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Erpressung oder nicht? General Motors will das Elektroauto Ampera nicht in Europa bauen lassen. Die Mitarbeiter sind geladen - und vergleichen das US-Vorgehen mit Karotten-Taktik. General Motors (GM) pocht auf deutsches Geld, mit Vehemenz. 1,8 Milliarden Euro Staatshilfen wollen die Amerikaner für die Opel-Sanierung einsammeln, allein 1,3 Milliarden Euro davon sollen aus Deutschland kommen. Absage an Europa Und nun das: GM will die europäisches Version seines künftigen Elektroautos nicht in Europa bauen. Opel-Chef Nick Reilly plane nicht mehr, den Opel Ampera, das Schwestermodell zum Chevrolet Volt, in Bochum oder im britischen Ellesmere Port fertigen zu lassen, berichtet die Financial Times Deutschland (FTD). Statt dessen werde der Ampera in absehbarer Zeit ausschließlich zusammen mit dem technisch baugleichen Volt in den USA gebaut, schreibt das Blatt. Angesichts der geringen Stückzahlen stünde eine zusätzliche europäische Fertigung "in den Sternen", heißt es aus dem GM-Umfeld. Der Ampera soll im kommenden Jahr auf den Markt kommen, die Produktion des Volt sei in Detroit bereits angelaufen. Der Volt soll im November in den Verkauf gehen. Beide Modelle sollen in Europa angeboten werden und damit als Konkurrenten auftreten. Ein Sprecher von Opel in Deutschland bestätigte der Zeitung, dass ein zweiter Produktionsstandort von den Stückzahlen abhänge. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sagte dem Blatt: "Ich gehe davon aus, dass das Fahrzeug ab 30.000 bis 40.000 Einheiten pro Jahr auch in Europa gebaut wird." Anderen Experten zufolge liege die Produktionsgrenze wesentlich höher, berichtet die FTD. Die Mitarbeiter kritisieren das Verhalten von Reilly, der den Ruf eines knallharten Sanierers genießt, als unseriös: Er locke verschiedene europäische Regierungen mit dem Produktionsstandort. "Reilly hält mit dem Ampera den unterschiedlichen Regierungen die Karotte hin", sagte Betriebsratschef Franz. Bis auf Großbritannien hat aber noch kein europäisches Land verbindliche Zusagen gemacht. Der US-Konzern GM, der in rund 40 Tagen das Insolvenzverfahren absolvierte, hatte im November entschieden, dass Opel entgegen den Planungen nicht an den Autozulieferer Magna verkauft werde. Europaweit will GM 10.000 Jobs streichen.
Erpressung oder nicht? General Motors will das Elektroauto Ampera nicht in Europa bauen lassen. Die Mitarbeiter sind geladen - und vergleichen das US-Vorgehen mit Karotten-Taktik.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gm-opel-und-der-ampera-europa-nicht-doch-1.4746
GM, Opel und der Ampera - Europa? Nicht doch...
00/04/2010
An diesem Montag beginnt die größte Auktion von Frequenzen, die es in Deutschland je gegeben hat: Unter den Hammer kommt ein Spektrum von 359,2 Megaherz. Beim Internet gibt es in Deutschland eine Zweiklassengesellschaft. In Ballungsräumen können Bewohner zwischen verschiedenen Anbietern von schnellen Internet-Angeboten wählen. In einigen ländlichen Regionen aber müssen sich die Bürger immer noch über ein quälend langsames Modem ins Telefonnetz einwählen. Vier Millionen Menschen zwischen Flensburg und Füssen sind mit Geschwindigkeiten von weniger als einem Megabit je Sekunde mit dem Internet verbunden, also jener Grenze, ab der Experten von leistungsfähigen Breitbandanschlüssen sprechen. Moderne Internetanschlüsse wie DSL oder VDSL erreichen Übertragungsraten von bis zu 50 Megabit je Sekunde, und künftige Techniken sogar ein Gigabit. An vielen Orten ist das Netz jedoch veraltet. Fasst man sie zusammen und zeichnet sie in eine Deutschlandkarte ein, entsteht jener Breitbandatlas mit weißen Flecken, der seit langem Handlungsbedarf signalisiert. Bis zum Jahresende will die Bundesregierung diese Flecken beseitigen, indem Privathaushalte und Firmen dort an das schnelle Internet angeschlossen werden. Deswegen beginnt an diesem Montag die größte Auktion von Frequenzen, die es in Deutschland je gegeben hat. Unter den Hammer kommt ein Spektrum von 359,2 Megaherz, drei Mal so viel wie bei der Versteigerung der UMTS-Frequenzen vor zehn Jahren. Mehr Platz für größere Datenmengen Damals nahm der Bund 51 Milliarden Euro ein. Diesmal erwarten Experten deutlich geringere Einnahmen für den Bundesfinanzminister, in Branchenkreisen ist von zwei bis sechs Milliarden Euro die Rede. Den Preis drücken klare Vorgaben der Politik. So müssen Erwerber zunächst ländliche Gebiete mit schnellem Internet versorgen, bis 2016 müssen 90 Prozent der Menschen hier versorgt werden. Durch die Auktion sollen zudem im gesamten Bundesgebiet Kapazitätsengpässe der Mobilfunkanbieter beseitigt und Platz geschaffen werden für die gigantischen Datenmengen, die wegen mobiler Internetgeräte wie dem Apple iPad künftig durch den Äther rasen werden. "Es geht um Marktchancen für die kommenden 20 Jahre", sagte Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur. Ursprünglich hatten sich sechs Unternehmen für die Auktion beworben. Zugelassen hat die Regulierungsbehörde mit T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus dann die vier Mobilfunker, die hier zu Lande bereits ein Netz betreiben. Bei der Bewerbung musste jeder Bieter erklären, wie viele Frequenzblöcke er ersteigern möchte. Damit erhielt er eine bestimmte Anzahl von Bietrechten.
An diesem Montag beginnt die größte Auktion von Frequenzen, die es in Deutschland je gegeben hat: Unter den Hammer kommt ein Spektrum von 359,2 Megaherz.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/frequenzen-versteigerung-blitzschnell-im-netz-1.11590
Frequenzen-Versteigerung - Blitzschnell im Netz
00/04/2010
Mars verpflichtet sich, die Bedingungen für Kakaobauern in der Elfenbeinküste zu verbessern - ein Ziel, das schwer zu erreichen sein dürfte. Elf Kilogramm Schokolade isst jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr. Doch was viele dabei nicht wissen: Der wichtigste Rohstoff für die beliebte Süßigkeit wird häufig unter menschenunwürdigen Bedingungen angebaut. Das gilt vor allem für Westafrika, wo ein großer Teil des weltweit verbrauchten Kakaos anbaut wird. Im größten Erzeugerland Elfenbeinküste, das immerhin 40 Prozent der Weltproduktion liefert, sind die Verhältnisse besonders schlecht. Viele Kakaobauern leben unter dem Existenzminimum, Kinderarbeit ist weit verbreitet. Große Schokokonzerne wie Nestlé, Mars, Cadbury oder Barry Callebaut stehen deshalb seit längerem in der Kritik. Ihre Gegner werfen ihnen vor, an diesen Missständen eine Mitschuld zu tragen. Doch seit einigen Jahren bemüht sich die Branche um Verbesserungen. So kündigte der US-Hersteller Mars am Freitag an, dass er sein Engagement in Elfenbeinküste ausbauen will. Zeichen dafür ist eine gerade unterzeichnete Absichtserklärung mit der Regierung des afrikanischen Landes. Überalterte Plantagen Mars verpflichtet sich darin, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Bedingungen im Kakaoanbau zu verbessern. Zunächst sollen erste Erfahrungen in einem Pilotprojekt gesammelt werden, in dem Bauern geschult und unterstützt werden. Das Programm soll, so der Plan, später auf die breite Masse übertragen werden - eine große Herausforderung angesichts von einer Million Kakaobauern in Elfenbeinküste. Mars hat sich als erster großer Schokohersteller dazu verpflichtet bis zum Jahr 2020 nur noch Kakao aus zertifiziertem und nachhaltigen Anbau zu verwenden - was bedeutet, dass die Bauern einer fairen Preis bekommen sollen und Kakao umweltverträglich angebaut wird. Dieses Ziel zu erreichen, dürfte jedoch nicht einfach werden. Denn die Verarbeiter stehen vor dem Problem, dass ihr wichtigster Lieferant Elfenbeinküste immer weniger produziert, unter anderem weil viele Plantagen überaltert sind, der Anbau in Monokulturen die Ausbreitung von Krankheiten fördert und die Böden durch Übernutzung ausgelaugt werden. "Mit wachsender Sorgen haben wir zusehen müssen, dass trotz intensiver Bemühungen weder die Kakaoerträge noch die Lebensbedingungen der Bauern verbessert werden konnten", räumt Andrew Harner ein, der bei Mars für die Rohstoffbeschaffung verantwortlich ist. Konzerne unter Zugzwang Auch bei anderen Konzernen hat man dieses Problem erkannt. So investieren auch die Schweizer Schokohersteller Barry Callebaut und Nestlé Millionen von Euro in die Ausbildung von Landwirten und Qualitätsverbesserungen. Barry Callebaut, der führende Produzent von Rohschokolade, will diese Projekte nach Angaben einer Firmensprecherin in den nächsten Jahren noch ausbauen. Das jüngste Projekt von Mars verfolgt man dort mit Interesse. "Falls Mars uns zu einer Zusammenarbeit einladen würde, würden wir eine solche Anfrage sicherlich prüfen", hieß es. Die großen Schokokonzerne stehen unter Zugzwang, viele von ihnen haben bereits angekündigt, dass sie in den nächsten Jahren ihren Anteil an Schokolade aus nachhaltigem Anbau deutlich steigern wollen - derzeit liegt der Anteil von Schokolade aus fairem Handel allerdings noch unter einem Prozent. Wollen die Konzerne ihre Versprechen einlösen, müssen sie dafür sorgen, dass ihnen Kakao in ausreichender Menge und zu akzeptablen Preisen zur Verfügung steht. In der Branche geht man davon aus, dass der weltweite Bedarf im nächsten Jahrzehnt deutlich steigen wird. Während etwa die Nachfrage in Europa stagniert, wird vor allem in China und Osteuropa mehr genascht. Engpässe in der Rohstoffversorgung trieben den Kakaopreis an den internationalen Warenmärkten im vergangenen Winter bereits auf ein Rekordhoch.
Mars verpflichtet sich, die Bedingungen für Kakaobauern in der Elfenbeinküste zu verbessern - ein Ziel, das schwer zu erreichen sein dürfte.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mars-schokolade-ohne-bitteren-beigeschmack-1.11450
Schokolade - ohne bitteren Beigeschmack
00/04/2010
Die Machtspiele an der Ostsee-Pipeline legen die Defizite der EU-Politik offen: Die Versprechen einer gemeinsamen Energiestrategie sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Das Lächeln war staatsmännisch, die Geste gönnerhaft, als es galt, ein Jahrhundertereignis zu feiern: Im russischen Küstenstädtchen Wyborg begann am Freitag der Bau eines der größten Infrastrukturprojekte Europas. Kreml-Chef Dimitrij Medwedjew sagte beim Festakt in der Portowaja-Bucht an der Ostsee bei St. Petersburg, was Europa hören wollte: Die mehr als sieben Milliarden Euro teure Ostsee-Pipeline schaffe mehr Stabilität denn je für den Kontinent. "Viel Glück" schrieb er noch auf eine Röhre - und ließ die Botschaft tief im Meer versenken. Schon mit der Verlegung der ersten Röhren sind wirtschaftlich wie politisch riesige Hoffnungen verbunden. Die mehr als 1200 Kilometer lange Trasse zwischen Russland und der deutschen Ostseeküste erhöhe die Energiesicherheit in Europa, sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger, sie berge großes ökonomisches Potential, versicherte Kanzlerin Angela Merkel. Die Erleichterung über den Start des Projekts ist riesig. Denn die Europäische Union, die größte Volkswirtschaft der Erde, hängt energiepolitisch am Tropf: Sie deckt mehr als die Hälfte ihres Energiebedarfs mit Einfuhren. Ein ganzer Kontinent wartet nun darauf, dass 2011 das erste Gas fließt. Der Druck ist groß. Doch ob die Pipeline-Milliarden die prekäre Lage Europas wirklich entspannen, ob Europa sein Energieproblem in den Griff kriegt, daran gibt es berechtigte Zweifel. Denn die neuen Energieadern könnten den Kontinent nur noch verwundbarer machen. Und schuld daran sind nicht einmal die anderen. Denn der Traum vom geeinten Europa endet bislang am heimischen Gasherd. In der Energiepolitik herrscht seit Jahren gefährliche Kleinstaaterei zwischen Madrid und Berlin. Nirgendwo wird das deutlicher als an den Pipelineplänen selbst. Während Deutschland die Ostseeroute vorantreibt, fördert die EU die Alternativtrasse Nabucco im Süden des Kontinents. Sie soll Russland umgehen und Europa einen direkten Zugang zu Gasvorkommen im kaspischen Raum ermöglichen. Das Ziel: Mehr Unabhängigkeit von Russland. Der Bau der 3000-Kilometer-Röhre soll eigentlich noch in diesem Jahr starten. Doch von Präsident Medwedjew angetrieben entwickelt der russische Staatskonzern Gazprom - ausgerechnet im Duett mit Frankreich - in Nabuccos direkter Nachbarschaft die dritte Großröhre: das Konkurrenzprojekt South Stream. Schon vor dem Start könnte Nabucco nun die Puste ausgehen. Die Machtspiele an der Pipeline legen schonungslos die Defizite Brüsseler Politik offen: Zwar hat die EU ihre Mitgliedstaaten in Energiefragen zuletzt schleichend entmachtet. Sie zog den Emissionshandel an sich. Sie erzwang mehr Liberalisierung bei Strom und Gas. Doch noch immer sind die Versprechen einer gemeinsamen Energiestrategie das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. EU-Mitglieder werkeln am liebsten alleine vor sich hin. Der Nationalismus von Franzosen und Spaniern, die ihre Versorgung um keinen Preis aufgeben wollen, ist da nicht besser als der deutsche Alleingang in der Ostsee. Europa wirkt wie ein Mietshaus, in dem jede Partei ihren eigenen Öllaster bestellt. Dabei hat in der Energiepolitik ein neues Zeitalter begonnen: jenes dramatischer Verteilungskämpfe um die immer knapper werdenden und gleichzeitig in immer größeren Mengen benötigten Ressourcen. Europa steht vor einem Jahrzehnt, in dem das Thema Energiesicherheit zunehmend die internationale Politik bestimmt und in dem die Karten für Gewinner und Verlierer im Ringen um Rohstoffe neu gemischt werden. Während sich die Lieferanten in der Gas-Opec zusammenschließen, Energiekonzerne munter grenzüberschreitend fusionieren, zerbrechen sich Berliner Regierungsbeamte noch immer den Kopf über die erste nationale Energiestrategie seit Jahrzehnten, die im Herbst vorgestellt werden soll. De facto läuft das Geschäft aber auch auf dem deutschen Markt längst grenzüberschreitend. Wer als deutsches Unternehmen Windräder aufstellt oder konventionelle Kraftwerke betreibt, bedient den britischen genauso wie den deutschen Markt. Statt weiter kostspieligen und riskanten Mammut-Pipelines Priorität einzuräumen, sollte sich die EU stärker auf den Umbau ihrer Energieversorgung konzentrieren und den Blick nach innen richten: auf mehr Energieeffizienz und die koordinierte Nutzung erneuerbarer Quellen. Neben dem Wüstenstromprojekt könnte auch Seatec, die Energie aus der von Wind und Wellen bewegten Nordsee, die Bindung an fragwürdige Regime lösen. Die Vollendung des EU-Binnenmarkts hätte auch für die Versorgungssicherheit einen wichtigen Effekt. Europa darf nicht akzeptieren, dass es auf Gedeih und Verderb einem Land ausgeliefert ist, das zwar über die größten Gasreserven der Welt verfügt, seine Bodenschätze aber bei Bedarf als politische Waffe gegen unliebsame Nachbarn einsetzt. Und von einer Regierung, die versucht, all jene Projekte im Keim zu ersticken, mit denen sich Abnehmer vom östlichen Riesenreich lösen wollen. Es wäre höchste Zeit für die Europäer, in Brüssel mit einer eigenen starken Stimme zu sprechen. Die Energiewelt könnte längst ein gutes Stück anders aussehen, wenn EU-Länder gemeinsam Großprojekte vorantrieben. Wenn sie auf dem globalen Markt zusammen für die sichere Versorgung mit Rohstoffen kämpften. Und die Preise könnten sinken, wenn viele Anbieter um ihre Kunden konkurrieren - und nicht, wie Gazprom es gerne hätte, umgekehrt.
Die Machtspiele an der Ostsee-Pipeline legen die Defizite der EU-Politik offen: Die Versprechen einer gemeinsamen Energiestrategie sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/energieversorgung-russisches-roulette-1.8949
Energieversorgung - Russisches Roulette
00/04/2010
Visite in der Arcandor-Zentrale: Die Staatsanwaltschaft interessiert sich jetzt auch für die auffällig hohen Reisekosten des früheren Chefs Thomas Middelhoff. Die Staatsanwälte interessieren sich bei ihren Untreue-Ermittlungen gegen den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff nicht mehr nur für dessen Immobiliengeschäfte. Bei einer Visite der Ermittler in der Essener Arcandor-Zentrale am vergangenen Mittwoch sei es auch um die auffällig hohen Reisekosten Middelhoffs gegangen, berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Sprecher des Insolvenzverwalters und der Bochumer Staatsanwaltschaft bestätigten am Samstag den Besuch der Ermittler. Das siebenköpfige Ermittlerteam sei mehrere Stunden in der Unternehmenszentrale gewesen. Worum es konkret ging, wollte der Behördensprecher nicht sagen. "Wir sind noch dabei, Fakten zu sammeln und uns einen Überblick zu verschaffen", sagte er. Es gehe aber nicht nur um Middelhoff und nicht nur um dessen Immobiliengeschäfte, die Anlass der Ermittlungen waren. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hatte bereits im vergangenen Jahr auf den erheblichen Spesen-Aufwand des Vorstands von Arcandor (früher KarstadtQuelle) hingewiesen. Allein im Jahr 2006 soll Middelhoff mehr als 800.000 Euro verflogen haben. Dem Vernehmen nach soll der Manager sogar für eine Strecke von 86 Kilometern den ihm zur Verfügung stehenden Jet genutzt haben. Nach Angaben des Spiegel hätten die Ermittler zudem Interesse an einem mit rund 1,5 Millionen Pfund dotierten Vertrag gezeigt, den Arcandor Ende Januar 2008 mit der Universität Oxford abgeschlossen hatte. 715.000 Pfund seien noch kurz vor der Insolvenz von Arcandor überwiesen und von Middelhoff an seinem vorletzten Arbeitstag abgezeichnet worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Juli 2009 gegen Middelhoff. Anlass für die Ermittlungen war ein Immobiliengeschäft, das vor seinem Einstieg als Aufsichtsratschef bei Arcandor getätigt wurde, an dem er aber persönlich beteiligt ist. Es geht um fünf Gebäude, die von dem Konzern für Karstadt-Warenhäuser bei Immobilienfonds angemietet wurden. Die Fonds waren gemeinsam von der Privatbank Sal. Oppenheim und dem Projektentwickler Josef Esch aufgelegt worden. Middelhoff und sein Verteidiger Sven Thomas hatten den Vorwurf der Untreue zurückgewiesen. Zum eigenen Engagement bei den Fonds hatte Middelhoff gesagt, seine Frau und er hätten als Privatpersonen kleinere Beteiligungen (unter 10 Prozent) an den Esch-Fonds gezeichnet, ohne zu diesem Zeitpunkt zu ahnen, dass er zwei Jahre später in den Aufsichtsrat von KarstadtQuelle gewählt werden würde. Er habe den Aufsichtsrat unmittelbar nach seiner Berufung 2004 über den Sachverhalt informiert. Auch auf der Hauptversammlung 2005 sei kein Fehlverhalten festgestellt worden. Middelhoff war zunächst Aufsichtsratschef und dann von Mai 2005 an Vorstandsvorsitzender. An diesem Montag versammeln sich die Gläubiger in Essen, um dem Insolvenzplan für Karstadt zuzustimmen.
Visite in der Arcandor-Zentrale: Die Staatsanwaltschaft interessiert sich jetzt auch für die auffällig hohen Reisekosten des früheren Chefs Thomas Middelhoff.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ex-arcandor-chef-middelhoff-im-visier-der-staatsanwaelte-1.23445
Ex-Arcandor-Chef Middelhoff - Im Visier der Staatsanwälte
00/04/2010
Deutschlands Zugreisende werden sich im Fernverkehr vorerst weiter allein auf die Deutsche Bahn (DB) verlassen müssen. Am Freitag zog auch der zweite der beiden potentiellen Wettbewerber seine Pläne zurück. Eigentlich hatte die private Bahnfirma Locomore von Mitte August an die Strecke von Hamburg nach Köln befahren wollen. Dazu werde es nun frühestens im April 2011 kommen, teilte Locomore am Freitag mit. Am Donnerstagabend hatte bereits die französische Staatsbahn SNCF bekanntgegeben, dass sie - anders als im vergangenen Jahr angekündigt - der Bahn vorerst doch keine Konkurrenz im deutschen Fernverkehr machen werde. Die bereits bewilligte Verbindung von Straßburg über Frankfurt und Köln nach Hamburg will das Unternehmen nun nicht nutzen - obwohl alle Fahrpläne bereits danach ausgerichtet sind. "Das Verfahren der DB Netz AG hat uns nicht genug Zeit gelassen", sagte eine SNCF-Sprecherin am Freitag. Es sei nicht möglich gewesen, ein seriöses Projekt auf die Beine zu stellen. Die DB Netz AG ist die Tochtergesellschaft der Bahn, die für das Schienennetz zuständig ist. Damit erhebt SNCF einen Vorwurf, der auch von anderen Konkurrenten häufig geäußert wird. So soll die Bahn Wettbewerber bei der Vergabe der Trassen des öfteren benachteiligen. SNCF kritisiert speziell das Verfahren, mit dem Trassen beantragt werden. Es sei so gestaltet, dass Wettbewerber keine Chance haben, ein ernsthaftes Konkurrenzangebot aufzubauen. So hatten die Franzosen sich innerhalb relativ kurzer Zeit festlegen müssen, wie sie die Strecke Straßburg-Hamburg von 2011 an und dann ganze fünf Jahre bedienen. "Aus Vorsicht", so die SNCF-Sprecherin, sei man nun von dem Vorhaben abgerückt, weil "Strafen in Millionenhöhe" drohten, falls sich das Projekt verzögert hätte. Keinesfalls aber gebe die SNCF ihre Pläne ganz auf, Hochgeschwindigkeitszüge im deutschen Netz anzubieten. Man habe daran weiter "großes Interesse". Die Entscheidung zieht auch den zweiten Wettbewerber, Locomore, in Mitleidenschaft. Das Berliner Unternehmen, hinter dem ein amerikanischer Investor steht, hatte schon vor der SNCF ein Teilstück der Strecke beantragt, nämlich von Köln nach Hamburg - und dann das Nachsehen gehabt. Weil die SNCF-Trasse länger ist und bis nach Straßburg führte, hätten die Franzosen den Zuschlag erhalten. Frist endet am Montag Versuche, noch eine Lösung für die gemeinsame Nutzung der Strecke zu finden, scheiterten. Die Anmeldefrist für die Trassen läuft am Montag ab. "Wir haben dadurch ein halbes Jahr verloren", sagte Locomore-Geschäftsführer Derek Ladewig der Süddeutschen Zeitung. Allerdings mache SNCF der Berliner Firma nun nicht mehr länger die Strecke streitig, sodass Locomore versuchen will, über ein Nachrückverfahren wenigstens von April 2011 von Köln nach Hamburg fahren zu dürfen. Das Unternehmen will gebrauchte Züge aus Österreich einsetzen, das Preissystem soll sich - ähnlich dem von Fluggesellschaften - stark an der Nachfrage orientieren. Anders als im Nahverkehr ist die Deutsche Bahn im Fernverkehr bislang fast noch Monopolist. Vorwürfe, das gesamte Vorgehen sei mit SNCF abgesprochen gewesen, um den Start von Locomore zu verhindern, wies die Bahn zurück. "Es gibt keinerlei Absprachen mit Wettbewerbern", sagte ein Sprecher. Der Rückzug habe auch keine Konsequenzen auf das Angebot der Bahn im kommenden Jahr. "Wir haben unser Fernverkehrsangebot unabhängig davon geplant und werden es wie geplant fahren." Verbraucherschützer bedauerten die vorläufige Absage der Konkurrenten. "Je mehr Wettbewerb, umso mehr Auswahl haben die Verbraucher", sagte ein Sprecher des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. "Dabei geht es nicht nur um den Preis, sondern auch um Service und Qualität."
Wettbewerb? Wenn überhaupt, dann erst später: Die beiden einzigen Bahn-Wettbewerber verzichten auf eigene Fernverbindungen in Deutschland - vorerst.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bahn-konkurrenten-geben-auf-1.14209
Konkurrenten geben auf
00/04/2010
Die US-Kanzlei Debevoise & Plimpton ermittelte bereits bei Siemens - und soll nun wohl im Korruptionsfall Ferrostaal prüfen. Die amerikanische Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton soll möglicherweise mit Ermittlungen bei dem in eine Korruptions-Affäre verstrickten Essener Konzern Ferrostaal AG beauftragt werden. Dies wurde am Freitag aus Kreisen des Unternehmens bekannt. Die amerikanische Kanzlei war bereits im Korruptionsfall Siemens aktiv und hatte für ihre Untersuchungen von dem Weltkonzern mehr als 200 Millionen Euro erhalten. Die intensiv geführten Diskussionen über den möglichen Sondereinsatz von Debevoise in Essen zeigen ein Dilemma, in das Unternehmen heutzutage bei Korruptionsverdacht geraten können: Staatsanwaltschaften erwarten volle Kooperation und die Unternehmen fürchten den Rufschaden durch Ermittlungen. Im vergangenen Jahr war die Münchner Staatsanwaltschaft I im Zusammenhang mit Korruptionsermittlungen bei MAN, der einstigen Mutterfirma von Ferrostaal auf verdächtige Vorgänge gestoßen. Die Münchner Ermittler durchsuchten im Juli 2009 die Ferrostaal-Zentrale. 120 Millionen Euro Strafe Sie hatten den Verdacht, dass in Zusammenhang mit dem Bau von Hochseeschleppern Schmiergeld eingesetzt worden war. Vier Verdächtige wurden festgenommen. Die Durchsuchungen lösten in Essen viel Unruhe aus. Inzwischen liegt eine Anklage vor. Der Fall soll vor dem Augsburger Landgericht verhandelt werden. Zwar war die Firma schon vor der Durchsuchung selbst auf Unregelmäßigkeiten bei dem Schlepper-Geschäft gestoßen und hatte sich auch von einem langjährigen Mitarbeiter getrennt, doch die Münchner Strafverfolger stehen im Ruf, einer Sache auf den Grund zu gehen. Auch drangen sie darauf, dass Ferrostaal 120 Millionen Euro Geldbuße zahle. Der Siemens-Konzern hatte etwa 600 Millionen Euro Geldbuße gezahlt. "Für was sollen wir zahlen?", soll der Ferrostaal-Vorstandsvorsitzende Matthias Mitzscherlich gefragt haben. Die Staatsanwälte forderten dann die Manager des Anlagenbauers auf, mit der Strafverfolgungsbehörde zu kooperieren. Unter der Leitung einer Düsseldorfer Kanzlei wurde nach dem Siemens-Vorbild eine sechzigköpfige Ermittlungskommission gegründet, die seit dem 14.September 2009 insgesamt zehn Projekte prüfte. Inzwischen liefen schon neue Ermittlungen Es ging unter anderem um den Verkauf von U-Booten nach Griechenland, um ein großes Projekt in Oman oder den Bau eines Kraftwerks in Venezuela. Die Prüfungen waren recht aufwendig. Ferrostaal hat bislang schon eine zweistellige Millionensumme an die Prüfer gezahlt. Vor kurzem erhielt die Münchner Staatsanwaltschaft einen 800 Seiten umfassenden Bericht von Ferrostaal mit mehr als zehntausend Seiten Anhang. Was die Prüfer nicht wussten: Inzwischen liefen schon Vorermittlungen wegen eines neuen Korruptionsverdachts: Fünf verdächtige Projekte. Es ging nicht um Oman, nicht um Venezuela, nicht um Griechenland. Wieder kreuzten Staatsanwälte in Essen auf. Sie verhafteten zwei Manager und leiteten etliche Ermittlungsverfahren ein. Die Unruhe ist erneut groß. Die Staatsanwaltschaft bemängelte intern die mangelnde Kooperation; ähnlich argumentieren auch einige Mitglieder des besorgten Aufsichtsrats. So kommt dann Debevoise ins Spiel.
Die US-Kanzlei Debevoise & Plimpton ermittelte bereits bei Siemens - und soll nun wohl im Korruptionsfall Ferrostaal prüfen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ferrostaal-korruptionsaffaere-teurer-rat-aus-den-usa-1.20400
Ferrostaal: Korruptionsaffäre - Teurer Rat aus den USA
00/04/2010
Späte Genugtuung: Als treibende Kraft der Ostsee-Pipeline musste Gerhard Schröder Kritik einstecken. Doch beim offiziellen Baubeginn des Projekts bekam der Altkanzler viel Zuspruch - auch vom politischen Gegner. Der Bau der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream ist am Freitag offiziell gestartet worden. Russlands Präsident Dmitri Medwedew schrieb "Viel Glück" auf eine Röhre, bevor zwei der Leitungssegmente in der russischen Ostseebucht von Portowaja nahe der Stadt Wyborg miteinander verschweißt wurden. Die neue Gaspipeline werde Europa Energiesicherheit zu "angemessenen und zumutbaren Preisen" verschaffen, sagte Medwedew beim dem Festakt zum Baubeginn. "Auch wenn wir uns alle um die Umwelt sorgen und auf der Suche nach alternativen Energiequellen sind - die Nachfrage nach dem "blauen Brennstoff" wird weiter steigen", sagte der russische Präsident. Die rund 1220 Kilometer lange Leitung soll ab Ende 2011 Erdgas von Wyborg bis nach Lubmin an der deutschen Ostseeküste befördern und die Versorgungssicherheit Europas verbessern. Umweltschützer warnen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hob in einer Videobotschaft das große wirtschaftliche Potenzial des Projekts hervor. Ihr Vorgänger Gerhard Schröder (SPD), der dem Aktionärsausschuss des Betreiberkonsortiums Nord Stream vorsitzt und das Projekt politisch stark unterstützt hatte, sagte, es seien 100 Millionen Euro ausgegeben worden, um die Auswirkungen der Rohrleitung auf die Umwelt "minimal" zu halten. Umweltschützer hatten vor dem Riesenprojekt unter der Ostsee gewarnt. In Deutschland klagen die Umweltverbände BUND und WWF gegen die Baugenehmigung für einen 50 Kilometer langen Abschnitt vor der Anlandestation in Mecklenburg-Vorpommern. Dessen ungeachtet beurteilte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin das Projekt positiv. Der Politiker erwartet mehr Sicherheit für die Gasversorgung für Deutschland. Dem Radiosender MDR Info sagte er: "Ich halte Gas unter der Maßgabe, dass wir Übergangstechnologien brauchen, die regelbar sind, für vernünftig." Im Verhältnis zu anderen fossilen Energieträgern wie Öl oder Kohle sei Gas deutlich klimaverträglicher. Zugleich warnte Trittin, Deutschland dürfe sich "nicht vollständig von einem Lieferanten abhängig machen". Die Grünen plädierten "beispielsweise für den Bau einer weiteren Pipeline, der Nabucco-Pipeline, die über die Türkei nach Mitteleuropa führt". Den baltischen Staaten und Polen ist das Projekt hingegen ein Dorn im Auge. Als direkte Nachbarn Russlands befürchten diese Länder, dass Moskau seine Machtposition im Ostseeraum festigt und auf Grund des Schutzbedarfs der Pipeline auch seine militärische Präsenz erhöht. Dem hielt Altkanzler Schröder entgegen, dass die Gaspipeline die Energieversorgung in Europa sicherer machen werde. Bezogen auf Deutschland vertiefe Nord Stream die strategische Partnerschaft mit Russland. 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr Die in einer Wassertiefe von bis zu 210 Metern auf dem Meeresboden verlegte Rohrleitung durchquert die Wirtschaftszonen von fünf Ostsee-Anrainerstaaten: Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland. Gespeist werden soll die Pipeline laut Nord Stream von westsibirischen Erdgasfeldern. Die Röhre besteht aus zwei Strängen. Der erste soll bis Ende 2011 fertiggestellt sein, der zweite 2012. Beide Leitungen können zusammen bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr transportieren. Das entspricht laut Nord Stream etwa elf Prozent des prognostizierten Erdgas-Verbrauchs der EU im Jahr 2030. Beteiligt an dem internationalen Bau- und Betreiberkonsortium Nord Stream sind neben dem russischen Gaskonzern Gazprom auch der deutsche Energiekonzern Eon Ruhrgas, die BASF-Tochter Wintershall sowie die niederländische Gasunie.
Späte Genugtuung: Als treibende Kraft der Ostsee-Pipeline musste Gerhard Schröder Kritik einstecken. Doch beim offiziellen Baubeginn des Projekts bekam der Altkanzler viel Zuspruch - auch vom politischen Gegner.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ostsee-pipeline-baubeginn-schroeder-gibt-gas-1.22353
Ostsee-Pipeline: Baubeginn - Schröder gibt Gas
00/04/2010
Nach gescheiterten Tarifverhandlungen sehen die Fluglotsen "keine andere Möglichkeit" und wollen streiken. Außerdem: Der Autoabsatz in China steigt rasant. Die deutschen Fluglotsen wollen streiken. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) sehe "derzeit keine andere Möglichkeit", ihre Forderung gegenüber der Deutschen Flugsicherung (DFS) durchzusetzen, sagte GdF-Verhandlungsführer Dirk Vogelsang. Zeitpunkt und Umfang möglicher Streiks stünden aber noch nicht fest, darüber werde in der kommenden Woche entschieden. Der Bundesvorstand der GdF habe einstimmig bei einer Enthaltung "einen Arbeitskampf" im Konflikt mit der Deutschen Flugsicherung beschlossen, teilte die Gewerkschaft mit. Die Entscheidung sei bereits am Donnerstagabend gefallen. Mögliche Streiks wolle die GdF 24 Stunden vor Beginn ankündigen. Fliegerische Notfälle würden selbstverständlich auch in Streikstunden abgefertigt, erklärte die Gewerkschaft. Flugsicherung und Gewerkschaft hatten am Donnerstagabend die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt. In den Tarifverhandlungen ging es vor allem um Möglichkeiten zur Entlastung der Fluglotsen. Während die DFS erklärte, nach ihrer Auffassung sei ein Streik der Fluglotsen "zum gegenwärtigen Zeitpunkt" unwahrscheinlich, teilte die GdF mit, sie habe beim Bundesvorstand die Bewilligung von Arbeitskampfmaßnahmen beantragt. Die Verhandlungen scheiterten nach Angaben beider Seiten am Ausarbeiten einer gemeinsamen Personaleinsatzplanung. Richter durchleuchtet Selbstmordserie bei France Télécom Die Serie von Selbstmorden beim französischen Telekomanbieter France Télécom soll von einem Untersuchungsrichter unter die Lupe genommen werden. Die Pariser Staatsanwaltschaft werde in den kommenden Tagen richterliche Vorermittlungen veranlassen, sagte ein Anwalt der Gewerkschaft Sud am Freitag. Anlass sei eine Klage der Gewerkschaft und ein Bericht des französischen Gewerbeaufsichtsamts. Darin wird France Télécom vorgeworfen, die Gesundheit von Mitarbeitern durch die Umstrukturierung des Konzerns aufs Spiel gesetzt zu haben. Gleichzeitig wird das Managements des Mobbings beschuldigt. Seit 2008 haben sich bei France Télécom mehr als 40 Mitarbeiter das Leben genommen. Die Gewerkschaften machen dafür den rasanten Umbau des einstigen Staatskonzerns mitverantwortlich, durch den viele Beschäftigte versetzt und Arbeitsabläufe verändert würden. Wegen der Selbstmordserie musste bereits Konzernchef Didier Lombard Anfang März seinen Posten abgeben. Mitte März hatte die Staatsanwaltschaft im ostfranzösischen Besançon erstmals ein Ermittlungsverfahren zu einem Mitarbeiter-Selbstmord eingeleitet, in dem der Konzern und ein Regionalmanager der "fahrlässigen Tötung" beschuldigt werden. Autoabsatz in China steigt rasant Angetrieben von Steuernachlässen und Subventionen ist der Autoabsatz in China im März um 63 Prozent in die Höhe geschossen. In einem Monat wurden damit 1,26 Millionen Personenfahrzeuge verkauft, wie der chinesische Automobilverband mitteilte. Insgesamt betrug der Zuwachs 56 Prozent. Der Verband rechnet nach eigenen Angaben damit, dass in diesem Jahr die Marke von 17 Millionen Fahrzeugen übersprungen werden soll, was einem Zuwachs von einem Viertel im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Nach gescheiterten Tarifverhandlungen sehen die Fluglotsen "keine andere Möglichkeit" und wollen streiken. Außerdem: Der Autoabsatz in China steigt rasant.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-fluglotsen-ruesten-zum-arbeitskampf-1.2272
Wirtschaft kompakt - Fluglotsen rüsten zum Arbeitskampf
00/04/2010
Günstig, günstiger, Wal-Mart: Der US-Handelskonzern hat die Preise für 10.000 Produkte gesenkt - auch aus Sorge über den Erfolg eines deutschen Konkurrenten. Billig, billiger, Wal-Mart - so lautete das Credo von Sam Walton, dem Gründer der amerikanischen Supermarkt-Kette. Walton perfektionierte das System des Massenverkaufs und drückte so die Preise bei Zulieferern. So konnte Wal-Mart seine Konkurrenten mühelos unterbieten - ein wichtiger Grund für den Erfolg des Konzerns. Auch der wirtschaftliche Abschwung, der die USA derzeit mit voller Wucht trifft, sorgte für volle Häuser des Billig-Anbieters. Jetzt, wo es auch in den USA langsam wieder aufwärts geht, fürchtet Wal-Mart offenbar, die durch die Krise gelockten Kunden wieder zu verlieren. In einer groß angelegten Aktion hat die US-Handelskette daher diese Woche die Preise von fast 10.000 Artikeln gesenkt. Vor allem Lebensmittel sind nun deutlich günstiger zu haben, berichtet das Wall Street Journal. Über den genauen Umfang der Preissenkungs-Aktion schweigt das Unternehmen jedoch beharrlich. In den 3700 Wal-Mart-Filialen warten nun große Plakate auf die Konsumenten, die erklären, welche Produkte nun günstiger zu haben sind. Flankiert wird das Ganze von einer Medienkampagne, die beschreibt, wie Wal-Mart Kostensenkungen - etwa durch Einsparungen bei der Logistik - an die Kunden weitergibt. Und das soll noch nicht alles sein: Marketing-Vorstand Stephen Quinn kündigte bereits weitere Preissenkungsrunden in den kommenden Monaten an. Aldi: Erfolge in USA Handelsexperten bezweifeln jedoch, dass nun mehr Kunden die Wal-Mart-Stores stürmen werden, da die Supermarktkette in den USA ohnehin als günstigster Anbieter wahrgenommen wird, heißt es in dem Bericht. Es gibt jedoch auch andere Stimmen. Wenn die Kunden zur Konkurrenz gehen, könnten sie befürchten, tolle Angebote von Wal-Mart zu verpassen, sagte Handelsfachmann Craig Johnson von der Beratungsfirma Customer Growth Partners dem Wall Street Journal. Der Preiskampf der Supermarktketten in den USA hat auch mit einem deutschen Anbieter zu tun, der seit einiger Zeit Amerika aufmischt. Aldi hat Wal-Mart längst den Kampf angesagt - mit günstigen Preisen, einem überschaubaren Sortiment und Filialen, die ohne jeglichen Schnickschnack auskommen. Nicht einmal Coca-Cola gibt es bei Aldi, dafür Haribo-Gummibärchen und einen Aufpreis für Plastiktüten - im serviceorientierten Amerika eigentlich undenkbar. Dennoch baut der deutsche Discounter seine Position in den USA massiv aus und feiert aufgrund seiner günstigen Preise große Erfolge. Wal Mart hat also auch Aldi im Blick, wenn der Konzern seine Preise radikal senkt. Dass die jüngste Aktion nicht die letzte gewesen sein muss, zeigt dem Wall Street Journal zufolge ein Test des Analysten Charles Grom von der Bank JP Morgan. Er vergleicht monatlich bei Wal Mart die Preise von 31 Produkten. Sein Urteil: Die aktuelle Rechnung war um 2,3 Prozent höher als im Vormonat.
Günstig, günstiger, Wal-Mart: Der US-Handelskonzern hat die Preise für 10.000 Produkte gesenkt - auch aus Sorge über den Erfolg eines deutschen Konkurrenten.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/usa-10-000-artikel-billiger-wal-mart-im-preiskampf-1.10568
USA - 10.000 Artikel billiger - Wal-Mart im Preiskampf
00/04/2010
Starkes Comeback: Zum Jahresbeginn ging den deutschen Exporteuren die Puste aus, doch nun feierten sie den stärksten Zuwachs seit knapp einem Jahr. Nach einem Dämpfer im Januar haben die deutschen Exporte im Februar wieder kräftig zugelegt. Die Ausfuhren lagen um 9,6 Prozent über dem Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist der größte Zuwachs seit April 2008. Die Einfuhren waren um 4,2 höher als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zum Januar 2010 stiegen die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt um 5,1 Prozent und die Einfuhren um 0,2 Prozent. Im Februar wurden Waren im Gesamtwert von 70,0 Milliarden Euro aus Deutschland ausgeführt und Waren für 57,3 Milliarden Euro eingeführt. Der Überschuss der Handelsbilanz legte vor allem wegen der gestiegenen Exporte zu: Der Saldo betrug rund 12,6 Milliarden Euro nach 8,0 Milliarden Euro im Vormonat. "Das ist ein starker Anstieg" Der Zuwachs bei den Ausfuhren lag auch deutlich über den Erwartungen. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem kalender- und saisonbereinigten Plus von 4,4 Prozent gerechnet. Dementsprechend erfreut zeigte sich Jürgen Michels von der Citigroup: "Das ist ein starker Anstieg." Allerdings seien die Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Im Januar habe es wegen des kalten Wetters Probleme beim Transport gegeben, so dass einige Güter nicht ausgeliefert worden seien. "Auch im Februar war das Wetter noch schlecht, so dass wir eine volle Auflösung des Wetterstaus erst im März sehen", so der Experte. Die wachsende Weltwirtschaft und die weitere Entwicklung der Wechselkurse deuteten aber darauf hin, dass die Exporte eine Triebfeder des deutschen Aufschwungs werden könnten.
Starkes Comeback: Zum Jahresbeginn ging den deutschen Exporteuren die Puste aus, doch nun feierten sie den stärksten Zuwachs seit knapp einem Jahr.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aussenhandel-deutschlands-exportmotor-kommt-wieder-auf-touren-1.21498
Außenhandel - Deutschlands Exportmotor kommt wieder auf Touren
00/04/2010
Mehr Service - das verspricht Marcell D'Avis, der neue Leiter Kundenzufriedenheit beim DSL-Anbieter 1&1. Doch Internetnutzer haben für die neue Image-Kampagne nur Hohn übrig. Schnell noch eine E-Mail tippen, dann beginnt die TV-Werbung in eigener Sache. Marcell D'Avis präsentiert seine Vorzüge: ein WLAN-Modem, einen DSL-Werbeprospekt und ein Spielzeugauto. Dann hält der neue Leiter Kundenzufriedenheit des Internetkonzerns 1&1 seine Visitenkarte in die Kamera - "Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir schreiben", flötet er. Doch Marcell D'Avis möchte keine DSL-Anschlüsse verkaufen, er sucht eine Frau. Das Video ist eine abgeänderte Version des Original-Werbespots von 1&1. Seit Ende 2009 ist D'Avis das neue Werbegesicht von 1&1. Seit 16 Jahren arbeitet er bereits im Konzern - doch seine neueste Mission dürfte auch seine schwerste sein. Der 39-Jährige soll den Kunden in einer großen Kampagne - mit TV-Spots und einem Internet-Blog - zeigen, dass der Service bei 1&1 künftig oberste Priorität hat. Sein Motto liefert D'Avis im Spot gleich mit: "Die neueste Innovation bin ich". Doch die Internetgemeinde glaubt die Botschaft nicht so recht - und schüttet kübelweise Spott über den neuen "Leiter Kundenzufriedenheit" aus. Im Videoportal Youtube finden sich unzählige - mal mehr, mal weniger gut gemachte - Persiflagen der bislang erschienenen TV-Spots. Mal ist D'Avis auf Brautschau ("und rechnen kann ich auch, denn eins und eins ist zwei"), dann wird der Misserfolg der Serviceoffensive schon vorweggenommen ("Hallo, ich bin Marcell D'Avis und das ist meine Kündigung"). Auch beim Klingelstreich wird der smarte Manager ertappt. Beträchtlicher Imageschaden Wie ein Virus verbreiten sich die Fake-Spots - alleine das Video, das D'Avis auf Brautschau zeigt, wurde bereits knapp 100.000 mal angeklickt. Marketing-Experten sprechen deshalb auch von viralem Marketing. Die Besonderheit im Fall von 1&1 ist nur, dass hier die Kampagne nicht vom Unternehmen selbst gesteuert wird - sondern von seinen Kritikern. Fachleute sehen daher einen beträchtlichen Imageschaden für den Internetanbieter. Zwar würden diese Filmchen durchaus die Bekanntheit von 1&1 steigern, sagt Markus Voeth, Professor für Marketing an der Universität Stuttgart-Hohenheim. "Dem eigentlichen Ziel des Unternehmens, eine positive Botschaft zu vermitteln, wirken sie jedoch entgegen." Dabei sei der Ansatz von 1&1, die Servicequalität zum Thema einer Kampagne zu machen, durchaus richtig, sagt Voeth. "DSL-Anbieter verkaufen völlig standardisierte Produkte, die überall nahezu gleich viel kosten." Der Kundenservice sei die einzige Möglichkeit, sich von der Konkurrenz abzuheben. "Die Branche ist in den letzten Jahren wegen des schlechten Services ziemlich in Verruf geraten", sagt auch Marcell D'Avis.
Mehr Service - das verspricht Marcell D'Avis, der neue Leiter Kundenzufriedenheit beim DSL-Anbieter 1&1. Doch Internetnutzer haben für die neue Image-Kampagne nur Hohn übrig.
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1&1-Kampagne: Häme im Internet - Spott mit dem Spot
00/04/2010
Die Fronten verhärten sich weiter: Nachdem die Tarifverhandlungen der Ärzte gescheitert sind, bekräftigt die Gewerkschaft ihre Forderungen. Schon im Mai drohen Streiks. Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für die rund 55.000 Ärzte an kommunalen Kliniken beharrt der Marburger Bund auf seinen Forderungen nach mehr Einkommen für die angestellten Mediziner. Der Marburger Bund sei zwar bereit, den kommunalen Arbeitgebern entgegenzukommen und von seiner Fünf-Prozent-Forderung abzurücken, sagte der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft, Rudolf Henke, im ZDF-Morgenmagazin. Ein Abschluss über die angebotenen 2,9 Prozent für drei Jahre sei jedoch angesichts der unvorhersehbaren wirtschaftlichen Lage inakzeptabel. Angesichts 5000 unbesetzter Ärztestellen in den kommunalen Kliniken wandte sich Henke zudem gegen den Einsatz von Honorarärzten durch die Arbeitgeber. Urabstimmung Nach einem 28-stündigen Verhandlungsmarathon waren die Tarifgespräche Vortag in Düsseldorf gescheitert. Nun soll es eine Urabstimmung über einen Streik an den bundesweit 800 kommunalen Krankenhäusern geben. Ein genauer Zeitrahmen wurde zunächst nicht genannt, doch schon im Mai wären Streiks möglich. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten, Wolfram-Arnim Candidus, hält den im Mai drohenden Ärztestreik für "allemal berechtigt". Über Jahre hinweg sei eine angemessene Bezahlung von Assistenzärzten und Oberärzten "auf dem Altar der Ökonomie geopfert worden", sagte Candidus im Deutschlandradio Kultur. Die Arbeitgeber kritisierten das Vorgehen der Gewerkschaft scharf. "Dieses Vorgehen ist in Inhalt und Stil in keiner Weise akzeptabel", sagte Joachim Finklenburg, Verhandlungsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). "Der Marburger Bund lässt auch am heutigen Tag ernsthaften Einigungswillen vermissen." Zuvor waren nach einem knapp 24-stündigen Gesprächsmarathon in fünfter Runde die Tarifgremien beider Parteien am Donnerstagmittag über den Verhandlungsstand informiert worden. "Wir haben immer gesagt, dass wir die fünfte Runde als letzte Chance ansehen", hatte eine Sprecherin des Marburger Bundes vor Abbruch der Gespräche gesagt. Die Gewerkschaft verlangt für die 55.000 Ärzte an rund 800 kommunalen Kliniken neben einer linearen Gehaltserhöhung um fünf Prozent auch Verbesserungen bei der Vergütung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in der Nacht, am Wochenende und an Feiertagen. "Langwierig und schwierig" Die Arbeitgeber boten den Ärzten nach eigenen Angaben zuletzt eine Gehaltserhöhung von 2,9 Prozent bei einer Laufzeit von 36 Monaten an. Die Vergütung des Bereitschaftsdienstes sollte demnach zwischen 16 und 20 Prozent steigen, zusätzlich sollten Zuschläge für Nachtarbeit eingeführt werden. "Wir haben in langwierigen und inhaltlich schwierigen Verhandlungen heute früh einen gemeinsamen Stand erreicht, den beide Seiten als Weg für einen Abschluss gesehen haben", sagte Finklenburg. Der Marburger Bund habe nun das Erreichte vom Tisch gewischt. Die Tarifverhandlungen begannen am 18. Januar. Um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen, traten am 22. März Tausende Mediziner in einen Warnstreik.
Die Fronten verhärten sich weiter: Nachdem die Tarifverhandlungen der Ärzte gescheitert sind, bekräftigt die Gewerkschaft ihre Forderungen. Schon im Mai drohen Streiks.
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Operation missglückt - Ärzte stimmen sich auf Streik ein
00/04/2010
Die Kunden schieben ihre Bestellungen immer wieder auf, die Konkurrenten kämpfen, die Investoren knausern - doch der Windenergiekonzern Repower gibt sich angriffslustig. Der Hamburger Hersteller werde in Deutschland weiter wachsen und Arbeitsplätze aufbauen, sagte Tulsi Tanti, Vorstandschef des indischen Mutterkonzerns Suzlon im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Der Energiemanager rechnet damit, dass Repower ebenso wie die Branche nach einem momentanen Zwischentief von 2011 an "jährlich um 20 Prozent" zulegen werde. Bei einem solchen Marktwachstum dürfe "üblicherweise die Zahl der Arbeitsplätze um zehn Prozent steigen", versprach Tanti. Der hanseatische Windturbinenbauer beschäftigt 1400 Menschen hierzulande, für den Mutterkonzern Suzlon arbeiten weitere 150 Menschen in Deutschland. Die Suzlon-Gruppe ist mit einem Marktanteil von 12,5 Prozent der drittgrößte Windenergie-Konzern der Welt und will bis 2015 weiteres Terrain erobern - bis zu einem Marktanteil von 20 Prozent. Zunächst aber steht Repower ein schwieriges Jahr bevor: Nach einem langen Aufschwung stagnierte der globale Markt zuletzt auf dem Niveau von 30 Milliarden Euro und dürfte nach Expertenmeinung weiter schwächeln, weil das Geld der Investoren nur zäh fließt. Investitionsbereitschaft schwindet Wegen der stockenden internationalen Klimaverhandlungen fehlt vielen Financiers ein klarer Rechtsrahmen - und so erlahmt ihre Bereitschaft, in grüne Technologien wie Windkraftwerke und Solaranlagen zu investieren. Anbieter wie Repower müssen sich somit für Verteilungskämpfe in Stellung bringen. "Der Markt ist heiß umkämpft", sagte auch Tanti. Er erwartet, dass schon bald chinesische und koreanische Hersteller in die amerikanischen und europäischen Märkte dringen werden und den globalen Anbietern wie Vestas, General Electric, Siemens oder Suzlon das Geschäft erschweren. Allerdings geht Tanti nicht davon aus, dass die Zahl der Anbieter sinkt: "Ich erwarte keine größeren Zusammenschlüsse oder Fusionen." Wie die Solarfirmen Solar Millenium, Q-Cells und die Bosch-Tochter Aleo Solar hat auch Suzlon angesichts der tiefen Umbrüche in der Branche zuletzt den Chef seines Windturbinenbauers ausgetauscht. Spätestens im Herbst soll der Leiter der Siemens-Windsparte, Andreas Nauen, den Repowerchef Per Hornung Pedersen ersetzen. "Andreas Nauen soll aus dem Mittelständler Repower ein globales Unternehmen machen", sagte Tanti. Nauen kenne sich "mit Großkonzernen und globalen Unternehmenskulturen" aus. Zusätzliche Stärken Pedersen, der als erfahrener Windenergiemanager gilt, soll trotzdem im dann fünfköpfigen Vorstand bleiben und sich um Marketing und Vertrieb kümmern. Das ist ungewöhnlich. Tanti widersprach allerdings der Deutung, er habe Pedersen degradiert: "Wir ergänzen den Vorstand mit zusätzlichen Stärken", sagte er. Pedersen selbst sei "einverstanden mit der Entscheidung und verstehe die Interessen der Firma". Es sei "sehr klar", dass dieser nicht kündigen werde. In der Branche gilt es als ausgemacht, dass Nauen vor allem dabei helfen soll, für Repower mehr rentable Großprojekte auf hoher See zu ergattern. "Für die europäischen Märkte bieten die zusätzlichen Off-Shore-Windparks die größten Chancen", sagte Tanti. Das Ende März abgelaufene Geschäftsjahr dürfte aber schwächer ausgefallen sein als geplant. "Aufgrund des schwachen Marktumfeldes sind wir im Vergleich zum Vorjahr eher geringfügig gewachsen", sagte Tanti. Es gebe eine wachsende Unsicherheit, weil Kunden Projekte verschieben - auch wegen des harten Winters, wie Repower bereits im Februar mitgeteilt hatte. Allerdings hatte der Vorstand damals an der Prognose von einem Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Euro und einer Gewinnmarge (Ebit) von 7,5 Prozent festgehalten. Dieses Ziel könnte Repower verfehlen. Im Herbst lag der Auftragsbestand bei 607 Anlagen mit einer Gesamtnennleistung von 1,4 Gigawatt. Das waren etwa 100 Anlagen weniger als vor einem Jahr. Kräftiges Wachstum Diese Situation habe sich zuletzt gebessert, sagte Tanti: "Unsere Auftragsbücher sind so gut gefüllt, dass wir im nächsten Jahr ein kräftiges Wachstum erwarten." Zulegen will der Konzern mit neuen Bestellungen aus Süd- und Osteuropa, den USA und Kanada: "Repower plant kurzfristig keine Zukäufe, wir wollen aus eigener Kraft wachsen." In fünf Jahren, so lautet zumindestens die Vision von Tulsi Tanti, soll seine Gruppe dann in 40 statt bisher 20 Ländern weltweit Windanlagen verkaufen. Nicht äußern wollte sich Tanti zu der ausstehenden Übernahme der restlichen Repower-Aktien. Der Energiekonzern Suzlon aus Pune hält gut 90 Prozent an dem börsennotierten Anlagenbauer. In der Finanzbranche heißt es, dass die Inder in naher Zukunft weitere Anteile übernehmen wollen. Sobald der Mehrheitseigner 95 Prozent der Aktien hält, darf er die restlichen Aktionäre in einem so genannten Squeeze-Out-Verfahren hinausdrängen. Vor allem zwei US- Hedgefonds hätten dies zuletzt blockiert, um den Preis hochzutreiben, heißt es. Suzlon hatte die Mehrheit an Repower vor 2007 nach einem Bieterkampf mit dem französischen Atomkonzern Areva erworben.
Der Hamburger Anlagenbauer Repower sucht Wachstum auf dem Meer und in den USA. Die Konkurrenz aus Fernost wird schärfer.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/repower-windparks-auf-see-gegen-die-flaute-1.23013
Repower - Windparks auf See gegen die Flaute
00/04/2010
Die Zukunft, für Volker Spieth ist sie eine einzige Verheißung. Da wäre etwa das Auto. "In einem normalem Auto stecken 25 Kilo Kupfer", sagt Spieth. Wird es aber ein modernes Hybrid-Auto, bekommt es also noch zusätzlich einen Elektromotor, sind es plötzlich 75 Kilo. Solarmodule, Windkraftanlagen, Elektronik - ohne Kupfer geht nichts. "Die Zukunft spielt uns in die Hände", sagt Spieth. Denn Kupfer könnte seine Firma bald genug haben. In der Lausitz, am östlichen Rand der Republik. Spieth ist Geschäftsführer der Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL), einer kleinen Firma mit Sitz im historischen Zentrum der ebenfalls kleinen Stadt Spremberg. Sechs Leute beschäftigt sie derzeit. In ein paar Jahren könnten es ein paar tausend sein. Denn seit dieser Woche ist klar: Das Kupfer der Lausitz kann wirtschaftlich geborgen werden. Die ersten Anträge hat das zuständige Bergamt im brandenburgischen Cottbus abgesegnet, die nächsten sollen rasch beschieden werden, noch binnen sechs Wochen, heißt es beim Bergamt. Der neuen Spremberger Hoffnung will keiner im Wege stehen. "Wir ringen hier um jeden Arbeitsplatz", sagt der Präsident der Behörde, Klaus Freytag. "Und das wird das modernste, effektivste Bergwerk werden." Schon seit Jahrzehnten ist das Kupfervorkommen bekannt, es zieht sich wie ein Gürtel von West nach Ost, bis weit nach Polen hinein. Jenseits der Grenze wird das Kupfer längst gefördert. Schon in den sechziger Jahren gab es erste Probebohrungen auch in Spremberg. Doch der Kupferpreis war niedrig, und die DDR hatte kein Geld für ein Bergwerk. Das Kupfer blieb unten. Als so wertlos galten die Vorkommen, dass das Vermögen nach der Wende nicht einmal der Treuhand übertragen wurde. Das Kupfer blieb herrenlos - bis ein steigender Rohstoffpreis es attraktiver machte. Die KSL entnahm erneut Bohrkerne aus der Tiefe - mit einem erstaunlichen Ergebnis. Denn nach Schätzungen des Unternehmens, das dem US-amerikanischen Bergbaukonzern Minera gehört, lagern in dem Gebiet rund zwei Millionen Tonnen Kupfer, mehr als erwartet. Marktwert derzeit: knapp zwölf Milliarden Euro. Hinzu kommen Milliardenerlöse aus anderen Edelmetallen, darunter Gold, Silber und Platin. Ein Zehntel der Einnahmen fließen an die Länder Brandenburg und Sachsen, unter deren Territorium die Förderstätte liegt. Noch einige Hürden zu nehmen Und das muss noch lange nicht alles sein. Parallel zur Planung des Bergwerks will Spieth auch weiter nach Kupfer suchen. "Die Arbeitshypothese ist, dass die Lagerstätte drei- bis viermal größer ist als das, was wir bisher gefunden haben", sagt er. Der Optimismus kennt derzeit keine Grenzen. In zwei Jahren soll der Bau des Bergwerks beginnen, 2015 könnte es das erste Erz fördern. Ein neues Erzbergwerk - das hat es in Deutschland schon lange nicht mehr gegeben. Die Region kann es brauchen. Allein das Bergwerk könnte an die 1400 Jobs bringen, ganz zu schweigen von nachgelagerten Arbeitsplätzen. Insgesamt 5000 Jobs erhoffen sich die Spremberger vom Kupfer. Die Arbeitslosigkeit lag im März mit 14,6 Prozent noch über dem Landesschnitt. Doch schon jetzt sind die Pensionen in der 26.000-Einwohner-Stadt ausgelastet, mit Ingenieuren, die das Projekt vorbereiten. "Das ist rundum eine gute Sache", findet Sprembergs Bürgermeister Klaus-Peter Schulze. "Und es bedeutet ein Ende der Abwanderung." Noch freilich sind nicht alle Hürden ausgeräumt. Als Nächstes muss die Bergbau-Firma vorweisen, dass sie das Vorhaben - Gesamtvolumen rund 700 Millionen Euro - auch stemmen kann. Erst dann wird das Bergamt ein exklusives Recht zur Ausbeutung erteilen. Spieth jedenfalls macht sich da wenig Sorgen. "Das ist ein Zukunftsprojekt", sagt er. "Die hier eine Ausbildung haben, werden hier auch in Rente gehen."
In der Lausitz lagern Millionen Tonnen Kupfer - und es kann wirtschaftlich geborgen werden. Einer Region, die selten gute Nachrichten hört, könnte das Tausende Jobs bringen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kupfer-fund-in-der-lausitz-rot-ist-die-hoffnung-1.11533
Kupfer: Fund in der Lausitz - Rot ist die Hoffnung
00/04/2010
Wachsendes Interesse von Banken und Investmentfonds am Handel mit Erdöl könnte Deutschlands Autofahrer teuer zu stehen kommen. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Demnach entfallen auf jeden Liter Benzin und Diesel inzwischen 14 Cent "Spekulationsprämie", mithin etwa fünf Milliarden Euro jährlich. Weltweit zahlten die Spritkunden demzufolge jährlich 267 Milliarden Euro extra. Hintergrund seien Veränderungen in den Ölmärkten verbunden mit einer hohen Liquidität an den Finanzmärkten, heißt es in dem Gutachten des Hamburger Ölexperten Steffen Bukold. So würden an den beiden wichtigsten Ölbörsen der Nymex in New York und der ICE in London mit den Jahren immer größere Mengen Rohöl an Terminmärkten gehandelt, im Schnitt 13-mal mehr, als physisch von dem Rohstoff gefördert wird. "Der Ölmarkt wächst durch das Übergewicht der Terminkontrakte immer stärker in die Welt der Finanzmärkte hinein", heißt es in der Studie. Gleichzeitig versorgten die Zentralbanken die Industrieländer mit zusätzlicher Liquidität bei niedrigen Zinsen - was die Spekulation weiter anheize. Ziehe die Nachfrage nach Öl im Zuge der wirtschaftlichen Erholung in den nächsten Monaten an, spreche dies "deutlich für steil steigende Ölpreise". Preise von 150 Dollar je Fass (rund 159 Liter) und mehr als zwei Euro je Liter Benzin seien schon bald wahrscheinlich. Am Mittwoch notierte Öl der Nordsee-Sorte Brent bei gut 85 Dollar je Barrel - und kostete damit fast doppelt so viel wie noch zu Anfang des Jahres. Immer Ärger mit dem Kartell Die Branche selbst sieht die Zusammenhänge ganz anders. Nicht Banken und Finanzinvestoren bestimmten die Preise, sondern das Kartell der erdölproduzierenden Staaten (Opec). "Die Erhöhung des Ölpreises lässt sich nur durch gezielte Produktionsverknappung der Opec erklären", sagte Christoph Rühl, Chefökonom des britischen Mineralölkonzerns BP, der Süddeutschen Zeitung. "Finanzinvestoren können existierende Entwicklungen verstärken, sie können sie aber nicht auslösen." Das erkläre letztlich auch den Anstieg der Terminpreise für Erdöl. In der Erwartung einer wirtschaftlichen Erholung setzten Investoren derzeit eher auf steigende als auf sinkende Ölpreise. "Und durch die starke Disziplin der Opec ist auch klar, dass der Preis tendenziell eher steigen wird." Vor allem Saudi-Arabien hatte in der Vergangenheit durch rasche Erhöhung oder Drosselung seiner Ölproduktion Einfluss genommen auf die verfügbare Menge am Markt. Doch der Studie zufolge könnte die physische Menge in Zukunft noch weiter an Bedeutung verlieren. Preisschwankungen könnten durch das Engagement von Finanzakteuren zunehmen. "Die Preise entfernen sich vom physischen Ölmarkt und bewegen sich immer stärker nach den Gesetzen der Finanzmärkte", schreibt Autor Bukold. Öl würde zu einer Anlagealternative in schwierigen Zeiten - freilich mit dem Nachteil, dass es am Ende wieder physisch verfügbar sein muss, also zwischenzeitlich auch irgendwo gelagert werden muss, häufig auf Tankschiffen ohne Ziel. Die Grünen fordern deshalb eine Reform der Finanzmärkte. "Bei Dingen des täglichen Bedarfs kann es nicht sein, dass sich Investmentbanken oder Hedgefonds auf Kosten der Allgemeinheit bereichern", sagt Bärbel Höhn, stellvertretende Fraktionschefin der Grünen. Vor allem arme Länder und sozial Schwache hätten darunter zu leiden. Deshalb bräuchten die Ölmärkte mehr Transparenz und weniger Möglichkeiten zur Spekulation. "Die Bundesregierung muss über die EU Druck aufbauen", fordert Höhn, "damit sich an den maßgeblichen Börsen in New York und London etwas verändert."
Banken und Investmentfonds spekulieren kräftig mit Öl - und treiben damit den Spritpreis deutlich nach oben. Autofahrer, so das Ergebnis einer Studie, berappen 14 Cent je Liter extra.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/benzinpreis-die-bank-zapft-mit-1.6583
Benzinpreis - Die Bank zapft mit
00/04/2010
Der dänische Rettungsdienst Falck streckt seine Klauen nach Deutschland aus. Die heimischen Platzhirsche sind davon jedoch wenig begeistert und warnen vor Kommerzialisierung. Retter oder Raubvogel? Welche Bedeutung der weiße Falke auf rotem Grund hat, der weltweit Krankenwagen und Feuerwehrautos schmückt, das hängt ganz vom jeweiligen Standpunkt ab. In Dänemark jedenfalls ist das stolze Tier seit mehr als 100 Jahren ein anerkanntes Symbol für Erste Hilfe. Gleichzeitig aber steht das Logo der Firma Falck auch für Wachstum und Profit. Bereits 1906 eröffnete das Unternehmen seine erste Sanitätsstation in Kopenhagen. Heute betreibt es in Dänemark mehr als 80 Prozent aller Krankenwagen und Dutzende Feuerwehren, privatwirtschaftlich und auf Rechnung. Falck rettet - und verdient gut damit. Nun will das Unternehmen expandieren. Auch auf deutschen Straßen sollen bald Einsatzfahrzeuge mit dem weißen Vogel rollen. In diesen Tagen sorgen die Helfer aus dem Norden bereits in Tirol für Wirbel, wo sie sich bei einer Ausschreibung um den Rettungsdienst beworben haben. Alteingesessene Hilfsorganisationen müssen fürchten, von dem Konzern aus dem Geschäft gedrängt zu werden. Ähnlich wie in Deutschland gibt es in Österreich eine lange Tradition ehrenamtlicher Hilfe. Ein Retter - das ist meist jemand, der in seiner Freizeit lange Stunden beim Roten Kreuz oder der Ortsfeuerwehr mit Training und Fortbildung verbringt. In Ländern wie Dänemark dagegen sind die Helden des Alltags meist Profis. Es sind zwei völlig verschiedene Blaulichtkulturen, die da aufeinanderprallen. Das dänische Modell aber ist in Europa auf dem Vormarsch. In zehn Ländern von Spanien bis Finnland betreibt Falck schon Rettungsdienste oder Feuerwehren. Daneben hat das Unternehmen Sparten für Pflegedienste sowie Pannenhilfe und bietet auf fünf Kontinenten Sicherheitsschulungen etwa für Matrosen an. Bisher nur ein Büro in Deutschland Knapp 20.000 Mitarbeiter hat der stetig wachsende Konzern und erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von sieben Milliarden Kronen, knapp eine Milliarde Euro. Der Eigentümer Nordic Capital, ein Investmentfonds, denkt derzeit über den Börsengang nach. Vor einigen Monaten haben die Dänen mit der Falck Rettungsdienst GmbH eine deutsche Tochter gegründet. Noch besteht sie hauptsächlich aus einem Büro. Aber schon bald will der Konzern sich an Ausschreibungen beteiligen und Dienstleistungen wie Notfallrettung und Krankentransporte anbieten. Mit dem dänischen Falken kündigt sich ein Umbruch im deutschen Rettungsdienst an. Bislang war dieser Bereich unbestrittene Domäne der großen Hilfsorganisationen: Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Johanniter, Malteser, Arbeitersamariterbund. Private Firmen sind bislang die Ausnahme. In manchen Bundesländern sind sie durch das Rettungsdienstgesetz sogar ausdrücklich vom Wettbewerb ausgeschlossen.
Der dänische Rettungsdienst Falck streckt seine Klauen nach Deutschland aus. Die heimischen Platzhirsche sind davon jedoch wenig begeistert und warnen vor Kommerzialisierung.
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Rettungsdienst: Konkurrenz - Falken im Anflug
00/04/2010
Daimler paktiert mit Renault. Doch der Deal wird wohl nicht reichen: Wenn die Stuttgarter nicht mit BMW neue Wege der Zusammenarbeit finden, wird die Situation gefährlich. Man hätte von Daimler-Chef Dieter Zetsche erwartet, dass er die Nase voll hat von Zusammenschlüssen mit anderen Autoherstellern. Zu frisch ist die Erinnerung an die Fusion von Daimler und dem US-Autohersteller Chrysler im Jahr 1998, die kläglich scheiterte. Dass Zetsche es jetzt mit Renault versucht, obwohl er als langjähriger Chrysler-Chef aus nächster Nähe erlebte, wie sich Daimler und Chrysler nicht näherkamen, macht aber deutlich, wie groß die Not bei dem Stuttgarter Konzern sein muss, wenn er es jetzt mit einer Überkreuzbeteiligung von nur drei Prozent und weitreichender Kooperation versucht. Die Daimler-Führung hat erkannt, dass der Stuttgarter Konzern allein nicht überleben kann und die Unterstützung anderer braucht. Daimler ist mit der Fertigung von gut einer Million Pkw im Jahr zu klein, um langfristig im Automarkt überleben zu können. Damit hat aber nicht nur der Konzern mit dem Stern ein Problem. Ähnliches gilt für den Münchner BMW-Konzern, der mit 1,5 Millionen Autos nicht viel größer ist. Angesichts der Bedeutung der Autoindustrie für Deutschland ist es eine beunruhigende Nachricht, wenn beide süddeutsche Edelmarken ein Strukturproblem haben. Daimler machte im vergangenen Jahr einen Milliardenverlust, BMW hat praktisch kein Geld verdient. Eine Zeitlang versuchten die beiden Unternehmenschefs, Daimler und BMW zusammenzuführen. Gemeinsam wollten sie auf eine Stückzahl kommen, die das Überleben beider sichert. In der Autoindustrie gilt eine Produktion von drei Millionen Fahrzeugen im Jahr heute als das Minimum. Doch die Chefs scheiterten. Die Mitarbeiter beider Unternehmen sind zu lange zur Konkurrenz untereinander erzogen worden. Sie können nicht von heute auf morgen Freunde werden. Ironischerweise suchen jetzt beide ihr Heil in Frankreich. BMW pflegt längst eine enge Zusammenarbeit mit Peugeot Citroën. Beide fertigen gemeinsame Motoren, die von BMW entwickelt wurden. Vielleicht entsteht bald sogar mehr. Beide Firmen haben Familien als Großaktionäre, und die Quandts von BMW wie die Peugeots treffen sich zu regelmäßigen Gesprächen.
Daimler paktiert mit Renault. Doch der Deal wird wohl nicht reichen: Wenn die Stuttgarter nicht mit BMW neue Wege der Zusammenarbeit finden, wird die Situation gefährlich.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/automobilindustrie-teuer-allein-reicht-nicht-mehr-1.22692
Automobilindustrie - Teuer allein reicht nicht mehr
00/04/2010
Die Textilien bei Lidl aus Bangladesch sind spottbillig. Doch Verbraucherschützer werfen dem Discounter vor, das Personal vor Ort werde ausgebeutet. Der Discounter sieht das laut Werbung anders. Die schöne, bunte Kinderwelt: Ein Mädchen im rosa T-Shirt, mit dem Teddy in der Hand; ihr Bruder daneben, im gleichen Aufzug, nur in Blau und mit Spiderman-Aufdruck. Beworben werden "coole Outfits für Kids", Anfang des Monats waren sie im Angebot beim Discounter Lidl. T-Shirt und kurze Hose im Paket kosten 4,99 Euro; Caprihosen oder Jeans 5,99 Euro; leichte Mädchenschuhe 4,99 Euro. Ob Regenjacken für Kleinkinder, Strickjacken oder Sneakers für Damen - man findet wenig im Bekleidungsangebot von Lidl, das mehr kostet als zehn Euro. Und die Käufer sollen deswegen kein schlechtes Gewissen haben: Lidl, heißt es auf der eigenen Webseite, leiste einen Beitrag "zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Entwicklungs- und Schwellenländern". Speziell sei Lidl seit 2008 an einem Projekt beteiligt "zur Sicherstellung von sozialen Mindeststandards" bei mittlerweile 73 Produzenten in China und Bangladesch. Lidl kooperiere mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ); Ziel sei eine "vertrauensvolle" Kommunikation zwischen Managern und Arbeitern in den Betrieben. Kaum bezahlte Mehrarbeit Vor wenigen Wochen hat die Verbraucherzentrale Hamburg den Lidl-Konzern mit dem konfrontiert, was sich wirklich abspielt bei einigen Herstellern von Billigtextilien, die an dem Pilotprojekt teilnehmen. Die Berliner Menschenrechtsorganisation ECCHR und das Netzwerk Clean Clothes Campaign hatten mehrere Lidl-Zulieferer in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, untersuchen lassen. Die Ergebnisse dieser Studie sind erschreckend: Die Angestellten, überwiegend Frauen, klagen darüber, dass sie regelmäßig und über Monate Überstunden leisten müssen; oft werde für diese Mehrarbeit kaum bis gar nichts gezahlt. Die Gehälter entsprächen zwar meist den örtlichen Mindestlöhnen, also um die 30 Euro im Monat, dies reiche den Mitarbeitern zufolge aber oftmals nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Auch würden Mitarbeiter immer wieder mit Lohnabzügen bestraft, wenn sie sich weigerten, Überstunden zu leisten. In den untersuchten Betrieben dürften sich die Arbeiter nicht gewerkschaftlich organisieren. Schlägertrupps Wer es versuche, werde entlassen, an den Pranger gestellt oder müsse Schlägertrupps fürchten. Diskriminierung gehöre zum Alltag: gegen Schwangere, Kranke, ganz allgemein gegen Frauen. In allen Firmen werde von sexuellen Belästigungen berichtet; Mädchen würden zum Teil gezwungen, sexuelle Beziehungen mit den Vorgesetzten einzugehen. Nun tritt die Verbraucherzentrale Hamburg gegen Lidl an. Sie wirft dem Discounter vor, die Verbraucher zu täuschen. Die Werbung des Unternehmens sei irreführend und damit unlauter. Denn Lidl suggeriere, bestimmte Sozialstandards bei der Produktion sogenannter "Non-Food-Waren" einzuhalten. In Wahrheit aber würden diese Maßstäbe, wie die Untersuchung in Bangladesch belege, keineswegs beachtet. Lidl entgegnet auf Anfrage der SZ, das Unternehmen sei sich "der Verantwortung bei der Herstellung seiner Waren bewusst" und lehne "Kinderarbeit oder Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in den Produktionsstätten ab".
Die Textilien bei Lidl aus Bangladesch sind spottbillig. Doch Verbraucherschützer werfen dem Discounter vor, das Personal vor Ort werde ausgebeutet. Der Discounter sieht das laut Werbung anders.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lidl-billigtextilien-das-verkaufte-gewissen-1.5670
Lidl: Billigtextilien - Das verkaufte Gewissen
00/04/2010
Erst der Zoff, jetzt die Schlichtung: Die Lufthansa geht auf ihre Piloten zu - und die sagen ihren für nächste Woche angekündigten Streik ab. Der in Aussicht gestellte Streik der Lufthansa-Piloten ist vom Tisch. Das Unternehmen und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit haben sich auf eine Schlichtung verständigt, sagten Sprecher von Lufthansa und Gewerkschaft. Die Piloten hatten bis zuletzt mit einem viertägigen Streik vom 13. bis 16. April gedroht. Lufthansa sei in den vergangen beiden Tagen auf die Gewerkschaft zugegangen, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Man habe nun eine Schlichtungsvereinbarung unterschrieben, obwohl zuvor die offizielle Absage des Streiks zur Vorbedingung gemacht worden war. Gewerkschaftssprecher Jan Krawitz sagte, mit der Vereinbarung sei der angekündigte Streik abgesagt. Kernpunkt des Tarifkonflikts ist neben der Bezahlung von rund 4500 Piloten ihre Mitsprache im Unternehmen. Die Vereinigung Cockpit will verhindern, dass schlechter zahlende Lufthansa-Töchter zur Konkurrenz im eigenen Haus werden. Lufthansa sieht dies als unzulässigen Eingriff der Gewerkschaft in das Management. Über solche Fragen will sie aber parallel zur Schlichtung mit der Gewerkschaft verhandeln. Fluggäste weichen aus Im Februar hatten die Piloten bereits für einen Tag gestreikt. Dabei waren rund 2000 Flüge ausgefallen, der Schaden betrug der Lufthansa zufolge rund 50 Millionen Euro. Vor dem Arbeitsgericht verständigten sich beide Seiten dann auf die Wiederaufnahme der Gespräche. Als diese wieder stockten, drohte die Gewerkschaft erneut mit Streik. Allein durch die Ankündigung entstanden der Lufthansa nach eigenen Angaben weitere hohe Schäden, weil Passagiere mit ihren Buchungen vorsorglich auf andere Airlines auswichen oder ihre geplanten Reisen absagten. Details zur Schlichtung lagen zunächst nicht vor. So stand nach Angaben der Gewerkschaft auch noch nicht fest, wer als Schlichter zwischen den Tarifparteien vermitteln soll. Auch zum Zeitrahmen wurden noch keine Angaben gemacht.
Erst der Zoff, jetzt die Schlichtung: Die Lufthansa geht auf ihre Piloten zu - und die sagen ihren für nächste Woche angekündigten Streik ab.
wirtschaft
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Lufthansa: Streik abgewendet - Einsteigen, anschnallen, abheben
00/04/2010
Wie eine kleine Stadt auf dem Wasser sieht sie aus, die Castoro 6, die derzeit vor der Küste der schwedischen Insel Gotland ankert. In diesen Tagen soll sie zu ihrer Mission aufbrechen: Vom gewaltigen Heck des Verlegeschiffs wird dann Meter für Meter die Ostseepipeline im Meer versenkt, durch die ab 2011 Erdgas von Russland nach Greifswald strömen soll. Das Schiff, das eher einer Ölplattform ähnelt, ist die schwimmende Fabrik für die Endmontage des Bauwerks. Dort werden die etwa 200.000 Stahlrohre verschweißt, aus denen die beiden Leitungsstränge der Pipeline bestehen. Noch laufen die ersten Tests mit der Castoro 6, probeweise werden Rohre versenkt und wieder geborgen. An diesem Donnerstag, spätestens aber am Freitag soll der Bau endgültig beginnen. "Wir gehen fest davon aus, dass das klappt", sagt ein Nordstream-Sprecher. Ist die Castoro 6 einmal in Fahrt, kann sie täglich drei Kilometer Rohr verlegen. "Die Pipeline kommt dann wie Wurst aus der Maschine", sagt der Sprecher. Vorausgesetzt natürlich, die See ist ruhig. Welch gigantische Dimension Europas Milliardenprojekt auf dem Grund der Ostsee hat, wird im Hafen von Mukran klar. Dort, im Osten Rügens, stapelt sich die Pipeline in den Himmel. Fast 50.000 Rohre lagern auf einer Länge von mehreren Kilometern. Weitere 50.000 werden von der russischen Seite aus verlegt, wenn Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew am Freitag in der Hafenstadt Wyborg bei St. Petersburg die Bauphase mit einem Festakt startet. Mehr als 1200 Kilometer lang wird sich die Pipeline über den Grund der Ostsee ziehen. Sie soll pro Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Gas nach Deutschland liefern - genug für 25 Millionen Haushalte. Geht alles nach Plan, fließt schon im nächsten Jahr das erste Gas. Über keine andere Pipeline-Trasse wurde so viel debattiert wie über Nordstream. Das von Deutschen und Russen geplante Projekt erinnere an den Hitler-Stalin-Pakt, wetterte der frühere polnische Verteidigungsminister Radek Sikorski 2006, weil es Polen und das Baltikum bewusst umgehe. Das wiederum könnte die Länder, die von russischem Gas abhängen, leichter erpressbar machen. Und für die US-Regierung ist es der Beweis, dass Russland den Gasmarkt dominieren will. Moskau und Berlin treiben den gigantischen Bau dennoch seit Jahren voran. Ein Mantel aus Beton Der erste Bauabschnitt befindet sich genau in der Mitte der Trasse, direkt in der Ostsee vor der gotländischen Küste. Von Deutschland aus werden die mit Beton ummantelten Rohre mit gut einem Meter Durchmesser zunächst nach Slite gebracht, einem kleinen Ort an der Ostküste von Gotland, und dann zur Castoro6 verschifft. Von dort nimmt das Spezialschiff zuerst Kurs auf Russland, um später zum westlichen Teil der Route zurückzukehren. Auch in Finnland werden Rohre mit Beton ummantelt; das soll den Transportweg der tonnenschweren Rohre verkürzen. Denn nichts soll den raschen Ausbau mehr hemmen. Doch in Deutschland gestalten sich die Dinge schwierig. Der Anlandepunkt der Pipeline, ein Industriegebiet am Rande des Ostseebades Lubmin samt stillgelegtem Atomkraftwerk, liegt am sensiblen Greifswalder Bodden. Bis Mitte Mai müssen die Arbeiten hier ruhen - so lange laicht der Hering. Erst dann wird ein Schiff damit beginnen können, die Rohre zu verlegen. Weil der Bodden seichter ist als die Ostsee, kann nur ein kleineres Verlegeschiff ran, maximal 300 Meter wird die Gasröhre hier pro Tag wachsen. Bis Ende des Jahres aber muss sie verlegt sein, dann hat wieder für einige Monate der Hering Vorrecht. Nach Plänen des Konsortiums aber soll so viel Zeit gar nicht nötig sein. "Bis November sollten wir fertig sein", heißt es bei Nordstream. Die neue Pipeline gilt als eine der größten ihrer Art. Die Bundesregierung verweist auf die strategische Bedeutung für Konzerne und Verbraucher. Erstmals wird Deutschland direkt mit den riesigen Gasfeldern Sibiriens verbunden. "Auf den bisherigen Transitwegen gibt es erhebliche Risiken", heißt es aus der Chefetage eines beteiligten Konzerns. Im vergangenen Jahr hatte ein Streit zwischen Moskau und Kiew wegen offener Rechnungen tagelang den Transit über die Ukraine lahmgelegt, in einigen Ländern Osteuropas wurde das Gas knapp. Tausende Menschen mussten bei Minusgraden frieren.
Jahrelang wurde geplant, jetzt beginnt der Bau der Ostseepipeline. Jetzt stellen Fachleute die Frage: Wird sie überhaupt noch gebraucht?
wirtschaft
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Ostseepipeline - Lange Leitung nach Sibirien
00/04/2010
Hohe Verluste, hohe Forderungen: General Motors schließt das vierte Quartal mit einem großen Minus ab - und pocht gleichzeitig auf eine Bürgschaft für Opel. Der Autohersteller General Motors (GM) ist in Europa im vierten Quartal 2009 tief in der Verlustzone steckengeblieben. Vor Zinsen und Steuern schrieb das Unternehmen in dem hauptsächlich aus Opel bestehenden Geschäft ein Minus von 814 Millionen Dollar, wie GM am Mittwoch mitteilte. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres war ein Verlust von 1,9 Milliarden Dollar angefallen. In den Zahlen enthalten ist jedoch auch Opels schwedische Schwester Saab, die zu Jahresbeginn für 400 Millionen Dollar an den Sportwagenbauer Spyker verkauft wurde. Ein Opel-Sprecher betonte, die Finanzlage des Rüsselsheimer Autobauers sei gesichert. GM will im Zuge der Sanierung von Opel 1,9 Milliarden Euro über Kredite und Eigenkapital in die Tochter stecken. Zudem hat Opel in Europa Staatshilfen über 1,8 Milliarden Euro beantragt. 1,3 Milliarden davon sollen aus Deutschland kommen. Hier drückt Opel aufs Tempo und bekommt dabei Unterstützung von Bundesländern. "Wir erwarten bald eine Entscheidung", sagte Opel-Chef Nick Reilly am Mittwoch in Düsseldorf nach einem Treffen mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU). "Wir gehen nicht davon aus, dass wir keine Bürgschaften von Deutschland bekommen", unterstrich Reilly. England habe schon 300 Millionen Euro zugesagt, und auch in Spanien gebe es positive Signale. "Deutschland ist unser größter Standort in Europa." Rüttgers kündigte Gespräche mit den Ministerpräsidenten der anderen Bundesländer mit Opel-Standorten an, um in der Sache Tempo zu machen. Für den Bau des Opel-Elektroautos Ampera im Werk Bochum gab Reilly keine Zusage. Darüber solle erst in den kommenden zwei Jahren entschieden werden. "Es ist überhaupt noch nicht klar, ob der Ampera in Europa produziert werden wird", erklärte er.
Hohe Verluste, hohe Forderungen: General Motors schließt das vierte Quartal mit einem großen Minus ab - und pocht gleichzeitig auf eine Bürgschaft für Opel.
wirtschaft
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General Motors - Festgefahren in den roten Zahlen
00/04/2010
Aus und vorbei: Springer & Jacoby ist nicht mehr zu retten. Die einst bedeutendste Kreativschmiede Deutschlands hat Insolvenz angemeldet. Monatelang hatten Lutz Schaffhausen und sein Consigliere, der Norderstedter Anwalt Wolfram Dabow, versucht, Springer & Jacoby (S&J) vor dem Aus zu bewahren. Die Mühe war vergebens. Am Dienstagmorgen hat der Manager Insolvenz beim Amtsgericht Hamburg für die Springer & Jacoby Werbung GmbH & Co. KG und die Springer & Jacoby Digital GmbH & Co. KG beantragt. Damit werden die letzten verbliebenen Gesellschaften der einstmals bedeutendsten Kreativschmiede Deutschlands abgewickelt. Von der Pleite ist die Agenturgruppe Schaffhausen Communication nicht betroffen. "Ich sehe keine Chance mehr auf eine Rettung der Agentur", sagt Schaffhausen im Gespräch mit W&V. "Unser Versuch der Sanierung ist gescheitert. Der Betrieb wurde bereits eingestellt." Den zuletzt 30 Mitarbeitern ist bereits Ende März gekündigt worden. Neben der beruflichen Niederlage ist das Aus der Agentur auch ein persönlicher Rückschlag für Schaffhausen. Der S&J-Boss haftet bei Banken persönlich und hat eigenen Angaben zufolge zwischen 13 und 15 Millionen Euro seit der Übernahme im Jahr 2006 in die Werbeagentur gesteckt. Abgang der Kreativen Mit der Agenturpleite wird eine Geschichte voller Glanz und Ruhm, aber auch von Missmanagement beendet. Die Agentur wurde am 3. Oktober 1979 unter dem Namen Eiler & Riemel Hamburg gegründet und avancierte nach ihrer Umfirmierung in Springer & Jacoby 1985 im Laufe der Jahre zu der angesehensten und kreativsten Agentur in Deutschland. Sie heimste reihenweise Auszeichnungen beim Art Directors Club, dem Werbefestival in Cannes und beim britischen D&AD ein. Als 2006 der Dauer- und Prestigekunde Mercedes-Benz nach 16 Jahren die Zusammenarbeit beendete, geriet der schillernde Werberiese ins Wanken. Damit gingen nicht nur ein Drittel des Umsatzes verloren - schon damals war S&J verschuldet -, sondern auch Leistungsträger. Ehemalige Agenturchefs sitzen heute in Konzernen wie Lufthansa, Ikea oder lenken Agenturen wie TBWA, DDB oder Serviceplan. Viele machten sich selbstständig. Schätzungsweise 30 Agenturen wurden von Ex-S&J-lern gegründet, darunter Kempertrautmann, Heimat, Philipp und Keuntje oder Aimaq & Stolle. Der stetige Abgang der Kreativen wurde auch von Kundenseite wahrgenommen, immer weniger Unternehmen wollten sich von S&J betreuen lassen. So wendeten sich zuletzt Kunden wie DWS, Adler, Kölln oder auch KiK ab und ließen Kreationen lieber von der Konkurrenz entwickeln. Neben der Abwanderung der Kreativen setzte der Werbeagentur aber vor allem auch Missmanagement zu. Die darbende Hamburger Agentur wurde von Altlasten und hohen Personalkosten erdrückt, bestehende Strukturen wurden nicht an die neue wirtschaftliche Situation angepasst. Zum Schluss waren Lutz Schaffhausen und seine S&J-Manager nicht mehr in der Lage, das Ruder herumzureißen und die Agentur wieder auf Kurs zu bringen. Mehr zu Werben&Verkaufen unter www.wuv.de.
Aus und vorbei: Springer & Jacoby ist nicht mehr zu retten. Die einst bedeutendste Kreativschmiede Deutschlands hat Insolvenz angemeldet.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/insolvenz-aus-fuer-werbeagentur-springer-jacoby-ist-geschichte-1.12593
Insolvenz: Aus für Werbeagentur - Springer & Jacoby ist Geschichte
00/04/2010
Als dann endlich die Unterschriften vor aller Medienöffentlichkeit unter den Kooperationsvertrag gesetzt waren, nahm das Händeschütteln für die zahllosen Fotografen schier kein Ende mehr. Carlos Ghosns flinke Augen blinzelten vergnügt in die Menge, und Dieter Zetsches voluminöser Oberlippenbart hüpfte auch irgendwie vor Freude. Endlich war unter Dach und Fach, worüber nun schon seit vielen Wochen spekuliert und gerätselt wurde: Der deutsche Autokonzern Daimler und der französische Partner mit Nissan im Schlepptau gehen eine dauerhafte Verbindung ein, die beiden Autoherstellern größere Wettbewerbsfähigkeit und höhere Marktanteile sichern soll. Ein wenig gemahnte die Szenerie an jenen legendären Auftritt vor zwölf Jahren, als Daimler-Vorstandsvorsitzender Jürgen Schrempp und Chrysler-Chef Bob Eaton in London die große Fusionsshow veranstalteten, durch die die Grundlage zur Auto-Welt-AG gelegt werden sollte. "Arbeit ist der Vater des Vergnügens" Aber diesmal war alles viele Nummern kleiner und bescheidener, wozu nicht zuletzt der karge Konferenzsaal in Brüssels Begegnungscenter "Square" beitrug. Statt von einer Hochzeit im Himmel zu posaunen wie Schrempp ehedem, hielt es Zetsche eher philosophisch mit dem Franzosen Voltaire: "Arbeit ist der Vater des Vergnügens", begann er seine Erklärung und meinte damit, dass die Teams der beiden Konzerne fürs Konzipieren gemeinsamer Projekte schon viel Schweiß vergossen hätten, bevor jetzt Kooperationsnägel mit Köpfen gemacht werden konnten, also der vergnügliche Part beginne. Um bloß keine Erinnerung an alte Zeiten aufkommen zu lassen, erklärte Zetsche auch gerne den Unterschied zur seinerzeitigen Chrysler-Euphorie: "Damals waren wir uns einig über eine Fusion, haben uns aber nicht viele Gedanken über eine konkrete Zusammenarbeit gemacht. Mit Renault ist es genau umgekehrt." Da wollte auch Renault-Partner Ghosn philosophisch nicht hintanstehen und bemühte den Deutschen Hegel: "Nichts Großes auf der Welt ist je ohne Leidenschaft erzielt worden." Aber was vielleicht einst groß werden könnte, beginnt erst einmal klein. Daimler übernimmt zunächst je 3,1 Prozent an den beiden Unternehmen, im Gegenzug steigt die Allianz Renault-Nissan mit zusammen 3,1 Prozent bei dem deutschen Konzern ein. Warum nicht zwei, warum nicht zehn Prozent? Es sollte irgendetwas zwischen null und fünf Prozent werden, sagte Ghosn, also habe man sich schließlich auf 3,1 Prozent geeinigt, um die Ernsthaftigkeit des gemeinsamen Engagements zu unterstreichen. Aber die Anteile seien zu gegebener Zeit durchaus ausbaufähig. Wie überhaupt "mein Freund Dieter und ich" viele gemeinsame Visionen teilten, die Anlass böten zu den schönsten Hoffnungen, die Kooperation im Laufe der Jahre auf weitere Projekte auszubauen. Kapazitäten besser ausgelastet Zunächst aber wollen Daimler, Renault und Nissan in erster Linie den Kleinwagenmarkt aufrollen, wobei vor allem Daimler dringend auf einen Partner angewiesen ist für sein Miniauto Smart sowie die Einsteigerautos der A- und B-Klasse. Da hat Mercedes bisher kaum die Butter aufs Brot verdient, und mit der Fortentwicklung der dritten Generation des Zweisitzers Smart wäre der Konzern allein überfordert gewesen. So sollen dieser City-Flitzer sowie ein neuer Smart-Viersitzer und der nächste Renault Twingo auf Basis einer gemeinsamen Architektur entwickelt werden und von 2013 an auf den Markt rollen. Das Smart-Werk im französischen Hambach wird die Zweisitzer produzieren, die Viersitzer übernimmt Renault in seinem slowenischen Werk in Novo Mesto. Zudem wollen die frischverbandelten Partner sowohl Benzin- als auch Dieselmotoren gemeinsam nutzen. So bekommt Infiniti, die Luxusmarke von Renault-Nissan, original Mercedes-Motoren geliefert. Die Renault-Nissan-Allianz wird Antriebe mit drei und vier Zylindern an Daimler liefern. So lastet das Bündnis aus Daimler und der Renault-Nissan-Allianz seine Kapazitäten besser aus. Solche Kooperationsmöglichkeiten sollen auch für den Bereich der leichten Nutzfahrzeuge genutzt werden. Alles in allem - so viel verrieten Zetsche und Ghosn - werde wohl jeder der beiden Autohersteller durch das neue Bündnis zwei Milliarden Euro sparen, allerdings innerhalb der nächsten fünf Jahre. Die bemühte sich vor allem Renault-Chef Ghosn in den günstigsten Farben auszumalen: Ein regelrechtes Technik-Kraftwerk werde man gemeinsam bauen, und das bedeute weit mehr als ein Zusammengehen aus reinen Kostensenkungserwägungen. Dann musste noch ein deutscher Philosoph fürs Zukunftsszenario herhalten, Friedrich Nietzsche: "Was dich nicht umbringt, macht dich nur stärker", dozierte Ghosn. Worin immerhin auch die Möglichkeit des Umkommens mitschwang.
Zwei Männer, ein Ziel: Gemeinsam wollen Daimler und Renault den Markt für Kleinwagen aufmischen. Die Hoffnungen sind gewaltig.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/daimler-und-renault-kleiner-anfang-mit-grossen-visionen-1.5458
Daimler und Renault - Kleiner Anfang mit großen Visionen
00/04/2010
BMW baut gemeinsam mit dem Graphit-Konzern SGL ein Kohlefaserwerk in den USA. Außerdem: Opel pocht auf staatliche Milliardenhilfe. BMW macht den nächsten Schritt auf seinem Weg zu einem leichten Elektrofahrzeug. Gemeinsam mit dem Wiesbadener Spezialisten SGL bauen die Münchener in den USA eine Fabrik für Kohlefasern auf. Das Werk in Moses Lake im Bundesstaat Washington wird den Grundstoff für die kohlefaserverstärkte Kunststoff-Karosserie des geplanten viersitzigen BMW Megacity Vehicle liefern. Profiteurin des Deals ist die Quandt-Erbin Susanne Klatten, die 12,6 Prozent der BMW-Anteile hält und über ihre Beteiligungsfirma Skion 22,25 Prozent von SGL besitzt. BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner schwärmte von dem leichten Werkstoff. Kohlefaserteile werden bereits in der Luftfahrtindustrie eingesetzt, sind aber derzeit in der Herstellung noch recht teuer. Die Zusammenarbeit mit der Spezialfirma SGL soll helfen, Kosten zu senken und Kohlefaserteile in großer Stückzahl zu fertigen. Die Reduzierung des Gewichts gilt als absolutes Muss, soll das Megacity Vehicle, ein Kleinwagen mit Elektroantrieb, ein Erfolg werden. Nur so lässt sich nach Ansicht von BMW sicherstellen, dass der Wagen mit einer Batterieladung ausreichend weit fahren kann. Der Münchner Konzern will das völlig neue Fahrzeugkonzept vor dem Jahr 2015 auf die Straße bringen. BMW und SGL haben den US-Standort unter anderem wegen des hohen Energieverbrauchs bei der Faserherstellung ausgewählt. Der Strom in der Region wird aus Wasserkraft gewonnen und ist billig. Zudem sitzen rund um Seattle viele Kohlefaser-Fachleute. Der benachbarte Boeing-Konzern setzt Kohlefasern seit einiger Zeit verstärkt bei seinen Fliegern ein, vor allem beim neuen Dreamliner 787. BMW und SGL investieren zusammen rund 100 Millionen Dollar in das Werk und wollen rund 80 Jobs schaffen. Die Kohlefasern werden im zweiten Gemeinschaftswerk in Wackersdorf zu Matten verwoben, die wiederum im BMW-Komponentenwerk Landshut in Form gebracht werden. Die Endmontage des Autos soll in Leipzig erfolgen. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatten BMW und SGL ihre Zusammenarbeit verkündet. Opel macht Druck bei Rüttgers Opel-Chef Nick Reilly dringt auf eine baldige Zusage für eine milliardenschwere Staatshilfe aus Deutschland. "Wir erwarten bald eine Entscheidung", sagte Reilly in Düsseldorf nach einem Treffen mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU). In Nordrhein-Westfalen, wo im Mai ein neuer Landtag gewählt wird, betreibt Opel ein großes Werk in Bochum. Reilly bezifferte die gewünschten Hilfen mit 1,3 Milliarden Euro. Bislang war von 1,5 Milliarden Euro die Rede, die jeweils zur Hälfte von Bund und Bundesländern mit Opel-Standorten getragen werden sollen. "Wir gehen nicht davon aus, dass wir keine Bürgschaften von Deutschland bekommen." England habe schon 300 Millionen Euro zugesagt und auch in Spanien gebe es positive Signale. Bau der Gaspipeline Nord Stream hat begonnen Nach fünf Jahren intensiver Planung hat der Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream - des größten Energieprojekts Europas - begonnen. Wie die Nachrichtenagentur RIA Nowosti unter Berufung auf Mitarbeiter des russischen Gazprom-Konzerns berichtete, wurde das Milliardenprojekt unter der Ostsee mit der Verlegung der ersten Röhre in Gang gesetzt. Der russische Präsident Dmitri Medwedew will an der offiziellen Eröffnungszeremonie am Freitag teilnehmen. Die Pipeline soll für Westeuropa eine höhere Energiesicherheit gewährleisten. Wiederholt gab es in den vergangenen Jahren Streit um die Lieferung russischen Gases durch eine Transit-Pipeline von Russland über die Ukraine in den Westen. Das Nord-Stream-Projekt ist auf 7,4 Milliarden Euro veranschlagt. Die Pipeline wird 1220 Kilometer lang sein und vom russischen Wyborg an die deutsche Ostseeküste bei Greifswald führen. Beteiligt sind neben dem Mehrheitseigner Gazprom auch das deutsche Gasunternehmen Eon Ruhrgas und die BASF-Tochter Wintershall sowie die niederländische Firma Gasunie. Die Pipeline soll über Hoheitsgebiete von Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland verlaufen. Ende 2011 solle das erste Erdgas durch die Pipeline fließen. Zwei Siemens-Manager müssen vor Gericht Im milliardenschweren Schmiergeldskandal bei Siemens müssen sich vom kommenden Montag an zwei weitere ehemalige Manager des Elektrokonzerns vor Gericht verantworten. Die beiden 55 Jahre alten Männer sind wegen Untreue und Beihilfe zur Bestechung angeklagt, wie das Oberlandesgericht München mitteilte. Die Ex-Manager waren in der früheren Kommunikationssparte von Siemens tätig, in der der Skandal seinen Anfang genommen haben soll. Einem der Männer wird unter anderem vorgeworfen, einen Untergebenen mit der Abwicklung dubioser Zahlungen beauftragt zu haben. Für den Prozess sind zunächst drei Verhandlungstage angesetzt. Nissan ruft 25.000 Autos zurück Der japanischer Autohersteller Nissan hat den Rückruf von rund 25.000 Wagen in Japan wegen eines defekten Gaspedals angekündigt. Betroffen sind Angaben des Unternehmens zufolge Wagen der Modelle Cefiro, Bluebird, Sunny, Primera und Tino, die von 1998 bis 2002 in Japan hergestellt und verkauft wurden. Bei den Autos kehren die Gaspedale möglicherweise verzögert in die Ausgangsstellung zurück. Nach Angaben des Verkehrsministeriums sind wegen des Fehlers 43 Beschwerden eingegangen. Zudem soll der Mangel demnach Ursache für mindestens einen Unfall sein, bei dem im Februar ein Mensch leicht verletzt wurde. Im März hatte Nissan bereits weltweit knapp 540.000 Autos zurückgerufen, die meisten davon in den USA. Grund waren unter anderem Probleme mit den Bremsen. In den vergangenen Monaten hatte auch Nissans japanischer Konkurrent Toyota wegen verschiedener Mängel weltweit mehr als acht Millionen Wagen zurück in die Werkstätten beordern müssen. Weltbank rechnet mit stärkerem Wachstum in Ostasien Die Staaten Ostasiens führen nach Angaben der Weltbank die wirtschaftliche Erholung weltweit an, können ihr schnelles Wachstum aber nur mit strukturellen Reformen sichern. Das Bruttoinlandsprodukt der Region werde in diesem Jahr vermutlich bei 8,7 Prozent liegen, heißt es in einem Bericht. Diese Schätzung liegt fast einen Punkt über der letzten von November. Selbst bei einer schwächeren globalen Wirtschaft sei in Ostasien in den kommenden Jahren ein rasches Wachstum möglich, erklärte die Weltbank. Die Staaten müssten allerdings mit Nachdruck mittelfristige Reformen umsetzen. Für China bedeutet das dem Bericht zufolge, die Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Thailand und Vietnam müssten ihre Investitionen in physisches Kapital und Arbeitskräfte verstärken. US-Unternehmen RealID strebt an die Börse In den USA bahnt sich einem Zeitungsbericht zufolge ein Milliarden-Börsengang an. Das Technik-Unternehmen RealID wolle noch im Sommer 2010 an die Börse und dabei etwa eine Milliarde Dollar einnehmen, berichtete die Financial Times unter Berufung auf mehrere mit der Sache vertrauter Personen. Ein Sprecher von RealID wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. RealID stellt unter anderem 3-D-Technologie für Kinosäle her.
BMW baut gemeinsam mit dem Graphit-Konzern SGL ein Kohlefaserwerk in den USA. Außerdem: Opel pocht auf staatliche Milliardenhilfe.
wirtschaft
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Wirtschaft kompakt - Und die Gewinnerin heißt: Susanne Klatten
00/04/2010
Das Bündnis zwischen Daimler und Renault ist besiegelt. Die Autohersteller haben eine Überkreuzbeteiligung beschlossen. Jetzt wollen sie gemeinsam Kleinwagen entwickeln. Daimler wagt sich in eine Partnerschaft mit Renault. In Brüssel haben die beiden Autohersteller eine weitreichende strategische Kooperation vereinbart. Die neue Allianz sieht unter anderem die gemeinsame Entwicklung bei Kleinwagen, Stadtlieferwagen sowie den Austausch von Motoren und bei Elektroantrieben vor, teilten die Konzerne mit. Zudem wurde eine gegenseitige Kapitalbeteiligung vereinbart. Renault und sein japanischer Partner Nissan erhalten zusammen einen Anteil von 3,1 Prozent an Daimler, im Gegenzug beteiligt sich der deutsche Hersteller mit jeweils 3,1 Prozent an dem französischen Konzern und an Nissan. Die französisch-japanische Allianz besteht seit 1999. Sie ist ebenfalls durch eine Kapitalverflechtung untermauert. Daimler verspricht sich von dem Technologie-Austausch neue Impluse für den Bau von Kleinwagen. So könnte die nächste Generation des Smart Fortwo auf Renault-Plattformen produziert werden. In den renditeschwachen Autos der A- und B-Klasse könnten Komponenten von Renault verbaut werden. Daimler-Aktie steigt leicht Renault und Nissan sollen im Umkehrschluss von Daimlers Kompetenzen im Bau großer Autos profitieren. Renault ist in diesem prestige- und renditeträchtigen Segment so gut wie gar nicht vertreten, Nissan könnte beispielsweise Daimler-Motoren in die Autos seiner Luxusmarke Infiniti einbauen. Auch die Börse honorierte den Schritt. Die Aktie von Daimler stieg am Vormittag leicht. "Wir stärken mit dieser Kooperation schnell und nachhaltig unsere Wettbewerbsfähigkeit im Klein- und Kompaktwagensegment", frohlockte Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche. Und Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn sagte, sein Unternehmen habe bereits Erfahrung mit der erfolgreichen Kooperationen gesammelt. "Diese Erfahrung hilft uns enorm, heute und mehr noch morgen im globalen Wettbewerb der Automobilindustrie zu bestehen." Daimler hingegen hat mit seinen bisherigen Partnern eher schlechte Erfahrungen gemacht. Die Zusammenarbeit mit Mitsubishi und Hyundai ist längst beendet - und der als "Hochzeit im Himmel" ausgerufene Zusammenschluss mit dem amerikanischen Hersteller Chrysler geriet zum Milliarden-Fiasko. Auch diese Partnerschaft ist längst Geschichte.
Das Bündnis zwischen Daimler und Renault ist besiegelt. Die Autohersteller haben eine Überkreuzbeteiligung beschlossen. Jetzt wollen sie gemeinsam Kleinwagen entwickeln.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/daimler-auto-allianz-der-naechste-anlauf-jetzt-mit-renault-1.22275
Daimler: Auto-Allianz - Der nächste Anlauf - jetzt mit Renault
00/04/2010
Der Sonntag ist heilig - darum werden in Mecklenburg-Vorpommern etliche Geschäfte demnächst wohl nicht mehr zum Wochenausklang öffnen. Ein Gericht hat Ruhe verordnet. Die Geschäfte in Mecklenburg-Vorpommern sollen künftig an Sonntagen seltener öffnen dürfen. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) von Mecklenburg-Vorpommern erklärte die sogenannte Bäderregelung des Landes für unwirksam. Sie verstoße gegen den vom Grundgesetz und der Landesverfassung gewährleisteten Schutz der Sonn- und Feiertage, so das Gericht. Der Bäderregelung zufolge dürfen unter anderem die Geschäfte in 149 Orten an 45 Sonntagen bis zu sieben Stunden öffnen. Ausgeschlossen sind lediglich Auto-, Bau- und Möbelmärkte. Dies werde dem Gebot nicht gerecht, dass Geschäfte sonntags nur in Ausnahmefällen öffnen dürfen, urteilte nun das Gericht. Das Bundesverfassungsgericht hatte erst im vergangenen Dezember den Sonntag als Tag der Ruhe und Erholung gestärkt und dem Land Berlin untersagt, den Geschäften an vier aufeinander folgenden Adventssonntagen den Verkauf zu erlauben. Profitinteressen reichen nicht aus Zur Begründung hieß es, Sonn- und Feiertage seien als "Tage der Arbeitsruhe" aus religiösen Gründen, aber auch zur persönlichen Erholung der Arbeitnehmer und ihrer Teilhabe am sozialen Leben geschützt. Bloße Profitinteressen reichten nicht aus, um mehrere verkaufsoffene Sonntage in Folge als Ausnahme von der Schutzregel zuzulassen. In Mecklenburg-Vorpommern hatten die beiden Amtskirchen gegen die Bäderregelung geklagt. Sie begrüßten nun den OVG-Beschluss. Es sei "um den Schutz des Sonntags und seine für die gesamte Gesellschaft unersetzliche Funktion" gegangen, erklärte Landesbischof Andreas von Maltzahn. Der Sonntag als arbeitsfreier Tag stehe auch gegen die "Tendenz der Ökonomisierung aller Lebensbereiche". "Ich kaufe, also bin ich" Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) dankte den Kirchen, dass sie "die gemeinsame Position von Gewerkschaft und Kirche zur Sonntagsruhe und zum Arbeitnehmerschutz durchgesetzt" hätten. Das Urteil sei eine wichtige Entscheidung gegen die Unkultur "Ich kaufe, also bin ich", sagte DGB-Nord-Vizechef Ingo Schlüter. Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) verteidigte die bisherige Regelung. Sie habe zur "Entbürokratisierung und Deregulierung" beigetragen und den Einzelhändlern in den Tourismusorten genutzt. "Niemand wird gezwungen, sein Geschäft am Sonntag zu öffnen", sagte der Minister. Die Konsequenzen aus dem Urteil stehen noch nicht fest. Da es noch nicht rechtskräftig ist, bleibt es vorerst bei den bisherigen Sonntagsöffnungszeiten.
Der Sonntag ist heilig - darum werden in Mecklenburg-Vorpommern etliche Geschäfte demnächst wohl nicht mehr zum Wochenausklang öffnen. Ein Gericht hat Ruhe verordnet.
wirtschaft
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Ladenschluss - Konsumstop per Gesetz
00/04/2010
Ermutigendes Signal aus Paris: Die OECD macht Deutschland Mut. Mit der Konjunktur gehe es kontinuierlich aufwärts, im zweiten Quartal werde die Wirtschaft kräftig wachsen. Die deutsche Wirtschaft hat nach Einschätzung der OECD das Schlimmste überstanden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im zweiten Quartal 2010 um 2,8 Prozent steigen, schreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem Konjunktur-Zwischenbericht für sieben große Industriestaaten. Nach einem kräftigen Schub im Januar, blieb im Februar der erwartete Rückschlag bei den Auftragseingängen der deutschen Industrie aus. Die Industrie hielt nach Ministeriumsangaben ihr Auftragsniveau preis- und saisonbereinigt. Auch der deutsche Mittelstand hat die Wintertristesse überwunden und startet mit Zuversicht in den Frühling. Im März beurteilten die Unternehmen sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Geschäftserwartungen weit besser als im Vormonat. Harter Winter Auch die Arbeitslosigkeit in der Eurozone könne bereits ihren Höhepunkt erreicht haben, sagte der OECD-Chefökonom Pier Carlo Padoan. In Deutschland, Frankreich und Italien gehe es langsam aber kontinuierlich aufwärts. Das Wachstum dürfte sich im zweiten Quartal von 0,9 auf 1,9 Prozent beschleunigen. Ende 2009 hatte es bei 0,4 Prozent gelegen. In Deutschland sank die Wirtschaftsleistung wegen des harten Winters im ersten Quartal 2010 um 0,4 Prozent, nachdem sie im Schlussquartal 2009 noch stagniert hatte. Auch in der Eurozone blieb das BIP im vierten Quartal 2009 im Vergleich zu den drei Vormonaten unverändert, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat mit. Damit nahm Eurostat eine Schätzung von März um 0,1 Punkte zurück. Nach mehreren Quartalen mit negativen Vorzeichen hatte die Wirtschaft des Euroraums den Sprung aus der Rezession erst im dritten Quartal geschafft - mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. Im Krisenjahr 2009 schrumpfte die Wirtschaft im Euroraum um 4,1 Prozent.
Ermutigendes Signal aus Paris: Die OECD macht Deutschland Mut. Mit der Konjunktur gehe es kontinuierlich aufwärts, im zweiten Quartal werde die Wirtschaft kräftig wachsen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/oecd-konjunkturbericht-deutsche-wirtschaft-berappelt-sich-1.15273
OECD: Konjunkturbericht - Deutsche Wirtschaft berappelt sich
00/04/2010
Heide Simonis, 66, langjährige Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, meldet sich fünf Jahre nach ihrem Veschwinden von der politischen Bühne zurück - mit einer knallharten Abrechnung: Banken und Politik, so ihr Resümee, hätten in der Krise versagt, schreibt Simonis in ihrem Buch "Verzockt! Warum die Karten von Markt und Staat neu gemischt werden müssen", das soeben erschienen ist. Simonis, diplomierte Volkswirtin, regierte von 1993 bis 2005 in Kiel. Sie schaffte es als erste Frau in Deutschland an die Spitze eines Bundeslandes. Unvergesslich ist ihr unrühmlicher Abgang aus der Spitzenpolitik: Simonis scheiterte im März 2005 mit ihrem Versuch, eine vom Südschleswigschen Wählerverband (SSW) tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung zu bilden - sie bekam in vier Wahlgängen keine Mehrheit, weil ein Abgeordneter aus den eigenen Reihen ihr die Stimme verweigerte. Simonis, die bis Anfang 2008 für zwei Jahre das Kinderhilfswerk Unicef Deutschland anführte und nach Meinungsverschiedenheiten zwischen ihr und dem Vorstand hinschmiss, ist seit 1969 Mitglied der SPD. sueddeutsche.de: Frau Simonis, in Ihrem Buch findet sich alles, was die Republik seit Mitte 2008 bewegt hat: von der Rettung der Hypo Real Estate über Opel und Schaeffler bis hin zur Berliner Initiative "Pro Reli". War Ihr Buchprojekt von Anfang an auf den großen Überblick statt auf Tiefenanalyse angelegt? Heide Simonis: Ich wollte darauf aufmerksam machen, wie die morgendliche Zeitungslektüre auf die Menschen wirkt. Sie hoffen, dass alles in Ordnung ist und dass sich der Staat um wichtige Dinge kümmert - und dann müssen sie lesen, was schon wieder alles schiefgegangen ist. Mein Buch ist keine wissenschaftliche Untersuchung, sondern eher eine populär-politische Berichterstattung. sueddeutsche.de: Als Diplom-Volkswirtin und Finanzpolitikerin hätten Sie sich auch auf einen Aspekt, zum Beispiel die Banken, fokussieren können. Simonis: Das wollte ich nicht. Ich habe mich auch nicht berufen gefühlt, über Bankgeheimnisse oder über das Funktionieren von Banken zu schreiben. Mir erschien es interessanter, die menschlichen Schwächen wie etwa die Eitelkeiten und das Beharren auf Boni kritisch zu beleuchten. sueddeutsche.de: Was genau hat Sie in Rage gebracht? Simonis: Deutsche Banker wollten ebenso hohe Bonuszahlungen haben wie ihre Kollegen von den US-Investmentbanken. Und deutsche Automanager waren genauso abgehoben wie einige ihrer amerikanischen Kollegen. Ich finde, darauf muss man aufmerksam machen, weil dies unserem herkömmlichen Verständnis von Verantwortung in der Wirtschaft und unserer Kultur nicht entspricht. sueddeutsche.de: Sie teilen - ganz in bewährter Simonis-Manier - kräftig aus. Die Politik, so Ihr Befund, befinde sich in der Krise. Welche Symptome haben Sie ausgemacht? Simonis: Ich kann das vielleicht an einer Person ausmachen. Wer jetzt Steuersenkungen für bestimmte Branchen verspricht, der muss irgendwo den Zusammenhang und irgendwann das Gefühl dafür verloren haben, was die derzeitige Situation erlaubt. Die Menschen ertragen es nicht, wenn einerseits Steuersenkungen versprochen werden und andererseits den Städten Milliarden an Euro fehlen. Die Politik geht zu lässig über die Bedürfnisse der Menschen hinweg. sueddeutsche.de: In Ihrem Buch schreiben Sie: "Eine Chance der Krise besteht darin, dass die Rolle des Staates gegenüber dem Markt neu definiert wird, weil die Krise nicht nur die Schwächen des Marktes, sondern auch die des Staates aufzeigt." Wo und wann hat der Staat versagt? Simonis: Vergleichen Sie mal Skandinavien und Deutschland. Dann fällt Ihnen auf, dass in diesen Ländern von der Mehrheit der Bevölkerung definiert ist: Wie wollen wir leben? Was sind die Ziele unserer Gesellschaft? Dort wird ganz bewusst erwartet, dass der Staat sich um bestimmte Dinge kümmert. Bei uns ist es genau das Gegenteil, bei uns sind Staat und Gemeinwohl in der Defensive. Anders als bei uns lieben die Dänen, Schweden und Finnen ihren Staat - wir lieben ihn nicht. Wir lieben auch keine Politiker. Bei uns ist man selber schuld. Punkt. Bei uns hat man einen Neidkomplex. Punkt. Bei uns regelt alles der Markt. Punkt. sueddeutsche.de: Als der Markt infolge der Lehman-Pleite im September 2008 kollabierte, war der Staat plötzlich als Retter gefragt. Simonis: Ja, sogar in Amerika! Die US-Politik hat es schneller begriffen als die Politik hierzulande. Ich will gar nicht Schuld zuweisen, aber offensichtlich hat man geglaubt, man bekomme die Krise mit den normalen Instrumenten in den Griff. Doch dann stellte sich heraus, dass das nicht geht. Was auf einer falschen Geld- und Kreditpolitik beruht, kann nicht die richtige Wirtschaftspolitik sein.
Heide Simonis, Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsidentin, über das Versagen in der Wirtschaftskrise und den Neidkomplex.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/heide-simonis-einige-banker-treiben-mir-die-kalte-wut-hoch-1.16816
"""Einige Banker treiben mir die kalte Wut hoch"""
00/04/2010
Erst der Ärger, jetzt die Rechnung: Toyota hat die US-Behörden "mindestens vier Monate lang" nicht über die Sicherheitsmängel informiert - und muss jetzt wohl kräftig zahlen. Das kann richtig teuer werden: Dem japanischen Autokonzern Toyota droht wegen seiner Pannenserie in den USA eine Strafe in zweistelliger Millionenhöhe. Die US-Regierung fordert von Toyota knapp 16,4 Millionen Dollar (etwa 12,3 Millionen Euro) Schadenersatz, erklärte das US-Verkehrsministerium am Montag (Ortszeit) in Washington. Toyota habe die Behörden "mindestens vier Monate lang" nicht über die Sicherheitsmängel informiert und somit seine Pflichten verletzt. Hohes Risiko gekannt - und geschwiegen Obwohl das Unternehmen gewusst habe, dass die Probleme an den Gas- und Bremspedalen der Fahrzeuge ein "hohes Risiko für Kunden" darstellten, habe Toyota dies verschwiegen, erklärte die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA, die dem Ministerium untersteht. Das Ministerium erläuterte, Autohersteller seien bei etwaigen Mängeln verpflichtet, die NHTSA innerhalb von fünf Tagen über diese aufzuklären. "Wir haben nun den Beweis dafür, dass Toyota seine Verpflichtungen verletzt hat", wurde US-Verkehrsminister Ray LaHood in der Erklärung zitiert. Toyota habe "wissentlich einen gefährlichen Defekt geheimgehalten" und damit nichts unternommen, um "Millionen Autofahrer und ihre Familien zu schützen". Der japanische Autokonzern hatte wegen Schwierigkeiten mit Gaspedalen, Bremsen und Fußmatten in den vergangenen Monaten weltweit fast neun Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückrufen müssen, darunter mehr als sechs Millionen in den USA. In Europa waren 1,8 Millionen Fahrzeuge betroffen. Die technischen Probleme werden auch für rund 50 tödliche Unfälle in den USA verantwortlich gemacht. Zahlen oder anfechten Toyota hat nun zwei Wochen Zeit, um auf die Zahlungsaufforderung zu reagieren und die Strafe entweder zu begleichen oder anzufechten. Sollte der Autohersteller zahlen, wäre die Maximalstrafe von exakt 16.375 Millionen Dollar die höchste Summe, die je gegen einen Autokonzern in den USA verhängt worden ist. Sollten sich beide Seiten nicht einigen können, dürfte die Sache vor Gericht ausgetragen werden. Die NHTSA hatte ihre Ermittlungen Mitte Februar eingeleitet. Toyota selbst erklärte, ihm liege noch kein Schreiben der NHTSA vor. Hingegen seien bereits "zahlreiche Maßnahmen" ergriffen worden, um die Kommunikation mit den Behörden und den Kunden zu verbessern, hieß es. Toyota sieht sich in den USA wegen der technischen Probleme bereits mit mehreren Sammelklagen von Autobesitzern konfrontiert. Nach Ansicht von Anwälten steht auch jenen Toyota-Käufern eine Entschädigung zu, deren Auto keine Probleme aufweist. Unterdessen ruft Toyota ruft nun auch in Südkorea Tausende Fahrzeuge wegen lockerer Fußmatten zurück. Dabei handelt es sich um rund 13.000 Fahrzeuge der Modelle Lexus ES350, Camry und Camry Hybrid. Bei den Autos könnten die Matten verrutschen und das Gaspedal einklemmen, teilte das Verkehrsministerium mit. Toyota sprach von einem freiwilligen Rückruf, um Unfälle zu vermeiden. Der Weltmarktführer steht seit längerem wegen Sicherheitsmängeln an seinen Fahrzeugen in der Kritik.
Erst der Ärger, jetzt die Rechnung: Toyota hat die US-Behörden "mindestens vier Monate lang" nicht über die Sicherheitsmängel informiert - und muss jetzt wohl kräftig zahlen.
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Toyota: Nach der Pannenserie - Teure Heimlichtuerei
00/04/2010
Sechs Liter Benzin auf 100 Kilometer - die neuen US-Vorgaben sind für Porsche flottenweit kaum zu schaffen. Eine Befreiung als Nischenhersteller gibt es für die Stuttgarter nun nicht, doch sie haben Zeit geschunden. Im Ringen mit der US-Regierung hat der Sportwagenhersteller Porsche einen Teilerfolg erzielt. Um die neuen, deutlich strengeren Grenzwerte für den Verbrauch erreichen zu können, bekommt Porsche mehr Zeit. Einen dauerhaften Sonderstatus als Nischenhersteller konnten die Stuttgarter aber nicht durchsetzen. Die neuen Vorgaben, die am 1. April offiziell vorgestellt wurden, lägen im Durchschnitt für alle Autohersteller bei knapp sieben Litern auf 100 Kilometer, schreibt die Financial Times Deutschland (FTD). Sie seien für den Zeitraum 2012 bis 2016 gültig und kämen einer Verringerung um rund ein Drittel gegenüber dem derzeitigen Durchschnittsverbrauch gleich. Porsche hatte sich bis zuletzt erbittert gegen das Gesetz gewehrt. Der deutsche Sportwagenhersteller befürchtet sogar, das wichtige US-Geschäft unter den neuen Vorgaben nicht mehr aufrechterhalten zu können. Nicht viel länger als ein Fiat Cinquecento Die Grenzwerte werden für jeden Hersteller nach dem Radstand seiner Fahrzeuge ermittelt. Porsche stellt vor allem kleine Sportwagen mit großen Motoren her, und sieht sich nicht imstande, die gleichen Verbrauchswerte zu erfüllen wie Kleinwagen am Massenmarkt. Beispielsweise hat der 911er einen Radstand von bis zu 2350 Millimeter - und ist damit nicht viel länger als ein Fiat Cinquecento. Kritiker witterten hinter der ganzen Aktion einen Trick der Amerikaner: Ausgerechnet die langen US-Schlitten und heimischen Pick-up-Trucks hätten einen günstigeren "Fußabdruck", wie der Radstand in der Branche auch bezeichnet wird. Porsche dagegen - mit seinen kleinen und leistungsstarken Flitzern - sei durch die Regelung benachteiligt. Möglich also, dass die Formeln zur Berechnung der Grenzwerte nicht zufällig gerade so formuliert sind, dass die großen US-Hersteller die Vorgaben weitestgehend erfüllen?
Sechs Liter Benzin auf 100 Kilometer - die neuen US-Vorgaben sind für Porsche flottenweit kaum zu schaffen. Eine Befreiung als Nischenhersteller gibt es für die Stuttgarter nun nicht, doch sie haben Zeit geschunden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/abgasstreit-in-den-usa-porsche-schindet-zeit-1.12890
Abgasstreit in den USA - Porsche schindet Zeit
00/04/2010
Im März haben die Deutschen erheblich weniger Autos gekauft als im März 2009. Damals hatte die Abwrackprämie die Verkäufe in die Höhe getrieben. Der Autoabsatz ist im März in Deutschland um mehr als ein Viertel eingebrochen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat, als die Abwrackprämie für Altautos zu einem Sturm auf die Händler geführt hatte, wurden mit 295.000 Personenwagen 26,5 Prozent weniger verkauft, wie der Importeursverband VDIK am Dienstag unter Berufung auf vorläufige Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) mitteilte. Der Einbruch war nach dem Auslaufen der Abwrackprämie erwartet worden. Die Prämie war im Vorjahreszeitraum zur Ankurbelung der Nachfrage eingeführt worden. Im ersten Quartal hinkten die Verkaufszahlen um 23 Prozent hinter dem Vorjahr her. Auch gegenüber dem von Kaufanreizen unbeeinflussten Jahr 2008 war der Absatz von Januar bis März mit neun Prozent im Hintertreffen. Weiterhin vergleichsweise stark läuft nach VDIK-Angaben das Geschäft mit Kleinstwagen, die gegenüber den Vergleichszahlen aus dem Jahr 2008 mehr als zehn Prozent zulegen. Erdölkonzern Total muss sich wegen Korruption verantworten Der französische Erdölkonzern Total muss sich im Zusammenhang mit dem UN-Programm "Öl für Nahrungsmittel" für den Irak nun doch wegen Bestechung verantworten. Ein Untersuchungsrichter habe "entgegen allen Erwartungen" Anklage erhoben, teilte Firmenanwalt Jean Veil mit. Wie die französische Wirtschaftszeitung Les Echos berichtete, werden dem größten französischen Unternehmen auch Mittäterschaft und Hehlerei vorgeworfen. Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte im September beantragt, die Ermittlungen gegen den früheren französischen Innenminister Charles Pasqua und Total-Chef Christophe de Margerie im Zusammenhang mit dem UN-Programm einzustellen. Das fragliche Programm erlaubte dem Regime unter dem damaligen irakischen Machthaber Saddam Hussein, von 1996 bis 2003 begrenzte Mengen an Erdöl auszuführen und mit den Erlösen von insgesamt 64 Milliarden Dollar Lebensmittel einzuführen. "Öl für Lebensmittel" sollte die Folgen des Embargos gegen den Irak für die Zivilbevölkerung abschwächen. Ein Untersuchungsausschuss unter Leitung des früheren Präsidenten der US-Zentralbank, Paul Volcker, kam später zu dem Schluss, dass die irakische Regierung mehrere Millionen Dollar aus dem Programm der Vereinten Nationen veruntreut hatte. Etwa 2200 Unternehmen aus 66 Ländern waren demnach an dem Skandal um Korruption und Misswirtschaft beteiligt, darunter 180 französische Firmen. In verschiedenen Ländern wurden daraufhin Ermittlungen eingeleitet. Im September wurde das britische Brückenbau-Unternehmen Mabey and Johnson zu einer Geldstrafe von 3,6 Millionen Euro verurteilt. Es soll im Rahmen des UN-Programms ebenfalls Schmiergelder an die damalige irakische Führung gezahlt haben. Daimler, Renault und Nissan arbeiten zusammen Die Autohersteller Daimler, Renault und Nissan haben sich einem Zeitungsbericht zufolge auf eine gegenseitige Kapitalbeteiligung geeinigt. Daimler und Renault würden jeweils drei Prozent von dem anderen Unternehmen übernehmen, berichtete das Wirtschaftsblatt Nikkei. Mit Nissan steuerten die Stuttgarter auf eine ähnliche Vereinbarung zu. Die Hersteller wollen mit einer Allianz und einem damit verbundenen Technologieaustausch Kosten sparen. Dem Blatt zufolge dürfte etwa Nissan von Daimler leistungsstarke Motoren sowie umweltfreundliche Diesel-Maschinen beziehen. Im Austausch würden die Japaner Teile für Elektro-Autos und wiederaufladbare Batterien nach Baden-Württemberg liefern. Zudem planten die Firmen eine Kooperation im Bereich Umwelttechnologien. Kreisen zufolge wird die Allianz am Mittwoch bekanntgegeben. Am Dienstagnachmittag solle zunächst die Renault-Führung über alle Einzelheiten des Geschäfts beraten, sagten zwei mit der Sache Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters. Renault ist bereits seit Jahren mit Nissan verbunden. Für Daimler wäre eine Kooperation mit den Franzosen mit Blick auf das Kleinwagensegment interessant: So macht Daimler mit seinem Stadtflitzer Smart bislang kaum Gewinn. Experten zufolge ist es für die Stuttgarter viel zu teuer, den Nachfolger alleine zu entwickeln. Aluminium-Projekt in Saudi-Arabien: US-Konzern Alcoa gibt mehr Geld Nach dem Rückzug mehrerer Partner aus einem milliardenschweren Aluminium-Projekt in Saudi-Arabien springt der US-Aluminiumkonzern Alcoa in die Bresche. Das Unternehmen wird innerhalb der kommenden vier Jahre rund 1,1 Milliarden Dollar statt der ursprünglich geplanten 900 Millionen Dollar in das Vorhaben pumpen, wie aus Unterlagen Alcoas für die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht. Dies geschehe im Rahmen einer Änderung der Eigentümerstruktur. Ein Alcoa-Sprecher bestätigte das Ausscheiden mehrerer Investoren. Eingehender äußerte er sich nicht. Alcoa und der saudiarabische Staatskonzern Saudi Arabian Mining hatten im Dezember den Bau des 10,8 Milliarden Dollar teuren Komplexes angekündigt. Realisiert werden sollte es über ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem das auch unter dem Namen Maaden bekannte saudische Unternehmen 60 Prozent und Alcoa 40 Prozent halten sollte. Am Wochenende gab der Staatskonzern eine Reduzierung des Alcoa-Anteils auf 25,1 Prozent bekannt. Damit verringert sich der Einsatz des Alu-Giganten auf 2,71 Milliarden Dollar von zuvor 4,32 Milliarden. Wie nun aus den SEC-Unterlagen hervorging, besitzt die US-Firma aber die Option, ihren Anteil um 15 Prozent zu erhöhen. Entstehen sollen eine Bauxit-Mine, eine Aluminium-Raffinerie, eine Aluminiumschmelze sowie ein Walzwerk. Unterdessen kommt in der Branche offenbar wieder Schwung in die Fusionsbemühungen der beiden russischen Konzerne Rusal und Norilsk. Norilsk zufolge steht der Oligarch und Rusal-Großaktionär Oleg Deripaska auf der Kandidatenliste für das Direktorium des Rohstoffkonzerns, über das die Norilsk-Aktionäre im Juni abstimmen sollen. Der weltgrößte Aluminiumproduzent Rusal hatte sich Anfang 2008 mit einem Viertel bei Norilsk eingekauft. Der angestrebte Zusammenschluss wurde jedoch wegen der Schuldenprobleme Rusals innerhalb der weltweiten Wirtschaftskrise verschoben. Die Berufung Deripaskas könnte das Vorhaben nun neu beleben. Paketversand wird teurer Die Paketpreise steigen offenbar zum Teil wieder an. Als erster Paketversender erhöhe General Logistics Systems (GLS) im April die Preise um durchschnittlich 2,8 Prozent, berichtete die Tageszeitung Die Welt unter Berufung auf eine eigene Branchenumfrage. Konkurrent DPD nennt demnach Preisaufschläge von bis zu fünf Prozent. Die Otto-Tochter Hermes prüfe noch, ob der Paketversand teurer werden solle. Die Post-Tochter DHL habe dagegen derzeit keine derartigen Pläne. GLS begründet den Schritt dem Bericht zufolge mit einem Preissturz im Jahr 2009. Der Preisverfall in der Branche müsse ein Ende haben, sagte der Vorstandschef der GLS-Gruppe, Rico Back, dem Blatt. Eher nehme das Unternehmen in Kauf, "dass unser Geschäft in diesem Jahr schrumpft, als dass wir einen weiteren Preisrückgang mitmachen werden". Der größte Paketdienst in Deutschland, die Post-Tochter DHL, will die Preise nicht verändern. "Bei DHL Paket und DHL Express sind derzeit keine Preiserhöhungen geplant, weder für Privatkunden noch Geschäftskunden", sagte eine Konzernsprecherin.
Im März haben die Deutschen erheblich weniger Autos gekauft als im März 2009. Damals hatte die Abwrackprämie die Verkäufe in die Höhe getrieben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-haesslicher-einbruch-bei-autoabsatzzahlen-1.1953
Wirtschaft kompakt - Hässlicher Einbruch bei Autoabsatzzahlen
00/04/2010
Ein Bericht der US-Regierung hätte für Ärger im Handelsstreit mit China führen können. Jetzt wird Finanzminister Geithner das Papier vorerst nicht veröffentlichen. In ihrem langen Streit um die Währungspolitik ist die amerikanische Regierung der Volksrepublik China einen großen Schritt entgegengekommen. Finanzminister Timothy Geithner verzichtet bis auf weiteres darauf, das Land offiziell der Manipulation seines Wechselkurses zu bezichtigen. Dennoch wächst der Druck auf China. Zur Entspannung dürfte auch beigetragen haben, dass Chinas Staatspräsident Hu Jintao vorige Woche für Mitte April einen Besuch in Washington angekündigt hatte. Die chinesisch-amerikanischen Beziehungen hatten sich in den vergangenen Monaten zusehends verschlechtert. Das lag unter anderem am Besuch des Dalai Lama bei Präsident Barack Obama im Februar und am Verkauf amerikanischer Waffen an Taiwan. Brisantestes Thema im Hintergrund war jedoch immer die Währungsfrage. Die USA werfen der chinesischen Führung vor, den Kurs des Yuan künstlich niedrig zu halten und so für die Vernichtung von Jobs in Amerika verantwortlich zu sein. Als kritisches Datum galt bisher der 15. April. An diesem Tag sollte Finanzminister Geithner turnusgemäß seinen Bericht zur Handelspolitik vorlegen. Geithner stand unter erheblichem Druck aus den eigenen Reihen, dort China der "Währungsmanipulation" zu beschuldigen und so Sanktionen in Gang zu setzen. Bericht verschoben Diesen Bericht hat Geithner nun überraschend auf unbestimmte Zeit verschoben. Er begründete diesen Schritt in einer äußerst vorsichtig formulierten Erklärung: In den kommenden drei Monaten gebe es eine Reihe internationaler Treffen, die zu "stärkerem, nachhaltigerem und ausgeglichenerem globalen Wachstum" führen könnten, heißt es darin. Mit Blick auf China schreibt der Minister lediglich, ein "mehr am Markt orientierter Wechselkurs" könne einen "entscheidenden Beitrag" zum Abbau globaler Ungleichgewichte leisten. Es geht aber nicht nur um China. Länder mit großen Handelsüberschüssen wie Japan und Deutschland müssten mehr tun, um die Binnennachfrage zu beleben, heißt es weiter. Der Satz bedeutet, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) beim nächsten Treffen der G-20-Minister am 23. April in Washington mit der Forderung konfrontiert werden wird, Deutschland solle Wachstumslokomotive für die Welt sein. Ähnliche Forderungen waren bisher schon innerhalb der EU laut geworden. Unter Ökonomen gibt es kaum Zweifel, dass der niedrige Wechselkurs des Yuan zu den extremen Handelsüberschüssen Chinas und den entsprechenden Defiziten der Vereinigten Staaten beigetragen hat. Seit Sommer 2008 bindet die Bank von China die Währung zu einem Kurs von 6,83 Yuan an den Dollar. Um dieses Ziel zu erreichen, kaufen die Chinesen ständig Dollar auf den Devisenmärkten. Das Land hat mittlerweile mit 2,4 Billionen Dollar die größten Devisenreserven der Welt. Zu diesen Reserven gehören US-Staatsanleihen im Wert von 889 Milliarden Dollar, wodurch China zu einem der größten Gläubiger der amerikanischen Regierung geworden ist. Härteres Vorgehen gegen China verlangt Offen ist allerdings, um wie viel der Yuan aufwerten sollte, damit der Wechselkurs die ökonomischen Realitäten widerspiegelt. Die Schätzungen reichen von zehn bis 50 Prozent. Nach einer Übersicht der Agentur Bloomberg über Devisentermingeschäfte in der vorigen Woche setzen Spekulanten im Durchschnitt darauf, dass China demnächst eine Aufwertung um 2,7 Prozent zulassen wird. Chinas Regierung hatte sich in der Vergangenheit aber immer vehement gegen Forderungen des Auslands nach einer Aufwertung gewehrt. Innerhalb der Vereinigten Staaten verlangen viele Politiker und Ökonomen deswegen ein wesentlich härteres Vorgehen gegen China. Der Nobelpreisträger Paul Krugman fordert einen Strafzoll von 25 Prozent auf chinesische Waren. Der einflussreiche demokratische Senator Charles Schumer aus New York kündigte an, er werde weiter einen Gesetzentwurf verfolgen, der Sanktionen gegen ein Land bereits dann in Gang setzt, wenn das US-Wirtschaftsministerium eine "Fehlbewertung" der Währung feststellt. Bisher ist dies nur dann möglich, wenn der schwerere Vorwurf der Währungsmanipulation erfüllt ist. Der Entwurf wird von Senatoren aus beiden Parteien gestützt. "Selbst wenn die Regierung ihre Entscheidung verschiebt: Wir werden unsere Forderung nach einem Gesetz nicht verschieben", erklärte Schumer.
Ein Bericht der US-Regierung hätte für Ärger im Handelsstreit mit China führen können. Jetzt wird Finanzminister Geithner das Papier vorerst nicht veröffentlichen.
wirtschaft
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Ungleichgewichte im Welthandel - USA auf Kuschelkurs mit China
00/04/2010
Guido Westerwelle, ein zweiter Jörg Haider? DGB-Chef Michael Sommer beschwert sich über "sozialspalterische Tendenzen" in der FDP - und sieht Parallelen zur FPÖ. Freunde werden Michael Sommer, der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), und der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle wohl nicht mehr. Was die beiden Kontrahenten eint, ist das Faible für deftige Wortwahl. Jetzt hat Sommer in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt über den Außenminister hergezogen. Darin beklagt er rechtspopulistische Tendenzen bei den Liberalen und zieht Parallelen zur Entwicklung der österreichischen FPÖ unter dem inzwischen verstorbenen Parteipatron Jörg Haider. Er sehe mit großer Sorge, dass sich in der FDP von Guido Westerwelle sozialspalterische und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährliche Tendenzen herausbildeten, sagte Sommer in dem Interview. Auch in Österreich habe sich eine liberale Partei in eine ganz andere Richtung entwickelt, sagte er unter Verweis auf die FPÖ. "Rechtspopulistische Töne" "Die Gefahr, dass die FDP in eine populistische Richtung abdriftet, halte ich für sehr groß. Unter dem Einfluss eines anderen Vizekanzlers, von Jürgen Möllemann, hat die FDP schon einmal rechtspopulistische Töne angeschlagen" sagte der DGB-Chef. Wenn Westerwelle anfange, den sozialen Ausgleich in Frage zu stellen, sei das ein Alarmsignal, warnte der DGB-Chef. Der FDP-Vorsitzende habe "eine Minderheit gegen die andere ausgespielt: Langzeitarbeitslose gegen Geringverdiener, Ärmste gegen Arme." Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte sei das "brandgefährlich". Der Vizekanzler habe mit der Art und Weise, wie er die Sozialstaatsdebatte geführt habe, ein politisches Tabu gebrochen.
Guido Westerwelle, ein zweiter Jörg Haider? DGB-Chef Michael Sommer beschwert sich über "sozialspalterische Tendenzen" in der FDP - und sieht Parallelen zur FPÖ.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kritik-an-fdp-dgb-chef-graut-vor-guido-haider-1.11285
Kritik an FDP - DGB-Chef graut vor Guido Haider
00/04/2010
In drei bis vier Jahren soll der Nachfolger des Smart Fortwo erscheinen. Den Händlern ist das zu spät - sie befürchten wirtschaftliche Schwierigkeiten. Im Zuge der erwarteten Partnerschaft zwischen Daimler und Renault soll die neue Generation des Kleinwagens Smart voraussichtlich 2013/14 kommen. Dies berichtete die Branchenzeitung Automobilwoche am Wochenende. Danach wollen die beiden Autobauer das Heckantriebsmodul des aktuellen Smart-Zweisitzers nutzen, um daraus die Nachfolge-Generation abzuleiten. Zugleich sollten auf dieser Basis neue Viersitzer für Smart und Renault entwickelt werden. Das viersitzige Modell soll 2013 eingeführt werden. Kreisen zufolge drückt Renault bei der geplanten Kooperation mit Daimler aufs Tempo: Schon an diesem Dienstag solle sich der Aufsichtsrat der Franzosen zu einer Sondersitzung zu dem Thema treffen, hieß es zuletzt. Dabei werde es auch um eine gegenseitige Kapitalbeteiligung gehen. Renault ist bereits mit dem japanischen Autobauer Nissan verbunden. Viele Autohersteller versuchen seit längerem, angesichts der hart umkämpften Märkte durch Bündnisse mit Rivalen Kosten zu sparen. Daimler hatte mit seinem Münchner Konkurrenten BMW lange über eine Partnerschaft verhandelt. Heraus kam aber nur der gemeinsame Einkauf einiger Teile, auch aus Angst vor einer Verwässerung der beiden Premium-Marken. Ein Technologieaustausch bei Kleinwagen mit dem Massenhersteller Renault wäre für Daimler dagegen interessant, denn mit dem Stadtflitzer Smart machen die Stuttgarter bislang kaum Gewinn. Experten zufolge wäre es für Daimler viel zu teuer, das Nachfolgemodell des Sorgenkindes allein zu entwickeln. Ausgeblutete Marke Für viele Smart-Händler könnte die geplante Allianz von Daimler und Renault allerdings zu spät kommen. "Das Händlernetz in Europa wird in seiner jetzigen Form aus eigener Kraft aber keine vier Jahre mehr existieren können", sagte Ulrich Fromme, Sprecher der europäischen Smart-Händler und Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), der Automobilwoche. Die Marke brauche dringend einen Nachfolger für den Zweisitzer. Dabei müsse es sich aber um ein von Grund auf neues Modell handeln. Der aktuelle, mehrfach überarbeitete Zweisitzer wird seit 1998 verkauft. Wie stark die Marke inzwischen ausgeblutet ist, zeigen die Absatzzahlen: Im vergangenen Jahr wurden dem Bericht zufolge europaweit gerade einmal etwas mehr als 96.000 Fahrzeuge verkauft. Die Allianz von Daimler und Renault soll voraussichtlich noch in diesem April offiziell verkündet werden. Grundsätzlich begrüßen die Smart-Händler die Kooperation. Man erhoffe sich vor allem wettbewerbsfähige Fahrzeugpreise, sagte Fromme. Die Ausweitung der Modellpalette verschaffe den Händlern zudem neue Chancen. Innerhalb der Kooperation wollen die beiden Partner außerdem gemeinsam Motoren bauen und auch bei leichten Nutzfahrzeugen zusammenarbeiten.
In drei bis vier Jahren soll der Nachfolger des Smart Fortwo erscheinen. Den Händlern ist das zu spät - sie befürchten wirtschaftliche Schwierigkeiten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aufstand-der-haendler-der-neue-smart-kommt-zu-spaet-1.21108
"Aufstand der Händler - ""Der neue Smart kommt zu spät"""
00/04/2010
Verhärtete Fronten: Die Lufthansa pocht auf die Rücknahme der Streikdrohung ihrer Piloten, deren Gewerkschaft spricht von "Erpressung". Ein zweiter Streik ist damit wieder wahrscheinlich. Die Lufthansa pocht auf die Rücknahme der Streikankündigung ihrer Piloten, ehe sie überhaupt in Vorverhandlungen zur Schlichtung geht. Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will dagegen das "Druckmittel Streik auf keinen Fall aus der Hand geben", wie ein VC-Sprecher am Samstag sagte. Ein zweiter Piloten-Streik bei der Lufthansa ist somit wieder wahrscheinlich. "Die Lufthansa will etwas von uns, will Schaden vom Unternehmen abwenden, also muss sie den ersten Schritt machen. Wenn sie nicht von ihrer Position abrückt, dann wird definitiv ab 13. April gestreikt." Er warf der Lufthansa vor, auf Zeit zu spielen. Lufthansa-Konzern-Sprecher Klaus Walther machte dagegen erneut deutlich, dass das Unternehmen die Streikabsage der Piloten erwarte: "Wer es mit einer Schlichtung ernst meint, muss jetzt Nägel mit Köpfen machen." Er betonte, der Lufthansa sei allein wegen der Androhung eines Streiks für den 13. bis 16. April "enormer Schaden" entstanden. Tausende Fluggäste hätten für diese Tage schon auf andere Fluglinien umgebucht. Schon die Aufnahme von Vorverhandlungen über Art und Umfang der Schlichtung macht die Lufthansa von einer Rücknahme der Streikdrohung abhängig. Dies ist für VC "Erpressung". Die Piloten-Gewerkschaft will eine Friedenspflicht erst einräumen, wenn Art und Umfang der Schlichtung klar sind. Und der VC-Sprecher hielt Lufthansa-Sprecher Walther entgegen: "Wer es mit einer Schlichtung ernst meint, bietet die Schlichtung nicht an mit gleichzeitiger Androhung einer Schadensersatzklage und einseitiger Nicht-Einhaltung der Verträge." Der Lufthansa-Sprecher argumentierte in dem festgefahrenen Tarifstreit: "Mit im Raume stehenden Arbeitskampfmaßnahmen in eine Schlichtung gehen zu wollen, zeugt nicht von der Kenntnis der Tarifverhandlungsgeflogenheiten." Die Lufthansa hatte der VC bereits gedroht, Schadensersatz in Millionenhöhe einzuklagen. Beim ersten Pilotenstreik im Februar waren rund 2000 Flüge ausgefallen, obwohl der Ausstand bereits nach einem Tag auf Druck einer Frankfurter Arbeitsrichterin abgebrochen worden war. Lufthansa hat den Schaden auf 48 Millionen Euro beziffert. Bei der Schlichtung soll es nach Lufthansa-Vorstellungen ausschließlich um Fragen zu Gehältern und Arbeitsbedingungen der rund 4500 Piloten im engeren Lufthansa-Kern gehen. Die Fragen nach der künftigen Strategie und Aufgabenverteilung der zahlreichen Tochterunternehmen sollen in getrennten, längerfristigen Verhandlungen gelöst werden. Beide Seiten hatten diese Fragen als eigentliches Kernproblem bezeichnet. Die Piloten fordern wirksamen Schutz vor Billigkonkurrenz aus dem eigenen Konzern, während sich die Lufthansa nicht in ihrer unternehmerischen Freiheit einschränken lassen will. Falls Lufthansa diese Fragen ausklammere, könne sie keine Beiträge der Piloten zum aktuellen Sparprogramm "Climb 2011" erwarten, sagte der VC-Sprecher. Stattdessen werde die VC zu ihrer ursprünglichen Forderung nach 6,4 Prozent mehr Geld und weiteren Verbesserungen zurückkehren. Von der Drohung mit einer millionenschweren Schadensersatzklage lasse man sich nicht abhalten, die Interessen der Piloten zu vertreten, erklärte die VC. Sie stellte auch klar, dass Lufthansa die besonders umstrittene Vereinbarung zum Konzerntarifvertrag nicht wirksam einseitig kündigen könne. Die 1992 getroffene Vereinbarung, die den Piloten weitgehende Mitspracherechte einräumt, wirke dann nach. Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer hatte am Mittwoch mit der Kündigung gedroht, falls bis Jahresende keine Lösung gefunden ist.
Verhärtete Fronten: Die Lufthansa pocht auf die Rücknahme der Streikdrohung ihrer Piloten, deren Gewerkschaft spricht von "Erpressung". Ein zweiter Streik ist damit wieder wahrscheinlich.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lufthansa-erneuter-streik-droht-1.8586
Lufthansa - Erneuter Streik droht
00/04/2010
Spitzenhotels sind vielen zu teuer geworden: Wie die Branche auf ihre Klientel reagiert, die sich Luxus nicht mehr leisten kann. Was schätzen Sie in einem Hotel am meisten? "Perfektes Benehmen, vorteilhafte Beleuchtung, gedämpfte Farben, traditionelle, bequeme Möbel, geruchloses, elegantes, funktionierendes Badezimmer, zuverlässigen Roomservice." So antwortete Edda Moser nach einem Aufenthalt im Steigenberger Frankfurter Hof. Die berühmte Kammersängerin und Professorin schätzt den Komfort des Luxushotels - und kann ihn sich offenbar auch leisten. Davon allerdings gibt es in der Finanzkrise immer weniger Menschen. Konzerne verbieten es ihren Führungskräften, in Spitzenhotels zu logieren. Eine Herberge mit vier statt fünf Sternen muss reichen. Die Controller achten mehr als früher darauf, dass die verschärften Reiserichtlinien auch eingehalten werden. Mancher Manager kann sich selber nicht mehr am Luxus erfreuen, wenn er Mitarbeiter entlassen oder seine Belegschaft kurzarbeiten muss. Die Mischung aus reinem Sparzwang und neuer Bescheidenheit bekommt vor allem die Spitzenhotellerie in den Großstädten zu spüren. Zimmer bleiben häufig leer, Konferenzräume sowieso, auch in den Restaurants ist wenig los. Bei einigen Häusern brach das Geschäft um ein Drittel ein. Sternverzicht Einige Fünf-Sterne-Häuser trennen sich daher von einem Stern. So wie das Interconti in Berlin am Zoologischen Garten. In Deutschlands größtem Tagungshotel findet alljährlich Ende November der Bundespresseball statt. Die Hotelkette Hilton verzichtet gleich ganz darauf, sich nach den Kriterien des Branchenverbandes Dehoga besternen zu lassen. Was für kleine Hotels eine Notwendigkeit ist, darauf können globale Konzerne verzichten. Jedenfalls jene, deren Name so etabliert ist, dass jeder Reisende weiß, was ihn erwartet. Weltweite Reservierungssysteme bringen dann die Gäste scharenweise ins Haus und niemand fragt nach den Sternen. Wer Hilton bucht, weiß, was er bekommt. Im Park Hilton München war das in diesem Winter zum Beispiel ein wöchentlicher Bouillabaisse-Abend, bei dem im Preis der Fischsuppe für zwei eine Flasche Chablis gleich inbegriffen war. Durch solche Aktionen versuchen die Hotelmanager, ihre schwach besuchten Restaurants zu füllen. Schließlich müssen Köche und Kellner bezahlt werden, auch wenn die Schlacht am Büffet mangels Gästen eher eine Seltenheit ist. Das bekannte Kempinski am Berliner Kurfürstendamm verschiedete sich vom Konzept des klassischen Hotelrestaurants. In seinem Reinhard's stehen die Tische nicht so eng wie bei den Italienern, man schaut durch große Fenster auf den restlichen Glanz des einstigen Prachtboulevards, vor allem aber liegen die Preise nur noch geringfügig über dem Niveau benachbarter Lokalitäten. Das funktioniert offenbar, das Leben pulsiert nicht nur vor der Tür, sondern auch wieder im Inneren des Luxushotels, das zuletzt wegen der für ein Haus mit hohem Standard sehr niedrigen Zimmerpreise ab 130 Euro einschließlich Zugang zum Wellnessbereich bei anderen Hoteliers für Verstimmung sorgte. Die Versuchung ist groß, mit Sonderangeboten die, wie es in der Branche heißt, "kalten Betten" mit zahlender Kundschaft zu beheizen. Diese Woche war beim führenden Buchungsportal im Internet für Ostern ein Doppelzimmer in einem Fünf-Sterne-Hotel in Berlin bereits für hundert Euro erhältlich. Warnung vor Preisnachlässen So ein Zimmerpreis ist auf die Dauer für das Haus nicht zu verkraften, da sind sich Branchenexperten einig. Denn der Betrag ist zwar ein Beitrag zu den Kosten, die auch für ein leerstehendes Zimmer anfallen, Geld verdienen lässt sich so aber nicht. Stephan Gerhard von der Hotelberatung Treugast rät deshalb auch dringend von ruinösen Preisnachlässen ab. Der Gast im Spitzenhotel müsse durch zusätzlichen Service den Unterschied zum Vier-Sterne-Hotel noch deutlicher erleben. So lassen sich bisher separat berechnete Leistungen für Internet, Frühstück und Tagungsräume in sogenannten Businesspauschalen zusammenfassen. Im Verzicht auf einen Stern sieht Gerhard keine dauerhafte Lösung. Er glaubt, dass die Krise irgendwann vorüber ist und die Zeit der Luxushotels dann zurückkehrt. Bis es soweit ist, sortieren sich die 35.000 vorwiegend mittelständischen Betriebe mit zusammen zwölf Milliarden Euro Umsatz neu. Trotz ihrer zusätzlichen Gäste aus dem Luxussegment gewinnen die Hotels mit vier oder drei Sternen nicht unbedingt in der Krise. Denn sie verlieren wiederum einen Teil ihrer angestammten Kundschaft, weil die in Hotels mit zwei Sternen wechseln. Diese Budget-Häuser passen besonders gut in die wirtschaftlich schwierige Zeit, besonders dann wenn sie wie "Motel One" den Purismus mit attraktivem Design verbinden. In diesem Kaskaden-Spiel sind die Fünf-Sterne-Häuser in jedem Fall Verlierer: Sie haben ein spezifisches Problem. Über ihnen ist niemand, der zu ihnen absteigen könnte. Diese Not macht erfinderisch. Hoteldirektoren lassen Etagen auf vier Sterne abrüsten und vermeiden in ihrer Werbung das Wort Luxus. Edda Moser beantwortete noch eine weitere Frage. Was bedeutet Luxus für Sie? "Dezente Eleganz." Die gibt es derzeit besonders preisgünstig in etlichen Hotels mit fünf, vier oder auch gar keinen Sternen.
Spitzenhotels sind vielen zu teuer geworden: Wie die Branche auf ihre Klientel reagiert, die sich Luxus nicht mehr leisten kann.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hotelbranche-weg-mit-dem-fuenften-stern-1.13571
Hotelbranche - Weg mit dem fünften Stern
00/04/2010
Keine rückwirkende Erhöhung von Hartz IV: Bis zur Reform der Reform dürfen die verfassungswidrigen Regelsätze weiter angewendet werden. Hartz-IV-Empfänger können auch nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar nicht mit einer rückwirkenden Erhöhung der Leistungen rechnen. Dies unterstrich das höchste deutsche Gericht in einem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss. Eine entsprechende Verfassungsbeschwerde wurde erst gar nicht zur Entscheidung angenommen. Das Gericht hatte am 9. Februar entschieden, dass die Bundesregierung die Regelsätze für die rund 6,5 Millionen Hartz-IV-Bezieher neu berechnen müsse. Die bisherige Berechnungsmethode verstoße gegen das Grundgesetz. Die verheirateten Beschwerdeführer aus Nordrhein-Westfalen hatten ihre zwischen Januar bis Juni 2005 erhaltenen Regelleistungen in Höhe von jeweils 311 Euro als zu niedrig angesehen. Nachdem sie vor anderen Gerichten gescheitert waren, hatten sie sich an die Karlsruher Richter gewandt. Diese sahen jedoch durch das Urteil vom 9. Februar 2010 schon alle relevanten Fragen geklärt. Die verfassungswidrigen Regelungen könnten noch bis zur Neuregelung angewendet werden. Die im Urteil geschaffene Härtefallregelung gelte nicht rückwirkend. Nach dem Hartz-IV-Urteil vom Februar muss eine der größten Sozialreformen in der deutschen Nachkriegsgeschichte erheblich nachgebessert werden. Bis zum 31. Dezember muss der Gesetzgeber eine Neuregelung schaffen. Wie diese aussehen wird, ist noch umstritten. Auf jeden Fall müssen die Regelsätze auf eine neue Berechnungsgrundlage gestellt werden. Der damalige Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier hat aber betont, dass aus der Entscheidung kein Anspruch auf Anhebung der Sätze folgt. Mehrere Koalitionspolitiker haben sich dafür ausgesprochen, einen Teil der Ansprüche, die Kindern zustehen, in Form von Sachleistungen und Gutscheinen statt Geld zu gewähren.
Keine rückwirkende Erhöhung von Hartz IV: Bis zur Reform der Reform dürfen die verfassungswidrigen Regelsätze weiter angewendet werden.
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Mehr Geld gibt es erst in Zukunft
00/04/2010
Eierlikör gilt als Oldie-Getränk. William Verpoorten schickte die führende Marke für den Branntwein auf Verjüngungskur. Und überstand so die Krise. Sein Favorit ist Walnusseis mit Eierlikör, sagt William Verpoorten, 54. Vor Ostern verkauft sich das gelbe Getränk besonders gut. Mittelständische Hersteller haben es in Deutschland nicht leicht, sagt Verpoorten, der seit Herbst 2006 auch den Schutzverband der Spirituosenindustrie führt. Viele Marken sind verschwunden oder im Portfolio eines Konzerns gelandet. Entgegen dem Branchentrend hat das Bonner Unternehmen 2009 die Erlöse um einige Prozentpunkte steigern können. SZ: Herr Verpoorten, in ein paar Tagen ist Ostern. Da freuen sich Kinder über Schokoladeneier, und Erwachsene schenken sich Eierlikör? Verpoorten: Das ist tatsächlich so. In den Wochen vor Ostern verkaufen wir doppelt so viele Flaschen wie in einem normalen Monat. SZ: Wie ist das Saisongeschäft denn dieses Jahr gelaufen? Verpoorten: Wir sind sehr zufrieden. Aber Gott sei Dank gibt es mehrere Anlässe im Jahr, Eierlikör zu verschenken und zu verzehren, beispielsweise zum Valentins- oder Muttertag. Oder auch im Sommer, zur Eissaison. Da platzieren wir Mini-Flaschen mit Verpoorten im Supermarkt gleich neben der Kühltruhe. SZ: Verpoorten steht für Eierlikör. So etwas wünscht sich jeder Markenartikler. Ist es aber nicht sehr gefährlich, nur auf ein Produkt zu setzen? Verpoorten: Im Gegenteil, es ist ein Vorteil, sich auf eine Marke konzentrieren zu können. Da verzettelt man sich nicht. Und man ist gezwungen, sich sehr intensiv um die Marke zu kümmern. Das gelingt uns, obwohl es für die mittelständischen Spirituosenhersteller in Deutschland nicht immer sehr einfach ist. SZ: Andere traditionsreiche Marken wie Dornkaart, Pott-Rum oder Dujardin... Verpoorten: ...sind entweder ganz vom Markt verschwunden oder sind nur noch eine von mehreren Marken im Portfolio eines großen Konzerns. Und da wird man rasch vergessen. Uns aber gibt es noch. Wir sind klein und beweglich und fühlen uns in dieser Rolle pudelwohl. SZ: Aber der Markt bietet kaum Perspektiven. Schon heute stammen knapp 90 Prozent des in Deutschland verkauften Marken-Eierlikörs aus der Produktion von Verpoorten. Und die Verbraucher trinken auch nicht von Jahr zu Jahr mehr. Verpoorten: Deshalb machen wir uns Gedanken über neue Verwendungsmöglichkeiten für Eierlikör. Etwa indem wir Lizenzen an Süßwarenhersteller vergeben, die dann Kuchen, Eis, Pralinen oder Desserts mit unserem Produkt verfeinern. Das hilft den Partnerunternehmen, weil sie von dem bekannten Namen Verpoorten profitieren und beschert auch uns zusätzlichen Umsatz. SZ: Wer sind die Lizenznehmer? Verpoorten: Allesamt mittelständische Familienunternehmen, ebenso wie wir. Da kann man auf Augenhöhe miteinander reden. Das ist angenehmer, als mit großen Konzernen zusammenzuarbeiten, bei denen die Ansprechpartner für einzelne Produktgruppen häufig wechseln. SZ: Viele Verbraucher verbinden mit Eierlikör immer noch Kaffeekränzchen und die Wirtschaftswunderjahre. Empfinden Sie das spießige Image nicht manchmal als eine Last? Verpoorten: Eierlikör ist kein Oldie-Getränk, sondern wird von allen Generationen geschätzt. Junge Leute mixen damit Drinks, die Mittelalten mögen Eierlikör-Kuchen, und die Senioren essen ihn gerne zum Eis.
Eierlikör gilt als Oldie-Getränk. William Verpoorten schickte die führende Marke für den Branntwein auf Verjüngungskur. Und überstand so die Krise.
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"Verpoorten - ""Wir sind in der Gattung Eierlikör gefangen"""
00/04/2010
Diskretion für 185 Millionen Dollar: Daimler zahlt Strafe an die US-Staatskasse - dafür werden die Schmiergeld-Verfahren gegen den Konzern eingestellt. Ein US-Gericht hat den Vergleich nun gebilligt. Das Ende der peinlichen Affäre um Schmiergeld und Geheimkonten bei Daimler kam in einem holzgetäfelten Gerichtssaal in Sichtweite des Washingtoner Kapitols. "Das war ein komplizierter Fall", seufzte Richter Richard Leon am Donnerstag zum Abschluss der Anhörung und hob zur Anschauung mit beiden Händen einen prall gefüllten Aktenordner mit Klageunterlagen in die Höhe. Den Stuttgarter Konzern verurteilte Leon zu einer Strafzahlung von 185 Millionen Dollar an die US-Staatskasse. Daimler hatte sich ohne Einschränkung schuldig bekannt. Dem Konzern ging es vor allem darum, das unangenehme Thema so diskret wie möglich aus der Welt zu schaffen. Der Richter in Washington stimmte am Donnerstag einem mit dem Justizministerium und der Börsenaufsicht SEC ausgehandelten Vergleich zu. "Das Unternehmen hat die richtigen Schritte unternommen, um das Problem zu lösen", sagt Leon. Die Stuttgarter hätten einen Sinneswandel hinter sich. Der Autobauer bekannte sich schuldig, über zehn Jahre hinweg in mindestens 22 Ländern Regierungsbeamte bestochen zu haben, um an lukrative Aufträge zu kommen. Daimler muss deswegen 185 Millionen Dollar (rund 134 Mio Euro) zahlen. "Wir haben aus den Erfahrungen der Vergangenheit viel gelernt", sagte Konzernchef Dieter Zetsche in einer Mitteilung. Mit dem Vergleich werden die Akten in einem seit Jahren andauernden Rechtsstreit geschlossen. Ein ehemaliger Mitarbeiter hatte den Behörden 2004 den entscheidenden Tipp gegeben. In der Zeit war Daimler noch mit dem US-Wettbewerber Chrysler liiert. Die vor gut einer Woche veröffentliche Anklageschrift listet die Verfehlungen im Detail auf. Die deutsche Justiz zeigt nur geringes Interesse an den Vorfällen. Sie hat die meisten Verfahren längst eingestellt. Aktuell geht die Stuttgarter Staatsanwaltschaft noch zwei Vorwürfen nach. Die US-Justiz sprach von mindestens 205 Zahlungen über insgesamt 56 Millionen Dollar. Mal hatte der Konzern einem hohen Beamten in Turkmenistan zum Geburtstag eine gepanzerte S-Klasse-Limousine im Wert von 300 000 Euro geschenkt, mal Würdenträger in Indonesien in den Golfclub eingeladen. Daimler ist das dritte deutsche Vorzeigeunternehmen binnen kurzer Zeit, bei dem Schmiergeld-Zahlungen aufflogen. Zuvor hatte es den Technologiekonzern Siemens und den Nutzfahrzeughersteller MAN erwischt. Anders als bei Siemens und MAN kam der Daimler-Vorstand unbehelligt davon. Dagegen mussten etwa 45 Mitarbeiter aus den Ebenen darunter gehen. Konzernchef Zetsche installierte extra einen Korruptionsbeauftragten. Daimler soll durch krumme Geschäfte mindestens 6300 Nutzfahrzeuge sowie 500 Autos verkauft haben. Die SEC beziffert den Umsatz auf 1,9 Milliarden Dollar und die illegalen Gewinne auf mindestens 91,4 Millionen Dollar. Die SEC sprach davon, dass Daimler von Korruption durchdrungen gewesen sei. Daimler steht nun noch drei Jahre lang unter Beobachtung. Der ehemalige FBI-Chef Louis Freeh wird kontrollieren, ob der Autohersteller ab jetzt saubere Geschäfte macht. Daimler hatte den Amerikaner selbst als externen Berater verpflichtet, um die Korruption im eigenen Hause zu bekämpfen. Der Richter honorierte das.
Diskretion für 185 Millionen Dollar: Daimler zahlt Strafe an die US-Staatskasse - dafür werden die Schmiergeld-Verfahren gegen den Konzern eingestellt. Ein US-Gericht hat den Vergleich nun gebilligt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bestechungsverfahren-in-den-usa-daimler-kauft-sich-frei-1.9461
Bestechungsverfahren in den USA - Daimler kauft sich frei
00/04/2010
Größer, schneller, höher! Das sind die Maximen, für die Google steht. Doch erstmals schrumpft die Belegschaft. Der Datenkrake reagiert typisch. Auf den ersten Blick steht Google da wie immer: makellos. Selbst im Krisenjahr 2009 steigerte der Suchmaschinenbetreiber seinen operativen Gewinn um satte 25 Prozent auf 8,3 Milliarden Dollar und erzielte damit eine Umsatz­ren­dite von traumhaften 35 Prozent. Doch es gibt auch Entwicklungen, die selbst Google leicht verunsichert erscheinen lassen: Tief vergraben in der Jahresmeldung an die US-Börsenaufsicht SEC legte der Suchmaschinenbetreiber erstmals Zahlen offen, die einen Rückgang signalisieren. Demnach schrumpfte 2009 die Belegschaft - das hatte es in der Unternehmensgeschichte bislang nicht gegeben. Google-Personalchef Laszlo Bock wiegelt ab. Der Stellenabbau von 20.222 auf 19.835 Mitarbeiter innerhalb eines Jahres sei der Finanzkrise geschuldet. Da die wirtschaftlichen Aussichten zu Beginn des vergangenen Jahres sehr unübersichtlich gewesen seien, habe Google weniger neues Personal eingestellt als zuvor. "Die geringere Belegschaftsgröße im Jahr 2009 wurde deutlich stärker durch unsere verhaltene Einstellungspolitik verursacht als durch Abgänge", sagte er zu sueddeutsche.de. Befürchteter brain drain Typisch für ein Krisenjahr betrafen die Kürzungen in der Tat in erster Linie Vertrieb und Marketing. Doch für das Jahr 2010 sei Google entschlossen, wieder aggressiv einzustellen, versichert Bock. Doch nicht alle Abgänge des vergangenen Jahres lassen sich so leicht kompensieren. Kopfzerbrechen bereitet den Google-Personalverantwortlichen vor allem die Abwanderung von hochqualifizierten Beschäftigten, der brain drain. Google verlor im vergangenen Jahr nicht nur Vertriebschef Tim Armstrong, sondern auch Anzeigenchef David Rosenblatt, Chefdesigner Doug Bouwman und weitere wichtige Figuren. Zuletzt wurde publik, dass der Strategiemanager der Google-Tochter YouTube, Daniel Maloney, die Segel streichen will. Google hat damit die typischen Probleme rasch wachsender Firmen. Gerade kreative Köpfe wollen nicht eine kleine Nummer in einer riesigen Maschinerie sein, sondern häufig in einem überschaubaren Laden arbeiten, in dem sie Dinge bewegen können. Zudem haben sich inzwischen im oberen Managementbereich des Konzerns feste Strukturen gebildet - für den eigentlich fälligen nächsten Schritt auf der Karriereleiter müssen viele talentierte Mitarbeiter zu anderen Unternehmen wechseln. Im einflussreichen Branchenblog Silicon Alley Insider kritisiert ein anonymer Ex-Mitarbeiter das Unternehmen dafür, inzwischen sehr vertikal zu entscheiden. Übersetzt bedeutet dies: Selbst Mitarbeiter im mittleren Management haben wenig Entscheidungsspielraum weil die Chefetage alles unter Kontrolle behalten möchte. Auch Google ist inzwischen zu groß dafür, um als Spielwiese von EDV- und Technikfreaks zu dienen, doch in Reaktion auf diese Sachlage behielt das Unternehmen die Grundsätze der Gründerzeit bei: Es versuchte dem Personalproblem mit einem mathematischen Algorithmus beizukommen. Rein quantitative Ansätze, bei denen etwa Merkmale wie Alter, Bildungsstand, Berufserfahrung oder Dauer der Firmenzugehörigkeit in einen funktionalen Zusammenhang zur Arbeitszufriedenheit gebracht werden, sind für Personaler etwas Neues, doch passen zu Google. Schließlich gehört es zu den zehn goldenen Unternehmensregeln, Entscheidungen von Googles wichtigster Resource abhängig zu machen: Möglichst große Datenmengen, gepresst in eine mathematische Formel. Keine Details zur Formel Von offizieller Seite sei wenig über die Formel zu erfahren, schrieb das Wall Street Journal. Bekannt sei lediglich, dass die Gleichung bereits Mit­ar­beiter identifiziert habe, die sich unausgelastet fühlten. Unterbeschäftigung gilt bei Personalern als wichtiges Motiv bei Kündigungen. Doch immerhin tönt Bock, dass der quantitative Ansatz Google helfe, "in die Köpfe der Menschen zu kommen, bevor sie überhaupt wissen, dass sie das Unternehmen verlassen wollen." Dass Google bereits mehr über seine Mitarbeiter weiß als diese über sich selbst, will Bock nicht bestätigen: "Wir versuchen in groben Zügen herauszufinden, welche typischen Eigenschaften Mitarbeiter aufweisen, die das Unternehmen wahrscheinlich verlassen wollen", so der Personalchef zu sueddeutsche.de. Mit jenen Kollegen, die in dieses Raster geraten seien, würden dann "produktive Gespräche" geführt. Fürsorglicher kann ein Unternehmen zu seinen Mitarbeitern kaum sein.
Größer, schneller, höher! Das sind die Maximen, für die Google steht. Doch erstmals schrumpft die Belegschaft. Der Datenkrake reagiert typisch.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/datenkrake-google-rasterfahndung-nach-treulosen-1.6854
Datenkrake Google - Rasterfahndung nach Treulosen
00/04/2010
Die Pilotengewerkschaft gibt sich gefügig: Wenn die Bedingungen stimmen, will die Vereinigung Cockpit das Schlichtungsangebot der Lufthansa annehmen. Für die Lufthansa wäre das ein kleiner Sieg. Noch steht nichts fest - aber die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) wird sich womöglich auf das Schlichtungsangebot der Lufthansa einlassen. Ein entsprechendes Angebot der Lufthansa werde "gerne" angenommen, teilte die Gewerkschaft mit. Die VC sei bereit, "unverzüglich in die Gespräche einzusteigen". Die Piloten stellten zudem in Aussicht, auf weitere Streiks zu verzichten: "Sobald sich die Parteien über die Bedingungen eines Schlichtungsverfahrens einig sind, sähe sich die Vereinigung Cockpit auch in der Lage, für die Dauer des Schlichtungsverfahrens eine Friedenspflicht einzugehen." Die Lufthansa fordert allerdings, dass vor der möglichen Schlichtung die Streikdrohung klar zurückgenommen werden müsse. Die Erklärung der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) reiche nicht aus. Die VC hatte ihre Mitglieder in der vergangenen Woche noch zu einem viertägigen Ausstand vom 13. bis zum 16. April an allen deutschen Standorten aufgerufen, da die Gespräche mit der Lufthansa vorerst gescheitert seien. Aufgerufen zu den Arbeitsniederlegungen waren die Flugzeugführer der Konzernmutter Lufthansa, der Billigtochter Germanwings und der Frachtsparte Cargo. Zwischen Lufthansa und Piloten schwelt seit längerem ein Konflikt um die Flugzeuge, die auf Regionalflügen in Europa eingesetzt werden. Die Regelung sieht vor, dass in Lufthansa-Maschinen mit über 70 Sitzen nur Personal eingesetzt werden darf, das nach dem Konzerntarifvertrag bezahlt wird. Nach Angaben von Cockpit unterläuft die Lufthansa diese Regelung jedoch zunehmend. Die Piloten hatten bereits im Februar gestreikt, die Arbeitsniederlegungen jedoch nach einem gerichtlichen Vergleich mit der Lufthansa nach nur einem Tag abgebrochen. Die Lufthansa hatte damals versucht, den Streik mit einer einstweiligen Verfügung unterbinden zu lassen, weil sie diesen für rechtswidrig hielt. Konzern und Piloten einigten sich daraufhin vor dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main darauf, die Tarifgespräche vorläufig wiederaufzunehmen.
Die Pilotengewerkschaft gibt sich gefügig: Wenn die Bedingungen stimmen, will die Vereinigung Cockpit das Schlichtungsangebot der Lufthansa annehmen. Für die Lufthansa wäre das ein kleiner Sieg.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/piloten-tarifkonflikt-sieglein-fuer-die-lufthansa-1.1645
Piloten-Tarifkonflikt - Sieglein für die Lufthansa
00/04/2010
Von gefährlichen Episoden weiß jeder zu berichten, der oft gereist ist, und Ferrostaal-Chef Matthias Mitscherlich war in seinem Leben viel unterwegs. In Venezuela traute er sich wegen der Gewaltkriminalität nur in einer gepanzerten Limousine auf die Straße und in Nigeria ging er auch nicht einfach spazieren. In diesen Tagen verspürt der 61-Jährige eine neue Gefahr: Sie ist ganz nah, verfügt über Blechmarken und rosa Zettel und nimmt manchmal Leute mit. Im Juli 2009 suchten Fahnder der Münchner Staatsanwaltschaft erstmals den Essener Ferrostaal-Konzern heim. Damals musste das Vorstandsmitglied Klaus Lesker drei Wochen in Untersuchungshaft verbringen. Vergangene Woche waren die Beamten wieder da, und erneut kam Lesker in Untersuchungshaft. Mitscherlich wartete mit dem Doktor der Ingenieurwissenschaften im Besprechungszimmer, bis die Ermittler den 49-jährigen Spitzenmanager mitnahmen. Bis dahin war Lesker als Nachfolger von Mitscherlich gehandelt worden. Am Freitag wurde ein weiterer Manager von Ferrostaal festgenommen, der früher Steuerfahnder war - so etwas wie ein Ex-Kollege der Strafverfolger also. Sie ermitteln nicht nur gegen den früheren Fahnder und gegen Lesker, sondern auch gegen zwei weitere aktive Manager, darunter einen Geschäftsführer aus Südostasien. Zwei ehemalige Vorstandsmitglieder und fünf weitere Ex-Mitarbeiter bekamen ebenfalls Aktenzeichen. Unter dem Strich also elf Beschuldigte - und das ist womöglich nur der Anfang. Die Staatsanwälte haben den Verdacht, dass bei Projekten in Ägypten, Portugal, Kolumbien, Argentinien und Indonesien kräftig geschmiert wurde. Für Mitscherlich wird es eng Die Reputation des Anlagenbauers und Dienstleisters Ferrostaal ist stark gefährdet. Einige Mitglieder des Aufsichtsrats murren, weil der Vorstand bei der Aufklärung der Korruptionsvorwürfe seit Sommer 2009 angeblich unzureichend mit der Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet habe und auch für Mitscherlich wird es eng. Am Donnerstag ist Hauptversammlung bei der früheren Ferrostaal-Mutter MAN in München und die Entlastung des Ferrostaal-Chefs, der bis Ende 2009 auch Mitglied des MAN-Vorstandes war, soll vertagt werden. Andererseits ist dieser Umstand, verglichen mit seinen sonstigen Problemen, eine Petitesse. Ein Mitscherlich und Korruption? "Wir schmieren aus Prinzip nicht" hat er immer gesagt. Wäre ja noch toller - bei diesen Eltern. Der 1949 geborene Mitscherlich, der Jura studierte und Manager wurde, ist Sohn von Alexander und Margarete Mitscherlich, die als Psychoanalytiker arbeiteten und lehrten. Sie haben die Studentenbewegung stark beeinflusst. Ihre Werke wie "Die Unfähigkeit zum Trauern" fehlten in keiner anständigen Bibliothek. Schon als Jugendlicher verkehrte Matthias Mitscherlich mit Leuten wie dem Spiegel-Gründer Rudolf Augstein und dem Philosophen Jürgen Habermas, der bis heute ein väterlicher Freund geblieben ist. Über "Systemversagen" und "normative Korruption" hat Habermas alles Wesentliche gesagt und geschrieben. Hat Matthias Mitscherlich versagt? Ein Foto zeigt ihn vor der Hauptverwaltung des Konzerns in Essen. Der große, hagere Mann verschränkt die Arme, aber er muss sich sichtlich für ein Lächeln nicht quälen. Die Mundwinkel sind nach oben gerichtet und die Augen strahlen Freundlichkeit aus. Das sieht man in diesen Kreisen nicht so oft. Seit 2003 steht Mitscherlich Ferrostaal vor. Im vergangenen Jahr hat er das Unternehmen in die Arme des neuen Mehrheitsaktionärs, des Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi geführt. Das war ein Kraftakt. Jetzt ist er die Hauptfigur in einem ungewöhnlichen Kriminalstück, das ganz viel Kraft erfordert. Aussage bei der Staatsanwaltschaft Die diversen Durchsuchungsbeschlüsse und auch die Haftbefehle gründen fast ausschließlich auf den Aussagen eines einzigen früheren Ferrostaal-Managers, der im Juli vergangenen Jahres festgenommen worden ist. Dem 59-jährigen Mann aus Schwaben, der Ende Februar 2009 nach vierzig Jahren bei Ferrostaal ausschied, wirft die Münchner Staatsanwaltschaft vor, er habe sich bei einem Geschäft mit Hochseeschleppern schmieren lassen und bei weiteren Geschäften zusammen mit Kumpanen heimlich mehrere Millionen Euro kassiert. Die Anklage gegen ihn und gegen drei weitere Personen umfasst 117 Seiten. Der Fall soll in Augsburg verhandelt werden. Mitte Februar hat dieser Kaufmann, dessen Spezialgebiet der maritime Bereich ist, umfänglich bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt. Er belastete etliche der ehemalige Kollegen und behauptete, bei Ferrostaal sei Bestechung gewissermaßen systemimmanent gewesen. Mitscherlich sei ein "sehr intelligenter" Mann, der aber keine Hand für das operative Geschäft habe. War das Lob oder Tadel? Der Fall ist kompliziert. Der in München einsitzende Ex-Ferrostaal-Manager packte wie ein Kronzeuge aus; er ist jetzt einer der elf Beschuldigten in dem neuen Verfahren. Aus Sicht von Ferrostaal handelt es sich um einen Kriminellen, der sich angeblich mit zum Teil erfundenen Geschichten an früheren Vorgesetzten wie Lesker rächen will.
Gegen Mitarbeiter von Ferrostaal wird wegen möglicher Bestechung ermittelt. Und alle fragen: Ist Konzernchef Mitscherlich Täter oder Opfer?
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ferrostaal-korruptionsskandal-mitten-im-netz-1.23691
Ferrostaal: Korruptionsskandal - Mitten im Netz
00/04/2010
Der schwache Euro macht es möglich: Die Auftragbücher der Industrie in der Eurozone sind voll und die Aussichten glänzend. Die Euro-Schwäche hat der Industrie der Euro-Zone im März zum stärksten Wachstum seit November 2006 verholfen. Die Firmen weiteten ihre Geschäftstätigkeit damit bereits den sechsten Monat in Folge aus, wie die Markit-Experten zu ihrer Umfrage unter 3000 Firmen mitteilten. "Die Eurozone-Industrie wurde im März von einem regelrechten Boom erfasst", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Allerdings klafften die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern auch so weit auseinander wie nie zuvor in der Geschichte der Umfrage. Vor allem das unter einer Schuldenkrise leidende Griechenland rutscht tiefer in die Rezession ab. Zuwächse in Spanien In Deutschland, Frankreich und Italien laufen die Geschäfte dagegen immer besser, und auch Spaniens Industrie vermeldet wieder Zuwächse. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Eurozone gewann 2,4 Zähler auf 56,6 Punkte und lag damit sogar noch höher als in einer Schätzung angenommen. Produktion und Auftragseingang stiegen bereits den achten Monat. Das Neugeschäft legte sogar so stark zu wie seit zehn Jahren nicht mehr. Dabei spielte die jüngste Euro-Schwäche eine wichtige Rolle: Dadurch werden europäische Produkte in anderen Währungsgebieten günstiger. Dazu kommen der anhaltende Lageraufbau, die Einführung neuer Produkte und die generelle Marktbelebung. Die Quote aus Auftrageingang und Fertigwarenlager notiere nur knapp unter ihrem Höchstwert, schrieben die Experten, "was darauf hindeutet, dass die Firmen ihre Produktion in den nächsten Monaten weiter steigern müssen, um die vollen Auftragsbücher abzuarbeiten". Weniger Stellen fallen weg Der Stellenabbau setzte sich angesichts der besseren Geschäftslage mit geringerer Geschwindigkeit fort. Bereits den 22. Monat in Folge wurden Stellen gestrichen, wenngleich so wenige wie seit August 2008 nicht mehr und auch weniger als in einer ersten Schätzung angenommen. In den Niederlanden wurden sogar vereinzelt wieder neue Arbeitsplätze geschaffen. Allerdings kommen wegen der Euro-Schwäche die Gewinnmargen der Firmen unter Druck: Chemikalien, Elektronikkomponenten, Metalle, Öl, Papier oder Kunststoff waren deutlich teurer als im Vormonat. Weil die Kapazitäten immer noch nicht ausgelastet sind, können die Firmen diese Kosten nicht in vollem Umfang an die Kunden weiterreichen, die Verkaufspreise bewegten sich kaum.
Der schwache Euro macht es möglich: Die Auftragbücher der Industrie in der Eurozone sind voll und die Aussichten glänzend.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/euro-schwaeche-stuetzt-industrie-staerkster-auftragsboom-seit-2006-1.10264
Euro-Schwäche stützt Industrie - Stärkster Auftragsboom seit 2006
00/04/2010
Im Tauziehen um den Milliardenauftrag für neue US-Tankflugzeuge gewähren die USA dem Luftfahrtkonzern EADS Aufschub. Doch die verprellten Europäer sind skeptisch. Ist es nur eine Finte oder ein ernst gemeintes Angebot? Im Bieterrennen um den Milliardenauftrag für neue US-Tankflugzeuge ist das Pentagon zu einer Verlängerung der Ausschreibungsfrist bereit, um dem europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS eine neue Bewerbung zu ermöglichen. Wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Geoff Morrell, in Washington mitteilte, soll die Frist vom 10. Mai auf den 9. Juli ausgedehnt werden, wenn EADS in einem "vernünftigen" Zeitraum offiziell seine Absicht erklärt, wieder in den Wettbewerb einzusteigen. Morrell sprach in diesem Zusammenhang von zwei Wochen. Er sagte zugleich, dass sich das Pentagon im Fall einer Fristverlängerung weniger Zeit für eine Bewertung der Angebote nehmen will, das heißt: Es soll bei einer Entscheidung im Frühherbst bleiben. Die Tankflugzeuge seien längst überfällig, sie würden dringend benötigt, und die US-Luftwaffe könne sich daher keine weiteren Verzögerungen leisten. Schon in der Tasche gehabt EADS und dessen US-Partner Northrop Grumman hatten den "Jahrhundert-Auftrag" eigentlich schon in der Tasche gehabt. Doch dann hatte das Pentagon einen Rückzieher gemacht und den Wettbewerb neu ausgeschrieben. Northrop war dann ausgestiegen, weil es - wie EADS auch - unfaire Bedingungen zugunsten des amerikanischen Konkurrenten Boeing sah. EADS hatte zuletzt jedoch Interesse an einer neuen Bewerbung bekundet und daher um eine Fristverlängerung um 90 Tage gebeten. Nach der neuen Offerte des US-Verteidigungsministeriums reagierte EADS allerdings verhalten. Das Unternehmen werde die Entscheidung Washingtons prüfen, sagte ein Sprecher. Die jetzt eingeräumte Frist sei das "minimale" Zeitfenster, um ein "verantwortbares Angebot" auszuarbeiten. EADS hält sich noch alles offen Es geht um die Anschaffung von vorerst 179 neuen Tankflugzeugen für die US-Luftwaffe zu einem Preis von 35 Milliarden Dollar. US-Präsident Barack Obama hatte bei einem Treffen mit seinem französischen Amtskollegen Nicolas Sarkozy einen fairen, offenen und transparenten Wettbewerb versprochen. Sarkozy sagte, er vertraue Obamas Zusicherung. Frankreich gilt derzeit als Befürworter eines Wiedereinstiegs von EADS in das Bieterrennen. Wenn Gleichheit bei den Chancen herrsche, werde EADS sich auch um den Auftrag bemühen, so Sarkozy nach dem Treffen mit Obama. Der französische Staat hält 15 Prozent an EADS, hat aber formal keine Entscheidungsbefugnis im Konzerngeschäft. EADS wollte sich nicht zu Sarkozys Erklärung äußern. Bislang hält sich die Airbus-Mutter offen, ob sie noch einmal bieten wird.
Im Tauziehen um den Milliardenauftrag für neue US-Tankflugzeuge gewähren die USA dem Luftfahrtkonzern EADS Aufschub. Doch die verprellten Europäer sind skeptisch.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/us-tankjet-ausschreibung-eine-neue-schamfrist-1.24761
US-Tankjet-Ausschreibung - Eine neue Schamfrist
00/04/2010
Wenn Frank Bsirske als Arbeitnehmervertreter zu Tarifverhandlungen antritt, sucht er die Öffentlichkeit. Wenn die Rolle des Verdi-Chefs aber die des Arbeitgebers ist, findet er Publikum nicht so gut. Anfang März waren die Verhandlungen für die 4000 Beschäftigten der Gewerkschaft zu Ende gegangen. Der Betriebsrat hatte, um seine Forderungen durchzusetzen, Flugblätter mit der Parole "Jetzt reicht's!" gedruckt und zur Demo aufgerufen; wie Gewerkschafter eben so sind. Am 17. März blickte Bsirske vor dem Gewerkschaftsrat - einer Art kleinem Parteitag - auf die Taktik des Betriebsrats zurück. Der Süddeutschen Zeitung liegt die Mitschrift vor. Bsirske sagte: "Ich will keinen Zweifel daran lassen, dass von einer ganzen Reihe Akteure hier Grenzen überschritten worden sind und das nicht folgenlos bleiben kann." Wer glaube, dies wiederholen zu können, werde sich täuschen: "So viel sei in aller Deutlichkeit gesagt." Kann Bsirske keine Kritik vertragen? Im Verdi-Vorstand ist Isolde Kunkel-Weber für diese Verhandlungen zuständig. Sie versucht, den Eindruck zu zerstreuen, hier drohe ein Gewerkschaftschef seinem Betriebsrat. Das Besondere an den Verdi-internen Verhandlungen war, dass sie parallel zur Tarifrunde im Öffentlichen Dienst liefen und die Beschäftigten ihren Chef hinstellten als jemanden, der Wein predigt und Wasser reicht. Zahlreiche Medien griffen das auf. Kunkel-Weber sagt: "Hier wurde ein Reputationsschaden billigend in Kauf genommen. Das ist ungerecht, und deshalb lassen wir das nicht mehr zu." Spezielle Konstellation Das Ziel der Angriffe ist Günther Anderer, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats. Er schlug für seine Kollegen 240 Euro sowie 2,4 Prozent Gehaltserhöhung heraus, und er hat die Äußerungen Bsirskes so verstanden, wie sie wohl gemeint waren, als diffuse Drohung. Er hat dem Chef gesagt, was er davon hielt: "Nicht so toll." Anderer sagt, alle Verdi-Beschäftigten seien doch Mitglieder der Gewerkschaft, sie fühlten sich ihr verpflichtet. Zu Tarifrunden gehöre, dass es rumpelt - "aber danach ist es vorbei, und die Uhr wird wieder auf Null gestellt." Interne Tarifrunden bei Gewerkschaften finden immer in einer sehr speziellen Konstellation statt. Zwar gibt es einen bundesweiten "Verband der Gewerkschaftsbeschäftigten" (VGB). Aber nur 500 der 10.000 beim DGB und seinen acht Gewerkschaften beschäftigten Menschen sind dort Mitglied. Damit fehlt diesem Verband die so genannte "Mächtigkeit", um Tarifverhandlungen führen zu dürfen. Mit der Folge, dass es beim Arbeitgeber Gewerkschaft stets die Betriebsräte sind, die Arbeitsbedingungen und Geld aushandeln; eine Besonderheit in der Tariflandschaft. Und heikel sind diese Verhandlungen deshalb, weil Betriebsräte nach dem Gesetz immer auch dem Betriebsfrieden verpflichtet sind - und es für einen Arbeitgeber wie Bsirske besonders unvorteilhaft wäre, stünde er als knickrig da. Vorstandsmitglied Kunkel-Weber zählt daher auf, was bei Verdi alles üblich sei, anders als bei anderen Arbeitgebern: 35-Stunden-Woche vom 50. Lebensjahr an, Aufstockung des Krankengeldes auf das Netto-Gehalt (nach drei Jahren Betriebszugehörigkeit), neun freie Tage für jeden Gewerkschaftssekretär, als pauschaler Überstundenausgleich. Ihr Chef machte sich vor dem Gewerkschaftsrat freilich auch Gedanken darüber, ob es sinnvoll ist, dies öffentlich herauszustreichen: Es könne ja "Postillen" geben, die dann fragten, wie dies angehen könne: "dass die Arbeitsbedingungen sind, wie sie sind, und das alles von Kolleginnen und Kollegen aus Einzelhandel und Bewachungsgewerbe mit ihren Beiträgen bezahlt werden soll". Die Sache mit der "Orientierungsmarke" Die Konsequenz aus dem Streit könnte sein: dass es bei Verdi künftig gar keine Tarifrunde mehr gibt - sondern dass sich die Gewerkschaft am Durchschnittsergebnis orientiert, das sie in ihren Branchen erzielt. So ähnlich machen es auch andere. Die Gewerkschaft der Polizei hat mit ihrem Betriebsrat vereinbart: Das Ergebnis, das sie jeweils mit dem Bund erzielt, wird intern übertragen. Die IG Metall verhandelt mit ihrem Betriebsrat zwar jedes Mal neu, nimmt dabei aber die Tarifverträge in ihren Branchen als "Orientierungsmarke", wie es dort heißt. Kunkel-Weber sagt dazu: "Diese Idee ist charmanter geworden." Nachdem Betriebsrat Anderer bei der jüngsten Auseinandersetzung 2,4 Prozent erzielt hat, erhalten die Verdi-Beschäftigten bis Mai 2011 nun eine Erhöhung, die um 0,6 Prozent höher ausfällt als beim Bund. Nun will er aber zunächst Abstand gewinnen. "Danach können wir uns das mal durch den Kopf gehen lassen", sagt er.
Den Kampf für höhere Löhne unterstützt Verdi-Chef Bsirske gerne und lautstark. Doch wehe, die eigenen Beschäftigten machen Druck.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tarifstreit-bei-verdi-die-zwei-gesichter-des-frank-bsirske-1.16557
Tarifstreit bei Verdi - Die zwei Gesichter des Frank Bsirske
00/04/2010
Das marode Gesundheitssystem und die Frage der Finanzierung - jetzt soll die Pharmaindustrie ihren Beitrag leisten. Krankenkassen könnten so vier Milliarden Euro sparen. Die Koalition zieht die Pharmaindustrie auch zur Finanzierung des aktuellen Defizits in der Krankenversicherung heran. Noch in diesem Jahr sollen die Kassen durch die Regelungen eine halbe Milliarde Euro sparen. Bis Ende 2013 werden es etwa vier Milliarden Euro sein. Das geht aus den Gesetzestexten hervor, die das Gesundheitsministerium den Fraktionen von Union und FDP zugesandt hat und die der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Kern der Regelung ist es, den Abschlag zu erhöhen, den die Pharmaindustrie auf alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel zu zahlen hat. Statt wie bislang sechs Prozent sollen von August an 16 Prozent fällig sein. Generika - also wirkstoffgleiche Nachahmer-Präparate - sollen von der Erhöhung ausgeschlossen werden. "Hierdurch wird die Kostenbelastung der gesetzlichen Krankenversicherung vermindert, die auch durch einen eingeschränkten Preiswettbewerb bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln bedingt ist", heißt es in der Begründung. Die Gesundheitsexperten der Fraktionen wollen die Vorlagen noch in dieser Woche beraten. Es handelt sich um den ersten Teil des Gesetzespaketes, mit dem Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) das Preismonopol der Pharmaindustrie brechen möchte. Die Wirtschaftsverbände hatten heftig gegen das Vorhaben protestiert und mehrfach vergeblich versucht, in der Regierung und bei den Liberalen namhafte Verbündete gegen das Vorhaben zu gewinnen. Sie verweisen darauf, dass die Abgabe die Arbeitsplätze der Pharmaunternehmen in Deutschland bedrohe. Obwohl die Bundesrepublik der größte Markt in Europa ist, sind die Preise für Arzneimittel hier in der Regel deutlich höher als in Nachbarländern. Preisstopp für die Hersteller Damit die Hersteller den Anstieg des Zwangsrabatts nicht durch Preiserhöhungen ausgleichen können, soll gleichzeitig ein Preisstopp verhängt werden. Dieser gilt rückwirkend zum August des vergangenen Jahres. Hebt ein Unternehmen trotzdem seine Preise an, muss es die Differenz in Form eines Abschlages an die gesetzliche Krankenversicherung zahlen. Das gilt auch für den Fall, dass es bereits die Preise erhöht hat. Die FDP-Gesundheitsexpertin Ulrike Flach zeigte sich zufrieden mit der Vorlage des Ministeriums. Sie gehe davon aus, dass die Fraktionen sie ohne Änderungen verabschieden würden. Das jährliche Einsparvolumen von 1,15 Milliarden Euro sei noch einmal höher ausgefallen als erwartet. Zugleich würden die Generika-Hersteller nicht unverhältnismäßig hoch belastet: "Wir gehen mit dem Minister d'accord."
Das marode Gesundheitssystem und die Frage der Finanzierung - jetzt soll die Pharmaindustrie ihren Beitrag leisten. Krankenkassen könnten so vier Milliarden Euro sparen.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/krankenversicherung-zur-kasse-bitte-1.14009
Krankenversicherung - Zur Kasse bitte!
00/04/2010
Die Hoffnungen der schwarz-gelben Koalition auf einen raschen und kräftigen Wiederanstieg der Steuereinnahmen werden sich nicht erfüllen. Die Steuerschätzung in gut zwei Wochen wird nach Angaben aus Expertenkreisen keine positive Botschaft bringen. So wird der Bund in diesem Jahr voraussichtlich mit Einnahmen von etwa 215 Milliarden Euro auskommen müssen. 2011 könnten gut 220 Milliarden Euro zusammenkommen. Das entspräche in etwa den Werten, die sich schon bei den beiden jüngsten Steuerschätzungen ergeben hatten. Auch die Wachstumsprognose, die Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Mittwoch vorstellen will, gibt wenig Anlass zur Zuversicht. Die Fachleute der Regierung gehen für 2010 von einem Wachstum von 1,4 Prozent aus. 2011 soll die Wirtschaftskraft um 1,6 Prozent zulegen. Das ist deutlich weniger als im Finanzplan von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) unterstellt, wodurch die notwendigen Sparanstrengungen erschwert werden. An diesem Montag wollen sich die zuständigen Ministerien auf endgültige Zahlen verständigen. Die Koalition hatte darauf gehofft, dass ihr die Schätzung Anfang Mai neue "Spielräume" für die vor allem von der FDP gewünschten Steuersenkungen eröffnen würde. Stattdessen muss der Bund nun weiterhin mit Einnahmen planen, die die Ausgaben bei weitem nicht decken. Nach den Plänen der Liberalen sollen Bürger und Unternehmen von 2012 an pro Jahr 16 Milliarden Euro weniger an den Fiskus überweisen müssen als bisher. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dagegen betont, Zeitpunkt und Umfang der im Koalitionsvertrag vereinbarten Entlastungen hingen vom Ergebnis der Steuerschätzung ab. Schäuble äußerte leise Kritik am Vorhaben der Liberalen. Wichtiger sei es, sich zunächst um die schwierige Finanzlage der Kommunen zu kümmern, sagte er dem Spiegel. Nach Angaben aus den Kreisen der Steuerschätzer werden die Einnahmen des Staates vermutlich erst 2013 wieder das Niveau erreichen, das sie vor dem Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008 hatten. Damals hatten Bürger und Betriebe knapp 240 Milliarden Euro an den Bund überwiesen. Dass die Summe in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen wird, ist außer der Rezession des vergangenen Jahres auch dem sogenannten Wachstumsbeschleunigungsgesetz geschuldet, das die schwarz-gelbe Koalition unmittelbar nach Amtsantritt in Kraft gesetzt hatte. Es umfasste ebenfalls Steuererleichterungen, darunter die umstrittene Einführung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Hoteliers. "Das Gesetz war zumindest in Teilen sinnvoll, weil damit die Konjunkturentwicklung weiter stabilisiert wurde. Ohne die Reform wären allerdings die Steuereinnahmen in diesem Jahr höher ausgefallen als noch im November erwartet", sagte ein Steuerschätzer. Obwohl die Summe der Steuereinnahmen auch 2011 noch auf einem sehr niedrigen Niveau liegen wird, könnte sich die Aufstellung des nächsten Bundeshaushalts als nicht ganz so schwierig erweisen wie zunächst befürchtet. So wird beispielsweise die Zahl der Arbeitslosen aller Voraussicht nach deutlich hinter den bisher pessimistischen Prognosen zurückbleiben. Entsprechend geringer könnte der Bundeszuschuss an die Bundesagentur für Arbeit ausfallen.
Die Liberalen hoffen, durch steigende Steuereinnahmen mehr Spielraum für ihre Wahlversprechen zu bekommen. Doch die Steuerschätzer sehen da schwarz.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/steuerschaetzung-daempfer-fuer-die-fdp-1.16915
Steuerschätzung - Dämpfer für die FDP
00/04/2010
Goldman Sachs am Pranger, und die Bafin will ein Auskunftsersuchen an die SEC richten. Wurde auch die IKB in die Irre geleitet? Die Bundesregierung erwägt rechtliche Schritte gegen Goldman Sachs, nachdem die US-Börsenaufsicht SEC die Investmentbank verklagt hat. Die SEC beschuldigt Goldman, bei einem Deal mit verbrieften Hypothekenkrediten wichtige Informationen zurückgehalten zu haben. Zu den Geschädigten gehört auch die deutsche Bank IKB, die 2008 von der Bundesregierung gerettet werden musste. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm kündigte am Sonntag an, die deutsche Finanzaufsicht Bafin werde ein Auskunftsersuchen an die SEC richten. "Nach einer sorgfältigen Bewertung der Unterlagen werden wir rechtliche Schritte prüfen." Großbritanniens Premierminister Gordon Brown forderte die britische Finanzaufsicht auf, die Vorgänge zu prüfen. Dort ist die zum Teil verstaatlichte Royal Bank of Scotland betroffen. Die SEC wirft Goldman vor, verbriefte Hypothekenkredite (Collateralized Debt Obligations, CDO) vertrieben zu haben, ohne die Kunden darüber zu informieren, dass ein anderer Goldman-Kunde, der Hedgefonds-Manager John Paulson, auf den Verfall der Papiere wettete und bei deren Zusammenstellung mitgewirkt hatte. Die Papiere wurden im April 2007, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, verkauft und waren innerhalb weniger Monate praktisch wertlos. Die IKB verlor fast die gesamte investierte Summe von 150 Millionen Euro. Die SEC sieht in dem Geschäft einen schweren Interessenkonflikt seitens der Investmentbank. Goldman Sachs wies die Beschuldigungen vehement zurück. Sie seien "rechtlich und faktisch" haltlos, schrieb das Unternehmen. "Wir haben kein Portfolio geschaffen, das dafür bestimmt war, Geld zu verlieren." Die Anleger seien gutinformierte Marktteilnehmer gewesen und hätten um die Risiken gewusst. Die unabhängige Finanzfirma ACA habe die Papiere für das inkriminierte CDO ausgewählt. Goldman Sachs habe selbst in das Produkt investiert und 90 Millionen Dollar verloren. Kunden in die Irre geleitet Dagegen argumentiert die SEC, dass die Kunden durch die Informationspolitik von Goldman irregeleitet wurden. Ausführlich wird in der Anklageschrift der Fall der deutschen Mittelstandsbank IKB geschildert. "Die IKB hätte in diese Transaktion nicht investiert, wenn sie gewusst hätte, dass Paulson eine wichtige Rolle in der Auswahl der Sicherheiten spielte", heißt es. Insgesamt haben die Anleger laut SEC bei dem Finanzprodukt namens "Abacus 2007-AC1" mehr als eine Milliarde Dollar verloren. Der Hedgefonds Paulson soll fast die gleiche Summe verdient haben. Der Hedgefonds selbst wird von der SEC nicht beklagt. Der Betreiber des Fonds, John Paulson, wurde 2007 mit einem Jahresgewinn von 3,7 Milliarden Dollar zu einem Star an der Wall Street. Die Klage der SEC kann unabsehbare politische und wirtschaftliche Folgen haben. Die Chefin der Börsenaufsicht, Mary Schapiro, und der zuständige Abteilungsleiter, Robert Khuzami, machen klar, dass sie entschlossen sind, harte Konsequenzen aus der Finanzkrise zu ziehen. Die SEC greift mit ihrem Schritt ein zentrales Element im Geschäft der Investmentbanken an: den Handel bei gutinformierten Kunden. Dieser Handel unterliegt laxeren Regeln als der mit Kleinanlegern und erlaubt daher sowohl höhere Risiken als auch höhere Gewinne. Dabei geht es häufig um komplexe Finanzprodukte wie verbriefte Hypothekenkredite. Diese Produkte hatten wesentlich zum Ausbruch der Finanzkrise beigetragen. Es gilt als wahrscheinlich, dass die SEC auch noch bei anderen Investmentbanken ähnliche Fälle entdecken wird. Die Behörde kündigte an, gezielt nach Deals zu suchen, die Anfang 2007 abgeschlossen wurden, als der Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarktes bereits absehbar war. Außerdem könnte die Zivilklage der SEC strafrechtliche Verfahren nach sich ziehen. Der Generalstaatsanwalt von Connecticut, Richard Blumenthal, kündigte Ermittlungen gegen Goldman an: "Die Kernfrage ist, ob es ein Einzelfall war oder Teil eines Musters. Ob Investmentbanken mit Hedgefonds konspirierten, um Wertpapiere an unwissende Investoren zu verkaufen und absichtlich zum Absturz zu bringen." Vorteil für Obama Die Klage der SEC dürfte Präsident Obama dabei helfen, sein Gesetz zur Neuregulierung der Finanzmärkte durch den Kongress zu bringen. Der Präsident versicherte noch am Freitag, er werde jedes Gesetz mit seinem Veto blockieren, das den Handel mit komplexen Finanzprodukten nicht "unter Kontrolle" bringen werde. Bei seiner wöchentlichen Rundfunkansprache appellierte er an die oppositionellen Republikaner, das Bankengesetz rasch durch den Senat zu bringen. Das Repräsentantenhaus hatte bereits im Dezember einen Entwurf gegen den geschlossenen Widerstand der Republikaner verabschiedet. Erst vergangene Woche hatte Obama Vertreter der Republikaner im Weißen Haus empfangen, um die Finanzmarktreform möglichst bald abzuschließen. Der Plan enthält eine Vorschrift, wonach komplexe Finanzprodukte wie die CDOs, um die es in der Klage gegen Goldman geht, nur noch auf transparenten, börsenähnlichen Plattformen gehandelt werden.
Goldman Sachs am Pranger, und die Bafin will ein Auskunftsersuchen an die SEC richten. Wurde auch die IKB in die Irre geleitet?
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https://www.sueddeutsche.de/geld/klage-gegen-goldman-sachs-die-wall-street-bebt-1.18773
Klage gegen Goldman Sachs - Die Wall Street bebt
00/04/2010
Gewerbeimmobilien in der Krise: Ein US-Immobilienfonds der Deutschen Bank stand schon im Dezember vor der Pleite - und musste gerettet werden. Auch die Deutsche Bank ist von der Krise der Gewerbeimmobilien stark betroffen. Schon vor Monaten mussten Investoren ihres Immobilienfonds "Rreef America Reit III" hohe Verluste in Kauf nehmen. "Wir haben im Dezember 2009 für den Fonds eine Restrukturierungslösung erarbeitet, bei der die Deutsche Bank, Kreditgeber und Investoren einen Beitrag geleistet haben", bestätigte am Sonntag ein Sprecher des Instituts. Erst in der vergangenen Woche hatten die US-Banken Morgan Stanley und Goldman Sachs bekannt gegeben, dass bei jeder von ihnen ein großer Immobilienfonds massiv eingebrochen ist. Der "Rreef America Reit III" der Deutschen Bank finanzierte 92 amerikanische Immobilienobjekte, zum Beispiel Wolkenkratzer in Philadelphia oder Bürogebäude im Silicon Valley. Die Investoren sind in erster Linie amerikanische Pensionsfonds, welche die Betriebsrenten von US-Bürgern verwalten. Auch die Deutsche Bank selbst hält knapp zehn Prozent an dem Fonds, der zum Teil mit Krediten finanziert ist. Als er aufgelegt wurde, umfasste sein Vermögen 2,6 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro). Durch die Wirtschaftskrise in den USA hat der Wert des Fonds in den vergangenen beiden Jahren extrem gelitten. Viele der 92 Gewerbeimmobilien lassen sich nur noch schwer vermieten und stehen zum Teil leer. Dadurch sinken die Mieteinnahmen, und den Investoren fließen weniger laufende Erträge zu. Noch gravierender für den Fonds ist, dass der Wert der einzelnen Objekte sinkt, wenn sie zum Teil leerstehen. Ihr Wert wird regelmäßig taxiert. Dabei kam im vergangenen Jahr heraus, dass die Immobilien in dem Fonds bei weitem nicht mehr die ursprünglichen 2,6 Milliarden Dollar wert sind. Deshalb mussten Kreditgeber neues Geld zuschießen oder ihre Linien verlängern, Investoren mussten hohe Abschläge hinnehmen. Das Wall Street Journal schrieb im Dezember, die Verluste lägen zwischen 65 und 82 Prozent. Wegen seiner hohen Verschuldung hatte der Fonds kurz vor der Pleite gestanden. Privatanleger nicht betroffen Die Deutsche Bank betont, dass von den Verlusten keine Privatanleger betroffen seien. Es handle sich ausschließlich um institutionelle Großkunden in den USA. Der "Rreef America Reit III" habe nichts mit offenen Immobilienfonds zu tun, die bei deutschen Privatinvestoren beliebt sind. Auch sei der Verlust nicht in Zusammenhang mit den jüngsten Nachrichten zu sehen, da die Angelegenheit schon vor Monaten bereinigt worden sei. "Der Fonds ist liquide, und er wird über Jahre liquide sein", sagte ein Sprecher. In den vergangenen Tagen häuften sich die Hiobsbotschaften vom Gewerbeimmobilienmarkt. Die US-Investmentbank Morgan Stanley musste einräumen, dass bei ihrem Fonds "Real Estate Fund VI" ein Wertverlust von 8,8 Milliarden auf 3,4 Milliarden Dollar drohe. Das wäre der größte Einbruch, den es bei Immobilienfonds gab. Nicht viel besser sieht es beim "Whitehall Street International" von Goldman Sachs aus: Er büßte im Jahr 2009 fast sein gesamtes Vermögen von 1,8 Milliarden Dollar ein und soll nur noch 30 Millionen Dollar wert sein. Beobachter fürchten schon seit längerem, dass der Verfall von Gewerbeimmobilien zu einer zweiten Welle der Finanzkrise führen könnte. In der ersten Welle litten Banken unter dem Einbruch minderwertiger privater US-Hypothekenkredite, die über den ganzen Erdball verteilt worden waren. Die Krise der Finanzbranche zog besonders in den USA auch die Realwirtschaft nach unten. Deshalb stehen dort Büros, Läden und Fabriken zunehmend leer - mit extrem negativen Folgen für Immobilienfonds. Der US-Kongress rechnete aus, dass fast jede dritte der 8100 Banken des Landes in der Gefahr schwebt, von platzenden Darlehen für Gewerbeimmobilien in den Abgrund gerissen zu werden. Die Manager der Fonds betonen zwar, es handle sich um eine Momentaufnahme, der Markt könne sich auch wieder erholen. Doch dazu müsste erst einmal die Wirtschaft wieder richtig anziehen.
Gewerbeimmobilien in der Krise: Ein US-Immobilienfonds der Deutschen Bank stand schon im Dezember vor der Pleite - und musste gerettet werden.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/deutsche-bank-fonds-gestuetzt-horrende-verluste-fuer-investoren-1.13658
Deutsche Bank: Fonds gestützt - Horrende Verluste für Investoren
00/04/2010
Das letzte Weihnachten war für Jens Woller (Name geändert) ein trauriges Fest. Wenige Tage vor Heiligabend hatte er einen Brief vom Finanzamt bekommen. "Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich das las", erzählt er. Seine Steuerbescheide würden rückwirkend bis 2003 korrigiert, hieß es in dem Schreiben. Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass er in der Zeit beim Pokern Gewinne in Millionenhöhe erzielt habe, die es nun zu versteuern gelte. Woller soll Umsatz- und Einkommensteuer von rund einer halben Million Euro nachzahlen. "Das ist absurd, das bedroht meine Existenz, so viel Geld habe ich gar nicht", sagt er. Sein Fall ist nicht der einzige, der in der boomenden deutschen Pokerszene derzeit für Aufruhr sorgt. Beim Bonner Rechtsanwalt Robert Kazemi haben sich mehrere Spieler gemeldet, die Post vom Fiskus erhielten. Sie wurden zwar noch nicht mit einer Nachzahlung konfrontiert, sollen aber ihre Spielgewinne melden. "Das ist auf Pokerturnieren derzeit ein heißes Thema", weiß Kazemi. "Einer fragt den anderen: 'Hast du auch schon Post vom Finanzamt bekommen?'" Pokern ist in Deutschland in den letzten Jahren zu einer Massenbewegung geworden. Hunderttausende, wenn nicht Millionen zocken in Casinos, auf Turnieren, über Online-Plattformen oder in privaten Runden. Da Pokern als Glücksspiel gilt, ist es eigentlich nur in staatlichen Casinos erlaubt. Doch in der Szene ist es ein offenes Geheimnis, dass das Meiste illegal abläuft. "In jeder größeren Stadt gibt es private Spielhöllen, in denen schon mal Millionen über den Tisch gehen können", sagt ein Kenner. Der Fernsehsender DSF hat stark zur Popularisierung beigetragen, seit er große Pokerturniere überträgt. Die Startgebühren und Gewinne auf diesen Turnieren, zum Beispiel in Las Vegas, sind ins Astronomische gestiegen. Allein die Teilnahme kostet 100.000 Dollar, der Gewinner streicht zehn Millionen Dollar ein. Einfach mal abkassieren Kein Wunder, dass darauf auch die deutschen Steuerbehörden aufmerksam wurden. Rechtsanwalt Kazemi vermutet, dass man sich dort gefragt hat: "Wenn die so viel verdienen, wieso bekommen wir nichts davon ab?" In der Szene glaubt man, dass der Fiskus die Namen aus einschlägigen Internetforen hat. Auf Seiten wie hendonmob.com gibt es internationale Ranglisten über die Gewinnsummen, die Pokerspieler erzielt haben. Die Spitzenleute bringen es auf mehrere Millionen Dollar. "Der deutsche Fiskus arbeitet die Liste wohl von oben her ab und schreibt jeden Spieler an, bei dem in Klammern ein D hinter dem Namen steht", vermutet ein Insider. Im Internet ist eine heftige Debatte entbrannt. Ein Diskutant regt sich über "die Pickelpartisanen" auf, also sehr junge Spieler, die sich öffentlich mit ihren hohen Gewinnen brüsten. Man dürfe sich nicht wundern, wenn man damit schlafende Hunde wecke, "insbesondere das Amt für moderne Christenverfolgung". Ein anderer empfiehlt: "Haltet einfach den Mund - und gut ist." Doch dafür ist es zu spät. Die Steuerbehörden haben ihre Hand schon nach den Pokergewinnen ausgestreckt - auch wenn es schwierig ist, dafür eine offizielle Bestätigung zu bekommen. Bei einer Oberfinanzdirektion in Nordrhein-Westfalen weiß man nichts von entsprechenden Briefen an die Spieler. Und eine Sprecherin der Oberfinanzdirektion Frankfurt sagt: "Wir können aufgrund des Steuergeheimnisses keine Aussagen zu professionellen Pokerspielern machen, die ihren Sitz in Hessen haben." Grundsätzlich aber sei es so, dass man Berufsspieler, die ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise aus Spielgewinnen bestreiten, zur Einkommensteuer heranziehe; sie erzielten mit ihren Gewinnen Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb.
Erstmals treibt der Staat Steuern von professionellen Kartenspielern ein. Die Szene ist in Aufruhr - die Betroffenen bangen um ihre Existenz.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/steuern-das-finanzamt-pokert-mit-1.14540
Steuern - Das Finanzamt pokert mit
00/04/2010
Die Gewinne der deutschen Konzerne sind im Krisenjahr 2009 stark zurückgegangen. Trotzdem werden viele Aktionäre mit satten Ausschüttungen bei Laune gehalten. Ein Reizthema gibt es fast immer, wenn sich in diesen Wochen die Aktionäre der großen und kleinen Unternehmen zu Hauptversammlungen treffen: die Dividende. Meistens ist den Anteilseignern die Gewinnbeteiligung zu niedrig. Beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp allerdings gab es Ende Januar auch andere Stimmen. Die Belegschaftsaktionäre, die mit T-Shirts und dem Aufdruck "Wir sind das Kapital" erschienen waren, wetterten heftig gegen die Zahlung einer Dividende. 30 Cent werden je Aktie ausgeschüttet, obwohl das Unternehmen 2009 einen Verlust in Milliardenhöhe hinnehmen musste und massiv Arbeitsplätze abgebaut hat. Unverantwortlich, hieß es. Sonderfall Telekom Der Fall Thyssen-Krupp ist kein Einzelfall. Bei den dreißig im Deutschen Aktienindex Dax zusammengefassten Konzernen gibt es gleich mehrere, die für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende an die Aktionäre aus der Substanz zahlen. Neben Thyssen-Krupp standen auch bei MAN und bei Salzgitter unter dem Strich Verluste, trotzdem werden die Anteilseigner bedacht. Dazu kommen weitere Firmen, die mehr ausschütten, als Gewinn erwirtschaftet wurde, dafür also die Rücklagen angreifen müssen. Besonders auffällig ist hier die Deutsche Telekom. Der Bonner Telekommunikationskonzern schüttet 3,4 Milliarden Euro aus und damit nahezu zehnmal mehr als der Jahresüberschuss, der nur bei gut 350 Millionen Euro liegt. Aber es gibt auch Firmen, die sich anders verhalten: der Autobauer Daimler etwa oder die Fluggesellschaft Lufthansa. Beide lassen die Ausschüttung angesichts hoher Verluste ausfallen, Daimler sogar zum ersten Mal seit 14 Jahren. Auch die Commerzbank, bei der mittlerweile der Staat mit 25 Prozent beteiligt ist, lässt die Anteilseigner wegen des Minus im Regen stehen. Trotzdem gilt generell für das Geschäftsjahr 2009: Die Gewinne der Konzerne sind in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit langem stark zurückgegangen, die Aktionäre kommen dabei aber vergleichsweise glimpflich davon.
Die Gewinne der deutschen Konzerne sind im Krisenjahr 2009 stark zurückgegangen. Trotzdem werden viele Aktionäre mit satten Ausschüttungen bei Laune gehalten.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/unternehmen-dividenden-jetzt-geht-es-an-die-substanz-1.4678
Unternehmen: Dividenden - Jetzt geht es an die Substanz
00/04/2010
Kann es sein, dass eine Bank gegen die eigene Kundschaft wettet? Die Antwort: leider ja. Die Konsequenzen sind verheerend. Lange war unklar, was Goldman-Chef Lloyd Blankfein tatsächlich gemeint haben könnte, als er die Arbeit der Banken im Allgemeinen und die von Goldman Sachs im Besonderen als Gottes Werk rühmte. Nun, möglicherweise hatte er das Buch Hiob vor Augen gehabt. Darin schließen Gott und der Teufel eine Wette ab: Der Teufel behauptet, dass Hiob nur gottesfürchtig sei, weil es ihm außergewöhnlich gut ginge. Darum erhält er, der Teufel, die Vollmacht, Hiob alles zu nehmen - die Familie und den Besitz. Beide wollen sehen, wie es um Hiobs Glauben im Ernstfall bestellt ist. Die US-Börsenaufsicht SEC hat Goldman Sachs aufs Korn genommen, weil die Investmentbank ebenfalls Abmachungen im Verborgenen getroffen haben soll, die für die Kunden dramatische Folgen hatten. Sie verloren ihr Geld. Auf den ersten Blick hat das Geldinstitut nur das getan, was andere in den vergangenen Jahren auch gemacht haben: Es verkaufte Papiere, mit denen die auf die Wertentwicklung von Anleihen gewettet wurde, die durch Ramsch-Hypotheken gedeckt waren. Solche Papiere waren legal, doch eines dieser synthetischen Konstrukte hat das Misstrauen der SEC geweckt: Ein Hedgefonds unter der Führung von John Paulson soll bei der Strukturierung dieses Papiers erst mitgearbeitet und anschließend auf dessen Kollaps gewettet haben. Dafür hat Goldman jetzt eine Klage wegen Betrugs am Hals, denn die Kunden sind offensichtlich nicht über den gefährlichen Interessenkonflikt informiert worden. Die Börse reagierte panisch: Die Goldman-Papiere verloren am Freitag knapp 13 Prozent. Ganz offensichtlich bestürzt diese Klage die Anleger weit mehr als viele andere Bemühungen der Regierung, die Finanzkrise aufzuarbeiten und Verantwortliche für die Krise zu finden. Es scheint fast, als habe die SEC den Nerv der Wall Street getroffen. Jetzt wächst die Furcht, dass es richtig wehtun könnte. Die Finanzwelt weiß: Mit der SEC ist nicht zu spaßen - sofern sie denn einmal in Fahrt kommt. Bisher wirken alle Bemühungen, die Folgen der Finanzkrise aufzuarbeiten und Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen, hilflos. Neue, schärfere Regeln fürs Bankgeschäft? Werden vielleicht eingeführt. Bezahlung für die angerichteten Schäden? Ja, da gab es ein paar Vorschläge. Und der Untersuchungsausschuss des US-Kongresses zur Aufarbeitung der Finanzkrise ist längst zur Farce verkommen. Nach der Krise Anfang der Dreißiger Jahre hatte sich vieles verändert. Nach der aktuellen Finanzkrise lässt sich bislang nur feststellen: Es ist über vieles geredet worden. Aber nun geht es um einen konkreten Fall und Goldman muss sich im Falle eines Schuldspruchs auf empfindliche Bußen einstellen. Weit mehr aber noch fürchtet Goldman den enormen Verlust an Reputation. Dass das Institut solche Geschäfte abgeschlossen hatte, war bekannt. Doch dass nun auch die SEC zum Schluss gekommen ist, dass Abmachungen, wie sie Goldman getroffen hat, illegal sein könnten - damit hatten offenbar viele Börsianer nicht gerechnet. Das Geschäft der Finanzunternehmen untereinander ist eben anerkannt ruppiger als das Geschäft mit den privaten Kunden. Paulson hatte gezielt nach Banken gesucht, mit deren Hilfe er auf den Niedergang des Immobilienmarktes wetten konnte. Unter den wenigen Instituten, die dazu bereit waren, befand sich neben Goldman wohl auch die Deutsche Bank. Paulson, Goldman, Deutsche Bank - es sind jene Namen, die vielerorts dafür gefeiert wurden, dass sie gut, ja teils glänzend durch die Krise gekommen sind. Man kann Paulson und diesen Instituten nicht vorwerfen, dass sie rascher als andere erkannten, dass der schon so lange befürchtete Einbruch am US-Immobilienmarkt sich 2007 konkretisierte. Verheerend ist nur, dass zumindest Goldman seine Kunden offenbar leichtfüßig übertölpelte. Schuld an der Finanzkrise tragen eben nicht nur jene, die so dumm waren, ihr Geld zu verlieren. Sondern auch jene, die so klug waren, die anderen in die Falle laufen zu lassen. Es ist schon zynisch genug, dass die Bankindustrie mit einer Flut neuer Produkte der Kundschaft - auch der professionellen - vorgaukelt, sie würden von Innovationen profitieren. Anders als in der Welt der realen Güter, wo ein neues Auto vielleicht besser fährt als ein altes Modell oder ein neuer Computer schneller ist als der alte, zahlen bei den Finanzinstituten die Kunden viel Geld dafür, dass ein altes Produkt lediglich neu zusammengeschraubt wurde. Jetzt wissen die Kunden auch noch, dass hinter den Kulissen schon mal gegen sie gewettet wird, ohne dass sie davon Kenntnis haben. Wenn das in Zukunft unterbunden werden könnte, wäre das eine noch wichtigere Konsequenz als manche geplante Eigenkapitalregel: Wenn die eigene Bank heimlich gegen einen wettet, hat man keine Chance mehr. Hiob wurde am Ende belohnt, die Goldman-Kunden hingegen haben ihr Geld verloren. Die Arbeit dieser Bank, da dürfen sich die Kunden sicher sein, ist zu 100 Prozent irdisch - mag Blankfein sie noch so sakral verklären.
Kann es sein, dass eine Bank gegen die eigene Kundschaft wettet? Die Antwort: leider ja. Die Konsequenzen sind verheerend.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/anklage-gegen-goldman-sachs-eine-teuflische-wette-1.5742
Anklage gegen Goldman Sachs - Eine teuflische Wette
00/04/2010
Die US-Börsenaufsicht SEC verklagt die Investmentbank Goldman Sachs wegen Betrugs. Nach der Klageschrift, die am Freitag in Washington veröffentlicht wurde, führte Goldman Anleger in die Irre, die in komplexe Wertpapiere auf der Basis zweitklassiger Hypotheken investiert hatten. Zu den Opfern gehört die IKB. Die auf Mittelstandskredite spezialisierte IKB war das erste Opfer der Finanzkrise in Deutschland und musste 2008 von der Bundesregierung gerettet werden. Laut SEC investierte die IKB 150 Millionen Dollar in Wertpapiere von Goldman und verlor fast alles dabei. Die Klasse der Wertpapiere, um die es geht - Collateralized Debt Obligations, CDO (hypothekengedeckte Anleihen) - spielten eine zentrale Rolle beim Ausbruch der Finanzkrise 2007. Schon lange wurde Investmentbanken vorgeworfen, die extrem riskanten CDO an ihre Kunden verkauft und gleichzeitig dagegen gewettet zu haben. Jetzt macht die SEC diese Vorwürfe erstmals konkret. Dabei geht es um ein Produkt namens "Abacus 2007-AC1", im Kern eine Anleihe, die durch ein Bündel von Hypothekenkrediten minderer Qualität ("Subprime Loans") gedeckt ist. Goldman vermarktete Abacus Anfang 2007, zu einem Zeitpunkt also, als der Absturz des amerikanischen Immobilienmarkt bereits begonnen hatte. Der zentrale Vorwurf der SEC: Ein großer Hedgefonds nahm Einfluss auf die Zusammensetzung von Abacus, und wettete gleichzeitig darauf, dass die betreffenden Hypothekenkredite faul werden. Die Tatsache habe Goldman vor seinen Kunden verheimlicht. "Das Produkt ist neu und komplex, aber der Konflikt ist alt und einfach", erklärte Robert Khuzami, Direktor der zuständigen Abteilung der SEC. "Goldman ließ es verbotenerweise zu, dass ein Kunde, der gegen den Hypothekenmarkt wettete, entscheidenden Einfluss darauf nahm, welche Hypotheken in ein Portfolio aufgenommen wurden. Gleichzeitig wurde anderen Kunden erzählt, die Auswahl erfolge durch unabhängige, objektive Dritte."' Die betreffenden Hedgefonds ist einer der größten der Welt und wird von dem New Yorker Manager John Paulson betrieben. Paulson war während der Finanzkrise zu einer Berühmtheit geworden. Er hatte rechtzeitig gegen den Immobilienmarkt gewettet und 2007 insgesamt 3,7 Milliarden Dollar verdient, mehr als irgendjemand sonst an der Wall Street. Nach eigener Darstellung zerlegte er, anders als andere Spekulanten, die komplexen CDO in ihre Einzelteile und analysierte jeden einzelnen Hypothekenkredit. Die Erfolgsgeschichte steht jetzt plötzlich in einem anderen Licht da. Paulson wird allerdings bisher von der SEC nicht beschuldigt. Für Goldman Sachs ist die Klage der SEC ein schwerer Image-Schaden. Die Investmentbank ist bisher besser als alle Konkurrenten durch die Finanzkrise gekommen. Die Goldman-Aktie verlor am Freitag bei 18 Uhr (MEZ) knapp 14 Prozent ihres Wertes und zog auch andere Finanztitel mit in den Keller. Kenneth Lench, Spezialist der SEC für strukturierte Finanzprodukte, kündigte an, dass die Ermittlungen auch gegen andere Institute weiter gehen. Besonders im Blick habe die Behörde komplexe Finanzprodukte, die zu einem Zeitpunkt vermarktet wurden, als der Häusermarkt bereits Zeichen von Panik zeigte. Neben der Firma Goldman Sachs verklagt die SEC auch den Goldman-Manager Fabrice Tourre als Hauptverantwortlichen von Abacus. Tourre habe gewusst, dass Paulson an der Auswahl der Hypotheken für das Finanzprodukt beteiligt war und dies vor den Kunden verheimlicht. Laut SEC führte er auch die Finanzfirma ACA in die Irre, die Goldman bei der Zusammenstellung komplexer Wertpapiere berät. Der Manager habe den Eindruck erweckt, als wolle Paulson in das Papier investieren, tatsächlich habe er jedoch auf dessen Preisverfall gesetzt. Paulson kaufte Kreditausfallsversicherungen (Credit Default Swaps) auf Abacus und verdiente durch deren Preisanstieg. Paulson habe Goldman am 26. April 2007 insgesamt 15 Millionen Dollar für die Strukturierung von Abacus, bis zum 29. Januar 2008 waren 99 Prozent der Hypotheken heruntergestuft worden, weil das Risiko des Zahlungsausfalls gestiegen war. Paulson verdiente gut eine Milliarde Dollar dabei, Goldman-Kunden, die 10,9 Milliarden Dollar in Abacus investiert hatten, verloren mehrere Milliarden.
Ärger mit der Börsenaufsicht: Die SEC wirft der Großbank Goldman Sachs Betrug vor - die Aktie stürzt ab.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/vorwuerfe-der-us-boersenaufsicht-goldman-sachs-unter-betrugsverdacht-1.4180
Vorwürfe der US-Börsenaufsicht - Goldman Sachs unter Betrugsverdacht
00/04/2010
Finanzhilfen für Griechenland werden immer wahrscheinlicher. "Die Vorbereitungen verlaufen zufriedenstellend", sagte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker am Freitag in Madrid. Ab Montag beraten die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds erstmals über Höhe und Konditionen. Noch nicht offiziell gefragt Juncker betonte, die Regierung in Athen habe bisher nicht offiziell um finanzielle Hilfe gebeten. "Uns liegt keine Anfrage vor", sagte er. Bevor dies nicht geschehe, werde auch kein Geld nach Griechenland fließen. Die Finanzminister der 16 Euroländer waren am Freitag in Madrid zu informellen Beratungen zusammengekommen. Am Tag zuvor hatte die griechische Regierung die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und den Internationalen Währungsfonds (IWF) schriftlich gebeten, gemeinsam einen mehrjährigen Wirtschaftsplan zu erarbeiten, der durch "finanzielle Unterstützung" begleitet werden könnte. Die amtierende EU-Ratsvorsitzende und spanische Finanzministerin Elena Salgado sagte in Madrid, die Griechen seien nun "die ersten Schritte gegangen". Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen erklärte die Euroländer im Falle möglicher Finanzhilfen für "handlungsfähig". Wenn nötig, könnte der bereits beschlossene Hilfsmechanismus durch einen einstimmigen Beschluss der Staats- und Regierungschefs der Euroländer ausgelöst werden. Am vergangenen Sonntag hatten die EU-Finanzminister dem hochverschuldeten Partner im äußersten Notfall ein dreijähriges Hilfsprogramm zugesagt, das in diesem Jahr bilaterale Darlehen von bis zu 30 Milliarden Euro vorsieht, die anteilig auf alle Euroländer verteilt werden. Deutschland müsste bis zu 8,4 Milliarden Euro Kredithilfe übernehmen. Verschuldung mehrfach nach oben korrigiert Dass der IWF jetzt erstmals detaillierten Einblick in die griechischen Staatsfinanzen bekommt, liegt offensichtlich auch am Zeitdruck. Am Mittwoch der kommenden Woche wird die europäische Statistikbehörde Eurostat die korrigierten Defizitzahlen für Griechenland veröffentlichen. Zuletzt hatte das Land seine Verschuldung mehrfach nach oben korrigieren müssen, weshalb sich die Kreditwürdigkeit des Landes dramatisch verschlechtert hatte und die Regierung in Athen immer höhere Zinsen für geliehenes Geld zahlen muss. Die Euro-Finanzminister wollten sich in Madrid nicht zu den neuen Zahlen äußern. Asmussen bestätigte jedoch, dass sie intern bekannt sind. Die Finanzminister der Euroländer einigten sich in Madrid zudem darauf, einen permanenten Krisenmechanismus einzurichten, um künftige Finanzkrisen in Euroländern zu vermeiden und hochverschuldete Länder im äußersten Notfall zu retten. "Ein solcher Mechanismus ist notwendig", sagte Jean-Claude Juncker. "Wir haben Mängel bei unserem Überwachungssystem entdeckt und in unserem Arsenal für Reaktionen. Es geht darum, diese Schwächen zu beseitigen", erklärte der Luxemburger Premier. Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn kündigte an, Mitte Mai einen entsprechenden Vorschlag vorzulegen. Seiner Ansicht nach könne ein permanenter Krisenmechanismus wie ein Hilfsfonds der Euroländer funktionieren. Mögliche Hilfe müsse jedoch mit so strengen Auflagen verbunden sein, dass diese potentielle Schuldner eher abschrecken. Wer in den Fonds einzahlen solle und welches Budget er umfassen könnte, sagte Rehn nicht. Der Kommissar räumte ein, dass außer Griechenland weitere Länder gefährdet seien. Auch für Portugal gebe es "kurzfristige Risiken". Sollte die Regierung in Lissabon diese nicht beseitigen können, müsse das Land zusätzliche Maßnahmen ergreifen, sagte Rehn. Die Pläne der Europäischen Kommission sollen eng mit denen des Europäischen Rates abgestimmt werden. Dort erarbeitet eine Task-Force unter Vorsitz von Ratspräsident Herman Van Rompuy bis Jahresende Vorschläge für die EU-Mitgliedsländer, wie diese ihre Wirtschafts- und Haushaltspolitik enger koordinieren können. Asmussen betonte, nationales Budgetrecht werde dabei "nicht angetastet". Ansonsten sei Deutschland offen für alle Vorschläge, "auch wenn dafür die EU-Verträge geändert werden müssten". Die Arbeitsgruppe tagt im Mai zum ersten Mal.
Athen ringt ums finanzielle Überleben: Die Eurozone will einen permanenten Krisenmechanismus schaffen - von dem könnten auch andere notleidende Länder profitieren.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/griechenland-rettungsfonds-finanzfeuerwehr-fuer-europa-1.14318
Griechenland: Rettungsfonds - Finanzfeuerwehr für Europa
00/04/2010
Immun gegen höhere Beiträge: Immer mehr Krankenkassen fordern Zusatzbeiträge. Finanztest zeigt, wann jetzt ein Wechsel der Krankenkasse bares Geld bringt - und wann er nicht lohnt. Zwölf Krankenkassen wollen Zusatzbeiträge. Drei Kassen zahlen dagegen Prämien. Im Extremfall macht der Unterschied für Versicherte mehr als 500 Euro im Jahr aus. Der Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen auf test.de bringt immer die aktuellen Daten. Nur für Mitglieder Gut verdienende Mitglieder der Krankenkassen BKK für Heilberufe und Gemeinsame BKK Köln (GBK) müssen jetzt für zwölf Monate bis zu 450 Euro extra zahlen - zusätzlich zum einheitlichen Beitragssatz für alle gesetzlich Krankenversicherten. Mitglieder der G&V BKK erhalten hingegen nach einem Jahr 72 Euro zurück. Der Unterschied von mehr als 500 Euro im Jahr ist möglich, seit die ersten Kassen Zusatzbeiträge erheben und andere Prämien an ihre Mitglieder ausschütten. Sowohl Zusatzbeitrag als auch Prämie gehen aber nur die Mitglieder der Kassen etwas an. Für Kinder und Ehepartner, die kostenlos mitversichert sind, ändert sich nichts. Bis zu ein Prozent des Einkommens Mitglieder der ersten Kassen zahlen bereits, bei anderen wird das Geld bald fällig. Sieben der zehn Kassen mit Zusatzbeitrag verlangen jeden Monat acht Euro. Die BKK Heilberufe und die GBK rechnen anders und fordern ein Prozent des Einkommens. So kann sich eine zusätzliche Belastung bis zur aktuellen Obergrenze von 37,50 Euro im Monat ergeben. Auch die BKK Westfalen-Lippe erhebt den Zusatzbeitrag abhängig vom Einkommen, deckelt ihn aber bei zwölf Euro im Monat. Rabatt auf den Zusatzbeitrag Kaum verlangen die Kassen Nachzahlungen, locken einige auch schon mit Rabatten, wenn die Versicherten ihnen Arbeit beim Kassieren abnehmen. So gewährt die KKH-Allianz Mitgliedern einen Nachlass von acht Prozent, wenn sie den Zusatzbeitrag zwölf Monate im Voraus abbuchen lassen. Das macht rund 7,70 Euro aus. Erteilen Mitglieder der DAK eine Einzugsermächtigung für den Extrabeitrag der nächsten zwölf Monate, müssen sie anstatt der eigentlich geforderten 96 Euro (zwölf mal acht Euro) nur 93 Euro zahlen. Statt des Preisnachlasses können die Versicherten auch eine Auslandsreisekranken-Versicherung der HanseMerkur für ein Jahr kostenlos bekommen. Zahlen die Mitglieder hingegen regelmäßig per Dauerauftrag, gibt es weder den Preisnachlass noch die Extrapolice. Keine Verpflichtungen Mit einer Vorauszahlung an die Kasse verpflichten sich die Mitglieder zu nichts. Sie können weiterhin kündigen: "Dann bekommen sie den vorab gezahlten Zusatzbeitrag anteilig zurück", bestätigt Jörg Bodanowitz, Pressesprecher der DAK. Der Schutz der Zusatzpolice endet dann aber auch. Kompliziertere Abrechnung Auch andere Kassen wie die BKK für Heilberufe bieten Rabatt. Ihre Mitglieder zahlen den Zusatzbeitrag nur für elf anstatt zwölf Monate, wenn sie ihn vorab komplett für ein Jahr entrichten oder der Kasse eine Einzugsermächtigung erteilen. Die Abrechnung ist trotzdem komplizierter als etwa bei der DAK, da die BKK für Heilberufe als eine von bisher drei Kassen einkommensabhängige Beiträge erhebt. Einkommen für 2010 steht noch nicht fest Da das Einkommen für 2010 noch nicht feststeht, wird der Zusatzbeitrag der Mitglieder zunächst aus dem jüngsten Einkommensnachweis ermittelt. Die endgültige Abrechnung erfolgt, wenn das Einkommen für 2010 feststeht. Hat es sich gegenüber dem Vorjahr verändert, können Mitglieder Geld zurückbekommen oder sie müssen sogar noch nachzahlen. Wissen Kassenmitglieder bereits, dass ihr Einkommen dieses Jahr zum Beispiel aufgrund von Arbeitslosigkeit gesunken ist, können sie das bei der Kasse melden und gleich verlangen, dass der Zusatzbeitrag für sie niedriger ausfällt.
Immun gegen höhere Beiträge: Immer mehr Krankenkassen fordern Zusatzbeiträge. Finanztest zeigt, wann jetzt ein Wechsel der Krankenkasse bares Geld bringt - und wann er nicht lohnt.
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Zusatzbeiträge für Krankenkassen - Satte 500 Euro sparen
00/04/2010
Im Mai werden zahlreiche Strom- und Gasanbieter die Preise erhöhen. Für viele Verbraucher lohnt sich ein Wechsel des Anbieters. Worauf dabei geachtet werden muss - ein Überblick. Die Preise klettern nicht nur bei Benzin und Heizöl. Verbraucher müssen auch bei Strom und Gas in den kommenden Monaten mit weiter steigenden Kosten rechnen. Nach Angaben des Vergleichsportals Check24.de wollen allein im April oder Mai bundesweit 77 Strom- und 37 Gasversorger die Preise erhöhen. Im Durchschnitt werden die Versorger sechs Prozent teurer. So muss zum Beispiel eine Familie im baden-württembergischen Heidenheim, die Kunde der örtlichen Stadtwerke ist und 5000 Kilowattstunden Strom im Jahr verbraucht, von April an 74,97 Euro im Jahr mehr zahlen; damit steigt der Preis um 6,57 Prozent. Auch beim Gas kassieren einige Versorger mehr von den Kunden: In Karlsruhe zum Beispiel muss eine Familie, die 20.000 Kilowattstunden Gas im Jahr bezieht, von April an 142,80 Euro mehr im Jahr bezahlen - eine Preiserhöhung um 11,74 Prozent. Die Energieversorger begründen die Preiserhöhungen mit gestiegenen Netzentgelten, die sie bezahlen müssen, wenn sie ihren Strom durch die Netze fremder Konzerne zum Kunden leiten möchten. Zudem würden die hohen Beschaffungskosten, also höhere Ausgaben etwa für Erdgas, Öl oder Kohle, sie dazu zwingen, die Preise anzuheben. Versorger sparen ein, Kunden zahlen drauf Solche Argumente kann Günter Hörmann von der Verbraucherzentrale Hamburg allerdings nicht akzeptieren: "Die Versorger begründen steigende Preise immer gleich", sagt er. "Tatsächlich aber können die Kunden nicht nachvollziehen, wie die Preise überhaupt zustande kommen." So seien die Netzentgelte nur in einigen Bundesländern gestiegen. Im Durchschnitt hätten die Unternehmen sogar von gesunkenen Netzentgelten profitiert, sagt Hörmann. Diese eingesparten Kosten hätten sie aber nicht an die Verbraucher weitergegeben, sondern vielmehr damit ihre Gewinne gesteigert. Um den Druck auf die Energieversorger zu erhöhen, sollten Verbraucher über einen Wechsel des Anbieters nachdenken, rät Energie-Expertin Mechthild Himmelreich von der Verbraucherzentrale Bremen. "Ein solcher Wechsel lohnt sich auch finanziell."
Im Mai werden zahlreiche Strom- und Gasanbieter die Preise erhöhen. Für viele Verbraucher lohnt sich ein Wechsel des Anbieters. Worauf dabei geachtet werden muss - ein Überblick.
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Energieanbieter: Preiserhöhungen - Schluss mit der Abzocke
00/04/2010
Die Investmentbank Goldman schien gut durch die Krise gekommen zu sein. Doch zumindest bei einem Fonds ist offenbar alles schiefgelaufen. Probleme hatten immer nur die anderen. Während US-Banken wie Citigroup und Morgan Stanley in der Finanzkrise desaströse Geschäftsergebnisse einfuhren, kam der Konkurrent Goldman Sachs vergleichbar glimpflich durch den Finanz-Tsunami. Zuletzt scheffelte das Institut wieder Milliardengewinne. Nun legt sich doch ein Schatten über die mächtige Bank. Denn ein Immobilienfonds von Goldman Sachs hat offenbar fast sein ganzes Vermögen von 1,8 Milliarden Dollar verloren. Davon ist nun wohl nichts mehr übrig. Der Wert des Fonds Whitehall Street International habe Ende des Jahres nur noch 30 Millionen Dollar betragen - ein Minus von mehr als 98 Prozent, schreibt die Financial Times. Schuld daran seien Fehlinvestitionen in den USA, Deutschland und Japan. Whitehall ist auch an der Berliner Wohnungsbaugesellschaft GSW beteiligt, die bis Ende Juni an die Börse gehen will. Die Bank selbst schweigt zu dem Bericht. Ein Goldman-Sprecher wollte den Fall nicht kommentieren. Als größter Anteilseigner habe die US-Bank 436 Millionen Dollar in den Whitehall-Fonds investiert gehabt, heißt es in dem Bericht der Financial Times. Davon dürfte nun nicht mehr allzuviel übrig sein. Goldman ist mit seinen Sorgen nicht allein. Anfang der Woche war bekanntgeworden, dass ein 8,8 Milliarden Dollar schwerer Immobilienfonds von Morgan Stanley möglicherweise zwei Drittel seines Werts eingebüßt hatte.
Die Investmentbank Goldman schien gut durch die Krise gekommen zu sein. Doch zumindest bei einem Fonds ist offenbar alles schiefgelaufen.
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Immobilienfonds - Goldman und ein hässlicher Verlust
00/04/2010
Schauspieler Clemens Schick über Gagen bei James-Bond-Filmen, seinen ersten Bankkredit und warum er nach acht Monaten aus einem Schweigeorden weggeschickt wurde. Das Leben von Clemens Schick verläuft in Kurven und auf Umwegen. Er ging an die Schauspielschule, dann flüchtete er vor den als egozentrisch empfundenen Kollegen ins Schweigekloster. Als Jung-Schauspieler verdiente er wenig, heute bekommt der 38-Jährige etwa in einem James-Bond-Film Tausende Euro - verzichtete aber voriges Jahr weitgehend auf Gagen, um in Kunstfilmen mitzuspielen. Höchste Zeit für ein Gespräch über Besitz, Glück und Ziele im Berliner Café Einstein. SZ: Herr Schick, reden wir über Geld. Sie drehen gerade im thailändischen Dschungel einen teuren Actionfilm mit Ulrich Tukur und Sharon Stone... Clemens Schick: Ja, ich spiele dort einen serbischen Auftragskiller. SZ: Jetzt sind Sie kurz in Berlin. Ist das ein Kulturschock? Schick: Vielleicht klimatisch. In Thailand ist es sehr heiß. Wir drehen an der Grenze zu Birma. In wunderschöner Natur, in totaler Einsamkeit im Dschungel, die Hotelanlage hat keine Fernseher, kein Telefon, nichts. Ich bin dort sehr glücklich. SZ: Warum? Schick: Weil ich in der Natur bin. Alleine bin ich dort noch glücklicher. Natur ist meist geschmackvoll und selten zu laut. Das gefällt mir. Absurderweise drehen wir genau dort Krieg und Zerstörung, und ich bin der Böse. So verdiene ich gerade mein Geld (lacht). SZ: Als serbischer Killer in der Idylle. Schon wieder sind Sie ein Böser, wie im James-Bond-Film Casino Royale. Schick: Letztes Jahr habe ich drei Filme gedreht, und meine Rollen waren sehr friedlich. Aber mir ist diese Kategorisierung auch egal. Ich denke so nicht als Schauspieler. Viel wichtiger ist, herauszufinden, wo die Sehnsüchte der Rolle sind, warum die Figur tötet und dabei anders empfindet, als unsere Moral es vorschreibt. Außerdem liebe ich Action. SZ: Machen Sie die Stunts selbst? Schick: Ja, am liebsten mache ich alles selber. Da erhebt dann aber oft die Versicherung Einspruch. Nächsten Monat bekomme ich Training im Fallschirmspringen, weil wir einen Kampf in der Luft drehen. Das ist doch unglaublich. Ich bin jetzt schon aufgeregt vor Freude. SZ: Sie suchen Ihre Grenzen? Schick: Ich gehe sehr gerne sehr weit. In vielen Bereichen, im Beruf wie privat. SZ: Ihr Berufsleben begann ziemlich ungerade, oder? Schick: Finden Sie? Ich wollte erst an die Schauspielschule Ernst Busch in Berlin. Die lehnten mich aber ab. Da habe ich mir ein Sixpack gekauft, um mich zu betrinken. Nach dem vierten Bier merkte ich: Das ist alkoholfrei (lacht). Ich studierte dann in Ulm Schauspiel, aber das war mir alles zu selbstbezogen, die Leute zu narzisstisch. Ich wollte mehr vom Leben. Ich hörte von einem Kloster in Frankreich, in dem man schweigen kann. Dort bin ich hin und wusste sofort, dass ich angekommen bin: Menschen, die ohne Eigennutz leben, die sich Gott und Jesus Christus hingeben. Das hat mich begeistert. Die Mönche dort haben mir aber vom ersten Tag an gesagt, dass sie nicht an meine Berufung glauben.
Schauspieler Clemens Schick über Gagen bei James-Bond-Filmen, seinen ersten Bankkredit und warum er nach acht Monaten aus einem Schweigeorden weggeschickt wurde.
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"Reden wir über Geld: Clemens Schick - ""Hier bin ich, Halleluja!"""
00/04/2010
Millionenverschwendung: Der Rechnungshof moniert den laxen Umgang mit Steuergeldern. Als Beispiele nennen die Prüfer unnötige Bauprojekte, überzogene Abfindungen - und Sozialleistungen. Der Umgang der öffentlichen Hand mit Steuer- und Beitragsgeldern ärgert den Bundesrechnungshof (BRH). In einem erstmals vorgelegten Zusatz-Prüfbericht kritisieren die Prüfer die Verschleuderung von Mitteln in 15 Fällen. BRH-Präsident Dieter Engels betonte, eine konsequente Korrektur von Fehlentwicklungen sei dringend geboten. "Angesichts der historischen Neuverschuldung gewinnt jede Einsparung und jede Effizienzsteigerung beim Bund an Bedeutung für die Handlungsfähigkeit des Staates." Im Mittelpunkt der Kritik stehen fehlendes Kostenbewusstsein in der Verwaltung und auch mangelhafte Kontrolle. Insgesamt summieren sich die aufgelisteten Mängel zu Ausfällen in hoher zweistelliger Millionen-Zahl. Besonders deutlich rügen die Prüfer die unangemessen hohen Abfindungen für Krankenkassen-Vorstände. So seien in drei Fällen zweifelhafte Abfindungsverträge abgeschlossen worden, die zur unnötigen Ausgabe von 1,6 Millionen Euro aus Versichertengeldern geführt hätten. Schon im letzten Jahresbericht vom Dezember 2009 sei festgestellt worden, dass die Vergütungen der Vorstandschefs großer Krankenkassen in 90 Prozent der Fälle überhöht seien, sagte ein Sprecher. Die nun neu aufgedeckten Missstände müssten endlich dazu führen, dass alle Verträge für Kassen-Vorstände künftig behördlich geprüft werden. Fehlendes Kostenbewusstsein "Das prangern wir an, ein solches Vorgehen gerade in Zeiten finanzieller Probleme bei den Kassen ist nicht legitimierbar", sagte der Behördensprecher weiter. Lesen Sie auf den nächsten Seiten weitere Fälle von Geldverschwendung, die der Bundesrechnungshof anprangert:
Millionenverschwendung: Der Rechnungshof moniert den laxen Umgang mit Steuergeldern. Als Beispiele nennen die Prüfer unnötige Bauprojekte, überzogene Abfindungen - und Sozialleistungen.
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Kritik des Rechnungshofs - Prassen auf unsere Kosten
00/04/2010
Der Bonus-Taler mutet wie ein harmloses Marketinginstrument an, doch juristisch ist seine Gültigkeit knifflig: Der BGH muss über die umstrittene Ersatzwährung einer Apotheke verhandeln. Vier Jahrhunderte währte die große Geschichte des Talers, aber das ist lange her. Im badischen Offenburg hat die traditionsreiche Münze nun eine Renaissance als Marketinginstrument erlebt: Beim Bäcker kann man damit bezahlen, ebenso beim Mittagstisch. Auch am Zeitungskiosk oder in der Eisdiele gilt er als Zahlungsmittel, und die Shell-Tankstelle wirbt offensiv: "Ihre Taler sind bares Geld wert." Der Douglas-Taler, Erfindung des inzwischen in den Ruhestand gegangenen Apotheker-Ehepaars Hermann und Ingeborg Douglas, habe sich in Offenburg zur lokalen Ersatzwährung entwickelt, hieß es in der Regionalpresse - nur halb im Scherz. Ist damit womöglich bald Schluss? Am Donnerstag hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe über den Douglas-Taler und eine ganze Reihe ähnlicher Bonus-Systeme verhandelt; geklagt hat unter anderem die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs. Merkwürdig unzeitgemäß mutet die Frage an, der sich die Richter widmen - in einer Welt voller aggressiver Marketingstrategien: Darf eine Apotheke ihre Kunden mit Bonus-Systemen an sich binden? Rabatte verboten - eigentlich Juristisch ist die Sache freilich kompliziert. Denn die sternbesetzten Douglas-Taler im Wert von 50 Cent - ebenso wie ihre bundesweit zu findenden Pendants - werden den Kunden als Dreingabe auf die Einlösung rezeptpflichtiger Medikamente gewährt. Für solche Arzneimittel ist aber ein "einheitlicher Apothekenabgabepreis" vorgeschrieben, ähnlich wie bei der Buchpreisbindung. Rabatte oder Vergünstigungen sind damit verboten - eigentlich. Doch die Oberlandesgerichte der Republik haben den Gesetzeswortlaut unterschiedlich ausgelegt: Rostock, Naumburg und Bamberg gaben sich liberal, Frankfurt, Karlsruhe und Hamburg setzten aufs Verbot. Möglicherweise wird sich der BGH-Wettbewerbssenat der liberalen Linie anschließen. Weil in einer Marktwirtschaft die Preisbindung nun mal die Ausnahme sei, könnte dies auch bei den Apotheken für die Zulassung "eines gewissen Wettbewerbs in Randbereichen" sprechen, sagte der Senatsvorsitzende Joachim Bornkamm - zumal die Taler nicht direkt für den Medikamentenkauf verwertbar sind. Wie auch immer das erst in einigen Monaten erwartete Urteil ausfällt: Es sollte auch für ausländische Versandapotheken gelten, meint Morton Douglas, Sohn des Offenburger Apotheker-Paares und Anwalt in einer renommierten Kanzlei für Wettbewerbsrecht. Wenn schon Beschränkungen, dann für alle Im Namen einer Darmstädter Apotheke - die ihrerseits Bonus-Taler einsetzt - hat er eine holländische Versandapotheke verklagt, die bis zu drei Prozent Rabatt auf Medikamente gewährt. Wenn schon Beschränkungen, dann für alle, lautet sein Ziel. Bornkamm zeigte sich durchaus gewillt, das deutsche Preisbindungssystem auch für ausländische Anbieter gelten zu lassen. Allerdings hat das Bundessozialgericht vor zwei Jahren das genaue Gegenteil entschieden. Die Gerichtshöfe müssen den Dissens also zunächst ausräumen oder den gemeinsamen Senat der obersten Bundesgerichte anrufen. Denn der Karlsruher Prozess spielt vor dem Hintergrund eines Wettbewerbs unter Apotheken, der mit der Zulassung des Versandhandels und der Preisfreigabe für nicht rezeptpflichtige Medikamente im Jahr 2004 schärfer geworden ist. Drogerien drängen in den Markt, Versandapotheken boomen. Bonus-Taler wirken da eher harmlos. Die Offenburger Douglas-Taler konnte man übrigens sogar spenden, 10.000 Euro kamen zusammen für eine Schule im Senegal. Sie heißt jetzt Hermann-Douglas-Schule.
Der Bonus-Taler mutet wie ein harmloses Marketinginstrument an, doch juristisch ist seine Gültigkeit knifflig: Der BGH muss über die umstrittene Ersatzwährung einer Apotheke verhandeln.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/lokale-ersatzwaehrung-die-renaissance-des-talers-1.3748
Lokale Ersatzwährung - Die Renaissance des Talers
00/04/2010
Trotz aller Hilfsangebote Europas für Griechenland nimmt die Nervosität der Finanzmärkte wieder zu. Nachdem die Euro-Staaten am Sonntag Kredite von bis zu 30 Milliarden Euro für das hochverschuldete Land versprochen hatten, waren die Kurse griechischer Staatsanleihen gestiegen. Inzwischen kehrt sich dieser Trend wieder um. Am Donnerstag fielen die Notierungen zeitweise so stark, dass die Rendite der zehnjährigen Staatspapiere von 7 Prozent auf ein Niveau von 7,4 Prozent anzog. Damit hatten die Kreditkosten für die Regierung fast wieder die Höhe erreicht, die sie vergangene Woche vor dem Eingreifen der Euro-Finanzminister hatte. Erst am Nachmittag beruhigten sich die Werte. Wenn Griechenland knapp siebeneinhalb Prozent auf neue Schuldenpapiere zahlen muss, ist das mehr, als für Entwicklungsländer wie Panama oder Nigeria fällig ist. Die Kreditkosten für Deutschland betragen nur gut drei Prozent. Das mit weit über 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldete Griechenland muss dieses Jahr etwa 30 Milliarden Euro frisches Geld auftreiben. Als vergangene Woche an den Finanzmärkten Panik herrschte, gab es bereits Befürchtungen, Athen bekomme von privaten Kapitalgebern kaum noch Mittel. Die Euro-Staaten entschlossen sich daraufhin, ihre geplante Hilfe zu präzisieren. Demnach kann Griechenland 2010 mit Krediten von bis zu 30 Milliarden Euro von den Euro-Nachbarn und mit bis zu 15 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF) rechnen. Beides zu Zinsen, die weit unterm Marktniveau rechnen. Doch auch dieses Signal verfehlt nun offenbar teilweise seine Wirkung. Laute Kritik an Rettungsaktion In Deutschland wächst unterdessen die Kritik an einer Rettungsaktion der Euro-Länder. Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute sprachen sich dafür aus, den IWF bei der Lösung der Griechenland-Krise und der Finanzprobleme einzelner EU-Staaten die Regie zu überlassen. "Er kann glaubwürdiger als eine EU-Einrichtung drohen, dass Finanzhilfen bei Nichtbefolgung von Auflagen nicht erfolgen und verfügt über große Erfahrung bei der Organisation von Rettungsprogrammen für Staaten", heißt es in dem Frühjahrsgutachten der Ökonomen, die die Bundesregierung beraten. Griechenland dürfe nicht "ohne Bedingungen" geholfen werden. Vielmehr seien die Hilfsmaßnahmen so zu gestalten, dass sie "Reformprozesse in dem betreffenden Land unterstützen". Nur so lasse sich ein Vertrauensverlust des gesamten Euroraums verhindern.
Das Rettungspaket für Athen ist geschnürt, doch jetzt steigt die Nervosität der Finanzmärkte - und die Kritik an einer teuren Rettung wächst.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/griechenland-finanzmisere-das-grosse-zittern-1.16545
Griechenland: Finanzmisere - Das große Zittern
00/04/2010
Der EU-Gerichtshof entscheidet gegen Versandhäuser: Zustellkosten sind illegal, wenn die Ware anschließend zurückgeht. Der Kunde muss allenfalls für die Rücksendung bezahlen. Und: Insideralarm an der Wall-Street. Ein Paket über den Versandhandel bestellt, aber der Inhalt gefällt nicht? Wer von einem Geschäft im Versandhandel zurücktritt, braucht nicht für die Zustellung zu zahlen. Allenfalls müssen die Kosten für die Rücksendung des bestellten Artikels getragen werden. Dies hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg am Donnerstag im Streit zwischen einem deutschen Versandhändler und der nordrhein-westfälischen Verbraucherzentrale entschieden. Für den deutschen Versandhandel kam das Urteil nicht überraschend. Die Fernabsatzrichtlinie der EU von 1997 verbietet laut EuGH, dass ein Verbraucher die Zusendungskosten tragen muss, wenn er von einem Kaufvertrag zurücktritt. Ziel der Richtlinie sei, den Verbraucher nicht davon abzuhalten, sein Widerrufsrecht auszuüben. Wenn er nicht nur für die Rücksendung der Ware zahlen müsse, sondern auch die Zusendung, so stehe dies "einer ausgewogenen Risikoverteilung bei Vertragsabschlüssen im Fernabsatz entgegen" (Rechtssache C-511/08). Im vorliegenden Fall ging es um einen pauschalen Versandkostenanteil von 4,95 Euro, den das Unternehmen nicht erstatten wollte. Der EuGH war vom Bundesgerichtshof (BGH) angerufen worden. Der Deutsche Versandhandel sieht sich nach dem EUGH-Urteil in einer paradoxen Situation. Deutsche Konsumenten dürften nämlich anders als die meisten Europäer bislang nicht für Rücksendekosten herangezogen werden. Ausnahmen gebe es bei Warensendungen mit einem Wert von bis zu 40 Euro, um einen Missbrauch des Retourenrechts zu verhindern. Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) verlangte daher die Anpassung des deutschen Rechts an die EU-Vorgaben. "Das EuGH-Urteil kommt nicht überraschend, denn es folgt der europäischen Fernabsatzrichtlinie in nachvollziehbarer Weise", erklärte der stellvertretende bvh-Hauptgeschäftsführer. "Allerdings gerät durch seine Auswirkungen das ausbalancierte deutsche System in Ungleichgewicht." Goldman Sachs in Insideraffäre verstrickt Die Insideraffäre um Raj Rajaratnam an der New Yorker Börse zieht nun auch die US-Investmentbank Goldman Sachs in ihren Sog. Ermittler haben nach Informationen des Wall Street Journal das Verwaltungsratsmitglied Rajat Gupta im Visier. Der gebürtige Inder steht demnach im Verdacht, zum Höhepunkt der Finanzkrise den Hedgefonds-Gründer Raj Rajaratnam mit Tipps versorgt zu haben. Rajaratnam und sein Hedgefonds Galleon stehen im Zentrum der Affäre. Die Ermittler überprüfen nach dem Bericht vom Donnerstag den Handel mit Goldman-Sachs-Aktien im Zeitraum Juni 2008 bis Oktober 2008. In dieser Zeit stürzte die Pleite des Konkurrenten Lehman Brothers die weltweiten Finanzmärkte ins Chaos. Starke Kursausschwankungen besonders bei Finanztiteln waren die Folge - eine ideale Gelegenheit für Spekulanten, Profit zu machen. Gegen Rajaratnam war Mitte Dezember 2009 Anklage erhoben worden. Er und 21 Komplizen sollen mit Hilfe der Insider-Informationen hohe zweistellige Millionengewinne eingestrichen haben. Nach Angaben des Wall Street Journal verbanden Rajaratnam und Gupta langjährige geschäftliche Beziehungen. Die Zeitung betonte jedoch, noch sei keine Anklage gegen den Goldman-Sachs-Mann erhoben worden. Mit Goldman Sachs ist erstmals eine Wall-Street-Firma in die Insideraffäre hineingezogen worden. Von dem Skandal betroffen waren bislang unter anderem der IT-Gigant IBM sowie die Chiphersteller Intel und AMD. Auch Aktien des Internet-Konzerns Google sollen illegal gehandelt worden sein. Das Handeln mit Aktien aufgrund geheimer Informationen (Insiderwissen) ist verboten, weil es andere Anleger benachteiligt. Razzia bei Sal. Oppenheim Die Deutsche-Bank-Tochter Sal. Oppenheim hat Besuch von der Kölner Staatsanwaltschaft bekommen. Die Durchsuchung mit rund 40 Beamten in Köln und Frankfurt stehe im Zusammenhang mit dem Ermittlungen gegen ehemalige Verantwortliche der Privatbank wegen des Verdachts der Untreue, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Ein Sprecher der Bank betonte, die Ermittlungen richteten sich nicht gegen die Bank selbst oder Kunden. Sal. Oppenheim habe alle angeforderten Unterlagen zu Geschäftsvorgängen freiwillig zur Verfügung gestellt und arbeite voll mit den Behörden zusammen, damit die Untersuchungen rasch abgeschlossen werden könnten. In dem Verfahren geht es um die Vergabe von Krediten an die ehemalige Führung von Sal. Oppenheim zu günstigen Konditionen und ohne ausreichende Sicherheiten. Die Staatsanwaltschaft nennt keine Namen von Beschuldigten, Finanz- und Justizkreisen zufolge sind aber Geschäftsführer aus der Zeit vor dem Verkauf an die Deutsche Bank betroffen. Auf Untreue stehen bis zu fünf Jahre Haft oder Geldstrafen. Das mehr als 220 Jahre alte Geldhaus war nach der Pleite des Handelskonzerns Arcandor in eine Schieflage geraten. Die 40 Gesellschafter waren nicht mehr in der Lage, das Institut zu stützen. Daher mussten sie die Eigenständigkeit opfern und Sal. Oppenheim für rund eine Milliarde Euro an die Deutsche Bank verkaufen. Die früheren Geschäftsführer traten auf Druck der BaFin ab. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte die Kreditvergabe an einige Gesellschafter als "fragwürdig" kritisiert und den Bankern mit dem Entzug der Banklizenz gedroht.
Der EU-Gerichtshof entscheidet gegen Versandhäuser: Zustellkosten sind illegal, wenn die Ware anschließend zurückgeht. Der Kunde muss allenfalls für die Rücksendung bezahlen. Und: Insideralarm an der Wall-Street.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/finanzen-kompakt-bei-nichtgefallen-frei-haus-1.17551
Finanzen kompakt - Bei Nichtgefallen frei Haus
00/04/2010
Warum nur die ganze Empörung über die Griechenland-Hilfe? Ein solches Verhalten ist ärgerlich, denn auch Deutschland wird am Ende profitieren. Der deutsche Steuerzahler hat Angst, dass sein Geld in Griechenland verlorengehen könnte. Im populären Furor wird unterstellt, dass der einst als lässig und lebensfroh geltende, aber seit einigen Monaten als faul verschriene Grieche seinen ohnehin sonnigen Lebensabend mit deutschem Steuergeld finanzieren könnte, oder dass die öffentlich Bediensteten weiter üppige Gehälter erhalten, finanziert von den vielen Milliarden Euro, die die Bundesregierung bald an die Regierung in Athen überweisen wird. Der Bund der Steuerzahler regt sich auf. Und überall im Lande sind sich Politiker, egal ob auf der Regierungsbank oder in der Opposition, nicht zu schade, die Ressentiments fleißig zu bedienen. Sie ignorieren dabei nicht nur, dass die Realität mit den Klischees wenig zu tun hat. Viel schlimmer ist, dass die deutsche Politik bisher versagt bei der Aufgabe, die Bundesbürger sachlich zu informieren. Nicht einer aus der Regierungsspitze erklärt ruhig und ausführlich, wie es wirklich steht um das hochverschuldete Griechenland, um die gemeinsame Währung, um die Verantwortung Deutschlands in der Gemeinschaft und um deutsche Interessen. Das Schweigen der Regierung dröhnt mittlerweile so unüberhörbar laut durch Europa, dass sich der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker genötigt sah, die aufklärerische Aufgabe zu übernehmen und wie ein Kanzler zu werben. Juncker sprach aus, was Angela Merkel bisher verschwieg. Kurz und bündig erklärte er im Radio, dass kein europäischer Steuerzahler, und schon gar kein deutscher, Angst um sein Geld haben müsse. Für den Fall, dass die Regierung in Athen überhaupt um Geld bitte, erhalte Griechenland Darlehen, die ganz normal mit Zinsen zurückgezahlt werden müssen. Das Verfahren kennt jeder, der schon mal eine Wohnung gekauft oder ein Haus gebaut hat. Die Bundesregierung dürfte an einem solchen Kredit sogar verdienen, da sie das Geld am Markt zu weit besseren Konditionen aufnehmen kann, als sie es dann an Athen weiterverleihen würde. Zudem ist es keineswegs so, dass nur die Deutschen Geld leihen könnten. Nein, alle Länder mit der gemeinsamen Währung werden helfen, die Last wird nach einem fairen Schlüssel verteilt. Frankreich, Italien und Spanien werden im Notfall ebenfalls viele Milliarden Euro überweisen, obwohl deren Unternehmen bedeutend heftiger unter der Krise leiden, obwohl dort viel mehr Menschen ihren Job verloren haben, obwohl sie das Geld am Markt zu schlechteren Konditionen aufnehmen müssen. Und warum erklärt die Bundesregierung nicht endlich, dass sie keineswegs selbstlos an Finanzhilfen denkt? Deutsche Kredite für Griechenland helfen auch der deutschen Wirtschaft. Griechenland ist für hiesige Unternehmen ein wichtiger Markt. Die Hellenen kaufen ebenso gerne deutsche Waren ein wie Bundesbürger auf den Inseln Urlaub machen. Kein Geld, kein Geschäft - so einfach ist die Wahrheit. Nicht zu vergessen sind die Interessen deutscher Banken. Vor allem Landesbanken haben kräftig in griechische Papiere investiert, insgesamt sollen es 30 Milliarden Euro sein. Würden diese Papiere plötzlich wertlos, stünden die gerade vor Jahresfrist mit vielen Milliarden Steuergeld geretteten Institute wieder am Abgrund. Niemand schließt aus, dass sie erneut staatlich gestützt werden müssten. Es ist gefährlich, dass die Politik dem populistischen Geplapper zu Hause nicht entschieden widerspricht. Einige europäische Staaten schauen bereits irritiert auf das große Deutschland in ihrer Nachbarschaft, dessen Bürger so gut leben, dessen Unternehmen so viel exportieren und wo dennoch das Geschrei ums Geld am größten ist. Sie wundern sich, dass die Kanzlerin zwar die Märkte zu beruhigen versucht, nicht aber ihre eigenen Bürger. Höchste Zeit, dass Merkel den Steuerzahlern ihre falsche Angst nimmt.
Warum nur die ganze Empörung über die Griechenland-Hilfe? Ein solches Verhalten ist ärgerlich, denn auch Deutschland wird am Ende profitieren.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/europa-unterstuetzt-griechenland-viel-furor-viel-unwissen-1.2478
Europa unterstützt Griechenland - Viel Furor, viel Unwissen
00/04/2010
Der Auftragsboom katapultiert die Infineon-Aktie an die Spitze des Dax. Ob sie dort bleibt, ist eine andere Frage. Immer höher und höher hangelt sie sich: Die Aktie des Halbleiterherstellers Infineon ist der eindeutige Dax-Gewinner der letzten zwölf Monate. Der Kurs hat sich in diesem Zeitraum fast vervierfacht. Dabei stand das Unternehmen zuletzt vor einem Trümmerhaufen: keine Aufträge, keine liquiden Mittel, die Banken verweigerten Geld für die Refinanzierung. Die seit Januar 2009 insolvente Speicherchiptochter Qimonda ließ das Eigenkapital des Mutterkonzerns schrumpfen und drohte, ihn gleich mit in den Abgrund zu reißen. Die Aktie von Infineon stürzte auf 39 Cent und flog aus dem Börsenleitindex Dax. Die Halbleiterindustrie, die Chips für Mobiltelefone, Computer oder Autos produziert, ist ein stark konjunkturanfälliges Geschäft: Die Branche ist extrem abhängig von der Kauflaune der Verbraucher. Im Krisenjahr 2009 kauften viele weniger ein - Infineon musste darum schnellstmöglich umdenken. Zurück auf dem Wachstumspfad Unter der Leitung von Vorstandschef Peter Bauer wurde das Unternehmen, das bis 1999 zu Siemens gehörte, neu ausgerichtet. Infineon verkaufte sein Geschäft mit drahtgebundener Kommunikation, also etwa Internet-Breitbandzugängen, und baute Stellen ab. Außerdem brachte die Firma eine 700-Millionen-Euro-Kapitalerhöhung durch und kaufte eigene Anleihen zu günstigen Preisen zurück. Dank dieser Anstrengungen und der sich erholenden Nachfrage kam das Unternehmen wieder auf den Wachstumspfad. Im Herbst kletterte die Aktie auf vier Euro und stieg aus dem TecDax zurück in den Leitindex auf. Im vorletzten Quartal schrieb Infineon in allen vier Sparten - Industrie, Auto, Mobilfunk sowie Chipkarten und Sicherheit - schwarze Zahlen. Angesichts des Auftragsbooms in der Halbleiterbranche schraubte Infineon die Prognose für das jüngst abgelaufene Geschäftsquartal vor wenigen Tagen sogar noch weiter nach oben: Der Umsatz von Januar bis März dürfte zehn Prozent über dem des Vorquartals und damit bei mehr als einer Milliarde Euro liegen. Für das laufende Geschäftsjahr, das im September endet, rechnet Firmenchef Bauer mit einem Umsatzanstieg von 20 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Infineon-Chips wohl auch im iPad Wenn die Zahlen stimmen, sind auch die Analysten gut aufgelegt. Günther Hollfelder von der Unicredit empfiehlt den Anlegern Infineon-Aktien zu kaufen: "Auf den entscheidenden Endmärkten, Auto und Handy, sieht es gut aus für den Chiphersteller." Hat sich der Automarkt wirklich so stark erholt? Oder profitiert die Chipfirma noch von der Abwrackprämie? "Für Infineon ist es nicht so wichtig, dass insgesamt viele Autos verkauft werden, sondern vor allem diejenigen Typen mit einem hohen Elektronikanteil wie die gut ausgestatteten und teuren Modelle von Audi, BMW oder Mercedes. Und diese laufen zurzeit gut auf dem Markt", erklärt Analyst Hollfelder. Auch in der Handysparte profitiere Infineon von den zunehmenden Signalen, dass der Computerhersteller Apple in seinem iPhone weiterhin und demnächst auch im iPad die UMTS-Chips von Infineon verwendet. Infineon selbst gibt keine Auskunft, ob Apple auf seiner Abnehmerliste steht, in Branchenkreisen gilt dies jedoch als offenes Geheimnis.
Der Auftragsboom katapultiert die Infineon-Aktie an die Spitze des Dax. Ob sie dort bleibt, ist eine andere Frage.
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Eine Aktie wie ein Wurfgeschoss
00/04/2010
Abrechnungsbetrug im großen Stil: Apotheker sollen sich Wirkstoffe für Krebsmedikamente günstig im Ausland beschafft, dann jedoch die höheren deutschen Sätze berechnet haben. Der Schaden geht in die Millionenhöhe. Wenn Apotheker individuell Medikamente zusammenmischen, brauchen sie dafür die entsprechenden Wirkstoffe. Die sind im Ausland oft günstiger zu haben als in Deutschland. Etliche Apotheker sollen sich diese Wirkstoffe daher außerhalb Deutschlands besorgt haben, dann jedoch bei den Krankenkassen den in Deutschland üblichen - deutlich höheren - Preis abgerechnet haben. Es war ein lukratives Geschäft - doch es ist illegal. Inzwischen ermitteln die Staatsanwaltschaften. 60 Apotheker sollen in die Machenschaften verwickelt sein, berichtet der Sender NDR-Info. Das ist eine hohe Quote, denn nur 300 Apotheken haben in Deutschland eine Lizenz für die individuelle Zubereitung von Zytostatika. Mittlerweile gebe es bei Staatsanwaltschaften mehrere Anklagen oder sie seien in Vorbereitung, so NDR-Info: Von Augsburg über Mannheim bis ins niedersächsische Verden. Verfahren liefen auch in Braunschweig, Celle, Kiel, Mainz, Münster und Wuppertal. In Oldenburg und Hamburg seien Geldstrafen verhängt worden. Allerdings liege bislang nur ein Beweis dafür vor, dass versucht worden sei, wirkungslose Medikamente zu verkaufen. Es geht vor allem um Zellwachstums-Hemmer für Krebspatienten, die von den Apothekern selbst gemischt werden müssen, sogenannte Zytostatika. Die Masche der Apotheker sorgte somit dafür, dass weder Ärzte noch Patienten nachvollziehen konnten, woher das Medikament stammte. Bei den Krankenkassen hätten die Apotheker laut Anklage den in Deutschland üblichen Satz abgerechnet und so einen erheblich höheren Gewinn erzielt. Schaden in Millionenhöhe Aufgeflogen war die Masche laut NDR-Info, weil einem Pharma-Großhändler ein Krebsmittel aus dem Ausland zu auffällig günstigen Konditionen angeboten wurde. Bei der Überprüfung der Substanzen stellte sich heraus, dass das über die Schweiz und Dubai gelieferte Präparat völlig wirkungslos war. Der Großhändler benachrichtigte daraufhin die Krankenkassen, die Nachforschungen anstellten. Alleine die AOK Niedersachsen beziffert den Schaden nach den Angaben auf mehr zwei Millionen Euro. Auch die Techniker Krankenkasse bestätigte NDR Info entsprechende Erkenntnisse. Die Ersatzkassen rechneten mit einer Schadenssumme von mindestens zehn Millionen Euro. Bundesweit haben etwa 300 Apotheken eine Zulassung für die Zytostatika-Zubereitung. Patienten nicht richtig versorgt Der Gesundheitsökonom Gerd Glaeske von der Universität Bremen bezeichnete Abrechnungsbetrug bei NDR-Info als inakzeptabel. Noch bedenklicher sei es aber, dass möglicherweise wirkungslose Präparate vertrieben worden seien: "Wenn etwas ausgegeben wird, was nicht die richtige Dosierung hat, was nicht den richtigen Wirkstoff hat, dann ist das natürlich ein Problem für die Patientinnen und Patienten, weil sie nicht richtig versorgt werden. Und das von einem Apotheker solche Mittel in den Markt gebracht werden, das halte ich nicht nur für betrügerisch, sondern das halte ich für eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit", sagte Glaeske dem Sender. Glaeske setzte sich deshalb für stärkere Sanktionen ein - etwa den Entzug der Apotheken-Zulassung.
Abrechnungsbetrug im großen Stil: Apotheker sollen sich Wirkstoffe für Krebsmedikamente günstig im Ausland beschafft, dann jedoch die höheren deutschen Sätze berechnet haben. Der Schaden geht in die Millionenhöhe.
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Apotheker unter Betrugsverdacht - Billig kaufen, teuer verkaufen
00/04/2010
Die EU-Kommission will einen ständigen Notfallfonds schaffen, um auf Schuldenkrisen wie die in Griechenland künftig besser vorbereitet zu sein. Währungskommissar Olli Rehn kündigte am Mittwoch an, er werde dazu Mitte Mai einen konkreten Vorschlag unterbreiten. Er betonte jedoch, dass die Inanspruchnahme der Hilfe an derart harte Auflagen geknüpft werden müsse, dass der Fonds vor allem der "Abschreckung" diene. Das Sicherheitsnetz müsse so "unattraktiv" sein, dass niemand in Versuchung gerate, sich hineinfallen zu lassen, ohne selbst alles zur Überwindung der Probleme unternommen zu haben. Die Kommission geht nach eigenem Bekunden davon aus, dass der Notfallfonds ohne eine Änderung der EU-Verträge eingeführt werden könnte. Das wäre eine wichtige Voraussetzung für eine rasche Umsetzung des Plans. Zugleich will Rehn den EU-Stabilitätspakt verschärfen, der die Haushaltsdefizite in Europa begrenzt und damit die Stabilität des Euro sichern soll. Der Fall Griechenland hatte gezeigt, dass der bisherige Sanktionsmechanismus unzureichend ist. Darüber hinaus schwebt Rehn eine stärkere Überwachung der Fiskal- und Wirtschaftspolitik der Mitgliedsländer vor. "Schuss aus der Hüfte" Der Plan der Kommission geht in die gleiche Richtung wie der Vorschlag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, zur Krisenabwehr eine Art Europäischen Währungsfonds einzurichten. Rehn zeigte Sympathie für die Idee, verwies aber darauf, dass sie nur mit einer Vertragsänderung zu verwirklichen wäre. Dies jedoch hält die Kommission gegenwärtig für nicht durchsetzbar. Auch in Berlin hieß es, inhaltlich gebe es Gemeinsamkeiten zwischen Schäuble und Rehn. Bereits beim EU-Finanzministertreffen am Wochenende in Madrid werde es eine erste Diskussion geben. In Kreisen der EU-Mitgliedsländer zeigte man sich allerdings verwundert darüber, dass die Kommission nun mit einem eigenen Vorschlag vorprescht. Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten auf ihrem Frühjahrsgipfel im März Ratspräsident Herman van Rompuy mit der Bildung einer Arbeitsgruppe beauftragt, die bis zum Herbst Vorschläge zur Vermeidung von Schuldenkrisen ausarbeiten soll. In den Kreisen hieß es nun, Kommissionschef José Manuel Barroso habe es offenbar nicht verwunden, dass die Regierungschefs die Aufgabe van Rompuy und nicht ihm übertragen hätten, weshalb die Kommission nun "einen Schuss aus der Hüfte" abgefeuert habe. Mehrere prominente Euro-Kritiker kündigten derweil eine Klage gegen das EU-Hilfspaket für Griechenland an. Der Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider sagte der Süddeutschen Zeitung, er werde innerhalb der nächsten 14 Tage Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht einlegen. Schachtschneider hatte bereits 1998 zusammen mit dem früheren Zentralbankratsmitglied Wilhelm Nölling sowie den Wirtschaftsprofessoren Wilhelm Hankel und Joachim Starbatty erfolglos gegen die Einführung des Euro geklagt. Die Grünen verlangten von Schäuble einen Nachtragshaushalt, um mögliche Griechenland-Hilfen parlamentarisch abzusichern. Ein Sprecher Schäubles sagte dagegen, der Minister werde den Bundestag im Zweifel um eine "gesetzliche Ermächtigung" bitten. Martin Winter, Claus Hulverscheidt, Markus Zydra
EU-Währungskommissar Olli Rehn will Nägel mit Köpfen machen: Ein permanenter Rettungsfonds soll besseren Schutz vor Euro-Schuldensündern bieten. Wehe allerdings den Ländern, die ihn brauchen.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/griechenland-lehren-aus-dem-desaster-schutz-und-suehne-1.3334
Griechenland: Lehren aus dem Desaster - Schutz und Sühne
00/04/2010
Die Kosten für Steuerberater sind nicht voll absetzbar. Doch die Regierung verspricht, diese Regelung bald zu ändern. Steuerzahler haben Pech: Ihre Hoffnung, die Kosten für den Steuerberater schon bald wieder vollständig absetzen zu können, haben sich am Mittwoch zerschlagen. Der Bundesfinanzhof (BFH), das höchste deutsche Gericht, hat nun entschieden, das seit 2006 geltende Abzugsverbot sei rechtmäßig. Denn das Ausfüllen der Formulare sei zwar nicht leicht, aber durchaus ohne fremde Hilfe zu bewerkstelligen. In dem Fall hatte eine Frau sich dagegen gewehrt, dass sie in ihrer Einkommensteuererklärung für das Jahr 2006 nicht die gesamten Kosten für ihren Steuerberater absetzen durfte. Dieser hatte der Frau zunächst die Höhe ihrer Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit sowie aus Vermietung und Verpachtung ermittelt. Zusätzlich hatte er ihre Einkommensteuererklärung erstellt. Das Finanzamt akzeptierte jedoch nur den Teil der Beratungskosten, der für die Ermittlung von Einkünften angefallen war. Die 94,57 Euro, die der Steuerberater für das Erstellen der Einkommensteuererklärung berechnet hatte, berücksichtigte das Finanzamt nicht. Zu Recht, wie der Bundesfinanzhof jetzt entschied. Bis zum Jahr 2005 konnten Bürger die Kosten für ihren Steuerberater komplett von der Steuer absetzen, also auch die Kosten, bei denen der Fachmann zu privaten Ausgaben beraten hatte, beispielsweise zu Sonderausgaben wie etwa Arztrechnungen. Die Kosten für den Mantelbogen sind privat "Seit 2006 ist das nicht mehr möglich. Seither dürfen nur noch solche Beratungskosten angegeben werden, die im Zusammenhang mit einer bestimmten Einkunftsart angefallen sind. "Hat der Steuerberater beispielsweise zu Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit oder aus Vermietung und Verpachtung beraten, lässt sich dieser Teil seiner Kosten absetzen", sagt Ulrich Derlien, Steuerberater bei der Augsburger Kanzlei Sonntag & Partner. Die Posten werden daher in der Rechnung des Steuerberaters extra aufgeführt." In der Steuererklärung würden sie jeweils bei der zugehörigen Einkunftsart als Werbungskosten oder Betriebsausgaben angegeben. Insbesondere Freiberufler können das also weiterhin nutzen, aber auch für Arbeitnehmer sind beispielsweise die Kosten für die Berechnung von Dienstreise-Ausgaben oder einer doppelten Haushaltsführung nach wie vor abzugsfähig. Es ist nur komplizierter geworden Das Ausfüllen des so genannten Mantelbogens der Steuererklärung dagegen ist nun Privatsache. "Auch wenn der Steuerberater beispielsweise zu einer Planung der Erbschaftsteuer oder zu einer Schenkung beraten hat, sieht das Finanzamt die dafür berechneten Kosten als private an und wird die Berücksichtigung verweigern", sagt Derlien. Der Gesetzgeber hatte das Abzugsverbot unter anderem damit begründet, dass er das Recht vereinfachen und Ausnahmetatbestände abschaffen wollte. In der Praxis allerdings hat sich das als Irrweg herausgestellt. Sowohl in der Finanzverwaltung als auch bei Steuerberatern beklagt man seither den großen Aufwand, der durch die komplizierte Aufteilung der Kosten entsteht. Vorerst keine Änderungen Schwarz-Gelb hat im Koalitionsvertrag bereits angekündigt, das Abzugsverbot wieder rückgängig machen zu wollen, doch bislang ist das noch nicht geschehen. Der Bundesfinanzhof stellt nun klar, dass es dafür auch keine Eile gibt. Zumindest nicht aus rechtlichen Gründen. Zwar sei es "unbestritten, dass die Einschaltung eines Steuerberaters einem ordnungsgemäßen Ablauf des Besteuerungsverfahrens zugute kommt", heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Urteil (Aktenzeichen X R 10/08). "Daraus folgt aber nicht die verfassungsrechtliche Verpflichtung für den Gesetzgeber, den Abzug von Steuerberatungskosten zwingend als Sonderausgabe zu normieren", so die Richter weiter. Der Deutsche Steuerberaterverband forderte den Gesetzgeber auf, noch im Jahressteuergesetz 2010 "die Abzugsfähigkeit von privaten Steuerberatungskosten als Sonderausgaben wieder einzuführen". Dazu sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums: "Im Jahressteuergesetz 2010 wird das zwar noch nicht klappen, aber wir sind uns dieses Auftrags aus dem Koalitionsvertrag bewusst und werden ihn erfüllen."
Die Kosten für Steuerberater sind nicht voll absetzbar. Doch die Regierung verspricht, diese Regelung bald zu ändern.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/finanzgesetz-steuerberater-sind-privatsache-1.14354
Finanzgesetz - Steuerberater sind Privatsache
00/04/2010
Mehr verdient als erwartet: Die US-Bank JP Morgan überrascht mit einem Milliardengewinn. Außerdem: AIG verkauft Flugzeuge für zwei Milliarden Dollar. Die Bilanzsaison bei den US-Banken beginnt mit einer dicken Überraschung: Der führende Finanzkonzern JP Morgan Chase hat im ersten Quartal weit mehr verdient als erwartet. Der Gewinn lag unterm Strich bei 3,3 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte JP Morgan 2,1 Milliarden Dollar eingenommen. Bankchef Jamie Dimon zeigte sich am Mittwoch ungewohnt optimistisch: "Wir glauben, die Erholung wird anhalten." Die Aktie sprang vorbörslich um zwei Prozent nach oben. JP Morgan gehört zu den Gewinnern der Finanzkrise. In einer Zeit, in der anderen Instituten reihenweise das Geld ausging, schrieb der weit verzweigte Konzern noch solide Gewinne. Er kaufte die angeschlagene Investmentbank Bear Stearns sowie die zusammengebrochene Sparkasse Washington Mutual und stieg so zur unangefochtenen Nummer eins an der Wall Street auf. Auch jetzt war es wieder das Investmentbanking, das die Gewinne lieferte. Damit setzt JP Morgan die Maßstäbe für die anderen Institute. Am Freitag zieht die Bank of America Bilanz, in der Woche darauf folgen unter anderem die Citigroup, Goldman Sachs und Wells Fargo. Die Börsianer schauen vor allem darauf, wie sehr die Kreditausfälle die Banken belasten. Denn viele Schuldner bleiben wegen der Krise ihre Raten schuldig. Auch JP Morgan musste hier kräftig einstecken. AIG verscherbelt Flugzeuge AIG setzt seinen Ausverkauf fort: Aus dem Bestand der Flugzeug-Leasingeinheit des staatlich kontrollierten US-Versicherers wurden 53 Passagierjets für zwei Milliarden Dollar in bar veräußert, wie das Unternehmen mitteilte. Käufer ist die australische Investmentbank Macquarie, die die Wirtschaftskrise nutzt, um günstig Vermögenswerte einzusammeln. AIG hat die Flugzeuge 300 Millionen Dollar unter ihrem Buchwert abgegeben. Mit dem Deal weitet Macquarie ihr Flugzeug-Portfolio um 40 Prozent aus. Eigentlich sollte die Flugzeug-Leasingsparte des einst weltgrößten Versicherers, der in der Finanzkrise kurz vor dem Kollaps stand und mit Staatshilfen von 182 Milliarden Dollar gerettet werden musste, ganz verkauft werden. Das gelang aber nicht. AIG trennt sich seit Monaten von zahlreichen Unternehmenteilen, um die Hilfen zurückzahlen zu können. Zum Beispiel wurden die Kronjuwelen, das asiatische Versicherungsgeschäft, für mehr als 35 Milliarden Dollar an den britischen Versicherer Prudential abgegeben. Es ist die größte Transaktion in der Branche. Prudential teilte am Mittwoch mit, Rob Devey werde die Integration der übernommenen AIG-Sparte verantworten. Er war bisher für die europäischen Aktivitäten von Prudential zuständig. Britischer Premier gesteht Mitschuld an Bankenkrise Großbritanniens Premierminister Gordon Brown hat eine Mitschuld an der Bankenkrise eingestanden. In seiner Zeit als Finanzminister von 1997 bis 2007 habe er es versäumt, die Banken mit strengeren Regeln zu kontrollieren, sagte der Chef der sozialdemokratischen Labour-Partei in einem Interview mit dem Sender ITV 1. In den 90er Jahren hätten die Banken ständig nach weniger Regulierung gerufen. "Die Wahrheit ist, wir hätten sie global und national stärker regulieren sollen." Zum Höhepunkt der Wirtschaftskrise mussten mehrere britische Banken vom Staat gerettet werden. Er habe aus seinen Fehlern gelernt, sagte Brown, der derzeit mitten im Wahlkampf steckt. Am 6. Mai wird in Großbritannien ein neues Parlament gewählt. Brown, der bei öffentlichen Auftritten häufig eher steif wirkt, bezeichnete sich als schüchternen Menschen. Bei der Präsentation seiner Politik sei er nicht besonders gut. Browns konservativer Herausforderer David Cameron hat früher in der PR-Branche gearbeitet und gilt als besserer Redner. Immobilienfonds von Morgan Stanley vor Rekordverlust Ein Immobilien-Fonds der US-Großbank Morgan Stanley hat wegen misslungener Investments wahrscheinlich rund zwei Drittel des Geldes oder 5,4 Milliarden Dollar verloren. Morgan Stanley habe dies Investoren anvertraut, berichtete das Wall Street Journal, das den Angaben nach Fonds-Unterlagen durchsehen konnte. Den Quartalsberichten zufolge wurden die Verluste bereits bis Mitte 2009 abgeschrieben. Der Fonds hat dem Blatt zufolge ein Volumen von 8,8 Milliarden Dollar. Mit einem Minus von 5,4 Milliarden Dollar wäre es der Zeitung zufolge der größte je realisierte Verlust bei einem Private-Equity-Investment in Immobilien. Morgan Stanley lehnte einen Kommentar dazu ab. Das Unternehmen will am 21. April seine Bilanz für das erste Quartal vorlegen. Im Sommer hatte Morgan Stanley in Deutschland seinen offenen Immobilienfonds P2 Value um knapp 14 Prozent abgewertet und damit für erhebliche Unruhe unter Investoren gesorgt. Die Immobilienkrise hat seit 2008 zu rapide sinkenden Mieteinnahmen weltweit geführt. Viele Fondsanbieter gerieten in Liquiditätsnöte und setzten die Rücknahme von Anteilsscheinen aus. Es sind immer noch einige Fonds eingefroren.
Mehr verdient als erwartet: Die US-Bank JP Morgan überrascht mit einem Milliardengewinn. Außerdem: AIG verkauft Flugzeuge für zwei Milliarden Dollar.
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Finanzen kompakt - JP Morgan - der Maßstab für die Wall Street
00/04/2010
Gnadenlos abgebrannt: Ex-Baywatch-Star Pamela Anderson ist das Geld ausgegangen - jetzt hat sie Ärger mit den US-Finanzbehörden. Begonnen hatte alles irgendwie mit einem Zufall. Pamela Anderson saß als Zuschauerin bei einem Football-Spiel in Vancouver, nichtsahnend was da kommen könnte, und irgendein Kameramann brachte ihr Konterfei groß auf die Videoleinwand des Stadions. Der Rest ist Geschichte: Noch am gleichen Tag engagierte sie die Firma, deren T-Shirt Anderson trug, für Werbeaufnahmen; später heuerte der Playboy die Blondine als Aufmacheroptik für die Titelseite der US-Ausgabe an. Mehrfach ließ sich Anderson, Kultfigur und Sexsymbol in Personalunion, in den folgenden Jahren für das Männermagazin ablichten. Dafür kassierte sie ebenso kräftig wie für ihre Darstellung der Rettungsschwimmerin "C.J." in der US-Rettungsschwimmerstaffel Baywatch. Doch diese guten Zeiten sind lange vorbei. 1997 stieg Anderson bei Baywatch aus und wenig später ab. Schlagzeilen machte vor allem ihre turbulente Ehe mit dem Skandalrocker Tommy Lee, weniger ihr weiteres filmisches Schaffen. Drei Scheidungen später hat Anderson, inzwischen 42, jetzt auch noch massiven Ärger mit den US-Steuerbehörden. Fast eine halbe Million Dollar soll Anderson den Finanzbehörden schulden, wie aus einer kürzlich vom US-Bundesstaat Kalifornien veröffentlichten Liste hervorgeht. Bereits vor einem Jahr wurde die Schauspielerin aufgefordert zu zahlen - vergeblich. Doch Anderson kann sich trösten: Angeprangert werden 249 weitere Steuersünder, die dem Pleitestaat jeweils mehr als 100.000 Dollar schulden. Auf der Website der Schauspielerin (www.pamelaanderson.com) findet sich zum Thema Steuerskandälchen übrigens kein Hinweis, und auch Andersons Anwalt Robert Leonard gibt sich wortkarg. Ja, er vertrete Anderson in dieser Angelegenheit; nein, mehr wolle er dazu nicht sagen. Kurz und schmerzlos US-Medienberichten zufolge soll sich Anderson mit der Renovierung ihrer Malibu-Villa finanziell verhoben haben. Schon vor anderthalb Jahren plagten die Schauspielerin immense Geldsorgen: Bei einer Pokerrunde in Las Vegas soll sie rund 180.000 Euro verloren haben. Das Geldproblem von damals erledigte sich allerdings kurz und schmerzlos - Anderson knutschte zwecks Begleichung der Spielschulden mit einem Kontrahenten. Für die Finanzbehörden kommt solch ein unmoralisches Angebot allerdings nicht in Frage, Anderson wird wohl zahlen müssen. Denn auch Steuerschulden sind Ehrenschulden. Aber vielleicht hilft ihr am Ende auch wieder der Zufall.
Gnadenlos abgebrannt: Ex-Baywatch-Star Pamela Anderson ist das Geld ausgegangen - jetzt hat sie Ärger mit den US-Finanzbehörden.
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Pamela Anderson: Steuerschulden - Albtraum im Paradies
00/04/2010
Mikrokredite sollen Menschen zu einem besseren Leben verhelfen. Doch die Gier der Banken gefährdet das Modell. Nobelpreisträger Yunus ist empört. Lange hatte der Ökonom Muhammad Yunus experimentiert, bis er ein Modell gefunden hatte, was taugte: Einen Weg, wie Armen mit Kleinstkrediten ein besseres Leben ermöglicht werden konnte. Umgesetzt wurde das Mikrofinanzmodell zunächst über die von ihm gegründete Grameen Bank, und zwar so erfolgreich, dass er dafür im Jahr 2006 den Friedensnobelpreis bekam. Mittlerweile sind in vielen Ländern Mikrokredite zu haben, auch in Deutschland. Sie werden von Banken und Entwicklungshilfe-Organisationen angeboten. Doch der Erfolg macht dem Modell schwer zu schaffen: Längst verdienen Banken mit Kleinstdarlehen das große Geld. Der Markt hat schon ein Volumen von 60 Milliarden Dollar erreicht. Doch die privaten Kreditinstitute fördern meist nicht - ihnen geht es um Rendite. Zinssätze von mehr als 100 Prozent seien durchaus üblich, berichtet die New York Times. Das sorgt für Verbitterung: "Wir haben Mikrokredite geschaffen, um Kredithaie zu bekämpfen. Wir haben sie nicht geschaffen, um neue heranzuzüchten", wetterte dem Blatt zufolge Yunus unlängst auf einem Treffen mit Finanzfachleuten bei den Vereinten Nationen. Mikrokredite sollten Menschen aus der Armut helfen, nicht aber eine Möglichkeit bieten, aus der Armut Profit zu schlagen. Angesichts der wachsenden Kritik an dem Mikrokredit-Modell forderte Yunus im März auf einer Konferenz in seiner Heimat Bangladesch, dass die Zinssätze vereinheitlicht werden sollten. "Oft sagten die Leute nur, dass die Zinssätze hoch seien, sie wissen aber nicht, wo die Sätze tatsächlich liegen", schreibt Yunus auf seiner Webseite. Sorge vor der nächsten Finanzblase Die Zinsniveau variiert von Land zu Land stark, doch gerade in Staaten mit hoher Nachfrage und vergleichsweise geringem Angebot - etwa in Nigeria und Mexiko - droht Wildwuchs. In Mexiko müssten um die 70 Prozent Zinsen gezahlt werden, weltweit seien es im Schnitt hingegen um die 37 Prozent, heiß es in der New York Times . Eifrig wird nun darüber debattiert, ob Mikrokredite tatsächlich zur Armutsbekämpfung taugen. Es zeigt sich, dass das Modell vor allem in Gegenden erfolgreich ist, in denen die Schuldner Möglichkeit hätten, ein kleines Geschäft aufzubauen. Experten schätzen, dass sich dann rund ein Drittel aller Kreditnehmer über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren aus der Armut herausarbeiten könnten. Wenn allerdings die Besiedlung so dünn sei, dass sich kein funktionierender Markt bilden könne, seien Mikrokredite nicht hilfreich. Doch nicht allein die Transformation von einem sozialen zu einem renditeorientierten Geschäftsmodell sorgt für Kritik. Längst wittern manche Ökonomen in dem rasant wachsenden Markt auch eine Gefahr für die Bildung von Finanzblasen. In einigen Ländern sei das Angebot an Mikrokrediten derart groß, dass sich Kreditnehmer hoffnungslos überschuldeteten. Andere Experten zeigen sich zurückhaltender: Dass angesichts des insgesamt noch vergleichsweise geringen Ausleihvolumens eine Mikrokreditblase auf absehbare Zeit einmal das Ausmaß der jüngsten Subprimekrise erreichen könnte, gilt dann doch als unwahrscheinlich. Voraussetzung sei allerdings, dass auch hier der Bankbranche Grenzen gesetzt würden.
Mikrokredite sollen Menschen zu einem besseren Leben verhelfen. Doch die Gier der Banken gefährdet das Modell. Nobelpreisträger Yunus ist empört.
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Mikrokredite - Arm und abgezockt
00/04/2010
Lieber direkt ein Honorar zahlen anstelle der verhassten Provisionen: Die Finanzkrise verändert das Denken der Sparer, wie jetzt eine Studie herausgefunden hat. Immer mehr deutsche Sparer wollen für ihre Finanzberatung direkt ein Honorar bezahlen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von TNS Sofres im Auftrag von Fidelity International. Traditionell wird die Finanzberatung bei Banken durch Verkaufsprovisionen finanziert, etwa dem Ausgabeaufschlag und einem Teil der Managementgebühr (Kickback). Durch die Finanzkrise wurde jedoch deutlich, dass bei der Provisionsberatung ein Interessenskonflikt besteht: Der Kunde weiß nie, ob der Finanzberater das Investmentprodukt wegen der Provision oder aufgrund der Eignung für den Kunden empfiehlt. Bislang macht der Vermögensanteil der Honorarberatung in Deutschland rund ein Prozent aus. Banken haben immer argumentiert, die Deutschen wollten am Schalter kein Geld für die Beratung bezahlen. Die repräsentative Umfrage zeigt jedoch, dass über die Hälfte der Befragten dazu bereit wären, in anderen europäischen Staaten ist die Bereitschaft ähnlich hoch. Befragt wurden 9000 Anleger in elf Ländern. Die Bundesbürger setzten auch nach der Finanzkrise auf eine intensive Anlageberatung, so das Umfrageergebnis weiter, sie seien aber deutlich kritischer und fordernder geworden.
Lieber direkt ein Honorar zahlen anstelle der verhassten Provisionen: Die Finanzkrise verändert das Denken der Sparer, wie jetzt eine Studie herausgefunden hat.
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Kick den Kickback
00/04/2010
Als sie erfunden wurden, waren die Indexfonds der Spott der Branche. Doch weil die Produkte einfach und billig sind, kaufen sie Anleger gern. Es ist das Jahr 1950, da formuliert der junge Student John Bogle an der amerikanischen Universität Princeton eine These von ungeheurer Weitsicht: "Man darf von Fondsmanagern keine Wunder erwarten, sie schlagen selten den Markt", schrieb der damals 21-Jährige und fügte an: "Die Fondsindustrie wächst, wenn die Verkaufsprovisionen und die Managementgebühren gesenkt werden." Der junge Mann ging nach dem Studium in die Finanzwirtschaft, um einige "lehrreiche Fehler" zu machen, wie er rückblickend notierte. Dann besann er sich 1975 seiner alten These, die ihn ein Leben lang begleiten soll. Bogle gründete die Vanguard-Fondsgesellschaft und brachte am 31.Dezember 1975 den weltweit ersten Indexfonds auf den Markt. Er taufte ihn später Vanguard500. Anleger, die den Fonds kauften, erhielten exakt die Rendite des amerikanischen Aktienindex S&P500. Revolution im Finanzgewerbe Das Interesse an dem neuen Fonds war in den siebziger Jahren sehr gering, Bogle sammelte zu Anfang gerade einmal elf Millionen Dollar ein. Die Fondsindustrie verspottete das Produkt damals als "Bogles Wahnwitz". Die Wahrheit ist: Es war der Anfang einer Revolution im Finanzgewerbe. Mittlerweile haben Anleger weltweit 1000 Milliarden Dollar in Indexfonds investiert - auf Europa entfallen davon rund 217 Milliarden Dollar. Der alte Kontinent hat den Charme der auch Exchange Traded Funds (ETF) genannten Produkte erst später entdeckt, und zwar genau vor zehn Jahren. Am 11. April 2000 wurden als erste europäische ETF die iShares DJ Stoxx50 und iShares DJ Euro Stoxx 50 an der Deutschen Börse notiert, mit denen Anleger an der Wertentwicklung der beiden Akienindizes teilhaben konnten. "Damals war die herrschende Meinung, dass man nur über die Einzelauswahl von Titeln tatsächlich eine gute Wertentwicklung für den Kunden erzielen kann", erinnert sich Wolfgang Hötzendorfer, Geschäftsführer der State Street Global Advisors, einem der weltweit größten ETF-Anbieter. Vor allem Profianleger nutzten die ETF ab 2000 immer häufiger. Privatanlegern fehlte der Bezug noch gänzlich, vor allem weil ETF auch damals schon keine Verkaufsprovisionen einbrachten - die Banken boten sie deshalb am Schalter gar nicht erst an. Doch mittlerweile sind Privatsparer besser informiert, sie besorgen sich die ETF selbst. "Im vergangenen Jahrzehnt ist der europäische ETF-Markt bei anhaltender Anlegernachfrage um durchschnittlich 90,5 Prozent im Jahr gewachsen", sagt Deborah Fuhr, ETF-Expertin bei der amerikanischen Fondsgesellschaft Blackrock. Transparent, günstig und leicht verständlich - das sind die drei Hauptargumente für ein ETF-Investment. "Die Finanzkrise brachte einen weiteren Schub für ETF", sagt Markus Kaiser, Geschäftsführer von Veritas. Die Fondsgesellschaft brachte 2007 den ersten ETF-Dachfonds auf den Markt und erzielte seither 35 Prozent Rendite - das schlimme Börsenjahr Jahr 2008 überstand der Dachfonds durch geschicktes Management ohne Minus. "Einzelne Aktien-ETF machten zwar hohe Verluste, aber die Anleger wussten zu jeder Zeit, was sie im Depot hatten und wurden nicht unangenehm überrascht, etwa dadurch, dass ein aktiv gemanagter Fonds noch höhere Verluste als der Index einfuhr", sagt Kaiser. Erklärung für das Versagen Für aktiv gemanagte Fonds zahlen Anleger eine bis zu zehnfach höhere Gebühr als für ETF. Studien der vergangenen Jahrzehnte haben allerdings gezeigt, dass aktive Fonds nur in Ausnahmefällen den Index schlagen - und somit ihre Gebühr meistens nicht wert sind. Der amerikanische Ökonom Burton Malkiel hat in seinem berühmt gewordenen Buch "A Random Walk Down Wall Street" im Jahr 1973 die Erklärung für das Versagen geliefert: Weil Aktienmärkte effizient seien, so Malkiel, könne es keinem Fondsmanager dauerhaft gelingen, höhere Renditen als der Markt zu erzielen. Ein Jahr später brach auch der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul A. Samuelson eine Lanze für Indexfonds, "damit sich die Revolverhelden von Fondsmanagern an diesem Index die Zähne ausbeißen können." Für den Indexfonds-Pionier Bogle waren diese wissenschaftlichen Aussagen eine Bestätigung für sein Lebenswerk. "Als ich diese Thesen gelesen hatte, musste ich etwas unternehmen", schreibt Bogle in seinen Erinnerungen über die Zeit, als er den ersten Indexfonds auf den Markt brachte. Malkiel arbeitete später auch lange bei der Vanguard-Fondsgesellschaft, die bis heute einer der größten ETF-Anbieter ist. "Passive Fonds wie ETF werden die aktiven Fonds nicht ablösen, sie fordern die aktiven Fondsverwalter aber heraus", sagt Veritas-Geschäftsführer Kaiser, der einen Bewusstseinswandel erkennt. "Anleger wollen keine Fondsmanager, die sich hinter einer Benchmark verstecken, sie wollen Produkte, die sowohl Kapitalerhalt in Krisensituationen als auch Wertsteigerungen in Boomphasen erzielen können."
Als sie erfunden wurden, waren die Indexfonds der Spott der Branche. Doch weil die Produkte einfach und billig sind, kaufen sie Anleger gern.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/indexfonds-ein-wahnwitz-erobert-die-finanzmaerkte-1.15217
"Ein ""Wahnwitz"" erobert die Finanzmärkte"
00/04/2010
Gravierende Einschränkung auf Wunsch der Schweiz: Liechtenstein will bei der Aufklärung von Steuerflucht nicht helfen, wenn Datenklau vorliegt. Liechtenstein umgeht das jüngst mit Deutschland vereinbarte Abkommen zur gemeinsamen Jagd auf Steuersünder, bevor es überhaupt in Kraft getreten ist. Das Fürstentum will auch künftig keine Amtshilfe leisten, wenn Steuervergehen durch einen Datenklau aufgeflogen sind. Grüne und SPD in Deutschland sind empört. Während das Staatsoberhaupt, Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, an diesem Mittwoch von Bundespräsident Horst Köhler in Berlin empfangen wird, laufen in Vaduz die Vorbereitungen für die Sitzungen des Liechtensteiner Landtags in der kommenden Woche. Auf der Tagesordnung stehen Steuerabkommen, die das Fürstentum mit elf Staaten, darunter Deutschland, geschlossen hat. Darin verpflichtet sich Liechtenstein entsprechend einem von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) festgelegten Standard, diesen Ländern Amtshilfe bei Steuerdelikten zu gewähren. In konkreten Verdachtsfällen muss das Land demnach Auskunft über die Geldanlagen mutmaßlicher Steuerhinterzieher in Liechtenstein geben. Nun allerdings plant die bürgerliche Regierungskoalition in Vaduz eine gravierende Einschränkung dieser Abkommen. Quasi in letzter Minute hat sie neue Klauseln in das Gesetzeswerk eingearbeitet, das die Amtshilfe im Detail regeln soll. Entsprechende Unterlagen liegen der Süddeutschen Zeitung vor. Reaktion auf Wunsch der Schweiz Demnach soll Rechtshilfe von vornherein verweigert werden, wenn die Anfrage auf Daten gründet, die einer Bank oder einem Treuhänder gestohlen wurden. Ein Regierungssprecher in Vaduz bestätigte dies auf Anfrage. Damit solle klargestellt werden, dass die Auskünfte nicht der öffentlichen Ordnung in Liechtenstein zuwiderliefen, hieß es. Mit der Klausel folge man auch einem Wunsch der Schweiz, sagte der Sprecher. In den vergangenen zwei Jahren waren Hunderte deutscher Steuersünder aufgeflogen, weil Mitarbeiter von Banken in Liechtenstein und der Schweiz heimlich ihre Daten kopiert und den deutschen Behörden verkauft hatten. Der prominenteste Fall war jener des ehemaligen Deutsche-Post-Chefs Klaus Zumwinkel im Februar 2008. Seit damals stand Liechtenstein unter massivem internationalen Druck. Anleger, vor allem aus Deutschland, zogen viele Milliarden Euro Vermögen ab und machen seither einen großen Bogen um das Fürstentum. Schließlich willigte Vaduz ein, die OECD-Standards zum Informationsaustausch zu akzeptieren.
Gravierende Einschränkung auf Wunsch der Schweiz: Liechtenstein will bei der Aufklärung von Steuerflucht nicht helfen, wenn Datenklau vorliegt.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/datenklau-liechtenstein-hoehlt-steuerabkommen-aus-1.3609
Datenklau - Liechtenstein höhlt Steuerabkommen aus
00/04/2010
Die HVB blutet personell weiter aus: Nun geht auch Finanzvorstand Rolf Friedhofen. Der italienische Mutterkonzern Unicredit ist zu dominant. Als Rolf Friedhofen, 52, vor etwa drei Wochen zusammen mit Vorstandschef Theodor Weimer, 51, die Jahresbilanz der Hypo-Vereinsbank (HVB) präsentierte, da machte der Finanzvorstand noch gute Miene zum Spiel. Er kokettierte mit dem unterschiedlichen Temperament: Weimer auftrumpfend, gerne in der ersten Reihe, Friedhofen zurückhaltend, die Öffentlichkeit gerne meidend. Und Finanzmann Friedhofen lächelte tapfer ins Publikum, als sein Chef das dicke Kapitalpolster der Bank lobte, um gleich darauf zu erklären, dass bei dem Mutterkonzern Unicredit über die Ressourcenverteilung im Konzern entschieden werde. Tatsächlich war Friedhofen all das zu dem Zeitpunkt offenbar längst zu viel geworden: die Begehrlichkeiten aus Mailand, Weimers Führungsstil. Jetzt steht fest: Rolf Friedhofen wird die Bank nach Angaben aus Finanzkreisen verlassen. Keine sofortige Entscheidung über Nachfolger Am Freitag tagt der HVB-Aufsichtsrat, dort soll die Personalie beraten werden. Die Bank gab keinen Kommentar. Eine Entscheidung über einen Nachfolger wird es angeblich nicht sofort geben. Es ist ein Verlust für das hinter Deutscher Bank und Commerzbank drittgrößte Geldinstitut, das inzwischen offiziell nicht mehr HVB heißt, sondern Unicredit Bank AG. Friedhofen, der sein Handwerk von Grund auf lernte, hat einen guten Ruf, hielt die Finanzen der Münchner Bank stets gut zusammen und war auch ein Zeichen für Kontinuität. Sein Abgang wird möglicherweise für neue Unruhe sorgen. Und die kann Unicredit nicht gebrauchen, kämpft doch Konzernchef Alessandro Profumo selbst darum, seine Pläne für einen Umbau in Italien durchzubringen. Mitte März hatte Profumo sogar mit Rücktritt gedroht. Verschiedene Versionen zu den Gründen für den Abgang 1958 in St. Sebastian in Rheinland-Pfalz geboren, machte Friedhofen zunächst eine Banklehre bei der dortigen Landesbank und studierte dann in Passau Wirtschaftswissenschaften. 1984 heuerte er bei der Wirtschaftsprüferfirma KPMG an, wurde dort 1993 Partner. 1997 wechselte er zum Konkurrenten PWC und kam schließlich 2004 zur HVB nach München. Kurze Zeit später, 2005, wurde die bayerische Großbank von den Italienern übernommen. Bankchef Dieter Rampl wurde Vorsitzender des Unicredit-Verwaltungsrats, der langjährige Finanzvorstand Wolfgang Sprißler Chef in München - und Friedhofen übernahm das Finanzressort. Zu den Gründen für Friedhofens Ausstieg gibt es verschiedene Versionen. Die plausibelste ist wohl die, dass er im Laufe der Jahre immer mehr Kompetenzen verloren hat. "Was ist eine Großbank im Vergleich zu der Deutschland-Tochter eines italienischen Großinstituts?", heißt es aus Finanzkreisen.
Die HVB blutet personell weiter aus: Nun geht auch Finanzvorstand Rolf Friedhofen. Der italienische Mutterkonzern Unicredit ist zu dominant.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/hypo-vereinsbank-personalprobleme-immer-aerger-mit-mailand-1.14439
Hypo-Vereinsbank: Personalprobleme - Immer Ärger mit Mailand
00/04/2010
Die USA müssen weniger Geld für die Bankenrettung ausgeben als gedacht - doch jetzt muss die Regierung die Spielregeln für die Finanzindustrie dringend verschärfen. Zur Finanzkrise gibt es ein paar eingängige Protestparolen: "Bail Out People, Not Bank" rufen Demonstranten in New York und Washington: "Rettet Bürger, nicht Banken". Die entsprechende Formel in Deutschland heißt: "Wir zahlen nicht für eure Krise". Wer immer unter dieser Losung demonstriert, sollte sich die neuesten Haushaltszahlen aus Washington genau ansehen. Danach kostet der Fonds zur Rettung der Banken (Tarp), der 2008 mit der gigantischen Summe von 700 Milliarden Dollar aufgelegt worden war, die Steuerzahler nach derzeitigen Schätzungen nur noch 89 Milliarden Dollar. Die Rechnung könnte noch niedriger ausfallen oder sogar mit einem kleinen Gewinn für Washington enden. Die Einlage des Staates bei Citigroup (insgesamt 45 Milliarden Dollar) wird auf jeden Fall einen Gewinn von elf Milliarden Dollar oder mehr bringen. Die Details können sich je nach Konjunkturentwicklung noch ändern: Fest steht aber, dass die direkten Kosten der Bankenrettung viel, viel geringer sind, als ursprünglich befürchtet. Sie dürften sogar deutlich unter denen der letzten großen Bankenkrise zu Beginn der neunziger Jahre liegen. Das sind sehr gute Nachrichten, aber man muss sie richtig lesen. Dass der direkte Preis der Bankenrettung so niedrig ist, bedeutet nicht, dass der Staat Krisengewinner ist. Die Finanzkrise hat die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst, und die damit verbundenen Mehrausgaben und Steuerfälle verursachen ein riesiges Defizit im US-Haushalt. Es wird zwar niedriger ausfallen als befürchtet, aber auch so noch bedrohliche 1,3 Billionen Dollar erreichen. Nicht eingerechnet in die Tarp-Bilanz sind die gigantischen Summen, die die Notenbank Federal Reserve in die Wirtschaft pumpte und die jetzt mühsam wieder zurückgeholt werden müssen. Die guten Nachrichten dürfen auch nicht zum Schluss verleiten, dass die Regierungen nun bei ihrem Bemühen nachlassen dürften, die Banken neu zu regulieren. Der Kollaps des Finanzsystems stand 2008 unmittelbar bevor. Noch immer gibt es keine Vorkehrungen, um den Zusammenbruch eines großen, weltweit operierenden Kreditinstituts aufzufangen. Einen Schluss aber lassen die neuen Zahlen zu: Finanzminister Timothy Geithner und sein Vorgänger Henry Paulson haben ein paar Dinge richtig gemacht. Es lohnte sich, nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers schwindelerregende Summen bereitzustellen, um die Panik zu dämpfen. Es war auch richtig, entgegen dem Rat von Ökonomen wie Josef Stiglitz und Paul Krugman, die angeschlagenen Banken nicht formell zu verstaatlichen. Geithner zwang die Institute stattdessen, Kapital auf dem freien Markt aufzunehmen. Das sorgte für Vertrauen und Transparenz. Wie demgegenüber die Bilanz der Bankenrettung in Deutschland aussehen wird, ist noch offen. Keine Frage ist aber, dass die Deutschen, was die Sanierung des Finanzsektors betrifft, noch deutlich hinter den Amerikanern zurückliegen. Die Frage der Verstaatlichung stellte sich in der Form hier gar nicht, weil die Mehrzahl der Probleminstitute, also die Landesbanken, ohnehin staatlich sind. Ob die Verstaatlichung der Hypo Real Estate wirklich eine gute Idee war, ist angesichts der jüngsten Probleme an der Spitze des Instituts zumindest fraglich. Der gesamte Finanzsektor Europas ist der Krise in Griechenland, Spanien, Portugal und in Osteuropa besonders ausgesetzt. Für die deutsche Politik sollten die Zahlen aus den USA ein Anreiz sein, zumindest das Problem der Landesbanken schnell und radikal zu lösen.
Die USA müssen weniger Geld für die Bankenrettung ausgeben als gedacht - doch jetzt muss die Regierung die Spielregeln für die Finanzindustrie dringend verschärfen.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/usa-bankenrettung-amerika-gewinnt-1.1830
USA: Bankenrettung - Amerika gewinnt
00/04/2010
Aufregung in Amerika: Die Finanzfirma Hudson Castle soll das "Alter Ego" der Pleitebank Lehman gewesen sein, über das heimlich Milliarden-Geschäfte abgewickelt wurden. Der mehr als 4000 Seiten starke, unlängst veröffentlichte Untersuchungsbericht zur Lehman-Pleite reicht immer noch nicht aus, um das Finanzgeflecht der Investmentbank darzustellen. Der Name Hudson Castle taucht dort jedenfalls nicht ein einziges Mal auf. Und doch soll diese Finanzfirma das "Alter Ego", ein anderes Ich, der kollabierten Investmentbank Lehman Brothers gewesen sein. Das zumindest behauptet jedenfalls ein früherer Lehman-Händler in der New York Times (NYT). In den Jahren vor dem Kollaps habe Lehman Hudson Castle gebraucht, um riskante Anlagen aus den eigenen Büchern herauszubekommen. Dieses werfe die Frage auf, inwieweit Lehman die wahre finanzielle Lage vor dem Zusammenbruch verschleiert habe. Obwohl Hudson Castle als unabhängige Gesellschaft auftrete, sei sie eng mit Lehman verbandelt gewesen, heißt es weiter in der NYT, die sich auf ein internes Bankdokument und Interviews mit Lehman-Angestellten beruft. Über Jahre habe Lehman das oberste Lenkungs- und Aufsichtsgremium - also das sogenannte Board - von Hudson Castle kontrolliert und ein Viertel der Firma besessen. Gewaltiges System Lehman habe diese Verbindung aber nie offengelegt. Ob die Geschäfte mit Hudson legal waren, ist unklar. Auch die tatsächlich seit 2001 über Hudson transferierten Summen sind nicht bekannt. Aber es sollen nach Angaben der Zeitung Beträge von mehr als einer Milliarde Dollar gewesen sein. Brisanter ist allerdings, wofür Hudson Castle steht: Für das gewaltige Schattenbanksystem der Finanzindustrie. Es ist vor allem deshalb so gefährlich, weil es außerhalb jeglicher Kontrolle liegt. Über Institutionen wie Hudson Castle finanzieren sich Banken, verbergen Risiken und hübschen sich selbst auf. Wie verheerend Investmentvehikel außerhalb der Bilanz sein können, hatte in Deutschland schon die Beinahepleite der IKB gezeigt. Dieses Institut kollabierte 2007 gleich zu Beginn der Krise, nachdem es mehreren Zweckgesellschaften üppige Kreditlinien eingeräumt hatte. Die Zweckgesellschaften waren wiederum an der Verbriefung toxischer Papiere beteiligt. Lehman soll ebenfalls riskante Anlagen zu Hudson Castle transferiert und Geld zur Finanzierung solcher Geschäfte zur Verfügung gestellt haben. Gelernt haben die Institute aus der Krise aber nicht: Auch heute noch nutzen große Banken solche Investmentvehikel. Die US-Börsenaufsicht SEC untersuche derzeit die kreative Finanzierung von mehr als 20 Unternehmen, heißt es in der NYT. Auch in dem Ausschuss des Kongresses zur Untersuchung der Finanzkrise solle das Schattenbanksystem ein Thema werden. Ob es aber gelingt, tatsächlich Licht in das Dunkel zu bringen, ist fraglich. Viele Bankgeschäfte werden auf derart verschlungenen Wegen abgewickelt, dass sie jemand von außen kaum mehr nachvollziehen kann. Angesichts des Artikels in der New York Times geraten denn auch andere Kommentatoren ins Grübeln: Felix Salmon, Kolumnist bei der Nachrichtenagentur Reuters, ätzt gar, er sehe zwar den Rauch, könne aber die Ursache dafür nicht erkennen. Die Geschäfte von Hudson Castle habe er auch nach mehrmaligen Lesen des NYT-Artikels nicht verstanden - zumal Hudson Castle auch wieder mehrere Tochtergesellschaften gegründet hat. Es bliebe ihm zunächst nichts anderes übrig, als zu glauben, dass das alles wichtig sei. Er mache das auch nur, weil die NYT die Geschichte so groß und wichtig aufgeschrieben habe. Hätte er den gleichen Inhalt in einem Blog gefunden - er hätte ihn als konspiratives Geschwafel abgetan.
Aufregung in Amerika: Die Finanzfirma Hudson Castle soll das "Alter Ego" der Pleitebank Lehman gewesen sein, über das heimlich Milliarden-Geschäfte abgewickelt wurden.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/banken-schattengeschaefte-lehman-und-das-spukschloss-1.10027
Banken: Schattengeschäfte - Lehman und das Spukschloss
00/04/2010
Griechenland erhält EU-Hilfen, Deutschland trägt die Hauptlast. Ifo-Chef Sinn stänkert: Niemand wüsste, ob Athen das Geld zurückzahlen könnte. Und Athen verschafft sich mit einer Anleihe Luft. Die Finanzmärkte haben sich erst einmal beruhigt. Nach der Entscheidung der EU-Länder, Athen notfalls zinsverbilligte Kredite zu geben, ist die Rendite für zehnjährige Griechenland-Anleihen von 7,4 auf 6,5 Prozent gefallen. Am Vormittag hat der hochverschuldete Mittelmeerstaat nun zwei neue Anleihen platziert - eine mit einer Laufzeit von sechs Monaten und eine, die ein ganzes Jahr laufen soll. Statt des geplanten Volumens von 1,2 Milliarden Euro sammelte Griechenland damit insgesamt sogar 1,56 Milliarden Euro ein. Das Zwölfmonats-Papier verspricht eine Rendite von 4,85 Prozent. Die Emission war 6,5-fach überzeichnet. Die Sechs-Monats-Anleihe rentiert mit 4,55 Prozent. Sie war 7,7-fach überzeichnet. Alles gut? Mitnichten, sagt Hans-Werner Sinn, der Chef des Münchner Ifo-Instituts. Der Wirtschaftswissenschaftler hat das milliardenschwere Rettungspaket für Griechenland kritisiert. "Jetzt hängt Deutschland drin. Die EU-Länder geben Griechenland nun eben doch zinsverbilligte Kredite, bei denen man nicht weiß, ob sie jemals zurückgezahlt werden", sagte Sinn der Bild-Zeitung. Angesichts von Haushaltskrisen auch in anderen Staaten der Euro-Zone fügte er hinzu: "Und was man Griechenland gewährt hat, wird man Portugal und Spanien nicht mehr verwehren können." "Saftige Strafen" für Defizitsünder Weniger Probleme sieht der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Norbert Barthle (CDU). "Der Schaden wäre weitaus größer, wenn Griechenland pleite ginge." Da Griechenland für die Hilfen voraussichtlich fünf Prozent Zinsen zahlen müsse, sei dies für den Bund ein gutes Geschäft, betonte Barthle. Die Haushaltspolitiker der Union gehen davon aus, dass die mögliche Milliardenhilfe Deutschlands für Griechenland gezahlt werden muss. "Ich rechne fest damit, dass Griechenland Hilfe brauchen wird", sagte der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Norbert Barthle (CDU), dem Handelsblatt. Berlin müsste der Einigung zufolge im ersten Jahr bis zu 8,4 Milliarden Euro an Athen verleihen. Griechenland müsste diese Kredite einschließlich der Zinsen innerhalb von drei Jahren zurückzahlen. Die EU-Staaten hatten sich am Wochenende auf die technischen Details einer möglichen Hilfe für Griechenland geeinigt. Sollte die Regierung in Athen aufgrund zu hoher Kosten kein Geld mehr an den Finanzmärkten aufnehmen können, würden die EU-Staaten bilateral einspringen und dafür günstigere Zinsen verlangen. Ifo-Chef Sinn fordert, Deutschland müsse für die europäische Währungsunion nun "dringend einen neuen Schuldenpakt verlangen, der für die Defizitsünder automatische und saftige Strafen vorsieht". Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) hatten sich bereits für härtere Regeln eingesetzt, dafür aber keine Zustimmung der europäischen Partner erhalten. Die Kanzlerin hatte als mögliche Strafmaßnahme etwa den Ausschluss eines Landes aus der Euro-Zone ins Gespräch gebracht. Eine Arbeitsgruppe soll bis Jahresende nun Mechanismen zur Haushaltskontrolle in der EU prüfen.
Griechenland erhält EU-Hilfen, Deutschland trägt die Hauptlast. Ifo-Chef Sinn stänkert: Niemand wüsste, ob Athen das Geld zurückzahlen könnte. Und Athen verschafft sich mit einer Anleihe Luft.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/hilfen-fuer-griechenland-jetzt-haengt-deutschland-drin-1.17841
"Hilfen für Griechenland - ""Jetzt hängt Deutschland drin"""
00/04/2010
Die Banken in China haben großzügig Kredite vergeben, nun brauchen sie Geld. Außerdem: China und die USA streiten wegen des schwachen Yuans. Nach ihrer großzügigen Kreditvergabe im Vorjahr wird bei Chinas Banken nach eigener Aussage das Geld knapp. Die vier größten Institute des Landes könnten in den kommenden fünf Jahren der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) zufolge umgerechnet rund 52 Milliarden Euro (480 Milliarden Yuan) benötigen. Es sei schwierig, diese Summe ausschließlich am Kapitalmarkt aufzubringen, erklärte ICBC-Chef Yang Kaisheng. Analysten zufolge könnte die Regierung gezwungen sein, den Banken mit Finanzspritzen zur Seite zu springen. Nach Angaben Yangs ergibt sich die Summe aus einer geforderten weiteren Erhöhung der Kreditvergabe von 15 Prozent, einer Eigenkapitalquote von 11,5 Prozent sowie einer angestrebten Steigerung des Nettogewinns von zwölf Prozent. Drei der Institute - ICBC, Bank of China und Bank of Communications - hatten in den vergangenen Monaten Kapitalerhöhungen angekündigt. Die China Construction Bank, der zweitgrößte Kreditgeber nach Marktkapitalisierung, hatte erklärt, über Möglichkeiten zur Stärkung der Kapitaldecke nachzudenken. Auf den Bilanzen der Geldhäuser lastet vor allem, dass sie die heimische Wirtschaft im Vorjahr mit Krediten in Höhe von rund einer Billion Euro (9,6 Billionen Yuan) versorgt hatten. Die Maßnahme hatte den Aufschwung in China kräftig angekurbelt und die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise abgeschwächt. China stößt Obama vor den Kopf Noch vergangene Woche deutet sich eine Annäherung im Währungsstreit zwischen den USA und China an: US-Finanzminister Timothy Geithner war spontan nach Peking gereist, und es galt als sicher, dass die Währungsfrage im Mittelpunkt seiner Gespräche stand. Beobachter erkannten auf beiden Seiten Signale der Kompromissbereitschaft. Doch eine knappe Woche später scheint das Schnee von gestern zu sein. Denn nun will China beim Wechselkurs des Yuan doch seinen eigenen Weg gehen. Daran halte das Land strikt fest, betonte Präsident Hu Jintao in einem Gespräch mit US-Präsident Barack Obama in Washington einer Meldung der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge. Der Wechselkurs zwischen dem Dollar und dem Yuan ist eine bedeutende Größe für die Wettbewerbsposition der USA - und vieler weiterer Länder. Denn wertet der Yuan auf, werden Chinas Produkte auf den Weltmärkten teurer. Bleibt Chinas Währung aber so günstig wie derzeit, sind auch die Exporte aus dem Reich der Mitte künstlich billig. Die USA setzen sich daher für eine Aufwertung des Yuan ein. Obama hat sich zum Ziel gesetzt, die amerikanischen Ausfuhren deutlich zu erhöhen und das gewaltige US-Handelsdefizit abzubauen. Allerdings hat Peking seit 2008 als Antwort auf die Finanzkrise die eigene Währung fest an den Dollar gekoppelt, zum Kurs von 6,80 Yuan pro Dollar. Fachleute halten den Yuan damit für unterbewertet, und zwar um bis zu 40 Prozent. Chinas Exportwirtschaft werde damit ein unfairer Wettbewerbsvorteil eingeräumt. Zwischen den beiden Ländern könnte es noch einen weiteren Streitpunkt in Handelsfragen geben. Denn Hu erklärte außerdem, dass China seine Importe aus den USA steigern wolle. Das dürften die USA zwar begrüßen, doch Hu rief die Amerikaner auch auf, ihre Exportkontrollen für High-Tech-Produkte zu lockern. Dieser Appell dürfte in den USA wenig Begeisterung auslösen, denn es steht die Befürchtung im Raum, mit amerikanischen Hightech-Produkten auch technisches Know-how nach China auszuführen. China gilt als Eldorado für Plagiate. Der Exportweltmeister China hatte Ende vergangener Woche bekannt gegeben, erstmals seit knapp sechs Jahren einen Monat mit einem Außenhandelsdefizit abgeschlossen zu haben. Im März gab es einen Überschuss bei den Einfuhren von 7,24 Milliarden Dollar (5,41 Milliarden Euro ). Zuletzt hatte China im April 2004 ein Außenhandelsdefizit verbucht. Commerzbank verkauft sich schlank Die Commerzbank veräußert ihre Tochtergesellschaft Allianz Dresdner Bauspar an die Wüstenrot Bausparkasse. Zudem vereinbarten die Commerzbank und Wüstenrot eine langfristige Vertriebskooperation für Bausparprodukte. Informationen zum Kaufpreis gab es nicht. "Die Produkte der Wüstenrot sind für unsere Kunden attraktiv und stärken unsere Position am Markt. Deshalb haben wir uns entschieden, im Bereich Bausparen langfristig mit diesem Partner zu kooperieren", erklärte Privatkundenvorstand Achim Kassow in der Mitteilung. Die Allianz Dresdner Bauspar hatte nach Angaben der Commerzbank Ende 2009 etwa 670.000 Kunden und 21 Milliarden Euro Bausparsumme. Das Unternehmen beschäftigte zum Jahresende etwa 350 Mitarbeiter. Die EU-Kommission hatte die Commerzbank als Auflage für die staatliche Milliardenhilfe verpflichtet, sich zu verschlanken. Im vergangenen Jahr trennte sich der Dax-Konzern daraufhin von Randgeschäften und verringert so die Bilanzsumme auf 844 Milliarden Euro. Damit wurde die EU-Auflage bereits erfüllt, bis 2012 die Bilanzsumme einschließlich der Immobilientochter Eurohypo auf unter 900 Milliarden Euro zu reduzieren. Auch die Eurohypo muss aber noch verkauft werden.
Die Banken in China haben großzügig Kredite vergeben, nun brauchen sie Geld. Außerdem: China und die USA streiten wegen des schwachen Yuans.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/finanzen-kompakt-chinas-banken-fehlen-52-millarden-euro-1.21186
Finanzen kompakt - Chinas Banken fehlen 52 Millarden Euro
00/04/2010
In der Krise geraten überschuldete Verbraucher besonders oft an Kreditvermittler, die die Misere noch verschlimmern. Mit üblen Methoden. "Sofortkredit online bis 250.000 Euro" oder "Kredite trotz Ablehnung anderer Banken" - mit solchen Lockangeboten versprechen Geschäftemacher großzügige Sofortkredite. Und immer öfter fallen Bürger auf diese Angebote herein - denn statt eines Kredits erhalten die Betroffenen am Ende nur hohe Rechnungen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat allein in diesem Jahr bereits 34 Anfragen von Betroffenen registriert. "Das sind deutlich mehr als in den letzten Jahren", berichtet Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale in Stuttgart. Oft sehen die Betroffenen die verheißungsvollen Angebote als letzte Rettung. "Sie bekommen von ihrer Hausbank kein Geld mehr und suchen verzweifelt nach anderen Kreditgebern", erzählt Josephine Holzhäuser, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Häufig gehe es um 2000 oder 3000 Euro, mit denen die Kunden versuchen, finanzielle Engpässe zu überbrücken. Gefährlicher Auftrag Die unseriösen Vermittler agieren dabei laut Nauhauser fast immer ähnlich: Bevor der Kreditinteressent ein Darlehen erhält, soll er zunächst einen Vermittlungsvertrag ausfüllen. Im Kleingedruckten weist der Anbieter darauf hin, dass er seine Auslagen in Rechnung stellen wird. Anschließend erhält der Interessent ein erstes Schreiben. Darin kündigt der Kreditvermittler vielversprechend an, dass eine Vorprüfung anhand persönlicher Daten positiv verlaufen sei. Mit dem Vorwand, die Finanzen des Verbrauchers zu optimieren, empfiehlt er daraufhin den Abschluss weiterer Verträge. "Meist handelt es sich um Bausparverträge, Genossenschaftsbeteiligungen oder Versicherungsverträge", sagt Nauhauser. "Auch Sparkarten für billige Einkäufe gab es schon." In der Hoffnung, rasch einen Kredit zu erhalten, unterschreiben die verzweifelten Verbraucher die Papiere. Doch für diese Dienste stellen die Anbieter dann hohe Rechnungen. Bis zu 150 Euro kassieren sie als "Vermittlungsgebühr" - etwa für die Prüfung der Kreditwürdigkeit. Außerdem sollen die Betroffenen hohe Summen für die Zusatzverträge zahlen. Den eigentlich erhofften Kredit verwehren die Anbieter dagegen. "Die Hoffnung auf finanzielle Spielräume bei der Schuldentilgung wird bitter enttäuscht", berichtet Holzhäuser. Das Schlimme ist: Sind die Verträge erst einmal unterschrieben, bestehen nur wenige Widerrufsmöglichkeiten - in der Regel besteht eine Widerrufsfrist von 14 Tagen. Lässt der Verbraucher diese verstreichen, muss er zahlen. Oft aber lesen die Betroffenen die zahlreichen Briefe gar nicht; mit steigendem Schuldenstand verzichteten sie manchmal sogar darauf, Rechnungen zu öffnen, erzählt Holzhäuser: "Die Schuldner müssen sich selbst erst eingestehen, dass sie den Überblick über ihre Finanzen verloren haben." Verbraucherzentralen und Schuldnerberatungen helfen weiter. Zudem rät Nauhauser: "Wer hohe Schulden hat, sollte nicht weitere Kredite aufnehmen." Generell raten die Verbraucherschützer, bei Kreditvermittlungen keine Zusatzverträge zu unterschreiben. Außerdem fordern sie, dass sich die Politik des Problems annimmt: Die Anbieter sollten nachweisen müssen, wie sich ihr Aufwand zusammensetzt. Nur so habe der Verbraucher die Möglichkeit, Forderungen auf ihre Plausibilität zu prüfen. Bislang konnten die Verbraucherzentralen nur in wenigen Einzelfällen Druck auf Kreditvermittler ausüben und so im Auftrag der Betroffenen Forderungen zurückweisen.
In der Krise geraten überschuldete Verbraucher besonders oft an Kreditvermittler, die die Misere noch verschlimmern. Mit üblen Methoden.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/wucherkredite-in-die-falle-getappt-1.13327
Wucherkredite - In die Falle getappt
00/04/2010
Lob und Tadel: Die Einigung der Euro-Länder auf ein Hilfspaket für das hochverschuldete Griechenland erntet Zustimmung vom IWF, aber Kritik vom Bund der Steuerzahler. Der Internationale Währungsfonds (IWF) springt der EU bei: IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn erklärte, der IWF stehe bereit, um sich den Anstrengungen bei Bedarf anzuschließen, "in dem von den griechischen Behörden benötigten und erbetenen Ausmaß". Die Einigung der Finanzminister der Euro-Zone, der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) sei "ein sehr wichtiger Schritt". Ein IWF-Team werde am Montag in Brüssel Gespräche mit Vertretern der griechischen Behörden, der EU-Kommission und der EZB führen, kündigte Strauss-Kahn an. Euro auf Höhenflug Die Einigung der Eurogruppe auf ein Hilfspaket für Griechenland brachte am Montag den Euro auf Höhenflug. Der Kurs der Gemeinschaftswährung erholte sich deutlich und stieg am Morgen auf den höchsten Stand seit Mitte März. Die deutlichen Kursgewinne des Euro im Vergleich zum Dollar stützen auch die Ölpreise, die im asiatischen Handel leicht zulegten. "Nachdem sich die Euroland-Staaten am Wochenende auf die genauen Konditionen der Kredithilfen für Griechenland geeinigt haben, wird heute eine Welle der Erleichterung durch die Finanzmärkte gehen", erwartete die HSH Nordbank am Morgen einer Mitteilung zufolge. Die Euro-Länder wollen Griechenland notfalls mit bis zu 30 Milliarden Euro an Notkrediten unter die Arme greifen. Zusätzlich sind Finanzspritzen des Internationalen Währungsfonds (IWF) geplant. Auf Deutschland würden 8,4 Milliarden Euro entfallen Sollte Athen die von der EU angebotenen Darlehen im Umfang von 30 Milliarden Euro tatsächlich abrufen, müsste Deutschland 8,4 Milliarden Euro davon übernehmen. Ein Regierungssprecher sagte, der Kredit werde, falls nötig, von der staatlichen Förderbank KfW bereitgestellt. Für den Fall, dass Griechenland ihn nicht zurückzahlen könnte, müsste die Bundesregierung einspringen. Es bleibe jedoch dabei, dass das Darlehen nur dann ausgezahlt werde, wenn alle 16 Regierungschefs der Eurozone zustimmten und die Regierung in Athen von privaten Finanzhäusern nicht mehr genügend Geld erhalte. Wie die Chancen Griechenlands auf den internationalen Kapitalmärkten stehen, wird sich bereits an diesem Dienstag zeigen, wenn der Verkauf zweier neuer Staatsanleihen ansteht. Die SPD-Bundestagsfraktion warnte bereits, die Märkte würden auch Deutschland abstrafen, sollte die Bundesregierung künftig neben dem eigenen auch einen Teil des griechischen Haushaltsdefizits finanzieren. "Dann steigen auch für uns die Zinsen - was gewaltige Mehrkosten bedeuten würde", sagte der Haushaltsexperte Carsten Schneider der Süddeutschen Zeitung. Refinanzierungsbedarf für 2010 gesichert Im ersten Jahr kann das Land somit auf Hilfen in Höhe von insgesamt 45 Milliarden Euro zugreifen. Dies ist mehr als der gesamte Refinanzierungsbedarf des Landes in diesem Jahr. Der Zins für die möglichen Kredite liege bei rund fünf Prozent. Zuletzt hätte Griechenland an den Märkten mehr als sieben Prozent bezahlen müssen. Zudem drängt bereits die Zeit, denn das mit 300 Milliarden Euro verschuldete Griechenland benötigt bis Ende Mai mehr als zehn Milliarden Euro, um fällige Kredite abzuzahlen. Finanzexperten bezweifelten zuletzt, dass sich Athen das nötige Geld noch an den Finanzmärkten besorgen kann. Kritik kam in Deutschland allerdings vom Bund der Steuerzahler. "Die Bundesregierung ist eingeknickt. Jetzt droht den deutschen Steuerzahlern, den Großteil der Griechenland-Hilfen tragen zu müssen", sagte Verbandspräsident Karl Heinz Däke Handelsblatt Online. Auf diese Weise werde die fahrlässige Wirtschafts- und Finanzpolitik Griechenlands auch noch belohnt. Das sei nicht hinnehmbar, sagte er.
Lob und Tadel: Die Einigung der Euro-Länder auf ein Hilfspaket für das hochverschuldete Griechenland erntet Zustimmung vom IWF, aber Kritik vom Bund der Steuerzahler.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/eu-hilfe-fuer-griechenland-nicht-hinnehmbar-1.1406
"EU-Hilfe für Griechenland - ""Nicht hinnehmbar"""
00/04/2010
Das EU-Rettungspaket für die Hellenen zeigt: Der Europäische Währungsfonds arbeitet bereits - obwohl es ihn noch gar nicht gibt. Giorgos Papandreou hat ein drastisches Bild verwendet, um den jetzt beschlossenen Notfall-Mechanismus zur Stützung seines Landes zu beschreiben. Der Revolver liege geladen auf dem Tisch. Er zeigt nach Meinung des griechischen Regierungschefs auf die Spekulanten, die es nun nicht mehr wagen könnten, auf eine Pleite des Euro-Mitglieds Griechenland zu wetten. Es ist die letzte Drohung aus dem taktischen Arsenal Papandreous und seiner EU-Partner. Gelingt es nun Athen trotzdem nicht, in den nächsten Tagen Milliarden am Kapitalmarkt einzusammeln, muss und wird tatsächlich Geld vom IWF, aus Deutschland und anderen EU-Staaten nach Griechenland fließen. Papandreous Mittel und Möglichkeiten sind zu Ende. Die Gläubiger Griechenlands glauben von Woche zu Woche weniger, dass das Land seine Schulden aus eigener Kraft zurückzahlen kann. Spekulanten haben zunächst getestet, ob die Euro-Partner Griechenland stützen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die anderen bejahten die Frage widerstrebend, doch das reichte nicht. Die Investoren wollten wissen, zu welchem Preis das Geld der Partner fließen wird. Jetzt steht fest, sie werden Zinsen verlangen, die Athen tragen kann und die weit unter den letzten Marktzinsen liegen. Das ist eine Subvention, auch wenn nun die Marktzinsen wieder sinken dürften. Die EU-Partner und der IWF leihen Griechenland ein Stück des Vertrauens, das Investoren in ihre Stärke haben. Das ist gut so, denn die Hellenen sind Teil einer Währungsunion, von der alle Partner politisch wie wirtschaftlich profitieren. Die jetzt gefundene Lösung zeichnet zugleich einen Weg für das weitere Krisenmanagement vor. Auch Portugal, Spanien, Irland und Italien haben hohe Haushaltsdefizite und könnten einmal Probleme bekommen, ihre Schulden zu bedienen. Merkel und Co. werden diesen Partnern nicht verwehren können, was sie Athen gewährten. Auch künftig dürften die Euro-Staaten schwächelnden Mitgliedern der Währungsunion zu Konditionen helfen, die den Zinsen und Auflagen des IWF ähneln. Faktisch entsteht ein Europäischer Währungsfonds, ehe er formal gebildet wurde. Wichtig ist nun, rasch die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Eurozone stärker zu integrieren, damit Stützungsaktionen wie die für Griechenland so selten wie möglich nötig werden. Den Euro könnte die Aussicht auf weitere Hilfen für schwache Mitglieder mittelfristig schwächen. Ein Drama ist das vorerst nicht, die Währung bewegt sich auf hohem Niveau. Ein etwas schwächerer Euro könnte der Union helfen, aus der Rezession zu finden. Wie schwer das wird, zeigt wiederum Griechenland: Seit die Regierung dort einen harten Sparkurs angekündigt hat, ist die Konjunktur erneut eingebrochen. Die Hilfen der EU-Partner sind nur ein kleiner Schritt zur Gesundung, sie kaufen Zeit. Es ist dies Zeit, die Papandreou braucht, um Griechenland behutsam zu sanieren, ohne die soziale Kluft im Land zu vergrößern.
Das EU-Rettungspaket für die Hellenen zeigt: Der Europäische Währungsfonds arbeitet bereits - obwohl es ihn noch gar nicht gibt.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/nothilfe-fuer-athen-griechenland-importiert-vertrauen-1.6533
Nothilfe für Athen - Griechenland importiert Vertrauen
00/04/2010
Zum zweiten Mal in Folge erwartet die Schweizer Großbank UBS einen Quartalsgewinn. Doch noch immer ziehen viele Kunden ihr Geld ab. Die Schweizer Großbank UBS, die zu den größten Verlierern der Finanzkrise gehört, fährt offenbar wieder in ruhigere Gewässer. Für das Auftaktquartal rechnet das Geldhaus mit einem Milliardengewinn - und das bereits zum zweiten Mal in Folge. Im Schlussquartal 2009 hatte das Institut bereits einen Vorsteuergewinn von 888 Millionen Franken (615 Millionen Euro) und einen Reingewinn von 1,2 Milliarden Franken erzielt. In den ersten drei Monaten des Jahres 2010 sind die Geschäfte der UBS offenbar noch besser gelaufen. Für das erste Quartal werde ein Vorsteuergewinn von mindestens 2,5 Milliarden Franken (1,73 Milliarden Euro) erwartet, teilte die Bank mit. Damit bessert sich die Lage des Instituts spürbar. Im Gesamtjahr 2009 war noch ein Konzernverlust von 2,74 Milliarden Franken angefallen. 2008 hatte sich der Verlust auf rund 21 Milliarden Franken belaufen. Kritik an Bonuspolitik Sorgenkind der UBS ist das Vermögensverwaltungsgeschäft, hier steht eine Trendwende noch aus. Noch immer kehren viele Kunden dem Bankhaus den Rücken, aber der Neugeldabfluss nahm merklich ab. Während im vierten Quartal netto noch rund 56 Milliarden Franken der Bank entzogen wurden, reduzierte sich der Abfluss im ersten Quartal 2010 auf 18 Milliarden Franken. Dabei entfielen etwa acht Milliarden Franken auf den Bereich Wealth Management & Swiss Bank. Im Bereich Wealth Management Americas betrug der Abfluss sieben Milliarden Franken und im Global Asset Management waren es drei Milliarden Franken. UBS wird den Quartalsbericht am 4. Mai vorlegen. Bereits vor knapp zwei Wochen war bekanntgeworden, dass das Festzinsgeschäft der Bank, das ihr früher Milliardenverluste eingebracht hatte, wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt ist und mit Erträgen in der Größenordnung von zwei Milliarden Franken gerechnet werden kann. Inwieweit die Aktionäre nun bereit sind, der UBS-Spitze auf der Generalversammlung ihre Stimme zu geben, bleibt abzuwarten. Besonders umstritten ist der Vorschlag des UBS-Verwaltungsrates, dass die Aktionäre nun auch dem früheren Management um Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel Entlastung erteilen sollten, um einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen. Auch die vom neuen Management um Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger und Konzernchef Oswald Grübel entworfene Bonuspolitik steht in der Schweiz in der Kritik.
Zum zweiten Mal in Folge erwartet die Schweizer Großbank UBS einen Quartalsgewinn. Doch noch immer ziehen viele Kunden ihr Geld ab.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/banken-ubs-hinkt-in-eine-bessere-zukunft-1.14836
Banken - UBS hinkt in eine bessere Zukunft
00/04/2010
Banker auf der Anklagebank: Bei einem Tribunal in der Berliner Volksbühne verurteilt Attac die Schuldigen der Finanzkrise - Objektivität ist dabei kaum zu erkennen. Die Gerichtsverhandlung beginnt mit einem Grußwort. Jutta Sundermann spricht zu den "lieben Freundinnen und Freunden" und derer sind es 800, die am Wochenende in die Berliner Volksbühne gekommen sind. Die Globalisierungskritiker von Attac haben ein Bankentribunal ausgerufen, sie wollen jenen den Prozess machen, die sie verantwortlich halten für die Finanzkrise. "Es ist an der Zeit, zu streiten und diesen Streit in die Gesellschaft zu tragen", sagt Attac-Mitgründerin Sundermann. Ein Theater wie die Volksbühne scheint ein idealer Ort zu sein für solch ein Tribunal. Anders als in den Vereinigten Staaten, wo sich die führenden Banker des Landes vor einem Ausschuss des Senats verantworten müssen, erheben in Deutschland "leider weder Volksvertretungen noch Gerichte Anklage", sagt der Jurist Wolfgang Lieb in seiner Eröffnungsrede. "Anscheinend muss das Volk selbst anklagen." Berechtigt fühle man sich durch das Grundgesetz, alle Macht gehe schließlich vom Volke aus. Das Handeln einiger Verantwortlicher erfülle die Tatbestände der Erpressung, der Hehlerei und des Betrugs, führt er aus. Der Prozess hat noch gar nicht begonnen, da geht die Unschuldsvermutung schon über Bord: Man wolle sich gegen die "neofeudale Herrschaft" wehren, sagt Lieb. Vorurteile bestätigt Die neofeudalen Herrschaften allerdings sind abwesend. Attac hatte Vorladungen verschickt, an Ex-Kanzler Gerhard Schröder und seine Nachfolgerin Angela Merkel, an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Hans Tietmeyer, den Kurator der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft". Sie alle würden ein System repräsentieren und festigen, das Reiche reicher und Arme ärmer mache, kritisieren die Globalisierungsgegner. Attac-Leute und Wissenschaftler, etwa der Politologe Elmar Altvater, vertreten die "zivilgesellschaftliche Anklage", die Beschuldigten werden von Pflichtverteidigern vertreten, etwa von Wolfgang Kaden, Ex-Chefredakteur des Manager Magazins. Parlamentarier und Wissenschaftler fungieren als Zeugen, als Richter unter anderem der Sozialethiker Friedhelm Hengsbach. Über Beweisaufnahmen, Anhörungen und Diskussionen sollen sie zu einem Urteil finden. Oder das eigene Vorurteil bestätigen. Objektivität ist kaum zu erkennen, das Bemühen darum bisweilen schon. Das geht auch in Ordnung, weil ein fairer Prozess nicht das eigentliche Ziel dieses Tribunals ist. Es soll vielmehr den Blick auf Zusammenhänge der Krise freigeben, jenseits der beliebten wie folgenlosen Empörung über "die da oben". Ökonomische Alphabetisierung steht auf dem Programm oder, wie es die Musikerin Dota im Abendprogramm formuliert: "Es geht nicht um ein Stück vom Kuchen, es geht um die ganze Bäckerei." Wenig überraschendes Urteil So eine Betriebsinspektion birgt Gefahren. Die Anklage droht immer wieder, in altlinke Verschwörungstheorien abzurutschen. Und trotz der klugen und straffen Programmierung des Tribunals ist es freilich nicht zu leisten, in so kurzer Zeit das komplexe Ungeheuer Finanzkrise detailliert aufzuarbeiten. Mancher Referenten verliert sich daher in Allgemeinplätzen, Motto: Zukunft ist für alle gut. Andere lassen das große Ganze links liegen und führen - pars pro toto - Stellvertreterdiskussionen. In seinen schwächsten Momenten gerät das Tribunal zur Bühne für ohnehin meinungseinige Sprüche- und Sich-auf-die-Schulter-Klopfer. Besonders dann aber, wenn die Öffentlichkeit aus dem Gerichtssaal und zur Gruppenarbeit verwiesen wird, entstehen Diskussionen, die zumindest Bewusstsein schaffen - etwa für die Folgen der Krise in den Entwicklungsländern. So überrascht am Ende auch das Urteil kaum: "Die Jury kommt zu der Überzeugung, dass die Finanzkrise nicht wie eine Naturgewalt über die deutsche Wirtschaft hereingebrochen ist. Es gibt klare Verantwortliche." Sie werden, natürlich, noch einmal genannt und mit Forderungen adressiert: Termingeschäfte auf Lebensmittel sollen verboten, Steueroasen abgeschafft, Großbanken zerschlagen werden. Eine Finanztransaktionssteuer gehöre eingeführt, die Ausgaben der Bundesregierung für Entwicklungshilfe müssten erhöht werden. Hauptziel sei es, die Transparenz der Finanzmärkte zu erhöhen, um Kontrolle ausüben zu können. Sonst bleibt es womöglich bei der Beobachtung, die der Kabarettist Georg Schramm dem Publikum schilderte: Mittlerweile sei es so, dass die Menschen mehr Angst vor ihrem Anlageberater hätten als vor Al Qaida.
Banker auf der Anklagebank: Bei einem Tribunal in der Berliner Volksbühne verurteilt Attac die Schuldigen der Finanzkrise - Objektivität ist dabei kaum zu erkennen.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/attac-bankentribunal-es-gibt-klare-verantwortliche-1.5611
"Attac: Bankentribunal - ""Es gibt klare Verantwortliche"""
00/04/2010
Das verhängnisvolle Dokument, das Bayerns Steuerzahler mehrere Milliarden Euro kostet, umfasst gerade einmal 16 Punkte und 24 Seiten. Der öffentlich bislang unbekannte Vertrag vom 22. Mai 2007, mit dem die Landesbank die Hypo Group Alpe Adria (HGAA) aus Österreich erwarb, ist kurz und dürftig. Die BayernLB hat darin auf jegliche Garantien für die in Kärnten ansässige Hypo Alpe Adria verzichtet und sich sämtliche Risiken für damals schon drohende Altlasten aufbürden lassen. Der unterschriebene Kaufvertrag und weitere Unterlagen aus der Landesbank, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen, führen zu einem schwerwiegenden Verdacht: Der frühere Vorstand der BayernLB hat mit seiner abenteuerlich anmutenden Übernahme der HGAA offenbar mehr als leichtfertig das Vermögen der Landesbank und des Freistaats gefährdet. Der Skandal um die Milliardenverluste der Landesbank wird ständig größer, immer mehr Ungereimtheiten kommen ans Tageslicht. Ärger für Ex-Vorstände Die Staatsanwaltschaft und der Landtag befassen sich mit dem fragwürdigen Kaufvertrag und dessen Zustandekommen. Damalige Vorstandsmitglieder der BayernLB müssen damit rechnen, vor Gericht gestellt oder zumindest mit Schadenersatzforderungen konfrontiert zu werden. Im Focus stehen der seinerzeitige Bankchef Werner Schmidt und seine beiden Stellvertreter Rudolf Hanisch und Theo Harnischmacher. Sie beteuern jedoch ihre Unschuld. Andere frühere Vorstandsmitglieder müssen ebenfalls mit Ärger rechnen. Schließlich hatte das gesamte Führungsgremium dem Geschäft zugestimmt, das in einem Desaster endete. Dazu wäre es vermutlich nicht gekommen, hätte der damalige Vorstand der BayernLB nicht seine eigenen Maßgaben missachtet. Am 24. April 2007 (einen Monat vor der Übernahme) hatten Bankchef Schmidt und Vizechef Harnischmacher einen zehnseitigen Brief mit zwölf Forderungen für das geplante Geschäft an die verkaufswilligen HGAA-Aktionäre geschickt. Das waren private Investoren und das vom inzwischen gestorbenen Jörg Haider regierte Land Kärnten gewesen. Die Kernforderungen der BayernLB: Bei den vielen von der Hypo Alpe Adria in Österreich und auf dem Balkan gewährten Krediten dürften nicht mehr Risiken bestehen, als bis dahin der Landesbank bekannt geworden waren. "Wir gehen davon aus, dass die Verkäufer ... die erforderlichen Informationen zur Verfügung stellen, um dies aufzuklären." Ein weiterer wesentlicher Punkt: Es dürften "keine nennenswerten Risiken" in den Bereichen Immobilien, Internes Kontrollsystem, Informationstechnologie, Personal, Steuern und Vertrieb existieren. Nur unter diesen und weiteren Voraussetzungen sei man bereit, einen Kaufpreis von 1,6 Milliarden Euro aufzubringen, schrieben Schmidt und Harnischmacher. Am Ende überwies die BayernLB insgesamt knapp 1,7 Milliarden Euro, und bis zum Ausstieg aus der HGAA steckte die BayernLB weitere zwei Milliarden Euro in die Kärntner Bank. Macht zusammen 3,7 Milliarden Euro Verlust. "Unsortiert und unvollständig" Dass seine Bedingungen aus dem Schreiben vom 24. April 2007 nicht erfüllt waren, bekam der Vorstand der BayernLB knapp einen Monat später, am 18. Mai 2007, von der Wirtschaftsprüfgesellschaft Ernst & Young mitgeteilt. Man habe die Hypo Alpe Adria nur "sehr eingeschränkt" durchleuchten können, da viele Informationen "unsortiert und unvollständig" bereitgestellt worden seien. Stichproben bei den von der HGAA ausgereichten Krediten legten nahe, dass man auf weitere Risiken stoßen werde, hieß es. Außerdem verwies Ernst & Young auf das "hohe Maß an unzureichenden Informationen" in den Bereichen Steuern, Immobilien und Personal. Steuerrisiken in großen Teilen der HGAA könnten unentdeckt geblieben sein. Die Wirtschaftsprüfer machten sogar konkrete Vorschläge, was die Landesbank nun tun müsse. Kreditrisiken bei der Hypo Alpe Adria seien im Kaufpreis zu berücksichtigen oder durch Garantien im Kaufvertrag abzudecken. Ebenso bei Steuer- und Immobilienrisiken. Doch im Kaufvertrag, den Bankchef Schmidt und Vizechef Hanisch kurz darauf am 22. Mai 2007 in Klagenfurt unterzeichneten, findet sich davon kein Wort. Stattdessen vereinbarte die Landesbank genau das Gegenteil. Man habe das Abkommen "nicht im Vertrauen auf Zusicherungen oder Gewährleistungszusagen gleich welcher Art abgeschlossen". Die Verkäufer der HGAA-Aktien, das Land Kärnten und private Investoren, mussten keine Haftung für Risiken und Altlasten der Hypo Alpe Adria übernehmen. Nur bei vorsätzlichem Verschweigen von Informationen oder grober Fahrlässigkeit sollten die Verkäufer haften. Diese 24 Seiten sind offenbar das schlechteste Abkommen, das die BayernLB jemals abgeschlossen hat. Und sie dürften vermutlich ein Nachspiel haben, wie es Landesbank und Landesregierung noch nicht erlebt haben.
Haben ehemalige BayernLB-Vorstände beim Kauf der Hypo Alpe Adria wichtige Warnungen missachtet? Interne Dokumente führen zu einem schwerwiegenden Verdacht.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/bayernlb-ein-verhaengnisvoller-vertrag-1.3230
BayernLB - Ein verhängnisvoller Vertrag
00/04/2010
Die Euro-Länder haben sich auf einen Rettungsplan für Griechenland geeinigt. In diesem Jahr kann Athen 30 Milliarden Euro einfordern - zu günstigen Zinsen. Griechenland erhält dieses Jahr Kredite von bis zu 30 Milliarden Euro zu niedrigen Zinsen, sobald es diese fordert. Die Euro-Staaten beschlossen am Sonntag diese Nothilfe, um die Spekulation gegen das angeschlagene Land einzudämmen. Zuletzt waren die Kreditkosten für Athen rasant in die Höhe geschossen. Nachdem Investoren Griechenland in den vergangenen Tagen mehr und mehr das Vertrauen entzogen hatten, schalteten sich die Finanzminister der Euro-Staaten am Sonntag zu einer Videokonferenz zusammen. Ende der Woche waren die Kreditkosten für das Land an den internationalen Finanzmärkten auf etwa 7,5 Prozent hochgeschnellt. So hohe Zinsen zahlen sonst nur Schwellenländer mit schlechten Wirtschaftsdaten. Euro-Staaten wie Deutschland müssen Käufern neuer Anleihen derzeit nur rund drei Prozent zahlen. Griechenland drohte nach der Panik der vergangenen Tage kein Geld mehr zu bekommen, um fällige Kredite zu ersetzen. Insgesamt muss das Land, das weit höher verschuldet ist als es im Jahr an Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet, dieses Jahr mehr als 30 Milliarden Euro an neuen Krediten auftreiben. Um ein Finanzloch für Athen zu vermeiden, sahen sich die anderen Euro-Mitglieder zum Handeln gezwungen. Deutliches Signal an die Märkte Sie wollten ein deutliches Signal an die Märkte senden und legten deshalb noch vor Öffnung der internationalen Finanzmärkte am Montag die Details einer Hilfe fest, die bereits die EU-Regierungschefs beschlossen hatten. Demnach kann Griechenland dieses Jahr von den anderen Euro-Staaten Kredite von bis zu 30 Milliarden Euro erbitten. Dazu kommen Darlehen vom Internationalen Währungsfonds. In den nächsten Jahren sind weitere Kredite der Euro-Staaten möglich, sagte der luxemburgische Regierungschefs Jean-Claude Juncker, Chef der Eurogruppe. Dies bedeutet, dass das Geld zwar jetzt noch nicht fließt, aber sofort beansprucht werden kann. Es handelt sich wohl um einen letzten Versuch, die Anleger zu beruhigen und die Marktzinsen zu reduzieren, ohne dass die Euro-Staaten tatsächlich Kredite vergeben müssen. Die Konditionen der Kredite sind deutlich niedriger als das, was Athen zur Zeit an den Finanzmärkten zahlen muss. Für einen Kredit mit bis zu drei Jahren Laufzeit müsse Griechenland einen Zins von rund fünf Prozent bezahlen, sagte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Strikter Sparkurs Eurogruppen-Chef Juncker versuchte trotz des deutlichen Unterschieds zu den Marktzinsen den Eindruck zu erwecken, als handle es sich bei den Krediten nicht um eine Subvention. Mit den Beschlüssen vom Sonntag steht das Hilfspaket fest, auf dessen Grundzüge sich die Staats- und Regierungschefs der Länder mit der gemeinsamen Währung auf dem EU-Gipfel am 25. März geeinigt hatten. Griechenlands Ministerpräsident Giorgios Papandreou kommentierte die Einigung mit der Bemerkung: "Der Revolver ist jetzt geladen". Ob er benutzt wird, hängt nun von der Reaktion der Finanzmärkte ab. Sollten die unter dem Eindruck europäischer Entschlossenheit ihre Zinsen für griechische Staatsanleihen auf ein Maß senken, das das Land wirtschaftlich und finanzpolitisch langfristig ertragen kann, dann wird die europäische und internationale Hilfe wohl nicht angefordert werden. Papandreous Regierung fährt seit einigen Monaten einen strikten Sparkurs und hat mehrfach betont, dass er sein Land die Krise am liebsten aus eigener Kraft bewältigen würde. Derzeit reist der griechische Finanzminister durch die USA, um für Investitionen in sein Land in Höhe von zehn Milliarden Dollar zu werben. Dass die Finanzmärkte in den letzten Tagen nervös geworden waren und die Griechenland für Staatsanleihen abgeforderten Zinsen so erhöht hatten, lag auch an den Euroländern selbst. Unter denen hatte es nämlich Auseinandersetzungen darüber gegeben, ob die bilateralen Kredite an Athen zu "marktüblichen" Konditionen verzinst werden müssen oder ob Athen günstigere Konditionen geboten werden können. Das Hickhack hatte Investoren verunsichert, wie schnell die Euroländer wirklich helfen. Auf Drängen Deutschlands und der Europäischen Zentralbank hatten die Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Gipfel beschlossen, dass die Nothilfe keine "Subventionselemente" enthalten dürfe. Mit dem Beschluss vom Sonntag hat Deutschland tendentiell nachgegeben.
Die Euro-Länder haben sich auf einen Rettungsplan für Griechenland geeinigt. In diesem Jahr kann Athen 30 Milliarden Euro einfordern - zu günstigen Zinsen.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/hilfsplan-fuer-griechenland-steht-der-revolver-ist-geladen-1.17548
"Hilfsplan für Griechenland steht - ""Der Revolver ist geladen"""
00/04/2010
Die Risikolebensversicherung bewahrt die Hinterbliebenen vor dem finanziellen Ruin. Finanztest zeigt, dass sich die Anbieter im Preis drastisch unterscheiden. Eine Risikolebensversicherung braucht jeder, der Angehörige für den Fall seines Todes absichern möchte. Finanztest hat Angebote von 46 Unternehmen untersucht. Es gibt viele günstige Angebote. Doch der Unterschied zwischen günstigen und teuren Policen erreicht leicht ein paar hundert Euro. Der Preis ist das wichtigste Auswahlkriterium. Reiner Todesfallschutz Eine Risikolebensversicherung ist ein reiner Todesfallschutz, kein Sparvertrag. Stirbt der Kunde, zahlt der Versicherer die Versicherungssumme an den im Vertrag genannten Hinterbliebenen aus. Hier wird nicht wie bei der viel teureren Kapitallebensversicherung Todesfallschutz und Sparleistung vermischt. Eine Risikolebensversicherung ist der bessere Hinterbliebenenschutz. Der Schutz ist vor allem wichtig für Kinder, wenn Vater oder Mutter etwas zustößt. Dann zahlt der Versicherer die Versicherungssumme aus. Unverzichtbar ist die Versicherung auch, wenn Hinterbliebene kaum Rentenansprüche haben. Unverheiratete Partner bekommen zum Beispiel keine Hinterbliebenenrente aus der gesetzlichen Rentenkasse. Preisunterschiede extrem Wenn der Versicherte jung und gesund ist, nicht raucht und kein risikoreiches Hobby hat, kostet die finanzielle Absicherung der Familie sehr wenig. Doch die Preisunterschiede sind extrem: Ein 27-jähriger Mann, der nicht raucht, zahlt zum Beispiel für eine Versicherungssumme von 150.000 Euro beim günstigsten getesteten Versicherer CosmosDirekt einen Jahresbeitrag von 177 Euro. Dafür bekommt er einen Vertrag bis zum 65. Geburtstag. Der teuerste Anbieter im Test verlangt 634 Euro, also 457 Euro mehr. Kunden, die beim Abschluss des Vertrags schon älter sind, zahlen mehr als Jüngere. Ist der Modellkunde zum Beispiel statt 27 schon 34 Jahre alt, zahlt er bei den für ihn günstigsten Anbietern im Test KarstadtQuelle (neuer Name Ergo Direkt) und Neckermann 223 Euro. Rauchen verteuert Beitrag Die Laufzeit des Vertrags bestimmt den Beitrag mit: Je kürzer der Vertrag läuft, desto geringer der Beitrag. Frauen können sich günstiger versichern als Männer, denn ihre Lebenserwartung ist höher und ihr Risiko, jung zu sterben, ist geringer als das von Männern. Die Sterbestatistik ist auch der Grund für die Preisunterschiede zwischen den Tarifen für Raucher und Nichtraucher. Raucher haben im Durchschnitt eine geringere Lebenserwartung als Nichtraucher. Deshalb ist der Schutz für Raucher bei vielen Gesellschaften teurer. Für eine Versicherungssumme von 150.000 Euro muss der 34-jährige rauchender Modellkunde von Finanztest beim günstigsten überregionalen Anbieter Ontos 489 Euro zahlen. Das sind im Jahr 266 Euro mehr als ein gleichaltriger Nichtraucher für den günstigsten Tarif im Test überweisen muss. Versicherer prüfen Risiko Weil Versicherungsunternehmen ihr Risiko möglichst genau kennen möchten, bevor sie den Beitrag festlegen, fragen sie ihre Kunden nicht nur nach dem Nikotinkonsum und risikoreichen Hobbys. Sie wollen auch Auskunft über ihren Gesundheitszustand. Schon Übergewicht oder erhöhte Blutfettwerte sind für die Versicherungsgesellschaften ein höheres Risiko - und das lassen sie sich mit höheren Beiträgen bezahlen. Den Grund für einen Risikozuschlag sollten die Versicherungsgesellschaften bereits vor Vertragsbeginn nennen. Kranke Kunden können später versuchen, den Risikozuschlag wieder loszuwerden, wenn sich ihr Gesundheitszustand bessert. Legen sie ein ärztliches Attest vor, wird ein kundenfreundlicher Versicherer den Mehrbeitrag reduzieren. Bei sehr hohen Versicherungssummen verlangen die Versicherer vor Vertragsabschluss ein ärztliches Gutachten. Sie entscheiden damit, ob sie einen Kunden annehmen und wie viel er zahlen muss. Versicherungssumme frei wählbar Die Versicherungssumme wählt jeder Kunde nach seinem Bedarf. Mit einer Versicherungssumme von 150.000 Euro hätte die Familie des Versicherten nach seinem Tod 20 Jahre lang 900 Euro monatlich zur Verfügung, wenn sie die Summe zu 4 Prozent Zinsen anlegte. Die Vertragslaufzeit sollte der Kunde so lange festschreiben, wie seine Hinterbliebenen den Schutz benötigen, zum Beispiel bis zum 65. Lebensjahr des Versicherten. So wäre eine nicht berufstätige Lebenspartnerin abgesichert, wenn der Alleinverdiener vor seinem 65. Geburtstag stirbt. Oder die Kinder stehen nicht mit leeren Händen da, wenn sie noch Unterstützung brauchen, zum Beispiel in der Zeit ihres Studiums. Das Risiko eines frühen Todes ist nicht so klein: Mehr als 16 Prozent aller 2008 Verstorbenen waren noch keine 65 Jahre alt. Die Finanztest-Tipps zeigen, worauf beim Abschluss der Risikolebensversicherung geachtet werden muss.
Die Risikolebensversicherung bewahrt die Hinterbliebenen vor dem finanziellen Ruin. Finanztest zeigt, dass sich die Anbieter im Preis drastisch unterscheiden.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/risikolebensversicherung-schutz-fuer-die-liebsten-1.13719
Risikolebensversicherung - Schutz für die Liebsten
00/04/2010
Großspurig hat die EU Griechenland Hilfe angeboten - und insgeheim gehofft, dass Athen das Geld gar nicht braucht. Nun wird das Land sogar langfristig Hilfe brauchen. Im Herbst 2008 brauchte eine US-Investmentbank namens Lehman Brothers dringend Geld. Weil sie eine Pleite der Bank befürchteten, wollten andere Finanzkonzerne Lehman nichts leihen; sie schlossen das Institut von den üblichen kurzfristigen Darlehen aus. Als auch die Regierung jede Hilfe verweigerte, brach die 150 Jahre alte Bank zusammen. An der Finanzkrise entzündete sich ein globaler Flächenbrand, der bis heute Millionen Arbeitsplätze vernichtet hat. In diesen Tagen ist wieder die Rede davon, dass ein Schuldner womöglich kurzfristig kein Geld mehr bekommen könnte: der Euro-Staat Griechenland, der seinen Gläubigern inzwischen höhere Zinsen bieten muss als Malaysia, Rumänien oder Nigeria. Die Panik ist überall spürbar. Griechen räumen ihre Sparkonten, was das Finanzsystem kollabieren lassen könnte. Und die Regierung begibt sich auf eine Tour zu US-Geldgebern, bei der die Wiege der europäischen Kultur wie ein Schwellenland um Geld bettelt. Wiederholt sich die Geschichte vom Herbst 2008? Der Unterschied zu Lehman Brothers besteht darin, dass Griechenland Hilfe erwarten kann. Die Euro-Regierungen haben Notfall-Kredite vereinbart. Sie hatten gehofft, ihre Zusage vor zwei Wochen würde genügen, um die Lage zu stabilisieren, ohne dass tatsächlich ein Cent nach Athen fließen muss. Der dramatische Anstieg der Kosten für Kredite zeigt aber, dass dies eine Illusion war. Die Euro-Länder, mit Deutschland an der Spitze, müssen vermutlich schneller helfen, als sie dachten. Und die Rettung der griechischen Misswirtschaft könnte teurer werden, als die Bundesregierung den Deutschen vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen eingestehen will. Eine solche Nothilfe ist trotz der Kosten unverzichtbar: Ein Staatsbankrott würde dem Wirtschaftsraum Europa zu sehr schaden. Aber das jetzt klargewordene Ausmaß der griechischen Misere führt auch vor Augen, was die Euro-Regierungen gerne ausblenden würden, und all der Jubel nach dem Brüsseler Gipfel für Angela Merkels Taktik verdeckt, was Europas Politiker versäumen: Griechenland benötigt mehr als warme Worte, es braucht tatsächlich das Geld der EU-Steuerzahler. Eine solche kurzfristige Finanzspritze ist womöglich nur der Anfang. Ökonomen sehen den Staat auf Schulden von mehr als 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zusteuern. Eine Volkswirtschaft, die dieses Jahr erneut schrumpft und international nicht konkurrenzfähig ist, kann eine solche Last kaum finanzieren - und wird dauerhaft am Tropf der Nachbarn hängen. Die anderen Euro-Regierungen haben versagt, weil sie der Athener Misswirtschaft jahrelang zuschauten. Und sie versagen jetzt, weil sie immer noch keine Konsequenzen aus dem Debakel ziehen. Es ist eine Lebenslüge der Währungsunion, Staaten ohne Stabilitätskultur vor sich hinwurschteln zu lassen. Griechenland und andere Länder brauchen klare Vorgaben etwa für Defizite, die mit Strafzahlungen und Subventionskürzungen durchgesetzt werden. Statt ein solches System zu installieren, haben die Euro-Regierungschefs einander auf dem Gipfel vorgegaukelt, eine Nothilfe löse alle Probleme. Diese Leugnung der Realitäten dürfte für Europas Steuerzahler noch teuer werden. Die Bürger müssen sich außerdem sorgen, dass die schon überwunden geglaubte Inflation zurückkehrt und ihre Ersparnisse annagt. Griechenland und andere Euro-Staaten häufen Schulden in einer Größe an, die Regierungen in früheren Zeiten gerne durch eine Entwertung des Geldes reduzierten, weil dies politisch einfacher war als Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen. An sich soll die Europäische Zentralbank die Inflation in Schach halten und so die Ersparnisse sichern. Doch das Rumgeeiere der Notenbanker in den vergangenen Wochen lässt befürchten, dass sie kein guter Anwalt der Bürger sind.
Großspurig hat die EU Griechenland Hilfe angeboten - und insgeheim gehofft, dass Athen das Geld gar nicht braucht. Nun wird das Land sogar langfristig Hilfe brauchen.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/eu-hilfe-fuer-griechenland-ein-teures-versprechen-1.4625
EU: Hilfe für Griechenland - Ein teures Versprechen
00/04/2010
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner über das Abkassieren mit Service-Hotlines - und warum eine gesetzliche Regelung dagegen nötig werden könnte. SZ: Frau Aigner, wann haben Sie sich zuletzt über die Warteschleife einer Telefon-Hotline geärgert? Aigner: Wenn ich mich richtig erinnere, war es ein Stromversorger. Ich hatte eine Frage zu meinem Tarif. SZ: Und? Wie lange dudelte die Musik? Aigner: Es hielt sich im Rahmen. Als der Mitarbeiter dran war, konnte er mir wenigstens weiterhelfen. Oft hören wir aber von Verbrauchern, dass sie erst lange in kostenpflichtigen Warteschleifen hängen und am Ende noch nicht mal eine befriedigende Antwort bekommen. Trotzdem sollen sie aber für den Anruf bezahlen. Das ist ein Unding. SZ: Steckt dahinter System? Aigner: Bei einigen Anbietern scheint es zum Geschäftsmodell zu gehören, mit Gebühren über die Service-Hotline Gewinn zu machen. Wenn eine Firma die Kunden extra lange in der Warteschleife hängen lässt und dafür auch noch Geld kassiert, ist das Abzocke. Und die wollen wir verhindern. SZ: Wie wollen Sie das machen? Aigner: Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, das Problem zu prüfen. Daran arbeitet mein Haus gerade gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium. Ich persönlich gehe davon aus, dass eine gesetzliche Regelung nötig werden könnte, weil nicht alle Unternehmen freiwillig kostenfreie Warteschleifen anbieten. SZ: Laut den Grünen ist es technisch möglich, auch teure 0900-Nummern auf kostenfreie Nummern umzuleiten. Aigner: Bei 0180-Telefonnummern ist es für die Anbieter technisch schwierig, zwischen der kostenfreien Wartezeit und einem kostenpflichtigen Gespräch zu unterscheiden. Bei der Vorwahl 0900 aber ist dies möglich. Deshalb ist es umso ärgerlicher, wenn Anrufern bei einer teuren 0900er Nummer zum Teil schon in der Warteschleife das Geld aus der Tasche gezogen wird. Auch deshalb halte ich hier jetzt eine Regelung für nötig. SZ: Sollte eine Service-Hotline nicht durchweg kostenlos sein? Aigner: Wenn Unternehmen guten Service bieten, dürfen sie dafür ruhig ein wenig Geld verlangen. Wichtig ist, dass der Kunde erst von dem Moment an bezahlen muss, in dem er auch tatsächlich eine Gegenleistung erhält. Anders sieht es aus, wenn es sich um einen Garantie- oder Gewährleistungsfall handelt: Da sollte der komplette Service, und damit natürlich auch der Anruf, kostenlos sein. SZ: Wann wird die Regierung ein Gesetz präsentieren? Aigner: Wir sind dran. Generell rate ich Verbrauchern, schon bei Vertragsabschluss zu fragen, ob es eine kostenlose Hotline gibt. Kundenfreundliche Unternehmen bieten diesen Service an.
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner über das Abkassieren mit Service-Hotlines - und warum eine gesetzliche Regelung dagegen nötig werden könnte.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/aigner-zu-telefon-hotlines-wir-wollen-diese-abzocke-verhindern-1.5747
"Aigner zu Telefon-Hotlines - ""Wir wollen diese Abzocke verhindern"""
00/04/2010
Vertröstet von den immergleichen Beteuerungen der Computerstimme: Die Zeit in der Telefon-Warteschleife bedeutet für viele Firmen ein einträgliches Zusatzgeschäft. Bei den großen Fragen des Lebens müssen gerne mal die alten Russen herhalten, und wer würde sich da besser eignen als Leo Tolstoi? Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann, hat Tolstoi behauptet. Das mag für die Liebe gelten und für die Börse vielleicht auch, aber bestimmt nicht für die Kunden von Fluglinien und Telekommunikationsunternehmen am Anfang des 21. Jahrhunderts. 68 Stunden ihrer Arbeitszeit verbringen durchschnittliche Arbeitnehmer jedes Jahr in Telefonwarteschleifen, sagt eine amerikanische Studie. Und wenn sie nach Feierabend einen Flug umbuchen wollen, wenn die Internetverbindung streikt oder sie bei ihrem Telefonanbieter die Höhe der Rechnung reklamieren wollen, warten sie weiter - beschallt von Dudelmusik, vertröstet von den immergleichen Beteuerungen der Computerstimme: Wir sind gleich für Sie da. Der Gebührenzähler läuft schon Doch nicht immer, wenn die Anrufer schmoren müssen, sind die Leitungen tatsächlich überlastet - für viele Unternehmen gehören die Wartezeiten beim Kundenservice zum Geschäftsmodell. Denn meist läuft der Gebührenzähler schon, bevor sich am anderen Ende der Leitung überhaupt ein Servicemitarbeiter meldet. Die Warteschleife kostet die Kunden somit nicht nur Zeit, sondern mitunter auch richtig viel Geld. Die Firmen hingegen erzielen damit zusätzliche Einnahmen - noch bevor sie überhaupt eine Serviceleistung erbracht haben. Ende des vergangenen Jahres testete die Grüne Bundestagsfraktion die Servicehotlines diverser Unternehmen. Alle Nummern wurden mehrmals angerufen, zu verschiedenen Tageszeiten, am Wochenende und an normalen Arbeitstagen. 4,30 Euro für eine Nicht-Leistung Bei manchen scheine es so etwas wie einen Minimalwartezeit zu geben, sagen die Grünen, vor allem die Telekommunikationsfirmen stellten die Geduld ihrer Kunden oft hart auf die Probe. Beim Internetunternehmen 1&1 etwa dauerte es bis zu 23 Minuten, bis sich ein Mitarbeiter meldete - dafür ist die 1&1-Hotline mit höchstens 49 Cent pro Minute aber vergleichsweise günstig. Anders bei der Billigfluggesellschaft Ryanair: Hier warteten die Tester sieben Minuten und bezahlten dafür - ohne eine Leistung erhalten zu haben - 4,30 Euro. Teurer war nur noch ein Anruf bei der Hotline von O2: Elf Minuten Warten auf einen Mitarbeiter der technischen Beratung kostet bei dem Mobilfunkanbieter 9,80 Euro. Das sei keineswegs Strategie, heißt es dazu bei O2. Natürlich bemühe man sich, alle Anfragen so schnell wie möglich zu bearbeiten. Die entsprechende Hotline sei lediglich "für technische Tüftler mit komplizierten technischen Problemen" gedacht gewesen, beteuert ein Unternehmenssprecher - nach dem Test der Grünen habe man sie abgeschaltet. "Das hat nichts mit Geschäftemacherei zu tun" Auch andere Firmen bestreiten, ihre Kunden absichtlich warten zu lassen. Nur zu Zeiten mit besonders hoher Kundenfrequenz könne es zu Wartezeiten kommen, heißt es etwa bei 1&1. "Das hat überhaupt nichts mit Geschäftemacherei zu tun." Frank Pieper erzählt eine andere Geschichte. Pieper ist Geschäftsführer bei Avaya, einem Unternehmen, das in diesem Jahr etwa 5,5 Milliarden Euro Umsatz machen wird. Avaya produziert Telefonanlagen für große Unternehmen, auf Wunsch gibt es die Software für den Call Center-Betrieb gleich mit dazu.
Vertröstet von den immergleichen Beteuerungen der Computerstimme: Die Zeit in der Telefon-Warteschleife bedeutet für viele Firmen ein einträgliches Zusatzgeschäft.
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Gedudel in Warteschleifen - Wir sind gleich für Sie da
00/04/2010
Angesichts der zugespitzten Lage in Griechenland spekulieren Anleger und Analysten darauf, dass bereit in den nächsten Tagen Hilfen nach Athen fließen. Offenbar stehen nun die Details der Rettung. Die Regierung des Landes beteuerte erneut, sie wolle das Hilfsangebot nicht in Anspruch nehmen. Nahrung erhielten die Spekulationen auf eine baldige Stützung Griechenlands am Freitag durch einen drastischen Schritt der Ratingagentur Fitch. Sie senkte die Note für die Kreditwürdigkeit des Landes um zwei Noten auf BBB-. Damit sind griechische Anleihen in den Augen von Fitch nur noch eine Stufe vom Ramsch-Status entfernt. Die weiteren Aussichten blieben negativ. Zwar sei es wahrscheinlich, dass Griechenland Unterstützung bekomme, doch die von der Eurozone und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) in Aussicht gestellte Hilfe müsse transparenter gemacht werden. Am Vortag hatte der Fitch-Analyst Chris Pryce das Land aufgefordert, sofort die angebotene Hilfe zu nutzen. In EU-Kreisen gab es am Freitag widersprüchliche Aussagen zu den Konditionen, zu denen Euro-Länder Griechenland helfen wollen. Einerseits hieß es, der Rettungsmechanismus sei leicht geändert worden. "Eine Einigung ist erreicht", sagte ein Eingeweihter der Agentur Reuters nach dem Treffen des Wirtschafts- und Finanzausschusses. Die Zinsen, die Euro-Staaten für bilaterale Kredite an Athen verlangen würden, seien in etwa so hoch, wie bei Hilfskrediten des IWF. Dagegen sagte eine Kommissionssprecherin, über den Zins werde erst entschieden, wenn Griechenland um Hilfe gebeten habe. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy sagte, die Finanzminister der Euro-Länder wollten die Details der Rettung erst Mitte April klären. Sie treffen sich am 16. April in Madrid. Soros attackiert Deutschland Die Höhe der von den EU-Staaten verlangten Zinsen galten als ein Grund, weshalb Investoren in den vergangenen Tagen trotz der Hilfszusagen an Athen auf eine Pleite des Landes spekuliert hatten. Wenn Griechenland für Hilfskredite ähnlich hohe Zinsen zahlen müsse wie derzeit am freien Markt, dann sei dem Land nicht geholfen, weil die Sparbemühungen so konterkariert würden, lautete die Begründung. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dies aber zur Bedingung für Hilfszusagen gemacht. Der Finanzinvestor George Soros griff diese Haltung jetzt scharf an. "Wenn Deutschland sich darauf einlassen würde, Geld zu günstigeren Konditionen zu geben, würden die Marktzinsen fallen"', sagte Soros. "Ich hoffe, dass Deutschland erkennen wird, dass das Gerede über Kredite zu Marktzinsen die falsche Medizin ist. Das würde Griechenland in den Abgrund treiben." Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi erklärten nach einem Treffen am Freitag in Paris, die Euro-Länder seien jederzeit zur beschlossenen Hilfe bereit. "Ich rate niemandem, daran zu zweifeln, dass dieses Sicherheitsnetz bereitsteht und im Notfall auch kurzfristig angewandt wird", sagte auch ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Es gebe aber keinen Grund zu zweifeln, dass Griechenland die Refinanzierung seiner Schulden gelinge. Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou bekräftigte, Athen wolle den IWF und die EU vorerst nicht um Hilfe bitten. Zunächst will das Land am kommenden Dienstag versuchen, weiteres Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen. Geplant sind Anleihen über bis zu 1,2 Milliarden Euro. Bis Ende Mai muss das Land 11,5 Milliarden Euro refinanzieren. An den Finanzmärkten wird spekuliert, dass schon in den nächsten Tagen Hilfen an Griechenland fließen. Stephane Deo, Chefökonom für Europa bei der Schweizer Bank UBS schreibt nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg in einer Studie, eine "Intervention über das Wochenende sei eine klare Möglichkeit". Die Märkte beruhigten sich am Freitag etwas. Der Euro stieg auf ein Tageshoch von 1,3491 US-Dollar. Die Rendite zehnjähriger griechischer Staatsanleihen lag noch um 3,94 Prozentpunkte höher als bei Bundesanleihen. Am Vortag hatte dieser Risikoaufschlag mit über 4,5 Punkten den höchsten Stand seit Einführung des Euro erreicht.
Athen kommt einfach nicht zur Ruhe: Die Ratingagentur Fitch senkt die Kreditwürdigkeit Griechenlands, Investoren wetten auf schnelle Hilfe. Und offenbar sind die Details der Rettung geklärt.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/griechenland-in-not-dicht-vorm-ramsch-status-1.3061
Griechenland in Not - Dicht vorm Ramsch-Status
00/04/2010
Wie der Fall Madoff: Tom Petters hat mit seinem Schneeballsystem viele Anleger um Milliarden betrogen - nun muss der ehemalige Besitzer des Fotokonzerns Polaroid für viele Jahre ins Gefängnis. Es ist ein monströses Strafmaß: Der ehemalige Besitzer des Fotokonzerns Polaroid muss wegen Betruges für 50 Jahre ins Gefängnis. Ein Gericht in St. Paul (US-Bundesstaat Minnesota) befand Tom Petters für schuldig, durch ein Schneeballsystem einen Schaden von mehr als 3,5 Milliarden Dollar angerichtet zu haben. Der Betrug, der Ende 2008 aufgeflogen war, hatte Polaroid in die Insolvenz gestürzt. "Das war ein gewaltiger Schwindel", sagte Richter Richard Kyle. Petters hatte über seine gleichnamige Firma Geld von Investoren eingesammelt, angeblich um damit lukrative Geschäfte zu tätigen. Tatsächlich zwackte er einen Teil des Geldes ab, um damit seinen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren. Die Lücken stopfte er durch die Einlagen von neuen Investoren. Drei Häuser und Flugzeuge "Es ist nichts Falsches daran, drei Häuser und Flugzeuge und all das zu haben, solange es das eigene Geld ist", sagte der Richter. Er zählte mehr als 500 Geschädigte, neben großen Hedgefonds auch Privatanleger. Petters kann bei guter Führung frühestens nach 41 Jahren entlassen werden; die Staatsanwaltschaft hatte 335 Jahre Haft gefordert. Zu Petters Firmenimperium gehörte auch Polaroid. Der traditionsreiche Hersteller von Sofortbildkameras hat das Geschäft, das ihn einst groß machte, inzwischen aufgegeben. Unter dem Namen werden nun vor allem Digitalkameras verkauft. Petters hatte Polaroid 2005 übernommen, nachdem das Unternehmen 2001 schon einmal Insolvenz hatte anmelden müssen. Die digitale Fotografie hatte der Firma zugesetzt. Zuletzt erlebten die Sofortbildkameras allerdings eine unerwartete Renaissance - ein Comeback als Nischenprodukt ist geplant. Der Fall Petters erinnert an den Rekordbetrug von Bernard Madoff, der die Wall Street im vergangenen Jahr schockte. Er hatte tausende Anleger mit einem Schneeballsystem um ihr Geld erleichtert. Auf dem Papier waren es am Ende 60 Milliarden Dollar. Madoff erhielt eine Haftstrafe von 150 Jahren.
Wie der Fall Madoff: Tom Petters hat mit seinem Schneeballsystem viele Anleger um Milliarden betrogen - nun muss der ehemalige Besitzer des Fotokonzerns Polaroid für viele Jahre ins Gefängnis.
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"50 Jahre Haft für Ex-Polaroid-Eigner - ""Ein gewaltiger Schwindel"""
00/04/2010
Die Lage ist verworren: Die griechische Krise könnte den deutschen Steuerzahler im schlimmsten Fall viel kosten - ihm vielleicht aber sogar reichlich Geld einbringen. Noch ist es nicht soweit, noch hofft Griechenland, selbst aus dem Schuldensumpf herauszukommen. Doch die Lage hat sich verschärft, deshalb ist es wahrscheinlicher geworden, dass das Land auf fremde Hilfe angewiesen ist. Was könnte dies den deutschen Steuerzahler kosten? Die Antwort: Im schlimmsten Fall sind es in diesem Jahr bis zu 5,4 Milliarden Euro. Die Rechnung macht Jürgen Michels auf, Citibank-Chefvolkswirt für die Eurozone. Es ist eine Rechnung mit Unbekannten. Die erste Annahme ist das Worst-Case-Szenario: Griechenland bekommt von sofort an kein Geld mehr auf den Kapitalmärkten, weil die Investoren das Vertrauen verloren haben. Es bittet daher den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die EU um Hilfe. "Bis Ende des Jahres muss das Land noch alte und neue Schulden von rund 30 Milliarden Euro finanzieren", sagt Michels. Grenzen des Maastrichter Vertrags Die mögliche Hilfe des IWF für Griechenland liegt nach bisherigen Erfahrungen bei rund zehn Milliarden Euro. Die Euro-Länder müssten also für 20 Milliarden Euro aufkommen, wenn die Hilfen im Verhältnis 1:2 bereitgestellt würden. Um den Maastrichter Vertrag nicht zu verletzten, darf die Hilfe nicht von der EU als Ganzes kommen, die Mitgliedsländer müssen sie bilateral gewähren. Das bedeutet: Sie würden sich wohl selbst über Anleihen Geld auf dem Kapitalmarkt besorgen und dieses an Griechenland weiterreichen. Welcher Anteil entfiele nun auf Deutschland? Michels legt dafür den Kapitalschlüssel zugrunde, der für die Europäische Zentralbank gilt: Die Bundesrepublik hält an ihr 27 Prozent. Würde die Hilfe der Länder nach diesem Schlüssel verteilt, ergäben sich für Deutschland in diesem Jahr die besagten 5,4 Milliarden Euro (27 Prozent von 20 Milliarden). "Wichtig zu wissen ist, dass es sich dabei um einen Kredit handelt, nicht um eine Schuldenübernahme", sagt Michels. Die Hilfe ist also darauf angelegt, dass sie wieder zurückgezahlt wird, und zwar verzinst. Unklar ist noch die Höhe der Zinsen. Die gute Nachricht Michels geht davon aus, dass Deutschland von Griechenland rund drei Prozent verlangen würde. Diese setzen sich zusammen aus dem rund einem Prozent, das Deutschland derzeit zahlen muss, wenn es eine zweijährige Anleihe aufnimmt. Hinzu kommt ein Risikoaufschlag von geschätzten zwei Prozent, den Griechenland an Deutschland leisten müsste. Wie gesagt: Es handelt sich um ein Worst-case-Szenario. Nun die gute Nachricht: Wenn passiert, was alle hoffen, nämlich dass Griechenland durch die Hilfen stabilisiert würde, könnte es den Kredit zurückzahlen. Der deutsche Steuerzahler bekäme die 5,4 Milliarden Euro wieder und dazu die Risikoprämie. Er hätte also zwei Prozent von 5,4 Milliarden Euro verdient. Macht über zwei Jahre mehr als 200 Millionen Euro.
Die Lage ist verworren: Die griechische Krise könnte den deutschen Steuerzahler im schlimmsten Fall viel kosten - ihm vielleicht aber sogar reichlich Geld einbringen.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/griechenland-risiko-fuer-deutschland-hopp-oder-top-1.21810
Griechenland: Risiko für Deutschland - Hopp oder Top
00/04/2010
François Jozic präsentiert sich gerne als der andere Banker, jemand eben, der aus der Finanzkrise früh die richtigen Schlüsse gezogen hat. Im vergangenen November hatte er mit seinem belgischen Landsmann Frédéric Lodewyk die Noa Bank mit Filialen in Frankfurt und Düsseldorf gegründet. Bundesweit warben sie auf ganzseitigen Anzeigen mit dem Slogan "Was macht ihre Bank mit ihrem Geld?" Jozic verspricht bis heute das Geld der Kunden ökologisch und sozial anzulegen, vor allem aber transparent. 9000 Kunden haben sich innerhalb weniger Monate für das Institut entschieden und dort 185 Millionen Euro auf Tages- und Festgeldkonten deponiert. Der Neuling profitierte dabei von dem gestiegenen Interesse an grünen Banken. Nun holt Jozic seine geschäftliche Vergangenheit ein, beispielsweise die als Aufsichtsratsvorsitzender von Targas. Die Düsseldorfer Firma vermittelt beim Kauf und Verkauf kleiner Firmen. Kunden hatten sich über zweifelhafte Geschäftspraktiken wie Drückerkolonnen und hohe Vorauszahlungen beschwert. Jozic selbst räumte ein, die Firma habe manchmal Methoden eingesetzt, "die nicht akzeptabel waren". Mittlerweile hat er beschlossen, sein Aufsichtsratsmandat niederzulegen. Er selbst sieht wegen seiner Funktion bei Targas kein Glaubwürdigkeitsproblem für sein Image als grüner Banker. "Dies ist nicht meine Geschichte, dies ist Targas", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Dagegen räumt der Bankinhaber offen ein, dass es für sein Institut schwierig sei, für die Anlagegelder entsprechende sozial-ökologische Kredit-Engagements zu finden. Tatsächlich hat die Noa Bank die Gelder ihrer Kunden meist in Anleihen oder auf Konten bei anderen Banken geparkt. Die Anlaufschwierigkeiten führt der Banker auf den großen Erfolg zurück. Bislang sind tatsächlich erst 225.000 Euro in den Umweltschutz geflossen und sechs Millionen Euro in die Kategorie "Region"; hier handelt es sich um kleinere Industrie-Unternehmen, Handwerksbetriebe oder Dienstleister. Abgang des Geschäftsführers Möglicherweise will Jozic die Bank vor allem als Refinanzierungsquelle für die Factoringgesellschaft Quorum nutzen; sie kauft Forderungen von Firmen an, die wiederum Forderungen von anderen Kunden haben. Momentan hat Quorum 400 mittelständische Kunden. Demnächst werde Quorum als Tochter in die Noa Bank eingebracht, sagte Jozic, daran sieht er keinesfalls etwas Anstößiges. Womöglich könnte sich mancher Anleger daran stören, der sein Geld ökologisch und sozial anlegen wollte. Quorum hat schließlich nicht den besten Ruf. Gegründet wurde die Firma ebenfalls vom Duo Jozic und Lodewyk im Jahr 2004 in Düsseldorf. Mit psychologisch geschulten Vertretern soll das Unternehmen kleine und kleinste Firmen umworben haben, die besonders dringend auf Verbesserung ihrer Liquidität angewiesen waren, sagte Rechtsanwalt Tim Ohnemüller der Internetseite Spiegel Online. Dem Juristen seien etwa drei Dutzend Unternehmen bekannt, die sich durch Quorum geschädigt sehen. Ein Verfahren ist derzeit am Landgericht Düsseldorf anhängig (Aktenzeichen 14d O 160/08). Bis vor zwei Jahren habe man mit einem Netzwerk von Selbständigen gearbeitet, räumt Jozic ein. Zu diesem Zeitpunkt habe die Quorum AG tatsächlich Probleme mit der Art und Weise der Kundenakquisition. Heute sei dies aber anders. Für zusätzliche Unruhe sorgte am Donnerstag Friedrich-Leopold Freiherr von Stechow, der Geschäftsführer der Noa Bank. Der langjährige Genossenschaftsbanker, der unter anderem bei der DG Bank arbeitete, sollte bei Jozics Noa Bank Aufbauhilfe leisten. Nun gibt er seinen Job als Vorstand der Noa Bank bereits wieder auf. Ein Sprecher beschwichtigte am Donnerstag auf Anfrage und sprach von einem geplanten Schritt. Zudem dementierte er, von Stechow habe die Vorgehensweise von Bankgründer Jozic als ruppig bezeichnet. Entgegen Marktgerüchten untersucht die Aufsicht noch nicht die Eignung von Jozic als Bankinhaber. Derzeit gebe es keine Überprüfung der Inhaber der Noa Bank, sagte ein Sprecher der Süddeutschen Zeitung.
Mit sozialer und ökologischer Geldanlage wirbt die grüne Noa Bank um Kunden. Doch die Gründer des Instituts sollen früher zweifelhafte Geschäfte getätigt haben.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/kritik-an-noa-bank-flecken-auf-der-gruenen-weste-1.18965
Kritik an Noa Bank - Flecken auf der grünen Weste
00/04/2010
Panik in Europa: Wenn die Griechen weiter massenhaft Geld von ihren Banken abziehen, könnte das Finanzsystem des ganzen Landes kollabieren. Wer in einem Land der Dritten Welt lebt, ist so etwas gewöhnt. Durch Währungschaos oder einen Putsch kann Geld auf Bankkonten plötzlich unerreichbar werden. Deshalb empfiehlt es sich, Ersparnisse bei Anzeichen von Gefahr schnell abzuräumen. Neu ist, dass solche Panikreaktionen mitten im hochindustrialisierten Europa vorkommen: Seit Anfang des Jahres haben die Griechen zehn Milliarden Euro von ihren Konten abgezogen, was etwa fünf Prozent aller Guthaben entspricht. Gerüchteweise überwiesen sie es nach Zypern oder Luxemburg, wo es vor einem Kollaps heimischer Banken sicher wäre. Die erst jetzt bekannt werdende Abhebewelle zeigt: Die Griechen erwarten Schlimmes in ihrem Land, das weit höhere Schulden aufgehäuft hat als es im Jahr erwirtschaftet- und jetzt nur noch schwer Geld auftreiben kann. Zitterprämie größer als bei Island Die Ängste sind verständlich in einer Nation, die fast täglich schlechte Nachrichten produziert. Diese Woche stieg die Zitterprämie für griechische Staatspapiere erstmals über den Wert Islands. Jenes kleinen Landes, das seine Bankgeschäfte riesig aufblähte und deshalb im schlimmsten Moment der Finanzkrise 2008 fast pleitegegangen wäre. Überall stehen Menetekel an der Wand. Die Panikabhebungen erinnern an die Weltwirtschaftskrise vor der Machtergreifung Hitlers. Und sie bringen die griechischen Banken in Bedrängnis, die rasch Kredite brauchen und von ausländischen Finanzhäusern womöglich keine mehr bekommen - eine solche Klemme ließ im September 2008 die US-Bank Lehman zusammenkrachen und die Finanzkrise richtig eskalieren, so dass sie bis heute Millionen Arbeitsplätze vernichtete. Die Zinsen, die Griechenland auf neue Staatsschulden zahlen muss, stiegen diese Woche jeden Tag auf ein Rekordhoch. So teuer war es für die Regierung in Athen noch nie, seitdem sie ihre kränkliche Drachme gegen den harten Euro austauschen durfte. "Ausfall kein Thema" Viele Beobachter erstaunt, dass sich die Krise jetzt so verschärft. Denn Ende März hatten die EU-Regierungen nach wochenlangen Verhandlungen erklärt, Griechenland im Notfall Geld zuzuschießen. Damit müßte ein Bankrott des östlichsten Euro-Staats ausgeschlossen sein. "Ein Ausfall griechischer Staatskredite ist kein Thema", versuchte Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, die Anleger am Donnerstag zu beschwören. Doch die Investoren stoßen weiter griechische Papiere ab. An den Finanzmärkten ist die Nervosität so groß, dass Gerüchte selbst dann die Kurse drücken, wenn sie sich als falsch erweisen. Warum ist die Ankündigung der EU-Hilfe so schnell verpufft?
Panik in Europa: Wenn die Griechen weiter massenhaft Geld von ihren Banken abziehen, könnte das Finanzsystem des ganzen Landes kollabieren.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/die-griechen-pluendern-ihre-konten-das-grosse-abraeumen-1.18193
Die Griechen plündern ihre Konten - Das große Abräumen
00/04/2010
Stippvisite in Peking: US-Finanzminister Geithner trifft den chinesischen Vizepremier zu einem vertraulichen Gespräch. Lenkt China im Währungsstreit nun ein? In China mehren sich die Anzeichen für eine Aufwertung des Yuan. Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner flog am Donnerstag von Indien zu einem vorher nicht geplanten Besuch nach Peking. In einer Lounge des dortigen Flughafens traf er Vizepremier Wang Qishan. Nach der Begegnung hieß es lediglich, beide Politiker hätten über Fragen der "strategischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit" gesprochen. Es gilt jedoch als sicher, dass dabei die Währungsfrage im Mittelpunkt stand. Seit Mitte 2008 hat China seine Währung zu einem Kurs von 6,83 Yuan an den Dollar gebunden. Der Yuan gilt damit, gemessen an der Kaufkraft, als erheblich unterbewertet. Als Konsequenz werden chinesische Exporte in die USA begünstigt, amerikanische Ausfuhren dagegen erschwert. Viele Politiker in Washington geben der chinesischen Währungspolitik daher nicht nur die Schuld am wachsenden Handelsdefizit mit China, sondern an der Vernichtung heimischer Arbeitsplätze. Im Kongress wird eine Gesetzesinitiative vorbereitet, wonach China wegen der Fehlsteuerung des Wechselkurses mit Sanktionen bedroht werden könnte. Auch Finanzminister Geithner hatte China in der Vergangenheit mehrfach der "Währungsmanipulation" bezichtigt. Kurz vor Ostern schaltete er jedoch auf Entspannung. Er verschob die eigentlich für kommende Woche geplante Veröffentlichung eines Berichtes zum Welthandel auf unbestimmte Zeit. China unter Preisdruck Dieser Bericht hätte ihn gezwungen, die chinesische Währungspolitik zu bewerten und unter Umständen ein Sanktionsverfahren in Gang zu setzen. Geithner begründete die Verschiebung damit, dass "eine Reihe sehr wichtiger, hochrangiger Treffen" bevorstehe, die zur "Stärkung der Weltwirtschaft" beitragen könnten. Der Satz wurde in Washington so gedeutet, dass die US-Regierung im Währungsstreit mit China Zeit gewinnen wollte. In der kommenden Woche wird Chinas Präsident Hu Jintao nach Washington kommen. Offiziell wird er dabei eine Konferenz über nukleare Sicherheit besuchen, in seinem Treffen mit Präsident Barack Obama dürfte auch das Währungsthema eine Rolle spielen. Ende April konferieren die Finanzminister der G-20-Staaten, zu denen auch China gehört, bei der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds in Washington. Nach Ansicht von Ökonomen läge eine Aufwertung des Yuan auch im Interesse der Volksrepublik. Dort droht die Wirtschaft zu überhitzen. Die Verbraucherpreise stiegen im Februar um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die für Häuser und Grundstücke sogar noch schneller. Eine Aufwertung würde den Preisdruck etwas verringern. Scharfe Aufwertung des Yuan nützt niemandem Politischer Druck aus Washington könnte diese Entscheidung jedoch verzögern. Auch diese Überlegung dürfte hinter Geithners neuer Vorsicht im Umgang mit China stehen. Die USA hätten der Führung in Peking einen "Olivenzweig" gereicht, sagte Stephen Roach von Morgan Stanley der Agentur Bloomberg. Dies sei eine "sehr ermutigende Entwicklung". Xiao Geng vom Brookings-Tsinhua-Zentrum in Peking meinte, ein "großer Interessenausgleich" zwischen den zwei Ländern stehe bevor. Jede Änderung in der chinesischen Währungspolitik wird jedoch nur graduell sein, da die Regierung in Peking Risiken für den Wirtschaftsaufschwung minimieren will. Xia Bin, ein Berater der Bank von China, erklärte kurz vor dem Besuch Geithners, eine "scharfe Aufwertung" des Yuan würde niemandem nützen. Er sprach sich für eine graduelle und gesteuerte Anpassung des Wechselkurses aus, eine Politik, die China schon vor Ausbruch der Finanzkrise praktiziert hatte. An den Börsen wird derzeit eine Aufwertung des Yuan um 2,7 Prozent bis Jahresende erwartet, das zeigt die Entwicklung von Devisen-Terminkontrakten.
Stippvisite in Peking: US-Finanzminister Geithner trifft den chinesischen Vizepremier zu einem vertraulichen Gespräch. Lenkt China im Währungsstreit nun ein?
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https://www.sueddeutsche.de/geld/usa-und-china-geldpolitik-langsam-taut-das-eis-1.23766
USA und China: Geldpolitik - Langsam taut das Eis
00/04/2010
Satte 14 Milliarden Euro verschleudern die Deutschen durch Stromfresser. Außerdem: Die Weltbank vergab Kredite in Rekordhöhe. Die Deutschen verschwenden im Haushalt Unmengen an Energie und verschenken laut einer Studie jährlich rund 14 Milliarden Euro. "Mit der heutigen Technik liegt das Einsparpotenzial in deutschen Haushalten bei 50 Prozent", sagte der Geschäftsführer der Frankfurter Messe, Michael Peters, am Donnerstag. Die meisten würden jedoch die Einsparmöglichkeiten gar nicht kennen. So verbrauchen etwa moderne Leuchtdioden (LEDs) weniger als 20 Prozent von herkömmlichen Glühbirnen. Auch durch den Kauf von modernen Kühlschränken und Waschmaschinen lässt sich langfristig eine Menge sparen. Dabei müssten die Bürger auf nichts verzichten. Vielmehr könne die neue Technik den Komfort und das Wohlbefinden erhöhen, erklärte Peters. Für die Studie anlässlich der Messe "Light+Building" befragte TNS Infratest rund 1000 Menschen. Die Berechnungen in der Studie gingen von 40 Millionen Haushalten in Deutschland und einer jährlichen Stromrechnung von durchschnittlich 700 Euro aus. Die Zinsen im Euro-Raum bleiben wie erwartet auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent. Das entschied der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank hält den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld seit Mai 2009 auf diesem Niveau. Eine erste Zinserhöhung erwarten Volkswirte wegen der nur zögerlichen Erholung der Wirtschaft und der anhaltend niedrigen Inflation inzwischen erst Anfang 2011. Die EZB will sich noch erklären, wie sie dem hoch verschuldeten Griechenland unter die Armen greifen könnte. Notenbank-Präsident Jean-Claude Trichet hatte Ende März angekündigt, die EZB werde über 2010 hinaus zweitklassige Wertpapiere als Sicherheiten für geliehenes Zentralbankgeld akzeptieren. Wegen der Vertrauenskrise unter den Kreditinstituten war die Notenbank von ihrer Linie abgewichen, nur Sicherheiten mit hervorragender Bonität zu akzeptieren. Dies sollte aber nur bis Ende 2010 gelten. Bliebe die EZB bei dieser Begrenzung, bestünde die Gefahr, dass sie griechische Staatsanleihen ab 2011 nicht mehr annehmen könnte. Beobachter gehen davon aus, dass die Notenbank für Papiere mit zweitklassigem Rating gestaffelte Abschläge für verschiedene Risikoklassen einführen wird. Etappensieg für frühere Aktionäre der Hypo Real Estate Die früheren Aktionäre der Skandalbank Hypo Real Estate haben in ihrem juristischem Kampf gegen den Staat einen Etappensieg errungen. Das Landgericht München legt eine Klage gegen die HRE-Verstaatlichung zur Prüfung dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg vor. Damit muss sich erstmals ein Gericht außerhalb Deutschlands mit der Vorgehensweise der Bundesregierung bei der HRE-Rettung befassen. "Das ist ein Riesenerfolg", sagte Kläger Bohdan Kalwarowskyj nach der Entscheidung. Dem Bund drohen damit neben anhaltenden Milliardenverlusten bei der HRE und dem fluchtartigen Abgang des früheren Chefs Axel Wieandt neue juristische Probleme. Der Steuerberater Kalwarowskyj hatte die HRE-Aktien für seine Kinder gekauft und fühlt sich vom Staat erpresst und enteignet, weil er sie im Zuge der Verstaatlichung zum Schleuderpreis von 1,30 Euro an den Bund abgeben musste. Er verlor tausende Euro und zog zusammen mit ein paar Mitstreitern in eine ungleiche Schlacht: Auf der einen Seite ein paar Dutzend Aktionäre, auf der anderen der Staat. "Da sind wir eigentlich hoffnungslos unterlegen." Anfangs wurden die Aktionäre noch belächelt, die sich mit einem so mächtigen Gegner anlegen wollten. Inzwischen mehren sich aber die Anzeichen, dass ihre Aussichten auf Schadenersatz nicht schlecht stehen. Zahlen müsste bei einem Erfolg in allen Fällen der Bund, dem die HRE nach Milliardenhilfen vollständig gehört. Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen schnellt nach oben Das hoch verschuldete Griechenland sollte nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch sofort bei EU und IWF Hilfe beantragen. Die rasant steigenden Risikoprämien für griechische Anleihen und Unklarheiten über den Notfallplan der EU ließen keine lange Verzögerung zu, sagte der für das Mittelmeer-Land zuständige Analyst Chris Pryce. "Es ist an der Zeit, dass die Euro-Zone und die griechische Regierung das wahre Ausmaß ihrer Probleme anerkennen." Er bemängelte, dass trotz des im vergangenen Monat beschlossenen Notfallplans unklar ist, was die EU genau tun wolle, wann sie es tun wolle, und wie viel Hilfe sie bereitstellen würde. Der Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen kletterte am Donnerstag den dritten Tag in Folge auf ein neues Rekordhoch. Investoren verlangten für zehnjährige Staatsanleihen eine Rendite von rund 7,5 Prozent - gut 4,5 Prozentpunkte mehr als für entsprechende Papieren aus Deutschland. Die Aktien griechischer Banken büßten in Athen im Schnitt mehr als sieben Prozent an Wert ein. Die Entwicklung setzt Griechenland enorm unter Druck, weil das Land bereits am 20. April Schulden von 8,2 Milliarden Euro tilgen muss und im Mai weitere Milliarden benötigt. Rekordkreditvergabe der Weltbank Die Weltbank hat Schwellenländern in der Finanzkrise mit Rekordhilfen unter die Arme gegriffen. In den vergangenen 18 Monaten seien 100 Milliarden Dollar an Krediten ausgegeben worden, teilte die Organisation mit. Der Löwenanteil, rund 60,3 Milliarden Dollar, sei an Länder mit einem mittleren Inlandsprodukt gegangen, die sich an den Finanzmärkten nur schwer Geld hätten leihen können. Während die ärmsten Länder zuvor zwölf Milliarden Dollar an Krediten und Darlehen bekamen, stieg der Betrag in der Krise auf über 21 Milliarden Dollar. Viele Staaten versuchten mit dem Gang zur Weltbank Einschnitte im sozialen Netz vermeiden.
Satte 14 Milliarden Euro verschleudern die Deutschen durch Stromfresser. Außerdem: Die Weltbank vergab Kredite in Rekordhöhe.
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Finanzen kompakt - Stromfresser und Geldverschwender
00/04/2010
Brot und Spiele: Ex-BayernLB-Chef Werner Schmidt genoss nach seinem Rücktritt unvergessliche Ausflüge nach Österreich - als Berater der Hypo Alpe Adria. Der Lieblingsfilm des Ex-Bankiers Werner Schmidt ist "Casablanca"; der Kultfilm, in dem die Mythen am Ende lebendiger wirken als die Realität: "Wer bist du wirklich? Und was warst du vorher? Was hast du getan, und was hast du gedacht?", fragt der Nachtclubbesitzer Rick seine frühere Geliebte Ilsa, und die antwortet: "Wir haben doch ausgemacht, keine Fragen." Im wahren Leben verlaufen die Dialoge anders - jedenfalls dann, wenn Strafverfolger mitreden. Wer Schmidt ist, weiß die Staatsanwaltschaft München I, die gegen den 66-Jährigen ermittelt, ganz genau. Der schwäbische Bankkaufmann war 2001 Chef der BayernLB geworden. Am 1.März 2008 musste er zurücktreten, nachdem er öffentlich und ohne Absprache mit der Landesregierung Milliardenrisiken der BayernLB bei US-Hypothekenpapieren zugegeben hatte. Kurz darauf agierte der Ex-Landesbanker bereits wieder in der Branche, nun als Berater der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) aus Kärntens Hauptstadt Klagenfurt. Jener Bank, die im Jahr zuvor von der BayernLB gekauft worden war. Grandioses Geschäft Den Beraterkontrakt mit der HGAA unterzeichnete Schmidt am 23.April 2008, für seine "Schmidt Consulting GmbH". Für die HGAA unterschrieben am 19. Mai 2008 der damalige Vorstandschef Tilo Berlin und ein weiterer Manager. Ein Jahr zuvor hatte die BayernLB, unter Schmidts Führung, bei der Übernahme der HGAA Tilo Berlin zu einem grandiosen Geschäft verholfen: Berlin und private Investoren machten schätzungsweise 130 bis 170 Millionen Euro Gewinn. Verglichen mit dieser Summe und den Geschäftsusancen im Bankgewerbe war der Vertrag nicht mal üppig dotiert. Allein im vergangenen Jahr soll die HGAA fünfzig Millionen Euro an Berater ausgezahlt haben. Durch die Optik des Normalbürgers betrachtet, bekam Schmidt viel Geld für überschaubare Arbeit: 5000 Euro pro Arbeitstag. "Stillschweigen" Das Vertragswerk sah vor, dass er 2008 und 2009 jeweils 20 Tage für die HGAA tätig sein sollte und dafür pauschal 100.000 Euro pro Jahr erhielt. Insgesamt also 200.000 Euro, plus Spesen und 1,25 Euro Kilometergeld für Fahrten mit dem eigenen Auto. Vereinbart wurden Hinweise und Hilfen zu "ausgewählten Themen der Finanzdienstleistungen". Von dem Abkommen sollte niemand erfahren, "Stillschweigen" war ausgemacht. Über eine etwaige Verlängerung wollte man sich rechtzeitig unterhalten. Ausweislich seiner Abrechnungen war Schmidt für die Hypo Alpe Adria frühzeitig tätig geworden. So hatte er am 11. März 2007 am Flughafen Wien und drei Tage später in Frankfurt Termine für das Kärntner Geldhaus, kurz nach seinem Rücktritt bei der BayernLB. Die erste Rechnung, die er der Klagenfurter Bank stellte, trägt die Nummer 001; die HGAA war also offenbar Schmidts erster Kunde nach dessen Demission in München. Die ersten 50.000 Euro flossen im Juni 2008.
Brot und Spiele: Ex-BayernLB-Chef Werner Schmidt genoss nach seinem Rücktritt unvergessliche Ausflüge nach Österreich - als Berater der Hypo Alpe Adria.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/bayernlb-beratertaetigkeit-des-ex-chefs-trinkgeld-inklusive-1.15235
BayernLB: Beratertätigkeit des Ex-Chefs - Trinkgeld inklusive
00/04/2010
Sie haben gezockt bis zum Beinahe-Kollaps - und dabei offenbar Warnungen aus den eigenen Reihen ignoriert: Ein Ex-Citigroup-Manager erhebt Vorwürfe gegen seine Chefs. Hätte der Beinahe-Kollaps der Citigroup rechtzeitig verhindert werden können? In den USA werden schwere Vorwürfe gegen das ehemalige Top-Management der ehemals weltgrößten Bank laut. Ein Ex-Manager wirft der damaligen Führungsriege vor, Missstände im eigenen Haus nicht beseitigt zu haben. Wiederholt habe er warnende E-Mails an das Management der Bank geschrieben, sagte der ehemalige Angestellte Richard Bowen vor dem US-Untersuchungsausschuss zu den Ursachen der Finanzkrise. Auch der einstige amerikanische Finanzminister Robert Rubin sei von ihm gewarnt worden. Bowens Aussagen vor der Kommission zeichneten von der Citigroup das Bild einer Bank, die sich wenig darum gekümmert hat, dass Kreditgeschäfte nicht den hauseigenen Standards entsprachen. Geschäfte mit gravierenden Folgen Bowen war bei der Citigroup dafür verantwortlich, eben jene hauseigenen Standards beim Ankauf von Krediten zu überwachen. Das Geschäft funktionierte folgendermaßen: Die Großbank kaufte Hypothekenkredite auf, die von anderen Instituten ausgegeben worden waren. Diese verkaufte die Citigroup dann an Investoren weiter. Der ehemalige Manager Bowen sagte, Mitte 2006 habe er entdeckt, dass rund 60 Prozent der angekauften Kredite nicht den Vorgaben entsprochen hätten, die die Citigroup eigentlich für diese Produkte aufgestellt habe. Im Jahr 2007 - dem Jahr des Beginns der weltweiten Finanzkrise - sei diese Quote sogar auf 80 Prozent angewachsen. Er habe die Führung der Bank darauf wiederholt hingewiesen. Die Citigroup habe aber weiterhin diese Problem-Kredite verkauft. Die Folgen waren gravierend. Im Zuge der Finanzkrise hat die Citigroup mehr als 100 Milliarden Dollar an Kredit-Verlusten und Abschreibungen hinnehmen. Über die Gründe für das Finanz-Desaster herrscht ein wilder Streit. Während Bowen das Management der Citigroup für den Niedergang verantwortlich macht, sieht die Führungsriege die Ursachen in den wirtschaftlichen Ereignissen, die sie so nicht hätten vorhersehen können. "Natürlich haben wir Fehler gemacht" Wer die Schuld an der Finanzmarktkrise trägt, wird derzeit vom Untersuchungsausschuss erörtert. Alan Greenspan, der ehemalige US-Notenbankchef, sieht auch den Kongress in der Verantwortung. Dieser habe die Federal Reserve über das vergangene Jahrzehnt dazu gedrängt, eine steigende Kreditvergabe an ärmere Bürger sicherzustellen. Wenn die Notenbank in dieser Situation vor einer Blase am Immobilienmarkt gewarnt und für ein Umlenken plädiert hätte, wäre sie dabei nur auf Unverständnis gestoßen, sagte Greenspan bei einer Befragung. "Es besteht die Annahme, dass die Federal Reserve eine unabhängige Behörde ist und das ist sie auch bis zu einem gewissen Punkt, aber wir sind ein Geschöpf des Kongresses", sagte der 84-Jährige. Greenspan war zwei Jahrzehnte lang Chef der Fed. Seine Kritiker geben ihm und seiner lange Zeit extrem lockeren Geldpolitik eine Mitschuld an dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise. "Haben wir Fehler gemacht? Natürlich haben wir Fehler gemacht", sagte Greenspan bei der Anhörung. Manager von Finanzinstituten und Regulierer wie die Fed hätten das Ausmaß und die möglichen Auswirkungen unterschätzt. Mit den Folgen muss nun sein Nachfolger als Fed-Chef, Ben Bernanke, zurechtkommen. Und dieser glaubt, dass sich die US-Wirtschaft noch lange nicht aus der Krise gelöst hat. Viele Amerikaner kämpften immer noch mit Arbeitslosigkeit und Zwangsvollstreckungen, sagte der Fed-Chef bei der regionalen Handelskammer. "Wir sind noch lange nicht über den Berg." Besonders die anhaltende Schwäche am Häusermarkt könne den wirtschaftlichen Aufschwung gefährden.
Sie haben gezockt bis zum Beinahe-Kollaps - und dabei offenbar Warnungen aus den eigenen Reihen ignoriert: Ein Ex-Citigroup-Manager erhebt Vorwürfe gegen seine Chefs.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/citigroup-vorwuerfe-von-ex-manager-ein-schrei-verhallt-im-nirgendwo-1.15224
Citigroup: Vorwürfe von Ex-Manager - Ein Schrei verhallt im Nirgendwo
00/04/2010
Trotz der Hilfsmaßnahmen aus Europa misstrauen die Investoren Griechenland. Ihnen fehlt ein Signal, dass sich tatsächlich etwas ändern wird. Es ist, als hätte der EU-Gipfel mit seinen groß verkündeten Hilfszusagen nie stattgefunden. All das wochenlange Gefeilsche um ein Rettungspaket für die hochverschuldeten Griechen, all die Finessen von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy - sie haben die Finanzmärkte kaum beeindruckt. Derzeit fallen die Kurse Athener Staatsanleihen auf ein historisches Tief. Das Euro-Mitglied Griechenland gilt längst als schlechterer Schuldner denn Schwellenländer wie Brasilien oder Mexiko. Die Regierung wird es schwer haben, Geld aufzutreiben. Damit stellt sich für alle Europäer erneut die Frage, wie groß das Problem im Südosten der Währungsunion ist. Warum misstrauen Investoren Griechenland, obwohl die EU-Nachbarn doch im Krisenfall einspringen wollen, der Staat also nicht pleitegehen kann? Zum einen glauben die Anleger, dass eine Rettung womöglich komplizierter und langwieriger ist, als es in der Euphorie des Brüsseler Gipfels schien. Eine Einigung zwischen Regierungen, Europäischer Zentralbank und Weltwährungsfonds könnte dauern. Schon jetzt streiten die EU-Staaten, zu welchen Konditionen sie Athen Darlehen geben wollen - wobei Deutschland möglichst wenig verschenken will, was ja richtig ist. Zum anderen vermissen Investoren ein Zeichen, dass die Griechen wirklich zu sparen anfangen. Wenn Taxifahrer und Kneipiers gegen Registrierkassen demonstrieren, weil sie weiter Steuern hinterziehen wollen, erzeugt das Skepsis. Ja, die Griechen reagieren bereits auf die Krise: Sie räumen ihre Bankkonten leer, wie es bei Staatskrisen in der Dritten Welt geschieht. Nötig wären Signale, dass die Bürger einsehen, wie stark sie über ihre Verhältnisse gelebt haben.
Trotz der Hilfsmaßnahmen aus Europa misstrauen die Investoren Griechenland. Ihnen fehlt ein Signal, dass sich tatsächlich etwas ändern wird.
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https://www.sueddeutsche.de/geld/griechenland-und-die-finanzmaerkte-berechtigte-skepsis-1.20603
Griechenland und die Finanzmärkte - Berechtigte Skepsis
00/04/2010