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Trotz des holprigen Starts in seine erste Saison nach drei Jahren Pause sieht Formel-1-Rückkehrer Michael Schumacher noch Titelchancen für sich und sein Mercedes-Team. "Wenn man das neue Punktesystem nimmt und sieht, wie Fernando Alonso in Malaysia ausgefallen ist, kann das jedem von uns passieren", sagte Schumacher am Donnerstag bei der offiziellen Pressekonferenz für den Großen Preis von China in Shanghai (Sonntag, 9.00 Uhr MESZ): "Mir ist das auch passiert. Aber wenn man gut genug weiterentwickelt, gibt es keinen Grund, nicht mehr um den Titel kämpfen zu können." Nach den ersten drei Rennen hat Schumacher neun Punkte auf seinem Konto, 30 weniger als WM-Spitzenreiter Felipe Massa im Ferrari. Mitfavorit Sebastian Vettel spürt im Titelrennen den wachsenden Druck. "Es ist nicht einfach, jedesmal die Erwartungen zu erfüllen", sagte der Heppenheimer am Donnerstag in Shanghai. Der Red-Bull-Pilot gilt nach seinem Erfolg in Malaysia auch beim Großen Preis von China am Sonntag als Sieganwärter. _____________________________________________________________________ Tausende Südafrikaner haben für einen großen Ansturm an den Ticketschaltern in Einkaufszentren der neun WM-Städte und einer Supermarktkette gesorgt. Teilweise kam es zu Tumulten, in Kapstadt starb ein 64-Jähriger an einem Hirnschlag. Am Donnerstag startete die fünfte und letzte Verkaufsphase für die WM in der Kap-Republik. Erstmals konnten einheimische Fans ohne großen bürokratischen Aufwand Karten sofort erwerben und bar bezahlen. Beim Verkauf über den Ladentisch stehen 500.000 Tickets zur Verfügung. ____________________________________________________________________ Fußball-Bundesligist Hamburger SV muss im Liga-Endspurt auf Stürmer Mladen Petric verzichten. "Er hat sich im Training einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich zugezogen", sagte Coach Bruno Labbadia am Donnerstag. "Mladen wird uns 14 Tage bis drei Wochen fehlen. Das ist sehr bitter." Damit fehlt Petric nicht nur am Samstag in der Bundesliga gegen den FSV Mainz 05 (15.30 Uhr), sondern auch im Halbfinale der Europa League gegen den englischen Vertreter FC Fulham. ___________________________________________________________ Eine "Stinkefinger-Affäre" um Maniche sorgt beim Bundesligisten 1. FC Köln vor dem Spiel gegen den VfL Bochum am Freitag für Aufsehen. Die Bild-Zeitung druckte am Donnerstag ein Foto des Portugiesen, auf dem er vor dem Training mit hochgerecktem Mittelfinger aus dem Auto stieg. Sein Verein wird den WM-Teilnehmer von 2006 nun bestrafen. Nähere Angaben zur Art der Bestrafung wollte Manager Michael Meier am Donnerstag nicht machen. ____________________________________________________________ Michael Berrer ist gegen Rafael Nadal nur knapp der Tennis-Höchststrafe entgangen und im Achtelfinale des ATP- Turniers von Monte Carlo ausgeschieden. Der 29-jährige Stuttgarter verlor am Donnerstag 0:6, 1:6 gegen den spanischen Titelverteidiger und kassierte im zweiten Vergleich die zweite klare Niederlage gegen den Weltranglisten-Dritten. ____________________________________________________________ Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks haben die reguläre Saison der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA auf dem zweiten Platz der Western Conference beendet und sich den Heimvorteil für die ersten beiden Play-off-Runden gesichert. Mit einem 96:89-Heimerfolg gegen die San Antonio Spurs verteidigte das Team um den deutschen Superstar Rang zwei hinter des Los Angeles Lakers - und trifft nun in der ersten Runde erneut auf die siebtplatzierten Spurs. _____________________________________________________________ Die Augsburger Panther haben mit einer hohen Pleite die erste Chance vergeben, erstmals in die Endspiele um die deutsche Eishockey-Meisterschaft einzuziehen. Nach zwei Siegen im Playoff-Halbfinale war Augsburg am Mittwoch beim 1:6 (1:1, 0:3, 0:2) ohne Chance beim EHC Wolfsburg, der eine vierte Partie am Freitag in Augsburg erzwang. Die Panther wollen dann auf eigenem Eis den größten Erfolg der Club-Geschichte perfekt machen. Als erster Finalist stehen die Hannover Scorpions fest, die Serie beginnt am kommenden Dienstag. _____________________________________________________________ Titelverteidiger VfB Friedrichshafen und Pokalsieger Generali Haching bestreiten wie im Vorjahr das Finale um die deutsche Volleyball-Meisterschaft. Beide Teams setzten sich im Play-off-Halbfinale im Schnelldurchgang mit jeweils drei Siegen durch. Friedrichshafen setzte sich in eigener Halle im dritten Spiel der "best-of-five-Serie" gegen SCC Berlin 3:0 (25:18, 25:19, 25:16) durch. Haching gewann das Heimspiel gegen evivo Düren 3:1 (25:18, 14:25, 25:16, 25:21). Friedrichshafen hat am 25. April im ersten Play-off-Finale Heimrecht. ______________________________________________________________________ Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) leitet am 15. Mai im Berliner Olympiastadion das Endspiel um den DFB-Vereinspokal zwischen Rekordpokalsieger Bayern München und Titelverteidiger Werder Bremen. Dies gab der Deutsche Fußball-Bund am Donnerstag bekannt. | Der Rekordchampion sieht weiter Chancen auf den Formel-1-Titel, Tumulte beim Kartenverkauf für die WM, Petric fällt mit Muskelfaserriss aus. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-schumacher-hofft-1.15649 | Sport kompakt - Schumacher hofft | 00/04/2010 |
Die IAAF hat Probleme, die Leichtathletik unters Volk zu bringen und für Sponsoren attraktiv zu halten. Der Abwärtstrend verstärkt sich. Mancher sieht schon die Todesspirale. Wenn etwas in der Leichtathletik ähnlich rasant unterwegs ist wie Usain Bolt, ist es die Krise. Zu verdanken ist sie dem nachlassenden Interesse an diesem Sport in der wirtschaftsstärksten Region, in Europa. Warum hier die Zuschauergunst schwindet, zeigen gewisse Zahlen. Leichtathleten vom alten Kontinent gewannen noch bei der WM 1987 in Rom 75,2 Prozent der Medaillen. Seitdem ging's rapide bergab: 50,4 in Paris 2003; 46 Prozent in Helsinki 2005; 43,3 in Osaka 2007; nur noch 37,3 Prozent bei der WM 2009 in Berlin. Das sorgte für Einbrüche in der Publikumsgunst, was auf die Fernseherlöse durchschlägt. 2009 legte der europäische Senderverbund EBU, langjähriger Partner des Weltverbands IAAF, ein von 80 auf 63 Millionen Dollar reduziertes Angebot vor, die Funktionäre suchten Zuflucht in einer 80-Millionen-Offerte der IEC-Gruppe, dahinter steht Medienzar Lagardere. Der hat nun Mühe, die Ware loszuschlagen, was das Problem verschärft, die Leichtathletik unters Volk zu bringen und für Sponsoren attraktiv zu halten. Folge: Der Abwärtstrend verstärkt sich. Mancher sieht schon die Todesspirale. Es gibt Anzeichen, die diese Lesart stützen. Die Frage ist ja, was braucht der angeschlagene Sport mehr: Interesse durch weitreichende TV-Präsenz - oder Cash, schnelle Kohle? Letzteres, sonst wäre nicht so kurzsichtig entschieden worden. Das nährt den Verdacht, der sich aus jüngsten Warnungen des Schatzmeisters und der Ankündigung von Sparhaushalten ergibt: Jeder Dollar wird dringend gebraucht, die IAAF lebt über ihre Verhältnisse. Da kommt IAAF-Boss Diack ins Spiel. Seit ihm das Amt 1999 durch den Tod des Vorgängers Nebiolo zufiel, pflegt der Senegalese eine (wenn nicht anti-europäische) stark pro-asiatische Marktpolitik. Und eine afrikanische Entwicklungspolitik, jedenfalls, wenn man Diacks Eigeninteressen hinzu zählt. Als selbstherrlich und undemokratisch lässt sich Diacks Führungsstil beschreiben, die geschäftliche Rolle seines Filius' erscheint, wie so oft im Weltsport, als recht sinister. Auch den Entscheid für die IEC-Offerte traf der 76-Jährige wohl im Alleingang, ohne das Council zu befragen. Nun will er wieder antreten, um 2012 vom IAAF-Thron direkt ins Präsidentenamt von Senegal zu wechseln. Das ist so die Art von Fürsorge, die ein moderner Weltsportführer hegt. Die Europäer aber schauen hilflos zu, ihre Helden Coe und Bubka rangeln miteinander. Denn eines gilt im Sport über alle Grenzen und Kontinente hinweg: Es gibt halt keinen, dem es um die Sache geht. | Die IAAF hat Probleme, die Leichtathletik unters Volk zu bringen und für Sponsoren attraktiv zu halten. Der Abwärtstrend verstärkt sich. Mancher sieht schon die Todesspirale. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/leichtathletik-cash-um-jeden-preis-1.1329 | Cash um jeden Preis | 00/04/2010 |
Am Stuttgarter Schlossplatz, mitten in der Innenstadt, haben sie gerade eine Ausstellung über den Fußball im Südwesten eröffnet. Der Titel - "Gefühle, wo man schwer beschreiben kann" - basiert auf einem Bonmot von Jürgen Klinsmann und dürfte Touristen aus Hannover oder Berlin vor Schreck zusammenzucken lassen. Der Stürmer hatte bei aller Freude über den EM-Sieg 1996 vergessen, dass das ein Satz ist, wo außerhalb vom Südwesten ein wenig merkwürdig klingt. In der Stadionzeitung der Kickers haben sie der Ausstellung eine ganze Seite gewidmet, und das längst nicht nur, weil darin auch ein Plakat gezeigt wird, das für ihr Freundschaftsspiel gegen Real Madrid warb, 1963. Nein, Klinsmann haben sie hier oben in Degerlochs Höhen als einen der Ihren im Gedächtnis behalten. Als den bekanntesten unter vielen Fußball-Prominenten, die ihre Karriere hier gestartet haben. Wie Guido Buchwald, Karl Allgöwer, Fredi Bobic und all die anderen. In der Ewigen Tabelle der zweiten Liga belegen die Kickers Platz drei, Darmstadt 98 Rang zwölf. An diesem Donnerstagabend treffen die beiden Traditionsklubs beim Nachholspiel der Regionalliga Süd aufeinander - vierte Liga ist das. Tom Eilers hat schon mal einen Blick ins Stadion geworfen. "Mau", sagt er, "keine zweitausend Zuschauer." Der Jurist berät das Darmstädter Präsidium. Und wer seine ausladenden Hände sieht, kann sich nicht vorstellen, dass er sich früher als Zweitligakeeper überhaupt werfen musste, um an die Bälle zu kommen. Heute ist Darmstadt Vorletzter der Regionalliga Süd, am Ende der Saison wäre Eilers heilfroh über den Klassenerhalt. Dabei hält er diese Liga für ein Auslaufmodell: kaum Fernsehgeld, und gleich sieben U23-Mannschaften von Profivereinen (Nord: sechs, West: acht). Teams wie Wehen-Wiesbaden II also, die weder in Wiesbaden noch in Darmstadt jemand sehen will. "Eine Ausbildungsliga mit Zweitmannschaften", stöhnt Eilers, "die Wahrnehmung der Regionalliga ist katastrophal." Nur einmal im Jahr, beim Lokalderby, empfinde er etwas, das ihm ansonsten bei den Heimspielen abgeht: "Wenn wir gegen Hessen Kassel spielen, hat man das Gefühl, wir sind beim Fußball." Was ihm vorschwebt, ist eine zweigleisige vierte Liga ohne U23-Teams. Jeder hätte mehr Geld, die Begegnungen wären attraktiver. Ob er mit baldiger Realisierung seiner Pläne rechne? Eilers lächelt etwas säuerlich. Auch Rüdiger Bartsch kostet es hörbar Mühe, höflich über die Liga zu sprechen. Bartsch ist Manager des 1.FC Magdeburg. Der Verein hat den 102-maligen Nationalspieler Joachim Streich und Jürgen Sparwasser hervorgebracht. Neben Dynamo Dresden war der FCM zu DDR-Zeiten der wohl populärste Verein. Auch deshalb berichtet der MDR ellenlang von den Spielen in der hochmodernen Magdeburger Arena, während andere dritte Programme die vierte Liga komplett ignorieren. "Klar unterbezahlt" sei man mit den 90.000 Euro, die der DFB an Fernsehgeldern pro Regionalligist ausschüttet, findet Bartsch. Wer von der ersten in die zweite Liga absteige, bekomme statt zwölf Millionen Euro nur vier, also ein Drittel. Aber als Viertligist bekommen man nur ein Zehntel von einem Drittligisten. "Da kann ja etwas nicht stimmen." | Kein Geld, keine Zuschauer, keine Übertragungen im Fernsehen: In der Regionalliga können sogenannte Traditionsklubs kaum existieren. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-traditionsklubs-kerker-mit-20-insassen-1.15529 | Fußball: Traditionsklubs - Kerker mit 20 Insassen | 00/04/2010 |
Karl-Heinz Rummenigge hat den Transferpoker um Franck Ribéry vorerst beendet. Der Vorstands-Chef des FC Bayern München ist davon überzeugt, dass der französische Fußball-Nationalspieler seinen bis Saisonende 2011 gültigen Vertrag beim deutschen Rekordmeister erfüllen wird. "Ich gehe im Moment davon aus", sagte Rummenigge der Bild-Zeitung (Mittwoch), schloss aber Gespräche über eine vorzeitige Vertragsverlängerung nicht aus: "Unser Ziel ist immer noch, den Vertrag zu verlängern. Aber wenn wir das nicht hinkriegen, heißt das nicht automatisch, dass wir Franck in diesem Sommer verkaufen werden." ____________________________________________________________________ Die Gefahr eines Streiks im spanischen Profi-Fußball ist gebannt. Die Spieler-Gewerkschaft AFE sagte einen für dieses Wochenende geplanten Ausstand in den spanischen Profi-Ligen ab. Sie hatte sich zuvor mit dem spanischen Fußball-Verband (RFEF) und dem Verband der Profi-Ligen (LFP) auf Hilfen für diejenigen Spieler verständigt, die in der vergangenen Saison von ihren Clubs nicht die anstehenden Gehaltszahlungen erhalten hatten. In der Spielzeit 2008/2009 waren acht zahlungsunfähige Drittliga- Vereine ihren mehr als 200 Fußballern Gehälter in Höhe von insgesamt 4,1 Millionen Euro schuldig geblieben. Diese Summe sollen die Betroffenen nach Presseberichten vom Mittwoch nun aus einem Hilfsfonds des RFEF und aus Toto-Einnahmen erhalten. ____________________________________________________________________ Die WM-Chancen von Lucas Barrios sind stark gestiegen. Paraguays Fußball-Nationaltrainer Gerardo Martino will den Welttorjäger vom Bundesligisten Borussia Dortmund, der erst seit wenigen Tagen die paraguayische Staatsbürgerschaft besitzt, in den vorläufigen Kader für die WM-Endrunde in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) berufen. "Ich werde ihn nach der Einbürgerung in meinen Überlegungen berücksichtigen", sagte Martino in Asuncion in einem Radio-Interview. ________________________________________________________________ Der frühere Eishockey-Bundestrainer Hans Zach greift mit den Hannover Scorpions nach seinem ersten deutschen Meistertitel seit 1993. Der "Alpen-Vulkan" führte die Niedersachsen durch ein 5: 4 nach Verlängerung im dritten Halbfinal-Spiel gegen den ERC Ingolstadt erstmals in der Vereinsgeschichte in die Endspiel-Serie. Den vielumjubelten Siegtreffer erzielte Sascha Goc nach bereits 97 Sekunden der Verlängerung. Am Mittwoch haben die Augsburger Panther beim EHC Wolfsburg ebenfalls den ersten Matchball zum ersten Final-Einzug der Vereinsgeschichte. _____________________________________________________________________ Inter Mailand darf weiter vom Triple träumen. Der Champions-League-Halbfinalist und Zweite der Serie A hat zum 12. Mal das Endspiel um den italienischen Fußball-Pokal erreicht. Der Meister gewann am Dienstagabend im Beisein des italienischen Nationaltrainers Marcello Lippi das Halbfinal-Rückspiel beim AC Florenz durch ein Tor von Samuel Eto'o (57.) mit 1:0 (0:0). Auch das Hinspiel hatten die Mailänder bereits mit 1:0 für sich entschieden. Damit steht das Team zum fünften Mal in den vergangenen sechs Jahren im Pokalfinale. | Bayern-Vorstandschef erklärt den Transferpoker vorerst für beendet, in Spanien ist die Streikgefahr gebannt, Barrios hat gute Chancen auf die WM. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-rummenigge-ribery-bleibt-1.9570 | Sport kompakt - Rummenigge: Ribéry bleibt | 00/04/2010 |
Am Montag war beim Augsburger Landgericht die erste öffentliche Justizfehde in der Schiedsrichteraffäre Amerell/Kempter zu verfolgen, und der Eindruck, den die DFB-Vertreter hinterließen, war besorgniserregend. Nicht, weil sie eine krachende Niederlage für ihren Chef Zwanziger einfuhren. Sondern, weil bereits diesem (im Kontext zu vernachlässigenden) Zivilverfahren Fingerzeige für die ausstehenden harten Prozesse zu entnehmen sind. Die Kernfrage ist, wie die Beziehung Kempters zu Amerell war: einvernehmlich - oder erzwungen, wie Kempter behauptet? Als Amerell kürzlich eindeutige Mails von Kempter im TV verlas, konterte der Referee öffentlich, auch dieser intime Ton sei erzwungen worden. Sonst hätte ihn Amerell gleich wieder traktiert, ob was nicht stimme. Kempter hat einschlägige Mails also bestätigt, das dürfte es künftigen Strafrichtern leicht machen, die Authentizität Hunderter weiterer Mails festzustellen, die Amerell nun dem Staatsanwalt übergab. Zugleich ging der Aktenordner an DFB und DFL. Sie werden kaum umhin kommen, auf Basis dieser angeblich höchst intimen Schreiben Kempters seit 2007 erneut zu prüfen, ob ihre Einschätzung, der Referee habe aufrichtig und verantwortungsvoll gehandelt, noch gilt - oder ob dessen auffallend eilige Rückführung auf den Rasen überdacht werden muss. Der DFB hat die Version von Kempter und drei weiteren Referees rigoros übernommen, er hat offen ein System Amerell angeprangert, ohne diesen umfassend anzuhören; das wurde vorm Landgericht deutlich. Zwar behauptet der DFB, Amerell sei angehört worden bei einem Gespräch am 1. Februar in Zwanzigers Büro mit Generalsekretär und Personalchef. Doch gibt es von der angeblichen Anhörung in einer so heiklen Sache offenbar nicht mal ein ordentliches Protokoll, also eines mit der Unterschrift des Betroffenen. Auch traten drei seiner Ankläger ja erst nach jenem Kaffeetreff auf den Plan. Da aber, behaupten die DFB-Vertreter, habe man Amerell leider nicht mehr anhören können, weil er per Rücktritt vom Amt den Fall ja selbst erledigt habe. Geht das so einfach? Ob Amerell tagelang zum Rücktritt gedrängt wurde, ob der Rücktritt nicht aufgrund einer schon in der Presse tobenden Schlammschlacht um seine Person unausweichlich war, und: ob im Rechtsstaat bei Vorwürfen, die so tief in die Persönlichkeitsrechte eingreifen, ein paar Sportregeln genügen, um Beschuldigten Gehör und Vortrag ihrer Ankläger zu versagen - das ist zu klären. Von der Justiz, nicht vom DFB. Dass auf dessen Chef raue Zeiten warten, hat der Augsburger Eröffnungsakt nur angedeutet. | Dass auf DFB-Präsident Theo Zwanziger raue Zeiten warten, hat der Augsburger Eröffnungsakt um Manfred Amerell nur angedeutet. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/dfb-schiedrichteraffaere-raue-zeiten-fuer-den-chef-1.18303 | DFB: Schiedrichteraffäre - Raue Zeiten für den Chef | 00/04/2010 |
Eine große Betriebsamkeit rund um sein Schiedsrichterwesen hat den Deutschen Fußball-Bund erfasst in diesen Tagen, da die Aufklärung der Beziehungsaffäre um den Ex-Schiedsrichterobmann Manfred Amerell und Fifa-Referee Michael Kempter aus den Händen des Verbandes in die der ordentlichen Justiz übergegangen ist. Ausgerechnet am vergangenen Samstag wurde Kempter erstmals nach Monaten wieder eingesetzt; beim Drittliga-Spiel in Sandhausen zeigt er gute Leistungen. Am Tag zuvor hatte der DFB bei einer Art Schnell-und Sonderparteitag seine Schiedsrichterei renoviert. Schon am Montag äußerten sich internationale Spitzenreferees, die von den besonderen Untiefen der Causa Amerell/Kempter keine Kenntnis haben, euphorisch über die Rückkehr des 27-Jährigen. Uefa-Schiedsrichterchef Yvan Cornu und Pfeifen-Legende Pierluigi Collina äußerten sich gegenüber dem sid: "Warum sollte er nicht eingesetzt werden?" Aus fachlicher Sicht hat nie etwas gegen Kempter gesprochen. Andererseits wird nun der Inhalt jener Akte auf diverse Richtertische gelangen, die Manfred Amerell auch schon für seinen Verhandlungstermin am Montag gegen Theo Zwanziger zusammengestellt hat. Vor dem Augsburger Landgericht bezog der DFB-Boss die erste Niederlage auf einem Nebenschauplatz dieser Causa, deren juristische Aufarbeitung noch ganz am Anfang steht: Der Verbandsboss darf die Affäre nicht mit den Missbrauchsvorfällen in der katholischen Kirche vergleichen. Die 8. Zivilkammer bestätigte damit eine einstweilige Verfügung gegen Zwanziger vom 16.März, dem nun bei Zuwiderhandlung bis zu 250.000 Euro Strafe oder zwei Jahre Haft drohen. Streitgegenstand war die Frage, ob eine Aussage Zwanzigers vor der Presse als Vergleich der Vorwürfe gegen Amerell mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche verstanden werden könne. Zwanziger hatte am 12. März gesagt, dass er froh sei, "dass dieses System durch den Mut von Herrn Kempter aufgedeckt worden ist. In anderen Lebensbereichen stellen wir fest, dass nach 40 Jahren die Leute sich melden, weil sie vorher keinen Mut dazu hatten." Der Umstand, dass Amerells Verfügungsantrag gegen den DFB-Chef zuvor auf einem nicht korrekt aufgeschriebenen Zitat basierte, machte die Sache aus Sicht des Gerichts nicht wirklich komplizierter. Der Vorsitzende Richter Rainer Brand sagte in der Urteilsbegründung, nicht jede Wortlautänderung bedeute eine Änderung des Sachverhalts, und wies den Einwand von DFB-Anwalt Christian Schertz ab, der ursprüngliche Antrag von Amerell dürfe nicht für das tatsächliche Zitat gelten. Für die Kammer sei klar, dass Zwanziger "Sachverhalte, die nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben", verglichen und so die Vorwürfe gegen Amerell auf eine Ebene mit den Handlungen pädophiler Priester gesetzt habe. Schertz sprach von einem Fehlurteil und kündigte Berufung an. Der sid zitierte Zwanziger so: "Das war nicht meine Aussage, sie entspricht nicht meinem Charakter." Amerells Anwalt Jürgen Langer bewegt bereits das aus seiner Sicht Wesentliche. Der letzte Weg an dem für seinen Mandanten erfolgreichen Montag in Augsburg führte ihn zur Staatsanwaltschaft. Dort überreichte er einen Aktenordner mit Hunderten Mails und SMS, die Kempter seit Mitte Juli 2007 an Amerell geschickt hatte. Daraus, so Langer, sei klar erkennbar, "dass der bisher kolportierte Eindruck eines Systems Amerell völlig falsch ist und im Gegenteil der junge Michael Kempter mit Manfred Amerell über Jahre hinweg auf Augenhöhe Themen der Schiedsrichterei mitgestaltet und sogar versucht hat, Konkurrenten auszuschalten". Amerell selbst sagte am Montag in Augsburg, das Mail-Konvolut belege, wie eng sein Verhältnis zu Kempter gewesen sei und dass dieser "massiv gelogen" habe. Wer den Ordner lese, kriege "das Kotzen". Amerell empfahl auch dem neuen Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel die Lektüre: "Dann wird er nach Seite 5 zuklappen und sagen: Feierabend." Anwalt Langer will die dem Landgerichtsurteil zugrunde liegenden Akten nun auch der Deutschen Fußball Liga (DFL) zukommen lassen, und damit, wie er sagt, "den eindeutigen Mailverkehr Kempters mit Amerell". Auf Anfrage, ob sie von den Unterlagen schon Kenntnisse habe, wollte die DFL am Dienstag keine Antwort geben. Langer sagt weiter, ihn habe das Gericht am Donnerstagmittag informiert, dass seine bis dahin eingereichten Unterlagen, "darunter ein Schriftsatz mit beigefügten Mails und SMS von Kempter an Amerell, per Boten an die Gegenpartei unterwegs sei". Angekommen sei dort erst am Freitag etwas, stellte Schertz am Dienstag klar. Am Freitag war am Rande des DFB-Sonder-Bundestages in Frankfurt bekannt geworden, dass Kempter wieder in den Profibetrieb eingegliedert wird. Zwanziger hatte dazu am Freitagnachmittag vor der Presse erklärt: "Das ist für uns absolute Normalität, denn es gibt derzeit keine Vorwürfe, die gegen eine Ansetzung von Michael Kempter sprechen." Es gebe keine Erkenntnisse, die ihn auf irgendeine Art belasteten. Der DFB äußerte sich am Dienstag nicht auf SZ-Anfrage, ob die von Manfred Amerell bei Gericht eingereichten Kempter-Mails zum Zeitpunkt dieser Schiedsrichter-Ansetzung schon bekannt waren. Stattdessen meldete sich sein Rechtsvertreter Schertz, der auch Zwanziger vertritt, und ließ verlauten, er habe seinen Mandanten empfohlen, zu einzelnen Fragen keine Stellung nehmen. Nur in dem Punkt wusste Schertz zu beruhigen: "Weder der DFB noch Herr Dr. Zwanziger hatten am Freitag Kenntnis von den E-Mail-Konvoluten, die die Anwälte von Herrn Amerell überreicht haben." | Der ehemalige Funktionär Manfred Amerell erhöht den Druck auf den DFB und Präsident Zwanziger. Mit Hunderten Mails will er beweisen, dass Kempter "massiv gelogen" hat. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/dfb-schiedsrichter-affaere-absolute-normalitaet-1.10798 | "DFB: Schiedsrichter-Affäre - ""Absolute Normalität""" | 00/04/2010 |
Dieses zweite Tor in der 63.Minute hatte, wenn man es mit etwas Phantasie betrachtete, etwas von jenem Treffer, den die Münchner Weltstars Franck Ribéry und Arjen Robben unlängst in Manchester aufgeführt hatten. Nur, dass Charles Takyi keine Ecke geschossen, sondern nach dem Dribbling den Ball mit Ribéryscher Präzision zurück an die Strafraumgrenze geschlenzt hatte, auf Marius Ebbers. Der Torjäger wiederum hat, anders als der Holländer Robben, den Ball mit der Brust gestoppt, bevor er ihn per Dropkick ins Tor trat. "Fußballgott" haben die Fans des FC St.Pauli nach dem 3:0 beim Zweitliga-Gipfel am Millerntor gegen den FC Augsburg gerufen, die bislang höchste Auszeichnung für Ebbers, der auch das 3:0 erzielte und derzeit als eine Art Robben der zweiten Liga daherkommt. St.Pauli-Sportchef Helmut Schulte hat nach diesem "genialen Tor" den Bundestrainer Joachim Löw sogar aufgefordert, seinen WM-Kader noch einmal zu überdenken. War natürlich nur ein Witz des vergnügten Herrn Schulte. Zum Nationalspieler wird es der mittlerweile 32 Jahre alte Ebbers nicht mehr bringen, aber zumindest die Rückkehr ins Oberhaus, in dem er schon mal für Duisburg, Köln und Aachen spielte, wird nun immer wahrscheinlicher. Das Tor zur Bundesliga, hat er selbst gesagt, sei jetzt "einen Spalt weit offen". Man müsse nur noch hindurchgehen. Vier Punkte und das bessere Torverhältnis sind bei vier noch ausstehenden Spielen ein gutes Polster gegenüber dem Tabellendritten Augsburg. Auch das Restprogramm spricht eher für den Tabellenzweiten aus Hamburg, der noch die Mittelfeldteams Union Berlin, Fürth und Paderborn sowie den Abstiegskandidaten Koblenz vor sich hat - während die Augsburger neben Abstiegskandidat FSV Frankfurt noch auf 1860 München, den MSV Duisburg als Konkurrenten um Rang drei und am letzten Spieltag auswärts auf den vermutlichen Zweitliga-Meister 1. FC Kaiserslautern treffen. Einen Vorgeschmack auf die Neuauflage des Freudenhauses in der ersten Liga gab es am Montagabend schon. Nicht nur, weil die im August fertige, neue Haupttribüne in ihren Konturen allmählich erkennbar ist. "Wir sind Zecken, asoziale Zecken, wir schlafen unter Brücken...", so hat ein Teil der St. Pauli-Fans die politische Botschaft der sozial Benachteiligten herausgebrüllt. "Nie mehr zweite Liga" wurde natürlich auch intoniert. Und als sich das Team nach dem Match minutenlang feiern ließ, wurde vor den Hintergrundgeräuschen des Hamburger Frühlings-Doms, dem größten Volksfest des Nordens, die Hymne "You'll never walk alone" angestimmt. Man darf sich also trotz mancher Auseinandersetzungen zwischen den Fangruppen und dem Verein erneut auf eine andere Farbe in der ersten Liga freuen. Schon jetzt stellen sich manche Profis vor, was im Mai passieren wird, wenn der Aufstieg und das Jubiläum des dann 100Jahre alten Kiezklubs zu einer einzigen Party verschmelzen. "Das wird vieles übersteigen, was man sich vorstellen kann", ahnt Ebbers, denn "es ist ja St.Pauli." Präsident Corny Littmann freut sich ebenfalls schon "auf das Chaos". Er möge das, wenn nicht mehr alles zu kontrollieren sei, versicherte der Comedian und Unternehmer. Er selbst hat viel dazu beigetragen, dass es im sportlichen und wirtschaftlichen Bereich inzwischen so wenig Chaos gibt, dass man dem FCSt.Pauli nach dem Aufstieg diesmal durchaus Chancen auf mehr als ein Jahr im Oberhaus einräumen kann. Nie ging es dem Klub auch finanziell besser als jetzt. Littmann hat den 2003 beinahe bankrotten Verein mit ungewöhnlichen Retteraktionen wiederbelebt. Und er hat mit den früheren St.Pauli-Profis Holger Stanislawski und André Trulsen als Profitrainer, Stefan Studer als Chefscout, Joachim Philipkowski als Nachwuchsboss, bald auch Hans-Jürgen Bargfrede (dem Vater von Werder-Profi Philipp Bargfrede) als Jugendcoach sowie dem früheren Trainer Helmut Schulte als Sportchef Kompetenz mit alter Verbundenheit installiert. Und anders als 2001 nach dem letzten Bundesliga-Aufstieg, als der Verein viel Geld in Durchschnittsspieler investierte, sollen nun nur sehr gezielt Verstärkungen geholt werden. Vermutlich für die Abwehr und das defensive Mittelfeld. Typen wie Ebbers und Lehmann Die Mannschaft, zu der derzeit fünf Nachwuchs-Nationalspieler gehören, ist in den dreieinhalb Jahren unter dem kreativen Fußballlehrer Stanislawski gereift: Man rennt trotz offensiver Spielweise nicht mehr nur an wie ein Rudel gefräßiger Wölfe. Man wartet auch einmal, bis der Gegner den ersten Fehler macht. So wie gegen den FC Augsburg, der in der ersten Halbzeit das bessere Team war. Dann aber nutzte Matthias Lehmann den ersten Schnitzer der Augsburger in der 51. Minute mit einem scharfen Flachschuss aus 16 Metern zum 1:0. "Spieler wie Matze", urteilte Stanislawski, "machen den Unterschied aus." Lehmann sei ganz klar einer für die Bundesliga; er habe "das gewisse Etwas". In solchen entscheidenden Spielen würden die Chefs die Tore schießen, sagte Sportchef Schulte. Typen eben wie Torjäger Ebbers (17 Tore) und der Mittelfeldstratege Lehmann. | Mit Typen und Kompetenz: Die Bundesliga darf sich auf St.Paulis Rückkehr einstellen - der Kiezklub ist gereift und stabiler denn je. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fc-st-pauli-volksfest-fuer-den-norden-1.15504 | FC St. Pauli - Volksfest für den Norden | 00/04/2010 |
Die ohnehin schon schwermütige Stimmung beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV erhält offenbar einen weiteren Tiefschlag: Das Hamburger Abendblatt meldet, dass Jérôme Boateng, 21, zum Saisonende den Verein verlässt und zum englischen Premier-League-Klub Manchester City wechselt. Damit würde der HSV einen wichtigen Spieler für eine Mannschaft der Zukunft verlieren. Boateng geht offenbar in das Land, in dem sein Halbbruder Kevin-Prince bereits spielt, beim FC Portsmouth. Der Noch-Hamburger fährt immerhin als deutscher Nationalspieler zur WM nach Südafrika, während Kevin-Prince für Ghana antreten wird. Beide sind bei Hertha BSC Berlin ausgebildet worden. Schon seit Wochen kursiert die Vermutung in der Hansestadt, dass Jérôme Boateng wohl nicht mehr zu halten sei. Am Dienstagmittag bestätigte der Hamburger SV die Wechselabsichten des 21-Jährigen: "Der Berater des Spielers, Jörg Neubauer, hat uns darüber informiert, dass Jérôme im Sommer wechseln möchte", sagte HSV-Sprecher Jörn Wolf der Deutschen Presse-Agentur. Der Berliner hatte sich in Hamburg zu einer festen Größe in der Innenverteidigung entwickelt und gilt auch bei Bundestrainer Joachim Löw für Südafrika als Hoffnungsträger in der Abwehr. Sein Berater Jörg Neubauer und Manchester sollen sich nun nach Informationen des Abendblatts am 1. April einig geworden sein. Die Hamburger Morgenpost berichtet ebenfalls, dass der Transfer beschlossen ist. Die festgeschriebene Ablösesumme beträgt 12,5 Millionen Euro (wovon Boatengs Jugendklub Hertha BSC Berlin 20 Prozent erhält), der Spieler soll ein Jahresgehalt von fünf Millionen Euro kassieren. Kurz hieß es, auch der FC Bayern habe Interesse an dem jungen Verteidiger, Gespräche sollen aber nie zustande gekommen sein. Noch gibt es weder von Berater Neubauer noch vom Spieler oder den Vereinen eine Bestätigung für den Transfer. Neubauer sagte dem SID. "Ich werde zu aktuellen Sachstände nichts sagen und äußere mich auch nicht zu irgendwelchen Vereinen", kündigte aber gleichzeitig eine "zeitnahe Entscheidung" an: "Die Gespräche dauern ja bereits eine gewisse Zeit an. Es war von Beginn an nicht unsere Intention, die WM für eine Entscheidung abzuwarten." Der HSV hat bereits seine Scouting-Abteilung beauftragt, gezielt einen Nachfolger für den Abwehrspieler zu suchen. Benedikt Höwedes (Schalke) und Mats Hummels (Dortmund) sollen erste Kandidaten sein, die beiden anderen großen deutschen Verteidiger-Talente. Doch weil der Hamburger SV inzwischen sogar um die Qualifikation zur Europa League bangt, während Schalke und Dortmund um die Champions League spielen, dürften diese Personalien auch für den neuen HSV-Sportdirektor Urs Siegenthaler schwierig zu realisieren sein. Die sportliche Misere (neben dem üppigen Gehalt in Manchester) dürfte auch zu Boatengs früher Entscheidung gegen den Hamburger SV geführt haben. Nachdem die Mannschaft in der Vorrunde noch zu den Meisterkandidaten gerechnet wurde, bot sie in der Rückrunde teils schaurig blutleere Leistungen. Allein in der Europa League schwingt sich die Elf zu guten Auftritten auf und steht im Halbfinale gegen den FC Fulham. Manchester City dagegen liegt in der Premier League derzeit auf Rang vier und hofft, sich erstmals für die Champions League zu qualifizieren. Zudem gilt der Verein als Finanz-Großmacht der Zukunft, subventioniert von einem Scheich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Hamburg befürchten nun viele ein Auseinanderbrechen der Mannschaft. Vor allem der Führungsstil von Trainer Bruno Labbadia hat die Hamburger Elf offenbar entzweit. Es soll Beschwerden von Spielern beim Vorstand über den Trainer gegeben haben - ähnliches ist Labbadia vor einem Jahr in Leverkusen passiert. Nationalspieler Piotr Trochowski etwa gilt als sicherer Wechselkandidat, sollte der Trainer auch im kommenden Jahr Labbadia heißen. Der Verbleib von Stürmer Paolo Guerrero ist nach Kreuzbandriss, Flugängsten und Flaschenwurf gegen einen Zuschauer ungewiss - und Red Bull New York lockt immer noch Zé Roberto mit einem Millionengehalt. Eljero Elia und Jonathan Pitroipa sind unzufrieden. Urs Siegenthaler tritt zwar erst nach der WM offiziell seinen Posten als Sportdirektor an und gibt bislang keine öffentlichen Stellungnahmen. Doch ist der Schweizer nun schon häufiger in Hamburg gesichtet worden, er soll bereits voll eingebunden sein. Siegenthaler wird einen weiteren Neuaufbau der Mannschaft moderieren müssen. Zwar scheint der Plan des Vereins neuerlich aufzugehen, Spieler billig zu kaufen und damit später beim Verkauf einen ordentlichen Gewinn zu verbuchen. Gerade Manchester City erweist sich hier als regelmäßiger Abnehmer mit dickem Geldbeutel: Für Vincent Kompany und Nigel de Jong haben die Engländer mit den reichen Scheichs im Hintergrund bereits 27 Millionen Euro überwiesen. Bei Boateng machen die Hamburger nun auch einen guten Schnitt: Im August 2007 hatten sie nur 1,1 Millionen Euro nach Berlin überwiesen. Sportlich haben die Hamburger hingegen bislang den Durchbruch ganz an die Bundesliga-Spitze verpasst. Und ob der Verein diesen Durchbruch dem Trainer Labbadia noch zutraut, ist ebenfalls fraglich. Stürzt die Mannschaft aus den internationalen Plätzen in der Liga und gewinnt nicht das Finale der Europa League im eigenen Stadion, muss Siegenthaler wohl auch einen neuen Trainer suchen. | Ein üppiges Angebot soll den Jung-Nationalspieler zum Klub der Scheichs locken. In Hamburg befürchtet man hingegen ein Auseinanderbrechen der Elf. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/hamburger-sv-jerome-boateng-will-zu-manchester-city-1.23570 | Hamburger SV - Jérôme Boateng will zu Manchester City | 00/04/2010 |
Bundestrainer Joachim Löw bangt angesichts immer größerer Personalprobleme um ein erfolgreiches Abschneiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika. "Die Situation ist ernst", sagte er der Bild-Zeitung. Dass er zum Start der Vorbereitung und beim ersten Testspiel gegen Malta auf mindestens zehn Spieler verzichten muss, sei "problematisch". Drei Wochen vor der Nominierung des vorläufigen Kaders erhöhte Löw zudem den Druck auf die WM-Kandidaten. "Unser Auswahlverfahren ist längst noch nicht abgeschlossen." Ex-Teamchef Franz Beckenbauer sieht Löw angesichts der Probleme "gefordert", vertraut ihm aber: "Jogi ist erfahren." "Kurzarbeiter" Dirk Nowitzki hat seine sensationelle Freiwurfserie fortgesetzt und den Dallas Mavericks mindestens Platz drei nach der Hauptrunde der Western Conference in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA gesichert. All-Star Nowitzki führte die Texaner mit 25 Punkten in nur 22 Minuten Einsatzzeit als Topscorer zum souveränen 117:94-Sieg bei den Los Angeles Clippers mit seinem deutschen Nationalmannschaftskollegen Chris Kaman. Für seine 25 Zähler benötigte Nowitzki nur 13 Versuche, versenkte alle seine drei Drei-Punkte-Würfe und verwandelte vier von vier Freiwürfen sicher. Damit baute der gebürtige Würzburger seine beeindruckende Serie von verwandelten Freiwürfe auf 72 in Folge aus. Damit fehlen ihm nur noch 25 zur NBA-Bestmarke von Michael Williams aus dem Jahr 1993. Die Dakar Rallye in Argentinien und Chile im Januar ist offenbar zum Drogenschmuggel in großem Stil genutzt worden. Die spanische Polizei beschlagnahmte 814 Kilogramm Kokain in einem Lkw, der mit dem Rallye-Konvoi zurück nach Spanien verschifft worden war. Die Schmuggler hatten den Truck lackiert und mit Werbung beklebt, als gehöre er zum Rallye-Tross. Die Polizei nahm außerdem sieben Personen fest. Neben dem Kokain wurden 15.000 Ecstasy-Tabletten, 4,5 Kilogramm Haschisch, zwei Pistolen und 47.000 Euro Bargeld sichergestellt. "Der Schmugglerring stellte das Fahrzeug zur Verfügung und stattete es sogar mit technischem und logistischem Material aus. Der Truck sah aus, als ob er zur Rallye gehörte", sagte ein Polizeisprecher. Nach Angaben der Behörde wurde der Lkw von Bilbao nach Buenos Aires verschifft, mit Drogen beladen und schließlich für die Rückreise in den Konvoi geschleust. Der ehemalige Manager des Formel-1-Rekordweltmeisters Michael Schumacher, Willi Weber, kommt erneut wegen Untreue vor Gericht. Diesmal geht es um den Bankrott seiner früheren Stuttgarter Firma PPM Pole Position Marketing GmbH. Mit einem Finanztrick soll Weber die Firma zahlungsunfähig gemacht haben, um Forderungen von 1,2 Millionen Euro ins Leere laufen zu lassen. Die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen ihn und drei Frauen sei jetzt zugelassen worden, teilte das Landgericht Stuttgart am Dienstag mit. Bereits 2008 war Weber in Koblenz wegen Anstiftung zur Untreue zu einem Jahr Haft auf Bewährung und zur Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 360.000 Euro verurteilt worden. Zudem musste er 360.000 Euro als Bewährungsauflage an gemeinnützige Vereine zahlen. Damals ging es um seine Firma PPM Pole Position Merchandising GmbH, die Fanartikel der Rennfahrer-Brüder Michael und Ralf Schumacher verkaufte. Der lange verletzte Tennis-Profi Nicolas Kiefer will bei den BMW-Open in München aufschlagen. Wie der Veranstalter der Internationalen Tennismeisterschaften von Bayern am Dienstag mitteilte, erhält die einstige Nummer 4 der Weltrangliste eine Wildcard für das am 3. Mai beginnende ATP-Turnier. "Ich hatte im letzten Jahr sehr viel Spaß in München und habe mich sehr gefreut, als Patrik Kühnen mir die Wildcard für sein Turnier angeboten hat", sagte Kiefer. Im vergangenen November hatte der 32-Jährige, der an der Leiste operiert wurde, sein letztes Turniermatch gespielt. Beim Masters Series Turnier in Rom plant Nicolas Kiefer sein Comeback. Eigentlich war der Tag schon schlimm genug. Erst wurde Pierre Littbarski stundenlang beim Zahnarzt gequält, als er die Praxis am Montagnachmittag verließ, fiel er aus allen Wolken. "Ich habe auf meinem Handy einen Anruf von Dietmar Schacht erhalten, der mir mitteilte, dass ich und mein Trainerstab entlassen sind", sagte der Weltmeister von 1990 dem Sport-Informations-Dienst (SID), nachdem er kurz zuvor vom Liechtensteiner Vorzeigeklub FC Vaduz nach knapp eineinhalb Jahren gefeuert worden war. "Dass man mich nicht persönlich informiert und die Entscheidung im Internet verbreitet hat, sagt alles. Aber hier laufen die Uhren halt anders", sagte Littbarski, der am kommenden Freitag seinen 50. Geburtstag feiert. Neben dem Chefcoach wurden auch Schacht sowie der zweite Assistent Robert Jaspert mit sofortiger Wirkung freigestellt. Vaduz hat in der enttäuschend verlaufenen Rückrunde der Schweizer Challenge League, an der der Klub teilnimmt, nur ein Spiel gewonnen. In den vergangenen acht Liga-Partien holte der Klub ganze zwei Punkte und rutschte in der Tabelle auf den zehnten Platz ab. Nach dem 0:1 am Samstag bei Stade Nyonnais, der dritten Pleite in Folge, zogen die Klub-Verantwortlichen schließlich die Notbremse. "Der Verwaltungsrat hat die Entwicklung der letzten Wochen sehr ausführlich analysiert und entschieden, einen Wechsel in der sportlichen Führung vorzunehmen", teilte der ehemalige Super-Ligist auf seiner Homepage mit. Die Sicherheitsvorkehrungen für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika genügen nach Ansicht von Experten des Deutschen Bundestags höchsten Ansprüchen. "Wir sind sehr beeindruckt von der Professionalität der Sicherheitskräfte, insbesondere auf Führungsebene, sowie den Vorbereitungen für die WM insgesamt", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Frank Hofmann (SPD), der dpa am Dienstag in Kapstadt. Deutsche Fans, die die WM besuchen wollten, sollten sich nicht verunsichern lassen. "Reißerische Schlagzeilen", vor allem der britischen Boulevardpresse, über angeblich enorme Sicherheitsrisiken hätten aus seiner Sicht keine sachliche Grundlage, betonte Hofmann zum Abschluss eines Informationsbesuchs in Südafrika. Der Politiker hob vor allem die geschickte Einbindung von Sicherheitskräften aus anderen Staaten - wie auch Deutschland - und internationalen Organisationen wie Interpol hervor. "Die Südafrikaner haben mit ihren WM-Vorbereitungen allen Grund, selbstbewusst zu sein", sagte Hofmann. Eine Garantie für einen erfolgreichen WM-Verlauf gebe es natürlich nicht, "dazu gehört auch viel Glück". Die Endrunde beginnt am 11. Juni. Das Finale findet am 11. Juli im Johannesburger Soccer City Stadium statt. Der Ehemann von Ski-Olympiasiegerin Hilde Gerg ist unerwartet gestorben. Wie der Deutsche Skiverband (DSV) auf seiner Internetseite mitteilte, starb Wolfgang Graßl am Montag im Alter von 40 Jahren in Berchtesgaden. Nach Medienberichten soll der DSV-Trainer an Herzversagen gestorben sein. "Der Tod von Wolfgang Graßl erschüttert uns. Wir trauern um einen beliebten Trainerkollegen, um einen Freund und sind in diesen schweren Stunden mit unseren Gedanken bei seiner Familie", sagte DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier. Graßl war seit 1992 als DSV-Trainer aktiv. 1998 führte er Hilde Gerg in Nagano als Damen-Technik-Coach zum Olympiasieg im Slalom. 2000 trat er von diesem Amt zurück. Zuletzt betreute er die alpinen Kaderathleten des DSV an den Christophorusschulen in Berchtesgaden. | Bundestrainer Joachim Löw bangt um ein erfolgreiches Abschneiden bei der WM, Rallye Dakar wurde zum Dorgenschmuggel benutzt, Nowitzki mit formidabler Leistung. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-loew-mit-problemen-1.22841 | Sport kompakt - Löw mit Problemen | 00/04/2010 |
"Wie 1999: Es bleibt nur die Meisterschaft" Kann der FC Bayern das Triple schaffen? Wie kann der DFB die Fan-Randale eindämmen? Die Fragen der Woche: 2 um 2 - Udos Erben. Einmal pro Woche diskutieren in der Videokolumne "2 um 2" auf sueddeutsche.de "Udos Erben". Drei Mitglieder der sueddeutsche.de-Sportredaktion (Johannes Aumüller begin_of_the_skype_highlighting end_of_the_skype_highlighting, Thomas Hummel und Jürgen Schmieder) besprechen in wechselnder Besetzung die zwei wichtigsten Fragen der Fußball-Woche: ohne Skript, ohne Absprachen, sondern Stand-up. Die erste Aufzeichnung zählt - one shot football sozusagen. Pro Thema gibt es 1:30 Minuten. Dann müssen alle drei Mitspieler zwei Fragen beantworten und können entsprechend Punkte sammeln. Klicken auf das große Bild oben und sehen sehen Sie die Sendung. Erstes Thema: München träumt vom Triple, der FC Bayern liegt in der Meisterschaft vorne, steht im DFB-Pokal-Finale gegen Werder Bremen und im Halbfinale der Champions League gegen Olympique Lyon. Können die Münchner tatsächlich den ganz großen Triumph schaffen und alle Titel holen? Mit einem Trainer Louis van Gaal, der noch im Herbst vor der Entlassung stand und nun damit kokettiert, bei einem Dreifach-Erfolg aufzuhören? Das tippt die Redaktion: Jürgen Schmieder: Bayern hat nur eine kleine Chance. Johannes Aumüller begin_of_the_skype_highlighting end_of_the_skype_highlighting: Bayern hat eine gute Chance. Thomas Hummel: Bayern hat eine gute Chance. Was meinen Sie? Stimmen Sie rechts ab. Zweites Thema: Am Wochenende blieb die Fankurve von Hertha BSC Berlin leer, es war die Strafe für die Fan-Ausschreitungen gegen den 1. FC Nürnberg. Seit einigen Wochen wird diskutiert, wie der Fußball dem aufkommenden Fan-Problem entgegenwirken muss. Stehplatzverbot? Personifizierte Tickets? Geisterspiele? Die aktuelle Frage: Kommt es auch am kommenden Wochenende wieder zu Ausschreitungen in der Bundesliga? Das tippt die Redaktion: Jürgen Schmieder: Nein. Johannes Aumüller begin_of_the_skype_highlighting end_of_the_skype_highlighting: Nein. Thomas Hummel: Nein. Stimmen Sie rechts ab. Der Punktestand vor dieser Woche: Johannes Aumüller: 25,5 Jürgen Schmieder: 24,5 Thomas Hummel: 20 Die ganze Saison über begleitet die Diskutanten ihr Bundesliga-Tabellentipp. Unten können Sie sehen, welches Klassement die drei Teilnehmer von "2 um 2 - Udos Erben" am Saisonende erwarten. Video: Marcel Kammermayer | Kann der FC Bayern das Triple schaffen? Wie kann der DFB die Fan-Randale eindämmen? Die Fragen der Woche: 2 um 2 - Udos Erben. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/2-um-2-udos-erben-wie-1999-es-bleibt-nur-die-meisterschaft-1.20818 | "2 um 2 - Udos Erben - ""Wie 1999: Es bleibt nur die Meisterschaft""" | 00/04/2010 |
Wenigstens in einem Punkt kam es vor dem Augsburger Landgericht am Montag so, wie es Theo Zwanziger vorab gewünscht hatte: Ein Vergleich mit Prozessgegner Manfred Amerell käme nicht in Frage. Zwar lag kurzzeitig ein Einigungsvorschlag der 8. Zivilkammer unter Richter Rainer Brand auf dem Tisch, der vorsah, dass der DFB-Chef erklären soll, er habe in der Affäre um Amerell und vier Referees, die diesem sexuelle Übergriffe vorwerfen, keine Vergleiche mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche gezogen. DFB-Anwalt Christian Schertz wollte den Vorschlag aber nur akzeptieren, falls Zwanziger weiter den monierten Satz äußern dürfe; das lehnte Amerell ab. So erhielt Zwanziger sein Urteil: Bei Strafandrohung von bis zu 250000 Euro oder bzwei Jahren Haft untersagte ihm die Kammer, die "unwahre Tatsachenbehauptung" weiter aufzustellen, und bestätigte eine einstweilige Verfügung gegen Zwanziger vom 16. März. Richter Brand schrieb dem DFB-Chef ins Stammbuch, er habe ein angebliches System Amerell "auf eine Ebene mit Sachverhalten gestellt, für die das Strafrecht Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahre vorsieht und die von der Gesellschaft besonders geächtet sind". Schertz kündigte Berufung an. Doch das Urteil und die Weiterungen, die sich aus diesem Prozess ergeben, dürften den DFB erschüttern. Streitgegenstand war eine Äußerung Zwanzigers am 12. März vor der Presse: "In anderen Lebensbereichen stellen wir fest, dass nach 40 Jahren die Leute sich melden, weil sie vorher keinen Mut dazu gehabt haben." Kein Vergleich mit der aktuell brennenden Gesellschaftsdebatte rund um die Kirche? Schertz hantierte mit allerlei Argumenten: Da würden nur Zeitabläufe aus unbestimmten Lebensbereichen verglichen, Amerell sei ja nicht namentlich erwähnt worden, Recht auf freie Meinungsäußerung. Die Kammer hatte erkennbare Nöte, derlei Interpretationen zu folgen. "Welchen Sinn macht der Hinweis auf 40 Jahre?" hakte Richter Brand nach. Über Schertz´ Darlegung, Zwanziger habe nicht die Kirchen-Fälle, sondern allgemeine Lebensbereiche angesprochen, um unterschiedliche Zeitabläufe zu verdeutlichen, in denen Dinge aufgeklärt würden, spöttelte der Richter: "Wenn es andere Lebensbereiche sind, macht man nicht viel deutlich damit." Für die Kammer war auch ohne Nennung des Namens Amerell klar: "Natürlich wusste jedermann, wer mit dieser Bemerkung neben dem aufklärenden Kempter zusätzlich gemeint ist." Beim Erlass der einstweiligen Verfügung Mitte März hatte das Gericht zwar eine Aussage Zwanzigers zugrunde gelegt, die nicht ganz in diesem konkreten Wortlaut gefallen war. Doch auch im nun vorliegenden Originaltenor bleibe Zwanzigers Bemerkung eine unwahre Tatsachenbehauptung, nicht jede Wortlautänderung bedeute eine Änderung des Sachverhalts. Dass Augsburg nur der Anfang war, daran ließ Amerell nach dem Urteil keinen Zweifel. Schon im Prozess hatte er das Wort ergriffen (,,Ich lasse mich nicht von Zwanziger in die Nähe von Straftätern bringen"); wiederholt betonte er: "Der DFB hat mich im Gegensatz zu den vier betroffenen Referees nie in vergleichbarer Weise angehört." Die DFB-Seite behauptete, eine Vernehmung habe sich durch Amerells Rücktritt erledigt. ,,Es gab keinen Fall mehr, weil er von allen Ämtern zurückgetreten ist'', sagte Schertz. Wie Zwanziger meint auch er, Amerell sei schon am 1. Februar angehört worden. Dagegen hielt Amerell die Tatsache, dass sich drei der vier ihn belastenden Referees erst nach diesem "Informationsgespräch am Kaffeetisch bei Zwanziger" gemeldet hätten; auch gebe ja es zu dieser "nachträglich zurechtkonstruierten Anhörung" nicht mal ein von ihm unterzeichnetes Protokoll. Ins Wanken geraten könnte die DFB-Position bald auch, weil Amerell dem Gericht nun mehr als 400 Mails von Kempter vorlegte. Etwa die Hälfte, so Amerells Anwalt Jürgen Langer, sei schon "am Donnerstag vom Gericht an die Kanzlei Schertz weitergeleitet worden". Insofern rügte Amerell scharf, dass der DFB trotz offenkundiger Kenntnis der angeblich hochbrisanten Kempter-Mails ("Wenn Zwanziger den Ordner anschaut, wird er mehr als ein Glas Rotwein brauchen") den Referee am Samstag wieder beim Drittligaspiel in Sandhausen eingesetzt habe. Die Mails dokumentieren laut Amerell und Langer klar, wie eng das Verhältnis mit Kempter war. Amerell forderte die Deutsche Fußball Liga auf, Einblick in die Akte und Kempter aus dem Spielbetrieb zu nehmen. | Das Urteil dürfte den DFB erschüttern: DFB-Chef Zwanziger darf die Affäre um den Ex-Schiedsrichter-Obmann Amerell nicht mit den aktuellen Missbrauchsfällen vergleichen. Das Gericht erhielt brisante Mails. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/dfb-schiedsrichter-affaere-naechste-pleite-fuer-zwanziger-1.13437 | DFB: Schiedsrichter-Affäre - Nächste Pleite für Zwanziger | 00/04/2010 |
Offiziell heißt es bei 1860 München: Es gibt nichts zu sagen. Franz Maget sagt das, der Vizepräsident der Löwen, und natürlich hat er recht. In diesem Monat soll und muss sich entscheiden, ob der Umzug der Zweitliga-Fußballer aus der Arena in das Olympiastadion zur neuen Saison gelingt. Jeder voreilig verbreitete Zwischenton kann dieses Vorhaben gefährden, und dass es in der Tat um eine heikle Verhandlungsmission geht, leuchtet ein, wenn man sich die zwei Parteien, die sich noch nicht einig sind, an einem Tisch vorstellt: links der FC Bayern, rechts der TSV 1860, und das in einer Zeit, in der beide Seiten sich einander vor Gericht bearbeiten, Stichwörter Catering-Prozess und Arena-Vertrag. Dass die Löwen aber Zugeständnisse liefern müssen, wenn sie die Aufkündigung des Mietverhältnisses bewerkstelligen wollen, ist anzunehmen. Uli Hoeneß, Präsident des FCB, erhöhte diesbezüglich subtil den Druck und sagte nun: "Wir äußern uns erst, bis das Thema Gerichtsprozess zu Ende ist." Das lässt sich so verstehen, dass 1860 seine Klage zurückziehen soll. Eines steht in jedem Fall fest: Die Bayern haben neuerdings wieder die besseren Karten, und das bekommen die Löwen zu spüren. Die Bayern stellen weiterhin öffentlich auf Durchzug, nicht sie wollen ja etwas von den Löwen, es ist andersherum. Wenn es die Bayern wirklich ernst meinen damit, bis zum nächsten Gerichtstermin am 14. Juli kein Wort mehr mit den Sechzigern zu wechseln, hätte sich der Umzugswunsch der Löwen von alleine erledigt. Ein in der Tat ordentliches Druckmittel ist das. Am 6. Mai, wenn der Olympiapark-Aufsichtsrat tagt und über Umbauten im Stadion entscheidet, muss schließlich klar sein, ob der Fußball zurückkehrt. Dass die Stadt als Eigentümerin darauf drängt, erschließt sich anhand finanzieller Gründe. 1860 wäre eine neue und erträgliche Einnahmequelle. Die Frage wird also sein, wer und wie sich 1860 den Bayern nähern wird und was man anzubieten hat. Möglich wäre ein Verzicht der Klage, die den Bayern bei negativem Ausgang eine Millionensumme einbringen könnte. Möglich - zumindest theoretisch- ist aber auch eine Zahlung einer großen Summe, um sich frei zu kaufen. Und noch ein Umstand dürfte die Verhandlungen aus Sicht der Löwen belasten: Nachdem die Vereinsführung den angestrebten Umzug ins Grünwalder Stadion nicht geschafft hatte, sollte alsbald mal ein Vorhaben gelingen. | In diesem Monat soll und muss sich entscheiden, ob der Umzug der Löwen ins Olympiastadion gelingt. Dafür muss 1860 dem FCB etwas anbieten. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/stadionstreit-in-muenchen-subtiler-druck-1.10998 | Stadionstreit in München - Subtiler Druck | 00/04/2010 |
Der FC St. Pauli gewinnt ein berauschendes Spitzenspiel gegen Verfolger Augsburg mit 3:0 - eine Vorentscheidung im Kampf um den Aufstieg. Der FC St. Pauli hat das Spitzenspiel der 2. Fußball-Bundesliga mit 3:0 (0:0) gegen den direkten Verfolger FC Augsburg gewonnen und steuert weiter fest auf Aufstiegskurs. Mit dem deutlichen Heimsieg gegen die Schwaben gelang den Hamburgern am Montag bei nur vier ausstehenden Saisonspielen eine Vorentscheidung. Mit 58 Punkten könnte die Mannschaft von Trainer Holger Stanislawski sogar noch zum 1. FC Kaiserslautern (62) aufschließen. Die weiter auf dem Relegationsplatz rangierenden Augsburger haben trotz der vierten Auswärtspleite nacheinander ebenfalls noch komfortable fünf Punkte Vorsprung auf die Fortuna. Matthias Lehmann (51.) und Marius Ebbers (63., 83.) sorgten für die Tore der Gastgeber. St. Paulis Sportlicher Leiter Helmut Schulte wollte aber noch keine Glückwünsche von seinem Kollegen Andreas Rettig, der die Hamburger bereits in Liga eins wähnt, annehmen und sagte: "Wir haben noch vier Spiele zu spielen, da sind noch zwölf Punkte zu vergeben. Wir haben vier Punkte Vorsprung auf Augsburg, mehr ist nicht passiert". FCA-Torwart Simon Jentzsch meinte über sein Team: "Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir uns wieder fangen müssen. Wenn man die Ambitionen hat, oben mitzuspielen, muss man auch solche Spiele erfolgreich gestalten." Vor 19.901 Zuschauern im ausverkauften Millerntor-Stadion erspielte sich Augsburg in der ersten Hälfte deutliche Vorteile. Die Gäste waren ballsicherer und wirkten in ihren Offensivaktionen strukturierter als die nervös beginnenden Hamburger. Allerdings mangelte es dem FCA zunächst an Zug zum Tor, so dass St. Pauli zur ersten guten Chance kam. Deniz Naki scheiterte jedoch aus rund 18 Metern an Jentzsch (15.). Augsburg ließ sich von dem Warnschuss nicht beeindrucken und antwortete mit einer ganzen Reihe aussichtsreicher Möglichkeiten. Marcel Ndjeng (20. und 32.), Rafael (25.) und Ibrahima Traore (29.) konnten aus der Überlegenheit allerdings keinen Profit schlagen. Nach der Pause kam St. Pauli dann schwungvoller aus der Kabine. Nachdem Ebbers das Gäste-Tor noch per Fernschuss verfehlt hatte (50.), zielte Lehmann genauer. Der Mittelfeldabräumer zog aus 17 Metern ab und traf mit einem flachen Ball aus halbrechter Position. Für den 26-Jährigen war es Saisontor Nummer sieben. In der Folgezeit wurden die Hamburger sicherer und drängten auf den zweiten Treffer. Doch auch Augsburg versteckte sich nicht und suchte weiterhin seine Chance. St. Pauli nutzte seine Chancen allerdings konsequent und wurde durch das 16. Saisontor von Ebbers belohnt, der dann noch einmal nachlegte. Zuvor war in der 78. Minute Augsburgs Top-Torjäger Michael Thurk wegen einer Knieverletzung ausgewechselt worden. Die Hamburger Fans feierten die Kiez-Kicker nach dem Spiel, zumal das Restprogramm nicht das schwierigste ist: Gegen Union Berlin, zu Hause gegen die TuS Koblenz, bei Greuther Fürth und zum Abschluss am 9. Mai im Millerntor-Stadion gegen den SC Paderborn wollen die Norddeutschen im 100. Jubiläumsjahr den Aufstieg perfekt machen. | Der FC St. Pauli gewinnt ein berauschendes Spitzenspiel gegen Verfolger Augsburg mit 3:0 - eine Vorentscheidung im Kampf um den Aufstieg. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/2-liga-st-pauli-augsburg-st-pauli-vor-dem-aufstieg-1.17995 | 2. Liga: St. Pauli - Augsburg - St. Pauli vor dem Aufstieg | 00/04/2010 |
Theo Zwanziger noch mehr unter Druck. Ein Richter untersagt dem DFB-Chef, die Affäre um den einstigen Schiedsrichter-Obmann Amerell mit den aktuellen Missbrauchsfällen zu vergleichen. Punktsieg für Manfred Amerell: Das Augsburger Landgericht bestätigte am Montag die Einstweilige Verfügung des ehemaligen Schiedsrichter-Obmanns gegen Theo Zwanziger. Der DFB-Präsident hatte die Aufklärungsarbeit in der Affäre um Amerell mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche verglichen. "Es handelt sich um Sachverhalte, die nichts miteinander zu tun haben", sagte der Vorsitzende Richter Rainer Brand. Amerell wird von mehreren Schiedsrichtern sexueller Missbrauch vorgeworfen. Er bestreitet dies. Zwanzigers Äußerung verletze Amerells Persönlichkeitsrecht, weil sie sexuellen Missbrauch von Kindern mit einer Beziehung zweier Erwachsener gleichstelle. "Wir halten das Urteil für falsch und werden definitiv Berufung einlegen", sagte DFB-Anwalt Christian Schertz. Der Berliner Jurist berief sich auf das Recht der freien Meinungsäußerung. "Jeglicher Vergleich mit solchen Gräueltaten ist unzulässig", erklärte hingegen Amerells Anwalt Jürgen Langer. "In anderen Lebensbereichen stellen wir fest, dass nach 40 Jahren die Leute sich melden, weil sie vorher keinen Mut dazu gehabt haben", hatte Zwanziger am 12. März bei einer Pressekonferenz gesagt. "Natürlich wusste jedermann, wer mit dieser Bemerkung neben dem aufklärenden Kempter zusätzlich gemeint ist", erklärte Brand - obgleich der 63-jährige Amerell wörtlich nicht erwähnt worden war. Bei der ersten Verhandlung Mitte März hatte das Gericht bei seiner Entscheidung noch eine mutmaßliche Aussage Zwanzigers zugrunde gelegt, die in diesem Wortlaut nicht gefallen war. Dennoch bleibe es Zwanzigers Bemerkung eine unwahre Tatsachenbehauptung, sagte Richter Brand. "Ich lasse mit von Herrn Dr. Zwanziger nicht in die Nähe von Straftätern bringen. Ich verwahre mich dagegen, dass ich hier so verglichen werde", bekräftigte Amerell. Michael Kempter, der ihn als erster Referee der sexuellen Belästigung bezichtigt und den Fall Anfang des Jahres erst ins Rollen gebracht hatte, sei ein "Lügner", der alles inszeniert habe. "Die Frage der Wahrheit wird sich noch stellen und die Wahrheit wird rauskommen", sagte Amerell. Anfang März hatten drei weitere junge Unparteiische Kempters Behauptungen bestätigt und Eidesstattliche Versicherungen unterschrieben. Beim Blick in die Unterlagen 2erkennt man in zehn Minuten, wer lügt", sagte Amerell. Zu der mündlichen Verhandlung (Aktenzeichen 082 O 836/10) war bei großem Medienaufkommen nur Amerell persönlich erschienen. Zwanziger ließ sich vom Berliner Medienanwalt Christian Schertz und DFB-Justiziar Jörg Englisch vertreten. "Wenn das Gericht mich vorgeladen hätte, wäre ich erschienen. Das hat es aber nicht getan. Also, was soll ich da?", hatte Zwanziger beim Außerordentlichen DFB-Bundestages in Frankfurt vergangene Woche betont. "Ich laste dem DFB an, dass ich im Gegensatz zu den vier betroffenen Schiedsrichtern nie in vergleichbarer Weise angehört worden bin", sagte Amerell. Laut DFB-Justiziar Englisch aber habe sich sich durch seinen Rücktritt ein Verfahren schon vor einer möglichen Vernehmung erledigt. "Es gab keinen Fall mehr, weil er von allen Ämtern zurückgetreten ist", sagte Schertz. Als Reaktion auf den Fall Amerell verabschiedete der DFB am Freitag eine eilige Reform im Schiedsrichterbereich. Künftig sollen die Referees professioneller betreut, die entscheidenden Stellen mit neutralem Personal besetzt sowie eine transparente und offene Kommunikation innerhalb des Fußballs ausgeübt werden. | Theo Zwanziger noch mehr unter Druck. Ein Richter untersagt dem DFB-Chef, die Affäre um den einstigen Schiedsrichter-Obmann Amerell mit den aktuellen Missbrauchsfällen zu vergleichen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/dfb-schiedsrichter-affaere-naechste-pleite-fuer-zwanziger-1.9748 | DFB: Schiedsrichter-Affäre - Nächste Pleite für Zwanziger | 00/04/2010 |
Es ist nur ein Punkt, ein einziges, winziges Pünktchen, aber es bedeutet das spannendste Saisonende seit vier Jahren. Und für Rom jetzt schon ein kleines bisschen Rausch. AS Rom 68, Inter Mailand 67: der vorläufige Höhepunkt einer langen Aufholjagd vom Tabellenkeller an die Spitze mit einem Überholmanöver, das kaum jemand für möglich gehalten hätte. Zu Beginn der Saison schien die Roma schon abgeschrieben zu sein. Verkaufsgerüchte und Abstiegsängste umrankten eine Mannschaft, die in ihrem deprimierend leeren Stadion Verzweiflungsfußball spielte. Ein Himmelfahrtskommando ohne Hoffnung auf ein Morgen, angeführt vom dauerverletzten Kapitän Francesco Totti, bedrängt von den Gläubigern, verlassen von den Fans. Dann verabschiedete sich Trainer Luciano Spalletti nach St. Petersburg und es übernahm Claudio Ranieri. Da holte die Roma Punkt für Punkt. Und heute sagt der listig-lapidare Totti: "Mensch, ist das kalt hier oben." Oh wohliges Frösteln, auf dem Gipfel weht eine frische Frühlingsbrise, während bei Lazio eiskalt der Polarwind wütet: minus 29. Am Sonntag ist Derby und alles kann wieder vorbei sein. Nichts wäre für die haarscharf vor der Abstiegszone platzierten Laziali schöner, als den cugini (Cousins), den Marsch zum Titel zu vermasseln. Also, genießt den Tag, die Verwandtschaft kann man sich sowieso nicht aussuchen. Und ein Punkt ist ein Punkt. Neun Jahre ist es her, dass die Roma jenen Titel gewann, dessen Namen ihr abergläubischer Anhang bis zum Saisonende am 16. Mai nicht aussprechen wird. Zweieinhalb Jahre sind vergangen, seit der Klub auf Platz eins stand, damals hieß der Präsident noch Franco Sensi. Heute wird die Roma von seiner Tochter Rosella geführt, einzige Frau an der Spitze eines börsennotierten europäischen Großklubs. Mit Mamma Maria, deren Kittelkleider ebenso legendär sind wie ihr grauer Haardutt, Tante Angela, den beiden jüngeren Schwestern und zwei weiteren Frauen im Management leitet Rosella Sensi die Roma, als wäre es eine römische Trattoria. Die Männer kümmern sich ums Grobe: Daniele Pradè, der auf dem Aventin-Hügel geboren wurde, ist Sportdirektor. Und Claudio Ranieri aus dem Schlachthofviertel Testaccio ist nach einer langen Karriere als ewiger Zweiter in Spanien, England und zuletzt bei Juventus Turin, endlich zu Hause. Eher Ochsenschwanz Ranieri, der neben dem alten Roma-Stadion aufwuchs, trainiert den Klub seiner Kindheit. Der Metzgerssohn hat seit 23 Wochen kein Spiel mehr verloren, das 2:1 am Sonntag gegen Atalanta Bergamo war der fünfte Sieg in Reihe. Und wenn er jetzt die Fans beschwört: "Kinder, hört nicht auf die Sirenen!", dann klingt Claudio Ranieri aber verdächtig gerührt. "Wir haben selbst kaum geglaubt, dass wir das schaffen", hat der französische Abwehrspieler Philippe Mexès gestanden, ein rabiater Haudegen mit einer beeindruckenden Sammlung von Platzverweisen. "Jetzt stehen wir oben, weil wir zusammengehören wie die Finger einer Hand." Das klingt kitschig, ist aber ebenso treuherzig wie das Spiel einer Mannschaft, deren einziger Star immer noch der beim Torjubel Daumen lutschende Kapitän des Meisterteams von 2001 ist. Totti, wird in Rom gemunkelt, fungiert inzwischen auch noch als Assistenztrainer. Am Sonntag soll er Ranieri geraten haben, die Leihgabe Luca Toni bis zur Pause auf der Bank zu lassen - ihm erschien angeblich der Kollege außer Form. Wenn es nicht stimmt, ist es gut erfunden, denn ohne Totti läuft nichts beim AS Rom. Spalletti wollte die Allmacht des Kapitäns nicht akzeptieren, der Pragmatiker Ranieri weiß sie einzusetzen. Man kann nicht an einem Spieler vorbei, der in Rom sogar die Verkehrsplanung bestimmt: Ein U-Bahn-Lüftungsschacht musste kürzlich umgelegt werden, weil er Tottis ersten Trainingsplatz zerstört hätte. Eine Bürgeriniative verhinderte im Namen des Kapitäns das Schlimmste. Tottis Mannschaft spielt soliden Fußball mit Elementen anarchischer Phantasie. Eher Ochsenschwanz als Goldrisotto, eher durchwachsen als raffiniert, aber immer vollmundig und nie verdruckst. Eine Truppe schräger Vögel hat die Serie A aufgemischt und kürzlich auch den Rivalen Inter besiegt. Im Tor steht der Brasilianer Julio Sergio, einst Reserve der Reserve, inzwischen wohl der beste dritte Torwart der Welt. Die Abwehr um Mexès, Marco Cassetti, die Inter-Leihgabe Nicolas Burdisso und den Norweger John Riise zeichnet sich nicht durch Filigranarbeit aus, schießt aber, wenn nötig, auch Tore. Im Mittelfeld führt der Chilene David Pizarro Regie, ein instinktsicherer Spieler, der neben dem Stürmer Mirko Vucinic und Totti zur Feinpinsler-Fraktion gehört. Eher raubeinig kommen Simone Perrotta, Daniele De Rossi und Toni daher. Eine Mannschaft unterschiedlich begabter Individualisten, die dennoch wie aus einem Guss spielen kann - Ranieris Verdienst. Inzwischen gehört auch Toni zu den 15 Torschützen der Roma - "ein Pfeil in unserem Köcher", sagt Ranieri. Ob er in Rom bleiben kann, hängt indes von Tonis Gehaltsvorstellungen ab. Mit gut fünf Millionen Euro ist Totti der bestbezahlte Spieler. Vucinic, 26 Jahre, elf Saisontreffer, gibt sich mit weniger zufrieden. Mourinho gegen Juve Ranieri sowieso. Dass er nun den Elf-Millionen-Kollegen José Mourinho und dessen teures, technisch eindeutig überlegenes Star-Ensemble überholt hat, ist ihm wohl auch eine persönliche Genugtuung. 15 Punkte Vorsprung hatte Inter Ende November vor dem AS Rom, heute ist alles verspielt und man hält nur noch den kriselnden Lokalrivalen AC Mailand auf Abstand. Am Freitag trifft Mourinhos Team auf Juventus Turin - der zurzeit Sechste könnte die Meisterschaft entscheiden. Zumal Inter sich ganz auf das Halbfinale der Champions League gegen Barcelona konzentriert. Mit den besten Wünschen aus Rom. | Vom Keller an die Spitze: Luca Tonis AS Rom holt 15 Punkte auf und führt nach einer einmaligen Aufholjagd die Serie A vor Inter an. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-italien-ueberholmanoever-der-schraegen-voegel-1.16374 | Fußball: Italien - Überholmanöver der schrägen Vögel | 00/04/2010 |
Das Gewinnspiel ist beendet und der Gewinner ist ausgelost. Die nächste und letzte Verlosung in dieser Saison gibt es zur Begegnung FC Bayern gegen den VfL Bochum. Sueddeutsche.de und die Molkerei Weihen- stephan verlosen während der Bundesliga - Saison 2009/2010 regelmäßig VIP-Karten für die Heimspiele des FC Bayern München. Diese Woche gab es zwei VIP-Tickets für das Bundesliga-Duell FC Bayern gegen Hannover 96 zu gewinnen. Anpfiff ist am 17. April um 18:30 Uhr in der Allianz Arena! Das Gewinnspiel ist bereits beendet. Gewonnen hat: johannes194 >> Spiel starten >> Regeln >> Übersicht Verlosungen und Gewinner Seien Sie hautnah in der Allianz Arena dabei! Die Molkerei Weihenstephan lädt Sie als Gast in die VIP-Business-Lounge ein: Vor dem Spiel und in der Halbzeit können Sie sich in exklusiver Atmosphäre verwöhnen lassen und die Spezialitäten der Molkerei Weihen- stephan genießen. Zur Auswahl stehen unter anderem die Frucht Buttermilch in der neuen wiederverschließbaren Packung, dem erklärten Favoriten der Bayern Spieler sowie erfrischende Cocktail-Kreationen von der Weihenstephan Milch-Bar. Nach dem Abpfiff können Sie den Tag bei einem leckeren Essen ausklingen lassen und mit anderen Fans in der Lounge über das Spiel diskutieren. Die Molkerei Weihenstephan ist der offizielle Ernährungspartner des FC Bayern München. Doch nicht nur die Spieler profitieren vom Wissen, der Kompetenz und den herausragenden Produkten der Molkerei, sondern auch Freizeitsportler und Gesundheitsbewusste finden auf www.weihenstephan-erleben.de Tipps für eine ausgewogene und genussvolle Ernährung. | Das Gewinnspiel ist beendet und der Gewinner ist ausgelost. Die nächste und letzte Verlosung in dieser Saison gibt es zur Begegnung FC Bayern gegen den VfL Bochum. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fc-bayern-hannover-96-duell-der-roten-wir-verlosen-karten-1.20829 | FC Bayern - Hannover 96 - Duell der Roten - Wir verlosen Karten | 00/04/2010 |
Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen geht in der Vermarktung weiter ungewöhnliche Wege. Der Werksklub hat beim Marken- und Patentamt in München den von einer Boulevard-Zeitung einst abfällig gemeinten und kreierten Begriff "Vizekusen" rechtlich schützen lassen. "Wir haben uns die Frage gestellt, was können wir mit dem Begriff tun? Und wir wollten verhindern, das von anderen Schindluder damit getrieben wird", sagte Bayer-Mediendirektor Meinolf Sprink auf SID-Anfrage und bestätigte einen entsprechenden Bericht des Kölner Express. Unter dem Aktenzeichen 3030100115726 ist "Vizekusen" seit dem 19. März 2010 für Bayer Leverkusen im Register eingetragen. Ebenfalls schützen gelassen haben sich die Leverkusener die Begriffe "Meisterkusen" sowie bereits seit geraumer Zeit "Werksklub" und "Pillendreher". Der Begriff "Werkself", den Bayer ebenfalls schützen lassen wollte, wurde indes vom Marken- und Patentamt abgelehnt. Der Begriff Vizekusen tauchte erstmals im Jahr 2002 auf, als die Rheinländer in der Meisterschaft den zweiten Platz sowie jeweils die Finals in der Champions League und im DFB-Pokal erreicht hatten. Beide Endspiele wurden damals verloren. In den letzten zwölf Jahren ist Bayer insgesamt sechsmal Vize in den drei Wettbewerben geworden. Der zweifache Schwergewichts-Champion Wladimir Klitschko hat in einer Video-Botschaft den WBA-Weltmeister David Haye aufgefordert, kein Feigling zu sein und sich endlich im Ring zu stellen. "Du kannst nicht immer vor mir weglaufen. Stell Dich diesem Kampf, wenn Du respektiert werden möchtest. Ich bin bereit. Worauf wartest Du noch?", heißt es in dem Video, das das Klitschko-Management am Montag veröffentlichte. Der 29 Jahre alte Haye hält den einzigen Schwergewichts-Gürtel, der der ukrainischen Klitschko-Familie noch fehlt. Bereits zweimal hat er einen WM-Kampf gegen die Klitschko-Brüder platzen lassen. Zuletzt verteidigte Haye seinen WBA-Titel durch einen Abbruch-Sieg in Manchester über Herausforderer John Ruiz aus den USA. Danach hatte er erklärt, einem Fight mit den Klitschkos nicht ausweichen zu wollen: "Ich will diese großen Kämpfe, ich will die Kämpfe, die die Fans sehen wollen", hatte Haye gesagt. Trotz der deutlichen Worte von Wladimir Klitschko wird der Brite vorerst wohl nicht gegen den IBF-und WBO-Weltmeister und auch nicht gegen dessen Bruder und WBC-Champion Vitali Klitschko in den Ring steigen. Haye bekommt es zunächst mit dem Usbeken Ruslan Chagaev aus dem Hamburger Universum-Stall oder dem Australier Kali Meehan zu tun. Mit einem Kampf gegen Klitschko wird frühestens Ende des Jahres gerechnet. Kurz vor dem Untergang intensiviert Hertha BSC noch einmal alle Rettungsversuche und schreckt auch vor Skandal-Theorien nicht zurück. Vier Spieltage vor dem Saison-Halali wehrt sich das abgeschlagene Tabellen-Schlusslicht der Fußball- Bundesliga mit einem offiziellen Protestbrief gegen vermeintliche massive Benachteiligungen durch die Schiedsrichter. "Die Summe der Fehlentscheidungen" habe gravierend in den Abstiegskampf eingegriffen, begründete Manager Michael Preetz die ungewöhnliche Maßnahme des Berliner Vereins, eine Protestnote direkt an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu schicken. Nach zwei Entscheidungen von Referee Michael Weiner und seiner Assistenten, die nach Ansicht von Hertha das jüngste 0:1 im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart maßgeblich beeinflusst hätten, legte der für den Profibereich zuständige Chef Preetz jede Zurückhaltung ab. In einer Medien-Offensive in den Hauptstadt-Blättern beklagte er gleich eine Serie von vermeintlich falschen Entscheidungen gegen seinen Club. Es seien Fehlurteile dabei gewesen, "die verhindern wollten, dass wir gewinnen". Mit Blick auf die Auswahl der Referees von einem Skandal. "Das ist unglaublich", protestierte er gegen die Ansetzung des Trios gegen Stuttgart, weil der Schiedsrichter und einer seiner Assistenten aus dem Raum Hannover kommen. Hannover 96 ist Hauptkonkurrent von Hertha im Abstiegskampf. Volker Roth, Vorsitzender des DFB-Schiedsrichterausschusses, zeigte sich empört. "Eine Benachteiligung durch einen Linienrichter zu unterstellen, nur weil der aus Hannover kommt, ist lächerlich, abwegig, vollkommen unmöglich", sagte er in der Berliner Morgenpost. Mit einem dicken Lob hat DFB-Teammanager Oliver Bierhoff die Spekulationen über eine Rückkehr von Kevin Kuranyi in die Fußball-Nationalmannschaft genährt. "Das Thema ist natürlich in den vergangenen Wochen wieder hochgekommen, ganz einfach, weil Kevin Kuranyi eine tolle Saison spielt und sich in sehr guter Form befindet", sagte der 41-jährige Bierhoff dem TV-Sender Eurosport: "Ich denke, Kevin verhält sich sehr gut. Er konzentriert sich voll auf Schalke." Laut Bierhoff gebe nur eine Maxime den Ausschlag pro oder contra Kuranyi: "Eines kann ich garantieren: Bundestrainer Joachim Löw wird nur an das Wohl der Mannschaft denken und überlegen: Wie kann ich den stärksten Kader aufstellen", sagte Bierhoff. Um den großen Titeltraum bei der WM in Südafrika zu realisieren, würden persönliche Befindlichkeiten zurückgestellt. Bierhoff: "Da werden auch die persönlichen Gefühle des Bundestrainers, die bei der Thematik vielleicht da sein könnten, hintenanstehen." Bis Mittwoch tagt Löw zusammen mit seinem Trainerstab in Baiersbronn im Schwarzwald. Das Thema Kuranyi steht natürlich auch auf der Tagesordnung. Am Wochenende hatte der Bundestrainer dem einst verbannten Kuranyi Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme gemacht. Bislang hatte Löw kategorisch ausgeschlossen, dass der Schalker Torjäger, der bislang 18 Saison-Treffer erzielte, in seiner Amtszeit überhaupt noch einmal ein Länderspiel bestreitet. Die fünffache Paralympics-Siegerin Verena Bentele ist Deutschlands "Sportlerin des Monats März". Die sehbehinderte Biathletin und Langläuferin gewann die Abstimmung unter den rund 3800 von der Sporthilfe geförderten Aktiven. Bentele war mit fünf Goldmedaillen die erfolgreichste Teilnehmerin bei den Paralympics in Vancouver. Mit 56,6 Prozent der Stimmen lag Verena Bentele deutlich vor Biathletin Simone Hauswald (35,3) und der Curling-Nationalmannschaft der Frauen (8,1). Marcel Risse vom abstiegsgefährdeten Fußball-Bundesligisten 1. FC Nürnberg verspürt offenbar wenig Lust auf eine Rückkehr zu Bayer Leverkusen. Da sei hoffentlich das letzte Wort noch nicht gesprochen, sagte der U19-Europameister nach dem 0:2 des Club gegen den VfL Wolfsburg. Der 20 Jahre alte Risse ist von Leverkusen nach Nürnberg ausgeliehen. 13 Polizisten sind bei Krawallen zwischen rivalisierenden Rowdys am Rande des Fußball-Stadtderbys der italienischen Serie A zwischen Sampdoria Genua und dem FC Genua 1893 (1:0) am Sonntagabend verletzt worden. Die Polizei musste eingreifen, um die Ultras zu trennen, die in einem Stadtviertel unweit des Stadions unter anderem Müllcontainer in Brand gesetzt hatten. Die Polizisten wurden mit Flaschen und Stöcken beworfen, die Sicherheitskräfte mussten mit Tränengans gegen die Randalierer vorgehen. Sampdoria-Präsident Riccardo Garrone, der mit seinem Auto unweit des Stadions gehalten hatte, um mit einem Polizisten zu sprechen, wurde mit Flaschen beworfen. Das Spiel begann mit 15-minütiger Verspätung um 21.00 Uhr. Die Polizei hat inzwischen Ermittlungen eingeleitet, um die gewalttätigen Ultras ausfindig zu machen. Auf dem Weg zur Europameisterschaft 2012 in Serbien warten auf die deutschen Handballer lösbare Aufgaben. In der Qualifikation ab Ende Oktober trifft der WM-Fünfte auf den Olympia-Zweiten Island, den EM-Neunten Österreich und einen Qualifikanten, der im Juni ermittelt wird. Das ergab die Auslosung am Montag in Belgrad. Die ersten zwei Teams der sieben Gruppen qualifizieren sich für die EM vom 17. bis 29. Januar 2012 in Belgrad, Vrsac, Novi Sad und Nis. Als EM-Teilnehmer stehen bislang der Gastgeber und Titelverteidiger Frankreich fast. Der Europameister von 2012 ist direkt für die Olympischen Spiele in London qualifiziert. Die Schachspieler der OSG Baden-Baden bleiben deutscher Mannschaftsmeister. Am letzten Bundesliga-Spieltag sicherte sich das Team um Weltmeister Viswanathan Anand durch Erfolge gegen Mülheim (4,5:3,5) und Katernberg (7:1) am Sonntagabend zum fünften Mal in Folge den Titel. Der Inder fehlte dabei wegen der Vorbereitung auf seinen WM-Kampf gegen den Bulgaren Weselin Topalow. Von 15 Saison-Begegnungen verlor Baden-Baden (28 Punkte) nur ein Match gegen Werder Bremen. Die Bremer (27) belegten Platz zwei vor der SG Solingen (26). Absteiger sind Bayern München, der SK Heidelberg, der Erfurter SK und der SK König Tegel. | Leverkusen lässt sich den Ausdruck rechtlich schützen, DFB-Manager Bierhoff lobt Kuranyi, Klitschkos fordern David Haye heraus, Hertha protestiert offiziell gegen Schiedsrichter. Sport kompakt | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-geschuetztes-vizekusen-1.18124 | "Sport kompakt - Geschütztes ""Vizekusen""" | 00/04/2010 |
Die Augsburger Panther stehen mit dem kleinsten Etat der Liga kurz vor der Finalteilnahme. In einem Stadion, in dem auch "die Zuschauer auf den Bäumen" begrüßt werden. Wenige Minuten nach der Schlusssirene stand Larry Mitchell im Gang vor der Umkleidekabine. Er trug das Lächeln des Siegers im Gesicht und übte sich in seiner derzeitigen Lieblingsdisziplin: dem Understatement. Seit in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) die Playoffs begonnen haben, ist der Trainer der Augsburger Panther darum bemüht, eigene Erfolge klein- und die Gegner starkzureden. Und weil ihm die Gratulanten das nach dem 1:0 über Wolfsburg im zweiten Halbfinalspiel nicht mehr so recht abkauften, eilte er schnell die Treppe nach oben und verabschiedete sich mit den Worten: "Immer negativ bleiben." Die Panther genießen die Außenseiterrolle, die sie als Vorrundenachte in den Playoffs innehaben, sie beschwören sie geradezu. Schon im Viertelfinale wiederholte Mitchell so lange, dass Gegner Berlin "das beste Eishockey in Deutschland" spiele, bis seine Mannschaft die Serie gewonnen hatte. Nun betont er immer wieder, Halbfinalgegner Wolfsburg sei "das beste unter den vier übrigen Teams". Doch seit Sonntag führt Augsburg in der Serie "Best of Five" mit 2:0, es fehlt nur noch ein Sieg bis zum Finale. Dieser könnte bereits am Mittwochabend (18.30 Uhr) in Wolfsburg gelingen. "Wir reiten eine Welle", gibt Mitchell dann doch zu. Diese Welle türmte sich in den vergangenen Wochen so hoch auf, dass sie mit Rekordmeister Mannheim (in den Pre-Playoffs) und Serienmeister Berlin die beiden deutschen Eishockey-Großklubs unter sich begrub. Jetzt droht auch der von VW unterstützte EHC Wolfsburg unterzugehen. Mitchell hat dafür eine besondere Erklärung. Augsburg hat den niedrigsten Etat der Liga und mit rund 3,3 Millionen Euro nicht einmal halb so viel Geld zur Verfügung wie Mannheim oder Berlin. Die meisten ausländischen Leistungsträger werden den Verein nach der Saison verlassen und zu einem Spitzenklub wechseln, bei dem sie mehr Geld verdienen. Schon im Herbst 2009 wurden im Hintergrund Transfers eingetütet und Verträge ausgehandelt, was in Augsburg für Unruhe und eine Negativserie in der Liga sorgte. "Diese Nachteile", sagt Mitchell, "haben sich jetzt zum Vorteil gedreht." Die Profis wüssten: "Es ist das letzte Mal, dass sie im Kollektiv zusammenspielen und sie wollen etwas erreichen." Die Spieler seien nicht satt, ihr Herz sei noch bei den Panthern. Niemand erwartete etwas von diesem Team, niemand traute ihm etwas zu, schon gar nicht gegen Berlin, das die Vorrunde mit neuem Punkterekord abgeschlossen hatte. Mit jedem Sieg wuchs in Augsburg die Euphorie. Als die Mannschaft am Samstag um sieben Uhr morgens nach dem ersten Sieg aus Wolfsburg zurückkehrte, wurde sie von 50 Fans empfangen. "So etwas habe ich noch nie erlebt, solche Kleinigkeiten helfen uns weiter", sagt Mitchell. Beim Heimspiel am Sonntag war das Curt-Frenzel-Stadion mit 7.774 Zuschauern zum zweiten Mal in Folge ausverkauft. Die Stehtribüne, die das halbe Spielfeld umgibt, war schon eine Dreiviertelstunde vor Spielbeginn gefüllt, und es drängten immer noch Leute über die Treppen in die Blöcke. | Die Augsburger Panther stehen mit dem kleinsten Etat der Liga kurz vor der Finalteilnahme. In einem Stadion, in dem auch "die Zuschauer auf den Bäumen" begrüßt werden. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/eishockey-del-halbfinale-die-welle-der-panther-1.18497 | Eishockey: DEL-Halbfinale - Die Welle der Panther | 00/04/2010 |
Nach der Pause wegen seinen Sex-Affären kehrte Tiger Woods zu den US Masers nach Augusta zurück. Am Ende gewinnt einer, den er nicht mag. Sehr viele Menschen in den USA blickten auf Tiger Woods. Den vielleicht besten Golfer aller Zeiten hatten sie zuvor über Monate nur in Klatsch-Magazinen gesehen, wo er eine Sex-Affäre nach der anderen zugeben musste, wo er sich bei seiner Frau entschuldigte und so weiter. Danach legte 34-Jährige eine Pause ein, absolvierte eine 45-Tage-Therapie wegen angeblicher Sex-Sucht und kehrte nun auf den Golfplatz zurück. Tiger Woods wollte das berühmteste Golf-Turnier der Welt gewinnen, die US Masters in Augusta. Foto: Reuters | Nach der Pause wegen seinen Sex-Affären kehrte Tiger Woods zu den US Masters nach Augusta zurück. Am Ende gewinnt einer, den er nicht mag. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/golf-us-masters-woods-zieht-die-massen-an-und-verliert-1.20569 | Golf: US Masters - Woods zieht die Massen an - und verliert | 00/04/2010 |
Für den SV Sandhausen ist Besuch aus Dresden, Osnabrück oder Offenbach ein freudiges Ereignis. Das Vereinsheim des Klubs, der sich im Schatten der 25 Kilometer entfernten TSG Hoffenheim eine Nische einzurichten versucht, bietet an Spieltagen ein wechselndes Tagesgericht an, das auch den Gäste-Fans schmecken soll. Gegen Holstein Kiel stand am Samstag Mittag Fischgulasch auf der Speisekarte. In der dritten Liga gibt es also weiß Gott ungastlichere Orte als Sandhausen. Zumal es sich bei den Anhängern des Drittligisten um das Familienpublikum handelt, das an proletarischeren Standorten erst noch mühsam geworben werden muss. Ortskundige wunderte es deshalb auch nicht, dass das 14.000-Einwohner- Städtchen für das Comeback von Schiedsrichter Michael Kempter ausgewählt worden war, nachdem dessen Psychologe befunden hatte, ein Einsatz sei nun genau das Richtige für "den jungen Mann" (DFB-Präsident Theo Zwanziger). Als der 27-Jährige nach 92 Minuten Nettospielzeit abpfiff und mit seinen Assistenten zur Kabine schritt, klatschte die Haupttribüne im Hardtwaldstadion. Den Test, wie das deutsche Fußballpublikum reagieren würde, nachdem so viel Privates öffentlich wurde in der - juristisch noch völlig ungeklärten - Affäre mit Manfred Amerell, dem Kempter sexuelle Nötigung vorwirft, hat das Publikum in der Kurpfalz bestanden. Pöbeleien blieben aus, die befragten Zuschauer bekundeten jedenfalls, wie "tolerant" und "liberal" sie seien. Es schloss sich eine so genannte Presserunde an, bei der die Presse keine Fragen stellen durfte. Kempter betonte, wie sehr ihn der wohlwollende Empfang gefreut habe. Auch die Spieler hätten sich für seine Leistung bedankt, erzählte Kempter nach einer von zwei abgesprochenen Fragen, die der Stadionsprecher nach Rücksprache mit dem DFB formuliert hatte. So läuft moderne Öffentlichkeitsarbeit. Erst Freitagmittag war bekannt geworden, dass Kempter tags darauf wieder ein Pflichtspiel leiten würde. Das sei keine außergewöhnlich kurzfristige Ansetzung, behauptete DFB-Emissär Stephan Brause vor Ort. Um Wettmanipulationen zu erschweren, setze man die Referees so kurzfristig an. Kempter, so Brause, habe man geraten, vor dem Spiel freundlich, aber wortlos an den Journalisten vorbeizugehen. Es war eigens ein schwer tätowierter Bodyguard engagiert worden - aus Angst vor möglichen Übergriffen. Sogar die Vorstellung, dass Manfred Amerell persönlich vorstellig werden könnte, hielt man beim DFB offenbar nicht für abwegig. Beides trat nicht ein. "Heute waren mehr Kamerateams als Fans da", sagte Stürmer Régis Dorn hernach, "das war das Außergewöhnliche." Auch fachlich gesehen hätte sich der Referee kaum eine dankbarere Partie wünschen können. Das Spiel verlief in bescheidenem Tempo; dennoch musste Kempter oft einhaken. Dabei bewies er Überblick: Die fünf gelben Karten waren unvermeidlich. Wo die Vorteilregelung angewandt werden konnte, machte er von ihr - bis auf eine Ausnahme in der Schlussphase - Gebrauch. Auch, als nach Seitenwechsel der Unmut über das mit zahlreichen ehemaligen Bundesligaspielern (Roberto Pinto, Régis Dorn, Matias Cenci) besetzte Heimteam hochkochte, blieb Kempter souverän - allerdings hatte seine Karriere ja auch nicht aus fachlichen Gründen geruht. "Ich hoffe, dass er noch oft dritte Liga pfeift", flachste Kiels Trainer Christian Wück nach dem 1:1-Endstand, der seiner Elf kaum noch Chancen auf den Klassenerhalt lässt. Er wollte das als Kompliment verstanden wissen: "Kempter hat gezeigt, dass er nichts in der Liga zu suchen hat, sondern die Qualität für die erste Liga hat." Dort möchte Kempter bald wieder pfeifen. "Topfit" sei er und wolle den Blick "nicht nach hinten richten". Die vergangenen Monate seien "nicht so interessant gewesen", er könne "nur meine Leistung anbieten und hoffen, dass die wieder nachgefragt wird". Doch das dürfte sehr davon abhängen, zu welchem Urteil die Richter kommen werden, die in der Causa Amerell/Kempter befinden müssen, wer gelogen und wer die Wahrheit gesagt hat. | Im Schutz des DFB kehrt Referee Michael Kempter in der dritten Liga auf den Rasen zurück. Befürchtete Pöbeleien bleiben aus, doch der Schatten der Amerell-Affäre begleitet ihn. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/schiedsrichter-kempter-die-haupttribuene-klatscht-1.13170 | Schiedsrichter Kempter - Die Haupttribüne klatscht | 00/04/2010 |
Die Bundesliga-Saison ist aufregend und macht Spaß. Ihr dramaturgischer Trick besteht darin, sich allen Erwartungen stur zu entziehen. Worauf die negative Entwicklung beruht, ist nicht zu erklären, die Wirtschaftskrise trägt jedenfalls keine Schuld. Es bleibt bloß die Zahl, die den dramatischen Einbruch anzeigt. Historisch gesehen, ist die Bundesliga auf einem Tiefstand angelangt, weniger Platzverweise als in der laufenden Saison hat es seit 1991, seit Einführung der gelb-roten Karte, nicht gegeben. Nur 38 Mal wurden Spieler "vorzeitig zum Duschen geschickt", wie es in der Fachsprache heißt. Während der vergangenen Saison gab es noch 62 Suspendierungen. Meistens freut sich der Zuschauer, wenn ein Spieler vom Platz fliegt. Moralisch mag das fragwürdig sein, aber wen kümmert die Moral? Hauptsache, es passiert etwas Aufregendes. Dennoch fällt wohl niemandem ein, den Rückgang der Platzverweise zu beklagen: Die Saison ist aufregend genug. Ihr dramaturgischer Trick besteht darin, sich allen Erwartungen stur zu entziehen. Am Wochenende etwa entstand die Ansicht, dass zwei wesentliche Entscheidungen gefallen seien. Man soll meinen, dass der FC Bayern Meister wird und Hertha BSC absteigt, doch darauf wird niemand mehr reinfallen. Hertha ist mindestens 23 Mal für tot erklärt worden, und jedes Mal ist der Patient umgehend wieder aufgestanden. Mit Recht ist daher Bayern-Chef Rummenigge beunruhigt, wenn jetzt die Münchner wegen ihres leichten Restprogramms zum nächsten Titelträger ernannt werden. Er weiß: Im Grunde wäre es ein Wunder, wenn seine Leute am Samstag gegen Hannover 96 gewinnen würden. Denn dieses Hannover, dem die Forscher ein heilloses Trauma attestiert und den Untergang vorhergesagt haben, ist nun jenes Hannover, das die zuverlässigste Abwehr der Liga demontiert hat. Aber all die Wissenschaftler, die sich in 96 getäuscht haben, haben ja auch gewusst, dass Stuttgart bestenfalls nicht absteigt, Bremen dem Europacup fernbleiben muss, dass die kaputten Kölner kein Spiel mehr gewinnen, die naiven Nürnberger nicht zu retten sind, das Projekt Hoffenheim in die Champions League einzieht und Schalke vor den Konkursrichter treten muss. Diese Saison braucht keine roten Karten zur Spaßsteigerung. Sie ist ein wildes, fröhliches Durcheinander, was allerdings für den internationalen Betrieb nichts Gutes bedeuten kann. Die unklaren Herrschaftsstrukturen in der Bundesliga sind ja nach herrschender Lehrmeinung ein Nachteil gegenüber den festen Hierarchien in England, Spanien, Italien. Und? Selbstverständlich ist keine Liga in dieser Saison im Europacup erfolgreicher als die deutsche. | Die Bundesliga-Saison ist aufregend und macht Spaß. Ihr dramaturgischer Trick besteht darin, sich allen Erwartungen stur zu entziehen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-bundesliga-froehliches-durcheinander-1.8764 | Fußball-Bundesliga - Fröhliches Durcheinander | 00/04/2010 |
Fünf Spieltage vor Ende der italienischen Fußball-Meisterschaft hat der AS Rom Titelverteidiger Inter Mailand von der Tabellenspitze verdrängt. Luca Tonis Club (68 Punkte) gewann am Sonntag 2:1 gegen Atalanta Bergamo und nutzte damit Inters Patzer. Der Champions League-Halbfinalist (67) war am Samstagabend beim AC Florenz nicht über ein 2:2 (0:1) hinausgekommen. Damit greift der zur Winterpause vom FC Bayern gekommenen Toni gleich in seinem ersten Jahr beim AS Rom nach dem Meistertitel. "Jetzt schnappen wir sie wie Wölfe", hatte Roms Trainer Claudio Ranieri sein Team nach Inters Ausrutscher heiß gemacht - und damit Erfolg gehabt: Schon nach zwölf Minuten brachte Mirko Vucinic Rom 1:0 in Führung und verwandelte das Olympiastadion in einen Hexenkessel. Als Marco Cassetti nur 15 Minuten später auf 2:0 erhöhte, stimmten die Tifosi des AS Rom bereits Meistergesänge an. Das Gegentor durch Simone Tribocchi (53.) trübte die Stimmung nur kurz. Rom behielt die Partie in der Hand und kam allein durch den zur Pause eingewechselte Toni zu drei klar Torchancen. Während die Römer vom vierten Meistertitel nach 1942, 1983 und 2001 träumen, geht Inter offensichtlich die Luft aus. "Es kann schon sein, dass uns die Champions League ablenkt", gab Inters Technischer Direktor Marco Branca zu. Aus den vergangenen elf Serie A-Spielen holte der Meister nur magere 15 Punkte. Der einst riesige Vorsprung ist verspielt, Trainer José Mourinho wird immer dünnhäutiger. Auch in Florenz verweigerte der Portugiese wieder jeglichen Kommentar zum Spiel. Seinem Vater droht wegen Kokainhandels das Gefängnis, sein brutaler Karate-Tritt gegen James Milner überschattete den Einzug des FC Chelsea in das Finale des FA Cups: Englands einstiger Fußball-Musterprofi John Terry kommt aus den Schlagzeilen nicht mehr heraus. Beim 3:0 im Pokalhalbfinale gegen Aston Villa war der Teamkollege von Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack erneut der Buhmann. Trotz aller Turbulenzen kommen die Blues nicht nur wegen des Erfolges im Pokal dem anvisierten Double immer näher. Dank der Schützenhilfe der Blackburn Rovers, die gegen Verfolger und Titelverteidiger Manchester United ein 0:0 hielten, bleibt Chelsea (74) trotz eines Spiels weniger mit einem Punkt vor United (73) an der Tabellenspitze. "Das war ein schreckliches Foul an einem Nationalmannschaftskollegen, und James Milner kann froh sein, dass seine Karriere nicht beendet ist. James hat Glück, dass sein Bein in der Luft war, als Terry ihn traf", schimpfte Villas Teammanager Martin O'Neill. Terry hatte Milner im Stile eines Karatekämpfers mit einem Tritt unterhalb des Knies in der 74. Minute niedergestreckt. Schiedsrichter Howard Webb zeigte nur Gelb, worüber sich Terry auch noch lauthals beschwerte. Milner hatte Glück im Unglück und kam mit einer heftigen Prellung davon, Terry verließ das Stadion kommentarlos. Im Finale des FA-Cups trifft Chelsea auf den insolventen Premier-League-Absteiger FC Portsmouth mit dem Berliner Kevin-Prince Boateng. Beim 2:0 nach Verlängerung gegen den Ligakonkurrenten Tottenham Hotspur war der ehemalige Dortmunder mit seinem verwandelten Foulelfmeter zum Endstand maßgeblich am Finaleinzug beteiligt. Phil Mickelson hat den dritten Sieg beim US Masters in Augusta nach 2004 und 2006 gefeiert. Der Amerikaner fing am Schlusstag des ersten Major-Turniers des Jahres den nach der dritten Runde noch führenden Engländer Lee Westwood mit einer 67er Runde noch ab und hatte schließlich bei 272 Schlägen insgesamt drei Schläge Vorsprung auf den Briten, der damit zugleich den ersten europäischen Sieg seit 1999 verpasste. Damals hatte der Spanier Jose Maria Olazabal gewonnen. Der Weltranglistenerste Tiger Woods aus den USA kam bei seinem Comeback nach fünfmonatiger Turnierpause mit 277 Schlägen auf den geteilten vierten Platz, Rang drei holte sich nach einer furiosen 65er Schlussrunde sein Landsmann Anthony Kim. Die beiden deutschen Profis Bernhard Langer und Martin Kaymer waren um zwei Schläge am Cut gescheitert. Für Langer, den Champion von 1985 und 1993, war es das fünfte Mal in Folge, für den Weltranglistenneunten Kaymer beim dritten Start das dritte vorzeitige Aus. In einem dramatischen Finale haben die Brose Baskets Bamberg zum zweiten Mal nach 1992 den Pokal der Basketball-Bundesliga gewonnen und sich zum Mitfavoriten für die Liga-Playoffs aufgeschwungen. Die Franken setzten sich am Sonntag vor 5002 Zuschauern in der ausverkauften Frankfurter Ballsporthalle mit 76:75 (43:32) gegen die gastgebenden Deutsche Bank Skyliners durch. Sie feierten damit den größten Erfolg seit der deutschen Meisterschaft 2007. Die Frankfurter hatten 0,7 Sekunden vor Schluss auf einen Zähler verkürzt. Die Bamberger wankten nun, brachten den Sieg aber über die Zeit. Der Karlsruher SC hat mit einem Last-Minute-Sieg einen großen Schritt zum Klassenverbleib in der 2. Fußball-Bundesliga gemacht. Im Heimspiel gegen Hansa Rostock traf Marvin Matip in der Nachspielzeit (90. + 2) zum umjubelten 2:1 (0:1). Nach der Hansa-Führung durch Gardar Johannsson (32.) hatte Anton Fink vor 17.089 Zuschauern im Wildparkstadion den zwischenzeitlichen Ausgleich besorgt. Angesichts des 1:0-Sieges des FSV Frankfurt gegen Rot-Weiß Oberhausen trennt Rostock nur noch das bessere Torverhältnis von Relegationsrang 16. Das Polster des KSC beträgt weiter sechs Zähler. Unterdessen hat der MSV Duisburg den Anschluss an die Aufstiegsplätze verpasst. Nach dem 1:1 (1:0) gegen die SpVgg Greuther Fürth bleibt der Revierclub hinter Fortuna Düsseldorf auf Rang fünf. Die frühe Duisburger Führung durch Caiuby in der 9. Minute vor 13 341 Zuschauern in der MSV-Arena glich Christopher Nöthe (64.) mit seinem 13. Saisontor aus. MSV-Torwart Tom Starke parierte einen Foulelfmeter von Leonhard Haas (30.). Das Team von Trainer Milan Sasic liegt damit vor der Partie beim FC Augsburg am kommenden Freitag fünf Zähler hinter dem Tabellendritten. Zum zweiten Mal nach 2006 hat der HSV Hamburg den Pokal des Deutschen Handball-Bundes gewonnen. Die Hanseaten gewannen in Hamburg das Finale gegen die Rhein-Neckar Löwen nach Verlängerung 34:33 (30:30, 15:15). Im Spiel um den dritten Platz setzte sich Bundesliga-Aufsteiger TuS N-Lübbecke gegen den Vorjahresfinalisten VfL Gummersbach 29:26 (15:12) durch. Joachim Löw will den "Fall" Kevin Kuranyi mit seinem Stab neu beraten - ein Zeichen für eine Begnadigung des Schalker Stürmers aber ist dies noch nicht. "Wer sagt denn, dass wir umdenken?", erklärte der Bundestrainer und ergänzte: "Selbstverständlich machen wir uns auch Gedanken, weil das Thema präsent ist in Deutschland. Wir werden für uns die richtige Entscheidung treffen." Diese soll dann noch vor der offiziellen Berufung seines WM-Aufgebots am 6. Mai öffentlich gemacht werden. Kuranyi war nach seiner Tribünen-Flucht während des Länderspiels gegen Russland vor 18 Monaten von Löw aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft verbannt worden. Der Bundestrainer aber ordnet das Thema Kuranyi bei der WM-Klausurtagung, zu der sich Löw von diesem Montag an mit Co-Trainer Hansi Flick, Torwartcoach Andreas Köpke und Chefscout Urs Siegenthaler für drei Tage in den Schwarzwald zurückziehen wird, nicht als vorrangig ein. Andere Sorgen plagen den 50-Jährigen weit mehr. So muss Löw nach dem Einzug von DFB-Kapitän Michael Ballack mit dem FC Chelsea ins englische Pokalfinale in der ersten WM-Vorbereitungsetappe auf einen weiteren wichtigen Spieler verzichten. Ohnehin fehlen beim Fitnesstest am 12. Mai in Düsseldorf und beim ersten Weltmeisterschafts-Testspiel einen Tag später in Aachen gegen Malta schon die Spieler des FC Bayern und von Werder Bremen, die am 15. Mai in Berlin das DFB-Pokal-Endspiel bestreiten. Erreicht der Hamburger SV noch das Finale der Europa League am 12. Mai und der FC Bayern das Champions-League-Endspiel am 22. Mai müsste Löw gleich für der Hälfte seines WM-Personals einen Sonder-Vorbereitungsplan entwickeln. Ein Unbekannter hat das Grab von Robert Enke in Empede bei Hannover geschändet. Die Witwe des früheren Fußball-Nationaltorwarts hat Anzeige erstattet, die Polizei ermittelt wegen Störung der Totenruhe. Jörg Neblung, Enkes ehemaliger Berater und Freund der Familie, bestätigte einen entsprechenden Bericht der Bild-Zeitung. Er sprach von einem ungebührlichen Verhalten auf dem Friedhof und äußerte die Besorgnis über mögliche Nachahmungstäter. "Wir führen ein Ermittlungsverfahren gegen einen Mann. Zu weiteren Details äußern wir uns nicht", erklärte Hannovers Polizeisprecher Thorsten Schiewe am Sonntag. Nach Angaben der Ordnungshüter wurde am Grab nichts entwendet oder beschädigt. Laut Bild soll der Mann angeblich auf das Grab uriniert haben. Dieses Vergehen kann mit einer Geldstrafe oder Haft geahndet werden. Der frühere Schlussmann des Bundesligisten Hannover 96 und der DFB-Auswahl hatte sich am 10. November 2009 das Leben genommen. Robert Enke litt an Depressionen. Er wurde an der Seite seiner Tochter Lara beigesetzt, die 2006 im Alter von zwei Jahren gestorben war. Der frühere Schwergewichtsweltmeister Evander Holyfield hat sich den WM-Titel der World Boxing Foundation (WBF) gesichert und träumt weiter von einem Kampf gegen einen der Klitschko-Brüder. "Ich werde der unumstrittene Schwergewichts-Weltmeister sein", sagte der US-Amerikaner am Samstagabend in Las Vegas nach seinem Sieg durch technischen K.o. in Runde acht gegen den südafrikanischen WBF-Champion Francois Botha. Mit einem Erfolg gegen die Klitschkos, die gemeinsam drei der vier großen Gürtel halten, wäre der 47-jährige Holyfield ältester Champion aller Zeiten. Diesen Rekord hat sein Landsmann George Foreman inne, der im November 1994 im Alter von 45 Jahren und zehn Monaten die Titel nach WBA- und IBF-Version eroberte. Mit dem Erfolg gegen Botha vor 3127 Zuschauern im Thomas-&-Mack-Center von Las Vegas verbesserte der vierfache Schwergewichts-Weltmeister seine Profi-Bilanz auf 43 Siege, davon 28 durch K.o., bei zehn Niederlagen und zwei Unentschieden. "Er verfügt immer noch über die boxerischen Fähigkeiten von früher. Und den Biss hat er ohnehin nicht verloren", sagte der 41-jährige Botha. Für Holyfield war es der erste Kampf nach seiner verlorenen Herausforderung gegen den damaligen WBA-Weltmeister Nikolai Walujew im Dezember 2008. Den Augsburger Panthern und den Hannover Scorpions fehlen nur noch ein Sieg zum erstmaligen Einzug in die Endspiele um die deutsche Eishockey-Meisterschaft. Beide gewannen am Sonntag auch ihre zweiten Partien im Playoff-Halbfinale. Augsburg setzte sich zu Hause 1:0 (1:0, 0:0, 0:0) gegen den EHC Wolfsburg durch und könnte am Mittwoch bei den Niedersachsen das Weiterkommen perfekt machen. Hannover gewann 4:1 (2:0, 0:0, 2:1) beim ERC Ingolstadt und will am Dienstag auf eigenem Eis den entscheidenden dritten Erfolg landen. Olympiasieger Matthias Steiner hat bei den Europameisterschaften der Gewichtheber in Minsk nach rund 20 Monaten Pause auf der internationalen Bühne ein erfolgreiches Comeback gefeiert. Der 27-Jährige holte am letzten Wettkampftag mit einer Zweikampfleistung von 426 kg, 190 im Reißen und 236 im Stoßen, die Bronzemedaille. Der zweite Starter des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber (BVDG), Vize-Europameister Almir Velagic, verpasste mit 425 kg (190/235 kg) als Vierter einen Podestplatz nur knapp, holte sich aber Silber im Reißen. Den Titel gewann der russische Olympiazweite Jewgeni Tschigischew, der insgesamt 440 kg auf die Hochstrecke brachte. Bronze ging an Ruben Aleksanyan (432 kg) aus Armenien. In seiner Paradedisziplin Stoßen musste sich Steiner, der seit seinem denkwürdigen Erfolg am 19. August 2008 in Peking wegen einer Leistenverletzung keinen internationalen Wettkampf mehr bestritten hatte, lediglich Aleksanyan geschlagen geben und gewann Silber. Wenige Stunden zuvor hatte Olympiasieger Andrei Aramnau in der Klasse bis 105 kg die Zweikampf-Goldmedaille gewonnen. Der Weißrusse kam auf eine Gesamtlast von 420 kg (195/225 kg). Silber ging an Dimitri Klokow (409 kg) aus Russland. Der russische Titelverteidiger Wladimir Smortschkow (208 kg) musste sich mit Bronze zufrieden geben. Europapokal-Titelverteidiger FCR Duisburg hat sich in der Champions League der Frauen gegen Turbine Potsdam eine gute Ausgangslage für das Erreichen des Finals verschafft. Der UEFA-Cup-Sieger des Vorjahres gewann am Sonntag das deutsche Fußball-Duell im Halbfinal-Hinspiel schmeichelhaft mit 1:0 (1:0). Die Belgierin Femke Maes erzielte in der 28. Minute vor 2150 Zuschauern im PCC-Stadion den einzigen Treffer. In einer kampfbetonten Partie war Turbine lange Zeit die bessere Mannschaft. Das Team von Trainer Bernd Schröder nutzte allerdings seine guten Chancen nicht. Das Rückspiel findet am 18. April in Potsdam mit. Der umstrittene Eishockey-Profi Florian Busch steht im vorläufigen Kader des Nationalteams für die Heim-WM im Mai. "Ich habe ihn für die Nationalmannschaft nominiert, weil er einer der besten deutschen Stürmer ist", sagte Bundestrainer Uwe Krupp der Zeitung B.Z. am Sonntag. Der Angreifer der Eisbären Berlin ist nach der Affäre um seine verweigerte Dopingprobe seit 9. April wieder für die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB) spielberechtigt. Zuletzt hatte Busch bei der Weltmeisterschaft 2008 für das deutsche Team gespielt. Sein Comeback könnte der 25-Jährige schon am Freitag beim WM-Test gegen Norwegen in Crimmitschau geben. Die deutschen Triathlon-Asse sind gleich zum Auftakt der World Championship Series in Sydney tief gefallen. Im Schatten des Opernhauses stürzten Olympiasieger Jan Frodeno und 2007-Weltmeister Daniel Unger nach einem Crash kurz vor der Rad-Wechselzone und vergaben alle Siegchancen. Unger (Bad Saulgau) kam nach 30 Schrecksekunden Pause als 29. noch auf 1:54:08 Stunden. Der Saarbrücker Frodeno (1:54:16) rappelte sich erst nach 150 Sekunden auf und musste sich unter Schmerzen mit dem 32. Platz zufriedengeben. Sieger über die olympische Distanz von 1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen wurde Bevan Docherty (Neuseeland/1:51:27) vor dem Russen Alexander Bruchankow (1:51:33). "Plötzlich wurde es in der großen Gruppe sehr eng, und ein Athlet drückte mich förmlich in die Gitter und dann lag ich schon am Boden. Im ersten Moment hatte ich abartige Schmerzen im Oberschenkel", beschrieb Frodeno die Sturzszene. Unger trug eine Oberschenkelzerrung davon: "Ich bin frustriert, die Form war da, konnte aber die volle Leistung nicht mehr abrufen", meinte Unger. Unabhängig vom Abschneiden der Dallas Mavericks in der laufenden Saison denkt Basketball-Superstar Dirk Nowitzki derzeit nicht über einen Vereinswechsel nach. "Ich habe noch nicht mit Mark Cuban über das Thema gesprochen. Ich konzentriere mich jetzt zunächst auf die NBA-Saison und die anstehenden Playoffs", sagte Nowitzki der Deutschen Presse-Agentur dpa. Club-Besitzer Cuban gilt als großer Fan Nowitzkis und würde diesen am liebsten bis zum Karriereende an die "Mavs" binden. Nowitzki hat bei den Texanern noch einen Vertrag bis zum Ende der kommenden Saison, könnte nach dieser Spielzeit aber über eine Vertrags-Option den Club verlassen. Doch dies hat der 31-Jährige nach eigenen Angaben nicht vor. Zwar könne in der NBA sehr viel passieren. "Aber ich plane nach wie vor nicht, die Ausstiegsoption zu ziehen", sagte Nowitzki, der seit seinem Wechsel in die NBA 1998 für Dallas spielt, der Dallas Morning News. Sollte er die Option in seinem Kontrakt verstreichen lassen, würde Nowitzki in der kommenden Saison 20 Millionen Dollar verdienen. Superstar Kobe Bryant hatte seinen Vertrag bei den Los Angeles Lakers in der vergangenen Woche um drei Jahre verlängert, obwohl er eine ähnliche Option wie Nowitzki in seinem Kontrakt hatte. | Luca Toni greift nach dem Scudetto, England empört über Terrys Karate-Foul, Mickelson gewinnt Golf-US-Masters, Grab von Enke geschändet. Sport kompakt | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-rom-ueberholt-mourinho-1.19714 | Sport kompakt - Rom überholt Mourinho | 00/04/2010 |
Was für eine Wendung im spanischen Spitzenspiel: Ein Treffer von Sami Khedira sowie eine glänzende Vorlage von Mesut Özil verhelfen Real Madrid zum umjubelten 2:1-Sieg in Barcelona. Für Barça ist die Meisterschaft damit vom Tisch, während die "Königlichen" fast schon am Ziel sind. Das Team von José Mourinho zeigt: Die Bayern werden es schwer haben im Bernabeu. Das ewige Duell in Bildern. Text: Jonas Beckenkamp Das hatte es zuletzt selten gegeben: Die edlen Kicker von Real Madrid berauschen sich an einem Sieg im Nou Camp von Barcelona. Dort, im Feindesgebiet, wo die "Königlichen" zuletzt oft vernichtende Niederlagen erlitten hatten, feierten sie an diesem Abend der vergangenen Saison beinahe schon die spanische Meisterschaft. Mit 2:1 (1:0) gewann der Hauptstadtklub im Frühling 2012 den Clásico gegen Barça, das damit im Titelrennen kaum noch Chancen besaß, den Rivalen einzuholen - sieben Punkte Rückstand bei noch vier verbleibenden Partien waren für die Katalanen nicht mehr aufholen. | Was für eine Wendung im spanischen Spitzenspiel: Ein Treffer von Sami Khedira sowie eine glänzende Vorlage von Mesut Özil verhelfen Real Madrid zum umjubelten 2:1-Sieg in Barcelona. Für Barça ist die Meisterschaft damit vom Tisch, während die "Königlichen" fast schon am Ziel sind. Das Team von José Mourinho zeigt: Die Bayern werden es schwer haben im Bernabeu. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/real-gegen-barca-koeniglich-abgestuerzt-1.144321 | Spanischer Clásico Barça gegen Real - Khedira und Özil kapern Camp Nou | 00/04/2010 |
FCB-Trainer van Gaal zeigt sich zufrieden mit dem 1:1 - und spendiert seiner Mannschaft zwei freie Tage. Und ein Noch-Leverkusener empfiehlt sich für die Bayern-Startelf. Nach dem Spiel lächelte Franz Beckenbauer, nickte anerkennend und stellte fachmännisch fest: "Das verdient Respekt nach all dem, was vorher passiert ist." Diese Einschätzung ist absolut ernst zu nehmen, denn der Mann weiß, wovon er spricht. Beckenbauer spielt schließlich seit vielen Jahren selbst leidenschaftlich Golf, sein Handicap liegt derzeit laut eigener Aussage immerhin "bei 11,8 oder so". Nicht nur für den "Kaiser", auch für andere ausgewiesene Experten kam der hervorragende Auftritt von Tiger Woods bei dessen Comeback beim US-Masters unerwartet. Nachlassende Kräfte Schon eher hatte Beckenbauer mit dem gerechnet, was er am Samstag im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga zu sehen bekam. Der Bayern-Präsident erlebte eine von den Mühen des Champions-League-Halbfinals in Manchester sichtlich angestrengte Münchner Mannschaft, die sich in ein 1:1 bei Bayer Leverkusen rettete. "Die Bayern hatten viele einfache Ballverluste und viele unbedrängte Pässe zum Gegner - das ist ein Zeichen, wenn die Konzentration und die Kondition nachlässt", lautete Beckenbauers Fußball-Expertise. Weil sie aber trotz ihrer Müdigkeit nicht verloren, sondern aufgrund der Schalker 2:4-Niederlage in Hannover bei vier noch ausstehenden Spielen mit zwei Punkten Vorsprung die Tabelle anführen und zudem noch in den beiden anderen Wettbewerben vertreten sind, hatte der Präsident für die Kicker sogar ein noch größeres Lob parat als für den weltbesten Golfer: "Was die Mannschaft in den letzten Wochen geleistet hat, ist phantastisch, da muss man den Hut vor ziehen." Mit dieser Lesart zählte Beckenbauer zu einer von zwei Bayern-Fraktionen. Es gab die Zufriedenen und die Unzufriedenen. Während etwa Trainer Louis van Gaal eingestand, Leverkusen hätte einen Sieg "mehr verdient als wir" und sich mit Resultat wie mit generellem Status Quo sehr einverstanden zeigte, beklagten andere eine verpasste Chance. "Wir hätten heute die Bundesliga entscheiden können", moserte beispielsweise Torschütze Arjen Robben. Sein Mitspieler Thomas Müller erinnerte an einen möglichen "Riesenschritt und vier Punkte Vorsprung", die die Bayern im Fall eines Sieges gehabt hätten. Diese Sichtweise offenbart den Willen der Spieler, schnellstmöglich mit dem Sammeln von Titeln zu beginnen. Ein Sieg hätte ja nicht nur eine Vorentscheidung in der Bundesliga bedeutet, sondern den Bayern zudem die Möglichkeit zur Rotation und damit zu Verschnaufpausen vor den Halbfinalspielen gegen Lyon verschafft. Doch dafür kamen die gegen Ende arg erschöpften Gäste nicht wirklich in Frage. Auch wenn Schiedsrichter Knut Kircher in der Nachspielzeit beim Foul von Hans Sarpei an Thomas Müller auf einen zweiten Strafstoß hätte entscheiden müssen: Bayer war einem Erfolg aufgrund der Mehrzahl an Torchancen näher. Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie sich der an Bayer ausgeliehene Toni Kroos für einen Platz in der Stammelf von Bayern München empfahl. | FCB-Trainer van Gaal zeigt sich zufrieden mit dem 1:1 - und spendiert seiner Mannschaft zwei freie Tage. Und ein Noch-Leverkusener empfiehlt sich für die Bayern-Startelf. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-leverkusen-fc-bayern-zur-belohnung-van-gaal-frei-1.24462 | Bundesliga: Leverkusen - FC Bayern - Zur Belohnung van-Gaal-frei | 00/04/2010 |
Am Samstag trat in der Halbzeit des Spiels Bayer Leverkusen gegen Bayern München Bundestrainer Joachim Löw vor das Mikrofon und sagte einige sehr interessante Dinge. Ja, Bastian Schweinsteiger werde sehr wahrscheinlich neben Michael Ballack das zentrale Mittelfeld der Nationalmannschaft bilden. Nein, für den in Ungnade gefallenen Kevin Kuranyi ist der WM-Zug noch nicht abgefahren, Löw werde sich dazu jedenfalls noch einmal "Gedanken machen". Überhaupt sei außerdem die vergangene Fußballwoche mit dem Weiterkommen der Bayern und dem Einzug der Hamburger ins Halbfinale der Europa League nicht nur sehr erfreulich gewesen, sondern auch "sehr wichtig für Deutschland und das Selbstvertrauen der Spieler". Hat Löw gesagt. Wer die deutsche Meisterschaft gewinnt, konnte natürlich auch der Bundestrainer nicht sagen. Allerdings hat Bayer Leverkusen nach dem 1:1 gegen Bayern München jetzt schon sechs Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter. Die Schalker wiederum waren beim 2:4 gegen Hannover "einfach nur schlecht", wie der Schalker Abwehrmann Heiko Westermann den verpassten Sprung an die Tabellenspitze unverblümt kommentierte. Und weil im entscheidenden Moment eine geheimnisvolle Konstante namens "Bayerndusel" den Ausschlag geben wird, müssen sich die Fans von Schalke im Westen über Bremen im Norden bis Berlin im Osten wahrscheinlich auf einen tränenreichen Mai einstellen. Dann kegelt der FC Bayern als Deutscher Meister nämlich mit ziemlicher Sicherheit die Berliner aus der Ersten Liga (8. Mai), um eine Woche später - ausgerechnet in Berlin - die Bremer im Pokalfinale zu demoralisieren (15. Mai) und schließlich den FC Messi im Champions-League-Finale zu bezwingen (22. Mai). Dass die Münchner dabei kein einziges Mal in die gegnerische Hälfte vorstoßen, macht gar nichts, weil Arjen Robben per Freistoß aus 70 Metern trifft. Dann gäbe es da noch ein ziemlich gewagtes Szenario, das dafür umso wichtiger für Deutschland und das Selbstvertrauen der Spieler wäre, um kurz mit Joachim Löw zu sprechen. In diesem Szenario gibt es außer den Bayern mit ihrer Titelgier und dem reichlich unverschämten Abstiegsgespenst so etwas wie Gerechtigkeit und Gleichverteilung: Bremen gewinnt den DFB-Pokal, Hertha BSC Berlin verbleibt in der Bundesliga durch einen Sieg am letzten Spieltag gegen die Bayern, die dafür die Champions League gewinnen und Hamburg die Europa League. Mann, wäre das was für das Selbstvertrauen im ganzen Land. Und wenn dann erst Kuranyi im ersten Spiel Deutschland bei der WM in Südafrika zum 1:0 trifft, als Deutscher Meister mit Schalke... Okay, ein spannendes Saisonfinale würde uns für den Anfang auch reichen | Eine Verteilung des Erfolgs auf verschiedene Klubs wäre gut für den deutschen Fußball. Wahrscheinlich aber gibt es jenseits von München einen tränenreichen Mai. Ein Ausblick. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-30-spieltag-szenario-fuers-selbstvertrauen-1.12867 | Bundesliga, 30. Spieltag - Szenario fürs Selbstvertrauen | 00/04/2010 |
Es gibt eine Fußballweisheit, die besagt, dass man aufs Tor schießen müsse, um eines zu erzielen. Es ist eine schöne und einfache Regel - die an diesem Samstag jedoch widerlegt wurde. 17 Minuten lang nämlich hatten weder die Spieler von Hannover 96 noch jene von Schalke 04 einen Torschuss abgegeben, dennoch führte der Gastgeber mit 1:0. Nach einem langen Ball in den Strafraum wollte Manuel Schmiedebach zurücklegen auf einen Kollegen. Der Ball prallte jedoch ans Knie des Schalker Verteidigers Heiko Westermann und kullerte von dort an Manuel Neuer vorbei ins Schalker Tor. Weil beide Mannschaften im weiteren Verlauf doch häufiger schossen und auch Tore erzielten, endete diese Partie 4:2 (2:0). Schalke 04 bleibt deshalb hinter dem FC Bayern auf Platz zwei - Hannover rückt aufgrund der Niederlage von Freiburg in Bremen auf den 16. Platz vor. Das Meisterschaftsduell mit dem FC Bayern scheint wie schon in der Vorsaison an Schalkes Trainer Felix Magath abzutropfen wie an einer Teflon-Pfanne. Zu den Sprüchen von Bayern-Präsident Uli Hoeneß etwa, Schalke habe nach der Niederlage einen "psychischen Knacks", sagte er trocken: "Habe ich nicht mitbekommen." Und auf die Frage nach einer möglichen Tabellenführung antwortete er: "Wir wollen unser Spiel gewinnen - was am Ende des Spieltages dabei herauskommt, ist mir völlig egal." Verzichten musste Magath auf den gesperrten Marcelo Bordon, dazu agierte im Sturm zunächst Junmin Hao statt Edu. "Zu Beginn des Spiels haben wir einen Punkt, den wollen wir festhalten - und wenn zwei mehr rausspringen, dann freuen wir uns auch", übte sich Hannovers Trainer Mirko Slomka in fußballerischer Arithmetik. Er musste auf fünf verletzte Spieler - darunter Innenverteidiger Leon Andreasen - und den gesperrten Jiri Staijner verzichten. Aus dieser Not heraus versuchte sich Slomka mit einer offensiven Ausrichtung und schickte mit Elson, Didier Ya Konan und Arouna Koné drei Stürmer aufs Feld. 17 Minuten lang erinnerte das Spiel verdächtig an den Nichtangriffspakt von Gijon zwischen Deutschland und Österreich bei der WM 1982, dann fiel jener kuriose Treffer für Hannover, der diese Partie öffnen sollte. Zum einen agierte Schalke nun ein wenig offensiver, wobei wie schon beim Spiel gegen den FC Bayern deutlich wurde, dass kreative Spielgestaltung nicht zu den Stärken von Magaths Mannschaft gehört. Der typische Schalker Spielzug - langer Abwurf, langer Ball auf Kevin Kuranyi, Torschuss - sorgte eher für Langeweile als für Torgefahr. Hannover 96 dagegen wurde durch den Treffer ermutigt, weitere schnelle Angriffe einzuleiten. Einer dieser Konter führte in der 30. Minute zum 2:0. Schmiedebach spielte einen langen Ball auf Ya Konan, der das Spielgerät schön stoppte und durch die Beine von Manuel Neuer schob - wobei der Schalker Torhüter die Frage beantworten muss, was genau er 20 Meter vor seinem Gehäuse suchte. "Er hat wohl nicht damit gerechnet, dass Konan den Ball so gut verarbeitet", sagte Hannovers Manager Jörg Schmadtke in der Halbzeit. "Ein Torwart muss mitspielen und da gibt es Fehlentscheidungen." Felix Magath reagierte auf den Zwischenstand und die Leistung seiner Elf sogleich, er nahm noch vor der Halbzeitpause den defensiven Joel Matip vom Feld und ersetzte ihn durch den Stürmer Edu. Die Reaktion der Schalker auf den Tausch? Keine. Weiter gab es hohe Bälle in die Richtung des Strafraum, weiter gab es kaum Torgelegenheiten. Offener Schlagabtausch Es brauchte einen zweiten Tausch von Magath, um dieses Spiel zu drehen. Rafinha, wegen einer Erkältung zunächst auf der Bank, kam nach der Pause und sorgte nach wenigen Sekunden gleich für eine Überraschung, weil er den Ball flach auf Kuranyi spielte. Der leitete weiter auf Edu - und schon stand es nur noch 1:2. Nur fünf Minuten später fiel der Ausgleich durch einen von Ivan Rakitic verwandelten Elfmeter. Florian Fromlowitz hatte einen schönen Kopfball von Kuranyi nur abprallen lassen, Jefferson Farfan war herbeigeeilt und von Mario Eggimann zu Fall gebracht worden. Aus einem Spiel, das mit einem Nichtangriffspakt begonnen hatte, wurde nun ein offener Schlagabtausch mit Torgelegenheiten für beide Mannschaften. Kevin Kuranyi (56./71.) scheiterte ebenso wie auf der anderen Seite Koné (59.), Elson (63.) und Ya Konan (69.). Es blieb Hanno Balitsch - vor zwei Wochen aufgrund seiner gelb-roten Karte noch der Sündenbock - vorbehalten, diese Partie letztlich entscheidend zu prägen. Nach einem schönen Konter drosch er den Ball aus 16 Metern ins linke obere Eck. Und weil sich Neuer einen zweiten übermotivierten Ausflug leistete, durfte Ya Konan noch das 4:2 erzielen. Was dieses Ergebnis nun für den Kampf um die Deutsche Meisterschaft bedeutet und ob Schalke nach nun zwei Niederlagen in Folge den von Hoeneß prognostizierten psychischen Knacks bekommt, wird erst die Partie zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Bayern am Abend zeigen. Aber das ist Felix Magath ja ohnehin egal. | Schalke 04 verliert aufgrund spielerischer Mängel und zweier Torwartfehler in Hannover und liefert dem FC Bayern eine Steilvorlage für das Topspiel in Leverkusen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-hannover-schalke-vorlage-fuer-den-fc-bayern-1.2808 | Bundesliga: Hannover - Schalke - Vorlage für den FC Bayern | 00/04/2010 |
Fortuna Düsseldorf hat in der 2. Fußball-Bundesliga seine Aufstiegschance wohl endgültig verspielt, der souveräne Spitzenreiter 1. FC Kaiserslautern zeigt auf der Zielgeraden zur Bundesliga seinerseits Ermüdungserscheinungen. Die Düsseldorfer unterlagen am 30. Spieltag 2:4 (0:0) bei Energie Cottbus und können bei fünf Punkten Rückstand auf den Dritten FC Augsburg die Hoffnung auf den Durchmarsch begraben. Kaiserslautern musste sich eine Woche nach der 1:2-Niederlage bei Rot-Weiß Oberhausen mit einem 1:1 (0:0) gegen Union Berlin begnügen, hat aber immer noch ein Polster von acht Punkten auf den Relegationsplatz. In Cottbus offenbarte Düsseldorf einmal mehr seine notorische Auswärtsschwäche. Jiayi Shao (81.) und Emil Jula (83.) ließen die letzten Aufstiegsträume der Fortuna, die 1995 als Zweitliga-Aufsteiger den Sprung in die Bundesliga geschafft hatte, platzen. Stiven Rivic (56.) und Nils Petersen (69.) hatten zuvor für Energie getroffen, den Düsseldorfer Jokern Torsten Oehrl (65.) und Marcel Gaus (79.) war vor 10.215 Zuschauern jeweils der Ausgleich gelungen. Düsseldorf hat nur eines der letzten zehn Spiele auf gegnerischem Platz gewonnen. Lautern tat sich gegen den Aufsteiger aus der Hauptstadt sehr schwer. In einer mäßigen Begegnung hatte der Brasilianer Rodnei die Gastgeber in der 72. Minute mit seinem vierten Saisontreffer in Führung geschossen. Ein Eigentor von Srdjan Lakic sechs Minuten später sicherte den Gästen aber einen schmeichelhaften Punkt. _______________________________________________________________ Tiger Woods präsentiert sich bei seinem Comeback beim US-Masters in Augusta weiter in hervorragender Form. Nach einer 68er-Runde zum Auftakt spielte der Weltranglistenerste aus den USA an Tag zwei eine 70 und liegt als geteilter Dritter nur zwei Schläge hinter der Spitze. In Führung liegt das englische Duo Ian Poulter und Lee Westwood. Poulter absolvierte mit 68 Schlägen die beste Runde des zweiten Tages und schloss damit zu Westwood auf, der einen Schlag mehr benötigte. Bernhard Langer konnte seine gute erste Runde dagegen nicht bestätigen. Der Anhausener spielte am zweiten Tag auf dem Par-72-Kurs eine enttäuschende 78. Somit scheiterte der zweimalige Masters-Sieger zum fünften Mal am Cut für die beiden Schlussrunden. Auch für Martin Kaymer war das Turnier am Freitag beendet. Der 25-Jährige aus Mettmann steigerte sich zwar im Vergleich zum ersten Tag und lieferte mit 73 Schlägen unter schwierigen Verhältnissen eine solide Runde ab, lag am Ende aber wie Langer bei insgesamt 149 Schlägen und damit zwei Schläge über dem Schnitt. _______________________________________________________________ In eindrucksvoller Manier hat Dirk Nowitzki die Dallas Mavericks zum Titel in der Southwest Division der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA geführt. Der deutsche Superstar erzielte beim 83:77 seiner "Mavs" bei den Portland Trail Blazers überragende 40 und damit fast die Hälfte aller Punkte seines Teams. Der Würzburger überzeugte außerdem mit zehn Rebounds und war bei allen seinen 17 Versuchen von der Freiwurflinie erfolgreich. Dallas kämpft in der Western Conference um Platz zwei hinter Meister Los Angeles Lakers. Mit einer Bilanz von 52 Siegen und 27 Niederlagen liegen die Texaner derzeit gleichauf mit Denver. Dicht dahinter folgen Utah und Phoenix. Vor dem abschließenden Heimspiel gegen die San Antonio Spurs am 14. April müssen die Mavericks allerdings noch zweimal auswärts antreten. _______________________________________________________________ Beim Training zum ersten Lauf der Motorrad-Weltmeisterschaft in Katar hat Titelkandidat Sandro Cortese (Berkheim) die beste Platzierung der deutschen Fahrer geschafft. In der 125er Klasse landete der Derbi-Pilot auf dem vierten Platz. Jonas Folger (Schwindegg/Aprilia) beendete die Session auf dem 13., Marcel Schrötter (Vilgertshofen/Honda) auf dem 16. Platz. Die Bestzeit fuhr der Spanier Pol Espargao (Derbi). In der Klasse Moto2 wurde Stefan Bradl (Zahling/Suter) Fünfter, Arne Tode (Glauchau/Suter) beendete das Training auf Platz 18. Die schnellste Zeit des Tages gelang Alex de Angelis (San Marino/Force GP210). _______________________________________________________________ Die New York Rangers dürfen in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL wieder auf einen Platz in den Play-offs hoffen. Im direkten Duell besiegten die Rangers die Philadelphia Flyers im Madison Square Garden mit 4:3 und zogen mit nunmehr 86 Punkten mit dem derzeit achtplatzierten Rivalen der Eastern Conference gleich. Einen Zähler mehr auf dem Konto haben die Boston Bruins mit den deutschen Nationalspielern Marco Sturm und Dennis Seidenberg sowie Rekordmeister Montreal Canadiens. Am Sonntag kommt es dann in Philadelphia zu einem echten Endspiel um die Play-off-Teilnahme zwischen den Flyers und den Rangers. _______________________________________________________________ Der ehemalige ungarische Bundesliga-Profi Zoltan Varga ist am Freitag im Alter von 65 Jahren während eines Fußballspiels verstorben. Nach Angaben der Nachrichtenagentur MTI kollabierte Varga auf dem Platz und konnte von einem herbeigerufenen Notarzt nicht mehr gerettet werden. Der Olympiasieger von 1964 hatte zwischen 1969 und 1977 für Hertha BSC Berlin, Borussia Dortmund und den FC Augsburg insgesamt 34 Erst- und 59 Zweitligaspiele absolviert. In der Saison 1971/72 war Varga im Trikot der Berliner in den Bundesliga-Skandal verwickelt. Nach Stationen beim FC Aberdeen und bei Ajax Amsterdam kehrte er 1974 nach Deutschland zurück und lief für Dortmund und Ausgburg in der zweiten Liga auf. _______________________________________________________________ Zwei Nord-Teams kämpfen an diesem Wochenende um den Pokal der Deutschen Basketball-Liga (BBL). Die BG Göttingen trifft heute im Auftaktspiel beim "Top Four" in Frankfurt/Main auf die Brose Baskets Bamberg. Anschließend stehen sich die Eisbären Bremerhaven und Gastgeber Skyliners Frankfurt im zweiten Halbfinale gegenüber. Das Endspiel und die Partie um Platz drei sind für Sonntag angesetzt. Einen klaren Favoriten gibt es nicht. Das ausgeglichene Teilnehmerfeld sorgt nach Ansicht von BBL-Geschäftsführer Jan Pommer für Spannung. Es mache den Reiz aus, dass die üblichen Verdächtigen die Endrunde nicht erreicht haben. | Kaiserslautern schafft gegen Union Berlin nur ein Unentschieden, Tiger Woods ist beim US-Masters in guter Form, Dirk Nowitzki mit 40 Punkten. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-lautern-schwaechelt-1.13818 | Sport kompakt - Lautern schwächelt | 00/04/2010 |
Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Bochum wird voraussichtlich schon in den nächsten Wochen die erste Anklage im bislang größten europäischen Fußball-Wettskandal erstellen. Eine Reihe von Prozessen mit insgesamt mehr als einem Dutzend Angeklagten steht dann ab Spätsommer an. Den meisten von ihnen wird vermutlich gewerbsmäßiger Bandenbetrug vorgeworfen werden. Die Staatsanwaltschaft peilt angeblich bei zentralen Figuren Strafen zwischen vier und sechs Jahren Haft an. Fünfzehn Verdächtige waren am 19. November 2009 bei einer Groß-Razzia der Bochumer Schwerpunktstaatsanwaltschaft und des örtlichen Kriminal-Kommissariats 21 in Deutschland festgenommen worden. In der Schweiz gab es zwei Festnahmen. Angeblich waren 200 Fußballspiele in neun Ländern manipuliert worden. Zehn der Beschuldigten sitzen noch immer in NRW in Haft. Der Verdacht der Fahnder, die seit Januar 2009 ermitteln, basierte anfangs im Wesentlichen auf abgehörten Telefongesprächen, abgefangenen SMS und der Auswertung von E-Mails; die Lektüre war ein manchmal sehr wüster Stoff voller zum Teil merkwürdiger Geschichten. Inzwischen hat sich die Beweislage, aus Sicht der Strafverfolger zumindest, noch erheblich verbessert und den alten Verdacht bestätigt. Bei etlichen Hausdurchsuchungen wurde belastendes Material gefunden. Mehr als ein halbes Dutzend der Inhaftierten hat zum Teil sehr ausführliche Geständnisse abgelegt. So hat einer der Hauptverdächtigen über einen Zeitraum von sechs Wochen an zehn Vernehmungstagen ausführlich ausgepackt. Er hat, ebenso wie andere Verdächtige, auch über die Szene des VfL Osnabrück geredet. Danach sollen die ehemaligen Spieler Marcel Schuon, Thomas Cichon und Bilal Aziz entweder von Spielmanipulationen gewusst oder sie gefördert oder mit verschobenen Spielen Geld verdient haben. Insbesondere Schuon und Aziz werden in Vernehmungen schwer belastet. Schuon und Cichon haben schon vor Monaten vehement dementiert, auch nur irgendein Spiel verschoben zu haben. Daran hat sich nichts geändert. Ihr früherer Osnabrücker Mitspieler Thomas Reichenberger hingegen, gegen den auch Ermittlungen eingeleitet worden sind, wurde von mehreren Tatverdächtigen entlastet. Von illegalen Kontakten Reichenbergers sei ihm nicht bekannt, sagte ein im Raum Niedersachsen tätiger Zockerkönig. Die meisten der Geständnisse, die insgesamt rund eintausend Seiten umfassen, beziehen sich auf verschobene Spiele in der Türkei. So provinziell die verdächtige deutsche Szene wirkt, so fiebrig ist die türkische Szene. Rund vierzig Verdächtige sitzen derzeit wegen des Wettskandals in Haft. Betroffen sind vor allem Vereine der zweiten und dritten Liga. Türkische Ermittler arbeiten eng mit Bochumer Fahndern zusammen. Die in Deutschland operierende Bande hatte, den Ermittlungen zufolge, keinen engen Zusammenhang. Ihre Zentren waren Berlin, das Ruhrgebiet und Nürnberg. Die beiden Köpfe der Bande sollen der aus Herten stammende Deniz C. und der Berliner Ante Sapina gewesen sein. Sapina, in der Wettszene als "Navigator" bekannt, weil er schon in den ersten Wettskandal im Jahr 2005 verstrickt war, gilt vergleichsweise als sanft. Der Wettpate Deniz C. hingegen wird von Ermittlern eher dem Milieu der Organisierten Kriminalität zugerechnet und er gilt als sehr robust. Sapina und C. sind angeblich nie zusammengetroffen und hatten nicht direkt miteinander zu tun. Die aus dem Ruhrgebiet und die aus Berlin waren über Bekannte im Frankenland miteinander verbunden. Drei gekaufte Spieler pro Partie In ihren Geständnissen beklagen manche der illegalen Zocker den Umstand, sie seien von den anderen reingelegt worden. Beispielsweise seien Wettschulden oft nicht bezahlt worden. So soll Mario C. aus Nürnberg 300 000 Euro Schulden bei Nurettin G. aus Lohne gehabt haben, der sechs Wettbüros besaß. G. wiederum hatte bei Tuna A. sehr viel Geld verloren. Die meisten Akteure agierten wie Zocker, die an der Nadel hängen. Es wurde getrickst und getäuscht. Verbindungsleute im Ausland forderten von deutschen Paten hohe fünfstellige Summen für angeblich gekaufte Spieler. Allerdings wussten die Kicker offenkundig nichts von einer geplanten Manipulation: "Der Penner, der das Spiel verkauft hat, hat drei Tore gemacht", klagte der Zocker Mario C., dessen Telefon abgehört wurde. Das gängige Muster für ein verschobenes Spiel waren drei gekaufte Spieler in einer Mannschaft. "Zwei sind zu wenig", soll der kundige Sapina gesagt haben, der bislang noch nicht ausgepackt hat. Manchmal wurde auch die gesamte Mannschaft gekauft. Auch soll ein Funktionär eines türkischen Vereins der gegnerischen Mannschaft eine Siegprämie versprochen haben, weil er gegen das eigene Team gewettet habe. Weil im Oktober 2009 ein von deutschen Wettpaten angeblich gekauftes Spiel zwischen dem türkischen Erstligisten Kayserispor und Eskisehirspor anders ausging als gewettet, soll ein deutscher Pate zwei Spieler - einer war der Ex-Osnabrücker Bilal Aziz - heftig bedroht haben. Beide beichteten daraufhin dem Vereinsmanager die Geschichte. Aziz wurde im Januar 2010 vom Verein suspendiert, sein Kollege kam im März in Haft. Die Drohung sei nicht ernst gemeint gewesen, sagte einer der Paten in Bochum bei seiner Vernehmung. Ein Kollege, der mit Aziz nach dem Spiel gesprochen hatte, habe maßlos übertrieben. Gewalt lehne er ab. | Im bislang größten europäischen Fußball-Wettskandal erhärtet sich der Verdacht der Bandenkriminalität - die Staatsanwaltschaft plant erste Anklagen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/wettskandal-zocker-gegen-zocker-1.16763 | Wettskandal - Zocker gegen Zocker | 00/04/2010 |
Louis van Gaal würde sagen: Der FC Bayern hat die "Chance kreiert", eine Saison für die Geschichtsbücher zu spielen. Nach der betörenden Europa- pokal-Nacht in Manchester (2:3) ist möglich, was selbst die ruhmreichen Münchner noch nie geschafft haben: Meisterschaft, Pokalsieg und Champions-League-Krone im selben Jahr - vulgo: das Triple. Für Mark van Bommel wären es im besten Fall sogar vier Titel in einer Saison, denn der Kapitän hat bereits den weithin unterschätzten Sprachpreis der Vrijen Universiteit Amsterdam errungen. Jury-Begründung: Van Bommel, 32, analysiere Fußballspiele fachlich fundiert, redegewandt und phrasenfrei. Der Hobbytaktiker hat diese Auszeichnung verdient. Van Bommel erkannte bereits den sich anbahnenden Bayern-Aufschwung in dieser Saison, als viele noch Bauchgrimmen hatten wegen des ruppigen neuen Trainers: "Wir machen fußballerisch Fortschritte - nur die Ergebnisse fehlen", betonte der Mittelfeldchef im heißen Herbst mit der Geduld eines Gebetsmühlendrehers. Zudem erforscht van Bommel gerne das Wesen des Fußballs ("manchmal braucht man Arschlöcher"). Und er beherrscht die Kunst des ironischen Konterns nach unsinnigen Fragen ("Hast Du den Trainerschein?"). Kugelschreiber für Ribéry Nach der Party in England und der Zwischenlandung am Donnerstag in Düsseldorf floskelte van Bommel aber doch mal: "Wir haben noch nichts gewonnen, zum Träumen bleibt keine Zeit", mahnte er vor dem Bundesliga-Hit in Leverkusen. Immer weiter, dieses Kahnsche Mantra umschrieb ja nicht nur die Energieleistung der Bayern in Manchester. Es ist auch das aktuelle Motto für ihr Frühjahrsfestival des Spitzenfußballs: Schalke, Manchester, Leverkusen - im Hecheltempo einer japanischen Reisegruppe reihen sie Höhepunkt an Höhepunkt. Nun also Samstag, 18.30 Uhr: Bayer 04, Heynckes, Kroos, Kießling, Dritter gegen Erster - die nächste Königsetappe für den möglichen 22. Meistertitel. Vor dem Spiel bezogen die Bayern ein Kurztrainingslager am anderen Rheinufer, der 1.FC Köln stellte ihnen sein Geißbockareal und am Freitag sogar das WM-Stadion zur Verfügung. Altintop ist gesperrt, darüber hinaus hat van Gaal nicht verraten, ob er alle müden Stammkräfte mobilisiert für die letzte schwere Prüfung dieser Ligasaison. Das Restprogramm ist ja definitiv zumutbar (Hannover, Gladbach, Bochum, Hertha). Bayer-Coach Jupp Heynckes nannte die Münchner Solisten Robben und Ribéry eine "Delikatesse für die Liga", dessen ungeachtet will er sie "im Kollektiv ausschalten" - was Manchester misslang. Robben stand bei seinem Volleytraumtor zum 2:3 im Rückraum ja so frei wie sonst nur gegen eine übernächtigte Kreisligaabwehr. Van Bommel witzelte überdies: "Wenn Arjen nochmal so schießen würde, finden wir den Ball nicht mehr." Heynckes rekapitulierte spitz, die Bayern hätten in Old Trafford "aus dem Spiel heraus fast keine Torchance" gehabt. Das war beinahe ein kleines Psychospielchen, ein mind game, wie vom Kollegen Ferguson am Mittwoch mit der wundersamen Nominierung Wayne Rooneys. Die Bayern überstanden auch dies, und so wird nun bereits debattiert, welche Transfers sie demnächst tätigen. Ziel sei, "nicht die Kassenlage, sondern die Mannschaft zu verbessern", sagte Vorstandschef Rummenigge in der Hochstimmung nach dem Millionensieg bei ManU. Für den begehrten Franck Ribéry läuft eine Charmeoffensive. Zum 27.Geburtstag am Mittwoch erhielt der Franzose beim Bankett im Hotel ein Geschenk mit Hintersinn. Präsident Hoeneß überreichte dem Filou eine Torte und einen edlen Kugelschreiber - fürs baldige Signieren eines neuen Vertrags. | Nach der betörenden Europapokal-Nacht in Manchester erwartet den FC Bayern gegen Leverkusen die letzte schwere Prüfung dieser Ligasaison. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fc-bayern-in-leverkusen-letzte-delikatesse-1.22340 | FC Bayern in Leverkusen - Letzte Delikatesse | 00/04/2010 |
Schiedsrichter Kempter darf wieder pfeifen, DFB-Präsident Theo Zwanziger sieht keine Fehler bei sich: Mit viel Aufwand reformiert der DFB sein Schiedsrichterwesen. Das Gespenst wurde kaum beim Namen genannt. Aber natürlich war es allgegenwärtig, als der Deutsche Fußball-Bund am Freitag in aller Eile zum Sonderkonvent in Frankfurt zusammenkam, um per Strukturreform just diesen bösen Geist aus seinem Schiedsrichterwesen zu vertreiben. Zwar wurde der vom neuen Schiedsrichterchef Herbert Fandel präsentierte Leitfaden für die künftige Arbeit von den 252 Delegierten durchgewunken. Doch blieb das exorzistische Bemühen, nebenbei die Affäre um den langjährigen Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell vergessen zu machen, erfolglos - und dafür hatte die Verbandsspitze wieder mal selbst gesorgt. Die überfallartige Berufung von Amerells (künftig auch strafrechtlichem) Widerpart Michael Kempter als Referee für das Drittliga-Spiel Sandhausen - Kiel am Samstag brachte das Thema auf den Tisch - auch im Frankfurter Flughafenhotel, wo Präsident Theo Zwanziger und Herbert Fandel keine Volte scheuten, um dem DFB-Plenum die Dringlichkeit dieser Reform zu verklickern. "Wir brauchen ein Schiedsrichterwesen, in dem der Begriff Unabhängigkeit wichtiger ist als Ämterhäufung", rief Zwanziger, Fandel dozierte über Dezentralisierung, Umverteilung und die "absolute souveräne Neutralität", die es zu wahren gelte. Der offizielle Teil war schnell und routiniert abgearbeitet. Statt Schiedsrichterausschuss wird das Gremium künftig Schiedsrichter-Kommission heißen. Als deren Chef muss Fandel dem DFB-Bundestag Bericht erstatten, zudem ist er vom Präsidium abrufbar. Fandel, der den Fußballchef Volker Roth offiziell erst am 21. Mai beerben wird, will jedes erdenkliche Konfliktpotenzial eindämmen, auf dass jeder erkenne, "dass das Schiedsrichterwesen völlig unabhängig und neutral ist". Deshalb sollen Referees professioneller betreut, die Schlüsselstellen mit neutralem Personal und eine transparente Kommunikation gepflegt werden. "Wer Schiedsrichter ansetzt, kann keine Beobachter ansetzen und umgekehrt", sagte der frühere Fifa-Referee. Nur, braucht es für all das einen 400.000 Euro teuren Blitz-Konvent? Die Deutsche Fußball Liga meint Nein, dies mischte DFL-Chef Reinhard Rauball seinem Grußwort unter. "Die Ligavertreter waren dagegen, haben sich aber aus übergeordneten Erwägungen der Stimme enthalten", so Rauball, man hätte durchaus "einen anderen Weg wählen können". Aber nicht mit Theo Zwanziger. In der Frankfurter Bütt, vor drei Hundertschaften grauer Anzüge, grauen Vorhängen, grauen Vertäfelungen, argumentierte der DFB-Chef damit, man habe diese Reform "klar und rechtlich sauber" durchziehen wollen, um sich später "nicht in Diskussionen zu verzetteln -dazu brauchen wir eine Satzungsänderung. Wenn die Reform zur neuen Saison in Kraft treten soll, muss es jetzt passieren." Und keineswegs sei es so, dass die Strukturfrage "in Zusammenhang mit einem bestimmten Vorgang aufgetaucht" sei, vulgo: der Affäre Amerell/Kempter. Aber ein wenig befördert hat die über Wochen den Verband erschütternde Krise das Ganze schon: "Jetzt ist es zugegebenermaßen in eine höhere Dringlichkeitsstufe gekommen", meinte Zwanziger. Von eigenen Fehlern keine Spur: "Wir haben die Dinge korrekt und sachlich aufgearbeitet", nur sei leider einiges in der Öffentlichkeit nicht richtig dargestellt worden. Braver Applaus Der DFB habe sich auch "nicht rechtsstaatswidrig" verhalten, Amerell sei zu Kempters Vorwürfen der sexuellen Nötigung "Anfang Februar ausführlich angehört worden". Die Akten der internen Ermittlungen habe man nicht an Amerell rausgeben können, weil der sich ja "durch seinen Rücktritt aus unserem Verband verabschiedet hat". Zwanziger erntete nur kurzen, braven Applaus. In den Fluren des Kongresshotels nämlich glaubte längst nicht jeder, dass die Affäre Amerell/Kempter mit dieser Schnellreform überstanden sei. Tatsächlich dürfte das größte Ungemach noch ausstehen, sowohl Amerell als auch Kempter wollen vor den Strafrichter ziehen. Dort, meint Amerells Anwalt Jürgen Langer, "wird es um die alles entscheidende Frage gehen: War diese Beziehung erzwungen, wie Kempter behauptet, oder freiwillig?" Sollte sich letzteres, wie Amerell sagt, bewahrheiten, wäre der Vorwurf sexueller Nötigung obsolet, und das Problem müsste auf den DFB zurückfallen, der Kempter volle Glaubwürdigkeit schenkte - trotz Amerells früher Hinweise auf das Vorliegen einer bemerkenswert vertraulichen Kommunikation zwischen ihm und dem Referee. Anwalt Langer will hunderte Mails und SMS von Kempter an Amerell seit 2007 auf den Richtertisch legen, er sagt: "Aus der Frage, welcher Natur das Verhältnis der beiden wirklich war, ergibt sich dann logischerweise alles andere." In Frankfurt gab sich Zwanziger von solchen Ankündigungen unbeeindruckt. "Es gibt nichts Erkennbares, was uns hätte hindern können, den jungen Mann wieder einzusetzen", meinte er, mental sei Kempter bereit, dies habe ein Psychologe bestätigt, und schließlich: "Alle waren in diese Entscheidung eingebunden. Natürlich haben wir auch beraten: Ist dies der richtige Zeitpunkt?" | Schiedsrichter Kempter darf wieder pfeifen, DFB-Präsident Theo Zwanziger sieht keine Fehler bei sich: Mit viel Aufwand reformiert der DFB sein Schiedsrichterwesen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/dfb-schiedsrichterreform-in-amerells-schatten-1.1804 | DFB: Schiedsrichterreform - In Amerells Schatten | 00/04/2010 |
Uefa-Chef Platini setzt Ukraine Frist für Stadionbau: Die Fußball-EM bedeutet für die Ukraine nicht nur ein Großereignis, sie ist auch eine hochpolitische Angelegenheit. Michel Platini war mal französischer Nationalspieler, seine Spezialität waren Freistöße. Manche führte er direkt aus, andere indirekt, gefährlich waren beide Arten. Mittlerweile ist Platini Präsident des europäischen Fußballverbandes Uefa, und in dieser Funktion sprach er nun eine Art indirekter Drohung aus: Er stellte die Ukraine als Gastgeber für die nächste Europameisterschaft im Jahr 2012 infrage, falls es beim Bau von Stadien und Verkehrsanbindungen nicht vorangehe. "Wir können keine Zeit mehr verlieren - die Ukraine hat zwei Monate Zeit, deutliche Fortschritte zu zeigen", sagte Platini nach einem Treffen mit Präsident Viktor Janukowitsch, der prompt sofortige Besserung gelobte. Die Kiewer Presse meldete aufgeregt, die Deutschen sollten für die Ukrainer einspringen, falls diese nicht zu Rande kämen. Die Uefa wollte die Deutschland-Variante allerdings nicht bestätigen. Als die Ukraine und Polen vor fünf Jahren überraschend den Zuschlag für die EM 2012 bekamen, brummte die Wirtschaft in beiden Ländern. Der Boom brach allerdings mit der globalen Finanzkrise ab, die ukrainische Wirtschaft stürzte binnen eines Jahres um fünfzehn Prozent ab. Doch scheint die Talsohle mittlerweile durchschritten zu sein. Janukowitsch konnte nun Platini berichten, dass Kiew weitere 100 Millionen Euro für die Fertigstellung der Stadien und die Verbesserung der Infrastruktur bereitgestellt habe. Zudem hat der Donezker Industriemagnat Rinat Achmet, der Finanzier Janukowitschs, die Oberaufsicht über den Sportkomplex von Lemberg übernommen, wo es die größten Probleme gibt. Der Milliardär war schon Bauherr des modernen Stadions in seiner Heimatstadt, wo ihm auch der international erfolgreiche Club Schachtjor gehört. Die Fußball-EM bedeutet für die Ukraine nicht nur ein Großereignis, das die Massen begeistern und überdies den Organisatoren Millionengewinne bescheren soll. Sie ist auch eine hochpolitische Angelegenheit: Es geht um nichts Geringeres als die Stabilität des Staates. Fußball ist die wohl wichtigste Klammer, die den katholisch geprägten Westen um Lemberg, der einst zu Polen und Österreich gehörte, und die russischsprachigen Gebiete im Osten und Süden zusammenhält. Noch vor anderthalb Jahrzehnten wehten bei Demonstrationen im Industrierevier Donbass oder in den Hafenstädten am Schwarzen Meer russische Fahnen oder gar Hammer und Sichel; man blickte nach Moskau, nicht nach Kiew. Doch mittlerweile ist namentlich bei der jungen Generation in den russischsprachigen Regionen ein ukrainisches Nationalgefühl entstanden - man freut sich sogar unverhohlen über Niederlagen der russischen Nationalelf. Würde die Uefa Kiew die EM wegnehmen, so wäre dies nicht nur eine emotionale Katastrophe für Millionen. Experten befürchten für diesen Fall sogar innenpolitische Wirren in dem wichtigsten europäischen Transitland für Erdgas, vielleicht sogar den Sturz der Regierung. Eine politisch gelähmte Kiewer Führung könnte sich dann nicht gegen Repressionen aus Moskau wehren, wo man nach wie vor die Kontrolle über den Gastransit anstrebt. Als Folge davon könnten die Rohstoffpreise steigen. Jedenfalls werden solche Szenarien in Berlin durchgespielt. Es herrscht Einigkeit darin, dass eine stabile Ukraine im deutschen Interesse liegt. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat die fußballbegeisterte Kanzlerin Angela Merkel den Deutschen Fußballbund ermuntert, Berater nach Kiew zu schicken. | Uefa-Chef Platini setzt Ukraine Frist für Stadionbau: Die Fußball-EM bedeutet für die Ukraine nicht nur ein Großereignis, sie ist auch eine hochpolitische Angelegenheit. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/europameisterschaft-2012-em-gastgeber-im-rueckstand-1.24844 | Europameisterschaft 2012 - EM-Gastgeber im Rückstand | 00/04/2010 |
Berliner und Kölner Fans müssen draußen bleiben, Hannover zittert vor der Roten Laterne und Bayern denkt schon zwei Schritte weiter. Die Bundesliga-Vorschau. Borussia Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt (Freitag, 20.30 Uhr) Zum Auftakt dieser Vorschau ein kurzer Rückblick: Am vergangenen Wochenende hat Eintracht Frankfurt ein 1:2 in ein 3:2 verwandelt. Gegen Leverkusen! Durch einen Fallrückzieher kurz vor Schluss!! Von Maik Franz!!! Ein solches Frankfurter Franz-Fallrückzieher-Szenario war vor der Saison eigentlich undenkbar und beweist dreierlei: 1. zeigen die Frankfurter einen ungeahnten Glauben an sich selbst, den schon die Bayern vor einigen Wochen spüren musste; 2. können bei den Frankfurtern mehr Spieler ein Tor schießen, als das Trainer Michael Skibbe vor der Saison glaubte; und 3. entdeckt die Eintracht die Freude am Fußballspiel. Unverhofft ist nach drei Siegen in Folge ein Platz im internationalen Geschäft in greifbare Nähe gerückt. Sogar der als Trainer zur notorischen Skepsis verpflichtete Skibbe sagt: "Wie werden alles, wirklich alles daran setzen, unsere Chance zu ergreifen." Hinzu kommt: Gegen keinen Klub siegte die Eintracht so oft wie gegen Gladbach, nämlich 29 mal, und nirgendwo schossen sie so viele Tore wie bei der Borussia, nämlich 52. Maik Franz wird am Freitag allerdings wegen einer Gelbsperre fehlen. Vielleicht erzielt für die total verrückte Eintracht ja Oka Nikolov den Siegtreffer. Der ist Torwart. Foto: Reuters | Berliner und Kölner Fans müssen draußen bleiben, Hannover zittert vor der Roten Laterne und Bayern denkt schon zwei Schritte weiter. Die Bundesliga-Vorschau. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-30-spieltag-gegen-aeh-ja-genau-leverkusen-1.17928 | Bundesliga, 30. Spieltag - Gegen, äh, ja genau: Leverkusen | 00/04/2010 |
83 Tage nach seinem letzten Einsatz in der Fußball-Bundesliga wird Schiedsrichter Michael Kempter am Samstag sein Comeback geben. Der 27-Jährige aus Sauldorf wird das Drittliga-Spiel zwischen dem SV Sandhausen und Holstein Kiel (14.00 Uhr) leiten. Das beschloss der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Freitag trotz der schwelenden Affäre um Kempter und den ehemaligen Schiedsrichter-Beobachter Manfred Amerell. "Das ist für uns absolute Normalität, denn es gibt derzeit keine Vorwürfe, die gegen eine Ansetzung von Michael Kempter sprechen. Es gibt keine Erkenntnisse, die ihn auf irgendeine Art belasten. Er hat gezeigt, dass er köprerlich und mental fit ist", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger, nachdem Kempter am Mittwoch einen Leistungstest ohne Probleme bestanden hatte. Kempter hatte sein letztes Bundesligaspiel vor dem Bekanntwerden der Affäre beim 1:0 von Schalke 04 gegen den 1. FC Nürnberg am 17. Januar geleitet. Wann Kempter wieder in der Bundesliga pfeifen darf, ist offen. _________________________________________________________________ DFB-Chef Theo Zwanziger hat in der Affäre Amerell eigene Fehler eingeräumt. "Vielleicht habe ich mich ein- oder zweimal zu oft geäußert", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Freitag). "Aber ich muss doch reagieren, wenn falsche Behauptungen, die sich in der Öffentlichkeit verselbstständigen, getätigt werden", betonte Zwanziger vor dem DFB-Bundestag am Freitag in Frankfurt. Als Konsequenz aus den Vorkommnissen soll bei der außerordentlichen Zusammenkunft über ein Reformpapier zur Neuordnung des Schiedsrichterwesens abgestimmt werden. In der Aufarbeitung der Affäre um eine angebliche sexuelle Belästigung des FIFA-Referees Michael Kempter durch den ehemaligen Schiedsrichterbeobachter Manfred Amerell waren Zwanziger unter anderem schwaches Krisenmanagement und Parteinahme für Kempter vorgeworfen worden. Der Hamburger SV und Paolo Guerrero wollen die Sperre von fünf Spielen für den Stürmer durch das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht akzeptieren. "Wir werden Einspruch einlegen", sagte ein HSV-Sprecher am Freitagmorgen kurz vor Ablauf der Widerspruchsfrist. Auch Guerrero hatte zuvor bereits einen Einspruch angekündigt. "Wir müssen kämpfen, ich möchte noch in dieser Saison in der Bundesliga spielen", sagte der Profi. Guerrero war am Donnerstag wegen seines Flaschenwurfes an den Kopf eines Fans im Bundesliga-Spiel gegen Hannover 96 für den Rest der Bundesliga-Saison gesperrt worden. In der Europa League ist er aber spielberechtigt. Guerrero war am Donnerstag vom DFB-Sportgericht zu fünf Spielen und einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt worden. Sein Arbeitgeber hatte ihn bereits am Montag mit einer Vereins-Rekordbuße zwischen 50.000 und 100.000 Euro belegt, aber nicht gesperrt. "Es wäre ein Traum, wenn ich vor Saisonende doch noch einmal spielen dürfte", sagte der Stürmer. _________________________________________________________________ Der vierte Champions-League-Platz ist für Deutschland zum Greifen nah. Durch die Erfolge des Rekordmeisters Bayern München und des Hamburger SV im Europacup ist die Bundesliga in der Fünfjahreswertung der Europäischen Fußball-Union UEFA bis auf 0,417 Punkte an Italien herangerückt. Und die deutschen Chancen stehen nicht schlecht: Während die Bundesliga noch mit zwei Klubs vertreten ist, haben die Italiener nur noch Inter Mailand im Rennen. Der Serie-A-Spitzenreiter bekommt es im Champions-League-Halbfinale mit Titelverteidiger FC Barcelona zu tun. Sollte Deutschland das Land des Weltmeisters noch in dieser Saison überholen, könnte die Bundesliga ab der Saison 2011/12 wieder vier Champions-League-Starter stellen. An der Spitze der Wertung liegt weiterhin England vor Spanien. __________________________________________________________ Borussia Dortmunds Torjäger Lucas Barrios könnte eventuell für Paraguay an der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika teilnehmen. Nach Angaben vom Donnerstag (Ortszeit) hat der Argentinier jetzt auch die Staatsbürgerschaft des südamerikanischen Landes erhalten. Er sei "überglücklich" über die Entscheidung eines Richters in der paraguayischen Hauptstadt Asunción, sagte der in Argentinien geborene Sohn einer paraguayischen Mutter dem Radiosender 780 AM. Er selbst habe gar nicht gewusst, dass er die Staatsbürgerschaft bekommen habe, fügte der Stürmer hinzu. Ob Paraguays Nationaltrainer Gerardo Martino den Dortmunder Publikumsliebling aber überhaupt in das Aufgebot für Südafrika berufen würde, ist unklar. Barrios betonte, bisher habe ihn niemand angesprochen, und er wolle sich auch keine Illusionen machen. Außerdem sei der Gesundheitszustand des paraguayischen Torjägers Salvador Cabañas, den Barrios ersetzen könnte, eine sehr "delikate Angelegenheit". Cabañas war im Januar in Mexiko durch einen Kopfschuss schwer verletzt worden und erholt sich zurzeit in einer argentinischen Klinik. Obwohl die Kugel noch im Kopf sitzt, macht er sich Hoffnung auf eine WM-Teilnahme. _________________________________________________________________ Chris Kaman und die Los Angeles Clippers haben ihre Niederlagen-Serie in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA fortgesetzt. Das 94:116 beim kalifornischen Rivalen Sacramento Kings bedeutete bereits die siebte Pleite in Folge für die Clippers. Starke 23 Punkte des deutschen Nationalspielers waren einmal mehr zu wenig. Für Sacramento war es der erste Sieg nach zuvor acht Niederlagen hintereinander. Den letzten Erfolg hatten die Kings am 21. März verbucht - ebenfalls gegen die Clippers. Chancen auf eine Play-off-Teilnahme hatten beide Teams schon vor der Partie nicht mehr. Im Kampf um den letzten noch freien Play-off-Platz der Liga zitterten sich die Chicago Bulls zu einem 109:108 gegen die Cleveland Cavaliers. Der sechsmalige NBA-Meister streitet sich vier Spiele vor Saisonende mit den nun punktgleichen Toronto Raptors um den achten Platz der Western Conference. Meister Los Angeles Lakers verlor sein letztes Auswärtsspiel der regulären Saison 96:98 bei den Denver Nuggets, bleibt aber Tabellenführer. | Kempter gibt am Samstag sein Comeback, Zwanziger räumt Fehler ein, Hamburg protestiert gegen die Fünf-Spiele-Sanktion für Guerrero. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-kempter-pfeift-1.1637 | Sport kompakt - Kempter pfeift | 00/04/2010 |
Während der deutsche Fußball-Meister VfL Wolfsburg nach dem 1:2 im Hinspiel auch das Viertelfinal-Rückspiel im eigenen Stadion gegen den FC Fulham mit 0:1 (0:1) verlor, schaffte der HSV in Belgien bei Standard Lüttich dank Doppel-Torschütze Mladen Petric und Flaschenwerfer Paolo Guerrero einen unerwartet deutlichen 3:1 (2:1)-Erfolg. Für die Hamburger ist nun der Wolfsburg-Bezwinger aus England am 22. und 29. April der letzte Prüfstein vor dem Endspiel im eigenen Stadion am 12. Mai. Das Team von Bruno Labbadia könnte so eine durchwachsene Saison doch noch krönen. Im zweiten Europa-League-Halbfinale stehen sich der FC Liverpool und Atletico Madrid gegenüber, die sich im Viertelfinale gegen Benfica Lissabon und den FC Valencia durchsetzten. Schon zur Pause machte der HSV mit dem 2:1-Heimsieg im Rücken alles klar. Vor 29.000 Zuschauern im Maurice-Dufrasne-Stadion war Petric der Mann des Abends. Nach tagelangen Unruhen wegen Guerreros Ausraster und der Medienschelte gegen Labbadia gingen die HSV-Profis vor Spielbeginn mit einem großen Banner "Wir für Euch - Ihr für uns" auf Schmusekurs. Die mitgereisten Fans zeigten sich versöhnlich. Der reumütige Sünder Guerrero, in der Bundesliga für fünf Spiele gesperrt, blieb zunächst draußen und erzielte dann sogar noch ein Tor. Auch Nationalspieler Piotr Trochowski musste auf die Bank - für ihn begann überraschend Robert Tesche. Mit Ballkontrolle und Kombinationssicherheit trumpfte der HSV auf. Schon in der 20. Minute köpfte Petric die abgefälschte Flanke von Zé Robertos mühelos zum 1:0 ein. Statt beruhigt ihre technische und taktische Überlegenheit auszuspielen, verfielen die Hamburger bei Poccognolis Freistoß in kollektiven Tiefschlaf. Lüttichs brasilianischer Kapitän Igor de Camargo, von Gladbach umworben, schaffte ebenfalls per Kopf ungehindert den Ausgleich. Petric wie Robben Sichtlich bemüht um positive Signale hatte der angespannte Labbadia die Dienstreise nach Lüttich zu einem "Festtag" ausgerufen. Für Vollzeittorjäger Petric hat sich der emotionale Betriebsausflug ganz besonders gelohnt. Nach einer tollen Flanke von Dennis Aogo gelang dem Kroaten mit einem Fallrückzieher die 2:1-Halbzeitführung; es war mehr ein Kunstwerk als ein Schuss, das den Vergleich mit der Direktabnahme von Bayerns Arjen Robben tags zuvor gegen Manchester nicht zu scheuen braucht. In der Nachspielzeit traf dann noch Guerrero - alles war wieder gut beim Bundesliga-Dino. Wer hingegen auf eine Aufholjagd der Wolfsburger gehofft hatte, wurde schnell enttäuscht. Ein Blitztor schockte die Gastgeber und beendete den Traum abrupt. Der Gegentreffer von Bobby Zamora nach 23 Sekunden entschied am Donnerstag vor 24.834 Zuschauern, unter ihnen Hollywood-Star Hugh Grant, die Begegnung. Der Schauspieler drückte auf der Tribüne in Wolfsburg seinem Lieblingsclub die Daumen. Der bekennende Fulham-Fan wurde nicht enttäuscht. Der große Wolfsburger Optimismus hatte dagegen bereits vor dem Anpfiff einen Dämpfer erhalten. Abwehrspieler Alexander Madlung, Torschütze im Hinspiel, fiel mit einer Oberschenkelverletzung kurzfristig aus. Für ihn rückte Jan Simunek in die Innenverteidigung. Ehe sich der Tscheche richtig orientiert hatte, lag der Ball bereits im Wolfsburger Kasten. Zamora tanzte Simunek aus, und gegen den platzierten Schuss des Fulham-Goalgetters war VfL-Keeper Diego Benaglio machtlos. "Das war sehr ärgerlich und darf auf diesem Niveau nicht passieren", kritisierte der angeschlagene Madlung in der Halbzeit. Besser wurde es auch danach nicht. | Der HSV zieht durch ein 3:1 gegen Standard Lüttich ins Halbfinale der Europa League ein. Wolfsburg unterliegt dem FC Fulham durch ein Blitztor nach 23 Sekunden. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/europa-league-viertelfinale-hamburg-souveraen-wolfsburg-machtlos-1.24951 | Europa League, Viertelfinale - Hamburg souverän, Wolfsburg machtlos | 00/04/2010 |
Jede menschliche Einrichtung hat ihr eigenes Milieu, ihren Duft und auch ihre eigene Sprache: "Was meint der Begriff Bank?", fragte neulich ein Beamter der Bochumer Sonderkommission "Flankengott" den aus dem niedersächsischen Lohne stammenden Zocker Nurettin G. bei einer Vernehmung. Von einer "Bank" sei die Rede, wenn ein Spiel todsicher manipuliert worden sei, antwortete der 34-jährige Untersuchungshäftling. Dann redete er über todsichere Spiele am Bosporus. Die Türkei stand schon häufig im Ruch, dass Spiele nicht nur auf dem Platz entschieden werden. Aber selten war der Generalverdacht so unangenehm wie in diesen Tagen. Die Türkei bemüht sich um die Ausrichtung der Fußball- EM 2016. Eine Kommission des Europäischen Fußballverbandes Uefa ist derzeit in Istanbul, um die Bewerbung zu sichten. Die aktuellen Nachrichten aus dem türkischen Fußballbetrieb sind dabei gerade nicht förderlich und deutsche Fahnder haben mit dieser Entwicklung eine Menge zu tun. Ermittler der Bochumer Staatsanwaltschaft und der örtlichen Kriminalpolizei rollen seit Monaten einen großen europäischen Fußball-Wettskandal auf. Spiele in Bosnien, Kroatien, Österreich, Slowenien, Schweiz, Ungarn, Belgien und Deutschland sollen verschoben worden sein, aber nirgendwo zeigte ihr Wirken solche Folgen wie in der Türkei. Nationalspieler involviert Ende vorigen Monats begann die Istanbuler Polizei mit einer Operation, die mit dem Begriff Razzia nur unzureichend umschrieben werden kann. 46 Personen aus dem Fußball-Milieu kamen in Haft. Bis Mittwochabend saßen noch 27 von ihnen ein, dann wurden am Donnerstag noch einmal zehn weitere Verdächtige verhaftet. Einer von ihnen ist der frühere Fenerbahce-Spieler Celil Sagir, der momentan beim Zweitligisten Caykur Rizespor unter Vertrag steht. Zu den Inhaftierten gehören: ein Klubpräsident, ein Technischer Direktor, mehr als ein halbes Dutzend Trainer, mehrere Torhüter, diverse Feldspieler und ehemalige Fußballer. Die Kooperation zwischen deutschen und türkischen Fahndern ist so eng, dass türkische Ermittler vor einigen Wochen in Deutschland sogar Nurettin G. befragen durften, der vom 20. Januar bis Mitte März in Bochum ausgepackt hat. Er redete beispielsweise über den ehemaligen Nationalspieler Fatih Akyel, der das richtige Näschen für ungewöhnliche Spielausgänge gehabt habe. Dank Akyel habe er mal 80.000 Euro Gewinn gemacht. Akyel hatte einen Namen zu verlieren. Nur 29 Spiele manipuliert? Er gewann mit Galatasaray 2000 den Uefa-Cup und wurde 2002 mit der Türkei Dritter bei der Fußball-WM. Kurz spielte er auch beim VfL Bochum und kickt derzeit in der dritten türkischen Liga. Anfang des Jahres hatte er kurz mit einem Wechsel zu Bayer Uerdingen geliebäugelt. Sein Berater Metin Korkmaz wurde auch festgenommen. Dessen Name zieht sich durch die Bochumer Verhörprotokolle, weil er angeblich von manipulierbaren Spielen wusste. In Erinnerung ist aber im Revier mehr sein Chauffeur geblieben, der bei einem Spiel der 2. Liga einen todsicheren Tipp hatte: Nurettin G., der insgesamt oft verlor, gewann mit dem Tipp des Chauffeurs 200.000 Euro. Dessen wichtigster Verbindungsmann war Erkan Ergün, auch der ist ins Visier der Istanbuler Fahnder geraten. Auf Ergün ist Nurettin G. nicht gut zu sprechen, weil der ihn hereingelegt habe. Eine wichtige Rolle in den Vernehmungen spielt auch Bilal Aziz, der mal für die zweite Mannschaft von Schalke 04 spielte und dann zum VfL Osnabrück wechselte. Der Wettpate aus Lohne berichtete, dort habe Aziz sogar gegen die eigene Mannschaft gewettet. Mit 25.000 Euro Wettschulden sei er 2008 zum türkischen Erstligisten Kayserispor gewechselt. Danach habe Aziz die Schulden bezahlt. Anfang 2010 wurde er von Kayserispor wegen Manipulationsverdacht suspendiert. In den Bochumer Akten war anfangs von 29 verschobenen Spielen in der Türkei die Rede. Nur 29? Es gebe "noch viel mehr Spiele", die in unteren Ligen manipuliert würden, klärte G. die Fahnder auf. | Die türkischen Behörden haben 46 verdächtige Personen festgenommen. Der Bewerbung der Türkei um die EM 2016 ist das nicht förderlich. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-tuerkei-der-grosse-wettbetrug-1.9534 | Fußball: Türkei - Der große Wettbetrug | 00/04/2010 |
Am nächsten Morgen hat er beim Frühstück bereits wieder auf sie eingeredet, dabei konnte er sich nicht wirklich sicher sein, ob ihm jemand zuhörte. Es ist ja eine sehr kurze Nacht gewesen für die Profis des FCBayern, wer kann schon schlafen gehen nach so einem Spiel, nach solch einem großen Erfolg in der berauschenden Atmosphäre des Old Trafford, den das Münchner 2:3 (1:3) bei Manchester United bedeutet. Der überraschende Einzug ins Halbfinale der Champions League hat auch den von sich selbst sehr überzeugten deutschen Rekordmeister überwältigt, und Expeditionsleiter Louis van Gaal drohte fast zu platzen vor Stolz, als er in der zweiten Stunde des neuen Tages die gesellige Runde verließ und zum Aufzug schlenderte, in der rechten Hand seine Aktentasche, die er unbedingt auch beim Mitternachtsdinner dabei haben muss. Aufrecht und selten lässig federte er mit seinen rund 95 Kilo über den britischen Teppich des Teamquartiers Worsley Park. Morgens erfüllte ihn der Stolz immer noch, "ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir vielleicht eine Mission impossible haben", berichtete der Chefcoach. "Aber wir können es schaffen." Van Gaals Ideal Natürlich hat der Trainer nicht das Auswärtsspiel im Ligabetrieb am Samstag in Leverkusen gemeint und auch nicht unbedingt die nächste Aufgabe in Europa gegen den zweiten Überraschungsgast im Semifinale, Frankreichs Tabellenzweiten Lyon. Van Gaal denkt bereits an den FC Barcelona, und das nicht mal heimlich. Lyon sei eine komplizierte Prüfung, "gute Ordnung", floskelte der holländische Fußballdozent zwar mittags am Airport. Aber eine tolle Ordnung hat er zuletzt auch Teams aus Freiburg oder Frankfurt zugesprochen. Ordnung ist eben das Thema seines Lebens, und Barcelonas Struktur, die momentan als unerreicht gilt, ist sein Ideal. Van Gaal, 58, möchte sich jetzt messen mit dem Vorbild, und zwar im Endspiel von Madrid. "Barça gewinnt neun von zehn Spielen gegen uns", sagte er, "aber das eine kann ein Finale sein." Etwas anmaßend hörte sich das schon an, und wenn sich van Gaal nachts im Hotelzimmer noch einmal das Duell mit Englands Titelträger angeschaut hat (woran niemand zweifelt), wird ihm wohl erneut schummrig geworden sein beim Anblick der ersten Halbzeit. In der 41. Minute lag United 3:0 nach den Toren von Gibson und zweimal Nani vorn. Es drohte ein Desaster wie vor gut einem Jahr, als Barca im Viertelfinale beim 4:0 noch Gnade hatte walten lassen. Abwehrchef Daniel van Buyten hatte die Bilder aus Nou Camp ebenfalls vor Augen, als die Menschen im Old Trafford nach Nanis zweitem Tor vor Begeisterung lärmten wie Düsenjets beim Start. "Jetzt können wir einen Scheißabend haben", das sei ihm durch den Kopf gegangen. Auf die erste Hälfte sei er "nicht stolz", räumte van Gaal ein, "aber stolz bin ich auf die zweite, wie wir da zurückgekommen sind - das ist unglaublich!" "Kotzt mich alles an" Diese Mentalität des Immer-weiter hat auch Karl-Heinz Rummenigge herausgehoben, als er zur späten Stunde zu den Festgästen sprach. Die Leidenschaft und der Kampfgeist des Teams erinnerten den Vorstandschef an 2001. An das Frühjahr, als der FC Bayern zuletzt im Halbfinale stand und später sogar den Titel gewann. Auch damals sei man "wahrscheinlich nicht die beste Mannschaft gewesen", sagte Rummenigge. Das ist ganz bestimmt auch diesmal der Fall, und sollten die Bayern im Mai tatsächlich die Silbervase berühren dürfen, würde man irritiert nicht nur an den Auftakt im Old Trafford zurückdenken, der wohl auch dem jungen Linksverteidiger Holger Badstuber, 20, noch zu schaffen machte, als er nachts mit einem dahingemurmelten "kotzt mich alles an" schlafen ging. Überrannt und bloßgestellt hatte United vor allem seine linke Abwehrseite, "in der ersten Halbzeit waren wir nur beherrscht und nicht aggressiv", monierte Louis van Gaal. "Wir sind in den ersten 20 Minuten weggespült worden." Diese Bayern-Mannschaft ist mit Sicherheit dazu fähig, sich schon gegen Lyon erneut übertölpeln zu lassen mit aberwitzigem Abwehrverhalten. Doch genauso gut darf ihr jetzt zugetraut werden, sich mit ihrer psychischen Stärke über die Logik des Spiels und die Kräfteverhältnisse von Geld und Talent hinwegsetzen zu können. Es kann ja kaum noch Zufall sein, dass jemand wie Ivica Olic, ein beseelter Akkordläufer, erneut ein spätes Tor erzielte, das alles veränderte (diesmal vor der Pause das 1:3/43.). Und nachdem Rafael bald seine zweite gelbe Karte gesehen hatte wegen des Zupfers an Ribérys Hemd, prägte endgültig jene Ordnung ihr Spiel, mit der es die Bayern interessanterweise bei bisher 57 Prozent Ballbesitz in allen Partien zum ersten Verfolger Barças (65 Prozent) zumindest in dieser Wertung gebracht haben. . Rioja für den tiefen Schlaf "Kalt auf dieses (zweite) Tor" habe man in Überzahl gespielt, lobte Präsident Uli Hoeneß. Und dass auch die Bayern über Individualisten verfügen, die selbst bei wildesten Auftritten den Unterschied herstellen können, wird sich spätestens seit Robbens Volltreffer zum 2:3 (s.Text unten) herumgesprochen haben. Noch sei nichts erreicht, daran erinnerte der müde Stratege Schweinsteiger. "Es kann eine große Saison werden", sagte er, "aber wir müssen konzentriert bleiben." Van Gaal will dafür Sorge tragen, für den Donnerstag verfügte er beim Rückflug einen Zwischenstopp in Düsseldorf, wo sich das Team nun auf Leverkusen vorbereitet. Dabei ist neben seiner geheimnisvollen Aktentasche wohl auch jene große Silberkiste, aus der die Crew in Manchester in einem vermeintlich unbeobachteten Moment van Gaals Hausmittel für einen tiefen Schlaf auch in kurzen Nächten kramte: dunkler Rioja, Baron de Ley, Jahrgang 2004. kramte: dunkler Rioja, Baron de Ley, Jahrgang 2004. | Der Erfolg von Manchester lässt den FC Bayern München von einem Finale gegen Barcelona träumen. Doch die Leistung vor der Pause schürt Zweifel. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fc-bayern-muenchen-sieger-mit-fehlern-1.19202 | FC Bayern München - Sieger mit Fehlern | 00/04/2010 |
Die Unkaputtbaren: Wie so oft in dieser Spielzeit findet der FC Bayern bei Manchester United in eine verloren geglaubte Partie zurück und kommt weiter. Mit Glück hat das wenig zu tun. Die englischen Buchmacher kamen gar nicht hinterher, auf ihren Homepages die Live-Quoten zu aktualisieren. Nach drei Spielminuten stand es 1:0 für Manchester United, nur vier Minuten später fiel das 2:0. Die Mannschaft von Alex Ferguson dominierte die Partie gegen den FC Bayern - und als Nani auch noch das 3:0 erzielte, da erreichten die Quoten für ein Weiterkommen der Münchner ihren Höhepunkt. Wer sollte in dieser 41. Minute auch noch einen Penny darauf setzen, dass der FC Bayern München das Halbfinale der Champions League erreichen würde? Am Ende lautete das Ergebnis nach Toren von Ivica Olic und Arjen Robben aus Sicht der Münchner 2:3 - das reichte ihnen in Old Trafford, um die nächste Runde zu erreichen. "Am Anfang haben wir große Probleme gehabt", sagte Präsident Uli Hoeneß nach dem Spiel. "Aber nachdem die Mannschaft Gott sei Dank so kurz vor der Halbzeit mit einem vernünftigen Spiel zurückgekommen war, mit herausgespielten Torchancen und als das Tor vor der Halbzeit fiel, habe ich schon auf der Tribüne gesagt, wir spielen 2:3 oder 3:3." Der Halbzeit-Glaube von Hoeneß war nicht nur das Wunschdenken des obersten Bayern-Fans, sondern gab das Vertrauen auf eine Fähigkeit der Münchner in dieser Spielzeit wieder: Die Mannschaft ist in der Lage, verloren geglaubte Partien umzudrehen und erfolgreich zu gestalten. Nach einem Rückstand verfällt sie nicht - wie viele andere Teams - in Schockstarre, vielmehr vertraut sie darauf, dass die formidabel besetzte Offensiv-Reihe jederzeit Tore erzielen kann. Und dass sie genügend Ausnahmekünstler im Kader hat, die sowohl Chancen herausspielen als auch verwerten können. "Ihr dürft keinen Zweifel an euch haben. Wenn ihr macht, was wir vereinbart haben, dann bekommen die Probleme", soll Trainer Louis van Gaal bei der Ansprache vor dem Hinspiel gegen Manchester gesagt haben. Es gehört zu den prägendsten Eigenschaften des Holländers, mit einem überdimensionalen Ego und dem Selbstverständnis des Siegens ausgestattet zu sein - und er hat in seinem Kader Spieler, die solche Aussagen wie vor dem Spiel gegen Manchester glauben. Im zentralen Mittelfeld agieren Mark van Bommel und der zur Persönlichkeit gereifte Bastian Schweinsteiger. Auf den Außenbahnen spielen Arjen Robben und Franck Ribéry, die wissen, dass sie Spiele alleine entscheiden können. Und im Sturm würde Ivica Olic wohl auch bei einem 0:5-Rückstand noch so lange laufen, bis ihn jemand einfängt und vom Platz trägt. Freilich darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich die Partie gegen Manchester von der 43. bis zur 55. Minute dramaturgisch perfekt gestaltete für das anschließende Comeback. Kurz vor der Pause erzielte Ivica Olic den Anschlusstreffer und versicherte seinen Kollegen damit, dass ein weiteres Tor den Einzug ins Halbfinale bedeuten würde. Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit wurde Manchesters Rafael mit gelb-roter Karte vom Platz gestellt, wenige Minuten später musste Wayne Rooney ausgewechselt werden. Und doch ist auffällig, wie es Trainer Louis van Gaal gelungen ist, seiner Mannschaft eine Niemals-aufgeben-Mentalität einzuimpfen. In der Bundesliga hat der FC Bayern in dieser Spielzeit bereits fünf Partien nach Rückstand noch gewonnen - gegen Frankfurt, Bremen, Freiburg und zwei Mal gegen Dortmund. In der Champions League gelang den Münchnern bei Juventus Turin nach einem 0:1 noch ein 4:1, beim AC Florenz schaffte die Mannschaft durch Tore von Mark van Bommel und Arjen Robben nach Rückstand noch den Einzug ins Viertelfinale. Und nun drehte der FC Bayern gegen Manchester United zunächst das Hinspiel (von 0:1 zu 2:1) und erreichte nach einem 0:3-Rückstand noch das Halbfinale. In den vergangenen Jahren wurden immer neue Begriffe eingeführt, wenn der FC Bayern ein Spiel oder gar eine Meisterschaft in letzter Minute gewinnen konnte. "Dusel-Bayern" wurden sie genannt oder auch "Last-Minute-Bayern" - was meist despektierlich gemeint war, zumal der jeweilige Verlierer mit Begriffen wie "Meister der Herzen" oder "Pechvögel" umschrieben wurde. Vielleicht muss nun ein neuer Begriff eingeführt werden für das, was die Münchner in dieser Saison prägt. Die "Nicht-Kleinzukriegenden" oder die "Unkaputtbaren" etwa, was sogleich an die englischen Buchmacher weitergeleitet wird. Die haben die Stärke des FC Bayern erkannt - und prognostizeren ein Champions-League-Finale zwischen den Münchnern und dem FC Barcelona. | Die Unkaputtbaren: Wie so oft in dieser Spielzeit findet der FC Bayern bei Manchester United in eine verloren geglaubte Partie zurück und kommt weiter. Mit Glück hat das wenig zu tun. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fc-bayern-nur-nicht-aufgeben-1.8037 | FC Bayern - Nur nicht aufgeben! | 00/04/2010 |
Sir Alex Ferguson war stinksauer. "Typische Deutsche" schimpfte er nach dem 3:2 gegen den FC Bayern, womit sein Manchester United nach dem 1:2 in München das Champions-League-Viertelfinale verlor. Sein Furor richtete sich gegen die Szene nach dem zweiten Foul von Rechtsverteidiger Rafael, der nach 50 Minuten Franck Ribéry leicht am Arm gezogen hatte und dafür mit Gelb-Rot vom Platz musste. "Sie haben den Schiedsrichter bedrängt und es geschafft, dass Rafael raus musste. Der Referee wollte gar nichts tun, doch sie haben ihn gedrängt, die zweite gelbe Karte zu zeigen. Aber das haben wir schon öfter von Mannschaften wie diesen gesehen." Zudem hätten die Münchner Verteidiger zielgerichtet den angeschlagen Wayne Rooney attackiert bis dieser raus musste. Der 68-Jährige redete sich fast in Rage. Die zwei Szenen Anfang der zweiten Halbzeit hatten am Mittwochabend im Stadion Old Trafford tatsächlich entscheidenden Charakter, doch ob Daniel Van Buyten Gegenspieler Rooney wirklich absichtlich zweimal am rechten Knöchel traf, und ob nicht dem 19-jährigen Rafael eher seine Unerfahrenheit zum Verhängnis wurde als der bayerische Protest, bleibt unergründlich. Fergusons Worte waren wohl auch dem Frust geschuldet, zum ersten Mal seit drei Jahren das Halbfinale der Champions League verpasst zu haben. Dass Manchester United gegen den FC Bayern ausgeschieden ist, muss als Überraschung gewertet werden. Dass im Halbfinale zum ersten Mal seit 2003 kein einziger Klub der mit Geld vollgepumpten Premier League steht, ist fast eine Sensation. Die europäische Topliga wurde je zuletzt von England aus regiert, besser gesagt vom Vierer-Kartell Manchester United, FC Liverpool, Arsenal und Chelsea: Dreimal kamen zuletzt je drei von ihnen ins Halbfinale, fünfmal in Folge stand mindestens ein Verein im Finale. Liverpool scheiterte diesmal schon in der Vorrunde an Florenz und Lyon, der Klub ist in Schwierigkeiten, weil die amerikanischen Eigentümer Gillett und Hicks zu wenig Geld in die Mannschaft investieren. Chelsea kommt etwas in die Jahre und verlor gegen eines von Ex-Trainer José Mourinho aufgeputschtes Inter Mailand. Arsenal ging gegen ein brillantes FC Barcelona mit der Zaubermaus Lionel Messi unter. Und Manchester United ist nach den Abgängen von Cristiano Ronaldo und Carlos Tévez in der Offensive zu sehr von Wayne Rooney abhängig. Nun also Bayern - Lyon und Inter - Barcelona. Das Ende der englischen Hegemonie? Haben die anderen Ligen trotz erheblich weniger Einnahmen aufgeholt und holen die Premier League nun vom Thron? Trotz des diesjährigen Scheiterns ist das wohl nicht abzusehen. Die Stimmung vor dem Manchester-Bayern-Vergleich in England darf als exemplarisch für das englische Problem in dieser Spielzeit gelten: Ein wenig übertrieben ausgedrückt, verglichen viele die Münchner mit einem Freilos. Wer in der Premier League vorne liegt, kann gegen eine deutsche Mannschaft gar nicht rausfliegen. Eine Haltung als Sinnbild für fehlenden Respekt vor dem Gegner, für eine Sättigung nach all den Erfolgen. Fergusons Hader mit dem Schiedsrichter setzt diese Einstellung fort: "Sie hätten niemals gewonnen, wenn wir zu elft gewesen wären", beklagte er noch einmal die Hinausstellung von Rafael. Später allerdings blickte er voraus: Die Premier League "ist immer noch die stärkste Liga in Europa", sagte er, "aber du kriegst nicht immer, was du willst". Sir Alex und die Kommentatoren in England sehen in dem vorzeitigen Scheitern ihrer Klubs einen einmaligen Unfall. "Lass den Vorhang fallen, wir sehen uns wieder im nächsten Jahr", schreibt der Guardian. Die Times führt dabei das schlagkräftigste Argument für eine starke Rückkehr der Engländer: das weiterhin im Überfluss vorhandene Geld. Franck Ribéry könnte auf die Insel geholt, José Mourinho zurückgeholt werden. "Wenn du sie nicht besiegen kannst, kauf sie!" | Wähernd Alex Ferguson über "typische Deutsche" lästert, steht kein englischer Klub im CL-Halbfinale. Das Ende der Insel-Hegemonie? Eher nicht. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/champions-league-englands-scheitern-wenn-du-sie-nicht-besiegen-kannst-kauf-sie-1.12979 | "Champions League: Englands Scheitern - ""Wenn du sie nicht besiegen kannst, kauf sie""" | 00/04/2010 |
Fast 43 Minuten lang musste man glauben, der FC Bayern wäre ohne Chance. Es regte sich so gut wie nichts in der Münchner Mannschaft an diesem Abend in Manchester, 0:3 lag sie zurück im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League - ohne Aussicht auf Besserung. Doch dann kam Ivica Olic (Bild mitte) und hauchte den Bayern mit seinem Tor zum 1:3 neues Leben ein. Zuvor hatte er sich gegen Michael Carrick durchgesetzt, ihn weggedrängt, so wie man es vom Wühler Olic kennt. Die Wiederbelebung durch Olic war nur der erste Schritt, der zweite war kunstvoll, präzise, technisch perfekt: Arjen Robben (links) versenkte den Ball nach einer Ecke volley im Eck. 2:3 - Bayern steht im Halbfinale! Der Wühler und der Künstler, Robben und Olic, zusammen vielleicht bald "Rolic" genannt, sind bei Bayern die Garanten für wichtige Tore. Das Duo sorgte in der laufenden Saison in Liga, Pokal und Champions League schon in 13 Spielen für die Wende oder die Entscheidung. Eine Chronologie der wichtigen Tore: Foto: dpa | Arjen Robben und Ivica Olic haben den FC Bayern ins Halbfinale der Champions League geschossen. Das Duo sorgte in dieser Saison schon mehrmals für entscheidende Tore. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/olic-robben-wuehler-und-kuenstler-1.15907 | Olic & Robben - Wühler und Künstler | 00/04/2010 |
Die vergangenen Wochen hatten dem FC Bayern die sonnige Aussicht eröffnet, sich mit einer Supersaison auf dem hauseigenen Briefpapier zu verewigen: Eintritt ins Pokalendspiel, wieder Erster in der Liga, 2:1 im ersten Champions-League-Viertelfinale gegen das mutmaßlich übermächtige Manchester United - schon schillerte das "Titel-Triple" am Horizont. Dem Vorstandschef kam all der Frohsinn "fast schon einen Schuss zu euphorisch" vor, so sagte es Karl-Heinz Rummenigge, bevor er in den Flieger nach England stieg. Es wurde dann zunächst sehr schnell sehr finster für die Bayern am Mittwochabend in der Fußball-Kathedrale von Old Trafford: 0:1 nach drei Minuten, 0:2 nach sieben, 0:3 nach 41 - Manchester schien kurzen Prozess zu machen im Rückspiel. Doch mit typisch bayerischer Unbeugsamkeit und ihrer zuletzt erlangten psychischen Stärke kamen die Münchner kraftvoll zurück und schafften durch Olic (43.) und Robben (74.) doch den Eintritt ins Halbfinale. Wieder durch ein 2:3, wieder durch ein rettendes Traumtor von Robben, wie schon im Achtelfinale von Florenz. Nach dieser herkulischen Leistung erscheint nun alles möglich im Halbfinale gegen Olympique Lyon. Das Medizinressort der Bayern hatte alle Kräfte mobilisiert fürs große Spiel. Arjen Robben (Wade) und Abwehrchef Daniel van Buyten (Knie) standen auf dem Aufstellungsbogen, wie erhofft. Wie von manchen Münchnern befürchtet, ließ die Kriegslist des gegnerischen Trainers allerdings auch - simsalabim - Wayne Rooney dort auftauchen. Damit nicht genug der Überraschungen, die Sir Alex Ferguson für das Duell der Groß-Hirne mit Louis van Gaal ausgeheckt hatte. Der Brasilianer Rafael, 19, ersetzte als Rechtsverteidiger Routinier Neville, 35. Und das ManU-Mittelfeld bereicherte der irische Jüngling Darron Gibson. "Diesmal ab der ersten Minute bereit sein!", hatte Robben den eigenen Hinterleuten ins Pflichtenheft geschrieben - ein Warnhinweis wegen des 0:1 im Hinspiel in der 64.Sekunde. Es blieb beim Vorsatz, es kam - noch schlimmer. Rafael, von Ribéry kaum belästigt, passte vom rechten Flügel in die Spitze zu Rooney, dem vermeintlich verletzten Sturmbullen der Briten, Rooney ließ prallen zu Gibson, der schüttelte Schweinsteiger ab und schoss den Ball auf flatternder Bahn ins Tor; Verteidiger Demichelis konnte nicht blocken, Torwart Butt nicht halten - 1:0 (3.), durch eine Zusammenarbeit der drei Überraschungsspieler Fergusons: Rafael, Rooney, Gibson, es sah aus wie ein geübtes Kombinationsmuster. Nun war Schwimmstunde im Münchner Abwehrpool. Ein erhabener langer Pass von Rooney erreichte rechts vorne Valencia, Bayerns junger Linksverteidiger Badstuber ließ sich vom Ecuadorianer austricksen - und dessen Flanke verwandelte Nani zum 2:0 (7.), kunstvoll mit der Hacke, wie einst ein gewisser Rabah Madjer (FC Porto) gegen die Bayern im Europacup-Finale 1987. Nani hatte sich clever mit zwei, drei flinken Schritten zum Ball in ein Vakuum zwischen den Verteidigern Lahm, van Buyten und Demichelis bewegt, alle drei blickten hinaus auf den Flügel, zum Ball, zum Flankengeber; und niemand über die Schulter, zum Torschützen. Es war der nächste Schnitzer der Münchner Hintermannschaft, die es allen Kritikern zeigen wollte, die ihre Tauglichkeit auf europäischem Topniveau angezweifelt hatten. | 2:3 nach 0:3: Ivica Olic und Arjen Robben sichern dem FC Bayern im turbulenten Viertelfinale von Manchester das Weiterkommen. Dort wartet Lyon. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/champions-league-manchester-muenchen-schwimmstunde-traumtor-halbfinale-1.17293 | Champions League: Manchester - München - Schwimmstunde, Traumtor - Halbfinale! | 00/04/2010 |
Es gibt keinen Zweifel mehr: Durch Lionel Messi ist der Fußballsport in eine neue Dimension eingetreten. Seine Aufführungen im Camp Nou sind längst zu parareligiösen Erweckungserlebnissen mutiert; Wer Messi einmal live erleben konnte, spricht bloß noch von möglichen Halluzinationen oder dem Privileg, der Begründung einer Ära beigewohnt zu haben. Es gibt für seine Kunst keine einzige Vergleichsgröße der Gegenwart, nur die Geschichte des Fußballs hält Kategorien parat, die Messi gerecht werden. Sie heißen: Alfredo Di Stéfano, Pelé, Johan Cruyff, Diego Maradona. "Zweitbester zu sein ist schon eine Menge", sagte Real Madrids lebende Legende Di Stéfano neulich, als er gefragt wurde, ob es statthaft wäre, den 96-Millionen-Einkauf seines eigenen Klubs, den Portugiesen Cristiano Ronaldo, auf eine Stufe mit Messi zu stellen. Wenn es etwas gibt, was Di Stéfano, Pelé, Cruyff und Maradona über eine Handvoll von Weltstars hinausgehoben hat, dann dies: Sie sind die Personifizierung von Zeitenwenden in der Geschichte ihres Sports gewesen. Messi schickt sich nun an, es ihnen gleich zu tun. Zieht man Statistiken zurate, so hat einzig Pelé Messi etwas voraus: Im Alter von 22 Jahren hatte er bereits zwei Weltmeistertitel gewonnen, 1958 in Schweden und 1962 in Chile (wobei er dort wegen einer Verletzung bloß ein paar Minuten spielte). Doch andererseits: Wer vermag zu sagen, was gewesen wäre, wenn Argentiniens Nationaltrainer José Pékerman 2006 im Weltmeisterschafts-Viertelfinale in Berlin Mut gehabt und Messi gegen Deutschland eingewechselt hätte? Und wer weiß, was Messi für die WM in Südafrika bereithält, die in 70 Tagen beginnen wird? Wer Messi, 22, in den vergangenen Monaten beobachtet hat, kommt nicht um die Feststellung umhin, dass er von Vierteljahr zu Vierteljahr, von Monat zu Monat, von Spiel zu Spiel besser, unnachahmlicher, reifer geworden ist - und weiterhin wird. Wie die Apollo-Raumschiffe der Nasa sprengt Messi eine Raketenstufe nach der anderen ab - auf einer phantastischen Reise ins Ungewisse: Es ist nicht mal ansatzweise abzusehen, wo seine Grenzen sein könnten. Argentinien hat sich in Südamerika durch die WM-Qualifikation gequält und am Chaos gelitten, das Messis Trainer Diego Maradona angerichtet hat. Messi selbst litt an der Verdächtigung, die Nationalelf sei ihm egal. Er sei darüber hinweg, sagen die, die ihn kennen. Und so ist nun Fakt, was noch vor wenigen Wochen als unvorstellbar galt: dass Argentinien einer der WM-Topfavoriten sein könnte. Wegen Messi. | Lionel Messi wird immer besser, er sprengt eine Raketenstufe nach der anderen ab. Es ist nicht mal ansatzweise abzusehen, wo seine Grenzen sein könnten. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/lionel-messi-wie-die-apollo-1.19144 | Lionel Messi - Wie die Apollo | 00/04/2010 |
Der aus Niedersachsen stammende Nurretin G. belastet Spieler vom VfL Osnabrück und Wettbetrüger in der Türkei schwer. Es folgte eine Verhaftungswelle - und weitere Geständnisse. Im Wettskandal galt der aus Lohne in Niedersachsen stammende Nurettin G. lange Zeit nicht gerade als Hauptfigur. Die Ermittler gingen davon aus, dass G. geholfen habe, Spiele des VfL Osnabrück zu manipulieren. Auch in den türkischen Fußball-Ligen hatte er, wie dokumentierten Telefonüberwachungen dokumentieren, geholfen, Spiele zu verschieben. Inzwischen bewerten Ermittler die Rolle von G. neu. Er hat umfangreich ausgepackt und Aussagen zu über hundert manipulierten Spielen gemacht. Auch belastete er zwei ehemalige Osnabrücker Spieler schwer. Angeblich hatten sie bei ihm Wettschulden und sollen selbst angeboten haben, Spiele zu manipulieren. Beide Spieler hatten ähnliche Vorwürfe bisher heftig bestritten. Die Bochumer Staatsanwaltschaft arbeitet seit Beginn der Ermittlungen im vorigen Herbst eng mit türkischen Kollegen zusammen. Nachdem G. und andere inhaftierte Wettbetrüger, die ebenfalls die türkischen Ligen im Blick hatten, ausgepackt hatten, reiste in den vergangenen Wochen eine türkische Delegation nach Bochum, um Einblick in Vernehmungsunterlagen zu erhalten. Im Beisein des deutschen Anwalts von Nurettin G. befragten türkische Ermittler den mutmaßlichen Wettbetrüger. Kurz danach gab es in der Türkei eine Verhaftungswelle. Präsidenten, Trainer und Spieler von türkischen Klubs sollen von Manipulationen gewusst und zum Teil daran verdient haben. Betroffen sind vor allem Vereine der zweiten und dritten türkischen Liga. Ein anderer Beschuldigter sagte aus, er sei mit 100.000 Euro nach Istanbul geflogen. Das Geld sei dort zum großen Teil an Funktionäre und Spieler verteilt worden. Auch skizzierte er die speziellen Beziehungen zu Wettbüros in Europa. Mittlerweile haben etliche der mehr als ein Dutzend einsitzenden Wettbetrüger ausgepackt. Sie wollen durch Geständnisse ihre Chancen in dem für den Herbst erwarteten Prozess verbessern. Der deutsche Hauptbeschuldigte Ante Sapina ("Navigator"), der nach dem ersten Wettskandal zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden war und auch in den zweiten Wettskandal verwickelt ist, hat noch nicht ausgepackt. Die Ermittler rechnen aber damit, dass auch er reden wird. Seine Aussagen werden mit Spannung erwartet, denn der "Navigator" weiß vermutlich, welche Spiele in welcher Liga in Deutschland gekauft wurden. | Der aus Niedersachsen stammende Nurretin G. belastet Spieler vom VfL Osnabrück und Wettbetrüger in der Türkei schwer. Es folgte eine Verhaftungswelle - und weitere Geständnisse. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/wettskandal-im-fussball-verdaechtige-packen-aus-1.8248 | Wettskandal im Fußball - Verdächtige packen aus | 00/04/2010 |
Röhrende Tourenwagen oder singende Fußballfans - noch im April soll sich entscheiden, ob der TSV 1860 München ins Olympiastadion zurückkehrt und die Stadt auf den Plan verzichtet, dort Autorennen zu veranstalten. OB Christian Ude, der auch Vorsitzender des Olympiapark-Aufsichtsrats ist, sagte am Mittwoch zur SZ, er habe dem Verein eine Frist bis Ende April gesetzt, die Voraussetzungen für den Umzug zu schaffen. Für den Auszug aus der von ihnen ungeliebten und mit dem FC Bayern München geteilten Arena in Fröttmaning müssten die Löwen zwei Bedingungen erfüllen. Erstens müssen sie dafür sorgen, dass ihnen der FC Bayern München die Freigabe erteilt, aus dem Vertrag mit der Allianz Arena GmbH auszusteigen. Zudem erwartet die Stadt von den Löwen, dass sie den Verbleib im Olympiastadion langfristig zusagen. Es müsse ausgeschlossen sein, so Ude, dass der TSV 1860 das Olympiastadion nur als Zwischenlösung sehe und insgeheim weiter auf eine Rückkehr ins Grünwalder Stadion hoffe. Außerdem muss Ude zufolge geklärt sein, dass die Allianz-Arena weiterhin auf kulturelle Events verzichtet, um dem ohnehin mit Steuergeld subventionierten Olympiapark keine Konkurrenz zu machen. Die jetzigen Verträge sehen vor, dass in der Arena keine Kulturevents stattfinden dürfen und dass es im Olympiastadion keinen Profifußball geben sollte. Damit wären laut bisheriger Vertragslage im Olympiastadion nur Freundschafts- oder Jubiläumsspiele möglich. Erste Gespräche zwischen den Löwen und Olympiapark-Chef Ralph Huber gab es bereits. Ude selber will sich mit Löwen-Vize Franz Maget nach den Osterferien treffen und die weiteren Details besprechen. Im Stadtrat würde es für die Fußball-Lösung durchaus eine Mehrheit geben, sagte Ude, "weil sie sinnvoller und angemessener wäre als der Motorsport". Ude sagte, er habe in seinen Gesprächen mit dem FC Bayern den Eindruck gewonnen, "dass er gesprächsbereit ist". Die Löwen allerdings haben mit den Bayern aber offenbar dahingehend noch keinen Kontakt gesucht. Der Stadtrat hat zwar schon voriges Jahr genehmigt, dass im Olympiastadion von 2011 an Rennen der Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) stattfinden sollen. Der Umbau des Stadions sollte bereits im Mai beginnen. Dazu gehört der Einbau eines bis zu 600 Meter langen, mit Schikanen versehenen Rundkurses. Auch der natürliche Rasen sollte den Autos weichen und durch einen leichter zu pflegenden Kunstrasen ersetzt werden. | Raus aus der Arena? Münchens Oberbürgermeister Christian Ude sieht gute Chancen, dass der TSV 1860 ins Olympiastadion zurückkehrt. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/tsv-1860-muenchen-olympiastadion-der-loewen-neues-reich-1.20110 | TSV 1860 München - Olympiastadion - der Löwen neues Reich? | 00/04/2010 |
Als die Mannschaft noch mit dem Flugzeug unterwegs gewesen ist auf die Insel, hat es sich der FC Bayern trotzdem schon mal richtig gemütlich gemacht, draußen im Worsley Park, einer exquisiten Herberge elf Kilometer außerhalb Manchesters. In einem Foyer errichteten vormittags Helfer den Weißbierstand, der wie der Teambus stets mitreist, wenn die Münchner durch Europa touren. Die Damen von der Rezeption haben die bayerischen Bauarbeiten amüsiert verfolgt, solchen Luxus kennen sie nicht mal hier, obwohl das in eine Parklandschaft von 81 Hektar drapierte Landhotel allerlei Annehmlichkeiten zu bieten hat, nicht nur den 18-Loch-Championship-Golfplatz, den Uli Hoeneß schmachtend begutachten dürfte: Der Präsident ist frisch am Knie operiert. Gute Ausgangslage Aber Hoeneß und die Bayern sind ja schon mal hier gewesen, beim Zwischenrundenspiel im März 2002 (0:0), wie auch im Flur zum schnieken Country Club des hauseigenen Golfklubs nachgewiesen wird. Trikots der besten Teams der Welt, die sich im Old Trafford mit Manchester United gemessen haben, hängen dort hinter Glas an der Wand. Das Bayern-Trikot hängt allerdings in der zweiten Reihe, unten in Kniehöhe. Unter dem Hemd von Real Madrid. Doch von Real spricht inzwischen niemand mehr, zumindest nicht in der Champions League, in der dagegen die Bayern an diesem Mittwoch vorhaben, ihre sehr ordentliche Ausgangslage nach dem 2:1 des Hinspiels mit dem Einzug ins Halbfinale zu nutzen. Die Stimmung ist bereits bestens, zumal beim Check-in auch Arjen Robben ein Flugticket erhielt, der Flügelstürmer hatte vorige Woche wegen einer Wadenverletzung gefehlt. "Ich bin hier, das ist ein gutes Zeichen", berichtete der Holländer nachmittags im Worsley Park, "nach dem letzten Training werden wir eine Entscheidung treffen - aber ich bin positiv und denke, dass ich dabei bin." Somit hätten die Bayern schon mal einen Wettbewerb gewonnen, den der Fasern und Sehnen, denn United muss erwartungsgemäß auf Wayne Rooney verzichten. Beim Abschlusstraining am Morgen im gigantischen Old-Trafford-Trainingszentrum in Carrington war jedenfalls die von englischen Medien avisierte Wunderheilung des Nationalstürmers nicht zu erkennen: Unter den 21 Profis fehlte er. "Keine Chance" gebe es für Rooneys Einsatz, versicherte United-Teammanager Alex Ferguson und brummte: "Wir kommen auch ohne ihn zurecht." Bayerisches Understatement Das halten auch die Bayern für möglich, zumindest sagen sie das. "Manchester United ist nicht nur Rooney", äußerte Kapitän Mark van Bommel vor dem englischen Empfangskomitee. Vorstand Karl-Heinz Rummenigge findet ohnehin, mit der guten Laune solle man es in den eigenen Reihen nicht übertreiben, "mir ist das fast einen Schuss zu euphorisch", sagte er - "Manchester ist Favorit". Auch van Bommel sieht das so, "weil sie neben dem FC Barcelona immer noch Favorit auf den Titel sind". Trainer Louis van Gaal, der den Engländern ansonsten einen launigen Vortrag über die Wahrheiten des europäischen Fußballs hielt, widersprach da nicht. "Manchester hat viel Erfahrung, wir haben dagegen einige junge Spieler dabei", sagte er, "und außerdem haben sie ein Auswärtstor geschossen." Aber chancenlos sei man natürlich nicht: "2:1 ist nicht das beste Resultat gewesen, aber wir haben eine Chance." Van Gaal ließ offen, ob er Robben von Beginn an bringen wird oder doch den zuletzt überzeugenden Platzhalter Hamit Altintop. Ansonsten dürfte die Aufstellung der des Hinspiels ähneln: Sofern Abwehrchef van Buyten wieder einsatzbereit ist, spielt der Belgier im Abwehrzentrum mit Demichelis - und Badstuber deshalb anstelle Contentos Linksverteidiger. Hoeneß wiederum muss wirklich passen, was nicht allein am Knie liegt. "Man kann ja auch über den Platz fahren", sagte er, doch eine Partie Golf vorab verböte sich diesmal: "Dafür ist das Ergebnis zu knapp." | Der FC Bayern baut im Viertelfinal-Rückspiel bei Manchester United auf den wieder genesenen Arjen Robben - und schiebt die Favoritenrolle trotz Rooneys Ausfall den Engländern zu. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/champions-league-viertelfinale-euphorie-in-ueberdosis-1.22162 | Champions League: Viertelfinale - Euphorie in Überdosis | 00/04/2010 |
Der frühere Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld über Siege in Old Trafford, Teegespräche mit Alex Ferguson - und die Gunst der Stunde für den heutigen Coach Louis van Gaal. Ottmar Hitzfeld, 61, hat Ostern in Engelberg verbracht, in seinem Feriendomizil in der Schweiz, deren Fußball-Nationalelf er zur WM in Südafrika führen wird. Als Vereinstrainer in Dortmund und München bestritt Hitzfeld neun Champions-League-Spiele gegen Manchester United - und er verlor davon nur eines: das Finale 1999 in Barcelona mit dem FC Bayern (1:2). Seit diesem für ihn so qualvollen Abend ist Hitzfeld mit ManU-Coach Sir Alex Ferguson befreundet, er rühmt den Schotten als "Inbegriff eines edlen und feinen Menschen auf der Trainerbank". Vor dem Viertelfinal-Rückspiel der Bayern in Old Trafford spricht Hitzfeld über gestern und heute. SZ: Herr Hitzfeld, ist der Koffer für die Reise nach England schon gepackt? Ottmar Hitzfeld: Leider nein. Ich hatte zwar wieder eine Einladung von Sky, wie beim Achtelfinale der Bayern in Florenz (2:3). Aber diesmal habe ich andere Termine. SZ: Schade für Sie. Die Atmosphäre in Old Trafford ist ein Erlebnis, oder? Hitzfeld: Natürlich, das ist ein ehrwürdiger Ort. Wer hinkommt, weiß, was Manchester dort in der Vergangenheit Großes geleistet hat und wie heimstark sie sind. Es ist ja immer schon ein Höhepunkt, wenn das Publikum beim Einlaufen der Mannschaften orkanartig aufschreit. SZ: Sie selbst sind ungeschlagen im "Theatre of Dreams". Ihre Bilanz dort: 1:0, 1:0, 1:1 und 0:0. Kennen Sie eine besondere Erfolgsformel für Old Trafford? Hitzfeld: Wenn das so einfach wäre! Spiele in Manchester waren für mich immer Highlights. In solchen Spielen an die Grenzen zu gehen und drüber, das bringt dir große Anerkennung. Dem FC Bayern scheint Manchester als Gegner zu liegen. SZ: Wie würden Sie's am Mittwoch angehen: eher vorsichtig oder forsch? Hitzfeld: Unter Louis van Gaal haben die Bayern ihre Stärken eindeutig in der Spielbestimmung: Ballbesitz, hohe Passqualität, viele Seitenverlagerungen. Diese Dominanz zu suchen, ist auch in Manchester wichtig. Bayern muss Kraft für die Offensive aufbringen, Gefahr vom eigenen Tor fernhalten. Nur mit Verteidigen halten sie dem Ansturm nicht stand. SZ: Wie schwer trifft ManU der Ausfall von Wayne Rooney? Hitzfeld: Das ist ein psychologischer Schock. Rooney war der entscheidende Mann in dieser Saison - er fehlt somit auch in den Köpfen der Mitspieler. SZ: Wie eng ist heute noch Ihr Kontakt zu ManU-Trainer Alex Ferguson? Hitzfeld: Wir schreiben uns immer wieder mal eine SMS. Ich habe Ferguson schon bewundert, als ich Spieler war, und bei allen Duellen als Trainer bewahrten wir großen Respekt voreinander. SZ: Nach dem Finaldrama in Barcelona, mit den beiden ManU-Toren in der Nachspielzeit, begegneten Sie sich in den dunklen Katakomben von Camp Nou. Es soll eine Highnoon-Szene gewesen sein - die in einer Umarmung endete. Hitzfeld: Es war ein Moment, in dem man nicht viel redet. Alex spürte meine Niedergeschlagenheit, er sagte nur: 'Sorry, Ottmar!' Das war sehr mitfühlend - und prägend für unsere Beziehung. SZ: Später, vor Spielen in Old Trafford, trafen Sie sich während des Warmlaufens der Spieler in Fergusons Büro. Hitzfeld: Ja, bei einer Tasse Tee, das wurde zu einem kleinen Ritual. Diese Smalltalks waren feierliche, einmalige Momente in meinem Trainerleben, so etwas habe ich mit keinem anderen Kollegen gemacht: vor dem Fight - und trotzdem in entspannter Atmosphäre. Ein Ausdruck gegenseitiger Sympathie! SZ: Die Legende geht, Sie hätten sogar französischen Rotwein getrunken... Hitzfeld: Nee, nee, nicht vor dem Spiel. Es gab immer englischen Tee. SZ: Was war Thema bei diesen Gentlemen-Talks? Das Spiel selbst war tabu? Hitzfeld: Ja, man hat über Alltagssorgen gesprochen, über Privates, auch über weltpolitische Ereignisse. Und manchmal auch über etwas schwierigere Spielertypen in unseren Mannschaften, zum Beispiel Effenberg oder Beckham - darüber, wie sich Dinge, die in der Presse standen, wirklich zugetragen hatten. SZ: Bei einem seiner legendären Wutausbrüche in der Kabine soll Ferguson David Beckham mal einen Fußballschuh an den Kopf geschleudert haben! Ein anderer ManU-Exzentriker war Eric Cantona. Sie erinnern sich an 1997? Halbfinale mit Dortmund in Old Trafford, Spielstand 1:0, und dann diese irre Aktion von Jürgen Kohler "Fußballgott"... Hitzfeld: Er lag schon auf der Torlinie, Cantona musste den Ball nur noch reinschieben - und Jürgen konnte akrobatisch abwehren. Das war spektakulär. SZ: Alex Ferguson schrieb sogar ein freundliches Grußwort in Ihrer Biographie. Sind Sie wesensverwandt? Hitzfeld: Seine tägliche Trainingsarbeit kann ich nicht beurteilen. Aber Alex hat sich dem Erfolg total verschrieben, er ist immer diszipliniert - und sehr angespannt. Man sieht, wie er auf der Bank leidet, sich auch bei Toren nur kurz freut. Und ich habe ihn immer bescheiden und zurückhaltend erlebt. Seine Leistung ist herausragend. 24 Jahre bei einem Klub zu arbeiten, das ist in der heutigen Zeit auf diesem Niveau ja fast unglaublich. SZ: Unerwartete Erfolge in Manchester waren schon häufiger Impulse für große Triumphe - auch für Trainer Jose Mourinho, als er mit dem FC Porto 2004 die Champions League gewann, nach einem 1:1 im Achtelfinale bei ManU. Hitzfeld: In Old Trafford zu bestehen, in diesem Lärm, das setzt sich in den Köpfen der Spieler fest. Dann glaubt plötzlich jeder daran, dass man diesen Wettbewerb sogar gewinnen kann. SZ: Ist das für den FC Bayern 2010 nicht ein vermessenes Ziel? Hitzfeld: Nein, Bayern hat das Zeug dazu, Champions-League-Sieger zu werden. Das traue ich ihnen zu. | Der frühere Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld über Siege in Old Trafford, Teegespräche mit Alex Ferguson - und die Gunst der Stunde für den heutigen Coach Louis van Gaal. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-fc-bayern-muenchen-er-sagte-nur-sorry-ottmar-1.13588 | "Fußball: FC Bayern München - ""Er sagte nur: Sorry, Ottmar!""" | 00/04/2010 |
Paolo Guerrero vom Hamburger SV ist wegen des Flaschenwurfs auf einen Zuschauer vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit einer Sperre von fünf Punktspielen belegt worden. Zusätzlich erhielt der Stürmer eine Geldstrafe von 20.000 Euro. Damit ist die Bundesliga-Saison angesichts des Restprogramms von fünf Spielen für den Peruaner vorzeitig beendet. Allerdings haben die Hanseaten eine Einspruchsfrist von 24 Stunden. Die Sperre wirkt sich nicht auf die Europa League aus, in der der HSV am Donnerstagabend im Viertelfinal-Rückspiel bei Standard Lüttich einen 2:1-Vorsprung verteidigen musste. Das Sportgericht sperrte Guerrero "wegen einer Tätlichkeit gegen einen Zuschauer nach einer vorausgegangenen verbalen Provokation". Der 26-Jährige hatte nach Ende des Punktspiels zwischen dem HSV und Hannover 96 (0:0) vor dem Eingang des Spielertunnels stehend eine zum Teil gefüllte Plastik-Trinkflasche in Richtung eines auf der Tribüne stehenden Zuschauers geworfen und diesen im Gesicht getroffen. Die Clubspitze des TSV 1860 München beschäftigt sich bei der Suche nach einer neuen Heimat mit der Rückkehr ins Olympiastadion. "Wir denken über die Alternative Olympiastadion nach", bestätigte Vizepräsident Franz Maget vom Fußball-Zweitligisten aus München in der Bild-Zeitung (Mittwoch) entsprechende Überlegungen: "Die Arena passt wunderbar zum FC Bayern. Aber für 1860 ist dieses Stadion zu groß und vor allem zu teuer. Deswegen muss das Olympiastadion geprüft werden". Der Umzug von der Allianz Arena ins Olympiastadion würde die Kosten für den Spielbetrieb erheblich senken. In der Arena zahlen die "Löwen" pro Jahr 5,3 Millionen Euro. Der Mietvertrag mit dem FC Bayern läuft noch bis zum Jahr 2025. Die rechtliche Lage verhindert derzeit einen Umzug. Der Mietvertrag mit den Bayern und ein Kontrakt zwischen der Stadt München und der Allianz Arena Stadion GmbH legen fest, dass im Olympiastadion keine Profi-Fußballspiele stattfinden dürfen. Deshalb schließt 1860-Geschäftsführer Manfred Stoffers eine Rückkehr ins Olympiastadion noch aus. Maget fordert die Vertreter beider Seiten auf, sich zusammenzusetzen und zu prüfen, ob es eine Lösung gibt. Ex-Nationalspieler Sebastian Kehl vom Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund bleibt das Verletzungspech treu. Der Kapitän der Schwarz-Gelben erlitt im Spiel gegen Werder Bremen (2:1) am Ostersamstag nach Klub-Angaben einen Faserriss auf der linken Seite des Adduktorenansatzes und fällt damit drei bis vier Wochen aus. Damit kann die Borussia im Kampf um einen Startplatz im internationalen Geschäft möglicherweise nicht mehr auf den 30-Jährigen zurückgreifen. Kehl hatte erst im März nach monatelanger Verletzungspause sein Comeback in der Startelf gegeben. Dagegen steht BVB-Trainer Jürgen Klopp im Punktspiel am Samstag beim FSV Mainz 05 Torjäger Lucas Barrios zur Verfüging. Der Argentinier war am Dienstag im Training lange an der Wade behandelt worden. Die Verletzung stellte sich allerdings nur als leichter Bluterguss heraus. Aus Verärgerung über die enttäuschenden Leistungen von Italiens Fußball-Rekordmeister Juventus Turin, der nach zwölf Liga-Pleiten in der laufenden Saison auf Tabellenrang sieben abgerutscht ist, hat Klubpräsident Jean-Claude Blanc seinen Spielern mit der Aussetzung der Gehaltszahlung gedroht. Eine Zahlung soll erst erfolgen, wenn die Mannschaft wieder einen Sieg landet. Dies berichtete die Turiner Tageszeitung La Stampa am Mittwoch. "Unsere Aufgabe, ist die Gehälter zu zahlen, eure Pflicht ist, gut zu spielen", sagte der Präsident den Spielern. Bei einem Treffen mit der Mannschaft verlangte Blanc "Engagement und professionelles Verhalten". Das Minimalziel für die Saison, der sportlich wie finanziell wichtige Einzug in die Champions League, ist nach dem 0:3-Debakel von Juve in Udine am vergangenen Samstag fast verspielt. Blanc muss sich auch mit der Enttäuschung der Fans auseinandersetzen. Er wurde unter Polizeischutz gestellt, nachdem ihn einige Hooligans bedroht hatten. Großer Erfolg für den deutschen Eishockey-Nationalspieler Jochen Hecht: Der 32-Jährige markierte beim 5:2-Sieg der Buffalo Sabres gegen die New York Rangers sein 20. Saisontor und war somit maßgeblich am 44. Erfolg der Sabres in der laufenden Saison der nordamerikanischen Profiliga NHL beteiligt (25 Niederlagen). Damit ist der Klub des deutschen Kufen-Cracks Sieger der Northwest Division. Tennis-Legende Martina Navratilova ist an Brustkrebs erkrankt . "Es war der totale Schock für mich, weil ich in meinem ganzen Leben eigentlich immer gesund war", sagte die langjährige Weltranglistenerste der Tageszeitung USA Today. Navratilova ist am 15. März operiert worden und beginnt im Mai mit einer vier- bis sechswöchigen Bestrahlungstherapie. Der Krebs in ihrer linken Brust sei bei einer Routine-Mammografie Anfang Januar in einem sehr frühen Stadium entdeckt worden und habe noch nicht gestreut, sagte die 53-Jährige. | Paolo Guerrero wird für seinen Flaschenwurf hart bestraft, 1860 denkt über die "Alternative Olympiastadion" nach, Juve-Präsident droht Spielern. Sport kompakt | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-fuenf-spiele-sperre-fuer-guerrero-1.11805 | Sport kompakt - Fünf Spiele Sperre für Guerrero | 00/04/2010 |
Paolo Guerrero vom Hamburger SV ist wegen des Flaschenwurfs auf einen Zuschauer vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit einer Sperre von fünf Punktspielen belegt worden. Zusätzlich erhielt der Stürmer eine Geldstrafe von 20.000 Euro. Damit ist die Bundesliga-Saison angesichts des Restprogramms von fünf Spielen für den Peruaner vorzeitig beendet. Allerdings haben die Hanseaten eine Einspruchsfrist von 24 Stunden. Die Sperre wirkt sich nicht auf die Europa League aus, in der der HSV am Donnerstagabend im Viertelfinal-Rückspiel bei Standard Lüttich einen 2:1-Vorsprung verteidigen musste. Das Sportgericht sperrte Guerrero "wegen einer Tätlichkeit gegen einen Zuschauer nach einer vorausgegangenen verbalen Provokation". Der 26-Jährige hatte nach Ende des Punktspiels zwischen dem HSV und Hannover 96 (0:0) vor dem Eingang des Spielertunnels stehend eine zum Teil gefüllte Plastik-Trinkflasche in Richtung eines auf der Tribüne stehenden Zuschauers geworfen und diesen im Gesicht getroffen. Die Schiedsrichter grummeln und haben Aufklärungsbedarf: Während DFB-Präsident Theo Zwanziger trotz drohender Gerichtsverhandlungen einen schnellen Schlussstrich unter die Affäre um Manfred Amerell ziehen will, muss Herbert Fandel erst einmal die aufgebrachte Gilde der deutschen Referees in den Landesverbänden besänftigen. "Ich habe absolutes Verständnis für die Bedenken der Landesverbände, die offenbar die Befürchtung haben, dass die neuen Strukturen bis tief in die Verbände greifen. Diese Missverständnisse müssen beim Bundestag ausgeräumt werden", sagte der designierte neue Schiedsrichter-Boss vor dem außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Die Ursache für den Unfalltod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili bei den Winterspielen in Vancouver bleibt möglicherweise für immer ungeklärt. "Was Nodar passiert ist, war ein unvorhersehbarer Unglücksfall", sagte Generalsekretär Svein Romstad vom Rodel-Weltverband (FIL) kurz vor der Vorlage seines Untersuchungsberichts zu dem Todessturz. "Natürlich sucht man immer einen Schuldigen, auf dem man zeigen und dann sagen kann: Er war das. Aber ich denke, dass es eine Verkettung unglücklicher Umstände war." Der 21-Jährige war Mitte Februar wenige Stunden vor Eröffnung der Winterspiele auf der olympischen Hochgeschwindigkeitsbahn von Whistler gestürzt und tödlich verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft Bochum hat im Fußball-Wettskandal eine Kooperation mit der türkischen Justiz bestätigt. "Wir haben mit den Kollegen der türkischen Justiz eng zusammengearbeitet", sagte Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek am Donnerstag in Bochum. Die Aussagen mehrerer in Deutschland einsitzender mutmaßlicher Wettbetrüger über manipulierte Spiele im türkischen Fußball hätten zu Razzien in der Türkei geführt, sagte er. Wie viele Verdächtige dort festgenommen worden waren, wisse er aber nicht. Die deftige Standpauke und das verschärfte Extra-Training von Chefcoach Rick Carlisle hat seine Wirkung bei Dirk Nowitzki und den Dallas Mavericks nicht verfehlt. Nach zwei Niederlagen spielten die Texaner in der Nacht zum Donnerstag die Memphis Grizzlies mit 110:84 an die Wand und setzten im Vierkampf um Tabellenplatz zwei der Western Conference ein Zeichen. Der Rang garantiert das Heimrecht in den entscheidenden Spielen der ersten Playoff-Runde. Knapp 48 Stunden vor dem schweren Auswärtsspiel beim Angstgegner Portland Trail Blazers haben die "Mavs" (51:27 Siege) ihre Situation hinter Spitzenreiter Los Angeles Lakers (55:22) wieder verbessert. Bis zum Abschluss der Vorrunde bleibt es aber spannend. Vier Spiele stehen für Dallas noch an. Trainer Don Nelson sorgte mit dem 116:107 seines Teams Golden State Warriors bei den Minnesota Timberwolves für einen Rekord in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA. Es war der 1333. Sieg seiner NBA-Karriere, mehr hat kein Coach in der Geschichte gefeiert. Er überholte damit Lenny Wilkens, mit dem er sich die Bestmarke zuvor geteilt hatte. Der 69-jährige Nelson hatte seinen ersten Cheftrainerjob 1976 als Nachfolger des entlassenen Larry Costello bei den Milwaukee Bucks übernommen und steht nun in seiner 31. Saison am Spielfeldrand. Er trainierte die Bucks bis 1987 und war danach für Golden State Warriors (1988-1995), die New York Knicks (1995/96) und die Dallas Mavericks mit dem deutschen Superstar Dirk Nowitzki (1997-2005) verantwortlich, ehe er 2006 zu den Warriors zurückkehrte. Als Spieler war er von 1962 bis 1976 für die Chicago Zephyrs, Los Angeles Lakers und Boston Celtics aktiv. Argentiniens Fußball-Nationaltrainer Diego Maradona hält große Stücke auf Jose Mourinho. Inter Mailands portugiesischer Coach ist seiner Ansicht nach der beste Trainer der Welt. "Er ist der Kompletteste. Er ist der Boss, deswegen wähle ich ihn", sagte der ehemalige Weltklassefußballer in einem Radio-Interview. Maradona berichtete, dass er auch Barcelonas Trainer Josep Guardiola sehr schätze. "Guardiola hat alles gewonnen. Das muss man zur Kenntnis nehmen, aber ich wähle dennoch Mourinho", sagte Maradona. Im Halbfinale der Champions League kommt es im Duell zwischen Titelverteidiger FC Barcelona und Inter Mailand zum direkten Vergleich der beiden Coaches. Nach dem Abklingen seiner Viruserkrankung hat Lance Armstrong am Donnerstag von Paris aus den Weg zurück in seine Heimat Texas angetreten. "Es geht besser - auf dem Weg in die Staaten", twitterte der 38-jährige RadioShack-Kapitän, nachdem er wegen eines erneuten Magen-Darm-Infektes den Circuit de la Sarthe in Westfrankreich aufgegeben hatte. Schon Mailand-San Remo hatte der siebenfache Tour-de-France-Gewinner vor knapp drei Wochen aus dem gleichen Grund absagen müssen. | Paolo Guerrero wird für seinen Flaschenwurf hart bestraft, Standpauke hilft Dirk Nowitzki, Rodler-Unfall bleibt ungeklärt. Sport kompakt | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-saisonende-fuer-guerrero-1.24890 | Sport kompakt - Saisonende für Guerrero | 00/04/2010 |
Im Sommer 1969 trat der FC Bayern Hof als erster deutscher Fußballklub in Israel an - ein Dokumentarfilm erzählt jetzt davon und lässt die Erinnerung wieder wach werden. Das bedeutende sportpolitische Ereignis begann mit einer kleinen Finte. Im Herbst 1968 schrieb Franz Anders, Vorsitzender des damals renommierten FC Bayern Hof, der heute als SpVgg Bayern Hof in der Bayernliga antritt, an einem Tag zwei Briefe. Der eine ging an den israelischen Fußballverband, der andere ans deutsche Innenministerium nach Bonn. In Brief eins stand, dass Hof gerne für ein Fußballspiel nach Israel kommen würde und dass Bonn schon sei Okay gegeben haben. In Brief zwei stand, dass der israelische Fußballverband Hof für ein Fußballspiel eingeladen, der Klub aber nicht genügend Geld für diese Reise habe. Israels Fußballverband war erfreut, das Innenministerium in Bonn anfangs skeptisch, später aber überzeugt - und so kam es im Juni 1969 zu zwei besonderen Freundschaftspartien: Erstmals bestritt eine deutsche Mannschaft auf israelischem Boden Fußballspiele. Aufschrei beim Foul Es war ein wichtiger Moment im damals wenig entwickelten deutsch-israelischen Verhältnis, eine von vielen Etappen auf dem Weg der Aussöhnung - dennoch dürfte Autor und Regisseur Götz Gemeinhardt richtig liegen, wenn er anmerkt, "dass man dieses Ereignis heute so gut wie gar nicht mehr kennt". Gemeinhardt selbst kannte es ja nicht, bis er 2007 seine Recherchen über die Hofer Israel-Reise begann, dessen Ergebnis nun passend zum 100-jährigen Jubiläum des Klubs im 34-minütigen Dokumentarfilm "08397B" zu sehen ist. Gemeinsam mit dem damaligen Vorsitzenden Franz Anders flog Gemeinhardt noch einmal nach Israel, um den Spuren jener Sommerreise von 1969 hinterherzureisen. Nach Nahariya, wo die Hofer gegen eine Regionalauswahl 2:0 gewannen. Nach Petach Tikwa, wo sie gegen die damalige israelische Spitzenmannschaft 0:3 verloren. Und in die Nähe der Stadt Modi'in, wo sie als Zeichen des Dankes und der Freundschaft Bäume pflanzten. Noch einmal erinnern sie an die positiven Reaktionen vor Ort, an eine gemeinsame Trainingseinheit und an die verblüffende Situation im Stadion, als nach einem Foul des israelischen Vorstoppers an Hofs Mittelstürmer das Publikum aufschrie und die Auswechslung des Übeltäters forderte - in diesem Versöhnungsspiel sollte für Fouls kein Platz sein. Oft begleitet die Ereignisse die Stimme des bekannten Fernsehjournalisten Sammy Drechsel, der damals mitreiste und einen einstündigen, mittlerweile verloren gegangenen Fernsehbeitrag schnitt. Handschlag vom Schiedsrichter Auch israelische Zeitzeugen trifft Anders vor Ort wieder. Da ist Mordechai Spiegler, der den Beinamen "Beckenbauer Israels" trug, als bisher einziger Israeli bei einer Fußball-WM ein Tor schoss - und der sich sehr emotional erinnert. Oder Abraham Klein, der Schiedsrichter der beiden Spiele, der später als Fifa-Schiedsrichter auch international bedeutsame Partien leitete und sich heftigen Anfeindungen ausgesetzt sah. Ein Mann, aus dessen Familie viele dem Holocaust zum Opfer gefallen war, dürfe doch nicht vor dem Anpfiff einem deutschen Spieler die Hand schütteln, hieß es. Klein pfiff dennoch. So erinnert Gemeinhardt mit einem einfühlsamen, oft auch heiteren Film an ein besonderes Sportereignis, das bald Nachahmer fand. Schon 1970 kam es zum Gegenbesuch einer israelischen Mannschaft in Hof, ab 1970 reiste Borussia Mönchengladbach jährlich zu einem Trainingslager nach Israel. "Das Eis war gebrochen", heißt es am Ende des Films. Am nächsten Sonntag (16 Uhr) ist "08397B" bei den Grenzlandfilmtagen in Selb zu sehen. | Im Sommer 1969 trat der FC Bayern Hof als erster deutscher Fußballklub in Israel an - ein Dokumentarfilm erzählt jetzt davon und lässt die Erinnerung wieder wach werden. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sportgeschichte-das-eis-war-gebrochen-1.4970 | "Sportgeschichte - ""Das Eis war gebrochen""" | 00/04/2010 |
Gerade sah es so aus, als würde der große FC Barcelona in Schwierigkeiten geraten. Als würde der FC Arsenal die Superlativ-Kicker aus Spanien im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinales tatsächlich in Bedrängnis bringen. Da tauchte plötzlich Messi vor dem Tor der Engländer auf. Es war die 21. Minute, aber Arsenal führte bereits mit 1:0. Messi dribbelte von rechts in die Mitte, zog von der Strafraumlinie ab - und drosch den Ball ins Toreck. Schon stand es 1:1, und Messi hatte Lust auf mehr: Der Argentinier erhöhte noch in der ersten Hälfte per Hattrick auf 3:1 und traf in der zweiten Halbzeit noch einmal - 4:1, Endstand. Messi hatte Arsenal alleine aus dem Wettbewerb geschossen. Im Gegensatz zum Hinspiel war es zu Beginn eine Fußballpartie von zwei Mannschaften. In London noch hatten die Statistiker nach zwanzig Minuten zwölf Torschüsse für Barcelona gezählt - Arsenal hatte zum gleichen Zeitpunkt noch nicht einmal auf das gegnerische Tor geschossen. Im Camp Nou war es zunächst anders. Klar, Barcelona hatte mehr Ballbesitz und auch hier die ersten Möglichkeiten: Messi schoss knapp rechts und einmal links am Tor vorbei, Xavi probierte es vergeblich mit der Hacke. Arsenal geht in Führung Aber Arsenal spielte mit und versuchte vor allem, Barças zwei Ersatz-Innenverteidiger Gabriel Milito und Rafael Márquez unter Druck zu setzen - was in der 18. Minute ganz vorzüglich gelang. Abou Diaby erkämpfte an der Mittellinie den Ball gegen Milito und schickte Theo Walcott steil, der im Strafraum auf seinen Partner Nicklas Bendtner querlegte - im Nachschuss erzielte der Arsenal-Stürmer schließlich das 1:0 für sein Team. Doch es wurde nur drei Minuten still im ausverkauften Camp Nou, denn dann kam ja Messi - und fortan feierte das Publikum den Argentinier bis zur 90. Minute mit Sprechchören. Barcelona kontrollierte die Partie nach dem Ausgleich ähnlich wie die erste Halbzeit im Hinspiel, Arsenal war bis zum Seitenwechsel nur noch selten in der gegnerischen Hälfte zu sehen. Messi münzte die Überlegenheit in Tore um: In der 37. Minute legte Silvestre Pedro im Strafraum ab, Messi umkurvte noch einen Verteidiger und hob den Ball allein vor Arsenal-Keeper Manuel Almunia zum 2:1 ins Netz. In der 42.Minute dann köpfte Seydou Keita an der Mittellinie in den Lauf von Messi, wieder lupfte der Weltfußballer die Kugel über Almunia - 3:1. Mourinho und Inter warten In der zweiten Hälfte ließen es die Katalanen etwas ruhiger angehen. Am Samstag steht ja schon das Spitzenspiel der Primera División gegen das punktgleiche Real Madrid an. Arsenal hatte deshalb ohne die Verletzten Cesc Fàbregas, William Gallas und Andrej Arschawin mehr Raum für sein Offensivspiel - jedoch praktisch keine Chancen, um wie beim 2:2 in London noch einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen. Stattdessen setzte Messi mit seinem vierten Treffer den Schlusspunkt (88.). Im Halbfinale trifft Barcelona nun auf Inter Mailand. Der italienische Meister setzte sich in Moskau gegen ZSKA mit 1:0 (1:0) durch. Dieses Spiel war schon nach sechs Minuten nicht mehr unbedingt spannend: Da traf Wesley Sneijder mit einem flachen Freistoß, der am Fuß des unglücklichen ZSKA-Keeper Igor Akinfejew vorbei ins Netz rauschte - nach dem 1:0-Hinspielsieg der Italiener benötigten die Russen drei Tore, wovon sie bis zum Ende weit entfernt blieben. | Lionel Messi schießt den FC Barcelona beim 4:1 gegen Arsenal London mit vier Treffern im Alleingang ins Halbfinale der Champions League. Dort kommt es zum Showdown mit José Mourinhos Inter Mailand. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/champions-league-viertelfinale-messi-4-arsenal-1-1.22207 | Champions League: Viertelfinale - Messi 4, Arsenal 1 | 00/04/2010 |
Mourinhos Siegeszug setzt sich fort: Ein frühes Freistoßtor von Wesley Sneijder beschert dem italienischen Meister Inter Mailand in Moskau den Einzug ins Halbfinale der Champions League. Inter Mailand steht im Halbfinale der Champions League. Der italienische Fußball-Meister siegte im Rückspiel des Viertelfinales am Dienstag mit 1:0 (1:0) bei ZSKA Moskau. Mittelfeld-Regisseur Wesley Sneijder sorgte per Freistoßtreffer schnell für die Vorentscheidung (6. Minute) vor 65.000 Besuchern im Lushniki-Stadion. Das Team von Gäste-Trainer José Mourinho zeigte nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel eine gute Defensiv-Leistung und trifft nun auf den Sieger der Partie zwischen dem FC Barcelona und dem FC Arsenal. ZSKA suchte in der schwungvollen Partie auf Kunstrasen vergeblich sein Heil in vielen Distanzschüssen. Nach einer Gelb-Roten Karte gegen Chidi Odiah (49.) fanden die Russen in Unterzahl allerdings kein Mittel mehr. Sneijder überlistete bei einem Freistoß aus halbrechter Position Torwart Igor Akinfejew mit einem wuchtigen Flachschuss. In der Mauer der Russen war Stürmer Keisuke Honda hochgesprungen, der Ball konnte so mitten im Tor einschlagen. ZSKA drehte dann zwar auf, kam zunächst aber nur durch Freistöße zu Chancen. . Chancen auf beiden Seiten In der 23. Minute schoss Stürmer Tomas Necid knapp am linken Pfosten vorbei. Auch danach ließ die Heim-Elf Gelegenheiten aus (34./44.). Inters Diego Milito verpasste allein vor Akinfejew noch vor der Pause die Chance zur Entscheidung. Nach dem Platzverweis, dem ein rüdes Foul Odiahs an Samuel Eto'o vorausgegangen war, geriet Mailands Verteidigung um den Ex-Bayern Lucio kaum noch in Bedrängnis. Im Gegenteil: Erneut war es Milito (73.), der allein vor Akinfejew einen höheren Sieg vergab | Mourinhos Siegeszug setzt sich fort: Ein frühes Freistoßtor von Wesley Sneijder beschert dem italienischen Meister Inter Mailand in Moskau den Einzug ins Halbfinale der Champions League. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-champions-league-mailand-triumphiert-in-moskau-1.20359 | Fußball: Champions League - Mailand triumphiert in Moskau | 00/04/2010 |
In der Debatte um eine Begnadigung Kevin Kuranyis steigt der Druck auf Bundestrainer Löw. Er hat bis zum 6. Mai Zeit, und tut gut daran, über eine Entscheidung gründlich nachzudenken. Gegen Ende des Finales um die deutsche Meisterschaft riefen die Zuschauer höhnisch "Herberger, Herberger". Es stand 5:1 für Hannover 96, und peinvoll war diese Vorführung anno 1954 nicht nur für den Endspielgegner 1. FC Kaiserslautern, sondern mehr noch für den Bundestrainer: Es war der Kern seines WM-Kaders, der da soeben demontiert wurde. Herberger erhob sich von seinem Sitz, um zu demonstrieren, dass er sich Volkes Meinung nicht beugen werde. Er hielt fest an den fünf Lauterern, und so falsch kann sein Beschluss wider die öffentliche Meinung nicht gewesen sein - wenig später wurde Deutschland Weltmeister. Mit Fritz und Ottmar Walter, mit Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer und Horst Eckel, alle vom 1. FC Kaiserslautern. Je näher die endgültige Nominierung für eine Fußball-WM rückt, desto erbitterter wird der Debatten-Ton um einzelne Spieler. Am erstaunlichsten in der aktuellen Diskussion um Kevin Kuranyi ist der heilige Furor, mit dem hierzulande um den Schalker gestritten wird. Die überwältigende Mehrheit votiert mit einer Entschiedenheit für Kuranyi, als würde der die besten Eigenschaften von Messi, Ronaldo und Rooney in sich vereinen. Derlei Qualitäten hat man in seinen 52 Länderspielen freilich eher nicht erkennen können. Allerdings befindet sich Kevin Kuranyi in einer brillanten Form, und ginge es nur darum, würde Löw keine Sekunde mit seiner Berufung zögern. In der Vergangenheit hat der Bundestrainer die Erfahrung gemacht, dass der Schalker nicht unbedingt als fügsamer Mannschafts-Spieler taugt, Kuranyis Ego hat vor zwei Jahren wild gegen die Rolle als Ersatzspieler aufbegehrt. Damals wurde er gefeuert, er hatte die Lust an der Nationalmannschaft verloren, als er nicht genügend Beachtung fand. Das kann immer wieder passieren, vor allem bei einer WM. Löw muss also mehr Kriterien anlegen als nur die momentane Form. Zumal Kuranyis letzte Auftritte optisch dadurch aufgewertet werden, dass sich das Stammpersonal, Klose, Gomez und Podolski geschlossen am Tiefstpunkt einer prächtigen Torjägerkrise befindet. Löw hat bis zum 6. Mai Zeit, und er tut gut daran, über eine Entscheidung gründlich nachzudenken. Die öffentliche Meinung ist dabei nicht zwangsläufig der beste Ratgeber. Vor dem Turnier 1970 hatten Medien und Stammtische das eindeutige Urteil gefällt, dass die im Stil ähnlichen Stürmer Uwe Seeler und Gerd Müller unter keinen Umständen zusammenpassen würden. Bundestrainer Helmut Schön blieb stur: Dank Seelers großartiger Zuarbeit wurde Müller sogar WM-Torschützenkönig. | In der Debatte um eine Begnadigung Kevin Kuranyis steigt der Druck auf Bundestrainer Löw. Er hat bis zum 6. Mai Zeit, und tut gut daran, über eine Entscheidung gründlich nachzudenken. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/nationalelf-wm-kader-mit-heiligem-furor-1.18138 | Nationalelf: WM-Kader - Mit heiligem Furor | 00/04/2010 |
Der englische Fußball-Nationalspieler Wayne Rooney von Manchester United wird im Spiel der Champions am Mittwoch gegen Bayern München nicht zum Einsatz kommen. Teammanager Sir Alex Ferguson erklärte am Dienstagnachmittag, er sei "nicht bereit, einen Spieler einzusetzen, der nicht zu 100 Prozent fit ist". Der 24 Jahre alte Rooney hatte sich im Viertelfinal-Hinspiel vergangenen Woche in München (1:2) eine Knöchelverletzung zugezogen. Die Verletzung von Rooney habe sich "gut entwickelt", erklärte Ferguson. "Das medizinische Team hat hervorragende Arbeit geleistet. Der Junge macht Fortschritte, aber es ist eine Knöchelverletzung. Sie ist nicht anders, als andere Verletzungen auch. Ich kann kein Risiko eingehen", sagte er nach dem Abschlusstraining von ManUnited, an dem Rooney nicht teilgenommen hatte. Der Coach räumte allerdings auch ein, dass der Angreifer versucht habe, ihm einen Einsatz gegen die Bayern abzuschwatzen. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen Paolo Guerrero vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV aufgenommen. Der Flaschenwurf des Stürmers im Anschluss an das Spiel gegen Hannover 96 am Sonntag begründet "den Anfangsverdacht einer gefährlichen Körperverletzung", sagte Staatsanwalt Bernd Mauruschat dem SID. Eine Anzeige des geschädigten HSV-Fans liege nicht vor, die Strafverfolgungsbehörde muss allerdings von Amts wegen tätig werden. "Wir ermitteln jetzt in zwei Richtungen. Womit hat Guerrero geworfen und hat der Geschädigte Verletzungen erlitten oder nicht", sagte Mauruschat. Die Wasserflasche könne, je nachdem ob und wie sie gefüllt war, als "gefährliches Werkzeug" gelten, das geeignet sei, Verletzungen beizufügen. Dann sei Paragraf 224 des Strafgesetzbuches betroffen. Die Polizei ist deshalb mit den Ermittlungen und der Beweissicherung beauftragt. Dabei werden auch Zeugen befragt, auch Guerrero wird voraussichtliche eine Aussage machen müssen. Sollte sich der Verdacht einer versuchten gefährlichen Körperverletzung erhärten, droht dem Peruaner eine Haftstrafe von sechs Monaten, in einem minder schweren Fall sind drei Monate Haft oder eine Geldstrafe vorgesehen. Unterdessen hat der DFB-Kontrollausschuss gegen Guerrero Ermittlungen aufgenommen. Das teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Dienstag auf Anfrage mit. Man habe den Profi des Bundesligisten Hamburger SV angeschrieben und um eine "zeitnahe Antwort" gebeten, erklärte ein Sprecher des Verbandes. "Auch wenn Guerrero von einem Zuschauer provoziert worden sein sollte, gilt für ihn das, was auch auf dem Platz gilt: Ein Sportler kennt keine Rache. Wer sich nicht daran hält, wird bestraft", sagte Anton Nachreiner, der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, Sport Bild online. Italiens Fußball-Rekordmeister Juventus Turin lässt den Absichtserklärungen um eine Verpflichtung von Kevin Kuranyi anscheinend Taten folgen. Am vergangenen Wochenende haben die Juve-Verantwortlichen dem Torjäger des Bundesligisten Schalke 04 nach Informationen des kicker ein schriftliches Angebot vorgelegt. Demnach soll der 28-Jährige in den kommenden vier Jahren 15 Millionen Euro netto verdienen. "Meine Berater machen ihre Arbeit, bei ihnen läuft alles zusammen. Aber es ist weiterhin nichts entschieden, alles bleibt möglich", wird Kuranyi zitiert. Es sei zudem jetzt der falsche Moment, um über Angebote nachzudenken, ergänzte der Stürmer, der bisher 18 Saisontreffer erzielte. Mit Schalke habe es bislang noch keine Gespräche über eine Vertragsverlängerung gegeben. In den vergangenen Wochen hatten mehrere Klubs aus europäischen Ligen ihr Interesse an einer Verpflichtung von Kuranyi bekundet. Dazu gehörten der FC Genua, der FC Sunderland und auch ZSKA Moskau und Besiktas Istanbul. Schalkes Trainer Felix Magath wollte Kuranyi in der Winterpause wegen der finanziell angespannten Situation eigentlich schon nach Sunderland verkaufen. Angesichts der sportlichen Erfolge der Königsblauen und der möglichen Teilnahme an der kommenden Champions-League-Saison hatte Magath zuletzt auch eine Vertragsverlängerung Kuranyis in Aussicht gestellt. Der deutsche Fußball-Rekordmeister Bayern München hat die Reise nach Manchester mit den angeschlagenen Arjen Robben und Daniel van Buyten angetreten. "Ich hoffe, dass beide spielen können", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Dienstag vor dem Abflug am München Flughafen. Im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League an diesem Mittwoch (20.45 Uhr) bei Manchester United reicht den Bayern ein Unentschieden zum Weiterkommen. "Manchester hat die etwas besseren Karten. Wir haben eine kleine Chance und wollen versuchen, Messerstiche zu setzen", sagte Rummenigge. Wegen ausstehender Lohnzahlungen droht dem spanischen Fußball ein Streik seiner Profispieler. Die Spielervereinigung AFE hat für den Zeitraum vom 16. bis 19. April zur kollektiven Arbeitseinstellung aufgerufen. Sollte der Streik tatsächlich stattfinden, wären auch die Spitzenspiele zwischen Meister FC Barcelona und dem Stadtrivalen Espanyol sowie von Real Madrid gegen den FC Valencia betroffen. Die AFE kündigte jedoch auch an, in weiteren Gesprächen eine Einigung erzielen zu wollen. "Die Forderungen werden von allen Spielern unterstützt. Es geht um die Einhaltung von Verträgen, die bereits unterschrieben worden sind", heißt es in einer Erklärung der AFE. Laut Medienberichten stehen überwiegend bei kleineren Klubs aus unteren Ligen Gehaltszahlungen von insgesamt mehreren Millionen Euro aus. Bereits Ende letzten Jahres wäre es im spanischen Fußball fast zu einem Streik gekommen. Grund waren die Pläne der Regierung zur Abschaffung einer Sondersteuer für ausländische Profis. 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya hat ihr Comeback für den 24. Juni beim internationalen Meeting im spanischen Saragossa angekündigt. Wie die Nachrichtenagentur AP am Dienstag vermeldete, akzeptierte die 19 Jahre alte Südafrikanerin damit das Vorgehen des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, bis Juni anhand von Untersuchungen ihr Geschlecht zweifelsfrei festzustellen und sie bis dahin von einem Start abzuhalten. "Ich habe mich entschieden, zu warten, bis die IAAF ihren Prozess beendet hat", gab Semenya laut AP in einer Erklärung bekannt. Ein Handball-Bundesligist steht bereits als Teilnehmer am ersten Final Four der Champions-League-Geschichte in Köln fest: Im Viertelfinale trifft der deutsche Rekordmeister THW Kiel auf den Bundesliga-Konkurrenten Rhein-Neckar Löwen. Das ergab die Auslosung am Dienstag in Wien. Der HSV Hamburg erwischte mit dem Titelverteidiger Ciudad Real die wohl schwierigste Aufgabe und reagierte frustriert. Im Pokalsieger-Wettbewerb muss sich der VfL Gummersbach mit Navarra San Antonio auseinandersetzen. Auch der TBV Lemgo hat es im EHF-Pokal-Halbfinale mit Spaniern zu tun. Die Ostwestfalen spielen gegen La Rioja. Die SG Flensburg-Handewitt trifft auf Kadetten Schaffhausen. Das Final-Turnier in der Champions League findet am 29. und 30. Mai statt. Ein Eishockey-Puck aus dem Olympia-Finale und ein Trikot von Kanadas Gold-Held Sidney Crosby haben den Organisatoren der Winterspiele bei einer Online-Versteigerung fünfstellige Summen beschert. Für das Trikot von Crosby, das der Stürmer im Vorrundenspiel gegen die Schweiz trug, machte ein Sammler nach Angaben vom Ostermontag (Ortszeit) umgerechnet rund 26.000 Euro locker. Der Puck aus dem Endspiel gegen die USA wo Crosby in der Verlängerung zum 3:2-Sieg traf, war einem Bieter fast 10.000 Euro wert. Nach einer positiven Dopingprobe ist die Gewichtheberin Meryem Dahhak vom Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) mit einer Sperre von zwei Jahren belegt worden. Die Marokkanerin war bei den afrikanischen Meisterschaften im Dezember 2009 in Ägypten positiv auf das anabole Mittel Epimetendiol getestet worden. Auch im Behindertensport sorgen die Gewichtheber beziehungsweise Bankdrücker in den letzten Jahren häufig für negative Meldungen. Bei den letzten drei Sommer-Paralympics handelte es sich bei 18 von 21 Doping-Fällen um Bankdrücker. Fußball-Weltmeister Olaf Thon ist halbwegs erfolgreich in seine neue Karriere als Trainer gestartet. Vier Tage nach Amtsantritt des ehemaligen Schalke- und Bayern-Profis trotzte der abstiegsbedrohte fünftklassige NRW-Ligist VfB Hüls dem Spitzenreiter SC Wiedenbrück am Montag ein 0:0 ab. "Es war bestimmt nicht schön, so ein von der Defensive geprägtes Spiel zu sehen. Aber man darf nicht vergessen, dass wir heute gegen den Tabellenführer gespielt haben. In den nächsten Partien wird die Taktik bestimmt auch wieder offensiver ausgelegt sein", sagte Thon laut der Club-Homepage. Er hatte bei seiner ersten Station als Coach die Nachfolge des früheren Schalker Bundesliga-Spielers Klaus Täuber angetreten. Es ist still geworden um den Tennisprofi Nicolas Kiefer. Nach einem "Seuchen-Jahr" mit zahllosen Rückschlägen ist die einstige Nummer vier der Weltrangliste auf Position 139 durchgereicht worden. Als in Melbourne sein Lieblings-Grand-Slam gespielt wurde, musste sich der 32-Jährige, der im vergangenen November sein letztes Turnier-Match bestritten hat, an der Leiste operieren lassen und konnte nur im Traum an die Rückkehr auf den Tennisplatz denken. "Aber ich habe die Motivation nie verloren", erzählt der Hannoveraner und kündigt am Dienstag in einem Interview mit dem Internetsender tennislive.tv an: "Jetzt brenne ich auf mein Comeback." Schon in Barcelona, Mitte April, könnte es soweit sein, betont Kiefer. Allerdings muss er dafür nicht nur fit sein, sondern auch durch die Mühlen der Qualifikation. | ManUnited-Trainer Ferguson schließt Einsatz aus, Staatsanwalt ermittelt gegen Guerrero, Juventus bietet offenbar um Kuranyi, Bayern mit allen Stars nach Manchester. Sport kompakt | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-rooney-spielt-nicht-1.1480 | Sport kompakt - Rooney spielt nicht | 00/04/2010 |
Der FC St. Pauli muss sich im Aufstiegskampf gegen Fortuna Düsseldorf mit einem 0:1 geschlagen geben. Den Vorsprung in der Tabelle konnten die zweitplatzierten Hamburger so nicht ausbauen. Der FC St. Pauli hat im Rennen um den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga einen Rückschlag erlitten. Der Tabellenzweite unterlag am Montag im Spitzenspiel der 2. Fußball-Bundesliga bei Aufsteiger Fortuna Düsseldorf mit 0:1 (0:0) und rangiert damit eine Woche vor dem direkten Duell mit dem FC Augsburg mit 55 Punkten nur noch einen Zähler vor dem Tabellendritten. Die seit fast einem Jahr zu Hause unbesiegten Düsseldorfer liegen mit 49 Punkten auf Rang vier in Lauerstellung. Vor 47 200 Zuschauern in der Esprit-Arena erzielte Sebastian Heidinger den Siegtreffer für die Fortuna (48.). Nach vier Spielen ohne Sieg kamen die Gastgeber, die weiterhin auf Angreifer Ranisav Jovanovic verzichten musste, auch im Top-Spiel nur schwer in Gang. Die auswärtsstarke St.-Pauli-Elf, die den besten Angriff der Liga stellt, stand dicht gestaffelt und suchte über die Außenpositionen ihre Möglichkeiten. Trainer Holger Stanislawski musste auf den gesperrten Fabian Boll verzichten und ließ Deniz Naki zunächst nur auf der Bank. Dafür sorgte Rouwen Hennigs immer wieder für Gefahr, ohne aber zu klaren Torgelegenheiten gegen die sichere Defensive der Fortuna zu kommen. Die Gastgeber hatten ihren zuletzt gesperrten Kapitän Andreas Lambertz wieder an Bord, der sich in vielen Laufduellen im Mittelfeld aufrieb. Nach einer halben Stunde erhöhten die Düsseldorfer den Druck und kamen durch Verteidiger Johannes van den Bergh zur ersten Tormöglichkeit, doch den Linksschuss des früheren Gladbachers konnte Torhüter Mathias Hain abwehren. Nach dem Wechsel erzielte der Aufsteiger nach einem sehenswerten Angriff über die rechte Seite das 1:0. Den Pass von Martin Harnik verwandelte Heidinger aus kurzer Distanz direkt zum viel umjubelten Führungstreffer (48.). In der spannenden Schlussphase rettete die Fortuna den Sieg über die Zeit und bleibt damit seit 658 Minuten ohne Gegentreffer in der heimischen Arena. | Der FC St. Pauli muss sich im Aufstiegskampf gegen Fortuna Düsseldorf mit einem 0:1 geschlagen geben. Den Vorsprung in der Tabelle konnten die zweitplatzierten Hamburger so nicht ausbauen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/zweite-bundesliga-daempfer-fuer-st-pauli-1.19384 | Zweite Bundesliga - Dämpfer für St. Pauli | 00/04/2010 |
Die Familie befindet sich im Osterurlaub, Italien, Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hat eigentlich nachreisen wollen. Aber "der Mull", wie sie hier den in der Sportwelt geachteten Teamarzt des FC Bayern nennen, ist doch geblieben, auch am offiziell freien Ostermontag ließ der Münchner Medizinmann seine Kräfte wirken. Und draußen auf der Wiese schwitzte Assistenztrainer Herman Gerland mit dem Rekonvaleszenten Arjen Robben, sie alle unterwerfen sich einem übergeordneten Plan, der zurzeit den Alltag des FC Bayern bestimmt. Es ist der Plan des Louis van Gaal. Der Trainer ist in diesen Tagen nicht nur als Übungsleiter und Taktikflüsterer im Einsatz, sondern auch als Routenplaner und Moderator einer verhältnismäßig kleinen Gruppe, die sich von Höhepunkt zu Höhepunkt hangelt. Schon diesen Dienstag geht es ja weiter zum nächsten Spiel der Spiele: 12 Uhr, Abflug LH5018, zur Zwischenstation Manchester. Schlüsselfigur Schweinsteiger Dass sein Plan bislang aufgeht, überrascht einen ganz bestimmt nicht, und das ist der Urheber selbst, auch wenn van Gaal nach dem wertvollen 2:1 im Spitzenduell bei Schalke 04 vermeintlich ungläubig jubilierte, wie "unglaublich" es sei, was sein Team leiste. Und es ist kein Geheimnis, dass mancher in München immer noch so seine Probleme hat mit den Eigenheiten des knorrigen Holländers, nicht nur dessen Umgang mit Reservisten prädestiniert ihn vermutlich weniger zum Kandidaten für einen Humanitätspreis. Wie sehr sie ihn inzwischen dennoch wertschätzen als Fußballlehrer, das hat eine Begebenheit aus den Schalker Katakomben dokumentiert. Dort traf van Gaal auf den Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, von dem es heißt, er verabrede sich wahrscheinlich eher mit Christoph Daum oder Sigmar Gabriel zum Eiersuchen als mit dem Coach. Aber so ist das bei den Bayern, Erfolg verbindet, in diesem Fall sogar zwei meinungsstarke Egozentriker, und so nahm Rummenigge den leitenden Angestellten nach dem Erfolg beim einzig verbliebenen Rivalen im Kampf um die Meisterschaft voller Sympathie in den Arm. Oben auf der Tribüne hatten Rummenigge und sein Präsident Uli Hoeneß ja nicht nur die Qualität der Stadionwurst und den Plausch mit der Gattin des Schalker Trainers goutiert, sondern auch die Fitness des Personals gegen Felix Magaths Fitnessprotze und dessen Geschicklichkeit, mit der es auch in Unterzahl den Gegner zum Gefangenen seiner Gestaltungsarmut reduzierte. Nach dem Anschluss zum 1:2 durch Kevin Kuranyis Kopfball (31.) und Hamit Altintops berechtigtem Platzverweis per Ampelkarte (41.) hatten die Münchner mit einem stürmischen zweiten Abschnitt rechnen dürfen. Doch dann malte van Gaal in der Halbzeit eben ein paar Striche auf das Deckblatt seiner Lederkladde; es waren dünne Wegweiser im Verschiebebahnhof der Deckung. Der Rest ist viel Routine gewesen, ein enormes Laufpensum (wobei Torschütze Thomas Müller ein komplettes Scheckheft mit Fleißkärtchen erhielt) - und vor allem das taktische Gespür, mit dem Bastian Schweinsteiger die Defensivrolle im Mittelfeld ausfüllt. Robben-Einsatz wahrscheinlich Van Gaal hat verblüfft mit dem Einbau junger Kerle wie Müller, Badstuber oder des überraschend wieder für die Startelf nominierten (und überzeugenden) Linksverteidigers Contento. Doch Schweinsteigers Versetzung gilt längst als Schlüsselpersonalie der noch jungen Ära van Gaals. Mit der Präzision eines Vermessungstechnikers lenkt der Coach zudem den Tabellenführer durch die Wochen der Entscheidungen, selbst die Diva Ribéry ist ja diesmal nicht beleidigt gewesen nach der zeitigen Auswechslung. Vielmehr blödelten die zwei nach dem Abpfiff, als holten sie die am Donnerstag in der Kabine vermissten Aprilscherze nun endlich nach. Auch Ribéry hat den großen Plan van Gaals jetzt verinnerlicht. Montag ist also frei gewesen, nach dem Auslaufen am Sonntag hatte der eiserne Regent van Gaal seine Leute mit der langen Leine überrascht. Robben wiederum schuftete für die Rückkehr, "es sieht gut aus", versicherte der Holländer nach der Ballarbeit. Auch Abwehrchef Daniel van Buyten, in Schalke wegen einer Prellung am Knie gegen den zunächst geschonten Kompagnon Martin Demichelis ausgetauscht, soll am Dienstag an Bord sein. Beste Aussichten sind das aus Münchner Sicht, obwohl sie noch nichts erreicht haben, was sich auf dem Briefkopf verewigen ließe. Aber gefühlte Seriensieger sind sie schon nach der 2:1-Vorleistung vergangene Woche gegen United und dem Coup auf Schalke. Nicht nur van Gaal ("Für uns ist die Meisterschaft, das Wichtigste, aber es könnte noch mehr werden") frohlockt bereits, auch Hoeneß wagte sich mal wieder in den Zeugenstand und nahm dort gerne das harte Urteil über die Hausherren voraus. Diese Niederlage werde Schalke "einen ziemlichen Stich" versetzen, orakelte er und beschied: "Wir sind mit Abstand die beste deutsche Mannschaft, tut mir leid für alle anderen." Womöglich hat Medizinmann Mull am Dienstag einen Schluck Baldrian dabei? | Der Sieg in Schalke steigert das Ansehen von Bayern-Trainer van Gaal. Das nächste Etappenziel lautet Manchester. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/fc-bayern-louis-van-gaal-in-den-armen-des-routenplaners-1.20718 | FC Bayern: Louis van Gaal - In den Armen des Routenplaners | 00/04/2010 |
Michael Schumacher ist ein analytischer Mensch. Die Freude am Fahren hat ihn zurück in die Formel 1 gelockt, die aber macht sich immer auch an Ergebnissen fest. In den ersten zwei Rennen wurde Schumacher Sechster und Zehnter, im dritten fiel er aus. Ähnlich mäßig ist er in den 16 Jahren, die er bislang in der Serie antrat, erst einmal gestartet: 2005, als er nach fünf Titeln mit Ferrari, den Champion-Status an Fernando Alonso verlor. Weil die Rennen lang sind und für einen glücklichen Ausgang immer auch etwas Fortune vonnöten ist, taugt der Punktestand alleine noch nicht, um Schumacher einen Stotter-Start zu attestieren. In Australien wurde er in der ersten Kurve in eine Kollision verwickelt, zu der er nichts konnte. Und auch die lose Radmutter, die in Malaysia eine Punktefahrt verhinderte, ist Schumacher nicht anzulasten. Ein Trend aber fällt auf: Am Start parkte der 41-Jährige bisher jedes Mal hinter seinem 17 Jahre jüngeren Teamkollegen Nico Rosberg. So eine schwarze Serie hat es in Schumachers langer Formel-1-Zeit vorher nur einmal gegeben: 2003 ließ ihn Rubens Barrichello in England, Deutschland und in Ungarn dreimal nacheinander in der Qualifikation im Ferrari hinter sich. In Sepang musste Schumacher hinter Rosberg Aufstellung beziehen, weil er auf der nassen Piste in seiner zweiten flotten Runde attackieren wollte. Dummerweise spielten da die Regenreifen nicht mehr mit, die sich während Schumachers dreijähriger Pause stark verändert haben. "Das wird mir nicht noch einmal passieren", versprach der einstige Seriensieger erstaunlich gelassen, er lerne noch. Lernkurve ist eines der Schlüsselworte, das oft fällt, wenn es in der Formel 1 um die Leistung der Fahrer geht. Fehler dürfen sein. Aber jeder darf nur einmal vorkommen. Diese Formel gilt auch für Schumacher. Noch erfüllt er sie, mit jedem Streich, der Rosberg glückt, wird aber auch genauer hingeschaut. Bild führt schon das Wort "Ultimatum" in den Überschriften - und TV-Experte Niki Lauda sagt über Schumacher, der Europa-Auftakt Anfang Mai in Barcelona "ist die absolut klare Grenze: Dort wird man sehen, wo er angekommen ist". Das Ende der Schonzeit rückt näher. | Der Frust sitzt tief: Bislang wartet Michael Schumacher in seiner Comeback-Saison vergeblich auf Erfolge. Er ist gewarnt: Viele Fehler dürfen ihm nicht mehr passieren. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/formel-1-michael-schumacher-ungebremst-in-die-lernkurve-1.11072 | Formel 1: Michael Schumacher - Ungebremst in die Lernkurve | 00/04/2010 |
Mit seinem Flaschenwurf auf einen Zuschauer hat Fußballprofi Guerrero eine Grenze überschritten. Ein neues Verhältnis zwischen Fans und Spielern lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Das Verhältnis des Fußballfans zum Fußballer (und umgekehrt) ist von jeher ein schwieriges. Der Fan leidet am Spieler, wenn der nicht in jeder Partie groß aufspielt, der Spieler leidet am Fan, weil der ihn nicht immer und stets voller Leidenschaft antreibt und besingt. Selten sind dennoch beidseitige Ausbrüche der Art, wie sie am Sonntag beim Hamburger SV zu sehen waren. Dort hatte das Publikum den Spieler Paolo Guerrero ausdauernd ausgebuht und beschimpft, was diesen dazu bewog, nach dem Abpfiff eine Plastik-Wasserflasche auf die Zuschauer zu schleudern; er traf einen Mann am Kopf. Krasser noch als am Sonntag äußerte sich der Fan-Unmut Mitte März in Berlin, wo Zuschauer nach einer Niederlage das Spielfeld stürmten und zum Beispiel Trainerbänke demolierten. Die Spieler flüchteten rennend vom Feld. Beiden Fällen ist gemein, dass die Wut der Fans sich gegen die eigene Mannschaft richtete. Zu aufsehenerregenden Vorfällen kommt es im Fußball eher, wenn rivalisierende Fangruppen gewaltsam aufeinandertreffen oder gegnerische Mannschaften bepöbelt werden. Es gibt allerdings immer wieder Gruppen, die sich gegen das eigene Team wenden; besonders im Abstiegskampf ist es mittlerweile fast schon üblich, dass Zuschauer die Abfahrt des Mannschaftsbusses blockieren und Diskussionen mit Spielern fordern. Der Hamburger Fall liegt insofern besonders, als dass erstens Guerrero sich von Beschimpfungen gekränkt fühlte, die von den teuren Plätzen erklangen; dort sitzen in der Regel gemäßigte Fans. Zweitens ist der Fall ein spezieller, weil Guerrero per Flaschenwurf reagierte und damit eine Grenze überschritt. Abgesehen davon, dass der Wurf, ein gewaltsamer Akt, sich verbietet, gilt der zahlende Kunde in der modernen Arena als unantastbar. Nach den Spielen applaudieren die Profis den Zuschauern, bei Siegen wird ausführlich vor der Fankurve getanzt, sobald die Anhänger das Signal, gewissermaßen die Erlaubnis, dazu geben. Pfiffe werden von den Spielern für gewöhnlich ertragen. Da der Fall Guerrero besonders liegt, lassen sich aus ihm kaum Schlüsse ziehen, die auf ein generell neues Verhältnis von Spielern zu Fans deuten. Es gibt mittlerweile mehr der sogenannten Ultras, von denen eine Minderheit gewaltbereit ist. Den meisten dieser Anhänger geht es jedoch einfach um einen Fußball, der weniger vom Kommerz durchdrungen ist. Es gibt in der Bundesliga zudem eine ausgeprägte Anspruchshaltung auf den Tribünen, das ist jedoch nichts Neues und gemeckert wurde schon immer. Die Publikumsbeschimpfung bleibt die Ausnahme, der Angriff sowieso. Der damalige Nationalspieler Stefan Effenberg zeigte bei der WM 1994 den deutschen Fans den Mittelfinger, woraufhin er nach Hause reisen musste. Der Franzose Eric Cantona attackierte 1995 als Profi von Manchester United einen Zuschauer mit einem Kung-Fu-Tritt, weil dieser ihn wüst beschimpft hatte. Dieser Übergriff gilt als der krasseste im modernen europäischen Fußball. Der Schriftsteller Javier Marías schrieb dazu, Cantona habe den Mann, der sich in der Masse versteckte, isoliert und ihm gezeigt, dass man sich nicht alles bieten lassen müsse. Das Sportgericht vertrat eine andere Ansicht und sperrte Cantona für ein halbes Jahr. In Deutschland war es vor Guerreros Wurf zuletzt im Dezember 2009 zu einem Übergriff eines Profis gekommen. Der Stuttgarter Torwart Jens Lehmann nahm einem Fan die Brille von der Nase, gab sie aber nach mehrmaligem Bitten zurück. | Mit seinem Flaschenwurf auf einen Zuschauer hat Fußballprofi Guerrero eine Grenze überschritten. Ein neues Verhältnis zwischen Fans und Spielern lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/hsv-paolo-guerrero-attacke-auf-die-fans-1.22874 | HSV: Paolo Guerrero - Attacke auf die Fans | 00/04/2010 |
Die Hoffnung auf Wayne Rooneys Blitz-Comeback elektrisiert Englands angeschlagenen Fußball-Meister: Manchester Uniteds Stürmerstar könnte nur acht Tage nach seiner in der Allianz Arena erlittenen Knöchelverletzung schon am Mittwoch im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Bayern München wieder auflaufen. Nach übereinstimmenden britischen Presseberichten vom Ostermontag schätzt die medizinische Abteilung der Briten die Einsatzchancen des 24-Jährigen derzeit auf 40 Prozent. Der mit 26 Treffern aktuelle Top-Torjäger in der Premier League wird rund um die Uhr gehegt und gepflegt - und ist der große Hoffnungsträger bei United, um die 1:2-Niederlage aus dem ersten Duell in München wettzumachen. Rooneys Rückkehr, die offiziell erst für das Stadt-Derby gegen Manchester City am 17. April geplant ist, würde die Chancen auf ein Weiterkommen in der Königsklasse gegen die derzeit selbstbewussten Bayern deutlich erhöhen. Denn während die Münchner in der Liga an die Tabellenspitze zurückkehrten, verlor ManU ohne seinen besten Torschützen durch eine 1:2-Heimniederlage im Spitzenspiel gegen den FC Chelsea die Führung in der Premier League an den Londoner Rivalen. _________________________________________________________________ Bundestrainer Joachim Löw hat in der nicht endenden Begnadigungsdebatte um Kevin Kuranyi auch über die Ostertage kein glückliches Bild abgegeben. Das beharrliche Schweigen lässt Raum für Spekulationen und wird dem DFB-Chefcoach mittlerweile als Sturheit oder gar Schwäche ausgelegt. Ausgerechnet Sportdirektor Matthias Sammer - bislang nicht als bester Freund des Bundestrainers in Erscheinung getreten - sprang Löw nun öffentlich zur Seite. "Er trifft die Entscheidung, die gilt es zu akzeptieren", sagte Sammer in einer Talkrunde des TV-Senders Sky. Auch die überraschende Abstinenz des Bundestrainers beim Bundesliga-Topspiel FC Schalke 04 gegen Bayern München (1:2) wollte Sammer nicht monieren. "Er trifft die Entscheidung mit Kuranyi, und er trifft die Entscheidung, welches Spiel er sieht. Wer das nicht akzeptiert, muss selber Bundestrainer werden", sagte Sammer - und ließ damit verbal geschickt offen, ob er als DFB-Chefcoach womöglich anders als Löw (re)agieren würde. Eine Begründung für den ungewöhnlichen Bundesliga-Besuchsplan gab es jedenfalls auch am Montag nicht. Der Bundestrainer bleibe während der Osterfeiertage bei seiner nun fast zwei Wochen währenden Schweige-Maxime, hieß es aus der DFB-Zentrale in Frankfurt. Die letzten veröffentlichten Löw-Aussagen stammen somit weiterhin von einem DFB-eigenen Online-Interview am 23. März. Seither wird der kryptische Kuranyi-Kommentar des Bundestrainers gebetsmühlenartig medial transportiert: "Es gibt von uns zu vielen Personalien klare Aussagen, die wir nicht ständig wiederholen müssen." _________________________________________________________________ Die Volleyball-Herren des TSV Giesen/48 Hildesheim kehren nicht in die Bundesliga zurück. Das Zweitliga-Team wird im Falle einer sportlichen Qualifikation aus finanziellen Gründen auf einen Aufstieg verzichten. Diesen Entschluss fasste das Sportmanagement des Vereins. Formell muss jeder Erstligist 150.000 Euro nachweisen. "Diese Summe hätten wir zusammenbekommen. Aber eben auch nicht viel mehr", sagte Sportdirektor UIrich Nordmann. "Das Schicksal des Erstligisten VC Franken, dem während des laufenden Spielbetriebs die Lizenz entzogen wurde, war uns eine deutliche Mahnung, nicht mit einem Minimal-Etat den Wiederaufstieg anzugehen." _________________________________________________________________ Golfprofi Alexander Cejka hat sich nach einer verpatzten 73er Finalrunde bei der Houston Open in Texas auf dem geteilten 50. Rang in eine zweiwöchige Turnier-Pause verabschiedet. Mit 289 Schlägen (72+73+71+73) auf dem Par 72-Kurs in Humble lag der gebürtige Tscheche mit deutschem Pass und Wohnsitz in Las Vegas am Sonntag (Ortszeit) 13 Zähler hinter dem 24 Jahre alten Sieger Anthony Kim (276/USA). Der amerikanische Ryder Cup-Held von 2008 feierte nach einem Stechen am ersten Extraloch gegen seinen Landsmann Vaughn Taylor seinen dritten Sieg seit zwei Jahren auf der US-PGA-Tour und kassierte 1,040 Millionen Preisgeld aus der Gesamtdotierung von 5,8 Millionen Dollar. _________________________________________________________________ Die Dallas Mavericks um den deutschen Superstar Dirk Nowitzki ringen vor dem Playoff-Start in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA um ihre Form. "Zweimal hintereinander zu Hause zu verlieren, das geht einfach nicht, wenn die Playoffs nur noch zwei Wochen entfernt sind", meinte der 2,13 Meter lange Würzburger nach dem 116:121 gegen die Oklahoma City Thunder enttäuscht, "wir spielen im Moment einfach nicht gut genug." Der deutsche Nationalspieler war einmal mehr mit 30 Punkten und 13 Rebounds der Beste der Texaner, wurde aber von seinen Mitspielern außer Jason Kidd (24 Punkte) kaum unterstützt. Die größten Schwächen zeigten die Mavericks in der Defensive. "Von der war ich komplett enttäuscht", grantelte Coach Rick Carlisle. Als Verlierer ging am Ostersonntag auch Kobe Bryant mit den Los Angeles vom Parkett. Rechtzeitig vor dem 81:100 gegen die San Antonio Spurs hatte der 31-Jährige seinen Vertrag beim Titelverteidiger um drei Jahre verlängert und kassiert in den kommenden Jahren für die Unterschrift unter den Traumkontrakt gut 90 Millionen Dollar (67 Millionen Euro). _________________________________________________________________ Die deutschen Curler haben bei der Weltmeisterschaft in Italien im vierten Spiel den dritten Sieg gelandet. Die Auswahl des CC Füssen um Skip Andy Kapp gewann am Montag in Cortina d'Ampezzo mit 9:6 gegen Frankreich. Die bis dahin einzige Niederlage hatte es für das deutsche Team am Ostersonntag beim 5:6 gegen Gastgeber Italien gegeben. | Wayne Rooney will bereits beim Rückspiel gegen den FC Bayern sein Comeback geben und Löw schweigt weiter zu Kuranyi und die deutschen Curler feiern Erfolge bei der WM. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-united-hofft-auf-rooney-1.14799 | Sport kompakt - United hofft auf Rooney | 00/04/2010 |
Lange war Paolo Guerrero vom Hamburger SV erfolglos durch die Abwehrreihen von Hannover 96 geirrt. Auf dem Weg in die Kabinen startete er den letzten Angriff des Tages, und in ihm entlud sich der komplette Frust des peruanischen Stürmers. Er stoppte beim Verlassen des Platzes unmittelbar vor dem Eingang zur Arena und warf mit einer Trinkflasche auf einen Zuschauer. Der Mann wurde voll im Gesicht getroffen. Offenbar war dem Wurf eine Beleidigung vorausgegangen. "Da muss man seine Emotionen im Griff haben. Von Vorbildfunktion brauche ich erst gar nicht zu reden", sagte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer in der Sendung Sky 90. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dürfte Ermittlungen aufnehmen. HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann kündigte eine Bestrafung für Guerrero an: "Egal welchen Wortwechsel es da gegeben hat. Das ist eine Aktion, die ist völlig unakzeptabel. Es wird entsprechende Konsequenzen geben." Detailliert wollte sich Hoffmann zur Reaktion des Fußball-Bundesligisten jedoch nicht äußern. Man müsse die Aktion des Peruaners im Gesamtzusammenhang beurteilen, so Hoffmann. HSV-Torhüter Frank Rost nahm seinen Teamkollegen sogar in Schutz: "Unterm Strich macht er das nicht grundlos. Da hat er gut getroffen." Die Emotionen durch das 0:0, nach dem der HSV im Kampf um die Europa-League-Plätze nur noch einen Punkt Vorsprung auf die Konkurrenten aus Stuttgart und Frankfurt aufweist, kochten schon während der Begegnung hoch, als sich die Spieler gellende Pfiffe für die dürftige Leistung anhören mussten. Die wachsende Kluft zwischen Fans und Mannschaft äußerte sich auch in den deutlichen Worten des Hamburger Spieler Dennis Aogo: "Klar sind wir nicht zufrieden. Wir hätten uns heute aber etwas mehr Unterstützung gewünscht. Nach einer Viertelstunde gab es schon die ersten Pfiffe. Jeder, der etwas von Fußball versteht, hat doch gesehen, dass sich Hannover mit zehn Mann hinten reingestellt hat. Da ist es sehr schwer." Drei Tage nach dem Hinspiel im Europa-League-Viertelfinale gegen Standard Lüttich hatte sich bei der Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia wieder Bundesliga-Lethargie eingeschlichen. Wenig war von den Ankündigungen zu sehen, den Schwung des 2:1-Sieges gegen die Belgier mitzunehmen. Die Hanseaten traten über weite Strecken der ersten Halbzeit ähnlich uninspiriert und gemächlich auf wie bei der peinlichen Niederlage vor einer Woche in Mönchengladbach. Auch in Überzahl nach einem Platzverweis an Jiri Stajner (59.)fiel den Gastgebern gegen die schwächste Abwehr der Bundesliga nicht viel ein. Immerhin bekamen die Hamburger eine gute Lehrstunde, wie sie am kommenden Donnerstag im Rückspiel der Europa-League bei Standard Lüttich agieren könnten. Dann würde ein 0:0 zum Halbfinaleinzug reichen - und die bitter enttäuschten HSV-Fans versöhnen. | Die trostlose Vorstellung des Hamburger SV gegen Hannover 96 gipfelt in einem Flaschenwurf des HSV-Stürmers Paolo Guerrero gegen einen Fan aus den eigenen Reihen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/hamburger-sv-guerrero-attackiert-zuschauer-1.9532 | Hamburger SV - Guerrero attackiert Zuschauer | 00/04/2010 |
Die Aufstiegsaspiranten 1. FC Kaiserslautern und FC Augsburg haben Federn gelassen, Rot-Weiß Oberhausen, Energie Cottbus, Hansa Rostock und die TuS Koblenz feierten im Kampf um den Klassenerhalt in der 2. Fußball-Bundesliga wichtige Siege. Der FC Kaiserslautern kassierte mit dem 1:2 (1:0) bei RWO die erste Niederlage nach zehn Spielen, hat nach dem 29. Spieltag mit 61 Punkten aber weiter einen komfortablen Vorsprung von sieben Zählern auf den Dritten Augsburg. Der FCA (54 Punkte) kam nicht über ein 1:1 (0:1) gegen die SpVgg Greuther Fürth hinaus. Im Spitzenspiel am Montag gegen den Zweiten FC St. Pauli (20.15 Uhr/live bei Sky und im DSF) kann Aufsteiger Fortuna Düsseldorf mit einem Sieg den Rückstand auf Augsburg auf fünf Punkte reduzieren. Mit 37 Punkten hat Oberhausen wohl den entscheidenden Schritt in Richtung Liga-Verbleib gemacht. Das Gleiche trifft auf Cottbus zu, das nach einem 2:1 (2:1) bei 1860 München punktgleich mit RWO ist. Rostock hat nach einem 2:0 (1:0) gegen Alemannia Aachen nun drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang 16. Dort steht immer noch der FSV Frankfurt (29 Punkte), der trotz Führung 1:2 (0:0) bei Arminia Bielefeld verlor. Die Hessen haben nun Koblenz wieder im Nacken - die Mannschaft von Trainer Petrik Sander gewann 2:1 (0:1) gegen den SC Paderborn und hat nun 27 Zähler auf dem Konto. Abgeschlagen ist hingegen Rot Weiss Ahlen (21) auf dem letzten Rang nach einem 0:1 am Samstag gegen den MSV Duisburg. Aufsteiger Union Berlin und der Karlsruher SC hatten sich 1:1 getrennt. Erik Jendrisek (29.) brachte Kaiserslautern mit seinem 14. Saisontor in Führung. Doch Moritz Stoppelkamp (61.) mit seinem neunten Treffer in der laufenden Spielzeit und RWO-Kapitän Markus Kaya (76.) mit einem verwandelten Foulelfmeter sorgten für die Wende zugunsten der Gastgeber. Vor 10.080 Zuschauern in Oberhausen blieb der FCK weit unter seinen Möglichkeiten. Zwar waren die Roten Teufel die spielerisch bessere Mannschaft, kamen aber kaum zu Chancen und wurden am Ende bestraft. Torjäger Michael Thurk bewahrte Augsburg vor dem zweiten schweren Rückschlag im Aufstiegskampf. Der 33-Jährige erzielte mit seinem 22. Saisontor den Treffer zum glücklichen Ausgleich gegen die SpVgg Greuther Fürth. Neben Thurk verhinderte auch Torwart Simon Jentzsch eine Woche nach dem 0:4 in Aachen eine weitere Niederlage, als er in der 82. Minute einen Foulelfmeter von Sami Allagui parierte. Augsburg spielte nach einer Gelb-Roten Karte gegen den Fürther Marino Biliskov (44., wiederholtes Foulspiel) sogar eine Halbzeit lang in Überzahl. | Torjäger Michael Thurk bewahrt Augsburg vor Rückschlag im Aufstiegskampf, 1860 München verliert gegen Cottbus, Oberhausen bezwingt Spitzenreiter Kaiserlautern überraschend.Die Zweite Liga. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/zweite-bundesliga-thurk-rettet-einen-punkt-1.17274 | Zweite Bundesliga - Thurk rettet einen Punkt | 00/04/2010 |
Im Erdgeschoss der Arena beklagte der ernüchterte Schalker Trainer Felix Magath gerade, seine Mannschaft sei einfach "zu ängstlich und zu vorsichtig" aufgetreten und dürfe sich über diese Niederlage und den Verlust der Tabellenführung mitnichten beschweren, da sprach im selben Augenblick im Untergeschoss des Stadions der Präsident des FC Bayern München vor den drängelnden Kameras in einen bunten Strauß aus Mikrofonen einen Satz, den zu sagen er womöglich schon seit ein paar Wochen geträumt hatte. "Es tut mir ja leid für alle anderen", protzte Uli Hoeneß im Souterrain der Schalker Festung, "aber wenn man ehrlich ist, muss man sagen, Bayern München ist mit Abstand die beste deutsche Mannschaft." Das klang, als seien an diesem 29. Spieltag alle Ziele des FC Hollywood bereits erfüllt, als seien auf den drei Hochzeiten Meisterschaft, Pokal und Champions League die finalen Ja-Worte bereits gesprochen, dabei stehen doch just diese endgültigen Glückszusagen noch aus. "Wir streiten noch in allen drei Wettbewerben, das ist unglaublich", beweihräucherte seine Mannschaft ein paar Meter weiter der niederländische Bayern-Trainer Louis van Gaal mit unfreiwillig martialischem Vokabular, dabei sind mit der Tabellenführung in der Bundesliga nach dem umjubelten 2:1-Sieg im Spitzenspiel beim FC Schalke 04, mit dem Einzug ins Pokalfinale gegen Werder Bremen sowie mit der Anreise zum Viertelfinal-Rückspiel am kommenden Mittwoch bei Manchester United mit einem 2:1-Hinspielsieg im Gepäck allenfalls die Bedingungen für große Momente geschaffen - gewonnen ist damit noch gar nichts. Uli Hoeneß war darum mit seiner absolutistischen Provokation noch etwas voreilig. Die jüngsten, sehr respektablen Leistungen beim 2:1 gegen Manchester sowie beim gleichlautenden 2:1 auf Schalke hatten alle Gefühle von Demut aus den Münchener Köpfen herausgelöscht. "Wir haben jetzt Rückenwind für das Spiel am Mittwoch", sagte Hoeneß, und man darf gespannt seine auf seine Einschätzung über die kontinentale, globale und interstellare Rolle des FC Bayern, wenn die Münchener Mitte der Woche tatsächlich ins Halbfinale der Champions League einziehen sollten. Während die Einschätzung der verdientermaßen besiegten Schalker und ihres Mittelfeldspielers Alexander Baumjohann ("es gab doch bloß drei Chancen in diesem Spiel") verständlicherweise deutlich nüchterner ausfiel als im extrovertierten Pathos der Münchener, lobte der Bayern-Jungstar Thomas Müller die auf Schalke zu vorgerückter Spielzeit demonstrierte Betonabwehr seiner Münchener Elf als richtungsweisend auch für das als äußerst schwer erwartete Rückspiel bei Manchester United am Mittwoch. | Die jüngsten, respektablen Leistungen beim 2:1 gegen Manchester sowie beim 2:1 auf Schalke haben alle Gefühle von Demut aus den Münchener Köpfen gelöscht. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-schalke-04-fc-bayern-es-ist-unglaublich-1.4328 | "Bundesliga: Schalke 04 - FC Bayern - ""Es ist unglaublich!""" | 00/04/2010 |
David Haye verteidigt seinen Titel gegen John Ruiz - und ist nach der überzeugenden Leistung der einzige ernsthafte Konkurrent für die Klitschkos. Es hatte etwas Komödiantisches, was David Haye und Adam Booth da vor der siebten Runde veranstalteten. Haye hatte seinen Gegner John Ruiz beim Kampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht gerade zum dritten Mal niedergeschlagen, nun saß er in der Ringecke und wartete auf die Instruktionen seines Trainers. "Ich will, dass Du den Kampf jetzt beendest", sagte Booth. Haye lächelte und nickte. Sein Trainer sah ihn ernst an und fragte: "Und wie willst Du das machen?" Die Antwort: "Mit einer schönen Kombination." Dann stand der britische Boxer auf und schlug die angekündigte Kombination. Die Begegnung konnte er in dieser Runde indes nicht beenden, erst während des neunten Durchgangs warf der Trainer von John Ruiz das Handtuch. Am Nachmittag noch hatte Haye das Fußballspiel zwischen Manchester United und dem FC Chelsea besucht und den Zuschauern seinen WM-Gürtel des Verbandes WBA präsentiert. Dann fuhr er hinüber zur MEN-Arena, wo 20.000 Menschen darauf warteten, dass der Brite zum ersten Mal seinen Titel im Schwergewicht verteidigen würde. Beim Marsch zum Ring trug Haye keinen Mantel mit überdimensionalem Logo eines Sponsors, sondern ein weißes T-Shirt - freundlich winkte er dem Publikum zu. Auf dem Bildschirm wurde sein neuer Spitzname - eigentlich nennt er sich "Hayemaker" - eingeblendet: "Lord of the ring" - der Herr des Rings. "Ich glaube, den Zuschauern hat der Kampf heute gefallen", sagte Haye nach dem Kampf. "Es hat unglaublich Spaß gemacht, vor so einer beeindruckenden Kulisse zu kämpfen. Ruiz hat tolle Moral bewiesen und ist immer wieder aufgestanden - er hat wirklich eine Menge einstecken müssen. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung." Vier Mal ging Ruiz zu Boden, ehe sein Trainer ihn am Ende der neunten Runde erlöste. Dabei begann der 38-jährige Herausforderer Ruiz offensiv und beweglich, immer wieder marschierte er nach vorne, um Haye unter Druck zu setzen. Doch Haye bewies wie schon bei seinem Sieg gegen Nikolaij Walujew im November vergangenen Jahres, dass er zu den wohl schnellsten und variabelsten Boxern im Schwergewicht gehört. Haye tänzelte, wackelte mit dem Oberkörper - und wenn er unter Druck stand, dann duckte er sich schnell weg, wich kurz zurück und überraschte seinen Gegner mit variablen Kombinationen. Das gelang ihm bereits nach einer Minute, als er Ruiz mit einer Links-Rechts-Kombination zu Boden schickte. Anders als viele andere Schwergewichtler setzte der Brite nach, ihm gelang sogleich ein zweiter Niederschlag - bei dem ihm allerdings wegen eines Schlages auf den Hinterkopf ein Punkt abgezogen wurde. Nach der dritten Runde war Ruiz´ Gesicht bereits gezeichnet, dennoch unterstrich der Amerikaner seine Nehmerfähigkeiten und konnte auch Treffer gegen Haye setzen, der mit zunehmender Dauer fast ohne Deckung agierte. In der fünften Runde jedoch gelang Haye eine weitere schöne Kombination, nach einer rechten Gerade musste Ruiz erneut auf die Knie. "Das war eine starke Leistung von David", sagte Trainer Booth nach dem Kampf. "Er hat variabel geboxt und einen zähen Gegner immer wieder vor Probleme gestellt." Auch die siebte und achte Runde überstand Ruiz trotz harter Treffer, ehe sein Trainer nach zwei Minuten in der neunten Runde das Handtuch warf. "Heute war nicht mein Tag", sagte Ruiz nach der Begegnung. "David Haye ist sehr stark und hat verdient gewonnen. Ich muss nun schauen, wie es weitergeht." Interessanter ist indes, wie es mit David Haye weitergeht. Nach dem Sieg gegen den Pflicht-Herausforderer Ruiz ist er nun zunächst einmal frei von Verbandszwängen, möglich sind nun ein Kampf gegen Ruslan Chagaev, ein Rematch gegen Nikolaij Walujew - oder eine Titelvereinigung gegen einen der Klitschkos. "Wir werden nun erst einmal zu Ruhe kommen und dann nach ein paar Tagen zusammen mit unserem Partner Sauerland Event die möglichen Optionen durchsprechen", sagte Adam Booth. Dann feixte seinem Schützling David Haye. Diesmal ging es nicht um die Art des Niederschlags - sondern darum, wer die letzte Flasche Wasser bekommt. | David Haye verteidigt seinen Titel gegen John Ruiz - und ist nach der überzeugenden Leistung der einzige ernsthafte Konkurrent für die Klitschkos. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/boxen-david-haye-der-herr-des-rings-1.9330 | Boxen: David Haye - Der Herr des Rings | 00/04/2010 |
183.600 Sekunden dauert eine Bundesliga-Saison, wenn jedes Spiel nach 90 Minuten abgepfiffen wird. In dieser Zeit entscheidet sich, wer Deutscher Meister wird und wer absteigen muss. In dieser Spielzeit indes könnten ganze 70 Sekunden prägend für die Vergabe des Titels sein. In dieser kurzen Zeitspanne überschritt der Ball zwei Mal die Torlinie von Schalke 04, Franck Ribéry und Thomas Müller hatten den FC Bayern mit 2:0 in Führung gebracht - und weil Kevin Kuranyi lediglich der Anschlusstreffer gelang, gewannen die Münchener diese Partie und rückten wieder auf Platz eins in der Tabelle vor. Es war viel diskutiert worden vor dieser Partie: über den Rasen im Schalker Stadion (sehr schlecht), über die taktische Ausrichtung der Schalker (sehr defensiv), über die Form des Stürmers Kevin Kuranyi (sehr gut), über die Gesundheit von Arjen Robben (nicht gut genug) und über die Breite der Brust beider Mannschaften (extrem breit nach Siegen gegen Leverkusen respektive Manchester) - und darüber, wie wichtig das Spiel für den Ausgang der Meisterschaft sei. "Die Meisterschaft ist noch weit weg, da wird dieses eine Spiel keine Entscheidung bringen", hatte Felix Magath gesagt. Louis van Gaal hatte ergänzt: "Ob es eine Entscheidung gibt, hängt vom Ergebnis ab. Wenn wir gewinnen, ist die Meisterschaft nicht entschieden." Van Gaal musste nicht nur Robben in München lassen - für ihn agierte wie schon gegen Manchester United Hamit Altintop auf der rechten Seite -, er setzte auch Martin Demichelis (Erkältung), Miroslav Klose (Formkrise) und Mario Gomez (noch nicht fit genug) zunächst auf die Bank. Holger Badstuber begann in der Innenverteidigung, Ivica Olic und Thomas Müller im Sturm. Magath dagegen konnte zu Beginn jene Elf aufs Feld schicken, die vor einer Woche 2:0 in Leverkusen gewonnen hatte. In den ersten 25 Minuten entwickelte sich die Partie, die viele Experten prognostiziert hatten. Der FC Bayern übte sich in sicherem Passspiel und ließ die Angriffe - nachdem jeder Defensivspieler den Ball einmal berührt hatte - von Franck Ribéry inszenieren. Schalke 04 dagegen vertraute jener Spielweise, auf die der englische Fußball Plagiatsansprüche anmelden könnte. Nach Ballgewinn wurde das Spielfeld schnell und meist mit einem langen Pass auf Kuranyi oder Edu überbrückt, die Mittelfeldspieler eilten sogleich hinterher. Es war eine interessante und flott geführte Partie, Torgelegenheiten waren zunächst nur selten zu bestaunen. Dann kamen jene 70 Sekunden, die dieser Partie zusätzlichen Schwung verleihen sollten - und in denen der FC Bayern agierte wie gewöhnlich Schalke 04. Beim 0:1 gab es nach einem kurz ausgeführten Eckball einen langen Pass auf Bastian Schweinsteiger, der per Kopf ablegte auf Ribéry. Der durfte sich kurz verwundert die Augen reiben, dass er ohne Gegenspieler im Strafraum den Ball bekam, ehe er den Ball ins Tor schoss. Direkt nach dem Anstoß kam der Ball zum Schalker Rafinha. Altintop stibitzte das Spielgerät und legte es schnell auf Ivica Olic. Der fand sich allein vor Manuel Neuer wieder und passte uneigennützig zu Thomas Müller, der ins leere Tor einschieben konnte. Schalke 04 verfiel nach diesen Treffern nicht in jene Schockstarre, die so ein Doppelschlag gemeinhin hervorruft. Schnell kombinierte sich die Elf von Magath nach vorne und provozierte zahlreiche Gelegenheiten und Fouls. Eine dieser Torchancen nutzte Kevin Kuranyi in der 31. Spielminute, als er eine Flanke von Rafinha in Rücklage ins lange Eck köpfte. Und da Altintop an zu vielen Fouls der Münchener direkt beteiligt war, wurde er von Schiedrichter Manuel Gräfe kurz vor der Pause vom Platz gestellt. Magath reagierte auf diese Hinausstellung sogleich und brachte Offensivspieler Alexander Baumjohann für den defensiven Joel Matip. | Der FC Bayern gewinnt das Spitzenspiel in Schalke durch zwei Tore innerhalb weniger Sekunden. Schalke 04 muss einsehen, dass die eindimensionalen Angriffe nicht ausreichen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-schalke-04-fc-bayern-70-sekunden-1.13611 | Bundesliga: Schalke 04 - FC Bayern - 70 Sekunden | 00/04/2010 |
Nach der Pleite in München verliert Manchester United auch das Spitzenspiel in der Premier League gegen Chelsea. Rooney wird schmerzlich vermisst, Ballack lange nur Ersatz. Vier Tage nach der 1:2-Niederlage in der Champions League bei Bayern München hat Manchester United auch im Kampf um die englische Fußball-Meisterschaft einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Der Titelverteidiger verlor das Spitzenspiel des 33. Spieltages am heimischen Old Trafford gegen den FC Chelsea mit 1:2 (0:1) und damit auch die Tabellenführung an seinen Bezwinger. Mit 74 Punkten führen die "Blues", bei denen der deutsche Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack in der 82. Minute für den Portugiesen Deco aufs Feld kam, fünf Spieltage vor dem Saisonschluss mit zwei Punkten vor ManU. Die Führung der Gäste erzielte vor mehr als 76.000 Zuschauern in der 20. Minute Joe Cole, der eine flache Hereingabe von Florent Malouda rücklings zum Tor mit der Hacke ins Netz beförderte. Nur neun Minuten nach seiner Einwechslung erhöhte der von Knieproblemenen genesene Didier Drogba in der 79. Minute auf 2:0, ehe der Italiener Federico Macheda zwei Minuten später mit dem ManUnited-Ehrentreffer für den Endstand sorgte. Chelsea, das in Manchester auf Michael Essien, Ashley Cole, Ricardo Carvalho, Jose Bosingwa und Branislav Ivanovic verzichten musste, darf nunmehr verstärkt von seiner vierten Meisterschaft der Klubgeschichte träumen. Es wäre die erste seit 2006. Chelseas italienischer Teammanager Carlos Ancelotti hatte schon vor der Begegnung prophezeit, dass Manchester United den Ausfall seines Starstürmers Wayne Rooney nicht kompensieren könne. Der englische Nationalspieler, der in dieser Saison bereits 34-mal traf, hatte sich im Spiel in München eine Knöchelverletzung zugezogen und wird noch rund zwei bis drei Wochen ausfallen. Ancelotti sollte mit seiner Prognose Recht behalten. Dem letztjährigen Champions-League-Finalisten Manchester fehlte im Angriff die Durchschlagskraft, die zündende Idee. Die hatte auch Rooney-Ersatz Dimitar Berbatow nicht. Der Ex-Leverkusener, der am vergangenen Wochenende beim 4:0 von Manu bei den Bolton Wanderers noch zweimal getroffen hatte, blieb über weite Strecken blass, verfehlte allerdings in der 60. Minute bei seiner wohl besten Chance per Kopf das Tor nur knapp. | Nach der Pleite in München verliert Manchester United auch das Spitzenspiel in der Premier League gegen Chelsea. Rooney wird schmerzlich vermisst, Ballack lange nur Ersatz. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/premier-league-manchester-laesst-nach-1.12542 | Premier League - Manchester lässt nach | 00/04/2010 |
SZ: Herr Kahn, Sie haben vor Ihrem Abschiedsspiel im August 2008 gesagt: Ich freue mich auf die Zeit ohne Fußball. Sie sagten aber auch: Ich fürchte mich ein wenig vor dem großen Loch, in das man fallen könnte. Sind Sie gefallen? Kahn: Ich hatte zum Glück keine Phase, in der ich orientierungslos durch die Weltgeschichte geirrt bin. Ich habe mir nach und nach neue Aufgaben gesucht. SZ: Wie geht es Ihrem Körper? Gewicht okay? Kahn: Das ist schon eine große Umstellung. Wenn der Körper 30 Jahre Sportplatz gewohnt war, dann fällt es natürlich schwer, plötzlich wieder am Schreibtisch zu sitzen. Wenn du ein bisschen zu viel isst - zack, ist das Gewicht drauf. Das geht ruckzuck. Aber wenn ich unruhig werde, dann gehe ich laufen, in den Kraftraum oder Golfspielen. SZ: Sie haben schon in Ihrer aktiven Zeit von der Angst vor der Leere nach der Karriere geredet. Sie haben sich früh mit diesem Thema befasst - um gut vorbereitet zu sein, wenn es so weit ist? Kahn: Ich habe mich bewusst früh damit auseinandergesetzt. Ich hab' ja auch zu denen gehört, die im Bus gerne mal ein Buch gelesen haben. Manchmal haben mich die anderen blöd angemacht und gesagt: Mensch, Olli, was ist los, willst du nicht lieber mit uns Karten spielen? Ich hab' dann immer gesagt: Ach, macht ihr das mal. Denn für mich war klar: Wenn du auf absolut nichts vorbereitet bist, stehst du nach der Karriere am Nullpunkt. Du hast vielleicht finanziell ausgesorgt - aber keine wirklich vernünftige Perspektive oder Aufgabe. SZ: Am Wochenende spielt der FC Bayern gegen Schalke. Interessiert Sie das? Kahn: Natürlich, nach wie vor. Aber ich muss nicht mehr jeden Samstag um 15.30 Uhr den Fernseher anmachen. SZ: Viele hatten erwartet, Sie würden Ihren großen Namen nutzen, um sofort irgendwo Manager zu werden, bei den Bayern, Schalke oder anderswo. Ist so ein Posten für Sie immer noch eine Option? Kahn: Eine Zukunft als Trainer oder Sportdirektor kann ich mir im Moment nicht vorstellen. Erstens habe ich geschäftlich genug zu tun. Zweitens finde ich es besser, Dinge langsam anzugehen. Ich befinde mich derzeit sozusagen wieder in einer Ausbildungsphase, um mich für die Zukunft vorzubereiten. Man sieht ja bei Markus Babbel (ehemaliger Trainer des VfB Stuttgart, d. Red.), dass du in dieser Branche schnell einen neuen Job hast - aber unter Umständen diesen Job auch schnell wieder verlierst. SZ: Der DFB verlangt neuerdings eine umfassende theoretische und praktische Trainerausbildung. Reicht es nicht, ein Spitzenfußballer gewesen zu sein? Kahn: Ausbildung ist die Grundlage. Ein Ex-Sportler muss verstehen, dass er sich nach der Karriere für alte Verdienste nichts mehr kaufen kann. Es sei denn, man legt Wert darauf, dass einem die Leute auf die Schulter klopfen und sagen: Du warst aber mal ein toller Hecht! SZ: Sie werden in der Branche einem DFB-Schattenkabinett zugeordnet - als möglicher neuer Nationalelf-Manager bei einem Bundestrainer Matthias Sammer. Hat das Gerücht Substanz? Kahn: Wie erwähnt, befinde ich mich derzeit in der Ausbildungsphase und die wird meines Erachtens bis Mitte 2012 andauern. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. SZ: Sie haben Ihre ganze Karriere lang den Druck geliebt. Ist das nicht auch eine Art Druck: sich in einem neuen Leben zurechtzufinden, in dem man nicht mehr automatisch der Held ist? Kahn: Man braucht wieder eine gewisse Demut. Natürlich kann man sagen: Okay, ich war ein guter Torwart - nur: Wofür qualifiziert mich das in Zukunft? Es geht doch darum, dass man seine Heritage in vernünftige Art und Weise für die Zukunft nutzt. Aber das ist natürlich kein Druck, der mit dem Druck eines Torwarts vergleichbar wäre. SZ: Der Selbstmord Ihres Torwartkollegen Robert Enke hat das Land geschockt. Wie gut kannten Sie ihn? Kahn: Seine konkreten Probleme kannte ich nicht, aber grundsätzlich kommen solche Themen für mich nicht überraschend. Egal, ob man sich Andre Agassi anschaut oder Tiger Woods, eines ist bei Menschen in Hochleistungsbereichen weit verbreitet: die Anfälligkeit für psychische Störungen. Dass Menschen, die sich in extremen Sphären bewegen, unter Ängsten, Depressionen oder Ähnlichem leiden, ist für mich nicht neu. Überrascht hat mich nur, dass Robert sich in dieser Thematik nicht geöffnet und offenbar keinen Ausweg mehr gesehen hat. SZ: Verstehen Sie, dass er Angst hatte, dass seine Krankheit bekannt wird? Kahn: Depressionen sollen ja inzwischen die häufigste Zivilisationskrankheit sein, noch vor Rückenbeschwerden. Das ist das Tragische an Roberts Schicksal: dass er eine so weitverbreitete Krankheit so extrem unterdrückt hat. Da wird der Druck auf einen selbst immer größer. SZ: Ist der Druck im Fußball zu groß? Lesen Sie weiter auf Seite 2 | Oliver Kahn über sein Lebensthema Druck, Tiger Woods und die Hermetiker, Burn-out-Gefahr und Robert Enke. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/oliver-kahn-irgendwann-war-das-rad-ueberdreht-1.6882 | "Oliver Kahn - ""Irgendwann war das Rad überdreht""" | 00/04/2010 |
SZ: Herr Kahn, Sie haben vor Ihrem Abschiedsspiel im August 2008 gesagt: Ich freue mich auf die Zeit ohne Fußball. Sie sagten aber auch: Ich fürchte mich ein wenig vor dem großen Loch, in das man fallen könnte. Sind Sie gefallen? Kahn: Ich hatte zum Glück keine Phase, in der ich orientierungslos durch die Weltgeschichte geirrt bin. Ich habe mir nach und nach neue Aufgaben gesucht. SZ: Wie geht es Ihrem Körper? Gewicht okay? Kahn: Das ist schon eine große Umstellung. Wenn der Körper 30 Jahre Sportplatz gewohnt war, dann fällt es natürlich schwer, plötzlich wieder am Schreibtisch zu sitzen. Wenn du ein bisschen zu viel isst - zack, ist das Gewicht drauf. Das geht ruckzuck. Aber wenn ich unruhig werde, dann gehe ich laufen, in den Kraftraum oder Golfspielen. SZ: Sie haben schon in Ihrer aktiven Zeit von der Angst vor der Leere nach der Karriere geredet. Sie haben sich früh mit diesem Thema befasst - um gut vorbereitet zu sein, wenn es so weit ist? Kahn: Ich habe mich bewusst früh damit auseinandergesetzt. Ich hab' ja auch zu denen gehört, die im Bus gerne mal ein Buch gelesen haben. Manchmal haben mich die anderen blöd angemacht und gesagt: Mensch, Olli, was ist los, willst du nicht lieber mit uns Karten spielen? Ich hab' dann immer gesagt: Ach, macht ihr das mal. Denn für mich war klar: Wenn du auf absolut nichts vorbereitet bist, stehst du nach der Karriere am Nullpunkt. Du hast vielleicht finanziell ausgesorgt - aber keine wirklich vernünftige Perspektive oder Aufgabe. SZ: Am Wochenende spielt der FC Bayern gegen Schalke. Interessiert Sie das? Kahn: Natürlich, nach wie vor. Aber ich muss nicht mehr jeden Samstag um 15.30 Uhr den Fernseher anmachen. SZ: Viele hatten erwartet, Sie würden Ihren großen Namen nutzen, um sofort irgendwo Manager zu werden, bei den Bayern, Schalke oder anderswo. Ist so ein Posten für Sie immer noch eine Option? Kahn: Eine Zukunft als Trainer oder Sportdirektor kann ich mir im Moment nicht vorstellen. Erstens habe ich geschäftlich genug zu tun. Zweitens finde ich es besser, Dinge langsam anzugehen. Ich befinde mich derzeit sozusagen wieder in einer Ausbildungsphase, um mich für die Zukunft vorzubereiten. Man sieht ja bei Markus Babbel (ehemaliger Trainer des VfB Stuttgart, d. Red.), dass du in dieser Branche schnell einen neuen Job hast - aber unter Umständen diesen Job auch schnell wieder verlierst. SZ: Der DFB verlangt neuerdings eine umfassende theoretische und praktische Trainerausbildung. Reicht es nicht, ein Spitzenfußballer gewesen zu sein? Kahn: Ausbildung ist die Grundlage. Ein Ex-Sportler muss verstehen, dass er sich nach der Karriere für alte Verdienste nichts mehr kaufen kann. Es sei denn, man legt Wert darauf, dass einem die Leute auf die Schulter klopfen und sagen: Du warst aber mal ein toller Hecht! SZ: Sie werden in der Branche einem DFB-Schattenkabinett zugeordnet - als möglicher neuer Nationalelf-Manager bei einem Bundestrainer Matthias Sammer. Hat das Gerücht Substanz? Kahn: Wie erwähnt, befinde ich mich derzeit in der Ausbildungsphase und die wird meines Erachtens bis Mitte 2012 andauern. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. SZ: Sie haben Ihre ganze Karriere lang den Druck geliebt. Ist das nicht auch eine Art Druck: sich in einem neuen Leben zurechtzufinden, in dem man nicht mehr automatisch der Held ist? Kahn: Man braucht wieder eine gewisse Demut. Natürlich kann man sagen: Okay, ich war ein guter Torwart - nur: Wofür qualifiziert mich das in Zukunft? Es geht doch darum, dass man seine Heritage in vernünftige Art und Weise für die Zukunft nutzt. Aber das ist natürlich kein Druck, der mit dem Druck eines Torwarts vergleichbar wäre. SZ: Der Selbstmord Ihres Torwartkollegen Robert Enke hat das Land geschockt. Wie gut kannten Sie ihn? Kahn: Seine konkreten Probleme kannte ich nicht, aber grundsätzlich kommen solche Themen für mich nicht überraschend. Egal, ob man sich Andre Agassi anschaut oder Tiger Woods, eines ist bei Menschen in Hochleistungsbereichen weit verbreitet: die Anfälligkeit für psychische Störungen. Dass Menschen, die sich in extremen Sphären bewegen, unter Ängsten, Depressionen oder Ähnlichem leiden, ist für mich nicht neu. Überrascht hat mich nur, dass Robert sich in dieser Thematik nicht geöffnet und offenbar keinen Ausweg mehr gesehen hat. SZ: Verstehen Sie, dass er Angst hatte, dass seine Krankheit bekannt wird? Kahn: Depressionen sollen ja inzwischen die häufigste Zivilisationskrankheit sein, noch vor Rückenbeschwerden. Das ist das Tragische an Roberts Schicksal: dass er eine so weitverbreitete Krankheit so extrem unterdrückt hat. Da wird der Druck auf einen selbst immer größer. SZ: Ist der Druck im Fußball zu groß? Lesen Sie weiter auf Seite 2 | Oliver Kahn über sein Lebensthema Druck, Tiger Woods und die Hermetiker, Burn-out-Gefahr und Robert Enke. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/oliver-kahn-irgendwann-war-das-rad-ueberdreht-1.22343 | "Oliver Kahn - ""Irgendwann war das Rad überdreht""" | 00/04/2010 |
Topteams verspekulieren sich im Monsun-Chaos von Malaysia und starten am Sonntag weit hinten. Deutsche Fahrer belegen die Plätze zwei bis fünf. Ein offenbar ungenauer Wetterbericht hat Ferrari und McLaren beim Qualifikationstraining in Malaysia zu einer falschen Entscheidung bewogen. In der ersten Phase des Qualifyings warteten die Topteams einige Minuten, ehe sie auf die Strecke gingen; weil dann allerdings der Monsunregen über Sepang hereinbrach, fuhren die vier Favoriten weit hinterher. Fernando Alsonso (Ferrari, Startplatz 19), Lewis Hamilton (McLaren, Platz 20) und Felipe Massa (Ferrari, Platz 21) schieden aus, Weltmeister Jenson Button landete mit den falschen Reifen im Kiesbett, hatte sich aber immerhin auf Platz 17 gerettet. "Wir dachten es würde abtrocknen", erklärte Button. Es sei ein Fehler gewesen, so spät rauszufahren, "aber Ferrari scheint den gleichen Wetterbericht gehabt zu haben." Der ehemalige Weltmeister Alonso suchte die Schuld zumindest öffentlich nicht bei seinem Team: Man habe die Entscheidung gemeinsam getroffen, zunächst zu warten. Doch selbst bei Startplatz 19 bleibt der Spanier selbstbewusst, zu seinen Zielen für das Rennen am Sonntag sagte er: "Hoffentlich komme ich aufs Podium." Kritik gab es unter anderem von Ex-Teamchef Eddie Jordan. Bei BBC sagte er: "Für diese Strategie von Ferrari und McLaren gibt es keine Entschuldigung. Bei solchen Bedingungen musst du erstmal eine Sicherheitsrunde fahren." Besser machten es die deutschen Fahrer. Fünf kamen in die letzte Trainingsphase der besten Zehn, allein Virgin-Fahrer Timo Glock schied vorher als 16. aus. Beim morgigen Rennen besetzen die Deutschen nun die Startplätze zwei bis fünf: Nico Rosberg (Mercedes, 2.), Sebastian Vettel (Red Bull, 3.), Adrian Sutil (Force India, 4.) und Niko Hülkenberg (Williams, 5.). Michael Schumacher (Mercedes) fuhr die achtschnellste Zeit. "Ich bin schon ein wenig enttäuscht, weil mehr drin gewesen wäre", sagte der Rekordweltmeister, "aber wir haben alle Möglichkeiten, am Sonntag vorne dabei zu sein." Auf der Pole Position steht zum dritten Mal im dritten Saisonrennen ein Red-Bull-Fahrer. Nachdem es zweimal Vettel geschafft hatte, fuhr diesmal sein Teamkollege Mark Webber die schnellste Zeit. Der Australier ging im letzten Abschnitt auf volles Risiko und legte statt der Regenreifen die Intermediates auf, und weil die Strecke überraschend schnell in diesem Moment abtrocknete, lag Webber am Ende mehr als eine Sekunde vor der Konkurrenz. Bereits zu Beginn des Trainings flogen die Fahrer wegen des einsetzenden Regens reihenweise von der Strecke. "Es war totales Chaos, es ging drunter und drüber", kommentierte Nico Rosberg. Die letzte Trainingsphase musste sogar unterbrochen werden, weil zu viel Wasser auf der Strecke war. "Da schwimmt man eher als dass man fährt", meinte Vettel. Auch für das Rennen am Sonntag (10.00 Uhr MESZ) wird Regen vorausgesagt. Vor dem Malaysia-Grand-Prix führt Alonso die WM mit 37 Punkten vor Massa (33) an. Button (31) ist Dritter. Rosberg (20) liegt als bester Deutscher auf Rang fünf. Vettel (12) ist Siebter vor Schumacher (9). Grand Prix von Malaysia in Sepang: Qualifikation: 1. Mark Webber (Australien) Red Bull 1:49,327 Min. 2. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:50,673 3. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull 1:50,789 4. Adrian Sutil (Gräfelfing) Force India 1:50,914 5. Nico Hülkenberg (Emmerich) Williams 1:51,001 6. Robert Kubica (Polen) Renault 1:51,051 7. Rubens Barrichello (Brasilien) Williams 1:51,511 8. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes 1:51,717 9. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber 1:51,767 10. Vitantonio Liuzzi (Italien) Force India 1:52,254 11. Witali Petrow (Russland) Renault 1:48,760 12. Pedro de la Rosa (Spanien) Sauber 1:48,771 13. Sébastien Buemi (Schweiz) Toro Rosso 1:49,207 14. Jaime Alguersuari (Spanien) Toro Rosso 1:49,464 15. Heikki Kovalainen (Finnland) Lotus 1:52,270 16. Timo Glock (Wersau) Virgin 1:52,520 17. Jenson Button (England) McLaren-Mercedes ohne Zeit 18. Jarno Trulli (Italien) Lotus 1:52,884 19. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari 1:53,044 20. Lewis Hamilton (England) McLaren-Mercedes 1:53,050 21. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari 1:53,283 22. Karun Chandhok (Indien) Hispania 1:56,299 23. Bruno Senna (Brasilien) Hispania 1:57,269 24. Lucas di Grassi (Brasilien) Virgin 1:59,977 | Topteams verspekulieren sich im Monsun-Chaos von Malaysia und starten am Sonntag weit hinten. Deutsche Fahrer belegen die Plätze zwei bis fünf. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/formel-1-qualifying-debakel-fuer-ferrari-und-mclaren-1.10087 | Formel 1: Qualifying - Debakel für Ferrari und McLaren | 00/04/2010 |
Sebastian Vettel fährt zum ersten Mal in dieser Saison ein Rennen ohne technische Probleme - und gewinnt. Rosberg wird Dritter, Schumacher scheidet aus. Sebastian Vettel hat den Fehler-Teufel bezwungen und im dritten Anlauf seinen ersten Saisonsieg eingefahren. Mit dem souveränen Erfolg in Sepang katapultierte sich der Heppenheimer am Sonntag im Formel-1-Titelkampf weit nach vorn auf Rang drei. "Fantastischer Job", lobte der Red-Bull-Pilot via Boxenfunk sein Team. Nach zwei Defekten, die ihn in Bahrain und Melbourne noch scheinbar sichere Siege gekostet hatten, war der 22-Jährige diesmal nicht zu stoppen. Zweiter beim Großen Preis von Malaysia wurde Teamkollege Mark Webber vor Mercedes-Fahrer Nico Rosberg. Hinter dem Renault des Polen Robert Kubica holte sich der Gräfelfinger Adrian Sutil überraschend Platz fünf. Dagegen erlebte Rekord-Weltmeister Michael Schumacher mit dem frühen Aus in Runde zehn die nächste Enttäuschung. Der Kerpener verlor eine Radmutter und musste seinen Silberpfeil abstellen. "Wir hätten sicher gern noch mehr gezeigt. Aber diese Dinge gehören zum Motorsport", sagte der 41-Jährige. Nach drei Rennen liegt der Formel-1-Rückkehr mit neun Punkten in der Fahrer-Weltmeisterschaft weit zurück. Neuer WM-Spitzenreiter ist Ferrari-Pilot Felipe Massa. Der Brasilianer rettete sich als Siebter ins Ziel und hat nun 39 Punkte auf dem Konto. Sein zuvor in der Gesamtwertung führender Teamgefährte Fernando Alonso schied eine Runde vor Schluss mit einem kapitalen Motorschaden aus und ist nun punktgleich mit Vettel (beide 37) Zweiter. Hinter Titelverteidiger Jenson Button (35), der in Sepang Achter wurde, liegt der Wiesbadener Rosberg auf Rang fünf. Neuling Nico Hülkenberg (Emmerich) ergatterte im Williams als Zehnter den ersten Formel-1-Punkt seiner Karriere. Der Wersauer Timo Glock kam im Virgin dagegen auch im dritten Versuch nicht ins Ziel. Nach einer Kollision mit dem Lotus von Jarno Trulli war für ihn schon in der zweiten Runde Schluss. Vettel erwischte einen perfekten Start und schon sich von Rang drei sofort auf Rang eins. Weder Rosberg noch Teamkollege Webber, der in der chaotischen Qualifikation am Samstag mit einer riskanten Reifenwahl die Pole Position erobert hatte, konnten den Hessen aufhalten. Auch Schumacher konnte sich um zwei Ränge von acht auf sechs verbessern. Für mächtig Spektakel sorgte in den Anfangsrunden aber vor allem Lewis Hamilton, der sich schon eine Woche zuvor in Melbourne großartige Rad-an-Rad-Duelle mit der Konkurrenz geliefert hatte. Von Platz 20 stürmte der McLaren-Pilot durch das Feld und lag nach zehn Runden schon in den Punkterängen. Für ein Schlangenlinien-Manöver gegen den russischen Renault-Fahrer Witali Petrow wurde der Hitzkopf von der Rennleitung allerdings verwarnt. Am Ende wurde der Brite Sechster. Auch das Ferrari-Duo Alonso und Massa war nach der völlig verpatzten Qualifikation um Schadensbegrenzung bemüht und rettete sich bis zur Hälfte des Rennens zumindest in die Top Ten. Vettels Tempo an der Spitze aber konnte niemand mitgehen. Souverän dominierte der 22-Jährige das Rennen. Sein Kindheits-Idol Schumacher konnte sich Vettels Gala schon früh von der Boxenmauer anschauen. "In Kurve sechs wurde das Auto plötzlich sehr instabil und ließ sich kaum noch lenken. Nachdem ich ausgerollt bin, habe ich mir das angeschaut und festgestellt, dass ich ohne Radmutter unterwegs war. Die hat sich wohl verselbstständigt", sagte der Routinier nach seinem Ausfall lapidar. Erste Punkte für Sutil Auf dem Moped eines Streckenpostens trat der dreimalige Malaysia-Sieger den Rückweg ins Fahrerlager an. Wenig später erschien er zur ersten Fehler-Analyse am Kommandostand. In ersten Interviews hatte er bereits darauf verwiesen, dass ein ähnlicher Schaden Landsmann Vettel in Melbourne um den Sieg gebracht hatte. "Ich weiß nicht, ob da ein Zusammenhang besteht", sagte Schumacher. Teamgefährte Rosberg fuhr erneut ein starkes Rennen. Nach zwei fünften Plätzen zum Auftakt war er auch diesmal fast das komplette Wochenende schneller als Schumacher und wurde nach einer fehlerfreien Vorstellung mit Rang drei belohnt. Sutil verteidigte am Ende mutig seinen fünften Platz gegen Hamilton. Für den Force-India-Fahrer waren es die ersten WM-Punkte in diesem Jahr. Endstand nach 56 Runden: 1. Sebastian Vettel (Red Bull) 1 Stopp 2. Mark Webber (Red Bull) 1 3. Nico Rosberg (Mercedes) 1 4. Robert Kubica (Renault) 1 5. Adrian Sutil (Force India) 1 6. Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) 1 7. Felipe Massa (Ferrari) 1 8. Jenson Button (McLaren-Mercedes) 1 9. Jaime Alguersuari (Toro Rosso) 1 10. Nico Hülkenberg (Williams) 1 | Sebastian Vettel fährt zum ersten Mal in dieser Saison ein Rennen ohne technische Probleme - und gewinnt. Rosberg wird Dritter, Schumacher scheidet aus. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/formel-1-in-malaysia-fantastischer-job-1.8080 | "Formel 1 in Malaysia - ""Fantastischer Job""" | 00/04/2010 |
München - An seine erste Begegnung mit Felix Magath kann sich Louis van Gaal noch gut erinnern, Magath sei ein toller Spieler gewesen damals, vor 25 Jahren, "und der HSV war eine große Mannschaft, mit Magath, und rechts schlug Manfred Kaltz diese Flanken". Van Gaal war Kapitän von Sparta Rotterdam, und ein nicht allzu schneller Spielmacher, wie todesmutige Chronisten heute respektlos berichten, in jedem Fall nicht ganz so filigran wie der damalige HSV-Regisseur Magath. Doch im September 1985 triumphierte van Gaal in der ersten Uefa-Cup-Runde, im Rückspiel siegte Sparta 4:3 im Elfmeterschießen. "Ich habe meinen Penalty verwandelt", sagt van Gaal stolz, "hoch ins Kreuz". Wenn sich van Gaal und Magath an diesem Samstag wiedersehen, wird das kein Thema sein, denn es geht um mehr. Und zwar erneut um "Tod oder Gladiolen", wie der holländische Coach des FCBayern findet, um Tränen oder Blumen. In diese Redensart aus seiner Heimat hatte van Gaal seine deutschen Gastgeber erst kürzlich vor dem Cuphalbfinale der Münchner auf Schalke (1:0) eingeweiht, und es stimmt wohl: Auch an diesem 29. Spieltag steht so etwas wie ein Finale auf dem Spiel, denn verlöre Bayern, läge man bereits fünf Zähler hinter Magaths zähen Herausforderern. Eine erhebliche Hypothek bei nur noch fünf ausstehenden Partien, drei davon auswärts. Die Anspannung vor diesem ersten Saisonfinale ist van Gaal anzumerken, am Freitag etwa hat er all jene Meinungen barsch zurückgewiesen, die jüngst nach den Niederlagen in Frankfurt und gegen Stuttgart von einem allzu dünnen Kader kündeten. Denn nun haben Ergänzungsspieler wie Altintop und Pranjic beim erinnerungswürdigen Europacup-Abend gegen Manchester United (2:1) ihren Teil beigetragen zur guten Ausgangslage fürs Rückspiel am Mittwoch, so dass sich van Gaal mit verächtlichem Blick revanchieren kann. "Fakt ist, dass diese Spieler immer da waren, und wir in drei Wettbewerben oben stehen", zürnte er, "der Kader war nie knapp." Einzig für die Innenverteidigung lasse er Einwände gelten, "aber das liegt an meiner Ehrlichkeit". Er meint seine Zusage an den Brasilianer Breno, dem er im August eine Ausleihgeschäft zur Winterpause versprach. Solche Erklärungen in eigener Sache hat Magath auf Schalke nicht zu leisten, dort zählt ja allein das Wort des allmächtige Generalintendanten, der im Nebenjob trainiert. Eine solche Machtfülle findet van Gaal übrigens "das Beste", sofern es sich um einen guten Trainer handele, zu denen er Magath zählt. "Er bestimmt bei Schalke", sagt er mit Respekt vor dem nächsten Duell mit dem Schachspieler Magath, "er macht jedes Mal neue Aufstellungen und Taktiken, es ist schon wichtig für mich, wie er denkt." Aber das werde alles nichts helfen, da sind sich die Bayern sicher, auch wenn Magath in Gelsenkirchen mit neuem Anspruchsdenken auffällt und versicherte: "Ich bin überzeugt, dass wir gewinnen können." Sorry, entgegnet der Münchner Kollege, denn wenn es um sportlichen Tod oder Siegerkränze gehe, "haben wir bis jetzt jedes dieser Spiele gewonnen". Van Gaal erklärt, diese wundersame Kraft liege halt in der Natur eines Spitzenklubs: "Wir wollen alles gewinnen." Der Coup gegen United hat das Münchner Ego also aufgepumpt, "viel heißer" als auf das Rückspiel gegen ManU sei er, versichert auch Bastian Schweinsteiger, der nach der Gelbsperre in der Champions League zurückkehrt (auch Arjen Robben soll wieder zur Verfügung stehen). Sparta ist übrigens vor 25 Jahren nicht sehr weit gekommen mit Kapitän van Gaal, schon in Runde zwei war Schluss. Gegen Mönchengladbach, trainiert von einem Trainer namens Jupp Heynckes. Aber den trifft van Gaal erst nächste Woche, in Leverkusen. | Nach dem Coup in der Champions League gegen Manchester United reist der FC Bayern mit dem Selbstverständnis des Siegerteams zum Topspiel nach Schalke. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-schalke-bayern-traenen-oder-blumen-1.2663 | Bundesliga: Schalke - Bayern - Tränen oder Blumen | 00/04/2010 |
Als Werbegag wäre die Aktion ein Erfolg gewesen: minimaler Aufwand, ziemlich viel Wirbel. Seit Formel-1- Fahrer Lewis Hamilton vorvergangene Woche in Melbourne die Reifen seines Autos unmittelbar neben einer Polizeistreife durchdrehen ließ und die Beamten Mann und Wagen festsetzten, wissen fachkundige Beobachter, welches Gefährt der bisher jüngste Weltmeister privat bewegt: ein schnelles der deutschen Marke, die sich mit einem Stern ziert. Das Tempolimit von 100 km/h, das im Bundesstaat Victoria gilt, ist schnell erreicht, wenn man die Kraft von 500 Pferden unter der Haube hat, das hat auch Ferrari-Fahrer Fernando Alonso erlebt. Vom Spanier kursiert ein Filmchen im Internet, das ihn beim fröhlichen Temposündigen zeigt. Was er dazu sagt? "Das Internet ist manchmal eine sehr schlechte Sache." Formel-1-Fahrer und Verkehrsregeln - da prallen Extreme aufeinander. Wer bei seinem Sport stets ans Maximum getrieben wird, hat offenbar Mühe, Limits zu akzeptieren. Der Kolumbianer Juan Pablo Montoya wurde einst auf einer Autobahn mit 238 km/h erwischt, auf der 130 erlaubt waren. Kimi Räikkönen fiel in Finnland einmal mit einem Anhänger im Schlepp auf, obwohl ihm dafür der Führerschein fehlte. Weil sich die Strafzettel in dem Land nach dem Einkommen richten, war das ein teurer Spaß. Mit derlei Verfehlungen soll jetzt Schluss sein. Jean Todt, der neue Präsident des Automobilweltverbandes, der auch die Formel 1 dirigiert, hat die Aktion "Make roads safe" gestartet. Und zu sicheren Straßen gehört offenbar, die Helden der Rennstrecke dort in Fesseln zu schlagen. Todt plant eine Benimm-Fibel für Rennfahrer, in der steht, was sich gehört. Vor allem aber: was sich nicht gehört. In der Szene hat das für Kopfschütteln gesorgt. Ein erhobener Zeigefinger gegen 24 Gasfüße - auf den ersten Blick ist klar, wie diese Machtprobe ausgeht. Aber den 64-Jährigen sollte niemand unterschätzen. Todt hegt Ambitionen in seinem Amt, und er hat ein sehr persönliches Motiv, den Rowdys ihre Flausen auszutreiben. In den Neunzigern war er Teamchef bei Ferrari, und kaum war er das geworden, hatten die von ihm eingestellten Piloten Jean Alesi und Gerhard Berger seinen privaten Lancia, den sie sich ungefragt geliehen hatten, auf dem kurzen Weg zwischen der Fabrik und der Teststrecke zerstört. Alessi hatte etwas zu viel Gas geben, Berger gleichzeitig ein bisschen zu stark an der Handbremse gezogen. Daraufhin überschlug sich das Auto. So schnell kann's gehen. | Hamilton, Alonso, Montoya: Rennfahrer und Verkehrsregeln - da prallen Extreme aufeinander. Eine Benimmfibel soll sie nun bremsen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/formel-1-ein-zeigefinger-gegen-24-gasfuesse-1.8718 | Ein Zeigefinger gegen 24 Gasfüße | 00/04/2010 |
Michael Schumacher war erstmals seit seinem Comeback wieder spitze. Der Rekord-Weltmeister führte im zweiten Training zum Großen Preis von Malaysia 40 Sekunden lang das Klassement an. Am Ende musste sich der Routinier aber in beiden Einheiten seinem Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg geschlagen geben. "Ich bin insgesamt zufrieden", sagte Schumacher. Sebastian Vettel belegte bei drückender Schwüle in Sepang als schnellster deutscher Formel-1-Vertreter den zweiten Platz; Rosberg hatte diese Position am Vormittag erreicht. "Wir sind noch nicht ganz da, wo wir sein wollen", sagte Red-Bull-Pilot Vettel kritisch angesichts des Rückstands auf Lewis Hamilton. Der Ex-Champion fuhr zweimal allen davon. Hamilton fuhr am Nachmittag in 1:34,175 Minuten die schnellste Tagesrunde auf dem 5,543 Kilometer langen Sepang International Circuit und verbesserte dabei seine Vormittagszeit deutlich. Gut unterwegs war erneut Adrian Sutil. Der Force-India-Pilot aus Gräfelfing belegte die Plätze sieben und zehn. Neuling Nico Hülkenberg (Emmerich) bewies im Williams-Cosworth als zweimaliger 17. Konstanz. Timo Glock (Wersau) wurde im Virgin 20. und 21. Aufatmen in England: Stürmerstar Wayne Rooney von Manchester United wird nach Aussage von Teammanager Alex Ferguson in zwei bis drei Wochen wieder einsatzfähig sein. "Die Nation kann aufatmen, und wir sind erleichtert. Es hätte schlimmer kommen können. Es liegt weder eine Knochen-, noch eine schwerwiegende Bänderverletzung vor. Die Nation kann aufhören zu beten", sagte Sir Alex. ManU wird auf Rooney, der bislang in der laufenden Saison 26 Treffer in der Premier League und 34 in allen Wettbewerben erzielt hat, auf jeden Fall am Samstag im Spitzenspiel gegen Verfolger FC Chelsea und am Mittwoch im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Bayern München (20.45 Uhr) fehlen. Der 24 Jahre alte Stürmer hatte sich im Hinspiel in München, in dem er Manchester nach 64 Sekunden in Führung brachte, lediglich eine "leichte" Bänderverletzung zugezogen. Die Nachricht wird auch Englands Teammanager Fabio Capello freuen, für den Rooney bei der WM-Endrunde in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) nicht zu ersetzen wäre. Die WM-Chancen von Sami Khedira sind weiter gestiegen. "Er hat deutlich weniger Schmerzen als befürchtet. Er könnte schon in zehn Tagen wieder ein Thema für uns sein", sagte sein Vereinstrainer Christian Gross vom VfB Stuttgart am Freitag. Khedira hatte sich beim 2:1-Sieg des Fußball-Bundesligisten bei Bayern München einen Anriss des Kreuz- und Innenbandes zugezogen. Nach Angaben von Gross absolviert der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler zurzeit "Zusatzschichten" mit einer Spezialschiene. "Er ist ehrgeizig genug, aber auch nicht zu ehrgeizig", sagte sein Trainer. Auch Mannschaftsarzt Raymond Best hatte nach einer Kernspintomographie am Sonntag die Hoffnung geäußert, "dass Sami im Optimalfall schon in drei bis vier Wochen wieder voll belastbar ist". Um seine WM-Chancen zu wahren, hatte der Nationalspieler nach Rücksprache mit dem Verein auf eine Knieoperation verzichtet. Deutschland kommt Italien in der Fünfjahreswertung der Europäischen Fußball-Union immer näher. Nach den Viertelfinal-Hinspielen in Champions League und Europa League rückten die deutschen Teams bis auf 0,655 Punkte an die drittplatzierten Italiener heran. Sollte Deutschland noch in dieser Saison den Weltmeister überholen, könnte die Bundesliga ab der Saison 2011/2012 wieder vier Starter in der Königsklasse stellen. Nach den jüngsten Krawallen in den Bundesliga-Stadien denkt die Deutsche Fußball Liga (DFL) über eine Erhöhung der Anzahl der personengebundenen Eintrittskarten nach. "Über die Personalisierung von Tickets besonders in den Gästeblöcken müssen wir reden, obwohl wir sicher nicht 5000 bis 7000 anreisende Zuschauer mit solchen Karten ausstatten können", sagte der DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus dem Nachrichtenmagazin Focus. Nach Angaben von Helmut Spahn, dem Sicherheitschef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) werden diese Art von Eintrittskarten schon jetzt bei 15 bis 20 Risikospielen pro Saison verkauft. Polizisten berichteten dem Focus über eine Zunahme der Gewalt vor allem außerhalb der Stadien. Einem szenekundigen Beamten der Polizei Frankfurt zufolge beschimpfen 15- bis 20-Jährige im gesamten Rhein-Main-Gebiet verstärkt Polizisten oder werfen Steine. Michael Ballack hat sich für Teammanager Carlo Ancelotti beim FC Chelsea als Spaßverderber erwiesen. Der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft entlarvte den italienischen Übungsleiter beim Training der Blues am Donnerstag bei dem Versuch, seine Mannschaft in den April zu schicken. "Ich habe versucht, einen Scherz zu machen, aber die Spieler haben es gleich bemerkt. Ich sagte ihnen, dass ich eine doppelte Einheit ansetzen müsse, weil ich vor dem Spiel gegen Manchester United eine neue taktische Variante probieren wolle. Aber Michael Ballack drehte sich zu mir hin und meinte nur: 'Coach, es ist der 1. April'", berichtete Ancelotti von seinem missglückten April-Scherz. Das englische Boulevardblatt The Sun brachte Ballacks Enttarnung in Zusammenhang mit dem 2:1-Hinspielsieg des FC Bayern im Viertelfinale der Champions League gegen Manchester und schrieb: "United kann das ja durchaus bestätigen: Es sind immer die Deutschen, die einem den Spaß verderben." "Ich habe gewusst, was ich kann. Und was ich nicht konnte, habe ich weggelassen." (DFB-Nachwuchscoach Horst Hrubesch am Donnerstag in Köln bei der Verleihung des Trainerpreises zu seiner persönlichen Entwicklung) Erst verhalf Dirk Nowitzki den Dallas Mavericks zum 50. Saisonsieg, dann konnte der deutsche Basketball-Profi sein Team trotz einer starken Leistung nicht vor der Pleite im Top-Spiel der nordamerikanischen Profiliga NBA bewahren. Einen Tag nach dem 106:102-Erfolg bei den Memphis Grizzlies kassierten die Texaner am Donnerstag (Ortszeit) vor heimischer Kulisse eine 82:97-Schlappe gegen Orlando Magic und verloren den zweiten Tabellenplatz in der Western Conference an die Utah Jazz. Nowitzki war mit 24 Punkten einmal mehr bester Werfer seines Teams, stand über weite Strecken der Partie aber allein auf weiter Flur. Seine Kollegen aus der Startformation - Shawn Marion, Brendan Haywood, Caron Butler und Jason Kidd - kamen zusammen nur auf 20 Zähler. | Wayne Rooney weniger schlimm verletzt als gedacht, Schumacher kurzzeitig Spitze im Formel-1-Training, Michael Ballack vereitelt bei Chelsea einen April-Scherz. Sport kompakt | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-england-atmet-auf-1.22898 | Sport kompakt - England atmet auf | 00/04/2010 |
Abwehr sucht "Schleich"-Nachfolger, Mittelfeld ist talentiert aber jung, im Angriff droht der Halbzeitflüchtling: Einen Monat vor der Nominierung sind im WM-Kader noch einige Stellen offen. Seitdem Joachim Löw bei der Nationalmannschaft ist, hat die Kadervorstellung vor einem großen Turnier immer etwas von Weihnachten: Was wird da wohl drin sein in den Paketen? Im Mai 2006 (Löw war noch Ko-Trainer) lugte vor der Heim-WM aus einem die zuvor kaum bekannte Rennmaus David Odonkor heraus, 2008 (Löw inzwischen Bundestrainer) wunderten sich die zur EM-Kader-Präsentation auf die Zugspitze gefahrenen Gäste über den Zweitligaspieler Marko Marin. Nur noch ein Monat, dann darf der Bundestrainer Löw die Nation wieder überraschen. Am 6. Mai wird er im Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum die möglichen Südafrika-Fahrer benennen (den endgültigen Kader will die Fifa bis zum 5. Juni wissen), und so wie es momentan aussieht, muss die Fußballnation hoffen, dass Löw noch ein paar Spieler entdeckt, mit denen derzeit keiner rechnet. Denn von den einst sicheren Kandidaten fallen nun schon so viele aus oder spielen derart unter Form, dass der Fußballnation durchaus mulmig werden könnte beim Gedanken an die WM. Lesen Sie auf den folgenden Seiten eine Bestandsaufnahme des DFB-WM-Kaders einen Monat vor dessen Nominierung. | Abwehr sucht "Schleich"-Nachfolger, Mittelfeld ist talentiert aber jung, im Angriff droht der Halbzeitflüchtling: Einen Monat vor der Nominierung sind im WM-Kader noch einige Stellen offen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/wm-2010-deutscher-kader-baustellen-ueberall-1.11667 | WM 2010: Deutscher Kader - Baustellen überall | 00/04/2010 |
Noch ein Sieg und der Brite David Haye will sich mit den Klitschko-Brüdern messen. Dann könnte das Schwergewichts-Boxen endlich wieder spannend werden. Wer David Haye nur aus den Medien kennt, der kommt nicht umhin, den britischen Boxweltmeister für einen ungehobelten und arroganten Idioten zu halten. Vor einem Jahr ließ er sich ablichten mit einem T-Shirt, das mit den abgetrennten Köpfen der Gebrüder Klitschko bedruckt war. Vor laufenden Kameras zerriss er einen Vertrag, der ihm einen WM-Kampf gegen Witali zugesichert hätte und sagte: "Da waren nur Klauseln drin. Rückkampf, dann gegen Wladimir, dann gegen Onkel und Tanten. Am Ende hätte ich sogar ihre Kühe gemolken." Seinen Gegner im vergangenen November, Nikolaj Walujew, bezeichnete er als "hässlichsten Menschen weltweit". Trifft man den Weltmeister im Schwergewicht persönlich, dann bietet sich ein komplett anderes Bild - als hätte er seinen netten Zwillingsbruder geschickt. Ein schüchterner Mann sitzt einem gegenüber, die langen Haare sind zu feinen Cornrows geflochten, dem Bart ist stundenlange Pflege anzusehen. Er spricht leise und mit einem Akzent, der eher einem Professor in Oxford zuzuordnen wäre denn einem Boxer. "Ich habe noch einen weiten Weg vor mir, bevor ich mich einen großen Champion nennen darf", sagt er, obwohl er seit seinem Sieg gegen Walujew Weltmeister des Verbandes WBA ist. Die Richtung des Weges ist bekannt: Haye will einen Vereinigungskampf gegen Witali Klitschko, am besten im Wembley-Stadion. Ein Kampf zwischen Haye und einem der Klitschkos, die alle anderen wichtigen Schwergewichts-Titel auf sich vereinen, scheint allein deshalb unvermeidlich, weil es doch ein wenig langweilig geworden ist im Schwergewicht. Gab es vor 15 Jahren mit Evander Holyfield, Mike Tyson, Lennox Lewis, Riddick Bowe und George Foreman eine Reihe formidabler und vor allem publikumsträchtiger Kämpfer, reduziert sich die Riege nun auf Haye und die Klitschkos. Nikolaj Waluew, Ruslan Chagaev und Alexander Povetkin sind allesamt talentierte Boxer, doch traut ihnen kaum jemand zu, das Schwergewicht zu dominieren. Zudem sind sie aufgrund ihres Temperaments und ihres Boxstils kaum in der Lage, große Stadien zu füllen und Einschaltquoten zu generieren. Haye ist anders, sowohl boxerisch als auch bei der Vermarktung. Nur zu gern stilisiert er sich als Antithese zu den Klitschkos und lässt sich als Feindbild der Ukrainer vermarkten. Erst vor einem Jahr war er vom Cruisergewicht aufgestiegen, um sofort gegen die Schwergewichtler zu ätzen: "Die Boxer, die diese Gewichtsklasse in den vergangenen Jahren dominierten, sind viel langsamer und behäbiger, man sieht jeden Schlag und kann ihn blocken. Die Kämpfe waren nicht interessant. Bei mir geht es: Bamm, bamm, bamm." Die Auseinandersetzung am Samstag gegen den ehemaligen Weltmeister John Ruiz soll deshalb nur ein kurzer Zwischenstopp sein, auch wenn sich Haye größte Mühe gibt, seinen Gegner zu loben. "John Ruiz gehört zu den besten Boxern der Welt, er ist in der Form seines Lebens und nicht einfach zu besiegen", sagt er. Fünf Minuten später gibt er allerdings zu: "Ich tue alles, um einen Kampf bestmöglich zu verkaufen, denn keiner will Boxer sehen, die uninteressant sind." Deshalb muss er den 38-jährigen Amerikaner anpreisen, obwohl er weiß, dass der mittlerweile steif durch den Ring tapst, langsam und vorhersehbar schlägt und drei der letzten sechs Kämpfe verloren hat. 90.000 Menschen in Wembley In der Tat ist Haye beweglich und konditionsstark, er schlägt variabel und doch hart. Der taktisch geprägte Kampf gegen Walujew sei eine Ausnahme gewesen. "Gegen Ruiz kann ich offensiver boxen, ich muss nicht dauernd laufen", sagt Haye. Nun will er das Schwergewicht dominieren, wie er zuvor das Cruisergewicht beherrschte - doch dazu muss er gegen einen der Klitschkos gewinnen. Wladimir verteidigte seinen Titel kürzlich gegen Eddie Chambers, Witali tritt im Mai gegen den eher unbekannten Polen Albert Sosnowski an. Danach wäre der Weg frei für einen Kampf, auch wenn Chagaev und der Australier Kali Meehan im Mai darum boxen, wer Haye herausfordern darf. "Ich bin nach dem Ruiz-Kampf erst einmal frei von Verbands-Zwängen. Dann will ich die Klitschkos, vor 90.000 Menschen in Wembley. Dann werden zwei Champions im Ring stehen", sagt Haye ohne Pathos und ohne laut zu werden. Nur einmal, da wird David Haye wieder zum Großmaul, als er etwas über seinen Gegner am Samstag sagen soll: "Ruiz ist wie ein Schneemann: Er sieht aus wie ein Schneemann, er bewegt sich wie ein Schneemann - und wenn ich ihn treffe, dann wird er dahinschmelzen wie ein Schneemann." Naja, er muss ja schließlich einen Kampf verkaufen und sein Image pflegen. | Noch ein Sieg und der Brite David Haye will sich mit den Klitschko-Brüdern messen. Dann könnte das Schwergewichts-Boxen endlich wieder spannend werden. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/boxen-david-haye-und-dann-die-klitschkos-1.13832 | Boxen: David Haye - ...und dann die Klitschkos | 00/04/2010 |
Der Hamburger SV und der VfL Wolfsburg wahren in den Hinspielen in der Europa League ihre Chance auf den Einzug ins Halbfinale. Liverpool und Valencia dagegen blamieren sich. Mladen Petric ärgerte sich auch Minuten nach dem Spiel noch. "Wir wussten, dass sie stark bei Standards sind", ärgerte sich Petric. "Was sollen wir denn mehr machen als eine Zuordnung zu vereinbaren?" Auslöser für den Ärger war der Gegentreffer in der 30. Minute, bei dem Jerome Boateng seinem Gegenspieler Dieumerci Mbokani nicht einmal Geleitschutz gab. Drei Tage nach dem internen Krisengipfel hat der Hamburger SV wenigsten seine Chancen in der Europa-League gewahrt. Mit einem glücklichen 2:1 (2:1)-Sieg im Viertelfinal-Hinspiel gegen Belgiens Meister Standard Lüttich konnten die Hanseaten ihre sportlichen Sorgen zwar nicht vertreiben, die Hoffnungen auf das Finale am 12. Mai im eigenen Stadion aber am Leben erhalten. Mladen Petric mit einem Foulelfmeter in der 43. Minute sowie Ruud van Nistelrooy (45.), der sein 62. Tor in einem Europacupspiel erzielte, glichen am Donnerstagabend die Führung der Gäste durch Dieumerci Mbokani (30.) aus und verschafften dem HSV damit eine akzeptable Ausgangsposition für das Rückspiel in einer Woche in Lüttich. Nach dem peinlichen Auftritt bei der Niederlage in Mönchengladbach hatte es am Montag ein ernstes Gespräch zwischen Mannschaft, Trainer und Vereins-Spitze gegeben. Doch der Bundesliga-Sechste, der im Halbfinale auf den FC Fulham oder den deutschen Meister VfL Wolfsburg treffen würde, konnte die Trentwende nicht wirklich einleiten. Zu verhalten spielten die Hamburger über weite Strecken und ließen dem in dieser Saison enttäuschenden zehnmaligen belgischen Titelträger, der als Tabellen-Achter nur noch um die Teilnahme an der Europa League kämpft, viel zu viel Raum. Jerome Boateng durfte nach Wochen erstmals wieder auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung spielen; Tunay Torun tauschte den Platz mit Piotr Trochowski, der nach seiner schwachen Vorstellung in Gladbach zunächst auf die Bank musste. Doch einen neuen HSV sahen die 48.437 Zuschauer im Stadion in Hamburg nicht. Zu ungenau waren Pässe und Flanken der allerdings engagierten Gastgeber, die den Belgiern keine Probleme bereiteten. Nach zwanzig Minuten war auch die optische Überlegenheit der Hamburger dahin. Das rächte sich: Im Anschluss an eine Ecke von Mehdi Carcela-Gonzalez entwischt Mbokani nach exakt einer halben Stunde sowohl Boateng als auch van Nistelrooy und vollendete per Kopf aus fünf Metern. "Es ist schade, dass wir gleich bestraft wurden", sagte van Nistelrooy. Der Rückstand rüttelte den HSV wach, doch die Präzision fehlte weiterhin. Erst ein schmeichelhafter Elfmeter, den Camozzato an Pitroipa verschuldete, brachte durch Petric den Ausgleich. Nun kam auch Sicherheit ins Spiel des HSV. Als sich der Qualm einer Rauchbombe langsam verzog, traf auch van Nistelrooy (45.). Es war sein 62. Treffer im Europacup durch den er mit Bayern-Sturmlegende Gerd Müller gleichzog. Zuvor hatte der Niederländer Pech gehabt, als er zunächst den Pfosten traf (36.) und wenig später den Ball nicht richtig traf (39.). Ein Spiel auf des Messers Schneide blieb es auch nach dem Seitenwechsel. Zwar hatten die Hanseasten durch Petric in der 62. Minute die große Chance, den Sack zuzumachen. Doch Mbokani hätte fast im Gegenzug für eine erneute kalte Dusche gesorgt. Demel scheiterte mit einem Kopfball in der 86. Minute, danach war der Sieg glücklich unter Dach und Fach gebracht. "Ich glaube, dass wir mit einer guten Leistung in der kommenden Woche das Halbfinale erreichen werden", sagte van Nistelrooy. | Der Hamburger SV und der VfL Wolfsburg wahren in den Hinspielen in der Europa League ihre Chance auf den Einzug ins Halbfinale. Liverpool und Valencia dagegen blamieren sich. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/europa-league-verhaltene-freude-1.15282 | Europa League - Verhaltene Freude | 00/04/2010 |
In einem hochklassigen Spiel holt Arsenal London einen Rückstand gegen den FC Barcelona auf. Inter Mailand gewinnt gegen Moskau. Titelverteidiger FC Barcelona hat eine glänzende Ausgangsposition für den Einzug in das Champions-League-Halbfinale leichtfertig vergeben - aber trotzdem weiterhin beste Aussichten auf das Weiterkommen. Die Katalanen kamen nach einer 2:0-Führung nicht über ein 2:2 (0:0) im Viertelfinal-Hinspiel beim FC Arsenal hinaus und müssen am kommenden Dienstag in Camp Nou auf die komplette Innenverteidigung verzichten. Inter Mailand verschaffte sich im zweiten Spiel des Abends mit einem 1:0 (0:0) gegen ZSKA Moskau eine gute Grundlage für den Einzug ins Halbfinale. Vor rund 60.000 Zuschauern im Emirates Stadion brachte Zlatan Ibrahimovic Barcelona nach 22 Sekunden der zweiten Hälfte mit einem sehenswerten Heber verdient in Führung. In der 59. Minute ließ der Schwede mit einem präzisen Schuss Arsenals spanischem Keeper Manuel Almunia ebenfalls keine Chance. Für Ibrahimovic waren es im laufenden Wettbewerb die Treffer drei und vier. Arsenal schlug bei der Final-Revanche von 2006, als Barcelona in Paris mit 2:1 die Oberhand behalten hatte, aber zurück. Erst traf der drei Minuten zuvor eingewechselte Theo Walcott zum 1:2 (69.), dann verwandelte Cesc Fabregas einen Foulelfmeter zum Ausgleich (85.). Der Europameister war zuvor von Barcas Innenverteidiger Carles Puyol gefoult worden, der dafür die Rote Karte sah. Sein Kollege Gerard Pique sah die dritte Gelbe Karte und wird ebenfalls im Rückspiel fehlen. Vor der Pause hatte der Klubweltmeister das Geschehen klar dominiert und mit den Gastgebern zeitweise Katz und Maus gespielt. Barca brannte ein Offensivfeuerwerk ab, konnte allerdings beste Chancen durch Ibrahimovic und Superstar Lionel Messi nicht nutzen. Stürmerstar Thierry Henry, der 2007 von den Gunners zu Barca gewechselt war und mit 226 Toren in 369 Spielen noch immer Rekordtorjäger des 13-maligen englischen Meisters ist, verfolgte das Match zunächst auf der Bank, kam erst eine Viertelstunde vor Schluss an seiner alten Wirkungsstätte zum Einsatz - und wurde von den Londoner Fans gefeiert. Die Gunners, die vor dem Anschlusstreffer lediglich durch den Dänen Nicklas Bendter zwei gute Möglichkeiten hatten, müssen im Rückspiel am kommenden Dienstag vor 100.000 Zuschauern in Nou Camp auf den ehemaligen Barca-Spieler Fabregas verzichten, der nach seiner dritten Gelben Karte gesperrt ist. Im Giuseppe-Meazza-Stadion fand der klare Favorit Inter Mailand gegen den in der Defensive gut organisierten Armeeklub lange Zeit keine Mittel. Erst der argentinische Torjäger Diego Milito erlöste in der 65. Minute die Fans der Nerazzuri, als er mit seinem dritten Champions-League-Treffer zum 1:0 erfolgreich war. Kurz zuvor hatten für das Team von Trainer Jose Mourinho Dejan Stankovic und Goran Pandev gute Gelegenheiten ausgelassen. Die Gäste, die wegen des Terroranschlages in der Moskauer U-Bahn mit Trauerflor spielten, müssen im Rückspiel auf ihre Stammkräfte Milo Krasic und Jewgeni Aldonin verzichten, die nach ihren jeweiligen dritten Gelben Karten nicht mitwirken dürfen. | In einem hochklassigen Spiel holt Arsenal London einen Rückstand gegen den FC Barcelona auf. Inter Mailand gewinnt gegen Moskau. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/champions-league-barcelona-verschenkt-zwei-tore-fuehrung-1.18613 | Barcelona verschenkt Zwei-Tore-Führung | 00/04/2010 |
Die Chance auf ein Europa-League-Finale im eigenen Stadion und der Druck, international vertreten zu sein: Gegen Lüttich bestreitet der HSV eines von mehreren Endspielen. Die fünf mal vier Meter große Tafel vor der Ostkurve der Hamburger Arena lässt keine Fragen offen: "Eine Stadt. Ein Finale. Ein Ziel", steht dort. Man sieht ein paar jubelnde Spieler des HSV und den Pokal der Europa League. Das Endspiel am 12. Mai im eigenen Stadion soll dem Hamburger SV endlich jenen Erfolg bringen, "auf den diese Stadt sehnsüchtig wartet". So hat es Klubchef Bernd Hoffmann ausgedrückt mit dem Hinweis auf den bislang letzten Titel, den DFB-Pokal 1987. Auf dem Weg dorthin tritt der HSV im Viertelfinale gegen Standard Lüttich an, am Donnerstag zunächst im Hinspiel daheim. Im Halbfinale würden der VfL Wolfsburg oder der FC Fulham warten. Im Prinzip Aufgaben, die zu lösen sind. Doch die rückwärts tickende Uhr (41 Tage, soundsoviele Stunden, Minuten, Sekunden bis zum Finale) auf der Tafel an der Arena beschreibt nicht nur den Wunsch der HSV-Anhänger nach dieser Trophäe. Sie ist quasi auch das Messgerät für die Geduld des Vorstands mit dem Trainer Bruno Labbadia, 44. Und falls sich Lüttich als zu schwierige Aufgabe für den aus dem Takt geratenen "exzellenten Kader" (Hoffmann) erweist, kann man diesen Zeitanzeiger wohl schon vorher auf den Müllhaufen der Geschichte werfen. Dann dürften die Tage des Fußball-Lehrers Labbadia beim HSV bereits gezählt sein, obwohl er ja eine Ära einleiten sollte wie Thomas Schaaf bei Werder Bremen (elf Jahre Cheftrainer) oder gar Alex Ferguson bei Manchester United (24 Jahre Manager). Selbstverständlich habe Labbadia "unser Vertrauen", sagte Hoffmann dem Hamburger Abendblatt, ohne aber den Zusatz zu vergessen, es gebe "in diesem Geschäft keinen Persilschein". Denn die Zielvorgabe des bisher teuersten HSV-Teams ist ein Platz in einem europäischen Wettbewerb. Nicht nur mancher Hamburger Profi (Piotr Trochowski oder Zé Roberto) sieht den Trainer inzwischen sehr kritisch. Auch die Hamburger Medien sind umgeschwenkt. Es werden Fieberkurven gedruckt, die nachweisen, dass alle Mannschaften unter dem Trainer Labbadia grandios in die Saison starteten und dann abfielen bis ins Mittelmaß. Wie Greuther Fürth, Bayer Leverkusen und vermeintlich auch der HSV. Das Wort "Endspiel" wird derzeit weniger im eigentlichen Sinne benutzt. Statt dessen sei das Match gegen Lüttich eines von mehreren Endspielen für Labbadia. Auch bei der Meinung der Fans nähert sich Labbadia wieder jener Skepsis, von der er schon bei seiner Einstellung im vergangenen Sommer begleitet wurde. Nur 35,3 Prozent der Morgenpost-Leser machen die Spieler für den Rückschritt verantwortlich, aber 57,6 Prozent den Trainer. Der Vorstand kam mit 7,1 Prozent gut weg. Dabei hat der es nicht geschafft, einen Coach zu engagieren, der vorher schon einmal dauerhaft etwas aufgebaut hat. Labbadia ist der siebte Trainer in sieben Jahren des HSV-Lenkers Hoffmann. Womöglich gibt es unter dem neuen Sportlichen Leiter Urs Siegenthaler den nächsten Umbau. Profis wie Boateng, Elia, Trochowski oder Guerrero schauen nach neuen Arbeitgebern. Bei künftigen Zugängen wolle man "mehr auf den Charakter" achten, versprach Hoffmann, was indirekt heißt: Im jetzigen Team sind zu viele schwierige Charaktere versammelt, für manche soll der HSV nur das Sprungbrett zu einer größeren Karriere sein. Den größten Ehrgeiz vor dem Spiel gegen Lüttich aber scheint Ruud van Nistelrooy zu haben. Er habe noch keinen internationalen Titel, verriet er. Dabei hat der Torjäger nun wirklich für die größten Klubs gespielt, für Manchester United und Real Madrid. | Die Chance auf ein Europa-League-Finale im eigenen Stadion und der Druck, international vertreten zu sein: Gegen Lüttich bestreitet der HSV eines von mehreren Endspielen. | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/europa-league-hamburger-sv-charakterfragen-1.22651 | Europa League: Hamburger SV - Charakterfragen | 00/04/2010 |
Der europäische Fußballverband UEFA verlangt vom serbischen Staatsfernsehen RTS wenigstens eine Million Euro Strafe, weil es das Champions League-Spiel Bayern München gegen Manchester United nicht übertragen hat. Das berichteten serbische Medien am Donnerstag in Belgrad. Obwohl der Sender zur Übertragung vertraglich verpflichtet gewesen sei, sei er von einflussreichen Politikern gezwungen worden, am Dienstagabend eine stundenlange Parlamentssitzung zu übertragen. Bei der Sitzung stritten die Abgeordneten über die Verurteilung des Massakers im Juli 1995 in der ostbosnischen Stadt Srebrenica. Serbische Verbände hatten dabei rund 8000 Muslime ermordet. Die Rückkehr von Schiedsrichter Robert Kempter in die Fußball-Bundesliga ist nach wie vor offen. Obwohl der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) das Ermittlungsverfahren gegen den Unparteiischen aus Sauldorf eingestellt hat, will sich der scheidende Schiedsrichter-Chef Volker Roth noch nicht auf einen Termin für Kempters Comeback festlegen. Roth sagte im Fachmagazin kicker, dass er zunächst mit DFB-Präsident Theo Zwanziger über die weitere Vorgehensweise sprechen möchte. Roths designierte Nachfolger Herbert Fandel hatte zuletzt erklärt, dass er nichts von einer schnellen Rückkehr Kempters halte und erst eine gewisse Zeit vergehen müsste. Kempter hatte sein bisher letztes Bundesligaspiel vor dem Bekanntwerden der Affäre um ihn und Ex-Schiedsrichterbeobachter Manfred Amerell zum Rückrundenstart am 17. Januar beim 1:0 von Schalke 04 gegen den 1. FC Nürnberg geleitet. Anlass des Verfahrens gegen den Referee war eine offensichtlich von ihm stammende E-Mail an Amerell, in der er sich negativ über Rekordmeister Bayern München geäußert hatte. Laut Amerell soll Kempter ihm vor der 0:2-Niederlage der Bayern in der Champions League am 11. April 2007 gegen den AC Mailand eine E-Mail geschrieben haben, in der es heißt: "Hoffentlich fliegen die Bayern gleich raus, dann können wir anstoßen." Bundestrainer Joachim Löw wird den vorläufigen Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die WM 2010 in Südafrika am 6. Mai im Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum bekanntgeben. Das bestätigte DFB-Mediendirektor Harald Stenger am Donnerstag auf SID-Anfrage. Das endgültige 23-köpfige Aufgebot für die erste WM auf dem afrikanischen Kontinent (11. Juni bis 11. Juli) muss Löw dann am 5. Juni dem Weltverband FIFA melden. Voraussichtlich wird der Bundestrainer für den vorläufigen Kader mehr als 23 Spieler nominieren, um etwaigen Verletzungen und Formschwächen vorzubeugen. Die unmittelbare WM-Vorbereitung der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes beginnt am 13. Mai mit dem Benefizspiel gegen Malta in Aachen. Der vom FC Bayern München an den 1. FC Nürnberg ausgeliehene Andreas Ottl rechnet für die neue Saison mit einer Rückkehr zum deutschen Fußball-Rekordmeister. "Ich gehe davon aus, dass ich nach München zurückkehre, weil ich dort einen Vertrag bis 2011 habe", sagte der 25-Jährige in einem Interview im kicker. "Aber obwohl Ostern ist, braucht man über ungelegte Eier nicht zu reden." Ottl war in der Winterpause an die Franken ausgeliehen worden. Nachdem Cacaus Weggang und Jens Lehmanns Karriereende feststehen, intensiviert der VfB Stuttgart die Suche nach ihren Nachfolgern. Als neue Angreifer bei dem schwäbischen Fußball-Bundesligisten sind übereinstimmenden Medien-Berichten zufolge Adrian Ramos von Hertha BSC und Albert Bunjaku vom 1. FC Nürnberg im Gespräch. "Wir werden auf jeden Fall mit vier Stürmern in die neue Saison gehen", sagte VfB-Manager Horst Heldt den Stuttgarter Nachrichten. Ramos ist noch bis 2013 an die Berliner gebunden, Bunjaku bis 2012 an den FCN. Beide dürften jedoch im Falle eines Abstiegs ihrer Clubs kaum zu halten sein. In der Torwart-Frage wägt der VfB noch ab, ob er eine gestandene Nummer eins verpflichten soll oder einen Vertreter für Sven Ulreich. Der deutsche Volleyball-Serienmeister VfB Friedrichshafen steht zum 15. Mal in Folge im Play-off-Halbfinale. Das Team von Ex-Bundestrainer Stelian Moculescu gewann auch das zweite Viertelfinal-Spiel mit 3:1 bei den RWE Volleys Bottrop. Im Halbfinale geht es nun gegen den Europacup-Dritten SCC Berlin (3:0 bei TV Rottenburg). Im zweiten Halbfinale treffen Pokalsieger Generali Haching (3:0 gegen den TV Bühl) und Evivo Düren (3:2 gegen Netzhoppers Königs Wusterhausen) aufeinander. Für Stürmer Demba Ba von Fußball-Bundesligist 1899 Hoffenheim ist die Saison vorzeitig beendet. Der Senegalese muss sich einer endoskopischen Untersuchung am linken Knie unterziehen und wird anschließend mit einer vier Wochen dauernden Rehabilitation beginnen. Die Probleme Bas mit der Patellasehne im Knie resultieren aus einer Operation im Jahr 2009. Damals wurde dem Angreifer ein Nagel aus dem zuvor gebrochenen Schienbein durch das Knie entfernt. | Uefa verlangt vom serbischen TV Geld, weil es statt der CL eine Parlamentsdebatte zeigte, Rückkehr von Schiri Kempter offen, Volleyball-Halbfinals stehen fest. Sport kompakt | sport | https://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-srebrenica-statt-bayern-millionenstrafe-1.22579 | Sport kompakt - Srebrenica statt Bayern - Millionenstrafe | 00/04/2010 |
Blogger-Platzhirsche beherrschen das Internet, Frauen spielen dort kaum eine Rolle: Bloggen Frauen über die falschen Themen oder ist das Netz einfach eine Altherrendomäne? Sollte der Kopf des Vordermanns einmal im Weg sein und das Sichtfeld auf eines der Podien im Berliner Friedrichsstadtpalast einschränken, so genügt zur Abhilfe der Blick auf den aufgeklappten Laptop: Alles, was vor einem geschieht, wird live im Internet übertragen. Für Internet-Freaks ist es die große Bühne, die sich den Podiumsgästen der Web-Konferenz "Re-Publica" bietet - und es ist eine Bühne, die bislang fast ausschließlich den Männern gehörte. Die Konferenz, die gerade zum vierten Mal in Berlin stattfindet, ist das wichtigste Szenetreffen der deutschsprachigen Blogger. In diesem Jahr sind unter den mehr als 200 geladenen Referenten, die über Themen wie die Zukunft politischer Online-Kampagnen oder die Veränderung des klassischen Journalismus durch das Netz diskutieren, etwa 20 Prozent Frauen. Was man für einen recht bescheidenen Anteil halten könnte, ist bereits das Ergebnis von Protesten im vergangenen Jahr: Auf der pinkfarbenen Internetseite des "Mädchenblogs" war damals von Blogger-"Platzhirschen" zu lesen. Die Online-Journalistin Teresa Bücker fragte in ihrem Blog "Flannel Apparel", das hintergründige Texte über Mode und Politik mischt, ob aus der "schönen neuen Welt des Netzes schon wieder eine Altherrendomäne" geworden sei. 2009 gingen die Einladungen der Konferenz-Veranstalter nur zu 15 Prozent an Referentinnen. Nicht ganz so deutlich, aber dennoch auffällig war der Männerüberschuss im Publikum ausgeprägt. Man habe die Kritik angenommen, sagt Markus Beckedahl, ein Blogger, der die Konferenz mit organisiert. Zugleich werden die Verhältnisse am Schauplatz des eigentlichen Geschehens, in der Blogosphäre, realistisch gespiegelt. Unter den Top 100 sind 20 Frauen Zwar bloggen in Deutschland etwa gleich viele Männer wie Frauen, wie der Medienwissenschaftler Jan-Hinrik Schmidt erklärt. Allerdings: "Breitere Aufmerksamkeit wird fast ausschließlich männlichen Bloggern zuteil." Dies ergebe sich aus Untersuchungen von Klickzahlen und Linkhäufigkeit. Die meistgelesenen unter den deutschsprachigen Blogs kreisen um Medien, Netzpolitik und Technik. "Unter den Top 100 finden sich kaum einmal 20, die von Frauen betrieben werden", sagt Schmidt. Auch bei populären Gruppenblogs wie netzpolitik.org oder den "Ruhrbaronen", wo mehrere Autoren gemeinsam schreiben, sind Männer fast ganz unter sich. Dabei seien bei netzpolitik.org grundsätzlich auch zwei Frauen als Autorinnen akkreditiert, wendet Markus Beckedahl ein, der Betreiber der Seite. Letztlich sei das Bloggen aber eben ein Hobby - den Frauen fehle dazu leider öfter die Zeit, meint Beckedahl. Lesen Sie auf der nächsten Seite, was auch ein Grund für das Missverhältnis sein könnte. | Blogger-Platzhirsche beherrschen das Internet, Frauen spielen dort kaum eine Rolle: Bloggen Frauen über die falschen Themen oder ist das Netz einfach eine Altherrendomäne? | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/weibliche-blogger-frauen-klicken-anders-1.16001 | Weibliche Blogger - Frauen klicken anders | 00/04/2010 |
Israels Kommunikationsministerium hat die Einfuhr des neuen iPad-Computers von Apple verboten. Begründet wurde dies damit, dass die Technologie zum drahtlosen Verbinden mit dem Internet nicht mit israelischen Standards übereinstimme, heißt es in einem Bericht der Tageszeitung Haaretz. Wer dennoch mit einem im Ausland gekauften Tabletcomputer einreist, riskiert den Verlust des Geräts. Seit Ostern gibt es den Tabletcomputer von Apple in den Vereinigten Staaten. In einer Woche sind 500.000 Geräte verkauft worden. Die Nachfrage sei in den USA so groß, teilte Apple am Mittwoch mit, dass das iPad andernorts später als geplant erhältlich sein soll. "Am 10. Mai werden wir sowohl die internationalen Preise bekanntgeben als auch mit der Möglichkeit zur Vorbestellung beginnen", heißt es. In Deutschland ist das Gerät nun Ende Mai zu haben, geplant war bislang Ende April. Wer es vorher in den Händen halten will, kann es im Internet ersteigern: Importgeräte kosten derzeit etwa das Doppelte des US-Listenpreises. Auch die technikverliebten Israelis wollen nicht warten: Ein aus den USA eingereister Israeli berichtet, dass sein iPad nun eingezogen worden sei, als er beim Zoll die Einfuhrgebühr bezahlen wollte. Die Beamten verwiesen ihn auf das Kommunikationsministerium, wo er um Rückgabe nachsuchen sollte. Dort jedoch habe man ihm gesagt: "Es ist verboten, iPads nach Israel zu bringen. Schicken Sie ihn einfach in die USA zurück." Nun liege sein Gerät bis auf weiteres in einem Lagerhaus des Zolls und er müsse für jeden Tag Gebühren zahlen. Ein Zoll-Sprecher am Flughafen von Tel Aviv bestätigte, dass allein am Dienstag zehn iPads beschlagnahmt worden seien. Das ist eine große Enttäuschung für die Israelis - allerdings keine ungewohnte. Denn auf das iPhone hatten sie ebenfalls lange warten müssen. Beim Apple-Handy erteilte das zuständige Ministerium spät eine Genehmigung. Mit zweijähriger Verspätung gab es das Gerät in Israel offiziell Ende 2009. Da gab es Schätzungen zufolge bereits 80.000 bis 100.000 iPhones im Land - alle illegal importiert. Auch damals hatte das Ministerium den Importeur abgewehrt und erklärt, das Gerät entspreche zwar amerikanischen, aber nicht europäischen Standards, die den israelischen ähneln. Im Falle des iPad forderte das Kommunikationsministerium nun vom Unternehmen iDigital, das in Israel die Apple-Geräte vertreibt, alle Informationen über das iPad. Dem Haaretz-Bericht zufolge soll der Minister Mosche Kalon nicht über das von seinem Haus verhängte Importverbot informiert worden sein - was einen Aufruhr im Ministerium zur Folge gehabt hätte. | Israel hat die Einfuhr des neuen iPads verboten, weil die Technologie nicht mit israelischen Standards übereinstimme. Wer mit iPad einreist, riskiert den Verlust. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/israel-einfuhrverbot-ipad-ist-nicht-koscher-1.11651 | Israel: Einfuhrverbot - iPad ist nicht koscher | 00/04/2010 |
Apple-Fans müssen sich in Geduld üben: Der deutsche Verkaufsstart des Tablet-PCs wird aufgrund der großen Nachfrage in den USA verschoben - um einen Monat. Schlechte Nachrichten für Apple-Fans in aller Welt: Sie müssen einen Monat länger auf ihr iPad warten. Der Konzern wird es mit einiger Verzögerung in den internationalen Handel bringen. Der Verkaufsstart werde auf Ende Mai verschoben, teilte das Unternehmen am Mittwoch in New York mit. Grund dafür sei eine überraschend starke Nachfrage in den USA. "Obwohl wir mehr als 500.000 iPads in der ersten Woche ausgeliefert haben, ist die Nachfrage sehr viel höher als vorausgesagt und wird unser Angebot vermutlich auch in den nächsten Wochen noch übersteigen", wenn erst mal iPads im Freundes- und Bekanntenkreis herumgingen, erklärte Apple. Ende April müsse der Konzern zudem eine große Zahl an vorbestellten iPads ausliefern. Details zum Verkauf und den Preisen will das Unternehmen am 10. Mai bekanntgeben, ab dann können Kunden ihr Gerät auch vorbestellen. Auch für die Mobilfunk-Variante, die Ende April in den USA auf den Markt kommt, läge bereits eine große Zahl Bestellungen vor. "Wir produzieren sie so schnell wir können", hatte Apple-Chef Steve Jobs jüngst versprochen. Dennoch kam es auch in den USA schon zu Engpässen. So waren iPads bei der größten US-Elektronikkette Best Buy ausverkauft. Während die Fans hierzulande enttäuscht sein dürften, freuen sich die Anleger über den Verkaufserfolg: Die Apple-Aktie verteuerte sich vorbörslich um 1,5 Prozent. Apple verkauft das iPad, das eine völlig neue Klasse von Geräten zwischen Computer und Handy begründen soll, seit Anfang April in den USA. Allein am ersten Tag gingen rund 300.000 Geräte über den Ladentisch. Der Tablet-PC sieht aus wie das Apple-Handy iPhone, ist aber etwa so groß wie ein Din-A4-Blatt. Bedient wird es über einen Touchscreen, also einen berührungsempfindlichen Bildschirm. Gedacht ist das Gerät vor allem zur mobilen Unterhaltung: Die Besitzer können darauf Musik hören, Filme ansehen, spielen und Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften lesen - Kritiker vermissen bei der "Weltneuheit" zum Beispiel eine Kamera, USB-Anschlüsse und die weit verbreitete Flash-Technik. | Apple-Fans müssen sich in Geduld üben: Der deutsche Verkaufsstart des Tablet-PCs wird aufgrund der großen Nachfrage in den USA verschoben - um einen Monat. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/ipad-verkaufsstart-verschoben-iwait-1.4846 | iPad-Verkaufsstart verschoben - iWait | 00/04/2010 |
Der Lobbyist und Blogger Markus Beckedahl nimmt Einfluss auf die deutsche Internet-Politik. Er ist die Speerspitze der mächtigen Bewegung aus dem Netz. In den vergangenen Jahren haben Deutschlands politische Blogger gezeigt, wie groß ihre Macht ist. Mit ihrer Kampagne gegen die Vorratsdatenspeicherung schafften es die Netz-Lobbyisten bis vors Bundesverfassungsgericht. Ihr Einsatz gegen Internetsperren konnte zwar ein entsprechendes Gesetz nicht verhindern, wohl aber dessen Anwendung. Immer vorne mit dabei war und ist Markus Beckedahl, ein 33-jähriger Berliner. Er koordiniert nicht nur Proteste im Netz und auf der Straße, vor allem über seine Webseite netzpolitik.org, sondern ist auch Mitorganisator der Berliner Web-Konferenz "Re-Publica", die an diesem Mittwoch beginnt. Auf der Konferenz treffen sich Internetprofis aus der ganzen Welt und diskutieren viele Facetten des digitalen Wandels: die Auswirkungen des Netzes aus politischem, ökonomischem und kulturellem Blickpunkt. Beckedahls Webseite wird täglich von bis zu 35.000 Menschen gelesen. Viele davon sind Journalisten, Politiker oder selbst Blogger. So wird Beckedahls Meinung weiterverbreitet. Die Meinung des Rheinländers ist klar definiert: Anders als manche seiner Leser glauben, ist Beckedahl kein Journalist - sondern ein Lobbyist: Er setzt sich dafür ein, dass die digitalen Möglichkeiten des Internets von der Politik wahrgenommen, genutzt, gefördert, aber nicht beschnitten werden. "Ich kämpfe für die Offenheit des Netzes, für digitale Innovation, Bürgerrechte im Internet und eine Reform des Urheberrechtes", sagt Beckedahl. Um die Konferenz in Berlin zu organisieren, greift er auf die von ihm gegründete Firma Newthinking zurück. Er gründete sie als 25-Jähriger, vor allem um Software zu verkaufen. Das klappte nicht, wie vorgesehen. Schon immer politisch interessiert Heute ist die Firma vor allem beratend tätig: 15 Mitarbeiter helfen etwa Parteien und politischen Stiftungen bei Strategiefragen rund um den Online-Bereich, unter anderem dem Goethe-Institut und der Bundeszentrale für politische Bildung. Für den Lobbyisten sind solche Kontakte mehr als reine Auftraggeber: Auch als Berater verkauft er nicht nur Webseiten, sondern auch seine eigene Theorie vom freien Netz. Dabei hat Beckedahl nie studiert, sondern eine Ausbildung zum Kaufmann hinter sich. Politisch interessiert war er allerdings schon immer. Bei den Grünen wurde er als Jugendlicher vor allem deshalb Mitglied, weil es in dem kleinen Dorf vor den Toren Bonns, in dem er aufwuchs, keine Greenpeace-Gruppe gab. Im Jahr 2001 zog Beckedahl dann nach Berlin und brach mit der Parteipolitik. Er habe genug gehabt von Gremien und Sitzungen, sagt er. Bei Wahlen fragt er sich seitdem, ob nicht ein "noch kleineres Übel als die Grünen" sein Kreuzchen verdient haben könnte. Was er heute macht, bezeichnet Beckedahl selbst als "Netzpolitik". Damit beschreibt er nicht nur den Inhalt seiner Arbeit, sondern auch seine Arbeitsweise. Schnittmengen mit seiner Meinung weisen oft die Grünen auf, gelegentlich die Sozialdemokraten und immer dann, wenn es um weniger Kontrolle des Internets geht, auch die Liberalen. Doch ihn kümmern weder Parteidisziplin noch Lobbyisten großer Unternehmen. Gelegentlich soll Beckedahl auch auf Absprachen unter Kollegen pfeifen, sagen gleichgesinnte Aktivisten. Eine exklusive Meldung auf seinem Blog sei ihm oft wichtiger als kollegialer Umgang, sagen Kollegen, die ihn gut kennen. | Der Lobbyist und Blogger Markus Beckedahl nimmt Einfluss auf die deutsche Internet-Politik. Er ist die Speerspitze der mächtigen Bewegung aus dem Netz. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/markus-beckedahl-buergerrechtler-am-bildschirm-1.6134 | Bürgerrechtler am Bildschirm | 00/04/2010 |
Vergangene Woche noch wurde ein Geheimnis um den neuen Posten von Achim Berg gemacht. Der 46-Jährige, bislang Chef der deutschen Microsoft-Niederlassung, werde in die US-Zentrale wechseln, hieß es nur. Am Dienstag nun gab der Softwarekonzern bekannt, dass Berg in der Mobiltelefonsparte eine entscheidende Rolle spielen wird. Er soll für die Weiterentwicklung der Windows-Telefone zuständig sein - ein Schlüsselbereich, in dem der Konzern den Anschluss verloren hat. Telefonieren: Nebensache Bislang bietet Microsoft sein mobiles Betriebssystem an, das wie das Pendant auf den Arbeitsplatzrechnern Windows heißt. Die Handys werden von Partnern wie HTC, Dell oder Samsung hergestellt. Doch gegen die schicken Multifunktionsgeräte von Google oder Apple kommt Microsoft damit kaum an. Am Montagabend hat das Unternehmen die ersten eigenen Handys vorgestellt, die den Namen Kin tragen, zu deutsch: Familie oder Sippe, und für die Generation Internet gemacht sein sollen. Telefonieren ist bei Kin Nebensache. Internetdienste stehen im Vordergrund. Eine jüngere Zielgruppe kann auf den Geräten etwa Einträge beim Online-Treff Facebook verfolgen oder Twitter-Nachrichten verschicken. Der große Wurf ist Microsoft mit Kin allerdings nicht gelungen, darin sind sich die Kommentatoren im Internet einig. Berg wird also einiges zu tun haben in seinem neuen Job: Der komplexe Titel "Corporate Vice President Mobile Communications Business & Marketing" steht künftig auf seiner Visitenkarte - übersetzt heißt das in etwa Verantwortlicher für Geschäftsentwicklung und Marketing im Bereich Mobilkommunikation. Beim Projekt Kin war er noch nicht beteiligt. Anfang Mai tritt er den Posten in der Microsoft-Zentrale in Redmond an und wird dann das Marketing aller Windows-Phones-Aktivitäten verantworten - auch das von Kin. Künftig noch reibungsloser Der Job ist dem Diplom-Informatiker, Amateur-Rallye-Fahrer und Fan der neuesten Technikspielzeuge auf den Leib geschneidert. Im Rheinland hat Berg in einem "Smart Home" gelebt: In seinem Haus konnte er die Temperatur der Heizung von unterwegs steuern oder durch einen Blick aufs Handy sehen, wer vor der Haustür steht. Das Haus ist ein Überbleibsel aus den Tagen, als Berg noch im Vorstand der Deutschen Telekom saß. Dort war er für das Festnetz zuständig. Zuvor arbeitete er in der PC-Branche bei Fujitsu Siemens, Dell und Bull. Nun zieht Berg in die USA. Zunächst wird er pendeln, Mitte August soll die Familie umziehen. "Diese Entscheidung hat mich manche schlaflose Nacht gekostet", schreibt er in seinem internen Microsoft-Blog. "Ich gebe zu, dass ich doch sehr in Deutschland verwurzelt bin." Dabei kennt er das Terrain: Zurzeit ist er wieder in den USA, um das nächste Geschäftsjahr für Microsoft zu planen - zusammen mit Ralph Haupter, den Berg seinen Freund nennt und der nun sein Nachfolger in Deutschland wird. Die neue Position hat Berg neben seiner Expertise den Kontakten zu Microsoft-Chef Steve Ballmer zu verdanken. Erst kürzlich sagte Berg im SZ-Interview: "Jedes Mal, wenn Steve nach Deutschland kommt, joggen wir gemeinsam um sechs Uhr morgens. Er stellt kurze Fragen und rennt immer schneller. Ich habe eine halbe Stunde Zeit, nebenherzuhecheln und zu antworten. So holt er sich seine Informationen." Dieser Informationsfluss wird künftig noch reibungsloser verlaufen. | Aus dem "Smart Home" in die USA: Microsoft holt Deutschland-Chef Achim Berg in die Zentrale. Er soll den Konzern im Handygeschäft nach vorne bringen. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/microsoft-drahtlos-in-seattle-1.23589 | Microsoft - Drahtlos in Seattle | 00/04/2010 |
Telefonieren ist Nebensache: Microsoft bringt ein neues Handy-Modell auf den Markt, das speziell für die Nutzung von Online-Netzwerken ausgelegt ist. Der US-Softwareriese Microsoft bringt ein neues Handy-Modell auf den Markt, das speziell für die Nutzung von Online-Netzwerken wie Facebook, MySpace oder Twitter ausgelegt ist. Das als "social phone" bezeichnete Mobilfunkgerät mit dem Namen Kin ist auch das erste Windows-Telefon, das die Musik-Player-Technologie Zune zum Abspielen von Musik und Videos enthält. In den USA soll das KIN bereits im Mai in den Handel kommen, in Deutschland und anderen europäischen Ländern wird das Grät über Vodafone ab Herbst exklusiv vertrieben. "Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir speziell für die neue Generation von Nutzern eine mobile Erlebniswelt entwickelt - ein Handy, mit dem sie jeden Moment ihres Lebens mit anderen teilen können", sagt Microsoft-Manager Robbie Bach. Statt über Menüs und Icons soll der Nutzer mit Kin durch bestimmte Themen wie Kontakte, Bilder und Textnachrichten navigieren und damit ohne Umwege mit seinen Netzwerken in Kontakt bleiben. Auf dem Startbildschirm werden immer die neuesten Nachrichten angezeigt, ob aus Facebook, Twitter oder anderen Netzwerken. Die Hardware kommt vom japanischen Eletronikkonzern Sharp. Das Kin wird es in zwei Modell-Varianten geben (One und Two), die beide mit berührungsempfindlichem Bildschirm und ausschiebbarer Tastatur versehen sind (Slider). Das Kin Two bietet mehr Speicherplatz, eine besser Kamera (HD-Qualität und 8 Megapixel) und besitzt sowohl einen größeren Bildschirm als auch eine größere Tastatur. Zum Betriebssystem machte Microsoft zunächst keine Angaben. Für Ende des Jahres hatte das Unternehmen sein komplett neues Betriebssystem Windows Phone 7 Series angekündigt. | Telefonieren ist Nebensache: Microsoft bringt ein neues Handy-Modell auf den Markt, das speziell für die Nutzung von Online-Netzwerken ausgelegt ist. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/kin-one-und-kin-two-microsoft-praesentiert-soziales-telefon-1.15209 | "Kin One und Kin Two - Microsoft präsentiert ""soziales Telefon""" | 00/04/2010 |
Einfach nur ein Wort eingeben reicht manchmal nicht: Zehn einfache Tipps, mit denen sich aus Google mehr herausholen lässt. Google ist mit weitem Abstand die populärste deutschsprachige Suchmaschine. Mit den Jahren ist sie zwar immer besser darin geworden, auch für sehr allgemeine Abfragen sinnvolle Ergebnisse anzuzeigen. Aber mit ein paar einfachen Kniffen lässt sich noch wesentlich mehr aus Google herausholen. Am schnellsten geht das übrigens, wenn man das Suchabfragefenster nutzt, das alle modernen Internetbrowser bieten, und nicht erst für jede neue Abfrage auf die Google-Webseite wechselt. 1. Um zu erfahren, ob das Flugzeug mit dem Partner an Bord schon sicher in den USA gelandet ist, kann man sich durchklicken zu den oft verwirrenden Seiten der Flughäfen und Fluggesellschaften. Oder einfach die Flugnummer ohne weitere Zusätze ins Suchfenster eingeben und auf die Absatztaste drücken. LH 452 beispielsweise führt direkt zur Seite Flightstats.com und zeigt, wann der jüngste Lufthansa-Flug von München nach Los Angeles gelandet ist. 2. Kann man den Partner schon anrufen oder noch nicht? Die Abfrage Time Los Angeles klärt die Frage blitzschnell für unser Beispiel, entsprechend geändert auch für andere Städte der Welt. 3. Was der Euro in den USA oder in Südkorea wert ist, ermittelt sich am schnellsten so: Euro und den Namen der fremden Währung ins Adressfeld eingeben, der erste Treffer führt zu einer Umrechnungsseite mit den aktuellsten Kursen. Konvertiert werden nicht bloß Währungen, sondern auch andere Einheiten wie Längenmaße oder Bits und Bytes. | Einfach nur ein Wort eingeben reicht manchmal nicht: Zehn einfache Tipps, mit denen sich aus Google mehr herausholen lässt. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/tipps-zur-internet-suche-besser-googeln-1.15542 | Tipps zur Internet-Suche - Besser googeln | 00/04/2010 |
Sie sind stabil, wasserdicht und ihr Display trotzt dem Sonnenlicht: Notebooks für den Freilufteinsatz werden immer beliebter - doch sie haben ihren Preis. Die falscheste Frage, die man Oliver Husmann stellen kann, geht etwa so: "Ich habe 2500 Euro Budget und möchte dafür einen Computer, der viel aushält." Nicht dass man bei Husmanns Firma Acturion in Sauerlach bei München keine Rechner bekäme, die auch widrigsten Umständen trotzen, nur: Die gepanzerte Wollmilch-Computersau gibt es nicht. "Wenn Sie viel schreiben müssen, dann hilft ihnen ein Computer nichts, den man nur mit einem Stift bedienen kann", gibt der Experte ein Beispiel. Fragen wie diese müssen die Kunden bei Acturion erst einmal beantworten, bevor es daran geht, ein konkretes Produkt auszuwählen. Für Anwendungsbereiche wie eine Autowerkstatt kann es schon ausreichen, einen Laptop zu wählen, der nur über ein verstärktes Gehäuse verfügt. Husmanns Kunden kommen aus der Industrie, aus Freiluftberufen, aber auch vom Militär. Dementsprechend unterscheiden sich auch die Anforderungen. Soll die Tastatur beleuchtet sein oder wasserdicht oder gar beides? Soll man den Bildschirm auch bei Sonnenschein noch ablesen können? Soll der Rechner einen USB-Anschluss haben, obwohl er eigentlich auch staub- und wasserdicht sein müsste? Der darf dann auch mal von der Werkbank fallen, ohne gleich den Geist aufzugeben. Sollen die Geräte aber ständig draußen im Einsatz sein, müssen sie - so der Fachbegriff - full ruggedized sein. Aus dem Militärbereich stammt eine Einteilung in verschiedene Klassen, die beschreiben, was ein solcher Computer aushalten muss - einen normalen Regen, Anspritzen mit dem Schlauch oder sogar völliges Eintauchen in (Salz-)Wasser. Mit den Geräten, wie man sie beim Elektronikmarkt schon für ein paar hundert Euro bekommt, haben die Ruggedized-Modelle nicht viel gemein. Rechenleistung steht bei ihnen nicht im Vordergrund, sondern Zuverlässigkeit. Daher findet man in den Land-Rover-PCs auch eher schwache Prozessoren, die dafür ohne Gehäuselüfter auskommen. Und in noch einem Punkt unterscheiden sich die Harten für Garten: Unter 3000 Euro gibt es keinen Computer, auf dem das Siegel full ruggedized klebt. Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung. | Sie sind stabil, wasserdicht und ihr Display trotzt dem Sonnenlicht: Notebooks für den Freilufteinsatz werden immer beliebter - doch sie haben ihren Preis. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/outdoor-laptops-die-harten-fuer-den-garten-1.16755 | Outdoor-Laptops - Die Harten für den Garten | 00/04/2010 |
Ein sicherer Hafen im Sturm der Bits, Pixel und Soundbites liegt im Postjesweg, Amsterdam. Der niederländische Design- und Grafik-Think-Tank Metahaven hat sein Büro in einer alten Schmuckfabrik untergebracht. Die rauen Ziegelwände sind mit bunten Plakaten beklebt. In schweren Eisenregalen stapeln sich Bücher bis unter die Decke. Vor dem Fenster funkelt die Sonne auf stillem Kanalwasser. Der Metahaven ist für Daniel van der Velden, 38, Vinca Kruk und Gon Zifroni (beide 29) Arbeits- und Rückzugsraum. Metahaven gilt als eines der innovativsten Designbüros in Europa. Es bietet sich als Markenberater für osteuropäische Staaten an. Van der Velden und seine Leute halten in Harvard Vorträge über Logos von Deathmetal-Bands. In ihren Projekten, die sie in dem Buch Uncorporate Identity vorstellen, verschwimmt die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fälschung, Marketing und Kunst. "Wir erleben eine Demokratisierung der Fälschung", sagt van der Velden. " Was im Netz erzählt wird, ist nicht so sehr die Wahrheit, sondern etwas, das nur wahr sein könnte." SZ: Herr van der Velden, stimmt es, dass Ihr Büro den Marketing-Auftrag für Sealand erhalten hat, ein fiktives Land in der Nordsee? Daniel van der Velden: Sealand ist eine alte Militär-Plattform aus dem Zweiten Weltkrieg, die in den 70er Jahren von einem ehemaligen Offizier der Royal Navy besetzt und zu einem unabhängigen Königreich erklärt wurde. Niemand lebt auf der Betonstruktur. Niemand weiß, was man eigentlich damit machen soll. Sealand ist einfach da. Es ist eine Art realer Hoax, eine Fälschung aus Beton, die von den Mythen und Gerüchten lebt, die gerade im Internet-Zeitalter um sie herumschwirren. Sealand ist nur Bild und Projektionsfläche und hat so die radikalste künstliche Entwicklungsform einer Marke angenommen. SZ: Die fiktiven Briefmarken, Münzen, auch eine Fahne, die Sie für Sealand entworfen haben, sind aber auf der offiziellen Wikipedia-Seite dargestellt. Van der Velden: Dieses fremde, quasi-fiktive Königreich besitzt ein gewisses Märchenpotential, das die Menschen anzieht. Die Internetinsel wurde zu einem Träger der Träume der Menschen - eine Art Monaco des armen Mannes. SZ: Vergangenen Herbst berichteten deutsche Nachrichtenagenturen und Online-Medien über einen Selbstmordanschlag, den Mitglieder der Hiphop-Gruppe Berlin Boys 666 in der kalifornischen Kleinstadt Bluewater durchgeführt hätten. Die Medien wurden durch einen Telefonanruf alarmiert, fanden im Netz Twitter-Meldungen von Augenzeugen, die Website der Polizei von Bluewater und einen Blogeintrag der vermeintlichen Täter. Stunden später kam heraus, dass alles vom Regisseur Jan Stahlberg inszeniert war, der PR für seinen neuen Film machen wollte. Van der Velden: Auch der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy hat für sein letztes Buch einen Autor zitiert, von dem Aufsätze im Internet zu finden waren. Leider ist der vermeintliche Autor eine Satirefigur. Lévy hat dann ziemlich souverän reagiert und gesagt: "Der Mann mag vielleicht nicht existieren. Er hat aber trotzdem recht." Die Fiktion wurde Teil seiner Argumentationskette. Lévy hat die Grenze zwischen Realität und Phantasie transzendiert. Wir folgen ihm auf seinem Weg. | Der Medien-Designer Daniel van der Velden über die blühende Kultur inszenierter Fälschungen im Netz. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/inszenierte-faelschungen-im-netz-millionen-textseiten-ohne-sinn-1.6554 | "Inszenierte Fälschungen im Netz - ""Millionen Textseiten ohne Sinn""" | 00/04/2010 |
Ebay soll einem Niederösterreicher 16.000 Euro Schadenersatz zahlen - weil ein Anbieter insolvent war, das Internet-Auktionshaus ihn aber als seriös einstufte. Es sei sein Lebenstraum gewesen: Einmal das Ersparte mit Händen greifen, in Form eines Barrens aus purem Gold. Für einen Elektroinstallateur aus Niederösterreich sollte dieser Traum im September 2007 wahr werden. Er informierte sich im Internet über verschiedene Anbieter, entscheid sich für den deutschen Händler "ML-Agentur" und stellte fest, dass er das meiste Gold fürs Geld erhalten würde, wenn er dessen Angebot im Internetauktionshaus Ebay nutzte. Schließlich erschien er ihm vertrauenswürdig. weil Ebay den Händler als "Platin-Premium-Seller" führte - ,ein Gütesiegel für besonders zuverlässige Verkäufer. Mit 4000.00 Euro im Monat war der Händler zudem einer der Umsatzstärksten der Plattform. Am Ende stand der Käufer mit leeren Händen da, um mehr als 16000 Euro ärmer. Beschwerden häufgen sich Wenn es nach dem Landgericht im österreichischen St. Pölten geht, soll er sein Geld zurückbekommen. Und zwar nicht von dem inzwischen insolventen Verkäufer, sondern von Ebay. Das Unternehmen soll den Kaufpreis samt Zinsen ersetzen. In den vergangenen Monaten häufen sich die Beschwerden, dass Kunden bei Ebay gezahlt, aber keine oder mangelhafte Ware erhalten haben. Das Urteil aus Österreich dürfte auch deshalb für deutsche Geschädigte interessant sein, weil ihm eine EU-Richtlinie zugrunde liegt, die Deutschland und Österreich gleichermaßen umgesetzt haben, erklärt der Frankfurter Anwalt für IT-Recht, Roland Steidle. Anbieter wie Ebay dürften sich zwar darauf berufen, nur die Plattform zu liefern, auf der Käufer und Verkäufer einen Vertrag miteinander eingehen. Für Schäden haften sie trotzdem, wenn sich beweisen lässt, dass sie von Unregelmäßigkeiten gewusst, aber nichts dagegen unternommen haben. | Ebay soll einem Niederösterreicher 16.000 Euro Schadenersatz zahlen - weil ein Anbieter insolvent war, das Internet-Auktionshaus ihn aber als seriös einstufte. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/ebay-urteil-im-zweifel-fuer-den-kaeufer-1.21332 | Ebay-Urteil - Im Zweifel für den Käufer | 00/04/2010 |
Apple gibt mit einem neuen Betriebssystem einen Vorgeschmack auf das nächste iPhone. Revolutionäre Neuerungen bleiben aus - doch es wird immer deutlicher, was das Smartphone künftig können soll. Das berühmte "Eine Sache noch" blieb dieses Mal aus: Den Nebensatz, mit dem Steve Jobs seit zwölf Jahren bahnbrechende Neuerungen einleitet, sparte sich der Apple-Chef bei seiner Präsentation im kalifornischen Cupertino. Nach der Veröffentlichung des iPads, so die Botschaft, geht Apple zum Tagesgeschäft über. Das Tagesgeschäft trägt in diesem Fall den Namen OS4: Das neue Betriebssystem für iPhone, iPod und iPad soll im Sommer erscheinen - und weil ein neues mobiles Betriebssystem bei Apple in der Regel mit einem neuen Gerät einher geht, darf die Apple-Fangemeinde in wenigen Monaten mit einem neuen iPhone rechnen. Die Neuerungen sind wenig spektakulär, zeigen aber die Richtung, in die sich Apple Handys entwickeln: Wie bereits lange von Fans gefordert, wird OS4 mehrere Apps gleichzeitig erlauben - dabei soll das System so stabil sein, dass keine davon geschlossen werden muss. "Wenn Du bei Multitasking einen Task Manager siehst", sagte Jobs mit einem deutlichen Seitenhieb auf Microsofts Windows, "haben die was falsch gemacht." Ob Multitasking ein Vergnügen ohne Nebenwirkungen sein wird, wird sich vor allem an den Folgen für den sowieso als wenig ausdauernd bekannten iPhone-Akku zeigen: Apple versucht Befürchtungen in Sachen Stromverbrauch mit den Hinweis zu entkräften, man reduziere die Rechenleistung bei anderen Prozessen, wenn diese nicht benötigt werde. Multitasking dürfte vor allem Voice-over-IP-Telefonate attraktiver machen: Nicht zufällig zeigte ein Skype-Vertreter, wie der Internettelefonie-Dienst im Hintergrund laufen kann, während der Nutzer andere Apps verwendet. Das könnte vor allem den Mobilfunkprovidern Sorgen bereiten, die Internettelefonie über das Handy sehr kritisch beurteilen, weil es Verluste im Kerngeschäft bedeutet. Während sich Apple in Sachen Telefonaten Richtung Internet bewegt, versucht es gleichzeitig das Geschäft mit digitalen Inhalten auch auf dem Handy voranzutreiben: Wie das iPad wird OS4 an den digitalen Bücherladen iBook-Store angeschlossen; der Markt für Online-Spiele, den Apple bereits mit dem iPad angepeilt hat, soll beim iPhone über ein Online-Spielenetzwerk erobert werden. Ähnlich wie bei Microsofts Konsolencommunity Xbox live sollen Nutzer in aller Welt rund um die Uhr online gegeneinander antreten können. Bisherige Werbung einfach "scheiße" Auch das mobile Google-Geschäftsmodell hat sich Apple augenscheinlich genau angesehen: Die bisherige Werbung auf dem iPhone sei "scheiße", urteilte Jobs. Mit iAd startet eine Plattform, über die Entwickler interaktive Werbung in ihren Apps schalten können - alle drei Minuten sollen Einblendungen, die auch ortsbezogen sein können, möglich sein. Wie stark die Konkurrenz auf dem Gebiet der mobilen Werbung ist, zeigt Jobs Eingeständnis, am Kauf der mobilen Werbeplattform AdMob interessiert gewesen zu sein - die am Ende jedoch Google "weggeschnappt" habe. Im Januar hatte Apple als Reaktion den AdMob-Konkurrenten Quattro für 275 Millionen Dollar erworben - eine Investition, die sich lohnen könnte: Zwar werden sich Entwickler von Gratis-Apps über Werbeeinnahmen freuen, doch Apple behält einen Anteil von 40 Prozent für sich. In Sachen Nutzerfreundlichkeit soll das nächste iPhone vor allem die Verwaltung vereinfachen: Apps können nun in Ordnern zusammengefasst werden, der E-Mail-Eingangsordner kann künftig mehrere Konten erfassen. Eine genauere Steuerung des Kamera-Fokus nährt Gerüchte, dass die Verbesserung der Kamera, womöglich mit Blitzlicht, ein zentrales Element des nächsten iPhones sein wird. OS4 ist als Update für iPod und iPad ab Sommer erhältlich - allerdings wird Multitasking nur bei den iPods der dritten Generation und dem iPhone 3GS möglich sein. Bereits jetzt haben Entwickler Zugriff auf die Plattform. Obwohl das iPhone mehr als 50 Millionen Mal verkauft wurde, wächst durch Smartphones mit dem Google-Handybetriebssystem Android eine echte Konkurrenz heran. Auch Nokia will sein Betriebssystem offener gestalten und das App-Geschäft ausbauen, Windows bringt Ende des Jahres mit Windows Phone 7 ein komplett neues Betriebssystem auf den Markt, um den Anschluss nicht zu verlieren. Da dürfte es beruhigend für Steve Jobs sein, dass Apple auf dem Tablet-Markt für Flachcomputer erst einmal eindrucksvoll die Führung übernommen hat: Seit Ostersamstag verkaufte das Unternehmen 450.000 iPads, auf die 600.000 Bücher und 3,5 Millionen Apps geladen wurden. | Apple gibt mit einem neuen Betriebssystem einen Vorgeschmack auf das nächste iPhone. Revolutionäre Neuerungen bleiben aus - doch es wird immer deutlicher, was das Smartphone künftig können soll. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/neues-iphone-betriebssystem-endlich-multitasking-1.9096 | Neues iPhone-Betriebssystem - Endlich Multitasking | 00/04/2010 |
Im Vorfeld war viel geredet worden, doch am Ende ging es ganz schnell: Die Debatte am späten Mittwoch dauerte gerade einmal zwei Stunden, dann war die "Digital Economy Bill" verabschiedet - ein äußerst umstrittenes Gesetz, das den Umgang mit illegalen Downloads und die Wahrung des Urheberrechts im Internet zeitgemäß regeln soll. Bürgerrechtler hatten in den vergangenen Monaten gegen das Gesetz mobil gemacht, da sie die Einführung einer Three-Strikes-Law fürchteten, wie sie es bereits in Frankreich gibt. Wer dort urheberrechtlich geschütztes Material im Netz verbreitet, kann nach zwei Warnbriefen mit der Abschaltung des Internetanschlusses bestraft werden. Diese Regelung wurde im Vorfeld aus dem Entwurf gestrichen, um in abgeschwächter Form wieder aufgenommen zu werden. Internetprovider sind nun verpflichtet, bei Hinweisen auf Urheberrechtsverstöße Nutzern Warnhinweise zu schicken und die Anschlussdaten an die Rechteinhaber weiterzugeben. Zwölf Monate Schonfrist Ein Jahr lang soll gemessen werden, ob diese Warnungen tatsächlich zu einem Rückgang illegaler Downloads führen. Sollte dies nicht der Fall sein, kann die unabhängige Regulierungsbehörde Ofcom auch "technische" Sanktionen gegen die Kunden anordnen. Diese können aus einer Drosselung der Internetgeschwindigkeit, aber auch aus einem Kappen der Verbindung bestehen. Bürgerrechtler sehen ein mögliches Abschalten von Internetabschlüssen kritisch: So könnten bei Internetzugängen, die von mehreren Menschen genutzt werden, Unbeteiligte bestraft werden. Auch die Regeln für ein Abschaltprocedere sind im verabschiedeten Gesetz offen gelassen - fest steht nur, dass der Kunde ein Recht hat, bei einer unabhängigen Stelle Widerspruch gegen eine Sperrung einzulegen. | Kurz vor den Wahlen verabschiedet das britische Parlament ein umstrittenes Internetgesetz: Filesharern drohen heftige Sanktionen, der Wirtschaftsminister darf Internetseiten blocken. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/britisches-internetgesetz-hier-sperrt-der-minister-1.15847 | Britisches Internetgesetz - Hier sperrt der Minister | 00/04/2010 |
Mit seiner Datenschutzpolitik gerät Facebook immer stärker in die Kritik: Die Verbraucherzentralen raten deutschen Nutzern nun zu drastischen Maßnahmen. Nach Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat jetzt auch die Dachorganisation der Verbraucherzentralen massive Kritik an Facebook geübt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) rät, Facebook am besten überhaupt nicht mehr zu nutzen. "Momentan können wir den Nutzern nur raten, den geplanten Änderungen zu widersprechen und sich gemeinsam mit ihren Freunden einen neuen Anbieter zu suchen", sagte vzbv-Vorstand Gerd Billen in einer Mitteilung. Mit den neuen Datenschutzbestimmungen würden die Nutzer dem Unternehmen einen "Freibrief" für "eine weitgehende Verwendung und Weitergabe ihrer Daten" einräumen. Die geplanten Änderungen der Datenschutzbestimmungen bei Facebook hatten in den vergangenen Tagen eine breite Debatte um den Datenschutz in sozialen Netzwerken angeheizt. Kritiker monieren, dass sich das US-Unternehmen das Recht vorbehält, die Daten seiner Nutzer an Dritte wie etwa Partnerunternehmen weiterzugeben. Zu diesen Daten gehören Name, Profilbild, Geschlecht, Freunde, Nutzernummer und alle Inhalte, die öffentlich sichtbar gepostet werden. Facebook hatte seine Pläne den eigenen Nutzern zur Diskussion gestellt und will Anregungen und Kritik berücksichtigen. Noch sei überhaupt nicht entschieden, an welche Partnerunternehmen Daten weitergegeben würden, entgegnete eine Facebook-Sprecherin. Das Unternehmen nehme den Datenschutz sehr ernst. Institutionen wie der vzbv bemängeln bei Facebook vor allem, dass die Nutzer die Weitergabe von Daten aktiv verhindern müssen (opt- out). Stattdessen sollten die Nutzer bei jeder Weitergabe und Nutzung von persönlichen Daten aktiv einwilligen müssen (opt-in), lautet die Forderung. "Das Belieben im Umgang mit den Daten der Nutzer muss endlich ein Ende haben", sagt Billen. Facebook hat inzwischen auf den offenen Brief Aigners reagiert. Richard Allan, Facebook-Policy Director für Europa, bot Aigner in einem Schreiben ein Treffen in Berlin an, sagte eine Sprecherin der Internet-Plattform am Mittwoch. Im Ministerium konnte das zunächst nicht bestätigt werden. Zuletzt hatte im vergangenen Monat die Stiftung Warentest den laxen Umgang mit persönlichen Daten bei sozialen Netzwerken bemängelt. "Erhebliche Mängel" erkannte die Stiftung bei Facebook, Stayfriends, LinkedIn und MySpace. | Mit seiner Datenschutzpolitik gerät Facebook immer stärker in die Kritik: Die Verbraucherzentralen raten deutschen Nutzern nun zu drastischen Maßnahmen. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/rat-zum-boykott-verbraucherschuetzer-raus-aus-facebook-1.8020 | Rat zum Boykott - Verbraucherschützer: Raus aus Facebook | 00/04/2010 |
Während Analysten ausgerechnet haben, was Apple pro iPad verdient, ärgern sich einige Kunden gewaltig: Das W-Lan des Flachcomputers ist zu schwach. Wenige Tage nach dem Verkaufsstart klagen Nutzer über Schwierigkeiten mit dem Apple-Tablet-Computer. Auf der Kundendienst-Seite des US-Computerkonzerns sowie in verschiedenen Internetforen beklagten die Besitzer des neuesten Apple-Produkts vor allem Probleme mit der drahtlosen Internetverbindung WLAN. Das iPad baut demnach oft nur eine schwache und langsame Verbindung auf, obwohl der Empfang an dem Ort gut ist. "Die WLAN-Verbindung ist schwach und die Downloads langsam", klagt ein Nutzer auf der Apple-Support-Internetseite. Andere iPad-Besitzer berichten von schwankendem WLAN-Empfang und ergänzen, das Apple-Multimediahandy iPhone und der Apple-Laptop MacBook hätten an der selben Stelle durchgehend eine stabile und gute drahtlose Verbindung. Das Ausmaß der Schwierigkeiten war zunächst allerdings unklar: Zwar häuften sich am Dienstag die Beschwerden über das Problem, doch berichteten andere Nutzer, sie hätten keinerlei Probleme. Apple schrieb auf seiner Internetseite, das iPad verbinde sich "unter bestimmten Bedingungen" nach einem Neustart oder dem Aufwachen aus dem Stand-by-Modus nicht wieder mit dem Drahtlosnetzwerk. Ähnlich rentabel wie das iPhone Das iPad sieht aus wie das iPhone, ist aber fast etwa so groß wie ein Din-A4-Blatt. Bedient wird es über einen Touchscreen, einen berührungsempfindlichen Bildschirm. Gedacht ist das Gerät vor allem zur mobilen Unterhaltung: Die Besitzer können darauf Musik hören, Filme ansehen, spielen und Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften lesen. Am Samstag, dem ersten Verkaufstag, hatten Apple-Fans die Läden gestürmt und insgesamt 300.000 iPads erstanden. Der neue Tablet-Computer dürfte für Apple ein lohnendes Geschäft werden. Die Einzelteile kosten den Elektronikkonzern im Einkauf gerade mal die Hälfte dessen, was der Kunde später für das Gerät berappen muss. Damit ist das iPad ähnlich rentabel wie das Handy iPhone. Selbst nach Abzug aller anderen Kosten - etwa für die Software-Entwicklung, den Vertrieb oder die Werbung - bleibt eine erkleckliche Summe übrig. Im Weihnachtsquartal hatte Apple einen Rekordgewinn von 3,4 Milliarden Dollar eingefahren - anderthalbmal so viel wie im Jahr zuvor. Der Marktforscher iSuppli hat das iPad aufgeschraubt und herausgefunden, dass die Komponenten der Einstiegsvariante mit 259,60 Dollar zu Buche schlagen. Im Laden in den USA kostet das iPad mit 16 Gigabyte Speicher und kabellosem Internet 499 Dollar plus Steuern. Beim 699 Dollar teuren Spitzenmodell mit 64 Gigabyte Speicher und zusätzlicher Mobilfunk-Anbindung summieren sich die Einzelteile auf 348,10 Dollar. Teurer Bildschirm Das teuerste Teil ist der berührungsempfindliche Bildschirm, der nach der iSuppli-Kalkulation 95 Dollar kostet. Der selbst entwickelte Prozessor liegt bei 26,80 Dollar, das Aluminium-Gehäuse bei 10,50 Dollar. Apple habe mehr Chips verbaut als vermutet, sagte iSuppli-Analyst Andrew Rassweiler am Mittwoch der Finanz- Nachrichtenagentur Bloomberg. Alleine drei Chips seien dafür da, die Fingerbewegungen auf dem Bildschirm zu erfassen. Apple wollte sich nicht zu den Entdeckungen äußern. Mit dem iPad versucht Apple einen Markt zu beleben, der seit Jahren brach liegt. Bislang waren die schlanken Tablet-Computer mit ihren Touchscreens den Kunden zu teuer, zu kompliziert und schienen kaum Vorteile gegenüber klassischen Notebooks zu haben. | Während Analysten ausgerechnet haben, was Apple pro iPad verdient, ärgern sich einige Kunden gewaltig: Das W-Lan des Flachcomputers ist zu schwach. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/erste-ipad-bilanz-kraeftige-gewinnspanne-schwaches-w-lan-1.18064 | Erste iPad-Bilanz - Kräftige Gewinnspanne, schwaches W-Lan | 00/04/2010 |
Mehrere Monate haben die Wikileaks-Macher daran gearbeitet, das brisante Irak-Video an die Öffentlichkeit zu bringen - nun kündigen sie an, interne E-Mails einer deutschen Partei ins Netz zu stellen. Daniel Schmitt klingt gestresst: Gerade hat er ein Radio-Interview gegeben, das Telefonat mit der österreichischen Zeitung Standard hat er nach hinten verlegt, dazwischen muss er noch einen Termin mit dem Fernsehsender CNN koordinieren. Das Video, auf dem zu sehen ist, wie US-Soldaten auf Zivilisten schießen, hat die Enthüllungsseite Wikileaks weltweit in die Schlagzeilen gebracht - und das Telefon des Informatikers steht seither nicht mehr still. Schmitt, der in Wirklichkeit anders heißt und seinen Beruf für Wikileaks aufgegeben hat, ist im Moment ein begehrter Gesprächspartner: Neben dem australischen Journalisten Julian Assange ist der Deutsche der einzige Verantwortliche der Seite, der öffentlich in Erscheinung tritt. Das Portal, das die Geheimnisse der Mächtigen an die Öffentlichkeit zerrt, ist selbst auf Verschwiegenheit aufgebaut: Fünf ehrenamtliche Mitarbeiter und 800 bis 1000 Freiwillige, vom Informatiker bis zum Journalisten, helfen mit, dass brisante Dokumente an die Öffentlichkeit gelangen - von den geheimen Richtlinien für das US-Gefangenenlager Guantánamo über umstrittene E-Mails von Klimawissenschaftlern bis hin zu internen Dokumenten der isländischen Kaupthing-Bank, aus denen hervorgeht, dass das Institut ihren Eignern noch kurz vor der Bankenkrise unbesicherte Milliardenkredite gab. Wikileaks hat sich dadurch nicht nur Freunde gemacht: In einem Bericht des US-Militärgeheimdienstes aus dem Jahr 2008 wird die Seite als "potentielle Bedrohung der Sicherheit der Streitkräfte" bezeichnet, werden Maßnahmen zur Sabotage der Seite diskutiert. Verschiedene Unternehmen haben versucht, die Seite auf dem Gerichtsweg vom Netz zu nehmen und sind dabei letztlich gescheitert. Alles gute Argumente, sagt Schmitt, um die Namen von Mitarbeitern und Helfern nicht an die große Glocke zu hängen. "Ein enorm mächtiges Instrument" Chinesische Dissidenten, Mathematiker und Techniker aus verschiedenen Ländern der Welt gründeten im Dezember 2006 die Plattform, heißt es auf der Seite. Als die ersten Dokumente veröffentlicht wurden, herrschte großes Misstrauen: Gerüchte, Wikileaks sei ein CIA-Projekt machten die Runde, Nutzer und Medien zweifelten die Echtheit der Informationen an. Vier Jahre später ist die Seite längst als seriöse Quelle anerkannt: "Wir prüfen die Dokumente sowohl technisch, als auch inhaltlich", sagt Schmitt - neben forensischen Aspekten werden auch Inhalt, Kontext und die mögliche Motivation einer Veröffentlichung hinterfragt. Bislang konnten so nur weniger als ein halbes Dutzend falscher Dokumente auf die Wikileaks-Seite gelangen. So findet sich beispielsweise ein gefälschter Aids-Test von Apple-Chef Steve Jobs auf der Seite, der jedoch durch Kommentare als solcher gekennzeichnet ist. Wie wichtig Wikileaks geworden ist, wird inzwischen auch in etablierten Medien erkannt. Die Möglichkeit, anonym auf der Seite brisantes Material hochzuladen, sei "ein enorm mächtiges Instrument" erklärte jüngst Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger, das weltweit "den Journalismus verändern" werde. Die Veränderung des Journalismus wäre dem Australier Assange, der als Kopf des Portals gilt und bereits vor Jahrzehnten als Hacker aktiv war, wahrscheinlich zu wenig: Er argumentiert, dass die Veröffentlichung von Geheiminformationen "positive Reformen bewirken" könnten. | Mehrere Monate haben die Wikileaks-Macher daran gearbeitet, das brisante Irak-Video an die Öffentlichkeit zu bringen - nun kündigen sie an, interne E-Mails einer deutschen Partei ins Netz zu stellen. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/internetplattform-wikileaks-die-verraeter-1.22461 | Internetplattform Wikileaks - Die Verräter | 00/04/2010 |
Passives Couchvergnügen mit Folgen: Das iPad regt den Konsum an, doch es lässt die Kreativität darben. Mit Apples neuestem Spielzeug öffnet sich der zweite digitale Graben. Eine Portion Häme zu Beginn: Das iPad von Apple ist unter die amerikanischen Menschen gekommen und damit auch einige der dafür aufbereiteten Bücher der Weltliteratur. Sie sind im angeschlossenen iBookstore erhältlich. Wie Blogger herausgefunden haben, werden dort die Inhaltsangaben der Bücher - allerdings nicht die Bücher selbst - von Apple gefiltert und sprachlich bereinigt, um nicht zu sagen: zensiert. Allerdings von einem anscheinend übermotivierten Algorithmus. Demnach sei der Titel von Joseph Conrads "The Nigger Of The Narcissus" zu "The N****r Of The Narcissus" verunstaltet worden. Und aus der Zusammenfassung von Herman Melvilles "Moby Dick" habe man das Wort "sperm" getilgt. Für sich stehend hat es die Bedeutung: Sperma. Im Englischen jedoch gibt es den Begriff: "sperm whale" in der Bedeutung von Pottwal. Und um einen solchen handelt es bei "Moby Dick". Derzeit rätselt die Blogosphäre also, warum und wie man sich bei Apple Moby Dick als halben Wal vorstellen muss, und wie es der Titel überhaupt unzensiert in die virtuellen Regale geschafft habe. Denn "Dick" ist das englische Slangwort für das männliche Geschlechtsorgan. Während man die offenkundige Sinnlosigkeit beim automatischen Beschnitt der Texte nun einerseits belächeln kann, muss man sich anderseits fragen, warum derlei Absurditäten, die erwartbar jeden Verkaufsstart von High-Tech begleiten, noch solche Empörungswellen durch die Blogs schwappen lassen. Argwohn der Early Adopters Darauf gibt es zwei Antworten: Zum einen argwöhnen die Nerds und Techies, die Early Adotpers und Prosumenten, die Blogger und Netzautoren - also alle, die den Beteiligungs-, Austausch-, Entwicklungs- und Kommunikations-Gedanken von Web 2.0 und Social Media ernst nehmen, dass Apple offenbar keine Scheu mehr besitzt, sich als evil empire zu gerieren. Microsoft und Google haben längst vorgeführt, dass Marktbeherrschung durch Technik nicht nur ökonomischen Erfolg bedeutet, sondern sich bis in die Inhalte hineinfrisst. Diese bleiben von avancierter Technologie eben nicht unangetastet. Sondern sie werden von ihr geformt, wenn nicht deformiert, manipuliert oder gleich ganz verhindert: Sei es durch Ausschluss von anderer Software als der eigenen (wie bei den Browser-Konkurrenten zum Internet Explorer bei Microsoft), sei es durch nicht nachvollziehbare Platzierung und Mischung von Ergebnissen in den Trefferlisten einer Suchmaschine (wie bei Google), oder eben durch sinnlose Zensur-Algorithmen wie jetzt bei Apple. | Passives Couchvergnügen mit Folgen: Das iPad regt den Konsum an, doch es lässt die Kreativität darben. Mit Apples neuestem Spielzeug öffnet sich der zweite digitale Graben. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/technologischer-wandel-das-grosse-ipad-unbehagen-1.9252 | Technologischer Wandel - Das große iPad-Unbehagen | 00/04/2010 |
Über ein gigantisches Spionagenetzwerk sind kriminelle Hacker weltweit in Regierungscomputer eingedrungen. Eine genaue Analyse von US-Forschern zeigt, wie sie dabei vorgingen. Die Geisterjäger des Internet sitzen in Kanada: Im März 2009 entdeckten kanadische Forscher der Gruppe Information Warfare Monitor an der Universität von Toronto ein Spionagenetzwerk mit dem Namen GhostNet, das weltweit 1295 Rechner in 103 Staaten infiltriert hatte - unter anderem Computer in Botschaften und Außenministerien. Auch Rechner des Dalai Lama waren betroffen. Ein Jahr später hat das Team gemeinsam mit Experten der Shadowserver Stiftung eine Studie zum GhostNet vorgelegt. Aus dieser geht hervor, dass die Hacker inzwischen modernste Methoden benutzen - und ihre Spur in eine chinesische Stadt führt. Demnach lassen sich die Attacken nach Chengdu in Südwestchina zurückverfolgen. Opfer seien vor allem Indiens Regierung und Sicherheitsorgane sowie der das religiöse Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama. Aus dem Bericht geht hervor, dass unter anderem 1500 E-Mails von 2009 aus dem Büro des Dalai Lama ausgekundschaftet worden seien. Vertrauliche E-Mails aus Indien Bei der Verfolgung der Spione entdeckten die Forscher auch Dokumente der indischen Regierung, die als "geheim" oder "vertraulich" eingestuft waren. Es sei um geheime Einschätzungen der Sicherheitslage in indischen Bundesstaaten oder Beziehungen Indiens zu anderen Ländern gegangen. Ziel waren auch militärische und wissenschaftliche Einrichtungen. Auch andere Länder sowie die Vereinten Nationen seien betroffen. "Es gibt auch eine offensichtliche Verbindung zwischen den Opfern, der Art der gestohlenen Dokumente und den strategischen Interessen des chinesischen Staates", heißt es in dem Bericht über das "Schattennetzwerk". Es sei durchaus möglich, dass die Hacker von Agenten des chinesischen Staates angeführt werden. Doch könne eine Verwicklung der chinesischen Regierung nicht bewiesen werden. Eine wichtige Frage sei allerdings, ob Chinas Behörden jetzt gegen das Spionagenetzwerk vorgehen werden, schrieben die Forscher. Die Regierung in Peking wies die Vorwürfe umgehend zurück. "Wir verstehen nicht, warum diese Leute immer die chinesische Regierung erwähnen", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu. Hacker-Angriffe aus China veranlassten auch den US-Internetkonzern Google vergangenen Monat zur Überprüfung seines China-Geschäfts und zur Schließung seiner chinesischen Suchmaschine, um sich nicht mehr der Selbstzensur unterwerfen zu müssen. Zwischen den beiden Attacken gibt es allerdings nach Angaben der Forscher keinen erkennbaren Zusammenhang. Kritik am Cloud-Computing Das ganze Ausmaß der neuen Cyber-Spionage konnten die Forscher in ihrem Bericht nicht enthüllen. Nach ihrer Kenntnis sind unter anderem Computer einer Vertretung der Vereinten Nationen in Thailand sowie von indischen Botschaften und Konsulaten in Kabul, Moskau, Dubai und Abuja in Nigeria kompromittiert worden. Vertrauliche und persönliche Visainformationen von Bürgern verschiedener Staaten, darunter auch Deutschland, seien ebenso entwendet worden wie vertrauliche Angaben über Reisebewegungen von Nato-Angehörigen von Indien nach Afghanistan. Die Hacker hätten kostenlos verfügbare soziale Netzwerke wie Twitter, Google Groups, aber auch Blogplattformen wie Blogspots, Baidu Blogs, blog.com zur Kommunikation verwendet. Die Verwaltung des Netzwerks sei zum Teil über Cloud-Computing-Dienste abgewickelt worden, bei dem Daten nicht mehr auf heimischen Computern, sondern im Internet verwaltet werden. Konzerne wie Amazon, Microsoft oder Google sehen im Cloud Computing einen gewinnträchtigen Zukunftsmarkt. Diese Technik, über die wir auch bei sozialen Netzwerken unsere Daten verwalten, habe einen "dunklen Kern", heißt es in dem Bericht. Die Sicherheit von Informationen sei "nur so groß wie das schwächste Verbindungsglied in der Kette". | Über ein gigantisches Spionagenetzwerk sind kriminelle Hacker weltweit in Regierungscomputer eingedrungen. Eine genaue Analyse von US-Forschern zeigt, wie sie dabei vorgingen. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/ghostnet-spionagenetz-chinesisches-schattenreich-1.11081 | GhostNet-Spionagenetz - Chinesisches Schattenreich | 00/04/2010 |
300.000 iPads hat Apple am ersten Verkaufstag unter die Leute gebracht. Die Aufregung um das neue Gerät hat sich noch gelegt, da kündigt sich ein neues iPhone-Modell an Apple hat am ersten Verkaufstag mehr als 300.000 Modelle seines Hoffnungsträgers losgeschlagen. Die neuen Besitzer des Tablet-Computers hätten zudem bereits am Ostersamstag mehr als eine Million Anwendungen aus dem sogenannten App-Store und mehr als 250.000 elektronische Bücher heruntergeladen, teilte der Konzern mit. Erfasst wurden Apple zufolge vorbestellte Geräte, die am ersten Verkaufstag an Kunden und Partner ausgeliefert wurden, sowie die Absatzzahlen in den eigenen Geschäften. Wegen der Feiertage blieben am Ostersonntag viele Läden geschlossen, einige öffneten ihre Türen aber für die Kunden, so dass die Zahl der verkauften Geräte für das gesamte Wochenende noch höher ausfallen dürfte. Erfasst wurden Apple zufolge vorbestellte Geräte, die am ersten Verkaufstag an Kunden und Partner ausgeliefert wurden, sowie die Absatzzahlen in den eigenen Geschäften. Wegen der Feiertage blieben am Ostersonntag viele Läden geschlossen, einige öffneten ihre Türen aber für die Kunden, so dass die Zahl der verkauften Geräte für das gesamte Wochenende noch höher ausfallen dürfte. Apple-Aktien legen zu Mehrere Analysten hatten erwartet, dass Apple über Ostern zwischen 250.000 und 350.000 iPads losschlagen würde. Für die ersten zwölf Monate gehen die Prognosen auseinander: Analysten rechnen mit einer Verkaufszahl von zwei bis sieben Millionen. Da es sich beim iPad um ein Gerät zwischen Laptop und Smartphone handelt, ist unklar, wie stark die Nachfrage sein wird. An der Börse wurden die Zahlen gut aufgenommen: Apple-Aktien gewannen 0,6 Prozent. Vier Brokerhäuser stuften nach Veröffentlichung der Zahlen das Preisziel für die Titel des Unternehmens herauf und erhöhten ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Bereits in den nächsten Tagen soll Apple Medienberichten zufolge die nächste Generation des iPhones vorstellen, die ebenso wie ein neuer iPod Touch im Sommer erscheinen soll. Seit dem Start im Jahr 2007 hat Apple bislang jedes Jahr eine neue, verbesserte Version des iPhones auf den Markt gebracht. Gerüchte über Multitasking Die Erwartung, dass der Hersteller diesen Rhythmus beibehält, stützt sich auch auf den hohen Wettbewerbsdruck auf dem Markt der Smartphones, der inzwischen vor allem von Handys mit dem Google-Betriebssystem hoch gehalten wird. Zu den Spekulationen über das iPhone 4G, das iPhone der vierten Generation, gehört die Möglichkeit, dass Apple dafür seinen neuen Prozessor A4 nutzen wird, der auch im iPad integriert ist und mit einer Taktrate von einem Gigahertz besonders schnell ist. Um die Darstellung von Fotos und Videos zu verbessern, könnte Apple die Auflösung des iPhone-Bildschirms auf 960 mal 460 Pixel steigern - bislang sind es 480 mal 320 Pixel. Für Videokonferenzen könnte Apple dem iPhone eine zweite Kamera auf der Vorderseite spendieren. Auch über die von vielen Nutzern ersehnte Möglichkeit, mehrere Programme gleichzeitig auszuführen, wird spekuliert. | 300.000 iPads hat Apple am ersten Verkaufstag unter die Leute gebracht. Die Aufregung um das neue Gerät hat sich noch gelegt, da kündigt sich ein neues iPhone-Modell an | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/berichte-ueber-neues-modell-auf-ipad-folgt-iphone-1.17993 | Berichte über neues Modell - Auf iPad folgt iPhone | 00/04/2010 |
Statt über die gute, alte Ladentheke wollen Hersteller Konsolenspiele künftig nur noch online verkaufen. Die Kunden hätten Vorteile - vielen Händlern droht jedoch das Aus. Spielemodule haben Tradition. Auf ihnen speicherten schon Atari, Sega und Nintendo die Games für die ersten Konsolen vor mehr als 30 Jahren. Auch aktuelle mobile Spielekonsolen wie Nintendos DS oder die Playstation Portable (PSP) nutzen sie als robustes Speichermedium, während die stationären Konsolen Wii, XBox und Playstation auf DVDs mit mehr Speicherplatz ausgewichen sind. Doch den derzeit noch auf physischen Datenträgern gespeicherten Computerspielen droht das gleiche Schicksal wie Musik-CDs und Video-DVDs - der Inhalt lässt sich auch über das Internet zum Nutzer transportieren. Alle Konsolen verfügen über einen Internetzugang und ihr eigenes Onlineportal mit Shop. Dort proben die Konsolenhersteller bereits, wie sich Spiele online verkaufen lassen. Ein eigener Online-Store macht die Distribution der Spiele für den Hersteller einfacher, günstiger und flexibler; zudem kann der Preis nach Belieben diktiert und auf Trends schnell mit neuen Spielen reagiert werden. Anfangs waren in den Online-Stores nur Mini-Spiele für ein paar Euro herunterladbar. Mittlerweile finden sich dort auch Spiele, die in der Qualität durchaus mit solchen aus dem Laden mithalten können, aber in der Regel weniger kosten. Auch lassen sich auf diesem Wege im Laden nicht mehr erhältliche Klassiker wie PacMan und Donkey Kong oder beliebte Spiele von älteren Nintendo-Konsolen oder der Playstation 1 und 2 dank eines eingebauten Emulators für ein paar Euro auf der modernen Konsole spielen. Weg für Raubkopien versperrt Und stöbert der Kunde erst einmal im Shop, dann kann man ihm noch mehr verkaufen. Sehr beliebt und vom Erlös her nicht zu unterschätzen sind zusätzliche Welten oder Levels für bereits gekaufte Spiele; virtuelle Gegenstände oder Programmteile als Add-ons verkaufen sich schon heute gut. Und seit Ende vergangenen Jahres können Besitzer von XBox und Playstation auch Filme in ihrem Onlineportal ausleihen, im Playstation Store auch kaufen. Nintendo startet damit derzeit in den USA, nach Europa soll der Dienst später kommen. Daneben hoffen die Hersteller, mit der Online-Distribution das große Problem Raubkopien endlich in den Griff zu bekommen, das ihnen erhebliche Verluste einbringt. Denn für jede Konsole gibt es Mittel und Wege, um kostenlos und illegal im Internet an Spiele zu kommen und diese dann auf ein beschreibbares Spielemodul oder DVD zu kopieren. Können die Spiele nur noch online geladen werden, ist dieser Weg versperrt. | Statt über die gute, alte Ladentheke wollen Hersteller Konsolenspiele künftig nur noch online verkaufen. Die Kunden hätten Vorteile - vielen Händlern droht jedoch das Aus. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/spieleverkauf-im-laden-game-over-game-shop-1.21255 | Spieleverkauf im Laden - Game Over, Game-Shop! | 00/04/2010 |
Buch- und Zeitungsverlage würden gern ihre Produkte über das iPad anbieten - allerdings fordert Apple so hohe Gebühren, dass manche noch zögern. Einen Hype zu entfachen, ist ein Marketingcoup; ihn zu übertreffen, eine Spezialität von Apple. Nach dem Verkaufsboom vom Wochenende mit schätzungsweise 700.000 verkauften iPads erwarten Optimisten, dass Apple bis Ende des Jahres weltweit mehr als sieben Millionen der neuen Computer verkauft. Diese Entwicklung erfreut besonders die Medienbranche, die dank des neuen Gerätes auf bessere Geschäfte hofft. Längst ist Apple-Gründer Steve Jobs zum Heilsbringer für Medien-Konzerne geworden, deren Geschäftsmodell unter den kostenlosen Angeboten im Internet leidet. Mit dem neuen iPad, so hoffen viele Medienmanager, könnte die Online-Welt nun endlich zu einer echten Geldquelle werden. Schon zum Verkaufsstart des iPad boten amerikanische Magazine wie Time und Tageszeitungen wie das Wall Street Journal eigens programmierte digitale Ausgaben an. Doch die ersten Käufer sind von dem neuen Angebot alles andere als begeistert. Ihre Urteile schwanken zwischen Fassungslosigkeit und Sorge. "Der Preis ist unerhört", schimpft ein Kunde. Ein anderer schreibt: "Ich möchte ja wirklich, dass die Unternehmen beim Übergang von alten zu neuen Medien erfolgreich sind. Aber so wird das nichts." Time verlangt 4,99 Dollar pro iPad-Ausgabe. Wer die Papier-Version abonniert, zahlt für dieselben Inhalte weniger als 40 Cent. Beim Wall Street Journal ist es ähnlich, wenn auch weniger drastisch. Ein Grund für die Preisaufschläge ist das Geschäftsmodell von iTunes, dem virtuellen Gemischtwarenladen, in dem Apple nach Musik, Serien und Filmen nun auch Bücher, Zeitungen und Magazine vertreibt. 30 Prozent aller Erlöse streicht Apple ein, quasi als Obolus für den Zugang zu den 125 Millionen iTunes-Kunden. Der vermeintliche Heilsbringer ist alles andere als selbstlos. Statt von Apple gerettet zu werden, müssen Verlage sogar fürchten, in eine gefährliche Abhängigkeit zu geraten. Schon bald könnte Apple neben der Bücherecke iBooks auch einen Kiosk für Zeitungen und Zeitschriften einrichten und damit den Vertrieb digitaler Nachrichten monopolisieren. Auf dem Musikmarkt hat es iTunes vorgemacht. Apple wickelt inzwischen 70 Prozent aller digitalen Plattenverkäufe ab. Für die iPad-Besitzer hätte ein Apple-Kiosk auch Vorteile. Bisher entwerfen die Verlage ihre digitalen Ausgaben selbst. Das Ergebnis ist ein großes Durcheinander. Mal blättert man von rechts nach links, mal von oben nach unten. Mal lassen sich Fotos per Doppelklick vergrößern, mal muss man nach einem Befehlsfeld Ausschau halten. Ein iKiosk würde einen Standard setzen, ganz so wie ihn Apple bei elektronischen Büchern schon geschaffen hat. Das Problem ist die Macht, Preise zu diktieren. Und nicht nur das: Apple behält sich vor, selbst zu entscheiden, welche Kundendaten es an die Verlage weitergibt. Diese Informationen sind enorm wertvoll. Medienunternehmen richten ihre Marketingstrategien an ihnen aus. Einige Firmen weigern sich daher noch, ihre Produkte über Jobs neue gefragte Wundermaschine zu vertreiben, darunter der weltgrößte Magazin-Verlag Hachette Filipacchi Media, der in den USA die Frauenzeitschrift Elle herausbringt. Auch der größte englischsprachige Buchverlag Random House geht auf Distanz. Die Bertelsmann-Tochter ist mit Apples Preismodell nicht einverstanden und verkauft vorerst keine iBooks. Die meisten Verlagshäuser setzen dennoch auf das neue Medium. Auch in Europa, wo das iPad Ende des Monats auf den Markt kommen soll. Das französische Traditionsblatt Le Monde hat nichts Geringeres als "die Zeitung der Zukunft" angekündigt. Die Süddeutsche Zeitung arbeitet ebenfalls an einem iPad-Angebot. | Buch- und Zeitungsverlage würden gern ihre Produkte über das iPad anbieten - allerdings fordert Apple so hohe Gebühren, dass manche noch zögern. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/apple-ipad-der-heilsbringer-ist-gierig-1.4145 | Apple: iPad - Der Heilsbringer ist gierig | 00/04/2010 |
"Eklatante Missstände": Ministerin Aigner ärgert sich über die Datenschutz-Richtlinien von Facebook. Nun droht sie in einem offenen Brief, ihr eigenes Profil zu löschen. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat das soziale Netzwerk Facebook wegen seines laxen Umgangs mit dem Datenschutz scharf kritisiert. Das Unternehmen missachte die Interessen der Internetnutzer, schrieb die Ministerin in einem offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Der Brief wurde am Montag in Aigners Facebook-Account auf Englisch und auf Deutsch veröffentlicht. Aigners Protest richtet sich gegen die Pläne von Facebook, künftig allgemeine Daten über Nutzer an Dritte weiterzugeben. Das geht aus der jüngsten Überarbeitung der Datenschutzrichtlinie von Facebook hervor. Darin heißt es: Damit der Nutzer "auch außerhalb von Facebook nützliche Erfahrungen im sozialen Bereich machen" könne, sei das Unternehmen "gelegentlich gezwungen, anderen überprüften Webseiten und Anwendungen" in bestimmten Fällen "allgemeine Daten" über den Nutzer zur Verfügung zu stellen. Privates muss privat bleiben Aigner schreibt, sie habe "mit großer Verwunderung" gesehen, dass Facebook trotz "massiver Kritik von Verbraucherschützern den Datenschutz weiter lockern möchte". Privates müsse privat bleiben. Leider achte Facebook diesen Wunsch nicht, was auch durch die jüngste Studie der Stiftung Warentest belegt worden sei. Facebook sei beim Umgang mit Benutzerdaten und bei Nutzerrechten jeweils als mangelhaft bewertet worden, heißt es in dem Brief. Aigner forderte Facebook auf, die Richtlinie umgehend zu überarbeiten. Geplante Änderungen der Nutzungsbedingungen müssten den Mitgliedern "klar und deutlich" vor jeder Änderung mitgeteilt werden. Facebook müsse die persönlichen Daten der Mitglieder umfassend schützen. Andernfalls sehe sie sich gezwungen, ihre Mitgliedschaft zu beenden. | "Eklatante Missstände": Ministerin Aigner ärgert sich über die Datenschutz-Richtlinien von Facebook. Nun droht sie in einem offenen Brief, ihr eigenes Profil zu löschen. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/aigner-gegen-facebook-ich-waer-dann-mal-raus-1.12604 | Aigner gegen Facebook - Ich wär' dann mal raus | 00/04/2010 |
Bücher mit Eselsohren, vergilbte Landkarten - all das ist Vergangenheit. Das neue iPad belebt das Ideal einer makellosen Welt. 700.000 Exemplare sollen bereits verkauft worden sein. Erst erlahmen die Unterarme, dann beginnen die Handgelenke zu schmerzen, und schließlich schläft das Intimleben ein. Vielleicht wird man das bald "iPad-Syndrom" nennen. Sobald man es sich nämlich wie die ungefähr 700.000 Enthusiasten, die am Oster-Wochenende in den USA das neue Gerät gekauft haben, im Bett oder auf dem Sofa mit Apples neuer Wundertafel gemütlich gemacht hat, fällt zunächst das hohe Gewicht von 680 Gramm auf. Das iPad und die Hände, die es umklammern, dürften sich nur schwer aneinander gewöhnen. Wäre da nicht das hohe Suchtpotential, das die Schmerzen alsbald vergessen macht. Dafür sorgt der Bildschirm, der Fotos in fast unwirklicher Brillanz darstellt. Der Graphikzauber, der darauf entfaltet wird, ist deshalb so beeindruckend, weil noch die kleinste Operation belohnt wird. So lassen sich beispielsweise mit zwei Fingern die Textdarstellungen vergrößern und verkleinern - alles noch raffinierter als beim iPhone. Die Seiten mit den Symbolen für die Programme ("Apps") flitzen nur so über den Bildschirm, seitenlange Texte sausen auf und ab. Auch Dia-Schauen verblüffen mit hoher Geschwindigkeit und Effekten. Hinter dem iPad steht die Utopie eines Zugangs zur Welt, der alles Mühsame und Materielle hinter sich lässt. Kein knittriges Zeitungspapier mehr, keine Kisten voller vergilbter Taschenbücher, keine Landkarten, Brettspiele, Fotoalben, Notizzettel. Die Welt soll so leer und makellos sein wie in Richard Misrachs Foto von der Abenddämmerung in Nevada, das Steve Jobs als Bildschirmhintergrund ausgewählt hat. Das Ideal vom Einfachen Das Gerät ist dem Ideal des Einfachen und Simplen angenähert, so gut es irgend ging. Doch was heißt schon "Gerät"? Tastatur, USB-Anschluss, auswechselbare Batterie: alles abgeschafft. Immerhin lassen sich USB-Anschluss und Tastatur nachrüsten. Seit Apples Anfängen kämpft Steve Jobs eine erbitterte Schlacht gegen alles, was den Computer schwer und klobig macht. Er packte Rechner und Bildschirm in ein einziges Gehäuse, schaffte das Diskettenlaufwerk ab, brachte mit dem MacBook Air einen Computer ohne DVD-Laufwerk heraus und verbaute die Batterie fest ins Gerät ein, wodurch er wieder vier Schrauben sparte. Zudem verhalf er mit dem iPhone dem Touchscreen zum Durchbruch, der noch die letzten Knöpfe überflüssig macht. Immer reduzierter werden die Kreationen von Apple. Die graphische Oberfläche des iPad ist aber eine Mischung aus Alt und Neu. Für das Musikprogramm iTunes erfand er eine neuartige Oberfläche. Für die anderen iPad-Programme aber nutzt er fotorealistische Abbildungen in einer Weise, die an Kitsch grenzt. Der gelbe "Notizblock" scheint in einer jener Kunstledermappen zu stecken, wie sie Versicherungsvertreter lieben. Das digitale Adressbuch hat Fadenheftung und ein ausgestanztes Register. Am weitesten geht diese Manie jedoch bei den E-Books, die hier iBooks heißen. Die Startseite zeigt die heruntergeladenen Bücher in einem gemaserten Holzregal wie aus der Kinderabteilung der Stadtbücherei. Klickt man auf eines, klappt einem der Umschlag entgegen. Und beim Blättern wölbt sich die neue Seite je nach dem Winkel, in dem man sie "anfasst" über die eben gelesene. Mit dieser leicht infantilen Ästhetik der Benutzeroberfläche und der Eliminierung von allem, was an Arbeit oder Technik erinnert, reduziert das iPad den Computer zum Unterhaltungsterminal für konsumfreudige Couch-Potatoes. | Bücher mit Eselsohren, vergilbte Landkarten - all das ist Vergangenheit. Das neue iPad belebt das Ideal einer makellosen Welt. 700.000 Exemplare sollen bereits verkauft worden sein. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/ipad-verkaufsstart-in-den-usa-zucker-fuer-die-augen-1.16618 | iPad: Verkaufsstart in den USA - Zucker für die Augen | 00/04/2010 |
Das Online-Spiel FarmVille macht selbst Stadtkinder zu Landbauern. Doch der digitalen Welt mangelt es an Mühen - und Romantik. Aber im Winter ist dem Gärtner traditionell fad. Das Einzige, was er da erledigen kann, sind läppische Beschäftigungsmaßnahmen: das Werkzeug reinigen und ölen. Den Rhabarber mulchen. Aufpassen, dass die alten Bienenkörbe nicht von den Winterstürmen umgeworfen werden. Mehr ist nicht und diese Jahreszeit dem passionierten Privatbauern folgerichtig schlimmer als Schnecken, Hagel und Wühlmaus zusammen. Das galt zumindest seit dem späten Pleistozän und bis zum Winter 2008/09. Im gerade abgeschlossenen Winter war alles wundersam anders, da wuchsen Erdbeeren und Artischocken, Auberginen und Weizen, und sie waren mitten im Dezember erntereif - FarmVille sei Dank. Seit es dieses Spiel in der weltweiten Netzgemeinschaft Facebook gibt, hat der Gärtner keine Winterpause mehr. Er hat keine Schwielen mehr und keine schmutzigen Hosen, streng genommen hat er auch keinen Garten mehr. Stattdessen bietet ihm das sehr populäre Netzspiel 12x12 pixelige Parzellen, über die er per Mausklick eine kleine Figur kommandieren kann. Dieser virtuelle Ersatz-Gärtner ist insofern sehr authentisch, als dass er sich mit dem typisch sorgenvollen Blick und jener original grantigen Miene ausstatten lässt, die jeder kennt, der schon mal durch eine echte Schrebergartenkolonie gelaufen ist. Wunsch nach baldiger Ernte Mehr als 80 Millionen solcher Spielfiguren werden derzeit von mehr als 80 Millionen Spielern durch die FarmVille-Welt gelenkt, sie graben unentwegt Land um, machen es urbar und säen, ihre Lenker an den Tastaturen schauen derweil auf die Uhr. Erdbeeren, die bei FarmVille zu den einfachsten Übungen gehören, brauchen vier Stunden von der Aussaat bis zur Erntereife. Weizen und Kürbisse dauern zwei Tage, Kirschbäume noch länger. Auch Anbaulaien ahnen: Das deckt sich nicht ganz mit den natürlichen Wachstumszeiten. Aber das ist egal, für ein Computerspiel sind zwei Tage Kürbisgeburt schon beinahe Echtzeit. Passionierte FarmVille-Spieler werden jedenfalls schon so ausreichend hibbelig, weil sich das Zeug auf ihren Bildschirmen derart langsam bewegt. Sie feuern im Büro und in ihren iPhones die Süßkartoffeln und Wassermelonen an und wünschen sich wie jeder echte Gärtner nichts sehnlicher als baldige und reiche Ernte. Diese wird online nicht nur von einem sehr wohligen Geräusch untermalt, sondern zahlt sich auch in barer Münze aus. Der FarmVille-Gärtner ist nämlich von der ersten Stunde an ein stark gefragter Agrarökonom und Viktualienhändler. Von kleinen Plagen verschont Seine ganze Ernte wird sofort verkauft - an wen ist unklar - und die Kasse klingelt. Vom verdienten Geld kauft er weitere Samen, ersteht später Vieh und Gebüsch und noch später den schnöden Mammon, in Form von Landhäusern und Farmanwesen. So hat auch dieses Spiel letztlich Macht und Landnahme zum Ziel, aber es geht dabei den friedfertigen Weg via Erdbeeren und Spaten. Zwar gibt es auch gelegentlich Ungemach in Gestalt eines traurigen Schafs oder alten Gauls, die unversehens über die Gemarkung traben und mit dem Bau eines Stalls die Finanzen belasten, aber von den kleinen Plagen der Gärtnerei ist man weitgehend verschont. Der digitale Farmboden ist so fruchtbar, dass alles ohne Wässern und ohne Unkraut gedeiht, Dreifelderwirtschaft und günstige Pflanznachbarschaften kann man ganz außer Acht lassen, Baumwolle wächst in haushaltsüblichen Mengen gleich neben Narzissen, und mit dem Einsatz von Düngemitteln ungeklärter Herkunft ist man auch nicht zimperlich. | Das Online-Spiel FarmVille macht selbst Stadtkinder zu Landbauern. Doch der digitalen Welt mangelt es an Mühen - und Romantik. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/phaenomen-farmville-bauernhof-fuer-junges-gemuese-1.20631 | Phänomen FarmVille - Bauernhof für junges Gemüse | 00/04/2010 |
Tausende Kunden stürmen Apple-Läden: Der Verkaufsstart des iPad hat in den USA zu langen Warteschlangen geführt. Doch den Verkaufsrekord des iPhone zu überbieten, dürfte schwer werden. In den USA hat am Samstag der Verkauf des neuen Apple-Tablet-Computers iPad begonnen, dem viele Computerfreunde entgegengefiebert haben. Vor den Läden in New York bildeten sich Warteschlangen, bis die Türen dann um neun Uhr (15 Uhr Mitteleuropäische Zeit) öffneten. Einige Apple-Fans waren sogar extra aus Europa angereist, weil dort der Rechner erst Ende April in die Läden kommt. Zu ihnen gehörte auch der Software-Entwickler Siggi M. aus der Nähe von Frankfurt am Main. Ein iPad sei ideal dafür, sich schnell Notizen machen zu können, sagte er. Andere warteten bereits seit einem Tag, um eines der ersten Geräte zu ergattern. Unter ihnen war auch die 66-jährige Toni Di Giorno, die extra mit ihrer Tochter und ihrem Enkelkind aus Pittsburgh angereist war. "Die beiden waren richtig verrückt auf einen iPad", sagte sie. So wie in New York sah es auch in anderen Städten aus. In Richmond, Virginia vertrieben sich rund hundert Menschen die Wartezeit mit Kaffee und Plaudereien. An der Wall Street wird mit großer Spannung verfolgt, ob sich Apples Hoffnungsträger zum Verkaufsschlager entwickelt. Zumindest der iPad-Verkaufsstart löste einen deutlich geringeren Ansturm aus als der des iPhones im Jahr 2007. Vom iPhone hat Apple in 74 Tagen eine Million Geräte abgesetzt - und das gilt es nun erst einmal zu überbieten Das iPad, das Ende April auch in Deutschland zu haben sein wird, konnte in den USA bereits seit Mitte März im Internet bestellt werden. Denjenigen, die früh genug orderten, wurden die Geräte - eine Art Mischung aus Laptop und Smartphone - am Samstag nach Hause geliefert. Analysten schätzen, dass bei Apple bislang mehrere Hunderttausend Bestellungen eingingen. Für das erste Jahr wird mit einem Absatz von vier bis sieben Millionen iPads gerechnet. Unterdessen wurde bekannt, dass in dem iPad Speicherchips von Samsung Electronics, Broadcom und Texas Instruments stecken. Dies fanden Experten des Unternehmens IFixit heraus, die das Gerät unmittelbar nach Verkaufsstart auseinander bauten und die Komponenten katalogisierten. Das iPad verbindet die iPhone-Plattform für Anwendungen (Apps) aller Art mit einem Lesegerät für digitale Bücher (E-Books). Wegen dieser Funktion stößt das neue Gerät vor allem bei Medien und Verlagen auf besonderes Interesse. Die ersten iPads haben ausschließlich eine WLAN-Verbindung und kosten je nach Speicherkapazität 499, 599 oder 699 Dollar (367 bis 515 Euro) - Preise für die Markteinführung in Deutschland wurden bislang nicht genannt. | Tausende Kunden stürmen Apple-Läden: Der Verkaufsstart des iPad hat in den USA zu langen Warteschlangen geführt. Doch den Verkaufsrekord des iPhone zu überbieten, dürfte schwer werden. | digital | https://www.sueddeutsche.de/digital/verkaufsstart-in-den-usa-ansturm-auf-das-ipad-1.2406 | Verkaufsstart in den USA - Ansturm auf das iPad | 00/04/2010 |
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