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Zu Beginn des Lokführerstreiks in Berlin und München liegen bei manchen Reisenden die Nerven blank. Doch die streikenden Lokführer lassen sich nicht aus der Fassung bringen und verweisen lakonisch auf den Notfahrplan. Szenen vom Berliner und Münchner Hauptbahnhof. Um 7.49 Uhr hätte Lokführer Jens Stabrey an diesem Freitagmorgen seinen Dienst im Münchner Hauptbahnhof antreten sollen, doch an diesem regnerischen Herbsttag ist bei der Bahn alles ein bisschen anders. Denn am Donnerstag hatte die Lokführergewerkschaft GDL einen bundesweiten befristeten Streik von acht bis elf Uhr angekündigt, und daher befindet sich Stabrey jetzt im Ausstand: "Ich habe mich bei der Bahn abgemeldet und mitgeteilt, dass ich streiken werde", sagt der 41-Jährige, der seit 23 Jahren im Führerstand von Zügen steht. Für diese lange Berufserfahrung ist das Auskommen in der Tat nicht üppig: Als kinderloser Verheirateter kommt er auf 1380 Euro netto plus Zulagen von 200 bis 250 Euro. "Kämen wir GDLer mit unserer Forderung einer 31-prozentigen Erhöhung voll durch, kämen da noch einmal 200 bis 300 Euro drauf", verdeutlicht Stabrey. "Geld ist schnell knapp" Dieses Geld brauche er, denn in München seien die Mieten hoch: "Meine Frau hat ihren Job in Gera, wo wir beide herkommen, extra aufgegeben, um hierher zu ziehen, da ist das Geld schnell knapp." Die meisten Leute hätten daher auch Verständnis für die Forderungen der Lokführer, glaubt er. Genau in diesem Moment tritt ein Reisender an Stabrey heran und schlägt ihm wütend sein Ticket auf die Schulter: "Ich muss dringend nach Regensburg, da liegt meine Mutter im Sterben. Immer trifft es die Kleinen, wie soll ich jetzt nach Regensburg kommen?", ruft der Mittvierziger erregt. Stabrey bleibt ruhig und besonnen: "Bitte schauen Sie auf den Ersatzfahrplan und nehmen einen späteren Zug", empfiehlt er. "Bis dahin ist meine Mutter hin", entgegnet der Passant. Auch am Hauptbahnhof Berlin hinterlässt der Streik entnervte Reisende. Der Rentner Dieter Daehmel wollte an diesem Morgen mit seiner Frau Inge die Tochter und den Schwiegersohn in Stralsund besuchen, da gleich beide ihren Geburtstag feiern. Lesen Sie auf der zweiten Seite, wie ein Gleis des Berliner Hauptbahnhofes blockiert wurde.
Zu Beginn des Lokführerstreiks in Berlin und München liegen bei manchen Reisenden die Nerven blank. Doch die streikenden Lokführer lassen sich nicht aus der Fassung bringen und verweisen lakonisch auf den Notfahrplan. Szenen vom Berliner und Münchner Hauptbahnhof.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/szenen-vom-lokfuehrerstreik-bis-dahin-ist-meine-mutter-hin-1.891511
"Szenen vom Lokführerstreik - ""Bis dahin ist meine Mutter hin"""
00/05/2010
Als Schnappschuss-Lieferanten wurden Foto-Handys entwickelt — nun verbieten viele Industrieunternehmen die Telefone aus Angst vor Spionage. James Bond hätte bestimmt längst eines in der Westentasche stecken. Nicht nur, dass man mit Handys heimlich fotografieren kann, während alle Welt denkt, man versuche gerade ein Telefonat zu führen. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: AP) Es kommt noch besser: Kaum ist etwas abgelichtet, besteht die Möglichkeit, das Foto sofort per E-Mail abzusetzen. Paradiesische Aussichten für professionelle Heimlichtuer. Keine Leibesvisitationen Von solchen Sorgen werden offenbar Unternehmensleitungen in Deutschland gequält, wenn sie Foto-Handy-Verbote aussprechen. Beim BMW-Werk in München müssen Besucher nicht nur Fotoapparate, sondern auch die Multimedia-Telefone in Schließfächern am Werkstor zurücklassen. Der bayerische Automobilhersteller lehnt zwar Leibesvisitationen ab. Wie ernst das Unternehmen dieses Thema aber nimmt, zeigt, dass die Sprecherin des Werks München, Gabriele Schattat, berichtet, der Werksschutz habe "Mittel und Wege, das zu kontrollieren". Mehr möchte sie nicht verraten, nur so viel, dass "die BMW Group um dieses Thema sehr besorgt ist". Warum? "Weil diese Handys so klein sind." Nicht nur BMW hat in den Multimedia-Geräten "ein Problem erkannt", so Gabriele Schattat. Volkswagen kontrolliert stichprobenartig bei Besuchern und Mitarbeitern, ob das Verbot des Mitführens von Fotoapparaten - also auch Foto-Handys - befolgt wird. Sogar Mobiltelefon-Hersteller wie Nokia und Motorola haben in ihren deutschen Produktionsstätten aus Sorge vor Industrie-Spionage Foto-Handy-Kontrollen am Eingang eingeführt. Bei Motorola Flensburg allein deshalb, weil sich dort eine der wichtigsten Herstellungsstätten für die neuen UMTS-Handys befindet. Ein Spielzeug wird plötzlich ernst genommen, ernster, als man eigentlich erwarten durfte. Beim Bundesbeauftragten für den Datenschutz heißt es, die Foto-Handys erhöhten enorm die Möglichkeiten der heimlichen Bildaufnahme. Damit steige auch die Notwendigkeit, dass der Gesetzgeber das Aufnehmen und Verbreiten solcher Fotos im Internet unter Strafe stelle. Eine alte Forderung des Datenschutzbeauftragten. Nackt und unwissend Wie aus heiterem Himmel hatte sich im Supersommer 2003 der Verband deutscher Schwimmmeister für ein Foto-Handy-Verbot in Schwimmbädern ausgesprochen. Man fürchtete Voyeure, die nicht-bekleidete Badegäste in der Umkleidekabine ohne deren Wissen ablichten und die Fotos ins Internet stellen. Diese Forderung ließ der Verband allerdings bald wieder fallen. Es gab nämlich keine konkreten Beschwerden und keine rechtliche Grundlage für ein solches Vorgehen. Dafür gab es Boulevard-Zeitungen, die sich dem Thema gerne bildmächtig annahmen. In der Tat ist es die Frage, ob den Geräten nicht zu viel Ehre zuteil wird. Die seit etwas mehr als eineinhalb Jahren angebotenen Foto-Handys waren eigentlich als Schnappschuss-Lieferanten gedacht. Zumindest legte das die Standard-Ausstattung mit einem Fotoapparat nahe, der anfangs eine Datenmenge von 30Kilobyte pro Bild zu bieten hatte. Im Vergleich zu digitalen Kameras, die 1 bis 3 Megabyte schaffen, ist das kaum der Rede wert. Die schwache Auflösung reichte aber für kleinstformatige Momentaufnahmen, die als Multi Media System (MMS) von einem Handy zum anderen geschickt werden. Dieses Angebot wird bislang eher wenig bis gar nicht genutzt, auch weil MMS bis zu sechsmal teurer sind als die reine Text-Version SMS: Marktführer T-Mobile setzte weltweit von Januar bis Oktober 2003 gerade mal 15 Millionen dieser Fotonachrichten ab. Im gleichen Zeitraum gingen 20 Milliarden SMS über die T-Mobile-Netze. Trotzdem meldete Motorola während des Weihnachtsgeschäfts Lieferengpässe, und auch bei "Nokia Deutschland" ist man vom Siegeszug der neuen Technologie überzeugt. Dort schwärmt man von einer "sehr, sehr hohen Nachfrage" und davon, dass die Einführung der MMS nur mit dem Entwicklungssprung vom Schwarzweißfernsehen zur Farb-Version zu vergleichen sei. Von vier neuen Nokia-Modellen im ersten Quartal 2004 haben drei einen Fotoapparat. Wer sich Websites anschaut, wo jeder seine verwischten Schnappschüsse im Briefmarkenformat ausstellen kann, der blättert in einem Album der Unschärfe und der Fehlfarben. Schwer vorstellbar, dass von solchen Flimmerbildern eine Spitzel-Gefahr ausgehen soll. Bleibt das Geheimnis nicht im Foto-Nebel verborgen? Davon will Motorola-Manager Jürgen Kühn nichts wissen. Mittlerweile ließen sich mit größerer Kapazität aufgenommene Handy-Fotos auf den PC übertragen und ausdrucken. "Da brauchen Sie keine Digitalkamera mehr", behauptet Kühn tapfer. "Ohne Fotoapparat geht bei Handys nichts mehr." Drohender Imageverlust Beim Bundeskriminalamt liegen trotz angeblich verbesserter Bild-Qualität bislang noch keine Fälle von Industriespionage mittels Foto-Handys vor. Das mag auch daran liegen, dass betroffene Unternehmen nach Auskunft der Behörde sehr zögerlich sind, so etwas einzugestehen. Sie wägen ab zwischen der vagen Hoffnung auf einen Fahndungserfolg und einem drohenden Imageverlust. Denn wer zugibt, sich ausspionieren zu lassen, vermittelt den Eindruck, dass er sich nicht schützen kann. Das BKA will das Handy lieber selbst als "Fahndungsmittel" der Zukunft nutzen. In Kürze sollen flüchtige Täter statt mit einer Durchsage über Funk mit einer Sammel-SMS an alle Taxifahrer und Busfahrer gesucht werden. Ein Projektversuch verlief erfolgsversprechend. Wer weiß, vielleicht wird irgendwann auch gleich das Foto des Bankräubers per MMS mitgeschickt.
Als Schnappschuss-Lieferanten wurden Foto-Handys entwickelt — nun verbieten viele Industrieunternehmen die Telefone aus Angst vor Spionage.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/angst-vor-der-linse-bitte-recht-heimlich-1.898893
Angst vor der Linse - Bitte recht heimlich!
00/05/2010
Angesichts der sinkenden Geburtenraten fordern Politiker und Wirtschaftswissenschaftler höhere Renten für Eltern und Einschnitte bei der Altersversorgung für Kinderlose. Die sinkenden Geburtenraten in Deutschland haben eine neue Diskussion über eine Rentenkürzung für Kinderlose ausgelöst. Detailansicht öffnen Düsterer Blick in die Zukunft: Seit 1945 wurden in Deutschland nicht mehr so wenig Kinder geboren. (Foto: Foto: ddp) Politiker und Wirtschaftswissenschaftler sprachen sich in der Bild-Zeitung für Einschnitte bei der Rente von Versicherten ohne Kinder und eine Erhöhung der Altersgelder für Eltern aus. Der Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik der Uni Köln, Johann Eekhoff, verlangte, die Renten von Kinderlosen um die Hälfte zu senken. "Kinderlose hätten nie in das Rentensystem aufgenommen werden dürfen, weil es nur funktioniert, wenn es von nachfolgenden Generationen finanziert wird", sagte der frühere Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Diese Umstellung könne aber nur in kleinen Schritten erfolgen, damit die Betroffenen privat vorsorgen können. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis schlug vor, die Renten für Kinderlose zu kürzen oder deren Beiträge zu erhöhen. Familien, bei denen ein Elternteil daheim bleibe und Kinder erziehe, erbrächten eine Leistung für die nächste Generation. Davon profitierten "Leute, die voll erwerbstätig sind und keine Kinder haben." Weltweit niedrigste Geburtenrate Der SPD-Sozialexperte Karl Lauterbach sprach sich für eine "Aufstockung der Altersrenten von gering verdienenden Eltern" aus. Der Präsident des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, schlug vor, alle Arbeitnehmer sollten acht Prozent vom Bruttoeinkommen zur Privatvorsorge ansparen, wobei Eltern Abschläge zustehen sollten. Deutschland hat mit der weltweit niedrigsten Geburtenrate zu kämpfen. Statistisch gesehen bringt jede Frau nur noch 1,36 Kinder zur Welt. Für eine stabile Bevölkerungszahl in Deutschland wäre eine Rate von 2,1 Kindern notwendig. Die Tageszeitung Die Welt hatte berichtet, dass die absolute Geburtenzahl in Deutschland inzwischen den Tiefstand des letzten Kriegsjahres 1945 erreicht habe. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte: "Die hohe Kinderlosigkeit ist alarmierend. Wir müssen alle umdenken." Dieses Land müsse "elternfreundlicher" werden. "Wir müssen im Zusammenhang mit Kindern nicht mehr darüber streiten, was nicht geht. Sondern jeder muss sich fragen, was er besser machen kann, damit Kinder in einer modernen Welt willkommen sind. Kinder bedeuten für unser Land Lebensfreude, Kreativität, wirtschaftliches Wachstum und auch soziale Sicherheit."
Angesichts der sinkenden Geburtenraten fordern Politiker und Wirtschaftswissenschaftler höhere Renten für Eltern und Einschnitte bei der Altersversorgung für Kinderlose.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geburtenrueckgang-keine-kinder-halbe-rente-1.902713
Geburtenrückgang - Keine Kinder - halbe Rente?
00/05/2010
Der Eklat um die Kostenexplosion bei der Online-Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (BA) beschäftigt zunehmend die Politik. Während sich CDU und SPD hinter Behördenchef Weise stellen, forderte die FDP nun erstmals dessen Ablösung. Seine Berufung sei nicht der erhoffte Neuanfang gewesen. Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Rainer Brüderle sagte der Berliner Zeitung, angesichts der Kostenexplosion bei der Internet-Jobbörse "kann es nicht sein, dass die Indianer gehen müssen und die Häuptlinge bleiben". Detailansicht öffnen Wer wusste wann was? Behörden-Chef Frank-Jürgen Weise und Vorstandsmitglied Heinrich Alt. (Foto: Beide Fotos: AP) Weise und seinem BA-Vorstandskollegen Heinrich Alt wird vorgehalten, bereits im August 2003 von den hohen Mehrkosten gewusst, die nötigen Konsequenzen aber nicht gezogen zu haben. Beide dementierten jedoch, vor Dezember über das Finanzloch informiert worden zu sein. Weise wies darüber hinaus ausdrücklich auf die Zuständigkeit Alts hin. Ermittlungen wegen Untreue Der Projektleiter der Online-Jobbörse, Jürgen Koch, war kürzlich entlassen worden, weil die Kosten für den Aufbau des Internet-Portals von geplanten 65 Millionen auf 165 Millionen Euro zu steigen drohen. Die Nürnberger Staatsanwaltschaft ermittelt darüber hinaus seit vergangener Woche wegen Untreue. Brüderle sagte der Zeitung, als früherer Stellvertreter des wegen undurchsichtiger Beraterverträge entlassenen BA-Präsidenten Florian Gerster sei Weise "die erwartete Fehlbesetzung". Seine Berufung sei kein Neuanfang für die Bundesagentur gewesen, sondern "die befürchtete Inzuchtlösung". Auch in Verwaltungsratskreisen der Nürnberger Behörde wird laut Berliner Zeitung daran gezweifelt, dass Weise und Alt erst so spät informiert worden sein wollen. In dem Aufsichtsgremium seien regelmäßig Fragen zur Entwicklung des im Aufbau befindlichen virtuellen Arbeitsmarktes gestellt worden. "Insgesamt vermittelte der Vorstand... den Eindruck, dass alles im grünen Bereich liege", zitierte das Blatt die nicht näher bezeichneten Verwaltungsratskreise. Aufsichtspflichten Indessen bezweifelte der FDP-Bundestagsabgeordnete Dirk Niebel, dass der BA-Verwaltungsrat seiner Aufsichtspflicht in erforderlichem Umfang nachgekommen ist. Der Tageszeitung Die Welt sagte er, das Gremium habe versagt, weil es früher hätte erkennen müssen, wie sich die Kosten entwickeln. SPD-Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner und die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Thea Dückert, forderten Wirtschaftsminister Wolfgang Clement auf, den Finanzskandal aufzuklären und das Parlament zu informieren. Weise und Alt vor Wirtschaftsausschuss Clement wird am (morgigen) Mittwoch zusammen mit Weise und Alt an der Sitzung des Bundestagswirtschaftsausschusses teilnehmen. Das Wirtschaftsministerium unterstrich erneut, dass Weise das Vertrauen Clements habe. Bereits am Montag hatte der Verwaltungsrat den BA-Vorstand aufgefordert, die Vorwürfe bis kommenden Freitag zu klären. Der dem Verwaltungsrats angehörende bayerische Staatssekretär Jürgen Heike sagte den Nürnberger Nachrichten, sollte Alt schon im August gewusst haben, dass die tatsächlichen Kosten weit über den geplanten Ausgaben liegen, "wäre das eine böse Sache von Heinrich Alt". CDU stellt sich hinter Weise Wie bereits zuvor Wirtschaftsminister Clement stellte sich die CDU allerdings hinter Weise. Der Unions-Arbeitsmarktexperte Karl-Josef Laumann sagte im RBB-Inforadio, dass die Vorwürfe im Zusammenhang mit dem drastischen Kostenanstieg zunächst geprüft werden müssten. Erst wenn nach objektiver Prüfung transparent werde, wer die Verantwortung für diese "Riesen-Sauerei" trägt, könne auch über Konsequenzen nachgedacht werden. Interessant zu wissen wäre, wer für den gewaltigen finanziellen Schaden aufkommt, sagte Laumann. Er habe den Eindruck, dass sich Weise "sehr um Aufklärung bemüht", betonte Laumann und fügte hinzu: "Wir gehen erstmal davon aus, dass er einen guten Job macht."
Der Eklat um die Kostenexplosion bei der Online-Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (BA) beschäftigt zunehmend die Politik. Während sich CDU und SPD hinter Behördenchef Weise stellen, forderte die FDP nun erstmals dessen Ablösung. Seine Berufung sei nicht der erhoffte Neuanfang gewesen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/befuerchtete-inzuchtloesung-fdp-fordert-abloesung-von-ba-chef-weise-1.904694
"""Befürchtete Inzuchtlösung"" - FDP fordert Ablösung von BA-Chef Weise"
00/05/2010
Trotz historisch niedrigem Zinsniveau können festverzinsliche Wertpapiere des Bundes momentan attraktiv sein. Anleger können Gebühren sparen und sich ihre Flexibilität erhalten. Bundeswertpapiere gehören zu den Klassikern der Geldanlage. Wer die festverzinslichen Papiere kauft, leiht dem Staat Geld und bekommt dafür Zinsen - mit hundertprozentiger Sicherheit. Anleger können zwischen verschiedenen Wertpapierarten des Bundes wählen. Die längste Laufzeit haben Bundesanleihen mit 10 oder 30 Jahren. Für Anleger, die Papiere bis zur Fälligkeit halten, kommen solche Langläufer im Moment aber kaum in Frage: Denn wer die Langläufer vorzeitig verkauft, muss Kursverluste in Kauf nehmen, wenn sich nach dem Erwerb das Zinsniveau erhöht hat. Und wer sie bis zum Ende der Laufzeit behält, verzichtet darauf, bei einem Zinsanstieg auf höher verzinste Papiere umzusteigen. Vor- und Nachteile Interessant sind deshalb für Privatanleger vor allem die Papiere, die kurze Laufzeiten haben oder sich ohne Kursrisiko vorzeitig losschlagen lassen. Dazu zählen Bundesschatzbriefe, Finanzierungsschätze und Bundesobligationen mit Restlaufzeiten von ein bis drei Jahren. Wer in die Papiere investieren will, sollte ihre Vor- und Nachteile kennen: Die Schatzbriefe: Bundesschatzbriefe sind für die kurze Geldanlage besser geeignet als ihr Ruf. Eigentlich sind die Schätzchen, die es bei jeder Bank kostenlos gibt, für die mittel- und langfristige Anlage gedacht. Typ A (mit jährlicher Zinsauszahlung) hat eine Laufzeit von sechs Jahren und eine Rendite von derzeit 2,67 Prozent. Typ B (mit Zinsansammlung) läuft sieben Jahre und erzielt 2,92 Prozent Rendite. Die Zinsen steigen jährlich an, beim Typ B zum Beispiel von 1,5 bis auf 4,25 Prozent. Beide Varianten bieten einen großen Vorteil: Nach dem ersten Jahr ist eine Rückgabe bis zu einer Summe von 5000 (Eheleute: 10000) Euro in 30 Tagen möglich. Sind die Zinsen in der Zwischenzeit gestiegen, kann der Anleger sein Geld in ein höher verzinstes Papier investieren. Bei solch einem Wechsel sollten die Sparer jedoch auf die Kosten achten. Kostenlose Rückgabe von Bundesschatzbriefen Während Banken für die vorzeitige Rückgabe von Schatzbriefen Gebühren kassieren, ist diese bei der Bundeswertpapierverwaltung (BWpV) umsonst. Dadurch werden Schätzchen auch für kurzfristige Anleger interessant. "Der Schatzbrief bietet wegen des kostenfreien Wechsels die Möglichkeit zur Punktlandung", sagt Udo Keßler vom Informationsdienst für Bundeswertpapiere. Die Finanzierungsschätze: Sie gibt der Bund speziell für die kurzfristige Anlage heraus. Die Laufzeit der Fi-Schätze beträgt ein oder zwei Jahre, ein vorzeitiger Verkauf ist ausgeschlossen. Zurzeit liegt die Rendite beim einjährigen Finanzierungsschatz bei 1,80 Prozent, bei zwei Jahren fließen 1,85 Prozent.
Trotz historisch niedrigem Zinsniveau können festverzinsliche Wertpapiere des Bundes momentan attraktiv sein. Anleger können Gebühren sparen und sich ihre Flexibilität erhalten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sz-serie-anlage-strategie-ii-mit-dem-staat-auf-nummer-sicher-1.897954
SZ-Serie: Anlage-Strategie (II) - Mit dem Staat auf Nummer sicher
00/05/2010
Die Post will langfristig die Mehrheit an ihrem Tochterunternehmen behalten und hat eine Übernahme durch die Deutsche Bank offiziell ausgeschlossen. Die Deutsche Post hat in einer offiziellen Erklärung den Börsengang der Postbank für den 21. Juni bestätigt und damit alle Spekulationen beendet. Detailansicht öffnen Post-Vorstand Klaus Zumwinkel und Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann. (Foto: Foto: AP) "Außerhalb des Börsengangs wird es keinen Verkauf der Postbank oder von Teilen derselben an in- oder ausländische Investoren geben; ebensowenig werden größere Pakete an Kreditinstitute oder andere strategische Investoren abgegeben", erklärte der Post-Vorstand. Deutsche Bank bleibt Konsortialführer Die Verhandlungen mit der Deutschen Bank seien "gemeinsam beendet" worden. Woran eine Übernahme von Teilen der Postbank oder auch ein Komplettkauf scheiterte, ist zunächst noch unklar. Die Deutsche Bank soll weiter einer der Konsortialführer des Börsengangs bleiben. Die Post werde auch nach dem Börsengang mit mindestens 50 Prozent und einer Aktie die Mehrheit an ihrem Tochterunternehmen halten, teilte der Post-Vorstand mit. Dies sei insbesondere im Interesse der Kunden und der Mitarbeiter der Postbank. Gerhard Schröder drängte auf Konsolidierung Erste Gerüchte über ein Interesse der größten deutschen Privatbank an einer Übernahme des gelben Konkurrenten waren vor einer Woche laut geworden. Kurz zuvor hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder an die deutschen Banken appelliert, den notwendigen Konsolidierungsprozess in der Branche endlich ernsthaft anzugehen. Durch eine Kauf der Postbank hätte die Deutsche Bank die Zahl ihrer Privatkunden mehr als verdoppeln können. Immerhin verfügt die Postbank als "größte Privatkundenbank Deutschlands" über 11,5 Millionen Klienten. In den letzten Tagen war verstärkt Kritik an der Deutschen Bank laut geworden wegen ihrer Doppelrolle als möglicher Kaufinteressent und als Konsortialführer beim Börsengang, der über erhebliches Insider-Wissen verfügt. Gewerkschaft begrüßt Post-Entscheidung Der Postvorstand bemühte sich denn auch die Wogen zu glätten. "Das offensichtlich hohe Interesse an der Postbank werten wir als Zeichen der Anerkennung der mittlerweile geschaffenen Substanz und der Attraktivität der Bank", betonte der Vorstand. Schließlich liege das Geschäftsergebnis des Bereichs Finanzdienstleistungen der Deutschen Post im ersten Quartal um fast 38 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.Di begrüßte das Ende der Spekulationen um den Postbank-Verkauf: "Die Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank haben bei den Beschäftigten große Ängste um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze ausgelöst. Es war höchste Zeit, dass der Vorstand Klarheit schafft," sagte Bundesvorstandsmitglied Rolf Büttner. Börse reagiert positiv Die Börse nahm das vorläufige Ende der Spekulationen positiv auf. Der Aktienkurs der Post stieg auf über 17 Euro. Ein Analyst sagte, eine Aussage dieser Art sei dringend notwendig gewesen, um die Verwirrung aus dem Markt herauszunehmen. Weitere Spekulationen wären für alle Seiten — für Post, Postbank und auch Deutsche Bank — von Nachteil gewesen. Dennoch bewerte er die Mitteilung eher verhalten. "In den letzten Tagen ist zu viel passiert." Er könne der Aussage erst trauen, wenn die Postbank wirklich an der Börse sei.
Die Post will langfristig die Mehrheit an ihrem Tochterunternehmen behalten und hat eine Übernahme durch die Deutsche Bank offiziell ausgeschlossen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/spekulationen-zum-trotz-postbank-laesst-sich-nicht-kaufen-1.918785
Spekulationen zum Trotz - Postbank lässt sich nicht kaufen
00/05/2010
Haim Saban ist noch nicht lange Pro-Sieben-Patron und schon ist er seinen Vorstandschef los. Mag die Trennung auch nicht unerwartet gekommen sein, ihr Tempo überrascht. Es ging um mehr als 400 Millionen Euro, und es wäre sein größter Coup geworden. In den vergangenen Wochen bearbeitete Urs Rohner die Chefs der Deutschen Fußball-Liga (DFL): Der Vorstandsvorsitzende der Pro Sieben Sat 1 Media AG wollte unbedingt die Bundesliga zurückholen. Die Spitzenspiele sollten Sonntagabend im werbefinanzierten Sender Sat 1 laufen, alle anderen Begegnungen dagegen in einem neuen, hauseigenen Abofernsehen (Pay TV). Detailansicht öffnen Auch das Beten half nichts mehr: Urs Rohner (rechts) wurde von Haim Saban (links) verabschiedet. (Foto: Foto: dpa) Schneidig bis zum Schluss Der aus der Schweiz stammende Jurist trat in der heiklen Angelegenheit so auf, wie ihn die deutsche Medienbranche seit Anfang 2000 kennt, als er zum Chef der Pro-Sieben-Gruppe berufen wurde: Schneidig, eingenommen von sich und seinen Plänen, ohne den geringsten Selbstzweifel. Mit ihm werde die Bundesliga bessere Geschäfte denn je machen, lockte der 44-Jährige. Daraus wird nichts. Die Bundesliga-Offerte gilt weiter, aber Rohner hat bei Deutschlands größtem Fernsehkonzern nichts mehr zu sagen. Auf Betreiben von Großaktionär Haim Saban und im Einverständnis mit dem Springer Verlag, einem weiteren wichtigen Teilhaber, berief der Aufsichtsrat am Dienstag einen neuen Vorstandschef. Der Belgier und Saban-Vertraute Guillaume de Posch, 46, der erst seit September 2003 im Vorstand des Münchner TV-Konzerns arbeitet, wurde zum Nachfolger bestimmt. Es ist die vorerst letzte Folge in einer ganzen Serie von spektakulären Personaländerungen, zu deren Opfern zwei Vorstände und ein Senderchef zählen. Auf Harmonie getrimmt Bei einer Pressekonferenz machten der neue und der alte Chef sowie Haupteigentümer Saban nochmal ganz auf Harmonie. Im "Pro-Sieben Kino", einem Vorführraum der Zentrale im Münchner Vorort Unterföhring, erklärten sie den Stabwechsel. Rohner wolle ab 1. Juni in seiner Heimat auf eigenen Wunsch eine "neue berufliche Herausforderung" bei einem international tätigen Großunternehmen suchen, so die offizielle Version. Es sei keine Fluggesellschaft, sagte Rohner, der im Verwaltungsrat der Swiss sitzt. Mit seinem gepflegten Englisch machte der Mann, der sich in der Schweiz um seine Mutter kümmern will, zum Finale einen recht guten Eindruck. Er schien Tränchen im Auge zu haben. Saban bedauert Saban ist Profi. Er bedauerte diese Entscheidung, bedankte sich bei Rohner ("Eine Ära geht zu Ende") und freute sich auf Posch. "More jobs", mehr Stellen, versprach der gebürtige Alexandriner mit dem Silberschlips. Unter der neuen Führung werde der Konzern "noch stärker" vom Wettbewerbsvorteil profitieren, mit Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1 und N 24 vier Sender zu haben. Sabans Finanziers drängen auf höhere Renditen, um ihre Aktien künftig an der Börse versilbern zu können. Und sie glauben offenbar: De Posch ist dafür der Bessere. Rohners Vertrag war erst im Herbst 2003 bis 2006 verlängert worden. Als Sabans Darling galt er nicht, aber die schnelle Scheidung ist doch überraschend. Ex-Hürdenläufer Rohner, der gern mit dem Jungvolk bei Skater-Abenden in München herumkurvte, kultivierte ein Siegerimage. Der Wirtschaftsanwalt, der sich in heißen Börsenzeiten in Manhattan ausprobiert hat, war vom früheren Eigentümer Leo Kirch geholt worden, um die Fusion von ProSieben und Sat1 juristisch zu managen. Nach Kirchs Pleite hatte Rohner einen gewissen Freiraum; auf Saban, der den französischen Fernsehmarkt gut kennt, stellte er sich demonstrativ mit Wissen über TV-Sender in Paris ein. Es nutzte nichts. Zu autoritär Der Fernsehinvestor aus Los Angeles hatte mit anderen Investoren im August 2003 das Herzstück der Kirch-Insolvenzmasse gekauft; seitdem bestimmt er die Geschäfte der Sendergruppe. Dem Mann aus Malibu fiel schnell auf, wie frostig das Klima an der Münchner Konzernspitze war. Hier saß ein Chef, der gern austeilte und dozierend Leitende Angestellte in Schach hielt, selbst aber kaum Kritik akzeptierte. Rohner wusste a) meistens alles besser und machte b) alles richtig. Das Verhältnis des Vorstandschefs zu vielen Führungskräften galt als denkbar schlecht. So könne man kein Team führen, verlautete bald aus Sabans Umgebung. Der neue Großaktionär hatte gemerkt, wie Stratege Rohner kurz vor dem Eigentümerwechsel die Chefs von Sat 1 und Pro Sieben, Martin Hoffmann und Nicolas Paalzow, hinauswerfen wollte. Die beiden waren für eine Nacht lang schon gefeuert, doch einige Aufsichtsräte opponierten. Anfang Dezember musste Hoffmann dann doch weichen. Anfang vom Ende: Schmidt geht Dessen Freund Harald Schmidt ging gleich mit und ließ seine Late-Night-Show auslaufen. Der Imageschaden für Sat 1 war verheerend. Rohner hätte erst Schmidts Vertrag verlängern und dann Hoffmann kündigen sollen, meckerten Aufsichtsräte. Saban redete einige Male auf Rohner ein. Er solle sich doch bitte besser mit den eigenen Leuten arrangieren. Und tatsächlich: Der Schweizer neigte plötzlich stärker zur Teamarbeit. Die Wandlung aber kam zu spät. In den vergangenen Wochen gelangte Saban zur Erkenntnis, es sei Zeit für einen Wechsel.
Haim Saban ist noch nicht lange Pro-Sieben-Patron und schon ist er seinen Vorstandschef los. Mag die Trennung auch nicht unerwartet gekommen sein, ihr Tempo überrascht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/letztes-gruezi-von-urs-rohner-eine-schnelle-scheidung-1.900420
Letztes Gruezi von Urs Rohner - Eine schnelle Scheidung
00/05/2010
Kleinaktionäre fragen, wie es mit dem Kölner Medienunternehmen weiter gehen wird. Der Kleinaktionär Norbert Schmitz aus Köln hatte Großes vor: Er wollte sich an diesem Freitag eigentlich in den Aufsichtsrat von Viva Media wählen lassen. Doch wenige Tage vor der außerordentlichen Hauptversammlung des Medienunternehmens zog er seinen Vorschlag zurück. Es war wohl doch nur ein Karnevalsscherz. Weniger amüsant dürften es viele Anteilseigner finden, dass mit Universal und Time Warner zwei Viva-Großaktionäre auf dem Absprung sind. Übernahmepläne machen erneut die Runde - wie im Sommer 2002, als der US-Medienriese Viacom (MTV) den Kölner Konkurrenten schlucken wollte, sich aber von Time Warner geschlagen geben musste. Unbequeme Fragen Die gut 100 Kleinaktionäre, die sich für die außerplanmäßige Hauptversammlung in Köln angemeldet haben, werden nun wohl unbequeme Fragen stellen. Eigentlich wurde der Termin nur anberaumt, um einen Wechsel im Viva-Aufsichtsrat absegnen zu lassen. Der Time Warner-Mann Andy Bird verlässt das Gremium, weil er zum Disney-Konzern geht. Seine Nachfolgerin soll Louise Scott Sams werden, eine Abgesandte der Warner-Fernsehtochter Turner aus Atlanta. Controller abberufen Dort hat man sich mittlerweile von dem Vorhaben verabschiedet, dauerhaft im deutschen TV-Markt zu bleiben. Der einst von Warner zu Viva geschickte Controller Arthur Bastings wurde bereits abberufen; auch, weil er nicht überzeugen konnte. Die Beteiligungen an Viva Media (30,6 Prozent), Viva Plus (49 Prozent) und dem krisengeschüttelten Nachrichtensender n-tv (50 Prozent) stehen zur Disposition, vor allem die Höhe des Verkaufspreises dürfte den Zeitpunkt des Ausstiegs bestimmen. Gleiches gilt für Universal, dem Konzern passt der 15,3-prozentige Viva-Anteil nicht mehr ins Konzept. Als Kaufinteressenten werden Disney, der ProSiebenSat1-Eigner Haim Saban und, wie so oft, der Münchner Filmhändler Herbert Kloiber genannt. Doch jeder weiß, der Preis ist hoch.Viva Media ist an der Börse derzeit knapp 200 Millionen Euro wert.
Kleinaktionäre fragen, wie es mit dem Kölner Medienunternehmen weiter gehen wird.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/viva-time-warner-und-universal-wollen-raus-1.905666
Viva - Time Warner und Universal wollen raus
00/05/2010
"Das entbehrt jeder Grundlage, das ist falsch", sagte Airbus-Deutschlandchef Puttfarcken. Die Bild-Zeitung hatte berichtet, Airbus wolle sich von fünf deutschen Werken trennen. Airbus-Deutschland-Chef Gerhard Puttfarcken hat einen Bericht dementiert, der Flugzeugbauer wolle sich im Zuge seines Sparprogramms von fünf deutschen Standorten mit zusammen 6600 Beschäftigten trennen. "Das entbehrt jeder Grundlage, das ist falsch", sagte Airbus-Deutschlandchef Gerhard Puttfarcken in einem dpa-Gesprüch. Detailansicht öffnen Airbus will zunächst doch keine Werke schließen. (Foto: Foto: dpa) Entscheidungen über den Verkauf deutscher Airbuswerke seien nicht gefallen. Die Bild-Zeitung hatte unter Berufung auf Insider berichtet, Airbus wolle sich von vier Werken in Niedersachsen und einem Werk in Baden-Württemberg trennen. Nach Informationen der Zeitung sollen die fünf Werke schnellstmöglich an Investoren verkauft und kostengünstiger als Zulieferer für Airbus weiterbetrieben werden. "Möglichst klug dem Auslastungsloch bei A380 begegnen" Für Donnerstag ist nach Angaben von Puttfarcken ein erstes Gespräch des so genannten Steuerungskreises der Unternehmensführung gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern geplant. Das Gremium solle die Möglichkeiten zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung bei Airbus Deutschland diskutieren. "Wir werden beraten, wie wir möglichst klug dem Auslastungsloch bei A380 begegnen", sagte Puttfarcken. Airbus hat mit dem so genannten "Siduflex"-Konzept (Sicherheit durch Flexibilität) seit mehreren Jahren ein flexibles Arbeitszeitmodell unter anderem mit Zeitkonten für die Mitarbeiter. Damit soll auf Schwankungen in der Luftfahrtkonjunktur reagiert werden. Kompetenz soll im Haus gehalten werden Am Standort Hamburg sind rund 12 000 Stammbeschäftigte tätig. Dazu kommen nach Angaben von Airbus-Gesamtbetriebsratschef Rüdiger Lütjen noch rund 5000 Zeitarbeitskräfte. Nach Angaben von Puttfarcken solle alles daran gesetzt werden, Kompetenz im Haus zu halten. "Es geht ja dann auch wieder aufwärts", sagte er. Nach Angaben von Airbus soll im nächsten Jahr ein A380 ausgeliefert werden, 13 Flugzeuge im Jahr 2008 und 25 im Jahr 2009. Ursprünglich sollte die erste A380 Ende 2006 an den Startkunden Singapore Airlines gehen. Über die Vergabe von Auftragspaketen für künftige Airbus-Projekte wie das mittelgroße Langstreckenflugzeug A350 ist nach Angaben des Airbus-Deutschlandchefs noch keine Entscheidung gefallen. Hamburg ist neben Toulouse größter Airbus-Standort.
"Das entbehrt jeder Grundlage, das ist falsch", sagte Airbus-Deutschlandchef Puttfarcken. Die Bild-Zeitung hatte berichtet, Airbus wolle sich von fünf deutschen Werken trennen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/airbus-dementiert-bild-artikel-deutsche-werke-werden-nicht-verkauft-1.900961
Airbus dementiert Bild-Artikel - Deutsche Werke werden nicht verkauft
00/05/2010
Der deutsche Ableger von Greenpeace will die Gesamtorganisation stärker unterstützen. Weil diese ein neues Schiff braucht, zittern deutsche Mitarbeiter um ihre Jobs. Der Erfolg von Greenpeace lag immer auf dem Wasser. In Deutschland tauchten die Umweltschützer erstmals 1980 an der Wesermündung auf, als sie sich gegen die Dünnsäureverklappung in der Nordsee wehrten. Detailansicht öffnen Ob Walfang, Robbenjagd oder Überfischung: Die größten Themen von Greenpeace spielten sich immer auf dem Wasser ab. (Foto: Foto: AFP) In aller Welt ließ sich die "Rainbow Warrior" blicken, bis das Greenpeace-Schiff 1985 vom französischen Geheimdienst versenkt wurde. Später umkreisten Greenpeace-Boote die Ölplattform Brent Spar und lieferten Bilder von Umweltschützern irgendwo im Nordostatlantik im heroischen Kampf gegen den Ölmulti Shell. Rainbow Warrior II Im Jahr 2006 geht es wieder um ein Schiff, diesmal aber ganz anders. Die "Rainbow Warrior II", die Nachfolgerin des gekenterten Schiffes, soll bald ersetzt werden, aber diesmal richtig: "Wir wollen ein neues Schiff, nicht wieder ein umgebautes", sagt Brigitte Behrens, Chefin von Greenpeace Deutschland. Kostenpunkt: bis zu 15 Millionen Euro, viel mehr als für die bisherigen Second-Hand-Schiffe. Selbst im Polarmeer soll der neue Regenbogen-Krieger kreuzen können. Acht Millionen Euro will allein der deutsche Greenpeace-Ableger dafür locker machen, der finanzkräftigste von allen. Das alles erregte kein Aufsehen, gäbe es nicht parallel diesen hässlichen Stellenabbau: Mit betriebsbedingten Kündigungen, womöglich weniger Lohn bei längerer Arbeitszeit, mit Streichung aller möglichen Sonderleistungen, vom Kinderzuschuss bis zum Weihnachtsgeld. Bei Greenpeace regiert der Rotstift. Deutsche Gelder für Afrika Es ist eine Geschichte wie aus der großen Wirtschaft. Behrens, seit 1989 in der Geschäftsführung von Greenpeace, will den Kurs wechseln, und unter den Mitarbeitern herrscht Angst. "Wir wollen uns internationalisieren", sagt Behrens knapp. Soll heißen: Von den deutschen Spenden fließt Jahr für Jahr mehr an die internationale Mutter in Amsterdam, die das Geld weiterverteilt, etwa für den Aufbau eines neuen Büros in Afrika. Da bleibt weniger für den Heimatstandort. "Ich hätte das alles auch gerne vermieden", sagt Behrens. "Aber ich muss das Interesse der Gesamtorganisation im Auge behalten." Die will an vorderster Front kämpfen, nicht in Industrieländern, und sie will ein neues Schiff. Parallel strafft Behrens die Organisation, legt Abteilungen zusammen. Wer von den 217 Mitarbeitern bleibt und wer geht, wird sich zeigen. Zu sparen sind drei Millionen Euro. "Wir erleben den Einzug des Neokapitalismus", klagt einer. Die Streichung von Sozialleistungen soll zwar weitere Kündigungen verhindern, für viele ist sie aber ein Fanal. Angst vor öffentlicher Kritik "Bei Greenpeace zu arbeiten, war immer etwas Besonderes", sagt eine Greenpeacerin. "Das ist vorbei." Nur namentlich will keiner auftreten - noch sind die Kündigungslisten nicht geschrieben, Gespräche mit dem Betriebsrat laufen noch. Ganz einfach werden die Verhandlungen nicht, denn dem Hamburger Verein geht es recht gut. Die Spendeneinnahmen stagnieren zwar, liegen aber konstant um die 40 Millionen Euro. Mehr als 550.000 Bundesbürger sind Fördermitglieder von Greenpeace, unterstützen die Organisation mit regelmäßigen Zuwendungen. Jährlich werden es rund 20.000 mehr. "Die Einschnitte stehen in keinem Verhältnis zu unserer wirtschaftlichen Situation", sagt Betriebsrätin Christiane Sattler. "Und auch in keinem Verhältnis zu den Werten, die wir vertreten." Die, immerhin, hatte Greenpeace 2003 in ein wortreiches Papier zur Personalpolitik gekleidet. "Auch in schwierigen Situationen", heißt es da, "leiten uns Vertrauen, Fairness sowie ein starker Wille, unsere Ziele gemeinsam zu erreichen." Jetzt steht der Anspruch auf der Probe.
Der deutsche Ableger von Greenpeace will die Gesamtorganisation stärker unterstützen. Weil diese ein neues Schiff braucht, zittern deutsche Mitarbeiter um ihre Jobs.
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"Jobabbau bei Greenpeace - ""Einzug des Neokapitalismus"""
00/05/2010
Die Globalisierungsgegner von Attac feiern den fünften Geburtstag - und tun sich schwer mit den Attacken der SPD auf das Kapital. An einer Schnur um den Hals tragen sie alle ein gelbes Pappkärtchen, jeder hat seinen Namen draufgekritzelt. Die Kärtchen baumeln vor dem Bauch wie Namensschilder von Kindern, die nicht verloren gehen sollen. Detailansicht öffnen Fünf Jahre ist attac alt geworden - und ein bisschen müde. (Foto: Foto: dpa) Bei Attac, als Streitmacht gegen die Globalisierung wahlweise verehrt oder gefürchtet, wirkt vieles immer noch arg handgemacht. Dabei feierte Attac am Wochenende in einer Mannheimer Gesamtschule schon den fünften Geburtstag. Viele der 300 angereisten Aktivisten tragen graues Haar zum Knautschsakko und plaudern in der Kaffeepause über Grenzsteuersätze. Dennoch: Bei Attac hinkt inzwischen die Wirklichkeit dem glänzenden Image hinterher. In diesen fünf Jahren ist die Kluft zwischen den Finanzexperten und jener Basis groß geworden, die zur Klampfe Lieder "gegen Reiche" singt und die eigene Verzettelung in Dutzende Themen als Vielfalt preist. Wahlen gewinnen Da trifft es sich gut, dass nun auch SPD-Chef Franz Müntefering sich in Kapitalismus-Kritik übt. "Das ist ein Erfolg der Sozialproteste des vergangenen Jahres und insofern auch von Attac", sagt Pedram Shahyar, Mitglied des Ko-Kreis genannten Führungsgremiums. "Es wird versucht, mit kapitalismuskritischen Aussagen Wahlen in Deutschland zu gewinnen - das ist doch schon mal was." Allerdings glaubt Shahyar, der in Attac zu den Linken zählt, Müntefering kein Wort. Dessen Rhetorik widerspreche völlig der Regierungspolitik, Stichwort Hartz IV. Auch Oliver Moldenhauer, einer der Realos in der Attac-Spitze, geißelt den SPD-Chef: "Müntefering moralisiert nur, es kommt aber auf Strukturveränderungen an." Im Steuersystem etwa entlaste Rot-Grün die Unternehmen doch bloß immer mehr. Dass Attac durch solche Frontalopposition als Gesprächspartner für die Regierung wenig attraktiv wird, ist Moldenhauer "ziemlich egal". Attac wolle eben gerade nicht eine Lobby-Organisation sein, sondern Teil einer sozialen Bewegung. "Wir müssen anschlussfähig zum Denken und Reden der Bevölkerung sein", erklärt Moldenhauer, "nicht zur SPD." Trotzdem beschloss Attac am Wochenende, Müntefering noch im Mai zur Diskussion über seine Thesen einzuladen - diese herrliche Gelegenheit wollen sie sich nicht entgehen lassen. Wie in der Volkshochschule Ansonsten beschäftigte sich Attac in Mannheim mal wieder stark mit sich selbst. Die Arbeitsgruppen zu Welthandel oder "Konsumentenmacht" glichen teils Volkshochschulkursen; in der Organisation selbst wird das "ökonomische Alphabetisierung" genannt. Und groß diskutiert wurde einmal mehr das Konsensprinzip. Zwar vermied Attac hierdurch die offenen Flügelkämpfe, die sonst kennzeichnend sind für die Linke. Attac sei jedoch nicht kampagnenfähig, meinten die Kritiker - und die Vetomacht der Minderheit über die Mehrheit sei nicht mal besonders demokratisch. Wenig euphorisch wirken die Geburtstagskinder. Seit der Gründung im Jahr 2000 war es nur bergauf gegangen. Nach den Protesten gegen den G-8-Gipfel in Genua, bei dem ein Demonstrant von der Polizei erschossen wurde, explodierten die Mitgliederzahlen. Rund 16.000 Anhänger in 200 örtlichen Gruppen hat Attac Deutschland heute. Im vergangenen Sommer unterstützten sie die Montagdemos gegen Hartz IV. Doch die flauten ab, der Schwung verlief sich. Und so erfreute sich Attac am Geburtstagsgruß der Umweltorganisation BUND: Mit fünf Jahren fielen zwar die ersten Zähne aus, hieß es dort: "Aber nur, damit stärkere nachwachsen."
Die Globalisierungsgegner von Attac feiern den fünften Geburtstag - und tun sich schwer mit den Attacken der SPD auf das Kapital.
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Attac - Ein Streit unter Feinden
00/05/2010
Die Übernahme soll das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank stärken: Alle Filialen sollen erhalten bleiben, ebenso wie die rund 900 Arbeitsplätze. Die Deutsche Bank greift nach Berlin und stärkt mit dem Kauf der Berliner Bank ihr Privatkunden-Geschäft. Einzelheiten der 680,5 Millionen Euro teuren Übernahme werden heute in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert. Detailansicht öffnen Soll das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank stärken - Berliner Bank. (Foto: Foto: ddp) Verkäufer ist die Bankgesellschaft Berlin, die überwiegend dem Land Berlin gehört. Der Verkauf der Berliner Bank gilt als der Auftakt einer weitaus größeren Transaktion, bei der sich das Land von der Bankgesellschaft selbst trennen wird. Filialnetz wird komplett übernommen Hintergrund ist, dass das Land die Bankgesellschaft 2001/02 mit einer Milliarden-Bürgschaft vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrte. Zur Genehmigung der Unterstützung verlangte die EU-Kommission den schrittweisen Rückzug des Landes. Nach der Übernahme der Berliner Bank durch die Deutsche Bank sollen alle rund 900 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Auch die Marke werde fortgeführt. Zudem übernimmt die Deutsche Bank das gesamte Filialnetz. Die Berliner Bank betreut in 60 Zweigstellen etwa 320.000 Privat- und 14 000 Firmenkunden und gilt als profitabel. Für die großen privaten Geschäftsbanken ist sie auch deshalb begehrt, weil sie die Chance bietet, deren relativ schwache Position in Berlin gegenüber Sparkassen und Volksbanken zu stärken. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte erst bei der Hauptversammlung Anfang Juni betont, die Deutsche Bank strebe zur Stärkung ihres Privatkundengeschäfts gezielte Zukäufe an. "Neue Kunden gewinnen" "Wir wollen neue Geschäfte abschließen und neue Kunden gewinnen", sagte Ackermann. Die Berliner Bank hat mehr als 300 000 Kunden. Sollten Kartell- und Aufsichtsbehörden zustimmen, werde der Verkauf zum Jahresende 2006 wirksam. Bei der Berliner Bank ist das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden der Landesbank Berlin gebündelt. Die Landesbank wiederum ist eine Tochter der Bankgesellschaft Berlin. Der mehrheitlich landeseigene Konzern war vor fünf Jahren in eine heftige finanzielle Krise geschlittert. Der Skandal hatte 2001 zum Ende der großen Koalition (SPD/CDU) geführt und die Finanzkrise der Hauptstadt dramatisch verschärft. Das Land musste mit Milliardenhilfen für die Bankgesellschaft einspringen. Im Mai 2005 hatte die Bankgesellschaft bereits die Weberbank, die das Geschäft mit finanzkräftigen Privatkunden betreibt, an die Westdeutsche Landesbank verkauft.
Die Übernahme soll das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank stärken: Alle Filialen sollen erhalten bleiben, ebenso wie die rund 900 Arbeitsplätze.
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Für 680 Millionen Euro - Deutsche Bank kauft Berliner Bank
00/05/2010
Bei der deutschen Tuning-Schmiede Karman brechen ungemütliche Zeiten an: Weil die Produktion des Chrysler-Modells Crossfire stockt, kämpft der Auto-Veredler mit Stellenüberhang. Die Geschäftsführung des Unternehmens, das traditionell für große Autohersteller Nischenmodelle wie Cabrios baut, die nur geringe Stückzahlen erreichen, droht mit dem Abbau von 1000 der etwa 5300 deutschen Mitarbeiter. Detailansicht öffnen Karmann-Geschäftsführer Bernd Lieberoth-Leden mit einem Chrysler Crossfire. Der schleppende Absatz des Modells bereitet dem Unternehmen Probleme. (Foto: Foto: ddp) Grund dafür ist, dass die Fertigung des Modells Crossfire für die Marke Chrysler drastisch gesenkt werden musste. Die Unternehmensleitung hat für das zweite Halbjahr einen Sozialplan angekündigt. Wegen der gedrosselten Crossfire-Produktion werde ein erheblicher Stellenüberhang erwartet. Der Crossfire, den DaimlerChrysler im Jahr 2003 auf der technischen Basis des früheren Mercedes CLK auf den Markt brachte, wird nur bei Karmann produziert. Das Osnabrücker Unternehmen hat einen Produktionsvertrag für dieses Modell bis Ende 2008 und hatte gehofft, mit diesem Fahrzeug seine eigene Beschäftigung halten zu können. Die Stückzahlen blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück - nicht zuletzt, weil der starke Euro die Exporte des Zweisitzers auf den amerikanischen Markt erschwerte. Massiver Einbruch Im Jahr 2004 wurden noch 35.000 Fahrzeuge vom Typ Crossfire gebaut. Im Jahr 2005 waren es nur noch 12.000 Einheiten. Inzwischen ist die Stückzahl auf 6000 Fahrzeuge im Jahr reduziert worden. 20 Prozent der Belegschaft von Karmann sind deshalb seit Mitte des vergangenen Jahres zur Kurzarbeit gezwungen. Der Betriebsratsvorsitzende von Karmann, Harald Klausing, spricht von einer Strukturkrise des seit mehr als 100 Jahren bestehenden Unternehmens, das lange Zeit vor allem von Aufträgen für den VW-Konzern lebte. Das VW-Modell Karmann Ghia erreicht noch immer einen hohen Bekanntheitsgrad. Kein ganzes Auto mehr Wenn Ende des Jahres 2008 der für Mercedes gefertigte Zweisitzer CLK auslaufe, werde bei Karmann kein ganzes Auto mehr gefertigt: "Dieses Mal ist es eine schwere Krise". Da Karmann aber von Aufträgen fremder Autohersteller abhängig ist, erwartet der Belegschaftsvertreter Unterstützung von der niedersächsischen Landesregierung und von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der auch Aufsichtsratsvorsitzender des früheren Karmann-Auftraggebers Volkswagen ist: "Die Politik muss uns helfen." Karmann hat seit 1949 etwa drei Millionen Fahrzeuge gebaut.
Bei der deutschen Tuning-Schmiede Karman brechen ungemütliche Zeiten an: Weil die Produktion des Chrysler-Modells Crossfire stockt, kämpft der Auto-Veredler mit Stellenüberhang.
wirtschaft
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Karman in Bedrängnis - Cabrio-Spezialist muss runterdrosseln
00/05/2010
Was Norbert Reithofer im ersten Jahr als Konzernchef erreicht hat - und warum der Autohersteller eine neue Strategie braucht. Seit einem Jahr steht der Maschinenbau-Ingenieur Norbert Reithofer, 51, an der Spitze von BMW. Und ein Jahr war auch die Zeitspanne, die er sich gewährt hat, um dem Weltmarkt-Führer bei Automobilen der Luxusklasse eine neue langfristige Strategie zu verpassen. Erst im Oktober will er sie verkünden - obwohl die IAA ein gutes Podium gewesen wäre. Doch in Frankfurt sollen nach dem Willen der Münchner die Autos und nur die Autos im Mittelpunkt stehen. Neuer Mini Clubman Stopp-Automatik für den Motor an der Ampel, Rückgewinnung von Bremsenergie, modifizierte Getriebe und Benzineinspritzung lauten die Schlagworte. ,,Efficient Dynamics'' nennt BMW ein Paket einzelner Maßnahmen, die in ihrer Summe den Verbrauch eines Autos senken und es so umweltfreundlicher machen. Und dann die neuen Modelle: Spektakulärer Beitrag der Bayern wird ihr in Oxford gefertigter Mini Clubman sein, ein Fünftürer deshalb, weil er sowohl hinten wie auch an der Beifahrerseite Flügeltüren aufweist. Trotz Klimadebatte soll mit dem X6 eine Kreuzung aus Geländewagen und Coupé kommen, wegen der Klimadebatte gibt es die Studie gleich auch als Hybrid-Version. Der für BMW wirtschaftlich wichtigste Dreier kommt in einer leistungsstarken M-Ausführung, und den Einser gibt es nun auch als Coupé. Die neuen Autos bilden die Basis für die Prognose des BMW-Chefs, dass es sich beim Rückgang der Verkäufe im ersten Halbjahr um eine durch den Modellzyklus verursachte Ausnahme handelt. Anders als 2006 soll es diesmal die zweite Jahreshälfte bringen. Mehr Autos verkauft - immer weniger pro Auto verdient Das muss sie auch, denn sonst stellt sich die Frage, ob die Wachstumsphilosophie von BMW noch eine Zukunft hat. In den vergangenen fünf Jahren hat die Gruppe mit den Marken BMW, Mini und Rolls-Royce zwar immer mehr Autos verkauft, verdient aber immer weniger pro Auto. Neben dem Geschäft mit den Fahrzeugen spielt bei BMW die Entwicklung des Euro im Verhältnis zu Dollar und Yen eine wichtige Rolle. Hier ist es in diesem Jahr eher dumm gelaufen. Der früher wegen seiner Währungsabsicherung hochgelobte Finanzvorstand Stefan Krause, 45, hat sich bei der Einschätzung des Dollarkurses gründlich geirrt, was sich im Ergebnis für das Halbjahr unangenehm niederschlug. Reithofer muss nun darauf achten, dass Krause, seit 2002 im Vorstand, nicht zur Belastung für ihn wird. Der Konzernchef steuerte sofort gegen und kündigte bei der Hauptversammlung die Erweiterung des Werkes Spartanburg in den USA an. Dieses sogenannte Natural Hedging verringert die Abhängigkeit vom schwachen Dollar. Seit Anfang des Jahres geht Reithofer mit seinem engsten Führungszirkel im klösterlich ausgestatteten BMW-Gästehaus am Tegernsee regelmäßig in Klausur. Das beflügelt Analysten und Branchenexperten zu kühnsten Annahmen. So wurde BMW als Interessent sowohl für Chrysler wie auch für Volvo genannt. ,,Wenn wir alles gekauft hätten, womit man uns in Verbindung gebracht hat, dann wären wir heute schon größer als Toyota'', sagt ein BMW-Manager. Doch es gibt durchaus Projekte, die Reithofer wahrscheinlich verwirklicht. Dazu gehört die Erweiterung der Modellfamilie beim Mini durch eine Art Geländewagen. So etwas lässt sich recht einfach verwirklichen. Nach diesem Rezept gibt es bereits den Dreier als Limousine, Coupé, Cabriolet und Kombi. Diskutiert wird ein Einstiegs-Roadster, beschlossen sind ein kleiner Rolls-Royce für 2009 und ein Sportwagen Z8 für 2010. Zwang zur Größe Sehr sinnvoll könnte eine engere Zusammenarbeit mit Mercedes sein - jetzt, wo das Geschäft mit Personenwagen bei Daimler ohne Chrysler in etwa wieder auf BMW-Größe geschrumpft ist. Im Gegensatz zu ihrem Wettbewerber Audi aus dem VW-Konzern haben Mercedes und BMW keine Möglichkeit, teure Entwicklungen erst in der Luxusklasse und dann in Massenautos anzubieten - und so auf hohe Stückzahlen zu kommen. Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche hat erklärt, er könne sich die gemeinsame Entwicklung von Motoren mit BMW vorstellen. Norbert Reithofer hält sich in dieser Frage noch bedeckt, wohl wegen starker Widerstände seiner eigenen Ingenieure: Denen gilt der Motor als das Allerheiligste bei BMW. Doch der auch für den Einkauf zuständige Forschungsvorstand Klaus Draeger ist schon einmal vorgeprescht und hat gemeinsame Projekte mit Mercedes über die vorhandene Hybrid-Entwicklung hinaus angedeutet. Immerhin baut BMW in einige Minis bereits Motoren von Peugeot ein, ohne dass die Autos deshalb unverkäuflich geworden sind. Der Zwang zur Größe macht selbst vor Porsche als dem ertragsstärksten Unternehmen der Branche nicht halt. Bei allem Erfolg sehen die Stuttgarter Sportwagenbauer ihre Zukunft letztlich im VW-Konzern. Zetsche sagt klar Nein zu einer kapitalmäßigen Verflechtung von Daimler und BMW. Von Reithofer heißt es in der Konzernzentrale lediglich, er sei auch radikalem Umdenken nicht abgeneigt, wenn es zu mehr Wachstum und zu einer Steigerung der Rendite führe.
Was Norbert Reithofer im ersten Jahr als Konzernchef erreicht hat - und warum der Autohersteller eine neue Strategie braucht.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bmw-nachdenken-ueber-das-allerheiligste-1.878814
BMW - Nachdenken über das Allerheiligste
00/05/2010
Utz Claassen wirft hin. Wegen Kungelei hinter seinem Rücken will der Sanierer weg vom Stromkonzern EnBW. Vielleicht träumt der Buchautor und Talkshowgast von seinem nächsten großen Sanierungsfall - Deutschland. Seit geraumer Zeit ist Utz Claassen in den Schlagzeilen, doch mit dieser Nachricht hat wohl doch kaum jemand gerechnet. Der Vorstandschef des drittgrößten deutschen Versorgers Energie Baden-Württemberg (EnBW) wirft hin. Spätestens im Frühjahr nächsten Jahres ist Schluß, ließ der große Sanierer verlauten, für eine Vertragsverlängerung bei EnBW stehe er nicht zur Verfügung. Zunächst sieht es so aus, als sei der 43-Jährige amtsmüde. Zur Begründung schiebt Claassen ein ganzes Paket von Ursachen vor: "strukturelle, professionelle, persönliche und familiäre Gründe" seien für den unerwarteten Schritt ausschlaggebend gewesen. Später meldet es der Südwestrundfunk etwas anders: Der überraschende Rückzug des EnBW-Vorstandschefs gehe auf die beiden Mehrheitsaktionäre des Karlsruher Stromkonzerns zurück. Der französische Stromriese Electricité de France (EDF) und der kommunale Verband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) hätten sich hinter Claassens Rücken auf einen möglichen Nachfolger geeinigt, berichtet der SWR. Als Claassen am Dienstag davon erfahren habe, habe er die Konsequenzen gezogen. Damit kündigt ein Manager seinen Rücktritt an, der zu den bestbezahlten in Deutschland gehört - 3,28 Millionen Euro im letzten Jahr - und der schon immer gehörig zu polarisieren wusste. Claassen ist unbestritten eine Figur in den Führungskreisen der Wirtschaft und auch in der Öffentlichkeit. Seit 2003 ist der gebürtige Hannoveraner Vorsitzender des EnBW-Vorstands und in dieser Eigenschaft ein großer Verfechter längerer Laufzeiten für Atomkraftwerke in Deutschland. Ein Herz für Kinder und Kernkraft Der Vorstandschef ist fußballbegeistert, hält BWL-Vorlesungen vor Studenden in seiner Heimatstadt und tritt regelmäßig als Gast in diversen Talkshows auf. Oft genug muss Claassen dort erklären, warum der Strom schon wieder teurer wird. Kurz vor Weihnachten letzten Jahres gab es dafür einen schönen Termin: EnBW zahlte für den Spickzettel von Nationaltorwart Jens Lehmanns aus dem WM-Spiel gegen Argentinien eine Million Euro, Unternehmenschef Claassen durfte die Spende für den guten Zweck in der ZDF-Gala "Ein Herz für Kinder" präsentieren. Doch seinen Ruf erwarb sich Claassen vor allem als Sanierer. Vor seinem Einstieg beim Karlsruher Energieversorger arbeitete sich Claassen bereits an zwei anderen großen Sanierungsfällen ab: Er war für die VW-Tocher Seat tätig und führte den Göttinger Messgerätehersteller Sartorius. Auch EnBW brachte Claassen auf Vordermann: Er war 2003 zum EnBW-Chef berufen worden und hatte den angeschlagenen einstigen Mischkonzern wieder in die Gewinnzone gebracht. Zahlreiche Unternehmensbeteiligungen wurden verkauft und 2.100 Arbeitsplätze gestrichen. Obwohl der Hannoveraner zu Beginn seiner Zeit in Baden-Württemberg mit Ehefrau und Mutter auf Tour geht, um Sympathien unter Politikern und Geschäftspartnern zu sammeln, bezeichnet ihn der Bürgermeister von Singen und spätere CDU-Sozialminister Andreas Renner als "Rambo unter den deutschen Managern". "Der Rambo unter den deutschen Managern" Claassen reagiert auf seine Weise: Er verlangt zunächst Schadensersatz, geht später in die Videothek, um sich "Rambo" auszuleihen - er wolle "ja immer lernen", kommentiert der Unternehmenschef. Noch später muss der CDU-Politiker Renner sein Amt niederlegen - und ausgerechnet Claassen holt ihn zu EnBW. Auch als die Staatsanwaltschaft gegen den Vorstandschef Anklage erhebt, weil er 2006 seine Verbindungen zum Fußball genutzt und Politiker zu WM-Spielen eingeladen haben soll, überzieht Claassen die Behörde mit Dienstaufsichtsbeschwerden. Demnächst muss er sich in dieser Angelegenheit trotzdem wegen des Vorwurfs der Vorteilsgewährung vor Gericht verantworten. Doch das habe bei seinem Rücktritt keine Rolle gespielt, so die Einschätzung von Insidern. Zudem sei Claassen in dieser Hinsicht von seiner Unschuld überzeugt. Vielleicht strebte der große Sanierer sowieso seit geraumer Zeit nach Höherem. Kürzlich sanierte Claassen zunächst seinen eigenen Körper - er ließ sich in seinem pausbäckigen Gesicht ein Bärtchen stehen, rasierte es wieder runter und nahm einige Kilo ab. Claassens "Mut zur Wahrheit" Zusätzlich trat Claassen als Publizist in Erscheinung - im Frühjar dieses jahres veröffentlichte er ein Buch mit dem sprechenden Titel "Der Mut zur Wahrheit". Ohne dass dies jemand von ihm erwartet hätte, breitet der Sanierer darin einen Sanierungsplan für Deutschland aus. Wenn es mit Seat, Sartorius und EnBW geklappt hat, warum nicht gleich die ganze Bundesrepublik? Kritiker des Werks halten dem Autor immerhin zugute, dass er seine Erfahrungen in der Wirtschaft nicht eins zu eins auf die Politik überträgt. So erkennt Claassen, dass ein Bürger kein Mitarbeiter ist und ein Staat keine Firma. Doch sowohl die Probleme - Bildungsnotstand, Demographie, Globalisierung, die faulen Deutschen, als auch die Lösungen - mehr Bildung und Kinder, weniger Schulden - klingen seltsam bekannt und abgenutzt. Dafür präsentiert der Autor alles in schönstem McKinsey-Vokabular à la "sachbezogene Problemlösungsorientierung", "gesellschaftlich-ökonomische Prozesskette" oder "ein Amalgam vielschichtiger Definitionen". Claassens Strategie für den "Sanierungsfall Deutschland" greift nicht. Es sei die Tragik eines Sanierers, dass er sich irgendwann zu Höherem berufen fühle und Großes gestalten wolle, anstatt immer nur abzuräumen und umzuräumen, was ihm andere hinterlassen, schreibt die Zeit. Während seiner Zeit als Seat-Finanzchef wurde Claassen im fahrenden Auto beschossen. Gelegentlich empfiehlt sich für große Sanierer ein gepanzertes Auto. In der Branche wird spekuliert, Claassen wolle nun als Berater ins Ausland gehen.
Utz Claassen wirft hin. Wegen Kungelei hinter seinem Rücken will der Sanierer weg vom Stromkonzern EnBW. Vielleicht träumt der Buchautor und Talkshowgast von seinem nächsten großen Sanierungsfall - Deutschland.
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"Aus für EnBW-Chef Claassen - ""Rambo unter Deutschlands Managern"""
00/05/2010
Wie viel Erben an den Staat abliefern müssen, hängt von deren Verwandtschaftsgrad zum Erblasser oder Schenkenden ab und dem Wert des Vermögens. (SZ vom 24.10.2003) — Bei ihrer traditionellen Wohlstands- und Reichtumsanalyse für Deutschland schauen die Experten der Kölner BBE-Unternehmensberatung regelmäßig genau hin. Detailansicht öffnen Tabelle (Foto: Foto:) Das gleiche machen, sozusagen im amtlichen Auftrag, auch die Deutsche Bundesbank und das Bundesamt für Statistik in Wiesbaden. Momentan nennen die Privathaushalte zwischen Kampen und Kempten, Frankfurt/Main und Frankfurt/Oder ein Bruttovermögen von rund acht Billionen Euro ihr eigen. In Zahlen ausgedrückt ist das eine acht mit zwölf Nullen. Das Geld steckt vor allem in Immobilien, Aktien, festverzinslichen Wertpapieren, Investmentfonds, als Bares unter dem Kopfkissen oder im Schuhkarton sowie im Mobiliar der eigenen Wohnung. Zieht man vom Bruttowert Schulden wie Hypotheken-Darlehen und andere Verbindlichkeiten ab, bleibt immer noch ein Nettovermögen von vier Billionen Euro. Abgabenhöhe gestaffelt Davon wird in den nächsten zehn Jahren, so übereinstimmende Schätzungen, rund die Hälfte als Erbschaften oder Schenkungen vor allem an die nächsten Generationen weitergegeben. Meist Kinder und Enkel, Ehegatten und Schwippschwager, Neffen und Nichten werden sich über den oft erwarteten, manchmal auch überraschenden Reichtum freuen. Aber nicht die alleine. Denn Vermögensübertragungen sind nicht kostenlos. Mitunter müssen die Begünstigten ordentlich zahlen. Denn sobald die im Wert klar bestimmte Habe den Eigentümer wechselt, verlangt auch der Staat seinen Anteil. Gezahlt werden muss Erbschaft- oder Schenkungsteuer, abhängig davon, aus welchem Anlass und auf welchem Weg eine Vermögensübertragung stattgefunden hat. "Ob ein Begünstigter mehr oder weniger zahlen muss, hängt hauptsächlich vom Wert des Nachlasses und dem verwandtschaftlichen Verhältnis zum Wohltäter ab", sagt Lutz Koch, Steuerberater in Eschweiler bei Aachen. So ist es aus steuerlicher Sicht schon ein erheblicher Unterschied, ob der Ehepartner und die Kinder beispielsweise eine halbe Million Euro geschenkt bekommen oder aber die Geschwister, ganz zu schweigen von den Schwiegerkindern. Hier gilt die Faustformel: Je enger die familiären Bande im eigenen Clan, desto bescheidener die Forderungen des Finanzamts. Gatten und Kinder im Vorteil Allgemein unterscheidet der Gesetzgeber drei Steuerklassen. "Diese gelten allein bei Vermögensübertragungen und dürfen deshalb nicht verwechselt werden mit den sechs Klassen bei der Einkommensteuer", erläutert Berater Koch. In Klasse I befinden sich etwa begünstigte Ehegatten, Kinder und weitere Abkömmlinge in gerader Linie. In Klasse II Geschwister, Neffen und Nichten sowie Stiefeltern und in der schlechtesten Klasse III alle übrigen Begünstigten (s. unten) Diese Klassifizierung hat aus Sicht der Finanzverwaltung einen guten Grund. Denn jedem Klassen-Mitglied ist ein bestimmter Freibetrag bei Schenkung und Erbschaft zugeordnet. "Der Begünstigte muss somit nicht den gesamten Vermögenswert versteuern. Zuvor darf ein bestimmter Betrag, dessen Höhe von der Klassen-Zugehörigkeit abhängt, abgezogen werden", erläutert der Kölner Rechtsanwalt Günter Reinert. Ehegatten haben bei Erbschaften und Schenkungen den höchsten Freibetrag, gefolgt von Kindern und weiter entfernten Verwandten sowie Nicht-Angehörigen. Schulden berücksichtigt Doch der Vermögensanteil, den das Finanzamt beanspruchen darf, hängt nicht allein von den verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Wohltätern und Begünstigten ab. Berücksichtigt wird nicht zuletzt der Wert des so genannten steuerpflichtigen Erwerbs. Dabei handelt es sich - vereinfacht - um das Nettovermögen, bei dem Schulden und Verbindlichkeiten bereits berücksichtigt sind. Faustformel erneut: Die prozentuale Steuerlast steigt mit zunehmendem Vermögenswert und der Klassenmitgliedschaft. Angenommen der Ehegatte hat einen steuerpflichtigen Erwerb von 250.000 Euro. Als Mitglied der Klasse I muss er dafür elf Prozent Erbschaft- oder Schenkungsteuer zahlen. Hätte jemand aus Klasse III einen identischen Vermögenswert geerbt oder geschenkt bekommen, betrüge die Steuerlast bereits 23 Prozent. Noch haben Begünstigte eine ganze Reihe legaler Gestaltungsmöglichkeiten, um die Steuerlast bei Vermögensübertragungen zu verringern. Erprobte Strategien folgen im letzten Teil der Serie zum Thema "Erben und Schenken".
Wie viel Erben an den Staat abliefern müssen, hängt von deren Verwandtschaftsgrad zum Erblasser oder Schenkenden ab und dem Wert des Vermögens.
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SZ-Serie III: Erbschaftsteuer - Das Finanzamt will auch seinen Anteil
00/05/2010
DaimlerChrysler könnte einem Zeitungsbericht zufolge beim US-Autokonzern General Motors (GM) einsteigen, sollte dieser Chrysler übernehmen. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: dpa) Der deutsche Autobauer erwäge die Übernahme von GM-Anteilen anstelle einer Barzahlung für Chrysler, berichtete die Financial Times am Montag unter Berufung auf einen ungenannten DaimlerChrysler-Großaktionär, der sich auf Gespräche mit Top-Managern des deutschen Autobauers berief. Demnach sprachen sich mindestens zwei der institutionellen DaimlerChrysler-Aktionäre für eine solche Lösung aus. Wie die Zeitung weiter berichtete, prüfe General Motors unter Leitung von Finanzvorstand Fritz Henderson einen Kauf von Chrysler. Sprecher der beiden Unternehmen dementierten laut "Financial Times" weiterhin, dass über einen Kauf verhandelt werde. Zetsche löste Spekulationen aus Schon in den vergangenen Tagen hatte es immer wieder Berichte über mögliche Chrysler-Interessenten gegeben. DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche hatte vor zwei Wochen nicht mehr ausgeschlossen, den kriselnden US-Autobauer Chrysler zu verkaufen. Wie die Zeitung Detroit News am Sonntag in ihrer Onlineausgabe berichtete, hätten einige private Investoren und Autohersteller bereits vertrauliche Daten über die US-Sparte von DaimlerChrysler erhalten. Ein Team von Chrysler- Managern und- Spezialisten sei gebildet worden, um Anfragen potenzieller Käufer zu beantworten. Das Unternehmen nahm dazu keine Stellung. Das Team hätte ein detailliertes Prospekt erstellt, das die Vermögenswerte, Schulden und zukünftigen Produktpläne und Verkaufsprognosen von Chrysler enthalte. Laut Zeitung soll dieses Dokument an große Investmentfirmen wie Cerberus Capital, Apollo Managment, die Carlyle Group und die Blackstone Group gehen, aber auch an konkurrierende Autohersteller. Kommt eine Zerschlagung von Chrysler? Ein von der Zeitung zitierter Analyst glaubt, dass Investmentfirmen wie Cerberus und Apollo Chrysler als attraktiven Sanierungskandidaten ansehen könnten, der später verkauft oder zerschlagen werden könnte. Eine zweite Option sei der Verkauf einer wiederbelebten Chrysler-Gruppe an einen anderen Autohersteller oder eine Zerschlagung ihrer Marken und Operationen für Einzelverkäufe. Um das Risiko zu mindern, könnte eine Investmentfirma auch gemeinsam mit einem etablierten Autohersteller Chrysler kaufen. Der private Investor würde Kapital zur Verfügung stellen, während der Autokonzern mit Chrysler bei Autoplattformen und in der Produktion zusammenarbeiten könnte. Die Chrysler-Minivans und die Jeep- Architektur wären wertvoll für Konkurrenten wie GM, schrieb die "Detroit News". Volkswagen, Renault, Nissan, Fiat und Hyundai hatten in den vergangenen Tagen bereits erklärt, kein Interesse an Chrysler zu haben. Chrysler hatte im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von mehr als 62 Milliarden Dollar wegen des schwachen nordamerikanischen Autogeschäfts einen operativen Verlust von 1,5 Milliarden Dollar verbucht und soll mit Hilfe eines neuen Restrukturierungsprogramms wieder auf Vordermann gebracht werden. Dabei sollen 11.000Arbeiter und 2000 Angestellte in Nordamerika ihre Stellen verlieren.
Möglicherweise übernimmt GM Chrysler - und Daimler würde dafür GM-Anteile erhalten.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/chrysler-auf-investorensuche-wahlverwandtschaften-in-detroit-1.903462
Chrysler auf Investorensuche - Wahlverwandtschaften in Detroit
00/05/2010
Wikipedia, das ist für Computerkenner der Inbegriff der Gemeinnützigkeit. Kostenlos stellt die globale Internet-Community hier ihr Wissen zur Verfügung. Selbst auf Werbung verzichtet die "Wikimedia"-Stiftung - weil Spender helfen. Davon gibt es genügend. So viele, dass sie den deutschen Ableger des Vereins inzwischen in eigenartige Probleme bringen. Der hat mittlerweile mehr als 170.000 Euro an Spenden erhalten - und weiß nicht wohin damit. Seit Jahren lässt der Verein die deutschen Wikipedia-Fans im Glauben, er sammele für das große gemeinsame Projekt, ansässig in St. Petersburg, Florida. Und wer in Deutschland für Wikipedia spenden will, kann sich aussuchen, ob er sein Geld nach Florida oder nach Berlin überweist. Die Zeit drängt In Berlin sitzt der Wikimedia e.V., der als gemeinnützig anerkannt ist. In fetter und kursiver Schrift weist die Spenden-Webseite darauf hin, dass Zahlungen an den Verein von den Steuer abgesetzt werden können. Allein im Jahr 2005 nahm der erst 2004 gegründete Verein mehr als 120.000 Euro an Spenden ein. Aber nur zwölf Prozent davon konnte er selbst verwenden, hauptsächlich für Reisekosten, eigene Veranstaltungen und Rechtsberatung. Doch während die Wikimedia-Dachorganisation in den USA online detailliert jede einzelne Ausgabe aufzählt, verzichtet der deutsche Verein auf solche Transparenz. So steht auf der Spenden-Seite nirgendwo, dass der Großteil des an den Verein gespendeten Geldes bei der Bank schlummert - und Tag für Tag wird es mehr. "Früher oder später müssen die Spenden eines Vereins gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden, sonst droht die Aberkennung der Gemeinnützigkeit", sagt Matthias Kolbeck, Sprecher der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen. Ursache für den Geldüberschuss sind rechtliche Probleme. Das Berliner Finanzamt für Körperschaften I beschied den Vorstand: Weil Wikimedia in Deutschland als gemeinnützig anerkannt sei, dürften die Mittel auch nur für gemeinnützige Zwecke verwendet werden. Schließlich dürfen die Spender ihre Zuwendungen nur deshalb von der Steuer absetzen. "Die teilweise Weitergabe von Mitteln" an die Wikimedia-Dachorganisation in den USA sei "nicht zulässig", heißt es in einem Schreiben der Beamten, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Das zeigt nicht nur, wie starr die Regeln der Abgabenordnung sind. Es wirft auch ein eigenartiges Licht auf den Verein. Denn der weiß schon seit längerem, dass die meisten Spenden auf dem Bankkonto bleiben. Dennoch lässt er seine Gönner im Glauben an den edlen Zweck der Spende. Die deutsche Wikipedia hat zwar gut 450.000 schlaue Lexikon-Einträge erstellt, aber noch keinen Text über die eigenen Probleme, das Spendengeld auszugeben. Im Prinzip müsse man das verbessern, findet Vorstandsmitglied Arne Klempert, doch "der ganze Bereich Kommunikation leidet unter einem Personaldefizit. Um die Seite müsste sich mal jemand kümmern und wenn man das dort ändert, dann will man das ja auch richtig machen." Der erste bezahlte Wikipedianer Derzeit sucht der Vorstand nach einer Lösung, um das Spenden-Versprechen doch noch einzulösen. Denn das Finanzamt wird es nicht unbegrenzt hinnehmen, dass das Geld auf der hohen Kante bleibt. Es gebe für die gemeinnützige Verwendung von Spenden aber keine eindeutige Frist, erklärt Senatssprecher Kolbeck. Die Ämter würden immer prüfen, was der Grund für den "Verwendungsrückstand" ist und wie der Vorstand die Rücklagen auflösen will. Wikimedia Deutschland plant nun, mit dem Geld eigene Computer aufzustellen. Diese könnten dann etwa die Datensicherung oder die besonders rechenaufwändige Suchfunktion der Seite übernehmen. Eines aber hat die Spendenaktion gebracht: genug Geld für hauptamtliche Funktionen. Ab dem ersten Oktober leistet sich der Verein nun einen fest angestellten Geschäftsführer in der Hauptstadt Berlin, der sich dann um Organisation und Kommunikation kümmert - als erster bezahlter Wikipedianer Deutschlands.
Viele Nutzer spenden für die Internet-Enzyklopädie - doch das Geldausgeben ist ein Problem.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/internet-wikipedias-schatztruhe-1.914190
Internet - Wikipedias Schatztruhe
00/05/2010
Mit einem neuen Dienst will Google die bislang ganz simple E-Mail revolutionieren: G-Mail. Doch damit G-Mail wie angekündigt funktioniert, müssen elementare Datenschutzgrundsätze verletzt werden. Die kalifornische Senatorin Liz Figueroa spricht von einer "Invasion der Intimsphäre". Google, die weltgrößte Suchmaschine im Internet, vom Erfolg verwöhnt und stets bestrebt, seinen Einfluss zu erweitern (darin einem berüchtigten Softwarehersteller aus Seattle nicht unähnlich), hatte sich alles so schön ausgedacht. Mit G-Mail wollte man ins Geschäft der kostenlosen E-Mails einsteigen, den Konkurrenten MSN von Microsoft und Yahoo eins auswischen und zum Gegenangriff auf deren ureigene Reviere blasen. Detailansicht öffnen Die G-Mail: Ein Instrument der Überwachung? Oder doch ein ganz harmloser und sinnvoller neuer Dienst? (Foto: Foto: Google) Die Nische von Google, in der das Unternehmen vier Jahre lang ungestört wachsen konnte, ist längst keine Nische mehr, sondern ein höchst profitabler Bereich des Internets. Und eigene Such-Technik, mit der sie in Konkurrenz zu Google treten wollen, haben sowohl Yahoo wie auch Microsoft bereits angekündigt. Was ist G-Mail? G-Mail, das neue System von Google, das in den nächsten Wochen starten will, glänzt mit zwei Besonderheiten. Zum einen bietet es jedem Nutzer ein Gigabyte Speicherplatz, das ist etwa das 100fache der meisten Konkurrenten. Und zum zweiten ordnet es die E-Mails automatisch nach dem Inhalt, der Nutzer kann per interner, Google-typischer Suchfunktion sofort die gewünschten E-Mails finden. Eine praktische Hilfe gerade bei größeren Mailmengen. So weit, so gescheit. Doch nun der Haken: Damit diese Suchfunktion funktioniert, werden die eingehenden E-Mails allesamt durchgescannt. Von Datenschutz, von einem "E-Mail"-Geheimnis kann da natürlich keine Rede mehr sein, die Durchleuchtung des G-Mail-Kunden nimmt orwellsche Ausmaße an. Datenschutz fraglich Von daher kein Wunder, dass sich der Widerstand gegen G-Mail direkt nach der Ankündigung formierte. So gab es vor etwa zehn Tagen einen offenen Brief an das Unternehmen, in dem 28 Datenschutzorganisationen Google kritisieren und dazu auffordern, das G-Mail-System zu überdenken. G-Mail sei ein gefährlicher Präzedenzfall, es könne zu einem ganz neuen Umgang mit E-Mails kommen, der jegliche Privatsphäre ignoriere. Geheimdiensten und andere staatlichen Organisationen würden dieses System zudem sicher gerne übernehmen. Jetzt hat sich auch die demokratische Senatorin Liz Figueroa aus Kalifornien zu Wort gemeldet, die G-Mail eine "Invasion der Intimsphäre" nennt. Das Vorhaben Googles, passend zur jeweiligen E-Mail Werbung zu schalten, wäre gleichbedeutend mit dem Versuch, mitten in der Wohnung eine Litfasssäule aufzubauen, deren Werbung dem Geschmack des Bewohners entspräche. Sie plant ein Gesetz, welches die Verwendung von G-Mail verbiete. In einer britischen Kampagne hat desweiteren die Gruppe "Privacy International" Beschwerde gegen die Pläne Googles erhoben, die G-Mail des Empfängers mit Links auszustatten, die zur Korrespondenz und den vermuteten Interessen des Nutzers passen sollen. Als kritisch betrachtet Privacy International zudem Googles Idee, eine endgültige und permanente Löschung der G-Mails nicht zuzulassen. Damit würden Europäische Datenschutzgesetze außer Kraft gesetzt, die dem Nutzer die volle Kontrolle über seine eigene Kommunikation zusichern. Google beschwichtigt In einer Stellungnahme versicherte Google, bei der Bereitstellung von G-Mail mit Datenschutzexperten zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass alle europäischen Vorschriften beachtet würden. Die Intimsphäre des G-Mails-Nutzers sei in jedem Fall gewährleistet, da das Durchscannen der Mail vollautomatisch erfolge und lediglich nach Schlagwörtern durchsucht. So will das Unternehmen "passende und unauffällige" Annoncen hinzuschalten können, mit dem man die Finanzierung des Ein-Gigabyte-Speicherplatzes und auch einen Gewinn sicherstelle. Analysten sehen in dem G-Mail-Dienst ein Kernprodukt für Google. So könne das Unternehmen seine Einnahmen aus Werbeeinschaltungen erhöhen und das Geschäft ausweiten. Dies sei vor allem in Hinblick auf den beabsichtigten Börsengang des Unternehmens und im Kampf gegen Microsoft und Yahoo von Bedeutung.
Mit einem neuen Dienst will Google die bislang ganz simple E-Mail revolutionieren: G-Mail. Doch damit G-Mail wie angekündigt funktioniert, müssen elementare Datenschutzgrundsätze verletzt werden. Die kalifornische Senatorin Liz Figueroa spricht von einer "Invasion der Intimsphäre".
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/google-und-g-mail-der-grosse-bruder-liest-mit-1.904972
Google und G-Mail - Der große Bruder liest mit
00/05/2010
Salt Lake City ist nicht nur eine der erfolgreichsten Städte der USA, sie ist auch extrem spendabel — wegen der Prinzipien, die ortsansässige Mormonen-Führer predigen. Es ist Weihnachten, die besinnliche Zeit, und der Tempelplatz der Mormonen leuchtet so bunt wie das Vergnügungsviertel in Las Vegas. Aus den Lautsprechern scheppert Händels Messias, vor dem Informationszentrum an der Nordseite des Platzes geht im Minutentakt der Weihnachtsstern auf. Detailansicht öffnen Die Skyline von Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah (Foto: Foto: ddp) Man sieht Maria und Josef, wie sie an der Krippe stehen, lebensgroß und wetterfest, und daneben die Hirten in einer Herde abwaschbarer Kunststoffschafe. Zu Tausenden reisen die Menschen jedes Jahr hierher, und weil Weihnachten immer auch die Zeit der Großzügigkeit ist, hat die Stadt den Parkuhren grüne Geschenkpapierhäubchen und rote Schleifen verpasst. "Zwei Stunden frei Parken" steht darauf, und wenn man die Straße herunterschaut, die Reihe der Parkuhren entlang, dann sieht es so aus, als wäre der heilige Platz der Mormonen von rot-grünen Lollis umstellt. Mehr als der Zehnte Alle fünfzehn Minuten gibt es hier eine Führung über den Tempelplatz. Die Besucher können im weltgrößten Genealogie-Archiv kostenlos nach ihren Ahnen forschen. Und wer zufällig am Wochenende vor Weihnachten da ist, erhält Freikarten für den berühmten Tabernacle-Chor. Wissenschaftlich gesprochen ist Salt Lake City die Stadt mit dem höchsten "generosity index", dem höchsten Großzügigkeitsindex in ganz Amerika. Nach einer Studie der philantropischen Gesellschaft spenden die Bewohner im Schnitt 14,9 Prozent ihres Einkommens. Andere amerikanische Städte folgen mit großem Abstand dahinter, Grand Rapids in Michigan etwa steht mit zehn Prozent an zweiter Stelle und Minneapolis, eine Hochburg der politischen Linken, kommt mit vergleichsweise mageren 8,5 Prozent auf Platz drei. Es ist mittags, halb zwei, und einer der zwölf Apostel der Mormonenkirche hat sich bereit erklärt, ein Interview zu geben. Er ist Deutscher, wie der Pressesprecher erklärt, der erste Deutsche im Kreis der Apostel, und er müsste es eigentlich wissen, warum die Menschen hier so spendenbewusst sind. Wenn man seinen Namen erwähnt, dann schrecken die Schwestern auf dem Tempelplatz ehrfürchtig zurück. "Dieter Uchtdorf", sagen sie dann, "ich kann es nicht fassen." Fliegender Frührentner aus Seeheim Vor ein paar Monaten noch war er einer der "Siebziger", eine Art Regionalfürst, aber dann wurde er plötzlich in das höchste Gremium der Kirche berufen, weil jemand aus dem "Rat der zwölf Apostel" gestorben war. Dort sitzt er nun auf Lebenszeit und wird möglicherweise einmal zum Propheten aufrücken, zum alleinigen Oberhaupt der Kirche Mormons. "Man denkt nicht darüber nach, ob man diese Berufung ablehnen kann", sagt Uchtdorf zu seinem neuen Job. "Diese Frage kommt gar nicht erst auf." Da sitzt er nun, dieser Mann, 62 Jahre alt, Frührentner aus Seeheim bei Darmstadt. Er trägt Anzug und Schlips, und er sieht prächtig aus. Er war zuletzt Chefpilot der Lufthansa, einer von denen, wie er sagt, die bis zum letzten Tag "aktiv die 747 geflogen" haben. Er hat Verhandlungen geführt, ausgebildet und Mitarbeiter betreut. "Ich war für 15.000 Piloten und Flugbegleiter verantwortlich", sagt er. Nun managt er seine Kirche, die dafür bekannt ist, dass sie ehemalige und aktive Manager für sich arbeiten lässt. J.W. Marriott Jr., der Chef der Hotelkette Marriott International, ist Mormone, oder Nolan Archibald, der Chief Executive Officer von Black & Decker. "Warum ich?" Die Kirche ist für sie noch einmal eine neue Herausforderung. "Man kommt sich plötzlich so klein vor", sagt Uchtdorf. "Man fühlt sich unvorbereitet. Warum ich? Gott hat doch gesagt, die Armen und Schwachen sollen meine Arbeit verrichten." Die Kirche wächst. Mehr als elf Millionen Mormonen gibt es inzwischen weltweit, vor allem in den Schwellenländern Lateinamerikas steigt die Mitgliederzahl rasant an. Es ist eine Religion, die wirtschaftlichen Erfolg honoriert, und in Utah, wo 70 Prozent der Menschen Mormonen sind, sinkt die Arbeitslosigkeit und der Staatshaushalt steht mit mehreren Millionen Dollar im Plus. In einer Rangliste des Magazins Forbes der stärksten Wirtschaftsstädte landete Salt Lake City auf Platz drei hinter den High-Tech-Boomstädten Austin und Las Vegas. Überall spürt man das strenge Arbeitsethos.
Salt Lake City ist nicht nur eine der erfolgreichsten Städte der USA, sie ist auch extrem spendabel — wegen der Prinzipien, die ortsansässige Mormonen-Führer predigen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vereinigte-staaten-kirche-der-tuechtigen-1.903842
Vereinigte Staaten - Kirche der Tüchtigen
00/05/2010
Durch das Urteil des EuGH hat Microsoft zwar den Nimbus der Unangreifbarkeit verloren, doch die praktischen Auswirkungen dürften gering sein. Das Ausweichmanöver des US-Konzerns ist bereits absehbar. Die Brüsseler EU-Kommission sieht es als erwiesen an, dass Microsoft sein Monopol missbraucht hat. Sie hat deshalb im März ein Rekord-Bußgeld von fast 500 Millionen Euro gegen den amerikanischen Softwareriesen verhängt und ihm zudem technische Auflagen gemacht. Die Geldbuße hat den Konzern, der zig Milliarden Dollar in der Kasse hat, wenig beeindruckt. Doch die technischen Anordnungen - vor allem die Verpflichtung, eine Windows-Version ohne das Musik- und Video-Abspielprogramm Media Player anzubieten - trafen eine empfindliche Stelle. Einstweilige Verfügung gescheitert Über den grundsätzlichen Berufungsantrag hinaus hat Microsoft deshalb versucht, eine einstweilige Verfügung gegen die Auflagen zu erwirken. Das ist gescheitert; der Europäische Gerichtshof hat eine solche Verfügung abgelehnt. Hätte er zugestimmt, wäre die EU-Kommission als zahnloser Tiger dagestanden. Bis zu einem endgültigen Urteil im Hauptverfahren wird es Jahre dauern, und bis dahin hätte Microsoft im Markt Fakten geschaffen. Dem Konzern hingegen entsteht nach Einschätzung des Gerichts durch die Auflagen kein irreparabler Schaden, auch wenn er im Hauptverfahren gewinnen sollte. Nimbus der Unangreifbarkeit verloren Er hat damit zwar den Nimbus der Unangreifbarkeit verloren, doch die praktischen Auswirkungen dürften gering sein. Wenn Microsoft, wie das Unternehmen durchblicken ließ, Windows ohne Media Player zum gleichen Preis wie die jetzige Version mit Media Player verkaufen wird, ist abzusehen, dass die meisten Verbraucher zur Vollversion greifen werden. Die Wahlmöglichkeiten, die Brüssel schaffen will, würden damit unterlaufen. Und Microsoft könnte sogar sagen, dass der Markt es so will.
Durch das Urteil des EuGH hat Microsoft zwar den Nimbus der Unangreifbarkeit verloren, doch die praktischen Auswirkungen dürften gering sein. Das Ausweichmanöver des US-Konzerns ist bereits absehbar.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-ausweichmanoever-mit-ansage-1.899562
Kommentar - Ausweichmanöver mit Ansage
00/05/2010
Russland sieht in der EU ein Abnehmer-Kartell für Gas - und denkt laut über einen Gegenpol nach. Der wäre allerdings nur in Kooperation mit dem Iran realisierbar. Der russische Präsident Wladimir Putin hat einen iranischen Vorschlag für die Bildung eines Gaskartells nach dem Vorbild der OPEC ausdrücklich begrüßt. Detailansicht öffnen Der russische Präsident Putin denkt über die Gründung einer Gas-OPEC nach, die vom Iran vorgeschlagen wurde. (Foto: Foto: AFP) "Eine 'Gas-OPEC' ist eine interessante Idee, über die wir nachdenken werden", sagte Putin am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz im Kreml. Vorrangiges Ziel einer solchen Kooperation sei aber nicht die Kartell-Bildung, sondern die zuverlässige Versorgung der Verbraucher, fügte der Kremlchef an. Vorschlag von Chamenei Der iranische Religionsführer Ali Chamenei hatte der russischen Führung Ende Januar vorgeschlagen, im Gassektor nach dem Vorbild der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) zusammenzuarbeiten. Bislang war ein solches Projekt vom Kreml abgelehnt worden. Nach Einschätzung von Energieexperten in Moskau dürfte die Bildung eines Gaskartells im wesentlichen Auswirkungen auf den Handel mit verflüssigtem Gas (LNG) haben. Flüssiggas wird wie ein Großteil des Erdöls mit Tankschiffen zu beliebigen Zielen transportiert. Russland beliefert Europa hingegen mit Gas via Pipelines, wobei Liefermengen und Preise langfristig festgelegt sind. Der weltweit zweitgrößte Erdöl-Exporteur Russland gehört nicht zum OPEC-Kartell. Die EU als Verbraucher-Kartell Im russischen Parlament wird seit längerem gefordert, die Interessen der Erdgas fördernden Länder und der Transitländer zu bündeln, um die eigene Position gegenüber den Abnehmern zu stärken. Es sei "ganz offensichtlich, dass die EU als Käufer von jährlich 155 Milliarden Kubikmeter russischen Gases ein Verbraucher-Kartell darstellt", sagt der Vorsitzende des Energieausschusses der Staatsduma, Waleri Jasew. Der Cheflobbyist der Gasbranche fordert als ersten Schritt eine gemeinsame Kontrolle der Länder der ehemaligen Sowjetunion über die Gasvorräte. Wirtschaftsexperten der NATO vermuten, Moskau könnte langfristig eine Kooperation mit dem nach Russland zweitgrößten Gasversorger Europas, Algerien, sowie mit Katar, Libyen und dem Iran eingehen. Der vom Kreml kontrollierte Gasmonopolist Gazprom hatte im Vorjahr gemeinsam mit dem Ölförderer Lukoil ein Kooperationsabkommen mit dem staatlichen algerischen Energiekonzern Sonatrach geschlossen. Vorgesehen sind der Austausch von Unternehmensbeteiligungen sowie gemeinsame Projekte auf Drittmärkten. Replik auf Kritik aus dem Westen Putin wies den Vorwurf zurück, sein Land missbrauche Energieträger als politisches Druckmittel. Russland erfülle alle Vereinbarungen mit Verbrauchern und Transitländern. Man sei aber nicht verpflichtet, diese zu subventionieren. "Das macht keiner, warum fordert man das von uns?", entgegnete der Staatschef Kritik aus dem Westen. Für die Präsidentenwahl Anfang 2008 kündigte Putin einen offenen Wahlkampf mit mehreren Bewerbern um seine Nachfolge an. "Es wird keine ausgesuchten Nachfolger geben, sondern Kandidaten für das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation", sagte Putin. Der Kremlchef darf gemäß Verfassung nicht wieder antreten. Kritik äußerte Putin an Plänen für ein US-Raketenabwehrsystem in Osteuropa. Vorschlagsrecht Putin sagte, er behalte sich letztlich das Recht vor, vor dem Wahltag öffentlich seinen Favoriten zu benennen. Laut Umfragen will etwa die Hälfte der Bevölkerung den Kandidaten wählen, den der Amtsinhaber vorschlägt. Als aussichtsreiche Politiker gelten die beiden Vizeregierungschefs Dmitri Medwedew und Sergej Iwanow. Putin sehe weitere Kandidaten im Staatsapparat: "Alle, die wollen, arbeiten schon auf ihren Posten." Der Präsident drohte für den Fall der Stationierung von Teilen des umstrittenen US-Raketenabwehrsystems in Tschechien und Polen mit Gegenmaßnahmen. "Unsere Antworten darauf werden asymmetrisch und höchst effektiv sein", sagte er. Neue Generation von Waffen Russland verfüge bereits über Waffentechnik, mit der es die Raketenabwehr überwinden könne. Zudem entwickle man eine neue Generation von Waffen, gegen die Raketenabwehrsysteme machtlos seien. Mit Blick auf den Iran-Konflikt forderte Putin die Führung in Teheran auf, alles zu tun, um die Weltgemeinschaft vom friedlichen Charakter des Atomprogramms zu überzeugen. Beunruhigt zeigte sich Putin über den zunehmenden Rechtsextremismus im Land. Schuld daran sei auch die Einwanderungspolitik der Vergangenheit, die Migranten auf dem Arbeitsmarkt bevorteilt habe. "Die Russen selbst befanden sich oft in einer völlig rechtlosen Lage", sagte Putin. Seit Jahresbeginn gilt in Russland ein neues Migrationsgesetz, das den Zuzug von Ausländern auf der Grundlage von Länderquoten einschränkt. Journalistenverfolgung "akutes Problem" Im Gegensatz zu früheren Äußerungen lobte Putin die Verdienste der vor knapp vier Monaten ermordeten Journalistin und Kreml-Kritikerin Anna Politkowskaja: "Politkowskaja war eine sehr scharfe Kritikerin der Staatsmacht, und das war gut." Der Mord ist bis heute nicht aufgeklärt. Generell bezeichnete Putin die Verfolgung unbequemer Journalisten in Russland als "sehr akutes Problem".
Russland sieht in der EU ein Abnehmer-Kartell für Gas - und denkt laut über einen Gegenpol nach. Der wäre allerdings nur in Kooperation mit dem Iran realisierbar.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schulterschluss-mit-dem-iran-putin-denkt-ueber-gas-opec-nach-1.902594
Schulterschluss mit dem Iran - Putin denkt über Gas-OPEC nach
00/05/2010
Die Bundesärztekammer macht der Regierung schwere Vorwürfe: Indem sie den Kliniken den Geldhahn zudrehe, wolle sie eine Flurbereinigung des Krankenhaussektors erzwingen. Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe warf der Bundesregierung vor, eine Notlage von Kliniken absichtlich in Kauf zu nehmen. In der Neuen Osnabrücker Zeitung hielt der Präsident der Bundesärztekammer der Politik vor, sie wolle die Krankenhauslandschaft bewusst ausdünnen. Das SPD-geführte Bundesgesundheitsministerium und SPD- Gesundheitsexperten im Bundestag hätten das Ziel, jede fünfte Klinik nicht überleben zu lassen. "CDU und CSU lassen sie innerhalb der Koalition gewähren", sagte Hoppe. Der Bund wolle sparen, und die Länder wollten für die Krankenhäuser keine Steuern aufbringen. "Versorgung akut gefährdet" "Deswegen lässt man die Kliniken in ihrer Notlagen-Situation schmoren." Die Krankenhäuser in Deutschland sehen wegen des Sparzwangs die Versorgung der jährlich rund 17 Millionen Patienten akut gefährdet. Darauf hatte die Deutsche Krankenhausgesellschaft am Montag in Berlin aufmerksam gemacht. In den vergangenen zehn Jahren seien mehr als 150.000 Krankenhaus-Arbeitsplätze abgebaut worden. Hoppe sagte, er könne zwar nachvollziehen, dass die Tariferhöhungen für Klinikärzte die Krankenhausträger zusätzlich belasteten. "Deswegen war die Tariferhöhung aber nicht falsch." Diagnosebezogene Fallpauschalen Nach seiner Ansicht hätte das Bundesgesundheitsministerium die Einnahmen für die Krankenhäuser durch höhere Preise für die diagnosebezogenen Fallpauschalen verbessern müssen. Durch Veränderungen im Klinikmanagement lasse sich die Situation nicht verbessern. Hoppe: "Das Ganze ist so ausgelutscht, da dürfen wir keine großen Hoffnungen mehr haben." Ein Krankenhaus sei nun mal ein personalintensiver Betrieb, bei dem sich kein Bereich kostengünstig auslagern lasse.
Die Bundesärztekammer macht der Regierung schwere Vorwürfe: Indem sie den Kliniken den Geldhahn zudrehe, wolle sie eine Flurbereinigung des Krankenhaussektors erzwingen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/attacke-gegen-regierung-jede-fuenfte-klinik-soll-ausgesiebt-werden-1.890938
Attacke gegen Regierung - Jede fünfte Klinik soll ausgesiebt werden
00/05/2010
Die Staatsanwaltschaft will sich nicht mit dem sich abzeichnenden Freispruch der Angeklagten im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess abfinden. Sie bereite den Gang vor den Bundesgerichtshof vor, erklärte Sprecher Johannes Mocken. Der Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft Johannes Mocken sagte am Montag, die Anklagebehörde bereite sich deshalb bereits auf den Gang zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe vor. Detailansicht öffnen Der Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft, Johannes Mocken. (Foto: Foto: AP) "Wir halten weiter an den Vorwürfen uneingeschränkt fest und werden auch im Düsseldorfer Prozess entsprechende Beweisanträge stellen", sagte Mocken. Doch sei die Staatsanwaltschaft auch realistisch genug, um es für möglich zu halten, dass das Verfahren mit Freisprüchen ende. Deshalb sei man bereits dabei, die Revision sachgerecht vorzubereiten. Die 14. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts hatte am vergangenen Mittwoch in einer Zwischenbilanz des bereits seit mehr als zwei Monaten andauernden Verfahrens erklärt, sie sehe bisher keine Belege für ein strafbares Handeln der Angeklagten. Verstöße festgestellt Allerdings hatte das Gericht - strafrechtlich nicht relevante - Verstöße gegen das Aktienrecht festgestellt. Käme es zu einem Freispruch und gäbe der Bundesgerichtshof anschließend der Revision der Staatsanwaltschaft statt, müsste der wohl spektakulärste Wirtschaftsprozess der bundesdeutschen Justizgeschichte neu aufgerollt werden. Nach Informationen der Welt am Sonntag bereitet Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser im Falle eines Freispruchs keine Schadenersatzklage wegen Rufschädigung gegen die Staatsanwälte vor. Esser strebt völlige Rehabilitierung an "Ich habe mich damals völlig korrekt verhalten", sagte Esser der Zeitung. "Es ist und bleibt deshalb mein Ziel, dass dieser Prozess zu dieser Klärung und zur völligen Rehabilitierung führt." Vor dem Düsseldorfer Landgericht müssen sich neben Esser auch der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der frühere Mannesmann-Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Funk, Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sowie zwei weiteren Manager wegen des Vorwurfs der "gemeinschaftlichen Untreue in einem besonders schweren Fall" beziehungsweise Beihilfe dazu verantworten. Sie sollen laut Anklage die 180 Milliarden Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkriesen Vodafone Anfang 2000 genutzt haben, um Managern und Ex-Vorständen des Unternehmens ungerechtfertigte Abfindungen in Höhe von fast 60 Millionen Euro zuzuschieben.
Die Staatsanwaltschaft will sich nicht mit dem sich abzeichnenden Freispruch der Angeklagten im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess abfinden. Sie bereite den Gang vor den Bundesgerichtshof vor, erklärte Sprecher Johannes Mocken.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mannesmann-prozess-eine-instanz-hoeher-1.906984
Mannesmann-Prozess - Eine Instanz höher
00/05/2010
Ein entlassener Wirtschaftsminister, eine finanziell überbelastete Kommune und eine Fabrikhalle als weitere Investitionsruine im Land Brandenburg. Das "Wunder von Frankfurt" in Gestalt der geplanten Chipfabrik bleibt aus. Statt sprudelnder Steuerquellen, 1500 neuer Arbeitsplätze und solventer Mieter für leer stehende Plattenbauten gibt es nun ein Millionenloch im Haushalt der Stadt, die zu Gunsten begleitender Infrastrukturmaßnahmen sogar soziale Vorhaben drosselte. Der Ausbau von Frankfurt (Oder) zum High-Tech-Standort war in der Mark von Anfang an umstritten. Als der damalige Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) im Februar 2001 das Vorhaben der erstaunten Öffentlichkeit präsentierte, winkten viele sofort ab. Große Nummer In Brandenburg waren schließlich schon zahlreiche kostspielige Großprojekte kläglich gescheitert. Eine Investition von 1,3 Milliarden Euro erschien angesichts von Brandenburgs Haushaltsproblemen um einige Nummern zu groß, auch wenn der US-Chiphersteller Intel und das arabische Emirat Dubai die Gesellschafter sein sollten. Finanzministerin Dagmar Ziegler (SPD) warnte Fürniß umgehend vor unübersehbaren Millionenrisiken für die Steuerzahler. Skeptiker sahen das Land schon um die am Frankfurter Institut IHP entwickelte Technologie geprellt. Der US-Konzern Intel als kleiner Gesellschafter könnte sie beim Scheitern des Projekts quasi kostenlos mitnehmen. Massive Fehler Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) resümierte gerade dieser Tage massive Fehler bei der Planung des vor drei Jahren angeschobenen Prestige-Vorhabens. Damals hatte Platzecks Vorgänger, der heutige Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD), die Regierungsverantwortung. Stolpe, der nie müde wurde, die Wichtigkeit des Projekts für ganz Ostdeutschland zu betonen, hatte in der vergangenen Woche gemahnt, Brandenburg müsse "endlich seine Hausaufgaben in Sachen Chipfabrik machen". Die Projektfinanzierung war von Anfang an die Schwachstelle der Chipfabrik. Kaum ein Tag verging, an dem nicht Medien über neue Finanzlöcher, steigende Kosten und über ergebnislose Suche nach Mitgesellschaftern berichteten. Je undurchsichtiger und schwieriger die Situation wurde, desto verschlossener gaben sich die Ministerien. Stillschweigen vereinbart "Wir können dazu nichts sagen. Es ist Stillschweigen vereinbart", hieß es stereotyp aus dem Wirtschaftsressort, das anfangs jeden noch so kleinen Projektfortschritt vermeldet hatte. Alle waren besorgt, durch eine unbedachte Äußerung das wacklige Konstrukt zum Einsturz zu bringen. "Ich bin froh, dass ich von dem Vorhaben nichts weiß", bekannte ein Sprecher in Potsdam freimütig. Die spärlichen Informationen wiederum ließen Spekulationen, Gerüchte und Halbwahrheiten sprießen - nicht gerade zum Nutzen des Vorhabens. Nachdem sich das Wirtschaftsvorhaben längst zum handfesten Politikum ausgewachsen hatte, ruhten schließlich die Hoffnungen auf Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Leere Hände Doch der "Genosse der Bosse", der im August 2002 den Grundstein für die Fabrik in der strukturschwachen Region legen sollte, kam von einer Reise zu den Scheichs mit leeren Händen zurück. Das arabische Emirat Dubai als Hauptinvestor wollte nicht mehr Geld geben, verlangte seinerseits Bürgschaften von Bund und Land Brandenburg für die erforderlichen Millionenkredite. Und der Bürgschaftsausschuss von Bund und Land, der sein Votum über Monate hinauszögerte, erteilte schließlich Auflagen, die vielfach als unüberwindliche Hürde betrachtet wurden. Die CDU-Fraktionsvorsitzende im Potsdamer Landtag, Beate Blechinger, warf der Bundesregierung vor, die Chipfabrik scheitern lassen zu wollen. Stolperstein "Der Schwarze Peter soll nun dem Land Brandenburg und dem Emirat Dubai zugeschoben werden." Es sei schwer vorstellbar, dass Brandenburg seine Landesbeteiligung um weitere 38 Millionen Euro erhöhen könne. Denn das Land müsse Milliarden einsparen. Für Fürniß wurde der Ausflug in die internationale Welt der Hochtechnologie zum Stolperstein. Der aus dem Badischen stammende Minister musste seinen Hut nehmen, nachdem bekannt wurde, dass er sich von einem Dubai-Scheich einen privaten Millionen-Kredit geben lassen hatte. Fürniß Nachfolger Ulrich Junghanns konnte nur noch den Notstand verwalten und musste nun mit bitterer Miene das Aus verkünden.
Ein entlassener Wirtschaftsminister, eine finanziell überbelastete Kommune und eine Fabrikhalle als weitere Investitionsruine im Land Brandenburg. Das "Wunder von Frankfurt" in Gestalt der geplanten Chipfabrik bleibt aus.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/chipfabrik-das-wunder-wird-zu-den-akten-gelegt-1.904652
"Chipfabrik - Das ""Wunder"" wird zu den Akten gelegt"
00/05/2010
Nach seinem meisterhaft inszenierten Wahlkampf steht Kaliforniens neuer Gouverneur nun vor einer schwierigen Etatkonsolidierung. Gepatzt hat die neue Administration dabei schon: Die eigens aus Florida entliehene Sparkommissarin Donna Arduin konnte bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nicht überzeugen. (SZ vom 22.11.03) - Kaum ist er im Amt, schon hat er 175.000 Dollar jährlich eingespart: Arnold Schwarzenegger entlastet das kalifornische Staatssäckel dadurch, dass er auf sein Gehalt verzichtet. Detailansicht öffnen Gouvernator Arnold Schwarzenegger. (Foto: Foto: AP) Auch sonst hat der neue Gouverneur erst einmal vor der eigenen Tür gekehrt. Der Staat darf vorerst kein neues Personal einstellen, Reisen und sonstige Ausgaben sind eingefroren, und einige Staatsdiener müssen gehen. Allerdings erst nach Weihnachten, denn man will ja nicht herzlos sein. Sehr weit ist die Konsolidierung des Budgets damit allerdings nicht vorangekommen. Denn dem Staat fehlen nach Berechnungen der Finanzdirektorin Donna Arduin in den nächsten 18 Monaten rund 25 Milliarden Dollar - auch deshalb, weil der neue Gouverneur ein großzügiges Wahlversprechen einlöst. 70 statt 210 Dollar Als erste Amtshandlung hat er die Erhöhung der Kfz-Steuer zurückgenommen, die sein Vorgänger eingeführt hatte. Statt durchschnittlich 210 Dollar im Jahr - je nach Wert ihres Fahrzeugs - müssen die Kalifornier jetzt nur noch 70 Dollar zahlen. Das kostet die Staatskassen jährlich rund vier Milliarden Dollar - Geld, mit dem normalerweise die Kommunen ihre Aufgaben erfüllen. Womit er diesen Ausfall kompensieren will, hat Schwarzenegger noch nicht verraten. "Action, action, action" hatte der frühere Action-Held seinem Volk versprochen, und gleich nach der Amtseinführung schritt er zur Tat. Erst senkte er die Kfz-Steuer, dann folgte der nächste Paukenschlag: Schwarzenegger möchte eine Anleihe über 15 Milliarden Dollar ausgeben. Nur der kleinere Teil dieser Schulden wäre allerdings neu; rund 12,7 Milliarden Dollar sollen einen bereits vom Parlament beschlossenen Bond ersetzen, der derzeit die Gerichte beschäftigt. Der neue Gouverneur möchte die Wähler im Frühjahr gleichzeitig über seine Riesenanleihe und einen Ausgabendeckel für den Staat abstimmen lassen. Die meisten Kalifornier könnten sich Umfragen zufolge für diese Kombination erwärmen. Fragliche Strahlkraft Doch zuerst muss der Republikaner zwei Drittel der Parlamentarier dafür gewinnen, sein Vorhaben auf die Stimmzettel zu setzen. Ob die Strahlkraft des Hollywood-Stars dafür reicht, ist fraglich, zumal die Mehrheit der Abgeordneten der demokratischen Partei angehört. Zwar bringen sie dem neuen Mann über die Parteigrenzen hinweg viel guten Willen entgegen. Zu Statisten wollen sich die Parlamentarier dennoch nicht machen lassen. Da hilft es auch nicht gerade, dass nach Schwarzeneggers meisterhaft inszeniertem Wahlkampf und seiner glanzvollen Amtseinführung der erste Auftritt seiner Sparbeauftragten Arduin wenig überzeugte. Die aus Florida entliehene Budgetspezialistin hat es bislang nicht für nötig befunden, dem Parlament die geplante Wirtschaftspolitik näher darzulegen. Am Mittwoch trug sie dem Budgetausschuss in groben Umrissen vor, wo sie die Probleme Kaliforniens sieht, und verschwand dann, ohne Fragen zu beantworten. Eine Senatsanhörung am nächsten Tag schwänzte sie ganz, während der neue Gouverneur sich von einem Fordhändler in Los Angeles für die Senkung der Kfz-Steuer feiern ließ. Sauer aufgestoßen Das ist einigen Abgeordneten sauer aufgestoßen. Wo die Probleme liegen, wissen sie selbst. Sie wollen Lösungen, und zwar gute. Neue Schulden gehören in den Augen vieler Republikaner nicht dazu, statt dessen fordern sie Einsparungen. Regierungsvertreter haben zwar sofortige Ausgabenkürzungen in Höhe von zwei Milliarden Dollar und weitere Einschnitte bei der Präsentation des Budgets im Januar versprochen, doch über die Details schweigen sie sich aus. Dass Schwarzeneggers Etatprüfer noch nicht auf bisher unbekannte Geldquellen gestoßen sind, kann nur diejenigen überraschen, die auf Wunder gehofft hatten. Denn Kaliforniens Haushalt ist schon viel und intensiv auf mögliche Einschnitte durchforstet worden. Auch wenn der Staat im Südwesten der USA in den vergangenen Jahren nicht übermäßig sparsam gewirtschaftet hat, entspringen die wenigsten Posten der puren Lust an der Geldverschwendung. Wenig Möglichkeiten Viele Ausgaben haben die Wähler in Volksbegehren beschlossen, bei Gesundheit und Sozialhilfe gibt es strikte Vorgaben aus Washington, am Bildungsetat will Schwarzenegger nicht rütteln. Diese unantastbaren Posten machen einen großen Teil des Staatsbudgets aus. Da bleibt nicht mehr arg viel übrig, wo der neue Gouverneur die Axt unauffällig ansetzen könnte - und noch weniger Neues. Einige Vorschläge könnte er auf den Streichlisten zwar finden - allerdings vermutlich längst nicht genug, um den Haushalt zu sanieren. Wirkliche Erleichterung verspräche eine Steuererhöhung. So brächte etwa eine vorübergehende Steigerung der Umsatzsteuer um einen Punkt vier Milliarden Dollar jährlich ein. Doch Schwarzenegger hat im Wahlkampf beteuert, dass er die Abgaben nicht heraufsetzen wolle. Auch wenn er noch nicht so genau weiß, wo es hingehen soll - der neue Gouverneur drückt zum Verdruss der Abgeordneten auf die Tube, denn er hat nur bis zum 5. Dezember Zeit, wenn das Volk im März über die Riesenanleihe abstimmen soll. Setzt er sie nicht durch, und kippen die Gericht die angefochtenen Bonds, dann könnte dem Staat das Geld im kommenden Sommer ausgehen.
Nach seinem meisterhaft inszenierten Wahlkampf steht Kaliforniens neuer Gouverneur nun vor einer schwierigen Etatkonsolidierung. Gepatzt hat die neue Administration dabei schon: Die eigens aus Florida entliehene Sparkommissarin Donna Arduin konnte bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nicht überzeugen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/muehsamer-alltag-viele-fragen-zu-schwarzeneggers-wirtschaftspolitik-1.919490
Mühsamer Alltag - Viele Fragen zu Schwarzeneggers Wirtschaftspolitik
00/05/2010
Noch nie war Treibstoff so teuer wie in diesen Tagen. Daran wird sich nach Meinung von Experten auch so rasch nichts ändern. Doch aufs Autofahren werden die Deutschen deshalb nicht verzichten. Wen mögen die Deutschen noch weniger als ihre Finanzämter? Schlusslicht in der Beliebtheitsskala sind die Mineralölkonzerne - jedenfalls meinte das am Wochenende die Grüne Bärbel Höhn und gab zu bedenken, dass die Ölmultis hierzulande ihre Akzeptanz verlieren könnten, wenn sie die Preise immer noch weiter erhöhten. Detailansicht öffnen Die letzte Schmerzgrenze bei den Benzinpreise wurde im Jahr 2000 genommen. Damals kostete der Liter erstmals über zwei D-Mark. (Foto: Foto: AP) Doch Aral, Esso, Shell & Co. sind wahrscheinlich weniger daran interessiert, dass sie geliebt werden - solange die Autofahrer ihre Tankstellen nur weiterhin so eifrig ansteuern. Und da ist keine Gefahr im Verzug; tanken muss jeder, der Auto fahren will, und die Erfahrung der vergangenen Jahre mit stetig steigenden Kraftstoffpreisen lehrt, dass es offenbar keine Preisschwelle gibt, bei der die Deutschen ihre Autos in der Garage stehen lassen. Die bisher letzte "Schmerzgrenze" wurde 2000 genommen, als die Preise für Superbenzin erstmals über zwei D-Mark je Liter sprangen. Eine nachhaltige Umstellung im Fahrverhalten ist seither aber kaum feststellbar. Dass der Benzinabsatz seit Jahren stetig schrumpft, liegt vor allem daran, dass die neuen Autos weniger Sprit verbrauchen und dass immer mehr Dieselfahrzeuge gekauft werden. Deshalb steigt ja auch im Gegenzug der Dieselabsatz besonders kräftig. Und die nächste "Schmerzgrenze" ist bereits in Sicht: Derzeit ist der Sprit so teuer wie noch nie; der Preis für einen Liter Superbenzin steuert in Richtung 1,50 Euro, und für Diesel müssen inzwischen im Schnitt 1,37 Euro je Liter bezahlt werden. In der vergangenen Woche war es auf den Preistafeln besonders hektisch zugegangen. Mehr als 100 Preiserhöhungen, also im Schnitt zwei in der Woche, sind pro Jahr ohnehin üblich. Aber von Montag bis Freitag haben die Konzerne gleich viermal die Preise erhöht, und zwar nach der Statistik des Hamburger Energie-Informationsdienstes (EID) insgesamt um 15 Cent je Liter Benzin und Diesel. An sinkende Preise glaubt niemand Durch das übliche schrittchenweise Abbröckeln der Preise waren davon am Freitag im Vergleich zur Vorwoche beim Benzin noch neun Cent und beim Diesel elf Cent übriggeblieben. Wie es mit der Preisentwicklung in dieser Woche weitergeht, kann niemand verlässlich vorhersagen. Aber an sinkende Preise in nächster Zeit glaubt kaum jemand. Der EID rechnet nicht mit einer Trendwende, und nach Meinung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sind die Zeiten billigen Sprits nun ohnehin endgültig vorbei, weil die Ölnachfrage weltweit hoch sei und bleibe. Alles hängt also an den internationalen Märkten, aber dort sind nach Branchenmeinung keine Anzeichen für eine Preissenkung zu erkennen. Im Gegenteil: Rohöl der Sorte WTI kostet Ende der Woche zwar noch höchstens 97,50 Dollar je Fass, aber die Analysten der Commerzbank erwarten, dass die jetzt so nahe 100-Dollar-Marke eine geradezu magische Anziehungskraft entwickeln wird und in den nächsten Tagen vorübergehend fällt. Danach werde es dann aber wieder eine "starke Korrektur" geben. Für die Preisbildung der Ölprodukte, also der Kraftstoffe und des Heizöls, wirkt auch nicht gerade dämpfend, dass sich nach einem Brand in einer großen amerikanischen Raffinerie das Angebot dort etwas verknappen wird. Der deutsche Markt wird zwar in erster Linie von Rotterdam aus versorgt, aber auch dort wirkt sich längst aus, was in Amerika passiert. Denn die USA ziehen ein Viertel der gesamten Ölnachfrage auf sich, und da ihre eigenen Raffinerien den Bedarf des Landes gar nicht decken können, kaufen sie auch in Rotterdam ein. Besonders hohe Steuern Die deutschen Mineralölkonzerne haben im ersten Halbjahr dieses Jahres bestens verdient, hat der EID gerade ausgerechnet. Der Löwenanteil der Gewinne kam von den Raffinerien, während an den Tankstellen eher "marginale" Margen erzielt worden seien. Bitter ist diese Verteilung für den Mittelstand, der keine eigenen Raffinerien besitzt. In den vergangenen Wochen kamen aber selbst die Konzerne gelegentlich in die Klemme: Die Beschaffungspreise seien zeitweise so schnell gestiegen, dass die Mineralölkonzerne die höheren Kosten nicht immer entsprechend schnell hätten weitergeben können, sagte eine Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV). Daher sei der Kraftstoff an manchen Tagen sogar unter Einstandspreis verkauft worden. Wenigstens in Grenznähe können geplagte Autofahrer manchmal Geld sparen, wenn sie zum Tanken in ein Nachbarland fahren. Im EU-Vergleich steht Deutschland beim Diesel an zweiter und beim Superbenzin an vierter Stelle auf der Preisskala. Nur die Tankstellen in Großbritannien, den Niederlanden und Belgien verlangen nach der jüngsten EID-Statistik noch mehr Geld. Das liegt an den in Deutschland besonders hohen Steuern. Ohne die findet sich Deutschland nämlich beim Benzin weit abgeschlagen auf Platz 18. Gäbe es den Staatsanteil nicht, wäre der Sprit geradezu zum Schnäppchenpreis zu haben.
Noch nie war Treibstoff so teuer wie in diesen Tagen. Daran wird sich nach Meinung von Experten auch so rasch nichts ändern. Doch aufs Autofahren werden die Deutschen deshalb nicht verzichten.
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Steigende Benzinpreise - Die nächste Schmerzgrenze
00/05/2010
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) will die Steuern senken. Das ist schön. Steuersenkungen sind überhaupt eine gute Idee. So hoch ist der Teil, den sich der Staat über Steuern und Abgaben vom Verdienten seiner Bürger nimmt, dass jede Linderung der Belastung nur ein Gewinn sein kann. (SZ vom 14.06.03) - Jahrelang haben die Experten deshalb zurecht rasche, durchgreifende Steuersenkungen gefordert. Lange hat Eichel diese Forderungen empört als unbezahlbar zurückgewiesen; vielfach nachzulesen ist das etwa in den Protokollen der Plenarsitzungen des Deutschen Bundestages. Wieder alles falsch Jetzt schlägt der Minister alle seine früheren Aussagen in den Wind und setzt er sich an die Spitze der Bewegung. Und macht damit wieder alles falsch. Für ein Vorziehen der für den Jahresbeginn 2005 vorgesehenen zweiten und dritten Stufe der Einkommensteuerreform ist kein Platz, weder mit noch ohne die von Eichel am Freitag in einer eilends einberufenen Pressekonferenz aufgestellten Bedingungen, etwa einen Subventionsabbau. Es fehlt das Geld Der Grund ist ganz einfach: Es fehlt das Geld. Nie waren Eichel und seine Kollegen in den Ländern und Kommunen so knapp bei Kasse wie im dritten Jahr konjunktureller Flaute. Bisher schon hat Eichel alle Mühe, für 2003 und 2004 ein Emporschnellen der Neuverschuldung zu verhindern. Die Bereitschaft zu sparen, ist im Bundeskabinett dramatisch unterentwickelt, von der traditionell ausgabenfreudigen SPD-Bundestagsfraktion gar nicht zu reden. Erstaunliche Allianz Und nun sollen sehenden Auges weitere Milliardenausfälle in Kauf genommen werden? Erstaunlich ist die neue Allianz zwischen SPD-Parlamentariern, Gewerkschaftsvertretern, einigen CDU-Politikern und sogar dem Bund der Steuerzahler, die von einem "starken Signal" sprechen. "Für denkende Menschen bietet es sich an, die Steuerreform vorzuziehen", sagt allen Ernstes Ortwin Runde, früherer Hamburger SPD-Bürgermeister. Denkende Menschen aber votieren für das glatte Gegenteil. Denn das Vorziehen wird mitnichten Konsum und Investitionen fördern und damit die Konjunktur anheizen, wie es Steuerzahlerpräsident Karl Heinz Däke erwartet. Zu gering Dazu ist die Steuerentlastung von einigen hundert Euro pro Jahr zu gering, die Zukunftsangst der Menschen zu groß und ebenso das Misstrauen, dass der Staat sich so häufig an anderer Stelle gegenfinanziert. Es klingt gut, wenn Eichel Sparbemühungen und den Abbau von Subventionen und anderen Steuervergünstigungen zur Voraussetzung der vorgezogenen Steuersatzsenkungen macht - aber es ist ein für ihn unrealistisches Ziel. Rückendeckung nicht mehr gegeben Den Dreisprung Sparen, Kürzen und Steuersenken könnte ein Finanzminister allenfalls auf der Höhe seiner Macht und mit voller Rückendeckung des Kanzlers erfolgreich meistern; nichts davon aber ist Eichel noch gegeben. Die Bundesregierung sollte jetzt erst einmal neues Vertrauen schaffen durch einen nachhaltigen Konsolidierungskurs. Dafür ist die Zeit bis zum 1. Januar 2005, wenn die Steuersenkungen laut Gesetz regulär in Kraft treten, ohnehin kurz genug. Jeder weitere Aktionismus schadet nur.
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) will die Steuern senken. Das ist schön. Steuersenkungen sind überhaupt eine gute Idee. So hoch ist der Teil, den sich der Staat über Steuern und Abgaben vom Verdienten seiner Bürger nimmt, dass jede Linderung der Belastung nur ein Gewinn sein kann.
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Kommentar - Ein Zeichen der Schwäche
00/05/2010
Sie waren die ersten Börsenstars des Neuen Marktes, die im Gefängnis landeten. In Augsburg begann am Montag die Neuauflage des Prozesses gegen Gerhard Harlos und Alexander Häfele, Gründer der Softwarefirma Infomatec. Deren Anwälte halten verschiedene Anklagepunkte inzwischen für verjährt. Die beiden Beklagten geben sich derweil verstockt. (SZ vom 09.09.03) - Nach halbjähriger Untersuchungshaft waren Harlos und Häfele im Mai 2001 gegen Zahlung einer hohen Kaution wieder auf freien Fuß gekommen. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden 42-jährigen ehemaligen Managern Kapitalanlage- und Kursbetrug sowie Insiderhandel und Gründungsschwindel vor. Das Strafverfahren wurde von vielen Kapitalanlegern mit Spannung erwartet, haben sie doch aufgrund des Kurssturzes der Infomatec-Aktie am Neuen Markt vermutlich rund 250 Millionen Euro verloren. Tücken Doch der vorerst bis zum Januar nächsten Jahres terminierte Prozess hat seine Tücken. Schon im ersten Anlauf war er im April nach nur drei Verhandlungstagen geplatzt. Mit Erfolg hatten die acht Verteidiger die Unvollständigkeit der Akten gerügt. Und auch die Neuauflage am Montag dauerte kaum einmal drei Stunden, dann vertagte sich das Gerichte auf Donnerstag. Bis dahin will die 3. Wirtschaftsstrafkammer unter Vorsitz von Richter Rainer Brand über einen Antrag der Verteidiger von Harlos entscheiden. Sie fordern die Anklagepunkte Kapitalanlagebetrug und Kursbetrug wegen Verjährung einzustellen. Die beiden angeklagten Manager schweigen nach wie vor zur Anklage. Angaben im Prospekt Hintergrund des von ihren Anwälten gestellten Antrags ist der Vorwurf, beide ehemaligen Vorstände hätten im Verkaufsprospekt zum Börsengang, der Mitte 1998 erfolgte, wissentlich falsche Angaben gemacht. Auch wenn dieser Vorwurf bewiesen werden könne, er wäre nach dem bayerischen Pressegesetz nach sechs Monaten verjährt, so jedenfalls die Auffassung von Verteidiger Panos Pananis. Denn bei dem von der WestLB aufgelegten Verkaufsprospekt handelt es sich um ein Druckwerk. Für diese gelten Ländergesetze. Da trifft es sich aus Sicht der Verteidigung gut, dass in Bayern als einzigem Bundesland das Pressegesetz auch für so genannte "harmlose" Prospekte anzuwenden ist. Widersprüche Was den Vorwurf des Gründungsschwindels betrifft, wiesen die Verteidiger auf Widersprüche unter den Gutachtern. Die Staatsanwaltschaft argumentiert, der Unternehmenswert sei mit 207 Millionen DM "exorbitant" zu hoch angesetzt worden. In Wahrheit sei die Firmengruppe lediglich rund fünf Millionen DM wert gewesen. Die Verteidigung hingegen hält den angegeben Unternehmenswert für zumindest "vertretbar" und will das vor Gericht belegen. Häfeles Anwälte regten zudem an, das gesamte Verfahren auszusetzen, bis der Bundesgerichtshof im ähnlich gelagerten Fall der Brüder und EM.TV-Gründer Haffa höchstrichterlich entschieden habe. Im Fall Infomatec haben auch schon mehrere Zivilgerichte geurteilt. Alle Klagen wurden bisher abgewiesen, weil ursächlich ein Zusammenhang zwischen den Aktienkäufen und falschen Ad-hoc-Mitteilungen des Unternehmens nicht nachgewiesen werden konnte. Voraussichtlich noch diesen Herbst wird sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall eines Dortmunder Aktionärs befassen. Ihm war in der ersten Instanz erstmals von einem deutschen Gericht Schadenersatz zugesprochen worden. Das Urteil wurde allerdings später aufgehoben.
Sie waren die ersten Börsenstars des Neuen Marktes, die im Gefängnis landeten. In Augsburg begann am Montag die Neuauflage des Prozesses gegen Gerhard Harlos und Alexander Häfele, Gründer der Softwarefirma Infomatec. Deren Anwälte halten verschiedene Anklagepunkte inzwischen für verjährt. Die beiden Beklagten geben sich derweil verstockt.
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Erster Prozesstag - Infomatec-Gründer schweigen eisern
00/05/2010
Nicht die Anklage, sondern das Lamento darüber schadet dem Finanzstandort Deutschland: Viele in der Finanzwelt halten es für ungeheuerlich, dass ein angesehener Manager wie Ackermann vor Gericht stehen soll. Die Financial Times hat einen tadellosen Ruf. Das Urteil der Londoner Zeitung hat internationales Gewicht. Umso mehr fällt auf, dass das rosa Blatt in einem Fall den Eindruck erweckt, mehr von missionarischem Eifer als von britischer Gelassenheit geleitet zu sein. Der Umstand, dass ein Mann wie Josef Ackermann, 55, der Chef der Deutschen Bank, in Düsseldorf vor Gericht stehen wird, nähre Zweifel an der Reformfähigkeit Deutschlands. "Der Fall Ackermann wird in den Finanzmärkten als Test für die Bereitschaft gesehen, sich den Gepflogenheiten der internationalen Wirtschaft anzunähern", schreibt das Blatt beunruhigt. "Eine Verurteilung des Bankchefs wäre katastrophal." Die Finanzwelt ist empört Stünde die Zeitung mit dieser Meinung allein, könnte man die Sache vernachlässigen. Doch viele in der Finanzwelt halten es für ungeheuerlich, dass ein angesehener Manager wie Ackermann vor Gericht stehen soll, weil er als Aufsichtsratsmitglied von Mannesmann mit dafür sorgte, dass an mehrere Manager des Düsseldorfer Konzerns 111 Millionen DM als Prämien bezahlt worden waren, als sie den Konzern Anfang des Jahres 2000 an die britische Vodafone verkauften. "Dies schadet dem Finanzplatz Deutschland", meint der Chef der HypoVereinsbank Dieter Rampl. In Frankfurts Bankenszene ist vom "Scherbengericht über die deutsche Führungsqualität" die Rede und von einem "politischen Prozess". Selbst die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sieht in der Anklage einen "Schlag gegen den Wirtschaftsstandort Deutschland". Der Fall Ackermann und der Wirtschaftsstandort Deutschland verdienen mehr Nachdenklichkeit. Es scheint, dass eher diejenigen dem Finanzplatz Deutschland schaden, die solche Äußerungen machen. In Deutschland darf niemand davor gefeit sein, angeklagt werden. Das gilt auch für die Kaste der Manager, die sich gerne für übermächtig hält. Häufig wird kolportiert, Ackermann stehe unter Anklage, weil zum Beispiel der Mannesmann-Chef Klaus Esser damals eine Abfindung von 32 Millionen DM kassiert hätte und diese Summe unanständig hoch sei. Das sei im internationalen Vergleich ein lächerlicher Betrag. Auch habe sich Ackermann selbst nicht bereichert. Provinzielles Deutschland? Nur im provinziellen Deutschland könne man sich darüber beklagen, heißt es dann, und der gebürtige Schweizer sagt öffentlich: "Dafür hätte man mir in der Schweiz gratuliert." Indes: Die Höhe der Abfindung ist nicht der Vorwurf. Die Staatsanwälte sind der Meinung, dass die Entscheidungen, die zu den Zahlungen führten, in den zuständigen Gremien nicht ordnungsgemäß zustande gekommen sind - immerhin geht es um das Geld der Aktionäre. Ob dieser schwere Vorwurf berechtigt ist, wird erst das Urteil zeigen. Hier liegt Ackermanns Dilemma, das sich daraus ergibt, dass Deutschland ein Rechtsstaat ist: Er steht unter Anklage, gleichzeitig aber hat er als unschuldig zu gelten. In diesem unerfreulichen Rahmen muss er sich bewegen, ob er will oder nicht. Er muss zur Kenntnis nehmen, dass ein Rechtsorgan ihn unter Anklage gestellt hat. Sich darüber öffentlich zu beklagen, mag persönlich verständlich sein. Aber es ist gefährlich. Ackermann macht es sich damit vor Gericht sicher nicht leichter. Nebenbei fügt er damit genau dem Rechtssystem Schaden zu, das im internationalen Vergleich ein wichtiger positiver Faktor für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist. Die Deutsche Bank in der Zwickmühle Auch die Deutsche Bank steckt in einer besonders bösen Zwickmühle. Das Unternehmen will und muss seinen Vorstandssprecher gegen alle Vorwürfe verteidigen. Es weist daher auch den Vorschlag zurück, Ackermann wenigstens auf Zeit von seinem Posten freizustellen, weil er demnächst an zwei Tagen pro Woche im Gerichtssaal zu erscheinen habe und daher seine Führungsaufgabe nicht vollständig wahrnehmen könne. Alles andere könnte als Schuldeingeständnis ausgelegt werden. Doch damit ist das Problem für die Bank nicht gelöst. Auch nicht dadurch, dass sie erklärt, Ackermann habe die Bank so gut organisiert, dass sie ein paar Tage in der Woche ohne ihn auskommen könne. Das Düsseldorfer Verfahren, in dem es ja auch noch um fünf andere Ex-Mannesmänner geht, wird möglicherweise zwei Jahre dauern, von den Medien aber vornehmlich als Ackermann-Prozess wahrgenommen werden. Zweimal pro Woche werden Berichte über Taten und Unterlassungen des Deutsche-Bank-Chefs in der Causa Mannesmann durch Fernsehen und Zeitungen gehen. Für die einzige internationale Bank in Deutschland führt das zu einem extremen Imageschaden - und damit auch zu einer Belastung für den Finanzplatz Deutschland. Aktionäre und Aufsichtsrat der Deutschen Bank sind nicht zu beneiden. Wahrscheinlich aber wäre der Schaden für alle geringer, wenn die Bank sich entscheiden könnte, Ackermann wenigstens auf Zeit von seinen Aufgaben als Chef zu entbinden. Noch besser wäre es, wenn er selbst diesen Schritt ginge.
Nicht die Anklage, sondern das Lamento darüber schadet dem Finanzstandort Deutschland: Viele in der Finanzwelt halten es für ungeheuerlich, dass ein angesehener Manager wie Ackermann vor Gericht stehen soll.
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Prozess gegen Deutsche-Bank-Chef - Das Dilemma des Josef A.
00/05/2010
Jahrelang hieß es bei Wal-Mart im Dezember "Frohe Festtage". Doch nun erzwingen religiöse Gruppen einen christlicheren Gruß. Wenn die Winterabende dünkler und ungemütlicher werden, erstrahlen die Kaufhauslichter umso heller. Allerorts locken Schlitten, Kunstschnee und dergleichen, um die Kunden in Kaufstimmung zu bringen, damit der Dezember wird, was er für den Handel traditionell ist: Der umsatzstärkste Monat des Jahres. Detailansicht öffnen In Zukunft heißt es bei Wal-Mart wieder "Merry Christmas". (Foto: Foto: Reuters) Doch im allgemeinen Vorweihnachtstrubel fiel kaum auf, dass auch auf den Plakaten und in Werbespots der weltgrößten Supermarktkette Wal-Mart dieses Jahr ganz groß das Wort "Weihnachten" prangte - zum ersten Mal seit vielen Jahren. Jahrelang hatte man die Verwendung des Wortes "Weihnachten" in der Werbung vermieden, offiziell deshalb, um Einkäufer anderer Religionen nicht vor den Kopf zu stoßen. Nun ging man von dieser Praxis ab - doch nicht ganz freiwillig. Wie ABC-News berichtete, gab Wal-Mart dem steigenden Druck religiöser Gruppierungen nach. Diese hatten ihre Mitglieder zum Boykott von Wal-Mart - Filialen aufgerufen, um den Supermarktriesen zur Verwendung von "Christmas" in seiner Werbung zu drängen. Jahrelang hatte Wal-Mart dieses durch "Holiday" ersetzt. Lektion gelernt Nun beugte man sich den Boykott-Drohungen: "Wir haben unsere Lektion gelernt", sagte eine Wal-Mart - Sprecherin zu ABC-News. "Frohe Weihnachten ist wieder Teil unseres Vokabulars hier bei Wal-Mart." Um die religiösen Eiferer zu beruhigen, wurden Werbeprospekte mit dem Wort "Christmas" gedruckt und die "Holiday-Shops" in "Christmas-Shops" umgetauft. Im Fernsehspot für die Festtage 2006 wurde extra eine Szene mit Kindern vor einer Krippe eingeplant, und auch in der Warenlandschaft gab es Veränderungen: Die Zahl der Ware mit dem Aufdruck "Christmas" wurde um 60 Prozent erhöht. Bei der Handelskette Best Buy hingegen wehrt man sich gegen den Druck der christlichen Gruppierungen. "Wir werden auch weiterhin den Ausdruck 'Holiday' verwenden", so ein Sprecher von Best Buy. In die Zeit um die Jahreswende fielen viele verschiedene Festtage, nicht nur christliche, und das Unternehmen müsse alle gleichermaßen respektvoll behandeln. Merry Hanukka Vergraulen will man die anderen Konfessionen und Ethnien offenbar auch bei Wal-Mart nicht. Und so führte Wal-Mart neben speziellen Weihnachtsangeboten auch Angebote für jene ein, die nicht Weihnachten feiern. Neben den obligatorischen Christbäumen und Lichterketten bewirbt Wal-Mart rund um die Jahreswende nun auch spezielle Geschenke für das jüdische Hanukka und ein Fest der afro-amerikanischen Bevölkerung, Kwanzaa. Doch wie respektvoll und völkerverbindend die verschiedenen Werbekampagnen auch sein mögen - Letzten Endes tragen Christbaumkugeln, Kwanzaa-Origamis, Cocktail-Servietten mit Davidstern und aufblasbare Schneemänner gleichermaßen zum Rekordumsatz der Feiertage bei.
Jahrelang hieß es bei Wal-Mart im Dezember "Frohe Festtage". Doch nun erzwingen religiöse Gruppen einen christlicheren Gruß.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/im-namen-des-herrn-wal-mart-wuenscht-wieder-frohe-weihnachten-1.915493
"Im Namen des Herrn - Wal-Mart wünscht wieder ""Frohe Weihnachten"""
00/05/2010
Dass zum Zwecke der Wettbewerbsfähigkeit die Umwelt hintangestellt wird, kritisiert der BUND scharf. Regierung und Automobilindustrie sehen das anders. Logistik ist ein Sektor mit klarem Wachstumstrend. Transportieren, Umschlagen und Lagern von Gütern, innerbetriebliche Logistik sowie vor- und nachgelagerte Dienstleistungen gelten als boomende Bereiche. Detailansicht öffnen Bunter Fleckerlteppich: Das Luftbild zeigt den Containerterminal Altenwerder im Hamburger Hafen, einen der modernsten Umschlagplätze Europas. (Foto: Foto: dpa) Schon 2004 betrug der Jahresumsatz der deutschen Logistikwirtschaft 170 Milliarden Euro. Das besagt jedenfalls die Studie "Top 100 der Logistik 2006", die zum vierten Mal von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Technologien der Logistikdienstleistungswirtschaft (ATL) durchgeführt wurde. Davon wurden 79 Milliarden Euro durch die gewerblichen Logistik-Dienstleister wie Speditionen, Paketdienste, Lkw-, Schifffahrts-, Bahn- und Luftfrachtunternehmen abgewickelt. Mehr als 90 Milliarden Euro sind Eigenleistungen oder Werkslogistikleistungen in Industrie, Handel und allen anderen Branchen. Den Umsätzen zufolge rangiert die Logistikwirtschaft damit an dritter Stelle der großen Wirtschaftsbranchen nach dem Fahrzeugbau (285 Milliarden Euro) und der Gesundheitswirtschaft (250 Milliarden Euro). Zunahme des Güterverkehrs Segen und Fluch zugleich Die Logistik in Deutschland steht vor großen Herausforderungen, denn der Bedarf an Güteraustausch wird in den nächsten Jahren stark zunehmen. Aufgrund des Wachstums wird damit gerechnet, dass durch den Anstieg des Straßengüterfernverkehrs zunehmend Kapazitätsengpässe auftreten und es in der Folge zu Abwicklungsproblemen kommt. Gefragt sind innovative und intelligente Lösungen, welche die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sicherstellen und seine Entwicklung zu einer modernen Logistikdrehscheibe in Europa unterstützen. Doch nicht nur hier: Weltweite Globalisierungsprozesse erfordern auch international wettbewerbsfähige Transport- und Logistikprozesse, die den Anforderungen der Waren- und Handelsströme gerecht werden. In Europa stellen neben der Globalisierung die Osterweiterung den Verkehr vor neue Herausforderungen. Die rasche Zunahme des Güterverkehrs leistet zwar einen Beitrag zur Wirtschaft, ist aber gleichzeitig die Ursache für Verkehrsüberlastung, Lärm, Umweltverschmutzung und Unfälle. Gleichzeitig ist die Abhängigkeit des Verkehrs von fossilen Brennstoffen gestiegen. Merkels "Masterplan Güterverkehr und Logistik" In einer Mitteilung weist die Europäische Kommission darauf hin, dass sich die Situation ohne geeignete Gegenmaßnahmen weiter verschlechtern wird und die Wettbewerbsfähigkeit Europas und die Umwelt immer stärker beeinträchtigt werden. Die Kommission empfiehlt daher, sich auf die Modernisierung der Logistik zu konzentrieren, um die Leistungsfähigkeit der verschiedenen Verkehrsmittel und ihrer Kombinationen zu verbessern. Sie möchte den Verkehr vor allem auf umweltfreundlichere, sicherere und energieeffiziente Verkehrsmittel verlagern. Sie kündigt an, noch in diesem Jahr einen "Aktionsplan Güterverkehrslogistik" vorzustellen. Auch die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Effizienz des Güterverkehrssystems zu steigern. Dies soll durch den "Masterplan Güterverkehr und Logistik" erreicht werden, der derzeit gemeinsam mit der Wirtschaft und Wissenschaft entwickelt wird und ebenfalls Ende des Jahres vorliegen soll. Damit, so die Verantwortlichen, biete sich erstmals die Chance, mit einer umfassenden Strategie auf die großen Herausforderungen für die Logistikwirtschaft zu reagieren. Mit dem Masterplan werde in Deutschland ein konkretes verkehrsträgerübergreifendes Konzept für Güterverkehr und Logistik erarbeitet. Inhalte des Masterplans: IT, Infrastruktur, Finanzierung und Deregulierung Unterstützt wird der Masterplan vom Verband der Automobilindustrie (VDA) und vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Nach der Mobilitätsoffensive, die der Verkehrspolitik einen größeren politischen Stellenwert gebracht hat, sei dies ein konsequenter Schritt, um mit konkreten Maßnahmen die Stärkung des Logistikstandortes Deutschland zu erreichen. Beide Verbände fordern vordringlich die Beseitigung von Engpässen auf Bundesfernstraßen, denn 80 Prozent aller Güter werden derzeit auf der Straße transportiert. Der Masterplan, so die offizielle Darstellung des Bundesministeriums für Verkehr soll aktuelle Entwicklungen und Trends sowie Qualitätsanforderungen in Verkehr, Wirtschaft und Logistik genau erfassen und daraus Handlungsbedarf und mögliche Maßnahmen ableiten. Unter anderem sollen Güterverkehrszentren besser verknüpft und Häfen durch eine optimierte Anbindung an das Hinterland stärker mit den großen Produktions- und Absatzstandorten verbunden werden. Konkret sollen für bestimmte Handlungsfelder Empfehlungen ausgearbeitet und unmittelbar umgesetzt werden. Dazu gehören Informationstechnologien, Weiterbildung, Infrastruktur und Vernetzung, Finanzierung, Marktbedingungen und Deregulierung, Vermarktung. Scharfe Kritik vom Bund für Umwelt und Naturschutz Als völlig unzureichend hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) das Konzept des Masterplans schon kurz nach seiner Vorstellung kritisiert. Es sei allein auf die Steigerung von Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum der Straße ausgelegt und vernachlässige Umwelt- und Klimaschutz komplett. Dem Masterplan zufolge sollen Umweltstandards nur dann berücksichtigt werden, wenn sie den kurzfristigen Interessen der deutschen Wirtschaft nicht im Wege stehen. Der vorgelegte Masterplan enthalte nichts als Sprechblasen für eine wachstumsorientierte Verkehrspolitik. "Wie selbstverständlich wird er ausschließlich mit und für die Wirtschaft erarbeitet und dient der Abschaffung politischer Steuerungselemente", sagt Werner Reh, Verkehrsreferent des BUND. Güterverkehr stelle jedoch eine gesamtgesellschaftliche Gestaltungsaufgabe dar, für die die Politik den Rahmen setzen müsse. Anstatt klare Prioritäten für den umweltfreundlichen Verkehrsträger Schiene zu setzen, wolle man alle Verkehrsträger gleichzeitig ausbauen. Damit würde das effizienzsteigernde Potential ökologischer Logistik verkannt, stellt Reh fest. Autoverkehr, Ölverbrauch und Klimagasemissionen würden so weiter zunehmen und die Bahn als Gütertransportmittel an Attraktivität einbüßen.
Dass zum Zwecke der Wettbewerbsfähigkeit die Umwelt hintangestellt wird, kritisiert der BUND scharf. Regierung und Automobilindustrie sehen das anders.
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Masterplan Güterverkehr und Logistik - Wachse! wachse auf allen Strecken
00/05/2010
Schlechte und phantasielose Menschen haben in den hauseigenen Filmen üblicherweise keinen Platz: Sie sterben oder werden verbannt. Dem seit 20 Jahren amtierenden Disney-Chef Eisner blieb eine solch radikale Lösung vorerst erspart. Der Umgang mit Eisner beschränkte sich bislang auf konventionelle Methoden: er wurde bei der Hauptversammlung des Mickymaus-Imperiums in dieser Woche kräftig zurechtgestutzt und musste nach zehn Jahren seinen einflussreichen Posten als Chef des Verwaltungsrats aufgeben. Detailansicht öffnen Sieht so eine böse Hexe aus? Michael Eisner - hier ohne Hexenhut. (Foto: Foto: AP) Eisner wurde am 7. März 1942 geboren. Er wuchs in New York als Sohn eines Anwalts auf. Der achtete strikt darauf, dass der kleine Michael nicht zu lange vor dem Fernseher hockte: Für eine Stunde Fernsehen musste Eisner junior zwei Stunden mit Lesen verbringen. Das funktionierte nur vorübergehend. Eisner studierte zwar später englische Literatur und Theater, 1964 ging er aber zum Fernsehen und landete über Stationen bei den Sendern NBC und CBS schließlich bei ABC. Aufstieg in den 70er Jahren bei Paramount Dort traf er seinen langjährigen Mentor, Barry Diller. Unter seiner schützenden Hand stieg Eisner Anfang der 70er Jahre schnell auf. Schon bald ist er dort für die Produktion des Programms zur Hauptsendezeit verantwortlich. 1976 wird er als rechte Hand von Diller bei der Führung der Paramount-Filmstudios eingesetzt, kurz darauf ist er dort der Chef. Schon damals wird Eisner als ungeduldiger und fordernder Manager beschrieben, der sich mit seinem Führungsstil nicht gerade Freunde macht. Doch Eisner gelingt es auch, Paramount mit Kassenschlagern wie "Indiana Jones", "Elephant Man" und "Grease" zur Nummer eins in Hollywood zu machen. Durch die Erfolgsserie wird Roy Disney auf ihn aufmerksam, der Neffe des legendären Trickfilmzeichners Walt Disney. 1984 wird Eisner abgeworben. 1984: Wechsel zu Disney Die folgenden zehn Jahre baut er Disney - flankiert von Frank Wells und Jeffrey Katzenberg - durch eine Serie von Zukäufen in einen Medienkonzern um. Disney verleibt sich dabei unter anderem ABC, den Sportsender ESPN und die Miramax-Studios ein. Auch die erfolgreiche Partnerschaft mit dem Trickfilmstudio Pixar ("Toy Story", "Nemo") fädelte Eisner damals ein. Nach dem Tod von Wells 1994 und dem Aufsehen erregenden Abgang von Katzenberg übernimmt Eisner die Alleinherrschaft und hat von da an neben dem Chefposten auch das Amt des Verwaltungsratspräsidenten inne. Kritiker sehen darin eine Zäsur. Eisner nutzte demnach die Allmacht, um sich mit Menschen zu umgeben, die auf seiner Linie sind. Das gilt nicht nur für das Management, auch für den Verwaltungsrat. "Im Disney-Verwaltungsrat waren bereits der Anwalt von Michael Eisner, sein Architekt und der Direktor der Schule seiner Kinder", zählte die New York Times ironisch auf. Der 11. September: Auch für Eisner ein Schlag Das allein wäre Eisner nicht zum Problem geworden. Doch die Medienkrise verschonte auch Disney nicht, und nach den Terroranschlägen des 11. September erleiden die Freizeitparks schwere Besucherrückgänge. Damit wuchs über die Jahre die Zahl der Kritiker, die Eisner vorwerfen, über die Gier nach Profit die eigentliche Vision des Disney-Konzerns aus den Augen verloren zu haben. Im vergangenen Jahr schied in diesem Konflikt Roy Disney mit viel Getöse aus der Führung und liefert sich seitdem eine öffentlich ausgetragene Privatfehde mit Eisner. Weitere Rückschläge Der musste in diesem Jahr weitere Rückschläge hinnehmen. Das Studio Pixar, das Disney auch in schwierigen Jahren immer Kassenschlager geliefert hatte, kündigte die Partnerschaft auf. Und dann kam das Übernahmeangebot des Kabelriesen Comcast, das die Unabhängigkeit des Konzerns in Frage stellt. Den Aufstand der Aktionäre in Philadelphia hatte Eisner vor allem Roy Disney zu verdanken. Der vergleicht den langjährigen Unternehmenschef mittlerweile mit der bösen Hexe aus dem Zauberer von Oz. Alle Welt sei "sehr glücklich", wenn diese sterbe, sagte der Disney-Erbe gehässig. "Und das ist es, was passieren wird."
Schlechte und phantasielose Menschen haben in den hauseigenen Filmen üblicherweise keinen Platz: Sie sterben oder werden verbannt. Dem seit 20 Jahren amtierenden Disney-Chef Eisner blieb eine solch radikale Lösung vorerst erspart.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/im-portrait-michael-eisner-die-boese-hexe-im-disney-wunderland-1.903083
Im Portrait: Michael Eisner - Die böse Hexe im Disney-Wunderland
00/05/2010
Ob der Führungswechsel bei der Telekom ausreicht, den Konzern wieder in Fahrt zu bringen, darf bezweifelt werden. Denn noch immer weiß bei dem Riesenunternehmen häufig die linke Hand nicht, was die rechte tut. Aktionismus warf ein Experte am Montag den Großaktionären der Deutschen Telekom vor, weil diese Hals über Kopf den Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke gefeuert haben. Detailansicht öffnen Zuversicht: Am Tag des Führungswechsels hängt in der Bonner Telekom-Zentrale das Plakat "Hallo Zukunft". (Foto: Foto: dpa) Aktionismus ist laut Lexikon ,,übertriebener Tätigkeitsdrang''. Das hat eine negative Färbung - so als sei Ricke weiter der richtige Mann am richtigen Ort gewesen und sei aus nicht stichhaltigen Gründen geopfert worden. Stichhaltig aber sind die Gründe, deretwegen Ricke gehen muss, sehr wohl. In Deutschland bröckeln Umsatz und Gewinn. Der Telekom laufen die Kunden weg, seit Jahresbeginn allein 1,5 Millionen im Festnetz. Die Aktie notiert seit langem unter dem ursprünglichen Ausgabekurs. Ricke hat sich tapfer gegen den Verfall des Unternehmens gestellt, aber er hat seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren keinen wirklichen Durchbruch erzielt. Zeit genug für Erfolge Vier Jahre sind in einem Berufsleben keine lange Zeit, aber ausreichend lang, um Erfolge erwarten zu dürfen - wie dies übrigens Wirtschaftsführer auch gerne von Politikern erwarten, die ebenfalls nach vier Jahren zur Wiederwahl stehen. Von daher war es richtig, den schnellen Wechsel zu suchen und die entwürdigenden Begleitumstände zu vermeiden, unter denen etwa der VW-Chef Bernd Pischetsrieder über Monate mürbe gemacht worden ist. Ob Rickes Freund und Mitstreiter René Obermann der Richtige ist, den taumelnden Koloss wieder in Fahrt zu bringen, muss sich zeigen; Zweifel sind angebracht. Diese sind weniger in Obermanns Person zu suchen (er gilt anders als der eher bedächtige Ricke als harter Hund), sondern in den Umständen, die ja durch den Führungswechsel nicht aus der Welt geschaffen sind. Anmutung einer Behörde Die Telekom wird noch eine Weile die Anmutung einer Behörde behalten. Sie zerfällt in eine überaus aktive Führungsschicht und in dynamische Bereiche (etwa beim Mobilfunk, den Obermann geleitet hat) - aber auch in Zwischenwelten der Routine. Immer noch klagen die Kunden über Kästchendenken und mangelnde Servicebereitschaft. Immer noch weiß häufig die linke Hand nicht, was die rechte tut. Ricke selbst hat das immer wieder moniert, geändert hat sich erschreckend wenig. Wie sollen auch Hunderttausende von Menschen, die über Jahrzehnte eine gemütliche Geschwindigkeit gewohnt waren, von heute auf morgen wie ausgewechselt strampeln? In wenigen Jahren nicht zu schaffen Eine solche Kulturrevolution ist in wenigen Jahren nicht zu schaffen - zumal wenn Politik und Gewerkschaften sehr darauf bedacht bleiben, dass es nur hübsch sozial zugehe beim ehemaligen Staatsbetrieb.
Ob der Führungswechsel bei der Telekom ausreicht, den Konzern wieder in Fahrt zu bringen, darf bezweifelt werden. Denn noch immer weiß bei dem Riesenunternehmen häufig die linke Hand nicht, was die rechte tut.
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Schwergängig - Der Koloss Telekom
00/05/2010
Die Filmbranche hat den Vertriebskanal Internet als Wachstumsmarkt entdeckt - zum Leidwesen der Videotheken. Ein gelungener Abend kann so einfach sein: Die Sofakissen im Wohnzimmer zurechtgerückt, eine Tüte Chips - und dazu ein Film aus der Videothek um die Ecke. Für Millionen sieht so Entspannung nach Feierabend aus. Detailansicht öffnen Video on Demand: Ein Ethernetkabel vor einem Computerbildschirm mit einem Online-Angebot neuer Kinohits. (Foto: Foto: ddp) Das Leben vieler Sesselhocker wird noch komfortabler, denn den Weg zur Filmausleihe können sie sich künftig sparen. Der Einzug der digitalen Welt ins Wohnzimmer macht es möglich: Die jüngsten Hollywood-Blockbuster kann man im Internet herunterladen, ganz legal und gegen Gebühr. Jeden Tag wird das Angebot größer. Doch das Leihen im Netz verlangt derzeit noch mehr technisches Geschick als der Gang zur Videothek. Als Wachstumsmarkt entdeckt Die Filmindustrie, Internetfirmen, Telefongesellschaften, Verlage, Fernsehsender und Computerproduzenten: Unternehmen ganz unterschiedlicher Wirtschaftszweige haben den Vertrieb von Filmen und Fernsehserien über das Internet als Wachstumsmarkt entdeckt - zum Leidwesen der Videotheken. Als jüngstes Unternehmen hat der Internet-Versandhändler Amazon in dieser Woche ein entsprechendes Angebot ins Netz gestellt - vorerst noch beschränkt auf Nordamerika. Branchenkennern zufolge zieht der Computerhersteller Apple in den nächsten Tagen nach. Schneller Zugang Einen Computer mit dem Betriebssystem Windows, eine Gratis-Software und einen schnellen Zugang zum Internet per DSL braucht es, um das Angebot des Online-Versandhändlers Amazon zu nutzen.
Die Filmbranche hat den Vertriebskanal Internet als Wachstumsmarkt entdeckt - zum Leidwesen der Videotheken.
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Heimkino - Hollywood digital
00/05/2010
Immer mehr Unternehmen verlegen ihren Sitz in den Kanton Zug, weil das Finanzamt dort nur maximal 16,3 Prozent vom Gewinn eintreibt - jetzt schaltet sich die EU ein. Die Bahnhofsstraße in Zug ist alles andere als eine schicke Einkaufsmeile. Eine Billigparfümerie, eine Kaffeekette und ein Supermarkt säumen den Straßenrand. Graue Häuser drücken aufs Gemüt. Wenige Schritte hinter der Reklame für die "Großpackung Schweinsnierstück, 46 Prozent billiger" weist ein Schild zur Finanzdirektion des Kantons Zug. Im dritten Stock empfängt Peter Hegglin: Sein Arbeitszimmer könnte das Büro eines untergeordneten Staatsdieners sein: Ein karges Zimmer, ein gewienerten Tisch, die Ordner Seite an Seite im Regal. Hegglin ist aber kein kleiner Beamte. Er ist der Finanzdirektor des reichsten Kantons in der Schweiz. Lokales Handelsregister ist das Who-is-Who der Geschäftswelt Früher war Hegglin Bauer. Der Sinn für das Praktische ist ihm geblieben. "Wir in Zug legen keinen Wert auf Prunk, wir konzentrieren uns auf gute Dienstleistungen", sagt er. Was Hegglin "Dienstleistung" nennt, treibt den Finanzministern in der ganzen Welt den Schweiß auf die Stirn. Vergrämt schauen sie zu, wie die Schweizer reihenweise ausländische Firmen mit niedrigen Steuern abwerben. Das Zuger Finanzamt treibt maximal 16,3 Prozent des Gewinns ein. Der deutsche Fiskus verlangt bis zu 38,3 Prozent, die Amerikaner 40, die Japaner 42 Prozent. Viele Firmeninhaber verlegen deshalb ihren Hauptsitz oder Teile des Unternehmens nach Zug. Das Handelsregister liest sich wie das Who-is-Who der internationalen Geschäftswelt: Adidas, BP, Hugo Boss, C&A, Siemens Gebäudetechnik, BASF. 23.225 bekannte und unbekannte Namen. Im Jahr 2000 waren es noch 19.456. Etwa ein Drittel der Firmen gehört Deutschen. Zum Beispiel die Boris Becker & Co. "zum Erwerb, Handel, Verwaltung und Vermarktung von Beteiligungen und Rechten aller Art". Die Firma des ehemaligen deutschen Tennisidols ist in einem riesigen Bürokomplex hinter weißen Platten und Glas beheimatet, ganz in der Nähe des Wirtschaftsförderers. Eine Frau im Mantel huscht über den Innenhof. Es ist still, so still wie in einer Geisterstadt. Briefadresse genügt Vor Überraschungsgästen schützen sich die Firmen mit einer elektronischen Kontrolle. Wer keine Chipkarte besitzt, kommt nicht ins Büro. "Herr Becker und die anderen Herren haben leider keine Zeit, um mit Ihnen zu sprechen", hat die Pressesprecherin ein paar Tage zuvor am Telefon mitgeteilt. Die Steuern seien aus deutscher Sicht sowieso uninteressant, sagt die Dame. Becker & Co. sei ja ein schweizerisches Unternehmen. Wohl wahr, in Zug verdient eine steigende Zahl von Treuhändern und Anwälten Geld damit, Ausländern einen legalen Firmensitz zu verschaffen. Eine davon ist Marianne Lüthi. Sie ist Inhaberin der KD Zug Treuhand AG und Präsidentin der Zuger Treuhändervereinigung. Als Spezialgebiet gibt sie in der Verbandsbroschüre unter anderem "Verwaltungsratstätigkeit im In- und Ausland" an. An der Hauswand ihres Büros hängt ein Schild mit 19 Firmennamen, geordnet nach dem Alphabet von Baccara bis Trust Technology Products. Einige Tausend Firmen besitzen in Zug nur eine Briefadresse. Das genügt, um Steuern zu sparen. Ein Stück stadtauswärts, bei der Bushaltestelle "Kistenfabrik", teilen sich nicht weniger als 59 Firmen einen einzigen Stock im Bürohochhaus. Lüthi könnte eine Menge darüber erzählen, wie solche Ansiedlungen vonstatten gehen. Sie ist aber mit einer großen Revision beschäftigt und hat keine Zeit für die Presse. "Herr Marti kann ihnen besser Auskunft geben", meint die Treuhänderin. Hans Marti ist der Wirtschaftsförderer des Kantons Zug, wobei er sich nicht so nennen mag. Auf seiner Visitenkarte steht "Leiter der Kontaktstelle Wirtschaft". Den feinen Unterschied erklärt Marti so: "Wir sorgen in erster Linie dafür, dass sich die ansässigen Unternehmen wohl fühlen. Erst in zweiter Priorität akquirieren wir im Ausland." Marti ist ein großer stattlicher Mann mit weißen Haaren. Manchmal schaut er unschuldig wie ein kleiner Junge, zum Beispiel wenn er erzählt, dass "die Steuern wichtig, aber nicht das Wichtigste sind. Ebenso bedeutend ist der schnelle Service der Behörden". Gerade die deutschen Unternehmer klagten, dass zu Hause "alles so lange" dauere. Und überhaupt, die Deutschen kämen ja auch, "weil es in ihrer Heimat keine politische Kontinuität mehr gibt". Der Wirtschaftsförderer, der keiner sein will, weiß selbst am besten, dass er für Zug nicht groß werben muss. Der Ruf vom Garten Eden hat sich unter den Firmenbesitzern längst herumgesprochen. Trotzdem veranstaltet Marti jeden Winter in einem Schweizer Skiort einen "Informationsabend". Zwischen Weihnachten und Neujahr tummeln sich dort viele wichtige Leute in den Ferien. 5000 Millionäre In der Idylle der Berge mögen die Unternehmer ihre Liebe zur Schweiz leichter entdecken als in Zug. Die Kantonshauptstadt bietet weder mondänen Luxus wie andere Steueroasen, noch die kuschelige Wärme vieler Schweizer Städte. Der Landsgemeindeplatz am See, ein paar historische Häuser - ansonsten überwiegt die Tristesse der Büroblöcke. Selten rollt eine Luxuskarosse vorbei, obwohl im Kanton 5000 Millionäre gemeldet sind. Die übrigen 100000 Bürger scheren sich kaum um die Reichen. Solange deren Steuergeld Schulen, Sport- und Kulturzentren finanziert, ist das Volk zufrieden. Finanzdirektor Hegglin freut sich über stetig steigende Steuereinnahmen. 2004 hat er 386 Millionen Franken verbucht, 16 Prozent mehr als 2003. Und doch macht sich der Finanzdirektor Sorgen. Er schaut ernst und klagt: "Die anderen holen auf". Jahrzehntelang haben viele Kantone neidisch auf Zug geblickt. Nun senken sie selbst die Steuern und hoffen, dass die Rechnung aufgeht.
Immer mehr Unternehmen verlegen ihren Sitz in den Kanton Zug, weil das Finanzamt dort nur maximal 16,3 Prozent vom Gewinn eintreibt - jetzt schaltet sich die EU ein.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zu-besuch-in-einem-steuerparadies-schweizer-loecher-1.902268
Zu Besuch in einem Steuerparadies - Schweizer Löcher
00/05/2010
Die Aktionäre des ums Überleben kämpfenden Medienkonzerns EM.TV haben den Weg für die Rettung des Unternehmens frei gemacht. Bei der entscheidenden außerordentlichen Hauptversammlung stimmten am Donnerstag in München fast 100 Prozent der anwesenden Anteilseigner einem Restrukturierungskonzept zu, mit dem die Gläubiger auf ihre Ansprüche aus einer 2005 fälligen Wandelanleihe verzichten und im Gegenzug die Mehrheit an einer neuen EM.TV übernehmen sollen. "Bittere Pille" EM.TV-Chef Werner Klatten zeigte sich erleichtert. "Ich bin hochzufrieden mit dem Verlauf und dem Ergebnis der Veranstaltung." Dagegen hatten Aktionärsschützer das Konzept unter anderem wegen der Verwässerungseffekte als "bittere Pille" bezeichnet, zugleich aber deutlich gemacht, dass es dazu keine Alternativen gebe. Die Aktien des Unternehmens legten nach der Entscheidung um 4,7 Prozent auf 1,12 Euro zu. Die Zukunft des Unternehmens hängt nun noch von den Gläubigern ab: Nur wenn 97,5 Prozent der Gläubiger das Konzept annehmen, kann EM.TV vor der Insolvenz gerettet werden. Die inzwischen verlängerte Annahmefrist läuft am 13. Februar ab. Bisher hatten erst knapp 91 Prozent zugestimmt. Fristverlängerung Klatten stellte aber eine weitere Fristverlängerung um nochmals zwei Wochen in Aussicht. Im Rahmen des Rettungskonzeptes sollen die Gläubiger unter anderem den Erlös aus dem Verkauf eines 45-Prozent-Anteils an der Tele München Gruppe und 20 Millionen Euro in bar bekommen. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hatte die Pläne eine "bittere Pille" für die Aktionäre genannt. "Was wir hier beschließen sollen, ist schon kein saurer Apfel mehr, das hat schon die Tendenz eines vergifteten Apfels." Wie bereits in der Vergangenheit seien die Aktionäre "die Verlierer der EM.TV". Bergdolt attackierte zugleich den früheren Unternehmenschef Thomas Haffa und seinen Bruder Florian. Sie hätten das Unternehmen aus Sicht Bergdolts mit einem Darlehen unterstützen müssen. "Dann hätten sie sich als honorige Kaufleute gezeigt", sagte Bergdolt unter dem Applaus der rund 1000 anwesenden Aktionäre. Kapital aufgezehrt Nach einer geglückten Rettung will Klatten das Unternehmen so schnell wie möglich in die schwarzen Zahlen führen. Bereits 2004 sollten die Sparten Jugend- und Sportfernsehen mit positivem Nachsteuerergebnis abschließen, sagte Klatten. 2005 wolle EM.TV dann auch im Konzern unter dem Strich Gewinne verbuchen. Im Januar war die Hälfte des Grundkapitals des Konzerns aufgezehrt. Finanzvorstand Andreas Pres bezifferte das Grundkapital der AG zum Jahresende 2003 auf 66 Millionen Euro, der Jahresverlust der AG habe bei rund 172 Millionen Euro gelegen.
Bei der entscheidenden außerordentlichen Hauptversammlung stimmten fast 100 Prozent der anwesenden Anteilseigner einem Restrukturierungskonzept zu.
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EM.TV-Hauptversammlung - Der Weg für die Rettung ist frei
00/05/2010
Trotz der hohen Benzinpreise floriert das Geschäft mit den Lifestyle-Geländewagen. Doch vielleicht nicht mehr lange. Bei dem am Freitag eröffneten Pariser Automobil-Salon, der führenden Fachmesse der Welt, präsentieren zahlreiche Hersteller neue Modelle aus der boomenden Flotte der Sport Utility Vehicles (SUV). Detailansicht öffnen Das neue Modell des Geländewagens Hummer H2 von General Motors. (Foto: Foto: AP) Die Autokonzerne folgen damit einer Nachfrage, die von hohen Spritpreisen und Umweltsorgen völlig losgelöst scheint. Branchenkenner sehen in den spritfressenden Lifestyle-Karossen sogar den am schnellsten wachsenden Teilmarkt. Der Hummer wird kleiner Allerdings geht die Entwicklung eher zu kleineren SUV-Modellen - etwa zum BMW X3, dessen Diesel-Version in Paris erstmals vorgestellt wird, oder zum Hummer H3 aus dem Hause General Motors, der kleiner ausfällt als der H2. Der Hummer H4, der bereits angedacht ist, werde "noch kleiner" sein als der H3, kündigte General-Motors-Manager Paul Chedid auf dem Pariser Salon an. Auf dem Markt der Lifestyle-Geländewagen habe eine Diversifizierung eingesetzt. Ein Teil der Kunden setze auf imposante Größe und Power, andere suchten ein Modell nach dem Zuschnitt eines kleinen Kraftpakets. Auch die deutschen Autobauer Porsche, Mercedes, VW und BMW mischen auf diesem Markt kräftig mit. Nachdem der BMW X5 gut verkauft wird, kommt nun das Nachfolgemodell X3 zum Zuge, Porsche setzt auf den Cayenne, Mercedes stellt in Paris seinen Sports Tourer vor. Diese Misch-Komposition aus Limousine, Van und Geländewagen ist nach den Worten von Mercedes-Chef Jürgen Hubbert "ebenso geeignet für Familien wie für den Gebrauch in Freizeit und Beruf". Alle wollen mitverdienen Inzwischen mischen sich in das Lifestyle-Segment soger Hersteller ein, von denen das zunächst niemand erwartet hätte. So präsentiert der italienische Autobauer Alfa Romeo in Paris seinen neu konzipierten Crosswagon, der als "Sportwagen" durchgehen soll, zugleich aber auch als Ferienkutsche. Und Kia, das Partner-Unternehmen des südkoreanischen Hyundai-Konzerns hat das Modell Sportage aufgepeppt, das 1993 erstmals produziert worden war. Auch Volvo sucht sich Marktanteile zu sichern - mit dem XC 90 V8, einem Wagen für sieben Insassen, der sich weit vom klassischen Volvo-Design entfernt. Kopfschmerzen bereitet den SUV-Verfechtern, dass es in Metropolen wie Paris und London neuerdings Initiativen gibt, um die PS-starken Karossen aus den Innenstädten fernzuhalten. Hierzulande soll zudem ein Schlupfloch geschlossen werden, das für Besitzer von Autos über 2,8 Tonnen deutlich geringere Kfz-Steuern bringt. Ein Kaufanreiz für einen Teil der SUVs würde damit wegfallen. Nachholbedarf in Europa Gegner der Lifestyle-Autos verweisen zudem auf die Sicherheitsrisiken, die von den monströsen Wagen auf Fußgänger und Insassen von Kleinwagen ausgehen, sowie auf ihren teilweisen enormen Spritverbrauch. Ganz sicher können die Hersteller deshalb nicht sein, dass der Boom bei den Lifestyle-Geländewagen noch lange anhält. In den ersten acht Monaten des Jahres wurden in den USA 570.000 Sport Utility Vehicles verkauft - das waren zwar ein Prozent mehr als im Vorjahr, aber in den Vorjahren waren die Zahlen noch sprunghaft angestiegen. Beim Ford-Modell Expedition und beim Sequoia von Toyota gibt es sogar schon regelrechte Absatzeinbrüche. Der wichtige US-Markt hat damit möglicherweise seine Wendemarke erreicht. Dennoch rechnen Experten damit, dass in Europa noch Raum für Zuwächse ist. Denn auf dieser Seite des Atlantiks ist der Trend zum Lifestyle-Wagen noch relativ neu.
Trotz der hohen Benzinpreise floriert das Geschäft mit den Lifestyle-Geländewagen. Doch vielleicht nicht mehr lange.
wirtschaft
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Geländewagen - Völlig losgelöst
00/05/2010
Institut gibt erst eine positive Analystenstudie heraus und offeriert dann ein Aktienpaket im Auftrag der Stadt Hamburg Nach drei Jahren steigt die Stadt Hamburg wieder aus ihrem Engagement beim Beiersdorf-Konzern aus. Die Deutsche Bank teilte am Dienstagsabend mit, dass sie das Aktienpaket der Stadt im Volumen von zehn Prozent des Kapitals platzieren wolle. Die 25,2 Millionen Aktien sollten zu Preisen von 48 bis 50 Euro angeboten werden. Die Stadt Hamburg hatte ihre Beteiligung an Beiersdorf stets als ein strategisches Investment auf Zeit betrachtet. Sie war Ende 2003 bei dem Konzern eingestiegen, um eine drohende Übernahme durch den amerikanischen Procter & Gamble-Konzern zu verhindern. Der damalige Großaktionär Allianz hatte sich von seinem 43 Prozent-Paket trennen wollen und dabei auch mit dem amerikanischen Konzern intensiv verhandelt. "Auf den Fall unglücklich" Die Umplatzierung der Aktien aus dem Besitz der Stadt Hamburg übernahm die Deutsche Bank, der zufolge die 25,2 Millionen Aktien zu Preisen zwischen 48 und 50 Euro je Stück angeboten wurden. Kurz vor der Bekanntgabe der Platzierungsgeschäfte, die den Beiersdorf-Kurs gestern an der Börse unter Druck brachten, hatte die Deutsche Bank noch eine neue Analyse zu dem Kosmetikhersteller veröffentlicht. Darin hob sie ihr Kursziel für Beiersdorf von 50 Euro auf 60 Euro an und betonte, die Aktie der Hamburger Firma sei weiterhin deutlich unterbewertet. Die Bank bekräftigte zudem ihre Kaufempfehlung für Beiersdorf-Anteile. Der enge zeitliche Zusammenhang zwischen den Platzierungsgeschäften und der Veröffentlichung der Analyse ist "auf jeden Fall unglücklich", sagte ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Vorgänge seien "von außen zwar schwer zu beurteilen" und es könne sich auch um ein "zufälliges Ereignis" handeln. Zudem würden die Banken immer wieder beteuern, ihre Abteilungen arbeiteten abgeschottet durch sogenannte Chinese Walls (wörtlich übersetzt: chinesische Mauern), also unabhängig voneinander. Doch sei das Vorgehen der Deutschen Bank im Fall Beiersdorf "grundsätzlich nicht das, was man sich wünscht". Jedenfalls nähre der Vorgang den Verdacht, dass man die Analyse "schon für den Geschäftsverlauf der Bank optimiert" habe, betonte der DSW-Sprecher. Er fügte allerdings hinzu, die Deutsche Bank verstoße damit nicht gegen ein Gesetz. Aufsichtsbehörde überprüft routinemäßig Ein Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger verwies auf einen ähnlichen Fall rund um die Deutsche Bank aus dem Jahr 2001. Damals hatte das größte deutsche Geldhaus eine Kaufempfehlung für die Telekom-Aktie bestätigt und einen Tag später im Kundenauftrag ein großes Aktienpaket an der Börse platziert. Das damalige Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel hatte anschließend gegen die Deutsche Bank ermittelt, aber keinen Rechtsverstoß herausgefunden. Eine Sprecherin des jetzigen Bundesamtes für Finanzdienstleistungsaufsicht sagte nun, im aktuellen Fall werde eine "routinemäßige Prüfung" eingeleitet. Dies sei bei solchen Transaktionen wie bei Beiersdorf stets der Fall - unabhängig von einer eventuell ausgegebenen Aktienstudie. Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte, sein Haus äußere sich prinzipiell nicht zu konkreten Fällen wie diesem. "Gehen Sie aber generell davon aus, dass die Compliance-Regeln eingehalten wurden." Bei der Deutschen Bank wie bei anderen Finanzinstituten soll die sogenannte Compliance-Abteilung überwachen, dass es zu keinen gesetzlich relevanten Interessenskonflikten innerhalb der Bank kommt.
Institut gibt erst eine positive Analystenstudie heraus und offeriert dann ein Aktienpaket im Auftrag der Stadt Hamburg
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· - Deutsche Bank gerät wegen Beiersdorf in die Kritik
00/05/2010
In diesem Jahr will die Bahn 1,39 Milliarden Euro Gewinn nach Zinsen und Steuern machen und damit das Rekordergebnis vom Vorjahr deutlich übertreffen. Jetzt will Bahnchef Mehdorn den Börsengang beschleunigen. Die aus seiner Sicht erfreulichste Bilanzzahl hatte Hartmut Mehdorn, Vorstandschef der Deutschen Bahn (DB), mit einer hohen, roten Säule markieren lassen. Detailansicht öffnen Will mit seinem Konzern bald an die Börse: Bahnchef Hartmut Mehdorn (Foto: Foto: AP) Das Staatsunternehmen hat von Januar bis Mai 2007 einen Gewinn nach Zinsen und Steuern in Höhe von 668 Millionen Euro erzielt. So steht es im Lagebericht, den Mehdorn in dieser Woche dem Aufsichtsrat vorlegte. Der Profit fällt mehr als doppelt so hoch aus, wie in den ersten fünf Monaten des vergangenen Jahres (304 Millionen Euro) und fast doppelt so hoch, wie für Januar bis Mai 2007 ursprünglich kalkuliert (371 Millionen Euro). In diesem Jahr will die Bahn 1,39 Milliarden Euro Gewinn nach Zinsen und Steuern machen und damit das Rekordergebnis vom Vorjahr (1,24 Milliarden Euro) übertreffen. Mehdorn strebt einen baldigen Börsengang an. Schon im Herbst will der Konzernchef, wie er dem Aufsichtsrat mitteilte, auf potentielle Investoren zugehen. Profitbringer Regionalverkehr Dann soll die sogenannte Due Diligence beginnen, also die Prüfung aller wichtigen Geschäftsunterlagen durch mögliche neue Anteilseigner. Die Vorbereitungen für die Due Diligence "laufen auf Hochtouren", notierte Mehdorn im Lagebericht. Steigende Umsätze und Gewinne sollen den international agierenden Transport- und Logistikkonzern attraktiv für die Börse machen. Der profitabelste Unternehmensbereich ist nach wie vor der hoch bezuschusste Regionalverkehr, der fast die Hälfte des Konzerngewinns beisteuert: 319 Millionen Euro in den ersten fünf Monaten 2007. Der Staat gibt mehrere Milliarden Euro pro Jahr für die Regionalzüge und S-Bahnen aus, das meiste Geld landet bei der DB. Mit ihren Fern- und Güterzügen, die nicht subventioniert sind, macht die Bahn weit weniger Profit. Das gilt auch für die Transport- und Logistiktochter Schenker. Im ersten Schritt weniger als 50 Prozent der Bahn-Aktien veräußern Konzernchef Mehdorn will mit der Bahn international weiter expandieren. Nach dem Kauf von Transportgesellschaften in Westeuropa (Spanien, Großbritannien) richtet er seinen Blick nun nach Osten. Man prüfe Beteiligungen an Staatsbahnen, erklärte Mehdorn im Aufsichtsrat. Das Unternehmen wolle sich in einer "DB Eastern Europe" mit osteuropäischen Staaten zusammentun und mit ihnen die dortigen Eisenbahnen betreiben sowie neue Logistikzentren für den Güterumschlag errichten. Das Bundeskabinett will nach Angaben aus Koalitionskreisen am 24. Juli einen Gesetzentwurf für den Börsengang der Bahn beschließen und in das Parlament einbringen. Der Bundestag könne das Gesetz dann im Herbst verabschieden. Der Staat will im ersten Schritt weniger als 50 Prozent der DB-Aktien veräußern und einstweilen Mehrheitseigner bleiben. Ob private Investoren bereits im nächsten Jahr bei der Bahn einsteigen können, ist offen. Die künftige Finanzierung des Schienennetzes durch den Bund muss erst noch geklärt werden. Die Ministerien, die mit dem Börsengang befasst sind, hatten sich am Donnerstag auf einen Gesetzentwurf geeinigt. Darin ist vorgesehen, dass die DB das Schienennetz in den nächsten 15 Jahren behalten und betreiben darf, es dann aber an den Staat zurückgeben muss, falls der Bundestag nichts anderes beschließt. Die Bundesnetzagentur soll als Aufsichtsbehörde dafür sorgen, dass die DB konkurrierenden Eisenbahnen nicht die Benutzung der Trassen erschwert.
In diesem Jahr will die Bahn 1,39 Milliarden Euro Gewinn nach Zinsen und Steuern machen und damit das Rekordergebnis vom Vorjahr deutlich übertreffen. Jetzt will Bahnchef Mehdorn den Börsengang beschleunigen.
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Deutsche Bahn - Doppelter Gewinn beflügelt Börsenpläne
00/05/2010
Die Zeiten vornehmer Zurückhaltung bei DaimlerChrysler sind jetzt auch für die großen Fondsgesellschaften vorbei. So will Klaus Kaldemorgen, der Deutschlands größte Publikumsgesellschaft DWS Investments auf der Aktionärsversammlung vertritt, am heutigen Mittwoch in Berlin kein Blatt vor den Mund nehmen: "Am Beispiel Mitsubishi Motors wird sich zeigen, ob der Konzern noch die Kraft hat, Fehlentscheidungen zu korrigieren. Mitsubishi Motors ist ein Unternehmen von zweifelhafter Qualität und einem drittklassigen Markennamen." Morsche Säule der Welt AG Keine Frage, auf der neben Chrysler zweiten Dauerbaustelle der Welt AG in Japan brennt es lichterloh, und wenn DaimlerChrysler nicht weitere Milliarden zum Löschen hineinpumpt, stürzt mit dieser dritten, morschen Säule das ganze Projekt der Welt AG. Nach jüngsten Medienberichten, die sich auf Konzernkreise berufen, sucht der Stuttgarter Automobilhersteller offenbar neue Miteigner für die notleidende, japanische Beteiligung. Bestätigen wollte ein Konzernsprecher den angeblichen Rettungsplan für Mitsubishi allerdings nicht, wonach angeblich institutionelle Investoren über neu ausgegebene Vorzugsaktien 33 Prozent an Mitsubishi erwerben sollen. Fest steht nur, dass der japanische Autobauer, an dem DaimlerChrysler vor vier Jahren zunächst 34 Prozent der Anteile erwarb, inzwischen Schulden von 5,7 Milliarden Euro angehäuft hat, ungefähr 5,5 Milliarden Euro für die Sanierung, für den Schuldenabbau und die Entwicklung neuer Modelle bräuchte, und dass der DaimlerChrysler-Vorstand am 19. April über eine weitere Milliarden-Hilfe für Mitsubishi beraten will. Wie ein Kartenhaus Dem Vernehmen nach lässt sich Konzernlenker Jürgen Schrempp parallel zu möglichen Rettungsplänen auch die Kosten für den Ausstieg ausrechnen. Aber daran mag niemand recht glauben; nicht nur für den Gelsenkirchener Professor für Automobilwirtschaft, Ferdinand Dudenhöffer, ist klar, was das bedeutete: "Dann fällt die Welt AG von Schrempp zusammen wie ein Kartenhaus." Bei dessen Ausbau im Jahr 2000, als sich DaimlerChrysler bei der Mitsubishi Motor Corporation (MMC) einkaufte, war einer der wichtigsten Gründe der Einstieg in den asiatischen Lastwagenmarkt. Der war mit der Beteiligung an MMC gelungen, weil der Lkw-Hersteller Fuso zu dieser Gruppe gehörte. Aber Mitsubishi erwies sich immer deutlicher als Klotz am Bein, zumal da die schwache Marke weder in Europa, Asien noch in den USA einen ausgeprägten Markt fand. Der nach Tokio entsandte DaimlerChrysler-Manager Rolf Eckrodt konnte zwar nach kurzer Zeit schwarze Zahlen im US-Geschäft nach Stuttgart melden, doch alsbald stellte sich heraus, dass die Verkäufe über riskante Kundenkredite erfolgt waren. Als die faul wurden, rissen die Verluste ein Milliarden-Loch in die Kasse. Schwerer noch als eine neue Markenstrategie für Mitsubishi wiegt aber, dass das japanische Sorgenkind mittlerweile enge Verflechtungen mit den Konzernteilen Chrysler und Smart aufweist. Entsetzensschrei aus Tokio So besteht das Vorzeigeprojekt der Zusammenarbeit in der gemeinsamen Produktion des Viersitzers Smart "fourfour" und des Mitsubishi "Colt". Und Chrysler entwickelt derzeit mit Mitsubishi drei Modelle gemeinsam. Wie solche Vernetzungen bei einem Ausstieg der Stuttgarter wieder getrennt werden sollen, ist die eine große Frage. Die noch größere lautet: Wer kauft in dieser Zeit DaimlerChrysler zwei lahmende Töchter ab, ohne dass den Aktionären die Augen nicht noch mehr tränen als jetzt schon? Zur Zeit arbeiten jedenfalls Smart-Chef Andreas Renschler mit einem von DaimlerChrysler entsandten Projektteam an der Mittelfristplanung für Mitsubishi. Kolportiert wird, dass mittlerweile schon der eine oder andere Entsetzensschrei aus Tokio in die Stuttgarter Konzernzentrale gedrungen sei. Gezielt lanciert über den Business-Newsletter "Dossier B." wurde allerdings unlängst auch, dass Renschler alles daran setze, als Eckrodt-Nachfolger - dessen Vertrag endet zum Jahresende - den Tokioter Schleudersitz einzunehmen. Schon deswegen, weil er mit dem neuen Mercedes-Chef Wolfgang Bernhard, der bislang noch zweiter Mann bei Chrysler ist, nun überhaupt nicht könne. Dass schließlich die Ertragssäule und Kernmarke des Konzerns Mercedes neuerdings auch schon mit Qualitätsproblemen von sich reden macht, zeigt eine weitere Performance-Schwäche der Welt AG: Die hochqualifizierten Managementteams, die regelmäßig für die Löscharbeiten auf den japanischen und amerikanischen Brandherden gebraucht werden, fehlen zu Hause.
DaimlerChrysler braucht viele Milliarden Euro zur Sanierung seiner asiatischen Konzernsäule.
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Suche nach Rettungsplan - Bei Mitsubishi brennt es lichterloh
00/05/2010
Geldinstitute verlangen bei Kredite immer häufiger teure Zusatzversicherungen. Mit ihnen steigen die effektiven Zinssätze schnell auf 20 bis 30 Prozent — ohne dass die Geldinstitute diese Kosten offen legen. Die EU will jetzt eingreifen. (SZ vom 18.10.2003) — Wenn es ums Geld verdienen geht, sind manche Banken äußerst erfinderisch. Dies zeigt der Fall eines Rentner-Ehepaares aus Löhne in Nordrhein-Westfalen, das im Juni 2002 bei der CC-Bank einen Ratenkredit über rund 6000 Euro aufnahm: Die Beraterin in einer Filiale in Bielefeld verband das Kreditgeschäft mit dem Verkauf von vier Versicherungen. Jeder der beiden Darlehensnehmer schloss eine Kreditlebensversicherung (Restschuldversicherung) und eine Unfalltod-Zusatzversicherung ab. Der noch ausstehende Darlehensbetrag beim Tod eines der beiden Kreditnehmer war dadurch jeweils doppelt abgedeckt. Die Prämien für die vier Policen, insgesamt 3640 Euro, die das Geldinstitut auf einen Schlag im Voraus und nicht in monatlichen Raten forderte, wurden von der CC-Bank ebenfalls finanziert. Beliebte Koppelgeschäfte Die Gesamtkosten für den Ratenkredit stiegen so exorbitant: Berücksichtigt man die Versicherungsprämien, beläuft sich der effektive Jahreszins auf 39,9 Prozent, so die Berechnung von Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Nach Ansicht von Gottschalk "ist dieses unseriöse Geschäftsgebaren eine neue Form von Wucher. Nachdem der Bundesgerichtshof Wucherzinsen verboten hat, langen manche Geldinstitute jetzt bei den Nebenleistungen in sittenwidriger Weise zu." Nach Angaben von Gottschalk ist das Rentner-Ehepaar keine Ausnahme. "Der Trend geht dahin, die Vergabe des Ratenkredits an den Abschluss einer teuren Zusatzversicherung zu koppeln. In letzter Zeit werden dabei auch gerne Arbeitsunfähigkeitsversicherungen vermittelt", sagt Gottschalk. Nach Angaben von Professor Udo Reifner, Chef des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen, machten bislang vor allem auf das Kreditgeschäft spezialisierte Institute wie die CC-Bank und die Citibank die Vergabe eines Konsumentenkredits vom Abschluss einer Restschuldversicherung abhängig. "Jetzt gehen aber auch mehr und mehr Geschäftsbanken und Sparkassen dazu über, in dieses lukrative Geschäft einzusteigen", sagt Reifner. Bei der Citibank und der CC-Bank heißt es, die Kunden könnten selbst entscheiden, ob und in welcher Form sie eine zusätzliche Absicherung in Anspruch nehmen wollten. Eine Sprecherin der CC-Bank bezeichnete außerdem den Kreditvertrag des Ehepaares aus Löhne als "sehr bedauerlichen Einzelfall". Der SZ liegt allerdings ein weiterer Kreditvertrag des Ehepaares mit der CC-Bank vor, ebenfalls aus dem Jahr 2002. Auch hier wurden den beiden Kunden - diesmal von einer anderen Beraterin - vier Zusatzpolicen verkauft.Die Geldinstitute nutzen bei solchen Geschäften eine gesetzliche Grauzone. Bankenlobby macht Druck Laut den Erläuterungen zur Preisangabenverordnung muss eine Bank die Kosten für eine Zusatzpolice zur Sicherung von Ratenkrediten nur dann berücksichtigen, wenn das Institut selbst auf den Abschluss pocht. Da sich dies fast nie nachweisen lässt, können die Banken ohne Probleme nur den effektiven Zinssatz für den Ratenkredit angeben. Beispiel Citibank: Das Institut nennt im Internet einen Zinssatz von 9,39 Prozent bei einem Kreditvolumen von 20000 Euro. Nach Berechnungen von Gottschalk steigt dieser aber - inclusive Zusatzversicherungen - je nach Kredithöhe und Alter des Kunden auf bis zu 24 Prozent. Die Europäische Kommission will diesem Treiben jetzt Einhalt gebieten: In der geplanten Verbraucherkreditlinie der EU wird vorgeschrieben, dass die Geldinstitute die Kosten für Zusatzversicherungen beim effektiven Jahreszins berücksichtigen müssen. Das Europäische Parlament hat die umstrittene Richtlinie jedoch - auch auf Druck der Bankenlobby - vorerst gestoppt.
Geldinstitute verlangen bei Kredite immer häufiger teure Zusatzversicherungen. Mit ihnen steigen die effektiven Zinssätze schnell auf 20 bis 30 Prozent — ohne dass die Geldinstitute diese Kosten offen legen. Die EU will jetzt eingreifen.
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Banken kassieren ab - Wucher nimmt neue Formen an
00/05/2010
Die neuen 0900-Nummern bieten mehr Serviceleistungen, und die aus einer Hand. Trotzdem bleibt das Geschäft von Telefon-Dienstleistern wie Tele 2 zäh. Viele Wege führen bisher zu Tele 2: Für ratlose Telefonkunden gibt es eine 0180-Hotline, Internet-Nutzer tippen eine 0800-Nummer in den Apparat, und technischer Support wird auf einem 0190-Portal angeboten. Damit nicht genug, schaltete Tele 2 unterschiedliche Nummern für Geschäfts- und Privatkunden. "Wir wenden uns an den Massenmarkt", stöhnt Michael Stinner, Geschäftsführer in der Düsseldorfer Tele2-Deutschland-Zentrale. "Entsprechend groß ist der Werbeaufwand auf allen Kanälen." Detailansicht öffnen Auch bei nur einem Anbieter ist der Wust an unterschiedlichen Telefon-Dienstleistungen recht unübersichtlich. (Foto: Foto: w&v) Noch - denn jetzt glaubt Tele 2 eine Lösung gefunden zu haben. Zur Vermarktung der neuen DSL-Flatrate für magere 3,95 Euro im Monat entschied sich Stinner für eine 0900-Nummer, die der Mainzer Servicenummern-Anbieter DTMS eingerichtet hat. Alle Optionen Ein Auswahldialog bietet dem Breitband-Interessenten alle Optionen. Bestellungen sind umsonst, technischer Support kostet 99 Cent pro Minute, sonstige Anfragen zwölf Cent. Langfristig möchte Stinner auch Hilfe für Telefon- und Internet-Kunden über die 0900-Nummer abwickeln. Schon jetzt schwärmt er von der niedrigen Reklamationsquote auf der neuen Hotline. "Die Kunden sind zufriedener, weil wir ihnen vor jedem Service genau mitteilen, was es kostet", sagt der Tele 2-Manager. Als Nächstes möchte er einen Nulltarif für die Warteschleifen einführen. Mit PRD auf Kundenfang Mit Referenzadressen wie Tele 2 gehen die Anbieter von so genannten Premium-Rate-Diensten (PRD) auf Kundenfang. Außer DTMS zählen dazu die Telekom-Tochter T-Com und weitere private Netzbetreiber wie In-Telegence in Köln oder der Freenet-Ableger Next ID in Düsseldorf (vormals Talkline). PRD umschreibt Telekommunikationsservices, die über den eigentlichen Telefonanruf hinaus zusätzliche kostenpflichtige Dienstleistungen enthalten. Das Spektrum reicht von Rechtsberatung über technische Helpdesks bis zu virtuellen Wettbüros und Erotik-Hotlines. Seit Anfang 2006 stehen dafür exklusiv die 0900-Rufnummern zur Verfügung. Sie lösen die 0190-Portale ab, die als Kostenfallen in Verruf geraten sind und seit Januar dieses Jahres nicht mehr vergeben werden. In den Augen der Netzbetreiber ist die neue Ziffernkombination weit mehr als nur ein Nachfolger. A-, B- und C-Kunden "Mit 0900 können A-, B- und C-Kunden unterschiedlich abgerechnet werden", wirbt etwa Christian Plätke, Geschäftsführer von In-Telegence. Langfristig könne 0900 die übrigen Servicenummern wie 0180 oder 0800 ersetzen. "Wenn 0900 auf Basis von interaktiven Sprachplattformen mit automatisierten Self Services kombiniert wird, werden Kosten gespart, Umsätze erhöht und Mitarbeiter motiviert", verspricht vollmundig Steffen Graf, Marketingchef von Next ID.
Die neuen 0900-Nummern bieten mehr Serviceleistungen, und die aus einer Hand. Trotzdem bleibt das Geschäft von Telefon-Dienstleistern wie Tele 2 zäh.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/telefon-dienstleister-bei-anruf-geld-1.904741
Telefon-Dienstleister - Bei Anruf Geld
00/05/2010
Der Siemens-Vorstand hat die Hauptversammlung des Konzerns genutzt, um seine Sicht der Dinge darzulegen.sueddeutsche.de gab unterdessen manchem Kleinaktionär die Gelegenheit, sich vor der Kamera zu äußern. Viele Siemens-Aktionäre machten ihrem Ärger über die Informationspolitik in der Korruptionsaffäre auf der Hauptversammlung Luft. Während der Versammlung befragte sueddeutsche.de Kleinaktionäre zu Korruptionsaffäre und Spitzengehältern und bekam einiges zu hören: Als "Ehrenwerte Bagage" und "Totengräber der sozialen Marktwirtschaft" musste sich das Siemens-Management bezeichnen lassen, andere waren lediglich über den Charakter der Veranstaltung überrascht: So mancher Aktionär wunderte sich über das hohe Durchschnittsalter der Besucher. Mehr dazu im sueddeutsche.de-Video. Harte Worte der Aktionärsschützer Auch die Aktionäre, die in der Halle ans Mikrophon traten, geizten nicht mit Vorwürfen an die Adresse des Siemens-Vorstands. Insbesondere die Anlegerschützer, die als geladene Redner zugelassen waren, gingen auf der Hauptversammlung mit der Führung des krisengeschüttelten Konzerns hart ins Gericht. "Das Unternehmen schlittert von einer Affäre in die nächste", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Donnerstag vor rund 12.000 Aktionären in München. Der Schmiergeldskandal sei ein Armutszeugnis für die Kontrollsysteme des Unternehmens. Zudem habe die Führung zu langsam auf die Vorfälle reagiert und die Öffentlichkeit über das wahre Ausmaß der Affäre lange im Dunkeln gelassen. Die DSW und andere Kleinaktionärsvertreter lehnten daher eine Entlastung der Konzernführung ab. Mit der Abstimmung über die Entlastung, die vor allem symbolische Bedeutung hat, wurde bei einer langen Rednerliste erst für den Abend gerechnet. "Konzern zu komplex aufgestellt" Es sei überraschend, dass das Verschwinden von 200 bis 420 Millionen Euro in schwarze Kassen in den vergangenen Jahren nicht aufgefallen sei, sagte Henning Gebhardt von der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. Offenbar sei Siemens zu komplex aufgestellt. "Ein Konzern von dieser Größe ist extrem schwierig zu prüfen und zu kontrollieren." Auch Hans-Christof Hirt vom britischen Fondsmanager Hermes sagte, er sehe sich derzeit nicht in der Lage, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung auszusprechen. Man müsse die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten. Beifall für das operative Geschäft "Vorstand und Aufsichtsrat haben die Schmiergeldaffäre aber zumindest nicht verhindert und die Aufklärung spät eingeleitet." In der Kritik stand auch die 30-Prozent-Gehaltserhöhung für den Vorstand. "Die Leitung kann nicht von Arbeitnehmern Opfer verlangen und sich selbst eine Gehaltserhöhung genehmigen", sagte Aktionärsschützerin Bergdolt. Für die Entwicklung des operativen Geschäfts gab es dagegen auch Beifall.
Der Siemens-Vorstand hat die Hauptversammlung des Konzerns genutzt, um seine Sicht der Dinge darzulegen.sueddeutsche.de gab unterdessen manchem Kleinaktionär die Gelegenheit, sich vor der Kamera zu äußern.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-hauptversammlung-ich-bin-ueberrascht-von-diesem-rentnertreffen-1.904757
"Siemens - Hauptversammlung - ""Ich bin überrascht von diesem Rentnertreffen"""
00/05/2010
,Am Ende des Tages'' ist groß in Mode - und verrät einiges über die Nöte der Manager. Wer wissen will, wie es um die Befindlichkeit der Wirtschaft tatsächlich bestellt ist, der ist gut beraten, deren Führungsvolk genau aufs Maul zu schauen. Nicht nur, aber vor allem Bilanzpressekonferenzen sind eine der interessantesten Fundgruben für Sprachcodes, aus denen sich die impliziten, aber aussagekräftigsten Botschaften herauslesen bzw. -hören lassen. Detailansicht öffnen Die Geschäftsberichte mit ihren sinnfreien Hochglanz-Formulierungen... (Foto: Foto: AP) Die vielen Zahlen, die im Rückspiegel aufs vergangene Geschäftsjahr aufscheinen, die Geschäftsberichte mit ihren sinnfreien Hochglanz-Formulierungen (,,den Erfolg fest im Blick''; ,,klare Performance-Ziele''; ''gut gerüstet durch mutige Investitionsentscheidungen''...) kann man getrost beiseitelegen: Schnee von gestern, präsentiert in Wohlfühl-Sprache, an der Stabsabteilungen und Kommunikationsberater herumgeschliffen haben, bis auch der letzte Hauch von Hinweis auf wahre bis beklagenswerte Zustände im Unternehmensinneren getilgt ist. Viel interessanter ist das gesprochene Wort der Vorstandsvorsitzenden und ihrer Mitstreiter, das sich oft an solche Reinstraum-Kommunikation anlehnen will, aber doch mehr verrät, als es zu verschleiern trachtet. Und wenn die immer gleichen signalhaft einschnappenden Wörter geradezu inflationär aus Manager-Mündern quellen, dann ist Hellhörigkeit geboten. Die Bilanzsaison 2005 etwa stand unter der rhetorischen Flagge ,,neu aufgestellt.'' "Wir sind gut unterwegs" - wohin auch immer Wie die Schachfiguren auf dem Brett warteten Mannschaften und Kapitäne nach Restrukturierungen ohne Ende noch unschlüssig, in welche Richtung es im Global Play nun eigentlich gehen sollte. Ein Jahr später war die Sache schon etwas in Bewegung gekommen. Landauf, landab schwallte von den Podien der Konferenzsäle in einem fort ans Ohr: ,,Wir sind gut unterwegs.'' Wohin auch immer und wie lange die Reise auf Kurs ,,profitables Wachstum'' dauern würde, wer sollte das schon so genau sagen können. Bloß nicht festlegen, die Kapitalmärkte könnten das wörtlich nehmen und das Management darauf festnageln. Aus solchen Floskeln spricht nicht zuletzt eine gehörige Portion Managerfrust. Sie wissen, was sie mit Volldruck jeden Tag im Namen der Rendite tun sollen, stehen aber gar nicht dahinter. Darauf schließen lässt das mystisch verschlüsselte ,,am Ende des Tages'', von dem die diesjährige Berichtssaison widerhallt. Man ist also noch immer nicht ab- oder kaltgestellt, sondern nachhaltig aufgestellt und bestens unterwegs. Am fernen Horizont scheint langsam Land in Sicht, was die Hoffnung nährt, ,,am Ende des Tages'' den Hauptkonkurrenten überholt, den Auslandsanteil verdoppelt, die Umsatzrendite von zehn Prozent tatsächlich erreicht, mehr LKW denn je verkauft zu haben. Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut Fragt sich nur, an welchem Tag. Am Tag der Bilanzvorlage? Wohl kaum. Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, selbst für die Welt brauchte es deren sechs. Näher liegt der Verdacht, dass wieder mal Beraterjargon übernommen wurde: ,,Wenn Sie mit unserer Hilfe Ihre Potenziale in Ihrem Unternehmen aufspüren, können Sie am Ende des Tages Ihre Wettbewerbsvorteile voll ausspielen.'' Möglich aber auch, dass man sich innerlich schon darauf eingerichtet hat, bis zum Sankt Nimmerleinstag bestens aufgestellt nur noch unterwegs zu sein und eigentlich gar nie irgendwo anzukommen. So wird es sein, und so klingt am Ende des Tages die Gebetsmühle aller Getriebenen und Geplagten dieser Welt heraus: Herr, lass' Abend werden!
,Am Ende des Tages'' ist groß in Mode - und verrät einiges über die Nöte der Manager.
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Sprechblasen der Saison - Dem Führungsvolk aufs Maul geschaut
00/05/2010
Er denkt nicht in politischen Kategorien, sondern in Barrel und Petrodollars. Er ist mächtig, trumpft aber nicht auf. Der saudi-arabische Ölminister im Profil. Jeder braucht ein Ziel im Leben, und dieser Mann will aus Öl Geld machen. Detailansicht öffnen Ali al-Naimi macht aus Öl Geld. Foto: AP Sonderlich schwer ist das nicht, denn als Ölminister Saudi-Arabiens bestimmt Ali al-Naimi über die Ausbeutung der weltweit größten Vorkommen der teuren Ressource. Der Primus inter pares Er bewegt Milliarden im eigenen Land und in der Weltwirtschaft, er kann für Verknappung sorgen auf den Märkten oder, wie nun wieder, für reichlichen Fluss. Denn wenn die Opec, das Kartell der erdölexportierenden Länder, in ihrem Elfer-Rat der Minister über die Förderquoten diskutiert, dann ist der kleine, drahtige Mann aus Riad eindeutig der Primus inter pares. Der stille Überzeuger Mächtig also ist er, doch er pflegt damit nicht aufzutrumpfen. Er gilt als stiller Überzeuger und kühler Kopf — ein zäher Stratege, der nicht raucht und trinkt, aber leidenschaftlich Sport betreibt. Er denkt nicht in politischen Kategorien, sondern in Barrel und Petrodollars. Sein Credo ist weit entfernt von den Kämpfen in den Siebzigern zu Zeiten der Ölkrise: Öl ist keine Waffe, sagt er, sondern ein Geschäft. Der Geschäftsmann So hat er sich auch im Westen einen Namen als verlässlicher Partner gemacht. Als Geschäftsmann weiß er, dass der Ölpreis weder zu hoch noch zu niedrig sein darf. Denn wenn der wichtigste Schmierstoff der Weltwirtschaft zu viel kostet wie in diesen Zeiten, dann können neue Anbieter auf den Markt drängen, die sonst wegen ihrer hohen Produktionskosten als Konkurrenten ausfallen.
Er denkt nicht in politischen Kategorien, sondern in Barrel und Petrodollars. Er ist mächtig, trumpft aber nicht auf. Der saudi-arabische Ölminister im Profil.
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Ali al-Naimi im Profil - Der Herr über die Förderquoten
00/05/2010
Johannes Minho Roth ist Deutschlands jüngster Börsenhändler - geldgierig und skrupellos wie Bud Fox aus dem Film "Wall Street" will er aber nicht sein. Ich brauche Jungs, die arm, clever und hungrig sind - und ohne Nerven", sagt der millionenschwere Spekulant Gordon Gekko zu dem jungen Börsenhändler Bud Fox in dem Film "Wall Street". Detailansicht öffnen Johannes Minho Roth an der Stuttgarter Börse. (Foto: Foto: Linda Behringer) Gekko, gespielt von Michael Douglas, prägte damit schon im Jahr 1987 das öffentliche Bild des erfolgreichen Börsenhändlers. Nach dem Platzen der New Economy und dem allgemeinen Kurssturz gerieten die Börsenhändler aus dem Blick. Nun aber steht der Dax wieder bei 6000 Punkten, Börse ist wieder ein Thema. Zeit für einen Blick auf Johannes Minho Roth - 27 Jahre alt und seit sieben Jahren bereits Deutschlands jüngster Börsenhändler. Clever, hungrig, risikobewusst Roth sei clever, sagt nicht nur sein Chef, und irgendwie wirkt er im Gespräch auch hungrig, hungrig natürlich nach Gewinn. Roth ist aber auch risikobewusst. Ein Typ, der immer einen Witz parat hat und dennoch überlegt handelt. Der anderen die Tür aufhält. Der so gar nicht dem von Hollywood geschaffenen Klischee des geldgierigen und skrupellosen Börsenhändlers entspricht, der Geld machen will, so schnell und so viel und so brutal, wie es nur geht. Schon als Kind hat Roth das Auf und Ab der Kurse fasziniert - und der Gewinn, der hinter diesen Zahlen steckt. Früh las er den Kursteil der Zeitung, mit 14 war sein einziges Hobby das Spekulieren. Das ganze Taschengeld setzte er ein, Ferienjobs übernahm er nur, um den Verdienst in Aktien anzulegen. Während seine Schulkameraden in der Pause Tischtennis spielten, handelte er mit Aktien. Mehrere Male stand er vor dem Totalverlust. "Auf einer Wellenlänge" In "Wall Street" hat Bud Fox immer wieder damit zu kämpfen, dass er jung und unerfahren ist und ihn Börsenhai Gekko nicht ernst nimmt. Roths Kollegen dagegen haben das Nesthäkchen nie ihren Vorsprung spüren lassen. "Ich war mit denen auf einer Wellenlänge", sagt er.
Johannes Minho Roth ist Deutschlands jüngster Börsenhändler - geldgierig und skrupellos wie Bud Fox aus dem Film "Wall Street" will er aber nicht sein.
wirtschaft
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Deutschlands jüngster Börsenhändler - Millionen per Knopfdruck bewegt
00/05/2010
Die verschiedenen Pläne für eine radikale Steuervereinfachung reißen Milliardenlöcher in die öffentlichen Etats und nutzen vor allem Besserverdienenden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten der Länderfinanzminister. Auf 93 Seiten haben die Steuerabteilungsleiter der Länder und des Bundes die Auswirkungen von sechs radikalen Konzepten untersucht, darunter die Modelle von CDU, CSU, FDP sowie Ex-Verfassungsrichter Paul Kirchhof. Detailansicht öffnen Die Senkung der Steuersätze würde noch tiefere Löcher in die Kassen von Bund, Ländern und Gemeinden reißen. (Foto: Foto: sueddeutsche.de) Acht Kategorien wurden bewertet, von Rechtsfragen bis zu den Kosten. Die Ergebnisse sind angesichts der Haushaltslage ernüchternd: Würde eine Reform 2005 umgesetzt, wären im CDU-Konzept im ersten Jahr Ausfälle von 32 Milliarden Euro zu verkraften, mittelfristig würden diese auf 25,2 Milliarden sinken. Bei der CSU wären es anfangs 16 Milliarden und zwei Jahre später 13 Milliarden. Auch im radikalsten Modell, dem von Kirchhof, würde sich erst nach mehreren Jahren auszahlen, dass alle Vergünstigungen gestrichen werden: Kirchhofs Einheitssatz von 25 Prozent kostet 2005 knapp 42,9 Milliarden und 2007 noch 23,9 Milliarden. Zeitliche Verzögerung Zur Erklärung heißt es in dem Gutachten, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt: "Eine radikale Senkung der Steuersätze belastet die öffentlichen Haushalte sofort und auf Dauer, während die Maßnahmen zur Verbreiterung der Bemessungsgrundlage grundsätzlich erst mit einer erheblichen zeitlichen Verzögerung zu Mehreinnahmen führen." Teuer ist auch das Modell der FDP mit Sätzen von 15, 25 und 35 Prozent: Es reißt im ersten Jahr ein Loch von 20,2 Milliarden Euro; auf Dauer sinkt die Lücke auf 14,5 Milliarden Euro. Am günstigsten ist das Modell des Sachverständigenrats: Dieser macht sich für die duale Einkommensteuer stark, bei der Kapitaleinkommen mit einem Einheitssatz von 30 Prozent belastet werden, während für Arbeitseinkommen ein steigender Tarif von 15 bis 35 Prozent gilt. Dies würde im ersten Jahr 9,4 Milliarden Euro kosten und zwei Jahre später noch die Hälfte. Tendenzielle Gewinner Als "sehr aufschlussreich" werden in Kreisen der Finanzminister-Konferenz auch die Berechnungen zur Verteilungswirkung bezeichnet. "Tendenzielle Gewinner", heißt es in dem Gutachten, wären "Steuerpflichtige in derzeit hoher Progressionsstufe mit wenigen Abzügen", etwa leitende Angestellte. "Tendenzielle Verlierer" wären dagegen Steuerpflichtige mit geringen Einkommen und hohen Abzügen oder hohen steuerfreien Einkünften, etwa Pendler oder Feiertags- und Nachtarbeiter. Die "mehr oder weniger starke Umverteilung der steuerlichen Belastung" ist dabei in den Reformmodellen von Kirchhof, der FDP und Merz besonders ausgeprägt; ausgewogener ist das Konzept des bayerischen Finanzministers Kurt Faltlhauser (CSU), der nur einen Teil der Ausnahmen streichen will und mit 39 Prozent den höchsten Spitzensteuersatz vorschlägt So wird jemand mit einem zu versteuernden Einkommen von 15.000 Euro von der CSU um 286 Euro entlastet, von Kirchhof um 441 Euro, von der FDP um 507 Euro und von Merz um 787 Euro. Liegt das Einkommen bei 60.000 Euro, steigt die Entlastung bei der CSU auf 1752 Euro, bei der FDP auf 3103 Euro, bei Merz auf 3551 Euro und bei Kirchhof auf 5313 Euro. Noch deutlicher sind die Unterschiede, falls jemand 150.000 Euro zu versteuern hat: Die CSU entlastet hier um 4601 Euro, Merz um 9248 Euro, die FDP um 9749 Euro und Kirchhof um 21.000 Euro. Extreme Differenzen Ganz extrem sind die Differenzen bei Einkommen von einer halben Million Euro: Im CSU-Modell liegt die Entlastung der Top-Verdiener bei 15.678 Euro, bei Merz beträgt sie 31.403 Euro, bei der FDP sogar 35.597 Euro und bei Kirchhof satte 84.227 Euro. Kritisiert wird in dem Gutachten zudem, dass es auch den Radikalreformern nicht gelingt, alle Steuertricks zu unterbinden. Die typischen Felder der Steuergestaltung würden "mit den vorgelegten Reformentwürfen nicht nur oder nur punktuell trockengelegt". Unter diesem Blickwinkel würden die Modelle "dem Ziel einer umfassenden Vereinfachung des Steuerrechts voraussichtlich nur in Teilbereichen näher kommen".
Die verschiedenen Pläne für eine radikale Steuervereinfachung reißen Milliardenlöcher in die öffentlichen Etats und nutzen vor allem Besserverdienenden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten der Länderfinanzminister.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/steuermodelle-je-radikaler-umso-ungerechter-1.904949
"Steuermodelle - ""Je radikaler, umso ungerechter"""
00/05/2010
Es muss irgendwann Ende der siebziger Jahre gewesen sein, als Jugendliche in Deutschland anfingen, "geil" zu sagen, wenn etwas sie faszinierte. Musik konnte geil sein, Drogen, und mehr oder weniger unterschwellig meinte "geil" natürlich auch Sex. (SZ vom 8.11.03) — "Geil" war die Steigerung des vorher gebräuchlichen, schlapp klingenden "stark" - ein Hinweis auf unüberbietbare Intensität. Manche Eltern waren geschockt, wenn ihre Kinder das Wort gebrauchten, weshalb manche Jugendliche erst mal "steil" sagten, eine Mischform aus "stark" und "geil". Doch es dauerte nicht lang, bis "geil" Mainstream wurde - heute ist es eine Floskel, ein Synonym für "gut". Knäckebrot kann geil sein, eine Pur-Platte oder private Pflegeversicherung. Dankbarkeit für Saturn Insofern muss man dem Elektrohändler Saturn fast dankbar sein, dass er die Vokabel Ende 2002 mit neuer Brisanz auflud: "Geiz ist geil" hieß der Slogan, der die Deutschen aufrüttelte: eine Todsünde wurde zur Tugend umgewertet, was für ein Coup! Der Werbespruch wurde sofort zum geflügelten Wort, weil er der gesellschaftlichen Stimmungslage - Angst vor Krieg und Jobverlust - auf so kompakte Weise Ausdruck verlieh, wie es sonst nur Popsongs (The times they are a-changin) oder auch Politikern ("Mehr Demokratie wagen") gelang. Der Spruch gewann Kreativ-Preise, wurde in den Feuilletons debattiert und animierte die Kunden zum Kaufen - über zwölf Prozent Umsatzplus! Was erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass "Geiz ist geil" genau genommen ein Aufruf zur Konsumverweigerung ist. Nullpunkt der Reklame Schon beim ersten Hören dachte man: Moment mal, wenn ein Einzelhändler Geiz propagiert, ist das nicht in etwa so, als ob ein Bordell Anzeigen schaltet, in denen für Keuschheit geworben wird? "Geiz ist geil" schien irgendwie der Nullpunkt der Reklame zu sein - Werbung, die Schluss macht mit Werbung. Es schien, als könnte danach nichts mehr kommen. Doch natürlich kommt, wie immer im Leben, doch was nach - die Kampagne geht weiter, "Geiz ist geil Teil II". Während im ersten Spot eine gut aussehende Frau einfach nur "Geiz ist geil" brüllte, scheint die Fortsetzung komplexer zu sein: Es gibt jetzt eine Rahmenhandlung, in der die Frau wieder auftaucht und vor Außerirdischen einen Vortrag über das Thema "Geiz beim Menschen" hält. "Falschgeiz" Dann sieht man ein älteres Ehepaar im Wohnzimmer sitzen, der erwachsene Sohn steht daneben, ist aber unmöglich angezogen - er muss offenbar die viel zu kleinen Klamotten seiner älteren Geschwister tragen. Was dieser Plot aussagen soll, erschließt sich, nun ja, nicht sofort. Um "Falschgeiz" soll es gehen - und um den Unterschied zu richtigem Geiz. Das sei "bemüht und verkünstelt, vertrackt und kompliziert", bemängelt das Fachblatt Werben & Verkaufen. Aber die Lage ist ja auch vertrackt: Die "Geiz ist geil"-Kampagne war im Hause Saturn von Anfang an umstritten, bei der Vergabe ihres Werbeetats hatte sich die Firma erst gegen das von der Agentur Jung von Matt erarbeitete Konzept entschieden - womöglich aus Knausrigkeit? "Provokativer Claim" Vielleicht fürchtete man, mit dem Geiz-Appell die Kundschaft zu den Billig-Discountern zu treiben: "Ich bin ja nicht blöd." Wie dem auch sei: Saturn wolle, ja müsse seine "Werbestrategie modifizieren", hieß es, weil der Knalleffekt eines "provokativen Claims" noch keine langfristige "Produktpositionierung" bedeutet. So sieht der neue Spot auch aus: Man wird auch beim wiederholten Schauen nicht recht schlau, was die Außerirdischen bedeuten sollen. Und was, zur Hölle, ist "Falschgeiz"? Aber es macht ja auch Spaß, über Werbung mal länger nachzudenken. Geist ist geil.
Es muss irgendwann Ende der siebziger Jahre gewesen sein, als Jugendliche in Deutschland anfingen, "geil" zu sagen, wenn etwas sie faszinierte. Musik konnte geil sein, Drogen, und mehr oder weniger unterschwellig meinte "geil" natürlich auch Sex.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wunder-der-werbung-geist-ist-geil-1.904599
Wunder der Werbung - Geist ist geil
00/05/2010
Deutschlands Lebensmitteldiscounter liefern sich einen erbitterten Kampf um Marktanteile. Manche Waren könnten künftig sogar dauerhaft unter dem Einstandspreis angeboten werden, was die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen dürfte. Die Lebensmittel-Discounter stoßen in Deutschland an ihre Wachstumsgrenzen. Trotz erhöhter Werbeausgaben und der Eröffnung weiterer Filialen haben sie ihren Marktanteil im bisherigen Jahresverlauf nur geringfügig gesteigert. Gleichzeitig hat der Wettbewerb der Billiganbieter untereinander zugenommen. Detailansicht öffnen (Foto: Grafik: sueddeutsche.de) Nach Ermittlung des Marktforschungsunternehmens GfK haben die Discounter in den ersten sechs Monaten dieses Jahres rund drei Prozent mehr umgesetzt als im gleichen Zeitraum 2003. Damit legten sie zwar erneut deutlich stärker zu als der Lebensmittelhandel insgesamt, der nur ein Plus von 1,5 Prozent verzeichnete. Aber es fällt den Billiganbietern immer schwerer, der Konkurrenz Marktanteile abzujagen. Im vergangenen Jahr hatten sie ihren Umsatz noch um knapp sechs Prozent gesteigert; 2002 war es sogar in zweistelligem Tempo bergauf gegangen. In dieser Zeit traten die übrigen Händler weitgehend auf der Stelle. Nahezu kein Wachstum mehr "Flächenbereinigt verzeichnen die Discounter seit Jahresbeginn nahezu kein Wachstum mehr", sagte Wolfgang Twardawa, Handelsexperte bei der GfK. Vor allem Marktführer Aldi kommt offensichtlich kaum noch voran. "Aldi ist bereits 2003 deutlich schwächer gewachsen als die übrigen Discounter, und im bisherigen Jahresverlauf herrscht dort nahezu Stagnation", bestätigte Marktforscher Fred Otto von ACNielsen. Mit kräftig erhöhten Werbeaufwendungen stemmt sich der Marktführer gegen den Trend. Nach Angaben des Medienforschungsunternehmens Nielsen hat Aldi seine Brutto-Werbeausgaben in den ersten sieben Monaten im Vergleich zum Vorjahr um 44 Prozent auf 138 Millionen Euro gesteigert. Mehr investiert hat unter den Händlern im gleichen Zeitraum lediglich Lidl: 186 Millionen Euro bedeuten gegenüber den ersten sieben Monaten 2003 eine Steigerung um 28 Prozent. Jetzt prüft Lidl nach Informationen der Fachzeitschrift Horizont sogar den Einstieg in die Fernsehwerbung. Einen anderen Weg geht die Nummer drei unter den Discountern, der zur Tengelmann-Gruppe gehörende Filialist Plus. Seit einigen Monaten verteilt der Billiganbieter an die Haushalte im Umkreis seiner Läden Handzettel. Preise weiter unter Druck Neben verstärkten Werbeanstrengungen werden die Discounter nach Einschätzung von Twardawa möglicherweise demnächst auch mit weiteren Preissenkungen versuchen, an das gewohnte Wachstumstempo anzuschließen. Aldi hatte erst im Juni die Preise für 30 Artikel um bis zu 24 Prozent herabgesetzt. "Diese Aktion hat Aldi im Juli und August einen Schub gebracht", sagte Twardawa. Aufgrund der vergleichsweise hohen Umsatzrenditen der Billiganbieter, insbesondere von Aldi Süd mit rund fünf Prozent, besitzt der Marktführer nach seiner Einschätzung Spielraum für weitere Rotstiftaktionen. Frank Pietersen, Handelsexperte bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, glaubt, dass die Preise so weit sinken, "bis das Kartellamt einschreitet." In Deutschland ist ein dauerhafter Verkauf von Waren unter Einstandspreis nicht erlaubt. Um den übrigen Vertriebsformen weitere Marktanteile abzujagen und sich gegen andere Billiganbieter abzugrenzen, überprüfen alle Discounter derzeit ihr Sortiment. "Im Mittelpunkt steht dabei die Frage: Wie viel Non-Food-Artikel verträgt ein Discounter", sagt Peter Schommer, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Mit Aktionsware, wie beispielsweise elektronischen Artikeln, ließen sich nur noch selten Kunden in die Läden locken. Auf der anderen Seite sei es aufgrund der meist höheren Margen reizvoll, andere Artikel als Lebensmittel ins Sortiment zu nehmen, meint Schommer. Allerdings müssten die Discounter dann auch verstärkt Aufgaben übernehmen, die sie bisher aus Kostengründen anderen übertragen haben, etwa in der Logistik, bei der Lagerhaltung oder beim Service. Die Marktforscher bei der GfK sind überzeugt, dass die Discounter ihren Marktanteil von heute gut 38 Prozent in den nächsten drei bis vier Jahren allenfalls auf 40 bis 43 Prozent steigern werden. "Mitbewerber, die mit ihrer Untätigkeit bei der Euro-Einführung den Erfolg der Discounter begünstigt haben, stehen heute sehr viel besser da", sagt Twardawa. Zahl der Filialen steigt moderat Bremsend wirkt nach Beobachtung von ACNielsen-Manager Otto der verschärfte Wettbewerb der Billig-Anbieter untereinander. Lidl und Netto treiben den Ausbau ihres Filialnetzes nach seiner Beobachtung deutlich schneller voran als Aldi, Plus, Norma und die Rewe-Tochter Penny. Obwohl vor allem Aldi und Lidl an nahezu jedem Tag ein neues Geschäft eröffnen, steigt die Zahl der Discount-Filialen von derzeit rund 14 000 nur moderat. Denn die Billig-Anbieter schließen im Gegenzug nicht mehr zeitgemäße und ungünstig gelegene Läden. "Nachdem die Mehrzahl der guten Standorte vergeben sind, ist das die zweite Phase der Expansion. Denn die neuen Läden sind meist deutlich größer als ihre Vorgänger", sagt Twardawa.
Deutschlands Lebensmitteldiscounter liefern sich einen erbitterten Kampf um Marktanteile. Manche Waren könnten künftig sogar dauerhaft unter dem Einstandspreis angeboten werden, was die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen dürfte.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/discounter-preise-druecken-bis-das-kartellamt-kommt-1.919974
Discounter - Preise drücken bis das Kartellamt kommt
00/05/2010
Der ehemalige DDR-Zentralflughafen will in den nächsten Jahren massiv im Billigflug-Geschäft mitmischen. Dabei setzt die staatliche Flughafengesellschaft FBS vor allem auf den britischen Anbieter EasyJet. Allein 2004 werden dadurch 1,1 Millionen zusätzliche Passagiere erwartet. Außerdem werde mit mehreren anderen Billig- Fluglinien verhandelt, sagte Flughafen-Chef Dieter Johannsen-Roth. Der älteste Hauptstadt-Flughafen Tempelhof soll dagegen wie geplant im Herbst 2004 zumachen. Im Trio der Hauptstadt-Flughäfen sind Schönefeld und Tempelhof mit weitem Abstand hinter Tegel nur die Nummern zwei und drei. Beide bescheren der Flughafen-Gesellschaft hohe Verluste. Auf dem Gelände von Schönefeld soll bis 2010 der neue Hauptstadt-Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) entstehen. Hohe Verluste Nachdem die Verhandlungen über eine Privatfinanzierung gescheitert sind, will ihn der Staat jetzt in Eigenregie bauen. Allerdings fehlt noch die Baugenehmigung. Mehrere Versuche, Schönefeld nach dem Fall der Mauer wieder attraktiver zu machen, waren in den vergangenen Jahren gescheitert. Allein in diesem Jahr bringt der Flughafen vermutlich 30 Millionen Euro Verlust ein. Die Trendwende sollen jetzt die Billigflieger bringen. Bereits 2004 soll die Passagierzahl von derzeit 1,7 Millionen auf 3,3 Millionen steigen, mehr als die Hälfte davon "Billigflieger". Mit 4,4 Millionen Fluggästen soll Schönefeld dann bereits 2005 nahe an die Auslastungsgrenze kommen. Johannsen-Roth bestätigte, dass EasyJet mit Sonderkonditionen nach Schönefeld gelockt wurde. Der Flughafen-Chef betonte jedoch, dass es sich um befristete Marketing-Zuschüsse handele, die auch anderen Fluglinien gewährt werden könnten. Eine Summe nannte er nicht. In Schönefeld starten auch Billig-Gesellschaften wie Germanwings, Air Berlin, V-Bird oder Volareweb. Air Berlin hat wegen der vermeintlichen Vorzugsbehandlung für EasyJet bereits mit einer Klage gedroht. Tempelhof schließt Insgesamt werden in diesem Jahr auf den drei Berliner Flughäfen rund 13 Millionen Passagiere an- und abfliegen. Auf Tegel entfallen nach der aktuellen Prognose 10,8 Millionen Fluggäste, auf Tempelhof nur 500.000. Mit Tegel verdiente die Flughafen-Gesellschaft im operativen Geschäft 54,8 Millionen Euro. Mit Tempelhof machte sie 13,6 Millionen Verlust. Johannsen-Roth bekräftigte, dass der Flughafen trotz einiger Proteste in einem Jahr geschlossen werde. Die Kosten der Schließung bezifferte er auf mindestens 35 Millionen Euro.
Der ehemalige DDR-Zentralflughafen will in den nächsten Jahren massiv im Billigflug-Geschäft mitmischen. Dabei setzt die staatliche Flughafengesellschaft FBS vor allem auf den britischen Anbieter EasyJet.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/berlin-schoenefeld-wird-billig-flughafen-tempelhof-macht-dicht-1.906113
Berlin - Schönefeld wird Billig-Flughafen - Tempelhof macht dicht
00/05/2010
Im August waren 4,314 Millionen Menschen erwerbslos gemeldet. Gegenüber Juli nahm die Zahl um 37.800 ab. Im Vergleich zum Vorjahresmonat kletterte sie jedoch um 296.000. Die Arbeitslosenquote lag im Vergleich zum Vormonat unverändert bei 10,4 Prozent. Trotz aller Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung kommt der Arbeitsmarkt bisher nicht in Schwung. "Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt geht allerdings weiter auseinander", sagte der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, am Donnerstag in Nürnberg. So wurden im Vergleich zum Vorjahresmonat im August 17 Prozent mehr Zugänge aus Erwerbstätigkeit verzeichnet. Die Arbeitsämter registrierten 296.000 mehr Arbeitslose als im Vorjahr. Die Quote lag bei 10,4 Prozent. Quote im Osten doppelt so hoch Im Osten Deutschlands waren 1,591 Millionen Menschen auf Jobsuche, die Quote lag hier mit 18,2 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in den alten Bundesländern. In Westdeutschland meldeten sich 2,723 Millionen Menschen arbeitslos. "Saisonbereinigt haben wir eine schwarze Null, das ist gegen das erste Quartal eine deutliche Verbesserung", sagte Gerster bei der Vorstellung der Zahlen. An der stagnativen Grundtendenz der Wirtschaft habe sich jedoch bis zuletzt nichts geändert. Gerster erwartete eine echte Belebung des Arbeitsmarktes nicht vor Mitte nächsten Jahres. Da die Arbeitslosigkeit in diesem Monat zum dritten Mal in Folge nicht zunahm, rechnet die Bundesanstalt bei normalen Witterungsverhältnissen nicht mit mehr als fünf Millionen Arbeitslosen im Winter. Bereinigung der Statistik Dazu trage auch eine Bereinigung der Statistik von nicht Arbeitssuchenden bei, die sich nur auf Grund des Bezugs von Versicherungsleistungen bei der Bundesanstalt gemeldet hätten. So habe es seit Januar 2,44 Millionen Abgänge in Nicht-Erwerbstätigkeit gegeben. Das seien 458.000 mehr als im Vorjahreszeitraum gewesen. Die Entwicklung bei den Personalservice-Agenturen bezeichnete Gerster als "noch nicht überwältigend". Derzeit seien 14.700 Menschen in 820 Zeitarbeitsfirmen beschäftigt. 1.400 seien bereits wieder ausgeschieden, von denen 500 in neuen Arbeitsverhältnisse vermittelt worden seien. Auch "überraschende Erfolge" bei der Ich-AG wollte Gerster nicht als Dauerzustand betrachtet sehen. Auf diese Weise seien seit Beginn des Jahres über 51.000 Menschen selbstständig geworden. Weiterhin kritisch ist auch die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Nach BA-Angaben waren Ende August noch 167.600 Bewerber unversorgt, denen nur 54.600 freie Stellen gegenüberstanden. Vorstandsmitglied Heinrich Alt rechnete damit, dass bis Ende des Jahres 30.000 bis 50.000 weniger Stellen gemeldet würden als im Vorjahr. "Wir stehen aber zu dem Angebot, dass wir jedem unversorgten Jugendlichen ein Angebot machen können", sagte Alt. Zuschussbedarf Den aktuellen Zuschussbedarf für den Haushalt der Bundesanstalt wollte Vorstandsmitglied Frank-Michael Weise nicht beziffern. Bis August seien aber 3,82 Milliarden Euro mehr ausgegeben worden als geplant. Im kommenden Quartalsbericht will die BA ihren Bedarf an den Bund beziffern.
Im August waren 4,314 Millionen Menschen erwerbslos gemeldet. Gegenüber Juli nahm die Zahl um 37.800 ab. Im Vergleich zum Vorjahresmonat kletterte sie jedoch um 296.000. Die Arbeitslosenquote lag im Vergleich zum Vormonat unverändert bei 10,4 Prozent.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/im-august-arbeitslosigkeit-stagniert-auf-hohem-niveau-1.902718
Im August - Arbeitslosigkeit stagniert auf hohem Niveau
00/05/2010
Ein Sicherheitsgespräch zwischen Israelis und Palästinensern sowie Verhandlungen des palästinensischen Regierungschefs Abbas mit militanten Palästinensern über eine Waffenruhe sind ohne Ergebnis geblieben. Ein israelisches Mädchen wurde bei einem Angriff bewaffneter Palästinenser getötet. An dem Sicherheitsgespräch am Grenzübergang Eres im Gazastreifen nahmen der palästinensische Sicherheitsminister Mohammed Dahlan und der israelische General Amos Gilad teil, wie ein Palästinenservertreter in Gaza sagte. Israel habe dabei die Forderung nach einem Rückzug aus dem Gazastreifen und aus Bethlehem abgelehnt und nur zugesagt, die Blockade der durch den Gazastreifen verlaufenden Salahedin-Straße teilweise aufzuheben. Auch Bewegungsfreiheit im Gazastreifen sowie die Öffnung des am Montag geschlossenen Grenzpostens von Rafah im Süden habe Israel nicht zusagen wollen. Radikale Palästinenser nicht zu Waffenruhe bereit Bei den Gesprächen palästinensischer Gruppen über eine Waffenruhe gegenüber Israel forderten die radikalen Bewegungen bei Regierungschef Machmud Abbas ihr "Recht zum Widerstand" ein, sagte der Anführer des Islamischen Dschihad, Mohammed el Hindi. Zugleich hätten sie sich bereit erklärt, "über einen Waffenstillstand gegen Zivilisten auf beiden Seiten zu sprechen". Zuvor war Abbas in Gaza erstmals mit dem US-Sonderbeauftragten John Wolf zusammengetroffen, der den Friedensprozess vorantreiben soll. Am Freitag wird US-Außenminister Colin Powell zu Gesprächen mit seinem Kollegen Silvan Schalom und Ministerpräsident Ariel Scharon in Israel erwartet, wie ein israelischer Außenamtssprecher bestätigte. Dem israelischen Rundfunk zufolge war auch ein Treffen mit Abbas geplant. Eine Waffenruhe ist eine der Voraussetzungen für die Umsetzung des Friedensplans von EU, UN, USA und Russland, der auf die Schaffung eines Palästinenserstaates bis 2005 zielt. Palästinenser töten Siebenjährige Bei einem Angriff mutmaßlicher palästinensischer Terroristen kam ein siebenjähriges Mädchen ums Leben. Der Vater des Kindes und ein weiteres Mädchen wurden nach Angaben von Rettungskräften verletzt, als ihr Wagen nahe der grünen Grenze, die Israel vom Westjordanland trennt, unter Beschuss geriet. Scharon-Berater Salman Schowal reagierte mit neuen Vorwürfen auf den tödlichen Angriff. Sollte die Autonomiebehörde nicht die Kontrolle über die militanten Gruppen erlangen, seien die "Chancen für den Friedensfahrplan gleich null", sagte Schowal. Palästinensischen Sicherheitskräften zufolge rückten rund fünfzehn Panzer in Rafah ein. Planierraupen rissen demnach zwei Häuser nieder. Nato begrüßt Plan für internationale Friedenstruppe Unterdessen begrüßte der Vorsitzende des Nato-Militärausschusses, Harald Kujat, den Vorschlag von UN-Generalsekretär Kofi Annan, eine internationale Friedenstruppe für den Nahen Osten zu entsenden. Voraussetzung sei die Zustimmung der Konfliktparteien, sagte Kujat. Israels Verteidigungsminister Schaul Mofas erteilte dem Vorschlag allerdings schon eine Absage. Zu einer möglichen deutschen Beteiligung an einer solchen Friedenstruppe sagte Kujat: "Man könnte sich dem schwerlich entziehen, wenn die Israelis dies wünschten." Die Ausgangsbasis für eine deutsche Mitwirkung seien gut, weil die Bundeswehr und die israelische Armee bisher schon sehr eng und vertrauensvoll zusammenarbeiteten. (sueddeutsche.de/AFP/dpa/AP)
Ein Sicherheitsgespräch zwischen Israelis und Palästinensern sowie Verhandlungen des palästinensischen Regierungschefs Abbas mit militanten Palästinensern über eine Waffenruhe sind ohne Ergebnis geblieben. Ein israelisches Mädchen wurde bei einem Angriff bewaffneter Palästinenser getötet.
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Naher Osten - Radikale Palästinenser beharren auf Widerstandsrecht
00/05/2010
Ein knappes Jahr sah es so aus, als habe sich Siemens besonders elegant von seiner defizitären Handysparte getrennt. Doch plötzlich gilt nun: Je später der Imageschaden, desto gravierender. Siemens scheint es darauf angelegt zu haben, künftig als Paradebeispiel für die mitunter hässlichen Seiten der Marktwirtschaft herhalten zu müssen. Noch immer ist die Wut groß darüber, dass sich der Vorstand vom Aufsichtsrat in Zeiten von Massenentlassungen eine satte Gehaltserhöhung von 30 Prozent genehmigen ließ. Doch nun riecht die Öffentlichkeit einen noch unappetitlicheren Deal: Die als Verkauf nach Taiwan getarnte Schließung der Siemens-Handysparte. Detailansicht öffnen Demonstranten am Freitag vor der Siemens-Hauptverwaltung in München. (Foto: Foto: AP) Ob es wirklich derartig zynisch abgelaufen ist, darf zu Gunsten der Akteure bezweifelt werden. Siemens verkaufte die defizitäre Sparte vor einem knappen Jahr an den taiwanesischen Computerkonzern BenQ wahrscheinlich auch deswegen, weil dieser für die Handyfertigung wahrscheinlich mehr Kompetenz mitbringt als der riesige Gemischtwarenladen aus München. Grund zur Hoffnung Für die Mitarbeiter bestand damals also durchaus Grund zur Hoffnung - umso mehr als sie damals mit beeindruckenden Gehaltskürzungen zum künftigen Erfolg beitragen wollten. Wenn Siemens-Kommunikationschef Janos Gönczöl am Freitag nun betonte, dass die Manager aus München und Taipeh damals eine gewisse Chance für das Überleben der früheren Siemens-Handysparte unter dem Dach von BenQ sahen, so darf man ihm das vermutlich sogar abnehmen. Doch das dürfte nur ein Teil der Wahrheit sein: Einiges spricht dafür, dass es die Manager nicht nur beim Prinzip Hoffnung beließen, sondern schon damals auch eben jenes Worst-Case-Szenario einplanten, das jetzt eingetreten ist. Sogar noch Geld draufgelegt Das bestritt BenQ am Freitag zwar vehement: "Wir haben niemals geplant, so etwas zu tun", sagte Finanzchef Eric Yu in Taipeh. Doch die auf der Hand liegenden Fragen beantwortete er nicht: Etwa, warum Siemens seine nach Marktanteilen ja nicht ganz unbedeutende Sparte nicht nur umsonst abgab, sondern sogar noch 350 Millionen Euro oben drauflegte? Es kommt durchaus vor, dass notleidende Unternehmen verschenkt werden, wie etwa der Fall Deutsche BA belegt. Dass einem Übernehmer aber noch ein dreistelliger Millionenbetrag hinterhergeworfen wird - das übersteigt die übliche Großzügigkeit krisengeschüttelter Unternehmen doch bei weitem.
Ein knappes Jahr sah es so aus, als habe sich Siemens besonders elegant von seiner defizitären Handysparte getrennt. Doch plötzlich gilt nun: Je später der Imageschaden, desto gravierender.
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Siemens - Der verschleppte Imageschaden
00/05/2010
Die Mitarbeiter des Konzerns sollen ihre Jobs retten, indem sie mehr arbeiten und weniger verdienen. In den Verhandlungen zwischen Management und Arbeitnehmervertretern, die an diesem Dienstag in Essen in die entscheidende Phase treten, geht es möglicherweise um das Überleben des gesamten Konzerns. Bereits am Montag hatten sich beide Seiten in Nürnberg getroffen, um über einen Beitrag der Beschäftigten bei den Versandhandelstöchtern Neckermann und Quelle zu beraten. Gehaltseinbußen Noch sind die Positionen weit voneinander entfernt. Die Unternehmensführung will die Personalkosten unter anderem durch Gehaltseinbußen, Verzicht auf fünf Urlaubstage und übertarifliche Leistungen um 190 Millionen Euro senken. Zudem sollen die Arbeitszeiten auf bis zu 42 Stunden pro Woche verlängert werden. Die Gewerkschaft Verdi ist dagegen lediglich bereit, auf übertarifliche Leistungen zu verzichten, so etwa auf das Weihnachtsgeld, Zuwendungen für Dienstjubiläen oder Heirat. Solche Sonderzahlungen haben andere Handelsunternehmen bereits vor Jahren gestrichen. KarstadtQuelle ist derzeit nur das prominenteste Beispiel für eine umfassende Krise: Rund 4500 Handelsunternehmen werden nach Schätzung des Branchenverbandes BAG in diesem Jahr den Weg zum Insolvenzverwalter antreten müssen. Inzwischen ist nicht mehr ganz auszuschließen, dass der große Handelskonzern dazugehören könnte. Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff hat gewarnt, bei der anstehenden Sanierung der Handelsgruppe gehe es "ums Ganze". Und Wolfgang Prokriefke, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, hatte sogar öffentlich von der Gefahr einer Insolvenz gesprochen. 500 Euro frische Mittel Tatsächlich stehen die aktuellen Verhandlungen unter einem ungeheuren Druck, weil dem größten europäischen Warenhaus- und Versandhandelskonzern das Wasser bis zum Hals steht: Die Kasse ist leer, und der Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme, der bei solide finanzierten Unternehmen 30 Prozent und mehr erreicht, befindet sich im Sinkflug in Richtung zehn Prozent. Damit KarstadtQuelle flüssig bleibt, müssen zunächst die Banken neue Kreditlinien mit längerer Laufzeit vergeben. Dazu sind sie grundsätzlich bereit - vorausgesetzt, zwei Bedingungen werden erfüllt: Zum einen sollen die Eigentümer des Handelskonzerns frische Mittel zuschießen, gefordert werden 500 Millionen Euro. Zum anderen sollen die Arbeitnehmer einen angemessenen Beitrag zu der Sanierung leisten. Auch Madeleine Schickedanz und die Allianz als Großaktionäre sowie die Dresdner Bank und die ABN Amro Bank machen dies zur Voraussetzung für eine Finanzspritze. Sie hatten sich verpflichtet, die Kapitalerhöhung alleine zu schultern, falls die anderen Aktionäre nicht mitziehen. Viel Zeit für eine Einigung zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern bleibt also nicht. Denn schon an diesem Donnerstag trifft sich der Aufsichtsrat des Konzerns, um die Weichen für die außerordentliche Hauptversammlung zu stellen, die auf den 22. November angesetzt ist. Beschluss der Kapitalaufstockung noch vor Jahresende Dort soll die Aufstockung des Kapitals beschlossen werden. Laut Gesetz müssen die Einladungen zum Aktionärstreffen sechs Wochen zuvor verschickt werden. Somit müssen sich beide Seiten bis Donnerstag auf eine gemeinsame Linie verständigen. Anderenfalls ist der Zeitplan für die Sanierung nicht zu halten. Eine Verzögerung kann sich das Management aber nicht leisten, denn dringend muss neues Geld in die Kasse. Zahlungsfristen rücken näher, und es ist nicht abzuschätzen, wie lange die Kreditgeber stillhalten werden. Das Sanierungsprogramm, mit dem der Konzern innerhalb von zwei Jahren wieder in die Gewinnzone zurückkehren will, hat der Aufsichtsrat bereits vor zwei Wochen gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter beschlossen. Einschneidende Veränderungen stehen dabei insbesondere bei den Warenhäusern sowie bei den gut 300 Fachgeschäften an, die KarstadtQuelle im Sport- und Modebereich (Runners Point, Golf House, Wehmeyer, SinnLeffers) betreibt. Bis zu 10.000 Stellen beddroht Die Fachgeschäfte werden verkauft, und von den Warenhäusern will der Konzern auf lange Sicht nur noch die 89 Standorte betreiben, die über eine Verkaufsfläche von mindestens 8000 Quadratmetern verfügen. Dagegen sollen kleinere 77 Häuser in eine eigene Gesellschaft überführt und möglichst rasch in einem Block veräußert werden. Wie vielen seiner knapp 100.000 Mitarbeitern KarstadtQuelle noch in diesem Jahr kündigen wird, ist offen. Verdi sieht im Rahmen des Sanierungsprogramms bis zu 10.000 Arbeitsplätze bedroht. Sicher ist allerdings, dass der Handelsverband BAG seine Prognose über den voraussichtlichen Stellenabbau in der Branche korrigieren muss. Denn bei den von ihm für 2004 prognostizierten Streichungen von rund 30.000 Stellen wird es kaum bleiben.
Die Mitarbeiter des Konzerns sollen ihre Jobs retten, indem sie mehr arbeiten und weniger verdienen.
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KarstadtQuelle - Bis zum Hals im Wasser
00/05/2010
Der Konzern erwirbt die 24 privaten Krankenhäuser für 1,5 Milliarden Euro und wird so zu einem der führenden Betreiber Deutschlands. Außerdem wird das Medizintechnikunternehmen Clinico übernommen. Zum Kaufpreis für Clinico, einem Spezialisten für Infusionstherapie und künstliche Ernährung, wurden keine Angaben gemacht. Die Kartellbehörden müssen beiden Übernahmen noch zustimmen. Helios zählt mit einem für 2005 erwarteten Umsatz von etwa 1,2 Milliarden Euro zu den größten und erfolgreichsten privaten deutschen Klinikketten. Derzeit betreibt Helios 24 Krankenhäuser mit rund 9.300 Betten und beschäftigt 18.000 Mitarbeiter. Detailansicht öffnen Fresenius-Zentrale in Bad Homburg. (Foto: Foto: AP) Preis "stramm, aber nicht überzogen" Zusätzlich zum Kaufpreis zahlt Fresenius noch 100 Millionen Euro für den Netto-Kassenbestand von Helios. "Der Kaufpreis erscheint uns stramm, aber nicht überzogen", erklärte der Analyst Alexander Groschke. Mit der Übernahme stärke Fresenius seinen Geschäftsbereich ProServe. Zu der Fresenius-Tochter, die sich mit Krankenhausmanagement, der Planung, Errichtung und technischen Betriebsführung von Gesundheitseinrichtungen befasst, gehören unter anderem die Wittgensteiner Kliniken, die laut Groschke das "Sorgenkind" im Konzern sind. "Mit den Helios-Kliniken übernimmt man einen erfolgreichen Klinikbetreiber. Unter dem Strich wird Fresenius damit die Probleme bei seiner Tochter lösen können." Finanzierung durch Kapitalerhöhung Finanziert werden soll die Übernahme durch eine Kapitalerhöhung von 800 Millionen Euro und eine Anleihe von 700 Millionen Euro. Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung will sich mit 100 Millionen Euro an der Kapitalerhöhung beteiligen und auch die Allianz als großer Anteilseigner habe schon die Zustimmung signalisiert. "Fresenius ist schon durch die geplante Übernahme der Renal Care Group stark verschuldet. Aus diesem Grund ist eine Kapitalerhöhung zwingend nötig", erklärte Analyst Groschke. Zugleich kündigte Fresenius die Übernahme des Medizintechnikunternehmens Clinico durch seine Tochter Fresenius Kabi an. Der Produzent von Zubehör für die Infusionstherapie und künstliche Ernährung, erzielte den Angaben zufolge im Geschäftsjahr 2004/2005 einen Umsatz von etwa 51 Millionen Euro und beschäftigt mehr als 1.500 Mitarbeiter. Die Börse reagierte negativ auf die Übernahme. Die Aktie der im MDAX gelisteten Fresenius AG gab bis zum Mittag über 3,6 Prozent nach und führte damit die Liste der Verlierer an.
Der Konzern erwirbt die 24 privaten Krankenhäuser für 1,5 Milliarden Euro und wird so zu einem der führenden Betreiber Deutschlands. Außerdem wird das Medizintechnikunternehmen Clinico übernommen.
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Gesundheitsbranche - Fresenius übernimmt Helios-Kliniken
00/05/2010
Der Eigentümer der Fluggesellschaft DBA, Rudolf Wöhrl, wird nun auch zum bestimmenden Mann beim Ferienflieger LTU. Sein Ziel: die erste Billigfluggesellschaft mit einem weltweiten Netz. Knapp vier Monate nach dem Einstieg des Nürnberger Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl ändern sich die Eigentumsverhältnisse bei der Ferienfluggesellschaft LTU erneut. Detailansicht öffnen Nach der DBA setzt sich der fränkische Textilhändler Rudolf Wöhrl nun auch an den Steuerknüppel der LTU. (Foto: Foto: dpa) Die bisher mit 40 Prozent beteiligte Rewe-Gruppe hat ihren Anteil mit Wirkung vom 1. Juni 2006 an die Beteiligungsgesellschaft Intro abgegeben. Diese Firma gehört zum Einflussbereich von Wöhrl und hält auch sämtliche Anteile an der Fluggesellschaft DBA. Über Intro hatte Wöhrl bereits im Februar eine Beteiligung von 60 Prozent an LTU erworben und sich ein Vorkaufsrecht für die übrigen Anteile gesichert. Verkäufer war damals die Beteiligungsgesellschaft des Düsseldorfer Rechtsanwalts Wolfgang von Betterey. Diese hatte nach der Insolvenz des früheren Hauptgesellschafters Swissair deren Anteile treuhänderisch übernommen. Hin- und Hergeschiebe Im April hatte Wöhrl dann ein Paket von 24 Prozent an LTU-Geschäftsführer Jürgen Marbach abgegeben. Nach Angaben eines LTU-Sprechers wird Intro in den nächsten Wochen auch einen Teil der gerade erworbenen Anteile an Marbach veräußern und künftig nur mit 55 Prozent an der Fluggesellschaft beteiligt sein. Marbach werde über seine Beteiligungsgesellschaft MIC künftig 45 Prozent der Anteile halten. Der Rückzug der Kölner Handelsgruppe Rewe, die mit Veranstaltern wie ITS, Tjaereborg oder Dertour auch zu den führenden Touristikunternehmen in Deutschland gehört, kommt nicht überraschend. Vorstandschef Achim Egner hatte stets betont, dass die Beteiligung an dem Ferienflieger nicht zu den Kernaktivitäten seines Unternehmens gehört. Das Touristikgeschäft lässt sich nach seiner Überzeugung auch ohne eigene Fluggesellschaft betreiben. Rewe wollte nicht im Weg stehen "Wenn sich die LTU mit Hilfe eines strategischen Investors Vorteile verschaffen kann, sind wir die Letzten, die dabei im Wege stehen", hatte er im Januar in einem Gespräch mit der SZ gesagt. Norbert Fiebig, der im Rewe-Vorstand für das Touristikgeschäft verantwortlich ist, betonte am Donnerstag, dass der Konzern mit seinen Reiseveranstaltern der LTU verbunden bleibe. Rewe hatte die Beteiligung vor knapp sechs Jahren im Paket mit verschiedenen Veranstaltern übernommen.
Der Eigentümer der Fluggesellschaft DBA, Rudolf Wöhrl, wird nun auch zum bestimmenden Mann beim Ferienflieger LTU. Sein Ziel: die erste Billigfluggesellschaft mit einem weltweiten Netz.
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"Neuer LTU-Mehrheitseigner - ""Überall, wo die Lufthansa abzockt, werden wir attackieren"""
00/05/2010
Coca-Cola hat ein "brutales Jahr" hinter sich, weil die Firma Discountern nicht die gewünschten Flaschenformate lieferte. Erst jetzt bewegt sich der Konzern, denn Pepsi hat seinen Marktanteil in Deutschland bereits verdoppelt. Jeder Buchstabe ist 8,42 Milliarden US-Dollar wert. Zusammen ergeben die acht Lettern und der Bindestrich einen der bekanntesten Markennamen der Welt: Coca-Cola. Die Berater von Interbrand küren die Brause regelmäßig zur wertvollsten Marke, im vergangenen Jahr schätzten sie den Preis auf 67,39 Milliarden Dollar. Weltweit steht der Name nicht nur für ein ziemlich süßes koffeinhaltiges Getränk, sondern gilt als Symbol für Amerika schlechthin. Doch gibt es etwas, das stärker als der Mythos ist: die deutsche Verpackungsverordnung. Der Rechtsakt regelt das Pfand auf Einwegverpackungen, auch als Dosenpfand bekannt. Und diese Verordnung verdirbt "The Coca-Cola Company" aus Atlanta im US-Staat Georgia die Laune. Pepsi macht es Denn die Geschäfte in Deutschland laufen schlecht - vor allem als Folge des Pfandes: Der Absatz brach im vergangenen Jahr um elf Prozent gegenüber 2003 ein, wogegen Erzrivale Pepsico mit seiner Marke Pepsi 2004 als bisher bestes Geschäftsjahr feiert. Entsprechend hart ist das Urteil der Analysten. So spricht Marc Greenberg von der Deutschen Bank in New York von einem "brutalen Jahr für Coca-Cola in Deutschland". Das deutsche Desaster hinterlässt tiefe Spuren in der Bilanz: Wegen des schlechten Geschäfts treten Coca-Colas Absatzzahlen für Gesamt-Europa auf der Stelle - während der ewige Konkurrent aus dem Staat New York für den Bereich Europa und Afrika 14 Prozent mehr Verkäufe ausweist. Weltweit legte der Umsatz von Pepsico 2004 doppelt so schnell zu wie beim Platzhirschen aus Atlanta, der Gewinn eineinhalbfach. Da kam das Eingeständnis von Coca-Cola-Vorstandschef Neville Isdell wenig überraschend: "Wir sind unzufrieden mit unserem Ergebnis im vergangenen Jahr", sagte er bei der Vorstellung der Geschäftszahlen. Das Dosenpfand bereitet Coca-Cola Probleme, weil Discounter-Ketten wie Aldi oder Lidl so genannte Insellösungen eingeführt haben. Die Händler verkaufen Getränke in besonderen Flaschen, die es ausschließlich bei der eigenen Kette gibt. Daher müssen die Filialen nur diese Gebinde zurücknehmen und können Flaschen aus anderen Supermärkten ablehnen. Pepsi hat sich den Wünschen der mächtigen Nachfrager gebeugt: Der Herausforderer nimmt an den Insellösungen teil und füllt die süße Brause in speziellen Flaschen ab. Coca-Cola pokerte dagegen hoch - und verlor: Wegen schnöder deutscher Sonderwünsche wollte der Konzern nicht am Markenmythos kratzen. Der Getränkeriese weigerte sich, neue Gebinde einzuführen. Die Form der Cola-Flaschen sei ein wichtiges Merkmal für die Marke, erklärt Kai Falk, Sprecher der deutschen Niederlassung. Daraufhin flogen die Produkte des Unternehmens aus den Regalen. Coca-Cola vertreibt neben der namensgebenden Brause auch andere alkoholfreie Durstlöscher wie Fanta, Bonaqa oder Nestea. Ohne eigenes Zutun verdoppelte Pepsi so seinen Marktanteil im deutschen Handel auf 15 Prozent, wogegen Coca-Cola von fast 70 auf unter 60 Prozent sackte, wie Branchenbeobachter schätzen. Zwar soll nach dem Willen der Bundesregierung bis Mitte 2006 ein einheitliches Rücknahmesystem die Insellösungen ersetzen. Im Moment bringt das aber keine Erleichterung. Daher fühlt sich Coca-Cola nun doch reif für die Insel. Die Handelskette Plus erhält bereits spezielle Flaschen - mit einer Form, die der Getränkeriese schon vorher genutzt hatte. Mit anderen Discountern verhandelt der Konzern. Firmensprecher Falk ist zuversichtlich, dass es sehr bald zu einem Abschluss kommen wird. Streit mit den Abfüllern Aber auch jenseits der Supermärkte piesackt Pepsi den Platzhirschen. So luchste der David dem Goliath den Großkunden Deutsche Bahn ab: Seit Jahreswechsel trinken Passagiere in den Bordrestaurants Pepsi statt Coca-Cola. Experten gehen davon aus, dass der Hersteller für den prestigeträchtigen Abschluss Bedingungen akzeptiert hat, mit denen kaum etwas zu verdienen ist. Doch macht dem Marktführer nicht nur die Konkurrenz zu schaffen: Wegen interner Querelen beschäftige sich das Unternehmen in Deutschland gerade mehr mit sich selbst als mit den Kunden, sagen Beobachter. Die deutsche Konzerngesellschaft streitet im Moment mit ihren Abfüllern. Diese so genannten Bottler haben Konzessionen dafür, die Getränke herzustellen und zu vertreiben. Doch die hiesige Coca-Cola-Niederlassung in Berlin will nur noch mit einem großen Produzenten zusammenarbeiten, um Entscheidungen in Zukunft zu beschleunigen. Unstimmigkeiten gibt es ebenso mit den Getränke-Großhändlern. Die Coca-Cola-Abfüller besäßen einen eigenen starken Vertrieb für Restaurants und Getränkemärkte, sagt Stephan Saalfrank, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft IBB in München. Damit graben die Hersteller den Großhändlern Umsatz ab. Die Grossisten verkauften folglich lieber Pepsi als Coca-Cola, schätzt der Experte für die Getränkebranche. Das wichtigere Problem sieht er aber woanders: "Die Querelen mit Händlern und Abfüllern bringen viel Unruhe in den Konzern." Gute Zeiten für Herausforderer.
Coca-Cola hat ein "brutales Jahr" hinter sich, weil die Firma Discountern nicht die gewünschten Flaschenformate lieferte. Erst jetzt bewegt sich der Konzern, denn Pepsi hat seinen Marktanteil in Deutschland bereits verdoppelt.
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Desaster in Deutschland - Ihr Flaschen!
00/05/2010
Die EU-Kommission überprüft den in Deutschland geschützten Begriff "Sparkasse". Der Brüsseler Behörde missfällt, dass nur öffentlich-rechtliche Kreditinstitute den Namen verwenden dürfen. Der Vorstoß könnte dazu führen, dass private Investoren Sparkassen aufkaufen. (SZ vom 23.08.03) - Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein forderte die Bundesregierung zu näheren Informationen darüber auf, wie sich der besondere Schutz der Marke Sparkasse in Deutschland rechtfertigen lässt. Detailansicht öffnen Markante Marke unter gesetzlichem Schutz. (Foto: Foto: dpa) Diese Bezeichnung ist heute nur öffentlich-rechtlichen Instituten erlaubt. Private Unternehmer oder Banken aus der Bundesrepublik oder dem Ausland dürfen ihr Institut nicht Sparkasse nennen. An existierenden Sparkassen dürfen sie sich maximal mit 49 Prozent beteiligen. Bolkestein sieht darin einen möglichen Verstoß gegen europäisches Recht, wonach EU-Bürger frei sind, sich in jedem Mitgliedsland niederzulassen und dort Dienstleistungen anzubieten. Bankenlandschaft könnte sich verändern Die Untersuchung könnte nach Ansicht von Experten die deutsche Bankenlandschaft völlig verändern. Eine mögliche Konsequenz wäre, dass Private künftig Sparkassen aufkaufen oder gründen können. Auf dem Spiel stehen nach Ansicht der Sparkassenlobby auch die besonderen Vorteile, die das System für die Allgemeinheit habe. So rühmen sich die Institute, anders als private Banken einen Großteil ihrer Gewinne für gemeinnützige Zwecke wie Kultur und Sport auszugeben. Auch sehen sie sich als vorrangiger Kreditgeber für kleine und mittlere Unternehmen und als erste Anlaufstelle für ärmere Menschen, denen manche Privatbanken ein Konto verweigern. Die EU-Kommission hat bereits in der Vergangenheit die Privilegien öffentlich-rechtlicher Banken in Deutschland attackiert. Änderungen ab 2005 Vom Jahr 2005 an fallen Anstaltslast und Gewährträgerhaftung weg, die Landesbanken und Sparkassen nach Ansicht der Kommission besondere Vorteile gewährten. Die staatliche Haftung ermöglichte den Banken ein besseres Rating, der Wegfall ab 2005 bringt den Instituten nach Ansicht von Branchenkennern einen finanziellen Nachteil von einer halben Milliarde Euro im Jahr. Ob die EU-Kommission auch den besonderen Schutz der Marke Sparkasse kippt, ist noch nicht entschieden. Die Bundesregierung kämpft in Brüssel für die öffentlich-rechtlichen Banken. Der heutige Status der Sparkassen sei mit europäischem Recht konform, so Berlin in einer Stellungnahme im Juni. Wann die Kommission eine Entscheidung fällt, ist offen. Bolkesteins Handeln wurde durch eine Beschwerde der US-Gruppe BGB Capital Partners ausgelöst, die sich für den Kauf der angeschlagenen Bankgesellschaft Berlin interessiert hatte. Zur Bankgesellschaft gehört auch die Berliner Sparkasse. Besonderer Anspruch Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband bestand gegenüber der US-Gruppe auf seinem besonderen Anspruch auf den Namen "Sparkasse", berichtet Die Welt. Für den Sparkassenverband ist der Schutz der Institute durch Artikel 40 Kreditwesengesetz "kein Hindernis für den Wettbewerb, sondern ein wichtiges belebendes Element. Der Kunde muss aus der Bezeichnung des Unternehmens erkennen können, mit wem er es zu tun hat - das ist notwendiger Verbraucherschutz", findet Verbandssprecher Stefan Marotzke. Der Europaabgeordnete Alexander Radwan (CSU) sieht "einen erneuten Angriff auf das deutsche Sparkassensystem".
Die EU-Kommission überprüft den in Deutschland geschützten Begriff "Sparkasse". Der Brüsseler Behörde missfällt, dass nur öffentlich-rechtliche Kreditinstitute den Namen verwenden dürfen. Der Vorstoß könnte dazu führen, dass private Investoren Sparkassen aufkaufen.
wirtschaft
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Sparkassen - EU stößt sich an Namensprivileg
00/05/2010
(SZ vom 03.11.03) - Business as usual", sagt der Yukos-Sprecher, "das Unternehmen arbeitet normal weiter." Der professionell zur Schau gestellte Optimismus passt allerdings nicht zur Atmosphäre am Moskauer Firmensitz des Ölkonzerns Yukos und noch weniger zu den Ereignissen: Die Führung des Unternehmens sitzt im Gefängnis, der Kurs der Aktie ist angeschlagen. Unten in der Eingangshalle hängen plakatgroße Fotos von Konzern-Chef Michail Chodorkowskij. Sie zeigen den Ölbaron mit Arbeitern vor einer Raffinerie, mit UN-Generalsekretär Kofi Annan, mit Familie, als Fan des Moskauer Fußballklubs Spartak. Die Stimmung auf den Gängen ist gedrückt. Während Chodorkowskij zusammen mit zwei Managern wegen angeblichen Betrugs und Steuerhinterziehung seit Samstag voriger Woche in Haft ist, wird gegen mindestens einen weiteren leitenden Angestellten auf Hochtouren ermittelt. Gut 40 Prozent der Aktien des viertgrößten Ölkonzerns der Welt werden zudem von der russischen Staatsanwaltschaft unter Verschluss gehalten. Sensationelle Entwicklung Das alles widerfährt einem Unternehmen, das sich bis zur Verhaftung Chodorkowskijs sensationell entwickelt hatte: Der Netto-Profit war im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent gestiegen, die US-Unternehmen Exxon und Chevron wollten bei dem Ölriesen einsteigen. Auch wenn der Yukos-Sprecher betont, dass das "Management arbeitet und das operative Geschäft von den Vorgängen nicht betroffen" sei: Bildlich gesprochen ist es so, als ob ein riesiges Vorhängeschloss, auf welchem Russlands Staatswappen mit dem grimmigen doppelköpfigen Adler prangt, den Eingang des Konzern-Hochhauses blockierte. Zwar hat die Staatsanwaltschaft 4,5 Prozent der am Donnerstag beschlagnahmten Aktien wieder freigegeben. Es handele sich "um den Besitz von Personen, die nicht im Zusammenhang mit den Ermittlungen" stünden. Der Rest des Aktienpaketes im Wert von zwölf Milliarden Dollar gehöre aber Chodorkowskij, behaupten die Ermittler. Einem weiteren Manager wird jetzt ebenfalls Steuerhinterziehung vorgehalten: Wassilij Schachnowskij soll rund 820.000 Euro hinterzogen haben. Seine politische Immunität wird dem Manager kaum helfen. Zwar hatte das Regionalparlament der Öl-Region Ewenken, wo Yukos aktiv ist, ihn jüngst zum Vertreter im russischen Oberhaus gewählt - dieses Amt ist mit Immunität verbunden. Aber die Justiz spricht von Manipulationen bei der Wahl. Anzunehmen ist, dass Schachnowskijs politischer Posten nicht von Dauer sein wird. Neue "VIP-Zone" Russlands Möglich also, dass auch dieser Manager bald in die "Matrosenruhe" gebracht wird, jenes Moskauer Untersuchungsgefängnis, das eine Zeitung ironisch als neue "VIP-Zone" Russlands bezeichnet hat. Dort sitzen schon Chodorkowskij und Platon Lebedew ein, der Chef der Firmengruppe Menatep, die auch Muttergesellschaft von Yukos ist. Lebedew ist Chodorkowskijs engster Mitarbeiter und der Kopf hinter der raffinierten Konstruktion des Konzerns. Diesen beiden "Oligarchen" werden "Steuerhinterziehung und schwerer Betrug zum Nachteil des russischen Staates in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar" vorgehalten. Die Ölunternehmer haben nichts Gutes zu erwarten. Die Justiz in Russland handelt nach Meinung russischer und internationaler Beobachter auf Anordnung der Politik. Nicht ohne Grund hat die Yukos-Affäre längst auf die oberste Ebene der politischen Macht übergegriffen - zum Nachteil eben jener Geschäftsleute, die die Rohstoffwirtschaft des Landes kontrollieren. Fürsprecher im Machtapparat verloren Nachdem Alexander Woloschin, der oligarchenfreundliche Stabschef von Präsident Wladimir Putin, vergangene Woche im Zuge der Yukos-Krise zurückgetreten ist, haben die Ölbarone ihren wichtigsten Fürsprecher im Machtapparat verloren. Zwar ist Woloschins Nachfolger Dmitrij Medwedew kein echter Vertreter des Geheimdienstflügels, welcher den Öl- und Aluminiumbaronen den Krieg angesagt hat. Ein Oligarchenfreund aber ist er auch nicht. Zweifelsfrei also hat die Geheimdienstfraktion in der vergangenen Wochen viel Boden gewonnen im Kreml. Zudem rückt der Termin der Parlamentswahl am 7. Dezember näher. Da die superreichen Unternehmer bei der breiten Masse verhasst sind, wird Putin vor der Wahl kaum nachlassen im "Kampf gegen die Oligarchen". Eines der wenigen politischen Schwergewichte, die sich noch kritisch über das Vorgehen der Staatsanwaltschaft äußerten, war Putins Premierminister Michail Kasjanow. Maulkorb Obwohl der Kremlchef seinem Kabinett einen Maulkorb umgehängt und sich jede Äußerung zum Thema Yukos verbeten hatte, trat der "sehr besorgte" Kasjanow an die Öffentlichkeit. "Die Arrestierung von Wertpapieren einer Aktiengesellschaft ist ein Vorgehen, dessen Konsequenzen kaum abzusehen sind." Die Medien kommentierten, die Äußerungen kämen Kasjanows Rücktrittsgesuch gleich. Damit hätten die Oligarchen den letzten gewichtigen Fürsprecher in Putins Mannschaft verloren. Gewichtiger sind aber die langfristigen Folgen der Affäre. Die Staatsanwaltschaft wirft Chodorkowskij und Lebedew die "Bildung einer organisierten Gruppe" vor, die Steuern hinterzogen und unsaubere Geschäfte beim Erwerb ehemaliger Staatsbetriebe gemacht habe. "Für uns entscheidet sich alles am Vorwurf der Organisierten Kriminalität. Sollte das Gericht dies akzeptieren, steht die Frage der Konfiskation von Yukos an. Damit wäre die Privatisierung in Russland in Frage gestellt", sagt ein Yukos-Manager. Dauerhafte Konfiskation der Aktien - das käme der Re-Nationalisierung des russischen Ölreichtums gleich, der unter Putins Vorgänger Boris Jelzin in die Hände von Privatunternehmern gelangte. Dieses Szenario erklärt auch die scharfen internationalen Reaktionen. Das Außenministerium in Washington konstatierte, man sorge sich um die Rechtsstaatlichkeit in Russland; aus Berlin kamen mahnende Worte von Kanzler Gerhard Schröder. Bei Yukos setzt man aber nicht nur auf solche internationale Hilfe. Das vom Staatsanwalt unter Verschluss genommene Aktienpaket gehöre nicht Chodorkowskij, sondern internationalen Investoren, heißt es. "Und wer sagt, dass diese Aktien nicht von einer Investorengruppe an eine nächste weitergegangen sind?" fragt ein Yukos-Manager. "Damit riskiert Moskau, von Investoren, die nichts mit den Vorwürfen gegen Chodorkowskij zu tun haben, verklagt zu werden. Dann könnte im Gegenzug der Auslandsbesitz des russischen Staates von Gerichten anderer Staaten beschlagnahmt werden." Hoffen auf internationalen Beistand Dazu passend berichtete die Londoner Zeitung Sunday Times an diesem Wochenende, Chodorkowskij habe für den Fall seiner Verhaftung Vorsorge getragen. Er habe dem britischen Bankier Baron Jacob Rothschild vor längerer Zeit das Stimm- und Verfügungsrecht über sein Zwölf-Milliarden-Dollar-Aktienpaket übertragen. Die Yukos-Anteile befänden sich damit bereits in der Hand des Bankiers. Sollte dies stimmen, hätten die Yukos-Leute doch Grund zu Optimismus: Der Konflikt wäre internationalisiert, der ausländische Druck auf den Kreml würde massiv steigen. Putin müsste sein Vorgehen gegen den Oligarchen Chodorkowskij wohl überdenken.
Die Ermittlungen gegen den Ölkonzern Yukos sind offenbar politisch gesteuert.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vorgehen-der-justiz-auf-hoechste-weisung-1.901031
Vorgehen der Justiz - Auf höchste Weisung
00/05/2010
(SZ-Artikel vom 1.10.2003)— Es war nur ein kurzer Ausrutscher. "Wir stecken in einer politischen Notlage", sagte der hessische Ministerpräsident Roland Koch, "nicht in einer Notlage des ganzen Landes". Der Seitenhieb galt der Bundesregierung und dem Bundeskanzler, dessen Posten er gerne hätte. Kollege Peer Steinbrück aus Nordrhein-Westfalen beherrschte sich, ging über die Polemik hinweg. Und sofort scherzten Unionsmann und Sozialdemokrat wieder miteinander, als seien sie nicht nur in derselben Partei, sondern beste Freunde aus allerfrühester Jugendzeit. Oberlehrerhaft, aber anschaulich In einem langen Sitzungsraum des Bundesrats stellten die beiden am Dienstag ihr Konzept zum Subventionsabbau vor. Etwas oberlehrerhaft anhand einer Computerpräsentation, aber anschaulich und manchmal sogar unterhaltsam. George Orwell hätte an den großflächig auf die Leinwand geworfenen Leitsätzen der beiden Länderchefs seine Freude gehabt: "Allein würde jeder anders handeln", hieß es dort, und: "Gemeinsam müssen wir fähig sein zu handeln". Koch und Steinbrück waren sich im Frühjahr fachlich und persönlich näher gekommen, als sie im Auftrag des Vermittlungsausschusses einen Kompromiss zur Körperschaftssteuer aushandelten. Im Subventionsabbau entdeckten sie die nächste Profilierungschance. Selten verursachten Ministerpräsidenten ein größeres Medieninteresse in der Hauptstadt als das Duo aus Wiesbaden und Düsseldorf. Dabei beruhte ihre Arbeit nicht auf einer gesetzlichen Grundlage und hatte auch sonst keinen rechtlichen Status. Hilfsweise beriefen sie sich auf Ludwig Erhard und seinen Satz von der Täuschung darüber, dass "der Ausgabensteigerung der öffentlichen Hand überhaupt keine Grenzen mehr gesetzt seien". Mit bunten Tabellen zu niedrigem Wachstum und hohen Schulden wollten Koch und Steinbrück beweisen: Nie war die Zeit günstiger als heute, diese Täuschung zu entlarven. Subventionsabbau = wegnehmen Subventionsabbau sei immer damit verbunden, dass man "etwas wegnimmt" räumte Koch ein. Damit niemand besonders laut klagen kann, wählten die beiden, wenn dies rechnerisch möglich war, die Rasenmähermethode: Jede Subvention wird bis 2006 jedes Jahr um vier Prozent gekürzt. Dieses Vorgehen soll die Sparliste dem Parteienstreit entheben. Da viele Subventionen als "Steuerungsinstrumente" ausdrücklich gewollt waren oder sind, sei eine komplette Streichung schwer durchsetzbar. Kompromiss im Bundesrat Steinbrück und Koch verstehen ihr Papier nur als einen "ersten Schritt", als einen Vorschlag an die Bundesregierung - die darauf gleich auch einging: Finanzminister Hans Eichel will die Liste noch in diesem Jahr zum Gesetz machen - und wies darauf hin, dass seine Vorschläge zum Abbau von Pendlerpauschale und Eigenheimzulage längst weiter gehen. Immerhin ist ein Kompromiss im Bundesrat jetzt wahrscheinlicher. Eichel hat schon 1,2Milliarden Euro aus der Arbeit von Koch und Steinbrück in seinem Haushalt für 2004 verbucht. Weitere Milliarden könnte er gut gebrauchen, muss er doch das Vorziehen der Steuerreform finanzieren. Dafür wollen Koch und Steinbrück das Ergebnis ihrer Sparvorschläge zwar nicht missbraucht sehen, doch so genau lässt sich das nicht trennen. Die beiden Ministerpräsidenten sind überzeugt, ein zukunftsweisendes Modell entwickelt zu haben: Ihr Werkzeug sei auch für spätere, tiefere Einschnitte verwendbar. Als Vorbild für eine große Koalition wollten sie ihre Arbeit aber nicht verstehen. Es handle sich letztlich um einen Minimalkonsens, sagte Koch, "und ich möchte kein Land mit einem Minimalkonsens regieren".
Trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit stehen sich die Ministerpräsidenten von Hessen und Nordrhein-Westfalen, Koch (CDU) und Steinbrück (SPD), fachlich und persönlich nahe.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/koch-und-steinbrueck-duo-ohne-dissonanzen-1.900321
Koch und Steinbrück - Duo ohne Dissonanzen
00/05/2010
Die Reform des Dax, wonach künftig Unternehmen mit Sitz im Ausland im deutschen Leitindex notiert werden können, wird zu keiner Dominanz ausländischer Unternehmen im Dax führen. Vielmehr ist der Schritt der Börse defensiver Natur. Es riecht ein bisschen nach Lex Deutsche Börse, was der Frankfurter Handelsplatzbetreiber jetzt auf den Weg gebracht hat: Die Börse ändert die Regeln für die Aufnahme in den Leitindex Dax - und könnte selbst bald erster Nutznießer der Reform sein. Sollte die angestrebte Fusion mit der Vierländerbörse Euronext doch noch zustande kommen, könnte die Deutsche Börse auch dann im Dax bleiben, wenn ihr juristischer Sitz künftig in Amsterdam läge. Zwar hat die Änderung so einen faden Beigeschmack, gleichwohl ist sie sinnvoll, weil die Börse ihre Regularien der Realität anpasst. Aktienindizes sollten die Wirtschaft eines Landes möglichst genau abbilden. Anleger, die sich beispielsweise über einen Index-Fonds an den 30 Unternehmen des Dax beteiligen, tun dies, weil sie auf eine positive Entwicklung der deutschen Wirtschaft hoffen und daran teilhaben wollen. Verzerrtes Bild Wo sich der Sitz der größten deutschen Konzerne befindet, ist dabei aus Anlegersicht völlig irrelevant. So hätte der Dax ein verzerrtes Bild der deutschen Wirtschaft geliefert, wenn mit der Allianz der größte Versicherer des Landes aus dem Index gefallen wäre, nur weil er im Zuge der Umwandlung in eine Europäische Aktiengesellschaft ("Europa AG") seinen Sitz ins Ausland verlegt hätte. Von Jahr zu Jahr schließen sich gerade in Europa immer häufiger Unternehmen über Grenzen hinweg zusammen. Mit der Europa AG existiert zudem eine Rechtsform, die Unternehmen dazu einlädt, ihren Sitz innerhalb der Europäischen Union frei zu wählen. Deshalb ist ein Index, der auf den Firmensitz abstellt, nicht mehr zeitgemäß. Andere Börsen haben ihre Indizes längst für ausländische Firmen geöffnet. Abwanderung verhindern Die Index-Reform wird daher nicht dazu führen, dass reihenweise ausländische Konzerne in den Dax aufrücken. Vielmehr ist der Schritt der Börse defensiver Natur. Der Vorstand will verhindern, dass deutsche Unternehmen an ausländische Handelsplätze abwandern. Geschähe dies, würde an deutschen Börsen weniger gehandelt, sie verlören im internationalen Wettbewerb an Gewicht. Allerdings hat es die Deutsche Börse nur zum Teil selbst in der Hand, Unternehmen auf ihrer Handelsplattform zu halten. Letztlich ist der Dax nur so stark und bei Anlegern so gefragt, wie die Konzerne, aus denen er sich zusammensetzt. Auch die neue Regel hätte nicht verhindern können, dass etwa die HypoVereinsbank, der Chemiekonzern Hoechst und Mannesmann in den vergangenen Jahren aus dem Dax verschwunden sind.
Die Reform des Dax, wonach künftig Unternehmen mit Sitz im Ausland im deutschen Leitindex notiert werden können, wird zu keiner Dominanz ausländischer Unternehmen im Dax führen. Vielmehr ist der Schritt der Börse defensiver Natur.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-aus-der-defensive-1.906100
Kommentar - Aus der Defensive
00/05/2010
Glücklicherweise trägt die Gewerkschaft ihren Streit in aller Öffentlichkeit aus. So wird deutlich, was sich alles ändern muss. Selten wurden Interna der Gewerkschaften von der breiten Öffentlichkeit so aufmerksam verfolgt, wie in diesen Tagen der Streit im IG-Metall-Vorstand. Und es war nicht nur Sensationslust, die das Interesse entfachte. Vielmehr wird klar, dass es um mehr als eine bloße Führungsdebatte geht, auch um mehr als einen Richtungsschlenker weg von den Fundamentalisten hin zu den Realos. Nicht die Krise ist schlimm, sondern der Umgang mit ihr Es geht darum, ob und wie die Arbeitnehmervertretung es schafft, sich rundzuerneuern. Dabei steht nicht die Institution Gewerkschaft in Frage, sondern ihr Vermögen, mit dem Wandel in der Gesellschaft Schritt zu halten. Wie könnte sie es deutlicher zeigen als mit diesem Streit, dass ihr das überhaupt nicht gelingen will. Schlimmer noch: dass sie offenbar nicht erkannt hat, dass diese Notwendigkeit überhaupt besteht. Nicht die Auseinandersetzung als solche, sondern die Art und Weise, wie sie geführt wird, ist symptomatisch für die Krise der Gewerkschaften. So wenig es der IG Metall gelingt, diesen Streit elegant zu Ende zu bringen, so wenig gelingt den Gewerkschaften die Neupositionierung in der modernen Arbeitswelt. Sie zeigen sich als unerbittliche Hüter der Besitzstände, die sie in den letzten Jahrzehnten errungen haben. So wertvoll diese auch sein mögen — das Verhalten führt dazu, dass die Basis der Gewerkschaften ausdünnt. Sie repräsentieren heute nur noch den Arbeitnehmer, der jeden Tag sieben Stunden arbeitet, viele Wochen in den Urlaub fährt, Überstunden abgegolten bekommt und alljährlich auf eine hübsche Lohnsteigerung hoffen darf. Allein — der wird in den nächsten Jahrzehnten aussterben. Gefeuert wird er heute schon. Simple Analyse und schrille Töne Unternehmen lieben die Dehnbarkeit: Flexible Arbeitszeiten, flexible Urlaubsverteilung, flexible Gehälter und flexible Wochenarbeitszeit. Darum entfernen sie sich aus dem Dunstkreis der Flächentarifverträge und mit ihnen — nolens volens — die Arbeitnehmer. Die New Economy, die häufig genug im Schoße der Old Economy heranwächst, braucht eben auch den New Employee, den neuen Arbeitnehmer. Doch gerade dort, wo der Wandel der Arbeitswelt besonders rasant verläuft, dort, wo die Fronten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufweichen, weil der Arbeitnehmer zunehmend die Rolle des Mini-Unternehmers übernehmen muss, gerade dort also, wo die Gewerkschaften ihre Wandlungsfähigkeit beweisen könnten — sind sie nicht zu finden. Nirgends. Und so fehlt denn auch die Rückkopplung in den herkömmlichen Arbeitsmarkt und mit ihr jeglicher Impuls für moderne Gewerkschaftsarbeit. Gewerkschaften — das Wort steht mittlerweile für simple Analyse und schrille Töne. Und, wie der endlose IG-Metall-Streit zeigt, für eine Ansammlung unbeugsamer Hotzenplotze. Immerhin: Jetzt ist die Gelegenheit günstig, das grundlegend zu ändern.
Glücklicherweise trägt die Gewerkschaft ihren Streit in aller Öffentlichkeit aus. So wird deutlich, was sich alles ändern muss.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ig-metall-unbeugsame-hotzenplotze-1.900575
IG Metall - Unbeugsame Hotzenplotze
00/05/2010
Bisher fährt der Transrapid in Schanghai nur auf einer etwa 30 km langen Strecke. Nun soll die 175 km entfernte Nachbarmetropole Hangzhou angebunden werden. China nickte den Bau der neuen Strecke der deutschen Magnetschnellbahn Transrapid grundsätzlich ab. Das teilte die staatliche Reform- und Entwicklungskommission am Montag in Peking mit. Detailansicht öffnen Der Transrapid verlässt den Bahnhof in Schanghai. (Foto: Foto: dpa) Damit können die Verhandlungen mit dem Transrapid- Konsortium von Siemens und ThyssenKrupp in eine neue Phase gehen. Es handelt sich aber noch nicht um die Genehmigung für den Bau, der noch in diesem Jahr beginnen soll. Die Reform- und Entwicklungskommission berichtete, der Staatsrat habe den Plan für die Verlängerung der Flughafenstrecke in Schanghai über 175 Kilometer in die Nachbarmetropole Hangzhou genehmigt. Die Strecke soll bis zur Weltausstellung in Schanghai 2010 in Betrieb sein, wenn 70 Millionen Besucher erwartet werden. Projektgenehmigung auch für Peking-Schanghai Der Staatsrat erteilte auch die Projektgenehmigung für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke über 1320 Kilometer zwischen Peking und Schanghai. Dieses herkömmliche Schienenprojekt, um das sich auch Siemens mit seinen Hochgeschwindigkeitszügen bewirbt, hat ein Investitionsvolumen von 140 Milliarden Yuan (14,6 Milliarden Euro). Nach Angaben des deutschen Transrapid-Konsortiums folgt auf diese "wichtige Weichenstellung" nun eine Untersuchung der technischen und wirtschaftlichen Details. Zur voraussichtlichen Dauer dieser Analyse machte ein Transrapid-Sprecher am Montag in Berlin keine Angaben. Startschuss für konkrete Verhandlungen Gefallen sei damit auch der Startschuss für konkrete Verhandlungen mit den Konsortialpartnern Siemens und ThyssenKrupp, bekräftigte er.
Bisher fährt der Transrapid in Schanghai nur auf einer etwa 30 km langen Strecke. Nun soll die 175 km entfernte Nachbarmetropole Hangzhou angebunden werden.
wirtschaft
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Hochgeschwindigkeitsbahn - China verwirklicht die erste Transrapid-Langstrecke
00/05/2010
Leo Kirch gibt nicht auf. In seinem Streit mit der Deutschen Bank hat der Medienunternehmer jetzt Anzeige gegen Ex-Staatssekretär Caio Koch-Weser erstattet. Koch-Weser (51) wird von 1. März an als "Vice Chairman" den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann, beraten. Kern des Vorwurfs: Koch-Weser habe in seiner früheren Funktion im Finanzministerium Entscheidungen zu treffen gehabt, die direkt die Deutsche Bank betreffen. Detailansicht öffnen Leo Kirch und Caio Koch-Weser. (Foto: Fotos: AP, dpa) Sollte er noch vor seinem Ausscheiden aus dem Amt, also im vergangenen November, seinen Wechsel zu dem Institut vereinbart haben, läge der Tatbestand der Vorteilsnahme vor, heißt es in dem Schreiben der Anwälte Kirchs. Ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag den Eingang der Anzeige. Die Staatsanwälte haben ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet (Az: 2 Wi JS 59/06). Aussichten vorläufig unklar Über die Frage, wie aussichtsreich die Anzeige ist, sagt dies allerdings noch nichts aus. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte die Anzeige nicht kommentieren: "Wir haben überhaupt keine Informationen über den Vorgang." Hintergrund der Anzeige ist der langwierige Rechtsstreit Leo Kirchs mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank, Rolf-E. Breuer. Dieser hatte am 27. Januar 2002 in einem Interview des amerikanischen Fernsehsenders Bloomberg über die Kirch-Gruppe gesagt: "Was man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zustellen." Wegen dieser Aussage beschuldigte Kirch Breuer und die Deutschen Bank, den Zusammenbruch seines Unternehmens ausgelöst zu haben. Der Bundesgerichtshof hatte Kirch kürzlich für einen Teil seines Konzerns - die Beteiligung am Springer-Verlag - einen Anspruch auf Schadensersatz zugebilligt. Ob es zu einer Zahlung kommt und wie hoch diese ausfallen wird, muss aber in einem weiteren Prozess geklärt werden. Zusammenhang unterstellt Die Anwälte Kirchs unterstellen nun, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Wechsel Koch-Wesers zur Deutschen Bank und der Tatsache, dass die Aufsichtsbehörden in der Sache nie gegen Breuer und die Deutsche Bank vorgegangen sind. Die zuständige Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) unterstand seinerzeit direkt Koch-Weser. Unter anderem, heißt es in der Anzeige, hätte die Bafin beim Wechsel von Breuer in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank einschreiten müssen. Entscheidend sei, wann Koch-Weser seine Verhandlungen mit der Bank begonnen hat. Für seinen Verdacht, dass dies schon früh der Fall war, führt Kirch allerdings nur einen anonymen Zeugen an: Es liege ein "verlässlicher Hinweis" darauf vor, dass Koch-Weser die Gespräche, die zu seiner Anstellung führten, vor etwa neun Monaten begonnen habe, also als der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder angekündigt hatte, die Auflösung des Bundestages zu betreiben. Allerdings sei der Hinweisgeber "wegen der Gefahr, persönliche Nachteile zu erleiden", nicht bereit, als Zeuge zur Verfügung zu stehen. Jedenfalls ergebe sich der Anfangsverdacht auf Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung. Ende noch nicht absehbar Leo Kirch, zu dessen Imperium unter anderem die Sendergruppe Pro Sieben Sat1 und der Abosender Premiere gehörten, hat die Deutsche Bank nach seiner Insolvenz mit einer ganzen Reihe von Prozessen überzogen. Ein Ende ist noch nicht absehbar.
Leo Kirch gibt nicht auf. In seinem Streit mit der Deutschen Bank hat der Medienunternehmer jetzt Anzeige gegen Ex-Staatssekretär Caio Koch-Weser erstattet.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/leo-kirch-der-feldzug-geht-weiter-1.901667
Leo Kirch - Der Feldzug geht weiter
00/05/2010
Der Euro ist in seinem Höhenflug nicht zu stoppen. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung stieg am Montag auf ein neues Allzeithoch von knapp unter 1,27 Dollar. Wirtschaftsforscher warnen vor Kursen über 1,30 Dollar. Der Euro ist auch im neuen Jahr nicht zu bremsen. Am Montag nahm die Gemeinschaftswährung Kurs auf die Marke von 1,27 Dollar und notierte zeitweise bei 1,2695 Dollar. Nach Einschätzung von Währungsexperten gibt es mittlerweile keine rationale Erklärung für den rasanten Kursanstieg. Die Entwicklung habe sich verselbstständigt, erklärten sie. Der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, warnte, ein weiterer Anstieg des Euro-Kurses könnte sich zu einer ernsthaften Gefahr für den Konjunkturaufschwung entwickeln. Gefährdungsgrenze Aus Befragungen von Unternehmen gehe hervor, dass bei einem Euro-Kurs von 1,30 Dollar die Gefährdungsgrenze erreicht werde, sagte Sinn der Berliner Zeitung. Bei noch höheren Kursen werde der Export trotz der Wechselkursabsicherungen der Firmen in Mitleidenschaft gezogen, betonte der ifo-Chef. In einem solchen Fall müsse befürchtet werden, dass die Exportkonjunktur zum Erliegen kommen werde. Das würde gleichzeitig bedeuten, dass die Wachstumserwartungen von knapp zwei Prozent im laufenden Jahr nicht zu halten seien. Der Bundesverband Groß-und Außenhandel (BGA) geht bisher davon aus, dass die Folgen für die exportorientierten Unternehmen sehr unterschiedlich ausfallen dürften. Firmen, die stark im US-Geschäft sind, leiden stärker. Dabei treffe es die Konsumgüterhersteller härter als die Produzenten von Investitionsgütern. Im Asien-Geschäft laufe es etwas besser. Im Euro-Raum spürten einige Firmen die Konkurrenz durch billigere US-Produkte. Konjunktur angesprungen Zwar sei der Euro-Höhenflug für einzelne Firmen durchaus problematisch. Positiv sei aber, dass die Konjunktur im Ausland deutlich angesprungen sei. "Die Nachfrage ist da. Die Situation ist daher nicht so dramatisch", sagte BGA-Präsident Anton Börner. Mit Sorge werde allerdings das Tempo des Euro-Kursanstiegs beobachtet. Das mache die Planung für die Unternehmen schwierig. Grundsätzlich meinte Börner: "Die Euro-Dollar-Kursentwicklung ist nur zum Teil rational zu verstehen." Ähnlich äußerte sich auch Michael Schubert von der Commerzbank: "Mir fällt es schwer, Fundamentalfaktoren zu finden, die einen derart rasanten Anstieg rechtfertigen." Schubert spricht von einem "spekulativen Überschießen" des Euro-Kurses. Daraus könne sich sehr schnell eine Eigendynamik entwickeln, die nur schwer aufzuhalten sei, sagte der Währungsexperte. Mögliche Entspannung "Was man über Feiertage gesehen hat, ist eine Verselbstständigung der Kursentwicklung", sagte auch Christoph Müller von der DZ Bank. Entspannung könnte möglicherweise das G-7-Treffen im Februar bringen. Gerüchten zufolge soll bei dem Treffen der sieben wichtigsten Industrienationen auch über die Dollar-Schwäche gesprochen werde. Das könnte die US-Währung stärken, so Müller.
Der Euro ist in seinem Höhenflug nicht zu stoppen. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung stieg am Montag auf ein neues Allzeithoch von knapp unter 1,27 Dollar. Wirtschaftsforscher warnen vor Kursen über 1,30 Dollar.
wirtschaft
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Schmerzgrenze - Euro gefährlich nahe bei 1,30 Dollar
00/05/2010
Sie verdienen ihr Geld mit Viehhandel, Tabakanbau - und Casinos: Jetzt ist der kleine Indianerstamm auch unter die Restaurant-Betreiber gegangen. Eine der wohl berühmtesten Sammlungen von Rock'n'-Roll-Souvenirs hat den Besitzer gewechselt - darunter auch die legendäre Jimi-Hendrix-Gitarre "Flying V". Detailansicht öffnen Die Hard Rock Cafe - Kette wechselt um 726 Millionen Dollar ihren Besitzer. (Foto: Foto: Hard Rock Cafe) Das wertvolle Stück ist wie viele andere in diesem Paket allerdings nur die schmückende Beigabe in einem viel größeren Geschäft: Für 490 Millionen Pfund - das sind umgerechnet 726 Millionen Euro - bekommt die weltweit präsente Hard-Rock-Cafe-Kette einen neuen Eigentümer. Das ist nicht weiter überraschend, schließlich hatte der bisherige Besitzer, der britische Freizeit-Konzern Rank, die Kette im Sommer zum Verkauf ausgeschrieben. Kurios ist allerdings, dass es nicht die interessierten Beteiligungsgesellschaften waren, etwa TDR Capital oder Permira, die am Ende den Zuschlag bekamen. Vielmehr übernimmt nun ein Indianerstamm aus dem US-Bundesstaat Florida die Kette, die in mehr als 40 Ländern rund um den Globus vertreten ist. Große Casino-Kette In der Unterhaltungsbranche zählt der Stamm der Seminolen schon seit Jahren zu den festen Größen, als Betreiber einer Spielcasino- und Hotelgruppe, die unter dem Namen Seminole Entertainment Inc. firmiert. "Wir erkennen die Macht und die lange Lebensdauer dieser Marke", kommentierte der für das Spielegeschäft zuständige Chef des Indianerstamms, Jim Allen, den Zukauf. Er werde das Geschäft mit den 124 Café-Häusern und mehreren Hotels in den nächsten Jahren weltweit ausbauen und auch Casinos eröffnen, kündigte er an. Die wirtschaftliche Lage der Hard Rock Cafes hatte sich insbesondere nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erheblich verschlechtert. Die anti-amerikanische Stimmung in vielen Ländern hatte einen deutlichen Rückgang der Besucherzahlen zur Folge. Aufwärtstrend nach Umsatzrückgängen Doch seit zwölf Monaten zeigt die Erfolgskurve wieder nach oben. Die Restaurantumsätze stiegen nach Angaben der Rank-Gruppe im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent, die Souvenir-Verkäufe legten um fünf Prozent zu. Als die Gründer, die Amerikaner Isaac Tigrett und Peter Morton, das erste Hard Rock Cafe 1971 in London eröffneten, galt es als Novum in der Branche - es war das erste Themenrestaurant auf britischem Boden, das auf amerikanische Lebensart setzte; die Fast-Food-Kette McDonald's folgte erst drei Jahre später. Die Seminolen betrachten sich selbst als einzigen Indianerstamm Nordamerikas, der nie gänzlich besiegt wurde. Eine Art Friedensvertrag mit der US-Regierung wurde erst 1931 unterschrieben. Die 3000 Mitglieder des in Florida angesiedelten Stamms verdienen vor allem mit ihren Kasinos Geld. Zwei große Freizeittempel unterhält Seminole Entertainment in Hollywood und Tampa. Außerdem handelt der Stamm mit Zitrusfrüchten, Vieh und Tabak.
Sie verdienen ihr Geld mit Viehhandel, Tabakanbau - und Casinos: Jetzt ist der kleine Indianerstamm auch unter die Restaurant-Betreiber gegangen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fuer-726-millionen-dollar-indianer-kaufen-hard-rock-cafe-1.906160
Für 726 Millionen Dollar - Indianer kaufen Hard Rock Cafe
00/05/2010
(SZ vom 24.6.2003) — Die Krise, die zuvor schon die Dresdner Bank, die Hypo-Vereinsbank oder die Commerzbank erwischt hatte, die den Geldhäusern Milliarden-Verluste brachte und etliche Top-Manager um ihre Jobs brachte, ist in Düsseldorf angekommen. Hektisch tagten dort am Montag die Gesellschafter der WestLB. Sie beschlossen den Rausschmiss von Bank-Chef Jürgen Sengera, der erst zwei Jahre im Amt war. Vorstandsmitglied Andreas Seibert muss ebenfalls gehen. Dasselbe gilt für Robin Saunders, die als vermeintliche Star-Bankerin für den Bereich Spezialfinanzierungen der WestLB in London zuständig war. Wie tief die fünftgrößte deutsche Bank in der Krise steckt, zeigt eine Äußerung des Bonner Bundesamts für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Das Kontrollamt hat "Zweifel an der fachlichen Eignung und Zuverlässigkeit der zuständigen Vorstandsmitglieder". Die Kontrollbehörde kam zu diesem katastrophalen Urteil, nachdem sie sich einen WestLB-Kredit an den Londoner TV-Geräte-Verleaser "Boxclever" angeschaut hatte. Den hatte Robin Saunders eingefädelt. Das Geschäft der vermeintlichen Superfrau brachte dem provinziellen Geldhaus mit den internationalen Ambitionen einen Verlust von 430 Millionen Euro. Im Februar musste die WestLB für 2002 einen Verlust von 1,7 Milliarden Euro bekannt geben. Die WestLB, die über ihre Muttergesellschaft Landesbank NRW zu 43,2 Prozent dem Land, den rheinischen und westfälischen Sparkassen zu je 16,7 Prozent und zwei Landschaftsverbänden zu 11,7 Prozent gehört, tut sich mit ihrer neuen Rolle noch schwer. WestLB einst ernsthafte Konkurrenz Einst war sie ein Institut, mit dem das Land Politik machte. Ging eine Firma pleite, so sprang die West LB ein. Brauchte Nordrhein-Westfalen neue Wohnungen — die WestLB übernahm die Finanzierung. Und wenn ein abgehalfterter Politiker einen Posten suchte, fand sich bei dem Kreditinstitut oft ein Schreibtisch. Doch die Bank war ein Faktor im Finanzwesen geworden. Selbst Manager der Deutschen Bank hatten sie als Konkurrenz ernst genommen. Der Aufstieg der Bank begann 1981 damit, dass der damalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau, seinen SPD-Parteifreund Friedel Neuber zum WestLB-Chef machen wollte. Neuber, der bei der Firma Krupp eine Lehre gemacht hatte, dann Landtagsabgeordneter und später Chef des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes geworden war, hatte aber keinerlei Bankenerfahrung. Schnell wurde ihm vorgehalten, er habe aus dem Institut eine "rote Bank" gemacht, die von der SPD dominiert werde. Der Vorwurf ging ins Leere. Beim Geld kannte Neuber keine Parteien. Wenn der konservative Medienunternehmer Leo Kirch frisches Geld brauchte, war für den Münchner die Bank im SPD-regierten Nordrhein-Westfalen eine erste Adresse. Kurz bevor Neuber 2001 den Chefsessel verließ, wurde er in der so genannten Flugaffäre zur Symbolgestalt für roten Filz. Dabei hatte er über die Jahrzehnte ein System entwickelt, in das auch Christdemokraten und Liberale eingebaut waren. Das System Neuber funktionierte parteiübergreifend. Hauptsache rentabel Doch die Nähe des Staates zu den Landesbanken ging der EU-Kommission in Brüssel zu weit. Die kritischen Wettbewerbshüter und die freien Banken monierten, dass die halbstaatlichen deutschen Geldinstitute im Wettbewerb mit den Geschäftsbanken im Vorteil seien, weil im Zweifelsfall der Staat für ihre Risiken haftet. Die WestLB wurde Anfang 2002 als erste Landesbank umgebaut — nach den Plänen Neubers. Ein neuer Mann wurde an die Spitze gesetzt: Jürgen Sengera. Die Bank wurde gespalten in eine öffentlich-rechtliche Mutter, die das so genannte Fördergeschäft des Landes betreibt, und in eine privatrechtliche Tochter, die sich mit den anderen Banken im Wettbewerb um das internationale Kreditgeschäft kümmert. Rentabilität stand plötzlich im Vordergrund. Doch die Sache ging schief. Im Gesellschafterkreis gab es ständigen Ärger. Vor allem die beiden Sparkassen-Verbände haben die neue Struktur nie gut geheißen. Jetzt wird erst einmal korrigiert. Ein Nachfolger für Jürgen Sengera muss gefunden werden. Und der von Robin Saunders verantwortete Geschäftsbereich Spezialfinanzierung, so heißt es, soll verkauft oder aufgelöst werden.
Ein Gutachten der Bankenaufsichtsbehörde gab den Ausschlag für den Rücktritt des WestLB-Chefs Jürgen Sengera.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/westlb-vorstand-zweifel-an-der-fachlichen-eignung-1.904040
"WestLB-Vorstand - ""Zweifel an der fachlichen Eignung"""
00/05/2010
Der Benzinpreis steigt unaufhaltsam. Jetzt werden die Forderungen nach Absenkung der Öko-Steuer immer lauter. Der Benzinpreis scheint unaufhaltsam zu steigen. Nach der jüngsten Preisrunde kostet ein Liter Superbenzin im bundesweiten Durchschnitt 1,20 Euro - so viel wie noch nie. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: ddp) Experten rechnen damit, dass sich die Aufwärtsbewegung fortsetzen wird. Auch der Ölpreis ist auf Rekordniveau. Damit wachsen die Gefahren für die labile deutsche Konjunktur. Die steigenden Energiepreise könnten auch auf die Aktienkurse durchschlagen und die Börse nach unten ziehen. Vor dem Hintergrund des hohen Steueranteils beim Benzin werden die Forderungen nach einer Absenkung der Öko-Steuer lauter. Marktführer Aral hatte den Preis für Superbenzin bereits am Montag um vier Cent auf 1,20 Euro je Liter heraufgesetzt, die Wettbewerber zogen am Dienstag nach. Rohöl noch weiter angestiegen Auch das Rohöl verteuerte sich nochmals: Die Nordsee-Sorte Brent kostete mehr als 35 Dollar je Barrel (159 Liter) - der höchste Stand seit der Kuwait-Krise Oktober 1990. Ein weiterer Anstieg auf 38 oder mehr Dollar gilt als durchaus möglich. Experten erklärten die Verteuerung des Benzins allerdings nicht mit dem Rohölpreis, sondern mit den Preisen am Spotmarkt Rotterdam. Dort kostete die Tonne Superbenzin am Dienstag 457 Dollar; das waren 53 Prozent mehr als am ersten Handelstag des Jahres. Der Benzinpreis an den Tankstellen stieg dagegen seither um zwölf Prozent, der Rohölpreis um 18 Prozent. Hohe Nachfrage aus den USA Der Grund für die hohen Preise in Rotterdam liegt an der hohen Benzin-Nachfrage in den Vereinigten Staaten. Schon seit einigen Jahren können die veralteten US-Raffinerien im Frühjahr den durch die beginnende Reisezeit steigenden Bedarf nicht mehr selbst befriedigen; Vorräte haben die Konzerne schon lang nicht mehr. Die Händler decken sich deshalb in Europa ein, was die Preise dort in die Höhe treibt. Das Problem zu geringer Raffineriekapazitäten könnte sich nach Meinung von Marktexperten weltweit noch verstärken. Denn während in den westlichen Industrieländern der Mineralölverbrauch stetig sinkt, steigt er in den Schwellenländern umso schneller. China ist inzwischen nach den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Ölimporteur der Welt und hat im vergangenen Jahr Japan auf den dritten Platz verwiesen. Sinkende Gewinnmargen und höhere Konsumkosten Die hohen Energiepreise beginnen sich zu einer ernstem Gefahr für die ohnehin labile deutsche Konjunktur auszuweiten. "Die Belastung wird stärker, keine Frage", sagte der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, Hüfner, der Süddeutschen Zeitung. "Wenn der Preis für Öl und Benzin weiter steigt, wird er sich zur Gefahr auswachsen." Der Preisanstieg drückt die Gewinnmargen der Unternehmen, höhere Benzinpreise den privaten Konsum. Hüfner wies daraufhin, dass nach einer Faustregel zehn Dollar mehr für ein Barrel Öl ein halbes Prozent Wirtschaftswachstum kosten. Ölpreis schlägt sich auf Börsenkurse durch Der weiter anziehende Ölpreis wird nach Einschätzung von Börsianern auch die internationalen Finanzmärkte belasten. "In den kommenden drei bis sechs Monaten wird der Ölpreis auf die Kurse durchschlagen", sagte Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Andere Börsianer äußerten sich ähnlich. Nach Modellrechnungen auf der Grundlage von statistischen Daten der Deutschen Shell muss ein durchschnittlicher Autofahrer in Deutschland (Fahrleistung 11400 Kilometer) mit Mehrkosten von knapp 100 Euro jährlich rechnen, falls die Benzinpreise auf ihrem gegenwärtigen Niveau bleiben sollten. Trotz der hohen Benzinpreise haben auch die Mineralölkonzerne am Kraftstoffverkauf derzeit nicht viel Freude. Sie können die hohen Beschaffungskosten nur zum Teil an die Kunden weitergeben. Es herrscht scharfer Wettbewerb, der Markt ist überbesetzt: Jede vierte der 16000 Stationen gilt als überflüssig. Last der Ökosteuer immer offensichtlicher Außerdem ist Benzin mit hohen Steuern belegt. Von den derzeit gezahlten 1,20 Euro je Liter Superbenzin gehen 65,5 Cent Mineralöl- und Ökosteuer sowie 16,6 Cent Mehrwertsteuer an den Fiskus. Nun zeige sich die "ganze Last der fünffachen Ökosteuer", klagte der Präsident der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) forderte angesichts der Rekordpreise die Bundesregierung auf, durch eine Senkung der Öko-Steuer für niedrigere Benzinpreise zu sorgen. "Es gilt, jetzt endlich die Notbremse zu ziehen, sonst können sich viele Menschen den Weg zur Arbeit nicht mehr leisten", so der Sprecher des Verbandes.
Der Benzinpreis steigt unaufhaltsam. Jetzt werden die Forderungen nach Absenkung der Öko-Steuer immer lauter.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-in-gefahr-teures-benzin-wird-zum-konjunkturrisiko-1.905309
Wirtschaft in Gefahr - Teures Benzin wird zum Konjunkturrisiko
00/05/2010
Unter vereinzelten Pfiffen der 600 Delegierten sagte der Kanzler: "Wir müssen unsere sozialen Sicherungssysteme verändern, um sie zu erhalten." Zudem bekannte er sich zur Tarifautonomie. (SZ vom 16.10.2003) - Der Bundeskanzler sagte: "Das freie Aushandeln durch Gewerkschaften und Arbeitgeber hat sich für Deutschland gelohnt." Schröder mahnte aber auch, die Tarifparteien seien "in alleiniger Verantwortung, das, was an Problemen aufgetreten ist, in eigener Autonomie zu regeln". Zum Streit über eine Ausbildungsabgabe sagte er, mehr Lehrstellen könnten "primär durch Freiwilligkeit" angeboten werden. Komme die Wirtschaft ihrer "Pflicht zur Ausbildung" nicht nach, würden aber auch Gesetze nötig. Applaus bekam er dafür nicht. Verhaltene Reaktion der Metaller Der oberste Tarifpolitiker der IG Metall, Vize-Chef Berthold Huber, reagierte zurückhaltend. "Die entscheidende Frage ist doch, ob das Freiheitsrecht der Gestaltung durch Tarifverträge im politischen Geschacher des Bundesrats geopfert wird." Hierzu habe der Kanzler keine Aussage gemacht. Die Union fordert, die Gewerkschaften bei betrieblichen Abweichungen vom Flächentarif gesetzlich auszuschalten. Huber räumte ein, dass das Verhältnis zwischen Betrieben und Flächentarif weiter entwickelt werden müsse. Offiziell sah die IG Metall bisher keinen Grund, Veränderungen des Tarifsystems mit den Arbeitgebern zu vereinbaren. Unter Delegierten des Bezirks Nordrhein-Westfalen hieß es, vielleicht müsse hier aus den Verwaltungsstellen der Anstoß kommen. Allerdings liegen die Vorstellungen von Gewerkschaft und Arbeitgebern noch weit auseinander. Im Streit über eine Ausbildungsabgabe will die IG Metall die Initiative ergreifen. Sie will nun tariflich eine Steigerung des Angebots an Lehrstellen vereinbaren, heißt es in einem Antrag. Dies soll jedoch nicht eine gesetzliche Ausbildungsumlage ersetzen. In der Metall- und Elektro-Industrie bilden bereits heute 80 Prozent der Betriebe aus, in der gesamten Wirtschaft sind es 24 Prozent. Branchenfonds für ausreichend Lehrstellen angedacht Deshalb müsse sichergestellt werden, dass auch die nicht vom Tarifvertrag der Metaller erfassten Unternehmen ausbilden, sagte der Leiter der tarifpolitischen Abteilung, Armin Schild. Gedacht ist an einen Branchenfonds, in den Unternehmen einzahlen, die zu wenig ausbilden. Damit soll zusätzliche Ausbildung finanziert werden. Auch im Konflikt um die Rente mit 67 will die IG Metall einen Vorstoß machen. Eine Erhöhung des Rentenalters lehnt sie ab, zugleich nennt aber ein am Mittwoch eingereichter Antrag die Zahl von 45 Arbeitsjahren vor Beginn der Rente. Diese Zahl war auch in der Herzog-Kommission der Union genannt worden, hier aber nicht als Alternative, sondern ergänzend zur Rente mit 67.
Unter vereinzelten Pfiffen der 600 Delegierten sagte der Kanzler: "Wir müssen unsere sozialen Sicherungssysteme verändern, um sie zu erhalten." Zudem bekannte er sich zur Tarifautonomie.
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Gewerkschaftstag - Schröder wirbt bei IG Metall für Reformkurs
00/05/2010
Continental-Chef Wennemer schaltet sich als erster Dax-Vertreter in die Debatte über hohe Manager-Abfindungen ein - und ruft seine Kollegen zum Maßhalten auf. "Es liegt in der gemeinsamen Verantwortung zu sagen: Es genügt, da erreichen wir eine Grenze", sagte Continental-Chef Manfred Wennemer der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Conti-Chef schaltete sich damit als erster Vertreter eines Dax-Unternehmens in die Debatte über Manager-Abfindungen ein. Er habe Verständnis für die Kritik an überzogenen Vergütungen. "Bei manchen Summen bekomme auch ich Zweifel", sagte Wennemer weiter. Verwerflich findet er die Zahlungen an Manager speziell dann, wenn das Salär in keinem Verhältnis zu deren Leistung stehe: "Wenn man 50 Millionen Abfindung bekommt, weil man eine Firma an die Wand gefahren hat, dann wird die Argumentation schwierig", sagte der Vorstandsvorsitzende. "Wenn kein Erfolg da ist und trotzdem solche Beträge gezahlt werden, muss jeder Mensch fragen: Wo ist denn da die Leistung, die belohnt wird?" Angemessene Vergütung Gesetzliche Obergrenzen lehnte der Konzernchef aber ab. "Der Markt muss sich da selbst regulieren. Die Managervergütung ist Sache der jeweiligen Anteilseigner, des Aufsichtsrates und auch der Vorstände selbst." Sein eigenes Gehalt von zuletzt vier Millionen Euro hält der Conti-Chef "angesichts der guten Position" des Konzerns für angemessen. Seine Vergütung sei "extrem" an die Leistung gekoppelt. Bundespräsident Horst Köhler hatte kürzlich mit einem Interview die Debatte um Spitzengehälter neu entfacht. Er forderte von den Managern mehr Verantwortungsbewusstsein. Er sei besorgt über die auseinanderklaffende Einkommensentwicklung in Deutschland und eine wachsende "Entfremdung zwischen Unternehmen und Gesellschaft". Führungskräfte sollen Vorbild sein Die Manager dürften "in ihren Einkommensvorstellungen nicht die Bodenhaftung verlieren", sagte Köhler. Nötig sei eine "Kultur der Mäßigung und des Vorbilds in den Führungsebenen unserer Unternehmen". Der Deutsche Gewerkschaftsbund rief die Wirtschaft auf, freiwillig Obergrenzen für die Bezüge der Vorstandsmitglieder zu vereinbaren, die in angemessener Relation etwa zum jeweiligen Facharbeiterlohn stünden. Lesen Sie weiter, warum der Conti-Chef mit betriebsbedingten Kündigungen für die vor kurzem übernommene Siemens-Automobilsparte VDO rechnet.
Continental-Chef Wennemer schaltet sich als erster Dax-Vertreter in die Debatte über hohe Manager-Abfindungen ein - und ruft seine Kollegen zum Maßhalten auf.
wirtschaft
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"Conti-Chef Wennemer zu Manager-Abfindungen - ""Bei manchen Summen bekomme auch ich Zweifel"""
00/05/2010
Das Wolfsburger Unternehmen drückt die Limousine Phaeton mit hohen Rabatten in den Markt. Die Anzeige liest sich verlockend: "Einem Edelstein machen ein paar Monate nichts aus". So versucht der VW-Konzern sein Luxus-Auto Phaeton an den Markt zu bringen - gebraucht. In Zeitungen wimmelt es von Angeboten mit Schleuderpreisen für das Fünf-Meter-Flaggschiff des Konzerns, das Ende 2001 auf den Markt kam, um gegen Mercedes, BMW und Audi anzufahren. Doch es verkauft sich nur schlecht. Wie ein Passat 20.000 Stück des Luxusvehikels, das mindestens 60.000 Euro kostet, wollte der frühere VW-Chef Ferdinand Piëch pro Jahr verkaufen. Der ehrgeizige Versuch scheint misslungen. Das 2,3 Tonnen-Vehikel, das fatale Ähnlichkeit mit dem Passat hat, verkauft sich nur schleppend. In Wolfsburg ist nur zu erfahren, dass 2004 mehr Phaetons verkauft werden sollen als die mageren 4500 Stück vom vergangenen Jahr. Die Gläserne Fabrik für den Phaeton, die für 190 Millionen Euro in Dresden gebaut wurde, ist zu weniger als einem Viertel ausgelastet. Das Management denkt längst darüber nach, in dem Werk auch Modelle der britischen VW-Tochter Bentley zu montieren. Der heutige Konzernchef Bernd Pischetsrieder räumt inzwischen selbst ein, dass dieser Ausflug ins Luxussegment ein Fehler war. Der Phaeton sei "nicht unverwechselbar genug". Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen rechnet vor, dass VW über den Lebenszyklus des Phaeton mit dem Prestigeobjekt rund eine Milliarde Euro Verlust erleiden wird. "Der Phaeton ist im Markt für Luxus-Autos kein Faktor", lästert ein Konkurrent. In Deutschland wurden 2004 bis Ende August nur 1700 der Autos neu zugelassen. Im ganzen vergangenen Jahr waren es 2900 Stück. Mercedes verkaufte von seiner S-Klasse 2003 rund Jahr 10.000 Einheiten. Fachleute glauben zudem, dass ein großer Teil der Phaeton-Neuzulassungen vom Werk selbst oder von den Händlern vorgenommen wurden. VW bestreitet das. Vom Werk subventioniert Private Käufer finden sich für das technisch anspruchsvolle Fahrzeug offenbar nur wenige - und wenn, dann nur zu großzügigen Rabatten. Die Leasing-Raten für neue Phaetons entsprächen einem Preisnachlass von bis zu 30 Prozent, rechnen Fachleute vor. Bestenfalls aus zweiter Hand findet die Karosse eine nennenswerte Zahl von Käufern. Zu Leasing-Preisen von unter 500 Euro im Monat rollen ehemalige Werkswagen, die nicht einmal zwei Jahre alt sind, von den Höfen der Händler. Mit Garantie wie für Neuwagen. Ein vergleichbarer Audi A 8 kostet 800 Euro. "Der Phaeton wird vom Werk subventioniert", räumt der Geschäftsführer eines großen Händlers aus Nordrhein-Westfalen ein. Nach Ablauf der Leasing-Zeit bekommt der Händler für das zurückgenommene Auto vom Werk mehr bezahlt, als der Markt hergeben würde. "Das buchen die sonstwo hin", sagt der Händler. Gern mache der Konzern auch Paketgeschäfte. Händler, die beliebte VW-Modelle wie das Beetle Cabrio oder Touareg-Geländewagen bestellen, würden bevorzugt behandelt, wenn sie sich noch ein paar Phaetons auf den Hof stellen. Der erfahrende Auto-Händler sagt auch, was der größte Fehler des Wolfsburger Luxus-Autos ist: Das 14 Zentimeter große VW-Emblem am Kühler schrecke die Kunden ab. "Das Werk müsste das Emblem vorne abschrauben. Ich würde mich damit schämen."
Das Wolfsburger Unternehmen drückt die Limousine Phaeton mit hohen Rabatten in den Markt.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/volkswagen-das-werk-muesste-das-emblem-vorne-abschrauben-1.900363
"Volkswagen - ""Das Werk müsste das Emblem vorne abschrauben"""
00/05/2010
Zum 1. Januar löst der bisherige Audi-Chef Pischetsrieder an der Spitze von VW ab. Pischetsrieder wird außerhalb des Vorstandes "Aufgaben im Interesse des Konzerns" wahrnehmen. Und: Bernhard bleibt vorerst. Der Aufsichtsrat der Volkswagen AG hat sich bei seiner Sitzung am Freitag im dritten Stockwerk des Verwaltungshochhauses im Stammwerk Wolfsburg nicht mit der Zukunft von VW-Markenchef Wolfgang Bernhard befasst. Detailansicht öffnen Der neue Mann: Martin Winterkorn (Foto: Foto: ddp) Offenbar war es schon vorher gelungen, den von DaimlerChrysler zu VW gekommenen Sanierer vorerst im Konzern zu halten. Die Entscheidung hierüber ist nach Informationen der Süddeutschen Zeitung bereits am Vorabend gefallen, als das Präsidium des Aufsichtsrates in einem Wolfsburger Hotel getagt hatte und Bernhard zeitweilig hinzuzog. Gespanntes Verhältnis DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche hat jedoch den Gerüchten über eine Rückkehr von VW-Markenchef Wolfgang Bernhard zu seinem früheren Arbeitgeber Nahrung gegeben. ,,Es ist zu früh, um zu solchen Spekulationen Stellung zu nehmen'', sagte Zetsche. ,,Wir haben früher gut zusammengearbeitet und zum jetzigen Zeitpunkt keinen Grund zu kommentieren, was bei Volkswagen passiert. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.'' Zetsche und Bernhard hatten bis 2004 mit harten Sparmaßnahmen den amerikanischen Autohersteller Chrysler saniert, der gegenwärtig allerdings wieder hohe Verluste macht. Bernhard hatte den DaimlerChrysler-Konzern, bei dem er eigentlich Mercedes-Chef werden sollte, nach einem Streit mit dem damaligen Konzernchef Jürgen Schrempp über die Strategie für das Asien-Geschäft verlassen. Seit anderthalb Jahren ist er Chef der Marke VW, bei der er den Sanierungskurs verschärfte. Angeblich will Bernhard den Job nach dem Wechsel von Winterkorn an die Volkswagen-Konzernspitze aufgeben. Den Managern wird ein gespanntes Verhältnis nachgesagt. Der VW-Aufsichtsrat wolle über eine Nachfolge für Winterkorn als Vorstandschef bei Audi erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, teilte der Konzern nach der Sitzung mit. Außer Produktionsvorstand Jochem Heizmann werden als Kandidaten Finanzvorstand Rupert Stadler, Entwicklungschef Ulrich Hackenberg und Vertriebsvorstand Ralph Weyler genannt. Auf der Tagesordnung des VW-Aufsichtsrates stand auch die Finanz- und Investitionsplanung des Konzerns für die Jahre 2007 bis 2009. Volkswagen wird im Konzernbereich Automobile 24,7 Milliarden Euro investieren. Diese Summe umfasst Entwicklungskosten und Finanzanlagen. Von den Sachinvestitionen (17,7 Milliarden Euro) soll deutlich mehr als die Hälfte in Deutschland bleiben (10,7Milliarden Euro). Die im Zuge der Sanierung abgesenkte Investitionsquote wird künftig wieder dauerhaft bei sechs Prozent liegen. Der Aufsichtsrat stimmte außerdem den Plänen des Vorstands in Indien zu. Volkswagen wird im Norden der Stadt Pune im Bundesstaat Maharashtra ein Fertigungswerk errichten. Dort sollen 2500 Mitarbeiter von der zweiten Hälfte des Jahres 2009 an ein Kleinwagen-Modell produzieren. Angesichts hoher Einfuhrzölle könne eine nennenswerte Präsenz auf dem weltweit mit am schnellsten wachsenden Markt nur mit einer eigenen Fertigung in Indien erreicht werden. ,,Bei MAN alles möglich'' Der Aufsichtsrat von Volkswagen befürwortet weiterhin die Zusammenführung von MAN und Scania und bestätigte seine beiden Beschlüsse vom 15. Oktober. Danach strebe er weiterhin eine einvernehmliche Lösung an, sei aber anderen Wegen gegenüber offen. Volkswagen werde MAN seine Anteile an Scania anbieten, wenn MAN mindestens 56,01 Prozent der Stimmrechte und mindestens 71,31 Prozent des Kapitals an Scania hält. Zum offiziellen Übernahmeangebot, das von MAN am Donnerstag vorgelegt worden war, erklärte der Großaktionär von sowohl MAN als auch Scania: ,,Im Falle eines erkennbaren erfolglosen Verlaufs des Angebots behält sich Volkswagen aber alle alternativen Möglichkeiten vor.'' An der Börse rutschte nach dem starken Anstieg der vergangenen Wochen der Kurs der VW-Aktie nach Bekanntgabe der Beschlüsse des Aufsichtsrates um minus 2,8 Prozent auf 83 Euro.
Zum 1. Januar löst der bisherige Audi-Chef Pischetsrieder an der Spitze von VW ab. Pischetsrieder wird außerhalb des Vorstandes "Aufgaben im Interesse des Konzerns" wahrnehmen. Und: Bernhard bleibt vorerst.
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Einstimmig gewählt - Winterkorn ist neuer VW-Chef
00/05/2010
Auf den Staat ist Verlass. Er regelt die Erbfolge, falls der Patriarch die Hände in den Schoß gelegt und einfach abgewartet hat. Wer aber nicht schon zu Lebzeiten über sein Vermögen verfügt, programmiert oft den späteren Familienzoff. Die SZ zeigt in einer vierteiligen Serie, worauf es beim Vererben und Schenken ankommt. (SZ vom 09.10.2003) — Michael Schumacher ist schon weg, Jan Ullrich ebenso. Jetzt auch noch Boris Becker. Und Theo Müller, der Chef der Unternehmensgruppe, macht es sogar mit Ansage im Nachrichtenmagazin Spiegel. Er wandert aus, und zwar in die Schweiz. Beim Milchbaron spielt die Erbschaftssteuer wohl eine entscheidende Rolle. Nicht jeder Erbe würde so zur Kasse gebeten, wie die Nachkömmlinge von Theo Müller. Doch auch weniger Vermögende beziehungsweise ihre Verwandten müssen im Erb- oder Schenkungsfall regelmäßig einen Teil des Familiensilbers an den Fiskus abgeben; es sei denn, sie haben sich vorab eine steuerlich günstige Übertragungsstrategie zurecht gelegt. Um zu verstehen, in welchem Fall das Finanzamt wie viel Erbschafts- oder Schenkungsteuer verlangt, muss man zunächst das dahinter stehende rechtliche Regelwerk kennen. Gesetzte Folge Alternative eins: die gesetzliche Erbfolge. Das Regelwerk, das der Gesetzgeber für die gesetzliche Erbfolge vorgesehen hat, ist vergleichsweise kompliziert und starr. "Die gesetzliche Erbfolge kommt immer dann zum Tragen, wenn der Erblasser keine eigenen Vorkehrungen hinsichtlich seiner Vermögensübertragung getroffen hat", sagt der Kölner Rechtsanwalt Günter Reinert. Dann können sorgsam aufgebaute Vermögen auf ungeliebte Verwandte übergehen oder in der Erbengemeinschaft die Fetzen fliegen. Gesetzliche Erben sind - neben dem Ehepartner - die Blutsverwandten, vor allem Kinder, Eltern und Geschwister, niemals aber angeheiratete Verwandte. Mit einer Ausnahme: Auch Adoptionen können gesetzliche Erbrechte begründen. Seit dem 1. April 1998 gilt im übrigen zwischen nichtehelichen Kindern und ihren Vätern das gleiche gesetzliche Erbrecht wie zwischen ehelichen Kindern und ihren Vätern. Das Gesetz teilt die Verwandten und Angehörigen des Erblasser in unterschiedliche Ordnungen ein (siehe unten) und legt so die Reihenfolge fest, mit der sie im Erbfall zum Zug kommen. Faustregel bei der Verteilung: Die Verwandten einer näheren Ordnung schließen die Angehörigen aus einer entfernteren Ordnung von der Erbfolge aus. Innerhalb der einzelnen Ordnungen wird der Nachlass unter den Abkömmlingen nach bestimmten Prinzipien verteilt. Faustregel auch hierbei: In der jeweiligen Ordnung schließen die näheren Verwandten des Erblassers die entfernteren Verwandten von der Erbfolge aus. Den ersten Zugriff auf den Nachlass haben beispielsweise in der I. Ordnung die Kinder vor den Enkeln und Urenkeln. Innerhalb der I. Ordnung wird die Erbfolge nach Stämmen verteilt. Einen Stamm bildet jeweils jedes Kind des Erblassers zusammen mit seinen Abkömmlingen. Beispiel: Ein Erblasser hat zwei Kinder, Sohn und Tochter. Wenn er stirbt, teilen sich die Geschwister zu gleichen Teilen das Erbe ihres Vaters. Ist der Sohn vor seinem Vater gestorben und hinterlässt er ebenfalls zwei Kinder, treten diese an seine Stelle. Die Tochter erbt dann die Hälfte, die beiden Enkelkinder je ein Viertel. In der II. und III. Ordnung wird das Erbe nach Stämmen und nach Linien (väterliche oder mütterliche Linie) verteilt. Vater und Mutter bilden mit ihren Abkömmlingen je eine Linie. Auch innerhalb einer Linie gilt: Der mit dem Erblasser am nächsten Verwandte schließt die anderen Angehörigen dieser Linie von der Erbfolge aus. Beispiel: Ein kinderloser Sohn stirbt. Es lebt nur noch seine Mutter. Dann fällt die "Stammportion" des Vaters an die Geschwister des Erblassers. Mehrere Geschwister erhalten diese "Portion" zu gleichen Teilen. Sind bereits Geschwister vorher verstorben, treten deren Kinder an ihre Stelle. Leben beide Elternteile noch, dann erben sie den gesamten Nachlass ihres Sohnes zu gleichen Teilen. Ab der IV. Ordnung wendet sich der Gesetzgeber von der Erbfolge nach Stämmen ab und geht zum so genannten Gradualsystem, das bedeutet: zum Alleinerbe der Nächstverwandten, über. Bei identischem Verwandtschaftsgrad wird die Erbmasse nach Köpfen verteilt. Staat als Nutznießer Für den Ehegatten besteht ein Erbrecht selbständig neben dem der Verwandten. "Erben kann er immer nur das, was ihm sein Partner hinterlässt", erläutert Rechtsanwalt Reinert. Von Erbschaften innerhalb der Verwandtschaft der Ehefrau oder des Ehemannes erhält der jeweils andere nach der gesetzlichen Erbfolge nichts. Wie hoch die Erbschaft vom Ehegatten ausfällt, hängt aber wiederum von dessen verbleibenden Verwandten ab: -Ein Viertel des Nachlasses erbt der Ehegatte, wenn Verwandte der I. Ordnung (Kinder, Enkel usw.) noch leben. -Den Nachlass teilen muss sich der Partner mit Verwandten der II. Ordnung sowie den Großeltern. -Gibt es weder Verwandte der ersten oder zweiten Ordnung, noch Großeltern, erhält der Ehegatte die ganze Erbschaft. Haben die Ehegatten im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft gelebt, bestimmt der Gesetzgeber, dass der Zugewinnausgleich pauschal durch Erhöhung des gesetzlichen Erbteils des überlebenden Ehegatten um ein Viertel erfolgt. Wurde Gütertrennung vereinbart und hinterlässt der Verstorbene Kinder, erben der überlebende Partner und jedes Kind zu gleichen Teilen. Nicht immer lassen sich jedoch gesetzliche Erben ermitteln. Dann geht das Erbe an den Staat. Wer das, aber auch den Zoff im Familienclan verhindern will, macht am besten ein Testament.
Auf den Staat ist Verlass. Er regelt die Erbfolge, falls der Patriarch die Hände in den Schoß gelegt und einfach abgewartet hat. Wer aber nicht schon zu Lebzeiten über sein Vermögen verfügt, programmiert oft den späteren Familienzoff. Die SZ zeigt in einer vierteiligen Serie, worauf es beim Vererben und Schenken ankommt.
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SZ-Serie I: Erben - Immer schön der Reihe nach
00/05/2010
Die kleine Fahrradfirma Mifa steht als Eisbrecher im Rampenlicht. Sie ist nach zwei Jahren das erste von vier deutschen Unternehmen, die innerhalb der nächsten Wochen an die Börse gehen. Am Montag beenden die Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa) die zweijährige Flaute bei Neuemissionen in Deutschland. Für die Drahteselfabrik könnte der Zeitpunkt nicht glücklicher gewählt sein. Detailansicht öffnen Der Bulle vor der Deutschen Börse in Frankfurt am Main. (Foto: Foto: AP) Denn es würde wohl kaum jemand über Mifa sprechen, wären sie nicht die ersten Deutschen, die seit dem Windenergiespezialisten Repower Systems im März 2002 wieder den Schritt auf das Börsenparkett wagen. Aufnahme in einen Index eher unwahrscheinlich Und obwohl die Sangerhausener nur ein Viertel ihrer Aktien anbieten und mit einem Börsenwert von rund 55 Millionen Euro wohl nie einen Index zieren werden, scheint das Papier heiß begehrt. Die Offerte von 1,5 Millionen Aktien für je 9,25 Euro sei bereits überzeichnet, sagte ein Firmensprecher. Jetzt darf nichts mehr schiefgehen. Nach zwei gefloppten Börsengängen liegen die Nerven bei Börsianern und Anwärtern blank: Nachdem der Chiphersteller X-Fab wegen seiner dilettantischen Vorbereitung die Notbremse ziehen musste und die Investoren dem Halbleiterzulieferer Siltronic die kalte Schulter gezeigt haben, kann sich niemand mehr einen Ausrutscher leisten. Dem Eisbrecher nach zwei Jahren ohne Börsengang eines deutschen Unternehmens ist die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gewiss. Doch das Scheinwerferlicht kann sehr grell sein, wie das Beispiel X-Fab zeigt. Wincor Nixdorf IPO am 19. Mai Das ist möglicherweise auch ein Grund, warum sich Wincor Nixdorf vornehm zurückhält. Der Produzent von Bankautomaten und elektronischen Kassensystemen will am 19. Mai, also zwei Tage nach Mifa an die Börse, macht daraus aber nicht viel Aufhebens. "Die haben den Rummel nicht nötig", glaubt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Paderborner wollen ihre Aktien im Wert von knapp 500 Millionen Euro ohnehin vorzugsweise an institutionelle Investoren abgeben. Dafür könnten Kleinanleger bei Auto-Teile-Unger (ATU) zum Zuge kommen. Als dritter Börsenaspirant will die Werkstattkette noch Mitte Juni statt, wie bisher geplant, im dritten Quartal an die Börse. Zwar sind die Bayern noch Einzelheiten schuldig geblieben, doch eines ist offensichtlich: Die positive Sogwirkung der Postbank, die am 21. Juni erstmals auf dem Kurszettel erscheinen soll, will von den kleineren Börsenaspiranten genutzt werden. Labiles Börsenumfeld "Es ist unsicher, wie lange der Markt noch hält", sagt Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Das Umfeld für Börsengänge sei derzeit sehr labil. "Und ein schlechtes Umfeld kann selbst einen guten Börsengang kaputt machen." Da gibt ein Zugpferd wie die Post-Tochter Sicherheit. Die Zeiten, als Anleger den Banken sämtliche neuen Aktien kritiklos aus der Hand rissen und Emissionsgewinne unter 100 Prozent als Fehlgriff galten, sind wohl vorbei. Es bestehe auch keine Notwenigkeit, unbedingt bei Börsengängen dabei zu sein, sagt Jürgen Kurz von der DSW. Mit Ausnahme der Boomphase hätten viele Börsenneulinge den Ausgabekurs später eher von unten betrachtet. Nach Berechnungen der SdK brachten knapp 92 Prozent aller Neuemissionen seit 1997 den Zeichnern Verluste. Abwarten könne sich also lohnen. Kleinanleger zu schnell zu euphorisch Anlergerschützer sind in puncto Börsengänge ohnehin hin und hergerissen: "Wir sind froh, dass es wieder losgeht", sagt Straub auf der einen Seite. Dass die Mehrzahl der Kleinanleger aus dem Börsenboom und dem darauf folgenden tiefen Fall der Kurse gelernt hätten, bezweifelt der Anlegerschützer jedoch. Sobald die ersten Emissionen wieder gut gelaufen seien, würden viele erneut blind zeichnen und sich bitterlich beklagen, wenn sie keine Aktien abbekämen: "Sobald das Geschäft läuft, schlägt die Gier das Gehirn."
Die kleine Fahrradfirma Mifa steht als Eisbrecher im Rampenlicht. Sie ist nach zwei Jahren das erste von vier deutschen Unternehmen, die innerhalb der nächsten Wochen an die Börse gehen.
wirtschaft
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Börsengänge - Am Anfang war das Rad
00/05/2010
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) will im Klimaschutz weg vom Kyoto-Protokoll. "Dieser Ansatz ist gescheitert", sagt BDI-Hauptgeschäftsführer Carsten Kreklau. Besser sei es, nach Vorbild der USA neue Technologien zu fördern. Sowohl Regierung als auch Union kritisierten den Vorstoß. Kürzlich war bekannt geworden, dass die USA und Australien dem Kyoto-Abkommen einen "Klimapakt" entgegensetzen wollen. Statt fester Emissionsziele strebt der Pakt die Förderung klimafreundlicher Technologien an. Auch China, Indien und Südkorea sollen der Vereinbarung beitreten. Gemeinsam verursachen die Länder fast die Hälfte aller Kohlendioxid-Emissionen. Detailansicht öffnen Ein Kohlekraftwerk und ein Windrad in Mehrum. Der BDI sieht durch zu starken Klimaschutz die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gefährdet. (Foto: Foto: ddp) "Diesen Weg muss auch die deutsche Politik einschlagen", fordert Kreklau nun in einem Papier, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt. "Umweltminister Trittins starres Festhalten am Kyoto-Vertrag auch für die Zeit nach 2012 führt in die Irre." Deutschland könne durch zu ehrgeizigen Klimaschutz seine Wettbewerbsposition verlieren, warnt Kreklau. "Es droht der Verlust weiterer Arbeitsplätze." Der BDI greift damit einer Debatte vor, die spätestens im kommenden Jahr ansteht. Schon bald müssen die Kyoto-Staaten Verhandlungen über einen Nachfolge-Vertrag aufnehmen. Das laufende Klimaschutzabkommen endet 2012. Das Kalkül ist klar: Betreibt die internationale Gemeinschaft Klimaschutz, indem sie Investitionen in umweltfreundliche Technologien fördert, kann die deutsche Wirtschaft auf Aufträge hoffen. "Eine neue Klimapolitik bietet auch Chancen für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie", folgert Kreklau. Wissenschaftler halten an Kyoto fest Für diesen Kurs hatten in der vorigen Woche auch Unterhändler der US-Regierung in Berlin geworben. "Die deutsche und die amerikanische Wirtschaft können von dieser Form des Klimaschutzes enorm profitieren", sagte Harlan L. Watson, Washingtons Verhandlungsführer für Klimawandel, vor einem Treffen mit deutschen Regierungsvertretern. Dagegen geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung davon aus, dass sich mit einer Fortschreibung des Kyoto-Protokolls das Klima am günstigsten schützen lässt. Im Idealfall - und mit Beteiligung der USA und Chinas - könnten die Kosten für den Klimaschutz um eine halbe Milliarde Dollar sinken, heißt es in einer jüngst vorgelegten Studie.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) will im Klimaschutz weg vom Kyoto-Protokoll. "Dieser Ansatz ist gescheitert", sagt BDI-Hauptgeschäftsführer Carsten Kreklau. Besser sei es, nach Vorbild der USA neue Technologien zu fördern. Sowohl Regierung als auch Union kritisierten den Vorstoß.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/klimaschutz-industrie-fordert-abkehr-vom-kyoto-protokoll-1.917167
Klimaschutz - Industrie fordert Abkehr vom Kyoto-Protokoll
00/05/2010
Das Möbelhaus Ikea bleibt trotz Konsummüdigkeit auf Expansionskurs. Mit einer zweiten Aktion sinkender Preise sollen neue Kunden anlockt werden. Werner Weber, Geschäftsführer von Ikea Deutschland, zeigte sich mit der ersten Preissenkungs-Aktion zufrieden. Der Umsatz nahm um elf Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu, die Zahl der Kunden erhöhte sich um ein Zehntel auf 38,5 Millionen. Detailansicht öffnen Voller Ikea-Einkaufswagen. (Foto: Foto: ddp) Vor einem Jahr investierte Ikea 130 Millionen Euro in verbilligte Produkte, bei der zweiten Aktion werden es 100 Millionen Euro sein. "Im neuen Katalog ist kein Produkt teurer als 2005", im Schnitt werden die Preise um vier Prozent sinken, versprach Weber. Dagegen erteilte er kurzfristigen Rabattschlachten eine Absage. Für den gesamten Möbelhandel sieht Weber weiterhin schwere Zeiten. Wegen Kürzungen bei Sozialleistungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, hoher Sparquote sowie Angst vor Arbeitslosigkeit seien die Verbraucher verunsichert. Abgrenzungsschwierigkeiten "Das Geld, das für Einrichtungen ausgegeben wird, wird weniger, und um dieses Geld streiten sich mehr Anbieter", umreißt der Ikea-Geschäftsführer die Lage. Das Möbelhaus hält sich mit einem Anteil von acht Prozent für den Marktführer, wobei es Abgrenzungsschwierigkeiten mit Ketten wie Tchibo, Aldi und Lidl gebe. Die Schweden haben in Deutschland in den vergangenen 30 Jahren 36 Häuser eröffnet. Bei 55 soll die Sättigungsgrenze erreicht sein. Die Ikea-Dichte ging mit einem stetigen Zuwachs an Arbeitsplätzen einher. Hauptwerbeträger ist der Katalog mit einer einjährigen Preisgarantie. Dagegen bestellen die Kunden erst drei Prozent des Umsatzes über das Internet, doch der Anteil nimmt zu. Vor allem große, schwere Produkte wie Schränke werden über den Bildschirm geordert. Ordentliches Zubrot Ein ordentliches Zubrot wirft der Lebensmittelbereich ab. Vier Millionen Frühstücke verkauft Ikea pro Jahr. Ganze Frühstücks-Klubs sollen sich in den Einrichtungshäusern etabliert haben. 141 Millionen Euro hat die Lebensmittelsparte im vergangenen Jahr umgesetzt, ein Plus von 15,5 Prozent. Deutschland ist für den Möbelhauskonzern der wichtigste Absatzmarkt. Ein Fünftel des Umsatzes und die meisten Erträge werden hier erzielt. An zweiter Stelle rangieren die USA mit 22 Häusern gefolgt von Frankreich und Schweden. Ertragszahlen nennt Ikea Deutschland nicht. Weber sagte, man habe 2005 das Ergebnis trotz der Preissenkungen verbessert. Die verbilligten Produkte hätten aber zu geringeren Margen geführt. Möglich würden die sinkenden Preise über den Einkauf großer Mengen, neue Produktionsmethoden, die bessere Ausnutzung von Materialien, den besseren Vertrieb sowie die schlichten und kostengünstigen Einrichtungshäuser. Konzept Eigenaufbau Nicht zuletzt legten die Kunden selbst mit Hand an. Das Konzept von Ikea besteht in fertig abgepackten Möbeln zum Eigenaufbau, das vor allem auf junge Familien und schmale Geldbeutel zugeschnitten ist.
Das Möbelhaus Ikea bleibt trotz Konsummüdigkeit auf Expansionskurs. Mit einer zweiten Aktion sinkender Preise sollen neue Kunden anlockt werden.
wirtschaft
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Zweite Runde verbilligter Produkte - Ikea heizt den Preiskampf an
00/05/2010
Deutschland steht im laufenden Jahr vor der schlimmsten Bilanz von Firmenpleiten aller Zeiten: 41.300 Insolvenzfälle werden für 2003 erwartet, wie der Vorsitzende des Fachverbandes Kreditversicherung, Clemens von Weichs mitteilte. Das wäre eine Steigerung von rund zehn Prozent gegenüber dem letzten Jahr mit 37.600 Insolvenzen. Kreditversicherungen sichern Unternehmen dagegen ab, dass Kunden Rechnungen nicht bezahlen, und sind daher sehr an der Zahl von Firmenpleiten interessiert. Anstieg in 2004 erwartet Von Weichs erwartet für 2004 trotz Wirtschaftserholung noch mehr Pleiten: "Eine weitere Tatsache ist, dass selbst bei einem Anspringen der Konjunktur und einem deutlich steigenden Bruttoinlandsprodukt die Zahl der Insolvenzen zunächst noch weiter zunehmen wird." Die schlechte Wirtschaftslage habe viele Firmen in eine "problematische finanzielle Situation gebracht". Wegen der dünnen Eigenkapital-Decke seien viele Firmen vor allem im Dienstleistungssektor gefährdet. Nun hätten sie nicht die Kraft, auf die anspringende Wirtschaft richtig zu reagieren. Anstieg um 50 Prozent Auch auf dem Arbeitsmarkt glaubt von Weichs darum nicht an eine durchgreifende Besserung in den nächsten zwei Jahren. Seit dem Jahr 2000, als die Wirtschaft boomte, sei die Zahl der Pleiten um 50 Prozent gestiegen, sagte von Weichs. Die Summe der nicht-bezahlten Rechnungen dagegen habe sich sogar um 150 Prozent erhöht. Die Kreditversicherungen hätten dadurch zunächst Verluste erlitten, weil sie öfters für unbezahlte Rechnungen hätten einstehen müssen. Für 2003 erwartet die Branche dagegen bessere Ergebnisse: Die Beitragseinnahmen sollen um fünf Prozent auf 900 Millionen Euro steigen. Umgekehrt sank der Schadenaufwand im ersten Halbjahr 2002 um 27 Prozent. Wirtschaft erholt sich nicht Das habe aber nichts mit einer Wirtschaftserholung zu tun, sondern liege daran, dass die Versicherungsunternehmen viel genauer hingeschaut hätten, wem sie einen Schutzvertrag gewährten. Wer mit einem gefährdeten Unternehmen Geschäfte mache, bekomme zur Zeit nur mit Schwierigkeiten eine Forderungsausfall-Versicherung. Der Fachverband Kreditversicherung ist eine Untergliederung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Von Weichs ist Vorstandsvorsitzender des Kreditversicherers Euler-Hermes, einer Tochter der Allianz.
Deutschland steht im laufenden Jahr vor der schlimmsten Bilanz von Firmenpleiten aller Zeiten: 41.300 Insolvenzfälle werden für 2003 erwartet, wie der Vorsitzende des Fachverbandes Kreditversicherung, Clemens von Weichs mitteilte.
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Versicherungen erwarten Pleite-Rekord - Tendenz weiter steigend
00/05/2010
Der Kanzler wollte die Arbeitslosenzahl deutlich senken, aber er scheiterte - die Opposition würde es mit noch mehr Härte probieren. Die Ankündigung des Regierungssprechers dürfte manche Genossen enttäuscht haben. Der Kanzler werde mit einer unveränderten Regierung in den abrupt gestarteten Wahlkampf gehen, erklärte Béla Anda am Montag und orakelte, das Kabinett stehe "im Licht der Erfolge, die es vorweisen kann". Die Hoffnung mancher Parteilinker, Gerhard Schröder könnte die Gunst der Stunde nutzen, um Wirtschaftsminister Wolfgang Clement auszutauschen, geht damit vorerst nicht in Erfüllung. Clement gilt vielen bei Rot-Grün als Sündenbock. Er ist der Hartz-IV-Minister, also verantwortlich für jenes Gesetzeswerk, das einst als "Mutter aller Reformen" gepriesen wurde und nun als Milliardengrab geschmäht wird. Und er ist der Minister der fünf Millionen Arbeitslosen und damit zuständig für die Schreckenszahl, die im Wahlkampf die entscheidende Rolle spielen wird. Fatale Aussage Es war allerdings nicht Clement, sondern Schröder, der im September 1998 gegen den damaligen Kanzler Helmut Kohl mit der Aussage antrat: "Wenn wir es nicht schaffen, die Arbeitslosigkeit signifikant zu senken, dann haben wir es weder verdient, wiedergewählt zu werden, noch werden wir wiedergewählt." Damals wies die Statistik 3,97 Millionen Menschen in Deutschland als arbeitslos aus. Im April 2005 waren es 4,97. Vor allem mit der Anfang dieses Jahres erfolgten Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II wollte die Regierung die Massenarbeitslosigkeit anpacken. Ob die unter dem Motto "Fordern und Fördern" gemachte Reform je die erhoffte Wirkung entfalten wird, ist umstritten. Ratlosigkeit überall Ob Union und FDP über bessere Rezepte gegen das Grundübel verfügen, ist allerdings ebenso fraglich. Offiziell mögen ihre Arbeitsmarktexperten jeden Monat, wenn die Zahlen aus Nürnberg vorliegen, auf die Regierung schimpfen. Wenn die Kameras aus sind, räumt aber auch mancher Fachmann von Schwarz-Gelb Ratlosigkeit angesichts des Problems ein. An Hartz IV würde eine neue Regierung - über die beim Job-Gipfel beschlossenen Korrekturen hinaus - wohl kaum etwas ändern. Die Reform war ein parteiübergreifendes Projekt, das Nebeneinander der zwei Hilfesysteme Arbeitslosen- und Sozialhilfe wollten alle abschaffen.
Der Kanzler wollte die Arbeitslosenzahl deutlich senken, aber er scheiterte - die Opposition würde es mit noch mehr Härte probieren.
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Arbeitslose - Kampf mit den fünf Millionen
00/05/2010
Nach harter Kritik an Deutschland und Frankreich werden die Niederlande im nächsten Jahr voraussichtlich selbst gegen die Regeln des europäischen Stabilitätspaktes verstoßen. (SZ vom 5.12.03) — Die Niederlande werden eine staatliche Neuverschuldung von 3,25 Prozent des Bruttoinlandprodukts erreichen. Als Grund für das Überschreiten der Schuldengrenze nennt das Centrale Planbüro (CPB), das die Zahlen am Donnerstag veröffentlichte, das rigide Sparprogramm der konservativen Regierung Balkenende und die daraus resultierende Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Sinkender Dollar Zudem trage auch der sinkende Dollar-Kurs, der sich nachhaltig auf die exportorientierte holländische Industrie auswirkt, zu der Entwicklung bei, hieß es. Dass der wirtschaftliche Aufschwung länger als erhofft auf sich warten lässt, habe ebenfalls Konsequenzen. Die Überschreitung der Drei-Prozent-Grenze ist für Finanzminister Gerrit Zalm besonders peinlich, da er in der vergangenen Woche Frankreich, vor allem aber Deutschland schwer kritisiert hatte, weil diese beiden Länder gegen den Stabilitätspakt verstoßen. Unwetter Alle Kommentatoren hatten Zalm dafür einhellig gelobt. Ministerpräsident Jan Peter Balkenende spricht jetzt von "einem Unwetter". Zalm hat angekündigt, sein Ministerium werde die CPB-Zahlen nachrechnen lassen. Erst wenn darüber Deutlichkeit bestehe, werde man über den künftigen Sparkurs nachdenken, heißt es aus dem Finanzministerium. Die Niederlande stecken zurzeit in der schlechtesten wirtschaftlichen Situation seit Kriegsende und sind wirtschaftliches Schlusslicht innerhalb der EU. Im Gegensatz zu der ansteigenden Wachstumsprognose für die Euro-Zone skizzieren die Rechenmeister von CPB auch die Aussichten als "außergewöhnlich schlecht". Sozial Schwache betroffen Um die Maastricht-Kriterien zu erfüllen, hatte die konservative Regierung ein Sparpaket von 17 Milliarden Euro geschnürt. Eine Milliarde Euro müsste jetzt noch zusätzlich eingespart werden, damit die Drei-Prozent-Marke nicht überschritten wird. Vom bisherigen Sparkurs sind vor allem Behinderte, chronisch Kranke und Sozialhilfe-Empfänger betroffen, die nun 4,5 Prozent bis acht Prozent weniger Kaufkraft zur Verfügung haben. "Wir müssen jetzt einen kühlen Kopf behalten", betonte Fred Crone von der oppositionellen Arbeiterpartei, "aber es ist die Frage, ob die Regierung ihre angekündigten Steuererleichterungen durchführen kann". "Schlechter kann es einfach nicht mehr werden", kommentierte der Sprecher der Arbeitgeberorganisation VNO/NCW am Donnerstag "den Ernst der Lage".
Nach harter Kritik an Deutschland und Frankreich werden die Niederlande im nächsten Jahr voraussichtlich selbst gegen die Regeln des europäischen Stabilitätspaktes verstoßen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/niederlande-stabilitaetspakt-in-gefahr-1.904651
Niederlande - Stabilitätspakt in Gefahr
00/05/2010
Sie gehören nicht zu den Stars des Pariser Autosalons, und ihre Stände hat man irgendwo dazwischengepresst. Doch die Hersteller von kleinen Autos verkaufen immerhin rund 30.000 Fahrzeuge pro Jahr in Europa - Tendenz steigend. Mit dem neuen Führerschein der Klasse S sind sie von Februar an auch in Deutschland zugelassen. Detailansicht öffnen Das Miniauto Be Two der Firma Ligier Automobiles (Foto: Bild: Ligier) Die meisten der zweizylindrigen, maximal 350 Kilogramm schweren und etwa sechs PS starken Diesel-Zweisitzer werden in Frankreich gebaut und verkauft. Marktführer in Europa sind drei französische Hersteller: Dabei rangiert Aixam mit 10400 Fahrzeugen vor Microcar (5960) und Ligier (5650). Breite Modellpalette Die insgesamt elf Hersteller der Branche, darunter auch Piaggio und die deutsche ATW, haben sich in einem Verband zusammengeschlossen. Nach Angaben der Organisation sind in der Branche, die jährlich 600 Millionen Euro umsetzt, inclusive Zulieferern 20000 Mitarbeiter beschäftigt. Die 30.000 verkauften Fahrzeuge werden über 1000 Händler vertrieben. Die größten Märkte sind Frankreich mit 10.000 Fahrzeugen pro Jahr vor Italien (6600) und Spanien (5000). Die Produzenten setzen inzwischen zunehmend auch auf optische Akzente. So erinnert der neue Microcar MC1 äußerlich ein bisschen an den Mini oder den neuen Renault Modus. Alle Produzenten haben in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, ihre Modellpalette zu erweitern und hochmoderne Fertigungen mit einem hohen Automatisierungs-Grad aufzubauen. Die Motoren und Getriebe werden meist von externen Lieferanten bezogen. Bei Marktführer Aixam werden Kubota-Motoren aus Italien eingesetzt. Aixam hatte 1983 den ersten Hersteller eines solchen Fahrzeugs, des eckigen Arola, übernommen. Wie praktisch alle anderen Unternehmen der Branche bietet Aixam neben den auf eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h begrenzten, führerscheinfrei fahrbaren Autos auch Versionen an, die schneller fahren können. Autos der Reichen Konkurrent Ligier unterhält sogar eine Kleinserienproduktion von Sport- und Rennwagen. In Italien haben die nicht mal drei Meter langen Kleinwagen inzwischen regelrecht Kultstatus und werden oft von Jugendlichen aus reichen Familien gefahren. Ähnliches gilt für die so genannten Quads, vierrädrige Motorräder, die etwa von Ligier als "Fun-Fahrzeuge" "Be Up" oder "Be Two" (führerscheinfrei) gefahren werden dürfen. Die Kernklientel sind jedoch eher ältere Leute auf dem Land, "die selbst bei Regen nicht fahren", wie Hardy Dupont, bei Aixam verantwortlich für Nordeuropa, sagt. Sie benutzen die Fahrzeuge für Fahrten zum Arzt oder zum Einkaufen. Die Hersteller heben hervor, dass die Autos in ländlichen Räumen eine wichtige soziale Funktion hätten und zur Aufhebung der Isolierung beitrügen.
Sie gehören nicht zu den Stars des Pariser Autosalons, und ihre Stände hat man irgendwo dazwischengepresst. Doch die Hersteller von kleinen Autos verkaufen immerhin rund 30.000 Fahrzeuge pro Jahr in Europa - Tendenz steigend.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fahrzeuge-mit-zukunft-mini-autos-mit-mini-fuehrerschein-1.901184
Fahrzeuge mit Zukunft - Mini-Autos mit Mini-Führerschein
00/05/2010
Als erster Mobilfunkbetreiber in Deutschland geht Vodafone D2 mit UMTS-Diensten an den Start. Ab kommenden Montag können Kunden für zwei Euro pro Stunde mit dem Notebook im Internet surfen. Das kündigte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Jürgen von Kuczkowski, in Düsseldorf an. Zum Preis von 2 Euro pro Stunde könnten die Kunden dann über die UMTS-Datenkarte von unterwegs mit ihrem Notebook im Internet surfen. Die neuen UMTS-Handys kämen später auf den Markt kommen, wenn die Qualität stimme. Kuczkowski sprach von einem "historischen Tag" für die Vodafone-Gruppe. Zeitgleich geht das Unternehmen auch in Italien, Spanien, Schweden, den Niederlanden und in Portugal mit UMTS an den Start. Auf seinem Heimatmarkt will Vodafone UMTS erst Ende März anbieten. Zielgruppe sind nach weiteren Angaben von Kuczkowski zunächst die Firmenkunden. UMTS sei in über 200 deutschen Städten verfügbar. Sechsfache ISDN-Geschwindigkeit Kuczkowski: "Die Multimedia-Welt des Mobilfunks hat begonnen". Mit der Datenkarte ist mobiles Surfen in sechsfacher ISDN-Geschwindigkeit möglich. Die übrigen drei Mobilfunkbetreiber T-Mobile, E-Plus und 02 haben ihren UMTS-Starttermin noch nicht festgelegt. Als Zeitpunkt für die kommerzielle Vermarktungen für den Privatkunden wurde mehrfach die zweite Jahreshälfte genannt. Im August 2000 hatten sechs Mobilfunkfirmen für insgesamt gut 50 Milliarden Euro eine UMTS-Lizenz ersteigert. Die beiden Neulinge MobilCom und Quam hatten ihre UMTS- Aktivitäten im vergangenen Jahr endgültig begraben. Ursprünglich sollten die ersten schnellen UMTS-Dienste bereits vor zwei Jahren auf den Markt kommen. Die Starttermine wurden aber wegen technischer Schwierigkeiten und fehlender Endgeräte immer wieder verschoben. Kein Termin Inzwischen sollen nach Angaben der Betreiber die Netze aber funktionsfähig sein. Der deutsche Marktführer T-Mobile hatte erst vor wenigen Wochen die SIM-Karten seiner Kunden für das UMTS-Netz freigeschaltet, aber noch keinen Termin für die Vermarktung genannt. "Auch wir haben die Ziellinie vor Augen", sagte ein T-Mobile-Sprecher und verwies auf gute Tests mit den Datenkarten für Geschäftskunden. Mit dem UMTS-Netz decke T-Mobile bereits 40 Prozent der deutschen Bevölkerung ab. In der Branche wird spekuliert, dass die Telekom-Tochter schon zur Computermesse CeBIT Mitte März mit Vodafone gleichzieht. Konkurrenz kommt später Die Münchner O2 werde zu dem Branchentreff erste UMTS-Produkte und ebenfalls eine Datenkarte für Geschäftskunden präsentieren, sagte ein Sprecher. Die gilt auch für E-Plus, die aber noch keine Angaben zum Marktstart gemacht haben. Als wichtigste UMTS-Dienste bezeichnete Kuczkowski neben dem mobilen Surfen im Internet die Bereiche Video, Musik sowie das Bezahlen mit Handy.
Als erster Mobilfunkbetreiber in Deutschland geht Vodafone D2 mit UMTS-Diensten an den Start. Ab kommenden Montag können Kunden für zwei Euro pro Stunde mit dem Notebook im Internet surfen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mobilfunk-vodafone-startet-umts-1.900684
Mobilfunk - Vodafone startet UMTS
00/05/2010
Nachdem die frühere Verbraucherschutzministerin Künast die hiesige Autoindustrie hart kritisiert hat, müssen sich Deutschlands Autobauer nun auch missbilligende Bemerkungen von Kanzlerin Merkel gefallen lassen. Angesichts des Klimawandels hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Autoindustrie eindringlich zur Entwicklung energiesparender Motoren aufgerufen. Detailansicht öffnen Würde sich mehr Innovationsfreude wünschen: Kanzlerin Angela Merkel. (Foto: Foto: dpa) In ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast appellierte Merkel zugleich an den deutschen Erfindergeist: Nötig sei "die gesamte Kreativität unserer Forscher und Ingenieure". Deutschland wolle bei den Abgaswerten "mehr als bisher Vorreiter sein, und deshalb ermuntern wir alle, durch Innovation, durch Kreativität völlig neue Wege zu gehen". "Nicht hinterherlaufen" Deutschland sollte Entwicklungen nicht hinterherlaufen, forderte die Bundeskanzlerin. "So wird Energieeffizienz auch in der Automobilindustrie Arbeitsplätze der Zukunft sichern." Das gelte auch für den Bereich der Energieerzeugung und für das Heizen. Die Passauer Neue Presse berichtete zudem unter Berufung auf Teilnehmerkreise, dass Merkel im CDU-Präsidium moniert habe, die Autokonzerne hätten wichtige technologische Entwicklungen bei Benzinverbrauch und Schadstoffausstoß versäumt. Die deutschen Autobauer seien zuletzt "nicht immer an der Spitze der Innovation" gewesen. Nach Einschätzung des Verkehrsexperten Ferdinand Dudenhöffer könnte tatsächlich vor allem die Zulieferindustrie von Neuentwicklungen von Motoren, Getrieben und anderen Fahrzeugteilen für sparsamere Autos profitieren und bis zu 50.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Nur 25 deutsche Modelle halten neuen Grenzwert ein Derzeit wird der neue EU-Grenzwert nach einem Bericht der Auto Motor und Sport von 113 Fahrzeugmodellen in Deutschland eingehalten, von denen nur 25 von deutschen Marken kommen. Oppositionspolitiker forderten derweil den Umstieg auf Öko-Dienstwagen. Merkel erklärte: "Ich fordere alle Entwicklungsingenieure in der starken Automobilbranche in Deutschland auf, alles daran zu setzen, neben vielen anderen Aspekten für ein gutes Auto auch den Aspekt effizienten Verbrauchs von Sprit bei der Entwicklung des Autos zu bedenken und ganz oben auf die Prioritätenliste zu setzen." Auf der Münchner Sicherheitskonferenz verwies die Bundeskanzlerin zudem auf die sicherheitspolitischen Auswirkungen des Klimawandels wie Flüchtlingsströme und Kriege. Bush bittet Kongress um Unterstützung In Washington bat unterdessen US-Präsident George W. Bush den Kongress um Unterstützung bei der Umsetzung seines Ziels, den Benzinverbrauch in den Vereinigten Staaten in den nächsten zehn Jahren um 20 Prozent zu senken. Die von der EU für 2012 geplanten neuen Abgasgrenzwerte werden nach Einschätzung Dudenhöffers zum Konjunkturmotor für die Zulieferbranche, wie die Automobilwoche berichtete. Der Umsatz der europäischen Zulieferindustrie könnte sich nach einer Modellrechnung für das Blatt bis 2012 schrittweise um etwa neun Milliarden Euro jährlich erhöhen. Smart Fortwo laut Bericht am sparsamsten Das spritsparendste der insgesamt 25 deutschen Automodelle, die laut Auto Motor und Sport derzeit die geplanten Grenzwerte einhalten, ist dem Blatt zufolge der Smart Fortwo in der Diesel-Ausführung mit 90 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer, gefolgt vom VW Polo BlueMotion (102 Gramm) und dem Toyota Prius (104 Gramm). Noch am besten schneidet dem Bericht zufolge Ford mit insgesamt elf Modellen unterhalb des neuen Grenzwertes. Opel folgt mit sechs, VW mit vier und BMW mit zwei Modellen. Mercedes und Audi haben jeweils nur eines. Oppositionspolitiker fordern unterdessen von der Bundesregierung einen schnellen Umstieg auf klimaschonende Dienstwagen. "Wer anderen auferlegt, dass er sich ökologisch verhält, muss mit gutem Beispiel vorangehen", wird der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Horst Friedrich, in der Passauer Neuen Presse zitiert. Die Bundestagsfraktion der Grünen stellte sich hinter die Forderung. Kritik an Künast Der Aufruf von Grünen-Fraktionschefin Renate Künast, umweltfreundliche Hybrid-Autos des japanischen Herstellers Toyota zu kaufen, ist bei anderen Parteien und in der deutschen Autoindustrie auf Kritik gestoßen. "Ein Verbraucher-Boykott gegen deutsche Autos ist eine billige und populistische Forderung", sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) der Passauer Neuen Presse. SPD-Chef Kurt Beck sagte der Zeitung, er halte nichts von "spektakulären Effekthaschereien". Deutschland sei ein Automobilland, "dem man mit Kaufempfehlungen für ausländische Wagen wahrlich keinen Gefallen tut".
Nachdem die frühere Verbraucherschutzministerin Künast die hiesige Autoindustrie hart kritisiert hat, müssen sich Deutschlands Autobauer nun auch missbilligende Bemerkungen von Kanzlerin Merkel gefallen lassen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-autoindustrie-und-klimaschutz-tadel-von-der-kanzlerin-1.907770
Deutsche Autoindustrie und Klimaschutz - Tadel von der Kanzlerin
00/05/2010
Das Herbstgutachten der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute fällt ernüchternd aus: Die Hoffnung auf eine kräftige Konjunkturerholung im kommenden Jahr schwindet. Die deutsche Wirtschaft wird im kommenden Jahr an Schwung verlieren. In ihrem am Dienstag veröffentlichten Herbstgutachten geht die überwiegende Mehrheit der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute davon aus, dass die Wirtschaftsleistung 2005 nur noch um 1,5 Prozent zulegen wird, nachdem das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr noch um 1,8 Prozent wachsen soll. Detailansicht öffnen Container am Burchardkai des Hamburger Hafens: Der Export wird die Konjunktur nach Einschätzung der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute im kommenden Jahr nicht mehr so stark stützen wie im laufenden Jahr. (Foto: Foto: ddp) Abweichende Einschätzung Eine abweichende Einschätzung vertritt lediglich das Deutsche Institut für Wirtschaftfsforschung (DIW), das für 2005 von einem Wachstum von zwei Prozent ausgeht. Für Deutschland werde 2005 "konjunkturell kein schlechtes Jahr", betonten die Institute. "Die Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft wird jedoch nicht überwunden." Impulse seien bisher ausschließlich aus dem Ausland gekommen. "Sie haben noch nicht auf die Nachfrage im Inland übergegriffen, und die binnenwirtschaftliche Schwäche hält nunmehr ungewöhnlich lange an." Nun sei zu erwarten, dass die vom Export getragenen Impulse "schwächer werden, da der globale Aufschwung insbesondere in seinen Kraftzentren USA und China an Tempo verliert". Noch keine Besserung am Arbeitsmarkt Am Arbeitsmarkt habe die konjunkturelle Erholung bisher nicht zu einer Besserung der Lage geführt, heißt es in dem Gutachten weiter. Zwar habe die Zahl der Beschäftigten seit Jahresbeginn langsam zugenommen; dies sei aber vor allem Folge neuer Instrumente der Arbeitsmarktpolitik wie Minijobs und Ich-AGs. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei dagegen weiter gesunken, und die Arbeitslosigkeit "spürbar gestiegen". Mit fortschreitender Belebung der Konjunktur würden sich allmählich die Beschäftigungsperspektiven zwar aufhellen, prognostizieren die Experten. Angesichts des von der Mehrheit der Institute erwarteten moderaten Wachstumstempos sei "eine rasche und durchgreifende Besserung der Lage am Arbeitsmarkt im Prognosezeitraum allerdings wenig wahrscheinlich".
Das Herbstgutachten der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute fällt ernüchternd aus: Die Hoffnung auf eine kräftige Konjunkturerholung im kommenden Jahr schwindet.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/herbstgutachten-wachstumsdelle-statt-starker-aufschwung-1.914516
Herbstgutachten - Wachstumsdelle statt starker Aufschwung
00/05/2010
Toll Collect hat bereits Tausende von Mauterfassungsgeräten an Bord der Lkws abgeschaltet. Die Spediteure blieben die Vorkasse schuldig. Der Mautbetreiber Toll Collect schaltete bereits am Donnerstag den ersten Lastwagenfahrern die Borderfassungsgeräte wegen fehlender Zahlungen ab. Detailansicht öffnen Mautkontrolle auf der A81. (Foto: Foto: dpa) Wie Firmensprecher Harald Lindlar in Berlin auf Anfrage erklärte, sind rund 1500 Unternehmen mit mehreren tausend Lastwagen betroffen. Insgesamt registrierte Toll Collect seit Beginn der Mautpflicht 2,25 Millionen Buchungen. Verkehrsministeriumssprecher Michael Zirpel sagte, die Quote der Mautpreller liege bei acht Prozent, sei aber leicht rückläufig. "Das sind wirkliche Mautpreller" Die Betroffenen versäumten nach Angaben Lindlars, die vor Aufnahme der Fahrten geforderten Guthaben einzuzahlen. Zirpel sagte dazu: "Das sind wirkliche Mautpreller." Es geht um Unternehmen, deren Erfassungsgeräte (OBUs) nur gegen Vorkasse freigeschaltet werden, ähnlich wie bei den Pre-Paid-Karten für Handys. Bei ihnen schaltet die OBU ab, wenn das Konto keine ausreichende Deckung aufweist beziehungsweise die Kreditlinie erschöpft ist. Sie müssen dann den Rest ihrer Tour manuell an der nächsten Mautstation oder per Internet buchen. Falls per Blitzüberweisung das Guthaben aufgefüllt werde, schalte sich die OBU nach einem Neustart selbsttätig wieder frei, sagte Lindlar. Inländische Spediteure zu 60 Prozent betroffen Bei den Betroffenen handele es sich um etwa 40 Prozent ausländische und 60 Prozent inländische Unternehmen, was den allgemeinen Anteilen im Schwerverkehr entspreche.
Toll Collect hat bereits Tausende von Mauterfassungsgeräten an Bord der Lkws abgeschaltet. Die Spediteure blieben die Vorkasse schuldig.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mautpreller-zwangsabgeschaltet-1.900845
Mautpreller - Zwangsabgeschaltet
00/05/2010
Der Pharmakonzern Boehringer hortet in seinem Wiener Forschungszentrum etwa eine Million Substanzen: Neben neuen Präparaten gegen Krebs soll auch ein "Viagra für Frauen" entwickelt werden. In den Fluren von Boehringer Ingelheim in Wien ist es meist still. Nur ein leises Surren durchzieht die Korridore und lässt ahnen, dass hier einer der wachstumsstärksten Pharmakonzerne der Welt fieberhaft nach neuen Arzneien fahndet: Roboterarme sind durch Glasscheiben zu beobachten, sie ziehen handtellergroße Plastikplatten aus einem Regal. Jede Platte enthält etliche Moleküle. Einige von ihnen könnten einmal bahnbrechende neue Arzneimittel werden. Detailansicht öffnen Proteinreinigung einer biopharmazeutischen Produktionsanlage bei Boehringer Ingelheim. (Foto: Foto: dpa) Platte um Platte greifen die Roboter; Tausende Substanzen eilen Richtung Labor. Dort prüfen Automaten, ob sich die Substanzen zur Krankheitsbekämpfung eignen. Hochdurchsatzscreening heißt dieses Testen im Sekundentakt. "Einen Schritt näher gekommen" Die Auslese der Automaten lässt hoffen: Am Mittwoch stellte Boehringer drei potentielle Krebsmittel vor. Alle drei Arzneien würden an schwerkranken Patienten in einer klinischen Phase II erprobt, sagte Forschungschef Andreas Barner. ,,Wir sind den Krebstherapien von morgen einen Schritt näher gekommen.'' Wie sehr der Konzern aus Ingelheim darauf setzt, dass diese Mittel in fünf Jahren auf den Markt kommen, verrät die Veröffentlichung der Daten. Denn die nicht börsennotierte Firma tendiert sonst eher dazu, Projekte mit hohem Risiko zu verschweigen. Am Standort Wien haben sich die 200 Mitarbeiter vor wenigen Jahren auf Krebs fokussiert. Die entwickelten Arzneien wirken unterschiedlich: Die Substanz BIBF 1120 soll als Angiokinase-Hemmer dafür sorgen, dass Tumore langfristig nicht mehr durchblutet werden und absterben. Breites Spektrum Der Wirkstoff BIBW 2992 blockiert einige Rezeptoren von Tumoren und verhindert Zellwachstum. Und das Mittel BI 2536 ist ein Polo-like-Kinase-Hemmer, der in den Kreislauf der Zellteilung eingreifen und ihn stoppen soll. Das angepeilte Spektrum ist breit: Die Wirkstoffe zielen unter anderem auf Brust-, Prostata-, Darm- und Lungenkrebs. Anders als Konzerne wie etwa Altana oder Schwarz Pharma, die jüngst ihre Selbstständigkeit aufgegeben haben, ist Boehringer bei der Suche nach neuen Mitteln nicht nur auf zwei oder drei Krankheiten spezialisiert. Die Firma, vom Umsatz her die Nummer 15 weltweit, forscht an sieben Therapiegebieten. Großes Forschungsbudget ,,Diese breite Palette ist Teil unseres Erfolgsrezepts'', sagt Forschungschef Barner. 2005 hat Boehringer etwa 1,36 Milliarden Euro und damit gut 14,3 Prozent des Umsatzes in die Forschung gesteckt. Dieses Jahr soll dieses Budget steigen.
Der Pharmakonzern Boehringer hortet in seinem Wiener Forschungszentrum etwa eine Million Substanzen: Neben neuen Präparaten gegen Krebs soll auch ein "Viagra für Frauen" entwickelt werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/boehringer-ingelheim-schatzkammer-fuer-krebsforscher-1.904336
Boehringer Ingelheim - Schatzkammer für Krebsforscher
00/05/2010
Die Preise für Zucker schwanken von Jahr zu Jahr beträchtlich. Analysten erwarten, dass sich die von der EU geplante Reform der Zuckermarktordnung spürbar auf den Welthandel auswirken wird. Ein Engagement am Zuckermarkt kann unter Umständen einer Fahrt mit der Achterbahn gleichen. An der New Yorker Warenbörse sank der Preis von mehr als zwölf Cents je Pfund im Juli 1997 auf weniger als fünf Cents innerhalb von zwei Jahren. Danach zog der Preis auf elf Cents an, bis zum Jahr 2004 ging es dann wieder runter auf etwa vier Cents. Seit Beginn dieses Jahres ist der Preis in New York wieder um ein Drittel auf derzeit etwa 9,90 Cents je Pfund gestiegen. Detailansicht öffnen Ein Bauer mit einer Zuckerrübe. Die EU will die garantierten Preise für Zucker deutlich senken. (Foto: Foto: dpa) Was einen weiteren Preisanstieg angeht, sind die Experten jedoch eher skeptisch. Für das laufende Quartal hält Ingrid Sternby von Barclays Capital in London noch 10,60 Cents für möglich und ergänzt: "Was die agrarischen Rohstoffe angeht, sind wir beim Zucker am optimistischsten." Die Versorgungslage werde wegen der robusten Nachfrage zunehmend enger, sagt die Analystin. Trotz einer Erholung der weltweiten Zuckerernte um wahrscheinlich vier Millionen Tonnen auf etwa 146 Millionen Tonnen im Wirtschaftsjahr 2005/06 (September bis August). Die Vorräte würden zum Ende der Saison dann nur noch für eine Versorgungsdauer von etwa 12 Wochen reichen, im Vergleich zu fast 15 Wochen vor drei Jahren. Mit dem Wohlstand kommt der Zuckerverbrauch Der größte Zuckerverbraucher der Welt ist Indien. Der Verbrauchsanteil des Landes liegt bei 13 Prozent. Er ist damit sogar noch höher als der von China (acht Prozent), Lateinamerika (elf Prozent) und der Europäischen Union, die etwa zwölf Prozent des Weltzuckeraufkommens verbraucht. China ist trotz des eigenen Zuckerrohr- und Rübenanbaus auf Importe in Höhe von immerhin 1,4 Millionen Tonnen angewiesen. Mit wachsendem Wohlstand entdecken auch die Chinesen zunehmend Süßes. Der steigende Zuckerverbrauch ist dort wie auch in den Entwicklungsländern in anderen Teilen der Welt ein Wohlstandseffekt. Unter den Produzenten hält Brasilien mit einem Beitrag von etwa einem Fünftel zum Weltzuckeraufkommen die einsame Spitze. Es folgen die Europäische Union (15 Prozent), Indien (zehn Prozent) und China mit sieben Prozent. Kuba steuert mit seinem Zuckerrohr dagegen nur noch ein Prozent zum Weltzuckeraufkommen bei. Zucker als Kraftstoff Nach Angaben der Analystin Sternby von Barclays Capital wird Brasilien seine Ernte im kommenden Jahr zwar um nochmals eine Million Tonnen steigern.
Die Preise für Zucker schwanken von Jahr zu Jahr beträchtlich. Analysten erwarten, dass sich die von der EU geplante Reform der Zuckermarktordnung spürbar auf den Welthandel auswirken wird.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sz-serie-rohstoffe-vi-zucker-lockt-spekulanten-1.902043
SZ-Serie: Rohstoffe (VI) - Zucker lockt Spekulanten
00/05/2010
Das Ministerium bereitet die Kündigung des Maut-Vertrages vor. Das Betreiberkonsortium habe noch viereinhalb Arbeitstage Zeit, einen "vernünftigen Vorschlag" zu unterbreiten, erklärte Ministeriumssprecher Felix Stenschke. Das Verkehrsministerium bereitet eine Kündigung des Maut-Vertrages mit Toll Collect zum Jahresende vor. Das von DaimlerChrysler und Telekom geführte Konsortium sollte ein Erfassungssystem für die geplante Lastwagenmaut auf deutschen Autobahnen organisieren. Nach Ablauf dieser Frist greifen die Festlegungen von Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe, wie sein Sprecher sagte. Der SPD-Politiker habe sich den parteiübergreifenden Beschluss des Bundestags-Haushaltsausschusses zu Eigen gemacht. Termin vonnöten Danach könne Toll Collect nur dann noch einer Kündigung entgehen, wenn es bestimmte Bedingungen erfülle: Es müsse einen Termin für die Einführung der LKW-Mauterfassung garantieren und bereit sein, bis zu diesem Termin dem Bund einen Ausgleich für entgangene Einnahmen zu zahlen. Das Ministerium werde die Erfüllung der einzelnen Bedingungen prüfen. Der Bund hat von Toll Collect bislang 1,3 Milliarden Euro für Schadenersatz und Einnahmeausfälle durch das nicht funktionierende Mautsystem gefordert. Die Autobahnbenutzungsgebühr für Lastwagen sollte bereits seit dem 1. September elektronisch erhoben werden. Pessimistische Prognose Falls das Ministerium die Kündigung ausspreche, habe Toll Collect zwei Monate Zeit, Nachbesserungen vorzunehmen. "Es sieht aber nicht so aus, als ob sie das leisten können", erklärte Stenschke weiter. Falls die Kündigung erfolge, gebe es drei Optionen: Der Bund könne eine Vignettenpflicht für LKW einführen, ein eigenes Maut-Erfassungssystem entwickeln oder eine solche Entwicklung erneut europaweit ausschreiben. Das Vergabeverfahren bei einer Neuausschreibung dürfte 15 bis 20 Monate Zeit kosten. Für den (morgigen) Dienstag seien "vage Gespräche" zwischen Wirtschaft und Behörden geplant. Das Ministerium hoffe, dass die Frist von viereinhalb Tagen für einen vernünftigen Vorschlag ausreiche, sagte der Sprecher.
Das Ministerium bereitet die Kündigung des Maut-Vertrages vor. Das Betreiberkonsortium habe noch viereinhalb Arbeitstage Zeit, einen "vernünftigen Vorschlag" zu unterbreiten, erklärte Ministeriumssprecher Felix Stenschke.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/toll-collect-der-kuendigungs-countdown-laeuft-1.918845
Toll Collect - Der Kündigungs-Countdown läuft
00/05/2010
Während Gesundheitsministerin Ulla Schmidt die Bürgerversicherung befürwortet, favorisiert Sozialexperte Bert Rürup eher die Kopfpauschale. Wer vom einen Modell und wer vom andern profitiert und wer nicht, das geht aus einem bislang unveröffentlichten Gutachten hervor. Generell lässt sich danach sagen: Wer zu den Besserverdienern gehört, fährt mit der Bürgerversicherung schlechter. Die Grenze liegt bei einem Jahresbruttoeinkommen von 50.000 Euro. Untere und mittlere Einkommensschichten dagegen werden von den Kopfpauschalen stärker belastet. Zu bedenken ist auch: Für den Staat wird es sicherlich teurer, wenn die Beamten in die Bürgerversicherung einbezogen werden: Im aktuellen System der Beihilfe muss die öffentliche Hand nur im Krankheitsfall dazu bezahlen. Die Beiträge zur Bürgerversicherung werden dagegen jeden Monat fällig. Hohe Zusatzbelastung Dem Bericht zufolge müssten alle, die mehr als 50.000 Euro im Jahr verdienen, in einer Bürgerversicherung deutlich mehr für ihre Krankenversicherung zahlen als heute. Für einen Haushalt mit einem Jahreseinkommen von brutto 120.000 Euro läge die Zusatzbelastung bei einem Prozent oder 1.200 Euro. In einem Gesundheitssystem mit Kopfpauschalen zählen Haushalte mit Einkommen über 50.000 Euro zu den eindeutigen Gewinnern. Ein Haushalt mit einem Jahreseinkommen von 70.000 Euro würde durch die Kopfpauschalen knapp 1,5 Prozent seines Einkommens zusätzlich behalten, heißt es in dem Gutachten der Rürup-Kommission. Haushalte unter 50.000 Euro Jahresverdienst zahlen dagegen in einem System mit Kopfpauschalen bis zu 0,6 Prozent mehr als bisher. Die Gutachter schlagen allerdings vor, dass Haushalte mit einem Monatseinkommen bis 1.500 Euro einen staatlichen Zuschuss erhalten, den Besserverdiener durch einen höheren Solidaritätsbeitrag mitfinanzieren müssten. Auch vom Familienstand abhängig Wo die Verlierer-Gewinner-Grenze zwischen Bürgerversicherung und Kopfpauschale genau verläuft, hängt auch noch vom Familienstand ab: Bei der Bürgerversicherung werden Alleinstehende mit einem Jahreseinkommen von bis zu etwa 20.000 Euro besser gestellt, bei der Kopfpauschale die mit einem Einkommen darüber. Je höher das Einkommen ist, desto höher der Vorteil. Für Familien rechnet sich die Kopfpauschale den Angaben zufolge erst ab einem Jahreseinkommen von knapp 50.000 Euro. Darunter ist die Bürgerversicherung günstiger. Für Rentner mit Zusatzeinnahmen - etwa aus Kapitalerträgen und Mieten - würde die Bürgerversicherung kostspieliger als die Kopfpauschale.
Während Gesundheitsministerin Ulla Schmidt die Bürgerversicherung befürwortet, favorisiert Sozialexperte Bert Rürup eher die Kopfpauschale. Wer vom einen Modell und wer vom andern profitiert und wer nicht, das geht aus einem bislang unveröffentlichten Gutachten hervor.
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Bürgerversicherung und Kopfpauschale - Von Gewinnern und Verlierern
00/05/2010
Tchibo möchte sich endlich den Beiersdorf-Anteil der Allianz sichern. Entsprechende Interessen des Hamburger Kaffeerösters sind seit langem bekannt, doch jetzt soll das Geschäft bis Jahresende zum Abschluss gebracht werden. Der Hamburger Kaffeeröster bekräftigte sein Interesse an der Übernahme des 44-Prozent-Anteils, den die Allianz an dem Produzenten von Markenprodukten wie Nivea, Labello und Tesa hält. "Wenn Anteile von Beiersdorf zu haben sind, werden wir unseren Anteil aufstocken", bestätigte Tchibo-Sprecher Joachim Klähn am Freitag entsprechende Berichte der Zeitungshäuser Die Welt und Hamburger Abendblatt und Wall Street Journal online. "Wir kennen das Unternehmen gut. Wir sind von der Qualität des Managements überzeugt und die Wachstumsstrategie von Beiersdorf spricht für die Zukunft", sagte Klähn. Drei Medien berichten gleichzeitig Zuvor hatten Die Welt, das Hamburger Abendblatt sowie die Online-Ausgabe des Wall Street Journal über das neuerliche Interesse Tchibos an Beiersdorf berichtet. Die Unsicherheit über die zersplitterte Eigentümerstruktur bei Beiersdorf werde bis zum Jahresende gelöst, schreibt Wall Street Journal online unter Berufung auf informierte Kreise. Tchibo arbeite derzeit an einem Angebot für die Beiersdorf-Anteile. Schon seit längerem wird Tchibo ein Interesse an Beiersdorf nachgesagt. Der Hamburger Kaffeeröster ist schon jetzt nach der Allianz mit einem Anteil von 30,1 Prozent zweitgrößter Aktionär bei Beiersdorf und hatte in der Vergangenheit mehrfach Interesse an einer Übernahme des Unternehmens bekundet. Der Anteil der Allianz von 43,6 Prozent werde mit rund 4,7 Milliarden Euro oder 110 Euro je Aktie taxiert, berichtete das Wall Street Journal weiter. Ausländische Konkurrenz Mit der Übernahme solle verhindert werden, dass Beiersdorf in die Hände eines ausländischen Konkurrenten wie des US-Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble (P&G) wandere. P&G hatte in diesen Jahr schon den Kosmetikhersteller Wella für rund 5,5 Milliarden Euro übernommen. Zuletzt hatten neben Procter & Gamble auch Unilever (Niederlande/Großbritannien) und L'Oréal (Frankreich) als Konkurrenten Tchibos für den Einstieg bei Beiersdorf gegolten. Gut gefüllte Kriegskasse Übereinstimmend hieß es in Welt und Abendblatt, der Tchibo habe noch zwei bis drei Milliarden Euro in der Kasse. Das Abendblatt berichtet, die Tchibo-Eigner Michael, Wolfgang und Joachim Herz seien dazu bereit, für die Übernahme des Beiersdorf-Aktienpaketes auch einem Bankkredit zuzustimmen.
Tchibo möchte sich endlich den Beiersdorf-Anteil der Allianz sichern. Entsprechende Interessen des Hamburger Kaffeerösters sind seit langem bekannt, doch jetzt soll das Geschäft bis Jahresende zum Abschluss gebracht werden.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/beiersdorf-tchibo-will-endlich-zupacken-1.900416
Beiersdorf - Tchibo will endlich zupacken
00/05/2010
Ungarn war das kapitalistische Vorzeigebeispiel im postkommunistischen Europa. Nun ist das Land ein Sanierungsfall mit einer der höchsten Selbstmordraten. Agnes Tordai ist genervt. Nicht mal 500 Meter ist sie von dieser verdammten Kreuzung entfernt, wo sie rechts abbiegen könnte, um den Stau zu entgehen. Doch der Lindwurm aus Autos kommt einfach nicht voran. Detailansicht öffnen Budapest: Die Stadt an der Donau besticht mit ihrem herrschaftlichen Charme. (Foto: Foto: AP) Die Hauptstraßen in Budapest sind dicht, wie jeden Tag.Ungarns Hauptstadt ohne Staus und Durchgangsverkehr gibt es nur in den Träumen der Einwohner. Zwar will die Stadtverwaltung nach dem Vorbild Londons mit Straßen- und Einfahrtsgebühren künftig wenigsten den City-Kern von der Blechlawine befreien, doch Agnes Tordai zweifelt daran. "Obwohl sich jeder über die vielen Staus und die schlechte Luft beschwert, will kaum ein Budapester auf sein Auto verzichten'', sagt die Chefin einer kleinen Werbe- und PR-Agentur. "Damit kommt Demszky nicht durch.'' Gabor Demszky ist der Oberbürgermeister (OB) der Zweimillionenstadt und neben Regierungschef Ferenc Gyurcsany derzeit wohl der umstrittenste Politiker in Budapest. Mit "viel Tamtam'' Kurz vor den letzten Kommunalwahlen Anfang Oktober vergangenen Jahres habe der OB noch schnell und mit "viel Tamtam'' die neuen großen Siemens-Straßenbahnen in Betrieb nehmen lassen, um für seine Wiederwahl zu punkten, erzählt Agnes Tordai. Doch nun würden sie ständig ausfallen. "Und wenn sie fahren, dann ohne Klimaanlage, weil die Stadtverwaltung aus Kostengründen darauf verzichtet hat. Jetzt haben wir die längsten und wärmsten Trams der Welt.'' Budapest ist voller Spott und Ärger. Die Regierenden sind nach Meinung der Bürger immer an allem Schuld, ob sich nun die Straßenbahnen verspäten oder die übernächste Fußball-Europameisterschaft nach Polen und die Ukraine und nicht nach Ungarn kommt. Keiner der neuen EU-Mitglieder hat sich bislang so weit ins Europa des Westens vorgewagt wie Ungarn. Doch das Land der pessimistischen Lebenskünstler, das eine der höchsten Selbstmord- und eine der niedrigsten Geburtenraten hat, ist wie kaum ein anderes von Wut und Widersprüchen zerrissen. Zum Sanierungsfall geworden Einst war Ungarn das Vorzeigebeispiel im postkommunistischen Europa, nun ist das Land mit den zehn Millionen Einwohnern ein Sanierungsfall geworden. Schon einmal hatte sich Ungarn nach der Wende im Ostblock an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds manövriert: 1994, im Jahr des Amtsantritts von Gyula Horn, stand das Land kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Horn-Regierung zog damals die Notbremse und strich die Staatsausgaben radikal zusammen - mit allen Folgen für die Bevölkerung. Doch Horns Schocktherapie zeigte Wirkung. Ungarn erholte sich schneller als gedacht und hat sich damals eigenständig aus dem Verschuldungssumpf gezogen. Den Preis dafür musste Horn jedoch selbst bezahlen. Seine Regierung wurde 1998 von den Ungarn abgewählt. Der größte Budgetsünder In der Zeit danach begann wieder der teure politische Populismus. So sieht es zumindest die Bürgerin Tordai. Horns Nachfolger hätten das Geld erneut mit vollen Händen ausgegeben. "Im vorigen Jahr waren wir der größte Budgetsünder innerhalb der EU'', sagt sie. Wie schlimm es um das Land steht, kapierten viele Ungarn aber erst, als im Herbst 2006 ein Tonband veröffentlicht wurde, auf dem der sozialdemokratische Wahlsieger Gyurcsany zugab, der Bevölkerung nicht die Wahrheit über den Reformbedarf gesagt zu haben. Der Unmut der Bevölkerung über die von ihm eingeleiteten rigiden Reformmaßnahmen haben sich seitdem weiter verschärft. Doch Experten halten den Sparkurs für dringend notwendig.
Ungarn war das kapitalistische Vorzeigebeispiel im postkommunistischen Europa. Nun ist das Land ein Sanierungsfall mit einer der höchsten Selbstmordraten.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ungarns-volkswirtschaft-harte-therapie-1.906085
Ungarns Volkswirtschaft - Harte Therapie
00/05/2010
Die Zahl dürfte das Misstrauen vieler Bürger gegenüber dem Staat steigern: Um mehr als 60 Prozent haben Ministerien und Behörden des Bundes in den vergangenen Jahren ihre Einnahmen aus Gebühren erhöht. Detailansicht öffnen Immer öfter versucht der Fiskus, den Deutschen ein Stückchen wegzuzwicken. (Foto: Foto: dpa) Diese stiegen von 775 Millionen Euro 1998 auf 1,25 Milliarden Euro 2005. Der Staat ist ein gefräßiges Monster: Diese These erhielt mit der Antwort der Regierung auf eine Anfrage des FDP-Politikers Volker Wissing neue Nahrung. Der Anfrage-König Wissing, der in Berlin als Anfrage-König gilt, weil er die Bundesregierung mit seiner Neugier laufend auf Trab hält, reichte diese Zahl allein nicht aus. Er wollte mehr wissen. Etwa, warum das Umweltministerium seine Gebühreneinnahmen in sieben Jahren mehr als verzehnfacht hat, und wieso das Auswärtige Amt das Aufkommen aus Pass-, Visa- und anderen Gebühren verdoppelt hat. Also schickte der FDP-Mann 17 weitere Fragen an die Regierung - zu Erhöhung, Einführung, Abschaffung, Art und Legitimität von Gebühren. Die 29-seitige Antwort der Regierung enthält viele interessante Ausführungen, die manch zahlenden Bürger in Rage versetzen dürften. So legt bereits die Vorbemerkung nahe, dass dem Bund der Überblick über das Gebührenwesen seiner Behörden längst verlorengegangen ist. Eine "den Anspruch auf Vollständigkeit erhebende Beantwortung" der Wissing-Anfrage sei nicht möglich, heißt es dort. Grund sei, dass das Innenministerium derzeit eine Übersicht über "Gebührenfähigkeit und die Gebührenpflicht öffentlicher Leistungen" des Bundes erstelle. Erst wenn diese vorliege, könne man umfassend antworten. Das ist nicht eben befriedigend. Nehmen statt geben Immerhin so viel lässt sich den Informationen entnehmen: In den vergangenen Jahren wurden deutlich mehr Gebühren eingeführt als abgeschafft. Nur eine halbe Seite braucht die Regierung, um die seit 1998 ersatzlos gestrichenen Gebühren aufzulisten, etwa "Beiträge im Zusammenhang mit dem CB-Funk". Drei Seiten sind indes nötig für im selben Zeitraum neu eingeführte Einnahmequellen. Dazu gehört etwa das Informationsfreiheitsgesetz, das Bürgern gegen Zahlung von bis zu 500 Euro Einsicht in Amtsakten gewährt. Oder eine neue Gebühr für die Genehmigung eines kleinen Waffenscheins. Oder Kosten für eine "Verbringungsgenehmigung für Explosivstoffe". Auch für den Erwerb von Patenten und Emissionsrechten oder die Erteilung von Funkfrequenzen wurden im Lauf der Jahre neue Gebühren geschaffen. FDP-Politiker Wissing meint dazu: "Die explodierenden Gebühren zeigen, dass die Verwaltung diese als zusätzliche Einnahmequelle neu entdeckt." Gebühren für Sachmittel Die These bestätigt sich bei diskreter Nachfrage in mancher Behörde. Angesichts der Finanznot der öffentlichen Hand sind einige Häuser offenbar dazu übergegangen, mit einer Gebühr nicht nur die dafür erbrachte Leistung zu finanzieren. Stattdessen erwirtschaften sie über das Aufkommen auch Geld für Personal oder Sachmittel. "Da sind geradezu Meisterschaften im Gange, mit welchen Tricks sich mit Gebühren mehr Geld hereinholen lässt", sagt ein Finanzfachmann, in dessen Behörde dieses Gebaren gang und gäbe sei. "Auf diese Weise beschaffen sich die Verwaltungen Geld, das sie sonst nicht mehr bekämen", erklärt der Mann, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Offiziell gibt es dafür natürlich keine Bestätigung. Wissing indes fühlt sich durch seine Anfragen bereits ausreichend bestätigt. Kostentransparenz sei für die Ministerien und Behörden des Bundes nach wie vor ein Fremdwort, meint der FDP-Mann. Er wird sicher weiter versuchen, mit noch mehr Anfragen Licht in das Dunkel zu bringen.
Deutsche Behörden kassieren immer dreister - längst hat der Bund den Überblick verloren.
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Schleichende Gebührenerhöhung - Ungebührend
00/05/2010
Die Gesetze der Globalisierung machen auch vor dem Hersteller der Kult-Jeans nicht halt: In Texas wird die letzte Levi-Strauss-Fabrik in den USA geschlossen. (SZ vom 18.12.2003) — Die Geier kreisen mal wieder: 68 Meter Spannbreite, 75 Meter in der Länge, und bei einem bestimmten Neigungswinkel zur Erde kreischen die Turbinen besonders heftig. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: AP) Immer wieder zirkeln sie um den schmutzig-gelben Flachbau, nehmen ihn als Achsenpunkt ihrer Flug- und Wendemanöver, ehe sie herabsinken und aufsetzen auf der Lackland Air Force Base. Aber Clara Flores bemerkt das alles nicht mehr, weil 24 Jahre ausreichen, um sich an Leben und Arbeit in der Einflugschneise eines Luftwaffenstützpunktes zu gewöhnen. Die Geier werden auch in Zukunft kreisen, und manchmal denkt Clara Flores, dass sie besser einen Job bei der Air Force und ihren Galaxy-Transportern gefunden hätte, damals vor 24 Jahren, und nicht auf der anderen Seite des Highways. Auf der anderen Seite des Highway 90 werden jetzt nämlich die amerikanische und die texanische Fahne am Fabriktor zusammengerollt, und Clara Flores kann ebenfalls einpacken, 24 Jahre nach ihrem ersten Stich. Eine Mutter von drei Kindern, gerade erst 54 Jahre alt - zu jung für die Arbeitslosigkeit, zu alt für einen neuen Job. Ein Arbeiterschicksal, ein amerikanisches: Clara Flores, Näherin, Spezialistin für Hosen, Jacken, Hemden, geübt im Umgang mit festen Denim-Stoffen, ihr Leben lang treue Dienerin der Firma Levi Strauss. Ja, genau, dieses Levi Strauss: Bluejeans, Wilder Westen, Goldgräber, Mythos, Rebellion, Rock 'n' Roll, die 501. Levi Strauss, made in USA - aber jetzt nicht mehr. Es ist nämlich Schicht in Texas, die letzte Schicht, denn Levi Strauss schließt sein Werk in San Antonio - das letzte in den USA. Der amerikanischste aller Jeans-Hersteller fabriziert nicht mehr in den Vereinigten Staaten. Am Jahresende wird die große Nähhalle geschlossen sein - ein Mythos wird leise begraben, weil die Geschäftsführung in San Francisco kein Aufsehen erregen möchte. Bei Bamberg begann es Clara Flores erlebt ein amerikanisches Schicksal, sie ist aber auch ein typisches Opfer der Umwälzungen in der Bekleidungsbranche, der Globalisierung damit. Und weil ihre Lebensgeschichte überhaupt eng verknüpft ist mit dem Wunsch nach einem bisschen Lebensglück, mit der Jagd nach einem Quäntchen Wohlergehen, ist Clara Flores' Geschichte besonders tragisch - weil die Frau aus San Antonio am Ende vielleicht dort ankommt, wo sie einmal angefangen hat, ganz unten nämlich. Clara Flores, eine Nutznießering der Globalisierung und nun ihr Opfer. Fast so wie Levi Strauss und seine Firma. Levi Strauss war so etwas wie ein früher Globalisierer, ein sehr früher. 1829 wurde er geboren, im oberfränkischen Buttenheim, nur wenige Kilometer südlich von Bamberg gelegen. Sein Elternhaus haben sie ausfindig gemacht und in ein wunderbares Museum verwandelt, in dem die Geschichte des Mannes und seiner Jeans erzählt wird - in der Tat ein Lehrstück der Globalisierung. Loeb Strauss war das jüngste Kind jüdischer Eltern. Der Vater ging mit Gemischtwaren und Tuchen hausieren, weil Juden ein Gewerbebetrieb oder die Landwirtschaft verwehrt war. Hausiererei war angesiedelt am untersten Ende der sozialen Leiter, ein undankbarer Job. Die bayerischen Matrikelgesetze von 1813 verwehrten den Juden die freie Berufswahl und die freie Wahl des Wohnortes, und deshalb stellten die Straussens den Antrag auf Auswanderung. Es war ihnen zu eng geworden in Deutschland. Im Juni 1847 kamen die Papiere. In New York wurde aus Loeb Levi, aus dem bayerischen Juden ein amerikanischer Geschäftsmann, der mit dem Goldrausch nach Kalifornien geschwemmt wurde - wieder so ein Markstein auf der Jagd nach Wohlstand und Glück in einer enger werdenden Welt. In San Francisco gründete er eine Handelsgesellschaft, verkaufte Tuche aus Denim Stoff - blauer Baumwolle, die ihren Namen der Herkunft aus der französischen Stadt Nîmes verdankt. Ein Kunde machte ihn auf die Verarbeitung mit Hilfe von Nieten aufmerksam, und so begann Levi Strauss Arbeits-Overalls zu produzieren. Das Stichmuster auf der hinteren Tasche wurde zum ersten amerikanischen Markenzeichen, später kam das Lederetikett dazu, dann die vier Knöpfe, die rote Markenfahne. Levi's wurden zum Symbol für den Gründergeist, für den Westen, für Amerika insgesamt. Kaum eine Marke aus dem auslaufenden 19. Jahrhundert, die so lange überlebt hat und gar zum Kult wurde. James Dean, die Stones, Madonna - Rebellen ihrer Zeit in Jeans. Joschka Fischer trug Jeans bei seiner Vereidigung im hessischen Landtag. In der Sowjetunion oder der DDR war eine Levi's Statussymbol und natürlich ein Synonym für die Demokratie. Levi's wurde eine weltumspannende Marke, in einer Liga mit Coca Cola und Marlboro. Die Hose verkörperte ein Lebensgefühl, mehr noch, es ist nicht einmal zu pathetisch, die Jeans zu den nationale Identität stiftenden Symbolen der USA zu zählen.Dafür reicht schon die ganz persönliche Erinnerung an die erste Levi's, der Kampf um die richtige Größe, den richtigen Schnitt. Trotzdem haben sie irgendwann in den späten Achtzigern im Hauptquartier in San Francisco den Anschluss verloren, waren eingeschlafen im ewigen Spiel der Mode, haben die Märkte und die Botschaft der Marke aufgegeben. Levi's wurde langweilig, vor allem in den USA, wo die meisten Käufer sitzen. Die großen Designer warfen ihre Billiglinien in die Geschäfte, öffneten neue Ketten, verkauften einen frischen Lebensentwurf. 200 neue Marken sind in den vergangenen zehn Jahren entstanden, behaupten die Fachleute. Levi's passte da nicht mehr rein. Das Management versagte, die Jeansläden wurden geschlossen, in den Kaufhäusern griffen die Leute nach Calvin Klein und Gap. Die Marke Levi's verkam, jetzt wird sie in den USA in der Billigkette Wal Mart angeboten und hat ihren Ruf verloren. Zwar macht die Firma heute immer noch 4,2 Milliarden Dollar Umsatz, aber sie schiebt auch einen Schuldenberg von etwa 2,1 Milliarden Dollar vor sich her. Die Gewinne sind wieder gestiegen, gleichwohl haben die Rating-Agenturen die Kreditwürdigkeit herabgestuft. In manchen Wirtschaftsblättern wurde über die Insolvenz spekuliert. 1200 Einheiten am Tag Ihren 150. Geburtstag wollte Levi Strauss in diesem Frühjahr so recht nicht feiern, zu düster waren die Aussichten. Und dann die Entlassungen, angekündigt im September: 1980 Mitarbeiter im Jubiläumsjahr für ganz Nordamerika - 1180 davon in Kanada, beispielsweise in Edmonton, Alberta. 800 verlieren ihren Job in San Antonio, Texas, der letzten Näherei für Dockers-Jeans, 501s und Silvertabs im Stammland USA. 1200 Einheiten habe sie am Tag geschafft, das müsse erst mal jemand nachmachen bei dieser Qualität, sagt Clara Flores. Man hätte sie doch weiter arbeiten lassen sollen, wenigstens der Marke und des Standorts wegen. 554 M steht auf der Rückseite des Knopfes, das ist der Fabrik-Stempel. 554 M ist San Antonio - Sammlerstücke von jetzt an. Sie hätten auch Reklamationen repariert, meint Clara Flores, von denen gebe es jetzt immer mehr, seitdem die Hosen in den Billigfabriken in Übersee gefertigt würden. Ja, sie sagt tatsächlich Übersee, obwohl die nächsten Levi-Strauss-Fabriken gerade auf der anderen Seite der Grenze stehen. Denn dies ist die besondere Tragik der Levi's-Schließung in San Antonio. Von den 800 Frauen sind mindestens 80 Prozent hispanischer Abstammung, also aus Mexiko oder Mittel- und Südamerika. Die meisten von ihnen sind Einwanderer der ersten Generation, das heißt, sie haben gerade mal eine Aufenthaltserlaubnis bekommen nach der Flucht vor der Armut, dem mühsamen Weg über die Grenze, hin zum neuen Wohlstand. Und jetzt? Jetzt sind sie zwar in den USA angekommen, aber ihre Jobs wandern nach Süden, so wie die Fabriken des Levi Strauss und seiner Nachfahren zunächst durch die ganze USA bis in den billigen Süden des Landes gewandert sind, ehe das Management viel zu spät merkte, dass die Konkurrenz längst im noch billigeren Ausland fertigte. Levi Strauss war immer geachtet für seine soziale Geschäftspolitik. Nach dem großen Erdbeben in San Francisco 1906 beschäftigte er die Arbeiter weiter, obwohl es nichts zu arbeiten gab. Er wusste, dass er später keine guten Leute mehr finden würde. In San Antonio berichtet Clara Flores, dass sie bis zu 15 Dollar die Stunde bekommen hätten. Das wichtigste aber, sagt ihre Freundin Mariel Guttierrez, sei ihr die Krankenfürsorge gewesen: Kasse für Familie und Kinder bezahlt von der Firma. Außerdem gab es reichlich Urlaub, ein gutes Arbeitsklima, Sicherheit eben. Mariel Guttierrez ist ebenfalls seit 24Jahren bei Levi Strauss, angefangen hat sie mit 20. Sie kommt aus dem mexikanischen Grenzgebiet, besucht nur noch gelegentlich die Verwandten und hat erst einmal Furcht vor der Zukunft. Ihre Freundin Zuleima Duran will gar nicht darüber sprechen, und wenn, dann täte sie es auf Spanisch, weil sie wie viele Frauen in der Fabrik kein Englisch spricht. Einen Sprachkurs werde sie jetzt erst einmal besuchen. Dann wollen die Frauen Jobs suchen in der Medizinbranche oder in einem Anwaltsbüro - wenn sie denn den Computerkurs schaffen. Arbeitslosenschicksale. Ihre Jobs werden dann in den Süden gewandert sein, dorthin also, wo die Frauen einmal hergekommen sind: Mexiko, Guatemala, irgendwo in die Karibik, nach Süd-Ost-Asien. Die Löhne sollen dort bis hinunter auf 32 Cent die Stunde gehen. Auch Clara Flores ist ein Beispiel für die Arbeiterkarawane, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Norden aufgebrochen war und nun das bittere Ende ihres Weges erreicht zu haben scheint: Ihre Eltern schafften es in die Vereinigten Staaten, sie beackerten ein Feld in der Nähe von San Antonio. Als es Clara Flores zu eng wurde, ging sie nach Florida, nur um wieder auf einer Plantage zu arbeiten. Dann zurück nach Texas, für 185 Dollar die Woche in der Fabrik, aber immerhin waren die Kinder mitversichert. In den USA, wo die Dritte Welt häufig gar nicht so weit ist, zählt das viel. "Levi's, das war eine Familie", sagt sie. Die Frauen befürchten, dass sie in "dunkle Zeiten" zurückfallen werden. Ein Job in einer Arztpraxis oder einer Anwaltskanzlei - das ist möglicherweise ein frommer Wunsch. Die Realität sieht anders aus in San Antonio, wo der größte Arbeitgeber das Militär mit den Geiern ist und jetzt - Gott sei dank - Toyota eine kleine Produktion für Lastwagen erstellen wird. Der zweitgrößte Arbeitgeber aber ist die Tourismusindustrie - in San Antonio steht die Alamo-Mission, der Schrein der texanischen Unabhängigkeit - und diese Industrie lockt mit Kellnerjobs oder Zimmermädchen-Offerten zum Mindestlohn. Der Traum vom Wohnzimmer "Erst verlierst du dein Auto, dann dein Haus und dann deine Würde", sagt Mariel Guttierrez. Wenn sie wissen möchte, wie das genau aussieht, dann muss sie nur zu den Chicanas der Fuerza Unida gehen, den Frauen der Näh- und Nachbarschafts-Kooperative am New Laredo Highway, dort wo San Antonio ganz arm ist. Die Chicanas haben sich 1990 nach der letzten Levi's-Schließung in der Stadt zusammengetan. Zuerst kamen Hunderte, dann immer weniger. Heute sind nur noch ein paar Frauen, und über die üble Zeit der Werkschließung reden sie nicht mehr. Es gibt eine Suppenküche für die Armen, eine Lotterie, eine Nähecke für die Nachbarschaft; man hält sich so über Wasser. Für manche ist der Gemeinschaftsraum der Fuerza auch einfach nur ein besseres Wohnzimmer, weil zu Hause drei Generationen in zwei Räumen auf Schicht schlafen. Levi Strauss wird jetzt von einem ehemaligen Pepsi-Manager geführt. Der versteht was von Marken und vom Verkaufen. In Paris, wo Levi's noch vom guten alten Ruf lebt, haben sie im Oktober einen Laden nur für Mädchen eröffnet. Er soll prima laufen, heißt es. Dies sei die Zukunft. Die 554 M wird es dort nicht mehr geben.
Die Gesetze der Globalisierung machen auch vor dem Hersteller der Kult-Jeans nicht halt: In Texas wird die letzte Levi-Strauss-Fabrik in den USA geschlossen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ein-amerikanischer-mythos-erlischt-das-stille-ende-von-554-m-1.904932
Ein amerikanischer Mythos erlischt - Das stille Ende von 554 M
00/05/2010
Die Deutschen gehen lieber auf Nummer sicher: Nur noch 15,3 Prozent der Bevölkerung besitzen Wertpapiere. Das Aktieninstitut sieht deshalb Steuerpolitiker gefordert. Richtig viele Aktionäre hat es in Deutschland nie gegeben, wenn man Vergleiche mit Amerika, England oder Frankreich anstellt. Viel lieber streichen die Deutschen feste Zinsen ein, sie gelten als risikoscheu. Detailansicht öffnen Vielen Deutschen ist die Börse zu unsicher. (Foto: Foto: dpa) Forderungen nach einer neuen Aktienkultur haben nichts genützt, im ersten Halbjahr 2006 ging die Zahl der deutschen Aktionäre drastisch zurück. 891.000 Anleger trennten sich von den Dividendenpapieren. Damit ist das Volk der Aktionäre auf 9,9 Millionen geschrumpft. Es umfasst 15,3 Prozent der Bevölkerung, gab das Deutsche Aktieninstitut bekannt. Schlag für die Aktienakzeptanz Der Leiter des Aktieninstituts, Rüdiger von Rosen, fand deutliche Worte: "Das ist ein Schlag für die Aktienakzeptanz in Deutschland." Er nannte auch gleich einen Sündenbock für die Entwicklung, nämlich die deutsche Steuerpolitik. Die Halbierung des Sparerfreibetrags im kommenden Jahr und die geplante Abgeltungssteuer von 30 oder 25 Prozent wirke abschreckend auf die Anleger. "Wir brauchen eine Steuerpolitik, die den Kapitalmarkt wie auch die betriebliche und private Altersvorsorge fördert und nicht die Anleger aus dem Produktivkapital vertreibt", forderte Rosen. Der Gesetzgeber stehe in der Verantwortung und müsse klare und vernünftige Verhältnisse schaffen. Anleger verhielten sich ökonomisch Apropos vernünftig: Rosen unterschlug nicht, dass sich die deutschen Anleger im Laufe des ersten Halbjahres sehr ökonomisch verhielten. Der deutsche Aktienindex Dax erreichte nämlich mit 6163 Punkten einen Höchststand, und da machte ein Teil der Aktionäre Kasse. Der vorübergehende Kursrückgang aller deutscher Aktien um 14 Prozent im Schnitt dürfte die Verkaufswelle weiter beschleunigt haben. Die meisten Deutschen legten sich die Papiere börsennotierter Firmen nicht direkt ins Depot, sondern griffen zu Aktienfonds oder gemischten Fonds. Dabei entgingen sie der Gefahr, zu viel Kapital in eine einzige Aktie zu stecken, sondern überließen die Mischung den Fondsmanagern. Im Jahr 2001 gab es einmal fast zehn Millionen Fondsbesitzer. Inzwischen hat jeder vierte dieser Geldanlage schon wieder den Rücken gekehrt. 7,4 Millionen Bürger verfügen noch über Aktienfonds oder gemischte Fonds. Der Blick zurück in die Vergangenheit zeigt jedoch, dass sich die Aktionäre mit steigenden Aktienkursen rasant vermehren. Beispielsweise gab es vor dem letzten Boom im Jahr 1997 nur gut zwei Millionen Aktienfonds-Besitzer. Deutschlands Aktienbesitzer verhielten sich dabei ziemlich gleich, egal ob sie im Westen oder Osten des Landes wohnten, Papiere als Mitarbeiter oder über ihre Bank erwarben oder ob sie Aktien oder Aktienfonds ins Depot legten. Beimischung zum Depot Erstmals hat das Aktieninstitut über das Meinungsforschungsinstitut Infratest Zahlen zu Zertifikaten abgefragt. Nur 529.000 Anleger besaßen die Papiere, die in der jüngsten Vergangenheit einen Boom erlebten und als Konkurrenzprodukte den Verkäufern von Investmentfonds das Leben erschwerten. Offenbar nutzten die Anleger Zertifikate meist als Beimischung zu ihrem Depot. Ob die Käufer von Zertifikaten ein höheres Risiko eingehen, ist aus der Umfrage nicht abzulesen. Die Zusammensetzung der Zertifikate-Depots ist nicht bekannt. Je nach Zusammensetzung könne aus der Anlage allein nicht zwingend auf höhere tatsächliche Risiken oder Risikobereitschaft geschlossen werden, hieß es beim Aktieninstitut.
Die Deutschen gehen lieber auf Nummer sicher: Nur noch 15,3 Prozent der Bevölkerung besitzen Wertpapiere. Das Aktieninstitut sieht deshalb Steuerpolitiker gefordert.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/land-der-boersenmuffel-aktionaere-auf-der-flucht-1.906013
Land der Börsenmuffel - Aktionäre auf der Flucht
00/05/2010
Rupert Stadler hält es mit den Ausdauersportarten. Der 43-Jährige fährt sehr gerne Rennrad und geht gern laufen. "Letzteres klappt sogar auf Dienstreisen, wenn man sich gut organisiert." Detailansicht öffnen Audi-Finanzvorstand Rupert Stadler (Foto: Foto: dpa) Ob der Finanzchef von Audi in Ingolstadt das in einem Jahr auch noch so sagen wird, ist zumindest nicht ganz sicher. Denn alles deutet darauf hin, dass der Betriebswirt Stadler an diesem Mittwoch vom Audi-Aufsichtsrat zum Audi-Vorstandsvorsitzenden gekürt wird und künftig noch weniger Zeit für Sport haben wird als heute bereits. Als Nachfolger von Martin Winterkorn, der zum 1.Januar an die Spitze des VW-Konzerns wechselt, darf der im bayerischen Titting geborene Stadler dann viele schnelle Autos bauen und damit gutes Geld verdienen - Fortschritt durch Technik eben. Die Aufholjagd von Audi gegen BMW und Mercedes geht weiter. Faible für schnelle Autos Angeblich sitzt der Zahlenmensch Stadler auch gern am Lenkrad, sogar dem des neuen R8-Boliden, den Audi auf Wunsch mit Beleuchtung für den Mittelmotor liefert und der nicht bei 250 Kilometer pro Stunde abriegelt - der erste richtige Rennwagen von Audi. Zukunftsfähigkeit lebt von ambitionierten Zielen, findet Stadler. Wer nur den Fußstapfen anderer folge, werde niemals überholen. "Ich setze deshalb als sportlicher Fahrer lieber den Blinker und überhole." Audi will von 2008 an jährlich eine Million Fahrzeuge verkaufen - "und das bei einer Kapitalrendite von mehr als zehn Prozent". Als gute Basis für seine Karriere erweist sich Stadlers Zeit als Bürochef des früheren Konzernchefs Ferdinand Piëch, der als Aufsichtratsvorsitzender und Großaktionär neuerdings wieder die Fäden bei Volkswagen zieht. Nebenbei leitete Stadler die Produktplanung von VW, bevor er 2002 von Wolfsburg nach Ingolstadt wechselte. Ein Konzern im Umbruch Der Aufstieg von Stadler an die Spitze der wichtigsten Volkswagen-Tochter wird wohl an diesem Mittwoch vom Aufsichtsrat der VW-Premiumtochter beschlossen. Vielleicht gibt es auch erst eine Willenserklärung und die formale Berufung folgt später. Denn diese Sitzung hat leicht skurrile Züge - sie spiegelt den Konzern im Umbruch. Vorsitzender des Gremiums ist Bernd Pischetsrieder, noch bis zum Jahresende Konzernchef. Sein designierter Nachfolger im Spitzenjob, Martin Winterkorn, ist aber noch Audi-Vorstandsvorsitzender. Er wird dann wohl demnächst den Aufsichtsratsvorsitz bei Audi übernehmen. Wie nun konkret zu verfahren ist an diesem Mittwoch, daran tüfteln die Juristen.
Warum Audi-Finanzchef Rupert Stadler die besten Chancen besitzt, Vorstandsvorsitzender in Ingolstadt zu werden.
wirtschaft
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Personalspekulationen in Ingolstadt - Kleiner Quälfaktor
00/05/2010
Der durch die Inhaftierung von Michail Chodorkowskij seines Chefs beraubte Ölkonzern Yukos hat sich offenbar auf weitere Attacken eingestellt und im Management ein Sicherheitsnetz gespannt. Das Unternehmen wird nun vor allem von amerikanischen Staatsbürgern geführt. (SZ vom 29.10.03) - "Yukos fällt den Amerikanern zu", schrieb die Zeitung Kommersant. Die Tageszeitung erklärte, weshalb Russlands größter Ölkonzern Yukos nun vor allem von Managern mit US-Pässen geführt wird und nannte dies "SOS-Management". Nach der Inhaftierung von Yukos-Chef Chodorkowskij werden die wichtigsten Positionen von den US-Managern gehalten. Offenbar hat Chodorkowskij, der seit Juli im Konflikt mit dem Kreml liegt, mit seiner Verhaftung gerechnet. Amerikaner sind weniger angreifbar - ihnen wird "bisher nichts vorgeworfen", urteilte der Kommersant. Staatsanwalt bräuchte wasserdichte Vorwürfe Es wäre für die russische Generalstaatsanwaltschaft schwer möglich, US-Manager einfach hinter Gitter zu sperren, wie sie es mit dem Yukos-Chef und reichsten Mann Russlands getan hat: Washington dürfte massiven Druck auf den Kreml ausüben, wenn die Vorwürfe nicht wirklich wasserdicht wären und die Staatsanwälte bei ihren Ermittlungen selbst das Recht brechen würden. An der Yukos-Spitze vertritt nun der Amerikaner Steven Theede den in U-Haft sitzenden Chodorkowskij. Der SOS-Vorstandschef und Yukos-Vize-Präsident Theede kontrolliert außerdem wichtige Yukos-Töchter. Der Manager, der vorher bei der US-Ölgesellschaft ConocoPhillips war, muss in der Krise einen Konzern steuern, dessen zwei wichtigste Manager hinter Gittern sitzen - nicht nur Chodorkowskij, sondern auch sein "Finanzgenie" Platon Lebedjew, der Chef der Yukos-Mutter Menatep ist. Verhandlungen mit Exxon und Chevron liegen auf Eis Die unter anderem wohl auch als politische Absicherung gegen Attacken des Staates geführten Verhandlungen mit den US-Ölkonzernen Exxon und Chevron über einen Einstieg bei Yukos liegen vorerst auf Eis, wie die Financial Times berichtete. Bei Yukos sind im Zuge des Krisenmanagements neben Theede weitere US-Manager in den Vordergrund gerückt. Der dem Direktorenrat, einer Art Aufsichtsrat, vorstehende Simon Kukes wird sich laut Dow Jones aktiver ins Tagesgeschäft einschalten, Finanzchef Bruce Misamore hat ebenfalls einen US-Pass. Flucht in Oberhaus Außerdem hat ein weiterer führender Yukos-Manager, der Russe Walerij Schachnowskij, in Sibirien SOS-Management in eigener Sache betrieben. Er hat auf die Schnelle politische Immunität gewonnen: Schachnowskij wurde von der von Moskau weit entfernten Ölregion Ewenkijen ins russische Oberhaus gewählt. Diese Wahl muss allerdings noch vom Oberhaus bestätigt werden. Da gegen ihn wegen millionenfachen Steuerbetrugs ermittelt wird und es in Moskau vom Kreml bis ins Oberhausgebäude nicht allzu weit ist, scheint diese Bestätigung der Immunität des russischen Yukos-Managers alles andere als sicher.
Der durch die Inhaftierung von Michail Chodorkowskij seines Chefs beraubte Ölkonzern Yukos hat sich offenbar auf weitere Attacken eingestellt und im Management ein Sicherheitsnetz gespannt. Das Unternehmen wird nun vor allem von amerikanischen Staatsbürgern geführt.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sicherheitsmassnahme-amerikaner-fuehren-yukos-1.900231
Sicherheitsmaßnahme - Amerikaner führen Yukos
00/05/2010
Die Zahl sieht gut aus. Durchschnittlich 4,5 Prozent wollen die Lebensversicherer im kommenden Jahr an ihre Kunden ausschütten, ergaben vorläufige Berechnungen. Das wäre nicht viel weniger als die Rendite für 2003 und mehr, als manche Beobachter erwartet hatten. Doch führt der Wert in doppelter Hinsicht in die Irre - zum Vorteil der Versicherer. Erstens ist die Zahl zu hoch, vergleicht man sie mit der Rendite festverzinslicher Anlagen. Die Ausschüttung für Kapital-Lebensversicherungen und private Renten-Policen bezieht sich nicht auf das gesamte eingezahlte Geld; von den Prämien geht ein enormer Teil für Kosten drauf. Wie hoch der ist, sagen die Firmen wohlweislich nicht - mancher Kunde würde erschrecken. Geschätzt wird, dass bis zu einem Viertel der Einzahlungen keine Rendite bringt. Vermutlich zu viel verteilt Zweitens haben die Gesellschaften vermutlich mehr verteilt, als zu verteilen war. Die Versicherer müssen laut Gesetz die Verluste aus Aktien-Investments nicht komplett ausweisen. Diese Möglichkeit hat die Branche schon im vergangenen Jahr weidlich genutzt; manche Gesellschaft hätte ihren Kunden damals rein rechnerisch etwas abziehen müssen, tatsächlich wurden aber hohe Renditen ausgewiesen. Auch in diesem Jahr waren angesichts der übrig gebliebenen Lasten und der Zins- und Aktien-Entwicklung, seriös gerechnet, wohl keine großen Sprünge möglich. Eine Reihe von Unternehmen hüpfte dennoch recht weit, was den Zinsausweis angeht. Da liegt der Verdacht nahe, dass sie im kommenden Jahr besonders gut dastehen wollen. Offensichtlicher Grund: Die Bundesregierung plant, die Steuerfreiheit für jene Kapital-Lebensversicherungen zu kippen, die ab Anfang 2005 abgeschlossen werden. Egal, ob es wirklich so kommt oder nicht - es ist mit Torschlusspanik der Deutschen und einem entsprechenden Boom zu rechnen. Unter Null Potenzielle Kunden sollten sich da nicht leimen lassen. Generell gilt, dass der Abschluss einer Kapital-Lebensversicherung für die meisten Bundesbürger nicht sinnvoll ist. Einer der Gründe: Bei einer vorzeitigen Kündigung, und die kann angesichts der langen Laufzeiten in vielen Fällen nötig werden, behalten die Unternehmen so viel ein, dass die tatsächliche Verzinsung unter Null liegen kann. Auch dies taucht in keinem offiziellen Rendite-Ausweis auf.
Die Zahl sieht gut aus. Durchschnittlich 4,5 Prozent wollen die Lebensversicherer im kommenden Jahr an ihre Kunden ausschütten, ergaben vorläufige Berechnungen.
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Kommentar - Schön gerechnet
00/05/2010
Wenn die Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 durch Springer auf dem Tisch von Wirtschaftsminister Michael Glos landet, kann er nur verlieren. Endlich als Minister gestalten zu können - das ist der Traum vieler Oppositionspolitiker. Bei Michael Glos, dem langjährigen Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, ist das nicht anders. Nach Edmund Stoibers Flucht aus Berlin unverhofft ins Amt des Bundeswirtschaftsministers katapultiert, macht Glos der Job bereits sichtlich Spaß. Der Minister will ein würdiger Nachfolger des Säulenheiligen Ludwig Erhard werden. Detailansicht öffnen Hofft auf Bereinigung: Michael Glos. (Foto: Foto: dpa) Doch der Ruf des Wirtschaftsministers, der das ordnungspolitische Gewissen der Regierung sein soll, ist leicht ruiniert. Deshalb schickt Glos dieser Tage Stoßgebete nach oben, dass der Kelch einer Ministerentscheidung im Fall Springer/ProSiebenSat.1 an ihm vorbeigehen möge. Es war dies eine Seite-1-Nachricht des Sommers: Der Axel-Springer-Konzern würde, hieß es Anfang August, für knapp 2,5 Milliarden Euro vom US-Investor Haim Saban die Mehrheit an der Fernsehgruppe ProSiebenSat.1 übernehmen. Es droht ein Fiasko Ein Vierteljahr später droht Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner ein Fiasko. Das Bundeskartellamt hat massive Einwände gegen die Fusion, und bei der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) sieht es nicht viel besser aus. Beide Aufsichtsbehörden könnten ihr Veto gegen den Deal einlegen. Dann muss Döpfner entweder klagen, was eine lange Hängepartie zur Folge hätte. Oder er beantragt bei Glos eine Ministererlaubnis. Mit diesem 1973 für Fusionen eingeführten Sonderrecht kann sich die Regierung aus gesamtwirtschaftlichen Gründen über die Entscheidung der Kartellbehörden hinwegsetzen. Keine Kleinigkeit Glos weiß um die Brisanz des Themas. Eine Ministererlaubnis ist keine Kleinigkeit. Seit 1973 gab es gerade mal 18 Anträge, nur sieben wurden genehmigt: Veba/Gelsenberg (1974), Babcock/Artos (1976), Thyssen/Hüller-Hille (1977), Veba/BP (1979), IBH/Wibau (1981), Daimler-Benz/MBB (1989) und Eon/Ruhrgas (2002).
Wenn die Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 durch Springer auf dem Tisch von Wirtschaftsminister Michael Glos landet, kann er nur verlieren.
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ProSiebenSat.1/Springer - Ein Minister, der sich raushalten will
00/05/2010
Die argentinische Schuldenkrise nimmt bizarre Züge an: Staatspräsident Kirchner soll einen Hamburg-Besuch abgesagt haben, weil ihm die Pfändung des Regierungsflugzeugs "Tango 01" drohe. An der Alster freue man sich nun allerdings auf seine attraktive Frau, die ihn vertreten solle, heißt es in einem Zeitungsbericht. Kurzerhand habe Kirchner seinen Besuch beim Hamburger Ibero-Amerika-Tag abgesagt, weil ihm die Bundesregierung keine Immunität garantieren könne, berichtete das Hamburger Abendblatt am Mittwoch. Kirchner habe dadurch die Pfändung seiner Regierungsmaschine gedroht. Der Flug mit einer Linienmaschine habe der Peronist als unter seiner Würde eingestuft. Die Klamotte hat einen ernsten Hintergrund: Argentinien hat Ende 2001 offiziell die Zahlungsunfähigkeit erklärt. Das südamerikanische Land weist allein bei privaten Gläubigern Außenstände von über 95 Milliarden Dollar auf, bedient diese derzeit aber werder durch Tilgung noch durch Zinszahlungen. Viele Schuldner in Hamburg Allein sieben Milliarden Dollar soll Argentinien noch Kleinanlegern aus Deutschland schulden. Wie die Zeitung weiter schrieb, lebe eine große Zahl von ihnen in Hamburg. Eine Einigung mit der Regierung Kirchner über einen Weg aus der Krise lehnten die Gläubiger jüngst ab: Die Schuldner hätten nur noch 25 Prozent des ausgeliehenen Kapitals ohne Entschädigung zurückzahlen müssen. Der Lateinamerikatag findet am 10. Oktober in Hamburg unter der Schirmherrschaft von CDU-Oberbürgermeister Ole von Beust statt. Vertreter deutscher und argentinischer Unternehmen debattieren dabei über Strategien zur Überwindung der wirtschaftlichen uns politischen Krise des Landes. Ganz ohne politische Präsenz muss Argentinien in Hamburg offenbar aber nicht auskommen. Dem Abendblatt zufolge wird Präsidenten-Gattin Christina Fernández de Kirchner ihr Land vertreten. Im fernen Patagonien versteckt Die "Primera Dama", die in Buenos Aires den Spitznamen "Königin Cristina" trage und gelegentlich mit der legendären Evita Perón verglichen werde, gelte als wenig penibel, schreibt die Zeitung weiter. Während der Militärdiktatur habe sich die damalige Linksaktivistin im fernen Patagonien verstecken müssen. Mittlerweile sitze die Juristin aber als Senatorin für die Provinz Santa Cruz im Kongress von Buenos Aires, und leite den mächtigen Verfassungsausschuss. Aus dem Hintergrund habe sie die Wahlkampagne ihres Gatten geführt, die den fast unbekannten Patagonier im Mai ins Präsidentenamt brachte. Sie sei "eine Art Hillary Clinton", zitiert das Blatt einen der Organisatoren des Treffens.
Die argentinische Schuldenkrise nimmt bizarre Züge an: Staatspräsident Kirchner soll einen Hamburg-Besuch abgesagt haben, weil ihm die Pfändung des Regierungsflugzeugs "Tango 01" drohe. An der Alster freue man sich nun allerdings auf seine attraktive Frau, die ihn vertreten solle, heißt es in einem Zeitungsbericht.
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"Angst um ""Tango 01"" - Argentiniens Präsident meidet Hamburg"
00/05/2010
Bei der Arbeitsmarktreform Hartz IV wollen die Spitzen von Union und SPD verstärkt gegen den Missbrauch beim Arbeitslosengeld II vorgehen. Die designierte Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angesichts der Kostenexplosion beim Arbeitslosengeld II Veränderungen bei der Arbeitsmarktreform Hartz IV angekündigt. Es reiche nicht, den Missbrauch beim Arbeitslosengeld II zu bekämpfen, sagte die CDU-Politikerin der Bild am Sonntag. "Wir müssen uns vielmehr mit den prinzipiellen Konstruktionsschwächen beschäftigen, die den Missbrauch ermöglichen." Auch der designierte Vizekanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) kündigte Konsequenzen an. "Nah an die Menschen" Merkel beklagte, dass die Bundesrepublik heute zehn Milliarden Euro mehr für die gleichen Probleme wie im vergangenen Jahr ausgebe. "Gespart wird, wenn wir die Entscheidungen möglichst nah an die Menschen bringen. Und da setze ich auf die kommunale Ebene", sagte sie. Sie wolle aber den Koalitionsverhandlungen nicht vorgreifen. Auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff forderte im Focus: "Wir müssen die Arbeitsmarktpolitik verantwortlich in die Hände der Kommunen geben - organisatorisch und finanziell. Dafür sollte auch das Grundgesetz geändert werden." Bislang teilen sich Kommunen die Aufgabe mit der Bundesagentur für Arbeit. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel begrüßte Wulffs Vorstoß und forderte erneut die Auflösung der Bundesagentur. "Unter Dehnung des Gesetzes Geld einkassiert" Müntefering sagte dem Spiegel, dass die Höhe der Leistungen nicht zur Debatte stehe, aber "dass Leute rumtricksen, kann man nicht akzeptieren". Man könne nicht einfach zuschauen, dass über das Notwendige hinaus und unter Dehnung des Gesetzes Geld einkassiert werde.
Bei der Arbeitsmarktreform Hartz IV wollen die Spitzen von Union und SPD verstärkt gegen den Missbrauch beim Arbeitslosengeld II vorgehen.
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Arbeitsmarktreform - Große Koalition gegen Hartz-IV-Missbrauch
00/05/2010