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Ein Milieu, das Normalverdienern den Atem nimmt: Interne Bank-Dokumente zeigen, wie der Erwerb der Hypo Alpe Adria durch die BayernLB ablief. Klar, die Papiere waren nicht ganz einfach geschrieben. Es gab die üblichen Fußangeln, mit denen sich die Prüfer absichern wollen, aber so kompliziert war der Sachverhalt auch nicht. Er ließ sich auf eine schlichte Frage reduzieren: Warum sollte Bayerns Landesbank einer Investorengruppe um den Kaufmann Tilo Berlin viel Geld für Anteile an einer Bank zahlen, die man womöglich woanders günstiger bekommen konnte? Diese Frage stellten im Frühjahr 2007 Spezialisten der Frankfurter Investmentbank Rothschild in einem als "streng vertraulich und persönlich" eingestuften Bericht dem damaligen Vorstand der BayernLB. Rothschild beriet der Staatsbank bei der geplanten Übernahme der Kärntener Hypo Alpe Adria Bank International AG für ein Honorar in Höhe von acht Millionen Euro. Die Antwort ist bekannt: Die BayernLB kaufte dennoch für teures Geld die Hypo Alpe Adria; verlor insgesamt 3,7 Milliarden Euro und beendete im Dezember 2009 fast fluchtartig den Ausflug nach Kärnten. Für das Fiasko kommen die Steuerzahler auf. Drängende Fragen Seit Monaten ermitteln die "Arbeitsgruppe Finanzkrise" der Staatsanwaltschaft München I und Beamte des Bayerischen Landeskriminalamts gegen ehemalige Vorstandsmitglieder der BayernLB wegen Verdachts der Untreue und anderer Delikte. Je länger sich die Fahnder mit den Details der Transaktion beschäftigen, desto drängender werden die alten Rothschild-Fragen: Warum kaufte die Landesbank mit einem beträchtlichen Aufpreis der Berlin & Co Capital S.a.r.l rund 25 Prozent an der HGAA ab, obwohl die letzte und größte Tranche von 16 Prozent "direkt an die BayernLB weitergereicht" (Rothschild) wurde? Was die Investmentbanker von Rothschild damals noch nicht wussten: Die Münchner Bank hatte den Berlin-Investoren sogar dreistellige Millionendarlehen gewährt, damit die Spekulanten Anteile an der Klagenfurter Hypo Alpe Adria kaufen konnten, um diese unmittelbar danach mit hohem Aufschlag an den Kreditgeber, die Landesbank, zu verkaufen. Die Berlin & Co Capital verkaufte sogar Hypo-Alpe-Adria-Aktien an die BayernLB, die sie zu diesem Zeitpunkt dinglich noch gar nicht besaß. Das belegen Landesbank-Unterlagen, die der Süddeutschen Zeitung und dem österreichischen Magazin News vorliegen. Womöglich ein abgekartetes Spiel Die Münchner Ermittler gehen inzwischen Anhaltspunkten nach, der Deal der BayernLB mit der Investorengruppe um Tilo Berlin sei womöglich ein abgekartetes Spiel gewesen. Aufgrund der bisher festgestellten Abläufe bestehe der Verdacht, dass die Firma Berlin & Co Capital bewusst zwischengeschaltet worden sei, um einen Gewinn in einer "Verkaufskette" zu machen, steht in einem der Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft München an die Kollegen in Kärntens Hauptstadt Klagenfurt. Viel günstiger wäre es die BayernLB gekommen, wenn sie von vornherein selbst die Hypo-Alpe-Adria-Anteile zu den Konditionen erworben hätte, die für Tilo Berlins Gruppe galten, lautet die Vermutung. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Werner Schmidt, Ex-Vorstandschef der BayernLB, wegen Veruntreuung von Bankvermögen; und gegen Berlin wegen Beihilfe hierzu. Berlins Anwalt entgegnet, alles sei ganz sauber abgelaufen. Von einer "Zwischenschaltung" der Berlin & Co Capital könne "nicht die Rede sein". Der Standpunkt von Rothschild entspräche "nicht den tatsächlichen wirtschaftlichen und vertraglichen Grundlagen" des damaligen Geschäfts. Auch Schmidt beteuert seine Unschuld. Die BayernLB und die Staatsanwaltschaft äußern sich hierzu nicht. | Ein Milieu, das Normalverdienern den Atem nimmt: Interne Bank-Dokumente zeigen, wie der Erwerb der Hypo Alpe Adria durch die BayernLB ablief. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/hypo-alpe-adria-und-bayernlb-verdaechtiges-in-der-verkaufskette-1.21442 | Hypo Alpe Adria und BayernLB - Verdächtiges in der Verkaufskette | 00/04/2010 |
Bundesbankvorstand Fabritius über die Kosten des Euro-Umlaufs, Zahlungsgewohnheiten der Deutschen - und horrende Automatengebühren. Die meisten Deutschen bevorzugen das Geldausgeben mit Banknoten, die sie bequem aus dem Automaten ziehen. Bundesbankvorstand Hans Georg Fabritius erklärt, wie aufwendig der Umschlag der baren Euros ist und warum die Notenbank dieses Geschäft mit der Privatwirtschaft teilen will. Er selbst zahlt übrigens meist mit Karte. Wenn er sie dabei hat. SZ: Herr Fabritius, wie viel Bargeld haben Sie in der Tasche? Fabritius: Heute morgen gar keins. Gestern waren es 65 Euro. Die reichten für die Tankfüllung eines Kleinwagens und zwei Lollis für meine Enkel. SZ: Das ist wenig. Im Schnitt hat der Deutsche 116 Euro im Portemonnaie. Fabritius: Nach unserer Analyse schätzen die Deutschen Bargeld als bequemes und schnell verfügbares Zahlungsmittel. Es ist vertraut und kann anonym verwendet werden. Die Deutschen zahlen häufiger mit Bargeld als andere Europäer, was auch mit einer geringeren Ausstattung der Geschäfte mit Karten-Lesegeräten zusammenhängt. SZ: Wie hoch ist denn die Nachfrage nach Bargeld? Fabritius: Die Bundesbank gibt im Euro-Raum fast jeden zweiten Euro in Umlauf. Ein Viertel bis ein Drittel davon geht ins Ausland, der überwiegende Teil landet in den Taschen der Bürger und der Unternehmen. SZ: Stimmt es, dass nur der kleinere Teil des Bargelds zum Einkauf genutzt wird, der größere aber in Tresoren liegt oder für die Bezahlung von Schwarzarbeit genutzt wird? Fabritius: Dazu haben wir keine gesicherten Zahlen. Natürlich wird Geld auch gehortet, aber das fließt auch ab, wenn es zum Bezahlen gebraucht wird. Eine klare Trennung ist schwierig. Zum Ausmaß der Schattenwirtschaft gibt es auch nur Vermutungen. SZ: Gibt nicht die Nachfrage nach 500-Euro-Scheinen Hinweise auf das Horten und das Schwarzgeld? Fabritius: Es ist einfacher, Banknoten von hohem Wert aufzubewahren. Die Geldbündel sind dünner. Das dürfte eine Rolle bei den Beträgen spielen, die ins Ausland fließen. Dem Wert nach fallen die 500er Scheine ins Gewicht. Aber am meisten verbreitet ist der 50er Schein, und am häufigsten im Portemonnaie befindet sich der Zehner. SZ: Kommt der Ein-Euro-Schein? Fabritius: Für den gibt es keinen Bedarf. Eine Ein-Euro-Note würde erhebliche Kosten verursachen. Dabei ist an die Herstellung, die Bearbeitung der Banknoten und die Umstellung der Automaten zu denken. Kleine Scheine nutzen sich zudem schneller ab als Münzen und müssen häufiger ersetzt werden als hohe Stückelungen. Wir ändern die Stückelung der Banknoten bei der neuen Euro-Serie nicht. SZ: Wann kommt die neue Euro-Serie? Fabritius: Die wird gerade entwickelt. Start soll in einigen Jahren mit einer ersten Banknote sein. Etwa im Jahresrhythmus werden dann die weiteren folgen. Banknotenentwicklung ist sehr komplex und benötigt viel Zeit. SZ: Das Abheben der Banknoten an Geldautomaten ist für einige Kunden sehr teuer. Was halten Sie vom Vorschlag, diese Gebühren zu deckeln? Fabritius: Das Befüllen der Automaten und ihre Sicherung kostet Geld, das muss der Kunde bedenken. Aber ich bin für Transparenz. Der Kunde sollte am Automaten sehen, welche Gebühren er zahlen muss. Denn das ermöglicht Wettbewerb. Und Wettbewerb sollte Preistreiberei verhindern. SZ: Warum machen die Banken das nicht untereinander aus? Fabritius: Es gibt Verträge und Abkommen zwischen Kreditinstituten. Das Ergebnis ist offensichtlich unbefriedigend. Preistransparenz für den Kunden wäre besser. Ich begrüße deshalb, dass die Kreditwirtschaft aktuell an einer Anpassung arbeitet, die hoffentlich zu diesem Ziel führt. Letztlich geht es um den Aufwand, der mit Bargeld verbunden ist. SZ: Das müssen Sie erklären. Fabritius: Bargeld gibt es nicht zum Nulltarif. Bargeldbearbeitung und Logistik sind für Banken, Handel und Wertdienstleister mit erheblichen Kosten verbunden. Was eine einzelne Bargeldtransaktion insgesamt kostet, wissen wir nicht genau, deshalb startet das Euro-System gerade eine Analyse, welche Kosten mit welchem Zahlungsmittel - ob bar oder unbar - verbunden sind. | Bundesbankvorstand Fabritius über die Kosten des Euro-Umlaufs, Zahlungsgewohnheiten der Deutschen - und horrende Automatengebühren. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/bundesbankvorstand-fabritius-nicht-zum-nulltarif-1.23483 | "Bundesbankvorstand Fabritius - ""Nicht zum Nulltarif""" | 00/04/2010 |
Nach einer langen Flaute für Börsengänge starteten in jüngster Zeit gleich vier Firmen am Aktienmarkt - weitere dürften folgen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick. Der Markt für Börsengänge in Deutschland kommt nach schweren Jahren wieder in Schwung. Zuletzt sammelten vier Kandidaten Milliardensummen an Kapital ein (auf das Foto klicken) - Beobachter werten das als gutes Zeichen: Investoren sind wieder zuversichtlich. Weitere Börsengänge von anderen Unternehmen dürften in Kürze folgen - etwa der des Berliner Wohnungsunternehmens GSW, das wohl Anfang Mai an die Börse starten will. Börsengänge können auch für Privatanleger interessant sein, vorausgesetzt sie informieren sich vorab ausführlich über die Risiken. Die Süddeutsche Zeitung erläutert die grundlegenden Fragen für Anleger. Was ist ein Börsengang überhaupt? Eigentümer verkaufen einen Teil oder ihre gesamte Firma an Investoren - sie machen dazu ein öffentliches Angebot für ihre Aktien. Für diese Aktienplatzierung an der Börse hat sich auch der englische Begriff "Initial Public Offering" (IPO) durchgesetzt. Bringt das bereits börsennotierte Unternehmen zusätzliche im Besitz befindliche Aktien an den Markt, spricht man von einer Zweitplatzierung. In beiden Fällen können in der Regel institutionelle Investoren, aber auch Privatanleger die Aktien erwerben. | Nach einer langen Flaute für Börsengänge starteten in jüngster Zeit gleich vier Firmen am Aktienmarkt - weitere dürften folgen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/geldanlage-mitmischen-beim-boersengang-1.17411 | Geldanlage - Mitmischen beim Börsengang | 00/04/2010 |
Die Finanzkrise klingt ab, doch die Fed steht nach wie vor zu den extrem niedrigen Leitzinsen in den USA. Außerdem: Amerikanischen Steuerbetrügern drohen Strafen. Die US-Notenbank Federal Reserve schließt eine Verlängerung ihrer Nullzinspolitik nicht aus. Der "längere Zeitraum" sehr niedriger Zinsen könnte ausgedehnt werden, sollte sich der wirtschaftliche Ausblick verschlechtern oder der Inflationstrend weiter nach unten gehen, hießt es in dem am Dienstag veröffentlichten Protokoll der März-Sitzung des geldpolitischen Komitees der Fed. Dies schließe jedoch nicht eine umgehende Straffung der Geldpolitik aus, falls dies nötig werden sollte. Einige Fed-Vertreter glauben aber, dass die Risiken einer frühen Zinsanhebung die Gefahren eines zu langen Wartens übersteigen. Der Chef der Fed von Kansas City, Thomas Hoenig, war das einzige Mitglied des Offenmarktausschusses, das Bedenken über die Formulierung "längerer Zeitraum" äußerte. Der Leitzins, die sogenannte Fed Funds Target Rate, steht seit Dezember 2008 bei null bis 0,25 Prozent und damit so niedrig wie noch nie. Strafen für amerikanische Steuersünder Die US-Behörden planen Kreisen zufolge eine Prozesswelle gegen Kunden der Schweizer Großbank UBS, die Steuern hinterzogen haben sollen. Unmittelbar vor dem Ablauf einer Meldefrist am 15. April solle der Schritt ein großes Medienecho erzeugen, sagten mit der Angelegenheit Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters. Ziel der Steuerbehörde IRS sei es, die Bürger an ihre Pflicht zu erinnern, Auslandsvermögen offenzulegen. Verhandelt werden sollen die Fälle demnach in New York. UBS hatte vergangenes Jahr zugegeben, Amerikanern dabei geholfen zu haben, Steuerzahlungen zu vermeiden. Die Großbank zahlte der US-Regierung 780 Millionen Dollar und übergab Daten von 250 Bankkonten. Seitdem gingen in den USA einige Selbstanzeigen von UBS-Kunden ein. Im Zuge eines später geschlossenen Vergleichs mit der Regierung in Washington willigte das Institut ein, die Daten von 4450 weiteren Konten zu auszuhändigen. Darüber ist aber noch ein Rechtsstreit in der Schweiz anhängig. Kampf gegen Deflation: Japan hält den Leitzins bei 0,1 Prozent Die japanische Zentralbank lässt den Leitzins vorerst unverändert bei 0,1 Prozent. Das entschied der achtköpfige geldpolitische Rat der Bank von Japan (BoJ) am Mittwoch zum Abschluss zweitägiger Beratungen einstimmig. Zuletzt hatten die Währungshüter den Leitzins im Dezember 2008 in Reaktion auf die globale Finanzkrise von 0,3 Prozent auf 0,1 Prozent gesenkt. Die Zentralbank hält zwar an ihrer Einschätzung fest, dass die Wirtschaft anzieht. Doch um dem Preisverfall entgegenzuwirken, hatte sie im März unter politischem Druck die extrem losen geldpolitischen Zügel noch weiter gelockert. | Die Finanzkrise klingt ab, doch die Fed steht nach wie vor zu den extrem niedrigen Leitzinsen in den USA. Außerdem: Amerikanischen Steuerbetrügern drohen Strafen. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/finanzen-kompakt-us-notenbank-haelt-nullzinspolitik-durch-1.22194 | Finanzen kompakt - US-Notenbank hält Nullzinspolitik durch | 00/04/2010 |
Eigentlich wird der Sprung an die Spitze eines Unternehmens belohnt. Nicht nur mit dem schicksten Büro und dem teuersten Dienstwagen, sondern auch mit dem höchsten Gehalt. Doch dieser kapitalistische Grundsatz ist an der Wall Street derzeit außer Kraft gesetzt. Der Zorn der Amerikaner über die Finanzkrise zwingt die Chefs der amerikanischen Großbanken zur Bescheidenheit. Abkassiert wird dennoch - allerdings in der zweiten Reihe. Händler und Broker bekamen im vergangenen Jahr die höchsten Gehälter, die jemals an der Wall Street gezahlt wurden. Die 38 führenden Finanzfirmen der USA schütteten für das Jahr 2009 den Rekordbetrag von 140 Milliarden Dollar aus, wie eine Analyse des Wall Street Journals zeigt. Die schier unvorstellbare Summe war von Experten erwartet worden. Denn die Finanzindustrie kann auf ein phantastisches Jahr zurückblicken: Während sich der Rest der Wirtschaft noch im Griff der Rezession befand, profitierten die Spekulanten von rasant steigenden Aktien- und Rohstoffkursen. Und natürlich von der Rettung durch den Staat. Mit mehr als 700 Milliarden Dollar bewahrte Washington die Wall Street vor dem Untergang. Das war im Herbst 2008, kurz nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers. Doch es scheint, als liege es schon eine halbe Ewigkeit zurück. Die Rückkehr zu alten Gewohnheiten wird durch die demonstrative Zurückhaltung in den Chefetagen verdeckt. In den 18 Unternehmen, die detaillierte Auskünfte über Vorstandsgehälter geben, sank die Vergütung der Chefs, also Festgehalt plus eventuelle Boni, um 30 Prozent. Sie verdienten 2009 zusammen 110 Millionen Dollar, nach 160 Millionen im Jahr davor. Unter Beobachtung Es sind magere Zeiten für die "Fat Cats", wie die Amerikaner die Bankchefs nennen. John Mack von Morgan Stanley bekam zum dritten Mal in Folge keinen Bonus. Auch John Varley von Barclays, Stephen Hester von der Royal Bank of Scotland und Vikram Pandit von der Citigroup verzichteten auf Prämien. Pandit gab sich sogar mit einem Gehalt von einem Dollar zufrieden und will so lange dabei bleiben, bis der Konzern wieder schwarze Zahlen schreibt. Sogar der Branchenführer Goldman Sachs, der enorme Gewinne erwirtschaftete, hielt sich zurück. Goldman-Chef Lloyd Blankfein bekam 9,5 Millionen Dollar, das meiste in Aktien, nicht in bar. 2007 hatte er noch ein Rekordgehalt von 67,9 Millionen Dollar eingestrichen. Die Wall Street weiß, dass sie unter Beobachtung steht. Die exzessive Lohnpolitik der Finanzindustrie gilt als einer der Gründe für die schwerste globale Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Präsident Barack Obama hat die Banker wiederholt zur Mäßigung gemahnt und mit dem renommierten Anwalt Kenneth Feinberg einen Sonderbeauftragten für Managergehälter berufen. Dieser hat erst kürzlich angekündigt, die Lohnzahlungen von allen 419 Unternehmen zu überprüfen, die Geld aus dem staatlichen Stabilisierungsfonds erhalten haben. Hedgefonds-Manager müsste man sein: Die unabhängigen Fonds unterliegen bisher nicht der strengen Aufsicht der Regierung, ein Grund dafür, warum die 25 führenden Anlagestrategen im vergangenen Jahr 25,3 Milliarden Dollar verdienten - nicht für ihre Klienten wohlgemerkt, sondern für sich selbst. Gerade diese Entwicklung ist es, die den Bankchefs Sorge macht. Hedgefonds können erfolgreiche Banker mühelos abwerben. Erst kürzlich erzählte Morgan-Stanley-Manager Mack auf einer Konferenz von einem Händler, dem die elf Millionen Dollar Jahressalär , die er bei der Investmentbank verdiente, nicht reichten. Er wechselte zu einem Hedgefonds. Die Banken fürchten den Exodus ihrer besten Angestellten. 140 Milliarden Dollar sollen sie aufhalten. Sagen Sie uns hier Ihre Meinung: Haben die Banker ihre Boni verdient? | Allem Volkszorn zum Trotz: Amerikas Banker verdienen auch in diesem Jahr fürstlich. Doch nicht alle profitieren vom Geldsegen. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/usa-boni-fuer-banker-abkassiert-die-zweite-reihe-verdient-erstklassig-1.2529 | USA: Boni für Banker - Abkassiert - die zweite Reihe verdient erstklassig | 00/04/2010 |
Wie sicher ist das Geld auf der Bank noch? Griechenlands Bürger sind in Sorge - und heben in großem Stil ihre Ersparnisse ab. Die Bürger Griechenlands machen sich offenbar mindestens ebenso große Sorgen über den Zustand ihres Staates wie internationale Investoren. Laut einer neuen Studie beginnen sie, in großem Stil Geld von ihren Bankkonten abzuziehen, als befürchteten sie, dass es dort nicht mehr sicher ist. Diese Nachricht kommt an einem Tag, da die Zitterprämie für Käufer Athener Anleihen steil anstieg, was die Lage für das Euro-Land mit den gigantischen Schulden noch schwieriger werden lässt. Immer mehr Griechen befällt Panik, dass sie in der Krise Ersparnisse verlieren könnten. Im Januar und Februar hoben sie nach Zahlen der heimischen Notenbank unter dem Strich acht Milliarden Euro von ihren Konten ab. Das entspricht vier Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. "Solche Aktionen kennen wir normalerweise nicht aus Industriestaaten, sondern nur von Bankenkrisen in Schwellenländern wie Argentinien", sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank, die das Phänomen in einer Studie beleuchtet. Die Griechen hätten ihre Einlagen erstmals seit dem Beitritt zur Währungsunion vor knapp zehn Jahren reduziert. Das Misstrauen der Griechen gegenüber ihrer Regierung bringt die inländischen Banken in Bedrängnis. Sie haben in den vergangenen Monaten billig Geld von der Europäischen Zentralbank geliehen und damit Staatsanleihen gekauft, nach manchen Daten in einem Ausmaß, das dem Eigenkapital des Bankensektors entspricht. Wenn diese Anleihen stark im Kurs fallen oder die Regierung gar die Zahlungen aufschieben muss, geraten die Banken ins Straucheln. Weil die inländischen Geldhäuser die größten Käufer griechischer Staatsanleihen sind, kommt auch die Regierung in Not. Investoren weltweit drückten am Dienstag ihr Unbehagen über die Zahlungsfähigkeit des Landes aus. Der Risikoaufschlag für Anleihen aus Athen kletterte um einen halben Prozentpunkt auf ein neues Rekordniveau von zeitweise mehr als vier Prozentpunkten (siehe Grafik). Die Regierung muss Käufern neuer Anleihen in der Tendenz also vier Prozentpunkte mehr bezahlen, als es die Bundesregierung für deutsche Anleihen tut. Damit ist die Finanzierung für Griechenland weit teurer als für Schwellenländer wie Brasilien oder Mexiko (Aufschlag knapp zwei Prozent). Zum Vergleich: Vergangenen Sommer lag die griechische Zitterprämie nur bei einem Prozentpunkt. Weniger Interesse an griechischen Anleihen Bemerkenswert war am Dienstag der steile Anstieg genauso wie die Ursache dafür: Eine Nachrichtenagentur zitierte anonyme Regierungsmitglieder, die angeblich das EU-Hilfspaket für den Notfall ändern wollen, weil sie zu harte Auflagen des Weltwährungsfonds (IWF) befürchten. Die Regierung in Athen dementierte die Meldung umgehend, konnte die Nervosität der Anleger damit aber nicht zerstreuen. Gillian Edgeworth, Volkswirtin der Deutschen Bank in London, erklärt dies mit mehreren Faktoren. Vergangene Woche hätten Investoren deutlich weniger Interesse an neuen griechischen Anleihen gezeigt. Außerdem war der Anteil inländischer Käufer hoch. "Beides beunruhigt die Märkte", sagt die Analystin. Anleger glaubten, dass ein Notfallpaket kompliziertere Verhandlungen zwischen Institutionen wie Weltwährungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank erforderten, als nach dem EU-Gipfel vor zehn Tagen gedacht. Damals hatten Europas Regierungen zugesagt, Griechenland zu helfen, falls es seine Kredite nicht aus eigener Kraft ablösen kann. Das war als große Unterstützung für das Euro-Mitglied gewertet worden und hatte die Zitterprämien für Anleihen vorübergehend reduziert. Am Dienstag stieg diese Prämie aber weit über das Niveau vor den Hilfszusagen. Ähnlich prekär waren die Daten bisher nur einmal Ende Januar, als offen war, ob die EU-Nachbarn Griechenland überhaupt helfen. "Der positive Effekt des Gipfels ist verpufft", sagt Commerzbank-Analyst Leuchtmann. "Die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass Europa helfen muss." Der Euro fiel zeitweise um eineinhalb Cent. | Wie sicher ist das Geld auf der Bank noch? Griechenlands Bürger sind in Sorge - und heben in großem Stil ihre Ersparnisse ab. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/banken-in-bedraengnis-griechen-pluendern-ihre-konten-1.18482 | Banken in Bedrängnis - Griechen plündern ihre Konten | 00/04/2010 |
Der Fall Zumwinkel war nur der Anfang: Die Affäre um die Vaduzer LGT-Bank bringt Deutschland noch immer Steuernachzahlungen in stolzer Höhe. Die CDs und DVDs mit illegal beschafften Daten deutscher Steuerhinterzieher bringen den Staatskassen viel Geld ein. Nach einer Bilanz der Bochumer Staatsanwaltschaft von Ende März sind durch Selbstanzeigen im Fall der Vaduzer Bank LGT Treuhand insgesamt 626 Millionen Euro in die Kassen geflossen. 222 Millionen davon wurden mit Bezug auf die LGT gezahlt, 404 Millionen Euro hatten keinen direkten Zusammenhang mit der liechtensteinischen Fürstenbank. Seit 2008 hat die Bochumer Strafverfolgungsbehörde, die eng mit der Steuerfahndung Wuppertal zusammenarbeitet, im Fall LGT exakt 596 Ermittlungsverfahren eingeleitet. 244 davon sind bislang erledigt worden. Daraus ergaben sich bisher weitere Zahlungen in Höhe von rund 181 Millionen Euro. Als einer der ersten Steuersünder war vor gut zwei Jahren der damalige Post-Vorstandsvorsitzende Klaus Zumwinkel von Fahndern aufgesucht worden. Er wurde ein Jahr später vor dem Bochumer Landgericht wegen Hinterziehung von 967.000 Euro Steuern zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Fünf Prozesse Insgesamt fanden im Fall der Liechtenstein-DVDs fünf Prozesse statt, alle Angeklagten wurden verurteilt. Der ungewöhnlichste Fall betraf einen Unternehmer aus Bad Homburg, der 7,6 Millionen Euro Steuern hinterzogen hatte und dennoch mit nur zwei Jahren Haft auf Bewährung davonkam. Er musste eine Strafe in Höhe von etwa acht Millionen Euro zahlen und klagt gegen die LGT, weil die Bank ihn nicht darüber informiert hatte, dass Daten auf illegale Weise abhanden gekommen waren. In erster Instanz hat er gewonnen. Durch Bewährungsauflagen sind weitere 8,5 Millionen Euro geflossen. Die meisten Verfahren (179) wurden nach Paragraph 153a der Strafprozessordnung gegen Zahlung von Geldauflagen eingestellt: Das erbrachte dem Staat weitere 24,5 Millionen Euro. In einem Fall gab es einen Strafbefehl, 59 Verfahren wurden ohne jede Auflage eingestellt. Weiteres Großverfahren rollt an Die Bochumer Ermittler erledigen derzeit pro Monat im Schnitt zwanzig Verfahren. Die meisten der verbliebenen Fälle sind nicht sehr kompliziert. Obwohl noch 352 Verfahren unerledigt sind, ist davon auszugehen, dass im nächsten Jahr dieses Liechtenstein-Verfahren abgeschlossen ist. Ein anderes Großverfahren rollt an und wird, fiskalisch betrachtet, vermutlich das Liechtenstein-Ergebnis noch deutlich übertreffen. Schon bevor Staatsanwaltschaften in Deutschland mit koordinierten großflächigen Ermittlungen gegen deutsche Kunden der Schweizer Großbank Credit Suisse begonnen haben, gaben mehr als 12.000 Bürger aus Angst vor Entdeckung Selbstanzeigen ab. Sie fürchten offenkundig, dass sich ihre Daten auf einer von der Wuppertaler Steuerfahndung gekauften silbernen Scheibe befinden. Auffällig viele Namen von Kunden aus Rheinland-Pfalz Steuerverwaltungen und die Deutsche Steuergewerkschaft rechnen allein im Fall Credit Suisse mit Mehreinnahmen durch Selbstanzeigen von etwa einer Milliarde Euro. Die umfangreichste Selbstanzeige soll ein hessischer Millionär abgegeben haben, der angeblich in der Schweiz etwa 460 Millionen Euro deponiert hatte. Insgesamt sollen die Namen von 1500 deutschen Kunden des helvetischen Geldhauses auf der CD zu finden sein. Gegen 1100 wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die meisten Verfahren richten sich - wie im Fall der Liechtenstein-DVDs - gegen Steuerhinterzieher aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Anders als bei den Vaduzer DVDs befinden sich auf der Schweizer CD auffällig viele Namen von Kunden aus Rheinland-Pfalz. | Der Fall Zumwinkel war nur der Anfang: Die Affäre um die Vaduzer LGT-Bank bringt Deutschland noch immer Steuernachzahlungen in stolzer Höhe. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/steuereinnahmen-liechtenstein-cd-beschert-staat-807-millionen-euro-1.10558 | Steuereinnahmen - Liechtenstein-CD beschert Staat 807 Millionen Euro | 00/04/2010 |
Die Gesundheitsausgaben in Deutschland steigen kontinuierlich. Pro Kopf werden schon mehr als 3000 Euro im Jahr fällig. Außerdem: Talanx geht vorerst nicht an die Börse. Die Bundesbürger lassen sich ihre Gesundheit immer mehr kosten. Im Jahr 2008 stiegen in Deutschland die Gesundheitsausgaben um 3,9 Prozent auf insgesamt 263,2 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Auf jeden Einwohner Deutschlands entfielen somit im Durchschnitt rund 3210 Euro. Im Jahr 2007 waren es noch 2089,51 Euro gewesen - das sind 120,49 Euro weniger. Die Gesundheitsausgaben entsprachen laut Bundesamt 10,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. In diese Statistik einberechnet werden neben den Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung auch alle weiteren gesundheitsbezogenen Aufwendungen, die von anderen Ausgabenträgern wie beispielweise der privaten Krankenversicherung oder den privaten Haushalten selbst geleistet werden. Größter Ausgabenträger im Gesundheitswesen war demnach im Jahr 2008 die gesetzliche Krankenversicherung. Sie trug mit 151,5 Milliarden Euro rund 57,5 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben. Auch Gordon Brown favorisiert Zwangsgebühr für Banken Der britische Premierminister Gordon Brown nährt Hoffnungen auf eine baldige Einigung der weltgrößten Volkswirtschaften auf eine Bankenabgabe. Frankreich, Großbritannien und Deutschland hätten sich im Grundsatz auf die Abgabe geeinigt, sagte Brown der Financial Times. Er hoffe, die Vereinigten Staaten würden auf den Zug aufspringen. Bis zum nächsten G20-Gipfel im Juni werde es zwar noch nicht soweit sein. Er wolle eine Einigung aber bis zum übernächsten Treffen der 20 wichtigsten Volkswirtschaften im November unter Dach und Fach haben. Die Bundesregierung hatte bereits vergangene Woche die neue Strafgebühr für alle Institute und schärfere Regeln auf den Weg gebracht. Damit soll für künftige Finanzkrisen vorgesorgt werden. HSH Nordbank liebäugelt mit Verkauf der Luxemburger Tochter Die HSH Bordbank treibt ihre Schlankheitskur voran. Die Luxemburger Private-Banking-Tochter solle eventuell verkauft werden, bestätigte ein Sprecher der angeschlagenen Landesbank der Financial Times Deutschland (FTD). Die Tochter ist zuständig für das gesamte internationale Geschäft der HSH mit vermögenden Kunden. Die künftige Kernbank der HSH werde sich auf ihre Heimatregion und bestimmte Branchen konzentrieren, sagte der Sprecher. Die Investmentbank Lazard sei beauftragt, die möglichen Optionen für die Zukunft der Luxemburger Tochter zu prüfen, darunter auch den Verkauf, sagte eine Banksprecherin. Sie bietet Investoren bereits seit Monaten auch die Immobilienfondstochter der Nordbank, die HSH Real Estate, an. Von einem Käufer ihrer Luxemburger Tochter mit rund 35 Beschäftigten erhofft sich die HSH Nordbank nach Angaben der FTD einen Preis von 80 bis 90 Millionen Euro. Ein Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Bereits in der vergangenen Woche hatte die HSH Nordbank erste Erfolge bei ihrer Erneuerung gemeldet. So sei das Kreditersatzgeschäft bereits um gut vier auf 17 Milliarden Euro reduziert worden, sagte der für die hausinterne Abbaubank zuständige Vorstand Martin von Gemmeren. Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein hatten die Bank, die weltgrößter Schiffsfinanzierer ist, auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise mit Milliardenaufwand gerettet. Die Ursachen der Krise bei dem Kreditinstitut wollen Parlamentarische Untersuchungsausschüsse der Hamburger Bürgerschaft und des Landtags von Schleswig-Holstein aufklären. Der Restrukturierung fallen gut ein Viertel aller Arbeitsplätze bei der Bank zum Opfer. Die Mitarbeiterzahl soll bis Ende 2012 um 1100 auf gut 3000 reduziert werden. Chinas Auslandsschulden steigen kräftig Chinas Auslandsverschuldung ist 2009 kräftig gestiegen. Insgesamt liege der Schuldenstand bei 428,6 Milliarden Dollar, das seien 14,4 Prozent mehr als im Vorjahr, wie die staatliche Devisenbehörde am Dienstag mitteilte. Fast zwei Drittel dieser Summe entfalle zum Jahresende auf kurzfristige Kredite. Ein Anstieg der kurzfristigen Auslandsverschuldung kann ein Anzeichen dafür sein, dass Investoren auf eine bevorstehende Aufwertung der Landeswährung Yuan wetten. Er kann aber auch die günstigeren Finanzierungsbedingungen widerspiegeln. Zudem zieht der überhitzte Immobilienmarkt ausländisches Kapital an. Die Devisenbehörde hatte kürzlich angekündigt, gegen illegale Kapitalzuflüsse vorzugehen. Trotz des jüngsten Anstiegs ist die ausländische Verschuldung deutlich niedriger als die Devisenreserven, die Ende 2009 bei 2,4 Billionen Dollar lagen. Kein Börsengang für Talanx in diesem Jahr Ungeachtet der Börsendebüts von Kabel Deutschland und des Spezialchemiehändlers Brenntag will der Versicherungskonzern Talanx im laufenden Jahr nicht an die Börse. "Ein Börsengang der Talanx-Gruppe ist wegen der vergleichsweise geringen Bewertung von Versicherungskonzernen für 2010 nicht geplant", sagte Talanx-Sprecher Thomas von Mallinckrodt Euro am Sonntag. Der Umbau der Gruppe mit Blick auf einen Börsengang werde bis 2011 dauern. Bis Ende 2010 werde man jedoch alle Schlüsselpositionen besetzt haben. Auch bei der Finanzierung des Wachstums sieht sich das Unternehmen nicht in Zugzwang: Die Gruppe könne "aus eigener Kraft Zukäufe bis zu einer Milliarde Euro Firmenwert stemmen", sagte von Mallinckrodt. Unterdessen prüft das Unternehmen eine weitere Markenbereinigung in seinem Portfolio. "Durch die Umstrukturierung im Erstversicherungsbereich wird auch der Markenauftritt zu überprüfen sein", sagte von Mallinckrodt. Von der Überprüfung ausgeschlossen sei der Bereich Bank-Assurance. An den entsprechenden Marken werde man nicht rütteln. Das gelte auch für Hannover Rück, die Marke der gleichnamigen, börsennotierten Konzerntochter. Erst unlängst hatte der Konzern die Marke Aspecta Lebensversicherung vom Markt genommen und das Geschäft in die HDI-Gerling Lebensversicherung integriert. | Die Gesundheitsausgaben in Deutschland steigen kontinuierlich. Pro Kopf werden schon mehr als 3000 Euro im Jahr fällig. Außerdem: Talanx geht vorerst nicht an die Börse. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/finanzen-kompakt-gesundheitskosten-pro-jahr-ein-hunderter-mehr-1.1638 | Finanzen kompakt - Gesundheitskosten: Pro Jahr ein Hunderter mehr | 00/04/2010 |
Raus aus dem Schulden-Fiasko - das wird schwierig für Fotografin Annie Leibovitz. Nach ihrer Rettung durch einen Finanzinvestor ist nun eine neue Forderung aufgetaucht. Anfang März konnte Star-Fotografin Annie Leibovitz aufatmen. Die hochverschuldete Künstlerin flüchtete in die Arme des Finanzhauses Colony Capital. Der Investor gab Leibovitz einen umfassenden Kredit und bewahrte die Fotografin davor, die Rechte an ihren Bildern verscherbeln zu müssen. Alles gut? Mitnichten. Denn nun hat Annie Leibovitz erneut Ärger. Mehrere hunderttausend Dollar an Honoraren fordert die Investmentgesellschaft Brunswick Capital Partners. Das Unternehmen hat einer eingereichten Klage zufolge Investoren für die Fotografin gesucht und dabei "bis zur Erschöpfung" gearbeitet. "Erfolgsprämie" für Millionen-Dollar-Deal So habe Brunswick gegen einen Einmalbetrag von 50.000 Dollar und eine zusätzliche Wochengebühr von 10.000 Dollar eine Liste möglicher Investoren für Leibovitz gesucht, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Auf der Liste sei auch Colony Capital aufgeführt gewesen - jenes Finanzinstitut also, das die Fotografin im März schließlich vor dem Finanzkollaps bewahrt hatte. Die Fotografin habe sich niemals unzufrieden über die Arbeit von Brunswick geäußert, heißt es demnach in einer elfseitigen Klageschrift. Die Gesellschaft fordert zusätzlich zu den Honoraren eine "Erfolgsprämie" für den Colony-Vertrag. Zwei Prozent der Kreditsumme soll die Künstlerin zahlen - insgesamt soll der Deal 40 Millionen Dollar wert sein. Leibovitz gilt als eine der international wichtigsten und einflussreichsten Porträtfotografinnen. Sie ist für ihre extravaganten Inszenierungen bekannt. Berühmtheit erlangte sie 1980, als sie John Lennon nackt zusammen mit Yoko Ono auf einem Bett sitzend porträtierte - am Tag seiner Ermordung. | Raus aus dem Schulden-Fiasko - das wird schwierig für Fotografin Annie Leibovitz. Nach ihrer Rettung durch einen Finanzinvestor ist nun eine neue Forderung aufgetaucht. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/star-fotografin-leibovitz-geld-her-aber-zackig-1.7400 | Star-Fotografin Leibovitz - Geld her, aber zackig! | 00/04/2010 |
Die Finanzaufsicht Bafin misstraut offenbar den deutschen Lebensversicherern. Bei einigen Neuprodukten sind die Konditionen so gut, dass bestehende Kunden womöglich das Nachsehen haben. Versicherer unter Verdacht: Die Finanzaufsicht Bafin befürchtet, dass die Finanzunternehmen im Neugeschäft womöglich zu hohe Zinsen anbieten. Die Konditionen könnten dazu führen, dass Bestandskunden sich womöglich mit weniger Ertrag begnügen müssen. Die Behörde verlangt erstmals detaillierte Daten über die sogenannte Kapitalisierungsgeschäfte, wie die Financial Times Deutschland unter Berufung auf ein Schreiben an alle Versicherer berichtet. Anleger zahlen dabei einen festen Betrag in einen gut verzinsten Lebensversicherungsvertrag ein, den sie kurzfristig und ohne Verluste kündigen dürfen. Branchenintern umstritten Diese Kapitalanlagen sind selbst in der Branche umstritten. Für die Versicherer sind sie entscheidend, um mehr Neukunden zu gewinnen. Kritiker monieren, dass damit die Gewinne der Bestandskunden sinken. Nur so könnten Versicherer höhere Zinsen als Banken anbieten. Bei einer langen Niedrigzinsphase könnten Versicherer nicht alle Zusagen erfüllen. Sollten diese Befürchtungen zutreffen, wären Millionen Anleger betroffen. Rund 95 Millionen Lebensversicherungen sind derzeit in Kraft, mehr als 60 Millionen davon als Spar- und Altersvorsorgeverträge. Die Gesellschaften haben daraus 660 Milliarden Euro angelegt. Die Bafin dränge daher zur Eile: "Bitte übermitteln Sie Ihre Antwort bis Mittwoch, 19. April 2010", heiße es in dem Schreiben. Darin verlange die Bafin von allen Versicherern Einzelheiten über den Anteil dieser Geschäfte an den gesamten Prämieneinnahmen, die entsprechenden Kapitalanlagen, die erwarteten Kündigungsquoten sowie die möglichen Risiken. "Das ist eine klare Warnung der Bafin an die Versicherer", wird ein Manager zitiert. Sie dürften es mit dem Einmalgeschäft nicht übertreiben und müssten sicherstellen, dass keine Subventionierung stattfinde. | Die Finanzaufsicht Bafin misstraut offenbar den deutschen Lebensversicherern. Bei einigen Neuprodukten sind die Konditionen so gut, dass bestehende Kunden womöglich das Nachsehen haben. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/lebensversicherung-verdaechtig-attraktive-produkte-1.17236 | Lebensversicherung - Verdächtig attraktive Produkte | 00/04/2010 |
Mit Riesenrad-Fonds haben zahlreiche Anleger viel Geld verloren. Jetzt bietet der Initiator ihnen einen Vergleich an - doch eine Initiative rät den Investoren ab, das Angebot zu akzeptieren. Anleger, die Geld in den sogenannten Riesenrad-Fonds gesteckt haben, können einen Teil ihres eingesetzten Kapitals zurückbekommen. Der Fondsinitiator DBM Fonds Invest will den etwa 10.000 Investoren in den kommenden Tagen ein schriftliches Vergleichsangebot zukommen lassen. Demnach können sie wählen, ob sie sich 60 Prozent ihres investierten Geldes Ende Mai auszahlen lassen möchten, oder ob sie bis 2018 auf alle Ansprüche verzichten, um dann 85 Prozent der eingesetzten Summe zu bekommen. Das Angebot ist bis zum 23.April befristet. Die Global View-Beteiligungsgesellschaft hatte etwa 208 Millionen Euro von den Anlegern eingesammelt - mit dem Ziel, in Berlin, Peking und Orlando Riesenräder zu errichten, die als Touristenattraktion dienen sollten. Doch zum Bau der Räder kam es nicht: Schon nach dem Kauf der Grundstücke soll das Geld aufgebraucht gewesen sein. Anlegerinitiative rät Anlegern ab Anlegeranwälte warnten bereits Mitte März vor einer bevorstehenden Insolvenz des Fonds und einem Totalverlust für die Investoren - ein Szenario, das Fondsgeschäftsführer Christian Harreiner damals noch kategorisch ausschloss: Lediglich das Projekt in Peking stehe unter Zwangsverwaltung, sagte Harreiner damals der Süddeutschen Zeitung. Nun räumt aber auch der Initiator DBM Fonds Invest ein, dass "ein wesentlicher Kapitalverlust" für die Anleger nicht mehr ausgeschlossen werden könne. Es gebe aber weiterhin Gespräche. Die Anlegerinitiative "Pro Riesenrad" des Berliner Geschäftsmanns Peter Massine rät den Investoren davon ab, das Vergleichsangebot anzunehmen. "Die Banken versuchen, sich freizukaufen", sagt Massine. Während andere Anlegervertreter Klagen gegen die Banken vorbereiten, die die Fondsanteile vertrieben haben - darunter die Deutsche Bank und die ABN-Amro-Tochter Delbrück Bethmann Maffei -, will Massine selbst die Führung des Fonds übernehmen und den Bau der Riesenräder doch noch realisieren. Die involvierten Banken sollten das nötige Fremdkapital dazu liefern. Auf einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung Ende April will Massine die bisherige Fondsgeschäftsführung absetzen und sich selbst wählen lassen. Wie groß seine Unterstützung unter den Anlegern ist, ist unklar. | Mit Riesenrad-Fonds haben zahlreiche Anleger viel Geld verloren. Jetzt bietet der Initiator ihnen einen Vergleich an - doch eine Initiative rät den Investoren ab, das Angebot zu akzeptieren. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/vergleichsangebot-fuer-investoren-adieu-riesenrad-1.11017 | Vergleichsangebot für Investoren - Adieu Riesenrad | 00/04/2010 |
Egal ob Zweitwohnung, Spritgeld oder Fortbildungskosten: Mit Sonderausgaben lässt sich die Steuerlast drücken. Finanztest zeigt, wie. Arbeitnehmer können sich vom Finanzamt etliche hundert Euro zurückholen, wenn sie eine Einkommensteuererklärung abgeben. Für sie gibt es 2009 höhere Steuervorteile. Finanztest nennt die wichtigsten. Ausgaben für den Beruf bringen viel Ersparnis Extra viel Geld können Arbeitnehmer über ihre Steuererklärung zurückholen - vor allem mit Ausgaben für den Job. Diese Ausgaben sollte der Arbeitnehmer als Werbungskosten einzeln nachweisen. Denn pauschal erkennt das Finanzamt dafür nur 920 Euro im Jahr an. Schon alle, die mindestens 14 Kilometer zur Arbeit fahren, kommen über die Pauschale für Werbungskosten. Für jeden Kilometer der einfachen Entfernung zählen 30 Cent, das sind 966 Euro bei 230 Arbeitstagen. Da lohnt sich der Nachweis der einzelnen Kosten in der Einkommensteuererklärung. Doppelter Haushalt jetzt auch aus privaten Gründen Mehr Arbeitnehmer als früher sparen nun mit einer Zweitwohnung am Arbeitsort Steuern. Das Finanzamt muss nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs die Ausgaben für den berufsbedingten Zweithaushalt auch bei allen anerkennen, die aus privaten Gründen vom Arbeitsort weggezogen sind (Az. VI R 58/06). Bei der Jahresabrechnung zählt zum Beispiel die Miete am Arbeitsort für eine maximal 60 Quadratmeter große Zweitwohnung. Für eine Heimfahrt je Woche erkennt das Finanzamt 30 Cent pro Entfernungskilometer an, wenn Arbeitnehmer tatsächlich so oft nach Hause gefahren sind. Bei 100 Kilometern zwischen Wohn- und Arbeitsort sind das 30 Euro pro Fahrt. Wer für Bahn- oder Busfahrkarten mehr bezahlt hat, gibt seine Ticketkosten an. In den ersten drei Monaten der doppelten Haushaltsführung gibt es außerdem eine Tagespauschale für die Verpflegung. Bei 24 Stunden Abwesenheit vom Heimatort beträgt sie 24 Euro. Für 60 Arbeitstage kommen 1440 Euro zusammen. Autounfälle auf dem Weg ins Büro zählen Verunglücken Arbeitnehmer auf dem Weg zur Arbeit oder auf Dienstreise mit ihrem Fahrzeug und bekommen sie die Unfallkosten nicht ersetzt, können sie diese als Werbungskosten absetzen. Der im Jahr 2007 gestrichene Posten zählt jetzt wieder. Jeder sollte deshalb seine Reparatur-, Abschlepp-, Anwaltskosten und anderen Ausgaben mit Belegen versehen beim Finanzamt angeben. Der Abzug ist unbegrenzt. Bei Totalschaden zählt der Restwert des Fahrzeugs. Kosten für Studium und Fortbildung angeben Selbst bezahlte Ausgaben für berufliche Fortbildungen wie einen Sprachkurs, eine Computerschulung oder eine Umschulung sind ebenfalls Werbungskosten. Auch Kosten für das erste Studium nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung zählen, hat erst kürzlich der Bundesfinanzhof entschieden. Wenn das Studium einen Bezug zur künftigen Arbeit hat, sind Posten wie Studiengebühren, Kosten für Arbeitsmittel, Zinsen und Gebühren für Bildungskredite in voller Höhe Werbungskosten (Az. VI R 14/07). Hilfe bei besonderen Belastungen Außergewöhnliche Belastungen kann jeder absetzen. Geht es um Krankheitskosten, etwa für Arztbehandlungen, Kuren und Medikamente, zieht das Finanzamt eine zumutbare Belastung ab und erkennt nur den Rest an, siehe Tabelle. Vor allem ältere Menschen geben dafür aber oft so viel aus, dass sie dennoch Steuern sparen. Andere außergewöhnliche Belastungen zählen vom ersten Euro. So können Angehörige, die 2009 bedürftige Lebensgefährten oder Verwandte unterstützt haben, bis zu 7680 Euro absetzen. Zahlen sie 30 Prozent Steuern, sparen sie bis zu 2304 Euro. Klagen bei Steuerberatungskosten Auch solche Werbungskosten sollten Sie in die Steuererklärung eintragen, um die andere Steuerzahler noch Musterprozesse gegen das Finanzamt führen. So halten sich Steuerpflichtige ihre Chance bis zur Klärung durch die Gerichte offen. Beispiel Kosten für Steuerberater: Steuerberatungskosten sollten Sie voll in der Steuererklärung als Werbungskosten angeben. Seit 2006 erkennt das Finanzamt zwar nur noch das Honorar an, das auf die Berechnung der Einkünfte entfällt. Alles andere ist Privatsache, für die es keine Steuerersparnisse gibt. Dagegen gibt es aber eine Klage beim Bundesfinanzhof. Das Finanzamt rechnet Steuerberatungskosten deshalb im Steuerbescheid ebenfalls nur vorläufig ab. Verliert die Finanzverwaltung das Verfahren, könnte es Nachschlag geben. Die Finanztest-Tipps zeigen, worauf bei der Steuererklärung geachtet werden muss. | Egal ob Zweitwohnung, Spritgeld oder Fortbildungskosten: Mit Sonderausgaben lässt sich die Steuerlast drücken. Finanztest zeigt, wie. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/finanztest-mehr-rausholen-bei-der-steuererklaerung-1.11788 | Mehr rausholen bei der Steuererklärung | 00/04/2010 |
Nur Bares ist Wahres: Das galt einmal. Kartenzahlung ist allerorts auf dem Vormarsch. Doch die Bargeldmenge hat zugenommen. Was ist besser, mit Karte zu zahlen oder in bar? Millionenfach stellt sich diese Frage täglich an Supermarktkassen. Die Antwort scheint simpel zu sein: Bar ist schneller. Man muss sich nur die genervten Blicke in der Warteschlange vorstellen, sobald der Kunde, der an der Reihe ist, seine EC-Karte zückt. Im selben Moment steht fest: Jetzt dauert alles noch länger, dabei haben alle schon zu lange gewartet. Würde der Kunde bar bezahlen, wäre es damit getan, dass er der Kassiererin einen Schein reicht und sie ihm ein paar Münzen zurückgibt - eine Sache von vielleicht fünf Sekunden. Mit der Karte dauert es gerne auch mal länger: Der Kunde reicht der Kassiererin das Stück Plastik, sie steckt es in ein Lesegerät, das prüft bei der Bank nach, ob überhaupt genug Geld auf dem Konto ist. Kartenzahlung auf dem Vormarsch Der Kunde muss seine Geheimzahl eingeben oder auf einem kleinen Zettel unterschreiben. Endlich, endlich kommt das Okay. Und trotzdem: Kartenzahlung ist auf dem Vormarsch. Man hat das Gefühl, dass vor zehn Jahren in einer Kassenschlange von zehn Leuten höchstens ein einziger mit Karte zahlte, inzwischen sind es drei, vier oder fünf. Und es ist nicht nur ein Gefühl, auch Statistiken belegen: Im Alltag der Deutschen verliert das Bargeld vielerorts an Bedeutung. Waren 1994 noch knapp 80 Prozent des Umsatzes im deutschen Einzelhandel bar abgewickelt worden, so lag der Anteil 2008 bei nur noch 61 Prozent. Das belegen Zahlen des Einzelhandels-Forschungsinstituts EHI. Sie werden gestützt durch eine Statistik der Deutschen Bundesbank von 2008, in die rund 20.000 Zahlvorgänge einflossen. Demnach liegt der Anteil der Barzahlung am Umsatz heute nur noch bei 58 Prozent. Der Rest wird per EC-Karten (25 Prozent), Überweisungen (neun Prozent) und Kreditkarten (knapp vier Prozent) abgewickelt. Kleinere Beträge zahlt der Kunde mit Barem Übertragen auf den Supermarkt bedeutet dies: In einer Schlange zahlt rein statistisch beinahe jeder Dritte per Karte. Hat das Bargeld, mit dem die Menschen einst die primitive Tauschwirtschaft überwinden konnten (siehe Beitrag rechts), also bald ausgedient? Hat eine prall gefüllte Geldbörse, lange das Zeichen von Macht und Wohlstand, als Statussymbol ausgedient? | Nur Bares ist Wahres: Das galt einmal. Kartenzahlung ist allerorts auf dem Vormarsch. Doch die Bargeldmenge hat zugenommen. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/zahlungsverkehr-karten-gewinnen-1.5420 | Zahlungsverkehr - Karten gewinnen | 00/04/2010 |
Termine Erledigen Sie Ihre Jahresabrechnung möglichst früh, wenn Sie Steuern zurückerwarten. Wenn Sie zur Abgabe verpflichte sind, müssen Ihre Unterlagen bis 31. Mai 2010 beim Finanzamt sein. Sie können jedoch Fristverlängerung beantragen. Wenn die Steuererklärung 2009 freiwillig ist, endet die Frist sogar erst am 31. Dezember 2013. Sie können dann aktuell auch noch die Steuererklärungen für 2006 bis 2008 nachreichen, wenn Sie mit einer Erstattung rechnen. Formulare Überlegen Sie, ob Sie Ihre Steuererklärung übers Internet abgeben wollen. Die elektronische Steuererklärung bearbeiten die Finanzbeamten oft schneller als die konventionelle und es sind weniger Belege nötig. Sie können gratis das Programm der Finanzverwaltung nutzen unter www.elsterformular.de. Falls Sie lieber den traditionellen Weg wählen, erhalten Sie die Vordrucke wie gewohnt bei Ihrem Finanzamt oder unter www.formulare-bfinv.de. Ein Teil der Kosten spart Ihnen auch wieder Steuern. Helfer Lassen Sie sich doch einfach helfen, wenn Sie mit der Steuererklärung allein nicht klarkommen. Die Mitgliedschaft in einem Lohnsteuerhilfeverein kostet je nach Höhe Ihrer Einnahmen zwischen 40 und 400 Euro im Jahr. Adressen finden Sie unter www.bdl-online.de oder www.Beratungsstellensuche.de. Steuerberater berechnen ihr Honorar je nach Arbeitsaufwand. Es gibt den Steuerberater-Suchservice unter www.dstv.de oder www.bstbk.de. Abrechnung Verlassen Sie sich bei der Abgeltungsteuer nicht darauf, dass mit der Steuerabrechnung Ihrer Bank oder Fondsgesellschaft alles erledigt ist. Prüfen Sie mit der "Checkliste", ob das Ausfüllen der Anlagen KAP und SO trotz Abgeltungsteuer für Sie weiter Pflicht ist oder ob Sie die Steuerformulare freiwillig ausfüllen sollten, um Geld zurückzuholen. Ratgeber Viele Steuerspartipps und ausführliche Hilfe beim Ausfüllen der Formulare bietet das Finanztest Spezial Steuern 2010. Der Steuerratgeber für Anleger der Stiftung Warentest berät Sie außerdem umfassend bei der Abgeltungsteuer. Ihre Ausgaben für Finanztest Spezial oder Buch erkennt das Finanzamt als Werbungskosten an. | Die Tipps von Finanztest zeigt, worauf bei der Steuererklärung geachtet werden muss. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/steuererklaerung-tipps-1.11657 | Steuererklärung - Tipps | 00/04/2010 |
Die Schweizer Großbank UBS hat Ärger mit der deutschen Finanzaufsicht. Es geht um mögliche Verstöße gegen Geldwäsche-Vorschriften. Die Schweizer Großbank UBS ist wegen möglicher Verstöße gegen Geldwäsche-Vorschriften ins Visier der deutschen Finanzaufsicht geraten. Ein Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und eine Sprecherin von UBS Deutschland bestätigten, dass gegen die Frankfurter Tochter seit mehr als zwei Wochen eine Sonderprüfung läuft. Diese steht im Zusammenhang mit Vorwürfen eines Kunden gegen die Bank, der eigenen Angaben zufolge viel Geld mit Anlagen dort verloren hat. "UBS kooperiert selbstverständlich mit Bafin", teilte UBS Deutschland mit. Ein südlich von München lebender Kunde hatte die UBS im Februar angezeigt, nachdem er vergeblich versucht hatte, die Bank für seine Investment-Verluste haftbar zu machen. Er wirft ihr nach Angaben der Staatsanwaltschaft München II vor, Gelder nicht so angelegt zu haben wie besprochen. Interne Untersuchung Dem Nachrichtenmagazin Spiegel zufolge geht es um Millionenbeträge. Der Kunde beschuldigt die Bank unter anderem der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Die UBS habe ihm einen Scheinwohnsitz in Zürich verschafft, um der Besteuerung in Deutschland zu entgehen. Ob auch gegen den Mann selbst ermittelt wird, wollte der Sprecher der Ermittlungsbehörde nicht sagen. Die UBS hat in der Angelegenheit nach eigenen Angaben auch eine interne Untersuchung eingeleitet. Der Fall reicht bis ins Jahr 2008 zurück. Der Spiegel berichtete vorab, das Geldwäschereferat der Bafin wolle klären, ob UBS Deutschland systematisch Beihilfe zur Steuerflucht geleistet hat. Der Bafin-Sprecher erklärte: "Bei Steuerhinterziehung schwingt oft der Verdacht der Geldwäsche mit. Das kann Hand in Hand gehen." Ermittlungen auch bei Credit Suisse Banken seien verpflichtet, der Geldwäsche vorzubeugen und Verdachtsmomente anzuzeigen. Die Bafin selbst kann die Bank allerdings nur anweisen, ihre Geldwäsche-Prävention zu verbessern. Wenn sich ein konkreter Verdacht ergibt, gibt die Bafin ihre Erkenntnisse an die Staatsanwaltschaft weiter, die für die strafrechtlichen Ermittlungen zuständig ist. Andere Banken hat die Bafin wegen konkreter Geldwäsche-Verdachtsfälle derzeit offenbar nicht im Visier. Der Bafin-Sprecher sagte, es gebe aber routinemäßig im Jahr mehrere Überprüfungen. Wegen des Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung ist auch UBS-Konkurrent Credit Suisse in Deutschland mit Ermittlungen konfrontiert. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat Verfahren gegen 1100 Kunden und gegen Mitarbeiter der Schweizer Großbank eingeleitet. Dabei geht es um eine CD mit Bankdaten von Kunden Schweizer Banken, die dem Land Nordrhein-Westfalen angeboten worden war. | Die Schweizer Großbank UBS hat Ärger mit der deutschen Finanzaufsicht. Es geht um mögliche Verstöße gegen Geldwäsche-Vorschriften. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/sonderpruefung-finanzaufsicht-spuert-steuertricks-bei-ubs-nach-1.6102 | Sonderprüfung - Finanzaufsicht spürt Steuertricks bei UBS nach | 00/04/2010 |
So mächtig - und doch seltsam schwach: Lehman-Chef Richard "Dick" Fuld war in den letzten Tagen seiner Bank fast hilflos - viele ließen ihn einfach abblitzen. Ein Protokoll. Es war die schlimmste Pleite der Wirtschaftsgeschichte: der Lehman-Bankrott. Der Zusammenbruch von General Motors nimmt sich im Vergleich zu Lehman lächerlich aus: Die Bilanzsumme von General Motors machte mit gut 90 Milliarden Dollar gerade mal ein Siebtel der von Lehman aus. Bankbilanzen sind zwar immer mächtiger als Industriebilanzen, gleichwohl signalisiert die Zahl, welche Wucht der Lehman-Bankrott hatte. Die Forderungen gegen Lehman türmen sich auf die gewaltige Summe von 600 Milliarden Dollar. Es steht zu viel Geld auf dem Spiel als dass man da noch sagen könnte: Passiert halt. Schon früher pleite gewesen Darum wurde zu diesem Fall eine Untersuchungsbericht angefertigt, der in der Wirtschaftsgeschichte einzigartig sein dürfte. Auf insgesamt mehr als 4000 Seiten arbeitet Anton "Tony" Valukas, Chef der Anwaltskanzlei Jenner & Block, im Auftrag des zuständigen Gerichts nach, wie es zu so einer Pleite kommen konnte. Mitunter liest sich das Werk wie ein Drehbuch für einen Wirtschaftsthriller. Schon bei der Pleite von Bear Stearns im März 2008 war in allen relevanten Stellen der US-Regierung klar, dass Lehman als nächste Bank kollabieren könnte: Das Geschäftsmodell war ähnlich: Hohe Risiken, geringes Eigenkapital und viel Geld steckte in Papieren, die keiner mehr kaufen wollte. Im Nachhinein stellte der Chef der US-Börsenaufsicht Christopher Cox fest, dass womöglich alles anders gekommen wäre, wenn die US-Regierung offen signalisiert hätte, dass sie für Lehman nicht zahlen wolle. Das hat sie aber nicht getan. Das ist umso verwunderlicher, da der New Yorker Ableger der Federal Reserve (FRBNY) zumindest seit März 2008 bestens informiert war, was sich Tag für Tag bei Lehman tat und der damalige Chef der FRBNY - und heutige Finanzminister - Timothy F. Geithner, schon seit August 2007 den Verdacht hegte, dass Lehman in Schwierigkeiten steckte. Nach der Bear-Stearns-Pleite nahm er nicht nur an einigen Lehman-Sitzungen teil, sondern er telefonierte auch wiederholt mit Fuld. Er machte ihm deutlich, dass die "Regierung das Problem nicht lösen" könne - doch Fuld wollte oder konnte den Ernst der Lage nicht erkennen. Viele wollten die bedrohliche Lage schon früh identifiziert haben - geholfen haben sie nicht. Notenbank-Chef Ben S. Bernanke und Geithner waren sich beispielsweise einig, dass sie weder "direkt noch indirekt" für Lehman verantwortlich seien. Das sei die Aufgabe der Börsenaufsicht SEC. Schon am 8. September sei Lehman wohl pleite gewesen, sagte Bernanke später dem Ermittler. Da sei es aber auch nicht mehr verantwortlich gewesen, Kredit zu geben. US-Finanzminister Henry Paulson argumentierte ähnlich: Die Regierung habe keine Berechtigung gehabt, Lehman beizustehen. Bei Bear Stearns und AIG hatte Washington solche Bedenken freilich nicht. Doch Paulson erkennt da wichtige Unterschiede: Im Falle von Bear Stearns habe die Fed mit JP Morgan einen Käufer für die marode Investmentbank präsentiert, bei AIG habe es hingegen noch ausreichend Werte gegeben, die der Regierung als Sicherheiten dienen konnten. Lehman habe weder das eine noch das andere zu bieten gehabt. "Frustriert und unzufrieden" Fuld war aber auch kein einfacher Gesprächspartner: Bernanke bemerkte, dass Paulson "frustriert" und "unzufrieden" mit Fulds "Trägheit" hinsichtlich der Zukunft von Lehman war. Alle Versuche, Fuld zu aggressiveren Handeln zu bewegen, scheiterten. Paulson bekannte wiederum, dass er selten jemand getroffen habe, der so optimistisch sei wie Fuld. Der aber auch nur das gehört habe, was er hören wolle. In seinem unerschütterlichen Optimismus nahm Fuld auch immer an, dass die Regierung Lehman nicht fallenlassen werde. Doch nie war ihm das versprochen worden. Ob zwischen dem früheren Goldman-Chef Paulson und Fuld, der eine tiefe Abneigung gegen die Bank Goldman Sachs hatte, Einvernehmen oder Feindschaft herrschte, ist unklar. Der Bericht gibt jedenfalls keinen Hinweis darauf. Offensichtlich ist aber, dass alle Beteiligten die Wirkung einer Lehman-Pleite auf die Finanzindustrie dramatisch unterschätzten. Aufschlussreich ist da vor allem eine Äußerung von Bernanke: Es habe da "eine ganze Reihe von Ansichten" gegeben. Wenn der Effekt auf einer Skala von null bis 100 Punkten hätte angegeben werden müssen, dann hätten einige mit "kleineren Störungen" gerechnet - gerade nur im Bereich bis 15 Punkte. Bernanke selbst kalkulierte im Bereich 90 bis 95 Punkten. Tatsächlich aber seien es "vielleicht 140" gewesen, stellt er im Nachhinein fest. "Es war schlimmer, als fast jeder befürchtet hatte." In diesen ersten Septemberwochen lief also etwas gewaltig schief: Die Beteiligten unterlagen einer massiven Fehleinschätzung: Doch wer lockte, wer blockte, wer wusste wann was? Die letzten Tage der Bank - so, wie sie im Protokoll des Untersuchungsberichts dargestellt werden. | So mächtig - und doch seltsam schwach: Lehman-Chef Richard "Dick" Fuld war in den letzten Tagen seiner Bank fast hilflos - viele ließen ihn einfach abblitzen. Ein Protokoll. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/lehman-brothers-kein-engel-fuer-dick-1.3368 | Lehman Brothers - Kein Engel für Dick | 00/04/2010 |
Banken und Sparkassen zoffen sich wegen der Abhebegebühr an Geldautomaten: Die Banken wollen die Gebühr senken, die Sparkassen fühlen sich dadurch getäuscht. Banken und Sparkassen streiten über die Senkung der Gebühren am Geldautomaten. Die Sparkassen und Volksbanken beharren laut einem Bericht der Bild-Zeitung darauf, dass es eine Höchstgrenze von fünf Euro pro Abhebung geben soll. Dagegen fordern die Privatbanken, dass die Gebühr deutlich sinkt. Eine Sprecherin des Bankenverbands, sagte der Zeitung: "Die privaten Banken sind für eine deutliche Senkung der Geldautomaten-Entgelte. Der Höchstbetrag sollte bei eher zwei Euro und nicht bei fünf Euro liegen. Wir hoffen auf eine schnelle Einigung mit den Sparkassen und Volksbanken." Dagegen werfen die öffentlichen Banken den Privatbanken vor, sich nicht an Absprachen zu halten. Eine Sprecherin des Sparkassen- und Giroverbands sagte laut Bild: "Die privaten Großbanken haben in den letzten 15 Jahren rund 20.000 Auszahlstellen abgebaut, gleichzeitig wollen sie ihren Kunden kostengünstige Abhebungen bei Sparkassenautomaten bieten. Mit höchstens fünf Euro eines transparenten Entgelts am Automaten würde der Wettbewerb zu Gunsten der Kunden angeheizt." Aigner für niedrigere Gebühren Vor diesem Hintergrund forderte die Sparkassen-Sprecherin: "Wenn Banken ohne eigenes Automatennetz zwei Euro Kundenbelastung haben wollen, sollen sie ihre Kunden an den eingesparten Kosten eines eigenen Automatennetzes teilhaben lassen und den Unterschiedsbetrag erstatten." Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) setzte sich nochmals für deutlich niedrigere Gebühren ein: Kein Kunde habe Verständnis für einen Streit der Banken. Nötig seien eine rasche Einigung und verlässliche Zusagen. "Mir ist wichtig: Die Gebühren müssen runter, und zwar deutlich", sagte Aigner. Derzeit fallen im Schnitt Gebühren von 5,64 Euro an, teilweise bis zu zehn Euro. | Banken und Sparkassen zoffen sich wegen der Abhebegebühr an Geldautomaten: Die Banken wollen die Gebühr senken, die Sparkassen fühlen sich dadurch getäuscht. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/geldautomaten-abhebegebuehr-sorgt-fuer-querelen-1.12443 | Geldautomaten - Abhebegebühr sorgt für Querelen | 00/04/2010 |
57 Prozent Rendite: Die Familie des einstigen österreichischen Finanzministers Karl-Heinz Grasser verdiente kräftig mit am fehlgeschlagenen Engagement der BayernLB bei der Hypo Alpe Adria. Für die Milliarden, die Bayerns Landesbank bei der Hypo Alpe Adria in Österreich verloren hat, müssen die Bürger aufkommen. Die Steuerzahler tragen den Schaden, während private Investoren an dem fehlgeschlagenem Engagement der BayernLB bei der Kärntner Bank kräftig verdient haben. Unter diesen Profiteuren befindet sich auch die Familie des ehemaligen Wiener Finanzministers Karl Heinz Grasser, eines skandalerprobten Politikers. Das belegen Unterlagen, die der Süddeutschen Zeitung und der österreichischen Zeitschrift News vorliegen. Erstmals ist damit ein früherer Spitzenpolitiker persönlich in den Bankenskandal verwickelt. . Besonders pikant ist zudem der Umstand, dass der aus Kärnten stammende Grasser ein Vertrauter des früheren (2008 verstorbenen) dortigen Landeshauptmanns Jörg Haider war. Für politische Zwecke benutzt Haider hatte die Hypo Alpe Adria oft auch für politischen Zwecke benutzt, um sich seinen Wählern als Wohltäter zu präsentieren. Jetzt ist von ganz anderen Wohltaten die Rede. Grassers Familie hat 500.000 Euro in die Hypo Alpe Adria investiert, und dafür nach der Übernahme der Kärntner Bank durch die BayernLB 783.000 Euro zurück bekommen. Das ergibt eine Rendite von immerhin 56,6 Prozent. Wer als einfacher Kunde der Landesbank dort sein Geld anlegt, bekommt weniger Zinsen. Grassers Familie war, wie viele andere vermögende Leute, um den Jahreswechsel 2006/2007 bei der Hypo Alpe Adria mit Stammsitz in Kärntens Hauptstadt Klagenfurt eingestiegen und beim Verkauf der Kärntner Bank an die BayernLB wieder mit Gewinn ausgestiegen. Auf der Investorenliste finden sich viele Industrielle aus Deutschland und Österreich, darunter auch manche prominente Namen, beispielsweise ein Sohn des VW- und Porsche-Großaktionärs Ferdinand Piëch und die Familie Flick. Abschied aus der Politik In der Liste taucht auch eine Firma namens Ferint aus der Schweiz auf, und hinter der verbirgt sich die Familie Grasser. Als die Ferint Ende 2006 Anteile an der Hypo Alpe Adria zeichnete, war Grasser noch Finanzminister in Österreich. Als später, nach dem lukrativen Verkauf dieser und anderer Anteile an die BayernLB, das eingesetzte Geld samt dem satten Gewinn zurückfloss, hatte sich der gelernte Betriebswirt bereits aus der Politik verabschiedet. Dass in der Investorenliste nur die Firma Ferint genannt ist, legt die Vermutung nahe, Grasser habe mit seiner Familie bei dem Geschäft nicht selbst in Erscheinung treten wollen | 57 Prozent Rendite: Die Familie des einstigen österreichischen Finanzministers Karl-Heinz Grasser verdiente kräftig mit am fehlgeschlagenen Engagement der BayernLB bei der Hypo Alpe Adria. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/skandal-um-hypo-alpe-adria-kaerntner-kluengel-1.10089 | Skandal um Hypo Alpe Adria - Kärntner Klüngel | 00/04/2010 |
Kurz vor Ostern sind die Preise an deutschen Tankstellen im Gleichtakt gestiegen. Dennoch hält das Kartellamt Preisabsprachen für unwahrscheinlich. Das Bundeskartellamt hat nach eigenen Angaben bislang keine Beweise für verbotene Preisabsprachen der Ölkonzerne beim Benzin. Derzeit laufe die bisher aufwendigste Untersuchung der Behörde, berichtete die Bild-Zeitung. Sie zitierte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt mit den Worten, in Hamburg, Köln, München und Leipzig nehme man jeweils 100 Tankstellen unter die Lupe, halte über drei Jahre hinweg alle Preisveränderungen tagesgenau fest und suche nach Auffälligkeiten. Mit Ergebnissen rechnen die Wettbewerbshüter demnach für den Herbst. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann warf den Ölkonzernen Missbrauch ihrer Marktposition vor. Natürlich gebe es auf den internationalen Ölmärkten Preisschwankungen. Diese seien aber nicht von den deutschen Ferienzeiten abhängig, erklärte Herrmann laut Bild und fügte hinzu: "Dass die Preiserhöhungen der deutschen Ölkonzerne trotzdem immer wieder zu den deutschen Urlaubszeiten stattfinden, ist ganz offensichtlich Missbrauch." Merkel will Mehrwertsteuer auf Sprit nicht senken Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Preispolitik der Ölkonzerne kritisiert. "Dass sich gerade immer Ostern die Dinge so entwickeln, wie sie sich entwickeln und der Benzinpreis steigt, da fragen die Menschen sich zu Recht: 'Warum ist das eigentlich so?'", sagte Merkel dem "RTL"-Nachtjournal. Die Kanzlerin schloss eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Sprit aus. "Das geht nicht, wenn wir uns unseren Haushalt anschauen. Wir werden sparen müssen und deshalb glaube ich, sollte man hier nichts Falsches versprechen", erklärte die Bundeskanzlerin. Der Spritpreis war zuletzt die vierte Woche in Folge gestiegen. Wenige Tage vor Ostern kostete Superbenzin am Dienstag im bundesweiten Durchschnitt 1,442 Euro und damit 2,1 Cent mehr als eine Woche zuvor, wie der ADAC mitteilte. Diesel verteuerte sich demnach um 1,7 Cent auf 1,216 Euro. Der FDP-Bundestagsfraktionsvize Patrick Döring hatte zuvor die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Kraftstoffe auf den ermäßigten Satz von sieben Prozent gefordert, der für Produkte wie Lebensmittel, Bücher und Zeitungen erhoben wird. "Die hohen Spritpreise sind für Autofahrer unerträglich", sagte Döring der Bild-Zeitung. "In der Kommission zur Mehrwertsteuer-Reform muss die Besteuerung von Benzin zum Thema gemacht werden. Es ist dabei zu prüfen, ob Benzin genauso besteuert werden kann wie Brot und Butter." Grünen halten FDP-Vorstoß für Populismus Die Grünen halten den Vorstoß der FDP allerdings für "Populismus". "Die Forderung nach einer Ermäßigung der Mehrwertsteuer für Benzin zeugt von umwelt-, wirtschafts- und finanzpolitischem Dilettantismus", sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Thomas Gambke. Die Senkung würde von den Herstellern nicht voll an die Verbraucher weitergegeben. "Begünstigt würden am Ende die großen Ölkonzerne, die höhere Gewinne einfahren." Fahrer "großer Spritschleudern" profitierten mehr als die Besitzer umweltschonender Fahrzeuge. "Jedes Jahr wieder steigen die Spritpreise zu Ferienbeginn und zu Feiertagen", sagte Gambke. "Dies ist eher ein Fall für das Kartellamt, denn für die noch einzusetzende Mehrwertsteuerkommission." | Kurz vor Ostern sind die Preise an deutschen Tankstellen im Gleichtakt gestiegen. Dennoch hält das Kartellamt Preisabsprachen für unwahrscheinlich. | geld | https://www.sueddeutsche.de/geld/kartellamt-benzinpreise-preisabsprachen-aber-nicht-doch-1.24259 | Kartellamt: Benzinpreise - Preisabsprachen? Aber nicht doch! | 00/04/2010 |
Die Hoffnung währte nur kurz: Sieben deutsche Flughäfen wurden nach einer kurzfristigen Öffnung wieder geschlossen - mindestens bis Montag, 14.00 Uhr. Nach tagelangem Stillstand haben die Behörden am Sonntag vorübergehend die Luftraumsperrung über Deutschland gelockert. An fünf Flughäfen waren vom Nachmittag an bis 20.00 Uhr wieder Flüge in bestimmte Richtungen möglich, an den beiden Berliner Airports war die Öffnung bis 0.00 Uhr ausgeweitet worden. Für die Zeit danach verlängerte die Deutsche Flugsicherung (DFS) das Flugverbot bis Montag, 14.00 Uhr. Die Fluggesellschaften hatten bereits zuvor alle Flüge annulliert. In der Luftfahrtbranche, der die Sperrung täglich Millionen-Einbußen beschert, wurde nach Testflügen Kritik am Flugverbot laut. Vom Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt und vom Flughafen Hahn im Hunsrück erlaubte die DFS bis 20.00 Uhr Flüge in Richtung Norden in Abhängigkeit vom Ziel. Hannover, Erfurt und Leipzig waren bis 20.00 Uhr für alle Abflüge Richtung Osten geöffnet, Berlin-Tegel und Berlin-Schönefeld bis 00.00 Uhr. Danach sollten alle Flughäfen in Deutschland mindestens bis Montag 14.00 Uhr geschlossen werden. Grund für die Lockerung des Verbots war ein Schlupfloch, dass sich in der Aschewolke aus Island in Richtung Osten aufgetan hat. Auch der Flughafen Hamburg sollte zunächst geöffnet werden. Die zunächst günstige Prognose wurde dann aber wieder korrigiert, wie die DFS mitteilte. Hamburg blieb damit ebenso wie der restliche deutsche Luftraum gesperrt. Die zeitweise Aufhebung nützte den Fluggesellschaften jedoch kaum etwas: Da etwa die Lufthansa alle innerdeutschen Flüge bis Montag, 11.00 Uhr annulliert hatte, sollte bis zu diesem Zeitpunkt auch kein Flugzeug starten oder landen. Alle europäischen und Interkontinentalflüge waren bis Montag, 14.00 Uhr, gestrichen worden. Mit der sehr kurzfristigen Öffnung verschiedener Flughäfen ohne Vorlauf sei weder der Fluggesellschaft noch den Passagieren gedient, sagte ein Lufthansa-Sprecher. In Hannover landete um 20.07 Uhr jedoch die erste Passagiermaschine seit dem Beginn der Flugverbote. An Bord seien 165 Urlauber aus ganz Deutschland, teilte der Reiseveranstalter Tui mit. Sie kamen aus Gran Canaria. "Die Fluggäste hatten echt Glück", sagte TUI-Sprecher Mario Köpers. Die Gruppe war zunächst nach Faro in Portugal geflogen. Von dort sollte sie mit dem Bus die 30-stündige Heimreise antreten. Dann kam die überraschende Meldung: Auf einigen deutschen Flughäfen wurde das Flugverbot für kurze Zeit ausgesetzt. Es war die einzige TUIfly-Maschine, die heute in Deutschland landet. Zwei andere Maschinen der Gesellschaft starteten den Angaben zufolge von Hamburg und Berlin-Tegel, um Touristen - wenn möglich - von Gran Canaria und Fuerteventura zu holen. Insgesamt sollen drei Maschinen von TUIfly möglichst heute Nacht noch mit Urlaubern von den Canaren auf deutschen Flughäfen landen. "Wir werden jedes Zeitfenster nutzen, um Gäste rauszuholen", sagte Köpers. Bislang hat Tui - auch mit Fähren - mehr als 1000 festsitzende Kunden von Mallorca, Malta, Grean Ganaria und aus Antalya zurück geholt. Scharfe Kritik am Flugverbot Mehrere Fluggesellschaften kritisierten unterdessen das generelle Flugverbot am Sonntag scharf. Der Himmel über weiten Teilen Europas sei nur wegen theoretischer Annahmen gesperrt worden, kritisierten die Fluggesellschaften Lufthansa, Air Berlin und Germanwings. Bei Testflügen hätten die Maschinen nicht einmal einen Kratzer abbekommen, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Nach den Worten von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) soll am derzeitigen Flugverbot in Deutschland aber dennoch so lange festgehalten werden, wie es Experten für notwendig halten. "Sicherheit muss höher gewichtet werden als Geschäftsinteressen", sagte Ramsauer am Sonntagabend in München. Die Kritik von Fluggesellschaften wies der Minister zurück: "Ich nehme mit Verärgerung wahr, dass da versucht wird, Druck auf mich auszuüben." Prinzipiell sei die Bundesregierung an das internationale Regelwerk für Vulkanausbrüche gebunden. Allerdings werde man sich um flexible Lösungen bemühen. "Wenn das ausgestanden ist, müssen wir überprüfen, ob die geltenden Regelungen noch zeitgemäß sind." Wie der isländische Wetterdienst am Sonntag mitteilte, ist der für das Chaos verantwortliche Vulkan noch nicht zur Ruhe gekommen. Die von dem Vulkan ausgelösten Eruptionen nähmen weiter zu, hieß es. Allerdings habe sich die Aschewolke, die Richtung Südosten nach Europa zieht, von elf auf vier bis fünf Kilometer Höhe verringert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) brach am Sonntagmorgen aus Bozen in Richtung Deutschland auf. Auf der Rückreise aus den USA hatte sie wegen der Aschewolke am Freitag in Lissabon landen müssen. Sie flog dann weiter nach Rom und fuhr von dort mit dem Auto nach Deutschland, wo sie am Sonntagnachmittag ankam. Die Teilnahme an der Beisetzung des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski in Krakau sagte Merkel ab. Auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der es mit mehreren verwundeten Soldaten aus Afghanistan nur bis Istanbul geschafft hatte, ist mittlerweile wieder in Berlin. Er reiste mit Bussen und Propellerflugzeug über Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Deutschland. Die verletzten Soldaten werden in einem US-Militärhospital in Istanbul behandelt. Schaden in Milliardenhöhe "Durch das Flugverbot, das ausschließlich auf Computerberechnungen beruht, entsteht ein volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe", sagte Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther der Bild am Sonntag. Die Testmaschinen der Airline seien am Samstag bis auf acht Kilometer Höhe aufgestiegen. Weder auf den Cockpitscheiben, an der Außenhaut noch an den Triebwerken hätten sich auch nur die kleinsten Kratzer gefunden. "Darum fordern wir für die Zukunft, dass vor einem Flugverbot verlässliche Messungen vorliegen müssen." Der Nachrichtenagentur Reuters sagte Walther, die Lufthansa erwäge auch Regressansprüche: "Wir behalten uns auch vor, die Frage zu stellen, wer haftet eigentlich, wer kommt für die Schäden auf?" Auch Air-Berlin-Chef Joachim Hunold kritisierte, dass der Luftraum nur auf der Basis von Computersimulationen dichtgemacht worden sei. In Deutschland sei nicht einmal ein Wetterballon aufgestiegen, um zu messen, ob und wie viel Vulkanasche in der Luft sei. Unverständlich sei auch, dass das Verkehrsministerium bisher keinen Krisenstab eingerichtet habe. Air Berlin habe am Samstag drei Flugzeuge innerhalb Deutschlands problemlos im Sichtflug überführt, die keinen Schaden davongetragen hätten. Auch der Geschäftsführer der Fluggesellschaft Germanwings, Thomas Winkelmann, sagte, er halte es für skandalös, dass bislang keine verlässlichen Messdaten zur Aschewolke vorlägen. Die Pilotenvereinigung Cockpit kritisierte, es hätte früher Testflüge geben müssen. "Ich habe gedacht, es hätte in Deutschland bereits Testflüge des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums gegeben. Wenn diese erst am Montag stattfinden, ist das natürlich spät", sagt Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg dem Tagesspiegel. Die niederländische Fluggesellschaft KLM erklärte, ihre Piloten seien bei einem Testflug mit einer Boeing bis zur Maximalhöhe von 13 Kilometern aufgestiegen. "Wir haben nichts Ungewöhnliches festgestellt, weder im Flug noch bei einer ersten Überprüfung am Boden", sagte KLM-Chef Peter Hartmann. Frankreich will europaweite Abstimmung Frankreich dringt indes auf eine europaweite Abstimmung über Testflüge durch die Vulkanaschewolke im europäischen Luftraum. Man müsse klären, unter welchen Bedingungen man das risikofrei tun könne, sagte Umweltminister Jean-Louis Borloo dem Pariser Le Journal du Dimanche. "Das wird eine politische, europäische und internationale Entscheidung sein, von Freiwilligen gelenkte Flugzeuge fliegen zu lassen." Dazu sollten am Montag die EU-Verkehrsminister tagen, und sei es mit einer Telefonkonferenz. Eine solche Konferenz regte auch EU-Kommissionsopräsident José Manuel Barroso an. Die Europäische Kommission prüfe derzeit, ob ab Anfang nächster Woche einige Flugstrecken wieder geöffnet werden können, sagte eine Sprecherin von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas. Kallas stehe seit Samstag mit der europäischen Aufsichtsbehörde Eurocontrol und den Behörden der Mitgliedstaaten in engem Kontakt, "um mögliche Optionen zur Freigabe einiger Flüge zu prüfen". Die Sicherheit habe aber Vorrang. Wegen des Flugverbots sind Zehntausende Passagiere weltweit nicht an ihr Ziel gekommen. Es kam zu einem Ansturm auf Hotels, die Bahn und Mietwagenfirmen. Sie campieren zum Teil bereits die dritte Nacht auf Feldbetten in den Flughafen-Terminals. Allein rund 150.000 deutsche Urlauber sind von dem Flugverbot betroffen. Die deutschen Botschaften im Ausland räumten der Betreuung von Reisenden Vorrang ein, die wegen der Aschewolke gestrandet sind. Botschaften und Konsulate bemühten sich, betroffenen Deutschen in individuellen Notlagen zu helfen, erklärte Außenminister Guido Westerwelle. Auch die Deutsche Bahn bereitete sich nach eigenen Angaben für Sonntag auf einen stärkeren Andrang vor. Es werde jeder verfügbare Zug eingesetzt, sagte ein Bahnsprecher. Die Behörden befürchten, dass die Ascheteilchen aus einem Vulkanausbruch in Island die Triebwerke von Flugzeugen lahmlegen könnten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) belegte am Sonntag nach eigenen Angaben Vulkanasche in der Luft über Süddeutschland. Messungen mit einem Lasergerät auf dem Hohenpeißenberg bei München hätten Aschestaub in den Luftschichten zwischen 3000 und 7000 Metern nachgewiesen, sagte ein DWD-Meteorologe in Offenbach bei Frankfurt. | Die Hoffnung währte nur kurz: Sieben deutsche Flughäfen wurden nach einer kurzfristigen Öffnung wieder geschlossen - mindestens bis Montag, 14.00 Uhr. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/aschewolke-ueber-europa-schlupfloch-im-himmel-wieder-zu-1.21283 | Aschewolke über Europa - Schlupfloch im Himmel wieder zu | 00/04/2010 |
Bei voller Fahrt hat sich die Tür eines ICE gelöst und ist in die Scheiben eines entgegenkommenden Schnellzugs geschlagen. Durch umherfliegende Glassplitter wurden sechs Menschen verletzt. Ungewöhnlicher Bahnunfall: Auf der Schnellstrecke zwischen Frankfurt am Main und Köln hat am Samstag bei Montabaur ein ICE eine Tür verloren - diese krachte in die Scheibe eines entgegenkommenden Zuges. Die Strecke musste stundenlang in beide Richtungen gesperrt werden. Der ICE 105 verlor auf der Fahrt von Amsterdam nach Basel gegen 11.30 Uhr aus vorerst ungeklärten Gründen eine Tür. Diese schlug in Höhe des Bordbistros auf einen entgegenkommenden ICE von München nach Dortmund auf, wobei nach Angaben der Bundespolizei sechs Fahrgäste leicht verletzt wurden. Erst um 21.30 Uhr am Samstagabend konnte die Streckensperrung aufgehoben werden. Verletzte durch umherfliegende Glassplitter Von den sechs Verletzten erlitten nach Angaben einer Sprecherin der Bundespolizei zwei einen Schock. Die anderen vier wurden durch umherfliegende Glassplitter verletzt. Zwei Leichtverletzte konnten vor Ort behandelt werden, die übrigen vier wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Der von der entgegenkommenden Tür beschädigte ICE 612 bestand aus zwei Zugteilen. Die Fahrgäste aus dem beschädigten Teil konnten in den unbeschädigten Zugteil evakuiert werden und mit diesem nach Köln weiterfahren. Der beschädigte Zugteil wurde in den Bahnhof Montabaur gebracht und dort am Nachmittag weiter untersucht. Der ICE, der die Tür verloren hatte, konnte bei langsamer Fahrt in den nahegelegenen Bahnhof Limburg-Süd geleitet werden, wo ihn die Fahrgäste verließen und mit anderen Zügen weiterfuhren. Wegen der laufenden Untersuchungen und der Suche nach der Tür blieb die Bahnstrecke ungeachtet des Andrangs wegen der Flugausfälle infolge der Aschewolke nach dem Vulkanausbruch in Island zehn Stunden lang gesperrt. Die Züge wurden über die alte Rheintalstrecke umgeleitet, womit Fahrzeitverlängerungen von über einer Stunde verbunden waren. Die Tür wurde erst Stunden nach dem Unfall im Dickhecktunnel, etwa 4,5 Kilometer vor dem Bahnhof Montabaur, gefunden. Die Bundespolizei in Trier und das Eisenbahnbundesamt im Bonn nahmen die Ermittlungen auf. Die Deutsche Bahn versicherte, sie unterstütze die zuständigen Behörden bei deren Ermittlungsarbeiten. | Bei voller Fahrt hat sich die Tür eines ICE gelöst und ist in die Scheiben eines entgegenkommenden Schnellzugs geschlagen. Durch umherfliegende Glassplitter wurden sechs Menschen verletzt. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/ice-unglueck-bei-montabaur-zugtuer-knallt-in-bordbistro-1.21639 | ICE-Unglück bei Montabaur - Zugtür knallt in Bordbistro | 00/04/2010 |
Die Europäer kommen nicht in die Luft, weil der Flugverkehr ruht: In Deutschland ist der Luftraum bis mindestens Sonntagabend 20 Uhr gesperrt - wegen der Aschewolke. Ausnahmezustand im europäischen Flugverkehr: Noch immer gelangen Hunderttausende Reisende wegen der Aschewolke aus einem isländischen Eyjafjalla-Vulkan nicht an ihr Ziel. Die Deutsche Flugsicherung verlängerte die Sperrung des Luftraums über Deutschland am Morgen bis Sonntagabend 20 Uhr - mindestens. Das teilte eine Sprecherin mit. Über das weitere Vorgehen soll im Laufe des Tages entschieden werden. Zuvor hatte bereits die Lufthansa erklärt, sie streiche sämtliche Flüge bis Sonntag 20 Uhr. Da der Vulkan unter dem isländischen Gletscher Eyjafjalla weiterhin Asche in die Luft bläst und sich die Luftströmungen nach Einschätzung von Wetterexperten kaum ändern dürften, ist mit weiteren Verlängerungen der europaweiten Flugverbote zu rechnen. Kritik an Sperrung des deutschen Luftraums Unterdessen werden erste kritische Stimmen an dem ausgedehnten Flugverbot über Deutschland laut: Air-Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold sagte der Bild am Sonntag: "Die Schließung des Luftraums erfolgte ausschließlich aufgrund der Daten einer Computersimulation beim Vulcanic Ash Advisory Centre in London". Aufgrund dieser Daten errechnet der Deutsche Wetterdienst kontaminierte, also mit Vulkanasche belastete Gebiete. Mit diesen Daten wiederum entscheidet die Deutsche Flugsicherung (DFS) über ein Flugverbot. Hunold weiter: "Es ist in Deutschland noch nicht mal ein Wetterballon aufgestiegen, um zu messen, ob und wie viel Vulkanasche sich in der Luft befindet." Für die Fluggesellschaften bedeutet das Abriegeln des Luftraums massive Einkommenseinbußen. Bei der Deutschen Lufthansa hieß es: "Wir haben heute zehn Überführungsflüge von Großraumjets der Typen Boeing 747 und Airbus 340 von München nach Frankfurt durchgeführt. Dabei sind unsere Maschinen bis auf 24.000 Fuß, also rund 8000 Meter Höhe, gestiegen", sagte Konzernsprecher Klaus Walther der Zeitung. "In Frankfurt wurden die Maschinen von unseren Technikern untersucht. Weder auf den Cockpitscheiben, an der Außenhaut noch an den Triebwerken fanden sie auch nur den kleinsten Kratzer." Der Konzernsprecher beklagte: "Durch das Flugverbot, das ausschließlich auf Computerberechnungen beruht, entsteht ein volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe. Er forderte, dass zukünftig vor einem Flugverbot verlässliche Messungen vorliegen müssten. Nach Informationen der Bild am Sonntag ist ein Forschungsflugzeug des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) bislang nicht einsatzbereit gewesen, da die entsprechenden Messgeräte für Vulkanasche erst eingebaut werden müssen. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kündigte an, am Montagabend ein Flugzeug mit Wissenschaftlern des Instituts für Atmosphärenphysik in Oberpfaffenhofen starten zu lassen. Vulkan möglicherweise noch Monate aktiv Der isländische Wetterdienst rechnet indes damit, dass die Aschewolkebelastung über Europa noch einige Tage anhält. Bei den Höhenwinden werde es vorerst "mehr oder weniger das gleiche" bleiben, sagte ein Mitarbeiter des Meteorologischen Instituts in Reykjavik. Die Asche werde weiter Richtung Großbritannien und Skandinavien ziehen. Dies werde "in den kommenden Tagen" so bleiben. Isländische Meterologen und Vulkanologen halten es sogar für möglich, dass der Vulkan noch Wochen oder Monate aktiv bliebt. Der britische Wetterdienst beobachtete, dass die Wolke sich am Samstag weiter Richtung Südeuropa ausdehnte. Zudem werde die Aschewolke aber auch über dem Norden Europas mindestens bis Sonntag ihre Auswirkungen entfalten, sagte ein Sprecher des Met Office in London. Auf den größten europäischen Flughäfen - darunter London-Heathrow, Paris-Roissy und Frankfurt am Main - waren am Wochenende keine Starts und Landungen möglich. Eurocontrol teilte mit, dass am Samstag von geplanten 22.000 Flügen nur 6000 abgewickelt werden konnten. In 17 europäischen Ländern sei der Flugverkehr vollständig unterbrochen, möglich waren Flüge demnach lediglich in Teilen Süd- und Südosteuropas, darunter in Spanien, Griechenland und der Türkei. In mehreren nordeuropäischen Ländern weiteten die Behörden das Flugverbot bis zum Sonntag aus. Der Luftraum über Polen war nach Behördenangaben "bis auf Weiteres" nicht zugänglich. Damit wurde die Teilnahme internationaler Trauergäste am Staatsbegräbnis des verunglückten polnischen Präsidenten Lech Kaczynski am Sonntag in Krakau in Frage gestellt. Erfahren Sie auf der nächsten Seite, wer nicht an der Trauerfeier für den polnischen Präsidenten teilnimmt. | Die Europäer kommen nicht in die Luft, weil der Flugverkehr ruht: In Deutschland ist der Luftraum bis mindestens Sonntagabend 20 Uhr gesperrt - wegen der Aschewolke. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/flugchaos-nach-vulkanausbruch-der-himmel-macht-pause-1.17735 | Flugchaos nach Vulkanausbruch - Der Himmel macht Pause | 00/04/2010 |
Die Aschewolke führt zu den größten Behinderungen seit dem 11. September 2001. Auch am Wochenende werden massive Störungen erwartet. Die Aschewolke nach dem Vulkanausbruch in Island hat Europas Luftverkehr in das größte Chaos seit den Anschlägen vom 11.September 2001 gestürzt. 60 Prozent der Flüge fielen am Freitag aus, wie die europäische Flugsicherung Eurocontrol meldete. Hunderttausende saßen an geschlossenen Airports fest. Im Laufe des Tages zog die Wolke über Deutschland hinweg. Dort mussten alle Flughäfen schließen, am Abend als letzter auch der Münchner Airport. Die Behinderungen sollen am Wochenende andauern. Die Aschewolke werde sich über Europa ausbreiten und deutlich größere Teile überdecken als am Freitag, teilte Eurocontrol in Brüssel mit. Darauf deuteten alle Wetterdaten hin. Die Wolke werde weiter nach Süden ziehen und schon am Samstagmorgen eine gedachte Linie von Südfrankreich über Norditalien bis zum nördlichen Balkan erreichen, sagte Eurocontrol-Chef Brian Flynn. Lufthansa streicht alle Flüge Am Freitag sperrten viele weitere Länder wie Polen, Österreich und die Schweiz ihren Luftraum, insgesamt sind es nun etwa ein Dutzend Länder. Der deutsche Luftraum wird nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes mindestens bis Samstagabend gesperrt bleiben. Die Lufthansa strich alle Flüge bis Samstag, zwölf Uhr. Nur der Münchner Flughafen war tagsüber als letzter der 16 internationalen Flughäfen in Deutschland noch in Betrieb, wurde aber um 20 Uhr geschlossen, zunächst bis Samstagmittag. In Frankfurt ging seit acht Uhr morgens nichts mehr. An den Schaltern der Fluggesellschaften standen lange Schlangen ratloser Reisender. Mehr als tausend Passagiere hatten die Nacht zum Freitag auf Feldbetten verbringen müssen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel musste ihre Pläne ändern: Sie befand sich auf dem Rückflug von den USA nach Berlin. Ihre Maschine wurde nach Lissabon umgeleitet, wo sie die Nacht verbringen musste. Die in Afghanistan verwundeten deutschen Soldaten konnten in Begleitung von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zunächst nur nach Istanbul geflogen werden. Europas Luftfahrtindustrie drohe ein Schaden von mehr als 100 Millionen Euro am Tag, teilte der Verband der europäischen Fluggesellschaften AEA in Brüssel mit. An den Börsen gaben die Aktien der Fluggesellschaften nach. In Luftfahrtkreisen wurde diskutiert, ob die Komplettsperrungen nötig seien. Allerdings standen keine Daten zur Verfügung, die eine andere Entscheidung möglich gemacht hätten. Busse, Bahnen, Mietwagen und Fähren hatten in weiten Teilen Europas starken Zulauf. Auch die Deutsche Bahn verzeichnete deutlich mehr Passagiere. Es würden alle zur Verfügung stehenden Züge eingesetzt, sagte ein Bahn-Sprecher. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer riet von unnötigen Reisen ab. Er habe Bahn-Chef Rüdiger Grube in einem Telefonat aufgefordert, alles zu tun, um den Verkehr in Deutschland so gut wie möglich aufrechtzuerhalten. In Frankreich verstärkten die Schließungen ohnehin vorhandenes Chaos: Bei der Staatsbahn SNCF wird seit Tagen gestreikt. Der Vulkan in Island war am Mittwoch ausgebrochen und ist weiterhin aktiv. Die sehr harten und scharfen Partikel können große Schäden an den Flugzeugen, vor allem an den Triebwerken, anrichten. Die Eruption könne noch mindestens einige Tage andauern, sagte der Geophysiker Bernd Zimanowski von der Uni Würzburg. Typischerweise dauere es zwei, drei Wochen bis maximal einige Monate. Nach Auskunft von Meteorologen wird sich die Aschewolke weder auf das weltweite Klima noch auf das Wetter in Deutschland in den nächsten Tagen auswirken. Sie könnte allenfalls für schöne Sonnenuntergänge sorgen, sagte Jörg Asmus vom Deutschen Wetterdienst. | Die Aschewolke führt zu den größten Behinderungen seit dem 11. September 2001. Auch am Wochenende werden massive Störungen erwartet. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/aschewolke-ueber-europa-noch-tagelang-chaos-auf-europas-flughaefen-1.3868 | Aschewolke über Europa - Noch tagelang Chaos auf Europas Flughäfen | 00/04/2010 |
Dass auch Kinder und Jugendliche zu extremer Gewalt fähig sind, ist bekannt: Am Münchner S-Bahnhof Solln prügelten drei junge Männer im Alter zwischen 17 und 18 Jahren im September 2009 den Geschäftsmann Dominik Brunner zu Tode, als dieser Kindern zu Hilfe eilen wollte, die von den Jugendlichen drangsaliert worden waren. Und jüngst quälten zwei 13-Jährige in München eine demenzkranke, alte Frau auf grausame Art und Weise. In Südamerika soll nun ein ebenfalls erst 13-jähriger Junge eine Frau erschossen haben - für umgerechnet zehn Euro. Die Polizei in Guatemala-Stadt nahm den mutmaßlichen Auftragsmörder fest. Der Junge wurde laut Polizei im Besitz einer Waffe festgenommen, mit der zuvor eine Frau erschossen worden war, als sie ihre Kinder in die Schule brachte. Der 13-Jährige habe gestanden, umgerechnet knapp zehn Euro für die Tat kassiert zu haben, sagte der Polizeisprecher Donald González. "Der Junge hat zahlreiche Tätowierungen am Körper, die auf eine Verbindung zu einer Gang hinweisen." Der Junge wurde unter Arrest gestellt, da Minderjährige in Guatemala nicht in einem Gefängnis untergebracht werden dürfen. | Die Polizei in Guatemala-Stadt hat einen mutmaßlichen Auftragsmörder verhaftet: Der Jugendliche soll eine Frau erschossen haben. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/guatemala-13-jaehriger-toetete-fuer-zehn-euro-1.18180 | 13-Jähriger tötete für zehn Euro | 00/04/2010 |
In der Luft geht nichts mehr - und auf den Gleisen auch nicht: Frankreich steckt im totalen Verkehrschaos. Die Briten nehmen die isländische Aschewolke gelassen - und bleiben einfach zuhause. Am zweiten Tag in Folge stürzt das gewaltige Wolkengebilde, das der isländische Eyjafjalla-Vulkan in den Himmel katapultiert hat, Europa ins Chaos: Nach Angaben der europäischen Flugsicherheitsbehörde müssen am Freitag 60 Prozent aller Flüge in Europa ausfallen. Eurocontrol rechnet für Freitag mit 11.000 Flügen im europäischen Luftraum - normal sind 28.000 Flüge. Bei den transatlantischen Verbindungen werde es nur 100 bis 120 statt der üblichen 300 Flüge geben. Die Wolke werde mindestens noch für die nächsten 24 Stunden den Flugverkehr lähmen, teilte die Behörde in Brüssel mit. Chaos in Frankreich Besonders hart trifft es Deutschlands westlichen Nachbar: Auf 25 französischen Flughäfen durften am Freitag keine Flugzeuge mehr starten oder landen - auch die beiden Großflughäfen von Paris, Roissy und Orly, sind gesperrt. Die Flüge sollten frühestens um 14 Uhr wieder aufgenommen werden, teilten die Behörden mit. Zahlreiche Passagiere sitzen seit Donnerstagabend auf den französischen Airports fest. Die Aschewolke zieht zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt über Frankreich hinweg: Weil die Staatsbahn SNCF seit mittlerweile zehn Tagen streikt, ist es für gestrandete Flugreisende nicht problemlos möglich, auf die Bahn auszuweichen. Und das allgemeine Verkehrschaos wird sich vermutlich weiter verschärfen: Das Wochenende bringt dichten Ferienverkehr - in einem Teil des Landes beginnen die Frühlingsferien, in einem anderen enden sie. Auch in Großbritannien, wo bereits gestern Europas größter Flughafen und internationaler Verkehrsknotenpunkt London-Heathrow geschlossen werden musste, bleibt die Lage angespannt: Der Flugverkehr über der britischen Insel bleibt wegen der isländischen Lavaaschewolke bis mindestens zwei Uhr deutscher Zeit am Samstagmorgen stillgelegt. Nur wenige Flugzeuge dürften starten und landen, gab die britische Flugüberwachung NATS bekannt. Seit Donnerstag war die Sperrung immer wieder verlängert worden. Am Freitag herrschte auf dem Londoner Großflughafen Heathrow - einem der wichtigsten Drehkreuze der Welt - gespenstische Stille. Fast alle Passagiere hätten sich an die Empfehlung der Fluggesellschaften gehalten, bis auf weiteres zu Hause zu bleiben, da die Maschinen ohnehin nicht starten und landen können, sagte ein Flughafensprecher. Quelle: Eumetsat Teilweise Entspannung Einzig der Westen Irlands hatte Positives zu vermelden: Die irische Flugbehörde teilte mit, die Sperrung der Airports Shannon und Cork sei aufgehoben, weil sich die Aschewolke in Richtung Osten und Süden bewege. Der Flughafen in Dublin bleibt jedoch vorerst gesperrt. Der Himmel über Skandinavien ist nur teilweise wieder für den Flugverkehr freigegeben: In Schweden und Norwegen wurden die Flugverbote teilweise aufgehoben. In Finnland und Dänemark blieben die Flughäfen allerdings gesperrt. Dadurch drohten auch die Feiern zum 70. Geburtstag der dänischen Königin Margrethe gestört zu werden: Mehrere Gäste konnten wegen der gestrichenen Flüge nicht zu einer Gala am Donnerstagabend im königlichen Theater in Kopenhagen kommen. Die massiven Behinderungen im internationalen Luftverkehr führten auch in Polen zu Besorgnis, wo am Wochenende zahlreiche ausländische Delegationen zur Beerdigung des bei einem Flugzeugabsturz getöteten Präsidenten Lech Kaczynski erwartet werden. Größtenteils gesperrt sind weiterhin die Lufträume über Belgien und den Niederlanden. Auch über dem Baltikum, Polen und Tschechien herrscht ´weiterhin ein weitgehendes Flugverbot. Die österreichische Flugsicherung kündigte an, den Luftraum ab dem Nachmittag schrittweise zu schließen. Der Flughafen Moskau bereitete sich ebenfalls auf eine Schließung vor. | In der Luft geht nichts mehr - und auf den Gleisen auch nicht: Frankreich steckt im totalen Verkehrschaos. Die Briten nehmen die isländische Aschewolke gelassen - und bleiben einfach zuhause. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/vulkan-wolke-ueber-europa-chaosbringer-in-aschgrau-1.21522 | Vulkan-Wolke über Europa - Chaosbringer in Aschgrau | 00/04/2010 |
"Wann der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird, steht in den Sternen": Die gewaltige Aschewolke des isländischen Eyjafjalla-Vulkans bringt den deutschen Flugverkehr nahezu zum Erliegen. 14 Flughäfen sind gesperrt - auch am Knotenpunkt in Frankfurt am Main geht nichts mehr. Das gewaltige Wolkengebilde, das beim Ausbruch des isländischen Eyjafjalla-Vulkans entstanden ist, lähmt weiter den europäischen Luftverkehr: Nachdem bereits am Donnerstag nach und nach die Flugräume über zahlreichen nord- und mitteleuropäischen Ländern gesperrt werden mussten, hat die Aschewolke nun Deutschland erreicht. Am frühen Freitagmorgen wurden weite Teile des deutschen Luftraums gesperrt. "Das ist in der Konsequenz ein schlimmerer Eingriff, als wir das nach dem 11. September 2001 hatten", sagte der Berliner Flughafenchef Rainer Schwarz über die Folgen des Vulkanausbruchs für den Flugverkehr. Quelle: Eumetsat Seit dem frühen Freitagmorgen dürfen am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main keine Flugzeuge mehr starten oder landen. "Wann der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird, steht in den Sternen", sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Fraport. Das könne mehrere Tage dauern. 14 gesperrte Flughäfen Insgesamt seien die Lufträume über 14 deutschen Flughäfen gesperrt, sagte eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS). Betroffen sind neben den Flughäfen in Frankfurt am Main und Hahn die beiden Berliner Airports, sowie die Flughäfen in Hamburg, Bremen, Hannover, Münster-Osnabück, Düsseldorf, Köln, Leipzig, Erfurt, Dresden und Nürnberg. Die zwischenzeitlich ebenfalls gesperrten Flughäfen in Stuttgart und Saarbrücken würden mittlerweile wieder freigegeben. Bis voraussichtlich 18 Uhr könnten dort Starts und Landungen stattfinden, teilte die DFS mit. Auch der Flughafen in Memmingen und der Münchner Airport sind weiterhin in Betrieb. Doch voraussichtlich gegen 20 Uhr wird die isländische Aschewolke auch München erreichen. Bis dahin soll der Flugbetrieb in der bayerischen Landeshauptstadt so weit wie möglich aufrechterhalten werden. Allerdings sind bereits etwa 360 Flüge annulliert worden, sagte ein Sprecher des Airports. Der Flugverkehr Richtung Norden sei zum Erliegen gekommen. Angaben zu einem voraussichtlichen Ende der Sperrungen gibt es bislang nicht. Die Deutsche Flugsicherung dämpfte die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität: "Um eine Wiederöffnung im Norden wird im Moment nicht diskutiert", sagte eine Sprecherin. Auch Merkels Rückflug aus den USA betroffen Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bekommt die Auswirkungen des Vulkanausbruchs auf Island zu spüren. Sie befand sich am Freitag auf dem Rückflug von einer viertägigen USA-Reise. Die Landung war ursprünglich für 15.30 Uhr auf dem Flughafen Berlin-Tegel geplant. "Wenn die Flugsicherung es für erforderlich hält, wird die Flugroute angepasst", sagte ein Regierungssprecher. Der Sprecher der Flugsicherung riet Gästen, die Flüge nach Norddeutschland, in die Beneluxstaaten, nach Großbritannien oder Skandinavien gebucht haben, bei ihrer Fluggesellschaft nachzufragen, ob die Flüge ausgeführt werden können. Auf Radarbildern kann man sehen, wie sich die gefährliche Aschewolke unregelmäßig nach Süden und Osten ausbreitet. Sie wird den Luftverkehr vermutlich noch tagelang stören. Lavaasche ist gefährlich für Düsentriebwerke und die Außenhaut der Flieger. Außerdem kann der Vulkanstaub die Frontscheiben der Flugzeuge zerkratzen und so die Sicht der Piloten behindern. Fluggesellschaften mussten schon am Donnerstag rund ein Viertel der täglich etwa 28.000 Verbindungen absagen, wie Eurocontrol mitteilte. "Es ist das erste Mal in der europäischen Luftfahrtgeschichte, dass wir mit einem solchen Phänomen umgehen müssen", sagte einer der Leiter der Behörde. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas nannte die Aschewolke "eine große Bedrohung für die Sicherheit der Luftfahrt". | "Wann der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird, steht in den Sternen": Die gewaltige Aschewolke des isländischen Eyjafjalla-Vulkans bringt den deutschen Flugverkehr nahezu zum Erliegen. 14 Flughäfen sind gesperrt - auch am Knotenpunkt in Frankfurt am Main geht nichts mehr. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/aschewolke-ueber-deutschland-stillstand-chaos-und-hunderttausende-gestrandete-1.20782 | Aschewolke über Deutschland - Stillstand, Chaos und Hunderttausende Gestrandete | 00/04/2010 |
Die riesige Aschewolke aus dem isländischen Eyjafjalla-Vulkan legt den europäischen Flugverkehr lahm. Auch Hamburg und andere norddeutsche Flughäfen sind betroffen. Nordeuropa muss am Boden bleiben: Nach Norwegen, Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Irland und Großbritannien machen auch deutsche Airports dicht. Der Hamburger Flughafen sind wegen der gigantischen Aschewolke gesperrt worden, die der isländische Eyjafjalla-Vulkan ausgespuckt hat. Nach der kurzzeitigen Sperrung ist der Luftraum über Berlin wieder geöffnet. Auch die Flughäfen Hannover und Bremen waren zwischenzeitlich gesperrt. Auch wenn sie wieder geöffnet wurden, können die Flughäfen von Berlin, Bremen und Hannover jederzeit wieder geschlossen werden: "Der Wetterdienst wertet minütlich aus, wann die Wolke ankommt, die Sperrungen können sich deshalb von einem Moment zum nächsten ändern", sagte eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) der Süddeutschen Zeitung. In Hamburg werde der Betrieb vor acht Uhr morgens auf keinen Fall wieder starten, sagte eine Sprecherin des Flughafens. Passagiere, die von Berlin aus fliegen wollen, wurden gebeten, sich im Internet zu informieren und bei ihren Fluggesellschaften nachzufragen. Tagsüber waren auf den Flughäfen München, Frankfurt, Düsseldorf und Köln-Bonn bereits zahlreiche Flüge ausgefallen. Auch der interkontinentale Luftverkehr ist betroffen. Wegen der Aschewolke wird am Freitag nur jeder zweite Transatlantikflug stattfinden können, sagte eine Sprecherin der europäischen Flugsicherung Eurocontrol in Brüssel. Hunderte Isländer evakuiert Der Eyjafjalla ist unterdessen unvermindert aktiv. Der Gletschervulkan im Süden Islands stößt weiter mit unverminderter Stärke Lavaasche und Rauch in die Atmosphäre. Wegen der Gefahr einer neuen Flutwelle im Gebiet des Vulkans werden Hunderte von Anwohnern evakuiert. Das teilten Mitarbeiter des isländischen Katastrophenschutzes mit. Wie das Außenministerium in Reykjavik mitteilte, schätzen heimische Experten das Risiko anhaltender Aktivitäten über die nächsten Tage als hoch ein. Britische Forscher sind mit einem Spezialflugzeug zu der 200 Kilometer mal 100 Kilometer großen Vulkanwolke über Europa aufgebrochen, um Proben der Asche zu nehmen. Der Flug sei sehr gefährlich, berichteten die Wissenschaftler des britischen Natural Environment Research Councils, einer öffentlich finanzierten Forschungsagentur. Unter anderem soll die Geschwindigkeit, mit der sich die Wolke ausbreitet, und ihre Richtung bestimmt werden. Die DFS und der Deutsche Wetterdienst rechnen damit, dass die Aschewolke in der Nacht Deutschland überquert. Am Freitag sei noch mit vielen Verspätungen zu rechnen. Der Deutsche Wetterdienst erwartet, dass die Wolke bis 20 Uhr Köln erreicht, gegen 2 Uhr Koblenz und gegen 8 Uhr Mannheim, sagte Meteorologin Christina Speicher. Am Freitag werde dann in Norddeutschland ein tiefroter Sonnenuntergang zu sehen sein, da die Partikel das Licht brechen und reflektieren. "Das ist wie Hagel" Unterdessen wies der EU-Verkehrskommissar Siim Kallas darauf hin, dass wegen der Wolke in EU-Staaten gestrandete Fluggäste Anspruch auf Entschädigung haben. Fluggesellschaften müssten ihren Passagieren soweit erforderlich Erfrischungen, Mahlzeiten und Unterkunft zur Verfügung stellen und ihnen die Wahl zwischen Flugpreiserstattung und einer Umleitung zum Bestimmungsort lassen. "In einem außerordentlichen Fall wie diesem bekommen Passagiere aber nicht zusätzliche finanzielle Entschädigung wie es der Fall wäre, wenn die Verspätungen oder Ausfälle auf die Fluggesellschaft zurückzuführen wären", sagte Kallas. Für Flugzeuge sind Wolken aus Vulkanasche sehr gefährlich. Die feine Asche kann den Triebwerken schaden, die High-Tech-Sonden der modernen Bordelektronik verstopfen und die Frontscheibe eines Flugzeuges so zerkratzen, dass die Piloten aus der Kanzel keine Sicht mehr haben. Ein Flug durch den Lavastaub sei "extrem gefährlich", erklärte auch der österreichische Airline-Chef und Ex-Autorennfahrer Niki Lauda: "Das ist wie Hagel - auf eine andere Art." Für Menschen ist die Asche jedoch eher unbedenklich: "Die Asche ist nur dann für unsere Gesundheit gefährlich, wenn wir wirklich sehr hohe Konzentrationen erhalten würden. Das ist aber hier überhaupt nicht zu erwarten", sagte der Würzburger Geophysiker Bernd Zimanowski. "Da ist nix radioaktiv oder giftig. Das ist nicht toxisch." Aus den vergangenen 20 Jahren sind 80 Vorfälle belegt, bei denen Flugzeuge durch Vulkanasche beeinträchtigt wurden. Zwei Flugzeuge des Typs Boeing 747 mit jeweils fast 500 Menschen an Bord wären dabei nach Angaben von Experten fast abgestürzt, 20 weitere Flugzeuge erlitten Schäden mit Reparaturkosten von Hunderten Millionen Euro. Frontscheibe von Vulkanasche sandgestrahlt 1982 machte das Phänomen erstmals Schlagzeilen beim "Vorfall von Jakarta": Eine Maschine der British Airways flog auf dem Weg von London nach Auckland in Neuseeland in 11.000 Meter Höhe in eine Aschewolke des Vulkans Galunggang. Alle vier Triebwerke fielen aus, der Jet segelte zum Entsetzen der Passagiere Richtung Erdboden. Erst in 4100 Meter Flughöhe gelang es der Besatzung, die Motoren wieder zu starten - das Flugzeug musste in Jakarta notlanden. Weil die Asche die Frontscheibe förmlich sandgestrahlt hatte, flogen die Piloten ohne Sicht. 1989 trudelte eine 747 der niederländischen Fluglinie KLM auf dem Flug nach Anchorage im US-Bundesstaat Alaska fünf lange Minuten mit 231 Passagieren an Bord ohnmächtig nach unten: Sie war in eine Aschewolke des Redoubt-Vulkans geraten, der zehn Stunden zuvor in 177 Kilometer Entfernung ausgebrochen war. Nach dem Neustart der Maschinen konnte das Flugzeug sicher in Anchorage landen. Die Reparaturkosten beliefen sich auf knapp 60 Millionen Euro. Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie die gigantische Aschewolke den europäischen Flugverkehr ins Chaos stürzt. | Die riesige Aschewolke aus dem isländischen Eyjafjalla-Vulkan legt den europäischen Flugverkehr lahm. Auch Hamburg und andere norddeutsche Flughäfen sind betroffen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/vulkanausbruch-auf-island-hamburger-flughafen-wegen-aschewolke-gesperrt-1.12496 | Vulkanausbruch auf Island - Hamburger Flughafen wegen Aschewolke gesperrt | 00/04/2010 |
Sie filmten einen demenzkranken Patienten, der in seinen eigenen Exkrementen lag - und lachten höhnisch in die Kamera. Nun müssen sich vier Pflegerinnen vor Gericht verantworten. Wenn im Alter die Erinnerung und damit Stück für Stück auch die eigene Identität verschwindet, fallen Menschen wieder in den Hilflosigkeitsstatus von kleinen Kindern zurück: Demenzkranke haben jedoch - im Gegensatz zu Kindern - keine Eltern, die sich schützend vor sie stellen und vor Unheil bewahren. In Zürich müssen sich nun zwei Mitarbeiterinnen eines Pflegeheims vor Gericht verantworten: Ihnen wird vorgeworfen, die Schutzlosigkeit ihrer Patienten auf grausame Art ausgenutzt zu haben: Sie filmten demenzkranke Heimbewohner mit ihren Handys in entwürdigenden Situationen. Die Anklage wirft den beiden Frauen die Verletzung der Privat- und Geheimsphäre durch Aufnahmegeräte vor, wie es offiziell heißt. Die Staatsanwaltschaft fordert für die Pflegerinnen Geldstrafen in unterschiedlicher Höhe. Die beiden 25 und 33 Jahre alten Frauen bereuten vor Gericht ihre Taten aus den Jahren 2007 und 2008, die im Februar 2009 aufgeflogen waren. Die Frauen hatten unter anderem mit den Kameras ihrer Mobiltelefone eine 81 Jahre alte Frau unter der Dusche gefilmt. Außerdem machten sie Aufnahmen von einer 89-Jährigen, die in ihren Exkrementen lag. Ein 84 Jahre alter Mann wurde von einer der Angeklagten geschlagen, was ebenfalls filmisch festgehalten wurde. Während der Aufnahmen lachten die Pflegekräfte die alten Menschen aus und machten bösartige Kommentare. Insgesamt sind sogar vier Pflegerinnen angeklagt: Eine erschien jedoch nicht zur ersten Verhandlung am Donnerstag, eine zweite war nicht verhandlungsfähig. Eine Untersuchung kam zu dem Schluss, dass die Übergriffe in dem städtischen Heim Einzelfälle gewesen seien. Das Urteil wird für diesen Freitag erwartet. | Sie filmten einen demenzkranken Patienten, der in seinen eigenen Exkrementen lag - und lachten höhnisch in die Kamera. Nun müssen sich vier Pflegerinnen vor Gericht verantworten. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/prozess-in-zuerich-demenzkranke-mit-handy-gefilmt-1.4783 | Prozess in Zürich - Demenzkranke mit Handy gefilmt | 00/04/2010 |
Erotik für die Fingerkuppen: Sie selbst nennt ihr Buch "Aktfotografie für Blinde", die Medien machten aus Lisa J. Murphys Tastbildband einen "Blinden-Porno". Als Lisa J. Murphy in ihrem Fotostudio in Toronto einen Erotik-Bildband für Blinde gestaltete, gab es Interesse, wenn auch nur sehr verhaltenes. 64 Käufer haben das Tastbuch zum Preis von umgerechnet 170 Euro bisher erworben. Es mussten wohl erst Medien vom "Blinden-Porno" berichten, damit man Murphy die Tür einrannte. SZ: Hallo Ms. Murphy, ich rufen an wegen ... Murphy: ... des Tastbildbandes, oder? Verrückt, ich habe das Buch vor fast zwei Jahren veröffentlicht, aber keine Zeitung hat sich dafür interessiert. Ich nehme an, dass viele den Band für einen Scherz hielten. Jetzt hat doch einer mal was geschrieben, und innerhalb von zwei Tagen dreht die halbe Welt durch. CBS hat mich im Bus angerufen, gleich muss ich mit Neuseeland telefonieren. Haben Sie sich mal selbst im Fernsehen gesehen? Ich werde nun kein Foto mehr von mir herausgeben. SZ: Sie nennen Ihr Buch "Aktfotografie für Blinde". Da sind Sie vermutlich nicht ganz so glücklich, dass jetzt alle krachig vom "Blinden-Porno" schreiben? Murphy: Meine Mutter hat sich darüber sehr viel mehr aufgeregt. SZ: Ihre Mutter? Murphy: Ja, sie war wirklich schockiert, dass das jetzt so genannt wird. Ich bin da gelassener. Menschen reagieren eben unterschiedlich auf Dinge. Für mich ist es einfach ein großartiges Projekt. SZ: Wie kommt man darauf, erotische Bücher für blinde Menschen zu gestalten? Murphy: Ich habe ehrenamtlich an einem Zentrum in Toronto gearbeitet, das Bildungsthemen für Menschen mit Sehbehinderung didaktisch aufbereitet. Meine Spezialität war es eigentlich, Tiere zu formen. Das geht auf Grundlage von Fotos; mit Ton und mit Pappmaché entwickelt man Formen, die sich ertasten lassen. Eine Art Prototyp für die Produktion. Als Künstlerin beschäftige ich mich auch viel mit Aktfotografie. Irgendwann hatte ich die Idee, beides zu verbinden. Aktabbildungen für Blinde, das gab es noch nicht. SZ: Nun ist das vielleicht auch ein sensibles Thema. Handelt man sich da Ärger oder Spott ein? Murphy: Gar nicht! Die Reaktionen von Freunden oder Leuten, die das Buch gekauft haben, waren nur positiv. Menschen aus aller Welt schreiben mir Dankesmails. Viele waren echt begeistert. Ich habe mir früh Feedback geholt, um möglichst benutzerfreundlich zu arbeiten. SZ: Ihr Band ist künstlerisch angelegt. Neben männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen zeigen Sie Models mit Tiermasken oder Kartons auf dem Kopf. Es gibt Sexroboter und sogar Waffen. Murphy: Für die Tastbilder haben mir Freunde Modell gestanden. Ich habe Kostüme für sie entworfen, die dann jeweils kurz in Blindenschrift beschrieben werden. Wie so etwas genau entsteht, ist schwer zu erklären; ein kreativer Prozess. Wichtig war mir, dass es Spaß macht. SZ: Was planen Sie nun - nach all der Aufmerksamkeit für Ihr Projekt? Murphy: Ich weiß es nicht. Vielleicht einen zweiten Band? Zuerst hatte ich die Idee, jetzt erst recht pornographisch zu werden, aber davon bin ich wieder völlig ab. Mal sehen. Ich bin da sehr sprunghaft. | Erotik für die Fingerkuppen: Sie selbst nennt ihr Buch "Aktfotografie für Blinde", die Medien machten aus Lisa J. Murphys Tastbildband einen "Blinden-Porno". | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/ein-gespraech-ueber-pornos-fuer-blinde-fingerspitzenhochgefuehl-1.4104 | Ein Gespräch über Pornos für Blinde - Fingerspitzenhochgefühl | 00/04/2010 |
Mehr als 2000 Menschen konnten nach dem Beben in China lebend geborgen werden. Doch die medizinische Versorgung ist katastrophal, Zehntausende Obdachlose mussten bei null Grad im Freien übernachten. Nach dem verheerenden Erdbeben mit mehr als 600 Toten im tibetischen Hochland im Westen Chinas sind die Bergungsarbeiten angelaufen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mussten Zehntausende Obdachlose die Nacht zum Donnerstag im Freien verbringen. Nach einer Meldung des staatlichen Hörfunks wurden 2038 Menschen lebend geborgen. Die Erdstöße der Stärke 7,1 hatten die Stadt Jiegu, den Verwaltungssitz der Präfektur Yushu, im Süden der Provinz Qinghai zu 80 Prozent zerstört. Etwa 15.000 Häuser seien eingestürzt, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Bergungstrupps suchten in den Trümmern nach Verschütteten. Es fehle dringend an medizinischer Hilfe, Medikamenten, Nahrung und Trinkwasser. Hilfe läuft schleppend an Die Zahl der Verletzten, die am Vortag auf 10.000 geschätzt wurde, gaben die Behörden am Donnerstagmorgen mit etwa 8000 an. Etwa 100.000 Menschen seien von dem Erdbeben betroffen. Einige tausend Rettungskräfte und medizinisches Personal aus den Nachbarprovinzen wurden mobilisiert. Die Hilfe für das weit abgelegene Erdbebengebiet lief aber nur langsam an. Erdrutsche hatten die Straße zum Flughafen blockiert. Inzwischen konnte aber eine behelfsmäßige Umgehung gebaut werden. Vizeministerpräsident Hui Liangyu traf am Mittwochabend im Erdbebengebiet ein, um die Rettungsarbeiten zu koordinieren, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Das Militär organisierte Transportflugzeuge, um Hilfsgüter nach Yushu zu bringen. Tausende Zelte sowie Zehntausende wattierte Decken und Mäntel wurden für die Erdbebenopfer bereitgestellt. Mindestens 56 Schüler sind in eingestürzten Schulen ums Leben gekommen, berichteten chinesische Staatsmedien. "Ich habe Hunger und Durst" Etwa 50 in den Trümmern vermisste Schüler einer Grundschule und einer Berufsschule hätten nur geringe Chancen zu überleben. Die geretteten Schüler brauchten Hilfe. "Alle Schüler halten sich auf dem Spielplatz auf und haben kein Trinkwasser und keine Nahrung", sagte der Funktionär Xiao Yuping von der Bildungsbehörde der Nachrichtenagentur Xinhua. In der zerstörten Stadt Jiegu seien mehr als 40 Zelte aufgebaut worden, während die meisten Obdachlosen aber in der kalten Nacht auf sich alleingestellt waren. "Ich habe Hunger und Durst. Wir warten seit heute früh auf Hilfe", sagte Zhaxi Toinzhub, deren drei Kinder noch unter den Trümmern begraben waren, laut Xinhua. Mit Händen oder Eisenstangen gruben die Menschen nach Verschütteten. Es fehlte an schwerem Räumgerät. Viele Menschen flüchteten mit Autos oder Traktoren aus dem Erdbebengebiet. "Es gibt nichts zu essen", klagte ein Polizist. Die vielen Verletzten konnten nicht oder nur notdürftig behandelt werden. In einem Zelt auf dem Spielplatz der Sportkommission lag der 55-jährige Tsering Dorje in den Armen seiner Frau im Koma, nachdem ihm der Arm in einer einstündigen Operation amputiert werden musste. "Mein Mann lag begraben unter den Trümmern", sagte sie laut Xinhua. Die Familie befürchtete, dass er nicht überleben werde. "Wir konnten ihn nicht in ein Krankenhaus bringen. Die meisten Kliniken sind eingestürzt oder zu gefährlich", sagte der Arzt Karma Sherab. "Das einzige, was wir tun können, ist, Wunden mit einfachen Mitteln zu reinigen oder schlicht zu amputieren statt zu heilen." Einer Mutter, die mit ihrer im Gesicht blutenden, 20-jährigen Tochter Hilfe suchte, zeigte der Doktor seine leere Arzttasche. "Uns fehlt alles. Wir haben keinen Alkohol, keine Nadeln, keine Betäubungsmittel", sagte Karma Sherab in dem Xinhua-Bericht. | Mehr als 2000 Menschen konnten nach dem Beben in China lebend geborgen werden. Doch die medizinische Versorgung ist katastrophal, Zehntausende Obdachlose mussten bei null Grad im Freien übernachten. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/china-nach-dem-erdbeben-amputieren-statt-heilen-1.8313 | "China nach dem Erdbeben - ""Amputieren statt heilen""" | 00/04/2010 |
Unversorgte Verletzte, Verzweifelte Helfer: Obwohl Chinas Erdbebenregion im Chaos versinkt, lehnt die Regierung Hilfe von Japan ab. Unter den Tausenden Verschütteten sind auch viele Kinder. Panik und Chaos in der Erdbebenregion in Nordwestchina: Behörden, Medien und Augenzeugen berichten übereinstimmend von Tausenden Verletzten, eingeschlossenen Opfern und eingestürzten Gebäuden, darunter auch Schulen. Die Zahl der Toten ist inzwischen auf etwa 400 gestiegen. Etwa 10.000 Menschen wurden verletzt, berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die Erdstöße der Stärke 7,1 hatten die Menschen in den frühen Morgenstunden überrascht. Mit bloßen Händen graben verzweifelte Menschen in den Trümmern nach Verschütteten. Verletzte mit blutenden Wunden suchen vergeblich nach medizinischer Hilfe. "Ich sehe überall Verletzte", sagte ein Sprecher der Regionalregierung von Qinghai der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. "Das größte Problem ist jetzt der Mangel an Zelten, uns fehlt es an medizinischer Ausrüstung, an Medikamenten und Sanitätern." Der Agentur zufolge stürzten einige Schulen in der Region Yushu ein. Obwohl sich Anwohnern zufolge die meisten auf Spielplätze retten konnten, seien unter den Trümmern noch Schüler eingeschlossen. Ein Grundschullehrer sagte, die Erde habe vor Beginn des Unterrichts gebebt. "Einige Schüler rannten aus den Schlafsälen, und jene, die nicht rechtzeitig flüchten konnten, wurden begraben." Die chinesische Regierung schickte Soldaten in das abgelegene Katastrophengebiet und private Organisationen entsandten aus der Provinzhauptstadt Xining Hilfsgüter. Hilfe aus Japan "nicht benötigt" Der Sprecher der japanischen Regierung, Hirofumi Hirano, sagte indessen, Japans Hilfsgangebot sei abgelehnt worden: "Die Antwort lautete, dass dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht benötigt werde", sagte er. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sprach den Betroffenen in der Region das Mitgefühl Europas aus und bot Hilfe an. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich in einem Telegramm an den chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao tief betroffen. Den Opfern und deren Angehörigen gelte ihr "tief empfundenes Mitleid", heißt es darin. Qinghai liegt nordöstlich der Autonomen Region Tibet. Das Gebiet gehört zum Hochland von Tibet, wo es immer wieder zu schweren Erdbeben kommt. Meist ist die Zahl der Opfer vergleichweise gering, da die Region dünn besiedelt ist. Im Mai 2008 kamen jedoch bei einem Beben der Stärke 8 in den Gebirgsausläufern von Sichuan 80.000 Menschen ums Leben. Dabei stürzten viele Schulen ein, während umstehende Gebäude stehen blieben. Dies führte in der Bevölkerung zu Wut und Vorwürfen der Korruption. | Unversorgte Verletzte, Verzweifelte Helfer: Obwohl Chinas Erdbebenregion im Chaos versinkt, lehnt die Regierung Hilfe von Japan ab. Unter den Tausenden Verschütteten sind auch viele Kinder. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/china-nach-dem-beben-graben-mit-blossen-haenden-1.16469 | China nach dem Beben - Graben mit bloßen Händen | 00/04/2010 |
Die Zahl der Todesopfer nach dem Erdbeben in China ist auf 400 gestiegen, 10.000 wurden verletzt. Die Bevölkerung wartet noch auf Hilfe - und gräbt mit bloßen Händen nach Verschütteten. Ein schweres Erdbeben in der westchinesischen Provinz Qinghai hat an diesem Mittwoch nach jüngsten offiziellen Angaben etwa 400 Menschen das Leben gekostet. Weitere 10.000 wurden verletzt, berichteten staatliche Medien. Zahlreiche Häuser seien eingestürzt, hieß es auf der Webseite der für Erdbeben zuständigen Behörde. Die Erdstöße ereigneten sich in einer abgelegenen Region im Süden der Provinz Qinghai an der Grenze zum Autonomen Gebiet Tibet. Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua gab die Stärke unter Berufung auf chinesische Experten mit 7,1 an. Es folgten drei heftige Nachbeben mit Stärken bis zu 5,8. In Yushu in Qinghai seien zahlreiche Menschen unter den Trümmern eingestürzter Häuser verschüttet worden, berichtete Xinhua und berief sich auf örtliche Behörden im Autonomen Bezirk Yushu der Tibeter. Es habe eine Reihe von Erdbeben und Nachbeben gegeben. Zahlreiche aus Ziegeln errichtete Häuser seien eingestürzt. Soldaten seien in die Bergregion entsandt worden. "Viele Menschen sind verletzt. Rettungskräfte versuchen, sie unter den Trümmern herauszuholen", sagte ein Anwohner von Yushu der Nachrichtenagentur Reuters. "Zahlreiche einstöckige Häuser sind eingestürzt." Höhere Häuser hätten standgehalten, seien aber stark beschädigt. Des Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte 380 Kilometer südöstlich der Stadt Golmud in einer Tiefe von zehn Kilometern. Die Rettungsbemühungen werden nach Angaben der chinesischen Behörden durch einen Zusammenbruch des Telefonnetzes im Erdbebengebiet behindert. Das Hochland von Tibet wird immer wieder von Erdbeben erschüttert. Meist ist die Zahl der Opfer gering, da die Bergregion nur dünn besiedelt ist. Bei einem Erdbeben der Stärke 7,9 kamen im Jahr 2008 in der Provinz Sichuan aber mindestens 80.000 Menschen ums Leben. | Die Zahl der Todesopfer nach dem Erdbeben in China ist auf 400 gestiegen, 10.000 wurden verletzt. Die Bevölkerung wartet noch auf Hilfe - und gräbt mit bloßen Händen nach Verschütteten. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/naturkatastrophe-in-china-400-tote-unter-den-truemmern-1.6969 | Naturkatastrophe in China - 400 Tote unter den Trümmern | 00/04/2010 |
Es sollte aussehen wie ein harmloser Import von kleinen schwarzen Holzbriketts. Jedes Brikett war sorgfältig in Plastik eingeschweißt, auf der Folie prangte ein Logo mit fünf roten Sternen. Von Südamerika kamen die Briketts per Schiff in Containern in den Hamburger Hafen. Aber mehr als tausend der Holzbriketts bargen eine hochbrisante Ladung in ihrer Mitte: 1244 Pakete unverschnittenes Kokain von einem sehr hohen Reinheitsgehalt, insgesamt 1,3 Tonnen. Am Montagmorgen fand die Polizei das Rauschgift in einem Container. Es ist der größte Kokain-Fund, der in Deutschland jemals sicher gestellt wurde. "Ein Sechser mit Zusatzzahl reicht nicht", erklärte der Leiter der Abteilung gegen organisierte Kriminalität (OK) Thomas Menzel bei der Präsentation, um den Marktwert des Fundes zu beschreiben. Die Polizei schätzt den Verkaufswert auf 39,9 Millionen Euro. Sechs junge Männer im Alter zwischen 27 und 35 Jahren wurden am Montag nach monatelangen Ermittlungen und aufwendigen Telefonüberwachungen, in die 200 Beamte einbezogen waren, festgenommen. Gegen einen siebten Verdächtigen laufen die Ermittlungen noch. Die Polizei spricht von einer weitverzweigten Struktur von Tatverdächtigen. Sie hatten die Einfuhr des Kokains offenbar über Monate mit einer ausgefeilten Logistik vorbereitet. Auf ihre Spur stießen die Fahnder bei einem Drogenfund im vergangenen November. Die Tatverdächtigen bauten demnach im Herbst 2009 den Briketthandel als Legende auf, um ihren Rauschgifttransport zu tarnen. Die Ermittler beobachteten, wie sie von November bis März sechs Container mit Holzbriketts aus Paraguay nach Hamburg schickten, insgesamt 20 Tonnen. Alle sechs Ladungen waren absolut harmlos. Der Warenwert dieser Briketts interessierte die vermeintlichen Drogenhändler wenig. Sie landeten in den Niederlanden überwiegend im Müll. "Zunehmend elektrisiert" Doch gleichzeitig liefen die Vorbereitungen für den großen Kokaintransport. Die Drogenhändler sammelten zunächst im großen Stil Geld ein, um das Kokain aus mehreren Quellen in Südamerika zusammenzukaufen. Für den Schmuggel wurde das Kokain, so der OK-Leiter Menzel, "sehr professionell verpackt": Die Holzbriketts wurden von einem Drogenhändler in Paraguay aufgesägt, die Kokainpakete dazwischengelegt, die Briketts dann mit Heißkleber wieder verschlossen. Aus Asunción in Paraguay gingen die Container nach Hamburg, ohne dass die Transportgesellschaften in Paraguay und Deutschland davon wussten. "Der Hamburger Hafen ist eine der wichtigen deutschen Transitstationen für den internationalen Drogenschmuggel", erklärte der Ermittler Menzel den Fund. Hier organisierte ein 31 Jahre alter türkischstämmiger Hamburger, der als Haupttäter gilt, den Weiterverkauf des Stoffs innerhalb Europas. "Zunehmend elektrisiert" habe man, so sagten die Fahnder am Dienstag, auf den siebten Container gewartet. Darin enthielten 31 von 32 Paletten nun nicht nur Briketts, sondern auch die geschmuggelten Drogen. Die Polizei präsentierte Koffer und Reisetaschen, mit denen das Kokain weitertransportiert werden sollte. Bei Durchsuchungen fand sie in den Wohnungen der Verdächtigen Pistolen und Revolver, auch Schreckschusswaffen sowie eine größere Menge Bargeld, eine Geldzählmaschine und zahlreiche Handys - allein einer der Verdächtigen operierte mit 14 aktiven Mobiltelefonen. | Rekord-Fund im Hamburger Hafen: Die Polizei stellt 1,3 Tonnen Kokain sicher. Der Stoff war aufwändig in harmlos aussehenden Holzbriketts versteckt. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/kokain-fund-in-hamburg-schwarzes-gold-1.24612 | Kokain-Fund in Hamburg - Schwarzes Gold | 00/04/2010 |
Während Südtirol um die Toten trauert, läuft die Suche nach den Verantwortlichen des Zugunglücks auf Hochtouren - acht Verdächtige gibt es bereits. Nach dem dramatischen Zugunfall in Südtirol mit neun Toten und 28 Verletzten hat die Suche nach den Verantwortlichen begonnen. Die Bozener Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Auslösung eines Erdrutsches und fahrlässiger Tötung. Eine geborstene landwirtschaftliche Bewässerungsleitung könnte die Ursache der Schlammlawine sein, die am Montag einen Pendlerzug traf. Wie italienische Medien berichteten, sind acht Menschen im Visier der Fahnder - unter ihnen die Eigentümer der Beregnungsanlage und des Grundstücks, auf dem das Unglück geschah. Experten sollen geologische und hydrologische Gutachten zum Geschehen liefern. Es habe einen Schaden an einer Bewässerungsanlage oberhalb der Unglücksstelle gegeben, gab der Vorsitzende des Eigentümerkonsortiums der Anlage, Lothar Burger, zu. Es sei bereits geplant gewesen, die aus dem Jahr 1973 stammende Anlage zu erneuern. Burger betonte jedoch, das ausgetretene Wasser könne "unmöglich allein verantwortlich sein für den Erdrutsch". Südtirol trauert unterdessen um die Toten. An den öffentlichen Gebäuden war am Dienstag halbmast geflaggt. Am Abend wollte der Bischof von Bozen und Brixen, Karl Golser, in der Kirche von Schlanders im Beisein der Angehörigen eine Trauerfeier für die Toten leiten. Mutter eines Neugeborenen unter den Toten Alle neun Opfer im Alter zwischen 18 und 73 Jahren kamen aus der Region. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ist der Zugführer unter den Toten; der 25-Jährige hinterlässt Frau und zwei Kleinkinder. Auch eine 34-Jährige, die drei Tage zuvor ein Kind geboren hatte, hat nicht überlebt. Das Kind hatte noch in der Klinik bleiben müssen - die Mutter war unterwegs, um ihm Milch zu bringen. Bei dem schwersten Zugunglück in der Geschichte der norditalienischen Region waren am Montagmorgen etwa 400 Kubikmeter Schlamm und Geröll auf einen Regionalzug gestürzt, als dieser die enge Schlucht auf der Strecke von Mals nach Meran passierte. Nur die Bäume in Gleisnähe verhinderten, dass der Erdrutsch einen der Wagen ins Kiesbett der Etsch reißen konnte. | Während Südtirol um die Toten trauert, läuft die Suche nach den Verantwortlichen des Zugunglücks auf Hochtouren - acht Verdächtige gibt es bereits. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/nach-zugunglueck-in-suedtirol-grundbesitzer-im-visier-der-ermittler-1.7318 | Nach Zugunglück in Südtirol - Grundbesitzer im Visier der Ermittler | 00/04/2010 |
"Die mussten weg", sagte der Dreifachmörder von Schwalmtal über seine Opfer. Nun muss der 72-Jährige für den Rest seines Lebens in die Psychiatrie. Auch gegen seine Tochter wird ermittelt. Für das Blutbad von Schwalmtal muss der dreifache Mörder sehr wahrscheinlich den Rest seines Lebens in einer Psychiatrie verbringen. Das Landgericht in Mönchengladbach verurteilte den 72-Jährigen wegen Mordes an zwei Rechtsanwälten und einem Gutachter zu 15 Jahren Haft und ordnete seine unbefristete Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Anstalt an. "Er ist gefährlich und bleibt es weiterhin für alle, die jemals mit ihm zu tun haben sollten", sagte der Vorsitzende Richter Lothar Beckers. Gutachter hatten den Angeklagten wegen seiner Wahn-Vorstellungen als nicht therapierbar eingestuft. Der Rentner aus Unna hatte an ein Komplott gegen seine Familie geglaubt und für die vermeintliche Verschwörung nach Worten Beckers "unbarmherzig und ohne Reue" Rache genommen. Hans P. hatte gestanden, die Männer im August 2009 in der Kleinstadt Schwalmtal nahe der holländischen Grenze erschossen zu haben. "Für mich war das richtig. Die mussten weg und Feierabend", hatte der Rentner freimütig vor Gericht gesagt. "Die sind ja selber schuld gewesen." Die Gutachter sollten nach einem jahrelangem Familienstreit den Wert des Hauses seiner Tochter ermitteln. Es sollte zwangsversteigert werden. Ein weiteres Opfer konnte von drei Kugeln getroffen aus dem Haus robben und überlebte. Der Rentner habe geglaubt, seine Opfer seien alle korrupt und manipulierbar, sagte Beckers. Der Täter sei zwar wegen seiner paranoiden Erkrankung vermindert schuldfähig, habe aber gewusst, was er anrichte. | "Die mussten weg", sagte der Dreifachmörder von Schwalmtal über seine Opfer. Nun muss der 72-Jährige für den Rest seines Lebens in die Psychiatrie. Auch gegen seine Tochter wird ermittelt. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/blutbad-von-schwalmtal-urteil-nicht-therapierbar-1.6637 | Blutbad von Schwalmtal: Urteil - Nicht therapierbar | 00/04/2010 |
Nachdem der aufgelaufene Kohlefrachter vom Great Barrier Reef geschleppt wurde, wird das Ausmaß der Zerstörung deutlich: Auf einer drei Kilometer langen Schneise ist das Riff regelrecht zerbröselt. Eine Schneise der Verwüstung hat der freigeschleppte chinesische Kohlefrachter am Great-Barrier-Korallenriff vor Australien hinterlassen. Es dürfte 20 Jahre dauern, bis die Organismen sich davon erholt haben, sagte ein Sprecher des Naturschutzgebietes. Schlepper hatten das 230 Meter lange Schiff am Montag nach neun Tagen vom Riff gezogen. Inzwischen haben Taucher erstmals den Schaden in Augenschein genommen. Das Schiff hinterließ eine drei Kilometer lange und bis zu 250 Meter breite Schneise der Verwüstung, sagte David Wachenfeld, der Sprecher der Naturschutzpark-Behörde. "Alles dort ist pulverisiert - sämtliches Leben ist ausgelöscht. Eine so große Narbe durch Auflaufen eines Schiffes haben wir am Barrier Reef noch nie gesehen", sagte Wachenfeld. "Wenn es dort Erhebungen gab, sind die total plattgemacht worden." Dermaßen verheerende Schäden hatten die Experten seinen Worten nach nicht erwartet. "Das Schiff ist ja nicht nur auf das Riff gelaufen", sagte der Chef des Parks, Russell Reichelt. "Es ist im Laufe der Woche über einen Kilometer weitergerutscht und hat dabei Schäden angerichtet. Die Farbe, die dabei vom Rumpf gekratzt wurde, tötet die Korallen." Der Frachter Shen Neng 1 war am Ostersamstag von der erlaubten Schifffahrtsroute abgekommen und bei voller Fahrt auf das Riff gelaufen, eines der sensibelsten Ökosysteme der Welt. Zunächst war die Sorge groß, dass ein Ölteppich die Lebewesen ersticken könnte. Letztlich liefen vier Tonnen Öl ins Meer - weit weniger als befürchtet. Der 230 Meter lange Frachter lag am Dienstag noch in der Nähe der Unglücksstelle. Taucher sollen feststellen, ob das Schiff seetüchtig genug ist, um nach China geschleppt zu werden. | Nachdem der aufgelaufene Kohlefrachter vom Great Barrier Reef geschleppt wurde, wird das Ausmaß der Zerstörung deutlich: Auf einer drei Kilometer langen Schneise ist das Riff regelrecht zerbröselt. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/frachter-havarie-am-great-barrier-reef-total-plattgemacht-1.8882 | "Frachter-Havarie am Great Barrier Reef - ""Total plattgemacht""" | 00/04/2010 |
Um dem Papst bei seinem Malta-Besuch diesen Anblick nicht zuzumuten, wollen Lokalpolitiker eine Skulptur in Flughafennähe verschwinden lassen - wegen ihrer heiklen Form. Wenige Tage vor dem Malta-Besuch von Papst Benedikt XVI. bereitet ein Kunstwerk Lokalpolitikern Kopfzerbrechen. Eine farbenfrohe Skulptur, die starke Ähnlichkeit mit einem Penis hat, soll nach dem Willen des Bürgermeisters von Luqa aus einem Kreisverkehr in der Nähe des Flughafens verschwinden. Das Keramik-Kunstwerk solle nicht das Erste sein, was der Heilige Vater am Samstag auf der Mittelmeer-Insel zu sehen bekomme, sagte Bürgermeister John Schembri. Er nannte die Skulptur des maltesischen Künstlers Paul Vella Critien "obszön" und "peinlich". Als "Zeichen des Respekts" vor dem Papst müsse sie entfernt werden. Die Colonna Mediterranea (Mediterrane Säule) des Künstlers war im Januar 2006 in einem Kreisverkehr des Dorfes Luqa aufgestellt worden. Die Straße führt vom internationalen Flughafen in die Hauptstadt Valetta. Zahlreiche Bewohner des mehrheitlich katholischen Maltas hatten sich bereits über die Skulptur beschwert. Der 50-jährige Künstler selbst erklärte, die Säule weise "in die Ewigkeit". Werke von Critien stehen auch in Deutschland, Italien und Australien. | Um dem Papst bei seinem Malta-Besuch diesen Anblick nicht zuzumuten, wollen Lokalpolitiker eine Skulptur in Flughafennähe verschwinden lassen - wegen ihrer heiklen Form. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/malta-skulpturenstreit-vor-papst-besuch-saeule-des-anstosses-1.17876 | Malta: Skulpturenstreit vor Papst-Besuch - Säule des Anstoßes | 00/04/2010 |
Sie nennen es das "Land aus Feuer und Eis": Kamtschatka, Russlands atemberaubend schöne, aber so gut wie unzugängliche fernöstliche Halbinsel. Zehn Menschen starben hier am Samstag beim Heliskiing, unter ihnen fünf Deutsche aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sowie fünf Russen. Eines der Opfer hat offenbar die doppelte Staatsbürgerschaft gehabt, sodass die deutschen Behörden von sechs Deutschen sprachen. Das tödliche Lawinenunglück soll von den Wintersportlern selbst ausgelöst worden sein, teilte das Zivilschutzministerium am Montag mit. Zunächst hatte es geheißen, ein Helikopter hätte die Lawine verursacht. Wie das Unglück genau ablief, werden künftige Untersuchungen zeigen. Sicher ist: Die Touristen fielen einem von vielen Risiken zum Opfer, die es auf der russischen Halbinsel gibt. Auf Kamtschakta gibt es Säureseen und schwefelige Dämpfe, Unvorsichtige können durch Erdspalten in brodelnde Flüssigkeiten stürzen oder von Bären zerrissen werden. Auf einer Fläche so groß wie Deutschland und Österreich zusammen ragen hier 30 aktive Vulkane und mehr als 100 erloschene auf. Berge von bis zu 4800 Metern Höhe fallen jäh ins Meer ab. In den Reiseführern steht, Einheimische warnen, man finde "keine Wege, nur Richtungen". Bis 1990 war die Halbinsel militärisches Sperrgebiet, seitdem ist sie ein Geheimtipp für Extremurlauber, die schon mit den Tuareg durch die Wüste gezogen sind und den Lenin-Gipfel in Tadschikistan bezwungen haben. In den Flüssen Kamtschatkas schwimmen so viele Lachse wie nirgendwo sonst auf der Welt, und mit etwas Glück sieht man einen Bären auf der Fischjagd. Es ist, als sehe man der Erde bei ihrer Entstehung zu, sagen die, die da waren. Zu den vielen Opfern dieses so feindlichen und so faszinierenden Landstriches zählt auch Vitus Bering (1681-1741). Acht Jahre bereitete er eine Expedition nach Kamtschatka vor, die klären sollte, ob es eine Landverbindung zwischen Russland und Amerika gibt; Bering betrat tatsächlich als erster Europäer Alaska, konnte aber nur ein paar Stunden bleiben und starb vor der Küste Kamtschatkas auf der Awatscha-Insel, die später in Beringinsel umbenannt wurde, durch Vitamin-C-Mangel an Skorbut. Inzwischen ist die Versorgung auf Kamtschatka besser, aber noch immer nicht überragend. Die 350000 Bewohner - 200000 von ihnen leben allein in der Hauptstadt Petropawlowsk, und werden ohnehin mit jedem Jahr weniger - sind den gewaltigen Naturräumen ausgeliefert. Seit dem Ende der Sowjetunion ist der Transport mit Hubschraubern, früher eine Art öffentlicher Nahverkehr, in ganz Sibirien und im Fernen Osten teuer geworden. Die Plattenbauten verfallen, die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Sommer sind kurz. Die Tage der ruhmreichen sowjetischen Pazifikflotte sind längst vorbei. Heute ziehen abgehalfterte Kutter tonnenweise Fisch aus dem Meer, der an Japan verkauft wird. Doch wer es sich leisten kann, reist aus. Allerdings: Die wenigsten können. So ist der Tourismus eine der raren Einnahmequellen. Entsprechend teuer sind die Touren auf die Vulkane. Sechs Tage Heliskiurlaub kosten mehr als 4000Euro, und darin ist die Anreise noch nicht einmal enthalten. Wie alle anderen exklusiven Freizeitvergnügen hier am Ende der Welt ist Heliskiing kostspielig - und manchmal auch gefährlich. | Zehn Menschen starben hier beim Heliskiing: Kamtschatka gilt Extremsportlern als Traumziel - doch die unberührten Berge werden für Skifahrer schnell zur Falle. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/extremsport-in-kamtschatka-gefaehrliche-schoenheit-1.5547 | Extremsport in Kamtschatka - Gefährliche Schönheit | 00/04/2010 |
Mindestens neun Menschen sind bei einem Zugunglück im Vinschgau ums Leben gekommen. Ein Bergrutsch hatte den Zug entgleisen lassen. Bei einem Zugunglück in Südtirol in Italien sind nach neuesten Angaben mindestens neun Menschen ums Leben gekommen. Das teilte ein Vertreter der Bahngesellschaft der italienischen Nachrichtenagentur Ansa mit. Zunächst war von sieben, später von elf Toten die Rede gewesen. Nach Angaben von Rettungskräften sind Dutzende Menschen verletzt worden, mindestens fünf von ihnen schwer. Ob auch deutsche Touristen in dem Regionalzug fuhren, war zunächst unklar. Der Zug war im Vinschgau im Westen der Autonomen Provinz Bozen von herabstürzenden Schlamm-und Gesteinsmassen in einem Tal erfasst und aus den Schienen geworfen worden, berichteten italienische Medien. "Ein Wagen wurde bei dem Felssturz direkt getroffen", sagte der Bozener Rettungshelfer Florian Schrofenegger dem italienischen Fernsehsender Sky TG24. Die Hilfsmannschaften schließen weitere Todesopfer nicht aus. Die Leichen mussten aus den Schlamm- und Geröllmassen geborgen werden. Ausgelöst hat das Unglück womöglich eine geplatzte Wasserleitung auf einer Obstplantage, die die Erde aufgeweicht hatte. Geplatzte Wasserleitung "Die Rettungshubschrauber sind pausenlos im Einsatz", sagte Markus Perwanger vom Studio Bozen des Senders Rai. Zivilschutz und Feuerwehren leisteten Erste Hilfe. Nach seinen Informationen könnte eine Beregnungsleitung eines Obstanbaugebietes oberhalb der Schlucht über Nacht geplatzt sein und das ausströmende Wasser das Gelände aufgeweicht haben. Das habe möglicherweise eine Mure, also die Schlamm- und Geröllmassen, ausgelöst. Darauf ließen auch erste technische Überprüfungen am Unfallort schließen. Ersten Angaben zufolge erfassten die Schlamm- und Gesteinsmassen den Regionalzug R108 der Vinschgerbahn um kurz vor neun Uhr auf dem Weg von Mals (Malles) nach Meran (Merano) in einer engen Schlucht zwischen Latsch (Laces) und Kastelbell-Tschars (Castelbello-Ciardes). Die angrenzende Straße SS 38 wurde gesperrt, damit die Rettungsmannschaften zu dem Unfallort gelangen können. Bäume in Gleisnähe sollen verhindert haben, dass ein Waggon in das Kiesbett der Etsch gedrückt wurde, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Die eingleisige Eisenbahnstrecke, auf der sich das Unglück ereignete, war 2005 wiedereröffnet worden und galt laut Ansa als eine der modernsten des Landes. Der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder inspizierte den Unfallort. | Mindestens neun Menschen sind bei einem Zugunglück im Vinschgau ums Leben gekommen. Ein Bergrutsch hatte den Zug entgleisen lassen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/bergrutsch-nach-wasserrohrbruch-tote-bei-zugunglueck-in-suedtirol-1.2552 | Bergrutsch nach Wasserrohrbruch - Tote bei Zugunglück in Südtirol | 00/04/2010 |
Eisbärin Flocke und ihr Gefährte Rasputin werden Deutschland demnächst in Richtung Cote d'Azur verlassen. Bis zum Umzug an die französische Riviera haben die Bären "Kistentraining". Die Eisbärin Flocke aus dem Nürnberger Tiergarten zieht nächste Woche nach Frankreich um. Ihr neues Zuhause wird der Zoo "Marineland" in Antibes an der Côte d'Azur. Flocke und ihr Käfignachbar Rasputin werden über Nacht in speziellen Metallkisten nach Frankreich transportiert. Mit einem speziellen "Kistentraining" würden die Bären seit drei Wochen auf den Umzug vorbereitet, sagte Tiergarten-Vizedirektor Helmut Mägdefrau. Der genaue Tag des Umzugs steht noch nicht fest, da sich wegen des strengen Winters in Frankreich die Umbauarbeiten am Eisbärengehege in Frankreich verzögert haben, sagte eine Sprecherin des Zoos. Flocke war im Dezember 2007 im Nürnberger Tiergarten zur Welt gekommen und von Hand aufgezogen worden. Ende 2008 bekam sie mit Eisbär Rasputin, der aus Moskau nach Nürnberg gebracht wurde, einen gleichaltrigen Spielgefährten. Ursprünglich sollte Flocke schon Anfang des Jahres den Weg nach Südfrankreich antreten, dann war der Abschied für Anfang März geplant. Im "Marineland", der einzigen Meerwasseranlage für Eisbären in Europa, wird das Eisbärenpaar nach Angaben des Tiergartens "sehr gute Lebensbedingungen" haben. Das Gehege in Nürnberg werde für eine weitere Eisbärenzucht benötigt, hieß es weiter. Für die Zucht mit Eisbärin Vera, Flockes Mutter, werde wahrscheinlich Flockes Vater, der siebenjährige Felix, aus dem dänischen Aalborg nach Bayern gebracht. | Eisbärin Flocke und ihr Gefährte Rasputin werden Deutschland demnächst in Richtung Cote d'Azur verlassen. Bis zum Umzug an die französische Riviera haben die Bären "Kistentraining". | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/eisbaeren-umzug-nach-frankreich-laissez-faire-fuer-flocke-1.13599 | Eisbären-Umzug nach Frankreich - Laissez-faire für Flocke | 00/04/2010 |
Ein Mörder hat seine Freundin in der JVA Remscheid getötet - nicht der erste schwere Zwischenfall in einem NRW-Gefängnis. Die CDU-Justizministerin gerät unter Druck. Sie vertraute dem verurteilten Mörder - und wurde selbst zum Opfer: Die in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Remscheid in einem Besucherraum getötete Lebensgefährtin eines Häftlings weist Stich- und Kopfverletzungen sowie Würgemerkmale am Hals auf. Die genaue Todesursache sei wegen der laufenden Obduktion aber noch unklar, sagte Kriminaldirektor Tobias Clauer bei einer Pressekonferenz in Wuppertal. Am Tatort, einer "Liebeszelle", entdeckten die Ermittler zwei Messer und einen Radmutternschlüssel. Der 50-jährige Häftling konnte die gefährlichen Gegenstände offenbar vom Wachpersonal unbemerkt in das Besucherzimmer schmuggeln. Er sei vor der Tat am Sonntag in dem Langzeit-Besuchsraum im Gegensatz zu seiner Lebensgefährtin nicht durchsucht worden - dies sei auch nicht üblich, räumte die Leiterin der JVA, Katja Grafweg, ein. Der Mann war nach Angaben des Düsseldorfer Justizministeriums 1991 wegen sexuellen Missbrauchs und Mordes an einer Neunjährigen in Düsseldorf zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Am Sonntag tötete er dann seine 46-jährige Freundin während eines Besuchs aus noch unbekanntem Motiv. Danach versuchte er, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Sein Gesundheitszustand sei mittlerweile zwar stabil, doch bislang habe er nicht vernommen werden können, erklärte der Kriminaldirektor. Der Mann befindet sich derzeit in einem Justizvollzugskrankenhaus. Die Staatsanwaltschaft stufte die tödliche Attacke zunächst als Totschlag ein. Das Motiv für die Tat ist nach wie vor unklar. Die Frau hatte ihren Lebensgefährten laut JVA bereits seit 2006 regelmäßig in den etwas privateren und wohnlicher eingerichteten Langzeit-Besuchsräumen getroffen. Räumlichkeiten dieser Art gibt es seit mehr als 20 Jahren in nordrhein-westfälischen Gefängnissen. Zu Anfang hießen sie noch "Familienbegegnungsräume". Derzeit gibt es nach Angaben des NRW- Justizministeriums in zwölf Gefängnissen des Landes derartige Räume. Sie sollen den ungestörten Kontakt von Inhaftierten zu ihren Partnern ermöglichen. Auf diese Weise sollen die sozialen Beziehungen der Gefangenen während der Haftzeit unterstützt werden. Vor einem Langzeitbesuch steht allerdings eine Zulassungsprüfung. Damit soll sichergestellt werden, dass die Besucher tatsächlich in enger sozialer Beziehung zu den Gefangenen stehen, um etwa Prostitution in den Räumen zu unterbinden. Außerdem werden Besucher und Gefangene vor und nach einem solchen Besuch besonders strengen Kontrollen unterzogen, um Waffen- und Drogenschmuggel auszuschließen. Bislang gab es in Räumen dieser Art nach Justizangaben zwei Vorfälle: 1994 in Dortmund und 1999 in Werl. Dabei hätten jeweils Gefangene ihre Ehefrauen angegriffen, allerdings mit glimpflicherem Ausgang als in Remscheid. Vor der Attacke am Sonntag ist der verurteilte Mörder nach Angaben der Remscheider JVA-Leiterin nicht auffällig gewesen. Der seit 1995 in der JVA Remscheid einsitzende Mann habe in den vergangenen Jahren eine positive Rolle innerhalb des Vollzugs gespielt, sagte Grafweg. So habe er zum Beispiel die Gefängnisbücherei betreut. Den bisherigen Ermittlungen zufolge kontrollierte das Wachpersonal am Sonntag gegen 15.25 Uhr nach Ablauf der Besuchszeit den Raum, in dem sich der 50-Jährige und seine 46-jährige Freundin aufgehalten hatten. Sie fanden die Besucherin leblos vor; der Häftling war schwer verletzt. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen. Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) erklärte, sie sei bestürzt über die Bluttat. "Besonders tragisch ist, dass eine Frau, die einem Gefangenen Zuwendung und Halt geben wollte, durch dessen Hand getötet wurde", sagte die Politikerin. Ihr Mitgefühl gelte den Angehörigen der Frau, vor allem ihren Eltern und ihrem Kind. Nach Bekanntwerden des Verbrechens hatte sich die Ministerin nach eigenen Angaben sofort zur JVA Remscheid begeben, um sich vor Ort über den Stand der Ermittlungen berichten zu lassen. "Das Geschehen muss rückhaltlos aufgeklärt werden", betonte die Ministerin. "Das sind wir dem Opfer und seinen Angehörigen schuldig. Und wir müssen gegebenenfalls Konsequenzen ziehen, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt", betonte sie. In den vergangenen Jahren sorgten wiederholt Zwischenfälle in nordrhein-westfälischen Gefängnissen für Aufsehen. 2006, Siegburger Jugendgefängnis: Ein junger Häftling wurde von drei Mitgefangenen zwölf Stunden lang brutal misshandelt. Um einen Selbstmord vorzutäuschen, erhängen sie ihr 20 Jahre altes Opfer schließlich an einer Toilettentür. In Aachen brachen im November vergangenen Jahres zwei Schwerverbrecher aus dem Gefängnis aus und wurden erst nach einer tagelangen Flucht quer durch Nordrhein-Westfalen gefasst. Januar 2010, Münster: Zwei Häftlinge flohen durch ein vergittertes Oberlicht einer Toilette auf das Flachdach der Werkhalle des Gefängnisses. Von dort rutschten sie an einer Regenrinne herunter ins Freie. Nach einer Woche wurden die beiden Männer im Ruhrgebiet gefasst. Ministerin Müller-Piepenkötter ließ daraufhin die Sicherheitsvorkehrungen in allen Haftanstalten überprüfen. Ebenfalls Januar 2010, Gefängnis Herford: Ein 17-Jähriger berichtete, von vier Mitgefangenen misshandelt worden zu sein. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an. Die SPD im nordrhein-westfälischen Landtag fordert auch angesichts der Vielzahl von Fällen von der Justizministerin jetzt eine rückhaltlose Aufklärung über die Vorgänge im Remscheider Gefängnis. Er frage sich, wie eine solche grausige Tat in einem nordrhein-westfälischen Gefängnis unbemerkt geschehen konnte, erklärte der SPD-Fraktionsvize Ralf Jäger. "Wo waren die Justizbeamten? Warum ist dem Opfer niemand zu Hilfe gekommen? Gab es keinen Alarmknopf im Besuchszimmer, keine Hilferufe des Opfers, die man hätte hören müssen?" Der Rechtsausschuss des Landtags wird sich am Mittwoch mit dem Fall beschäftigen. | Ein Mörder hat seine Freundin in der JVA Remscheid getötet - nicht der erste schwere Zwischenfall in einem NRW-Gefängnis. Die CDU-Justizministerin gerät unter Druck. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/jva-remscheid-tod-im-knast-fragen-an-die-ministerin-1.2335 | JVA Remscheid - Tod im Knast - Fragen an die Ministerin | 00/04/2010 |
Eine Technikpanne hat in Großbritannien die Daten von 800.000 Organspendern durcheinandergebracht. Mehr als 20 Toten wurden die falschen Organe entnommen - ein fataler Vorgang. Entsetzen und Unsicherheit in Großbritannien: Durch einen technischen Fehler sind vermutlich 21 Toten Organe entnommen worden, die von den Spendern nicht freigegeben worden waren. Aufgedeckt wurde der Fehler, weil die Transplantationsbehörde sich per Brief bei potenziellen Spendern bedankt hatte - auch für die Freigabe von Organen, die diese gar nicht hergeben wollten. Zudem könnten von rund 800.000 Spendern falsche Informationen abgespeichert worden sein. Dabei geht es um die Angaben der Spender, welche Organe entnommen werden dürfen und welche nicht. Einige Spender legen fest, dass sie nur bestimmte Organe hergeben möchten und geben zum Beispiel ihre Augen nicht frei. "Ich war schockiert", sagte der Student und registrierte Organsspender Stephen Banks der BBC. Er habe einer Spende seiner Leber, Lungen, Bauchspeicheldrüse und Nieren im Todesfall zugestimmt - doch die staatliche Transplantationsbehörde NHS bedankte sich per Brief auch für die Freigabe seiner Augen. Allerdings sei es ihm zu peinlich gewesen, bei der Behörde anzurufen und zu sagen: "Meine Augen könnt ihr nicht haben." Deshalb würde er im Moment alles spenden. Banks betonte, dass er Organspenden für eine gute, lebensrettende Idee halte und warnte: "Fehler wie diese könnten zu einem Vertrauensverlust führen." Angaben bei Datenaustausch gelöscht Auslöser des Datenverlusts soll eine Technikpanne sein, die bereits zehn Jahre zurück liegt: Damals übernahm die Gesundheitsbehörde von der Verkehrsbehörde Daten, die auf Führerscheinen vermerkt sind - dabei wurden die einschränkenden Angaben vermutlich gelöscht. Ans Licht kam der Fehler erst jetzt, nachdem die NHS potenzielle Spender - wie den Studenten Banks - angeschrieben hatte. Viele der Empfänger kritisierten daraufhin, dass die Angaben falsch seien. Die Transplantationsbehörde entschuldigte sich für die Panne. Auch Gesundheitsminister Andy Burnham räumte Fehler ein und kündigte eine lückenlose Aufklärung an. "Alle notwendigen Schritte wurden eingeleitet, um das Vertrauen in das Organspendenregister aufrechtzuerhalten", sagte Burnham der Zeitung The Independent. Er betonte zugleich die gesellschaftliche Bedeutung der Spende: "Eine Organspende ist eine äußerst selbstlose Tat und Organspender verwandeln jedes Jahr das Leben Tausender Menschen." Fahrlässiger Daten-Umgang Patienten-Vertreter übten scharfe Kritik: "Diese Regierung hat bereits eine fürchterliche Bilanz in Sachen Datensicherheit, aber es ist absolut erschreckend, dass mit dermaßen sensiblen Angaben so fahrlässig umgegangen wurde", sagte Joyce Robins von der Interessengruppe Patient Concern nach Angaben des Indepentent. In 400.000 Fällen wurden die Fehler nach Angaben der Behörden bereits ausgeräumt. Von den restlichen Betroffenen sollen im Falle ihres Todes zunächst keine Organe entnommen werden, solange der Irrtum nicht ausgeräumt ist. In Großbritannien sind rund 17 Millionen Menschen als Organspender registriert. | Eine Technikpanne hat in Großbritannien die Daten von 800.000 Organspendern durcheinandergebracht. Mehr als 20 Toten wurden die falschen Organe entnommen - ein fataler Vorgang. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/organspende-skandal-in-grossbritannien-augen-statt-niere-1.10267 | Organspende-Skandal in Großbritannien - Augen statt Niere | 00/04/2010 |
Unter den zehn Helikopter-Touristen, die in Russland bei einem Lawinenabgang ums Leben kamen, sind sechs Deutsche - weitere werden noch vermisst. Bei einem Lawinenunglück auf der ostrussischen Halbinsel Kamtschatka sind sechs Deutsche getötet worden. Insgesamt seien mindestens zehn Menschen unter den Schneemassen begraben worden, teilte das russische Katastrophenschutzministerium mit. Allerdings werden weitere Menschen noch vermisst. Zunächst war von fünf deutschen Todesopfern die Rede gewesen. In den russischen Berichten war von acht Überlebenden die Rede: neben sechs Deutschen auch ein Belgier und ein Russe. Zwei Menschen sollten schwer verletzt worden sein, darunter ein Deutscher, hieß es. Ob es sich bei dem weiteren Todesopfer um den verletzten Deutschen handelte, wurde zunächst nicht bekannt. Zwei weitere Russen und mindestens vier weitere Deutsche würden noch unter den Schneemassen vermisst. Bei Temperaturen von minus 20 Grad und einer Schneetiefe von bis zu 15 Metern gebe es praktisch keine Hoffnung mehr, dass sie überlebt haben könnten. Insgesamt waren nach russischen Angaben 18 Menschen an Bord des Hubschraubers, darunter neben 11 Skitouristen zwei deutsche und ein russischer Bergführer, drei russische Besatzungsmitglieder sowie der Enkel des Piloten. Unter den Touristen waren neun Deutsche sowie ein Belgier und ein Russe. Wie der deutsche Reiseveranstalter Flory Kern mitteilte, stammen zwei der deutschen Opfer aus Bayern, zwei aus Nordrhein-Westfalen und eines aus Baden-Württemberg. Die Reisegruppe im Alter von 16 bis 62 Jahren war seit dem 1. April unterwegs und wollte bis zum Sonntag (11. April) bleiben. Die Lawine habe auch den Hubschrauber erfasst, der auf dem Hang gelandet sei. Das russische Fernsehen Vesti 24 TV berichtete auf seiner Internetseite, andere Wintersportler hätten auf ihrem Weg bergab die Schneemassen gelöst. Anderen Angaben zufolge hatte dagegen der eigene Hubschrauber der Gruppe die Lawine ausgelöst. Wie der Reiseveranstalter Flory Kern mitteilte, befand sich die Gruppe am Hang, als sich die Lawine löste. Sie habe einige Skifahrer sowie den Hubschrauber, der unten auf die Gruppe gewartet habe, unter sich begraben. Russischen Angaben zufolge waren unter den Opfern auch zwei Besatzungsmitglieder des Hubschraubers. Die Leichen sollen ab Dienstag in die Heimat übergeführt werden, sagte der örtliche Minister für Sonderaufgaben, Sergej Chabarow, am Sonntag nach Angaben der Agentur Interfax. Bereits an diesem Montag werden die Angehörigen auf Kamtschatka erwartet. Gouverneur Alexej Kusmizki sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus. Die drei russischen Besatzungsmitglieder hätten entsprechend der Regeln gehandelt, sagte der Chef der Hubschraubergesellschaft Kamtschatka Airlines, Viktor Grunin. Demnach hatten sie die Touristen in einer Höhe von 1200 Metern abgesetzt und den Hubschrauber 100 Meter vom Berg entfernt abgestellt. Dort wurde die Reisegruppe und die Besatzung von der Lawine überrascht. Suchmannschaften entdeckten den Helikopter später am Dukum-Pass, etwa 70 Kilometer südwestlich der Stadt Jelisowo. Nach Behördenangaben hatte sich die Reisegruppe nicht bei den Rettungsmannschaften registriert. Das unwegsame Kamtschatka ist wegen seiner malerischen Landschaft mit Vulkanen, Gletschern und Seen auch bei Ausländern sehr beliebt. Da es zwischen dem gebirgigen Gelände kaum Straßen gibt, sind Hubschrauber oft das einzige Verkehrsmittel auf der Halbinsel. In den vergangenen 15 Jahren entwickelte sich ein reger Helikopter-Skitourismus. | Unter den zehn Helikopter-Touristen, die in Russland bei einem Lawinenabgang ums Leben kamen, sind sechs Deutsche - weitere werden noch vermisst. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/lawine-in-russland-zahl-der-deutschen-opfer-steigt-auf-sechs-1.20458 | Lawine in Russland - Zahl der deutschen Opfer steigt auf sechs | 00/04/2010 |
Wer in Argentinien Politkarriere machen will oder eine Epoche der Vergangenheit liebt, der zeigt zuweilen immer noch Nähe zur Familie Perón. Juan Domingo Perón herrschte mit seiner Frau Eva Duarte von 1946 bis 1955 und dann noch mal kurz bis zu seinem Tod 1973, danach übernahm erfolglos seine nächste Gattin Isabel. Der Caudillo hinterließ dem südamerikanischen Land ein umstrittenes Erbe sowie eine vielseitige Massenbewegung namens peronistische Partei oder Partido Justicialista, die gerne den Staatschef stellt. Derzeit ist die Linksperonistin Cristina Fernández de Kirchner Präsidentin, davor war ihr Mann Néstor Präsident, in den Neunzigern führte der Rechtsperonist Carlos Menem das Kommando. Perón ruht derweil in einer Gruft auf seinem Landsitz bei Buenos Aires, Evita auf dem Friedhof Recoleta in der Metropole, beide Särge haben mehrere Umzüge hinter sich. Ade, Perón: Jetzt wird auch noch der restliche Hausrat des Paares versteigert. Jeden Mittwoch verkauft seit einigen Wochen ein Mann in der argentinischen Hauptstadt die Devotionaliensammlung des mythenumwobenen Paares, Gebote sind auf den Katalogseiten im Internet abzugeben (www.peronyevasolidarios.org). Mario Rotundo hatte Perón einst in seinem Madrider Exil kennengelernt und durfte gemäß des Testaments weite Teile von dessen Hausstand übernehmen, jetzt räumt seine Stiftung ihr umfangreiches Depot. 15.000 Stücke kommen unter den Hammer. Da ist zum Beispiel die angeblich letzte Geldbörse Peróns, dem Vernehmen nach aus Pinguinleder, inklusive Visitenkarten. Mindestens 29.500 Pesos soll das kosten, ungefähr 5600 Euro. Genauso viel wie Evitas Schmuckkästchen, ein Geschenk von Josephine Baker. Etwas teurer ist die Grabplatte seines zimtfarbenen Hundes Canela ("Der beste und treueste Freund, 1955-1966"), dafür werden 300.000 Pesos veranschlagt, knapp 58.000 Euro. Interessenten? Zunächst sah es gut aus. Bei einer Versteigerung 2004 in der römischen Vertretung von Christie's gab der peronistische Politiker und Multimillionär Francisco de Narváez laut der Zeitung La Nación 250.000 Dollar für Teile von Peróns Bibliothek und Archiv aus. Der spanische Unternehmer Antonio Mata, damals Präsident der Fluglinie Aerolineas Argentinas, erstand für 130.000 Euro das letzte Leichentuch Evitas. In dem Stoff wurde ihr einbalsamierter Körper 1971 nach einer Odyssee unter dem Namen Maria Maggi Magister aus einem Grab in Mailand geborgen und nach Buenos Aires heimgeschickt. Auch liegen manche Stücke längst in Ausstellungen wie dem Museo Evita im Stadtteil Palermo. Doch die Restposten gehen bei dieser elektronischen Auktion offenbar nur zögerlich weg. Zwar melden sich Hunderte möglicher Käufer aus Argentinien, dem restlichen Lateinamerika, den USA und Europa. Aber es scheinen nur wenige Großfunktionäre zuzuschlagen. Anbieter Rotuno ist enttäuscht, dabei hat er noch allerlei Raritäten auf Lager, und der Erlös komme selbstverständlich gemeinnützigen Zwecken zugute. Er stritt lange mit der Witwe Isabel Perón um die Besitzrechte. Welcher aufrechte Peronist kann zum Beispiel dem Guayabera-Hemd Peróns widerstehen, Originalmanuskripten an die Genossen, seinem Technicolor-Projektor? Oder einem Fächer Evitas und vor allem der großen Peronistenfahne in den hellblauweißen Landesfarben, mit dem Wappen der Treue? Die Flagge begleitete die schicke Verteidigerin der Hemdlosen auf Reisen und angeblich auch 1952 auf dem ersten Trauerzug auf ihrem Sarg. Aktueller Listenpreis 170.000 Pesos, etwa 32.000 Euro, ein Schnäppchen. Der Erbe Rotundo kann die Zurückhaltung nicht verstehen, Perón und Evita würden von den Nachfolgern doch so gerne erwähnt. Kaum ein Politiker habe sich bei ihm gemeldet, obwohl heuer das 200. Jubiläum der Nation gefeiert wird. Bei Parteiveranstaltung wird nach wie vor gelegentlich der Peronisten-Marsch gespielt, auf Plakaten sind die Parteigründer zu sehen wie Heilige. Nachlassverwalter Mario Rotundo fürchtet allmählich, dass die Parteigänger doch nicht solche Zuneigung für den General und seine Diva haben, "wie sie in ihren Reden vorgeben". Kaum einer sei in seinem Büro vorbeigekommen, und sei es nur, "um die Objekte zu sehen und zu berühren." | In Buenos Aires werden Devotionalien des einstigen Herrscherpaares Perón versteigert, darunter eine Geldbörse aus Pinguinleder, Evitas Schmuckschatulle - und eine Hunde-Grabplatte. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/auktion-in-argentinien-evitas-schmuckkaestchen-1.3034 | Auktion in Argentinien - Evitas Schmuckkästchen | 00/04/2010 |
Eine US-Mutter schickte ihren siebenjährigen Adoptivsohn alleine nach Russland zurück. Er sei ihr zu gewalttätig. Der Junge erzählt indes eine ganz andere Geschichte. Eine amerikanische Krankenschwester hat ihren sieben Jahre alten russischen Adoptivsohn mutterseelenallein zurück nach Moskau geschickt, weil sie ihn nicht mehr wollte. "Dieses Kind ist psychisch instabil, gewalttätig und hat ernste psychopathische Probleme", schrieb die 34-jährige Torry Hansen aus Tennessee auf einem Zettel, den sie dem Jungen mitgab. Sie habe um ihr eigenes Leben, das ihrer Familie und ihrer Freunde gefürchtet: "Es tut mir leid es zu sagen, aber ... ich will nicht mehr Mutter dieses Kindes sein." Der kleine Artjom, in Amerika Justin genannt, traf am Donnerstag an Bord einer United-Airlines-Maschine in Moskau ein. Er hatte nur einen Rucksack dabei, mit ein paar Süßigkeiten, Keksen, Buntstiften und der Botschaft der Adoptivmutter. Am Wochenende befand er sich in einem Moskauer Krankenhaus. Wie es heißt, hat sich bereits eine russische Familie gemeldet, die den Jungen aufnehmen und adoptieren will. Kremlchef Dmitri Medwedjew sprach von einem "monströsen Akt" der US-Familie. Außenminister Sergej Lawrow äußerte Empörung darüber, dass der Junge wie ein "Paket" behandelt worden sei. Er drohte damit, alle Adoptionen durch US-Familien auf Eis zu legen: Erst müssten in einem Regierungsabkommen mit den USA die "Verpflichtungen der Adoptiveltern" festgeschrieben werden. Eine solche Vereinbarung sei längst überfällig. John Beyrle, der US-Botschafter in Moskau, zeigte sich ebenfalls "äußerst schockiert darüber, dass sich eine Familie derart gefühllos einem Kind gegenüber verhält, das sie gesetzlich adoptiert hat". Die Amerikanerin hatte Artjom alias Justin im Sommer 2009 adoptiert: Nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Nowosti lebte er seit 2008 in einem sibirischen Waisenhaus, nachdem seiner leiblichen Mutter das Elternrecht entzogen worden war. Die Verantwortlichen in dem Heim, so schrieb Torry Hansen auf dem Zettel, hätten sie irregeführt und über den Zustand des Jungen belogen. Er sei völlig gesund und ein normales Kind, habe man ihr gesagt. Die Wahrheit, so die Mutter der Krankenschwester, Nancy Hansen, sah anders aus. Justin sei ein gestörter, von Wut erfüllter Junge, dessen Verhalten sich im Laufe der Zeit immer mehr verschlimmert habe. "Er spuckte und trat um sich und bedrohte die Menschen in seiner Umgebung", schilderte sie dem Sender CNN. So habe Justin eine Liste von Personen aufgestellt, die er töten wolle, darunter seine Adoptivmutter. Das Fass lief über, so Nancy Hansen, als der Junge in seinem Zimmer Papier angezündet habe: "Ich fürchtete um das Leben meiner Tochter und der gesamten Familie." Es war dann auch Nancy Hansen, die den Jungen nach Washington brachte und dort in das Flugzeug setzte. Zuvor hatte sie nach eigenen Angaben per Internet einen Anwalt kontaktiert, der ihr sagte, dass die Adoption annulliert werden könne. Hansen arrangierte dann, dass der Junge - wie bei allein reisenden Kindern üblich - an Bord der Maschine von einen Flugbegleiter betreut wurde. Außerdem bezahlte sie einen Mann dafür, dass er Justin am Flughafen abholte und am Eingang des Moskauer Bildungsministeriums absetzte. Dort sei man aus allen Wolken gefallen, hieß es in russischen Berichten. Und: Der Junge erzählte dort anscheinend eine ganz andere Geschichte. Er sei von seiner Adoptivfamilie in Amerika misshandelt worden. So habe ihn die Großmutter Nancy wiederholt an den Haaren gezogen. Die US-Behörden ermitteln. Nach russischen Angaben sind in den USA im vergangenen Jahr 1600 russische Kinder adoptiert worden - das ist der dritte "Rang" nach Kindern aus China und Guatemala. | Eine US-Mutter schickte ihren siebenjährigen Adoptivsohn alleine nach Russland zurück. Er sei ihr zu gewalttätig. Der Junge erzählt indes eine ganz andere Geschichte. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/usa-adoption-ich-will-nicht-mehr-mutter-dieses-kindes-sein-1.12677 | "USA: Adoption - ""Ich will nicht mehr Mutter dieses Kindes sein""" | 00/04/2010 |
Bis zuletzt hatten die Retter gehofft: Doch die vier nach dem schweren US-Grubenunglück noch vermissten Bergleute konnten nur noch tot geborgen werden. Fünf Tage nach dem schweren Grubenunglück im US-Bundesstaat West Virginia sind die noch vermissten vier Bergleute tot geborgen worden. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf 29. "Es gab nicht das Wunder, für das wir gebetet haben", sagte der Gouverneur des Bundesstaates, Joe Manchin. Rettungsdienste hatten bis zuletzt gehofft, dass sich die Bergarbeiter in eine Notkammer der Kohlegrube gerettet haben könnten. Die Bergleute seien vermutlich unmittelbar nach der Explosion umgekommen, erklärte Kevin Stricklin von der Bundesbehörde für Bergwerkssicherheit. Die Gaskonzentration in der Grube sei sehr hoch gewesen: "Niemand hätte in dieser Luft überleben können, nicht einmal für eine kurze Zeit." 22 der insgesamt 29 Todesopfer müssen noch aus dem Bergwerk geborgen werden, wie Stricklin weiter erklärte. Nach dem Unglück hatten die Rettungskräfte zunächst nur sieben Leichen an die Oberfläche bringen können. Nach einer Explosion am Montag waren große Teile der rund 50 Kilometer südlich der Hauptstadt Charleston gelegenen Upper-Big-Branch-Grube eingestürzt. Die Explosion war das folgenschwerste Grubenunglück in den USA seit 1970. Damals kamen in einer Mine im Staat Kentucky 38 Menschen ums Leben. US-Präsident Barack Obama sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Es müssten weitere Anstrengungen unternommen werden, um die Sicherheit in den US-Bergwerken zu erhöhen, erklärte er. | Bis zuletzt hatten die Retter gehofft: Doch die vier nach dem schweren US-Grubenunglück noch vermissten Bergleute konnten nur noch tot geborgen werden. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/us-grubenunglueck-das-wunder-blieb-aus-1.8185 | US-Grubenunglück - Das Wunder blieb aus | 00/04/2010 |
Ein Thailänder verbüßte ordnungsgemäß seine 20-jährige Haftstrafe in einem indonesischen Gefängnis. Frei kam er danach jedoch nicht. Grund: eine peinliche Justizpanne. 1987 war Kamjai Khong Tavorn wegen des Besitzes von knapp 18 Kilo Heroin von einem indonesischen Gericht zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Per präsidialem Beschluss wurde das Strafmaß später auf 20 Jahre reduziert. Die süße Luft der Freiheit durfte der Thailänder nach Absitzen seiner Haftstrafe 2005 jedoch erst einmal nicht schnuppern: Ein Tippfehler kostete ihn drei weitere Jahre in Freiheit. In den Gefängnisunterlagen war als Haftantrittsdatum fälschlicherweise 1997 statt 1987 festgehalten, berichtet die Zeitung Jakarta Globe: Deshalb blieb Kamjai auch nach verbüßter Strafe in indonesischer Haft. Zunächst kämpfte der 53-Jährige vergebens um seine Freiheit. Am vergangenen Mittwoch besuchte dann zufällig der Justizminister des Landes, Patrialis Akbar, das Gefängnis. Der zu Unrecht Festgehaltene nutzte die Gelegengheit und machte auf sein Schicksal aufmerksam. Bereits einen Tag später kam er auf freien Fuß. Nach Medienberichten soll Kamjai in Tränen ausgebrochen sein, als ihm der Minister zusicherte, er werde unverzüglich freikommen. Nach seiner Entlassung wurde er in die thailändische Botschaft nach Jakarta gebracht. Der Gefängnisdirektor des Pasir Putih Hochsicherheitsgefängnisses, in dem der Thailänder eingesessen hatte, räumte den verhängnisvollen Tippfehler ein und sagte dem Jakarta Globe, Kamjai sei beim Verlassen der Haftanstalt "fröhlich und enthusiastisch" gewesen. | Ein Thailänder verbüßte ordnungsgemäß seine 20-jährige Haftstrafe in einem indonesischen Gefängnis. Frei kam er danach jedoch nicht. Grund: eine peinliche Justizpanne. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/indonesien-ein-tippfehler-drei-jahre-knast-1.18066 | Indonesien - Ein Tippfehler - drei Jahre Knast | 00/04/2010 |
Eine schwedische Molkerei druckte das Gesicht eines Griechen auf einen "türkischen Joghurt". Nun fordert der Milchspeise-Patriot Schadenersatz in Millionenhöhe. Mit Joghurt mag gut Kirschen essen sein, doch zum Spaßen sind Angelegenheiten rund um die weiße Milchspeise nicht: Dass zeigen die Diskussionen um rechts-und linksdrehende Milchsäuren - und das beweist der jüngste Joghurt-Eklat mit internationaler Tragweite: Weil sein Konterfei auf einem Becher mit "türkischem Joghurt" abgedruckt wurde, will ein Grieche eine schwedische Molkerei auf 50 Millionen Schwedische Kronen (rund fünf Millionen Euro) Schadenersatz verklagen. Entdeckt hatte das Foto ein aufmerksamer Freund des Abgebildeten. "Ich traute meinen Augen nicht", berichtete Athanasios Varzanakos einem Radiosender. "Es war ein Schock, jemanden zu sehen, den ich kenne." Sein Freund - offenbar ein außerordentlicher Joghurt-Patriot - sei sehr erbost, dass sein Gesicht einen nicht-griechischen Joghurt ziert. Der Grieche habe mit der Türkei nichts zu tun, erläuterte Varzanakos. Der Chef der beschuldigten Molkerei Lindahl in Jönköping zeigte sich schockiert. Die Firma habe das Foto bei einer Datenbank gekauft. "Daher dachten wir, dass alles in Ordnung sei." Die Beziehungen zwischen den Nachbarstaaten Griechenland und Türkei gelten als angespannt: Unter anderem belastet der Zypernkonflikt das bilaterale Verhältnis. | Eine schwedische Molkerei druckte das Gesicht eines Griechen auf einen "türkischen Joghurt". Nun fordert der Milchspeise-Patriot Schadenersatz in Millionenhöhe. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/griechenland-vs-tuerkei-joghurt-mit-geschmaeckle-1.12078 | Griechenland vs. Türkei - Joghurt mit Geschmäckle | 00/04/2010 |
"Der geht über Leichen": Nach der tödlichen Gasexplosion in der Mine von Upper Big Branch kommen massive Sicherheitsverstöße ans Licht. Die Angehörigen attackieren den Boss des Bergbaukonzerns. Feige war er nie. Sein Leben lang hat sich Don Blankenship jedem Kampf gestellt. Und so hält es der bullige Boss des Bergbau-Konzerns Massey Energy auch jetzt, da es um Leben und Tod geht. Bleich sieht er aus und müde von noch einer Nacht, in der er wieder an der Front war. Also draußen bei den Rettungstrupps. Mindestens 25 Bergarbeiter sind bereits tot, zerfetzt von einer Gasexplosion, die die Mine von Upper Big Branch in West Virginia am Montag erschüttert hatte. Vier weitere Kumpel sind seither drinnen im Berg verschollen. Blankenship weiß, dass es für sie kaum mehr Hoffnung gibt. Und dass, sobald die Suche nach Überlebenden offiziell beendet ist, es um seinen Kopf gehen wird. 1342 Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften Unfälle, so hat Don Blankenship dieser Tage einen lokalen Radioreporter belehrt, "gehören nun mal unvermeidlich zum Prozess des Bergbaus dazu". Es sind solche Sätze, die in den engen Tälern West Virginias die Wut aufsteigen lassen. "Der geht doch seit Jahren über Leichen", sagt die Mutter eines toten Bergarbeiters in Montcal, dem kleinen Weiler, wo sie in der kleinen Holzkirche jetzt seit drei Tagen für die vier Verschollenen beten. Eilig bittet die Frau die Reporter, ihren Namen zu verschweigen: "Wir arbeiten hier doch alle bei Massey, andere Jobs gibt's hier nicht." Don Blankenship ahnt, dass sie hinter seinem Rücken so über ihn reden. Na und? "Die Leute wollen Dampf ablassen und ihren Zorn gegen irgendwen richten", winkt der Manager mit dem Schnauzbart ab. Nur, dieser 60-jährige Vorstandschef ist nicht irgendwer: Seit 18 Jahren lenkt er die Geschäfte bei Massey, dem unbestritten mächtigsten Bergbaukonzern in den Wäldern der Appalachen. Blankenship Regiment folgte stets einer simplen Formel: "Was gut für die Kohle ist, ist auch gut für West Virginia." Das hat Folgen. Ganz Amerika hat, da die Nation vor dem Fernseher mitbangt um die vier Kumpel, nun erfahren, wie es so zugeht bei Massey. Seit 2005 stellte die staatliche Bergaufsicht exakt 1342 Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften allein in der Unglücksmine fest, die Bußgelder in Höhe von insgesamt 1,89 Millionen Dollar ficht Blankenship störrisch vor Gericht an. Immer wieder monierten die Kontrolleure die mangelnde Belüftung der Mine, den exzessiven Kohlestaub und die gefährlich hohe Konzentration von Methan vor Ort am Kohleflöz. Das, so mutmaßen jetzt alle Experten im Rettungszentrum, war wahrscheinlich auch die Ursache des größten US-Minenunglücks seit einem Vierteljahrhundert. "Die Wucht dieser Explosion war absolut verheerend", sagt Mineninspekteur Kevin Stricklin, "da drinnen ist etwas schrecklich schiefgelaufen." Auch draußen lief manches schief. Das jedenfalls meint Michelle McKinney, deren 62-jähriger Vater Benny Willingham am Montagnachmittag im Bergwerk ums Leben kam. Trotzig steht die blonde Frau mit den verweinten Augen nahe der Absperrung zur Schicksalsmine. In der Hand hält sie einen barocken Holzrahmen mit einem Foto, das ihre Eltern samt Enkelsohn zeigt. "Diese Typen rufen uns nicht mal an" 30 Jahre lang sei ihr Vater stolzer Bergmann gewesen, 17 Jahre verdingte er sich bei Massey: "Und er hat jeden Sonntag um Gottes Schutz gebetet." In vier Wochen lockte die Rente, das Ticket für die Kreuzfahrt auf die Jungferninseln hatte Willingham schon gebucht. Als es am Montag in der Mine knallte, erfuhr Michelle McKinney zunächst gar nichts. "Sein Leben lang hat mein Vater seinen Buckel krumm gemacht für Massey", schimpft sie verbittert, "und diese Typen rufen uns nicht mal an." Massey-Kritiker überrascht all dies kein bisschen. Der Betrieb werde nach Gutsherrenart geführt, und Dan Blankenship sei "ein Kohlebaron, wie es sie eigentlich seit hundert Jahren nicht mehr gibt." Das sagt Cecil Roberts, der Präsident von Amerikas Bergbaugewerkschaft. Roberts hat bereits vor dreißig Jahren seine Schlacht gegen Blankenship verloren. Damals hatte der König der Kohle seinen Angestellten das Zugeständnis abgerungen, allesamt die Gewerkschaft zu verlassen. Als Souvenir aus jenen Tagen heißer Arbeitskämpfe hat Blankenship den kaputten Fernseher behalten - samt der zerborstenen Mattscheibe, die eine Gewehrkugel traf. Viel Feind, viel Ehr. So hat es Blankenship immer gehalten. An der umstrittenen Methode, auf der Suche nach Kohle ganze Bergkuppen wegzusprengen und das schwarze Gold dann im billigeren Tagebau abzutragen, kann er nichts Verwerfliches finden. Umweltschützer nennt er "Verrückte", Al Gore und seine Lehre vom Klimawandel sei "grünes, dummes Zeug" oder eine Verschwörung der Vereinten Nationen: "Und da sitzen Venezuela und Iran mit drin." Viele Menschen in West Virginia denken ähnlich. Zwar neiden sie Blankenship das Millionengehalt und die 300.000 Dollar Jahresprämie, die er zuletzt kassierte. Aber irgendwie ist der schwarze Hubschrauber, mit dem der Manager von Mine zu Mine fliegt, auch immer ein Zeichen der Hoffnung: "Solange der Kerl hier herumfliegt, haben unsere Kinder Hoffnung auf einen Job", sagt ein Massey-Angestellter. Anonym, natürlich. Nun muss sich Blankenship für neue Schlachten rüsten. West Virginias Gouverneur Joe Manchin hat gedroht, er wolle die Unglücksmine schließen lassen. Bisher zählte der Demokrat zu Massey Verbündeten, als selbsterklärter "Freund der Kohle". Und auch aus Washington ziehen Wolken herauf: Im Kongress mehren sich die Rufe nach einem Gesetz, das der Grubenaufsicht notfalls erlauben würde, eine Todesmine stillzulegen. Der letzte Vorstoß, unternommen nach dem vorletzten Großunglück mit zwölf Toten im Jahr 2006, war gescheitert. Don Blankenship und seine Kollegen hatten den Untergang von Amerikas Minen an die Wand gemalt, weshalb George W. Bush und die Republikaner im Kongress das Gesetz begruben. | "Der geht über Leichen": Nach der tödlichen Gasexplosion in der Mine von Upper Big Branch kommen massive Sicherheitsverstöße ans Licht. Die Angehörigen attackieren den Boss des Bergbaukonzerns. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/grubenunglueck-in-west-virginia-skrupelloser-kohlebaron-1.6362 | Grubenunglück in West Virginia - Skrupelloser Kohlebaron | 00/04/2010 |
Bislang konnten sich die Mitarbeiter der dänischen Brauerei Carlsberg nach Belieben an Bier-Kühlschränken bedienen - doch nun sitzt die Belegschaft auf dem Trockenen. "Es gibt kein Bier auf Hawaii" heißt es in einem bekannten Schlager aus den 1960er Jahren. Für Sänger Paul Kuhn Grund genug, dem pazifischen Inselparadies fernzubleiben. Doch nicht nur für deutsche Schlagerbarden hört der Spaß dort auf, wo Hopfen und Malz verloren sind: Hunderte Mitarbeiter der dänischen Brauerei Carlsberg sind in den Streik getreten, weil sie künftig am Arbeitsplatz kein Bier mehr trinken dürfen. Anfang des Monats hatte die Unternehmensleitung strengere Alkohol-Richtlinien in Kraft gesetzt und sämtliche Bier-Kühlschränke in der Firma entfernt. Seitdem dürfen die Mitarbeiter nur noch in ihrer Mittagspause in der Kantine Bier trinken - zuvor konnten sie sich den ganzen Tag über an den Kühlschränken bedienen. Die einzige Beschränkung bisher war, "dass man bei der Arbeit nicht betrunken sein durfte", sagte Unternehmenssprecher Jens Bekke. "Es war jedem einzelnen überlassen, sich verantwortungsvoll zu verhalten." Aus Protest gegen die strengeren Regeln legten nun am Mittwoch und Donnerstag Hunderte Mitarbeiter die Arbeit nieder. Im Großraum Kopenhagen kam es daraufhin zu Verzögerungen bei der Bier-Auslieferung. Die Carlsberg-Lastwagenfahrer schlossen sich dem Streik aus Solidarität an, obwohl sie laut Bekke von den neuen Richtlinien ausgenommen sind. Sie dürfen sich drei Biere aus der Kantine mitnehmen, weil sie häufig keine Zeit haben, dort ihr Mittagessen einzunehmen. Betrunkene Bier-Lieferanten gibt es dennoch nicht: Die Lastwagen der Brauerei sind laut Bekke mit Atemluftsensoren und Zündsperren ausgestattet, die verhindern, dass betrunkene Fahrer den Motor starten. | Bislang konnten sich die Mitarbeiter der dänischen Brauerei Carlsberg nach Belieben an Bier-Kühlschränken bedienen - doch nun sitzt die Belegschaft auf dem Trockenen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/brauerei-carlsberg-streik-bierernste-botschaft-1.24223 | Brauerei Carlsberg: Streik - Bierernste Botschaft | 00/04/2010 |
Die dreiwöchige Schlangenjagd in Mülheim an der Ruhr ist zu Ende. Die Monokelkobra wurde tot in der Wohnung ihres Besitzers aufgefunden, wo sie Mitte März aus einem Terrarium ausgebüxt war. Der Giftschlangen-Albtraum von Mülheim ist vorbei. Am Ende war es ein Klebeband, auf dem die Mini-Kobra haften blieb - und starb. "Sie schien vertrocknet, fast schon ausgehöhlt: Der Kadaver, das war ein trauriger Anblick", sagt Philip Schröder, Bewohner des "Schlangen-Hauses". Für ihn ist der Tod der Schlange gleichwohl das lang ersehnte Happy-End. Schröder lebt zusammen mit seiner Freundin direkt unter jener Wohnung des 19- jährigen Reptilienfreundes, in der vor drei Wochen die Monokelkobra ausgebüxt war. Mit dem Fund des toten Tiers endet der Ausnahmezustand für die drei Mietparteien in der ansonsten beschaulichen Mülheimer Wohngegend: Nachdem der Besitzer seinerzeit die Feuerwehr gerufen hatte, wurde die Straße gesperrt, das Mehrfamilienhaus evakuiert, die Dachgeschosswohnung des Schlangenhalters ausgeräumt und komplett entkernt: Die vielen Furchen und Ritzen in dem alten Haus boten unzählige kleine Verstecke und trieben den Suchtrupp zur Verzweiflung. Wurm mit Zunge Ein paar Tage später wurde das Haus versiegelt: Die Schlange sollte ausgehungert werden. Schröder und seine Freundin zogen in eine Wohnung des Ordnungsamtes. "Dabei hatten wir es uns gerade in der Kleiststraße nett gemacht", sagte er. Der Albtraum hatte mit einem niedlichen Anblick begonnen: Im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses begegnete Schröder wenige Tage vor der Schlangenflucht dem Besitzer. Zurück von einer Reptilienmesse präsentierte er dem Mieter, was er dort für 70 Euro erworben hatte. "Ein Wurm mit Zunge, mehr nicht, die kann doch nicht giftig sein", dachte Schröder. Doch dann kam alles anders: Das Haus wurde zur Schlangengrube. In dieser Woche sollte der Umzugswagen bestellt werden, um letzte Möbel aus der Wohnung zu schaffen. "Was für ein Glück. Damit hätten wir nicht gerechnet", sagt Schröder. Ein riesiges Unternehmen Oberbrandmeister Torben Rankl von der Reptiliengruppe der Düsseldorfer Feuerwehr fand den Kadaver bei seiner Routine-Kontrolle durch das Schlangenhaus. Weil die täglichen Patrouillen zunächst keinen Erfolg zeigten, hatten die Kobrajäger bereits über den Einsatz von Hitze oder Ködern mit nackten, gefrorenen Baby-Mäusen nachgedacht, um die Kobra aus ihrem Versteck zu locken. Die Schlange war nicht dicker als ein Bleistift, nicht länger als ein übliches Lineal. Gleichzeitig war sie mit einem Gift ausgerüstet, das binnen Stunden tödlich wirkt. In den ersten Tagen der Suche hatten Sanitäter stets ein Gegengift bereit gehalten. Die Gesamtkosten des Einsatzes werden auf rund 100.000 Euro geschätzt, sagt Stadtsprecher Volker Wiebels. Während der Evakuierungs-Phase kostete allein die Arbeit der Feuerwehr 850 Euro pro Stunde. Hinzu kamen Entrümpler, Bauunternehmer , Möbeltransporter. "Das wird die Stadt zunächst einmal bezahlen müssen", sagte Wiebels. In den nächsten Tagen werde der Schlangenhalter eine Rechnung erhalten. Ob der 19-Jährige diese Summe allerdings begleichen kann, ist noch unklar. | Die dreiwöchige Schlangenjagd in Mülheim an der Ruhr ist zu Ende. Die Monokelkobra wurde tot in der Wohnung ihres Besitzers aufgefunden, wo sie Mitte März aus einem Terrarium ausgebüxt war. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/monokelkobra-ist-tot-giftiger-wurm-mit-zunge-1.6431 | "Monokelkobra ist tot - Giftiger ""Wurm mit Zunge""" | 00/04/2010 |
Eine ganze Familie mit Vater, Mutter und zwei erwachsenen Kindern ist bei Oldenburg gewaltsam ums Leben gekommen - die Umstände sind noch völlig unklar. Ein mysteriöses Familiendrama mit vier Toten hat den idyllischen Ferienort Hude in der Nähe der Nordseeküste aufgeschreckt. Noch ist aber völlig unklar, was sich dort genau abgespielt hat. Zunächst wurden am Mittwochabend in einem Einfamilienhaus die Leichen einer 51-Jährigen Frau, ihrer 17-jährigen Tochter und ihres 22 Jahre alten Sohnes gefunden. Am Donnerstagmorgen entdeckte die Polizei dann am Ufer eines Sees auch noch die Leiche des 53-Jährigen Familienvaters - rund 200 Meter Luftlinie entfernt von dem Haus. Ob der Mann seine Frau und seine Kinder umbrachte und sich anschließend selbst tötete, ist noch offen. "Wir gehen von einem Tötungsdelikt aus, können zu dem Tathergang aber noch keine Angaben machen", sagte Rainer du Mesnil de Rochemont von der Staatsanwaltschaft Oldenburg. Derzeit gebe es keine Hinweise auf einen anderen Täter. Eine Mieterin, die in dem zweistöckigen rot verklinkerten Haus der Familie im Obergeschoss in einer Einliegerwohnung lebt, hatte am Mittwochabend zunächst die Leiche der Mutter entdeckt. "Die Frau hatte sich Sorgen gemacht, nachdem sie von den Familienmitgliedern seit längerer Zeit nichts mehr gehört hatte", sagte eine Polizeisprecherin. Die alarmierten Rettungskräfte fanden wenig später auch die beiden erwachsenen Kinder tot in ihren Zimmern. Bislang gibt es aber keine Auskünfte dazu, wie sie ums Leben kamen. | Eine ganze Familie mit Vater, Mutter und zwei erwachsenen Kindern ist bei Oldenburg gewaltsam ums Leben gekommen - die Umstände sind noch völlig unklar. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/familientragoedie-in-niedersachsen-vierkoepfige-familie-ausgeloescht-1.24804 | Familientragödie in Niedersachsen - Vierköpfige Familie ausgelöscht | 00/04/2010 |
Eine 13-Jährige ist im Jemen nach Angaben von Menschenrechtlern an einer Vaginalblutung gestorben - vier Tage nach der Hochzeit mit einem etwa 30 Jahre alten Mann. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation El Schakaek hat das Gutachten eines Rechtsmediziners ergeben, dass das Kind nach einer Verletzung der Scheide verblutet sei. Das Mädchen sei bereits am 2. April verstorben. Das Kind sei am 29. März in einer sogenannten Tauschheirat einem etwa 30-jährigen Mann angetraut worden, teilte die Organisation El Schakaek in der jemenitischen Haptstadt Sanaa mit. Im Gegenzug sei die Schwester des Bräutigams mit einem Mann aus der Familie des Mädchens verheiratet worden. Das verstorbene Mädchen sei "ein Opfer derjenigen, die im Jemen mit dem Leben von Kindern spielen", kritisierte El Schakaek. Die Verheiratung kleiner Mädchen ist in dem bitterarmen Land im Südwesten der arabischen Halbinsel weit verbreitet. Im September 2009 war eine erst Zwölfjährige bei der Geburt ihres Babys gestorben. Und im Jahr 2008 erregte der Fall einer Achtjährigen Aufsehen, die sich von ihrem 22 Jahre älteren Mann scheiden ließ. Das Kind war von ihrem Vater gegen ihren Willen vermählt worden. Der Ehemann hatte das Mädchen geschlagen, beschimpft und zum Sex gezwungen. In dem Land mit starken Stammesstrukturen wird derzeit über einen Gesetzentwurf debattiert, der ein Mindestalter von 17 Jahren für die Verheiratung junger Mädchen vorsieht. Frauenrechtlerinnen unterstützen den Entwurf, Konservative und Islamisten lehnen ihn ab. | Eine 13-Jährige ist im Jemen nach Angaben von Menschenrechtlern an einer Vaginalblutung gestorben - vier Tage nach der Hochzeit mit einem etwa 30 Jahre alten Mann. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/jemen-13-jaehrige-nach-zwangsheirat-verstorben-1.18286 | Jemen - 13-Jährige nach Zwangsheirat verstorben | 00/04/2010 |
"Wie ein Tritt in den Hintern": Ex-Tennisstar Navratilova schildert in einem Interview ihren Schock nach der Brustkrebsdiagnose - und ruft Frauen zur Mammographie auf. Die legendäre frühere Tennisspielerin Martina Navratilova ist an Brustkrebs erkrankt. Der Tumor sei Mitte März bei einer Operation entfernt worden, sagte die 53-jährige amerikanisch-tschechoslowakische Sportlerin im US-Fernsehsender ABC. Der Krebs sei im Februar bei einer Routineuntersuchung festgestellt worden. Im Mai werde sie eine sechswöchige Strahlenbehandlung antreten. Ihre Heilungschancen seien gut, sagte Navratilova. Der Tumor sei im Anfangsstadium aufgespürt worden und habe sich noch nicht ausgebreitet. In dem Interview schilderte die Sportlerin, dass sie zunächst schwer an der Krebsdiagnose zu tragen hatte. "Ich war mein ganzes Leben lang gesund, und plötzlich hatte ich Krebs, das konnte doch nicht war sein", sagte sie. Die Hochleistungssportlerin war erst mit knapp 50 komplett aus dem Profisport ausgestiegen. Sie lebt vegetarisch und hält sich an ein umfangreiches Fitnessprogramm. Bei der Diagnose habe sie aus lauter Hilflosigkeit geweint. "Es war wie ein Tritt in den Hintern", sagte sie dem US-Magazin People. "Ich hatte immer so viel Kontrolle über mich und meinen Körper, und nun entglitt mir das vollständig." "Nehmt die verdammte Mammographie" Sie habe große Furcht vor dem Verlust ihrer Brust und vor einer Chemotherapie gehabt, sagte die Sportlerin. Dazu sei es dann aber nicht gekommen. Angesichts der Debatte, ob eine Brustuntersuchung jährlich oder nur alle paar Jahre nötig ist, appellierte Navratilova eindringlich an alle Frauen: "Nehmt die verdammte Mammographie". Sie habe vor der Untersuchung vier Jahre verstreichen lassen. "Jeder hat viel zu tun, aber hierbei sollte man keine Ausflüchte suchen", sagte sie und rief zur regelmäßigen Untersuchung auf. Navratilova hat in ihrer Karriere 18 Grand-Slam-Titel gewonnen, darunter waren acht Siege in Wimbledon. Die gebürtige Tschechin lebt in den USA und ist auch eine Ikone der Homosexuellen-Bewegung. Seit ihrem Abschied vom Profisport kommentiert sie im Fernsehen Tennisturniere. | "Wie ein Tritt in den Hintern": Ex-Tennisstar Navratilova schildert in einem Interview ihren Schock nach der Brustkrebsdiagnose - und ruft Frauen zur Mammographie auf. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/krebsdiagnose-navratilova-an-brustkrebs-erkrankt-1.3650 | Krebsdiagnose - Navratilova an Brustkrebs erkrankt | 00/04/2010 |
Ein italienischer Pater will Beweise dafür gefunden haben, dass die Nazis das Turiner Grabtuch mit dem Antlitz Jesu rauben wollten. Hitler und das Turiner Grabtuch eignen sich immer bestens für Spekulationen und Mysterien. Nun hat der italienische Benediktinerpater Andrea Davide Cardin beide in einer abenteuerlichen These verbunden: Der Nazi-Führer habe die berühmteste Reliquie des Abendlandes rauben wollen, behauptet er. Pater Cardin leitet die Bibliothek der Abtei Montevergine in Kampanien, wo das Grabtuch von 1939 bis 1945 versteckt worden war. Warum der Pater seine These nun ausgerechnet in der Starklatsch-Zeitschrift Diva e Donna der Öffentlichkeit präsentierte, ist ein weiteres Rätsel. Die Wahl des Termins ist dagegen wohl kein Zufall: Das Grabtuch wird vom 10.April bis zum 23. Mai erstmals seit zehn Jahren wieder in Turin ausgestellt. Cardin stützt seine These unter anderem auf einen Brief, den der damalige Erzbischof von Turin, Kardinal Maurilio Fossati, veröffentlichte, als das Tuch in den Dom der Stadt zurückgebracht worden war. Es zu verstecken, sei richtig gewesen, "weil die Invasoren sich um Informationen bemüht haben", so heißt es angeblich in dem Brief. Das Grabtuch war bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zunächst in den Quirinalspalast nach Rom gebracht worden. König Viktor Emanuel III., so erklärt Pater Cardin, habe aber den Vatikan gebeten, es aufzubewahren. Dort wiederum fand man, auch der Vatikan sei im Krieg nicht wirklich sicher. So sei die Wahl auf Montevergine gefallen. Eindringliche Fragen In dem Kloster hätten die meiste Zeit nur der Abt und sein Vikar gewusst, dass das als Grabtuch Jesu verehrte Textil unter dem Altar in der Krypta lag. Pater Cardin erklärte in dem Klatschblatt, bei Hitlers Italienbesuch 1938 hätten dessen Leute ungewöhnliche und sehr eindringliche Fragen zum Grabtuch gestellt. Hinlänglich bekannt sei auch, dass Adolf Hitler und sein Luftwaffenchef Hermann Göring rücksichtslos wichtige Kunstwerke zusammenrafften - der Raubzug in Museen, Kirchen und Privatsammlungen hatte System. Trotzdem gibt es Zweifel an der These des Benediktinerpaters. So bestreitet der Grabtuch-Experte Pierluigi Baima Bollone, dass das Grabtuch in Montevergine verborgen wurde, um es vor dem Zugriff der Nazis zu schützen. Vielmehr, so sagte er der Zeitung La Stampa, sei es aus Turin weggebracht worden, weil Papst Pius XII. Bombenangriffe befürchtet habe - und zwar von Seiten der Alliierten. Das Deutsche Reich und Italien waren ja bis 1943 verbündet. Bollone sagt, "es existieren keine Dokumente, in denen es heißt, das Grabtuch müsse vor Nazifunktionären oder vor Hitler bewahrt werden." Auch seien die Behauptungen nicht gesichert, Hitlers Leute hätten sich auffällig dafür interessiert. Die Geschichte des Turiner Grabtuchs muss also nicht umgeschrieben werden: Alles halb so wild, auch wenn das Pater Cardin anders sieht. | Ein italienischer Pater will Beweise dafür gefunden haben, dass die Nazis das Turiner Grabtuch mit dem Antlitz Jesu rauben wollten. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/turiner-grabtuch-hitler-und-der-schatten-des-herrn-1.2965 | Turiner Grabtuch - Hitler und der Schatten des Herrn | 00/04/2010 |
Der "härteste Sheriff Amerikas" weiß, wie man Schlagzeilen macht: Jetzt müssen Häftlinge in die Pedale treten - sonst bleibt der Bildschirm schwarz. Kein anderer Polizist weiß besser als Joe Arpaio, wie man sich in der Öffentlichkeit als "harter Hund" präsentiert - und damit den Verkauf der eigenen Bücher ankurbelt. Jetzt hat sich der selbsternannte "härteste Sheriff der Welt" von Maricopa im US-Bundesstaat Arizona etwas Neues einfallen lassen: In seinem Gefängnis müssen weibliche Häftlinge in die Pedale treten, um Fernsehen zu können. "Wer TV will, muss sich das verdienen", meint Sheriff Joe Arpaio, der in den USA bereits seit längerem für harten Umgang mit Strafgefangenen berüchtigt ist. Er sagte dem TV-Sender Fox News, es geh ihm bei seinem Programm "Pedal Vision" (etwa: In die Pedale Treten und Schauen) auch darum, die Fettleibigkeit vieler Häftlinge zu bekämpfen. Das Programm: Wetter, Kochen, Parlamentsdebatten Sobald die Gefangenen durch ihre Muskelkraft die elektrische Spannung von zwölf Volt erzeugen, springt der Bildschirm an. Zunächst müssen sich aber nur Frauen an der Fronarbeit beteiligen. "Sie scheinen empfänglicher für meine Idee." Bald sollen sich aber auch die Männer abstrampeln. Auch die TV-Programme schränkt der Sheriff sehr eigenwillig ein: Es gibt nur die Wahl zwischen Wetterkanal, Kochsendungen und Parlamentsübertragungen. Arpaio, der auch Bücher über seine Methoden schreibt, vermarktet sich selbst als "Amerikas härtester Sheriff" und hat bereits durch höchst umstrittene Sparmaßnahmen Schlagzeilen gemacht. So kaufte er aus Restbeständen der US-Armee Zelte für seine Häftlinge und nennt das Gefängnis seitdem "Tent City Jai"". Die Insassen erhalten nur zweimal am Tag eine Mahlzeit. Er führte auch rosa Unterwäsche und Handschellen für die Gefangenen ein - und macht damit landesweit Schlagzeilen. Über die Homepage des Gefängnisses konnten seine Fans rosa Boxershorts kaufen. Dafür wird er von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International scharf kritisiert. Die Organisation "Middle Ground Prison Reform" führt eine Klage gegen ihn, weil er Videos von Häftlingen auf der Toilette aufnehmen lässt und die Bilder ohne Zustimmung veröffentlicht. Arpaio ist seit 1993 im Amt und wurde bei Wahlen stets mit klarer Mehrheit bestätigt. | Der "härteste Sheriff Amerikas" weiß, wie man Schlagzeilen macht: Jetzt müssen Häftlinge in die Pedale treten - sonst bleibt der Bildschirm schwarz. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/us-sheriff-arpaio-wer-fernsehen-will-muss-strampeln-1.9691 | US-Sheriff Arpaio - Wer fernsehen will, muss strampeln | 00/04/2010 |
Überraschung zum Prozessbeginn in Wuppertal: Der 15-jährige Angeklagte hat gestanden, die neunjährige Kassandra in einen Schacht geworfen zu haben. Mit einem Paukenschlag hat der Prozess um das Martyrium der kleinen Kassandra begonnen: Nach sieben Monaten Schweigen hat der 15-jährige Angeklagte am Mittwoch nach Angaben seiner Anwältin ein Geständnis abgelegt. Der wegen versuchten Mordes angeklagte Junge habe damit dem Opfer eine Aussage ersparen wollen. "Ich denke, er ist erleichtert, dass er ein Geständnis abgelegt hat", sagte Anwältin Astrid Denecke. Das Strafmaß, das der Junge zu erwarten habe, hänge auch von der Einschätzung der Gutachter ab, ob er als strafmündig angesehen werden könne. Dem Förderschüler drohen nach Jugendstrafrecht bis zu zehn Jahren Gefängnis. Dem Jungen, der schon früher durch Prügeleien aufgefallenen war, wird vorgeworfen, im September 2009 der neunjährigen Kassandra in Velbert bei Essen zweimal mit einem Stein ins Gesicht geschlagen zu haben. Nach der ersten Attacke ließ der Junge nach Ansicht der Anklage sein Opfer schwer verletzt auf dem Boden liegen. Vermutlich habe er den Tatort verlassen und sei nach einer halben Stunde zurückgekehrt. Dann habe er noch mal zugeschlagen und Kassandra in den Kanalschacht gestoßen, um sie zu töten. Der damals 14-Jährige war rund drei Wochen nach der Tat festgenommen worden. Opfer lag in künstlichem Koma Er habe den rund 30 Kilogramm schweren Deckel über das Loch gezogen und ihn mit Ästen bedeckt. Nach einem siebenstündigen Martyrium war das durchnässte und stark unterkühlte Kind in der Nacht von einem Spürhund gefunden worden. Kassandra lag anschließend tagelang in einem künstlichen Koma. Kassandra hatte am 14. September 2009 wie immer in Velbert-Neviges in einem betreuten Spieltreff in der Nähe ihres Elternhauses gespielt. Als der Hort am Abend schloss, traf das Mädchen dort auf ihren Peiniger. Der Kanalschacht, in den er das Mädchen stopfte, liegt hinter einer Turnhalle ganz in der Nähe. Suche nach dem Motiv Der angeklagte Jugendliche kannte Kassandra. Er hatte nach Polizeiangaben Hausverbot in dem Spieltreff, weil er schon früher kleinere Kinder tyrannisiert und sich oft geprügelt haben soll. Bereits vor der Tat war gegen ihn ermittelt worden. Das Motiv der Tat ist völlig unklar. Spuren eines Sexualverbrechens fanden sich den Ermittlern zufolge nicht. Obwohl es keine direkten Zeugen der Tat gegeben habe, sei die Beweislage "sehr gut", sagte Staatsanwalt Rüdiger Ihl vor Beginn des Prozesses. Ermittler hätten DNA- und Faserspuren gefunden, und es gebe Zeugenaussagen "rund um das Tatgeschehen". Der Junge und seine Eltern wurden bei ihrer Ankunft mit dem Auto am Landgericht mit Sichtschutzplanen abgeschirmt. Die Öffentlichkeit ist von dem Verfahren komplett ausgeschlossen, weil der Angeklagte noch minderjährig ist. Weder die Staatsanwaltschaft noch der Anwalt der als Nebenkläger auftretenden Eltern wollten etwas zum Prozessverlauf sagen. | Überraschung zum Prozessbeginn in Wuppertal: Der 15-jährige Angeklagte hat gestanden, die neunjährige Kassandra in einen Schacht geworfen zu haben. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/prozessauftakt-kassandras-peiniger-legt-gestaendnis-ab-1.5518 | Prozessauftakt - Kassandras Peiniger legt Geständnis ab | 00/04/2010 |
Eine Deutsche hat mit Hilfe ihrer Tochter versucht, am Flughafen von Liverpool ihren verstorbenen Mann im Rollstuhl einzuchecken - um Kosten zu sparen, vermuten britische Medien. Makabrer Vorfall am John-Lennon-Flughafen in Liverpool: Zwei deutsche Frauen sollen versucht haben, einen verstorbenen Alzheimer-Patienten im Rollstuhl für einen Flug nach Deutschland einzuchecken. Nach Polizeiangaben wollten die 66 Jahre alte Witwe und die 41-jährige Stieftochter des verstorbenen 91-Jährigen dessen Leiche an Bord einer Easyjet-Maschine nach Berlin-Schönefeld bringen. Möglicherweise wollten sie die Kosten für eine professionelle Leichenüberführung sparen, berichteten britische Medien. Über die Vorgänge am in Liverpool gab es jedoch äußerst widersprüchliche Darstellungen. Die beiden Frauen wurden gegen Kaution zunächst wieder freigelassen. Nach den Erkenntnissen der Ermittler war der 91-Jährige, der mit einem Rollstuhl und Sonnenbrille in den Flughafen gerollt wurde, bereits mehr als 24 Stunden tot, als er für den Flug Richtung Berlin angemeldet wurde. Die Frauen wollten gemeinsam mit dem alten Mann nach Deutschland fliegen, ihr Wohnsitz befindet sich in Oldham bei Manchester. Enkelkinder als Verstärkung Die Daily Mail berichtete, die Frauen seien in Belgeitung von drei Enkelkindern zum Flughafen gefahren. Flughafen-Mitarbeiter halfen dabei, den Mann aus einem Taxi in den Rollstuhl zu heben. Einer von ihnen sagte der Zeitung: "Zu meinem Entsetzen fiel sein Gesicht zur Seite und berührte meines. Es war eiskalt." Er hätte sofort gewusst, dass der Mann tot war - doch die Frauen hätten gesagt: "Er schläft immer so." Die Stieftochter hätte sogar ihre Kinder dazu ermutigt, ihm zu sagen, dass ihr Opa immer so schlafe. Nach Angaben der Polizei schöpften die Sicherheitsmitarbeiter jedoch Verdacht und fühlten den Puls. Nachdem der Tod des 91-Jährigen festgestellt worden war, nahm die Polizei die Frauen vorerst fest. "Der beste Mann der Welt" Die beiden Beschuldigten versicherten jedoch, sie seien davon ausgegangen, dass er schlafe. Sie bestritten jede Absicht, den Mann tot auszufliegen, vehement. "Glauben die, wir würden 24 Stunden lang einen Toten herumtransportieren?", sagte die 41-jährige Tochter der BBC. "Das ist lächerlich - er bewegte sich und atmete." Acht Menschen hätten ihn lebend gesehen. Auch die Ehefrau des Verstorbenen wies die Vorwürfe von sich: "Er war der beste Mann der ganzen Welt", sagte die 66-Jährige der BBC. Sie hätte ihren Mann 22 Jahre lang geliebt. Nach Angaben der Stieftochter wurde der 91-Jährige, der an Alzheimer litt, zuvor im Krankenhaus wegen einer Lungenentzündung behandelt. Vor dem Flug hätten sie jedoch abgewartet, bis es ihm besser ging. Die Frauen wurden wegen "unterlassener Mitteilung eines Todesfalles" angezeigt. Eine Gerichtsanhörung soll am 1. Juni stattfinden. | Eine Deutsche hat mit Hilfe ihrer Tochter versucht, am Flughafen von Liverpool ihren verstorbenen Mann im Rollstuhl einzuchecken - um Kosten zu sparen, vermuten britische Medien. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/toter-fluggast-in-grossbritannien-opa-schlaeft-immer-so-1.18934 | "Toter Fluggast in Großbritannien - ""Opa schläft immer so""" | 00/04/2010 |
"Clockwork Orange" in Hessen: Der Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule nimmt immer größere Ausmaße an. Die heutige Rektorin der reformpädagogisch orientierten Schule, Margarita Kaufmann, berichtete der Frankfurter Rundschau nicht nur von grausigen Ritualen aus der jüngeren Vergangenheit. Auch Suizide ehemaliger Schüler gehen offenbar auf Missbrauch während der Schulzeit zurück: Kaufmann kenne inzwischen vier ehemalige Schüler, die sich nach ihrer Zeit im Odenwald das Leben genommen hätten. Von allen vier berichteten Ex-Mitschüler, dass sie ebenfalls missbraucht worden seien. An der hessischen Schule soll es bis weit in die neunziger Jahre hinein Fälle von sexuellem Missbrauch von Schülern durch Lehrer sowie durch Mitschüler gegeben haben. Ein Altschüler habe die Vorgänge, die bis weit in die neunziger Jahre reichten, mit der filmischen Gewaltorgie "Clockwork Orange" verglichen. Mehrere Schüler sollen laut der Zeitung einen Vorfall beschrieben haben, bei dem ein gefesselter Schüler von Mitschülern mit einer Banane vergewaltigt worden sei. Ein Lehrer habe untätig danebengestanden. Dieser werde auch beschuldigt, in seiner Zeit an der Modellschule sowohl Jungen als auch Mädchen missbraucht zu haben. Ex-Kultusminister bestreitet Vorwürfe Der frühere hessische Kultusminister Hartmut Holzapfel (SPD) bestritt derweil, in seiner Amtszeit von 1991 bis 1999 über Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule informiert worden zu sein. "Das ist schlicht unzutreffend", sagte Holzapfel der Frankfurter Rundschau. Der frühere Schulleiter Gerold Becker, der Schüler missbraucht haben soll, hatte nach Angaben seines Nachfolgers Wolfgang Harder im August 1998 den damaligen Kultusminister Holzapfel über die Vorwürfe informiert. Holzapfel widersprach dieser Darstellung: "Sie können sicher sein, dass ich das nicht für mich behalten hätte", sagte er dem Blatt. Er hätte Becker in einem solchen Fall auch sofort von seiner Tätigkeit als Berater des Ministeriums entbunden. Staatsanwaltschaft ermittelt in zehn Fällen Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat inzwischen zehn Ermittlungsverfahren eingeleitet. In neun Fällen gehe es um sexuellen Missbrauch von Lehrern an Schülern, sagte ein Sprecher der Behörde. Gegen den früheren Schulrektor Wolfgang Harder werde wegen möglicher Strafvereitelung ermittelt. Zwei der Beschuldigten seien schon gestorben. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien die Taten verjährt, sagte der Sprecher. Neue Sachverhalte würden aber geprüft. Die jüngsten Berichte ehemaliger Schüler mit neuen Missbrauchsvorwürfen liegen der Staatsanwaltschaft bislang nicht vor. Im November 1999 hatte die Frankfurter Rundschau erstmals Missbrauchsfälle an der Schule publik gemacht. Anfang März dieses Jahres wurde erneut über Missbrauch an der Modellschule berichtet. Danach weitete sich der Skandal aus. Ende vergangenen Monats erklärten fünf der insgesamt sieben Vorstandsmitglieder der Schule ihren Rücktritt. Nur Rektorin Kaufmann und Geschäftsführer Meto Salijevic blieben im Amt. | Furchtbare Misshandlungen, unbewältigter Missbrauch, Suizide: Ehemalige Schüler sollen an den Erlebnissen in der Odenwaldschule zerbrochen sein. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/reformschule-im-zwielicht-clockwork-orange-im-odenwald-1.14184 | "Reformschule im Zwielicht - ""Clockwork Orange"" im Odenwald" | 00/04/2010 |
Schwere Regenfälle und Erdrutsche haben in Brasilien mindestens 95 Menschen in den Tod gerissen. Betroffen waren vor allem Slumsiedlungen in der Hauptstadt Rio. Heftige Regenfälle und hunderte Erdrutsche haben in Rio de Janeiro und Umgebung mindestens 95 Menschen getötet. Viele werden noch vermisst, die Rettungskräfte rechnen mit noch mehr Opfern. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sah sich sogar genötigt, Befürchtungen entgegenzutreten, die Fußball-WM im Jahr 2014 oder die Olympischen Spiele 2016 seien durch derartige Unwetter gefährdet. Allein in der Stadt Rio wurden 35 Tote gezählt. In der Millionen-Metropole herrschte Chaos. Autos und Busse blieben in den Wasserfluten stecken. Bäume knickten um. Der Strom fiel aus. In einigen Teilen der Stadt am Zuckerhut fiel binnen zwölf Stunden doppelt so viel Regen wie sonst im gesamten April - und Meteorologen sagten weitere Niederschläge voraus. Betroffen waren vor allem Slumsiedlungen an den steilen Hängen über der Stadt. Dort wurden Holzhütten und Häuser aus Beton von den abrutschenden Schlammmassen weggerissen. Allein in Rio wurden 140 Erdrutsche gemeldet, bei denen in 26 Fällen Häuser unter den Geröllmassen begraben wurden. 10.000 Häuser in Risikogebieten Rios Bürgermeister Eduardo Paes sprach am Dienstag von "absolutem Chaos". Nach seinen Worten gibt es mehr als 10.000 Häuser in Risikogebieten. Die Stadtverwaltung hatte bereits vor Monaten einen Abrissplan für diese Gebäude verkündet. Alle wichtigen Straßen der Stadt seien blockiert, sagte Paes. Rund 3000 Feuerwehrleute und 4000 Mitarbeiter der Stadtreinigung seien im Einsatz. Er mahnte die Einwohner, ihre Wohnungen nicht zu verlassen und vor allem nicht mit dem Auto zu fahren. Die Cariocas, wie die Einwohner Rios heißen, mussten streckenweise durch hüfthohes Wasser stapfen. Autos standen bis über die im Wasser, Bäume knickten um und blockierten Straßen und Kreuzungen. Es gab kilometerlange Staus, Fahrer mussten stundenlang in ihren Wagen ausharren. Auf beiden Flughäfen kam es zu erheblichen Verspätungen. In Rio fiel der Unterricht in Schulen und in Universitäten wegen des Regens aus. Das Unwetter bekam auch Präsident Lula zu spüren, der am Dienstag das Programm seines Rio-Besuches ändern musste. Er sagte den Behörden jegliche Hilfe zu. Zugleich betonte er, dass derart starke Regenfälle außergewöhnlich seien. "Es regnet nicht jeden Tag, wie es auch nicht jeden Tag Erdbeben in Haiti oder Chile gibt. Normalerweise sind die Monate Juni und Juli ruhiger." Rio bereite sich darauf vor, in den Sommermonaten 2014 und 2016 Fußball-WM und Olympische Spiele auszutragen. Im Video: Nach heftigen Überschwemmungen und Erdrutschen im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro ist die Zahl der Todesopfer weiter gestiegen. Weitere Videos finden Sie hier | Schwere Regenfälle und Erdrutsche haben in Brasilien mindestens 95 Menschen in den Tod gerissen. Betroffen waren vor allem Slumsiedlungen in der Hauptstadt Rio. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/ueberflutungen-in-brasilien-rio-unter-wasser-1.4082 | Überflutungen in Brasilien - Rio unter Wasser | 00/04/2010 |
"Die Erinnerung an 2004 wurde wieder wach": Ein starkes Beben vor Sumatra versetzt die Bevölkerung in Angst und löst eine Tsunami-Warnung bis nach Thailand aus. Gut fünf Jahre nach der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean ist die Westküste der indonesischen Insel Sumatra erneut von einem schweren Erdbeben erschüttert worden. In der Bevölkerung brach Panik aus, viele Menschen stürmten nachts auf die Straße. Mindestens 17 Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schwer. Das Beben mit einer Stärke von bis zu 7,8 ereignete sich am frühen Mittwochmorgen 60 Kilometer südöstlich von Sinabang, einer Stadt auf der Insel Simeulue vor Sumatra. Für große Teile Sumatras und an Thailands Westküste wurde ein Tsunami-Alarm ausgelöst. In Sinabang stürzten mehrere Häuser ein. "Ich schlief, als das Erdbeben zuschlug", sagte der 30-jährige Agus aus Banda Aceh, der bei der Tsunami-Katastrophe Weihnachten 2004 seine Mutter verlor. "Ich weckte meine Frau und meine beiden Kinder, wir sprangen alle auf das Moped, um uns weiter oben in Sicherheit zu bringen." Seine Nachbarn seien ebenfalls in Panik geraten. "Die Erinnerungen von 2004 wurden wieder wach." Stromausfall in Banda Aceh In Banda Aceh an der Nordspitze Sumatras, wo bei der Tsunami-Katastrophe Ende 2004 zehntausende Menschen ums Leben kamen, fiel durch das Beben vom Mittwoch der Strom aus, der Mobilfunk blieb jedoch funktionsfähig. Während die US-Erdbebenwarte von einem Beben der Stärke 7,8 sprach, wurde die Stärke des Bebens von der indonesischen Erdbebenwarte später mit 7,2 angegeben. Die Tsunami-Warnungen wurden nach einigen Stunden wieder aufgehoben. Berichte über Todesopfer oder größere Schäden gab es zunächst nicht. Indonesien befindet sich auf dem so genannten pazifischen Feuerring, einem Gebiet mit hoher seismischer Aktivität und hunderten Erdbeben jährlich. Zuletzt hatte Ende September ein Erdbeben der Stärke 7,6 weite Teile Sumatras schwer erschüttert. Das Epizentrum lag damals vor der weiter südlich gelegenen Küstenstadt Padang, nach Angaben der Vereinten Nationen kamen mindestens 1100 Menschen ums Leben. Bei der Tsunami-Katastrophe 2004 wurden in mehreren Küstengebieten des Indischen Ozeans mehr als 220.000 Menschen getötet. Am schlimmsten betroffen war Indonesien mit 168.000 Toten. | "Die Erinnerung an 2004 wurde wieder wach": Ein starkes Beben vor Sumatra versetzt die Bevölkerung in Angst und löst eine Tsunami-Warnung bis nach Thailand aus. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/indonesien-panik-auf-sumatra-nach-erdbeben-1.3705 | Indonesien - Panik auf Sumatra nach Erdbeben | 00/04/2010 |
Versengte Genitalien, Penetrierung mit Bananen: In der Odenwaldschule wurden Schüler regelrecht gefoltert - bis in die neunziger Jahre hinein. An der hessischen Odenwaldschule soll es bis weit in die neunziger Jahre hinein Fälle von sexuellem Missbrauch von Schülern durch Lehrer gegeben haben. Der Schulleitung lägen inzwischen Berichte von ehemaligen Schülern vor, die grausige Rituale schilderten, schreibt die Frankfurter Rundschau. "Das sprengt unsere Vorstellungskraft", sagte Rektorin Margarita Kaufmann dem Blatt. Ende März hatten fünf der insgesamt sieben Vorstandsmitglieder der Odenwaldschule nach Enthüllungen über Missbrauchsfälle aus den siebziger und achtziger Jahren ihren Rücktritt erklärt, Rektorin Kaufmann und Geschäftsführer Meto Salijevic blieben im Amt. Bis dahin gab es Hinweise auf den Missbrauch von 33 Schülern. Nach Auskunft von Kaufmann meldeten sich inzwischen weitere Missbrauchsopfer, die auch von "furchtbaren Misshandlungen von Schülern an Schülern" berichteten. Dazu habe das Versengen und Verbrühen von Genitalien gehört, Minderjährige seien von Schulkameraden als "Sandsack missbraucht" und vor anderen erniedrigt worden. ... und der Lehrer stand untätig daneben Mehrere Schüler sollen inzwischen einen Vorfall beschrieben haben, bei dem ein gefesselter Schüler von Mitschülern mit einer Banane vergewaltigt worden sei, während der verantwortliche Lehrer untätig danebengestanden haben soll. "Ich frage mich, wie das passiert sein kann, ohne dass Lehrer die schrecklichen Schmerzensschreie gehört haben", sagte Kaufmann. Bei der Darmstädter Staatsanwaltschaft laufen mehrere Ermittlungsverfahren gegen Lehrer der Odenwaldschule wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Schülern. Die Einrichtung ist eine integrierte Gesamtschule und galt viele Jahrzehnte lang als Vorzeigeschule für die Reformpädagogik. | Versengte Genitalien, Penetrierung mit Bananen: In der Odenwaldschule wurden Schüler regelrecht gefoltert - bis in die neunziger Jahre hinein. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/odenwaldschule-rektorin-schildert-furchtbare-misshandlungen-1.15026 | "Rektorin schildert ""furchtbare Misshandlungen""" | 00/04/2010 |
Ganze drei Tage lang trotzten die Bergsteiger um den Pforzheimer Bürgermeister in den österreichischen Alpen Minusgraden, starkem Wind und Neuschnee. Sie überlebten dank Teamgeist und Profi-Ausrüstung. Die nach drei Tagen in den österreichischen Alpen geretteten deutschen Bergsteiger befinden sich nach Angaben von Ärzten in einem "sensationell guten Zustand". Bis auf ein paar Erfrierungen seien die Mitglieder der Gruppe um Alexander Uhling, einen Bürgermeister der Stadt Pforzheim, nicht verletzt. Rettungskräfte konnten die Wanderer mit Hilfe von Wärmekameras am Dienstagmorgen finden und wohlbehalten ins Tal fliegen, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. Nach Angaben der Ärzte waren die sehr erleichtert, als der Rettungshubschrauber sie entdeckte. Laut APA gaben sie vor ihrem Notlager Winkzeichen. Die Bergrettung hatte seit Samstagabend gesucht, musste ihren Einsatz aber wegen des schlechten Wetters mehrfach unterbrechen. Die vier Wanderer im Alter zwischen 40 und 50 Jahren - neben Uhlig ein weiterer Baden-Württemberger sowie zwei Männer aus Bayern - hatten am Samstag bei bei einer Schneeschuhtour zum fast 3670 Meter hohen Großvenediger in den Hohen Tauern in Nebel und Sturm die Spur zurück zur Hütte verloren. "Sehr reife Entscheidung" Die Rettung der vier Schneeschuhwanderer ist für den Leiter der Abteilung Bergsport des Österreichischen Alpenvereins nicht zuletzt der Nervenstärke der Betroffenen zu verdanken. "Die eigentliche Leistung ist die mentale Leistung", sagte Michael Larcher am Dienstag der APA. Es sei eine "sehr reife Entscheidung", eine Schneehöhle zu errichten und eine Wetterbesserung abzuwarten. Am Mittag des Karsamstags war auf dem Großvenediger plötzlich das Wetter umgeschlagen. "So etwas geht in den Alpen sehr rasch, ich würde nicht sagen, die Wanderer haben einen Fehler gemacht", sagte der Landesleiter der Bergrettung Tirol, Kurt Nairz. Sofort gruben die Männer eine Höhle in den Schnee. Als erfahrene Bergsteiger wussten sie: In Nebel und Schneesturm zwischen Gletscherspalten herumzuirren, wäre für sie der sichere Tod. In ihrer Höhle kauerten sie sich in Biwaksäcken aneinander und verhinderten so einen Wärmeverlust. Den Proviant teilten sie, zu Trinken hatten sie nur das Kondenswasser, das sich auf den Biwakplanen bildete. In ihrer Schneehöhle überstanden sie die Tage und Nächte bis zum Eintreffen der Rettungskräfte trotz erheblichen Minusgraden, starkem Wind und bis zu 20 Zentimetern Neuschnee weitgehend unbeschadet. Ausrüstung als Lebensretter Nach Expertenangaben rettete den Männern neben Teamgeist und Nervenstärke auch ihre gute Ausrüstung das Leben. Der Deutsche Alpenverein hob hervor, dass sie neben geeigneten Biwaksäcken auch Schaufeln und ausreichend Nahrung dabei hatten. Die Stadt Pforzheim reagierte mit großer Erleichterung auf die Rettung ihres für Bauen und Umwelt zuständigen Bürgermeisters Alexander Uhlig. "Das ist ein Grund zu großer Freude in Pforzheim", erklärte Oberbürgermeister Gert Hager. Für eine 31-jährigen Bayerin kam dagegen jede Hilfe zu spät: Die Bergrettung barg ihre Leiche am Dienstag aus einer Lawine im Vorarlberg. Die Frau war mit drei weiteren Deutschen am Montag bei einer Skitour unterwegs und hatte die Schneemassen selbst losgetreten. Die Einsatzkräfte hatten zuvor vor erheblicher Lawinengefahr in dem Gebiet gewarnt und von Touren abgeraten. | Ganze drei Tage lang trotzten die Bergsteiger um den Pforzheimer Bürgermeister in den österreichischen Alpen Minusgraden, starkem Wind und Neuschnee. Sie überlebten dank Teamgeist und Profi-Ausrüstung. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/bergwanderer-rettung-in-oesterreich-sensationell-guter-zustand-1.22836 | "Bergwanderer-Rettung in Österreich - ""Sensationell guter Zustand""" | 00/04/2010 |
"Skandalöse" Kursänderung: Der vor dem Great Barrier Reef auf Grund gelaufene chinesische Frachter war ohne Lotsen unterwegs. Der Premierminister tobt - und warnt weiter vor einer Ölpest. Australien bangt um eines seiner schönsten Naturwunder: Der am Great Barrier Reef vor Australien auf Grund gelaufene Kohlefrachter sitzt weiter fest. Behördenberichten zufolge sickern immer noch geringe Mengen von Öl ins Meer, berichtete die Melbourner Zeitung The Age. Einer der Öltanks sei auseinandergebrochen, sagte Patrick Quirk, der Chef der Meeresschutzbehörde, dem Radiosender ABC. Seine Behörde sei zwar optimistischer als am Samstag, dass ein Auseinanderbrechen des gesamten Schiffs verhindert werden könne - die Gefahr einer Ölpest sei aber nicht gebannt: "Wir bewältigen das von Stunde zu Stunde, von einem Risiko zum nächsten", sagte Quirk. Nun bete man für ruhiges Wetter in den nächsten Tagen. Er bestätigte, dass ein Lotse, der das Schiff von Gladstone in Queensland aus begleitet hatte, dieses kurz vor dem Unfall verlassen hatte. Allerdings schreibe das Gesetz in dieser Küsten-Entfernung keine Lotsenanwesenheit vor. Das 230 Meter lange Schiff bewegte sich zwar seit dem Unglück am Samstag durch Wellengang 20 Meter, kam aber nicht los. Einen Tag nach dem Unglück waren etwa vier Tonnen Öl ausgelaufen. Der Kraftstoff wurde mit Chemikalien besprüht und zersetzte sich. Mit Vollgas durchs Naturschutzgebiet Das restliche Öl soll abgepumpt werden, um ein weiteres Auslaufen des Treibstoffes zu verhindern. Experten wollten die 950 Tonnen Öl an Bord des Frachters durch Schläuche in die Tanks eines Rettungsbootes leiten, teilten die Behörden mit. Die Bergungsexperten entschlossen sich zu der Pumpaktion, nachdem klar war, dass der schwer beschädigte Frachter nicht von dem Riff zu bekommen war. Zudem wollen Ermittler demnächst mit der Befragung der Besatzungsmitglieder beginnen. Indessen wächst die Empörung im Land, dass ein so großes Schiff unbehelligt auf dem Great Barrier Reef unterwegs war. Der australische Premierminister Kevin Rudd bezeichnete die Tatsache, dass der Frachter in derartiger Entfernung vom Kurs mit voller Geschwindigkeit das Naturschutzgebiet durchquerte, als "skandalös". Er überflog die Unglücksstelle östlich von Rockhampton in Queensland am Dienstag, um sich selbst ein Bild zu machen. Razzien gefordert Die Situation sei weiter sehr ernst, warnte der Premierminister am Flughafen von Rockhampton und betonte die Bedeutung des bedrohten Gebietes: "Für Australien gibt es kein größeres Naturgut als das Great Barrier Reef." Indessen löste das Unglück Kritik am Krisenmanagement der Behörden aus. Bob Brown, Parteichef der australischen Grünen, machte sich vor Ort ein Bild von der Lage und forderte Razzien, um ausländischen Schiffe am Überqueren des Great Barrier Reefs zu hindern. Seinen Angaben nach war die Shen Neng 1 nicht das erste Schiff, dass eine derartige Abkürzung wählte, sagte er gegenüber ABC Radio. Brown forderte härtere Gesetze einschließlich der Beobachtung von Schiffen in der Nähe des Korallenriffs. Er warf den Behörden Untätigkeit angesichts seit längerem kursierender Gerüchte vor. Auch der Chef der Meeresschutzbehörde sagte, er habe keinen Zweifel an den Berichten von Fischern, die angaben, täglich mindestens einen Frachter eine Abkürzung durch das Great Barrier Reef nehmen zu sehen. Seinen Angaben zufolge nutzte die Shen Neng 1 eine autorisierte, aber nicht favorisierte Route aus dem Küstengewässer in Richtung Ozean. Der Unfall habe sich außerhalb der Zone ereignet, in der Schiffe nachverfolgt und die Behörden bei einem Verlassen der vorgegebenen Route gewarnt werden. | "Skandalöse" Kursänderung: Der vor dem Great Barrier Reef auf Grund gelaufene chinesische Frachter war ohne Lotsen unterwegs. Der Premierminister tobt - und warnt weiter vor einer Ölpest. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/oelpest-gefahr-vor-australien-angst-und-empoerung-1.15438 | Ölpest-Gefahr vor Australien - Angst und Empörung | 00/04/2010 |
In einem Kohlebergwerk in den USA sind bei einer Explosion mindestens 25 Arbeiter ums Leben gekommen. Vier weitere Männer werden vermisst. Bei einer Explosion in einem Kohlebergwerk im US-Staat West Virginia sind mindestens 25 Arbeiter ums Leben gekommen. Vier Kumpel wurden unter Tage vermisst, wie die Behörden mitteilten. Mehrere Arbeiter wurden verletzt. Das Unglück ereignete sich am Montagnachmittag im Bezirk Raleigh knapp 50 Kilometer südlich der Stadt Charleston. Mehrere Hubschrauber sowie dutzende Krankenwagen und Feuerwehrautos waren an dem Unglücksort im Einsatz, um nach den noch vermissten Bergleuten zu suchen. Am Dienstagmorgen wurde die Bergungsaktion jedoch zunächst gestoppt. Was die Explosion auslöste, war zunächst nicht bekannt. In der Zeche gab es in den vergangenen Jahren mindestens drei tödliche Unfälle. US-Präsident Barack Obama drückte Gouverneur Joe Manchin telefonisch sein Beileid aus, wie das Weiße Haus mitteilte. Einer der Senatoren des Bundesstaats, Jay Rockefeller, sagte in Washington, seine Gedanken und Gebete seien bei den "mutigen Bergarbeitern" und ihren Familien. Er werde auch selbst mit den Behörden vor Ort zusammenarbeiten, hieß es in einer von seinem Büro verbreiteten Erklärung. Es handelt sich um das schwerste Grubenunglück in den USA seit 1984. Damals kamen bei einem Brand in einer Mine in Utah 27 Menschen ums Leben. Erst am Wochenende waren wie durch ein Wunder dutzende Bergarbeiter aus einem überschwemmten Bergwerk in China gerettet worden. Insgesamt 153 Bergarbeiter waren am Sonntag vergangener Woche dort durch einen Wassereinbruch eingeschlossen worden, bis Montag konnten 115 gerettet werden. Fünf Arbeiter konnten jedoch nur tot geborgen werden, weitere 33 werden vermisst. | In einem Kohlebergwerk in den USA sind bei einer Explosion mindestens 25 Arbeiter ums Leben gekommen. Vier weitere Männer werden vermisst. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/grubenunglueck-in-den-usa-explosion-reisst-25-kumpel-in-den-tod-1.5628 | Grubenunglück in den USA - Explosion reißt 25 Kumpel in den Tod | 00/04/2010 |
Glückliche Rettung in den österreichischen Alpen: Die Bergsteiger-Gruppe um den Pforzheimer Bürgermeister ist wohlauf. Sie war vor Tagen im Großvenediger-Gebiet verschollen. Die vier seit Tagen in den österreichischen Alpen vermissten deutschen Bergwanderer sind wohlauf gefunden worden. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA meldete, wurde die Gruppe um den Pforzheimer Bürgermeister Alexander Uhlig (CDU) am Dienstagmorgen nach einer großangelegten Suchaktion im Großvenediger-Gebiet entdeckt. Die Bergwanderer hätten in Biwaksäcken ausgeharrt. Mit Hilfe von Wärmebildkameras orteten die Rettungskräfte vom Hubschrauber aus das Quartett unter der Venediger Scharte. Die anderen Wanderer kämen aus Böblingen und Tübingen, hieß es beim Alpenverein Pforzheim. Was sich genau in den Bergen abgespielt hatte, war zunächst unklar. Zu Beginn der Suchaktion hatte sie Polizei mitgeteilt, die vier Männer im Alter zwischen 40 und 50 Jahren könnten in eine Gletscherspalte gefallen sein oder sich bei schlechtem Wetter verirrt haben. Die Suche mit etwa 70 Helfern auf dem Boden und per Hubschrauber aus der Luft wurde immer wieder von Sturm, Nebel und Neuschnee behindert. Da die Männer aber gute Ausrüstung wie Biwak-Schlafsäcke dabei haben, hatten die Retter bis zuletzt noch Hoffnung, sie lebend zu finden. der 45-jährige Uhlig gilt als erfahrener Bergsteiger. Die Gruppe war am Samstag bei einer Wanderung am rund 3600 Meter hohen Großvenediger bei Prägraten an der Grenze zwischen Tirol und Salzburg in einem Gebiet ohne Handy-Empfang unterwegs. Als die Bergsteiger nachmittags nicht wie verabredet zu einer Hütte kamen, verständigte ein dort wartender Freund die Bergrettung. | Glückliche Rettung in den österreichischen Alpen: Die Bergsteiger-Gruppe um den Pforzheimer Bürgermeister ist wohlauf. Sie war vor Tagen im Großvenediger-Gebiet verschollen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/bergunglueck-in-oesterreich-deutsche-bergsteiger-gerettet-1.17931 | Bergunglück in Österreich - Deutsche Bergsteiger gerettet | 00/04/2010 |
Beim US-Masters in Augusta feierte er seine größten sportlichen Triumphe - jetzt kehrt Tiger Woods dort auf den Golfplatz zurück. Doch zuerst muss er seine größte persönliche Niederlage erklären. Golf-Superstar Tiger Woods war bei seiner ersten, mit Spannung erwarteten Pressekonferenz seit dem Ehebruch-Bekenntnis im Dezember 2009 ein echter Vollprofi. Gefasst und hochkonzentriert stellte sich der 34 Jahre alte Kalifornier drei Tage vor seinem sportlichen Comeback nach fünfmonatiger Wettkampfpause beim US-Masters in Augusta am Ostermontag dem 35-minütigen Frage- und Antwortspiel. "Nichts hat sich geändert. Ich will gewinnen", sagte der gelöst wirkende Woods nach einer kompletten Trainingsrunde mit seinem Ryder Cup-Kumpel Jim Furyk und später mit US-Landsmann Steve Stricker. "Der Empfang hier hat mich einfach umgeworfen." Seine Ehefrau Elin Nordegren wird wie auch seine Kinder nicht beim ersten Major des Jahres dabei sein, betonte Woods. Nur ein paar handverlesene Reporter durften seine Flucht nach vorn aus dem selbstverordneten Rückzug vom Turnierzirkus hautnah mitverfolgen. Der Rest der Medienschar musste unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen im Konferenzraum an der legendären Magnolia Lane draußenbleiben. Die Pressekonferenz war der erste Auftritt von Woods seit Bekanntwerden seiner Affären im November, bei dem er Fragen von Journalisten zuließ. "Ich freue mich riesig, wieder hier zurück zu sein, wo ich hingehöre. Es war ein unglaublich gutes Gefühl. Die riesige Unterstützung der Fans und Kollegen hat mein Herz wahnsinnig berührt", betonte Woods. "Meine Therapie hat mir gutgetan und mir Werte meiner Familie, Mutter, Frau und Kinder bewusst gemacht. Aber jetzt bin ich topfit." Warum Woods sich im Januar in eine Therapie angeblich gegen Sexsucht begeben hatte, wollte er nicht begründen. Aber er werde sie fortsetzen. So tief Woods nach seinen Sexskandalen gefallen ist, so unermesslich hoch aber sind die Erwartungen an die Rückkehr des Superstars in den Golf-Zirkus beim US-Masters von Donnerstag bis Sonntag in Georgia. Völlig überraschend und gegen seine Praxis war der als Ehebrecher entlarvte einstige Saubermann nach fünfmonatiger Wettkampfpause bereits zu Ostern im exklusivsten Golfclub der Welt aufgetaucht. Ein Klaps hier und da. Ein knapper Wortwechsel mit seinem Kollegen Paul Casey und Ryder Cup-Kumpel Jim Furyk. Neun Löcher gespielt - und schon war Woods wieder weg. Seine betrogene Ehefrau Elin Nordegren hatte sich nicht blicken lassen und es vorgezogen, auf Distanz zur Öffentlichkeit zu gehen. Lange wie nie zuvor in der 20 Jahre währenden Freundschaft hatte zuvor sein väterlicher Kumpel Mark O'Meara seinen "Zögling" umarmt. "Ich habe ihn seit Juli nicht mehr gesehen. Ich liebe den Bengel. Ich verstehe, was passiert ist, es war bestimmt nichts Gutes. Aber es tangiert unsere Beziehung nicht", so O'Meara. Die Begleitmusik im Boulevard war nur eine Vorahnung von dem zu erwartenden Hype um den ersten Sportmilliardär. Das mediale Crescendo zum Neustart seiner Karriere stellte das Theater um das Profi-Debüt des Branchenriesen 1996 bei weitem in den Schatten. Sean McManus, Sportchef des US-TV-Senders CBS, der mit ESPN wechselweise die Wettkampf-Woche überträgt, verglich den Woods-Auftritt vor der Presse sogar mit dem Spektakel bei der Amtseinführung von US-Präsident Barack Obama. Aber die Gier der Öffentlichkeit nach der Golf-Ikone kennt keine Grenzen. 144 Tage nach seinem letzten Turniererfolg stellt sich Tiger Woods wieder im Wettkampf. Noch sind die Fragen und das Rätsel nicht gelöst, was wirklich zu dem Auto-Unfall vor seiner Haustür im Morgengrauen des 27. November geführt hat. | Beim US-Masters in Augusta feierte er seine größten sportlichen Triumphe - jetzt kehrt Tiger Woods dort auf den Golfplatz zurück. Doch zuerst muss er seine größte persönliche Niederlage erklären. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/comeback-nach-sexaffaere-nichts-hat-sich-geaendert-1.1906 | "Comeback nach Sexaffäre - ""Nichts hat sich geändert""" | 00/04/2010 |
Seit Tagen suchen österreichische Rettungstrupps am Großvenediger fieberhaft nach vier deutschen Alpinsportlern - darunter ist auch der Pforzheimer Bürgermeister. In einem Wettlauf gegen die Zeit suchen seit Samstag österreichische Rettungskräfte in Tirol nach vier vermissten Schneeschuh-Wanderern aus Baden-Württemberg. Unter den Vermissten ist der Pforzheimer Bürgermeister Alexander Uhlig, wie die Stadtverwaltung bestätigte. Die anderen Wanderer kämen aus Böblingen und Tübingen, hieß es beim Alpenverein Pforzheim. Die vier Männer könnten in eine Gletscherspalte gefallen sein oder sich bei schlechtem Wetter verirrt habe, teilte die Polizei in Zell am See mit. Die Suche wurde immer wieder von Sturm, Nebel und Neuschnee behindert. Da die Männer aber gute Ausrüstung wie Biwak-Schlafsäcke dabei haben, hatten die Retter auch am Montag noch Hoffnung, sie lebend zu finden. Der 1. Vorsitzende des Pforzheimer Alpenvereins, Rolf Constantin, sagte, die Gruppe sei beim Abstieg noch gesichtet worden. Uhlig sei ein erfahrener Bergsteiger, sagte der Pforzheimer Oberbürgermeister Gert Hager. Er sei "guten Mutes, dass mein Kollege Alexander Uhlig gut und wohlbehalten zurückkehrt", heißt es auf der Homepage der 119.000-Einwohner-Stadt dazu. Uhlig ist dort Bau- und Umweltdezernent. Die zwischen 40 und 50 Jahre alten Alpinsportler waren am Samstag bei einer Wanderung am rund 3600 Meter hohen Großvenediger bei Prägraten an der Grenze zwischen Tirol und Salzburg in einem Gebiet ohne Handy-Empfang unterwegs. Als sie nachmittags nicht wie verabredet zu einer Hütte kamen, verständigte ein dort wartender Freund die Bergrettung. Die Suche mit etwa 70 Helfern auf dem Boden und per Hubschrauber aus der Luft auf Salzburger und Osttiroler Gebiet wurde mit der Zeit immer mehr ausgedehnt. Wegen starken Nebels und Neuschnees mussten die Retter ihre Aktion aber immer wieder unterbrechen, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. "Wir haben schon nach vier Tagen noch Menschen lebend auf einem Gletscher gefunden", sagte Polizeisprecher Siegfried Berger. Wenn die erfahrenen Alpinsportler unverletzt seien und sich beispielsweise eine Schneehöhle gebaut haben, hätten sie gute Überlebenschancen. Wegen Sturms könne aber momentan kaum in dem Gebiet gesucht werden, in dem die vier Männer am wahrscheinlichsten vermutet werden - alle hofften auf besseres Wetter. | Seit Tagen suchen österreichische Rettungstrupps am Großvenediger fieberhaft nach vier deutschen Alpinsportlern - darunter ist auch der Pforzheimer Bürgermeister. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/oesterreich-vier-deutsche-am-grossvenediger-vermisst-1.11746 | Österreich - Vier Deutsche am Großvenediger vermisst | 00/04/2010 |
Dramatische Rettungsaktion: Mehr als eine Woche nach dem schweren Grubenunglück in China sind 115 Bergleute lebend geborgen worden. 38 weitere sind noch immer unter Tage eingeschlossen. 115 Bergleute haben das schwere Grubenunglück vor gut einer Woche in Nordchina überlebt. In einer dramatischen Rettungsaktion wurden die Kumpel am Montag aus der überfluteten Kohlegrube nahe der Stadt Xiangning in der Provinz Shanxi geborgen, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. "Es ist ein Wunder", sagte ein Mitglied der Rettungsmannschaften. Der Chef der staatliche Werkschutzbehörde, Luo Lin, ging zunächst von insgesamt 115 Überlebenden aus. Bergungstrupps suchten weiter nach fast 40 Verschütteten in der Wangjialing-Grube. "Die Rettungsarbeiten sind sehr schwer", sagte der Gouverneur der Provinz, Wang Jun. In das noch im Bau befindliche Bergwerk war am Sonntag vergangener Woche Wasser eingebrochen, 153 Arbeiter wurden dabei unter Tage eingeschlossen. Die geborgenen Bergarbeiter wurden in umliegende Krankenhäuser verteilt. Sie litten unter Unterkühlung, Austrocknung und Hautausschlag oder seien unter Schock, sagte ein Arzt im chinesischen Fernsehen. "Es ist fantastisch, wieder an der Oberfläche zu sein", sagte ein 27-jähriger Bergmann laut Xinhua. Ein 45-Jähriger sagte: "Ich habe eine Tochter und einen Sohn. Ich muss im Bergbau arbeiten, um Geld für sie zu verdienen." Auf Tragen wurden die geretteten Bergleute am Montag nach und nach aus dem Grubeneingang zu Krankenwagen gebracht. Mitglieder der Bergungstrupps begrüßten sie mit lautem Beifall. Nach der langen Zeit in der Dunkelheit unter Tage hatten die geretteten Bergleute Kleider um die Augen gewickelt, um sie vor dem Tageslicht zu schützen. Einige Kumpel waren mit Armeemänteln zugedeckt. 3000 Helfer hatten sich in den vergangenen Tagen unermüdlich um die Rettung der Bergleute bemüht. Am Samstag waren Rettungsteams mit Tauchern in die Grube vorgedrungen, nachdem am Freitag erstmals Klopfzeichen von Bergleuten gehört worden waren. Die ersten neun Verschütteten wurden am Sonntagabend gerettet. Die Arbeiter hatten sich zum Teil mit ihren Gürteln an den Wänden der Stollen festgekettet, um nicht vor Erschöpfung umzufallen und in dem aufgestauten Wasser zu ertrinken. Ein Berater der chinesischen Regierung für die Sicherheit von Bergwerken, David Feickert, sprach von "einer der erstaunlichsten Rettungsaktionen in der Geschichte des Bergbaus". Die chinesischen Bergwerke gehören trotz massiver Bemühungen um bessere Sicherheitsstandards in den vergangenen Jahren zu den gefährlichsten der Welt. Im vergangenen Jahr kamen nach einer amtlichen Statistik 2631 Bergarbeiter unter Tage ums Leben. 2002 waren es 6995 gewesen. | Dramatische Rettungsaktion: Mehr als eine Woche nach dem schweren Grubenunglück in China sind 115 Bergleute lebend geborgen worden. 38 weitere sind noch immer unter Tage eingeschlossen. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/nach-grubenunglueck-in-china-es-ist-ein-wunder-1.2236 | "Nach Grubenunglück in China - ""Es ist ein Wunder""" | 00/04/2010 |
Schon wieder wackelt die Erde: Bei einem schweren Beben im mexikanischen Bundesstaat Baja California sind mindestens zwei Männer getötet worden. Hundert Menschen wurden verletzt. Nach den verheerenden Beben in Haiti und Chile ist am Sonntag auch das Grenzgebiet zwischen Mexiko und den USA erschüttert worden. Bei dem schweren Erdbeben der Stärke 7,2 im mexikanischen Bundesstaat Baja California am Pazifik sind mindestens zwei Menschen getötet worden. Ein Mann starb beim Einsturz seines Wohnhauses am Rande von Mexicali, sagte ein Sprecher des Zivilschutzes. Ein zweiter Mann sei nach dem Beben in Panik auf die Straße gerannt und von einem Auto überfahren worden. 100 weitere wurden verletzt, viele durch umherfliegenden Gegenstände. Ein Parkhaus stürzte zusammen In Mexicali, der Hauptstadt von Baja California mit etwa einer Million Einwohner, brachen Feuer aus und ein Parkhaus stürzte zusammen. Die Regierung des Bundesstaates Baja California rief für Mexicali den Notstand aus. Menschen liefen dort und in anderen Städten der Region in Panik auf die Straßen. Auch die Strom- und Wasserversorgung sei zeitweise unterbrochen gewesen. Die 300 Patienten im öffentlichen Krankenhaus von Mexicali mussten nach einem Stromausfall in Privatkliniken verlegt werden, die über Notgeneratoren verfügten, sagte Zivilschutz-Direktor Escobedo. Zudem wurde eine Verbindungsstraße von Mexicali nach Tijuana durch eine Serie von Erdrutschen verschüttet und musste gesperrt werden. Aus dem Küstenort Ensenada berichtete der örtliche Chef der Feuerwehr, Jaime Nieto, drei Menschen seien in einer Eisfabrik durch ausströmendes Amoniakgas verletzt worden. Eine Reihe von Nachbeben hielt die Bewohner des Grenzgebietes in Atem: Dem Hauptbeben folgten in schneller Folge drei weitere Erdstöße mit Stärken von bis zu 5,4. Das Epizentrum des Bebens lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte 60 Kilometer südöstlich von Mexicali. Das Erdbeben habe sich in zehn Kilometern Tiefe ereignet. In den USA wurde die kalifornische Grenzstadt Calexico am stärksten getroffen. Im Zentrum habe es erhebliche Schäden gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Die Innenstadt sei deshalb abgeriegelt worden. Die Erschütterungen waren bis nach Los Angeles und San Francisco zu spüren. Auch im dort wurden zahlreiche Häuser beschädigt. "Es wackelte ziemlich", berichtete eine Bewohnerin in San Francisco. In den US-Bundesstaaten Kalifornien und Arizona gab es zunächst keine Berichte über Verletzte. Ein Sprecher der Feuerwehr von Los Angeles sagte, es sei vereinzelt zu Stromausfällen gekommen und einige Menschen hätten in Fahrstühlen festgesessen. Am 12. Januar hatte ein Erdbeben der Stärke 7,0 den Karibikstaat Haiti erschüttert. Es starben mehr als 200.000 Menschen. Das Beben der Stärke 8,8 vom 27. Februar in Chile kostete fast 350 Menschen das Leben. | Schon wieder wackelt die Erde: Bei einem schweren Beben im mexikanischen Bundesstaat Baja California sind mindestens zwei Männer getötet worden. Hundert Menschen wurden verletzt. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/mexiko-erdbeben-loest-panik-aus-1.13023 | Mexiko - Erdbeben löst Panik aus | 00/04/2010 |
Ein Berufungsgericht im islamischen Emirat Dubai bestätigt die Gefängnisstrafe gegen ein britisches Paar. Das Vergehen der beiden: Sie hatten sich in einem Restaurant geküsst. Ein junges Paar, das sich öffentlich küsst - in den meisten Ländern der Erde nimmt daran niemand Anstoß. Anders in Dubai: Ein Berufungsgericht in dem arabischen Emirat hat die einmonatige Gefängnisstrafe für zwei britische Verliebte bestätigt, die sich auf den Mund geküsst hatten. Nach Angaben ihres Anwalts Chalaf el-Hosani können der 24-jährige Gastarbeiter Ayman Najafi und seine ein Jahr ältere Freundin Charlotte Lewis vor dem Obersten Gericht der Vereinigten Arabischen Emirate Berufung einlegen, ihre Erfolgsaussichten schätzte er allerdings als sehr gering ein. Dem Sender CNN zufolge müssen beide außerdem eine Strafe von 300 Dollar wegen unerlaubten Alkoholkonsums zahlen. Eine Bewohnerin des Golfemirats hatte das junge Paar im vergangenen November angezeigt, weil sie sich in einem Restaurant des Nobelviertels Jumeirah Beach Residence geküsst haben sollen. Die beiden wurden daraufhin verhaftet und im Januar zu einem Monat Haft verurteilt. Sie kamen gegen Kaution frei, mussten aber ihre Ausweise abgeben und sich verpflichten, bis zu ihrem Berufungsprozess das Land nicht zu verlassen. Vergeblich hatte ihr Anwalt vor Gericht geltend gemacht, dass die angebliche Zeugin vor der Polizei ausgesagt habe, sie habe den Kuss persönlich gesehen, vor der Staatsanwaltschaft aber ihren Sohn als Zeugen nannte. Laut Hosani haben sich die Beiden lediglich auf die Wange geküsst. Dubai gilt im Vergleich mit anderen Golfstaaten als vergleichsweise liberal, jedoch wird auch dort allzu freizügiges Verhalten streng geahndet. Der Präsident des Europaparlaments, Jerzy Buzek, kritisierte das Urteil mit scharfen Worten. "Wenn die beiden Angeklagten ins Gefängnis müssten, wäre dies ungerecht und falsch", hieß es in einer Mitteilung Buzeks. Der Parlamentspräsident erklärte, er sei "überrascht und enttäuscht" über die Entscheidung. Auch wenn das Paar das geltende Recht gebrochen habe, sei das Urteil unverhältnismäßig. Er rief das Gericht in Dubai dazu auf, die Entscheidung zu überdenken und künftig Strafen zu verhängen, die angemessen seien und eine erzieherische Wirkung hätten. Bereits 2008 war ein britisches Paar aus Dubai ausgewiesen worden, dass nach einer Party Sex am Strand gehabt hatte. | Ein Berufungsgericht im islamischen Emirat Dubai bestätigt die Gefängnisstrafe gegen ein britisches Paar. Das Vergehen der beiden: Sie hatten sich in einem Restaurant geküsst. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/dubai-ein-monat-haft-fuer-einen-kuss-1.4555 | Dubai - Ein Monat Haft für einen Kuss | 00/04/2010 |
Vor dem Great Barrier Reef ist ein chinesisches Schiff auf Grund gelaufen. Der Frachter droht auseinanderzubrechen - mit verheerenden Folgen für das einzigartige Korallenriff. Vor dem berühmten australischen Korallenriff Great Barrier Reef ist ein chinesisches Schiff auf Grund gelaufen. Der mit Kohle und Öl beladene Frachter Shen Neng 1 drohe auseinanderzubrechen, teilten die Behörden am Sonntag mit. Zunächst drangen nur geringe Mengen Öl aus dem Schiff. Die Shen Neng 1 sei stark beschädigt, sagte der Leiter der Behörde für Schifffahrtssicherheit des Bundesstaates Queensland im Nordosten Australiens, Patrick Quirk. Es bestehe daher die Gefahr, dass der 230 Meter lange Frachter in mehrere Teile breche. Die Lage stabilisiere sich zwar von Stunde zu Stunde, er sei aber weiter in Sorge, fügte Quirk hinzu. Die Shen Neng 1 war mit 65.000 Tonnen Kohle und 950 Tonnen Öl beladen. Die Besatzung blieb zunächst an Bord. Das Great Barrier Reef erstreckt sich über 345.000 Quadratkilometer. Es gilt als der größte lebende Organismus der Welt. Das sensible Ökosystem wird bereits durch den Klimawandel und Abwässer der Landwirtschaft bedroht. Bei ersten Bootspatrouillen und Beobachtungsflügen wurden unweit des Unglücksortes kleinere Ölflecken entdeckt. Der australische Umweltminister Peter Garrett sagte dem Sender ABC, es sei noch nicht klar, ob das bislang ausgelaufene Öl dauerhafte Auswirkungen auf das als Weltnaturerbe gelistete Great Barrier Reef haben werde. Zum Schutz des Korallenriffs sollten nun so schnell wie möglich ein Dispersionsmittel zur Absorption des ausgelaufenen Öls eingesetzt werden. Zunächst müsse aber die Wirksamkeit des Mittels getestet werden. Der Unfall ereignete sich in der südlichen Zone des Naturschutzgebietes Great Barrier Reef. Die Behörden prüften nun, warum das chinesische Schiff so weit entfernt von der Fahrrinne unterwegs gewesen sei, sagte die Regierungschefin von Queensland, Anna Bligh, vor Journalisten. Im März 2009 war aus dem Containerschiff Pacific Adventurer vor dem Great Barrier Reef eine große Menge Öl ausgelaufen. Dabei wurden die Moreton-Insel und die Strände der Sunshine Coast in Queensland verschmutzt. Die Umweltschutzorganisation Capricorn Conservation Council warnte vor weiteren Schiffsunglücken, die dem Korallenriff schaden könnten. "Wir können sicher sein, dass das ein Vorzeichen für die kommenden Ereignisse ist", sagte Sprecher Ian Herbert über das Unglück der Shen Neng 1. Es wird erwartet, dass aus den Häfen von Queensland in den kommenden Jahren verstärkt Kohle und Flüssiggas verschifft werden, um den wachsenden Energiebedarf in Asien zu stillen. | Vor dem Great Barrier Reef ist ein chinesisches Schiff auf Grund gelaufen. Der Frachter droht auseinanderzubrechen - mit verheerenden Folgen für das einzigartige Korallenriff. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/australien-great-barrier-reef-droht-eine-oelpest-1.20239 | Australien - Great Barrier Reef droht eine Ölpest | 00/04/2010 |
Für ein Video tanzte die US-Soul-Sängerin Erykah Badu nackt auf offener Straße - ausgerechnet dort, wo Präsident John F. Kennedy erschossen wurde. Ausgerechnet am Tatort des Attentats auf John F. Kennedy hat sich die Soulsängerin Erykah Badu für ein neues Video nackt ausgezogen. Für den Striptease auf dem Dealey Plaza in Dallas bekommt die 39-Jährige nun Ärger mit der Polizei, berichtet die Zeitung The Dallas Morning News am Samstag. Demnach machte das Video im Internet die Ordnungshüter auf Badu aufmerksam. Die Sängerin, die selbst 1971 in Dallas geboren wurde, hat das Video zu ihrem Lied "Window Seat" am 13. März auf dem Dealey Plaza der texanischen Stadt aufgenommen. Sie geht dabei über den Platz, zieht sich aus und gibt vor, an der markierten Stelle, an der Kennedy 1963 tödlich getroffen wurde, von einem Kopfschuss getroffen zu werden. Polizeisprecher Warren Mitchell sagte, der Vorwurf des ungebührlichen Benehmens sei eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 500 Dollar geahndet werden könne. Der Vorwurf basiere auf der eidesstattlichen Erklärung einer 32-jährigen Zeugin, die am Donnerstag abgegeben worden sei. "Nach langer Diskussion sind wir der Überzeugung, dass der Vorwurf ihr Verhalten trifft", erklärte Warren. "Sie hat sich auf einem öffentlichen Platz ohne Rücksicht auf andere und kleine Kinder in der Nähe ausgezogen." Mitchell sagte, Badu könne gegen den Vorwurf Einspruch einlegen oder die Geldstrafe bezahlen. Eine Sprecherin Badus wollte sich dazu vorerst nicht äußern. John F. Kennedy, der zweitjüngste Präsident in der Geschichte der USA war am 22. November 1963 auf einer Tour durch Texas ermordet worden. Mehrere Schüsse des verwirrten Attentäters Lee Oswald aus einem Lagergebäude am Dealey Plaza trafen Kennedy und den ihn begleitenden Gouverneur John Connally in einem offenen Wagen. Kennedy starb eine halbe Stunde später auf dem Operationstisch. Er war der vierte und bislang letzte US-Präsident, der durch ein Attentat ums Leben kam. In dem Video spaziert Badu in Zeitlupe über den Tatort und entblättert sich vor den Augen der teils staunenden, teils gelangweilten Touristen. Auf ihrem Rücken steht "Evolving" ("Entfaltung"). Die intimen Stellen der splitternackten Sängerin sind gepixelt. An der Stelle, an der ein Kreuz auf der Straße den tödlichen Schuss auf Kennedy markiert, zuckt die 39-Jährige wie getroffen und bricht zusammen. Eine blaue Flüssigkeit fließt aus ihrem Kopf. Die Morning News schreibt zu dem Bußgeld: "Die Strafe: 500 Dollar. Die Publicity: Unbezahlbar". | Für ein Video tanzte die US-Soul-Sängerin Erykah Badu nackt auf offener Straße - ausgerechnet dort, wo Präsident John F. Kennedy erschossen wurde. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/bussgeld-fuer-erykah-badu-striptease-am-ort-des-kennedy-attentats-1.9368 | Bußgeld für Erykah Badu - Striptease am Ort des Kennedy-Attentats | 00/04/2010 |
Er tötete, um Leben zu schützen: Vor Gericht zeigte sich der Mörder eines prominenten US-Abtreibungsarzt uneinsichtig - nun ist er zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Für den Mord an einem prominenten amerikanischen Abtreibungsarzt ist der Todesschütze zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Scott Roeder (52) muss nach der Entscheidung eines Gerichts im US-Staat Kansas für mindestens 50 Jahre hinter Gitter, bevor eine Bewährung infrage komme, berichtet die Zeitung The Kansas City Star. Geschworene hatten Roeder Ende Januar einstimmig für schuldig befunden. Der militante Abtreibungsgegner und radikale Christ hatte seine Tat damit gerechtfertigt, ungeborene Kinder schützen zu wollen. Der 67-Jährige Tiller hatte eine von drei Kliniken in den USA geleitet, die auf Schwangerschaftsabbrüche im fortgeschrittenen Stadium spezialisiert sind. Er war seit vielen Jahren Zielscheibe friedlicher und gewalttätiger Proteste von Abtreibungsgegnern. Roeder hatte vor Verkündung des Strafmaßes noch einmal den Staat und seine Abtreibungsgesetze dafür verantwortlich gemacht, dass er zur Waffe griff. "Hätten die Gerichte gerecht gehandelt, hätte ich Georg Tiller nicht erschossen. Die Schuld für den Tod von Georg Tiller liegt mehr bei dem Staat Kansas als bei mir." Er habe den Abtreibungsarzt "gestoppt, damit er nicht noch ein unschuldiges Baby zerstückeln kann", sagte der Todesschütze weiter. Roeder war kurz nach der Tat festgenommen worden. Er gestand in seinem Prozess, den Arzt im Eingangsbereich der Kirche erschossen zu haben, bekannte sich aber nicht schuldig, weil der Mord an dem Abtreibungsarzt in seinen Augen gerechtfertigt war. Tiller war nach Medienberichten der wohl umstrittenste Abtreibungsarzt der USA. Demnach war bereits 1993 ein Anschlag auf ihn verübt worden, bei dem er Schussverletzungen in beiden Armen erlitt. Mitte der 1990er Jahre wurde seine Klinik bei einem Bombenanschlag schwer beschädigt. Regelmäßig hatten Abtreibungsgegner vor seiner Klinik und seinem Privathaus demonstriert. Wiederholt wurde Tiller unter Polizeischutz gestellt. "Sieg für die nationale Bewegung gegen Abtreibung" Nach Roeders Tat ist es für Schwangere schwieriger geworden, in Kansas abzutreiben. Tillers Klinik ist geschlossen - sie war die letzte in Kansas, die Schwangerschaftsabbrüche nach der 21. Woche durchführte. Zudem bemühen sich konservative Abgeordnete, das Abtreibungsgesetz des Staates zu verschärfen. "Die nationale Bewegung gegen Abtreibung hat hier einen großen Sieg erzielt", sagte Warren Hern, ein langjähriger Freund des Getöteten, der selbst in Colorado Schwangerschafts-Spätabbrüche durchführt. "Sie haben genau das erreicht, was sie wollten." | Er tötete, um Leben zu schützen: Vor Gericht zeigte sich der Mörder eines prominenten US-Abtreibungsarzt uneinsichtig - nun ist er zu lebenslanger Haft verurteilt worden. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/usa-lebenslang-fuer-mord-an-abtreibungsarzt-1.22746 | USA - Lebenslang für Mord an Abtreibungsarzt | 00/04/2010 |
Er hörte einfach nicht auf zu toben, da griffen die Beamten zu ihrer "stun gun": In den USA haben Polizisten eine Elektroschockpistole gegen einen zehnjährigen Jungen eingesetzt. Im US-Staat Indiana haben zwei Polizisten ein Elektroschockgerät gegen einen zehnjährigen Jungen eingesetzt. Nach Angaben ihrer Vorgesetzten in Martinsville wurden sie am Dienstag in eine Kindertagesstätte gerufen, in der der Junge auf zwei Angestellte der Tagesstätte eingeschlagen und getreten habe. Nach einer Warnung habe einer der Beamten dem Jungen mit seinem Elektroschockgerät ein bis zwei Sekunden lang Stromstöße versetzt. Der andere habe ihm ins Gesicht geschlagen, schilderte Polizeichef Jon Davis. Der Junge habe geweint, hätte aber bei dem Vorfall keine schweren Verletzungen erlitten. Die beiden Polizisten sind inzwischen vom Dienst suspendiert. Davis kritisierte auf einer Pressekonferenz das Vorgehen seiner Beamten und sagte, sie hätten den Jungen auch ohne Einsatz von Gewalt bändigen können. Nach Angaben der Polizeistelle sei der Junge "außer Kontrolle" gewesen, als sie an der Tagesstätte eintrafen. Er hätte "wie wild" um sich geschlagen und getreten. Immer wieder werden in den USA Vorfälle bekannt, in denen Polizisten ihre sogenannten Taser stun guns auch gegen Kinder einsetzen. Im November wurde in Arkansas ein Beamter entlassen, weil er ein zehnjähriges Mädchen mit Stromstößen aus dem Gerät traktiert hatte. Grund der Kündigung war bei dem Fall aber nicht der Einsatz des Elektroschockgeräts an sich gewesen. Vielmehr hatte der Polizist gegen eine Dienstvorschrift verstoßen, bei dessen Einsatz eine an dem Gerät angebrachte Kamera einzuschalten. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) hatte den Einsatz der Elektroschockwaffen scharf kritisiert: Demnach sind in den USA innerhalb von acht Jahren 334 Personen ums Leben gekommen. Die Organisation warnte vor deren tödlichen Gefahren. 90 Prozent der Menschen, die nach einem Taser-Einsatz in den USA starben, waren nach Angaben der Organisation nicht bewaffnet und stellten keine unmittelbare Bedrohung dar. Die Opfer seien oftmals wiederholten und anhaltenden Elektroschocks ausgesetzt gewesen. In den meisten der untersuchten 334 Todesfälle hätten auch Faktoren wie Drogen eine Rolle gespielt. Die US-Polizei habe Taser gegen Kinder, schwangere Frauen und Menschen mit Altersdemenz eingesetzt. | Er hörte einfach nicht auf zu toben, da griffen die Beamten zu ihrer "stun gun": In den USA haben Polizisten eine Elektroschockpistole gegen einen zehnjährigen Jungen eingesetzt. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/usa-polizisten-traktieren-kind-mit-elektroschocks-1.16441 | USA - Polizisten traktieren Kind mit Elektroschocks | 00/04/2010 |
Eine Teenagerin soll ihre kleine Stiefschwester Männern gegen Geld zum Missbrauch angeboten haben - und prostituierte sich auch selbst. "Man weiß nicht einmal, was man sagen soll", sagte ein Polizist den Reportern der NY Daily News. Der Vorfall ist tatsächlich kaum zu fassen: Eine 15-Jährige soll in den USA ihre Stiefschwester dem Missbrauch durch mehrere Männer auf einer "Sexparty" preisgegeben haben. Das Kind ist erst sieben Jahre alt. Die Jugendliche wurde wegen Förderung der Prostitution und Körperverletzung angezeigt, wie die Polizei im US-Staat New Jersey am Mittwoch weiter mitteilte. Der Vorfall trug sich bereits am Sonntag in einem Viertel der Stadt Trenton zu, das als sozialer Brennpunkt bekannt ist. Die Polizei fahndet jetzt nach den etwa einem Dutzend Jungen und Männern. Unklar ist, wie viele von ihnen sich an dem Mädchen vergangen haben. Die Eltern der Kinder hatten die beiden Mädchen als vermisst gemeldet. Nachdem die 15-Jährige gegen Geld Sex mit den Männern in einer Hochhauswohnung hatte, soll sie laut NY Times ihrer Schwester ein Bündel Geld gegeben haben und sagte ihr, sie solle sich von den Männern berühren lassen. Das Kind sei danach vergewaltigt worden. "Sie drohten dem Mädchen an, es umzubringen, falls es schreit oder irgendjemanden etwas erzählt", sagte ein Polizeisprecher. Das Kind zog sich später wieder an und verließ die Wohnung, die Schwester blieb. Zwei Frauen fanden schließlich das weinende Kind und brachten es nach Hause. Das Mädchen wurde in ein Krankenhaus eingeliefert und soll jetzt mit ihrer Familie psychologisch betreut werden. Die 15-Jährige sitzt jetzt in einem Jugendgefängnis. Ihr soll nach Willen der Staatsanwaltschaft aber nach dem Erwachsenenstrafrecht der Prozess gemacht werden. | Eine Teenagerin soll ihre kleine Stiefschwester Männern gegen Geld zum Missbrauch angeboten haben - und prostituierte sich auch selbst. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/missbrauch-in-den-usa-kind-von-schwester-zum-sex-ueberlassen-1.4734 | Missbrauch in den USA - Kind von Schwester zum Sex überlassen | 00/04/2010 |
Der Mörder der neunjährigen Corinna aus Sachsen ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte das Kind vergewaltigt und umgebracht - später zeigte er Reue. Der Mörder der neunjährigen Corinna aus dem sächsischen Eilenburg muss lebenslang in Haft. Das hat das Landgericht Leipzig am Mittwoch entschieden. Das Leipziger Landgericht stellte zugleich eine besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung des 39-Jährigen bereits nach 15 Jahren ausschließt. Der 39-Jährige habe bei seiner Tat eine erhebliche Kaltblütigkeit an den Tag gelegt, hieß es zur Begründung des Urteils. "Die Gewalteinwirkung und damit auch das Maß der Schuld gehen über das normale Maß hinaus", sagte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf. Der arbeitslose Alkoholiker hatte gestanden, das Mädchen im Juli vergangenen Jahres auf sein Gartengrundstück gelockt und dort in einem Bauwagen sexuell missbraucht und getötet zu haben. Corinnas Leiche warf er in einen Nebenarm des Flusses Mulde, ihre Kleidung und ihre Puppe verbrannte er. Wenige Tage danach wurde der Täter, der wegen Brandstiftung und Verkehrsdelikten vorbestraft ist, aufgrund mehrerer Zeugenhinweise gefasst. 50.000 Euro Schmerzensgeld Das Gericht sprach den Angeklagten des Mordes, des sexuellen Missbrauchs, der sexuellen Nötigung und der versuchten Vergewaltigung für schuldig. Es folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Auch der Verteidiger des Mannes hatte in seinem Plädoyer das Tatgeschehen als Mord eingestuft und sich der Forderung nach lebenslänglich angeschlossen. Allerdings war er der Ansicht, dass die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld nicht zu rechtfertigen wäre. Der Angeklagte selbst hatte am vorletzten Verhandlungstag in einer persönlichen Erklärung beteuert, er bedaure das Verbrechen zutiefst. Er wisse nicht, wie er der Mutter des Kindes erklären könne, wie leid es ihm tue und wie sehr er die Tat bereue. Er habe einfach nicht den Mut dazu. Laut dem Urteil muss er 50.000 Euro Schmerzensgeld an die Mutter des Kindes zahlen. | Der Mörder der neunjährigen Corinna aus Sachsen ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte das Kind vergewaltigt und umgebracht - später zeigte er Reue. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/gerichtsurteil-hoechststrafe-fuer-corinnas-moerder-1.14892 | Gerichtsurteil - Höchststrafe für Corinnas Mörder | 00/04/2010 |
Robin Williams hat sich mit einem Talkshow-Auftritt die Kritik des australischen Premiers eingehandelt. Dabei tat der US-Schauspieler nur das, was er am besten kann. Das Publikum hielt es kaum auf den Sitzen, als Robin Williams am 29. März bei David Letterman zu Gast war - denn der US-Komiker tritt nach einer längeren Auszeit wieder mit altem Elan auf die öffentliche Bühne. Vor einem Jahr hatte er sich noch einer Herzoperation unterzogen, nun macht er wieder das, was er am besten kann. Leute unterhalten und Kalauer am laufenden Band abfeuern. Der Schauspieler hatte in Good Morning Vietnam einst einen Radiomoderator mit losem Mundwerk gespielt - daran durfte sich das Publikum nun wieder erinnert fühlen. Neben zahlreichen Witzen über seine Krankheit parlierte der Starkomiker auch über seine jüngste Australien-Reise mit Letterman - naturgemäß ohne Punkt und Komma. "Australier sind nichts anderes als englische Hinterwäldler", witzelte der Oscar-Gewinner (für Good Will Hunting): "Wenn Darwin in Australien gelandet wäre, hätte er gesagt. Ich hab mich geirrt. Was habe ich mir nur gedacht?" Wenn man sich die Tiere in Australien ansehe, werde einem klar, dass es am siebten Tag im Himmel einen Ausverkauf gab: "Hier haben wir einen Entenschnabel, einen Bieberschwanz - viel Glück." Dass Williams die Australier eigentlich sehr augenzwinkernd auf den Arm nahm, ging da unter. Premierminister Kevin Rudd bekam nur die Hinterwäldler-Botschaft in einem Radio-Interview als Frage präsentiert - und reagierte mit politischem Reflex. Williams solle sich lieber zunächst mit den Hinterwäldlern im US-Bundesstaat Alabama befassen, ehe er sich zu derartigen Bemerkungen über die Australier versteige. Von politischer Schlechtwetterlage zu sprechen, ist allerdings absurd. Die ganze Antwort ist nur eine Randnotiz in einem langen Interview. Rudd steht für ein offenes Australien. Er hat sich im Jahr 2008 bei den Ureinwohnern des Landes für die langjährige erniedrigende Behandlung entschuldigt, und er spricht Chinesisch. Zweisprachigkeit ist bei Poltikern in Down Under selten, die Sprache der Komik hat Rudd aber leider nicht verstanden. Völlig überzogen, wie Robin Williams etwa auf Lettermans Frage nach der Flugzeit in das Land der Kängurus antwortet: "Eineinhalb Jahre." Die kleine politische Posse brauchte jedenfalls deutlich kürzer, um die Kontinente zu überwinden. Und die Internetgemeinde ist sich einig: Sie lacht bei YouTube weiter über den Auftritt. | Robin Williams hat sich mit einem Talkshow-Auftritt die Kritik des australischen Premiers eingehandelt. Dabei tat der US-Schauspieler nur das, was er am besten kann. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/us-komiker-williams-robin-und-wie-er-australien-sah-1.4628 | US-Komiker Williams - Robin und wie er Australien sah | 00/04/2010 |
Eine schwer hirngeschädigte Komapatientin wurde in einer rheinland-pfälzischen Caritaseinrichtung sexuell missbraucht. Der Vorfall wurde nun bekannt, weil die Frau ein Kind bekommt. Eine schwerbehinderte Patientin ist in einer Caritas-Pflegeeinrichtung im pfälzischen Limburgerhof von einem Unbekannten missbraucht und dabei geschwängert worden. "Es ist für uns unfassbar, dass so etwas passiert", erklärte der Speyerer Caritasdirektor Vinzenz du Bellier. Die Frankenthaler Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben in alle Richtungen. "Weil es um eine schwerbehinderte Person geht, kommt ein Missbrauch in Betracht", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig. Die 40 Jahre alte Frau leidet den Angaben zufolge an einer schweren Hirnschädigung. Ob sie das Kind zur Welt bringen wird, soll ihre Familie entscheiden, erklärte die Caritas. "Wir bieten der Familie alle erdenkliche Hilfe an, dass das Kind gesund zur Welt kommen kann und eine gute Zukunft hat." Auf Wunsch ihrer Mutter wird die 40-Jährige in der Einrichtung bleiben, wo sie seit drei Jahren lebt. Dabei handelt es sich um eine Station mit dem Namen "Junge Pflege", in der jüngere Pflegefälle versorgt werden. Die Einrichtung mit 17 Plätzen gehört zu einem Altenzentrum der Caritas. Die Caritas hat vorsorglich alle Mitarbeiter, die zum Zeitpunkt der Tat in dem Bereich arbeiteten, bis auf weiteres auf andere Posten versetzt. Die Schwangerschaft war am vergangenen Freitag entdeckt worden. Am Samstag erstatten die Caritas-Verantwortlichen Anzeige. In der Einrichtung gebe es die nötigen Sicherheitsvorkehrungen, erklärte die Caritas. Die Tat zeige aber deutlich die Grenzen der Überwachung. "Wir können und wir wollen unsere Einrichtungen nicht abriegeln." | Eine schwer hirngeschädigte Komapatientin wurde in einer rheinland-pfälzischen Caritaseinrichtung sexuell missbraucht. Der Vorfall wurde nun bekannt, weil die Frau ein Kind bekommt. | panorama | https://www.sueddeutsche.de/panorama/rheinland-pfalz-wachkoma-patientin-vergewaltigt-schwanger-1.14716 | Rheinland-Pfalz - Wachkoma-Patientin vergewaltigt - schwanger | 00/04/2010 |
Hamburger SV - 1. FC Nürnberg (Samstag, 15.30 Uhr) Es hatte alles so gut ausgesehen für den HSV, im Europa-League-Halbfinale beim FC Fulham. Bis weit in die zweite Halbzeit spielte die Hamburger Elf - offenbar befreit von der Labbadia-Last - technisch guten und höchst effektiven Fußball. Doch dann zerrannen binnen weniger Minuten jegliche Träume vom Heimfinale in der Europa League wie ein Schokoriegel in der Mittagssonne. Das 1:2 gegen Fulham lässt die Saison der Hanseaten endgültig zur Katastrophe werden, und mitten rein in diese tiefe Depression kommt jetzt der 1. FC Nürnberg an die Waterkant. Der "Club" lechzt nach zuletzt drei Pleiten in Serie nach dem entscheidenden Schritt Richtung Klassenerhalt, da scheint ein reichlich angeschlagener Gegner wie der HSV gerade recht zu kommen. Nürnbergs Trainer Dieter Hecking beschwört deshalb bereits eine Psychoschlacht herauf: "Mit dem ureigenen Fußballspiel haben die letzten Spiele nichts mehr zu tun. Es geht nur noch darum, wer am besten mit der Situation umgeht. Das Nervenkostüm muss halten." Wie es um die Nerven der Hamburger bestellt ist, zeigte das fatale Waterloo in London - beim "Club" würde eine weitere Niederlage vermutlich ähnliches Unwohlsein auslösen. Foto: dpa Texte: Jonas Beckenkamp und David Bernreuther | Schalke 04 setzt im Titelkampf auf Nadelstiche und Voodoo-Zauber, Nürnberg beschwört das Nervenkostüm und Hannover hat Bammel vor Eigentoren. Die Bundesliga-Vorschau. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-33-spieltag-psychospielchen-und-parolen-1.935821 | Bundesliga, 33. Spieltag - Psychospielchen und Parolen | 00/04/2010 |
2800 Fans waren mitgereist nach Lyon, und schon lange vor dem Abpfiff übertönten sie mit ihren Gesängen das anfangs so euphorisch gestimmte Heimpublikum. Es grummelte jetzt nur noch bedient, während die Münchner beseelt vom Finale sangen und natürlich Ivica Olic hochleben ließen, den überragenden Torschützen im Stade de Gerland. Trotzdem erreichten die Gäste diesmal nicht wegen eines Individualisten das Finale von Madrid. Sondern wegen einer überzeugenden Teamleistung. Jörg Butt Verschreckte die Franzosen mit seinem orangefarbenen Sweater: Bekam nämlich so gut wie gar nichts zu tun. Ein paar Flankenbälle durfte er aus dem lauen Rhône-Himmel pflücken, nach der Pause griff er noch nach einem Distanzschuss - seine zweite Prüfung in 180 Halbfinal-Minuten. Mehr kam da nicht. Zeigte trotzdem erhebliche Fortschritte im Vergleich zum Hinspiel, denn seine Abspiele nach Rückpässen blieben diesmal fast ausnahmslos im Spiel. Hat 2002 mit Leverkusen den Titel-Triple verpasst - was geht jetzt mit dem FC Bayern? Foto: AFP | Beim Sieg in Lyon feiern die Fans Ivica Olic, gibt Daniel Van Buyten den Indianer und kann es sich Arjen Robben leisten, blass zu bleiben. Die Bayern in der Einzelkritik. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fc-bayern-einzelkritik-kuesse-von-van-gaal-1.937346 | FC Bayern: Einzelkritik - Küsse von van Gaal | 00/04/2010 |
1. FC Nürnberg - Borussia Dortmund, Samstag 15.30 Uhr Eigentlich sollte die Abstiegsakte aus Nürnberger Sicht längst geschlossen sein, doch irgendwie schaffte es der Club, seine soliden Rückrundenleistungen in den vergangenen zwei Spielen komplett vergessen zu lassen. Dem 0:2 gegen Wolfsburg folgte beim 1:2 gegen den direkten Konkurrenten Freiburg die laut Trainer Dieter Hecking "schlechteste Vorstellung" unter seiner Regie - damit befinden sich die Franken drei Spiele vor Schluss nun doch wieder in akuter Gefahr. Da wiegt der Ausfall von Kapitän Andreas Wolf (Daumenbruch) gegen Dortmund doppelt schwer, denn knallharte Defensivkönner seines Kalibers sind im Kellerkampf so brauchbar wie Kohldampf am Gratisbuffet. Ersetzt wird der Nürnberger Abwehrchef durch den Norweger Håvard Nordtveit. Bei der Borussia gab es wohl selten zuvor eine Akte, die derart geschlossen schien, wie zuletzt das Spiel gegen Hoffenheim. Dass es am Ende nur 1:1 stand und obendrein auch noch Stürmer Mohammed Zidan (im Bild) einen Kreuzbandriss erlitt, war wohl mindestens so ernüchternd wie ein vorzeitiger Zapfenstreich am heutigen Tag des Bieres. Foto: ddp | Fußball-Oberexperte Udo Lattek erinnert an eine Alkohol-Verdunstungsstunde, Mohamed Zidans Verletzung an einen Zapfenstreich, und in Hannover herrscht Ernüchterung. Die Bundesliga-Vorschau | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-32-spieltag-zeit-der-abstinenz-1.933366 | Bundesliga, 32. Spieltag - Zeit der Abstinenz | 00/04/2010 |
Bernd Hoffmann ist ein Topmanager. Der Vorstandschef des Hamburger SV hat binnen sieben Jahren aus einem kränklichen Fußballunternehmen wieder eine Adresse gemacht, der auch im Ausland Beachtung geschenkt wird. Er hat mittlerweile ein Plus von über 50 Millionen Euro gemacht, weil der HSV Spieler wie van Buyten, Boulahrouz, de Jong oder van der Vaart und demnächst Boateng zu einem satten Aufpreis weiterverkauft - und dennoch Geld in die Mannschaft reinvestiert hat. Hoffmanns HSV ist inzwischen nicht nur für Edeltalente wie Boateng oder Elia, sondern auch für frühere Weltstars wie Zé Roberto oder van Nistelrooy ein interessanter Arbeitgeber. Dennoch: Hoffmann ist schuld, dass der HSV vor seinem wichtigsten Spiel seit Jahren - im Halbfinale der Europa League gegen Fulham - die schwierigste Phase seit dem Winter 2006 durchmacht. Damals rutschte die von Verletzungspech heimgesuchte Elf bis auf Platz 18 der Bundesliga ab - und Hoffmann entließ den Trainer Thomas Doll. Bald könnte Bruno Labbadia folgen, der sechste Coach in sieben Jahren Hoffmann. Womöglich ist er nach dem 0:1 gegen Mainz nur deshalb nicht beurlaubt worden, weil es eben die Europa League gibt, die die Saison noch retten könnte. Aber selbst wenn sich die Hamburger dort ihren größten Wunsch erfüllen, im Finale am 12. Mai im eigenen Stadion anzutreten, wird der Trainer nächste Saison kaum noch Labbadia heißen. Weil sich, wie vor einem Jahr bei Bayer Leverkusen, wichtige Profis von ihm abgewandt haben. Labbadias Entlassung wiederum wäre die schlimmste Niederlage für Hoffmann. Sie zeigt nämlich, dass er in einem Punkt eben kein Topmanager ist: im sportlichen wie im psychologischen Bereich. Er hat den 44-jährigen Labbadia, der noch immer ein Bundesliga-Neuling ist, als Mann der Zukunft vorgestellt und ihm einen Dreijahresvertrag gegeben - um endlich zu zeigen, dass er Kontinuität herstellen wolle. Doch der Hoffnungsträger ohne Erfahrung musste nach der von Hoffmann befeuerten Trennung von Sportchef Beiersdorfer fast ein Jahr lang ohne sportlichen Berater klarkommen. Und womöglich ist auch Hoffmanns Idee gescheitert, Spieler zu holen, die von einer noch viel größeren Karriere als beim HSV träumen. Nun will er einen "Charaktertest" einführen. Um herauszufinden, ob Profis nur ihren eigenen Weg oder auch den des HSV im Blick haben. Hoffmann selbst sollte sich auch mal einem Charaktertest unterziehen. Um aufzuzeigen, ob seine ungeduldige Art den Klub nicht manchmal auch bremst. | Bernd Hoffmanns Unternehmen mit Bruno Labbadia als Trainer scheint trotz der Euroleague-Erfolge gescheitert. Die Schuld daran trägt der HSV-Chef selbst. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-hamburger-sv-hamburger-charakterfragen-1.22178 | Bundesliga: Hamburger SV - Hamburger Charakterfragen | 00/04/2010 |
Schumacher-Wetter, wie war das schön. 2006, Großer Preis von China, die letzte Siegfahrt des Rekord-Weltmeisters - Regen. 2010, der Shanghai International Circuit ist wieder ein Feuchtgebiet: Platz zehn für Michael Schumacher, kurz vor Schluss vom Frischling Witali Petrow und seinem ehemaligen Ferrari-Adjudanten Felipe Massa überholt. Bleibt ein Ehrenpunkt, während der Mercedes-Kollege Nico Rosberg im identischen Auto das Rennen mit der couragierteren Reifenwahl ein Drittel lang anführt und am Ende den zweiten dritten Platz in Serie nach Hause fährt, die Briten Jenson Button und Lewis Hamilton in der McLaren-Variante des Silberpfeils kann auch er nicht erreichen. Aber es macht einen Unterschied, von wem man überholt wird. "Es war einfach hoffnungslos", bilanzierte Schumacher. Und bezieht das auf die Wehrlosigkeit von Shanghai, als seine Pneus auf den letzten zehn Runden komplett abgefahren waren. Schumacher auf der letzten Rille - ein desolates Sinnbild. Desillusionierend auch, wo der siebenmalige Weltmeister nach der Überseetournee in der WM-Tabelle steht: Die wird nach dem zweiten Saisonsieg im dritten Regen-Grand-Prix der Saison von Jenson Button angeführt (60 Zähler), es folgen Rosberg (50), Fernando Alonso, Hamilton (je 49) und Sebastian Vettel (45), der nach dem verschlafenen Start und zwei Safety-Car-Phasen mit dem Red Bull ähnlich aus der Balance geraten war wie Michael Schumacher. 1:19 gegen Rosberg Der Mercedes-Pilot ist punktgleich mit Adrian Sutil auf dem Force India Gesamtzehnter mit zehn Punkten. In den offiziellen Pressekonferenzen wollen die chinesischen Reporter von allen wissen, warum der Rückkehrer "außer Betrieb" sei. 1:19 steht es in der Summe aller direkten Vergleiche von Training, Qualifikation und Rennen gegen Rosberg nun. Einen solchen Saisonstart hat Schumacher noch nie erlebt. In dem chaotischen Rennen wirkt nur der Titelverteidiger Button überlegt und überlegen, wie es einmal Schumachers Art war. "Im richtigen Moment die richtige Entscheidung treffen, das macht es aus. Dann ist es keine Frage des Glücks, sondern ob man ein Rennen richtig lesen kann", belehrte der Brite. Schumacher wechselte in der Anfangsphase einmal zu früh auf Regenreifen und musste wieder zurück - Rosberg war draußen geblieben und hatte so die Führung übernommen. Schumacher wird in China achtmal auf der Strecke überholt. Selbst der Allerwerteste des Rekord-Weltmeisters muss da als Problemzone herhalten. Kein Witz, es geht um die Schwerpunktverteilung im Auto. Die betrifft zwar vorrangig den Dienstwagen, aber mit jeder hämischen Frage, mit jeder kleinen Ungereimtheit werden die Zweifel größer: Ist Schumachers Magie verblasst? Mercedes-Sportchef Norbert Haug, bekennender Freund seiner Fahrer, sieht sich angesichts der neuerlichen Schmach als Werksschützer berufen: "Der Mann ist eine Institution. Die wahren Fans halten jetzt zu ihm." Chefkritiker Niki Lauda hat da ein kürzeres Verständnis von Geduld: "Eine schwache Leistung. Er ist nicht in die Gänge gekommen, obwohl die Bedingungen seiner Erfahrung eigentlich entgegenkommen sollten." "Kein glückliches Wochenende" Das klingt verdächtig nach einer Runde Mitleid, aber das wäre dem Betroffenen garantiert zu peinlich. "Es war ein Pokerspiel. Aber ich habe keinen guten Job gemacht. Ich habe die Reifen zu hart rangenommen und konnte mich am Ende nicht mehr wehren. Es war ziemlich hoffnungslos. Dieses Wochenende war kein glückliches für mich, ich muss daraus lernen", sagt Schumacher. Im sehenswerten Duell mit Hamilton bekam sein W01 dazu noch einen Rempler ab. Gerade will so gar nichts nach Plan laufen. Schumacher kann sich zwar lange wacker im Rennen halten, aber an der Spitze mithalten- das ist nochmal etwas anderes. Der Analytiker kann sich den neuerlichen Leistungsabschwung zwar erklären, nicht aber die größer werdende Differenz zu Nico Rosberg. Generell ist der W01 zu langsam, generell ist der Wagen kaum in jene Balance zu bringen, die Schumacher benötigt, um zum alten Fahrstil und damit zu seinen Stärken zurückzukehren. Dass er häufiger an der Box war als die meisten anderen ist eine Marginalie - mit der Spitzengruppe hätte er bei diesem Rennen so oder so nichts zu tun gehabt. Die Rollen bei Mercedes scheinen vertauscht zu sein. Der Druck wächst, auf Schumacher und auf das Konzernteam. "Jeder weiß, wie gut Michael im Rennen ist, es muss also am Auto liegen", gesteht Mercedes-Sportchef Norbert Haug ein, "ich würde nicht zu früh den Stab brechen". Es ist der letzte Auftritt für den Mercedes in dieser Form, das Auto kommt jetzt zur Generalüberholung. Außer dem Motor wird fast alles neu sein beim Europastart am 9. Mai in der Nähe von Barcelona. | Der einstige Schlecht-Wetter-König Michael Schumacher wird im Regenrennen von Shanghai durchgereicht. Bei Buttons Sieg bleibt der Ex-Weltmeister erneut hinter Teamkollege Rosberg. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/formel-1-in-china-ratlos-im-regen-1.19885 | Formel 1 in China - Ratlos im Regen | 00/04/2010 |
Rot Weiss Ahlen verabschiedet sich, Düsseldorf darf weiter hoffen: Während die Ostwestfalen drei Spieltage vor dem Saisonende nach dem 0:1 (0:1) gegen Alemannia Aachen als erster Absteiger aus der 2. Fußball-Bundesliga festehen, hat die Fortuna mit einem 2:0 (1:0) gegen 1860 München ihre Chance auf die Rückkehr ins Oberhaus gewahrt. Im dritten Sonntagspiel gewann Rot-Weiß Oberhausen mit 4:1 (1:1) gegen Energie Cottbus. Nur mit einem Sieg hätten die Ahlener die theoretische Chance auf den Klassenverbleib erhalten können, kassierten gegen Aachen aber die 20. Saisonniederlage und gingen zum sechsten Mal hintereinander leer aus. Das Tabellenschusslicht hat mit 21 Punkten elf Zähler Rückstand zu Hansa Rostock (32), das den Relegationsplatz belegt. Die Aachener (41), die zuvor sechsmal auswärts sieglos geblieben waren, haben dagegen den Klassenerhalt gesichert. Aimen Demai (35.) sorgte nach einem Foulspiel von Ahlens Torhüter Sascha Kirschstein mit einem verwandelten Foulelfmeter für den Sieg der Gäste. Düsseldorf bleibt unterdessen die einzige Mannschaft im deutschen Profifußball ohne Heimniederlage und rückte mit seinem zwölften Heimsieg in dieser Saison auf fünf Punkte an den drittplatzierten FC Augsburg heran. _________________________________________________________________ Die Cleveland Cavaliers haben mit den Basketball-Superstars LeBron James und Shaquille O'Neal ihre Titel- Ambitionen gleich zum Start der ersten NBA-Playoff-Runde unterstrichen. Das beste Vorrunden-Team setzte sich am Samstag (Ortszeit) mit 96:83 gegen die Chicago Bulls durch und legte zum 1:0 in der Best-of-Seven-Serie der Eastern Conference vor. Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks greifen erst in der Nacht zum Montag gegen die San Antonio Spurs in die Playoffs der Western Conference ein. Dort hatten die Denver Nuggets gegen Utah Jazz mit 126:113 ihren ersten Sieg gefeiert. Denvers All-Star Carmelo Anthony sammelte bei seiner Gala allein 42 Punkte zu seinem Playoff-Wurfrekord. Im Osten gewannen die Atlanta Hawks 102:92 gegen die Milwaukee Bucks und die Boston Celtics besiegten Miami Heat 85:76. _________________________________________________________________ Alba Berlin hat einen großen Basketball- Coup gelandet und sich als erster deutscher Club für das Eurocup-Finale qualifiziert. Der Bundesliga-Spitzenreiter gewann am Samstagabend sein Halbfinalspiel im spanischen Vitoria gegen Bizkaia Bilbao mit 77:70 (35:30). Im Endspiel des zweitwichtigsten Europapokal-Wettbewerbs treffen die Berliner an diesem Sonntag (21.00 Uhr) auf BC Valencia. Die Spanier hatten zum Endrunden-Auftakt in ihrem Semifinale gegen Panellinios Athen mit 92:80 (53:39) die Oberhand behalten. _________________________________________________________________ Titelverteidiger FC Barcelona hat die Generalprobe für das Champions-League-Duell mit Inter Mailand verpatzt und das Rennen um die spanische Fußball-Meisterschaft wieder spannend gemacht. Vier Tage vor dem Halbfinal-Hinspiel beim italienischen Meister mussten sich die Katalanen im Stadtderby bei Espanyol mit einem 0:0 begnügen. Zu allem Überfluss steht dem Spitzenreiter Barca wegen des Vulkanausbruchs in Island eine strapaziöse Anreise zum Spiel am Dienstag (20.45 Uhr, live bei Sky) in Mailand bevor. Weil Barcelonas Flughafen "El Prat" wegen der Aschewolke gesperrt wurde, muss der Tross die 970 km lange Strecke mit dem Bus zurücklegen. Die Boston Bruins mit Eishockey-Nationalspieler Marco Sturm haben in der NHL-Playoff-Serie gegen die Buffalo Sabres wieder alle Chancen. Boston siegte am Samstag (Ortszeit) 5:3 in Buffalo und glich damit im Achtelfinale zum 1:1 aus. Buffalo fehlt der verletzte Jochen Hecht, die Bruins müssen lange auf Dennis Seidenberg verzichten. Christian Ehrhoff und die Vancouver Canucks verpassten es, in ihrer Serie 2:0 gegen die Los Angeles Kings in Führung zu gehen. Vancouver verspielte auf eigenem Eis einen 2:0-Vorsprung nach dem ersten Drittel und verlor 2:3 nach Verlängerung. ________________________________________________________ Michael Ballack und der FC Chelsea haben im Titelrennen um die englische Fußball-Meisterschaft einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Die "Blues" verloren am Samstagabend bei Tottenham Hotspur mit 1:2 (0:2), während Verfolger und Titelverteidiger Manchester United ein knapper 1:0 (0:0)-Sieg durch einen "Last-Minute"-Treffer von Paul Scholes beim Lokalrivalen Manchester City gelang. Drei Spieltage vor Saisonschluss führen Ballack und Co. (77 Zähler) nur noch hauchdünn mit einem Zähler die Tabelle vor ManU (76) an. ________________________________________________________ Franck Ribéry behindert vor dem Champions-League-Halbfinale des FC Bayern München gegen Olympique Lyon eine Muskelverhärtung. "Ich habe ihn ein bisschen gerettet", berichtete Trainer Louis van Gaal, der den französischen Fußball-Nationalspieler beim 7:0-Sieg gegen Hannover 96 nach 69 Spielminuten vorzeitig vom Platz genommen hatte. "Wir hatten das vereinbart", sagte van Gaal, der versicherte, dass Ribéry "nicht sauer" gewesen sei, als der Star am Samstagabend mürrisch wirkend das Spielfeld verließ. Der leicht angeschlagene Ribéry dürfte im Halbfinal-Hinspiel an diesem Mittwoch aber wieder einsatzfähig sein. Ebenso wie Miroslav Klose, der gegen Hannover wegen einer Magen-Darm-Erkrankung fehlte. Der Nationalstürmer trainierte am Sonntag bereits wieder. Ausfallen werden gegen Lyon definitiv Kapitän Mark van Bommel und Abwehrspieler Holger Badstuber, die beide nach drei Gelben Karten gesperrt sind. _________________________________________________________________ Mit einem Sieg im Spitzenspiel beim FC Brügge hat sich der belgische Fußball-Rekordmeister RSC Anderlecht schon vier Spiele vor dem Saisonende seinen 30. Meistertitel gesichert. Nach dem 2:1-Erfolg hat Anderlecht einen uneinholbaren Vorsprung von 14 Punkten auf Brügge. In den vergangenen beiden Jahren hatte sich jeweils Standard Lüttich die Meisterschaft gesichert. In der Europa League war Anderlecht mit den beiden ehemaligen Bundesliga-Profis Jan Polak (1. FC Nürnberg) und Jelle van Damme (Werder Bremen) im Achtelfinale am Hamburger SV gescheitert. Als Meister spielt der RSC nun in der Qualifikation zur Champions League. ______________________________________________________________ Die Vulkanasche aus Island könnte Bayern Münchens Champions-League-Gegner Olympique Lyon vor dem Hinspiel am Mittwoch in München zu einer ermüdenden Tour zwingen. Man werde die gut 700 Kilometer zwischen Lyon und der bayerischen Landeshauptstadt wahrscheinlich mit dem Bus zurücklegen müssen, sagte Olympique- Trainer Claude Puel am Samstagabend nach dem 2:2 (0:1) von OL bei Girondins Bordeaux. Das Team um Startorwart Hugo Lloris war nach einer nächtlichen Fahrt mit dem Bus und einigen Staus erst am Sonntag um neun Uhr morgens zu Hause. _________________________________________________________________ Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat auch ihren zweiten Härtetest vor der Heim-WM vom 7. bis 23. Mai mit Bravour bestanden. Das Team von Bundestrainer Uwe Krupp setzte sich im Länderspiel in Dresden gegen Norwegen mit 8:2 durch und präsentierte sich vor allem in der Offensive schon in ansprechender Form. Es war der höchste Sieg gegen die Norweger seit 20 Jahren. Bereits einen Tag zuvor hatte die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes in Crimmitschau die Skandinavier 3:0 besiegt. ___________________________________________________________________ Die deutschen Handballer haben das Vierländer-Turnier in Norwegen gewonnen und nach dem EM-Debakel von Österreich einen ersten Schritt aus der Krise gemacht. Das Team von Bundestrainer Heiner Brand gewann in Drammen sein drittes und letztes Turnierspiel nach einer starken Leistung gegen Ex-Europameister Dänemark 27:26 und profitierte von der anschließenden 35: 37-Niederlage der Schweden gegen den Gastgeber. | Rot-Weiß Ahlen steht als erster Zweitliga-Absteiger fest, Düsseldorf bleibt nach Sieg gegen 1860 oben dran, Cleveland und Boston gewinnen zum Auftakt der NBA-Playoffs, Rückschlag für den FC Chelsea. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-ahlen-erster-absteiger-1.17657 | Sport kompakt - Ahlen erster Absteiger | 00/04/2010 |
Im Regen-Chaos von Shanghai hat Sebastian Vettel die erste WM-Führung seiner Karriere verpasst, Nico Rosberg sich dagegen mit dem zweiten Podiumsplatz in Folge für Mercedes auf Platz zwei der Gesamtwertung geschoben und Rückkehrer Michael Schumacher erneut die Show gestohlen. Während Vettel durch einen schlechten Start und taktische Fehler seines Teams auch die dritte Pole Position in dieser Saison nicht zum Sieg nutzte und am Ende nur Sechster wurde, landete Rosberg beim McLaren-Doppelsieg durch den Weltmeister und neuen WM-Spitzenreiter Jenson Button und Lewis Hamilton auf Rang drei. "Dieser Sieg ist etwas ganz Besonderes und bedeutet mir sehr viel", sagte der neue Spitzenreiter Button. Rosberg sah sich als Gesamtzweiter und sein Team im Aufwärtstrend: "Insgesamt bin ich wirklich sehr zufrieden. Das war wieder ein Schritt in die richtige Richtung." Schumacher dagegen kämpfte bei seinen einstigen Lieblingsbedingungen zwar zunächst tapfer, musste aber in direkten Duellen mit Hamilton und Vettel letztlich die jüngeren Konkurrenten ziehen lassen. Insgesamt wurde der 41-Jährige wohl so oft überholt wie noch nie in seiner Karriere und kam am Ende nur als Zehnter ins Ziel, nachdem er in der Schlussphase sogar noch Formel-1-Neuling Witali Petrow im Renault sowie seinen Freund Felipe Massa im Ferrari passieren lassen musste. "Das gesamt Wochenende war ich nicht zufrieden - auch mit meiner Leistung nicht", sagte Schumacher nach dem Rennen. In der Gesamtwertung liegt Button nach seinem zweiten Saisonsieg im 4. von 19 WM-Läufen und Nummer neun in seiner Karriere mit 60 Punkten 10 Zähler vor Rosberg (50). Direkt dahinter folgen Ferrari-Pilot Fernando Alonso und Hamilton (beide 49). Vettel fiel vom dritten auf den fünften Platz zurück (45). Der siebenmalige Weltmeister Schumacher kommt nun auf 10 Zähler. Schon die Anfangsphase war sehr turbulent. Alonso schoss von Startplatz drei vor an die Spitze, hatte aber einen deutlichen Fehlstart hingelegt, für den er später eine Durchfahrtstrafe kassierte. Der von der Pole Position gestartete Vettel verlor zudem einen Platz an Webber. Rosberg blieb Vierter, Schumacher verbesserte sich um einen auf den achten Platz. Ein von Force-India-Pilot Vitantonio Liuzzi bei einsetzendem Regen verursachter Unfall im Mittelfeld sorgte aber schon nach wenigen hundert Metern für eine Safety-Car-Phase. Viele Piloten gingen in der zweiten Runde an die Box und setzten auf Intermediate-Reifen, darunter auch Vettel, der aber hinter Webber auf seine Abfertigung warten musste und bis auf Rang 15 zurückfiel. Auch Schumacher wechselte die Reifen, während Rosberg auf Trockenreifen draußen blieb und vor Button die Führung übernahm und die besten Zeiten fuhr. Schumacher fällt zurück Schon in der fünften Runde korrigierte Vettel seine Reifenentscheidung und holte sich wieder Trockenreifen. In der Boxeneinfahrt wurde er rüde von Hamilton überholt, nach dem schnelleren Stopp holte er sich aber seinen Platz zurück, als er Hamilton bei der Ausfahrt aus der Boxengasse niederrang. Schumacher hatte schon eine Runde früher Trockenreifen aufziehen lassen. Als es in Runde 19 wieder begann, stärker zu regnen, verlor zunächst Rosberg nach einem kleinen Ausrutscher seine Führung an Button. Die ersten Fahrer, darunter Webber, holten wieder Intermediates, Rosberg, Button, Vettel, Hamilton und Schumacher kamen in Runde 20 an die Box. Kurz darauf verursachte der Spanier Jaime Alguersuari die zweite Safety-Car-Phase des Rennens, die das Feld wieder zusammenschob. Button lag vor Rosberg an der Spitze, Schumacher an Platz fünf vor Webber, Hamilton und Vettel. Nach der Freigabe des Rennens in Runde 26 ging im Windschatten von Button und Rosberg das muntere Plätzetauschen weiter. Hamilton kämpfte sich vor auf Rang drei, Schumacher fiel bis auf Platz neun zurück. In Runde 36 quetschte sich Hamilton erstmals an Rosberg vorbei auf Rang zwei, der Mercedes-Pilot konterte aber und holte sich seinen Platz direkt wieder zurück. Dann wurde der Regen wieder stärker, und Schumacher holte in Runde 36 erneut frische Reifen. Hamilton und Vettel in Runde 37, Button und Rosberg in Runde 38. Rosberg kam danach hinter Hamilton auf Rang drei zurück auf die Strecke. Vettel war Sechster, Schumacher lag auf Rang acht, bis ihn noch der Russe Petrow und Massa schnappten. "Heute war das einfach eine Lotterie. Es hätte heute noch schlimmer kommen können", sagtte Vettel. | Durch einen schlechten Start und taktische Fehler seines Teams verpasst Sebastian Vettel die erste WM-Führung seiner Karriere. Michael Schumacher muss Nico Rosberg erneut den Vortritt lassen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/formel-1-china-vettel-verzockt-sich-1.24374 | Formel 1: China - Vettel verzockt sich | 00/04/2010 |
Shaquille O'Neal galt 18 Jahre lang als der Platzhirsch der NBA. Am Ende seiner Karriere gibt er sich mit der Rolle im Schatten eines anderen Superstars zufrieden - und hat damit Erfolg. Noch vor wenigen Jahren wäre dieser Satz aus dem Mund von Shaquille O'Neal undenkbar gewesen. "Mein Motto ist einfach", hatte O'Neal vor Beginn der Spielzeit der nordamerikanischen Basketballliga NBA gesagt. "Es lautet: Gewinne einen Ring für den King!" Der King, der König, das ist nicht er selbst, es ist der Spitzname seines Kollegen bei den Cleveland Cavaliers, LeBron James. Er will die Meisterschaft gewinnen, aber nicht für sich selbst, sondern für seinen zwölf Jahre jüngeren Mitspieler. Zur Erinnerung: Shaquille O'Neal, das ist jener Basketballspieler, der sich selbst Spitznamen gab wie "The Real Deal", "The Diesel", "Dr. Shaq" - oder ganz unbescheiden "Superman", dessen Logo er auch als Tätowierung auf dem Oberarm trägt. Das ist jener Center, der einst bei den Los Angeles Lakers mit Kobe Bryant derart heftig um die Rolle des Platzhirschen gestritten hatte, dass nicht einmal der buddhistische Trainer Phil Jackson schlichten konnte und die Mannschaft nach drei Meisterschaften in Folge auseinander brach. "Superman" verließ Los Angeles im Zorn und kam über die Miami Heat und die Phoenix Suns vor dieser Spielzeit zu den Cleveland Cavaliers. O'Neal ist auch physisch eine Mischung aus Platzhirsch und Superman. Bei einer Körpergröße von 2,16 Metern wog er zu Beginn seiner Karriere etwa 125 Kilogramm und war trotz dieser Physiognomie erstaunlich beweglich und ging filligran mit dem Spielgerät um - das Herumdrehen um den Gegner nannte er selbst den "Black Tornado". In den vergangenen drei Jahren hat sich sein Körpergewicht auf 150 Kilogramm erhöht und beweglich ist kein Attribut mehr, das man dem 38-Jährigen zuschreiben würde - und von einem Tornado ist auch kaum mehr etwas zu erkennen. Er sieht ein wenig aus wie ein Luftballon, der zu stark aufgepustet wurde - und bewegt sich auch so. O'Neal erreicht nur noch zwölf Punkte (sein Karriereschnitt liegt bei 24,1) und 6,7 Rebounds (Karriereschnitt: 11,0) pro Spiel. "Wichtiger für uns ist seine Erfahrung", begründete sein Trainer Mike Brown den Transfer vor der Saison. "Und die Fähigkeit, Mitspieler besser zu machen." Das ist in der Tat eine Eigenschaft O'Neals, die aufgrund seiner formidablen individuellen Statistiken und seines immensen Egos bislang meist unbeachtet blieb. Dabei schaffte es O'Neal immer wieder, zumindest auf dem Platz eine symbiotische Beziehung zu talentierten Mitspielern aufzubauen. Penny Hardaway (bei den Orlando Magic), Kobe Bryant (Los Angeles Lakers) und Dwayne Wade (Miami Heat) wuchsen neben O'Neal zu Superstars heran - erst als sie zu gut spielten und mehr Aufmerksamkeit und Gehalt forderten als O'Neal gab es Probleme. Ähnliches versucht O'Neal nun in Cleveland mit LeBron James, ohne allerdings die Platzhirsch-Rolle für sich zu beanspruchen. Der Superman gibt sich damit zufrieden, nur noch der Helfer eines anderen Superhelden zu sein - wohl wissend, dass er gegen die Popularität seines Mitspielers nicht ankommt. Wegen James änderten die Cavaliers im Jahr 2003 ihre Vereinsfarben und das Logo, mit dem einstigen High-School-Phänomen (die Schule ist nur 50 Minuten von der Arena der Cavaliers entfernt) sollte eine neue Ära bei einem der erfolglosesten Teams in der NBA beginnen. Die vergangenen fünf Spielzeiten schlossen die Cavaliers mit einer positiven Bilanz ab - im vergangenen Jahr gar als beste aller NBA-Mannschaften - und erreichten im Jahr 2007 das Finale um die Meisterschaft. Einen Titel konnte der Verein indes noch nicht gewinnen. "Ein Superstar reicht nicht, um Meister zu werden", sagte Michael Jordan vor dieser Spielzeit. "Ich hatte Scottie Pippen bei mir, Magic Johnson hatte James Worthy und Kareem Abdul-Jabbar und Kevin Garnett hatte Ray Allen und Paul Pierce." Die Cavaliers mussten James vor dieser Spielzeit eine Mannschaft zur Verfügung zu stellen, mit der er den Titel gewinnen kann - vor allem deshalb, weil er nach der Saison den Verein wechseln darf und mehrere Klubs (darunter die New Jersey Nets, die New York Knicks und die Detroit Pistons) bereits starkes Interesse angemeldet haben. Aus diesem Grund verpflichtete General Manager Danny Ferry nicht nur Shaquille O'Neal, sondern auch Anthony Parker und den zweifachen All-Star Antawn Jamison. Die reguläre Saison beendeten die Cavaliers erneut als beste Mannschaft der Liga, die Mannschaft gilt in der Eastern Conference neben den Orlando Magic als Kandidat für den Einzug ins NBA-Finale. Im Westen sind dies neben den Los Angeles Lakers auch die Dallas Mavericks mit Dirk Nowitzki, der mal wieder seine fast letzte Chance nutzen möchte, endlich einen Titel zu gewinnen. Für O'Neal wäre eine Finalserie gegen die Los Angeles Lakers und deren Superstar Kobe Bryant der passende Abschluss. Innerhalb seiner Mannschaft gibt er den bereitwilligen Helfer - und doch würde er am Ende seiner Karriere gerne auf mehr Titel verweisen können als Bryant. Derzeit haben beide je vier Meisterschafen gewonnen, drei davon gemeinsam. "Ich will diesen Titel, ich bin mehr als entschlossen", sagt O'Neal. Allerdings verpasste er aufgrund einer Operation am rechten Daumen die letzten 23 Partien der regulären Spielzeit. Es bleibt die Frage, wie lange der Center braucht, um seinen Spielrhymthmus zu finden - und ob er überhaupt fit ist. Er hat mehr als zehn Kilogramm abgenommen während der unfreiwilligen Auszeit, Kommentator Scott Howard-Cooper von nba.com fragte gar: "Ist er der große Slimfast?" Beim ersten Playoff-Spiel gegen die Chicago Bulls (96:83) stand O'Neal auf dem Feld, er schaffte zwölf Punkte und vier Rebounds - und präsentierte sich erstaunlich fit und beweglich. Er zeigte sogar den "Black Tornado". Keine Frage: O'Neal will in dieser Saison den Titel gewinnen - nicht nur für LeBron James, sondern auch für sich selbst | Shaquille O'Neal galt 18 Jahre lang als der Platzhirsch der NBA. Am Ende seiner Karriere gibt er sich mit der Rolle im Schatten eines anderen Superstars zufrieden - und hat damit Erfolg. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/nba-playoffs-der-bescheidene-1.24709 | NBA Playoffs - Der Bescheidene | 00/04/2010 |
Nach dem 7:0 gegen Hannover lobt sich der FC Bayern selbst - nur Franck Ribéry verweigert dem Trainer den Handschlag. Dabei lässt sich am Franzosen die Entwicklung des Vereins skizzieren. Louis van Gaal brachte sich selbst in eine Zwickmühle. "Das war Spaß auf dem Rasen, für die Zuschauer und auch für den Trainer", sagte er nach dem 7:0-Sieg gegen Hannover 96. "Dieses Spiel hat nicht viel Energie gekostet und ich glaube, dass jeder Spieler Freude hatte, auf dem Platz zu sein." Nach 69 Spielminuten jedoch war für zwei Akteure des FC Bayern der Spaß vorbei, beim Stand von 6:0 nahm van Gaal Ivica Olic und Franck Ribéry vom Feld. Der eine, Olic, trottete zufrieden an die Seitenlinie: Er hatte zwei Tore erzielt, zwei vorbereitet und klatschte nun jeden ab, der ihm eine Hand entgegenstreckte. Der andere, Ribéry, ging wutschnaubend zur Tribüne, warf sein Trikot einem Fan zu und hockte sich auf die Bank, ohne seinen Trainer eines Blickes zu würdigen. Er hatte wahrlich kein schlechtes Spiel gemacht, er hatte nur nicht derart glänzen dürfen wie seine Kollegen Olic, Arjen Robben und Thomas Müller - und war an keinem der bis dahin sechs Treffer war der Franzose direkt beteiligt gewesen. Vielleicht lohnt es sich, die Entwicklung der Münchner Mannschaft an Ribéry zu verdeutlichen. "Ich habe ihn gerettet", sagte van Gaal nach dem Spiel zu Ribérys Herausnahme, um jede Diskussion im Keim zu ersticken. "Es stellte sich heraus, dass er eine Verhärtung hat - also war es gut, dass er nicht 90 Minuten gespielt hat." Und dann strich er noch ein wenig Balsam auf die Seele des sensiblen und transferwilligen Dirbblers: "Mit den Auswechslungen wichtiger Spieler wie Ribéry, Olic und Schweinsteiger habe ich doch angedeutet, dass wir ein wenig langsamer machen wollen." Es war eine formidable Leistung, die der FC Bayern den Zuschauern da präsentiert hatte gegen ein Hannover 96, das weniger Gegner als vielmehr staunender Zuseher war. Sieben Tore erzielten die Münchner (Robben traf drei Mal, Olic und Müller je zwei Mal), am Ende hätte durchaus auch eine zweistellige Zahl auf der Anzeigetafel stehen können - und warum auf dem Spielberichtsbogen neun Torschüsse von Hannover standen, wird wohl das Geheimnis der DFL-Statistiker bleiben. "Die Bayern waren uns in allen Belangen überlegen, man kann schon von einem Klassenunterschied sprechen", sagte Hannovers Trainer Mirko Slomka nach dem Spiel. Die Münchner Akteure hoben deshalb hervor, trotz der bevorstehenden Partien im Halbfinale der Champions League gegen Olympique Lyon nicht den Blick für die Aufgaben in der Bundesliga verloren zu haben. "Das hat mit Charakter zu tun", sagte Bastian Schweinsteiger, der sich mangels Aufgabenstellung in der Defensive und formidabler Leistung der Offensivkollegen ein wenig zurücknehmen durfte. "Das ist die charakterstärkste Mannschaft, in der ich jemals gespielt habe." Sein Trainer Louis van Gaal fragte provokativ: "Haben wir uns schon auf Lyon vorbereitet oder haben wir Hannover ernst genommen? Ich bin gespannt, was Sie morgen schreiben." | Nach dem 7:0 gegen Hannover lobt sich der FC Bayern selbst - nur Franck Ribéry verweigert dem Trainer den Handschlag. Dabei lässt sich am Franzosen die Entwicklung des Vereins skizzieren. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-fc-bayern-eine-frage-des-charakters-1.17967 | Bundesliga: FC Bayern - Eine Frage des Charakters | 00/04/2010 |
Einschüchterungstaktik! Alles Kraftfußballer! Spielverhinderer! Was ist der Mannschaft des FC Schalke 04 nicht alles schon nachgesagt worden in dieser Saison, die eigentlich so wundersam verläuft und doch nur bedingt den erwarteten Respekt einbringt. Denn immer hing da die unbeantwortete Frage in der Luft: Kann Felix Magaths Ensemble ein Spiel auch gestalten und nicht nur zerstören, also agieren statt reagieren? Oder anders: Ist Schalke der würdige Bayern-Herausforderer, zu der Trainer Magath seine Mannschaft vor diesem Spieltag ernannt hatte ("Es gibt ja nur noch zwei Mannschaften, die realistische Chancen auf die Meisterschaft haben, das sind die Bayern und wir")? Nach 90 Minuten gegen Borussia Mönchengladbach hatte Schalke zwar kein spielerisches Glanzstück abgeliefert, mit einem ungefährdeten 3:1-Sieg jedoch die erst am Abend spielenden Bayern von der Tabellenspitze verdrängt und zugleich den Drittplatzierten Leverkusen (1:2 in Stuttgart) distanziert. Einschüchterungstaktik? Erst einmal machte Gladbachs Karim Matmour das, wofür eigentlich die Schalker - ob nun zu Recht oder nicht - bekannt sind: Er nahm wenig Rücksicht auf die Beine des Gegners, als er Lukas Schmitz nach nur 37 Sekunden die Stollen in den Oberschenkel schlug. Die eher übermotivierte als bösartige Aktion des Gladbachers konnte man auch als Signal interpretieren. Nein, Mönchengladbach verstand sich nicht nur als Sparringspartner im Meisterschaftskampf, sondern als Herausforderer im Duell um drei Punkte. Wenig später unterstrich Juan Arango dies auch spielerisch, als er Marco Reus (5.) fein bediente. Reus schob die Kugel allerdings scheinbar irritiert am Tor vorbei. Bewerbung als Abrissbirne Kraftfußballer? Tatsächlich durfte einem in der achten Minute das Spielgerät leidtun, weil Ivan Rakitic dagegen trat, als wolle er sich als Abrissbirne bewerben. Gleichzeitig war die wuchtige Aktion aber so sehenswert wie erfolgreich, denn das - man muss es so nennen - Geschoss schlug direkt neben Logan Bailly zum 1:0 im Gehäuse der Gladbacher ein (8.). Spielverhinderer? Nach nur einer Viertelstunde enttarnten die Schalker dieses Prädikat als üble Nachrede. Benedikt Höwedes und Rafinha waren eher damit beschäftigt, sich gegenseitig zu be- als das Spiel zu verhindern, als sich Raul Bobadilla nach einen weiten Ball von Bailly durchsetzte. Der nächste verhinderte Spielverhinderer Manuel Neuer eilte Bobadilla entgegen, tapste nach dem Ball, nur war Bobadilla mit den Füßen schneller als Neuer mit der Hand. Bobadilla umkurvte Neuer und markierte unbedrängt den Ausgleich. Köpfeln und abstauben Wirklich dominant trat Schalke auch nach diesem Weckruf nicht auf. Die gefälligeren Kombinationen zeichneten bis zur Pause sogar die Gäste auf den Rasen. Aber wen interessiert das eigentlich, wenn sich Spieler derart effizient durch den gegnerischen Strafraum bewegen wie die Schalker? Kuranyi köpfelte, Bailly parierte, Jefferson Farfán staubte ab, 2:1 (45.). Und kaum waren die Seiten gewechselt, spielte erst Michael Bradley Hand, dann Dante Foul gegen Mario Gavranovic, weshalb selbst der nachsichtigste Schiedsrichter auf Elfmeter entscheiden hätte. Rakitic verwandelte zum 3:1 (47.). Damit hatten die Schalker die Pflicht erledigt, doch die Kür in Form von euphorisierendem Angriffsfußball wollte trotz vielversprechender Versuche nicht so recht gelingen. Farfán trat nach einem schönen Gegenzug über das Tor, Kuranyi traf sogar hinein, wurde aber zurückgepfiffen, Gavranovic scheiterte an Bailly und Kuranyi am Pfosten. Ob die Schalker dennoch ein würdiger, weil spielerisch überzeugender Herausforderer für die Bayern sind? Der im griechischen Trainerexil lebende Fußballphilosoph Otto Rehhagel würde solche Fragen wohl abschmettern mit dem Satz: "Würdig ist, wer gewinnt." | Auch beim 3:1 gegen Borussia Mönchengladbach lassen Magaths Schalker spielerische Raffinesse vermissen. Im Meisterschaftsrennen bleiben sie dennoch zu Recht. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-bundesliga-schalke-04-wuerdige-herausforderer-1.13359 | Fußball-Bundesliga: Schalke 04 - Würdige Herausforderer | 00/04/2010 |
Oliver Bierhoff hat dem aus der Nationalmannschaft verbannten Schalker Stürmer Kevin Kuranyi Hoffnung auf eine WM-Teilnahme gemacht. "Wir sind dankbar für jeden Spieler, der in Topform ist. Ich denke, wir wären nicht unglaubwürdig oder würden das Gesicht verlieren, wenn wir gewisse Dinge überdenken, in diesem Fall die frühere Verfehlung von Kevin Kuranyi", sagte Bierhoff in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger. Löw will seine Entscheidung über eine mögliche Begnadigung Kuranyis bis Ende April bekannt geben. Im Oktober 2008 hatte Löw den Schalker Stürmer aus der Nationalmannschaft geworfen. Kuranyi war in Dortmund während des WM-Qualifikationsspiels gegen Russland (2:1) frustriert aus dem Stadion geflüchtet, weil er nicht berücksichtigt worden war. Paul Scholes hat Titelverteidiger Manchester United im Rennen um die englische Fußball-Meisterschaft gehalten. Der 35 Jahre alte Routinier erzielte in der dritten Minute der Nachspielzeit (90.+3) das Siegtor zum 1:0 im Derby gegen Manchester City. Damit verkürzte Manchester United bei drei noch ausstehenden Spielen zumindest vorübergehend den Rückstand auf Tabellenführer FC Chelsea auf einen Punkt. Das Team mit dem deutschen Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack hat am Samstagabend die Chance, mit einem Erfolg im Londoner Stadtderby bei Tottenham Hotspur (18.30 Uhr) den alten Vier-Punkte-Abstand wiederherzustellen. Heiko Herrlich wird auch im Falle des Abstiegs Trainer des Fußball-Bundesligisten VfL Bochum bleiben. Dies versicherte VfL-Sportvorstand Thomas Ernst nach dem deprimierenden 0:2 der Westfalen am Freitag beim 1. FC Köln. "Das steht noch, na klar", sagte Ernst: "Weil wir sicher sind, dass wir hier mit Heiko Herrlich etwas für die Zukunft aufbauen können." Der Ende Oktober von der U19 des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach Bochum gewechselte Herrlich hatte den VfL zunächst aus dem Keller und zu neun Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone geführt. Nach der Niederlage in Köln und neun Spielen ohne Sieg stecken die Bochumer aber wieder mitten im Abstiegskampf. Der spanische Weltranglistendritte Rafael Nadal ist beim ATP-Masters-Turnier in Monte Carlo ohne Satzverlust ins Finale eingezogen. Der viermalige French-Open-Gewinner besiegte im Halbfinale des mit 2,5 Millionen Euro dotierten Tennisturniers seinen Landsmann David Ferrer in 75 Minuten 6:2, 6:3 und trifft nun im spanischen Finale auf Fernando Verdasco, der den an Nummer eins gesetzten Novak Djokovic 6:2, 6:2 besiegte. Nadal hat die Sandplatzveranstaltung in Monte Carlo fünfmal in Folge gewonnen und ist im Fürstentum noch ungeschlagen. Davis-Cup-Spieler Philipp Kohlschreiber war als bester Deutscher im Viertelfinale an Ferrer gescheitert. Die Folgen des Vulkan-Ausbruchs auf Island bremsen auch die Formel 1. Wegen des Flugchaos in Europa drohen dem derzeit in China gastierenden PS-Zirkus logistische Nöte. "Es ist ein Problem. Hoffentlich kommen wir zurück. Vielleicht müssen wir ja alle nach Hause fahren", meinte Red-Bull-Teamchef Christian Horner am Samstag in Shanghai. Fahrer und Rennstall-Mitarbeiter bangen um ihre für Sonntag und Montag geplanten Rückflüge nach Europa, wo alle Teams ihre Rennfabriken haben. Zudem ist unklar, ob das gesamte Material der Teams wie geplant direkt nach dem Rennen am Sonntag abtransportiert werden kann. Die italienischen Fußball-Klubs wollen die Gehälter ihrer Spieler künftig an deren Leistung knüpfen. Die italienische Fußball-Liga will mit der Spielergewerkschaft Assocalciatori einen entsprechenden Vertrag unterzeichnen, bei dem Gehälter gekürzt werden können, wenn die Saisonziele verfehlt werden. Neben einem Grundgehalt für die Akteure sind Prämien für erreichte Ziele und Gehaltskürzungen im Falle des Abstiegs vorgesehen. "Die Lage muss sich endlich ändern. Die Fußballer haben zu viele Privilegien und wenig Pflichten. Die Klubs müssen zahlen, auch wenn die Vereine wegen der schlechten Leistungen der Spieler absteigen müssen und die Spieler sich nicht wie Profis verhalten", sagte Claudio Lotito, Vereinspräsident von Lazio Rom. Die Nashville Predators mit Nationalspieler Marcel Goc haben in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL zum Auftakt ihres Play-off-Duells mit den Chicago Blackhawks mit einem 4:1-Auswärtssieg überrascht. Derweil glichen die San Jose Sharks von Torhüter Thomas Greiss ihre "Best-of-seven"-Serie gegen die Colorado Avalanche durch einen 6:5-Sieg nach Verlängerung aus. Greiss kam allerdings nicht zum Einsatz. | Der Manager der Nationalelf will die Verbannung des Schalkers "überdenken". Außerdem: ManU gewinnt Stadt-Derby, Vulkan-Sorge bei der Formel 1. Sport kompakt | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-bierhoff-macht-kuranyi-hoffnung-1.13162 | Sport kompakt - Bierhoff macht Kuranyi Hoffnung | 00/04/2010 |
Vize-Weltmeister Sebastian Vettel steht im vierten Formel-1-Rennen der Saison zum dritten Mal auf der Pole Position. Der 22 Jahre alte Red-Bull-Pilot war am Samstag in der Qualifikation für den Großen Preis von China in 1:34,558 Minuten mehr als zwei Zehntelsekunden schneller als sein Teamkollege Mark Webber auf Rang zwei. Gemischte Gefühle gab es dagegen bei Mercedes: Während Nico Rosberg nur eine Zehntelsekunde hinter Ferrari-Pilot Fernando Alonso Vierter wurde, musste sich Rekordweltmeister Michael Schumacher mit Rang neun unmittelbar vor Adrian Sutil im Force-India-Mercedes begnügen. Vor dem 4. von 19 WM-Läufen am Sonntag in Shanghai (9.00 Uhr MESZ) hat Vettel als Dritter hinter dem punktgleichen Alonso (beide 37) zwei Zähler Rückstand auf Felipe Massa (Ferrari/39). Rosberg folgt mit weiteren zwei Punkten Abstand auf Position fünf, Rückkehrer Schumacher hat bislang neun Punkte gesammelt. Formel-1-Einsteiger Nico Hülkenberg kam im Williams-Cosworth in der Qualifikation nicht über Platz 16 hinaus. Drei Plätze dahinter bildete Virgin-Pilot Timo Glock auf Position 19 das deutsche Schlusslicht, war damit aber der beste Fahrer aus einem der drei neuen Teams. Die Leistungen Vettels bringen seinen Teamchef indes zum Schwärmen. "Er ist mittlerweile ein kompletter Fahrer. Seine Leistungen in dieser Saison sind außergewöhnlich", lobte Christian Horner den Red-Bull-Piloten in Shanghai. Der Rennfahrer aus Heppenheim ist vor dem Rennen am Sonntag Dritter der Weltmeisterschaft, zwei Punkte hinter dem Gesamtführenden Felipe Massa. In der Vorsaison hatte Vettel den WM-Titel knapp verpasst. "Er hat im vergangenen Jahr viele wertvolle Lektionen gelernt. Es ist unvermeidlich, dass jemand, der so jung ist, an Erfahrung gewinnt", meinte Teamchef Horner. Der 22-Jährige Vettel fuhr in seiner Karriere bislang sechs Grand-Prix-Siege ein. Zuletzt gewann er in Malaysia und reiste daher als Siegfavorit nach Shanghai. "Sebastian war in diesem Jahr bisher fehlerlos, und ich erwarte,dass er das fortsetzt", sagte Horner. Einen Nummer-1-Status gegenüber Teamkollege Mark Webber will Red Bull Vettel aber vorerst nicht einräumen. "Wir unterstützen beide Fahrer absolut gleich. Sie erhalten beide die gleichen Möglichkeiten", beteuerte Horner. "Es wird aber der Zeitpunkt kommen, an man sich entscheiden muss." | Formel-1-Rennfahrer Sebastian Vettel beweist auch in Shanghai seine großartige Frühform und holt die dritte Pole Position im vierten Rennen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/formel-1-in-china-vettel-holt-dritte-pole-position-im-vierten-rennen-1.9198 | Formel 1 in China - Vettel holt dritte Pole Position im vierten Rennen | 00/04/2010 |
Die freundliche junge Dame aus der Pressestelle von Werder Bremen, die Claudio Pizarro pünktlich zum Interview im Vip-Bereich des Weserstadions abliefert, hat rasch noch zwei dringende Anliegen an den gefragten Fußballer. Zum einen möchte die ARD eine Stellungnahme von ihm zu einem Bundesligator aus der Saison 2000/2001. "Aha", sagt Claudio Pizarro, und weiter? Dann müsste er noch sein Einverständnis geben, ob ein Bremer Stadtmagazin sein Konterfei als Maske zum Ausschneiden verwenden darf, fürs Pokalfinale. Pizarro nickt. "Ist also okay?", fragt sie. "Das zweite ja, das erste nicht", antwortet er. An besagtes Tor vom 3. März 2001 hat Claudio Pizarro so gut wie keine Erinnerung mehr, "was soll ich dazu dann auch sagen". Dem Treffer, es war das zwischenzeitliche 3:0 beim 3:1 gegen Freiburg, wurde neun Jahre später die zweifelhafte Ehre zuteil, so kontrovers diskutiert zu werden, als hätte er gestern die Meisterschaft entschieden. Denn die Differenz in der ewigen Torjäger-Statistik, die Pizarro mal mit 131, mal mit 132 Toren führt, rührt von jenem Tor her, das die Deutsche Fußball-Liga damals Freiburgs Kobiaschwili zuschrieb - als Eigentor. Obwohl Pizarro, wenn er etwas nachdenkt, doch zu wissen glaubt, dass "der Ball auch ohne ihn reingegangen wäre". Offiziell also sind es 131 Tore, die der Angreifer von Werder Bremen in der Bundesliga bisher geschossen hat, 71 davon für Bayern München. Drei fehlen ihm noch, um den Brasilianer Giovane Elber als erfolgreichsten ausländischen Torjäger der Bundesliga-Geschichte abzulösen. Einen Preis gibt es dafür nicht, und nicht wenige halten solche Rankings für die digitale Erbsenzählerei des Computer-Zeitalters. Doch in diesem Fall scheint es nicht ausgeschlossen zu sein, dass Pizarro bester Torjäger-Legionär auf Lebenszeit bleiben könnte: In der ewigen Bestenliste der Bundesliga-Torschützen ist der Bremer Stürmer als 19. der einzige noch in der Bundesliga aktive Ausländer in den Top 100. Und an ein Erstliga-Comeback von Roy Makaay (78 Tore/Rotterdam) oder Ailton (106/KFC Uerdingen) glaubt höchstens noch Ailton. Der Staatsanwalt ermittelt noch "Für mein Land wäre es eine große Sache", sagt Claudio Pizarro, "wenn jemand aus Peru so etwas schaffen würde." Er redet jetzt wieder öfter und immer gut über seine Heimat, in der zuletzt nicht alles zum besten stand für den prominentesten Anden-Kicker. In der Nationalmannschaft spielte er seit 2007 nicht mehr, weil er sich mit dem Trainer überworfen hatte. Pizarro stand im Verdacht, an einer sehr ausschweifenden Feier maßgeblichen Anteil gehabt zu haben - was er stets dementierte. Und die Geschichte um die Beteiligung des Profis an der Firma seines Freundes und Beraters Carlos Delgado, die sogar den Fortgang seiner Karriere bedrohte, ist zwar nicht mehr Gegenstand beim Weltverband Fifa. Die peruanischen Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aber nicht eingestellt. "Noch nicht", sagt Pizarro. Ein letztes Mal würde er nun gerne versuchen, Peru zu einer WM zu bringen, 2014 nach Brasilien: "Wenn ich berufen werde, spiele ich gerne wieder für Peru." Er brauche Ziele, und in seinem deutsch-peruanischen Singsang klingt Ziele wie "Seele". Dabei ist Ehrgeiz nicht die erste Eigenschaft, die man dem stets gut gelaunten Profi zusprechen würde. Er gehört zu den beneidenswerten Menschen, die ständig Spaß an ihrer Arbeit zu haben scheinen und nur lachend aus dem Haus gehen. Sein Ruf als Pistenkönig der Nacht ist legendär, gerade zu Münchner Zeiten gab es größere Disziplinfanatiker als ihn. Die Erklärung dafür? "Ich bin ein fröhlicher Mann", sagt Pizarro. Das steckt an, sogar die Bremer. Sie verehren ihn. Pizarro galt schon in seiner frühen Periode an der Weser, 1999 bis 2001, im Duett mit dem pummeligen Ailton als kommender Weltstar. Mitspieler wie Marco Bode glaubten, nie mit einem torgefährlicheren Fußballer zusammengespielt zu haben als mit Pizarro. Der schoss zwar auch später, in fünf Jahren beim FC Bayern, beständig seine Tore, zu einer Weltkarriere aber reichte es nicht. Das Engagement beim FC Chelsea verunglückte. "Es war Pech, dass Trainer Mourinho nach drei Monaten weg war", sagt Pizarro, "der hatte mich geholt." Für Werder war es ein Glück. Sportchef Klaus Allofs hat von der Ersatzbank schon einige wertvolle Spieler verpflichtet, den Franzosen Johan Micoud damals aus Parma oder Diego vom FC Porto. Zunächst sah es bei Pizarro aus wie ein Zweckbündnis, hier der Spieler ohne Einsätze, dort der Klub ohne Torjäger. Liebe, ein großes Wort Inzwischen ist aus dem Peruaner auf Durchreise ein sesshafter Werderaner geworden. "Als ich das erste Mal hier war", sagt Claudio Pizarro, "habe ich gar nicht gemerkt, wie sehr die Leute mich mögen." Andere Kultur, andere Prioritäten. Doch seit seiner Rückkehr spüre er, "wie mich die Menschen lieben". Liebe, ein großes Wort. Sichtbar wird sie an der Zahl der Pizarro-Masken werden, mit denen sich die Werder-Fans beim Pokalfinale am 15. Mai verkleiden. Nur die Sache mit dem antiken Freiburg-Tor wird sich nicht mehr ändern lassen. Das aber sei eh' egal, sagt Werders Trainer Thomas Schaaf: "Claudio bricht den Rekord sowieso." | Der als Lebemann geltende Bremer Stürmer Claudio Pizarro will Giovane Elber überholen - mit einem Tor-Rekord, der womöglich für die Ewigkeit taugt. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-claudio-pizarro-treffsicherer-pistenkoenig-1.7411 | Bundesliga: Claudio Pizarro - Treffsicherer Pistenkönig | 00/04/2010 |
1. FC Köln - VfL Bochum (Freitag, 20.30 Uhr) Gerade als in Köln angesichts des halbwegs gesicherten Klassenerhalts in dieser Saison Langeweile droht, tut sich wieder was: Unter der Woche zeigte Mittelfeldspieler Maniche (li.) einem Fotografen auf dem Trainingsgelände seine Wertschätzung per Stikefinger und bekam dafür eine drastische vereinsinterne Strafe aufgebrummt. Wäre doch gelacht, wenn bei den jecken Rheinländern nach den Fan-Schmähungen gegen den umstrittenen Trainer Zvonimir Soldo endlich einmal Ruhe einkehren würde - nein, in Köln gehören hadern, scheitern, meckern und zetern einfach dazu wie das frische Kölsch neben dem gerade Getrunkenen. Immerhin steht der FC trotz seiner klubinternen Kapriolen nicht so sehr mit dem Rücken zur Wand wie die Bochumer. Geradezu traditionell befindet sich der VfL zum Ende der Saison da, wo man sich zu Genüge auskennt: kurz vor den Abstiegsplätzen. Vielleicht kommt Heiko Herrlichs Truppe der Kölner-Querulantenhaufen gerade recht, denn das Motivationsplus dürfte nach der fast beschlossenen Rettung des FC eindeutig auf Seiten des VfL liegen. Langweilig wird beiden Klubs bestimmt nicht so bald. Foto: ap Texte: Dominik Prantl, Jonas Beckenkamp, Jürgen Schmieder und David Bernreuther | Dunkle Wolken über Hamburg, eine Kampfansage aus dem Ruhrpott und die Hoffnung auf eine leckere Belohnung für einen Sieg gegen den FC Bayern. Die Bundesliga-Vorschau | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-31-spieltag-um-wuerste-und-filetsteaks-1.11714 | Bundesliga, 31. Spieltag - Um Würste und Filetsteaks | 00/04/2010 |
Der spanische Fußball-Meister FC Barcelona marschiert in der Primera Division unaufhaltsam dem erneuten Titelgewinn entgegen. Der Spitzenreiter setzte sich am 32. Spieltag souverän 3:0 (1:0) gegen Deportivo La Coruña durch und verteidigte seinen Drei-Punkte-Vorsprung auf den Erzrivalen Real Madrid, der am Donnerstagabend dank des Siegtreffers des Ex-Hamburgers Rafael van der Vaart 2:1 (1:1) bei UD Almeria gewann. Am vergangenen Samstag hatte Barcelona das Gipfeltreffen bei Real mit 2:0 für sich entschieden und die Königlichen an der Tabellenspitze abgelöst. "Die Spieler sind nach wie vor hungrig. Den gleichen Eindruck hatte ich in der vergangenen Saison", sagte Barça -Präsident Joan Laporta. Der Klubchef ist dankbar, "dass die Mannschaft so hart fightet und auch versucht, dem Publikum spektakulären Fußball zu bieten". Bojan Krkic (16.), Pedro (69.) und Yaha Toure (72.) schossen die Tore für den Gastgeber, bei denen der argentinische Weltfußballer Lionel Messi diesmal leer ausging. _________________________________________________________________ Bayern München wird nicht gegen die Verlegung eines Meisterschaftsspiels von Champions-League-Gegner Olympique Lyon bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) vorgehen. "Es wird keinen Protest geben. Es ist eine autarke Entscheidung der jeweiligen Liga, wie sie Spiele ansetzen. Das ist Fakt", sagte Mediendirektor Markus Hörwick am Freitag in München zu einem geplanten Vorstoß von Trainer Louis van Gaal. Der Bayern-Trainer wollte die UEFA auffordern, eine Spielverlegung von Lyon in der französischen Meisterschaft zwischen den beiden Halbfinal-Partien gegen den FC Bayern am 21. und 27. April zu untersagen. "Ein Wettbewerb muss unter gleichen Umständen ausgetragen werden. Es kann nicht sein, dass ein Spiel nicht gespielt wird", beklagte van Gaal am Freitag und sprach von fehlendem Fair Play. "Ich denke, dass ein wesentliches Zeichen des Sports gleiche Umstände sind", betonte van Gaal. _________________________________________________________________ Der deutsche Fußball sorgt sich um Holger Hieronymus. Der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat am vergangenen Dienstag einen Schlaganfall erlitten und liegt seither in einem Krankenhaus auf der Intensivstation. Dies berichtet die Bild-Zeitung (Freitagausgabe). Der frühere Bundesligaprofi des Hamburger SV war in seiner Frankfurter Wohnung zusammengebrochen. Über den derzeitigen Gesundheitszustand des 51-Jährigen gibt es keine näheren Informationen. Seit 2005 arbeitet Hieronymus als Geschäftsführer Spielbetrieb für die DFL, wo er 2007 in den Vorstand des Ligaverbandes aufrückte. Zuvor war er bis August 2002 Sportchef beim Hamburger SV, mit dem er 1983 den Europapokal der Landesmeister gewonnen hatte. Von 1979 bis 1984 absolvierte er 121 Bundesligaspiele für den HSV, ehe er seine Laufbahn nach einem Zusammenprall mit dem Mannheimer Fritz Walter wegen eines Kreuzbandrisses sowie Meniskus- und Knorpelschadens schon mit 26 Jahren beenden musste. Stürmer Mario Gomez will seinem Teamkollegen Miroslav Klose nach dem Platz im Angriff von Bayern München auch dessen Einsatzgarantie in der Fußball-Nationalelf streitig machen. "Ich weiß, dass Miro ein Spieler ist, auf den Joachim Löw noch mehr setzt, dass er vor mir steht. Aber ich werde natürlich weiterhin um einen Stammplatz kämpfen", sagte Gomez der Bild-Zeitung. Obwohl Gomez in der Bundesliga für die Bayern in dieser Saison zehnmal, sein Konkurrent aber nur zweimal traf, setzte Bundestrainer Joachim Löw beim jüngsten Länderspiel gegen Argentinien (0:1) weiter auf den erfahreneren Klose in der Startelf. "Den Status, den Miro hat, muss ich mir erst erkämpfen", sagte Gomez, dessen Karriere im DFB-Dress bisher eher enttäuschend verlief: "Ich mache keinen Hehl daraus, dass es nicht optimal läuft. Das sieht ja jeder." __________________________________________________________ Bayer 04 Leverkusen hat den kroatischen U-21-Nationalspieler Zvonko Pamic von NK Karlovac bis zum 30. Juni 2015 verpflichtet. Dies teilte der Fußball-Bundesligist am Freitag mit. "Er ist ein sehr vielseitiger Mittelfeldspieler mit Potenzial. Das Investment ist überschaubar", erklärte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser zum Vertragsabschluss mit dem 19-jährigen Nachwuchsspieler. Pamic soll zunächst zur weiteren Ausbildung an einen Verein in Deutschland ausgeliehen werden. Über die Höhe der Ablösesumme wurde Stillschweigen vereinbart. _________________________________________________________________ Basketball-Superstar Dirk Nowitzki hat erstmals angedeutet, in diesem Sommer vielleicht eine erneute Pause im deutschen Nationalteam zu nehmen. Zwar wolle er sich zunächst voll auf die an diesem Wochenende beginnenden NBA-Playoffs mit den Dallas Mavericks konzentrieren und sich erst danach entscheiden. "Durch die Wildcard sind wir aber ja auch bei der EM 2011 in Litauen dabei und da geht es um die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London. Von daher gibt es bei der WM im Sommer eigentlich nicht viel zu holen", sagte Nowitzki am Donnerstagabend in einem Conference Call mit deutschen Journalisten. Für eine Teilnahme an den Titelkämpfen in der Türkei (28. August bis 12. September) spräche der späte Zeitpunkt des Turniers. "Da wäre ich sowieso schon wieder am trainieren", sagte der Würzburger. Im vergangenen Jahr hatte Nowitzki auf Wunsch des Clubbesitzers der Mavericks, Mark Cuban, erstmals seit vielen Jahren nicht für Deutschland gespielt und die Europameisterschaft in Polen ausgelassen. | Barcelona steht weiter vor Real Madrid, Bayern München wird nicht gegen die Spielverlegung von Champions-League-Gegner Lyon vorgehen. Sport kompakt | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-barca-auf-kurs-fcb-akzeptiert-spielverlegung-1.5491 | Sport kompakt - Barça auf Kurs, FCB akzeptiert Spielverlegung | 00/04/2010 |
Schritt für Schritt haben sie sich nach oben geschlichen, und fast hätte es niemand bemerkt. Erst als Eintracht Frankfurt den FC Bayern in letzter Minute besiegte und zwei Wochen später Leverkusen eine schmerzhafte Niederlage zufügte, wurde Fußball-Deutschland aufmerksam. Jetzt träumt ganz Frankfurt von der Europa League. Ganz Frankfurt? Nein! Ein Mann leistet Widerstand, ein selbsternannter Realist, der oft im dunklen Anzug auftritt und im Vergleich zu manchem Kollegen eher unscheinbar wirkt. Es sagt Sätze wie "Die Eintracht ist noch nicht bereit für Europa" oder "Platz acht ist derzeit das Maximum". Der Mann heißt Michael Skibbe und ist Trainer in Frankfurt. Er behauptet, der Verein sei nicht gefestigt, der Kader nicht ausgeglichen genug für den Europapokal. Dabei holte die Eintracht in der Rückrunde mehr Punkte als Leverkusen oder Hamburg, die einen Platz im internationalen Wettbewerb unmissverständlich zum Saisonziel erklärt haben. Doch Skibbe warnt: "Man hat an Hertha BSC Berlin gesehen, wie gefährlich es ist, wenn man eine Saison über seine Verhältnisse spielt. Und wie es ist, wenn man dann international spielen muss, obwohl der Kader für Liga und Europacup gar nicht gut genug ist." In dieser Einschätzung mag viel Wahrheit stecken, doch hinter Skibbes Aussagen verbirgt sich eine Taktik. Wer Platz acht als "Maximum" bezeichnet, wer immer wieder darauf hinweist, dass die Strukturen und die Spieler eigentlich nur für einen Mittelfeldplatz taugen, der kann schon einen siebten Platz als überraschenden Erfolg verkaufen, einen sechsten gar als Sensation. Ausschlaggebend für dieses unerwartet gute Abschneiden war dann natürlich: der Trainer - denn er hat ja mehr aus der Mannschaft herausgeholt, als eigentlich in ihr steckt. Fans und Medien sollen sich hinterher fragen: Was für ein Genie muss dieser Trainer sein? Wie hat er das bloß gemacht? Wer aber öffentlich verkündet, man wolle Titel holen oder den Europapokal erreichen, der setzt sich der Gefahr des Scheiterns aus und wird schnell zum Buhmann. Das trauen sich die wenigsten. Dazu kommt der psychologische Aspekt: Sobald ein Trainer forsche Ziele formuliert, steigt der Druck auf die Mannschaft. Wenn es in Richtung Europa League gehen soll, erwarten die Fans einen Sieg nach dem anderen, und die Medien lauern begierig auf den nächsten Ausrutscher gegen ein Team aus der Abstiegszone. Der siebte Platz wäre dann eine Enttäuschung, der achte käme gar einer Katastrophe gleich. Experten würden dann vermutlich urteilen, Trainer und Spieler hätten das große Potential, das in der Mannschaft steckt, leichtfertig verschleudert. Oder sie wären am großen Druck zerbrochen. | Leverkusen begnügt sich mit Platz drei, dem BVB reicht die Europa League, Frankfurts Trainer will nicht international spielen. Dahinter steckt eine Taktik. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-bundesliga-die-tiefstapler-1.15903 | Fußball: Bundesliga - Die Tiefstapler | 00/04/2010 |
Trainer Löw hat die Entscheidung über die Wiederaufnahme Kuranyis in den WM-Kader erst einmal vertagt. Doch immerhin steht damit die Tür für den Schalker wieder ein wenig offen. "Akribisch" und "absolut" sind zwei Begriffe, ohne die Joachim Löw nicht denkbar wäre. Er sagt sie gerne und oft, und es spricht für den Bundestrainer, dass es sich nicht um antrainierte Stanzen handelt, sondern um wortgewordene Überzeugungen. Löw ist so: akribisch und absolut. Er ist ein absolut akribischer Sportlehrer, der sich nichts sehnlicher wünscht, als einfach nur die Probleme auf dem Fußballfeld zu lösen. So ist die Klausurtagung in Baiersbronn im Schwarzwald ursprünglich auch geplant gewesen: Dort wollte er mit seinen Assistenten Hansi Flick und Andreas Köpke sowie Mastermind Urs Siegenthaler einen absolut akribisch ausgetüftelten Fahrplan durch die WM-Wochen erstellen - aus aktuellem Anlass musste sich Löw aber auch mit einer Personalie befassen, die zuletzt so aufgeregt besprochen wurde, wie Löw das absolut nicht mag: mit der Personalie Kevin Kuranyi. "Natürlich ist auch über dieses Thema gesprochen worden", bestätigte Löw am Mittwochabend auf dfb.tv und fügte an, er sei sich seiner "Verantwortung als Bundestrainer absolut bewusst". Er habe "Verständnis für diese öffentliche Diskussion", andererseits wolle er sich "vom öffentlichen Druck nicht treiben lassen". Die - von manchen in der Branche erwartete - feierliche Wiederaufnahme Kuranyis in den WM-Kader war das nicht gerade, aber immerhin: Es war auch keine Erneuerung des Bannes, den Löw einst nach Kuranyis Tribünenflucht verhängt hatte. Der Schalker ist also demonstrativ nicht mehr ausgeschlossen, er wird zumindest ein bisschen wieder in die DFB-Abläufe eingegliedert: Er wird bis zur Nominierung des vorläufigen WM-Kaders am 6. Mai ebenso (absolut) akribisch von den DFB-Scouts beobachtet werden wie Miroslav Klose oder Christian Träsch. Bis Ende April werde man "auch in der Sache Kuranyi rechtzeitig bekannt geben, wie unsere Entscheidung ausgefallen ist", sagte Löw. Und die endgültige Entscheidung wird der Sportlehrer Löw fällen, nicht der Tugendwart. Mit dieser Variante könnte es dem Bundestrainer gelingen, ein unlösbar gewordenes Problem wenigstens halbwegs zu lösen. Durch Löws Satz, unter seiner Regie werde Kuranyi nie mehr eingeladen, hatte sich der Fall ja immer mehr zu einer Art Lose-Lose-Situation verdichtet: Würde Löw unversöhnlich bleiben, würde man ihm Sturheit vorwerfen. Würde er Kuranyi begnadigen, würde man ihm vorwerfen, aus einer sportlichen Notsituation heraus den eigenen Prinzipien untreu zu werden. So ist Löw nichts anderes übrig geblieben als dies: weder unversöhnlich zu bleiben noch zu begnadigen. Durch die erneute Vertagung der Personalie hat Löw nun Zeit gewonnen, und er hat die Tür, die zugeschlagen war, immerhin einen Spalt geöffnet. Ob Kuranyi hindurchschlüpft, entscheiden neben Löw in erster Linie Mario Gomez, Miroslav Klose und Lukas Podolski. Gewinnt Löw im Liga-Endspurt das Gefühl, dass er seine Angreifer im Trainingslager hinbekommt, wird Kuranyi zu Hause bleiben. Andernfalls könnte die Beobachtung durch die DFB-Scouts die Erkenntnis erbringen, dass Kuranyi vielleicht doch WM-tauglich ist. | Trainer Löw hat die Entscheidung über die Wiederaufnahme Kuranyis in den WM-Kader erst einmal vertagt. Doch immerhin steht damit die Tür für den Schalker wieder ein wenig offen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/nationalelf-kevin-kuranyi-einen-spalt-geoeffnet-1.14943 | Nationalelf: Kevin Kuranyi - Einen Spalt geöffnet | 00/04/2010 |
Ding Junhui stand regungslos am Tisch, als wäre er eine Figur in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett. Dann senkte der Fünfte der Weltrangliste seine Augen, dann seinen rechten Arm und schließlich ließ er den ganzen Körper hinfallen auf einen Stuhl. Gerade hatte der chinesische Snookerprofi einen Ball nicht versenken können, der ihm genügend Punkte gebracht hätte, um einen Abschnitt im Finale der China Open zu gewinnen. Es stand 5:5, Ding verlor zuerst den Durchgang, dann die Nerven und schließlich mit 6:10 die Partie gegen den Waliser Mark Williams. Der 23-Jährige hat schon viele Bälle nicht versenken können in seiner Karriere, vor allem aber hat er schon viele Bälle nicht versenken können, die über Matches und ganze Turniere entscheiden. Wäre es nicht so abgedroschen, dann müsste man behaupten, dass es zwei Dings gibt: Der eine ist ein formidabler Lochspieler mit der Courage, auch schwierige Bälle zu versuchen - und dennoch mit genügend taktischem Gespür ausgestattet, um rechtzeitig einen feinen Sicherheitsstoß auszuführen. Dieser Ding hat sich in den vergangenen Jahren an die Weltspitze gespielt, Ranglisten-Turniere gewonnen und die britische Hegemonie in diesem Sport aufgebrochen. "Er ist der talentierteste Spieler, den ich jemals gesehen habe", sagt etwa der ehemalige Weltmeister Peter Ebdon. Der andere Ding ist ein Nervenbündel, das immer dann versagt, wenn es um wichtige Turniere wie die Weltmeisterschaft geht, die von Samstag an im Crucible Theatre in Sheffield ausgetragen wird. Drei Mal scheiterte er bereits in der Qualifikation, noch nie kam er über das Achtelfinale hinaus. Er verschießt dann vermeintlich einfache Bälle oder verstellt sich bei einem Sicherheitsstoß dermaßen, dass sein Gegner ein freies Bild auf dem Tisch liegen hat. Deshalb lautet das zweite Urteil von Ebdon über Ding: "Es hat den Anschein, als würde er dieses enorme Talent am Eingang des Crucible Theatre abgeben." In seinem Heimatland ist Ding ein Held. Als er vor fünf Jahren das Finale der China Open gegen den siebenmaligen Weltmeister Stephen Hendry gewann, saßen mehr als 110 Millionen Menschen vor den Fernsehgeräten. "Er kann nicht einmal in der inneren Mongolei einen Feldweg beschreiten, ohne erkannt zu werden", hieß es in einem Bericht des Independent. Nach dem Nationalsport Tischtennis sind Basketball und Snooker die beliebtesten Sportarten - weil NBA-Profi Yao Ming und Ding Junhui zu den Besten ihrer Zunft gehören. "Ich habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt", sagt Ding. "Vor allem Ronnie O'Sullivan hat mir gezeigt, dass es noch mehr im Leben gibt als nur Snooker." Er trainiere nun nicht mehr so häufig wie früher - statt elf nur noch acht Stunden täglich -, er sei lockerer in die aktuelle Saison gegangen und habe aufgehört, über die Popularität und die Erwartungshaltung in China nachzudenken. Mit dieser Einstellung gewann er in dieser Saison die UK Championship und erreichte das Finale bei den China Open und beim Grand Prix. Die neu erlangte Lockerheit hat wohl auch damit zu tun, dass mittlerweile auch andere chinesische Spieler zur Weltspitze gehören. Im Hauptfeld der Weltmeisterschaft stehen mit Ding, Liang Wenbo und Zhang Anda drei Chinesen, dazu kommt noch Marco Fu aus Hong Kong. "Ich spüre weniger Druck", sagt Ding. "Und weniger Druck ist in meinem Fall sehr positiv." In dieser Saison soll ihm auch bei der Weltmeisterschaft der Durchbruch gelingen, er zählt neben dem Weltranglistenersten Ronnie O'Sullivan, Titelverteidiger John Higgins und Mark Williams zu den Favoriten. "Das wird die knappste WM aller Zeiten, die Turniersiege in diesem Jahr waren sehr verteilt", sagt etwa O'Sullivan. Es würde schneller gehen, aus den 32 Teilnehmern jene zu nennen, die kaum eine Chance auf den Titel haben - den Druck des Gewinnen-Müssens verspürt also keiner der Akteure. "Die Atmosphäre in Sheffield ist einzigartig, diese 17 Tage sind für den Snooker wie Wimbledon im Tennis", sagt O'Sullivan, der ganz nebenbei wieder einmal verkündet, keine rechte Lust mehr auf den Sport zu haben. "Man muss vom ersten Moment an konzentriert sein, sonst frisst einen dieses Theater auf." Ding Junhui muss in der ersten Runde gegen den Qualifikanten Stuart Pettman antreten - eine lösbare Aufgabe. Ding muss nur aufpassen, dass er in diesem Jahr sein Talent an den strengen Türstehern vorbeischleust und mit in die Arena bringt. | In seiner Heimat ist Snookerspieler Ding Junhui bereits jetzt ein Held - doch scheiterte er stets an seinen Nerven. Bei der Weltmeisterschaft soll ihm der Durchbruch gelingen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/snooker-wm-in-sheffield-das-chinesische-nervenbuendel-1.8395 | Snooker-WM in Sheffield - Das chinesische Nervenbündel | 00/04/2010 |
Der Bundestrainer will demnächst mit seinem Stab nach London fliegen, um Michael Ballack beim FC Chelsea zu besichtigen, das hat Joachim Löw anfangs der Woche angekündigt. Es wäre eine Premiere - in den vier Jahren, die der Kapitän der Nationalelf in England spielt, hat Löw bisher nicht den Weg auf die Insel gefunden. Sollte er sich nun aber auf die beschwerliche Reise machen, könnte er zumindest relativ gewiss sein, Ballack tatsächlich in Aktion zu erleben. Zuletzt hatte der 33-jährige Mittelfeldspieler wegen einer Verletzung pausieren und anschließend in drei Partien bis zur Einwechslung auf der Bank Platz nehmen müssen. Am Dienstag beim 1:0-Sieg gegen die Bolton Wanderers gehörte er aber wieder zur ersten Elf. Über Ballacks Stand im Team des italienischen Trainers Carlo Ancelotti hatte sich Löw zuvor bereits am Telefon erkundigt und Beruhigendes erfahren. Er wusste, dass sein Kapitän beim zweiten Champions League-Achtelfinale gegen Inter Mailand nur dank einer Spritzenbehandlung hatte mitwirken können, und dass er nach der verlorenen Partie nicht wegen personeller Umstürze im Londoner Spitzenteam oder wegen chronisch nachlassender Leistung, sondern aufgrund einer Achillessehnenblessur aussetzen musste. Als er sich davon erholt hatte, vermachte ihm einer seiner Söhne eine Erkältung, die er aus dem Kindergarten importiert hatte. So verlängerte sich die Trainings- und Spielpause. Unsicherheit im Verein Während Löw darauf vertrauen darf, einen gesunden und motivierten Kapitän zur WM-Vorbereitung begrüßen zu dürfen, hat Ballacks vorübergehendes Verschwinden aus Chelseas Stammformation den Spekulationen in der Branche Nahrung gegeben. Es schien zu seiner unsicheren Situation beim Londoner Spitzenklub zu passen. Seit Monaten verbreitet die englische Presse Meldungen, die eine just bevorstehende Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrages verheißen, er selbst hatte im vergangenen Herbst erzählt, "dass wir uns bald zusammensetzen werden", aber auf dieses ergiebige Gespräch wartet er immer noch. Es gibt zwar nach Angaben seines Beraters Michael Becker ein Angebot des Vereins, die Zusammenarbeit ein weiteres Jahr fortzusetzen. Aber die Garantie reicht Ballack nicht aus. Er möchte eine Zusage, die seine Vorstellung vom Karrierehorizont erschließt, er will eine längere Bindung oder zumindest die Option darauf. Offenkundig möchte er seine Laufbahn im Nationalteam nicht nach der WM in Südafrika beenden, er hat auch die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine noch im Blick. Bis dahin braucht er einen Arbeitgeber, der ihn auf hohem Niveau beschäftigt. | DFB-Kapitän Michael Ballack zählt beim FC Chelsea nach einer schwierigen Phase wieder zur Stammelf. Doch die ausbleibenden Vertragsgespräche schüren Spekulationen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fc-chelsea-michael-ballack-mehr-arbeit-weniger-geld-1.15268 | FC Chelsea: Michael Ballack - Mehr Arbeit, weniger Geld | 00/04/2010 |
Cleveland Cavaliers, Saisonbilanz: 61-21, Erstrundengegner: Chicago Bulls In Cleveland regiert nach wie vor der König: Mit diesem Spitznamen beherrscht der 25-jährige LeBron James (29,7 Punkte pro Spiel; im Bild) seit einigen Jahren die Highlight-Videos der NBA und steht als weltbester Basketballer neben Kobe Bryant sinnbildlich dafür, dass aus den einst graumäusigen Cavaliers ein veritabler Meisterschaftskandidat geworden ist. Zu Beginn der laufenden Saison stellte ihm das Management mit Shaquille O'Neal den vielleicht dominantesten Center-Koloss der Geschichte zur Seite, der zwar auf seine alten Tage kein Brecher mit regelmäßigen 30-Punkte-Partien mehr ist (Saisonschnitt: 12 Punkte), aber immer noch ein gewichtiger Faktor unter den Körben der Liga. Nach einer Verletzung Mitte der Saison scheint der mittlerweile 38-jährige Fanliebling pünktlich zu den Playoffs wieder fit zu sein. Mit Maurice Williams verfügen die Cavaliers außerdem über einen offensivstarken Aufbauspieler, der gemeinsam mit dem im Winter verpflichteten Arbeitstier Antawn Jamison die perfekte Ergänzung zu James und O'Neal sein könnte. Für Cleveland, das die 82 Spiele lange Saison als bestes Team abschloss, heißt es dieses Jahr "jetzt oder nie", denn O'Neal wird bald in Rente gehen, und bei James heißt es, er werde wohl spätestens 2011 einen monströsen Vertrag bei den New York Knicks unterschreiben. In Runde eins sollte es gegen die Chicago Bulls für die Cavaliers keine Probleme geben. Foto: afp Texte: Jonas Beckenkamp | Ausgeruht und formstark startet an diesem Wochenende Dirk Nowitzki mit seinen Mavericks in die Playoffs. Doch auf dem Weg zum Titel warten Teams, die noch stärker einzuschätzen sind. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/nba-playoff-vorschau-nowitzkis-naechster-versuch-1.8985 | NBA: Playoff-Vorschau - Nowitzkis nächster Versuch | 00/04/2010 |
Trotz einer guten Bilanz und einer Vielzahl positiver Argumente nimmt vor den Playoffs in der US-Basketballliga NBA kaum einer Nowitzkis Dallas Mavericks ernst. Das könnte sich rächen. Es gibt Mannschaften, die vom zweitbesten Platz aus in die Playoffs starten und dabei den Eindruck erwecken, aus dem Titelrennen schon so gut wie ausgeschieden zu sein. Die Dallas Mavericks sind so eine. Die Mannschaft um den deutschen Basketballprofi Dirk Nowitzki sicherte sich am Mittwochabend im letzten ihrer 82 Punktspiele durch einen 96:89-Sieg über die San Antonio Spurs den zweiten Platz in der Tabelle der Western Conference, einer der beiden Untergruppen der nordamerikanischen Profiliga NBA, deren jeweilige Sieger am Ende den Meister ermitteln. Besser als die Mavericks (55 Siege bei 27 Niederlagen) war im Westen nur der Titelverteidiger Los Angeles Lakers (57:25), wirklich ernst genommen werden sie trotzdem nur von wenigen Experten. "Für mich ist Dallas ein Außenseiter", sagte der ehemalige Spitzenspieler Charles Barkley, der das Geschehen heute als Fernsehkommentator verfolgt: "Wenn sie schon in der ersten Runde ausscheiden, wäre das kein Schock." Auch die anderen Teams sind von den Mavericks offensichtlich nicht beeindruckt. In den am Wochenende beginnenden Playoffs treffen sie zunächst erneut auf die San Antonio Spurs; die hätten Dallas bei einem Sieg am Mittwoch noch aus dem Weg gehen können, bemühten sie sich aber gar nicht darum. San Antonios Trainer Gregg Popovich schonte zwei seiner besten Akteure, Center Tim Duncan und Flügelspieler Manu Ginobili; er verschonte auch Nowitzki, immerhin siebtbester Werfer der Liga mit 25,0 Punkten, mit der üblichen engen Bewachung. "Ich stand den ganzen Abend frei", wunderte sich Nowitzki, ahnte aber: "Das wird sich ändern, wenn die Playoffs erst mal angefangen haben. Heute hat keine Mannschaft ihre Karten aufgedeckt." Showdown in Texas In Dallas versichern sie, wegen der demonstrativen Geringschätzung nicht beleidigt zu sein. "Wenn die Spurs uns unbedingt haben wollen, treffen wir uns am Wochenende eben wieder", sagte Center Brendan Haywood. Und Nowitzki fügte hinzu: "Ich habe das Gefühl, wir spielen sowieso jedes Jahr in den Playoffs gegen sie." In der Tat stehen sich die beiden texanischen Klubs regelmäßig zum Showdown gegenüber. Erst im vorigen Jahr trafen sie in der ersten Runde aufeinander, damals unterlagen die ersatzgeschwächten Spurs ohne größere Gegenwehr. "Ich bin etwas paranoid, was die Gesundheit von Tim und Manu angeht", erklärte Chefcoach Popovich am Mittwoch den Verzicht auf seine verletzungsanfälligen Routiniers: "Alles, was ich damit erreichen wollte, war, eine gesunde Mannschaft für die Playoffs zu haben." Nachdem er die nun hat, gilt der viermalige NBA-Meister trotz der schlechteren Saisonbilanz als Favorit im Duell mit Dallas. Lesen Sie weiter auf Seite 2 Im Video: Petric fällt aus - Löw vertagt Kuranyi- Entscheidung - Nowitzki trifft in den NBA- playoffs auf San Antonio Weitere Videos finden Sie hier | Trotz einer guten Bilanz und einer Vielzahl positiver Argumente nimmt vor den Playoffs in der US-Basketballliga NBA kaum einer Nowitzkis Dallas Mavericks ernst. Das könnte sich rächen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/vor-beginn-der-nba-playoffs-keiner-hat-angst-vor-nowitzki-1.4960 | Vor Beginn der NBA-Playoffs - Keiner hat Angst vor Nowitzki | 00/04/2010 |
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