushalten arbeiten, gibt es zu Hunderttausenden. Blockwartmentalität Die Pläne der Bundesregierung, Schwarzarbeit in privaten Haushalten stärker zu verfolgen als bisher und mit einer Strafe von bis zu 1500 Euro zu belegen, sind daher in der Bevölkerung auf massive Kritik gestoßen; von Blockwartmentalität wird geredet und davon, dass Denunziation als Mittel nachbarschaftlicher Auseinandersetzungen populär werden könnte. Finanzminister Hans Eichel (SPD) betont zwar, es gehe ihm mit seinem Gesetzentwurf vor allem um die Bekämpfung gewerblicher Schwarzarbeit. Dennoch ist die Finanzierbarkeit gemeldeter und versteuerter Hausarbeit sowie Kinderbetreuung wieder mal zum Thema geworden in einer Debatte über die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auf der einen - und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf der anderen Seite. Bis zum Ende der Kohl-Ära gab es das so genannte Dienstmädchen-Privileg, nach dem desto mehr vom Gehalt der Haushälterin abgesetzt werden konnte, je mehr der Arbeitgeber verdiente. Dienstmädchen-Privileg passé Die Sozialdemokraten fanden das unsozial und führten eine neue Regelung ein: Das Einkommensteuergesetz sieht nun vor, dass "haushaltsnahe Dienstleistungen" bis zu einer Höhe von 2400 Euro pro anno abgesetzt werden können, wenn Kinderfrau, Haushälterin oder Pflegerin ordentlich angestellt sind; die wenigsten Privathaushalte allerdings können sich Lohn plus Arbeitgeberanteil nach Tarif leisten, könnten dabei doch mehrere tausend Euro pro Monat zusammenkommen. Nach der neuen Hartz-Gesetzgebung vom vergangenen Jahr können überdies für Minijobs im Haushalt, die per Haushaltsscheck bei der Bundesknappschaft angemeldet sind, maximal 510 Euro von der Steuerschuld abgezogen werden; wer sein Personal über eine Dienstleistungsagentur engagiert hat, muss bis zu 600 Euro im Jahr weniger Steuern zahlen. Das sind durchaus Erleichterungen, aber eben nur dann, wenn ein Haushalt mit den Stunden pro Woche auskommt, die ein Minijob einschließt - und wenn die so beschäftigte Haushaltshilfe legal in Deutschland ist. Schwarzmarkt Schwierig ist die Situation auch in der Betreuung von Kranken und Alten: Insbesondere Pflegedienste beharren darauf, dass die derzeitige Gesetzgebung im Bereich der Kranken- und Altenpflege einen Schwarzmarkt geradezu fördert, weil offizielle Kräfte für private Haushalte oft zu teuer und Pflegekräfte mit Arbeitserlaubnis schwer zu finden sind. Die Arbeitszeit gehe häufig über die maximale Stundenzahl eines Minijobs hinaus. Jeder wisse, sagt zum Beispiel Claus Fussek, der Leiter der "Vereinigung Integrationsförderung", dass der schwarze Markt umso attraktiver werde, je teurer die Pflege sei. Vor Jahren hatte Fussek eingeräumt, er vermittle auch Schwarzarbeiter an Pflegebedürftige. Damit mache er sich zwar strafbar - aber tue er es nicht, wäre das unterlassene Hilfeleistung. Wiederholt hat er solche Äußerungen nicht, nachdem er prompt angezeigt wurde. Eichels Plan zeigt jedenfalls schon Wirkung: In der Minijob-Zentrale der Bundesknappschaft rufen derzeit täglich rund 20.000 verunsicherte Arbeitgeber wegen nicht gemeldeter Hilfen an.
Tüchtig, zuverlässig, preiswert: Ausländische Putzfrauen sind in deutschen Haushalten beliebt, aber die jüngsten Gesetzesinitiativen dürften ihre Lage eher noch verschlechtern.
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Haushaltshilfen - Die tägliche Angst, entdeckt zu werden
00/05/2010
Der Jahrhundertsommer mit seiner Rekordhitze hat zu einem deutlichen Rückgang der Erntemenge und gleichzeitig zu einem Anstieg der Qualität geführt. Das lassen die Winzer sich natürlich bezahlen. Die außerordentliche Qualität des Jahrganges 2003 wird zu kräftigen Preissteigerungen für deutsche Weine führen. "Preis müsste um 100 Prozent steigen" Der Präsident des Verbandes der Prädikatsweingüter VDP, Michael Prinz zu Salm-Salm, kündigte eine allgemeine Steigerung um etwa 20 Prozent und noch deutlichere Aufschläge für die Spitzenweine des VDP an. Der Jahrgang 2003 gilt nach dem heißen Sommer als Jahrhundertwein. "Eigentlich müsste der Preis in solch einem Jahr um 100 Prozent steigen", sagte Salm-Salm beim jährlichen Pressegespräch des VDP. "Aber wir dürfen unsere Kunden nicht vor den Kopf stoßen." Die Erntemenge ging 2003 allgemein um etwa 20 Prozent zurück, die Qualität der Reben und die Mostgewichte waren beispiellos gut. Außerdem steigt die Nachfrage nach deutschen Spitzenweinen in Übersee. Die 200 Mitgliedsweingüter des VDP haben eine eigene Qualitätsordnung außerhalb des deutschen Weingesetzes geschaffen. Dabei sind begrenzte Hektarerträge und klassifizierte Einzellagen vorgeschrieben, so genannte Bereichs- und Großlagen aber verboten. Riesling gilt wieder als schick Für die "Großen Gewächse" des VDP dürfte nach Ansicht Salm-Salms auch der Mindestpreis von zuletzt 12,50 Euro steigen. Auf die VDP-Weingüter entfallen nur 2,2 Prozent der Erträge des deutschen Weinbaus, aber 8 bis 10 Prozent des Umsatzes. Er erreichte 2002 rund 240 Millionen Euro. Salm-Salm zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Strategie des VDP durchsetzen werde, um die einstige Spitzenstellung der deutschen Weine in der Welt zurückzugewinnen. Es gelte inzwischen sogar in München als schick, deutsche Rieslingweine zu kaufen.
Der Jahrhundertsommer mit seiner Rekordhitze hat zu einem deutlichen Rückgang der Erntemenge und gleichzeitig zu einem Anstieg der Qualität geführt. Das lassen die Winzer sich natürlich bezahlen.
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Spitzenjahrgang 2003 - Deutscher Wein wird deutlich teurer
00/05/2010
US-Unternehmen schleusen Milliarden am Fiskus vorbei. Oft müssen die Steuerbehörden dem Treiben hilflos zusehen. (SZ vom 07.10.03) - US-Präsident George W. Bush gerät wegen des wachsenden Budgetdefizits in die Bredouille. Das Minus im Staatshaushalt wird in diesem Jahr wahrscheinlich rund 450 Milliarden Dollar aufweisen. Die ausufernden Kosten für den Irak-Krieg haben ein tiefes Loch in die öffentlichen Kassen gerissen. Aber auch die Bundesstaaten ächzen unter der Ausgabenlast. Gleichzeitig müssen sie sinkende Steuereinnahmen verkraften. Hauptursache ist der Konjunkturabschwung. Die Unternehmen führen weniger Steuern an den Staat ab. Zudem spielt Steuerhinterziehung eine immer größere Rolle. US-Unternehmen schleusen Milliarden am Fiskus vorbei. Nicht nur Gesetzeslücken werden genutzt Experten sprechen von einer regelrechten "Kultur der Steuertricks". So werden nicht nur Gesetzeslücken zwischen den Bundesstaaten aggressiv genutzt. Konzerne verlagern ihre Finanzgeschäfte in Steuerparadiese, wie beispielsweise die Bermudas und Virgin Islands. Alarmierende Zahlen veröffentlichte ein Report der "Multistate Tax Commission", einer Organisation der US-Steuerbehörden: Danach verloren die US-Bundesstaaten 2001 insgesamt 12,4 Milliarden Dollar an Einnahmen durch ausgeklügelte Methoden der Steuerhinterziehung. Kein Zufall, dass der Bundesstaat Kalifornien in einer akuten Finanzkrise steckt, die sogar zu einer Regierungskrise geführt hat. Fachleute schätzen, dass der US-Steuerbehörde IRS jährlich 70 bis 100 Milliarden Dollar an Einnahmen verloren gehen. Firmen, aber auch vermögende Bürger schaffen ihr Kapital in die sicheren Fluchtburgen des Geldes. Steuerhinterziehung ist nicht nur in Europa, sondern auch in den USA zum Volkssport geworden. Tipps, wie man den Staat betrügt, werden mittlerweile im Internet verbreitet. Personalmangel Die IRS hat im vergangenen Jahr mehr als 82.000 Fälle von Steuerhinterziehung registriert. Aufgrund von Personalmangel konnte die Steuerbehörde jedoch nur bei 17.000 Verdächtigen Ermittlungen einleiten. Kritiker werfen der Bush-Regierung vor, nicht genügend zu tun, um die Erosion der Steuereinnahmen einzudämmen. Vor allem die Lobby der Großindustrie, Banken und Wirtschaftsprüfer hätten bislang schärfere Gesetze verhindert, heißt es. Staatsanwälte und Steuerfahnder agieren deshalb auf verlorenem Posten. Nach großen Mühen ist es immerhin vor kurzem einem US-Bundesgericht gelungen, ein Steuerberatungsbüro in Chicago dazu zwingen, die Namen von Hunderten von Klienten herauszugeben. Sie stehen in Verdacht, den Fiskus betrogen zu haben. Maßgeschneiderte Steuersparmodelle Außerdem hat die IRS jetzt mit 40 Bundesstaaten ein Abkommen über den Informationsaustausch bei Steuerbetrügereien vereinbart. Aufs Korn genommen haben die Ermittler die Wirtschaftsprüfer-Gesellschaften. Diese verdienen Millionen mit maßgeschneiderten Steuersparmodellen. Die Branche ist in Verruf geraten, weil renommierte Prüfer den Skandalfirmen Enron und Tyco halfen, Einnahmen zu verstecken und Bilanzen zu manipulieren. Die Wirtschaftsprüfergesellschaft Ernst & Young einigte sich nach US-Presseberichten mit der IRS auf Zahlung von 15 Millionen Dollar, weil sie Kunden zu illegalen Steuersparmodellen geraten hatte. Im Land der Anwälte und Gerichtsprozesse müssen die Wirtschaftsprüfer jetzt allerdings auch mit Schadensersatzklagen ihrer Klienten rechnen, weil ihnen falsche Zusagen über die "Sicherheit" einer Steueroase gemacht wurden.
US-Unternehmen schleusen Milliarden am Fiskus vorbei. Oft müssen die Steuerbehörden dem Treiben hilflos zusehen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/usa-steuerflucht-als-volkssport-1.915981
USA - Steuerflucht als Volkssport
00/05/2010
Private-Equity-Fonds investieren neuerdings auch in den deutschen Mittelstand - für den "normalen" Anleger sind sie allerdings meist wenig geeignet. Der Markt für Unternehmensbeteiligungen wächst rasant. Dabei rückt der deutsche Mittelstand zunehmend in den Fokus der Fondsgesellschaften. Nach einer Marktstudie des Fondsanalysten Stefan Loipfinger haben deutsche Privatanleger im vergangenen Jahr 700 Millionen Euro in Private-Equity-Publikumsfonds investiert - drei Mal so viel wie im Jahr zuvor. Vor allem hohe Renditeziele locken immer mehr Privatanleger. Fondsgesellschaften reagieren auf die steigende Nachfrage mit neuen Produkten und Strategien. Ein neuer Anbieter auf dem Markt ist die Schweizer Rising Star AG, die mit der amerikanischen Gesellschaft Auda zusammenarbeitet. Das New Yorker Unternehmen zählt zu den besten Adressen im internationalen Private-Equity-Geschäft und legt seit Jahren das Vermögen von Großinvestoren wie der Familie Quandt an. Meistens nichts für "normale" Anleger "Mit Buyouts haben wir im vergangenen Jahr 22 Prozent Rendite erreicht", erklärt Marcel Giacometti, Vorstand von Auda. Ziel seiner Fondsgesellschaft ist es, aussichtsreiche Unternehmen zu kaufen und sie nach einiger Zeit mit Gewinn wieder zu verkaufen. Allerdings fallen die Renditen nicht immer so üppig aus. "2004 war die Performance extrem gut", räumt Giacometti ein. Bei Mindestsummen von mehreren Millionen Euro oder Dollar haben Anleger mit durchschnittlichen Vermögen normalerweise keine Chance, in die Fonds der Reichen reinzukommen. Die Schweizer haben ihre Türen auch für "normale" Anleger geöffnet. "Der private Kunde soll die gleichen Chancen haben wie Großinvestoren", sagt Vorstand Frank Erhard.
Private-Equity-Fonds investieren neuerdings auch in den deutschen Mittelstand - für den "normalen" Anleger sind sie allerdings meist wenig geeignet.
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Beteiligungskapital - Die Fonds der Reichen
00/05/2010