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Der Inder Anshu Jain und der Westfale Rainer Neske stehen für die Doppelstrategie der Deutschen Bank - und halten Ackermann den Rücken frei. In Frankfurt erinnert man sich noch gut an die berühmteste Flügelzange der Fußballgeschichte. Jürgen ,,Grabi'' Grabowski und Bernd ,,Holz'' Hölzenbein setzten im WM-Finale 1974 den Holländern über die Außenbahnen so zu, dass es gegen den scheinbar überlegenen Konkurrenten zum Titel reichte. Detailansicht öffnen Deutsche Bank-Chef Ackermann weiß die Qualitäten seiner beiden Spitzenbanker zu schätzen. (Foto: Foto: Reuters) So ähnlich hätten sie es gerne auch bei der Deutschen Bank. In der elfköpfigen Führungsmannschaft des Frankfurter Finanzkonzerns, dem Group Executive Committee (GEC), bilden Anshu Jain und Rainer Neske die Flügelzange. Mit einer offensiven Strategie im Investmentbanking auf der einen und dem Privatkundengeschäft auf der anderen Seite sollen sie die Konkurrenz aushebeln. Erfolgreicher Investmentbanker Jain, 43, und Neske, 42, sind die jüngsten Mitglieder im GEC. Und hinter dem dominanten Regisseur Ackermann waren sie im Jahr 2006 die auffälligsten Akteure bei der Deutschen Bank. Der Inder Jain leitet den Geschäftsbereich Global Markets, den Handel mit Aktien und Anleihen, Devisen und Derivaten. Zum Konzerngewinn von sechs Milliarden Euro trugen Jain und sein Team 2005 etwa die Hälfte bei. ,,Rainmaker'', übersetzt Regenmacher, nennen Banker jene Leute, die das große Geld ranschaffen, und 2006 dürfte Jains Anteil noch gewachsen sein. Neske steuerte mit dem Bereich Privat- und Geschäftskunden 2005 rund eine Milliarde Euro zum Konzerngewinn bei. Jahrelang lief bei der Deutschen Bank fast alles über den Investmentbanking-Flügel und damit über Jain. So wollte es Ackermann, der Mitte der neunziger Jahre unter Hilmar Kopper die Metamorphose der Deutschen Bank zur Investmentbank betrieb. Die Stütze Ackermanns Schon damals verknüpfte Ackermann sein Schicksal mit dem Erfolg Jains. Der junge Jain kam 1995 im Gefolge von Edson Mitchell von Merrill Lynch zur Deutschen Bank. Die beiden Star-Händler unterstützten Ackermann auf dem Weg an die Konzernspitze. Nach dem tragischen Tod Mitchells, der Weihnachten 2000 mit einem Flugzeug abstürzte, übertrug Ackermann Jain die Leitung der Handelsabteilung. Jains Macht in der Bank wuchs mit seinem Erfolg. Immer wieder tauchte daher sein Name auf, wenn es darum ging, wer Ackermann beerben könnte. Den Führungsanspruch und das Potential dazu habe Jain, heißt es in der Bankenszene. Andere bezweifeln, dass er seine komfortable Position in London aufgeben würde. ,,Wenn er in den Handelsraum kommt, ist er Gott. Und wenn man Gott ist, kann man nur verlieren'', meint ein Headhunter. Doch angeblich lernt Jain deutsch, um die Kapitänsrolle in Frankfurt einst übernehmen zu können. Die Stärkung des Privatkunden-Bereichs Vorerst aber liegt der Ball bei Ackermann, der nach der Einstellung des Mannesmann-Verfahrens fest im Sattel sitzt. Und weil Aktionäre fürchten, die Deutsche Bank sei zu abhängig von der Form der Investmentbanker um Jain, stärkte Ackermann 2006 den anderen Flügel: Mit dem Kauf der Berliner Bank und der Norisbank rückte Privatkunden-Chef Neske stärker in den Mittelpunkt. Neske kam schon 1990 zur Deutschen Bank, nachdem er Informatik und Betriebswirtschaft studiert hatte. Mit 36 rückte er in den Vorstand der Deutsche Bank 24 auf und half, die glücklose Marke zu beerdigen und das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden neu auszurichten. Die Aufwertung innerhalb der Bank macht Neske Spaß. Das merkt man, wenn er in eckigem Westfälisch seine ehrgeizigen Ziele formuliert. Um dreißig Prozent wolle er in den nächsten zwei Jahren das Ergebnis steigern, hat Neske angekündigt. Allerdings ist Neske auch Realist. Er weiß, dass sein Flügel der schwächere bleiben wird. Doch er will sich für die Mannschaft unentbehrlich machen und betont, wie wichtig das Privatkundengeschäft für die Investmentbanker sei. ,,Sie glauben nicht, wie sie den in London lieben'', heißt es in seinem Umfeld. Unter Investmentbankern lästert man dagegen, das Privatkundengeschäft sei den Londoner Deutsch-Bankern herzlich egal. London Westend trifft Münster Neske und Jain treffen sich alle paar Monate, besprechen Trends und tauschen Ideen aus. Es heißt, sie verstünden sich gut, wenn sie auch sehr verschieden zu sein scheinen: Dort der Inder Jain, der im schicken Londoner Westend wohnt, hier der Münsteraner Neske, der in der Region den Kontakt zur Basis sucht. Der eine liebt Cricket, der andere die Formel 1. Jain gilt als unnahbar, Neske sucht die Nähe zu Menschen. Doch die beiden haben auch Gemeinsamkeiten. Das globale Flair der Deutschen Bank etwa schätzt auch Neske, der die Internationalisierung predigt. Wie Neske gilt auch Jain als guter Redner, beide verstünden es zu motivieren, loben Mitarbeiter. Die Fußballer Grabowski und Hölzenbein vertrugen sich im Übrigen nicht besonders gut und sprachen jahrelang kein Wort miteinander. Erfolg hatten sie trotzdem.
Der Inder Anshu Jain und der Westfale Rainer Neske stehen für die Doppelstrategie der Deutschen Bank - und halten Ackermann den Rücken frei.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/die-strategen-der-deutschen-bank-ackermanns-fluegelzange-1.916225
Die Strategen der Deutschen Bank - Ackermanns Flügelzange
00/05/2010
Die Meldung, dass Jürgen Peters den Vorstand der IG-Metall mit Vertrauten besetzen will, bedroht die eben erst gefundene Proporz-Lösung für die künftige Führung der Gewerkschaft. Porsche-Betriebsrats-Chef Uwe Hück tritt bei der bevorstehenden Vorstandswahl möglicherweise gegen Peters an. Bereits am Wochenende hatte Hück dem designierten IG-Metall-Vorsitzenden Peters im Spiegel Wortbruch vorgeworfen, nachdem bekannt geworden war, dass Vertraute von Peters in den Vorstand aufrücken wollen. Am Montag erneuerte Hück seine Kritik im WDR: Peters habe zugesagt, dass es eine offene Wahl ohne eigene Vertrauensleute im Vorstand geben werde, sagte Hück. Damit könne Peters auf dem Gewerkschaftstag ab kommenden Freitag ein Chaos provozieren, warnte Hück. Mut haben Der Porsche-Betriebsrats-Chef sagte: "So ein Mensch hat in der Organisation nicht in der ersten Reihe zu sitzen." Irgendwann müsse einer den Mut haben, zu sagen, jetzt sei Schluss. "Die Interessen der Arbeitnehmer werden hier weniger vertreten, sondern nur noch die Interessen der Vorstände. Deshalb trete ich jetzt wahrscheinlich an." Seine Chancen sieht Hück positiv. "Ich spüre schon, dass ein riesengroßer Gegenwind gegen Peters da ist. Viele Menschen wünschen sich, dass jetzt ein Kandidat da ist, der antritt", sagte er. Notwendige Reform Peters verdänge Fehler der Vergangenheit wie die Tarif-Niederlage in Ostdeutschland. Für die notwendige Reform der Gewerkschaft sei er deshalb "nicht geeignet und nicht willig." Damit bringe er die Organisation in Gefahr. Mit dem baden-württembergischen Bezirksleiter Berthold Huber, der zum Zweiten Vorsitzenden gewählt werden soll, war Hücks Vorstoß nicht abgesprochen. Hubers Sprecher Frank Stroh sagte in Stuttgart, dies sei eine personalpolitische Debatte zur Unzeit, die dem Ansehen der IG Metall schade. Hück wies die Kritik, er bringe mit seiner Kandidatur selbst Unruhe in die Gewerkschaft, im WDR zurück: "Lieber vier Tage Chaos als nachher vier Jahre Chaos." Die IG Metall kommt am Freitag in Frankfurt am Main zu einem dreitägigen vorgezogenen Gewerkschaftstag zusammen.
Die Meldung, dass Jürgen Peters den Vorstand der IG-Metall mit Vertrauten besetzen will, bedroht die eben erst gefundene Proporz-Lösung für die künftige Führung der Gewerkschaft. Porsche-Betriebsrats-Chef Uwe Hück tritt bei der bevorstehenden Vorstandswahl möglicherweise gegen Peters an.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kampfkandidatur-fuehrungsstreit-in-der-ig-metall-droht-neu-aufzuflammen-1.907255
Kampfkandidatur - Führungsstreit in der IG Metall droht neu aufzuflammen
00/05/2010
BenQ-Pleite, EU-Kartellstrafe oder üppige Managergehälter - Probleme hat Siemens derzeit genügend. Überschattet wurde bei der Hauptversammlung dies alles jedoch von der Korruptionsaffäre. Groß war das Interesse der Aktionäre an der diesjährigen Hauptversammlung von Siemens in der Münchner Olympiahalle, und auch zahlreiche Aktionärsschützer waren anwesend. Sie alle waren gespannt auf die Rechtfertigung des Managements für die zahlreichen Probleme, mit denen der Siemens-Konzern im vergangenen Jahr zu kämpfen hatte. Um 10 Uhr eröffnete der Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer die Sitzung, dankte den ausgeschiedenen Mitgliedern des Vorstandes, bedauerte kurz das Schicksal von BenQ-Mobile und landete nur wenige Minuten nach der Eröffnung der Sitzung bei dem Skandal um die schwarzen Kassen im Siemens-Konzern. Pierer zieht sich aus Ausschuss zurück Gelassen, aber bestimmt erklärte er, was das Unternehmen in letzter Zeit getan habe, um Korruption zu verhindern und den Schmiergeldskandal aufzuklären. Er kündigt seinen Rückzug aus dem Prüfungsausschuss an, jenem Gremium, dass die dubiosen Zahlungen während seiner eigenen Amtszeit als Siemens-Vorstand überprüfen soll. Die Bedeutung des Themas wurde auch durch die Reihenfolge der Redner widergespiegelt. Noch vor Siemens-Boss Kleinfeld trat der Chef des Prüfungsausschusses Gerhard Cromme an das Rednerpult und erläutert die Aufgaben seines Gremiums. Als um 11:05 Uhr Vorstandschef Klaus Kleinfeld vor die versammelten Aktionäre trat, kündigte er zunächst die Überprüfung der Anti-Bestechungs-Richtlinien in "Risikoländern" an und meinte: "Für unsaubere Geschäftspraktiken gibt es keinen Platz in unserem Unternehmen." Kleinfeld mit Siemens-Wachstum zufrieden Danach ging der Siemens-Boss zur Tagesordnung über und präsentierte aktuelle Geschäftszahlen. "In allen Regionen wachsen wir doppelt so stark wie die Wirtschaft", so Kleinfeld, und nannte Wachstumszahlen von plus 40 Prozent in China und plus 50 Prozent in Indien. Auch die Zielmargen seien in allen Geschäftsbereichen übertroffen worden, so der Vorstandsvorsitzende. Auch er bedauerte das Schicksal der BenQ-Angestellten: "Ich muss Ihnen gestehen, es tut mir aufrichtig leid. Hier ist etwas gewaltig schief gelaufen". Doch 800 Mitarbeiter hätten bereits wieder einen Arbeitsplatz gefunden. Teils heftige Kritik von den Aktionären Mit einem Ausblick auf die nähere Zukunft und die Präsentation neuer Forschungserkenntnisse trat Kleinfeld ab und musste die Bühne kritischen Aktionären überlassen, die in weiterer Folge teils heftige Kritik am Management übten. Mutmaßungen, Siemens sei mittlerweile zu groß und unübersichtlich standen immer wieder im Raum. Eine weitere sich oft wiederholende Forderung der Aktionärsschützer: Siemens müsse den Wirtschaftsprüfer (Anm.: Aktuell KPMG) wechseln. Der Rückzug Von Pierers aus dem Prüfungsausschuss wurde hingegen von vielen Seiten begrüßt. Die Hauptversammlung ist aktuell noch im Gange und dauert voraussichtlich bis zum späten Donnerstagabend.
BenQ-Pleite, EU-Kartellstrafe oder üppige Managergehälter - Probleme hat Siemens derzeit genügend. Überschattet wurde bei der Hauptversammlung dies alles jedoch von der Korruptionsaffäre.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-hauptversammlung-verfolgt-von-der-korruption-1.899000
Siemens-Hauptversammlung - Verfolgt von der Korruption
00/05/2010
Das dritte Quartal ist für Microsoft außerordentlich gut ausgefallen. Überraschend hat das neue Betriebssystem Windows Vista dem Software-Giganten zu glänzenden Zahlen verholfen. Der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft hat in seinem dritten Geschäftsquartal Umsatz und Gewinn deutlicher gesteigert als erwartet und dabei von seinem neuen Betriebssystem Vista profitiert. Der Überschuss schnellte um 65 Prozent auf 4,93 Milliarden Dollar oder von 29 auf 50 Cent je Aktie hoch, wie der Konzern am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss in Seattle mitteilte. Neben Vista, dass seit Ende Januar auf dem breiten Markt ist, lief auch das Geschäft mit Office 2007 gut. Ohne Einmaleffekte stieg der Gewinn je Aktie (EPS) auf 49 Cent und übertraf die Schätzungen der befragten Analysten, die mit 46 Cent je Anteilsschein gerechnet hatten. Den Umsatz steigerte Microsoft um 32 Prozent auf 14,4 Milliarden Dollar, erwartet worden waren am Markt 13,89 Milliarden Dollar. Die Aktie kletterte im nachbörslichen Handel um über 4 Prozent auf 30,30 Dollar. Befürchtungen um Vista Die Angst, dass das neue Betriebssystem Vista nicht gut aufgenommen werde, habe sich mit den Zahlen erst einmal verflüchtigt, sagte Goldman Sachs-Analystin Sarah Friar. "Wann immer man die Zeitung aufgeschlagen hat, war da ein Artikel, der besagte, wie schlecht Vista laufe", sagte sie. Zudem hätten viele Analysten befürchtet, dass die Aufrüstung mit Vista vielen Konsumenten zu teuer sein. "Man braucht ja nicht nur ein neues Betriebssystem, sondern meist auch einen neuen PC". Zusätzliche Befürchtungen hatten Berichte geschürt, dass die populäre iTunes-Musiksoftware von Apple nicht mit Vista kompatibel sei. Von Kunden des Computerhersteller Dell hieß es, dass sie lieber PCs mit dem alten Betriebssystem XP hätten. Auch Microsoft selbst hatte widersprüchliche Signale ausgesandt. Erst schürte das Unternehmen zum Start von Vista große Erwartungen und zeigte sich wiederholt "zufrieden" mit den Verkäufen, dann dämpfte Konzernchef Steve Ballmer die Begeisterung selbst wieder, als er zwischenzeitlich sagte, einige Analysten schätzten die Auswirkungen von Vista auf den Konzernumsatz etwas zu optimistisch ein. Eigene Erwartungen wurden übertroffen Für das dritte Quartal wies Microsoft nun für seine "Verbraucher"-Sparte, in die auch Windows fällt, einen um 67 Prozent höheren Umsatz in Höhe von 5,27 Milliarden Dollar aus. In der Business-Sparte, zu der auch Office 2007 gehört, zogen die Erlöse um 34 Prozent auf 4,83 Milliarden Dollar an. Microsoft-Finanzchef Chris Liddell sprach dann auch von "ausgezeichneten Ergebnissen". Die Umsätze mit Vista hätten die eigenen Schätzungen um 300 bis 400 Millionen Dollar übertroffen, mit Office 2007 seien 200 Millionen Dollar mehr erlöst worden als gedacht Im Unterhaltungs- und Zubehörbereich sank der Umsatz hingegen um 21 Prozent auf 929 Millionen Dollar. Der Rückgang sei erwartet worden, Microsoft gehe aber nach wie vor davon aus, dass bis Ende Juni eine Million Geräte des Musik-Players Zune verkauft werden können, sagte Liddell. Die Spielkonsole Xbox 360, die seit November 2005 erhältlich ist, sollte die 12 Millionen-Marke erreichen. Im Laufe des Quartals kaufte Microsoft eigene Aktien im Wert von mehr als 6,7 Milliarden Dollar zurück. Für das Ende Juni auslaufende vierte Quartal peilt der Konzern einen Konzernumsatz von 13,1 bis 13,4 Milliarden Dollar an. Das EPS soll zwischen 37 und 39 Cent liegen. Analysten gehen bisher von einem Umsatz von 13,32 Milliarden Dollar und einem EPS von 40 Cent aus.
Das dritte Quartal ist für Microsoft außerordentlich gut ausgefallen. Überraschend hat das neue Betriebssystem Windows Vista dem Software-Giganten zu glänzenden Zahlen verholfen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/glaenzende-zahlen-microsoft-uebertrifft-alle-erwartungen-1.915180
Glänzende Zahlen - Microsoft übertrifft alle Erwartungen
00/05/2010
Die Deutschen sollen wieder länger arbeiten, findet Wirtschaftsminister Clement. Zwischen der hohen Zahl der Feiertage und der schlappen Konjunktur bestehe ein deutlicher Zusammenhang. "Wir sind, was Urlaubszeit, Feiertage und Arbeitszeit angeht, zweifelsohne an der Grenze angelangt", sagte der Minister dem Magazin Stern. Detailansicht öffnen Da wo die Hand ist, ist offenbar die Obergrenze der Freizeit: Superminister Wolfgang Clement. (Foto: dpa) "Wer unseren Feiertagskalender mit dem anderer Staaten vergleicht, der kann auch ins Grübeln kommen." Clement verwies darauf, dass im nächsten Jahr das Wirtschaftswachstum bis zu 0,5 Prozent höher ausfallen werde, weil eine Reihe von Feiertagen auf Wochenenden falle. Mit Blick auf den Streik der IG Metall für die 35-Stunden-Woche auch in Ostdeutschland sagte er: "Das ist ein Konflikt zur falschen Zeit am völlig falschen Ort." Gewerkschaften verteidigen Streiks Die Gewerkschaft verteidigte dagegen die Streiks: Wer wie Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt den Arbeitskampf in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie mit Erpressung gleichsetze und den Gesetzgeber auffordere, Tarifautonomie und Streikrecht Fesseln anzulegen, verlasse den demokratischen Grundkonsens, erklärte der Beirat der IG Metall in Frankfurt. Eine ähnliche Sicht wie der Minister vertrat am Donnerstag allerdings das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW): Es hält eine längere Arbeitszeit für einen Weg aus der Wirtschaftsflaute. Das arbeitgebernahe Kölner Institut rechnete aus, dass mit einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit um eine Stunde ohne Lohnausgleich noch in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent erreicht werden könnte. Das wäre rund dreimal so viel wie das IW derzeit erwartet. 22 Milliarden Euro In der zusätzlichen Arbeitszeit könnten die Beschäftigten im zweiten Halbjahr Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 22 Milliarden Euro zusätzlich erwirtschaften, betonte das IW. Dies werde der Konjunktur einen kräftigen Schub geben und auch im Jahr 2004 mit drei Prozent ein deutlich stärkeres Wirtschaftswachstum bringen. In das gleiche Horn stieß auch das IFO-Institut für Wirtschaftsforschung: Die Streichung eines Feiertags würde der Wirtschaft rund 3,5 Milliarden Euro im Jahr bringen, rechnete die Münchner Experten aus. "Müssten alle angestellten Beschäftigten beispielsweise am Pfingstmonatag ohne zusätzliches Entgelt arbeiten, würde das Bruttoinlandsprodukt um rund 3,5 Milliarden Euro steigen", sagte Ifo-Konjunkturchef Jan-Egbert Sturm der Berliner Zeitung. Fünf-Millionen-Marke Clement schloss nicht aus, dass die Arbeitslosenzahl im Winter über fünf Millionen steigt. Er erwarte aber, dass die Zahl darunter bleibe und tue "alles, um das zu verhindern". Clement machte sich auch die Zielmarke des Vorsitzenden der früheren Kommission zur Reform des Arbeitsmarkts, Peter Hartz, zu eigen, der von einem Abbau der Arbeitslosigkeit um zwei Millionen innerhalb von drei Jahren gesprochen hatte. "Ich bin überzeugt, dass Peter Hartz recht hat, nicht in den Zeitvorstellungen, aber in den Größenordnungen. Wir werden die Arbeitslosigkeit drastisch senken können", sagte Clement. "Vier bis fünf Jahre" Allerdings werde es "vier bis fünf Jahre brauchen, bis wir den Arbeitsmarkt wieder in Ordnung haben". Clement kündigte im Stern zudem an, dass die Regierung mehr zur Stimulierung der Wirtschaft tun werde. Der Konjunktur müsse "mehr Wind unter die Flügel" gebracht werden, sagte der Minister dem Magazin. Clement äußerte sich zustimmend zu den Plänen von Finanzminister Eichel, die Steuerreform vorzuziehen. "Das wäre natürlich gut für Bürger und Unternehmen und hervorragend für die Konjunktur." Allerdings sei dafür eine "große gemeinsame Anstrengung" mit der Opposition nötig, zitiert das Magazin den Minister. Wachstumsprognose Clement schloss nicht aus, zur Kabinettsklausur Ende des Monats eine niedrigere Wachstumsprognose für das laufende Jahr vorzulegen. Man werde, wie bisher, "von fachlich begründeten Einschätzungen" ausgehen, wobei man sich "mehr denn je der Begrenzheit der Prognostik" bewusst sei. Bisher ging die Bundesregierung von 0,75 Prozent Wachstum im laufenden und zwei Prozent Wachstum im kommenden Jahr aus.
Die Deutschen sollen wieder länger arbeiten, findet Wirtschaftsminister Clement. Zwischen der hohen Zahl der Feiertage und der schlappen Konjunktur bestehe ein deutlicher Zusammenhang.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/clement-arbeiten-statt-feiern-1.905483
Clement - Arbeiten statt Feiern
00/05/2010
Der Bundesverkehrsminister rechnet fest damit, dass die Konzerne DaimlerChrysler und Deutsche Telekom einen milliardenschweren Schadensersatz für den verspäteten Start ihres Mautsystems zahlen müssen. "Ich bin überzeugt, dass die Kasse klingeln wird", sagte Stolpe der Süddeutschen Zeitung. Der SPD-Minister sieht den Bund in diesem in der deutschen Wirtschaftsgeschichte bislang einmaligen Rechtsstreit in einer starken Position. Die Bundesregierung unterstellt den Unternehmen Betrugsabsicht. Detailansicht öffnen Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe ist sicher: Deutsche Telekom und DaimlerChrysler müssen Milliarden zahlen. (Foto: Foto: Reuters) DaimlerChrysler und Deutsche Telekom sollen nach Auffassung des Verkehrsministers rund 4,6 Milliarden Euro plus Zinsen zahlen, weil ihre gemeinsame Tochter Toll Collect das satellitengestützte Autobahn-Mautsystem erst mit einem Verzug von 16 Monaten in Betrieb nehmen konnte. Die Milliardensumme setzt sich aus den Mautausfällen und Vertragsstrafen zusammen. Die Konzerne lehnen die Forderung des Bundes strikt ab. Man werde sich gegen die Ansprüche entschlossen zur Wehr setzen, lautet etwa die Position von DaimlerChrysler. Dreiköpfiges Schiedsgericht Beide Seiten hatten sich bereits im Vorfeld darauf geeinigt, dass ein dreiköpfiges Schiedsgericht über den Streit entscheiden soll. Das Gremium sei am 4.April zum ersten Mal zusammengekommen, sagte Stolpe. Dabei hätten sich die Vertreter des Bundes sowie von Deutscher Telekom und DaimlerChrysler mit den Schiedsrichtern ausgetauscht. Stolpe bestätigte, dass der Bund noch keine Klageschrift vorgelegt habe. "In den nächsten Wochen werden wir unser Anliegen ausführlich begründen", sagte er. Der Minister rechnet damit, dass eine Entscheidung des Schiedsgerichtes unter dem Vorsitz von Bundesgerichtshof-Präsident Günter Hirsch bald fallen werde. "In Monaten sind wir soweit", sagte er. Dabei ließ Stolpe offen, ob die Bundesregierung auch einen Vergleich akzeptieren würde. Schon 661 Millionen eingenommen Losgelöst von dieser Auseinandersetzung um Milliarden zeigte sich der Verkehrsminister nunmehr sehr zufrieden mit der Mautanlage, die nach einer langen Pannenserie zu Jahresbeginn gestartet ist.
Der Bundesverkehrsminister rechnet fest damit, dass die Konzerne DaimlerChrysler und Deutsche Telekom einen milliardenschweren Schadensersatz für den verspäteten Start ihres Mautsystems zahlen müssen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mautpannen-stolpe-gibt-sich-siegessicher-1.899082
Mautpannen - Stolpe gibt sich siegessicher
00/05/2010
Unzulässige Nutzungsentschädigung: Folgende, in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eines Leasinggebers enthaltene Klausel wurde vom Bundesgerichtshof kassiert: "Gibt der Leasingnehmer das Leasingobjekt nicht zurück, so hat er für jeden angefangenen Monat der nicht erfolgten Rückgabe die im Leasingvertrag vereinbarte Leasingrate als Nutzungsentschädigung zu bezahlen." Diese Klausel, so das Gericht, sei wegen einer unangemessenen Benachteiligung des Leasingnehmers unwirksam (Urteil vom 7. Januar 2004, VIII ZR 103/03). Diebstahl eines geleasten Fahrzeugs: Wird ein geleastes Fahrzeug gestohlen, stellt sich die Frage, wer die Leistungen aus der Kfz-Kaskoversicherung in Anspruch nehmen kann. Hier entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf: Grundsätzlich kann der Leasinggeber als Eigentümer des Fahrzeugs gegenüber der Kaskoversicherung die Hand aufhalten. Übersteigen allerdings die Leistungen den Finanzierungsaufwand des Leasinggebers, stehen sie dem Leasingnehmer zu. Voraussetzung dafür ist aber, dass dem Leasingnehmer im Vertrag das Recht eingeräumt wurde, zum Vertragsablauf das Fahrzeug erwerben zu können. Allerdings kommt es in der Praxis eher selten vor, dass ihm dieses Recht eingeräumt wird. (Oberlandesgericht Düsseldorf, Urteil vom 14. Januar 2003, 24 U 13/02). Einmalzahlung des Leasingnehmers: Haben beide Seiten im Leasingvertrag vereinbart, dass mit einer Einmalzahlung des Leasingnehmers sämtliche Vereinbarungen aus dem Vertrag erfüllt sind, kann strittig sein, wer von beiden das Risiko trägt, wenn es nicht gelingt, mit der Einmalzahlung sämtliche Leasingraten und den vereinbarten Restwert zu erwirtschaften. Der Bundesgerichtshof entschied, dass es den Vertragspartnern frei steht, zu vereinbaren, wem von ihnen dieses Risiko zugewiesen werden soll (Urteil vom 26. Februar 2003, VIII ZR 270/01).
"Unzulässige Nutzungsentschädigung", "Diebstahl eines geleasten Fahrzeugs" oder "Einmalzahlung des Leasingnehmers" - wie deutsche Gerichte entschieden haben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/leasing-rechtsprechung-1.901875
Leasing - Rechtsprechung
00/05/2010
Weltbank, G8 und Co.: Jahrzehntelang konnten Industriestaaten untereinander die Regeln der Weltwirtschaft ausmachen. Jetzt verschieben sich die Gewichte, doch die Institutionen bleiben sich treu: Wenn es um den eigenen Einfluss geht, ist das Beharrungsvermögen der Nationen groß - zu groß. Die Erosion findet an verschiedenen Stellen zugleich statt. Beispiel Weltbank: Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, wagen die offene Konfrontation mit der Weltbank-Spitze - und lassen deren ungeliebten Präsidenten über eine Affäre stolpern. Beispiel Internationaler Währungsfonds: Der dümpelt, in Ermangelung ernsthafter Finanzkrisen, an der Grenze der Bedeutungslosigkeit herum - während sich die ersten Mitglieder davonmachen. Beispiel G8: Da werkeln die Diplomaten des Industriestaaten-Clubs Tag und Nacht an einem Schlussdokument, das abermals nicht die Welt verändern wird - oder kann sich noch irgendjemand an den "Petersburger Aktionsplan" vom vergangenen Jahr erinnern? Oder an konkrete Ergebnisse des Gleneagles-Gipfels? Und was geschah gleich noch in Sea Island 2004? Das Gefüge bekommt Risse Jahrzehntelang konnten Industriestaaten untereinander die Regeln der Weltwirtschaft ausmachen. Ihre Welt lag im Kalten Krieg, ihre Macht stand nicht in Frage, ihre Clubs waren klein und einflussreich. Jetzt bekommt das Gefüge Risse: Die Globalisierung raubt der globalen Ordnung von einst die Bedeutung. Doch während sich die Gewichte von Jahr zu Jahr verschieben, bleiben sich die Institutionen treu: Wenn es um den eigenen Einfluss geht, ist das Beharrungsvermögen der Nationen groß - zu groß. Nur so lässt sich erklären, warum Länder wie Italien und Kanada als G-8-Mitglieder immer noch in der selbst ernannten ersten Liga der Weltwirtschaft spielen, die Chinesen dagegen auf die Zuschauertribüne verbannt sind. Das wird den Einfluss des Gremiums ganz sicher nicht erhöhen. Nur so lässt sich auch erklären, dass die USA nach wie vor ein Vetorecht in Währungsfonds und Weltbank haben - obwohl sie damit sehenden Auges den Einfluss beider Organisationen aushöhlen. Das Veto wird nämlich vor allem dazu genutzt, ein Abschaffung desselben und eine Neuordnung der Stimmrechte zu verhindern. Die Folge: Aufstrebende Nationen wenden sich zunehmend ab. Nicht von ungefähr arbeiten die Tigerstaaten Asiens an einem eigenen Währungspool, treiben Länder Lateinamerikas die Idee einer eigenen "Südamerika- Bank" voran. Nur der schöne Schein zählt Wenn die Diplomaten nicht noch Wunderdinge vollbringen, wird auch der G-8-Gipfel in Heiligendamm nur ein weiteres Dokument der Erosion. Seit Jahren übertünchen die Schlusserklärungen mit Müh' und Not die Differenzen - zwischen Europäern und Amerikanern, zwischen Russen und Europäern, zwischen Amerikanern und Russen. Nur deshalb beschäftigen sich die Staatenlenker neben dem Konfliktherd Klimaschutz auch mit dem Sympathiethema Afrika. Wie schon im schottischen Gleneagles können sie sich so zumindest auf einen "Durchbruch" für Afrika herausreden, wenn sie sich am Klimaschutz die Zähne ausbeißen. Was zählt, ist der schöne Schein; Entscheidungen von ökonomischer Tragweite werden in diesem Zirkel bestenfalls vorbesprochen.
Weltbank, G8 und Co.: Jahrzehntelang konnten Industriestaaten untereinander die Regeln der Weltwirtschaft ausmachen. Jetzt verschieben sich die Gewichte, doch die Institutionen bleiben sich treu: Wenn es um den eigenen Einfluss geht, ist das Beharrungsvermögen der Nationen groß - zu groß.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/weltwirtschaft-die-neue-globale-ordnung-1.901824
Weltwirtschaft - Die neue globale Ordnung
00/05/2010
Siemens hat sich allem Anschein nach keine explizite vertragliche Standortgarantie für die einstige Handytochter BenQ Mobile zusichern lassen. Warum aber wollte Konzernchef Kleinfeld Anfang Oktober dennoch rechtliche Schritte gegen BenQ prüfen lassen? Siemens wies am Dienstag Vorwürfe zurück, beim Verkauf seiner Handysparte an BenQ keine Sicherung für die deutschen Standorte ausgehandelt zu haben. Detailansicht öffnen BenQ-Mobile-Mitarbeiter bei einer Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Dortmund. (Foto: Foto: dpa) BenQ habe den Ergänzungstarifvertrag von Siemens mit der IG Metall übernommen und so seine Absicht gezeigt, die Geschäfte in Deutschland fortzuführen, erklärte Siemens gegenüber sueddeutsche.de. Zuvor hatte das Politik-Magazin Report Mainz am Montagabend von einem Brief des Siemens-Vorstandschefs Klaus Kleinfeld an Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer berichtet, wonach BenQ die Weiterführung des Standortes Kamp-Lintfort bis Juni 2006 durch die Übernahme des Ergänzungstarifvertrages zugesichert habe. In dem Schreiben sei allerdings keine Rede von einer vertraglichen Standortsicherung mit Konventionalstrafen gewesen, berichtete Report Mainz weiter. "Versprechen gebrochen" Kleinfeld hatte gegenüber der Bild-Zeitung noch am 2. Oktober 2006 mögliche rechtliche Ansprüche gegenüber BenQ ins Spiel gebracht. BenQ habe versichert, die Standorte in Deutschland nicht nur zu sichern, sondern sogar zu stärken. Dieses Versprechen sei gebrochen worden. "Wir prüfen alle juristischen Schritte gegen BenQ", so Kleinfeld zur Bild-Zeitung. Auch in Reaktion auf die Report-Sendung wollte Siemens am Dienstag weder bestätigen noch dementieren, ob BenQ eine explizite Standortgarantie vertraglich zugesichert habe. "Wir können uns zu Details des Vertrags nicht äußern", sagte ein Siemens-Sprecher zu sueddeutsche.de. Allerdings sagte Siemens auch: "Ein Abschluss weitergehender vertraglicher Vereinbarungen hinsichtlich der Standortsicherung ist bei solchen Betriebsübergängen nicht üblich und entspricht nicht dem allgemeinen Geschäftsgebaren." Der Berliner Wirtschaftsanwalt Gerhard Wächter, der als Experte bei Fragen zur Standortsicherung gilt, bestätigte diese Auffassung am Dienstag weitgehend: "Verbindliche Zusagen für eine Standortsicherung gibt es eigentlich nur in Sondersituationen", sagte er zu sueddeutsche.de. "Marktwirtschaftsuntypisch" Solche "marktwirtschaftsuntypischen" Beschäftigungszusagen habe es etwa bei den Privatisierungen in Ost-Deutschland durch die Treuhandanstalt gegeben. "Da bekam der Käufer das Unternehmen unter seinem eigentlichen Wert und brachte dafür ein finanzielles Opfer", so Wächter. Insofern sei er aber auch erstaunt gewesen, als Siemens Anfang Oktober die Prüfung rechtlicher Schritte gegen BenQ angekündigt habe. "Na hoppla, haben die hier Treuhand-Instrumentarium eingesetzt?", habe er sich damals gewundert. Einerseits sei für ihn nun zwar klar, dass dem nicht so sei, sagte Wächter. Der von Siemens damals erweckte Eindruck, dass man eine rechtliche Handhabe gegen BenQ haben könnte, müsse andererseits aber auch nicht unbedingt falsch sein, erklärt Wächter. Ein möglicher juristischer Tatbestand könnte beispielsweise darin bestehen, dass Siemens die damaligen Absichtserklärungen von BenQ heute als Täuschung interpretiere. Insolvenz Ein Jahr nach der Übernahme hatte BenQ im September Insolvenz für die deutsche Tochter mit ihren 3.000 Beschäftigten beantragt.
Siemens hat sich allem Anschein nach keine explizite vertragliche Standortgarantie für die einstige Handytochter BenQ Mobile zusichern lassen. Warum aber wollte Konzernchef Kleinfeld Anfang Oktober dennoch rechtliche Schritte gegen BenQ prüfen lassen?
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-das-geheimnis-um-die-standortgarantie-1.916371
Siemens - Das Geheimnis um die Standortgarantie
00/05/2010
Es erinnert an ein Ping-Pong-Spiel, was da zwischen Leo Kirch und Rolf Breuer abläuft: Eben steht es noch eins zu null für den einen, und schon holt der Gegner auf. Momentan, so sieht es jedenfalls nach den jüngsten Geschehnissen aus, herrscht Gleichstand zwischen dem Ex-Medienunternehmer und dem früheren Deutsche-Bank-Chef. Detailansicht öffnen Kann sich freuen: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat ihre Ermittlungen gegen Rolf Breuer eingestellt. (Foto: Foto: dpa) Breuer, der im November 70 wird, hat jetzt einen wichtigen Punkt gemacht. Vielleicht sogar den bislang wichtigsten in dem Dauerkrieg, den Kirch seit 2002 gegen die Deutsche Bank und ihren einstigen Vorstandssprecher führt: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat die jahrelangen Ermittlungen gegen Breuer am Donnerstag eingestellt - mangels Tatverdachts. Kirch hatte den Bankmanager angezeigt, weil dieser in einem Fernseh-Interview im Februar 2002 die Kreditwürdigkeit des Medienunternehmers öffentlich angezweifelt hatte. Damit habe er diverse Straftaten verwirklicht, unter anderem eine Untreue, meinte Kirch. Doch die Staatsanwaltschaft sah das anders. Nach diversen Zeugenvernehmungen und einer Hausdurchsuchung bei Breuer kamen die Ermittler zum Ergebnis, dass dem Manager kein strafrechtlicher Vorwurf zu machen sei. "Das ist ein erstklassiger Freispruch", hieß es beim größten deutschen Kreditinstitut am Donnerstag spontan. Am Abend aber sollten sich die Banker noch viel mehr freuen. Denn da kam die dazugehörige Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft heraus. Und die liest sich wie eine direkte Aufforderung an Leo Kirch, die gesamten Klagen, die Strafanzeigen und den Feldzug überhaupt zu vergessen. Angeblich ein perfider Plan In dem umstrittenen Fernseh-Interview habe Breuer keine Geschäftsgeheimnisse verraten, stellte die Staatsanwaltschaft fest. Es liege auch keine "unbefugte Offenbarung von Angaben über Millionenkredite" vor. "Die Ermittlungen haben nicht bestätigt, dass es der Deutschen Bank um die Zerschlagung der Kirch-Gruppe gegangen sei." Vielmehr hätten die Zeugenvernehmungen ergeben, dass man beabsichtigt habe, die Kirch-Gruppe "als solvente Unternehmensgruppe mit möglichst wenigen Änderungen zu erhalten". Besser hätte es auch Breuer selbst nicht formulieren können. Die gesamte Verschwörungstheorie, die Kirch aufgestellt hat, findet damit zumindest bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt keine Anhänger. Breuer und vor allem die Deutsche Bank hoffen nun, dass dies ein gutes Vorzeichen für den wohl wichtigsten Prozess ist, den Kirch gegen sie führt: die Klage um 1,6 Milliarden Euro Schadensersatz, die demnächst vor dem Münchner Landgericht verhandelt wird. Treffen am Flughafen München Kirch ist überzeugt, dass Breuer im Frühjahr 2002 einen perfiden Plan verfolgte. Ende Januar - also wenige Tage vor dem Fernseh-Interview - hatte sich der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder mit den Chefs von Bertelsmann und WAZ sowie Breuer getroffen. Bei diesem Treffen, so vermutet man in Kirch-Kreisen, sei die Zerschlagung der Mediengruppe beschlossen worden. Das Breuer-Interview sei Teil der Strategie gewesen. Kurz nach dem Interview traf sich Breuer mit Kirch am Münchner Flughafen. Darin bot der Banker dem Unternehmer an, dass sich die Deutsche Bank als "Schutzschild" vor den gesamten Kirch-Konzern stellen wolle, wenn die Bank das Mandat für die Umstrukturierung erhalte. Für Kirch steht damit fest: Es war alles geplant, und Breuer ist die Schlüsselfigur. Daher die Klagen, daher die Strafanzeige. Völlig abwegig scheinen die Theorien des Medienunternehmers nicht zu sein. Erst vergangene Woche hatte ein Richter in München Verständnis gezeigt. Breuers Interview habe natürlich nicht über Nacht zur Insolvenz der Gruppe geführt. Doch hätten die Äußerungen "wie ein schleichendes Gift" gewirkt, da sie Kreditverhandlungen und Gespräche in der Folgezeit erschwert hätten, stellte das Landgericht München in einem anderen Kirch-Verfahren fest. Ein klarer Punkt für den Medienunternehmer. Doch Breuers Ausgleich folgte jetzt prompt. Und es wird nicht lange dauern, bis einer den nächsten Punkt macht in dieser juristischen Dauerfehde. Nur wer das sein wird, ist ungewiss.
Im Milliardenstreit mit dem Medienmogul Leo Kirch erhält der Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer Unterstützung von der Staatsanwaltschaft.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ermittlungen-eingestellt-punktsieg-fuer-rolf-breuer-1.891605
Ermittlungen eingestellt - Punktsieg für Rolf Breuer
00/05/2010
Beim Fusionsprozess im Mineralölmarkt ist das erwartete große Tankstellen-Sterben bisher ausgeblieben. Zum 1. Juli ermittelte der Hamburger Erdölinformationsdienst (EID) 15 890 Stationen und damit nur 81 weniger als Anfang 2003. Auch bis Jahresende dürfte sich entgegen der in der Branche vermuteten Überkapazität von 3.000 bis 4.000 Tankstellen nur ein relativ geringer Rückgang ergeben, schreibt der EID. Nur mit großer Disziplin dürfte deshalb ein Preiskampf bei immer weiter rückläufiger Nachfrage nach Kraftstoffen zu vermeiden sein, hieß es. Detailansicht öffnen Shell-Tankstelle in Düsseldorf. Der britisch-niederländische Mineralölkonzern unterhält in Deutschland nach Aral die meisten Stationen. (Foto: Foto: AP) Zur Jahresmitte zeigt sich laut EID, dass der Mineralölmittelstand sowie die regional tätigen Gesellschaften OMV, Agip und die polnische Orlen von den Verkaufsauflagen des Bundeskartellamtes am meisten profitiert haben. Abgabe von Stationen verlangt Die Behörde hatte von den fusionierenden Mineralölkonzernen BP/Aral und Shell/Dea auf Grund ihrer gemeinsamen Marktstärke die Abgabe von Tankstellen verlangt. Shell gibt im Zuge der Fusion die Marke Dea auf, BP schlüpft unter das Aral-Logo. Der französische Anbieter Total habe es geschafft, durch einen länderübergreifenden Tausch mit Shell in Deutschland von Herbst an nahezu flächendeckend vertreten zu sein, berichtet der EID. Zur Jahresmitte ist Aral nach wie vor der größte Tankstellenbetreiber mit 2.636 (Jahresbeginn: 3.385) Stationen vor Shell mit 2.598 (2.977), Esso mit 1.311 (1.314) und Total mit 1.043 (1.018). Shell/Dea muss noch Anlagen abwickeln Während BP/Aral 741 Tankstellen an Orlen und die österreichische OMV abgegeben haben, müssen bei Shell/Dea von 950 noch 452 Anlagen im zweiten Halbjahr abgewickelt werden. Letztere landen mehrheitlich bei Avia, Agip, OMV, Beckmann (Marke Q1) und Westfalen. Zur Halbzeit ist Avia mit 712 (607) Tankstellen vertreten, ConocoPhillips (JET) mit 732 (729), der "Newcomer" Orlen mit 491, Agip mit 453 (368), OMV mit 390 (114), Westfalen mit 208 (201) und Beckmann mit 115. Der mittelständische Verband bft zählt 1652 (1608) Stationen. Ein möglicher Preiskampf würde in allererster Linie den Mittelstand treffen, bilanziert der EID. Die so genannten A-Gesellschaften hätten "dank ihrer kostenträchtigen Kundenbindungsprogramme, die sich der Mittelstand nicht leisten kann, sowie durch ihrer größere Finanzkraft entscheidende Vorteile gegenüber dem mittelständischen Mineralölhandel". Rangliste Die Marktanteile sieht der EID nach der Fusionsabwicklung wie folgt verteilt: Aral 22 Prozent, Shell 20 Prozent, Esso 9,0 bis 10 Prozent, bft 10 Prozent, JET 9,0 Prozent, Total 9,0 Prozent, OMV 3-4 Prozent, Agip 3,5 Prozent, Avia 3,5 Prozent, Orlen 2,0 Prozent. Der Rest verteilt sich auf übrige Anbieter.
Beim Fusionsprozess im Mineralölmarkt ist das erwartete große Tankstellen-Sterben bisher ausgeblieben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tankstellen-das-grosse-sterben-blieb-aus-1.900497
Tankstellen - Das große Sterben blieb aus
00/05/2010
Auf Mieter kommen ungemütlichere Zeiten zu: Jede vierte Kommune in Deutschland will einer Studie zufolge ihre Wohnungen verkaufen. Während sich die SPD sperrt, hält die Union das Aufbegehren für sinnlos. Steinbrücks Staatssekretär Axel Nawrath sagte, die Regierung werde die Wohnimmobilien aus dem Gesetz für börsennotierte Immobiliengesellschaften wieder herausnehmen. Detailansicht öffnen Frühere kommunale Wohnungen in Dresden - sie wurden an den Investor Fortress verkauft. (Foto: Foto: AP) Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, das Gesetz über Real Estate Investment Trusts (Reits) werde derzeit zwischen den Ministerien endgültig abgestimmt. Die Äußerungen von Nawrath gäben den Stand der Diskussion wieder. Das Kabinett soll am 2. November über das Gesetz beraten. Der Bundesfinanzminister reagiert damit auf den massiven Widerstand in seiner Partei. Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte in einem Brief an Steinbrück vorige Woche mitgeteilt, er könne dem Entwurf nicht zustimmen. Auch die Finanzpolitiker der SPD-Bundestagsfraktion hatten in den vergangenen Monaten immer wieder erklärt, dass sie Steinbrücks Pläne ablehnen: ,,Wären die Wohnimmobilien weiter drin, dann würde das Gesetz mit 110-prozentiger Sicherheit in der SPD-Fraktion scheitern'', erklärt der bayerische SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Pronold. Zustimmung offen Auch nach der jüngsten Änderung sei offen, ob die SPD-Fraktion dem Gesetz zustimmen werde, sagte Pronold. Es gebe erhebliche Bedenken gegen die Steuervorteile, die Steinbrück den Fonds einräumen will. Die Union forderte den Finanzminister auf, standhaft zu bleiben. Steinbrück solle sein Gesetz in der ursprünglichen Form ins Kabinett bringen, sagte der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Otto Bernhardt. "London, Paris oder Irland" Der Entwurf habe in der Fachwelt und in den Ländern breite Zustimmung gefunden. Bernhardt hielt der SPD vor, dass sie den Börsengang deutscher Wohnimmobilien nicht werde verhindern können: ,,Dann werden die Wohnungen eben bei einer Gesellschaft landen, die in London, Paris oder Irland sitzt.'' Mit diesem Argument hatte auch schon Steinbrück versucht, die Kritiker zu überzeugen. Wie die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PWC) herausfanden, wollen sich überwiegend mittelgroße und kleine Kommunen von einem Teil ihres Wohnungsbestands trennen. Städte in Ostdeutschland seien dabei zurückhaltender als in Westdeutschland. In den neuen Bundesländern sei die Abrissbirne angesichts hoher Leerstände das bevorzugte Mittel, sich von Wohnungen zu trennen. Für die Studie wurden 204 Kommunen mit einem Gesamtbestand von mehr als 921.000 Wohnungen befragt.
Auf Mieter kommen ungemütlichere Zeiten zu: Jede vierte Kommune in Deutschland will einer Studie zufolge ihre Wohnungen verkaufen. Während sich die SPD sperrt, hält die Union das Aufbegehren für sinnlos.
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Folge der Finanznot - Städte wollen ihre Wohnungen versilbern
00/05/2010
Die Deutschen sparen viel und fleißig - im Durchschnitt knapp elf Prozent ihres verfügbaren Einkommens. Doch die Fondsanbieter glauben: Das Sparverhalten ist ineffizient. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI), der die Interessen der Fondsgesellschaften in Deutschland vertritt, hat derzeit allen Grund zur Freude: Jeder achte Euro des privaten Geldvermögens fließt inzwischen in Investmentfonds. Das verwaltete Fondsvermögen hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf etwa 1,2 Billionen Euro verdreifacht. Und der Wachstumstrend hält an: Im ersten Quartal 2006 wanderten gut 23 Milliarden Euro neu in Fonds. Detailansicht öffnen Die Deutschen investieren im internationalen Vergleich wenig in Aktien und Investmentfonds (zum Vergrößern auf Lupe klicken) (Foto: Foto: SZ) Im internationalen Vergleich haben die Deutschen aber noch Nachholbedarf: Nach Angaben des BVI beläuft sich ihr Investmentfonds-Vermögen pro Kopf auf 6600 Euro. In Frankreich ist die Summe etwa dreimal so hoch. In den Vereinigten Staaten hat jeder Anleger im Durchschnitt Fondsanteile für umgerechnet fast 26 000 Euro - auch deshalb, weil das Fondssparen für die Altersvorsorge dort staatlich gefördert wird. Auffällig ist auch, wie unterschiedlich in verschiedenen Ländern das Kapital angelegt wird: Gut ein Drittel des Geldes der Bundesbürger liegt auf Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonten oder auf Sparbüchern - in den USA ist dieser Wert geringer, die Aktien- und Fondsquote ist dagegen viel höher (Grafik). "Die Deutschen sparen viel. Aber die Frage ist, ob sie auch richtig sparen", sagte Markus Rieß, Vorstandssprecher des BVI, in Berlin. Die Bundesbürger, so der Verbandschef, bunkerten einen Großteil ihres Ersparten kurzfristig bei der Bank. Das habe sich auch durch den Aufwärtstrend an den Aktienmärkten nicht entscheidend geändert. Damit verschenkten die Anleger viel Geld. Kampagnen an Schulen "Hätten die Deutschen ihr Vermögen so auf die einzelnen Anlageklassen aufgeteilt wie die US-Bürger, würde daraus im Schnitt ein jährlich Mehrertrag von etwa 60 Milliarden Euro resultieren", sagte Rieß. Nach Berechnungen des BVI entspricht das einem Renditeplus von 1,5 Prozentpunkten. Der BVI stützt sich dabei auf Zahlen der Vergangenheit: Danach ließen sich mit Aktienfonds langfristig die stärksten Vermögenszuwächse erzielen. Wer zum Beispiel 25 Jahre lang 50 Euro in einen deutschen Aktienfonds eingezahlt hat, kam bis Ende 2005 im Durchschnitt auf einen jährlichen Ertrag von 8,3 Prozent. Bei internationalen Aktienfonds lag das Plus bei 7,1 Prozent im 25-Jahres-Durchschnitt. Trotzdem setzen Privatanleger auch dieses Jahr wieder überwiegend auf Geldmarkt- und Rentenfonds, die vor allem in festverzinsliche Wertpapiere investieren. Im ersten Quartal 2006 sammelten diese beiden Fondsgattungen zusammen 9,9 Milliarden Euro im Neugeschäft ein. In Aktienfonds flossen dagegen nur 2,4 Milliarden Euro. Mit der Untergewichtung von Aktien und Aktienfonds auf deutschen Depots will sich der BVI aber nicht abfinden: Der Verband plant verstärkt in den Schulen über den Kapitalmarkt und den Vermögensaufbau aufzuklären. Helfen sollen dabei zunächst 250 000 Broschüren, die von Mitte Mai an Schüler der Klassen 10 bis 13 verteilt werden sollen. Die Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung unterstützt das Schulprojekt. Gleichzeitig werden auf der Webseite www.hoch-im-kurs.de Texte und Materialien für den Unterricht angeboten. Nach Angaben von BVI-Hauptgeschäftsführer Stefan Seip lässt sich der Verband diese Aktion einen "mittleren sechsstelligen Eurobetrag" kosten. Vorbild Großbritannien Die deutsche Investmentbranche macht sich außerdem dafür stark, das regelmäßige Fondssparen stärker in die Förderung der Altersvorsorge einzubinden. Das vom BVI favorisierte Modell ist dabei das Altersvorsorgekonto. Bei diesem Konzept sollen die Sparer wählen können, ob sie in einen Investmentsparvertrag, eine Versicherung oder zum Beispiel einen Banksparplan einzahlen. Auf das Konto können Arbeitgeber und/oder Arbeitnehmer Beiträge überweisen. Betriebliche und private Vorsorge könnten so in einen Topf fließen. Das Wohneigentum will der Verband in diese Förderung aber nicht einbeziehen. Staatliche Zulagen oder Steuervorteile soll es dabei nicht nur für gesetzlich Rentenversicherte und Beamte geben, sondern auch für Freiberufler, Selbstständige oder Hausfrauen. Eine ähnliche radikale Vereinfachung der Altersvorsorge ist Anfang April in Großbritannien in Kraft getreten.
Die Deutschen sparen viel und fleißig - im Durchschnitt knapp elf Prozent ihres verfügbaren Einkommens. Doch die Fondsanbieter glauben: Das Sparverhalten ist ineffizient.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wissensluecken-deutsche-sparer-verschenken-ihr-geld-1.898490
Wissenslücken - Deutsche Sparer verschenken ihr Geld
00/05/2010
Die Krise bei den offenen Immobilienfonds hat das Interesse auf ein riskantes Konkurrenzprodukt gelenkt: die Immobilienaktienfonds. Anfangs ist der Fondsmanager Stefan Leibold belächelt worden. "Im Frühjahr 2000 sind wir mit unserem Immobilienaktienfonds gestartet", sagt der Immobilienfachmann vom Bankhaus Ellwanger & Geiger. Damals waren Immobilienaktien allerdings überhaupt nicht angesagt. Detailansicht öffnen Tabelle: Die bringen die besten Immoblienaktienfonds (Foto: Quelle: Feri Rating & Research) Mittlerweile hat sich das geändert: Mehr als 30 dieser Fonds werden derzeit in Deutschland vertrieben, die Manager investieren weltweit in börsennotierte Immobilienfirmen. So hat der Activest US-Reits D das Fondsvermögen vornehmlich in Immobiliengesellschaften in den Vereinigten Staaten angelegt. Ellwanger&Geiger setzt dagegen mit seinem Fonds auf europäische Immobilienfirmen. Ein auf Deutschland ausgerichteter Fonds existiert nicht. "Das würde auch keinen Sinn machen, da Deutschland nur einen Teil des Wirtschaftsraumes Europa darstellt", sagt Leibold. Zudem seien die börsennotierten Immobilienfirmen in Deutschland unterrepräsentiert, urteilt Robert Mazzuoli, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. Aufmerksamkeit dank Reits Alle in Deutschland angebotenen Fonds haben zusammen ein Volumen von etwas mehr als fünf Milliarden Euro. In herkömmliche Aktienfonds haben die Deutschen dagegen gut 170 Milliarden Euro investiert. Das Gewicht dieses Segmentes dürfte jedoch zunehmen. Fachleute prognostizieren, dass künftig deutlich mehr Fonds aufgelegt und vermittelt werden. "Das Interesse der Anleger steigt jedenfalls", sagt der Manager Leibold. Die Diskussion über eine Einführung der neuen steuerbegünstigten Immobiliengesellschaften - den so genannten Reits (Real Estate Investment Trusts) - habe hierzulande die Aufmerksamkeit auf Immobilienaktien gelenkt. Hinzu kommt, dass Immobilientitel in den vergangenen Jahren kräftig an Wert gewonnen haben. So legte der internationale Immobilienindex GPR 250 PSI Global von 2003 an bis zum Frühjahr 2006 um 108 Prozent zu. Dann kam eine Kurskorrektur. Der Index büßte etwas mehr als sieben Prozent ein. Krise bei offenen Immobilienfonds "Man kann bei den europäischen Aktien jetzt von fairen Bewertungen sprechen", sagt der Immobilienexperte Christian Unternährer von UBS. Dass die Kurse im Frühjahr unter Druck geraten sind, führen Experten unter anderem auf die weltweit wieder gestiegenen Zinsen zurück. In den vergangenen Jahren hätten Hedge-Fonds das niedrige Niveau genutzt, den Kauf von Immobilienaktien und Reits mit Krediten zu finanzieren. Mit den ausgeschütteten Dividenden konnten Zinsen und Tilgung gezahlt werden, so dass meist etwas übrig blieb. Bei dem mittlerweile höheren Zinsniveau ist das schwieriger - daher zogen sich die Investoren zurück. Nicht nur die Kursgewinne der vergangenen Jahre, auch die Krise bei den offenen Immobilienfonds hat das Interesse der Anleger an Immobilienaktienfonds geweckt. Die Manager der offenen Fonds kaufen direkt Gebäude, die vermietet oder wieder verkauft werden. 75 Milliarden Euro stecken in diesem Anlagesegment; vor einem Jahr waren es 88 Milliarden. Vor allem die Schließung des Grundbesitz-Invest durch die Deutsche Bank hatte eine Vertrauenskrise ausgelöst. Bei beiden Fondsarten kann man täglich Anteile kaufen und verkaufen. Die Kursschwankungen seien bei den Immobilienaktienfonds sicher größer, sagt Unternährer. Die Preise werden schließlich über die Börse ermittelt. Empfehlungen seriöser Marktbeobachter sammeln Bei den offenen Immobilienfonds bilden die Gutachten von Sachverständigen die Grundlage für die Preise der Fondsanteile. Dafür können die Manager der Aktienfonds wesentlich zügiger auf Veränderungen an den Märkten reagieren, weil sich die Wertpapiere schneller verkaufen lassen als Häuser. Einen Immobilienaktienfonds zu beurteilen, ist schwierig. Allgemeine Regeln gebe es nicht, weil die Fonds in Immobilienmärkte auf der ganzen Welt investieren, was selbst für Experten kaum zu überblicken ist. Ein Warnsignal sei deshalb, wenn ein Fondsmanager von Deutschland aus und ohne Experten vor Ort investiere. Ansonsten sollten Anleger am besten Empfehlungen und Erläuterungen seriöser Marktbeobachter sammeln und sich die bisherige Entwicklung anschauen, bei der zum Beispiel in den vergangenen sechs Monaten ebenso wie in den zurückliegenden drei Jahren der HH Pan European Property A2 (siehe Tabelle) vorne gelegen hat. Vor allem Investitionen in den europäischen Markt böten den Fonds große Chancen, sagt Unternährer. "Er ist noch nicht so weit entwickelt wie etwa in den Vereinigten Staaten und weniger transparent, dort kann sich aktives Managen lohnen", erklärt er. Aber auch ein chancenreicher Markt birgt Risiken. "Teile Spaniens und Frankreichs sind mittlerweile sehr teuer, vor allem im Bereich von Wohneigentum." Differenziert beurteilt er auch den asiatischen Markt. "In Hongkong befindet man sich bei den Immobilienpreisen bald an der Spitze. In Japan findet noch ein klarer Aufwärtstrend statt." Das Interesse ausländischer Fonds an deutschen Immobilien wachse enorm, sagt Peter Barkow, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Das dürfte auch an der Reits-Fantasie liegen, sagt Kollege Mazzuoli.
Die Krise bei den offenen Immobilienfonds hat das Interesse auf ein riskantes Konkurrenzprodukt gelenkt: die Immobilienaktienfonds.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geldanlage-das-geschaeft-mit-dem-haus-1.919000
Geldanlage - Das Geschäft mit dem Haus
00/05/2010
Weil immer mehr Container aus Asien kommen, braucht die Jobmaschine der Hanse-Stadt mehr Platz - 100 Unternehmen müssen deshalb umsiedeln, aber keiner weiß wohin. Nach hochmoderner Hafenwirtschaft sieht es auf Steinwerder nicht aus. Die Straßen sind durch die schweren Lastwagen ganz wellig geworden; die schlichten Lagerhallen sind nicht klimatisiert und bergen keine effizienten Hochregale, sondern einfach nur Fläche; am Rossterminal türmen sich Schrottberge; im Travehafen parken ein paar Dutzend Schuten, wie man hier die Lastkähne ohne Motor nennt. Um die Ecke lagern Leercontainer. Detailansicht öffnen Der Container-Terminal Burchardkai im Hamburger Hafen. (Foto: Foto: ddp) Doch der Eindruck täuscht. Ohne diese "Hinterhöfe" wäre ein moderner Containerhafen wie Hamburg keine Jobmaschine. An den meisten Tagen stehen die Lastwagen hier auf Steinwerder Schlange. Das Be- und Entladen der Containerriesen auf den großen Terminals in Altenwerder oder Waltershof geht heute zwar nahezu vollautomatisch. Aber dann nimmt ein Lastwagen die Stahlbox huckepack und schafft sie quer durch den Hafen, zum Beispiel nach Steinwerder. Fast alles kommt aus China In Handarbeit wird sie dort ausgepackt, Gabelstapler schaffen die Waren in die Lagerhallen. Dort türmen sich hunderttausende brauner Pappkartons, in denen so ziemlich alles ist, was in Asiens Fabriken produziert wird: Nähmaschinen, Microwellen, Staubsauger oder Wasserkocher, Einwegfeuerzeuge oder Handys. Fast alles kommt aus China, das meiste ist für Osteuropa bestimmt. Was nicht in die 20 Fuß langen Standardboxen passt, ist auch ein Fall für Steinwerder. Stückgut-Experten verpacken dort ganze Windräder für den sicheren Transport über die Meere. In Hamburg hängen 124.000 Jobs oder auch zwölf Prozent aller Arbeitsplätze am Hafen. Derzeit ist die Stimmung auf Steinwerder allerdings ziemlich mies. Die Lagerhallen und Kräne sollen verschwinden, weil Hamburg ganz schnell ganz viel Platz braucht für den boomenden Containerumschlag. Angst vor der Willkür der Behörden Aber neue passende Grundstücke hat den Betrieben bisher noch niemand angeboten. Und das ärgert viele Firmen hier, die Unternehmer sind wütend auf die Hafenverwaltung, die sich neuerdings international gibt und Port Authority heißt. Aber weil sie von ihr abhängig sind, getraut sich kaum einer hier, seine Kritik öffentlich hinauszuposaunen. Zu groß ist die Angst vor der Willkür der Behörden. Seit 1997 ist der Seegüterumschlag um etwa die Hälfte auf 114,5 Millionen Tonnen gestiegen; der Containerumschlag hat sich in dieser Zeit sogar verdoppelt. Im vergangenen Jahr wurden in Hamburg sieben Millionen TEU umgeschlagen. TEU ist die Maßeinheit für Containermengen und bedeutet Twenty feet Equivalent Unit. Gut die Hälfte des Volumens geht nach oder stammt aus Asien, ein Viertel gelangt in den Ostseeraum und Osteuropa oder kommt von dort. Im Weltrang liegt Hamburgs Containerhafen auf Platz neun - nach sechs asiatischen Häfen, Rotterdam und Los Angeles. Wachstum und Wohlstand Innerhalb der so genannten Nordrange Hamburg, Bremen, Rotterdam, Antwerpen hat Hamburg einen Marktanteil von inzwischen 28 Prozent, Tendenz weiter steigend. Wachstum und Wohlstand waren in Hamburg schon immer eng verbunden mit dem Hafen. Aber die jetzige Entwicklung übertrifft alle Erwartungen.
Weil immer mehr Container aus Asien kommen, braucht die Jobmaschine der Hanse-Stadt mehr Platz - 100 Unternehmen müssen deshalb umsiedeln, aber keiner weiß wohin.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hamburger-hafen-an-den-grenzen-des-wachstums-1.907736
Hamburger Hafen - An den Grenzen des Wachstums
00/05/2010
Millionen Bürger, die eine kapitalbildende Lebensversicherung abgeschlossen haben, dürfen auf eine höhere Überschussbeteiligung hoffen - und vor allem auf mehr Transparenz. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVG) in Karlsruhe müssen Kunden künftig "angemessen" am Vermögen und den stillen Reserven ihres Versicherungsunternehmens beteiligt werden. Bis 31. Dezember 2007 muss der Gesetzgeber entsprechend Neuregelungen schaffen, bis dahin sind die alten Regeln aber in Kraft. Verbraucherschützer werteten das Urteil als Durchbruch. Betroffen sind rund 45 Millionen Verbraucher mit Lebensversicherungen. Ob sie aber höhere Überschussbeteiligungen erhalten, hängt von der Höhe der stillen Reserven und Vermögenswerte ab. Mit dem Urteil hatten die Verfassungsbeschwerden dreier Musterkläger im Kern Erfolg. Das BVG schrieb dem Gesetzgeber zwar nicht vor, wie die Regeln geändert werden sollen, verwies aber auf die Transparenz der Versicherungsverträge bei der Riester-Rente. Beschränkter Einfluss der Versicherten In der mündlichen Urteilsbegründung sagte Gerichtspräsident Hans-Jürgen Papier, für den Einzelnen seien die Verträge der Lebensversicherer praktisch nicht verhandelbar. Nach Vertragsabschluss seien die Einflussmöglichkeiten des Versicherten noch beschränkter. Da Kündigungen zu hohen wirtschaftlichen Verlusten führten, seien sie wirtschaftlich nicht sinnvoll. Außerdem sei es für den Versicherten schwierig, Informationen über die Berechnungsgrundlagen seiner Ansprüche zu erhalten. Angesichts dieser geringen Einflussmöglichkeiten des Verbrauchers habe der Staat Schutzpflichten gegenüber den Lebensversicherten. Aufsichtsrecht teils verfassungswidrig Die habe der Staat bislang nicht ausreichend erfüllt, erläuterte der Gerichtspräsident. Das geltende Aufsichtsrecht verletze die Eigentumsrechte und die Handlungsautonomie der Versicherten und sei deshalb in Teilen verfassungswidrig. In Zukunft habe sich die Aufsicht nicht nur auf eine Missbrauchskontrolle zu beschränken, sondern müsse auch die angemessene Beteiligung der Versicherten an den durch ihre Prämien geschaffenen Vermögenswerten und den stillen Reserven zu gewährleisten. Ob die Versicherten zukünftig eine höhere Überschussbeteiligung erhalten, ist von der Höhe der stillen Reserven abhängig. Nach den Einbrüchen am Aktienmarkt 2001 haben Versicherungen Teile ihrer stillen Reserven allerdings verkauft. Auf die Versicherungen kommen Millionenbeträge zu In der mündlichen Verhandlung im Oktober 2004 bezifferten die Kläger ihre zusätzlichen Ansprüche auf rund 200 Euro. Für die Versicherten könnte es folglich nur zu geringen Steigerungen kommen. Da es etwa 45 Millionen Kapitallebensversicherungsverträge geben soll, kommen für die Versicherungsgesellschaften aber schnell Millionenbeträge zusammen. Der Bund der Versicherten, der die Musterverfahren unterstützt hatte, begrüßte das Urteil. "Deutschlands Lebensversicherer müssen endlich die Karten auf den Tisch legen." Aber auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft nannte das Urteil fair. Man könne sich der Bewertung nicht verschließen, dass die Überschussberechnung bislang nicht hinreichend transparent sei, sagte Hauptgeschäftsführer Jörg Freiherr von Fürstenwerth nach der Urteilsverkündung. Aktenzeichen: Bundesverfassungsgericht 1 BvR 80/95;1 BvR 782/94 und 1 BvR 957/96
Millionen Bürger, die eine kapitalbildende Lebensversicherung abgeschlossen haben, dürfen auf eine höhere Überschussbeteiligung hoffen - und vor allem auf mehr Transparenz.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundesverfassungsgericht-lebensversicherer-sollen-fairer-auszahlen-1.907121
Bundesverfassungsgericht - Lebensversicherer sollen fairer auszahlen
00/05/2010
(SZ vom 18.12.03) — Der Geruch von Lack mischt sich mit dem von feinen Holzspänen. Dünne Regentropfen rinnen an den Scheiben hinunter. Es regnet oft in Ningbo in der Provinz Zhejiang. Aber hinter den Mauern der Fabrik, da lächeln Krokodile - sofern man die roten, gelben, grünen und blauen Holzteile mit den Zahlen eins bis zehn richtig zusammenfügt, die vor Xie Guofeng auf dem Tisch liegen. Eifrig reibt Xie das Schmirgelpapier über jeden Rand der einzelnen Teilchen. Nicht mehr lange, dann werden Kinder in ganz Europa das Krokodil sowie Steckspiele und Puzzle unter dem Weihnachtsbaum finden. Holzspielzeuge der Firma Ravensburger. Made in China. Bei "Happy Toys" in Ningbo. Verlegenes Reiben "Weihnachten? Ist das nicht das gleiche wie unser Neujahr?", fragt Arbeiterin Xie. "Das müsste dann im Januar sein, oder?" Etwas verlegen reibt sie mit dem rauen Papier über die Kante des roten Krokodilbauches, sagt dann mit entschuldigendem Lächeln: "Wir Chinesen feiern ja das Frühlingsfest Ende Januar." Zheng Xiaohui, Teamleiter ihrer Gruppe, beteuert fröhlich, er möge das fremde Fest: "In Ningbo sind die Straßen mit Lichterketten geschmückt, hier in der Fabrik steht ein Weihnachtsbaum. Ich würde Weihnachten gern selbst einmal feiern, nur so zum Spaß." Konsumförderung In den Medien des offiziell atheistischen China ist es noch immer tabu, ausführlich über den christlichen Hintergrund des Festes zu berichten; Weihnachten in China dient allein der Konsumförderung. Die Geschäftsleitung, immerhin, macht jedes Jahr eine Weihnachtsfeier und lädt die gesamte Belegschaft zu einem großen Essen ein: Die Chefs sind Deutsche, die Mutterfirma Hapi Holding ist in der Schweiz registriert. Als zu 100 Prozent europäisches Investment ist die Fabrik eine Ausnahme in Chinas Spielzeug-Industrie. Hinter der schüchternen Xie sitzen acht Arbeiterinnen, die für sie die Vorarbeit leisten: sie zersägen das auf ein Brett gedruckte Krokodil in seine Einzelteile. Die Haare zu Zöpfen zusammen gebunden, beugen sie die Köpfe über die Stichsägen. "Mein Sohn ist leider schon zu alt, er ist 16", sagt Xie bedauernd. "Ich hätte ihm gern so etwas gekauft, aber bis ich hier anfing, wusste ich gar nicht, dass in China Holzspielzeug produziert wird." Stolzer Gruppenführer Der Farbengeruch wabert durch die Halle. An der Wand hängen verblichene Plakate mit Sicherheitsbestimmungen. "Unser Spielzeug ist ein Spitzenprodukt," sagt Zheng Xiaohui. Seit der Gründung der Fabrik ist er dabei, erst als Arbeiter, mittlerweile nennt er sich stolz Gruppenführer. "Ich habe meiner vierjährigen Tochter schon unser Holzpuzzle gekauft", erzählt er. Er bekommt die Sachen günstiger, zum Selbstkostenpreis. Ansonsten liegen in der Spielzeugkiste der Tochter vorwiegend batteriebetriebene Teile: Die sind einfach beliebter - und billiger, werden sie doch maschinell in Serie produziert. Bei "Happy Toys" ist hingegen die menschliche Arbeitskraft das A und O: Das Zuschneiden der Bretter, das Aussägen der Einzelteile, das Schmirgeln der Ränder, das Einstanzen der kleinen Knöpfe auf den Puzzlestücken sowie die Verpackung - alles wird in Handarbeit erledigt. Ein unbezahlbarer Luxus in Europa. "Wir arbeiten hier Akkord", erzählt Arbeiterin Xie. "Je mehr ich schaffe, desto mehr Geld bekomme ich. Normalerweise verdiene ich etwas über 1000 Yuan im Monat." Das sind ungefähr 100 Euro. Und das Doppelte dessen, was ein Arbeiter in China normalerweise verdient. Streik Die Umstellung von Festlohn auf Akkordlohn vor fünf Jahren hatte die Arbeiter allerdings auf die Barrikaden gebracht. Sie legten die Arbeit nieder, streikten für ein paar Stunden. Zehn Arbeiter, sagt die Firmenleitung, hätten damals gekündigt. Tausend arbeiten heute hier. Xie scheint zufrieden zu sein mit ihrer Tätigkeit und ihrem Verdienst. "Ich mag meine Arbeit. Ich komme aus der Holzbranche, und die Produkte inspirieren die Kinder zu Kreativität." Deshalb nehme sie die Akkordarbeit gern in Kauf. Dafür, dass der Wunsch nach einem höheren Gehaltsscheck nicht in Schluderei endet, sorgen 80 Qualitätskontrolleure, die am Ende jeden Arbeitsgangs penibel die handgefertigten Teile überprüfen; produziert ein Arbeiter Ausschuss, muss er 20 Prozent der Materialkosten bezahlen. "Unsere chinesischen Arbeiter verstehen das Konzept von Qualität manchmal nicht", meint Managerin Beatrice Böhme. "Unsere Stärke liegt aber im Design und in der Qualität. Unser Holz kommt aus Russland und Finnland, der Kleber aus Deutschland, und die Farben sind aus Belgien und Deutschland." Große Unterschiede Sie liefern in die Schweiz, nach England, Frankreich, Deutschland und Italien - Länder, unter denen sich Arbeiterin Xie nicht viel vorstellen kann: "Ich glaube, die Unterschiede zwischen Europa und China sind sehr groß." Einen tieferen Einblick in die fremde Mentalität bekommen jene Arbeiter, die einmal in die oberen Etagen der deutsch-schweizerischen Fabrik vordringen. An jeder der Glastüren dort hängt ein Schild: "Bitte die Türgriffe benutzen! Nicht mit den Fingern ans Glas fassen!"
Deutsche Holz-Puzzle entstehen in China, weil Handarbeit in Europa unerschwinglicher Luxus ist.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/spielzeug-aus-china-wo-krokodile-laecheln-lernen-1.904800
Spielzeug aus China - Wo Krokodile lächeln lernen
00/05/2010
Im Mannesmann-Prozess pocht der Chef der Deutschen Bank weiter auf seine Unschuld, Ex-Chef Esser verteidigt seine Prämie. Am zweiten Verhandlungstag im Mannesmann-Prozess hat Josef Ackermann die Millionenprämien verteidigt. Der 16-Millionen-Euro-Bonus für Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser sei "eine Sondervergütung für außerordentliche Leistungen" gewesen. Detailansicht öffnen Weiterhin im Rampenlicht: Josef Ackermann (Foto: Foto: dpa) Darüber hinaus habe er einen Anreiz bieten sollen, nach der verlorenen Übernahmeschlacht die Integration von Mannesmann in Vodafone erfolgreich mitzugestalten, sagte der Deutsche-Bank-Chef vor dem Düsseldorfer Landgericht. "Wie das Ausgangspunkt für ein Strafverfahren sein kann, ist mir bis heute schwer verständlich." Ackermann steht in der Sache zum zweiten Mal vor Gericht, da der Bundesgerichtshof (BGH) die Freisprüche aus dem ersten Prozess aufgehoben hatte. Konkret geht es um 60 Millionen Euro, die das Aufsichtsratspräsidium von Mannesmann im Frühjahr 2000 an Esser und andere Führungskräfte des Konzerns verteilt hatte. Vorwurf der schweren Untreue Ackermann saß damals in diesem Gremium und hatte die Zahlungen mitbeschlossen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm deshalb schwere Untreue vor, genau wie den anderen drei Präsidiumsmitgliedern, darunter Ex-Aufsichtsratschef Joachim Funk. Esser dagegen ist nur wegen Beihilfe angeklagt. Der BGH hatte kritisiert, dass die Prämie für Esser nicht in dessen Dienstvertrag vorgesehen war. Sie sei "ein Geschenk" gewesen, das keinerlei Anreiz für die Zukunft geboten habe und nicht im Interesse von Mannesmann gewesen sei. Dem widersprach Ackermann. Vertraglich regeln ließen sich nur Dinge, die voraussehbar seien. "Für das Unvorhergesehene kann ich keine Regeln treffen", rechtfertigte sich Ackermann. "Unvorhergesehen" - damit meinte der Deutsche-Bank-Chef die 178 Milliarden Euro teure Rekordübernahme durch Vodafone. Zunächst hatte der britische Konzern den Mannesmann-Aktionären einen Anteil von 42 Prozent am fusionierten Unternehmen geboten. Durch seinen Abwehrkampf hatte Esser das Angebot auf zuletzt 49,5 Prozent gesteigert. Damit habe er für die Mannesmann-Aktionäre den Wert um 27 Milliarden Euro erhöht, betonte Ackermann. "Wenn ich auch nur den kleinsten Anhaltspunkt gehabt hätte, dass etwas rechtlich nicht richtig sein könnte, dann hätte ich nicht so entschieden, zumal ich ja selbst keine eigenen Interessen hatte." Ackermann erhielt kein Geld Von den sechs Angeklagten hatten nur Esser und Funk eine Prämie bekommen. Ackermann und die anderen erhielten kein Geld. Auch Esser selbst verteidigte am Donnerstag seinen Bonus. Natürlich sei es nach der verlorenen Übernahmeschlacht seine Pflicht gewesen, an einer reibungslosen Integration mitzuarbeiten, "aber würde ich auch die nötige Durchsetzungskraft haben", fragte er vor Gericht. Die Prämie sei für ihn eine Motivation gewesen, die ihn für die weiteren Verhandlungen gestärkt habe. Schließlich habe er für die Mitarbeiter noch Einiges erreichen wollen, unter anderem, dass ein Teil der zentralen Konzernverwaltung in Düsseldorf verbleibt. Esser betonte, dass er selbst damals auf die Veröffentlichung seiner Prämie gedrungen habe. Zwar hätten die Wirtschaftsprüfer von KPMG anfangs Bedenken wegen der Höhe geäußert, nach einer rechtlichen Diskussion hätten sie diese aber nicht wiederholt. Zudem habe die Staatsanwaltschaft im März 2000 mitgeteilt, dass sie keinen Anlass für Ermittlungen sieht. "Ich kenne keinen anderen Fall, in dem eine Prämie so gründlich geprüft worden wäre - und das alles noch vor der Auszahlung", sagte Esser. Nach fast drei Stunden bat er das Gericht, ihn "endlich endgültig" freizusprechen.
Im Mannesmann-Prozess pocht der Chef der Deutschen Bank weiter auf seine Unschuld, Ex-Chef Esser verteidigt seine Prämie.
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Mannesmann-Prozess - Josef Ackermann weist Kritik zurück
00/05/2010
Die Lokführergewerkschaft macht ernst: Seit Mittag wird der Güterverkehr bestreikt. Die Kosten für die Wirtschaft könnten explodieren. "Wir haben keinen Schwerpunkt, wir streiken im Güterverkehr bundesweit", sagte der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Manfred Schell, in Frankfurt. Der Streik soll 42 Stunden bis Samstagmorgen um 6 Uhr dauern. Wie viele Güterzüge wegen des Arbeitskampfes ausfallen werden, sei nicht abschätzbar. Die Gewerkschaft geht laut Schell davon aus, dass von den 5500 Lokführern im Güterverkehr der Bahn noch etwa ein Drittel im Dienst sind. "Solange die Bahn uns kein Angebot vorlegt, streiken wir", betonte Schell. Der Streik im bundesweiten Güterverkehr der Bahn sollte nach Angaben der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) als "langsame Welle" beginnen. Nach dem Start des Ausstands von Mittag an würden Güterverkehrszentren und Rangierbahnhöfe nach und nach "volllaufen", sagte der Bezirkschef der Lokführergewerkschaft GDL in Berlin-Sachsen-Brandenburg, Hans-Joachim Kernchen. Wenn Züge nicht aus den Anlagen herausführen, seien die Kapazitäten irgendwann erschöpft. Mit längerer Streikdauer dürften die Auswirkungen immer stärker sichtbar werden. Zu rechnen sei auch damit, dass Güterzüge an Bahnhöfen und auf Überholgleisen stehenbleiben. In der Hauptstadtregion ist demnach vor allem mit Behinderungen an den Güterverkehrszentren Wustermark (Landkreis Havelland) und Großbeeren (Landkreis Teltow-Fläming) sowie am wichtigen Rangierbahnhof in Seddin bei Potsdam zu rechnen. Schwerpunkt Ostdeutschland "Wir bestreiken die Güterzüge in der ganzen Republik, Schwerpunkt wird Ostdeutschland sein, weil wir dort stärker organisiert sind", sagte GDL-Vize Claus Weselsky in Frankfurt. Von der Bahn gebe es weiterhin keine Signale, die die GDL zurück an den Verhandlungstisch brächten. "Wir kommen zu Verhandlungen, wenn man uns ein Angebot macht, in dem etwas über Arbeitszeit und Gehalt steht", sagte Weselsky. Die GDL hatte am Mittwoch einen 42-Stunden-Streik im Güterverkehr ab Donnerstagmittag angekündigt. In dem seit Monaten festgefahrenen Tarifkonflikt fordert die GDL einen eigenständigen Tarifvertrag und bis zu 31 Prozent mehr Geld. Die Deutsche Bahn erwartet beim Streik im Güterverkehr "keine erheblichen Behinderungen im Personenverkehr", sagte Bahn-Manager Kay-Uwe Arnecke dem Sender NDR-Info. Die GDL-Lokführer seien angehalten, ihre Züge in den nächsten Bahnhof oder auf das nächste Abstellgleis zu fahren, um keine Gleise zu blockieren. "Wir hoffen auch, dass sich die GDL an diese Spielregeln hält", sagte der beim Personenverkehr für das Personal zuständige Manager. "Sollte das nicht der Fall sein, werden wir dagegen vorgehen müssen." Treffen im Kanzleramt In Berlin werden die Beratungen über eine Teilprivatisierung der Deutschen Bahn fortgesetzt. Bundesregierung und Bahnvorstand wollen erneut nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Dazu kamen am Donnerstag Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU), Finanzminister Peer Steinbrück und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (beide SPD) mit Bahnchef Hartmut Mehdorn und seinem Finanzvorstand Diethelm Sack im Kanzleramt zusammen. Hauptproblem ist die vom SPD-Parteitag verlangte Ausgabe von Volksaktien, die von der Union strikt abgelehnt wird.
Die Lokführergewerkschaft macht ernst: Seit Mittag wird der Güterverkehr bestreikt. Die Kosten für die Wirtschaft könnten explodieren.
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Bahnstreik - Lokführer im Ausstand
00/05/2010
Wie die Professoren-WG aus dem zwölften Stock des Statistischen Bundesamts das dicke Buch erstellt, das den Deutschen zeigt, wo es langgeht. Ein wenig, sagt Bert Rürup, geht es unter den Weisen zu wie in einer Familie. "Mit dem Unterschied, dass man sich seine Frau normalerweise selber aussucht, die Kollegen aber nicht." Ja, man lerne sich schon sehr gut kennen bei dieser Arbeit, auch mit seinen jeweiligen Marotten, findet Wolfgang Franz. "Da liegen schon mal die Nerven blank." Und ein dritter meint: "Seit wir eine Frau dabei haben, ist der Umgang gesitteter geworden." Das Gespräch findet in der Kantine des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden statt, und hier beim Mittagessen wirken sie tatsächlich wie eine Familie, oder besser: wie die Angehörigen einer gereiften Wohngemeinschaft. Unvergleichlich Vier Männer und eine Frau, die Mitglieder des "Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage", so der offizielle Titel. Die "Fünf Weisen" sind eine Institution, die zur bundesrepublikanischen Identität gehört wie die Tagesschau, die Bundesliga oder der Musikantenstadl. An diesem Mittwoch legen sie in Berlin ihr neues Jahresgutachten vor. Vergleichbares gibt es in anderen Ländern nicht. Frankreich hat zwar einen Conseil d 'analyse économique, dem gehören aber nicht weniger als 40 Mitglieder an, Vorsitzender ist der Premierminister selbst. Der Council of Economic Advisers (CEA) in den USA ist direkt dem Präsidenten unterstellt, seine drei Mitglieder können jederzeit und ohne Angabe von Gründen entlassen werden. Der deutsche Sachverständigenrat dagegen ist unabhängig, und diese Unabhängigkeit ist gesetzlich geschützt. Die Mitglieder werden zwar vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung ernannt; hinterher können sie jedoch, im Rahmen des gesetzlichen Auftrags, fünf Jahre lang sagen und schreiben, was sie wollen. Der Rat hat einen eigenen wissenschaftlichen Stab, eine Geschäftsstelle, eine Website und Arbeitsräume im zwölften Stock des Statistischen Bundesamtes, zu denen man über einen Paternoster gelangt, der ungefähr so alt sein dürfte wie der Rat selbst: 41 Jahre. Ihren Gegnern, und deren gibt es viele, erscheinen die Weisen wie ein neoliberales Ökonomenkartell, das immer wieder die gleichen marktwirtschaftlichen Vorschläge unters Volk bringt. Links, rechts, unabhängig Das Klischee hat mit der Wirklichkeit allerdings herzlich wenig zu tun. Wolfgang Wiegard, 58, zum Beispiel. Der Vorsitzende des Rates ist Professor für Finanzwissenschaften an der Universität Regensburg und SPD-Mitglied. Er hat die Ökosteuer vorgedacht und ist insofern "links". Andererseits fordert er Reformen auf dem Arbeitsmarkt und niedrigere Steuersätze, was allgemein als "rechts" gilt.
Wie die Professoren-WG aus dem zwölften Stock des Statistischen Bundesamts das dicke Buch erstellt, das den Deutschen zeigt, wo es langgeht.
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Deutschlands Sachverständigenrat - Die Weisen aus dem Sorgenland
00/05/2010
Einen Tag nach seiner Vertragsverlängerung hat VW-Chef Bernd Pischetsrieder auf der Hauptversammlung des Konzerns die Notwendigkeit eines Sanierungsprogrammes unterstrichen. Was das genau heißt, sagte er allerdings nicht. Man müsse mit unverminderter Energie an der Optimierung von Kosten und Prozessen arbeiten, sagte der VW-Lenker am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Autobauers in Hamburg. Detailansicht öffnen Bernd Pischtetsrieder auf der Hauptversammlung in Hamburg. (Foto: Foto: ddp) Details zum geplanten Umbau, über den das Management derzeit mit dem Betriebsrat verhandelt, blieb Pischetsrieder allerdings weiterhin schuldig. "Wir werden erst darüber sprechen, wenn Ergebnisse vorliegen." VW wisse aber genau, "worüber und mit welchen Zielen wir verhandeln." Den bisherigen Ausblick bekräftigte der VW-Chef. VW-Aktien verteuerten sich bis zum Mittag um 2,11 Prozent auf 62,46 Euro, während der DAX leicht nachgab. Herausforderndes Ziel So soll dank des Sparprogramms "ForMotion plus" das Vorsteuerergebnis bis zum Jahr 2008 um vier Milliarden Euro auf 5,1 Milliarden Euro verbessert werden. "Diese Ziel ist sehr herausfordernd", räumte der VW-Chef ein, könne aber dank der Kostensenkungen und neuer Modelle erreicht werden. Im laufenden Jahr peilt VW weiterhin ein Absatz- und Umsatzplus sowie eine Verbesserung des operativen Ergebnisses vor Sondereinflüssen an. Die Höhe der Sondereinflüsse bezifferte Pischetsrieder erneut nicht. VW rechnet in diesem Jahr mit Belastungen aus dem laufenden Sanierungsprogramm, dem positive Sondereinflüsse aus den jüngsten Verkäufen unter anderem der IT-Tochter gedas oder dem Autovermieter Europcar entgegen stehen. "Existenz nicht gefährdet" Der Konzern sei in seiner heutigen Existenz nicht gefährdert, betonte Pischetsrieder weiterhin. Bereits im ersten Quartal habe das Unternehmen Fortschritte erzielt und sein Ergebnis verbessert. "Aber trotzdem müssen wir heute handeln, damit wir morgen den verschärften Angriffen unserer Wettbewerber erfolgreich begegnen können." Das Management müsse nun die unternehmerischen Weichen stellen, um langfristig die notwendige Ertragskraft von VW gewährleisten zu können. Der Konzern werde zudem nicht ohne den Erfolg der Marke VW nachhaltig erfolgreich sein können. VW fährt derzeit einen harten Sparkurs und hatte im März ein tief greifendes Restrukturierungsprogramm angekündigt, von dem bis zu 20.000 Mitarbeiter betroffen sein könnten. Zukunft der Komponentenwerke Zur Zukunft der Komponentenwerke, die VW auf den Prüfstand gestellt hat, sagte der VW-Chef: "Nur wenn entweder die Wettbewerbsfähigkeit nicht erreichbar ist, oder (...) der Bereich und damit auch die Mitarbeiter unter einer anderen Firmenzugehörigkeit bessere Chancen haben, prüfen wir alle anderen Möglichkeiten."
Einen Tag nach seiner Vertragsverlängerung hat VW-Chef Bernd Pischetsrieder auf der Hauptversammlung des Konzerns die Notwendigkeit eines Sanierungsprogrammes unterstrichen. Was das genau heißt, sagte er allerdings nicht.
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Sanierungsbedarf bei VW - Pischetsrieder bleibt Details schuldig
00/05/2010
Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner geht zur Deutschen Bahn. Für seinen Kampf gegen Korruption ist er bekannt - und nun geht er zu dem Unternehmen, das er für besonders korruptionsanfällig hält. Mit seinen grauen Haaren wäre der schlanke, hochgewachsene Frankfurter Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner optisch eine fabelhafte Besetzung für die Serie "Allein gegen die Mafia'' gewesen, aber wenn ihm einer mit Palermo oder Mailand kam, winkte der 58-jährige Strafverfolger nur ab: "Da brauche ich keinen Nachhilfeunterricht. Das kenne ich aus eigener Anschauung.'' Seit zwanzig Jahren beschäftigt sich Schaupensteiner mit dem verdeckten Geben und Nehmen. Er ist darüber das Gesicht des Kampfes gegen die Korruption in Deutschland geworden: Er saß in Talkrunden von Sabine Christiansen, Maybrit Illner und bei Ulrich Wickert, trat auf Kongressen auf und schrieb mit der kämpferischen Bielefelder Kriminologin Britta Bannenberg das Buch "Korruption in Deutschland - Porträt einer Wachstumsbranche!''. Fernsehteams drängeln sich in seinem Frankfurter Büro für ein paar kernige Sätze über das Gesetz über Abgeordnetenbestechung in Deutschland. Dass "politische Korruption fast straffrei ist'', sagt er dann, und es scheint ihn immer noch zu ärgern. "Aber die halten das international nicht durch''. Ab 16. Juli Chief Compliance Officer der Deutschen Bahn Schaupensteiners Karriere ist nun selbst eine Nachricht geworden. Der Frankfurter Abteilungsleiter für Korruptionsbekämpfung wird ab 16. Juli als Chief Compliance Officer bei der Deutschen Bahn in Berlin gegen Bestechung und Günstlingswirtschaft kämpfen, die die Bahn immer wieder erschüttern. Dass er auf die andere Seite des Schreibtisches wechselt, ist folgerichtig und irritierend zugleich: Einer vom Geburtsjahrgang 1948 stellt sich jetzt vermutlich seiner letzten beruflichen Herausforderung. Doch die Justiz hat auch nichts getan, um Deutschlands wohl bekanntesten Staatsanwalt in ihren Reihen zu halten. Im Gegenteil. Man müsse ihn bremsen, erklärten Bürokraten im hessischen Justizministerium, weil zu viel öffentlich auf seine Person zulaufe. In seiner Spezialabteilung, die 1993 als erste ihrer Art in Deutschland gegründet wurde, arbeiten bis heute nur vier Staatsanwälte, in München sind es zwölf. Sein Vorschlag, eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Korruptionsbekämpfung in Hessen einzurichten, wurde verworfen. Stattdessen reifte der Plan des Justizministeriums, von Spätsommer an in der Frankfurter Staatsanwaltschaft eine zweite Abteilung für Korruptionsbekämpfung einzurichten, die von einem anderen Abteilungsleiter geführt wird. Das alles dürfte seine Entscheidung für einen Wechsel aus dem Staatsdienst in die Privatwirtschaft begünstigt haben. Direkter Draht zu Mehdorn Schaupensteiner, von Kollegen anderer Staatsanwaltschaften nur gedehnt "der Schaupensteiner'' genannt, kam eher zufällig zur Korruptionsbekämpfung. Als junger Mann hatte er als Anwalt für Wettbewerbsrecht gearbeitet, dann war er Richter für Handelssachen und wechselte zur Staatsanwaltschaft. Bald darauf stieß er auf seinen ersten Fall. Ein Frankfurter Bauunternehmer hatte einem Techniker des Straßenbauamtes in einem Café ein paar hundert Mark zugesteckt. Der junge Staatsanwalt war damals noch empört, dass ein Beamter so etwas machte. Später wurde Schaupensteiners Satz von der Korruption, die "metastasenartig in den Staatskörper eingedrungen'' sei, zu einem geflügelten Wort. Er tritt seit Jahren für ein schärferes Vergaberecht ein, auch für ein schärferes Unternehmensstrafrecht, verlangt ein bundesweites Korruptionsregister und mehr Kontrollen in den Unternehmen. Die Deutsche Bahn hat er stets als den "korruptionsanfälligsten Konzern im Land'' bezeichnet, weil das Unternehmen, das auch im Ausland Geschäfte macht, über neun Milliarden Euro pro Jahr zu verteilen hat. Aber er hat auch den Kampf der Bahn gegen Korruption als vorbildlich gepriesen. Einen Einblick in den Bahnbetrieb hat er sich verschaffen können, weil er seit 2001 insgesamt 15 Strafverfahren gegen mehr als zweihundert Personen im Zusammenhang mit Korruptionsdelikten bei der Bahn führte. Dabei lernte er auch Bahnchef Hartmut Mehdorn kennen. Dessen forsche Art gefiel ihm. Bei der Bahn arbeitet er nun für die Compliance-Abteilung, die unmittelbar mit dem Vorstand zusammenarbeitet. Der direkte Draht war seine Bedingung, sagt Schaupensteiner. Die Justiz hat ihn immerhin für fünf Jahre beurlaubt. Sein Vertrag bei der Bahn läuft unbegrenzt. Vor ein paar Jahren hatte Schaupensteiner, dessen Bruttoverdienst bislang bei 5.200 Euro monatlich liegt, über einen Wechsel in die Privatwirtschaft nachgedacht, aber er hätte damals auf seine Pensionsansprüche verzichten müssen. Das muss er diesmal nicht.
Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner geht zur Deutschen Bahn. Für seinen Kampf gegen Korruption ist er bekannt - und nun geht er zu dem Unternehmen, das er für besonders korruptionsanfällig hält.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bahn-prominenter-compliance-chief-der-unbestechliche-1.914083
Deutsche Bahn: Prominenter Compliance-Chief - Der Unbestechliche
00/05/2010
Das Geschäftsklima-Barometer des Ifo-Instituts hat unerwartet deutlich nachgegeben. Es ist bereits der zweite Rückgang in Folge, so dass die Zweifel an einer nachhaltigen Konjunkturerholung wieder wachsen. Der Geschäftsklimaindex sank im März um einen Punkt auf 95,4 Zähler. Experten hatten lediglich mit einem Rückgang von 0,4 Punkte gegenüber dem Februar-Wert gerechnet. Erwartungen trüben sich wieder ein Damit verzeichneten die Wirtschaftsforscher zum zweiten Mal in Folge einen Rückgang. Zuvor war der Index neun Monate in Folge angestiegen. Der Teilindex für die aktuelle Lage sank um einen halben Punkt auf 92,1 Punkte, der Teilindex für die Erwartungen fiel von 100,3 auf 98,9 Punkte. Ifo-Chef Werner Sinn sagte, dass vor allem die schwache Inlandsnachfrage auf der Wirtschaft laste. "Die Konjunkturentwicklung krankt nach wie vor an einer schwachen Inlandsnachfrage, die Sorgen über den weiteren Konjunkturverlauf haben sich verstärkt." Unterschiedliche Interpretationen Von den Experten der Großbanken gab es unterschiedliche Interpretationen. Während die einen auf Sondereffekte wie den Anschlag von Madrid verweisen und vor einer Überbetonung des Rückgangs warnen, verweisen andere auf viele positive Signale wie den schwächeren Euro oder die verbesserten Exporterwartungen. Wenn in diesem an für sich guten Umfeld der ifo-Index weiter sänke, müsse man sich ernsthaft Sorgen machen. Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb sagte: "Der Aufschwung ist noch nicht in Gefahr, aber die Stärke des Aufschwungs muss schon noch mal überprüft werden." Die Bundesregierung hält dagegen an ihrer Wachstumsprognose von von 1,5 bis 2,0 Prozent in diesem Jahr fest. Es sei normal, dass Unternehmen am Anfang einer Aufschwungphase ihre Erwartungen zurückschraubten, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Die Besserung in Deutschland gehe in erster Linie auf die positive Entwicklung der Weltkonjunktur zurück. Nun gelte es, den Binnenmarkt zu stärken und die Reformen ohne Abstriche umzusetzen. Opposition wirft Schröder Realitätsverlust vor CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte, die Debatten über eine Ausbildungsplatzabgabe, neue Steuern und den Emissionshandel verunsicherten Unternehmer wie Verbraucher. Das Hin und Her in der Wirtschaftspolitik führe dazu, dass die Menschen ihr Geld zusammen hielten und auf bessere Zeiten warteten. FDP-Chef Guido Westerwelle sagte, der Aufschwung liege noch in weiter Ferne, und warf Bundeskanzler Gerhard Schröder "dramatischen Realitätsverlust" und "Schönmalerei" vor. Er solle die Reformen nicht zurückdrehen, sondern viel mutiger vorantreiben. Der Einzelhandel zieht nach unten Ifo-Experte Gernot Nerb erklärte, auch der starke Euro und die Wirtschaftspolitik spielten mit hinein. Der massive Rückgang beim Einzelhandel habe den ganzen Indikator nach unten gezogen. Die Investitionsgüterindustrie habe sich ganz gut gehalten, bei der Chemie- und Stahlindustrie sei die Luft etwas draußen, und bei der Konsumgüterindustrie laufe es nicht gut. Die Europäische Zentralbank hätte jetzt Spielraum für eine Zinssenkung. Das ifo-Barometer stützt sich auf eine Umfrage bei 7000 Firmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Baugewerbe sowie dem Groß- und Einzelhandel.
Das Geschäftsklima-Barometer des Ifo-Instituts hat unerwartet deutlich nachgegeben. Es ist bereits der zweite Rückgang in Folge, so dass die Zweifel an einer nachhaltigen Konjunkturerholung wieder wachsen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/konjunktur-von-wegen-aufschwung-1.902735
Konjunktur - Von wegen Aufschwung!
00/05/2010
Der letzte US-Arbeitsmarktbericht vor der Präsidentschaftswahl am 2. November liefert Herausforderer John Kerry neue Argumente. Die Zahlen fielen enttäuschend aus. Im zweiten TV-Duell mit Präsident Bush wird Kerry wohl darauf zurückkommen. Vier Wochen vor der Präsidentenwahl gibt es am amerikanischen Arbeitsmarkt wenig Bewegung. Detailansicht öffnen Konnte zuletzt punkten: John Kerry. (Foto: Foto: AP) Die Arbeitslosenquote blieb im September saisonbereinigt bei 5,4 Prozent, teilte das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Es wurden 96.000 neue Arbeitsplätze geschaffen - weniger, als Volkswirte erwartet hatten. Die Demokraten dürften versuchen, die Lage am Arbeitsmarkt - innenpolitisch das wichtigste Thema im Wahlkampf - für ihre Kampagne zu nutzen. Unterschiedliche Interpretationen Präsident George W. Bush und der Demokrat John Kerry bereiteten sich am Freitag auf die zweite von drei Fernsehdebatten vor. Kerry verweist immer auf die enttäuschenden Zahlen zu neuen Arbeitsplätzen, Bush auf den Trend nach oben. Insgesamt waren acht Millionen Menschen arbeitslos. Bush ist der erste Präsident seit Herbert Hoover (1929-33), in dessen Amtszeit die Zahl der Arbeitsplätze gesunken ist, nach Schätzungen um rund eine Million. "Enttäuschung" "Der Arbeitsmarktbericht ist eine Enttäuschung", sagte Chris Rupkey, Chefökonom der Bank of Tokyo-Mitsubishi in New York der Wirtschaftsagentur Bloomberg. "Die Wirtschaft schafft nicht genügend Konsumenten, um das Wachstum anzuheizen." Die Regierung argumentiert, dass die Wirtschaft von einer Rezession 2001, den Terroranschlägen und den Firmenskandalen erschüttert wurde und seit langem auf Erholungskurs ist. Kräftiges Wachstum Im zweiten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 3,3 Prozent auf hochgerechneter Jahresrate. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht in den USA in diesem Jahr von 4,3 Prozent Wachstum aus, im nächsten, auch als Folge der hohen Ölpreise, von 3,5 Prozent.
Der letzte US-Arbeitsmarktbericht vor der Präsidentschaftswahl am 2. November liefert Herausforderer John Kerry neue Argumente. Die Zahlen fielen enttäuschend aus. Im zweiten TV-Duell mit Präsident Bush wird Kerry wohl darauf zurückkommen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/us-arbeitslosenquote-munition-fuer-kerry-1.902801
US-Arbeitslosenquote - Munition für Kerry
00/05/2010
Die Bundesnetzagentur verordnet dem ostdeutschen Energiekonzern Vattenfall eine happige Preissenkung und bringt damit Bewegung in die Energiemärkte. Das wurde allerdings auch höchste Zeit. Spielen wir doch einmal Planwirtschaft: Angenommen, der Staat wollte die Wirtschaft vor einem Preisverfall schützen. Für die Preise sollte nicht mehr der Wettbewerb relevant sein, sondern allein die Herstellungskosten, egal wie hoch sie sind. Was täten kluge Unternehmer? Detailansicht öffnen Strommasten des Energiekonzerns RWE in Bochum. (Foto: Foto: ddp) Sie würden erst mal neue Maschinen kaufen. Sie brächten ihren Laden auf Vordermann und schlügen alle möglichen Kosten auf den Preis auf. Den Schaden hätten ganz allein die Kunden: Sie müssten draufzahlen. So ähnlich funktionierte jahrelang das deutsche Stromnetz. Dessen Besitzer konnten es nach Belieben ausbauen und verlangten dafür auch ziemlich happige Preise; die Regeln erlaubten es. Modern aber teuer Ostdeutschland etwa verfügt deshalb mittlerweile über eins der modernsten Stromnetze Europas. Aber die Kosten dafür sind so hoch, dass energieintensive Betriebe längst einen Bogen um die strukturschwachen Regionen machen. Nicht nur Haushalte, mehr noch die Wirtschaft leidet unter hohen Strompreisen wie nie zuvor. Im internationalen Wettbewerb sind sie längst zum echten Standortproblem heimischer Unternehmen geworden. Das deutsche Stromnetz ist ein Schlüssel dazu: Es mag das sicherste Europas sein. Es zählt aber auch zu den teuersten. Günstige Alternativ-Anbieter für Strom dagegen suchten Firmen wie Haushalte zuletzt vergebens. Es ist daher kein Zufall, dass sich die Bundesnetzagentur als Erstes den ostdeutschen Vattenfall-Konzern vorgeknöpft hat. Unter vernehmlichem Stöhnen des Unternehmens verordnete die Behörde 18 Prozent Preissenkung für das Stromnetz. Allgemeiner Preisnachlass ist zu erwarten Das ist happig, und Gerichte werden entscheiden müssen, ob es gerechtfertigt ist. Sicher ist: Es gibt eine Menge Spielraum für Preissenkungen. Andere Versorger werden bald ebenfalls zum Preisnachlass verdonnert werden.
Die Bundesnetzagentur verordnet dem ostdeutschen Energiekonzern Vattenfall eine happige Preissenkung und bringt damit Bewegung in die Energiemärkte. Das wurde allerdings auch höchste Zeit.
wirtschaft
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Deutscher Strom - Viel Spielraum für Preissenkungen
00/05/2010
Die Explosionen in London haben an den Aktienmärkten zeitweise für starke Kursverluste gesorgt. Am Nachmittag beruhigte sich das Geschäft dann wieder etwas. Am späten Nachmittag lag der Londoner Leitindex FTSE 100 nur noch mit 1,46 Prozent im Minus. Zuvor hatte er zeitweise knapp vier Prozent eingebüßt. Auch der deutsche Aktienindex, der vorübergehend 3,7 Prozent verloren hatte, notierte zuletzt nur noch um 1,7 Prozent schwächer bei 4537 Punkten. Auch die New Yorker Börsen verzeichneten nur geringe Verluste. Händler sagten, die Anschläge hätten zunächst "böse Erinnerungen" an die Attentate vom 11. September 2001 in den USA sowie vom 11. März 2004 in Madrid geweckt. "Diese Geschichte schürt ganz klar die Terrorängste", sagte Frank Schallenberger, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg. Leitzinsen unverändert Am Rentenmarkt erreichte der Bund-Future zeitweise ein Allzeithoch von 124,06 Prozent. In politisch unsicheren Zeiten ziehen Anleger in der Regel die Staatsanleihen als vermeintlich sicheren Anlagehafen den Aktien vor. Bundesfinanzminister Hans Eichel rief mit Blick auf die Finanzmärkte zur Besonnenheit auf. "Wir dürfen jetzt nicht durch falsches Handeln und durch panische Reaktionen dazu beitragen, dass die Situation aus dem Ruder gerät", sagte Eichel (SPD) am Donnerstag in Berlin. "Es wird deswegen nicht die Weltwirtschaft aus den Fugen geraten." Solche Ausschläge an den Märkten wie derzeit seien nicht überraschend. Die Finanzminister stünden in Kontakt mit den Zentralbanken. Nach den Anschlägen in New York im September 2001 hatten Notenbanken die Leitzinsen gesenkt, um der verunsicherten Wirtschaft einen Impuls zu geben. Die britische Notenbank und die Europäische Zentralbank ((EZB) reagierten am Donnerstag anders: Beide ließen auf ihren turnusmäßigen Sitzungen die Leitzinsen unverändert, die Bank of England mitten im Londoner Zentrum bei 4,75 Prozent und die EZB in Frankfurt bei zwei Prozent. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet erklärte am Nachmittag, er stehe in engem Kontakt mit seinen Kollegen Mervin King in London und Alan Greenspanin den USA. Die Notenbanken würden die Märkte, die Zahlungssysteme und die gesamte Infrastruktur aufmerksam beobachten. Die Bombenanschläge hatten keine Auswirkung auf das Funktionieren der Systeme gehabt. Deshalb sei die EZB wachsam, beobachte die Szene und behalte die Ruhe, sagte Trichet. Mehr als sonst gelte es, das Vertrauen aufrecht zu erhalten. Sollte sich die Lage ändern, seien die Zentralbanken jederzeit bereit einzugreifen, so wie dies nach dem 11. September 2001 war. Der Rat der EZB habe eine Schweigeminute für die betroffenen Menschen in Großbritannien eingelegt und sein Beileid in London bekundet. In Bezug auf die Leitzinsen in Europa meinte Trichet, er wolle keine Hinweise auf die künftige Richtung geben. Er nehme eine "wait-and-see"-Haltung ein. Anlass zur Sorge würden die Ölpreise geben, ebensowie höhere Steuern, die nicht nur in Deutschland zur Diskussion stünden. Papiere von Tourismuskonzernen besonders betroffen Am Aktienmarkt zählten am Donnerstag die Versicherungswerte und die Paiere aus der Touristikbranche zu den größten Verlierern. So fielen TUI-Papiere zeitweise um acht Prozent und die Titel der Lufthansa mehr als fünf Prozent. "Die Angst vor Anschlägen belastet die Papiere von Fluggesellschaften und Tourismuskonzernen immer besonders stark", sagte ein Händler. Europas größter Touristikkonzern TUI rechnet nach den Explosionen in London aber nicht mit negativen Auswirkungen auf das Reisegeschäft, die Aktien erholten sich denn noch im Verlauf. Unter Druck standen auch die Papiere der Versicherer, befürchten die Anleger doch erhebliche Ergebnisbelastungen bei etwaige Schadenszahlungen. Die Titel der Münchner Rück lagen zuletzt noch 2,73 Prozent im Minus, die der Allianz mit 3,02 Prozent. Die Münchener Rück teilte mit, nicht von der Explosionsserie in London betroffen zu sein. Auch am Ölmarkt lösten die Anschläge zeitweise Panik aus. Die führende Nordsee-Ölsorte Brent, die am Morgen noch ein Rekordhoch erreicht hatte, verbilligte sich nach den Explosionen um rund fünf Dollar auf 55,55 Dollar, und der Preis für amerikanisches Leichtöl ging um knapp vier Dollar auf 57,20 Dollar zurück. Hintergrund seien Befürchtungen über negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaften, hieß es. Am späten Nachmittag zogen die Kurse jedoch wieder etwas an. An den Devisenmärkten geriet das Pfund Sterling ebenfalls vorübergehend unter massiven Druck und lag kurzzeitig bei nurmehr 1,4509 Euro, dem tiefsten Stand seit Mai. Zum Dollar fiel die britische Währung sogar auf ein 19-Monats-Tief. Der Euro dagegen zog zunächst deutlich an, bröckelte dann aber wieder ab. In der Spitze stieg die Gemeinschaftswährung auf 1,2040 Dollar, nachdem sie am Vortag 1,1929 Dollar gekostet hatte.
Die Explosionen in London haben an den Aktienmärkten zeitweise für starke Kursverluste gesorgt. Am Nachmittag beruhigte sich das Geschäft dann wieder etwas.
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Nach den Anschlägen - Panikattacken an der Börse
00/05/2010
Sanft, schnell, scharf: In seinem Forschungszentrum in England versucht sich der Gillette-Konzern an der perfekten Rasur. Früh am morgen bietet das Werkstor des Gillette-Forschungszentrums in Reading bei London ein ungewöhnliches Bild: Dutzende Männer betreten das Gelände, wo der Marktführer für Nassrasierer neue Produkte entwickelt - und alle sind unrasiert. Sie kommen mit Aktenkoffern und Plastiktüten, in Jogginghosen und im Anzug. In einem Backsteinbau zeichnen sie auf einer Liste ihren gedruckten Namen ab, dann marschieren sie eilig zu den Waschräumen. Keiner von ihnen arbeitet für die Firma; sie sind allesamt Versuchskaninchen, die Rasierer testen. Mehr als hundert Ingenieure und Wissenschaftler tüfteln in Reading daran, Rasierer ständig zu verbessern. Sie erproben neue Klingenkombinationen, Griffe und Beschichtungen an einem bunten Querschnitt durchs englische Volk, der sich für ein kleines Entgelt im Labor rasiert: Männer, die ihre Wangen und Hälse abschaben, Frauen, die Achseln und Beine von Haarwuchs befreien. "Der endgültige Maßstab ist immer der Endverbraucher", erklärt der Physiker Kevin Powell. Und er legt dabei so viel Enthusiasmus an den Tag, dass sich die Journalisten, die erstmals in das Gillette-Labor eingeladen worden sind, fragen, ob Powell wirklich hingerissen ist von seiner eigenen Arbeit oder sein Produkt nur gut vermarkten will. Kommandogruppe Machterhalt Der Physiker hat früher militärische Flugtriebwerke für Rolls-Royce entwickelt. Und dem Kriegerischen ist er in mancher Hinsicht auch bei Gillette treu geblieben: Er leitet hier die Forschungsgruppe Nassrasur, eine Kommandoeinheit, die für den Konzern um Machterhalt kämpft - bislang mit Erfolg. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts regiert Gillette schon den Klingenmarkt. Allein in Europa und Nordamerika hat die Firma im Jahr 2002 zwei Milliarden Dollar für den Drei-Klingen-Rasierer "Mach 3" eingenommen. Doch im vergangenen September forderte Schick Wilkinson, sonst nur abgeschlagener Zweiter, erstmals den Platzhirsch zum Kampf heraus. Die Firma führte den "Quattro" ein, einen Rasierer mit vier Klingen. Darum steht Powells Team nun gleichsam in vorderster Front beim Abwehrkampf gegen den Herausforderer. Barthaar-Wissenschaft Nicht nur in der Werbung ist die Rasur ein entscheidender Teil der männlichen Existenz: Insgesamt verbringt ein Mann 3350 Stunden mit seinem Rasierapparat, um seine sieben- bis fünfzehntausend Barthaare zu bändigen und 800 Meter abzuschneiden - verteilt über ein ganzes Leben. Einen kleinen Ausschnitt davon beobachtet Powells Team im Testgebäude. Dort verteilen sich stoppelige Männer in Kabinen mit abwaschbaren Vorhängen, seifen sich ein und greifen dann nach den bereitgelegten Rasierern ohne Typenbezeichnung. Durch Einwegspiegel beobachten versteckte Kameras jeden Zug. Etwa 200 braucht ein Mann im Durchschnitt, haben die Entwickler festgestellt, doch die Extreme schwanken zwischen 80 und 700. Ein Stockwerk höher schaben sich die Frauen in rosa Duschwannen, dezent in Shorts und T-Shirt gekleidet, Achseln und Beine. Am Ende bewerten alle auf einem berührungsempfindlichen Bildschirm die Rasur nach Komfort, Glätte und Hautirritation. "Was haben die Probanden diesen Morgen getestet?", wollen die Journalisten wissen: "Eine neue Klinge?" Powell lächelt, streicht verlegen die Winnie the Pooh-Krawatte glatt und dreht sich zur Pressesprecherin um. Die schüttelt den Kopf - Betriebsgeheimnis. Für Gillette ist die Einladung an die Journalisten Kriegsräson: Bisher galt das Forschungszentrum als so geheim wie das Pentagon. Doch im Streit mit Schlick, der nicht nur im Laden ausgefochten wird, sondern wegen angeblich verletzter Patente und angeblich irreführender Werbung auch vor Gericht, braucht der Konzern Publicity. Vorsprung durch Glätte Gillettes Marktmacht gründet sich auf eine Reihe von Innovationen: Zunächst erfand 1895 der Amerikaner King Camp Gillette die doppelschneidige Wegwerfklinge aus Walzstahl. Dann kam 1972 das Zweiklingengerät heraus. Es nützte einen soeben entdeckten Verzögerungseffekt namens Hysteresis aus: Die erste Klinge zieht das Haar beim Abschneiden leicht aus dem Hautbett heraus. Der gekappte Stummel gleitet zwar innerhalb einer Achtelsekunde in die Epidermis zurück, doch bevor sich das Haar dort verkriechen kann, säbelt die zweite Klinge noch einmal ein Stück ab. Später kam der Schwingkopfrasierer mit besonders tief liegendem Drehpunkt, die Einzelfederung der Klingen und schließlich - vor sechs Jahren - der Dreifachrasierer, bei dem vorgelagerte Lamellen die Haut straffen. Diesen "Mach3" will Gillette demnächst noch ergänzen: Beim "M3Power" soll ein eingebauter Mikromotor die Barthaare durch Vibrationen hochheben. Obwohl die Beschreibung dieses Vibrators mehr nach Marketing als nach Erkenntnisfortschritt klingt, preist Powell das Gerät in den höchsten Tönen: "Das beste, was wir bieten können." Vorerst jedenfalls. Denn auch ein völlig neuer Rasierer, Nachfolger der M3-Reihe, ist bereits auf den Weg gebracht. Mit welchen Merkmalen der aufwartet, verrät Powell freilich nicht. Ein Quinto mit fünf Klingen wird es indes kaum sein. Laborarbeit Die Prototypen, die der Ingenieur entwirft, werden in einer ganzen Reihe von Labors getestet, bevor sich das Testpublikum damit rasiert. Das erste ähnelt einer Musterküche: Es ist hell, fast leer, bis auf lange Arbeitsflächen, Waschbecken und ein paar Rechner. Powell nimmt einen mit Sensoren ausgestatteten Rasierer zur Hand, an dem Dutzende dünner Kabel hängen. Die registrieren Druck, Auflagewinkel und Reibung auf Männerwange oder Frauenwade. Dabei wird aus Gründen der Vergleichbarkeit ein Testgel benutzt. Es ist vor allem bei den borstigen Männerhaaren wichtig, die doppelt so dick sind wie Frauenhaare. Im trockenen Zustand reicht ihre Widerstandskraft an einen Kupferdraht heran. Die Seife im Gel macht das Haar weich und schafft auf der Haut einen Gleitfilm. Eine Tür weiter, in einem völlig abgedunkelten Raum, filmen Ingenieure die Rasur in hundertfacher Vergrößerung mit Hochgeschwindigkeitsfilm, um zu beobachten, wie jedes einzelne Haare gekappt wird - dort beobachten sie regelmäßig den Hysteresis-Effekt. Ein drittes Labor dient der Bewegungsdynamik. Sieben digitale Kameras umringen den Rasierer. Auf dem Griff des Hobels sitzt ein Leuchtpunkt, den die Linsen verfolgen. Ein Computer erfasst jeden Ansatz, Strich, Länge und Dauer. "Im Durchschnitt sollten Männer, wenn sie ein neues Modell in die Hand gedrückt bekommen, sich schneller, mit weniger Zügen rasieren - sofern der Rasierer denn wirklich besser ist." Mit zwanzigtausendfacher Vergrößerung untersuchen die Forscher schließlich, wie gut die High-Tech-Schneiden den Einschlag im Bartwald überstehen. Die Klingen bestehen aus mit Platin veredeltem Stahl, dessen Oberfläche beschichtet und mit Kohlenstoffatomen gehärtet wird. Trotzdem lassen die Schneiden irgendwann nach - meist schon nach ein paar Tagen. Das ist durchaus erwünscht: Die Firma lebt davon, Klingenköpfe zu verkaufen. Angesichts einer auf dem Bildschirm stark vergrößerten, schartigen Klinge, fragt einer der Journalisten, ob Gillette den "Quattro" von Wilkinson Schick ebenso rigoros geprüft hätte. "Konkurrenzprodukte testen wir ständig", erklärt Powell etwas ausweichend. "Und?" "Und", hallt der Physiker wieder. Dann nimmt er fast Hab-Acht-Stellung an. "Wir haben nichts gesehen, was uns beunruhigen sollte." Die Pressesprecherin quittiert das im Hintergrund mit einem Lächeln. Spionageversuche Als die Tour in der kleinen Produktionsanlage endet, wo die experimentellen Rasierer entstehen, die unrasierte Versuchspersonen allmorgendlich im Nachbargebäude testen, sehen sich die Reporter vergebens nach einem Hinweis auf den Nachfolger des "Mach 3" um. Einer steckt klammheimlich Plastikteile ein, die eine Maschine im ohrenbetäubenden Stakkato in eine Tonne spuckt. Doch aus dem Gummi-Inlay für einen Griff allein lässt sich später nicht viel ersehen. So heftet sich der Blick der Besucher noch einmal neugierig auf das Gesicht Powells, das am späten Nachmittag noch so glatt erscheint wie ein Babypopo. Der Physiker rasiert sich längst mit dem neuen Modell. Doch so angestrengt die Augen ihn auch inspizieren, außer Glätte ist da nicht viel zu entdecken.
Sanft, schnell, scharf: In seinem Forschungszentrum in England versucht sich der Gillette-Konzern an der perfekten Rasur.
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Im Gillette-Labor - An Männerwange und Frauenbein
00/05/2010
Weil es mehr DDR-Klötze gibt als Mieter, erhalten die Burgen des Sozialismus eine neue Zukunft - russische Investoren wollen daraus kleine Häuser bauen. Jedes Mal, wenn Klaus Plobner vor die Tür tritt, sieht er weniger Haus und mehr Licht. Seit 1976 wohnt er in der Karl-Holtz-Straße im Berliner Plattenbau-Viertel Marzahn. Seit 1986 gab es den Plattenbau auf der anderen Straßenseite. Detailansicht öffnen Platten-Bau mal anders: Aus den DDR-Betonteilen werden schmucke Häuschen. (Foto: Foto: ddp) Und seit dem Frühjahr 2005 macht Plobner regelmäßig diese Fotos. Alle paar Tage stiefelt er herunter, überquert die Straße und dokumentiert das Schwinden, denn der Plattenbau gegenüber wird weniger, Tag für Tag. Und das, sagt Plobner, "ist eigentlich gar nicht so schlecht". Es wird heller in Marzahn. Tag für Tag, Platte für Platte, Stockwerk um Stockwerk bricht sich das Licht Bahn. Nötig dafür sind ein Kran und ein paar Arbeiter, die mittlerweile aus elf Stockwerken drei gemacht haben. Sie lockern Platten, hängen sie an den Kranhaken, lockern neue Platten, lärmen. Im geschrumpften Stadtteil im Berliner Osten wird das Hochhaus nicht weiter fehlen. In Schildow, eine halbe Lastwagenstunde entfernt, machen Arbeiter das Gegenteil. Aus Wänden, nach denen einst die halbe DDR strebte, errichten sie dort ein Einfamilienhaus. Sorgfältig hebt ein Kran die Marzahner Platte in ihre Position, in der sie Mörtel und Spezialdübel jahrzehntelang halten werden. Braunweiße Tapetenreste An manchen Wänden klebt noch die Tapete, braunweiße Muster, wie man sie Mitte der Achtziger ganz offensichtlich gern um sich hatte. Besonders energiesparend wird dieses Haus sein, mit Erdwärme-Heizung und Photovoltaik auf dem Dach. Und mit Wänden, die robuster sind als jede herkömmliche Mauer. "Richtig gute Substanz", lobt Peter Junne, Baudirektor im Bundesbauministerium. Mindestens noch achtzig Jahre, so hatten Wissenschaftler herausgefunden, könnten die Betonplatten problemlos halten - schließlich ruhte auf den unteren von ihnen einmal ein elfstöckiges Gebäude. Schildow ist ein hübsches Nest am Rande Berlins, mit Straßennamen, die in alter Fraktur-Schrift gesetzt sind, holprigen Kopfsteinstraßen und vielen kleinen, überwiegend hellgelben Neubau-Häuschen. In dieses Idyll dringt an diesem freundlichen Spätsommertag eine kleine russische Delegation ein. Der Preis gibt den Ausschlag An der Spitze Igor Fjodorow, Chef einer Firma mit dem Namen "Cesmainvest", ferner sein Architekt und sein Dolmetscher. "Ich führe ein privates Unternehmen", sagt Fjodorow mit ernster Miene. "Für mich kommt es auf den Preis an." Da könnte er in Schildow gerade richtig sein. Wo in diesem Moment hinter Fjodorows Rücken erneut eine Marzahner Platte entlangschwebt, wollen Ingenieure vormachen, wie günstig sich bauen lässt mit DDR-Teilen. Um knapp 30 Prozent lägen die Rohbaukosten unter denen vergleichbarer Bauten, sagt Frank Vogdt, stellvertretender Direktor des Instituts für Erhaltung und Modernisierung von Bauwerken an der Technischen Universität Berlin.
Weil es mehr DDR-Klötze gibt als Mieter, erhalten die Burgen des Sozialismus eine neue Zukunft - russische Investoren wollen daraus kleine Häuser bauen.
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Exportfähig - Vom Plattenbau zum Einfamilienhaus
00/05/2010
Die Lufthansa muss feststellen, dass sie schon zu 45 Prozent ausländischen Aktionären gehört. Das Traditionsunternehmen bangt deswegen um wichtige Landerechte. Bei der Lufthansa hat der Anteil ausländischer Aktionäre die Grenze von 45 Prozent überschritten. Im Aktienregister seien 45,75 Prozent ausländische Anteilseigner eingetragen, teilte das Dax-Unternehmen am Dienstag mit. Die Lufthansa darf nicht zu mehr als 50 Prozent in ausländische Hände geraten, da sonst die Betriebsgenehmigung und internationale Luftverkehrsrechte in Gefahr sind. Luftverkehrsverträge zwischen Deutschland und einer Reihe anderer Staaten legen fest, dass eine Fluggesellschaft mindestens zu 50 Prozent im inländischen Besitz ist, damit sie die Landerechte nicht verliert. Traditionsreiche Geschichte Das deutsche Unternehmen kann auf eine lange Tradition zurückblicken: Am 6. Januar 1926 ist es als "Deutsche Luft Hansa Aktiengesellschaft" durch die Fusion der Deutschen Aero Lloyd mit der Junkers Luftverkehr mit Sitz in Berlin gegründet worden. Die Reichsregierung initiierte damals das Geschäft, um weniger Subventionszahlungen an die beiden hochverschuldeten Unternehmen zahlen zu müssen. Die Lufthansa - heute eine der größten Fluggesellschaften der Welt - startete 1926 mit einer Flotte von 162 Flugzeugen, die fast alle veraltete Militärmaschinen aus dem Ersten Weltkrieg waren. Im April 1945 startete eine Ju 52 zum letzten Flug der Lufthansa vor der Besatzung Deutschlands durch die Allierten. Erst in den 50er Jahren wurde das Unternehmen wieder neu aufgebaut. Das Staatsunternehmen Deutsche Lufthansa AG mit dem Kranich-Emblem gewann das Vertrauen der Deutschen und steht bis heute für Sicherheit und Kompetenz. Erst Ende der 90er Jahre ist es schrittweise im Zuge des verschärften Wettbewerbs privatisiert worden und an die Börse gegangen. Mit einem Rekordumsatz von 19,8 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2006 gehört die Lufthansa nach wie vor zu einem der größten deutschen Unternehmen. "Für das Jahr 2006 können wir in jeder Hinsicht erfreuliche Ergebnisse vorlegen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Sie untermauern den anhaltenden Erfolgskurs der Lufthansa", verlautet Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber vor der Presse. Erhalt der deutschen Eigentümerstruktur Das Unternehmen wies darauf hin, dass es Maßnahmen zum Erhalt der deutschen Eigentümerstruktur ergreifen kann. Dazu zählt etwa eine Kapitalerhöhung unter Ausschluss der Auslandsaktionäre. Die Gesellschaft vertraue aber weiter auf die Selbstregulierungskräfte des Kapitalmarktes und werde erst einmal keine Maßnahmen ergreifen. Als Grund für den Anstieg führte die Lufthansa verstärkten Handel und vermehrte Registrierung der Aktionäre im Vorfeld der Hauptversammlung am Mittwoch an. Bereits im November war der Auslandsanteil einmal über 45 Prozent gestiegen und ist von selbst wieder gefallen. Spekulationen über den Kauf der spanischen Iberia Bei einem europäischen Luftverkehrskongress in Frankfurt dementierte Mayrhuber die Spekulationen über einen Kauf der spanischen Fluggesellschaft Iberia. Das Unternehmen sei zu teuer: "Sie wissen, dass spekulative Preise für uns nicht finanzierbar sind", sagte der Lufthansa-Vorstandschef am Montag in Frankfurt. Der Kurs der Iberia-Aktien hatte in den vergangenen Monaten angesichts andauernder Übernahmegerüchte deutlich zugelegt, inzwischen ist Iberia an der Börse mit mehr als vier Milliarden Euro bewertet. Lufthansa kommt auf zehn Milliarden Euro. Iberia-Chef Fernando Conte sagte am Rande des Kongresses, bislang habe Lufthansa von Iberia keine Informationen für eine mögliche Übernahme angefordert. Die einzigen Gespräche, die er mit seinem Kollegen Mayrhuber führe, seien innerhalb des Verbandes der europäischen Fluggesellschaften AEA. Es werde in der Branche aber durchaus über die Vorteile von Fusionen gesprochen, sagte Conte weiter. Dabei verwies er auf den Vortrag einer Unternehmensberatung auf der Tagung, wonach die Luftverkehrsbranche in Europa zu stark fragmentiert sei. "Wir verstehen, dass da etwas getan werden muss in der Zukunft." Mayrhuber sagte Journalisten, die Lufthansa sei gut beraten, mögliche Veränderungen im Luftfahrtmarkt zu beobachten. Es müsse aber immer für beide Seiten Sinn machen. Vorteile für die Kunden Zur Frage, ob Iberia gut zur Lufthansa passen würde, sagte Conte: "Ich denke, wir passen gut zu allen großen Airlines in Europa." Seine Gesellschaft sei auf den spanischen und lateinamerikanischen Markt spezialisiert, wo kein anderer Wettbewerber besonders stark sei. Er meine auch nicht, dass Iberia derzeit überbewertet sei. Fusionen hätten grundsätzlich auch Vorteile für die Kunden, sagte Conte. So könnten zum Beispiel Flugrouten besser aufeinander abgestimmt werden. Voraussetzung sei dabei aber eine gemeinsame Grundlage der kooperierenden Gesellschaften. Bislang arbeitet Iberia mit British Airways zusammen, die auch knapp zehn Prozent der Anteile hält. Bereits vor Monaten hatte Iberia aber auch andere Allianzen in Aussicht gestellt. Für diesen Mittwoch lädt die Lufthansa ihre Aktionäre zur Hauptversammlung nach Berlin. Auch dort dürfte das Thema Fusionen im Mittelpunkt stehen.
Die Lufthansa muss feststellen, dass sie schon zu 45 Prozent ausländischen Aktionären gehört. Das Traditionsunternehmen bangt deswegen um wichtige Landerechte.
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Aktienmehrheit wankt - Lufthansa schon fast nicht mehr deutsch
00/05/2010
Forderungen sind immer nur Forderungen. Große Aufregung über das, was die IG Metall zur Tarifrunde verkündet hat, wäre deshalb übertrieben. Dennoch werden die im Februar anstehenden Tarifverhandlungen kompliziert. Denn es geht es nicht nur um Prozente, sondern auch um Beschäftigungssicherung und Investitionen. Entscheidend ist, ob beide Seiten in den im Februar beginnenden Verhandlungen übereinkommen, dass Lohnmäßigung sich grundsätzlich weiterhin lohnt. Dass also die Betriebe, wenn sie nicht zu sehr belastet werden, tatsächlich zu Investitionen und Beschäftigungssicherung bereit sind - und dass dies mehr wert ist als eine teure kurzfristige Steigerung der Kaufkraft. Detailansicht öffnen Noch erhöht die IG Metall den Druck vor allem mit Forderungen. (Foto: Foto: dpa) Derzeit sieht es, mal wieder, eher nach einer harten Tarifrunde aus. Auf beiden Seiten sind Akteure beteiligt, die Interesse an Profilierung haben: Gesamtmetall hat eine neue Hauptgeschäftsführerin, die IG Metall im diesmal vielleicht entscheidenden Nordrhein-Westfalen einen neuen Bezirkschef. Hardliner machen mobil Zudem stehen Arbeitgeberverband wie Gewerkschaft unter Druck, intern machen die Hardliner mobil. Das ist übel. Denn der gern verachtete klassische Tarifkompromiss hat schon viel erreicht, vor zwei Jahren in Pforzheim etwa die Öffnung für betriebliche Abweichungen. Nimmt man einen denkbaren Kompromiss zwischen den Prozentzahlen von Gewerkschaft und Arbeitgebern, so könnte der Abschluss bei zwei Prozent liegen. Dies wäre verkraftbar. Auch Gesamtmetall räumt ein, dass sich die Branche erholt hat; und angesichts von zwei Prozent Inflation bliebe der Effektivlohn stabil. Ein viel wichtigeres Problem ist aber die unterschiedliche Entwicklung in unterschiedlichen Unternehmen. Differenzierte Entgelte Während es den einen gut geht, ganz wie die Gewerkschaft es sagt, stehen andere schlecht da, wie zu Recht die Arbeitgeber betonen. Die Antwort hierauf müssten im Tarifvertrag festgelegte differenzierte Entgelte je nach Ertragslage sein. Dagegen sperren sich derzeit aber die Arbeitgeber - die dergleichen einst selbst vorgeschlagen haben. Diese Haltung lässt für die Tarifrunde wenig Gutes ahnen, zumal die Arbeitgeber auch die Vorstöße der IG Metall hin zu einer eher qualitativen Tarifpolitik nicht so honorieren, wie es angebracht wäre. So seltsam auch ein Tarifvertrag über betriebliche Innovationsberichte sein mag, so richtig wäre es doch, alternden Belegschaften mehr Ansprüche auf Weiterbildung einzuräumen, wie die Gewerkschaft es will. Vieles ist denkbar Ein Geben und Nehmen könnte das sein, der Arbeitnehmer bringt die Zeit für die Qualifikationsmaßnahme ein, der Arbeitgeber finanziert sie. Da ist vieles denkbar. Man muss aber auch denken wollen - statt nur auf die Prozente zu starren.
Forderungen sind immer nur Forderungen. Große Aufregung über das, was die IG Metall zur Tarifrunde verkündet hat, wäre deshalb übertrieben. Dennoch werden die im Februar anstehenden Tarifverhandlungen kompliziert. Denn es geht es nicht nur um Prozente, sondern auch um Beschäftigungssicherung und Investitionen.
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IG-Metall-Forderung - Mehr als Prozente
00/05/2010
Passable Zahlen, gravierende Altlasten und ein richtiges Serviceproblem - das ist die persönliche Bilanz des Telekom-Chefs Obermann nach sechs Monaten. Er ist ein Getriebener. Etwas mehr als ein halbes Jahr sitzt René Obermann nun auf dem Chefsessel der Telekom. Als Vorstandschef eines Dax-Unternehmens musste er am Donnerstag zum vierteljährlichen Rapport antreten - und der Pflichttermin fiel für ihn sehr durchwachsen aus. Obermann hat weiter mit Altlasten zu kämpfen. Auch mit ihm, dem jungenhaften 44-jährigen Konzernchef gibt es Problemstau bei der Telekom. Die Geschäftszahlen fürs zweite Quartal präsentierte Obermann gewohnt souverän, wobei ihm entgegen kam, dass er dieses Mal keine allzu bösen Überraschungen zu verkünden hatte. Der Quartalsumsatz (15,6 Milliarden Euro) entspricht exakt den Erwartungen, der interne Gewinn (4,9 Milliarden Euro) liegt sogar leicht über den Prognosen der Experten. Der erste und der zweite Blick Doch die Zahlen stimmen nur auf den ersten Blick: Während das Auslandsgeschäft rundläuft, bleibt die Telekom im Inland sowohl im Festnetz als auch beim Mobilfunk unter Druck. Obermann, der Hoffnungsträger, ist ein Getriebener. Einige Aufgaben aus dem Pflichtenheft hat der Telekom-Chef inzwischen angepackt, doch freigeschwommen hat er sich deswegen noch lange nicht. Ziel erreicht Von seinem Vorgänger Kai-Uwe Ricke hat Obermann die undankbare Aufgabe geerbt, 50.000 Mitarbeiter in eine neue - schlechter dotierte - Servicegesellschaft auszulagern. Das Ziel ist erreicht, vier Stunden Mehrarbeit sind durchgesetzt, und auch der Lohnverzicht von minus 6,5 Prozent entspricht fast den ursprünglichen Forderungen. Doch für all diese Ergebnisse zahlt Obermann einen Preis, der ihm gar nicht recht sein kann: Der fünfwöchige Streik, den die Auslagerung provoziert hat, kostete die Telekom nach Schätzungen der Gewerkschaft Verdi eine halbe Million Arbeitstage. Die Abarbeitung der liegengebliebenen Aufträge könnte demnach bis zum April des nächsten Jahres dauern. Angeblich können die Call-Center der Telekom derzeit nur 20 Prozent der aktuell hereinkommenden Aufträge bearbeiten, da der Rest der Mannschaft mit der Abarbeitung des Auftragsstaus beschäftigt ist. Obermann muss das schmerzen, denn unter solchen Umständen leidet vor allem eins: Die von ihm so oft beschworene Verbesserung der Servicequalität. Es verwundert daher nicht, dass der Telekom im zweiten Quartal 516.000 weitere traditionelle Telefonanschlüsse abhanden kamen. Zweischneidig Um die Abwanderung der Kundschaft zumindest teilweise aufzufangen, forciert Obermann die Gründung der konzerneigenen Billig-Marke Congstar - doch auch dieses Manöver birgt Gefahren. Einerseits hat der Ex-Monopolist so tatsächlich reelle Chancen, den Kundenschwund zumindest hinauszuzögern. Doch je größer der Erfolg von Congstar ausfällt, desto stärker kannibalisiert sich die Mutterfirma Telekom selbst. Schließlich ist jeder Billig-Kunde mehr bei Congstar ein gut bezahlender Kunde bei der Telekom weniger. Ein Sorgenkind Obermanns bleibt die Geschäftskundensparte T-Systems. Beständig sinken hier Umsatz und Ertrag - und so erscheint ein Verkauf dieser Aktivitäten dringlicher denn je. Das Problem: Es wollen sich einfach keine Interessenten aufdrängen. Zuletzt schien nur noch ein Finanzinvestor in Frage zu kommen. Das aber klingt nicht nach großer Verheißung, schließlich ist die Private-Equity-Branche durch die US-Immobilienkrise arg gebeutelt worden. Telekom-Chef Obermann mag darauf verweisen, dass ihm derzeit nicht allein in der Branche ein scharfer Gegenwind entgegenbläst. Ein richtiger Trost ist das nicht.
Passable Zahlen, gravierende Altlasten und ein richtiges Serviceproblem - das ist die persönliche Bilanz des Telekom-Chefs Obermann nach sechs Monaten. Er ist ein Getriebener.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/telekom-chef-rene-obermann-mit-dem-ruecken-zur-wand-1.904975
Telekom-Chef René Obermann - Mit dem Rücken zur Wand
00/05/2010
Der in die Kritik geratene neue Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, hat nach seiner Befragung durch einen Bundestagsausschuss Rückendeckung von der Regierung erhalten. Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) stellte sich demonstrativ hinter Weise. "Mein Vertrauen und das der Bundesregierung hat der gesamte BA-Vorstand; das gilt für Herrn Weise als auch für Herrn Alt", sagte Clement am Rande einer Sitzung des Arbeitsausschusses am Mittwoch in Berlin. Detailansicht öffnen Frank-Jürgen Weise bei der Befragung durch den Wirtschaftsausschuss des Bundestages. (Foto: Foto: dpa) Sowohl Weise als auch BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt waren wegen einer Verdreifachung der Kosten für die Online-Stellenbörse in die Kritik geraten. "Missverständnisse" Nach Ansicht Clements haben "Missverständnisse der Interpretation" zu den vermeintlich höheren Kosten für den so genannten virtuellen Arbeitsmarkt geführt. "Manchmal konnte man den Eindruck gewinnen, es gehe um die Erstellung einer Website, tatsächlich geht es um das gesamte Kommunikationwesen, Internet, das gesamte interne PC-Wesen, bis hin zu den Datenübertragungswegen und dem Rechenzentrum", betonte der Minister. "Das alles zusammengenommen führt dann zu einem solchen finanziellen Mehraufwand", fügte Clement hinzu. "Notwendige Ergänzungen" Weise selbst erklärte die Kostensteigerung bei der Online-Stellenbörse auf 165 Millionen Euro mit notwendigen Ergänzungen des Projekts. Es sei "schon in der Konzeption des Projekts ein Mangel" gewesen, weil "bestimmte Kosten, die dem Projekt zuzurechnen sind, nicht bei der Ausschreibung berücksichtigt worden sind", sagte Weise nach seiner Befragung. Im September habe er eine Vorlage der Projektleitung bekommen, in der die Kosten bis 2008 auf 98 Millionen Euro taxiert worden seien. Der Unterschied zur ursprünglichen Summe von 65 Millionen Euro sei "nicht mit einer Kostenexplosion" zu erklären, sondern mit der "Erweiterung des Projekts" um unverzichtbare Elemente. Erst später sei ihm klar geworden: "Es wird nicht bei den 100 Millionen bleiben." Heftige Auseinandersetzungen Weise betonte, das Projektmanagement und der Start des Projekte habe "eigentlich nicht dem (entsprochen), wie man ein solches Großprojekt managt." Es habe darüber heftige Auseinandesetzungen mit seinem Vorstandskollegen Heinrich Alt gegeben. Der Konflikt sei ausgeräumt. "Mein Vertrauen zu Herrn Alt ist nicht gebrochen." Weise sagte, er gehe davon aus, dass seine Erklärung für die Veränderung der Kosten vom Ausschuss "akzeptiert" seien. Fehler habe er sich nicht vorzuwerfen. (sueddeutsche.de/dpa)
Der in die Kritik geratene neue Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, hat nach seiner Befragung durch einen Bundestagsausschuss Rückendeckung von der Regierung erhalten.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-befragung-clement-stellt-sich-hinter-weise-1.905361
Nach Befragung - Clement stellt sich hinter Weise
00/05/2010
Die Arbeiten an der Frachtversion des neuen Großraumflugzeugs A380 liegen auf Eis - nachdem fast alle Kunden ihre Aufträge storniert haben. Das Modell bleibe aber wichtiger Bestandteil der Airbus-Familie, sagte ein Sprecher des Mutterkonzerns EADS am Donnerstag in München. Der A380F werde weiter vertrieben und vermarktet, fügte eine Airbus-Sprecherin hinzu. "Wir passen nur den Zeitplan an. Wir bauen keine Flugzeuge, bevor die Kunden sie brauchen." Detailansicht öffnen Die Frachtversion des A380 wird vorerst nicht mehr gebaut (Foto: Foto: AFP) Durch die Entscheidung verschafft sich Airbus eine kleine Atempause. Die Entwicklungskosten des Flugzeuges werden von Experten auf einen niedrigen Milliardenbetrag geschätzt. Wegen der Verzögerung der Passagiermaschine sieht sich Airbus bis 2010 bereits einem Ergebnisrückgang von 4,8 Milliarden Euro gegenüber. Die A380-Krise war Auslöser für das "Power 8"-Sanierungsprogramm, das Airbus-Chef Louis Gallois am Mittwoch vorgestellt hatte. Neuer Auslieferungstermin nicht bekannt Erst in der vergangenen Woche hatten sich Airbus und der letzte verbliebene Kunde für den Frachter, der US-Paketzusteller UPS, auf spätere Lieferzeiten geeinigt. Den neuen Auslieferungstermin nannte der US-Konzern nicht. Ursprünglich sollte UPS zehn Flugzeuge zwischen 2009 und 2012 erhalten. Der Vertrag sieht vor, dass die Bestellung bis Ende des Jahres von beiden Seiten storniert werden kann. Die durch die Verschiebung frei werdenden Kapazitäten sollten für die Passagierversion genutzt werden, sagte der EADS-Sprecher. Nur noch ein Abnehmer Als erster Kunde hatte der UPS-Konkurrent Fedex die Bestellung von zehn A380-Frachtflugzeugen im November storniert. Die Leasingfirma ILFC und die Fluggesellschaft Emirates wandelten ihre Orders in Passagiermaschinen um, da sie diese früher erhalten können. Obwohl Airbus damit nur ein Kunde für die Frachtversion des A380 bleibt, hält der Flugzeugbauer an dem Programm grundsätzlich fest. "Wir schätzen das Potential für Frachtflugzeuge dieser Größenordnung nach wie vor auf 400 Stück in den nächsten 20 Jahren", sagte der EADS-Sprecher. Für Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) ist die Unterbrechung bei den Arbeiten an der Frachtversion des Großraumflugzeugs A380 kein Problem. "Ich sehe das gelassen, absolut gelassen", sagte er am Donnerstag. Es werde neue Aufträge geben. Mit dem Airbus A380-Frachter will der europäische Flugzeugbauer gegen den US-Konkurrenten Boeing antreten. Die geplante Version soll nach früheren Angaben des Herstellers maximal 157 Tonnen Ladung an Bord nehmen. Die Reichweite des Flugzeuges beträgt 10.400 Kilometer. Frachtflugzeuge wie Airbus A380F und Boeing 777F kommen beim Transport von Lebensmitteln, Expresspost, Blumen, aber speziell auch von großen Industrieanlagen oder Elektronik zum Einsatz. Europaweiter Aktionstag gegen Stellenabbau An diesem Freitag werden aufgrund des vorgesehenen Sparprogramms des Flugzeugbauers außerordentliche Betriebsversammlungen an allen deutschen Airbus-Standorten stattfinden. Die Gewerkschaften wollen zudem mit einem europaweiten Aktionstag in etwa zwei Wochen gegen den Stellenabbau im Airbus-Konzern protestieren, sagte die Bezirksleiterin der IG Metall Küste, Jutta Blankau. "Wir lehnen die überzogenen Sanierungsmaßnahmen ab und werden mit den Beschäftigten das weitere Vorgehen besprechen. Der Kampf um die Zukunft von Airbus in Deutschland hat jetzt erst begonnen", sagte sie. Die Arbeitnehmer seien nicht bereit, die Beschlüsse des Sanierungskonzeptes "Power8" zu akzeptieren. Danach sollen 3700 Stellen in Deutschland wegfallen. Für das Werk in Varel und Laupheim werden laut Airbus "alle Möglichkeiten" geprüft. Für Nordenham erwägt Airbus ,,industrielle Partnerschaften''. Über die IG Metall drangen erste Details zum Stellenabbau heraus. So sollen in Bremen mehr als 900 Stellen bei insgesamt 3500 Beschäftigten wegfallen, hieß es. Auch der Standort Buxtehude ist demnach in Frage gestellt.
Die Arbeiten an der Frachtversion des neuen Großraumflugzeugs A380 liegen auf Eis - nachdem fast alle Kunden ihre Aufträge storniert haben.
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Angeschlagener Flugzeugbauer - Airbus stoppt vorläufig Bau des A380-Superfrachters
00/05/2010
Diese nervigen SMS, die heiße Flirts oder große Gewinne versprechen. Da hilft nur Ignorieren. Doch bei Geld und Sex scheint der gesunde Menschenverstand auszusetzen, und die Abzocke greift um sich. Gebührengauner fischen seit Monaten wieder verstärkt in Handy- und Telefonnetzen nach leichtgläubigen Kunden. Detailansicht öffnen Werbe-SMS? Einfach ignorieren! (Foto: Foto: ddp) Vor allem über die Feiertage gab es kaum jemanden, der keinen Lockanruf, keine "wichtige" SMS-Kurzmitteilung oder Computerstimme in der Leitung hatte. "Vorsicht, das ist eine regelrechte Seuche", warnt Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern. Gegen die Tricks helfe nur eins: hartnäckiges Ignorieren. Mit Voranschreiten des Internet-Telefonierens sei mit noch mehr Abzockversuchen und Missbrauch zu rechnen. Die altbekannten Köder werden in immer neuer Verpackung ausgeworfen. Der gesunde Menschenverstand bleibt auf der Strecke Gern gelockt wird mit Gewinn-, Kontakt-, Erotik- oder Flirtversprechen. Wer sich darauf einlässt, bekommt es bei der nächsten Telefonrechnung zu spüren. 30 Euro für ein überflüssiges 15-Minuten-Telefonat mit einer Computerstimme oder 1.000 Euro für eine Premium-SMS sind keine Seltenheit. Anzeigen oder Klagen bleiben meist erfolglos. Offenbar können aber Millionen Bundesbürger ihre Neugier nicht im Zaum halten, wenn sie vielversprechende Anrufe oder SMS von Unbekannten erhalten, wundert sich Peter Knaak, Telekommunikationsexperte von Stiftung Warentest. Bei Geld- und Sexangeboten versage jeder gesunde Menschenverstand. Knaak rät dringend zu mehr Vorsicht und Zurückhaltung. "Wir schätzen, dass jeder 20-ste In der Leitung bleibt, wenn ihm eine Computerstimme über viele Minuten hinweg tolle Gewinnchancen verspricht", ist auch Saller überzeugt. Neugierige oder einsame Menschen gingen den Tricks immer wieder in Serie auf den Leim, weiß auch Evelin Voß von der Verbraucherzentrale Sachsen aus der Praxis. Im Visier der Gebührengauner seien alle, die schon einmal bei Gewinnspielen, Preisausschreiben und Werbeaktionen mitgemacht hätten. Deren Daten würden häufig gesammelt und weiterverkauft. Außerdem im Visier der Abzocker: unerfahrene Kinder und Jugendliche, denen via SMS völlig überteuerte Klingeltöne, Handy-Logos im Abo oder die Teilnahme am "Chat" angedreht werden.
Diese nervigen SMS, die heiße Flirts oder große Gewinne versprechen. Da hilft nur Ignorieren. Doch bei Geld und Sex scheint der gesunde Menschenverstand auszusetzen, und die Abzocke greift um sich.
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Unerwünschte Kurznachrichten - Vorsicht vor der Handy-Seuche
00/05/2010
Bei Siemens wächst die Erwartung an die Konzernspitze, die Aufklärung der Korruptionsdelikte intern stärker voranzutreiben. Deswegen wird es nun einen Tag vor der Hauptversammlung der Siemens AG am 25. Januar eine Sondersitzung des Aufsichtsrates geben. Anlass ist für den Unmut des Aufsichtsrates ist die Ausweitung der Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft auch gegen den früheren Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung lenkte die Siemens-Führung in der Auseinandersetzung um eine Sondersitzung des Aufsichtsrates ein. Am Freitag wurde bekannt, dass ein zusätzliches Treffen zur Aufarbeitung der Affäre noch vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung des Konzerns am 25. Januar stattfinden soll. Als Termin ist den Angaben zufolge der 24. Januar vorgesehen. Kein Kommentar von Siemens Ein Siemens-Sprecher wollte diese Informationen nicht kommentieren. Aufsichtsräte des Konzerns hatten ein solches Treffen zuletzt bei Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer angemahnt. Mitglieder des Kontrollgremiums wollen dabei klären, ob Vorstand und Wirtschaftsprüfer des Unternehmens stets mit der nötigen Konsequenz gegen Korruption vorgegangen sind. Im Aufsichtsrat war der Unmut über die Schmiergeldaffäre bei Siemens zuletzt gewachsen. So hatte IG-Metall-Vizechef und Siemens-Aufsichtsrat Berthold Huber die Informationspolitik der Konzernführung kritisiert und dem Management gravierende Fehler im Kontrollsystem vorgeworfen. "Absolut unerklärbar" ,,Für mich ist nach wie vor absolut unerklärbar, wie ein solches System über viele Jahre offenbar unbemerkt laufen konnte'', sagte ein Aufsichtsratsmitglied am Freitag der SZ. Ähnlich hatte sich bei den Ermittlungen des Staatsanwaltschaft auch schon der frühere Siemens-Direktor Reinhard S. geäußert, der als eine der Schlüsselfiguren in diesem Verfahren gilt. S. hatte für die Sparte Telekommunikation (Com) über Jahre hinweg schwarze Kassen organisiert; er saß zwischenzeitlich in Untersuchungshaft und legte ein umfassendes Geständnis ab.
Bei Siemens wächst die Erwartung an die Konzernspitze, die Aufklärung der Korruptionsdelikte intern stärker voranzutreiben. Deswegen wird es nun einen Tag vor der Hauptversammlung der Siemens AG am 25. Januar eine Sondersitzung des Aufsichtsrates geben.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/konzernspitze-lenkt-ein-krisentreffen-bei-siemens-1.904841
Konzernspitze lenkt ein - Krisentreffen bei Siemens
00/05/2010
Seit Anfang der neunziger Jahre hat Siemens mehr Sparten ver- oder gekauft als jeder andere deutsche Konzern. Der langsame Rückzug aus dem Konsumgütergeschäft könnte gravierende Folgen haben. Erleichtert präsentierte der neue Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld in dieser Woche die Abgabe des angeschlagenen Handy-Geschäfts an den taiwanesischen Elektrokonzern BenQ. Der Ausstieg markiert eine Wende in der Unternehmenspolitik des Traditionskonzerns, die noch vor wenigen Monaten niemand für möglich gehalten hätte. Das Unternehmen verabschiedet sich fast vollständig aus dem Endkundengeschäft und konzentriert sich auf Industriegüter. Ein strategischer Paukenschlag, mit dem Kleinfeld eine neue, kompromisslose Linie vorgibt. Handygeschäft als Cowboy-Industrie Den Risiken des Geschäftsfeldes will sich Siemens nicht länger aussetzen. Längst sind die Geräte auch zu Modeartikeln geworden. Die Handy-Branche sei eine Cowboy-Industrie, glaubt Motorola-Handy-Chef Ron Garriques, der bis zuletzt auch mit Siemens über einen Einstieg verhandelt hatte. "Jedes Quartal läuten die Glocken für eine neue Runde - und jedes Quartal kannst du mit deinen Produkten völlig danebenliegen." Schon in der Vergangenheit hatte sich die eher exotische Sparte im 159 Jahre alten Infrastrukturkonzern schwer getan. So löste etwa die Idee, in das Sponsoring der Formel 1 einzusteigen, heftige Diskussionen aus. Im Vorstand kam es zu besorgten Debatten über die Folgen eines Unfalls: "Dann brennt ja das Siemens-Logo." Strategiewechsel Noch unter Vorgänger Heinrich von Pierer basierte die Unternehmensstrategie auf einem breit gefächerten Produktangebot. Ein Arbeitsplatz bei Siemens galt lange als eine Art Versicherung gegen Jobverlust und Lohndumping. "Unser Handeln dient den Menschen und der Gesellschaft", heißt es staatstragend im Unternehmensleitbild. Nie waren in den vergangenen Jahren alle Sparten gleichermaßen rentabel. Fast immer steckte die eine oder andere in der Krise. Lief es schlecht, wurde saniert. Mitte der neunziger Jahre etwa traf es die im fränkischen Erlangen angesiedelte Medizintechnik. Managementfehler und Sparprogramme im Gesundheitswesen erwiesen sich als fatale Mischung. Pierer tauschte Manager aus und brachte ein lokales Bündnis für Arbeit auf den Weg, das die Sanierung ermöglichte. Nach drei Jahren schrieb die Sparte wieder Gewinne. Heute zählt sie zu den wichtigsten Ertragsbringern des Konzerns. Strenge Vorgaben Kleinfeld scheint dagegen bereit zu sein, die Vielfalt zugunsten seiner Renditeziele aufzugeben. Um den eigenen Managern Dampf zu machen, hat er allen 13 Konzernsparten bei der Präsentation der diesjährigen Halbjahresbilanz knallharte Vorgaben gemacht. Bislang erfüllt oder übertrifft nur gut jede zweite die Zielmargen. Spätestens im April 2007 sollen alle Bereiche mehr als die Kapitalkosten verdienen. Anders als Pierer will Kleinfeld eine schwache Konjunktur oder andere böse Überraschungen nicht mehr als Ausrede gelten lassen - schließlich hat er sich verpflichtet, für die Ziele geradezustehen: "Sie werden mich daran messen können."Auch auf der Technologieseite zieht Kleinfeld die Zügel an. Bislang zähle nur ein Drittel der Bereiche zu den Spitzenreitern. Pannen bei der Qualität muss Kleinfeld künftig verhindern. Jedes Geschäftsfeld soll Trendsetter seiner Branche werden. Die Vorgabe: Nummer eins oder zwei.
Seit Anfang der neunziger Jahre hat Siemens mehr Sparten ver- oder gekauft als jeder andere deutsche Konzern. Der langsame Rückzug aus dem Konsumgütergeschäft könnte gravierende Folgen haben.
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Mobilfunk-Rückzug - Siemens riskiert Identität
00/05/2010
Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation räumt bei den umstrittenen Internet-Dialern auf. Die Aufsichtsbehörde entzog knapp 400.000 Dialern die Registrierung, weil sie nicht den gesetzlichen Anforderungen genügen. Kunden, die die Dienste unter den Rufnummern 0190/880460, 0190/880461 und 0190/805640 in Anspruch genommen haben, müssen damit die oft hohen Rechnungen nicht mehr bezahlen, wie ein Sprecher der Regulierungsbehörde betonte. Dies gelte auch rückwirkend. Dubiose Sex-Anbieter Außerdem ordnete die Behörde die sofortige Abschaltung der Rufnummern an. Die so genannten Dialer werden zur Abrechnung kostenpflichtiger Dienste im Internet genutzt. Sie leiten die Internetverbindung von den normalen, preisgünstigen Einwahlpunkten auf teurere Anschlüsse um. Genutzt werden sie von dubiosen Sex-Anbietern ebenso wie von seriösen Organisationen wie der Stiftung Warentest. Wie weitreichend der Schritt der Regulierungsbehörde ist, macht die Tatsache deutlich, dass insgesamt vor dem Entzug der Regulierungen nur 560.000 Dialer registriert waren. Fast drei viertel von ihnen sind nun vom Markt genommen worden. Mangelhafte Einwahlprogramme "Wir wenden mit dieser Maßnahmen erstmals die Untersagungsbefugnisse des Rufnummernmissbrauchs gesetzlich an und machen deutlich, dass wir nicht hinnehmen werden, dass mittels mangelhafter Einwahlprogramme die Belange von Kunden beeinträchtigt werden", betonte der Präsident der Regulierungsbehörde Matthias Kurth. Die Dialer, deren Registrierung jetzt zurückgenommen worden sei, entsprächen nicht den Mindestanforderungen, die im Hinblick auf Transparenz und Verbraucheraufklärung zu fordern seien. "Wir setzen mit unserer Vorgehensweise ein Signal, dass keine Grauzone im Dialer-Markt von uns hingenommen wird", sagte Kurth. Sofortige Abschaltung Die Behörde ordnete gegenüber dem Unternehmen die sofortige Abschaltung der drei Rufnummern an, über die sich sämtliche betroffenen Dialer einwählten. Außerdem dürfe ab sofort keine Rechnungslegung für diese Rufnummern vorgenommen werden. "Sollte der Netzbetreiber, in dessen Netz die betreffenden Nummern geschaltet sind, unserer Vorgabe nicht nachkommen, muss er ein Zwangsgeld zahlen. Das Zwangsgeld wird nicht nur fällig, wenn die Rufnummern weiterhin erreichbar sind, sondern auch jedes Mal, wenn gegen unsere Anordnung zur Rechnungslegung verstoßen wird", sagte Kurth.
Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation räumt bei den umstrittenen Internet-Dialern auf. Die Aufsichtsbehörde entzog knapp 400.000 Dialern die Registrierung, weil sie nicht den gesetzlichen Anforderungen genügen.
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0190-Dienste - Es hat sich ausgedialt
00/05/2010
Nach der Euphorie kam die Ernüchterung In der Schweiz wird das Hausarzt-Modell bereits seit Jahren praktiziert. Als wirkliches Sparmodell für die Kassen hat es sich jedoch nicht erwiesen. Und wer lässt sich schon gern den Arzt vorschreiben. Es gibt sie erst seit wenigen Monaten. Und doch kann schon wieder Schluss sein mit der Praxisgebühr. Detailansicht öffnen In der Schweiz lässt der erhoffte Erfolg der Hausarzt-Modelle auf sich warten. (Foto: Foto: dpa) Zumindest dann, wenn man sich für ein Hausarzt-Modell der Krankenkasse entscheidet. Denn Patienten können sich die Gebühr sparen, wenn sie im Krankheitsfall zuerst ihren Hausarzt aufsuchen. Was immer also mit der Praxisgebühr bezweckt gewesen sein mag — der Gedanke liegt nahe, dass sie schon allein deshalb eingeführt wurde, um mit der möglichen Befreiung die Versicherten für neue Ideen zu gewinnen. Denn Bundesregierung und Krankenkassen versprechen sich vom Hausarzt-Modell mittelfristig deutliche Kosteneinsparungen. Seit neun Jahren in der Schweiz Unser Nachbarland Schweiz hat bereits 1996 begonnen, den Hausarzt zu einem Gesundheitsmanager aufzuwerten. Und auch hier wurden und werden Versicherte mit Rabatten gelockt. Nachlässe zwischen zehn und zwanzig Prozent werden auf die Prämie gewährt. Bei durchschnittlich umgerechnet 1.650 Euro Versicherungs-prämie pro Jahr wären das bis zu 330 Euro. Dagegen wirkt es etwas armselig, dass in Deutschland mit bis zu 40 Euro (erlassene Praxisgebühr) geworben wird. Zumal diese Ersparnis nur für diejenigen spürbar wird, die tatsächlich regelmäßig zu Arzt gehen. Zwei Modelle In der Schweiz gibt es zwei unterschiedliche Varianten: das klassische Hausarzt-Modell und die so genannten Gesundheitszentren. Im klassischen Modell sind die behandelnden Ärzte in einem Netzwerk organisiert, haben jedoch kein gemeinsames Budget. Stattdessen können sie jede ihrer Leistungen einzeln über die Krankenkasse abrechnen. Damit bestehen für diese Ärzte keine finanziellen Anreize, besonders effizient zu arbeiten. Experten bestätigen, dass bei diesem Modell maximal fünf Prozent, manchmal aber auch nichts gespart wird. Doch die Mehrzahl der Schweizer Versicherten, die sich überhaupt für ein Hausarzt-Modell entscheiden, wählen dieses klassische Variante.
In der Schweiz wird das Hausarzt-Modell bereits seit Jahren praktiziert. Als wirkliches Sparmodell für die Kassen hat es sich jedoch nicht erwiesen. Und wer lässt sich schon gern den Arzt vorschreiben.
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Hausarzt-Modell - Nach der Euphorie kam die Ernüchterung
00/05/2010
Wenn Airbus schon drei seiner deutschen Werke verkaufen muss, dann doch bitte schön an deutsche Firmen, so der Appell der Bundesregierung. Doch der Konzern denkt gar nicht daran - er sucht weltweit nach Käufern. Diesem Wunsch kann Fabrice Brégier nur wenig abgewinnen: Der deutsche Luftfahrt-Koordinator Peter Hintze (CDU) hatte auf der Luftfahrtschau in Paris-Le Bourget für nationale Lösungen beim geplanten Verkauf oder Teilverkauf der deutschen Airbus-Werke plädiert, um die heimische Zulieferindustrie zu stärken. Betroffen sind die Standorte in Varel, Nordenham und Laupheim. Der Franzose Brégier, Chief Operating Officer bei Airbus, lehnte diese Forderungen gegenüber SZ Primetime ab. Eine Einschränkung des Bieterkreises könne zu niedrigeren Preisen führen. Die EADS-Tochter suche daher international nach neuen Eignern für die Werke. Die Verhandlungen würden als erstes für die Fabrik in Nordenham abgeschlossen, erklärte der Manager. Auch Hintze rechnet bald mit einer Einigung für die deutschen Standorte. Käufer für sechs Werke gesucht Die Anzahl möglicher Investoren habe sich verringert, sagte er. Insgesamt sucht der europäische Flugzeugbauer für sechs Fertigungsstätten Käufer. Im Juli sollen die Partner genannt werden. Louis Gallois, der Vorstandsvorsitzende von Airbus, sagte, der Umbau bei der Firma laufe nach Plan. "Die für dieses Jahr angepeilten Einsparungen in Höhe von 300 Millionen Euro werden wir schaffen", berichtete er auf der Luftfahrtmesse. Das Power8 genannte Sparprogramm sieht Kostensenkungen von 2,1 Milliarden Euro jährlich von 2010 an vor. Die Neuorganisation des Konzerns soll bis Ende September stehen. Mitten im Umbau "Airbus ist wieder da", sagte Gallois. Das Unternehmen sei mitten im Umbau. Die jüngsten Großaufträge seien ein weiterer Beleg für das Vertrauen der Fluggesellschaften in die Produkte von Airbus. In diesem Jahr rechnet der Konzern mit mindestens 600 Festbestellungen. Mehr als 200 Orders sollen auf das neue Langstreckenflugzeug A350 entfallen, das 2013 auf den Markt kommt. Auch beim Großraumflugzeug A380 werde das Ziel von 20 Neubestellungen bis zum Jahresende überschritten, sagte Marketing-Vorstand John Leahy. Für sein alterndes Erfolgsmodell A320 plant das Unternehmen keinen Nachfolger. "Zunächst einmal sollten wir den riesigen Auftragsbestand abarbeiten, den wir haben", sagte Airbus-Chef Gallois. "Zwei 'exzellente' Flugzeuge im Angebot" Airbus und sein amerikanischer Konkurrent Boeing hätten mit dem A320 und der 737 zwei "exzellente" Flugzeuge im Angebot, sagte er. Eine Weiterentwicklung sei technisch enorm aufwendig, da sie den erfolgreichen Vorgänger noch übertreffen müsse. "Die Airlines sagen, wenn ihr den A320 ersetzen wollt, müsst ihr uns schon ein Flugzeug geben, das 15 Prozent effizienter ist", erklärte der Franzose.
Wenn Airbus schon drei seiner deutschen Werke verkaufen muss, dann doch bitte schön an deutsche Firmen, so der Appell der Bundesregierung. Doch der Konzern denkt gar nicht daran - er sucht weltweit nach Käufern.
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Anstehender Verkauf von Werken - Airbus erteilt Bundesregierung Abfuhr
00/05/2010
Bevor sich ein Kunde für einen DSL-Tarif entscheidet, stellt sich die Frage: Wie lange, wie oft und wofür will er das Internet nutzen? Über den Breitbandzugang DSL lassen sich wesentlich schneller Internet-Seiten aufrufen, Dateien herunterladen oder E-Mails mit Bildern verschicken als mit einem analogen Modem. Mehr als 4,2 Millionen Deutsche nutzen bereits diese Möglichkeit. Ab 1. April nun wird DSL noch schneller — und gleichzeitig für manche Teilnehmer sogar billiger als vorher. Trotzdem sollte der Kunde genau wissen, was er mit seinem DSL-Anschluss vorhat, denn die Schnelligkeit hat ihren Preis. Detailansicht öffnen (Foto: Quelle: www.teltarif.de) Der 1. Schritt: Anschluss beantragen Wer sich bislang gar nicht oder per Analog-Modem ins Internet begeben hat, muss zunächst einen DSL-Anschluss beantragen. Ansprechpartner ist hierfür das Unternehmen, das auch den eigenen Telefonanschluss betreibt, was in den meisten Fällen die Festnetz-Tochter der Deutschen Telekom, die T-Com, sein dürfte. Die Einrichtung des DSL-Anschlusses kostet einmalig rund 99 Euro, da ein Techniker die Telefonleitung erst DSL-fähig schalten muss. Außerdem ist in dem Anschlusspreis der so genannte "Splitter" enthalten, ein kleines Kästchen, das an die Telefonbuchse angeschlossen wird und dafür sorgt, dass gleichzeitig im Internet gesurft und telefoniert werden kann. Zusätzlich zu erwerben ist ein DSL-Modem, über das der Computer mit dem Internet verbunden wird. Es kostet je nach Hersteller und je nachdem, ob es per Kabel oder Funk mit dem Computer kommuniziert, zwischen 50 und 200 Euro. Drei unterschiedliche Datengeschwindigkeiten Ab April nun bietet die T-Com nicht mehr wie bisher DSL-Anschlüsse mit den Datenübertragungsgeschwindigkeiten 768 Kilobit/Sekunde (kBit/s) oder 1500 kBit/s an, sondern nur noch Anschlüsse mit 1024, 2048 oder 3076 kBit/s. Dieser als Downstream-Rate bezeichnete Wert gibt an, wie schnell Daten aus dem Internet auf den eigenen PC geladen werden können. Neukunden kommen ab dem 1. April sofort in den Genuss des beschleunigten DSL-Anschlusses. Im Gegensatz zu vorher bezahlen dann Besitzer eines normalen Telefonanschlusses für DSL, je nach Geschwindigkeits-Variante, mindestens drei Euro weniger. Teurer wird es hingegen für ISDN-Kunden, denn sie müssen jetzt monatlich mindestens vier Euro mehr bezahlen. Wer schon vor dem 1. April DSL-Kunde bei der Telekom war, muss sich noch bis Ende des Jahres gedulden, denn erst dann werden die bereits bestehenden 768 kBit/s-DSL-Anschlüsse automatisch nach und nach auf 1000 kBit/s und die alten 1500 kBit/s-Anschlüsse auf 2000 kBit/s umgestellt. Die neuen Gebühren gelten für diese Kunden daher grundsätzlich erst ab Januar 2005. Wofür nutzen Sie den Anschluss? Bei der Wahl des Anschlusses ist von Bedeutung, was man im Internet vorhat. "Für den normalen Hausgebrauch lässt sich mit T-DSL 1000 sehr angenehm im Internet surfen und schon einiges herunterladen", sagt Martin Müller vom Kommunikationsportal TelTarif. Wer sich hingegen aufgezeichnete TV-Sendungen ansehen oder per Videokonferenz telefonieren möchte, der sollte über T-DSL 2000 nachdenken, zumal hier auch die so genannte Upstream-Rate etwas höher ist, sodass sich beispielsweise Digitalbilder schneller an Freunde oder ins Fotolabor verschicken lassen. "Wer sich jedoch ständig große Download-Dateien wie Videofilme aus den Tauschbörsen herunterlädt oder wenn sich mehrere Computer den Internetzugang teilen, dann lohnt sich auch ein T-DSL 3000-Anschluss." Zeittarif, Volumentarif, Flatrate Die Verbindung zum Internet stellt der Provider her. Bei ihm schließt man einen Vertrag mit einem Zeit-, Volumen- oder einem Flatrate-Tarif ab. Im Zeit-Tarif bezahlt man für die Dauer, die man im Internet verbringt. "Das eignet sich für Nutzer, die oft größere Dateien schnell aus dem Internet herunterladen", meint Müller. Wer sich hingegen Internet-Seiten in Ruhe ansieht, gelegentlich eine Datei herunterlädt oder ständig online sein will, für den rechnet sich eher ein Volumen-Tarif, bei dem die übertragenen Daten bezahlt werden. "Mit einem bis zwei Gigabyte Datenvolumen kommt ein normaler Haushalt gut aus", schätzt Müller. Das reicht für E-Mails und um sich etwa 10.000 Internet-Seiten anzusehen oder 200 Musikdateien herunterzuladen. Wer wirklich ständig online ist und Musik- oder Videodateien aus dem Internet lädt, ist hingegen Kandidat für eine Flatrate. Hier gibt es weder eine zeitliche noch Volumen-Begrenzung. "Doch bei Preisen ab 20 Euro pro Monat rechnet sich das erst ab etlichen Gigabyte Datenverkehr." Ein Sondermodell sind DSL-by-call-Angebote. Hier besteht kein fester Vertrag, sondern es wird nur das tatsächlich in Anspruch genommene Zeit- oder Datenvolumen abgerechnet. Das macht flexibel, ist aber deutlich teurer. Mehr Flexibilität Inzwischen übernehmen die meisten DSL-Provider für ihre Kunden gerne die Anmeldung des DSL-Anschlusses und kassieren von der Telekom dafür Provision. Einen Teil davon geben sie an den Kunden in Form von kostenloser Hardware weiter, wie etwa einem DSL-Modem oder einem Router, der den Internetzugang für mehrere Computer gleichzeitig erlaubt. "Das sind gute Standardgeräte, die sich der Kunde aber meist durch eine verlängerte Vertragslaufzeit erkauft." Kürzere Laufzeiten und Kündigungsfristen sind zwar teurer als längerfristige Verträge über zwölf Monate und mehr, "dafür machen sie den Kunden flexibler und er kann auf neue Angebote bei einem anderen Anbieter schneller reagieren, wenn der für das gleiche Geld mehr Leistung bietet oder ganz neue Anwendungen wie beispielsweise Telefonieren über das Internet oder Video-on-demand", sagt Müller. Zudem verlangen manche DSL-Internetanbieter immer noch Einrichtungsgebühren, die durchaus 20 Euro und mehr betragen können. Auch den Abrechnungstakt sollte man nachfragen, für den Fall, dass man die in seinem Tarif vereinbarte Zeit oder das Datenvolumen im Abrechnungszeitraum überschreitet. "Seriöse Anbieter rechnen beispielsweise in einem Volumen-Tarif nur in Megabyte-Schritten oder im Zeit-Tarif die zusätzlich genutzten Minuten ab. Andere berechnen gleich jedes angebrochene Gigabyte oder die volle Stunde, und das geht ins Geld."
Bevor sich ein Kunde für einen DSL-Tarif entscheidet, stellt sich die Frage: Wie lange, wie oft und wofür will er das Internet nutzen?
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bescheid-wissen-internet-zugang-schneller-und-trotzdem-guenstig-1.901162
Bescheid wissen - Internet-Zugang — schneller und trotzdem günstig
00/05/2010
Im Fernsehen, in Zeitungen, auf Plakaten - überall werben Firmen mit ihrem "Claim", wenigen Wörtern, die die Werbebotschaft in englischer Sprache rüberbringen sollen. Doch die Zielgruppe versteht oft nicht. Mehr als die Hälfte der deutschen Konsumenten versteht viele englischsprachige Reklamesprüche nicht oder sogar völlig falsch. Bei einer Untersuchung der Kölner Agentur Endmark wurde lediglich eine von zwölf Werbeaussagen von mehr als 50 Prozent der Befragten richtig übersetzt, wie der Spiegel berichtet. Detailansicht öffnen Seit es den Winterschlussverkauf nicht mehr gibt, ist bei Räumungsverkäufen häufig von "Sale" die Rede. (Foto: Foto: ddp) Den Vodafone-Satz "Make the most of now" (auf Deutsch etwa: "Mach das Beste aus dem Augenblick") konnte demnach nur jeder Dritte korrekt übersetzen. Nur 13 Prozent richtig Beim Werbespruch der Urlaubsanlagen Center Parcs "A State of Happiness" ("Ein Platz/Zustand des Glücks") lagen den Angaben zufolge nur 13 Prozent richtig. Absolutes Schlusslicht in der Studie war laut Spiegel der Jaguar-Slogan "Life by Gorgeous" (etwa: "Leben auf prächtig"), den nur acht Prozent korrekt übersetzen konnten. Manche der Befragten meinten gar, der Spruch hieße "Leben in Georgien". Solche skurrilen Erklärungsversuche erlebten die Tester auch bei dem Ford-Claim "Feel the difference", dem einzigen, den immerhin mehr als die Hälfte korrekt mit "Spür den Unterschied" übersetzen konnten. Manche der von Endmark befragten Konsumenten glaubten demnach, das hieße "Fühle das Differential" oder auch "Ziehe die Differenz ab". Attraktiv trotz fehlendem Verständnis Das mangelnde Verständnis hält viele Konsumenten nach der Untersuchung aber dennoch nicht davon ab, Werbesprüche gut zu finden. So konnten zwar nur 23 Prozent der Befragten den Burger-King-Spruch "Have it your way" (etwa: "Nimm's auf deine Art") richtig übersetzen. Trotzdem fanden ihn mehr als die Hälfte gut. Bernd Samland von der Agentur Endmark sieht darin dem Blatt zufolge einen "Popmusik-Effekt". Danach werden gute Lieder auch dann mitgejohlt, wenn kaum jemand ihren Texte versteht.
Im Fernsehen, in Zeitungen, auf Plakaten - überall werben Firmen mit ihrem "Claim", wenigen Wörtern, die die Werbebotschaft in englischer Sprache rüberbringen sollen. Doch die Zielgruppe versteht oft nicht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/werbesprache-englisch-fuehle-das-differential-1.905975
"Werbesprache Englisch - ""Fühle das Differential"""
00/05/2010
Arcelor-Chef Guy Dollé will die feindliche Übernahme durch den Konkurrenten Mittal unbedingt verhindern. In der Wahl seiner Mittel ist er nicht zimperlich. Wer Guy Dollés Büro betritt, wähnt sich in einem Fußball-Museum: Pokale, ein handsignierter Ball von Real Madrid und ein gerahmtes Trikot der französischen Nationalelf. Detailansicht öffnen Als begeisterter Fußballer kann er auch holzen: Arcelor-Chef Guy Dollé. (Foto: Foto: AFP) Der 63 Jahre alte Chef des Luxemburger Stahlkonzerns Arcelor ist nicht nur Fußball-Fan, sondern selbst leidenschaftlicher Kicker. Der Kampf gegen das feindliche Übernahmeangebot des Konkurrenten Mittal ist für den Franzosen ein Jahr vor der Rente sein letztes und entscheidendes Match. Am Donnerstag startete die Mittal-Offerte an die Aktionäre. Sie läuft bis zum 29. Juni. Dann wird klar sein, ob Dollé noch einmal gewonnen hat. Ein Leben lang mit Stahl beschäftigt Der schnauzbärtige Dollé hat sich sein Leben lang mit Stahl beschäftigt. Nach dem Studium stieg er bald beim französischen Branchenriesen Usinor ein. Dollés Meisterstück war 2002 die Fusion von Usinor mit der luxemburgischen Arbed und der spanischen Aceralia zu Arcelor. Ein Angriff auf Arcelor ist damit auch ein Angriff auf sein Lebenswerk. Dollé stuft die Mittal-Übernahmepläne nach ihrer Verkündung Ende Januar sofort als feindlich ein. Seitdem lässt er keine keine Gelegenheit aus, den Angreifer schlecht zu machen: "Es gibt zwei Arten von Stahl: hochwertigen Stahl und Massenware", sagt er. "Affengeld" Das zunächst 18,6 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot an die Arcelor-Aktionäre sei deshalb "lächerlich". Die Anleger würden für ihre Anteile bestenfalls "Affengeld" bekommen. Auch nationale Reflexe weiß Dollé geschickt zu aktivieren. Mittal sei eine "Gesellschaft von Indern", Firmengründer Lakshmi Mittal ein "Verführer", "der nicht immer die Wahrheit sagt" und Unternehmen nur aufkauft, um sie auszuschlachten. Die französische Regierung zögerte nicht lange und ruft "Foul".
Arcelor-Chef Guy Dollé will die feindliche Übernahme durch den Konkurrenten Mittal unbedingt verhindern. In der Wahl seiner Mittel ist er nicht zimperlich.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/showdown-der-stahlriesen-giftpillen-und-milliardengeschenke-1.899843
Showdown der Stahlriesen - Giftpillen und Milliardengeschenke
00/05/2010
US-Anleger erheben wegen dubioser Steuersparmodelle schwere Vorwürfe gegen das Kreditinstitut. "Investoren haben durch die Deutsche Bank erheblichen wirtschaftlichen Schaden erlitten", erklärte US-Rechtsanwalt David Deary der Süddeutschen Zeitung. Dearys Kanzlei in Dallas/Texas vertritt mehr als 100 US-Geschäftsleute und Privatanleger, die zusammen Hunderte von Millionen Dollar in ein Steuersparmodell mit dem Namen "Cobra" investiert hatten. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: dpa) Dieses wurde nach Aussagen Dearys von der Deutschen Bank sowie verschiedenen Rechtsanwaltsbüros, darunter der US-Großkanzlei Jenkens & Gilchrist, sowie Steuerberatungsfirmen vermarktet. Dabei ging es um ein kompliziertes Währungsoptionsgeschäft, das den Anlegern angeblich eine sichere Möglichkeit bot, legal Steuern zu sparen. Warnungen ignoriert Wie es in der Klageschrift heißt, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, hätten die Anbieter des Modells wiederholt Warnungen der US-Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) ignoriert, die frühzeitig auf das dubiose Geschäft hingewiesen und es schließlich im Jahre 2000 für illegal erklärt habe. Nach den Worten Dearys sei es der Deutschen Bank und den anderen Beklagten nur darum gegangen, von den Investoren millionenschwere Gebühren für die Beteiligung an dem Steuersparmodell zu kassieren. Die "Deutsche Bank konnte die Resultate manipulieren, um sicherzustellen, dass die Kläger kein Geld verdienten", heißt es in der Klageschrift. Nach Angaben Dearys wurde die Klage jetzt bei einem kalifornischen Bundesgericht eingereicht. Seine Mandanten seien getäuscht worden, meint der Anwalt. Bank weist Vorwürfe zurück Die Deutsche Bank hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Das Institut habe nur eine begrenzte Rolle gespielt, nämlich als Dienstleister bei der Abwicklung der finanziellen Transaktion, erklärte eine Sprecherin des Instituts in New York. Die Bank habe sich weder an der Ausarbeitung noch an der Vermarktung des Steuersparmodells beteiligt. Im übrigen habe man sich von den Investoren schriftlich versichern lassen, dass sie von der Deutschen Bank keine Steuerberatung erhalten hätten, so die Sprecherin. Es sei nicht gegen Gesetze verstoßen worden, fügte sie hinzu. In den USA wird für vermögende Investoren eine Vielzahl von Steuersparmodellen angeboten. Das ist ein lukratives Geschäft für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, aber auch für die beteiligten Banken. Die Gebühren, die von den Anbietern kassiert werden, können bis zu zehn Prozent der in Aussicht gestellten Steuerersparnis erreichen. Steuersparmodelle sind vor allem im Zusammenhang mit dem Internet-Boom in den 90er Jahren in Mode gekommen, weil die Firmen erhebliche liquide Mittel hatten, die steuerlich günstig angelegt werden sollten. Bei "Cobra" wurde das Geld der Investoren in eine spezielle Firma transferiert und dann so investiert, dass sich Wetten auf fallende beziehungsweise steigende Kurse von ausländischen Währungen ausglichen. Der Trick war offenbar, dass dann gegenüber den Finanzbehörden Kosten der Optionen als steuerlich abschreibbare Verluste deklariert wurden. Juristische Grauzone Viele Steuerberater arbeiten nach Meinung von Kritikern in einer juristischen Grauzone. Der Markt ist heiß umkämpft. Lücken in der Gesetzgebung würden aggressiv ausgenutzt, heißt es. "Die potenzielle Haftung für die Anbieter ist groß", meint Professor Joseph Bankman von der juristischen Fakultät der renommierten Stanford Universität. Seiner Meinung nach droht eine Klagewelle enttäuschter Investoren in den USA. Die Debatte um Steuerspartricks und Steuerhinterziehung hat politische Wellen bis nach Washington geschlagen. Vor kurzem beschäftigte sich ein Hearing des US-Senats mit dem Thema. Der Geschäftsmann Henry Camferdam aus Carmel im Bundesstaat Indiana berichtete über seine Erfahrungen mit dem Steuersparmodell "Cobra". 13 Millionen Steuerrückzahlung Auf Anraten der Wirtschaftsprüfergesellschaft Ernst & Young hatte Camferdam 50 Millionen Dollar, die aus dem Verkauf seiner Internet-Firma stammten, investiert. Ergebnis der angeblich steuersparenden Transaktion: Der Unternehmer zahlte am Ende mehr als drei Millionen Dollar an Gebühren, unter anderem zwei Millionen an die Deutsche Bank. Und der Fiskus fordert nun eine Steuerrückzahlung von 13 Millionen Dollar. Außerdem muss Camferdam, der sich von Ernst & Young sowie der Deutschen Bank betrogen fühlt, mit einem saftigen Bußgeld rechnen.
US-Anleger erheben wegen dubioser Steuersparmodelle schwere Vorwürfe gegen das Kreditinstitut. "Investoren haben durch die Deutsche Bank erheblichen wirtschaftlichen Schaden erlitten", erklärte US-Rechtsanwalt David Deary der Süddeutschen Zeitung.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sammelklage-eingereicht-deutsche-bank-in-den-usa-am-pranger-1.901119
Sammelklage eingereicht - Deutsche Bank in den USA am Pranger
00/05/2010
Dachfonds sind beliebt, stehen aber auch in der Kritik: Ihre Gegner bemängeln hohe Kosten, geringe Durchschaubarkeit und fehlende Flexibilität. Damals galten sie als Innovation schlechthin für deutsche Sparer. Aber so neu waren Dachfonds gar nicht, als sie 1998 wieder unters geneigte Anlegervolk gebracht werden durften, sondern eher verpönt. Denn in den 60er Jahren hatte Bernie Cornfeld mit seiner Vertriebsorganisation IOS und dem "Fund of Funds" in Deutschland verbrannte Erde hinterlassen und hiesigen Sparern zig Millionen D-Mark vernichtet. Rund 30 Jahre musste der deutsche Kapitalmarkt warten, bis Dachfonds wieder salonfähig wurden. Paket aus Zielfonds Kein Zweifel, die Gaunereien von damals sind heute kein Thema mehr. Die Dach-Anbieter, vor allem Fondsgesellschaften und freie Vermögensverwalter, haben in der Regel einen guten Ruf und versuchen nach Kräften, die investierten Euros ihrer Kundschaft zu mehren. Trotzdem polarisieren Dachfonds auch weiterhin. Sowohl Gegner als auch Befürworter haben plausible Argumente, weshalb Dachfonds das ideale Instrument für den langfristigen Vermögensaufbau sind oder eben dafür ungeeignet. Die Systematik von Dachfonds ist relativ simpel. Man nehme eine Reihe von Einzelfonds, im Jargon auch "Zielfonds" genannt, schnüre ein Paket daraus und schon läuft der "Fund of Funds" vom Fließband. Dynamische, flexible und konservative Dächer Sogar unterschiedliche strategische Ausrichtungen gibt es längst, passend zur Risikobereitschaft des jeweiligen Anlegers. So unterscheiden die Experten von Feri-Trust in Bad Homburg, wo man sich auf die Analyse von Investmentfonds spezialisiert hat, so genannte dynamische, flexible und konservative Dächer. Bei den ersten dominieren die Aktienzielfonds, bei den zweiten gibt es entweder ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Aktien- und Rentenfonds oder die Anteile dieser Zielfonds variieren je nach Marktlage. Und bei der dritten Spezies schließlich liegt der deutliche Schwerpunkt auf Rentenzielfonds.
Dachfonds sind beliebt, stehen aber auch in der Kritik: Ihre Gegner bemängeln hohe Kosten, geringe Durchschaubarkeit und fehlende Flexibilität.
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Vermögensanlage in Dachfonds - Hohe Ansprüche, bescheidene Ergebnisse
00/05/2010
Die Justiz ermittelt im Schmiergeldskandal nun auch gegen den einstigen Pierer-Vertrauten Heinz-Joachim Neubürger. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt im Schmiergeldskandal bei Siemens nun auch gegen einen der ehemals engsten Vertrauten des früheren Konzernchefs und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer, Heinz-Joachim Neubürger. Detailansicht öffnen Stellte sich der Staatsanwaltschaft: Heinz-Joachim Neubürger. (Foto: Foto: dpa) Der ehemalige Finanzvorstand steht nach Informationen der Süddeutschen Zeitung im Verdacht, von schwarzen Kassen des Konzerns gewusst und dubiose Zahlungen gedeckt zu haben. Neubürger, 54, der Siemens im April 2006 überraschend verlassen hatte, ist nach Thomas Ganswindt der zweite frühere Konzernvorstand, gegen den die Staatsanwaltschaft in dem laufenden Korruptionsverfahren ermittelt. Noch keine öffentliche Stellungnahme Neubürger wollte sich am Donnerstag nicht zu den Ermittlungen äußern. Der ehemalige Finanzvorstand, der für seinen Rückzug im vergangenen Jahr ,,persönliche Gründe'' angegeben hatte, will offenbar den weiteren Verlauf des Verfahrens abwarten, ehe er öffentlich Stellung nimmt. Bei einer Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft am Dienstag dieser Woche bestritt Neubürger, in den Skandal verwickelt zu sein. Um den Termin hatte Neubürger nach Angaben von Siemens selbst gebeten. Im Gegensatz zu anderen Beschuldigten, die zwischenzeitlich in Untersuchungshaft saßen, blieb Neubürger auf freiem Fuß. Für kommende Woche ist eine weitere Vernehmung vorgesehen. Schwer belastet Geständige Manager und Angestellte von Siemens hatten Neubürger im Dezember schwer belastet. Sie sagten bei der Staatsanwaltschaft aus, er sei als Finanzvorstand frühzeitig über schwarze Kassen informiert gewesen und habe versucht, fragwürdige Zahlungsvorgänge zu vertuschen.
Die Justiz ermittelt im Schmiergeldskandal nun auch gegen den einstigen Pierer-Vertrauten Heinz-Joachim Neubürger.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schmiergeldskandal-frueherer-siemens-finanzvorstand-unter-verdacht-1.898214
Schmiergeldskandal - Früherer Siemens-Finanzvorstand unter Verdacht
00/05/2010
Nach dem Wochenendfahrverbot dürften nun auf den Autobahnen bis zu eine Million Lastkraftwagen unterwegs sein. Verkehrsminister Stolpe und der Mautanlagen-Betreiber Toll Collect zeigen sich bislang zufrieden: "Es funktioniert". An den beiden ersten Tagen des neuen Jahres hat das elektronische Lkw-Mautsystem seine Alltagstauglichkeit beweisen können. Der Start der nach einer Pannenserie wiederholt verschobenen Autobahnmaut verlief reibungslos. Detailansicht öffnen Hier kann man die Gebühr bezahlen - die ersten Maut-Preller gingen bereits am Wochenende ins Netz. (Foto: Foto: dpa) "Die Anlage funktioniert ganz normal, uns ist bisher nichts ungewöhnliches aufgefallen", sagte ein Sprecher von Toll Collect. Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) sagte bei einem Besuch des Call Centers von Toll Collect in Potsdam, dass am Neujahrstag rund 20.000 Lastwagen auf den deutschen Autobahnen unterwegs gewesen seien. Technisch habe alles funktioniert, am ersten Tag seien etwas mehr als eine Millionen Euro an Mautgeldern eingenommen worden. Härtetest am Montag "Den Härtetest haben wir in der Nacht von Sonntag auf Montag", schränkte der Verkehrsminister allerdings ein. Am Samstag und Sonntag, den beiden ersten Mauttagen, galt zunächst noch für nahezu alle Lkw das Wochenendfahrverbot. An einem normalen Werktag werden auf dem Autobahnnetz bis zu eine Million Lkw-Touren registriert. Stolpe erwartet zwar auch bei normalem Verkehrsaufkommen keine oder allenfalls geringe technische Schwierigkeiten. Probleme könnte es aber durch Lkw-Staus an den Grenzübergängen geben, wo viele ausländische Spediteure ihre Fahrstrecken zunächst an Mautterminals buchen werden. Als kritische Punkte gelten unter anderem die Grenzübergänge Aachen-Süd nach Belgien und Holland, der Übergang in Kehl nach Frankreich, Frankfurt/Oder nach Polen und Kiefersfelden nach Österreich. Drei Milliarden Euro erwartet Stolpe betonte erneut, dass Mautpreller keine Chance hätten. Rund 500 Lkw-Fahrer hatten am 1.Januar versucht, die streckenabhängige Gebühr nicht zu zahlen. Dies entspricht einer Quote von 2,5 Prozent. "Uns ist so gut wie niemand entwischt", versicherte der Verkehrsminister. Das Kontrollsystem sei engmaschig. Neben den rund 300 über die Autobahnen gespannten Überwachungsbrücken überprüfen bundesweit 560 Mitarbeiter des Bundesamtes für Güterverkehr in eigenen Fahrzeuge elektronisch die Mautpflichten der Lkw. Bei Prellerei drohen allein den Fahrern Bußgelder zwischen 75 und 20.000 Euro. Die Spediteure müssen ebenfalls zahlen. Ihre Strafen setzen bei 150 Euro ein. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums wies darauf hin, dass es vor zehn Jahren bei der Einführung der Autobahnvignette für Lkw eine Prellerquote von 20 Prozent gegeben habe. Der Bund erwartet in diesem Jahr gut drei Milliarden Euro an Mauteinnahmen. Mindestens 2,4 Milliarden Euro sollen in den Ausbau von Straßen und Bahnstrecken fließen, 600 Millionen Euro erhält der Mautbetreiber Toll Collect. Für das Unternehmen, das mehrheitlich DaimlerChrysler und Deutscher Telekom gehört, beginnt nun die zweite Phase. Sämtliche Lastwagen, die ihre Streckengebühren über eine Mautbox in der Fahrerkabine abbuchen, müssen im Jahresverlauf erneut in die Werkstatt. Dort wird der Mautcomputer ("On board unit") mit neuer Software überspielt. Erst dann können neu gebaute Autobahnabschnitte und Änderungen der Mautsätze automatisch berücksichtigt werden. "Erst dann haben wir den Auftrag des Bundes erfüllt", hieß es bei Toll Collect. In einem Jahr soll die Lkw-Maut, die derzeit durchschnittlich 12,4 Cent je Kilometer beträgt, auf 15 Cent erhöht werden. Trotz des reibungslosen Starts streiten sich der Bund und die Toll Collect-Eigner DaimlerChrysler und Deutsche Telekom weiter um Schadenersatz. Der zweimal wegen technischer Pannen verschobene Starttermin hat in den Verkehrsetat ein Loch von fast 4,6 Milliarden Euro gerissen. Die Konzerne lehnen die Forderung des Bundes ab. In einem Schiedsverfahren soll die Sache geklärt werden. "Wir wollen, dass das Schiedsgericht zügig darüber entschiedet", teilte das Verkehrsministerium mit.
Nach dem Wochenendfahrverbot dürften nun auf den Autobahnen bis zu eine Million Lastkraftwagen unterwegs sein. Verkehrsminister Stolpe und der Mautanlagen-Betreiber Toll Collect zeigen sich bislang zufrieden: "Es funktioniert".
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zum-wochenbeginn-haertetest-fuer-das-mautsystem-1.903276
Zum Wochenbeginn - Härtetest für das Mautsystem
00/05/2010
Die Spekulationen verdichten sich, dass VW-Markenchef Wolfgang Bernhard vor seinem Abgang steht. Sowohl Spiegel als auch Focus berichteten am Wochenende, der als harter Sanierer bekannte Automanager werde den Konzern bereits zum 31. Januar verlassen. Zuvor hatte das Wirtschaftsmagazin Capital bereits geschrieben, das Abschiedsszenario für Bernhard stehe fest. Detailansicht öffnen Wolfgang Bernhard hat bei VW einiges bewegt, doch sein Abgang scheint dennoch besiegelt zu sein. (Foto: Foto: AP) VW hat die seit Wochen kursierenden Spekulationen um die Personalie bisher nicht kommentiert. Im dem Capital-Bericht hieß es unter anderem, Bernhard werde schon nicht mehr an der Detroit Motorshow teilnehmen, die am (heutigen) Sonntag beginnt. Einem VW-Sprecher zufolge ist Bernhard tatsächlich nicht dort - seine Anwesenheit sei aber auch nicht geplant gewesen, weil VW kein neues Modell vorstelle. Laut Spiegel soll der Hintergrund des angeblichen Bernhard-Ausstiegs eine vom neuen VW-Chef Martin Winterkorn geplante Änderung der Führungsstruktur sein. "Danach wäre Bernhard nur noch für die Fabriken des Konzerns zuständig, nicht aber für die Entwicklung neuer Modelle und den Vertrieb", schreibt das Hamburger Nachrichtenmagazin. Winterkorn werde seinen Plan auf einer Aufsichtsratssitzung kommende Woche vorstellen. Demnach solle es wieder einen Produktions- und einen Entwicklungschef für den gesamten Konzern geben. Posten des Produktionsvorstands angeboten Laut Focus haben Winterkorn und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch Bernhard den Posten des Produktionsvorstands angeboten. Der 46-Jährige habe indes abgelehnt und auf seine vertraglich zugesicherte Position als VW-Markenchef gepocht. Gerüchte über Bernhards angeblich bevorstehenden Abschied von Volkswagen machen seit dem im November 2006 angekündigten Wechsel vom damaligen Chef Bernd Pischetsrieder zu Winterkorn immer wieder die Runde.
Die Spekulationen verdichten sich, dass VW-Markenchef Wolfgang Bernhard vor seinem Abgang steht.
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Bevorstehender Abgang - Die Tage von Wolfgang Bernhard bei VW scheinen gezählt
00/05/2010
Teile der verlustreichen Sparte Siemens Business Services sollen womöglich an die französische Atos Origin verkauft werden. Konzernchef Kleinfeld will insgesamt 1,5 Milliarden Euro einsparen und rund 2.400 Arbeitsplätze abbauen. Eine Entscheidung des Technologiekonzerns Siemens über die Zukunft seiner Krisensparte Siemens Business Services (SBS) rückt nach Angaben aus Unternehmenskreisen näher. Dabei könnte es erneut zu deutlichen Einschnitten kommen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sieht eine Option die vollständige Auflösung des Geschäftsfeldes vor. Teile von SBS sollen demnach an den französischen IT-Dienstleister Atos Origin sowie den PC-Hersteller Fujitsu Siemens Computers (FSC) abgegeben werden. Detailansicht öffnen Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. (Foto: Foto: AP) Endgültige Entscheidung steht noch aus Die verbleibenden Geschäftsfelder sollen in anderen Sparten des Siemens-Konzerns aufgehen. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, hieß es am Mittwoch. Auch andere Optionen würden noch geprüft. Atos, SBS und Fujitsu Siemens wollten die Informationen am Mittwoch nicht kommentieren. Ein Siemens-Konzernsprecher erklärte, bei den Überlegungen handele es sich um "kein zentrales Modell der Diskussion". Den Angaben zufolge sieht das Lösungsmodell den Verkauf des Bereichs Operation Related Services (ORS) an die französische Atos Origin vor. Das Geschäftsfeld, bei dem es um das Outsourcing von IT-Dienstleistungen geht, macht etwa die Hälfte des SBS-Umsatzes von zuletzt weltweit 4,7 Milliarden Euro aus. Europas zweitgrößter IT-Dienstleister wird seit längerem als möglicher SBS-Partner gehandelt und hatte erst Anfang Oktober angekündigt, in Deutschland in großem Stil expandieren zu wollen. Atos-Origin will Umsatz verdoppeln Im SZ-Gespräch hatte der Managing Director Gerhard Fercho erklärt, Atos wolle seinen Umsatz in den nächsten anderthalb Jahren auf zehn Milliarden Euro verdoppeln. Das gehe nur über externes Wachstum (SZ vom 4.10.). Der im Unternehmen verbliebene Teil der Sparte Product Related Services, die produktnahen Dienstleistungen wie die Wartung von Großrechnern, solle an Fujitsu Siemens Computers abgegeben werden. Zwar könnte das dritte Geschäftsfeld Solutions, das sich vor allem mit Beratung und Systemintegration beschäftigt, dem Modell zufolge im Konzern verbleiben, allerdings in der margenstarken Sparte Automatisierungs- und Antriebstechnik (A&D) aufgehen, die ebenfalls über eine große IT-Sparte verfügt. Die interne Siemens-IT, die nicht als eigener Geschäftsbereich von SBS geführt wird, soll den Angaben zufolge im Konzern verbleiben und in der Kommunikationssparte Com aufgehen. Teil der Neustrukturierung des Konzerns Die Sparte SBS ist seit Jahren eines der größten Sorgenkinder im Siemens-Konzern und steckt tief in der Verlustzone. Sie wird nach SZ-Informationen im ablaufenden Geschäftsjahr etwa 350 Millionen Euro Verlust machen. Seit mehreren Jahren arbeitet Siemens an einer Restrukturierung. Konzernchef Kleinfeld hatte im September ein radikales Sanierungsprogramm vorgestellt, das den Abbau von 2400 Stellen und Einsparungen von insgesamt 1,5 Milliarden Euro vorsieht. Die Branche steckt derzeit in einem gewaltigen Umbruch und leidet unter Überkapazitäten. Unrentable Aufträge angenommen Intern räumen Manager ein, dass SBS in der Vergangenheit zu viele Aufträge hereingeholt habe, die sich nicht rentiert hätten. Die Folge waren zum Teil hohe Abschreibungen. Mit der Auflösung der Sparte käme Siemens-Chef Klaus Kleinfeld seinem Ziel näher, in allen verbliebenen zwölf Sparten des Konzerns bis Mitte 2007 die gesetzten Gewinnziele zu erreichen. Zum 1. Oktober hatte Siemens bereits die angeschlagene Sparte Logistiksysteme (L&A) aufgelöst.
Teile der verlustreichen Sparte Siemens Business Services sollen womöglich an die französische Atos Origin verkauft werden. Konzernchef Kleinfeld will insgesamt 1,5 Milliarden Euro einsparen und rund 2.400 Arbeitsplätze abbauen.
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Zerschlagung erwogen - Siemens ringt um Lösung für Dienstleister SBS
00/05/2010
Deutschlands Großunternehmen zahlen erstmals seit zwei Jahren wieder nennenswert Körperschaftsteuer. Allein im Juni überwiesen sie rund 2,6 Milliarden Euro. (SZ vom 16.07.2003) — Offiziell wird das Haus von Hans Eichel seine Zahlen nächste Woche in seinem Monatsbericht für Juli vorstellen. Eichel selber hatte bereits am Wochenende, im Interview der Süddeutschen Zeitung, angedeutet, dass sich die Körperschaftsteuer "sehr positiv" entwickelt. Die genauen Zahlen, die sein Ministerium nun errechnet hat und die der SZ vorliegen, belegen dies. Demnach legte die Körperschaftsteuer allein im vergangenen Monat um 1,7 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahresmonat zu, im ersten Halbjahr stieg sie auf zusammengerechnet 3,15 Milliarden Euro. Der Juni gilt als starker Steuermonat, weil die Konzerne dann ihre vierteljährlichen Vorauszahlungen an die Finanzämter überweisen. Schon im Mai hatte sich diese Entwicklung angedeutet: Unterm Strich mussten die Finanzämter zwar, wie meist in den vergangenen Jahren, rund 300 Millionen Euro mehr an die Konzerne zurückerstatten, als diese zahlten. Allerdings: Schon da meldete Eichel, wenn auch versteckt, im Monatsbericht eine Verbesserung. Im Mai 2002 hatte er noch 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen müssen. Konjunktur stabilisiert Der Umschwung wird von Ökonomen genau beobachtet. Für Winfried Fuest vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln ist er "ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Konjunktur und die Gewinnentwicklung der Unternehmen stabilisiert". Alfons Kühn, der Steuerabteilungsleiter des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) glaubt ebenfalls, "dass die Körperschaftsteuer wieder in die Gänge kommen könnte, und die Wirtschaft insgesamt auch." In den beiden Jahren zuvor war die wichtigste Steuer, die die großen Unternehmen bezahlen, auf Null eingebrochen - eine Folge der Konjunktur, der schlechten Firmenbilanzen, aber auch der Steuerreform. Die Firmen hatten massiv die Möglichkeit genutzt, die Gerhard Schröder und Hans Eichel ihnen eingeräumt hatten: Sie entledigten sich milliardenschwerer Beteiligungen, ohne die Gewinne versteuern zu müssen. Teilweise reichten die Vorstände die Konzerntöchter auch intern von einer Holding zur nächsten weiter, um steuerfrei stille Reserven zu heben. Vor allem ergriffen die Firmen aber die Gelegenheit, um altes, einst hoch versteuertes Eigenkapital, das sie im Boom in ihren Bilanzen gebunkert hatten, an ihre Aktionäre auszuschütten - und sich dabei einen Teil der vor Jahren gezahlten Steuern zurückzuholen. Beispielloser Einbruch Die Folge: Im Jahr 2000 brachte die Körperschaftsteuer noch 23,57 Milliarden Euro. Zwölf Monate später, nach Inkrafttreten der Steuerreform, verbuchte Eichel unterm Strich ein Minus von gut 400 Millionen Euro. Auch 2002 kam nur schleppend Geld in die Kasse, insgesamt ganze 2,8 Milliarden Euro. Neben der Konjunktur gibt es noch weitere Gründe für die Trendwende: So schütten die Konzerne nicht mehr so hohe Altgewinne aus. "Die Zeit der großen Auskehr ist vorbei", sagt Winfried Fuest. Alfons Kühn vom DIHK verweist zudem darauf, dass die Firmen direkt nach Inkrafttreten der Steuerreform ihre Vorauszahlungen teils zu stark gekürzt hatten - und nun, da sie ihre Steuererklärungen für 2001 und 2002 einreichen, nachzahlen müssen. Zudem hätten die Finanzämter sehr lange gebraucht, um sich auf das neue Unternehmensteuer-System, das Rot-Grün eingeführt hatte, mit Schulungen, Formularen und Softwareprogrammen einzustellen. Deswegen habe sich die Steuererhebung verzögert: "Das ist nun abgeschlossen." Kräftiger Zuwachs bei Erbschaftsteuer Positiv hat sich im Juni, wie Eichels Zahlen zeigen, aber nicht nur die Körperschaftsteuer entwickelt: So legte auch die Erbschaftsteuer gegenüber dem Vorjahr um satte 46,3 Prozent zu. Die zuletzt sehr schwache Umsatzsteuer stieg um 3,4 Prozent, was vor allem an der Einfuhrumsatzsteuer (plus 11,6 Prozent) lag. Die reinen Bundessteuern legten im Juni um sieben Prozent zu, die reinen Ländersteuer sogar um 9,6 Prozent.
Deutschlands Großunternehmen zahlen erstmals seit zwei Jahren wieder nennenswert Körperschaftsteuer. Allein im Juni überwiesen sie rund 2,6 Milliarden Euro.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/finanzministerium-sieht-trendwende-die-konzerne-zahlen-wieder-steuern-1.917657
Finanzministerium sieht Trendwende - Die Konzerne zahlen wieder Steuern
00/05/2010
In Berlin droht neuer Koalitionskrach: Nach Meinung der Union haben Arbeitslose bislang zuviel Unterstützung vom Staat kassiert. Die Christdemokraten wollen daher die Hartz IV-Leistungen kürzen. Doch Arbeitsminister Müntefering stellt sich quer. Der Streit um Hartz IV entbrannte nach der Auswertung der neuesten so genannten Einkommens- und Verbrauchsstichprobe. Die Stichprobe legt das Statistische Bundesamt alle fünf Jahre vor. Sie gibt Auskunft über die Ausgaben deutscher Haushalte. Auf der Grundlage der Stichprobe errechnet die Regierung das soziokulturelle Existenzminimum. Dessen Höhe entspricht dem Arbeitslosengeld II. Detailansicht öffnen Lehnt Kürzungen bei Hartz IV ab - Arbeitsminister Franz Müntefering. (Foto: Foto: dpa) Von dem errechneten Betrag für das Existenzminimum hängt die Grundsicherung im Alter sowie der Grundfreibetrag für die Einkommensteuer ab. Dem derzeit gültigen Regelsatz beim Arbeitslosengeld II liegt die Stichprobe von 1998 zugrunde, weil beim Start von Hartz IV die Zahlen von 2003 noch nicht ausgewertet waren. Dies ist erst in den vergangenen Monaten erfolgt. Nach Auswertung der neuen Daten will Arbeitsminister Franz Müntefering den Regelsatz für Hartz IV künftig bundesweit auf 345 Euro festlegen, hieß es aus Koalitionskreisen. Der Satz gilt bereits in Westdeutschland, für den Osten hatte die große Koalition erst kürzlich die Anhebung auf diese Höhe beschlossen. Angesichts der unerwartet hohen Kosten von Hartz IV halten insbesondere Unionspolitiker dies inzwischen für einen Fehler. Stattdessen hätte man besser eine Senkung auf den in Ostdeutschland gültigen Satz von 331 Euro beschließen sollen. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer erklärte, die Koalition müsse wegen der Milliardenausgaben für Hartz IV die Arbeitsmarktreform erneut korrigieren. Unionsfraktion fordert Kürzungen Angesichts der steigenden Kosten durch die Hartz-IV-Gesetzgebung forderte der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Steffen Kampeter (CDU), die Kürzung der Leistungen für Langzeitarbeitslose. Im Gespräch mit der Chemnitzer Freien Presse verlangte Kampeter die Streichung der bislang gewährten Zuschläge für die Hartz-IV-Empfänger. Es sei ungerecht, wenn die Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften inzwischen materiell erheblich besser gestellt seien als Beschäftige im Niedriglohnbereich, sagte Kampeter. Das Arbeitslosengeld II mit all den Zuschlägen dürfe nicht als dauerhaftes Grundlohnsystem fehl interpretiert werden. Die wenigsten Langzeitarbeitslosen müssten tatsächlich von 345 oder 331 Euro leben. Die Hartz-IV-Gesetze müssten daher grundlegend reformiert werden. Söder: Hartz IV ist ein Milliardengrab Kritik übte auch der CSU-Generalsekretär Markus Söder: "Hartz IV ist ein Milliardengrab mit rund zehn Milliarden Minus allein im letzten Jahr", sagte der bayerische Politiker der Berliner Zeitung. "Allen ist klar, dass das so wie bisher nicht funktioniert." Eine grundlegende Überarbeitung der Reform lehnte Söder allerdings ab. "Es schafft kein Vertrauen in die Politik, wenn wir die Strukturen nach eineinhalb Jahren schon wieder völlig umkrempeln." Das Bundeskabinett hatte Anfang Mai Korrekturen am Hartz-IV-Gesetz beschlossen. Die Regierung will damit vor allem die steigenden Kosten für das Arbeitslosengeld II begrenzen.
In Berlin droht neuer Koalitionskrach: Nach Meinung der Union haben Arbeitslose bislang zuviel Unterstützung vom Staat kassiert. Die Christdemokraten wollen daher die Hartz IV-Leistungen kürzen. Doch Arbeitsminister Müntefering stellt sich quer.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hartz-iv-ein-bisschen-herz-fuer-arbeitslose-1.905667
Hartz IV - Ein bisschen Herz für Arbeitslose
00/05/2010
Die Rekord-Dürre macht Lebensmittel bis zu 20 Prozent teurer - und Bauern ärmer: Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer will die Landwirte durch eine Ernteversicherung schützen. Die Rekord-Dürre im April dürfte für kräftige Preiserhöhungen von mindestens 20 Prozent bei manchen Lebensmitteln sorgen: Ökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagte der Welt am Sonntag, vor allem Kartoffeln, Gemüse und Getreide seien betroffen. Ein noch stärkerer Anstieg hänge davon ab, ob der Sommer ebenfalls so trocken werde, wie es Meteorologen befürchten. Sogar die Bierpreise könnten steigen, warnte laut der Zeitung die zentrale Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) in Bonn, denn die Sommergerste, aus der Malz gewonnen wird, sei von der Trockenheit ebenfalls betroffen. Auch bei Milch rechnen Experten mit einem Preisaufschlag von 15 Prozent. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hatte dagegen kürzlich die Einschätzung vertreten, Engpässe wegen der Trockenheit könnten durch Lieferungen aus anderen Erzeugergebieten ausgeglichen werden, so dass sich Preissteigerungen in Grenzen halten würden. "Wir müssen nicht nur auf die deutschen Bauern schauen" Gelassen äußerte sich in der Welt am Sonntag auch der Chef des Handelskonzerns Metro, Hans-Joachim Körber: "Wir haben es heute mit europäischen Fruchtmärkten zu tun. Wir müssen nicht nur auf die deutschen Bauern schauen." Skeptisch sieht dies jedoch der Bundesverband der Lebensmittelindustrie (BVE). Geschäftsführerin Sabine Eichner Lisboa verwies darauf, dass es derzeit fast überall auf der Welt Probleme wegen außergewöhnlichen Wetters gebe. Daher bestünden "keine Alternativen auf der Angebotsseite." Sie verlangte Einschränkungen beim Anbau von Energiepflanzen für Biosprit. "Erste Aufgabe der Landwirtschaft muss es sein, die Bevölkerung zu ernähren." Der SPD-Politiker Ottmar Schreiner forderte wegen der Preissteigerungen bereits eine Anhebung des Regelsatzes für das Arbeitslosengeld II. "Hartz-IV-Leute können einen solchen Anstieg der Lebensmittelpreise nicht verkraften", sagte der Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen. Die Regelsätze müssten daher erhöht werden, "damit die Leute nicht auf einem Stück Holz herumbeißen müssen". Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer sprach sich für eine Ernteversicherung aus. Er sagte am Sonntag in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin, die Bundesregierung solle sich Frankreichs "Ernteversicherung" zum Beispiel nehmen und die deutschen Bauern gegen Klimarisiken und Trockenheit versichern. Die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) berichtete nach einer Befragung von Ackerbauern, dass die Landwirte die Trockenheit im April "mit großer Besorgnis" sehen. "Regen wird überall dringend gebraucht." Besonders sichtbar seien die Folgen der Trockenheit bisher bei Wintergetreide und Winterraps in ostdeutschen und niedersächsischen Gebieten mit leichten, sandigen Böden. Hoffnung auf "Carsten" Manche Landwirte besonders in Brandenburg befürchten Ernteeinbußen von bis zu einem Drittel. Die Bauern hoffen auf das Tief "Carsten", das ihnen Regen bringen soll. Große Handelskonzerne sehen die Trockenheit wegen ihrer internationalen Lieferanten nach Angaben der Zeitung noch gelassen. Dagegen beurteilt die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) die Klimarisiken kritisch. Anders als bei früheren Trockenperioden gebe es derzeit fast überall auf der Welt ungewöhnliches Wetter. Die erste Aufgabe der Bauern müsse es sein, die Bevölkerung zu ernähren, sagte BVE-Geschäftsführerin Sabine Eichner Lisboa mit Blick auf alternative Energieerzeugung. Einige große Brauereien verzeichneten im April im Vergleich zum Vorjahresmonat ein zweistelliges Absatzplus. "Das war der beste April in der Brauereigeschichte", sagte Veltins-Sprecher Ulrich Biene in Meschede-Grevenstein. Auch bei der größten deutschen Premium-Brauerei Krombacher aus Kreuztal im Siegerland sorgten "Ferien, Feiertage und natürlich das Wetter" für zweistellige Zuwächse, sagte Sprecher Franz-Josef Weihrauch. Besonders gefragt seien auch Biermischgetränke und Radler gewesen. Diesen Trend bestätigte auch die Veltins-Brauerei. Die Warsteiner Brauerei startete nach Auskunft von Sprecher Christoph Hermes ebenfalls gut in das Jahr 2007. "Wir haben vor allem im Inland zugelegt. Der April passt da voll ins Bild", sagte er. Derweil forderte der Wissenschaftler Ernst-Ulrich von Weizsäcker die Verbraucher zu umweltbewusstem Handeln auf. "Der Verbraucher ist mächtiger als er vielleicht ahnt. Wenn wir bei jeder Gelegenheit, sei es beim Autokauf oder auch nur bei der Verpackung einer Ware, deutlich machen, dass wir eine umweltfreundliche Alternative wünschen, wird die Wirtschaft handeln," sagte der frühere Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie dem Kölner Express. Ein steigendes Interesse an Umweltthemen bei den Bundesbürgern ist offenbar beim Autofahren festzustellen: Knapp jeder dritte Verbraucher plant beim Kauf seines nächsten Autos, "bestimmt beziehungsweise mit großer Wahrscheinlichkeit" ein Hybridfahrzeug zu erwerben. Das berichtete die Welt am Sonntag unter Berufung auf eine repräsentative Infratest-Umfrage für den Autozulieferer Continental unter 1.000 Autofahrern. (sueddeutsche.de/AFP/AP/dpa)
Die Rekord-Dürre macht Lebensmittel bis zu 20 Prozent teurer - und Bauern ärmer: Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer will die Landwirte durch eine Ernteversicherung schützen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/teurere-lebensmittel-wegen-duerre-tomaten-und-kartoffeln-werden-zum-luxus-1.899365
Teurere Lebensmittel wegen Dürre - Tomaten und Kartoffeln werden zum Luxus
00/05/2010
Die Teilprivatisierung der Bahn nach den Plänen von Verkehrsminister Tiefensee wird immer fraglicher: Nach den Bundestagsfraktionen von SPD und Union stellt sich nun auch der CDU-Vorstand gegen das Gesetzesvorhaben. Der Vorstand der Unionsfraktion hat sich einem Zeitungsbericht zufolge auf einen Forderungskatalog verständigt, der weitreichende Änderungen des Gesetzentwurfs der Bundesregierung zur Teilprivatisierung der Deutschen Bahn verlangt. Über das zweiseitige Positionspapier solle die CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Dienstag abstimmen, berichteten die Ruhr Nachrichten laut Vorabbericht. In fünf Punkten werden dem Bericht zufolge Änderungen am Gesetzentwurf von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) gefordert. Durchsetzungsrecht So solle der Bund das Recht erhalten, Entscheidungen über Infrastrukturinvestitionen der Deutschen Bahn notfalls auch gegen das Unternehmen durchsetzen zu können: "Für die Umsetzung der vom Gesetzgeber beschlossenen Bedarfsplanmaßnahmen muss dem Bund auch ein Durchsetzungsrecht und dem Netzbetreiber weiterhin ein Initiativrecht eingeräumt werden", heiße es in dem bereits unter Verkehrs-, Finanz- und Wirtschaftspolitikern der Fraktion abgestimmten Papier. Die Bundesnetzagentur müsse "in die Lage versetzt" werden, "Entgelte für die Eisenbahninfrastruktur zu verhindern, die einseitig die Wettbewerber der DB AG belasten". Trassenentgelte Nach den Plänen der Bundesregierung bliebe der Bund zwar juristischer Eigentümer des Schienennetzes, der Konzern übernähme jedoch für zunächst 15 bis 18 Jahre die Bewirtschaftung und könnte auch Trassenentgelte für andere Bahnbetreiber festlegen. In dem Unions-Papier wird der Zeitung zufolge zudem eine Verkürzung dieses Zeitraums gefordert. Weiter heiße es in dem Papier, vor Verabschiedung des Gesetzes zur Teilprivatisierung im Bundestag müsse eine unterschriftsreife Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung vorgelegt werden. Diese solle vor der "materiellen Privatisierung" ein Jahr lang getestet werden. Den Einstieg von Investoren oder einen Börsengang würde dies weiter verzögern.
Die Teilprivatisierung der Bahn nach den Plänen von Verkehrsminister Tiefensee wird immer fraglicher: Nach den Bundestagsfraktionen von SPD und Union stellt sich nun auch der CDU-Vorstand gegen das Gesetzesvorhaben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neue-forderungen-union-nimmt-plaene-zur-bahnprivatisierung-unter-beschuss-1.889977
Neue Forderungen - Union nimmt Pläne zur Bahnprivatisierung unter Beschuss
00/05/2010
Die Telekom stärkt ihre Position auf dem US-Mobilfunkmarkt: Durch die Übernahme von SunCom Wireless für 1,8 Milliarden Euro ist die Tochter T-Mobile USA nun im Südosten und in der Karibik vertreten. Die Deutsche Telekom stärkt mit einem Milliardenzukauf ihr US-Geschäft. Der Bonner Konzern teilte am Montag mit, die Mobilfunktochter T-Mobile USA übernehme für rund 1,6 Milliarden Dollar (rund 1,15 Milliarden Euro) SunCom Wireless. Hinzu kämen Netto-Finanzverbindlichkeiten der SunCom von knapp 0,8 Milliarden Dollar, so dass sich der Gesamtwert der Transaktion auf etwa 2,4 Milliarden Dollar (circa 1,8 Milliarden Euro) belaufe. Das Geschäft soll im ersten Halbjahr 2008 abgeschlossen sein. Das US-Geschäft ist der Umsatz- und Ergebnismotor der Telekom. Konzern-Chef Rene Obermann hatte angekündigt, die Telekom im ausländischen Mobilfunkgeschäft verstärken zu wollen und dabei die Priorität auf die Regionen gelegt, in denen der Konzern bereits vertreten ist. Synergien von einer Milliarde Dollar Der Konzern bezifferte die erwarteten Synergien auf rund eine Milliarde Dollar. T-Mobile USA erweitert mit dem Zukauf sein eigenes Mobilfunk-Netz in den Südosten der USA und die Karibik - konkret in die US-Bundesstaaten North Carolina, South Carolina, Tennessee, Georgia sowie nach Puerto Rico und die U.S. Virgin Islands. Seit 2004 hatte T-Mobile seinen Kunden hier Dienste über ein Roaming-Abkommen mit SunCom angeboten. Die Telekom decke künftig 98 der wichtigsten 100 regionalen Märkte in den USA ab, erläuterte T-Mobile-USA-Chef Robert Dotson. Zur Jahresmitte 2007 zählte SunCom mehr als 1,1 Millionen Kunden. Der Umsatz zweiten Quartal 2007 betrug 242,5 Millionen Dollar. 27 Dollar pro Aktie Die Aktionäre erhalten 27 Dollar pro Aktie, was einer Prämie zum Schlusskurs vom Freitag von 22,7 Prozent entspreche, wie die Telekom erläuterte. Am Montag wurde ebenfalls bekannt, dass die Telekom das deutsche Internetunternehmen ImmobilienScout24 übernimmt. Die bisherige Beteiligung von 33,1 Prozent werde auf 99,3 Prozent erhöht, teilte Scout24 am Montag in München mit. Verkäufer ist die Aareal Bank, die 357 Millionen Euro für ihren Anteil erhält, wie ein Scout24-Sprecher sagte. Die verbliebenen 0,7 Prozent werden von Mitarbeitern und früheren Angestellten der Gesellschaft gehalten. Macquarie Bank bei ImmobilienScout ausgestochen Bereits am Wochenende hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens, dass die Telekom ein Vorkaufsrecht für die von der Aareal Bank kontrollierten Aktien wahrnehmen wird. Sie sticht damit eine Offerte eines Konsortium um die australische Macquarie Bank aus. Der Transaktion müssen noch die Kartellbehörden zustimmen. Der Dienst war das einzige Geschäft der Scout-Holding, das bislang nicht komplett im Besitz der Telekom war. Zur Scout-Gruppe gehören unter anderem die Webangebote Autoscout24, Friendscout24, Jobs.de und Local24. Konzernchef René Obermann hatte in der Vergangenheit angekündigt, verstärkt nach Zukäufen im Internetbereich Ausschau halten zu wollen.
Die Telekom stärkt ihre Position auf dem US-Mobilfunkmarkt: Durch die Übernahme von SunCom Wireless für 1,8 Milliarden Euro ist die Tochter T-Mobile USA nun im Südosten und in der Karibik vertreten.
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Deutsche Telekom - Milliardenzukauf in den USA
00/05/2010
In einem der spektakulärsten Prozesse Frankreichs sind die Plädoyers gehalten. Die drei Hauptangeklagten im Korruptionsskandal des ehemaligen Staatsbetriebes entschuldigen ihre Verfehlungen mit den Gepflogenheiten im Konzern. (SZ vom 8.7.2003) — Knapp vier Monate sind vorbei, 50 Verhandlungstage verstrichen, am gestrigen Montag wurde das letzte Plädoyer gehalten. Der Elf-Prozess in Paris, der größte Korruptionsprozess der französischen Geschichte, geht zu Ende. Frühestens für September wird das Urteil erwartet. 37 Personen sind angeklagt, seit Anfang der achtziger Jahre insgesamt etwa 400 Millionen Euro aus den Kassen des früheren Staatskonzerns Elf-Aquitaine unterschlagen und sich persönlich bereichert zu haben. Allein in der Zeit von 1989 bis 1993, als Loïk Le Floch-Prigent den Öl-Multi führte, sollen 183Millionen Euro veruntreut worden sein. Acht Jahre hatten Staatsanwälte ermittelt und die Elf-Geschäfte zwischen Venezuela und Großbritannien untersucht. Die Leuna-Affäre bildete dabei nur einen Randaspekt. Immer wieder behaupteten die Angeklagten, dass sich auch Politiker bedient hätten und mit der schwarzen Kasse von Elf "Landschaftspflege" betrieben worden sei. Alfred Sirven, Le Flochs Vertrauter, hatte gar gedroht, er könne mit seinem Wissen "die französische Republik 20 Mal in die Luft sprengen". Doch noch steht die Republik. Zwar ließ sich der diffuse Verdacht, Politiker seien bestechlich gewesen, nicht ausräumen. Ein Netz von Schwarzgeldkonten Aber am Ende des Verfahrens drängte sich auch den Staatsanwälten die Vermutung auf, diese Andeutungen könnten den Beschuldigten vor allem dazu gedient haben, von ihrem eigenen Vergehen abzulenken. Über ein Netz von Schwarzgeld-Konten mit teils skurrilen Namen wie "Tomate" oder "Languste" sollen sie vor allem in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb für die drei Hauptangeklagten harte Strafen beantragt. Le Floch, der nach dem ersten Elf-Prozess um den ehemaligen Außenminister Roland Dumas wie Sirven bereits inhaftiert ist, soll für insgesamt fünf Jahre ins Gefängnis und 380.000 Euro zahlen. Sirven und André Tarallo, unter Le Floch die Nummer zwei bei Elf, drohen jeweils acht Jahre Haft und eine Geldstrafe von fünf Millionen Euro. Das belastende Material ist so erdrückend, dass die Verteidiger ebenfalls auf schuldig plädieren — wohl um das Strafmaß zu verringern. Sie berufen sich dabei auf die "Naivität" ihrer Mandanten. Was aufmerken lässt, denn der 59-jährige Le Floch leitete vier französische Großunternehmen, der 75-jährige Sirven kämpfte in der Resistance und im Korea-Krieg und tauchte schließlich nach dem Auffliegen der Affäre auf den Philippinen unter. Und Tarallo, 76, soll die Geschicke afrikanischer Staaten nicht zuletzt über den Präsidenten von Gabun, Omar Bongo, maßgeblich beeinflusst haben. Gefangene des Systems Doch die Anwälte argumentierten, die drei seien quasi Gefangene eines Systems gewesen, dessen Gerüst schon in den fünfziger Jahren unter Präsident Charles de Gaulle entstanden sei. In der Tat wurden unter de Gaulle bei Elf schwarze Kassen eingeführt, um sich damit Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten zu verschaffen. Öl war schon damals nicht irgendein Rohstoff, sondern ein Mittel, über dessen Besitz man sich international Einfluss verschaffen konnte. Nur dass die drei Männer offenbar nicht allein andere bestachen, sondern selber zulangten. Gewisse Entgleisungen gaben sie offen zu. Sirvens Anwalt Pierre Haïk versuchte dies damit zu erklären, dass bei Elf damals alles erlaubt gewesen sei: "Übertretungen waren an der Tagesordnung, und Korruption war kein Delikt mehr." Die Staatsanwaltschaft sprach hingegen von einer "systematischen Plünderung, deren Ausmaß einen schwindlig mache". Le Floch sei derjenige gewesen, der zwar das System nicht etabliert, es aber gebilligt habe. Sirvens Aufgabe sei es gewesen, für den Geldfluss zu sorgen. Und an "Monsieur Afrique", André Tarallo, sei bei Elf niemand vorbeigekommen. Lebhaft wurde es in der elften Kammer des Pariser Strafgerichts, als ein Nebenkläger von Elf auftrat und behauptete, das "Trio" habe den Konzern in Sack und Asche gewirtschaftet, ihn als "Goldesel" missbraucht und das Image des Unternehmens ruiniert. So gut sich die drei Angeklagten noch vor zehn Jahren verstanden haben mögen, so stark hatte sich ihr Verhältnis im Gerichtssaal abgekühlt. Dort feindeten sie sich an und würdigten sich kaum eines Blickes. Sirven rechnete mit Le Floch ab, beschuldigte ihn, von allem gewusst zu haben und der Auftraggeber gewesen zu sein. Seine eigene Rolle spielte er herunter, oder er berief sich auf Gedächtnislücken. Le Floch, mal gefasst, mal larmoyant, wies jegliche Verantwortung von sich, stellte sich als Sündenbock dar und sprach davon, öffentlich gelyncht zu werden. Wohl kaum ein Spitzen-Manager ist tiefer gefallen als er. Statt in einer Konzernzentrale sitzt er in einer Zelle vor den Toren von Paris und darf nur seine Familie und seinen Anwalt sehen. Gepeinigt von einer schweren Schuppenflechte pendelt er mehrmals wöchentlich vom Gefängnis ins Krankenhaus oder ins Gericht, wo er Sätze sagt wie: "Ich habe das alles nicht für mich gemacht, sondern für Elf." Dabei ist bekannt, dass Le Floch seine Ehescheidung von Elf bezahlen ließ. Fast fünf Millionen Euro soll seine Frau als eine Art Schweigegeld erhalten haben: Wohnungen in Paris und London, eine Limousine und eine Monatsrente von 5000 Euro. Le Floch selbst ließ sich ein 816 Quadratmeter großes Anwesen im 16.Pariser Arrondissement im Wert von 9,3 Millionen Euro kaufen, dabei verfügte er bereits über eine 300 Quadratmeter große Dienstwohnung. Auch Sirven gönnte sich ein Schloss und kleinere Residenzen. Und selbst für die Gartendekoration musste die Konzernkasse offenbar herhalten. Kurz vor Ende der Plädoyers wurde es noch einmal spannend, als die in ihr Heimatland Norwegen zurückgekehrte ehemalige Untersuchungsrichterin Eva Joly wieder in Paris auftrat und ihr Buch zum Fall präsentierte. Dessen These: Korruption herrsche in den angesehensten Konzernen, nur leider sei sich niemand dessen bewusst. Der Verkauf wurde erst vom Montag an gestattet, damit der Elf-Prozess nicht beeinflusst werden konnte. Auf einen Beleg der These Jolys warten manche gebannt. Denn zumindest für den Elf-Prozess gilt, dass das Verfahren im Bewusstsein vieler Franzosen weit über die vermeintlichen Verfehlungen von 37 Personen hinausgehen. Gerichtet wird demnach auch über die Ära der zweiten Amtszeit François Mitterrands, als Korruption in Staatsunternehmen angeblich häufiger vorkam.
In einem der spektakulärsten Prozesse Frankreichs sind die Plädoyers gehalten. Die drei Hauptangeklagten im Korruptionsskandal des ehemaligen Staatsbetriebes entschuldigen ihre Verfehlungen mit den Gepflogenheiten im Konzern.
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"Elf-Aquitaine-Prozess beendet - ""Korruption war kein Delikt mehr"""
00/05/2010
So, wie die Treuhandnachfolgerin BvS in den vergangenen Jahren fast unbemerkt ihre immer kleiner gewordenen Kreise zog, so unspektakulär verabschiedete sich die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben nun. Der Schlussakt nach mehr als 13 Jahren Umbau der einstigen DDR Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft fiel alles andere als spektakulär aus. In einem viel zu engen Raum der Staatsbank KfW, deren Tochterfirma schon seit längerem etliche Aufgaben von der BvS übernommen hat. Eigene Abwicklung Privatisiert, saniert und abgewickelt hatte die einst so wichtige Treuhandnachfolgerin eigentlich seit Ende 2000 nicht mehr. Ihre eigene Abwicklung ist seit Monaten beschlossene Sache. Wenn Finanzminister Hans Eichel (SPD) an diesem Donnerstag die BvS-Spitze verabschiedet, wird unter das Treuhand-Kapitel ein Schlussstrich gezogen. "13 Jahre sind genug", sagte Verwaltungsratschef Manfred Schüler nüchtern. Bei der BvS hat dann ein Abwickler das Sagen. Aufgelöst wird sie erst, wenn der letzte Vertrag ausgelaufen ist. Obwohl die Treuhandanstalt nur vier Jahre die Geschicke im Osten lenkte und damit zwei Jahre weniger als ihre Nachfolgerin, war ihr Abschied Ende 1994 noch ein großes mediales Ereignis. Ende einer Ära Als die damalige Treuhand-Chefin Birgit Breuel das kleine Schild am heutigen Finanzministerium abschraubte, war wirklich eine Ära beendet. Die einst größte Privatisierungsanstalt der Welt war in den ersten vier Nachwendejahren quasi eine zweite Regierung im Osten gewesen. Die beschimpfte und kritisierte Mammutbehörde hatte ein Ziel: Bis zu ihrer Auflösung Ende 1994 musste für alle Unternehmen eine Lösung gefunden sein. Von den rund 14.000 Betrieben, die sie als Gesamtportfolio zu verwerten und verwalten hatte, standen am Ende noch mehr als 60 zum Verkauf. Wiedergutmachung Neue Eigentümer mussten auch für Häfen, Wälder, Kinos, Villen, Stadien, Agrarbetriebe, Parteien- sowie Stasi- und NVA-Vermögen, Ferienheime und sogar Zirkustiere gefunden werden. Unrecht auch aus der NS-Zeit musste wiedergutgemacht werden. Der Start 1990 war ungünstig. Reale Vermögensbewertungen lagen nicht vor. Die Firmen standen mit Einführung der D-Mark zum 1. Juli 1990 vor einem Aufwertungsschock von 400 Prozent. Hinzu kam der Wegbruch der Ostmärkte. Die Treuhand musste Milliarden zuschießen, damit produziert und Löhne gezahlt werden konnten. Insgesamt schloss die Treuhand 85.000 Verträge ab. Kriminelle Machenschaften Sie verbuchte Investitionszusagen von mehr als 100 Milliarden Euro und Zusagen für 1,5 Millionen Jobs. Zur Bilanz gehörten auch mehr als 3.500 Firmen-Abwicklungen. Durch kriminelle Machenschaften gingen etwa 150 Millionen Euro verloren. Mit sechs statt der zunächst geplanten vier Jahre hatte die BvS die Treuhand um zwei Jahre überlebt. Ihre Mitarbeiter prüften die Einhaltung von Verträgen und gaben von der DDR verstaatlichte Firmen zurück. Sie mussten auch bei gescheiterten Privatisierungen einspringen, zum Beispiel bei den Ostseewerften nach dem Konkurs des Bremer Vulkan. Bei Problemen wurde "nachverhandelt". Mit der EU-Kommission stritten die BvS-Macher immer wieder um neue Subventionen für "Zweit-", manchmal sogar für "Dritt-Privatisierungen". Trotz der Milliardenhilfe hat die BvS - anders als die Treuhand und deren Schuldenberg von 105,5 Milliarden Euro - nicht mit einem Defizit abgeschlossen. Keine Bundeshilfen Bundeshilfen waren nicht nötig. Nachdem der Beihilfefluss aus Brüssel versiegte, wurde es auch um die BvS ruhiger. Die im Verwaltungsrat vertretenen Ost-Länder, Gewerkschaften und Arbeitgeber konnten nicht mehr auf die BvS setzen, um gemeinsam mehr Geld für angeschlagene Firmen locker zu machen. So ist auch die Zeit der Schuldzuweisungen an die BvS vorbei. Die neuen Länder, in die seit der Wende etwa 700 Milliarden Euro öffentlicher Gelder flossen, sprechen angesichts unterschiedlicher Probleme und Interessen nur noch selten mit einer Stimme. Das ist nur noch der Fall, wenn es um Kürzungen bei der Wirtschaftsförderung oder um Entlastungen im Zuge der Arbeitsmarkt- und Steuerreform geht.
So, wie die Treuhandnachfolgerin BvS in den vergangenen Jahren fast unbemerkt ihre immer kleiner gewordenen Kreise zog, so unspektakulär verabschiedete sich die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben nun.
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"BvS-Ära sang- und klanglos beendet - ""13 Jahre sind genug"""
00/05/2010
Generationswechsel beim Technologiekonzern Jenoptik: Auf der Hauptversammlung in Erfurt hat der Vorstandsvorsitzende Lothar Späth das Zepter an Alexander von Witzleben übergeben. Der Nachfolger Späths ist erst 39 Jahre alt und ist damit um 26 Jahre jünger als der schwäbische Ex-Ministerpräsident. In seinem letzten Geschäftsbericht sagte der 65-Jährige, der in den Aufsichtsrat wechselt, Jenoptik habe die Umsatz- und Ertragserwartungen im zurückliegenden Jahr nicht erreicht, "aber wir sind noch einmal glimpflich davongekommen". Detailansicht öffnen Alexander von Witzleben (Vordergrund) übernimmt das Ruder von Lothar Späth. (Foto: dpa) Nach zwei sehr erfolgreichen Jahren hätte er zum Abschied gern nochmals ein Rekordergebnis vorgelegt. Aber das Jahr 2002 sei kein Jahr der weltweiten Rekorde bei Wachstum und Ertrag gewesen, und schon gar nicht in der deutschen Wirtschaft. Große Potenziale "Die ersten zwölf Jahre der Jenoptik liegen mit all ihren Höhen und Tiefen hinter uns", sagte Späth. Das Geschäftsjahr 2002 gehöre in die Mitte zwischen die schlechten Jahre wie 1998 und die guten Jahre wie 2000 und 2001. Aber hinter der Bilanz stehe ein zukunftsträchtiges Hochtechnologieunternehmen mit großen Potenzialen, betonte Späth. Er kündigte eine Verkleinerung des Vorstandes an. Nach seinem Ausscheiden würden neben Witzleben als Vorstandsvorsitzender und Finanzchef noch Jürgen Gießmann als stellvertretender Vorsitzender und Norbert Thiel dem Vorstand angehören. Geplant sei auch eine Verschmelzung der Holding der Jenoptik Photonics mit der Jenoptik AG, was zu Synergie- und weiteren Einspareffekten führen könne. "Auf dem Rücken vieler Langzeitarbeitsloser" Das Unternehmen sei zum Motor für die Technologieregion Jena geworden, sagte Späth und erinnerte daran, dass es "auf dem Rücken vieler Langzeitarbeitsloser, vor allem der älteren Jahrgänge", entstanden sei. "Alles andere wäre unehrlich, aber es gab keinen menschlicheren Weg." Die in den zurückliegenden zwölf Jahren geleisteten Aufgaben nannte Späth das Risikoreichste, aber auch das Spannendste, was er in seinem Leben bisher gemacht habe. Späth informierte darüber, dass der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Roland Schelling und das Aufsichtsratsmitglied Andreas Trautvetter aus dem Gremium ausscheiden würden. Alexander von Witzleben sagte, der Auftrageingang und Auftragsbestand lasse optimistisch ins Jahr 2003 blicken. Mit 2,14 Milliarden Euro habe der Auftragseingang eine neue Bestmarke erreicht. Für das Gesamtjahr 2003 solle der Konzernumsatz wieder zulegen und die Zwei-Milliarden-Euro-Marke erreichen. Einsparungen Witzleben sagte, ab 2004 sollten rund vier Millionen Euro an Personal- und Verwaltungskosten in der Holding eingespart werden. Die Zahl er Beschäftigten im Jenoptik-Konzern werde im laufenden Jahr etwa stabil bleiben. Zum Ende 2002 waren es 9.824 Mitarbeiter. (sueddeutsche.de/AP)
Generationswechsel beim Technologiekonzern Jenoptik: Auf der Hauptversammlung in Erfurt hat der Vorstandsvorsitzende Lothar Späth das Zepter an Alexander von Witzleben übergeben. Der Nachfolger Späths ist erst 39 Jahre alt und ist damit um 26 Jahre jünger als der schwäbische Ex-Ministerpräsident.
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Jenoptik - Das Cleverle geht
00/05/2010
Die gute Konjunktur beschert den Beschäftigten der Metallindustrie den höchsten Lohnzuwachs seit 1992. Gewerkschaft und Arbeitgeber haben sich in Baden-Württemberg auf 4,1 Prozent mehr Lohn geeinigt - und so einen bundesweiten Arbeitskampf abgewendet. Nach mehr als 20-stündigen Verhandlungen stand das Ergebnis fest. Es sieht Einmalzahlungen von je 400 Euro für die Monate April und Mai vor, im Juni folgt eine Tariferhöhung von 4,1 Prozent. Von Juni 2008 an steigt der Tariflohn noch einmal um 1,7 Prozent, dazu gibt es eine weitere Einmalzahlung von 0,7 Prozent je Monat bis einschließlich Oktober 2008, in dem die Laufzeit des Tarifvertrags endet. Das ist nach Angaben der IG Metall der höchste Abschluss seit 1992. Damals war eine Tariferhöhung von 5,4 Prozent und ein Jahr später von drei Prozent vereinbart worden. Der im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg mit 800.000 Beschäftigten erzielte Tarifabschluss soll für die gesamte Metall- und Elektroindustrie mit ihren bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten übernommen werden. Das bekräftigten Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser und Jürgen Peters, Vorsitzender der IG-Metall. Beide hatten in der Endphase an den Verhandlungen in Sindelfingen bei Stuttgart teilgenommen. Seit Sonntag hatten mehr als 475.000 Metaller mit Warnstreiks für 6,5 Prozent gekämpft. Arbeitgeber und Gewerkschaft berechneten den Abschluss wie üblich unterschiedlich: Die IG Metall sprach von einer Tariferhöhung von 5,8 Prozent über die gesamte Laufzeit, die Arbeitgeber berechneten die tarifliche Kostenbelastungen auf 3,9 Prozent in diesem und auf zwei Prozent im nächsten Jahr. Äußerst schwierige Verhandlungen Beide Parteien bezeichneten die Verhandlungen als äußerst schwierig. Sie hätten mehrmals kurz vor dem Scheitern gestanden. Die IG Metall sprach von einem "Ergebnis mit Augenmaß, aber ohne Bescheidenheit", mit dem der von den Arbeitgebern geforderte Konjunkturbonus - eine nicht tarifwirksame Prämie je nach Konjunkturlage - habe verhindert werden können. Ohne die massiven Warnstreiks der vergangenen Tage wäre der Kompromiss nicht erzielt worden. Die Arbeitgeber nannten den Abschluss "ausgewogen und vertretbar", weil sich die Wirtschaftslage in Deutschland weiter verbessert habe. Die Länge der Laufzeit des Tarifvertrags bringe den Firmen Planungssicherheit. Die IG Metall in Nordrhein-Westfalen kündigte die Übernahme des Kompromisses an. "Wir haben erreicht, dass die Beschäftigten an der guten wirtschaftlichen Entwicklung dauerhaft und ordentlich beteiligt werden", sagte der dortige Bezirksleiter Detlef Wetzel. Nordrhein-Westfalen ist mit 700000 Beschäftigten nach Baden-Württemberg der zweitgrößte Tarifbezirk der IG Metall. Auch die Metall-Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen stimmten dem in Baden-Württemberg vereinbarten Tarifkompromiss "unter der Prämisse einer guten und robusten Konjunktur im Jahr 2007" zu. "Kaum zu bewältigen" Die deutschen Maschinenbauer dagegen kritisierten den Abschluss als zu hoch. "Für ein Drittel der Betriebe ist das kaum zu bewältigen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Hannes Hesse. "Es bleibt dabei, dass am Ende eine tarifliche Steigerung von 5,8 Prozent steht", betonte er. Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht die Tariferhöhung als Belastung. Die Hersteller hätten ihre Wettbewerbsfähigkeit in den vergangenen Jahre mühsam gesteigert, "neue Tarifabschlüsse werfen sie jedoch zurück", erklärte der Verband. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Druck und Medien, Thomas Mayer, sagte, für die 180.000 Beschäftigten der Druckindustrie habe der Metallabschluss keine Signalwirkung. In den Tarifverhandlungen der Druckbranche zeichnete sich keine Annäherung ab. Die Verhandlungen sollen am 15. Mai fortgesetzt werden. Mit dem Auslaufen der Friedenspflicht sind auch in dieser Branche Streiks möglich.
Die gute Konjunktur beschert den Beschäftigten der Metallindustrie den höchsten Lohnzuwachs seit 1992. Gewerkschaft und Arbeitgeber haben sich in Baden-Württemberg auf 4,1 Prozent mehr Lohn geeinigt - und so einen bundesweiten Arbeitskampf abgewendet.
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Tarifeinigung im Südwesten - Metaller erreichen höchsten Abschluss seit 15 Jahren
00/05/2010
Die Verluste im Mobilfunk-Geschäft haben den Gewinn des Konzerns deutlich geschmälert. Der Geschäftsbereich soll nun mit neuen Partnern weitergeführt werden. Das verlustreiche Handy-Geschäft hat beim Siemens-Konzern den Gewinn geschmälert. Detailansicht öffnen Die Handys haben Siemens im vergangenen Quartal Verluste beschert - nun soll die Sparte ausgegliedert werden. (Foto: Foto: dpa) Im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs 2005 sank das Ergebnis nach Steuern auf 781 Millionen Euro, wie das Unternehmen in Lissabon berichtete. Das entspricht einem Rückgang von 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Weniger Handys verkauft Der neue Vorstandschef Klaus Kleinfeld kündigte eine Ausgliederung der Mobiltelefonsparte und eine Zusammenarbeit mit Partnern an. Wie stark sich die Verluste auf das Gesamtjahresergebnis auswirkten, sei schwer abschätzbar. Im zweiten Quartal (Januar bis März) kletterte das operative Ergebnis um 2,0 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Der Umsatz verbesserte sich um 4,3 Prozent auf 18,6 Milliarden Euro. Der Auftragseingang legte um 4,9 Prozent zu und lag bei 20,7 Milliarden Euro. Das Handy-Geschäft verringerte zwar die Verluste, lag aber immer noch mit 138 Millionen Euro im Minus. Umsatz und Auftragseingang verschlechterten sich. Siemens verkaufte 9,3 Millionen Handys, nach 12,8 Millionen im Vorjahreszeitraum. Schließung vom Tisch Das Geschäft habe sich nicht von der Rückrufaktion wegen einer technischen Panne im vergangenen Jahr erholt, sagte Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger. Eine Lösung soll in Kürze vorliegen. Eine Schließung des Handy-Geschäfts mit rund 10.000 Mitarbeitern weltweit sei vom Tisch, sagte Kleinfeld. Mit mehreren Partnern werde jetzt intensiv über eine Zusammenarbeit verhandelt.
Die Verluste im Mobilfunk-Geschäft haben den Gewinn des Konzerns deutlich geschmälert. Der Geschäftsbereich soll nun mit neuen Partnern weitergeführt werden.
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Nach Verlusten - Siemens will Handysparte ausgliedern
00/05/2010
Die Börsenaufsicht ermittelt gegen zwei hochrangige DaimlerChrysler-Manager wegen des Verdachts des illegalen Insiderhandels. Nach offiziell nicht bestätigten Berichten handelt es sich um Vorstandsmitglied Rüdiger Grube und Konzernsprecher Hartmut Schick. Der deutsch-amerikanische Autokonzern kommt nicht zur Ruhe. Zahlreiche Behörden - darunter auch die amerikanische Börsenaufsicht SEC und die US-Justiz - ermitteln gegen DaimlerChrysler wegen Schwarzkonten, Bestechung, Insiderhandel und Unregelmäßigkeiten im Vertriebssystem. Detailansicht öffnen Unruhige Zeiten für DaimlerChrysler: Konzernzentrale in Stuttgart. (Foto: Foto: dpa) Jetzt hat auch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen zwei Manager des Konzerns und zwei Vertreter der "Kritischen Aktionäre DaimlerChrysler" aufgenommen. Schon seit einigen Wochen geht die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) dem Verdacht nach, dass sich Konzernangehörige, die vor dem 28. Juli, dem Tag der offiziellen Rücktrittsverkündung von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp, von diesem Schritt wussten, durch ihr Insiderwissen bereichert haben könnten. Freudensprung der Aktie Auf die überraschende Nachricht vom bevorstehenden Schrempp-Rückzug hatte der Kurs der DaimlerChrysler-Aktie an jenem Donnerstag mit einem Freudensprung reaggiert und im Tagesverlauf um mehr als zehn Prozent zugelegt. Das Ausnutzen von Informationen im Vorfeld, um an solchen Kurssteigerungen zu verdienen, ist als Insiderhandel strafbar. In diesem Zusammenhang ist jetzt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft aktiv geworden und hat am Donnerstag Büros und Privaträume von vier Beschuldigten durchsucht. Sowohl ein Konzernsprecher als auch die Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigten, dass es sich bei zwei der Durchsuchten um Konzernmitarbeiter handele. Die Namen Rüdiger Grube und Hartmut Schick wurden jedoch nicht offiziell genannt. Engste Vertraute Schrempps Rüdiger Grube, 54, ist im Vorstand für die Konzernentwicklung und das Chinageschäft verantwortlich und gehört zum Kreis der engsten Vertrauten Schrempps. Dasselbe gilt für Hartmut Schick, 44, den sich Schrempp 2002 als Kommunikationschef an die Seite holte.
Die Börsenaufsicht ermittelt gegen zwei hochrangige DaimlerChrysler-Manager wegen des Verdachts des illegalen Insiderhandels. Nach offiziell nicht bestätigten Berichten handelt es sich um Vorstandsmitglied Rüdiger Grube und Konzernsprecher Hartmut Schick.
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Insiderhandel bei DaimlerChrysler vermutet - Zwei Topmanager unter Verdacht
00/05/2010
Warum in der Schweiz alles um mindestens ein Drittel teurer ist. (SZ vom 03.07.03) - So schön es in der Schweiz auch ist: Als Ausländer hat man das Gefühl, pausenlos geneppt zu werden. Ob im Hotel, im Restaurant, im Supermarkt oder am Skilift - die Preise sind so hoch, dass es weh tut. Detailansicht öffnen Schön ist die Schweiz, keine Frage. (Foto: AP) Die eigentlich Betrogenen indes sind die Schweizer selbst, die ja nicht weniger bezahlen. Das Boulevard-Blatt Blick hat soeben zum wiederholten Male Schockierendes enthüllt: 50 Franken (rund 33 Euro) kostet das Kilo Entrecôte (das edle Zwischenrippenstück vom Rind) in Zürich - in Deutschland umgerechnet 12,25 Franken. 3,80 Franken zahlen die Schweizer für das Kilo Spaghetti - die Deutschen 1,51. Den Liter Milch bekommt man in der Schweiz für 1,45 Franken - bei uns für 81 Rappen. Das sind extreme Beispiele, gewiss. Tatsächlich sind die Schweizer Preise gemäß einer Studie des Berner Volkswirtschaftsministeriums 30 bis 40 Prozent höher als in der Europäischen Union. Die größten Differenzen bestehen bei Nahrungsmitteln, Mieten, medizinischen Produkten und Leistungen, im Gastgewerbe und bei Haushaltsgeräten. Auch die Firmen leiden Aber nicht nur die Konsumenten leiden und kaufen Waschmaschinen oder CDs immer öfter im grenznahen Ausland. Auch die Firmen müssen Komponenten und Dienstleistungen viel zu teuer bezahlen. Entsprechend schwer tun sie sich im internationalen Wettbewerb. Das ist ein Grund dafür, warum die Schweiz in den vergangenen 20 Jahren langsamer gewachsen ist als alle anderen westlichen Länder. Lange Zeit haben die Eidgenossen ihr Leben auf der Hochpreisinsel als quasi naturgegeben akzeptiert. Die Bahn fahre schließlich pünktlicher, die Schokolade schmecke besser und die Löhne seien höher, hieß es immer. "Das sind Ausreden, die heute nicht mehr zählen", sagt Volkswirtschaftsminister Joseph Deiss. Auch im Ausland stimme die Qualität der Produkte. Und die Löhne? Sie vermögen gemäß der Berner Studie gerade mal zehn Prozent der Preisunterschiede zu erklären. Mangelnder Wettbewerb Ein viel wichtigerer Faktor hingegen ist die "mangelnde Wettbewerbsintensität", die zu 44 Prozent für die Preisdifferenzen verantwortlich ist. Sie kostet die Schweizer Konsumenten jährlich 19 Milliarden Franken. Die Ursachen sind vielfältig. So hinkt das Nicht-EU-Mitglied bei der Liberalisierung einiger Branchen hinterher. Im Elektrizitätsmarkt und in der Landwirtschaft zum Beispiel klappt der Wettbewerb überhaupt nicht, bei der Telekommunikation ungenügend, weshalb die Autoren der Studie der Schweiz eine stärkere Integration in Europa empfehlen. Auch der ausgeprägte Föderalismus hemme durch komplizierte Regulierungen. Doch nicht der Staat sei der größte Preistreiber, glaubt Roger Zäch von der Uni Zürich, Vizepräsident der Wettbewerbskommission. Er sieht die Hauptschuld bei internationalen Konzernen, die die reichen Schweizer schröpften, indem sie preisdrückende Parallel-Importe mit einer Art Erpressung verhindern. Hohe Einstandspreise Sie diktieren den Schweizer Händlern hohe Einstandspreise für Deos oder Kameras, und wer sich nicht daran hält, bekommt keine Ware mehr. Solche Absprachen waren bisher nur implizit verboten. Das neue Schweizer Kartellgesetz verbietet sie hingegen ausdrücklich. Sünder müssen Strafe zahlen - bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes, und zwar sofort. Bisher wurden nur Wiederholungstäter sanktioniert. Bei patentgeschützten Waren hingegen bleiben die Parallel-Importe untersagt. Davon profitieren die großen Pharmakonzerne, mit denen es sich die Politiker ungern verderben möchten. Auch ein anderer Aspekt spielt in der eidgenössischen Diskussion kaum eine Rolle: die Tatsache, dass die beiden Giganten Migros und Coop zusammen 75 Prozent des Nahrungsmittelmarktes beherrschen. Echter Wettbewerb sieht anders aus.
Warum in der Schweiz alles um mindestens ein Drittel teurer ist.
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Teure Schweiz - Das große Preisrätsel
00/05/2010
Im Verfahren gegen den größten russischen Ölkonzern Yukos haben Gerichtsvollzieher das Vollstreckungsverfahren eingeleitet. Gesucht wird offenbar das Aktienregister. Russische Justiz-Angestellte haben mit der Vollstreckung des Gerichtsurteils wegen ausstehender Steuerschulden gegen den russischen Ölkonzern Jukos begonnen. Die Polizei habe eine Firma namens M-Reyester durchsucht, in der das Aktionärsregister des Jukos-Konzerns verwaltet werde, meldete Interfax am Mittwoch in Moskau. Jukos-Sprecher Alexander Schadrin sagte, die Regierung wolle wohl wissen, welche Aktien sie einziehen könne, falls Jukos seine Steuerschuld nicht begleiche. Unterdessen dementierte der Kreml Berichte über einen Vorstoß des ehemaligen Jukos-Konzernchefs Michail Chodorkowski zur Rettung des Unternehmens. Gelassenheit an der Börse Medienberichten zufolge soll der Ex-Manager angeboten haben, seine Aktien im Gegenzug für ein Entgegenkommen in der Steuerfrage zu verkaufen. Alexander Scharow, Sprecher des Ministerpräsidenten Michail Fradkow, sagte am Mittwoch in Moskau, darüber sei nichts bekannt. Auch das Unternehmen wies einen entsprechenden Zeitungsbericht zurück, wie die russischen Nachrichtenagenturen Interfax und ITAR-Tass übereinstimmend unter Berufung auf hohe Jukos-Manager berichteten. Die Jukos-Aktie legte am Frankfurter Aktienmarkt zunächst um bis zu 17 Prozent zu, gab dann aber wieder nach. Die Financial Times hatte am Mittwoch unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Kreise berichtet, dass Chodorkowski am Dienstag angeboten hatte, einen Teil oder sämtliche seiner Jukos-Aktien abzugeben. Der Milliardär und seine Vertrauten halten insgesamt 44 Prozent an Russlands größtem Ölkonzern. Im Gegenzug solle der Staat die eingefrorenen Konten wieder frei geben, so dass Jukos Werte veräußern und seine Steuerschuld über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg begleichen könne. Dem Blatt zufolge ging das Angebot an Ministerpräsident Fradkow und Finanzminister Alexei Kudrin. Jukos muss bis zum morgigen Donnerstag 99,4 Milliarden Rubel für ausstehende Steuern aus dem Jahr 2000 an das Finanzministerium überweisen (2,74 Milliarden Euro). Für das Jahr 2001 stehen außerdem weitere 98 Milliarden Rubel (2,6 Milliarden Euro) offen, eine Zahlungsfrist wurde hier noch nicht fest gesetzt. Harsche Kritik von der OECD Unterdessen kritisierte die OECD in ihrem jüngsten Bericht über die Entwicklung der russischen Wirtschaft eine deutliche Einmischung der Politik in den Justizfall des Ölkonzerns Yukos. "Die Gerichte sind oftmals der Politik untergeordnet, während die Geheimdienste, die Staatsanwälte und die Polizei höchst politisiert bleiben. Der so genannte Yukos-Fall spiegelt diese Probleme wider", heißt es in dem am Mittwoch in Paris veröffentlichten Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Das Vorgehen der russischen Steuerbehörden gegen den größten Ölkonzern des Landes sei ein "klarer Fall von hoch selektiver Strafverfolgung". Streng nach Gesetz müsste in Russland gegen hunderte Konzerne wegen Privatisierungsverstößen und gegen Millionen von Unternehmen und Privatleuten wegen Steuerhinterziehung ermittelt werden, schrieb die OECD.
Im Verfahren gegen den größten russischen Ölkonzern Yukos haben Gerichtsvollzieher das Vollstreckungsverfahren eingeleitet. Gesucht wird offenbar das Aktienregister.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/yukos-die-gerichtsvollzieher-ruecken-an-1.919033
Yukos - Die Gerichtsvollzieher rücken an
00/05/2010
Schon vor Beginn des mit Spannung erwarteten Gewerkschaftstages der IG Metall hat der designierte Vorsitzende Jürgen Peters die Bundesregierung scharf angegriffen. Vor allem kritisierte er den geplanten "Sozialabbau". Peters kündigte unter anderem "öffentliche Proteste gegen den Sozialabbau" an. Daneben signalisierte er aber auch Gesprächsbereitschaft. "Von einer Drohung mit einem 'heißen Herbst' halte ich nicht viel. Wir wollen mitreden und mitgestalten", sagte er. Der als Traditionalist geltende Peters, dessen bevorstehende Wahl zum IG-Metall-Chef die Gewerkschaft zu spalten drohte, kritisierte vor allem den Sozialabbau. Die Sparmaßnahmen nähmen Formen an, "wie ich es unter einer sozialdemokratisch geführten Regierung nicht für möglich gehalten habe". Wachsende Zumutungen So werde die paritätische Finanzierung in Rentenversicherung und Krankenversicherung abgebaut und es gebe wachsende Zumutungen für Arbeitslose, für Kranke, für ältere Arbeitnehmer und Ausbildungssuchende. Zudem drohe eine Aushöhlung der Tarifautonomie. Eine neue Konsensrunde zwischen Regierung, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden lehnte Peters ab. Er habe an einer Neuauflage des Bündnisses für Arbeit erhebliche Zweifel: "Das halte ich nicht für sinnvoll. Denn bisher ist das Bündnis zu oft gegen die Arbeitnehmer missbraucht worden." Richtungskampf noch nicht beendet Die Wahl von Peters zum neuen IG-Metall-Vorsitzenden sowie seines designierten Stellvertreters Berthold Huber ist für Sonntag angesetzt und gilt als sicher. Dennoch werden heftige Diskussionen über die Streikniederlage im Osten erwartet, die viele Funktionäre Peters anlasten. Der Richtungsstreit zwischen Traditionalisten und Modernisierern in der IG Metall gilt noch längst nicht als beendet. Am Freitag stehen zunächst die Rechenschaftsberichte der Vorstandsmitglieder und die Aussprache darüber auf dem Programm. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall rief die künftige Führung der IG Metall zu einer Kursänderung auf. Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Hans Werner Busch äußerte den Wunsch, "dass die IG Metall ihr Selbstverständnis als sozialpolitischer Kampfverband mit einem sehr breiten parteiähnlichen Legitimationsspektrum überprüfen und als nicht mehr zeitgemäß befinden möge". Das Denken und Handeln der neuen Führung der IG Metall werde "darüber entscheiden, ob wir in den nächsten Jahren unserer gemeinsamen Aufgabe als Tarifvertragsparteien gerecht werden können", schrieb Busch in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Rundschau.
Schon vor Beginn des mit Spannung erwarteten Gewerkschaftstages der IG Metall hat der designierte Vorsitzende Jürgen Peters die Bundesregierung scharf angegriffen. Vor allem kritisierte er den geplanten "Sozialabbau".
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/grosser-gewerkschaftstag-peters-sucht-streit-1.907346
Großer Gewerkschaftstag - Peters sucht Streit
00/05/2010
Die Frankfurter Großbank plant, die Immobilienbank Eurohypo komplett zu übernehmen und damit zur zweitgrößten deutschen Bank aufsteigen. Das teilte die Commerzbank am Dienstag mit. Der Preis soll laut Kreisen unter 20 Euro je Aktie liegen. Damit würde Deutschlands größter Immobilienfinanzierer mit rund 7 Milliarden Euro bewertet. "Wir fühlen uns nun stark genug, eine Transaktion dieser Größenordnung angehen zu können", sagte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller. "Wir würden dadurch zur führenden Geschäftsbank innerhalb Deutschlands mit Schwerpunkt Finanzierungen aufsteigen." Von Übernahme erhofft sich die Commerzbank eine weitere Verbesserung der Eigenkapitalrentabilität und des Gewinns je Aktie. Es eröffneten sich neue Marktchancen, weil die Eurohypo in den Jahren ihres Bestehens seit 2002 ihre Erträge deutlich gesteigert habe, sagte Müller. "Davon sollten die Commerzbank und ihre Aktionäre in Form steigender und noch stabilerer Erträge profitieren." Die Coba-Aktien verloren nach Bekanntgabe der Übernahme-Pläne zunächst mehr als anderthalb Prozent. Die Eurohypo-Papiere gaben ebenfalls nach. Einigung in wesentlichen Punkten Die Commerzbank hatte am Morgen mitgeteilt, dass sie in fortgeschrittenen Verhandlungen mit der Deutschen Bank und der Dresdner Bank über den Kauf von deren Beteiligungen an der Eurohypo steht. Die Commerzbank bestätigte damit einen Bericht von dpa-AFX über ihr Interesse an der Eurohypo-Übernahme. In allen wesentlichen Punkten sei eine Einigung erzielt worden, hieß es in der Mitteilung. Auch Dresdner Bank und Deutsche Bank bestätigten Verhandlungen. Nach einer Einigung müssen der Transaktion noch die Aufsichträte, das Kartellamt und die Finanzaufsicht BaFin zustimmen. Die Deutsche Bank hält derzeit 37,7 Prozent und die zur Allianz gehörende Dresdner Bank 28,5 Prozent an der Eurohypo. Zusammen mit den 31,84 Prozent, die bereits im Besitz der Commerzbank sind, würde die bislang viertgrößte deutsche Bank nach einer Übernahme mehr als 98 Prozent an der Eurohypo kontrollieren. Nur rund zwei Prozent der Anteile an der Immobilienbank sind in Streubesitz. Zum Preis oder weiteren Zeitablauf wollten sich die Beteiligten nicht äußern. Am Markt wird aber mit einem schnellen Abschluss gerechnet. Maßnahmenpaket für mehrere Milliarden Euro Bei einer Bewertung der Eurohypo von rund sieben Milliarden Euro müsste die Commerzbank für den Kauf der Anteile folglich mindestens vier Milliarden Euro auf den Tisch legen. "Zur Finanzierung plant die Bank ein Paket an Maßnahmen, mit dem eine zufriedenstellende Kapitalquote gesichert werden soll", teilte die Commerzbank mit. Die derzeitige Kapitalquote von 6,7 Prozent bezeichnete ein Coba-Sprecher als "komfortabel". Ratingagenturen sehen beim Absinken der Kapitalquote deutlich unter 7 Prozent Probleme für das Rating. Dies solle nicht gefährdet werden, sagte der Sprecher. Spekulationen, wonach auch eine Kapitalerhöhung zu den Finanzierungsmaßnahmen gehört, wollte ein Commerzbank-Sprecher nicht kommentieren. Ein Verkauf des zehnprozentigen Anteils am Anlagenbauer und Gasspezialist Linde, über den am Markt ebenfalls spekuliert wird, sei derzeit kein Thema, stellte der Sprecher klar. Der beschleunigte Verkauf der 2,9-prozentigen Beteiligung an der italienischen Banca Intesa stehe dagegen selbstverständlich im Zusammenhang mit der Eurohypo-Übernahme. Der Transaktionswert des Verkaufs liegt bei rund 800 Millionen Euro. Eurohypo hält sich bedeckt Dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate war zunächst ebenfalls Interesse an Eurohypo nachgesagt worden. Kreisen zufolge ist dies mit dem Gebot der Commerzbank aber hinfällig. Ein HRE-Angebot für den Allianz-Anteil an der Eurohypo hätte diese allerdings als feindliche Übernahme eingestuft. Zu dem Commerzbank-Angebot wollte sich die Eurohypo zunächst nicht äußern und verwies auf eine Pressemitteilung im Laufe des Tages. Eurohypo-Chef Bernd Knobloch hatte am Montag am Rande einer Finanzveranstaltung im Zusammenhang mit einem möglichen HRE-Angebot aber gesagt, die Bank strebe weiter einen Börsengang an. Ursprünglich sollten in diesem Herbst weitere Anteile an der Eurohypo am Kapitalmarkt platziert werden, dies wurde von den Großaktionären gestoppt. Entgegen des ersten Markttrends äußerten sich Händler und Analysten positiv zu der geplanten Übernahme. Das Geschäft generiere stabile Erträge. Die Commerzbank kenne den Immobilienfinanzierer bestens, damit reduzierten sich die Risiken. Es ließen sich Synergieeffekte realisieren, schrieben LRP-Analysten.
Die Frankfurter Großbank plant, die Immobilienbank Eurohypo komplett zu übernehmen und damit zur zweitgrößten deutschen Bank aufsteigen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eurohypo-commerzbank-will-groesser-werden-1.902383
Eurohypo - Commerzbank will größer werden
00/05/2010
Das Ergebnis ist mehr als deutlich: Knapp 97 Prozent der stimmberechtigten Beschäftigten haben sich für einen Arbeitskampf bei der Telekom ausgesprochen. Der Streik, der sich gegen die geplanten Job-Auslagerungen richtet, beginnt schon diesen Freitag. Die Telekom-Mitarbeiter stimmten mit großer Mehrheit für einen Streik. Bei der Urabstimmung sprachen sich 96,5 Prozent der stimmberechtigten Beschäftigten für die Arbeitsniederlegung aus, wie Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder am Donnerstag in Bonn mitteilte. Der Streik soll an diesem Freitag beginnen. Das kündigte Schröder am Donnerstag bei der Bekanntgabe des Ergebnisses der Urabstimmung an. Der Arbeitskampf ist der erste Streik in der Geschichte des Telekommunikationskonzerns. Die Gewerkschaft Verdi lehnt den Plan des Telekom-Managements ab, zur Kostensenkung 50.000 Mitarbeiter in konzerneigene Service-Gesellschaften auszulagern. Die Beschäftigten sollen dort für weniger Geld länger arbeiten. Damit will die Telekom die Beschäftigung langfristig sichern. Verdi hatte ein nachgebessertes Tarifangebot der Telekom als unannehmbar zurückgewiesen und zur Urabstimmung aufgerufen. Zu der Abstimmung waren die gewerkschaftlich organisierten Mitglieder unter jenen rund 50.000 Service-Mitarbeitern der Telekom aufgerufen, die ausgegliedert werden sollen. Länger arbeiten für weniger Geld Von 22.114 aufgerufenen Gewerkschaftsmitgliedern hätten bei der Urabstimmung 21.951 gültige Stimmen abgegeben, sagte Schröder. Dies entspreche einer Wahlbeteiligung von 93 Prozent. Von den gültigen Stimmen hätten 21.175 für einen Streik votiert. Verdi sei auf einen Arbeitskampf vorbereitet, der sich über mehrere Wochen hinziehen könne. "Es muss ein besseres Angebot der Telekom kommen, damit wir an den Verhandlungstisch zurückkommen", sagte Schröder. "Wir hoffen, dass das Management der Telekom jetzt zügig zur Besinnung kommt", sagte er. Telekom-Chef Rene Obermann hatte die Gewerkschaft noch am Vormittag aufgefordert, wieder an den Verhandlungstisch zurück zu kehren. "Ein Streik nützt niemandem", sagte er. Schröder appellierte an das Management, seine "fragwürdigen" Pläne zu überdenken. Sie seien nicht geeignet, den Service zu verbessern und den Kundenschwund der Telekom zu stoppen. Bitte um Verständnis Gleichzeitig bat er die Kunden um Verständnis, wenn es durch den Streik zu Beeinträchtigungen komme. Aber der Arbeitskampf sei das letzte Mittel, um die Forderungen der Gewerkschaft nach einem umfassenden Schutz der Beschäftigten durchzusetzen. Es sei nicht vorrangiges Ziel, die Kunden der Telekom zu bestreiken, sagte Verdi-Streikleiter Ado Wilhelm. Dennoch könnten sie die Auswirkungen spüren. Schröder sprach von Beeinträchtigungen etwa bei der Störungsbeseitigung oder der Neueinrichtung von Anschlüssen. Auch bei der Netzversorgung könne es zu Engpässen kommen. G8-Gipfel gefährdet Gefährdet sein könnte auch eine reibungslose Übertragung des G8-Gipfels vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm, erläuterte Wilhelm. Die beiden für den Aufbau der Telekommunikations-Infrastruktur zuständigen Niederlassungen würden in den Streik einbezogen. Wilhelm kritisierte das Verhalten des Konzerns während der dreitägigen Abstimmung. Die Telekom habe es untersagt, diese in den Räumen der Telekom abzuhalten. Zudem hätten Führungskräfte unverhohlen mit Sanktionen gedroht. Streikbrechern sollten 300 Euro pro Tag gezahlt werden, sagte Schröder.
Das Ergebnis ist mehr als deutlich: Knapp 97 Prozent der stimmberechtigten Beschäftigten haben sich für einen Arbeitskampf bei der Telekom ausgesprochen. Der Streik, der sich gegen die geplanten Job-Auslagerungen richtet, beginnt schon diesen Freitag.
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Klares Votum in der Urabstimmung - Erstmals wird bei der Telekom gestreikt
00/05/2010
Der westliche Schlankheitskult macht es möglich: Die einst verpönten aber flach anliegenden Robbenfelle sind wieder heiß begehrt. Kanadas Jäger und Händler erhalten für die Pelze Rekordpreise. Mehr als 70 kanadische Dollar wurden bei einer Auktion des Handelshauses Fur Harvesters Auction in der Provinz Ontario durchschnittlich pro Pelz bezahlt. Detailansicht öffnen Robbenbaby. (Foto: Foto: dpa) Das ist ein gewaltiger Preisanstieg seit 2003, als der Durchschnittspreis noch knapp 45 Dollar betrug. Mitte der neunziger Jahre war eine Robbenhaut nur etwa 15 Dollar wert. Körperbetonte Silhouette Die Renaissance der Robbenpelze hat mit dem Trend zur körperbetonten Silhouette zu tun. Die Frauen wollen laut Modeexperten immer weniger wuchtige Pelze tragen, die sie dick erscheinen lassen. Mäntel und Jacken aus dem flach anliegenden, leichten Robbenfell sind deshalb wieder populär. "Sie sind schnittig", sagt Alan Herscovici, Vizepräsident des PelzRates Kanada. Zu den größten Abnehmern von kanadischen Robbenfellen gehören Russland, Norwegen und in zunehmendem Maße auch China: In den drei Ländern werden rund 85 Prozent von Kanadas Robbenfellen abgesetzt. "Wir machen große Geschäfte mit China", sagt Herscovici: "Das Klima ist ähnlich wie in Kanada." Begrenzter Nachschub Was die Preise ebenfalls in die Höhe treibt, ist der begrenzte Nachschub solcher Häute. Die Robbenjagd in Kanada war in den siebziger und achtziger Jahren von Tierschutzorganisationen weltweit stark bekämpft worden. Tierschützer behaupteten, die Robben würden teilweise lebendigen Leibes gehäutet. Dieser Kampf führte dazu, dass die USA ein noch heute gültiges Importverbot für Robbenfelle verhängten. Die Europäische Union (EU) verbietet seit 1983 die Einfuhr der Häute von Robbenbabys.
Der westliche Schlankheitskult macht es möglich: Die einst verpönten aber flach anliegenden Robbenfelle sind wieder heiß begehrt.
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Tierschutz contra Körperkult - Frau trägt wieder Robbe
00/05/2010
Die mobile Gesellschaft lässt sich Privatpost zunehmend in die Arbeitsstelle schicken. Mit "Packstationen" will die Post dem Strukturwandel Rechnung tragen. Die Lobby eines Hamburger Geschäfts-Hochhauses: Spiegelnder Boden, dezente Musik, geschäftig ein- und ausgehende Angestellte, Blumengestecke in freundlichen Farben. Detailansicht öffnen Eine der ersten Packstationen der Deutschen Post in Frankfurt. Foto: dpa Eigentlich ein durchweg positiver Gesamteindruck, wären da nicht die kleinen Türme von Postpaketen, über die die Damen hinter dem Empfangstresen mit leicht genervtem Gesichtsausdruck hinwegsteigen müssen. Private Post ins Büro Ab und zu verschwindet eines der Päckchen unter dem Arm eines Angestellten im Aufzug; wenig später bringt ein Postbote ein neues. Zugegebenermaßen eine erdachte Szenerie, die allerdings nicht so abwegig ist, wie sie auf den ersten Blick scheint. Immer mehr Menschen lassen sich nämlich ihre Privatpost an ihre Arbeitsstelle schicken. Bei der Commerzbank in Frankfurt zum Beispiel waren es nach Angaben eines Unternehmenssprechers schließlich so viele private Sendungen, dass man sich vor kurzem entschloss, sie nicht mehr anzunehmen. Problem seien dabei vor allem der Platz gewesen, den man für ihre Lagerung benötigte und der Aufwand, den sie mit sich brachten: "Wenn die Lobby-Angestellten den ganzen Tag über damit beschäftigt sind, Mitarbeiter im Haus zu orten und ihnen Privatpost zukommen zu lassen, dann bleibt wenig Zeit für ihre Hauptaufgabe, nämlich den Empfang und die Betreuung ankommender Gäste", so die Begründung bei der Bank — Empfangsmitarbeiter sind keine Post-Angestellten. Einkaufen rund um die Uhr Nach Einschätzung der Deutschen Post gibt es mehrere Gründe für die neue Erscheinung. Da ist zum einen die große Beliebtheit der Internetkäufe und -verkäufe. Seien es Bücher oder CDs von Amazon, bei e-bay ersteigerte Schallplatten oder das beim Tele-Shopping bestellte Teflon-Pfannenset — alles kommt per Post ins Haus. "Einkaufen unabhängig von den Ladenöffnungszeiten — das ist ein großer Trend", beobachtet man bei DHL. Der Express-, Fracht- und Logistikdienstleister der Deutschen Post ist Hauptpartner der beiden Internet-Kaufhäuser und verzeichnet einen großen Zuwachs der Internet-Sendungen. Singles und Großstädter Allerdings treffen die Zusteller laut DHL immer weniger Paketempfänger zuhause an. Besonders Singles — die zum Beispiel in München über 50 Prozent der Haushalte bewohnen — sind zu den Zustellungszeiten meistens bei der Arbeit. Nicht viel besser sieht es bei Familien aus, in denen beide Partner berufstätig sind und die Kinder zur Schule gehen. In Dörfern und kleineren Städten können hilfsbereite Nachbarn stellvertretend Post annehmen; in den vergleichsweise anonymeren Großstädten ist das schon seltener der Fall. Einfach vor der Türe abstellen dürfen die Zusteller weder Päckchen noch die bis zu einem Warenwert von 500 Euro versicherten Pakete, deren Empfang quittiert werden muss — es sei denn, der Adressat wünscht das ausdrücklich.
Die mobile Gesellschaft lässt sich Privatpost zunehmend in die Arbeitsstelle schicken. Mit "Packstationen" will die Post dem Strukturwandel Rechnung tragen.
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Der mobile Briefkasten - Päckchen to go
00/05/2010
Verbraucher sollen bald besser vor horrenden Telefonrechnungen durch Missbrauch von 0190er-Nummern geschützt werden. Die entsprechende Gesetzesvorlage von Ministerin Künast wurde nun vom Bundesrat abgesegnet. Das Gesetz sieht unter anderem feste Preisobergrenzen für 0190er- und 0900er-Nummern vor. Nach dem Bundestag hat nun auch der Bundesrat einem entsprechenden Gesetz von Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) zugestimmt. Zudem soll der Verbraucher künftig einen Auskunftsanspruch auf Adressen und Anschriften der Telefondienst-Anbieter haben. Bislang konnten sich Kunden nur schwer gegen solchen Telefonnummern-Missbrauch wehren. Das Gesetz soll voraussichtlich noch Ende Juli in Kraft treten. Auf Antrag Bayerns hatten die Länder im Vermittlungsausschuss aber durchgesetzt, die Befugnisse der Regulierungsbehörde bei Verstößen zu beschränken. Sie hatten befürchtet, dass die Aufsichtsbehörde in die Länderkompetenzen eingreifen könnte. Hier ein Überlick über die wichtigsten Regelungen: Preisobergrenzen Künftig gelten Preisobergrenzen für diese Rufnummern. Eine Minute darf demnach nicht mehr als zwei Euro kosten, ein Gespräch zum zeitunabhängigen Blocktarif nicht mehr als 30 Euro. Zwangsabschaltung Nach einer Stunde erfolgt automatisch eine Zwangsabschaltung. Diesen Mechanismus kann der Kunde aber außer Kraft setzen, wenn er etwa umfangreiche Internet-Dateien herunterladen will. Verpflichtung zum Kostenhinweis Der Netzbetreiber ist verpflichtet, in einer Preisansage auf die Kosten des nachfolgenden Gesprächs hinzuweisen. Nach einer Übergangsfrist von einem Jahr soll das auch für den Mobilfunk gelten. Anspruch auf Auskunft Telefonkunden haben künftig einen Anspruch auf Auskunft zu Adressen und Anschriften der jeweiligen Telefondienst-Anbieter. Auskunft gibt die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) in Bonn. Bislang konnten durch unseriöse Angebote geneppte Verbraucher nur schwer vor Gericht gegen Betrüger vorgehen, da deren Anschriften oft nicht zu ermitteln waren. Anträge müssen bei der Behörde schriftlich eingereicht werden. Dialer-Programme müssen angemeldet werden So genannte Dialer-Programme, die beispielsweise dafür sorgen, dass der Rechner sich beim Surfen im Internet oft unbemerkt über teure 0190er-Nummern einwählt, müssen künftig bei der Regulierungsbehörde angemeldet werden — einschließlich einer Versicherung, dass eine rechtswidrige Nutzung ausgeschlossen wird. Bei nachgewiesenem Missbrauch kann die Registrierung entzogen werden. Zudem sollen die Dialerangebote auf bestimmte Ziffernfolgen beschränkt werden, so dass der Verbraucher diese Nummern relativ leicht bei sich zu Hause sperren kann. Sanktionenkatalog Insgesamt kann künftig schärfer gegen Missbrauch vorgegangen werden. Das maximal mögliche Bußgeld bei Verstößen gegen die Gesetze wurde auf 100.000 Euro heraufgesetzt. Die Regulierungsbehörde entscheidet in eigener Verantwortung über mögliche Sanktionen. Diese können bis zum Entzug der Rufnummer reichen.
Verbraucher sollen bald besser vor horrenden Telefonrechnungen durch Missbrauch von 0190er-Nummern geschützt werden. Die entsprechende Gesetzesvorlage von Ministerin Künast wurde nun vom Bundesrat abgesegnet.
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0190er-Nummern - Das Ende des Nepp
00/05/2010
Unternehmensanleihen zählten in den vergangenen Jahren zu den begehrtesten Anlageklassen. Davon profitierten Fonds, die in die Papiere investieren. Zumindest bei einzelnen Firmen wie General Motors nehmen die Ausfallrisiken jedoch wieder zu, steigende Leitzinsen in den USA belasten den Markt zusätzlich. Erst General Motors, jetzt auch noch Ford: Gewinnwarnungen der amerikanischen Autohersteller haben den Markt für Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) erschüttert. Detailansicht öffnen Kampf um Marktanteile: Ein Ford-Händler in den USA senkt die Preise. Weil US-Autohersteller wie Ford und General Motors Gewinnwarnungen aussprachen, kam es zu Abschlägen bei Firmenanleihen. (Foto: Foto: AP) Beide US-Konzerne zählen weltweit zu den größten Emittenten von Firmen-Bonds. Drei Jahre lang waren die Kurse dieser Papiere ständig gestiegen. Nachdem 2000 die Aktienkurse eingebrochen waren, suchten Investoren einerseits mehr Sicherheit, andererseits höhere Zinsen, als Staatsanleihen in den vergangenen Jahren abwarfen. Fonds für Unternehmensanleihen, die schwerpunktmäßig in Bonds mit einer guten Bonitätsnote (Investmentgrade) investieren, erwirtschafteten binnen drei Jahren bis zu 25 Prozent Rendite. Noch höher waren die Erträge von Fonds, die vorwiegend in spekulative Firmenanleihen (Speculativegrade) anlegen: Sie schafften bis zu 42 Prozent Rendite. Selbstläufer Allerdings gelang es selbst den Besten nicht, den Merrill Lynch Euro High Yield Index zu schlagen, der den Markt für derartige Anleihen abbildet. Insgesamt aber war das Geschäft mit Unternehmensanleihen ein Selbstläufer, für Emittenten wie für Investoren: "Nahezu alles was an den Markt kam, wurde fast blind gekauft", sagt Uwe Burkert, Leiter Credit Research bei der Landesbank Baden-Württemberg. Die hohe Nachfrage trieb die Kurse, die Renditen fielen entsprechend. Die Risikoaufschläge von High-Yield-Anleihen gegenüber Bundesanleihen fielen Anfang März auf ein Tief von 235 Basispunkten, bei Bonds mit Investmentgrade betrug der Zinsaufschlag nur noch 45 Basispunkte. Herber Rückschlag Und dann kam General Motors. "Das war ein herber Rückschlag für Unternehmensanleihen", stellt Frank Hagenstein fest, Leiter des Corporate Bond Teams bei Union Investment. Der Autohersteller senkte Mitte März seine Gewinnprognosen, die Ratingagentur Standard & Poor's prüft seither, die GM-Anleihen künftig als spekulativ einzustufen. Die Folge: Viele Fonds dürften die Anleihen nicht mehr halten, wenn sie denn tatsächlich als Schrottanleihen (Junk-Bonds) eingestuft würden. Die Fondsmanager trennten sich daher schon vor einer möglichen Herabstufung von den Papieren. "Den Anlegern ist durch GM wieder bewusst geworden, dass auch Anleihen eines solchen Großkonzerns zu Junk-Bonds mit einem hohen Ausfallrisiko werden können", erklärt Anleihenexperte Burkert.
Unternehmensanleihen zählten in den vergangenen Jahren zu den begehrtesten Anlageklassen. Davon profitierten Fonds, die in die Papiere investieren. Zumindest bei einzelnen Firmen wie General Motors nehmen die Ausfallrisiken jedoch wieder zu, steigende Leitzinsen in den USA belasten den Markt zusätzlich.
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Fonds für Unternehmensanleihen - Die besten Zeiten sind vorbei
00/05/2010
Es hat gedauert, immerhin zwei Stunden verzögerte sich der erste Handel, doch dann legten die Aktien der Internet-Suchmaschine an der New Yorker Börse richtig los. Nach mehrmaligen Pannen ist das Börsendebüt des Internetgiganten Google doch noch geglückt: Die Erstnotiz der Aktie betrug 100,01 Dollar, der Ausgabepreis hatte bei 85 Dollar gelegen. Im frühen Handel zogen Google zwischenzeitlich auf 103,42 Dollar davon, 12,7 Millionen Aktien wechselten den Besitzer. Fondsmanager erklärten sich das Kursplus von rund 22 Prozent mit dem Einstieg von institutionellen Investoren, die sich zunächst zurück gehalten hätten. Auch habe das verringerte Aktienangebot den Kurs gestützt. Die Zahl der Aktien mit dem Kürzel 'GOOG' war am Mittwoch erheblich gesenkt worden: Statt der geplanten 25,7 Millionen Aktien sollen nur noch 19,6 Millionen Anteilsscheine an die Börse gebracht werden. Normale Verzögerung Der Börsengang hatte sich zuletzt immer wieder verzögert. Auch am Donnerstag mussten die Anleger und die beiden bei der Handelseröffnung anwesenden Firmengründer Larry Page und Sergey Brin warten: Nach Angaben der Nasdaq war die Verzögerung für einen Börsenneuling normal, da die Börse zunächst Kauf- und Verkauf-Orders sammeln und gegeneinander stellen musste, um einen Kurs zu ermitteln. Trotz des frühen Anstiegs blieb der Kurs weit hinter den ursprünglichen Erwartungen von zurück: Google hatte zunächst einen Ausgabepreis von 108 bis 135 Dollar im Visier. Die Preisspanne wurde am Mittwoch auf 85 bis 95 Dollar gesenkt. Mit 85 Dollar lag der Preis pro Aktie, der im Zuge einer umstrittenen, vier Monate dauernden Auktion ermittelt wurde, allerdings immer noch höher als bei den meisten anderen Börseneinführungen von High-Tech-Unternehmen in den vergangenen Jahren. Frisches Kapital Der Börsengang führt Google 1,67 Milliarden Dollar an frischem Kapital zu, das die Gesellschaft im Wettbewerb mit Yahoo und Microsoft stärken soll. Dabei geht es nicht nur um die Vorherrschaft bei der Internet-Suche, sondern auch um E-Mail und andere Internet-Dienstleistungen. Ursprünglich war von bis zu 3,6 Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro) die Rede. Die Marktkapitalisierung von Google liegt deutlich über der anderer Technologie-Größen wie Lucent Technologies oder dem Internetbuchversender Amazon. Die Wall Street hatte nicht nur am Preis der Aktie massive Kritik geübt, sondern auch an der Art, wie das Unternehmen den Börsengang handhabte: Google-Mitbegründer Page und Brin sorgten in einem "Playboy"-Interview für Furore, mit dem die beiden möglicherweise gegen die Schweigepflicht vor einem Börsengang haben könnten. Ungeachtet der endgültigen Genehmigung seitens der SEC muss sich Google möglicherweise wegen Verstoßes gegen das Wettbewerbsgesetzes verantworten. Google war vor sechs Jahren von den damaligen Stanford-University-Studenten Page und Brin gegründet worden und ist mittlerweile zum Synonym für die Suche im Internet geworden.
Es hat gedauert, immerhin zwei Stunden verzögerte sich der erste Handel, doch dann legten die Aktien der Internet-Suchmaschine an der New Yorker Börse richtig los.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/boersen-debuet-starker-start-von-google-1.905731
Börsen-Debüt - Starker Start von Google
00/05/2010
In der Spitze von EADS ist es wegen der Airbus-Krise zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Da der Sanierungsplan von Airbus-Chef Christian Streiff auf Widerstände stoße, werde er den Konzern vermutlich verlassen, hieß es. Politiker in Berlin drohten EADS zudem mit dem Verlust von Rüstungsaufträgen. Es gebe Hinweise darauf, dass der Airbus-Chef das Unternehmen verlassen will, sagte ein Unternehmenskenner der Süddeutschen Zeitung. Streiff ist erst seit Juli im Amt. Er traf sich am vergangenen Wochenende offenbar mit Vertretern des Autoherstellers PSA Peugeot Citroën. Dies berichteten französische Zeitungen am Freitag. Detailansicht öffnen Entmutigt: Airbus-Chef Christian Streiff. (Foto: Foto: AFP) Die Abgesandten von Peugeot Citroën hätten ihm die Nachfolge von Konzernchef Jean-Martin Folz angetragen. Streiff habe zunächst zugesagt. Der Airbus-Chef habe seine Zusage aber nach Gesprächen mit den beiden Vorstandschefs von EADS, Thomas Enders und Louis Gallois, zurückgezogen. Airbus dementierte die Berichte, PSA wollte sich dazu nicht äußern. Disput Zuvor hatte es am Freitag voriger Woche im EADS-Aufsichtsrat einen heftigen Disput um den Sanierungsplan gegeben, den Streiff vorgelegt hatte. Streiff soll nach der Sitzung entmutigt gewesen sei, hieß es. Das Treffen hatte zunächst kein Ergebnis gebracht und wurde am Dienstag fortgesetzt. Die Vorgänge machen deutlich, wie groß die Widerstände sind, mit denen Streiff zu kämpfen hat. Er will bis 2008 die jährlichen Kosten um zwei Milliarden Euro senken, aber auch die Strukturen und die Strategie des Unternehmens verändern. Harte Einschnitte Airbus musste am Dienstag einräumen, dass der A380, das größte Passagierflugzeug der Welt, zwei Jahre später als geplant auf den Markt kommt. Die Verzögerung schmälert den Gewinn des Unternehmens in den kommenden vier Jahren um 4,8 Milliarden Euro. Streiff und Enders hatten daraufhin harte Einschnitte angekündigt. EADS-Chef Enders betonte, Streiff genieße seine volle Unterstützung. Nach einem Gespräch mit Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) am Donnerstag in Berlin versicherte Enders zudem, der Konzern werde am Standort Hamburg festhalten. Die große Koalition in Berlin erhöhte am Freitag gleichwohl ihren Druck auf EADS. Das Unternehmen müsse bei seinem Sanierungsprogramm berücksichtigen, dass es milliardenschwere Aufträge aus Berlin bekomme. Etwa die Hälfte des jährlichen Rüstungsetats fließe an EADS, hieß es in Regierungskreisen.
In der Spitze von EADS ist es wegen der Airbus-Krise zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Da der Sanierungsplan von Airbus-Chef Christian Streiff auf Widerstände stoße, werde er den Konzern vermutlich verlassen, hieß es. Politiker in Berlin drohten EADS zudem mit dem Verlust von Rüstungsaufträgen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fuehrungskrise-bei-eads-airbus-chef-streiff-will-hinschmeissen-1.901796
Führungskrise bei EADS - Airbus-Chef Streiff will hinschmeißen
00/05/2010
Die Deutsche Bahn soll künftig noch stärker von Berlin aus gesteuert werden. Vorstandschef Mehdorn will das Staatsunternehmen verschlanken, die Entscheidungswege verkürzen und im Management massiv sparen. Die fünf Tochtergesellschaften, die sich als Aktiengesellschaften mit eigenen Vorständen und Aufsichtsräten bislang um den Nahverkehr, die Fernzüge, die Gütertransporte, die Bahnhöfe und das Schienennetz kümmern, sollen zu drei Bereichen zusammengefasst und näher an die Berliner Konzernzentrale angegliedert werden. Detailansicht öffnen Verfolgt einen strikten Sparkurs: Bahnchef Hartmut Mehdorn. (Foto: Foto: AP) Klausurtreffen Entsprechende Pläne präsentierte der Vorstandschef Teilen des Aufsichtsrates bei zwei Klausurtreffen. Erst wurden die Abgesandten der Bundesregierung im Kontrollgremium informiert, dann die Vertreter der Arbeitnehmer. Aus Aufsichtsratskreisen hieß es, die Regierung begrüße das Vorhaben und habe Mehdorn ihre Unterstützung signalisiert. Das Kontrollgremium solle womöglich schon beim nächsten Treffen am 21. Dezember die neue Konzernstruktur offiziell diskutieren. Im Umfeld dieser Sitzung ist auch eine Zusammenkunft von mehreren hundert Führungskräften vorgesehen, denen Mehdorn seine Maßnahmen persönlich erläutern will. Bürokratischer Wasserkopf Die Bahn erklärte am Mittwoch auf Anfrage, man äußere sich nicht zu diesem Thema. Aus der Konzernspitze verlautete, es gehe darum, den "bürokratischen Wasserkopf" des Staatsunternehmens zu beseitigen. Mit den fünf Konzernbereichen und zahlreichen weiteren Tochtergesellschaften seien "die Entscheidungswege langwierig und kompliziert". Durch die neue Struktur könne ein großer Teil der insgesamt 47 Vorstandsposten und 278 Aufsichtsratsmandate in der Bahn überflüssig werden. Diese Managementebene solle teilweise entfallen. Die Chefs der künftig drei Konzernbereiche (Personenverkehr, Gütertransporte, Netz und Bahnhöfe) gehörten weiterhin dem Konzernvorstand an und sollten aus diesem Gremium heraus die Geschäfte führen. Börsengang bis 2008 Das Schienennetz soll nach Mehdorns Plänen unbedingt in der DB AG verbleiben. Der Vorstandschef möchte den gesamten Konzern inklusive Netz nunmehr bis zum Jahr 2008 an die Börse bringen, nachdem sich die ursprünglich erhoffte Teil-Privatisierung des Staatsunternehmens bis zum Herbst 2006 als nicht machbar erwies. Bei der neuen Struktur will die DB im Unternehmensbereich Netz darauf achten, dass die Vorgaben der Europäischen Union und des neuen Eisenbahngesetzes in Deutschland erfüllt werden, das zur Verabschiedung ansteht. Die Schienenstrecken müssen anderen, auch privaten Eisenbahnen, offen stehen. Der frühere Monopolist DB soll mehr Konkurrenz bekommen. Kritisch hinterfragt In der rot-grünen Regierungskoalition im Bundestag werden Mehdorns Pläne kritisch hinterfragt. Der grüne Abgeordnete Albert Schmidt sagte auf Anfrage, die vor einem Jahrzehnt begonnene Reform der Bahn sehe eigenständige Aktiengesellschaften für den Personenverkehr, die Gütertransporte und die anderen Geschäftsbereiche vor. Die Betriebsergebnisse der Regionalzüge und des Fernverkehrs müssten weiterhin getrennt ausgewiesen werden. Die Bahnreform dürfe nicht zurückgedreht werden. Konzernchef Mehdorn teilte den Aufsichtsräten auch mit, das vor vier Jahren gestartete Sanierungsprogramm Focus sei ein Erfolg. Mit 26 einzelnen Maßnahmen, die der Vorstand direkt überwache, habe man bislang 2,1 Milliarden Euro gespart. Die größten Probleme gebe es weiterhin bei den Fernzügen und den Gütertransporten. Dem Vernehmen nach fahren der ICE und der IC in diesem Jahr einen Verlust von 300 Millionen Euro ein. Frühestens 2007 sei mit einem ausgeglichenem Ergebnis und nicht vor 2008 mit einem Gewinn beim Fernverkehr zu rechnen, verlautet aus der Konzernzentrale.
Die Deutsche Bahn soll künftig noch stärker von Berlin aus gesteuert werden. Vorstandschef Mehdorn will das Staatsunternehmen verschlanken, die Entscheidungswege verkürzen und im Management massiv sparen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neue-konzernstruktur-mehdorn-baut-die-deutsche-bahn-um-1.900688
Neue Konzernstruktur - Mehdorn baut die Deutsche Bahn um
00/05/2010
Es ist der erste Auftritt der neuen Führungsspitze, und der wird pikant. Nach dem Sturz des allgewaltigen Ulrich Schumacher muss der amtierende Vorstand Stellung beziehen. Es wird ein ungewohntes Bild sein, das der Chiphersteller Infineon am Mittwoch bei der Präsentation seiner Halbjahreszahlen bieten wird: Im Rampenlicht auf dem Podium steht das erste Mal seit der fünf Jahre zurückliegenden Ausgliederung des Halbleiterproduzenten aus dem Siemens-Konzern nicht Ulrich Schumacher. Vier Wochen ist es her, dass der Manager von der Infineon-Spitze gestürzt wurde, seitdem leitet Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley die Geschäfte - und an ihn werden sich nun jede Menge Fragen richten. Detailansicht öffnen Die Schonzeit ist zuende: jetzt muss sich Max Dietrich Kley den Fragen stellen. (Foto: Foto: AP) Wer führt? Auf die brennendste Frage wird es dabei keine Antwort geben: Wer führt in Zukunft Infineon? Die Suche nach einem Nachfolger läuft, doch in Aufsichtsratskreisen wird nicht so schnell mit der Präsentation geeigneter Kandidaten gerechnet. Es kursieren Namen von Siemens-Managern, auch der Europachef des US-Chipherstellers Intel, Jürgen Thiel, wurde genannt - sehr konkret scheinen die Optionen aber nicht zu sein. Die Suche ist schwierig: Der neue Chef muss das volatile Halbleitergeschäft kennen, dem Großaktionär Siemens genehm sein, mit der IG Metall auskommen und zudem die Fähigkeit besitzen, Ruhe in den Konzern zu bringen. Insider rechnen damit, dass der Ausleseprozess noch Monate dauert. Von Freunden zu Feinden Eine heikle Frage, um die Kley und die verbliebenen Vorstände Peter Fischl, Andreas von Zitzewitz und Peter Bauer nicht herumkommen werden, ist zudem jene nach den Umständen des plötzlichen Abgangs von Schumacher. Der 46-Jährige sei "aus persönlichen Gründen" zurückgetreten, hieß es damals. So schwammig die Formulierung, so vielfältig sind die Gerüchte, die sich um die seltsame Demission ranken. Bekannt ist, dass sich Schumacher mit seinem autoritären Auftreten vielerorts unbeliebt gemacht hat. Weiter gilt als gesichert, dass der Manager die Infineon-Führungsspitze neu besetzen und damit seine Vorstandskollegen entmachten wollte. Diese bekamen offenbar den Freibrief zur Revolte, nachdem Schumacher es sich mit seinen Verlagerungsplänen ins Ausland sowie Verbalattacken auf den Standort Deutschland zuletzt bei Entscheidungträgern von Siemens und auf politischer Ebene verscherzt hatte. "Inakzeptabler Zustand" unter Schumacher Lange hat der amtierende Vorstand zu dieser Version der Vorgänge geschwiegen, am Dienstag gab es neue Informationen. Interimschef Kley habe als Grund für die Entlassung Schumachers angegeben, dass der Aktienkurs und das Ergebnis "absolut unbefriedigend" gewesen seien, berichtete das Manager Magazin vorab aus einem Interview. Um diesen "inakzeptablen Zustand" zu ändern, suche Kley nun einen Nachfolger, der "neben Branchenkenntnis und Technikverstand vor allem über Turnaround-Erfahrung verfügt". Solche Worte wären insofern verwunderlich, als ausgerechnet Kley als Aufsichtsratschef Schumacher noch im Januar auf der Infineon-Hauptversammlung vehement gegen Aktionärs-Angriffe in Schutz genommen hatte. Der Vorstand habe "Außerordentliches geleistet", so Kley damals. Von Seiten Infineons wurde denn auch umgehend zurückgerudert: Die Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Indes, ob ungeschickter Umgang mit den Medien oder bewusste Provokation — Verteidiger hat Schumacher heute keine mehr. Auch aus anderen Ecken werden verschiedenste Vorwürfe gegen ihn lanciert — sei es, dass er Garagenplätze und Reparaturen seiner Porsches nicht abgerechnet habe, oder bei der Auftragsvergabe für den Bau der Konzernzentrale Campeon Bekannte begünstigt habe. Viel schmutzige Wäsche wird ausgepackt, gutes Licht wirft das weder auf den Geschassten noch auf die Putschisten und ihre Helfer. Die Zentrale bleibt Jenseits dieser Seitenhiebe sind bisher die Aussagen des amtierenden Vorstands zum künftigen Kurs von Infineon unbefriedigend. Einerseits beteuert man, an der von dem - offensichtlich doch für unfähig gehaltenen - Ex-Chef festgezurrten Strategie festhalten zu wollen. In einigen Punkten weicht man wiederum von diesem Kurs ab. So wurde endgültig die Diskussion über einen Umzug der Zentrale ins Ausland beendet. Andere Verlagerungspläne werden neu geprüft. Völlig unbeantwortet ist bisher die wichtige Frage, auf welche Geschäftsbereiche Infineon sich in Zukunft konzentrieren will. Derzeit sind die Speicherchips größter Umsatzträger. Schumacher hatte an dem Bereich, der mit seinen Schwankungen mal für hohe Gewinne, dann für horrende Verluste sorgt, stets festgehalten. Auch damit hatte er die Verärgerung von Siemens auf sich gezogen. Würde ein Manager des Elektronikkonzerns neuer Infineon-Chef, dürfte es hier einen Kurswechsel geben. Auch für das Sorgenkind drahtgebundene Kommunikation, zuletzt einziger Verlustbringer, muss eine klare Ausrichtung her. Viele Probleme und Fragen also - die das Zahlenwerk ausnahmsweise in den Hintergrund treten lassen dürften. Von Reuters befragte Analysten gehen im Vergleich zum Vorquartal von einem Rückgang des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) um zwei Drittel auf 24 Millionen Euro aus. Zumindest das ist keine Überraschung: Das zurückliegende Quartal fällt in der Chipbranche traditionell schwächer aus als das durch das Weihnachtsgeschäft gestärkte Vorquartal.
Es ist der erste Auftritt der neuen Führungsspitze, und der wird pikant. Nach dem Sturz des allgewaltigen Ulrich Schumacher muss der amtierende Vorstand Stellung beziehen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/infineon-schmutzige-waesche-und-draengende-fragen-1.897917
Infineon - Schmutzige Wäsche und drängende Fragen
00/05/2010
Das Management und die Beschäftigten bei Opel retten gemeinsam 1200 Arbeitsplätze: Vom 10. November an wird die wöchentliche Arbeitszeit für die rund 5500 Beschäftigten in der Produktion von 35 auf 30 Stunden herabgesetzt. 2,6 Stunden trägt das Unternehmen, 2,4 Stunden gehen zu Lasten der Mitarbeiter. Die Beschäftigten in der Produktion erhalten für die kürzere Arbeitszeit einen Lohnausgleich für 2,6 Stunden. Der Einkommensverlust für die restlichen 2,4 Stunden führt im Schnitt zu einem Einkommensverlust von 85 Euro im Monat. Dies ist der Kern einer Betriebsvereinbarung zwischen Betriebsrat und Vorstand des Autobauers, die am Dienstag in Rüsselsheim vorgestellt wurde. Detailansicht öffnen Opel-Produktion in Rüsselsheim. (Foto: Foto: dpa) Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und IG-Metall-Vize Berthold Huber begrüßten das neue Arbeitszeitmodell. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, beharrte auf einer Flexibilisierung des Flächentarifvertrags. Schröder sagte in Berlin, die Bundesregierung unterstütze alle flexiblen Schritte, um Entlassungen zu verhindern und Neueinstellungen zu ermöglichen. Überragendes Ziel Solche Regelungen müssten aber allein von den Tarifpartnern ausgehandelt werden. Huber sagte im ARD-Morgenmagazin: "Das fällt unseren Mitgliedern nicht leicht, weil das mit Entgeltverlusten verbunden ist, aber die Sicherheit des Arbeitsplatzes, (...), wird von allen als überragendes Ziel anerkannt." Die Arbeitszeitverkürzung bei Opel beginnt am 10. November mit der Einführung einer dritten Nachtschicht und gilt bis Ende 2004. Zunächst sind davon 3500 Mitarbeiter in der Produktion betroffen. Nach dem Abbau noch vorhandener Zeitguthaben werden es bis zu 5500 Beschäftigte sein. Die übrigen der insgesamt 21.000 Arbeitnehmer am Standort Rüsselsheim leisten ebenfalls einen Solidarbeitrag in Form von zehn Minuten Mehrarbeit pro Tag. Die 750 Führungskräfte verzichten auf zwei Urlaubstage einschließlich Urlaubsgeld für diese beiden Tage. Kosteneinsparung Mit diesem Arbeitszeitmodell "30plus" erziele die Adam Opel AG eine Kosteneinsparung in "zweistelliger Millionenhöhe", sagte Personalvorstand Norbert Küpper. Der Autohersteller reagiert damit auf die schleppende Nachfrage nach Opel-Fahrzeugen. In Rüsselsheim werden die Vectra-Modelle und die gehobene Variante Signum gefertigt. Der Opel-Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz bezeichnete die Vereinbarung als "industriepolitisches Signal". Die aktuelle Konjunkturflaute werde nicht zu Lasten der Beschäftigten in der Produktion mit weiterem Personalabbau gelöst. Auch sei das Abkommen ein Beweis, dass innerhalb des Flächentarifvertrages der Metall- und Elektroindustrie sehr flexible Arbeitszeitmodelle möglich seien. Unterdessen betonte Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser im Morgenmagazin, er halte eine Flexibilisierung des Flächentarifvertrags für unabdingbar: "Ein wichtiges Instrument, was uns eben noch fehlt, ist nicht nur, die Arbeitszeit nach unten heruntersetzen zu können, sondern auch nach oben." Urlaubsgeld umgelegt Um das gegenwärtige Monatseinkommen zu stabilisieren, erhalten die betroffenen Arbeitnehmer keinen unmittelbaren Lohnabzug. Vielmehr wird das Urlaubsgeld auf zwölf Monate umgelegt. Aus diesem Betrag werden die nicht gearbeiteten 2,4 Stunden pro Woche verrechnet. Darüber hinaus sollen anfallende Überstunden - etwa in der Entwicklungsabteilung - einschließlich der Zuschläge nur noch in Freizeit abgegolten werden. Opel-Vorstandschef Carl-Peter Forster rechnet auch für 2004 nur mit einem schwachen Automobilgeschäft in Europa. Dennoch könne mit den geplanten Kosteneinsparungen das Ziel erreicht werden, im kommenden Jahr wieder in die Gewinnzone zurückzukehren. Falls die gesamtwirtschaftliche Erholung und die Autokonjunktur spürbar anziehe, könne mit einer Vorlaufzeit von etwa zwei Wochen die Produktion in Rüsselsheim um 15 Stunden hochgefahren werden.
Das Management und die Beschäftigten bei Opel retten gemeinsam 1200 Arbeitsplätze: Vom 10. November an wird die wöchentliche Arbeitszeit für die rund 5500 Beschäftigten in der Produktion von 35 auf 30 Stunden herabgesetzt. 2,6 Stunden trägt das Unternehmen, 2,4 Stunden gehen zu Lasten der Mitarbeiter.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/30-stunden-woche-bei-opel-schulterschluss-fuer-arbeitsplaetze-1.900019
30-Stunden-Woche bei Opel - Schulterschluss für Arbeitsplätze
00/05/2010
Noch im Frühjahr des vergangenen Jahres war Boeing in eine tiefe Führungskrise verstrickt. Inzwischen punktet der amerikanische Flugzeugkonzern gegen seinen europäischen Erzrivalen Airbus wieder mit vollen Auftragsbüchern. Der Flugzeugbauer Boeing hat 2005 wegen deutlich besserer Ergebnisse seiner Verkehrsflugzeugsparte den Gewinn kräftig gesteigert. Detailansicht öffnen Hoffnungsträger für Boeing: Der Dreamliner. (Foto: Foto: AP) Der nach dem europäischen Konkurrenten Airbus zweitgrößte Passagierflugzeughersteller der Welt will deshalb diese Sparte in den nächsten zwei Jahren weiter ausbauen. Im abgelaufenen Jahr 2005 hat Boeing Aufträge für mehr als 1000 Flugzeuge erhalten. Der Jahresumsatz stieg um fünf Prozent auf 54,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn erhöhte sich um 37 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar (2,15 Mrd. Euro). Dies teilte die Boeing Co am Mittwoch in Chicago mit. Der US-Konzern erhöhte seine Gewinnprognosen für 2006 und 2007 deutlich. Rüstungsgeschäft ebenfalls verbessert Das Rüstungsgeschäft des zweitgrößten US-Rüstungsunternehmens nach Lockheed Martin habe sich ebenfalls verbessert, doch seien hier nur relativ bescheidene Umsatzsteigerungen zu erwarten, hieß es. Boeing-Konzernchef Jim McNerney will auf Wachstum und bessere Gewinnmargen setzen. Er wolle sich dabei auf das Kerngeschäft konzentrieren und Boeing mit einer Serie von Wachstums- und Produktivitätsinitiativen stärken. Gewinnprognose erhöht Für 2006 erwartet Boeing einen Gesamtumsatz von 60 Milliarden Dollar. Im kommenden Jahr sollen die Erlöse auf 63,5 bis 64,5 Milliarden Dollar steigen. Der Flugzeugbauer erhöhte seine Gewinnprognose für das laufende Jahr auf 3,25 bis 3,45 Dollar je Aktie gegenüber einer bisherigen Vorhersage von 3,10 bis 3,30 Dollar je Aktie. Boeing will 2007 dann 4,10 bis 4,30 Dollar je Aktie erwirtschaften.
Noch im Frühjahr des vergangenen Jahres war Boeing in eine tiefe Führungskrise verstrickt. Inzwischen punktet der amerikanische Flugzeugkonzern gegen seinen europäischen Erzrivalen Airbus wieder mit vollen Auftragsbüchern.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geschaeftszahlen-2005-boeing-mit-gewinnschub-1.900557
Geschäftszahlen 2005 - Boeing mit Gewinnschub
00/05/2010
Der Energiekonzern EnBW hat keine Belege für eine strafbare Bilanzkosmetik des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Gerhard Goll. Zu den entsprechenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Goll könne die EnBW AG keinen Kommentar abgeben, sagte am Dienstag ein Konzernsprecher in Karlsruhe. Detailansicht öffnen Gerhard Goll sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert. (Foto: Foto: AP) Der neue Vorstandsvorsitzende Utz Claassen habe seinem Vorgänger zwar eine "konstruktive Ergebnisgestaltung" bescheinigt. Diese sei aber im rechtlich zulässigen Rahmen gewesen. Der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe, Alexander Schwarz, bestätigte am Dienstag, dass ein Ermittlungsverfahren gegen Goll eingeleitet wurde. "Wir führen insgesamt vier Beschuldigte", sagte der Mannheimer Oberstaatsanwalt Hubert Jobski. Haftstrafe von bis zu drei Jahren Die EnBW-Manager sollen die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens möglicherweise unrichtig dargestellt haben. Nach Paragraf 331 des Handelsgesetzbuchs reiche der Strafrahmen für ein solches Vergehen von einer Geldstrafe bis zu einer dreijährigen Haftstrafe. Der bloße Nachweis einer geschönten Bilanz reicht laut Gesetz für eine Verurteilung nicht aus. Darüber hinaus muss den Beschuldigten auch nachgewiesen werden, dass sie die Zahlen bewusst beschönigt haben. Goll hatte im April nach sechs Jahren als Vorstandsvorsitzender der Energie Baden-Württemberg (EnBW) seinen Posten geräumt. Wenig später machte sein Nachfolger Utz Claassen ein Milliardendefizit beim Energieriesen aus und verordnete dem Konzern einen rigiden Sparkurs. So sollen bis zum Jahr 2006 bis zu 2000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Offener Brief Claassen hatte seinen Vorgänger indirekt für die Finanzkrise verantwortlich gemacht. Der bevorstehende Personalabbau gehe letztlich auf diejenigen zurück, "die die entstandene Situation zu verantworten haben", hatte der Vorstand im Oktober in einem offenen Brief an die Belegschaft geschrieben. Die Kreistagsfraktion der Grünen im Landkreis Ravensburg hatte Anfang August gegen Goll eine Anzeige wegen Untreue-Verdachts erstattet. Der Aufsichtsrat sei nicht ausreichend über das Defizit von einer Milliarde Euro informiert worden, das nach dem Ende von Golls Amtszeit ans Licht gekommen sei, hieß es zur Begründung. Goll hatte die Vorwürfe bereits im August zurückgewiesen. In einem Zeitungsinterview machte der 61-Jährige vor allem die Electricite de France (EdF) für die finanzielle Schieflage des drittgrößten deutschen Stromkonzerns verantwortlich. Der französische Hauptaktionär der EnBW habe Zusagen in zweistelliger Milliardenhöhe nicht eingehalten. Seinen Nachfolger Claassen hatte Goll indirekt mit der Bemerkung kritisiert, der Energiekonzern sei "im Kern gesund" und habe Potenzial für die Zukunft, "wenn er nicht durch systematisches Schlechtreden an die Wand gefahren wird".
Der Energiekonzern EnBW hat keine Belege für eine strafbare Bilanzkosmetik des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Gerhard Goll.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ex-enbw-chef-verdacht-auf-bilanzfaelschung-1.899161
Ex-EnBW-Chef - Verdacht auf Bilanzfälschung
00/05/2010
Die Initiative D21 von Bundesregierung und Wirtschaft hat in Berlin den (N)onliner-Atlas 2007 vorgestellt. Ergebnis: Immer weniger ältere Menschen sind zwar noch offline, doch die Verweigerer sind störrisch. Sie könnten sich bald vom sozialen Leben abgekoppelt sehen. Die Generation 50plus weiß ziemlich genau, was sie von einem passablen Onlinezugang erwartet: schnell sollte er sein, unkompliziert und auf keinen Fall so ein Oma-und-Opa-Gerät mit extragroßen Tasten. Detailansicht öffnen Seniorin surft im Internet-Café. (Foto: Foto: ddp) Dieses Bild zeichnet zumindest der neue "(N)onliner-Atlas 2007", den heute die Initiative D21 von Bundesregierung und Wirtschaft in Berlin vorgestellt hat. Mit der einfachen Bedienung hapert es zwar noch, aber schnell ist das Internet dank DSL inzwischen geworden. Und die Tasten sind auch nicht größer geworden. Die Älteren wissen das offenbar zu schätzen. Von den 1,4 Millionen Menschen, die sich im vergangenen Jahr ihre ersten Internetzugang haben legen lassen, gehören knapp die Hälfte zur Generation 50plus. Ein Drittel der Neuzugänge sind über 60 Jahre Nahezu ein Drittel dieser Neuzugänge in der Online-Welt sind über 60 Jahr alt. Inzwischen ist bei diesen Neu-Onlinern der Anteil der über 50-Jährigen mit 27 Prozent etwa genauso groß, wie der Anteil der jungen Menschen in der Altersgruppe 14 bis 29. Knapp 60 Prozent der Menschen über 50 sind zwar immer noch offline. Aber die Zahl nimmt stetig ab. Ein Problem könnten deshalb bald jene bekommen, die weiter auf einen Internetzugang verzichten wollen. Laut (N)onliner-Atlas geben immerhin 82,6 Prozent der Online-Verweigerer an, sie hätten das Internet bisher nicht gebraucht und werden auch weiter ohne auskommen. Die Bedürfnisse Älterer im Netz "Diese Gruppe könnte sich bald vom sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben abgekoppelt wiederfinden", warnt Birgit Kampmann vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit in Bielefeld, das sich auch um die Bedürfnisse Älterer im Netz kümmert. Der Grund ist einfach: Irgendwann werden sich die heutigen Doppelstrukturen für die Unternehmen nicht mehr lohnen. Heute werden Briefe noch per Post, immer öfter aber per Mail verschickt. Heute unterhalten viele Unternehmen noch flächendeckende Filialnetze und bauen aber zugleich ihre Internetpräsenz aus. Aus Sicht der Unternehmen gibt es nur wenig, was sich nicht effizienter und kostengünstiger auch online erledigen ließe. Zumal dann, wenn die Zahl der Offliner immer kleiner wird. Bei der Behörde, ohne vorzusprechen Das gilt umso mehr für die Behörden. Bundesregierung und Länder arbeiten seit Jahren daran, dass Steuererklärungen, Meldeangelegenheiten oder Kfz-Anmeldungen ohne persönliches Vorsprechen online erledigt werden können. "Eine eigene E-Mail-Adresse wird bald so wichtig wie das persönliche Bankkonto", sagt Birgit Kampmann. Wohl dem, der sich bis dahin zu den Onlinern zählen kann. Im aktuellen (N)onliner-Atlas hat die Zahl der Internetnutzer erstmals die 60-Prozent-Marke geknackt, Tendenz steigend. Aber: "Einen harten Kern von Offlinern wird es immer geben", sagt Bernd Bischoff, Präsident der Initiative D21 und Chef von Fujitsu Siemens Computers. "Höchstens 20 Prozent bleiben offline" Reinhold Horstenmann von TNS-Infratest, das die Studie mit knapp 50.000 Befragungen durchgeführt hat, schätzt, dass dauerhaft höchstens 20 Prozent der Deutschen offline bleiben werden. Leicht scheinen die nicht zu überzeugen sein. Was denn wäre, wenn es einen wirklich einfach zu bedienenden Computer gäbe, einen sogenannten "Best-Ager-PC", wollte Fujitsu-Siemens-Chef Bischoff wissen und ließ den (N)onliner-Atlas in seiner siebten Auflage um ein entsprechendes Kapitel erweitern. Das Ergebnis: 90,6 Prozent der Offliner über 50 wollten sich davon nicht ins Internet locken lassen. Birgit Kampmann sieht die Herausforderung weniger auf der technischen als auf der inhaltlichen Seite. Da gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder den Offlinern wird klar, dass es ohne Internet gar nicht mehr geht, weil die letzte Postfiliale im Dorf gerade dicht gemacht hat und die Bank ohnehin jede Service-Bitte mit Verweis auf die Online-Filiale beantwortet. Spezielle Antworten auf spezielle Probleme Oder sie stellen fest, dass es für ihre speziellen Probleme, etwa eine Krankheit, im Internet auch spezielle Antworten gibt, nach der sie in der Offline-Welt lange Zeit ohne Erfolg gefahndet haben. Auch hier zeigt sich: Der Internetzugang ist kein Wert an sich. D21-Präsident Bischoff sieht deshalb in der Fortbildung eine wichtige Zukunftsaufgabe. Denn: "Entscheidend ist nicht, einen Internetzugang zu haben. Entscheidend ist, wie er genutzt wird."
Die Initiative D21 von Bundesregierung und Wirtschaft hat in Berlin den (N)onliner-Atlas 2007 vorgestellt. Ergebnis: Immer weniger ältere Menschen sind zwar noch offline, doch die Verweigerer sind störrisch. Sie könnten sich bald vom sozialen Leben abgekoppelt sehen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/n-onliner-atlas-2007-vorgestellt-e-mail-adresse-bald-so-wichtig-wie-bankkonto-1.906921
"(N)onliner-Atlas 2007 vorgestellt - ""E-Mail-Adresse bald so wichtig wie Bankkonto"""
00/05/2010
Seit 20 Jahren fährt die Magnetbahn im Emsland. 600.000 Menschen sind schon mitgerast - doch ob sich mit Zügen auf Stelzen jemals Geld verdienen lässt, ist fraglich. Im gerade angebrochenen Jahr entscheidet sich, ob der Transrapid zu einem Wahrzeichen Münchens wird wie Olympiastadion, Frauenkirche und Englischer Garten. Der Münchner, der den Transrapid probefahren möchte, könnte nach Schanghai fliegen. Das ist teuer. Detailansicht öffnen "...ein bisschen wie Kopfsteinpflaster, oder?" (Foto: Foto: dpa) Günstiger ist die Variante, sich von der guten, alten Bahn ins emsländische Lathen expedieren zu lassen. Die einfache Fahrt mit Umsteigen in Dortmund und Münster macht 115 Euro (Normalpreis), dauert allerdings lange 7 Stunden 57 Minuten. Am Ziel wartet die Zukunft des Menschenmassentransports. Das glauben jedenfalls die, die an den Transrapid glauben. Motor in der Strecke "In Lathen steht die Kinderstube des Transrapid", sagt Detlev Schubsky, der für die Transrapid Versuchsanlage Emsland (TVE) arbeitet. Auf der Karte sieht sie wie eine Acht aus. Der obere Kringel sitzt allerdings nicht auf dem unteren, dazwischen liegt eine Gerade. Insgesamt durcheilt der Transrapid 32 Kilometer Emsland. Das ist nur etwas weniger als die Entfernung zwischen dem Hauptbahnhof München und dem Flughafen im Erdinger Moos. Für diese Strecke brauchen die S-Bahnen derzeit 45 Minuten. "Der Transrapid schafft das in zehn Minuten", sagt Schubsky. In diesem Jahr soll die Planung abgeschlossen werden, 2010 könnte der Transrapid losschweben. In Bayern hat er viele und starke Gegner, richtig begeistert ist wohl nur die Staatsregierung. Auch der Münchner Stadtrat stellt sich dem rasenden Ding in den Weg. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) zweifelt, ob sich Bau und Betrieb rechnen. TVE-Mann Schubsky im fernen Emsland nennt den OB deshalb nur spitz "den Herrn Dr. Ude". Der Herr Ude kann allerdings darauf verweisen, dass sich der Transrapid bislang auf dem Markt nicht durchgesetzt hat; auch mehr als 20 Jahre Testerei in Lathen haben daran nichts geändert. Die Stadt mit seinen 11.000 Einwohnern liegt zwischen Leer und Meppen, Holland ist nah. Der Gäste-Info-Service hat eine Broschüre mit "Hier wächst die Zukunft" überschrieben. Neben einem Transrapid, der sich schnittig in die Kurve legt, zeigt das Titelblatt noch eine umwölkte Windmühle und einen knallroten Klatschmohn. Nach der Achter-Bahnfahrt servieren Lathener Gastwirte das "Schwebebahnmenue": Rinderbraten, Salzkartoffeln und braune Soße. Als der Transrapid vorbeirauscht, raunen die Menschen, die gleich einsteigen wollen in das mattsilberne Ding. Für Transrapidler ist Tempo alles. "The Spirit of Speed" steht auf dem T-Shirt, das in der Wartehalle verkauft wird. Auf der Frisbee-Scheibe wird verkündet: "Boah, geht das ab!" Aus Gladbeck ist ein Kegelklub angereist, holländische Fischfabrikfrauen auf Betriebsausflug, Kinder fragen Väter Löcher in Bäuche. "In 20 Jahren hatten wir 600.000 Gäste", sagt Schubsky. 18 Euro kostet das Ticket in die Zukunft. Derzeit ist die Bahn AG noch Besitzerin der Teststrecke, will sich allerdings aus dem Emsland zurückziehen. Stelzen hieven die Strecke über das platte Land. Von außen und innen ähnelt die Magnetschwebebahn dem ICE, nur die Räder fehlen. Das "Unterwerk" birgt Magneten. Kurz vor dem Start geht ein sanfter Ruck durch den Transrapid. "Jetzt haben die Magneten das Fahrzeug an die Strecke herangezogen", spricht Schubsky in das Bordmikrofon. Tragmagneten bringen die Bahn zum Schweben, Führmagneten halten sie seitlich in der Spur. "Unser 'Motor' steckt in der Strecke", sagt Schubsky. "Es ist immer nur der Teil in Betrieb, über den wir gerade fahren." Einen "Lokführer" braucht der Transrapid nicht. Gladbecker Kegelbrüder und holländische Fischverarbeiterinnen nicken anerkennend. Die Idee, Fahrzeuge mit Hilfe von Magneten zum Schweben zu bringen, geht auf Hermann Kemper zurück, der aus dem Emsland stammt. Heute vermarktet das Konsortium Transrapid International (TRI) die Magnetschwebebahn. Siemens packt die Elektronik in den Fahrweg, Thyssen-Krupp baut die Fahrzeuge. "Wir fahren in Lathen den TR 08, der für Langstrecken konzipiert ist", sagt Schubsky. Zehn wichtige Millimeter "In München käme der TR 09 zum Einsatz, der hätte auch Stehplätze". Der Transrapid ist schnell, leise, sauber und gilt als besonders sicher, weil Elektronik Mechanik ersetzt; Zugräder verschleißen schließlich. "Landgebundene Verkehrsmittel rüttelt es durch, wenn die Strecke schlecht wird", erläutert Schubsky. "Unsere Technik ist viel gutmütiger, weil der Abstand zwischen Bahn und Fahrweg immer zehn Millimeter beträgt." Das "Stelzenmonster" Transrapid muss jedoch mit dem Verdacht leben, er locke zu wenige Passagiere an, um die Investitionen wieder einzuspielen. Vor sechs Jahren kam das Aus für das Projekt Hamburg-Berlin. Diese Strecke sei nicht rentabel zu bewirtschaften, meinten Fachleute. Jedenfalls nicht, wenn man die Subventionen auf drei Milliarden Euro beschränkt, wie das die Regierung von Helmut Kohl getan hat. Bislang fährt der Transrapid nur in China. In Schanghai verbindet die Bahn den Flughafen mit dem etwa 30 Kilometer entfernten Finanzdistrikt. China allerdings ist eine Diktatur, die sich mit der Einführung brandneuer Technik auch deswegen leicht tut, weil sie weder Gewerkschaften noch strenge Umweltgesetze kennt. Auf Interesse stößt der Transrapid auch in den USA, Großbritannien, Katar und Bahrain, aber die Pläne liegen seit langem in den Schubladen. Nun lässt Detlev Schubsky das starten, was er "Flug auf Höhe Null" nennt. Im Sauseschritt wächst die grüne Zahl an, die das Reisetempo verrät. In gerade mal zwei Minuten geht es von 0 auf 300. Bei 303 rät Schubsky, mit dem Fotografieren der Digitalanzeige zu warten: "Gleich haben wir 390 Sachen drauf." Bis zu 450 Kilometer pro Stunde schafft der Transrapid im Emsland. Für die Bögen der Acht bremst er auf Tempo 230 runter. Die Welt wird dann zur schiefen Ebene, Bäume, Felder und Strommasten scheinen ins Wageninnere zu stürzen. Die meiste Zeit schwebt der Transrapid jedoch unspektakulär dahin. Nur wenn es rumpelt, merken Kegelbrüder und Fischfrauen auf. "...ein bisschen wie Kopfsteinpflaster, oder?" fragt Schubsky. Das sei gewollt, beruhigt er. "Die Stahl-/Betonmischungen, aus denen die Träger bestehen, eignen sich nicht alle gleich gut." Lathen sei schließlich ein Labor. Selbst wenn in zwei Sektionen des Transrapid Passagiere sitzen, wird in der dritten Sektion pausenlos gemessen und geprüft. Als die Fahrt zu Ende geht, bittet Schubsky die Schwebebahngäste, so lange sitzen zu bleiben, "bis wir gelandet sind". Die spielen das Spiel mit: Sie klatschen, als hätten sie gerade im Flug Mallorca erreicht; dabei sind sie doch nur ein paar Meter über Lathen im Emsland geschwebt.
Seit 20 Jahren fährt die Magnetbahn im Emsland. 600.000 Menschen sind schon mitgerast - doch ob sich mit Zügen auf Stelzen jemals Geld verdienen lässt, ist fraglich.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/transrapid-nur-fliegen-ist-schneller-1.902017
Transrapid - Nur fliegen ist schneller
00/05/2010
Larry Sanger hat die Internet-Enzyklopädie Wikipedia mit aufgebaut. Jetzt startet er das Konkurrenz-Projekt "Citizendium". Dabei sollen Redakteure entscheiden, welche Artikel freigeschaltet werden. Es menschelt im Web 2.0. Kein Wunder, wenn sich Idealisten, Technik-Freaks und Revolutionäre mit Leuten mischen, die auf den großen Ruhm und das große Geld hoffen. Und dies in einer interaktiven Welt, in der jeden Tag fast alles neu wird. Ganz heftig menschelt es zurzeit zwischen den beiden früheren Freunden und Kollegen Jimmy Wales und Larry Sanger. Detailansicht öffnen Wikipedia erhält eine neue Konkurrenz - vom gleichen Gründer mit neuem Konzept. (Foto: Foto: Wikipedia) Jimmy, 40, ist der Gründer und Spiritus Rector der freien Internet-Enzyklopädie Wikipedia. Der zwei Jahre jüngere Larry arbeitete als Angestellter in Jimmys Firma an den Grundlagen von Wikipedia und an dem Vorläuferprojekt Nupedia mit. Von ihm stammen einige wichtige Ideen dafür, wie die Gemeinschaft der Autoren zu organisieren ist, wie Artikel redigiert und ins Netz gestellt werden. Trotzdem musste Jimmy Larry 2002 entlassen, ganz einfach, weil ihm das Geld ausgegangen war. Heute sind die beiden tief zerstritten, und Larry arbeitet an einem ehrgeizigen Konkurrenzprojekt: "Citizendium". Sanger ist Doktor der Philosophie und lebt in Pataskala, einem Kaff im US-Bundesstaat Ohio. Er sei immer noch ein Fan von Wikipedia, sagt Sanger. "Aber wir müssen den radikalen Egalitarismus beenden, den die dort treiben. Die Leute, die von einer Sache mehr verstehen, müssen auch mehr Gewicht bekommen." Und genau das ist die Idee von Citizendium, Sangers neuer Internet-Enzyklopädie. Bei Wikipedia kann jeder Mensch, der Zugang zu einem Computer hat, Beiträge schreiben und redigieren. Bei Citizendium ist eine Sicherheitsstufe eingebaut. Autoren mit Namen im Netz "Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass Citizendium offizielle Redakteure haben wird. Sie können einem Artikel zustimmen oder auch nicht." Außerdem werden Autoren und Redakteure, anders als bei Wikipedia, mit vollem Namen im Netz erscheinen. Zum ersten Mal stellte Sanger seine Idee im vergangenen September in Berlin vor, auf einer Konferenz über freie Software ("Wizards of OS"). Citizendium ist bis jetzt ein Ein-Mann-Unternehmen, das Sanger von Ohio aus betreibt. Die Grundfinanzierung stammt von Tides Center, einer Stiftung, die soziale Projekte überall in Amerika unterstützt. Außerdem sammelte Sanger einiges an privaten Spenden - über Zahlen will er aber nicht reden. Jedenfalls reichte das Geld, um drei Server zu mieten; zwei weitere stellten ihm Förderer unentgeltlich zur Verfügung. 820 Autoren und 180 Redakteure sind bis jetzt bereit, für Citizendium zu arbeiten, versichert Sanger, wobei sich die beiden Gruppen überlappen: Die meisten Redakteure sind gleichzeitig auch Autoren. Im Laufe dieser, spätestens der nächsten Woche soll ein Rohentwurf des Citizendium-Projekts im Internet stehen (www.citizendium.org). Der Name spielt mit dem englischen Wort für "Bürger" - "citizen" - und soll so viel heißen wie "Bürger-Kompendium für alles". Ursprünglich hatte Sanger sein Projekt als bloße "Abzweigung" ("fork") von Wikipedia angekündigt, er arbeitete mit unredigierten Wikipedia-Artikeln. Doch jetzt wurde das alte Material gelöscht, alles soll neu werden im Bürger-Kompendium. Streit um Hierarchien Warum? Larry Sanger nimmt die verbreitete Kritik an der Qualität von Wikipedia auf. Die Beiträge seien nicht zuverlässig, viele Angaben erwiesen sich bei näherer Überprüfung als falsch. Er geht aber noch weiter: "Wikipedia setzt seine eigenen Regeln nicht durch. Das führt zu Missbrauch." Die Anonymität der Beiträge lade geradezu ein, bewusst Blödsinn ins Netz zu stellen, sogenannte "Trolle", wie sie in der Internet-Sprache heißen. Der Amateur-Kult bei Wikipedia schrecke zudem viele Wissenschaftler ab. Und, vielleicht der schwerste Vorwurf: Die Führungsschicht von Wikipedia habe sich abgekapselt. "Während man noch Lippenbekenntnisse zur Gleichheit im Netz abgibt, hat sich in Wirklichkeit eine Hierarchie gebildet. Die Position richtet sich aber nicht nach Kompetenz, sondern danach, wie gut einer das Wikipedia-Spiel spielen kann, zum Beispiel wie viele Artikel er redigiert." Und wer unbequeme Ansichten äußere, werde als "Troll" beschimpft. Die Organisation ist auch der kritische Faktor beim Citizendium-Projekt. Dort soll es eine explizite Hierarchie geben. Wer aber bestimmt deren Regeln und wer wählt die Experten aus? Einerseits leuchten Sangers Argumente gegen den Egalitarismus jedem Akademiker ein, andererseits ist das Selbstverständnis der Internet-Gemeinde immer noch egalitär. Gütesiegel für Redakteure Sangers Lösung hört sich nach einem ziemlichen Kuddelmuddel an: Die Experten-Redakteure registrieren sich selbst - "auf eine gewisse Weise", wie Sanger sagt. Sie müssen nur bestimmte Standards erfüllen: akademische Grade bei Wissenschaftlern, Veröffentlichungen bei Journalisten. Das Nähere regelt die Praxis. Die Redakteure sollen Artikeln zwar eine Art Gütesiegel ("approved") verleihen, sie dürfen aber keine Anweisungen erteilen oder andere Leute am Redigieren hindern. Wie das alles zusammenpasst und wer im Zweifel Konflikte lösen wird, ist noch nicht so recht zu erkennen. Sanger ist sich darüber im Klaren, dass es noch Jahre dauert, bis aus Citizendium ein richtiges Bürger-Kompendium werden wird. Die englische Ausgabe von Wikipedia hat inzwischen 1,7 Millionen Artikel. Und sein Ex-Freund Jimmy arbeitet bereits an einer eigenen Suchmaschine ("Wikisearch"), die dem Giganten Google Konkurrenz machen soll.
Larry Sanger hat die Internet-Enzyklopädie Wikipedia mit aufgebaut. Jetzt startet er das Konkurrenz-Projekt "Citizendium". Dabei sollen Redakteure entscheiden, welche Artikel freigeschaltet werden.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/konkurrenz-zu-wikipedia-mehr-kontrolle-keine-anonymitaet-1.901854
Konkurrenz zu Wikipedia - Mehr Kontrolle, keine Anonymität
00/05/2010
Der Bundesgerichtshof hat die Freisprüche des Düsseldorfer Landgerichts gekippt. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und die übrigen Angeklagten im Mannesmann-Prozess müssen erneut vor Gericht. Das Verfahren muss nun vor einer anderen Kammer des Landgerichts wiederholt werden. Der BGH sieht im Mannesmann-Verfahren bei den Angeklagten Josef Ackermann, Joachim Funk und Klaus Zwickel "den Tatbestand der Untreue verwirklicht". Sie hätten ihre Vermögensbetreuungspflicht verletzt und Mannesmann einen Vermögensnachteil zugefügt, sagte der Senatsvorsitzende Klaus Tolksdorf am Mittwoch in Karlsruhe. Die damaligen Aufsichtsräte seien "nicht Gutsherren, sondern Gutsverwalter gewesen" und somit zwingend einer Treuepflicht unterworfen. Das Landgericht sei von zu hohen Hürden für die Strafbarkeit der Millionenprämien an Ex-Mannesmannchef Klaus Esser ausgegangen. "Auf Null gestellt" Anders als das Landgericht angenommen habe, müsse nicht erst eine "gravierende Pflichtverletzung" vorliegen. Ackermanns Verteidiger Klaus Volk sagte in einer ersten Reaktion: "Das Verfahren ist sozusagen auf Null gestellt." In der Neuauflage schließe er einen erneuten Freispruch nicht aus. Ackermann werde bei seiner Linie bleiben, dass die Prämiengewährung nicht pflichtwidrig gewesen sei. Bezüglich der Drei-Millionen-Euro-Prämie an den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Funk könnten sich die Angeklagten Ackermann und Klaus Zwickel, der frühere IG-Metall-Chef, nicht auf einen "unvermeidbaren Verbotsirrtum" berufen. Es geht um 57 Millionen Euro Das Landgericht war davon ausgegangen, die Rechtslage sei in diesem Punkt derart unklar gewesen, dass die Angeklagten eine Strafbarkeit nicht hätten vorhersehen können. In dem Fall geht es um insgesamt 57 Millionen Euro an Prämien und Pensionsabfindungen, die an Manager und Ex-Vorstände gezahlt worden waren, nachdem der britische Mobilfunkkonzern Vodafone Anfang 2000 den Mannesmann-Konzern übernommen hatte. Ackermann, Zwickel und Funk waren wegen des Verdachts der schweren Untreue angeklagt worden. Sie hatten dem für die Ausschüttungen zuständigen Aufsichtsrats-Präsidium angehört. Dem einstigem Mannesmann-Chef Klaus Esser, der - zusätzlich zur vertraglichen Abfindung von rund 15 Millionen Euro - einen 16- Millionen-Euro-Bonus bekommen hatte, war Beihilfe zur Untreue vorgeworfen worden. Auf der Anklagebank saßen außerdem Jürgen Ladberg, Ex-Betriebsratsvorsitzender und Dietmar Droste, ein früherer Mitarbeiter, der mit den umstrittenen Beschlüssen befasst war. (AZ: 3 StR 470/04; Urteil vom 21.12.2005)
Der Bundesgerichtshof hat die Freisprüche des Düsseldorfer Landgerichts gekippt. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und die übrigen Angeklagten im Mannesmann-Prozess müssen erneut vor Gericht.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/spektakulaere-wende-im-fall-mannesmann-nicht-gutsherren-sondern-gutsverwalter-1.903690
"Spektakuläre Wende im Fall Mannesmann - ""Nicht Gutsherren, sondern Gutsverwalter"""
00/05/2010
Ein Vorstandsposten beim Energieriesen RWE scheint wenig attraktiv zu sein. Fast ein Jahr musste beim Essener Konzern ein Nachfolger von Dietmar Kuhnt gesucht werden, ehe vor rund einem Jahr schließlich der Niederländer Harry Roels diese Aufgabe übernahm. Roels selber ging es jetzt nicht besser. Auch mit dem Einsatz mehrerer Headhunter gelang es ihm nicht, einen neuen Vorstandschef für die wichtige Vertriebstochter RWE Energy zu finden. Siemens-Manager Udo Niehage sagte ab. In die Bresche springen musste schließlich Berthold Bonekamp, der bisherige Chef der Kraftwerkssparte. Roels hatte sich ohne Not mit einer überzogenen Personalforderung selbst in die Schwierigkeiten gebracht. Zu einer Reihe von Pannen kam damit eine weitere Schlappe. Zunächst hatte Roels dem RWE-Konzern eine neue Struktur verordnet, dabei aber äußerst ungeschickt taktiert und sich mit den starken Kommunen überworfen. Die auf Druck von außen, vor allem aber seines Aufsichtsratschefs Friedel Neuber schließlich erreichte Einigung mit den kommunalen Anteilseignern wurde teuer. Wie ein wilder Stier Dann preschte Roels erneut unvorsichtig vor. Als wollte er dem Essener Konzern internationalen Flair verleihen, sollte ein Vertriebsspezialist mit globaler Erfahrung und Reputation an die Spitze der Strom- und Gasvertriebstochter RWE Energy. Dabei galt der Inhaber des Postens, Heinz Werner Ufer, im Konzern als exzellenter Kopf. Nur der neue Mann war über Monate nicht zu finden. Selbst die Aufwertung des Postens mit einem Vorstandssitz in der Holding half nichts. Schon damit hatte Roels sein Führungsprinzip selbst in Frage gestellt. Die Vorstandsriege wird jedenfalls weiter aufgebläht als ursprünglich geplant. Bonekamp soll es an der Spitze nun richten. Als Ingenieur und Kaufmann hatte er bei der Kraftwerkssparte gute Arbeit geleistet und mit seinem Team der Braunkohle in der Stromerzeugung zur Wettbewerbsfähigkeit verholfen. Er war von Banken ins Gespräch gebracht worden. Zweifel am Konzept Längst waren Zweifel an dem milliardenschweren Expansionsprogramm der vergangenen Jahre aufgekommen, die dem Konzern Schulden von über 25 Milliarden Euro bescherten. Roels ist es in den letzten Monaten zwar gelungen, die Schulden massiv zurückzufahren. Sein Spielraum ist aber weiter stark eingeengt. Mit der "Versetzung" von Bonekamp wird jetzt zudem ein Loch bei der Kraftwerkssparte gerissen. Diese steckt nämlich mitten in der politischen Diskussion um den kommenden Handel mit Emissionsrechten. Mit der Ausgestaltung der Klimazertifikate steht aber die Wettbewerbsfähigkeit der Braunkohle auf dem Spiel, die bei der Stromerzeugung im RWE Konzern eine wichtige Rolle spielt. Die sachliche und unkomplizierte Art von Bonekamp war auf der politischen Seite sehr geschätzt. Viele neue Probleme Fraglich ist, ob der für seine Nachfolge berufene Gert Maichel auf Anhieb diese Lücke füllen kann. So hat Roels zwar ein Problem gelöst, aber eine Reihe neuer geschaffen. Vor allem hat er mit einer ungeschickten Personalpolitik nicht gerade zur Motivation seiner Führungscrew beigetragen. Und er selbst steht mehr denn je unter Druck. Dazu tragen auch die Gerüchte um ein Handgeld von einer Million Euro bei, mit dem er angeblich für seinen Job geködert wurde. Bestätigt hat er die Zahlungen bisher nicht. Keiner der Beteiligten war bislang aber auch zu einem Dementi bereit. Auch das ist fatal.
Ein Vorstandsposten beim Energieriesen RWE scheint wenig attraktiv zu sein. Fast ein Jahr musste beim Essener Konzern ein Nachfolger von Dietmar Kuhnt gesucht werden, ehe vor rund einem Jahr schließlich der Niederländer Harry Roels diese Aufgabe übernahm.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/notoperation-rwe-neue-schlappe-fuer-konzernchef-harry-roels-1.901293
Notoperation RWE - Neue Schlappe für Konzernchef Harry Roels
00/05/2010
Seit Monaten hängt das Schicksal der Frankfurter Rundschau in der Schwebe. Nach dem DGB optiert nun die Regierungspartei. Doch wer letztendlich das Sagen haben wird, ist noch völlig offen. Immer wieder Donnerstag... Viele heikle Fragen sind in den vergangenen Monaten donnerstags im Haus der Frankfurter Rundschau diskutiert worden. Bei solchen Terminen wurde mit den Gläubigerbanken über die Zukunft des hoch verschuldeten Blattes beraten; man tagte und irgendwie ging es am Freitag weiter. Die Rede war dann von Routinetreffen und vom erfolgreichen Sanierungskurs. Detailansicht öffnen Im September 2003 präsentierte Chefredakteur Wolfgang Storz noch stolz die neue gestalteten Zeitung. Doch die erhoffte "nennenswerte Steigerung der Auflage" ist bislang ausgeblieben. (Foto: Foto: ddp) Ein besonderer Donnerstag Dieser Donnerstag ist gewiss ein besonderer Tag. Wieder sitzen die Geldgeber der Zeitung - die Frankfurter Sparkasse 1822 (Fraspa) und die Dresdner Bank - mit den Verlagseigentümern und den Managern zusammen. Diesmal geht es um das Ganze. Die große Frage: Was wird aus dem Erbe von Karl Gerold, dem legendären Gründer der linksliberalen FR, die bis in die Achtziger hinein das Meinungsklima der Republik mitgeprägt hat? Und was wird aus der Karl-Gerold-Stiftung, die sein Vermächtnis hütet und alle Geschäftsanteile besitzt? Der Tag der Entscheidung "Es ist der Tag der Entscheidung", sagt ein Eingeweihter. Es muss Geld her, also ein Investor, der die Verpflichtungen des Hauses bezahlen kann. Dem Vernehmen nach tendierte Stiftungsvorstand Gerhard Zerth - der Sachwalter der Gerold-Ära - zu einem gemeinsamen Einstieg der Gewerkschaftsholding BGAG und der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG), der Medienholding der SPD. Beide hätten ihre Anteile gepoolt, so dass sie am Ende 75 bis 80 Prozent gehalten hätten. Dann aber sagten die Gewerkschafter am Mittwoch ab: Die Prüfung habe ergeben, dass "eine fundierte Chance" auf erfolgreiche Sanierung bestehe, jedoch liege ein Engagement nicht "im bisherigen Fokus der BGAG". Nun räsoniert die SPD-Firma DDVG, die etwa die Neue Westfälische in Bielefeld besitzt und an der Sächsischen Zeitung beteiligt ist, über einen Einstieg. Ein Partner muss her Dabei bräuchte sie aber vermutlich auf längere Sicht einen Partner, denn zusätzlich zum Kaufpreis müsste investiert werden. Insgesamt wird das Eintrittsgeld in Frankfurt auf rund 50 Millionen Euro geschätzt. Und die DDVG pflegt, so ein Grundsatz, keine Mehrheitsbeteiligungen einzugehen. "Über Spekulationen äußern wir uns nicht", sagt Firmensprecher Marco Althaus: "Unsere generelle Linie ist immer gewesen, zum Erhalt der Pressevielfalt beizutragen." Die Stiftung würde im Falle einer solchen Lösung als Juniorpartner erhalten bleiben. Eine DDVG-Gruppe könnte also ein Kandidat sein. Die nötigen 30 Millionen Euro Kapitalzufuhr könnten aber auch von der Kapitalgesellschaft 3i kommen. Hier stünde offenbar eine Komplett-Übernahme der Rundschau an - hundert Prozent sollen gekauft werden. Ein Lauf gegen die Zeit Das Stiftungskuratorium der verdienten Honoratioren um Vormann Zerth (Jahrgang 1925) hätte so zwar den Bestand der Zeitung und der Druckerei in Neu-Isenburg gesichert - sich selbst aber dabei gewissermaßen in Rente geschickt. Ist das aber mit dem Stiftungsgedanken und der Satzung vereinbar, die eine linksliberale Haltung des Blatts vorsieht und den Erhalt des Stiftungsvermögens? Man hatte sich an Überweisungen von rund 300.000 Euro in besseren Zeiten gewöhnt, um Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung zu fördern. Es ist ein Lauf gegen die Zeit. Neue Investoren haben sich gemeldet, offenbar auch aus Los Angeles, um sich gegebenenfalls zu beteiligen. In diesen Kreisen wird ein Verbundmodell erörtert, zu dem auch andere Zeitungen im weiteren Umkreis gehören könnten - mit der FR als Leuchtturm. Erscheint also ein "Weißer Ritter", ein Retter in Not? Oder müssen womöglich noch härtere Schritte erwogen werden? Schlüsselrolle der Sparkasse Eine Schlüsselrolle hat die selbst in Turbulenzen geratene Frankfurter Sparkasse, mit rund 30 Millionen Euro Kredit ein Großgläubiger. Die Banker sind wohl auch bei den immensen Leasingverpflichtungen für Druckmaschinen der Rundschau involviert. Im Management der Sparkasse kam es zum Streit über Lasten und Wertberichtigungen aus Kreditverpflichtungen wie bei der FR; ein neuer Vorstand nahm nach nur fünf Wochen Reißaus. Nun soll das Institut raus aus der "ertragsmäßigen Talsohle", wie man dort formuliert, und mit der Hessischen Landesbank verzahnt werden; eine Operation, auf die Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) schon lange dringt, dessen Regierung der Rundschau eine Landesbürgschaft zum Überleben gewährt hatte. Daran hat auch Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) vitales Interesse: "Die Frankfurter Rundschau ist eine Qualitätszeitung, die den Namen unserer Stadt in die Welt trägt. Wir wünschen uns eine möglichst breit gefächerte Pressevielfalt." Ihre Kommune gebietet noch über 40 Prozent der Frankfurter Sparkasse. Der Weg ist das Ziel So sind im Finale am Main viele Interessenten dabei: Die großen Parteien (mittelbar und unmittelbar), Banken, große Investoren aus Übersee - und hintendran auch deutsche Großverlage, die auf eine Klärung der Lage warten, um vielleicht selbst zuzuschlagen. Was auch passiert, es muss schnell gehen. Die Kredite drücken. Und die Leasingraten. Der lange vorbereitete Grundstücksverkauf des Hauptgebäudes in der Frankfurter City ist noch nicht perfekt. Der Personalstand von mehr als 1000 Mitarbeitern erscheint Investoren zu hoch - von rund 750 ist die Rede. Eine Firma wie 3i hat Änderungen auf solchen Feldern offenbar zur Bedingung gemacht. Die Frankfurter Rundschau ist eine verdiente Zeitung, die sich spät modernisierte. "Der Weg ist das Ziel", philosophierte sie in der Mittwochsausgabe auf Seite eins, "aber es wäre leichter ihn zu finden, wenn es nicht so viele Abzweigungen gäbe."
Seit Monaten hängt das Schicksal der Frankfurter Rundschau in der Schwebe. Nach dem DGB optiert nun die Regierungspartei. Doch wer letztendlich das Sagen haben wird, ist noch völlig offen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fr-steht-zum-verkauf-die-spd-will-auch-mal-rundschauen-1.906475
FR steht zum Verkauf - Die SPD will auch mal rundschauen
00/05/2010
Die SPD verabschiedet sich vom Kohlebergbau in Deutschland. Die Bedenkzeit bis 2012 sei Augenwischerei, glaubt die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Nach monatelangen Verhandlungen über den Ausstieg aus dem subventionierten Steinkohle-Bergbau haben Bund und Länder einen Durchbruch erzielt. Detailansicht öffnen Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). (Foto: Foto: DIW) Die Bundesregierung und die Bergbau-Länder Nordrhein-Westfalen und Saarland teilten am Sonntagabend in Berlin mit, die Chancen stünden gut, dass bereits in den nächsten Tagen eine endgültige Entscheidung getroffen werden kann. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sagte, er habe für die SPD angeboten, dass sich die Partei auf einen Auslaufbergbau im Jahr 2018 einlassen könnte, falls es eine Optionsklausel gebe. Demnach solle 2012 geprüft werden, ob der Ausstiegsbeschluss im Lichte der dann geltenden energiepolitischen Lage doch zu revidieren sei. Ob der Ausstiegsbeschluss im Jahr 2012 allerdings tatsächlich noch einmal gekippt werden kann, ist aus Expertensicht allerdings zweifelhaft. Eher skeptisch So ist etwa Claudia Kemfert, die beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt leitet, eher skeptisch: "Bis zum Jahr 2012 wird sich im Vergleich zur heutigen Lage energiepolitisch überhaupt nichts geändert haben. Warum sollte die heutige Entscheidung dann revidiert werden?", sagte sie zu sueddeutsche.de. Dabei sei der Erhalt eines Sockelbergbaus von ein bis zwei der derzeit noch sieben Zechen, wie ihn die SPD bislang favorisiert habe, unter bestimmten Voraussetzungen durchaus sinnvoll, so Kemfert. Der Energieträger Kohle könne in Zukunft nämlich durchaus wieder an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen. Das sei vor allem dann zu erwarten, wenn die Kohlendioxidemissionen in Kraftwerken deutlich gesenkt werden könnten. Frühstens 2014 fertiggestellt Eine emissionssenkende Technologie werde derzeit unter dem Begriff "Kohlendioxid-Abscheidung-Einlagerung" entwickelt, erklärt die Expertin. Das erste Kraftwerk dieser Art werde allerdings frühstens 2014 fertiggestellt sein: "Das heißt, dass nach heutiger Beschlusslage die Entscheidung gegen die Steinkohle höchstwahrscheinlich schon zwei Jahre vorher gefallen ist". Sogar aus wirtschaftlicher Sicht könnte sich das nach Auffassung der Energieexpertin noch rächen. Denn sollten neue umweltschonende Kohlekraftwerke zu einer echten Alternative heranreifen, dann wäre Deutschland künftig gezwungen, Kohle aus dem Ausland zuzukaufen. Die Versorgungssicherheit werde dadurch zwar nicht gefährdet, da Steinkohle jederzeit günstig auf dem Weltmarkt eingekauft werden könne. "Doch es ist immer einfacher, den Rohstoff direkt vor Ort zu haben und außerdem verabschiedet man sich von Know-How und Technologie", argumentiert Kemfert. "Zwei Fliegen mit einer Klappe" Die Subventionen, die mit dem Ausstieg aus der Kohle gespart würden, sollten nach Auffassung der Energieexpertin daher zumindest zu einem kleinen Teil in die Entwicklung der neuen umweltschonenden Kohlekraftwerke gesteckt werden. "Damit würde man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen", so Kemfert. Auf der einen Seite werde die unwirtschaftliche Subventionspolitik beendet, auf der anderen Seite der notwendige Strukturwandel in Richtung innovative Energien befördert: "Die umweltfreundliche Kohle würde zum Ruhrgebiet sehr gut passen, denn das wäre energiepolitischer Strukturwandel", sagt Kemfert.
Die SPD verabschiedet sich vom Kohlebergbau in Deutschland. Die Bedenkzeit bis 2012 sei Augenwischerei, glaubt die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).
wirtschaft
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Deutsche Steinkohle - Ein Ausstieg ohne Rettungsanker
00/05/2010
Da es sich bei "Provisionszahlungen" ohne bekannten Empfänger möglicherweise um Schmiergeld handelt, nimmt Siemens diese vorsorglich aus der Bilanz. Die dadurch fälligen Steuern verursachen zusätzliche Kosten von 73 Millionen Euro. Der von einem Korruptionsskandal gebeutelte Siemens-Konzern hat wegen der Affäre jetzt seine Geschäftszahlen des vergangenen Jahres korrigieren müssen. Detailansicht öffnen Die Siemens-Zentrale am Münchner Wittelsbacher Platz: Der Konzern muss wegen der Korruptionsaffäre seine Bilanzen korrigieren. (Foto: Foto: dpa) Untersuchungen hätten für die vergangenen sieben Jahre einen zusätzlichen Steueraufwand von rund 168 Millionen Euro ergeben, teilte die Siemens AG am Montagabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2005/06 (30. September) führte dies dazu, dass der Gewinn auf 3,033 Milliarden Euro nach unten korrigiert werden musste. In den vorläufigen Zahlen hatte Siemens 3,106 Milliarden Euro angegeben. "Keinerlei Toleranz" von Kleinfeld Der Siemens-Aufsichtsrat hatte zuvor eine Überprüfung der internen Kontrollsysteme beschlossen. "Siemens duldet absolut kein ungesetzliches oder regelwidriges Verhalten von Mitarbeitern. Hier gibt es keinerlei Toleranz", sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Eine internationale Anwaltskanzlei und der Mitbegründer von Transparency International, Michael J. Hershman, sollen helfen, die Kontrollsysteme zu verbessern. Die Münchner Staatsanwaltschaft verdächtigt rund ein Dutzend Beschuldigte, etwa 200 Millionen Euro von Siemens in schwarze Kassen transferiert zu haben. Damit sollen Schmiergelder für Auslandsaufträge bezahlt worden sein. Korrektur der Bilanzen In Folge der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen seien "auf Grundlage interner Untersuchungen zu bestimmten Transaktionen und Zahlungen Anpassungen" vorgenommen worden, hieß es nun. Der Konzern geht von deutlich höheren latenten und laufenden Steueraufwendungen in den vergangenen Jahren aus. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte dies zum Beispiel für "Provisionszahlungen" gelten, die nun als mögliche Schmiergeldzahlungen nicht mehr von der Steuer absetzbar seien. Die steuerliche Abzugsfähigkeit sei in vielen Fälle jedenfalls von einem nachgewiesenen Empfänger abhängig. 73 Millionen Euro Mehrbelastung Für die Jahre 2004 bis 2006 verbuchte der Konzern nun im abgelaufenen Geschäftsjahr steuerliche Mehrbelastungen von 73 Millionen Euro, die den Gewinn entsprechend belasteten. Die Belastungen in den Jahren zuvor wurden mit dem Eigenkapital verrechnet. Die Affäre dreht sich unter anderem um mögliche Schmiergeldzahlungen vor den Olympischen Spielen in Athen. Der frühere Siemens-Spitzenmanager in Griechenland, Prokopis Mavridis, erklärte sich am Montag bereit, acht Millionen Euro an das Münchner Unternehmen zurückzuzahlen. Siemens und Mavridis haben sich nach Worten des Rechtsanwaltes des Ex-Top-Managers, Themistoklis Sofos, außergerichtlich auf die Rückzahlung geeinigt.
Da es sich bei "Provisionszahlungen" ohne bekannten Empfänger möglicherweise um Schmiergeld handelt, nimmt Siemens diese vorsorglich aus der Bilanz. Die dadurch fälligen Steuern verursachen zusätzliche Kosten von 73 Millionen Euro.
wirtschaft
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Bilanzkorrektur notwendig - Korruptionsaffäre kommt Siemens teuer
00/05/2010
Die Finanzaufsicht wirft dem WestLB-Management gravierende Fehler bei der Risikokontrolle vor. Mitten in der Urlaubszeit wurde nun deswegen der Aufsichtsrat zusammengetrommelt. Offenbar steht der gesamte Vorstand zur Disposition. Auch Vorstandschef Thomas Fischer kann sich nicht sicher fühlen. Der gesamte Vorstand der WestLB steht laut mehreren Medienberichten wegen der Affäre um millionenschwere Verluste aus dem Eigenhandel offenbar vor dem Aus. Bei einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats könne es deswegen für Vorstandschef Thomas Fischer und seine Kollegen "eng werden", berichtete die Rheinische Post vorab unter Berufung auf Informationen aus dem Umfeld der Düsseldorfer Bank. Dem Vernehmen nach soll die Bankenaufsicht BaFin das außerplanmäßige Treffen des Kontrollgremiums mitten in der Urlaubszeit veranlasst haben. Dem Vorstand werde demnach vorgeworfen, dem Aufsichtsrat in einem Bericht im Juni 2006 Risiken im Eigenhandel falsch dargestellt zu haben. Dem Vernehmen nach könne Fischer mit sofortiger Wirkung abberufen werden. Rasche Neubesetzung Die Neubesetzung des Vorstands solle binnen 14 Tagen über die Bühne gehen. Die Zeitung zitierte aus einer Stellungnahme der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die im Auftrag der Finanzaufsichtsbehörde BaFin an einem Sonderprüfungsbericht zu den Vorfällen arbeite. Demnach seien bei der WestLB "elementare Informationspflichten" nicht befolgt worden. Aufsichtsratschef Rolf Gerlach hat laut Zeitung den Teilbericht der KPMG seit Freitag auf dem Tisch und ist seit dem Wochenende nach einem Gespräch mit BaFin-Präsident Jochen Sanio auf der Suche nach geeigneten Nachfolgern für den Vorstand. Millionenverluste Aus den Geschäften mit Aktien von BMW, VW und Metro habe die Bank bereits Verluste von 243 Millionen Euro bestätigt, nach Angaben aus Branchenkreisen könne der Verlust allerdings auch 400 Millionen bis 500 Millionen Euro erreichen, berichtete die Zeitung. Früheren Presseberichten zufolge sollen Börsenhändler der WestLB jahrelang die Schlusskurse der Aktien manipuliert haben, um so auf dem Papier hohe Gewinne zugunsten der Bank zu erzielen und damit ihre Bonuszahlungen zu sichern. Auch nach Informationen von Focus online stellte die BaFin gravierende Managementfehler bei ihren Untersuchungen fest. Bericht noch nicht abgeschlossen Die BaFin nimmt die verlustreichen Fehlspekulationen im sogenannten Eigenhandel der WestLB, also dem Handel von Wertpapieren auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko, unter die Lupe. Ein BaFin-Sprecher verwies am Dienstag in Bonn darauf, dass der Bericht zu den Aktiengeschäften der WestLB noch nicht abgeschlossen sei. Das werde voraussichtlich im August oder Anfang September geschehen. Die WestLB hatte die Verluste zuletzt auf insgesamt 243 Millionen Euro beziffert, die im ersten und zweiten Quartal 2007 verbucht würden. Die Bank führte von dieser Summe 70 Millionen Euro auf Fehlspekulationen und Regelverstöße ehemaliger Aktienhändler zurück. Die anderen 173 Millionen Euro seien durch den Verkauf von Wertpapierpositionen entstanden, nachdem Handelsstrategien aus der Bank heraus an die Öffentlichkeit gelangt seien. Weitere Verluste werden nicht ausgeschlossen Die Bank hatte außerdem bereits vor Wochen angekündigte, weitere Positionen im Eigenhandel schrittweise abbauen zu wollen. Weitere Verluste waren aus diesem Grund im Umfeld der Bank nicht ausgeschlossen worden. Eigentümer der WestLB sind die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen, das Land Nordrhein-Westfalen und kommunale Landschaftsverbände. Gerlach war zu einer Stellungnahme am Dienstag nicht zu erreichen. Die WestLB wollte sich nicht äußern. Im NRW-Finanzministerium hieß es zum Bericht: "Mit den Vorgängen um die WestLB beschäftigen sich die zuständigen Gremien. Danach wird die Öffentlichkeit informiert", sagte eine Ministeriumssprecherin. Wegen des Spekulationsskandals waren bereits zwei Wertpapierhändler entlassen worden. Kürzlich hatte zudem der Vorstand Robert Stein überraschend seinen Abschied verkündet. Allerdings sollte dieser Abgang nichts mit den Fehlspekulationen der Bank zu tun haben. Situation unübersichtlich Allerdings war die Situation am Dienstag unübersichtlich. Im Kern geht es wohl um die Frage, ob der Vorstand den Aufsichtsrat rechtzeitig über die Geschehnisse im Eigenhandel der Bank informiert hat. Heikel ist dies für Thomas Fischer, nicht zuletzt weil er einst zu der Bank geholt wurde, um deren marodes Risikosystem auf Vordermann zu bringen, nachdem die WestLB durch Milliardenverluste an den Abgrund geraten war. Fischer gilt bislang als der Retter der Bank. Deswegen wäre ein Fehlverhalten des Bankchefs ein Desaster. Über die jetzigen Geschehnisse kursierten am Dienstag allerdings unterschiedliche Versionen in Kreisen der WestLB. Der Vorstand habe den Aufsichtsrat zu spät informiert und sei deswegen in die Schusslinie der Finanzaufsicht geraten, sagen diejenigen, die Fischers Position als Vorstandschef als gefährdet einstufen. Die andere Version "Alles Quatsch", lautet die andere Version. Demnach habe der Vorstand den Aufsichtsrat informiert, insbesondere den Aufsichtsratschef Rolf Gerlach. Vielmehr wolle die Finanzaufsicht wie schon bei der Frankfurter Sparkasse ein übertriebenes Exempel statuieren. Für Aufklärung sorgen könnte Gerlach, der redete aber nicht. Offiziell gab es ohnehin eine Mauer des Schweigens. "Kein Kommentar", hieß es sowohl bei der WestLB, beim Lippischen Sparkassenverband als auch der Finanzaufsicht. Eine Sprecherin der Landesregierung sagte: "Alle Vorgänge bezüglich der WestLB sind grundsätzlich zunächst Angelegenheit der Gremien, bevor die Öffentlichkeit informiert wird." WestLB stellte Strafanzeige Die WestLB hatte selbst Strafanzeige gestellt und die Finanzaufsicht eingeschaltet. Sie wirft den beteiligten Händlern Verstöße gegen interne Regeln vor. Fischer sprach zuletzt sogar von "Sabotage" und äußerte den Verdacht, bei den Spekulationen habe es sich möglicherweise um "kriminelles Verhalten" gehandelt. Der nordrhein-westfälische Finanzminister Helmut Linssen (CDU) sprach davon, dass an den Fehlspekulationen möglicherweise Helfer außerhalb der Bank beteiligt gewesen seien. Erst vor wenigen Tagen hatte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf mehrere Geschäftsräume der Wertpapierhandelsbank Lang & Schwarz sowie Privaträume von zwei ehemaligen Mitarbeitern der WestLB durchsucht.
Die Finanzaufsicht wirft dem WestLB-Management gravierende Fehler bei der Risikokontrolle vor. Mitten in der Urlaubszeit wurde nun deswegen der Aufsichtsrat zusammengetrommelt. Offenbar steht der gesamte Vorstand zur Disposition. Auch Vorstandschef Thomas Fischer kann sich nicht sicher fühlen.
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Finanzaufsicht ermittelt - Gesamter WestLB-Vorstand vor dem Aus
00/05/2010
Die schlechte Nachricht: Das Heer der Joblosen ist im laufenden Monat wieder größer geworden. Die gute: Die Januarzahl ist so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar um rund 240.000 auf 4,247 Millionen gestiegen. Das waren rund 760.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,6 Punkte auf 10,2 Prozent zu. Damit ist die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen im Januar stärker als zunächst erwartet gesunken. Sie sei um 106.000 zum Vormonat gefallen. Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang um 40.000 gerechnet. In Westdeutschland sank die bereinigte Arbeitslosenzahl um 71.000 und in Ostdeutschland um 35.000. Bereits am Vortag hieß es, Experten gingen für den Januar von einer geradezu "sensationell niedrigen Arbeitslosigkeit" aus. Mit 4,2 bis 4,25 Millionen Erwerbslosen dürften sie lediglich um rund 200.000 bis 250.000 über dem Dezemberwert 2006 liegen, berichteten Konjunkturforscher und Bankenvolkswirte in einer Umfrage. Dies wären rund 750.000 bis 800.000 weniger Jobsucher als vor einem Jahr. Als wichtigsten Grund führen die Fachleute die milde Witterung an. In den vergangenen fünf Jahren war die Zahl der Erwerbslosen im Januar um durchschnittlich 406.000 gestiegen. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Mittwoch in Nürnberg bekannt geben. Berechnungen schwierig Allerdings betonen die Fachleute, Berechnungen der Arbeitslosenzahl seien für diesen Januar wegen der milden Witterung sehr schwierig. Die einzelnen Experten-Prognosen schwanken daher zwischen dem im Januar üblichen Anstieg von rund 390.000 bis zu einer ungewöhnlich geringen Zunahme von 70.000 bis 80.000. Auch der Arbeitsmarktexperte des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Udo Ludwig, geht beim Anstieg "von einem Wert unter 100.000" aus. Die Mehrheit der Experten hat hingegen einen Anstieg um 200.000 bis 300.000 errechnet. Optimismus bei der HypoVereinsbank Zu größerem Optimismus neigt HypoVereinsbank-Volkswirt Andreas Rees. Er kann sich angesichts der milden und schneearmen ersten Monatshälfte nicht vorstellen, dass die Zahl der Jobsucher einen kräftigen Sprung nach oben gemacht hat. "Bis zum Zähltag Mitte Januar hat sich im Vergleich zum guten Dezember nichts Grundsätzliches geändert". Das frühlingshafte Wetter in der ersten Januar-Hälfte habe es der Baubranche erlaubt, praktisch durchzuarbeiten.
Die schlechte Nachricht: Das Heer der Joblosen ist im laufenden Monat wieder größer geworden. Die gute: Die Januarzahl ist so niedrig wie seit Jahren nicht mehr.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/erwerbslosigkeit-im-januar-arbeitslosenzahl-steigt-experten-frohlocken-1.904237
Erwerbslosigkeit im Januar - Arbeitslosenzahl steigt, Experten frohlocken
00/05/2010
Hans Eichel kann einem fast Leid tun: Hilflos angesichts wachsender Haushaltslöcher und schrumpfender Steuereinnahmen, macht er unverdrossen auf Optimismus. Besonders schwungvoll geht es aber nicht zu in Deutschland. Wo aber hakt´s? Die Wirtschaft wächst doch, sagt Eichel, und verweist auf jüngste Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Und in der Tat: Erstmals seit langem überrascht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) durch unerwartet starkes Wachstum. Nur: Besonders schwungvoll geht es in der deutschen Wirtschaft noch immer nicht zu. Um schwache 0,4 Prozent wuchs das BIP in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorquartal. In Frankreich aber legte die Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent zu. Die Regale sind voll, die Preise steigen erträglich, viele Millionen Menschen warten darauf, endlich wieder arbeiten zu dürfen - nur die Nachfrage fehlt. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, so steht es in den ökonomischen Lehrbüchern, ist die Summe verschiedener Einzelnachfrage: die der privaten Haushalte etwa, der Unternehmen, des Staates, des Auslandes. Wo aber hakt es in Deutschland? Die Haushalte: Knapp 60 Prozent steuern die privaten Haushalte zum Bruttoinlandsprodukt bei - für Güter und Dienstleistungen, die andere anbieten. In Deutschland aber spielen die Verbraucher fortgesetzt nicht mit, stattdessen legen sie ihr Geld auf die hohe Kante. Zwischen 2000 und 2003 stieg die Sparquote der Haushalte um einen Punkt auf 10,8 Prozent - Ökonomen erwarten, dass sie am Ende des Jahres bei elf Prozent liegen wird. Unsicherheit über Rente und Krankenversicherung, Angst vor dem Jobverlust und Verunsicherung angesichts ständig neuer Reformvorschläge steigern nicht gerade die Konsumlust. Zahlen des Einzelhandels zeigen die Kehrseite der Sparfreude. In den ersten drei Monaten sanken die Umsätze der Händler nominal um 0,9 Prozent. Sie hoffen nun, wie schon im vorigen Jahr um diese Zeit, auf das zweite Halbjahr. Allerdings sind die Aussichten in diesem Jahr etwas besser. Durch die Steuerreform haben die Haushalte in diesem Jahr erstmals seit 2001 wieder ein höheres Realeinkommen zur Verfügung. Ob sie es ausgeben, wird allerdings von einer Besserung am Arbeitsmarkt abhängen - und vom Vertrauen in die Politik. Debatten über höhere Mehrwertsteuer oder die Abschaffung von Sparerfreibeträgen helfen sicher nicht, letzteres herzustellen. Die Unternehmen: Lage und Stimmung bessern sich - und lassen die Hoffnung auf steigende Investitionen wachsen, die "Nachfrage" der Unternehmen. Nach zwei Rückgängen legte der Ifo-Geschäftsklimaindex wieder deutlich zu und liegt jetzt bei 96,3 Punkten - nach 95,4 Zählern im März. Mittlerweile zeichnet sich auch eine Erholung bei den Investitionen ab. Die Aufträge für Investitionsgüter stiegen im ersten Quartal um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Weil nach der Zurückhaltung der vergangenen zwei Jahre viele Unternehmen gezwungen sind, alte Anlagen durch neue zu ersetzen, dürfte das Wachstum anhalten. Sorge bereitet dagegen weiterhin die Bauwirtschaft. Sie profitierte Ende des vergangenen Jahres von der Einschränkung der Eigenheimzulage, brach aber im ersten Quartal dieses Jahres wieder ein: Die Bauinvestitionen gingen um fünf Prozent zurück. Wie stark Investitionen der Unternehmen die Wirtschaft beleben können, wird aber maßgeblich von deren Lage abhängen. Aufträge kommen - angesichts schwacher Binnennachfrage - vor allem aus dem Ausland. Damit bleibt die Auftragslage vorerst labil. Im März verbuchte allein der Maschinenbau ein Auftragsplus. Der Index der gesamten Auftragseingänge aber sank saison- und preisbereinigt um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat. Und die Industrieproduktion brach regelrecht ein: um 2,3 Prozent gegenüber einem schon schwachen Februar. Angesichts des fortwährenden Auf und Ab sind damit auch die Aussichten für den Arbeitsmarkt nicht rosig. Experten erwarten zwar eine Stabilisierung. Neue Jobs in nennenswerter Zahl sind aber derzeit nicht in Sicht. Konsequenz: siehe oben.
Hans Eichel kann einem fast Leid tun: Hilflos angesichts wachsender Haushaltslöcher und schrumpfender Steuereinnahmen, macht er unverdrossen auf Optimismus. Besonders schwungvoll geht es aber nicht zu in Deutschland. Wo aber hakt´s?
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/konjunkturbericht-der-sz-land-ohne-schwung-1.901329
Konjunkturbericht der SZ - Land ohne Schwung
00/05/2010
Der Aufsichtsrat der Dresdner Bank entscheidet am Donnerstag endgültig über die Fusion mit dem Bereich Firmenkunden zu einer neuen Einheit. Die Londoner Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein, kurz DrKW, war einmal der ganze Stolz der Dresdner Bank. Hier wurden Gewinne gemacht, aus der DrKW leitete die Frankfurter Traditionsbank lange ihren internationalen Anspruch ab. Detailansicht öffnen Die Londoner Investment Bank DrKW wird wohl in den Frankfurter Mutterkonzern Dresdner Bank eingegliedert. (Foto: Foto: ddp) Doch damit dürfte es jetzt endgültig vorbei sein. An diesem Donnerstag entscheidet der Aufsichtsrat der Dresdner Bank über die Zukunft von DrKW. Wie geplant und bei anderen Großbanken bereits üblich wird wohl die Zusammenführung der Investmentbank mit dem Firmenkundengeschäft beschlossen. Das Ende von DrKW ist damit besiegelt, möglicherweise fällt irgendwann auch der Traditionsname weg. Eventuell aber gibt es auch noch weitergehende Beschlüsse. Entwicklungsabteilung nach getaner Arbeit geschlossen Mehr Kundenausrichtung, besseren Service, höhere Produktivität verspricht sich der Mutterkonzern Allianz vom Umbau. "Da ist noch viel Handlungsbedarf", stellte erst kürzlich Allianz-Vorstand Helmut Perlet fest. Bisher agierten die Investmentbanker in London und der Bereich Firmenkunden in Frankfurt weitgehend unabhängig, obwohl es viele Überschneidungen gibt. Fest steht, dass die neue Einheit weiter "ein integraler Bestandteil der Dresdner Bank" ist, wie es heißt, und nicht etwa direkt bei der Konzernleitung in München aufgehängt wird. Innerhalb der Bank erwirtschaftet die neue Sparte künftig etwa die Hälfte aller Erträge. Neben dem neuen fusionierten Bereich Investmentbanking/Firmenkunden exisitieren noch die beiden Sparten Personal Banking, also die Privatkunden, sowie Private & Business Banking, also alle anderen Kunden mit teilweise größeren Vermögen oder Selbstständige. Die Dresdner-Abwicklungseinheit IRU, die die faulen Kredite abgearbeitet hatte, wurde kürzlich nach getaner Arbeit geschlossen. Leidensgeschichte der DrKW begann vor fünf Jahren Ohnehin war der Trend bei der DrKW zuletzt nicht gerade positiv. Insbesondere im zweiten Quartal gab es wegen herber Einbußen im Handelsgeschäft einen Durchhänger. Auch nach drei Quartalen liegt die Investmentbank beim operativen Ergebnis noch immer fast 30 Prozent unter dem Vorjahr. Auch wenn das Schlimmste angeblich überstanden ist, ist das für die Verantwortlichen bei der Allianz alles andere als erfreulich. Die Leidensgeschichte der DrKW dauert nun schon fünf Jahre: 2000 wolten eigentlich Deutsche und Dresdner Bank fusionieren - die Unruhe gerade unter den hoch bezahlten Investmentbankern war damals groß, hohe Halteprämien wurden gezahlt. 2001 übernahm dann die Allianz die Dresdner Bank samt ihrer Investmentbanking-Tochter. Börsengang kein Thema mehr Die Enkelin aus London blieb immer ein Fremdkörper im Allianz-Konzern, der eigentlich die Allfinanzidee verfolgte und Privat- und Firmenkunden in großem Stil Versicherungsprodukte verkaufen wollte. 2002 schließlich rutschte DrKW tief in die roten Zahlen, deren Chef, der charismatische Lenny Fischer, musste damals gehen. Andrew Pisker wurde sein Nachfolger. Lange war offen, was die Allianz mit der DrKW vorhat. Schließlich gab der neue Konzernchef Michael Diekmann eine befristete Bestandsgarantie. Inzwischen ist die Abspaltung oder ein Börsengang aber kein Thema mehr, wohl erst recht nicht nach dem nun vorgesehenen Umbau. Wird ehemaliger HypoVereinsbank-Vorstand Chef der neuen Einheit? Ungeklärt ist noch, wer die neue Einheit in der Dresdner Bank künftig führen wird. Der bisherige DrKW-Chef Andrew Pisker macht sich Hoffnungen. Offenbar wird aber auch mit dem renommierten Investmentbanker und ehemaligen HypoVereinsbank-Vorstand Stefan Jentzsch verhandelt. Der passionierte Marathon-Läufer und Bergsteiger sucht momentan nach einem neuen Job. Fest steht derzeit nur, dass der neue Spartenchef nicht in den Allianz-Vorstand aufrücken wird.
Der Aufsichtsrat der Dresdner Bank entscheidet am Donnerstag endgültig über die Fusion mit dem Bereich Firmenkunden zu einer neuen Einheit.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verlustgeschaeft-das-ende-der-stolzen-investmentbank-drkw-1.901530
Verlustgeschäft - Das Ende der stolzen Investmentbank DrKW
00/05/2010
Obwohl die Bundesagentur für Arbeit immer saftigere Milliardenüberschüsse anhäuft, wehren sich SPD-Größen wie Ludwig Stiegler gegen eine Senkung der Beiträge für die Arbeitslosenversicherung. Das ist ein Skandal. Die Diskussion um die Senkung der Beiträge für die Arbeitslosenversicherung nimmt kein Ende. Das ist für niemanden unangenehmer als für die SPD. Deren Veteran Ludwig Stiegler ließ sich nun sogar zu dem Kraftausdruck "Schwachsinn" hinreißen, nur weil der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, etwas gefordert hatte, was angesichts überquellender Kassen selbstverständlich sein müsste: die weitere Senkung der Beiträge für die Arbeitslosenversicherung. Ein Plus von 26 Milliarden Euro bis 2011 Dass ausgerechnet Weise diese Forderung stellt, schmerzt Stiegler wohl nicht ganz zu Unrecht. Denn wenn sogar ein BA-Chef, dem es zu allererst um die Solidität seines Behördenhaushalts gehen muss, eine Senkung der Beiträge fordert, dann muss der Überschuss auch längerfristig üppig sein. In der Tat rechnet die BA bis zum Jahr 2011 mit einem Plus von 26 Milliarden Euro. Das sollte genügen, um auch für den zu erwartenden Konjunkturabschwung gewappnet zu sein. Besonders lästig ist für die SPD dabei, dass niemand anderes als ihre ureigenste Klientel bluten muss. Denn der ganz normale zwangsversicherte Arbeitnehmer bekommt auch im Jahr zehn einer Regierungsbeteiligung der SPD von der so häufig beschworenen Senkung der Abgabenlast immer noch nichts mit. Im Gegenteil: Soeben stellte der Bund der Steuerzahler fest, dass die Steuer- und Abgabenlast noch nie so hoch war wie heute. Auch im internationalen Vergleich sind die finanziellen Aufbürdungen für den deutschen Arbeitnehmer Weltspitze. Übervorsichtig Ungeachtet dieser fiskalischen Zumutungen geriert sich Stiegler als übervorsichtiger Kämmerer der Bundesagentur: Erst einmal eine Bestandsaufnahme, dann die Bildung weiterer Rücklagen und dann erst möglicherweise eine Beitragssenkung - das klingt nach Entlastung am Sankt-Nimmerleins-Tag. Verräterischer ist allerdings eine weitere Forderung des SPD-Fraktionsvizes: Er will Reserven für die Integration von Jugendlichen in die Arbeitswelt bilden. In den Ohren vieler leidgeprüfter Beitragszahler mag das nach einem ganz normalen politischen Anliegen klingen, tatsächlich ist die Forderung aber nichts anderes als ein Skandal. Denn im Klartext bedeutet sie nichts anderes, als dass die Kassiererin im Supermarkt mit ihren Beiträgen die Schulungen und Trainingsprogramme für erwerbslose Jugendliche finanzieren soll - der verbeamtete Professor, der Selbständige oder der Wohnungs-Vermieter hingegen nicht. Letztere sind schließlich nicht Mitglied des Zwangssystems Arbeitslosenversicherung. So empörend der Vorstoß Stieglers daher ist - im politischen Alltag ist er nur ein weiterer Beleg für die ständigen Ansprüche der Regierung an die Sozialversicherungen: Je nach Haushaltslage werden sie laufend mit Aufgaben belastet, die eigentlich aus Steuern finanziert werden müssten. Erst Anfang Juli hatte sich etwa Finanzminister Steinbrück mit seiner Forderung durchgesetzt, künftig jedes Jahr fünf Milliarden Euro aus der Kasse der Bundesagentur in den Bundeshaushalt umzuleiten. Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit Die Beitragszahler mögen sich an solche Zumutungen gewöhnt haben, doch Sozialrechtler stellen bei derlei Begehrlichkeiten schon einmal die Verfassungsmäßigkeit in Frage. Schon bei der Diskussion um die Einführung von Hartz IV wies etwa der Richter am Bundessozialgericht, Wolfgang Spellbrink, darauf hin, dass ein soziales Zwangssicherungssytem nicht deutlich dürftigere Leistungen erbringen darf als der Bürger auch bei privater Vorsorge erzielen kann. Ansonsten delegitimiere sich dieses System unter dem Gesichtspunkt der im Grundgesetz festgeschrieben Persönlichkeitsrechte. Die allgemeine Handlungsfreiheit werde verletzt, ohne dass dies mit einer adäquaten Gegenleistung begründet werden könnte, machte Spellbrink damals schon klar. Ob die Arbeitslosenversicherung, aus deren Topf ja bereits Milliardenbeträge für Vermittlungsleistungen bezahlt werden, noch verfassungsrechtlichen Kriterien entspricht, darf also bezweifelt werden. SPD-Größen wie Stiegler oder Steinbrück sollten daher wohl oder übel versuchen, den Staatshaushalt über andere Kanäle zu speisen. Anbieten würde sich dazu beispielsweise die Erhöhung der sogenannten Gewinnsteuern, das heißt der veranlagten Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer sowie des Zinsabschlags. Der Anteil dieser Steuerarten am gesamten Steueraufkommen lag nach Schätzungen im Jahr 2005 bei lächerlichen 12,7 Prozent, während er 1960 noch 34,7 Prozent betrug. Die SPD sollte sich dessen besinnen, bevor ihr weitere Wähler davonlaufen.
Obwohl die Bundesagentur für Arbeit immer saftigere Milliardenüberschüsse anhäuft, wehren sich SPD-Größen wie Ludwig Stiegler gegen eine Senkung der Beiträge für die Arbeitslosenversicherung. Das ist ein Skandal.
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Die SPD zur Beitragssenkung - Attacken gegen das Selbstverständliche
00/05/2010
Einst galt Bertelsmann als Pionier im Internet - doch inzwischen agiert der Medienriese im Web zögerlich. Das hat ein bisschen mit Geld zu tun, und viel mit Psychologie. Mit dem Generationswechsel an der Konzernspitze muss sich das ändern. Wenn ausländische Konkurrenten Europas größtes Medienunternehmen mal so richtig ärgern wollen, dann sprechen sie den Firmensitz Gütersloh so aus: "Guder-slow" - mit Betonung auf "slow". Und der Medien-Riese wirkt in der Tat etwas behäbig, wenn es um die Ausrichtung auf das Web 2.0 geht. Verglichen mit Konkurrenten wie Murdoch, Holtzbrinck oder Burda investiert Bertelsmann derzeit nur sehr vorsichtig. Eine strategische Vision fürs Web 2.0? Derzeit Fehlanzeige in Gütersloh. Das hat ein wenig mit Geld zu tun und viel mit Psychologie. Und mit einem Mann, dessen Namen in Gütersloh wortreich beschwiegen wird: Thomas Middelhoff richtete den Konzern konsequent aufs Internet aus, sicherte Bertelsmann die Mehrheit am Gewinnbringer RTL Group - aber überschätzte den Veränderungswillen der Mitarbeiter und der Eigentümerfamilie. Nachfolger Gunter Thielen sieht seine Aufgabe vorwiegend im Konsolidieren und hinterlässt seinem Nachfolger Hartmut Ostrowski ein zwar besenreines, aber auch deutlich uninspiriertes Unternehmen. Kern des Bertelsmann-Problems: Ausgerechnet in dem Moment, da die Medien sich aufgrund der neuen Impulse aus dem Mitmach-Web neu erfinden müssen, fehlt Bertelsmann das Geld für strategische Investitionen. Auch wenn Vorstandschef Thielen diesen Eindruck verwischen will - auch durch die Ankündigung eines Private-Equity-Fonds: Bei Bertelsmann ist derzeit Schmalhans Küchenmeister und der Sparzwang Strategiechef. Bereits die Verkäufe des Fachzeitschriften-Sparte Bertelsmann-Springer und des BMG-Musikverlags galten intern als Notverkäufe. Die Impulse aus dem Stammgeschäft heraus sind nicht allzu stark. Vor allem in Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr wurde das, was Vorstandschef Bernd Kundrun jetzt propagiert, jahrelang versäumt: die Zeitschriftenmarken kräftig ins Internet zu verlängern. Keine eigene Webadresse für "Essen und Trinken" So war die Zeitschrift Essen & Trinken bis vor kurzen nicht mal unter einer eigenen Web-Adresse zu erreichen. Freche Konkurrenten wie Chefkoch.de kommen inzwischen auf ein Vielfaches an Web-Reichweite und deutlich mehr Online-Werbeumsatz. Auch bei Printmarken wie Capital und Impulse agiert Vorstandschef Bernd Kundrun zögerlich. Eine echte Online-Offensive ist nur beim Stern und dessen Foto-Ableger View zu erkennen. Auch können die Leser als Reporter unter augenzeuge.de aktiv werden. Besser sieht es im TV-Geschäft aus. Dort betrachtet das Management jede Form von Bildschirm als Heimspiel und das Internet als Vertriebschance.
Einst galt Bertelsmann als Pionier im Internet - doch inzwischen agiert der Medienriese im Web zögerlich. Das hat ein bisschen mit Geld zu tun, und viel mit Psychologie. Mit dem Generationswechsel an der Konzernspitze muss sich das ändern.
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Bertelsmann und das Internet - Das große Zaudern in Gütersloh
00/05/2010
Sage noch einer, Bankanalysten seien humorlose Erbsenzähler. "Die fünfte Jahreszeit steuert langsam ihrem Höhepunkt entgegen, und fast muss man sich fragen, ob das närrische Treiben mittlerweile nicht auch die Börsianer erfasst hat. Denn beim Anblick von Dax und Co. kann man langsam das Gefühl bekommen, dass die Feierlaune an der Börse doch bald in einem ausgeprägten Kater enden muss." So sehen jedenfalls die Spezialisten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die derzeitige Stimmungslage an den Börsen. Die Analysten weisen darauf hin, dass vor allem die DaimlerChrysler-Aktie (Börsenkürzel: DCX) gehörig zum närrischen Trubel beigetragen hat. Am Weiberfastnachts-Donnerstag, dem Tag nach dem Befreiungsschlag in Detroit, wurden allein in der ersten Stunde nach Börsenöffnung so viele DCX-Aktien gehandelt wie sonst nicht an einem Tag; der Kurs stieg um mehr als sechs Prozent. Der Titel war bereits am Mittwoch um beinahe fünf Prozent geklettert. "Was der Markt will" Am Freitag ging es dann wieder leicht abwärts, was aber nichts mit Katerstimmung, sondern mit Gewinnmitnahmen der enthusiasmierten Anleger zu tun hatte. Deren gute Laune stieg stündlich, seit Konzernchef Dieter Zetsche am Valentinstag in Detroit im Umgang mit der Tochter Chrysler gesagt hatte: "Wir halten uns alle Optionen offen." Also auch eine Abspaltung der ewigen Krisentochter Chrysler. Solche Aussichten sind es, die Börsianer zu den schönsten Phantasien anregen und ihre Träume von hohen Renditen nähren. Für die Anleger, die radikale Schritte lieben, ist die Trennung Daimlers von Chrysler schon ausgemachte Sache, auch wenn diese letzte Option Experten zufolge erst in drei Jahren anstehen kann, also nach der beschlossenen Sanierung der amerikanischen Defizittochter. "Allein die Spekulation, dass Chrysler verkauft werden könnte, treibt den Kurs nach oben", kommentiert Aktienexperte Mirko Pillep von Helaba Trust. "Das ist es, was der Markt will." Hätte Zetsche am Mittwoch explizit die Scheidung der 1998 geschlossenen Firmenehe verkündet, wäre der Aktienkurs wohl bis in die Ionosphäre hochgeschnellt. So aber hat die Daimler-Aktie in den vergangenen Tagen eine Art zweiten "Schrempp-Effekt" erfahren, also einen ähnlichen Kursaufschwung wie im Sommer 2005, als der Konzern den Rückzug des zuletzt ziemlich glücklos agierenden Vorstandsvorsitzenden ankündigte. Auch die Bankanalysten zeigten sich fürs Erste zufrieden, passten ihre Kursziele für das DaimlerChrysler-Papier scharenweise nach oben an und empfehlen es mehrheitlich zum Kauf. "Wir halten DaimlerChrysler nach wie vor für einen der attraktivsten Automobilwerte und belassen das Anlageurteil bei 'Kaufen'", fasst etwa Frank Schwope von der NordLB stellvertretend für die meisten seiner Kollegen die Einschätzung auf den Finanzmärkten zusammen. Fast untergegangen angesichts des Börsentrubels um die Chrysler-Zukunft wäre nämlich die Geschäftsbilanz, die der Konzern vorlegte. Die Zahlen fielen trotz des Chrysler-Verlusts von 1,5 Milliarden Euro besser aus als befürchtet, dank der guten Ergebnisse der Mercedes Car Group, der Lkw-Sparte und der Finanzdienstleistungen kletterte das Konzernergebnis um 14 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Mit ein Grund, warum die LBBW-Analysten "hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Konzerns insgesamt zuversichtlich gestimmt" sind. Prognose fehlt Besonders optimistisch beurteilen die Experten der Deutschen Bank das Potential der Aktie und hoben das Kursziel von 52 auf 73 Euro - ebenfalls mit Blick auf die unerwartet gut ausgefallene Bilanz. Die US-Investmentbank J. P. Morgan hat das Kursziel für die Aktie von 55 Euro auf 62 Euro angehoben, beließ die Einstufung aber auf "Übergewichten". Die Schweizer Großbank UBS hob das Kursziel von 45 auf 53 Euro an und bestätigte die Einschätzung mit "Neutral". Die Credit Suisse gibt ebenfalls nicht allzu viel auf eine schnelle Trennung von Chrysler und wähnt den Verlustbringer in den USA noch lange an Daimler gekettet. Auch mäkeln die Schweizer Banker über den fehlenden Ausblick des Unternehmens für 2007 und räumen dem "Underperformer" ein Kursziel von gerade mal 38 Euro ein. Aber auch für die DCX-Aktie gilt der Faschingsrat des LBBW-Banker: "Die eigentlichen Narren sind jene, die sich jetzt vom Aktienmarkt verabschieden."
Die mögliche Trennung verleiht nach Ansicht vieler Analysten dem DaimlerChrysler-Papier neue Phantasie.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/daimlerchrysler-freudig-ersehnte-spaltung-1.904485
DaimlerChrysler - Freudig ersehnte Spaltung
00/05/2010
Der Aufsichtsrat der deutschen HypoVereinsbank (HVB) hat dem Übernahmeangebot des italienischen Kreditinstituts Unicredit zugestimmt. Damit steht die größte grenzüberschreitende Bankenfusion Europas bevor. Die Aufsichtsgremien beider Banken stimmten am Sonntag in gesonderten Sitzungen einer Übernahme der HVB durch Unicredit zu. Am Abend hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung, Aktionäre der HVB sollen für jeweils eines ihrer Papiere fünf Titel von Unicredit erhalten. Die Angebotsfrist soll voraussichtlich spätestens Ende August starten und Anfang Oktober enden. Der Offerte muss noch eine außerordentliche Hauptversammlung von Unicredit zustimmen. Detailansicht öffnen Die Aufsichtsgremien beider Banken stimmten der Übernahme zu. (Foto: Foto: AP) Vom Versicherer Münchener Rück, dem größten Aktionär der HVB, war am Sonntag kein Kommentar zu erhalten. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Unicredit ein Einverständnis des Konzerns eingeholt hat. Die Münchener Rück hält mit ihrem Anteilspaket von 18,4 Prozent praktisch eine Sperrminorität an der HVB. Die HypoVereinsbank ist, gemessen am Börsenwert, die zweitgrößte Bank Deutschlands, Unicredit die Nummer eins in Italien. Eine Fusion wäre der europaweit größte Zusammenschluss zweier Banken. Die Gruppe wird knapp 130000 Mitarbeiter haben, davon 26000 in Deutschland. Es entstünde die Nummer vier in Euroland und die Nummer neun in Gesamteuropa. Hauptsitz der neuen Holding werde Mailand, eine Reihe von Funktionen sollen außerdem in München und Wien angesiedelt sein. Bedenken der Staatsregierung Die künftige HVB soll in Zukunft nur noch aus dem heutigen Deutschland-Geschäft bestehen. Sie werde als Bank "mit vollständigem Geschäftsbetrieb in ihrer gegenwärtigen Rechtsform" erhalten bleiben, heißt es in der Mitteilung weiter. Der Markenname soll durch das Logo von Unicredit ergänzt werden. Diese Garantie wie der gesamte Fusionsvertrag haben eine Laufzeit von fünf Jahren. Allerdings kann es innerhalb dieser Frist Änderungen geben, wenn diesem Anliegen 19 von 24 Mitgliedern des Verwaltungsrats des fusionierten Instituts zustimmen. Ein Drittel dieser Mitglieder, also acht, dürfe die HVB vorschlagen. Vorsitzender des Gremiums solle der jetzige HVB-Vorstandsvorsitzende Dieter Rampl werden. Dies entspricht der Rolle eines Oberaufsehers. Die operativen Geschäfte leiten soll der jetzige Unicredit-Chef Alessandro Profumo. Profumo sprach davon, ein fusioniertes Institut werde "die erste wahre europäische Bank" sein. Sie sei - Bayern, Österreich und Norditalienzusammengenommen - in "einer der wohlhabendsten Regionen Europa" fest verwurzelt. Außerdem habe man die "unbestrittene Führungsrolle" in Zentral- und Osteuropa. Rampl erklärte: "Wir haben beide den besten Partner gewählt." Wiesheu wollte Fusion verhindern In der Mitteilung heißt es weiter, die Synergien aus dem Zusammenschluss sollen ab dem Jahr 2008 in voller Höhe greifen und dann pro Jahr knapp eine Milliarde Euro vor Steuern betragen. Die Synergien sollen fast komplett in Kostensenkungen bestehen. In Kreisen von Unicredit hieß es ergänzend, Profumo plane den Abbau von 9850 Stellen in dem fusionierten Geldinstitut. So werde sich Profumo insbesondere die zweite Führungsebene der übernommenen Bank genau ansehen. "Die größten Verluste sind in München zu erwarten", hieß es in den Unicredit-Kreisen. Dort sei mit "richtigen Opfern" zu rechnen. Unterdessen bestätigten Kreise der bayerischen Staatsregierung Meldungen, wonach Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) versucht hatte, die Fusion zu verhindern. Er habe bei der Bayerische Landesbank angefragt, ob nicht sie mit der HVB zusammengehen wolle, hieß es. Die Landesbank, die zur Hälfte dem Freistaat Bayern gehört, habe aber abgelehnt. Wiesheu habe erhebliche Bedenken, dass der Standort Bayern leiden könnte, wenn die größte Bank im Lande unter ausländische Regie kommt.
Der Aufsichtsrat der deutschen HypoVereinsbank (HVB) hat dem Übernahmeangebot des italienischen Kreditinstituts Unicredit zugestimmt. Damit steht die größte grenzüberschreitende Bankenfusion Europas bevor.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aufsichtsgremien-stimmen-zu-unicredit-uebernimmt-die-hypovereinsbank-1.905240
Aufsichtsgremien stimmen zu - Unicredit übernimmt die HypoVereinsbank
00/05/2010
Der Aktienkurs der Großbank stieg an, nachdem der Vorstandsvorsitzende der Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft WCM, Roland Flach, angekündigt hatte, ein Angebot für ein 4,9-prozentiges Aktienpaket an der Bank zu haben. In der Zentrale des gelben Geldhauses sieht man die Aufgeregtheit an der Börse mit Gelassenheit. Schon seit Jahren ist die drittgrößte deutsche Geschäftsbank Gegenstand von Übernahme- oder Fusionsgerüchten. "Mit Ausnahme der Sparkasse Peking wurde die Commerzbank schon mit allen großen Kreditinstituten ins Bett gelegt", wird am Bankenplatz Frankfurt ironisch abgewunken. Fieberhafte Suche Weitaus wahrscheinlicher ist die Absicht einiger Akteure, den Kurs der Commerzbank-Aktie in die Höhe zu treiben. Davon würde auch der WCM-Vorstandsvorsitzende Flach profitieren. Seine Gesellschaft sucht bereits seit geraumer Zeit fieberhaft einen kapitalkräftigen Investor, um die enormen Bankverbindlichkeiten bedienen zu können. Da ein WCM-Einsteiger bislang nicht präsentiert werden konnte, wäre zumindest der Verkauf des Commerzbank-Pakets eine erhebliche Entlastung. Spekulationsgewinne WCM hatte Anfang 2002 rund 5,5 Prozent der Commerzbank-Aktien für jeweils 19 Euro - mit der Hoffnung auf steigende Kurse - erworben. Die Krise der Großbanken ließ jedoch den Kurs auf unter 10 Euro absacken. Selbst nach den jüngsten Spekulationsgewinnen wurde die Aktie am Dienstag mit 15,50 Euro noch weit unter dem ursprünglichen Kaufpreis notiert. Jede weitere Verbesserung würde die Verhandlungsposition von Flach deutlich verbessern. Entscheidung noch offen Mittlerweile ist aber WCM selbst etwas zurückgerudert. Eine Entscheidung über den Verkauf der Commerzbank-Anteile sei noch nicht gefallen, betonte eine Sprecherin. Die Übernahmefantasien in Sachen Commerzbank waren in der vergangenen Woche wiederaufgeflammt, nachdem der Vorstand mit Abschreibungen auf Beteiligungen von 2,3 Milliarden Euro Altlasten aus der Bilanz räumte. An der Börse wurde dies als kosmetische Operation gewertet, um die Braut für mögliche Partner attraktiver zu machen. Doch von strategischen Investoren ist weit und breit nichts zu sehen. Der renommierte Bankenbeobachter Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch kommentierte die Rolle der Commerzbank als Übernahmekandidat mit "bizarr". Schlechte Verfassung Gerade weil die Großbank derzeit in schlechter Verfassung ist, sei sie von Übernahmeversuchen geschützt, wurde Hein in der Börsen-Zeitung zitiert. Auch bei der jüngsten Kapitalerhöhung, bei der die Bank 760 Millionen Euro einsammelte, war keine Bündelung von Interessen auszumachen. Die neuen Aktien wurden in der vergangenen Woche von mehreren hundert institutionellen Anlegern gezeichnet, bestätigte die Commerzbank. Ein Viertel wurden in Deutschland, der Rest überwiegend in Europa verkauft.
Der Aktienkurs der Großbank stieg an, nachdem der Vorstandsvorsitzende der Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft WCM, Roland Flach, angekündigt hatte, ein Angebot für ein 4,9-prozentiges Aktienpaket an der Bank zu haben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/commerzbank-im-mittelpunkt-von-uebernahmespekulationen-1.899847
Commerzbank - Im Mittelpunkt von Übernahmespekulationen
00/05/2010
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann fühlt sich bei der so genannten Kapitalismus-Debatte persönlich angegriffen. Er nutzte die Hauptversammlung seines Institutes für eine Klarstellung seiner Sichtweise. Ackermann kritisierte die Kapitalismus-Debatte. "Niemand will einen Kapitalismus pur und schon gar nicht einen Raubtier-Kapitalismus", sagte der Deutsche-Bank-Chef am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Frankfurt am Main. Detailansicht öffnen Josef Ackermann bei seiner Rede während der Hauptversammlung. (Foto: Foto: ddp) Doch nur wenn die Deutsche Bank Erfolg habe und Gewinn erwirtschafte, könne sie investieren, sichere Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen und zum Gemeinwohl beitragen. "Wir können es uns nicht leisten, erst dann zu handeln, wenn wir rote Zahlen schreiben", betonte Ackermann. Dass die Kapitalismus-Kritik zum Teil auf die Deutsche Bank und ihn persönlich ziele, finde er "beschämend". Der Branchenprimus sei sich seiner besonderen Verantwortung für die Gesellschaft durchaus bewusst. Ackermann betonte zudem, dass er zum Abbau tausender Stellen bei Deutschlands größtem Geldhaus stehe. "Wir wollen uns aus Deutschland heraus als eine der Top-Banken der Welt etablieren", sagte der Schweizer. "Keine Alternative" Dazu müssten auch Kosten gesenkt werden. "Weder mir noch meinen Kollegen im Vorstand fällt es leicht, Stellenkürzungen vorzunehmen." Doch es gebe keine Alternative. In Deutschland sollen unter dem Strich 1920 Stellen wegfallen. Das Kreditinstitut setze weiter vor allem auf organisches Wachstum und wolle dieses durch "ökonomisch sinnvolle" Akquisitionen ergänzen. "Wir haben uns vorgenommen, in erster Linie aus eigener Kraft zu wachsen. Wir sehen insbesondere bei margenträchtigen Produkten weiteres Wachstumspotenzial", sagte Ackermann und bekräftigte damit frühere Aussagen. "Sofern es ökonomisch sinnvoll ist, werden wir unser organisches Wachstum gezielt durch Akquisitionen ergänzen. Dies jedoch nicht um jeden Preis. Wir werden dabei sehr diszipliniert vorgehen." Etliche Übernahmen In den vergangenen Jahren hatte die Deutsche Bank unter anderem den deutschen Vermögensverwalter Wilhelm von Finck AG, das Schweizer Bankhaus Rüd, Blass & Cie, den US-Immobilienfinanzierer Berkshire Mortgage sowie das türkische Brokerhaus Bender Securities übernommen. Außerdem beteiligte sich die Deutsche Bank an der russischen Investmentbank UFG und gründete in China ein Joint Venture mit Harvest Asset Management. Begleitet wurde die Hauptversammlung von massiven Protesten gegen den geplanten Abbau von weltweit 6400 Stellen - 1920 davon in Deutschland. So versammelten sich am Morgen mehr als 100 Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und Betriebsräte der Bank vor dem Veranstaltungsort und demonstrierten pfeifend gegen die Jobstreichungen. Drohung von Verdi Verdi-Vorstandsmitglied Uwe Foullong rief die Bank erneut zur Rücknahme des Stellenabbaus auf. "Machen Sie eine Unternehmens- und Personalpolitik, die auf dem Boden des Grundgesetzes steht", forderte er und drohte erneut, ansonsten für ein Kündigungsverbot für Unternehmen mit hohen Gewinnen zu kämpfen. Aktionärsschützer übten heftige Kritik an der Öffentlichkeitsarbeit der Bank - insbesondere bei der Kommunikation der geplanten Stellenstreichungen. Zwar sei die Bank auf dem richtigen Weg, sagte Aktionärsschützer Hans-Martin Buhlmann. "Aber in der Öffentlichkeitsarbeit machen Sie alles falsch." Sie komme einem manchmal vor, "wie ein schlechter Film aus dem Kirch-Archiv". "Medialer Gau" DSW-Geschäftsführer Klaus Nieding sprach von einem "medialen Gau". Offenbar habe der Vorstand das Gespür für die Stimmung in Deutschland ein Stück weit verloren. Ein weiterer Kritikpunkt war die Entwicklung des Aktienkurses, den Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger als regelrecht "kümmerlich" bezeichnete. Ackermann selbst zog eine positive Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres, in der die Bank einen Gewinn nach Steuern von 1,1 Milliarden Euro erzielte. Die Deutsche Bank habe ihre operative Stärke spürbar verbessert und sei "für die Zukunft gut aufgestellt", betonte er. Er schlug er die Ausschüttung einer Dividende von 1,70 Euro pro Aktie vor - 20 Cent mehr als im Vorjahr. "Schwerer Interessenkonflikt" Zu Beginn der Veranstaltung forderten mehrere Aktionäre - auch unter Verweis auf Breuers Auseinandersetzung mit dem Medienunternehmer Leo Kirch - die Abberufung Breuers als Versammlungsleiter, da sich dieser in einem "schweren Interessenkonflikt" befinde. Das Ansinnen wurde jedoch von mehr als 99 Prozent der anwesenden Aktionäre klar abgelehnt.
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann fühlt sich bei der so genannten Kapitalismus-Debatte persönlich angegriffen. Er nutzte die Hauptversammlung seines Institutes für eine Klarstellung seiner Sichtweise.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hauptversammlung-der-deutschen-bank-ackermann-nennt-kapitalismus-debatte-beschaemend-1.903433
"Hauptversammlung der Deutschen Bank - Ackermann nennt Kapitalismus-Debatte ""beschämend"""
00/05/2010
Eni gibt sich offenbar als Strohmann für Gazprom her Erneut erweist sich eine Auktion für die Übrigbleibsel des zerschlagenen Yukos-Konzerns allem Anschein nach als Farce: Der siegreiche Bieter aus Italien reicht die ersteigerten Anlagen offensichtlich an einen russischen Großkonzern weiter. Bei der Auktion am Mittwoch ging es um einen Anteil von 20 Prozent an Gazprom Neft, der Öl-Tochter des staatlich kontrollierten Gazprom-Konzerns, sowie Beteiligungen an den Yukos-Zweigunternehmen Arktikgaz und Urengoil. Bereits nach wenigen Minuten erhielt eine Tochter des italienischen Energiekonzerns Eni für 4,37 Milliarden Euro den Zuschlag. Enineftegaz habe sich als einer von drei Bietern bei der Auktion durchgesetzt, sagte ein Sprecher des staatlichen Vermögensfonds. Eni behielt damit die Oberhand über die weiteren beiden formalen Bieter Rosneft und Yunitex. Nur knapp über dem Startpreis Laut der Financial Times hatte Eni allerdings vorab mit Gazprom vereinbart, dass Gazprom den Gazprom-Neft-Anteil von dem italienischen Unternehmen kaufen kann. Der Verkaufspreis des Yukos-Pakets lag nur knapp über dem Startpreis von 4,2 Milliarden Euro. Bei Gazpromneft handelt es sich um das ehemalige Unternehmen Sibneft, das der Oligarch Roman Abramowitsch vor eineinhalb Jahren mehrheitlich für 13 Milliarden Dollar an Gazprom verkauft hatte. Doch Beobachter erwarten, dass auch die Yukos-Teile wohl nicht in der Hand Enineftegaz bleiben werden. Denn fast zeitgleich mit Auktionsbeginn meldeten russische Nachrichtenagenturen, dass es zwischen Eni und Gazprom einen Vertrag gäbe, wonach die Italiener Gazprom eine Kaufoption für die ersteigerten Yukos-Teile einräumten. Und tatsächlich: Nach dem Auktionsende bestätigte Gazprom umgehend, in Besitz der genannten Kaufoptionen zu sein und diese auch ausüben zu wollen. "Wir werden definitiv 51 Prozent bekommen, das ist ein Minimum", sagte Gazprom-Exportchef Alexander Medwedew. Damit wäre Gazprom nicht nur alleiniger Besitzer des zweitgrößten russischen Ölkonzerns Gazpromneft, sondern hätte mit den Yukos-Teilen sein Quasi-Monopol bei der Gasproduktion weiter ausgebaut. Gaslieferungen nach Italien Der Eni-Konzern, dem enge Verbindungen zu Russland nachgesagt werden, hatte im November eine Vereinbarung mit Gazprom unterschrieben, die Gaslieferungen nach Italien bis 2035 garantiert. An der Eni-Tochter Enineftegaz hält der italienische Energiekonzern Enel eine Minderheitsbeteiligung von 40 Prozent. Auch in die andere Richtung vertieft sich der wirtschaftliche Austausch zwischen Russland und Italien: Die russische Fluggesellschaft Aeroflot stieg in dieser Woche überraschend in das Bieterrennen um die traditionelle italienische Fluglinie Alitalia ein. Yukos war einst der größte Ölkonzern Russlands, den der russische Geschäftsmann Michail Chodorkowskij in den turbulenten Zeiten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 90-er Jahre aufgebaut hatte. Als Chodorkowskij begann, den Kreml und Präsident Wladimir Putin zu kritisieren und eigene politische Bestrebungen erkennen ließ, wurde er im Oktober 2003 festgenommen und in einem Berufungsprozess im September 2005 zu acht Jahren Haft verurteilt. Chodorkowskij droht längere Haft Nach neuen Anschuldigungen droht Chodorkowskij eine Haftverlängerung auf insgesamt 15 Jahre. Sein Konzern wurde zerschlagen. Bis August werden noch weitere Stücke aus dem Yukos-Imperium versteigert. Das Geld sollen die Gläubiger von Yukos bekommen, unter ihnen der russische Staat. Die Schulden von Yukos, aufgelaufen im Laufe der Ermittlungen gegen Chodorkowskij etwa wegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche in Milliardenhöhe oder Öl-Diebstahls, belaufen sich den Behörden zufolge auf rund 20,7 Milliarden Euro. Der Yukos-Mehrheitsaktionär GML Limited warnte unterdessen westliche Unternehmen vor der Teilnahme an den Versteigerungen. "Eindeutig gestohlenes Eigentum" "Jeder, der durch diese Auktionen Anteile ersteigert, muss bedenken, dass er eindeutig gestohlenes Eigentum erwirbt", sagte GML-Direktor Tim Osborne Süddeutschen Zeitung. Er rechne damit, dass unter anderem amerikanische Yukos-Aktionäre gegen die in den Auktionen erfolgreichen Konzerne klagen werden.
Erneut erweist sich eine Auktion für die Übrigbleibsel des zerschlagenen Yukos-Konzerns allem Anschein nach als Farce: Der siegreiche Bieter aus Italien reicht die ersteigerten Anlagen offensichtlich an einen russischen Großkonzern weiter.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/yukos-auktion-eni-gibt-sich-offenbar-als-strohmann-fuer-gazprom-her-1.903193
Yukos-Auktion - Eni gibt sich offenbar als Strohmann für Gazprom her
00/05/2010
Gut 60 Jahre hält nun schon die amerikanisch-saudische Freundschaft, dafür haben vor allem gute Geschäfte gesorgt. Doch das Verhältnis ist getrübt. (SZ vom 14.05.2003) — Mehr als 120 große US-Konzerne haben sich in Saudi Arabien niedergelassen, darunter Boeing und die Citibank. Doch seit dem 11. September 2001 wird das Verhältnis immer wieder auf die Probe gestellt. Seit geraumer Zeit beklagen US-Unternehmen dramatische Umsatzeinbußen in Saudi Arabien, und an der Wall Street geht gelegentlich das Gerücht um, die Saudis würden einen Teil ihres milliardenschweren Vermögens abziehen, um der US-Wirtschaft zu schaden. Die amerikanisch-saudischen Wirtschaftsbeziehungen haben in den vergangenen Jahren Schaden genommen, insbesondere zulasten der Vereinigten Staaten. Zwar sind die USA mit einem Anteil von 19 Prozent noch immer der wichtigste Lieferant Saudi-Arabiens, gefolgt von Japan mit zehn Prozent und Deutschland mit acht Prozent. Euro bevorzugt Allerdings sind die Exporte in den vergangenen Jahren erheblich zurückgegangen. 2002 lieferten US-Firmen nur noch Produkte im Wert von 4,7 Milliarden Dollar, so wenig wie seit 1991 nicht mehr. Insbesondere nach dem 11. September sind die US-Exporte eingebrochen, um nahezu 50 Prozent binnen eines halben Jahres. Profitiert haben davon Nachbarstaaten Saudi Arabiens, vor allem Jordanien. Ein Grund für die schlechteren Absatzchancen sind neben auslaufenden Rüstungsaufträgen zahlreiche Boykottaufrufe anti-amerikanischer Gruppen. Sie treffen insbesondere Lebensmittelhersteller und Fastfoodketten. McDonald's hat angekündigt, 100 Filialen in Saudi Arabien schließen zu wollen. Auch verzichten Saudis inzwischen auf die sonst beliebten Urlaubsreisen in die USA. Die Zahl der USA-Touristen sank im vergangenen Jahr um 40 Prozent, für die amerikanische Tourismusindustrie bedeutete das Einbußen von knapp 200 Millionen Dollar. Für die US-Wirtschaft sind die Verluste zu verschmerzen, denn gemessen an den gesamten Exporten der USA macht Saudi Arabien nur einen verschwindenden Bruchteil aus. Wichtiger ist die Stabilität der Öllieferungen aus Saudi Arabien. Zwar ist Riad nicht der wichtigste Öllieferant der Vereinigten Staaten. Kanada etwa liefert mehr Öl. Die Tatsache jedoch, dass Saudi Arabien die größte Förderkapazität der Welt hat und einspringen kann, wenn es einen Engpass gibt, machen es zu einem unverzichtbaren Partner. Im vergangenen Jahr importierten die USA für 13 Milliarden Dollar Produkte aus Saudi Arabien, vor allem Öl. Das ist deutlich mehr als Anfang der neunziger Jahre. Ein großer Teil der Ölerlöse ist in die USA zurückgeflossen - auch das ist heute eine Hypothek für die amerikanische Volkswirtschaft. Das Vermögen der Saudis in den Vereinigten Staaten wird auf 400 bis 600 Milliarden Dollar geschätzt. Es ist unter anderem in Aktien und Wertpapieren angelegt und kann relativ leicht abgezogen werden. Viele Saudis haben vor allem die neuen amerikanischen Bankengesetze verschreckt. So hat Washington nun das Recht, Vermögen von Personen zu konfiszieren, die unter Verdacht stehen, mit Terroristen Verbindungen zu halten. Schätzungen zufolge haben die Saudis seit dem 11. September mehr als 100 Milliarden Dollar in Euros umgeschichtet. Das Geld haben sie in Europa vor allem in Immobilien angelegt. Auch verzichten die Saudis inzwischen weitgehend auf Direktinvestitionen in neue Firmen, sagt Brad Bourland, Chefökonom der Saudi American Bank.
Gut 60 Jahre hält nun schon die amerikanisch-saudische Freundschaft, dafür haben vor allem gute Geschäfte gesorgt. Doch das Verhältnis ist getrübt.
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Saudis ziehen Geld aus USA ab - Die Flucht der Petro-Dollars
00/05/2010
Die Telekom kommt aus den Negativ-Schlagzeilen nicht heraus: Nun muss der Konzern laut einem EU-Beschluss sein milliardenschweres Breitbandnetz für Konkurrenten öffnen - zur Freude der Verbraucher. Die EU-Kommission hat von der Deutschen Telekom die Öffnung ihrer Breitbandnetze für mehr Wettbewerb verlangt. Damit sollen die Preise für die Internet-Nutzung in Deutschland sinken, erklärte EU-Medienkommissarin Viviane Reding am Montag in Brüssel. Detailansicht öffnen Dunkle Wolken brauen sich über der Konzernzentrale der Telekom in Bomm zusammen. (Foto: Foto: AP) Die Kommissarin billigte einen umfassenden Regulierungs-Vorschlag der Bonner Bundesnetzagentur zur Breitband-Öffnung. Reding forderte den deutschen Regulierer zur sofortigen Umsetzung auf. "Klassischer Fall von Überregulierung" Die Telekom kritisierte die Entscheidung. "Der deutsche Markt, das zeigen die eigenen Zahlen der EU, ist der Breitbandmarkt mit einem der höchsten Wachstumsraten", sagte Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg. Zudem hätten die Wettbewerber in Deutschland einen größeren Anteil am Markt als in anderen Ländern der Europäischen Union. Die Auflagen seien ein "klassischer" Fall von Überregulierung. Die Zugangsverpflichtung soll nach Brüsseler Ansicht DSL-, ADSL- und auch VDSL-Netze umfassen. Nach früherer Auskunft der Bundesnetzagentur ist das neue Hochgeschwindigkeitsnetz (VDSL) hingegen nicht im Regulierungsvorschlag inbegriffen. Monopol für Milliardeninvestition Um das neue Glasfasernetz der Telekom gibt es seit längerem Streit. Bislang habe der Konzern 500 Millionen Euro in zehn Städten investiert, sagte Nierwetberg. "Ob wir die restlichen Investitionen tätigen, ist weiter offen und hängt von der Marktentwicklung und der Regulierung ab." Der Sprecher verwies auf das Beispiel des australischen Konzerns Telstra. Dieser hatte kürzlich in seinem Heimatland den Bau seines Hochgeschwindigkeitsnetzes abgeblasen, da nach seiner Ansicht die Wettbewerbsbehörden seinen Konkurrenten einen zu günstigen Zugang zum Netz gewähren wollten. In Deutschland verlangt die Telekom im Gegenzug für die Miiliardeninvestition ein mehrjähriges Monopol. Brüssel und die Bundesregierung streiten seit Monaten darüber. Herausragende Stellung der Telekom Reding ist strikt dagegen und droht der Bundesregierung mit rechtlichen Schritten. Sie beklagte eine im EU-Vergleich herausragende Stellung des früheren Monopolisten Telekom in der Sparte. Das Unternehmen habe bei DSL-Anschlüssen einen Anteil von 62 Prozent, beim Breitband insgesamt von 60 Prozent. Im EU-Schnitt hielten die Konkurrenten der lange etablierten Telekom-Betreiber hingegen schon einen Anteil von 50 Prozent des Marktes. In der internationalen Rangfolge bei der Breitband-Durchdringung sei Deutschland beständig zurückgefallen. Das Land habe einmal über dem Durchschnitt der EU-15 gelegen, sei zum Jahresanfang aber sogar leicht hinter den Schnitt der EU-25 zurückgefallen, kritisierte die Kommission weiter. (sueddeutsche.de/dpa/AFP/ddp)
Die Telekom kommt aus den Negativ-Schlagzeilen nicht heraus: Nun muss der Konzern laut einem EU-Beschluss sein milliardenschweres Breitbandnetz für Konkurrenten öffnen - zur Freude der Verbraucher.
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EU-Kommission - Breitseite gegen die Telekom
00/05/2010
Der jahrelang verlustreiche Abosender hat im vergangenen Jahr die operative Gewinnzone nur knapp verfehlt. Das laufende Jahr soll erstmals mit schwarzen Zahlen abgeschlossen werden. Der jahrelang verlustreiche Abosender Premiere hat im vergangenen Jahr die operative Gewinnzone nur knapp verfehlt. Nach einem Verlust von nur noch 10,5 Millionen Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) 2003 soll das laufende Jahr erstmals operativ mit schwarzen Zahlen abgeschlossen werden, bekräftigte der frühere Kirch-Sender in München. "Wir haben einige Sanierungsfortschritte besser hinbekommen, als geplant", sagte Premiere-Chef Georg Kofler der dpa. Mit dem Ergebnis seien die ursprünglichen Planungen deutlich übertroffen worden. Noch im Oktober hatte Premiere mit einem Minus von 30 Millionen Euro gerechnet. Das Jahr 2002 war mit einem EBITDA-Verlust von 339,2 Millionen Euro beendet worden. Reibungslose Umstellung Rückenwind erhielt Premiere nach den Worten Koflers durch die Verbesserung der Kostenstruktur und eine weitgehend reibungslose Umstellung auf das neue Verschlüsselungssystem Nagravision. Allerdings sei die Entwicklung bei den Neuabonnenten schleppender als erwartet verlaufen. Zwar erreichte der Abo-Sender mit gut 2,9 Millionen zahlenden Kunden zum Jahresende die selbst gesteckten Ziel, doch hätten sich nach Einführung des neuen Verschlüsselungssystems lediglich rund 20 000 bis 30 000 frühere Schwarzseher für ein Premiere-Abonnement entschieden. "Wir hatten uns schon einen stärkeren Schub erwartet", sagte Kofler. Premiere habe die Konsumflaute im Weihnachtsgeschäft deutlich zu spüren bekommen. In diesem Jahr solle die Marke von 3,2 Millionen Abonnenten erreicht werden. Umsatz gesteigert Mit einem operativen Minus von 11,3 Millionen Euro (Vorjahr: Minus 59,2 Mio Euro) rutschte Premiere im vierten Quartal wieder in die Verlustzone ab. Im dritten Vierteljahr hatte Premiere erstmals ein positives operatives Ergebnis von 16,1 Millionen Euro geschafft. Den Umsatz wurde im vergangenen Jahr um 16,6 Prozent auf 963 Millionen Euro gesteigert. Wichtigster Umsatztreiber sei dabei erneut das Kerngeschäft mit Programm-Abonnements gewesen. Die Milliarden-Verluste von Premiere waren einer der Gründe für den finanziellen Zusammenbruch des Kirch-Imperiums im Jahr 2002.
Der jahrelang verlustreiche Abosender hat im vergangenen Jahr die operative Gewinnzone nur knapp verfehlt. Das laufende Jahr soll erstmals mit schwarzen Zahlen abgeschlossen werden.
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Bezahlsender - Premiere für Premiere
00/05/2010
Die deutsche Webseite von BMW ist bei der Internet-Suchmaschine rausgeflogen. Begründung: BMW habe, versucht Suchergebnisse zu manipulieren. Google lässt die Muskeln spielen: Gibt man dort "www.bmw.de" in die Suchmaske ein, heißt es: "Es wurden keine Informationen gefunden." Die führende Internet-Suchmaschine hat die deutsche Webseite des Automobilherstellers aus den Trefferlisten entfernt. Zur Begründung hieß es, es sei versucht worden, Google-Suchergebnisse zu manipulieren. Als Folge waren die Adresse www.bmw.de und ihre verschiedenen Bereiche am Sonntag nicht mehr direkt über die Suchmaschine auffindbar, während andere Konzernseiten wie www.bmw.com weiterhin in den Ergebnissen auftauchten. Ein BMW-Sprecher kommentierte die Entwicklung zunächst nicht. Seiten bereits entfernt Der zuständige Google-Softwareingenieur Matt Cutts schrieb auf seiner Internetseite, es sei versucht worden, Suchergebnisse zu Gunsten der Seiten von BMW.de zu manipulieren. Zumindest ein Teil der von Google beanstandeten Seiten sei bereits entfernt worden, räumte Cutts ein. Er erwarte, dass für eine Wiederaufnahme in den Google-Index das zuständige "Webspam"-Team einen entsprechenden Antrag verlangen werde. Darin müsse versichert werden, dass es in Zukunft keine Manipulationsversuche mehr geben werde. Außerdem solle der Antrag Details darüber enthalten, wer für die bemängelten Seiten verantwortlich sei. Da die Suchergebnisse von Google nach Relevanz sortiert werden, also zum Beispiel danach, wie häufig ein Suchbegriff auf einer Internetseite vorkommt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Treffer zu manipulieren. Regelverstoß Einige davon werden von Google als Regelverstoß betrachtet und mit einem zeitweisen Ausschluss aus dem Suchindex geahndet. Die betroffene Seite taucht dann nicht mehr in den Suchergebnissen auf. So findet man nun zum Beispiel bei einer Suche nach "BMW" und "Neuwagen" über Google diverse Links, aber keinen Verweis mehr zum Neuwagenbereich auf der bmw.de-Seite. Im Fall von www.bmw.de haben nach Angaben von Cutts die Internet- Nutzer andere Seiten zu sehen bekommen als die so genannten Googlebots - Programme, die für die Suchmaschine das Internet durchforsten und den Suchindex erstellen. Während der Verbraucher zum Beispiel unter der Adresse www.bmw.de/bmw-neuwagen.html sofort per JavaScript zu einer Seite mit der Modellauswahl weitergeleitet worden sei, habe das Google-Programm dagegen einen Text angetroffen, in dem das Wort "Neuwagen" sehr oft vorkam. Als Folge sei die Seite bei den Suchergebnissen an vorderer Stelle aufgetaucht. Bislang auf englischsprachige Seiten beschränkt Google hatte sich bisher auf die Sperrung englischsprachiger Seiten beschränkt, die mit versteckten Wörtern und anderen Tricks das Trefferranking erhöhen wollten. Nach einem Bericht von heise.de soll in diesem Jahr nun damit begonnen werden, alle ausländischen Seiten mit unerwünschten Manipulationen vom Suchergebnis auszuschließen. Neben BMW war auch Automobile.de von der Aussperrung betroffen. Die Gebrauchtwagen-Plattform fühle sich allerdings zu Unrecht sanktioniert, schreibt heise.de. Internet-Nutzer, die bei Google nach bestimmten Autos suchten, erhielten bei den Automobile.de-Treffern nach dem ersten Klick einen Auszug aus deren Datenbank, der auch Dutzende von immergleichen Wörtern enthalte, bei denen es sich allerdings um die wirklich gesuchten handele.
Die deutsche Webseite von BMW ist bei der Internet-Suchmaschine rausgeflogen. Begründung: BMW habe, versucht Suchergebnisse zu manipulieren.
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"""Keine Informationen gefunden"" - Google legt sich mit BMW an"
00/05/2010
Jeder redet überall und jederzeit mit jedem, die Kosten sind gewaltig — Warum junge Menschen zunehmend über ihre finanziellen Verhältnisse leben. (SZ vom 11.12.2003) — Heute begreift Jeanette, 16, selbst nicht mehr, was da plötzlich in sie gefahren war. "Ich konnte einfach nicht anders", sagt sie, wenn sie an ihren ersten Monat in München zurückdenkt. "Ich musste einfach telefonieren, telefonieren, telefonieren." Das Mädchen mit den langen blonden Haaren sitzt im Büro des Beratungslehrers der Berufsschule für Gesundheitsberufe in München, das Handy liegt auf dem Tisch neben ihr, griffbereit. Es klingelt nicht während des Gesprächs, aber immer wieder nimmt Jeannette es in die Hand, schaut auf das Display und vergewissert sich, ob eine Nachricht eingegangen ist. "Ich muss es immer bei mir haben," sagt sie. Manchmal, wenn sie es am Morgen zu Hause vergessen hat, dreht sie noch kurz vor der Schule um und nimmt eine Dreiviertelstunde U-Bahn-Fahrt auf sich, um es zu holen. "Ich brauche es." Damals, im Februar, brauchte sie es so sehr, dass sie ein paar Tage lang Angst vor dem Postboten haben musste. Es war kein guter Februar. Ihr Vater hatte eine Arbeitsstelle in München angenommen, für die Familie blieb nur der Umzug aus Goslar ins ferne Bayern. Jeanette empfand diese Veränderung als Katastrophe: Die Lehre als Kosmetik-Fachfrau konnte sie in München nicht fortsetzen, so entschied sie sich wohl oder übel für eine Ausbildung als Zahnarzthelferin. Noch schwerer wog die Trennung von ihrem Freund, mit dem sie damals schon ein Jahr zusammen war. Intimer Begleiter München, die große, fremde Stadt: Jeanette musste sich aussprechen, vertraute Stimmen hören. Sie musste den Kummer mit Worten und immer mehr Worten betäuben. Jeanette musste telefonieren, Jeanette musste viele kurze Nachrichten verschicken, Short Messages, SMS. Sie musste es tagsüber tun und nachts auch. Warum nicht mit dem Handy, das der Vater ihr gegeben hatte? Sprich jetzt, zahle später! Am Ende dieses ersten Monats in München hatte sich Jeanette für knapp 500 Euro ihren Kummer von der Seele geredet - und gesmst. Der Vater schnaubte vor Wut, bezahlte die Rechnung und schenkte ihr ein neues Handy, mit Prepaid-Karte: Zahl erst, sprich später! Ein Monat wie dieser Februar 2003 hat sich seitdem nicht mehr wiederholt. Jeanette lehnt sich zurück und lächelt ein bisschen verlegen. Verstohlen schielt sie zu dem kleinen Gerät vor sich auf dem Tisch. Da erhellt sich ihr Gesicht und sie greift schnell danach: SMS-Post von ihrem Freund! Ein guter Tag. Jeanettes Geschichte ist kein Einzelfall. Trotzdem, sie hat persönliche Erlebnisse geschildert und möchte daher, wie auch die anderen, die noch folgen werden, ihren Nachnamen nicht nennen. Für junge Menschen ist das Handy zu einem Kultobjekt geworden, zum intimen Begleiter in allen Lebenslagen. Viele geben dafür mehr Geld aus, als sie haben. Jugendexperten und Sozialarbeiter sind längst alarmiert, denn der exzessive Gebrauch der Handys ist bei weitem nicht der einzige, aber einer der wichtigsten Gründe dafür, dass Jugendliche in Deutschland immer häufiger Kredite aufnehmen, sobald es ihnen möglich ist. Und damit immer früher in die Nähe einer Schuldenspirale rücken, an deren Ende Pfändung oder Insolvenz stehen können. Mittendrin im Konsumstrudel drehen sich Millionen musikdudelnde, fotografierende, filmende Handys. Wenn sich Jeanette mit ihrer Schulkameradin Yvonne über Mobiltelefone unterhält, sprechen Experten in Kommunikationstechnik miteinander. Nabelschnur Das bloße Nennen codierter Typenbezeichnungen reicht für ein beifälliges Nicken oder abfälliges Gekicher: "Mein erstes war ein C25", sagt Jeanette. "Was? Aber doch nicht das Teil mit dem einzeiligen Display?", entgegnet Yvonne. Mit Mühe vermeiden die beiden einen Lachkrampf: Nur eine Zeile im Display, das ist für Jeanette und Yvonne wie ein Auto, das nur 30 Kilometer schnell ist. Kommunikation im Steinzeitalter. Genau so wie für 27 andere hier an der Berufsschule für Gesundheitsberufe an der Dachauerstraße in München: Arzt- und Zahnarzthelferinnen, pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte, lauter junge Frauen bis auf einen jungen Mann, der hartnäckig schweigt. Sie sprechen gerade über das Handy, im Religionsunterricht. Jede der jungen Frauen besitzt mindestens eins. Abgeklärt erörtern sie den praktischen Nutzen, die größtmögliche Erreichbarkeit. All die guten Gründe eben, warum Eltern sich breitschlagen lassen, ihren Kindern Handys in die Hand geben - Väter und Mütter nutzen das tragbare Telefon wie eine telekommunikative Nabelschnur. Bis ihre Kinder irgendwann, wenn auf dem Display die Festnetznummer von Mama und Papa aufleuchtet, das Gespräch nicht mehr annehmen, um später zu sagen: Du, Mutti, ich hab das Klingeln leider nicht gehört. Über kurz oder lang entdecken Jugendliche das Handy als Quelle eines aufregenden Lebensgefühls. Als Generator einer permanenten Kommunikation, die keinen Aufschub und kein Warten mehr kennt, nur noch den Spaß, der aus der Überraschung erwächst, dem Unerwarteten, das sich hinter dem nächsten Anruf, der nächsten SMS verbirgt. Anna, 17, kann kaum die Mittagspause abwarten, um ihre beste Freundin anzurufen und alles, wirklich alles zu erzählen, was sich an Aufregendem in der Praxis ereignet hat. "Nur so kann ich mich richtig entspannen." Dafür reicht kaum die Stunde Pausenzeit aus. Doch Reden ist Silber, Smsen ist Gold. SMS-Nachrichten begeistern die Mädchen am meisten, als geniale Kombination von Brief und Telefonat. Sandra will möglichst exakt ausdrücken, was sie bewegt, wie in einem Brief. Dann wartet sie begierig auf die Antwort, um wiederum bedächtig an der Replik zu arbeiten und so "ein richtig gutes Gespräch" zu eröffnen. Die Antwort auf die Frage "Wie geht es dir jetzt?" kommt nicht nach zwei Tagen, sondern sofort. Jetzt. Egal, wo man gerade ist, egal, was man gerade tut. Beim Zusammensein mit der Familie, am Arbeitsplatz, in der Schulbank. Und gerade dort am liebsten, wo es eigentlich verboten ist. "Dann fließen Tränen" In der Münchner Schule für Gesundheitsberufe ist es grundsätzlich verboten, Handys zu benutzen. Das Verdikt auf dem Pausenhof durchzusetzen, haben die Lehrer längst aufgegeben. Im Unterricht aber greifen sie durch, ein Verstoß wird mit Einzug des Geräts geahndet. "Das ist die Höchststrafe", erzählt Vertrauenslehrer Gerhard Stoll. "Wenn ich ein Handy einziehe, fließen Tränen." Stoll könnte ein Buch mit den 100 besten Ausreden herausbringen, warum gerade auf dieses eine einbehaltene Handy nicht verzichtet werden kann; todkranke Verwandte, mit denen man in Kontakt bleiben müsse, würden darin eine wichtige Rolle spielen. "Ohne mein Handy fühle ich mich nackt", sagt Melanie, 16. "Ich muss es immer bei mir haben, sonst fehlt mir etwas ganz Wichtiges." Einmal fragte Stoll Schülerinnen, worauf sie eher verzichten könnten: auf Sex oder aufs Handy. Die Mehrheit entschied sich für Sex. Ein Hilfsmittel, das lediglich Kommunikation ermöglichen soll, ist offenkundig dabei, unser Leben zu verändern. Verspätungskultur Beim Kulturanthropologischen Institut der Universität Frankfurt hat der Wissenschaftler Claudius Terkowsky beobachtet, dass die Pünktlichkeit, eine der deutschen Grundtugenden schlechthin, bereits ihre strenge Gültigkeit zu verlieren droht. "Unsere Verabredungskultur entwickelt sich zu einer Verspätungskultur." Wer einen Termin nicht halten kann, gibt über das Handy fortlaufend die Verspätungs-Zwischenstände durch und nimmt so das Treffen zumindest telefonisch vorweg, kommt also zu spät - und eigentlich doch nicht. Man steht ja immerzu in Kontakt. Unpünktlichkeit wird relativ. Klingt das, als müsste sich irgendjemand Sorgen machen? Immerhin reden die Menschen mehr miteinander, und gerade die jungen tun es, ausgerechnet jene Generation, die sich doch angeblich nur noch hinter Computern und Fernsehgeräten verbarrikadiert. Sie reden und reden und reden, die Mädchen mehr als die Jungen, auch wenn es "oft nur Quatsch ist", wie Jeannette lachend einwirft. Warum auch nicht. Die Probleme liegen woanders. In dem Trugschluss beispielsweise, dass eine SMS im Vergleich zum normalen Telefonat günstig sei, weil sie nur 19 Cent kostet. Yvonne zum Beispiel schreibt im Monat schon mal 150 bis 200 Kurzmeldungen, eine SMS zieht ja stets die nächste und die übernächste nach sich. Es gibt ein weiteres Problem, weil Jugendliche sich mit ihren Handys, wie mit einem superleistungsfähigen Spielzeug, ins Internet einklinken, immer neue Jingles und Logos herunterladen und dafür immer neue leistungsstärkere Geräte wollen. Gerade hat Yvonne ein neues Gerät bei Ebay ersteigert. 160 Euro hat es gekostet. Warum, sie hatte doch schon eins? Yvonne schaut belustigt über soviel Ahnungslosigkeit. Wieviel SMS kann ein Standard-Handy speichern? Fünf. Das neue Gerät schafft locker hundert, die in verschiedenen Ordnern abgelegt werden. Ordner Sprüche. Ordner Freund. Rechtzeitig vor Weihnachten ist außerdem eine neue Generation von Computern im Nagelset-Format fertig mit hochauflösenden Kameras, Windows-Betriebssystem, großen Farbdisplays und anspruchsvollen Spielen, Gesamtpreis bis zu 800 Euro. 2170 Euro Schulden Solche Top-Modelle bieten die Telefongesellschaften zu Spottpreisen an - wenn die Kunden einen neuen 24 Monate laufenden Vertrag unterzeichnen. Natürlich inklusive Grundgebühr. Dass sie schon einen Vertrag unterschrieben haben, interessiert viele junge Leute nicht. Das große Problem mit Handys ist einfach, dass sie viel Geld kosten. Das Institut für Jugendforschung in München, das dem Unternehmenbsberater Roland Berger gehört, ermittelte bei einer Befragung, dass bereits sechs Prozent der 13- bis 17-Jährigen Schulden haben, meist bei Eltern, Verwandten und Freunden. Von den 21- bis 24-Jährigen steht jeder Sechste in der Kreide, mit durchschnittlich 2170 Euro. Dabei sind 20- bis 24-Jährige öfter als jede andere Altersgruppe nicht in der Lage, ihren Kreditverpflichtungen nachzukommen. Das hat die Schufa jetzt herausgefunden, die bundesweite Sammelstelle für Kreditverträge. 60 Millionen Handy-Verträge sind derzeit dort registriert. Ein Fetisch, das ist das Handy für die Schul-Sozialarbeiterin Gisela Gfrörer längst geworden, ein Fetisch, dessen Finanzierung die Möglichkeiten junger Auszubildener schlichtweg übersteigt. Verschuldung ist häufig ein Thema in ihren Beratungsstunden an der Münchner Berufsschule. Zwar kommen dabei Handy-Schulden kaum zur Sprache, aber in einer schillernden Konsumwelt, in der sie "den Standard" halten wollen, sind sie für die jungen Menschen besonders verlockend, wie Gisela Gförer meint. Die Folgen: "Immer mehr Auszubildende jobben zusätzlich neben ihrer Lehre, um mehr Geld zu haben, und kommen total erschöpft zur Arbeitsstelle. Oder sie schwänzen die Berufsschule und gehen nebenbei arbeiten." Das kostet schon mal die Lehrstelle. Schlimmstenfalls lassen Jugendliche einfach ihre Ausbildung sausen und nehmen einen besser bezahlten Job an, um ihre Schulden zu tilgen. Bei einer Befragung von 15- bis 26-jährigen Auszubildenden durch die Jugendorganisation des Deutschen Gewerkschaftsbundes in München gab jeder vierte verschuldete Jugendliche an, er habe schon in Erwägung gezogen, deshalb die Lehre abzubrechen. Nur noch Ratenmodelle Simone Kern, beim DGB in Bayern für Jugend zuständig, redet sich leicht in Rage, wenn sie auf das Thema angesprochen wird. "Überall locken Ratenfinanzierungsmodelle. In manchen Unterhaltungselektronik-Katalogen stehen nur noch die Raten - nicht die vollen Preise." Das Erschreckendste aber ist für Simone Kern, dass die meisten jungen Leute denken, sie könnten die Schulden abtragen, wenn sie später mehr verdienen. Sie vergessen dabei nur, dass nicht nur ihr Einkommen wächst, sondern auch ihre Ansprüche - und damit ihre Ausgaben. Yvonne glaubt, ihre Finanzen gut im Griff zu haben. 380 Euro verdient sie im zweiten Lehrjahr als Arzthelferin. Wenn sie an einem Wochenende zweimal ausgeht, sind 100 Euro weg. Allein fürs Handy gehen manchmal 80 Euro drauf, auch wenn sie in Tarif-Fragen auf den Cent genau informiert ist. Aber die schwarzhaarige junge Frau mit der Kurzhaarfrisur ist auch sehr spontan. Vor kurzem hat sie ohne Zögern für einen arbeitslosen Bekannten einen Ratenkaufvertrag über 100 Euro monatlich abgeschlossen. Der Mann brauchte ganz dringend eine Autostereoanlage für 1700 Euro. Wenn er irgendwann seine Zahlungen an sie einstellen sollte, müsste Yvonne weiterzahlen. "Dann habe ich halt eine Autostereoanlage", sagt sie. Nur ein eigenes Auto hat sie nicht. Unlustig und unromantisch Ob es junge Menschen wie Yvonne sind, an die der Bundesverband deutscher Banken denkt, wenn er fordert, das Fach "Wirtschaft" an deutschen Schulen einzurichten? Das Wissen, wie unsere "wirtschaftsdominierte Gesellschaft" funktioniert, sei zu schwach ausgebildet. Um sich zurechtzufinden, brauche man Bewertungsmaßstäbe. Dazu liefert die Schufa die passende Fußnote: Je niedriger die Schulbildung ist, desto größer ist die Gefahr, sich finanziell zu übernehmen. Drei Millionen Haushalte in Deutschland gelten als überschuldet. Aber wie unlustig klingt das doch - und wie unromantisch, wenn man 16 ist. Immer an die Folgen und immer nur ans Geld zu denken! Einmal haben Jeanette und ihr Freund gemeinsam den Vollmond angeschaut. Es war so eine wunderschöne sternenhelle Nacht, wie gemacht für Verliebte. Sie lagen zwar nicht beieinander, sondern jeder in seinem Zimmer, nur durch eine Straße und doch um Welten getrennt. Aber das hat die beiden nicht gestört. Sie konnten sich ja die ganze Nacht lang SMS-Nachrichten schicken.
Jeder redet überall und jederzeit mit jedem, die Kosten sind gewaltig — Warum junge Menschen zunehmend über ihre finanziellen Verhältnisse leben.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/die-alltaegliche-verfuehrung-ohne-mein-handy-fuehle-ich-mich-nackt-1.898740
"Die alltägliche Verführung - ""Ohne mein Handy fühle ich mich nackt"""
00/05/2010
Klaus Kleinfeld geht in die Offensive: Als "Zeichen der Solidarität" wird der Siemens-Vorstand auf die 30-prozentige Gehaltserhöhung verzichten. Das eingesparte Geld fließt in einen Hilfsfonds. Zudem kritisierte der Topmanager den taiwanesischen BenQ-Konzern scharf. Der Bild-Zeitung sagte Kleinfeld: "Wir finden die Vorgehensweise von BenQ in Deutschland inakzeptabel und helfen, so gut wir können". Detailansicht öffnen Viele BenQ Mobile-Mitarbeiter zeigen Siemens-Chef Klaus Kleinfeld symbolisch die Rote Karte (Foto: Foto: AP) Er schloss auch juristische Schritte nicht aus: "Uns wurde versichert, dass die Standorte in Deutschland erhalten bleiben und sogar gestärkt werden. Dieses Versprechen wurde gebrochen. Wir prüfen alle juristischen Schritte gegen BenQ", sagte er demnach. Kleinfeld kündigte gleichzeitig an, dass Siemens mit einem 30-Millionen-Euro-Fonds Härten bei Entlassungen in der ehemaligen Handysparte des Münchner Technologiekonzerns abmildern wolle. "Wenn BenQ die Mitarbeiter im Regen stehen lässt, wollen wir aktiv tatkräftig helfen - und zwar schnell", sagte der Manager. "Zeichen der Solidarität" Mit dem Fonds sollen Qualifizierung, Umschulung oder Weiterbildung Betroffener bezahlt werden. Darin sollten auch die etwa fünf Millionen Euro einfließen, die sonst in die höheren Vorstandsgehälter geflossen wären. Zuvor hatte der zuletzt massiv in der Öffentlichkeit kritisierte Siemens-Chef erklärt, der Vorstand werde auf die 30-prozentige Gehaltserhöhung verzichten. Kleinfeld sagte der Bild-Zeitung, nach der Pleite des Handyherstellers BenQ gebe es eine neue Situation und man wolle den Menschen ein Zeichen der Solidarität geben. Merkel telefoniert mit Kleinfeld Dem Zeitungsbericht zufolge hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag in einem Telefonat mit Kleinfeld das Hilfsangebot begrüßt. Merkel sagte dem Blatt zufolge, sie habe gegenüber Siemens deutlich gemacht, dass dieses Traditionsunternehmen in einer besonderen Verantwortung stehe. Gleichzeitig widersprach Kleinfeld Spekulationen, wonach die Einstellung der Handy-Sparte schon beim Verkauf beabsichtigt war: "Alle Behauptungen, wir hätten die Insolvenz von BenQ Mobile in Deutschland billigend in Kauf genommen, sind böswillige Unterstellungen. Das lassen wir uns nicht gefallen. Unser Ziel war immer, für das Siemens-Handy-Geschäft eine solide Zukunft zu schaffen. Dafür haben wir finanzielle Mittel, Patente und sogar unsere Marke Siemens zur Verfügung gestellt", sagte er. Die angekündigte Erhöhung der Vorstandsbezüge um 30 Prozent war in den vergangenen Tagen auf scharfe öffentliche Kritik gestoßen, zumal bei einzelnen Siemens-Sparten Jobabbau droht. Nach der Insolvenz des an BenQ verkauften Handygeschäfts hatte sich die Kritik an Kleinfeld massiv zugespitzt.
Klaus Kleinfeld geht in die Offensive: Als "Zeichen der Solidarität" wird der Siemens-Vorstand auf die 30-prozentige Gehaltserhöhung verzichten. Das eingesparte Geld fließt in einen Hilfsfonds. Zudem kritisierte der Topmanager den taiwanesischen BenQ-Konzern scharf.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-benq-insolvenz-siemens-chef-kassiert-gehaltserhoehung-ein-1.898352
Nach BenQ-Insolvenz - Siemens-Chef kassiert Gehaltserhöhung ein
00/05/2010