text
stringlengths
276
36k
summary
stringlengths
47
1.39k
topic
stringclasses
21 values
url
stringlengths
36
209
title
stringlengths
4
133
date
stringclasses
108 values
Die französische Regierung kämpft mit drastischen Abgabenerhöhungen gegen das Rauchen — doch die Verbote bewirken bisher wenig. (SZ vom 17.7.2003) — Der klassische Klischee-Franzose ist ohne seine Gauloise im Mundwinkel gar nicht vorstellbar. Rauchen wird außerhalb Frankreichs quasi als Bestandteil der Lebensart des Landes betrachtet. Doch die Realität sieht anders aus: Drastische Tabak-Steuererhöhungen haben vielen Franzosen den Glimmstängel längst verleidet. Steuererhöung um 17 Prozent Ähnlich wie in Deutschland, nur viel konsequenter, hat die Regierung den Zigaretten den Kampf angesagt. Angesichts von jährlich 60.000 Toten durch das Rauchen und angeblichen raucherbedingten Kosten von 5,3 Milliarden Euro in der Krankenkasse, schrillen die Alarmglocken. Erst Anfang des Jahres wurde die Steuer um 17 Prozent erhöht. Nun wurde eine weitere Anhebung um fünf Prozent beschlossen und wenn es nach Gesundheitsminister Jean-Francois Mattei geht, dann soll die Steuer jedes Jahr um 17 bis 25 Prozent steigen. Zwar ist Frankreich damit noch weit von britischen Verhältnissen entfernt. Doch mit einem Preis von beispielsweise 3,90 Euro für eine Schachtel der Marke Marlboro liegt das Land inzwischen im europäischen Spitzenfeld. Rund 7,5 Milliarden Euro pro Jahr bringt die Steuer der Staatskasse ein. Von der Erhöhung zu Jahresanfang erhoffte man sich Zusatzeinnahmen von etwa einer Milliarde Euro, die zu zwei Dritteln der Krankenversicherung zugute kommen sollten. Da die Zigarettenindustrie jedoch nicht die gesamte Erhöhung an die Raucher weitergab, kam weniger herein als geplant. Regierung legte nach Deshalb legte die Regierung nun im Rahmen eines Gesetzes, das den Verkauf von Zigaretten und Tabak zum Selbstdrehen an unter 16-Jährige bei Strafe verbietet, noch mal nach. Die Tabakgeschäfte, die gegen die neue Regelung Sturm liefen, erreichten nur eine Abmilderung der vorgesehenen Strafen. Die Tabakwarenhändler rechnen bei einer Preiserhöhung um zehn Prozent mit einem Rückgang des Konsums um vier Prozent. Vor allem in Hafenstädten wie Marseille und Le Havre, aber auch in bestimmten Pariser Vierteln, wird jedoch zunehmend Schwarzmarktware verkauft. Obwohl die Franzosen gerne und viel rauchen und die Verbotszonen in Restaurants und Cafés lange Zeit nur Alibi-Funktion hatten, finden die Maßnahmen der Regierung starke Zustimmung. 63 Prozent der Befragten begrüßen regelmäßige, starke Preiserhöhungen. Drastische Maßnahmen Die Regierung begleitet ihren Kampf gegen das Rauchen mit drastischen Maßnahmen: Vor einigen Monaten wurde etwa im Fernsehen vor einem "Produkt des täglichen Gebrauchs" gewarnt, das "Spuren von Blausäure, Quecksilber und Ammoniak" enthalte. Wer Genaueres wissen wolle, solle die angegebene Telefonnummer wählen. Anrufer, die trotz der völlig überlasteten Leitungen durchkamen, erfuhren, dass es sich um Zigaretten handelt. Frankreich verfügt schon seit 1991 über ein Anti-Raucher-Gesetz, das 1998 verschärft wurde. Es gehört zu den strengsten in Europa. Werbung für Zigaretten ist im Gegensatz zu Deutschland seit langem verboten. Auch das Rauchen in Schulen und in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie an öffentlichen Orten ist im Prinzip untersagt. Doch nach anfänglichen Rückgängen stagniert der Zigarettenkonsum in der letzten Zeit - wohl auch, weil die Verbote oft nicht eingehalten wurden. Die jüngsten Maßnahmen sollen nun vor allem darauf abzielen, Jugendliche davon abzuhalten, mit dem Rauchen anzufangen.
Die französische Regierung kämpft mit drastischen Abgabenerhöhungen gegen das Rauchen — doch die Verbote bewirken bisher wenig.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/frankreich-die-gauloise-qualmt-immer-noch-1.905023
Frankreich - Die Gauloise qualmt immer noch
00/05/2010
Zumutbare Tätigkeiten dürfen die Aufnahme eines neuen Jobs nicht behindern — sagt der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, hat Befürchtungen zurückgewiesen, dass Arbeitslose künftig Jobs annehmen müssen, die deutlich unter dem Niveau ihrer alten Beschäftigung liegen. Die Einführung des Arbeitslosengeldes II zum 1. Januar 2005 werde nicht dazu führen, dass beispielsweise ein beschäftigungsloser Manager als Parkfeger arbeiten müsse. "Zu solchen Extremen wird es nicht kommen", sagte Weise der Süddeutschen Zeitung. Es gehe darum, die Menschen wieder einzugliedern. Mehr öffentliche Beschäftigungsverhältnisse Das Gesetz zur Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe (Hartz IV) sieht vor, dass Erwerbslose jeden zumutbaren Job annehmen müssen. Die Tätigkeit dürfe aber niemanden bei der Aufnahme eines neuen Jobs in seinem alten Beruf behindern, erklärte Weise. "Wenn zum Beispiel ein Klavierspieler als Maurer eingesetzt würde, bestünde die Gefahr, dass er die Fingerfertigkeit verliert. Das darf nicht sein." Der BA-Chef bekräftigte jedoch, dass Erwerbslose künftig verstärkt in öffentlichen Beschäftigungsverhältnissen und in sozialen Einrichtungen eingesetzt werden sollen. Zum Beispiel sollen arbeitslose Erzieherinnen Aufgaben in der Kinderbetreuung übernehmen. Hier sei man mit den Wohlfahrtsverbänden und Kommunen im Gespräch. Die BA drängt auch deshalb darauf, mehr Erwerbslose in öffentlicher Beschäftigung unterzubringen, um dem statistischen Effekt entgegenzuwirken, dass die Arbeitslosenzahl Anfang des Jahres deutlich steigen dürfte. Mit der Gesetzesänderung werden sich vermutlich viele Sozialhilfeempfänger - die bisher nicht in der BA-Statistik geführt wurden - arbeitslos melden, um zu vermeiden, dass sie Geld verlieren. Immobilieneigner bevorzugt Das Hartz-IV-Gesetz enthält neben der Vorgabe, jeden zumutbaren Job anzunehmen, weitere Klauseln, die Interpretationsspielräume und damit Konfliktpotenzial bieten. So übernehmen die Kommunen "angemessene" Unterkunfts- und Heizkosten. Außerdem werden ein "angemessenes" Haus oder eine entsprechende Eigentumswohnung nicht bei der Ermittlung des Vermögens der Betroffenen angerechnet. Was als angemessen gilt, ist dabei jeweils nicht eindeutig festgelegt. Es wird sich unter anderem nach regionalen Immobilien- und Mietpreisen sowie Lebensverhältnissen unterscheiden. Die Verantwortung dies zu regeln, liege bei den Kommunen, erklärte Weise. Zwar sind viele dieser Vorschriften im Bereich der Sozialhilfe lange erprobt. Mit der Einführung des Arbeitslosengeldes II und dem erweiterten Kreis der Betroffenen erregen sie aber neues Aufsehen. Erst am Wochenende musste Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) Meldungen entgegengetreten, dass Arbeitslose in großem Umfang in leere Plattenbauten in Ostdeutschland umziehen müssten.
Zumutbare Tätigkeiten dürfen die Aufnahme eines neuen Jobs nicht behindern — sagt der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hartz-iv-arbeitslose-manager-muessen-nicht-im-park-fegen-1.902499
Hartz IV - Arbeitslose Manager müssen nicht im Park fegen
00/05/2010
Deutschland und Frankreich wollen ab 2007 gemeinsam Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Paris und Frankfurt sowie Stuttgart betreiben. Die Bahnchefs beider Länder unterzeichneten eine entsprechende Vereinbarung. Deutschland und Frankreich wollen ab 2007 gemeinsam grenzüberschreitende Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Paris und Frankfurt am Main sowie Stuttgart betreiben. Detailansicht öffnen Hartmut Mehdorn und Louis Gallois bei ihrem Treffen in Straßburg. (Foto: Foto: AFP) Dies teilten die Verkehrsminister beider Länder, Manfred Stolpe (SPD) und Gilles de Robien, am Montag in Straßburg mit. Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und sein französischer Kollege Louis Gallois unterzeichneten zugleich eine Vereinbarung zur Schaffung einer gemeinsamen Betriebs- und Marketinggesellschaft. Die Gesellschaft mit dem Namen "Realis" soll ihren Sitz in Saarbrücken haben. Ziel ist es, die Fahrzeit zwischen der französischen Hauptstadt und Frankfurt beziehungsweise Stuttgart von derzeit jeweils gut sechs Stunden auf jeweils rund dreidreiviertel Stunden verkürzen. Vier bis fünf Mal am Tag Die neue Betreibergesellschaft der Staatsbahnen DB und SNCF soll auf der Frankfurt-Strecke täglich fünf Verbindungen in beide Richtungen anbieten, auf der Stuttgart-Strecke sollen es vier sein. Gallois hofft nach eigenen Angaben bereits ab 2009 auf einen Umsatz von jährlich rund hundert Millionen Euro und auf bis zu 1,5 Millionen Fahrgäste. Zur Rentabilität wollte er sich nicht äußern. Dies sei "eine indiskrete Frage". Die neue Hochgeschwindigkeitsverbindung werde "Europa enger zusammenwachsen lassen", sagte de Robien. Die Kooperation solle "Mobilität und Lebensqualität der Bürger" verbessern, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit fördern und so zur "Zukunftsfähigkeit Europas" beitragen, fügte Stolpe hinzu. Tests für ICE 3 und TGV Voraussetzung sei aber eine "vollwertige Zulassung" des deutschen ICE 3 und des französischen TGV in den Netzen beider Länder. Darüber solle eine Einigung erzielt werden, sobald die noch ausstehenden Tests abgeschlossen seien. Dies sei im Sommer dieses Jahres geplant. Die gemeinsame Betreibergeellschaft soll bis zum Januar gegründet werden. Bahn und SNCF sollen daran jeweils zu 50 Prozent beteiligt sein. Die Firma soll Angebote für Reisenden zwischen Deutschland und Frankreich erstellen. Dabei soll sie auf den Erfahrungen der Thalys- und Eurostar-Züge zwischen Paris und Köln beziehungsweise Paris und London aufbauen. Grundlage des Schnellbahn-Projekts POS (Paris-Ostfrankreich-Süddeutschland) ist der Ost-TGV zwischen Paris und Ostfrankreich, dessen Trasse derzeit noch gebaut wird. Baukosten in Milliardenhöhe Der erste Abschnitt zwischen Paris und dem 300 Kilometer entfernten Beaudrecourt in Lothringen soll Juni 2007 fertiggestellt sein. Die Kosten für diese erste Phase werden auf rund 3,9 Milliarden Euro veranschlagt. Mit dem Bau des zweiten Abschnitts zwischen Beaudrecourt und Straßburg will Frankreich 2008 beginnen. Diese Teilstrecke soll die gesamte Fahrzeit nochmals um gut eine Stunde verkürzen. In Deutschland werde der Nordast über Saarbrücken nach Frankfurt bis 2007 ausgebaut sein, erläuterte Stolpe; auf dem Südast in Richtung Stuttgart solle bis 2010 die Rhein-Eisenbahnbrücke bei Straßburg zweispurig ausgebaut sein. Eine entsprechende Vereinbarung solle im Herbst bei einem deutsch-französischen Gipfeltreffen unterzeichnet werden. Förderung aus Gemeinschaftshaushalt Der Ost-TGV ist auch Teil des Projekts "Magistrale für Europa", das bis spätestens 2015 eine Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Paris und Budapest schaffen soll. Das Vorhaben gehört zum EU-Programm Transeuropäische Netze (TE) und wird damit finanziell aus dem Gemeinschaftshaushalt gefördert. Verbesserungen kündigten die beiden Minister auch beim grenzüberschreitenden Güterverkehr an. Güterzüge würden "schneller und zuverlässiger", sagte de Robien. Stolpe zufolge sollen bereits ab Sommer dieses Jahres alle Grenzübergänge für Güterzüge "zügig durchfahrbar" sein. Dadurch könnten "bis zu zwei Stunden" Fahrzeit eingespart werden.
Deutschland und Frankreich wollen ab 2007 gemeinsam Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Paris und Frankfurt sowie Stuttgart betreiben. Die Bahnchefs beider Länder unterzeichneten eine entsprechende Vereinbarung.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neue-hochgeschwindigkeitsverbindung-frankfurt-paris-in-unter-vier-stunden-1.903201
Neue Hochgeschwindigkeitsverbindung - Frankfurt - Paris in unter vier Stunden
00/05/2010
Ernüchternde Zahlen: Das Bruttoinlandsprodukt ist in Deutschland im ersten Quartal zwar um 0,4 Prozent gestiegen, doch Optimisten hatten sich zuletzt mehr erhofft. Die deutsche Wirtschaft ist weniger gewachsen als erwartet: Um 0,4 Prozent stieg das Bruttoinlandsprodukt (BPI) im ersten Quartal, teilte das Statistische Bundesamt mit. Volkswirte hatten angesichts der guten Stimmung in den Unternehmen mit mehr gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahr fiel das Wachstum allerdings so stark aus wie seit sechs Jahren nicht mehr. Detailansicht öffnen Der Industriestandort Deutschland wächst nur langsam. (Foto: Foto: ddp) "Neben dem Außenhandel trugen vor allem die privaten Konsumausgaben und die Ausrüstungsinvestitionen zur wirtschaftlichen Belebung zu Beginn des Jahres 2006 bei", so die Statistiker. Im vierten Quartal 2005 hatte das Bruttoinlandsprodukt noch stagniert. "Das ist schon ein guter Start ins Jahr, der allerdings hinter den Erwartungen zurückbleibt", sagte Sebastian Wanke von der DekaBank. Überraschend sei, dass die Bürger offenbar wieder mehr Geld ausgegeben haben. Der kalte Winter habe aber den Bau und damit wohl das Wachstum gebremst. Außenhandel bremst Wachstum im März Die führenden Forschungsinstitute rechnen für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von 1,8 Prozent, die Bundesregierung erwartet 1,6 Prozent. Das wäre deutlich mehr als im Vorjahr mit einem Wachstum von - nach neuesten Zahlen - 1,0 Prozent. "Deutschland befindet sich auf einem ordentlichen Wachstumskurs", sagte Volkswirtin Elga Bartsch von Morgan Stanley. Die niedrige Industrieproduktion und der geringe Beitrag des Außenhandels im März hatten das Wachstum aber zuletzt gebremst. Experten hatten einen Anstieg des BPI um 0,6 Prozent prognostiziert. Privater Konsum nimmt zu Im ersten Quartal haben laut Statistik die starken Exporte weiter die Wirtschaft angeschoben. Die Unternehmen investierten mehr als zuvor, und erstmals belebte sich überraschend auch der private Konsum. Die neugewonnene Stärke der Konjunktur belegt der Vergleich zum Vorjahr. Gegenüber dem ersten Quartal 2005 erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt um 2,9 Prozent und damit so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr. Allerdings verzerrten drei zusätzliche Arbeitstage - unter anderem wegen des späten Termins der Osterfeiertage - das Ergebnis. Bereinigt um diesen ungewöhnlich hohen Kalendereffekt wuchs die Wirtschaft um 1,4 Prozent, meldeten die Statistiker. Unternehmen investieren Im Vorjahresvergleich habe vor allem die gestiegene Inlandsnachfrage für die Belebung der Wirtschaft gesorgt. Die privaten Konsumausgaben und die Investitionen der Unternehmen seien deutlich gewachsen. Der Außenhandel habe dagegen nicht als Motor gewirkt, weil der Wert der Importe auf Grund steigender Ölpreise und der Aufstockung der Lager wuchs. Das Amt revidierte in seinen neuen Berechnungen die Zahl für das Wachstum 2005 von 0,9 auf 1,0 Prozent. Die Wirtschaftsleistung wurde im ersten Quartal von 38,3 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 0,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die ausführlichen Daten gibt das Statistische Bundesamt am 23. Mai bekannt. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat den Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 0,4 Prozent als "guten Einstieg ins Jahr 2006" gewertet. "Die gute Stimmung in der deutschen Wirtschaft wird zunehmend durch positive Daten untermauert. Die konjunkturelle Aufwärtsentwicklung wird die Belebung am Arbeitsmarkt zusätzlich unterstützen", sagte er in Berlin.
Ernüchternde Zahlen: Das Bruttoinlandsprodukt ist in Deutschland im ersten Quartal zwar um 0,4 Prozent gestiegen, doch Optimisten hatten sich zuletzt mehr erhofft.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/konjunktur-wirtschaft-waechst-langsamer-als-erwartet-1.901612
Konjunktur - Wirtschaft wächst langsamer als erwartet
00/05/2010
Afrika steht hoch im Kurs beim Industrieländer-Club G8. Wenn sich die Mächtigen der Welt demnächst im Ostseebad Heiligendamm treffen, soll der Kontinent eine wichtige Rolle spielen. Afrika steht hoch im Kurs beim Industrieländer-Club G8. Wenn sich die Mächtigen der Welt demnächst im Ostseebad Heiligendamm treffen, soll der Kontinent eine wichtige Rolle spielen. "Afrika hat unglaubliches Entwicklungspotential", sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Aber auch viele Probleme." Diese Probleme wollen die G-8-Staaten, glaubt man ersten Entwürfen für die Schlusserklärung des Gipfels, diesmal vor allem über zusätzliche Investitionen lösen helfen. "Wir stellen fest, dass viele wenig entwickelte Staaten oft unzureichend von ausländischen Direktinvestitionen profitieren", heißt es in der Erklärung etwas gewunden. Zumindest das Bewusstsein dafür soll der Gipfel nun schärfen. Merkel lud am Montag einen erlesenen Kreis deutscher Unternehmer ins Kanzleramt, um die ökonomischen Chancen für den Einsatz westlicher Gelder zu erörtern. "Wer Afrika heute als Investitionsstandort entdeckt, wird morgen die Früchte ernten", warb die Kanzlerin. Schließlich stehe dem Kontinent schon allein ein mentaler Aufschwung durch die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ins Haus, die Südafrika ausrichten wird. Konkrete Erfolge Entwicklungsorganisationen wie Oxfam begrüßen den Vorstoß. "Es ist wichtig, dass mehr private Investitionen nach Afrika kommen", sagt Oxfam-Experte Jörn Kalinski. "Wenn man das ernst meint, muss man allerdings auch die Welthandelsrunde voranbringen." Noch immer versperrten zu viele Handelshemmnisse den Weg Afrikas in die Weltwirtschaft. Hindernis für eine positive Entwicklung sind freilich auch die korrupten Regierungen in manchen Ländern - weshalb der Heiligendamm-Gipfel auch für "gute Regierungsführung" werben soll. Das Treffen könnte damit anknüpfen an die Erfolgsgeschichten früherer G-8-Zusammenkünfte. Wenige Absprachen zeitigten so konkrete Ergebnisse wie die Hilfe für Afrika; der Einsatz für die Ärmsten versprach der angefeindeten Industriestaaten-Gruppe schließlich stets auch Legitimation und ein gutes Image. Vor allem die Entschuldung der ärmsten Länder geht auf das Konto der G 8. 1999 in Köln und 2005 in Gleneagles hatten sich die Industrienationen darauf verständigt, die Gruppe der ärmsten Länder von Schulden zu befreien. Ganz ohne Vorbedingungen sollte das aber nicht geschehen: Neben der erdrückenden Schuldenlast mussten die Länder auch nachweisen, dass sie Reformen angehen, um den Staatshaushalt in Ordnung zu bringen, und sie mussten ein Programm zur Bekämpfung der Armut schultern. Der Plan funktionierte: Inzwischen sind 24 von 41 Ländern in den Genuss der Entlastung gekommen, die 17 restlichen sind auf dem Weg zur Entschuldung. "Das war einer der wenigen wirklichen Erfolge des G-8-Prozesses", lobt selbst Christoph Bals, Geschäftsführer der globalisierungskritischen Gruppe Germanwatch. Chinesische Investitionen in Afrika Nicht überall freilich funktioniert die Entschuldung gut. Die Regierung Sambias etwa ließ zu, dass ein Schuldschein über 15 Millionen Dollar an den Geierfonds des US-Investors Michael "Goldfinger" Sheehan verhökert wurde. Der zahlte zwar nur einen Bruchteil dafür, übernahm aber die delikate Aufgabe, das Geld wieder einzutreiben - und hätte um ein Haar Sambia um ein Vielfaches der ursprünglichen Schuld erleichtert, samt Zins und Zinseszins. Erst ein Londoner Gericht vereitelte Schlimmeres, und dennoch: 20 Millionen Euro musste eines der ärmsten Länder der Welt letztlich an Sheehan überweisen. Derweil wächst die Sorge, der Schuldenerlass könnte von China konterkariert werden. Auf der Suche nach neuen Rohstoffproduzenten lockt Peking in Afrika mit Geld: Neue Kredite vergeben die Chinesen in Afrika derzeit reichlich - und ganz ohne Bedingungen.
Afrika steht hoch im Kurs beim Industrieländer-Club G8. Wenn sich die Mächtigen der Welt demnächst im Ostseebad Heiligendamm treffen, soll der Kontinent eine wichtige Rolle spielen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/westliche-hilfe-fuer-afrika-bedingte-erloesung-1.899254
Westliche Hilfe für Afrika - Bedingte Erlösung
00/05/2010
Der überraschende Abgang von Jürgen Schrempp als Daimler-Chef hat Spekulationen angeheizt. Warum geht dieser Manager mit dem berserkerhaften Charakter, der ebenso umstritten wie engagiert bei der Sache war? Die Suche nach der Antwort führt nach Frankfurt - zur Deutschen Bank. Das führende Geldhaus der Republik war bis zum Donnerstag mit einem Anteil von 10,4 Prozent der größte Aktionär von DaimlerChrysler. Die Deutsche Bank stellt mit dem ehemaligen Bankchef Hilmar Kopper den Aufsichtsratsvorsitzenden in Stuttgart. Eine Entscheidung von der Tragweite eines Chef-Wechsels ist nicht ohne Zutun des Frankfurter Geldhauses denkbar. Detailansicht öffnen Steigt ein und fährt in den Ruhestand: Jürgen Schrempp (Foto: Foto: dpa) Der Finanzkonzern hat am Donnerstag auf fast verletzende Weise klar gemacht, dass ihm die seit 1926 bestehende Beteiligung an dem Autobauer nicht mehr wichtig ist. Vor allem zeigte die Deutsche Bank, wie sie über die Geschäftsentwicklung des Autobauers in den zurückliegenden Jahre dachte. Nur Stunden nach der Ankündigung von Schrempps Abgang und dem Freudensprung des Aktienkurses nutzten die Banker eiskalt die Gunst der Stunde und warfen 1,4 Millionen Daimler-Aktien auf den Markt. Das bescherte der Bank rund 300 Millionen Euro Gewinn. Dieser eilige Verkauf hat selbst abgebrühte Banker erstaunt. Manche halten ihn sogar für eine Desavouierung des Daimler-Aufsichtsratschefs Kopper. Schon lange kündigt die Deutsche-Bank-Führung an, die Beteiligung an Daimler abgeben zu wollen. Das Geldhaus hat sich nach und nach aus seinen Industriebeteiligungen zurückgezogen, für die es auch oft gescholten wurde. Nicht immer war es für ein Unternehmen gut, wenn die Deutsche Bank zum Aktionärskreis gehörte. Doch der Rückzug von DaimlerChrysler entwickelte sich zäh und bisher nur in kleinen Schritten. Für den großen Ausverkauf war den Bankern der Aktienkurs des Autokonzerns zu schlecht. Sie hätten ihre Papiere nur mit Verlust verkaufen können. Doch unter Josef Ackermann, dem seit drei Jahren amtierenden Bank-Chef, hat sich in dem Geldhaus manches geändert. Der Schweizer, der von der eigenen Bank extrem hohe Kapitalrenditen erwartet, gibt sich bei Beteiligungen nicht mehr mit Versprechungen zufrieden. Bei DaimlerChrysler will er nach zehn Jahren Schrempp offenbar mehr sehen als neue Ankündigungen. Auch so erklärt sich, dass Aufsichtsratschef Kopper, der Schrempp jahrelang die größten Fehler und Verluste durchgehen ließ, die Notbremse zog und seinen Freund bei DaimlerChrysler fallen ließ. Offenbar sind die Probleme bei Mercedes weit größer als bisher erkennbar war. Mangelhafte Kontrolle durch Aufsichtsrat Der Aufsichtsrat von DaimlerChrysler ist seiner eigentlichen Aufgabe - der Kontrolle des Vorstandes - meist nur mangelhaft nachgekommen. Konzernchef Schrempp hatte sowohl Kopper wie die Belegschaftsvertreter fest in der Tasche. Mit ihnen konnte er nach Belieben umspringen. Die Kumpanei zwischen einigen wichtigen Aufsichtsräten und Schrempp ging soweit, dass die Kontrolleure dubiose Entscheidungen mittrugen. Sie ließen zu, dass Schrempps Chefvertrag unter geschickter Umgehung des Aktiengesetzes frühzeitig verlängert wurde. Die Kontrolleure machten mit, als Schrempp einen Widersacher im Vorstand, den frisch berufenen Mercedes-Chef Wolfgang Bernhard, wieder loswerden wollte. Der hatte sich erdreistet, Schrempp zu widersprechen und seine Mitsubishi-Strategie kritisiert. VW warb Sanierer Bernhard ab Das konnte der Chef nicht ertragen. Bernhard wurde gefeuert - zur Freude von VW-Chef Bernd Pischetsrieder, der nicht zögerte, den als Sanierer hoch geachteten Manager zu Volkswagen zu holen. Im Frühjahr 2004 zeigte sich, dass die gemütlichen Zeiten für Schrempp zu Ende gingen. Im April 2004 bekam der Daimler-Chef auf der Hauptversammlung so harte Kritik zu hören wie nie zuvor. Selbst von großen Fondsgesellschaften, die normalerweise auf Hauptversammlungen schweigen, wurde Schrempp der "massiven Wertvernichtung" bezichtigt. Drei Wochen später stellten sich einige Vorstände und der Aufsichtsrat gegen seine Asien-Strategie. Schrempp wich zurück. Seine Weltstrategie, die ihm die Präsenz auf den Titelseiten der Wirtschaftsmedien sicherte, war am Ende, der Nimbus des Gewinners zerstört. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der wachsende Druck von Deutsche-Bank-Chef Ackermann auch im Aufsichtsrat von DaimlerChrysler ankommen musste. Schon lange war spekuliert worden, wie lange die Geduld von Ackermann noch reichen würde und wie viele Jahre er sich noch mit den schwachen Ergebnissen der Stuttgarter zufrieden geben würde. In diesem Sommer war es soweit: Der Aufsichtsrat - auch Kopper - hat sich gegen Schrempp gestellt - offenbar wegen mangelhafter Leistung des Vorstandes. Der im Grunde ruhmlose Abgang wird notdürftig als freiwilliger Rücktritt eines 60-Jährigen getarnt, der noch spannende Aufgaben vor sich hat. Ein Profiteur steht fest: Die Deutsche Bank Doch ebenso klar ist, dass es nach seinem Abgang viele Gewinner gibt. Unter den Profiteuren ist die Deutsche Bank. Sie kann endlich den lange vorbereiteten Plan umsetzen und sich mit Gewinn von ihren Daimler-Aktien trennen. Zwar waren die Deutsch-Banker von dem Kurssprung am Donnerstag selbst überrascht. Aber sie wussten, dass der Daimler-Aktienkurs auf die Dauer deutlich steigen würde, wenn Schrempp das Unternehmen verließe. Damit haben die Banker bei DaimlerChrysler endlich etwas getan, was für alle Aktionäre gut ist. Jürgen Schrempp, der Prediger der Aktionärsinteressen, sollte dafür eigentlich Verständnis haben.
Der überraschende Abgang von Jürgen Schrempp als Daimler-Chef hat Spekulationen angeheizt. Warum geht dieser Manager mit dem berserkerhaften Charakter, der ebenso umstritten wie engagiert bei der Sache war? Die Suche nach der Antwort führt nach Frankfurt - zur Deutschen Bank.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/analyse-zeitenwende-bei-daimler-1.907193
Analyse - Zeitenwende bei Daimler
00/05/2010
Das Ergebnis des Volkswagen-Konzerns wird im vierten Quartal 2003 durch Sonderabschreibungen in Höhe von rund 500 Millionen Euro stark belastet. Dies ist vor allem der Luxuslimousine Phaeton und der Marke Bentley zu verdanken. "Es liegt an der gesamten Markt- und Devisenschwäche", erläuterte er. Zeitungsberichten zufolge handelt es sich bei den Abschreibungen um eine Größenordnung von 500 Millionen Euro. Die Abschreibungen beträfen vor allem das Luxuswagensegment mit dem Phaeton, der sich deutlich schlechter verkaufe als geplant. Verlustbringer Phaeton Dies wollte Große-Leege nicht bestätigen. Im wichtigen amerikanischen Markt ist für 2004 nur noch ein Absatz von 2500 bis 3000 Fahrzeugen geplant. Ursprünglich wollte VW dort rund 10 000 Wagen verkaufen. Außerdem liegen die Preise, teilweise bedingt durch die Dollarschwäche, rund 20 000 Euro unter den Preisen in Deutschland. Der Phaeton würde damit weitaus geringere Einnahmen einbringen, als erwartet. Nach Zeitungsberichten werde Volkswagen zudem den Wertansatz der Tochtergesellschaft Bentley Motors nach unten korrigieren. Damit gestehe der Konzern ein, dass Bentley 1998 viel zu teuer erworben worden sei. Die Belastungen aus dem Luxuswagensegment dürften in der Ergebnisprognose für 2003 schon enthalten sein. Absatz in den USA gesunken Gleichzeitig gab VW bekannt, dass die Verkaufszahlen in den USA im Oktober erneut gesunken sind. Volkswagen of America verkaufte 23 787 Fahrzeuge, das seien 5,4 Prozent weniger als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Insgesamt setzte das Unternehmen in diesem Jahr bis Ende Oktober 255 699 Fahrzeuge in den USA ab - 11,7 Prozent weniger als im Vorjahresvergleich.
Das Ergebnis des Volkswagen-Konzerns wird im vierten Quartal 2003 durch Sonderabschreibungen in Höhe von rund 500 Millionen Euro stark belastet. Dies ist vor allem der Luxuslimousine Phaeton und der Marke Bentley zu verdanken.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/volkswagen-kein-erfolg-mit-glamour-1.900657
Volkswagen - Kein Erfolg mit Glamour
00/05/2010
KarstadtQuelle wird die Erben der von den Nazis enteigneten jüdischen Kaufmannsfamilie Wertheim entschädigen. Dies ist das Ergebnis einer außergerichtlichen Einigung. Die KarstadtQuelle AG wird die Erben der von den Nazis enteigneten jüdischen Kaufmannsfamilie Wertheim entschädigen. Der Konzern teilte am Freitag mit, dass mit der Jewish Claims Conference (JCC) eine außergerichtliche Einigung erzielt worden ist. Die JCC verfügt über die gerichtlich anerkannten Rechte am früheren Grundbesitz und Vermögen der Wertheim-Erben. Die vereinbarten Entschädigungssumme beträgt nach Angaben der JCC 88 Millionen Euro. Geheimgespräche Nach dpa-Informationen sind in den vergangenen Monaten Geheimgespräche zwischen KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff und dem Europa-Direktor der JCC, Roman Haller, geführt worden. Der gerichtliche Konflikt zwischen dem Warenhauskonzern und den etwa 50 Überlebenden der von den Nazis aus Deutschland vertriebenen Wertheim-Familie wurde seit dem Jahr 2000 ausgetragen. Kernpunkt der Einigung ist eine Entschädigung für ein Grundstück im so genannten Lenné-Dreieck am Potsdamer Platz. Nach der Wende hatte der Berliner Senat dort früheren Wertheim-Grundbesitz für den symbolischen Preis von einer DM an Hertie überlassen. An Metro-Gründer Beisheim verkauft Nachdem KarstadtQuelle Hertie übernommen hatte, verkaufte der Konzern das Gelände in Berlin-Mitte für 145 Millionen Euro an den Metro-Eigentümer Otto Beisheim. Dieser errichtete dort das Beisheim-Center und die Luxushotels Ritz-Carlton und Marriott. Zuständige Gerichte sprachen der ICC und damit in der Folge den Wertheim-Erben die Rechte an diesem Grundstück zu.
KarstadtQuelle wird die Erben der von den Nazis enteigneten jüdischen Kaufmannsfamilie Wertheim entschädigen. Dies ist das Ergebnis einer außergerichtlichen Einigung.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streit-um-enteignung-karstadt-entschaedigt-wertheim-erben-1.900817
Streit um Enteignung - Karstadt entschädigt Wertheim-Erben
00/05/2010
Trotz des neuen Angebots der Bahn vom Vortag verhärten sich im Tarifstreit der Lokführer die Fronten. Die Lokführergewerkschaft GDL will über das Angebot erst verhandeln, wenn es in Sondierungsgesprächen konkretisiert wurde. Das ursprünglich für den morgigen Mittwoch geplante Gespräch sagte die GDL ab. "Es wird kein Treffen geben, so wie es im Moment aussieht", sagte der stellvertretende GDL-Chef Günther Kinscher. Bahn-Personalvorstand Margret Suckale sei nur an Tarifverhandlungen interessiert. Sie wolle also kein Treffen, erklärte Kinscher. Wenn die Bahn ein Angebot vorlege, über das die Gewerkschaft verhandeln könne und das einen eigenständigen Tarifvertrag ermögliche, dann werde die GDL in Verhandlungen eintreten, und "dann gilt natürlich die Friedenspflicht". Über das weitere Vorgehen der GDL einschließlich möglicher weiterer Streiks werde die Gewerkschaft am (morgigen) Mittwoch informieren, sagte Kinscher. Weiterhin unversöhnlich Damit stehen sich beide Seiten trotz eines neuen Angebots des Konzerns weiter unversöhnlich gegenüber. Zuvor hatte die Bahn die GDL mehrmals zu Tarifverhandlungen an diesem Mittwoch eingeladen. Während die GDL für Mittwoch eine Pressekonferenz ankündigte, sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale in Berlin: "Wir werden am Mittwoch um 10 Uhr zu Verhandlungen bereitstehen." Diese könnten in Frankfurt, dem Sitz der GDL, oder in Berlin geführt werden. Sie wisse nicht, worauf die GDL noch warte. Zu einem weiteren unverbindlichen Gespräch sei die Bahn nicht bereit. "Damit würden wir nicht weiterkommen", sagte Suckale. Sondierungsgespräch Zuvor hatte die GDL auf einem Sondierungsgespräch bestanden, bevor entschieden werde, ob wieder Tarifverhandlungen aufgenommen würden. Es müssten zuvor ein paar Punkte geklärt werden. Wenn die Bahn weiterhin nichts außer bezahlten Überstunden anbiete, "dann haben wir noch zu wenig gestreikt", sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert. Das jetzige Angebot der Bahn sei nicht verhandelbar, deshalb könne es zunächst auch keine Verhandlungen geben, sondern nur ein Gespräch. Die Bahn hatte am Montag der GDL einen eigenen Tarifvertrag angeboten, der sich im Wesentlichen am Abschluss mit den anderen Bahngewerkschaften GDBA und Transnet orientiert und in das bestehende Tarifsystem eingepasst werden solle. Die Lokführer könnten sich nach dem Vorschlag bereits geleistete Überstunden auszahlen lassen und so in diesem Jahr 1400 Euro extra erhalten. "Konflikt- und widerspruchsfrei" Die Bahn sei bereit, einen "eigenen Tarifvertrag" für Lokführer abzuschließen. Er müsse sich aber "konflikt- und widerspruchsfrei" in das gesamte Tarifgefüge des Unternehmens einpassen. Andernfalls sei der Betriebsfrieden im Bahn-Konzern in Gefahr. Die GDL lehnte das Angebot am Montag als "in jedem Fall unzureichend" ab. Die Gewerkschaft fordert einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer und Zugbegleiter und eine deutlich bessere Bezahlung, als dies Transnet und GDBA verhandelt haben.
Trotz des neuen Angebots der Bahn vom Vortag verhärten sich im Tarifstreit der Lokführer die Fronten. Die Lokführergewerkschaft GDL will über das Angebot erst verhandeln, wenn es in Sondierungsgesprächen konkretisiert wurde. Das ursprünglich für den morgigen Mittwoch geplante Gespräch sagte die GDL ab.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tarifstreit-der-lokfuehrer-gdl-lehnt-treffen-mit-bahn-ab-1.890074
Tarifstreit der Lokführer - GDL lehnt Treffen mit Bahn ab
00/05/2010
Die Bahn spart nach Ansicht des Verkehrsministeriums zu Lasten der Fahrgäste, der Sicherheit und der Bauindustrie. Staatliche Mittel für Strecken, Stellwerke und Bahnübergänge blieben in vielen Fällen ungenutzt. Der Sparkurs der Deutschen Bahn (DB), mit dem Vorstandschef Hartmut Mehdorn das Staatsunternehmen nach zum Teil hohen Verlusten wieder profitabel machen will, hat offenbar weit gravierende Folgen als bislang bekannt. Detailansicht öffnen Negative Auswirkungen des Sparkurses auf Gleis-und Weichenanlagen beklagt das Verkehrsministerium. (Foto: Foto: dpa) Das Bundesverkehrsministerium zählt in einem internen Vermerk vom September 2004 anhand von mehreren konkreten Beispielen zahlreiche Versäumnisse der Bahn bei der Modernisierung des Schienennetzes auf. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, diese Bestandsaufnahme dokumentiere, dass die Regierung nicht für die verzögerte Nutzung von staatlichen Schienenmitteln verantwortlich sei. Beseitigung von Bahnübergängen blockiert Die DB erklärte auf Anfrage, sie kenne den Vermerk nicht und wolle ihn daher auch nicht kommentieren. Nach Angaben des Ministeriums blockiert die DB die Beseitigung von Bahnübergängen. "Trotz gesicherter Finanzierung" weigere sich das Unternehmen, mit Bund, Ländern und Kommunen den Bau von Unter- oder Überführungen zu vereinbaren. Die DB sei nicht gewillt, jene Planungskosten zu begleichen, für die sie laut geltendem Recht selbst aufkommen müsse. Dem Ministerium seien zehn aktuelle Fälle aus ganz Deutschland bekannt. "Wichtige Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit an Kreuzungen von Schiene und Straße können vorerst nicht verwirklicht werden", schreibt das Verkehrsressort. Das Ministerium bemängelt, der Bauwirtschaft entgingen "beschäftigungswirksame Aufträge". Auch in anderen Fällen wird nach Einschätzung des Ressorts auf diese Weise versäumt, Arbeitsplätze zu sichern. Ein weiterer Vorwurf lautet, die Bahn habe das vereinbarte und finanziell gesicherte "Oberbauprogramm" für die Sanierung von Gleisen in erheblichem Umfang geändert. Etwa 1450 fest geplante Vorhaben, die 200 Millionen Euro kosteten, sollten nicht mehr in diesem Jahr ausgeführt werden. Zum Teil seien jetzt andere Maßnahmen vorgesehen. "Folgen: negative Auswirkungen auf den Zustand der Gleis- und Weichenanlagen, erhöhter Instandhaltungsaufwand, Langsamfahrstellen." Ähnliche Konsequenzen für die Fahrgäste beschreibt das Ministerium am Beispiel der Berliner S-Bahn. Zusätzliche Instandhaltungskosten Auch hier sei mit "kundenunfreundlichen Langsamfahrstellen" und zusätzlichen Instandhaltungskosten zu rechnen, da die DB die "Grunderneuerung" verzögere. Der Bund habe genügend Geld bereitgestellt, nun müsse die Bahn ihren Teil dazu beitragen. Das Unternehmen stelle allerdings "wegen fehlender Eigenmittel" die Sanierung von vier Strecken (S 1, 5, 6 und 8) bis 2008 zurück. Die S-Bahn in Berlin könne die Vorteile moderner Züge (höhere Geschwindigkeiten, kürzere Fahrzeiten) nicht nutzen und müsse Mehrkosten verkraften. Erhebliche Mängel sieht das Ministerium beim Bau von elektronischen Stellwerken, mit denen die Bahn ihren Betrieb "entscheidend" modernisieren und rationalisieren wolle. Im Jahr 2000 habe der Bund die Finanzierung von 74 Anlagen zugesagt. Davon seien 26 in Betrieb und erst 36 weitere im Bau. Für zehn Vorhaben seien noch nicht einmal die Aufträge vergeben worden, zwei Projekte habe die Bahn sogar storniert. In einem Fall müsse der Bund 3,4 Millionen Euro zurückfordern, weil das Unternehmen den Bau des Stellwerkes Elsenztal bei Heilbronn um drei Jahre verschoben habe. Zuvor habe die Bahn der beauftragten Signalfirma aber mit diesen Mitteln die branchenübliche Anzahlung gewährt. Bei den Stellwerken würden die erhofften "Rationalisierungserfolge" nunmehr erst sehr viel später eintreten. "Letztlich hat sich die DB übernommen", lautet die Kritik des Verkehrsressorts. Erhebliche Versäumnisse Am Beispiel von mehreren Strecken beschreibt das Ministerium außerdem erhebliche Versäumnisse bei der Modernisierung des Schienennetzes. Mittel des Bundes und der Europäischen Union (EU) würden nicht oder verspätet genutzt. Der mehrere Jahre dauernde Ausbau der Linie Berlin-Rostock auf 160 Stundenkilometer, für den Bund und EU 675 Millionen Euro zahlten wollte, solle statt bis 2009 nunmehr erst bis 2012 oder 2013 erfolgen. Bei einer Regionalstrecke (Uelzen-Landwedel) entfalle der 1999 vereinbarte Ausbau sogar ganz. Bahnchef Mehdorn hatte am 9. September in einem Brief an Verkehrsminister Manfred Stolpe beteuert, "niemals werden wir die Instandsetzung des Schienennetzes vernachlässigen". Außerdem könnten wegen fehlender Vereinbarungen mit dem Bund wichtige Ausbau-Vorhaben "auf unbestimmte Zeit nicht begonnen werden". Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Eduard Oswald (CSU), pocht nun auf "baldige Aufklärung, wer für welche Versäumnisse verantwortlich ist". Der Abgeordnete Albert Schmidt von den Grünen fordert eine "Sonderprüfung" der DB durch das dem Verkehrsressort unterstellte Eisenbahn-Bundesamt. Das Ministerium will den Bundestag auf Anfrage über die Vorwürfe gegen die Bahn informieren.
Die Bahn spart nach Ansicht des Verkehrsministeriums zu Lasten der Fahrgäste, der Sicherheit und der Bauindustrie. Staatliche Mittel für Strecken, Stellwerke und Bahnübergänge blieben in vielen Fällen ungenutzt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verkehrsministerium-die-bahn-hat-sich-uebernommen-1.904796
"Verkehrsministerium - ""Die Bahn hat sich übernommen"""
00/05/2010
Ab 1. Juli 2004 sollen Rechtsanwälte höhere Honorare berechnen dürfen. Die Versicherer erwarten Belastungen von mehr als 350 Millionen Euro und stellen Prämienerhöhungen in Aussicht. Einen Gang vor Gericht können sich in Zukunft nicht mehr viele leisten. (SZ vom 4. November 2003) — Als Harald L. von seinem Arbeitgeber, einem Hamburger Mineralölkonzern, die Kündigung erhielt, suchte der Sachbearbeiter (Bruttogehalt: 2.250 Euro) Rat bei einem Rechtsanwalt. Der Jurist versuchte, die Kündigung zunächst außergerichtlich abzuwenden. Das misslang. Auch eine Klage vor dem Arbeitsgericht hatte keinen Erfolg. Der verlorene Kampf um den Arbeitsplatz kostete Harald L. 1.213 Euro. Auf diesen Betrag summierten sich Gerichtskosten und Anwaltsgebühren. Anstieg der Gerichtskosten Wenn das vom Bundesjustizministerium erarbeitete "Kostenrechtsmodernisierungsgesetz" umgesetzt ist, wird eine solche Rechnung ab Juni 2004 mehr als 40 Prozent höher ausfallen. Zum einen werden die Gerichtskosten um etwa 20 Prozent steigen; zum anderen ist vorgesehen, die 1994 zum letzten Mal angepasste Vergütung der Rechtsanwälte zu erhöhen. Nach Angaben des Bundesjustizministeriums steigen die Honorare der Anwälte um 14 Prozent. Diese Berechnung wird von den Rechtsschutzversicherern angezweifelt. Nach Auswertung von 25000 Rechtsfällen kommen sie zu einem Plus von 22 Prozent. Anwaltsgehälter über Streitwert verbessert "Vor allem im außergerichtlichen Bereich wird kräftig zugelangt", meint Reinhold Gleichmann, Vorsitzender des Fachausschusses Rechtschutz beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Paul-Otto Fassbender, Vorstandsvorsitzender der Arag, einem der führenden Rechtsschutzversicherer, weist darauf hin, dass die Anwälte ihre Einkünfte über die in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegenen Streitwerte bereits verbessert haben. Er rechnet für sein Unternehmen mit einem rund 22 Prozent höheren Schadenaufwand, wenn der Gesetzentwurf in der vorliegenden Form Wirklichkeit wird. Drastischer Anstieg prognostiziert "Diese Belastung müssen wir über höhere Prämien an die Versicherten weitergeben", sagt Fassbender. Gleichmann, im Hauptberuf Vorstand des Rechtsschutzversicherer D.A.S., prognostiziert, dass alle Gesellschaften ihre Preise drastisch anheben werden. Nach seiner Schätzung belastet die Erhöhung von Gerichtskosten und Anwaltshonoraren die Versicherer mit 350 bis 370 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr haben die etwa 40 auf dem deutschen Markt tätigen Rechtsschutzversicherer rund 2,7 Milliarden Euro an Prämien eingenommen. Für Anwaltshonorare gaben sie gut 1,3 Milliarden Euro aus. Gerichtskosten schlugen mit rund 300 Millionen Euro zu Buche. "Um kostendeckend zu arbeiten, müssen wir eine Police, die heute 250 Euro kostet, künftig für 290 bis 300 Euro anbieten", sagt Gleichmann. Furcht vor Vertragskündigungen Die Prämienanhebung können die Versicherer jedoch nicht gleich zum 1. Juli 2004 vornehmen. Zunächst muss ein Treuhänder die Kostenentwicklung prüfen. Vor Mitte 2005, so heißt es in der Branche, würden die Preise nicht nennenswert angehoben. Dann könnte es jedoch mehrere Jahre hintereinander zu Prämienangleichungen kommen. "Bis die Versicherer die gestiegenen Belastungen in vollem Umfang weitergegeben haben, vergehen vier Jahre", sagt Gleichmann. In der Zwischenzeit, so fürchtet er, würden viele der knapp 20 Millionen Rechtsschutzversicherten ihre Verträge kündigen. In der Vergangenheit war die Stornoquote bei der D.A.S. nach einer Prämienerhöhung regelmäßig um einen Prozentpunkt höher als in einem "Normaljahr". Gleichmann erwartet, dass das Rechtsschutzgeschäft, das bisher zu den profitabelsten Sparten in der Versicherungswirtschaft gehörte, erheblich an Attraktivität verlieren wird. Chancengleichheit in Gefahr "Künftig wird nur noch derjenige eine Police abschließen, der mit einem Rechtsstreit rechnet. Somit drohen höhere Kosten", meint Gleichmann. Fassbender sieht durch das Gesetz gar die Chancengleichheit vor Gericht in Gefahr: "Künftig können sich nur noch Gutverdienende oder Leute mit kleinem Einkommen, die Prozesskostenhilfe erhalten, den Weg zum Anwalt oder vor Gericht leisten." Das vom Bundesjustizministerium verfolgte Ziel, die Zahl der Klagen zu reduzieren und so die Gerichte zu entlasten, wird nach Einschätzung des Arag-Chefs durch das geplante Gesetz auf den Kopf gestellt. Der Gang vor Gericht, so meint er, werde für Anwälte künftig erst recht lukrativ.
Ab 1. Juli 2004 sollen Rechtsanwälte höhere Honorare berechnen dürfen. Die Versicherer erwarten Belastungen von mehr als 350 Millionen Euro und stellen Prämienerhöhungen in Aussicht. Einen Gang vor Gericht können sich in Zukunft nicht mehr viele leisten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/justiz-rechtsschutz-wird-deutlich-teurer-1.899347
Justiz - Rechtsschutz wird deutlich teurer
00/05/2010
Für die Schäden, die dem Bund durch den verzögerten Start der geplanten Lkw-Maut entstehen, muss laut Ex-Verkehrsminister Bodewig der Betreiber haften. Es geht um 156 Millionen Euro pro Monat. Die entscheidende Sitzung zur Einführung der Lkw-Maut auf Autobahnen hat am Montag begonnen. Bei dem zweitägigen Treffen wollen Experten der Behörden und des Betreibers klären, wann die ernsthafte Probephase beginnen und ob der Termin 2. November für den Beginn des Inkassos gehalten werden kann. Von Spediteuren wurde unterdessen Frühjahr 2004 als realistischer Termin genannt. Die Diskussion um die Verantwortung für die Pannen hielt an. Maut-Betreiber Toll Collect haftet nach Ansicht des früheren Verkehrsministers Kurt Bodewig für die Schäden, die dem Bund durch den verzögerten Start entstehen. Im ZDF-Morgenmagazin wies der SPD-Politiker Kritik an dem Vertragsabschluss mit Toll Collect während seiner Amtszeit zurück. Bodewig beruft sich auf das Bürgerliche Gesetzbuch Dem Unternehmen warf er Bruch der vertraglich vereinbarten Vertraulichkeit vor. Zur Haftungsfrage sagte Bodewig, niemand bestreite, dass das Bürgerliche Gesetzbuch mit seinen Haftungsbestimmungen gelte: "Wenn der Vertrag offenliegt, werden wir sehr deutlich nachweisen können, dass die Haftung besteht." Dem Bund entgehen seit 31. August monatlich 156 Millionen Euro an Mauteinnahmen. Ministeriumssprecher Michael Zirpel kündigte für Mittwoch eine Unterrichtung über die Ergebnisse der Arbeitssitzung an. Für den Probelauf sei keine bestimmte Dauer nötig, erfüllt werden müssten aber "qualitative Bedingungen". Die weit überwiegende Zahl der Mauterfassungsgeräte in den Lastwagen läuft nach Angaben des Transportgewerbes immer noch nicht stabil. Bisher sind nach Auskunft des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) rund 40 Prozent der bestellten On-Board-Units (Obus) eingebaut. Von diesen wiederum funktionierten weniger als 20 Prozent. Der BGL berief sich auf eine Umfrage bei 500 eigenen Mitgliedern. "15 Obu-Bestellungen führten bislang zu einem fehlerfrei funktionierenden Gerät", schrieb der Verband. Durchaus unterschiedlich waren dabei die Erfahrungen mit den Geräten, die von zwei Herstellern geliefert werden: "Häufigste Störung bei Grundig-Geräten: Gerät meldet mautfrei, obwohl eine mautpflichtige Autobahn befahren wird. Häufigster Fehler bei Siemens-Geräten: für eine mautfreie Strecke werden Gebühren berechnet." Spediteure gegen Stolpe-Rücktritt Der Bundesverband Spedition und Logistik wandte sich gegen Rücktrittsforderungen an Minister Stolpe. Vizepräsident Michael Kubenz sagte im NDR, wenn Stolpe jetzt zurückträte, würden der Prozess einer verlässliche Mautabrechnung und der europäischen Harmonisierung der Abgaben "wieder weiter zurück fallen". Stolpe habe die Probleme der Transportwirtschaft "ganz deutlich begriffen". Kubenz kündigte weitere Klagen gegen Toll Collect an.Die Spediteure wollen für Umsatzeinbußen bei Einbau und Reparatur der Obus entschädigt werden. Als realistischen Starttermin für die Maut nannte er "Frühjahr nächsten Jahres". "Der Termin 2. November auf keinen Fall mehr, aber auch der Termin 1. Januar oder 2. Februar wird aus meiner Sicht schon sehr schwierig", sagte Kubenz. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus Lippold hielt im Deutschlandfunk Ostern als Starttermin realistisch. (sueddeutsche.de/AP)
Für die Schäden, die dem Bund durch den verzögerten Start der geplanten Lkw-Maut entstehen, muss laut Ex-Verkehrsminister Bodewig der Betreiber haften. Es geht um 156 Millionen Euro pro Monat.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/maut-chaos-ex-minister-sieht-voellige-haftung-bei-toll-collect-1.905539
"Maut-Chaos - Ex-Minister sieht ""völlige Haftung"" bei Toll Collect"
00/05/2010
Reinheitsgebot hin oder her: Mit dem Einsatz genmanipulierter Gerste wird die Qualität des deutschen Biers aufs Spiel gesetzt. Bei den mittelständischen Brauereibetrieben formiert sich der Widerstand gegen die Gentechnologie. Einige Hersteller unterzeichneten am Mittwoch ein Manifest gegen den Einsatz von genmanipulierten Rohstoffen wie Gerste, Hopfen oder Hefe bei der Bierherstellung. Detailansicht öffnen Schon der Anbau genmanipulierter Gerste birgt Risiken, von ihrer Verwendung bei der Bierproduktion ganz zu schweigen. (Foto: Foto: dpa) Der Zeitpunkt und auch der Ort für die Erklärung waren geschickt gewählt: Das Auftauchen von genmanipuliertem Reis aus den USA in Deutschland hat die Debatte um den umstrittenen Einsatz von Gentechnologie in der Lebensmittelbranche gerade wieder angefacht. Den passenden Rahmen für die Pressekonferenz lieferte München, wo noch bis Anfang nächster Woche das Oktoberfest läuft - das größte Bierfest der Welt. Qualitätsverlust droht Nach Feiern war den Unterzeichnern des Manifestes allerdings weniger zumute. Deutsches Bier solle auch in Zukunft gentechnikfrei bleiben, forderten die Chefs der Neumarkter Lammsbräu, des Brauhauses Riegele Augsburg und der Stralsunder Brauerei. "Wir warnen davor, dass bei Verwendung genmanipulierter Zutaten wie Gerste oder Hefe das deutsche Bier seine Qualität verliert und es möglicherweise gesundheitsschädlich für die Verbraucher ist", sagte der Inhaber der Ökobrauerei Neumarkter Lammsbräu, Franz Ehrnsperger. Markus Berberich, Geschäftsführer der Stralsunder Brauerei, kritisierte, dass die Gefahr, die von der Gentechnologie ausgehe, von vielen Brauern unterschätzt werde. Er sieht vor allem mittelständische Betriebe gefährdet, wenn sich die Gentechnik durchsetzen sollte. Noch ist Gentech-Bier in Deutschland verboten So genanntes Gentech-Bier ist in Deutschland, anders als etwa in Japan, Großbritannien oder Brasilien, bislang nicht erlaubt. Damit sich daran nichts ändert, forderten die Manifest-Unterzeichner eine Ergänzung im Gesetz, die den Einsatz von Gentechnologie bei der Bierherstellung ausdrücklich untersagt. Gemäß dem bayerischen Reinheitsgebot, das für alle deutschen Brauereien gilt, darf Bier nur mit Malz aus Getreide, Hopfen, Hefe und Wasser hergestellt werden. Allerdings ist darin bisher nichts über gentechnisch veränderte Zutaten gesagt. Besorgt zeigten sich die drei Brauereien vor allem darüber, dass auch in Deutschland in diesem Jahr erstmals Freilandversuche mit genmanipulierter Gerste stattfinden - ein Projekt, das von der Universität Gießen geleitet und vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Ziel dieser Versuche ist es den Wissenschaftlern zufolge zwar nur, den Einfluss von transgenen Pflanzen auf die Umwelt zu testen und nicht etwa Brauerei-Gerste zu entwickeln.
Reinheitsgebot hin oder her: Mit dem Einsatz genmanipulierter Gerste wird die Qualität des deutschen Biers aufs Spiel gesetzt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gesundheitsrisiken-befuerchtet-brauereien-warnen-vor-gentech-bier-1.898041
Gesundheitsrisiken befürchtet - Brauereien warnen vor Gentech-Bier
00/05/2010
Die Telekom will ihre Internet-Tochter von der Börse nehmen und sie in den Konzern integrieren. Das soll vorrangig durch den Umtausch von T-Online-Aktien in Telekom-Papiere erfolgen. Die Deutsche Telekom hat den Aktionären ihrer Internettochter T-Online ein Rückkaufangebot unterbreitet. Für eine Stückaktie bietet der Bonner Konzern laut einer am Samstag veröffentlichten Pflichtmitteilung an die Börse 8,99 Euro - das entspricht dem Schlusskurs vom Freitagabend. Das freiwillige öffentliche Kaufangebot sei nicht an das Erreichen bestimmter Aufnahmequoten gebunden, erklärte die Telekom. Warnung von Aktionärsschützern Das Angebot der Telekom an die Aktionäre von T-Online ist aus Sicht von Aktionärsschützern allerdings unzureichend. "Diese Offerte ist absolut inakzeptabel", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker. Die T-Online-Aktionäre sollten abwarten, bis die Telekom bei der geplanten Verschmelzung ein weiteres Angebot vorlege. Die Chancen auf einen höheren Preis stünden dann wesentlich besser. Hocker: "Für die T-Online-Aktionäre kann die Devise nur lauten: Abwarten! Die Erfahrung zeigt, dass Anleger, die zu früh agieren, Geld verschenken." Die Deutsche Telekom hatte ihre Internettochter im April 2000 für 27 Euro je Aktie an die Börse gebracht. Eine entsprechende Angebotsunterlage mit den konkreten Bestimmungen solle noch im November veröffentlicht werden. Über eine Wiedereingliederung von T-Online, an der die Telekom derzeit knapp 74 Prozent hält, war im Zuge des weitreichenden Konzernumbaus immer wieder spekuliert worden. Die bisherigen vier Telekom-Sparten T-Com (Festnetz), T-Mobile (Mobilfunk), T-Systems (Systemlösungen) und T-Online (Internet) werden nach den Plänen von Konzernchef Kai-Uwe Ricke zum Jahreswechsel unter dem Dach der drei strategischen Geschäftsfelder Breitband/Festnetz, Mobilfunk und Geschäftskunden gebündelt. Vorstand wird gestrafft Entsprechend wird auch der Vorstand gestrafft. Vor einem Monat hatte die Telekom bereits mitgeteilt, dass der bisherige IBM-Geschäftsführer Walter Raizner im Rahmen der neuen Konzernstruktur künftig für den Bereich Breitband und Festnetz im Vorstand verantwortlich zeichnen wird, also auch für das Geschäft der Internettochter. T-Online-Chef Thomas Holtrop, der durch den Umbau zum Jahreswechsel aus dem Telekom-Vorstand ausgeschieden wäre, trat daher zurück. T-Online solle voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2005 komplett in der Deutschen Telekom aufgehen. Daher werde es auch einen Umtausch von T-Online-Aktien in Telekom-Aktien geben. Die Telekom hält derzeit 73,9 Prozent an ihrer Online-Tochter. Weitere 20,4 Prozent liegen im Streubesitz und ein Paket von 5,7 Prozent gehört der französischen Lagardère-Gruppe. Über eine Wiedereingliederung von T-Online war im Zuge des angekündigten Konzernumbaus immer wieder spekuliert worden.
Die Telekom will ihre Internet-Tochter von der Börse nehmen und sie in den Konzern integrieren. Das soll vorrangig durch den Umtausch von T-Online-Aktien in Telekom-Papiere erfolgen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/t-online-zurueck-zu-muttern-1.899041
T-Online - Zurück zu Muttern
00/05/2010
Die Überhitzung der Weltkonjunktur, so der DIHK, bedrohe den deutschen Exportboom. Damit könnte dem Aufschwung in Deutschland die Puste ausgehen, bevor er richtig in Fahrt kommt. "Noch vor Jahresende könnte die wirtschaftliche Erholung in Deutschland schon wieder an Tempo verlieren", sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), bei der Vorstellung der Frühsommer-umfrage des Verbandes unter 22.000 Firmen. Dennoch hielt der DIHK an seiner Prognose fest, wonach die deutsche Wirtschaft 2004 um zwei Prozent wachsen wird. Allein die Exportwirtschaft habe bisher von der boomenden Weltkonjunktur profitiert, während die Inlandsnachfrage "in Lethargie" verharre, erklärten Wansleben und DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke. Mehr Pessimismus unter den Befragten Mit den hohen Rohstoffpreisen und ersten Inflationszeichen zögen nun wieder "Wolken am konjunkturellen Horizont" auf: "Die deutschen Unternehmen befürchten, dass sich die überhitzte Weltwirtschaft angesichts der drastisch gestiegenen Rohstoffpreise abkühlen wird." Dies werde voraussichtlich passieren, noch bevor die Binnenachfrage in Deutschland Tritt fassen und einen Aufschwung aus eigener Kraft anstoßen könne. Entsprechend zeigten sich die Unternehmen in der Umfrage der Kammern deutlich pessimistischer als noch vor wenigen Monaten: Nur 28 Prozent der Befragten erwarteten für die kommenden Monate noch eine Verbesserung ihrer Geschäfte; im Februar hatten dies noch 32 Prozent angegeben. Mit einer Verschlechterung ihrer Geschäfte hatten im Februar demnach nur 22 Prozent gerechnet, nun stieg der Anteil der Pessimisten auf 26 Prozent. Der Anteil jener Unternehmen, die von einer unveränderten Geschäftslage ausgingen, sei mit 46 Prozent konstant geblieben. Enttäuschende Investitionspläne Das vorausgesagte Wirtschaftswachstum von zwei Prozent sei zu einem Viertel den zusätzlichen Arbeitstagen in diesem Jahr geschuldet, hieß es weiter. Die Investitionen der Unternehmen würden zwar leicht ansteigen, doch seien die Investitionspläne gemessen am Exportboom "enttäuschend", erklärten die DIHK-Experten. Für die kommenden Jahre bleibe das Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft damit auf ein bis 1,5 Prozent beschränkt — "was für mehr Beschäftigung deutlich zu niedrig wäre". Arbeitsmarkt bleibt Konsumblocker Der Arbeitsmarkt wird nach den Worten von Wansleben und Nitschke auch in diesem Jahr "seine Rolle als Konsumblocker nicht ablegen": Die Zahl der Beschäftigten werde im Jahresdurchschnitt gegenüber 2003 nochmals um rund 100.000 sinken. 30 Prozent der Unternehmen wollen laut Umfrage die Zahl ihrer Mitarbeiter reduzieren; nur neun Prozent planen Neueinstellungen, darunter vor allem Großunternehmen. Dennoch sieht der DIHK auf Seiten der Politik keinen Anlass für ein "Eingreifen à la Keynes" und damit keine konjunkturpolitische Rechtfertigung für eine weitere Staatsverschuldung. Große Unternehmen bevorteilt Notwendig sei vor allem ein Ende des "wirtschaftspolitischen Zickzack-Kurses" bei konsequenter Umsetzung der Reformen, forderten Wansleben und Nitschke. Michael Müller, Wirtschaftssenator im Bundesverband mittelständische Wirtschaft, kritisierte mit Blick auf die Umfrageergebnisse, die deutsche Wirtschafts- und Steuerpolitik sei zu "einseitig auf große Unternehmen ausgerichtet".
Die Überhitzung der Weltkonjunktur, so der DIHK, bedrohe den deutschen Exportboom. Damit könnte dem Aufschwung in Deutschland die Puste ausgehen, bevor er richtig in Fahrt kommt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-wirtschaft-konjunkturerholung-nur-ein-strohfeuer-1.898609
Deutsche Wirtschaft - Konjunkturerholung nur ein Strohfeuer
00/05/2010
Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat die bisherige Spitze des Konzerns hart kritisiert und auf Konsequenzen hingewirkt - nun muss er sich selbst gegen Angriffe verteidigen. Gerhard Cromme wehrt sich einem Pressebericht zufolge gegen Kritik im Zusammenhang mit der ungelösten Führungsfrage und einem möglichen Umbau beim Münchener Elektronikkonzern. Angebliche Überlegungen über eine Restrukturierung des Siemens-Vorstands seien ebenso falsch wie Spekulationen über geheime Absprachen hinsichtlich eines neuen Personalvorstands, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf einen Brief Crommes an seine Aufsichtsratskollegen. Zuvor hatte die Financial Times Deutschland berichtet, Cromme habe sich mit IG-Metall-Vize Berthold Huber auf den früheren SPD-Geschäftsführer Karlheinz Blessing als neuen Siemens-Personalchef geeinigt. "Frei erfunden" "Herr Huber hat mich ausdrücklich ermächtigt, dies auch in seinem Namen richtigzustellen", zitiert dagegen das Handelsblatt aus dem Schreiben Crommes an die Siemens-Aufsichtsratskollegen. "Auch die Namen möglicher Kandidaten für den Vorstandsvorsitz sind frei erfunden", heißt es weiter. Medien hatten berichtet, Cromme hätte eine Liste mit möglichen Kandidaten für den Vorstandsvorsitz angelegt. Demnach solle auch Franz Fehrenbach, der Chef des Automobilzulieferers Bosch, auf der Liste stehen. Fehrenbach hat inzwischen mitteilen lassen, dass er nicht zur Verfügung stehe. Auch der Chef des Schweizer Siemens-Konkurrenten ABB, Fred Kindle, wurde als möglicher Kandidat genannt. Kindle hat Insidern zufolge ebenfalls kein Interesse auf die freie Stelle. Nach den zahlreichen Spekulationen um eine neue Führungsstruktur befürchten Unternehmenskreise nun, dass auch die Glaubwürdigkeit Crommes beeinträchtigt werden könnte. Wie das Handelsblatt berichtet, sei Cromme vor wenigen Tagen auf einer Führungskräfte-Tagung in Feldafing am Starnberger See intern hart angegangen worden. Ein Teilnehmer habe den Aufsichtsratsvorsitzenden direkt kritisiert: Mit dem erzwungenen Rücktritt Heinrich von Pierers und der anschließenden Demission Kleinfelds habe Cromme "das Herz von Siemens" herausgerissen. Verheerende Stimmung Ein anderer habe wissen wollen, was den langjährigen Chef des Thyssen-Krupp-Aufsichtsrates überhaupt für die schwierige Aufgabe an der Spitze des Siemens-Kontrollorgans befähige. "Die Stimmung in der Management-Spitze ist verheerend", zitiert die Zeitung aus Teilnehmerkreisen. Andere Teilnehmer hätten dagegen erklärt, Cromme habe hart und offen diskutiert, sei aber mit Beifall verabschiedet worden. Cromme ist nun fieberhaft auf der Suche nach einem Nachfolger, der spätestens ab Oktober die Amtsgeschäfte Kleinfelds übernimmt. Nach wie vor gilt Linde-Chef Wolfgang Reitzle als ein Wunschkandidat Crommes. Reinhardt im Gespräch Doch auch ein Kandidat aus dem Hause Siemens ist denkbar. Wie das Handelsblatt weiter berichtet, wird immer öfter der Name von Erich Reinhardt genannt. Der 60-jährige Professor für Elektrotechnik ist Chef der Medizintechnik-Sparte Med und seit 2001 Vorstandsmitglied. Unter seiner Führung hat sich die Siemens-Sparte zu einer der erfoglreichsten im Konzern entwickelt. Reinhardt genießt dem Vernehmen nach unternehmensintern hohes Ansehen. Auch gelten die Maßnahmen seines Geschäftsbereichs gegen Korruption als vorbildlich.
Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat die bisherige Spitze des Konzerns hart kritisiert und auf Konsequenzen hingewirkt - nun muss er sich selbst gegen Angriffe verteidigen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-druck-auf-cromme-waechst-das-herz-herausgerissen-1.906031
"Siemens: Druck auf Cromme wächst - ""Das Herz herausgerissen"""
00/05/2010
Die schweren Vorwürfe gegen Manager der argentinischen Mercedes-Benz-Tochter, während der Militärdiktatur zur Verschleppung und Ermordung von Regimegegnern beigetragen zu haben, sind nach Auffassung des Völkerrechtlers Christian Tomuschat unbegründet. (SZ vom 9.12.03) — Tomuschat war im vergangenen Sommer von DaimlerChrysler beauftragt worden, zu untersuchen, welche Rolle Mitarbeiter von Mercedes-Benz Argentina zwischen 1976 und 1983 bei der Verfolgung regimekritischer Arbeitnehmer durch die damals herrschende Militärjunta spielten. In dem Bericht, den der an der Berliner Humboldt-Universität lehrende Tomuschat in Stuttgart vorstellte, heißt es: "Es gibt keinerlei Belege für die Richtigkeit der These, dass die zehn während der Zeit der Militärdiktatur in den Jahren 1976 und 1977 verschwundenen Betriebsangehörigen von Mercedes-Benz Argentina auf Betreiben der Unternehmensleitung von den staatlichen Sicherheitskräften verschleppt worden wären." Geheimdienstkontakte Zwar räumte Tomuschat ein, dass es Kontakte zwischen dem Mercedes-Management und staatlichen Geheimdiensten gegeben habe, womit sich das Bild "nicht frei von Flecken" zeige. Geheimdienstdossiers über Regimegegner etwa hätten die gleichen Passbilder aufgewiesen wie Unterlagen der Mecedes-Benz-Personalabteilung. Aber Anstiftung zu Verschleppung und Mord seien in keinem Fall der zehn - Menschenrechtsorganisationen sprechen im Gegensatz zur Untersuchungskommission von 14 - verschwundenen Belegschaftsmitglieder zu belegen und auch nicht wahrscheinlich. Das dunkle Kapitel in der Firmengeschichte hatten vor allem Kritische Aktionäre aufgeschlagen, indem sie auf Hauptversammlungen immer wieder auf Aufklärung drängten. Der DaimlerChrysler-Vorstand beauftragte nach anfänglichem Widerstand den Völkerrechtler Christian Tomuschat, der sich bereits als Leiter der UN-Wahrheitskommission bei der Aufklärung von Kriegsverbrechen in Guatemala einen Namen gemacht hat. Seit September 2002 untersuchte Tomuschat zusammen mit dem deutschen Politikwissenschaftler David Erhart und dem argentinischen Rechtswissenschaftler Guillermo Orce die Vorwürfe gegen das argentinische Mercedesmanagement. Für den jetzt vorliegenden, 136 Seiten starken Untersuchungsbericht beschränkte sich das Trio ausschließlich auf die Vorwürfe, Mercedes-Manager hätten aktive Beihilfe zur Verschleppung und Ermordung von gewerkschaftlich organisierten Betriebsangehörigen geleistet, erklärte Tomuschat. Aufgeheiztes Klima Im Daimler-Werk in Gonzalez Catan, einem Industrievorort 40 Kilometer von der Hauptstadt Buenos Aires entfernt, hatten Mitte der Siebziger militante Gewerkschafter Beschäftigte zum Streik für bessere Arbeitsbedingungen aufgerufen. Linke Guerilleros hatten versucht, mit der Entführung des Werkleiters auf den betrieblichen Kampf Einfluss zu nehmen. Das alles spielte sich im aufgeheizten politischen Klima ab, das nach der Machtergreifung der Generäle im benachbarten Chile zwischen einer drohenden Militärdiktatur und einer erstarkenden revolutionären Bewegung stand. Schließlich putschte am 24. März 1976 das argentinische Militär; danach galten Gewerkschafter offiziell als Terroristen galten. 14 oder zehn Betriebsräte des Mercedes-Benz-Werkes wurden in der Folgezeit von Soldaten abgeholt, und gelten bis heute als verschwunden. Sie teilen das Schicksal von 30.000 Oppositionellen, die in Argentinien bis zum Jahr 1983 ermordet wurden. Vorwürfe gegen Tomuschat Überlebende Gewerkschafter beschuldigten den damaligen Mercedes-Werksleiter Juan Ronaldo Tasselkraut, die Adressen ihrer Kollegen ans Militär weitergegeben zu haben. Diese Vorwürfe gegen den heute 61-jährigen Tasselkraut wegen Beihilfe zum Mord oder Totschlag wurden von der Kommission zurückgewiesen. Ein entsprechendes strafrechtliches Verfahren gegen Tasselkraut war am 27. November dieses Jahres von der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth eingestellt worden. Der Dachverband der "Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre" wirft Tomuschats Team vor, nur oberflächlich recherchiert und angebotene Recherchequellen nicht genutzt zu haben. Der Aktionärsverband beruft sich unter anderem auf die Darstellung der Journalistin Gabriele Weber, die jahrelang in dem Fall recherchiert und 2001 ihr Buch "Die Verschwundenen von Mercedes-Benz" vorgelegt hatte. Tomuschat wies den Vorwurf mangelnder Recherche zurück.
Die schweren Vorwürfe gegen Manager der argentinischen Mercedes-Benz-Tochter, während der Militärdiktatur zur Verschleppung und Ermordung von Regimegegnern beigetragen zu haben, sind nach Auffassung des Völkerrechtlers Christian Tomuschat unbegründet.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mercedes-benz-argentinien-keine-beteiligung-an-verbrechen-der-militaerdiktatur-1.907789
Mercedes-Benz Argentinien - Keine Beteiligung an Verbrechen der Militärdiktatur
00/05/2010
Der jähe Absturz der Berliner Film- und Börsenfirma Senator Entertainment: Es sei schon "dramatisch", sagt selbst Vorstandschef Huth. (SZ vom 17.06.2003) — Wenn eine börsennotierte Aktiengesellschaft etwas Brisantes lieber nicht so groß in der Zeitung sehen möchte, empfiehlt sich eine Veröffentlichung zum Wochenende hin. Die Redaktionen sind schlecht besetzt, manches läuft kurz durch. Senator Entertainment hat am vergangenen Freitag um 21.39 Uhr, gut versteckt, erschütternde Zahlen zum Geschäftsjahr 2002 vorgelegt. Am Montag fanden sich dann kleine Einspalter in der Presse - und doch handelt es sich hier um einen jähen Sturz, der an Firmen wie EM.TV erinnern lässt. Ein Notfall Danach ist die Senator-Gruppe, die mit manchen bekannten deutschen Filmstars (Til Schweiger) und Produktionen (Aimée und Jaguar, Comedian Harmonists) zu tun hat, ein Fall für die Sanierungsbranche - das Unternehmen ist von der Rolle. Hängt es damit zusammen, dass erstmals nach drei Jahren keine Rechentricks festzustellen sind? Der Umsatz jedenfalls sackte mit einem Male von 140,1 Millionen auf nur noch 63,6 Millionen Euro, ein weiterer Rückgang ist angekündigt. An Gesamtverlusten meldet Vorstandschef Hanno Huth die Rekordmarke von 178,2 Millionen Euro (Vorjahr: 4,2 Millionen minus). Erst jetzt korrigierte er beispielsweise den Wert seiner 25-Prozent-Beteiligung an der kriselnden Cinemaxx-Kinokette und schrieb fast 69 Millionen Euro außerplanmäßig ab. Das eigene Filmvermögen wurde um 142,6 Millionen Euro nach unten korrigiert - ein Notfall. Die erst jetzt Mitte Juni - also auffallend spät - veröffentlichte Bilanz sei ein "Desaster", räumt Huth gegenüber der Süddeutschen Zeitung ein. Er habe sich deshalb entschlossen, "die Dinge wieder selbst in die Hand zu nehmen". Ein einstiger Mitarbeiter befürchtet jedoch das Schlimmste: "Der ist weder Unternehmer, noch kann er mit Geld umgehen." Wenn man den bald 50-Jährigen auf die drückend hohen kurzfristigen Bankschulden von knapp 153 Millionen Euro anspricht und darauf, wie lange die deutschen Kreditinstitute noch stillhalten, wird der Senator-Chef einsilbig: "Das sind doch Firmeninterna." Silly Money Den atemberaubenden Konzernverlust kann Huth umso besser erklären: Ja, es liege an Cinemaxx, aber auch am fehlgeschlagenen Bündnis mit dem US-Filmproduzenten Joe Roth (Black Hawk Down). Und dann habe es da noch umfassende Abwertungen auf das eigene Filmvermögen gegeben: "Das ist schon dramatisch." Und wohl auch seine Schuld. Der Mann, der gern mit Fahrer und Limousine vor der Berliner In-Kneipe Paris Bar aufkreuzt, um dort mit dicker Zigarre den erfolgreichen Filmproduzenten zu geben, hat das Geld seiner freien Aktionäre verbrannt. In Hollywood hat man vor Jahren dafür den Begriff "silly money" geprägt, und nun ist die Stunde der Wahrheit gekommen. Der Kauf der Cinemaxx-Beteiligung für 87 Millionen Euro, das Abenteuer mit Joe Roth - alles Entscheidungen von Huth, der zumindest nach außen den Laden führt. "Impulsiv, aufbrausend und manchmal irrational", wie ein einstiger Vertrauter behauptet. Wobei offen ist, ob nicht doch Huths Ziehvater Michael Krohne, Firmengründer und derzeit einflussreicher Mitaktionär und Aufsichtsratschef, die große Richtung vorgibt. Den Aktionären dürfte dies egal sein: Der Kurs von Senator Entertainment dümpelt bei 40 Cent. Strippenzieher Krone hinterlässt selten Spuren. Und doch weisen manche Dokumente zurück auf Skandale in den Achtzigern und Neunzigern, als die Vorläuferfirmen Deveco und Sedeco Geld von Anlegern einsammelten. In einem Zivilprozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt offenbarte Ex-Aufsichtsrat Karl-Jürgen Schmutzler Anfang 2002, dass etwa Fonds Nummer 36 nach einem halben Jahr 6,87 Millionen Mark ausschüttete, obwohl nur ein Gewinn von 120.722 Mark verbucht war. In jenen Prozesstagen war Senator Entertainment schon lange von der Bayerischen Landesbank an die Börse gebracht worden, wo sie mit stürmischen Prognosen auffiel. Doch wie konnten Wünsche zur Wirklichkeit werden?Im Jahr 1999 wurde aktenkundig, dass Senator Filme an die Firma Central verkaufte, die ihr damals zu 25 Prozent gehörte. Das war Umsatz. Später dann kaufte Senator die Beteiligung einfach ganz und konnte schön konsolidieren. Im Herbst 2000 wurde ein dickes Filmpaket für 106,5 Millionen verkauft - nicht etwa an TV-Sender wie ProSieben oder das ZDF, die zu diesem Zeitpunkt das Sparen entdeckten. Nein, Abnehmer war eine andere Firma, deren Namen Vorstandschef Huth beharrlich verschwieg. Es soll sich dabei um einen Ableger der Hamburger Albis Leasing handeln, die bis dato im Filmwesen nicht aufgefallen war. Wurde Senator-Ware, gegen Gebühr, geparkt? Fürs Jahr 2001 meldete die Entertainment-Firma aus Berlin schließlich 90 Millionen Mark Umsatz im Weltvertrieb, was bei einzelnen Analysten auch zu Fragen führte. Wegen des mutmaßlichen Deals mit Albis ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft. Der Verdacht: Es könnte ein Scheingeschäft sein. Vorstandschef Huth dementiert ausdrücklich. Der großbebrillte Manager, der auf eine Bilanzpressekonferenz verzichten will, kann die ganze Aufregung kaum verstehen. "Das hat doch auch mit dem miserablen Medienmarkt zu tun und nicht damit, dass wir alle doof sind." Er denkt lieber an die Zeit vor dem Börsengang zurück: "Da war Senator profitabel." Eine Botschaft ist ihm noch wichtig, bevor er wieder nach Mülheim an der Ruhr fährt, wo er mit seinem Freund Helge Schneider einen neuen Film dreht, der im Herbst in die Kinos gebracht werden soll. "Von Senator wird man in Zukunft wieder Positives hören." Dazu gehört auch der Verleih für einen Film von Sönke Wortmann über die 1954er Nationalmannschaft mit dem schönen Titel: Das Wunder von Bern. Wunder gibt's ja immer wieder.
Der jähe Absturz der Berliner Film- und Börsenfirma Senator Entertainment: Es sei schon "dramatisch", sagt selbst Vorstandschef Huth.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/senator-entertainment-von-der-rolle-1.920062
Senator Entertainment - Von der Rolle
00/05/2010
Eliot Spitzer, der frühere Generalstaatsanwalt und heutige Gouverneur des Staates New York, ist in eine Spitzelaffäre verwickelt. Eliot Spitzer, seit Anfang des Jahres Gouverneur des amerikanischen Bundesstaates New York, und der frühere New Yorker Oberbürgermeister Rudolph Giuliani haben einiges gemeinsam: Beide waren Diener der Justiz; der Demokrat Spitzer als Generalstaatsanwalt des Bundesstaates New York, Giuliani als republikanischer Ankläger der Bundesregierung. Beide scheuten nicht davor zurück, Konzerne und deren Chefs wegen mutmaßlich illegaler Praktiken derart unter Druck zu setzen, dass diese sich auf außergerichtliche Vergleiche einließen, um langwierige und teure Rechtsstreitigkeiten sowie jahrelange Negativschlagzeilen zu vermeiden. Auf diese Weise haben die beiden den öffentlichen Kassen Bußgelder in Milliardenhöhe gesichert. Und beide beherrschten es auch perfekt, die Medien in ihr Spiel einzubinden. Giuliani prahlte sogar einmal, er führe die Anklage und die Medien erledigten den Rest. Entscheidender Unterschied Eines unterscheidet Spitzer aber von Giuliani: Letzterer hat nie versucht, sich als Saubermann zu profilieren. Als Giuliani noch Bürgermeister von New York war und mit Frau und Kindern im Rathaus wohnte, machte er aus der Affäre mit seiner heutigen Ehefrau kein Geheimnis. Die Scheidungsabsicht gab er öffentlich auf den Stufen der St.-Peter's-Kathedrale bekannt. Seine damalige Frau behauptete später, sie habe von der Scheidung erst auf diese Weise erfahren. Spitzer ist in dieser Hinsicht das genaue Gegenteil. Der heute 49-jährige, aus reichem Haus stammende Absolvent der Harvard-Universität hat eifrig an seinem Ruf als Aufräumer und Verfechter der Moral gearbeitet. Viele Feinde Mit seinem gnadenlosen Vorgehen gegen Spitzenmanager und Banker hat er sich an der Wall Street viele Feinde gemacht - von der breiten Öffentlichkeit aber wurde er als Held gefeiert. Bei der Wahl zum Gouverneur im vergangenen November gelang ihm deshalb auch ein Erdrutschsieg. Umso peinlicher muss es für ihn sein, wenn er nun der Bespitzelung eines politischen Gegners verdächtigt wird und auch noch gelogen haben soll. Aufgedeckt wurde der Fall von Spitzers Nachfolger als Generalstaatsanwalt, Andrew Cuomo. Der Anklage zufolge sollen zwei Mitarbeiter Spitzers, darunter sein Pressechef, den republikanischen Mehrheitsführer im New Yorker Senat, Joseph L. Bruno, ausspioniert haben, um dessen Ruf und auch den der Republikaner zu schädigen. Angebliche Nutzung eines Hubschraubers Konkret ging es dabei um Brunos angebliche Nutzung eines Hubschraubers und den Einsatz von Polizeieskorten für parteipolitische Zwecke. Bruno konterte mit der Einberufung einer Untersuchungskommission. Sie soll nun herausfinden, ob Spitzer die Spitzelaktion in Auftrag gegeben hat. Hat Spitzer von den Machenschaften seiner Mitarbeiter gewusst? Er bestreitet es. Der frühere New Yorker Oberbürgermeister Edward I. Koch und der ehemalige Gouverneur Mario Cuomo, Andrew Cuomos Vater, forderten ihn auf, unter Eid auszusagen, um seinen Namen reinzuwaschen. Spitzer schweigt bisher. Hat er etwas zu verbergen? Der Kolumnist Michael Goodwin von der Zeitung Daily News erinnert an Bill Clinton, der im Weißen Haus vor laufender Fernsehkamera mit erhobenem Zeigefinger die Affäre mit Monica Lewinski abgestritten hatte. Öffentliche Vernehmung Die Wahrheit sei später bei seiner - ebenfalls öffentlichen - Vernehmung herausgekommen. Das, so Goodwin, habe seinen Ruf für immer geschädigt. Spitzer dementierte auch, Bruno als senil beschimpft zu haben. Später erwiderte er ausweichend auf eine entsprechende Frage, er werde in Zukunft auf "positive Umgangsformen mit dem republikanischen Mehrheitsführer" achten. Und er behauptet, voll und ganz mit Cuomos Untersuchungsbeamten kooperieren zu wollen. Das scheint aber nur die halbe Wahrheit zu sein. So blockiert er eine von Cuomo gewünschte Vernehmung von zwei engen Mitarbeitern und hat zwei andere als Sonderberater eingesetzt. Eine Erklärung dafür gibt es nicht. An der Wall Street verfolgt man Spitzers Probleme mit unverhohlener Schadenfreude. Es sei an der Zeit, Spitzer für seine Manipulationen zur Verantwortung zu ziehen, sagte der Gründer der Baumarktkette Home Depot, Kenneth Langone. In Spitzers Visier Als Verwaltungsratsmitglied der New Yorker Börse war Langone seinerzeit in Spitzers Visier geraten, als dieser die hohen Gehaltszahlungen an Börsenchef Richard Grasso kritisierte, die der Verwaltungsrat genehmigt hatte. Grasso verlor seinen Job, in der juristischen Auseinandersetzung aber gelang ihm kürzlich ein Teilsieg. Ein Berufungsgericht entschied, dass der Generalstaatsanwalt seine Befugnisse in dem Fall überschritten hatte. Doch manche könnten sich zu früh freuen. Der neue Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo scheint ganz in Spitzers Fußstapfen zu treten. Das bekam die Schweizer Bank UBS zu spüren, die noch von Spitzer beschuldigt worden war, mit dem Programm InsightOne Tausende Anleger um Millionen geprellt zu haben. UBS einigte sich nun mit Cuomo auf einen Vergleich. Vielleicht bekommt auch Spitzer demnächst die harte Hand seines Nachfolgers zu spüren.
Eliot Spitzer, der frühere Generalstaatsanwalt und heutige Gouverneur des Staates New York, ist in eine Spitzelaffäre verwickelt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bespitzelungsvorwuerfe-blamage-fuer-den-saubermann-1.914424
Bespitzelungsvorwürfe - Blamage für den Saubermann
00/05/2010
Konzernchef René Obermann zeigt Mitgefühl: Er und alle anderen Telekom-Manager verzichten auf ihr Gehalt zugunsten der 50.000 Beschäftigten, die in Service-Gesellschaften ausgelagert werden sollen. Die Manager der Deutschen Telekom werden sich nach Angaben von Konzernchef René Obermann am geplanten Gehaltsverzicht für die Servicemitarbeiter beteiligen. "Wir haben klar gemacht, dass wir uns natürlich, so wie übrigens schon einmal vor zwei Jahren und wie in den letzten Jahren durch mehrere Nullrunden, jetzt auch durch Gehaltsverzicht solidarisch an der Aktion beteiligen", sagte Obermann am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Sein Gehalt sei derzeit seine "letzte Sorge". Vielmehr gehe es darum, das Unternehmen erfolgreich und wettbewerbsfähig zu machen. Die Gewerkschaft Verdi sollte sich dem Umbau anschließen. Drastisch viel weniger Umsatz Auf Grund veränderter Marktbedingungen erwarte die Telekom in den nächsten Jahren ein Absinken ihrer Umsätze um Milliarden. Das Unternehmen müsse "gegensteuern, um eine Chance zu haben, den Menschen langfristig eine gute Beschäftigungsperspektive zu geben zu Bedingungen, die bei uns immer noch deutlich besser sind als bei all den Unternehmen, mit denen zum Beispiel Verdi Tarifverträge abschließt für die Hälfte des Geldes", sagte Obermann. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) verteidigte in der Sendung den Sanierungsplan. "Die Telekom ist eine private Aktiengesellschaft und es ist ungeheuer Wettbewerb im Markt", sagte Glos. Obermann habe die nicht leichte Aufgabe, den Konzern so auf Vordermann zu bringen, dass die Eigentümer ihre Aktien halten. Sonst könnte die Telekom "in Hände kommt, die vielleicht sehr viel radikaler mit den Beschäftigten umgehen". Weitere Verhandlungen zwischen Telekom und Verdi Telekom und Verdi wollen am Dienstag erneut zu Verhandlungen zusammenkommen, um eine Lösung über die umstrittene Auslagerung von 50.000 Beschäftigten in drei Service-Gesellschaften zu finden. In zuvor vier Verhandlungsrunden hatte es keine Annäherung gegeben. Die Telekom will mit der Auslagerung der Arbeitsplätze in eine neue T- Service die Kosten senken und den Kundenservice verbessern. Vorgesehen sind unter anderem eine Absenkung der Gehälter um zwölf Prozent in mehreren Stufen, eine Ausweitung von variablen Einkommensbestandteilen sowie eine Verlängerung der Arbeitszeit. Dies wird von Verdi strikt zurückgewiesen.
Konzernchef René Obermann zeigt Mitgefühl: Er und alle anderen Telekom-Manager verzichten auf ihr Gehalt zugunsten der 50.000 Beschäftigten, die in Service-Gesellschaften ausgelagert werden sollen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/telekom-manager-solidaritaet-durch-gehaltsverzicht-1.900156
Telekom-Manager - Solidarität durch Gehaltsverzicht
00/05/2010
Der direkte Wechsel von Vorstandschefs auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden könnte schon bald verboten werden. Wie es am Dienstag in Berlin hieß, haben Unionsfraktionschef Volker Kauder und sein SPD-Kollege Peter Struck vereinbart, dass Schwarz-Rot Anfang 2007 ein Gesetz auf den Weg bringen soll. Detailansicht öffnen Volkswagen gehört zu den 14 Dax-Unternehmen, die von ehemaligen Konzernchefs kontrolliert werden. (Foto: Foto: ddp) Die Anregung dafür sei von Kauder ausgegangen. Dass dieser jetzt die Initiative ergriffen haben, brachten Koalitionspolitiker auch mit der Korruptionsaffäre bei Siemens in Zusammenhang. Konkrete Details für eine Gesetzesinitiative lägen noch nicht vor, hieß es. Auf jeden Fall solle eine Neuregelung aber den sofortigen Wechsel eines Vorstandschefs in das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden derselben Firma verbieten. Modell Schamfrist ohne Erfolg Auch die Grundsätze für gute Unternehmensführung der Regierungskommission Corporate Governance schlagen eine Pause zwischen diesen Posten vor - deutsche Unternehmen ignorieren die Vorschrift aber weitgehend. Sogar der Vorsitzende der Kommission, Gerhard Cromme, verstößt dagegen. In den Fraktionen von SPD und Union sowie bei Politikern der Opposition stieß das Vorhaben auf Zustimmung, Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) lehnt die Pläne nach Angaben eines Sprechers jedoch ab. Zypries sei dagegen, den direkten Wechsel vom Chefposten im Vorstand zum obersten Aufseher zu verbieten. Der Corporate Governance Kodex biete nach Meinung der Ministerin hierfür ,,einen geeigneten Rahmen'', erklärte ihr Sprecher. Der CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs, der kürzlich einen ähnlichen Vorstoß wie nun Kauder gemacht hatte, begrüßte die Pläne dagegen. ,,Ich finde es richtig, dass die große Koalition hier handelt. Lieber wäre es mir, wenn die Unternehmen die Regeln der Cromme-Kommission befolgen würden, aber wenn das nicht passiert, müssen wir etwas tun'', sagte Fuchs der Süddeutschen Zeitung. SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend erklärte, der in deutschen Konzernen übliche Wechsel vom Vorstandsposten auf den Vorsitz des Aufsichtsrats sei ,,ein Problem, weil das im Regelfall eine unbefangene Kontrolle erschwert''. Er sei ,,sehr offen'', hier gesetzlich einzugreifen. Wie es in Koalitionskreisen hieß, sei es vorstellbar, eine fünf oder sechs Jahre währende Sperrfrist im Aktienrecht zu verankern. FDP-Vize Rainer Brüderle, der sich seit langem für eine Zwangspause von drei bis fünf Jahren stark macht, sagte: ,,Hier besteht seit Jahren Handlungsbedarf. Es ist ermutigend, wenn die Bundesregierung jetzt endlich ihre Untätigkeit überdenkt.'' Derzeit stehen in 14 der 30 Dax-Unternehmen ehemalige Vorstandschefs dem Aufsichtsrat vor, beispielsweise Cromme bei Thyssen-Krupp, Henning Schulte-Noelle bei der Allianz oder Heinrich von Pierer bei der Siemens AG. Kritik am kompletten Verbot ,Die aktuellen Vorgänge bei Siemens belegen nach Ansicht der Politiker die Notwendigkeit neuer Regeln. ,,In Pierers Amtszeit sind die Dinge passiert, die nun aufgeklärt werden sollen. Das zeigt, dass solche Wechsel nicht die Regel sein sollten'', sagte Wend. Fuchs verwies außerdem auf das Beispiel VW, wo der frühere Vorstandschef und amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch die Ablösung seines Nachfolgers Bernd Pischetsrieder mit betrieben hatte. ,,Ein neuer Vorstand sollte für ein paar Jahre frei wirken können'', sagte Fuchs. Auch Aktionärsschützer und institutionelle Investoren hatten in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, wenn Manager direkt von der Unternehmensspitze in den Aufsichtsratsvorsitz gewechselt waren. Ein komplettes Verbot eines solchen Wechsels sei aber nicht sinnvoll, sagte ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Es gebe auch Beispiele, wo diese Praxis gut laufe, etwa bei der Lufthansa. Die DSW schlägt vor, dass Aktionäre auf der Hauptversammlung nicht nur die Vertreter für den Aufsichtsrat wählen, sondern auch den Vorsitzenden und seinen Stellvertreter für das Kontrollgremium bestimmen sollen. "Eine solche Lösung wäre uns deutlich lieber als ein komplettes Verbot'', sagte der DSW-Sprecher. Vorstandschefs, die direkt an die Aufsichtsratsspitze wechseln wollten, müssten dann gute Gründe dafür nennen und die Aktionäre überzeugen. Damit würde die Praxis nicht zur Regel, aber Ausnahmen wären möglich. Auch die Fondsgesellschaft Union Investment lehnt ein striktes Verbot des Wechsels von der Unternehmens- an die Aufsichtsratsspitze ab. ,,Das wäre überzogen und nicht zielführend'', sagte ein Sprecher. Oft würden ehemalige Vorstände, die das Unternehmen sehr gut kennen, für Expertise im Aufsichtsrat sorgen.
Der direkte Wechsel von Vorstandschefs auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden könnte schon bald verboten werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/folge-der-siemens-affaere-unternehmen-sollen-sich-nicht-mehr-selbst-kontrollieren-1.898678
Folge der Siemens-Affäre - Unternehmen sollen sich nicht mehr selbst kontrollieren
00/05/2010
Drei Jahre nach dem Börsengang ist für die Aktionäre von Borussia Dortmund keine Dividende in Sicht. Die Verpasste Qualifikation zur Champions League kostet den Club Millionen. (SZ vom 18./19.10.03) — Die Vermarktung der Spiele in der Champions League bescherte der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA in der vergangenen Saison einen Erlös von 33,7 Millionen Euro. Das war knapp ein Viertel des Konzernumsatzes von 129 Millionen Euro (plus 14 Prozent) im Geschäftsjahr 2002/03. Weil der Verein in dieser Spielzeit in der Königsklasse des europäischen Klubfußballs nicht vertreten ist, bemüht sich das Management, die damit verbundenen Einnahmeausfälle zu kompensieren. Nach langem Gezerre wurde mit den Spielern, deren Gehälter der größte Posten in der Kostenrechnung sind, eine Umwandlung von festen Gehaltskomponenten in Erfolgsprämien vereinbart. 20 Prozent mehr von Premiere gefordert Einen ähnlich harten Kurs wie in den Verhandlungen mit dem spielenden Personal will Gerd Niebaum, der Vorsitzende des Vorstands, auch in den Gesprächen mit dem Fernsehsender Premiere steuern. Der Pay-TV-Kanal hat 150 Millionen Euro für die Vermarktung der Bundesligaspiele geboten. "Das ist eindeutig zu wenig. Ein Zuschlag von 20 Prozent wäre angemessen", sagte Niebaum. Sollte Premiere nicht zu einem Nachschlag bereit sein, droht der Borussen-Chef mit der roten Karte: "Technisch bereitet es keine Schwierigkeiten, mit einem anderen Partner zusammenzuarbeiten." Auch bei der Finanzierung eines neuen Kanals sieht er keine Schwierigkeiten. Es gebe mehrere Finanzinvestoren, die bereit seien, einen solchen Plan gemeinsam mit der Bundesliga umzusetzen. Partnerschaft mit Nike Zusätzliche Einnahmen erhoffen sich Niebaum und der geschäftsführende Vorstand Michael Meier auch aus dem Sponsoring. Und das, obwohl der Verein auf diesem Feld bereits 2002/03 knapp 45 (28) Millionen Euro erlöste. Die kräftige Verbesserung war möglich, weil der Sportartikelanbieter Nike bereit war, in eine Zusammenarbeit mit dem Verein kräftig zu investieren. Dabei kam den Borussen zugute, dass das US-Unternehmen im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland händeringend nach einem starken Partner suchte, nachdem Verhandlungen mit dem Deutschen Fußballbund über eine Ausstattung der Nationalmannschaft gescheitert waren. Vorteil Nike, Nachteil gooole.de Der Schulterschluss mit Nike hat für Borussia Dortmund den Nachteil, dass der mit großen Erwartungen gestartete hauseigene Ausrüster gooole.de, dessen Trikots die Spieler bisher getragen hatten, an Zugkraft verliert. Wichtigste strategische Entscheidung für das Fußball-Unternehmen im Geschäftsjahr 2002/03 war der Verkauf der Beteiligung am Westfalenstadion an eine der Commerzbank nahe stehende Fondsgesellschaft (Molsiris). Stadion kann zurückerworben werden Nach Ablauf von 15 Jahren hat der Verein die Möglichkeit, 94 Prozent der Anteile an dem Stadion zurückzuerwerben. Die Finanzierung soll aus den Erträgen eines aufgezinsten Depots erfolgen, das Borussia Dortmund mit 48,5 Millionen Euro eingerichtet hat. Trotz des auf 3,3 Millionen Euro vervierfachten Konzerngewinns im vergangenen Jahr erhalten die Aktionäre keine Dividende. "Eine Ausschüttung ist erst möglich, wenn der Verlustvortrag in Höhe von zehn Millionen Euro abgetragen ist", sagte Meier. Deutliche Beruhigung erwartet Nachdem die Deutsche Bank am Donnerstag den Verkauf ihrer 14,4 Prozent starken Beteiligung an den Bonner Verleger Norman Rentrop bekannt gegeben hatte (SZ vom 17.10.), erwartet Niebaum eine "deutliche Beruhigung" der Kursentwicklung. Die Deutsche Bank, unter deren Federführung Borussia Dortmund im Oktober 2000 an die Börse gegangen war, hatte ihre Beteiligung von mehr als 30 Prozent in kleinen Schritten reduziert. Rentrop betrachtet den Erwerb als "langfristiges Investment". Ein Platz im Aufsichtsrat strebt er nach Auskunft von Niebaum nicht an. (Firmen des Tages)
Drei Jahre nach dem Börsengang ist für die Aktionäre von Borussia Dortmund keine Dividende in Sicht. Die Verpasste Qualifikation zur Champions League kostet den Club Millionen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/borussia-dortmund-aktionaere-muessen-weiter-auf-dividende-warten-1.903686
Borussia Dortmund - Aktionäre müssen weiter auf Dividende warten
00/05/2010
Beschäftigte an Supermarkt-Kassen, Tellerwäscher und Angestellte im Fastfood-Restaurant sollen in den USA künftig mehr verdienen. Ein üppiges Salär werden sie aber auch weiterhin nicht beziehen. Der Wahlsieg der amerikanischen Demokraten bei der Kongresswahl im vergangenen Herbst hat zu einem ersten konkreten Gesetz geführt. Mit großer Mehrheit beschloss das Repräsentantenhaus eine kräftige Erhöhung des staatlichen Mindestlohns. Auch viele konservative Republikaner stimmten für die Vorlage. Detailansicht öffnen In den USA soll der gesetzliche Mindestlohn von 5,15 auf 7,25 Dollar erhöht werden. (Foto: Foto: AP) Der Mindestlohn von 5,15 Dollar (rund vier Euro) pro Stunde war zuletzt vor zehn Jahren erhöht worden. Er soll jetzt in mehreren Stufen bis zum 1. Juni 2009 auf 7,25 Dollar steigen. Für das Gesetz stimmten 315 Abgeordnete, 116 waren dagegen. Damit haben sich auch viele Republikaner hinter die Vorlage gestellt, obwohl ihre Partei traditionell höhere Mindestlöhne ablehnt. "Es ist unakzeptabel und unmoralisch, dass Millionen von Amerikanern das ganze Jahr über voll arbeiten und trotzdem nicht in der Lage sind, sich die notwendigsten Dinge des Lebens zu leisten," sagte der demokratische Abgeordnete Ed Markey zur Begründung der Vorlage. Zu den Ersten, die das neue Gesetz begrüßten, gehörte der Supermarkt-Konzern Wal-Mart, der besonders Geringverdiener umwirbt. Das Management hofft, dass ein Teil des Geldes, das die Arbeitgeber zusätzlich zahlen müssen, an den Supermarktkassen landet. Sechs Millionen davon betroffen Nach Schätzungen von Arbeitsökonomen werden von der Erhöhung des Mindestlohns ungefähr sechs Millionen Menschen betroffen sein, das sind vier Prozent aller Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten. Von der letzten Erhöhung 1997 waren neun Prozent aller Arbeitnehmer betroffen. Der Mindestlohn ist für die amerikanische Politik ein Thema von erheblicher Brisanz. Anders als in Deutschland gibt es hier kein System von Flächentarifverträgen, in dem Gewerkschaften und Arbeitgeber Mindeststandards für das ganze Land festlegen könnten. Traditionell sind die Demokraten Befürworter höherer Mindestlöhne, aber auch einige republikanische Politiker nutzen das Thema, wenn sie unter Arbeitern um Stimmen werben. Skeptische Ökonomen Die meisten Arbeitsökonomen sind eher skeptisch, wenn Mindestlöhne erhöht werden. Unternehmer könnten im Zweifel eher Niedrigverdiener entlassen, als ihnen höhere Löhne zu zahlen, fürchten sie. Dadurch erhöhten Mindestlöhne tendenziell die Arbeitslosigkeit. Ob dies in den Vereinigten Staaten auch so sein wird, ist offen. Einmal vertragen Volkswirtschaften mit hohem Wachstum höhere Mindestlöhne besser, wie das Beispiel Großbritannien gezeigt hat. Zum anderen hat das Gesetz in Amerika zu einem erheblichen Teil auch bloßen Symbolcharakter. Viele Bundesstaaten haben ihre eigenen Mindestlohngesetze, teilweise sehen sie höhere Sätze vor als das Gesetz, das jetzt im Repräsentantenhaus beschlossen wurde. Außerdem sind auf vielen Billigjobs ohnehin illegale Einwanderer eingesetzt, die sich jeder staatlichen Regulierung und jeder Statistik entziehen. Stimmt Senat zu? Im Übrigen ist noch unklar, ob das Gesetz überhaupt in Kraft treten wird. Als nächstes muss ihm der Senat zustimmen, und einige Kommentatoren zweifeln, ob er dies auch tun wird. Republikaner und Demokraten haben in einem der für den Kongress in Washington typischen Tauschgeschäfte das Mindestlohngesetz mit einer Senkung der Vermögensteuer gekoppelt. Die New York Times glaubt, dass die Senatoren aus Sorge um das Haushaltsdefizit damit das ganze Paket blockieren könnten. Die Zeitung zitierte Abgeordnete, die den Republikanern vor diesem Hintergrund "Zynismus" vorwerfen: Sie täten so, als unterstützten sie den höheren Mindestlohn und unternähmen in Wirklichkeit alles, um ihn zu verhindern.
Beschäftigte an Supermarkt-Kassen, Tellerwäscher und Angestellte im Fastfood-Restaurant sollen in den USA künftig mehr verdienen. Ein üppiges Salär werden sie aber auch weiterhin nicht beziehen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/usa-plant-erhoehung-des-mindestlohns-arbeiten-fuer-5-50-euro-1.902799
USA plant Erhöhung des Mindestlohns - Arbeiten für 5,50 Euro
00/05/2010
Die Arbeitnehmer-Vertretung schätzt die Lage bei Volkswagen so dramatisch ein, dass die Sicherheit der Arbeitsplätze für ihn Vorrang vor mehr Geld hat. Mehrere zehntausend Volkswagen-Arbeiter haben am Mittwoch gegen die ihrer Meinung nach starre Haltung der Unternehmensleitung in dem festgefahrenen Tarifkonflikt protestiert. Detailansicht öffnen Die VW-Mitarbeiter wollen sichere Arbeitsplätze und zwei Prozent mehr Lohn. (Foto: Foto: ddp) Der Betriebsrat schätzt die Lage so dramatisch ein, dass die Sicherheit der Arbeitsplätze für ihn Vorrang vor mehr Geld hat. Am Stammsitz Wolfsburg beteiligten sich am Mittwoch rund 30.000 Mitarbeiter an einer Informationsveranstaltung des Betriebsrats auf dem Werksgelände. Mehr als zwei Stunden standen dort die Bänder still. Warnstreiks drohen An diesem Donnerstag treffen sich die Verhandlungskommissionen von VW und IG Metall zur fünften Gesprächsrunde in Hannover. Dies ist das letzte Gespräch innerhalb der Friedenspflicht, die um Mitternacht endet. Danach sind Warnstreiks möglich, von denen die Gewerkschaft auch Gebrauch machen will. Ein Arbeitskampf würde den gesamten VW-Konzern schon nach wenigen Tagen lahm legen. Klaus Volkert, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von VW, warf dem Vorstand vor, aus dem Tarifvertrag eine "Kapitulationsurkunde" machen zu wollen. Die Kompromissbereitschaft der Gewerkschaft sei aber offenbar falsch verstanden worden, so Volkert. Jetzt liege es allein am Vorstand, ob ein Kompromiss gefunden werde oder ob VW auf einen Konflikt zusteuere, "der alle zu Verlierern macht". Die Fronten zwischen den Tarifparteien liegen auch nach vier Gesprächsrunden noch weit auseinander. Die Gewerkschaft hat ihre Forderung nach Einkommenssteigerungen in der vergangenen Woche bereits auf zwei Prozent halbiert. VW will bis 2011 die Kosten um zwei Milliarden senken Sie hat zudem mehr Flexibilität über Arbeitszeitkonten und ein zehn Prozent geringeres Lohnniveau für neue Mitarbeiter angeboten. Außerdem verlangt sie eine verbindliche Arbeitsplatzgarantie für die 103.000 Beschäftigten der westdeutschen VW-Werke. Die Unternehmensleitung beharrt auf ihrer Forderung, dass die Arbeitskosten bis zum Jahr 2011 um 30 Prozent oder zwei Milliarden Euro sinken müssen. 2011 ist die Zielmarke, weil bis dahin der Arbeitsmarkt in der erweiterten EU vollständig liberalisiert sein soll. VW ist fest entschlossen, Entscheidungen über künftige Automodelle nach den Kostenunterschieden zwischen den Standorten zu fällen. Statt Lohnerhöhungen bietet VW der Gewerkschaft eine zeitlich nicht bezifferte Garantie für alle 176.000 Arbeitsplätze des Konzerns in Westdeutschland an. Betriebsrat zu Kompromissen bereit Betriebsratschef Volkert warf dem Management Fehlentscheidungen vor, ließ aber Verständnis für die Notwendigkeit einer Nullrunde erkennen. Für den "dramatischen Verfall der Ertragskraft" von VW seien nicht nur der Dollarkurs und die Einkommensentwicklung der Kunden verantwortlich, sondern auch die Fehler des Managements. "Wer die Karre in den Dreck gefahren hat, sollte nicht die Fahrkünste anderer kritisieren." Volkert räumte ein, dass die Zeiten "immer härter" würden, weil der Druck auf die Preise steige, Überkapazitäten und stagnierende Märkte in Europa belasteten.
Die Arbeitnehmer-Vertretung schätzt die Lage bei Volkswagen so dramatisch ein, dass die Sicherheit der Arbeitsplätze für ihn Vorrang vor mehr Geld hat.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wolfsburg-vw-betriebsrat-sichere-jobs-sind-wichtiger-als-geld-1.904635
Wolfsburg - VW-Betriebsrat: Sichere Jobs sind wichtiger als Geld
00/05/2010
In Athen wollen Bürger einen antiken Tempel nahe der Akropolis wieder auferstehen lassen - aber die Bodenspekulanten mauern. Hier ist nichts, nur Schutt und braune Erde, und ein bisschen Gras. Ein öder Ort, eine Lücke zwischen zwei gesichtslosen Apartmentblocks, mitten im Zentrum von Athen. Einfach ein leerer Fleck. Detailansicht öffnen Die Akropolis gilt als eine Wiege unserer Zivilisation. Heute treibt ihre Nähe die Bodenpreise in die Höhe. (Foto: Foto: AP) Für Josif Efremidis ist dieses Nichts ein Versprechen. Der Mann steht zwischen Gras und Schutt und zeichnet Luftschlösser in den Himmel. "Lufttempel" sollte man sagen, weil das, was das Loch einst füllte, einer Göttin geweiht war. Einer dunkelhaarigen Schönen, einer Jägerin, Artemis Agrotera genannt. "Wir wissen genau, wie der Tempel ausgesehen hat", schwärmt der Architekt Efremidis. Nur, der Götterhort ist weg, seit 230 Jahren schon. Vielleicht gibt es da, unter der braunen Erde, aber noch ein paar Reste. So genau weiß man das nicht. Efremidis jedenfalls verlangt, dass in der Lücke nur ganz vorsichtig gegraben werden dürfe, am besten mit den Händen. Und dass alles, was man findet, und sei es bloß ein Marmorblock, auf keinen Fall wieder verschüttet oder gar zugebaut wird - mit einer neuen Häuserburg oder einem Touristenhotel. "Wir müssen diesen Ort für die nächsten Generationen sichern", sagt der 48-jährige Grieche. Den unsichtbaren Tempel retten Efremidis muss schreien, um sich verständlich zu machen, weil dichter Verkehr auf einer Schnellstrasse an der Lücke vorbeibraust. Aber dies ist das geringste Problem. Denn was der Mann will, ist verwegen: Er möchte einen unsichtbaren Tempel retten, ihn gleichsam unantastbar machen für die Baulöwen, die in der griechischen Metropole auf jede freie Fläche ihre Pranken werfen. Dies ist ein Unterfangen, das ins Grundsätzliche der griechischen Politik führt. Denn es geht hier beispielsweise darum, wie viel ein weiteres Zeugnis der großen Vergangenheit des Landes wert sein darf, wenn sich das fragliche Stück Athener Boden auch zu einer der teuersten Adressen der Stadt machen ließe - mit phantastischer Sicht auf die Akropolis? Es ist ein Streit um Interessen: ein ionischer Tempelort gegen private Grundbesitzer; Efremidis und mit ihm eine Initiative von Bürgern aus dem angrenzenden Stadtviertel gegen wankelmütige Minister. Der Sohn des Ministers Gekämpft wird mit Gutachten und Prozessen. Die Freunde der ionischen Artemis haben zudem das Internet für sich entdeckt. Dort sammeln sie Unterschriften für eine Petition an das Europäische Parlament. Und sie dokumentieren, dass der "Zentrale Archäologische Rat", das Expertengremium des Kulturministeriums, schon 1964 festgestellt hat, dass der Tempelort wegen der "außerordentlichen Bedeutung" des einstigen Heiligtums nicht bebaut werden dürfe - selbst wenn bewiesen würde, dass keinerlei Überreste aus dem fünften Jahrhundert vor Christus im Untergrund ruhen. Die Grundstücksbesitzer sollten daher enteignet und entschädigt werden. 1972 bestätigt der Rat dies, 1993 tut er es wieder. Die bis heute verehrte Schauspielerin und Kulturministerin Melina Mercouri setzt im selben Jahr eine Entschädigungssumme fest. Doch kurz darauf stirbt Melina Mercouri, und der Nachfolger wirft die Entscheidung erst mal um - wobei schon bekannt ist, dass 229 der fraglichen 1390 Quadratmeter dem Sohn des damaligen Tourismusministers gehören. Triumph in Beton Was folgt, hat Tragödienqualität. Der Grundstückswert explodiert mit den Bodenpreisen in Athen. 1998 beträgt die Entschädigungssumme mit 472 Millionen Drachmen (1,4 Millionen Euro) schon mehr als das Doppelte dessen, was Ministerin Mercouri zahlen wollte. Aber keine Regierung kann sich zur Enteignung durchringen - bis heute.
In Athen wollen Bürger einen antiken Tempel nahe der Akropolis wieder auferstehen lassen - aber die Bodenspekulanten mauern.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/immobilienspekulationen-in-athen-artemis-gegen-den-gott-des-mammon-1.904979
Immobilienspekulationen in Athen - Artemis gegen den Gott des Mammon
00/05/2010
Mit einem rundum reformierten Tarifmodell will die Telekom ihren anhaltenden Verlust von Marktanteilen stoppen. Die Angebote der Konkurrenz seien für den Durchschnitts-Telefonierer aber meist immer noch günstiger, meinen Verbraucherschützer. Angesichts wachsender Verluste bei den Marktanteilen im Festnetz will die Deutsche Telekom der Konkurrenz mit deutlichen Preissenkungen Paroli bieten. Detailansicht öffnen Der Vertriebsvorstand der Festnetzsparte T-Com, Achim Berg, bei der Vorstellung des neuen Tarifsystems. (Foto: Foto: dpa) Ab dem 1. März würden die Gebühren im Ortsnetz um maximal 75 Prozent und im Fernbereich um bis zu 59 Prozent gesenkt, teilte die Festnetztochter T-Com am Mittwoch in Bonn mit. Gleichzeitig führt die Telekom erstmals eine Flatrate für Gespräche im Ortsnetz ein. Tarifexperten rieten Kunden, die neuen Preismodelle genau zu prüfen und mit ihrem tatsächlichen Bedarf abzugleichen. Telekom-Kunden haben künftig die Wahl zwischen den vier Tarifen Call Plus, Call Time, XXL und XXL Freetime, die laut Unternehmen auf alle Bedürfnisse vom Wenig- bis zum Vieltelefonierer abgestimmt sind. Erwartungen der Kunden Der T-Com-Vorstand für Marketing und Vertrieb, Achim Berg, erklärte, mit den neuen Modellen und einer übersichtlicheren Preisstruktur komme die T-Com den Erwartungen der Kunden entgegen und wolle ihre Spitzenposition in Deutschland festigen. Die gerät nach den gleichfalls am Mittwoch veröffentlichten Marktdaten der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) aber zunehmend in Gefahr. Im Ortsnetz liefen im vergangenen Jahr angesichts der wachsenden Konkurrenz durch neue Netzanbieter wie Versatel, HanseNet und Arcor sowie Call-by-Call-Firmen bereits 33 Prozent der Verbindungsminuten über Wettbewerber. 2003 waren es erst 25 Prozent gewesen und 2002 sogar nur 6,4 Prozent. Umstellung des Zeittakts Der billigeren Konkurrenz will die Telekom nun etwa im Ortsnetz auch mit einer Umstellung ihres Zeittaktes zu Leibe rücken. Bisher waren dort für vier Minuten sechs Cent fällig, unabhängig davon, ob diese Zeit tatsächlich ausgenutzt oder nur einige Sekunden telefoniert wurde. Nun wird pro Minute zum Preis von 1,5 Cent abgerechnet.
Mit einem rundum reformierten Tarifmodell will die Telekom ihren anhaltenden Verlust von Marktanteilen stoppen. Die Angebote der Konkurrenz seien für den Durchschnitts-Telefonierer aber meist immer noch günstiger, meinen Verbraucherschützer.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/preissenkung-der-telekom-eine-klare-mischkalkulation-1.904895
"Preissenkung der Telekom - ""Eine klare Mischkalkulation"""
00/05/2010
Kritiker halten das Fördermodell für pure Geldverschwendung. Ihr Vorwurf: Erst werden die Subventionen kassiert, dann kommt der Ausstieg. Es fehlt an Kontrolle und Bürokratie, um den Missbrauch aufzudecken. Der Ansatz klang viel versprechend. Politiker priesen die Ich-AG bei ihrem Start vor eineinhalb Jahren als unbürokratische Wunderwaffe, die aus Arbeitslosen Unternehmer machen werde. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: dpa) Auf den ersten Blick scheint dies gelungen: Seit Januar 2003 hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) 141.400 Firmengründungen gefördert. Tausende ehemalige Arbeitslose, die den Mut hatten, sich selbstständig zu machen — so loben die einen. "Arbeitslosengeld de luxe" Andere dagegen sehen die hohe Zahl als Beweis, dass das Programm zum Missbrauch einlade — und der Staat viele hundert Millionen Euro verschwende. Mit der Ich-AG habe man ein "Arbeitslosengeld de luxe mit geringer Wirkung" geschaffen, schimpft zum Beispiel Johannes Singhammer, Arbeitsmarkt-Experte der CSU. Auslöser für neuen Streit um eines der Kernstücke der Hartz-Reformen sind weitere Daten aus Nürnberg. Danach haben sich inzwischen schon wieder etwa 17.000 Teilnehmer aus dem bis zu drei Jahre laufenden Förderprogramm verabschiedet. Diese Zahl stimmt fast exakt mit der Zahl der Neuanmeldungen überein, die bis Ende April vergangenen Jahres vorlagen. Erst abkassieren, dann aussteigen Kritiker sehen aufgrund dieser Parallele ihre These belegt, dass etliche der Subventionierten die maximal ein Jahr gewährte Höchstförderung von 600 Euro kassieren und sich dann, wenn die Sätze stark sinken, wieder arbeitslos melden. Beweisen lässt sich dieser Vorwurf nicht — genauso wenig wie das Gegenteil. Hier rächt sich der im Grunde lobenswerte Ansatz, dass der Gesetzgeber mit der Ich-AG nicht noch ein Bürokratie-Monster schaffen wollte. Fehlende Bürokratie rächt sich Jeder Bezieher von Arbeitslosengeld oder -hilfe sowie alle Beschäftigten in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen hat Anspruch auf den Zuschuss. Im Gegensatz zum Überbrückungsgeld, einer anderen Form der staatlichen Gründerhilfe, müssen die Geförderten nicht nachweisen, wie sinnvoll oder zukunftsfähig ihre Firmengründung ist. Zum Teil würden die "abenteuerlichsten Geschäftsideen" bezuschusst, räumt eine BA-Sprecherin ein.
Kritiker halten das Fördermodell für pure Geldverschwendung. Ihr Vorwurf: Erst werden die Subventionen kassiert, dann kommt der Ausstieg. Es fehlt an Kontrolle und Bürokratie, um den Missbrauch aufzudecken.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/abenteuer-ich-ag-arbeitslosengeld-de-luxe-1.906181
"Abenteuer Ich-AG - ""Arbeitslosengeld de luxe"""
00/05/2010
Die Opposition bockt, das Bundesvermögen ist weg — warum der Finanzminister gar nicht anders kann. Es gibt viele Menschen in diesem Land, die die rot-grüne Politik als ungerecht empfinden. Denn unter den teils massiven Einschnitten mussten immer nur bestimmte Gruppen leiden: mal die Arbeitslosen, mal die Patienten, dann wieder die Pendler oder die Bauherren. Insofern könnte man es als Akt der Gerechtigkeit ansehen, dass der Kanzler und sein Finanzminister nun den 3. Oktober als Feiertag abschaffen wollen, denn dies trifft alle Deutschen gleichermaßen. Tatsächlich ist es ein Akt der Verzweiflung. Schröder und Eichel verzweifeln an den Staatsfinanzen, und sie verzweifeln an der Opposition. Denn die Schulden steigen ins Unermessliche, auch weil Merkel, Stoiber und Westerwelle sich im Bundesrat immer wieder verweigern. Fast 44 Milliarden Euro wird der Bund sich dieses Jahr pumpen, ein Rekord, und auch im nächsten Jahr droht Deutschland die Schuldengrenze des EU-Stabilitätspakts zu brechen. Neue Zeit gewonnen... CDU, CSU und FDP behaupten zwar, sie seien, anders als die Regierung, zum Sparen bereit - doch wenn es ernst wird, kommen Unionisten und Liberale meist mit teils fadenscheinigen Gegenargumenten. Sie schelten den Kanzler und seinen Finanzminister als Vaterlandsverräter, weil diese den Nationalfeiertag opfern wollen; zugleich stemmen sie sich dagegen, die Eigenheimzulage oder die Steuervorteile beim Agrardiesel zu streichen - obwohl dies der Staatskasse mehr bringen würde als die Abschaffung des Tags der Einheit. Ökonomisch jedenfalls bringt es nicht viel, wenn die Deutschen künftig am 3. Oktober arbeiten. Im nächsten Jahr, behauptet die Regierung kühn, werde das Wirtschaftswachstum dadurch um 0,1 Prozentpunkte höher liegen als im laufenden Jahr. Doch was besagt das schon? Eichel weiß, mit welcher Fehlermarge jede Konjunkturprognose behaftet ist, er darf sich auf solch ein marginales Plus also nicht verlassen. Ohnehin wird es ihm nur ein einziges Mal gelingen, durch den zusätzlichen Arbeitstag das Wachstum zu beflügeln; in allen folgenden Jahren wäre dann die Basis, auf der das Plus errechnet wird, entsprechend höher. ...bevor der Stabilitätspakt gelockert wird Doch vorerst hat die Regierung kaum eine Alternative. Sie könnte natürlich den europäischen Stabilitätspakt aufkündigen - doch das wäre angesichts der Nöte, in der die EU-Kommission derzeit steckt, verwegen. Sie könnte auch die Steuern erhöhen - aber das wäre gleichbedeutend mit der Abwahl 2006. Sie könnte sich auch mit dem weiteren Verkauf von Bundesvermögen durchmogeln - doch der Vorrat ist fast erschöpft. Die Aktion 3. Oktober verschafft Schröder und Eichel deshalb vor allem Zeit. Sie können den Brüsseler Stabilitätswächtern demonstrieren, dass sie zum Äußersten bereit sind, um sie so zumindest für ein paar Monate zu beschwichtigen. Im Frühjahr nächsten Jahres, wenn, wie von Berlin erhofft, der neue, gelockerte Stabilitätspakt steht, können sie sich dann von ihrer Idee wieder leichten Herzens verabschieden - Schulden sind dann ja nicht mehr so schlimm.
Die Opposition bockt, das Bundesvermögen ist weg — warum der Finanzminister gar nicht anders kann.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neue-sparplaene-ein-akt-der-verzweiflung-1.899544
Neue Sparpläne - Ein Akt der Verzweiflung
00/05/2010
Die Entscheidung bedeutet eine schwere Niederlage für die Bundesländer. Staatliche Gesellschaften müssen Markt für private Vermittler öffnen und sollen untereinander konkurrieren - Verbraucher sollen künftig an Tankstellen und in Supermärkten tippen können. Das Kartellamt untersagt in einem noch vertraulichen Beschluss den staatlichen Lottogesellschaften, den Markt weiterhin unter sich aufzuteilen. Die Verbraucher müssten die Möglichkeit haben, zwischen den Anbietern, deren Gebühren erhebliche Unterschiede aufweisen, zu wählen. Detailansicht öffnen 8,5 Milliarden Jahresumsatz macht die staatliche Lottobranche jedes Jahr (Foto: Foto: dpa) Die regional klar voneinander abgegrenzten Gesellschaften sollen sich künftig Konkurrenz machen. Zudem dürfen die privaten Vermittler von den staatlichen Gesellschaften nicht mehr boykottiert werden. Der 197 Seiten umfassende Beschluss stammt vom 23. August und liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Die Entscheidung muss sofort vollzogen werden. Der Beschluss, der am Montag veröffentlicht werden soll, wurde nicht nur in der Glücksspielbranche, sondern auch in der Politik mit Spannung erwartet. Möglicherweise wird dies auch Auswirkungen auf den Liberalisierungsprozess im deutschen Markt für Sportwetten haben. Einträgliche Geldquelle für Bundesländer Bislang wird in Deutschland die Lotteriebranche mit einem Jahresumsatz von etwa 8,5 Milliarden Euro von den staatlichen Lottogesellschaften beherrscht, die in jedem der 16 Bundesländer eine eigene Gesellschaft gegründet haben und durch strikte Gebietsaufteilung keinen Wettbewerb zulassen. Vor allem für die Länder ist das Glücksspiel eine einträgliche Geldquelle, die sie nur ungern mit privaten Konkurrenten teilen. Die "wirtschaftlichen Interessen der Bundesländer" bestimmen nach Auffassung der Wettbewerbshüter "die Geschäftstätigkeit der Lottogesellschaften, weil sie von ihrem jeweiligen Bundesland maßgeblich beeinflusst werden". Verstoß gegen deutsches und europäisches Kartellrecht Die Bonner Behörde hatte den Lottogesellschaften bereits im Mai eine Abmahnung geschickt. Demnach hat der Deutsche Lotto- und Totoblock (DTLB) in der Vergangenheit mehrmals "gegen europäisches und deutsches Kartellrecht" verstoßen. Dabei sei der DTLB "eine Vereinigung von Unternehmen" ohne hoheitliche Aufgaben. Die von Politikern und Managern häufig verwendete Argumentation, die Gesellschaften würden auf der Grundlage staatlicher Kompetenzen agieren oder seien gar Träger staatlicher Verwaltung, stünde im Widerspruch zur Rechtsprechung der höchsten deutschen Gerichte. Die Behörde stört sich auch daran, dass Gesellschaften versucht hätten, gewerbliche Spielvermittler zu boykottieren. Im Frühsommer hatten einige Lottogesellschaften ihre Verträge mit einem Spielvermittler gekündigt. Das Bundeskartellamt zitiert aus dem Protokoll einer Sitzung der so genannten Lotto-Blockgesellschaften, dem zufolge der von den Ländern forcierte Regionalisierungsstaatsvertrag, worin die Einnahmen aus dem Lottogeschäft unter den Bundesländern aufgeteilt werden sollen, das Ziel habe, die "gewerblichen Spielvermittler vom Markt zu verdrängen". Die Entscheidung des Kartellamts dürfte den Wettbewerb verschärfen. Die Behörde will die Staatsbetriebe zwingen, untereinander zu konkurrieren und mit Privatfirmen zu kooperieren. Bislang geben die Spieler ihre Tippscheine vor allem in den 25.500 Annahmestellen ab, die von den Lotteriegesellschaften zugelassen sind. Tipp-Automaten in Tankstellen und Supermärkten Jetzt plant eine schleswig-holsteinische Vertriebsfirma bis Ende 2007 in 2000 Supermärkten und Tankstellen Tipp-Automaten aufzustellen. Das öffentliche Interesse und das Interesse der Privatfirmen überwiegen nach Ansicht des Kartellamts "die Interessen der Lottogesellschaften". Der Beschluss steht nach Meinung der Wettbewerbshüter in Einklang mit dem Sportwetten-Urteil des Verfassungsgerichts vom März. Karlsruhe hatte zwar das staatliche Wettmonopol als "unverhältnismäßigen Eingriff in die Berufsfreiheit" kritisiert, aber zugleich der Politik ein Hintertürchen gelassen. Das Monopol könne dann bestehen bleiben, wenn "es dem Ziel der Suchtbekämpfung" nicht zuwiderlaufe. Nach Ansicht der Wettbewerbshüter besteht bei Zahlenlotto "nur ein geringes Suchtgefährdungspotenzial", das durch den Einstieg privater Vertriebsfirmen nicht wesentlich vergrößert werde.
Die Entscheidung bedeutet eine schwere Niederlage für die Bundesländer. Staatliche Gesellschaften müssen Markt für private Vermittler öffnen und sollen untereinander konkurrieren - Verbraucher sollen künftig an Tankstellen und in Supermärkten tippen können.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vertraulicher-beschluss-kartellamt-schraenkt-lotto-monopol-ein-1.901264
Vertraulicher Beschluss - Kartellamt schränkt Lotto-Monopol ein
00/05/2010
Gestolperte Argentinien-Anleger aus Deutschland und einigen Nachbarländern erhalten eine neue Chance, um ihre Ersparnisse zu retten. Die von der HypoVereinsbank und der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz geführte Interessengemeinschaft ABRA werde eine zweite Zeichnungsfrist bis 31. Oktober setzen, wurde am Mittwoch angekündigt. Schätzungsweise 30.000 Deutsche hätten ihr Glück mit viel versprechenden Argentinien- Anleihen versucht und seien reingefallen, sagte HypoVereinsbank-Sprecher Knut Hansen. Die Staatsanleihen hatten Renditen von bis zu 16 Prozent versprochen. Dann hatte sich Argentinien privaten Anlegern gegenüber angesichts eines Gesamt-Schuldenberges von derzeit 110 Milliarden US- Dollar nominal für zahlungsunfähig erklärt. Gebündelte Kraft Die ABRA bündelt die Interessen der Anleger. Sie können ihre Anleihen dort gegen Zertifikate eintauschen. Damit treten sie ihre Rechte an die Interessengemeinschaft ab, die dann mit gebündelter Kraft in die Verhandlungen gehen will. ABRA ist inzwischen größter Einzelgläubiger Argentiniens. Aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Luxemburg seien Bonds im Wert von 1,2 Milliarden US-Dollar eingetauscht werden. Hansen schätzt das Gesamtvolumen der in diesem Raum gezeichneten Argentinien-Anleihen auf 5 bis 5,5 Milliarden US-Dollar, mehr als die Hälfte davon in Deutschland. Zumindest Nominalwert sichern Ziel von ABRA ist es, den Anlegern zumindest den Nominalwert der Anleihen zu sichern. Argentinien hat bisher aber Angebote unterbreitet, die zum Teil erhebliche Abschläge vom Nominalwert, damit Kapitalverlust sowie lange Laufzeiten vorsehen.
Gestolperte Argentinien-Anleger aus Deutschland und einigen Nachbarländern erhalten eine neue Chance, um ihre Ersparnisse zu retten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neue-chance-argentinien-anleger-koennen-sich-nochmals-organisieren-1.915380
Neue Chance - Argentinien-Anleger können sich nochmals organisieren
00/05/2010
Ungeachtet der Erfolge im Kampf gegen Haushaltslöcher wird Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) von Brüssel zu einem noch härteren Sparkurs gedrängt. Detailansicht öffnen Finanzminister Steinbrück freut sich über die Erfüllung der Maastricht-Kriterien - doch die EU will ihm die Freude nicht gönnen und fordert strengere Sparmaßnahmen. (Foto: Foto: dpa) Steinbrück (SPD) müsse "größere Anstrengungen" unternehmen, um das Defizit auch im kommenden Jahr in Einklang mit EU-Vorgaben zu bringen, mahnte EU-Wirtschaftskommissar Joaquín Almunia am Dienstag. Dabei stößt er sich vor allem an der Unternehmensteuerreform, die nächstes Jahr in Kraft tritt. Steinbrück sieht sich dagegen voll auf EU-Kurs. Auch Frankreich und Italien erhielten von dem spanischen Kommissar einen Rüffel. EU stößt sich an Unternehmenssteuerreform Bei seiner Bewertung des deutschen Haushaltsplans für den Zeitraum 2006 bis 2010 mahnte Almunia mehr Einsparungen im Gesundheitswesen an, kritisierte aber vor allem einen mangelnden Sparplan im Kontext der Unternehmensteuerreform, die den Firmen Erleichterungen von fünf Milliarden Euro bringen soll. "Das steht nicht in Einklang mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt", unterstrich der Kommissar. Danach darf das Defizit drei Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) nicht überschreiten. Die Kritik aus Brüssel ist ein unerwarteter Dämpfer für Steinbrück: Deutschland hatte im vergangenen Jahr erstmals seit fünf Jahren mit 1,9 Prozent wieder die Vorgaben des Stabilitätspakts eingehalten. Deutschland erfüllt Maastricht-Kriterien In diesem und im nächsten Jahr plant die Bundesregierung laut den Ende November nach Brüssel gemeldeten Zahlen ein Defizit von nur noch 1,5 Prozent. 2009 soll das Defizit dann auf 1,0 Prozent sinken und 2010 sogar nur noch bei 0,5 Prozent liegen. Die EU-Kommission will deshalb das Defizitverfahren gegen Deutschland voraussichtlich noch im Frühjahr einstellen. Zwar seien die Zahlen für dieses und das vergangene Jahr "sehr, sehr gut", sagte Almunia. "Das heißt aber nicht, dass der Fortschritt hier endet." Konkret fordert er stärkere Anstrengungen beim strukturellen Defizit, das die Lücke zwischen den laufenden Ausgaben und den Einnahmen der öffentlichen Kassen aufzeigt. Nach dem reformierten Stabilitäts- und Wachstumspakt soll Deutschland dieses Sockel-Defizit in wirtschaftlich "günstigen" Zeiten um mindestens 0,5 Prozentpunkte jährlich senken. Diese Vorgabe werde zwar 2006 und 2007 erreicht, sagte Almunia. "2008 gibt es aber keine weitere Anpassung, und das verdient unsere Kritik." Steinbrück verteidigt Reform Steinbrück ließ dagegen in München über seinen Sprecher Torsten Albig erklären, die Bundesregierung habe für 2008 sichergestellt, dass die "einmaligen Mehrausgaben" für die Unternehmensteuerreform aufgefangen würden. Dafür wolle die Regierung weitere Subventionen abbauen, was bereits "eine große Leistung" erfordere. Bis 2010 werde Deutschland "den Stabilitätspfad einhalten, den uns die EU vorgibt". Almunia hält dagegen noch größere Sparanstrengungen für möglich und verweist dabei auf die aktuelle "Wirtschaftsdynamik" der Bundesrepublik: "Die deutsche Wirtschaft wächst stärker als in den sechs vergangenen Jahren." Zudem sinke die Arbeitslosigkeit, und die Nachfrage aus der Wirtschaft kurbele die Konjunktur wieder an. Auch Frankreich und Italien gerügt Kritik an seinen Äußerungen wies Almunia zurück: "Es ist unsere Verantwortung, Druck auszuüben. Das sind die Spielregeln." Auch große EU-Staaten wie Frankreich und Italien rief Almunia zu größeren Anstrengungen bei der mittelfristigen Haushaltsplanung auf. Frankreich muss demnach bereits in diesem Jahr stärker gegen das strukturelle Defizit vorgehen. Zugleich bestätigte Almunia, das laufende EU-Verfahren gegen Frankreich solle bereits beim nächsten Treffen der EU-Finanzminister am Dienstag in Brüssel eingestellt werden. Am stärksten ist aber Italien gefragt: Dort hatte das Defizit im vergangenen Jahr mit 5,7 Prozent weit über der von der EU tolerierten Drei-Prozent-Marke gelegen.
Während Deutschlands Finanzminister über ein geringeres Haushaltsdefizit als erwartet jubelt, fordert Brüssel einen härteren Sparkurs.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zwist-zwischen-deutschland-und-eu-zu-frueh-gefreut-1.916885
Zwist zwischen Deutschland und EU - Zu früh gefreut
00/05/2010
Karl-Heinz Grasser, der ebenso junge wie prätentiöse Herr über Österreichs Finanzen, steht im Zwielicht. (SZ vom 26.06.2003) — Was für ein Kerlchen! Als Kind, als Knabe, als Promi mit Promis, unterm Christbaum, auf der Piste, als Kasperl im Karneval - so posiert Österreichs Finanzminister Karl-Heinz Grasser im Internet. Preziös kommt der Herr daher, denn die elektronische Vorstellung auf seiner privaten Homepage (www.karlheinzgrasser.at) hat nach Grassers eigener Darstellung die groteske Summe von 175.000 Euro gekostet. Krieg der Gutachter Peinlich nur, dass nicht Grasser sie bezahlt hat, sondern Österreichs Industriellenvereinigung; das Ganze war getarnt als Spende an einen dubiosen Verein zur Förderung der New Economy. Vorsitz: Grassers Bürochef. Auf der Homepage kommt über neues Wirtschaften aber nichts vor. Und jetzt tobt der Krieg der Gutachter, ob Grasser die Spende hätte versteuern müssen, was er nicht tat, und ob sich ein regierender Politiker überhaupt so aushalten lassen dürfe. Der prätentiöse Herr Finanzminister, der doch sparen sollte, kommt die Österreicher teuer. Ganze Bündel von Vorwürfen erheben die Medien und die Opposition gegen ihn, und Grasser bestreitet die Sachverhalte nicht. Er beauftragte ausgerechnet einen befreundeten Immobilienmakler, die österreichische Bundeswohnungsgesellschaft zu privatisieren, setzte also einen kapitalen Bock als Gärtner ein. Und ein Professor, den er selbst als Chef der Steuerreformkommission und in anderen Gremien beigezogen hat, wird Grasser nun noch als Doktorvater behilflich sein. So ein Titelchen fehlt dem feschen "KHG" noch, der lange Zeit am Revers seiner Anzüge sein Namenskürzel als Anstecker trug. Die Anzüge sind natürlich gesponsert, von einer Textilmarke, die sich die Eröffnung einer Filiale mit einer Rede aus des Ministers allerhöchstem Munde benedeien ließ. Der lackierte Chick hat dem jugendlichen Sonnyboy längst den Ehrentitel "Chefideologe des Feschismus" eingebracht, verliehen von der Wiener Stadtzeitung Falter. 34 Jahre ist er alt, immer makellos gekleidet, nie um ein Lächeln verlegen und immer ahnungslos, wenn es um die rechtsextremistischen Aspekte seiner politischen Herkunft aus der FPÖ geht. Zugpferd für Schüssel In Jörg Haiders Rechtspartei war Grasser einst der Jungstar, seit dem letzten Parlamentswahlkampf aber ficht er als vorgeblich Unabhängiger an der Seite des Bundeskanzlers und ÖVP-Chefs Wolfgang Schüssel, dessen populärstes Zugpferd bei den Wählern er ist. Dies kam nicht von ungefähr. Millionen ließ sich der Finanzminister eine Art von Volksmission kosten; im Stile amerikanischer Sektenprediger verkündete er auf Huldigungsveranstaltungen den Kleingewerbetreibenden, in Zeiten wie diesen seien Sparen und "Nulldefizit" im Staatsetat die höchste aller Weisheiten. Um später dann das Gegenteil zu erklären und wiederum in einer teuren Kampagne fürs Schuldenmachen zu plädieren. Österreichs Bestimmungen über Parteienfinanzierung und Lobbyismus sind bestürzend lax, nach Meinung des Politmagazins profil "die logische Folge eines grob unterdurchschnittlich ausgebildeten öffentlichen Bewusstseins für persönlichen Anstand und moralische Verantwortung". In anderen Ländern Europas, Italien ausgenommen, hätte Grasser wohl längst zurücktreten müssen. Sein dickstes Ding ist die Sache mit den Abfangjägern. Nach außen stets den Sparmeister spielend, war es offenbar Grasser, der im Hintergrund entgegen dem Votum der Militärs dem Eurofighter als teuerster von drei möglichen Varianten den Zuschlag verschaffte. Der Eurofighter-Konzern EADS verspricht, als Kompensation Großaufträge nach Österreich zu vergeben. Größter Profiteur wird der Magna-Konzern sein, Kfz-Zulieferer und Montagefabrik des Austrokanadiers Frank Stronach. Grasser war selbst bei Stronach ein paar Monate lang angestellt und präsentierte beim Amtsantritt als Minister eine vertragliche Garantie für eine Rückkehr in den Konzern. Grüne und Sozialdemokraten verlangen einen Untersuchungsausschuss, Bürger rufen nach der Justiz. Selbst Jörg Haider sprach diffus von "strafrechtlich relevanten" Hintergründen des Deals. Nur Bundeskanzler Schüssel hält zu seinem Adlatus: "Da wird eine persönliche Hetzkampagne geführt." Ihn irritiert auch nicht, dass gerade jetzt Geheimverhandlungen aufgeflogen sind, bei denen es um den Verkauf des hochprofitablen staatlichen Stahlkonzerns Voest in Linz an niemand anderen als Stronach ging.
Karl-Heinz Grasser, der ebenso junge wie prätentiöse Herr über Österreichs Finanzen, steht im Zwielicht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/oesterreich-ein-fescher-skandalminister-1.898662
Österreich - Ein fescher Skandalminister
00/05/2010
Die Briten finden, dass deutsche Autos überaus unzuverlässig sind. Besonders Volkswagen. (SZ vom 08.08.2003) — Deutsche Autos haben während der vergangenen Jahre spektakuläre Absatzrekorde in England eingefahren. Doch glücklich sind die Briten über ihre Volkswagen, Mercedes und BMW keineswegs immer. Denn die einst sprichwörtliche Qualität deutscher Autos hat sich nach ihren Erfahrungen in jüngster Zeit erheblich verschlechtert. BMW nur durchschnittlich Selbst Daimler-Chrysler musste sich jetzt eine kräftige Rüge gefallen lassen. Inzwischen gelten die Stuttgarter Nobel-Karossen auf der Insel nur noch als Fahrzeuge von durchschnittlicher Zuverlässigkeit. Volkswagen musste sogar die Note "mangelhaft" einstecken. Jedes Jahr befragt die Zeitschrift Which?, das britische Pendant zum Magazin test der Stiftung Warentest, nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Leser zu Pannen und Zuverlässigkeit ihrer Autos. In diesem Jahr kamen 33.000 Fragebögen zurück, und das Ergebnis ist eine Image-Katastrophe für die deutsche Automobilindustrie. Keiner der großen Namen schaffte es mehr, beim Thema technische Zuverlässigkeit die Note "sehr gut" oder "gut" zu bekommen. Audi, BMW, Porsche sowie die VW-Töchter Seat und Skoda werden als "durchschnittlich" bewertet. Die Autos der Muttergesellschaft VW selbst, deren Zuverlässigkeit vor zwei Jahr noch als "gut" eingestuft wurde, rutschten jetzt sogar in die unterste Kategorie ab. "In den neunziger Jahren hatten wir regelmäßig Volkswagen-Modelle empfohlen", schreibt das Magazin. Doch bei den Wagen, die seit 1998 von den VW-Bändern rollen, gebe es eine zu hohe Pannenquote. ´ Absturz für Mercedes Am stärksten unter allen 37 Marken habe sich die Qualität bei Mercedes verschlechtert. Selbst Ford-Autos, so die Verbraucher-Organisation, machen inzwischen seltener Probleme als die Limousinen aus Stuttgart. Bei der E-Klasse - allerdings betrifft dies nicht das neueste Modell, sondern die Vorgänger-Version - meldeten die Which?-Leser so viele Pannen wie bei wenigen anderen Modellen. Schlechter schneidet beinahe nur noch der Audi TT - britischer Listenpreis: 31.000 bis 42.000 Euro - ab: Jeder vierte Besitzer eines bis zu zwei Jahre alten Audi TT hatte im vergangenen Jahr mindestens eine Panne. Zum Vergleich: Die Besitzer eines neuen Honda Accord oder eines neuen Mazda 323 sind völlig pannenfrei über die Insel gefahren. Überhaupt sind es beinahe ausschließlich japanische Namen, die bei Which? die besten Noten bekommen. Einen kleinen Lichtblick aber gibt es für Daimler-Chrysler: Die Tochter Smart erhielt als einziger europäischer Hersteller ebenfalls die Bestnote in Sachen Zuverlässigkeit. Lernen können die Stuttgarter auch bei ihrem "strategischen Partner" in Korea: Hyundai liegt ebenfalls vorne.
Die Briten finden, dass deutsche Autos überaus unzuverlässig sind. Besonders Volkswagen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/imageverlust-stehen-geblieben-1.899577
Imageverlust - Stehen geblieben
00/05/2010
Deutschland wird aller Voraussicht nach auch 2005 gegen die Regeln des Stabilitätspakts verstoßen und damit sein Sparversprechen an die Euro-Partner brechen. Dies geht aus einem Bericht des Finanzministers an die EU-Kommission hervor. (SZ vom 3.12.03) — In einem Bericht an die EU-Kommission warnt Finanzminister Hans Eichel vor einer möglichen "Dehnung beim Abbau des Staatsdefizits". Demnach ist die Schuldengrenze nur einzuhalten, wenn die Wirtschaft 2004 und 2005 weitaus stärker wächst, als dies in den letzten zehn Jahren üblich war. Detailansicht öffnen Eichel glaubt nicht an sein eigenes Versprechen. (Foto: Foto: dpa) Eine schwächere Konjunkturentwicklung würde "unmittelbar auf die Defizite durchschlagen", heißt es in dem der Süddeutschen Zeitung vorliegenden Bericht. In dem 52-seitigen so genannten Stabilitätsprogramm, über welches das Bundeskabinett am heutigen Mittwoch in Berlin beraten wird, beschreibt die Regierung die aktuelle Haushaltslage in Deutschland. Zudem gibt sie einen Ausblick, wie sich die Staatsfinanzen in den nächsten vier Jahren entwickeln werden. Der Bericht gehört zu den Regularien, die der europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt für alle Mitgliedsstaaten der Währungsunion vorsieht. Bedingungen Finanzminister Eichel nennt in dem Papier zahlreiche Bedingungen, damit Bund, Länder, Gemeinden und Sozialkassen 2005 wieder unter der Drei-Prozent-Schuldengrenze gelangen. Entscheidend ist demnach, dass sämtliche Reformen der Regierung ohne Verzögerung und größere Abstriche umgesetzt werden, die Sozialkassen ihr Minus abbauen und die Konjunktur sich zudem überaus positiv entwickelt. Die Regierung unterstellt im nächsten Jahr ein Wachstum von eineinhalb bis zwei Prozent, in den Jahren bis 2007 dann von 2,25 Prozent. Zugleich räumt sie in dem Bericht aber ein, dass die deutsche Wirtschaft im Durchschnitt der letzten Jahre nur um 1,5 Prozent gewachsen ist. Haushalt ist "unter Stress" Sollte sich diese optimistische Prognose bewahrheiten, dann würde das staatliche Defizit im nächsten Jahr auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken, und 2005 dann 2,5 Prozent betragen - so wie von EU-Währungskommissar Pedro Solbes vergangene Woche gefordert. Wächst die Wirtschaft hingegen, wie die Regierung in einer alternativen "Sensitivitätsanalyse" vorrechnet, nur um ein halbes Prozent weniger, läge das Defizit auch im Jahr 2005 bei drei Prozent; selbst im Jahr 2007 würde das Minus immer noch bei 2,5 Prozent liegen. Deutschland würde also zum vierten Mal in Folge gegen die Stabilitätskriterien verstoßen. Ökonomen bezweifeln deshalb, dass Eichel sein Versprechen an die anderen EU-Staaten einhalten kann: Diese hatten das Defizitverfahren gegen Deutschland am Dienstag voriger Woche in einer dramatischen Nachtsitzung vorerst gestoppt, zugleich aber verlangt, dass Deutschland 2005 wieder unter die Drei-Prozent-Grenze gelange. Der deutsche Haushalt stehe, wie Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker betonte, "weiter unter Stress". Sollte die Regierung ihre Zusagen nicht einhalten, könne die Kommission das Strafverfahren jederzeit wieder aufnehmen. Unsicheres Szenario Die Regierung selbst räumt in ihrem Bericht an zahlreichen Stellen ein, wie unsicher ihr positives Szenario ist. So könnte das Wachstum im nächsten Jahr "unter ungünstigen binnen- und außenwirtschaftlichen Bedingungen auch niedriger ausfallen", als die offizielle Prognose vorgibt. Risiken drohen demnach durch einen Abschwung in den Vereinigten Staaten, aber auch "bei Verzögerungen und größeren Abstrichen bei den Reformvorhaben der Bundesregierung".Auch geht Berlin davon aus, dass die Krankenkassen ihre Etats im nächsten Jahr wieder ausgleichen werden - eine Entwicklung, die der Chef des AOK-Bundesverbands Hans Jürgen Ahrens erst vor wenigen Tagen als unrealistisch bezeichnet hatte: Es sei "illusorisch, von einem Jahr ohne Defizit auszugehen". Wachsender Schuldenberg Kein Rede ist in dem Stabilitätsprogramm mehr davon, in den nächsten Jahren einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Noch vor einem Jahr hatte Eichel nach Brüssel gemeldet, er werde dies 2006 schaffen. Dies ist nun in den Tableaus, welche die Regierung an die EU-Kommission schickt, nicht mehr enthalten. Selbst im positiven Wachstumsszenario läge das staatliche Minus im Jahr 2007 bei 1,5 Prozent. Würde man den Trend, den die Regierung beim Defizitabbau vorgibt, weiter fortschreiben, wär ein ausgeglichener Staatshaushalt frühestens am Ende dieses Jahrzehnts denkbar. Scheitelpunkt 2005 Gleichzeitig wird der deutsche Schuldenberg in den nächsten Jahren weiter wachsen. So wird der Schuldenstand von Bund, Ländern und Gemeinden in diesem Jahr von 60,8 Prozent auf 64 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt steigen, im nächsten Jahr dann auf 65 Prozent. Im Jahr 2005 werde, wie es im Stabilitätsprogramm heißt, "mit 65,5 Prozent der Scheitelpunkt der Entwicklung erreicht". Danach sinke die Quote langsam. Erlaubt ist dem Stabilitätspakt zufolge aber nur eine Gesamtschuldenstand von maximal 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Deutschland wird aller Voraussicht nach auch 2005 gegen die Regeln des Stabilitätspakts verstoßen und damit sein Sparversprechen an die Euro-Partner brechen. Dies geht aus einem Bericht des Finanzministers an die EU-Kommission hervor.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stabilitaetspakt-eichel-glaubt-nicht-an-sein-sparversprechen-1.898106
Stabilitätspakt - Eichel glaubt nicht an sein Sparversprechen
00/05/2010
In einer Gemeinde in Rheinland-Pfalz lassen Konzerne neue Artikel testen - die Bürger entscheiden mit ihrem Einkauf, ob es die Waren später in ganz Deutschland gibt. So sieht er also aus, der unberechenbare Kunde: Einsachtzig groß, Mitte 30 und dunkelhaarig. Der Mann greift ins Supermarkt-Regal mit den Weichspülern und studiert die Etiketten. Detailansicht öffnen Wer sich in den Supermärkten und Drogerien in Haßloch umschaut, entdeckt keinen Unterschied zu anderen in Deutschland. (Foto: Foto: ddp) Deren Versprechungen scheint er aber nicht zu glauben. Kurz blickt der Mann nach rechts, nach links. Als er sich unbeobachtet glaubt, schraubt er eine blaue Flasche auf und riecht daran, dann eine rosafarbene. Die blaue legt er schließlich in seinen Einkaufswagen. In diesem Supermarkt in Haßloch kann eine solche Entscheidung weitreichende Folgen haben: Sie könnte das Aus für das Konkurrenz-Produkt in deutschen Supermärkten bedeuten. Ohne Haßloch sähe Deutschland anders aus Haßloch ist eine Gemeinde in Rheinland-Pfalz, die man auf der Karte suchen muss. Wohl keiner der etwa 20.000 Einwohner würde protestieren, wenn man diese Gegend, in der sich der Uhrmacher noch eine Mittagspause leistet, als Provinz bezeichnet. Aber ohne die Haßlocher sähe Deutschland anders aus. Was die Haßlocher einkaufen, dies bekommt auch die Republik in die Regale gestellt, was sie verschmähen, bekommen andere gar nicht erst zu sehen. In Haßloch betreibt die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) seit 1986 einen bundesweit einzigartigen Testmarkt. Die neue Zahnpasta, der neue Joghurt, das neue Duschgel - hier können Hersteller Waren in die Regale der Supermärkte und Drogerien stellen lassen, bevor sie deutschlandweit auf den Markt kommen. Von den knapp 10.000 Haushalten in Haßloch lassen sich 3000 freiwillig in den Einkaufswagen schauen. Diese Käufer sind so ausgewählt, dass sie die deutsche Bevölkerung im Kleinen abbilden. Das Rentnerehepaar macht mit, der gut verdienende Single, die junge Familie mit Kind, die mit jedem Cent rechnen muss, und auch der Arbeitslose - immer in dem Verhältnis, wie sie auch in Deutschland leben. Und sie kaufen ein, so wie sie es immer machen. Hans Bauer zum Beispiel kauft nur, was er unbedingt braucht und mit seinem Fahrrad transportieren kann. Das hat er vor dem Edeka in der Herrenstraße abgestellt. Nun steuert er seinen Wagen zielstrebig erst am Gemüsestand vorbei, dann am Kühlregal. Halt macht er bei den Getränken. Dort greift der 74-Jährige nach der Kiste mit dem Mineralwasser im grünen Glas. "Meine Frau schwört darauf", sagt er. Käufer wie Hans Bauer nennen Konsumforscher "markentreu". Ihr Institut in Haßloch liegt mitten im beschaulichen Ortszentrum. "Was immer Sie sich in ihrer Phantasie ausmalen, hinter dieser Tür finden sie es", steht auf einem Aufkleber an einer der Bürotüren der GfK-Zweigstelle. In dem Raum findet sich aber nur, was man sich auch ohne Phantasie hinter einer Bürotür vorstellt: Computer und Schreibtische. Die Tests der GfK sind streng geheim. Und Marktforscherin Susanne Kurz, 41, leitet sie. "Haßloch ist die härteste Probe für ein neues Produkt", sagt Kurz. Etwa 70 Prozent aller Artikel, die neu auf den Markt kommen, verschwinden nach einem Jahr wieder aus den Regalen. "Das waren dann Flops", sagt Kurz. Detailansicht öffnen Die Haßlocher entscheiden mit ihrem Einkauf, was in den Supermarktregalen steht. (Foto: Foto: ddp) Die Kunden haben sie einfach nicht gekauft. Konzerne wie etwa Bahlsen, Henkel und Coca Cola können mit ihrem neuen Produkt zur Generalprobe nach Haßloch kommen. Noch bevor sie für viel Geld die Werbe-Maschinerie anwerfen und die Produkte in Massen herstellen, müssen sich die Artikel in Haßloch dann ein letztes Mal beweisen. Ein halbes Jahr im Regal Bis zu 25 Aufträge bekommt die GfK jährlich. Die Tests dauern dann in der Regel ein halbes Jahr. Erst in dieser Zeit zeigt sich, ob ein Kunde mit dem Testprodukt zufrieden ist und es auch ein zweites und drittes Mal kauft. Das Experiment funktioniert aber nur solange, wie es als solches von den Testkäufern so gut wie nicht wahrgenommen wird. Wer sich in den Supermärkten und Drogerien umschaut, entdeckt keinen Unterschied zu anderen in Deutschland. Die wenigen Testprodukte gehen in der üblichen Sortimentvielfalt unter. Die Kunden werden nur beim Zahlen daran erinnert, dass sie an einem Versuch teilnehmen. Ein Schriftzug auf den schmalen Balken, die an der Kasse die Einkäufe trennen, fordert die Käufer auf, doch bitteschön ihre GfK-Chipkarte vorzulegen. Alle außer Aldi Die Artikel werden in den Scanner-Kassen registriert und diese Daten automatisch an die GfK übertragen. Bis auf Aldi, der sich nicht in die Verkaufszahlen schauen lassen will, sind alle sechs Supermärkte und Drogerien Haßlochs auf diese Weise mit der GfK vernetzt. So lernt die GfK die Käufer bestimmter Produkte sehr gut kennen. Sie kann ihren Auftraggebern, etwa dem Zahnpasta-Hersteller ein detailliertes Profil erstellen. Sie weiß, womit sich der Kunde bisher seine Zähne geputzt hat - und auch, ob er zusätzlich Zahnseide verwendet. Sie weiß sogar, ob der Vier-Personen-Haushalt mit hohem Einkommen lieber zur günstigen Großpackung greift - denn Haushaltsgröße und Einkommen sind als Informationen bei der GfK hinterlegt. Bis in die Wohnzimmer Die GfK kann ihrem Auftrageber sogar die Frage beantworten, was er tun muss, damit der Kunde bald auch lieber zu dem neuen Produkt greift - denn das Experiment begleitet die Teilnehmer bis in die Wohnzimmer. Dort steht in zwei Drittel der Haushalte eine schwarze GfK-Box neben dem Fernseher. Bei diesen Teilnehmern erprobt die GfK sogar die Werbung, die einmal die Markteinführung des neuen Produkts unterstützen soll. Auf neun Kanälen überblendet die GfK zu jeder Tageszeit Werbung zugunsten von Testspots, ohne dass der Zuschauer das merkt. So bekommen die Haßlocher Werbefilme zu sehen, die im nur knapp fünf Kilometer Böhl-Iggelheim niemand kennt. Und wer aufmerksam in der gratis gelieferten Hörzu blättert, könnte dort die entsprechende Anzeige dazu entdecken. Für diese Exemplare der Fernsehzeitschrift werden die Druckmaschinen angehalten, um spezielle Anzeigenseiten einzulegen. Der Einfluss der Werbung auf das Einkaufsverhalten ließ sich, als der Testmarkt 1986 nach amerikanischen Vorbild aufgebaut wurde, nur in Haßloch messen. Es waren allein praktische Gründe, die die GfK ausgerechnet auf diesen Ort aufmerksam machten. Haßloch war bei einem Pilotprojekt als erste Gemeinde mit Kabelfernsehen ausgestattet worden - die Voraussetzung, damit sich die GfK überhaupt ins Programm einschalten kann. "Hier kann man fast alles testen" Außerdem waren alle wichtigen Supermärkte und Drogerien schon im Ort, und wer anderswo einkaufen will, muss übers Land bis ins benachbarte Städtchen fahren. "Hier kann man fast alles testen", sagt Steffen Hasse, Marktforscher bei Procter & Gamble. Der amerikanische Konsumgüter-Hersteller hat bereits mehr als 50 Tests in Haßloch durchgezogen. Der Weichspüler "Lenor" und die "Always"-Binden etwa mussten sich hier bewähren. Haßloch liefert dabei fast immer sehr präzise Ergebnisse. Die Erfahrungen, die die GfK hier macht, stimmen zu 90 Prozent mit späteren Marktdaten überein. Konkurrenten kriegen alles mit Es gibt aber auch Nachteile: Konkurrenten etwa brauchen nur die Regale abzuschreiten, um zu erfahren, was der Mitbewerber vor hat. "Die Offenherzigkeit Haßlochs ist ein Problem", sagt Hasse. Auch seien die Tests teuer und langwierig. Die Kosten von 200.000 Euro und mehr für einen Probelauf nehmen trotzdem viele Konzerne in Kauf, wenn sie damit das wesentlich teurere Scheitern eines Produkts verhindern können. So hat Proctor & Gamble auch vor wenigen Jahren in Haßloch getestet, ob die in den USA beliebten Rabatt-Coupons - inzwischen auch hier ein beliebtes Werbeinstrument - bei deutschen Kunden ankommen. Testpersonen zu befragen - ein sonst gängiges und wesentlich günstigeres Instrument der Marktforscher - genügte dem Konzern dieses Mal nicht. "Zwischen dem, was die Leute sagen, und was sie dann tatsächlich tun, liegt oft eine große Diskrepanz. Nachher vergessen die Leute die Coupons zu Hause", sagt Hasse. In Haßloch wurden die Gutscheine an die Testhaushalte verteilt - und die nutzten sie auch. Für die Always-Binden erprobte Proctor & Gamble zwei Werbespots. Das Ergebnis: Einer von beiden führte zu doppelt so hohen Verkaufszahlen. Mit dem besseren Spot warb das Unternehmen später auch deutschlandweit für das Produkt. In Haßloch, sagt Hasse, erfahren Konzerne auch, ob es sich lohnt, einen kürzeren Werbefilm häufiger zu zeigen, oder einen längeren seltener. Dazu trägt zum Beispiel Annette Penn bei. Seit sechs Jahren kauft die Familie der 42-jährigen Buchhändlerin im Dienste der GfK ein. Zu Hause nutzt sie gleich die Gelegenheit, mit einem Ortsfremden Werbung zu schauen: "Ist das eine Testwerbung?", fragt sie, als gerade eine Gesichtscreme mit Ingwer-Extrakt angepriesen wird. Sie könne es ja nicht wissen, sagt Annette Penn, sie kennt ja nur die Werbung, die bei ihr läuft. Die GfK arbeitet nahezu geräuschlos und unsichtbar. Dass Annette Penn ein Testprodukt erwischt hat, merkt sie nur, wenn es nach einiger Zeit vorübergehend oder für immer aus den Regalen verschwindet. "Und plötzlich gab es das nicht mehr" Mit einem Müsli ging ihr das einmal so. "Die Kinder haben das so gerne gegessen", sagt sie, "und plötzlich gab es das nicht mehr." Sie erzählt das wie eine Anekdote - ganz ohne Ärger in ihrer Stimme. Ihre Eltern hatten sie auf die Idee gebracht, auch als Testhaushalt teilzunehmen. Als die GfK mal wieder Flugblätter verteilte und neue Teilnehmer suchte, bewarb sich ihre Familie. "Das hat ja auch Vorteile", sagt sie und nennt die Hörzu, die sie kostenlos bekommt und den Zuschuss von 3 Euro 85 im Monat zu den Kabelgebühren. Dafür muss sie nicht einmal Fragen zu den neuen Produkten beantworten. Von der GfK hört sie höchstens, wenn das Institut wissen will, ob sich am Einkommen etwas geändert hat oder wenn die schwarze Fernseh-Box kaputt ist. Ansonsten melden sich die Konsumforscher nur, wenn die Penns lange nicht in Haßloch eingekauft hat. Nach einigen Wochen erkundigen sich dann Mitarbeiter, ob man vielleicht lange im Urlaub war. Denn eines duldet die GfK nicht: Wenn Haßlocher wie die Familie Penn auf Dauer anderswo einkaufen als in Haßloch.
In einer Gemeinde in Rheinland-Pfalz lassen Konzerne neue Artikel testen - die Bürger entscheiden mit ihrem Einkauf, ob es die Waren später in ganz Deutschland gibt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-deutsche-testmarkt-das-hassloch-experiment-1.907694
Der deutsche Testmarkt - Das Haßloch-Experiment
00/05/2010
Der wegen seiner hohen Bezahlung unter Druck geratene Chef der New Yorker Börse ist offenbar vom Vorstand zur Demission gezwungen worden. Der Verwaltungsrat der weltgrößten Aktienbörse informierte am Mittwochabend die Öffentlichkeit über den Rücktritt ihres bisherigen Chefs. Grasso (57) war wegen riesiger akkumulierter Pensionsansprüche und anderer Bezüge von knapp 140 Millionen Dollar (125 Mio Euro) unter starken Beschuss von Seiten der Wall-Street-Vertreter, der Chefs großer Pensionskassen und vieler Politiker gekommen. Grasso hatte seinen Rücktritt angeboten, falls der Verwaltungrat dies wünsche, erklärte NYSE-Verwaltungsratsmitglied H. Carl McCall. Grasso selbst hatte angesichts der jüngsten Diskussionen über die Börse und die Zahlungen die Sondersitzung des Aufsichtsgremiums einberufen. Einem Bericht des Wall Street Journal zufolge soll er vom Kontrollgremium der Börse allerdings zum Rücktritt gezwungen worden sein. Interimsvorsitzender Die NYSE bat nach Angaben des Wall Street Journal" Larry W. Sonsini, den Chef der Anwaltsfirma Sonsini Goodrich & Rosati in Palo Alto (Kalifornien), als Interimsvorsitzender der Börse zu fungieren. Noch am Mittwochabend trat der Verwaltungsrat der Börse zusammen, um über die Benennung eines Interims- Verwaltungsratsvorsitzenden und Börsenchef zu beraten. Zudem sollte ein Suchausschuss gebildet werden, um einen endgüältigen Nachfolger Grassos zu finden. Catherine Kinney (51) und Robert Britz (52), die gemeinsam die Tagesgeschäfte der NYSE leiten, sollen im Amt bleiben. Grasso hob hervor, er habe 36 Jahre lang für den weltgrößten Aktienmarkt gearbeitet. Er wolle den Verwaltungsrat und die Börse unterstützen, um einen reibungslosen Führungswechsel zu ermöglichen. Die Börse wolle ihre Reformen weiter voran treiben, erklärte McCall. Sofortauszahlung Grasso war wegen einer Sofortauszahlung von fast 140 Millionen Dollar an akkumulierten Pensions-, Spar- und anderen betrieblichen Ansprüchen unter scharfen Beschuss geraten. Die NYSE hatte allerdings unter Grassos Führung auch ein enormes Wachstum verbucht. Grasso hatte 1.549 der 2.800 notierten Gesellschaften hinzu gewonnen. Dazu zählten auch fast 500 ausländische Unternehmen. Der Marktwert der notierten Aktien hatte sich während seiner Führungszeit mehr als verdoppelt und liegt bei 14,8 Billionen Dollar. Grasso hat auch die Börsentechnologie modernisiert. Er hatte die New Yorker Börse im September 2001 nach der Zerstörung des in der Nähe gelegenen World Trade Center innerhalb weniger Tage wieder betriebsfähig gemacht. Grassos neuer Anstellungsvertrag sollte bis 31. Mai 2007 laufen. Er war seit 1988 NYSE-Präsident. Er wurde dann 1995 Leiter des Verwaltungsrates und Chef der New Yorker Börse. Als kleiner Angestellter angefangen Grasso hatte als kleiner Angestellter an der NYSE angefangen. Er war der erste NYSE- Mitarbeiter in der 211-jährigen Börsengeschichte, der es geschafft hatte, zum Börsenchef und Verwaltungsratsvorsitzenden aufzusteigen. Sein Sturz steht im Zusammenhang mit der enormen Kritik an den völlig überzogenen US-Managerbezügen, der unzureichenden Wall-Street- Aufsicht sowie Interessenkonflikten und Bilanzskandalen bei vielen amerikanischen Unternehmen. Grasso hatte im Jahr 2000 rund 21,8 Millionen Dollar und im folgenden Jahr sogar 25,5 Millionen Dollar verdient, berichtete die US-Wirtschaftsagentur Bloomberg. Er sollte bis 2007 weitere 48 Millionen Dollar erhalten, doch habe er auf Druck des Verwaltungsrates darauf verzichtet.
Der wegen seiner hohen Bezahlung unter Druck geratene Chef der New Yorker Börse ist offenbar vom Vorstand zur Demission gezwungen worden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gehaltseklat-new-yorker-boersenchef-grasso-tritt-zurueck-1.917560
Gehaltseklat - New Yorker Börsenchef Grasso tritt zurück
00/05/2010
Die hessischen Oppenheimers wurden zum reichsten Clan Afrikas. Ursprünglich profitierten sie vom rassistischen Ausbeutungssystem Südafrikas, doch inzwischen gründet ihr wirtschaftlicher Erfolg vornehmlich auf dem rasanten Wachstum in Asien. Wer umgerechnet sechs Milliarden Dollar Privatvermögen besitzt, muss seinen Reichtum nicht zur Schau stellen. Die auffälligste Eigenschaft von Nicholas Frank Oppenheimer ist jedenfalls, dass er nicht weiter auffällt. Detailansicht öffnen Diamant im Wert von mehreren Millionen Euro. (Foto: Foto: dpa) Mit seinem Vollbart, seiner dezenten Kleidung und seiner kameradschaftlichen Art - "nennen Sie mich Nicky" - wirkt der 60-Jährige zumindest so wie ein ganz gewöhnlicher weißer Südafrikaner, und mit diesen teilt er auch die weit verbreitete Sportbegeisterung. In seinem Büro ist zum Beispiel zu lesen: "Dinge, die noch vor dem Kricket erledigt werden müssen." Es führt wohl zu weit, dieses Nicht-Auffallen als Merkmal der Familie zu stilisieren, aber schon der Großvater von Nicky Oppenheimer, Ernest, glänzte nicht gerade durch ein dominantes Auftreten. "Nicht besonders helle" Dieser wurde im Jahre 1880 im hessischen Friedberg als Ernst Oppenheimer, fünfter Sohn eines Zigarrenhändlers, geboren. Glaubt man den Aufzeichnungen, dann beeindruckte er zumindest als junger Mann seine Umwelt nur wenig. Als "ziemlich schüchtern" wurde er beschrieben, als einer, der "nicht besonders helle" schien. Sein erster Arbeitgeber, der Edelsteinhändler Anton Dinkelsbuhler in London, schimpfte gar: "Du würdest nicht einmal einen guten Kellner abgeben." Dabei war es Ernest Oppenheimer, der seine Familie zur reichsten in Afrika gemacht hat. Er erreichtete dabei auch ein Imperium, das es bis heute kein zweites Mal gibt. Der Mann hielt nämlich nichts von Marktwirtschaft, freiem Warenverkehr und Wettbewerb, er schuf ein Diamantenkartell, das im 20. Jahrhundert den weltweiten Handel zeitweise bis zu 90 Prozent kontrollierte. Funkelnder Stein Sein Aufstieg begann mit seiner Übersiedlung nach Südafrika 1902. Im staubigen Ort Kimberley ließ er sich nieder, dort war bei einem Picknick 1871 ein funkelnder Stein gefunden worden. Daraufhin begann der größte Diamanten- und Goldrausch, den Afrika bis heute erlebt hat. Glücksritter aus aller Welt ließen sich nieder, und Ernest Oppenheimer sollte für den Edelsteinhändler Dinkelsbuhler eine Niederlassung leiten. Der Entsandte aber kam schnell selbst ins Geschäft, an das nötige Geld gelangte er durch eine reiche Heirat. Schon 1912 war Oppenheimer der Bürgermeister von Kimberley, 1917 gründete er die Goldminengesellschaft Anglo-American Corporation, die neben Gold und Diamanten auch mit Kupfer, Kohle und Uran handelte und sich nach Botswana, Rhodesien, Angola, Belgisch-Kongo, Tanganjika und Südwestafrika ausdehnte. 1929 übernahm er das Unternehmen De Beers, das damals schon Weltmarktführer im Diamantenhandel war. Einzigartiges Kartell Erst ein Jahr später aber gelang Oppenheimer das eigentliche Meisterstück, die Gründung der ebenso berühmten wie berüchtigten Central Selling Organisation (CSO) in London. Dieses Kartell hatte zum Ziel, alle Rohdiamanten der Welt aufzukaufen, um durch Lagerbildung und gezielte Verkäufe den Preis hoch zu halten.
Die hessischen Oppenheimers wurden zum reichsten Clan Afrikas. Ursprünglich profitierten sie vom rassistischen Ausbeutungssystem Südafrikas, doch inzwischen gründet ihr wirtschaftlicher Erfolg vornehmlich auf dem rasanten Wachstum in Asien.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/die-oppenheimers-koenige-der-diamanten-1.906633
Die Oppenheimers - Könige der Diamanten
00/05/2010
Viele Deutsche wissen zu wenig über Geld. Das verleitet sie zu unbedarften Anlagen und zur mangelhaften Altersvorsorge, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt. Viele Menschen in Deutschland haben einer Umfrage zufolge große Wissenslücken beim Thema Finanzen. So halte jeder vierte Befragte Aktien für eine sichere Geldanlage gegen Wertverlust - den erheblichen Kurschwankungen der vergangenen Jahre zum Trotz. Dieser "finanzielle Analphabetismus" gefährde die politisch immer stärker geforderte private Vorsorge, ergab eine Studie der Bertelsmann Stiftung (Gütersloh). Für die Untersuchung waren 2002 insgesamt 2002 Menschen befragt worden, 1380 davon im vergangenen Jahr erneut. Detailansicht öffnen Sind Aktien eine sichere Geldanlage? Nun ...fragen Sie mal diesen miesepetrigen Herrn. (Foto: Foto: ddp) Kuriose Umfrageergebnisse Ein Drittel der Besserverdiener mit einem Bruttoeinkommen von mehr als 2500 Euro bezeichnete Aktien als sicher, bei den Befragten mit einem geringeren Einkommen bis 1500 Euro waren es nur 22,5 Prozent. Dagegen hielten nur 21,3 Prozent der Befragten in der höchsten Einkommensklasse ein Sparbuch für sicher, während es in der niedrigeren Einkommensklasse 31,1 Prozent waren. Insgesamt bezeichneten 47,6 Prozent aller Befragten eine Kapital-Lebensversicherung als sicher. Allerdings wüssten nur zwei von drei Befragten, dass bei Kündigung einer solchen Versicherung in der Anfangsphase der Vertragslaufzeit verglichen mit anderen Anlageformen die höchsten Kündigungskosten entstehen. Entscheidungen auf der langen Bank Finanzielle "Analphabeten" fühlen sich den Angaben zufolge bei finanziellen Entscheidungen unsicher und schieben sie vor sich her. 61,8 Prozent der Befragten bezeichneten Finanzfragen als schwierig, 47,3 Prozent beschäftigen sich ungern damit und 50,2 Prozent schieben sie auf. Es bestehe die Gefahr, dass es gar nicht erst zum Abschluss von Vorsorgeverträgen komme, hieß es in der Studie. Eine andere Gefahr seien der persönlichen Lage der Betroffenen unangemessene Verträge: Denn Finanzvermittler von Banken und Versicherungen seien etwa wegen Provisionssystemen interessengebunden. Wenig Einkommen = Wenig Vorsorge Die Zahl der vom Verbraucher selbst abgeschlossenen Versicherungen hänge stark vom persönlichen Bruttoeinkommen ab. Der Bildungsgrad habe nur geringe Auswirkungen. Während bei einem Einkommen bis 1500 Euro nur 48,9 Prozent der Befragten eine Lebensversicherung hatten, waren es bei einem Einkommen ab 2500 Euro schon 70,6 Prozent. Angesichts der jüngsten Sozialreformen mit dem Ziel, mehr Eigenverantwortung statt staatlicher Absicherung zu erreichen, fehlten "begleitende Maßnahmen", kritisierte die Stiftung. Das Vorsorge-Angebot müsse transparenter werden, zudem müssten die Bürger besser im Themenfeld Finanzen ausgebildet werden. Es sei fraglich, ob die Bürger unter den derzeitigen Rahmenbedingungen mit "angemessenen Entscheidungen reagieren" und die zunehmende Eigenverantwortung wahrnehmen könnten. (Siehe auch www.vorsorgestudien.de)
Viele Deutsche wissen zu wenig über Geld. Das verleitet sie zu unbedarften Anlagen und zur mangelhaften Altersvorsorge, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/finanzielles-analphabetentum-die-aktien-sind-sicher-1.904786
Finanzielles Analphabetentum - Die Aktien sind sicher
00/05/2010
Die Angeklagten bieten die erste Garde der Strafverteidiger auf — die Staatsanwälte und Richter haben mit Verfahren vom Mannesmann-Kaliber keine Erfahrung. Im Gerichtssaal L 111 wird ein Teil der Elite der deutschen Anwaltschaft gegen drei Staatsanwälte kämpfen, deren Namen außerhalb Düsseldorfs kaum jemand kennt. Auch hat die zuständige 14. Wirtschaftsstrafkammer mit Verfahren dieser Größenordnung keine Erfahrung. Die Anwälte: Egon Müller, Jahrgang 1938. Ein Leben lang Primus zu sein, ist keine leichte Aufgabe, aber Egon Müller hat sie mit Bravour bewältigt. Ob beim Fußball oder Tennis, ob im Hör- oder Gerichtssaal - der Saarbrücker will der Beste sein. Seine streitbare Intelligenz und seine Sprachfertigkeit haben ihn berühmt gemacht. Experten vergleichen ihn mit dem wohl größten Verteidiger der Nachkriegszeit, Erich Schmidt-Leichner (S-L). Für Müller ist Strafverteidigung die "Chirurgie der Jurisprudenz". Schon den FDP-Politiker und früheren Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff hat er in der Parteispendenaffäre erfolgreich vertreten, und in den vergangenen Jahren gab es nur wenige wichtige Wirtschaftsstrafverfahren, bei denen Müller nicht dabei war. Nun verteidigt er den früheren Mannesmann-Vorstandsvorsitzenden Joachim Funk. Es wird vermutlich Müllers letzter großer Auftritt im Gerichtssaal sein. Er wolle nicht, wie S-L, am Ende sein eigener Gefangener sein, hat er gesagt. Sven Thomas, Jahrgang 1947. Der Fachanwalt für Strafrecht, verteidigt den früheren Mannesmann-Vorstandsvorsitzenden Klaus Esser. Thomas tritt seriös auf, bleibt am Thema und ist als Redner eine Naturbegabung. Seine große Stunde schlägt deshalb immer im Gerichtssaal. Unaufmerksamkeiten des Gerichts oder der Anklage nimmt er sofort zum Anlass, um anzugreifen. In vielen Verfahren hat er sich den Respekt der anderen Prozessbeteiligten erzwungen. 2003 stand er dem EM.TV-Gründer Florian Haffa in einem Prozess in München zur Seite, für den Wuppertaler Oberbürgermeister Hans Kremendahl hat er in einem Korruptionsverfahren in erster Instanz einen Freispruch errungen. Eberhard Kempf, Jahrgang 1943. Als die Mannesmann-Ermittlungen anliefen, brauchte es eine Weile, um die rechtlichen Berater der Deutschen Bank davon zu überzeugen, dass Vorstandschef Josef Ackermann juristischen Beistand von außen brauche. Müller und Thomas empfahlen den Frankfurter Anwalt Eberhard Kempf. In seiner Jugend gehörte Kempf einer kommunistischen Sekte an. Einen "Linksanwalt" nannte man so einen früher in den großbürgerlichen Kreisen. Den Opec-Terroristen Hans-Joachim Klein hat Kempf noch verteidigt, als er schon in großen und bedeutsamen Wirtschaftsstrafverfahren auftrat. Jürgen W. Möllemann war sein Mandant, genauso vertritt er den CDU-Finanzberater Horst Weyrauch. Seit 1996 ist Kempf, der als konzeptionell und intelligent gilt, Vorsitzender des Strafrechtsausschusses des Deutschen Anwaltsvereins. Rainer Hamm, Jahrgang 1943. Der Frankfurter Anwalt, der den früheren IG-Metall-Vorsitzenden Klaus Zwickel vertritt, wird zumeist als "ausgewiesener Revisions-Experte" vorgestellt. Das beschreibt seine Fähigkeiten nicht ausreichend. Hamm kämpft im Gerichtssaal mit allen Mitteln, die die Strafprozessordnung zulässt. Ablehnungsanträge sind von ihm in Serie zu erwarten. Von 1996 bis 1999 war Hamm neben seiner Anwaltstätigkeit Datenschutzbeauftragter in Hessen. In einer Trauerrede für den im vergangenen Jahr verstorbenen Spiegel-Gerichtsreporter Gerhard Mauz klagte er über die "Deal-Verhandlungen" im Gerichtssaal, die "vielfach beschönigend als Verständigung oder Urteilsabsprachen" bezeichnet würden. Die Ankläger: Johannes Puls, Jahrgang 1960. Der Düsseldorfer Staatsanwalt beschäftigt sich seit knapp zehn Jahren mit Wirtschaftskriminalität. Ein Prozess dieser Größe ist für ihn Neuland. Das galt auch für seine beiden Kollegen Lothar Schroeter und Dirk Negenborn. Die Richterin: Brigitte Koppenhöfer, Jahrgang 1951. Die Vorsitzende Richterin war bis vor wenigen Jahren Jugendrichterin und hat mit Verfahren dieser Größenordnung keine Erfahrung. Ihre Kammer kam zu dem Fall, weil sie unter anderem für Verfahren zuständig ist, in denen der Name des ältesten Angeklagten mit "F" beginnt — wie hier der von Ex-Vorstandschef Joachim Funk, 70.
Die Angeklagten bieten die erste Garde der Strafverteidiger auf — die Staatsanwälte und Richter haben mit Verfahren vom Mannesmann-Kaliber keine Erfahrung.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mannesmann-prozess-phalanx-der-grossen-namen-1.917370
Mannesmann-Prozess - Phalanx der großen Namen
00/05/2010
(SZ vom 9.12.03) — Den Mitgliedern des Vermittlungsausschusses in Berlin sind Subventionen von allen Themen, über die sie derzeit zu beraten haben, die liebsten: Sie laden zur Kompromissfindung im orientalischen Stil geradezu ein. Rot-Grün will die Eigenheimzulage halbieren, die Union sie nur um zwölf Prozent kürzen? Bietet Ihr 20, dann bieten wir 30, und bei 25 geht der Sack zu - so könnten die Dinge laufen. Auch die Entfernungspauschale, im Volksmund Pendlerpauschale geheißen, bietet sich fürs Feilschen an. Bei seinen Sparbemühungen hat Rot-Grün die Kürzung auf 15 Cent pro Kilometer beschlossen, die Union ist nicht bereit unter 35 Cent zu gehen. Heute können Pendler 36 Cent für die ersten zehn Kilometer absetzen, ab dem elften Kilometer 40 Cent. Gruseln im Süden Über kaum eine Steuervergünstigung lässt sich so schön streiten wie über diese. Viele (nicht alle) Steuerexperten halten die Pauschale für eine glatte Fehlkonstruktion und fordern ihre Abschaffung. Eine Vorstellung, bei der es die Ministerpräsidenten von südlichen Flächenstaaten wie Bayern und Baden-Württemberg regelrecht gruselt. Die Unionspolitiker sind noch ganz dem Geist der Adenauer-Zeit verhaftet, als die Politik mit einer Kilometerpauschale die Mobilität der Menschen ebenso unterstützen wollte wie die heimische Autoindustrie. Seitdem erhalten Arbeitnehmer, die ins (häufig) günstigere Umland ziehen, vom Finanzamt einen Bonus - und wer ihn damals nicht hätte erhalten dürfen, weil er mit der Bahn und nicht mit dem Auto einpendelte, beantragte ihn dennoch, und machte den Weg auf dem Papier noch ein bisschen länger. Folgerichtiger Ansatz Die Kilometerpauschale war unstreitig das klassische Einfallstor für den Steuerbetrug des Durchschnittsverdieners. Deshalb war es ein folgerichtiger Ansatz, als ausgerechnet unter dem Autokanzler Gerhard Schröder (SPD) zum 1.1.2001 die Kilometerpauschale in eine Entfernungspauschale umgewandelt wurde, die also verkehrsmittelunabhängig gewährt wird. Diese Zugabe will Rot-Grün nun kräftig kürzen und führt neben fiskalischen auch ökologische Gründe an: Das Umland ist zersiedelt genug. Die Gegner einer Kürzung kann das nicht überzeugen. Sie sehen in jedem Einschnitt eine versteckte Steuererhöhung. Laut Bund der Steuerzahler würde die rot-grüne Halbierung eine Entlastung etwa durch das gleichfalls geplante Vorziehen der Steuerreform zum guten Teil aufzehren. So würden Verheiratete mit einem zu versteuernden Einkommen von 52000 Euro und einem Anfahrtweg zur Arbeit von 40 Kilometern jährlich rund 500 Euro verlieren; je höher das Einkommen, desto höher der Verlust. Angeführt werden ferner die Stichworte Mobilität und Soziales (Familien können sich teure Stadtwohnungen nicht leisten). Vor allem wird der Subventionscharakter bestritten: Als Ausgabe für "Erwerb, Sicherung und Erhalt" der Arbeit handele es sich um Werbungskosten im Sinne des Einkommensteuerrechts, auch Selbstständige können schließlich ihre Dienstfahrten als Betriebsausgabe absetzen. Frage der Perspektive Die Gegner der Pauschale widersprechen jedem dieser Argumente: Wenn die Streichung von Subventionen von einer Steuersenkung auf breiter Front gebildet würde, gäbe es keine Mehrbelastung. Mobilität wiederum hängt nicht an 36 Cent je Kilometer, und auch das verteilungspolitische Argument ist zweifelhaft: Es profitieren in erster Linie Gutverdienende ohne Kinder. Und was das Einkommensteuerrecht angeht, so ist es ja gerade die Frage, ob es sich um Werbungskosten handelt. Alles eine Frage der Perspektive: In Deutschland fährt der Arbeitnehmer mit seinem Wagen ins Büro und empfindet den Weg als Dienst. In den USA fährt der Arbeitnehmer laut Steuergesetz vom Büro nach Hause. Also ist die Fahrt Privatsache.
Die Entfernungspauschale wird gekürzt - aber sollte sie nicht ganz abgeschafft werden?
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vermittlungsausschuss-noch-zehn-tage-umstrittene-fahrt-an-den-arbeitsplatz-1.907540
Vermittlungsausschuss: Noch zehn Tage - Umstrittene Fahrt an den Arbeitsplatz
00/05/2010
Nicht nur Bochum, sondern das ganze Ruhrgebiet leidet, wenn tausende Opel-Mitarbeiter ihre Jobs verlieren. Am Tag fünf des Protests macht sich vor dem Bochumer Opel-Werk Galgenhumor breit. Über dem Werksgebäude aus rotem Backstein kreist an diesem Morgen minutenlang ein Schwarm schwarzer Vögel. Detailansicht öffnen Vorerst geht es im Opelwerk noch nicht weiter mit der Arbeit. (Foto: Foto: dpa) Einige lassen sich auf dem E des OPEL-Schriftzugs nieder, andere setzen sich daneben auf das Firmenemblem, den Kreis mit dem waagerechten Blitz. "Das sind Raben, keine Pleitegeier", kalauert ein Arbeiter. Das Lachen der umherstehenden Kollegen ist kaum hörbar. Vor Tor 1 ist an diesem Montagmorgen nur noch ein Häuflein Durchhaltewilliger versammelt. Die meisten der 1800 Männer und Frauen der Frühschicht befinden sich im roten Backstein-Gebäude, sie arbeiten aber nicht. "Ich verstehe, dass die Kollegen Angst haben", sagt ein bulliger junger Mann mit Pferdeschwanz. Man erzählt sich, mit welchen "Einschüchterungsmaßnahmen" die Geschäftsführung auf den Ausstand der Belegschaft reagiere. Statt Streik gibt es Informationsveranstaltungen Angeblich sind die Protestierenden an Tor 3 und 5 gefilmt oder fotografiert worden, auch der Mann mit dem Pferdeschwanz musste sich als "arbeitsunwillig" bei seinem Abteilungsleiter abmelden, als er wieder nach draußen zur Schranke am Werkseingang wollte. Sein Name, den er nicht in der Zeitung gedruckt wissen will, wurde registriert. "Hasse nich' gesagt: Dafür bin ich aber informationswillig?", fragt ihn ein Betriebsratsmitglied. Denn informieren dürfen sich die Opelaner, nur streiken nicht, weil die Gewerkschaften dazu nicht aufgerufen haben. Deswegen wird der Ausstand nach wie vor als "Informationsveranstaltung" deklariert. "Und so eine Informationsveranstaltung kann fünf Minuten, aber auch fünf Stunden oder Tage dauern", sagt Hans Rainer Rost, Mitglied des Betriebsrats. Einen so harten Arbeitskampf wie diesen hat er noch nie erlebt. "Diesmal geht es ans Eingemachte", meint auch Dieter Peters, der seit 1973 bei Opel arbeitet. "Die Schmerzgrenze ist erreicht." Die Kollegen am Werkstor stimmen ihm zu. "Das ist wie eine Bombe, die man über dem Ruhrgebiet abgeworfen hat", sagt Betriebsrat Rolf Plumhoff-Klein. Der ganze Pott betroffen Ein Blick auf die Kennzeichen der Autos auf dem Parkplatz lässt erahnen, was er meint. Opel gibt den Menschen nicht nur in Bochum, sondern auch in Dortmund, Castrop-Rauxel, Gelsenkirchen, Essen und anderen Städten Arbeit - alles Orte, in denen die Erwerbslosenquote meistens bereits über 14 Prozent liegt. Im massigen Rathaus von Bochum hetzt derweil die neu gewählte Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz von Sitzung zu Sitzung. Eigentlich wollte die SPD-Politikerin am Wochenende ihren Schreibtisch einräumen, an diesem Donnerstag wird sie vereidigt und tritt ihr Amt an. Aber die Ereignisse der vorigen Woche haben der 56-Jährigen kaum Zeit gelassen. "Bochum ist Zukunft" hatte sie auf ihren Wahlplakaten versprochen, für "einen starken Wirtschaftsstandort mit zukunftssicheren Arbeitsplätzen" und "eine lebendige, attraktive Innenstadt" geworben. Selten dürften Wahlversprechen von der Realität so schnell überholt worden sein. Seit General Motors verkündet hat, am Standort Bochum 4000 Arbeitsplätze streichen zu wollen, sieht die Zukunft der Ruhrgebietskommune düster aus. Entsprechend ist die Stimmung am Montag, als Ottilie Scholz mit ihren Dezernenten in Klausur geht. "Das ist nicht dramatisch, sondern katastrophal", beschreibt das neue Stadtoberhaupt die Lage. Zu einer "Standort-Konferenz" will Ottilie Scholz Politiker, Vertreter der Handelskammern und Gewerkschafter aus den anderen deutschen Opel-Standorten Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern einladen, um ein "Band der Solidarität" zu schmieden. Zum zweiten Mal hat es die Stadt kalt erwischt Bochum steht womöglich vor einem Umbruch, vergleichbar jenem vor 40 Jahren, als die ersten Kohlezechen schlossen. Im Wahlkampf war indes nicht davon die Rede, dass der Stadt mit ihren 380000 Einwohnern zum zweiten Mal nach dem Zweiten Weltkrieges das wirtschaftliche Rückgrat zu brechen droht. "Die Krise hat uns kalt erwischt", räumt der Chef der SPD-Ratsfraktion, Hans-Jürgen Fleskes, ein. Einst waren hier 45000 Menschen in 17 Kohle-Zechen beschäftigt. Als 1959 die Grube "Friedlicher Nachbar" schloss, wurden im Geheimen bereits Pläne für die Ansiedlung des Opel-Werkes geschmiedet. Willkommen waren die Autobauer allerdings damals nicht bei allen, fürchteten die einflussreichen Kohle- und Stahlbarone doch einen Wettbewerb um Löhne. Auch bei Opel war man sich nicht sicher, ob ein stillgelegtes Zechengelände sich als Standort eines modernen Werkes eignen würde. Getarnt in Mercedes-Pkw fuhren Opel-Manager nach Bochum. Die Entscheidung wurde ihnen dann erleichtert durch die Zusage der Stadt, 100 Millionen DM in die Erschließung und den Bau von Straßen zu investieren. Es sollte eine Investition in die Zukunft sein. Grönemeyers Lied Das Opel-Werk half, den schmerzhaften Strukturwandel nach dem Niedergang des Bergbaus besser zu verkraften, als es in mancher Nachbarstadt möglich war. Vielleicht liegt es daran, dass Bochum als "die Schweiz des Potts" gilt, sicher ein Vergleich, der hinkt. "Du bist keine Schönheit", sang Herbert Grönemeyer, aber auch: "Du Blume im Revier". Das Schauspielhaus in Bochum, wo Grönemeyers Karriere begann, erlangte dank der Regisseure Claus Peymann und Peter Zadek einen Ruf weit über das Ruhrgebiet hinaus. Die Jahrhunderthalle, eine zum Theater umfunktionierte Industrieruine, in der während der Ruhr-Triennale Aufführungen auf Welt-Niveau stattfanden, tat das Ihre. Bochum war ein Hoffnungsschimmer. Doch der droht jetzt zu verblassen. Bochum und das Ruhrgebiet sind wieder zum Synonym für Krise geworden. Vor dem Werkstor liegen am Boden neben abgebrannten Teelichtern Blätter, auf denen zum Protestmarsch an diesem Dienstag aufgerufen wird. "Siemens, Karstadt, Opel - und dann du", steht darauf geschrieben. Nordrhein-Westfalen hat es in den vergangenen Monaten hart getroffen. In Kamp-Lintfort und Bocholt zitterten Siemens-Mitarbeiter wochenlang um ihren Arbeitsplatz, dann kündigte Karstadt in Essen massenhaften Stellenabbau an - und jetzt Bochum. Um sechs Uhr in Früh hat die OpelBelegschaft am Montag entschieden, die Arbeitsniederlegungen fortzusetzen. Es ist noch dunkel, als ein Betriebsrat das Ergebnis der Abstimmung an Tor 1 bekannt gibt, die Anwesenden klatschen und pfeifen. Existenz der Familie steht auf dem Spiel Trotz der Zuversicht, die manche ausstrahlen, ist die Verzweiflung doch unverkennbar. Ehefrauen, Kinder, Väter und Mütter von Beschäftigten versammeln sich vor dem Werkstor, um den Opelanern beizustehen. Weil sie um die Existenz ihrer Familien oder Kinder fürchten, ärgern sie sich, wenn sie merken, dass die Not der Beschäftigten von manchen ausgenutzt wird, um sich zu profilieren, wie die Betriebsrätin Fatma Emre sagt, eine Türkin. Halblaut spricht sie von "Marxisten-Leninisten", die sich "einmischen". Aber nicht nur denen gilt ihre Kritik. Kurz darauf ist Fatma Emre zu beobachten, wie sie mit einer CDU-Frau streitet, die einen Stand mit CDU-Schirm am Werkstor aufgebaut hat. Doch hier geht es nicht um Trittbrettfahrerei, sondern darum, dass die CDU-Frau türkische Kekse verteilt - "und das, wo Frau Merkel gegen den Beitritt der Türkei ist".
Nicht nur Bochum, sondern das ganze Ruhrgebiet leidet, wenn tausende Opel-Mitarbeiter ihre Jobs verlieren.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/opel-bochum-schwarze-voegel-ueber-der-blume-im-revier-1.904460
Opel Bochum - Schwarze Vögel über der Blume im Revier
00/05/2010
Auch nach einem zweitägigen Krisentreffen mit Fachleuten ist der Starttermin für die Lkw-Maut unsicher. Klar ist immerhin, dass einige Teile des Systems immer noch nicht funktionieren. Die Zweifel von Verkehrsminister Stolpe am vereinbarten Starttermin 2. November wachsen offenbar. Der Starttermin für die Generalprobe der pannenbefrachteten Lkw-Maut steht weiterhin nicht fest. Immer noch hätten nicht alle Teile die Systemreife oder die notwendige Funktionsfähigkeit erlangt, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Mittwoch in Berlin. Zu diesem Ergebnis seien Experten des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG), des Betreiberkonsortiums Toll Collect und der Bundesregierung bei einem "Workshop" gekommen. Neue Klausur am Wochenende Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) habe deshalb "Zweifel", ob die Mauterhebung wie geplant zum 2. November starten könne. Für das Wochenende ist ein erneutes Krisentreffen im Ministerium geplant, um über Konsequenzen zu beraten. Auf einen möglichen neuen Starttermin für das Gesamtsystem wollte sich der Sprecher nicht festlegen. "Wir reden im Moment über den nächsten Schritt: Den Beginn des Probebetriebs und die Länge der Probephase." Im Vertrag seien dafür zwei Monate vorgesehen - doch war auch schon von einer nur vierwöchigen Probezeit die Rede. Damit wäre "rein theoretisch" der 2. November noch zu halten, meinte er. Verfassungsbeschwerde Zur Verfassungsbeschwerde zweier deutscher Spediteure gegen die Einführung der Lkw-Maut sagte Stolpes Sprecher, man sehe diese mit Gelassenheit. "Wir gehen davon aus, das wir gute Argumente haben." Das Ministerium sei gewohnt, dass "alle unsere Maßnahmen beklagt werden". Die Fragen des Gerichts würden umfassend beantwortet.
Auch nach einem zweitägigen Krisentreffen mit Fachleuten ist der Starttermin für die Lkw-Maut unsicher. Klar ist immerhin, dass einige Teile des Systems immer noch nicht funktionieren. Die Zweifel von Verkehrsminister Stolpe am vereinbarten Starttermin 2. November wachsen offenbar.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lkw-maut-selbst-stolpe-zweifelt-nun-am-starttermin-1.907808
Lkw-Maut - Selbst Stolpe zweifelt nun am Starttermin
00/05/2010
Ein IT-Begriff macht derzeit verstärkt die Runde bei Logistikern: Service-orientierten Architekturen (SOA), bei denen viele viele kleine Software-Module (Legosteine) kooperieren. Typische Anwendungen sind Transportanfragen, Statusinformationen zu einer Sendung und das Berechnen der günstigsten Frachtroute. Ein Begriff aus der Informationstechnologie macht derzeit verstärkt die Runde bei den Logistikern: Service-orientierte Architekturen (SOA). Das noch recht junge Konzept verspricht seinen Nutzern erhöhte Flexibilität und damit Wettbewerbsvorteile beim Kampf um Marktanteile - beispielsweise indem neue Dienstleistungen schneller umgesetzt werden können. Bei SOA kooperieren viele kleine Software-Module (Legosteine) miteinander. Diese "Services" repräsentieren jeweils ganz bestimmte Schritte in einem Geschäftsprozess - zum Beispiel Kommissionierung, Versand oder Rechnungsstellung - und reichen ihre Ergebnisse über standardisierte Schnittstellen an andere Module weiter, die durchaus auch bei einem externen Dienstleister betrieben werden können. Zeit der monolithischen IT-Systeme geht zu Ende Damit, so das Versprechen der SOA-Anbieter, geht die Zeit der starren und monolithischen IT-Systeme endgültig zu Ende. Speziell im Bereich der Logistik sehen Experten sehr interessante Anwendungen für SOA. "Die IT-Landschaften vieler Transport- und Logistikunternehmen sind sehr heterogen, technisch veraltet und enthalten viele Individualentwicklungen", sagt Ralf Plotzke, SOA-Experte bei Accenture. "Mit SOA lassen sich neue Anwendungen, zumeist Standardsoftware, und die alte Applikationswelt verknüpfen." Die Unternehmen könnten so ihre IT-Anwendungslandschaft sukzessive erneuern. In der Logistikbranche, so Plotzke, müssen viele verschiedene Unternehmen je nach Auftrag flexibel zusammenarbeiten. Dort komme der Mehrwert von SOA - Services mit klar umrissenen Funktionalitäten über standardisierte Schnittstellen anzubieten - darum auch besonders zum Tragen. Viel Potential Als typische Anwendungen nennt der Experte Transportanfragen, Statusinformationen zu einer Sendung und das Berechnen der günstigsten und schnellsten Frachtroute für eine Sendung. "Oder denken Sie an die Teileabfrage und -bestätigung eines Automobilherstellers bei seinen Zuliefern, um dem Kunden, der im Internet ein Modell konfiguriert und angefragt hat, einen Liefertermin nennen zu können." Auch Thorsten Blecker von der Technischen Universität Hamburg-Harburg sieht viel Potential für SOA in der Logistik und betont den Zuwachs an Flexibilität. "Die Logistik muss besonders flexibel sein, weil die Unternehmen schnell reagieren müssen", sagt Blecker. Etwa wegen der geringeren Lagerbestände (Lieferung "On-Demand"), neuen juristischen Regelungen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 (zum Beispiel im Bereich der Containersicherheit) und den ständig wachsenden globalen Warenströmen sowie der sinkenden Fertigungstiefe in der Industrie. Hohe Flexibilität erforderlich "Die zunehmende Verzahnung der Akteure in der Logistik erfordert eine standardisierte Infrastruktur mit hoher Flexibilität", sagt Blecker. Und genau das sei mit SOA zu erreichen - im Gegensatz zu der ebenfalls versprochenen Verringerung der Kosten, die nicht immer realisiert werde. Für Michael ten Hompel vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) in Dortmund führt SOA "weg von der deterministisch vorgedachten Welt, wo man genau vorausplanen konnte, wie die Ware transportiert wird". Stattdessen verwende man in Zukunft Services, die man genau dann in Anspruch nehmen könne, wenn man sie braucht. "So kann man kurzfristig auf den Bedarf reagieren und Netze und Bestände intelligent zusammenführen", beschreibt ten Hompel dieses Szenario. "Dadurch entstehen große logistische Netze, in denen ähnlich wie im Internet die Waren auf dem gerade effektivsten Weg transportiert werden." Die dazu nötige Flexibilität sei ohne SOA nicht zu erreichen. Vorreiter DHL Seit zwei bis drei Jahren wird in der Logistik verstärkt über SOA diskutiert, und die Unternehmen haben bereits erste Pilotprojekte realisiert. Wer sind die Vorreiter der Branche? "Dazu gehört mit Sicherheit DHL", sagt Plotzke, "aber auch der Mittelstand nutzt immer stärker die Chancen, die SOA bietet." Und viele große Software-Anbieter engagierten sich ebenfalls mittlerweile stark bei auf SOA basierenden Logistik-Lösungen. Nicht immer aber klappt die Umsetzung wie gewünscht. "Manche Projekte sind erfolgreich, andere laufen extrem schlecht", hat Blecker beobachtet - er rät trotz dieser durchwachsenen Zwischenbilanz aber den Unternehmen in der Logistik: "Alle sollten sich zumindest darauf vorbereiten." Auch Plotzke betont die Chancen des neuen Ansatzes: "Mit SOA hat die Logistikbranche gute Voraussetzungen, Kernziele wie Standardisierung und verbesserte Konnektivität zu erreichen." Aber die Unternehmen sollten SOA nicht einführen, nur weil alle es tun. "Es muss eine klare Anforderung auf der Geschäftsebene und messbaren geschäftlichen Nutzen geben."
Ein IT-Begriff macht derzeit verstärkt die Runde bei Logistikern: Service-orientierten Architekturen (SOA), bei denen viele viele kleine Software-Module (Legosteine) kooperieren. Typische Anwendungen sind Transportanfragen, Statusinformationen zu einer Sendung und das Berechnen der günstigsten Frachtroute.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/logistik-und-it-prinzip-lego-1.888518
Logistik und IT - Prinzip Lego
00/05/2010
Gut zwei Jahre lang hat Katerstimmung an der Wall Street geherrscht. Doch damit ist jetzt Schluss — es wird wieder geschwelgt. Restaurants und Bars, in denen während des Börsenbooms der 90er Jahre noch wilde Champagner-Partys gefeiert wurden, klagten über fehlende Kunden. Schicke Modegeschäfte machten Pleite. Die Banker gingen stattdessen zum Discounter Sims, um sich dort für 200 Dollar einen Anzug von der Stange zu kaufen. Geiz war geil im Financial District in Manhattan. Doch seitdem die Aktienkurse im vergangenen Jahr wieder in die Höhe schossen und die Wall-Street-Banken klotzig verdienten, scheint der alte Luxus zurückzukehren. "Meine Kunden bestellen wieder teure Weine", sagt Gastronom Tez Termulo vom Restaurant Delmonoco's. "Unser Geschäft hat deutlich angezogen. Man trägt wieder gute Anzüge", meint Neil Schleimer von Men's Warehouse. Luxusobjekt wieder gefragt Und auch der Chauffeur-Service Carnegie Limo, der seine betuchten Kunden vorzugsweise in überlangen, schwarzen Limousinen herumkutschiert, freut sich über einen Umsatzzuwachs von zehn Prozent im vergangenen Jahr. Wall-Street-Firmen schütteten im vergangenen Jahr Bonuszahlungen in Höhe von insgesamt 11,7 Milliarden Dollar an ihre Mitarbeiter aus. Das ist ein Zuwachs von 25 Prozent gegenüber 2002, allerdings immer noch deutlich weniger als zu Hochzeiten der Börsen-Bonanza. Im Jahre 2000 beliefen sich die Erfolgshonorare auf 19,5 Milliarden Dollar. Aber auch für andere Annehmlichkeiten wird wieder kräftig Geld ausgegeben. Eine Investment-Firma mietete vor kurzem für einen Abend das Nobel-Restaurant Nobu in Lower Manhattan, um 150 illustre Gäste zu beköstigen. Eine Brokerfirma lud ihre 60 Mitarbeiter kurzerhand zum Skiwochenende nach Vail in den Rocky Mountains ein. Die Nacht im Luxus-Hotel The Lodge schlägt mit 495 Dollar zu Buche. Während zu Zeiten der Börsenflaute vorzugsweise mit der Billig-Fluggesellschaft JetBlue geflogen wurde, leistet man sich jetzt schon mal wieder einen Privatjet, um ein Wochenende im sonnigen Florida zu verbringen. Vor allem in den Führungsetagen sind die Gratifikationen üppig. Goldman-Sachs-Chef Hank Paulson erhielt im vergangenen Jahr eine Vergütung einschließlich Aktien in Höhe von 21,4 Millionen Dollar. Das ist im Vergleich zu 2002 fast eine Verdoppelung. JP Morgan-Boss William Harrison steckte 20 Millionen Dollar ein. Davon entfallen 8,6 Millionen auf Gehalts- und Bonuszahlungen. "Für 2004 dürfte nochmals eine Steigerung angesagt sein", meint Alan Johnson von der Unternehmensberatung Johnson Associates. 12.000 Dollar für das Apartment Auch auf dem Markt für Luxusimmobilien, ein guter Gradmesser für die Konjunktur an der Wall Street, herrscht nach Jahren der Flaute wieder Hochstimmung. Für teure Apartments am Central Park, für die eine Monatsmiete von mehr als 12.000 Dollar verlangt wird, stehen Bewerber derzeit Schlange. Und auch die Interessenten, die mehrere Millionen Dollar locker machen, um sich ein Loft in Soho zu leisten, melden sich wieder bei den großen Maklerfirmen wie zum Beispiel Douglas Elliman. Zum stolzen Preis von 28 Millionen Dollar wird etwa derzeit das Apartment des ehemaligen Tyco-Chefs Dennis Kozlowski angeboten, der sich momentan wegen Betrugs vor Gericht verantworten muss.
Gut zwei Jahre lang hat Katerstimmung an der Wall Street geherrscht. Doch damit ist jetzt Schluss — es wird wieder geschwelgt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/usa-das-ende-der-bescheidenheit-1.902831
USA - Das Ende der Bescheidenheit
00/05/2010
Yahoo legt überraschend schlechte Quartalszahlen vor. Anleger fürchten, dass das Internet-Portal den Anschluss an Google verlieren könnte. Die Aktie fiel auf Jahrestief und verzeichnet das stärkste Minus seit 2002. Der Start in die Saison der Quartalsberichte bekannter Technologieunternehmen fiel denkbar schlecht aus: Yahoo-Chef Terry Semel schockierte die Märkte, als er von einem Umsatz des Internetportals im zweiten Quartal leicht unter den Erwartungen der Analysten berichtete; zugleich gab er bekannt, dass ein neues Anzeigensystem später als bisher gedacht zum Einsatz kommt. Das Papier von Yahoo notierte daraufhin zeitweise 13 Prozent leichter und zog andere Internetwerte mit nach unten. Der direkte Wettbewerber Google, das Online-Auktionshaus Ebay sowie das chinesische Web-Portal Baidu, verloren jeweils drei Prozent ihrer Marktkapitalisierung. Gewinn fiel im zweiten Quartal um 78 Prozent Der Gewinn von Yahoo fiel im zweiten Quartal um 78 Prozent auf 164,3 Millionen Dollar. Dieser Einbruch lag im Rahmen der Erwartungen, denn im vergleichbaren Vorjahreszeitraum schönten Einmaleffekte aus dem Verkauf von Google-Anteilen die Bilanz von Yahoo. Ohne Berücksichtigung dieses Sonderergebnisses lag der Gewinn knapp acht Prozent über dem Wert des zweiten Quartals 2005. Die Nettoerlöse stiegen von April bis Juni um 28 Prozent auf 1,12 Milliarden Dollar. Diese Kennziffer enthält nicht die Kosten, die Yahoo ausgegeben hat, um Anzeigenkunden zu gewinnen. Marktbeobachter hatten mit einem leicht höheren Nettoumsatz gerechnet. Die größte Enttäuschung für Branchenexperten war die Verzögerung bei der neuen Werbeplattform mit dem Projektnamen Panama. Semel erklärte, dass weitere Tests den Start des Programms hinauszögern würden. Susan Decker, Finanzchefin von Yahoo, rechnet sogar damit, dass das gesamte System erst Anfang nächsten Jahres startet. Auswirkungen auf Bilanz erst im nächsten Geschäftsjahr Mit Auswirkungen auf die Bilanz des Internetunternehmens rechnet sie daher auch nicht vor dem kommenden Geschäftsjahr. Für 2006 hält Decker dennoch an dem vorgegebenen Ziel fest: Auf Jahresfrist gesehen soll der Bruttoumsatz 4,85 Milliarden Dollar erreichen. Die Nutzer von Yahoo werden durch das Projekt Panama kaum einen Unterschied im Erscheinungsbild des Internetportals feststellen. Anzeigenkunden jedoch können damit zielgenauer ihre Wunschklientel erreichen.
Yahoo legt überraschend schlechte Quartalszahlen vor. Anleger fürchten, dass das Internet-Portal den Anschluss an Google verlieren könnte. Die Aktie fiel auf Jahrestief und verzeichnet das stärkste Minus seit 2002.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/quartalszahlen-yahoo-bilanz-schockiert-die-maerkte-1.899523
Quartalszahlen - Yahoo-Bilanz schockiert die Märkte
00/05/2010
Die Organisation Erdöl exportierender Länder plant, den Zielpreis für einen Barrel Öl auf rund 30 Dollar anzuheben. Das ist zwar erheblich weniger, als gegenwärtig für Rohöl zu zahlen ist, jedoch deutlich mehr als der Durchschnitt der letzten Jahre. Die Anhebung des bisher gültigen OPEC-Preisspanne von 22 bis 28 Dollar je Barrel Öl steht daher im Mittelpunkt der Ministerkonferenz der Organisation an diesem Mittwoch in Wien. 30 Dollar — "das wäre schon ausreichend" Aus allen einflussreichen OPEC-Staaten kamen in den vergangenen Tagen Signale, wonach eine Erhöhung des Preiszieles angestrebt wird. "Es ist notwendig, das Preisband der geänderten Realität anzupassen", meinte etwa jüngst Obeid bin Saif Al Nasseri, Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate. "Ein fairer Preis läge zwischen 28 und 30 Dollar", meinte sein Amtskollege aus Katar, Abdullah al Attiyah. Selbst Purnomo Yusgiantoro, indonesischer Ölminister und geschäftsführender OPEC-Präsident, wurde im Vorfeld des Wiener Treffens ungewöhnlich deutlich: Noch seien die Ölpreise zu hoch, sie sollten auf 30 Dollar sinken. "Das wäre dann aber schon ausreichend." Unklar ist noch, ob es schon bei diesem Treffen einen offiziellen Beschluss zur Anhebung des Preisbandes gibt. "Der Zeitpunkt ist nicht so wichtig", meinte Al Nasseri dazu. Im Jahr 2000, als die Ölpreise teilweise unter 20 Dollar lagen, hatte die OPEC ein Preisband von 22 bis 28 Dollar festgelegt. Fielen die Preise tiefer, wurde automatisch die Produktion gedrosselt, stiegen sie höher, sollten die Förderhähne aufgedreht werden. Seit rund einem Jahr liegen die Preise aber permanent über der 28-Dollar- Marke. Fördererhöhungen haben höchstens bewirkt, dass die Preise nicht noch höher stiegen, für eine dauerhafte Senkung haben sie im Gegensatz zu früheren Jahren nicht sorgen können. Hohe politische Prämie So lag am Freitag der sieben Sorten umfassende OPEC-Korbpreis bei praktisch unveränderten 38,82 Dollar. Für die vergangene Woche war nach Angaben des OPEC-Sekretariates vom Montag ein durchschnittlicher Korbpreis von 38,62 Dollar errechnet worden - und das obwohl die OPEC-Staaten mit geschätzten 30 Millionen Barrel am Tag so viel Rohöl fördern wie nie zuvor: Die offizielle Förderquote liegt gegenwärtig bei 26 Millionen Barrel, zwei Millionen gelten als Überproduktion und weitere zwei Millionen steuert der Irak bei, der nicht im Quotensystem erfasst ist. Die OPEC sieht neben dem hohem Einfluss der Spekulanten die unsichere weltpolitische Lage dahinter. "Was wir derzeit erleben, ist eine politische Prämie von 10 bis 15 Dollar je Barrel", formulierte es etwa Yusgiantoro beim jüngsten Weltenergiekongress in Sydney. Dennoch ist die OPEC nach seinen Worten bereit, spätestens ab Jahresende die Produktion noch einmal um bis zu 1,5 Millionen Barrel auszuweiten - wenn sich bis dahin die Ölpreise nicht endlich um die 30 Dollar eingependelt haben.
Die Organisation Erdöl exportierender Länder plant, den Zielpreis für einen Barrel Öl auf rund 30 Dollar anzuheben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/energie-opec-will-das-erdoel-teurer-machen-1.905653
Energie - Opec will das Erdöl teurer machen
00/05/2010
Vorstandskrise beim Chipproduzenten Infineon: Nach harten Auseinandersetzungen im Management hat Unternehmenschef Ulrich Schumacher am Donnerstagnachmittag überraschend sein Amt abgegeben. Damit endet nach knapp fünf Jahren abrupt die Laufbahn eines der umstrittensten deutschen Manager. Infineon-Chef Ulrich Schumacher habe sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt, der Aufsichtsrat habe dem in einer außerordentlichen Sitzung zugestimmt, teilte der Konzern knapp mit. Die Börse reagierte umgehend mit Kursabschlägen. In Branchenkreisen war von einer "Palastrevolution" bei Infineon die Rede. Detailansicht öffnen Ulrich Schumacher - gestürzt per "Palastrevolte". (Foto: Foto: AP) Harte Auseinandersetzungen Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung waren der Demission harte Auseinandersetzungen im Vorstand des Chip-Herstellers vorausgegangen. Schumachers Kollegen waren danach nicht länger bereit, die Verlagerungspläne ihres Vorsitzenden für Teile des Unternehmens ins Ausland zu unterstützen. Die Führungskrise bei Infineon kommt zu einem unerwarteten Zeitpunkt. Seit einiger Zeit wähnt sich die Halbleiterindustrie wieder in einem Aufwärtstrend. "Die schlimmste Krise, die der Halbleitermarkt je erlebt hat, scheint vorüber", gab sich Schumacher Anfang des Jahres im Gleichklang mit vielen Konkurrenten optimistisch. Auf der Hauptversammlung im Januar bekräftigte der Infineon-Chef sein Ziel, das Unternehmen nachhaltig profitabel zu machen. Auf die Frage nach der eigenen Zukunft hatte er der Financial Times Deutschland vergangene Woche noch gesagt: "Ich könnte mir problemlos vorstellen, hier noch 20 Jahre tätig zu sein." Späte Rückkehr in die Gewinnzone Nach der schwersten Krise in der Geschichte der Branche war Infineon im Schlussquartal des vergangenen Geschäftsjahres (30. September) in die Gewinnzone zurückgekehrt - dem waren allerdings neun Verlustquartale und zwei Geschäftsjahre mit einem Milliardenverlust vorangegangen. Obendrein machte sich der Manager bei Mitarbeitern, Aktionären und dem früheren Mutterkonzern Siemens durch ungeschicktes Agieren in heiklen Angelegenheiten häufig unbeliebt. Vor Jahresfrist erregte Schumacher mit der Drohung Aufsehen, Infineon werde vielleicht Deutschland verlassen. Auf der letzten Hauptversammlung musste sich der Manager dafür einen "vaterlandslosen Gesellen" schimpfen lassen. Aufgrund eines umstrittenen Aktienoptionsprogramms für den Vorstand warfen ihm Anlegerschützer außerdem "Selbstbedienungsmentalität" und "Instinktlosigkeit" vor. Ein anderes Mal sorgte Schumacher mit einem geplanten "Low-Performer-Programm" in der Belegschaft für Unruhe. Bei dem früheren Mutterkonzern Siemens handelte er sich mit unabgesprochenen Vorstößen Antipathien ein. Showman und Buhmann Mit dem Abschied Schumachers geht eine ungewöhnliche Manager-Karriere abrupt zu Ende. Der 45-Jährige stand für den Börsenboom Anfang dieses Jahrtausends genauso wie für die Ernüchterung und den zähen Kampf, die darauf folgten. Die Etappen des Berufsweges: 1986 begann der Sohn einer rheinländischen Unternehmerfamilie seine Laufbahn im Bereich Bauelemente der Siemens AG. Innerhalb des Konzerns stieg der promovierte Elektrotechniker schnell auf: 1988 wurde er Vorstandsassistent der Halbleitersparte von Deutschlands größtem Elektronikkonzern, 1996 Bereichsvorstand der Sparte, 1998 rückte er als jüngstes Mitglied in den Siemens-Vorstand ein und 1999 wurde er Vorstandschef der neuen Infineon Technologies AG. Der breiten Öffentlichkeit wurde der Name Ulrich Schumacher im März 2000 ein Begriff, als der Manager das von Siemens ausgegliederte, konjunkturanfällige Halbleitergeschäft auf dem Höhepunkt des Börsenbooms in Frankfurt und New York an die Börse führte. 33-fach überzeichnet stieg die zu einem Emissionspreis von 35 Euro ausgegebene Infineon-Aktie schnell auf mehr als 90 Euro. Viel Auf und Ab Im ersten Geschäftsjahr präsentierte Infineon ein hervorragendes Geschäftsergebnis. Das Folgejahr dagegen wurde eines der schwersten für den Infineon-Chef: Der in der Branche immer wiederkehrende Abwärtszyklus erwischte das Unternehmen mit einer Massivität und Plötzlichkeit, wie es das Management nicht vorhergesehen hatte. Infineon überraschte im Sommer 2001 mit einer Gewinnwarnung und der Ankündigung, 5000 seiner weltweit knapp 35.000 Arbeitsplätze abzubauen. Das Image Schumachers wandelte sich vom Showman zum Buhmann. In der Folgezeit bemühte sich Schumacher um ein ruhigeres, besonnenes Auftreten - was ihm freilich nicht immer glückte. Vor allem die Standortdebatte wurde ihm von vielen übel genommen. War er bis dahin noch des öfteren als einer der Kandidaten für die Nachfolge von Siemens-Chef Heinrich von Pierer im Gespräch, war damit nun Schluss.
Vorstandskrise beim Chipproduzenten Infineon: Nach harten Auseinandersetzungen im Management hat Unternehmenschef Ulrich Schumacher am Donnerstagnachmittag überraschend sein Amt abgegeben. Damit endet nach knapp fünf Jahren abrupt die Laufbahn eines der umstrittensten deutschen Manager.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aufruhr-bei-muenchner-halbleiterhersteller-infineon-chef-schumacher-gestuerzt-1.899632
Aufruhr bei Münchner Halbleiterhersteller - Infineon-Chef Schumacher gestürzt
00/05/2010
Wie es das Tannenzäpfle-Bier der Rothaus-Brauerei im Schwarzwald geschafft hat, auch ohne Werbung groß in Mode zu kommen. Über den Zeitungsartikel mit den Subventionen kann Gerhard Stratthaus bis heute herzhaft lachen. "Da wurde doch tatsächlich spekuliert, wir müssten unsere Brauerei in Rothaus verkaufen, um die staatlichen Zuschüsse an das Unternehmen einzusparen", sagt der baden-württembergische Finanzminister. "Zuschüsse! Wenn hier jemand Zuschüsse erhält, dann ist es der Landeshaushalt - und zwar von der Brauerei." Es ist tatsächlich eine Art Juwel, das die Stuttgarter Landesregierung da ihr Eigen nennt, und Stratthaus, in Personalunion Minister und Aufsichtsratsvorsitzender der Badischen Staatsbrauerei Rothaus AG, ist gewissermaßen der Vermögensverwalter. Schweigsame Wirtschaftsliberale Der 65-jährige CDU-Mann hält sich selbst für einen Wirtschaftsliberalen, aber wenn man darauf zu sprechen kommt, wann denn die Brauerei privatisiert werde, wird er ebenso schweigsam wie der Ministerpräsident und selbst ernannte Ordnungspolitiker Günther Oettinger. "Die Frau Homburger von der FDP fing bei den letzten Koalitionsverhandlungen wieder mit dem Thema an", erzählt Stratthaus grinsend. "Der habe ich mal die Zahlen vorgelegt - seither ist Ruhe." Stratthaus sitzt im Kleinbus, der ihn samt Mini-Delegation von Stuttgart ins zweieinhalb Stunden entfernte Rothaus bringt. Längst hat der Bus die Autobahn Richtung Schaffhausen hinter sich gelassen und kurvt auf immer engeren Straßen bergauf, bergab über Land, gräbt sich regelrecht in den Schwarzwald hinein. "Tannenzäpfle"-Zeit Kaum vorstellbar, dass hier, mitten im Nirgendwo, das Bier gebraut wird, das unter Deutschlands Szenegängern derzeit Kultstatus besitzt. Wenn in deutschen Wohnzimmern Samstagnacht das Licht aus- und in den Diskotheken der Großstädte die Schweinwerfer angehen, ist "Tannenzäpfle"-Zeit. Zehntausendfach geht dann die braune Drittelliterflasche mit dem eigentümlichen Aufkleber über die Theke. Ein Design-Student, der in seiner Abschlussarbeit ein stilisiertes blondes Mädel mit Dirndl und blauem Kopftuch neben ein paar Tannenzapfen auf ein Bierflaschenetikett malte, würde wohl durchfallen. Und hieße das Mädel sinnigerweise auch noch "Biergit", läge der Rauswurf wohl nahe. Partygänger in Berlin, Hamburg und Frankfurt aber lieben "Biergit", und nicht zuletzt deshalb hat Rothaus mit den derart verunstalteten Flaschen im vergangenen Jahr 88 Millionen Euro umgesetzt. Das ist wenig, gemessen an Branchengrößen wie Warsteiner und Bitburger. Von den 88 Millionen Euro blieben aber 30 Millionen Euro als Gewinn übrig, und ein erheblicher Teil davon wanderte in Form von Dividende und Steuerzahlungen in Stratthaus' Landeskasse. "Bundesfernsehbiere" Das ist eine Umsatzrendite, von der die "Bundesfernsehbiere", wie Rothaus-Chef Thomas Schäuble sie abschätzig nennt, ebenso nur träumen können wie Daimler, Siemens und Co. Dass man sich Rothaus-Land nähert, zeigt die zunehmende Zahl von Blechschildern am Straßenrand. "Das ist ja ein dicker Hund", entfährt es Stratthaus, denn eigentlich darf ein Unternehmen nur am Standort mit Blechschildern werben. Wer aber wollte sich hier beschweren, rund um einen Ort, der in Wahrheit aus kaum mehr als einer Kreuzung besteht. Und eben aus jener Brauerei, die mit ihrem Anstrich in Altrosa an einen Gutshof aus dem vorletzten Jahrhundert erinnert. Bis zur Schweizer Grenze sind es keine 20 Kilometer. Dazwischen ist nichts als Wald. Schwarzwald. Das Wetter schöntrinken Vor allem im Winter, aber auch an einem regnerischen Herbsttag kann einem das trübe Licht hier aufs Gemüt schlagen. Dann wünscht sich Thomas Schäuble manchmal zurück nach Stuttgart, wo der Bruder des noch berühmteren Wolfgang einst an Stratthaus' Seite als Landesinnenminister diente. Zudem ist Schäuble eigentlich Weintrinker. Doch an diesem Abend hat er aus der Not eine Tugend gemacht und trinkt einfach abwechselnd ein Glas Wein und ein Rothaus-Pils - wie sein Bier heißt, wenn es vom Fass und nicht in der Drittelliterflasche kommt. Dadurch wird das Wetter draußen zwar nicht besser, es stört aber nicht mehr so. Schäuble leitet die Brauerei seit drei Jahren, und seither haben Umsatz und Gewinn weiter kräftig zugelegt. Vom Bierherstellen selbst versteht der Ex-Minister nicht viel, das überlässt er dem von ihm verehrten Braumeister Max Sachs. Eine Million Flaschen am Tag Die Zahlen aber hat Schäuble im Griff: Etwa eine Million Flaschen produzieren die 230 Mitarbeiter am Tag. Die gesamte Anlage ist hochmodern, die Produktivität mit 4400 Hektolitern pro Jahr und Mitarbeiter deutlich höher als im Branchenschnitt. Und weil Rothaus keine Rabatte gibt, keinen einzigen Euro Schulden hat und vor allem auf Werbung beinahe komplett verzichtet, gilt dies eben auch für den Gewinn. Mittlerweile stößt Rothaus aber an seine Grenzen. In trockenen Sommern reicht das Wasser der sieben eigenen Quellen nicht mehr. Die Frage lautet deshalb: Gibt man sich mit dem Erreichten zufrieden oder wächst man weiter? Eigentlich ein ziemlich unattraktiver Standort Zum Beispiel durch den Aufbau eines zweiten Standorts. Oder den Gang an die Börse. "Würden wir das machen, würden wir ganz schnell von einem der Großen übernommen. Dann wäre der eigentlich ja ziemlich unattraktive Standort Rothaus bald Geschichte", sagt Schäuble. Das wäre nicht nur für viele Menschen in der strukturschwachen Region katastrophal. "Tannenzäpfle" würde auch, da ist der Chef überzeugt, seinen Kultstatus verlieren. "Bleib bei dem, was du kannst", ist ein Lieblingssatz Schäubles, und deshalb werden er und Stratthaus wohl auch bei der nächsten Hauptversammlung ihrer AG wieder einem Beamten aus Stratthaus' Ministerium gegenübersitzen, der den Großaktionär aus dem fernen Stuttgart vertritt. Das klingt albern. Ist es auch. Doch Ordnung muss sein, "und nach einer halben Stunde ist schließlich alles vorbei", sagt der Finanzminister. Ohne Hilfe des Staates Überhaupt: Was heißt schon privat? "Privat heißt, dass sich ein Unternehmen ohne Hilfe des Staats am Markt behaupten muss. Wer die Aktionäre sind, ist dabei zweitrangig", doziert Stratthaus zu später Stunde. Schäuble verweist nicht ohne Schadenfreude darauf, dass er immerhin eine Aktiengesellschaft führe, während Bayerns Staatsbrauereien unter direkter Regie der Landesregierung stehen. "Wir sind", sagt Schäuble, "eine unabhängige Regionalbrauerei mit bundesweiter Ausstrahlung." Das erinnert dann doch an die CSU.
Wie es das Tannenzäpfle-Bier der Rothaus-Brauerei im Schwarzwald geschafft hat, auch ohne Werbung groß in Mode zu kommen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kultiges-bier-aus-finstrem-tann-in-die-partyzone-1.891273
Kultiges Bier - Aus finstrem Tann in die Partyzone
00/05/2010
In Hongkong sind Kreditkarten willkommen, Kritik weniger - Peking setzt bisher auf die Macht des Geldes. Verluste erleiden die, denen das freie Wort teuer ist. Zeit für einen Blick auf den Hafen. "Na, ist das ein Ausblick?" Hua Zi steht auf dem Balkon seiner neuen Wohnung in Hongkong und macht eine Feldherrengeste. Der ganze Victoria Harbour liegt ihm zu Füßen. Ganz vorne die Segelboote des Royal Yacht Club. Die grün-weiße Fähre der Star-Ferry-Linie stampft durchs Hafenbecken. Und dahinter schieben sich die Wolkenkratzer des Stadtteils Central ins Bild, dominiert vom Turm der Bank of China. Es ist ein atemraubender Anblick, ohne Zweifel. Detailansicht öffnen Chinesische Soldaten in Habacht-Stellung: Vor zehn Jahren wurde die britische Kronkolonie an China übergeben. (Foto: Foto: AP) Hua Zi, 41 Jahre alt, wegen der feuchtschwülen Hitze lässig in Shorts und T-Shirt gekleidet, ist ein Chinese aus Peking. Seit kurzem lebt er hier in der ehemaligen britischen Kronkolonie. "Ich liebe Hongkong", sagt er, "die Leute hier sind viel ordentlicher als bei uns daheim." In Peking würden alle Auto fahren wie die Wilden und ständig überall hinspucken, sagt Hua Zi. "Hier ist es zivilisierter." Kreditkarten, nicht Gewehre Für die Hongkonger ist Hua Zi, obgleich Chinese, trotzdem eine Art Ausländer. Mainlander nennen sie ihn hier, einen Festländer. Noch immer gibt es ja eine Grenze, die Hongkong von China trennt. Aber sie ist durchlässiger geworden, vor allem für Leute mit Geld. Die schicke, 80 Quadratmeter große Wohnung mit Hafenblick hat Hua Zi für 600.000 Euro erworben. Das findet er nicht teuer. Als erfolgreicher Verleger zweier Fotozeitschriften kann er sich das leisten. Mehr als eine halbe Million Festländer wie Hua Zi sind nach Hongkong umgezogen, seitdem es als "Sonderverwaltungsregion" zu China gehört. Am 1. Juli 1997 hatten die Briten ihre damalige Kronkolonie Hongkong an China zurückgegeben. Manche Einwohner befürchteten damals Schlimmes, etwa dass bald chinesische Panzer durch die Straßen rollen, wie beim Pekinger Massaker vom 4. Juni 1989. Viele besorgten sich vorsichtshalber einen kanadischen oder australischen Pass. Doch in den ersten zehn Jahren seit dem handover haben sich die Chinesen mit ihren Kreditkarten an die Rückeroberung Hongkongs gemacht, nicht mit Gewehren. Chinas rote Kaiser respektieren den Kapitalismus in Hongkong nicht nur, sie nehmen sogar freudig daran teil. Gefälschtes gibt es daheim genug Zeit für ein Mittagessen. Im Fischrestaurant "Hundertfaches Glück", unter bombastischen Kronleuchtern und im eisigen Wind der Klimaanlage, bestellt Hua Zi pangxie, Meereskrebse. Mit der Kellnerin redet er Mandarin, das in Peking gesprochene Hochchinesisch. Das Kantonesisch der Hongkong-Chinesen ist hier auf dem Rückzug. Am Nebentisch leert eine Gruppe Touristen aus Shanghai im Minutentakt ihre Biergläser. "Ganbei", schreien sie, "ex!" Zum Beweis, dass die Gläser leer sind, werden sie am ausgestreckten Arm über den Tisch gehalten. Um die Hongkonger Wirtschaft zu stützen, lässt die Pekinger Zentrale immer mehr Chinesen aus dem Festland nach Hongkong reisen. 13,6 Millionen sind es inzwischen pro Jahr, fast doppelt so viele, wie es Hongkonger gibt. Sie schieben sich durch die Gucci- und Louis-Vuitton-Boutiquen - auf der Suche nach "echten" Luxusartikeln. Gefälschtes gibt es daheim in China ja genug. Hua Zi hat dafür, nach ein paar Gläsern Qingdao-Bier, einen passenden Vergleich gefunden. "Die kommunistische Partei macht Hongkong vom Festland abhängig, Schritt für Schritt. Wie eine Geliebte, der man schöne Kleider kauft und sie in teure Restaurants ausführt. Aber sie muss gehorchen!" Hua Zis Frau blickt ihren Mann bei diesen Worten aufmerksam von der Seite an. Dezente Drohungen Zeit für eine Tasse Kaffee. Pon Siu To ist einer von denen, die jetzt gehorchen müssen. Äußerlich ist das dem 38-jährigen, leicht rundlichen Hongkong-Chinesen nicht anzusehen. Ganz entspannt sitzt der Fernsehjournalist im Café des Rosedale-Hotels in Causeway Bay. Vor kurzem aber ist er von einem Beamten aus Peking zu einen "Gedankenaustausch" eingeladen worden. Die finden im Gebäude der Nachrichtenagentur Xinhua statt, Chinas inoffizieller Botschaft hier. Sehr subtil übe Peking seinen Druck aus, meist ohne offene Drohungen, aber dennoch deutlich, sagt Pon. Im zweiten Teil: Wie Hongkongs Medien auf den Druck Pekings reagieren und wie ein Kolonialherr der alten Schule die Übergabe Hongkongs beurteilt ...
In Hongkong sind Kreditkarten willkommen, Kritik weniger - Peking setzt bisher auf die Macht des Geldes. Verluste erleiden die, denen das freie Wort teuer ist.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hongkong-zehn-jahre-nach-der-uebergabe-geniessen-und-schweigen-1.899281
Hongkong: Zehn Jahre nach der Übergabe - Genießen und Schweigen
00/05/2010
Das steigende Gesprächsaufkommen über Handy und Internet lässt die Umsätze im Festnetz rapide sinken. Am Beispiel der Deutschen Telekom zeigt sich das Dilemma des gesamten Telekommunikationssektors par Excellence: Die Umsätze mit Telefonaten über das Festnetz stagnieren. Detailansicht öffnen Wird immer öfter praktiziert: Internet-Kabel in Telefon-Buchse. (Foto: Foto: dpa) Zwar kommt bei den meisten Unternehmen der Branche der Großteil der Erlöse nach wie vor aus Gesprächen mit den Apparaten, die an einer Telefonsteckdose hängen. Doch die Zuwächse der Zukunft erwarten die Konzernstrategen vor allem im Mobilfunkbereich sowie im Geschäft mit schnellen Internet-Zugängen. Laut ihrem Zehn-Jahres-Plan rechnet die Deutsche Telekom schon für dieses Jahr damit, dass die Umsätze im Mobilfunkgeschäft leicht über denen der Festnetztelefonie liegen. 2014: Doppelt so viel Umsatz mit Mobilfunk Im Jahr 2014 wird der Konzern nach eigenen Vorgaben mit 42,3 Milliarden Euro beinahe das Doppelte mit Handy-Gesprächen erlösen als mit konventionellen Telefonaten. Im Festnetz soll der Umsatz laut Plan dann bei 23,5 Milliarden Euro liegen - ein Minus von mehr als zehn Prozent gegenüber den Umsätzen in diesem Jahr. Dabei sinkt der Gesprächsbedarf der Kunden nicht. Die Verbraucher telefonieren aber stärker mit ihrem Mobiltelefon, denn die Preise liegen deutlich niedriger als früher. Handy-Telefonate immer billiger So mussten Mobilfunkkunden laut Statistischem Bundesamt im September vier Prozent weniger für Handy-Telefonate zahlen als 2004. Der Preisindex für Telefondienstleistungen insgesamt stieg im gleichen Zeitraum um 0,3 Prozentpunkte an.
Das steigende Gesprächsaufkommen über Handy und Internet lässt die Umsätze im Festnetz rapide sinken.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/telefonie-die-zukunft-wird-schnurlos-1.904260
Telefonie - Die Zukunft wird schnurlos
00/05/2010
Bislang entziehen sich Discounter wie Lidl und Aldi einem allgemeinen Pfandsystem und nehmen Einwegflaschen nur dann zurück, wenn sie aus ihrem Sortiment stammen. Umweltminister Trittin will die sogenannte Insellösung nun per Verordnung stoppen. Umweltminister Jürgen Trittin legte für die Neuregelung des Dosenpfands eine Verordnung vor, die über den Bund-Länder-Kompromiss hinausgeht. Detailansicht öffnen Dosen in einem Sammelbehälter. (Foto: Foto: ddp) Die vom Bundeskabinett verabschiedete Novelle enthält auch Bestimmungen zur Abschaffung der so genannten Insellösungen. Damit könnten die Verbraucher künftig beispielsweise Plastikflaschen überall dort zurückgeben, wo Plastikflaschen verkauft werden. Der Handel und die FDP kritisierten die geplante Verordnung als nicht EU-konform. Bereits gebilligt Bereits von den Ländern gebilligt sind die grundsätzlichen Regelungen der Verpackungsnovelle. Künftig soll das Pflichtpfand auf Mineralwasser, Erfrischungsgetränke, Bier und Alkopops in Einweg-Getränkeverpackungen erhoben werden. Milch, Wein und Fruchtsäfte sind davon ausgenommen, ebenso ökologisch vorteilhafte Verpackungen wie der Getränkekarton und der Standbodenbeutel. Das Pfand soll einheitlich 25 Cent betragen. Trittin erklärte, Ungereimtheiten der geltenden Verordnung würden endlich beseitigt. "Die Eistee-Dose ist genauso pfandpflichtig wie die Cola-Dose und die Bier-Dose. Durch einen Schuss Alkohol kann man sich nicht - wie bisher - vom Dosenpfand befreien." Keine Mehrheit im Bundestag Die Abschaffung der Insellösungen hatte allerdings im Bundesrat keine Mehrheit gefunden. Trittin erklärte, er wolle, dass Verbraucher in Zukunft nicht mehr unterscheiden müssten zwischen der Aldi-Flasche, der Lidl-Flasche und der Plastikflasche, die sie am Bahnhof oder an der Tankstelle gekauft hätten.
Bislang entziehen sich Discounter wie Lidl und Aldi einem allgemeinen Pfandsystem und nehmen Einwegflaschen nur dann zurück, wenn sie aus ihrem Sortiment stammen. Umweltminister Trittin will die sogenannte Insellösung nun per Verordnung stoppen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/pfandverordnung-discounter-sollen-fremde-dosen-zuruecknehmen-1.904868
Pfandverordnung - Discounter sollen fremde Dosen zurücknehmen
00/05/2010
Am Ende halfen alle Zugeständnisse nichts: Das AEG-Hausgerätewerk in Nürnberg wird geschlossen. Der Versuch, durch Flexibilität Arbeitsplätze zu erhalten, war trotzdem richtig. Es sind bittere Nachrichten: Das traditionsreiche AEG-Werk Nürnberg wird nun doch geschlossen, der schwedische Electrolux-Konzern als Eigentümer ist unerbittlich. Wieder verlieren 1750 Arbeitnehmer ihren Job, wieder wächst die Zukunftsangst. Detailansicht öffnen Mitarbeiter des AEG-Hausgerätewerks demonstrieren in Nürnberg. (Foto: Foto: dpa) Die IG Metall war in Nürnberg beweglich und bot Zugeständnisse an, die zu substanziellen Kostensenkungen geführt hätten. Es soll wegen dieser Zugeständnisse sogar schon Proteste unter den Betroffenen gegeben haben. Aber alles half nichts: Ende 2007 wird die Fabrik geschlossen. Zunächst einmal hat Electrolux bei der ganzen Auseinandersetzung keine besonders gute Figur gemacht. Der Betriebsrat und das deutsche Management hatten noch im November gemeinsam ein Konzept zur Rettung des Standorts vorgelegt, das massive Lohneinschnitte, Mehrarbeit und Investitionen in Nürnberg vorsah. Überkapazitäten Aber das spielte zum Schluss gar keine Rolle mehr. Der Konzern hatte durch umfangreiche Investitionen in Osteuropa selbst für Überkapazitäten gesorgt, die nun den Preisdruck für Waschmaschinen, Geschirrspüler und Wäschetrockner verstärken. Und schließlich konnten die Manager nicht den Eindruck vermeiden, als hätten bei der Entscheidung andere als rein sachliche Gründe eine Rolle gespielt, als seien die Schließungen auch politisch zwischen Schweden, Deutschland, Osteuropa und Italien austariert worden. Die Schließung des AEG-Werks hat eine Bedeutung weit über den Einzelfall Nürnberg hinaus. Letztlich war es der Preisverfall der vergangenen zwei Jahre, der für die Fabrik das Aus gebracht hat. Die sinkenden Preise für Haushaltsgeräte - die die deutschen Konsumenten auf der anderen Seite freuen - setzen die Produzenten unter einen ungeheuren Druck. Wer Massenware herstellt, verschwindet Fabriken in Osteuropa sind billiger und oft gleich gut. Den Konsequenzen kann sich niemand mehr entziehen. So müssen sich die Hersteller und die Arbeitnehmervertreter darauf einstellen, dass normale Waschmaschinen in Deutschland bald nicht mehr gebaut werden. Die Erfahrung anderer Branchen wiederholt sich: Wer innovative Produkte besonderer Qualität anbietet, überlebt, wer Massenware herstellt, verschwindet. Die Entwicklung kann durch Zugeständnisse der Arbeitnehmer bei Lohn und Arbeitszeit verlangsamt werden; ob es gelingt, sie zu stoppen, bleibt offen. Die Erfahrungen mit den Handys bei Siemens und den Reifen bei Continental machen hier skeptisch. Aber der Versuch, durch Flexibilität Arbeitsplätze zu erhalten, lohnt sich allemal. Und wenn er nur dazu führt, Zeit zu gewinnen. Die Strategie der IG Metall in Nürnberg war daher richtig. Nur kamen die Zugeständnisse relativ spät. Und dies ist wieder ein grundsätzliches Problem. Seit dem Tarifvertrag von Pforzheim 2004 haben die Gewerkschaften den Spielraum für betriebliche Bündnisse erheblich erweitert - nur setzt die Beweglichkeit eben erst dann ein, wenn es (fast) zu spät ist. Versucht ein Unternehmen, rechtzeitig Beschäftigung zu sichern, also dann, wenn die Gewinne zwar sinken, aber immer noch vorhanden sind, stößt es meist auf harten Widerstand. Ausländische Konkurrenz Das Problem lässt sich nicht in den Kategorien nationaler Verteilungskämpfe begreifen. Wenn sich ein deutsches Unternehmen damit abfindet, dauerhaft weniger Geld zu verdienen als die ausländische Konkurrenz, hat es schon verloren. Es hilft auch nichts, die Verhandlungen über Sozialpläne von den Betrieben auf die Verbandsebene zu hieven, so wie die IG Metall dies jetzt mit ihren Sozialtarifverträgen fordert. Wer Industriearbeitsplätze in Deutschland halten will, muss an den Arbeitskosten ansetzen, wer neue schaffen will, muss Innovation und Wirtschaftswachstum fördern. Prinzipiell muss Deutschland natürlich seine ökonomischen Probleme überwinden. Das ist langfristig der einzige Weg, auch wenn diese Erkenntnis den Arbeitern in Nürnberg kurzfristig nicht viel bringt.
Am Ende halfen alle Zugeständnisse nichts: Das AEG-Hausgerätewerk in Nürnberg wird geschlossen. Der Versuch, durch Flexibilität Arbeitsplätze zu erhalten, war trotzdem richtig.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aeg-lehren-aus-nuernberg-1.906678
AEG - Lehren aus Nürnberg
00/05/2010
Bis zu zweitausend Dollar wollen Apple und AT&T von den künftigen iPhone-Besitzern haben. Und die stehen Schlange. Sind jetzt alle verrückt geworden? 2000 Dollar sind eine Menge Geld. Dafür lässt es sich in den Urlaub fahren - sogar mit der ganzen Familie. Einen gebrauchten, wenn auch alten Kleinwagen gibt es dafür ebenso wie einen neuen, mit moderner Technik vollgestopften Computer. 2000 Dollar entspricht allerdings auch dem Preis, den der Computerhersteller Apple und die nordamerikanische Telefongesellschaft AT&T von ihren Kunden verlangen, wenn sie zwei Jahre lang mit dem iPhone telefonieren wollen. 180 Millionen Webseiten und nur ein Thema So viel kostet das Handy von Apple samt Tarif von AT&T - im günstigsten Fall. In der Luxusvariante werden 3000 Dollar fällig. Dennoch campieren schon vier Tage vor dem Verkaufsstart des Gerätes die Ersten in Nordamerika vor den Geschäften. Sind jetzt alle verrückt geworden? Alle Welt schaut im Moment entgeistert auf Apple und die Hysterie, die um das neue Telefon - denn um mehr handelt es sich nicht - des kalifornischen Konzerns entbrannt ist. Weit mehr als 180 Millionen Webseiten findet die Internetsuchmaschine Google, auf denen über das iPhone debattiert wird. Dabei hat sich seit der Vorstellung des Gerätes durch Apple-Chef Steve Jobs zum Anfang dieses Jahres niemand von Apple mehr dazu geäußert. Bis vor wenigen Wochen hat kein Mensch außerhalb des Computerherstellers das Telefon gesehen - und doch glauben viele, das iPhone werde die Industrie revolutionieren. Lektion für die Rivalen Welchen Erfolg das neue Produkt von Apple auch haben wird, eine Lektion für die Rivalen lässt sich aus dem Geschrei um das iPhone bereits ableiten: Der Durchschnittskunde will nicht die neuesten, technischen Funktionen - er will ein einfach zu bedienendes Gerät, das zudem noch schick aussieht. Beispiel Computer: Bis vor wenigen Jahren war es wichtig, beim Kauf eines Rechners auf die verwendete Technik zu achten. Ein schnellerer Prozessor konnte durchaus dafür Sorge tragen, dass die Rechnung in der Tabellenkalkulation in kürzerer Zeit vonstatten ging. Vor den Filialen des Lebensmitteldiscounters Aldi bildeten sich damals lange Schlangen, wenn die neuesten Geräte zum Verkauf standen. Regelmäßig waren die Regale innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Doch das ist vorbei: In den Industriestaaten flacht der Verkauf mit Computern ab. Zudem erledigt jeder Rechner heute die täglich anfallenden Probleme mit links. Ein Niveau, das im Normalfall ausreicht Wird ein Produkt zum Alltagsgut, nähert sich ein Markt seiner Sättigungsgrenze, verändern sich bei den Konsumenten die Prioritäten. Es stehen dann nicht mehr die Funktionen im Vordergrund, denn die haben bei mehr oder weniger allen Geräten ein Niveau erreicht, das im Normalfall ausreicht. Wichtiger für die Kaufentscheidung wird dann, wie einfach sich ein Produkt bedienen lässt oder auch, wie hübsch es aussieht. Die Handybranche steht vor einer ähnlichen Entwicklung, wie es die Hersteller von Computern bereits durchleben. Rechnerisch hat in Deutschland schon jeder mehr als ein Mobiltelefon. Dennoch stellen Handyhersteller noch immer die Funktionsvielfalt der Geräte in den Vordergrund. Mit "Dein Computer 2.0" beispielsweise wirbt Nokia für das Gerät namens E95. Das Handy findet über Satellitennavigation den Weg, spielt Musik, verwaltet Termine und Adressen, kann natürlich telefonieren - und ist für durchschnittliche Nutzer ohne ausgeprägte technische Kenntnisse ziemlich schwer zu bedienen. Emotionale Kampagne Andere verstehen die Bedürfnisse der Kunden besser: Sony-Ericsson fährt eine emotionale Werbekampagne, lässt die Funktionen der Geräte im Hintergrund - und wächst im Moment so stark wie kein zweites Unternehmen der Branche. Die Hysterie um das iPhone in den Staaten muss man nicht verstehen. Wer ein Handy für 2000 Dollar oder mehr kauft, betrachtet das für sich als Statussymbol. Die Hersteller von technischen Geräten jeder Art sollten aber genau schauen, welchen Wert Apple auf das Design der Geräte, die Bedienerfreundlichkeit oder das reibungslose Zusammenspiel mit anderen Produkten wie etwa einer Funkfreisprechanlage bei seinem Telefon legt. Daraus können sie viel über den Erfolg in den gesättigten Märkten der Industriestaaten lernen. Verstecken müssen sich die Rivalen von Apple mit ihren Erzeugnissen nicht - schließlich bringt auch Apple nur ein neues Mobiltelefon auf den Markt.
Bis zu zweitausend Dollar wollen Apple und AT&T von den künftigen iPhone-Besitzern haben. Und die stehen Schlange. Sind jetzt alle verrückt geworden?
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rummel-ums-iphone-mehr-als-marketing-1.920440
Rummel ums iPhone - Mehr als Marketing
00/05/2010
Vor allem Frauen, die die Hauptlast der Weihnachtseinkäufe tragen, kaufen frei von Furcht vor Betrug und Pannen immer häufiger online ein. Weihnachten dürfte bei vielen Internet-Händlern ganz besonders fröhlich ausgefallen sein. Denn einer Befragung von Nielsen/Netratings zufolge, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, dürfte gut die Hälfte der Deutschen Geschenke online bestellt haben. Detailansicht öffnen Ein Amazon-Mitarbeiter stapelt im Bad Hersfelder Vertriebszentrum Buchpakete. (Foto: Foto: dpa) 45 Prozent der Männer und sogar 57 Prozent der Frauen erklärten in der Adventszeit, sie hätten schon im Internet geordert oder sie wollten es vor Weihnachten noch tun. Abends in Ruhe an den Computer Den Unterschied zwischen den Geschlechtern erklärt Analystin Gabrielle Prior damit, dass die Hauptlast der Weihnachtseinkäufe auf die Frauen falle; diese hätten untertags oft gar nicht die Zeit und Gelegenheit, Geschenke zu besorgen, sondern setzten sich oft abends, wenn endlich alles erledigt sei, in Ruhe an den Computer. Früher, glaubt Prior, hätten vor allem niedrige Preise die Kunden ins Internet gezogen. Heute schätzten viele Käufer auch die Bequemlichkeit und die einfache Suche. Vor allem aber sei ihr Vertrauen in das Medium deutlich gestiegen. Etwas ganz Normales Anders als in den Pionierjahren befürchten sie weder Betrug noch Pannen und Lieferengpässe. Dass Einkäufe im Internet heute etwas ganz Normales seien, lasse sich auch an den bestellten Produkten ablesen: Früher hätten die Menschen das neue Medium erst einmal mit kleinen Dingen wie Büchern ausprobiert; heute hätten sie auch keine Hemmungen mehr, Digitalkameras, Camcorder oder Handys online zu bestellen. Bücher sind noch der absolute Spitzenreiter; es folgen Spielfilme, Geschenke aus dem Bereich Musik, Kleidung, Kinderspielzeug und Videospiele. Bei ihren Einkaufstouren im Internet haben die Deutschen vermutlich einiges Geld investiert. Der Umfrage zufolge wollten 55 Prozent der Männer mehr als 70 Euro online ausgeben, 24 Prozent sogar mehr als 210 Euro. Ansehnlicher Teil des Weihnachtsetats Das würde bedeuten, dass ein ganz ansehnlicher Teil der Weihnachtsetats in den elektronischen Shops gelandet ist. "Ich nehme an, dass die Internet-Händler ausnehmend gute Geschäfte gemacht haben", sagt Prior. Davon profitierten nicht nur die reinen Online-Anbieter wie Amazon.com, sondern auch traditionelle Kaufhäuser und Läden, die nun auch im Internet verkauften. Im europäischen Vergleich lägen die Deutschen eher vorne, meint die Analystin. An die Briten kämen sie zwar nicht heran - dort besorgten 71 Prozent der Frauen und 61 Prozent der Männer ihre Gaben im Internet -, doch Italiener oder Spanier beispielsweise hätten deutlich weniger online eingekauft als die Bundesbürger.
Vor allem Frauen, die die Hauptlast der Weihnachtseinkäufe tragen, kaufen frei von Furcht vor Betrug und Pannen immer häufiger online ein.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/weihnachtsgeschaeft-internet-haendler-hatten-ein-frohes-fest-1.900874
Weihnachtsgeschäft - Internet-Händler hatten ein frohes Fest
00/05/2010
Zum dritten Mal in Folge liegt Frankreichs Fehlbetrag im Haushalt über drei Prozent. Premierminister Raffarin wirbt deshalb in Brüssel um Verständnis. (SZ vom 28.08.2003) — Bei einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Romano Prodi versuchte Frankreichs Premierminister Jean-Pierre Raffarin Brüssel darauf vorzubereiten, dass sein Land auch 2004 einen Haushaltsfehlbetrag von mehr als drei Prozent ausweisen wird. Als erstes EU-Land wird Frankreich bei der Vorlage des Haushaltes für 2004 am 24. September zum dritten Mal in Folge die Maastricht-Defizitkriterien verletzen. Paris muss mit Sanktionen rechnen. Die Verschuldungsgrenze von 60 Prozent wird bereits 2003 überschritten. Die Regierung versucht zwar, die Zusammenkunft Raffarins mit den EU-Kommissaren und mit Prodi als Routine abzutun: Es handle sich um das dritte Treffen dieser Art seit seinem Amtsantritt im Mai 2002. Offiziell steht auch vor allem der französische Wunsch nach Mitteln aus dem europäischen Solidaritätsfonds für die Geschädigten der Waldbrände auf der Tagesordnung. "Heißes" Thema Staatshilfe Doch es dürfte auch um erheblich "heißere" Themen gehen: Die Staatshilfen für das Privatunternehmen Alstom sowie France Télécom, Bull und die EDF. Eine ganz entscheidende Rolle wird aber die Finanzsituation Frankreichs spielen. Offiziell geht Paris nach einem Fehlbetrag von 3,1 Prozent 2002 für dieses Jahr von einem Defizit zwischen 3,6 und 3,7 Prozent aus. Der Berichterstatter für Finanzfragen im Senat, Philippe Marini, hält aber gegenüber der SZ eher vier Prozent für realistisch. Für nächstes Jahr werden 3,7 bis 3,8 Prozent erwartet. Raffarin bekundet wiederholt seinen guten Willen, die Brüsseler Vorgaben zu erfüllen. In der Tat sind die Staatsausgaben bisher, im Gegensatz zum Vorjahr, nicht gestiegen. Dennoch steht die Kalkulation des Premierministers bisher auf tönernen Füßen, weil Einnahmen massiv wegbrechen. Wachstumsziele werden weit verfehlt Denn die Wachstumsziele werden weit verfehlt - Wirtschaftsinstitute rechnen nur noch mit einem Wachstum von 0,6 bis 0,8 Prozent in diesem und 1,5 Prozent im kommenden Jahr - und die Arbeitslosenzahlen steigen stark. Zudem wächst das Defizit in den Sozialkassen und erreicht allein für 2003 acht Milliarden Euro. Die angekündigten Hilfen für Krankenhäuser, dürregeschädigte Bauern, Schulen und ein Mobilisierungsprogramm für Alte, das Milliarden kosten könnte, sind ebenfalls noch nicht finanziert. Zugleich hat Staatspräsident Jacques Chirac weitere Steuersenkungen angemahnt. Raffarin weiß, dass sein Ziel vom Juli, "alles zu tun, um das Defizit 2004 unter drei Prozent zu drücken", unrealistisch ist. Seine Regierung wird dies bei Vorlage des Budgets für 2004 in vier Wochen eingestehen müssen. Raffarin will mit anderen Defizit-Ländern wie Portugal und Deutschland eine Aufweichung des Maastricht-Paktes erreichen, indem etwa Ausgaben für Forschung, Infrastruktur und Rüstung ausgeklammert werden - ein alter französischer Wunsch. Der Premier beruft sich auf eine "außergewöhnliche" konjunkturelle Konstellation. Prodi kündigte jedoch an, es gebe keinen Grund, die Regeln zu ändern. Er habe keine Wahl, als bei Verstößen Strafen zu verhängen.
Zum dritten Mal in Folge liegt Frankreichs Fehlbetrag im Haushalt über drei Prozent. Premierminister Raffarin wirbt deshalb in Brüssel um Verständnis.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stabilitaetspakt-frankreichs-fehlende-haushaltsdisziplin-1.900638
Stabilitätspakt - Frankreichs fehlende Haushaltsdisziplin
00/05/2010
Dies ist das Ergebnis einer Befragung von 1000 deutschen Unternehmen. Deutsche Bahn-Chef Mehdorn landete auf dem letzten Platz. BMW-Chef Helmut Panke ist für Deutschlands Führungskräfte der Top-Manager mit dem besten Ruf. Bahn-Chef Hartmutm Mehdorn landete bei einer Befragung von 1000 Unternehmern dagegen mit der Schulnote 4,2 auf dem letzten Platz, teilte die Beratungsfirma Marketing Corporation in München mit. Die Befragung wird alle sechs Monate durchgeführt, es werden Strategie- und Kompetenzfragen mit Noten von eins bis sechs bewertet. Panke verdrängte mit einer Note von 1,6 den bisherigen Favoriten Wendelin Wiedeking von der Position des bestangesehenen deutschen Managers. Wiedeking auf Rang zwei Auch der Porsche-Chef bekam mit der Note 2,0 aber wieder gute Bewertungen. "Panke wird seine langfristig ausgerichtete Unternehmens- und Markenführung zu Gute gehalten", sagte Manfred Niedner von Marketing Corporation. Neben Wiedeking kam auch Siemens-Lenker Heinrich von Pierer auf den zweiten Platz. Das Urteil der Führungskräfte fiel damit ähnlich aus wie eine kurz zuvor veröffentlichte Befragung von deutschen Aktionären des Meinungsinstituts Emnid. Hier belegte Wiedeking den ersten Platz, Panke und Pierer auf Rang zwei und drei. Daimler-Chef auf Rang sieben Die Chefs von Unternehmen mit bekannten Produkten wie zum Beispiel Autos haben es bei derartigen Befragungen traditionell leichter. Platz sechs auf der Beliebtheitsskala der Marketing Corporation Umfrage belegte VW-Chef Bernd Pischetsrieder mit der Schulnote 2,3. Ihm folgte Jürgen Schrempp (DaimlerChrysler) mit 2,7. Vor dem letztplatzierten Mehdorn kam Klaus Zumwinkel (Deutsche Post) mit der Note 3,2 unter den zur Auswahl stehenden Managern auf den zwölften Platz. "Die Einschätzung der Leistung von Zumwinkel halte ich für die Folge schlechter Kommunikation", sagte Niedner. Zumwinkel sei zu Recht zum "Manager des Jahres" gekürt worden. Das Urteil der Führungskräfte über Mehdorn hingegen sei fest gefügt, seine Bewertung nahm gegenüber der letzten Befragung um 0,5 Punkte ab. "Mehdorn bekommt den schwarzen Peter für die vielen Querelen und Pannen bei der Bahn zugeschoben", sagte Niedner.
Dies ist das Ergebnis einer Befragung von 1000 deutschen Unternehmen. Deutsche Bahn-Chef Mehdorn landete auf dem letzten Platz.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutschlands-top-manager-bmw-chef-panke-hat-den-besten-ruf-1.900769
Deutschlands Top-Manager - BMW-Chef Panke hat den besten Ruf
00/05/2010
Die Beschäftigten fühlen sich erpresst: Der neue C-Klasse-Geländewagen von DaimlerChrysler wird offenbar nur dann in Bremen gebaut, wenn die Angestellten sich auf härtere Arbeitsbedingungen einstellen. Drohende Verschlechterungen im DaimlerChrysler-Werk Bremen sorgen unter den Beschäftigten für Unruhe. Detailansicht öffnen Automontage im Bremer Mercedes-Werk - bald womöglich unter härteren Bedingungen für die Angestellten. (Foto: Foto: dpa) Nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Udo Richter vom Montag verlangt DaimlerChrysler für den Bau des C-Klasse-Geländewagens vom Jahr 2008 an eine Ausweitung der Wochenschichten von 15 auf 18. Zudem sollten Pausen halbiert und Weiterbildung zum Teil in die Freizeit verlegt werden. Rund 2000 Mitarbeiter hätten am Montag in einem halbstündigen "Gespräch" mit dem Werksleiter ihren Unmut deutlich gemacht, hieß es. Produktionsentscheidung noch nicht getroffen DaimlerChrysler-Sprecher Toni Melfi in Stuttgart wollte den von Betriebsratsseite genannten Forderungskatalog des Konzerns nicht bestätigen. "Es ist richtig: Wir untersuchen derzeit die Machbarkeit einer Variante der C-Klasse in Bremen, aber auch an anderen Standorten weltweit", sagte er. Es handele sich um ein "freizeit-orientiertes Auto", das eine Allradoption haben könnte. Es gebe aber noch keine Produkt- und Produktionsentscheidung. Sollte eine Entscheidung für einen deutschen Standort fallen, würde dies im Rahmen des Programmes "Zukunftssicherung 2012" geschehen, sagte der Konzernsprecher. Beschäftigte fühlen sich erpresst Dieses sieht jährliche Einsparungen von 500 Millionen Euro bei einer gleichzeitigen Beschäftigungsgarantie in den deutschen DaimlerChrysler-Werken vor. Nach Angaben des Bremer Betriebsrates plant der Automobilkonzern eine Art kleinen Geländewagen auf der Plattform der C-Klasse. Eine Entscheidung für das Werk Bremen würde hier von 2008 an etwa 2000 bis 3000 Arbeitsplätze erhalten. Sollte mit dem Betriebsrat keine Einigung über die Forderungen des Unternehmens erzielt werden, werde das Fahrzeug der Werksleitung zufolge in Ludwigsfelde in Brandenburg gebaut. Viele Beschäftigte empfänden dies als "Erpressung", sagte der Betriebsratsvorsitzende Richter. (sueddeutsche.de/dpa)
Die Beschäftigten fühlen sich erpresst: Der neue C-Klasse-Geländewagen von DaimlerChrysler wird offenbar nur dann in Bremen gebaut, wenn die Angestellten sich auf härtere Arbeitsbedingungen einstellen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/die-neue-c-klasse-bei-daimlerchrysler-unruhe-in-bremen-1.902518
Die neue C-Klasse bei DaimlerChrysler - Unruhe in Bremen
00/05/2010
Der Internetanbieter will durch die Übernahme des Internetportal-Geschäfts von web.de in den nächsten 5 Jahren rund 50 Millionen Steuern sparen und beim Ergebnis deutlich zulegen. Der bisherige web.de-Chef Matthias Greve wechselt gleich mit hinüber. Der Internetanbieter United Internet erwartet aus dem Erwerb des Kerngeschäfts der web.de AG deutliche Steuervorteile. Detailansicht öffnen Durch die Übernahme des Kerngeschäfts von web.de will United Internet Steuern sparen und sein Ergebnis deutlich verbessern. (Foto: Foto: dpa) In den kommenden fünf Jahren würden Steuern in Höhe von rund 50 Millionen Euro eingespart, teilte die Gesellschaft am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt mit. web.de hatte am Mittwochabend den Verkauf seines umsatzstärksten Geschäftsbereich Internet-Portale an United Internet bekannt geben. 100-Millionen-Marke knacken Die Karlsruher Gesellschaft erhält dafür 200 Millionen Euro und 5,8 Millionen Aktien der United Internet AG. Der Kaufpreis liege damit bei rund 330 Millionen Euro. Die beiden Unternehmen wollen die Transaktion im kommenden Monat abschließen. Mit dem Vertragsabschluss sei im dritten Quartal zu rechnen, hieß es. Beim Vorsteuergewinn will United Internet im laufenden Jahr die Marke von 100 Millionen Euro knacken. Das sagte Vorstandschef Ralph Dommermuth am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. web.de-Chef wechselt mit rüber Dabei bezog er sich auf den Vorsteuergewinn nach US-GAAP, der 2004 bei 85,6 Millionen Euro lag. Umsatz und Ergebnis sollen damit um 20 bis 30 Prozent zulegen. Im gleichen Umfang rechnet das Unternehmen mit einem Plus bei seinen Kundenverträgen. Wie web.de am Donnerstag mitteilte, wird der bisherige Vorstandschef des Anbieters, Matthias Greve, zu United Internet wechseln, wo er das Portalgeschäft verantworten soll.
Der Internetanbieter will durch die Übernahme des Internetportal-Geschäfts von web.de in den nächsten 5 Jahren rund 50 Millionen Steuern sparen und beim Ergebnis deutlich zulegen. Der bisherige web.de-Chef Matthias Greve wechselt gleich mit hinüber.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/durch-web-de-uebernahme-united-internet-hofft-auf-massive-steuerersparnis-1.899385
Durch web.de-Übernahme - United Internet hofft auf massive Steuerersparnis
00/05/2010
Bei der Pin Group werden eintausend Mitarbeiter entlassen, doch es gibt noch weitere Verlierer: Die Einführung des Post-Mindestlohns erweist sich als gesamtwirtschaftliches Desaster. Im Nachhinein betrachtet wirken die Szenen, die sich am Montag auf dem Messegelände in Hannover abspielten, nur noch gespenstisch. Drinnen, in einer der Hallen, quälte Kanzlerin Angela Merkel die Delegierten des CDU-Parteitags mit einem entschiedenen Jein zur Einführung von Mindestlöhnen, draußen, bei einer Demonstration von Briefträgern, gratulierte Verdi-Chef Frank Bsirske sich selbst zum Zustandekommen einer solchen Lohnuntergrenze im Postgewerbe. Und parallel dazu verkündeten im fernen Ratingen die Logistikfirmen Hermes und TNT, dass sie wegen eben jener Grenze dem Noch-Monopolisten Deutsche Post nun vorerst doch keine Konkurrenz im Briefgeschäft machen wollen. Wie auch immer man zum Thema Mindestlöhne stehen mag - was die Politik, die Post, Verdi und die Möchtegern-Wettbewerber in den letzten Wochen gemeinsam angerichtet haben, ist ein Desaster. Es gibt keinen einzigen Gewinner, sondern nur Verlierer: Den Post-Mitarbeitern nutzt der Mindestlohn nichts, weil sie in aller Regel ohnehin mehr als 9,80 Euro verdienen. Die Verbraucher zahlen hohes Porto Die Beschäftigten und Beschäftigungsanwärter bei TNT, Hermes und PIN bekommen nicht den Mindestlohn, sondern gar nichts, weil sie arbeitslos werden oder bleiben. Und der Verbraucher zahlt weiter hohes Porto, weil er um die Dienste eines Staatsmonopolisten nicht herumkommt. An diesem verheerenden Ergebnis sind alle Beteiligten gleichermaßen schuld. Weil sich die SPD mit ihrer Forderung nach einem hohen gesetzlichen Mindestlohn nicht durchsetzen konnte, kämpft sie jetzt unter Missachtung allen ökonomischen Sachverstands für noch höhere Branchenlösungen. Die Union findet nicht die Kraft für eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem Thema Mindestlohn, stimmt aber aus Angst vor dem Wahlvolk halbgaren Lösungen zu. Die Post hat demonstriert, wie viel ihr Bekenntnis zu mehr Wettbewerb wert ist, die Gewerkschaft Verdi hat wieder einmal unterstrichen, dass ihr zwar viel am arbeitenden, aber nichts am arbeitslosen Teil der Bevölkerung liegt. Koalitionspartner müssen sich endlich aufeinander zubewegen Und die neuen Wettbewerber, die manchen Beschäftigten angeblich keine fünf Euro pro Stunde zahlen, sind mit einem skandalösen Geschäftsmodell gescheitert, das von Beginn an darauf abzielte, dem Staat einen Teil der Lohnkosten aufzubürden. Um einen Weg aus der Sackgasse zu finden, müssen sich Union und SPD endlich aufeinander zubewegen. Das Problem, dass immer mehr Menschen mit einem Vollzeitjob von ihrem Lohn nicht leben können, muss gelindert werden, ohne dass an anderer Stelle neue Ungerechtigkeiten entstehen. Das kann nach Lage der Dinge nur ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn leisten, der allerdings spürbar unter jenen 9,80 Euro liegen müsste, die für die Post vereinbart wurden. Gegen einen solchen Mindestlohn ließen sich unzählige Argumente ins Feld führen. Gemessen an dem Chaos, das in der Postbranche angerichtet wurde, wäre er aber das kleinere Übel.
Bei der Pin Group werden eintausend Mitarbeiter entlassen, doch es gibt noch weitere Verlierer: Die Einführung des Post-Mindestlohns erweist sich als gesamtwirtschaftliches Desaster.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/post-mindestlohn-kartell-der-versager-1.890396
Post-Mindestlohn - Kartell der Versager
00/05/2010
Eineinhalb Jahre nach dem Bilanzschwindel beim Bochumer Moorhuhn-Erfinder Phenomedia hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Sechs Beteiligten aus der ehenmaligen Unternehmensgruppe werden unter anderem Bilanzbetrug und Insiderhandel vorgeworfen. Die Betroffenen, darunter der frühere Vorstandsvorsitzende Markus Scheer, seien teilweise geständig, bestätigte die Staatsanwaltschaft einen Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung . Durch Luftbuchungen waren die Bilanzen des einst am Neuen Markt hoch gehandelten Spieleentwicklers über Jahre hinweg um insgesamt 15 Millionen Euro geschönt worden. Verfahren nicht vor Sommer 2004 Eine Eröffnung des Hauptverfahrens wird wegen der umfangreichen Anklage nicht vor Sommer 2004 erwartet. Insbesondere im Punkt Insiderhandel hat nach Auskunft des Sprechers der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität, Bernd Bienioßek, keiner der Beschuldigten ein Fehlverhalten eingeräumt. Neben Ex-Vorstandschef Scheer sieht die Staatsanwaltschaft den ehemaligen Finanzvorstand Björn Denhard als zweiten Hauptverdächtigen in Sachen Bilanzfälschung an. Angeklagt ist auch der Geschäftsführer einer Essener Phenomedia-Tochter, über die Luftgeschäfte organisiert worden sein sollen. Fast 70 Prozent der Belegschaft gefeuert Die 1999 an die Börse gegangene Phenomedia AG wird derzeit von einem Insolvenzverwalter geführt. Die 17 Tochterunternehmen sind inzwischen verkauft oder liquidiert worden, die Belegschaft von über 100 auf 34 verringert worden. Phenomedia arbeite aber mit Gewinn, sagte Insolvenzverwalter Wulf-Gerd Joneleit. Im kommenden Jahr soll knapp eine Millionen Euro als Abschlagszahlung an die Gläubiger zurückgezahlt werden. Insgesamt belaufen sich die Forderungen auf 20 Millionen Euro, davon 8,5 Millionen anerkannte. Verkauf der Firma geplant Geplant sei weiterhin der Verkauf von Phenomedia, allerdings nicht in der Form einer Aktiengesellschaft, sagte Joneleit. Mit Interessenten werde bereits verhandelt. In ihrem "produktivsten Jahr seit Bestehen" habe das Unternehmen 16 Titel produziert, darunter weitere Moorhuhnversionen, sagte Sprecher Tom Putzki. Vor Weihnachten soll noch ein Rätsel-Abenteuer mit dem virtuellen Huhn auf den Markt kommen. Der Aktienkurs lag am Mittag unter 40 Cent, vor der Krise notierte das Papier bei 14 Euro.
Eineinhalb Jahre nach dem Bilanzschwindel beim Bochumer Moorhuhn-Erfinder Phenomedia hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Sechs Beteiligten aus der ehenmaligen Unternehmensgruppe werden unter anderem Bilanzbetrug und Insiderhandel vorgeworfen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/moorhuhn-skandal-staatsanwaltschaft-erhebt-anklage-1.906126
Moorhuhn-Skandal - Staatsanwaltschaft erhebt Anklage
00/05/2010
Der Zeichner, der die Schuh-Werbefigur modernisiert hat, kann aufatmen — Lurchi wird die Insolvenz von Salamander wohl überleben. Dietwald Doblies ist guter Laune. Nicht nur, weil in Hamburg endlich mal wieder die Sonne scheint. Wochen währendes Grau kann selbst Comiczeichnern schwer zu schaffen machen. Doblies hat wieder Hoffnung, dass es weitergeht. Detailansicht öffnen Mit T-Shirt und Hose ist Lurchi im aktuellem Heft "Das Phantom von Burg Rabenstein" unterwegs. (Foto: Foto: Salamander) Irgendwie. Dietwald Doblies ist 42 Jahre alt, trägt eine runde Brille und einen lustigen Schnauzbart. Er sei mit Asterix und den Disney-Figuren aufgewachsen, sagt er. "Von den klassischen Künstlern ist es vor allem Dürer, der mich inspiriert." Seit 20 Jahren arbeitet Doblies als Graphiker. Mal entwirft er in seiner kleinen Hamburger Wohnung für eine Zahnpastafirma einen breit lächelnden Biber. Dann zeichnet er Bilderheftchen mit einem Kaugummi, der Zähne schützt. Derlei bekommen Kinder gerne vom Dentisten geschenkt. Viel wichtiger jedoch ist: Seit fast zehn Jahren ist Dietwald Doblies der alleinige Zeichner des Feuersalamanders Lurchi, dem spaßig-spießigen Werbeträger der 100 Jahre alten, mittlerweile insolventen Firma Salamander aus Kornwestheim. "Das Phantom von Burg Rabenstein" heißt Doblies aktuelles Heft, welches in den Salamander-Filialen gratis ausliegt. Und so viel darf man verraten: Es gibt ein Happyend. Eines, wie es sich auch Hunderte Salamander-Angestellte wünschen. Um zu retten, was zu retten ist, könnte bekanntlich bald jede zweite Stelle abgebaut, jeder zweite Laden geschlossen werden. Sütterlin und Schuhwichse "Lurchis Abenteuer, das lustige Salamanderbuch" lautete der Titel des ersten Heftchens, das ab etwa 1937 neben Schnürsenkeln und Schuhwichse lag. Außen Sütterlin, innen Verse in lateinischer Schreibschrift, sollte es Kinder davon abhalten, die Eltern bei der Anprobe zu stören. Kinderschuhe hatte Salamander damals noch nicht im Programm. Allein "Jünglings- und Backfischschuhe ab Größe 34". Verbarg sich hinter den Buchstaben "Pi" auf einer der ersten Zeichnungen vielleicht Lurchis Schöpfer? Teile der großen Fan-Gemeinde vermuten das. Vielleicht war es ja der österreichisch-ungarische Maler Laszlo Pinter, dem das Kürzel gehörte. Er könnte in ersten bieder-braven Bildergeschichten der bereits 1909 durch Zeitungsannoncen bekannten Figur ("Man ist, dacht sie, sogleich wie ein Magnet / wenn man in Salamanderstiefeln geht") Leben eingehaucht haben. Nach einer kriegsbedingten Pause von 1939 an kehrte der Feuersalamander 1951 ins Fußbekleidungsgeschäft zurück. Ab sofort verfassten Zeichner Heinz Schubel - seine wertvollen Lurchi-Originale gelten heute als verschollen - und Texter Erwin Kühlewein, ein Prokurist, die Geschichten. Die Erfüllung eines Traums Mal musste sich Lurchi auf dem Campingplatz behaupten, dann kämpfte er gegen Roboter oder afrikanische Kannibalen an. Wie das Leben halt so spielt. Bis zu drei Millionen Mal wurde jedes Abenteuer des musterdeutschen Lurchs gedruckt. In den Siebzigern und Achtzigern wechselten die Autoren oft. Dann kam Dietwald Doblies an die Reihe. "Ich habe mich einfach beworben. Da hat sich ein Traum erfüllt. Lurchi kannte ich ja schon seit meiner Kindheit." Vor vier Jahren wurde Doblies mit einem - ziemlich umstrittenen - Relaunch beauftragt. Aus dem Gartenzwerg Piping wurde plötzlich ein Gnom, aus dem Büttel Unkerich ein Kapitän in Öljacke, aus Frosch Hopps ein sportlich-dynamischer Turnschuhträger. Überhaupt mussten alle Tiere ab sofort Kleider tragen, die Marketingexperten rieten von nackten Protagonisten ab. Mäusepiep bekam ein Katzen-T-Shirt verpasst, der Igel Sonnenbrille und Skater-Höschen. Nur Lurchi, der fortan noch braver agieren sollte, zog sich was aus. Seinen Tirolerhut. Heute geht er nicht mehr ganz so häufig auf Reisen und sammelt Ökomüll ein. Auch gereimt wird nur noch selten. Allein auf den altbewährten Schluss greift man im aktuellen Heft wieder zurück: "Lang schallt's auf dem Festplatz noch / Salamander lebe hoch!" Wie vertraut. Von den wirtschaftlichen Turbulenzen bei Salamander erfuhr Dietwald Doblies aus der Zeitung. Seitdem wartete er auf einen Anruf aus Kornwestheim. Eigentlich hätte er doch in diesen Tagen mit den Zeichnungen für das nächste Lurchi-Heft beginnen müssen. Eigentlich sollen doch immer drei Hefte pro Jahr erscheinen. Jetzt kam die Mitteilung. Geschäftsführer Norbert Breuer gab bekannt, dass Doblies weiter zeichnen soll: "Im Frühjahr wird ein neues Lurchi-Abenteuer erscheinen." Das, zumindest, ist mal eine ganz schöne Nachricht.
Der Zeichner, der die Schuh-Werbefigur modernisiert hat, kann aufatmen — Lurchi wird die Insolvenz von Salamander wohl überleben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/comic-in-zeiten-der-pleite-der-lurch-kommt-durch-1.902866
Comic in Zeiten der Pleite - Der Lurch kommt durch
00/05/2010
Bedrückend daran ist, dass einem das alles bekannt vorkommt. Genau so begann Rot-Grün im Herbst 2002, mit einer Orgie von Steuer- und Abgabenerhöhungen, genauer: mit deren Ankündigung, Rücknahme und Wiederankündigung. Die Stimmung im Lande ging in den Keller und die Regierung hatte ihren Rückhalt in der Bevölkerung verloren, noch ehe sie richtig angefangen hatte. Derzeit scheinen es die Groß-Koalitionäre genau darauf anzulegen. Das Erbe von Keynes Vor allem fällt ein Widerspruch auf: Im Wahlkampf war von Arbeitsplätzen die Rede, von niedrigen Steuern und Wirtschaftswachstum. Jetzt geht es anscheinend nur noch um die Konsolidierung des Bundeshaushalts; in der allgemeinen Stimmung der Hysterie unter den Finanzpolitikern spielen die Auswirkungen des eigenen Tuns auf die allgemeine Wirtschaft keine Rolle mehr. Im Wahlkampfprogramm von Angela Merkel sollte die Mehrwertsteuer erhöht werden, um die Arbeitslosenbeiträge zu senken. Das war schon bedenklich genug. Doch jetzt dienen die Erhöhungen nur noch dazu, um den Haushalt zu stopfen. Es gibt ein unvermeidbares Dilemma bei der Haushaltskonsolidierung: Der Finanzminister muss den Bürgern entweder bisher geleistete Zahlungen vorenthalten oder mehr Geld abknüpfen. In beiden Fällen haben die Betroffenen weniger Einkommen, um zu konsumieren und zu investieren. Sie können also auch weniger Steuern zahlen, womit sich die Lage des Haushalts wieder verschlechtert und zumindest ein Teil des Konsolidierungseffektes dahin ist. Der Ökonom John Maynard Keynes hat gelehrt, dass sich diese Wirkung durch Multiplikatoreffekte potenziert, sodass sich der Staat im schlimmsten Fall noch weiter in die Krise hineinspart. Umgekehrt kann ein steigendes Staatsdefizit der erste Schritt auf dem Weg aus der Krise sein. In Zeiten überschuldeter Haushalte sind diese Lehren nicht mehr sehr populär. Und es gibt auch ein starkes Gegenargument gegen Keynes aus der ökonomischen Zunft: Die Steuerzahler wissen mittlerweile aus leidvoller Erfahrung, dass die Staatsschulden von heute die Steuern von morgen sind. Sie werden also, anders als Keynes dies vermutete, die künftigen Belastungen bereits heute antizipieren und entsprechend weniger Geld ausgeben, womit der Multiplikatorprozess schnell abbrechen würde. Die Theorie geht auf den klassischen Ökonomen David Ricardo zurück. Der argumentierte sinngemäß so: Wenn der Staat sich in diesem Jahr um eine Million Euro verschuldet und zur Begleichung der Schuld im nächsten Jahr die Steuern um eine Million Euro erhöht, dann ist für den Steuerzahler die heutige Verschuldung der künftigen Steuer äquivalent und hat daher keine Auswirkungen auf Konsum und Arbeitseinsatz. Umgekehrt mindert die Konsolidierung des Haushalts die Furcht vor neuen Steuern und ermutigt zu mehr Konsum und Investitionen. Den Gedanken der "ricardianischen Äquivalenz" haben im 20. Jahrhundert Ökonomen wie James Buchanan und Robert Barro aufgegriffen. Und diese Theorie steht, wenn auch sicher meist nicht bewusst, im Hintergrund, wenn Politiker davon reden, dass die Konsolidierung für "Vertrauen" sorgen und damit Wachstum und Beschäftigung fördern werde. Langer Atem Das Problem ist, dass niemand weiß, in welchem Ausmaß die ricardianische Äquivalenz gilt. Ricardo selbst hatte Zweifel an der empirischen Relevanz seiner Theorie geäußert. Und alle Erfahrungen zeigen, dass der Keynes'sche Multiplikator äußerst wirksam sein kann: Die Finanzierung der deutschen Einheit auf Pump wirkte nach 1990 zunächst wie ein gewaltiges Konjunkturprogramm. Die amerikanische Wirtschaft läuft unter anderem auch deshalb so gut, weil Präsident George Bush riesige Staatsdefizite zugelassen hat und so massiv Geld in den Kreislauf pumpt. Umgekehrt hat Hans Eichel die ganze Sparpolitik der vergangenen Jahre nichts gebracht. Die Lage des Etats ist schlimmer denn je. Allerdings ist auch der Umkehrschluss von Gewerkschaften und Linkspartei falsch: Der Staat soll sich kräftig verschulden und das Geld im Übrigen bei den Reichen holen, dann wird alles gut. Japan hat im Laufe seiner langen Krise in den neunziger Jahren einen riesigen Schuldenberg aufgehäuft, ohne Stagnation und Deflation beheben zu können. Der Grund war, dass die Regierung nicht den Mut zu grundlegenden Reformen hatte. So ganz abwegig ist die Sache mit Ricardo also auch nicht. Die Lösung des Dilemmas ist theoretisch einfach, politisch aber schwer umzusetzen: Konsolidierung braucht einen langen Atem und sie muss kombiniert werden mit Reformen, die die Angebotsbedingungen in der Wirtschaft verbessern. Die Langfristigkeit der Sparpolitik sorgt dafür, dass die Nachfrage nicht zu sehr eingeschränkt wird, die Reformen fördern das Wirtschaftswachstum und sorgen - im Sinne Ricardos - für Vertrauen. Fatal wäre dagegen ein brachialer Sparkurs ohne Reformen auf dem Arbeitsmarkt und in den Sozialsystemen. Der CDU-Finanzpolitiker Friedrich Merz sagte einmal sehr treffend, die Probleme der öffentlichen Haushalte könnten durch Konsolidierungspolitik alleine nicht gelöst werden. Man wünscht sich, Angela Merkel hörte in diesem Punkt auf ihren Parteifreund, auch wenn sie ihn im Übrigen nicht leiden kann.
Höhere Mehrwertsteuer, ein zusätzlicher Solidaritätszuschlag, steigende Rentenbeiträge - die Spekulationen über die Liste der Grausamkeiten aus Berlin werden immer verwirrender.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutschland-das-haushalts-dilemma-1.906608
Deutschland - Das Haushalts-Dilemma
00/05/2010
Bundeskanzler Schröder hat der Autoindustrie auf der Eröffnungsveranstaltung der IAA seine Unterstützung zugesagt. Er werde alles tun, damit die Branche Weltspitze bleibe. Der Verband der Automobilindustrie verlangte seinerseits, von neuen Steuern verschont zu bleiben. (SZ vom 12.09.03) - Er wolle "alles tun", um dafür zu sorgen, dass die Konjunktur an Fahrt gewinne, die Nachfrage nach Autos steige und "wir ein besseres Jahr 2004 bekommen", sagte Schröder anlässlich der Eröffnungsveranstaltung der 60. Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) am Donnerstag in Frankfurt. Die Chancen dafür stünden nicht schlecht, so der Regierungschef. Er sehe schon Zeichen, dass die Stagnation in diesem Jahr überwunden werden könne. Gefährlich sei es allerdings, wenn die Opposition das Vorziehen der Steuerreform im Bundesrat blockieren würde. Die geplanten Steuererleichterungen könnten das Wachstum um einen halben Prozentpunkt heben, meinte Schröder. Europäische Ebene Der Kanzler betonte, es sei immer wichtiger, Probleme der Industrie auf europäischer Ebene zu lösen und nicht auf nationaler. In Europa werde viel für die Integration der Finanzmärkte und den Schutz von Umwelt und Ressourcen unternommen, aber zu wenig für die Industrie. "Länder mit wichtiger Industriestruktur können es nicht hinnehmen, dass die EU-Partner andere Themen stärker beachten". Den Automobilverband VDA forderte Schröder in dieser Frage zur Unterstützung auf. Der Bundeskanzler versprach der Branche, sie bei der Entwicklung der Diesel-Technologie zu unterstützen. Der Diesel sei ein Weltspitzenprodukt. "Wir wollen da mitarbeiten, dass das so bleibt." Auch bei neuen Abgasvorschriften werde er sich für faire Behandlung der Autoindustrie einsetzen. In der Branche gibt es derzeit Streit zwischen deutschen und französischen Autokonzernen über den richtigen Weg zur Säuberung von Diesel-Abgasen. Die Franzosen setzen auf Rußpartikelfilter, die Deutschen wollten die Abgasreinigung ohne Zusatzteile erreichen. Zuvor hatte Bernd Gottschalk, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), den Kanzler aufgefordert, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die der Branche wieder auf die Beine helfen. Nachfrageschwäche Die Industrie leide im vierten Jahr unter einer Nachfrageschwäche. Wie am Donnerstag bekannt wurde, sank die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland um August um fünf Prozent. Von Januar bis August ergab sich ein Absatzminus von 2,2 Prozent, teilte die Europäische Vereinigung der Autohersteller ACEA in Brüssel mit. Deutliche Absatzrückgänge verzeichnete im August Mercedes mit einem Rückgang um 10,9 Prozent, Volkswagen verkaufte 3,8 Prozent weniger Autos. Einzig BMW konnte seinen Absatz deutlich um 12,2 Prozent verbessern. An den Kanzler gerichtet sagte Gottschalk: "Dies hat etwas mit den Rahmenbedingungen zu tun." Die Autoindustrie sei eine Schlüsselbranche, und die einzig verbliebene stabile Branche, in der noch Arbeitsplätze geschaffen würden. "In der Geschichte der Bundesrepublik hat es noch nie einen Aufschwung gegeben ohne das Zugpferd Automobilindustrie." "Nicht schnell genug" Der Stillstand bei den Reformen in Deutschland und die Wachstumsschwäche seien zwei Seiten derselben Medaille, sagte Gottschalk. Der Autoindustrie gingen die Reformvorhaben in Deutschland "nicht schnell genug". Von einem selbst tragenden Aufschwung sei die deutsche Wirtschaft noch immer weit entfernt. Die Verunsicherung der Bürger sitze tief. Gottschalk forderte von der Bundesregierung die konsequente Konsolidierung der Haushalte. Das sollte aber nicht zur Erhöhung der Steuern führen. Man dürfe nicht die einzig verbliebene stabile Branche, von der jeder vierte Steuer-Euro komme, mit immer neuen Forderungen nach Steuererhöhungen verunsichern. Es sei gut gewesen, so meinte Gottschalk, dass Schröder vor einigen Wochen der Forderung nach einer höheren Dieselsteuer "sofort einen Riegel vorgeschoben" habe. Es sei auch gut, dass die erneute Ökosteuer-Diskussion beendet worden sei. "Die Grünen sollten sich eingestehen, dass das Experiment, Energie zu verteuern um Arbeit damit zu verbilligen, gescheitert ist.". Arbeit sei teurer geworden, nicht billiger. Warten auf die Botschaft Der Bürger warte auch auf eine Botschaft von Regierung und Opposition, dass es keine Autobahn-Maut für Personenwagen geben werde. Die IAA, die am Freitag noch den Fachbesuchern vorbehalten bleibt, ist von Samstag an bis zum 21. September für das Publikum geöffnet. Die größte Automesse der Welt erwartet mehr als 800.000 Besucher.
Bundeskanzler Schröder hat der Autoindustrie auf der Eröffnungsveranstaltung der IAA seine Unterstützung zugesagt. Er werde alles tun, damit die Branche Weltspitze bleibe. Der Verband der Automobilindustrie verlangte seinerseits, von neuen Steuern verschont zu bleiben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/autoindustrie-schroeder-will-helfen-1.899694
Autoindustrie - Schröder will helfen
00/05/2010
Statt der erwarteten 3,5 Milliarden Euro soll der Gewinn der Bundesbank für das vergangene Jahr offenbar deutlich unter einer Milliarde Euro liegen. Der Finanzminister bekommt entsprechend weniger überwiesen. Damit tue sich im Bundeshaushalt 2004 eine neue Lücke von deutlich mehr als 2,5 Milliarden Euro oder rund 10 Prozent der geplanten Nettoneuverschuldung auf, berichtet das Handelsblatt. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hat einen Bundesbankgewinn von 3,5 Milliarden Euro im Bundeshaushalt fest eingeplant. Traditionell wird diese Summe vom Bilanzgewinn der Bundesbank als Fixum in den Haushalt eingestellt. Alle darüber hinaus gehenden Beträge fließen in einen Fonds zur Schuldenrückzahlung. Niedrigster Gewinn seit der Wiedervereinigung Zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung würde damit der Gewinn für 2003 diese Schwelle unterschreiten, sagte ein Sprecher der Bundesbank. Im Jahr 2002 hatte der Gewinn noch 5,4 Milliarden Euro betragen. Meldungen über den Gewinnrückgang auf eine Milliarde Euro könnten "heute noch nicht bestätigt" werden, sagte jedoch ein Sprecher des Finanzministeriums in Berlin. Für den Rückgang gebe es zwei Gründe, sagte der Bundesbank-Sprecher. "Das historisch niedrige Zinsniveau sowie die Wechselkursentwicklung." Da der größte Teil der Währungsreserven in Zins-tragenden US-Anleihen angelegt sei, habe sich der Dollar-Verfall im vergangenen Jahr besonders stark ausgewirkt. Noch genug Puffer im Haushalt Sollte der Bundesbank-Gewinn unter den im Etat 2004 veranschlagten 3,5 Milliarden Euro liegen, würde dies kein Risiko für den Haushaltsverlauf darstellen. Der Haushalt 2004 biete - nicht zuletzt auf Grund des für dieses Jahr verminderten Gesamtvolumens der Steuerreform - genügend Puffer. Damit ließen sich niedrigere Einnahmen abfedern, ohne die veranschlagte Nettokreditaufnahme oder Höhe der Investitionen zu tangieren. Zahlen gibt die Bundesbank am 24. März bekannt.
Statt der erwarteten 3,5 Milliarden Euro soll der Gewinn der Bundesbank für das vergangene Jahr offenbar deutlich unter einer Milliarde Euro liegen. Der Finanzminister bekommt entsprechend weniger überwiesen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/haushalt-schmaler-bundesbankgewinn-stuerzt-eichel-in-neue-not-1.902376
Haushalt - Schmaler Bundesbankgewinn stürzt Eichel in neue Not
00/05/2010
Beim Chemieunternehmen Celanese gab es ein handfestes und augenscheinlich erfolgreiches Übernahmeangebot. Der US-Investor Blackstone hält bereits etwa 80 Prozent der Aktien. Der Weg für die milliardenschwere Übernahme des deutschen Chemieunternehmens Celanese durch den US-Investor Blackstone ist offenbar frei. Wie Blackstone mitteilte, wurde das Übernahme-Angebot in Höhe von 32,50 Euro pro Anteilsschein bis zum Ablauf der Annahmefrist am 29. März nach vorläufigen Zahlen bereits für rund 39,6 Millionen Aktien wahrgenommen. Dies entspreche rund 80 Prozent aller Anteile an dem aus der ehemaligen Hoechst AG hervorgegangenen Unternehmen, die nicht von Celanese selbst gehalten würden. Damit sei die Annahmeschwelle von 75 Prozent überschritten. Detailansicht öffnen Das Hauptquartier von Celanese in Kronberg. (Foto: Foto: ddp) 3,1 Millarden Euro Blackstone hatte im Dezember angekündigt, die Kronberger Firma für insgesamt 3,1 Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Sowohl der Vorstand von Celanese als auch der mit 29 Prozent der Aktien größte Anteilsinhaber, die Kuwait Petroleum Corporation, erklärten sich damals bereit, das Angebot zu akzeptieren. "In der Annahme, dass wir am Ende erfolgreich sind, freuen wir uns auf den Abschluss der Transaktion", sagte Blackstone-Manager Chinh Chu. Das endgültige Ergebnis soll nach dem 1. April in der Börsen-Zeitung veröffentlicht werden. Tochter Ticona bereits bekannt In die Schlagzeilen geriet zuletzt vor allem die Celanese-Tochter Ticona. Das wichtigste Werk des Kunststoff-Herstellers steht in der Einflugschneise der geplanten neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens. Die Störfallkommission des Bundes hatte erklärt, dass der Bau nicht mit dem Betrieb des Ticona-Werks vereinbar sei. Denkbar wäre eine Verlegung des Werks mit rund 1000 Beschäftigten, wenn die öffentliche Hand die Kosten übernimmt. Der Betriebsrat lehnt eine Verlegung jedoch ab, weil dadurch rund die Hälfte der Jobs verloren ginge.
Beim Chemieunternehmen Celanese gab es ein handfestes und augenscheinlich erfolgreiches Übernahmeangebot. Der US-Investor Blackstone hält bereits etwa 80 Prozent der Aktien.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/celanese-uebernahme-deutsches-chemieunternehmen-in-us-hand-1.906717
Celanese-Übernahme - Deutsches Chemieunternehmen in US-Hand
00/05/2010
Ziemlich überraschend hat sich eine Sekretärin des ehemaligen Mannesmann-Vorstandschef Klaus Esser an eine Vertragspassage erinnert, in welcher die fraglichen Millionenprämien ausgewiesen worden seien. Im Mannesmann-Prozess ist es bei der Aussage einer ehemaligen Vorstands-Sekretärin des Konzerns zu einem Eklat gekommen. Die 59-Jährige einstige Sekretärin von Mannesmann-Vorstandschef Klaus Esser war im Düsseldorfer Landgericht von einer älteren Aussage bei ihrer Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft abgewichen. Daraufhin hatte Staatsanwalt Johannes Puls die Frau nach wenigen Worten unterbrochen und der Falschaussage verdächtigt. Verteidiger werteten dies als Einschüchterungsversuch. Staaatsanwalt unterstellt Falschaussage Essers ehemalige Sekretärin hatte im Ermittlungsverfahren angegeben, mit den Beschlussvorlagen für die umstrittenen Millionenprämien nicht befasst gewesen zu sein und diese auch nicht gekannt zu haben. Am Mittwoch gab sie nun an, die Passage mit der umstrittenen Prämie für den damaligen Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk auf dessen Bitte in eine Beschlussvorlage eingefügt zu haben. Der Antrag des Staatsanwalts, den Wortlaut der Aussage wegen des Verdachts der Falschaussage zu protokollieren, stieß bei der Verteidigung auf Protest und wurde vom Gericht schließlich abgelehnt. Bei der Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft habe sie unter Stress gestanden, begründete die Frau ihre damalige Aussage. Unter der Androhung einer Zwangsvorladung hätten sie Beamte des Landeskriminalamts nach kurzfristiger telefonischer Vorankündigung abgeholt. "Das hat mich damals schon eingeschüchtert", sagte die heute bei Vodafone beschäftigte Frau. Auch eine zweite Sekretärin, nach wie vor in Diensten Essers, berichtete, von den Staatsanwälten rüde behandelt worden zu sein. Morgen kommt Gents rechte Hand Der Prozess soll am Donnerstag mit der Zeugenvernehmung von Julian Horn-Smith fortgesetzt werden. Er war während der Übernahmeschlacht zwischen Mannesmann und Vodafone die rechte Hand von Vodafone-Chef Chris Gent. In dem spektakulären Wirtschafts-Strafprozess geht es um umstrittene Prämien in Höhe von 57 Millionen Euro an ehemalige Mannesmann-Manager. Sechs Angeklagte sind wegen des Geldflusses in den Verdacht der schweren Untreue oder der Beihilfe zur Untreue geraten, unter ihnen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel.
Ziemlich überraschend hat sich eine Sekretärin des ehemaligen Mannesmann-Vorstandschef Klaus Esser an eine Vertragspassage erinnert, in welcher die fraglichen Millionenprämien ausgewiesen worden seien.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mannesmann-prozess-sekretaerin-sorgt-fuer-eklat-1.903198
Mannesmann-Prozess - Sekretärin sorgt für Eklat
00/05/2010
Die Finanzinvestoren liefern derzeit positive Rekorde am laufenden Band. Doch in einigen Jahren, spätestens aber in der nächsten Rezession, wird sich zeigen, dass einige Firmenkäufer in den Jahren 2004 und 2005 den Bogen überspannt haben. Finanzinvestoren liefern Rekorde am laufenden Band. Nie zuvor investierten sie so viel in deutsche Unternehmen wie 2005. Auch sammelten sie bei ihren Anlegern so viel Geld für neue Firmenkäufe ein wie sonst nur im Ausnahmejahr 2000. Rekordverdächtig ist auch das Eigenlob der Branche. Beteiligungsmanager rühmen sich, regelmäßig Traumrenditen von mehr als 20 Prozent zu liefern. Gleichzeitig behauptet die Branche, mehr Arbeitsplätze zu schaffen als Unternehmen, die nicht mit Risikokapital finanziert werden. All das ist zu schön um wahr zu sein - und es ist nur die halbe Wahrheit. Richtig ist, dass die Beteiligungsbranche in Geld schwimmt. Ihre wichtigsten Financiers - Pensionsfonds, Stiftungen und reiche Privatinvestoren - suchen Alternativen zu Aktien und Anleihen. Vor allem aber reißen sich Investmentbanken wie die Deutsche Bank und Goldman Sachs derzeit darum, Übernahmen mit Schulden zu finanzieren. Niedrige Zinsen Weil die Zinsen für Fremdkapital nie so niedrig waren wie in den vergangenen zwei Jahren, haben die Beteiligungsfonds ihre Übernahmen zuletzt mit bis zu 90 Prozent mit Fremdkapital finanziert. Das erklärt aber auch zum Teil die hohen Renditen: Finanzinvestoren setzen beim Kauf kaum eigenes Kapital ein, umso höher ist die Verzinsung dieses Kapitals beim Verkauf. Denn die Schulden tilgen nicht die Investoren sondern die übernommenen Firmen. Risiko und Leistung der Beteiligungsmanager sind also häufig überschaubar, zumal sie sich oft schon vor dem Verkauf Sonderdividenden zahlen lassen. Fremdfinanzierung nicht grundsätzlich falsch Zwar ist es nicht grundsätzlich falsch, wenn Unternehmen in hohem Maße mit Fremdkapital finanziert werden. Ist geliehenes Geld deutlich billiger als Eigenkapital - das ist derzeit der Fall - lohnt es sich, stärker auf Kredite und Anleihen zurückzugreifen. Geht jedoch der Schuldendienst zu Lasten von Investitionen, kann eine Firma nicht wachsen und wird schließlich im Wettbewerb zurückfallen. Pauschal verurteilen sollte man Beteiligungsgesellschaften deshalb nicht. Viele finanzieren ihre Unternehmen mit Augenmaß, investieren in neue Produkte und Technologien und ermöglichen Wachstumsstrategien. Kratzer absehbar Doch wird sich in einigen Jahren, spätestens aber in der nächsten Rezession zeigen, dass einige Firmenkäufer in den Jahren 2004 und 2005 den Bogen überspannt haben. Spätestens dann wird auch die Arbeitsplatzbilanz der Branche Kratzer bekommen. Ohnehin kommen hier die Zuwächse vor allem von jungen, wachstumsstarken Firmen, die naturgemäß Arbeitsplätze aufbauen.
Die Finanzinvestoren liefern derzeit positive Rekorde am laufenden Band. Doch in einigen Jahren, spätestens aber in der nächsten Rezession, wird sich zeigen, dass einige Firmenkäufer in den Jahren 2004 und 2005 den Bogen überspannt haben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/risikofonds-ueberschaetzte-investoren-1.897895
Risikofonds - Überschätzte Investoren
00/05/2010
Gegen millionenschwere Geldauflagen ist der Düsseldorfer Mannesmann-Prozess eingestellt worden. Der Vorsitzende Richter Stefan Drees widersprach Vermutungen, die Angeklagten hätten sich frei gekauft. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und die anderen fünf Angeklagten im Mannesmann-Verfahren müssen insgesamt 5,8 Millionen Euro zahlen. Damit folgte das Düsseldorfer Landgericht am Mittwoch wie erwartet einem Antrag der Verteidiger Ackermanns, der 3,2 Millionen Euro berappen muss. Die wegen schwerer Untreue angeklagten Manager und Gewerkschafter gelten nun als unschuldig. In dem Prozess ging es um die Bewilligung von Prämien in Höhe von 57 Millionen Euro im Zusammenhang der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone im Jahr 2000. Der Vorsitzende Richter Stefan Drees begründete den Beschluss damit, dass die Taten mehr als sechs Jahre zurückliegen und das öffentliche Interesse an einer Fortführung des Prozesses nicht gegeben sei. Rechtliche Fragen bleiben offen Es seien rechtliche Fragen offen, deren Klärung "innerhalb eines überschaubaren Zeitraums ... nicht möglich wäre", meinte der Richter. Die Verteidiger hatten die Einstellung des Verfahrens nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung am vergangenen Freitag beantragt, die Staatsanwaltschaft hatte zugestimmt. Ackermanns Verteidiger Klaus Volk sieht in der Einstellung des Verfahrens "alles andere als einen Schuldspruch" für seinen Mandanten. Auf die Chance eines Freispruchs habe die Verteidigung verzichtet, weil sich das Verfahren dann monatelang hingezogen hätte. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank dankte Ackermann für seine Bereitschaft, durch die Zahlung des Geldbetrags das Ende des Prozesses ermöglicht zu haben. Aufsichtsratschef erleichtert Aufsichtsratschef Clemens Börsig meinte, Ackermann könne nun "mit voller Kraft den erfolgreichen Kurs der Deutschen Bank" weiterführen. Der Kammer war nach den Worten von Drees bewusst, dass die Höhe der Auflagen nicht die Beträge erreicht, die einzelnen Angeklagten zugeflossen sind. Dies sei aber vor allem deshalb gerechtfertigt, weil Vodafone sich mit den Zahlungen einverstanden erklärt hatte.
Gegen millionenschwere Geldauflagen ist der Düsseldorfer Mannesmann-Prozess eingestellt worden. Der Vorsitzende Richter Stefan Drees widersprach Vermutungen, die Angeklagten hätten sich frei gekauft.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mannesmann-prozess-endet-ohne-urteil-kein-handel-mit-der-gerechtigkeit-1.903901
"Mannesmann-Prozess endet ohne Urteil - ""Kein Handel mit der Gerechtigkeit"""
00/05/2010
Immer mehr Steuergeld fließen in die öffentlichen Kassen: Finanzminister Steinbrück wird wohl nur noch eine geschätzte Defizitquote von 1,2 Prozent für das laufende Jahr nach Brüssel melden. Der Grund: Die gute Konjunktur. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) will für 2007 ein erwartetes Staatsdefizit von 1,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes an die EU-Kommission melden. Das teilte er im Haushaltsausschuss des Bundestages am Mittwoch in Berlin mit. Detailansicht öffnen Finanzminister Peer Steinbrück (Foto: Foto: dpa) Das wäre ein Rückgang um 0,5 Prozentpunkte gegenüber dem vergangenen Jahr und ein ehrgeizigeres Ziel als bisher angestrebt. Die Minderung wäre zugleich ein deutlicher Schritt in Richtung eines ausgeglichenen Etats im Gesamtstaat. Anhaltender Wirtschaftsaufschwung Ursache für die günstigere Entwicklung sind der anhaltende Wirtschaftsaufschwung sowie zusätzliche Steuereinnahmen in Milliardenhöhe für die öffentlichen Kassen. Zudem sorgt die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt für Entlastung der Sozialkassen. Der neue prognostizierte Defizitwert, den Berlin regelmäßig an Brüssel melden muss, basiert allerdings noch auf der November- Steuerschätzung. Die zuletzt deutlich positivere Entwicklung spiegelt sich in der neuen Defizitprognose also noch nicht wider. Die nächste Steuerschätzung ist für Anfang Mai geplant. Vorgaben des Euro-Stabilitätspaktes erfüllt Bisher hatte Steinbrück für 2007 mit einem Staatsdefizit von 1,5 Prozent geplant. Nachdem sich die Defizitquote aber schon im vergangenen Jahr auf 1,7 Prozent fast halbiert hatte, steht für 2007 eine Nachbesserung der Pläne an. Mit einem Rückgang auf 1,2 Prozent erfüllt Steinbrück die Vorgaben des Euro-Stabilitätspaktes. Danach muss das um Konjunktureinflüsse und Sondereffekte bereinigte Strukturdefizit jährlich um mehr als 0,5 Prozentpunkte gedrückt werden. Steinbrück hatte nicht ausgeschlossen, dass am Ende des Jahres das Defizit stärker als um 0,5 Prozentpunkte gesenkt werden könnte. Für wann er einen ausgeglichenen Etat anpeilt, lässt er offen. Ökonomen sowie Institute erwarten dies bereits Ende 2009 oder im Jahr 2010. Defizite schneller abbauen Die 13 Finanzminister des Euro-Währungsraumes hatten sich zu Wochenbeginn in Brüssel darauf verständigt, angesichts des Wirtschaftsbooms Defizite schneller abzubauen. Steinbrück hatte aber klargestellt, dass es in der Euro-Gruppe keine Beschlusslage gegeben habe, nach der ein Mitgliedsland quasi gezwungen sei, über die jährlich 0,5 Prozentpunkte hinaus mehr zu tun. EU-Währungskommissar Joaquín Almunia kritisiert, dass Deutschland 2008 wegen der Unternehmensteuerreform und der damit verbundenen Einnahmeverluste bisher keinen weiteren Rückgang des "Strukturdefizits" geplant habe. Deutschland hatte bis 2005 vier mal in Folge gegen den Euro- Stabilitätspakt verstoßen, da das Defizit deutlich über der Drei- Prozent-Obergrenze gelegen hatte. Nach dem guten Ergebnis im vergangenen Jahr soll das Strafverfahren gegen Deutschland aber bis spätestens Ende Juni eingestellt werden.
Immer mehr Steuergeld fließen in die öffentlichen Kassen: Finanzminister Steinbrück wird wohl nur noch eine geschätzte Defizitquote von 1,2 Prozent für das laufende Jahr nach Brüssel melden. Der Grund: Die gute Konjunktur.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/oeffentliche-verschuldung-steinbrueck-haben-staatsdefizit-auf-1-2-prozent-gedrueckt-1.917320
Öffentliche Verschuldung - Steinbrück: Haben Staatsdefizit auf 1,2 Prozent gedrückt
00/05/2010
Seine Medienerfahrung macht ihn offenbar interessant. Wirtschaftsanwalt Michel Friedman soll nun die Unternehmensentwicklung des weltweit tätigen Toilettenherstellers Wall AG voran bringen. Die Werbefirma Wall hat sich den früheren Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, als Aufsichtsrat ins Unternehmen geholt. Der ehemalige Fernsehmoderator wurde am Donnerstag auf der Hauptversammlung der Wall AG in Berlin in das Kontrollgremium gewählt. Für den Wirtschaftsanwalt ist dies der erste neue Posten seit seinem Rücktritt in Folge der Kokain-Affäre. Die Wall AG stellt in Innenstädten Infotafeln, Warte- und Toilettenhäuschen auf. Die Werbeflächen werden dann vermietet. Neben Friedman rückten auch der Rentenexperte Meinhard Miegel sowie der frühere Chef der Berliner Stadtreinigung, Peter von Dierkes, in den Aufsichtsrat nach. Umsatz im ersten Halbjahr gesteigert Trotz Werbeflaute hatte der Außenwerber und Stadtmöblierer seinen Umsatz im ersten Halbjahr steigern können. Auf dem deutschen Heimatmarkt kam die Wall AG auf Werbeerlöse von 35,1 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Plus von elf Prozent. Die Auslandsumsätze blieben mit 10,2 Millionen Euro unverändert. Das Unternehmen ist über Deutschland hinaus in Großstädten wie Moskau, Amsterdam oder Istanbul aktiv. Zum Betriebsergebnis der ersten sechs Monate machte Wall keine Angaben. Das Unternehmen für Außenwerbung erhofft sich mit den neuen Leuten einen "konstruktiven Diskussionsprozess über die weitere Unternehmensentwicklung" und freue sich, dafür renommierte Aufsichtsräte gewonnen zu haben, erklärte Vorstandschef Hans Wall. "Von ihrer außerordentlichen Kompetenz in Wirtschafts-, Medien- und Gesellschaftsfragen wird das Unternehmen profitieren."
Seine Medienerfahrung macht ihn offenbar interessant. Wirtschaftsanwalt Michel Friedman soll nun die Unternehmensentwicklung des weltweit tätigen Toilettenherstellers Wall AG voran bringen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aufsichtsrat-bei-wall-ag-friedman-in-neuer-position-1.903009
Aufsichtsrat bei Wall AG - Friedman in neuer Position
00/05/2010
Der Staat erhält die Quittung für die immer unübersichtlichere Gesetzgebung: Überall im Land blühen die legalen und illegalen Steuervermeidungsstrategien. (SZ vom 17.09.03) - Den Politikern kommt das Thema gerade recht. Unanständig sei das Verhalten von Borussia Dortmund, wird landauf landab gewettert. Der Bundesliga-Verein gewährt seinen Millionen-Kickern einen Teil der Bezüge als Ausgleich für Sonntags- oder Nachtarbeit, womit sie steuerfrei sind. Eine zugegebenermaßen legale Regelung des Einkommensteuergesetzes, die aber "für hart arbeitende Bürgerinnen und Bürger geschaffen worden ist und nicht für Fußball-Millionäre", so CSU-Chef Edmund Stoiber fünf Tage vor der Landtagswahl in Bayern. Doch die Steuergestaltung der Dortmunder, die auch von anderen Vereinen aufgegriffen wurde, ist nicht ungewöhnlich. Überall im Land und neuerdings deutlich verstärkt, versuchen Steuerzahler und ihre Berater mit Tricks die Steuerlast zu senken. Hart an der Grenze zum Verbotenen Von "Steuerakrobatik" spricht Dieter Ondracek, Vorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft und als Sprecher der Mitarbeiter in den Finanzämtern einer der besten Kenner der Steuerpraxis in Deutschland: legale Maßnahmen, aber teilweise hart an der Grenze zum Verbotenen. Seit etwa zweieinhalb Jahren, beobachtet Ondracek, "seit dieser Hektik in der Steuergesetzgebung", habe die Spitzfindigkeit der Steuerzahler massiv zugenommen. So habe namentlich die Begrenzung der Verlustverrechnung, die eigentlich die Steuerakrobatik einschränken sollte, viele erst hellhörig gemacht. Seitdem werde "jeder Winkel durchforstet und jeder Grenzbereich, der bisher noch tabu war". Erfolg dabei hat, wer gut (und häufig teuer) beraten ist. Auch bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung bestehe eine Versuchung, Kosten aus der privaten Konsumsphäre in den Vermietungsbereich zu verlagern, berichtet Thomas Eigenthaler, Leiter eines Stuttgarter Finanzamtes. Konstruierte Vermietungsverhältnisse "Entsprechend werden Vermietungsverhältnisse, etwa mit dem Lebenspartner, konstruiert." Dieser Trend werde durch den geplanten Wegfall der Eigenheimzulage noch verstärkt. Zu beobachten seien ferner fingierte Beschäftigungsverhältnisse. Folgenreich ist auch, besonders in Süddeutschland, die Verlagerung von Konzernzentralen ins Ausland, etwa in die Schweiz. Leitende Angestellte ziehen dann pro forma mit, um die dortigen niedrigeren Steuersätze in Anspruch zu nehmen, obwohl Familie und Lebensmittelpunkt in Deutschland bleiben. Im Ergebnis kosten diese und andere Praktiken den Fiskus zehn bis 20 Milliarden Euro, schätzt Ondracek; zusätzlich zu den 60 bis 70 Milliarden Euro durch Steuerhinterziehung. "Die in der Öffentlichkeit diskutierten Fälle sind nur die Spitze des Eisbergs", sagt Ondracek. Der Staat müsse sich darüber nicht wundern: 36 komplizierte Steueränderungsgesetze habe es in der vergangenen Legislaturperiode gegeben, und allein im laufenden Jahr schon wieder fünf. Der Sprecher der Finanzbeamten fordert deshalb eine grundlegende Vereinfachung des deutschen Steuerrechts, wie sie etwa der frühere Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof in Heidelberg im Auftrag einiger Bundesländer derzeit vorbereitet. 23 Paragrafen Kirchhof hat ein für Bürger und Unternehmen gleichermaßen geltendes Einkommensteuerrecht aus 23 Paragrafen bereits fertiggestellt und feilt nun an Regeln der Gewinnermittlung. Beide Texte sollen noch 2003 präsentiert werden. Kirchhof will das Steuerrecht radikal vereinfachen, fast alle Steuervergünstigungen streichen, dafür aber die Steuersätze radikal senken. Auch die Opposition im Bundestag wird aktiv. Die FDP will in Kürze ein eigenes Steuermodell vorstellen. Die Union würde sich gerne mit Kirchhof schmücken, hüllt sich aber in Gestalt ihres Steuerexperten Friedrich Merz (CDU) noch in tiefes Schweigen. Der Bundesfinanzminister wiederum hat für diese Vorhaben wenig übrig. Er habe das Steuerrecht in den vergangenen Jahren doch bereits deutlich vereinfacht, sagt Hans Eichel (SPD) und sieht keinen Handlungsbedarf.
Der Staat erhält die Quittung für die immer unübersichtlichere Gesetzgebung: Überall im Land blühen die legalen und illegalen Steuervermeidungsstrategien.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gesetzesdschungel-hochkonjunktur-fuer-steuerakrobaten-1.905932
Gesetzesdschungel - Hochkonjunktur für Steuerakrobaten
00/05/2010
Die Telekom als neuer Großhelfer - und Namenssponsor - der Bundesliga: erste Medienaufseher warnen vor der Daueroffensive auf dem Rasen. Am Freitag zog es die Allgewaltigen des deutschen Fußballs nach Mönchengladbach. Es ging nicht nur um die Leistung der deutschen Nationalkicker gegen die kolumbianische Konkurrenz, sondern auch um die Auswertung der nächsten Bundesliga-Saison in den elektronischen Medien. Detailansicht öffnen Die Telekom: nicht nur Hauptsponsor der WM, sondern auch bald der gesamten Bundesliga. (Foto: Foto: ddp) In hektischen Telefonaten und Sitzungen hatten der Rechtebesitzer Deutsche Fußball-Liga (DFL) und die Rechtekäufer - Arena und Deutsche Telekom - um eine Lösung ihres monatelangen Streits gelungen. Die Einigung ist nur noch Formsache - und doch ziehen schon ganz andere, medienpolitische Probleme auf. In den Mittelpunkt rückt die Macht der Telekom mit ihren Aktivitäten T-Com (Netze) und T-Online. Denn der Bonner Konzern soll im Zuge des Agreements die Bundesliga nicht nur im eigenen Internet-Fernsehen (IP-TV), sondern auch auf den Handys von T-Mobile zeigen dürfen. Zudem ist die Telekom als Namenssponsor für die Liga eingeplant - eine Daueroffensive auf dem Rasen, der einigen Rivalen, aber auch manchen Aufsehern in den Landesmedienanstalten missfällt. Vor einem privilegierten Zugang zu Netz und Inhalten warnt zum Beispiel der Berliner Medienwächter Hans Hege (siehe Interview). Wie die Zukunft im deutschen Fußball aussehen wird, davon kündete etwa die Freitag-Ausgabe von Bild. Da präsentierte T-Com - das große T wie immer in Magenta - die Aufstellung der deutschen Nationalelf vor dem Kolumbien-Match. Wann immer künftig im Free-TV der Tabellenstand der Bundesliga eingeblendet wird, müssten die Zuschauer wohl das rosa T sehen. Die Moderatoren von Sportschau (ARD) und Sportstudio (ZDF) würden selbstverständlich stets von der "T-Com-Liga" reden. Die Sportschau als kommerzieller Transporteur? Auch "Telekom-Liga" oder "T-System-Liga" ist noch im Gespräch. In einzelnen Gremien der ARD, beispielsweise im Verwaltungsrat des WDR, wurden bereits Vorbehalte gegen den eigenen Deal mit der DFL festgehalten. Es stößt auf Kritik, dass die Sportschau somit zum kommerziellen Transporteur würde - und auch noch Werbung für einen Konkurrenten mache. Die Telekom will mit der Bundesliga ihr neues eigenes Mediensystem für Telefon, Internet und Fernsehen fördern. Hierzu gehört ein derzeit verlegtes Glasfasernetz (V-DSL) sowie neue digitale Zusatzempfangsgeräte ("Decoder"). Kabel, Satellit und das digitale Antennen-TV bekommen Konkurrenz. Ursprünglich hatte Telekom-Vorstand Walter Raizner zum Schrecken der Fußball-Branche ins Spiel gebracht, die Bundesliga via IP-TV auch über Kabel und Satellit in viele deutsche Haushalte zu bringen - das hätte die Live-Rechte des Pay-TV-Neulings Arena gefährdet, der dafür 240 Millionen Euro im Jahr zahlt. Doch nun ist bei der Telekom von Kabel und Satellit nicht mehr die Rede. Für die neue Zurückhaltung bekommt der Konzern von der DFL hintenrum Rabatte für weitere Lizenzen. So war bei den Verhandlungen für die Namensrechte zunächst ein Preis von 140 Millionen Euro auf drei Jahre im Gespräch gewesen; die Telekom bot zunächst 51 Millionen, ehe sie dann offenbar aufstockte. Am Ende werden es wohl weniger als 100 Millionen sein. Und bei den Mobilfunkrechten bot die Firma O2 dem Vernehmen nach 14 Millionen Euro jährlich, wohingegen T-Mobile den Zuschlag für rund fünf Millionen bekommen könnte. Premiere bot die höchste Summe Die Profiklubs kassieren hier also weniger Geld als geplant. Dafür wäre dann die Telekom im eigenen Boot - wenn auch nicht deren Partner Premiere. Der Abo-Fernsehbetrieb bereitet die Bundesliga redaktionell dem T-Konzern auf und hilft mit der eigenen rundfunkrechtlichen Lizenz aus. Vorstandschef Georg Kofler fühlt sich von der DFL getäuscht, da für IP-TV auch die Ausstrahlung per Kabel und Satellit erlaubt worden sei. Premiere habe die höchste Summe geboten - nun will er juristisch gegen die Fußball-Vertreter vorgehen. Erst einmal aber erließ das Landgericht Hamburg, auf Antrag von Arena, eine einstweilige Verfügung: Danach darf Premiere nicht damit werben, auch in der nächsten Bundesliga-Saison alle Spiele live zu zeigen und muss darauf verweisen, dass für den Empfang ein spezieller Anschlus der Telekom vonnöten ist. Weitgehend beigelegt scheint der Konflikt zwischen Telekom und Arena. Eigene IP-TV-Rechte will Arena offenbar nur noch im Kabelnetz einsetzen. Aus Kreisen der Telekom heißt es lediglich, es würden "verschiedene Pakete geschnürt". Ziel sei es, eine Gesamtlösung hinzubekommen, bevor das Spiel der Deutschen mit Costa Rica angepfiffen werde - bevor also am kommenden Freitag der ganz große Fußball der Weltmeisterschaft zu sehen ist.
Die Telekom als neuer Großhelfer - und Namenssponsor - der Bundesliga: erste Medienaufseher warnen vor der Daueroffensive auf dem Rasen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundesliga-telekom-liga-die-welt-in-rosarot-1.900054
Bundesliga=Telekom-Liga? - Die Welt in rosarot
00/05/2010
Vor zehn Jahren begann der Abstieg des Disney-Konzerns. Zudem gibt Probleme mit dem Management. So ändern sich die Zeiten. 1997 noch, vor knapp sieben Jahren also, war bei Comcast das Geld so knapp, dass Vorstandschef Ralph Roberts froh war, als Microsoft auf seine Anregung hin mit zehn Prozent einstieg. Währenddessen kaufte der stolze Disney-Konzern im selben Jahr die Mediengruppe Capital Cities/ABC. Doch seither ist es bei dem Kabelbetreiber ständig aufwärts gegangen, während beim Medienriesen die Probleme zutage traten, die ihn heute zum Übernahmekandidaten machen. Der Beginn von Disneys Abstieg lässt sich nur schwer festmachen. Anfang vom Ende Nach außen hin stand der Konzern noch 2000 glänzend da; die Aktie war damals auf ihrem Höhepunkt, die Börse bewertete den Konzern mit 90 Milliarden Dollar. Doch schon damals war der Gewinn gegenüber 1997 um 30 Prozent gesunken. Viele sehen den Anfang vom Ende sogar im Jahr 1994. Damals starb Präsident Frank Wells, der ruhende Gegenpol zum oft schwierigen und selbstherrlichen Konzernboss Michael Eisner. Schon von da an, sagen etwa die prominentesten Eisner-Kritiker Roy Disney und Stanley Gold, habe das Unternehmen schlecht ausgesehen. Kurz darauf verlor Disney einen zweiten wichtigen Mitarbeiter: Jeffrey Katzenberg verließ enttäuscht das Unternehmen, als er bei der Nachfolge von Wells übergangen wurde. Der Aderlass traf die Firma schwer. Wer wird Millionär? Der Kauf von ABC hat sich bislang auch nicht als sonderlich glücklich erwiesen. Zwar rundete der Sender das Portfolio des zweitgrößten Medienkonzerns ab, doch haben die Disney-Oberen bei der Führung der Gruppe wenig Geschick bewiesen. Kurzfristig feierte ABC strahlende Erfolge mit der Quizsendung "Wer möchte Millionär werden". Mehr fiel Disneys Leuten nicht ein; Sie melkten die Millionärsshow so lange, bis auch der letzte Zuschauer abgewandert war. Zeitweise lief sie viermal wöchentlich; kurz darauf musste ABC sie absetzen. Es spricht für die Ratlosigkeit der Fernsehbosse, dass sie die Sendung Ende Februar wieder aufleben lassen wollen. Die einstige Nummer eins unter den Fernsehnetzen kämpft mit Verlusten und schlechten Quoten. ABCs Bilanz bei Serien, den Stützen der amerikanischen Fernsehprogramme, ist miserabel, es hat seit Jahren in der Kategorie Drama keinen Erfolg produziert. Bei den Komödien gab es einen einzigen: Eight simple rules for dating my teenage daughter. Die Sitcom schlug trotz schlechter Kritiken und wenig lustiger Drehbücher ein, vor allem dank ihres Hauptdarstellers John Ritter. Für Disney war es ein schwerer Schlag, als Ritter im Herbst starb. Die Serie läuft trotzdem weiter - viele Alternativen hatte ABC wohl nicht. Schwächen und Pech Auch bei den Vergnügungsparks kommen Managementschwächen und Pech zusammen. Die Parks kämpfen vor allem seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 mit sinkenden Besucherzahlen. Insgesamt hatten die Terroristen das "magische Königreich" schlimmer getroffen als andere Medienkonzerne - schon 2001 kursierten die Spekulationen, Disney könnte zum Übernahmekandidaten werden. Ein wenig haben sich Gewinne und Aktie in jüngerer Zeit allerdings erholt. Die neuen Ergebnisse stehen zwar noch aus, doch zumindest im Herbst konnte Eisner Zuwächse präsentieren. Der Fernseh-Werbemarkt hatte sich gefangen, die Buchungen für die Vergnügungsparks waren gestiegen, die Filmsparte feierte im vergangenen Jahr, unter anderem mit Piraten der Karibik, sogar große Erfolge. Doch ausgerechnet sie hat in letzter Zeit für negative Schlagzeilen gesorgt. Die Allianz mit Pixar, dem Studio für computer-animierte Zeichentrickfilme, dürfte endgültig gescheitert sein. Das ist schlecht für Disney, ein Unternehmen das mit seinen Cartoons groß geworden ist, dessen Zeichentrickfilme heutzutage aber nur noch gelegentlich den Geschmack des Publikums treffen. Treasure Planet etwa war ein gigantischer Flop. Die Kooperation mit Pixar hingegen sorgte für einen stetigen Strom von Erfolgen. Der Neffe warnte Kritiker geben Michael Eisner einen guten Teil der Schuld daran, dass das Bündnis geplatzt ist: Er hatte Pixar und dessen nicht ganz einfachen Chef, Apple-Gründer Steve Jobs nicht pfleglich genug behandelt. Davor hatte Gründerneffe Roy, der bis zu seinem Rücktritt im Herbst Chef der Zeichentricksparte war, oft genug gewarnt. Roy Disneys Einsatz für die Absetzung Eisners und einen weniger willfährigen Aufsichtsrat galt bislang als ziemlich aussichtslos. Sollte sich Comcast durchsetzen, könnte er ganz unverhofft seine Ziele doch noch erreichen.
Vor zehn Jahren begann der Abstieg des Disney-Konzerns. Zudem gibt Probleme mit dem Management.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/disney-wenn-der-zauber-verfliegt-1.914855
Disney - Wenn der Zauber verfliegt
00/05/2010
Im Januar haben vier Millionen Menschen das neue Arbeitslosengeld II erhalten - und nicht bloß 3,2 Millionen. Dies trug erheblich dazu bei, dass die offizielle Zahl der Arbeitslosen insgesamt auf über fünf Millionen stieg. Die unerwartet hohe Zahl von Beziehern des neuen Arbeitslosengeld II überraschte selbst die Regierung; dies trug entscheidend dazu bei, das im Januar erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik die Marke von fünf Millionen Arbeitslosen überschritten wurde. Detailansicht öffnen Wirtschaftsminister Clements Hoffnungen gingen zunächst nicht auf: Mehr Menschen als erwartet beziehen ALG II. (Foto: Foto: dpa) Noch bis Mitte letzter Woche hatte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) gehofft, unterhalb dieser Schwelle bleiben zu können. Tatsächlich fanden im Januar jedoch exakt 5,037 Millionen Menschen in Deutschland keinen Job, darunter über 230.000 ehemalige Sozialhilfeempfänger, die als erwerbsfähig gelten und erstmals in der offiziellen Statistik auftauchen. Dies ist die höchste Arbeitslosigkeit seit 1933. Die Bundesagentur für Arbeit hatte zuvor mitgeteilt, dass im Januar bei einer Quote von 12,1 Prozent 573.000 mehr Menschen arbeitslos waren als einen Monat zuvor. Fast so schlimm wie in den 30-er Jahren Von Dezember 1931 bis zum Mai 1933 waren im Deutschen Reich mehr als fünf Millionen Arbeitslose registriert, im Februar wurde mit 6,128 Millionen Jobsuchenden ein Höchsstand erreicht. Clement räumte ein, dass - wenn man auch die Menschen in Ausbildungsprogrammen, Arbeitbeschaffungsmaßnahmen und im Vorruhestand mitzähle - hätten in Deutschland sogar etwa 6,5 Millionen Menschen "gravierende Probleme am Arbeitsmarkt". Clement erklärte, dass er im Februar einen weiteren Anstieg der Arbeitslosenzahlen erwartet. Er sprach von "erschreckenden" Daten. "Chancenkiller für viele Menschen" Die Opposition warf der Regierung vor, mit ihren Reformen gescheitert zu sein. CDU-Generalsekretär Volker Kauder erklärte, Kanzler Gerhard Schröder sei ein "Chancenkiller für viele Menschen in diesem Land". Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sagte, Rot-Grün habe "bei der Kernaufgabe für Deutschland, Wachstum und Arbeit zu schaffen, auf der ganzen Linie versagt wie noch keine Regierung zuvor". FDP-Chef Guido Westerwelle verlangte Neuwahlen.
Im Januar haben vier Millionen Menschen das neue Arbeitslosengeld II erhalten - und nicht bloß 3,2 Millionen. Dies trug erheblich dazu bei, dass die offizielle Zahl der Arbeitslosen insgesamt auf über fünf Millionen stieg.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fuenf-millionen-registrierte-arbeitslose-regierung-hat-sich-bei-hartz-iv-verrechnet-1.900928
Fünf Millionen registrierte Arbeitslose - Regierung hat sich bei Hartz IV verrechnet
00/05/2010
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer hat sich angesichts der Kürzungen von Betriebsrenten durch Unternehmen für gesetzliche Regelungen ausgesprochen. Im ZDF sagte er, man brauche eine gesetzliche Grundlage für die Stabilität und Sicherheit der Betriebsrenten. Böhmer konkretisierte seine Forderung allerdings nicht. Auch sein nordrhein-westfälischer Kollege Peer Steinbrück schließt eine Initiative des Gesetzgebers nicht aus. Ob sich Regierung und Opposition in diesem Jahr auf eine große Steuerreform einigen können, nannten beide ungewiss. Unterdessen rechnet die Industrie mit weiteren Kündigungen von Betriebsrentenvereinbarungen. "Das wird kein Einzelfall bleiben", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, am Freitag in Berlin mit Blick auf das Vorgehen der Commerzbank und des Gerling-Konzerns. "Starre gesetzliche Vorgaben" "So lange die Personalnebenkosten so hoch sind wie sie sind, wird das auch weitergehen." Rogowski forderte die Bundesregierung auf, die starren gesetzlichen Vorgaben zur Betriebsrente abzuschaffen. Die gesetzgeberisch vorgeschriebene Verpflichtung für die Firmen, die Betriebsrenten alle drei Jahre an die Inflations- oder die Nettolohnentwicklung anzupassen, müsse gestrichen werden, verlangte der BDI-Chef. Diese Vorschrift sei wesentlich verantwortlich für die Korrekturen bei den Betriebsrenten. "Das ist vielen über die Unterlippe gewachsen." Wenn das Betriebsrentengesetz nicht geändert werde, würden weitere Unternehmen ihre Systeme drastisch kürzen oder gar - wie die Commerzbank - ganz aufkündigen. Schon in den 90er Jahren hätten viele Firmen ihre Betriebsrentenvereinbarungen deutlich zurückgefahren oder beendet, sagte Rogowski. "Das hat nur nicht so sehr für Furore gesorgt, weil es weniger spektakuläre Fälle waren." "Häufig explodiert" Die Vorschrift zur Anpassung der betrieblichen Rente an die Inflationsrate oder die Lohnsteigerungen, aber auch dynamische Regelungen für spätere Rentenansprüche seien Hauptursachen dafür, dass "die Systeme häufig explodierten". Der Zwang zur Erhöhung bestehe nur dann nicht, wenn das Unternehmen finanziell schwer angeschlagen sei. Doch müssten die Anpassungen nachgeholt werden, wenn es dem Betrieb wieder besser gehe, was wiederum zu Belastungen führe. Die Betriebsrentenregelungen böten den Unternehmen die Möglichkeit, "ihre Personalkosten wenigstens partiell zu beeinflussen. Das haben schon viele genutzt." Belastet worden seien viele betriebliche Rentensysteme auch durch das Regelungen, wonach Arbeitnehmern ein bestimmter Prozentsatz ihres letzten Einkommens als Betriebsrente garantiert werde. "Damit ist eine automatische Dynamisierung eingebaut." Als Konsequenz daraus seien viele Unternehmen dazu übergegangen, "nur noch einen fixen Beitrag in das System einzuspeisen".
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer hat sich angesichts der Kürzungen von Betriebsrenten durch Unternehmen für gesetzliche Regelungen ausgesprochen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/betriebsrenten-hilferuf-nach-dem-gesetzgeber-1.903987
Betriebsrenten - Hilferuf nach dem Gesetzgeber
00/05/2010
Die Karlsruher Richter haben ARD und ZDF den Rücken gestärkt. Nach der langwierigen Diskussion über die Gebührenfinanzierung müssen die Öffentlich-Rechtlichen die Skeptiker jetzt mit Qualität überzeugen. Neulich sprachen Fritz Raff und Markus Schächter bei der Internationalen Funkausstellung in Berlin von den schönen neuen digitalen Welten ihrer Sender. Viel Wunderbares trugen der ARD-Vorsitzende und der ZDF-Intendant da im Backsteinhäuschen mit der Aufschrift "Funklounge" dem Publikum vor: das Angebot der Digitalkanäle, Abruf-TV im Internet, hochauflösendes HDTV-Fernsehen. Detailansicht öffnen Hoffnungsträger: Anne Will und Frank Plasberg sollen das Image der Öffentlich-Rechtlichen retten. (Foto: Foto: AP) Vieles, wovon die Privatsender meinen, dass es den Öffentlich-Rechtlichen nicht erlaubt sei. Wenn Raff und Schächter dieser Tage auf solche Fragen manchmal wenig einfühlsam antworten, dann hat das womöglich mit den vergangenen drei Jahren zu tun, in denen ihnen das Recht auf fast alles abgesprochen wurde, was ihre Sender so tun. Am Tiefpunkt dieser für ARD und ZDF gefährlichen Legitimationskrise stellte die Wettbewerbskommission in Brüssel auf Betreiben der Privatsenderlobby das öffentlich-rechtliche Finanzierungssystem komplett in Frage. Zuhause in Deutschland forderten die Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU), Georg Milbradt (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) in einem als SMS-Papier bekannt gewordenen Planspiel öffentlich die Streichung von Digitalkanälen und des Kultursenders Arte. Außerdem verlangten sie erhebliche Gebührenkürzungen und den Verzicht auf teure Sportrechtekäufe. Rückendeckung für Verlassene Es war in vielerlei Hinsicht eine gute Zeit für Privatsender: Auf dem Höhepunkt der Erregung machte der Medienunternehmer Haim Saban im Herbst 2004 sogar Platz auf seinem Sender Sat1 für eine Talkshow, in der unter anderem Thomas Gottschalk, Günther Jauch, der damalige Premiere-Boss Georg Kofler und Klaus Wowereit über die Gebühren streiten sollten. Zu sehen war eher ein Gespräch höflicher Entertainer, zum Showdown kam es in Sabans Schau nicht. Wenn man so will, wurde der jetzt im Urteil von Karlsruhe nachgeholt. Die Rundfunkgebühr sei kein Instrument, um die Rundfunkordnung zu steuern, stellten die Richter fest und sie setzten hohe Hürden für eine Abweichung der Gebührenbewilligung durch die Länder von den Vorgaben der unabhängigen KEF. Das Urteil fiel viel entschiedener aus, als es ARD und ZDF zu hoffen gewagt hatten. Das ist für die Sender umso wichtiger, als im Herbst die Gespräche zur neuen Gebührenrunde beginnen. Der Zeitpunkt passt also hervorragend. Tatsächlich spielt sich die dramatische Geschichte vom Imageverlust momentan eher auf der Seite der Privatsender ab. Nach dem Verkauf der einst stark kreativen Pro-Sieben-Gruppe an die Finanzinvestoren von KKR und Permira geht zum Beispiel in diesen Medienunternehmen die Phantasie nicht mehr so auf Reisen. Dafür müssen andere auf Reisen gehen, zum Beispiel der Sat-1-Nachrichten-Anchorman Thomas Kausch zu Arte nach Straßburg - ein krasser Jobwechsel. In dieser Lage kommt die Planungssicherheit aus Karlsruhe den Öffentlich-Rechtlichen wie gerufen. Zumal auch das Verfahren aus Brüssel seit April unter Auflagen eingestellt ist. Brüssel verlangt klare Profilabgrenzung von den Kommerzsendern: Transparenz, Besinnung auf den Grundauftrag und gesellschaftlichen Mehrwert. Das unterstützt diejenigen in den Sendern, die ohnehin fanden, dass die Quotenkonkurrenz mit den Privaten nur dazu geführt habe, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen längst in zu seichte Gewässer begaben, wo zwar niemand ertrinkt, aber fette Schiffe wie ARD und ZDF auch nicht schwimmen können. Alle schauen auf Anne Will Man kann die Krise der vergangenen Jahre an solchen Fehlern festmachen, auch an Schleichwerbung oder am Kauf überteuerter Sportrechte. Man kann aber auch voraussehen, dass jetzt offenbar die Öffentlich-Rechtlichen bald wieder obenauf sind. Auch weil ihnen die Digitalisierung erlaubt, ihr Programmpotenzial voll auszuspielen - mit gebührenfinanzierter Planungssicherheit und zum großen Verdruss der Verlegerverbände und Privatsender. Deren Verband VPRT fordert nach dem Gebührenurteil einen "klaren Rahmen" für den Grundversorgungsauftrag. Karlsruhe dürfe kein "Freibrief für eine ungehinderte digitale Expansion" sein. Darüber, wie nach Brüsseler Vorgabe die Digitalsender und Online-Angebote von ARD und ZDF wettbewerbsfair gestaltet werden, laufen derzeit Gespräche mit den Ländern. Sicher ist: Nach dem Ende der Gebührendebatte müssen die Sender eine Qualitätsdebatte führen. Auch aus diesem Grund sind mit den neuen Sendungen von Anne Will und Frank Plasberg in der ARD hohe Erwartungen verbunden. Markus Schächter sagte in Berlin: "In den nächsten 30 bis 40 Wochen wird über die Zukunft des dualen Systems entschieden."
Die Karlsruher Richter haben ARD und ZDF den Rücken gestärkt. Nach der langwierigen Diskussion über die Gebührenfinanzierung müssen die Öffentlich-Rechtlichen die Skeptiker jetzt mit Qualität überzeugen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-dem-gebuehren-urteil-nun-ist-phantasie-gefragt-1.878473
Nach dem Gebühren-Urteil - Nun ist Phantasie gefragt
00/05/2010
Seit 6 Uhr geht nichts mehr für die Passagiere der Gesellschaft. Am Vormittag stellte sie einen Insolvenzantrag. Mehr als 8.500 Passagiere sitzen fest, etwa 4.000 davon im Ausland. Wie das Unternehmen mitteilte, lehnte die Bayerische Landesbank als Mehrheitsgesellschafter ein Sanierungskonzept für die Fluglinie ab. Aero Lloyd fliegt für zahlreiche Tourismusveranstalter. Das Unternehmen mit 1400 Mitarbeitern hat nach eigenen Angaben einen Marktanteil von zwölf Prozent am deutschen Ferienfluggeschäft. Im vergangenen Jahr flogen rund 3,5 Millionen Passagiere mit der Fluggesellschaft. Keine Sanierungsmaßnahmen geplant Trotz eines auf drei Jahre angelegten Sanierungskonzepts habe die Bayerische Landesbank als Mehrheitsaktionär und größter Kreditgeber entschieden, "die notwendigen Kreditmaßnahmen zur Sanierung der Bilanzsituation der Aero Lloyd nicht vorzunehmen", erklärte das Unternehmen. "Damit wurde der Insolvenzfall ausgelöst." Aero Lloyd hat seit Anfang Juni eine neue Geschäftsführung. Diese habe mit der Unternehmensberatung Roland Berger einen Sanierungsplan mit einer positiven Fortführungsprognose ausgearbeitet, "die in absehbarer Zeit Gewinne auswies". Dazu hätten allerdings die bilanziellen Altlasten saniert werden müssen. Bank zur Übernahme der Altlasten nicht bereit Voraussetzung für das Überleben der Airline sei es gewesen, "einen Schnitt zu machen", sagte Firmensprecher Asger Schubert. Zur Übernahme der Altlasten sei die Bank aber nicht bereit gewesen. Betroffen von der Pleite waren dem Unternehmen zufolge am Donnerstag Flüge von den Flughäfen Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München und Wien. Die Ziele liegen dabei vor allem in Ägypten, aber auch in Griechenland, der Türkei und Spanien. Die Airline flog rund 60 Ferienziele in 13 Ländern an. Kunden können sich unter der Service-Nummer 06171-625200 informieren. Aero Lloyd werde sich bemühen, "im Rahmen der ihr verbleibenden Möglichkeiten gemeinsam mit den touristischen Partnern für die Rückholung von im Ausland befindlichen Kunden zu sorgen". Allerdings seien dem Unternehmen durch den Insolvenzantrag "die Hände gebunden". So dürfe Aero Lloyd keine neuen Verträge abschließen, um etwa Flugzeuge zu mieten, die die betroffenen Passagiere nach Hause holten. Zwei Varianten für Schadenersatzansprüche Für mögliche Schadenersatzansprüche gibt es der Airline zufolge zwei Varianten: Wer über einen Veranstalter gebucht habe, müsse sich an diesen wenden. Einzelplatzkunden müssten sich im Rahmen des Insolvenzverfahrens an den Insolvenzverwalter richten. Der Reiseveranstalter TUI teilte mit, bei ihm seien 500 Gäste auf dem Hinflug und 800 Gäste auf dem Rückflug betroffen. Es handele sich ausschließlich um Flüge nach Griechenland und Ägypten. Das Unternehmen setzte wegen der Pleite zwei zusätzliche Flugzeuge der Gesellschaft LTU ein, je eine Maschine werde gegen 13.00 Uhr ab München und Düsseldorf in die Urlaubsgebiete starten. Hotline für TUI-Gäste "Für weitere Gäste bemühen wir uns aktuell um eine Lösung", erklärte TUI. Gäste mit einem geplanten Aero-Lloyd-Flug in den frühen Morgenstunden seien bereits auf andere Fluggesellschaften umgebucht worden. Kunden von TUI können sich demnach unter der Hotline 0511-567 8000 über ihre Flüge informieren.
Seit 6 Uhr geht nichts mehr für die Passagiere der Gesellschaft. Am Vormittag stellte sie einen Insolvenzantrag. Mehr als 8.500 Passagiere sitzen fest, etwa 4.000 davon im Ausland.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/passagiere-sitzen-fest-fluglinie-aero-lloyd-pleite-1.901853
Passagiere sitzen fest - Fluglinie Aero Lloyd pleite
00/05/2010
Wer aus Furcht vor der Vogelgrippe Reisen in asiatische Länder umbuchen oder stornieren will, stößt bei den großen deutschen Reiseveranstaltern derzeit noch auf Ablehnung. "Wir orientieren uns an dem, was die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Auswärtige Amt sagen, und demnach gelten Reisen in die betroffenen Regionen nach wie vor als unbedenklich", sagte Mario Köpers, Sprecher des größten europäischen Reisekonzerns TUI. Detailansicht öffnen Nur bei einer gravierenden Änderung werden die Veranstalter ihre Haltung ändern. (Foto: Foto: dpa) "Deshalb akzeptieren wir keine Umbuchungen oder Stornierungen, es gelten weiter die allgemeinen Geschäftsbedingungen." Derzeit hielten sich die Anfragen besorgter Kunden aber auch "noch sehr in Grenzen", sagte Köpers. Sollte sich die Lage "gravierend ändern", werde die TUI ihre Haltung überprüfen. Ausdrückliche Warnung Auch beim Reisekonzern Thomas Cook sind wegen der Vogelgrippe "bisher keine Umbuchungen möglich", wie Sprecherin Nina Dumbert bestätigte. Als gefährlich gälten derzeit nur Besuche von Geflügelfarmen oder -märkten, die jedoch nicht Bestandteil eines normalen touristischen Programms seien. Die Reiseleiter vor Ort seien aber angewiesen, Touristen nochmals ausdrücklich vor solchen Ausflügen zu warnen. Allerdings hätten sich Reisende in Asien gegenüber den Thomas-Cook-Mitarbeitern bisher kaum besorgt gezeigt, sagte Dumbert. Keine Auswirkungen Bei den Buchungen für asiatische Reiseziele wie Thailand oder Indonesien spüren die Veranstalter beider Konzerne nach Angaben ihrer Sprecher bisher keine Auswirkungen der Vogelgrippe. "Bei den Winterbuchungen für Asien liegen wir noch leicht, bei Sommerbuchungen sogar sehr stark über dem Vorjahresniveau", sagte die Thomas-Cook-Sprecherin.
Wer aus Furcht vor der Vogelgrippe Reisen in asiatische Länder umbuchen oder stornieren will, stößt bei den großen deutschen Reiseveranstaltern derzeit noch auf Ablehnung.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vogelgrippe-reiseveranstalter-lehnen-umbuchungen-ab-1.919520
Vogelgrippe - Reiseveranstalter lehnen Umbuchungen ab
00/05/2010
Auch Reisende wollen im Internet surfen oder Emails checken. Der per Funk hergestellte Internetzugang über so genannte WLAN-Hotspots wird immer beliebter. Doch Nutzer müssen wissen, was sie wollen, sonst zahlen sie unnötig drauf. Das Geschäft mit Hotspots boomt. Sich mit seinem eigenen Notebook oder elektronischen Organizer (PDA) einfach an einen Tisch zu setzen und sofort Webseiten oder E-Mails abrufen zu können, klingt einfach und bequem. Detailansicht öffnen Ein Geschäftsmann surft am Düsseldorfer Hauptbahnhof im Internet. (Foto: Foto: ddp) Die meisten Flugplätze, großen Hotels und Bahnhöfe sind hierzulande und in den europäischen Metropolen bereits nahezu lückenlos mit dem kabellosen Internetzugang abgedeckt, immer mehr Restaurants und Cafés ziehen nach. Derzeit gibt es in Deutschland mehr als 7000 Hotspots. Der Marktführer T-Mobile/T-Com unterhält davon alleine 4500. Der Mobilfunkbetreiber Vodafone will zusammen mit dem Londoner Hotspot-Spezialisten Cloud Networks in den nächsten vier Jahren 10.000 Hotspots in Deutschland installieren. Auch die Deutsche Bahn testet derzeit den WLAN-Internetzugang auf einigen ICE-Strecken. Kennwort besorgen Doch noch ist die neue Technik nicht selbstverständlich. "Wer über einen Hotspot ins Internet gehen will, sollte sich schon zu Hause mit dem Thema WLAN beschäftigt und sein Notebook entsprechend konfiguriert haben, und nicht erst dann, wenn er vor dem Hotspot steht", rät Bettina Seute vom Internetportal teltarif. Manche Provider bieten im Internet dafür Informationsbroschüren zum Herunterladen und Ausdrucken an. Auch sollte sich der Nutzer vor seiner Abreise bei einer Hotspot-Suchmaschine im Internet erkundigen, ob, wo und von welchem Provider in seinem Zielort oder Hotel ein Hotspot angeboten wird. Im Hotel oder in der Flughafen-Lounge angekommen, stellen der Browser des eingeschalteten Notebooks oder PDAs dann automatisch eine Verbindung mit dem Hotspot her. Der Willkommens-Bildschirm des Hotspot-Providers erscheint und fragt nach Benutzernamen und Kennwort. Beides muss sich der Nutzer besorgen, bevor er loslegen kann. Die gute alte Rubbelkarte Wie das funktioniert, unterscheidet sich von Provider zu Provider. Nutzer, die bei einem Hotspot von Vodafone oder T-Mobile ins Internet gehen wollen und auch gleichzeitig Kunde des jeweiligen Netzbetreibers sind, bezahlen die Nutzung bequem über ihre Handyrechnung.
Auch Reisende wollen im Internet surfen oder Emails checken. Der per Funk hergestellte Internetzugang über so genannte WLAN-Hotspots wird immer beliebter. Doch Nutzer müssen wissen, was sie wollen, sonst zahlen sie unnötig drauf.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wlan-hotspots-kabellos-im-internet-surfen-1.903821
WLAN-Hotspots - Kabellos im Internet surfen
00/05/2010
Der Druck auf die Führungskräfte in den Konzernen ist größer geworden - wenn der Erfolg ausbleibt, werden sie schnell gefeuert. Am Ende ging es ganz schnell. An einem Freitag im November hatten sich die Gerüchte über seine bevorstehende Ablösung verdichtet, am Sonntag trat Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke von seinem Posten zurück. Detailansicht öffnen Mussten unfreiwillig gehen: Bernd Pischetsrieder (links) und Kai-Uwe Ricke. (Foto: Fotos: dpa, ddp) Da stand bereits fest, wer sein Nachfolger werden würde: René Obermann, bisher Chef der Mobilfunksparte und langjähriger Weggefährte Rickes. Ein hektisches Wochenende, ein harter Schnitt. Ein monatelanges, quälendes Gezerre wie vier Jahre zuvor rund um die Ablösung von Rickes Vorgänger Ron Sommer gab es diesmal nicht. Zusätzliche Brisanz gewann der Abgang durch ein Ereignis, das wenige Tage zuvor in Wolfsburg stattgefunden hatte: VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte - nach einem zermürbenden Machtkampf mit Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch - seinen Rücktritt zum Jahresende eingereicht. Zwei unfreiwillige Chefwechsel in deutschen Großkonzernen innerhalb weniger Tage, das hatte es in der jüngeren Geschichte noch nicht gegeben. Und manche Beobachter schlossen bereits Wetten ab, wer wohl der nächste sein würde - Siemens-Chef Klaus Kleinfeld etwa? Das Leben ist ungemütlicher geworden in den Chefetagen. ,,Die Zeiten des Vorstandsvorsitzenden auf Lebenszeit sind endgültig vorbei'', sagt Klaus-Peter Gushurst, Deutschlandchef der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton, die alljährlich die Chefwechsel in Großkonzernen weltweit analysiert. Unfreiwillig und vor Ende des Vertrages Demnach erfolgte 2005 bereits jeder zweite Abgang unfreiwillig und vor Ende des Vertrages, als Folge von Managementfehlern oder einer Fusion. Seit 1995 hat sich die Zahl der leistungsbedingten Abgänge immerhin vervierfacht. Patzer werden nicht mehr geduldet. Die Kontrolle ist härter geworden, konstatieren die Berater und bestätigen damit, was viele schon vermutet hatten: Die wachsende Macht internationaler Finanzinvestoren, die Quartal für Quartal gute Ergebnisse und eine entsprechende Rendite einfordern, haben auch das Leben der Führungskräfte in deutschen Konzernen nachhaltig verändert. Wer die Leistung nicht erbringt, muss gehen, und die Zahl derer, die sich viele Jahre in der Chefposition eines Dax-Unternehmens halten, ist deutlich kleiner geworden. Sie sind vielfach auch jünger. Der neue Telekom-Chef René Obermann ist 43, sein Vorgänger Ricke startete sogar mit 41 - und scheidet mit 45 bereits aus. So könnte sich die Diskussion über den Wechsel langjähriger Vorstandschefs an die Spitze des Aufsichtsrates bald ganz von alleine erledigen. Vor einem Jahr noch gefeiert Wie schnell der Wind drehen kann, zeigte sich im Fall des Telekom-Chefs besonders deutlich. Noch kein Jahr ist es her, dass Kai-Uwe Ricke als Sanierer gefeiert wurde, als der Mann, der die Telekom in kurzer Zeit von Milliardenschulden befreite und 2005 eine Rekorddividende ausschüttete. Doch dann ging es rasch bergab: schlechte Halbjahresergebnisse, eine Korrektur der Gewinnprognose und der schwache Verlauf der T-Aktie verärgerten den Finanzinvestor Blackstone, der mit einer Beteiligung von 4,5 Prozent kein Schwergewicht ist, letztlich aber den Großaktionär Bund, allen voran Finanzminister Peer Steinbrück, auf seine Seite ziehen konnte. Vier Jahre sind sehr kurz. Doch Kai-Uwe Ricke ist kein Einzelfall. Auch Bernd Pischetsrieder hielt sich nur vier Jahre am VW-Lenkrad, nachdem er bereits bei BMW ein relativ kurzes Zwischenspiel abgeliefert hatte.
Der Druck auf die Führungskräfte in den Konzernen ist größer geworden - wenn der Erfolg ausbleibt, werden sie schnell gefeuert.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/auf-und-absteiger-der-wirtschaft-2006-patzer-werden-nicht-mehr-geduldet-1.907846
Auf- und Absteiger der Wirtschaft 2006 - Patzer werden nicht mehr geduldet
00/05/2010
Noch nie gab es so viele Titel und Neuerscheinungen bei Hörbüchern wie in diesem Jahr. Doch die Zukunft der Branche gehört vor allem Download-Portalen im Netz. Es gab Zeiten, da wurde Claudia Baumhöver für verrückt erklärt. "Ja, genau diese Worte" seien damals gefallen, erinnert sich ihre Sprecherin Heike Völker-Sieber. Damals - das war 1994: Die studierte Sozialpädagogin Baumhöver wechselte von der Filmfirma Columbia Tristar Pictures als Chefin zum gerade gegründeten Hörverlag in München. Die Gründungsgesellschaften dieses Unternehmens waren beispielsweise literarische Verlage wie Carl Hanser, Suhrkamp, Kiepenheuer & Witsch und Klett-Cotta. Ihren Wechsel zum Hörverlag konnten viele Weggefährten nicht verstehen. Alle früheren Versuche, Literatur auf Tonträgern im Buchmarkt auf breiter Front zu etablieren, galten als gescheitert. Die jeweiligen Medien wurden verspottet als "Buchersatz" für ältere Menschen und Sehbehinderte. Doch die 1959 in Münster geborene neue Hörverlag-Managerin ließ sich nicht beirren. Es hat sich gelohnt. Heute ist sie geschäftsführende Gesellschafterin beim Branchenprimus auf dem Markt für Hörbücher. Und: Die Nachfrage beschert den Audiobooks jährlich zweistellige prozentuale Steigerungsraten beim Umsatz. Im vergangenen Jahr kletterten die Hörbuch-Umsätze in Deutschland um 17,4 Prozent auf etwa 200 Millionen Euro, so der Börsenverein des deutschen Buchhandels. Erfolgsverwöhnte Hörbuchbranche Er stellt fest, die Branche sei "erfolgsverwöhnt". Ihr Anteil am Gesamtmarkt sei zwar noch relativ klein, doch sei er seit 2003 von 2,8 Prozent auf 4,3 Prozent geklettert. Das Geschäft ist somit in eine stattliche Dimension gewachsen. Sogar 300 Millionen Euro Umsatz trauen Experten dem Segment in den nächsten fünf Jahren zu. Dem Vernehmen nach erzielen die Anbieter mehrheitlich Gewinne. Allerdings bereiten ihnen steigende Produktionskosten Sorgen, zumal die Verkaufspreise im härter werdenden Konkurrenzkampf keineswegs beliebig erhöht werden können. Anerkannte Größen in der Branche sind hinter dem Primus Hörverlag Firmen wie Random House Audio, Lübbe Audio, Jumbo, Der Audio Verlag (DAV), Steinbach sprechende Bücher, Kein & Aber, Argon, Hörbuch Hamburg sowie Tacheles/Roof Music. Das Unternehmen Frankfurter Buchmesse stellt angesichts des Booms bei vertonter Literatur fest: "2007 ist das Jahr des Hörbuchs." Noch nie habe es so viele Verlage und unterschiedliche Titel auf dem deutschsprachigen Markt gegeben. Noch nie seien so viele Neuerscheinungen produziert und auf so vielen Vertriebswegen an die Hörer gebracht worden. Und noch nie sei die Branche angesichts von Preisdumping und Download-Zuwächsen "derart im Umbruch" gewesen. Auf der Buchmesse präsentieren sich diesmal mehr als 700 internationale Aussteller, die Hörbücher anbieten. Nach Erkenntnissen der Buchmesse erscheinen dieses Jahr 2000 neue Titel, insgesamt seien 20.000 Hörbücher erhältlich. Bei gut acht Millionen CD- und Download-Käufern allein in Deutschland habe sich das Audiobook "längst als eigenständige Form der Literaturumsetzung etabliert". Auch das Ausland entdecke den Reiz: Deutlich mehr Österreicher und Schweizer greifen zu Hörbüchern. Auch das Angebot in französischer, spanischer, ungarischer und russischer Sprache wachse. Traditionell stark sei das Hörbuch-Interesse - von den USA und Großbritannien einmal abgesehen - in den skandinavischen Ländern. Jedes zweite Hörbuch als Download bis 2012 Verkauft werden Hörbücher in Deutschland längst nicht nur im klassischen Buchhandel. Es gibt sie an Tankstellen und Raststätten, in Spielwaren- und Blumenläden, in Apotheken und bei Discountern. Auf dem Vormarsch befinden sich aber insbesondere Download-Portale im Internet, die dem Hörbuch auf Compact Disc (CD) immer mehr Konkurrenz machen. Jedes zweite Hörbuch im deutschsprachigen Raum soll bis zum Jahr 2012 als reine Datei verkauft werden. Der Download-Anteil wird derzeit auf etwa ein Zehntel am gesamten Hörbuchmarkt geschätzt. Auffallend ist ein Trend in der Branche: Es wird ungekürzt ein Werk produziert; diese Fassung wandert als Angebot ins Internet, um dann auf der Basis dieser Fassung eine gekürzte CD-Variante herzustellen. Als Marktführer in der Download-Sparte gilt der Anbieter Audible.de. Zum Leidwesen der Unternehmen locken die florierenden Geschäfte mit Hörbüchern Quereinsteiger an, die mit Preisdumping und verminderter Produktqualität um Kunden buhlen. Sie werfen beispielsweise Hörbücher auf den Markt, die ohne Regie auskommen. Der Hörverlag hält von mangelhaft produzierten Schnäppchen nichts. "Für uns ist das kein gangbarer Weg", sagt Völker-Sieber und weiß sich auf einer Linie mit Baumhöver, die aus der einstigen "Eine-Frau-Firma" einen Verlag mit 40 Beschäftigten machte. Die Hörer dieser Bücher sind laut Studien überdurchschnittlich gebildet, einkommensstark, mobil, flexibel und kulturell interessiert. Umwälzungen in der Branche wird es auch weiterhin geben. Wo heute noch die CD als Tonträger dominiert, könnte der Nachfolger schon feststehen. Die Firma Extrememory meint: "Das Hörbuch der Zukunft kommt auf einer Speicherkarte." Zur Buchmesse hat das Unternehmen die ersten Hörbücher in dieser Variante herausgebracht, darunter ist der Klassiker "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer".
Noch nie gab es so viele Titel und Neuerscheinungen bei Hörbüchern wie in diesem Jahr. Doch die Zukunft der Branche gehört vor allem Download-Portalen im Netz.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hoerbuecher-boomen-das-lukrative-geschaeft-der-vorleser-1.890673
Hörbücher boomen - Das lukrative Geschäft der Vorleser
00/05/2010
Die Aussicht auf die geplanten Neuwahlen hat auf die Stimmung der Verbraucher in Deutschland bisher keinen positiven Einfluss gehabt. Auf Grund der andauernden Kaufzurückhaltung der Bürger verschlechtert sich der Indikator für das Konsumklima im Juli zum dritten Mal in Folge und sinkt auf einen Wert von 3,5 Punkten nach 4,3 Punkten im Juni, teilte der Marktforscher GfK am Dienstag in Nürnberg mit. Detailansicht öffnen Die Konsumenten halten ihre Taschen zu. Die Kassen der Händler werden nicht voller. (Foto: Foto: ddp) Von einer Trendwende sei nichts zu spüren. GfK-Chef Klaus Wübbenhorst sagte, bei den Verbrauchern überwiege die Skepsis. Im Sommer seien daher keine zusätzlichen Impulse für den privaten Konsum mehr zu erwarten. "Ich habe aber die starke Hoffnung, dass es nach den Wahlen aufwärts geht", sagte er. Wer immer gewinne, dürfe danach nicht lange Bestandsaufnahmen machen, sondern müsse "rasch und verlässlich" handeln. Furcht vor Arbeitslosigkeit Bisher verhindere vor allem die weiterhin große Furcht vor Arbeitslosigkeit, dass die Verbraucher ihre Zurückhaltung aufgäben. Besonders die Indikatoren für die Einkommenserwartung und die Neigung zu größeren Anschaffungen kämen nicht aus dem Tief, teilte die GfK mit. Der GfK-Chef sprach sich gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer ohne Gegenleistungen aus. Dies wäre das falsche Signal für den privaten Konsum. "Dadurch würde Kaufkraft entzogen", sagte Wübbenhorst. Nur wenn dafür andere Belastungen etwa auf der Seite der Lohnnebenkosten reduziert würden, könne man über eine Anhebung diskutieren. "Die Diskussion geht aber am Thema vorbei", sagte Wübbenhorst. Generell müsse die Politik an der Ausgabenseite drehen, anstatt über Steuererhöhungen zu diskutieren. "Keine Planungssicherheit" "Die verschiedenen Konzepte verstärken die Unsicherheit der Bürger", sagte Wübbenhorst. "Es gibt keine Planungssicherheit." Die Verbraucher sehen nach GfK-Angaben zu Beginn des Sommers keine wirklichen Anzeichen für eine konjunkturelle Belebung. Zwar sei der Indikator leicht um knapp 3 auf minus 13,4 Punkte gestiegen, liege jedoch noch immer unter dem Vorjahreswert. Der Indikator Einkommenserwartung, der im Mai deutlich verloren hatte, stieg leicht um 3 Punkte auf einen Wert von minus 9,9. Damit setze sich der seit zwei Jahren zu beobachtende Zickzackkurs fort. Die Anschaffungsneigung sank erneut. Der Wert ging um 4,5 Punkte auf minus 25,8 Punkte zurück. Die Binnennachfrage werde daher keinen wesentlichen Beitrag zur konjunkturellen Entwicklung in diesem Jahr liefern. Die GfK hält nach Wübbenhorsts Worten an ihrer Prognose fest, dass der Konsum in diesem Jahr um 0,4 Prozent steigen werde. "Grundsätzlich zu wenig" Dagegen hatte etwa der Chef des Münchner ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, kürzlich von nur noch 0,2 Prozent Wachstum gesprochen. "0,2 oder 0,4, es ist grundsätzlich zu wenig", sagte Wübbenhorst. Für die Berechnung der Verbraucherstimmung befragt die GfK monatlich rund 2000 Konsumenten.
Die Aussicht auf die geplanten Neuwahlen hat auf die Stimmung der Verbraucher in Deutschland bisher keinen positiven Einfluss gehabt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verbraucher-misstrauen-trotz-moeglicher-neuwahlen-1.903505
Verbraucher - Misstrauen trotz möglicher Neuwahlen
00/05/2010
Die Führung der Firma Toll Collect, die das umstrittene Mautsystem für Lkws entwickelt hat, steht vor gravierenden Veränderungen: Zum einen verliert der Leiter des Maut-Entwicklungsprojektes, Michael Rummel, seinen Job. Zum anderen wird Toll Collect-Aufsichtsratschef Klaus Mangold durch den früheren Mannesmann-Manager Peter Mihatsch ersetzt. (SZ vom 14.10.03) - Wie die Süddeutsche Zeitung aus Kreisen des Toll-Collect-Gesellschafters DaimlerChrysler erfuhr, wird Michael Rummel, einer der Geschäftsführer seinen Posten verlieren. Rummel ist Leiter des Maut-Entwicklungsprojektes. Einen Nachfolger soll es für den 47jährigen nicht geben. Gleichzeitig wird die Aufsichtsratsspitze von Toll Collect neu besetzt. Nachfolger des DaimlerChrysler-Vorstandsmitglieds Klaus Mangold, 60, wird Peter Mihatsch, 62, der ehemalige Chef der Telekommunikationssparte von Mannesmann. Diese Entscheidungen sollten am Montagabend bei einem Treffen der Toll-Collect-Gesellschafter fallen. Das Unternehmen gehört zu je 45 Prozent DaimlerChrysler und der Deutschen Telekom sowie zu 10 Prozent dem französischen Autobahnbetreiber Cofiroute. Reaktion auf monatelange Pannenserie Mit dem Umbau der Führung Toll Collect reagieren die Gesellschafter auf die monatelange Pannenserie. Das Erfassungssystem sollte ursprünglich schon Ende August anlaufen. Doch es gibt so viele technische Pannen, dass der Start inzwischen ins nächste Jahr verschoben wurde. Der Bundesregierung entgehen deshalb pro Monat 156 Millionen Euro. Das Verkehrsministerium und Toll Collect schieben sich gegenseitig die Schuld an dem Desaster zu. Der Aufsichtsratschef Mangold hatte vor wenigen Tagen öffentlich eingestanden, man habe die technischen Problem offenbar unterschätzt. Mit der Berufung des Technologie-Managers Mihatsch auf den Stuhl des Aufsichtsratschefs wird der frühere Mannesmann-Manager der entscheidende Mann in der Führung von Toll Collect. Proporz Bislang war die Geschäftsführung nach Proporzgesichtspunkten besetzt. Jeder Gesellschafter entsandte einen Vertreter. Rummel wurde von DaimlerChrysler Services zu Toll Collect geschickt. Nach Informationen der SZ behielt er aber auch als Maut-Geschäftsführer seinen früheren Posten im Daimler-Konzern. Mihatsch ist seit Wochen bei Toll Collect als Berater und Krisenmanager engagiert. Auf seine Analyse geht offenbar auch die Abberufung von Rummel zurück. Mihatsch sorgte Ende der achtziger Jahre dafür, dass der Stahl- und Röhrenkonzern Mannesmann Zugang zum Markt der Telekommunikation fand. Er wurde neben der Telekom der zweite große Mobilfunkanbieter in Deutschland. Mihatsch, der Ambitionen auf die Mannesmann-Führung hatte, verließ den Konzern überraschend im Mai 1998. Später arbeitete er für den Medienunternehmer Leo Kirch. Umstrittene Offenlegung Unterdessen teilte das Bundesverkehrsministerium mit, dass sich das Maut-Betreiberkonsortium Toll Collect am heutigen Dienstag abermals zu der umstrittenen Offenlegung der Maut-Verträge äußern will. Ein Ministeriumssprecher sagte am Montag in Berlin, während von der Deutschen Telekom bereits Zustimmung komme, wolle DaimlerChrysler an diesem Dienstag noch einmal Auskunft geben. Regierungssprecher Béla Anda wertete dies als "Fortschritt" gegenüber dem bisherigen Verhalten von Toll Collect, die Frage der Offenlegung in der Schwebe zu halten. "Keine Auseinandersetzung" Ein Sprecher von Toll Collect, wies allerdings die Darstellung zurück, dass es in dieser Frage eine Auseinandersetzung zwischen den Konsortialpartnern gebe. "Es gibt keinen Streit im Konsortium", sagte der Sprecher von Toll Collect. Das gelte für personelle ebenso wie für strukturelle Fragen und die Offenlegung der Verträge. Toll Collect sei bereit, den Parlamentariern Einsicht zu gewähren, wolle aber keine Abschriften, Kopien, Fotografien oder eine generelle Veröffentlichung. Das sei das, was Verkehrsminister Manfred Stolpe gewünscht habe und das, was parlamentarisch üblich ist. DaimlerChrysler-Services-Vorstand Klaus Mangold habe der Offenlegung vor dem Haushaltsausschuss des Bundestages bereits am 10. September im Auftrag des gesamten Konsortiums schriftlich zugestimmt, betonte der Toll-Collect-Sprecher. Allerdings hatte der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Manfred Carstens (CDU), die bisherigen Einlassungen von Toll Collect hinsichtlich des Einblicks der Parlamentarier unzureichend genannt. Stolpe hatte dies Mangold schriftlich mitgeteilt. Union fordert Untersuchungsausschuss Die Unions-Bundestagsfraktion forderte nach der Pannenserie um die Lkw-Maut abermals einen Untersuchungsausschuss. Verkehrspolitikerin Renate Blank (CSU) stellte am Montag in Erfurt zugleich eine Frist bis Freitag nächster Woche. Bis zu diesem Zeitpunkt müsse dem Bundestag der komplette Vertrag zwischen dem Bund und dem Betreiberkonsortium Toll Collect vorliegen. An diesem Mittwoch befasst sich der Verkehrsausschuss des Bundestages mit dem strittigen Thema. Laut Klagen der Spediteure arbeiteten nahezu alle Bordgeräte nach dem Einbau fehlerhaft. Die Betriebszulassung für das Maut-System kann immer noch nicht erteilt werden. Dafür gibt es nach zweimaliger Verschiebung seit Ende August nach wie vor keinen Termin.
Die Führung der Firma Toll Collect, die das umstrittene Mautsystem für Lkws entwickelt hat, steht vor gravierenden Veränderungen: Zum einen verliert der Leiter des Maut-Entwicklungsprojektes, Michael Rummel, seinen Job. Zum anderen wird Toll Collect-Aufsichtsratschef Klaus Mangold durch den früheren Mannesmann-Manager Peter Mihatsch ersetzt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stuehleruecken-mihatsch-steuert-kuenftig-toll-collect-1.920472
Stühlerücken - Mihatsch steuert künftig Toll Collect
00/05/2010
Der Bertelsmann-Aufsichtsrat ist der Empfehlung der Eigentümer-Familie Mohn gefolgt und machte Hartmut Ostro- wski zum neuen Boss. Ein Porträt. Hartmut Ostrowski ist ein Mann, von dem viele sagen, man könne von ihm getrost einen Gebrauchtwagen kaufen - anständig, ehrlich, gerade heraus. Detailansicht öffnen Hartmut Ostrowski wird ab 2008 die Geschicke des Bertelsmann-Konzerns leiten. (Foto: Foto: dpa) "Er ist kein Schauspieler", heißt es bei Bertelsmann über den neuen Chef. Mit dem 48-Jährigen aus Bielefeld führt von 2008 an wieder ein waschechter Ostwestfale Europas größten Medienkonzern. Der Aufsichtsrat folgte am Freitag dem Vorschlag der Eigentümerfamilie von Firmenpatriarch Reinhard Mohn und seiner Ehefrau Liz und machte Ostrowski zum Nachfolger des bisherigen Konzernchefs Gunter Thielen. Dieser wird am 4. August 65 Jahre alt und wechselt zum Ende des Jahres in den Aufsichtsrat. Eigengewächs des Unterhaltungs-Konzerns Ostrowski ist ein Eigengewächs von Bertelsmann. Schon 1982, im Alter von 24 Jahren, kam der junge Betriebswirt aus Bielefeld in die Nachbarstadt Gütersloh. Er machte schnell Karriere in der Bertelsmann Distribution. 1988 folgte ein kurzes Gastspiel in München als Geschäftsführer von Security Pacific Eurofinance, ehe er zwei Jahre später wieder zu Bertelsmann zurückkehrte. Die Karriere ging weiter steil bergauf, bis Ostrowski 2002 am Etappenziel ankam. Er erbte von seinem Ziehvater Gunter Thielen den Vorstandsvorsitz bei der Druck- und Dienstleistungssparte Arvato und bekam einen der begehrten und ausgesprochen gut dotierten Sitze im Vorstand der Bertelsmann AG. "Einfach machen!" lautet das Motto des Familienvaters, der nach außen so zurückhaltend wirkt, aber als ausgesprochen durchsetzungsstark beschrieben wird. Bei internen Sitzungen soll er das offene Wort lieben. Als Zeichen dafür, so wird kolportiert, zieht Ostrowski gerne einen hölzernen Fisch aus der Jacke und legt ihn auf den Tisch. "Put the fish on the table!" ist die Losung dafür, dass jeder Teilnehmer nun aussprechen soll, was er wirklich denkt. Unterstützung der Mohn-Familie "Hartmut Ostrowski steht für exzellentes Unternehmertum, für wirtschaftlichen Erfolg und nicht zuletzt repräsentiert er mit seinem partnerschaftlichen Führungsstil die bewährte Bertelsmann- Unternehmenskultur", schrieben Liz und Reinhard Mohn am Freitag in einem Statement. Ostrowski ist ein wenig so wie sein Unternehmen Arvato - ein Dienstleister durch und durch. "Dienen und leisten" hat er als Devise für seine Mitarbeiter ausgegeben. Wie er selbst ist die Sparte nicht das glitzernde Sternchen, sondern eher der heimliche Star im Konzern. "Unsere Stars sind unsere Kunden", sagt er. Nach außen kaum bekannt, gilt die Sparte als Ideenschmiede und Gewinnbringer, als Wachstumsmaschine und Faustpfand für die Zukunft. Konzernchef Gunter Thielen hatte mehrfach erwähnt, sein Nachfolger müsse sich besonders mit den Neuheiten der Medienbranche auskennen, einer neuen Generation von Mediennutzern Lösungen anbieten können. Das Internet spiele dabei eine besondere Rolle, jedoch dürften klassische Felder nicht vernachlässigt werden. Vielseitige Arvato Eine Anforderung, die wie gemacht erscheint für Ostrowski. Vom klassischen Offset-Druck bis zur Telefonauskunft ("1 18 18"), vom Handy-Klingelton, über die multimediale Computerplattform "GNAB" bis hin zu komplexen logistischen Gesamtlösungen, etwa für die Bahn-Card, das Vielflieger-Programm der Lufthansa oder gar für einen ganzen Landkreis im englischen East Riding: Man möchte meinen, es gibt kaum etwas, was Arvato nicht macht. Mehr als die Hälfte aller DAX- Unternehmen und viele weitere gute Adressen der deutschen und internationalen Wirtschaft pflegen Kundenbeziehungen zu Arvato. "Wir sind die Outsourcing-Weltmeister", sagte Ostrowski einmal. Wenn der 48-Jährige am kommenden Dienstag beim Management-Meeting in Berlin als designierter Konzernchef vor knapp 700 seiner Kollegen tritt, wird er wie immer eher die leisen Töne wählen. Er ist kein Entertainer auf der großen Medienbühne. Für den leidenschaftlichen Fußball-Fan und Mallorca-Liebhaber sprechen die nüchternen Arvato- Zahlen: 47 000 Mitarbeiter in 37 Ländern der Welt, 270 Tochterunternehmen, rund fünf Milliarden Euro Jahresumsatz und 341 Millionen Euro operativer Gewinn.
Der Bertelsmann-Aufsichtsrat ist der Empfehlung der Eigentümer-Familie Mohn gefolgt und machte Hartmut Ostro- wski zum neuen Boss. Ein Porträt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neuer-chef-bei-bertelsmann-der-stille-macher-als-zukunftshoffnung-1.906616
Neuer Chef bei Bertelsmann - Der stille Macher als Zukunftshoffnung
00/05/2010
Es geht um Geld, um Emotionen, um Meinungsunterschiede — und um Europas wichtigsten Aktienmarkt. Warum die Deutsche Börse mit ihren Übernahmeplänen des London Stock Exchange auf Widerstände stößt. Den nackten Zahlen nach geht es nur um einen Mittelständler mit 500 Mitarbeitern und 340 Millionen Jahresumsatz. ´ Detailansicht öffnen Das Emblem der Londoner Börse. (Foto: Foto: Reuters) Kein Hahn würde nach ihm krähen, würde er Seife oder Schrauben herstellen. Aber es geht eben nicht um einen Seifensieder, sondern um die London Stock Exchange (LSE), Europas wichtigsten Aktienmarkt. Jeder hat eine Meinung zu der geplanten Übernahme der LSE durch die Deutsche Börse. Bei manchen kommen Emotionen hoch, und vor allem: Mancher will sichtlich die Pläne der Deutsche Börse dazu nutzen, sein eigenes Süppchen zu kochen. Nur diejenigen, die schon jetzt profitieren, halten sich ganz still und warten, ob sie vielleicht noch einen Euro mehr verdienen können. Es sind die - vorwiegend britischen - LSE-Aktionäre. Sie haben in den vergangenen drei Monaten einen Gewinn von 67 Prozent gemacht, denn die Offerte hat den Aktienkurs der LSE in die Höhe schnellen lassen. Ein Minderheitsaktionär leistet Widerstand So kommt es, dass Werner Seifert, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Börse, jetzt von allen Seiten der Wind ins Gesicht bläst. Am Wochenende hat selbst eine bislang völlig unbekannte Investment-Gesellschaft namens The Children's Investment Fund (TCI) die Deutsche Börse zu einer Ad-hoc-Mitteilung gezwungen. Der TCI, so sagt er jedenfalls, möchte, dass die Frankfurter die Finger von der LSE lassen und das Geld lieber für den Rückkauf eigener Aktien verwenden. Der eine oder andere Aktionär der Deutschen Börse denkt womöglich ähnlich, ohne freilich Schlagzeilen damit zu machen. TCI dagegen hat es geschafft, für Aufsehen zu sorgen, weil er seine Meinung mit dem Antrag auf eine außerordentliche Hauptversammlung und der Abwahl von Aufsichtsratsmitgliedern garniert hat. Ob TCI wirklich die dafür notwendigen fünf Prozent des Kapitals hinter sich hat, konnte am Wochenende niemand überprüfen.
Es geht um Geld, um Emotionen, um Meinungsunterschiede — und um Europas wichtigsten Aktienmarkt. Warum die Deutsche Börse mit ihren Übernahmeplänen des London Stock Exchange auf Widerstände stößt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/frankfurt-london-gegenwind-aus-allen-richtungen-1.906336
Frankfurt/London - Gegenwind aus allen Richtungen
00/05/2010
Kurz vor Beginn der Aufsichtsratssitzung bei Siemens haben sich nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" die Signale verstärkt, dass Klaus Kleinfeld nicht mehr lange Vorstandschef sein wird. Aus der Konzernzentrale verlautete, man gehe davon aus, dass der im September 2007 auslaufende Vertrag mit Kleinfeld vom Aufsichtsrat am Mittwochnachmittag nicht verlängert werde. Detailansicht öffnen Klaus Kleinfeld (Foto: Foto: dpa) Auch aus Kreisen des Aufsichtsrats hieß es, eine Vertragsverlängerung sei nicht zu erwarten. Das zeichne sich nach intensiven Vorgesprächen in der vorangegangenen Nacht immer deutlicher ab. Aus beiden Lagern des Kontrollgremiums, sowohl bei der Arbeitgeber- wie auch bei der Arbeitnehmerseite, gebe es nach den vielen Affären den Wunsch nach einem Neuanfang mit neuen Leuten an der Spitze des Konzerns. Aus dem Kontrollgremium verlautete weiter, falls Kleinfelds Vertrag an diesem Mittwoch nicht verlängert werde, dann sei auch eine Vertragsverlängerung bei der nächsten Sitzung im Juli so gut wie ausgeschlossen. Der Aufsichtsrat habe dann bis Juli Zeit, einen neuen Vorstandsvorsitzenden zu finden. Weitere Fragen und Antworten zum Tag der Entscheidung bei Siemens: Was passiert heute bei Siemens? Der Aufsichtsrat tagt und wird dabei unter anderem die Personalie Kleinfeld entscheiden. Turnusgemäß müsste der noch bis Ende September laufende Vertrag von Kleinfeld um fünf Jahre verlängert werden. Doch angesichts der Korruptionsaffäre im Konzern wird der Ruf nach einem Neuanfang immer lauter. Aufsichtsratschef von Pierer ist bereits zurückgetreten. Wird Kleinfeld um seinen Posten kämpfen? Die Informationen sind widersprüchlich. Einerseits soll er in einem Brief an den Aufsichtsrat bereits seinen Rücktritt angeboten haben, um den Neuanfang möglich zu machen. Andererseits heißt es, er wolle seinen Kritikern die Stirn bieten und es sogar auf einen Eklat ankommen lassen. Auch, dass Siemens überraschend am Dienstagabend bereits einen Teil der erst für Donnerstag angekündigten Halbjahreszahlen veröffentlichte, darf als Signal von Kleinfeld verstanden werden. Denn die Zahlen belegen, dass er seine Ergebnisziele erreicht hat und entsprechend gute Arbeit geleistet hat. Wer arbeitet im Aufsichtsrat gegen Kleinfeld? Vor allem Deutsche-Bank-Chef Ackermann, der zugleich zweiter stellvertretender Aufsichtsrat bei Siemens ist. Er brachte mit dem Linde-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Reitzle denn auch gleich einen möglichen Nachfolger ins Spiel. Überdies soll Gerhard Cromme, der heute zum Nachfolger des zurückgetretenen Aufsichtsratschefs Heinrich von Pierer gewählt werden soll, in die Pläne Ackermanns eingeweiht gewesen sein. Als Gegner von Kleinfeld gilt mittlerweile auch Aufsichtsratsmitglied Berthold Huber, Vize-Chef der IG Metall. Die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat galt lange als uneins. Mittlerweile macht sich aber offenbar auch diese Seite für einen Neuanfang stark. Warum geht Ackermann so aggressiv gegen Kleinfeld vor? Die Gründe sind unklar. Offenkundig möchte er aber unter die Affäre einen Schlussstrich ziehen und Siemens aus den Schlagzeilen bekommen. Zudem beobachtet die US-Börsenaufsicht SEC derzeit jeden Schritt bei Siemens. Sie soll angedroht haben, den Konzern genauer in Augenschein zu nehmen, sofern sich personell nichts ändere. Dies soll auch einer der Gründe für den Rücktritt von Pierers gewesen sein. Warum hat die US-Börsenaufsicht einen derart großen Einfluss auf einen deutschen Konzern? Weil Siemens an der Wall Street notiert ist und damit auch der US-Börsenaufsicht SEC untersteht. Die SEC gilt als strengste Börsenaufsicht weltweit. Wer könnte Nachfolger Kleinfelds werden? Genannt werden etwa Wolfgang Reitzle, Chef bei Linde, und Wolfgang Bernhard, der frühere Markenvorstand von VW. Bernhard hätte Zeit, Reitzle indes baut den Linde-Konzern um und wird daher dringend gebraucht. Allerdings ist die Führung des Siemens-Konzerns ein außerordentlich attraktives Angebot, das kaum ein Manager ausschlagen würde. Weitere Namen, die zuletzt genannt worden sind: Kai-Uwe Ricke, der frühere Telekom-Chef sowie Helmut Panke und Joachim Milberg, die beide bereits BMW steuerten. Was passiert, wenn Kleinfeld von sich aus den Rücktritt anbietet? Solange der Siemens-Konzern noch keinen Nachfolger hat, dürfte der Aufsichtsrat ein solches Angebot nicht annehmen. Nichts wäre schlimmer, als ein Konzern ohne Führung. Wünscht man sich an der Börse den Rücktritt Kleinfelds? An der Börse wird die Arbeit des Siemens-Chefs honoriert. Die jüngst veröffentlichten Zahlen waren so gut, dass am Mittwoch die Aktie im Plus lag. Und seit dem Amtsantritt Kleinfelds im Jahr 2005 ist das Papier ebenfalls deutlich gestiegen.
Kurz vor Beginn der Aufsichtsratssitzung bei Siemens haben sich nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" die Signale verstärkt, dass Klaus Kleinfeld nicht mehr lange Vorstandschef sein wird.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/showdown-bei-siemens-anzeichen-fuer-abgang-von-kleinfeld-mehren-sich-1.920083
Showdown bei Siemens - Anzeichen für Abgang von Kleinfeld mehren sich
00/05/2010
Sixt hat seinen Vorsteuergewinn in der ersten Jahreshälfte deutlich gesteigert. Der größte deutsche Autovermieter führt das unter anderem auf gestiegene Fluggastzahlen zurück. Bis Juni sei der Gewinn vor Steuern im Vergleich zum Vorjahr um 19,3 Prozent auf 20,9 Millionen Euro gestiegen, teilte das im SDax gelistete Unternehmen am Donnerstag in Pullach mit. Nach Steuern und vor Anteilen von Minderheitsgesellschaftern blieben 8,7 Millionen Euro - ein Zuwachs von 25,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Detailansicht öffnen Letzte Politur: Ein Sixt-Mitarbeiter in einer Filiale des Unternehmens in München. (Foto: Foto: AP) Aktie hochgestuft Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung. In der Spitze stieg das Papier um sieben Prozent auf 11,52 Euro, gab die Gewinne im Verlauf aber zu einem Großteil wieder ab. Die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein stuften die Sixt-Aktie von "halten" auf "zukaufen" hoch. Das Kursziel ließen sie bei 12,50 Euro. "Wir hatten ein äußerst erfolgreiches Halbjahr, wahrscheinlich das erfolgreichste seit 1998", sagte Vorstandschef Erich Sixt in einer Telefonkonferenz. "Erstmals seit Jahren haben wir auch wieder Umsatzsteigerungen zu verzeichnen." Deutlich beschleunigt So habe der operative Umsatz, der die Vermiet- und Leasinggeschäfte umfasst, im Halbjahr um 5,5 Prozent auf 444,2 Millionen Euro zugelegt. Das Geschäft habe sich dabei deutlich beschleunigt: Allein im zweiten Quartal seien die operativen Erlöse im Vorjahresvergleich um 10,6 Prozent gewachsen. Hauptgrund dafür seien Zuwächse bei der Autovermietung, was Sixt vor allem auf steigende Fluggastzahlen zurückführt. Der Konzernumsatz legte um 10,1 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro zu. Billigmarke schon Marktführer Die im Juni 2003 gegründete Billigmarke Sixti habe sich als Marktführer in diesem Segment in Deutschland etabliert, teilte Sixt mit. Sie soll bereits 2004 Gewinne einfahren. Im ersten Jahr nutzten mehr als 70.000 Kunden den Billiganbieter. "Für das Gesamtjahr erwarten wir bei Sixti einen Umsatz von mehr als zehn Millionen Euro", sagte Sixt. Den durchschnittlichen Vermieterlös eines Sixti-Fahrzeugs pro Tag wolle er "wegen der Wettbewerber" nicht nennen. Er liege aber deutlich über den fünf Euro, mit denen Sixti wirbt. Denn diesen Preis gebe es nur, "wenn der Wagen da ist und rechtzeitig bestellt wurde", sagte Sixt. Prognose bestätigt Für das Gesamtjahr hält der Konzernchef an der bisherigen Prognose fest, wonach der Vorsteuergewinn um mindestens zehn Prozent und der operative Umsatz um etwa fünf Prozent wachsen sollen. Zur möglichen Höhe der Dividende für 2004 wollte sich Sixt, der selbst 56,8 Prozent der Stammaktien hält, noch nicht äußern. Der Vorstandschef sagte lediglich, er als Großaktionär habe "schon aus Egoismus kein Interesse daran, die Dividende zurückzufahren". Für 2003 hatten die Stammaktionäre 0,50 Euro pro Papier erhalten.
Sixt hat seinen Vorsteuergewinn in der ersten Jahreshälfte deutlich gesteigert. Der größte deutsche Autovermieter führt das unter anderem auf gestiegene Fluggastzahlen zurück.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/halbjahres-ergebnis-sixt-ueberrascht-mit-guten-zahlen-1.898201
Halbjahres-Ergebnis - Sixt überrascht mit guten Zahlen
00/05/2010
Angesichts der Debatten um Renten- und Sozialsysteme blicken die Deutschen zunehmend besorgt in die Zukunft: Laut einer Umfrage zum Weltspartag am Donnerstag erwarten knapp dreißig Prozent der Bundesbürger eine Verschlechterung ihrer finanziellen Lage. Die Bereitschaft zur zusätzlichen Vorsorge steigt. Die Bundesbürger machen sich zunehmend Sorgen, was von ihrem Einkommen noch bleibt. Nach einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Umfrage rechnet fast jeder Dritte (29 Prozent) in den nächsten beiden Jahren mit finanziellen Einbußen. In Ostdeutschland sind die Befürchtungen besonders groß. Dort gehen 40 Prozent davon aus, dass sie weniger Geld zur Verfügung haben werden. Die Repräsentativ-Umfrage wurde vom Sparkassen- und Giroverband anlässlich des Weltspartags an diesem Donnerstag in Auftrag gegeben. "Große Unsicherheit" Mit Blick auf die finanzielle Zukunft herrsche derzeit "große Unsicherheit", sagte Sparkassen-Präsident Dietrich Hoppenstedt. Bei der vorigen Umfrage 2001 waren nur 18 Prozent in Sorge um ihr Geld. Wie vor zwei Jahren erwarten die meisten Deutschen (49 Prozent), dass ihre finanzielle Situation gleich bleiben wird. Die Optimisten gerieten jedoch mit nur noch 18 Prozent klar in die Minderheit. Dabei wurden erhebliche regionale Unterschiede deutlich. Die größte Zuversicht gab es in Hamburg und Schleswig-Holstein, die meisten Pessimisten im Rheinland. Angesichts der anhaltenden Reformdebatten stellten die Meinungsforscher eine höhere Bereitschaft fest, für Alter und Gesundheit privat Vorsorge zu treffen. Die gesetzliche Rente halten nur noch fünf Prozent für ausreichend. 13 Prozent können sich Sparen nicht leisten Am größten sei die Bereitschaft zu privater Vorsorge in der Altersgruppe der 30- bis 39- Jährigen, heißt es in der Studie. Allerdings sei ein wachsender Anteil der Bevölkerung überhaupt nicht mehr in der Lage, Rücklagen für schlechtere Zeiten zu bilden. Demnach können es sich 13 Prozent der Deutschen gar nicht leisten, zu sparen. Im vergangenen Jahr legten die Bundesbürger insgesamt 146 Milliarden Euro auf die hohe Kante. Im Durchschnitt waren dies pro Bundesbürger 1800 Euro. Auf der Skala der beliebtesten Anlageformen lag weiterhin die Lebensversicherung auf dem ersten Platz, gefolgt von Sparbuch und Bausparvertrag. Für die Umfrage wurden vom Meinungsforschungsinstitut Emnid insgesamt 2100 Bundesbürger befragt.
Angesichts der Debatten um Renten- und Sozialsysteme blicken die Deutschen zunehmend besorgt in die Zukunft: Laut einer Umfrage zum Weltspartag am Donnerstag erwarten knapp dreißig Prozent der Bundesbürger eine Verschlechterung ihrer finanziellen Lage. Die Bereitschaft zur zusätzlichen Vorsorge steigt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/weltspartag-deutsche-beunruhigt-ueber-finanzielle-zukunft-1.897941
Weltspartag - Deutsche beunruhigt über finanzielle Zukunft
00/05/2010
Jahrelang steckte Fiat in einer tiefen Krise. Dank neuer Ideen und ansprechender Modelle hat der Autohersteller nun das Steuer herumgerissen und präsentiert das beste Ergebnis aller Zeiten. Der Fiat-Konzern ist weiter auf dem Höhenflug: Am Dienstag präsentierte das Turiner Unternehmen Rekord-Zahlen für das erste Halbjahr 2007. Das operative Ergebnis der Gruppe samt Autosparte, Nutzfahrzeugen und Zulieferung von Komponenten stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 44 Prozent auf 946 Millionen Euro. Dies sei das höchste jemals erreichte Ergebnis, teilte Fiat am Dienstag mit. Der Nettogewinn kletterte um 90 Prozent auf 627 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs um zwölf Prozent auf 15,2 Milliarden Euro. Schulden wieder unter Eine-Milliarde-Euro-Marke Gleichzeitig sanken die Nettoschulden erstmals wieder unter die Eine-Milliarden-Euro-Marke und beliefen sich am Ende des zweiten Quartals 2007 auf 873 Millionen Euro - 404 Millionen Euro weniger als im ersten Quartal. Anleger reagierten enttäuscht auf die Nachricht: Die Fiat-Aktien gaben nach. Der Traditionskonzern hatte jahrelang in einer tiefen Krise gesteckt. Erst als der italo-kanadische Industrie-Manager Sergio Marchionne 2004 das Zepter übernahm, ging es dank neuer Ideen und ansprechender Modelle wieder aufwärts. Autosparte mit großen Zuwächsen So konnte jetzt auch die Autosparte, zu der unter anderem Ferrari und Maserati gehören, große Zuwächse verzeichnen. Die Umsätze stiegen hier um 11,7 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro. "Die Ergebnisse liegen ganz auf der Linie der Ziele, die wir uns für 2007 gesteckt hatten und sind eine solide Basis, um den Wachstumskurs unseres Industrieplans 2007-2010 fortzusetzen", kommentierte Fiat die Zahlen. Insgesamt seien im Berichtszeitraum über 1,1 Millionen Autos verkauft worden, fast zwölf Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2006, hieß es. Unter anderem hätten Kompaktwagen wie Fiat Punto, Bravo und Panda sowie die Minivans und Transporter der Modelle Ducato und Scudo zu dem Ergebnis beigetragen. Erst Anfang des Monats hatte Fiat den Nachfolger des legendären "Cinquecento" präsentiert - pünktlich zum 50. Geburtstag der weltberühmten "Knutschkugel". Der Konzern setzt nun große Hoffnungen in den 3,55 Meter langen und 1,65 Meter breiten Wagen im Retro-Look.
Jahrelang steckte Fiat in einer tiefen Krise. Dank neuer Ideen und ansprechender Modelle hat der Autohersteller nun das Steuer herumgerissen und präsentiert das beste Ergebnis aller Zeiten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/halbjahreszahlen-vorgelegt-fiat-praesentiert-bestes-ergebnis-aller-zeiten-1.897922
Halbjahreszahlen vorgelegt - Fiat präsentiert bestes Ergebnis aller Zeiten
00/05/2010
Die Anwälte von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wollen ein Strafverfahren mit allen Miteln verhindern. Sie hätten beim Landgericht Düsseldorf beantragt, die Anklage nicht zuzulassen, teilten der Syndikus der Deutschen Bank, Reinhard Marsch- Barner, und Rechtsanwalt Eberhard Kempf am Donnerstag in Frankfurt mit. Mangelnde Kenntnisse unternehmerischer Entscheidungen Die Behauptungen der Staatsanwaltschaft entbehrten jeder aktienrechtlichen Grundlage. Die Juristen warfen den Strafverfolgern vor, wichtige Zeugen nicht vernommen zu haben. Die Behörde habe zudem mangelnde Kenntnisse unternehmerischer Entscheidungen demonstriert. Die Staatsanwaltschaft wirft insgesamt sechs Top-Managern und Gewerkschaftern vor, bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000 bis zu 111 Millionen Mark (57 Mio Euro) Schaden angerichtet zu haben. Der Vorwurf lautet auf besonders schwere Untreue. Mehrere Zahlungen von Prämien und Pensionen hätten den Interessen des Unternehmens und den Bestimmungen des Aktienrechts widersprochen. Zwei Rechtsgutachten der Jura-Professoren Theodor Baum und Uwe Hüffer sind nach Darstellung der Anwälte zu dem Schluss gekommen, dass die Justizbehörde die damaligen Ereignisse "aktienrechtlich falsch bewertet" habe. Die Prämien seien angemessen gewesen und rechtlich nicht zu beanstanden. Der Ermessensspielraum sei dabei nicht überschritten worden. Eine Pflichtverletzung der Aufsichtsratsmitglieder sei nicht nachweisbar. "Die Staatsanwaltschaft hat mit ihrer Anklage versucht, sich den rechtlichen Grundvoraussetzungen zu entziehen, indem sie an ihrer schon früher aufgestellten "Komplott-Theorie" festhält", betonten die Anwälte. Eine Verschwörung zur gegenseitigen Bereicherung habe es aber nicht gegeben. Ackermann saß damals im Aufsichtsrat von Mannesmann. Beschuldigt werden unter anderem auch Klaus Esser, Ex-Vorstandschef von Mannesmann, der ehemalige Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk und dr IG Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel. Das Düsseldorfer Landgericht hatte den Verteidigern der Beschuldigten eine Frist für Stellungnahmen eingeräumt, die am 15. Juli endete. Das Gericht muss nun entscheiden, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird.
Die Anwälte von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wollen ein Strafverfahren mit allen Miteln verhindern.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-fall-mannesmann-kampf-um-die-klage-1.899020
Der Fall Mannesmann - Kampf um die Klage
00/05/2010
Die Bundesnetzagentur wird die Weiterleitungsgebühren der vier Betreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 künftig genehmigen. Gespräche in andere Netze dürften dann deutlich weniger kosten. Handygespräche in die Netze anderer Telefongesellschaften könnten für die Verbraucher schon gegen Jahresende deutlich billiger werden. Nach dem Scheitern einer freiwilligen Übereinkunft über die so genannten Terminierungsentgelte, die die Mobilfunkgesellschaften für die Weiterleitung von Gesprächen aus anderen Netzen berechnen, wird die Bundesnetzagentur diese Gebührenbestandteile künftig vorab genehmigen. Eine entsprechende Regulierungsverfügung sei den vier Netzbetreibern T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 zugestellt worden, teilte Behördenchef Matthias Kurth am Mittwoch in Bonn mit. Die deutschen Mobilfunkunternehmen werden auf diese Weise erhebliche Einnahmen verlieren, die sie sich vermutlich jedoch an anderer Stelle wieder von ihren Kunden zurückholen werden - etwa über höhere Grundgebühren oder reduzierte Subventionen bei Handys. Die vier Gesellschaften müssten nun unverzüglich Genehmigungsanträge stellen, die von der Bundesnetzagentur dann innerhalb einer Zehn-Wochen-Frist geprüft und gegebenenfalls gebilligt würden. Die Netzagentur werde ihre Prüfung nach dem Maßstab einer effizienten Leistungsbereitstellung vornehmen und dabei berücksichtigen, dass die Zusammenschaltung der Netze diskriminierungsfrei erfolge, hieß es. Mobilfunkmarkt bisher nicht reguliert Kostenorientierte Vorleistungspreise in diesem Bereich bezeichnete Kurth als entscheidende Voraussetzung für eine Senkung der Endkundentarife. In welchem Umfang die Verbraucher von der künftigen Regulierung profitieren würden, könne aber erst nach Prüfung der eingereichten Tarifunterlagen gesagt werden. Bisher wird der Mobilfunkmarkt in Deutschland nicht reguliert, und zumindest die vier Mobilfunkanbieter waren damit sehr zufrieden. Allerdings haben die Brüsseler Wettbewerbshüter in jüngster Zeit mehrfach darauf hingewiesen, dass sie in einigen Bereichen durchaus Regulierungsbedarf sehen. Eine Marktanalyse habe deutlich gemacht, dass die vier Anbieter über eine erhebliche Marktmacht gegenüber den Festnetzbetreibern verfügen. Dies veranlasste die Netzagentur nun zum Einschreiten. Aktuell erhalten T-Mobile und Vodafone für Gespräche, die in ihren Netzen eingehen, 11 Cent pro Minute, von E-Plus und O2 werden pro Minute 12,4 Cent kassiert. Die Gespräche über eine freiwillige Absenkung der Entgelte, die möglicherweise eine Regulierung des Mobilfunkmarktes erübrigt hätte, waren am Widerstand von E-Plus gescheitert, das für sich eine stärkere Tarifdifferenzierung verlangt hatte. Unnachgiebige Haltung Diese Forderung begründete der Anbieter damit, dass die in einem anderen Frequenzband arbeitenden E-Netze teurer zu betreiben seien als die D-Netze von T-Mobile und Vodafone. Die unnachgiebige Haltung des Mobilfunkbetreibers verärgerte insbesondere den kleineren Wettbewerber O2, der bereit war, sich einer freiwilligen Regelung unterzuordnen und damit eine Regulierung der Mobilfunkpreise in Deutschland zu vermeiden. O2-Chef Rudolf Gröger geht davon aus, dass die Terminierungsentgelte nun durch die Regulierung unter 10 Cent pro Minute sinken werden.
Die Bundesnetzagentur wird die Weiterleitungsgebühren der vier Betreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 künftig genehmigen. Gespräche in andere Netze dürften dann deutlich weniger kosten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/regulierer-greift-erstmals-ein-handy-telefonate-sollen-billiger-werden-1.904548
Regulierer greift erstmals ein - Handy-Telefonate sollen billiger werden
00/05/2010
Wer sitzt eigentlich in diesem Sachverständigenrat? Und was ist deren Aufgabe? Hier ein Überblick. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung - kurz die fünf "Wirtschaftsweisen" - ist ein Gremium der wissenschaftlichen Politikberatung. Gesetzlicher Auftrag Es wurde per Gesetz 1963 zur regelmäßigen Bewertung der wirtschaftlichen Situation gegründet. Das Gremium soll zur Erleichterung der Urteilsbildung aller wirtschaftspolitischen Instanzen sowie der Öffentlichkeit beitragen. Es ist in seinem Beratungsauftrag unabhängig. Die "Wirtschaftsweisen" analysieren besonders die gesamtwirtschaftliche Lage und deren absehbare Entwicklung. Ferner sollen sie untersuchen, wie im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig Stabilität des Preisniveaus, hoher Beschäftigungsstand und außenwirtschaftliches Gleichgewicht bei "stetigem und angemessenem Wachstum" gewährleistet werden können. Dem gesetzlichen Auftrag folgend verfasst und veröffentlicht der Rat jedes Jahr im November ein Jahresgutachten. Bei besonderen Problemlagen oder nach Auftrag durch die Bundesregierung werden auch Sondergutachten verfasst. Zuletzt hatte der Rat im Sommer ein Sondergutachten zu Kombilohnmodellen erstellt. Der Sachverständigenrat besteht aus fünf Mitgliedern, die für einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung berufen werden. Mitglieder Derzeit gehören dem Gremium folgende Professoren an: Peter Bofinger (Universität Würzburg), Wolfgang Franz, (Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim), Bert Rürup (Technische Universität Darmstadt), Beatrice Weder di Mauro (Universität Mainz), Wolfgang Wiegard (Universität Regensburg). Vorsitzender des Gremiums ist Bert Rürup.
Wer sitzt eigentlich in diesem Sachverständigenrat? Und was ist deren Aufgabe? Hier ein Überblick.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/die-fuenf-wirtschaftsweisen-pruefer-der-nation-1.899346
Die fünf Wirtschaftsweisen - Prüfer der Nation
00/05/2010
Die Arbeitsniederlegung der Metaller geht in die vierte Woche. BMW erwägt bereits, die Kurzarbeit auf Grund fehlender Teile aus ostdeutschen Betrieben zu verlängern. Doch die Zahl der Streikbrecher mehrt sich. Zu Beginn der vierten Woche des Arbeitskampfes um die Einführung der 35-Stunden-Woche bröckelt die Streikfront im für die Produktion der westdeutschen Autoindustrie wichtigen ZF-Getriebewerkes Brandenburg an der Havel. Einmaliger Vorgang Etwa ein Drittel der Belegschaft nahm am Montag trotz Streikaufrufs der IG Metall die Produktion wieder auf. Die etwa 300 Beschäftigten betraten das Werk unter den Pfiffen ihrer streikenden Kollegen durch eine drei Meter breite Gasse, zu deren Freihaltung vor dem Werkstor die Streikposten gerichtlich verpflichtet worden war. Der Verhandlungsführer der IG Metall, Hasso Düvel, bezeichnete es als einmaligen Vorgang, dass der Brandenburger Wirtschaftsminister Ulrich Junghans am Morgen die arbeitswilligen Beschäftigten des Betriebes besuchte. "Sie kommen, um mitzuhelfen, diesen Streik zu brechen", sagte Düvel zu dem CDU-Politiker. "Sie haben sich benutzen lassen." Junghans dagegen erklärte, er wolle sich persönlich vor Ort über die Tarifauseinandersetzung zu informieren. Er halte jedoch den Streik in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation für nicht günstig und hoffe, dass dieser bald beendet werde, sagte Junghans. Unterdessen kündigte BMW an, die am Montag wegen fehlender Getriebe aus Brandenburg in den Werken München, Regensburg und Dingolfing eingeführte Kurzarbeit möglicherweise zu verlängern. BMW: Jeder Streiktag kostet 38 Millionen Euro Umsatz Der Vorstand war bisher von einem Streikende am vergangenen Wochenende ausgegangen und hatte deshalb beschlossen, die Werke bis zur Frühschicht am kommenden Mittwoch herunterzufahren. "Jeder Tag der jetzt länger gestreikt wird, wird sich entsprechend auch für uns auswirken", sagte der Leiter Einkauf, Antrieb und Fahrwerk des BMW-Konzerns, Dieter Bergmann. Jeder ausgefallene Tag koste BMW etwa 38 Millionen Euro Umsatz. Im Kampf um die Arbeitszeitverkürzung in Ostdeutschland hatte die IG Metall am Montag erneut 9.000 Beschäftigte in Sachsen, Brandenburg und Ost-Berlin zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. "Dieser Streik steht und er wird auch weiter stehen", sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Düvel. Die Gewerkschaft sei jedoch verhandlungsbereit und warte auf ein Angebot der Arbeitgeber. Es gehe nicht darum, die Wirtschaft in den neuen Ländern kaputt zu streiken, erklärte Düvel. "Wenn wir das Image als Billigtarifgebiet loswerden, dann wird es auch hier Arbeitsplätze geben."
Die Arbeitsniederlegung der Metaller geht in die vierte Woche. BMW erwägt bereits, die Kurzarbeit auf Grund fehlender Teile aus ostdeutschen Betrieben zu verlängern. Doch die Zahl der Streikbrecher mehrt sich.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ostdeutschland-die-streikfront-broeckelt-1.904035
Ostdeutschland - Die Streikfront bröckelt
00/05/2010
Die Grünen fordern die Bürgerversicherung schon lange, und so langsam schwenkt die SPD auf die Linie des Koalitionspartners ein. Noch sind die Auffassungen allerdings recht unterschiedlich. Eine solidarische Verbindung zwischen gesetzlichen und privaten Krankenkassen finde im Präsidium Unterstützung, sagte SPD-Generalsekretär Olaf Scholz. In einem derartigen System bleiben die privaten Versicherungen bestehen, werden aber in das System von Ausgleichszahlungen eingebunden, das es zwischen den gesetzlichen Krankenkassen bereits gibt. Charmant an der Idee der Bürgerversicherung sei, "dass die Solidaritätsbeziehung verbreitert wird", sagte Scholz weiter. Eine "Rosinenpickerei" beim Abschluss von Versicherungsverträgen solle es nicht mehr geben. SPD will Arbeitgeber-Beiträge nicht einfrieren Nicht einverstanden war das SPD-Präsidium mit dem Vorschlag von Joschka Fischer, die Arbeitgeber-Beiträge zur Krankenversicherung einzufrieren. "Das hat mit der Solidarität, die wir gerade neu einführen wollen, wenig zu tun", sagte der SPD-Generalsekretär. Nach dem Willen der SPD sollen die Versicherten auch keine Beiträge auf Zinsen und Mieteinnahmen zahlen. Scholz sagte, damit würden den Versicherungssystemen Aufgaben der Steuereintreibung gegeben, die sie überforderten. Ebenfalls nicht mittragen will die SPD Vorschläge für eine höhere Beitragsbemessungsgrenze. Er kenne niemanden in der Partei, der dies noch unterstütze, sagte Scholz zu dem entsprechenden Vorstoß aus der Rürup-Kommission. In der gesetzlichen Sozialversicherung müssen die Versicherten nur für ihr Einkommen bis zur Bemessungsgrenze Beiträge zahlen. Bundesregierung hält sich zurück Zurückhaltend zur Diskussion um die Bürgerversicherung äußerte sich Regierungssprecher Bela Anda. Er erklärte, bis Ende September werde Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zunächst die Vorschläge der Rürup-Kommission auswerten. Dann müssten sich die Parteien eine Meinung bilden. Im Oktober sei ein Spitzentreffen der Koalition zur Rentenreform geplant. In diesem größeren Kreis werde auch über die Finanzierung der Krankenversicherung gesprochen. Einen förmlichen Beschluss der SPD zur Bürgerversicherung werde es erst in zwei Wochen geben, sagte Scholz. Dann sollen Leitanträge für den Parteitag im November beschlossen werden. Ein Sprecher von Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) verwies darauf, dass Schmidt mehrfach Sympathien für die Bürgerversicherung habe erkennen lassen. Es gebe aber auch andere Vorschläge. (sueddeutsche.de/AFP/dpa)
Die Grünen fordern die Bürgerversicherung schon lange, und so langsam schwenkt die SPD auf die Linie des Koalitionspartners ein. Noch sind die Auffassungen allerdings recht unterschiedlich.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/buergerversicherung-es-gruent-in-der-spd-1.905905
Bürgerversicherung - Es grünt in der SPD
00/05/2010
Die Bauwirtschaft steckt seit zehn Jahren in einer Dauerrezession. Im Bauboom der deutschen Wiedervereinigung aufgebläht, entstanden drastische Überkapazitäten. Die Folge: Die Unternehmen ruinierten sich mit Preisen, die nicht kostendeckend waren. Die Insolvenz des Augsburger Baukonzerns Walter Bau wird den Verlust von Arbeitsplätzen in der krisengeschüttelten Bauwirtschaft beschleunigen. Beim viertgrößten deutschen Bauunternehmen arbeiten derzeit knapp 9400 Menschen. Nach Schätzung der Industriegewerkschaft BAU sind durch die Walter-Bau-Insolvenz bis zu 20.000 Stellen bedroht, weil auch viele Lieferanten und Subunternehmen von Walter Bau betroffen sind. Auf Aufträge der Konzerne angewiesen Vor allem kleine Betriebe sind auf Aufträge der Konzerne angewiesen. "An jedem Bauarbeitsplatz hängen traditionell zwei bis drei weitere Stellen", erklärt Matthias Hartwich. Er ist Geschäftsführer des Bezirksverbands Schwaben der IG BAU in Augsburg. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, in dem sich der Mittelstand organisiert hat, befürchtet, dass es zu Insolvenzen kleinerer von Walter Bau abhängiger Betriebe kommen könnte. Auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, dessen Präsident wiederum Ignaz Walter von Walter Bau ist, schließt nicht aus, dass Subunternehmen vom Markt gehen müssen. Konzept des Insolvenzverwalters Wie viele Arbeitsplätze schließlich verloren gingen, hänge allerdings vom Konzept des vorläufigen Insolvenzverwalter Werner Schneider ab, heißt es unisono. Die Pleite des viertgrößten deutschen Bauunternehmens führen Fachleute auf interne Schwierigkeiten zurück. Der Konzern hat nach Einschätzung von Experten das Geschäft im Ausland zu wenig ausgebaut. Dennoch steht die Insolvenz von Walter Bau auch für die desolate Lage der Bauwirtschaft insgesamt. Erst vor drei Jahren hatte der Zusammenbruch des Frankfurter Baukonzerns Philipp Holzmann der Branche einen Dämpfer versetzt, Tausende Menschen verloren ihre Jobs. Staatliche Anreize Die Bauwirtschaft steckt seit zehn Jahren in einer Dauerrezession. Im Bauboom der deutschen Wiedervereinigung, durch staatliche Anreize für den Wohnungsbau aufgebläht, entstanden drastische Überkapazitäten. Die Folge: Die Unternehmen ruinierten sich mit Preisen, die nicht kostendeckend waren. Hinzu kommt die schwache Binnennachfrage und die immer schlechter werdende Zahlungsmoral der Auftraggeber. Immer öfter müssen Firmen deshalb Projekte mit Billigkräften aus Osteuropa bewältigen. Nach Angaben des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie sank seit 1995 die Zahl der Arbeitsplätze von 1,4 Millionen auf etwa 770.000 Stellen (2004). "Die Zeche zahlen die Arbeitnehmer", schimpft Gewerkschafter Hartwich.
Die Bauwirtschaft steckt seit zehn Jahren in einer Dauerrezession. Im Bauboom der deutschen Wiedervereinigung aufgebläht, entstanden drastische Überkapazitäten. Die Folge: Die Unternehmen ruinierten sich mit Preisen, die nicht kostendeckend waren.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/desolate-lage-dauerkrise-am-bau-1.920156
Desolate Lage - Dauerkrise am Bau
00/05/2010
Die Lufthansa verschärft ihren Sparkurs. Mit dem Abbau von mehr als 2000 Stellen, einem Sparprogramm von 1,2 Milliarden Euro und flexiblerer Arbeitszeit will die Airline auf den zunehmenden Konkurrenzdruck reagieren. Dies kündigte Personalvorstand Stefan Lauer in der neuen LH-Mitarbeiterzeitung Lufthanseat an. Die Lufthansa müsse ihre Kostenbasis - 17 Milliarden Euro 2002 - nachhaltig senken, betonte Lauer. Dazu zwinge der Preisverfall nicht zuletzt wegen Überkapazitäten und des Vordringens der Billigflieger. Gewinne noch weit weg "Wir sind noch weit entfernt von den Gewinnen, die wir brauchen, um im Wettbewerb mitzuhalten und zu wachsen", erklärte Lauer. Den genauen Umfang der geplanten Stellenstreichungen wollte er nicht nennen. "Das kann heute noch keiner sagen, das wäre reine Spekulation." Zuletzt hatte der Betriebsratsvorsitzende Manfred Calsow von 2000 der insgesamt 59.000 Arbeitsplätze im Inland gesprochen, die abgebaut werden sollen. "Wir müssen davon ausgehen, dass sich diese Zahl noch erhöhen wird", erklärte nun Lauer. Allein bei den Personalkosten wird ein Sparpotenzial von 300 Millionen Euro angepeilt. Dazu werden neben dem Stellenabbau auch längere Arbeitszeiten und Jahresarbeitszeitsysteme ins Auge gefasst. Neuorganisation in Europa Die zweite Stoßrichtung zielt auf die Neuorganisation des LH-Linienverkehrs in Europa. Der Kontinentalverkehr sei nicht wirtschaftlich genug, um gegen die Billigflieger, die Überangebote und den daraus resultierenden Preisverfall bestehen zu können, sagte Lauer. Dazu will der Vorstand in der kommenden Woche erste Vorschläge unterbreiten. Ein Hebel zur Kostenreduzierung ist die Erhöhung des Taktverkehrs ("Shuttle") zwischen zwei Flughäfen. Dies reduziert die Standzeit der Maschinen am Boden und erhöht damit die tägliche Zahl der Flüge.
Die Lufthansa verschärft ihren Sparkurs. Mit dem Abbau von mehr als 2000 Stellen, einem Sparprogramm von 1,2 Milliarden Euro und flexiblerer Arbeitszeit will die Airline auf den zunehmenden Konkurrenzdruck reagieren.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fluggesellschaften-harte-zeiten-fuer-den-kranich-1.904731
Fluggesellschaften - Harte Zeiten für den Kranich
00/05/2010
Boni, Sonderboni, Lustreisen: In der nächsten Woche landet die Klage gegen Ex-VW-Vorstand Peter Hartz beim Landgericht Braunschweig. Es ist sonderbar, dass der Angeklagte darauf besteht, eigenmächtig gehandelt zu haben. Vor vier Jahren, im November 2002, übernahm Gerstin Dreyer die 6. Große Strafkammer am Landgericht Braunschweig, die Wirtschaftsstrafkammer. Seitdem hat die 46-jährige Vorsitzende Richterin Erfahrungen mit Angeklagten gemacht, die in der Regel redegewandt und nicht vorbestraft sind. Detailansicht öffnen Peter Hartz gilt als gewiefter Stratege, aber schätzt er seine Lage richtig ein? (Foto: Foto: AP) Manchmal erkennt man sie im Gerichtssaal nur noch daran, dass sie keine Robe tragen. Diese Täter schätzten ihre ,,prozessuale Situation häufig richtig ein'', hat die Richterin mal einem Reporter der Braunschweiger Zeitung gesagt, sie würden ,,nicht um jeden Preis leugnen''. Juristisches Neuland Der Beschuldigte, dessen Anklage vermutlich schon Ende nächster Woche bei Dreyers Kammer landen wird, hat große intellektuelle Fähigkeiten, und er gilt als gewiefter Stratege: Peter Hartz, 65, Ex-Vorstand von VW. Fragt sich aber, ob er seine Lage richtig einschätzt. In wochenlanger Arbeit haben die Braunschweiger Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff, 42, und ihr Kollege Staatsanwalt Ralf Tacke, 45, die Anklage gefertigt. Dabei beschreiten sie juristisches Neuland. Deshalb wird sich das fachkundige Publikum auch für den Vermerk interessieren, mit dem die Strafverfolger diese Anklage der Kammer erläutern wird. Hartz soll - wie in der SZ vom 9.11. berichtet - wegen Verdachts der Untreue in Tateinheit mit einem Verstoß gegen Paragraf 119 des Betriebsverfassungsgesetzes (,,Straftaten gegen Betriebsverfassungsorgane und ihre Mitglieder'') angeklagt werden. Dieser Paragraf hat in großen Wirtschaftsstrafprozessen noch nie eine Rolle gespielt. Bestraft wird, wer ,,um ihrer Tätigkeit willen'' Betriebsratsmitglieder begünstigt. Der VW-Manager Peter Hartz soll versucht haben, einen der einst mächtigsten Betriebsratschefs des Landes zu kaufen: den früheren VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert. Stimmt die juristische Konstruktion der Ermittler? Auf den ersten Blick jedenfalls sind die angenommene Untreue, deretwegen VW ein Millionen-Schaden entstanden sein soll, und die angenommene Begünstigung, die VW einen nicht zu bestimmenden Vorteil gebracht haben soll, kaum miteinander in Einklang zu bringen. Andererseits wissen Juristen, dass bei Paragrafen manche interessante Interpretation möglich ist. Ein Fall von Begünstigung Wegen Untreue drohen Hartz theoretisch bis zu fünf Jahre Gefängnis, während die 119er-Begünstigung höchstens mit einem Jahr Haft bestraft werden könnte. Die Strafprozessordnung bietet die Möglichkeit, einen Teil der Anklage als ,,unwesentliche Nebenstrafe'' (Paragraf 154) einzustellen. Nebensächlich in dem Verfahren sind mittlerweile die Extra-Touren von Hartz mit Prostituierten in Schanghai, Paris, Lissabon und anderswo geworden, deren Dienste im Gesamtwert von 5772,48 Euro angeblich von VW bezahlt wurden. Untreue hat viele Facetten, Unschärfen und auch Untiefen. Interessanter für die Öffentlichkeit wäre eine Ausleuchtung des Systems VW unter besonderer Berücksichtigung des Paragrafen 119. Warum wurde der gelernte Schmied Volkert von VW mehr als ein Jahrzehnt lang wie eine Art Markenvorstand behandelt? Firmenjets standen ihm zur Verfügung, käufliche Frauen auch. Wie kam es, dass sich sein Gehalt, einschließlich Boni und Sonderboni, innerhalb von zehn Jahren mehr als verzehnfachte? Volkert verdiente 1990 umgerechnet 57.332 Euro, 2000 waren es 646.166 Euro - bei dieser Betrachtung der unheimlichen Einkommensvermehrung eines Arbeiterführers bleiben ,,Vertrauensspesen'' in jährlich sechsstelliger Höhe, für die er keine Belege einreichen musste, unberücksichtigt. Auffällig ist, dass in die Amtszeit des Betriebsratskönigs Volkert Prestigeobjekte des Vorstands fallen: Beispielsweise stimmten die Arbeitnehmervertreter Milliarden-Investitionen in Marken wie Lamborghini, Bentley und Bugatti zu.
Boni, Sonderboni, Lustreisen: In der nächsten Woche landet die Klage gegen Ex-VW-Vorstand Peter Hartz beim Landgericht Braunschweig. Es ist sonderbar, dass der Angeklagte darauf besteht, eigenmächtig gehandelt zu haben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-fall-hartz-ein-sonderbarer-beschuldigter-1.898768
Der Fall Hartz - Ein sonderbarer Beschuldigter
00/05/2010
Was ist, wenn der Anwalt eine von den gesetzlichen Gebühren abweichende Regelung vereinbaren will? Eines ist klar: Das "Erfolgshonorar", das viele spätestens seit AllyMcBeal kennen, ist in Deutschland unzulässig. Das Gesetz verbietet, die Vergütung des Rechtsanwalts vom Erfolg oder vom Ausgang der Sache abhängig zu machen. Auch eine Vereinbarung, nach der der Anwalt einen Teil des erstrittenen Betrags als Honorar erhält, ist unzulässig. Üblich sind allerdings zeitbezogene Abrechnungen, sogenannte Honorarvereinbarungen. Auch Pauschalvereinbarungen für eine bestimmte Angelegenheit sind möglich. "Gebührenvereinbarungen, die von der gesetzlichen Regelung abweichen, sind zulässig", erklärt der Präsident der Rechtsanwaltskammer München Hansjörg Staehle,"besonders im Strafrecht sind solche Vereinbarungen die Regel." Da können für eine mittlere Strafsache schnell mal 2500 Euro bis 5000 Euro fällig sein - "nach oben bis zu sechsstellige Beträge", sagt Staehle. Der Markt reguliert die Preise Auch im Verwaltungsrecht werden häufig Honorarvereinbarungen getroffen: "Ansonsten ist es für die Anwälte wegen der geringen Streitwerte und des großen Arbeitsaufwands nicht mehr möglich, wirtschaftlich zu arbeiten", erläutert Rechtsanwalt Dr. Thomas Spiegels von der Kanzlei Seufert in München. Der Stundensatz variiert meistens zwischen 150 und 300 Euro, Spitzenkanzleien im Wirtschaftsrecht nehmen sogar bis zu 500 Euro pro Stunde. Wobei auch hier der Wettbewerbsdruck zunimmt: "Oftmals werden bei großen Mandaten Pauschalhonorare vereinbart", sagt Kammer-Präsident Staehle, "da reguliert der Markt die Preise." "Eine Unterschreitung der gesetzlichen Gebühren ist bei den gerichtlichen Gebühren unzulässig," erklärt Stahle, "bei außergerichtlichen Streitigkeiten ist sowohl eine Überschreitung als auch eine Unterschreitung erlaubt." Es könne sich also zweifellos lohnen, verschiedene Kanzleien aufzusuchen und Preise zu vergleichen, so der Präsident. Rechtschutzversicherung ersetzt die Extra-Kosten nicht Wichtig ist zu wissen: Bei Honorarvereinbarungen muss der Gegner, wenn er den Prozess verliert, den über den gesetzlichen Gebühren liegenden Betrag nicht bezahlen. "Auch die Rechtschutzversicherung ersetzt ihn nicht", sagt Rechtsanwältin Katherina Türck von der Kanzlei Luther Menold München, "diese Kosten muss der Mandant selbst tragen." Anspruch auf detaillierte Abrechung Wenn der Mandant die Rechung erhält, muss er sie auf Unstimmigkeiten überprüfen können. "Die Abrechung muss im Einzelnen darlegen, was der Anwalt wann in der Sache bearbeitet hat", sagt Staehle, "darauf hat der Mandant Anspruch." Oft runden die Anwälte auf halbe oder volle Stunden auf - "das ist zulässig", erklärt der Präsident, "theoretisch kann auch ein Telefongespräch auf eine halbe Stunde aufgerundet werden." Manche Kanzleien rechnen deshalb nach Zehnteln ab - eine Einheit sind dann sechs Minuten. Die Mandanten sind allerdings mir ihrer Geduld häufig am Ende. "Zeitvereinbarungen werden zunehmend Gegenstand von Gerichtsentscheidungen," sagt Staehle. Wichtig sei deshalb eine nachvollziehbare und klare Abrechnung. Davon profitieren beide Parteien.
Was ist, wenn der Anwalt eine von den gesetzlichen Gebühren abweichende Regelung vereinbaren will? Eines ist klar: Das "Erfolgshonorar", das viele spätestens seit AllyMcBeal kennen, ist in Deutschland unzulässig.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/honorarvereinbarungen-stundensaetze-bis-zu-500-euro-1.900815
Honorarvereinbarungen - Stundensätze bis zu 500 Euro
00/05/2010
Der 1. Mai könnte eine Streikwoche eröffnen, wie es sie in der Tarifgeschichte lange nicht mehr gab: Bei Telekom, Bau- und Metallbranche brodelt es. Dies wird eine Woche, wie es sie in der deutschen Tarifgeschichte schon lange nicht mehr gab: In drei verschiedenen Branchen wird sich entscheiden, ob es tatsächlich zu Streiks kommen wird, und in allen drei Branchen ist Donnerstag, 3. Mai, ein bestimmender Tag: Dann entscheiden die Arbeitgeber des niedersächsischen Baugewerbes, ob sie tatsächlich den vor vier Wochen für das gesamte Bundesgebiet geschlossenen Tarifvertrag platzen lassen. Detailansicht öffnen Die Metallindustrie floriert - die Gewerkschaft fordert deshalb mehr Geld für die Angestellten. (Foto: Foto: dpa) Am selben Tag findet in Köln die Hauptversammlung der Telekom statt. Und in Sindelfingen treffen sich die Tarifparteien der Metallindustrie, um doch noch einen Abschluss hinzubekommen; andernfalls folgt die Urabstimmung. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, sagt, ein Scheitern würde "dem System der Lohnfindung" einen schweren Schlag versetzen. Ist das so? Von ihrem Wesen her sind all die Auseinandersetzungen höchst unterschiedlich. In der Metall- sowie der Baubranche finden Tarifrunden klassischer Art statt: Der Baubranche geht es nach zehn mageren Jahren wieder besser, die Metallindustrie verdient sogar glänzend. In beiden Fällen streiten IG Bau und IG Metall dafür, mehr Geld herauszuschlagen. Wie in den seligen Zeiten vor der Globalisierung geht es vor allem darum, am Zuwachs ordentlich teilzuhaben. Telekom versus Verdi Bei der Telekom hingegen muss sich die Gewerkschaft Verdi einem Abwehrkampf stellen. Zur Debatte steht das Ansinnen des Unternehmens, fast jeden dritten Beschäftigten für weniger Geld länger arbeiten zu lassen. Bei allen Problemen, die die Telekom vor allem in ihrem Geschäftsbereich Festnetz hat - immer noch geht es dem Unternehmen so gut, dass ihre Aktionäre in Köln eine provozierend hohe Dividende von mehr als drei Milliarden Euro beschließen wollen. In dem Großgebilde Telekom verfügt die Gewerkschaft Verdi über zahlreiche Mitglieder, mit anderen Worten: Sie hat dem Willen der Firma etwas entgegenzusetzen. Sie führt hier eine Auseinandersetzung, die für ihre eigene Zukunft entscheidend sein wird. Gerade Verdi hat ja eine Reihe von Branchen am Bein, in denen man als Gewerkschaft sowieso kaum kampffähig ist: Friseur-, Speditions-, Bewachungsgewerbe - lauter Branchen also, die nicht aus gut angreifbaren großen Firmen bestehen, sondern in viele kleine Betriebe zersplittert sind, in denen nur die wenigsten Beschäftigten organisiert sind. Tarifverhandlungen gleichen dort einer kollektiven Bettelei. Wenn die Beschäftigten also schon im Fall Telekom nicht mehr von Verdi profitieren können - wo eigentlich dann? Starke Gewerkschaften versus große Betriebe Geht die Auseinandersetzung in der Metallindustrie um etwas ganz anderes, so ist die Gefechtslage dort doch vergleichbar: Relativ große Betriebe haben es mit einer an Mitgliedern starken Gewerkschaft zu tun. Nun äußert Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser, die am Wochenende angelaufenen Warnstreiks seien deshalb so schädlich, weil Ausfälle kaum nachgearbeitet werden könnten - "bei der wegen der guten Konjunktur hohen Auslastung der Betriebe". Na bitte! Gerade weil die Konjunktur so gut läuft, ist die IG Metall doch mit einer Forderung von 6,5 Prozent in die Tarifrunde gegangen. Die Arbeitgeber aber beharren weiter darauf, der Abschluss 2007 müsse niedriger als der von 2006 ausfallen. Wie wollen sie da eine Einigung erwarten? In diesen Tarifrunden besteht nicht die Gefahr, dass dem System der Lohnfindung ein Schlag versetzt wird; eine Tarifrunde geht zu Ende, die nächste kommt. Die Frage ist eine andere: Sollen die Beschäftigten selbst dort nichts mehr zu gewinnen haben, wo die Geschäfte gut laufen? Und sollen sie auch noch Geld hergeben, nur um die Gier von Aktionären oder den Geiz von Kunden zu bedienen? Wenn es so kommt, dann wird in Deutschland über kurz oder lang etwas ganz anderem als bloß "dem System der Lohnfindung" ein Schlag versetzt: der Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft.
Der 1. Mai könnte eine Streikwoche eröffnen, wie es sie in der Tarifgeschichte lange nicht mehr gab: Bei Telekom, Bau- und Metallbranche brodelt es.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streik-gefahr-wider-die-kollektive-bettelei-1.905339
Streik-Gefahr - Wider die kollektive Bettelei
00/05/2010
Gloria von Thurn und Taxis hat mit ihrer fröhlichen Dampfplauderei die Familie eines früheren Managers verärgert — ein Fall für die Justiz. Sie ist wieder da. Diesmal nicht, wie in ihren wilden, wilden Jahren, im schrillen Designerfummel und mit einer Haarpracht, bunt aufgetürmt wie ein Berg Zuckerwatte. Die einstige "Punk-Prinzessin" beliebt nunmehr die zurückhaltende Eleganz nobler Couturiers an den Tag zu legen, die Frisur geht in Richtung Angela Merkel. Trotzdem erfreut sie sich nachhaltiger Beliebtheit im großen Medienzirkus. Auf 389 Buchseiten hat sie ihr Leben erzählt, und seither wird Mariae Gloria Ferdinanda Joachima Josefine Wilhelmine Huberta von Thurn und Taxis, geborene Gräfin von Schönburg-Glauchau, überall mit Freuden durchgenommen: Johannes B. Kerner widmet ihr eine ganze Sendung, der Spiegel verfolgt sie auf fünf Druckseiten vom Quincy-Jones-Konzert in Rom bis zur Bundespräsidentenwahl in Berlin, wo sie als Wahlfrau der CSU dummerweise für die SPD-Kandidatin Gesine Schwan stimmt. "Bande dahergelaufener Versager" Das verschafft ihr umgehend den nächsten Fernsehauftritt, wobei sie von alten Christsozialen ein wenig gerüffelt werden muss. Macht aber nichts. Gloria lächelt und alle haben sie wieder schrecklich lieb, weil sie ja so charmant sein kann. Und überhaupt hat die Frau ja auch was geleistet: Hat eine beachtliche Metamorphose von der Partynudel, die in ihrem Buch freimütig auch vom Kiffen und Koksen erzählt, über Ausflüge in die höchsten Höhen des internationalen Jetsets hin zur tief religiösen Managerin eines adeligen Milliardenvermögens hinter sich.
Gloria von Thurn und Taxis hat mit ihrer fröhlichen Dampfplauderei die Familie eines früheren Managers verärgert — ein Fall für die Justiz.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/komplott-der-manager-unannehmlichkeiten-fuer-ihre-durchlaucht-1.901689
"""Komplott der Manager"" - Unannehmlichkeiten für Ihre Durchlaucht"
00/05/2010