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Die polnische Tankstellenkette PKN Orlen will sich in Deutschland als Billig-Anbieter profilieren. Experten rechnen daher mit einem Preiskampf auf dem von Überkapazitäten geplagten Markt. (SZ vom 18.08.03) - Vom großen Tankstellensterben, das die Branche noch vor Jahresfrist prognostiziert hatte, ist bisher nichts zu spüren. 3.000 bis 4.000 der rund 16.000 Stationen hätten mittelfristig keine Überlebenschance, hatte der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) vermutet. Nach Angaben einer Verbandssprecherin wird diese Prognose aber aufrechterhalten. Denn an den Rahmenbedingungen habe sich nichts geändert: Der Kraftstoff-Verbrauch sinke kontinuierlich. So sei im ersten Halbjahr die Nachfrage nach Benzin um weitere fünf Prozent, die nach Diesel um zwei Prozent geschrumpft. Eine Chance zur Bereinigung des Marktes hatten die großen Anbieter in der Umsetzung der Kartellauflagen für die Fusionen von Shell/Dea und Aral/BP gesehen. Die jeweils letztgenannten Marken werden vom Markt verschwinden. Die übernehmenden Konzerne müssen den Auflagen zufolge bis Ende 2003 einige tausend Stationen verkaufen und damit Marktanteile abgeben. Hoffnungen erfüllten sich nicht Allerdings erfüllten sich Hoffnungen nicht, die Tankstellen könnten an kleinere Ketten gehen, die dann ihre eigenen, weniger wirtschaftlichen Stationen hätten stilllegen können. Grund dafür ist die mangelnde Finanzkraft des Mittelstandes. So hat Aral 494 Tankstellen an den polnischen Newcomer PKN Orlen verkauft, 247 weitere an die österreichische OMV. Shell gibt 950 Stationen an Agip, Avia, Total und andere Betreiber ab. Nach den Zahlen des Energie Informationsdienstes (EID) gewinnen bis zum Jahresende, wenn alle Verkäufe abgewickelt sein sollen, fast alle Gruppen am Tankstellenmarkt hinzu. Denn die bisherigen Marktanteile von BP und DEA fallen weg. An der Spitze finden sich weiterhin Aral und Shell. Signifikant größere Anteile haben nun unter anderem OMV, Agip und Avia, neu im Markt ist PKN Orlen. Nach Meinung des EID-Herausgebers Heino Elfert ist bei dieser Konstellation, die das Mittelfeld sowie die regional operierenden Newcomer besonders stärkt, der nächste Preiskrieg bereits programmiert. Marktanteil von zehn Prozent angepeilt Vor allem das weitere Verhalten von PKN werde ganz entscheidend dafür sein, ob ein so erbitterter Preiskampf wie im Jahr 2000, als die Branche tief in die roten Zahlen abstürzte, noch verhindert werden könne. Immerhin peilen die Polen mittelfristig einen Marktanteil von zehn Prozent an. PKN wird eine Zwei-Marken-Strategie fahren: Von den knapp 500 übernommenen Tankstellen sollen nur 150 unter der Marke Orlen geführt werden, die preislich mit den teuren so genannten A-Marken (Aral, Shell, Esso, Total, Avia, Agip) gleichzieht. An den übrigen 350 Stationen von PKN aber soll der Kraftstoff billiger verkauft werden (B-Segment). Nach Brancheninformationen wollen die Polen dafür mit der Marke "Star" auftreten. Unter den 350 Tankstellen befinden sich rund 170 ehemalige Aral- und BP-Stationen, die bis zum Jahresende von teuer auf billig umgerüstet werden und im regionalen Wettbewerb für erheblichen Wirbel sorgen dürften. Spielraum für Preissenkungen scheint es durchaus zu geben. Nach Angaben von Branchenexperten ist die Ertragslage im Kraftstoffgeschäft im Moment gut, auch wenn einzelne Firmen über schlechte Margen klagen. Der Schock des Jahres 2000 sitzt den Konzernen noch in den Gliedern, und sie versuchen, mit Marketing-Ideen Marktanteile zu gewinnen. Der Bundesverband Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche Deutschland ist allerdings skeptisch, ob diese Strategie Bestand haben kann: Mittelfristig könnten die Überkapazitäten kaum ohne Preiskämpfe abgebaut werden, heißt es. ExxonMobil nur noch im Mittelfeld Der amerikanische ExxonMobil-Konzern zählt zu den Verlierern des neu geordneten Tankstellenmarktes. Das Kartellamt hatte Esso Zukäufe untersagt. Vor den Fusionen der Wettbewerber war Esso Dritter am Markt; heute muss sich der Konzern den dritten Platz mit dem Bundesverband Freier Tankstellen (bft) teilen und befindet sich nur noch im Mittelfeld.
Die polnische Tankstellenkette PKN Orlen will sich in Deutschland als Billig-Anbieter profilieren. Experten rechnen daher mit einem Preiskampf auf dem von Überkapazitäten geplagten Markt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ueberkapazitaeten-tankstellen-vor-neuem-preiskampf-1.907379
Überkapazitäten - Tankstellen vor neuem Preiskampf
00/05/2010
Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: die neue DGB-Vizechefin Ingrid Sehrbrock und ihre Vorgängerin Ursula Engelen-Kefer. Sehrbrock steht für Ausgleich und Zurückhaltung, während sich Engelen-Kefer zu allen Themen zu Wort meldet. Sehrbrock gilt als Frau der ruhigen Töne, als jemand, der nüchtern an die Themen herangeht - ohne viel Getöse - um ihren Job zu machen. Detailansicht öffnen Kann nach eigenem Bekunden auch empfindlich sein: Ingrid Sehrbrock. (Foto: Foto: ddp) Ganz anders ist das bekannte Bild, das Ursula Engelen-Kefer - die bisherige stellvertretende Bundesvorsitzende des DGB - in der Öffentlichkeit vermittelt. Sie meldet sich zu Wort, unüberhörbar, zu allen Themen der Arbeits- und Sozialpolitik. Ihre liebsten Themen: Gerechtigkeit, Gerechtigkeit, Gerechtigkeit. An diesem Dienstag fanden die Wahlen zum Bundesvorstand des DGB statt. Sie bildeten den Mittelpunkt des fünftägigen Gewerkschaftskongresses in Berlin. Der Name der energischen Gewerkschaftsfrau Engelen-Kefer war auf der offiziellen Nominierungsliste nicht mehr zu finden. Vorgängerin zu unbequem Kritiker werfen ihr vor, zu stark zu polarisieren. Zu vielen wurde die 62-Jährige, die auch nicht zögert, die Gewerkschaftsoberen zurechtzuweisen, zu unbequem. Ihren Platz sollte deshalb die 57-jährige Sehrbrock einnehmen. Bis zuletzt ließ Engelen-Kefer offen, ob sie zu einer Kampfkandidatur antreten wird oder nicht. "Es gibt beim DGB ein bewährtes Verfahren, um Kandidaten für die Vorstandsämter auszuwählen", sagte die designierte Vizechefin Sehrbrock kürzlich im Interview der Berliner Zeitung. "Das hat es noch nicht gegeben" "Eine individuelle Bewerbung von außen hat es bisher noch nicht gegeben. Ich gehe davon aus, dass Ursula Engelen -Kefer das respektieren wird." Sie täuschte sich. In letzter Minute ließ sich Engelen-Kefer zu einer Kampfkandidatur hinreißen, in der sie dann allerdings unterlag. Ingrid Sehrbrock ist seit Dezember 1999 Mitglied des Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstands und dort für Jugendpolitik, Bildung und den öffentlichen Dienst zuständig. Spektakulär in Erscheinung getreten ist sie bisher nicht. Gelernte Drogistin Die 1948 in Offenbach am Main geborene Sehrbrock ist gelernte Drogistin. Sie hat das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg abgelegt, in Frankfurt Anglistik, Politikwissenschaft, Chemie und Pädagogik studiert und später als Studienrätin gearbeitet.
Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: die neue DGB-Vizechefin Ingrid Sehrbrock und ihre Vorgängerin Ursula Engelen-Kefer. Sehrbrock steht für Ausgleich und Zurückhaltung, während sich Engelen-Kefer zu allen Themen zu Wort meldet.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ingrid-sehrbrock-gewerkschafterin-der-leisen-toene-1.899563
Ingrid Sehrbrock - Gewerkschafterin der leisen Töne
00/05/2010
Am Dienstag fiel der Startschuss für die gerichtliche Aufarbeitung eines der größten Schocks im Schweizer Wirtschaftssystem - der Pleite der Swissair. Mit der Befragung erster Beschuldigter hat am Dienstagmorgen der Prozess gegen Verantwortliche der 2001 in Konkurs gegangenen Schweizer Fluglinie Swissair begonnen. Detailansicht öffnen Aus den Resten der SwissAir entstand die "Swiss", die 2005 von der Lufthansa gekauft wurde. (Foto: Foto: dpa) Beim Swissair-Prozess geht es um die strafrechtliche Verantwortung der früheren Spitze für den Zusammenbruch der Luftverkehrsholding SAirGroup im Herbst 2001. In Bülach bei Zürich stehen für einen Monat zunächst 19 ehemalige Führungskräfte der Fluglinie vor dem Bezirksgericht. Die Zürcher Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten Urkunden- und Vermögensdelikte, jedoch keine persönliche Bereicherung vor. Ex-Swissair-Führungsspitze angeklagt Angeklagt sind neben der Führungsspitze der Swissair-Dachgesellschaft auch ein früherer Verantwortlicher der polnischen Fluggesellschaft LOT, ein Vertreter der Beratungsfirma KPMG sowie ein Zürcher Rechtsanwalt. Die höchste Strafandrohung der eingeklagten Delikte betrifft die Urkundenfälschung mit fünf Jahren Freiheitsstrafe. Da die Staatsanwaltschaft bereits zum Zeitpunkt der Anklageerhebung erklärt hatte, es handle sich hier nicht um eigentliche Wirtschaftskriminelle, wird jedoch nicht mit Freiheitsstrafen gerechnet. Die Urteile werden erst im Frühling erwartet. Schadenersatz in Milliardenhöhe Einen zweiten Teil der Strafuntersuchung, der die Rechnungslegung und andere Sachverhalte betrifft, will die Staatsanwaltschaft im Laufe dieses Jahres abschließen. Im Zivilverfahren um die größte Pleite der Schweizer Wirtschaftsgeschichte hat der Liquidator Karl Wüthrich bisher drei Verantwortlichkeitsklagen eingereicht. Weitere Klagen sollen folgen. Es geht um Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe. Die Swissair musste am 2. Oktober 2001 wegen Geldmangels den Betrieb einstellen. Nachfolgegesellschaft wurde die Swiss, die jetzt zur Lufthansa gehört.
Am Dienstag fiel der Startschuss für die gerichtliche Aufarbeitung eines der größten Schocks im Schweizer Wirtschaftssystem - der Pleite der Swissair.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/erste-anhoerung-der-beschuldigten-prozessauftakt-zu-swissair-pleite-1.906023
Erste Anhörung der Beschuldigten - Prozessauftakt zu Swissair-Pleite
00/05/2010
Die traditionell erfolgreiche Automobilindustrie in Deutschland läuft Gefahr, im globalen Wettbewerb ausgebremst zu werden. (SZ vom 10.11.03) — Eine neue Studie zeigt, dass vor allem das Zusammenspiel der Hersteller mit ihren Entwicklungspartnern schlecht funktioniert, was immer häufiger zu Pannen führt. Rund die Hälfte der in einer Studie befragten Unternehmen aus der Automobilbranche müssen sich Sorgen um ihre Zukunft als Entwicklungspartner machen, da es vor allem beim Projekt- und Prozessmanagement in der automobilen Produktentwicklung hakt. Die Herausforderungen werden künftig sogar noch größer, weil der Trend zu höherer Variantenvielfalt und damit zu größerer Komplexität der Automodelle anhält. Die Kernerkenntnis Dies ist die Kernerkenntnis einer in den nächsten Tagen erscheinenden Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation sowie der Münchner MVI Group, einem international tätigen Dienstleister für die Automobilindustrie, Titel: "Automobilentwicklung in Deutschland - wie sicher in die Zukunft?". Aus Tiefeninterviews mit 140 Experten von Autoherstellern, Zulieferern und Entwicklungsdienstleistern zogen die Autoren der Studie die Erkenntnis, dass die Automobilentwickler Gefahr laufen, das ganzheitliche technische Know-how und den Kundennutzen aus den Augen zu verlieren. Projekte starten zu spät Schwächen offenbarten sich vor allem beim Projektmanagement: Projekte starten zu spät, Entwicklungspartner werden nicht früh genug einbezogen, Festlegungen unterlassen oder übersehen. In der Folge kommt es zu operativer Hektik und Mängeln in der Projektdurchführung. Das wiederum führe immer häufiger zu Anlaufproblemen in der Produktion, Pannen und teuren Rückrufaktionen bei ausgelieferten Modellen. Allein 2002 zählte das Kraftfahrt-Bundesamt 127 offizielle Rückrufe, mehr als doppelt so viele wie fünf Jahre zuvor. Zeitdruck mindert Zuverlässigkeit Das deute darauf hin, so heißt es in der Studie, dass es mit der Entwicklungsqualität auch deutscher High-Tech-Autos nicht zum Besten stünde. Zeitdruck sowie wachsende Modellvielfalt führten offensichtlich dazu, dass der Reifegrad von Fahrzeugsystemen und deren zuverlässiges Zusammenspiel bei der Markteinführung der Fahrzeuge häufig nicht den Erwartungen der Kunden entsprächen. Vor dem Hintergrund des verschärften Wettbewerbs und Kostendrucks der Autohersteller haben diese inzwischen 80 Prozent der Wertschöpfung eines Fahrzeugs an Zulieferer übertragen, die für die Entwicklung und Fertigung von Modulen, Systemen und teilweise sogar kompletten Fahrzeugen verantwortlich sind. Der Studie zufolge hapert es aber an der Kooperation in der übergreifenden Automobil-Entwicklung. Schlechte Kommunikation Dabei sahen die befragten Experten die größten Schwachstellen beim übergreifenden Projektmanagement sowie bei den Themen "Entwicklungsprozesse" und "Kooperation und Kommunikation". Zudem belasteten Detailverliebtheit der Konstrukteure und späte Änderungswünsche der Hersteller die Entwickler. Das Verbesserungspotenzial in der gesamten Prozesskette der Fahrzeugentwicklung schätzen die Befragten auf durchschnittlich 27 Prozent. Sortierungsbedarf Dietmar Raschke vom Fraunhofer-Institut, der die Studie mit ausarbeitete, vergleicht die Aufgabe der Automobilentwickler in Deutschland mit jener, vor der die Autohersteller vor mehr als zehn Jahren in der Produktion standen: "Es gibt da noch viel Sortierungsbedarf bei der Abstimmung aufeinander aufbauender Abläufe." Er sieht neue Chancen für Entwicklungsdienstleister, die sich als Generalunternehmer um die bisher vernachlässigte Koordination aller Projektteilnehmer verdient machen könnten. Besserungspotential in Sicht Ferdinand Dudenhöffer hingegen, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen, hält die generelle Gefahr für den Automobil-Entwicklungsstandort Deutschland für nicht so groß, wie die Studie schließen lässt: "Man muss differenzieren nach den unterschiedlichen Kulturen, die in den beteiligten Unternehmen herrschen. Bei manchen würde es selbst dann nicht klappen, wenn sie die gesamte Entwicklung in der Hand hielten." Besserungspotenzial bei den Automobilentwicklern sieht aber auch der Wissenschaftler: "Auch da können wir von den Japanern lernen - und zwar mehr Disziplin."
Die traditionell erfolgreiche Automobilindustrie in Deutschland läuft Gefahr, im globalen Wettbewerb ausgebremst zu werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-autokonzerne-der-vorsprung-schrumpft-1.899353
Deutsche Autokonzerne - Der Vorsprung schrumpft
00/05/2010
Die Staatsanwaltschaft will im Juni entscheiden, ob im Korruptionsskandal bei Siemens gegen Heinrich von Pierer ermittelt wird. Der Ex-Konzernchef wehrt sich gegen Kritik an ihm. Der ehemalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer wehrt sich gegen den Verdacht, er habe einen in den Korruptionsskandal verwickelten Manager mit einem ,,goldenen Handschlag'' verabschiedet. Pierer weist auch den Vorwurf zurück, er habe den Aufsichtsrat des Konzerns in dieser Sache hintergangen. Der langjährige Vorstandsvorsitzende der Siemens AG und spätere Aufsichtsratschef Pierer beharrt darauf, während seiner Amtszeit stets korrekt gehandelt zu haben und in keiner Weise in die Schmiergeldaffäre des Konzerns verstrickt zu sein. In einem der Süddeutschen Zeitung vorliegenden Brief an den Aufsichtsrat äußert sich Pieter ,,tief betroffen'' über Anschuldigungen, in denen ihm ein massives Fehlverhalten bei einer Millionenabfindung für einen früheren Manager aus der Kraftwerkssparte unterstellt wird. Abfindung in Höhe von mehr als 1,7 Millionen Euro Mitte 2004 hatten Pierer und ein weiterer Siemens-Vorstand dem damals vorzeitig ausgeschiedenen Finanzchef der Kraftwerkssparte, Andreas Kley, nach Erkenntnissen der Justiz eine Abfindung in Höhe von mehr als 1,7 Millionen Euro gewährt. Das Landgericht Darmstadt verurteilte Kley wegen Schmiergeldzahlungen in Italien vor kurzem zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung. Pierer schreibt in seinem Brief an den Aufsichtsrat, Kley habe von ihm keinen ,,goldenen Handschlag'' bekommen. Es seien lediglich die Kley zustehenden ,,vertraglichen Ansprüche erfüllt'' worden. Das Gericht hatte sich bei der Urteilsverkündung irritiert darüber gezeigt, dass Siemens die Millionen-Abfindung nicht zurückgefordert habe, obwohl Kleys Verwicklung in den Korruptionsfall dem Konzern längst bekanntgeworden sei. Verdacht der Veruntreuung Das Gericht befand, hier könne eine Veruntreuung von Firmenvermögen vorliegen. Der Frankfurter Oberstaatsanwalt Ulrich Busch erklärte daraufhin, man werde prüfen, ob gegen Pierer und andere Siemens-Vorstände wegen Untreue ermittelt werden müsse. Busch hatte in Darmstadt die Anklage vertreten. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft will nach eigenen Angaben im Juni entscheiden, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Sie würde das Verfahren dann an die Kollegen in München abgeben, dem Sitz von Siemens.
Die Staatsanwaltschaft will im Juni entscheiden, ob im Korruptionsskandal bei Siemens gegen Heinrich von Pierer ermittelt wird. Der Ex-Konzernchef wehrt sich gegen Kritik an ihm.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/korruptionsskandal-bei-siemens-pierer-wehrt-sich-gegen-kritik-1.898932
Korruptionsskandal bei Siemens - Pierer wehrt sich gegen Kritik
00/05/2010
Manche Globalisierungsgegner glauben, in Davos werde einmal im Jahr über das Schicksal der Welt entschieden. Das ist Unfug. Das Weltwirtschaftsforum ist kein "Gipfel", eher ähnelt die Veranstaltung einem Klassentreffen von, zugegeben, sehr reichen und teilweise mächtigen Leuten. Was den Gründer des Forums, Klaus Schwab, allerdings auszeichnet, ist ein untrügliches Gespür für die richtigen Themen, den richtigen Zeitpunkt und die richtige Inszenierung. Klaus Schwab "verbietet" Krawatten im Kongresszentrum - und schon tragen die Medien seine Botschaft in die Welt: Davos ist locker und menschlich. Wichtiger aber war, im dritten Jahr nach dem 11. September 2001 das Thema Sicherheit auf die Tagesordnung zu setzen. Wobei Sicherheit weit mehr bedeutet als lediglich der Schutz vor Terroranschlägen. Ungefähr die Hälfte der Menschen auf der Welt fürchtet, in Zukunft weniger sicher leben zu müssen als heute. Das ergab eine Meinungsumfrage des Forums. Man kann über Details dieser Umfrage streiten, nicht jedoch über die Grundaussage: Die Menschen sind tief verunsichert, wobei der Pessimismus nirgends so verbreitet ist wie in Westeuropa. Fast zwei Drittel aller Europäer glauben, dass ihre Kinder weniger gesichert leben werden als sie selbst; in Nordamerika sind es nur 47 Prozent. Und das, obwohl die Europäer viel weniger Angst vor Terroristen und Schurkenstaaten haben müssten als die Amerikaner. In den Zahlen spiegelt sich die Krise der europäischen Sozialstaaten, das Gefühl der Bürger, dass sie sich den heutigen Wohlstand bald nicht mehr leisten können. Die Debatte um die Reform der Sozialsysteme bekommt ihre eigentliche Dramatik durch die berechtigte Sehnsucht der Menschen nach Sicherheit und die wachsende Angst vor einer ungesicherten Zukunft. Das ist besonders unter den Deutschen so, die aufgrund ihrer Geschichte ausgesprochen sicherheitsbewusst sind, und deren soziales Sicherungssystem Ergebnis dieser Geschichte ist. Sicherheit ist ein selbstverständliches Grundbedürfnis der Menschen: Schutz von Leben, Gesundheit und Eigentum, die Abwehr von Aggression, die Vorsorge gegen Risiken. Doch das Bedürfnis ist extrem unterschiedlich ausgeprägt. Die Risiken, die der eine fürchtet, nimmt der andere gar nicht wahr. Schutz, Abwehr, Vorsorge Das ist eine hochpolitische Angelegenheit: In den Vereinigten Staaten stehen seit den Terroranschlägen von New York und Washington innere und äußere Sicherheit über allem. Der Krieg gegen den Terror hat zu Sicherheitsmaßnahmen an den Grenzen Amerikas und im Lande selbst geführt, die Außenstehenden oft grotesk erscheinen. Wer als Bürger eines als kritisch eingestuften Staates in New York landet, der muss immer fürchten, zunächst einmal als potenzieller Verbrecher behandelt zu werden. Was den Amerikanern die militärische, das ist den Europäern die soziale Sicherheit. Und entsprechend erscheint Amerikanern die Hartnäckigkeit grotesk, mit der die Deutschen an bestimmten Regulierungen etwa am Arbeitsmarkt festhalten. Allgemeiner ausgedrückt: Militärische und innere Sicherheit sind "rechte" Themen, soziale Sicherheit ist ein "linkes". Neu ist, dass sowohl die "linke" als auch die "rechte" Sicherheit durch unterschiedlichste Phänomene bedroht scheinen, durch Phänomene, für die man sich den problematischen Begriff "Globalisierung" angewöhnt hat: technischer Fortschritte, radikal verbesserte Kommunikation, offene Grenzen, Verschiebung der ökonomischen Gewichte in der Welt, Einwanderung, Begegnung mit fremden Kulturen. Das Gefühl der Bedrohung ist nachzuvollziehen angesichts des schnellen Wandels in der Welt. Und doch kann genau dieses Gefühl zur eigentlichen Bedrohung von Freiheit und Wohlstand werden. Schon in den Zeiten des Kalten Krieges wusste man, dass absolute Sicherheit eine "tödliche Utopie" ist. Jeder Polizeiexperte warnt vor der Vorstellung, es könne den absoluten Schutz vor Verbrechen geben. Heute greift die Regierung in Washington beim Krieg gegen den Terror massiv in die Bürgerrechte ein. Gefangene werden in Guantanamo unter fragwürdigen Bedingungen festgehalten. Das Sicherheitsstreben birgt im Übrigen auch ökonomische Risiken: Der Außenhandel wird teurer, die Ausgaben für Militär und innere Sicherheit sprengen den Staatshaushalt. Das Problem haben die Amerikaner selbst mit einem schönen Wortspiel umschrieben: Früher galt die Devise "just in time," heute heißt es "just in case". Auf deutsch: Früher wusste man, dass Zeit Geld ist, heute sichert man sich gegen alle Eventualitäten ab - egal, was es kostet. Wie viel Risiko darf es sein? Die Risiken des amerikanischen Sicherheitsstrebens sind den Europäern und besonders den Deutschen sehr bewusst, sie spielen eine große Rolle in der allgemeinen Amerika-Kritik. Weniger präsent sind auf dieser Seite des Atlantiks die Risiken des eigenen Strebens nach sozialer Sicherheit. Hier mag der amerikanische Blick von außen auf die europäischen Probleme helfen. Viele Amerikaner nehmen die deutsche Wirtschaft als eine große Ansammlung von Vorschriften wahr. Überall sagt einem jemand, was man alles nicht darf. Die Sichtweise mag verzerrt sein, aber dass die Utopie der absoluten sozialen Sicherheit gefährlich ist, das merken die Deutschen inzwischen auch selbst, und wenn es nur auf dem Umweg über den Geldbeutel ist. Wer umfassende soziale Sicherung verspricht, der wird unglaubwürdig, weil dies niemand mehr bezahlen kann. Wer aber nur aufs Geld blickt, der übersieht leicht das Wesentliche. Die deutsche Gesundheitsreform senkt ein wenig die Kosten der Krankenkassen, aber sie macht das System nicht wirklich zukunftsfähig. Die Bürger fühlen sich genauso ungesichert wie zuvor, nur müssen sie jetzt noch mehr dafür bezahlen - kein Wunder, dass sie wütend werden. Die Zukunft ist offen, sie birgt Chancen und Risiken. Konzentriert man sich nur auf die heute absehbaren Risiken, dann wird man zu unbeweglich, um auf neue Gefahren reagieren zu können. Und man beschneidet die Chancen, die in der Zukunft liegen. Konkret: Achtet man nur darauf, dass die heutigen Rentner sozial gerecht behandelt werden, dann werden die Kinder Opfer des demographischen Wandels und man vergibt die Möglichkeiten, die etwa eine kapitalgedeckte Altersvorsorge für das Wachstum der deutschen Wirtschaft bietet. Der Zusammenhang lässt sich an vielen anderen Beispielen illustrieren: Einwanderung birgt Risiken. Wollte eine Regierung die Risiken aber ausschließen, müsste sie Immigration ganz unterbinden. Dann würde sie die Chancen abschneiden, die Immigranten für die eigene Volkswirtschaft bieten; das Land wäre irgendwann auch für die Einheimischen nicht mehr sehr wohnlich. Die Ideale Sicherheit, Freiheit und Wohlstand bedingen einander - sie können sich aber auch gegenseitig gefährden. Die Deutschen müssen deshalb ihr eigenes Konzept der sozialen Sicherheit überprüfen, wenn sie Freiheit und Wohlstand sichern wollen.
Manche Globalisierungsgegner glauben, in Davos werde einmal im Jahr über das Schicksal der Welt entschieden. Das ist Unfug.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-sehnsucht-nach-sicherheit-1.914718
Kommentar - Sehnsucht nach Sicherheit
00/05/2010
Vor allem Entwicklungsländer haben mit gefälschten Arzneimitteln zu kämpfen. Ob Backpulver, Sägemehl oder gefärbtes Wasser - kein Hilfsmittel ist den Täuschern zu profan. Auch deutsche Apotheken haben mit Plagiaten zu kämpfen. Die Netzwerke der Fälscher zeigen bereits mafiöse Strukturen. Es traf einen kleinen Pharma-Händler in Niederbayern. 800 Packungen des Aids-Medikaments Zerit lagerten in seinem Regal, billig als Sondereinkauf erworben. Apothekenpreis: etwa 350 Euro pro Packung. Unangemeldet standen im November 2002 plötzlich die Vertreter der Landshuter Aufsichtsbehörde vor der Tür: Der Händler möge die Ware herzeigen, sie sei vermutlich falsch. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: ddp) Zuvor war ein Tipp eingegangen. Eiligst wurden Experten vom Zerit-Hersteller Bristol-Myers-Squibb (BMS) gerufen: Die brauchten lange, bis sie die Fälschung entlarvten: Verpackung und Tabletten sahen dem Original zum Verwechseln ähnlich. "Kein Apotheker würde den Unterschied erkennen", sagt Ingrid Kempf, Verkaufsleiterin bei BMS in München. Es folgten Razzien in Frankfurt, Mannheim, Kassel. Über 4200 falsche Zerit-Päckchen stellte die Polizei sicher. Die Produktpiraten hat das Bundeskriminalamt (BKA) bis heute nicht gefunden. Die Spur führte über eine Briefkastenfirma in der Schweiz nach Israel - und von da irgendwo nach Fernost. Mafiöse Methoden "Die Gefahr, dass Fälschungen auch in Deutschland auf den Markt kommen, wächst", sagt Mona Tawab vom Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker. Wie groß das Risiko wirklich ist, weiß sie nicht. Nur 24 deutsche Fälle sind beim Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden seit 1996 aktenkundig - von der Realität dürfte das, so Tawab, weit entfernt sein. "Die Dunkelziffer liegt höher." Die Pharma-Konzerne geben mit Blick auf ihren Ruf nur ungern Auskunft. Sicher ist: Hersteller von Marken-Präparaten verlieren Milliardenumsätze. Der Internationale Verband der Arzneimittelhersteller schätzt, dass Kriminelle damit 25 Milliarden Euro pro Jahr einnehmen. Nicht alle Pharma-Experten möchten sich zu dem Thema äußern - manche fürchten die mafiösen Methoden der Fälscher. "Bereits fünf bis sieben Prozent aller Arzneien hierzulande sind falsch", sagt ein Insider, der mehr als 40 Jahre in der Branche gearbeitet hat. Sein Fazit: Längst sind nachgemachte Arzneien nicht mehr nur ein Problem der Entwicklungsländer. Weltweit, so schätzt die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA, ist jedes zehnte Medikament illegal. Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen: 60 Prozent der Fälschungen bestehen aus wirkungslosen Substanzen, 35 Prozent haben zu wenig oder falsche Inhaltsstoffe. Nur fünf Prozent enthalten den richtigen Wirkstoff in einer falschen Packung. Die EU-Osterweiterung als "Erfolgsfaktor" Das Lebensmittelamt in Nigeria warnt davor, dass bis zu 60 Prozent aller Arzneien im Lande Plagiate sein könnten. Die Folgen sind dramatisch; oft sind lebensrettende Medikamente gegen Malaria, Tuberkulose oder Aids betroffen. Backpulver, Sägemehl, gefärbtes Wasser - kein Hilfsmittel ist den Täuschern zu profan. Der Betrug endet oft tödlich. In Europa sind es teure Lifestyle-Präparate wie Viagra oder Anabolika, die gefälscht oder als illegale Re-Importe eingeschleust werden. "Deutschland als einer der größten und teuersten Pharma-Märkte ist ein gefundenes Fressen für Fälscher", sagt BMS-Managerin Kempf. "Am Fälschungsgeschäft ist die gesamte deutsche Vertriebskette - meist unwissentlich - beteiligt." Neben dem Internet habe die EU-Osterweiterung Vorschub geleistet, meint die Wissenschaftlerin Tawab. "Durch die wegfallenden Handelshemmnisse gelangen gefälschte Arzneien leichter hierher", sagt sie. Die Zentren der Produktion, so Tawab, sind Osteuropa, die Ukraine und Russland. Die meisten Giftküchen vermutet die WHO aber in Asien. 2003 wurden in China 1300 illegale Laboratorien geschlossen. Seit Anfang August soll die 12. Novelle des Arzneimittelgesetzes Abhilfe schaffen: Sie definiert Arznei-Fälschungen als Straftatbestand genauer. Doch es bleiben Lücken: Die Kontrolle endet, wenn eine Arznei den Hersteller verlässt. Das könnte sich bald ändern: Der geschädigte Pharmakonzern BMS klebt jetzt auf die Packungen eines teuren Krebsmittels eine Gen-Codierung - der DNA-Sticker, so behauptet Kempf, sei im Gegensatz zu Hologrammen oder Strichcodes fälschungssicher.
Vor allem Entwicklungsländer haben mit gefälschten Arzneimitteln zu kämpfen. Ob Backpulver, Sägemehl oder gefärbtes Wasser - kein Hilfsmittel ist den Täuschern zu profan. Auch deutsche Apotheken haben mit Plagiaten zu kämpfen. Die Netzwerke der Fälscher zeigen bereits mafiöse Strukturen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/medikamentenfaelschung-toedlicher-betrug-1.916572
Medikamentenfälschung - Tödlicher Betrug
00/05/2010
Nach dem Weltrekord des Hochgeschwindigkeitszugs TGV mit 574,8 Stundenkilometern hält sich die Euphorie in Frankreich in Grenzen: Die Staatsbahn SNCF hält sich alle Optionen offen und will künftig auch dem deutschen ICE eine Chance geben. Einen Tag nach der Rekordfahrt des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV sicherte die französische Staatsbahn SNCF am Mittwoch zu, beim Ersatz ihrer alternden TGV-Flotte "die Konkurrenz spielen" zu lassen. Neben dem TGV-Bauer Alstom könnten auch Siemens mit seinem ICE und Bombardier Angebote vorlegen, erklärte der SNCF-Generaldirektor Guillaume Pépy am Mittwoch im Pariser Rundfunk. Die französische Bahn will ab 2013 ihre TGV-Flotte ersetzen. Die Aufträge haben einen Schätzwert von sieben bis neun Milliarden Euro. Die Ausschreibungen sollen im Herbst beginnen. "Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis wird gewinnen", sagte Pépy. Hauptkriterium Zuverlässigkeit Hauptkriterium sei die Zuverlässigkeit. Am Dienstag hatte ein Versuchs-TGV die Geschwindigkeit von 574,8 km/h erreicht. Im Reiseverkehr sind bis zu 300 Km/h üblich. Die SNCF gehört zu den TGV-Partnern. Auch in der französischen Presse war die Rekordfahrt Gegenstand nüchterner Betrachtungen. Die Mülhausener Zeitung L'Alsace kommentierte:"Der TGV ist zunächst der Beweis, dass die Marktwirtschaft kein Allheilmittel ist. Es gibt ihn, weil der Staat in die Bahn des 21. Jahrhunderts investiert hat. Erlauben wir uns ein Kikeriki auf einen - echten - Erfolg des französischen Modells. Aber behalten wir dabei einen kühlen Kopf." Die Rekordfahrt wecke Erinnerungen an den Erstflug des Airbus A380 im Mai 2005, schrieb L'Alsace weiter. Das schöne Flugzeug habe sich wenige Tage vor dem EU-Referendum in die Lüfte erhoben, und viele Politiker hätten die Herrlichkeit des A380 als Argument zu genutzt, um zum "Ja" aufzurufen: "Man weiß, was daraus wurde: Der A380 fliegt sehr gut, doch Airbus geht es sehr schlecht." "Nur einen Teil des Weges zurückgelegt" Das dürfe sich beim TGV nicht wiederholen, so die Zeitung weiter. Der Zug von Alstom und der Staatsbahn SNCF habe nur einen Teil seines Weges zurückgelegt. Jetzt gehe es darum, ihn im Ausland zu verkaufen. Das sei nicht einfach, denn die Technik sei dabei nicht immer entscheidend.
Nach dem Weltrekord des Hochgeschwindigkeitszugs TGV mit 574,8 Stundenkilometern hält sich die Euphorie in Frankreich in Grenzen: Die Staatsbahn SNCF hält sich alle Optionen offen und will künftig auch dem deutschen ICE eine Chance geben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/trotz-tgv-rekord-frankreichs-bahn-will-ice-eine-chance-geben-1.899807
Trotz TGV-Rekord - Frankreichs Bahn will ICE eine Chance geben
00/05/2010
Niki Lauda will jetzt auch in Deutschland Autos für einen Euro verleihen — und zwar Luxussmarts. Niki Lauda gilt den Österreichern als Sparefroh schlechthin. Viele halten ihn sogar für richtig geizig. Dies ist aber nicht der Grund, warum der frühere Rennfahrer und dreifache Formel-1- Weltmeister von Sommer an zum Mietpreis von einem Euro pro Tag auch in Deutschland Autos anbieten will. Auffallen um jeden Preis Lauda, der als Flugunternehmer schon zweimal gescheitert ist und sich jetzt neuerlich als solcher versucht, plant vielmehr, sein in Wien seit Oktober 2003 mit inzwischen hundert Autos erfolgreich erprobtes und viel bestauntes Geschäftsmodell nach München und eventuell bald auch nach Stuttgart und Frankfurt zu exportieren. "Wir schauen uns momentan diese drei Städte genau an", sagt der Geschäftsführer von "Lauda Motion", Stefan Miklauz. Er hält München, wo eine entsprechende Firma in Gründung sei, auf den ersten Blick wegen des eher kleinen Stadtzentrums für recht ideal. In einem kleineren Stadtzentrum würden die bunten, über und über mit Werbung bepflasterten und anfangs geplant 50 Kleinstwagen vom Typ Smart stärker auffallen als etwa in Berlin, das Miklauz für seine Zwecke für zu weitläufig hält. Darum geht es im Kern: Auffallen um fast jeden Preis ist der Dreh. Nur wenn Werbetreibende genug Geld für die kleinen, rollenden Litfasssäulen locker machen, rechnet sich das Geschäft, das via Internet eingefädelt wird. Dort werden täglich zwischen elf und 14 Uhr die Autos angeboten, die wenig später von zuvor registrierten Kunden - sie müssen mindestens 23 Jahre alt sein - an bestimmten Plätzen abgeholt werden können. In Wien gibt es inzwischen 7500 registrierte Kunden. Soundpaket und Klimaanlage Die Firma gibt vor, ob die Mieter das Auto, das täglich auf eigene Spritrechnung mindestens 30 Kilometer im Stadtgebiet gefahren werden muss und maximal 20 Kilometer darüber hinaus bewegt darf, zwei bis vier Tage haben können. Wer glaubt, vom berüchtigten Geizkragen Lauda nur Kleinwagen mit der mickrigsten Ausstattung für einen Euro täglich mieten zu können, irrt. "Wir haben bewusst das teuerste Modell mit Radio, Klimaanlage und Soundpaket gewählt", sagt Geschäftsführer Miklauz über das Geschäft mit den Hoppers, das ähnlich in Berlin und Hamburg auch vom Konkurrenten maxhopp betrieben wird.
Niki Lauda will jetzt auch in Deutschland Autos für einen Euro verleihen — und zwar Luxussmarts.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/autovermietung-die-billigtour-des-rennfahrers-1.917080
Autovermietung - Die Billigtour des Rennfahrers
00/05/2010
Bei den jüngsten Rückrufen von verseuchtem Spielzeug hat sich Mattel stets kooperativ gegeben. Doch in den USA werden Vorwürfe laut, der Konzern verweigere sich den Meldefristen der Kontrollbehörden. Mattel bestreitet den Vorwurf. Erst war es bleihaltige Farbe, dann waren es potentiell gefährliche Magneten, nun ist es wieder Blei im Barbie-Zubehör: Innerhalb kürzester Zeit ist der weltgrößte Spielwarenhersteller Mattel in diesem Sommer gezwungen, drei große Rückrufaktionen für seine Produkte durchzuziehen. Solche Fehlschläge können den Ruf eines Unternehmens schnell ruinieren, und Mattel suchte daher in allen drei Fällen demonstrativ den Schulterschluss mit den Aufsichtsbehörden, um den Schaden zu regulieren. Der Schutz der Kinder habe höchste Priorität - gefährliche Spielwaren würden daher so schnell wie möglich aus dem Verkehr gezogen, so der kalifornische Konzern. Auffassungsunterschiede Zwischen dem Unternehmen und der US-Regierung sollen allerdings schon seit geraumer Zeit erhebliche Auffassungsunterschiede darüber bestehen, in welcher Frist potentiell gefährliche Spielwaren gemeldet werden müssen. Das werde von Mattel sogar eingeräumt, schrieb das Wall Street Journal am Dienstag. Mattel bestreitet den Vorwurf jedoch: "Bei den drei jüngsten Rückrufen waren wir sogar schneller als gefordert", sagte das Unternehmen zu sueddeutsche.de. Auch ansonsten seien die Vorwürfe im Wall Street Journal nicht haltbar. Die Consumer Product Safety Commission (CPSC), die in den USA für Produktsicherheit zuständig ist, geht im Regelfall davon aus, dass risikobehaftete Mängel innerhalb von 24 Stunden gemeldet werden müssen.
Bei den jüngsten Rückrufen von verseuchtem Spielzeug hat sich Mattel stets kooperativ gegeben. Doch in den USA werden Vorwürfe laut, der Konzern verweigere sich den Meldefristen der Kontrollbehörden. Mattel bestreitet den Vorwurf.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gefaehrliches-mattel-spielzeug-wenn-der-alarmruf-kommt-1.880811
Gefährliches Mattel-Spielzeug - Wenn der Alarmruf kommt
00/05/2010
Der Automobilbranche steht möglicherweise ein neuer Korruptionsskandal bevor: Der französische Zulieferer Faurecia soll die Einkäufer mehrerer Konzerne bestochen haben. Mit im Blickfeld steht wieder VW. Nachdem bereits im Vorjahr in München Zulieferer aufgeflogen waren, die drei inzwischen vom Unternehmen entlassene Einkaufsmanager von BMW bestochen haben sollen, rollt jetzt die Frankfurter Staatsanwaltschaft einen Fall auf, der eine Reihe von Autokonzernen betreffen soll. Detailansicht öffnen Mitarbeiter zahlreicher Autokonzerne sind möglicherweise in einen neuen Korruptionsskandal verwickelt. (Foto: Foto: ddp) Mitarbeiter der pfälzischen Niederlassung des französischen Autozulieferers Faurecia, die auch in den Münchner Fall verwickelt ist, stehen im Verdacht, Einkäufer mehrerer europäischer Autokonzerne bestochen zu haben. Faurecia ist weltweit einer der führenden Hersteller von Cockpits, Abgasanlagen und Innenausstattung. Mitarbeiter von VW und Audi angeblich geschmiert Nach übereinstimmenden Berichten von Frankfurter Rundschau und Spiegel sollen auch Mitarbeiter von VW und Audi angeblich geschmiert worden sein. Ein in Untersuchungshaft sitzender Faurecia-Manager soll eingeräumt haben, jährlich 600.000 bis 800.000 Euro Bargeld weitergereicht zu haben. Auch sollen Urlaubsreisen und Wohnungseinrichtungen spendiert worden sein. Ein Audi-Mitarbeiter soll 160.000 Euro bekommen haben. Bei einem vor Jahren pensionierten VW-Bereichsleiter geht es um Zahlungen in Höhe von 139.000 Euro, die er bar erhalten haben soll. Geld soll auch an Seat-Mitarbeiter geflossen sein. "Fast alle sind drin", sagt ein Insider. "Fest steht nur, dass Peugeot und Citroen nicht drinstecken, weil sie mit Faurecia verbandelt sind". Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sollen einigen Managern die Wohnungseinrichtung, sogar Bordellbesuche und auch Spendenpartys, bei denen sie als Wohltäter auftraten, bezahlt worden sein. Für Europas größten Autobauer ist der Fall Faurecia besonders unangenehm. VW-Vorstandsvorsitzender Bernd Pischetsrieder hat sich persönlich eingeschaltet und ließ sich über Details informieren. Einerseits war der VW-Manager, der 139.000 Euro kassiert haben soll, einst in der Hierarchie vergleichsweise weit oben angesiedelt. Zum anderen leidet der Konzern unter den Auswirkungen einer Korruptionsaffäre, die im vergangenen Jahr publik geworden war. "Wie Könige gebärdet" Verstrickt ist darin unter anderem der frühere VW-Personalvorstand Peter Hartz, dem eine Anklage wegen der Begünstigung von Betriebsratsmitgliedern droht. Nach Bekanntwerden der so genannten Lustreise-Affäre hatte der VW-Vorstand Anfang dieses Jahres zwei Ombudsleute ernannt, an die sich Mitarbeiter bei Korruptionsverdacht wenden können und die dann Hinweisen nachgehen. Pischetsrieder will hart gegen die Sünder im eigenen Haus, aber auch gegen Unternehmen vorgehen, die Mitarbeiter schmieren.
Der Automobilbranche steht möglicherweise ein neuer Korruptionsskandal bevor: Der französische Zulieferer Faurecia soll die Einkäufer mehrerer Konzerne bestochen haben. Mit im Blickfeld steht wieder VW.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bestechung-vw-erneut-unter-verdacht-1.906492
Bestechung - VW erneut unter Verdacht
00/05/2010
Die deutschen Staatsschulden werden 2003 stärker wachsen als jemals zuvor: Die Bundesregierung erwartet nach Informationen der Süddeutschen Zeitung, dass das Defizit bei mehr als vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen wird, und damit noch höher ist als beim Schuldensünder Frankreich. (SZ vom 07.10.03) - Allein Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) wird sich nach Angaben aus Regierungskreisen mehr als 40 Milliarden Euro leihen müssen - und damit mehr als doppelt so viel, wie ursprünglich geplant war. Detailansicht öffnen Deutschland und Frankreich haben ähnliche Probleme: Die Nettokreditaufnahme seit 1980. (Foto: Grafik: sueddeutsche.de) In der zweiten Oktoberhälfte will Eichel dem Kabinett einen Nachtragshaushalt vorlegen, der ihm eine zusätzliche Kreditaufnahme von mindestens 22 Milliarden Euro erlaubt; die genaue Höhe wird gerade von Eichels Haushaltsexperten ermittelt. Gleichzeitig drohen weitere Milliardenlöcher in den Etats der Bundesländer und Gemeinden sowie in der Sozialversicherung, deren Minus ebenfalls in die Berechnung des Maastricht-Kriteriums mit einfließt. 3,8 Prozent sind nicht mehr zu halten Angesichts dieser Entwicklung ist das revidierte Schuldenziel von 3,8 Prozent, das die Regierung erst vor fünf Wochen nach Brüssel gemeldet hat, nicht mehr zu halten. "Es kann sein, dass es noch etwas mehr wird", hatte Eichel bereits am Wochenende angedeutet. Im Klartext heiße dies, wie Regierungskreise erläutern, dass die Kreditaufnahme von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen insgesamt bei "vier Prozent plus X" des Bruttoinlandsprodukts liegen werde. So sind die Steuereinnahmen nach einem Zwischenhoch im Juni und Juli wieder eingebrochen. Gleichzeitig wachsen die Löcher in der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Allein der Griff in die eiserne Reserve der Rentenkasse, die so genannte Schwankungsreserve, wie ihn Sozialministerin Ulla Schmidt derzeit anstrebt, würde das deutsche Maastricht-Defizit um weitere 0,1 Prozentpunkte nach oben treiben; hinzu kommen die zusätzlichen Ausgaben für die Arbeitslosigkeit. Das drohende Minus bei den Steuereinnahmen von bis zu drei Milliarden Euro erhöht das Defizit ebenfalls um weitere 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte. Erstmals über Vier-Prozent-Marke Deutschland wird damit erstmals seit Einführung des Euro die Vier-Prozent-Marke beim Schuldenlimit überschreiten und sich damit womöglich noch stärker verschulden als Frankreich. Die Regierung aus Paris hatte bereits Ende August eingeräumt, dass das Defizit im Jahr 2003 bei vier Prozent liegen werde - und zudem erklärt, man werde auch im nächsten Jahr nicht die vorgeschriebene Drei-Prozent-Grenze einhalten. Die EU-Kommission hat sich deswegen bereits auf eine schwere Auseinandersetzung mit Paris eingestellt. Finanzkommissar Pedro Solbes hatte Paris im Juni aufgefordert, bis zum 3. Oktober Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, das Defizit nach der Verfehlung in diesem Jahr 2004 wieder in Einklang mit den europäischen Schuldenregeln zu bringen. Ernsthafte Sanktionen drohen Diesen Termin ließ Paris verstreichen, ohne den Haushaltsentwurf, der einen Fehlbetrag von 3,6 Prozent vorsieht, zu ändern; nun drohen ernsthafte Sanktionen aus Brüssel. Bei einem Zusammenkommen im Rahmen des deutsch-französischen Wirtschaftsrates in Trier bemühte Frankreichs Finanzminister Francis Mer sich deshalb am Montag um einen Schulterschluss mit Eichel. An diesem Dienstag wollen auch die EU-Finanzminister bei ihrem monatlichen Treffen in Luxemburg über den Fall beraten. "außergewöhnliche Umstände" Insbesondere kleinere und stabilitätstreue Länder wie die Niederlande und Österreich dürften scharfe Kritik an Frankreich üben. Mer argumentiert, seit Juni habe sich die konjunkturelle Situation in seinem Land erheblich verschlechtert. Er plädiert auf "außergewöhnliche Umstände", womit eine Überschreitung der Drei-Prozent-Grenze ohne Strafe erlaubt wäre. Der Generaldirektor von Finanzkommissar Solbes, Klaus Regling, will einen solchen Ausnahmetatbestand aber nicht erkennen. Sanktionen gegen Frankreich werden die Finanzminister noch nicht beschließen. Zunächst wird die Kommission im Laufe des Monats wirtschaftspolitische Auflagen für das Defizitland ausarbeiten. Mer hofft auf Kompromissbereitschaft Brüssels, etwa wenn sich Frankreich verpflichten würde, das strukturelle Defizit statt um 0,7 um einen Prozentpunkt zu senken.
Die deutschen Staatsschulden werden 2003 stärker wachsen als jemals zuvor: Die Bundesregierung erwartet nach Informationen der Süddeutschen Zeitung, dass das Defizit bei mehr als vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen wird, und damit noch höher ist als beim Schuldensünder Frankreich.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streit-um-den-stabilitaetspakt-regierung-defizit-bei-vier-prozent-plus-x-1.899380
"Streit um den Stabilitätspakt - Regierung: Defizit bei ""vier Prozent plus X"""
00/05/2010
Der neue Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme wirft den internen Prüfern des Konzerns vor, den Aufsichtsrat nicht ausreichend über mögliche Korruptionsfälle informiert zu haben. Dem Prüfungsausschuss seien ,,wichtige Informationen nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt worden'', bemängelte Cromme. Zudem wurde bekannt, dass der Zentralvorstand von Siemens im November vorigen Jahres einen hochrangigen Mitarbeiter, Albrecht Schäfer, mit der Aufarbeitung der Schmiergeld-Affäre beauftragt hatte, der zu diesem Zeitpunkt von der Staatsanwaltschaft als Beschuldigter geführt wurde. Schäfer ist führender Anti-Korruptionsbeauftragter des Konzerns und leitete zeitweise eine Sondereinheit (Task Force), mit der Siemens nach der ersten Razzia der Staatsanwaltschaft selbst gegen strafbare Geschäftspraktiken vorgehen wollte. Schäfer wurde nach eigenen Angaben vom Zentralvorstand berufen. Siemens wollte sich dazu am Donnerstag nicht äußern. Hinweise auf fragwürdige Vorgänge Ein halbes Jahr nach Beginn des Korruptionsskandals bei Siemens mehren sich damit Hinweise, dass in der Konzernzentrale offenbar versucht wurde, Hinweise auf fragwürdige Vorgänge herunterzuspielen oder zu vertuschen. Dem Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates sind nach den nun vorliegenden Informationen wesentliche Erkenntnisse vorenthalten worden, die bei den Kontrolleuren vermutlich frühzeitig großen Alarm ausgelöst hätten. Die internen Untersuchungen der amerikanischen Kanzlei Debevoise & Plimpton hätten ergeben, dass dem Ausschuss ,,wichtige Informationen nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt wurden'', sagte Cromme der Süddeutschen Zeitung. Darüber habe die US-Kanzlei den Aufsichtsrat vergangene Woche informiert. Siemens hatte Debevoise & Plimpton im Dezember 2006 eingeschaltet. Der Prüfungsausschuss wird von Cromme geleitet und hat die Aufgabe, auf die Einhaltung der Gesetze hinzuwirken. Auf Informationen der Zentrale angewiesen Dabei ist der Ausschuss auf die Informationen angewiesen, die ihm aus der Konzernzentrale vorgelegt werden, sowohl von der Rechtsabteilung wie auch von der internen Revision und der Anti-Korruptionseinheit Compliance. Nach übereinstimmenden Angaben mehrerer Aufsichtsräte gerät der Personalmanager und frühere Anti-Korruptionsbeauftragte Schäfer zunehmend in den Blickpunkt der internen Untersuchungen.
Der neue Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme wirft den internen Prüfern des Konzerns vor, den Aufsichtsrat nicht ausreichend über mögliche Korruptionsfälle informiert zu haben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neue-vorwuerfe-bei-siemens-cromme-beklagt-vertuschung-1.902927
Neue Vorwürfe bei Siemens - Cromme beklagt Vertuschung
00/05/2010
Norbert Stangl - obwohl erst 41 Jahre alt - kommt aus einer anderen Epoche der Informationstechnologie (IT). Schon 1999 hat er sein Unternehmen Firstgate Click & Buy gegründet, in einer Zeit, als sich alle in der Branche ohne Pause selbst feierten. Damals liefen bei ihm die Geschäfte schlecht. Erst als die Blase an den Börsen um Technikaktien platzte und der gesamte Sektor in Trübsal verfiel, kam für Stangl der Aufschwung. Traumpartner Amazon.com Und nun, wo alle wieder schwärmen, vom Zeitalter des Web 2.0, der Neuerfindung des Internets, hofft Stangl darauf, den neuen Goldgräbern das Werkzeug zu liefern - weltweit: Click & Buy bietet ein Zahlsystem fürs Netz. "Ich glaube nach wie vor an meine Ursprungsidee von 1999, dass sich das Internet zu einem riesigen Marktplatz entwickeln wird", sagt er. "Nur die Inhalte sehen anders aus, als ich mir es damals vorgestellt habe." Aufschwung, Krise und nun wieder Überschwang - das Auf und Ab in der IT-Branche hat Stangl einiges abverlangt. Besonders der Start von Click & Buy war nervenzehrend. "Ich war oft davor, das Ganze hinzuschmeißen." Dabei war er selbst davon überzeugt, dass nicht alle Angebote im Internet auf Dauer gratis bleiben werden. "Irgendwann ist das Freibier zu Ende, lautete meine Theorie", sagt Stangl - und lacht. Der Rheinland-Pfälzer ("Ein ,ch' gibt es bei uns nicht") lacht viel. Sein Humor hat ihm geholfen, die Krise zum Start zu meistern. Denn damals glaubten die wenigsten an sein Geschäftsmodell. Der schwierige Anfang traf einen vom Erfolg verwöhnten Jungmanager, der sich früh für Technik interessierte. Nach Abitur, Lehre zum Industriekaufmann in der Kosmetikbranche und berufsbegleitendem Studium der Betriebswirtschaft in Ludwigshafen machte Stangl sein Hobby zum Beruf. Manfred Schmitt, Chef des Computerbauers Escom, stellte ihn 1991 als Assistenten ein. 1994 übernahm Stangl die Leitung eines Geschäftsbereichs beim Internetdienstleister 1 & 1. "Nach weiteren drei Jahren dachte ich: Das kann ich auch selber." Mit 32 Jahren gründete er 1997 daher sein erstes Unternehmen namens Strato, das Web-Seiten für Privat- und Firmenkunden betrieb. "Ist Ihr Name im Internet noch frei?", lautete der Slogan der ersten Werbebroschüre. Zu Beginn antworteten 2000 Kunden im Monat mit "Ja" und schlossen einen Vertrag bei Strato ab, wenig später waren es 6000 monatlich. Im zweiten Jahr nach Firmenstart bot Rivale Teles einen kleinen, zweistelligen Millionenbetrag für Strato. Stangl und sein Partner stimmten zu. "Es war dumm, die Firma zu verkaufen", sagt er heute. Vor zwei Jahren hat Freenet den Bereich von Teles gekauft: für 160 Millionen Euro. Das Positive für den Firmenchef mit der dicken, schwarz-umrandeten Brille: Mit dem Geld von Teles gründete er Click & Buy. Aber der Effekt, wie bei Strato, wo ihm die Kunden gleich zu Beginn die Türen einrannten, blieb aus. "Wir haben das System angeschaltet - und es ist nichts passiert." Doch mit Beharrlichkeit überzeugte Stangl von seiner Idee. "Wir sind beispielsweise sieben Mal zum Spiegel nach Hamburg geflogen. Bis sie gesagt haben, sie würden das System probieren, wenn wir nicht wiederkommen", sagt der Firmenchef - und zeigt wieder sein Lachen. Inzwischen haben sich weltweit fast neun Millionen Surfer angemeldet und können bei 7000 Internetläden mit Click & Buy zahlen. Der Umsatz lag 2006 im dreistelligen Millionenbereich bei einem Verlust. Stangl hofft auf Profit durch Web 2.0: Viele Angebote werden zwar über Werbung finanziert, sobald eines kostenpflichtig ist, will er aber mitmischen. So können bald Nutzer von Second Life, der derzeit angesagtesten Web 2.0-Plattform, über sein System bezahlen. "Ja, ich wäre gerne von Ebay gekauft worden" Für die Expansion hat sich Stangl finanzkräftige Partner an Bord geholt. Neben den Wagniskapitalgesellschaften der Deutschen Telekom, Intel sowie 3i sind zwei Familien aus der Schweiz beteiligt. Daher gibt es nun die Deutschlandzentrale in Köln und eine Filiale für das weltweite Geschäft in Zug, nahe Zürich. Die Mehrheit an seinem Unternehmen hat er abgegeben. Er besitze aber immer noch genug Anteile, "um die nächsten zehn Jahre weiterzumachen". Trotz so viel Unternehmergeist legt Stangl wenig Wert auf die Eigenständigkeit von Click & Buy. "Ja, ich wäre gerne von Ebay gekauft worden", sagt er. Dagegen hat das Online-Auktionshaus im Sommer 2002 Paypal übernommen. Das große Ziel von Stangl lautet, in der gleichen Liga wie der Rivale zu spielen. In Deutschland sind beide gleichauf - weltweit jedoch hat Paypal mehr als 130 Millionen Kunden. Bei Google ist Stangl deshalb schon vorstellig geworden, doch die Suchmaschinenbetreiber haben abgewunken und ein eigenes Zahlsystem gestartet. "Ich komme nur noch an Paypal, wenn sich Amazon uns anschließt und mit einem Schlag 60 Millionen Kunden auf unsere Plattform bringt", sagt Stangl. Gespräche mit dem Internetkaufhaus gibt es, aber erst im Anfangsstadium. Wenn das nicht klappt, zeigt er sich auch offen für die Börse. Sagt aber zugleich: "Solange wir Geld für unsere Expansion anderswo bekommen, warum sollten wir einen Börsengang machen?"
In der Web 2.0-Ära sollen alle mit Click & Buy zahlen, hofft Firmengründer Norbert Stangl - doch nur mit fremder Hilfe wird das wahr.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/internet-ist-ein-riesiger-marktplatz-ausruester-der-goldgraeber-1.918206
"""Internet ist ein riesiger Marktplatz"" - Ausrüster der Goldgräber"
00/05/2010
Die Telekom ist nicht mehr die gute alte Bundespost, wie sie manche gerne noch hätten - und das ist gut so. Denn als Monopolist hätte die Telekom die Preise kaum so stark gesenkt und das Mobilfunknetz nicht so schnell ausgebaut. Mit der Deutschen Telekom verhält es sich ein wenig so wie mit der Deutschen Bahn: Jeder kennt sie, jeder hat seine Erfahrungen mit ihr gemacht - und diese sind meist nicht die besten. Detailansicht öffnen Magentarot statt postgelb: Das ist die heutige Realität für die Deutsche Telekom. (Foto: Foto: dpa) Die Geschichten sind stets die gleichen: Da warten Kunden wochen- oder monatelang darauf, dass ein Anschluss geschaltet oder eine Störung behoben wird. Da wissen Berater, die der Telekom-Kunde anruft, nur den Rat, sich doch bitte an eine andere Service-Nummer zu wenden, deren Mitarbeiter (wenn man sie erreicht) auch nicht wissen, wie sie helfen können. Es ist schick, über die Telekom zu schimpfen, so wie man übers Finanzamt klagt oder über die GEZ, die die Rundfunkgebühren eintreibt. Preis und Leistung Manches davon mag übertrieben sein. Doch wenn jeden Monat mehr als 150.000 Kunden der Telekom adieu sagen, muss etwas daran sein, dass Preis und Leistung nicht zusammen passen. Und dass der Service nicht so perfekt ist, wie es peppige Anzeigen und Fernsehspots vorgaukeln. Schlimmer noch leiden jene Menschen unter der Telekom, die einst an Manfred Krug und dessen frohe Botschaft geglaubt haben, die T-Aktie sei so sicher wie ein Sparbuch, werfe aber ein Vielfaches an Gewinn ab. Fast zwei Millionen Deutsche glaubten dem netten Herrn Krug und dem netten Herrn Sommer (so hieß damals der Chef der Telekom). Sie kauften beinahe blind die T-Aktie und öffneten die Augen erst, als der Kurs des Papiers im Keller war, steil abgestürzt wie die gesamte New Economy. Ein Volk von Verlierern Die einstige Volksaktie hat ein Volk von Verlierern geschaffen, und nicht wenige Kleinanleger haben sich geschworen, nie wieder an der Börse zu investieren; den Telefonanschluss von der Telekom haben die meisten aber immer noch. Wer dieses Unternehmen führen will, das die Deutschen so sehr bewegt, hat es also nicht leicht. Wie immer auch der Chef heißt, ob Ron Sommer, Kai-Uwe Ricke oder jetzt Rene Obermann, er muss sich nicht nur um schnöde Geschäftszahlen kümmern, um die Gunst der Kapitalmärkte und neue Produkte. Nein, er muss sich auch mit all den Emotionen und Gefühlen auseinander setzen, die sich um seinen Konzern ranken. Er muss erdulden, dass jeder seiner Schritte von der Politik, den Medien, den Kunden (immer noch über 40 Millionen) und den Mitarbeitern (immer noch 248.000) argwöhnisch verfolgt wird, so wie auch beim nun verkündeten Sanierungsprogramm. Schwieriges Erbe Es ist ein Job, der jeden überfordert, weil man als Chef der Telekom nicht allen gerecht werden kann und zudem ein schwieriges Erbe verwaltet.
Die Telekom ist nicht mehr die gute alte Bundespost, wie sie manche gerne noch hätten - und das ist gut so. Denn als Monopolist hätte die Telekom die Preise kaum so stark gesenkt und das Mobilfunknetz nicht so schnell ausgebaut.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/die-telekom-und-der-wettbewerb-adieu-bundespost-1.917686
Die Telekom und der Wettbewerb - Adieu, Bundespost
00/05/2010
Die EU-Kommission hat eine Entscheidung zum umstrittenen deutschen Dosenpfand aufgeschoben. Brüssel folgt damit einer Aufforderung von Umweltminister Trittin, der einen Praxistest für die am Mittwoch in Kraft getretene Neuregelung zum Dosenpfand angeregt hatte. Brüssel wolle sich erst in drei Wochen zu dem Thema äußern, teilte das Büro von EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein am Mittwoch mit. Zunächst wolle die Behörde die am Mittwoch in Kraft getretene Neuregelung beim Pfand unter die Lupe nehmen. Dies ist ein Erfolg für Bundesumweltminister Jürgen Trittin: Er hatte die Kommission am Montag in Brüssel aufgefordert, sich zunächst die Pfandpraxis anzuschauen. Scharfe Beobachtung Die EU-Kommission kündigte allerdings eine scharfe Beobachtung der deutschen Dosenpfand-Regelung an. Durch den Aufschub sei das förmliche Prüfverfahren keineswegs aufgehoben. "Wir werden die drei Wochen nutzen, um die Lage weiter zu untersuchen", sagte ein Sprecher von Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein. Die Kommission will wissen, ob die Kunden ihre Getränkeverpackungen nach dem Start der bundesweiten Rücknahme-Pflicht tatsächlich ohne Probleme zurückgeben können. 30 Beschwerden Nach Angaben von Bolkesteins Sprecher Jonathan Todd hat die Behörde vorab mehr als 30 Beschwerden gegen das System erhalten. Die Einwände kamen von Unternehmen der Getränkebranche und Privatleuten aus zehn EU-Staaten, darunter auch aus Deutschland. Diese Kritiker dürften die Situation nach dem Startschuss im Auge behalten und der Kommission mögliche Probleme melden. Zugleich zeigte sich die Kommission offen für einen weiteren Dialog mit der Bundesregierung. "Das Thema wurde von der Tagesordnung genommen, um mehr Zeit zu haben für die Diskussion innerhalb der Kommission und mit der deutschen Seite", sagte der Chefsprecher der Brüsseler Behörde, Reijo Kemppinen. Trittin zufrieden Ganz im Sinne dieser Dialogbereitschaft nahm Trittin die Aufschubs-Entscheidung der EU-Kommission "mit Befriedigung" zur Kenntnis. Sein Sprecher Michael Schroeren sagte: "Aus unserer Sicht besteht keine Rechtfertigung für die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens." Denn die von der Kommission beanstandete Übergangsregelung sei beendet. Die bundesweite Rücknahme leerer Einwegverpackungen funktioniere. Damit seien eine Benachteiligung ausländischer Anbieter von Getränken nicht geben und eine Behinderung des Binnenmarktes nicht ersichtlich. Beschwerden Bolkestein vermutet auf Grund der Beschwerden der verschiedenen Marktteilnehmer, dass die Dosenpfand-Regelung ausländische Getränkeanbieter benachteiligen könnte. Trittin hatte am Montag in Brüssel versucht, die Bedenken Bolkesteins zu zerstreuen. Die Kritik der Kommission richtet sich nicht gegen das Pfand selbst, sondern in erster Linie gegen die bisher geltende Übergangsregelung. Danach konnten Kunden ihre Dosen und Einwegflaschen nur in dem Geschäft zurückgeben, wo sie sie gekauft hatten.
Die EU-Kommission hat eine Entscheidung zum umstrittenen deutschen Dosenpfand aufgeschoben. Brüssel folgt damit einer Aufforderung von Umweltminister Trittin, der einen Praxistest für die am Mittwoch in Kraft getretene Neuregelung zum Dosenpfand angeregt hatte.
wirtschaft
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Dosenpfand - Etappensieg für Trittin
00/05/2010
Trotz der Korruptionsaffäre in seinem Haus soll Jochen Sanio zunächst im Amt bleiben. Berlin - Der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Jochen Sanio, soll trotz der Korruptionsaffäre in seinem Haus im Amt bleiben. Sanio bleibe definitiv an der Spitze der Behörde, erklärte der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Finanzstaatssekretär Thomas Mirow, am Mittwoch in Berlin. Der oberste Bankenkontrolleur der Republik genieße das Vertrauen des Gremiums. Detailansicht öffnen Jochen Sanio bleibt Bafin-Chef. (Foto: Foto: dpa) Der Verwaltungsrat hatte zuvor auf seiner Sondersitzung entschieden, Sanio für 2005 vorerst nicht zu entlasten. Die Vertreter von Finanzwirtschaft, Regierung und Koalition wollen dies nach Angaben von Mirow aber auf ihrer nächsten Sitzung am 17. November tun. Mirow begründete dies damit, dass der Verwaltungsrat die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bonn abwarten will. Über vier Millionen Euro veruntreut Die Staatsanwälte untersuchen derzeit mehrere Korruptionsfälle in der Bafin. Der ehemalige Leiter der Computerabteilung, Michael Raumann, soll falsche Rechnungen ausgestellt und über vier Millionen Euro veruntreut haben. Er hat inzwischen gestanden. Die Ermittler haben zudem weitere Mitarbeiter der Behörde im Verdacht, durch Scheinrechnungen Geld erschlichen und Verwandte und Freunde mit Jobs in der Bafin versorgt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen 17 Personen innerhalb und außerhalb der Bafin. Im Oktober will sie erste Ergebnisse vorlegen. Sanio erklärte dem Verwaltungsrat am Dienstag, welche Konsequenzen er aus der Korruptionsaffäre ziehen will. Er will die Zeichnungsbefugnisse ändern und zudem ein neues, internes Kontrollsystem installieren. Darüber hinaus soll eine neue Hauptabteilung geschaffen werden, die sich unter anderem um Rechtsfragen kümmert.
Trotz der Korruptionsaffäre in seinem Haus soll Jochen Sanio zunächst im Amt bleiben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bafin-skandal-sanio-bleibt-chef-der-finanzaufsicht-1.900105
Bafin-Skandal - Sanio bleibt Chef der Finanzaufsicht
00/05/2010
Es ist die Zeit der Rückblicke, und sollte auch die weißrussische Führung das Jahr 2006 noch einmal durchforsten, müsste sie eigentlich auf ein Ereignis von Anfang April stoßen. Detailansicht öffnen Auf für die Weißrussen wird das Gas num zum knappen Gut: Pipelines werden nahe der weißrussischen Stadt Neswisch verlegt. (Foto: Foto: AFP) Damals kündigte der russische Energiekonzern Gazprom bereits an, Weißrussland müsse von 2007 an dreimal so viel Geld für das russische Gas zahlen wie bisher - mindestens. Es hätte also genug Zeit gegeben, in Ruhe miteinander zu verhandeln. Statt dessen klingt das Jahr nun mit lauten Drohungen über Lieferstopps aus, so dass auch manche Deutsche schon wieder um ihre warmen Winterabende zittern. Größere Sorgen aber dürfte vor allem der in die Enge getriebene weißrussische Herrscher Alexander Lukaschenko haben. Beugt er sich dem Fiananzdiktat von Gazprom, könnte schnell das Fundament ins Wanken geraten, auf dem er seine Macht gebaut hat: die von Russland mit Freundschaftspreisen subventionierte Staatswirtschaft. Eine deutliche Preiserhöhung könnte Lukaschenko daheim teuer zu stehen kommen, sein Handlungsspielraum im Gasstreit ist also gering. Moskau ist einer der wenigen Verbündeten, die dem weißrussischen Diktator noch geblieben sind, eine offene Konfrontation mit Gazprom und dem dahinter stehenden Kreml kann Minsk nicht gewinnen. Klammheimliche Sympathie Ironischerweise müssten nun deshalb im Westen all jene, die das Ende der Lukaschenko-Ära herbeiwünschen, klammheimlich mit der russischen Preistreiberei sympathisieren.
Die Preispolitik des Gazprom-Konzerns gefährdet Weißrusslands Regime - und Moskaus Ansehen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gasstreit-russlands-doppeltes-risiko-1.904451
Gasstreit - Russlands doppeltes Risiko
00/05/2010
Mit 100 Millionen Flaschen hat der Absatz der Gruppe in diesem Jahr neue Rekordhöhen erreicht. Das Sekthaus baute seinen bundesweiten Marktanteil auf 30 Prozent aus. "Wenn allein zu Silvester in Deutschland 40 Millionen Flaschen Sekt getrunken werden, kommt jede dritte aus unserem Haus", sagte der geschäftsführende Gesellschafter Gunter Heise. "Für uns war 2003 das erfolgreichste Jahr seit der Privatisierung." Vor zehn Jahren war die Sektkellerei in Freyburg (Burgenlandkreis) noch ein Sanierungsfall. Heise übernahm das Unternehmen 1993 zusammen mit weiteren Gesellschaftern. Schritt für Schritt stellte sich der Erfolg ein: Im Jahr 2001 schluckte Rotkäppchen schließlich die Marke Mumm, Jules Mumm und MM (Hochheim/Eltville). Guter Erfolg "2003 als erstes volles gemeinsames Geschäftsjahr war ein guter Erfolg", sagte Heise, der im vergangenen Jahr von der Wirtschaftszeitschrift "Horizont" zum Unternehmer des Jahres gewählt worden war. Seit Anfang 2003 gehört auch noch die Geldermann Privatsektkellerei (Breisach) zur Unternehmens-Familie, die mittlerweile zum umsatz- und absatzstärksten Unternehmen der Branche avancierte. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund vier Litern sind die Deutschen Weltmeister beim Sekt trinken. Allerdings ist nach Angaben des Verbandes Deutscher Sektkellereien der Sektabsatz in Deutschland in den ersten zehn Monaten des Jahres 2003 um 2,1 Prozent gesunken. Die Branche hofft aber auf einen starken Dezember. Preisdruck Nach Einschätzung von Heise hat die seit längerem mit Preisdruck und Absatzrückgängen kämpfende Branche die Talsohle durchschritten. "Voraussetzung ist allerdings die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage insgesamt. Dann wachsen zwar die Bäume nicht in den Himmel, aber 2004 kann ein gutes Jahr werden", sagte Heise voraus. Im kommenden Jahr soll für die Marke Mumm - trotz des Marktdrucks - eine Preiserhöhung um 40 Cent durchgesetzt werden. "Mumm muss wieder da hin, wo er mal war", sagte Heise. Für die Marke Rotkäppchen soll der Vormarsch in den alten Bundesländern fortgesetzt werden. "Wahnsinn" Inzwischen habe Rotkäppchen im Westen vor allem wegen der massiven Werbung einen Bekanntheitsgrad von 90 Prozent. "Das ist für ein Ostprodukt Wahnsinn", sagte Heise. Der Marktanteil liege derzeit bei 4,6 Prozent. "Das entspricht einem Absatzzuwachs zwischen 30 und 35 Prozent". Ziel sei es, den Rotkäppchen-Anteil auf 5,5 Prozent zu bringen. Im Osten führt die Marke mit 50 Prozent.
Mit 100 Millionen Flaschen hat der Absatz der Gruppe in diesem Jahr neue Rekordhöhen erreicht. Das Sekthaus baute seinen bundesweiten Marktanteil auf 30 Prozent aus.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rotkaeppchen-sekt-schoener-die-korken-nie-knallten-1.899932
Rotkäppchen-Sekt - Schöner die Korken nie knallten
00/05/2010
Der weltgrößte Autokonzern General Motors gibt seine Beteiligung am angeschlagenen Fiat-Konzern ab und zahlt 1,55 Milliarden Euro. Alle Verpflichtungen sind damit erledigt. Im Gegenzug verzichten die Italiener darauf, von ihrer im Jahr 2000 mit GM beschlossenen Verkaufsoption Gebrauch zu machen. Zudem werden die bestehenden Kooperationsunternehmen beendet. Damit erhält Fiat etwas mehr als zuletzt in Berichten spekuliert wurde. Detailansicht öffnen Erleichtert: Fiat-Chef Luca Montezemolo. (Foto: Foto: AP) GM gibt zudem zehn Prozent an der defizitären Fiat-Autosparte an den Mutterkonzern zurück. Die gesamte Transaktion belastet das GM-Ergebnis nach Angaben des Unternehmens mit 840 Millionen Dollar oder 1,49 Dollar je Aktie. Fiat erhält nach eigenen Angaben eine Milliarde Euro noch an diesem Montag . Der Rest folge innerhalb der kommenden 90 Tagen. Fiat braucht vor allem Finanzmittel für die Sanierung und den Schuldenabbau. Erleichterung allenthalben Fiat-Chef Luca Montezemolo zeigte sich erleichtert über die Einigung, berichtete das staatliche italienische Fernsehen. "Heute ist ein wichtiger Tag", sagte er. Zugleich sei die Einigung ein positives Signal für die Fiat-Sanierung. Montezemolo sagte, wäre es nicht zu der Vereinbarung gekommen, hätte Fiat demnächst auf die Verwirklichung der "Put-Option" bestanden. Auch der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi zeigte sich erleichtert. Die Einigung "eröffnet neue Aussichten für den italienischen Konzern". Der italienische Sozialminister Roberto Maroni begrüßte die Vereinbarung. "Jetzt ist Fiat wieder ganz in italienischer Hand." Er hoffe, dass der angeschlagene Turiner Konzern nun bald Erfolge bei seiner Sanierung vorweisen kann. Fiat ist nach Ansicht von Experten nicht zuletzt wegen verfehlter Modellpolitik in den vergangenen Jahren abgerutscht. "Faires und gerechtes Abkommen" GM-Chef Rick Wagoner sagte laut Pressemitteilung: "GM und Fiat haben die beste Vereinbarung für ihre Unternehmen und Anteilseigner getroffen. Wir glauben, dass die beiden Unternehmen ein faires und gerechtes Abkommen abgeschlossen haben. Beiden Seiten ist es dadurch möglich, das hohe Niveau an Kosteneinsparungen fortzusetzen.
Der weltgrößte Autokonzern General Motors gibt seine Beteiligung am angeschlagenen Fiat-Konzern ab und zahlt 1,55 Milliarden Euro. Alle Verpflichtungen sind damit erledigt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ende-einer-schwierigen-beziehung-fiat-und-gm-trennen-sich-friedlich-1.897881
Ende einer schwierigen Beziehung - Fiat und GM trennen sich friedlich
00/05/2010
Der höchste Jackpot seit Einführung des Euros wartet am Mittwoch auf die Lottospieler in Deutschland. Der Jackpot enthalte rund 16 Millionen Euro, da er am Wochenende wieder nicht geknackt worden sei. Dies teilte die Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt, federführende Gesellschaft im Deutschen Lotto- und Totoblock, am Montag mit. Auch wegen der Nikolaussonderauslosung erwartet WestLotto-Sprecher Elmar Bamfaste einen Ansturm auf die rund 26.000 Lotto-Verkaufsstellen. Mit 16 Millionen Euro ist der derzeitige Jackpot der vierthöchste in der fast 50-jährigen deutschen Lotto-Geschichte überhaupt, wie die Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt mitteilte. Unangefochtener Rekordhalter bleibe nach wie vor ein Supersechser aus dem Jahr 1994, der mit umgerechnet 21,6 Millionen Euro - damals 42,3 Millionen D-Mark - gefüllt war und von vier Spielern geknackt wurde. 1:140 Millionen Den bisher höchsten Einzelgewinn gab es danach am 4. Juli 1999: Umgerechnet 10,7 Millionen Euro (21 Millionen D-Mark) gingen damals an einen Lotto-Spieler in Schleswig-Holstein. Den größten Einzelgewinn des laufenden Jahres 2003 kassierte mit 9,7 Millionen Euro ein Berliner bereits im Januar. Die Chance auf den Jackpot-Gewinn wird von der Lotto-Toto-Gesellschaft jedoch nur auf 1:140 Millionen beziffert. "Einfacher" sei es schon, einen Sechser zu treffen. Hier liege die Quote bei 1:15 Millionen. Dieses Glück hatten am vergangenen Samstag immerhin sieben Lotto-Spieler. Zu ihren "sechs Richtigen" fehlte nur die richtige Superzahl für den Jackpotgewinn von 14,4 Millionen Euro. Doch können sie sich nun 3,4 Millionen Euro aus der zweiten Gewinnklasse teilen, entsprechend einem Einzelgewinn von 491.077,60 Euro. "Es war reines Glück für uns, dass er stehen geblieben ist", sagte Bamfaste über den Jackpot. Insgesamt wurden am Samstag Gewinne in Höhe von fast 43 Millionen Euro ausgeschüttet. Flut von Autos zu gewinnen Der gut gefüllte Jackpot hatte laut Bamfaste schon am vergangenen Wochenende das Lottofieber steigen lassen. Liegen die Umsätze bundesweit an normalen Wochenenden bei etwa 70 Millionen Euro, waren es am vergangenen Wochenende den Angaben zufolge zufolge rund 86 Millionen. Der durchschnittliche Umsatz der ganzen Woche, also für die Ziehungen am Mittwoch und am Samstag, von rund 100 Millionen Euro bei Lotto 6 aus 49 könnte laut Lotto- und Totoblock um mindestens ein Drittel steigen. Lotto-Spieler, die für beide Ziehungen dieser Woche ihren Tippschein abgeben, hätten sogar die doppelte Chance auf einen Glückstreffer. Denn wer am Mittwoch und Samstag bei Lotto, Toto oder Glücksspirale mit von der Partie ist und dabei auch die Zusatzlotterie Spiel 77 ankreuzt, nimmt automatisch an der Weihnachts-Sonderauslosung des Deutschen Lotto- und Totoblocks teil. 66 Mercedes E 220 sowie 111 VW Golf V warten dabei auf ihre Gewinner. Bei dieser Sonderauslosung spielen die 16 Lotto-Gesellschaften 4,6 Millionen Euro nicht eingelöste Gewinngelder aus Spiel 77 ein zweites Mal aus. Mit den vier Sonderauslosungen des Deutschen Lotto- und Totoblocks in diesem Jahr hatten und haben die Lotto-Spieler in Deutschland eine zusätzliche Chance auf insgesamt 12,5 Millionen Euro Gewinne, die hauptsächlich in Autos als Sachpreisen ausgelost werden.
Der höchste Jackpot seit Einführung des Euros wartet am Mittwoch auf die Lottospieler in Deutschland.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/16-millionen-euro-der-lotto-topf-zum-bersten-gefuellt-1.901351
16 Millionen Euro - Der Lotto-Topf — zum Bersten gefüllt
00/05/2010
Beim Börsengang der Deutschen Bahn soll die Position des Bundes gestärkt werden - deswegen fordert die Union eine Änderung des Gesetzentwurfs. Damit will sie verhindern, dass das Schienennetz irgendwann der Bahn zufällt. Die Verkehrsexperten der Unionsfraktion wollen den Gesetzentwurf zur Privatisierung der Bahn nur unter Bedingungen mittragen. So dürfe unter keinen Umständen der Bahn das Schienennetz irgendwann zufallen. "Andernfalls wäre dies ein integrierter Börsengang, den wir definitiv ablehnen", heißt es in dem Ergebnisvermerk einer Unions-Expertengruppe. Er liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Umstritten bleiben damit nach wie vor die Konditionen, unter denen die Bahn weiterhin mit dem Schienennetz verfahren darf. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die Bahn die Infrastruktur, als Gleise, Bahnhöfe und Stromleitungen, mindestens 15 Jahre lang bewirtschaften und in ihrer Bilanz führen darf. Hinsichtlich dieser Laufzeit bestehe noch "Klärungsbedarf", heißt es nun im zuständigen Unions-Arbeitskreis. Drei weitere Optionen Auch sieht das Gesetz drei Optionen vor, die nach Ablauf der 15-Jahres-Frist greifen können - je nach Entscheidung der Bundesregierung: Demnach könnte das Netz entweder komplett an den Bund zurückfallen, der Bund könnte den Deal verlängern - oder aber das Netz komplett an die Deutsche Bahn abtreten. Diesen letzten Passus will die Union gestrichen sehen. Statt dessen solle dann "eine Automatik zu Gunsten des Bundes" greifen. Sprich: Der Bund soll im Zweifel nach 15 Jahren wieder alleinige Verfügungsgewalt über das Netz erhalten. "Unbedingt zu vermeiden" sei außerdem, dass der Bund die Infrastruktur zweimal bezahlen muss. Nach dem Gesetzentwurf soll der Bund der Bahn nach Ablauf der Frist das Netz wieder abkaufen. Der Entwurf sehe dafür aber einen zu hohen Preis vor, kritisiert die Union. Bund soll nicht den höheren Wert des Netzes zahlen Anders als vorgesehen solle der Bund nach Ablauf der Frist nicht den höheren Verkehrswert für das Netz zahlen müssen, sondern nur den Wert, mit dem die Netzinfrastruktur in den Büchern steht - und zwar nur jene Infrastruktur, die die Bahn zuvor aus eigenen Mitteln hinzugefügt hat. Auch müssten Sonderzuwendungen an die Bahn von vornherein ausgeschlossen werden. Die Entwürfe aus dem Verkehrsministerium sehen vor, dass sich der Bund auf 15 Jahre hin verpflichtet, jährlich bis zu 2,5 Milliarden Euro für die Infrastruktur bereitzustellen. "Darüber hinaus gehende Sonderzuwendungen des Bundes sind dadurch nicht ausgeschlossen", heißt es im Gesetzentwurf. Dieser Passus müsse gestrichen werden, fordert die Union. Überhaupt müsse das Gesetz den "verfassungsrechtlichen, sachenrechtlichen, gesellschaftsrechtlichen, bilanz- und finanzrechtlichen Härtetest" erst bestehen, schreiben die Abgeordneten. Der Gesetzentwurf wird derzeit zwischen den Ministerien abgestimmt. Wegen des Klärungsbedarfs hatte das Unions-geführte Wirtschaftsministerium bereits fünf Wochen Aufschub erbeten. Juristisch ambitionierter Gesetzesentwurf Der Gesetzentwurf gilt als juristisch ambitioniert, weil er der Bahn einerseits erlauben soll, das Netz weiter in seiner Bilanz zu führen, ganz so, als wäre es sein Eigentum. Eigentlicher Eigentümer allerdings soll der Bund bleiben, der im egenzug auf Einflussmöglichkeiten verzichtet. Auf diesen Kompromiss hatten sich die Spitzen von SPD und Union im November geeinigt. Kontrolle soll der Bund künftig über verbindliche Finanzierungsvereinbarungen und die Bundesnetzagentur ausüben. Die Bahn drängt nun auf raschen Vollzug der Regelungen.
Beim Börsengang der Deutschen Bahn soll die Position des Bundes gestärkt werden - deswegen fordert die Union eine Änderung des Gesetzentwurfs. Damit will sie verhindern, dass das Schienennetz irgendwann der Bahn zufällt.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streit-um-schienennetz-union-fordert-aenderungen-an-bahngesetz-1.897976
Streit um Schienennetz - Union fordert Änderungen an Bahngesetz
00/05/2010
Die Union und Wirtschaftsverbände haben längere Arbeitszeiten für die Arbeitnehmer in Deutschland gefordert. CDU-Chefin Angela Merkel und der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber empfahlen die Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche beim Elektronik-Konzern Siemens anderen Unternehmen und Branchen zur Nachahmung. Mit der Vereinbarung sei die 35-Stunden-Woche als "deutscher Sonderweg" am Ende, sagte Stoiber der Bild am Sonntag. Mehr als 100 Unternehmen verhandeln offenbar bereits über eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Stoiber bezeichnete die Vereinbarung zwischen Siemens und IG Metall als Zukunftsmodell. Am Donnerstag hatten sich Konzern und Gewerkschaft unter anderem auf Mehrarbeit geeinigt, um 2.000 Arbeitsplätze vor der Verlagerung nach Ungarn zu retten. Merkel forderte in der Hannoveraner Neuen Presse Rechtssicherheit für solche betrieblichen Bündnisse für Arbeit. Der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters betonte dagegen erneut, dass es sich bei der Siemens-Vereinbarung um einen Einzelfall handele. Gehe es nur um Kostensenkungen, seien solche Abschlüsse "kategorisch" ausgeschlossen, sagte Peters dem Spiegel. Der IG-BAU-Vorsitzende Klaus Wiesehügel schloss im NDR die Übertragung des Siemens-Modells auf die Baubranche aus, in der ab Montag die Tarifverhandlungen über ähnliche Forderungen der Arbeitgeber beginnen. Bundesweit Verhandlungen über Arbeitszeitverlängerungen Einem Bericht der Zeitung Die Welt zufolge verhandeln derzeit mehr als 100 mittelständische Betriebe vor allem aus der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalens und Bayerns sowie Großunternehmen wie DaimlerChrysler und MAN über längere Arbeitszeiten sowie Kürzungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld, um Jobverlagerungen ins Ausland zu verhindern. Weitere rund 40 Unternehmen hätten bereits Vereinbarungen über längere Arbeitszeiten auf Grundlage des neuen Metall-Tarifvertrages geschlossen. Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, forderte die Gewerkschaften im "Focus" zu weiteren Zugeständnissen auf. Handwerkspräsident Dieter Philipp bezeichnete Mehrarbeit mit Lohnverzicht im Deutschlandradio Berlin als das derzeit fruchtbarste Instrument, um Arbeitsplätze zu erhalten. Der mittelstandspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Hartmut Schauerte, forderte in der "Mitteldeutschen Zeitung" die 40-Stunden-Woche für die neuen Bundesländer, um Wettbewerbsnachteile auszugleichen. Gegen pauschale Arbeitszeitverlängerung sprach sich dagegen der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Hermann-Josef Arentz aus. Nötig seien jeweils angepasste Lösungen über Öffnungsklauseln in Tarifverträgen, sagte Arentz dem Gewerkschaftsmagazin "Transnet-Themen". Schröder gegen Änderungen an Hartz-IV-Reform Unterdessen dauerte der Streit um die zum 1. Januar geplante Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe an. Während Bundeskanzler Gerhard Schröder im "Spiegel" alle Forderungen nach Abstrichen bei der Reform zurückwies, forderte CDU-Chefin Merkel stärkere Sanktionen für Sozialhilfeempfänger, die eine zumutbare Tätigkeit ablehnten. Die Bundesregierung dementierte zudem einen Spiegel-Bericht über angebliche Pläne zur Streichung des Feiertags am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit. Auch sei entgegen dem Bericht keine Streichung von Urlaubstagen zur Verlängerung der Jahresarbeitszeit geplant.
Die Union und Wirtschaftsverbände haben längere Arbeitszeiten für die Arbeitnehmer in Deutschland gefordert. CDU-Chefin Angela Merkel und der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber empfahlen die Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche beim Elektronik-Konzern Siemens anderen Unternehmen und Branchen zur Nachahmung.
wirtschaft
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"Arbeitszeit - ""Zukunftsmodell"" 40-Stunden-Woche"
00/05/2010
Börsenmakler, Manager und Filmstars könnten bald ihr Lieblingsspielzeug verlieren: Ihr treuer Begleiter, der Minicomputer Blackberry, ist vom Blackout bedroht. Die zigarettenschachtelgroße, schwarze Brombeere, die drahtloses Emailen und Internet-Surfen in fast allen Lebenslagen ermöglicht, ist weltweit zum Kultobjekt geworden. Doch die Wundermaschine aus Kanada hat ein Problem. Sie hat angeblich mehrere Väter. Die amerikanische Firma NTP wirft dem kanadischen Hersteller "Research in Motion" (RIM) vor, eine Technik für den drahtlosen E-Mail-Versand zu nutzen, die eigentlich NTP gehört. Ab diesem Freitag wird der Streit am Bezirksgericht in Richmond (Virginia) verhandelt. Sollte Richter James Spencer NTP Recht geben, könnte der E-Mail-Dienst für die Mini-Mobilcomputer in den USA abgestellt werden. Dem Ausgang des Verfahrens blickt auch die US-Regierung nervös entgegen. Denn unter den etwa vier Millionen amerikanischen Blackberry-Kunden sind Zehntausende Regierungsangestellte. Angst bei CIA und Armee Das Justizministerium hat vorige Woche einen besorgten Brief an den Richter geschrieben. "Eine Reihe von Regierungsfunktionen basiert ganz auf der Blackberry-Technik", heißt es darin. Beliebt sind die Geräte - die stets auf Mail-Empfang sind - offenbar auch bei der Armee und dem Geheimdienst CIA. Den Nutzen des elektronischen Begleiters erkannten Militär und Spione nach den Anschlägen vom 11. September 2001. In dem Chaos der ersten Tage danach waren die kanadischen Geräte die einzigen, die auf Empfang blieben. Seither konnte Hersteller RIM seine Position als Marktführer ausbauen. Um die Handlungsfähigkeit der Regierung nicht zu gefährden, fordert das Ministerium, dass im Fall des Falles nicht alle Kleincomputer unbrauchbar werden. Ohnehin gilt es als unwahrscheinlich, dass RIM alle Blackberry-Telefonnummern sofort abschalten muss. Zwar hat NTP vor Gericht schon einen Etappensieg erzielt: Im August 2003 erreichte die US-Firma, dass ein Bezirksgericht RIM den Verkauf der Minicomputer in den USA verbot; eine Berufung gegen dieses Urteil wurde 2004 abgelehnt. Rettung vom Patentamt? Das oberste Gericht, der Supreme Court, das RIM daraufhin anrief, erklärte sich für unzuständig und verwies den Fall zurück zur Bezirksebene. Doch auch für RIM gibt es Hoffnung. Im Dezember begann das für seine Langsamkeit bekannte US-Patentamt, die strittigen Patente zu überprüfen. Bis jetzt hat es schon acht für ungültig erklärt. Auch gehen Analysten davon aus, dass NTP nicht darauf bestehen wird, die Blackberry-Dienste abzuschalten. "NTP versucht eine möglichst große Entschädigung durchzusetzen", sagt Todd Kort, Analyst bei dem US-Marktforschungsinstitut Gartner. Bereits im März 2005 hatten die Kontrahenten eine außergerichtliche Zahlung von 450 Millionen Dollar vereinbart, doch die Einigung platzte wieder. Um die Blackberry-Fangemeinde zu beruhigen, hat RIM verkündet, es habe einen Mechanismus entwickelt, die fraglichen Patente zu umgehen. Die Firma muss allerdings noch beweisen, dass die Lösung funktioniert. Deutsche Manager können derweil beruhigt weiterspielen. Der Patentstreit bezieht sich nur auf die USA.
Börsenmakler, Manager und Filmstars könnten bald ihr Lieblingsspielzeug verlieren: Ihr treuer Begleiter, der Minicomputer Blackberry, ist vom Blackout bedroht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/patentstreit-bedrohte-brombeere-1.900674
Patentstreit - Bedrohte Brombeere
00/05/2010
Zwar ging die Zahl der Arbeitslosen leicht zurück, doch bereinigt um die typischen jahreszeitlichen Effekte stieg sie unerwartet. Sie habe sich um 5.000 zum Vormonat erhöht, teilte die Bundesanstalt für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mit. Volkswirte hatten mit hingegen einem Rückgang um 13.000 gerechnet. In Westdeutschland ging die bereinigte Arbeitslosenzahlen um 22.000 zurück und stieg in Ostdeutschland um 27.000. Weise zeigt sich zuversichtlich Die unbereinigte Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im August um 14.000 auf 4,372 Millionen gesunken. Das waren 426.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 10,5 Prozent. In Westdeutschland sank die Arbeitslosenzahl zum Vorjahr um 296.740 auf 2,941 Millionen. Die Quote sank von 9,8 Prozent auf 8,8 Prozent. Im Vormonat hatte sie noch bei 8,9 Prozent gelegen. In Ostdeutschland verringerte sich die Arbeitslosenzahl zum Vorjahr um 129.186 auf 1,430 Millionen. Die Quote sank von 18,1 Prozent im Vorjahr auf 16,7. Zum Vormonat blieb sie unverändert. "Weiterhin günstig" Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sagte, die konjunkturelle Entwicklung sorge dafür, dass sich die drei wichtigsten Indikatoren für den Arbeitsmarkt weiterhin günstig darstellten. "Die Arbeitslosigkeit geht zurück, Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung steigen, und die Zahl der offenen Stellen ist hoch".
Zwar ging die Zahl der Arbeitslosen leicht zurück, doch bereinigt um die typischen jahreszeitlichen Effekte stieg sie unerwartet.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutschland-enttaeuschung-am-arbeitsmarkt-1.901978
Deutschland - Enttäuschung am Arbeitsmarkt
00/05/2010
Nokia Siemens Networks (NSN) will nach massiven Verlusten im ersten Quartal mehr Stellen abbauen als ohnehin geplant. Als Reaktion auf den operativen Fehlbetrag von 1,26 Milliarden Euro kündigte Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo am Donnerstag an, den Sparkurs bei dem Netzwerk-Unternehmen zu verschärfen. Nach bisherigen Plänen will NSN bis 2010 weltweit bis zu 9000 Stellen streichen. Die Firma hatte sich erst vor kurzem mit Arbeitnehmervertretern geeinigt, knapp 2300 Jobs in Deutschland abzubauen. Nokia-Finanzchef Rick Simonson sagte nun, weitere Arbeitsplätze in Deutschland und Finnland stünden auf der Kippe. Konkrete Zahlen nannte er nicht. "Die Entwicklung fordert eine entschiedenes Eingreifen. Wir müssen unsere Synergieziele schneller erreichen und mehr Kosten reduzieren", erklärte Kallasvuo. Synergien müssen früher erreicht werden Die jährlichen Synergien von 1,5 Milliarden Euro müssten nun bereits 2008 und damit zwei Jahre früher als zunächst geplant erreicht werden, forderte der Chef des Nokia-Konzerns, bei dem die NSN-Zahlen konsolidiert werden. Die Finnen haben bei dem Netzwerk-Joint-Venture mit Siemens das Sagen. Zusätzlich müssten zusätzliche 500 Millionen Euro Synergien jährlich herausspringen. Dafür gab Nokia aber keinen Zeitrahmen. Für den bereits beschlossenen Stellenabbau und die Umstrukturierung von NSN wurden in den ersten drei Monaten allein Kosten von 905 Millionen Euro verbucht. Weitere 300 Millionen Euro stünden im zweiten Halbjahr bevor. Umsatzrückgang von zehn Prozent Siemens hatte im April sein Geschäft mit Telefon- und Datennetzen in die Gemeinschaftsfirma eingebracht, die nun in ihrem ersten Quartal 3,44 Milliarden Euro umsetzte. Dies entspricht Simonson zufolge einem Rückgang um mehr als zehn Prozent zum Vorquartal und auch im Jahresvergleich. Allerdings lasteten nicht nur die Einmaleffekte auf den NSN-Resultaten. Auch im Tagesgeschäft litt NSN nach Angaben des finnischen Konzerns unter verzögerten Projekten, schwachen Renditen, einem starken Preiskampf und "einem Managementfokus auf die Integration und die Anti-Korruptionsregeln, der größer war als erwartet". Abgesehen von Einmalbelastungen erwirtschaftete NSN einen operativen Verlust von 361 Millionen Euro. Siemens hatte in das Joint Venture einen Großteil seiner Telekommunikationssparte Com eingebracht, in der zuvor schwarze Kassen und Schmiergeld-Seilschaften zum Vorschein gekommen waren. Der Start von NSN hatte sich deshalb verzögert.
Nokia Siemens Networks (NSN) will nach massiven Verlusten im ersten Quartal mehr Stellen abbauen als ohnehin geplant.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hohe-verluste-nokia-siemens-will-noch-mehr-jobs-abbauen-1.904810
Hohe Verluste - Nokia Siemens will noch mehr Jobs abbauen
00/05/2010
Der Französischer Autohersteller beteiligt sich mit 25 Prozent an dem russischen Konzern Avtovaz und sieht sich jetzt als Exklusivpartner. Mit dem Einstieg beim Lada-Hersteller will Renault-Chef Ghosn den Marktanteil auf 40 Prozent steigern. Der Autokonzern Renault steigt mit 25 Prozent beim russischen Lada-Hersteller Avtovaz ein. Russland wird damit für Renault zu einem der wichtigsten Märkte in der Welt. Derzeit hält Renault gemeinsam mit seinem japanischen Partner Nissan acht Prozent des russischen Marktes. Detailansicht öffnen Carlos Ghosn: Der Renault-Chef sichert sich durch seinen Einstieg bei Avtovaz in Russland bis zu 40 Prozent Marktanteil. (Foto: Foto: dpa) Mit dem Einstieg beim größten russischen Autohersteller soll der Marktanteil auf knapp 40 Prozent steigen. Renault setzte sich nach zweijährigen Verhandlungen eigenen Angaben zufolge gegen den US-Autobauer General Motors (GM), Fiat und Kanadas Autozulieferer Magna durch. GM ist mit seinen Marken noch Marktführer in Russland. 2001 gründeten die Amerikaner mit Avtovaz ein Joint Venture, um den Chevrolet Niva zu bauen. Der stellvertretende Konzernchef von General Motors, Bob Lutz, hatte der Süddeutschen Zeitung erst vergangene Woche gesagt, ebenfalls an Avtovaz, interessiert zu sein. "Russland ist ein sehr stark wachsender Markt - wenn wir dort Toyota enteilen können, werden wir es tun." Renault bezeichnete sich nun als exklusiver Partner von Avtovaz. Auch Fiat wurde nicht berücksichtigt, obwohl Avtovaz bereits Ende der sechziger Jahre mit den Italienern eine Partnerschaft eingegangen war. Damals überließ Fiat Avtovaz die Rechte für den Bau des Fiat 124, der schließlich Pate für den Lada stand. Russischer Markt wächst rasant Alle großen Autohersteller buhlen derzeit in Russland um Marktanteile. Schätzungen zufolge wird Russland Deutschland bis 2011 als größten Automarkt zwischen Atlantik und Ural ablösen. 2007 wurden dort 2,3 Millionen Autos verkauft, 2011 könnten es 3,3 Millionen sein. Renault rechnet bis 2015 mit bis zu vier Millionen Fahrzeugen. Entsprechend groß ist das Gerangel der ausländischen Konzerne, unterschiedlich sind allerdings deren Strategien, in Russland Fuß zu fassen. VW baute für 400 Millionen Euro ein neues Werk in Kaluga bei Moskau und hält wenig davon, alte russische Werke zu modernisieren, so wie es jetzt Renault vorhat. Renault und VW ähneln sich allerdings darin, eine möglichst breite Palette von Fahrzeugen auf dem russischen Markt anbieten zu wollen. VW ist dort mit seinen Marken Audi, Seat und Skoda in verschiedenen Preissegmenten präsent. Renault will mit der Marke Lada sein Angebot erweitern. Das seit 2005 in einem eigenen Werk in Moskau gebaute Billigauto Logan ist bereits auf Platz zwei der meistverkauften Autos in Russland - nach dem Ford Focus. Gemeinsam mit Avtovaz soll nun im Werk Togliatti, 1000 Kilometer von Moskau entfernt, ein Auto für etwa 10000 Euro entstehen. Nissan will seine in China gesammelte Erfahrung einbringen und sich zudem im etwas höheren Preissegment positionieren. Renaults französischer Wettbewerber PSA Peugeot Citroën will in Russland eine eigene neue Fabrik eröffnen. Ausbau des Lada-Werks in Togliatti Renault-Chef Carlos Ghosn schloss am Samstag mit Avtovaz-Eigentümer Russian Technologies (bisher Rosoboronexport) eine Absichtserklärung über den Einstieg. Bis zum 25. Februar soll ein Vertrag unterzeichnet werden. Renault will Motortechnik und Karosserieplattformen zur Verfügung stellen. Ghosn sagte, dass ein gewisses Maß an Technologie nach Russland transferiert werde. Zudem soll das Lada-Werk in Togliatti für eine Kapazität von 1,5 Millionen Fahrzeugen jährlich ausgebaut werden. Es ist geplant, dort auch Renault- und Nissan-Modelle zu fertigen. In dem Werk beschäftigte Avtovaz bislang 105.000 Menschen. Das 25-Prozent-Paket ist schätzungsweise knapp eine Milliarde Euro wert. Renault verfügt über eine Sperrminorität und soll den Einstieg eines dritten Investors per Veto verhindern können. Mit Hilfe der Marke Lada will Renault 2008 die Schwelle von 100000 in Russland verkauften Fahrzeugen überschreiten. Drei-Jahres-Plan nach oben korrigiert Der von Ghosn im Februar 2006 vorgestellte Drei-Jahres-Plan, wonach von 2009 an etwa 800.000 zusätzliche Fahrzeuge jährlich verkauft werden sollen, wird nach Angaben des Unternehmens infolge des Einstiegs nach oben korrigiert. Russische Medien spekulierten, dass auch das gute Verhältnis zwischen den Präsidenten Nicolas Sarkozy und Wladimir Putin Renault geholfen haben könnte, sich gegenüber GM und Fiat durchzusetzen. Ghosn sagte, Renault habe den Zuschlag bekommen, weil man versichert habe, die Marke Lada zu bewahren und wiederzubeleben. Allein seit 2005 soll der Marktanteil der einst mystischen Marke von mehr als 50 Prozent auf 26 Prozent gefallen sein.
Der Französischer Autohersteller beteiligt sich mit 25 Prozent an dem russischen Konzern Avtovaz und sieht sich jetzt als Exklusivpartner. Mit dem Einstieg beim Lada-Hersteller will Renault-Chef Ghosn den Marktanteil auf 40 Prozent steigern.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/expansion-renault-sichert-sich-osteuropaeischen-markt-1.890633
Expansion - Renault sichert sich osteuropäischen Markt
00/05/2010
Europäische Firmen verlieren wegen Wettbewerbsschranken allein in China jährlich 20 Milliarden Euro. Die EU-Kommission will das jetzt mit Rechercheteams verhindern. Die EU will mit Spürtrupps gegen Handelsschranken im Ausland vorgehen. Handelskommissar Peter Mandelson stellte am Mittwoch in Brüssel eine Initiative zum Aufbau sogenannter Marktzugangsteams vor, die regulatorische und bürokratische Hemmnisse in Drittstaaten identifizieren sollen. Detailansicht öffnen EU-Handelskommissar Peter Mandelson will Wettbewerbsnachteile für EU-Firmen abbauen. (Foto: Foto: dpa) Das Ziel ist es, Wettbewerbsnachteile für EU-Firmen abzubauen. "Liberalisierung ist keine Einbahnstraße", begründete Mandelson seinen Vorstoß. "Wenn wir unsere Märkte öffnen, können wir erwarten, dass unsere Firmen ebenfalls uneingeschränkten Marktzugang bekommen." Der Firmenverband European Business lobte die Initiative. "Wir werden die Suchteams mit allen uns vorliegenden Informationen unterstützen'', sagte Generalsekretär Philippe de Buck. Fortschritte beim Abbau von Zöllen Obwohl in den vergangenen Jahren weltweit große Fortschritte beim Abbau von Zöllen erzielt wurden, wird der Verkehr von Waren und Dienstleistungen noch immer behindert. So versuchen viele Länder auf Druck ihrer eigenen Unternehmen, ausländische Konkurrenten mit Steuernachteilen, hohen technischen Auflagen und unfairen Gesundheits- und Umweltvorschriften zu vergraulen. Mandelson sagte, dass EU-Unternehmen allein auf dem chinesischen Markt jährlich Aufträge im Wert von 20 Milliarden Euro wegen dieser Wettbewerbsschranken verlören. WTO-Beschwerde angedroht Allerdings sind die protektionistischen Praktiken oft außerordentlich komplex und von außen schwer zu durchschauen. Nach dem Willen der EU-Kommission sollen sich die neuen Rechercheteams daher aus Spezialisten zusammensetzen, die die Situation bei den Handelspartnern aus erster Hand kennen. Neben Beamten der Auslandsvertretungen der Kommission und Fachleuten der Botschaften der EU-Mitgliedsstaaten sollen auch Firmenmitarbeiter zu den Spürtrupps stoßen. Sobald diese eine Liste der Handelsbarrieren erstellt haben, will die EU diplomatischen Druck auf ihre Handelspartner ausüben, damit die Wettbewerbsnachteile beseitigt werden. Auch Strafmaßnahmen seien nicht ausgeschlossen, sagte Mandelson. Schwerpunkt: China Um die vorhandenen Kapazitäten zu bündeln, plant die EU ihre Suche nach Handelshemmnissen zunächst auf einzelne Länder und Sektoren zu konzentrieren. Einen Schwerpunkt der Recherchen wird China bilden. Die EU wirft der Volksrepublik vor, das geistige Eigentum europäischer Investoren nicht ausreichend zu schützen. Zwar habe die chinesische Regierung Mandelson zufolge Fortschritte beim Patentschutz gemacht, doch reichten diese noch nicht aus, um der Produktpiraterie Herr zu werden. Der EU-Kommissar warnte China, dass die Geduld der Europäer nicht unbegrenzt sei. Wenn nicht bald substanzielle Verbesserungen beschlossen würden, behalte sich die EU vor, ein Verfahren gegen China bei der Welthandelsorganisation (WTO) anzustreben.
Europäische Firmen verlieren wegen Wettbewerbsschranken allein in China jährlich 20 Milliarden Euro. Die EU-Kommission will das jetzt mit Rechercheteams verhindern.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-gegen-handelsschranken-spuertrupps-nach-china-1.915498
EU gegen Handelsschranken - Spürtrupps nach China
00/05/2010
Der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft geht mit einer Milliardeninvestition in die Offensive. Angriffsziel ist Google, die Nummer eins bei Suchmaschinen. Microsoft greift für den Angriff auf Suchmaschinen-Marktführer Google noch tiefer in die Tasche. Die Ausgaben für das Online-Anzeigengeschäft, das MSN-Portal und neue Suchtechnologien werden im dem im Juli startenden Geschäftsjahr um 60 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar aufgestockt, kündigte Microsoft-Chef Steve Ballmer in Redmond an. Detailansicht öffnen Mit Microsoft googlen: die Microsoftsuchmaschine msn. (Foto: Foto: ddp) Davon gehen allein 1,1 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung. Microsoft sei in dem Markt für Online-Suche sehr ernsthaft engagiert, sagte Ballmer. "Nur zwei bis drei Unternehmen können wirklich die Infrastruktur liefern, die mit den Anforderungen der Konsumenten und Anzeigenkunden Schritt halten kann." Noch hinter Yahoo Derzeit dominiert der weltgrößte Suchmaschinenbetreiber Google diesen Markt mit Abstand. Allein in den USA laufen nach Angaben von Nielsen NetRating 49 Prozent aller Suchanfragen über Google. Microsofts MSN Search rangiert derzeit mit 10,9 Prozent an dritter Stelle, noch hinter Yahoo mit 22,5 Prozent der Suchanfragen. Zudem will Microsoft ein bislang noch weitgehend unerschlossenes Geschäftsgebiet besetzen - Werbung in Videospielen. Dazu übernimmt der weltgrößte Softwarekonzern die darauf spezialisierte Firma Massive, bestätigte der für die Spielekonsole Xbox zuständige Microsoft-Manager Robbie Bach. Führende Spiele-Publisher Die in New York ansässige Firma mit derzeit rund 80 Mitarbeitern Verträge unter anderem mit führenden Spiele-Publishern wie THQ und Konami. Für Anzeigenkunden sei es derzeit sehr schwer, die lukrative Zielgruppe der männlichen 18- bis 34-Jährigen anzusprechen, da diese immer weniger am Fernseher als vor Computerspielen säßen, argumentierte Microsoft-Managerin Joanne Bradford. Der Markt für Anzeigen in Computer- und Videospielen dürfte von 56 Millionen Dollar im vergangenen Jahr bis 2010 auf 732 Millionen Dollar anwachsen, schätzt Mike Goodman, Analyst der Yankee Group Research in Boston. Angebot für Werbetreibende Speziell für Werbetreibende hatte Microsoft am Donnerstag sein neues "AdCenter" nach Frankreich und Singapur auch in den USA an den Start gebracht. Damit sollen Anzeigenkunden ihre Werbelinks noch gezielter als bei Google auf den Trefferlisten von Suchenden platzieren können. So soll es mit dem "AdCenter" erstmals auch möglich sein, Zielgruppen nach Alter, Geschlecht und Einkommen zu identifizieren und anzusprechen.
Der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft geht mit einer Milliardeninvestition in die Offensive. Angriffsziel ist Google, die Nummer eins bei Suchmaschinen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/microsoft-milliarden-angriff-auf-google-1.916310
Microsoft - Milliarden-Angriff auf Google
00/05/2010
Ein Gemeindesteuer-Reformentwurf der unionsnahen "Stiftung Marktwirtschaft" sieht eine Sonder-Steuer für Rechtsanwälte, Architekten und Ärzte vor. Die Reformkommission der Stiftung gilt in der CDU und CSU als wichtiger Ideengeber für eine Neuordnung des Steuerrechts. Die Experten verständigten sich vergangene Woche auf ein Modell, das eine völlige Neuordnung der Gemeindesteuern vorsieht: Die Gewerbe- und Grundsteuer in ihrer bisherigen Form sollen verschwinden und durch ein Drei-Säulen-Modell ersetzt werden. Detailansicht öffnen Das Modell sieht eine Extra-Steuer für Freiberufler vor. (Foto: Foto: dpa) "Das wäre ein echter Durchbruch", sagt Stiftungsvorstand Michael Eilfort. In Kommissionskreisen hieß es, dass die Vertreter von Union und SPD im Beirat dem Vorschlag ebenfalls zugestimmt hätten. Nach den Plänen der Stiftung soll an die Stelle der Gewerbesteuer zum einen eine Bürgersteuer treten, zum anderen eine kommunale Unternehmensteuer; bei beiden hätten Städte und Gemeinden das Recht, einen eigenen Hebesatz anzuwenden und mithin die Höhe der Steuer nach ihren Bedürfnissen festzusetzen. Spielraum für wohlhabende Gemeinden Kommunen, die gut wirtschaften, hätten die Möglichkeit, Bürger und Unternehmen zu entlasten. Zudem soll die Grundsteuer drastisch vereinfacht werden. Die Bürgersteuer setzt an der heutigen Einkommensteuer an. Die Expertenkommission empfiehlt, zunächst einmal jenen 15-Prozent-Anteil, den die Kommunen schon jetzt auf allerlei Umwegen von der Einkommensteuer erhalten, in den Steuerbescheiden künftig gesondert auszuweisen. Zudem bekämen Städte und Gemeinden das Recht, auf diese Steuer einen eigenen Hebesatz anzuwenden - und etwa ihren Anteil auf 12 Prozent zu senken oder aber auf 18 Prozent anzuheben. Kommunale Unternehmenssteuer Eine vergleichbare Eingriffsmöglichkeit schlagen die Professoren der Kommission auch bei der kommunalen Unternehmensteuer vor. Diese soll von allen wirtschaftenden Einheiten entrichtet werden, also von Konzernen und Mittelständlern ebenso wie von Freiberuflern. Die Kommunalsteuer soll ansetzen an der neuen, von der Kommission noch nicht im Detail definierten allgemeinen Unternehmensteuer - einer Steuer, die für alle Unternehmen, egal ob Kapital- oder Personengesellschaft - einheitliche Regeln schafft und unterhalb von 25 Prozent liegen soll. Die Kommunen dürfen auf diese Steuer innerhalb eines Korridors einen Zuschlag erheben.
Ein Gemeindesteuer-Reformentwurf der unionsnahen "Stiftung Marktwirtschaft" sieht eine Sonder-Steuer für Rechtsanwälte, Architekten und Ärzte vor. Die Reformkommission der Stiftung gilt in der CDU und CSU als wichtiger Ideengeber für eine Neuordnung des Steuerrechts.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/planspiele-der-union-freiberuflern-droht-zusaetzliche-steuer-1.900698
Planspiele der Union - Freiberuflern droht zusätzliche Steuer
00/05/2010
Es hat alles nichts genutzt - die Imagetour der Firma, Johannes B. Kerner, der werbende Strahlemann, und das an sich gute Börsenklima: Die Aktie von Air Berlin wurde zum Ladenhüter. Und das mit gutem Grund. Der Verlust des Billigfliegers ist hoch, die Schulden sind es auch. Mit dem Geld von der Börse sollen Flugzeuge finanziert werden, die längst bestellt sind. Hinzu kommt der hohe Ölpreis, der die Kosten der Fluggesellschaften nach oben treibt, weil Kerosin immer teurer wird. Detailansicht öffnen Trotz prominentem Fürspruch durch Johannes Kerner läuft der Börsengang der Air Berlin alles andere als komplikationsfrei ab. (Foto: Foto: dpa) All das verringert die Aussichten auf ertragreiche Geschäfte für Investoren - die Risiken sind hoch. Von einer "Volksaktie" kann deshalb nicht die Rede sein. Die Anleger haben gezeigt, dass sie wieder genauer hinschauen, wenn es um ihr Geld geht. Sie haben aus der Euphorie des Börsenbooms vor wenigen Jahren gelernt, als Firmen ohne Substanz an die Börse gingen und Anleger dabei in blindem Vertrauen viel Geld verspielten. Vernünftig Auch bei Air Berlin haben sich die Investoren vernünftig verhalten: Zu wenige haben die Aktie gezeichnet, sodass der Börsengang verschoben und die Aktie billiger wird. Die Risiken werden aber bleiben. Die Luftfahrt ist nur vordergründig eine bunte und schöne Welt, die mit hohen Gewinnen lockt. Wer sein Geld vernünftig anlegen will, tut gut daran, sich davon nicht blenden zu lassen. Die Realität sieht wahrhaftig anders aus. Da geht es um Marktanteile, um die Jagd nach Kunden. Der Wettbewerb ist hart, und er läuft vor allem über die Preise. Das macht die Fliegerei zum Vorteil der Passagiere zwar immer billiger. Für Anleger bedeutet dies aber nichts Gutes, weil niedrige Flugpreise die Firmengewinne schmälern und damit auch die Erträge der Aktionäre. Von mehreren Seiten unter Druck Air Berlin gerät von mehreren Seiten unter Druck. Zum einen hält die Lufthansa dagegen. Sie bietet seit Anfang April Europaflüge schon für 99 Euro an. Das ist enorm, wenn man bedenkt, wie hoch die Monopolpreise der Lufthansa einmal waren. Die Fluggesellschaft hat - anders als Air Berlin - ihre Verschuldung inzwischen abgebaut und genügend Geld, um unliebsamen Konkurrenten Paroli zu bieten.
Es hat alles nichts genutzt - die Imagetour der Firma, Johannes B. Kerner, der werbende Strahlemann, und das an sich gute Börsenklima: Die Aktie von Air Berlin wurde zum Ladenhüter. Und das mit gutem Grund.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/air-berlin-luftiges-aktienpaket-1.901933
Air Berlin - Luftiges Aktienpaket
00/05/2010
Frisch geerntete Orangen aus Südafrika, knackige Äpfel aus Neuseeland - Bioobst und -gemüse hat häufig einen weiten Weg hinter sich, bevor es in deutschen Regalen landet. Weil die Bauern hierzulande den wachsenden Bedarf nicht mehr befriedigen können, kommt immer mehr Ware aus ökologischem Anbau von weit her. Detailansicht öffnen Eine Bäuerin aus Mali trägt ihre Ernte auf den Markt in der Hauptstadt Bamako. (Foto: Foto: Reuters) Über den Schaden, den diese Transporte durch den Ausstoß von klimaschädlichem CO2 verursachen, wird heftig debattiert. Verlässliche Daten über diese vermeintlichen Umweltsünden waren für Verbraucher allerdings bislang kaum zugänglich. CO2-Daten für jedes einzelne Produkt Als erstes Unternehmen in der Branche veröffentlicht nun der niederländische Biofruchthändler Eosta CO2-Daten für jedes einzelne Produkt im Internet. Die Firma verkauft die Hälfte ihrer Waren auf dem deutschen Markt unter dem Label Nature & More. "Wir wollen mit diesen Angaben für mehr Transparenz beim Verbraucher sorgen", sagt Volkert Engelsman, Gründer und Geschäftsführer von Eosta. Berücksichtigt werde in der Schadstoffbilanz der Transport mit Lastwagen und Schiff von der Farm bis in die Mitte Deutschlands sowie der Energieaufwand für die Kühlkette. Auf den Handel mit leicht verderblichen Früchten, die eingeflogen werden müssten, verzichtet Eosta weitgehend - aus Umweltschutzgründen, wie Engelsman betont. Für den Wissenschaftler Michael Blanke von der Universität Bonn ist die Initiative des niederländischen Großhändlers ein erster Schritt in die richtige Richtung. "Angaben zu CO2-Emissionen zu einzelnen Produkten gibt es bislang im deutschen Handel nicht", bestätigt der Obstbauexperte. Einige andere europäische Länder seien da schon weiter. So werde etwa in Großbritannien zumindest eingeflogenes Obst oder Gemüse in den Lebensmittelgeschäften entsprechend gekennzeichnet. Blanke reist regelmäßig rund um den Globus, um verlässliche Daten zu sammeln, wie viel Treibhausgase etwa eine Orange aus Südafrika verursacht, angefangen von der Erzeugung auf der Farm bis in deutsche Läden. Kühlschiff oder Luftfracht? Erstaunliches Ergebnis: die Bilanz von Überseeware fällt bei weitem nicht so schlecht aus, wie befürchtet. So verbraucht nach seinen Berechnungen ein Apfel aus Neuseeland nur 27 Prozent mehr Energie im Vergleich zu einer hier gezogenen Frucht. Dies gelte jedoch nur, wenn das Obst im Kühlschiff und nicht etwa per Luftfracht befördert werde, schränkt er ein. Wer genau wissen will, welche Emissionen die eben gekauften Eosta-Kiwis aus Chile verursacht haben, muss dafür ins Internet gehen, auf die Website www.natureandmore.com und dort den Zahlencode eingeben, der auf der Verpackung steht. Mit diesem System will Eosta-Chef Engelsman nicht nur die CO2-Werte, sondern den gesamten Weg der Früchte bis zum Erzeuger sichtbar machen. Kiwis mit der Nummer 230 stammen demnach von den Comfrut Farms in Chile. Dass deren Inhaber José Hidalgo auch Bioäpfel liefert, ist nur eine von vielen weiteren Informationen, die im Internet hinterlegt ist. Bis Hidalgos Früchte auf deutschen Tischen landen, haben sie den Angaben zufolge 170 Gramm CO2 je Kilo verursacht. Transparenz bei Discountern unerwünscht Der Obstexperte Blanke wertet es allerdings als Manko, dass Verbraucher nur auf dem Umweg über das Internet an die gewünschten Informationen kommen. "Besser wäre es, die Angaben würden direkt auf der Verpackung stehen." Gegen eine solche Auszeichnung sträubt sich nach seinen Erfahrungen aber vor allem der Lebensmitteleinzelhandel. "Die Händler befürchten dadurch Umsatzeinbrüche", vermutet er. Die Chance, sich dadurch von anderen Wettbewerbern abzugrenzen, werde verkannt. Auch Eosta-Chef Engelsman hat diese Erfahrung gemacht. Zu seinem Kundenkreis zählen nach eigenen Angaben viele der großen deutschen Einzelhandelsketten, aber auch Discounter. Selbst die Kennzeichnung der von ihm gelieferten Ware mit dem Nature & More-Label sei häufig unerwünscht, sagt er. "Manche Abnehmer sehen darin eine Konkurrenz zu ihren Eigenmarken." Mit dieser Politik werde eine größere Markttransparenz verhindert. Dabei sei der Wunsch nach mehr Information bei den Konsumenten groß, ganz besonders nach den Lebensmittelskandalen der vergangenen Jahre.
Der Fruchtimporteur Eosta veröffentlicht die CO2-Emissionen, die der Transport von Obst verursacht.
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Abgasuntersuchung - Die lange Reise der Bio-Orange
00/05/2010
Die Scheichs klopfen den Dollar weich. Das ist vielleicht die spektakulärste Theorie hinter dem Kursrutsch der Weltleitwährung. (SZ vom 12.01.2003) — Demnach verschieben Milliarden schwere Investoren aus den Golfstaaten seit Monaten Vermögen von den USA nach Europa, weil ihnen die Irak-Politik von Präsident George W. Bush nicht passt. "In jeder Bank hat man davon gehört, aber keiner kann das Gerücht bestätigen", sagt Wolfgang Stobbe, Vorstand des Devisenbrokers Ibas. Die Wirklichkeit ist komplizierter. Doch dass reiche Araber sich wie viele andere Anleger vom Dollar abwenden, ist plausibel - aus rein ökonomischem Kalkül: Wer fürchtet, mit einer Währung Geld zu verlieren, verkauft sie, und trägt damit zur Erfüllung der Prognose bei. Doch wer verkauft wirklich Dollars und wohin fließt das Geld? Ein Kandidat sind die Notenbanken. Sie halten weltweit - ohne Gold - Währungsreserven von insgesamt 2,9 Billionen Dollar. Mit Abstand die wichtigste Reservewährung ist der Dollar. Doch seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 haben sich die Gewichte leicht verschoben. Hielten Notenbanken nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) Ende 1999 nur 12,7 Prozent ihrer Reserven in Euro, ist der Anteil bis Ende 2002 auf 18,7 Prozent gestiegen. Die Dollar- und Yen-Reserven schrumpften dagegen (Grafik). Devisenexperten deutscher Großbanken vermuten, dass sich der Trend zugunsten des Euro fortgesetzt hat. Dennoch: "Die Umschichtungen der Zentralbanken sind nicht ausschlaggebend für die jüngste Entwicklung an den Devisenmärkten", sagt Ulrich Wortberg, Währungsstratege bei der DZ Bank. Die Zentralbanken Chinas und Japans haben ihre Dollar-Reserven zuletzt sogar erheblich aufgestockt. China hat die heimische Währung an den Dollar gekoppelt und muss den Yuan durch Dollarkäufe künstlich niedrig halten. Wie China ist auch Japan daran interessiert, die eigene Währung nicht zu stark werden zu lassen, um die Exportwirtschaft zu entlasten. Die Bank of Japan hat 2003 etwa 188 Milliarden Dollar eingesetzt, um den Yen-Anstieg zu bremsen. Vor allem deshalb schwollen die gesamten Reserven Japans nach Schätzungen des IWF bis Ende 2003 auf rund 660 Milliarden Dollar an. 1999 waren es 287 Milliarden Dollar gewesen. Asiaten stopfen das Loch Andere Zentralbanken haben dagegen ihre Eurobestände zulasten des Dollar erhöht. Dazu zählen Taiwan und Südkorea. Aber auch Mittel- und Osteuropäer halten wegen des bevorstehenden EU-Beitritts und der zunehmenden Handelsverflechtung immer mehr Euro. "Es bleibt aber dabei, dass der Dollar die wichtigste Handelswährung ist. Die Verschiebungen im Welthandel sind nicht maßgeblich für die jüngsten Währungsbewegungen", sagt Bastian Hepperle, Devisenexperte bei der WestLB. Den USA ist die Währungspolitik Japans und Chinas ein Dorn im Auge, weil sie die amerikanische Industrie im Wettbewerb gegen die asiatische Konkurrenz benachteiligt. Andererseits stopfen die Asiaten durch ihre Dollarkäufe das Loch in der amerikanischen Leistungsbilanz. Die Commerzbank rechnet, dass die USA täglich 1,5 Milliarden Dollar ins Land holen muss, um die Lücke zu schließen, die entsteht, weil die Amerikaner mehr konsumieren als sie produzieren. Bis vor kurzem schlossen vor allem private Investoren durch ihre Wertpapierkäufe die Lücke: Fondsgesellschaften, Vermögensverwalter, Versicherungen, Pensionskassen. Nach Zahlen der DZ Bank flossen im Jahresdurchschnitt 2003 jeden Monat 58 Milliarden Dollar an Finanzinvestitionen in die USA, vier Fünftel kamen von privaten Investoren. Im Herbst ebbte der Geldzufluss jedoch deutlich ab: Im September wurden insgesamt nur noch 16 Milliarden Dollar investiert, elf Milliarden davon stellten Zentralbanken. Die WestLB schätzt, dass mittlerweile die Notenbanken Chinas und Japans drei Viertel des US-Leistungsbilanzdefizits finanzieren. Zwar fließt nach Einschätzung des Devisenbrokers Stobbe noch immer mehr Anlagekapital von Europa in die USA hinein, als abgezogen wird. Doch es wird weniger. Hinzu kommt, dass auch viele Amerikaner mittlerweile lieber im Ausland investieren, als im eigenen Land: "Die Amerikaner legen 1,2 Mal so viel in ausländischen Aktien an wie in amerikanischen", sagt Stobbe. Kurzfristiges Kalkül Das dürfte vorläufig so bleiben, glauben Investmentbanker. "Der schwache Dollar könnte ausländische Investoren veranlassen, von amerikanischen in Wertpapiere anderer Länder umzuschichten. Dies würde den Dollar weiter schwächen und weitere Verkäufe von US-Anlagen auslösen", schreiben die Strategen von J.P. Morgan in einer Studie mit Blick auf das neue Jahr. Dies werde aus zwei Gründen vor allem amerikanische Aktien treffen: Erstens sicherten sich institutionelle Anleihen-Käufer häufig am Terminmarkt gegen Währungsrisiken ab, bei Aktien sei das weniger der Fall. Zweitens dürften die asiatischen Zentralbanken weiterhin Dollar-Anleihen kaufen, um den Kursrutsch der US-Devise zu bremsen. Die Aktienanleger investieren dagegen zunehmend in Europa und Japan, zumal der amerikanische Aktienmarkt im Vergleich als höher bewertet und damit riskanter gilt. Die Tokioter Börse registriert daher seit rund acht Monaten regelmäßig Nettozuflüsse aus dem Ausland. Gegenüber Europa bietet Japan aus Anlegersicht den Vorteil, dass die Wirtschaft dort stärker vom kräftigen Wachstum Chinas profitiert. Für das zunehmende Tempo der Dollar-Abwertung sind nach Meinung der Marktbeobachter jedoch nicht mittelfristig orientierte Investoren verantwortlich, die aufgrund von Zinsunterschieden und bestimmten Wachstumserwartungen in Aktien oder Anleihen anlegen. "Da ist sehr viel kurzfristige Spekulation im Spiel", sagt der Devisenexperte Wortberg. Vor allem Hedge-Fonds und die Eigenhändler der Banken wetten auf den Abwärtstrend des Dollar. In die Karten spielten ihnen die Finanzminister der G7 bei ihrem Treffen in Dubai. Im September sprachen sich dort die Vertreter der führenden Wirtschaftsnationen für flexible Wechselkurse aus. Für Spekulanten bedeutete das im Klartext: Den USA wäre eine Abwertung des Dollar recht, um die seinerzeit lahmende Konjunktur anzukurbeln und schließlich über einen schwächeren Dollar die Leistungsbilanz ins Gleichgewicht zu bringen. Daher lohnte es sich, auf einen fallenden Dollar zu spekulieren. Am zweiten Februarwochenende treffen sich die G7-Finanzminister in Florida. Sie wollen über die Wechselkurse sprechen. Spätestens dann wird es wieder spannend für die Währungsjongleure.
Die Scheichs klopfen den Dollar weich. Das ist vielleicht die spektakulärste Theorie hinter dem Kursrutsch der Weltleitwährung.
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Wer den Dollar in die Knie zwingt - Stunde der Spekulanten
00/05/2010
Von Donnerstag an rollt das Gericht den Fall Mannesmann komplett neu auf. Diesmal rechnet sich die Staatsanwaltschaft bessere Chancen für eine Verurteilung der prominenten Angeklagten aus als 2004. Über Klaus Esser wissen die meisten nur eines: Er ist der Mann, der nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone 15 Millionen Euro erhielt, während die Mitarbeiter des Traditionskonzerns um ihre Zukunft bangten. Detailansicht öffnen Während des ersten Mannesmann-Prozesses: Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel im Vordergrund sowie Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser (links) und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. (Foto: Foto: ddp) Deshalb steht sein Name in der Öffentlichkeit als Synonym für maßlose, gierige Manager. Doch es gibt noch andere Seiten des Klaus Esser. Wenn es sein muss, kann er auch romantisch werden. Am 14.Juli 2004 musste es offenbar so gewesen sein. ,,Was ich wollte, liegt zerschlagen. Herr, ich lasse ja das Klagen, und das Herz ist still'', zitierte er den Dichter Joseph von Eichendorff. ,,Nun aber gib auch Kraft zu tragen, was ich nicht will!'' Es war einer der letzten Verhandlungstage im Mannesmann-Prozess, und Esser nutzte sein Recht zu einem Schlusswort. Wie kaum ein anderer der sechs Angeklagten kämpfte er damals vor dem Düsseldorfer Landgericht um seinen Freispruch. Und genau das wird er jetzt wieder tun. Denn von Donnerstag an rollt das Gericht den Fall Mannesmann komplett neu auf. Millionenprämien Damit rücken sie wieder in den Blickpunkt: die Millionenprämien, die das Aufsichtsratspräsidium von Mannesmann im Frühjahr 2000 nach der Übernahme durch Vodafone an Führungskräfte und Pensionäre des Konzerns verteilte. In dem Präsidium saßen der heutige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der frühere Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Funk, Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Ladberg. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen deshalb schwere Untreue vor. Esser dagegen und sein früherer Direktionsassistent Dietmar Droste sind nur wegen Beihilfe angeklagt. Freisprüche durch BGH einkassiert Die Neuauflage des Strafprozesses wurde erforderlich, weil der Bundesgerichtshof (BGH) im vergangenen Dezember die Freisprüche aus dem ersten Prozess aufgehoben und das Verfahren zurückverwiesen hat. Die Karlsruher Juristen hielten das Urteil des Landgerichts gleich in mehreren Punkten für falsch. Und deshalb beginnt nun alles von vorn - wieder in Düsseldorf, allerdings vor einer anderen Strafkammer. Für Esser und die anderen Angeklagten bedeutet das, dass sie nun erneut Woche für Woche im Gerichtssaal Platz nehmen müssen. Diesmal allerdings stehen ihre Karten schlechter als beim ersten Mal. Kein Verständnis In seinem Revisionsurteil hatte der BGH deutlich gemacht, dass er überhaupt kein Verständnis dafür habe, wie das Aufsichtsratspräsidium mit dem Vermögen von Mannesmann umgegangen ist. Insgesamt 60 Millionen Euro hatte das Gremium damals großzügig verteilt. Neben Esser kam auch Funk in den Genuss einer Prämie: Drei Millionen Euro erhielt der Aufsichtsratsvorsitzende - angeblich für Verdienste aus seiner früheren Tätigkeit als Vorstandschef. Die BGH-Richter konnten nicht erkennen, inwiefern diese Zahlungen im Interesse von Mannesmann gelegen haben sollen. Die Angeklagten hätten sich wie Gutsherren benommen, sie seien jedoch nur Gutsverwalter, die fremdes Vermögen betreuen müssten, stellten sie fest. Kein Anlass für Geschenke Die Millionenprämie für Esser zum Beispiel sei ein rechtsgrundloses Geschenk gewesen, für das es keinerlei Anlass gegeben habe, da bereits feststand, dass er das Unternehmen nach der Übernahme verlasse, meinten die BGH-Richter. Damit stützten sie die Auffassung der Staatsanwaltschaft.
Von Donnerstag an rollt das Gericht den Fall Mannesmann komplett neu auf. Diesmal rechnet sich die Staatsanwaltschaft bessere Chancen für eine Verurteilung der prominenten Angeklagten aus als 2004.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mannesmann-prozess-die-neuauflage-teil-zwei-einer-unendlichen-geschichte-1.900145
Mannesmann-Prozess: die Neuauflage - Teil zwei einer unendlichen Geschichte
00/05/2010
Der wilde Streik im Bochumer Opel-Werk fügt General Motors inzwischen beträchtlichen Schaden zu. Weil Lieferungen aus Bochum fehlen, gehen offenbar die Lagerbestände in den GM-Werken in England, Belgien und Polen zur Neige. Unterdessen verhandeln in Rüsselsheim Management und Betriebsrat über das Sparpaket. Durch die anhaltenden Proteste in Bochum komme es bereits jetzt zu Engpässen bei der Astra-Produktion in anderen europäischen Werken, hieß es von Arbeitnehmerseite. "Die Pipeline ist leer", sagte der Betriebsrat Lothar Marquardt am Montag. Detailansicht öffnen Mitarbeiter der Opel-Werke in Bochum blockieren das Tor 1. (Foto: Foto: AP) Bei der Just-in-time-Produktion gebe es einen Vorlauf von drei Tagen. "Nach unseren Informationen sind die Lagerbestände in den Werken leer", sagte Marquardt. In Bochum werden unter anderem die Achsen für den Astra produziert, der in den General-Motors-Werken im belgischen Antwerpen, im englischen Ellesmere Port sowie im polnischen Gleiwitz gebaut wird. In Antwerpen werden die Teile knapp Die Früh- und die Spätschicht könnten noch normal arbeiten, sagte der Sprecher des Werkes Antwerpen, Marco Van Riel. Für die Nachtschicht würden die Teile jedoch knapp. Die Arbeiter des Werkes in Gleiwitz erklärten sich unterdessen mit ihren protestierenden deutschen Kollegen solidarisch. Am Dienstag werde zwar nicht die Arbeit niedergelegt, aber auf Betriebsversammlungen über die Arbeitsniederlegung im Bochumer Werk informiert, sagte Slawomir Ciebiera, Vorsitzender der Gewerkschaft "Solidarität" in dem Gleiwitzer Werk. "Heute betreffen die Entlassungen vor allem die Arbeiter in den deutschen Werken, aber in ein paar Jahren kann das auch uns betreffen", betonte er. Angesichts der billigen Konkurrenz aus Asien könne sich die Lage des Konzerns so verschlechtern, dass auch Arbeitsplätze in Ostmitteleuropa bedroht werden. "Notwehr" Marquardt verteidigte erneut die Arbeitsniederlegung. "Das ist Notwehr", sagte der Vorsitzende der Personalkommission. Die Kollegen hätten Angst um ihre Jobs. Auch die IG Metall zeigte Verständnis. Formal handele es sich immer noch um Informationsveranstaltungen des Betriebsrats, betonte eine Sprecherin. Der Münchner Arbeitsrechtler Volker Rieble sprach dagegen von wilden Streiks, da die Gewerkschaft nicht zu ihnen aufgerufen hat und es nicht um konkrete Tarifforderungen geht. Wilde Streiks sind nach deutschem Recht illegal und ein Verstoß gegen die Friedenspflicht. "Verständnis" Kritik an den Arbeitsniederlegungen äußerte erneut Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD). Er habe zwar Verständnis für die Betroffenen, aber "das ändert nichts daran, dass ich das für falsch halte", sagte Clement nach einer Sitzung des SPD-Präsidiums in Berlin.
Der wilde Streik im Bochumer Opel-Werk fügt General Motors inzwischen beträchtlichen Schaden zu. Weil Lieferungen aus Bochum fehlen, gehen offenbar die Lagerbestände in den GM-Werken in England, Belgien und Polen zur Neige. Unterdessen verhandeln in Rüsselsheim Management und Betriebsrat über das Sparpaket.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/opel-proteste-die-pipeline-ist-leer-1.919582
"Opel-Proteste - ""Die Pipeline ist leer"""
00/05/2010
Bei VW ist der teure Haustarifvertrag nicht das Schlimmste - vielmehr werden Probleme reihenweise verschleppt und beschönigt. In diesen Tagen sieht es mal wieder so aus, als seien die fürstlich bezahlten Volkswagen-Beschäftigten allein Schuld an der Krise des Konzerns. Detailansicht öffnen Aber diese Betrachtung ist ebenso unfair wie falsch. Der Wolfsburger Konzern gleicht - wieder einmal - einer Großbaustelle erreicht. Bald möchte man sagen, Volkswagen ist eine Dauerbaustelle. Gemütlichkeit und Samthandschuhe Der Haustarif ist dabei allerdings das geringste Problem. Viel schwerer wiegen zwei andere Faktoren: Das VW-Management unter Vorstandschef Bernd Pischetsrieder hechelt ständig irgendwelchen Entwicklungen hinterher und hat Angst vor klaren Worten. Mit Gemütlichkeit und Samthandschuhen aber ist der behäbige Wolfsburger Konzern kaum zu dirigieren. Im Moment durchfährt die gesamte Autoindustrie eine ungewöhnlich lange Flaute. Im vierten Jahr schon schrumpfen die Absatzzahlen. Aber Zyklik liegt nun mal in der Natur des Geschäfts; das Tal ist diesmal eben ziemlich lang. Eine Herausforderung für jeden Manager, sollte man meinen. Doch VW verharrte im Traumland. Als der neue Golf im vergangenen Jahr nicht so richtig gut bei den Kunden ankam, dauerte es Monate, bis VW mit einem verschämt als "Jubiläumsgeschenk" getarnten Rabatt herausrückte. Das Management hatte allen Ernstes geglaubt, sich beim Kunden einen Sonderbonus für solide deutsche Wertarbeit bewahren zu können. Hoffnung auf China verpufft Im August hat VW in Deutschland, in Europa und in Amerika viel mehr Absatz verloren als die Gesamtbranche im Schnitt. Wenigstens in China, dem attraktiven Wachstumsmarkt, habe man ja dank eines frühzeitigen Engagements eine starke Position, hieß es noch 2003 in Wolfsburg. Doch auch diese Hoffnung ist verpufft. Das Land sollte erst einmal mit dem Polo erobert werden, aber die Chinesen kaufen lieber großräumige Wagen. Solche Operationen am Markt vorbei gibt es eben gelegentlich bei VW. Die Hierarchien sind dort so wuchtig und die Verwaltungswege so lang, das der Kunde manchmal ganz fern ist. Mit Appellen an mehr Kundenorientierung lässt sich das kaum verbessern. Sprudelnde Verlustquellen Irgendein Pferd bricht immer aus, hatte Pischetsrieders Vorgänger, der jetzige Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, einmal VW beschrieben. Verlustquellen sprudeln ständig irgendwo. 2003 hatten Brasilien und die Nutzfahrzeuge rote Zahlen geschrieben, in diesem Jahr sind es die Nutzfahrzeuge und Nordamerika. Das ist auch so eine Spezialität der Wolfsburger: Zwar kann sich die Lastwagen-Branche vor Aufträgen kaum retten, aber leider nicht das Segment der Transporter, und VW ist nur dort stark vertreten. Der Konzern operiert mit gewaltigen Überkapazitäten. Sechs Millionen Fahrzeuge könnte er bauen, aber nur fünf Millionen lassen sich verkaufen. Das Problem ist nicht neu, aber jetzt drückt es so richtig. Das Stammwerk Wolfsburg ist derzeit nur zu 70 Prozent ausgelastet. Zulieferer machen es vor und schließen, wenn die Nachfrage fehlt, jeweils das teuerste Werk. Aber solch konsequentes Handeln kann man von dem Wolfsburger Konzern mit seinen starken Gewerkschaften kaum erwarten. In den am vergangenen Mittwoch gestarteten Tarifverhandlungen versucht VW jetzt unter großem Getöse, jahrzehntelang gehegte Traditionen über Bord zu werfen: Nullrunden und massive Personalkostensenkungen fordert der Vorstand. Leben über die Verhältnisse Übersetzt heißt das, der Haustarif muss weg, und darüber soll es auch - ganz undiplomatisch - überhaupt keine Diskussionen geben. Pischetsrieder versuchte sich flankierend sogar einmal in klaren Worten: VW lebe über seine Verhältnisse und habe nun keinen Spielraum mehr. Es ist jedoch nur wenige Wochen her, da meinte er noch mit Blick auf den Haustarif: "Jeder hat ein Recht darauf, dass es ihm aus Sicht anderer zu gut geht." Das klang noch nach Bestandsschutz. Offenbar weiß Pischetsrieder selbst nicht immer so genau, was er will. So wollte er ja im Frühjahr ein drastische Sparprogramm namens ForMotion, das Milliarden bringen soll, auch nicht als solches verkaufen, sondern als "Effizienzsteigerungsprogramm". Motivation der Mitarbeiter ist ja ein edles Ziel, aber irgendwie klingt die Tonlage in Wolfsburg inzwischen ziemlich schönrednerisch. Wenn es dem Vorstand nicht bald gelingt, Volkswagen aus der Krise zu steuern, heißt die nächste Stufe Sanierung. Aber dann gibt es keinen Zweifel mehr über Tempo und Tonlage. VW als Finanzdienstleister Dass die Scheichs aus Abu Dhabi nun doch nicht Großaktionär werden, ist wohl kein Drama. Dumm daran ist nur, dass der klamme Konzern jetzt den Erwerb der Papiere von der Gesellschaft Leaseplan nicht mehr über den Verkauf eigener Aktien finanzieren kann. Die fehlende Milliarde soll nun VW Financial Services bereitstellen. Das ist symptomatisch: Mit dem Bauen und Verkaufen von Autos verdient der größte europäische Autokonzern kaum noch Geld. VW ist mittlerweile ein Finanzdienstleister.
Bei VW ist der teure Haustarifvertrag nicht das Schlimmste - vielmehr werden Probleme reihenweise verschleppt und beschönigt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/volkswagen-ideenlos-durch-die-flaute-1.916643
Volkswagen - Ideenlos durch die Flaute
00/05/2010
Unruhen in Nigeria, Chaos im Irak, starke Nachfrage in Asien und niedrige Lagerbestände in den USA — es gibt nichts, was den Ölpreis zur Zeit noch stoppen könnte. Experten befürchten nun zunehmend einen Konjunkturabschwung. Seit Aufnahme des Terminhandels 1983 stand der Ölpreis noch nie so hoch. Aktuell wird er mit rund 50,47 Dollar (November-Kontrakt) gehandelt. Der Rohölpreis liegt damit rund 77 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Detailansicht öffnen Soldaten sichern die Ölförderung in Nigeria. (Foto: Foto: AP) Hauptgründe für den neuerlichen Anstieg sind die nach wie vor unsichere Lage in Nahost, jüngste Berichte über Gewalt im afrikanischen Förderland Nigeria und der aktuelle Rückgang der Ölproduktion im Golf von Mexiko aufgrund der Hurrikan-Saison. Shell evakuiert Mitarbeiter Nach offiziellen Angaben haben die USA in den vergangenen zwei Wochen im Golf von Mexiko über 11 Millionen Barrel an Förderleistung eingebüßt. Damit liegt die Tagesproduktion im Golf von Mexiko derzeit knapp 30 Prozent unter dem normalen Niveau. Das US-Energiedepartement hat bereits einen Teil der strategischen Ölreserve vorübergehend freigegeben. Und schon jetzt liegt sie auf dem tiefsten Stand seit 29 Jahren. In Nigeria droht eine Rebellengruppe der Regierung und besonders der Öl produzierenden Industrie mit Krieg. Bis zum 1. Oktober sollen alle Unternehmen ihr Förderung einstellen, sonst werde es Anschläge geben. Die britische Mineralölgesellschaft Royal Dutch/Shell Group evakuierte bereits 235 Arbeiter aus dem ölreichen Niger-Delta. Die Rebellen kämpfen für mehr Unabhängigkeit für ihre Region und werfen der Regierung vor, die Einnahmen der Ölförderung ungerecht zu verteilen. "Eher bei 60 Dollar als bei 40" Nigeria produziert etwa 2,5 Millionen Barrel am Tag. Das afrikanische Land ist nach Mitteilung des US-Energieministeriums der fünftgrößte Exporteur in die USA. Doch nicht nur die mangelnde Förderung, sondern auch der hohe Verbrauch lassen den Ölpreis steigen. Vor allem asiatische Länder wie China und Südkorea treiben die Nachfrage auf Rekordniveau. "Ich schätze, der Ölpreis wird eher auf 60 Dollar klettern als auf 40 Dollar fallen", zitiert die Agentur Bloomberg einen US-Händler. An den Finanzmärkten wächst denn auch die Sorge vor einem ölpreisinduzierten Konjunkturabschwung. Das spiegelt sich in einem sinkenden Zinsniveau wieder: Die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen in den Vereinigten Staaten und in Deutschland sind bereits wieder unter vier Prozent gefallen. Saudi-Arabien hat auf den dramatischen Anstieg des Ölpreises auf dem Weltmarkt reagiert und eine Steigerung seiner Förderquote von derzeit rund 9,5 Millionen Barrel ( je159 Liter) pro Tag auf 11 Millionen angekündigt. Das war am Dienstag von Öl-Experten in der saudiarabischen Hauptstadt Riad zu erfahren. Die Produktionssteigerung solle in den nächsten Wochen erfolgen, hieß es. Einer der Gründe für den Anstieg des Ölpreises war auch die politische Instabilität im Königreich Saudi-Arabien, das seit Mai 2003 von einer Welle von Anschlägen von El-Kaida-Terroristen heimgesucht wurde.
Unruhen in Nigeria, Chaos im Irak, starke Nachfrage in Asien und niedrige Lagerbestände in den USA — es gibt nichts, was den Ölpreis zur Zeit noch stoppen könnte. Experten befürchten nun zunehmend einen Konjunkturabschwung.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mehr-als-50-dollar-fuer-ein-fass-oelpreis-durchbricht-die-angst-marke-1.899282
Mehr als 50 Dollar für ein Fass - Ölpreis durchbricht die Angst-Marke
00/05/2010
Die Lokführer-Gewerkschaft geht ohne erkennbare Kompromissbereitschaft in das Spitzengespräch mit dem Aufsichtsrat der Bahn. An ihrer Forderung eines eigenständigen Tarifvertrags hält sie unverdrossen fest. Gleichzeitig bekräftigt sie ihren Streikwillen. Neue Verhandlungen statt Streik: Bahn und Lokführergewerkschaft GDL unternehmen heute einen weiteren Versuch, Bewegung in den verfahrenen Tarifkonflikt zu bringen. Auf Einladung des Aufsichtsrates der Bahn kommen am Nachmittag Mehdorn und GDL-Chef Manfred Schell zu einem Spitzentreffen zusammen. Anzeichen für ein Einlenken von Bahn oder GDL gab es zunächst nicht. Die für heute angekündigten bundesweiten Streiks im Nahverkehr hatte die GDL ausgesetzt. Streiks nicht ausgeschlossen Im Inforadio des "RBB" schloss der stellvertretende Bundesvorsitzende der GDL, Günther Kinscher, Streiks am (morgigen) Freitag allerdings nicht aus. Kinscher sagte, die Bahn müsse endlich ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen. "Grundlage ist der eigenständige Tarifvertrag". Bahnchef Hartmut Mehdorn müsse endlich seine Zusage im Moderatorengespräch einhalten. Dass es am Freitag zu den angekündigten Arbeitsniederlegungen komme, "liegt im Bereich des Möglichen", sagte Kinscher. Streikentscheidung bis 18 Uhr Die Entscheidung, ob am Freitag gestreikt werden soll, will die GDL heute bis 18 Uhr fällen. Der Beschluss werde unabhängig von dem für 17 Uhr anberaumten Spitzentreffen in Berlin erfolgen, sagte GDL- Sprecherin Gerda Seibert am Morgen. Sie verwies darauf, dass das Gespräch in Berlin seit geraumer Zeit geplant gewesen sei. Ebenfalls noch heute will die Gewerkschaft darüber entscheiden, ob sie gegen das Verbot von Streiks im Fernverkehr durch das Arbeitsgericht Chemnitz vorgehen wird. Bei einem Erfolg der GDL wären dann Arbeitskämpfe auch im Fern- und Güterverkehr denkbar. Verhandlungsbereitschaft signalisiert Schell hat bereits weitere Streiks nur für den Fall ausgeschlossen, dass die Tarifverhandlungen wieder aufgenommen werden. Neben einem eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer verlangt die GDL bis zu 31 Prozent mehr Geld, hat aber bereits Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Der Parlamentskreis Mittelstand der Unionsfraktion im Bundestag (PKM) forderte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn auf, den Forderungen der Gewerkschaft GDL nach einem eigenen Tarifvertrag nicht nachzugeben. "Wir erwarten von ihm, dass er keinen Spartentarifvertrag abschließt", sagte PKM-Chef Michael Fuchs (CDU) der Passauer Neuen Presse. Die Tarifeinheit im Betrieb müsse erhalten bleiben. "Das liegt im gesamtwirtschaftlichen Interesse", sagte Fuchs. Andernfalls drohe auch in anderen Branchen eine Zersplitterung der Tariflandschaft.
Die Lokführer-Gewerkschaft geht ohne erkennbare Kompromissbereitschaft in das Spitzengespräch mit dem Aufsichtsrat der Bahn. An ihrer Forderung eines eigenständigen Tarifvertrags hält sie unverdrossen fest. Gleichzeitig bekräftigt sie ihren Streikwillen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vor-bahn-spitzengespraech-keine-anzeichen-fuer-kompromiss-1.889355
Vor Bahn-Spitzengespräch - Keine Anzeichen für Kompromiss
00/05/2010
Noch vor wenigen Tagen versprach Josef Ackermann, nicht gegen die Interessen Deutschlands zu verstoßen. Dabei soll eine Verlagerung des Hauptsitzes ins Ausland längst beschlossene Sache sein. "Wir werden nie etwas tun, das gegen die Interessen unserer Aktionäre, unserer Kunden, unserer Mitarbeiter und Deutschlands verstößt", verkündete Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann auf der Hauptversammlung des Instituts am vergangenen Mittwoch. Detailansicht öffnen Wachstumschancen sieht die Deutsche Bank nur noch im Ausland. Foto: AP Was der Banker seinen Anteilseignern jedoch verschwieg, ist die in der Führungsspitze offenbar längst getroffene Entscheidung, die Bank künftig aus dem Ausland heraus zu steuern. Dieses Szenario gilt vor allem dann, wenn es zu einer länderübergreifenden, europaweiten Konsolidierung im Bankgewerbe kommen sollte. Wachstum aus eigener Kraft Noch setzt die Bank, wie Ackermann seinen Anteilseignern versicherte, in erster Linie auf Wachstum aus eigener Kraft. Übernahmegespräche oder Verhandlungen über einen eventuellen Zusammenschluss mit einem anderen, namhaften europäischen Geldhaus stehen derzeit nicht auf der Agenda. Trotzdem muss sich die Bank bereits jetzt für den Fall rüsten, dass sich die expansiven angelsächsischen oder amerikanischen Konzerne wie HSBC, Royal Bank of Scotland oder Citigroup zum Angriff auf Europa entschließen, um ihre Präsenz hier weiter auszubauen. Übernahmen aus USA machen Akquisitionen notwendig Genau diese Option halten Ackermann und der Aufsichtsrat der Deutschen Bank für immer wahrscheinlicher. Denn auf ihren weitgehend konsolidierten Heimatmärkten stoßen diese Institute inzwischen an ihre Grenzen. Wachsen können sie nur noch im Ausland. Bereits Anfang Mai hatte Ackermann betont, die Übernahmen in den USA stellten für die europäischen Banken eine neue Herausforderung dar. "Akquisitorische Schritte werden daher notwendig sein", so der Bankchef.
Noch vor wenigen Tagen versprach Josef Ackermann, nicht gegen die Interessen Deutschlands zu verstoßen. Dabei soll eine Verlagerung des Hauptsitzes ins Ausland längst beschlossene Sache sein.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/spekulationen-um-deutsche-bank-entscheidung-gegen-deutschland-1.916046
Spekulationen um Deutsche Bank - Entscheidung gegen Deutschland
00/05/2010
Nach der VW-Affäre wird auch der Chiphersteller Infineon von einem Korruptionsskandal erschüttert. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung gegen Top-Manager. Vorstandsmitglied Andreas von Zitzewitz hat bereits seinen Rücktritt erklärt. Damit tritt innerhalb von anderthalb Wochen zum zweiten Mal ein Vorstandsmitglied eines im Deutschen Aktienindex Dax notierten Unternehmens in einer Korruptionsaffäre zurück. In der vorletzten Woche hatte bereits der VW-Personalvorstand Peter Hartz seinen Rücktritt angeboten. Detailansicht öffnen Erklärte seinen Rücktritt: Andreas von Zitzewitz. (Foto: Foto: dpa) Der 45-jährige Zitzewitz, der seit 1999 im Vorstand der ehemaligen Siemens-Tochter sitzt, begründete am Sonntag seinen Rücktritt damit, er wolle das Unternehmen nicht mit den laufenden Untersuchungen belasten und sich ganz auf das sich abzeichnende Verfahren konzentrieren. Ein Sprecher des Konzerns erklärte: "Wir unterstützen die Behörden bei ihren Ermittlungen." Infineon sei an einer vollständigen Aufklärung des Falls interessiert. Razzia in Büros und Häusern Staatsanwälte, Kriminalpolizei und Steuerfahndung filzten am Freitag bei einer Großrazzia die Infineon-Zentrale in München. Zeitgleich durchsuchten fast 100 Beamte Büros und Privathäuser weiterer Beschuldigter und Zeugen in ganz Deutschland und der Schweiz. Auch der ehemalige Infineon-Vorstandschef Ulrich Schumacher bekam nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Besuch von den Ermittlern. Allerdings gilt er den Angaben zufolge nur als Zeuge. Anlass der Aktion ist ein schwerwiegender Verdacht. Zitzewitz, sowie dem früheren Infineon Manager Harald Eggers, der nun das Schweizer Technologieunternehmen Unaxis leitet, sowie dem Betreiber der Schweizer Sponsoring-Agentur BF Consulting, Udo Schneider, würden Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vorgeworfen, teilte die Münchner Staatsanwaltschaft mit. Der 2004 bei Infineon ausgeschiedene Eggers werde ebenfalls verdächtigt, Verträge gegen Zahlungen eingefädelt haben. Die Aufdeckung der Affäre nahm mit dem spektakulären Führungswechsel bei Infineon im vergangenen Jahr ihren Anfang. Ex-Vorstandschef Ulrich Schumacher, ein begeisterter Motorsportfan, war nach einem Streit mit dem Vorstand entlassen worden. Aufsichtsrat in Erklärungsnot Der neue Vorstandsvorsitzende Wolfgang Ziebart wollte Kosten sparen und plante, die Motorsport-Aktivitäten von Infineon einzustellen. Dazu kündigte Infineon mehrere Verträge - auch den Vermarktungsvertrag mit der Schweizer Gesellschaft BF Consulting. Die Firma wehrte sich mit einer Klage. BF-Chef Udo Schneider hatte zudem eine eidesstattliche Erklärung vorgelegt, in der es hieß, die Firma habe für die Sponsoring-Tätigkeit über drei Jahre auch eine Provision von rund 300000 Euro an das Vorstandsmitglied Zitzewitz gezahlt - auf dessen Wunsch hin und als Bedingung dafür, dass BF weiterhin für Infineon tätig bleiben durfte. In Erklärungsnot gerät nun auch der Infineon-Aufsichtsrat. Der Vorsitzende des Kontrollgremiums, Max-Dietrich Kley, wusste bereits seit mehreren Monaten von den Vorwürfen. Im Unternehmen seien aber keine Beweise für diese Anschuldigungen gefunden worden, heißt es. "Für uns ist das eine bösartige Verleumdung", erklärte Kley noch im November 2004. Für den neuen Infineon-Chef Ziebart bedeutet die Korruptionsaffäre einen schweren Rückschlag im Bemühen um die Sanierung des Konzerns. Top-Manager Zitzewitz war dafür vorgesehen, die wichtige Speichersparte des Konzerns nach einem möglichen Börsengang als Vorstandschef zu führen. Als kommissarische Nachfolger des Vorstands sind nach SZ-Informationen die Infineon-Manager Thomas Seifert und Michael Majerus im Gespräch.
Nach der VW-Affäre wird auch der Chiphersteller Infineon von einem Korruptionsskandal erschüttert. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung gegen Top-Manager. Vorstandsmitglied Andreas von Zitzewitz hat bereits seinen Rücktritt erklärt.
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Korruptionsaffäre bei Infineon - Vorstand Zitzewitz zurückgetreten
00/05/2010
Die Kommunikation per E-Mail ist nicht so sicher, wie die meisten glauben. In vielen Fällen können Unbefugte mitlesen. Wie Sie sich davor schützen. Wenn Sie einen Brief verschicken, stecken Sie ihn in einen Umschlag. Dieser verhindert, dass der Brief von Unbefugten eingesehen werden kann. Elektronische Post dagegen schwirrt meist völlig ungeschützt durch das weltweite Datennetz. Wie eine Postkarte. "Dabei spielt es jedoch eine Rolle, von wo aus Sie Ihre E-Mail verschicken", sagt Sven Thomsen vom Datenschutzzentrum in Kiel. "Benutzen Sie in einem Internetcafé mit freiem, kabellosem Internetzugang Ihr Notebook, um eine E-Mail zu versenden, ist das, als würden Sie die Postkarte auch noch laut vorlesen. Jeder, der will, kann da mitlesen." Im Home Office ist das zwar nicht ganz so leicht, doch auch eine von hier verschickte E-Mail ist vor Zugriffen durch Unbefugte nicht sicher. "Ihr Provider kann mitlesen, genau wie Systemadministratoren aller Systeme, die Ihre Mail auf dem Weg zum Empfänger durchläuft. Oder die Strafverfolgungsbehörden. Das Problem ist: Sie wissen nicht, welchen Weg Ihre Mail durch das Internet nimmt." "Es gibt keine unschuldigen Daten" An vielen Punkten kann eine E-Mail also abgefangen, nach bestimmten Begriffen durchsucht, kopiert und gespeichert werden. Geschäftsgeheimnisse, Kontodaten und vieles mehr können ausgespäht werden. Mit einer Verschlüsselung der E-Mails lässt sich das verhindert, trotzdem hat sie sich noch nicht durchgesetzt. Dabei geht es nicht darum, etwas Unerlaubtes zu verbergen. Mit der Verschlüsselung verhindert man auf effektive Art und Weise, dass Dritte Zugang zu persönlichen Daten erhalten und diese womöglich missbräuchlich verwenden. "Denn es gibt keine unschuldigen Daten", sagt Thomsen. "Hinter personenbezogenen Daten stehen immer auch wirtschaftliche Interessen - und die bleiben nicht folgenlos." Und sei es nur, um eigentlich harmlose, aber nervenden Werbe-Spam-Mails zu verschicken. Im Geschäftsbereich ist es sogar grob fahrlässig, E-Mails mit sensiblen, also vor allem mit personenbezogenen Inhalten, ungeschützt zu versenden. Geschieht das, kann nach dem Bundesdatenschutzgesetz ein Bußgeld verhängt werden. Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Sie Ihre E-Mails sicherer machen.
Die Kommunikation per E-Mail ist nicht so sicher, wie die meisten glauben. In vielen Fällen können Unbefugte mitlesen. Wie Sie sich davor schützen.
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E-Mail-Sicherheit - Zeigt her eure Daten
00/05/2010
Für Versicherungen gegen Unfälle auf dem Weg zur Arbeit zahlen derzeit noch die Arbeitsgeber. Jetzt wollen sie diese Kosten auf die Millionen Beschäftigten abwälzen. Auch lebenslange Unfallrenten soll es nach dem Willen von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt in Zukunft nicht mehr geben. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kündigte dazu für diesen Mittwoch Reformvorschläge an. Die Berufsgenossenschaften glauben nicht, dass diese Änderungen zu echten Einsparungen führen würden. Durch eine Reform der Unfallversicherung wollen die Wirtschaftsverbände in erster Linie Kosten sparen. Die Berufsgenossenschaften, welche die Unfallversicherung tragen, sind für Arbeitnehmer beitragsfrei und werden allein von den Arbeitgebern finanziert. Firmen zahlen dafür jährlich durchschnittlich 1,35 Prozent ihrer Bruttolohnsumme. Einzelne Berufsgenossenschaften - etwa der Bauwirtschaft - verlangen bis zu sieben Prozent. Das ist der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) zu viel. BDA-Präsident Hundt schlägt deshalb vor, die bei den Berufsgenossenschaften jährlich mit mehr als eine Milliarde Euro zu Buch schlagenden Kosten für Unfälle, die sich auf dem Arbeitsweg ereignen, aus dem Katalog der gesetzlichen Leistungen herauszunehmen. Bundesrat für Begrenzung Zur Begründung heißt es, diese Risiken könnten vom Arbeitgeber nicht beeinflusst und müssten deshalb individuell abgesichert werden. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag teilt diese Ansicht und will an diesem Mittwoch Änderungsvorschläge vorlegen. Die Wirtschaftsverbände können sich bei ihren Vorschlägen auch auf eine Initiative des Bundesrats vom 23.Mai 2003 berufen, der ähnliche Änderungen für das einschlägige Siebte Sozialgesetzbuch gefordert hat. Begründet wurde dies damals mit der Gefahr von Arbeitsplatzexporten ins Ausland. Eine Konzentrierung der gesetzlichen Unfallversicherung auf das langfristig Finanzierbare sei nötig, um deutsche Arbeitsplätze wettbewerbsfähig zu machen, hieß es. Die Länderkammer sprach sich auch für eine zeitliche Begrenzung der Unfallrenten auf das 65. Lebensjahr aus. Unfallrenten werden bei Unfällen auf dem Arbeitsweg oder am Arbeitsplatz gezahlt, und zwar bis zum Lebensende. Arbeitgeber kritisieren das als Überversorgung. Die Berufsgenossenschaften zahlen bei voller Berufsunfähigkeit infolge von Arbeitsunfällen zwei Drittel des letzten Jahresbruttolohns. Die gesetzlichen Rententräger, die vom 65. Lebensjahr an einspringen sollen, höchstens 50 Prozent. Allgemeine Rente statt Unfallrente Aus Einspargründen sollen Unfallrenten bei Erreichen der Altersgrenze von der allgemeinen Rente abgelöst werden. Das wäre für Leistungsempfänger mit erheblichen Einbußen verbunden. Die Unfallrente kann um bis zu einem Drittel höher liegen als das gesetzliche Altersruhegeld. Die Arbeitgeber versprechen sich von einer privaten Absicherung der Wegeunfälle und den zeitlich begrenzten Rentenzahlungen Einsparungen in Milliardenhöhe. Die Berufsgenossenschaften sehen das anders. Geschäftsführer Joachim Breuer vom Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften geht davon aus, dass Wegeunfälle künftig von den Krankenkassen bezahlt werden. Die müssten dann aber ihrerseits Beiträge erhöhen, um die zusätzlichen Belastungen aufzufangen, sagte Breuer der Süddeutschen Zeitung. Da die Krankenkassenbeiträge aber von den Arbeitgebern zur Hälfte mitgetragen werden, sei deren Sparerfolg auf den anteiligen Zusatzbeitrag der Arbeitnehmer begrenzt. Ob das den politischen Aufwand lohne, sei fraglich, meinen andere Experten. Geringeres Risiko Gering ist laut Breuer auch der Spareffekt durch eine Befristung der Unfallrenten. Die Genossenschaften müssten für ihre Leistungsempfänger zusätzlich einen Rentenversicherungsbeitrag zahlen, weil sonst kein Anspruch auf das allgemeine Altersruhegeld entstehe. Das aber würde Einsparerfolge zunichte machen. Breuer ist gleichwohl zu Reformen bereit. Die 35 Berufsgenossenschaften sollen nächstes Jahr durch Fusion der acht Bau-Kassen auf 27 reduziert werden. Das spart Verwaltungskosten. Von den neun Milliarden Euro Einnahmen werden sieben Milliarden für Leistungen ausgegeben, die restlichen zwei Milliarden für Verwaltung und Rückstellungen. Der Durchschnittsbeitrag der Berufsgenossenschaften ist heute mit 1,35 Prozent der Bruttolohnsumme niedriger als vor vierzig Jahren. Damals wurden 1,5 Prozent abgeführt. Zuletzt ist der Beitragssatz wegen zunehmender Arbeitslosigkeit und des damit verbundenen Rückganges beitragspflichtiger Entgelte wieder etwas gestiegen. Andererseits ist das Unfallrisiko zurückgegangen. Es wurden im vergangenen Jahr pro tausend Vollarbeitsplätze nur noch 29,4 Arbeitsunfälle verzeichnet. Im Jahr davor waren es noch 32,4. Die absolute Zahl der Versicherungsfälle ist 2003 um 10,5 Prozent auf 871145 geschrumpft.
Für Versicherungen gegen Unfälle auf dem Weg zur Arbeit zahlen derzeit noch die Arbeitsgeber. Jetzt wollen sie diese Kosten auf die Millionen Beschäftigten abwälzen. Auch lebenslange Unfallrenten soll es nach dem Willen von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt in Zukunft nicht mehr geben.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neue-kosten-fuer-arbeitnehmer-firmen-wollen-unfallschutz-nicht-mehr-bezahlen-1.902656
Neue Kosten für Arbeitnehmer - Firmen wollen Unfallschutz nicht mehr bezahlen
00/05/2010
Amerika, Europa und Asien formieren sich neu - nicht nur in der Geographie. Weil sich der Dollar gegenüber Asiens Devisen nicht so stark abwerten kann, wie von Amerika gewollt, muss der Euro dran glauben. Schon gewinnt Europas Devise kräftig an Wert. Ein passendes Bild zur Währungswelt kommt aus der Erdkunde. Die drei Kontinente Amerika, Europa und Asien driften auseinander. Sie formieren sich neu, begleitet von Erdstößen. Die genaue zeitliche Abfolge von Bewegung und Beben sowie die Größe der entstehenden Kluft ist nicht exakt vorhersehbar. Doch ganz im Dunkeln tappen die Geologen nicht - und auch nicht die Währungsfachleute. Denn es gibt eine Reihe von Tatsachen, die sich aus den Erfahrungen der Währungsgeschichte interpretieren lassen. Absturz mit Absicht Aktuell verliert der weltweit dominierende Dollar an Wert gegenüber allen anderen Devisen. Das ist von den USA politisch so gewollt und wird an den Devisenmärkten willig umgesetzt. Die Vereinigten Staaten kommen so günstiger an in Dollar berechnete Rohstoffe, allen voran an das Öl. Sie können ihre Güter gleichzeitig günstiger am Weltmarkt anbieten und sind vor teuren Einfuhren gefeit. Zudem brauchen die Amerikaner jede Menge Geld. Sie müssen ein riesiges Staatsdefizit finanzieren. Sie geben außerdem für Waren und Dienstleistungen aus aller Welt weit mehr aus als sie umgekehrt einnehmen, sie leben also auf Kosten der Leistungen anderer Nationen. Sie kaufen die meisten Waren und Dienstleistungen in Asien ein, vor allem in Japan, China, Indien, aber auch in Korea, Taiwan oder Singapur. Die Handelsmacht Japan, deren Wirtschaft seit Jahren den Weg aus der Krise sucht, nimmt die mit der Dollar-Abschwächung verbundene Aufwertung ihrer Währung allerdings nicht hin. In diesem Jahr soll sie 120 Milliarden Dollar gekauft haben, um den Yen niedrig zu halten. Weitere 70 Milliarden Dollar haben die Zentralbanken von Taiwan und China aufgewandt. Chinas Währungshebel Dabei verfügt das aufstrebende China über keinen Währungshebel. Der Wechselkurs des Yuan wird nicht am Devisenmarkt gebildet, er ist festgezurrt. Sehr zum Ärger der Amerikaner, deren Finanzminister bereits einen Werbefeldzug durch Asien unternahm, um die Handelspartner von der Notwendigkeit biegsamerer Währungen zu überzeugen. Auch auf der Weltwährungskonferenz in Dubai wurde über den nötigen Kurswechsel im Währungsverhältnis zwischen Amerika und Asien geredet, in einem Kommuniqué "mehr Flexibilität" verlangt. Dieser Stillstand zwischen den am Pazifik gelegenen Kontinenten findet in Europa ein Ventil. Der Euro als zweitwichtigste Währung nach dem Dollar bietet dem Devisenhandel genügend Spekulationsmasse. Weil sich der Dollar gegenüber den asiatischen Währungen nicht so stark abwerten kann wie von Amerika gewollt, muss der Euro dran glauben. Schon ist sein Wert gegenüber der Leitwährung so hoch wie zu seinem Start 1999. Das ist noch kein Unglück. 1,20 Dollar — die kritische Grenze Wechselkurse zwischen 1,10 Dollar und 1,20 Dollar kann die Wirtschaft in Europa schon verkraften. Aber die meisten Experten rechnen mit den aus der Vergangenheit bekannten Übertreibungen. Bei Wechselkursen jenseits von 1,20 Dollar werden es die europäischen Anbieter auf den Weltmärkten schwer haben. Die Asiaten bleiben nicht auf ihren Dollar-Beständen sitzen, sondern tauschen sie zum Teil um - in Euro natürlich. Hauptsächlich aber finanzieren sie die gewaltigen Defizite der Amerikaner. "Die Asiaten verkaufen, und die Fed druckt", überspitzt ein Volkswirt die Hauptgründe für das steigende Dollar-Angebot. Europa muss sich warm anziehen, wenn der Trend zur schwachen US-Devise anhält.
Amerika, Europa und Asien formieren sich neu - nicht nur in der Geographie. Weil sich der Dollar gegenüber Asiens Devisen nicht so stark abwerten kann, wie von Amerika gewollt, muss der Euro dran glauben. Schon gewinnt Europas Devise kräftig an Wert.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/waehrungen-der-euro-im-kontinentaldrift-1.907206
Währungen - Der Euro im Kontinentaldrift
00/05/2010
Finanzinvestoren erhalten den Zuschlag für ProSiebenSat1. Doch ob es für die neuen Eigentümer ein gutes Geschäft wird, ist zweifelhaft. Die Entscheidung kam überraschend schnell und nur zwei Tage nach Ende der Bieterfrist: Deutschlands größter TV-Konzern, die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe, wird an die beiden Finanzinvestoren Permira und KKR weitergereicht. Detailansicht öffnen Der Verkauf von ProSiebenSat1 - für alle Beteiligten ein Gewinn? (Foto: Foto: ddp) Ein gutes Geschäft für den US-Milliardär Haim Saban und seine Partner: sie können ihren Einsatz binnen drei Jahren mindestens vervierfachen. Auch für den TV-Konzern ist es der erhoffte Wunschpartner, da in München ein neuer Medienkonzern entstehen soll. Ob es aber auch ein gutes Geschäft für die neuen Eigentümer wird, ist zweifelhaft. Hoher Einstandspreis Der Einstandspreis von knapp 29 Euro je Aktie, also insgesamt mehr als drei Milliarden Euro, ist sehr hoch. Dazu kommt: Der Verkauf von Unternehmen von einem Finanzinvestor an den nächsten ist ohnehin zunächst einmal höchst problematisch. Der erste Investor macht das Unternehmen fit, streicht Stellen und steigert die Effizienz, verkauft es dann zu einem möglichst hohen Preis weiter. Der nächste Investor kann das in der Regel nicht wiederholen. Er muss sich also etwas anderes einfallen lassen, damit nach einigen Jahren die Firma ebenfalls mit hohem Gewinn wieder losgeschlagen werden kann. Permira und KKR, zwei der seriöseren Vertreter der vielgeschmähten Finanzinvestoren-Branche mit Erfahrung im Mediengeschäft, haben dafür einen geschickten Plan erarbeitet. Pläne für europäischen Medienkonzern Ihnen gehört bereits der europäische TV-Konzern SBS, den sie jetzt mit Pro Sieben Sat1 zusammenlegen wollen. Dann, so die Hoffnung, entsteht ein europaweit agierender Medienkonzern, der zum Marktführer RTL aufschließen kann und am Ende mehr wert ist als die bisherigen Einzelteile. Die Börsennotierung von Pro Sieben Sat1 soll möglicherweise erhalten bleiben. Dann ist eine spätere Trennung leichter, denn Aktien könnten über die Börse verkauft werden. Doch ob dieses Kalkül aufgehen kann, ist zweifelhaft. Länderübergreifende Synergien im Fernsehmarkt sind nur sehr schwer zu realisieren. Zu unterschiedlich sind die TV-Gewohnheiten und die Werbemärkte in den einzelnen Ländern. Auch die Rechte für Filme oder Sportereignisse werden meist länderspezifisch vergeben. Wie schwer es ist, Synergien zu realisieren, musste in der Vergangenheit RTL erfahren. Dazu kommt: Bei der Eingliederung von SBS in den neuen Konzern sind schwierige Bewertungsfragen zu lösen. Außerdem ist nicht sicher, wie lange die gute Konjunktur in der TV-Branche noch hält. Die Gefahr: Geht der ambitionierte Plan nicht auf, droht vielleicht doch die Zerschlagung von Pro Sieben Sat 1.
Finanzinvestoren erhalten den Zuschlag für ProSiebenSat1. Doch ob es für die neuen Eigentümer ein gutes Geschäft wird, ist zweifelhaft.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verkauf-von-prosiebensat1-die-probleme-des-wunschpartners-1.899769
Verkauf von ProSiebenSat1 - Die Probleme des Wunschpartners
00/05/2010
"Das hat es in den letzten 50 Jahren nicht gegeben" Die Verbraucher müssen sich auf üppige Preiserhöhungen bei Lebensmitteln aller Art einstellen. Nach Aldi wollen nun auch REWE und Plus die Preise anheben. Nach dem Preissprung bei Molkerei-Produkten zeichnet sich eine Verteuerung von Lebensmitteln auf breiter Front ab. Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler REWE plant in den kommenden Wochen Preiserhöhungen bei billigeren Artikeln. "Die gesamte Branche ist von deutlich gestiegenen Rohstoffpreisen betroffen", sagte ein REWE-Sprecher am Donnerstag der dpa. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: dpa) "Wir müssen - wie andere Unternehmen auch - darauf reagieren." Auch bei dem zum Tengelmann-Konzern gehörenden Discounter Plus stehen nach Informationen aus der Unternehmenszentrale "zum ersten Mal seit Jahren" wieder Preiserhöhungen bevor. Hintergrund seien höhere Kosten bei Rohstoffen und bei der Produktion. Einzelheiten zum Zeitpunkt und zu den betroffenen Produkten wollte das Unternehmen nicht nennen. Aldi als Vorreiter Die Lebensmittel-Zeitung berichtet in der Freitag-Ausgabe, der Discounter Aldi habe mit der Verteuerung von etwa 50 Artikeln in dieser Woche ein Signal für den gesamten Markt gegeben. Aldi hatte erstmals Preiserhöhungen sowohl in ganzseitigen Anzeigen in Tageszeitungen als auch in den Märkten angekündigt und detailliert begründet. "Das macht man nicht, wenn es nur um wenige Artikel geht", schreibt die LZ unter Berufung auf einen Handelsfachmann. In der Lebensmittelindustrie wird nach Angaben der Zeitung damit gerechnet, dass bis zu 380 Produkte und damit fast die Hälfte des Stammsortiments bei Aldi teurer werden. Der Discounter setze damit Maßstäbe für den gesamten Lebensmitteleinzelhandel, der nach Auffassung von Fachleuten innerhalb weniger Tage seine Preise im Preiseinstiegssegment auf Aldi-Niveau anheben werde. "So etwas hat es in den letzten 50 Jahren noch nie gegeben", zitiert die LZ einen Hersteller. Aldi-Nord und Aldi-Süd waren für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Höhere Preisforderungen der Industrie Der größte deutsche Lebensmittel-Händler Edeka wies darauf hin, dass es sich bislang lediglich um Preisforderungen der Industrie handele. Was davon umgesetzt werde und schließlich beim Endverbraucher ankomme, hänge vom Verhandlungsverlauf zwischen Industrie und Handel ab. Die jährlichen Preisgespräche stünden noch bevor. Viele Anbieter würden auch im Windschatten der Molkereibranche segeln und wollten höhere Preise durchsetzen, obwohl ihre Kosten nicht so stark gestiegen seien. Die Milchprodukte hatten sich in den vergangenen Wochen massiv verteuert.
Die Verbraucher müssen sich auf üppige Preiserhöhungen bei Lebensmitteln aller Art einstellen. Nach Aldi wollen nun auch REWE und Plus die Preise anheben.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/preisexplosion-bei-den-discountern-das-hat-es-in-den-letzten-50-jahren-nicht-gegeben-1.880363
"Preisexplosion bei den Discountern - ""Das hat es in den letzten 50 Jahren nicht gegeben"""
00/05/2010
Trotz der Korruptionsaffäre bei Siemens soll Konzernchef Klaus Kleinfeld einen neuen Vertrag erhalten. Teile des Aufsichtsrates wollen nach SZ-Informationen aber festlegen, dass Kleinfeld bei einem vorzeitigen Ausscheiden nicht die volle Vertragssumme bekommt. Bei der Siemens AG wird im kleinen Kreis und auf höchster Ebene seit Wochen über die anstehende Vertragsverlängerung von Vorstandschef Klaus Kleinfeld gesprochen. Die gegenwärtige Amtszeit endet im September. Detailansicht öffnen Bisher gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass Siemens-Chef Klaus Kleinfeld in den Korruptionsskandal bei dem Konzern verwickelt sein könnte. Dennoch wollen die Aufsichtsräte Vorsicht walten lassen. (Foto: Foto: AP) Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung, die aus der Konzernspitze stammen, ist Kleinfeld eine Mehrheit im Aufsichtsrat bei dessen nächster Sitzung Ende April sicher. Das habe sich bei den Sondierungsgesprächen gezeigt, die vor allem der Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer führe. Es habe sich allerdings auch herausgestellt, dass Teile des Kontrollgremiums für den Fall eines vorzeitigen Ausscheidens von Kleinfeld dessen Abfindung begrenzen wollten. Der neue Vertrag solle dann nicht vollständig ausgezahlt werden. Reine Vorsichtsmaßnahme Im Aufsichtsrat wird betont, das sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Sollte sich beispielsweise ergeben, dass den Konzernchef entgegen allen bisherigen Erkenntnissen doch in den Korruptionsskandal bei Siemens verwickelt sei, dann wollten etliche Aufsichtsräte darauf vorbereitet sein. Man wolle sich hinterher nicht dem Vorwurf aussetzen, keine Vorkehrungen für eine derartige Entwicklung getroffen zu haben. ,,Das ist kein Misstrauen gegenüber Kleinfeld'', wird im Kontrollgremium betont. Aus Aufsichtsratskreisen verlautet, man habe überhaupt keiner Anhaltspunkte dafür, dass der Vorstandsvorsitzende durch den Skandal persönlich belastet werden könnte. Aus den bisherigen Ermittlungen im Konzern wie auch bei der Münchner Staatsanwaltschaft sei nichts bekannt geworden, was auf eine Verwicklung von Kleinfeld hindeute. Keine Alternative zu Kleinfeld Der Aufsichtsrat wolle bei seinem nächsten Treffen im April den Ende September auslaufenden Vertrag von Kleinfeld unbedingt verlängert, damit Siemens in diesen schwierigen Zeiten nicht führungslos werde. Es gebe keine Alternative zu Kleinfeld und keinen Grund, an ihm nicht festzuhalten. Wie im Falle eines vorzeitigen Ausscheidens von Kleinfeld dessen Abfindung begrenzt werden solle, steht offenbar im Detail noch nicht fest. Im Ergebnis könne eine solche Maßnahme darauf hinauslaufen, dass Kleinfeld bei einem vorzeitigen Ausscheiden nicht die gesamte Restlaufzeit als Abfindung erhält, sondern nur ein bis zwei Jahresgehälter.
Trotz der Korruptionsaffäre bei Siemens soll Konzernchef Klaus Kleinfeld einen neuen Vertrag erhalten. Teile des Aufsichtsrates wollen nach SZ-Informationen aber festlegen, dass Kleinfeld bei einem vorzeitigen Ausscheiden nicht die volle Vertragssumme bekommt.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vertragsverlaengerung-bei-siemens-abfindungsklausel-fuer-kleinfeld-1.907068
Vertragsverlängerung bei Siemens - Abfindungsklausel für Kleinfeld
00/05/2010
Fast jeder dritte Neuwagen in Deutschland wird geleast. Die Gründe sind unterschiedlich: Privatkunden finden es schick, Firmen buchen Rundum-sorglos-Pakete, und die öffentliche Hand kann sparen. Auch in Zeiten niedriger Wachstumsraten und stagnierender Zulassungszahlen in der Automobilbranche - Kfz-Leasingunternehmen verzeichnen seit Jahren ein stabiles Wachstum. Detailansicht öffnen Viele deutsche Autofahrer leasen lieber einen Neuwagen, als einen gebrauchten zu kaufen. (Foto: Foto: ddp) In absoluten Zahlen heißt das: Im Jahr 2004 wurden 1,1 Millionen Fahrzeuge über diese Finanzierungsform ins Rollen gebracht, 2005 waren es knapp 1,2 Millionen Fahrzeuge. Das war fast jede dritte Neuzulassung, womit Leasing die beliebteste Beschaffungsform für Fahrzeuge avanciert ist. Die Gründe für diese Erfolgsgeschichte sind indes unterschiedlich. "Bei Privatkunden gilt Leasing einfach als schick und modern", sagt der Leasingexperte Heinrich Wassermann. "Die Liquidität steht im Vorder-, die Rentabilität hingegen im Hintergrund." Nullleasing-Verträge nicht unbedingt vorteilhaft Außerdem kann bei stagnierenden Einkommen und stolzen Neuwagenpreisen der Wunsch nach einem neuen Fahrzeug oftmals nur über Leasing oder die Teilzahlung erfüllt werden. So genannte Null-Leasingmodelle, bei denen keinen Zinsen anfallen, sind nicht unbedingt die günstigsten Angebote, sagt Wassermann. Wer bar zahlt, kann in der Regel höhere Rabatte gegenüber dem Listenpreis durchsetzen. Welche Finanzierungsform dabei zum Einsatz kommt - ob klassisches Leasing oder der kreditfinanzierte Verkauf - entscheiden eher die Marketingstrategen der Hersteller als die Kunden. Leasing ist aus Sicht von Herstellern auch ein Instrument der Produktpolitik. Sind die Leasingkunden hingegen Firmen, spielen Rentabilitätsfragen eine zentrale Rolle. Unternehmen wollen sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und den Verwaltungsaufwand für ihre Firmenwagen dem Leasinggeber übertragen. Komplett-Pakete für Firmenkunden Entsprechend anspruchsvoll ist die Leasing-Kundschaft bei Dienstwagenflotten. "Der Kunde erwartet ein umfassendes und individuell auf ihn angepasstes Fuhrpark-Managementkonzept", sagt Tero Tapala, Geschäftsführer der Arval Deutschland. Firmenkunden können dabei - je nach Bedarf - sämtliche Dienstleistungen inklusive Wartung, Unfallabwicklung oder Kraftstoffmanagement an den Leasinggeber übertragen. Lesen Sie auf Seite 2, wie auch die öffentliche Hand durch das Leasen von Fahrzeugen sparen kann!
Fast jeder dritte Neuwagen in Deutschland wird geleast. Die Gründe sind unterschiedlich: Privatkunden finden es schick, Firmen buchen Rundum-sorglos-Pakete, und die öffentliche Hand kann sparen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fahrzeugfinanzierung-fuer-firmen-familie-und-fiskus-1.903133
Fahrzeugfinanzierung - Für Firmen, Familie und Fiskus
00/05/2010
Dem schleichenden Brauereisterben in Deutschland fallen erstmals zwei Großbrauereien durch Produktionszusammenlegungen zum Opfer: Der Oetker-Konzern will die Traditionsmarken Brinkoffs und Berliner Kindl künftig in anderen Brauereien seines Bier-Imperiums mitbrauen. Schweigend kamen die Mitarbeiter aus der Brauerei Brinkhoff. Am Dienstagmorgen hatte das Management die Belegschaft informiert: Die zum Oetker-Konzern gehörenden Brauerei in Dortmund soll geschlossen werden. In rund einem Jahr wird der Braubetrieb eingestellt. Detailansicht öffnen Mitarbeiter der Brinkoffs-Brauerei verlassen die Betriebsversammlung im Dortmunder Stammhaus. (Foto: Foto: ddp) Das Management will die Aktivitäten in Dortmund in der zweiten verbliebenen Brauerei der Stadt, der Dortmunder Actien Brauerei (DAB), konzentrieren. Ein Teil der Belegschaft solle dann bei der DAB unterkommen. "Wir wussten ja, dass die Lage nicht gut ist", sagte einer der Mitarbeiter nach der Betriebsversammlung in der Brauerei. "Aber auch wenn wir das haben kommen sehen - wenn einem das jemand so konkret sagt, ist das wie ein Schlag mit einem Knüppel." "Hoffnung hat hier jeder" Beim Gedanken an seine Zukunft kann er nur mit den Schultern zucken - "keine Ahnung, was sein wird." Ob er hofft, bei der DAB eine neue Beschäftigung zu finden? "Hoffnung hat hier jeder, aber wer genau übernommen wird und wie das alles funktionieren soll, das weiß doch niemand." "Wir müssen die Pläne als gegeben hinnehmen", sagt ein zweiter Brinkhoff-Mitarbeiter. Und andere möchten am Dienstag am liebsten gar nicht mehr reden. "Was soll ich erzählen?", fragt einer. "Keiner weiß, wie es weitergehen soll. Wir können nur sagen, dass wir heute nichts Angenehmes gehört haben." Auch wenn das Management der Radeberger-Gruppe, die Biersparte bei Oetker, bereits Ende 2004 harte Sanierungsmaßnahmen angekündigt hatte, schienen viele der Bierbrauer und Angestellten geschockt. Lebensinhalt "Für Menschen, die hier 20, 30, 40 Jahre gearbeitet haben, ist das ihr Lebensinhalt. Natürlich stellen die sich nicht hin und sagen "Chef, auf die schlechte Nachricht haben wir schon gewartet"", sagte Manfred Sträter, Sprecher der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) am Dienstag. Sträter kritisierte gleichzeitig die Führung von Oetker und Radeberger. "Die ganzen alten Brauereigebäude in Dortmund - Thier, Kronen und andere - das sind keine deutschen Bierdenkmäler, sondern Grabsteine des Missmanagements." Bei der Biermarke Brinkhoffs habe der Konzern zum Beispiel eine verfehlte Preispolitik gefahren. "Auch wenn das Bier gut ist, darf man keine Preise verlangen, die sich niemand mehr leisten kann. Dann ist es klar, dass die Menschen auf Billigmarken ausweichen." Betroffenheit auch in Berlin Aber nicht nur bei der Brinkoffs-Belegschaft herrschte Betroffenheit. Oetker teilte zeitgleich mit, dass auch die Brauerei von Kindl in Berlin geschlossen werden solle.
Dem schleichenden Brauereisterben in Deutschland fallen erstmals zwei Großbrauereien durch Produktionszusammenlegungen zum Opfer: Der Oetker-Konzern will die Traditionsmarken Brinkoffs und Berliner Kindl künftig in anderen Brauereien seines Bier-Imperiums mitbrauen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/brauereisterben-wie-ein-schlag-mit-einem-knueppel-1.915341
"Brauereisterben - ""Wie ein Schlag mit einem Knüppel"""
00/05/2010
Der Expansionsdrang der Hamburger Sparkasse kennt keine Grenzen. Nach der Verbindung mit der Sparkasse Bremen hat sich die Haspa jetzt die Kieler Sparkassen ins Boot geholt, um nach der Vereins- und Westbank zu greifen. (SZ vom 01.07.03) - Eine börsennotierte Privatbank unter dem Dach der S-Finanzgruppe wäre ein Novum in der Finanzwelt. Die Haspa ist bereits für sich allein die größte Sparkasse Deutschlands und gehört als freie Sparkasse quasi sich selbst. Das dürfte mit dazu beitragen, dass die anstehende Konsolidierung im norddeutschen Sparkassensektor wesentlich schneller vorangetrieben werden kann als im Süden. Mehr Gestaltungsspielraum Seit Mitte Juni betreibt die Haspa ihr Massengeschäft in Form einer Aktiengesellschaft - auch mit dem Ziel, unter dieser Rechtsform erheblich mehr Gestaltungsspielraum zu gewinnen. Vor gut einer Woche nun haben die Haspa und die Sparkasse Bremen - sie rangiert auf Platz 7 der Sparkassen-Branche - ihre gesellschaftsrechtliche "unumkehrbare Zusammenarbeit" verkündet. An der Mitte 2004 an den Start gehenden Norddeutsche Retailholding AG, in der Stabs- und Steuerungsfunktionen und die Abwicklung des Zahlungsverkehrs gebündelt werden - sind beide Häuser mit ihren Finanzholdings beteiligt. Weitere Partner aus dem Sparkassenlager sind willkommen. Doch die Haspa hat offenbar nicht die Absicht, ihre Expansion nur im eigenen Lager voranzutreiben. Zusammen mit dem Kieler Sparkassenverband hat sie ihr Interesse an einem Einstieg bei der börsennotierten Vereins- und Westbank bekundet - sofern deren Mutter, die HypoVereinsbank (HVB), sich zu einem Verkauf entschließt. ´ München schweigt "Wenn das Thema spruchreif ist, dann treten wir im Konsortium gemeinsam mit Kiel an", sagte ein Haspa-Sprecher der SZ. Diese Konstellation sei jetzt der Investmentbank signalisiert worden, die im Auftrag der HVB einen Verkauf der Hamburger Tochter sondiert und im April bei der Haspa vorstellig geworden war. Eine Reaktion aus München habe es noch nicht gegeben. Derzeit scheint auch noch nicht sicher, ob die HVB die Vereins- und Westbank, an der sie 75,1 Prozent besitzt, überhaupt zur Disposition stellen muss. Dies hängt davon ab, was der derzeit laufende Börsengang der HVB-Tochter Bank Austria und der geplante Verkauf der Norisbank in die Kasse bringen. Nach früheren Angaben hat die HVB, die gegen eine drohende Rating-Verschlechterung ankämpft, einen Kapitalbedarf von 1,7 Milliarden Euro. Die Bank Austria könnte 0,9 bis 1,18 Milliarden Euro einbringen; die Emissionsfrist läuft dort noch bis zum 8. Juli. Ursprünglich hatte die HVB allerdings mit einem deutlich höheren Erlös von 1,3 Milliarden Euro gerechnet. Von der Norisbank erhofft die Bank sich mindestens 400 Millionen Euro. Für die auf Konsumentenkredite spezialisierte Bank ist das Bieterverfahren bereits gelaufen. Es gibt fünf Interessenten, darunter auch die Postbank. Über die Höhe der Angebote macht die HVB keine Angaben. Der Verkauf soll bis zum Ende des Sommers über die Bühne gehen. Die Vereins- und Westbank wird an der Börse mit rund einer Milliarde Euro bewertet. Neben der HVB-Beteiligung gibt es noch ein Paket von rund elf Prozent, das die Volksfürsorge besitzt. Am Hamburger Bankenmarkt spielt die Haspa unangefochten die Rolle des Platzhirsches mit einem Anteil am Privatkundengeschäft von 60 Prozent. Sie betreibt 185 Filialen und kommt auf eine Bilanzsumme von 33 Milliarden Euro. Stärke im Umland Die Vereins- und Westbank hat einen Marktanteil von rund 15 Prozent und betreibt 80 Filialen. Stärker ist das Gewicht der HVB-Tochter allerdings im weiteren Umland von Hamburg: Richtung Norden kommt sie auf Marktanteile zwischen 20 und 50 Prozent (die ehemalige Westbank saß in Husum), Richtung Süden sind es um die 30 Prozent. Im Falle einer Übernahme würde die Haspa ihren Kollegen im niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Sparkassen-Lager demnach erhebliche Konkurrenz machen. Allein aus diesem Grund ist ein Gleichschritt mit den Kieler Sparkassen sinnvoll. Ihre gescheiterten Bemühungen um die Bankgesellschaft Berlin hat die Haspa offenbar schnell verwunden. Ein gemeinsam von der Norddeutschen Landesbank, dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband und der Haspa erdachtes Modell für die angeschlagene Bankgesellschaft hatte vorgesehen, dass die Haspa das Massengeschäft in Berlin geführt hätte. Das von Angebot fand allerdings keine Berücksichtigung.
Der Expansionsdrang der Hamburger Sparkasse kennt keine Grenzen. Nach der Verbindung mit der Sparkasse Bremen hat sich die Haspa jetzt die Kieler Sparkassen ins Boot geholt, um nach der Vereins- und Westbank zu greifen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bankenmarkt-neuer-machtblock-in-norddeutschland-1.916969
Bankenmarkt - Neuer Machtblock in Norddeutschland
00/05/2010
(SZ vom 08.01.04) - Wenn es darum geht, in Zeiten leerer Rentenkassen die Notwendigkeit der zusätzlichen Altersvorsorge zu beschwören, sind alle dabei: Politiker, Experten und natürlich auch die Unternehmen. Wenn es darum geht, etwas für das gemeinsame Anliegen zu tun, sind die Signale eher verwirrend. Die jüngsten Nachrichten zur betrieblichen Altersvorsorge dürften bei den Verbrauchern nur zusätzliche Unsicherheit programmieren. Die Situation ist paradox: Die Bundesbürger sollen mehr vorsorgen. Aber zum Jahreswechsel erfuhren die sparfreudigen Arbeitnehmer, dass sie nun den vollen Krankenkassenbeitrag auf Betriebsrenten und Einmalzahlungen aus Direktversicherungen zahlen müssen. Die Nachfrage nach der Riester-Rente ist im vergangenen Jahr fast zusammengebrochen. Auch aus den Firmen ist nichts Gutes zu hören: Die Commerzbank kündigte jetzt in einer Nacht- und-Nebel-Aktion 26.000 Mitarbeitern die Betriebsrente. Der angeschlagene Versicherungskonzern Gerling hat bereits zum Jahresanfang Ansprüche auf Betriebsrenten zum Teil drastisch gekürzt. Leistungen zusammengestrichen Dass die Unternehmen für ihre Mitarbeiter weniger oder gar kein Geld zurücklegen, ist nicht neu: Viele Betriebe haben die Leistungen aus den Firmenkassen in den vergangenen Jahren zusammengestrichen, um ihre Lohnnebenkosten zu senken. Verstärkt wurde dieser Trend durch die Wirtschaftsflaute in Deutschland. In solchen Zeiten geben in den Firmen Kosten-Kontrolleure den Ton an, die jeden eingesparten Euro als Erfolg verbuchen - auch wenn so mancher Einschnitt zum Bumerang wird, weil er die Motivation der Mitarbeiter und damit auch ihre Arbeitskraft lähmt. Damit ist aber nicht das Ende der Betriebsrente in Deutschland eingeläutet. Vielmehr verändert sich das ganze System. Das Risiko, für den Ruhestand nicht genug Geld an den Kapitalmärkten angesammelt zu haben, wird zunehmend von den Arbeitgebern auf die Arbeitnehmer verlagert. Viele Unternehmen, vor allem große Aktiengesellschaften, steigen nicht aus der betrieblichen Altersvorsorge aus. Sie sagen jedoch nur noch eine Sparleistung zu, ohne dem Mitarbeiter eine bestimmte Rente zuzusichern. Schönere Zahlen Gleichzeitig ziehen sie vermehrt ihre Pensionslasten aus der Bilanz heraus und lassen das Geld in Fonds an den Kapitalmärkten arbeiten, um so vor den Aktien-Analysten mit schöneren Geschäftszahlen brillieren zu können. Beides lässt sich schon wegen des weltweiten Konkurrenzkampfes nicht vermeiden. Es nützt niemandem, wenn Unternehmen unter ihrer Pensionslast zusammenbrechen. Das Kernproblem wird mit solchen Verschiebemanövern aber nicht gelöst: Das gesetzliche Rentenniveau sinkt dramatisch. Vielen Bundesbürgern droht Altersarmut, wenn sie nicht privat oder betrieblich vorsorgen. Gerade hier haben die Deutschen im Vergleich zu anderen Industrienationen einen riesigen Nachholbedarf. Und weder die Opposition, die das Problem 16 Jahre lang verdrängte, noch die Bundesregierung, die zumindest 2002 den Einstieg in die Riester-Rente schaffte, hat ein schlüssiges Konzept, um dies zu ändern. Bei der neuen Förderung der betrieblichen Vorsorge klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Jeder Arbeitnehmer hat seit 2002 das Recht, einen Teil seines Gehalts steuersparend für eine spätere Betriebsrente zurückzulegen. Zu komplex Doch obwohl die staatliche Förderung äußerst attraktiv ist, ist vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen nichts geschehen, wo mehr als 80 Prozent der Arbeitnehmer beschäftigt sind. Die Materie ist ihnen einfach zu komplex. Deutschland braucht deshalb eine Reform, die das System der Vorsorgeförderung flexibler, einfacher und verständlicher macht. Das allein wird aber nicht reichen. Die Bürger müssen Vertrauen in die staatlichen Förderangebote gewinnen. Wer jedoch fast täglich in dem Gefühl bestärkt wird, was der Staat auf der einen Seite gibt, wird auf der anderen Seite später wieder kassiert, wird heute kein Geld für morgen lockermachen.
Viele Betriebe geben keine konkrete Zusagen mehr zur Höhe der Betriebsrenten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-sparen-auf-kosten-der-arbeitnehmer-1.920154
Kommentar - Sparen auf Kosten der Arbeitnehmer
00/05/2010
Wolfgang Bernhard liebt große Auftritte und schnelle Autos. Bei der Mercedes-Tuningfirma AMG und als VW-Markenchef versuchte er, beide Vorlieben zu vereinen. In Wolfsburg nennen sie ihn "James Benz". Das ist nicht unpassend für Wolfgang Bernhard, den VW-Sanierer, der jetzt hinwirft. Detailansicht öffnen Nicht James Bond, sondern der zurückgetretene VW-Marken-Chef Wolfgang Bernhard auf einer Dodge-Motorrad-Studie. (Foto: Foto:) Der 46-Jährige liebt den großen Auftritt. Er ließ unlängst einen Hangar auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof umbauen in eine Partyzone, um den "schärfsten Volkswagen aller Zeiten" zu präsentieren, wie er ihn nennt. Hier, auf historischem Boden, wo während der Luftbrücke nach dem Zweiten Weltkrieg die amerikanischen Rosinenbomber gewartet wurden, drehte Bernhard drei Kreise durch grünlich-stechendes Diodenlicht und entstieg dann dem Viersitzer namens "Iroc", der ab Frühjahr 2008 als "Scirocco" in Portugal produziert werden soll. Kronprinz Pischetsrieders In seinen anderthalb Jahren als Markenchef von VW fiel Bernhard vor allem mit Ankündigungen auf: mit Autos, die jetzt noch nicht zu kaufen sind, sondern erst in ein paar Jahren - oder auch gar nicht. Währenddessen brachte Audi-Chef Martin Winterkorn viele neue Modelle auf den Markt. So war es für manche nicht überraschend, dass VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch seinen langjährigen Weggefährten Winterkorn im vorigen Herbst zum neuen Konzernchef kürte. Für Bernhard war dies ein Rückschlag. Er galt lange als Kronprinz von VW-Boss Bernd Pischetsrieder. Bernhard hat sich mit seiner forschen Art nicht viele Freunde gemacht: Er hat immer wieder die aufwändige Konstruktion des VW Golf kritisiert, die aus einer Zeit stammt, als Piech Vorstandschef und Winterkorn Entwicklungschef in Wolfsburg waren. Lautstarke Kritik am eigenen Unternehmen Den Arbeitnehmern, die bei Volkswagen viel Einfluss haben, hielt er ständig vor, sie seien nicht produktiv genug. Er kritisierte auch gern öffentlich Dinge, von denen manche bei VW meinen, dass er diese Probleme besser geräuschloser hätte lösen sollen. Doch Geräuschlosigkeit ist seine Sache nicht. Bernhard geht mitten in der auf fünf Jahre veranschlagten Sanierungsphase von VW. Bei Chrysler hatte er zuvor vier Jahre gebraucht, um den amerikanischen Autobauer zusammen mit Dieter Zetsche wieder in ein ertragsstarkes Unternehmen zu verwandeln. Für den Job bei Chrysler hatte Bernhard sich als Chef der Tuning-Firma Mercedes AMG empfohlen, deren Umsatz und Gewinn er binnen eines Jahres verdoppelte. Davor hatte er mit 33 Jahren die Produktion der S-Klasse angeschoben. Start bei Mercedes Bernhard begann seine Karriere nach dem Studium in Darmstadt, New York und Frankfurt bei der Unternehmensberatung McKinsey. Als Leiter eines Projektes zur Senkung von Materialkosten und Steigerung der Produktivität kam er zu Mercedes - und blieb. Eigentlich sollte er im Mai 2004 Chef der Mercedes Car Group werden. Wenige Tage vor Übernahme dieses Postens überwarf er sich mit dem damaligen Konzernchef Jürgen Schrempp wegen dessen Asien-Strategie. Pischetsrieder holte ihn dann zu VW. Bernhard wuchs in Alturied bei Kempten als viertes von neun Kindern eines Volksschullehrers auf. Das Studium finanzierte er sich als Musiker in der Münchner Fußgängerzone. Seinen Familiennamen "Ayerle" legte Wolfgang Bernhard bereits vor zwei Jahrzehnten ab, weil er fand, dass der international nicht auszusprechen war.
Wolfgang Bernhard liebt große Auftritte und schnelle Autos. Bei der Mercedes-Tuningfirma AMG und als VW-Markenchef versuchte er, beide Vorlieben zu vereinen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wolfgang-bernhard-ex-kronprinz-bei-vw-1.918044
Wolfgang Bernhard - Ex-Kronprinz bei VW
00/05/2010
Angesichts des schwachen Dollars und niedriger Autopreise in den USA machen sich Re-Importe aus Amerika derzeit gut bezahlt: Wer beispielsweise seinen Gelände-Mercedes in den USA kauft, muss statt 60.000 nur noch 36.600 Euro berappen. (SZ vom 8.1.04) — Das sagt eine neue Studie. Der Verband der Autoindustrie äußert "Sorge über einen sich selbst verstärkenden Aufwertungsprozess". Die deutschen Automobilhersteller, die stark in die USA exportieren, sitzen in einer "Wechselkursfalle". Das behauptet eine Studie des auf die Automobilwirtschaft spezialisierten Progonose-Institus B & D Forcecast, dessen Leiter der Gelsenkirchener Fachhochschulprofessor Ferdinand Dudenhöffer ist. Autobauer unter Druck Durch die starke Aufwertung des Euro, dessen Wert seit dem Juni 2001 gegenüber dem US-Dollar um 45 Prozent zugenommen hat, gerieten die Autobauer auf dem wichtigen US-Markt unter Druck, weil sie ihre Preise senken müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Damit verlören sie auf dem US-Markt ihre Gewinnmargen. Doch es gebe eine zweite Bedrohung. Manche deutschen Autos seien in den USA inzwischen so billig geworden, dass sich ein Rückimport der Fahrzeuge nach Deutschland lohne. "Bleibt der Dollarkurs auf seinem hohen Niveau, müssen sich die deutschen Autohersteller auf eine große Rückimportwelle einstellen", so die Studie. Große Ersparnis möglich B & D hat ermittelt, dass Autos aus deutscher Fertigung inzwischen in Deutschland um 30 bis 50 Prozent teurer sind als auf dem US-Markt. In Einzelfällen lägen die Preisunterschiede bei 80 Prozent. Bei einem Porsche Carrera GT oder einen Rolls Royce ließen sich beim Kauf in den USA pro Fahrzeug rund 100.000 Euro sparen. Ein VW-Touareg V8, der in Deutschland mit 58950 Euro in der Liste stehe, sei auf dem US-Markt nur mit 32560 Euro ausgezeichnet - 45 Prozent billiger. Der Mercedes Geländewagen ML 500, der in den USA für 36600 Euro zu haben ist, koste in Deutschland 60000 Euro. Mögliche Schädigung Bleibe der Dollarkurs in den nächsten zwölf Monaten auf seinem niedrigen Niveau, müssten die Exklusivhersteller durch Rückimporte mit der Schädigung ihrer Importeurs- und Vertriebsnetze in Europa rechnen. Die neuen Regelungen im EU-Autohandel hätten inzwischen die Möglichkeiten für europäische Händler erleichtert, sich in den USA mit Fahrzeugen einzudecken und in Europa zu verkaufen. Für Hersteller von Massenfahrzeugen sei das Risiko geringer, sagt die Studie, weil die in Europa gängigen Klein- und Kompaktwagen kaum auf dem US-Markt vertreten seien und die Transportkosten einen Großteil der Einsparungen wieder aufzehrten. BMW bleibt gelassen BMW sagt zu der Studie, ein schwacher Dollar sei für die Autoindustrie nicht neu. "Der Euro ist im Moment überbewertet", sagt ein Sprecher. "Wir glauben nicht, dass das lange anhält." BMW hat im vergangenen Jahr den US-Absatz um acht Prozent gesteigert. Ein Porsche-Sprecher sagte: "Die Berechnungen von B & D sind unseriös". Die Ersparnis sei wesentlich geringer als behauptet, weil die von dem Institut genannten Preise in Deutschland die Mehrwertsteuer enthielten, die Vergleichswerte aus USA seien seien aber ohne Steuern. "Diese Frage besorgt uns daher überhaupt nicht." Bernd Gottschalk, der Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie räumt ein, dass der Dollarkurs für die Autobranche ein Problem ist. "Er trifft uns, doch wir werden damit fertig". Die deutschen Unternehmen lieferten die Hälfte ihrer Exporte in die EU-Länder. Der Branche bereite aber "der sich selbst verstärkende Prozess Sorge, der nicht durch wirtschaftlichen Fakten begründet ist." Spuren bei VW Die deutschen Automobilhersteller haben diese Entwicklung zu spüren bekommen. Die verringerten Euro-Erlöse für die Geschäfte im Dollarraum haben zum Beispiel dazu geführt, dass der VW-Konzern im vergangenen Jahr auf dem US-Markt in die Verlustzone rutschte. Ein Verfahren, sich von den Wechselkursen unabhängiger zu machen, sind sogenannte Kurssicherungsgeschäfte. Über bestimmte Finanzinstrumente am Devisenmarkt können sich Exportunternehmen für ihre Dollars feste Euro-Wechselkurse sichern. Das allerdings funktioniert wie eine Versicherung und kostet Geld. Unternehmen vermeiden mit diesem sogenannten Hedging hohe Verluste, könnten aber auch keine hohen Währungsgewinne realisieren. Risikominimierung Unternehmen wie Porsche oder BMW haben die Dollar-Risiken weitgehend durch Termingeschäfte ausgeschlossen. Einige Autounternehmen haben große Teile der Produktion in den Dollar-Raum verlegt, um gegen die Schwankungen zwischen Dollar und Euro besser geschützt zu sein. So baut BMW pro Jahr 167 000 Autos in seinem US-Werk in Spartanburg. Mercedes baut 85000 Autos mit dem Stern in den Vereinigten Staaten.
Angesichts des schwachen Dollars und niedriger Autopreise in den USA machen sich Re-Importe aus Amerika derzeit gut bezahlt: Wer beispielsweise seinen Gelände-Mercedes in den USA kauft, muss statt 60.000 nur noch 36.600 Euro berappen.
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Schnäppchen - Deutsche Edelautos in USA erheblich billiger
00/05/2010
Mehrere Gewürze enthalten zu viele hochgiftige Aflatoxine, ein Currypulver ist sogar mit dem verbotenen, Krebs erregenden "Sudanrot" gefärbt - selbst große Marken sind betroffen. Paprika und Curry können nach einer Untersuchung der Zeitschrift Öko-Test gefährliche Farbstoffe, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Schimmelpilzgifte enthalten. Detailansicht öffnen Richtig grell leuchten so manche exotische Gewürze - hoffentlich ohne Krebs erregende Farbstoffe. (Foto: Foto: dpa) Nur an schwarzem Pfeffer gab es nichts zu beanstanden, berichtet das Verbrauchermagazin in seiner April-Ausgabe. Insgesamt wurden 36 Paprika-, Curry- und Pfefferprodukte analysiert. Danach waren alle zwölf getesteten Pfeffer-Produkte "sehr gut". Weniger eindeutig sei das Ergebnis bei Paprika: Neben sechs "sehr guten Produkten" schneiden vier mittelprächtig ab: zwei mit "befriedigend" und zwei mit "ausreichend". Krebs erregend und Erbgut verändernd Beim Curry gebe es zwar auch acht "sehr gute" und ein "gutes" Produkt, allerdings seien gleich vier Produkte mit "ungenügend" bewertet worden. In einer Curry-Sorte hat das Labor den Angaben zufolge die verbotenen Farbstoffe Sudanrot I und IV aufgespürt. Diese werden bei der Verdauung in Stoffe gespalten, die als Krebs erregend und Erbgut verändernd gelten. Viele der untersuchten Gewürze enthalten Spuren von Schimmelpilzen, wie es weiter heißt. Selbst bei großen Marken werde zum Teil sogar der gesetzliche Grenzwert für Aflatoxine überschritten, die als hochgiftig und Krebs erregend gelten. Discounter-Produkte oft "sehr gut" Auch bei den Untersuchungen der Gewürze auf Pestizide seien die Tester fündig geworden: "Fast 20 verschiedene Pflanzenschutzmittel stecken in den Proben - darunter die stark wassergefährdenden Insektenmittel Chlorpyrifos und Cypermethrin." Auffällig sei, dass viele Gewürze gleich mit vielen verschiedenen Pestiziden belastet seien, vor allem die Paprikapulver. Lediglich die beiden Bio-Produkte seien frei von Rückständen. Recht gut schneiden insgesamt allerdings auch die Discounter ab: Viele ihrer preisgünstigen Produkte findet man in der Kategorie "Sehr gut".
Mehrere Gewürze enthalten zu viele hochgiftige Aflatoxine, ein Currypulver ist sogar mit dem verbotenen, Krebs erregenden "Sudanrot" gefärbt - selbst große Marken sind betroffen.
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Ökotest Gewürze - Gift-Paprika und Krebs-Curry
00/05/2010
Bereits 1993 entzog sich der ehemalige Südmilch-Chef Wolfgang Weber einer drohenden Verhaftung, indem er sich auf seine Rinderfarm nach Paraguay absetzte. Jetzt hat er sich den deutschen Ermittlungsbehörden gestellt. (SZ vom 17.09.03) - Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft teilte am Dienstag mit, der Haftbefehl gegen den einstigen Vorstand des Molkereikonzerns sei gegen eine Sicherheitsleistung von 100.000 Euro außer Vollzug gesetzt worden. Bereits vor zwei Monaten war durchgesickert, dass der 68-jährige Ex-Manager nach Deutschland zurückkehren will, und mit der Justiz hier zu Lande nach einer Regelung suchte. Weber war im August 1993 auf seine Rinderfarm nach Paraguay geflüchtet, weil ihm wegen Untreue und Betrugs die Verhaftung drohte. Hintergrund dafür war die Pleite der einstigen Südmilch-Tochter Sachsenmilch, die 1991 als erstes ostdeutsches Unternehmen an die Börse ging. Kosten ausgeufert Zwei Jahre später waren die Kosten im Osten derart ausgeufert, dass der Mutterkonzern Südmilch Vergleich anmeldete. Die Ermittlungsbehörden werfen dem früheren Vorstandschef vor, er habe versucht, die Südmilch AG zu Lasten der ostdeutschen Sachsenmilch zu sanieren. Obendrein soll Weber sowohl die Aktienkäufer als auch die Emissionsbank mit falschen Angaben zum Sachsenmilch-Börsengang getäuscht haben. Nachdem sich Weber vor zehn Jahren den laufenden Ermittlungen und seiner drohenden Verhaftung mit seiner Flucht nach Südamerika entzogen hatte, versuchte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft durch einen Auslieferungsantrag an die paraguayanischen Behörden seiner habhaft zu werden. Paraguayanische Staatsangehörigkeit Damit hatte die deutsche Justiz allerdings keinen Erfolg, weil Wolfgang Weber neben seiner deutschen auch die paraguayanische Staatsangehörigkeit besitzt. In einem ersten Verfahren waren 1997 drei ehemalige Vorstandskollegen Webers zu Bewährungsstrafen verurteilt worden, der Heidelberger Ex-Bauunternehmer Roland Ernst hatte eine Geldstrafe wegen Beihilfe zur Untreue erhalten. Das Verfahren gegen Wolfgang Weber war 1996 vorläufig eingestellt worden, da der Gesuchte nicht zu fassen war.
Bereits 1993 entzog sich der ehemalige Südmilch-Chef Wolfgang Weber einer drohenden Verhaftung, indem er sich auf seine Rinderfarm nach Paraguay absetzte. Jetzt hat er sich den deutschen Ermittlungsbehörden gestellt.
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Rückkehrer - Früherer Chef von Südmilch stellt sich
00/05/2010
Ein EU-Vergleich zeigt: Nirgendwo anders bekommen krisengebeutelte Unternehmen mehr Subventionen als in Deutschland. Das soll sich ändern. Mehr als 95 Prozent der gesamten Beihilfen wurden im vergangenen Jahr von den fünf größten Mitgliedstaaten der europäischen Union gewährt. Detailansicht öffnen Subventionen im Vergleich: Anklicken zum Vergrößern (Foto: SZ-Grafik) Der Übersicht zufolge unterstützte Frankreich seine Unternehmen mit zehn Milliarden Euro (0,56 Prozent des BIP), Italien gewährte sechs Milliarden Euro Beihilfe (0,45 Prozent des BIP) und Großbritannien fünf Milliarden Euro (0,26 Prozent des BIP). Die zehn neuen Mitgliedstaaten kamen zusammen mit fünf Milliarden Euro gerade mal auf ein Viertel der deutschen Staatsbeihilfen. Auch relativ gesehen erreichte der Anteil der staatlichen Beihilfen in Deutschland mit 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts einen überdurchschnittlich hohen Wert. Nur in fünf kleineren EU-Ländern war der Anteil der staatlichen Subventionen im Vergleich zur Wirtschaftsleistung noch höher: So steckte Malta im vergangenen Jahr 3,16 Prozent des BIP in Beihilfen, gefolgt von Ungarn mit 1,83 Prozent und Finnland mit 1,75 Prozent des BIP. Förderung auf konstant hohem Niveau Insgesamt flossen in der EU im vergangenen Jahr 64 Milliarden Euro Subventionshilfen, das entspricht 0,6 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung der EU. Im Jahr 2004 waren es etwa 65 Milliarden Euro. "Leider ist das Niveau damit im Vergleich zum Vorjahr relativ stabil geblieben", sagte ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes am Montag in Brüssel. Dem Aufruf des Europäischen Rates, die staatlichen Beihilfen zu reduzieren, seien die Mitgliedsländer nur in sehr begrenztem Umfang nachgekommen. Ausdrücklich lobte der Sprecher in diesem Zusammenhang allerdings die neuen EU-Staaten. Positiv bewertete die Kommission, dass die Beihilfen 2005 zielgerichteter eingesetzt wurden: Mehr als die Hälfte der Mitgliedstaaten hätten über 90 Prozent ihrer Beihilfen auf "horizontale" Ziele umgelenkt, wie etwa Umwelt, Forschung oder experimentelle Entwicklung. Ganz vorne liegen hier Länder wie Belgien, die Tschechische Republik, Dänemark und die Niederlande. In Deutschland flossen nur 81 Prozent der Subventionen in diese Bereiche. Problemfall Rettungsbeihilfen für Unternehmen Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Statistik sind die sogenannten Rettungs- und Restrukturierungsbeihilfen. Darunter fallen etwa fünf Prozent der zwischen 2000 und 2005 gewährten Subventionen. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes kündigte an, sich weiterhin dafür einzusetzen, "dass durch strenge Anwendung der Leitlinien für Rettungs- und Umstrukturierungsbeihilfen gleiche Bedingungen für alle gelten". Die Kommission werde mit allen Mitteln gegen rechtswidrige Beihilfen vorgehen. Vorrangiges Ziel aller Subventionen müsse es sein, der EU-Wirtschaft mehr Wettbewerbsfähigkeit zu verleihen. Die Niederländerin hat die Reform der Beihilferegeln zu einem zentralen Projekt ihrer Amtszeit erklärt. Sie will erreichen, dass die EU-Staaten weniger Subventionen auszahlen. Außerdem sollen die Regierungen mehr kleine und mittelgroße Firmen unterstützen und Wachstumsbranchen wie Forschung und Entwicklung fördern. Sichere Arbeitsplätze vs. freier Markt Kroes will verhindern, dass die Regierungen aus Sorge um Arbeitsplätze marode Unternehmen vor dem Kollaps bewahren und so den Wettbewerb verzerren. Rettungs- und Umstrukturierungsbeihilfen müssen deshalb von Brüssel genehmigt werden. In den vergangenen Jahren haben sie immer wieder zu Konflikten zwischen der Kommission und den Regierungen geführt. Mit Deutschland etwa stritt die Kommission um Beihilfen für die Bankgesellschaft Berlin, mit Frankreich um Unterstützung für den Industriekonzern Alstom und die Computerfirma Bull. Die Beihilfestatistik erfasst deshalb alle potentiell wettbewerbsverzerrenden Beihilfen, die von den EU-Staaten für alle Wirtschaftszweige mit Ausnahme des Schienenverkehrs gewährt wurden. Nur diese Subventionen fallen in die Prüfungskompetenz der Kommission. Nicht berücksichtigt sind Beihilfen aus EU-Mitteln und Finanzspritzen, die den Wettbewerb nicht beeinträchtigen. Das Beihilfeniveau ist deshalb geringer als zum Beispiel im Subventionsbericht der Bundesregierung.
Ein EU-Vergleich zeigt: Nirgendwo anders bekommen krisengebeutelte Unternehmen mehr Subventionen als in Deutschland. Das soll sich ändern.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-vergleich-der-staatlichen-beihilfen-subventionskaiser-deutschland-1.906611
EU-Vergleich der staatlichen Beihilfen - Subventionskaiser Deutschland
00/05/2010
Europa lauert überall, jeden Tag. Wer es nicht glaubt will, der möge jenes Mosaik betrachten, das sich aus den Bildern dieser Tage zusammen legen lässt. Es bietet sich dar eine Europäische Union der Widersprüche: Eine allmächtige Zentralgewalt zu Brüssel, die sich in alles einmischt - und zugleich eine diffuse, immer größer werdende Ansammlung von Staaten, die ohne inneren Halt oder äußere Grenzen vor sich hinwabert. Eine klare Antwort auf die Frage, wohin dieses Gebilde namens EU treibt, weiß niemand zu Beginn dieses ach so europäischen Jahres 2004 zu geben. Am heftigsten zucken zur Zeit die nationaler Reflexe. Dass die Eurokraten sich erdreisten, auch nur darüber nachzudenken, deutschen Autos oder bayerischem Bier anstelle des Gütesiegels "Made in Germany" demnächst ein Massen-Logo der EU aufzupressen, schürt neues Feuer gegen Brüssel. Wie deutsch oder französisch, britisch oder dänisch? Denn dieses (noch äußerst vage) Vorhaben berührt weit mehr als nur die Sorgen von Marketingstrategen um ein weltweit etabliertes Markenzeichen: Hier offenbart sich mehr als in jeder akademische Debatte über die angeblich heranwachsende "europäische Identität", wie national - also wie deutsch oder französisch, britisch oder dänisch - sich die EU-Bürger auch nach Jahrzehnten kontinentaler Integration noch immer fühlen. Im Ergebnis bedeutet dies: Auf absehbare Zeit darf es nicht mehr geben als ein gedoppeltes Emblem, das gleichermaßen die nationale wie die EU-Herkunft jedweden Käses oder Computer-Chips anzeigt. Europa fühlt, ja: ist schlicht so kompliziert und klobig, wie es der Schrägstrich einer solchen Herkunftsbezeichnung "Made in Germany / European Union" symbolisieren würde. Ein Hybrid eben. Um diese sensible Balance zwischen Nation und Europa dreht sich auch der zweite Konflikt, der seit Wochen Schlagzeilen provoziert. Doch Vorsicht: Dass die Brüsseler Kommission nun vor den europäischen Kadi in Luxemburg zieht und den gesamten Rat der EU-Finanzminister des Rechtsbruch zeiht, ist weit mehr als nur ein juristischer Racheakt für ihre politische Niederlage im Streit um den Stabilitätspakt. Gedehnte Regeln Die Defizitsünder Deutschland und Frankreich entkamen im November vorigen Jahres nur deshalb einem Strafverfahren, weil eine Mehrheit der versammelten Minister streng vereinbarte Regeln sehr phantasievoll dehnte - oder eben brach. Denn eigentlich hätte es für den Freibrief, den Hans Eichel und sein Kollege Francis Mer damals stolz nach Hause trugen, einer neuerlichen Beschlussvorlage der Kommission bedurft. Genau die aber gab es nicht, weshalb nun eine Schlüsselfrage der EU-Integration im Gerichtssaal ausgefochten wird: Dürfen die Nationen einen Teil jener Souveränität, die sie einst für den Gedeih und Verderb des Euros an Brüssel abtraten, notfalls wieder einkassieren? Was wie ein Zank um Paragrafen anmutet, rührt an den Grundfesten der Union. Der Streit um die Schuldentreiberei der beiden mächtigsten Mitgliedstaaten lässt sich in eine Formel kleiden, wie sie ähnlich der deutsche Kanzler während des Irak-Kriegs auf die USA münzte: Gilt das Recht des Stärkeren - oder die Stärke des Rechts? Zentrifugale Kräfte Denn zumindest im rauen Polit-Alltag von Brüssel ist es eine Tatsache: Mehr als diese schrecklich spröde "Identität" einer Rechtsgemeinschaft hat Europa kaum aufzubieten gegen die zentrifugalen Kräfte seiner 15, schon bald 25 Regierungen und Völker. Sobald das Recht als Anker ins Leere greift, vermag keine noch so schöne Sonntagsrede über Krieg und Frieden oder das kollektive Schicksal des Kontinents zu verhindern, dass diese EU ins Ungewisse abdriftet. Alle Regenten wissen das. Eben deshalb haben die Staats- und Regierungschefs doch bei ihrem Gipfeltreffen im Dezember so zäh wie vergeblich um die Details einer EU-Verfassung gerungen. Ob Schröder und Chirac, ob Blair, Aznar oder Miller - sie alle erkennen längst an, dass "Brüssel" eine neue, bessere Machtordnung braucht. Ein Regelwerk also, das den demnächst 450 Millionen EU-Bürgern klarer und einfacher sagt, wie dieser Quasi-Staat funktioniert. Ein Grundgesetz, das Mittel und Wege zeigt, wie sie sich einmischen können in ein Europa, das ihnen immer größer und unheimlicher wird. Doppelter Sinn der Vertiefung So gewinnt das Wort von der "Vertiefung" Europas seinen doppelten Sinn. Es handelt sich, einerseits, um das dringend benötigten Gegenstück zur anstehenden Erweiterung um zehn Staaten am 1.Mai. Andererseits aber liefert die Verfassung eine sinnfälligere, eben tiefere Begründung dafür, was Europa eigentlich soll und will. Und darüber, was Brüssel darf oder eben lassen soll. Nur mit einer solchen Vertiefung lässt sich der nötige Halt schaffen, auf dass die Menschen mittragen, was Berlin und London, Paris wie Brüssel längst aushecken: Die noch weitere Erweiterung um Kroatien, ja den gesamten westlichen Balkan - und die riesige Türkei. Hier, nicht im Streit um ein lästiges EU-Logo, entscheidet sich die Identität Europas: Die bisher blockierte Verfassung und die geplante Aufnahme der Türkei bestimmen die inneren wie äußeren Grenzen der EU. Nur wer auch im Wahlkampf für das Straßburger Parlament darüber redet, meint es letztlich ernst - mit Europa wie mit seiner eigenen Nation.
Europa lauert überall, jeden Tag. Wer es nicht glaubt will, der möge jenes Mosaik betrachten, das sich aus den Bildern dieser Tage zusammen legen lässt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-europas-identitaetskrise-1.898923
Kommentar - Europas Identitätskrise
00/05/2010
Durch die sommerliche Gluthitze in Frankreich sind die Preise für Trüffel in die Höhe geschossen. Experten rechnen bis 2005 mit einem magerem Edelpilz-Angebot. Auf dem Trüffelmarkt im südfranzösischen Carpentras werden 450 Euro pro Kilogramm für die seltener gewordenen Edelpilze gezahlt; dies ist drei Mal so viel wie sonst. Temperaturen um die 40 Grad Celsius hätten die Nährböden für die von den Trüffeln bevorzugten Wirtsbäume und die Pilzsporen ausgetrocknet, betonte Gilbert Espenon vom französischen Trüffelverband. Hitze und Trockenheit Nach Angaben mehrerer von der Nachrichtenagentur AFP befragter Trüffel-Experten dürften die Hitze und die Trockenheit des vergangenen Sommers noch bis 2005 für Trüffel-Knappheit sorgen. In Carpentras lag das Angebot diesmal bei nur 55 Kilogramm und damit fünf Mal niedriger als sonst üblich. Zu den hohen Preisen griffen vor allem die Einkäufer von Genießer-Restaurants und Konservenfabriken zu, innerhalb einer halben Stunde waren alle Schlauchpilze verkauft. Mageres Angebot Die Trüffel-Experten erwarten auch 2004 und 2005 nur ein mageres Angebot. Die kleinen Trüffel-Ableger brauchen ihren Angaben zufolge nicht nur lange Zeit, sondern auch deutlich mehr Bodenfeuchtigkeit, um sich richtig entwickeln zu können. Auch die als Wirtsbäume dienenden Eichen hatten unter der Dürre gelitten; viele warfen bereits während des Sommers ihr Laub ab. Den Fachleuten zufolge dürften nun vielerorts an Stelle der Trüffel weniger teure Pilze wachsen. Zudem rechnen die Experten damit, dass statt dem schwarzbraunen, warzigen Perigord-Trüffel (mit wissenschaftlichem Namen Tuber melanosporum) zunehmend die deutlich billigeren, weniger intensiv schmeckenden China-Trüffel (Tuber indicum) auf den französischen Markt kommen.
Durch die sommerliche Gluthitze in Frankreich sind die Preise für Trüffel in die Höhe geschossen. Experten rechnen bis 2005 mit einem magerem Edelpilz-Angebot.
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Trüffeln - 450 Euro pro Kilo
00/05/2010
Der Fahrgastverband Pro Bahn kann kein Verständnis für die angekündigten Streiks bei der Bahn aufbringen. Denn ein realistischer Kompromiss lag schon auf dem Tisch. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisert, dass der Streik bei der Bahn trotz wochenlanger Verhandlungen nicht habe abgewendet werden können. "Als Kunde kann ich darüber nicht glücklich sein", sagte ein Pro-Bahn-Sprecher zu sueddeutsche.de. Es sei bedrückend, dass vier erwachsene Leute nicht in der Lage gewesen seien, sich zu verständigen. Vier Unterhändler und zwei Moderatoren Der Sprecher spielte damit auf die Verhandlungen der drei bei der Bahn vertretenen Gewerkschaftsführer Norbert Hansen (Transnet), Klaus-Dieter Hommel (GDBA) und Manfred Schell (GDL) sowie Bahnchef Hartmut Mehdorn an. Die vier Unterhändler hatten sich trotz der eingeschalteten Moderatoren Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf (beide CDU) auf keinen Kompromiss einigen können. Dies sei umso bedauerlicher, als es einen realistischen Kompromissvorschlag durchaus gegeben habe: "Das Modell eines Spartenvertrages für das Gesamtunternehmen mit einem Teil B für die Lokführer und einem Teil A für den Rest der Bahn-Mitarbeiter wie etwa Zugbegleiter und Rangierer hätte alle Beteiligten mit einem geraden Rücken aus dem Verhandlungsraum gehen lassen", sagte der Sprecher. De facto hätten die Lokführer ihre Kernforderung eines eigenständigen Tarifvertrages damit durchgesetzt, während der Spartenvertrag rein formal noch immer für das Gesamtunternehmen gegolten hätte. Dadurch hätte auch die Bahn ihr Gesicht gewahrt, so der Pro-Bahn-Sprecher. "Überzogen dargestellt" Weniger brisant seien sicher die Lohnforderungen der Lokführer: "Die von der Bahn immer kommunizierte 30-Prozent-Forderung ist einerseits überzogen dargestellt und andererseits wären die Lokführer mit ihren Forderungen auch noch runtergegangen." Die GDL habe jüngst bei einer Tarifauseinandersetzung mit der norddeutschen Privatbahn AKN demonstriert, "dass sie durchaus nicht unmäßig ist", sagte der Pro-Bahn-Sprecher. Dass ein möglicherweise höherer Abschluss der GDL nach dem geltenden Tarifvertrag auch den beiden anderen Bahn-Gewerkschaften GDBA und Transnet hätte angeboten werden müssen, hätte einen Kompromiss ebenfalls nicht zwingend verhindern müssen. "Das hat auch schon woanders geklappt und die Bahn verdient derzeit ja ganz gut", sagte der Pro-Bahn-Sprecher.
Der Fahrgastverband Pro Bahn kann kein Verständnis für die angekündigten Streiks bei der Bahn aufbringen. Denn ein realistischer Kompromiss lag schon auf dem Tisch.
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"Fahrgastverband zum Streik - ""Das schadet dem Gesamtsystem Bahn"""
00/05/2010
Neue Hiobsbotschaft für Siemens-Mitarbeiter: Einen Monat nach dem Start der Netzwerk-Kooperation hat das Unternehmen Nokia Siemens Networks eine massive Radikalkur angekündigt: Bis zum Jahr 2010 sollen allein in Deutschland 2900 Stellen gestrichen werden. Der neue Telefonnetz-Anbieter Nokia Siemens Networks (NSN) will in Deutschland bis Ende 2010 bis zu 2900 der insgesamt 13.000 Stellen streichen. In Finnland sollten 1500 bis 1700 Stellen wegfallen, teilte das Gemeinschaftsunternehmen mit. Das neue Unternehmen wolle damit seine Kosten um mehrere Milliarden Euro senken. Insgesamt werde das deutsch-finnische Unternehmen bis zum Jahr 2010 rund 9000 Arbeitsplätze abbauen, teilte NSN mit. Vor allem Deutschland liegt damit deutlich über der vom Unternehmen bereits angekündigten Abbauquote von zehn bis 15 Prozent des Beschäftigtenstandes. "Schwerwiegend" "Mir ist bewusst, dass die heute angekündigten Maßnahmen zum Personalabbau für die Betroffenen schwerwiegend sind", sagte NSN-Chef Simon Beresford-Wylie. "Das ist ein notwendiger Schritt, um Nokia Siemens Networks heute und für die Zukunft wettbewerbsfähig aufzustellen", sagte der Manager. Darüber hinaus prüfe die Firma in beiden Ländern Optionen für Geschäftsverlagerungen an Partner. NSN war erst Anfang April an den Start gegangen - drei Monate nach dem einst geplanten Termin. Die Schmiergeldaffäre der früheren Siemens-Telekommunikationssparte Com hatte den Zusammenschluss um drei Monate verzögert. In der Presse war dem Bericht zufolge immer wieder spekuliert worden, dass das Gemeinschaftsprojekt ganz platzen könnte. Verhandlungen begonnen In Deutschland hat das Management nach eigenen Angaben Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern begonnen, 2800 bis 2900 der bislang 13.000 Mitarbeiter bis zum Jahresende 2010 abzubauen. "Wir werden diejenigen, die Nokia Siemens Networks verlassen, mit Fairness und Respekt behandeln", sicherte Personalchef Bosco Novak zu. Das Unternehmen sei um einen konstruktiven Dialog bemüht. "Nur so werden wir den Mitarbeitern gegenüber so rasch wie möglich für größtmögliche Klarheit sorgen." Siemens hatte wegen der Affäre auch mehr Vermögenswerte in das Joint Venture eingebracht als Nokia. Der Münchener Konzern habe 2,4 Milliarden Euro bereitgestellt, Nokia 1,7 Milliarden Euro. NSN habe 2006 insgesamt 17,1 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.
Neue Hiobsbotschaft für Siemens-Mitarbeiter: Einen Monat nach dem Start der Netzwerk-Kooperation hat das Unternehmen Nokia Siemens Networks eine massive Radikalkur angekündigt: Bis zum Jahr 2010 sollen allein in Deutschland 2900 Stellen gestrichen werden.
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Stellenkahlschlag - Nokia-Siemens streicht 2900 Jobs
00/05/2010
Die Straßen mieserabel - oder nicht vorhanden. Europas Logistikfirmen erschließen Asien. Doch Milliarden-Investitionen ändern nichts an den chaotischen Zuständen. Die einzige durchgehende Straße vom Mekongdelta im Süden Vietnams bis zur chinesischen Grenze im Norden ist immerhin asphaltiert und hat eine Fahrspur in jede Richtung, zumindest offiziell. Detailansicht öffnen Küstennahe Industriezentren sind gut erschlossen, das Hinterland aber kaum. Transport und Logistik sind in Asien deshalb wesentlich teurer als in Europa. (Foto: Foto: DHL) Tatsächlich ist davon wenig zu sehen, denn Vietnamesen fahren da, wo gerade Platz ist - also auf der linken oder rechten Spur, auf dem kürzesten Weg durch die Kurve, und falls das schneller ist, auch neben der Straße. Der Straßenverkehr in Vietnam ist chaotisch, die Infrastruktur katastrophal: "Schlechte Verkehrswege, veraltete und unzureichende Hafenanlagen und Flughäfen sind nur einige Engpässe", schreibt die Bundesagentur für Außenwirtschaft in einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Analyse. Doch mit jährlichen Steigerungsraten von acht Prozent gehört Vietnam zu den am schnellsten wachsenden Ländern Asiens. Erst im Januar trat es als 150. Mitglied der Welthandelsorganisation WTO bei. Manchmal nur Eselspfade Reihenweise erschließen deshalb zurzeit europäische Logistikunternehmen Vietnam - und oft die ganze Region Südostasien gleich mit: die dänische Reederei Maersk, der Bahn-Ableger Schenker und die Post-Tochter DHL, die mit einem Marktanteil von einem Drittel schon größter Expresszusteller des Landes ist. Mit einem ehrgeizigen Projekt versucht derzeit der niederländische Logistiker TNT, sich zu profilieren. Gerade hat die Firma Vietnam in ein Netzwerk integriert, über das bald 60 Prozent Südostasiens per Straßentransport versorgt werden können. Spätestens Ende 2007 soll auch China angeschlossen werden - ein Abenteuer, gegen das europäische Sorgen wie Mautgebühren und Sonntagsfahrverbote, Sicherheitsbestimmungen und Abgasgrenzwerte lächerlich wirken. "Sobald man die gut entwickelten Regionen an der Küste verlässt, werden die Straßen schlechter", sagt Tilman Wrede, der für TNT drei Jahre in China war und nun europäischen Kunden die Besonderheiten der Region erklärt. Die Hälfte aller Strecken dort sind Schotterpisten. Zuverlässig funktionierende Tankstellen, Werkstätten und sichere Parkplätze gibt es nicht überall. Trotzdem will TNT den Straßentransport zur schnellen Alternative zum Seeweg machen. Optimierungspotential hat der Dienstleister deshalb schon vor einiger Zeit zum Beispiel bei der Organisation der Transporte und den Fahrern ausgemacht. Umwege von 200 Kilometern wegen "netter Freundin" üblich "Früher war nur wichtig, dass die nach der vorgesehenen Zahl der Tage wieder zurück sind, da hatte mancher eine nette Freundin, für die er mal einen Umweg gefahren ist. Oder hat für einen Bekannten ein Paket mitgenommen. Ein Abstecher von 200 Kilometern war da leicht drin." Erst seit kurzem werden Strecken vorgegeben und die Fahrer per GPS und mit Kontrollanrufen überwacht. Klappt einigermaßen, sagt Wrede. Inzwischen können den Kunden sogar konkrete Liefertermine zugesagt werden, bei Verspätungen werden sie verständigt. Dass viele der Lastwagen mit zwei Fahrern besetzt werden, hat dagegen andere Gründe: Immer wieder werden in entlegenen Gegenden Transporte überfallen, diejenigen mit hochwertigen westlichen Expressgütern sind besonders attraktiv. Immerhin: Offiziell sind die Fahrer in China unbewaffnet, denn die Kriminalität ist selbst in den anfälligeren südlichen Provinzen im Vergleich zu anderen asiatischen Regionen harmlos. Investitionen in Milliardenhöhe ändern nichts am Fahrverhalten Einige abgelegene Regionen meiden derzeit aber selbst große Firmen noch. "Zehn Prozent der Dörfer sind noch gar nicht an das Straßennetz angebunden. Ich bin früher entlang des Yangtse-Flusses gewandert, da gibt es teilweise nur schmale Eselspfade", sagt Wrede. Dort sitzen zwar praktisch keine Kunden der westlichen Unternehmen. "Notfalls können wir solche Sendungen aber über unsere enge Kooperation mit der chinesischen Post zustellen", sagt Wrede. Der Preis? Keine Angabe. Allerdings sind die Logistikkosten nicht nur in den entlegenen Regionen Asiens wesentlich höher als in Europa. Während sie hier etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen, waren es in China dem China Traffic Statistical Yearbook zufolge noch 18 Prozent; in Vietnam sollen sie sogar noch höher sein - ein wichtiger Nachteil der Billigländer. China investiert deshalb jährlich umgerechnet 50 Milliarden Euro in seine Infrastruktur, und auch Vietnam hat Verbesserungen angekündigt. So gilt der Ausbau der Verbindungen nach China als vordringlich, zwei neue Schnellstraßenabschnitte und eine neue Brücke für jeweils etwa 300 Millionen Dollar werden derzeit geplant. Das Fahrverhalten der Vietnamesen wird sich dadurch aber kaum ändern.
Die Straßen mieserabel - oder nicht vorhanden. Europas Logistikfirmen erschließen Asien. Doch Milliarden-Investitionen ändern nichts an den chaotischen Zuständen.
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Neue Märkte - 200 Kilometer Umweg für die Geliebte
00/05/2010
Er hat 10.000 Bilder über Deutschlands Großdiscounter abgesetzt, doch Felix Droese schert sich nicht um die Gesetze des Marktes. (SZ vom 03.12.2003) — Nach einer Vietnam-Demonstration 1972 war er verhaftet und wegen Landfriedensbruch angeklagt worden. Zwei Jahre später wurde er zu zehn Monaten Gefängnis ohne Bewährung, bei der Berufungsverhandlung dann zu sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Zu diesem Zeitpunkt war Felix Droese in Polizeikreisen sehr viel bekannter als in der Kunstszene. Seit seinem Eintritt 1970 in die Kunstakademie Düsseldorf, wo er zum engeren Kreis um Joseph Beuys gehörte, hat sich Droese in linken Studenten- und Künstlervereinigungen, aber auch als Autor in Zeitschriften und einmal sogar als Kandidat der Alternativen Liste direkt politisch betätigt. Gefeierter Nachwuchs Bis heute ist in all seinen künstlerischen Äußerungen etwas vom alten Engagement zu spüren, doch seit den ersten Erfolgen hat sich die Taktik ins Karnevalistisch-Satirische gewandelt. Wenn Droese etwa ein "Anhörungsrecht für alle Tiere im Bundestag" verlangt, bringt er zumindest die Ironie-Begabten auf seine Seite. Seinen Stil als Künstler hat Droese, 1950 als Sohn eines altkatholischen Pfarrers geboren und in Friesland aufgewachsen, 1977 gefunden, als er die Technik des Scherenschnitts, mit der er schon länger experimentiert hatte, auf große Bildformate übertrug. Die wandhohen Schattenrisse expressiv abstrahierter Szenen, die sich sozialpolitisch ausdeuten lassen, aber auch ohne assoziatives Beiwerk hohe grafische Reize entwickeln, eroberten innerhalb weniger Jahre den Kunstmarkt. Bei der "Westkunst"-Schau 1981 in Köln wurde Droese in die Riege des gefeierten Nachwuchses aufgenommen. Mit der Papierschnitt-Installation "Ich habe Anne Frank umgebracht" ist er dann 1982 auf der documenta7 international bekannt geworden. Auf der fünften Biennale von Sydney 1984 hat er mit elf zerschnittenen Rinderfellen, die in den Rundbögen des Ausstellungsgebäudes hingen - Titel: "Wir sind keine amerikanischen Lampenschirme" -, gegen Tierversuche protestiert. Und 1988 konnte er als offizieller Gesandter der Bundesrepublik auf der Biennale in Venedig im Deutschen Pavillon sein "Haus der Waffenlosigkeit" eröffnen. Wider die Preispolitik Als er im gleichen Jahr mit dem "Omnibus für direkte Demokratie" von West- nach Ost-Berlin übersetzte, erklärte er die Aktion mit den Worten: "Die Verwandlung dieses öffentlichen Verkehrsmittels in den Träger einer die demokratische Öffentlichkeit betreffenden Idee ist Kunst." Kunst also, die Stellung bezieht, aber sich nicht vom Markt dominieren lässt — dass Felix Droese, der in den siebziger Jahren mit dem Kommunistischen Studentenverband geliebäugelt hat, heute beim Billiganbieter Aldi Kunst zum Schnäppchenpreis verkauft, ist keineswegs ein Widerspruch. Droese hat die Gesetze des Markts nie anerkannt: 1996 hat er selber auf einer Ausstellung Kunstwerke zum symbolischen Nonsenspreis von 80 Pfennig oder aber 18.000 Mark angeboten, um so die Preispolitik der Galerien lächerlich zu machen. Gewinn bei der Aldi-Aktion - der 10.000-fachen Vermehrung zweier Billigdrucke - macht allenfalls das Unternehmen: Es lässt dem Künstler einen Euro pro Blatt zukommen, verlangt für das gerahmte Ding aber 12,99 Euro.
Er hat 10.000 Bilder über Deutschlands Großdiscounter abgesetzt, doch Felix Droese schert sich nicht um die Gesetze des Marktes.
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Im Profil - Felix Droese — engagierter Künstler und Aldi-Zulieferer
00/05/2010
Mit liberaler Wirtschaftspolitik wird das Emirat zum Magnet für ausländische Investoren. Branchengrößen wie DHL bauen ihre Kapazitäten am Golf massiv aus. Das Emirat Dubai wird zur wichtigsten Drehscheibe für die Belieferung der arabischen Halbinsel und des Mittleren Ostens, Ostafrikas und Indiens. Detailansicht öffnen Herzstück des Aufschwungs: Der Containerhafen der Freihandelszone Jebel Ali innerhalb Dubais ist schon jetzt riesig - und wird noch weiter ausgebaut. (Foto: Foto:) Die Bedeutung dieser Absatzmärkte wächst ständig, und die Ansprüche an eine termingerechte Lieferung von Waren steigen ebenfalls. Das hat in den letzten Jahren zu einem Umdenken der Logistik-Branche geführt: Anstatt den Mittleren Osten nur aus Europa oder Asien zu beliefern, verlegt man Warenbestände nach Dubai. Einige Unternehmen verlagern sogar ihre Produktion an den Persischen Golf. Der Mittlere Osten wird immer stärker in den globalen Handel einbezogen. In Ägypten, Jordanien und der Türkei beispielsweise spielt der Export von Textilien eine große Rolle. Als neuen Markt erschließen internationale Speditionen gerade Nord-, Ost- und Westafrika. Das Herzstück von Dubais Logistik-Mekka ist die "Jebel Ali"-Freihandelszone, kurz JAFZ (Jebel Ali Free Zone). Eine Freihandelszone ist ein Gebiet innerhalb eines Staates, in dem für den Außenhandel keine oder sehr niedrige Zölle erhoben werden. Steueroase lockt DHL an den Persischen Golf Diese Zonen ziehen ausländische Investoren an und sollen auch die Wirtschaft des eigenen Landes in Schwung bringen. Angefangen hat alles mit ein paar Kränen und 19 Firmen. Heute ist die 1985 eingerichtete JAFZ ein Knotenpunkt für tausende Unternehmen aus aller Herren Länder. Überhaupt gilt Dubai als Steueroase - die Vereinigten Arabischen Emirate erheben zum Beispiel weder Einkommens- noch Körperschaftssteuer auf Einkünfte, die Unternehmen in Dubai erzielen. In der JAFZ können ausländische Unternehmen Gesellschaften gründen, ohne dass Teile des Kapitals von einheimischen Investoren kommen müssen. Auch die Post-Tochter DHL will in den nächsten Jahren ihr Engagement am Golf erheblich verstärken. Die Logistikkapazitäten in Dubai sollen von derzeit 85.000 Quadratmetern um mehr als 300.000 Quadratmeter wachsen. Ein wesentlicher Bestandteil ist das Expressterminal auf dem neuen Dubai World Central International Airport. Dubai World Central (DWC) ist eine 140 Quadratkilometer große künstliche angelegte Stadt, in der langfristig 900.000 Menschen leben und arbeiten sollen. Die Kosten der Infrastruktur für Dubais Stadt-in-Stadt-Abenteuer werden auf 33 Billionen US-Dollar geschätzt. Geplanter Flughafen so groß wie Heathrow und O'Hare zusammen Wenn der Mammut-Flughafen von DWC fertig gestellt ist, werden seine Kapazitäten so groß sein wie die der Airports London Heathrow und Chicago O'Hare zusammengenommen. Er wird über sechs parallele Start- und Landebahnen sowie 16 Luftfrachtterminals verfügen. Damit könnte er eine Kapazität von 120 Millionen Passagieren und zwölf Millionen Tonnen Fracht pro Jahr erreichen. Das wäre grob gerechnet mehr als das doppelte Passagieraufkommen als beim Frankfurter Flughafen - und etwa die sechsfache Frachtmenge. 2008 soll Dubais Luftdrehkreuz in Betrieb gehen, der komplette Ausbau dürfte allerdings noch Jahre dauern. Gleichzeitig wird die Erweiterung des Containerhafens vorangetrieben. Er wird in vier Phasen für etwa 180 Millionen Euro ausgebaut. Unter anderem wird die Fahrrinne für Frachtschiffe von 235 auf 325 Meter verbreitert. Bis 2020 gehen 18 Tiefseeanlegestellen mit den entsprechenden Lade- und Löscheinrichtungen in Betrieb. Am Ende der Aufbauphase soll der Hafen von Jebel Ali 82 Schiffsanleger und 125 Kräne haben. Auch Kühne + Nagel bauen am Golf massiv aus Als Teil von Dubai World Central geht 2008 die "Dubai Logistics City" (DLC) an den Start. Wie auch der Flughafen wird die DLC eine Freihandelszone sein. Speditionen können also Waren vom Hafen zum Flughafen oder zur DLC transportieren, ohne Zölle zu entrichten oder Zollkontrollen zu durchlaufen. In der DLC sind zahlreiche global operierende Speditionen aktiv. Der Logistik-Riese Kühne + Nagel zum Beispiel will auf einem 52.000 Quadratmeter großen Areal seine Drehscheibe für den mittleren Osten errichten. Ein Teil der Lagerzentren wird über spezielle Sicherheits- und Klimatisierungsanlagen verfügen, um empfindliche Fracht wie zum Beispiel Medikamente lagern zu können. "Wir wollen langfristig zu den fünf größten Logistik-Dienstleistern der Region zählen", so Werner Kleymann von Kühne + Nagel. Die Kunden verlangen dabei immer mehr Dienstleistungen aus einer Hand. Kühne + Nagel ist schon seit 1977 in den Vereinigten Arabischen Emiraten aktiv. 2010 will das Unternehmen seine Kapazitäten in der Golf-Region auf bis zu 200.000 Quadratmeter ausweiten.
Mit liberaler Wirtschaftspolitik wird das Emirat zum Magnet für ausländische Investoren. Branchengrößen wie DHL bauen ihre Kapazitäten am Golf massiv aus.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dubai-im-aufwind-mekka-der-logistik-1.888982
Dubai im Aufwind - Mekka der Logistik
00/05/2010
"Ich habe einfach zu viel zu tun, um zu sterben" Ikea-Gründer Kamprad pflegt das Bild des netten bodenständigen Provinzlers - dabei ist er nicht unumstritten. An diesem Donnerstag wird der Milliardär und viertreichste Mann der Welt 80 Jahre alt. Das Wichtigste in seinem Leben sei seine Familie, hat Ingvar Kamprad einmal gesagt. Und die Familie bestehe aus fünf Personen, vier echten und einer juristischen. Detailansicht öffnen Am Anfang verkaufte er Streichhölzer: Ingvar Kamprad. (Foto: Foto: dpa) Der schwedische Unternehmer rechnet neben seiner Frau und seinen drei Kinder auch Ikea zur Sippschaft. Wobei Ikea schon vor den anderen in Kamprads Leben getreten ist und außerdem wohl die meiste Zuwendung erfahren hat. Ratlosigkeit in Älmhult Doch wenigstens an diesem Donnerstag, an Kamprads 80. Geburtstag, soll die Beziehung zum Möbelkonzern ruhen. Der Firmengründer hat sich in einem Schreiben an die Mitarbeiter ausdrücklich alle Feiern und Glückwünsche verbeten. Ob, wo und wie er seinen Geburtstag feiert, kann auch in Älmhult niemand sagen, dem Ort, wo Teile der Konzernleitung ihren Sitz haben und wo einst das erste große Ikea-Möbelhaus eröffnet wurde. Das war 1958, und seitdem ist das Unternehmen so erfolgreich gewachsen, dass Ingvar Kamprad vor kurzem in der Liste der reichsten Männer der Welt vom sechsten auf den vierten Platz vorrückte. Seine Geschichte hat Kamprad oft selbst erzählt. Sie beginnt in den dreißiger Jahren auf dem Bauernhof seiner Eltern im schwedischen Småland, wo die Äcker karg und die Leute arm, aber fleißig sind. Diese Leute besuchte der Schuljunge Ingvar mit dem Fahrrad und verkaufte ihnen Streichhölzer. Einfach, sparsam, bescheiden Später bot er auch Kugelschreiber, Uhren oder Nylonstrümpfe an, und 1943, mit 17 Jahren, gründete Ingvar Kamprad vom Hof Elmtaryd im Dorf Agunnaryd seine Firma: Ikea. Das Unternehmen entwickelte sich zunächst zu einem florierenden Postversand. 1951 kam der erste Ikea-Katalog heraus, den damals noch der Milchmann verteilte. Nach ein paar Jahren spezialisierte sich Kamprad auf Möbel, und bald darauf ging er dazu über, Schränke, Tische und Regale als Bausätze zu liefern, um Frachtkosten zu sparen. Eine Idee, die weltweit Erfolg hatte. Heute erscheint der Ikea-Katalog in 20 Sprachen und hat eine Auflage von 160 Millionen Stück. Allein in diesem Geschäftsjahr ist die Eröffnung von 19 bis 20 neuen Ikea-Märkten geplant, zum Beispiel in Tokio, Detroit und Koblenz. Große Teile der Konzernleitung sitzen mittlerweile im Ausland. Trotzdem gilt Ikea nach wie vor als die schwedische Firma schlechthin. Die Legende vom Småländer Ähnlich ist es mit Kamprad. Der wohnt zwar seit den siebziger Jahren in einem Dorf bei Lausanne in der Schweiz, trotzdem erscheint er in den Medien immer als typischer Småländer, der einfach, sparsam und bescheiden lebt. Unzählige Anekdoten haben dieses Bild geprägt: Milliardär Kamprad fährt einen 15 Jahre alten Volvo. Er reist nur zweiter Klasse. Wenn er sich aus der Hotel-Minibar eine Cola nimmt, dann ersetzt er sie mit einer Dose aus dem Supermarkt, weil die billiger ist. Die letzte Anekdote hat Kamprad allerdings dementiert: Er habe in seinem ganzen Leben noch nie etwas aus einer Minibar getrunken. Aber die Idee mit der Supermarkt-Dose sei "verdammt gut". Kamprads Wertvorstellungen und Selbstdisziplin haben ihm in Schweden den Ruf eines "guten Kapitalisten" eingetragen. Und das in einem Land, in dem Kapitalismus oft sehr kritisch gesehen wird. Die Nazis unterstützt Auf die Frage, warum er so geizig sei, antwortet er meist, er müsse ein gutes Beispiel für die Mitarbeiter abgeben. Sparsamkeit, Eigenverantwortung und Fleiß - auf diese Eigenschaften werde bei der Bewerberauswahl am meisten geachtet, verkündet der Konzern. Chefposten werden gerne mit Leuten besetzt, die ihre Ikea-Karriere - wie der Gründer - als einfache Möbelverkäufer begonnen haben. Kamprad ist fester Teil der Firmenkultur, auch wenn er dort nur noch als Senior-Berater arbeitet. Eine der schlimmsten PR-Krisen für Ikea war es deshalb, als 1994 bekannt wurde, dass der Firmengründer, dessen Großeltern deutsche Einwanderer waren, während des Zweiten Weltkrieges schwedische Nazi-Organisationen unterstützt hatte. Kamprad meisterte die Krise mit Offenheit: Er entschuldigte sich umgehend in einem handschriftlichen Brief an seine Mitarbeiter für "die größte Dummheit" seines Lebens. Außerdem beauftragte er einen Fachmann damit, alle Details aus seiner Nazi-Vergangenheit auszugraben und der Presse zur Verfügung zu stellen. Keine Angst vor dem Tod Die enge Bindung zwischen Kamprad und Ikea hängt auch damit zusammen, dass er sich stets weigerte, sein Unternehmen an die Börse zu bringen. Er wollte es als Familienkonzern erhalten. Ein Problem war allerdings, dass er den menschlichen Mitgliedern seiner Familie nicht recht traut. Mehrfach hat Kamprad öffentlich an der Eignung seiner Kinder für das Möbelgeschäft gezweifelt. Deshalb hat er sein Imperium in ein kompliziertes Netzwerk von Firmen aufgeteilt, Haupteigentümer ist eine holländische Stiftung. Mit dieser Konstruktion hofft Kamprad, den Fortbestand der Ikea-Kultur weit über sein Lebensende hinaus zu sichern. Vor dem Tod habe er keine Angst, sagte er kürzlich in einem Interview, "aber ich habe einfach zu viel zu tun, um zu sterben."
Ikea-Gründer Kamprad pflegt das Bild des netten bodenständigen Provinzlers - dabei ist er nicht unumstritten. An diesem Donnerstag wird der Milliardär und viertreichste Mann der Welt 80 Jahre alt.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-mann-hinter-ikea-ich-habe-einfach-zu-viel-zu-tun-um-zu-sterben-1.901925
"Der Mann hinter IKEA - ""Ich habe einfach zu viel zu tun, um zu sterben"""
00/05/2010
Nach Ansicht der britischen Regierung gibt es noch erhebliche Hindernisse für die Übernahme der europäischen Gemeinschaftswährung. Der Beitritt zum Euro sei aber nur eine Frage der Zeit. In einer von Beobachtern als historisch bezeichneten Erklärung im Namen der Regierung sprach Schatzkanzler Gordon Brown am Montag im Londoner Unterhaus von Hindernissen, die beseitigt werden müssten: "Wir haben die Kriterien noch nicht erfüllt", sagte er. Dies sei jedoch nur eine Frage der Zeit. Eine Mitgliedschaft sei letztlich im britischen Interesse. Die Bundesregierung in Berlin zeigte Verständnis für die Entscheidung. Brown bestand auf einer "klaren und unzweideutigen Erfüllung" der von ihm 1997 aufgestellten fünf Beitrittskriterien. Die Hauptbedingung einer größeren Konvergenz zwischen den Volkswirtschaften Großbritanniens und der Eurozone sah er als "nicht erfüllt" an, dies gelte auch für das Kriterium der wirtschaftlichen Flexibilität. Er kündigte weitere wirtschaftliche Reformen an, um das Vereinigte Königreich schließlich "Euro-fähig" zu machen. Die Einschätzung Browns fußte auf 18 Studien, die er dem Parlament präsentierte. Brown von Vorzügen des Euro überzeugt Brown zeigte sich überzeugt davon, das die britische Wirtschaft und die Bevölkerung von einer "erfolgreichen Gemeinschaftswährung" profitieren würden. Der Warenaustausch mit der Eurozone könnte nach den von ihm vorgelegten Berechnungen theoretischen Berechnungen über einen Zeitraum von 30 Jahren sogar um "bis zu 50 Prozent" wachsen. Es gebe aber "wenig Anzeichen" für eine allgemeine Konvergenz der wirtschaftlichen Voraussetzungen in der Eurozone. Unter anderem wegen des wichtigen Immobilienmarktes, eine der Triebkräfte der britischen Wirtschaft, sei Großbritannien "besonders anfällig" für Zinsveränderungen. Einen präzisen Fahrplan für den möglichen Beitritt Großbritanniens nannte der Schatzkanzler nicht. Unklar blieb auch, ob die Möglichkeit eines britischen Euro-Referendums noch in dieser Legislaturperiode in Aussicht gestellt wird. Das würde Premierminister Tony Blair und der Mehrheit der Kabinettsmitglieder entgegen kommen, die für einen baldigen Euro-Beitritt sind. Bevölkerung mehrheitlich gegen Euro Die liberale Zeitung The Independent warf der Labour-Regierung am Montag vor, mit der erneuten Verschiebung einer Entscheidung einen "historischen Fehler" zu begehen. Der Wirtschaftskorrespondent der BBC sprach von dem "größten Antiklimax" der Labour-Regierung. Die oppositionellen britischen Liberaldemokraten warfen Labour vor, nur aus "Angst" vor der öffentlichen Meinung vor einem positiven Urteil zurückzuschrecken. Die Mehrheit der Bevölkerung ist gegen einen Euro- Beitritt. Ein Sprecher der Regierung in Berlin zeigte Verständnis für die britische Entscheidung, zum jetzigen Zeitpunkt kein Referendum durchzuführen. Der Euro-Beitritt in Großbritannien müsse sorgfältig vorbereitet und die Bevölkerung "mitgenommen" werden. Die Bundesregierung hoffe, dass die von der britischen Regierung ins Auge gefassten Reformen dazu beitragen würden, dass die ökonomischen Tests im kommenden Jahr für einem Euro-Beitritt positiv ausfallen würden und damit der Weg für ein Referendum frei werde. Langfristig werde ein britischer Euro-Beitritt für die gemeinsame Währung und Großbritannien wirtschaftlich und politisch von Vorteil sein. (sueddeutsche.de/dpa)
Nach Ansicht der britischen Regierung gibt es noch erhebliche Hindernisse für die Übernahme der europäischen Gemeinschaftswährung. Der Beitritt zum Euro sei aber nur eine Frage der Zeit.
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Großbritannien - Weiter Pfund statt Euro
00/05/2010
Nach einer Serie von Skandalen ist der Chef des US-Luftfahrt- und Rüstungskonzerns, Phil Condit, unerwartet zurückgetreten. Damit haben binnen Wochenfrist bereits zwei Top-Manager Boeing verlassen. Boeing-Vorstandschef Phil Condit hat am Montag völlig überraschend seinen Hut genommen. Zuvor hatte der Verwaltungsrat beschlossen, dem von der Branchenkrise gebeutelten Konzern eine neue Führungsstruktur zu verpassen. Detailansicht öffnen Das neue Lieblingskind von Boeing: Der 7E7 in einer Studie. (Foto: Quelle: AP) Boeing bläst in den letzten Monaten angesichts der immer stärkeren Konkurrenz durch den europäischen Airbus-Konzern der Wind kräftig ins Gesicht. Neuer Boeing-Vorstandschef wird mit sofortiger Wirkung Condits bisheriger Vize Harry Stonecipher, wie das Unternehmen mitteilte. "Ablenkungen und Kontroversen" Zum neuen Verwaltungsratsvorsitzenden wurde Lewis Platt berufen, der frühere Chef des Computerherstellers Hewlett-Packard. Condit erklärte, er wolle mit seinem Rücktritt dafür sorgen, dass Boeing die "Ablenkungen und Kontroversen" des vergangenen Jahres hinter sich lassen könne. Das Unternehmen stecke derzeit inmitten einiger der wichtigsten Projekte in seiner Geschichte. Vor einer Woche hatte das Unternehmen überraschend Condits Finanzvorstand Mike Sears wegen unethischen Verhaltens entlassen. Sears soll mit einer Raketenexpertin über eine Anstellung verhandelt haben, die zu dem Zeitpunkt aber noch für die US-Regierung tätig war und damit Aufträge an Boeing hätte beeinflussen können. Das US-Verteidigungsministerium hat in dieser Angelegenheit Ermittlungen eingeleitet. Einen Zusammenhang zwischen der Entlassung und Condits Weggang wurde in der Erklärung aber nicht hergestellt. Platt würdigte Condits Rücktritt als selbstlosen Schritt zum Wohl der Firma. Der neue CEO Stonecipher betonte: "Wir haben die richtige Strategie. Die Aufgabe, die vor uns liegt, heißt, sie durchzusetzen." Jahrzehntelang war Boeing unangefochten die Nummer eins in der Flugzeugproduktion. Quantas entscheidet sich für Airbus In diesem Jahr könnte allerdings der Rivale Airbus die Amerikaner als weltgrößten Produzent von Zivilflugzeugen ablösen. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 erzielt Boeing mit seinem Rüstungsgeschäft mehr Einnahmen als mit kommerziellen Flugzeugen. Auch die Raumfahrt- und Kommunikationssparte hat das Unternehmen mit Sitz in Chicago ausgebaut. Airbus hatte Stunden vor Condits Rücktritt einen neuen Großauftrag vom boomenden Markt der Billigflieger vermeldet. Die australische Qantas beschloss nach Angaben vom Montag, 23 Maschinen vom Typ A320 für ihre neue Low-Cost-Tochter Jetstar zu bestellen. Nach Listenpreis hat das Geschäft ein Volumen von 1,3 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro), doch dürfte Qantas in der aktuell schwierigen Branchenlage deutlich Nachlässe ausgehandelt haben.
Nach einer Serie von Skandalen ist der Chef des US-Luftfahrt- und Rüstungskonzerns, Phil Condit, unerwartet zurückgetreten. Damit haben binnen Wochenfrist bereits zwei Top-Manager Boeing verlassen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/usa-boeing-raeumt-auf-1.898448
USA - Boeing räumt auf
00/05/2010
Die Deutsche Aktuarsvereinigung hat für Inhaber privater Rentenversicherungen die Lebenserwartung neu berechnet. Die Branche muss deshalb die Prämien für Neuverträge und die Rückstellungen erhöhen. Gleichzeitig warnen Verbraucherschützer vor veralteten Verträgen. Der DAV stellte die so genannten Sterbetafeln am Mittwoch auf einer Pressekonferenz vor. Sie zeigen die Lebenserwartungen von Versicherungskunden pro Altersstufe. Detailansicht öffnen Auch die Rürup-Rente wird von den höheren Prämien betroffen sein. Foto: ddp Gesetzliche Rentenversicherung nicht betroffen Die Daten sind für alle privaten Rentenversicherungen relevant, also für traditionelle Verträge ebenso wie für Riester-Policen. Auch die kapitalgedeckte Leibrenten-Versicherung, auch Rürup-Rente genannt, wird davon betroffen sein. Sie wurde jüngst gesetzlich beschlossen und soll ab Anfang 2005 steuerlich massiv gefördert werden. Den Spitznamen hat sie von ihrem Erfinder, dem Regierungsberater Bert Rürup. Sie gelten nicht für die gesetzliche Rentenversicherung und auch nicht für die private Krankenversicherung. Diese beiden Sparten verwenden eigene Sterbetafeln. Von 2005 an gültig Ergebnis der DAV-Kalkulation: Die Versicherungskunden haben eine deutlich höhere Lebenserwartung als noch vor zehn Jahren, als die letzte Sterbetafel eingeführt wurde. Konnten 65 Jahre alte Männer damals damit rechnen, im Schnitt 86 Jahre alt zu werden, so hat sich dieser Wert heute auf 89 Jahre verlängert. Bei Frauen im gleichen Alter nahm die Lebenserwartung von 90 auf 92 Jahre zu. Die Aktuarvereinigung empfiehlt der Versicherungswirtschaft, die geänderten Rechnungsgrundlagen im Neugeschäft von Anfang 2005 an zugrunde zu legen. Die Versicherungsunternehmen sind zwar nicht gezwungen, diesen Empfehlungen zu folgen, doch geschieht dies in aller Regel. Im Schnitt dürften die Beiträge für sofort beginnende Rentenversicherungen um höchstens zehn Prozent steigen, sagte DAV-Chef Kurt Wolfsdorf. Höhere Rückstellungen der Versicherungen Die Beiträge für aufgeschobene Rentenversicherungen könnten bei Frauen um bis zu 12 Prozent und bei Männern um bis zu 20 Prozent höher ausfallen. Die höhere Lebenserwartung erfordert nach Einschätzung der Mathematiker bei den Versicherungsunternehmen eine Auffüllung der Reserven für die Rentenbestände. Gerechnet wird mit einem höheren Reservebedarf für 2004 von rund 2,5 Prozent und in den kommenden Jahren von gut 0,1 Prozent der Deckungsrückstellungen pro Jahr. Für die gesamte Branche entspricht das einem Volumen von vier Milliarden Euro. Einige Unternehmen hätten im Vorgriff auf neue Sterbetafeln aber bereits begonnen, ihre Reserven aufzufüllen, hieß es.
Die Deutsche Aktuarsvereinigung hat für Inhaber privater Rentenversicherungen die Lebenserwartung neu berechnet. Die Branche muss deshalb die Prämien für Neuverträge und die Rückstellungen erhöhen. Gleichzeitig warnen Verbraucherschützer vor veralteten Verträgen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hoehere-lebenserwartung-privatrenten-werden-gekuerzt-1.919008
Höhere Lebenserwartung - Privatrenten werden gekürzt
00/05/2010
Zwei Versicherer wollen Millionen ausschütten, doch kaum ein Kunde reagiert. Dabei winken in einzelnen Fällen mehrere Tausend Euro. Zwei Versicherer wollen Millionen verteilen, und nur wenige Kunden holen das Geld ab. Das klingt kurios, geschieht aber gerade. So sind derzeit 300 Millionen Euro an 580.000 Kunden der ehemaligen Deutschen Beamten-Versicherung (DBV) abzugeben. Wer glaubt, die Betroffenen stehen Schlange, um sich das Bare abzuholen, liegt falsch. Der Grund: Die meisten wissen wohl gar nichts von dem unverhofften Geldsegen. Detailansicht öffnen Für 344 Millionen Euro kaufte Credit Suisse der Winterthur die DBV-Anteile ab. Der Verkaufserlös daraus steht ehemaligen DBV-Kunden zu. (Foto: Foto: AP) "Es handelt sich um einen einzigartigen Vorfall in der deutschen Versicherungsgeschichte", erklärt Hans-Joachim Krauß, Vorstandsmitglied bei der DBVÖR. Die Gesellschaft verwaltet und verteilt die Millionen. Krauß rät jedem, der bei der DBV-Lebensversicherung Kunde war, seine Unterlagen gründlich durchzuschauen. 344 Millionen Euro an die Versicherten Gründlich sollten die ehemaligen Versicherten wirklich gucken: Vor 17 Jahren müssten sie einen Coupon erhalten haben, der sie jetzt berechtigt, ihren Anteil an den 300 Millionen Euro einzufordern. Hintergrund: 1990 wurde die DBV vom Konzern Winterthur gekauft. Den Erlös bekamen die Kunden damals gutgeschrieben. Dazu gab es noch Coupons, denn Winterthur kaufte die DBV nicht komplett. Einige Anteile blieben bei der öffentlich-rechtlichen Gesellschaft DBVÖR. Im vergangenen Jahr griff sich die Schweizer Großbank Credit Suisse die Anteile und zahlte dafür 344 Millionen Euro. Wie bereits vor 17 Jahren sollte der Verkauferlös erneut an die 600.000 Versicherten gehen. Seit dem 1. März 2007 können die ihre Coupons gegen das Geld eintauschen, und zwar bis zum 2. März 2009. Rein rechnerisch stehen jedem fast 570 Euro zu. Bei manchen ist es etwas weniger, bei anderen dafür mehr: Im Einzelfall können es sogar einige Tausend Euro sein, heißt es. Das hängt von der Versicherungssumme des Kunden ab. Nur reicht kaum jemand seinen Coupon ein. "Erst 20.000 Leute haben sich gemeldet", erzählt Krauß. Das heißt, etwa 40 Millionen Euro wurden abgerufen, 300 Millionen sind noch übrig. Man habe bereits Anzeigen geschaltet, der erwartete Ansturm sei aber ausgeblieben. Adressen fehlen Tatsächlich sei eine solche Umwandlung in Deutschland kaum bekannt, sagt er. Aber wenn die Leute erst einmal verstanden haben, dass sie Geld bekommen, melden sie sich schon - hoffen die Verantwortlichen. Das Geld steht jedenfalls den Versicherten, genauer gesagt den Coupon-Eignern, zu - daran führt kein Weg vorbei. Auf der Internetseite www.dbvoer.de erfahren Betroffene, was sie tun können. Einfacher wäre es natürlich, alle Betroffenen anzuschreiben. Leider fehlen die meisten Adressen. Ein knappes Drittel der Betroffenen ist noch bei der DBV-Winterthur, aber auch die bekommen keine Briefe. Die Juristen haben erklärt, alle müssten gleich behandelt werden. So bräuchte man eigentlich die Adressen aller Betroffenen, heißt es. Gerne würde man die Daten herausfinden. Dass manche Kunden selbst dann nicht reagieren, wenn ihnen der Geldsegen direkt mitgeteilt wird, erlebt gerade das Versicherungsunternehmen Standard Life. Der ehemals größte europäische Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit ging im Juli 2006 an die britische Börse. Wer vor April 2004 Kunde der Lebensversicherung war, dem steht für den Verzicht auf die Mitgliedschaft ein Ausgleich in Form von Aktien oder einer Barzahlung zu. Aktien im Wert von 46 Millionen Euro warten Die Betroffenen wurden mit mehreren Direkt-Mailings und Broschüren aufgeklärt. Erstaunlich, aber wahr: Knapp 42.000 frühere Versicherte in Deutschland, heute Aktionäre der Standard Life plc, haben ein Jahr nach dem Börsengang noch keinen Anspruch auf Ausgleichsleistungen geltend gemacht. Mehr als neun Millionen Aktien mit einem Gesamtwert von 46 Millionen Euro warten in Deutschland noch darauf, abgerufen zu werden. Bei Standard Life ist man überrascht: "Während die britischen Anrufer der eigens eingerichteten Hotline wissen wollten, was für sie herausspringt, stellten die Deutschen eher die Frage, was es mit dem Börsengang auf sich hat", sagt eine Sprecherin. Die Betroffenen haben jedoch noch Zeit. Erst 2016 werden die Depots aufgelöst, in dem die Aktien kostenfrei verwaltet werden. Kunden können unter aktien@standardlife.de Kontakt aufnehmen.
Zwei Versicherer wollen Millionen ausschütten, doch kaum ein Kunde reagiert. Dabei winken in einzelnen Fällen mehrere Tausend Euro.
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Rätselhafte Zurückhaltung - Es gibt Geld, und keiner geht hin
00/05/2010
Nach einem halben Jahr an der Macht gilt der neue Präsident als die personifizierte Sozialreform - Entwicklungshelfer in aller Welt wollen, dass er Erfolg hat. (SZ vom 13.06.2003) — Das hier ist kein Ort für Gouverneure. Die Pisten staubig von rotem Sand, die Hitze sengend, die Menschen in Strohhütten von drei Metern auf drei Metern: Nossa Esperanca, eine Landlosensiedlung im Nordosten des Bundesstaates Piauí, dem Armenhaus Brasiliens. Nossa Esperanca, das heißt auf deutsch: unsere Hoffnung, und meint die 500 Familien, die sich hier im Januar niedergelassen haben. Widerrechtlich, denn das Land gehört einem anderen: einem der vielen Großgrundbesitzer Brasiliens. Der aber hatte die Felder nicht bewirtschaftet, und so haben die Landlosen sie besetzt - in der Hoffnung, nicht mehr gehen zu müssen. So funktioniert Umverteilung in einem Land, in dem man sich nehmen muss, was man zum Leben braucht. "Unsere Hoffnung" — "unsere Verzweiflung" In anderen Ländern wäre Nossa Esperanca ein Ort für die Polizei und nicht für die hohe Politik, doch genau die reist heute an: leibhaftig in Gestalt des Gouverneurs Wellington Dias. Im Januar, als in Brasilia der neue Präsident Luiz Inácio Lula da Silva antrat, übernahm Dias den Gouverneursposten in Piauí. Auch er gehört Lulas Arbeiterpartei PT an, auch er steht für Neuanfang und den Wandel Brasiliens. Auch er weiß, dass "Unsere Hoffnung" genauso gut "Unsere Verzweiflung" heißen könnte. Auf Leuten wie Lula und Dias ruht die Hoffnung der Massen: in den Favelas, in Landlosensiedlungen, aber auch im Mittelstand. Kein Wunder: Lula verspricht nicht weniger als die Umwälzung eines Systems, das zerrissen ist in arm und reich, in Besitzende und Hungernde - obwohl es mit seinen natürlichen Reichtümern genug für alle böte. "Die Hälfte der Bevölkerung kann nicht schlafen, weil sie Hunger hat, und die andere Hälfte schläft nicht, weil sie Angst vor denen hat, die Hunger haben", hat der PT-Aktivist Aloizio Mercadante einmal über Brasilien gesagt. Wer es sich leisten kann, lässt sein Haus bewachen. Wer nicht, der klaubt Geld zumindest für Stacheldraht und Gitter zusammen. Mehr als ein Fünftel der Brasilianer, so schätzen die Vereinten Nationen, hat nicht mehr als zwei Dollar am Tag zum Leben. Die ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung verfügen über ein Prozent des nationalen Einkommens, während die reichsten zehn Prozent mehr als die Hälfte davon für sich beanspruchen. Der Kampf der "Bewegung der Landarbeiter ohne Land", der MST, die überall im Land Besetzungen wie Nossa Esperanca organisiert, ist nur Indiz für die sozialen Verwerfungen im Land. "Klar haben wir Angst" Die Menschen nehmen sich das Land, das ihnen freiwillig niemand geben würde - und riskieren, mit Gewalt vertrieben zu werden. "Klar haben wir Angst, dass wir überfallen werden", sagt Luiz, einer der Landlosen. "Wir brauchen jetzt vor allem die Sicherheit, dass wir hier bleiben dürfen." Dazu müsste der Besitzer enteignet werden. Das Verfahren läuft, und der neue Gouverneur will sich dafür einsetzen. Mit rhythmischem Klatschen bringen die Leute von Nossa Esperanca den Laster zum Wippen, der sie regelmäßig mit frischem Wasser versorgt. Hier oben, auf der leichten Wölbung des Tanks, kann man noch viel besser sehen, wie der Gouverneur im Camp ankommt. Für die Landlosen ist der Besuch mehr als ein gut gemeintes Symbol: Es ist der Beweis, dass ihre Sorgen in der neuen Regierung ernst genommen werden. "Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes bewegen sich die Institutionen in die Hungerregionen", sagt ein deutscher Diplomat, "und es ist unfasslich, mit welch schrecklichen Eindrücken sie zurückkehren." Die Solidar-Botschaft kommt an. "Wenn Lula und seine Leute uns brauchen, bekommen sie alle Unterstützung", sagen Männer im Schatten einer Hütte. Der Gouverneur kommt nicht alleine, und ob er von selbst gekommen wäre, weiß man nicht. Deutschlands Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) hat ihn hergeschleust. Mit einigen Schecks im Gepäck reiste die Ministerin vergangene Woche nach Brasilien. 10.000 Euro für die Landlosen, fünf Millionen für die Armutsbekämpfung in Piauí, insgesamt 40 Millionen Euro für den Regenwald. Wie elektrisiert Entwicklungshelfer aus aller Welt, hier wie dort im Kampf mit knappen Kassen, sind wie elektrisiert vom neuen Staatschef. Mit seinem Programm Fome Zero - "Null Hunger" - hat er die Herzen im Sturm erobert, nicht nur im Inland. Bis 2007 will er den alltäglichen Mangel vertrieben haben. Lula, der schmächtige Mann mit dem grauen Vollbart, gilt mittlerweile als die personifizierte Sozialreform. Noch im letzten Winkel Brasiliens will er die Armut besiegen, den Menschen neue Chancen aufzeigen und zugleich die Wirtschaft ankurbeln. Ein Jahrhundertprojekt - und deshalb eines, das viele unterstützen wollen. "Wenn Lula das schafft, dann setzt er ein Signal für die ganze Welt", sagt Wieczorek-Zeul. "Ein Brasilien ohne Hunger könnte ein Anker für ganz Lateinamerika sein." Insgesamt 46 Millionen Brasilianer in 1000 Gemeinden will Fome Zero mit Hilfe von Lebensmittelgutscheinen vom Hunger befreien. Und langfristig sollen die Betroffenen sich aus eigener Kraft ernähren können - über 60 verschiedene Entwicklungshilfe-Maßnahmen will die neue Regierung anschieben. Seit Anfang Februar läuft Fome Zero, und Piauí ist die Pilotregion. "Wenn unsere Arbeit Früchte trägt, dann zeigen wir einen Weg auf, dem andere Länder folgen können", glaubt auch Rosangela Sousa, die das Programm in Piauí koordiniert. Investoren nähern sich nur langsam Doch der Hunger ist nur Symptom, die Ursachen liegen tief. Eine davon ist das Ungleichgewicht zwischen dem armen Norden und dem prosperierenden Süden des Landes, eine andere der Mangel an Selbstvertrauen, der sich in der armen Bevölkerung breit gemacht hat. Noch eine andere sind die Weltmärkte, die Brasiliens Hauptexport, Agrargüter, nur in Grenzen aufnehmen - und so Exportzuwächse verhindern. Und schließlich die Finanzmärkte, die erst langsam wieder Vertrauen in die brasilianische Wirtschaft fassen - nachdem sie im vorigen Jahr rasant Kapital aus dem Land abgezogen hatten. Hier liegen Lulas Herausforderungen, wenn er das Schwellenland Brasilien über die Schwelle heben will. "Gott hat die Welt geschaffen - wir bauen Conjunto Palmeiras." Das Plakat im Gemeindehaus von Palmeiras, einem 30000-Einwohner-Viertel inmitten der Millionenstadt Fortaleza, klingt nach Aufbruch. "Als wir hier 1973 ankamen, gab es kein Wasser, keinen Strom, keine Kanalisation", sagt Sandra Magalhaes, Sprecherin des Conjuntos. Dergleichen gibt es nun. "Unser Werk", sagt Magalhaes. Aus ihrem alten Viertel hatten die Leute fortziehen müssen, weil Immobilienhaie ein Auge auf das schöne Bauland am Meer geworfen hatten. "Solidarökonomie" Hilfe zum Neuanfang kommt von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ), die nötigen Mittel gibt das deutsche Entwicklungshilfeministerium. Gemeinsam mit den Bewohnern betreibt die GTZ die "Banco Palmas", eine Bank, die Kredite an die Bewohner vergibt. Ziel ist die Errichtung einer "Solidarökonomie": Die Bewohner erhalten Geld für den Aufbau kleiner Unternehmen, aber auch für den Konsum. Die selbst gefertigten Produkte, etwa Schuhe, Lebensmittel, Wasch- und Putzzeug, werden unter anderem im gemeindeeigenen Laden verkauft. "Wir vergeben nicht den Kredit um des Kredites willen", sagt Magalhaes. "Jeder Bürger ist Konsument und Produzent zugleich. Das wollen wir nutzen." Und damit es auch genug Produzenten gibt, unterhält die Gemeinde eine kleine Schule für Existenzgründerinnen. Was nach einem liebens-, aber nicht weiter bemerkenswerten Projekt klingt, birgt einen Schlüssel zur Überwindung der Armut. Lebensmittelgutscheine lösen keine Probleme, wenn die Menschen bestenfalls Statisten der Ökonomie bleiben. Doch in der Zwei-Klassen-Gesellschaft Brasiliens fehlte vielen bislang der Mut, sich auf eigene Beine zu stellen. Wenn sie Mut hatten, fehlte das Geld. Kredite geben Banken für gewöhnlich nur denen, die besitzen, und das auch nur zu einem immensen Preis. Bei rund 180 Prozent liegen derzeit die durchschnittlichen Zinsen für Konsumentenkredite. Die Banco Palmas nimmt maximal drei Prozent. In 99 Prozent der Fälle erhält sie ihr Geld zurück. Eigene Wertschöpfung Ein ähnliches Projekt betreibt die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) zusammen mit der Weltbank und einer brasilianischen Entwicklungsbank: die CrediAmigo. Seit 1998 hat CrediAmigo Kredite an rund 120000 Kunden gegeben. "Ich war lang genug selbst in der Entwicklungshilfe tätig", sagt DEG-Chef Winfried Polte. "Irgendwann hab ich gemerkt: Das alles reicht nicht, wenn die Leute keine eigene Wertschöpfung aufbauen." Rund ein Viertel der Kreditnehmer, so schätzt die DEG, schafft mit dem Geld Arbeitsplätze für sich und andere. Ohne Hilfe aus dem Ausland wäre diese Art Entwicklung für viele unmöglich. Lula hat seine eigene Reformagenda aufgemacht, und manche deutsche Diskussion wirkt dagegen kleinlich. Null Hunger, neues Selbstbewusstsein für die Ärmsten, ein stabiles Wirtschaftswachstum und eine Rentenreform, die an den Pfründen der Staatsdiener ansetzt - Lulas Manöver sind riskant. Schon gehen die Landlosen in Brasilia auf die Straße, weil ihnen die Landreform nicht schnell genug geht, wehrt sich das Gewerkschaftsbündnis Cut lautstark gegen Einschnitte. Umso klarer wird den Europäern, dass sie gerade jetzt handeln müssen. "Wir sind gekommen, um das Programm des Präsidenten mit zu unterstützen", wird die deutsche Ministerin nicht müde zu betonen. Es geht nicht nur um die Brasilianer: Lulas Aufbruch könnte der ganzen Region Stabilität verleihen und, natürlich, auch den Handel zwischen Europa und Südamerikas Handelsbündnis Mercosur beflügeln. Was aber, wenn die Wirtschaft nicht mitspielt? Wenn die Exporte nicht florieren? Der Schuldenberg mit seinen immensen Zinslasten den Haushalt erdrückt? Der mühsam erholte Real wieder abstürzt? Gewerkschaften oder Staatsdiener die anstehende Umverteilung nicht mitmachen? Irgendwie, so denken die Brasilianer, wird schon alles klappen: Das Schicksal will es so. "Gott ist Brasilianer", sagen die Leute. Lula auch.
Nach einem halben Jahr an der Macht gilt der neue Präsident als die personifizierte Sozialreform - Entwicklungshelfer in aller Welt wollen, dass er Erfolg hat.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/agenda-lula-wenn-sie-das-schaffen-sind-sie-ein-anker-fuer-ganz-lateinamerika-1.907585
"Agenda Lula - ""Wenn sie das schaffen, sind sie ein Anker für ganz Lateinamerika"""
00/05/2010
Die Kartellbehörden sollten die geplanten Preiserhöhungen von Eon und seinen Konkurrenten sehr genau prüfen. Wenn der Staat will, dass auf dem Strommarkt mehr Wettbewerb einzieht, muss er sich in diesen Markt ab und zu einmischen. Niemand kann behaupten, dass Wulf Bernotat die Öffentlichkeit getäuscht hat. Vor vier Wochen hat der Chef des Energieriesens Eon in einer Boulevardzeitung behauptet, Strom sei zu billig angesichts der Lebensqualität, die er schaffe. Später schob er nach, dass eine normale Familie für Strom pro Tag nicht mehr zahle als für eine Currywurst, ein Glas Bier oder ein Stück Kuchen. Insofern ist es folgerichtig, dass Eon seine Preise zum Jahreswechsel um zehn Prozent erhöht. Und weil Gas ja ebenfalls die Lebensqualität erhöht, wird auch dieses Produkt aus dem Hause Eon erheblich teurer. Nicht allein Der Düsseldorfer Konzern steht damit nicht allein, die anderen Versorger erhöhen ihre Preise ebenfalls kräftig. Sie begründen dies mit gestiegenen Beschaffungskosten, was beim Gas ja noch einleuchten mag. Gestiegene Beschaffungskosten sind stets auch das Argument, wenn die Ölkonzerne die Spritpreise erhöhen. Sie verweisen dann auf das Kartell der Opec, das ihnen angeblich die Preise diktiert, und verschweigen, dass sie selber auch ein Kartell bilden. Oder wie lässt sich erklären, dass alle stets am selben Tag die Preise anheben? Bequem eingerichtet Ein wenig verhält es sich so auch auf dem Strommarkt. Die vier großen Konzerne haben es sich in ihren Versorgungsgebieten bequem eingerichtet. Sie wissen, dass es den meisten Verbrauchern zu mühsam ist, ihren Anbieter zu wechseln, wenn dieser die Preise erhöht - zumal dann, wenn die anderen Versorger ebenfalls mehr fordern. Die Kartellbehörden sollten daher die Pläne von Eon und seinen Konkurrenten sehr genau prüfen. Wenn der Staat will, dass auf dem Strommarkt mehr Wettbewerb einzieht, muss er sich in diesen Markt ab und zu einmischen. Notfalls auch mit Macht.
Die Kartellbehörden sollten die geplanten Preiserhöhungen von Eon und seinen Konkurrenten sehr genau prüfen. Wenn der Staat will, dass auf dem Strommarkt mehr Wettbewerb einzieht, muss er sich in diesen Markt ab und zu einmischen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stromkonzerne-kartell-der-abzocker-1.891284
Stromkonzerne - Kartell der Abzocker
00/05/2010
Am Ende traf es die Sparkasse Paderborn. "Es hätte jede andere Bank sein können", sagt Thomas Bieler, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Aber in Paderborn gab es den Fall, auf den wir gewartet hatten." Hier hatte sich ein Sparkassen-Kunde darüber geärgert, dass abermals die Zinsen für seinen Sparvertrag gesenkt worden waren, und das in einem Maß, das nicht nur den Sparer stutzen ließ. "Die Geldinstitute waren gewohnt, die Zinsen nach Gutsherrenart festzulegen", sagt Bieler, "je nachdem, wie viel sie gerade verdienen wollten." Ein Fall für den Verbraucherschutz. Und für die Gerichte. Durch drei Instanzen kämpfte die Düsseldorfer Verbraucherzentrale, bis sie unlängst vor dem Bundesgerichtshof siegte. Die Sparkasse Paderborn müsse schon klare und nachvollziehbare Kriterien aufstellen, nach denen sie die Zinssätze ihrer Sparverträge ändert, beschieden die Bundesrichter. "Damit stehen alle Banken und Sparkassen, die ähnliche Verträge und Klauseln haben, unter Zugzwang", sagt Bieler. Das Urteil zeige wieder einmal, dass es ohne organisierten Verbraucherschutz nicht gehe. "Wenn wir es nicht machen, macht es keiner", sagt Bieler. Beratung unter Sparzwang Trotzdem stehen die Verbraucherzentralen unter Druck. Sie werden finanziert von den Bundesländern, doch die müssen sparen. "Es gibt kaum ein Land, in dem die Mittel nicht gekürzt werden", heißt es beim "Verbraucherzentrale Bundesverband" (vzbv) in Berlin. Manchmal wird das Geld sogar ganz gestrichen: In Mecklenburg-Vorpommern will die Landesregierung keinen Cent mehr für den Verbraucherschutz ausgeben. Die Verbraucherzentrale in Rostock wird vermutlich noch in dieser Woche Insolvenz anmelden. "Da werden Strukturen zerschlagen, die sich nicht so schnell wieder aufbauen lassen", warnt der vzbv. "Und die Verbraucher haben das Nachsehen." Nicht nur Musterklagen zu Gunsten der Konsumenten wären damit passé. In vielen Städten können sich Bürger auch direkt beraten lassen - ob sie nun mangelhafte Ware gekauft haben, den Hausbau finanzieren wollen oder nicht wissen, welche Altersvorsorge sie wählen sollen. Seit einer Änderung des Rechtsberatungsgesetzes 1980 dürfen die Verbraucherschützer auch Rechtsrat erteilen; so können sie im Namen eines Kunden außergerichtlich Ansprüche geltend machen oder ungerechtfertigte Forderungen von Unternehmen abwehren. "So manche Reisepreisminderung oder vorzeitige Kündigung eines Fitnessvertrags konnten wir auf diese Weise außergerichtlich durchsetzen", sagt Helke Heidemann-Peuser, Referatsleiterin Wirtschaftsrecht beim vzbv. Dabei habe sie oft die Erfahrung gemacht, dass Unternehmen, die Verbrauchern zunächst gar nicht oder ablehnend geantwortet hätten, auf einen Brief der Verbraucherorganisation reagierten. "Ein Grund hierfür mag die Furcht vor negativer Publizität sein", vermutet die Juristin. Zu den Zielen des vzbv, der im Jahr 2000 als Dachorganisation von 16 Verbraucherzentralen und 22 weiteren verbraucherorientierten Verbänden gegründet wurde, zählt unter anderem, "die Stellung des Verbrauchers in der sozialen Marktwirtschaft zu stärken". So steht es in der Satzung des Vereins. Dazu haben die Verbraucherschützer mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten. Von Anfang 2002 bis zum 30. Januar 2004 haben der vzbv und seine Mitglied-Organisationen knapp 2000 Abmahnverfahren eingeleitet, davon 1400 wegen Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht und 475 wegen unzulässiger Klauseln in Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Seit zwei Jahren können sie auch stellvertretend für eine Vielzahl von Verbrauchern Ansprüche vor Gericht einklagen. Gebührenmodell Allerdings geht die Zahl der Beratungen angesichts der Sparmaßnahmen zurück. Seit dem Jahr 2000 mussten die Verbraucherzentralen mehr als ein Fünftel ihrer einst 250 Beratungsstellen schließen. Allein im vergangenen Jahr sanken die staatlichen Zuweisungen für die Verbraucherzentralen um 4,5 Prozent auf 26,5 Millionen Euro. Und die Insolvenz der Verbraucherzentrale Hessen konnte im vorigen Jahr nur durch öffentlichen Protest verhindert werden - die Landesregierung nahm ihre Sparpläne zurück. Mancherorts verlangen die Verbraucherschützer für ihren Rat schon saftige Gebühren - und erfreuen sich dennoch regen Andrangs. Für eine anderthalbstündige Beratung zur Baufinanzierung etwa verlangt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen 140 Euro. Trotzdem gibt es eine Warteliste. Auch in Düsseldorf laufen in diesen Tagen die Telefone heiß. Viele haben von dem Paderborn-Urteil gehört und wollen nun wissen, ob ihnen auch zu wenig Zinsen gutgeschrieben wurden. Jetzt schicken die Verbraucherschützer ein "Info-Paket" hinaus, samt Musterbrief, mit dem Betroffene ihre Bank zur Rede stellen können. "Dieses Urteil", glaubt Bieler, "wird eine immense Tragweite haben."
Die Verbraucherschützer spüren die öffentliche Finanznot: Die erste Zentrale muss Insolvenz anmelden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verbraucherschutz-in-not-im-namen-des-kunden-1.900277
Verbraucherschutz in Not - Im Namen des Kunden
00/05/2010
Die Deutsche Bank interessiert sich offenbar wieder für die kleinen Sparer. War der deutsche Branchenprimus in den vergangenen Jahren eher an den großen Geschäften im Investmentbanking interessiert, sollen nun wieder verstärkt mobile Finanzberater um das Geld von Otto Normalverbraucher buhlen. In aller Stille habe das Institut ein schlagkräftiges Team von Finanzberatern aufgebaut, die Kunden zuhause und außerhalb der normalen Geschäftszeiten betreuten, schreibt die Financial Times Deutschland in ihrer Dienstagsausgabe. In den vergangenen drei Jahren seien dafür 1.100 Mitarbeiter abgestellt worden, bis Mitte 2005 solle die Zahl dieser Berater noch auf 1.500 wachsen. Margenarmes Massengeschäft Das Massengeschäft mit Privaten hätten die deutschen Großbanken erst in den vergangenen zwei Jahren wieder entdeckt, schreibt die FTD weiter. Seitdem die Einnahmen aus dem einst so prestigeträchtigen Investmentbanking nur noch spärlich in die Kassen tröpfelten, sei das weniger margenträchtige Geschäft mit Privatleuten wieder deutlich interessanter geworden, heißt es in dem Finanzblatt. Der Markt sei hart umkämpft: Fast 50 Prozent hielten die Sparkassen. Vorbild ist laut dem Bericht die Citibank, die sogar im katastrophalen Bankenjahr 2002 ihr Vorsteuerergebnis um 13 Prozent auf 667 Millionen Euro steigerte. Ackermann strebe dauerhaft einen Ergebnisbeitrag von einer Milliarde Euro an, schreibt die FTD. Wie die Finanzvertriebe MLP oder AWD bietet die Citibank erfolgreich einen mobilen Vertrieb an, bei dem die Berater zur vom Kunden gewünschten Zeit - abends oder am Wochenende - kämen. Im Vergleich zu den geplanten Strukturen der Deutschen Bank, ist der Maßstab bei der Citibank allerdings deutlich kleiner: Derzeit sind dort 73 Mitarbeiter für eine eigenständige Gesellschaft tätig, bis Jahresende sollen es 120 sein. Kunde merkt nichts Bei der Deutschen Bank bemerke der Kunde von dem Unterschied zwischen fest angestelltem Filialmitarbeiter und mobilem Berater nichts, schreibt die FTD. Die mobilen Berater könnten bei Bedarf Büros in den Räumen der Deutsche-Bank-Filialen nutzen. Die Kunden des mobilen Vertriebs seien Kunden der Deutschen Bank. Die mobilen Berater würden genauso intensiv geschult wie ihre Kollegen in der Filiale. Allerdings seien die mobilben Berater als selbstständige Vertreter beschäftigt und würden deshalb ausschließlich auf Provisionsbasis bezahlt. Damit sei die Bank weder bei den Arbeitszeiten noch bei der Bezahlung an den Tarifvertrag gebunden. (sueddeutsche.de)
Die Deutsche Bank interessiert sich offenbar wieder für die kleinen Sparer. War der deutsche Branchenprimus in den vergangenen Jahren eher an den großen Geschäften im Investmentbanking interessiert, sollen nun wieder verstärkt mobile Finanzberater um das Geld von Otto Normalverbraucher buhlen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bank-die-wiederentdeckung-des-privatkunden-1.904059
Deutsche Bank - Die Wiederentdeckung des Privatkunden
00/05/2010
In die Debatte um die Offenlegung von Managergehältern kommt Bewegung: Immer mehr Dax-Firmen kündigen eine Abkehr von der bisherigen Geheimhaltungspraxis an. Führende Politiker der Regierungskoalition erhöhen unterdessen den Druck auf verbleibende schweigsame Unternehmen. Nach dem Vorstoß des Allianz-Konzerns, die Vorstandsbezüge schon für das laufende Geschäftsjahr einzeln auszuweisen (SZ v. 17.9.), lenkt auch der Reisekonzern TUI im Gehälterstreit ein und will die Bezüge seiner Vorstände offen legen. Detailansicht öffnen MAN-Chef Rudolf Rupprecht ist bereit, sein Einkommen offenzulegen. (Foto: Foto: dpa) Ähnliche Überlegungen gibt es bei Siemens, Eon und Henkel, wie eine Umfrage der Süddeutschen Zeitung ergab. Bisher üben erst neun von 30 der größten im deutschen Aktienindex Dax notierten Unternehmen völlige Transparenz. In der übernächsten Aufsichtsratssitzung im November stehe das Thema auf der Tagesordnung, teilte die TUI am Freitag auf Anfrage mit. Dann solle der Einzelausweis beschlossen werden. Auch bei Siemens könnte noch in diesem Jahr eine Entscheidung fallen. "Im Unternehmen wird über eine baldige Offenlegung nachgedacht", sagte ein Sprecher des Technologiekonzerns. Das Thema stehe auf der Agenda der Aufsichtsratssitzung im November. "Wir beobachten eine Tendenz zu mehr Offenheit. Der will sich Siemens nicht verschließen", sagte der Sprecher weiter. Einfluss könnte die Entscheidung der Allianz auch auf den Nutzfahrzeughersteller MAN haben; dort trifft sich der Aufsichtsrat am Dienstag. Die Allianz ist mit 12,5 Prozent Großaktionär, Allianz-Vorstand Paul Achleitner sitzt bei MAN im Aufsichtsrat. MAN-Chef Rudolf Rupprecht hatte bereits angekündigt, er sei bereit, sein Einkommen zu nennen, der Rest der Vorstandsbezüge solle in Summe veröffentlicht werden. "Vorbildcharakter für andere" Die Bundesregierung und die bayerische Staatsregierung begrüßten den Entschluss der Allianz, "Das ist genau der Bewusstseins- und Kulturwandel, auf den wir setzen", sagte ein Sprecher von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD). Die Entscheidung der Allianz werde "Vorbildcharakter für andere haben". Auch der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) erwartet, dass "nach dem absolut richtigen Schritt" weitere Konzerne folgen werden. Noch sei unklar, wie im nächsten Geschäftsbericht verfahren werde, hieß es allerdings bei Eon und Henkel. Beide Konzerne denken immerhin über einen Einzelausweis nach. Der Metro-Konzern sieht zwar in der Offenlegung der Vorstandsgehälter kein wichtiges Kriterium für die Transparenz eines Unternehmens und warnt davor, die Corporate Governance-Diskussion auf diesen Blick zu verengen, will sich der Einzelangabe aber auch nicht verschließen. Ein Sprecher des Autozulieferers Continental sagte: "Der Aufsichtsrat beobachtet, wie das Thema in der Branche behandelt wird." Unterdessen wächst der Druck auf jene Unternehmen, die sich weiter gegen einen Einzelausweis aussprechen, darunter BASF, Beiersdorf, BMW, Daimler-Chrysler, Volkswagen, die Münchener Rück, die Deutsche Lufthansa und Infineon. Per Gesetz Offenlegung erzwingen Die Bundeseregierung hatte den im Dax notierten Unternehmen vor einigen Wochen eine Frist bis zum Frühsommer 2005 gesetzt, um ihre Gehälter offen zu legen; andernfalls will Zypries dies per Gesetz erzwingen. Führende Politiker von SPD und Grünen halten diese Schonfrist für zu lang. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, will nur noch bis Ende September abwarten, "ob da weitere Bewegung reinkommt. Im Oktober müssen wir dann zu einer Bewertung kommen", sagte er der SZ. Auch der Wirtschaftsexperte der Grünen, Fritz Kuhn, will notfalls noch im Herbst per Gesetz mehr Transparenz erzwingen: "Ich begrüße den Entschluss der Allianz. Aber an meiner Position hat sich dadurch nichts geändert." CSU-Chef Stoiber will im Herbst entscheiden, ob er ein Gesetz in den Bundesrat einbringt.
In die Debatte um die Offenlegung von Managergehältern kommt Bewegung: Immer mehr Dax-Firmen kündigen eine Abkehr von der bisherigen Geheimhaltungspraxis an. Führende Politiker der Regierungskoalition erhöhen unterdessen den Druck auf verbleibende schweigsame Unternehmen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/offenlegung-trendwende-bei-top-gehaeltern-1.903769
Offenlegung - Trendwende bei Top-Gehältern
00/05/2010
Der Aufsichtsrat sprach sich am Mittwoch für den 38-Jährigen aus. Schroeder-Wildberg wird zum Jahreswechsel auf Bernhard Termühlen folgen. Der Aufsichtsrat des Heidelberger Unternehmens sprach sich am Mittwoch erwartungsgemäß einstimmig für den bisherigen Finanzchef aus. Der 38-Jährige wird zum Jahreswechsel der Nachfolger von Bernhard Termühlen. Der formal noch amtierende Vorstandsvorsitzende hatte seinen Ausstieg aus dem auf Akademiker spezialisierten Unternehmen zum Jahresende angekündigt. Unter der Führung des 48-Jährigen war MLP in die schwerste Krise der 32-jährigen Unternehmensgeschichte geraten. Exzellente Arbeit MLP-Gründer und Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger begründete die Berufung von Schroeder-Wildberg mit seiner exzellenten Arbeit als Finanzvorstand seit seinem Amtsantritt vor rund zwölf Monaten. Seit Oktober habe er zudem interimistisch das Unternehmen geleitet und dabei sowohl durch seine fachlichen Fähigkeiten als auch durch seine Persönlichkeit das Vertrauen der MLP-Berater und -Mitarbeiter erworben, betonte der Vorsitzende des Kontrollgremiums. Lautenschläger hatte bereits nach dem angekündigten Rücktritt von Termühlen im Oktober den 38-Jährigen als heißen Kandidaten für das Amt als Vorstandschef bezeichnet. Schroeder-Wildberg war mit Beginn des Jahres vom Online-Broker Cortal-CONSORS nach Heidelberg gewechselt und zum ersten Finanzvorstand in der MLP-Geschichte geworden. Nachfolge unklar Ein neuer Finanzchef steht noch nicht fest. Der Nachfolger des studierten Betriebswirts soll aber nach Angaben von Lautenschläger von außen zu dem Finanzdienstleister geholt werden. MLP war als einstiger Liebling der Börse nach Vorwürfen der Bilanzmanipulation und des Insiderhandels mit Ermittlungen der Mannheimer Staatsanwaltschaft aus dem DAX in den MDAX abgestiegen. Rote Zahlen Das seit 1988 an der Börse notierte Unternehmen rutschte tief in die roten Zahlen. In der Aufarbeitung der Unternehmenskrise hatte sich Schroeder-Wildberg bereits profiliert und galt seit längerem als Kronprinz von Termühlen. MLP strebt für dieses Jahr einen Vorsteuergewinn von 65 Millionen Euro an. Bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das dritten Quartal war im November ein Anstieg des Vorsteuergewinns im Vergleich zum Vorjahr um 84 Prozent auf 14,1 Millionen Euro bekannt gegeben worden. Für die nächsten Monate wird mit einer zweistelligen Wachstumsrate gerechnet.
Der Aufsichtsrat sprach sich am Mittwoch für den 38-Jährigen aus. Schroeder-Wildberg wird zum Jahreswechsel auf Bernhard Termühlen folgen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/finanzdienstleister-mlp-schroeder-wildberg-wird-neuer-chef-1.900825
Finanzdienstleister MLP - Schroeder-Wildberg wird neuer Chef
00/05/2010
Der Airbus A350 ist ein Flugzeug, über das kein Mensch bei Airbus offiziell redet — und doch bereitet es dem US-Konkurrenten Boeing schon Sorgen. Vor zwei Jahren bestritt Airbus mit Nachdruck alle Spekulationen um das Projekt "A30X", obwohl kleine Entwicklungsteams für diese Idee eines neuen zweistrahligen Mittelstreckenjets tätig waren. "Wir arbeiten immer an vielen Projekten und Ideen", erklärte seinerzeit ein Airbus-Manager in Toulouse, "das ist notwendig, um auf dem Laufenden zu bleiben, und hat nichts damit zu tun, was am Ende wirklich gebaut wird." Doch jetzt sieht alles ganz anders aus: Das Geisterflugzeug A350, über das kein Mensch bei Airbus offiziell redet, macht sogar schon dem amerikanischen Konkurrenten Boeing ernsthaft Sorgen, der im Jahr 2008 den "Dreamliner" 7E7 auf den Markt bringen und mit diesem Twinjet Airbus wieder Paroli bieten will. Großauftrag zurückgestellt Wie konkret das amerikanisch-europäische Duell bereits geworden ist, hat jüngst das führende britische Luftfahrtmagazin Flight International enthüllt: Danach hat die renommierte asiatische Fluggesellschaft Singapore Airlines, die schon seit vielen Jahren als Trendsetter der Branche gilt, ganz überraschend einen allgemein erwarteten Großauftrag für die neue Boeing 7E7, die 2007 ihren Jungfernflug absolvieren soll, für wenigstens ein Jahr zurückgestellt. Bei SIA wolle man erst einmal abwarten, so Flight International, mit welchen Leistungsdaten Airbus sein neues Konkurrenz-Projekt offerieren wird, und dann entscheiden.
Der Airbus A350 ist ein Flugzeug, über das kein Mensch bei Airbus offiziell redet — und doch bereitet es dem US-Konkurrenten Boeing schon Sorgen.
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Luftfahrt - Airbus und das Geisterflugzeug
00/05/2010
Der oberste Verbrechensbekämpfer der Vereinten Nationen, Antonio Costa, wünscht sich bessere Indizes zur Abschätzung der weltweiten Korruption. Der Appell bedeutet vor allem eins: Für die Korruptionsbekämpfung ist mehr Geld nötig. Antonio Costa nahm kein Blatt vor den Mund: Beim fünften Anti-Korruptionsforums in Sandton bei Johannesburg bemängelte der Direktor des UN-Programms zur Verbrechens- und Drogenbekämpfung die bisher gängigen Korruptionsindikatoren. "Bisher haben wir Wahrnehmungsindikatoren, die vorrangig von Transparency International stammen, aber die vermitteln nur ein Gefühl oder einen Eindruck für Korruption. Ich will die Korruption messen, ich will keine Schatten vermessen", sagte Costa zu Teilnehmern des Forums. Dass Costa das Thema Korruptionsmessung aufgriff, hing nach allgemeiner Einschätzung mit dem Austragungsort des Forums zusammen. In Südafrika herrscht derzeit Unzufriedenheit über den 51. Rang im Transparency-Korruptions-Wahrnehmungs-Index für 2006. Südafrika reklamiert für sich Fortschritte Nach eigener Wahrnehmung machte Südafrika nämlich im vergangenen Jahr Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung. Die Bemühungen erreichten sogar die Staatsspitze als Präsident Thabo Mbeki seinen Stellvertreter Jacob Zuma entließ, der unter Korruptionsverdacht steht. Silke Pfeiffer, die Transparency International (TI) als Regionaldirektorin für den amerikanischen Kontinent in Sandton vertrat, kann die Kritik an reinen Wahrnehmungs-Indizes aber durchaus nachvollziehen: "Für den Korruptions-Wahrnehmungs-Index befragen wir international tätige Geschäftsleute, wie stark die Korruption ihrem Eindruck nach in den Ländern ist, in denen sie tätig sind. Da bleibt es natürlich oft bei einer Einschätzung", räumte Pfeiffer gegenüber sueddeutsche.de ein. Besser seien quantitative Erhebungen, etwa nach dem Muster: "Wieviel Schmiergeld musste ein Haushalt pro Jahr in einem bestimmten Land für eine öffentliche Leistungen bezahlen?" Solche Untersuchungen gebe es zwar häufig für einzelne Länder, aber nicht für internationale Vergleiche, so Pfeiffer. Der Aufwand für länderübergreifende Studien sei nämlich sehr hoch. Mehr Geld Der Aufruf Costas könne also auch als ein Appell an die Weltgemeinschaft verstanden werden, mehr Geld für die Korruptionsbekämpfung in die Hand zu nehmen, erklärte Pfeiffer. Thematisiert wurde in Sandton auch der Umstand, dass es vor allem die Firmen aufstrebender Exportmächte wie China, Indien und Russland sind, die ihre Auslandsgeschäfte mit Bestechungsgeldern fördern.
Der oberste Verbrechensbekämpfer der Vereinten Nationen, Antonio Costa, wünscht sich bessere Indizes zur Abschätzung der weltweiten Korruption. Der Appell bedeutet vor allem eins: Für die Korruptionsbekämpfung ist mehr Geld nötig.
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"Kritik an Korruptionsindizes - ""Ich will keine Schatten vermessen"""
00/05/2010
Die weltgrößte Internet-Auktionsfirma hat im Gesamtjahr 2003 erneut enorm zugelegt und Rekordumsätze und -gewinne verbucht. Das gute Weihnachtsgeschäft brachte einen glänzenden Jahresausklang. Die Gesellschaft verdiente im vierten Quartal des vergangenen Jahres 142,5 Millionen Dollar (113 Mio Euro) gegenüber 87 Millionen Dollar in der entsprechenden Vorjahreszeit. Der Gewinn pro Aktie stieg auf 21 (Vorjahresvergleichszeit: 14) Cent, teilte eBay mit. Die in San Jose (Kalifornien) beheimatete Gesellschaft wies unter Ausklammerung von Sondereinflüssen einen Gewinn von 24 Cent je Aktie aus, während die Wall Street mit 22 Cent je Aktie gerechnet hatte. Der Quartalsumsatz schoss um 57 Prozent auf 648,4 Millionen Dollar in die Höhe. Aufschwung beschleunigt Der Jahresumsatz erreichte 2,2 Milliarden Dollar, plus 78 Prozent. Der Jahresgewinn erhöhte sich um 77 Prozent auf 441,8 Millionen Dollar oder 67 Cent je Aktie. Der Aufschwung beschleunigt sich nach Darstellung von Konzernchefin Meg Whitman weiter. "Das Unternehmen liefert enorme Ergebnisse, und die langfristigen Aussichten könnten nicht besser sein", erklärte sie. eBay erwartet für 2004 einen Umsatz von bis zu drei Milliarden Dollar und einen Gewinn von bis zu 99 Cent je Aktie. Es könnte im ersten Quartal dieses Jahres ein Gewinn von bis zu 24 Cent je Aktie anfallen. Hoch, höher eBay hatte seine Transaktionseinkünfte in den USA im vierten Quartal um 38 Prozent und im Ausland sogar um 96 Prozent erhöht. Es waren 41,2 (27,7) Millionen aktive Benutzer registriert. Der Wert der bei eBay versteigerten Waren erreichte im Schlussquartal 2003 insgesamt 7,1 Milliarden Dollar, plus 53 Prozent. Die wichtigsten Warenkategorien waren Autos, Verbraucherelektronik-Erzeugnisse, Computer, Bücher, Filme und Musik, Bekleidung, Sportartikel, Sammlerartikel, Spielzeug, Haus- und Gartenprodukte sowie Schmuck.
Die weltgrößte Internet-Auktionsfirma hat im Gesamtjahr 2003 erneut enorm zugelegt und Rekordumsätze und -gewinne verbucht. Das gute Weihnachtsgeschäft brachte einen glänzenden Jahresausklang.
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Rasantes Wachstum - eBay mit Rekordgewinn
00/05/2010
Gleich zwei Paukenschläge bei Siemens: Der Konzern trennt sich für einen Milliardenbetrag von seinem Automobilzulieferer VDO, gleichzeitig soll der Medizintechnikhersteller Dade Behring übernommen werden. Der Siemens-Konzern verkauft seinen Automobilzulieferer VDO für 11,4 Milliarden Euro an Continental. Zugleich wollen die Münchner den US-Medizintechnikhersteller Dade Behring für sieben Milliarden Dollar (5,1 Milliarden Euro) übernehmen, wie der Konzern am Mittwoch im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung in München mitteilte. "Wir haben ein hervorragendes Ergebnis erzielt", erklärte der neue Siemens-Chef Peter Löscher zu dem Verkauf von VDO. Der Konzern habe alle Varianten sorgfältig abgewogen und "die beste Perspektive für die Mitarbeiter, Kunden und unsere Investoren gewählt." "Wir werden Siemens fokussierter, weniger komplex und schneller machen", sagte Löscher. Zielsetzung Der Verkauf von VDO unterstütze die Zielsetzung des Konzerns, sich verstärkt auf die Bereiche Energie und Umwelttechnik, Automatisierungstechnik sowie Gesundheit ausrichten zu wollen. "Wir haben bereits in der jüngeren Vergangenheit erheblich in diese Felder investiert. Auch künftig werden wir hier voranschreiten", sagte der Konzernchef. Die Vorbereitungen für den erwogenen Börsengang von VDO würden eingestellt, hieß es. Der Vollzug des Verkaufs an Continental stehe allerdings noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden und werde im laufenden Kalenderjahr erwartet. Die erwarteten Nettosynergiepotentiale würden ab 2010 bei mindestens 170 Millionen Euro pro Jahr liegen. 140.000 Beschäftigte weltweit Zusammen erzielen Continental und Siemens VDO den Angaben zufolge auf der Basis von 2006 einen Jahresumsatz von rund 25 Milliarden Euro und zählen knapp 140.000 Beschäftigte weltweit. Damit rücke Continental weltweit unter die Top-Fünf der Automobil-Zulieferindustrie vor. Siemens VDO allein kommt auf etwa zehn Milliarden Euro Umsatz. Von den weltweit rund 53.000 VDO-Mitarbeitern sind 20.000 in Deutschland beschäftigt. Die größten Standorte liegen in Regensburg (6000 Beschäftigte), im hessischen Babenhausen (2400) sowie in Würzburg (1500). Zuletzt hatte es einen Bieterwettstreit zwischen Continental und dem US-Konkurrenten TRW, hinter dem der US-Finanzinvestor Blackstone steht, gegeben. Siemens hatte zunächst einen Börsengang der Sparte favorisiert, aber einen Verkauf nicht ausgeschlossen. Mehr Geld als bei Börsengang Jüngst hatte sich angedeutet, dass ein Verkauf für Siemens deutlich mehr Geld bringen könnte, als ein Börsengang. In einer ersten Stellungnahme begrüßte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) den Verkauf von VDO an den Continental-Konzern. "Bei der Übernahme von VDO durch Continental werden von allen diskutierten Modellen die meisten Arbeitsplätze gesichert", sagte Wulff am Mittwoch nach Bekanntwerden der Verkaufsentscheidung. "Die Entscheidung ist gut für die Siemens AG, gut für die Arbeitsplätze und gut für den Wirtschaftsstandort Niedersachsen." Die Continental AG werde mit dieser Entscheidung als einer der weltweit größten Automobilzulieferer-Unternehmen weiter gestärkt, sagte Wulff. "Führende Position im Gesundheitsmarkt" Die Übernahme des Medizintechnikherstellers Dade Behring sichere Siemens zusammen mit den Zukäufen der Diagnostiksparte von Bayer und der US-Firma Diagnostic Products im vergangenen Jahr eine führende Position im Gesundheitsmarkt, sagte Löscher. Der Chef von Dade Behring, Jim Reid-Anderson, erklärte, gemeinsam seien beide Konzerne herausragend positioniert um das breiteste und leistungsstärkste Spektrum an diagnostischen Produkten und Dienstleistungen weltweit anzubieten. "Wir sind stolz drauf, Teil des weltweit ersten voll integrierten Diagnostikunternehmens zu werden", sagte Reid-Anderson. Einen Tag früher als geplant veröffentlichte Siemens seine Zahlen für das dritte Geschäftsquartal. Der Konzern hat seinen Gewinn von April bis Juni um 54 Prozent auf 2,065 Milliarden Euro gesteigert. Der Umsatz legte um 8 Prozent auf über 20 Milliarden Euro zu. "Die Ergebnisse von Siemens im dritten Quartal zeigen, dass das Unternehmen auf dem richtigen Weg ist", sagte Löscher. "Konzernumbau gut gestartet" Der Konzernumbau sei gut gestartet. Trotz eines Verlustes von 371 Millionen Euro beim Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks legte das operative Ergebnis um 22 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro zu. Auch der Auftragseingang des von einer Korruptionsaffäre gebeutelten Konzerns stieg kräftig, um 13 Prozent auf über 22 Milliarden Euro.
Gleich zwei Paukenschläge bei Siemens: Der Konzern trennt sich für einen Milliardenbetrag von seinem Automobilzulieferer VDO, gleichzeitig soll der Medizintechnikhersteller Dade Behring übernommen werden.
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Zwei Großtransaktionen - Milliarden-Rochade bei Siemens
00/05/2010
Offenbar gibt es in Bremen gerade nicht genug zu tun für alle: Der Automobilkonzern will seinen Mitarbeitern in der Hansestadt einen befristeten Wechsel in andere deutsche Werke schmackhaft machen. Der Stuttgarter Autokonzern DaimlerChrysler verlagert innerhalb der Mercedes Car Group zeitlich befristet Stellen von Bremen an andere Standorte. Detailansicht öffnen Ein Wechsel in ein anderes Mercedes-Werk scheint vielen Bremer Beschäftigten lukrativ zu sein. (Foto: Foto: AP) Beschäftigten in Bremen, wo unter anderem die C-Klasse gebaut wird, werde angeboten, nach Rastatt, Hamburg oder Berlin zu wechseln, sagte ein Konzernsprecher am Dienstag. Er bestätigte damit einen Bericht der Bild-Zeitung. Für wechselwillige Mitarbeiter werde es finanzielle Anreize geben. Auch könne Bremer Mercedes-Auszubildenden an den genannten Standorten eine Festanstellung ermöglicht werden. Laut "Bild" sollen in Bremen etwa 1200 der insgesamt rund 15.000 Stellen verlagert werden. Viele Mitarbeiter zum Wechsel bereit Derzeit würden die Mitarbeiter nach ihrer Bereitschaft zum Wechseln befragt, sagte der Betriebsratsvorsitzende im Werk Bremen, Udo Richter, der dpa. Es hätten sich bereits "einige hundert" interessiert gezeigt. Es gebe auch "eine beträchtliche Zahl", die bereit seien, ganz in andere Standort zu wechseln. Nach den Prognosen werde die Zahl der in Bremen produzierten Fahrzeuge nach einem Rekord von 270.000 bis 280.000 im laufenden Jahr auf etwa 220.000 im Jahr 2006 sinken und erst anschließend mit dem Anlaufen der neuen C-Klasse wieder steigen. "Diese Zeit bis Anfang 2007 müssen wir überbrücken." Der Konzernsprecher sagte: "Wir stehen zu der Beschäftigungsgarantie für alle Mitarbeiter der Mercedes Car Group in Deutschland." Auf die Jobgarantie bis zum Jahresanfang 2012 hatten sich im Sommer Vorstand und Betriebsrat bei der Einigung über das 500-Millionen-Euro-Sparpaket verständigt. "Wir brauchen die Leute Anfang 2007 alle wieder." Betriebsbedingte Kündigungen bei den 160.000 Beschäftigten in der Mercedes-Gruppe sind demnach ausgeschlossen. Gerade im A-Klasse-Werk in Rastatt bei Karlsruhe sucht der Konzern derzeit dringend neue Arbeitskräfte. Bis Mitte 2005 werden dort wegen der starken Nachfrage für die neue A-Klasse rund 1800 zusätzliche Stellen geschaffen. "Es ist natürlich sinnvoller, erfahrene Arbeiter aus Bremen zu holen als völlig neue einzuarbeiten", meinte der Konzernsprecher. Der Betriebsratsvorsitzende betonte, dass es sich um eine rein freiwillige Maßnahme handele. Die Beschäftigten würden für neun bis zwölf Monate wechseln. "Wir brauchen die Leute Anfang 2007 alle wieder." Für den Betriebsrat sei entscheidend, dass die Beschäftigten trotz des aktuellen Personalüberhangs keine Lohneinbußen hinnehmen müssen. Es werde auch über andere Maßnahmen wie die Ausweitung von Teilzeitarbeit oder Sabbatjahre gesprochen.
Offenbar gibt es in Bremen gerade nicht genug zu tun für alle: Der Automobilkonzern will seinen Mitarbeitern in der Hansestadt einen befristeten Wechsel in andere deutsche Werke schmackhaft machen.
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DaimlerChrysler - Mercedes will Arbeitsplätze verlagern, nicht abbauen
00/05/2010
Erst die Zeit wird zeigen, wie der Einstieg des Risikofonds EQT bei MTU Friedrichshafen zu beurteilen ist. Doch zumindest kann man sich am Bodensee jetzt wieder auf die Firmengeschäfte konzentrieren. Ein Jahr lang hat sich DaimlerChrysler um den Verkauf des Motorenherstellers bemüht. Viele Beteiligte haben dabei eine schlechte Figur gemacht. Detailansicht öffnen Montagearbeiten an einem Dieselmotor bei MTU Friedrichshafen. (Foto: Foto: dpa) Einen Schlingerkurs fuhr das Management von DaimlerChrysler: Zunächst verhandelte es allein mit MAN, ließ sich dann von den Minderheitsgesellschaftern bei MTU - den Familien Maybach und Zepellin - an der Nase herumführen. Die Familien hatten hinter dem Rücken des Großaktionärs einen Verkauf an den Finanzinvestor Carlyle betrieben. DaimlerChrysler schwenkte um und bestand jetzt auf einem Bieterverfahren - MAN war wieder im Boot, hinzu kamen mit EQT und KKR zwei weitere Beteiligungsfirmen. Möglichst hoher Preis Wie DaimlerChrysler gaben auch die Familiengesellschafter vor, nur das beste für MTU Friedrichshafen zu wollen. Tatsächlich ging es beiden Parteien darum, einen möglichst hohen Preis herauszuschlagen. Beide haben letztlich mehr bekommen, als sie nach den ersten Geboten erhoffen konnten. Natürlich ist es legitim, als Eigentümer beim Verkauf einen möglichst hohen Gewinn erzielen zu wollen. Schädlich für die Firma und die Mitarbeiter ist dies jedoch, wenn der Verkaufsprozess als Intrigenspiel öffentlich inszeniert wird und sich über ein Jahr hinzieht. Auch der MTU-Betriebsrat spielt in dem Stück eine fragwürdige Rolle. Mit Klischees wehrten sich die Arbeitnehmervertreter gegen den Verkauf an einen Finanzinvestor. Sie bevorzugten den Maschinenbauer MAN, obwohl der bei einer Übernahme doch mit großer Wahrscheinlichkeit Synergieffekte genutzt, Kapazitäten abgebaut und Stellen gestrichen hätte. Die Gunst des Bundestagswahlkampfes Der Betriebsrat nutzte sogar die Gunst des Bundestagswahlkampfes, um den damaligen Kanzler Gerhard Schröder für seine Interessen einzuspannen. Die Arbeitnehmervertreter müssen sich daher den Vorwurf gefallen lassen, mehr die nächste Betriebsratswahl im Auge gehabt zu haben als die Interessen der Beschäftigten. Die gute Nachricht ist, dass jetzt der Weg frei ist, sich wieder auf die Firmengeschäfte zu konzentrieren. Die ersten Signale von EQT lassen hoffen, dass der Investor den erhofften Gewinn nicht nur durch Finanzakrobatik, sondern über Wachstum und Investitionen erzielen will. EQT kann sich ein Scheitern kaum leisten Immerhin wird das Theater um den Verkauf dazu führen, dass das Wirken EQTs am Bodensee genau beobachtet werden wird. Ein Scheitern kann sich der Finanzinvestor bei MTU kaum erlauben.
Erst die Zeit wird zeigen, wie der Einstieg des Risikofonds EQT bei MTU Friedrichshafen zu beurteilen ist. Doch zumindest kann man sich am Bodensee jetzt wieder auf die Firmengeschäfte konzentrieren.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mtu-friedrichshafen-ende-eines-possenspiels-1.905296
MTU Friedrichshafen - Ende eines Possenspiels
00/05/2010
Der ehemalige Karstadt-Chef Walter Deuss glaubt an die Zukunft der Konsumtempel - wenn sie eine innere Erneuerung schaffen. Walter Deuss scheint an diesem Mittwoch in Frankfurt gut gelaunt zu sein. Detailansicht öffnen Deuss hofft auf eine "Renaissance der Warenhäuser". (Foto: Foto: dpa) Erst lobt er in seiner Funktion als Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG) die örtliche Wirtschaftsjournaille. Dann hält er eine lange Rede - vor allem über die Misere im Handel und besonders die Krise der Waren- und Kaufhäuser. Und dann sagt er den lustigen Satz: "Ein gut erzogener Hund macht nicht ins eigene Heim, auch wenn er schon ausgezogen ist." Deuss war bis Ende September des Jahres 2000 Vorstandschef des Karstadt-Quelle-Konzerns, den er nach Gutsherrenart leitete. Bei seinem Ausscheiden schien die Lage des Konzerns noch stabil gewesen zu sein. Das Potential der "schlafenden Riesen" nutzen Doch inzwischen ist er schwer angeschlagen. Deuss will sich dazu partout kein Wort entlocken lassen. Also bringt er das Hunde-Zitat. Es nutzt nicht viel. Denn in seiner Ansprache zuvor hat er schon Tacheles geredet wegen der allgemeinen Kaufhaus- und damit indirekt auch der Karstadt-Krise. Die Warenhäuser in den Ia-Lagen in den Innenstädten Deutschlands seien "alles andere als funktionslos gewordene Auslaufmodelle oder sterbende Dinosaurier", sagt Deuss. Sie seien vielmehr "schlafende Riesen", deren Potenziale nicht ausreichend genutzt würden. Eine "Renaissance der Warenhäuser" sei allerdings nur durch eine innere Erneuerung herbeizuführen. Eine große Rolle spiele dabei die Frage der Führungsqualität. Deuss: "Von ihr ist die Zukunft der Warenhäuser im wesentlichen abhängig." Aufgerieben im Mehrfrontenkrieg Das sind starke Worte an die Adresse seiner Nachfolger. Der Niedergang der Konsumtempel ist dabei messbar. Der Marktanteil der Warenhäuser am Einzelhandelsumsatz, der in diesem Jahr um 0,4 Prozent auf 372,1 Milliarden Euro sinken dürfte, ist auf 3,7 Prozent abgerutscht. Anfang der 70er Jahre machte er noch zehn Prozent aus. In einem "Mehrfrontenkrieg" mit Spezialisten, Fachgeschäften, Discountern und Anbietern auf der Grünen Wiese haben sich die Warenhäuser aufgerieben, glaubt Deuss. Und sie haben fatale Fehler gemacht - etwa an Rabattschlachten teilgenommen und so die eigene Marke beschädigt.
Der ehemalige Karstadt-Chef Walter Deuss glaubt an die Zukunft der Konsumtempel - wenn sie eine innere Erneuerung schaffen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einzelhandel-warenhaeuser-sind-keine-aussterbenden-dinosaurier-1.919094
"Einzelhandel - ""Warenhäuser sind keine aussterbenden Dinosaurier"""
00/05/2010
Beim Telefon oder beim Strom gibt es in Deutschland längst Wettbewerb. Beim Wasser sind die Verbraucher hingegen immer noch von der Gunst eines Monopolisten abhängig. Kritiker erklären damit die immensen Preisunterschiede. Den Telefonanbieter zu wechseln ist mittlerweile ein Leichtes. Ebenso hat der Verbraucher die Wahl, wessen Strom aus seinen Steckdosen fließen soll. Nur beim Wasser muss er vorlieb nehmen mit den kommunalen Versorgern, die in den jeweiligen Regionen über Monopolstellungen verfügen. Detailansicht öffnen Trinkwasserpreise in den einzelnen Bundesländern. (Foto: Grafik: Süddeutsche Zeitung) Je nachdem, wo in Deutschland er sein Wasser bezieht, muss der Kunde der kommunalen Unternehmen mit immensen Preisunterschieden für Trinkwasser rechnen. Der Verdacht, die Versorger nützten hier ihre Alleinstellung für erhöhte Preise aus und der Verbraucher zahle drauf, liegt nahe. Bis zu 138 Prozent über dem Preis vergleichbarer Anbieter liege etwa der Wasserversorger Enwag in Wetzlar, stellte unlängst Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) fest. Kartellverfahren in Hessen Rhiel verfügte deshalb, die Preise zu senken, das Wasser bei der Enwag soll so um knapp 30 Prozent billiger werden. Riehl, der bereits gegen die Preispolitik von Strom- und Gasversorgern in Hessen kartellrechtlich vorging, leitete ein Kartellverfahren gegen acht hessische Unternehmen ein: "wegen Verdachts missbräuchlich überhöhter Wasserpreise". Bundesweit müssten Verbraucher jüngsten Medienberichten zufolge gar Preisunterschiede von mehr als 300 Prozent hinnehmen. Danach käme ein Ein-Personen-Haushalt in Essen, wo das Wasser am teuersten sei, bei einem durchschnittlichen täglichen Verbrauch von 125 Litern auf 256 Euro im Jahr. Im nahe gelegenen Bochum müsste dagegen nur die Hälfte bezahlt werden. Am günstigsten ist Trinkwasser laut den Berechnungen in Augsburg, wo nur knapp 76 Euro im Jahr anfielen. Verband: "Vergleich von Äpfeln mit Birnen" Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) wies am Montag solche Zahlen als fehlerhaft und irreführend zurück. Andreas Schirmer, VKU-Vizepräsident und technischer Geschäftsführer der Kommunalen Wasserwerke Leipzig, spricht von einem "Vergleich von Äpfeln mit Birnen". Die etwa 7000 Wasserversorgungsunternehmen in Deutschland arbeiteten zu gänzlich unterschiedlichen Bedingungen, so Schirmer. Circa 80 Prozent des Wasserpreises machten die Fixkosten für Gewinnung, Aufbereitung und Speicherung aus. Je nach Bodenbeschaffenheit, topografischer Lage - starke Höhenunterschiede erforderten etwa einen erhöhten Aufwand - und der Qualität des Wassers seien diese Fixkosten unterschiedlich hoch. Besonders im Osten fielen diese Kosten stark ins Gewicht, da aufgrund der demografischen Entwicklung in ländlichen Regionen ein umfangreiches Versorgungsnetz für wenige Verbraucher bereitgehalten werden müsste. Einzelne Anlagen müssten bereits zurückgebaut werden. Ruf nach einem Regulierer Dennoch wird der Ruf nach einem Regulierer, der ähnlich wie bei der Telekommunikation und im Energiesektor die Preise überwacht, immer lauter. Beim VKU betrachtet man die bestehenden Kontrollmechanismen dagegen als ausreichend. So unterliege der Wasserpreis der Aufsicht durch Stadt- oder Gemeinderat und der Kartellämter. Viel verspricht man sich beim VKU von internen Effizienzanalysen, der Ermittlung sogenannter Benchmarks. Holger Krawinkel, Infrastrukturexperte vom Bundesverband der Verbraucherzentralen, kritisiert, dass solche Erhebungen nicht verpflichtend seien: "Diejenigen, die sich vor Transparenz fürchten, müssen nicht mitmachen." Außerdem seien damit keinerlei Sanktionen verknüpft. Krawinkel sieht keinen Grund, weshalb nicht auch beim Wasser eine Regulierungsbehörde eingeführt werden sollte. Diese könne die variierenden Fixkosten berücksichtigen und entsprechende Erlösobergrenzen festlegen. Günstigere, zumindest stabile Preise und eine gesteigerte Effizienz verheißen die Befürworter einer Liberalisierung des Wassermarkts. Bereits 1999 wurden die Berliner Wasserbetriebe teilprivatisiert. Seither halten der französische Wasserversorger Veolia und der deutsche Energiekonzern RWE jeweils 24,95 Prozent der Berlinwasser Holding, die Mehrheit liegt noch beim Land Berlin. Wasserversorgung auf Zeit in Frankreich In Frankreich erledigen private Unternehmen die Wasserversorgung jeweils auf Zeit: In einer Ausschreibung ermitteln die Gemeinden den effizientesten Anbieter. Nach Ablauf einer festgesetzten Frist wird die Wasserversorgung dann erneut ausgeschrieben. Die Forderungen nach einer Liberalisierung des Wassermarkts in Deutschland weisen aber nicht nur VKU-Vertreter zurück. Als abschreckendes Beispiel wird häufig Großbritannien genannt, wo die Versorgung vollkommen privatisiert, die Wasserqualität aber eher schlecht sei. Politiker wie Verbraucherschützer in Deutschland unterscheiden hier deutlich vom Energiemarkt: Es komme eben vor allem auf die Qualität an, denn Wasser sei "ein ganz besonderer Saft".
Beim Telefon oder beim Strom gibt es in Deutschland längst Wettbewerb. Beim Wasser sind die Verbraucher hingegen immer noch von der Gunst eines Monopolisten abhängig. Kritiker erklären damit die immensen Preisunterschiede.
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Unterschiede beim Wasserpreis - Augsburg billig, Essen teuer
00/05/2010
Dass der komplizierte Gesundheitskompromiss von CDU und CSU noch für viel Spott sorgen wird, ist spätestens seit Montag klar. Welche Genugtuung dies den Regierenden bereitet, offenbarte sich am Dienstag den Gästen des Arbeitgebertages. Detailansicht öffnen Bundeskanzler Schröder und Arbeitgeberpräsident Hundt (Foto: Foto: dpa) Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hatte ins Berliner Maritim-Hotel geladen, als Ehrengast saß Bundeskanzler Gerhard Schröder in der ersten Reihe, und als Hundt unter dem Gelächter des Publikums die "gemischt-lohnabhängige-Arbeitgeberbeitrags-Fondssteuerergänzungsfinanzierte-Teilpauschalprämie" der Union geißelte, sprach das Mienenspiel des Kanzlers Bände. Dass Hundt die rot-grüne Bürgerversicherung eigentlich für noch verwerflicher hält als das CDU/CSU-Modell, spielte da kaum noch eine Rolle. Es ist zwar nur eine Szene am Rande, doch sie ist symptomatisch für einen Stimmungsumschwung, der sich bei vielen Wirtschaftsmächtigen der Republik derzeit vollzieht. Denn so viele Streitfragen Unternehmer und ihre Lobbyisten auch von Schröder trennen, von der Gesundheitsreform über den Mindestlohn bis zur Mitbestimmung - einer möglichen Kanzlerin Angela Merkel traut man offensichtlich noch weniger zu. Mit einem fast mitleidvollen Blick begrüßte Hundt die CDU-Chefin zu ihrem Auftritt beim Arbeitgebertag mit den Worten, die Union biete derzeit ein "nicht immer ganz überzeugendes Bild", ja, sie wirke oft "geradezu orientierungslos". Mit gesenktem Kopf und verkniffenem Mund vernahm Merkel die Kritik. Lob vom Siemens-Chef Das desolate Bild, das die Union bietet, schlägt sich inzwischen in den Umfragewerten für die CDU-Vorsitzende nieder. So stürzte Merkel im Urteil der Führungskräfte der deutschen Wirtschaft zuletzt deutlich ab. In einer Untersuchung des Psephos-Instituts für das Handelsblatt beispielsweise schnitt die Parteichefin zum ersten Mal seit Ende 2001 schlechter als der Kanzler ab. Während sich 62 Prozent der Befragten zufrieden über die Leistung Schröders äußerten, ist nur noch jeder vierte Wirtschaftsführer zufrieden mit der Politik der Union. 44 Prozent der Manager gaben Merkel die Note "schlecht", 19 Prozent sogar "sehr schlecht". Zuvor hatten 54 Prozent der Topmanager in einer Umfrage des Allensbach-Instituts für das Magazin Capital bereits geurteilt, Merkel habe nicht das Format zur Kanzlerin. Schröder dagegen schlägt seit einiger Zeit so viel Sympathie und Zustimmung aus der Wirtschaft entgegen wie noch nie in seiner Regierungszeit. Vor einem Jahr musste er sich beispielsweise auf dem Arbeitgebertag noch kritisch fragen lassen, ob Deutschland überhaupt reformfähig sei. Jetzt versicherte Hundt dem Kanzler "Respekt, Anerkennung und weitere Unterstützung" für dessen Reformkurs. "Durchhalten, durchschwimmen" Dieser ließ es sich dann auch nicht nehmen, in geradezu präsidialer Manier vor den mehr als 1000 Gästen die Erfolge seiner Regierungszeit darzulegen und die Arbeitgeber zu mahnen, ja die Finger von der Mitbestimmung zu lassen. Auch Siemens-Chef Heinrich von Pierer erklärte kürzlich, Schröder habe mit seiner Agenda 2010 "die Grundlage für den Wiederaufstieg Deutschlands geschaffen". Und sogar im anfangs angespannten Verhältnis zu dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, gibt es keine Misstöne mehr. "Durchhalten, durchschwimmen. Aufhören heißt Untergang, das wünschen wir Ihnen nicht", rief Rogowski dem Kanzler auf der BDI-Jahrestagung im Sommer zu. Gemeinsam mit dem Industrieverband entwickelt das Kanzleramt zur Zeit eine Imagekampagne für den Standort Deutschland. Anlass ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Imagekampagne für die WM Mit der Bundestagswahl, die dann ebenfalls stattfindet, will der Industrieverband die Aktion nicht verknüpft sehen. Man könne es ja nun mal nicht ändern, dass beide Ereignisse zeitlich zusammenfallen, heißt es dort. Es darf aber dennoch bezweifelt werden, ob sich BDI und Kanzleramt, die für die Kampagne jeweils zehn Millionen Euro ausgeben wollen, vor ein paar Jahren auch schon zu einer solchen Allianz zusammengeschlossen hätten.
Während Angela Merkel mitsamt ihrer "Gemischt-lohnabhängigen- Arbeitgeberbeitrags-Fondssteuerergänzungsfinanzierten-Teilpauschalprämie" in Umfragen unter Wirtschaftsführern abstürzt, genießt Gerhard Schröder ungewohnt viel Zuspruch.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftspolitik-des-kanzlers-neue-freunde-1.906948
Wirtschaftspolitik - Des Kanzlers neue Freunde
00/05/2010
Das Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) brachte am Dienstag ein Gesetz zum Stopfen von Steuerschlupflöchern auf den Weg, das die Steuerbegünstigung von Dienstwagen einschränkt. Künftig müsse gegenüber dem Finanzamt nachgewiesen werden, dass das Fahrzeug zu mehr als 50 Prozent dienstlich genutzt werde, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Für Arbeitnehmer ändert sich nichts Von der Begrenzung der Steuerbegünstigung für Dienstwagen-Fahrer seien ausschließlich Selbstständige betroffen, so das Finanzministerium. Sie versteuerten ihren Dienstwagen bisher pauschal mit einem Prozent des Listenpreises, unabhängig davon, wie häufig sie ihn für private Zwecke einsetzten. Künftig soll die Ein-Prozent-Regelung nur noch gelten, wenn der Wagen zu mindestens 50 Prozent dienstlich genutzt wird. Die Nachweispflicht liegt beim Unternehmer. Die Neuregelung habe keine Auswirkung auf Arbeitgeber, die ihrem Arbeitnehmer ein Auto zur privaten Mitnutzung überlassen, also die anderen 50 Prozent der Firmenfahrzeuge. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sind die ursprünglichen Koalitionspläne durch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) erst auf Druck von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) entschärft worden. Gegen den Gesetzentwurf auch in seiner entschärften Fassung macht die Autobranche mobil. Bei den jetzt Betroffenen gehe es um den Bereich der selbstständig Beschäftigten, darunter insbesondere um Handwerker, Gewerbetreibende, Monteure, Außendienstler und Freiberufler - also um einen Personenkreis, der besonders auf Mobilität angewiesen ist. Sparmodell wird abgeschafft "Die schärfere Steuerregelung bei Firmenwagen widerspricht dem erklärten Ziel der Bundesregierung zum Bürokratieabbau. Darüber hinaus verteuert sie Firmenwagen und führt zur weiteren Verunsicherung gerade in einer Zeit, in der nichts dringlicher wäre als eine Verstetigung des Aufschwungs", betonte Bernd Gottschalk, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Eine Umfrage bei den Autoherstellern ergab, daß sie in jeder Verschlechterung der bestehenden Regelung eine Gefahr für die aufkeimende Konjunktur sehen. Das Gesetz zum Stopfen von Steuerschlupflöchern schränkt nicht nur die Steuerbegünstigung von Dienstwagen ein, sondern schafft auch die Steuerbefreiung für öffentliche Spielbanken ab und führt Geldbußen für die Weitergabe von Tankquittungen ein. Nicht buchführungspflichtige Unternehmer und Freiberufler können den Kauf von Wertpapieren und Grundstücken in Zukunft nicht mehr sofort als Betriebsausgabe geltend machen und so ihre Steuerlast mindern, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt beim Wiederverkauf oder der Entnahme aus dem Betriebsvermögen. Mit dieser Maßnahme schafft die Regierung Merkel ein Steuersparmodell ab, durch das in einzelnen Bundesländern bereits Steuerausfälle von mehreren hundert Millionen Euro verursacht wurden. Spielbanken sollen künftig steuerpflichtig werden. Damit kommt die Bundesregierung einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes nach, nach dem öffentliche und private Glücksspiele steuerlich gleich behandelt werden müssen. Bei der Gebäudereinigung schuldet künftig nicht mehr der Putzdienst, sondern der Auftraggeber dem Fiskus die Umsatzsteuer für die empfangene Leistung. So könne der Staat seinen Anspruch besser realisieren. Anbieter, die im Internet mit Tankquittungen schnelles Geld machen wollen, müssen künftig damit rechnen, vom Staat zur Kasse gebeten zu werden. Tankbelege wurden bisher online zum Höchstgebot veräußert, die Käufer machten sie dann für ihre Fahrtenabrechnungen beim Finanzamt geltend und sparten so Steuern. Nach geltender Rechtslage konnten sich Verkäufer der Tankbelege darauf berufen, für die weitere Verwendung der Belege durch den Käufer nicht verantwortlich zu sein. Künftig droht ihnen eine Geldbuße bis zu 5000 Euro. Die Neuregelung soll dem Fiskus im nächsten Jahr bereits 260 Millionen Euro einbringen, teilt das Bundesfinanzministerium mit. Die Summe wächst den Erwartungen zufolge bis 2010 auf mehr als 800 Millionen Euro jährlich. Das Gesetz solle dazu betragen, mehr Steuergerechtigkeit herzustellen und wirtschaftsfördernde Impulse auszulösen, so Sprecher Wilhelm. Die Vorlage soll so schnell wie möglich in den Bundestag eingebracht werden. Auch der Bundesrat muss noch zustimmen.
Der genaue Nachweis über die geschäftliche Nutzung eines Firmenwagens kommt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kabinett-schliesst-steuerschlupfloecher-strenge-dienstwagen-regeln-nur-fuer-freiberufler-1.899137
Kabinett schließt Steuerschlupflöcher - Strenge Dienstwagen-Regeln nur für Freiberufler
00/05/2010
Der Vorstand der schwer angeschlagenen Mannheimer Holding ist auf der Hauptversammlung massiv angegriffen worden. Ein Kleinaktionär zog sogar Parallelen zur betrügerischen Pleite des US-Energiekonzerns Enron. Jörg Pluta von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) forderte am Mittwoch eine umfassende Aufklärung der Vorgänge: "Wir müssen wissen, wer die Verantwortung trägt für die Kapitalanlagepolitik." Die Geschichte sei bei weitem nicht aufgeklärt. Vorstandssprecher Lothar Stöckbauer setzt unterdessen für die Zukunft auf die Partnerschaft mit der Continentale. Außerdem benötige der Konzern frisches Kapital. Pluta sagte: "Auf mittlere Sicht wird der ganze Versicherungskonzern der Geschichte angehören." Die DSW sprach sich gegen eine Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat aus. Ein Klein-Aktionär sagte: "Ein badisches Enron liegt vor uns, und keiner will es gewesen sein." Die DSW verlangte eine Sonderprüfung. "Stolpersteine" Stöckbauer erklärte: "Die schwierigste Zeit liegt hinter uns." Noch vor wenigen Wochen sei die Schieflage weitaus kritischer gewesen. Die drohende Insolvenz sei abgewendet. Allerdings seien noch "etliche Stolpersteine aus dem Weg zu räumen". Stöckbauer ist Nachfolger von Hans Schreiber, der am 13. Juni wegen der finanziellen Turbulenzen zurückgetreten war. Als Beitrag zur Sanierung verzichte der Vorstand auf zehn Prozent seiner Bezüge. Stöckbauer betonte: "Unsere Zukunft sehen wir in der Sach- und Krankenversicherung." Die Continentale beteiligt sich früheren Angaben zufolge mit 51 Prozent an der entsprechenden Sparte der Mannheimer. "Die Kooperation ist für uns von elementarer Bedeutung", sagte der Vorstandssprecher weiter. Sie sorge auch für Stabilität bei der Mannheimer Krankenversicherung, deren Neugeschäft durch die Entwicklung bei der Mannheimer Leben zunehmend beeinträchtigt gewesen sei. Durch erneute Abschreibungen auf Kapitalanlagen im ersten Halbjahr in Höhe von 147,5 Millionen Euro war das Unternehmen massiv in die roten Zahlen gerutscht. Der Fehlbetrag in den ersten sechs Monaten beläuft sich auf 103,6 Millionen Euro. Weitere Stellenstreichungen angekündigt Stöckbauer erklärte: "Vor allem müssen wir unsere Kapitalbasis stärken." Nach wie vor seien auch die Kosten zu hoch. Durch ein weiteres Sanierungsprogramm sollen bei dem Unternehmen noch einmal 50 bis 80 Stellen gestrichen werden. Die Lebensversicherungssparte des Konzerns war durch missglückte Aktienspekulationen in eine massive Schieflage geraten. Die Holding muss nach Stöckbauers Angaben mit stillen Lasten in Höhe von 210 Millionen bis 230 Millionen Euro rechnen, für die sie aufkommen muss. Die Muttergesellschaft soll in dieser Höhe ein Darlehen von der Auffanggesellschaft Protektor erhalten, um nicht selbst in Bedrängnis zu kommen. Wegen der Dauerkrise an den Aktienmärkten und der daraus resultierenden bilanziellen Belastungen hatte die Mannheimer Leben am 26. Juni das Neugeschäft eingestellt. Stöckbauer sagte, die insgesamt 344.000 Verträge der Lebensversicherungssparte würden in Kürze auf Protektor übertragen.
Der Vorstand der schwer angeschlagenen Mannheimer Holding ist auf der Hauptversammlung massiv angegriffen worden. Ein Kleinaktionär zog sogar Parallelen zur betrügerischen Pleite des US-Energiekonzerns Enron.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mannheimer-holding-wut-auf-das-badische-enron-1.905810
"Mannheimer Holding - Wut auf das ""badische Enron"""
00/05/2010
Vor 15 Jahren freuten sich die Aktionäre des Eurotunnels über saftige Gewinne, vor neun Jahren wurde das Jahrhundert-Bauwerk unter dem Ärmelkanal mit Glanz eröffnet - heute stehen die Investoren vor einem Scherbenhaufen. Mit einem Schuldenstand von neun Milliarden Euro und einer Börsennotierung, die meistens unter der Ein-Euro-Marke dümpelt, ist das Konsortium völlig heruntergewirtschaftet. Doch in dieser Woche gelang es den unzufriedenen Kleinaktionären erstmals, die Konzernleitung in die Enge zu treiben. Detailansicht öffnen Eurotunnel-Chef Richard Shirrefs wird mit Rücktritts-forderungen konfrontiert. (Foto: Foto: dpa) Rücktrittsforderungen werden laut Der britische Eurotunnel-Chef Richard Shirrefs ist mit Rücktrittsforderungen, Klagedrohungen und einer Inititative für eine außerordentliche Aktionärsversammlung konfrontiert. Die Frondeure wollen ihn vom Sockel stoßen und den Eurotunnel in eine neue Ära führen. Der Anführer der Putschisten, der 42-jährige Nicolas Miguet, würde allein kaum ernst genommen werden. Seine Qualitäten liegen eher in der Effekthascherei und im Verfolgen seiner eigenen Interessen. Aber um Miguet haben sich inzwischen kenntnisreiche Experten geschart. Gallionsfigur Maillot Der 61-jährige Jacques Maillot, Gründer des Reiseunternehmens Nouvelles Frontières und eine Galionsfigur des demokratischen Wirtschaftens, erwägt nun öffentlich, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen. Den Vorschlag, als neuer Unternehmenschef zu kandidieren, habe er "mit Interesse zur Kenntnis genommen", sagte Maillot. Bisher jedenfalls seien "die Kleinaktionäre durch die unterschiedlichen Unternehmensleitungen von Eurotunnel begaunert worden". Der umtriebige Miguet, der sich schon mal wie ein Volkstribun auf den Platz vor der Pariser Börse stellt, um die Eurotunnel-Gewaltigen zu geißeln, zieht ganz andere Register. Er betreibt die Absetzung der Konzernleitung wegen Unfähigkeit und Selbstbereicherung. Aufforderung zur Aktionsärsversammlung Shirrefs und sein Team sind nach Einschätzung Miguets nur allzu bereit, den Banken die Zinsen für die gigantische Verschuldung zu zahlen. Ultimativ forderte Miguet die Einberufung einer außerordentlichen Aktionärsversammlung, auf der die Leitung abgesetzt werden soll. Folgt Shirrefs der Aufforderung nicht, will er ihn verklagen. Angeblich hat Miguet bereits Vollmachten, um im Namen von 15 Prozent des Aktienkapitals zu sprechen. Fünf Prozent würden nach französischen Aktienrecht genügen. Die Unzufriedenheit unter den 720.000 Eurotunnel-Kleinaktionären könnte kaum ausgeprägter sein. Sie gaben in den 80er Jahren ihr Erspartes, um den Traum vom Tunnel zwischen Kontinentaleuropa und den britischen Inseln zu verwirklichen. Der Wert der Aktie kletterte im Mai 1989 auf den Rekordwert von umgerechnet 14,71 Euro. Die Pleite droht Doch als 1994 die ersten Güter- und Personenzüge durch den Tunnel fuhren, war die Notierung schon auf sechs Euro gesunken, seit Ende 1995 macht sich eine Stimmung breit, als könne eine Pleite nur weiter hinausgezögert werden. "Der Eurotunnel ist ein Bauwerk, das niemals mit privatem Kapital hätte finanziert werden dürfen", meint rückblickend der Analyst Jean-Paul Pierret von Natexis-Bleichroeder. Für die neue Ära gibt es konkrete Vorstellungen: Die als Knebelverträge angeprangerten Kreditvereinbarungen mit den Banken wollen die Putschisten nachverhandeln. Gebühren sollen steigen Die Gebühren für die Tunnelnutzung sollen steigen. Schließlich sollen zusätzliche Güterzüge durch den Tunnel rollen, auf Langstrecken zwischen Großbritannien und den großen EU-Partnern. In diesem Punkt hat Shirrefs inzwischen eingelenkt. Ansonsten verklagte er den Putschisten-Führer wegen Verbreitung von Falschdarstellungen. Auch die Tageszeitung Le Parisien nährte am Freitag Zweifel, ob Miguet der geeignete Mann für einen Neubeginn ist. Der Wortführer der Kleinaktionäre habe 2002 ein Einkommen von einer Million Euro verzeichnet, schrieb das Blatt. Er habe sieben Millionen Eurotunnel-Aktien zusammengerafft. Angesichts des Gezänks und der wechselseitigen Beschuldigungen leitete die Pariser Börsenaufsicht inzwischen eine Untersuchung ein, ob bei Eurotunnel alles mit rechten Dingen zugeht.
Vor 15 Jahren freuten sich die Aktionäre des Eurotunnels über saftige Gewinne, vor neun Jahren wurde das Jahrhundert-Bauwerk unter dem Ärmelkanal mit Glanz eröffnet - heute stehen die Investoren vor einem Scherbenhaufen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eurotunnel-putschversuch-1.905934
Eurotunnel - Putschversuch
00/05/2010
Die Datenbank des Glücks - es gibt sie tatsächlich. Und sie offenbart: Jeder zusätzliche Dollar kauft uns ein Stück weniger vom Glück. Mit Logik ist das kaum zu erklären. Da geht es den Bewohnern der westlichen Industrienationen seit Jahrzehnten immer besser, manchmal haben sie mehr Geld in der Tasche und zunehmend gute Perspektiven, aber ihre Stimmung kommt nicht in Schwung. Detailansicht öffnen Ein glücklicher Bergmann der Steinkohlezeche Prosper-Haniel bei Bottrop. (Foto: Foto: dpa) Im Gegensatz zu den steigenden Einkommen hat sich die Zufriedenheit der Menschen weltweit bei nahezu gleichbleibenden Werten eingependelt, seitdem Forscher diese erheben und in der Weltdatenbank des Glücks an der Universität Rotterdam sammeln. Homo un-oeconomicus? Ganz offensichtlich will sich der Mensch einfach nicht so rational verhalten, wie Wirtschaftswissenschaftler es vom homo oeconomicus erwarten: Dessen Lebensglück müsste sich, theoretisch, an den Indikatoren seines Wohlstands messen lassen. Aber dem ist nicht so. Stattdessen erklingt ein immerwährendes Gejammer. Warum? "Weil Wohlstand nicht automatisch zufriedener macht", erklärt der Psychologe Daniel Kahneman von der Universität Princeton, der für seine Erforschung dieses ökonomisch unsinnigen Verhaltens im Jahr 2002 den Wirtschaftsnobelpreis erhalten hat. Er findet für das Phänomen eine weitreichende Erklärung. Demnach steigert allgemeiner Wohlstand die Lebenszufriedenheit des Einzelnen nicht, weil es sich nur um einen relativen Wert handelt: "Wenn alle Menschen um einen herum ihren Besitz mehren, nimmt man den eigenen Fortschritt kaum wahr", sagt er. Das heißt aber auch: Der Aufschwung einer nationalen Wirtschaft sagt nichts über die Zufriedenheit ihrer Mitglieder aus. Auf einer Skala von null (vollkommen unzufrieden mit dem eigenen Leben) bis zehn (vollkommen zufrieden) gibt der Durchschnittsdeutsche seit Jahren Werte im besseren Mittelfeld an (zuletzt 6,6), etwas weniger als der Amerikaner (7,25) und der Däne (8,07), aber in etwa dasselbe wie seine Nachbarn in Frankreich und Italien. Gefesselt vom Angenehmen Würde er sie überholen, müsste es ihm dann nicht ein wenig besser gehen als den anderen? Nein, denn auch ein kometenhafter Aufstieg bringt laut Kahneman nicht das große Glück. Dagegen stehe selbst bei Lottogewinnern der Gewöhnungseffekt: "Man kann sich nicht ständig darauf konzentrieren, reich zu sein. Irgendwann ist auch ein prächtiges Haus der Normalzustand. Und ich kann mir zwar ein tolles Auto kaufen, aber ich fahre jeden Tag damit und denke am Steuer an etwas anderes", sagt der Psychologe. Deshalb erhöhe Reichtum auch nicht die Anzahl glücklicher Momente im Leben, nach denen Kahneman und seine Kollegen regelmäßig ausgewählte Testpersonen befragen. Im Gegenteil: "Je größer der berufliche Erfolg, desto mehr dominieren Momente schlechter Stimmung den Alltag. Weil man zum Beispiel weitere Wege im Auto zurücklegen muss", sagt Kahneman. Im Ergebnis schnurrt die Antwort darauf, wie Wohlstand zu mehr Glück führen könnte, auf eine einfache Regel zusammen: "Alles, was die Aufmerksamkeit an etwas Angenehmes fesselt, macht glücklich. Man sollte sein Geld also nicht für eine große Sache, sondern lieber für kleine Dinge ausgeben", rät Kahneman den Konsumenten. Unterschiedliches Einkommen - gleiches Glück So gesehen wäre großer Reichtum auch im Bewusstsein des Einzelnen ebenso belanglos, wie er für die allgemeine Zufriedenheit ohnehin zu sein scheint: "In den Industrienationen sind Leute mit einem durchschnittlichen Einkommen genauso glücklich wie sehr wohlhabende Menschen", sagt der Chefwissenschaftler der Weltdatenbank des Glücks, Ruut Veenhoven. Nur bis zu einem leicht unterdurchschnittlichen Monatseinkommen steige die Lebenszufriedenheit parallel mit dem Verdienst. Diese Beobachtung erklärt Kahnemans Forscherkollege Daniel Gilbert von der Harvard-Universität so: "Der erste Dollar kauft dir ein Stück vom Glück. Und jeder weitere kauft dir ein Stück weniger."
Die Datenbank des Glücks - es gibt sie tatsächlich. Und sie offenbart: Jeder zusätzliche Dollar kauft uns ein Stück weniger vom Glück.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bescheid-wissen-warum-reichtum-nicht-zufrieden-macht-1.903113
Bescheid wissen - Warum Reichtum nicht zufrieden macht
00/05/2010
Beim Zollkriminalamt (ZKA) Köln kamen am 15.November 2005 etwa zwanzig deutsche Staatsanwälte zu einer Besprechung zusammen. Detailansicht öffnen Im Rahmen des "Oil for Food"-Programms der Vereinten Nationen kam es immer wieder zu Unregelmäßigkeiten bei Auftragsvergaben. (Foto: Foto: AFP) Das Auswärtige Amt hatte das Treffen angeregt; ein Beamter erläuterte Details der Untersuchung einer UN-Kommission über illegale Zahlungen von weltweit 2253 Firmen an das Regime des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein, die kurz zuvor erschienen war. Sie stand im Zusammenhang mit dem Programm "Öl für Lebensmittel" - und listete die Namen von etwa 60 deutschen Firmen auf. Nach und nach leiteten die Staatsanwaltschaften daraufhin Ermittlungen gegen die Firmen ein. Derzeit laufen in Deutschland wegen der Irak-Geschäfte Verfahren gegen Mitarbeiter von mindestens 43 Firmen, bei zwei weiteren prüft die Staatsanwaltschaft noch. Allgemein bekannte Zahlungen? Die Schwerpunkte der Ermittlungen liegen in Hessen und Nordrhein-Westfalen. In etwa zehn weiteren Fällen wurden die Verfahren eingestellt oder nicht eröffnet. Die häufigste Begründung: Die Schmiergeldzahlungen seien allgemein bekannt gewesen. Von Oktober 2000 an hatte Saddam Hussein alle Ministerien verpflichtet, bei der Lieferung humanitärer Güter Aufschläge in Höhe von mindestens zehn Prozent zu verlangen. Das Geld wurde oft auf geheimen Wegen bar in den Irak gebracht. Schon zum Treffen beim ZKA hatte ein Vertreter der Kölner Staatsanwaltschaft Kopien zweier Faxe einer UN-Organisation an eine deutsche Firma mitgebracht, die zumindest die Vermutung zuließen, dass die Praxis selbst UN-Mitarbeitern bekannt war. Die Kölner hatten daraufhin das Verfahren gegen eine rheinische Firma eingestellt. Mittelständler und Konzerne betroffen Die Fälle sind so unterschiedlich wie die Summen: Es geht in Deutschland um 4653 Dollar bis zu 790.344 Dollar. Die Strafverfolger ermitteln gegen Mitarbeiter bekannter deutscher Unternehmen wie DaimlerChrysler, Linde, Siemens, Fresenius Medical Care, Deutsche Babcock Services in Oberhausen und viele mittelständische Unternehmen.
Warum die Staatsanwaltschaften bisher häufig auf Anklagen gegen verdächtige Unternehmen verzichten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kampf-gegen-korruption-auf-den-spuren-des-geldes-1.899029
Kampf gegen Korruption - Auf den Spuren des Geldes
00/05/2010
Logistik-Vorstand Bernd Malmström hat sich mit Bahn-Chef Mehdorn in Strategiefragen angelegt. Nun scheidet er noch vor dem Frühjahr aus. Das teilte der Manager am Dienstag im Aufsichtsrat mit. Eigentlich sollte das Kontrollgremium Malmströms Vertrag laut Beschlussvorlage bis Ende 2006 verlängern. Dann hätte der Transport-Vorstand die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht; nun scheidet er kurzfristig aus. Detailansicht öffnen Ein Bild aus besseren Tagen: Bahnchef Hartmut Mehdorn (links) und sein bisheriger Logistik-Vorstand Bernd Malmström. (Foto: Foto: dpa) Wer die Sanierung des defizitären Güterverkehrs auf der Schiene übernimmt, steht noch nicht fest. Auslöser für Malmströms Ausstieg ist nach Angaben aus Konzernkreisen ein Zerwürfnis mit Vorstandschef Hartmut Mehdorn. Der Transport-Chef soll den Finanzplan des Staatsunternehmens für die nächsten fünf Jahre als unrealistisch bezeichnet haben. Mit rasch steigenden Gewinnen kalkuliert Mehdorn hat wegen der Verluste bei den Fernzügen und beim Güterverkehr auf der Schiene das Zahlenwerk zwar korrigiert. Er kalkuliert nach einer längeren Phase mit Defiziten bis Ende des Jahrzehnts aber mit rasch steigenden Gewinnen, die sich 2009 auf 2,3 Milliarden Euro belaufen sollen. In diesem Jahr sind es 200 Millionen Euro, die vor allem auf rigide Sparmaßnahmen zurückzuführen sind. Malmström soll auch Bedenken gegen Mehdorns Vorhaben geäußert haben, das Staatsunternehmen rasch und einschließlich des Schienennetzes an die Börse zu bringen und auf diese Weise zu privatisieren. Kritik im Aufsichtsrat Andererseits gab es am Dienstag im Aufsichtsrat auch Kritik an Malmströms Konzernbereich, zu dem sowohl das Tochterunternehmen Railion (Güterzüge) wie auch die weltweit tätige Spedition Schenker gehören.
Logistik-Vorstand Bernd Malmström hat sich mit Bahn-Chef Mehdorn in Strategiefragen angelegt. Nun scheidet er noch vor dem Frühjahr aus.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/konzernstrategie-zerwuerfnis-im-bahn-vorstand-1.902225
Konzernstrategie - Zerwürfnis im Bahn-Vorstand
00/05/2010
Die Bundesregierung hat sich gegen einen nationalen "Benzingipfel" ausgespochen. CDU und FDP hatten angesichts der stetig steigenden Spritpreise ein solches Spitzentreffen gefordert. Die Bundesregierung hat Forderungen der Opposition nach einem so genannten "Benzingipfel" angesichts der hohen Ölpreise abgelehnt. Politiker von CDU und FDP hatten von Bundeskanzler Gerhard Schröder angesichts der hohen Treibstoffpreise einen "Benzingipfel" gefordert. Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Christoph Böhr sagte Bild: "Ich fordere den Bundeskanzler dazu auf, alle Betroffenen an einen Tisch zu laden." Er sprach von "Abzockerei an deutschen Tankstellen", die sich "lähmend auf unser Wirtschaftswachstum" auswirke. Aussetzung der Ökosteuer Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle sagte dem Blatt: "Die hohen Spritpreise rufen nach einem Benzingipfel von Politik, Wirtschaft und Verbraucherverbänden." Schröder solle dafür sorgen, "dass ab einem bestimmten Rohölpreis die Ökosteuer ausgesetzt wird". Der stellvertretende Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Ulrich Freese, forderte laut Zeitung ein "inter-nationales Spitzentreffen mit Beteiligung der Förderländer und der Amerikaner". Populistische Forderung Ein nationaler Gipfel mache angesichts der Ursachen für den Ölpreisanstieg keinen Sinn und die Forderung sei populistisch, so Regierungssprecher Bela Anda. Maßgebliche Ursachen für den hohen Ölpreis seien das Anziehen der Weltwirtschaft, das Auffüllen der Raffineriekapazitäten, das hohe Wachstum in Asien und insbesondere China. Zudem habe die Terrorangst zu Risikoabschlägen geführt.
Die Bundesregierung hat sich gegen einen nationalen "Benzingipfel" ausgespochen. CDU und FDP hatten angesichts der stetig steigenden Spritpreise ein solches Spitzentreffen gefordert.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundesregierung-benzingipfel-macht-keinen-sinn-1.901091
Bundesregierung - Benzingipfel macht keinen Sinn
00/05/2010
Der Hersteller von Haushaltswaren modernisiert sich: Ein aufgehübschtes Sortiment soll neue Käufer bringen. Der Tupperware-Konzern hat den 1996 eingeläuteten Unternehmenswandel nahezu abgeschlossen. "Die Party ist nicht vorbei. Sie fängt erst richtig an", sagte Rick Goings, Vorstandschef des auf den Direktvertrieb von Haushaltswaren spezialisierten US-Unternehmens, der Süddeutschen Zeitung. Bis 2010 sollen die Erlöse auf zwei Milliarden Dollar steigen. In diesem Jahr sieht er Tupperware auf "gutem Wege", die im Geschäftsbericht 2003 formulierten Ziele zu erreichen. Danach sollen die Erlöse langfristig um einen mittleren einstelligen Prozentsatz zulegen und die Umsatzrendite vor Steuern mittelfristig zehn Prozent erreichen. Alle zwei Sekunden eine Tupper-Party In den ersten drei Quartalen 2004 hatten die Erlöse weltweit um 2,7 Prozent auf 853,5 Millionen Dollar zugelegt, der operative Gewinn sprang auf 72,0 (Vorjahreszeitraum: 44,9) Millionen Dollar und der Nettogewinn auf 51,1 (20,5) Millionen Dollar. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern die Erlöse zwar auf 1,175 (1,104) Milliarden Dollar steigern können. Der Gewinn nach Steuern brach allerdings aufgrund der glücklosen und inzwischen beendeten Partnerschaft mit der US-Einzelhandelskette Target auf 49,9 (90,1) Millionen Dollar ein. Der Ausflug in den Einzelhandel schadete dem Direktvertrieb und führte zu Verlusten in Nordamerika. Wichtigster Umsatzträger seien nach wie vor die Heimvorführungen, die so genannten Tupper-Partys. Sie machen laut Going 96 Prozent der Erlöse aus, dabei soll es auch künftig bleiben. Weltweit finde alle zwei Sekunden eine Tupper-Party statt, in Deutschland alle 20 Sekunden. Rund 17 Millionen Partys seien es jährlich weltweit. Der stärkste Markt sei Deutschland mit 1,5 Millionen Partys mit durchschnittlich neun Gästen. Jede dritte Frau besuche jährlich eine Tupper-Party. Die Party sei nicht vorbei, versichert Goings, ganz im Gegenteil. In Zeiten von Terror und Hektik gehe der Trend hin zu mehr Häuslichkeit. Die Bereitschaft, für Qualität hohe Preise zu zahlen, sei in Kontinentaleuropa am größten, erläutert Goings. Keine Frontaldarbietungen Der Wandel des Unternehmens, das Ende der neunziger Jahre unter einem Erlösschwund litt und dessen Geschäftsmodell als verstaubt galt, ruhe auf drei Säulen, sagte Goings. Produktpalette und Form der Darbietung seien komplett modernisiert worden. Mehr als die Hälfte der Produkte sei jünger als drei Jahre, "modischer und hipper". Ein erweitertes Sortiment soll neue Zielgruppen, beispielsweise jüngere und berufstätige Frauen, erschließen. Nachdem Tupperware früher stärker in ländlichen Gebieten vertreten war, drängt es die Firma nun auch in die Städte.
Der Hersteller von Haushaltswaren modernisiert sich: Ein aufgehübschtes Sortiment soll neue Käufer bringen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tupperware-die-party-faengt-erst-richtig-an-1.903178
"Tupperware - ""Die Party fängt erst richtig an"""
00/05/2010
Die frohe Botschaft: Die Steuererklärung wird vom nächsten Jahr an leichter. Der Haken an der Sache? Nicht für alle. Jochen Dieckmann weiß, wie schwer es ist, im deutschen Föderalismus etwas zu verändern. Detailansicht öffnen Vieles wurde zusammen-gefasst, Einiges gestrichen, und Manches kleiner gedruckt — auch so lassen sich Zeilen sparen. (Foto: Foto: AP) Als Referent der SPD-Bundestagsfraktion, als Mitarbeiter des Deutschen Städtetags und später als Justizminister von Nordrhein-Westfalen hat er seit Anfang der Achtzigerjahre all die Debatten verfolgt, in denen es um die Neuordnung der Verfassung ging. Passiert ist wenig. Und so ist Dieckmann, der seit 2002 das Finanzressort in Düsseldorf leitet, froh, "wenn wir nun wenigstens kleine Schneisen in den Dschungel des Föderalismus schlagen". Es bedurfte jedenfalls einiger Anstrengungen, um ein Formular zu entrümpeln, über das sich jedes Jahr fast alle Bürger ärgern: die Einkommensteuererklärung. Vier Seiten umfasste dieses Formular bisher, dazu kam die zweiseitige Anlage N für Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit, die jeder Arbeitnehmer und auch der Ehepartner ausfüllen muss. "Steuererklärung light" Wenn ein Bundesland dieses Formular ändern will, müssen, so sieht es die Finanzverfassung vor, alle anderen zustimmen. Doch nun haben sich zur Überraschung Dieckmanns alle 16 Finanzminister darauf geeinigt, dass aus den sechs bis acht Seiten, die jeder Steuerzahler jährlich ausfüllen muss, nur noch zwei werden. So sieht es die "Steuererklärung light" vor, die seit zwei Jahren in den Finanzämtern von Bochum, Herne und Gelsenkirchen getestet wird und die nun von Beginn des nächsten Jahres an in fast allen Bundesländern (in Bayern erst ein Jahr später) gelten soll.
Die frohe Botschaft: Die Steuererklärung wird vom nächsten Jahr an leichter. Der Haken an der Sache? Nicht für alle.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/steuerrecht-entruempelt-schluss-mit-formularkram-1.904165
Steuerrecht entrümpelt - Schluss mit Formularkram
00/05/2010
Veränderte Einkommensgrenzen sollen den Bundeshaushalt entlasten: Weniger Familien als bisher erhalten Erziehungsgeld — dafür gibt es länger Kindergeld. Um Haushaltslöcher zu stopfen, entwickelt die Bundesregierung immer mehr Einfallsreichtum. Neben den großen Reformen sind es die "kleinen" Einsparmaßnahmen, die Bundesfinanzminister Hans Eichel im nächsten Jahr entlasten sollen. Dazu zählen auch Änderungen beim Erziehungsgeld. Die nach Politikermeinung so förderwürdigen Familien müssen sich seit Jahresbeginn 2004 auf Kürzungen einstellen. Abgerundete Beträge So wurde das Erziehungsgeld bisher entweder für 24 Monate in Höhe von 307 Euro oder in der "Budget-Variante" für zwölf Monate in Höhe von je 460 Euro gezahlt. Hier soll gespart werden: Die Beträge wurden "abgerundet": auf 300 beziehungsweise 450 Euro monatlich. Nicht ganz so einfach zu durchschauen ist die Neugestaltung der Einkommensgrenzen, die den Bezug von Erziehungsgeld möglicherweise sogar ganz ausschließen kann. Bisher galt in den ersten sechs Lebensmonaten des Kindes für Eltern eine jährliche Einkommensgrenze von 51.130 Euro (pauschaliertes Nettoeinkommen). Alleinerziehende durften bis zu 38.350 Euro (ebenfalls pauschal errechnetes "Netto") verdienen, ohne um das Erziehungsgeld fürchten zu müssen. Bei 30.000 Euro ist Schluss Für Geburten seit dem 1. Januar 2004 sind diese Grenzen drastisch gesenkt worden. So darf das Jahreseinkommen der Eltern 30000 Euro nicht mehr übersteigen. Alleinerziehende dürfen nur noch 23000 Euro an Gehalt beziehen. Das höhere Erziehungsgeld (Budget-Variante) kann gewählt werden, wenn das Einkommen 22.500 Euro (Eltern) beziehungsweise 19500 Euro (Alleinerziehende) nicht übersteigt. Vom siebten Lebensmonat des Kindes an wird dann wieder neu gerechnet. Das Erziehungsgeld wird Schritt für Schritt gekürzt, wenn das Einkommen die Grenze von 16500 Euro - bei Alleinerziehenden 13.500 Euro - überschritten hat. Bei einem Verdienst von 22.086 Euro ist bei Paaren dann komplett Schluss mit dem Kinderzuschuss - bei Alleinerziehenden bei 19.086 Euro. Die Grenzen gelten auch bei der Budget-Variante. Die Einkommensgrenzen erhöhen sich allerdings noch um eine Zulage für jedes Kind. Kinder, die ab Januar 2004 geboren wurden, erhöhen die Einkommensgrenze um jeweils 3140 Euro - sowohl bei Paaren als auch bei Alleinerziehenden. Damit nicht genug: Auch bei der Berechnung des pauschalierten Nettoeinkommens - also der Einkommensgrenze - wird an der Sparschraube gedreht. Um diese Grenze zu ermitteln wurde bisher bei Paaren das Bruttoeinkommen um einen pauschalen Abschlag von 27 Prozent verringert (bei Alleinerziehenden um 22 Prozent). Kommendes Jahr wird dieser Abschlag auf 24 Prozent (19 Prozent) gekürzt, was letztlich ein höheres anrechenbares "Netto" zur Folge hat. Die Kürzungsarie Ergebnis der Kürzungsarie: Bei gleichem Verdienst werden viele Familien, die nach bisherigem Recht noch Anspruch auf Erziehungsgeld haben, jetzt leer ausgehen oder mit einem "geschrumpften" Zuschuss auskommen müssen. Für viele Eltern wieder Kindergeld: Für viele Eltern volljähriger Kinder, die sich in der Ausbildung befinden, gibt es seit Januar 2004 wieder Kindergeld. Das ist eine der erfreulichen Auswirkungen der nach- wie vorgezogenen Steuerreform 2004, die eine starke Erhöhung des Einkommensfreibetrages gebracht hat: von 7188 auf 7680 Euro im Jahr. Durch die Absenkung des Arbeitnehmer-Pauschbetrages von 1044 auf 920 Euro (bedeutsam für Auszubildende oder Studenten mit Nebenjobs) ist dieser Vorteil allerdings um etwa ein Viertel geschmälert worden. Jahressumme entscheidend Das heißt: Ein jobbender Student oder ein Auszubildender kann in diesem Jahr 7680 + 920 = 8600 Euro verdienen, ohne dass den Eltern das Kindergeld gestrichen wird. Beim Nachweis höherer Werbungskosten als 920 Euro im Jahr (etwa wegen einer weiten Fahrt zur Ausbildungsstelle) erhöht sich der Einkommensgrenzbetrag entsprechend. Das Vertrackte daran: Die Einkommensgrenze wirkt nach wie vor wie ein Fallbeil. Ergibt das Einkommen eines volljährigen Kindes in einigen Monaten mehr als den auf den Monat entfallenden Freibetrag, so wirkt sich das auf das Kindergeld zwar nicht negativ aus. Steigt es aber über 8600 Euro im Jahr, dann wird das Kindergeld für das gesamte Jahr zurückgefordert (es sei denn, es werden höhere Werbungskosten als 920 Euro nachgewiesen). Ein Einkommen von nur einem Euro über dem Jahresgrenzbetrag führt zum Verlust von mindestens (12 x 154 =) 1848 Euro, bei Eltern mit vier Kindern sogar von (12 x 179 =) 2148 Euro. Es lohnt also, das Einkommen des Nachwuchses im Jahresverlauf "im Auge zu behalten". Die Liste der "Einkünfte und Bezüge", die das Kindergeld gefährden können, ist lang. Hier ein Auszug: - Ausbildungsvergütungen - Fahrkostenzuschüsse des Arbeitgebers - "Netto" kassierte Bezüge (zum Beispiel aus einem 400-Euro-Job) - Zinsen und sonstige Kapitaleinkünfte (vom ersten Euro an) - Gesetzliche Renten und Unfallrenten - Arbeitslosengeld und -hilfe, Krankengeld, Mutterschaftsgeld - Hilfe zum Lebensunterhalt vom Sozialamt - "Geld- und Sachbezüge" aus Wehr- oder Zivildienst - BAföG, soweit es als Zuschuss (nicht als Darlehen) gezahlt wird. Nicht angerechnet werden Unterhaltsleistungen der Eltern, das Erziehungsgeld sowie das Pflegegeld aus der Pflegeversicherung. Besteht nur für einen Teil des Jahres Anspruch auf Kindergeld, zum Beispiel, weil ein Kind seine Ausbildung beendet, so kommt es nur auf das Einkommen in den Ausbildungsmonaten an. Der Lohn aus einem nachfolgenden Arbeitsverhältnis beeinträchtigt das Kindergeld also in der Regel nicht.
Veränderte Einkommensgrenzen sollen den Bundeshaushalt entlasten: Weniger Familien als bisher erhalten Erziehungsgeld — dafür gibt es länger Kindergeld.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kinder-und-erziehungsgeld-weniger-geld-fuer-babys-1.903049
Kinder- und Erziehungsgeld - Weniger Geld für Babys
00/05/2010
Die Deutschen wenden immer mehr Zeit für die Nutzung der Medien auf. Seit 1999 verbringen sie acht Stunden täglich mit Fernsehen, Internet, Radio und dem Lesen von Zeitschriften und Büchern. Insgesamt wendet jeder Bundesbürger zwischen 14 und 49 Jahren täglich acht Stunden für Medien auf. Das bedeutet, dass die Deutschen sich heute anderthalb Stunden länger mit Medien beschäftigen als 1999. Von diesen acht Stunden entfällt der Löwenanteil auf das Fernsehen (156 Minuten, 1999: 146) und das Begleitmedium Radio (160 Minuten, 1999: 143). Fernsehen Nummer eins Eindeutig steht das Fernsehen bei der Beliebtheit der Deutschen nach wie vor an erster Stelle. Knapp drei Viertel der Befragten (72%, 1999: 71%) ist TV persönlich wichtig oder sehr wichtig. Das Fernsehen ist in fast allen untersuchten Themenbereichen das Medium der ersten Wahl. Besonders bei Dokumentationen, Nachrichten, Unterhaltung und Sport ist es unangefochten das beliebteste Medium. Das Radio führt bei Verkehrsinformationen und Musik, wobei der Verkehrsfunk die unangefochtene Domäne des Hörfunks ist. Wenn es um Musik geht, bekommt das Radio jedoch starke Konkurrenz vom Fernsehen und dem Internet. TV-Kompetenz Politik Das Web hat dank des mp3-Booms das Fernsehen sogar überholen können. Die Kernkompetenzen der Tageszeitungen liegen in den Bereichen Wirtschaftsinformationen sowie lokalen und regionalen Nachrichten. Bei politischen Informationen sind die Printmedien jedoch mit weitem Abstand hinter dem Fernsehen nur zweite Wahl. Zu Zeitschriften greifen die Leser am ehesten für Gesundheitstipps, Erotik und Reiseinformationen. Bei letzteren konnten das Fernsehen und vor allem das Internet den Printmedien in den vergangenen Jahren den Rang ablaufen. Mittlerweile geht bereits jeder Dritte, der sich für Reisen interessiert, zuerst online, um sich zu informieren. Das Internet wird mittlerweile im Durchschnitt 49 Minuten pro Tag genutzt und hat damit Tageszeitungen (22 Minuten, 1999: 24) und Zeitschriften (15 Minuten, 1999: 15) in der Nutzungsdauer deutlich hinter sich gelassen. Internetnutzung verfünffacht Die im Internet verbrachte Zeit hat überproportional mit der Ausbreitung des Internets in der Bevölkerung zugenommen. Betrug die durchschnittliche Internet-Nutzungsdauer 1999 lediglich neun Minuten pro Tag, so hat sich dieser Wert mit 49 Minuten seitdem mehr als verfünffacht. Dabei hat kein anderes Medium substanziell an Nutzungsdauer eingebüßt. Das bedeutet, dass die Internet-Nutzung nicht zu Lasten von anderen Medien geht. Vielmehr ist die Fernseh-Nutzung seitdem um zehn Minuten gestiegen, und Radio wird jeden Tag sogar 17 Minuten länger gehört als noch vor vier Jahren. Internet schlägt Buch Mittlerweile ist den Deutschen zwischen 14 und 49 Jahren das Internet wichtiger als Bücher oder Zeitschriften. Dies geht aus der Untersuchung "TimeBudget 8", die seit fünf Jahren vom Marktforschungsinstitut forsa in Auftrag von SevenOne Media, dem Werbezeiten-Vermarkter der ProSiebenSat.1 Media AG, durchgeführt wird, hervor.
Die Deutschen wenden immer mehr Zeit für die Nutzung der Medien auf. Seit 1999 verbringen sie acht Stunden täglich mit Fernsehen, Internet, Radio und dem Lesen von Zeitschriften und Büchern.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/studie-zur-mediennutzung-acht-stunden-glotzen-und-surfen-1.907302
Studie zur Mediennutzung - Acht Stunden glotzen und surfen
00/05/2010
Einen Tag vor Bekanntgabe der Sparpläne des US-Konzerns General Motors (GM) für seine europäischen Marken Opel, Saab und Vauxhall formieren die Betriebsräte ihren Widerstand. Im deutschen Blickpunkt steht der Opel-Standort Rüsselsheim. Auch die Bundesregierung ist alarmiert. Die rund 62000 Beschäftigten an den europäischen GM-Standorten sollen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung auf massive Demonstrationen und Arbeitsniederlegungen eingestimmt werden. Anlass dafür sind Hinweise, dass in Europa bis zu 12000 Stellen gestrichen werden sollen, wobei GM auch betriebsbedingte Kündigungen aussprechen will. An den deutschen Opel-Standorten in Rüsselsheim und Bochum sind demnach zwischen 6000 und 7000 Arbeitsplätze akut gefährdet. "Das hat vor Ort natürlich schon für viel Aufregung gesorgt. Proteste gegen das radikale Vorgehen von GM sind kurzfristig möglich", erklärte ein mit den Vorgängen vertrauter Arbeitnehmervertreter. Keine Stellung beziehen wollte Klaus Franz, der Vorsitzender des Opel-Gesamtbetriebsrats und des Europäischen Arbeitnehmerforums von GM ist. Eine Konzernsprecherin von GM in Detroit verwies auf diesen Donnerstag. Dann werde das Unternehmen seine Zahlen für das dritte Quartal 2004 präsentieren und dabei auch auf die vorgesehenen Kostensenkungsprogramme eingehen. "Wir sehen uns mit sehr hohen Kosten in Westeuropa konfrontiert, vor allem in Deutschland und Großbritannien, und sind auf Schlüsselmärkten wie Deutschland in einer schwachen Position." "Viele Dinge müssen nachgeholt werden" Bei Opel in Rüsselsheim stehen derzeit noch rund 20000 Leute auf den Lohn- und Gehaltslisten, darunter etwa 6000 in der Produktion. Am Standort Bochum werden rund 10000 Beschäftigte gezählt. GM hat mit einer Werksschließung in Europa gedroht und dabei die Werke von Opel in Rüsselsheim und Saab im schwedischen Trollhättan genannt. Proteste im nationalen Alleingang werden von den Arbeitnehmervertretern jedoch "für wenig sinnvoll" gehalten, "weil das GM nur in die Karten spielen würde". Ihr weiteres Vorgehen wollen die Betriebsräte aller europäischen GM-Standorte am Donnerstag in Frankfurt beraten. Nach Angaben aus informierten Kreisen geht es dabei um die "Abstimmung europaweiter und gleichzeitig stattfindender Proteste an sämtlichen GM-Standorten". Nach Ansicht der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham Germany) muss die Entwicklung bei GM/Opel vor dem Hintergrund eines massiven Anpassungsdrucks in der Industrie gesehen werden. Viele Unternehmen hätten sich dem härteren weltweiten Wettbewerb mittlerweile angepasst, erklärte Geschäftsführer Dierk Müller im SZ-Gespräch. "Bei Opel müssen viele Dinge leider auf einmal nachgeholt werden." Die Handelskammer als Vertretung amerikanischer Firmen in Deutschland gehe aber davon aus, dass mit neuen Arbeitszeit- und Lohnmodellen "wesentliche Teile der Fertigung" in Rüsselsheim aufrechtzuerhalten seien. Clement: Keine finanziellen Hilfen für Rüsselsheim Die Bundesregierung stehe mit der Unternehmensleitung von Opel in ständigem Kontakt, hieß es in Regierungskreisen in Berlin. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) will sich für die Rettung des Standortes Rüsselsheim und der Arbeitsplätze stark machen. Allerdings stellte er klar, dass damit keine finanziellen Hilfen verbunden seien. Die Bundesregierung prüfe aber eine Beschwerde bei der EU-Kommission in Brüssel im Zusammenhang mit dem GM-Werk in Trollhättan. "Die Anzeichen mehren sich, dass die Schweden staatliche Hilfen erwägen. Wir werden sehr darauf achten, dass es fair bleibt", hieß es in Berlin. Rückendeckung für ihren zurückhaltenden Kurs erhält die Bundesregierung von Industrie-Präsident Michael Rogowski. "Die Politik sollte sich bei Opel 'raushalten", sagte der BDI-Chef der SZ. "Es hat keinen Sinn, wenn Entscheidungen fallen, die keinen ökonomischen Hintergrund haben."
Einen Tag vor Bekanntgabe der Sparpläne des US-Konzerns General Motors (GM) für seine europäischen Marken Opel, Saab und Vauxhall formieren die Betriebsräte ihren Widerstand. Im deutschen Blickpunkt steht der Opel-Standort Rüsselsheim. Auch die Bundesregierung ist alarmiert.
wirtschaft
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Radikale Sparpläne von General Motors - Betriebsräte gehen auf die Barrikaden
00/05/2010
Zeitgleich und in mehreren Bundesstaaten sind bei US-Gerichten Klagen gegen mehrere hundert Versender unerwünschter Werbemails eingereicht worden. Da sich auch Provider beteiligen, sind die Kläger zuversichtlich, die meisten Angeklagten identifizieren und belangen zu können. Seit langem ist Spam - die tägliche Massenflut unerwünschter Werbemails - ein Reizthema. Zuletzt wurde sogar über die Möglichkeit kostenpflichtiger E-Mails nachgedacht - minimale Beträge auf jede verschickte Botschaft sollen den Normalanwender kaum belasten, millionenfach verschickte Werbe-E-Mails aber unrentabel machen. Doch während diese Diskussion noch läuft, gehen Microsoft sowie die drei Provider AOL, Yahoo und Earthlink in einer gemeinsamen Aktion handfest gegen die verhassten Berufs-Spammer vor. Klagen gegen Spam Nach eigenen Angaben haben die Firmen gegen einige Hundert der bekanntesten Massenversender Klagen eingereicht. Hierbei berufen sich die Kläger auf das seit dem 1. Januar in den USA geltende Anti-Spam-Gesetz, welches Geldstrafen in Millionenhöhe vorsieht. Versender irreführender Werbung oder ungeschützter pornographischer Angebote müssen sogar mit Haftstrafen rechnen. Das Gesetz stellt auch häufig verwendete Taktiken, in denen zum Beispiel die Adresse verschleiert wird, irreführende Betreffzeilen verwendet oder Absenderadressen gefälscht werden, unter Strafe. Allseits Optimismus Die klagenden Unternehmen sind sehr optimistisch, die meisten Versender aufspüren zu können. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten die vier Konzerne zusammen und haben bereits Informationen ausgetauscht. Ziel der Aktion sollen vor allem die größten Spammer sein, die täglich Millionen Werbemails versenden. Wobei das Wort "Werbemail" noch beschönigt: im wesentlichen werden in Spams Penisverlängerungen, Viagra, Kredite zu Wucherzinsen oder ähnlich unseriöse Angebote beworben. Ob der Empfänger dabei der englischen Sprache mächtig ist (schätzungsweise 99 Prozent aller Spams dürften in englisch verfasst sein), oder ob er das Angebot überhaupt wahrnehmen kann, interessiert den Absender dabei nicht im geringsten. Spam - Geißel des Internets Hauptgrund der Klage ist zum einen die immer größere Verbreitung von Spam - weit über die Hälfte der täglichen verschickten E-Mails besteht inzwischen aus dieser unerwünschten Werbung. Ins Visier gerät man schnell: Eine einfache Registierung selbst auf einer harmlosen und durchaus seriösen Internet-Seite kann genügen, und schon wird der angegebene E-Mail-Account auf unabsehbare Zeit mit Spam geflutet. Zum anderen sind die wirtschaftlichen Schäden inzwischen immens. Der Software-Hersteller Trend Micro schätzt den weltweit entstehenden Schaden (Zeitverlust, unerwünschte Dialer-Einwahl, Spamschutzprogramme, Serverbelastung) auf 55 Milliarden US-Dollar allein für das Jahr 2004.
Zeitgleich und in mehreren Bundesstaaten sind bei US-Gerichten Klagen gegen mehrere hundert Versender unerwünschter Werbemails eingereicht worden. Da sich auch Provider beteiligen, sind die Kläger zuversichtlich, die meisten Angeklagten identifizieren und belangen zu können.
wirtschaft
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Microsoft, AOL und Co. machen Ernst - Hunderte Spammer verklagt
00/05/2010
Damit der neue Geländewagen in Wolfsburg produziert wird, hat die Gewerkschaft eine bittere Pille geschluckt. Dennoch wird bei VW weiter Personal abgebaut werden. Der neue VW-Geländewagen wird ab 2007 im Wolfsburger Stammwerk und nicht im Ausland gebaut. Darauf haben sich Konzernspitze und Betriebsrats in der Nacht zum Dienstag geeinigt. Detailansicht öffnen Neben dem "Touran" wird bald auch der "Marrakesch" in Wolfsburg gebaut werden. (Foto: Foto: ddp) Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh begrüßte, dass damit die Beschäftigung für mehr als 1000 Mitarbeiter gesichert werden konnte. Wie Volkswagen mitteilte, wurden in den Verhandlungen die Herstellungskosten um rund 850 Euro pro Fahrzeug gesenkt. Außerdem wurde der Bau von zwei weiteren Modellen in den Werken Emden und Wolfsburg vereinbart. Verhandlungen in der Nacht Der kompakte Geländewagen wird nun in der Auto 5000 GmbH gefertigt. Deren Mitarbeiter, die bereits den "Touran" fertigen, erhalten dafür einen Monatslohn von 2556 Euro, rund 20 Prozent weniger als nach Haustarifvertrag. Damit hat sich der Vorstand gegen die Gewerkschaft durchgesetzt, die möglichst viele Beschäftigte unter dem Dach des Haustarifes halten wollte. Über die Produktion des Geländewagens hatten Konzernvorstand und Betriebsrat die ganze Nacht verhandelt. Wegen der hohen Stückkosten in Wolfsburg hatte die Konzernführung erwogen, den Geländewagen in Portugal zu produzieren. Im dortigen Werk Palmela lägen die Kosten 1.000 Euro niedriger. VW-Markenchef Wolfgang Bernhard nannte es entscheidend, dass der kompakte Geländewagen nun zu wettbewerbsfähigen Bedingungen gefertigt und exportiert werden könne. Einer der Hauptmärkte für das Auto sind die USA. Zusage auch für Emden Bernhard sagte zudem die Fertigung eines weiteren Modells ab 2008 in Emden zu. Dazu soll den Angaben zufolge der Haustarifvertrag des Werkes geändert werden. Voraussetzung sei das "Erreichen der Wirtschaftlichkeit des Fahrzeugs". Es gilt als sicher, dass auch an dieser Stelle Personalkosten gespart werden sollen. Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte vor mehreren Wochen darauf hingewiesen, dass der Export des Modells Passat aus Emden in die USA Verluste einfahre. Unternehmensleitung und Betriebsrat beschlossen außerdem, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Wolfsburg weiter zu verbessern, um auf dieser Basis ein zusätzliches Modell am Stammsitz herzustellen. Entscheidungen dazu stünden aber noch aus. Schlechte Auslastung Bisher leidet Wolfsburg unter der schlechten Auslastung von nur rund 70 Prozent. Dennoch wird bisher keine zusätzliche Produktion in das niedersächsische Werk verlagert, weil die Personalkosten zu hoch sind. Zur Produktion des kleinen SUV soll nach Konzernangaben die bestehende Belegschaft der Auto 5000 GmbH durch rund 1.000 Auszubildende der Abschlussjahrgänge 2006 und 2007 verstärkt werden. Die Auszubildenden werden laut VW zu den Konditionen der Auto 5000 eingestellt, erhalten jedoch bei Personalbedarf der Volkswagen AG dort eine Wiedereinstellungszusage. Mit der Übernahme von Auszubildenden nicht in den Haustarif sondern durch die Auto 5000 GmbH wird erstmals der Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung aufgeweicht. Den hatte im Herbst vergangenen Jahres noch der damalige und inzwischen zurückgetretene Personalvorstand Peter Hartz mit der IG Metall ausgehandelt. Die jetzt gefundene Einigung dürfte zugleich bei allen künftigen Produktionsentscheidungen des Konzerns die Richtschnur für eine Vergabe an die deutschen Werke sein. Weiterhin Jobabbau Die Einigung bedeutet einen weiteren Schritt auf dem Weg von Pischetsrieder zur Senkung der Kosten um sieben Milliarden Euro bis 2008. VW will aber weiter über Vorruhestand und Abfindungen mehrere tausend Jobs streichen, vor allem in Wolfsburg. Ein Scheitern der Geländewagen-Verhandlungen hätte den Personalüberhang noch vergrößert. Die Marke VW steckt in den roten Zahlen, soll aber noch dieses Jahr wieder über die Gewinnschwelle kommen.
Damit der neue Geländewagen in Wolfsburg produziert wird, hat die Gewerkschaft eine bittere Pille geschluckt. Dennoch wird bei VW weiter Personal abgebaut werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einigung-bei-volkswagen-mitarbeiter-akzeptieren-20-prozent-weniger-lohn-1.902500
Einigung bei Volkswagen - Mitarbeiter akzeptieren 20 Prozent weniger Lohn
00/05/2010
Die SAP-Mitarbeiter fühlen sich von den drei Befürwortern eines Betriebsrats überfahren. Kommt er nun oder kommt er nicht? Die Chancen dafür, dass das einzige der 30 Dax-Unternehmen ohne Betriebsrat doch noch einen solchen einrichten wird, schwinden von Tag zu Tag. Europas größter Softwarekonzern SAP, Weltmarktführer unter den Herstellern von Unternehmenssoftware, wird wohl auch in dieser Hinsicht das bleiben, was er dem eigenen Selbstverständnis nach seit 34 Jahren ist: "...keine Firma wie jede andere, sondern etwas ganz Besonderes." So formulierten es die drei SAP-Mitarbeiter und Gewerkschaftsmitglieder Eberhard Schick, Ralf Kronig und Johannes Reich in ihrer E-Mail an die 9000 Köpfe starke Belegschaft in Walldorf und St. Leon-Rot. "Was soll mit Betriebsrat besser gehen" In ihrer Mail erklären die Initiatoren, warum sie vor dem Arbeitsgericht Mannheim die Einsetzung eines Wahlvorstands - also sich selbst - beantragt haben, wie es Paragraph 17 des Betriebsverfassungsgesetzes erlaubt. Aus ihrer Sicht bringt nämlich nur ein Betriebsrat "die erforderliche Transparenz und rechtliche Absicherung unserer Interessenvertretung". Aber wie und warum genau, das bleibt für die Beschäftigten im Dunkeln. Zwei Wochen tobt bereits der Nervenkrieg im Hause SAP, und wenn man sich in diesen Tagen unter Mitarbeitern umhört, fallen immer wieder dieselben Worte: Überraschungsangriff, überfahren, dilettantisch. Gar nicht mal der Plan als solcher, einen Betriebsrat einzurichten, bringt die Belegschaft auf die Palme. Es scheint vielmehr die Art und Weise, wie ihnen dieser erneute Vorstoß des von der IG Metall Heidelberg unterstützten SAP-Trüppchens nahe gebracht wurde. "Auch auf der Betriebsversammlung haben wir immer nur gehört, dass Recht und Gesetz nun mal auf der Seite derer stünden, die einen Betriebsrat wünschten", sagt ein Produktmanager, der seinen Namen nicht nennen möchte. Wie überhaupt in dieser heißen Phase der Debatten bei SAP pro und contra Arbeitnehmervertretung sich keiner öffentlich aus dem Fenster hängen will. Von den drei ursprünglichen Initiatoren haben bereits zwei einen Rückzieher gemacht und sich ersetzen lassen. Sie wollen im Moment mit niemandem mehr sprechen. Dass auf jener Betriebsversammlung am 2. März nur 509 von den anwesenden 5632 SAP-Mitarbeitern für die Einrichtung eines Wahlvorstands votiert haben, erklärt sich ein anderer Teilnehmer so: "Wir hätten schon gerne gewusst, was bei SAP mit Betriebsrat besser funktionieren würde als jetzt. Aber Fehlanzeige." Nicht wenige hätten den Eindruck, dass Betriebsrats-Befürworter im Vordergrund und die IG Metall im Hintergrund anfangs "zu ideologisch" herangegangen wären, und jetzt, nachdem die Euphorie verflogen sei, in Argumentationsnöte geraten und abgetaucht seien. Niemand wird "unterdrückt und ausgebeutet" Was die Metaller aus der Heidelberger Geschäftstelle anbetrifft, so versuchen die, sich so unsichtbar wie möglich im Hintergrund zu halten, um nicht noch mehr Angriffsfläche zu bieten. "Die Aggressivität der SAP-Kollegen springt einen regelrecht an", stöhnt Geschäftsführer Mirko Geiger, bei dem Hunderte von empörten E-Mails eingegangen sind. Deren Grundtenor lautet durchgängig, die IG Metall habe bei SAP nun wirklich nichts zu suchen, weil dort niemand "unterdrückt und ausgebeutet wird". Wer keine Erfahrungen mit Gewerkschaften im eigenen Hause hat und sie nur über die sattsam bekannte öffentliche Konfliktrhetorik kennen gelernt hat, kann wohl auch kaum zu anderen Schlüssen kommen. Als Erste-Hilfe-Maßnahme wollen die drei Initiatoren mit Unterstützung der Gewerkschaft jetzt Informationsveranstaltungen organisieren, auf denen Betriebsräte aus der Branche, etwa Siemens oder Hewlett-Packard, über die Vorteile dieser Form der Mitbestimmung berichten sollen. Umgekehrt wäre es wohl vorteilhafter gewesen: Erst die breite Diskussion über Betriebsratsarbeit, dann zur Betriebsversammlung laden und die Belegschaft abstimmen lassen. Der von der Belegschaft so empfundene Schnellschuss der Betriebsrats-Befürworter könnte durchaus nach hinten losgehen. So prüfen die Hausjuristen bei SAP derzeit, ob die für Mitte April erwartete Entscheidung des Mannheimer Arbeitsgerichts angefochten werden und notfalls vor das Bundesverfassungsgericht getragen werden soll. Das würde die Pläne des Trios immerhin verzögern. Aber in der Sache teilt Klaus Hennemann, Vorsitzender Richter am Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, die Argumentation der drei SAPler: "Die Wahl eines Betriebsrats steht weder im Belieben des Arbeitgebers, noch ist sie an ein vorheriges Votum der Belegschaft gebunden." So lauten nun mal die klaren rechtlichen Vorgaben.
Die SAP-Mitarbeiter fühlen sich von den drei Befürwortern eines Betriebsrats überfahren.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dilettantisch-ueberraschungsangriff-auf-die-belegschaft-1.898660
"""Dilettantisch"" - Überraschungsangriff auf die Belegschaft"
00/05/2010
Die Mediengruppe WAZ kauft die Braunschweiger Zeitung. Damit finden zwei Unternehmen zusammen, die wirtschaftlich gut dastehen - und trotzdem häufig unterschätzt werden. Vor beinahe einem Jahrzehnt mühte sich die WAZ-Mediengruppe um den Einstieg bei der Braunschweiger Zeitung - der Versuch scheiterte. Die Essener bekamen jetzt eine neue Gelegenheit. Diesmal klappte es: Am gestrigen Montagnachmittag trafen sich Vertreter beider Verlagshäuser beim Notar: Die WAZ-Gruppe erwarb für ungefähr 160 Millionen Euro 75 Prozent des Braunschweiger Zeitungsverlags. Der Zukauf der restlichen 25 Prozent, die sich noch im Besitz der Nord/LB Girozentrale befinden, ist Formsache. Der Gesamtpreis wird dann bei etwa 210 Millionen Euro liegen. Ein Politikum Es ist ein stilles Bietergefecht gewesen: Daran beteiligt hatten sich auch die Bauer-Verlagsgruppe, der Springer-Verlag, das Kölner Zeitungshaus DuMontSchauberg und die BV Deutsche Zeitungsholding des britischen Finanzinvestors David Montgomery (Berliner Zeitung, Hamburger Morgenpost). Der bevorstehende Verkauf an die WAZ-Gruppe war aus Sicht der niedersächsischen CDU offensichtlich ein Politikum. Christdemokratische Parteigrößen sollen bei der Nord/LB-Girozentrale vorstellig geworden sein, um Springer zu protegieren. Nicht nur in Hannover, der niedersächsischen Hauptstadt, pflegt mancher das Vorurteil, die im Ruhrgebiet beheimatete WAZ-Gruppe sei linksorientiert. Das ist ein Irrtum. Selbst die SPD war dort niemals links. Ausgelöst hatte den Verkaufsvorgang die Bank. Im Frühjahr 2006 erklärten Manager der Nord/LB-Girozentrale, ihr Geldhaus wolle sich vom 25-Prozent-Anteil trennen. Daraufhin hatten bei den Gesellschaftern der Hamburger Verlegerfamilie Voigt, die den Hauptanteil am Braunschweiger Zeitungshaus besitzt, Verkaufsüberlegungen eingesetzt. Nun kommen zwei Verlagshäuser zusammen, die durch überragende Renditen auffallen und dennoch oft unterschätzt werden. Nicht nur im Ruhrgebiet stark vertreten Die WAZ-Gruppe ist zwar der größte europäische Regionalzeitungsverlag (16.000 Beschäftigte, ungefähr zwei Milliarden Euro Umsatz), galt aber lange als eine lokale Größe, die mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, der Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung, der Westfälischen Rundschau und der Westfalenpost allenfalls das Ruhrgebiet beherrscht. Dabei ist der Konzern mittlerweile in Thüringen (Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung, Ostthüringer Zeitung) und in Österreich (Kurier, Krone) stark vertreten. Außerdem rollt er in Ungarn, Bulgarien, Kroatien, Rumänien, Serbien, Montenegro und Mazedonien den Markt auf und ist an Zeitschriften wie Gong, Ein Herz für Tiere und Das Goldene Blatt beteiligt. Insgesamt gehören zur WAZ-Mediengruppe 38 Tageszeitungen, 108 Publikums- und Fachzeitschriften sowie 133 Anzeigenblätter - europaweit Der Braunschweiger Zeitungsverlag ist in der Region zwischen Harz und Heide so stark wie die WAZ im Revier. In Braunschweig ist das Blatt ohne jede Konkurrenz. Die Rendite (zuletzt fast 175.000 verkaufte Exemplare täglich, davon fast 156.000 im Abonnement) wird auf 14 Prozent taxiert. Schon vor 39 Jahren war in einem überregionalen Blatt über die Braunschweiger Zeitung zu lesen: Sie könne ,,von sich sagen, dass sie kerngesund'' sei. Signal für den Wettbewerb Das gilt, zumindest für den Verlag, bis heute. Die Redaktion wird ein bisschen kurz gehalten. Das kennen WAZ-Leute auch. Einer der Bieter erklärte nach einem Blick in die Bücher, bei solchen Angeboten rechne normalerweise der Verkäufer seine Zahlen schön. In Braunschweig aber sei das anders gewesen: Die Zahlen seien noch besser gewesen, als der Braunschweiger Verlag sie angegeben hatte. Besonders imponierend: der hohe, verlässliche Stamm der Abonnenten. Der Besitzerwechsel der Braunschweiger Zeitung ist ein Signal für den Wettbewerb. Größere Zeitungsverkäufe stehen an. Manche alteingesessene Verlegerfamilie fürchtet sich vor den Erfordernissen der neuen Zeit mit dem Nebeneinander von Online und Print. Ausländische Finanzinvestoren interessieren sich für den deutschen Markt. Diesmal kamen die Finanzinvestoren der BV Deutsche Zeitungsholding nicht zum Zuge. Sie hatten einen so dicken Vertragsentwurf mit vielen Klauseln aufgesetzt, dass die hanseatischen Kaufleute der Verlegerfamilie Voigt schon beim Lesen die Lust verloren. Springer soll bei circa 190 Millionen Euro (Gesamtpreis) ausgestiegen sein. Die Hamburger Bauer-Verlagsgruppe schied schon aus kartellrechtlichen Gründen aus. Im Osten grenzt Bauers Magdeburger Volksstimme an das Vertriebsgebiet der Braunschweiger Zeitung. Kartellrechtliche Probleme muss die WAZ-Mediengruppe, die jetzt im Norden der Republik einen neuen Markt erschließen will, nicht fürchten. Eine Voranfrage beim Kartellamt verlief positiv.
Die Mediengruppe WAZ kauft die Braunschweiger Zeitung. Damit finden zwei Unternehmen zusammen, die wirtschaftlich gut dastehen - und trotzdem häufig unterschätzt werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ende-eines-stillen-bietergefechtes-waz-erobert-niedersachsen-1.901734
Ende eines stillen Bietergefechtes - WAZ erobert Niedersachsen
00/05/2010
In den nächsten zwei Jahren will das Geldinstitut weitere 4700 Stellen einsparen - betroffen ist vor allem der IT-Bereich. Das kündigte Vorstandschef Herbert Walter am Donnerstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen an. Um den angestrebten positiven Ergebnisbeitrag für die Allianz zu liefern, werde der Verwaltungsaufwand noch einmal nachhaltig gesenkt. Kostensenkungen von 1 Milliarde Euro bis 2005 seien unumgänglich. Im ersten Halbjahr kehrte die Allianz-Tochter operativ in die schwarzen Zahlen zurück. Bisher hatte die Dresdner Bank in drei Phasen den Abbau von insgesamt 11.000 Jobs angekündigt. Rund 9.000 sind schon weggefallen. Der Schwerpunkt der erneuten Stellen-Streichungen werde in der Verwaltung liegen, kündigte Walther an. Kostensenkung vor allem im IT-Bereich Hauptbetroffener ist hier der IT-Bereich, der mit Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Euro den Hauptteil der Kostensenkungen schultert. Weitere 230 Millionen sollen insgesamt in den Bereichen Kommunikation, Marketing, Personalabteilung, Finanzen und Controlling eingespart werden. Das Filialnetz mit rund 800 Geschäftsstellen bleibe jedoch erhalten, betonte Walter. Er äußerte sich zuversichtlich, dass es der Stellenabbau der Bank mit der neuerlichen Abbauwelle endgültig abgeschlossen sein werde. Zudem will das Unternehmen bis Mitte kommenden Jahres ein neues Geschäftsmodell umsetzen und so die Wettbewerbsposition der Bank bis Ende 2004 deutlich verbessern. Dabei sollten in Zukunft verstärkt Doppelungen abgebaut und Synergien mit der Konzernmutter Allianz genutzt werden, betonte Walter. Künftig wird zwischen strategischem und nicht-strategischen Geschäftsbereich getrennt. Verlust von 450 Millionen Euro Im ersten Halbjahr wies das Institut ein operatives Ergebnis von 7 Millionen Euro aus, nach minus 873 Millionen Euro im Vorjahr. Wegen hoher Restrukturierungsaufwendungen verzeichnete die Bank vor Steuern allerdings einen deutlichen Verlust von 450 Millionen Euro, nach einem bereinigten Gewinn von 236 Millionen Euro im Vorjahr. Nach Steuern blieb ein mageres Plus von 25 Millionen Euro (Vorjahr: 512 Millionen Euro). Die operativen Erträge nach Risikovorsorge stiegen angesichts der Erholung an den Aktien- und Kreditmärkten um rund 12 Prozent auf 3 Milliarden Euro. Vor allem das Handelsergebnis verzeichnete einen deutlichen Sprung um 150,6 Prozent auf 1,085 Milliarden Euro. Rückgänge gab es dagegen beim Zinsüberschuss (minus 23,5 Prozent) und beim Provisionsüberschuss (minus 15,2 Prozent). Deutlich reduzieren konnte die Bank die Risikovorsorge im Kreditgeschäft und zwar um ein Drittel auf 699 Millionen Euro. Sie liege damit im Rahmen der Erwartungen für das Gesamtjahr, erklärte das Institut. Der Verwaltungsaufwand verringerte sich um 16 Prozent auf knapp 3 Milliarden Euro. Das Kosten-Ertragsverhältnis sei jedoch immer noch 10 bis 15 Prozent zu hoch, betonte Walter. Der Vorstandschef sagte, die Bank dürfe sich nicht auf dem Ergebnis ausruhen. "Das Schiff fährt in die richtige Richtung", sagte er. Man habe aber noch eine Menge Herausforderungen vor sich. "Wir müssen unser Geschäft wetterfest machen, um eine Basis für profitables Wachstum zu legen."
In den nächsten zwei Jahren will das Geldinstitut weitere 4700 Stellen einsparen - betroffen ist vor allem der IT-Bereich.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/personalabbau-dresdner-bank-verschaerft-den-sparkurs-1.898591
Personalabbau - Dresdner Bank verschärft den Sparkurs
00/05/2010
An Interessenten für den insolventen Handy-Hersteller BenQ Mobile mangelt es nicht: Jetzt klopft eine Hamburger Firma an, die ihre Mitarbeiterzahl durch die Übernahme allerdings mehr als verzehnfachen würde. Für den insolventen Handyhersteller BenQ Mobile hat sich ein weiterer Übernahme-Interessent gemeldet. Die Hamburger Bacoc-Gruppe will das Unternehmen kaufen. "Wir werden bis 19. Januar ein Angebot abgeben", sagte Bacoc-Chef Stefan Baustert dem Handelsblatt. Derzeit werde an den Details der Offerte gearbeitet. Detailansicht öffnen Ein Frau geht am geschlossenen Haupteingang des BenQ-Mobile-Werkes in Kamp Lintfort vorbei. (Foto: Foto: ddp) Eine Sprecherin von Insolvenzverwalter Martin Prager bestätigte Gespräche mit dem Unternehmen, das Notebooks und Taschencomputer vertreibt und Speichermedien produziert. Ein abgesicherter Finanzierungsplan liege aber noch nicht vor, sagte die Sprecherin. Neben Bacoc gebe es eine Reihe anderer Interessenten. 1000 Arbeitsplätze blieben erhalten Bacoc will laut Handelsblatt die BenQ-Zentrale in München schließen und nur das Werk im nordrhein-westfälischen Kamp-Lintfort weiter betreiben. Von den ehemals 3000 Arbeitsplätzen sollen nach Angaben von Baustert 1000 erhalten bleiben. Ziel der Übernahme sei es, das eigene Produktspektrum mit Handys abzurunden und dafür die Entwicklungen von BenQ zu nutzen. Dieses Jahr sollen mindestens 4,5 Millionen Handys abgesetzt werden. Wie andere Interessenten auch bemüht sich Bacoc um eine Landesbürgschaft in Nordrhein-Westfalen. Dies bestätigte das Wirtschaftsministerium. Insgesamt hätten 15 potenzielle Investoren angefragt. Kleiner Mittelständler Die Bacoc-Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben 100 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von 95 Millionen Euro. Unterdessen verlange der ernsthafteste Interessent bis zum 16. Januar eine Entscheidung, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch aus Verhandlungskreisen.
An Interessenten für den insolventen Handy-Hersteller BenQ Mobile mangelt es nicht: Jetzt klopft eine Hamburger Firma an, die ihre Mitarbeiterzahl durch die Übernahme allerdings mehr als verzehnfachen würde.
wirtschaft
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Kühne Pläne in Hamburg - Mittelständler interessiert sich für BenQ Mobile
00/05/2010