text
stringlengths
276
36k
summary
stringlengths
47
1.39k
topic
stringclasses
21 values
url
stringlengths
36
209
title
stringlengths
4
133
date
stringclasses
108 values
Das Europaparlament hat die Zulassung eines Enzyms für Klebefleisch verboten. Thrombin besteht aus Schweineblut und wird zum Zusammenkleben von Fleischresten benutzt. Ist es bloß ein technischer Hilfsstoff bei der Fleischverarbeitung oder einfach nur ekelhaft? Das Europaparlament hat die Zulassung eines umstrittenen Enzyms bei der Herstellung von Klebefleisch gestoppt. Thrombin darf dabei nicht als Lebensmittelzusatzstoff eingesetzt werden. Es dient dazu, kleine Fleischstückchen zusammenzukleben, die dann etwa wie ein Schinken aussehen. Detailansicht öffnen Wurstauslage beim Metzger: Mit bloßem Auge ist echter Schinken von Imitaten kaum zu unterscheiden. (Foto: Foto: AP) Mit dem Veto wandte sich die Straßburger Volksvertretung gegen eine mögliche Irreführung der Verbraucher. Ein aus Fleischresten zusammengeklebter Schinken soll nicht als hochwertiger Vollschinken verkauft werden dürfen, befanden die Parlamentarier. EU-Kommission muss neuen Entwurf vorlegen Damit ist der Vorschlag der EU-Kommission zunächst vom Tisch, das Enzym Thrombin EU-weit als Lebensmittelzusatzstoff zuzulassen. Sie muss nun einen neuen Entwurf vorlegen. Vertreter der Grünen im Deutschen Bundestag begrüßten das Votum. Dies sei eine "wichtige Entscheidung, um die weitere Pervertierung unserer Lebensmittelproduktion zu stoppen", sagte die Sprecherin für Ernährungspolitik, Uli Höfken. Die Verbraucherorganisation Foodwatch befürchtet, dass Klebefleisch damit nicht vom Tisch ist. "Andere Substanzen machen diese Praxis weiter möglich", sagte Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. Er forderte von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU), sich für ein EU-weites Verbot von Imitat-Schinken einzusetzen. Der Deutsche Bauernverband appellierte an die Schinkenhersteller, sich zum Original zu bekennen. "Ein Steak soll ein Steak bleiben" EU-Gesundheitskommissar John Dalli hatte noch für die Zulassung von Thrombin geworben. Es sei gesundheitlich unbedenklich. Das Enzym wird auch in Deutschland in Wurstwaren als "technischer Hilfsstoff" verwendet. In Deutschland ist es jedoch bislang ohnehin verboten, zusammengeklebte kleine Fleischreste als vollwertigen Schinken zu bezeichnen. Vor allem Grüne und Sozialdemokraten im Europaparlament stimmten gegen die Zulassung mit dem Argument, dass das Zusammenkleben kleinster Fleischteile unappetitlich und eine klare Täuschung der Verbraucher sei. "Ein Steak soll ein Steak bleiben", sagte der SPD-Europaparlamentarier Jo Leinen. Dagegen sagte der FDP-Abgeordnete Holger Krahmer, Thrombin und ähnliche Zutaten tierischen Ursprungs würden von Metzgern "seit Jahrhunderten" für die Herstellung von Blut- und Leberwurst verwendet.
Das Europaparlament hat die Zulassung eines Enzyms für Klebefleisch verboten. Thrombin besteht aus Schweineblut und wird zum Zusammenkleben von Fleischresten benutzt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lebensmittel-europaparlament-stoppt-fleischkleister-1.946922
Lebensmittel - Europaparlament stoppt Fleischkleister
00/05/2010
Bei allem Krisengerede gibt es sie noch, die positiven Nachrichten: Die Konjunktur trotzte in Deutschland dem harten Winter und sogar der Euro zog wieder deutlich an. Die positiven Signale für die deutsche Wirtschaft mehren sich. Im ersten Quartal 2010 legte sie trotz des harten Winters zu - das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im Vergleich zum Vorquartal um real 0,2 Prozent. Detailansicht öffnen Großrohrwerk in Rostock: Der Maschinenbau mit seiner Exportstärke erwies sich einmal mehr als Stütze der Konjunktur. (Foto: Foto: dpa) Das Statistische Bundesamt bestätigte damit seine Schätzung von Anfang Mai. Der Aufwärtstrend setzte sich fort, wenn auch etwas abgeschwächt. Im letzten Quartal 2009 lag das Wachstum ebenfalls bei 0,2 Prozent, davor waren es im zweiten Quartal 0,4 und im dritten Quartal 0,7 Prozent. Für das laufende Vierteljahr rechnen Ökonomen mit einem kräftigen BIP-Wachstum um mehr als ein Prozent. Wachstumsimpulse gab es in den ersten drei Monaten des Jahres 2010 unter anderem durch die Exporte, die um 2,6 Prozent zulegten. Allerdings zogen die mit 6,1 Prozent noch stärker gestiegenen Importe den Außenbeitrag insgesamt ins Minus. Als Bremsfaktoren erwiesen sich ein schwacher Konsum und sinkende Bauinvestitionen. Euro über 1,26 Dollar Nach Einschätzung von Analysten profitierte der Export auch von der jüngsten Euro-Schwäche. Die europäische Gemeinschaftswährung erholte sich zuletzt aber spürbar von ihrem Sinkflug der vergangenen Wochen und stieg über die Marke von 1,26 Dollar. Im frühen Freitagshandel kostete der Euro 1,2615 Dollar, nachdem er am Vortag im Tief bei 1,23 Dollar notiert hatte. Ein Dollar war damit 0,7927 Euro wert. Experten nannten mehrere Gründe für den festeren Euro. So wurde zum einen auf Spekulationen über Deviseninterventionen von Zentralbanken verwiesen. Darüber hinaus scheint es der Markt zusehends zu honorieren, dass sich die europäische Politik der Verschuldungsproblematik nachhaltig widmet. "Es macht sich so etwas wie Optimismus breit, dass die Politiker in Europa die Lage langsam in den Griff bekommen", hieß es bei der Commerzbank. Optimismus für das zweite Quartal Analysten bewerteten die Zahlen in ersten Reaktionen verhalten positiv: "Auf den ersten Blick sieht es besser aus als ursprünglich gedacht. Die Qualität ist aber immer noch schwach", sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Der Lageraufbau habe deutlich zum Wachstum beigetragen, diese Investitionen seien aber sehr volatil. Sie erwarte, dass das zweite Quartal deutlich besser werde, sagte Kastens. "Dafür sprechen die guten Auftragseingänge. Auch sei die Kapazitätsauslastung wieder gestiegen. Die Ausrüstungsinvestitionen werden ebenfalls leicht anziehen." Alexander Koch von Unicredit verwies auf die Wettereinflüsse, die vor allem auf dem Bau gebremst hätten. "Hier sind aber Nachholeffekte für das zweite Quartal zu erwarten. Auch die jüngsten Industriedaten legen nahe, dass wir im Frühjahr ein kräftiges Wachstum sehen werden", sagte der Analyst. Positiv interpretierte Koch die die stark gestiegenen Importe. Diese flössen zu einem großen Maße wieder in die Produktion und die Exporte ein. Optimistisch gab sich Koch auch in Hinblick auf den privaten Konsum. Dieser werde sich wieder bessern; die jüngste Schwäche hier habe mit dem Auslaufen der Abwrackprämie zu tun. "Deswegen erwarten wir eine Verbesserung im Frühjahr, wir rechnen mit einem Wachstum von 0,9 Prozent", sagte der Experte. Der Schuldenkrise in Griechenland gewann Koch für den Augenblick positive Aspekte ab. Denn die deutsche Wirtschaft profitierte noch vom schwachen Euro. "Die schon eingeschlagenen Sparanstrengungen und weitere Kürzungen in anderen Ländern werden sich später aber dämpfend auswirken", sagte er. Ifo-Index überraschend schwächer Die jüngsten Entwicklungen im Euroraum könnten auch dazu beigetragen haben, dass sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Mai ganz leicht eingetrübt haben. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ging überraschend von 101,6 Punkten im April minimal auf 101,5 Punkte zurück, wie das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung mitteilte. Damit habe der Index nahezu auf dem Niveau des Vormonats verharrt, erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. "Die wirtschaftliche Erholung in Deutschland erweist sich als robust." Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Die meisten Experten hatten mit einem erneuten Anstieg des Konjunkturbarometers gerechnet.
Bei allem Krisengerede gibt es sie noch, die positiven Nachrichten: Die Konjunktur trotzte in Deutschland dem harten Winter und sogar der Euro zog wieder deutlich an.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/konjunktur-lichtblick-im-jammertal-1.946571
Konjunktur - Lichtblick im Jammertal
00/05/2010
Das Sony Center gelangt in koreanische Hände, Liz Mohn ist preisverdächtig - und Bahn-Chef Grube investiert in neue ICE-Toiletten. Wichtiges in Kürze. Koreas Pensionsfonds übernimmt Berliner Sony Center Detailansicht öffnen Markante Optik: Das Sony Center in Berlin erhält einen neuen Besitzer. (Foto: Foto: dpa) Der Verkauf des Berliner Sony Centers ist unter Dach und Fach: Im Juni übernimmt der staatliche südkoreanische Pensionsfonds NPS den Bürokomplex am prestigeträchtigen Potsdamer Platz, wie der beauftragte Projektentwickler Hines Deutschland in Berlin mitteilte. Verkäufer ist ein Konsortium um einen Immobilienfonds der US-Investmentbank Morgan Stanley, die in der Finanzkrise herbe Verluste machte und Staatshilfe in Anspruch nahm. NPS (National Pension Service) hatte den Kaufpreis kurz vor Abschluss der Verhandlungen vor drei Wochen auf 850 Milliarden Won (etwa 572,6 Millionen Euro) beziffert. Der japanische Unterhaltungskonzern Sony hatte das Wohn-, Arbeits- und Unterhaltungszentrum auf dem früheren Grenzstreifen zwischen West- und Ost-Berlin für 1,5 Milliarden Mark (767 Millionen Euro) errichtet, im Jahr 2000 eröffnet und Anfang 2008 für 600 Millionen Euro verkauft. Das Ensemble aus acht Bürohäusern mit 115.000 Quadratmetern Mietfläche fällt besonders durch seine Kuppel auf - ein überdimensionales Zelt aus Stahl und Glas, unter dem sich täglich Touristen tummeln. Zu den Mietern zählt die Deutsche Bahn, deren Konzernzentrale die übrigen Hochhäuser überragt. Das zweite große Ensemble am Potsdamer Platz sind die für vier Milliarden Mark (2,05 Milliarden Euro) errichteten 19 Gebäude der Daimler-City mit Büros, Wohnungen, Kinos, Musical-Theater, Spielcasino und zahlreichen Läden und Restaurants. Der Autobauer Daimler verkaufte den Komplex Ende 2007 an die schwedische SEB-Bank. Bahn-Chef investiert und renoviert Die Deutsche Bahn will in diesem Jahr mit der Überholung ihrer ICE-Flotte beginnen. Ab November solle ein Fünftel der Züge rundum erneuert werden, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Die Züge sollen demnach neue Sitze, neue Bistros und neue Toiletten bekommen. In älteren Zügen sollen zum Beispiel auch die Kaffee-Maschinen ersetzt werden. "Wir packen die Dinge an: Stück für Stück, Schritt für Schritt", sagte Grube. "Verbesserungen dauern, aber sie kommen." Für die Überholung der gesamten ICE-Flotte will die Bahn demnach rund 100 Millionen Euro ausgeben. Lob und Ehre für Liz Mohn Bertelsmann-Erbin Liz Mohn, der Generaldirektor der Welthandelsorganisation (WTO), Pascal Lamy, und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman erhalten den Weltwirtschaftlichen Preis 2010. Das teilten das Institut für Weltwirtschaft (IfW), die Landeshauptstadt Kiel und die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein mit. Geehrt werden jedes Jahr Persönlichkeiten, die sich durch Dialogbereitschaft und "ihr Eintreten für eine auf Eigenverantwortung basierende, sozial verantwortungsvolle Gesellschaft auszeichnen", teilten die Veranstalter mit. Die Preise werden am 20. Juni überreicht, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) soll die Festansprache halten. Fix zurück ins Werk Der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestlé ruft löslichen Kaffee der Marke Nescafe aus mehreren europäischen Märkten zurück. "Einige mit einer Plastikbeschichtung versehene Gläser sind während des Transports beschädigt worden. Dadurch ist ihr Inhalt nicht mehr zum Verzehr geeignet", sagte ein Nestle-Sprecher und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Zum Umfang der Rückruf-Aktion wollte der Sprecher keine Angaben machen. Bei den betroffenen Produkten handelt es sich um 100-Gramm-Gläser unter anderem der Sorten Espresso, Alta Rica und Cap Colombie. Die verunreinigten Gläser seien nach Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und Polen geliefert worden, sagte der Sprecher weiter.
Das Sony Center gelangt in koreanische Hände, Liz Mohn ist preisverdächtig - und Bahn-Chef Grube investiert in neue ICE-Toiletten. Wichtiges in Kürze.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-suedkorea-investiert-kraeftig-in-berlin-1.947178
Wirtschaft kompakt - Südkorea investiert kräftig in Berlin
00/05/2010
Auf den letzten Metern droht die Rettung von Karstadt zu scheitern. Verdi befürchtet, dass der Finanzinvestor Triton im großen Stil Leute entlässt - und Karstadt ausschlachtet. Zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Finanzinvestor Triton tobt ein heftiger Streit. Jetzt droht die Rettung der zahlungsunfähigen Warenhauskette Karstadt daran zu scheitern. Detailansicht öffnen "Triton möchte einen Blanko-Scheck haben, so viele Stellen abzubauen, wie sie wollen", sagte eine Verdi-Sprecherin. (Foto: Foto: dpa) Eineinhalb Wochen vor dem Ablauf der Einigungsfrist überdenkt der bislang einzige Kaufinteressent Triton sein Interesse an einem Einstieg bei Karstadt. "Wir sind enttäuscht, dass es bisher keinerlei Fortschritte in den Gesprächen mit der Arbeitnehmerseite gab", sagte ein Triton-Sprecher. Viele Forderungen Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi warf dem Kaufinteressenten dagegen vor, völlig überzogene Forderungen zu stellen. "Triton möchte einen Blanko-Scheck haben, so viele Stellen abzubauen, wie sie wollen", sagte eine Verdi-Sprecherin. Das sei mit der Gewerkschaft nicht zu machen. Der Triton-Sprecher kritisierte im Gegenzug die Unbeweglichkeit der Gewerkschaft. Ohne weitgehende Zugeständnisse von Verdi sei eine Rettung des Unternehmens nicht möglich. Ein Dorn im Auge sind dem deutsch-skandinavischen Investor vor allem die weitgehenden Mitbestimmungsrechte in Personalfragen, die den Arbeitnehmern im Sanierungstarifvertrag als Ausgleich für die Lohnzugeständnisse eingeräumt wurden. "Mit dieser Sonderregelung ist eine Sanierung nicht machbar", sagte der Triton-Sprecher kategorisch. Verdi lehnt jedoch Zugeständnisse entschieden ab. Die erweiterten Mitbestimmungsrechte und die damit verbundene "relative Arbeitsplatzsicherheit" seien ein Ausgleich für den Lohnverzicht in Höhe von 150 Millionen Euro. "Nicht einfach über Schatten springen" Dieses Zugeständnis streichen zu wollen, stelle die grundsätzliche Philosophie von Sanierungstarifverträgen infrage. "Da können wir nicht sagen, wir springen einfach über unseren Schatten", sagte Haß. Umstritten ist auch die Forderung von Triton, das Weihnachts- und Urlaubsgeld, auf das die Belegschaft bis 2012 verzichtet, künftig in in erfolgs- und umsatzabhängige Prämien umzuwandeln. Die Gewerkschaft befürchtet hier offenbar einen Dammbruch. "Mit einem funktionierenden Unternehmenskonzept brauchen die Investoren keine Verlängerung der Lohnzugeständnisse über 2012 hinaus", lehnte Haß deshalb ein Einlenken in diesem Punkt ab. Strittig sind aber auch die Pläne der Investoren zur Sanierung verlustbringender Sparten. Triton will dazu die betroffenen Bereiche in eigene Gesellschaften ausgliedern, um - wo notwendig - leichter Joint Ventures mit externen Partner bilden zu können, wie der Sprecher betont. Doch stößt dies bei Arbeitnehmervertretern auf Misstrauen, da dieser Schritt auch eine Zerschlagung des Konzerns erleichtern würde. "Würden wir uns auf deren Wünsche einlassen, könnte Triton mit Teilverkäufen Kasse machen, und von Karstadt würde am Ende nur ein Gerippe übrigbleiben", sagte das zuständige Verdi-Vorstandsmitglied Margret Mönig-Raane der Financial Times Deutschland (FTD). Dabei wird die Zeitung für eine Karstadt-Rettung knapp. Die Frist für die Kaufverhandlungen läuft am 28. Mai ab. Bereits drei Tage später soll das Amtsgericht Essen endgültig über den Insolvenzplan entscheiden. Eine wichtige Rolle könnte womöglich noch die Investmentbank Goldman Sachs spielen. Sie bereite derzeit im Hintergrund eine Übernahme vor, heißt es bei der FTD. Dabei gehe es aber nur um eine Auffanglösung zur Rettung des milliardenschweren Goldman-Immobilienkonsortiums Highstreet. Die Bank wolle vermeiden, dass die Highstreet gehörenden Kaufhausimmobilien leer stünden, wenn Karstadt mangels Bietern kurzfristig abgewickelt werden müsste. Goldman habe aber kein Interesse am Geschäft selbst, sondern strebe einen geordneten Rückzug an, hieß es in dem Bericht.
Auf den letzten Metern droht die Rettung von Karstadt zu scheitern. Verdi befürchtet, dass der Finanzinvestor Triton im großen Stil Leute entlässt - und Karstadt ausschlachtet.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/karstadt-rettung-in-gefahr-angst-vor-dem-karstadt-zombie-1.947265
Karstadt: Rettung in Gefahr - Angst vor dem Karstadt-Zombie
00/05/2010
Noch hofft Opel auf eine staatliche Milliarden-Bürgschaft, doch sieht es so aus, als könnte der Autohersteller leer ausgehen. Außerdem: Die Pannenserie bei Toyota nimmt kein Ende. Der Autohersteller Opel hofft weiterhin auf Staatsbürgschaften. "Opel hat keine ablehnenden Hinweise aus dem Bürgschaftsausschuss erhalten. Wir sind davon überzeugt, die Anforderungen für staatliche Bürgschaften im Rahmen bestehender Hilfsprogramme zu erfüllen", teilte das Unternehmen mit. Detailansicht öffnen Einem Zeitungsbericht zufolge lehnt der Bürgschaftsausschuss Subventionen für Opel ab, weil wichtige Voraussetzungen für die Unterstützung des Restrukturierungsplans nicht erfüllt seien. Der Autohersteller betont, allen Bedingungen entsprochen zu haben. (Foto: Foto: Reuters) Die Financial Times Deutschland hatte unter Berufung auf interne Unterlagen berichtet, der Bürgschaftsausschuss lehne Bürgschaften für den Hersteller ab. Damit habe Opel praktisch keine Aussichten mehr auf Staatshilfe. Dem Papier zufolge seien wichtige Voraussetzungen für die Unterstützung des Restrukturierungsplans von Opel nicht erfüllt. Offiziell hat der Bürgschaftsausschuss seine Arbeit am 12. Mai abgeschlossen, ohne eine Empfehlung abzugeben. Die Beamten von Bund und Ländern haben Vertraulichkeit vereinbart. Dem Papier zufolge formulierten die Fachleute eine Reihe von Fragen, die Opel nicht hinreichend beantwortet haben soll. Opel betont jedoch weiterhin, dass alle Fragen des Ausschusses beantwortet wurden. Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) strebt bei der Sanierung des Autoherstellers Bürgschaften des Bundes und der Länder mit Opel-Standorten an. Aus Deutschland erhofft sich GM etwa 1,3 Milliarden Euro. Von allen europäischen Staaten mit Opel-Standorten zusammen verspricht sich der US-Konzern 1,8 Milliarden Euro. GM selbst will rund 1,9 Milliarden Euro aufbringen. Neue Rückrufaktion bei Toyota Der japanische Autobauer Toyota ruft erneut Tausende Autos in die Werkstätten zurück. Betroffen sind vier Modelle der Oberklasse-Marke Lexus. Bei den Wagen kann es demnach zu Störungen an der Steuerung kommen: Die Übertragung vom Steuer zu den Rädern kann den Angaben zufolge für wenige Sekunden unterbrochen sein. Insgesamt ruft Toyota 11.500 Wagen weltweit zurück, betroffen sind die Modelle LS 460, LS 460L, LS600h und LS600hL. Der größte Autohersteller der Welt hatte in den vergangenen Monaten rund zehn Millionen Autos weltweit wegen technischer Probleme zurückrufen müssen - die meisten in den USA. Im Mittelpunkt standen dabei bislang Probleme mit Gas- und Bremspedalen, aber auch mit elektronischen Systemen. Die Probleme wurden in den USA mit Unfällen in Verbindung gebracht, bei denen 58 Menschen starben. Im April hatte Toyota akzeptiert, eine Rekordstrafe von 16,4 Millionen Dollar (13,3 Millionen Euro) an die USA zu zahlen, weil der Konzern Probleme mindestens vier Monate lang verschwiegen haben soll. Deutsche Bahn: Kampf gegen die Konkurrenz Die Konkurrenten der Deutschen Bahn haben im Krisenjahr 2009 ihre Position auf dem Heimatmarkt des Staatskonzerns verbessern können. Besonders im Güterverkehr konnten sie ihren Marktanteil kräftig ausbauen, wie die Unternehmen in ihrem veröffentlichten Wettbewerbsbericht auswiesen. So wurde im vergangenen Jahr ein Viertel des Güterverkehrs auf der Schiene von DB-Konkurrenten abgewickelt. Vor fünf Jahren waren es nicht einmal zehn Prozent. Die DB hatte ihre traditionellen Transporte von Stahl und Kohle in der Krise drastisch zurückfahren müssen, während die Konkurrenz im Container-Verkehr nicht ganz so stark litt. Die Bahn geht nun für 2010 davon aus, dass sie ihren Marktanteil bei anziehender Konjunktur erstmals seit Jahren halten kann. Im Personenverkehr profitierten die Wettbewerber vom Gewinn einer Reihe von Ausschreibungen für Strecken in den letzten Jahren. Mittlerweile wird etwa ein Fünftel des Regional- und Pendlerverkehrs von den DB-Konkurrenten gefahren. Auch dieser Anteil steigt seit Jahren, die Deutsche Bahn will auf Dauer mindestens 70 Prozent verteidigen. Der Nahverkehr wird von den Bundesländern bestimmt. Sie schreiben Strecken seit einigen Jahren zunehmend aus: Wer das günstigste und beste Angebot abgibt, erhält den Auftrag für meist rund zehn Jahre. Die Länder müssen aber diese vor allem für Berufspendler wichtigen Strecken jedes Jahr mit mehr als sechs Milliarden Euro subventionieren.
Noch hofft Opel auf eine staatliche Milliarden-Bürgschaft, doch sieht es so aus, als könnte der Autohersteller leer ausgehen. Außerdem: Die Pannenserie bei Toyota nimmt kein Ende.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-geld-mit-fragezeichen-1.946888
Wirtschaft kompakt - Geld mit Fragezeichen
00/05/2010
Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat Verständnis für die Rufe nach einem Mindestlohn in der Zeitarbeitsbranche geäußert - und blickt mit Sorgen nach Berlin. "Wenn 2011 die bisher geltende Beschränkung des Arbeitsmarktzugangs für osteuropäische Arbeitnehmer ausläuft, brauchen wir eine Lohnuntergrenze, sonst wird der Lohndruck für die Branche zu groß", sagte der Präsident des Verbands, Martin Kannegiesser, der Süddeutschen Zeitung. Detailansicht öffnen Heißer Job: Ein Mitarbeiter der Salzgitter AG arbeitet in Schutzkleidung vor einem angestochenen Hochofen. (Foto: Foto: dpa) In Deutschland gelten für etwa 95 Prozent der 650.000 Zeitarbeiter Tarifverträge. Diese sind mit Beginn der vollen Freizügigkeit für Arbeitnehmer in der EU von Mai 2011 an für Unternehmen außerhalb Deutschlands aber nur maßgebend, wenn die Bundesregierung von den Tarifparteien vereinbarte Mindestlöhne in West und Ost für allgemeinverbindlich erklärt hat. Bereits jetzt bereiten sich Firmen in Polen darauf vor, mit Löhnen von vier Euro den deutschen Markt zu erobern. Kannegiesser warnte jedoch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) davor, die Zeitarbeitsbranche per Gesetz "mehr als nötig zu strangulieren und so Zehntausende Arbeitsplätze zu gefährden". Die Ministerin lässt derzeit prüfen, ob sie gesetzlich gegen den Missbrauch der Zeitarbeit vorgehen soll. Zuvor hatte die Drogeriekette Schlecker mit fragwürdigen Zeitarbeitspraktiken einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Der Gesamtmetall-Präsident, in dessen Branche ebenfalls viele Zeitarbeiter tätig sind, sagte am Dienstag: "Missbrauch zu beseitigen ist immer richtig." Dies gelte etwa dann, wenn Unternehmen systematisch Stammbelegschaften in Zeitarbeitsverhältnisse umwandeln, um Lohnkosten zu sparen. "Dieser Drehtüreffekt, erst raus und mit denselben Leuten wieder billig rein, ist aber eine perverse Ausnahme." Kannegiesser schlug vor, bis Jahresende abzuwarten, wie sich die neuen Tarifverträge bewähren. Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände hatten sich darauf geeinigt, das "Hausverleihen" zu bekämpfen, wie dies bei Schlecker der Fall war. Die Drogeriekette hatte mit einer hausinternen Verleihfirma den Lohn von Mitarbeitern in neuen Filialen erheblich gedrückt. Der Gesetzgeber sollte nur eingreifen, wenn die Branche das Problem nicht selbst regeln könne, sagte der Gesamtmetall-Präsident. "Und dann sollte sich das Arbeitsministerium nur auf echte Missbrauchsfälle beschränken." Kampagne bringt Unmut Großen Unmut hat bei Kannegiesser die jüngste Kampagne der IG Metall "Gleiche Arbeit - gleiches Geld" ausgelöst. Die Gewerkschaft will die Ausleihe von Zeitarbeitern befristen und deren Bezahlung den Stammbelegschaften gleichstellen. Der Gesamtmetall-Präsident hält davon gar nichts: "Wir sollten nicht in die Betriebe mit starren Beschäftigungsquoten hinein regieren. Was jeweils sinnvoll ist, hängt von den einzelnen Firmen ab." Auch könne die Bezahlung nicht gleich hoch sein. Die Stammbelegschaft habe als Teil des kollektiven Wissens eines Unternehmens immer einen Vorsprung. Zeitarbeiter könnten nicht "den gleichen Beitrag zur Wertschöpfung leisten". Sie müssten deshalb immer ein Stück weniger verdienen, "sonst wird diese Gruppe für die Unternehmen zu teuer", so der Verbandschef. Kannegiesser warf der Gewerkschaft vor, "das wichtige arbeitsmarktpolitische Instrument Zeitarbeit zu beschädigen und Verunsicherung zu schüren". Die IG Metall habe ein "Bedrohungsgemälde entworfen, das in der Sache überhaupt nicht berechtigt ist". Nur zwei bis drei Prozent der Beschäftigten seien Zeitarbeiter. Es könne auch keine Rede davon sein, dass diese in Zukunft in großem Umfang fest angestellte Mitarbeiter ersetzten. "Vielmehr gewinnen die Stammbelegschaften wegen des demografischen Wandels und des Mangels an Fachkräften an Bedeutung", sagte Kannegiesser. Dies hätten die Unternehmen ja gerade erst in der Krise demonstriert, in der viele Betriebe alles getan haben, um ihre Mitarbeiter nicht entlassen zu müssen. Gerade in den nächsten Monaten werde sich zeigen, wie wichtig die Zeitarbeit ist. "Bei all den Unsicherheiten, mit denen wir im Moment leben müssen, tun sich die Unternehmen naturgemäß schwer, jetzt schon feste neue Stellen einzurichten." Ohne die Zeitarbeit würden deshalb zunächst kaum neue Arbeitsplätze entstehen, die davon ausgehenden Initialzündungen für einen generellen Aufschwung am Arbeitsmarkt unterdrückt und Wachstumschancen verschenkt werden, sagte der Verbandschef. Marktforscher rechnen damit, dass die Branche im Jahr 2012 eine Million Menschen beschäftigen wird - so viel wie noch nie.
Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser blickt bangend auf das Datum Mai 2011 - und warnt die Bundesregierung vor zu harten Eingriffen bei der Zeitarbeit.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verbandspraesident-kannegiesser-nicht-in-betriebe-hinein-regieren-1.946926
"Verbandspräsident Kannegiesser - ""Nicht in Betriebe hinein regieren"""
00/05/2010
Bundeskanzlerin Angela Merkel kann einen kleinen Sieg gegen Großbritannien feiern. Die EU will Hedgefonds, gegen den Widerstand aus London, kontrollieren. Dass sich die Finanzminister der Euroländer für eine Finanztransaktionssteuer aussprechen, gefällt der CDU-Chefin weniger. Nach all dem Rätselraten über den Umgang mit Spekuklanten kann Angela Merkel, die Getriebene, auf ein Ergebnis verweisen: Hedgefonds sollen in der Europäischen Union erstmals strengen Kontrollen unterliegen. Detailansicht öffnen Plötzlich kann sich Kanzlerin Merkel doch mit dem Gedanken an eine Finanztransaktionssteuer abfinden. (Foto: Foto: dpa) Das ist schon mal etwas Konkretes. Auf eine entsprechende Richtlinie einigten sich die EU-Finanzminister am Dienstag in Brüssel. Für Fondsmanager gilt danach künftig eine Meldepflicht. Zudem müssen die Hedgefonds ihre Aktivitäten transparenter machen. Es ist ein Sieg der Vielen über den Einen, über Großbritannien. Das Land hatte sich mit Rücksicht auf den wichtigen Finanzplatz London bis zuletzt gegen schärfere Regeln gewehrt. Jetzt ist es soweit, und Merkels Mann jubelt. "Jetzt wird diese Regulierungslücke geschlossen", sagt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nach der Einigung. Er zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Mitgliedstaaten nun schnell mit dem Europaparlament einigen können. Bevor die Richtlinie in Kraft treten kann, muss im Juli noch das Plenum des Parlaments zustimmen. Zuvor hatte die EU in Brüssel Bundeskanzlerin Merkel düpiert: Nachdem eine breite Mehrheit der Euro-Finanzminister in der Nacht sich für die Einführung einer Steuer auf Finanztransaktionen geeinigt hatte, entdeckt die Regierung in Berlin plötzlich die Kunst der Beschleunigung. Auch die schwarz-gelbe Koalition will sich nun doch für eine internationale Finanzmarktsteuer einsetzen. Das lässt freilich offen, ob es eine Finanztransktionssteuer sein soll, die der Opposition sowie der CSU vorschwebt, und für die sich auch Jean-Claude Juncker, der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, ausgesprochen hat. Auf die Formel "Finanzmarktsteuer" haben sich CDU, CSU und FDP immerhin einigen können. Kanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble sind nach wie vor für eine Steuer auf Finanzaktivitäten. Diese umfasst eine Abgabe auf Gewinne und Gehälter von Banken. "Können uns nicht immer hinter den Amerikanern verstecken" Wie es weiter hieß, soll das Gesetz für den deutschen Anteil am 750-Milliarden-Rettungspaket für den Euro an diesem Freitag abschließend vom Bundestag beraten werden. Regierungschefin Merkel hatte stets eine Finanztransaktionssteuer mit dem Hinweis abgelehnt, sie halte in dieser Frage einen nationalen Alleingang für sinnlos. Vor einigen Tagen erklärte sie noch auf dem DGB-Kongress: "Wir müssen schauen, was auch international durchsetzbar ist." Die meisten EU-Staaten kümmert das weniger. In Brüssel hatten die Euro-Länder angekündigt, sich nun doch international für die von Merkel abgelehnte Steuer einzusetzen. Die Eurozone wolle sich auf internationalem Parkett dafür stark machen, den Finanzsektor stärker an der Krisenbewältigung zu beteiligen, sagte Luxemburgs Premier und Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker. Kein Euro-Land in der Runde habe sich diesem Kurs widersetzt. "Es wird so sein, dass diejenigen auch bezahlen müssen, die nicht unschuldig sind an dem Schlamassel, in dem wir alle stecken." Er sei auch dafür, dies allenfalls nur auf europäischer Ebene zu machen, sagte Juncker. "Wir können uns nicht immer nur hinter den Amerikanern verstecken. Die Menschen ... erwarten, dass eine Gerechtigkeitslücke geschlossen wird." In Brüssel versucht Schäuble, das Gesicht zu wahren. Es gebe vorerst nur geringe Chancen für eine Steuer auf Finanztransaktionen, erklärt er - ganz so, als sei Juncker nicht Stunden vorher aufgetreten. Es bestünden "erhebliche Zweifel", ob sich eine solche Abgabe global durchsetzen lasse. Selbst einen europäischen Beschluss für eine solche Finanztransaktionsteuer schließt Schäuble aus: "Es geht nicht um Alleingänge." Auch die französische Finanzministerin Christine Lagarde zeigt sich skeptisch: "Es wäre weit hergeholt anzunehmen, dass eine Steuer auf Finanztransaktionen erhoben wird." Zunächst müsse der Internationale Währungsfonds (IWF) den G-20-Staaten eine abschließende Bewertung vorlegen. Die Staats- und Regierungschefs der G-20-Länder treffen sich am 26. und 27. Juni in Kanada Juncker unterstützt auch die Forderung der Europäischen Kommission nach mehr Kontrolle über die nationalen Haushalte. Der Vorschlag gehe in die richtige Richtung, sagte er. Es gehe dabei nicht darum, die Budgetbefugnisse der national gewählten Politiker zu durchkreuzen. Die Kommission solle auch keine "Schulleiterin" für den Haushalt der Länder werden, jedoch müssten diese sich auf genauere Prüfungen einstellen. Erste Hilfen ausgezahlt Unterdessen bekommt das angeschlagene Griechenland die ersten Hilfen überwiesen: insgesamt 20 Milliarden Euro - 14,5 Milliarden Euro von den Euro-Partnern, 5,5 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Eurozone und IWF hatten für das krisengeschüttelte Mittelmeerland ein Paket von bis zu 110 Milliarden Euro geschnürt. Davon entfallen auf Deutschland bis zu 22,3 Milliarden Euro. Die obersten Kassenhüter der Eurozone verhandelten über Einzelheiten des gigantischen Rettungsschirms von 750 Milliarden Euro, der Staatspleiten verhindern soll. Es ging unter anderem um Details einer Finanzgesellschaft, die im Namen aller Euroländer Geld leihen und an finanzschwache Mitgliedstaaten weiterleiten kann. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wies Spekulationen zurück, wonach Deutschland und Frankreich dabei hart aneinander geraten seien. Man sei beim "Innenausbau" des Rettungsschirms ein gutes Stück weitergekommen. Am diesem Freitag soll weiter beraten werden. Angesichts der Talfahrt des Euro versicherten die Euro-Kassenhüter, dass er weiter eine "glaubwürdige Währung" sei. "Preisstabilität wurde über elf Jahre lang gewährleistet", sagte der luxemburgische Premier- und Schatzminister Juncker. Das werde auch in Zukunft so bleiben.
Bundeskanzlerin Angela Merkel kann einen kleinen Sieg gegen Großbritannien feiern. Die EU will Hedgefonds, gegen den Widerstand aus London, kontrollieren. Dass sich die Finanzminister der Euroländer für eine Finanztransaktionssteuer aussprechen, gefällt der CDU-Chefin weniger.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/finanzsteuer-angela-merkel-kleiner-erfolg-bei-hedgefonds-1.946778
Finanzsteuer - Angela Merkel - kleiner Erfolg bei Hedgefonds
00/05/2010
Weniger Geld, dafür einen Job - oder aber auch nicht: Damit der kriselnde Autohersteller Opel fit für die Zukunft wird, müssen vor allem die Mitarbeiter leiden. Kompromiss nach langem Tauziehen: Der angeschlagene Autohersteller Opel hat sich mit seinen Beschäftigten auf einen Sanierungsplan geeinigt. Zur Rettung des Unternehmens wollen die Opel-Mitarbeiter jährlich 265 Millionen Euro beitragen. 176,8 Millionen davon kommen aus Deutschland. Detailansicht öffnen General Motors wetzt bei Opel die Messer - allein in Deutschland fallen fast 4000 Jobs weg. (Foto: Foto: AP) Das erklärten Management und Betriebsrat am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Opel-Stammsitz Rüsselsheim. In Deutschland verzichtet die Belegschaft unter anderem auf die Hälfte ihres Urlaubs- und Weihnachtsgeldes für die Jahre 2010 und 2011, eine vereinbarte Tariferhöhung wird aufgeschoben. Ähnliche Vereinbarungen sollen an den anderen europäischen Opel-Standorten getroffen werden. Neue Modelle Das eingesparte Geld soll in neue Modelle investiert und bis dahin auf einem Treuhandkonto geparkt werden. Sollten die vorgesehenen Projekte nicht realisiert werden, fließen die Gelder an die Mitarbeiter zurück. Opel-Chef Nick Reilly sprach von einem "Meilenstein". Monatelang hatten Management und Betriebsrat um einen Beitrag der Arbeitnehmer zur Sanierung des angeschlagenen Autobauers gerungen. Beide Seiten seien sich einig, dass Opel von einer GmbH in eine AG umgewandelt werden soll. Der Beitrag der Arbeitnehmer ist jedoch davon abhängig, dass die Tochter des US-Autokonzerns General Motors (GM) von Europas Regierungen Hilfen in Milliardenhöhe bekommt. Hoffnung auf Staatshilfe GM hofft auf Bürgschaften von 1,8 Milliarden Euro. Mehr als eine Milliarde Euro davon soll aus Deutschland kommen - vom Bund und den vier Bundesländern mit Opel-Standorten (Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Thüringen). Die Hilfe ist in Berlin allerdings heftig umstritten. Das Unternehmen will neben dem Lohnverzicht der Mitarbeiter 8300 der 48.000 Arbeitsplätze in Europa kappen und die Kapazität um 20 Prozent kürzen. Allein in Deutschland sollen knapp 4000 Jobs wegfallen.
Weniger Geld, dafür einen Job - oder aber auch nicht: Damit der kriselnde Autohersteller Opel fit für die Zukunft wird, müssen vor allem die Mitarbeiter leiden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/opel-sanierungsplan-mitarbeiter-muessen-bluten-1.946996
Opel: Sanierungsplan - Mitarbeiter müssen bluten
00/05/2010
Zoff um die Kontrolle der Geldströme: Eine Finanztransaktionssteuer ist im nationalen Alleingang nicht durchsetzbar. Das Recht spielt einfach nicht mit. Stefan Maunz ist Partner bei der auf internationale Umsatzsteuerfragen spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei Küffner Maunz Langer Zugmaier in München. Detailansicht öffnen Das Kapital an die Kandare: Bei der Frage nach einer Finanztransaktionssteuer stellt sich vor allem die Frage, was rechtlich durchsetzbar ist. (Foto: Foto: ddp) Die Stimmung brodelt in den Parteien. Finanztransaktionssteuer - ja oder nein? Ob der 750-Milliarden-Beschluss der Europäischen Union zur Rettung des Euro wirkt, muss sich erst erweisen. Doch das ist eine Notmaßnahme. Zur Prävention weiterer Krisen stehen die Finanzminister der EU-Staaten nun vor der Aufgabe, Lösungen zu finden, mögliche weitere Eskalationen an den Finanzmärkten zu vermeiden. Dabei geht es als mögliche Alternative auch um eine Finanztransaktionssteuer. Die Auffassung der Kanzlerin hierzu ist nach wie vor unklar - ob sie sich nun für eine Transaktionssteuer einsetzt und damit die SPD ins Boot holen kann, um den EU-Rettungsschirm mit abzusegnen oder ob sie sich für eine abgeschwächte Lösung entscheidet, wie sie etwa beim Internationalen Währungsfonds diskutiert wird. Der IWF schlägt eine sogenannte Finanzaktivitätssteuer vor, bei der nur Bankengewinne und -Gehälter besteuert werden. Erklärtes Ziel jeder Steuer im Finanzsektor ist es, den Finanzmärkten die Daumenschrauben anzulegen und zugleich mehr Geld in die vor allem durch die aufgelegten Konjunkturprogramme klamme Staatskasse zu spülen. Dabei stellt sich die politische Frage, ob diese Rechnung bei einem nationalen Alleingang aufgehen kann oder nicht. Wichtig dabei ist auch die Frage, was ist überhaupt rechtlich durchsetzbar? Der Grundgedanke hinter der Transaktionssteuer ist nicht neu: Weshalb wird beim Erwerb fast jeden Produkts oder jeder Dienstleistung die Zahlung einer Umsatzsteuer fällig, nicht jedoch bei Finanzprodukten? Sollten daher Finanzprodukte bei ihrer Veräußerung nicht auch einer Steuer, etwa der sogenannten Tobin Tax unterliegen? Bei einer Tobin-Tax würden Transaktionen im Rahmen von internationalen Devisengeschäften mit einem Steuersatz von 0,1 bis 1 Prozent besteuert, mit dem Ziel, kurzfristige Spekulationen auf Währungsschwankungen einzudämmen. Der Begriff Tobin-Tax geht zurück auf den Wirtschaftsnobelpreisträger James Tobin, der 1972 für eine Steuer auf Währungsgeschäfte plädierte, um so Spekulationen am Kapitalmarkt zu bremsen. Deutschland hatte eine vor über einem Jahrhundert eingeführte Finanztransaktionssteuer 1990 abgeschafft mit der Zielsetzung, die Rahmenbedingungen der Finanzmärkte zu verbessern und den bis dahin trägen Finanzplatz Deutschland zu fördern. Andere Länder der EU zogen die Steuer mit Verweis auf das zu geringe Aufkommen zurück. Unter den wirtschaftsstarken Nationen gibt es heute in Großbritannien (stamp duty reserve tax) sowie in der Schweiz (eidgenössische Umsatzabgabe) noch extra Steuern auf Wertpapiergeschäfte. Die Abgaben bewegen sich im Promille-Bereich und werden vor allem im Falle Englands durch viele Ausnahmeregelungen umgangen. Volkswirtschaftlich betrachtet ergibt sich folgendes Bild: Das Wachstum des Wertpapierhandels übersteigt das der Realwirtschaft um ein Vielfaches. Nach Berechnungen des österreichischen Institutes für Wirtschaftsforschung (Wifo) wechselten im Jahre 2007 Finanzprodukte im Wert des 74-fachen des Weltsozialproduktes den Besitzer. Die Folgerung, dass sich hinter diesen ausufernden Spekulationen eine erhebliche Gefahren für die Realwirtschaft verbirgt, erscheint nach den Ereignissen in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht mehr abwegig. Das Wifo schlägt daher vor, nicht nur die Finanztransaktionen an Handelsplätzen mit der Steuer zu belegen, sondern alle Finanztransaktionen, auch die des außerbörslichen Handels. Dies ist plausibel, denn nur so kann Ausweichmechanismen entgegengewirkt werden. Kritiker der Finanztransaktionssteuer verweisen aber zu Recht darauf, dass es durch ihre Einführung einer Steuer allein in Deutschland zu einer Gefährdung des Finanzplatzes kommen könnte. Es wäre daher zielführender auf europäischer Ebene diesen Weg zu beschreiten.
Zoff um die Kontrolle der Geldströme: Eine Finanztransaktionssteuer ist im nationalen Alleingang nicht durchsetzbar. Das Recht spielt einfach nicht mit.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/finanztransaktionssteuer-europaweit-oder-gar-nicht-1.946597
Finanztransaktionssteuer - Europaweit oder gar nicht
00/05/2010
Sie sollen die Preise für Speicherchips illegal abgesprochen haben - jetzt müssen die Sünder bluten. Auf die Hersteller, darunter Infineon, wartet eine saftige Kartellstrafe. Die EU-Kommission hat sich einem Medienbericht zufolge zusammen mit anderen Speicherchip-Herstellern auf einen Vergleich wegen illegaler Preisabsprachen verständigt. Die Entscheidung soll am Mittwoch unterzeichnet werden, berichtet die Financial Times Deutschland (FTD) unter Berufung auf Insider. Detailansicht öffnen Infineon und andere Speicherchiphersteller müssen wegen illegaler Preisabsprachen eine Kartellstrafe von 300 Millionen Euro zahlen. (Foto: Foto: ddp) Zu den betroffenen Firmen gehörten neben dem Dax-Konzern Infineon auch die Konkurrenten Samsung, Hynix, Micron, Elpia, NEC, Hitachi, Mitsubishi Electronics, Toshiba und Nanya. Die Kartellstrafe belaufe sich auf insgesamt 300 Millionen Euro, heißt es in dem Bericht. Demnach hat Infineon die Preisabsprache bereits eingeräumt. Der US-Konzern Micron gehe straffrei aus, da er das Kartell angezeigt habe und nun von einer Kronzeugenregelung profitiere, schreibt die FTD. Zügiger Abschluss Ein Infineon-Sprecher sagte der Zeitung, dass das Unternehmen bereits Rückstellungen für mögliche Zahlungen gebildet habe. Daher wirke sich die Strafe nicht auf das Jahresergebnis aus. Die betreffenden Speichersteine - sogenannte DRams - kommen den Angaben zufolge vor allem in Computern, Druckern, Mobiltelefonen und Spielkonsolen zum Einsatz. Das Vorgehen gegen das Speicherchip-Kartell ist der erste Fall, bei dem die EU-Kommission das sogenannte Vergleichsverfahren anwendet. Auf diese Weise versuchen die Wettbewerbshüter, die Ermittlungen zügiger zum Abschluss zu bringen. Gesteht ein Unternehmen illegale Preisabsprachen, so kann es die Strafe um zehn Prozent reduzieren. Im äußersten Fall kann Brüssel für derartige Vergehen Kartellbußen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen.
Sie sollen die Preise für Speicherchips illegal abgesprochen haben - jetzt müssen die Sünder bluten. Auf die Hersteller, darunter Infineon, wartet eine saftige Kartellstrafe.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/infineon-akzeptiert-strafe-bruessel-hebelt-speicherchip-kartell-aus-1.947417
Infineon akzeptiert Strafe - Brüssel hebelt Speicherchip-Kartell aus
00/05/2010
Die Politik irrt sich in ihrem Feind: Nicht die Spekulanten haben das Euro-Debakel ausgelöst - sie selbst hat fatal versagt. Zeiten der Krise können Zeiten der Hoffnung sein; oft sind es Zeiten der Angst. Dann liegt es nahe, nach Sündenböcken zu suchen, denen alle Schuld aufgeladen werden kann, die bekämpft und bestraft werden müssen, wenn alles gut werden soll. Detailansicht öffnen Händler an der New Yorker Börse: Spekulanten müssen derzeit viel Prügel einstecken, sie sollen den Euro in die Krise gestürzt haben. (Foto: Foto: dpa) So gilt heute: Schuld an der gegenwärtigen Krise sind die Spekulanten, die Zocker. Sie sind es, die in finsterer Absicht heute die Griechen, morgen vielleicht die Spanier, die Iren jagen und letztlich bereit sind, den Euro, ja das gesamte europäische Einigungswerk zu Fall zu bringen. Und deshalb muss man ihnen das Handwerk legen. Gewiss: In dem Maße wie im Finanzsektor ein ordnungsfreier Raum entstanden ist, muss Remedur geschaffen werden. Die Frage ist allerdings, ob jene, die wir zu Sündenböcken erklärt haben, in Tat und Wirklichkeit die Schuldigen, gar die allein Schuldigen sind. Genauer: Sind es die Spekulanten, die die Gemeinschaftswährung in Gefahr bringen, oder sind es nicht vielmehr die Konstruktionsfehler des europäischen Einigungsprojekts, welche sonst durchaus harmlosen Zeitgenossen die verlockende Möglichkeit eröffnen, gegen die gemeinsame Währung zu spekulieren? Schaffen die Diebe die Gelegenheit oder macht die Gelegenheit die Diebe? Je nachdem, wie man diese Frage beantwortet, muss man entweder den Spekulanten das Handwerk legen, sie für vergangene Missetaten bestrafen und an weiterem Tun hindern. Oder aber man muss die Konstruktionsfehler des institutionellen Arrangements der EU korrigieren. Dieser Konstruktionsfehler, den die Spekulanten heute nutzen, bestand und besteht darin, dass man eine Währungsunion geschaffen hat, ehe auch nur ansatzweise die Voraussetzungen für eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik existierten. So konnten die Griechen jahrelang straflos über ihre Verhältnisse leben, so konnten die Deutschen ihre Position als Exportnation aufbauen, so konnten...; die Liste lässt sich verlängern. So konnten die einzelnen Staaten unter dem Schirm der gemeinsamen Währung - für sie ohne Konsequenzen - ihre nationalen Interessen verfolgen; bis zu einem Punkt, wo dieser gemeinsame Schirm zu zerreißen droht und alle im Regen stehen. Dieser Punkt ist jetzt erreicht. So weit hätte es nicht kommen müssen. Es hatte seinerzeit nicht an Warnungen gefehlt. So mag man sich erinnern, dass kurz vor der Einführung des Euro etwa 170 Wirtschaftswissenschaftler in einem offenen Manifest zwar nicht gegen die Gemeinschaftswährung Position bezogen, wohl aber darauf hinwiesen, dass ohne gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik die europäische Währung mit einem Geburtsfehler ins Leben träte. Es ist geradezu gespenstisch, wie das, was damals als Gefahr für Europa beschworen und beschrieben wurde, heute eingetreten ist. Nein, jene die man heute als Sündenböcke hetzt, sind nicht die Schuldigen. Schuldig an den Schwierigkeiten sind vielmehr jene, die als politisch Handelnde nicht sehen wollten, was dem nüchternen Verstand schon damals klar war. Man kann sich fragen, ob die gegenwärtige Rede der Politiker von der Verworfenheit der Spekulanten nicht deshalb so laut tönt, weil sie von eigenem schuldhaften Versagen ablenken soll.
Die Politik irrt sich in ihrem Feind: Nicht die Spekulanten haben das Euro-Debakel ausgelöst - sie selbst hat fatal versagt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-euro-in-der-krise-eine-sorgfaeltig-geplante-katastrophe-1.946599
Der Euro in der Krise - Eine sorgfältig geplante Katastrophe
00/05/2010
Affront gegen Hans-Werner Sinn: BDI-Präsident Hans-Peter Keitel kritisiert den Ifo-Chef - und stützt die deutsche Beteiligung zur Euro-Rettung. Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) verteidigt den Rettungsschirm für den Euro gegen die Kritik von Ökonomen. "Die Politik wird derzeit mit keiner Maßnahme zur Euro-Stabilisierung einen Schönheitspreis gewinnen können. Wir sind überzeugt, dass in der akuten Krise rasches und entschlossenes Handeln Vorrang hat", sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel der Süddeutschen Zeitung. Detailansicht öffnen BDI-Präsident Hans-Peter Keitel stärkt der Bundesregierung den Rücken: Der Einsatz zur Euro-Stabilisierung sei richtig, sagt Keitel. (Foto: Foto: dpa) Zuvor hatte das Münchner Ifo-Institut seine Kritik an dem 750-Milliarden-Euro-Paket für angeschlagene Euro-Staaten ausgeweitet. "Es gibt gar keine Systemkrise des Euro", stellte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn fest. Die Inflation sei niedriger als zu Zeiten der Deutschen Mark. Der Euro sei trotz des Kursrutschs im Vergleich zur Kaufkraft immer noch überbewertet, der faire Kurs liege bei 1,14 Dollar (am Donnerstag stand der Euro bei knapp 1,24 Dollar). Der Rettungsschirm stürze Europa in ein unkalkulierbares Abenteuer. Industriepräsident Keitel hält dagegen, es wäre einfach, die Politik zu kritisieren, wenn es um Versäumnisse der vergangenen drei Wochen ginge. Es gehe aber in der Eurozone um Unterlassungen der vergangenen zehn Jahre.
Affront gegen Hans-Werner Sinn: BDI-Präsident Hans-Peter Keitel kritisiert den Ifo-Chef - und stützt die deutsche Beteiligung zur Euro-Rettung.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/industrie-verteidigt-euro-schirm-zoff-der-meinungsfuehrer-1.946716
Industrie verteidigt Euro-Schirm - Zoff der Meinungsführer
00/05/2010
Die Krise hat die Ausgaben des Bundes massiv in die Höhe getrieben, zugleich mahnt die Schuldenbremse zum Sparen. Die Vorschläge im Überblick. Der Bund wird im laufenden Jahr rund 80 Milliarden Euro neue Schulden machen - so viel wie nie zuvor. Ein Viertel der gesamten Ausgaben wird durch Kredite finanziert. Nach den Vorgaben der Schuldenbremse dürfen 2016 nur noch etwa zehn Milliarden Euro geliehen werden. Das macht Kürzungen an vielen Stellen des Haushalts nötig. Außerdem wird im deutschen Bundestag heftig darüber diskutiert, wie die Banken an den Kosten der Finanzmarktkrise beteiligt werden sollen. In der Koalition zeichnet sich noch keine einheitliche Linie ab. Während die FDP nicht über eine Bankenabgabe hinaus gehen will, sind Union, SPD und Grüne für zusätzliche Steuern. Detailansicht öffnen Kürzen, Sparen - und auch die Banken sollen zahlen: das ist die Devise des Bundes. (Foto: Foto: istock) Lesen Sie, wie die Bundesregierung die Banken zur Kasse bitten könnte - und in welchen Bereichen sich Sparen richtig lohnt. Hier können Sie Ihre Spartipps für die Bundesregierung loswerden und die Vorschläge anderer User sehen. Arbeitsmarkt Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist für das größte Budget verantwortlich. Gut 143 Milliarden umfasst 2010 der Etat für Arbeit und Soziales. Die Haushaltspolitiker hoffen deshalb, vor allem hier fündig zu werden. Norbert Barthle, haushaltspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, kündigte an, von der Leyen werde "ein Drittel oder die Hälfte der notwendigen Konsolidierung beitragen müssen". Das wären drei bis fünf Milliarden Euro im Jahr. Konkret geht es dabei vor allem um die Arbeitsmarktpolitik. Dafür gibt der Bund knapp 40 Milliarden Euro im Jahr aus. Hessens Ministerpräsident Roland Koch hat bereits vorgeschlagen, sich diesen Posten näher anzuschauen. Selbst die Arbeitsministerin ist nicht grundsätzlich gegen Kürzungen. Sie hält Einsparungen für möglich, wenn sich die Bundesagentur für Arbeit (BA) künftig auf die Programme konzentriert, die sich bei der Vermittlung und Betreuung von Arbeitslosen als besonders effektiv herausgestellt haben. Die Streichung von Mitteln gilt jedoch als heikel: Die Haushälter der Koalition wollten bereits 900 Millionen Euro bei Arbeitsmarktprogrammen und für Personal einsparen, kamen damit aber nicht durch. Als sicher gilt, dass der Bund beim Zuschuss für die BA sparen kann. Dieses Jahr sind wahrscheinlich etwa elf Milliarden Euro fällig. Im nächsten Jahr könnten nur noch 9,6 Milliarden Euro notwendig sein.
Die Krise hat die Ausgaben des Bundes massiv in die Höhe getrieben, zugleich mahnt die Schuldenbremse zum Sparen. Die Vorschläge im Überblick.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/regierung-sparen-und-hoehere-steuern-blut-schweiss-traenen-1.946924
Regierung: Sparen und höhere Steuern - Blut, Schweiß, Tränen
00/05/2010
Wundersame Wendung in Schwarz-Gelb: Die Regierungskoalition von Angela Merkel gibt europäischem Druck nach und pusht Finanzmarktreformen. Europa macht Druck. Kommt sie oder kommt sie nicht? Zwar hat die schwarz-gelbe Koalition dem Druck nachgegeben und setzt sich nun doch für eine europäische oder internationale Finanzmarktsteuer ein. Allerdings sind noch nicht alle Details geklärt, wie Finanzminister Wolfgang Schäuble in Brüssel sagte. Detailansicht öffnen Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble: Der Druck der europäischen Gmeinschaft ist einfach zu groß, das Nein zur Finanztransaktionssteuer ist nicht durchzuhalten. (Foto: Foto: ddp) Sind letzten Endes vielelicht so viele Details unklar, dass die von so vielen Stimmen herbeigeredete Steuer doch noch platzt? Fest steht: Derzeit stehen beispielsweise hinter einer Finanztransaktionssteuer mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen. Die Krux mit den unterschiedlichen Meinungen "Die Meinungen sind darüber ein Stück weit noch nicht im Konsens", erklärte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Rande des Treffens der EU-Finanzminister in Brüssel ein wenig umständlich. Der nächste entscheidende Termin für diesen Plan sei der Gipfel der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer im Juni in Kanada. "Eine Einigung auf eine europäische Initiative können wir frühestens ins Auge fassen, wenn sich bei dem G20-Treffen herausstellen sollte, es gibt diese Einigung nicht." Schäuble widersprach damit etwas der Darstellung des österreichischen Finanzministers Josef Pröll. Dieser hatte erklärt, die Euro-Staaten wollten die Arbeit an einer europäischen Transaktionssteuer beschleunigen und vorantreiben. Vielleicht aber hat Europa einfach zu viele Zungen. Schäubles Einschätzung zufolge hätte eine Finanztransaktionssteuer auf internationaler Ebene kaum Chancen. Die meisten EU-Länder seien so wie die Bundesregierung der Meinung, dass eine solche Steuer nur weltweit sinnvoll sei. "Dafür werden sich die Europäer vermutlich einsetzen - wir auch - aber ob es global zustande kommt, daran bestehen erhebliche Zweifel", erklärte der deutsche Finanzminister. Unions-Fraktionschef Volker Kauder führte nach einer Sitzung der Koalitionsspitzen in Berlin aus, die Regierung werde aufgefordert, "über die Bankenabgabe hinaus sich für eine europäische, globale Beteiligung der Finanzmärkte einzusetzen". Der Kompromiss zwischen Union und FDP sieht vor, dass sich die Koalition dabei zunächst nicht auf eine Finanztransaktionsteuer oder Finanzaktivitätssteuer festlegt. Beides müsse geprüft werden, sagte Kauder. Die Regierung habe zugesagt, dass sie sich nun auf internationaler Ebene dafür einsetzen werde, assistierte CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich. "Deutschland ist jetzt einer der Befürworter." Befürworten ist gut, aber was? Beschlossen ist nichts, nur irgendetwas mit Finanzmarkt soll es sein. Anders geht es ja auch nicht, nachdem die anderen EU-Länder Tempo im Kampf gegen Spekulanten aufgenommen haben und auf keinen Fall auf Angela Merkel warten wollen. Beschlossen sindimmerhin erste Maßnahmen zur Kontrolle von Hedgefonds. Hü und hott in der Bankenszene In der Bankenbranche stößt eine solche Steuer auf ein geteiltes Echo. Während die öffentlich-rechtlichen Institute für eine Abgabe auf Finanztransaktionen sind, kommt Kritik von den Privatbanken: "Ohne überhaupt an den Ursachen der Krise anzusetzen, verteuert eine solche Steuer Finanzdienstleistungen", teilte der Bundesverband deutscher Banken mit. Die Folge wären höhere Zinsen für Kreditnehmer und niedrigere Renditen für Anleger. Eine solche Maßnahme berge damit die Gefahr, das Wirtschaftswachstum in Deutschland abzuwürgen. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband spricht dagegen von einem wirksamen Instrument zur Regulierung internationaler Bankenmärkte. Auch die FDP befürchtet eine übermäßige Belastung kleiner Sparer, hat sich nun aber zu dem Kompromiss durchgerungen - die Liberalen wollen sich nicht mehr verweigern, wenn eine Mehrheit für dieses Instrument auf europäischer oder globaler Ebene möglich ist. Wichtig sei, dass es am Ende zu einer Beteiligung der Finanzwirtschaft an den Krisenfolgen komme. Die Union war am Montag auf diese Börsenumsatzsteuer eingeschwenkt. Das als Alternative genannte Instrument einer Finanzaktivitätssteuer, das die FDP für wesentlicher effektiver hält, geht auf den Internationalen Währungsfonds zurück. Es handelt sich dabei um eine Art Bankenabgabe auf Gewinne und Manager-Boni. CSU-Chef Horst Seehofer begrüßte unterdessen die Einigung der Berliner Koalition auf die Forderung nach einer internationalen Finanztransaktionssteuer. Er habe stets verlangt, dass die Finanzbranche ihren Beitrag leiste, sagte er. Die SPD betonte dagegen, die Bewegung in der Koalition reiche noch nicht aus. "Dass sich die Koalition endlich bei der Transaktionssteuer bewegt, ist ein großer Erfolg der SPD", sagte Partei-Chef Sigmar Gabriel. "Jetzt kommt es darauf an, dass sich Union und FDP klar zu der Transaktionssteuer bekennen. Unverbindliche Prüfaufträge reichen nicht aus."
Wundersame Wendung in Schwarz-Gelb: Die Regierungskoalition von Angela Merkel gibt europäischem Druck nach und pusht Finanzmarktreformen. Europa macht Druck.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/finanzmaerkte-irgendwas-gegen-spekulanten-1.946767
Finanzmärkte - Irgendwas gegen Spekulanten
00/05/2010
Der Medienmogul und Neu-Hotelier Leo Kirch setzte für die Fußball-WM auf eine pfiffige Geschäftsidee. Es ging schief. Alles hätte so schön werden sollen: Da ist die Fußball-WM in Südafrika, und weil es wohl nicht genug Luxusunterkünfte für zahlungswillige Fans geben würde, könnte man ja einfach zwei schwimmende Luxushotels am Kap ankern lassen. Und dann kräftig abkassieren. Detailansicht öffnen Leo Kirch geht baden - mit dem Projekt "One Ocean Club". (Foto: Foto: AP) Das war der Plan. Der Plan des einstigen Münchner Medienmoguls Leo Kirch, 83, der den Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 aufgebaut hat und eifrig Handel mit Senderechten betrieb. So besaß er die Lizenzen für die Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006, und auch für das Turnier 2010. Doch dann kam vor acht Jahren die Pleite. Seitdem sitzt der Senior in Münchens Innenstadt in einem gediegenen Büro ("Sekretariat"), dirigiert das Schicksal der Mediengruppe Constantin und gibt wie ehedem den Investor. So wie am Kap der Guten Hoffnung im Süden Afrikas. 4600 Betten verteilt auf zwei Kreuzfahrtschiffe wollten Neu-Hotelier Leo Kirch und sein Partner Werner von Moltke während der Fußballfestspiele vermieten. Die Betonung liegt auf "wollten", denn der Traum vom schnellverdienten Geld während der WM ist geplatzt. Die Luxuskabinen auf der MS Noordam und der MS Westerdam fanden einfach keine Abnehmer, oder jedenfalls zu wenige. Eine Buchungsquote von 80 Prozent sei erforderlich gewesen, damit sich das Luxusprojekt auf dem Wasser rentiert, sagt eine Kirch-Sprecherin zu . Vor allem Fans aus Deutschland, aber auch aus Brasilien und Argentinien hätten auf den zwei Luxuslinern am Kap nächtigen wollen. Reservierungen gab es allerdings nur für gut 40 Prozent der Kabinen, so die Sprecherin weiter. Wegen der Griechenland-Krise, die längst zu einer Euro-Krise geworden ist, habe es in den vergangenen 14 Tagen Stornierungen in Serie gegeben. Im August 2009 klang noch alles anders. "Die Weltmeisterschaft übt eine solche Faszination aus, dass sie die Menschen auch in schlechten Zeiten anzieht", hatte Moltke geschwärmt. So promotete der Sohn des Präsidenten des Deutschen Volleyball-Verbands das Projekt One Ocean Club. An seiner Münchner Eventagentur ist Kirch mit 50 Prozent beteiligt. Der Mann sprach aus Erfahrung, schließlich hatte er bereits während der Olympischen Spiele 2004 in Athen das Deutsche Schiff betrieben. Wichtigste Zielgruppe für die Unterkünfte auf den Giganten der Meere: Unternehmer und Sponsoren, aber auch zahlungskräftige Privatreisende. Übernachtungen im Penthouse für 9000 Dollar Möglicherweise hatten die Absagen am laufenden Band aber auch mit den horrenden Preisen für Südafrika zu tun. Das günstigste Angebot für zwei Nächte in einer Innenkabine sollte 890 Dollar kosten; wer länger bleiben wollte, hätte deutlich mehr zahlen müssen. Die meisten Angebote für drei oder mehr Nächte gab es nicht unter 1500 Dollar, für Übernachtungen im 123 Quadratmeter großen Penthouse mit eigenem Whirlpool sollten knapp 9000 Dollar fällig werden. Für fußballverrückte Südafrika-Urlauber, die bereits mit der MS Westerdam von Barcelona nach Kapstadt oder nach der WM von Kapstadt nach Rotterdam kreuzen wollen, gibt es Entwarnung. Diese Fahrten wird es wie geplant geben, teilt der Veranstalter mit. Die MS Noordam aber muss ins Trockendock. Und Leo Kirch? Wenn es gutgeht, erscheint in ein paar Monaten eine Biographie von Nina Bovensiepen über den engen Freund von Altkanzler Helmut Kohl, in der er alles erkären wird, die Siege und die Niederlagen, die Tricks und die Tränen. Vom Leben auf Yachten hat er nie etwas gehalten, er besaß nur eine für Firmenzwecke. Vor Südafrika ist sein Geschäftssinn baden gegangen.
Der Medienmogul und Neu-Hotelier Leo Kirch setzte für die Fußball-WM auf eine pfiffige Geschäftsidee. Es ging schief.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aus-fuer-luxusschiffe-leo-kirch-geht-vor-suedafrika-baden-1.946852
Aus für Luxusschiffe - Leo Kirch geht vor Südafrika baden
00/05/2010
Finanzgeschäfte werden höher besteuert Detailansicht öffnen Die Finanzmärkte stehen am Pranger, die Politik muss handeln - und überbietet sich mit Vorschlägen. (Foto: Foto: dpa) Banken und Anleger an den Kosten der Krise zu beteiligen und riskante Geschäfte einzudämmen - diese Forderung wird schon lange erhoben. Die EU-Regierungen prüfen eine geringe Finanztransaktionssteuer, die auf alle Geschäfte am Kapitalmarkt erhoben würde. Wer den täglichen weltweiten Devisenhandel mit nur 0,02 Prozent besteuern würde, könnte jährlich mehr als 160 Milliarden Euro einnehmen. Vermutlich würden die Einnahmen geringer ausfallen, weil viele Geschäfte mit kleinen Gewinnen entfallen würden. Befürworter der auch Tobin-Steuer (nach dem US-Ökonomen James Tobin) genannten Steuer finden das gut: Sie erhoffen sich durch weniger Handel geringere Schwankungen von Währungen und Aktienkursen. Ihnen macht Sorge, dass das Volumen an den Finanzmärkten inzwischen weit höher ist als der Kauf und Verkauf von Waren, das Geld also von der wirklichen Wirtschaft entkoppelt zu sein scheint. Gegner einer Transaktionssteuer sagen: Je weniger an den Finanzmärkten gehandelt werde, desto weniger drückten Anleger ihre Meinung über den Wert etwa einer Währung aus - und desto größer fielen die Schwankungen aus. Die Erfahrungen sind unterschiedlich. Großbritannien erhebt eine Stempelsteuer auf bestimmte Wertpapiergeschäfte und nimmt dadurch Milliarden ein, ohne dass der Finanzplatz leidet. Schweden dagegen gab seine Steuer Anfang der neunziger Jahre wieder auf, weil zu viel des Geschäfts ins Ausland abwanderte. Das gilt als größter Nachteil einer Tobin-Steuer: Wird sie nur in bestimmten Ländern eingeführt, werden die Geschäfte in andere Länder oder außerhalb der Börsen verlagert. Die Bundesregierung favorisiert eine Finanzaktivitätssteuer. Dabei würden die Gewinne der Banken und die Gehaltszuschläge der Banker höher besteuert als bisher. Beide Posten lassen sich nicht so leicht in andere Kanäle verlagern. Der Weltwährungsfonds IWF präferiert eine solche Steuer, die ab einer bestimmten Gewinn- oder Gehaltshöhe greifen und so besonders lukrative (und daher meist riskante) Geschäfte eindämmen könnte. US-Präsident Barack Obama hat für die USA eine Bankenabgabe in einer Höhe vorgeschlagen, die in Deutschland jährlich neun Milliarden Euro bringen würde. Kritiker wenden ein, angeschlagene Banken könnten eine solche Abgabe kaum stemmen. Gesunde Banken zu belasten sei aber unfair, da sie in der Krise nicht dem Staat zur Last gefallen seien. (Alexander Hagelüken)
Deutschland untersagt ungedeckte Leerverkäufe, Europa plant eine Transaktionssteuer - werden demnächst gar Banken zerschlagen? Die Fakten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/euro-krise-finanzmaerkte-regulieren-wie-geht-das-denn-1.947344
Euro-Krise - Finanzmärkte regulieren - wie geht das denn?
00/05/2010
Air Berlin rechnet wegen der Euroschwäche mit höheren Kosten für Absicherungsgeschäfte - die Kunden zahlen die Zeche. Und: Springer trennt sich von Zeitschriften. Die Kunden der Fluggesellschaft Air Berlin müssen sich schon bald auf höhere Ticketpreise einstellen. Detailansicht öffnen Der schwache Euro führt dazu, dass Air Berlin wohl die Ticketpreise anheben muss. (Foto: Foto: apn) Durch den schwachen Euro kämen auf die Fluggesellschaft ab dem vierten Quartal höhere Kosten bei Absicherungsgeschäften gegen Schwankungen des Dollar zu, sagte Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer. Diese Mehrkosten wolle das Unternehmen schon kurzfristig an seine Kunden weitergeben. Wie hoch eine Preiserhöhung ausfallen könnte, ließ Air Berlin offen. Durch die Krise in den Ferienzielen Griechenland und Thailand spürt Air Berlin auf Flüge in die Regionen derzeit einen deutlichen Nachfragerückgang. Die Fluggesellschaft werde dort flexibel reagieren und bei Bedarf Kapazitäten kürzen. Mobilfunk-Frequenzen - Bieterkampf mit enttäuschendem Ende Der Bieterkampf um neu verteilte Mobilfunkfrequenzen ist beendet. Nach 224 Runden seien insgesamt 4,38 Milliarden Euro geboten worden, teilte die Bundesnetzagentur mit. Das ist nur die Hälfte des Betrags, den Analysten erwartet hatten. Die Auktion zog sich über fast sechs Wochen hin. Die spektakuläre UMTS-Auktion vor zehn Jahren hatten dem Staat gut 50 Milliarden Euro eingebracht. An der Versteigerung hatten die vier Mobilfunkbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und 02 Telefónica teilgenommen. Versteigert wurde ein Paket von 360 Megahertz - mehr als doppelt so viel wie bei der UMTS-Auktion vor zehn Jahren. Die Frequenzen sollen unter anderem dazu genutzt werden, um Internetverbindungen auf dem Land auszubauen. Außerdem wollen die Mobilfunkanbieter ihre Netze für mobile Datendienste wappnen. Besonders begehrt war die sogenannte Digitale Dividende, Frequenzen die durch die Umstellung des Rundfunks auf Digitaltechnik frei geworden sind. Für diese Frequenzblöcke im Bereich von 800 Megahertz wurden bis zuletzt die höchsten Gebote abgegeben. Letztlich sind aber nur drei Betreiber in dem Bereich zum Zuge gekommen. E-Plus ist leer ausgegangen. Am meisten bot Vodafone mit 1,43 Milliarden Euro, gefolgt von Telefónica O2 mit einem Gesamtgebot von 1,38 Milliarden Euro. Die Telekom gab Gebote von 1,3 Milliarden Euro ab. Am günstigsten kam E- Plus mit 283 Millionen Euro weg. Axel Springer verkauft Wirtschaftszeitschriften Der Medienkonzern Axel Springer trennt sich von seinen Zeitschriften Euro und Euro am Sonntag. Beide Titel, die bisher vom Tochterunternehmen Axel Springer Financial Media herausgegeben werden, bekommen einen neuen Eigentümer - und zwar den bisherigen Geschäftsführer Frank B. Werner, der die Publikationen mit einer Schweizer Beteiligungsgesellschaft gekauft hat. Andreas Wiele, Vorstand der Bild-Gruppe und Zeitschriften sagte: "Ich freue mich, dass wir mit Frank B. Werner einen zuverlässigen und verantwortungsvollen Käufer gefunden haben, der unseren Wirtschaftstiteln und den Mitarbeitern am Standort München eine langfristige Perspektive bieten kann." Künftig möchte sich Axel Springer nur noch auf seine Plattform finanzen.net konzentrieren. Die Beteiligungen an der WallstreetOnline AG und der Wallstreet Online Capital AG sowie die Zertifikate Journal AG wurden an das bisherige Management und die verbliebenen Gesellschafter verkauft. Novartis wegen Diskriminierung verurteilt Wegen der Diskriminierung weiblicher Mitarbeiter ist der Schweizer Pharmakonzern Novartis in den USA zu einer Strafzahlung von 250 Millionen Dollar (202 Millionen Euro) verurteilt worden. Ein Bezirksgericht in Manhattan verhängte die Strafe wegen der Benachteiligung von rund 5600 ehemaligen und gegenwärtigen weiblichen Angestellten, teilten die Anwälte von zwölf Geschädigten mit. Die zwölf Frauen hatten eine Sammelklage gegen ihren früheren Arbeitgeber eingereicht. Das Gericht hatte ihnen zuvor bereits 3,3 Millionen Euro Schadenersatz zugesprochen. Die Geschworenen des Bezirksgerichts sahen es als erwiesen an, dass die US-Tochter von Novartis Frauen und Männer ungleiche Löhne zahlte, weibliche Angestellte bei Beförderungen überging und schwangere Mitarbeiterinnen unfair behandelte. Dem Schweizer Unternehmen drohen nun weitere Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe, sollten sich auch andere der rund 5600 geschädigten Frauen zu einer Klage entscheiden. Novartis bedauerte die Entscheidung und kündigte an, Berufung einzulegen. Die Vorwürfe seien "unbegründet", sagte eine Sprecherin der US-Tochter. Audi setzt sich hohe Ziele Audi rechnet für das laufende Jahr weiter mit deutlich besseren Geschäften. "Wir wollen bereits in diesem Jahr wieder mehr als eine Million Automobile an Kunden übergeben und sowohl Umsatz, als auch operatives Ergebnis des Jahres 2009 übertreffen", sagte Finanzvorstand Axel Strotbek zur den Zielen des Unternehmens. Dabei soll der operative Gewinn "überproportional zum Umsatz steigen". Audi hatte bereits im ersten Quartal deutlich mehr Geld verdient. Verglichen mit dem Auftaktquartal 2009 verbuchte der Autobauer zwischen Januar und März ein operatives Ergebnis von 478 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 31,6 Prozent. Der Umsatz kletterte um 23,3 Prozent auf rund 8,2 Milliarden Euro im ersten Vierteljahr. In den ersten vier Monaten des Jahres hatte der Konzern mit weltweit 360.760 Auslieferungen einen weiteren Absatzrekord eingefahren und erwartet dank des neuen Spitzenmodells A8 und des neuen Kleinwagens A1 weiter steigende Zahlen. Audi war 2009 deutlich besser durch die schwere Branchenkrise gefahren als die Konkurrenz von Daimler oder BMW. Air France leidet unter der Finanzkrise Die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM hat die Rezession noch mal deutlich zu spüren bekommen und ist in tiefrote Zahlen gerutscht. In dem Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr sei ein operativer Verlust von rund 1,29 Milliarden Euro angefallen, teilte der Lufthansa-Rivale mit. Das entspricht einem täglichen Fehlbetrag von 3,5 Millionen Euro. Unter dem Strich fiel ein Verlust von knapp 1,6 Milliarden Euro an, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Rückgang von mehr als 91 Prozent ist. Der Umsatz ging um 15 Prozent auf 20,99 Milliarden Euro zurück. Analysten hatten mit einem niedrigeren Verlust und höheren Erlösen gerechnet. Air France begründete das schlechte Ergebnis hauptsächlich mit den Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise und den Folgen des Absturzes einer Air-France-Maschine im Juni über dem Atlantik. Trotz des Rekordverlustes hält der Konzern an seinem Ausblick für das Gesamtjahr 2010/11 fest. Sie erwarteten, die Gewinnschwelle zu erreichen, teilte das Unternehmen mit. Vor allem Anfang des Jahres habe sich das Geschäft verbessert. Wie sich das Flugverbot im April in Folge der Vulkan-Aschewolke auf das Ergebnis auswirken werde, könnten sie noch nicht sagen. Air France-KLM kündigte an, Stellen abbauen zu wollen, um Kosten zu sparen.
Air Berlin rechnet wegen der Euroschwäche mit höheren Kosten für Absicherungsgeschäfte - die Kunden zahlen die Zeche. Und: Springer trennt sich von Zeitschriften.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-air-berlin-erhoeht-ticketpreise-1.946900
Wirtschaft kompakt - Air Berlin erhöht Ticketpreise
00/05/2010
Die Delegierten riefen Pfui, und die Tagungspräsidentin sagte hinterher, als alle klatschten: "Kerstin, du hast uns die Augen geöffnet." Drei Tage diskutierten die Delegierten des DGB-Bundeskongresses bereits, über Mindestlöhne und Industriepolitik - aber kein Thema regte sie so auf wie jenes, das ihre Kollegin Kerstin Meißner von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) nun aufbrachte: dass sie, die Delegierten des DGB, in einem Hotel tagen, in dem es keinen Tarifvertrag gibt. "Der nächste Bundeskongress darf keine Gewerkschaftsgelder für Gewerkschaftsfeinde ausgeben", sagte Meißner. Detailansicht öffnen DGB-Jahrestagung im Hotel Estrel in Berlin-Neukölln - und die Delegierten sind entsetzt. (Foto: Foto: Estrel) Bei dem Hotel handelt es sich ums Estrel im Stadtteil Neukölln; es ist ein Haus, das regelmäßig von Parteien und Großorganisationen gebucht wird - weil es einen 15000-Quadratmeter-Saal und 1100 Zimmer hat, so dass alle Teilnehmer dort untergebracht werden können. Warum also geht der DGB zum Feind: weil der in Berlin alternativlos ist? Die Antwort auf diese Frage führt zu einer weiteren, grundsätzlichen Frage: Sind Tarifverträge also bereits ein Wert an sich - oder kann es für die Beschäftigten auch von Vorteil sein, wenn es im Betrieb keine gibt? Die NGG beklagt, dass das Estrel vor fünf Jahren entschieden hat, die Tarifbindung aufzugeben, dass es seinen Beschäftigten nicht mehr die 150 Euro für die Altersvorsorge zahlt, die der Tarifvertrag vorsieht, und die Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden erhöht hat; "das entspricht einer Lohnkürzung von 5,2 Prozent", wie die NGG-Delegierte Meißner auf dem Kongress sagte. Wo ist das Problem? Hoteldirektor Thomas Brückner bestreitet das alles gar nicht. Er fügt diesen Tatsachen aber ein paar weitere hinzu: Laut Tarif muss ein Hotelangestellter mindestens 7,50 Euro verdienen - im Estrel fängt man bei 9,36 Euro an, als Kellner im ersten Berufsjahr. Statt 150 Euro zahlt er 180 Euro Altersvorsorge, und zwar auch für die Auszubildenden, was der Tarifvertrag nicht verlangt. An Tarifverträge bindet er sich seit fünf Jahren nicht, weil es dem Hotel damals schlecht ging und er mit der 40-Stunden-Woche Kündigungen vermeiden wollte. Er gleicht das aus, indem er in Jahren mit Gewinn einen Bonus von mindestens 300 Euro zahlt, je nach Betriebszugehörigkeit. "In der Betriebsversammlung habe ich 100 Prozent Zustimmung bekommen", sagt Brückner. Der Betriebsrat bestätigt die Angaben, der DGB auf Anfrage auch. Wo ist also das Problem? Gewerkschafter sind von Natur aus misstrauische Menschen. Petra Schwalbe, Vorsitzende des NGG-Landesbezirks Ost, sagt: "Ohne Tarifvertrag ist jede Leistung eines Arbeitgebers freiwillig." Für sie sind Tarifverträge ein Wert an sich - weil sie nicht nur 9,36 Euro, sondern auch den Rechtsanspruch darauf garantieren. Sie sagt: "Wir sollten mit unserem Kongress nur dorthin gehen, wo Tarifverträge gelten."
Die Delegierten des Deutschen Gewerkschaftsbundes sind entsetzt: Sie tagen in einem Hotel, für das es keinen Tarifvertrag gibt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutscher-gewerkschaftsbund-der-feind-zahlt-gut-1.946829
Der Feind zahlt gut
00/05/2010
Bestens ausgebildet - und doch arbeitslos. Wer sich auf Jobsuche begibt, stellt fest, dass sich einen Schattenwelt auftut ... und viele an der Arbeitslosigkeit mitverdienen wollen. Im Folgenden geben wir einen Auszug aus dem neu erschienenen Buch "qualifiziert & arbeitslos" wieder. Barbara Ehrenreich, die bereits in dem Bestseller "Arbeit poor" im Selbstversuch erkundet hatte, ob und wie man von Billigjobs leben kann, beleuchtet in ihrem neuen Buch die arbeitslose Mittelschicht. Detailansicht öffnen Barbara Ehrenreich, hat Chemie, Physik und Molekular- biologie studiert und zählt heute zu den bekanntesten Publizistinnen Amerikas. In ihrem neuen Selbstversuch begibt sie sich als erfahrene "PR-Frau" auf Stellensuche. (Foto: Foto: Sigrid Estrada) Ausgerüstet mit einer neuen Identität und einem Lebenslauf voller Qualifikationsnachweise versucht sie fast ein Jahr lang, in den USA Arbeit zu finden. Hier lesen Sie ihre ersten Schritte, tief hinein in eine Welt ganz eigener Art. Wo beginnen? Mein erster Ausflug in die Welt der Arbeitsuchenden - an einem düsteren Dezembernachmittag vor meinem Computer sitzend - ist ausgesprochen ernüchternd. Heutzutage, so hat mir eine rasche Durchsicht der wichtigsten Websites klar gemacht, reicht es nicht mehr, die Stellenanzeigen eingehend zu studieren und Bewerbungsunterlagen zu versenden, um dann auf Anrufe zu warten. Die Stellensuche ist zu einer so komplexen Technik, wenn nicht gar Wissenschaft geworden, dass kein Arbeitsloser diese Aufgabe noch allein bewältigen kann. Das Internet bietet eine verwirrende Vielzahl von Sites, an die man seinen Lebenslauf schicken kann in der Hoffnung, dass ein potenzieller Arbeitgeber darauf aufmerksam wird. Oder man wendet sich über das Internet direkt an einige der vielen tausend Unternehmen. Aber ist die Bewerbung auffällig genug? Oder wäre es besser, persönlich bei einem der vielen "Networking Events" zu erscheinen, die neuerdings mit der Aussicht auf Erfolg versprechende Kontakte werben? Glücklicherweise gibt es an die 10.000 Menschen, die darauf brennen, mir zu helfen: die "Karrierecoachs". Laut Coaching-Websites sind sie in der Lage, meine wahre "Berufung" herauszufinden, helfen mir bei der Gestaltung meiner Bewerbungsunterlagen und reichen mir auch bei jedem weiteren Schritt die Hand. Die Coachs, deren Zahl sich alle drei Jahre verdoppelt, bilden den Kern der "Übergangsindustrie", die sich seit Mitte der 1990er Jahre als vielleicht unausweichliche Folge der Arbeitslosigkeit mittlerer und höherer Angestelltenebene etabliert hat. Anders als die arbeitslosen Arbeiter verfügen die Arbeitslosen dieser Gruppe über Geld, das sie in ihre Stellensuche investieren können. Außerdem sind sie häufig einsam und deprimiert - mit anderen Worten, sie stellen einen idealen Markt für Dienstleistungen aller Art dar, die Wohlstand und neues Selbstbewusstsein verheißen. Einige Coachs haben eine richtige Ausbildung wie etwa die fünfzehnwöchigen Kurse der Career Coach Academy durchlaufen, andere sind lediglich selbst ernannte Trainer. Zum Coach kann sich jeder erklären, auch ohne Zeugnisse, und es gibt keinerlei Berufsverbände oder andere Einrichtungen, die einem über die Schulter schauen - das heißt, für den Stellensuchenden ist es reine Glücksache, an wen er gerät.
Bestens ausgebildet - und doch arbeitslos. Wer sich auf Jobsuche begibt, stellt fest, dass sich einen Schattenwelt auftut ... und viele an der Arbeitslosigkeit mitverdienen wollen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/qualifiziert-arbeitslos-irrfahrt-durch-die-bewerbungswueste-1.517284
qualifiziert & arbeitslos - Irrfahrt durch die Bewerbungswüste
00/05/2010
Die Finanzkrise drückt auch das Geschäft mit Champagner. Marktführer Moët & Chandon holt sich darum Scarlett Johansson. Das Tolle an Hollywood-Stars ist, dass sie immer ein wenig unberechenbar sind. Scarlett Johansson hat das gerade in London demonstriert. Die Schauspielerin ("Lost in Translation", "Vicky Cristina Barcelona") ist seit dieser Woche das Gesicht der Marke Moët & Chandon, sie soll dem Produkt ein neues Image verleihen. Detailansicht öffnen Scarlett Johansson soll Moët & Chandon aufhübschen (Foto: Foto: Getty) Auf Fotos und im Film glänzt die blonde Muse fast im selben Farbton wie das goldene Etikett; sie steht gedankenlosen in einem Regen aus Schaumweinspritzern - ihre leicht geöffneten Lippen scheinen bereit zu sein für den Flirt mit der bekannten Flasche. Zwei Scarletts Zum Leidwesen einiger Moët-Manager erschien Johansson beim Start der Kampagne in London mit dunklen Haaren, was den Goldeffekt sichtlich trübte. Auf einer Champagner-Party mit reichlich Prominenz im schicken Big Sky Studio waren gewissermaßen zwei Scarletts zu sehen: Die erste, die blonde Figur aus der Werbung, zelebrierte in Einspielungen Lebenslust und überschäumende Freude, die zweite Scarlett, eine kühle Brünette, absolvierte ihren Auftritt mit Disziplin und spürbarer Distanz. "Ein wenig heiß" sei ihr, klagte die 24-Jährige, nachdem sie alle Fotografenwünsche befriedigt hatte. Für die führende Marke aus der Champagne, die unter dem Dach des französischen Luxuskonzerns LVMH etwa ein Fünftel des Marktes abdeckt, ist die Hochglanz-Kampagne so etwas wie ein Kulturbruch. Dass Stars wie Madonna oder Charlize Theron für Produkte aus den LVMH-Sparten Mode, Kosmetik und Schmuck einstehen, ist in der Luxuswerbung schon selbstverständlich. Neu ist dagegen, dass eine amerikanische Schauspielerin mit vielfältigen Verpflichtungen nun für eine ehrwürdige Traditionsmarke wirbt. Für Knalleffekte und prickelnde Inszenierungen sollte bisher vor allem das Produkt sorgen - es sollte für sich selbst stehen. Offenbar ist nun die Verzweiflung groß. Der Präsident von Moët & Chandon, Frédéric Cuménal, sitzt in einer Londoner Hotelsuite und schwärmt für die Schauspielerin, die in den Printmedien und auf Plakatwänden mit seinem Produkt zu sehen sein wird. "Scarlett ist für uns die perfekte Muse, weil sie gerne Champagner trinkt und als Genießerin alter Schule glaubwürdig ist", sagt der Manager. Und seine "Ikone" legt sich für die Franzosen auch ins Zeug: Sie habe, bekannte sie in der Gala, schon im Alter von elf Jahren das erste Glas Champagner getrunken, bei der Silvesterparty ihrer Eltern. Gegen Kater helfe im Übrigen reichlich Wasser vor dem Schlafengehen - und zwei Aspirin zur Sicherheit. Katerstimmung auch im Champagnerland? Insgesamt stehen die Produzenten aus dem Nordosten Frankreichs vor einer schwierigen Situation, wie auch Cuménal einräumt. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Stimmung getrübt, die Absätze in der gesamten Branche sinken. Signal der Hoffnung Bei der LVMH-Gruppe gab es im vergangenen Jahr ein Minus von vier Prozent - ein größeres Absacken konnte vor allem deshalb verhindert werden, weil der Konsum in Ländern wie Russland oder China stark steigt. Verkaufte die LVMH-Gruppe 2007 noch 59,9 Millionen Champagnerflaschen weltweit, waren es 2008 nur noch 57,6 Millionen Flaschen. "Natürlich kämpfen wir mit der Krise. Aber wir wollen ein Signal der Hoffnung setzen", sagt Cuménal, der dem einstigen Hoflieferanten von Kaiser Napoleon amerikanische Marketingmethoden verordnet hat. Er setzt auf den Bekanntheitsfaktor und "Premium-Events", um zu verhindern, dass die Kunden zu Billig-Schaumwein greifen. In Deutschland etwa ist gerade Sekt aus dem unteren Preissegment gefragt. Als Sponsor für Sportveranstaltungen war Moët & Chandon bisher schon aufgetreten, es gibt Champagnerduschen bei der Formel 1 und ein Engagement beim America's Cup. Mit der Filmbranche ist man seit Jahrzehnten verbunden. Schon Stars wie Audrey Hepburn, Cary Grant und Grace Kelly machten auch im Kino prickelnde Produktwerbung. In diesem Jahr hielten die Franzosen bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles offiziell Einzug: Erstmals konnte sich eine Champagner-Firma auf dem roten Teppich darstellen, sogar Kate Winslet hielt kurz an, um eine Magnum-Flasche für wohltätige Zwecke zu signieren. Natürlich ist Moët & Chandon bei einem solchen Großereignis nur ein Sponsor von vielen, deshalb setzt man in der Zentrale in Epernay auf Breitenwirkung: Parallel zur Oscar-Verleihung fanden in sechs amerikanischen Großstädten Partys für eine verwöhnte Klientel statt. In anderen Ländern gibt es ähnliche Veranstaltungen, bei denen lokale Celebrities und markenbewusste Champagnerfreunde PR-trächtig feiern. Ein Problem jedoch bleibt: Mit seiner neuen Offensive macht Moët vor allem den Mitspielern im eigenen Konzern Konkurrenz. Denn die kleineren Firmen Veuve Clicquot, Dom Pérignon, Krug und Ruinart gehören ebenfalls zur weitgefächerten LVMH-Gruppe - vielleicht gibt es ja bald neben Scarlett Johansson eine zweite Champagner-Muse.
Die Finanzkrise drückt auch das Geschäft mit Champagner. Marktführer Moët & Chandon holt sich darum Scarlett Johansson.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/moet-chandon-flirt-gegen-die-krise-1.412826
Moët & Chandon - Flirt gegen die Krise
00/05/2010
Von Wasser, Sonne, Parties und Hartz IV. Ein Erfahrungsbericht über eine Begegnung mit McKinsey. Im Folgenden geben wir einen Auszug aus dem neu erschienenen Buch "beraten & verkauft" wieder, das derzeit zu den meistverkauften Sachbüchern zählt. Detailansicht öffnen "Führer, Ehrgeiz, Pflicht? Das wird ein Spaß, denke ich." (Foto: Foto: dpa) Der Autor Thomas Leif nähert sich darin einer unnahbaren Branche an: Den Unternehmensberatern. Bestandteil des Buches ist auch ein Erfahrungsbericht von Julia Friedrichs über den Recruiting-Prozess bei McKinsey, den Sie hier im Rahmen einer kleinen Serie bei sueddeutsche.de nachlesen können. Was bisher geschah: Julia Friedrichs, seinerzeit Journalistik-Studentin, wird 2005 von McKinsey zur EuroAcademy nach Griechenland eingeladen. Dort sammelt sie erste Eindrücke von der Welt der Berater. Und die von ihr. Zwei Tage ist sie schon dort. Tag drei: "Work hard, party hard" Müde stehe ich am nächsten Morgen in der Hotellobby. Heute habe ich Jeans an, meine Badesachen, ein Handtuch und Sonnencreme sind im Rucksack. "Smart casual" heißt die Kleiderordnung für heute. Smart heißt klug, casual sportlich. Wahrscheinlich muss man schon ein bisschen länger im Geschäft sein, um zu wissen, welcher Stil sich hinter dieser Wortkombination verbirgt. Es ist ein wunderschöner, warmer Oktobertag. Ich muss daran denken, dass mein Vater seit Ewigkeiten davon träumt, einmal in der Ägäis zu segeln. Für uns hat McKinsey heute 21 Jachten gemietet. Um kurz nach acht kommen wir im Hafen bei Athen an. Unsere Crew besteigt Schiff 21, die "Destiny". Nun warten wir auf unseren Skipper. Doch der trinkt gerade Kaffee und teilt den aufgeregten Consultants mit, dass die Hafenpolizei unsere Papiere erst in einer Stunde bearbeiten wird. "Ist doch auch bescheuert", sagt Rosa aus Spanien später. "So früh an einen griechischen Hafen zu kommen und zu denken, die setzen sich dann in Bewegung. In Spanien hätten die denen auch einen Vogel gezeigt." Als wir um kurz nach zehn schließlich starten, hinken wir über zwei Stunden dem Zeitplan hinterher. Effizienz sieht anders aus. Im Programm hieß es, wir würden jetzt eine "Sailing instruction" bekommen, eine Art Segelgrundkurs. Jeder Teilnehmer musste vorher angeben, welche Eigenschaften er zur Segelcrew beitragen würde. "Ich erledige alle Aufgaben so schnell wie möglich", hat eine Britin geschrieben. "Ich werde meine Pflicht erfüllen, was immer meine Aufgabe sein wird", verspricht ein Russe. Eine Schweizerin hat den Ehrgeiz, immer zu gewinnen. Eine Britin schreibt sogar davon, dass sie zur Führerin der Crew aufsteigen werde, wenn es nötig sei. Dass sie aber auch anderen Führern gehorchen könne. Führer, Ehrgeiz, Pflicht? Das wird ein Spaß, denke ich und schaue mir weitere Selbstporträts an. "Ich werde eine Angel mitbringen ", schreibt ein Schwede. "Ich mache exzellenten Gin Tonic", verspricht ein Brite. Ich nehme mir vor, die beiden später zu treffen. Mittlerweile hat der Segelkurs begonnen. Unser Skipper Nansis zeigt uns, wie wir die Vakuumspülung der Toilette bedienen. Dann hissen wir zusammen das Großsegel. Damit ist die "Sailing instruction" auch schon wieder zu Ende.
Von Wasser, Sonne, Parties und Hartz IV. Ein Erfahrungsbericht über eine Begegnung mit McKinsey.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/beraten-verkauft-iii-segeln-mit-mckinsey-1.825786
beraten & verkauft (III) - Segeln mit McKinsey
00/05/2010
Bestens ausgebildet - und doch arbeitslos. Wer sich auf Jobsuche begibt, stellt fest, dass sich einen Schattenwelt auftut ... und viele an der Arbeitslosigkeit mitverdienen wollen. Im Folgenden geben wir einen Auszug aus dem neu erschienenen Buch "qualifiziert & arbeitslos" wieder. Barbara Ehrenreich, die bereits in dem Bestseller "Arbeit poor" im Selbstversuch erkundet hatte, ob und wie man von Billigjobs leben kann, beleuchtet in ihrem neuen Buch die arbeitslose Mittelschicht. Detailansicht öffnen Barbara Ehrenreich, hat Chemie, Physik und Molekular- biologie studiert und zählt heute zu den bekanntesten Publizistinnen Amerikas. In ihrem neuen Selbstversuch begibt sie sich als erfahrene "PR-Frau" auf Stellensuche. (Foto: Foto: Sigrid Estrada) Ausgerüstet mit einer neuen Identität und einem Lebenslauf voller Qualifikationsnachweise versucht sie fast ein Jahr lang, in den USA Arbeit zu finden. Hier lesen Sie ihre ersten Schritte, tief hinein in eine Welt ganz eigener Art. Völlig unbeirrt nimmt Morton die Elvis-Puppe, deren Beine wie in einer grässlichen Leichenstarre im rechten Winkel vom Rumpf abstehen, und erklärt mir, er wolle mit ihr verdeutlichen, dass "die Puppe etwa so viel Ähnlichkeit mit dem wirklichen Elvis hat wie Sie mit Ihrem Persönlichkeitstyp". Ich möchte einwenden, dass die Puppe sehr wohl dem wirklichen Elvis ähnle, auf jeden Fall dem jugendlichen, vor der unseligen Gewichtszunahme, zumindest könne jedermann sehen, dass es sich nicht um eine Barbie-Puppe handle. Aber das trifft nicht die großen Fragen, nämlich was ich hier tue, wenn der Test doch sinnlos ist, und was dieser Test überhaupt mit meiner Stellensuche zu tun hat. Außerdem legt Morton Elvis jetzt auf einen Beistelltisch, so dass nur noch das Oz-Ensemble bleibt. Wir wenden uns den Ergebnissen zu. Wie sich herausstellt, "passen meine Werte zu fast jedem Persönlichkeitstyp". Was Originalität und Effizienz betrifft, stehe ich ganz oben, und wenn man das auf ein Enneagramm überträgt, verbinden mich die diagonalen Linien mit Gott und der Liebe. Damit bin ich der Zinnmann mit ein wenig Löwe darin, sagt Morton, wobei er an den entsprechenden Puppen herumfummelt. Als nächstes fördert er die geheimnisvollen Folien zutage, die die ganze Zeit in einem Aktenordner gewartet haben. Diesmal bin ich entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen, doch als er eine Folie mit dem Titel "Das Enneagramm-Symbol" mit ineinander verwobenen Dreiecken hervorzieht, fällt mir nur noch die Frage ein: "Was hat der Kreis zu bedeuten?". Er dient, erklärt Morton, "der grafischen Einheit" - heißt das, dass ihm die Zeichnung einfach gefällt? - und soll außerdem zeigen, dass "es um die ganze Person geht". Und das große Dreieck?, fahre ich sinkenden Mutes fort. "Das sind die drei Zentren der Intelligenz." Es zeigt sich jedoch, dass meine originellen, effektiven, guten und liebenden Seiten nicht der entscheidende Punkt sind. Es geht darum, meine "unergiebigen" Seiten zu verstehen, die anscheinend meine schlechten Seiten sind, denn da muss ich etwas unternehmen. Manche Menschen, sagt Morton und deutet auf den braunen Winterrasen vor dem Fenster, weigern sich, diesen Seiten Aufmerksamkeit zu schenken. Einmal sei eine Lehrerin in Tränen ausgebrochen, als sie von ihren schlechten Seiten erfuhr. Zu meinen schlechten Seiten gehören Hypersensibilität und eine Neigung zu Melancholie und Neid, ganz zu schweigen von den negativen Zügen, die zutage treten,wenn man von den Eckpunkten "Liebevoll" und "Effektiv" Diagonalen zieht. Schlussendlich heißt das alles auf der praktischen Ebene, dass ich vor dem Hintergrund meiner ausgesprochen emotionalen und künstlerischen Persönlichkeit (woher habe ich die jetzt wieder?) wahrscheinlich "nicht besonders gut schreibe". Die "empfohlene Maßnahme" lautet "intensive Tagebuch-Workshops", um meine schriftstellerischen Fähigkeiten aufzupolieren.
Bestens ausgebildet - und doch arbeitslos. Wer sich auf Jobsuche begibt, stellt fest, dass sich einen Schattenwelt auftut ... und viele an der Arbeitslosigkeit mitverdienen wollen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/qualifiziert-arbeitslos-iii-die-sache-mit-der-elvispuppe-1.656499
qualifiziert & arbeitslos (III) - Die Sache mit der Elvispuppe
00/05/2010
Der Karikaturen-Streit und die globale Wirtschaft: Werte sind nicht vom Standort abhängig. Unternehmen dürfen deshalb keine Kompromisse in Sachen Freiheit eingehen. Das Foto, abgedruckt im Wirtschaftsteil der SZ vom Dienstag, müsste eigentlich einen Schock auslösen: Eine Filiale des französischen Einzelhandelskonzerns Carrefour in Kairo, in der ein Schild die "lieben Kunden" darauf hinweist, dass Carrefour seine "Solidarität mit der ägyptischen und islamischen Gemeinschaft" ausdrücken wolle und daher keine Produkte aus Dänemark mehr führe. Mit anderen Worten: Der Laden befolgt den Boykottaufruf islamischer Extremisten gegen Dänemark. Detailansicht öffnen Ein Ladenbesitzer in Baghdad ruft zum Boykott dänischer Produkte auf. (Foto: Foto: AP) Natürlich redet die Firma den Skandal jetzt klein: Der Konzern halte an dem ägyptischen Unternehmen gleichen Namens doch nur eine Minderheitsbeteiligung, die unternehmerische Führung liege bei einer Partnerfirma. Als ob das eine Entschuldigung wäre. Carrefour ist Carrefour. Oder was ist vom schweizerischen Nestlé-Konzern zu halten, der in Saudi-Arabien die Kunden per Zeitungsanzeige davon unterrichtete, dass sein Milchpulver nicht von dänischen Kühen stammt. Eine von Unbekannten gesteuerte SMS-Kampagne hatte dies behauptet; möglicherweise hatten die Urheber das Schweizer Kreuz mit der dänischen Flagge verwechselt. Ist das so weit entfernt von ausländischen Unternehmen, die in den dreißiger Jahren mit dem Hinweis in Deutschland ins Geschäft kommen wollte, sie beschäftigten keine Juden? Man mag den Vergleich für übertrieben halten, aber das Thema ist ernst genug, es betrifft das Selbstverständnis des Westens in einer globalisierten Welt. Globalisierung bedeutet unter anderem Immigration und dramatisch sinkende Informationskosten. Gäbe es diese beiden Phänomene nicht, dann gäbe es auch die Hysterie um die albernen Mohammed-Karikaturen in Jyllands-Posten nicht, sie wären gar nicht erst gedruckt worden. Betroffen von den interkulturellen Friktionen der Globalisierung sind auch deren Motoren, die multinationalen Konzerne. Siemens etwa ist in 190 Ländern vertreten und war schon globalisiert, als es den Begriff noch gar nicht gab. Ein derartiger Konzern muss sich überall auf der Welt an die jeweils geltenden Gesetze, Sitten und Gebräuche halten. Wenn er gut beraten ist, wird er sogar versuchen, dies besonders vorbildlich zu tun - corporate citizenship nennt man das. Das Problem ist nur, dass viele Länder auf der Welt weder frei noch demokratisch sind. Ein wichtiges Beispiel war früher der Apartheid-Staat Südafrika, heute ist es die Volksrepublik China. Zu der kritischen Kategorie gehören aber auch die meisten Staaten des Nahen Ostens, einer Region, die wirtschaftlich immer wichtiger wird, in der aber diktatorische Regime oder radikale Oppositionsgruppen die Massen manipulieren. Und hier müssen Unternehmen Position beziehen, und zwar durchaus in ihrem eigenen Interesse. Sie werden nur dann als corporate citizens wahrgenommen, wenn sie erkennbare ethische Leitlinien haben.
Der Karikaturen-Streit und die globale Wirtschaft: Werte sind nicht vom Standort abhängig. Unternehmen dürfen deshalb keine Kompromisse in Sachen Freiheit eingehen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/carrefour-nestle-google-co-freiheit-ist-grenzenlos-1.516780
Carrefour, Nestlé, Google & Co. - Freiheit ist grenzenlos
00/05/2010
Unternehmen und Karrieretrainer - sie alle glauben, dass Persönlichkeitstests eine große Hilfe bei der Personalauswahl sind. Doch daran darf man zweifeln. Im Folgenden geben wir einen Auszug aus dem neu erschienenen Buch "qualifiziert & arbeitslos" wieder. Barbara Ehrenreich, die bereits in dem Bestseller "Arbeit poor" im Selbstversuch erkundet hatte, ob und wie man von Billigjobs leben kann, beleuchtet in ihrem neuen Buch die arbeitslose Mittelschicht. Detailansicht öffnen Barbara Ehrenreich, hat Chemie, Physik und Molekular- biologie studiert und zählt heute zu den bekanntesten Publizistinnen Amerikas. In ihrem neuen Selbstversuch begibt sie sich als erfahrene "PR-Frau" auf Stellensuche. (Foto: Foto: Sigrid Estrada) Ausgerüstet mit einer neuen Identität und einem Lebenslauf voller Qualifikationsnachweise versucht sie fast ein Jahr lang, in den USA Arbeit zu finden. Hier lesen Sie ihre ersten Schritte, tief hinein in eine Welt ganz eigener Art. Vielleicht kann man den Karrierecoachs die Verwendung bodenloser Persönlichkeitstests nachsehen, weil sie dem Coachingprozess den Anschein verleihen wollen, er sei wissenschaftlich fundiert. Aber die Tests genießen tatsächlich überall Glaubwürdigkeit, nicht nur bei den Coachs, sondern auch bei den Entscheidungsträgern in den Unternehmen. 1993 unterzogen sich drei Millionen Amerikaner dem Myers-Briggs-Test. 89 der 100 größten Unternehmen auf der Fortune-Liste verwenden ihn, um ihre mittleren und höheren Angestellten an der richtigen Stelle in der Hierarchie zu platzieren. Das Enneagram Institute listet auf seiner Website Unternehmen auf, die angeblich den Enneagramm-Test verwenden, um ihre Angestellten auszuwählen. Dazu gehören Amoco, AT&T, Avon, Boeing, DuPont, eBay, General Mills, General Motors, Alitalia Airlines, KLM Airlines, Hewlett-Packard, Toyota, Procter & Gamble, International Weight Watchers,Reebok Health Clubs,Motorola, Prudential Insurance und Sony. Bei Amazon findet man zahlreiche, offenbar ausnahmslos unkritische Bücher über das Enneagramm, darunter Das Eneagramm in Liebe und Arbeit, Das spirituelle Eneagramm und Das Eneagramm in Unternehmen. Sicher, meine erste Begegnung mit dem Enneagramm fand in Gegenwart des verrückten Zauberers von Oz statt. Aber der Test, den ich machte, war real und soll, wie meine Internetrecherche ergab, aus Sufismus und Buddhismus, aus der jesuitischen Philosophie und keltischer Weisheit abgeleitet sein - solide unterfüttert mit Erkenntnisen der Numerologie. Der Anfang des 20. Jahrhunderts wirkende russische Mystiker G. I. Gurdjeff scheint dabei zwar eine Quelle der Inspiration gewesen zu sein, aber die Entwicklung der modernen Enneagramm-Theorie wird im wesentlichen zwei Männern zugeschrieben: Oscar Ichazo, einem aus Bolivien stammenden Mystiker, und Claudio Naranjo, einem Psychiater, der sich in den 1960er Jahren durch die Verwendung halluzinogener Drogen in der Psychotherapie einen Namen machte. Welche "alte Weisheit" der Enneagramm-Test auch immer zu repräsentieren vorgibt, er ist eigentlich nichts weiter als ein Mischmasch windiger New-Age-Sehnsüchte nach mystischer Einheit, die dem Chaos menschlicher Erfahrung zugrunde liegen soll.
Unternehmen und Karrieretrainer - sie alle glauben, dass Persönlichkeitstests eine große Hilfe bei der Personalauswahl sind. Doch daran darf man zweifeln.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/qualifiziert-arbeitslos-v-warum-psychotests-so-sinnlos-sind-1.516211
qualifiziert & arbeitslos (V) - Warum Psychotests so sinnlos sind
00/05/2010
Ohne das übliche Werbe-Brimborium hat H&M eine Kollektion mit Heimtextilien auf den Markt gebracht. Doch die Produkte gibt es nicht in den Filialen - denn das Unternehmen ist vorsichtig geworden. Wenn der Modekonzern Hennes und Mauritz (H&M) eine neue Kollektion startet, dann ist es normalerweise schwer, sich dieser Nachricht zu entziehen. Auf Plakatwänden, in Werbespots, in Zeitschriften - überall wird der Kunde mit H&M-Werbung penetriert. Meistens geschieht das in Verbindung mit prominenten Werbegesichtern wie Madonna, Stella McCartney oder Kylie Minouge. Detailansicht öffnen Eine Kollektion mit Heimtextilien hat der Modekonzern H&M herausgebracht - allerdings ohne das übliche Werbe-Brimborium. (Foto: Screenshot: H&M) Nun hat der schwedische Konzern seine erste Kollektion mit Heimtextilien herausgebracht - überraschenderweise jedoch ohne das übliche Werbe-Brimborium. Die Heimtextilien werden seit einigen Wochen vertrieben, doch in den weltweit 1700 H&M-Shops, sucht man die Produkte vergebens. Tischdecken, Kissenbezüge, Gardinen gibt es nur über einen speziellen Katalog und im Internet-Shop. Das bestätigte eine H&M-Sprecherin gegenüber sueddeutsche.de. Experten wundern sich: "Es ist ein wenig überraschend, dass H&M diese Serie nicht offensiver vermarktet", sagte Anders Wiklund, Analyst der schwedischen Evli Bank, dem Wall Street Journal. Zara: Probleme mit Heimtextilien Eigentlich war die Kollektion bereits für Herbst 2007 geplant, berichtet die Zeitung. Doch der Start verschob sich. Im November 2008 präsentierte der Modekonzern dann die neue Serie relativ lautlos im Rahmen eines Events in Berlin. Es gibt jedoch auch Experten, die den plötzlichen Sinneswandel von H&M verstehen können. Ein neue Produktgruppe einzuführen sei immer mit einem gewissen Risiko verbunden, sagt Anne Chritchlow von der französischen Bank Société Générale. Die Werbestrategie von H&M sei eine Möglichkeit, ohne Druck zu testen, wie die Kollektion ankommt und die Serie langsam aufzubauen. Möglicherweise sind die Schweden auch durch die Erfahrungen des spanischen Mitbewerbers Inditex (Zara) abgeschreckt. Der Modekonzern präsentierte seine Heimtextilien-Kollektion bereits im Jahr 2003 - in eigenen Shops. Die Konzernsparte leide derzeit besonders unter dem Wirtschaftsabschwung, berichtete das Wall Street Journal. Inditex hat in ihrem letzten Quartalsbericht die Ergebniss von Zara Home nicht gesondert ausgewiesen. Allerdings, so schreibt die Zeitung, heißt es in dem Bericht, die Sparte entwickle sich unterdurchschnittlich. H&M verteidigte die defensive Strategie sowie den Vertrieb per Versand. "Das ist ein moderner unkomplizierter Vertriebsweg, der H&M Home für alle Kunden verfügbar macht", sagte eine Konzernsprecherin. Und die Sparten-Verantwortliche Maria Lindholm verriet immerhin: "Wir investieren in diese Serie langfristig."
Ohne das übliche Werbe-Brimborium hat H&M eine Kollektion mit Heimtextilien auf den Markt gebracht. Doch die Produkte gibt es nicht in den Filialen - denn das Unternehmen ist vorsichtig geworden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/h-m-neue-produktserie-schweigsame-schweden-1.490276
H&M: Neue Produktserie - Schweigsame Schweden
00/05/2010
Noch vor einem Monat schien das Internet eine der letzten Bastionen der Zigaretten-Werbung zu sein. Doch nun nahmen die Tabak-Multis überstürzt ihre Seiten in EU-Ländern aus dem Netz. Wer seit Jahresbeginn versucht hat, die deutsche Website einer Zigarettenmarke aufzurufen, fand überall das gleiche trostlose Bild vor: Ein kurzer Text und danach als einzige optische Auflockerung ein schwarz umrahmter Warntext: "Rauchen kann tödlich sein". Detailansicht öffnen Die bunte Werbewelt von Camel, Marlboro, Lucky Strike und West ist inzwischen zu einem einzigen Warnhinweis verkommen. (Foto: Screenshot www.west.de) Egal ob camel.de, west.de oder lucky-strike.de: Alle deutschen Zigaretten-Websites wurden offenbar vom Netz genommen. Als Grund dafür wird auf den Websites das Inkrafttreten der EU-Tabakwerberichtlinie genannt, der zufolge Werbung für Tabakprodukte im frei zugänglichen Internet verboten ist. Gegenüber sueddeutsche.de bestätigt Reemtsma-Sprecher Sebastian Blohm diesen Grund. "Das Gesetz ist am 29.12.2006 in Kraft getreten. Daraufhin haben wir unsere Website vom Netz genommen". Sie werden auch nicht mehr online gehen, denn auf die Frage, ob das das Ende der Internetpräsenz für Zigaretten in Deutschland bedeute, meint Blohm lapidar: "Für uns ja." Den Jugendschutz im Herzen Blohm unterstreicht, dass Reemtsma als eines der ersten Tabakunternehmen auf diese Richtlinie reagiert hätte, denn "wir sehen uns als verantwortungsvolles Unternehmen, dem vor allem der Jugendschutz am Herzen liegt." Allerdings führte die Auslegung der Richtlinie offenbar zu einigem Zoff in der Tabakindustrie, denn nicht alle sahen darin die Notwendigkeit des unmittelbaren Abschaltens ihrer Webpräsenz. "Nach einigen Auseinandersetzungen gehen nun aber alle Anbieter vom Netz", so Blohm. Schon vor Inkrafttreten der Tabakwerberichtlinie zeichneten sich Zigaretten-Websites durch vergleichsweise strikte Zugangsbeschränkungen aus: Neben der Eingabe von Alter und Anschrift wurde oftmals die Reisepassnummer abgefragt, um sicherzustellen, dass nur erwachsene Raucher Zutritt zum meist humorvoll gestalteten Inhalt der einzelnen Zigaretten-Websites haben. Auch Schufa-Abfragen aus diesem Grund waren nicht ungewöhnlich. Hochsicherheits-Website Marlboro.com Einen Eindruck von den bis Ende letzten Jahres hier geltenden Zugangsbeschränkungen kann man sich immer noch verschaffen, etwa bei www.marlboro.com, der amerikanischen Startseite des Tabakriesen Philipp Morris. Diese ist unter der Adresse smokerssignup.com verlinkt und gleicht eher der trockenen Internet-Präsenz eines Finanzberaters denn einer Werbeseite für ein Konsumprodukt. Ist man wirklich gewillt, Informationen oder Gutscheine der Zigarettenmarke Marlboro zu beziehen, so muss man zuvor umfassende Informationen von sich preisgeben: Name, Adresse, Geburtsdatum, Führerscheindaten und die letzten vier Stellen der Sozialversicherungsnummer sind nötig, um Zugang zur Marlboro-Website zu erhalten. Ist man unter 21 oder nicht amerikanischer Staatsbürger, bleibt der Zugang gänzlich verwehrt. Willentlicher Abruf Für eine Information, die der Verbraucher willentlich abrufen muss, sind diese Zugangsbeschränkungen also durchaus rigoros. Obwohl sich Internet-Werbung dadurch eigentlich von anderen Werbeformen unterscheidet, macht die EU-Richtlinie zum Tabakwerbeverbot keinen Unterschied zwischen Websites und Radio- oder Printwerbung. Dass die EU mit ihren Werbeverboten über die bislang ja schon strikten Zugangsbeschränkungen hinaus geht, ist vor allem einem Ziel geschuldet: dem Rückgang der Raucherzahlen in Europa. Ob dies erreicht wird, ist ungewiss. Sicher ist lediglich, dass dadurch Verlagen und Werbeagenturen Millionen an Werbegeldern entgehen. Die Tabakindustrie moniert, dass Erfahrungen mit anderen Ländern, in denen strenge Werbeverbote schon länger existieren, zeigten, dass durch die Verbote die Zahl der Raucher keineswegs gesenkt werden konnte: Denn eines sei klar: "Der Gesundheitsgedanke hinter dem Werbeverbot, der zieht nicht", sagt Reemtsma-Mann Blohm.
Noch vor einem Monat schien das Internet eine der letzten Bastionen der Zigaretten-Werbung zu sein. Doch nun nahmen die Tabak-Multis überstürzt ihre Seiten in EU-Ländern aus dem Netz.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/marlboro-man-co-rauswurf-aus-dem-web-1.905930
Marlboro Man & Co. - Rauswurf aus dem Web
00/05/2010
In den wenigsten Fällen geschieht es auf eine so öffentliche und spektakuläre Art und Weise wie derzeit bei Siemens, wenn Unternehmen ihr Management verklagen. Und so gut wie nie geht es dabei um so große Schmiergeldaffären und drohende Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Unternehmen nicht gegen ihre Chefs klagen. Detailansicht öffnen D&O-Versicherungen: Der Rettungsring der Manager - eine Haftpflichtversicherung für Vermögensschäden. (Foto: Foto: Photocase/codswollop) Im Regelfall sind es Versäumnisse aus mangelnder Sorgfaltspflicht, weswegen Geschäftsführer und Vorstände von ihrem Unternehmen belangt werden. Fehler, die Geld gekostet haben und für die das Unternehmen einen Schadenersatz fordert und im Falle von Aktiengesellschaften auch fordern muss, um nicht die Eigentümer, in diesem Fall die Aktionäre, zu schädigen. Mangelnde Sorgfalt kann ein Versäumnis bei einer Auftragsvergabe sein, ein fahrlässiges Verpassen von Fördermöglichkeiten bedeuten, aber auch Verstöße gegen den Datenschutz beinhalten. Der Manager muss nicht unbedingt selbst den Fehler begangen haben; es kann ausreichen, wenn bei der Kontrolle von Mitarbeitern etwas schief gegangen ist. Wie Vermögensschäden entstehen In vielen dieser Fälle ist der Satz "Wer einen Schaden anrichtet, sollte dafür auch gerade stehen" dabei etwas zu kurz gegriffen. Sicherlich nicht zu Unrecht befürchten die meisten Unternehmen, dass zu vorsichtiges Handeln mit dem Augenmerk darauf, bloß keine Fehler zu machen, auf Dauer den geschäftlichen Erfolg gefährden könnte. Aus diesem Grund versichern denn auch Aktiengesellschaften und GmbHs ihre Vorstände, Aufsichtsräte und Geschäftsführer gegen Schadenersatzansprüche, und zwar mit einer Directors-and-Officers-Versicherung. Wie die Versicherung vorgeht Dabei handelt es sich um eine Haftpflichtversicherung für Vermögensschäden, die die Prüfung bestehender Haftungsansprüche und die Abwehr von nicht berechtigten Ansprüchen übernimmt. Im Klartext: Die Versicherung bemüht sich darum, dass nicht gezahlt werden muss. Für den Fall dass doch, leistet der Versicherer den Schadenersatz. Versichert sind dabei Vermögensschäden, die innerhalb der versicherten Zeit aufgrund von Verstößen gegen die Sorgfaltspflicht entstehen, sofern diese nicht vorsätzlich oder wissentlich geschahen. Lesen Sie weiter, wie sich die D&O-Versicherungen bis heute entwickelt haben.
Zögerliches Handeln ist meist nicht von Erfolg gekrönt. Unternehmen versichern ihr Management oft mittels spezieller Policen: der Directors-and-Officers-Versicherung.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/managerhaftpflicht-zwei-buchstaben-fuer-die-sicherheit-d-o-1.594564
Managerhaftpflicht - Zwei Buchstaben für die Sicherheit: D&O
00/05/2010
"Bei der Damenmode waren wir in unseren Kollektionen und auch in der Werbung eindeutig zu modisch", sagte Deutschland-Chef Dominic Brenninkmeyer. Die klassische Kundschaft sei durch zu junge Models in Werbespots und Anzeigen, allzu taillierte Schnitte sowie zu bunte Farben abgeschreckt worden. "Hier haben wir daneben gegriffen." Die Folge: Trotz der Eröffnung von über 50 neuen Filialen sank der Umsatz des auf preiswerte Mode spezialisierten Handelshauses im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr 2004/05 um drei Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss verringerte sich sogar um 7 Prozent auf 102 Millionen Euro. "Kleine Schramme" Doch hat das Unternehmen inzwischen gegengesteuert. Dank konservativerer Schnitte bei Blusen, Kleidern und Damenmänteln und "reiferer" Models in der Werbung sei das Familienunternehmen inzwischen wieder auf den Wachstumskurs zurückgekehrt, sagte Brenninkmeyer. Das Weihnachtsgeschäft sei ein durchschlagender Erfolg gewesen. Und auch im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres - den Monaten März, April und Mai - lagen die Umsätze um 6 Prozent über dem Vorjahr. Für das laufende Jahr rechnet der Manager deshalb wieder mit einem Umsatzplus. Das Unternehmen habe zwar "eine kleine Schramme" davongetragen, bleibe aber weiter auf Wachstumskurs, betonte Brenninkmeyer. Tatsächlich will der Konzern kräftig expandieren. Insgesamt 60 neue Filialen werde C&A in diesem Jahr in Deutschland eröffnen und damit die Zahl seiner Geschäfte im Vergleich zum Jahr 2000 auf mehr als 360 verdoppeln. Dabei sollen in diesem Jahr erstmals auch wieder neue Arbeitsplätze entstehen. "Noch aggressivere Preispolitik" Um seine Expansionspläne zum Erfolg zu führen, will Brenninkmeyer weiter an der Preisschraube drehen. C&A werde künftig eine "noch aggressivere Preispolitik" verfolgen, kündigt der Manager an. Der Konzern strebe in allen Preissegmenten die Preisführerschaft an. An Rabattschlachten und Schnäppchenjagden will sich das Unternehmen aber weiter nicht beteiligen. Es bleibe beim Dauer-Niedrigpreis-Konzept, sagte der Manager. Außerdem will der Konzern seine Werbeausgaben um bis zu 10 Prozent auf fast 115 Millionen Euro steigern. Damit gehört der Konzern Brenninkmeyer zufolge zu den 10 größten Werbetreibenden in Deutschland. Bei seinem Wachstum setzt C&A dabei weniger auf "klassische", große Warenhäuser in den Innenstädten, sondern auf kleinere Filialen in Shoppingzentren, in Kleinstädten oder Stadtteilzentren. Viele Kunden seien nicht mehr bereit, lange Wege zum Einkauf auf sich zu nehmen. Davon profitierten die vergleichweise kleinen Family Stores des Konzerns, die auf rund 1.000 Quadratmetern Damen-, Herren- und Kindermode in erreichbarer Nähe anböten. Während C&A in Deutschland im abgelaufenen Geschäftsjahr eine Wachstumspause einlegte, konnte das Familienunternehmen im restlichen Europa weiter zulegen. Der Umsatz sei im einstelligen Bereich gewachsen und auch der Gewinn habe sich erhöht, sagte der Manager, ohne genaue Zahlen zu nennen. "Mit dem Europageschäft sind wir sehr zufrieden."
Ein kostspieliger Mode-Fehlgriff hat Deutschlands größtem Textilhändler deutliche Umsatz- und Ergebniseinbußen beschert.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/c-a-eine-kecke-entschuldigung-1.905066
C&A - Eine kecke Entschuldigung
00/05/2010
Mit Konglomeraten kennt Georg Kulenkampff sich aus. Zwei Jahrzehnte lang saß er in den Konzernvorständen von Thyssen, Veba und Metro. "Was die Konglomerate in den 80er Jahren waren, sind heute die Beteiligungsgesellschaften", sagt Kulenkampff. Der 54-jährige Manager ist mit der Zeit gegangen: Seit 2002 ist er Partner bei der Beteiligungsgesellschaft Terra Firma. Für die Briten fädelte er die Übernahme der Raststättenkette Tank & Rast ein, beim Kauf der Immobiliengesellschaft Viterra half ihm seine Veba-Vergangenheit. Kulenkampff war einer der ersten deutschen Manager, die in die Beteiligungsbranche wechselten - aber er ist längst nicht mehr der einzige. Detailansicht öffnen Klaus Esser (Foto: Foto: AP) Immer häufiger tauchen die Namen prominenter Manager auf den Gehalts- und Beraterlisten von Finanzinvestoren auf. Kinder der Deutschland AG wie Kulenkampff arbeiten für jene Firmenkäufer, die so intensiv daran mitwirken, die alten Strukturen aufzubrechen. Sie übernehmen Konzernsparten, bieten für privatisierte Staatsunternehmen oder kaufen Familienunternehmen auf. So lässt sich der schwedische Finanzinvestor EQT von den früheren Daimler-Managern Eckhard Cordes und Rolf Eckrodt beraten. Sie sollen wesentlich dazu beigetragen haben, dass EQT voraussichtlich als Sieger aus dem Bieterstreit um die DaimlerChrysler-Tochter MTU Friedrichshafen hervorgeht. Nach der Jahrtausendwende wechselten gefallene Stars der New Economy reihenweise in die Private-Equity-Branche. Der frühere Mannesmann-Lenker Klaus Esser wurde Deutschlandchef der amerikanischen General Atlantic, Thomas Middelhoff ging von Bertelsmann als Partner zu Investcorp, ehe er bei Karstadt-Quelle den Chefposten übernahm. Der frühere Infineon-Chef Ulrich Schumacher ist jetzt Partner bei Francisco Partners, eines auf den Kauf von Technologiefirmen spezialisierten Unternehmens. Ron Sommer beriet nach seinem Abschied von der Deutschen Telekom Blackstone, eine der größten US-Beteiligungsfirmen. Jürgen Schrempp, der scheidende DaimlerChrysler-Chef, soll mit einer Beratertätigkeit bei Dubai Capital International liebäugeln. Türöffner für Deutschland Für die Private-Equity-Gesellschaften sind deutsche Manager die Eintrittskarte in den hiesigen Markt. Die Branche wird dominiert von angelsächsischen Investoren wie Blackstone, KKR, CVC oder Carlyle. Viele dieser Risikokapitalfirmen tummeln sich erst seit wenigen Jahren auf dem deutschen Markt. Um ihn zu knacken, suchen sie Türöffner - große Namen aus der Industrie oder gut vernetzte Politiker. "Für angelsächsische Investoren, die mit der deutschen Politik und Besonderheiten wie der betrieblichen Mitbestimmung nicht vertraut sind, ist es außerordentlich schwierig, sich hier zurechtzufinden", sagt Kulenkampff. Es empfehle sich daher, entweder in Deutschland ein Büro einzurichten oder sich für einzelne Transaktionen deutsche Berater zu holen. Als die auf Immobilienbeteiligungen spezialisierte US-Firma Fortress 2004 um die Berliner Wohnungsgesellschaft Gagfah buhlte, heuerte sie Florian Gerster an. Der frühere Chef der Bundesanstalt für Arbeit und Sozialminister von Rheinland-Pfalz ging für die Amerikaner auf Werbetour. "Er war das Zünglein an der Waage für Fortress", sagt der Sprecher einer Beteiligungsfirma. Wenn der Preis nicht stimmt, kann auch der beste Berater einen Deal nicht retten. Doch Gagfah war heiß umkämpft, die von Fortress und Terra Firma gebotenen Preise lagen nah beieinander. In einer solchen Situation kann eine gute Lobby den Ausschlag geben, vor allem wenn es um eine politisch sensible Branche wie den Wohnungsmarkt geht.
Warum internationale Finanzinvestoren sich so gerne die Dienste ehemaliger deutscher Spitzenmanager und Politiker sichern.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/esser-middelhoff-co-neue-heimat-fuer-grosse-fische-1.904631
Esser, Middelhoff & Co. - Neue Heimat für große Fische
00/05/2010
Schlechte Verbindungen, abrupt endende Gespräche: US-Nutzer haben Probleme mit dem neuen iPhone. Die Mobilfunkfirmen frohlocken - und lästern über ihren Konkurrenten, den Exklusiv-Anbieter AT&T. Katerstimmung nach der großen Party zur Einführung des neuen iPhones 3G in den Staaten: Was im Juli mit mehr als einer Million verkauften Apple-Handys der dritten Generation bereits am ersten Wochenende begann, entwickelt sich nun zu einem PR-Desaster für den Mobilfunknetzbetreiber AT&T. Viele Kunden beschweren sich über schlechte Verbindungen und abrupt endende Telefongespräche. Detailansicht öffnen Funktioniert nicht immer: Das neue iPhone der dritten Generation ärgert die amerikanischen Nutzer. (Foto: Foto: Reuters) Unklar ist, wer dafür verantwortlich ist: Der iPhone-Hersteller Apple oder der AT&T, der größte amerikanische Mobilfunkanbieter - der Konzern, der das iPhone exklusiv vermarkten darf. Überwiegend richten sich die Beschwerden jedoch an AT&T. Das macht wiederum die Konkurrenten glücklich. Verizon Wireless, die Nummer zwei hinter AT&T, weiß den kleinen Skandal um das neue iPhone für sich zu nutzen: "A phone is only as good as the network it's on", hieß es auf einer ganzseitigen Zeitungsanzeige in der vergangenen Woche - ein Telefon kann nur so gut wie das Netz sein, mit dem es läuft. Die Rivalen ziehen alle Register: "So viel nun also zu der 'neuen' Art Geschäfte zu machen", habe ein Verizon-Geschäftsführer per Email an Börsenmakler aus der Wall Street geschickt, wie die New York Times berichtet. Rätselraten um den Ursprung des Problems Dieses drastische Werben um Kunden zeigt, wie umkämpft die amerikanischen Handynutzer sind: Weil fast 90 Prozent der Amerikaner bereits ein Handy besitzen, gibt es für die Mobilfunkbetreiber kaum noch Chancen zu wachsen. Es geht darum, die eigenen Kunden zu behalten und neue von der Konkurrenz abzuwerben. Verizon interessiert es also wenig, ob der Fehler denn nun wirklich bei AT&T liegt oder doch am neuen iPhone selbst. Auch den Kunden ist etwas anderes viel wichtiger: "Ich möchte bloß wissen, wen ich anrufen soll, damit das Problem behoben wird", sagte der iPhone-Nutzer Banji Jasik zur New York Times. Theorien über den Ursprung der schlechten Verbindung gibt es, genau wie Anschuldigungen, viele. Phil Marshall vom Forschungsunternehmen Yankee Group meint, dass das Problem eventuell auch irgendwo zwischen der Datenübertragung des iPhones und innerhalb des Netzwerks von AT&T liegt: "Es ist schwer, ein neues technisches Gerät wie das iPhone mit einem Netz einzuführen, das noch nicht ganz nutzbar ist", sagt er. "Wenn AT&T das Netz ausbaut, muss es auch leistungsfähiger werden. Sonst werden die Beschwerden andauern." Allerdings ist die Situation für AT&T auch besonders prekär: Auf ihnen lastet neben der Aufmerksamkeit der Millionen iPhone-Nutzer auch die der Öffentlichkeit. Dabei hat die Geschäftsführung von Verizon laut New York Times auch zugeben müssen, Probleme mit ihrem schnellsten Netzwerk haben.
Schlechte Verbindungen, abrupt endende Gespräche: US-Nutzer haben Probleme mit dem neuen iPhone. Die Mobilfunkfirmen frohlocken - und lästern über ihren Konkurrenten, den Exklusiv-Anbieter AT&T.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/pr-desaster-fuer-at-t-iphone-ohne-anschluss-1.702471
PR-Desaster für AT&T - iPhone ohne Anschluss
00/05/2010
Bittstellerei, das neue Geschäft: Die Fälle Arcandor und Porsche zeigen, wie der Staat für überhitzte Managerphantasien zahlen soll. Leistung muss sich lohnen - das haben die Deutschen oft gehört. Das Sätzchen gilt als Leitparole der Marktwirtschaft. Viele Unternehmen des Landes übersetzen ihn inzwischen ganz anders: Staatsleistung muss sich lohnen. Detailansicht öffnen Großkonzerne in akuter Schieflage - und der Staat soll helfen. (Foto: Collage: sueddeutsche.de, Fotos: ddp, AP, istock) Es gilt nicht mehr der Wettbewerb um den Kunden, das Aufspüren von Marktnischen - es gilt der Wettbewerb um Steuergelder, um Staatshilfen jeglicher Art. Zielgruppe sind Politiker, die um ein schlechtes Ergebnis bei der Bundestagswahl fürchten sowie überforderte Beamte, die jahrelang gehänselt wurden und nun die Retter der Nation sein sollen. Zu verteilen sind in der Wirtschaftskrise viele Milliarden Euro. Damit sollen Jobs gerettet werden. Die regierenden Politiker, jahrelang aufs Konsolidieren der hochverschuldeten Haushalte eingeschworen, sind freigiebig geworden. Sie treibt das - löbliche - Unterfangen, in der abwärts trudelnden Konjunktur so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten. Doch sie wissen nicht, wie. Die Unsicherheit nutzen vor allem Konzerne aus. Sie heißen Schaeffler, Arcandor oder Porsche. Sie waren einst auf ihren Gebieten und in ihrem Denken die Größten - und sind nun angeblich die Gefährdetsten. Auf einmal zählt nicht mehr Missmanagement und Misswirtschaft, auf einmal zählt nur der Kapitalbedarf. Wer die größten Fehler gemacht hat, wird mit den größten Geschenken belohnt. So sieht er aus, der neue Staatsleistungswettbewerb, der die Folgen alten Größenwahns vergessen machen soll. Die schlanke Summe von 437 Millionen Euro hat zum Beispiel aktuell Arcandor als Kredit aus der staatlichen Rettungsbeihilfe beantragt - und zudem eine Staatsbürgschaft in Höhe von 650 Millionen Euro. So kommen auf den Steuerzahler summa summarum womöglich mehr als eine Milliarde Euro zu, nur, weil ein Unternehmen nicht wirtschaften kann. Und das schon seit langem nicht. Arcandor, das ist jener Essener Konzern, der nicht mehr wie seine beiden Hauptunternehmen Karstadt-Quelle heißen darf, weil dies womöglich zu sehr an sechziger und siebziger Jahre erinnert. Ein Kunstname macht aber noch keinen Markterfolg. Lange vor der Weltwirtschaftskrise begann die Karstadt-Krise, und auch der zwischenzeitlich flamboyante Vorstandschef Thomas Middelhoff konnte daran nichts ändern. Er war nicht die Lösung des Problems, er war das Problem. Zwar verkündete er, das Unternehmen habe wieder "festen Boden unter den Füßen" - doch das war ein Wunschbild. Middelhoff verkaufte einfach das Tafelsilber, also die Immobilien, brachte so Cash in die Kasse und sorgte zugleich für üppige Miet-Verpflichtungen. Zugleich investierte Arcandor ins Reisegeschäft und hält 50 Prozent an der profitablen Firma Thomas Cook, die man auch versilbern könnte, bevor man beim Staat vorstellig wird. Den Illusionskünstler Middelhoff haben die nicht ganz unvermögenden Eigentümer - die Privatbank Sal. Oppenheim und die Fürther Milliardärin Madeleine Schickedanz - inzwischen durch den finanzsicheren Karl-Gerhard Eick ersetzt, der als Finanzvorstand der Deutschen Telekom viel Erfahrung im Umgang mit dem Bund gemacht hat. Der Bund ist Großaktionär bei der Telekom. Eick also bleibt es vorbehalten, den Hit dieser Wirtschaftssaison anzustimmen: "Haste mal 'ne Milliarde?" So hat die Bild-Zeitung kürzlich groß zum neuen Wettbewerbsverhalten deutscher Manager getitelt. "Nach den Regularien der Rettungsbeihilfe kann dieser Kredit von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sehr kurzfristig genehmigt und auch ausgezahlt werden", heißt es in der offiziellen Mitteilung von Arcandor zur aktuellen Bittstellerei. Zudem will das liquiditätsschwache Unternehmen über einen Warenhaus-Deal mit dem einzig verbliebenen Rivalen Metro verhandeln. Am Ende wird der Staat, wenn es so weiterläuft, bei den Kaufhäusern noch die Abschaffung des Wettbewerbs und die Schaffung eines Monopols prämieren. Soziale Marktwirtschaft sah einmal anders aus. Sie hatte ihre Helden, ihre Idole. So einen wie Wendelin Wiedeking, der 1993 als Chef der Porsche AG begann und aus dem damals kriselnden Sportwagenhersteller einen florierenden Börsenstar machte. Nur: Irgendwann, wenn man mit Turbogeschwindigkeit über die Autobahn braust, glaubt man fliegen zu können - Wiedeking wollte sich den 30-mal größeren Volkswagen-Konzern einverleiben. Der Mann kaufte vor den Augen der Eigentümer - der Familienclans Porsche und Piëch - munter für viele Milliarden VW-Aktien auf. Sein Finanzchef Holger Härter betrieb scheinbar erfolgreich Optionsgeschäfte, der Firmengewinn war auf einmal größer als der Umsatz - und Wiedeking stieg 2007 und 2008 mit einem Gesamteinkommen von vermutlich mehr als 150 Millionen Euro zur rentabelsten Ich-AG Deutschlands auf. Dann kam der Absturz, weil der VW-Angriff mit Großkrediten finanziert war und die Banken klemmten. Lesen Sie auf der nächsten Seite: Was hat der Staat mit überhitzten Managerphantasien zu tun?
Bittstellerei, das neue Geschäft: Die Fälle Arcandor und Porsche zeigen, wie der Staat für überhitzte Managerphantasien zahlen soll.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arcandor-porsche-co-der-staatsleistungswettbewerb-1.457621
Arcandor, Porsche & Co. - Der Staatsleistungswettbewerb
00/05/2010
Durch den Zusammenschluss werden laut P&G 6000 der zusammengerechnet 140.000 Stellen in dem neuen Unternehmen gestrichen. Durch den Zusammenschluss würde der niederländische Unilever-Konzern von Platz eins in der Konsumgüterbranche verdrängt. Die Transaktion soll über einen Aktientausch vollzogen werden. Procter & Gamble bietet 0,975 eigene Aktien für jeden Gillette-Anteil. Dies wäre ein Aufschlag von 18 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs am Donnerstag. Die Übernahme, die noch unter Vorbehalt der Zustimung der Gillette-Aktionäre und der Wettbewerbsbehörden steht, soll im Herbst abgeschlossen werden. Der 1901 gegründete Gillette-Konzern stellt neben Nass- (Mach3 und Venus) und Trockenrasierern (Braun) auch Zahnbürsten (OralB) und Batterien (Duracel) her. Das Unternehmen beschäftigt 30.000 Mitarbeiter in 14 Ländern. Procter & Gamble mit 110.000 Beschäftigten in mehr als 80 Ländern bietet über 180 Produkte an. Bekannte Marken sind Pampers-Windeln, Charmin-Toilettenpapier, Waschmittel wie Ariel, Lenor und Tide, Always-Damenbinden, Shampoo von Head & Shoulders und Wella sowie Snacks wie Bounty und Pringles. Beide Firmen unterhalten auch Vertretungen in Deutschland. Warren Buffett begeistert Die Übernahme von Gillette sei "eine einzigartige Gelegenheit" und verbinde die besten Anbieter von Konsumgütern in ihren Bereichen, erklärte P&G-Chef A.G. Lafley. Gilette-Chef James M. Kilts soll nach der Übernahme Vize-Chef des neuen Konzerns werden. Die Fusion bringe zwei Firmen zusammen, "die in ihren Stärken, ihren Kulturen und Visionen komplementär sind", betonte Kilts. Der größte Gillette-Eigner, der Finanzmagnat Warren Buffett, begrüßte den Zusammenschluss. "Das ist ein Traum-Deal", erklärte er. Er kündigte an, seinen Anteil an Procter & Gamble bis zum Abschluss der Fusion auf 100 Millionen Aktien aufzustocken. Buffett hält über seine Firma Berkshire Hathaway derzeit 96 Millionen Gillette-Aktien, was nach dem Umtauschverhältnis 93,6 Millionen Aktien von Procter & Gamble entspricht. Procter & Gamble kündigte gleichzeitig ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm an. In den nächsten zwölf bis 18 Monaten will das Unternehmen Anteile im Wert zwischen 18 und 22 Milliarden Dollar einsammeln. Die Erwartungen für die Umsatzsteigerung im laufenden Jahr erhöhte der Konzern von ursprünglich vier bis sechs Prozent auf fünf bis sieben Prozent. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres machte Procter & Gamble nach Angaben vom Donnerstag einen Umsatz von 14,5 Milliarden Dollar. Dies war ein Plus von neun Prozent. Der Nettogewinn stieg gleichzeitig um zwölf Prozent auf 2,04 Milliarden Dollar. Gillette konnte im dritten Quartal einen Anstieg des Gewinns um 14 Prozent auf 475 Millionen Dollar verbuchen.
Für 57 Milliarden Doller übernimmt der US-Konzern Procter & Gamble den Rasiererhersteller Gillette und verdrängt damit Unilever.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gillette-uebernahme-procter-gamble-wird-zum-weltgroessten-konsumgueterkonzern-1.819235
Gillette-Übernahme - Procter & Gamble wird zum weltgrößten Konsumgüterkonzern
00/05/2010
H&M reiht sich ein in die Liste von Firmen, die Arbeitnehmerrechte verletzt haben sollen. Bei Filialisten klappt das ja auch besonders gut. Die Liste der Angeprangerten wird immer länger: Nach Aldi, Lidl, Schlecker und KiK ist nun auch Hennes & Mauritz (H&M) in die Kritik geraten, die Arbeit von Betriebsräten zu behindern. Detailansicht öffnen Andrang auf eine H&M-Filiale: Der Umgang mit den Kunden scheint der Textilkette leichter zu fallen als mit den eigenen Beschäftigten. (Foto: Foto: AFP) Die Vorwürfe gehen bei allen genannten Unternehmen immer wieder in die gleiche Richtung: Zuerst wird die Bildung von Betriebsräten systematisch erschwert, indem die Mitarbeiter, die sich dafür engagieren, eingeschüchtert oder aus dem Unternehmen gedrängt werden. Gelingt es tatsächlich, einen Betriebsrat einzusetzen, so wird dessen Arbeit gestört. Möglichkeiten dazu gibt es viele. Im aktuellen Fall bei H&M wird der Unternehmensführung etwa vorgeworfen, dem Betriebsrat gängigste Arbeitsmittel wie etwa einen Faxanschluss verweigert oder die Teilnahme an Gewerkschaftsveranstaltungen verhindert zu haben. Wollte man sich auf die Seite der H&M-Manager stellen, müsste man ihnen eine kluge Strategie attestieren: Im Gegensatz etwa zu der heimlichen Mitarbeiterbespitzelung bei Lidl ziehen die vorgehaltenen Rechtsverletzungen nicht automatisch einen Aufschrei der Öffentlichkeit nach sich, sondern müssen mühsam auf dem Gerichtsweg abgestellt werden. Spielräume des Betriebsverfassungsgesetzes Streitigkeiten über zugestandene Arbeitsmittel wie Schreibtische oder gar eigene Räume sowie die Teilnahme an gewerkschaftlichen Veranstaltungen und Seminaren gehören zum Tagesgeschäft vieler Betriebsräte, weil diesbezügliche Ansprüche immer auch von der Größe des Unternehmens und der dort gelebten Praxis abhängen. Gesteht das Arbeitsgericht in München dem dreiköpfigen Betriebsrat eines 30-Mann-Unternehmens etwa ein eigenes Büro zu, so könnte ein analoger Fall in Leipzig möglicherweise zum Nachteil des dortigen Betriebsrates entschieden werden - das Betriebsverfassungsgesetz lässt diese Spielräume zu. Die Auslegbarkeit des Arbeitsrechts spielt der Unternehmensführung aber in die Hände, vor allem, wenn sie einen Betriebsrat nicht akzeptieren will. Dann nämlich geht der Streit um jeden Radiergummi vor Gericht. Auch wenn der Betriebsrat nach wochenlangen Auseinandersetzungen schließlich Recht bekommt, so wird er doch systematisch zermürbt. Bei Filialisten wie H&M und Co. funktioniert diese Strategie besonders gut - die Belegschaften sind pro Filiale verhältnismäßig klein und wegen der Beschäftigung besonders vieler Teilzeitkräfte meist auch recht heterogen. Solidarisierungseffekte sind da schwer zu erzielen. Auf dem Papier ist der Arbeitsschutz in Deutschland vorbildlich und funktioniert in Großkonzernen prächtig, wie die im internationalen Vergleich geringe Zahl von Streiktagen eindrucksvoll belegt. Bei den Handelsdiscountern zeigt sich allerdings immer wieder, dass Recht haben und Recht bekommen auch in Deutschland zweierlei Dinge sind.
H&M reiht sich ein in die Liste von Firmen, die Arbeitnehmerrechte verletzt haben sollen. Bei Filialisten klappt das ja auch besonders gut.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/h-m-behindert-betriebsraete-unrecht-behaelt-recht-1.588847
H&M behindert Betriebsräte - Unrecht behält Recht
00/05/2010
Die Milliarden sind weg: In der Krise sparen auch die einstigen Superreichen. Nicht alle Luxushersteller werden überleben. Die weltweite Rezession hat die Faustregel hinweggefegt, wonach Luxus immer gehe, auch in der Krise. Die vergangenen Wochen haben das Gegenteil bewiesen: Die französische Haute-Couture-Marke Christian Lacroix hat Insolvenz angemeldet, der Schweizer Uhrenmacher Villemont ebenso. Die Modehäuser Versace, Roberto Cavalli und Ferré kämpfen in Italien, Escada in Deutschland ums Überleben. Detailansicht öffnen Lieber nur gucken: Spaziergänger vor dem Schaufenster des amerikanischen Schmuckherstellers Tiffany's: (Foto: Foto: AP) Auch die ganz großen Namen straucheln: Der US-Juwelier Tiffany und der Schweizer Luxuskonzern Richemont verzeichneten einen Gewinneinbruch, der weltweit größte Luxusgüterkonzern LVMH ein starkes Umsatzminus und die Auktionshäuser Sotheby's und Christie's einen dramatischen Verkaufsrückgang. Luxusboot-Hersteller bleiben auf ihren Yachten sitzen. Und die Villen an der Côte d'Azur, eben noch ein Must-have der Superreichen, verlieren mangels Interessenten an Wert. Vor einem Jahr noch sollte die Villa Leopolda an der französischen Riviera für eine halbe Milliarde Euro an einen russischen Oligarchen gehen. Doch der geriet in Not. Der Fall ist symptomatisch: Vor allem das Vermögen der schnell reich Gewordenen in Russland und der Öl-Scheichs aus Nahost ist an der Börse dahingeschmolzen. Jetzt bleiben sie als Käufer aus. Ähnlich geht es den Reichen in den USA, in Europa und Japan - in den Märkten, die vier Fünftel des Luxusmarktes abdecken. Vielen strichen die Firmen die Boni, weshalb ihnen der Griff zum Statussymbol nicht mehr ganz so leicht fällt. Das alles erklärt aber nicht das Ausmaß des weltweiten Einbruchs der Luxusbranche. Es kommt ein irrationales Moment hinzu. Denn natürlich gibt es immer noch genügend Reiche und Superreiche. Doch die Psychologie schlägt ihnen ein Schnippchen. Auch Unternehmen halten sich zurück. Sie sind verunsichert, weil sie nicht wissen, was kommt. Deswegen zögern sie. Geschäfte, Boutiquen und Kaufhäuser leeren ihre Lager, statt neue Ware zu bestellen. Den Herstellern gehen die Aufträge aus. Das allgemein verbreitete Zaudern zieht die gesamte Branche nach unten, ein Schneeball-Effekt entsteht. Alle sparen, aus Vorsicht, und verschärfen damit die Krise. Die Scham Einzelner, ihren Reichtum auch in Zeiten der Krise offen zur Schau zu stellen, spielt dabei nur eine marginale Rolle. Geschämt haben sich die Reichen in der Regel auch in den Jahren zuvor nicht. Trägerinnen von Lacroix-Roben im Wert von 80.000 Euro waren schon immer nur selten zu sehen. Die Pleite der Haute-Couture-Marke hat dennoch Symbol-Charakter: Sie zeigt, dass der eigentliche Grund für die Insolvenz nicht der vorübergehende Ausgabenrückgang einiger Reicher ist. Die wirkliche Ursache dafür liegt wie bei den anderen Pleite-Kandidaten beim Unternehmen selbst: Lacroix haben Managementfehler zugrunde gerichtet. Das Modehaus besitzt zum einen nur wenige Geschäfte in der Welt und eröffnete die beiden letzten ausgerechnet kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise. Zum anderen schneiderte Lacroix nur für eine überschaubare Klientel, also im Prinzip am Markt vorbei. Daran kann man ein allgemein gültiges Merkmal ableiten: Luxus ist nicht gleich Luxus. Er bedeutet für jeden etwas anderes. Luxusware, die nur auf einer Modewelle reitet und nicht mehr als einen schnell vergänglichen Nutzen bringt, ist leicht verderblich. Der Luxus hingegen, der sich als Handwerk versteht, zeitlose Gebrauchsgegenstände von hoher Qualität verkörpert und sich den Bedürfnissen seiner Kunden anpasst, hat mehr Bestand. Die Rezession wird die Spreu vom Weizen trennen. Schwer werden es jene Hersteller haben, die auf wenige Produkte spezialisiert sind, von einem Regionalmarkt abhängen und kaum Rücklagen haben. Von denen wiederum wird es besonders Uhren-, Schmuck- und Parfum-Fabrikanten treffen, deren Luxusware am ehesten als vorübergehend verzichtbar gilt. Doch wenn die Zuversicht zurückkehrt und die Zurückhaltung weicht, dürften besonders die international bekannten Marken profitieren.
Die Milliarden sind weg: In der Krise sparen auch die einstigen Superreichen. Nicht alle Luxushersteller werden überleben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rolex-lacroix-co-ende-der-kaviar-gesellschaft-1.105269
Rolex, Lacroix & Co. - Ende der Kaviar-Gesellschaft
00/05/2010
Der weltweit wichtigste Aktienindex ist zum ersten Mal seit fünf Jahren neu sortiert worden: Aufgenommen wird unter anderem der Viagra-Produzent Pfizer. Wie die Betreibergesellschaft Dow Jones kurz vor Handelsbeginn mitteilte, fallen mit Wirkung zum 8. April die Titel des Telekommunikationskonzerns AT&T (der ehemalige Monopolist ist immer noch amerikanischer Marktführer, kämpft aber seit einigen Jahren mit finanziellen Engpässen und einer erstarkten Konkurrenz), des Fotokonzerns Eastman Kodak (in der Krise, auch in Deutschland wurden bereits Labore geschlossen) und des Papierkonzerns International Paper aus dem Leitindex der NYSE heraus. Die Aktienkurse der drei Konzerne gaben jeweils deutlich nach und nisteten sich am unteren Index-Ende ein. So brachen Kodak-Aktien um 4,09 Prozent auf 25,10 Dollar ein; AT&T sanken um 1,38 Prozent auf 19,30 Dollar. Die drei Firmen hatten den niedrigsten Marktwert aller im Dow Jones aufgelisteten Unternehmen. Dennoch dürfte der Ausschluß für manche überraschend gekommen sein — insbesondere AT&T ist ein wahrer Dinosaurier des Dow Jones und dort seit 1916 vertreten. Kodak gehört ihm seit 1930 an. Die neuen Namen Für die drei rücken als neue Standardwerte der Telekommunikationskonzern Verizon Communications (aufstrebendes Unternehmen mit einem Marktwert, der den von AT&T inzwischen um mehr als das fünffache übersteigt), der Versicherer American International Group (Branchenführer in den USA) und der Pharmakonzern Pfizer (der weltgrößte Pharmaziehersteller mit einem Marktwert von 272 Milliarden US-Dollar) nach. Die Kurse dieser Nachrücker legten jeweils überdurchschnittlich zu. Die letzten nennenswerten Umbauten im Dow Jones wurden zum 1. November 1999 vorgenommen, damals wurden unter anderem Microsoft und Intel aufgenommen. Mit den neuen Änderungen will der Dow Jones offiziellen Erklärungen zufolge eine noch größere Banbdbreite der amerikanischen Wirtschaft präsentieren. Unternehmen wie Pfizer und die American International Group konnten zudem wohl kaum noch länger ignoriert werden — sie repräsentierten die wertvollsten amerikanischen Gesellschaften, die nicht im Dow Jones vertreten waren. US-Konjunktur vor Aufwind? Die jüngsten US-Konjunkturdaten stimulierten nach Einschätzung von Händlern den Handel nur geringfügig. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung war in der vergangenen Woche gesunken. Sie ging um 3000 auf 342.000 zurück. Ab einem Wert von 350.000 erwarten Experten generell einen Rückgang der Arbeitslosenzahl. Zudem stieg der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe (ISM) im März überraschend an. Er kletterte auf 62,5 Punkte; gerechnet wurde mit einem Rückgang.
Der weltweit wichtigste Aktienindex ist zum ersten Mal seit fünf Jahren neu sortiert worden: Aufgenommen wird unter anderem der Viagra-Produzent Pfizer.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kodak-und-at-t-fliegen-raus-grossreinemachen-im-dow-jones-1.818161
Kodak und AT&T fliegen raus - Großreinemachen im Dow Jones
00/05/2010
Die Umzugspläne des Verlags Gruner+Jahr, die Einheiten der Division Wirtschaftspresse unter dem zuständigen Vorstand Twardy in Hamburg zu konzentrieren, sind passé. Achim Twardy hatte am Mittwoch einen harten Tag. Er war in Köln bei Capital sowie Impulse und dann in München bei Börse Online - um den Mitarbeitern zu sagen, dass die Redaktionen ihren Standort behalten. Umzugspläne des Verlags Gruner+Jahr (G+J), die Einheiten der Division Wirtschaftspresse unter dem zuständigen Vorstand Twardy in Hamburg zu konzentrieren, sind passé. Der 43-Jährige lacht, wenn man erklärt, die Aktion laufe wohl nach dem Motto: Es ändert sich nichts, aber alles muss anders werden. Dann führt er aus, dass die einzelnen Redaktionen auch so gut kooperieren könnten und nennt eine Mittelstandsaktion von Impulse und der Zeitung Financial Times Deutschland, die G+J und Pearson gehört. Spareffekte und Nachteile Ein Ortswechsel hätte zwar Spareffekte gehabt, jedoch überwogen die Nachteile für Mitarbeiter und Motivation. So wäre bei Capital wohl eine "Pendelredaktion" entstanden, vermutet Twardy: Redakteure, die zwischen Hamburg und dem Wohnort Köln hin und her gereist wären. Das aber hätte seine Pläne gestört, den neuen späteren Redaktionsschluss zu nutzen, um alle 14 Tage donnerstags die Wirtschaftswoche mit Aktuellem abzufangen. Stellen weg Zudem fallen bei Capital sieben Stellen weg; Vize-Chefredakteur Nikolai Kreitl, als harter Konservativer aufgefallen, könnte den Job des liberalen Politik-Chefs Ulrich von Lampe übernehmen. Das Modell zentraler Redaktionspools - etwa eine Börsenabteilung für alle Objekte - lehnt Twardy ab: "Davon habe ich nie etwas gehalten." Er setzt vielmehr im Kampf gegen Verlust auf Kooperationen mit ausländischen G+J-Titeln wie Capital France oder Fast Company(USA). Manche Story ließe sich gut teilen.
Die Umzugspläne des Verlags Gruner+Jahr, die Einheiten der Division Wirtschaftspresse unter dem zuständigen Vorstand Twardy in Hamburg zu konzentrieren, sind passé.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gruner-jahr-kapitale-plaene-1.903103
Gruner & Jahr - Kapitale Pläne
00/05/2010
Die nordamerikanische AT&T und die mexikanische America Movil streben die Kontrolle an der Telecom Italia an. Italienische Politiker wollten den Einstieg von Ausländern bislang verhindern. AT&T, die größte Telefongesellschaft der USA und eine der größten der Welt, sowie der mexikanische Mobilfunkanbieter America Movil bieten insgesamt 4,8 Milliarden Euro für die Mehrheit an der Unternehmensholding, über die Telecom Italia kontrolliert wird. Detailansicht öffnen Die Hauptverwaltung der Telecom Italia in Rozzano bei Mailand. (Foto: Foto: AP) Die beiden Unternehmen wollen je ein Drittel an der Holding von Pirelli übernehmen. Das Angebot bewertet die Aktie der Telecom Italia mit 2,82 Euro, abzüglich der Schulden der Kontrollgesellschaft zum Zeitpunkt der Übernahme. Bis zum 30.April verhandelt Pirelli ausschließlich mit AT&T und America Movil. Rivalen wie die spanische Telefónica und die russische Sistema hatten zuvor schon ihr Interesse angemeldet. Die Papiere der Telecom Italia legten am Montag nach der Nachricht zeitweise um beinahe neun Prozent auf 2,32 Euro zu. Vierter Eigentümerwechsel in der Firmengeschichte Zehn Jahre nach der Privatisierung der Telecom Italia soll der vierte Eigentümerwechsel in der Firmengeschichte dem Unternehmen endlich stabile Zukunftsaussichten bringen. Die Kontrollgesellschaft Olimpia hält zwar lediglich 18 Prozent an der Telecom Italia - ist aber damit der größte Einzelaktionär des ehemaligen Staatsbetriebes. Für einen Käufer bedeutet der Einstieg über Olimpia den einfachsten Weg, maßgeblichen Einfluss bei der Telecom Italia auszuüben. Im Moment hält Pirelli vier Fünftel an Olimpia, Benetton ein Fünftel. Die Diskussionen um einen Einstieg von Investoren bei Olimpia hatte Pirelli-Chef Marco Tronchetti Provera vergangenen Monat eröffnet. Damals kündigte er an, die für Pirelli verlustreiche Beteiligung abzustoßen. Weiterer Abschlag Vor sieben Jahren hat der Reifenhersteller bei einem Aktienpreis von 4,18 Euro gekauft. Zwischenzeitlich hat Pirelli den Wert pro Aktie in den eigenen Büchern bereits auf drei Euro korrigiert. Der von den beiden amerikanischen Unternehmen gebotene Preis von 2,82 würde also einen weiteren Abschlag für Pirelli bedeuten.
Die nordamerikanische AT&T und die mexikanische America Movil streben die Kontrolle an der Telecom Italia an. Italienische Politiker wollten den Einstieg von Ausländern bislang verhindern.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/at-t-und-america-movil-wollen-die-kontrolle-telecom-italia-vor-uebernahme-1.817649
AT&T und America Movil wollen die Kontrolle - Telecom Italia vor Übernahme
00/05/2010
Untersuchungen an deutschen Uni belegen: Es wird kopiert, was das Zeug hält. Ob Referate oder Hausarbeiten - im Internet findet sich immer eine Lösung. Doch eine Software für 100 Euro zwingt Studenten jetzt dazu, besser selbst kreativ zu werden. Es ist für mich schon zur Normalität geworden. Wie der tägliche Milchkaffee, das lange Ausschlafen, das Überziehen meines Kontos. Detailansicht öffnen Eine neue Software kann Plagiate aufspüren. Foto: dpa Es macht das Studentendasein einfach leichter: Das Klauen von Texten aus dem Internet. Für rein wissenschaftliche Angelegenheiten, versteht sich. Mittlerweile sollen über 30 Prozent aller Hausarbeiten aus dem Netz stammen. Unter uns Studenten ist es zu einer gängigen Praxis geworden, die eigene Arbeit auf diese Weise aufzupeppen. Mittwochabend. Wieder einmal bleibt mir nur eine Nacht, bis meine Arbeit beim Professor sein muss. Kein Grund, künstlich Panik zu erzeugen. Schließlich steht das Thema schon. Wozu zahlt mir denn das liebe Studentenwerk meinen Internetanschluss im Wohnheim. Natürlich, damit ich bei einem Glas Wein gemächlich nach Texten suchen kann, die sich für meine Hausarbeit anbieten. Warum auch sollte ich mir die Mühe machen und das Rad neu erfinden. Wenn sich doch schon so viele Schüler und Studenten durch die Thematik gequält haben. Und jetzt noch so nett sind und mir ihre Geistesblitze über das Internet aufdrängen. Es dauert gerade einmal drei Stunden und eine Flasche Wein, bis ich Kapitel für Kapitel, Wort für Wort kopiert habe. Noch schnell ausdrucken, abheften. Es versteht sich von selbst, dass die stillen Helfer in meinem Literaturverzeichnis nicht auftauchen werden. Hier herrscht absolute Schweigepflicht. Vier Wochen später: Frohen Mutes klopfe ich am Sekretariat des Profs, um meinen Schein in Empfang zu nehmen. Schlechter als Zwei kann die Note nicht sein. Dafür habe ich einfach zu gut kopiert. Ganz dumm bin ich nämlich nicht. Hin und wieder habe ich Sätze vertauscht oder ganz gestrichen. Etwas Individuelles sollte die Arbeit schon haben. Aber irgendetwas war anders. Keine Eins, keine Zwei. Gar keine Note. Stattdessen ein kurzes Schreiben vom Professor mit der Bitte, ihn in seiner Sprechstunde aufzusuchen. War die Arbeit so herausragend? Soll sie möglicherweise veröffentlicht werden? Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Mein sonst technik-averser Professor hat aufgerüstet. Heimlich, still und leise hat er sich ein PC-Programm besorgt, mit dem er Menschen wie mir auf die Schliche kommt. Dafür hat die Uni Geld. Mit einem so genannten "Plagiarism-Finder" kann er mühelos und mit wenigen Klicks meine gesamte Hausarbeit durch´s Internet schicken. Bereits nach ein paar Sekunden werden all die Webseiten angezeigt, von denen ich mich bedient habe. Peinlich. Aber vielleicht erkennt mein Professor wenigstens die Professionalität an, mit der ich meine Quellen ausgewählt habe. Ausrede hin oder her — die Tage für Textdiebe scheinen gezählt. Da ist jetzt wohl Ehrlichkeit und Fleiß gefragt. Oder Ideenreichtum. Ich habe meine Notgroschen zusammengekratzt und in dieses pfiffige Programm gesteckt. Und bin dem Professor wieder eine Nasenlänge voraus. Das Hausarbeiten-Kopieren dauert zwar jetzt ein paar Minuten länger, weil ich ja noch die Korrektheit meiner Kopierkünste prüfe. Im Grunde aber nehme ich meinem Prof damit sogar Arbeit ab.
Untersuchungen an deutschen Uni belegen: Es wird kopiert, was das Zeug hält. Ob Referate oder Hausarbeiten - im Internet findet sich immer eine Lösung. Doch eine Software für 100 Euro zwingt Studenten jetzt dazu, besser selbst kreativ zu werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/trendsport-copy-paste-jetzt-fliegt-alles-auf-1.505258
Trendsport Copy & Paste - Jetzt fliegt alles auf
00/05/2010
"Die neue Marke fängt an, wo H&M aufhört" Die Manager von Hennes & Mauritz, Rolf Eriksen und Karl-Johan Persson, über COS, die neue, anspruchsvollere Marke des schwedischen Modehändlers. An diesem Freitag eröffnet der schwedische Textilhändler Hennes & Mauritz in London unter dem neuen Markennamen COS sein erstes Geschäft für teurere Mode. COS ist die Abkürzung für Collection of Style und soll so erfolgreich wie die Stammmarke H&M sein. Detailansicht öffnen So sieht ein COS-Kleid aus. Es kostet weit mehr als normale H&M-Mode. (Foto: Foto: dpa) Mit detaillierten Prognosen halten sich Vorstandschef Rolf Eriksen, 62, und Karl-Johan Persson, 32, zurück. Persson ist zuständig für die Expansion und die Entwicklung neuer Geschäftsfelder. Sein Großvater war der Firmengründer Erling Persson. Die neue Marke COS ist auch sein Baby. SZ: Herr Eriksen, Herr Persson, mit der neuen Marke COS wagt sich Hennes & Mauritz auf den Markt für teurere Mode. Warum? Ist die Schnäppchenjagd vorbei? Eriksen: Nein, ganz und gar nicht. Aber wir sind davon überzeugt, dass wir mit der gleichen Philosophie, die H&M stark gemacht hat - Mode und Qualität zum besten Preis zu bieten - auch mit COS im höheren Preissegment erfolgreich sein werden. SZ: Ist der Markt für die preiswerte Mode von H&M gesättigt? Eriksen: Noch lange nicht. H&M bleibt auch künftig unser Kerngeschäft. SZ: Wie hoch ist der Preisunterschied zwischen H&M und COS? Persson: COS fängt da an, wo H&M aufhört. SZ: Ein Beispiel bitte? Persson: Der teuerste Anzug kostet bei H&M etwa 250 Euro. Da fängt COS an. SZ: Und wo hört COS auf? Persson: Bei etwa 350 Euro. SZ: Was unterscheidet den COS-Kunden vom H&M-Käufer? Persson: Männer und Frauen, die bei COS kaufen, interessieren sich überdurchschnittlich stark für Mode und haben höhere Ansprüche an Qualität und Service als der typische Kunde von H&M. Beide erwarten aber den besten Preis dafür. Es wird viele Kunden geben, die sowohl bei H&M als auch bei COS einkaufen werden. Eriksen: Aber wir wollen mit COS vor allem Konsumenten gewinnen, die wir bisher mit H&M nicht erreicht haben. SZ: Wie groß schätzen Sie den europäischen Markt für dieses Segment ein? Eriksen: Wir haben keine Zahl. Aber da ist Platz für viele Geschäfte. SZ: Für so viele Geschäfte, wie Sie unter der Marke H&M aufgemacht haben? Eriksen: Das hängt vom Kunden ab. Wir haben die finanzielle Stärke, mit COS genauso stark zu expandieren wie mit H&M. SZ: Wer sind denn Ihre neuen Wettbewerber? Eriksen: Wir nennen keine Namen. Aber es gibt reichlich Konkurrenz. Persson: Der Vergleich fällt schon deshalb schwer, weil wir einzigartig sind und unseren eigenen Weg gehen. SZ: Wann hatten Sie die Idee, eine neue Marke zu kreieren? Eriksen: Ende 2004, die definitive Entscheidung fiel dann 2006. SZ: Haben Sie in der Frühphase Ihrer Planungen auch darüber nachgedacht, eine etablierte Marke zu übernehmen? Persson: Nein, nie. Wir waren immer davon überzeugt, dass wir es mit einer eigenen Marke besser machen können.
Die Manager von Hennes & Mauritz, Rolf Eriksen und Karl-Johan Persson, über COS, die neue, anspruchsvollere Marke des schwedischen Modehändlers.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sz-interview-die-neue-marke-faengt-an-wo-h-m-aufhoert-1.503881
"SZ-Interview - ""Die neue Marke fängt an, wo H&M aufhört"""
00/05/2010
Anstehen für den Konsumrausch: In Tokio eröffnet der schwedische Klamotten-Discounter H&M seine erste Japan-Filiale - mit einem ausgeklügelten Spektakel. Mensch an Mensch an Mensch: Über einen Kilometer lang ist die Schlange der Wartenden an diesem Samstagvormittag. Von der Ginza westwärts, fünf Blocks nach Süden, nach Osten bis zum Kabuki-Theater zurück nach Norden. Auffällig: Fast ausschließlich junge Mädchen stehen an um dabei zu sein, wenn Hennes & Mauritz aus Schweden (H&M) die drittgrößte Kleiderkette der Welt, die erste Filiale in Japan eröffnet. Wachleute halten die Querstraßen frei, H&M-Mitarbeiter in entsprechenden H&M-T-Shirts verteilen schwarze Schirme, auf denen in roter Schrift "H&M, my new favourite store" steht. Die Wartenden nutzen die Geschenke gegen die knallende Septembersonne. Über den Köpfen kreist der Hubschrauber eines TV-Senders - alles ist perfekt inszeniert. Detailansicht öffnen Konsum pur: Etliche Kundinnen wollten den H&M-Start in Japan nicht verpassen. (Foto: Foto: AP) Luxus-Nachbarschaft Die Ginza ist die edelste Einkaufsstraße Japans. Und eine der teuersten der Welt. H&Ms Nachbarn sind die Edel-Schreibgeräte-Marke Montblanc, die Modeketten Lanvin, Prada und das Nicolas-Hayek-Center. Gegenüber des schlanken neuen Baus, den Rippen überziehen wie die Struktur eines Blattes, befindet sich die Luxus-Uhrenmarke Audemars Piguet. Diese Nachbarschaft verleiht H&M einen Hauch von Luxus; der Laden ist zudem edler gestaltet als H&M-Geschäfte in Europa. Dennoch, so die Start-Werbung, will H&M auch in Japan mit Billigpreisen überzeugen. Im November wird H&M im Modeviertel Harajuku die zweite Filiale eröffnen, und im kommenden Jahr ein drittes im Jugend-Unterhaltungsbezirk Shibuya. Zur neuen Nachbarschaft von H&M gehört auch Zara, die Kette das spanischen Konzerns Inditex, der noch größer ist als H&M. Inditex - mit bereits 34 Filialen in Japan vertreten - hat bereits angekündigt, beim Ausbau der Kette in Nippon an Tempo zuzulegen. H&M drängt in einen engen, derzeit schrumpfenden Markt für modische, aber billige Klamotten, den Uniqlo - die japanische Antwort auf Benetton - und die US-Kette Gap besetzen. Uniqlo und Gap produzieren wie H&M selber, um den Zwischenhandel auszuschalten. Lesen Sie weiter: Warum der Erfolg in Japan nicht sicher ist.
Anstehen für den Konsumrausch: In Tokio eröffnet der schwedische Klamotten-Discounter H&M seine erste Japan-Filiale - mit einem ausgeklügelten Spektakel.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hennes-mauritz-die-japanische-schlange-1.697323
Hennes & Mauritz - Die japanische Schlange
00/05/2010
Ärger für das schwedische Textilimperium Hennes & Mauritz: Die Stadtverwaltung der französischen Hauptstadt will die Modekette nicht auf die Champs-Élysées lassen. Die schwedische Modekette Hennes & Mauritz darf nun vorerst doch keine Filiale auf den Champs-Élysées eröffnen. Die Stadt Paris wehrt sich dagegen. Dabei hatte das entscheidende Gremium für die Ansiedlung großer Ketten auf der "schönsten Avenue der Welt", der Eröffnung bereits im vergangenen Juli zugestimmt. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: AFP) Doch Paris ficht die Entscheidung jetzt vor Gericht an, berichtet die französische Tageszeitung Le Figaro. Die Stadt stört, dass es schon zu viele Bekleidungsgeschäfte auf den Champs-Élysées gibt. Vor kurzem hatte sie eine Studie bei den Unternehmensberatung Clipperton in Auftrag gegeben. Die Berater zählten 102 Klamottenläden von insgesamt 332 Geschäften auf der selbsternannten Prachtstraße. Doch nicht etwa Chanel, Dior und Yves Saint Laurent firmierten darunter, sondern weniger luxuriös klingende Namen wie Gap, Zara, Celio, Nike und Adidas. Die Edel-Boutiquen befinden sich längst an anderen, schickeren Orten der Stadt. Das lakonische Fazit der Studie kulminierte schließlich in der eher rhetorischen Frage: "Können wir riskieren, den Prachtboulevard zu einer Oxford Street zu machen?". Die Londoner Einkaufsstraße werde demnach im Moment mit Billigläden, Ramschketten, Fast-Food-Restaurants und Sportgeschäften überschwemmt. Und die Champs, wie sie viele nennen, ist auch nicht mehr so, wie sie mal war, klagen viele Pariser. "Symbol für Pariser Lebensart" Ausländische Billigketten haben auch hier längst Kinos und Cafés verdrängt - nur noch sie können die horrenden Mieten von mehr als 10000 Euro pro Quadratmeter auf der Sonnenseite der Straße zahlen. Zudem schadet wachsende Kriminalität dem Ruf der Flaniermeile zwischen Triumphbogen und Concorde. Bürgermeister Bertrand Delanoë engagiert sich deshalb nicht erst seit der Veröffentlichung der Studie aktiv dafür, die Champs-Élysées wieder zu einem "Symbol für Pariser Lebensart in der Welt" zu machen. Mit seiner Unterstützung eröffnete vor gut einem Jahr zum Beispiel Louis Vuitton, eine der Edel-Marken des Luxus-Konzerns LVMH, seinen Flagstore auf der Straße. Und der Stadt gelang es schon einmal, die Ansiedlung einer Billigkette zu verhindern, zwar nicht auf den Champs-Élysées, aber auf dem Boulevard Saint-Germain. Damals ging es um die spanische Modemarke Zara. Wahrscheinlich wird H&M nun das gleiche Schicksal ereilen. Das läge nicht an H&M, wie die Stadt versichert, sondern an dem Umstand, dass es schon zu viele ähnliche Geschäfte auf dem Pariser Prachtboulevard gibt.
Ärger für das schwedische Textilimperium Hennes & Mauritz: Die Stadtverwaltung der französischen Hauptstadt will die Modekette nicht auf die Champs-Élysées lassen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ansiedelung-am-prachtboulevard-untersagt-paris-verschmaeht-h-m-1.274664
Ansiedelung am Prachtboulevard untersagt - Paris verschmäht H&M
00/05/2010
Das Vermögen der 400 reichsten Amerikaner ist innerhalb eines Jahres um rund 120 Milliarden auf 1,25 Billionen Dollar gestiegen - das sind umgerechnet 980 Milliarden Euro. Dies geht aus der jüngsten Liste der reichsten Amerikaner hervor, die das Wirtschaftsmagazin "Forbes" am Donnerstag veröffentlicht hat. Detailansicht öffnen Die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page sind mit 33 Jahren die jüngsten der 400 reichsten Amerikaner. (Foto: Foto: AP) Zum ersten Mal enthält die Liste ausschließlich Milliardäre. Auf den ersten beiden Plätzen gab es keine Änderung gegenüber dem Vorjahr: Der reichste Amerikaner ist erneut wie schon seit 13 Jahren der Microsoft-Gründer Bill Gates mit inzwischen 53 Milliarden Dollar. Danach folgt Warren Buffett mit seiner Holding Berkshire Hathaway, die unter anderem Anteile an Coca-Cola, Gillette und der "Washington Post" hält. Sein Vermögen wird mit 46 Milliarden Dollar angegeben. Adelson, Besitzer von Las Vegas Sands, landet auf Platz drei Einen großen Sprung vom 15. Auf den dritten Platz machte der Kasino-Besitzer Sheldon Adelson mit einem Vermögen von 20,5 Milliarden Dollar. Ihm gehört die Mehrheit von Las Vegas Sands, das vor zwei Jahren ein lukratives Kasino in der chinesischen Wirtschaftsmetropole Macau eröffnet hat. "Forbes" schätzte, dass Adelson in den vergangenen zwei Jahren rund eine Million Dollar pro Stunde verdiente. Weiter auf dem Weg nach oben sind die beiden Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page, die sich vom 16. Auf den 12. und 13. Platz verbesserten. "Forbes" zufolge verdienten die beiden in den vergangenen zwei Jahren jeden Tag etwa 13 Millionen Dollar. Mit 33 Jahren sind die beiden auch die jüngsten unter den 400 reichsten Amerikanern. Nur acht Geschäftsleute sind weniger als 40 Jahre alt Die Liste enthält lediglich acht Geschäftsleute unter 40 Jahre. Ein paar Treppenstufen nach unten stiegen Microsoft-Mitbegründer Paul Allen (von drei auf fünf) und der PC-Unternehmer Michael Dell (von vier auf neun). Hingegen konnte Oracle-Chef Larry Ellison mit 19,5 Milliarden Dollar vom fünften auf den vierten Platz vorstoßen. Ständige Mitglieder der Liste ist auch die Walton-Familie. Helen Walton, die Witwe des Gründers der Supermarktkette Wal-Mart, kam mit einem Vermögen von 15,3 Milliarden Dollar auf Platz elf. Ihre Kinder und ihre Schwiegertochter schafften es ebenfalls in die Rangliste. Beliebtester Wohnort der Reichen ist Kalifornien - hier finden sich 90 der 400 Milliardäre. An zweiter Stelle folgt die Stadt New York mit 44 Milliardären.
Ihr Gesamtvermögen liegt bei 1,25 Billionen: Die 400 reichsten Amerikaner.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gates-buffett-co-kasino-besitzer-verdient-eine-million-dollar-pro-stunde-1.901081
Gates, Buffett & Co. - Kasino-Besitzer verdient eine Million Dollar pro Stunde
00/05/2010
Allem Jammer über die Flaute im Einzelhandel zum Trotz erwirtschaftet Hennes&Mauritz ordentliche Gewinne in Deutschland. Dabei wirkt das Erfolgskonzept ganz einfach. So geht's auch. Der schwedische Textilfilialist Hennes & Mauritz macht wieder einmal vor, wie sich auch im schwierigen deutschen Textilmarkt Geld verdienen lässt. Scheinbar so viel, dass Deutschland nach wie vor ganz oben auf der Expansionsagenda der Schweden steht. Von Renditen, wie sie H&M, aber auch andere Textilfilialisten wie etwa die spanische Zara-Gruppe erwirtschaften, können deutsche Warenhäuser nur träumen. Dabei liest sich das Erfolgskonzept ganz einfach. Ketten wie H&M oder Discounter wie Aldi oder Lidl, beide verkaufen inzwischen auch in ansehnlichem Maße Bekleidung, haben sich streng auf ihre Zielgruppe ausgerichtet: Menschen, die preiswert einkaufen wollen oder müssen und dennoch ein überdurchschnittliches Preis-Leistungsverhältnis erwarten. Die Aldis und H&Ms dieser Welt verfügen mittlerweile über eine Nachfragemacht, mit der sie bei ihren Lieferanten günstige Einkaufskonditionen erwirken können. In der Branche ist bisweilen schon von Erpressung die Rede. Die Handelsmarge streichen sie auch gleich ein, weil sie ihre Ware vorzugsweise über eigene Läden vertreiben. Viel zu viele Jahre haben die alten deutschen Warenhauskonzerne nur zugeschaut und gar nicht gemerkt, wie der Lorbeer aus alten Zeiten allmählich verdorrt.
Allem Jammer über die Flaute im Einzelhandel zum Trotz erwirtschaftet Hennes&Mauritz ordentliche Gewinne in Deutschland. Dabei wirkt das Erfolgskonzept ganz einfach.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-wie-h-m-die-konkurrenz-abhaengt-1.501678
Kommentar - Wie H&M die Konkurrenz abhängt
00/05/2010
Das Bietergefecht um die Nummer drei auf dem amerikanischen Mobilfunkmarkt ist entschieden: AT&T Wireless geht für rund 41 Milliarden Dollar an den US-Anbieter Cingular. Damit entsteht voraussichtlich bis Ende des Jahres der größte Anbieter auf dem US-Mobilfunkmarkt mit 46 Millionen Kunden und einem Umsatz von hochgerechnet rund 32 Milliarden Dollar. In dem dramatischen Bieterwettbewerb um AT&T Wireless stach Cingular den weltgrößten Mobilfunkanbieter Vodafone aus. Gemäß dem Angebot, für das die Aufsichtsräte sowohl von Cingular als auch von ATT Wireless bereits grünes Licht gaben, sollen 15 Dollar pro Aktie gezahlt werden. Dem Geschäft müssen zunächst aber noch die Anteilseigner von ATT Wireless sowie die US-Wettbewerbsbehörden zustimmen. Cingular ist eine Tochter von SBC Communications und BellSouth und hat rund 24 Millionen Kunden in den USA. AT&T hat rund 22 Millionen Kunden. "Dies sind großartige Neuigkeiten für die amerikanischen Mobilfunknutzer", erklärte Cingular-Mobilfunkchef Stan Sigman. Durch den Zusammenschluss würden Reichweite, Zuverlässigkeit, Telefonqualität und Dienstleistungen des Mobilfunkangebots verbessert. Vodafone geschlagen Kurz zuvor hatte der weltgrößte Mobilfunkanbieter Vodafone seinen Rückzug aus der Übernahmeschlacht angekündigt. Es sei nicht im Interesse der Aktionäre, die Verhandlungen fortzusetzen, erklärte das Unternehmen in London. ATT Wireless hatte sich am 22. Januar nach einer Serie schwacher Unternehmenszahlen selbst zum Verkauf gestellt. Zudem war der Konkurrenzkampf auf dem US-Mobilfunkmarkt in den vergangenen Monaten bedeutend härter geworden, nachdem ein neues Gesetz es den Kunden erlaubte, den Anbieter zu wechseln, aber ihre Handynummer zu behalten. Die Folge war ein gnadenloser Preiskampf.
Das Bietergefecht um die Nummer drei auf dem amerikanischen Mobilfunkmarkt ist entschieden: AT&T Wireless geht für rund 41 Milliarden Dollar an den US-Anbieter Cingular.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/at-t-wireless-verkauft-cingular-wird-ein-schwergewicht-1.814320
AT&T Wireless verkauft - Cingular wird ein Schwergewicht
00/05/2010
"Bin ich wirklich die, die zu sein ich behaupte?" Bestens ausgebildet - und doch arbeitslos. Wer sich auf Jobsuche begibt, stellt fest, dass sich einen Schattenwelt auftut ... und viele an der Arbeitslosigkeit mitverdienen wollen. Im Folgenden geben wir einen Auszug aus dem neu erschienenen Buch "qualifiziert & arbeitslos" wieder. Barbara Ehrenreich, die bereits in dem Bestseller "Arbeit poor" im Selbstversuch erkundet hatte, ob und wie man von Billigjobs leben kann, beleuchtet in ihrem neuen Buch die arbeitslose Mittelschicht. Detailansicht öffnen Barbara Ehrenreich, hat Chemie, Physik und Molekular- biologie studiert und zählt heute zu den bekanntesten Publizistinnen Amerikas. In ihrem neuen Selbstversuch begibt sie sich als erfahrene "PR-Frau" auf Stellensuche. (Foto: Foto: Sigrid Estrada) Ausgerüstet mit einer neuen Identität und einem Lebenslauf voller Qualifikationsnachweise versucht sie fast ein Jahr lang, in den USA Arbeit zu finden. Hier lesen Sie ihre ersten Schritte, tief hinein in eine Welt ganz eigener Art. Also geht die Suche nach einem Karrierecoach, der mich in die Geheimnisse der Stellensuche einweiht, weiter. Ich lasse mich auf der Website CoachLink registrieren, was mir drei E-Mails mit Coachingangeboten und einen Anruf beschert. Ich entscheide mich für Kimberly, die Anruferin, laut ihrer Website "Beraterin für Stellensuchende und Outplacement, Trainerin und Schriftstellerin ", und vereinbare mit ihr - um Initiative zu zeigen - eine halbstündige Telefonsitzung pro Woche für 400 Dollar im Monat, das heißt 200 Dollar die Stunde. Meine "Hausaufgabe" bis zu unserer ersten Sitzung besteht darin, über meinen idealen Job zu "fantasieren". Wie sähe in diesem idealen Job mein Tag aus? Das ist gar nicht so schlecht. Jeder sollte sich einmal Zeit für utopische Gedanken nehmen, und welcher Moment eignete sich dafür besser als der, in dem man nichts anderes zu tun hat? Also fantasiere ich über eine kleine bis mittlere Firma mit Büros in einer bewaldeten Gegend, wobei man von meinem Arbeitsplatz in ein Tal und auf eine sanfte Hügellandschaft blickt. Morgens und nachmittags fährt ein Espressowagen herum; es gibt einen Gymnastikraum, in den wir uns mindestens einmal pro Tag zurückziehen sollen, und die Kantine bietet Nouvelle Cuisine zu erschwinglichen Preisen. Nichts davon geht jedoch in meine Aufzeichnungen ein. Sie kreisen ausschließlich um eine Balance zwischen intensiver Kollegialität in meinem "Team" und Zeiten kreativer Abgeschiedenheit in meinem Büro, das natürlich eine Tür hat - eine Zelle in einem Großraumbüro ist nichts für mich. In meiner Fantasie bin ich die Leiterin meines Teams, das ich kollegial und "fördernd" führe. Ich gehe auf in meiner Arbeit, worin immer diese bestehen mag, und bleibe häufig bis spät abends in der Firma. Bei unserer ersten Sitzung ist Kimberly "begeistert" von meinen Bewerbungsunterlagen und meiner Fantasie und findet es generell großartig, mit mir zu arbeiten. Für meine Hausaufgabe bekomme ich gute Noten: "Sie wissen sehr genau, was Sie wollen! Viele Klienten brauchen Monate, bis sie so weit sind. Ich denke, bei Ihnen wird es schnell gehen." Ihre Begeisterung geht mir schon jetzt auf die Nerven. Ich bin irritiert und stelle sie mir mit platinblonder Kurzhaarfrisur vor und in einem Sweatshirt mit dem Aufdruck eines Urlaubsorts, wie sie vor ihrer Ranch steht und auf einen mit Rentieren und Gartenzwergen garnierten Rasen blickt. Sie selbst sieht sich so: "Ich habe schon einige Branding-Prozesse geleitet, und das Markenzeichen, das Sie bei mir bekommen, ist 'ausgesprochen optimistisch', 'höchst leidenschaftlich' und 'absolut improvisationsfähig'". Ich soll mich genauso betrachten - als "Marke" oder zumindest als Produkt. "Was machen Sie im PR-Bereich?"
Bestens ausgebildet - und doch arbeitslos. Wer sich auf Jobsuche begibt, stellt fest, dass sich einen Schattenwelt auftut ... und viele an der Arbeitslosigkeit mitverdienen wollen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/qualifiziert-arbeitslos-ii-bin-ich-wirklich-die-die-zu-sein-ich-behaupte-1.501304
"qualifiziert & arbeitslos (II) - ""Bin ich wirklich die, die zu sein ich behaupte?"""
00/05/2010
Ring frei für die nächste Runde im Mannesmann-Prozess: Bescheidener als beim letzten Mal traten die Angeklagten am ersten Tag vor den Richter. Auf den ersten Blick wirkt alles wie vor zwei Jahren: dasselbe Gerichtsgebäude, derselbe getäfelte Saal mit dem blauen Teppichboden, dieselben schwarzen Holztische. Hinten drängen sich etwa hundert Zuschauer, vorne unterhalten sich die Angeklagten mit ihren Verteidigern. Detailansicht öffnen Deutsche Bank-Boss Josef Ackermann steigt vor dem Düsseldorfer Landgericht in seinen Dienstwagen. (Foto: Foto: dpa) Um fünf nach neun betritt Oberstaatsanwalt Peter Lichtenberg den Raum. Zielstrebig geht der 48-Jährige auf Klaus Esser zu, begrüßt den früheren Mannesmann-Chef mit Handschlag und einem freundlichen Lächeln, bevor er sich an seinen Platz links unter dem Fenster setzt. Eine kleine Geste, aber sie zeigt: Es ist eben doch nicht alles wie beim ersten Mal. Es ist der Auftakt zur zweiten Runde im Mannesmann-Prozess vor dem Landgericht Düsseldorf am Donnerstag. Der Bundesgerichtshof hatte die Freisprüche aus dem ersten Strafverfahren aufgehoben. Zweite Runde Nun beginnt alles von vorn: Wieder geht es um die Millionenprämien, die das Aufsichtsratspräsidium von Mannesmann nach der Übernahme durch Vodafone an Führungskräfte verteilte. Wieder müssen die sechs Beschuldigten Woche für Woche auf die Anklagebank, unter ihnen neben Esser der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Ex-IG-Metall-Vorsitzender Klaus Zwickel und der frühere Aufsichtsratschef Joachim Funk. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen schwere Untreue oder Beihilfe vor. Allein Esser erhielt eine Prämie von 16 Millionen Euro, Funk bekam drei Millionen. Und doch ist es diesmal nicht dasselbe. Das zeigt sich an kleinen Szenen, wie der mit dem Staatsanwalt. Lichtenberg ist neu im Verfahren, und er soll wohl dazu beitragen, dass sich die Stimmung nicht wieder so aufheizt wie beim ersten Mal. Damals hatten sich die Angeklagten und der zuständige Staatsanwalt häufig angegiftet. Das soll jetzt offenbar anders laufen. Auch die Angeklagten geben sich Mühe. Ackermann, der damals die Öffentlichkeit mit einem Victory-Zeichen empört hatte, hält sich jetzt auffallend zurück. Statt wie die anderen Angeklagten im Gerichtssaal auf den Beginn zu warten, bleibt er draußen auf dem Gang. Die Arme verschränkt, steht er am Fenster und unterhält sich mit seinen Verteidigern. Auch Esser gibt sich nicht mehr so fröhlich wie einst. Wortlos nimmt er seinen Platz ein, während er zuletzt hereingetänzelt war und den Journalisten ein gutgelauntes "Guten Morgen" zugerufen hatte. Dieses Mal will niemand provozieren.
Ring frei für die nächste Runde im Mannesmann-Prozess: Bescheidener als beim letzten Mal traten die Angeklagten am ersten Tag vor den Richter.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/prozess-auftakt-fuer-ackermann-co-beim-zweiten-mal-ist-alles-anders-1.813748
Prozess-Auftakt für Ackermann & Co. - Beim zweiten Mal ist alles anders
00/05/2010
Warum die Manager von morgen Deutschland heute "shocking" finden und wie man Führungsqualitäten entdeckt. Ein Erfahrungsbericht über eine Begegnung mit McKinsey. Im Folgenden geben wir einen Auszug aus dem neu erschienenen Buch "beraten & verkauft" wieder, das derzeit zu den meistverkauften Sachbüchern zählt. Detailansicht öffnen beraten & verkauft - McKinsey & Co - der große Bluff der Unternehmensberater Verlag C. Bertels- mann, 2006, 448 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 3-570-00925-4 Der Autor Thomas Leif nähert sich darin einer unnahbaren Branche an: Den Unternehmensberatern. Bestandteil des Buches ist auch ein Erfahrungsbericht von Julia Friedrichs über den Recruiting-Prozess bei McKinsey, den Sie hier im Rahmen einer kleinen Serie bei sueddeutsche.de nachlesen können. Was bisher geschah: Julia Friedrichs, seinerzeit Journalistik-Studentin, wird 2005 von McKinsey zur EuroAcademy nach Griechenland eingeladen. Dort sammelt sie erste Eindrücke von der Welt der Berater. Und die von ihr. Tag zwei: "Leadership is about seeing the gorilla" Die Nacht im Luxusbungalow ist kurz. Viel zu früh geht es weiter: "Good morning", schreit Hauke. "Good morning everybody!" Gerade lief wieder Carmina Burana. Wieder sind wir einmarschiert, vorbei an den Flaggen. Das Akademieprogramm beginnt. Neben Pat Cox sitzt Niall Ferguson auf dem Podium. Er lehrt in Harvard, seine Bücher zur europäischen Geschichte sind Bestseller. "Ich komme gerade aus Asien. Der beste Platz, um über Europa nachzudenken", findet die Moderatorin Diana Farrel. Niall - hier nennen sich alle beim Vornamen - sieht das genauso. Er findet, dass die Europäer viel zu wenig arbeiten. Vor allem auf die Franzosen hat er es abgesehen: Sie essen stundenlang zu Mittag, sie machen wochenlang Ferien und gehen viel zu früh in Rente. "Dafür kann man sich entscheiden", meint Niall. "Aber wer sich dafür entscheidet, lange zu Mittag zu essen, verzichtet auf Macht", erklärt er uns. Während die Franzosen ihren Lunch in Paris genössen, würde die chinesische Wirtschaft ständig wachsen. Die Gehirnwäsche beginnt, denke ich. Radovan Jelasic kritisiert an den alten, den europäischen Kernökonomien vor allem deren Langsamkeit. Er ist Präsident der Serbischen Nationalbank und erzählt, dass sich die osteuropäischen Staaten in atemberaubendem Tempo reformieren würden. "Die schaffen neunzig Gesetze in ein paar Monaten", meint er. "In Deutschland diskutieren sie dagegen zehn Jahre, ohne dass etwas passiert." Es mangele den europäischen Kernstaaten an Visionen und an Leadern, findet die Runde.
Warum die Manager von morgen Deutschland heute "shocking" finden und wie man Führungsqualitäten entdeckt. Ein Erfahrungsbericht über eine Begegnung mit McKinsey.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/beraten-verkauft-ii-mckinsey-und-der-gorilla-1.900384
beraten & verkauft (II) - McKinsey und der Gorilla
00/05/2010
Der prominente Steuersünder Klaus Zumwinkel will sich noch nicht aufs Altenteil verabschieden. Soll er sich von hohen Ämtern fernhalten? Ein Pro & Contra Pro: Der Name ist verbrannt Detailansicht öffnen Der doppelte Klaus Zumwinkel: Links im Gerichtssaal in Bochum, rechts als Vorstandschef der Post und mit einer Mütze der Pakettochter DHL. Von Melanie Ahlemeier Alles hätte so schön werden sollen: Locker-entspannt bis 65 die Deutsche Post führen, Ziehsohn Frank Appel nach und nach als Nachfolger mit den Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Politik bekanntmachen, zur Verabschiedung in den Ruhestand noch eine Lobrede von Bundeskanzlerin Angela Merkel plus Blumenstrauß in Post-Gelb einheimsen (weil der Bund ja immer noch größter Anteilseigner ist) - und dann ab auf die Burg im Norden des Gardasees. Geld zählen. Bis zum bitteren Ende. Ach ja: Und ab und an die Aufgaben als Aufsichtsrat bei der Telekom, Postbank, Lufthansa, Allianz und Arcandor und womöglich noch beim einstigen Arbeitgeber Post wahrnehmen. Damit das Pensionärsdasein nicht allzu eintönig wird und weiter Geld in die Privatschatulle fließt. So oder so ähnlich dürfte sich Klaus Zumwinkel sein Leben nach der aktiven Dienstzeit als oberster Postbote der Republik vorgestellt haben. Bekanntlich kam alles anders. Am Montag dieser Woche hat die Justiz ihr Urteil gegen den geständigen Steuerbetrüger ("Es war der größte Fehler meines Lebens") gesprochen, der Mann erhielt eine zweijährige Bewährungsstrafe und muss zudem eine Million Euro Geldbuße zahlen. Soll der Manager Klaus Zumwinkel nun nach Abschluss seines Strafverfahrens wieder eine größere Rolle spielen? Mitnichten, er darf es nicht. Denn bei allem Respekt vor seiner Vita und seinem Wissen: Zumwinkel muss nicht nur mit den juristischen, sondern auch mit den gesellschaftlichen Konsequenzen seines massiven Fehlverhaltens leben. Sein Name ist verbrannt. Der einstige McKinsey-Manager, der auf Wirtschaftsgipfeln so gerne Moral und Anstand predigte und irgendwann sogar den Fernsehpreis "Bambi" in Empfang nahm, hat sich selbst seiner Doppelmoral und Doppelzüngigkeit entlarvt. Fatale Außenwirkung Von der Vorbildfunktion, die ein Manager immer auszufüllen hat, kann keine Rede mehr sein. Zumwinkel, der seit 1990 an der Spitze der Post stand, musste als Chef eines ehemaligen Staatsunternehmens und als Aufsichtsrat mehrerer anderer noch höheren Standards genügen - und hat diese Form von Unfehlbarkeit auch gerne für sich in Anspruch genommen. Gleichzeitig ist er über Jahre in erster Linie seinem privaten Wohl verpflichtet gewesen - millionenstark, auf einem Stiftungskonto in Liechtenstein deponiert und dem deutschen Fiskus wissentlich vorenthalten. So einer soll Mitarbeitern und jüngeren Generationen noch mal als Vorbild taugen? Keine Chance. Zumwinkels Rückkehr als Manager würde auch ein falsches Signal an ausländische Geschäftspartner senden. Ein prominenter Steuersünder in einem wichtigen Amt bei einem Konzern, einem Verband oder als Politikberater? Das käme einer Verhöhnung gleich, die Außenwirkung wäre fatal, der Vorwurf der Korruption wohl nur eine Frage der Zeit. Nein, so ein Experiment darf sich keine Wirtschaftsnation erlauben, auch nicht in Krisenzeiten. Deutschland wird und sollte ohne die Expertise eines Klaus Zumwinkel auskommen. Der hat sich auch gleich noch mal mit seinen ersten Äußerungen nach der Verurteilung unmöglich gemacht. In einem Interview mit der FAZ sagt er: "Es werden oft private und berufliche Dinge vermischt. Ich weiß, was ich beruflich geleistet habe. Meine Steuerverfehlung war privater Natur." Wer ernsthaft meint, berufliche Erfolge und privates Fehlverhalten hätten nichts miteinander zu tun, hat etwas Grundlegenes nicht verstanden. Lesen Sie auf der nächsten Seite: Warum Steuersünder Zumwinkel eine zweite Chance verdient hat.
Der prominente Steuersünder Klaus Zumwinkel will sich noch nicht aufs Altenteil verabschieden. Soll er sich von hohen Ämtern fernhalten? Ein Pro & Contra
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/pro-contra-aemterverbot-fuer-zumwinkel-1.474309
Pro & Contra - Ämterverbot für Zumwinkel?
00/05/2010
Warum suchen sich Firmen immer wieder Unternehmensberater - anstatt die eigenen Leute zu fragen? Und warum sind sich viele Berater so ähnlich? Einer von ihnen erklärt all das. Im Folgenden geben wir einen Auszug aus dem neu erschienenen Buch "beraten & verkauft" wieder, das derzeit zu den meistverkauften Sachbüchern zählt. Der Autor Thomas Leif nähert sich darin einer unnahbaren Branche an: Den Unternehmensberatern. Detailansicht öffnen "Eigentlich bekommen alle Standardware." (Foto: dpa) Ein Interview mit einem Berater, der seine Anonymität wahren möchte*) Wenn man die Berater-Szene betrachtet, fällt auf, dass sie sich bei den Erfolgsbilanzen kaum in die Karten schauen lässt. Warum der Kult um die Vertraulichkeit? Zunächst muss man eines ganz klar sagen: Der Kunde erwartet absolute Vertraulichkeit. Er holt natürlich auch deshalb Unternehmensberater, weil es eine gewisse Skepsis, Distanz und immer einen Loyalitäts- verdacht oder Illoyalitätsverdacht gegenüber dem eigenen Apparat gibt. Das ist einer der Gründe, Externe reinzuholen. Zweitens: Man sucht Legitimation. Man will Legitimationswissen. Drittens will man auch im Zweifelsfalle Verantwortung als Entscheidungsträger delegieren können. Wenn Beratungsfirma XY das vorgeschlagen hat, dann muss es gut sein. Wenn es schief geht, sind die auch dafür verantwortlich. Man kauft also Legitimation, Akzeptanz und Loyalität ein. Was allerdings erstaunlich ist: Eigentlich bekommen alle Standardware. Diese Standardware ist für Unternehmen manchmal gar nicht hilfreich. Und ein Großteil der Vorschläge wird nie realisiert. Wie sieht denn Standardware aus? Die Standardware hat ganz unterschiedliche Facetten. Ich will mal ein Beispiel nennen: Karstadt-Quelle. Die gleichen Berater, die vor einigen Jahren Vorschläge gemacht haben, wie sich das Unternehmen verändern soll - Onlinehandel aufbauen und Kerngeschäft reduzieren -, werden Jahre später wieder eingestellt, um das genaue Gegenteil von dem vorzuschlagen, was sie vor ein paar Jahren gemacht haben. Daran merkt man die Beliebigkeit und dass Unternehmensberater auch bestimmten Moden, Beratungsmoden und Trends unterliegen. Was sind zum Beispiel solche Moden? Vor ein paar Jahren gab es den großen Trend zum Outsourcen. Alles ist outgesourct worden - EDV, Zulieferung und so weiter. Heute gibt es den anderen Trend: Bei großen Unternehmen wird zum Teil wieder ingesourct, weil die festgestellt haben, dass es beim Outsourcen ein paar Probleme gibt - Qualität der Dienstleistung, Kostenprobleme, die plötzlich auftauchen, und so weiter. Es gibt da durchaus eine gewisse Beliebigkeit. Warum erkennen die Chefs nicht, dass ihnen oft Standardware geliefert wird? Weil sie nicht wissen, was Standardware ist. Die halten das, was ihnen vorgetragen wird, für etwas Exklusives. Das ist ja auch Teil der Gags und Tricks. Zweitens gehen sie zum Teil von völlig falschen Voraussetzungen aus. Sie glauben, die Leute, die dort kommen, haben Kompetenz. Aber es ist so: Das jeweilige Team, das beim Kunden ist, lernt in der Anfangszeit zunächst mal vom Unternehmen überhaupt das Geschäftsfeld kennen. Eigentlich müssten sie ja Kompetenz von außen mitbringen und dann sagen: "Nach unseren Erfahrungen empfehlen wir das und das." Aber de facto lernen sie zunächst mal was über die Branche, über das Unternehmen. Sie haben allerdings einen Vorteil, zumindest die Großen: Sie haben schon weltweit bestimmte Projekte zu bestimmten Fragen gemacht. Auf solche Ergebnisse wird dann zum Teil standardmäßig zurückgegriffen. Aber der Punkt bleibt: Die Berater lernen beim Kunden. Der Kunde muss zunächst mal mit viel Aufwand den Beratern - und das sind ja zum Teil sehr, sehr junge Menschen - beibringen, wie das Unternehmen eigentlich funktioniert. *) Interviewtext gekürzt
Warum suchen sich Firmen immer wieder Unternehmensberater - anstatt die eigenen Leute zu fragen? Und warum sind sich viele Berater so ähnlich? Einer von ihnen erklärt all das.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/beraten-verkauft-iv-ich-kaufe-loyalitaet-und-legitimation-1.499366
"beraten & verkauft (IV) - ""Ich kaufe Loyalität und Legitimation"""
00/05/2010
(SZ vom 28.06.2003) — Es sind keine guten Zeiten für Wirtschaftsprüfer. Die Bilanz-Skandale der vergangenen Jahre, wie Enron, Flowtex oder Comroad, haben das Ansehen der Branche schwer beschädigt. Manchmal hat es den Anschein, als könnten Kreditgeber, Anleger oder Aktionäre auf das Testat eines Wirtschaftsprüfers nicht mehr viel geben. Nun werden schon wieder neue Vorwürfe laut: Diesmal geht es um die bisher von Skandalen verschont gebliebenen Wirtschaftsprüfer Rödl & Partner. Die international tätige Kanzlei, deren Hauptsitz in Nürnberg ist, beschäftigt weltweit 2300 Mitarbeiter. Nicht Firmengründer Bernd Rödl selbst ist betroffen, wohl aber drei Mitarbeiter der Zweigniederlassung von Rödl & Partner im vogtländischen Plauen, darunter ein geschäftsführender Partner der Kanzlei. Ihnen wird vorgeworfen, sie hätten dazu beigetragen, dass Anleger Millionen verloren. Nicht nur, dass die Wirtschaftsprüfer deshalb seit Wochen von Anwälten mit Schadensersatzklagen bedroht werden; jetzt liegt auch noch ein Gutachten von Konkurrent Ernst & Young vor, das die Kanzlei schwer belastet. Angefangen hat das ganze Dilemma im vergangenen Sommer. Am 23. Juli 2002 kündigten Rödl & Partner fristlos das Beratungsverhältnis mit der SMP (steht für Sparen mit Plan). Bei dieser Finanzgruppe, die ihren Sitz im oberfränkischen Gumpertsreuth hat, handelt es sich um ein Konglomerat von verschiedenen Firmen. Die beiden Gesellschafter, die dabei letztlich immer wieder auftauchen, sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft. Mitte Mai hat die Staatsanwaltschaft Hof Anklage gegen die beiden wegen Betrugs und Untreue erhoben. Mit dubiosen Finanzgeschäften soll die SMP rund 15.000 Anleger im nordbayerischen Raum, vereinzelt aber auch bundesweit, um insgesamt mehr als 120 Millionen Euro gebracht haben. Zunächst wurde den Investoren über die Ausgabe von Genusscheinen eine Beteiligung an der SMP ermöglicht. Das eingesammelte Kapital sollte laut Verkaufsprospekt in Aktien von erstklassigen Unternehmen angelegt werden. Doch als es an den Börsen abwärts ging, setzte die SMP zunehmend auf riskante Werte und Optionsscheine - eine Strategie, die nicht aufging. Sowohl die SMP AG als auch die SMP GmbH mussten vergangenen September Insolvenz anmelden. Wirtschaftsprüfer und Berater waren über Jahre hinweg Rödl & Partner gewesen. So weit nichts Ungewöhnliches, geschweige denn Anrüchiges. Die Rödl-Berater wollen erst im Frühsommer 2002 erfahren haben, dass bei SMP einiges im Argen lag. Daraufhin sei das Beratungsverhältnis sofort gekündigt worden. Doch die Kollegen von Ernst & Young (E&Y) sehen das offenbar anders. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft - nach eigenen Angaben "die dritte große Kraft am deutschen Wirtschaftsprüfer-Markt" - wurde im vergangenen August vom Aufsichtsrat der SMP beauftragt, die undurchsichtigen Vorgänge bei der Finanzgruppe aufzuarbeiten. Dabei sollte auch "die Rolle externer Berater" untersucht werden. Ihre Erkenntnisse haben die E&Y-Gutachter auf 101 Seiten zusammen gefasst. Das Ergebnis des Gutachtens, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, könnte für Rödl ziemlich unangenehme Folgen haben. Fest steht: Seit Juni 2000 war der in der monatlich erscheinenden Unternehmenszeitschrift "SMP intern" veröffentlichte Wert des Genussrechtsdepots deutlich höher als der tatsächliche Depotwert. Nach Aussagen eines SMP-Angestellten hätten die Rödl-Mitarbeiter seit Januar 2001 auf der Verteilerliste für die Zeitschrift gestanden. Insofern hätte ihnen die Abweichung eigentlich auffallen müssen. Rödl widerspricht. Seine Mitarbeiter hätten die Zeitschrift "zum ersten Mal im Juni 2002 gesehen und dabei festgestellt, dass die Geschäftsleitung der SMP GmbH gegenüber dem Vertrieb falsche Zahlen kommuniziert", heißt es in einer Stellungnahme der Kanzlei. "Daraufhin wurde das Mandat von Rödl & Partner sofort gekündigt." Um einiges brisanter aber dürfte die E-Mail sein, die die E&Y-Gutachter bei SMP entdeckt haben. Sie datiert vom 25. Juli 2001, also rund ein Jahr vor der Kündigung des Beratungsverhältnisses durch Rödl, und war an einen der jetzt in Untersuchungshaft sitzenden Gesellschafter gerichtet. Ein SMP-Mitarbeiter schreibt darin: "Na, was habe ich gesagt gestern? Die drei Weisen aus Plauen haben nicht mit der Wimper gezuckt, als Du die '60 % Schieflage' erwähnt hast. (...)." Rödls Stellungnahme dazu: Die E-Mail gebe "in keiner Weise inhaltlich wieder, was mit 'Schieflage' gemeint ist". Offenbar hatten die Kollegen von E&Y zunächst das gleiche Problem gehabt. Doch ein Vergleich des Werts der Genussrechte, die Ende Juli 2001 ausgegeben waren, mit dem damals in der "SMP intern" veröffentlichten Depotwert ergab "eine Abweichung von etwa 68 Prozent". Was die E&Y-Experten daraus schließen, fassen sie so zusammen: "Wir haben Anhaltspunkte dafür, dass die R&P spätestens im Sommer 2001 Kenntnis von der 'Schieflage' im GR-Depot (Anmerkung der Redaktion: Genussrechtsdepot) erlangt haben könnte. Demnach wäre zumindest seit diesem Zeitpunkt die Veröffentlichung unzutreffender Bestände des GR-Depots in der 'SMP intern'", die teilweise auch Vertriebshilfsmittel eingesetzt worden sein soll, "mit Wissen der R&P vorgenommen worden." Auch diese Annahme sei "falsch", sagt Rödl. Im Gegenteil, seine Mitarbeiter hätten die SMP-Geschäftsführung "mehrfach deutlich darauf hingewiesen, dass negative Kursentwicklungen dem Vertrieb mitzuteilen seien". "Das war ein Fehler" Insgesamt soll es "vielschichtige zur SMP gepflegte Geschäftsbeziehungen" gegeben haben, die "die Unabhängigkeit von R&P als Wirtschaftsprüfer der SMP beeinträchtigt haben" könnten, so der E&Y-Bericht. So sollen Rödl-Mitarbeiter an Schulungsveranstaltungen teilgenommen haben und zeitweise sogar mit einem kleinen Betrag an einer der SMP-Gesellschaften beteiligt gewesen sein. Das "war ein Fehler", gibt Rödl zu, die Beteiligungen seien aber später zurückgegeben worden. "Die Unabhängigkeit der Mitarbeiter von Rödl & Partner war zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt." Auch bei den seltsamen Kapitalerhöhungen der SMP-Gesellschaften sollen Rödl-Mitarbeiter eine Rolle gespielt haben. So hatten die Gesellschafter der SMP GmbH am 6. September 2000 eine Erhöhung des Stammkapitals von bislang einer Million auf nunmehr acht Millionen DM beschlossen. Kurz darauf fanden auffällige Bewegungen auf dem Konto der GmbH statt: Siebenmal wurden eine Million DM in Blöcken von je 500.000 DM eingezahlt und als "Einzahlung Kapitalerhöhung" erfasst. An sechs von diesen sieben Tagen wurden die eingezahlten Millionen aber gleich wieder ausgezahlt an eine andere SMP-Gesellschaft. "Im Ergebnis sind die zur Kapitalerhöhung eingebrachten Mittel also zum überwiegenden Teil sofort wieder abgeflossen", schreiben die Experten von E&Y. Die Rechnung sah offenbar so aus: Eine Million, die man erst entnimmt, dann wieder einzahlt, dann wieder entnimmt, und wieder einzahlt - das Ganze sieben mal wiederholt, und schon kann man Einzahlungen in Höhe von sieben Million nachweisen, obwohl nur eine Million da ist. Die E&Y-Experten haben bei SMP eine Aktennotiz gefunden, die vermuten lässt, dass dieses Vorgehen mit den Rödl-Kollegen abgesprochen war. Bei Rödl kann man daran nichts Negatives erkennen. Die GmbH-Geschäftsführer hätten damals einen Jahresgewinn von acht Millionen DM erwartet, "was von Rödl & Partner zu diesem Zeitpunkt weder geprüft werden konnte noch sollte". Dieser Gewinn sei aufgrund eines Ergebnisabführungsvertrags in Teilbeträgen vorab an eine andere SMP-Gesellschaft ausgeschüttet worden und dann eben jeweils wieder eingezahlt worden. "Dies entspricht dem gängigen und handelsrechtlich üblichen Schütt-aus-Hol-zurück-Verfahren", heißt es in Rödls Stellungnahme. Doch offenbar war es dann mit dem Gewinn von acht Millionen DM doch nicht so weit her; die Kanzlei Rödl & Partner, die mit der Prüfung des Jahresabschlusses 2000 beauftragt wurde, bekam Zweifel, ob ausstehende Forderungen in Höhe von 53 Millionen Euro jemals zurückgezahlt würden, und verweigerte ihr Testat. "Spätestens ab Mitte 2001 hätten Rödl & Partner die Überschuldung der SMP GmbH erkennen und zu einem Insolvenzantrag raten müssen" meint Rechtsanwalt Claus Hambach von der Grünwalder Kanzlei Arendts. Er vertritt nach eigener Aussage 250 bis 300 Anleger, die mit SMP-Genussscheinen einen Schaden von "weit über zwei Millionen Euro" erlitten haben. Seiner Ansicht nach haben Rödl & Partner "gemeinsam mit den Initiatoren der SMP die Anleger über die tatsächliche wirtschaftliche Lage getäuscht". Wäre die wahre Situation bekannt gewesen, "hätte sich doch kein Anleger mehr beteiligt". Im Rahmen umfangreicher Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hof wurden im Herbst vergangenen Jahres auch die Räumlichkeiten der Niederlassung von Rödl & Partner in Plauen durchsucht. "Allerdings galten die Mitarbeiter dort nicht als Beschuldigte, sondern das Ganze fand im Rahmen des Verfahrens gegen die beiden früheren SMP-Geschäftsführer statt", stellt der Leitende Oberstaatsanwalt in Hof, Ernst Tschanett, klar. Von einem offiziellen Ermittlungsverfahren gegen die Rödl-Mitarbeiter will er noch nicht sprechen, ein Aktenzeichen existiert aber bereits. Es werde jetzt geprüft, ob sich neben den bereits Angeklagten noch "weitere Angestellte der SMP oder die Berater strafbar gemacht haben".
Bei dubiosen Finanzgeschäften verloren Anleger Millionen Euro. Nun belastet ein Gutachten die Kanzlei.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vorwuerfe-gegen-roedl-partner-die-drei-weisen-zuckten-nicht-mit-der-wimper-1.812777
"Vorwürfe gegen Rödl & Partner - ""Die drei Weisen zuckten nicht mit der Wimper"""
00/05/2010
Leasing beschränkt sich schon lange nicht mehr auf Autos, Computer oder Immobilien. Das, was man am Leib hat, gehört inzwischen auch dazu. Zumindest die Kleidung, die man im Job trägt. Für deren Anschaffung und Pflege gibt es inzwischen Dienstleister. Detailansicht öffnen Frisch gewaschen zur Arbeit. (Foto: Foto: anton archiv) Die Firma Mewa in Wiesbaden zum Beispiel kümmert sich um das Bereitstellen, Holen, Pflegen und Bringen der Mitarbeiterkleidung. Das Sortiment reiche von "multifunktional einsetzbaren Textilien über Corporate Wear bis hin zur Ausstattung mit Schutzkleidung". Die Servicefahrer liefern zu vereinbarten Terminen frische Textilien an, holen die gebrauchte Kleidung ab und waschen sie. Anschließend durchlaufen sie nach Firmenangaben eine Qualitätskontrolle. Notwendige Reparaturen werden ausgeführt, verschlissene Teile ersetzt. Die Mietraten sind fest kalkulierbar. Geschäftsführer Tilman Damm nennt ein Kostenbeispiel: "Nehmen wir einen Betrieb mit 30 Mitarbeitern. Da liegen die Kosten bei zirka fünf Euro pro Mitarbeiter und Woche, je nach Ausführung der Kleidung. Dafür erhält der Mitarbeiter Hose und Jacke in einer dreifachen Ausstattung und unser Service-Angebot." "Verwechslung ist ausgeschlossen, denn jedes Kleidungsteil ist mit einem Barcode gekennzeichnet", sagt eine Firmensprecherin. Mit diesem EDV-gestützten Identifikationssystem könne der Weg eines Kleidungsteils durch den Pflegeprozess von der Abholung bis zur Auslieferung verfolgt werden. Damit sei die Zuordnung jedes einzelnen Teils zu Kunde und Träger gewährleistet. Auf Wunsch werde die Kleidung mit Mitarbeiternamen, Firmenschriftzug oder Firmenlogo ausgestattet.
Leasing beschränkt sich schon lange nicht mehr auf Autos, Computer oder Immobilien. Das, was man am Leib hat, gehört inzwischen auch dazu.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kleidungs-leasing-blaumann-co-1.498801
Kleidungs-Leasing - Blaumann & Co.
00/05/2010
Nicht nur die Kundinnen, die kein Stück der begehrten Kollektion ergattern konnten, ärgern sich. Der Designer selbst kritisiert den Modekonzern: Die Schweden hätten zu wenig produziert und die Größen geändert. Der Modedesigner Karl Lagerfeld ist verärgert über die Textilkette H&M, obwohl die Schweden gerade mit großem Erfolg seine eigens für sie entworfene Kollektion verkauft haben. Detailansicht öffnen Karl Lagerfeld ärgert sich über H&M. (Foto: Foto: ddp) Es sei ihm peinlich, dass H&M so viele Leute verstimmt habe. Es seien zu wenig Teile produziert und dadurch nicht einmal in der Hälfte aller H&M-Läden verkauft worden, zitiert das Magazin Stern den Modeschöpfer. "Das finde ich nicht nett, besonders den Kunden in kleinen Städten und den Ländern im Osten gegenüber. Das ist Snobismus im Antisnobismus", sagte Lagerfeld. "Mode für schmale, schlanke Leute" Dem Designer hat nach eigenen Angaben auch nicht gefallen, dass der schwedische Hersteller manche Konfektionsgrößen einfach größer gemacht habe. "Was ich entworfen habe, ist eine Mode für schmale, schlanke Leute. Das war die ursprüngliche Idee", erklärte er. Die Entscheidungen der Direktion in Stockholm nehme ihm die Lust, die Aktion zu wiederholen. Dem schwedischen Kleiderkonzern gibt er zu bedenken: "Viele in den 80ern erfolgreiche Modeunternehmer wussten damals immer alles besser - und heute sind sie fast alle verschwunden. Das wünsche ich H&M nicht." Ware bei Ebay hoch gehandelt Die Lagerfeld-Kollektion hat reißenden Absatz gefunden. Ungewöhnlich war auch eine Anzeigenaktion: So zierte die Seite eins des in Berlin erscheinenden Tagesspiegels ein ganzseitiges Werbe-Foto, das Lagerfeld, ein Modell in Chiffonbluse und den Preis des Kleidungsstücks abbildete. Beim Internet-Auktionshaus Ebay werden Teile der ausverkauften Kollektion deutlich über Ladenpreis gehandelt.
Nicht nur die Kundinnen, die kein Stück der begehrten Kollektion ergattern konnten, ärgern sich. Der Designer selbst kritisiert den Modekonzern: Die Schweden hätten zu wenig produziert und die Größen geändert.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/modewelt-lagerfeld-ist-sauer-auf-h-m-1.812392
Modewelt - Lagerfeld ist sauer auf H&M
00/05/2010
Die schwedische Modekette Hennes&Mauritz hat Vorwürfe zurückgewiesen, sie behindere in ihren deutschen Filialen Betriebsräte systematisch bei der Arbeit. Einem Bericht des Stern zufolge sollen Betriebsräte in deutschen H&M-Filialen offenbar systematisch bei ihrer Arbeit behindert worden sein. Detailansicht öffnen Angestellte von H&M bestücken ein Schaufenster. (Foto: Foto: AP) "Klare Werte und Richtlinien" Wer sich zum Betriebsrat wählen lassen wolle, müsse sich seine Rechte oft vor Gericht erkämpfen und riskiere Lohnabzug oder gar seinen Job, berichtete das Magazin am Mittwoch vorab. Nur in rund 80 der bundesweit 325 Filialen gebe es überhaupt eine Arbeitnehmervertretung. H&M Deutschland war am Mittwochvormittag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Die Modekette wies die Vorwürfe der Gewerkschaft Verdi schließlich zurück. "Es gibt bei uns keine systematische Behinderung der Betriebsratsarbeit. Sollten wir davon Kenntnis erhalten, werden wir dem nachgehen und gegebenenfalls Konsequenzen ziehen", sagte eine Unternehmenssprecherin am Mittwoch. Ulrich Dalibor, Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, hatte dem Stern gesagt, H&M unternehme vieles, um die Gründung von Betriebsräten zu verhindern. Gehaltskürzungen wegen unangekündigten Seminaren H&M hatte gegenüber dem Magazin seinen "Respekt vor der individuellen Entscheidung, einen Betriebsrat zu gründen" erklärt. Es könne aber dazu kommen, "dass unsere klaren Werte und Richtlinien nicht in der richtigen Weise umgesetzt werden oder persönliche Missverständnisse entstehen". Der Stern hatte über mehrere Fälle in Bayern und Niedersachsen berichtet, bei denen H&M Betriebsräten das Gehalt gekürzt habe, etwa weil die Teilnahme an Gewerkschaftsseminaren nicht angekündigt oder die Betriebsratsarbeit nicht erforderlich gewesen sein soll. In einem Brief an einen Betriebsrat im Lager Großostheim hieß es zum Beispiel im für das Unternehmen typischen Duz-Ton: "Im Wiederholungsfall musst Du mit einer fristlosen Beendigung des bestehenden Arbeitsverhältnisses rechnen." Die Arbeitnehmervertreter hätten erst vor Gericht ziehen müssen, um ihren Lohn zum großen Teil doch noch zu erhalten. H&M weist dies zurück. So sei die Teilnahme an den Seminaren abgelehnt worden, weil sie nichts mit der Betriebsratsarbeit zu tun hatten, sagte die Firmensprecherin. Da die jeweiligen Betriebsratsmitglieder dennoch von der Arbeit fernblieben, habe man ihnen diese Zeit vom Lohn abgezogen, erläuterte sie. Dies sei bei fünf von insgesamt 300 Betriebsratsmitgliedern geschehen. Klagen wegen eines Faxgeräts Nach dem Bericht des Stern müssten sich die Personalvertretungen zudem die einfachsten Hilfsmittel vor Gericht erklagen - etwa Fax oder Internetanschluss. Den habe sich etwa der Betriebsrat der hannoverschen Filiale am Kröpcke vor dem Arbeitsgericht erstritten, doch H&M sei bis zum Bundesarbeitsgericht gegangen. Auch nach einer Niederlage dort lasse H&M weitere Betriebsräte, etwa die Vertretung in der Hannoveraner Georgstraße, wieder in der gleichen Sache vor Gericht ziehen. "Die Betriebsräte werden in ihren eigentlichen Aufgaben gelähmt", sagt der Berliner Anwalt Thomas Berger. Laut Stern behaupte das Unternehmen, jeder Betriebsrat habe "selbstverständlich" Telefon, Fax und E-Mail, schweige sich aber zu den Prozessen aus. Die H&M-Sprecherin erklärte, allein in diesem Jahr seien 15 Betriebsräte gegründet worden, weitere vier befänden sich im Wahlprozess. Die Filialleiter und Abteilungsleiter würden geschult, etwa über das Betriebsverfassungsgesetz. Auch gebe es einen 80 Seiten umfassenden Leitfaden über die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Führungskräften und Betriebsräten. "Die Fluktuation in den deutschen Betrieben ist niedrig", so die Sprecherin. 80 Prozent der Mitarbeiter sei mindestens seit fünf Jahren bei H&M beschäftigt.
Die schwedische Modekette Hennes&Mauritz hat Vorwürfe zurückgewiesen, sie behindere in ihren deutschen Filialen Betriebsräte systematisch bei der Arbeit.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/behinderung-von-betriebsraeten-h-m-weist-vorwuerfe-zurueck-1.576421
Behinderung von Betriebsräten - H&M weist Vorwürfe zurück
00/05/2010
Der Textilhändler befindet sich auf einem robusten Wachstumskurs. Weltweit sollen in den kommenden Monaten 65 neue Geschäfte eröffnen, fast ein Drittel davon in Deutschland. Die schwedische Modehauskette Hennes & Mauritz (H&M) hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2003/2004 die Erwartungen der Analysten weitgehend erfüllt. Finanzchef Leif Persson zeigte sich in einer Telefonkonferenz am Donnerstag überzeugt, dass auch das Schlussquartal gut ausfallen werde. Eine in Zahlen gefasste Prognose für das Gesamtjahr, das Ende November endet, lehnte Persson wie üblich ab. Allein im Schlussquartal will der Konzern mit 65 Läden fast so viele Geschäfte eröffnen wie im bisherigen Jahresverlauf, vor allem in Deutschland, Großbritannien, Spanien und den Vereinigten Staaten. Als Prestigeobjekt gelte das Flagship-Store in Manhattan, das Mitte November eröffnet werde. In den Vereinigten Staaten habe sich das Ergebnis dank positiver Absatzentwicklung und anhaltender Kostenkontrolle im dritten Quartal deutlich verbessert. Für das laufende Jahr rechnen Analysten mit dem Erreichen der Gewinnschwelle in den USA. Der deutsche Markt sei nach wie vor schwach, erläuterte Persson. H&M sei aber mit den eigenen Zuwächsen "sehr zufrieden". Im vierten Quartal sollen in Deutschland 20 neue Läden eröffnet werden. Die Gruppe werde auch Standorte prüfen, die Karstadt-Quelle zum Verkauf gestellt habe. Im kommenden Jahr wollen die Schweden mit Irland und Ungarn zwei neue Märkte erschließen. Stärkere Preisnachlässe In den Monaten Juni bis August legten die Netto-Erlöse des Konzerns um rund 14 Prozent auf 12,8 Milliarden Schwedische Kronen (1,4 Milliarden Euro) zu, vor Steuern sprang das Ergebnis auf 2,452 (2,079) Milliarden Kronen. Analysten hatten nach einer Umfrage von SME Direkt im Schnitt mit 2,476 Milliarden Kronen gerechnet. In den ersten neun Monaten setzte der Textilfilialist 37,8 (34,3) Milliarden Kronen um und verdiente 6,949 (6,335) Milliarden Kronen. Weltweit wurden 70 Geschäfte eröffnet, 14 in Deutschland. Per Ende August sprang die Zahl der Läden damit auf 1006 (901). Die Rentabilität der Gruppe bleibe sehr gut, hieß es in einer Mitteilung. Die Bruttogewinnmarge erreichte im dritten Quartal mit 55,9 (Vorjahreszeitraum: 55,6) Prozent den höchsten Wert in einer solchen Berichtsperiode, obwohl die Preisnachlässe stärker ausfielen als vor Jahresfrist. An der Stockholmer Börse zeigte sich die Aktie am späten Nachmittag mit 203,50 Kronen unverändert. Anette Nikolajsen, Branchenanalystin der dänischen Jyske Bank, bezeichnete die Ergebniszahlen als zufriedenstellend. In den jüngsten Zahlen sieht sie die Solidität des Unternehmens bestätigt. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe bezogen auf die Erlöse mit 18,5 Prozent einen neuen Rekordwert erreicht. Die Entwicklung in dem für den Konzern wichtigen amerikanischen Markt sei gut. Das Ergebnis vor Steuern sei besser ausgefallen als von ihr erwartet. Als positiv wertet die Analystin den gegenüber dem Vorquartal deutlich langsameren Anstieg der Lagerbestände. Dies sei eine gute Ausgangsbasis für das vierte Quartal des Konzerns. An ihrer Kaufempfehlung für H&M-Aktien hält Nikolajsen fest.
Der Textilhändler befindet sich auf einem robusten Wachstumskurs. Weltweit sollen in den kommenden Monaten 65 neue Geschäfte eröffnen, fast ein Drittel davon in Deutschland.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/20-neue-laeden-hennes-mauritz-forciert-expansion-1.811195
20 neue Läden - Hennes&Mauritz forciert Expansion
00/05/2010
Wie ist der Eintritt in eine Branche, die zwar viel von sich reden macht, gleichzeitig aber zu den verschwiegensten überhaupt zählt? Ein Erfahrungsbericht. Im Folgenden geben wir einen Auszug aus dem neu erschienenen Buch "beraten & verkauft" wieder, das derzeit zu den meistverkauften Büchern bei Amazon zählt. Detailansicht öffnen McKinsey - ein Name steht für eine ganze Branche. Er hat sogar schon für ein Theaterstück gereicht. (Foto: Foto: dpa) Der Autor Thomas Leif nähert sich darin einer unnahbaren Branche an: Den Unternehmensberatern. Bestandteil des Buches ist auch ein Erfahrungsbericht von Julia Friedrichs über den Recruiting-Prozess bei McKinsey, den Sie hier im Rahmen einer kleinen Serie bei sueddeutsche.de nachlesen können. Dies ist die Geschichte eines Flirts, aus dem zuletzt fast mehr wurde. Manche nennen solche Flirts Undercover-Recherche. Mir ist dieser Begriff zu gewaltig, zu spionagefilmmäßig. Was zwischen den großen Beratungsfirmen und mir lief, war eher ein neugieriges Kennenlernen, ein manchmal befremdliches, aber spannendes Herantasten, ein Flirt eben. Es begann im Sommer 2005. Ich war Journalistikstudentin, hatte nebenbei gearbeitet, und mein Konto war schon seit sechs Monaten nicht mehr überzogen. Ich kann mich also nicht darauf zurückziehen, es nur wegen des Geldes getan zu haben. Dass ich Kontakt zu McKinsey und Boston Consulting aufgenommen, dass ich mich schließlich sogar dort beworben habe, lag einfach daran, dass ich neugierig auf die Berater war, dass ich herausfinden wollte, wer diese neuen Mächtigen sind. Aber wie das Ganze genau abläuft, erzählen sie nie, verschwiegen und diskret, wie sie sind. Also schickte ich ihnen meinen Lebenslauf und schrieb dazu, dass ich mich sehr für das Beratergeschäft interessierte, obwohl ich bislang niemals irgendetwas damit zu tun gehabt hätte. Vor allem aber wollte ich wissen, wie man einer oder eine von ihnen werden kann und wie das Auswahlverfahren aussieht. Im Grunde ist es ganz einfach: Die Berater nehmen alle, nicht nur Wirtschaftsstudenten, sondern auch Soziologen oder Sportler. Mit ihrem aufwendigen Recruiting-Verfahren fischen sie aus jedem Jahrgang die Besten, die Elite raus, sagen sie. Meine Unwissenheit schreckte die Angeschriebenen nicht ab: McKinsey lud mich zu einem großen internationalen Rekrutierungstreffen nach Griechenland ein. Meine Leidenschaft für die Beratung hatte sie offenbar überzeugt. Mit McKinsey in Griechenland - Tag eins "Passion wanted" Berlin: 4.30 Uhr, der Wecker klingelt. Mein Leben als Consultant - so muss es wohl beginnen. Achtzig-Stunden-Wochen wollen erarbeitet werden. "Der erste Monat schmerzt", wird Pat aus Irland am Abend sagen. "Egal, was ihr vorher gemacht habt, McKinsey wird härter sein." Und dann wird er aufzählen, wohin ihn seine Consultant-Tätigkeit in dieser halben Woche schon gebracht hat: London, Naher Osten, Johannesburg. Brüssel, Madrid, Kopenhagen, Amsterdam, Paris, wird Jacques aus Belgien kontern. Aber das wird erst am Abend passieren, in Kap Sounio bei Athen, zu Füßen des Poseidontempels.
Wie ist der Eintritt in eine Branche, die zwar viel von sich reden macht, gleichzeitig aber zu den verschwiegensten überhaupt zählt? Ein Erfahrungsbericht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/beraten-verkauft-i-ich-geh-zu-mckinsey-1.810988
beraten & verkauft (I) - Ich geh' zu McKinsey!
00/05/2010
In wenigen Tagen beginnt der Verkauf des neuen Apple-Handys iPhone. Der Mobilfunkriese AT&T ist sich jetzt schon sicher: Der Ansturm auf das Musik-Mobiltelefon wird riesig. Für den 29. Juni hat der Computerhersteller Apple den Verkaufsstart seines neuen Mobiltelefon iPhone angesetzt. Das iPhone ist das erste Mobiltelefon des Computerherstellers. Die Funktionen des Geräts sind mit denen eines iPod-Musikspielers vergleichbar. Detailansicht öffnen Apple-Chef Steve Jobs in seinem Element: Im Designer-Schlabbershirt und in Jeans beim Präsentieren neuer Produkte, in diesem Fall des iPhone. (Foto: Foto: dpa) Von der Markteinführung des iPhone verspricht sich wiederum der US-amerikanische Mobilfunkriese AT&T offenbar sehr viel: Extra zum Verkaufsstart stellt das Unternehmen 2.000 zusätzliche Verkäufer ein. Man erwarte zum Verkaufsstart am 29. Juni eine "bedeutende Nachfrage" nach dem Gerät, erklärte dazu ein AT&T-Sprecher. Die 1.800 Läden des Konzerns würden an dem Tag zunächst um 16.30 Uhr (Ortszeit) schließen und dann zur Einführung von 18.00 Uhr bis 22.00 Uhr offen sein. "Wir wollen den Leuten das Gedränge ersparen, das es normalerweise an einem Tag mit regem Geschäft gibt", sagte der Sprecher. Auch an der Börse sorgt das Musik-Mobiltelefon bereits vor seinem offiziellen Erscheinen für Wirbel: Nachdem Apple am Montag einige Details zur besseren Benutzerfreundlichkeit des iPhone angekündigt hatte, stieg in New York die Aktie des Herstellers prompt um 2,55 Prozent zu auf 123,60 Dollar. Apple hatte zuvor angekündigt, der Akku des neuen iPhones werde längeres Telefonieren ermöglichen als bislang erwartet. Im Januar hatte der Konzern fünf Stunden Sprechzeit in Aussicht gestellt, nun sollen es acht sein. Auch die etwa von Geld-Automaten bekannte Touchscreen-Oberfläche des Handys soll hochwertiger ausfallen: Statt Plastik soll nun Qualitätsglas für das internetfähige Gerät verarbeitet werden, das am 29. Juni in den USA zum Preis von 500 bis 600 Dollar in die Läden kommen soll.
In wenigen Tagen beginnt der Verkauf des neuen Apple-Handys iPhone. Der Mobilfunkriese AT&T ist sich jetzt schon sicher: Der Ansturm auf das Musik-Mobiltelefon wird riesig.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/at-t-stellt-verkaeufer-ein-auf-den-iphone-sturm-vorbereitet-1.496733
AT&T stellt Verkäufer ein - Auf den iPhone-Sturm vorbereitet
00/05/2010
Die Textilkette H&M will den Top-Designer Karl Lagerfeld verpflichten. Das würde das Unternehmen allerdings "gigantische Summen" kosten. Nach dem Durchbruch mit günstiger Trendmode will die Textilkette Hennes und Mauritz nun mit Karl Lagerfeld neue Akzente setzen. Eine H&M-Sprecherin bestätigte, dass das schwedische Unternehmen mit Vertretern des deutschen Star-Modemachers verhandelt. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: AP) Die Gespräche seien aber noch nicht abgeschlossen. Sie gestalten sich offenbar schwierig: Die schwedische Zeitung Aftonbladet berichtete, Lagerfeld, der seit Jahrzehnten zu den Stars der Haute Couture zählt, verlange "gigantische Summen" für seinen Einsatz. Für H&M wäre die Verpflichtung eines Haute-Couture-Designers eine Premiere. Bisher setzte das Unternehmen erfolgreich darauf, seine eigene Ware durch Werbekampagnen mit Models wie Cindy Crawford, Claudia Schiffer und Naomi Campbell oder dem Filmschauspieler Johnny Depp bekannt zu machen. Dies machte die 1947 gegründete Firma in den vergangenen beiden Jahrzehnten zu einem der größten Modeanbieter der Welt mit 950 Geschäften rund um den Globus. Lagerfeld arbeitet derzeit für insgesamt drei Marken. Am längsten hält er der italienischen Marke Fendi die Treue, für die er schon in den 60-er Jahren mit dem Entwerfen von Pelzen anfing. Seit 21 Jahren steht der Mann aus Hamburg auch für die französische Traditionsmarke Chanel. Daneben hat Lagerfeld auch stets ein eigenes Label, das bis in die 90-er Jahre "Karl Lagerfeld" hieß und heute als "Lagerfeld Gallery" firmiert.
Die Textilkette H&M will den Top-Designer Karl Lagerfeld verpflichten. Das würde das Unternehmen allerdings "gigantische Summen" kosten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/h-m-setzt-auf-lagerfeld-ein-hauch-von-haute-couture-1.495040
H&M setzt auf Lagerfeld - Ein Hauch von Haute-Couture
00/05/2010
Mehr als nur Kleidung: Bei C&A gibt es jetzt auch Zinsen. Erst waren es vor allem die Autohersteller, die mit dem Einstieg ins Geldgeschäft den etablierten Anbietern Konkurrenz machten. Jetzt taucht wieder ein mächtiger und branchenfremder Mitbewerber für Banken und Sparkassen auf: Der Einzelhandel entdeckt das Geschäft mit Versicherungen, Krediten und anderen Finanzprodukten. Dabei geht es den Ladenbetreibern nicht nur darum, die eigene Vertriebskraft einzusetzen, um für Dritte beispielsweise Rechtsschutzpolicen zu verkaufen, wie es seit kurzem die Lebensmittelkette Penny für die Arag-Versicherungsgruppe macht. Oder Autopolicen, wie sie der Kaffeeröster Tchibo bereits seit einigen Jahren in seinen Filialen anbietet - zunächst in Zusammenarbeit mit der Axa-Versicherungsgruppe, später dann als Partner des Direktversicherers Asstel. Ratenkredit bis 75.000 Euro Der Handel drängt nun vielmehr auf eigene Rechnung in das Finanzgeschäft: So hat der Textilfilialist C&A bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) eine Banklizenz beantragt. Mit der C&A Bank GmbH verfolgt der hinter Karstadt-Quelle, Otto und Metro viertgrößte Bekleidungshändler in Deutschland ehrgeizige Ziele. "Das ist kein Marketinggag, sondern ein langfristig angelegtes Engagement in Richtung Versicherungs- und Bankdienstleister", betont Oliver Prill. Bis vor kurzem war er bei Royal Bank of Scotland für das Konsumentengeschäft verantwortlich, jetzt lenkt er die neuen Aktivitäten von C&A. Der Modehändler will in seinen 380 Läden schon bald ein umfangreiches Angebot von Finanz- und Versicherungsleistungen vorhalten. Den Anfang machen Kfz-Policen, die in Zusammenarbeit mit dem führenden Direktversicherer DA Direkt vertrieben werden. Im Frühjahr 2007 sollen Ratenkredite bis zu 75.000 Euro hinzukommen. Möglichst keine Erklärungen Etwa alle sechs Monate, so kündigt Prill an, werde C&A künftig sein Finanzsortiment erweitern. Die Produkte müssen nach seinen Worten vor allem zwei Bedingungen erfüllen: Sie sollen wenig erklärungsbedürftig und für ein großes Publikum von Interesse sein. Lebensversicherungen werden aber ebenso wenig darunter sein wie Baufinanzierungen oder Wertpapiere. Dies auch deshalb, weil der Verkauf der Finanzprodukte vorläufig ausschließlich über Internet und Telefon erfolgt. C&A will allerdings nicht ausschließen, dass besonders geschulte Mitarbeiter Versicherungen und Ratenkredite später auch in den Filialen anbieten. Entsprechende Tests laufen. Wer wissen möchte, welche Finanzprodukte C&A in den nächsten Jahren möglicherweise anbieten wird, den verweist Prill auf den britischen Einzelhändler Tesco. Das Unternehmen gilt als einer der führenden Verkäufer von Versicherungen und Bankdienstleistungen in Großbritannien. Im Angebot sind dort neben Autopolicen und Ratenkrediten auch Hausrat- und Reiseversicherungen, Kreditkarten sowie einfache Geldanlagen. "Wir werden nicht die Hausbank der Kunden ersetzen und wollen auch nicht das laufende Kontogeschäft betreiben", heißt es bei C&A. Zielgrößen werden nicht genannt. Prill betont jedoch, dass das Finanzgeschäft schon bald einen ordentlichen Beitrag zum Ergebnis leisten soll. Die Kunden sollen durch "sehr aggressive Preise" gelockt werden - ein Versprechen, das C&A bei der Autoversicherung einlöst. Die Konditionen sind nach eigenen Angaben etwa 30 Prozent niedriger als bei der Konkurrenz. Bei seiner Kalkulation hat der Modehändler einen wichtigen Wettbewerbsvorteil: C&A muss nicht bis zu 100 Euro aufwenden, um einen neuen Kunden zu gewinnen, wie dies bei etablierten Anbietern von Finanzprodukten bisweilen üblich ist. Stattdessen versucht die Textilgruppe, mit geringem Einsatz ihre bestehenden Kundenkontakte zu nutzen. Das sind nicht wenige. Jeden Tag besuchen etwa eine Million Menschen die 380 Filialen von C&A.
Mehr als nur Kleidung: Bei C&A gibt es jetzt auch Zinsen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/c-a-endlich-eine-bank-1.898303
C&A - Endlich eine Bank
00/05/2010
Bestens ausgebildet - und doch arbeitslos. Wer sich auf Jobsuche begibt, stellt fest, dass sich eine Schattenwelt auftut ... und viele an der Arbeitslosigkeit mitverdienen wollen. Im Folgenden geben wir einen Auszug aus dem neu erschienenen Buch "qualifiziert & arbeitslos" wieder. Barbara Ehrenreich, die bereits in dem Bestseller "Arbeit poor" im Selbstversuch erkundet hatte, ob und wie man von Billigjobs leben kann, beleuchtet in ihrem neuen Buch die arbeitslose Mittelschicht. Detailansicht öffnen Barbara Ehrenreich, hat Chemie, Physik und Molekular- biologie studiert und zählt heute zu den bekanntesten Publizistinnen Amerikas. In ihrem neuen Selbstversuch begibt sie sich als erfahrene "PR-Frau" auf Stellensuche. (Foto: Foto: Sigrid Estrada) Ausgerüstet mit einer neuen Identität und einem Lebenslauf voller Qualifikationsnachweise versucht sie fast ein Jahr lang, in den USA Arbeit zu finden. Hier lesen Sie ihre ersten Schritte, tief hinein in eine Welt ganz eigener Art. Natürlich ruhen nicht alle meine Hoffungen auf meinen Coachs. So habe ich meiner neuen Identität Fleisch und Blut gegeben und ein Girokonto für Barbara Alexander eröffnet, eine Kreditkarte für sie beantragt und Visitenkarten für sie anfertigen lassen. Selbstverständlich hat sie auch schon eine E-Mail-Adresse. Die Kleidung wird sie mit mir teilen müssen, denn zu diesem Zeitpunkt habe ich noch die naive Vorstellung, dass die Sachen, die ich bei meinen Vorlesungen in Colleges trage, auch in der Welt der Wirtschaft durchgehen. Ich entferne den Namen Ehrenreich aus den Ansagetexten meines Anrufbeantworters und meiner Mobiltelefone, kaufe mir neue, auffällig dunkle Brillengestelle, die ich einzig danach auswähle, dass sie sich möglichst stark von meinen normalen, langweiligen Modellen unterscheiden. Und ich stöbere in der Wirtschaftsabteilung der Großbuchhandlung Barnes and Nobles in meiner Nähe. Außerdem habe ich bereits von Kimberly gelernt, dass man "proaktiv" sein und "Eigeninitiative" an den Tag legen muss. Mein Lebenslauf ist noch zu unvollständig, um ihn auf eine der großen Jobsuche-Sites wie Monster und HotJobs zu stellen, trotzdem gibt es unendlich viele Dinge im Internet, die ich machen kann. Ich gehe auf die Seite des Verbands der "Event-Planner" und klaue mir daraus Begriffe, um meinen Lebenslauf aufzupuschen. Ich surfe weiter zu "Vor-Ort-Management" und "Evaluation von Ergebnissen". Auf der Suche nach Tipps und - noch besser - Gesellschaft, gebe ich bei Google alle möglichen Kombinationen mit den Begriffen arbeitslos, leitende Angestellte, akademisch und Jobs ein. Nicht die besten Suchbegriffe, stelle ich fest.
Bestens ausgebildet - und doch arbeitslos. Wer sich auf Jobsuche begibt, stellt fest, dass sich eine Schattenwelt auftut ... und viele an der Arbeitslosigkeit mitverdienen wollen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/qualifiziert-arbeitslos-iv-allein-mit-der-suchmaschine-1.494731
qualifiziert & arbeitslos (IV) - Allein mit der Suchmaschine
00/05/2010
Der Elektronikhändler Saturn hat kürzlich seine jahrelange Werbekampagne mit dem Slogan "Geiz ist geil" eingestellt, auch, weil mehr Kunden beim Einkaufen wieder auf die Marke anstatt auf den Preis schauen. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: ddp) Gleichwohl wachsen die Marktanteile der Billiganbieter in Deutschland, ob im Lebensmittel- oder Elektronikhandel, bei Baumärkten oder Textilien - dieser Trend hält schon seit Jahren an. Vor diesem Hintergrund gründet das Modeimperium C&A, welches der weit verzweigten Familie Brenninkmeijer gehört, nun eine eigene Billigkette. Geplant sei der Start unter dem Namen Avanti im Frühjahr 2008, sagte ein Konzernsprecher am Freitag. Die ersten Filialen sollen frühestens im März in Augsburg und mitten im Ruhrgebiet in Gelsenkirchen entstehen. Dabei sollen die Verkaufsflächen der Filialen jeweils etwa 2000 Quadratmeter groß sein. Bereits seit einiger Zeit habe der Modekonzern nach neuen Handelsformen für den europäischen Modehandel gesucht, sagte der Sprecher. Avanti sei die Antwort. Der Familienkonzern mit seinen Zentralen in Düsseldorf und Brüssel stößt damit in den attraktiven Markt der Textildiscounter vor. Hohe Margen Hier expandieren Anbieter wie die zum Tengelmann-Konzern gehörende Kik oder die im Besitz von Finanzinvestoren befindliche Takko bereits seit Jahren aggressiv in Stadtrandlagen, erzielen dabei zweistellige Umsatzzuwächse und hohe Erträge - die Margen von bis zu neun Prozent liegen um ein Mehrfaches über denen des herkömmlichen Einzelhandels. Anders als die beiden etablierten Textildiscounter drängt C&A mit seinen neuen Avanti-Filialen in die Innenstadtlagen. So solle in Köln im Jahr 2009 ein Laden in der Haupteinkaufsstraße Hohe Straße eröffnet werden, sagte der Sprecher. Angesichts deutlich höherer Mieten für Läden in den Innenstädten- gegenüber Stadtrandlagen - dürften die Kunden bei Avanti höhere Preise zahlen müssen als bei den anderen Textildiscountern, die teils schon T-Shirts für einen Euro anbieten. Der C&A-Konzernsprecher spricht denn auch lieber von preisgünstigen Angeboten, nicht von Billigangeboten. Allerdings gibt sich der Konzern wortkarg, wenn es um die genaue Ausgestaltung von Avanti und deren Abgrenzung zu C&A geht. Schließlich hat sich das Unternehmen mit seinen 1200 Filialen in Europa ebenfalls als preisgünstiger Anbieter positioniert. Auch über weitere Details wie den Auftritt in den Läden schweigt der Konzern. Verglichen mit Lebensmitteldiscountern gibt es noch erhebliches Marktpotential für Textildiscounter. Während Aldi & Co. auf einen Marktanteil von 40 Prozent kommen, sind es bei den Textildiscountern gerade erst zehn Prozent. Branchenexperten sehen gute Chancen, dass sich C&A ein gutes Stück von diesem Markt sichert. Die neue Konkurrenz dürfte vor allem das klassische Textileinzelhandelsgeschäft und die Warenhäuser unter Druck setzen. Anfang des Jahrhunderts steckte C&A noch in einer Krise, zog sich im Jahr 2001 aus Großbritannien und Dänemark zurück und schloss dort alle Filialen. Zudem musste der Modekonzern in Deutschland seine Marktführerschaft abgeben. Im Jahr 2002 ging es dann voran, auch dank einer Werbeoffensive und neuer flexibler Verkaufskonzepte, die von den großen Häusern für die ganze Familie bis hin zu Spezialgeschäften für Kinder- oder Damenmode reichen. Schon seit geraumer Zeit geht C&A bei seiner Wachstumsstrategie neue Wege. So bietet das Unternehmen seinen Kunden seit zwei Jahren Finanzprodukte an, von diesem Monat an unter dem Label C&A Money auch Dispokredite. Dies ist bereits das dritte Finanzprodukt nach dem Verkaufsstart von Autoversicherungen im Jahr 2006 sowie dem Verkauf von Ratenkrediten nach der Gründung einer eigenen Bank Anfang 2007. Mit den Finanzprodukten startet C&A ebenso wie mit Avanti auf dem deutschen Heimatmarkt. Gleichwohl wolle der Konzern damit ins europäische Ausland gehen, heißt es bei dem Unternehmen. Bislang ist das Modeunternehmen mit seinen 34000 Mitarbeitern in 16 europäischen Ländern aktiv. Zuletzt konnte es in seinem Kerngeschäft beim Umsatz um 8,4 Prozent auf 5,65 Milliarden Euro zulegen. Selbst in dem von Preiskämpfen geprägten deutschen Markt legte die Kette um vier Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu. Da die Konkurrenz nur halb so schnell wuchs, stieg der Marktanteil von C&A leicht um 0,3 Prozentpunkte auf 8,5Prozent.
Das Modeimperium C&A drängt mit dem neuem Textildiscounter Avanti in die deutschen Innenstädte.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/c-a-billig-wird-noch-billiger-1.787064
C&A - Billig wird noch billiger
00/05/2010
Die neuen Inflationsdaten aus den USA haben an den Börsen weltweit zu heftigen Kursverlusten geführt. Die stärksten Preistreiber sind Benzin, Kleidung und Medikamente. An den Börsen rund um den Globus ist es am Mittwoch zu heftigen Kursverlusten gekommen. Der Dax sackte bis zum Handelsschluss um fast 200 Punkte oder 3,4 Prozent auf 5653 Zähler ab. Das war der tiefste Stand seit Februar. Auch der Leitindex für die Eurozone, der Euro Stoxx 50 verlor mehr als drei Prozent. In New York büßten der Dow Jones und der Technologieindex Nasdaq Composite im Handelsverlauf mehr als 1,4 Prozent ein. Auslöser für den Kursrutsch waren neue Inflationsdaten aus den USA. Demnach sind die Verbraucherpreise im April im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Prozent gestiegen. Die so genannte Kernrate, bei der Energie und Nahrungsmittel ausgeklammert sind, lag bei 0,3 Prozent. Ökonomen hatten lediglich Werte von 0,5 beziehungsweise 0,2 Prozent erwartet. Auf das Jahr hochgerechnet liegt damit die Teuerungsrate in den USA bereits bei 5,1 Prozent. Nach ersten Reaktionen von Volkswirten steigt damit die Wahrscheinlichkeit, dass die amerikanische Notenbank Fed mit weiteren Zinserhöhungen gegen die Inflation angeht. Vergangene Woche hatte die Fed den Leitzins auf fünf Prozent angehoben und erstmals nach 13 Zinserhöhungen signalisiert, dass weitere Zinsschritte kein Automatismus seien. Jetzt rechnen Beobachter jedoch damit, dass die Fed ihren Zins auf der nächsten Sitzung am 28. und 29. Juni erneut anheben könnte. "Damit ist vorerst noch kein Ende der Zinserhöhungsphase in Sicht", sagte Karsten Jürges, Aktienhändler bei der NordLB der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Nadel zeigt in Richtung einer höheren Inflation", sagte der Wirtschaftswissenschaftler Ken Mayland von ClearView Economics nach den neuen Zahlen am Mittwoch. "Das ist keine gute Nachricht und deutet an, dass die Unternehmen ihre höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben." Die stärksten Preistreiber waren im April Benzin, Kleidung und Medikamente. Der Preistrend zeigt bereits seit vielen Monaten nach oben, da die Wirtschaft in den USA stark gewachsen ist und sich Rohstoffe wie Öl drastisch verteuert haben. Dollar erholt sich An den Anleihenmärkten, wo festverzinsliche Wertpapiere gehandelt werden, gerieten die Kurse nach den Inflationszahlen unter Druck. Spiegelbildlich dazu stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihen um sieben Basispunkte auf 5,16 Prozent. Noch im vergangenen Jahr hatte dieser Eckzins für langfristige Schulden ein Tief von drei Prozent erreicht. Während Aktien- und Anleihenkurse fielen, profitierte der Dollar von den veränderten Zinserwartungen der Anleger. Der Euro verlor im Vergleich zur US-Währung mehr als einen Cent auf 1,2744 Dollar. Am Aktienmarkt brachen vor allem die Kurse von Finanztiteln ein. Sie reagieren besonders sensibel auf steigende Zinsen. Die Aktie der Commerzbank verbilligte sich um fünf Prozent, die Papiere der Deutschen Bank büßten 3,79 Prozent ein, Allianz-Titel verloren 4,43 Prozent an Wert. Der deutsche Leitindex Dax hatte noch vor wenigen Tagen 500 Punkte höher auf dem höchsten Niveau seit Sommer 2001 notiert. Händler sprachen daher von einer notwendigen Konsolidierung. Die geringeren Verluste an den New Yorker Börsen erklärten Händler damit, dass die Kurse dort in den vergangenen zwei Jahren nicht so stark gestiegen waren wie in Europa.
Die neuen Inflationsdaten aus den USA haben an den Börsen weltweit zu heftigen Kursverlusten geführt. Die stärksten Preistreiber sind Benzin, Kleidung und Medikamente.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dax-co-kursrutsch-an-den-boersen-1.808761
Dax & Co. - Kursrutsch an den Börsen
00/05/2010
Verdi-Chef Frank Bsirske ist angeschlagen. Ob Frank Montgomery mit einer neuen Gesundheitsgewerkschaft Erfolg haben wird, ist dennoch ungewiss. Die Herren tragen Bart, ein wenig jedenfalls und oberhalb der Oberlippe. Bei Frank Montgomery kommt die Gesichtsbehaarung etwas konzentriert in der Mitte daher, was ziemlich hart wirkt. Frank Bsirske trägt den Bart eher breit, was Gemütlichkeit ausstrahlen könnte. Detailansicht öffnen Marburger-Bund-Chef Frank Ulrich Montgomery (rechts) spricht für 105.000 Krankenhaus-Ärzte. Sein Gegenspieler Frank Bsirske vertritt nur wenige Ärzte, dafür aber insgesamt 2,4 Millionen Arbeitnehmer. (Foto: Fotos: AP) Doch dieser Eindruck täuscht. Beide Herren sind extrem streitbar: Funktionäre, die für die Interessen von Arbeitnehmern vor keinem Krawall zurückschrecken. Dagegen ist nichts zu sagen, zumal wenn die Vertretenen der Hilfe tatsächlich bedürfen. Auf die Krankenhaus-Ärzte, die hart und lange und schlecht bezahlt Dienst am Menschen tun, trifft dies nach allgemeiner Einschätzung zu. Weshalb der vom Marburger Bund organisierte Ausstand von vielen, die sich sonst über jede Gewerkschaftsregung ereifern können, mit Sympathie begleitet wurde. Einkommenszuwächse in zweistelliger Höhe waren da plötzlich kein Problem mehr, den Klinikärzten sei es gegönnt. Aus Verdi-Sicht ganz in Ordnung Auch Frank Bsirske hat sich für Mediziner eingesetzt, denn einige wenige sind auch in seiner Verdi organisiert, die sich als vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft um alle möglichen Arbeitnehmer zu kümmern hat. Ein Tarifabschluss über 4,5 Prozent ist aus Verdi-Sicht und im Vergleich zu anderen Branchen ganz in Ordnung. Montgomery dagegen hat einen anderen Maßstab. Weshalb er den Abschluss für die kommunalen Krankenhäuser nicht anerkannt hat und jetzt sogar mit einer neuen Gesundheitsgewerkschaft liebäugelt, die auch normales Personal jenseits der Ärzteschaft vertreten soll.
Verdi-Chef Frank Bsirske ist angeschlagen. Ob Frank Montgomery mit einer neuen Gesundheitsgewerkschaft Erfolg haben wird, ist dennoch ungewiss.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/frank-frank-krawallmacher-im-vergleich-1.907065
Frank & Frank - Krawallmacher im Vergleich
00/05/2010
Der Strafprozess gegen den ehemaligen Mobilcom-Chef Gerhard Schmid muss neu aufgerollt werden. Und: Die USA bauen vor der Küste einen Windpark. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Verurteilung des Mobilcom-Gründers Gerhard Schmid zu 21 Monaten Haft wegen dreifachen vorsätzlichen Bankrotts aufgehoben. Das Urteil des Landgerichts Kiel sei rechtsfehlerhaft und keine "ausreichende Grundlage", um Schmid wegen des "Beiseiteschaffens" von Geldern und Bankrotts zu verurteilen, entschied der BGH. Nun muss eine andere Strafkammer des Landgerichts den Fall komplett neu verhandeln. (AZ: 3 StR 314/09) Detailansicht öffnen Der Prozess gegen den Gründer von Mobilcom, Gerhard Schmid, muss neu aufgerollt werden. (Foto: Foto: dpa) Das Landgericht Kiel hatte Schmid im Januar 2009 verurteilt, weil der Gründer des Telefon-Anbieters Mobilcom rund 1,24 Millionen Euro auf Konten nach Liechtenstein geschafft habe, als er offiziell bereits zahlungsunfähig gewesen sei. Schmid hatte große Grundstücksflächen in Kiel erworben und dazu bei der Sachsen LB ein Darlehen über rund 100 Millionen Euro bekommen. Zur Sicherheit sollte Schmid ein Aktiendepot im Gesamtwert von rund 40 Millionen Euro an die Bank verpfänden. Wegen des Kursverfalls der Aktien wurde Schmid später zahlungsunfähig. Er transferierte jedoch noch Werte in Höhe 1,24 Millionen Euro auf seine Konten nach Liechtenstein bevor er Insolvenz anmeldete. Das Landgericht sah darin den Tatbestand des "Beiseiteschaffens" für einen betrügerischen Bankrott erfüllt. Dem BGH zufolge sind aber dazu noch so viele Fragen ungeklärt, dass Schmid weder freigesprochen, noch seine Verurteilung aufrechterhalten werden konnte. Der Fall müsse deshalb in Kiel weiter aufgeklärt werden. USA bauen ersten Windenergiepark vor der Küste Nach jahrelangem Tauziehen hat die US-Regierung den ersten Windenergiepark an ihrer Küste genehmigt. "Wir schlagen eine neue Richtung für die energiepolitische Zukunft unserer Nation ein", sagte Innenminister Ken Salazar bei der Bekanntgabe der Genehmigung für das Zwei-Milliarden-Dollar-Projekt mit der Bezeichnung "Cape Wind". Geplant sind 130 Windräder mit einer Höhe von jeweils 134 Metern vor Cape Cod im Südosten von Massachusetts. Das Projekt stieß lange auf heftigen Widerstand von zwei indianischen Stämmen und Umweltschützern. Salazar sprach von einer endgültigen Entscheidung und sagte zu, bei der Errichtung werde auf den Schutz der lokalen Kulturen und der landschaftlichen Schönheit geachtet. Der Stamm Aquinnah Wampanoag will aber weiter vor Gericht gegen die Anlage kämpfen. Die Indianer erklären, dass der Bau eine seit langem unter Wasser liegende Beisetzungsstätte ihrer Ahnen entweihe. Der Baubeginn soll noch in diesem Jahr erfolgen. Der erste Strom soll Ende 2012 ins Netz eingespeist werden und drei Viertel der 225.000 Einwohner von Cape Cod mit Elektrizität versorgen. Die Anlage gilt zudem als Pilotprojekt für weitere Windenergieparks. Die USA haben die weltweit meisten Windkraftanlagen auf dem Land, sind aber bei Offshore-Anlagen im Rückstand. Die ersten Windenergieanlagen auf See wurden vor 20 Jahren in Dänemark errichtet. Am Dienstag wurde der erste Hochsee-Windpark vor der deutschen Küste offiziell in Betrieb genommen. Die Anlage Alpha Ventus liegt 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum in der Nordsee. Siemens peilt Rekordergebnis an Der Elektrokonzern Siemens steckt sich nach einem Gewinnschub im zweiten Quartal höhere Ziele für das laufende Geschäftsjahr. In den drei Sektoren Industrie, Energie und Medizintechnik will das Unternehmen 2009/10 jetzt ein operatives Ergebnis über dem Vorjahreswert von 7,5 Milliarden Euro erreichen, statt der bisher angepeilten 6 bis 6,5 Milliarden Euro. Damit würde Siemens nach den Personalkürzungen der letzten Jahre das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte erzielen. "Siemens steht heute auf einer sehr starken operativen Basis, von der aus wir unsere Marktposition weiter verbessern werden", erklärte Konzernchef Peter Löscher. Allerdings sieht er auch weitere konjunkturelle Risiken. "In wichtigen Absatzmärkten sehen wir Zeichen einer Erholung", sagte Löscher. "Es bleiben aber Risiken, darunter die angespannte Lage der Haushalte einiger Staaten oder auch die weltweit gestiegene Arbeitslosigkeit." Insgesamt scheine sich die Lage der Weltwirtschaft auf einem niedrigeren Niveau als vor der Krise zu stabilisieren. Zwischen Januar und März kletterte das operative Ergebnis des Konzerns im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Unter dem Strich sprang der Gewinn auch dank milliardenschwerer Einsparungen in Vertrieb und Verwaltung um rund die Hälfte auf 1,5 Milliarden Euro. Der Umsatz ging dagegen um vier Prozent auf 18,2 Milliarden Euro zurück. Auch beim Auftragseingang spürte Siemens im zweiten Quartal noch die Auswirkungen der Krise, er lag mit 17,8 Milliarden Euro um 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Damals hatte Siemens allerdings Großaufträge im Kraftwerks- und Bahntechnik-Geschäft in die Bücher genommen. Für das Gesamtjahr stellt sich das Unternehmen weiter auf einen Erlösrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich ein. Zuletzt belief sich der Konzernumsatz auf 76,7 Milliarden Euro. Für Diskussionsstoff sorgt derzeit der angekündigte Abbau von insgesamt mehr als 6000 Stellen im Industriegeschäft und beim Siemens-IT-Dienstleister SIS. Beschäftigte des Unternehmens hatten gegen die Pläne am Vortag vor der Konzernzentrale in der Münchner Innenstadt protestiert. Löscher hob aber hervor, dass sich die Mitarbeiterzahl des Konzerns in den vergangenen zweieinhalb Jahren stabilisiert habe. "Zwischen Ende 2007 und heute stieg die Mitarbeiterzahl weltweit um 4000", sagte der Siemens-Chef. Der Konzern beschäftigte zuletzt weltweit 402.000 Mitarbeiter. Eon stößt US-Tochter ab Deutschlands größter Energieversorger Eon verkauft sein amerikanisches Strom- und Gasgeschäft an den US-Konzern PPL Corporation. Den Kaufpreis bezifferte der Konzern am Donnerstag auf 7,6 Milliarden Dollar (5,75 Milliarden Euro). Eon habe damit sein Ziel, bis Ende 2010 mindestens 10 Milliarden Euro aus der Abgabe von Beteiligungen zu erzielen, bereits jetzt übertroffen. Eon-Chef Wulf Bernotat betonte: "Mit der Abgabe von Eon US trennen wir uns von einem leistungsstarken und soliden Geschäft, das aber für Eon wenig Spielraum für eine strategische Weiterentwicklung bietet." Mit dem Verkauf gewinne der Konzern wertvollen Spielraum für organisches Wachstum. Die wirtschaftliche Nettoverschuldung des Konzerns verringert sich den Angaben zufolge durch den Verkauf von Eon US um sechs Milliarden Euro. Allerdings bedarf die Transaktion noch der Zustimmung der US Kartell- und Regulierungsbehörden. Der Abschluss wird für Ende 2010 erwartet. Im Rahmen des Verkaufs muss Eon eine Wertberichtigung auf den in der Market Unit US Midwest bilanzierten Goodwill in Höhe von etwa 0,9 Milliarden Euro im ersten Quartal 2010 vornehmen.
Der Strafprozess gegen den ehemaligen Mobilcom-Chef Gerhard Schmid muss neu aufgerollt werden. Und: Die USA bauen vor der Küste einen Windpark.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-bgh-kippt-urteil-gegen-mobilcom-gruender-1.935334
Wirtschaft kompakt - BGH kippt Urteil gegen Mobilcom-Gründer
00/05/2010
Erstmals seit Jahren schreibt der US-Autohersteller General Motors wieder schwarze Zahlen. Jetzt träumen Anleger bereits von einem Börsengang. Der verstaatlichte amerikanische Autokonzern General Motors (GM) ist wieder profitabel. Erstmals seit 2007 meldete GM am Montag einen Quartalsgewinn. Detailansicht öffnen Die US-Regierung ermöglichte es mit vielen Milliarden Dollar GM, den Konkurs nach nur sechs Wochen zu verlassen. (Foto: Foto: AP) Das krisengeplagte Unternehmen verkaufte in den ersten drei Monaten des Jahres zwei Millionen Autos und erwirtschaftete dabei einen Überschuss von 865 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg um 40 Prozent. Noch vor einem Jahr hatte der Konzern einen Quartalsverlust von sechs Milliarden Dollar verbucht. Damit war eine Pleite unausweichlich geworden. Allerdings unterstützte die US-Regierung das Insolvenzverfahren mit Milliardenhilfen und ermöglichte GM so, den Konkurs nach nur sechs Wochen verschlankt zu verlassen. Der Autokonzern konzentriert sich seither auf die Marken Chevrolet, GMC, Buick und Cadillac. Auch Opel gehört weiter zu GM. Verlustbringer wie Saturn, Pontiac, Saab und Hummer wurden hingegen abgestoßen. Noch befindet sich GM aber im Staatsbesitz und schuldet der US-Regierung mehr als 40 Milliarden Dollar. Erst wenn der Konzern zurück an der Börse ist, wird er die Kredite zurückzahlen können. Ein Zeitpunkt dafür steht noch nicht fest. Doch die guten Zahlen für das erste Quartal werden Spekulationen nähren, dass der Börsengang noch im laufenden Jahr stattfindet. Berichten zufolge sucht die Regierung bereits nach einer Investmentbank, die die Rückkehr des Unternehmens an den Aktienmarkt begleiten könnte.
Erstmals seit Jahren schreibt der US-Autohersteller General Motors wieder schwarze Zahlen. Jetzt träumen Anleger bereits von einem Börsengang.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/general-motors-ach-ein-gewinn-1.940034
Ach, ein Gewinn!
00/05/2010
Telekom-Vorstandschef René Obermann über die Vertrauenskrise der Marktwirtschaft, warum immer noch keine Frau im Konzernvorstand sitzt - und welche Krise ihn persönlich am meisten belastet hat. "Ich bin kein klassischer Vorstandsvorsitzender", sagt René Obermann. Mit 47 Jahren ist er jünger als viele seiner Kollegen an der Spitze der großen Konzerne, zugleich gilt Obermann in der Telekommunikationsbranche als "Dinosaurier": Seit mehr als 20 Jahren bestimmt er nun die Geschicke der Branche mit. Im Interview spricht er über sein Führungskonzept, die Verantwortung des Managers und die Veränderungen bei der Telekom, einem der größten deutschen Unternehmen mit 260.000 Mitarbeitern, die Hälfte von ihnen noch in Deutschland. Detailansicht öffnen Weltenvereiniger René Obermann: "Kunden haben kein Verständnis dafür, wenn sie wegen Mobilfunk- oder Festnetzfragen unterschiedliche Stellen anrufen müssen." (Foto: Foto: dpa) Frage: Herr Obermann, Sie bauen den Großkonzern Telekom um. Bisher galt es als Stein der Weisen, die drei Bereiche Festnetz, Mobilfunk und Internet getrennt zu organisieren. Jetzt kommt alles unter ein Dach. Warum? Obermann: Kunden haben kein Verständnis dafür, wenn sie wegen Mobilfunk- oder Festnetzfragen unterschiedliche Stellen anrufen müssen. Wir bringen jetzt beide Welten zusammen. Frage: Also haben Sie bislang mit mehreren getrennten Unternehmen unter einem Dach die falsche Strategie verfolgt? Obermann: Alles hat seine Zeit. Jetzt sind Technologien und Produkte aus einem Guss gefragt. Und deshalb gehen wir diesen Weg. Frage: Ist das so einfach? Die Telekom ist ein Gigant. Und der kriegt jetzt einfach eine neue Struktur verordnet. Wie funktioniert so etwas? Obermann: Zum einen haben Festnetz und Mobilfunk zum Beispiel im Vertrieb schon eng zusammengearbeitet, zum anderen müssen Sie mit Mitarbeitern und Managern reden, sie überzeugen, Widerstände auflösen und im Zweifelsfall durchgreifen. Frage: Klingt zupackend. Aber lenken Sie durch den Umbau nicht auch von strukturellen Schwächen ab? Obermann: Lassen Sie uns die Fakten sortieren. Wir sind im Festnetz dreimal so stark wie vor drei Jahren und im Mobilfunk Marktführer. Das sind handfeste Erfolge. Und darauf bauen wir jetzt auf. Frage: Ganz so gut läuft es ja nicht. Ihr Umsatz wird dieses Jahr nicht wachsen, der Aktienkurs dümpelt bei zehn Euro, Sie verlieren in Amerika, wo Sie für viel Geld eingestiegen sind, Kunden... Obermann: Also, unsere Aktienkursentwicklung der vergangenen Jahre ist besser als die vieler anderer Unternehmen. Wir sind 2009 um fast fünf Prozent gewachsen, in der schlimmsten Wirtschaftskrise, an die ich mich zumindest in meinen Berufsjahren erinnern kann. In Amerika sind wir von Platz sechs auf vier im Markt geklettert und verdienen gutes Geld. Aber ja, wir haben dort eine Wachstumsdelle und müssen aufholen. Frage: Sie haben schwierige Zeiten hinter sich: zum Beispiel den größten Arbeitskampf in der Geschichte der Telekom. Sie haben ferner 33 der 63 Callcenter in Deutschland geschlossen, gegen erbitterten Widerstand. Obermann: 33 moderne Servicecenter sind doch besser als 63 veraltete Callcenter, die nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Welche Firma in Deutschland betreibt in dieser Größenordnung eigene Callcenter mit eigenen Beschäftigten? Die meisten haben das längst ausgelagert. Wir modernisieren die Telekom. Das heißt eben auch, an manchen Stellen ein paar harte Einschnitte zu machen. Anders geht es nicht. Frage: Ist es nicht ein fataler Trend, dass derzeit bestimmte soziale Errungenschaften planiert werden, was ja Folgen für die Gesellschaft hat? Beziehen Sie diesen Umstand in Ihr Kalkül ein? Obermann: Ja, wir nehmen Sozialverantwortung bei uns ernst. Aber vergleichen Sie mal die Konditionen, zu denen die Menschen bei uns beschäftigt sind, mit denen der von Ihnen wahrscheinlich jetzt angesprochenen prekären Arbeitsverhältnisse, die ich mit großer Sorge sehe. Da werden Sie große Unterschiede feststellen, wenn Sie objektiv sind. Frage: Sie sprechen die prekären Arbeitsverhältnisse an, also schlecht bezahlte Jobs ohne Absicherung. Oft heißt es, sie seien eine zwangsweise Folge der Globalisierung. Sehen Sie das auch so? Obermann: Was ist das größere oder kleinere Übel? Ich glaube, dass die Sozialreformen dafür Sorge getragen haben, dass wir mehr Menschen in Arbeit haben als früher. Die Kehrseite der Medaille sind die Niedriglohnbereiche. Ich glaube unter dem Strich, dass es besser ist, auch solche Jobs anzubieten als gar keine, weil die Menschen ihren Wert auch dadurch definieren, dass sie einen Wert für die Gesellschaft in Form von Arbeit erbringen.
Telekom-Vorstandschef René Obermann über die Vertrauenskrise der Marktwirtschaft, warum immer noch keine Frau im Konzernvorstand sitzt - und welche Krise ihn persönlich am meisten belastet hat.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/telekom-chef-rene-obermann-ich-halte-bodenkontakt-1.937476
"Telekom-Chef René Obermann - ""Ich halte Bodenkontakt"""
00/05/2010
Die Hilfsorganisation Oxfam erhebt schwere Vorwürfe gegen die Geschäftspraktiken des Metro-Konzerns in Indien: Der Handelskonzern verletze massiv die Arbeitsrechte, sowohl bei eigenen Angestellten als auch bei Obst- und Gemüselieferanten. Das geht aus einer unveröffentlichten Studie hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Demnach zahlt der Konzern teilweise Löhne unter der Armutsgrenze, und Gewerkschaftsmitglieder werden unter Druck gesetzt. Hinzu kommen Oxfam zufolge Verstöße gegen indisches Arbeitsrecht und vor allem gegen den Verhaltenskodex, den sich der drittgrößte Handelskonzern der Welt selbst auferlegt hat. Ein Metro-Sprecher wies die Vorwürfe in einem mehrseitigen Schreiben weitestgehend als unzutreffend zurück. Detailansicht öffnen Der Handelskonzern Metro bezahlt in Indien offenbar Löhne unter der Armutsgrenze. (Foto: Foto: AP) Franziska Humbert, Autorin der Studie und Referentin für soziale Unternehmensverantwortung bei Oxfam Deutschland, sieht das anders: "Insgesamt klafft bei der Metro in Bezug auf die soziale Verantwortung eine erhebliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit." Besonders problematisch seien die Arbeitsbedingungen der Landarbeiterinnen bei indischen Metro-Lieferanten. Diese erhielten nur 85 Eurocent für zehn bis zwölf Stunden Arbeit. Die Armutsgrenze liegt bei umgerechnet 94 Eurocent pro Tag. Frauen erhielten außerdem bis zu 50 Prozent weniger Geld als Männer. Der Konzern bestätigte den Tageslohn von 85 Cent. Er entspreche dem gesetzlichen Mindestlohn, so der Sprecher. Lieferanten müssten außerdem Verträge unterzeichnen, in denen sie die Einhaltung bestimmter Standards garantieren. Oxfam kritisiert auch die Arbeitsbedingungen in den Metro-Großhandelsmärkten. Unbezahlte Überstunden seien dort an der Tagesordnung, obwohl das Gesetz einen doppelten Stundenlohn vorschreibe. "Wenn es eine bestimmte Aufgabe gibt, die erledigt werden muss, bleiben wir auch eine Doppelschicht", wird ein indischer Metro-Beschäftigter zitiert. "Überstunden werden nicht bezahlt, und meist kann man sie auch nicht abfeiern." Ein Metro-Sprecher bestätigte, dass keine Überstunden vergütet werden, dafür gebe es Freizeitausgleich, was in Indien zulässig sei. Mitarbeiter würden zudem um 30 Prozent über Mindestlohn bezahlt. Nicht gern gesehen sind in den indischen Metro-Großmärkten offenbar Gewerkschaftsmitglieder. Allein 2008 entließ Metro nach Oxfam-Recherchen acht Mitarbeiter, die der Gewerkschaft angehörten, ohne Gründe zu nennen. Es habe sich dabei um einen generellen Personalabbau gehandelt, von dem auch andere Beschäftigte betroffen gewesen seien, hieß es dazu beim Konzern. Metro sorgte zuletzt im Mai 2009 für Schlagzeilen, nachdem in einem Zulieferbetrieb in Bangladesh eine 18-jährige Frau gestorben war. Ihr Tod wurde in Verbindung mit schlechten Arbeitsbedingungen gebracht. Spätere Untersuchungen zeigten laut Metro jedoch, dass die Frau schon vor ihrer Einstellung schwer krank war. Trotzdem wiegen die neuen Beschuldigungen gegen den Konzern schwer, weil das Unternehmen offiziell mit seiner sozialen Verantwortung wirbt. Der Konzern ist Mitglied der BSCI-Initiative, der europäische Handels- und Markenfirmen angehören und die das Ziel hat, für gute Arbeitsbedingungen in der Lieferkette zu sorgen. Oxfam und andere Organisationen werfen Metro auch vor, mit seinem Expansionsdrang auf den asiatischen Märkten die dortigen Handelsstrukturen zu zerstören. Straßenhändler und Kleinbauern seien in ihrer Existenz bedroht. Die Lizenzen des Konzerns beschränken sich in Indien fast ausschließlich auf den Großhandel. Oxfam kritisiert, Metro unterlaufe dies. "De facto agiert Metro jedoch auch in dem bislang streng regulierten indischen Einzelhandelsmarkt", so Humbert. Auch diesen Vorwurf wies der Metro-Sprecher zurück.
Löhne teilweise unter der Armutsgrenze: Der Handelskonzern Metro wirbt für soziale Verantwortung, doch in Indien wird schlecht bezahlt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schwere-vorwuerfe-gegen-metro-85-cent-pro-tag-1.942130
Schwere Vorwürfe gegen Metro - 85 Cent pro Tag
00/05/2010
Es wäre eine Megafusion: United und Continental Airlines wollen sich zur größten Fluglinie der Welt zusammenschließen. Doch das Kartellamt könnte querschießen. Der Deal ist perfekt: Die amerikanischen Fluggesellschaften United und Continental schließen sich zur größten Airline der Welt zusammen. Detailansicht öffnen Passagiermaschinen von Continental und UAL: Die beiden Gesellschaften schließen sich zusammen, doch die beiden Marken bleiben bestehen. (Foto: Foto: AP) Sie werden künftig unter dem Dach der United Continental Holdings fliegen, wie die Unternehmen mitteilten. Die neue Fluggesellschaft soll den Namen United tragen und ihren Hauptsitz in Chicago haben. Mit der Fusion könnten beide Unternehmen in den kommenden Jahren bis zu 900 Millionen Euro einsparen. Die Kartellbehörden müssen den Zusammenschluss allerdings noch genehmigen. Die neue fusionierte Fluglinie wird einen Umsatz von jährlich knapp 22 Milliarden Euro haben, wie beide Unternehmen erklärten. United und Continental sind Mitglieder der Star Alliance, der auch die Lufthansa angehört. Zusammen befördern die Gesellschaften im Jahr 144 Millionen Passagiere zu 370 Zielen in 59 Ländern. Gemessen an Marktanteilen stößt die neue Fluggesellschaft Delta Air Lines als Marktführer vom Thron. Größere Auswahl von Zielen Die Passagiere von United und Continental hätten mit dem Zusammenschluss eine deutlich größere Auswahl an Zielen: United fliegt 100 Orte an, die Continental nicht im Programm hat, Continental bedient 136 Ziele, die United nicht anfliegt. United ist stark bei Verbindungen nach Asien, Continental bei Verbindungen nach Europa und Lateinamerika. Die Airlines fusionieren über einen Aktientausch. Die Continental-Eigner bekommen für einen Anteilsschein 1,05 Aktien von United. Am Ende halten sie 45 Prozent an der neuen Holding, die United-Aktionäre 55 Prozent. United-Chef Glenn Tilton betonte aber, es handele sich um einen "Zusammenschluss unter Gleichen". Tilton wird künftig dem Verwaltungsrat vorstehen, sein Continental-Kollege Jeff Smisek wird Konzernchef. Die Fusion soll im vierten Quartal abgeschlossen werden. Neben der Kartellbehörde müssen allerdings auch noch die Aktionäre zustimmen. Konkurrenz von Billigfliegern United hatte erst im vergangenen Monat Fusionsverhandlungen mit US Airways abgebrochen. Seitdem war in der Branche über einen Zusammenschluss des Airline mit Continental spekuliert worden. Nach Ansicht von Analysten passen die Continental und United besser zueinander. Es gebe nur "minimale Überlappungen", stellten die beiden Airlines selbst fest. In der Branche wurde spekuliert, United habe nur mit US Airways gesprochen, um Continental eifersüchtig zu machen. Continental und United Airlines hatten in den vergangenen zehn Jahren bereits zwei Mal versucht, zu fusionieren, doch der Versuch war jedes Mal gescheitert. Auch bei den jetzigen Verhandlungen galt ein Scheitern lange als möglich. Widerstand gegen den Zusammenschluss wird besonders von den Gewerkschaften erwartet. Die Branche erholt sich allmählich wieder von den Folgen der Wirtschaftskrise, die zu einem Einbruch des Passagier- und Frachtgeschäfts geführt hatte. Vor allem das schlechte Business-Class-Geschäft und die Konkurrenz von Billigfliegern machten ihnen zu schaffen. Allein 2009 flog die Branche weltweit ihrem Verband IATA zufolge elf Milliarden Dollar Verlust ein.
Es wäre eine Megafusion: United und Continental Airlines wollen sich zur größten Fluglinie der Welt zusammenschließen. Doch das Kartellamt könnte querschießen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ual-und-continental-fusionieren-weltgroesste-fluglinie-vor-take-off-1.938882
UAL und Continental fusionieren - Weltgrößte Fluglinie vor Take-off
00/05/2010
Die Ölpest vor der US-Küste stürzt BP in eine Krise. Dabei wollte sich Chef Hayward "mit der Schärfe eines Lasers" den Sicherheitsproblemen annehmen. BP-Chef Tony Hayward hat die Bekämpfung der Ölpest im Golf von Mexiko zur Chefsache gemacht. In diesen Tagen ist der 53-Jährige im Katastrophengebiet unterwegs, um mit Experten die weitere Vorgehensweise zu koordinieren. Hayward weiß, dass sein Ruf als Krisenmanager auf dem Spiel steht. Detailansicht öffnen BP-Chef Hayward lässt keinen Zweifel daran, dass BP die Verantwortung für das Desaster im Golf von Mexiko übernimmt. Die Börse reagiert nervös. Im Bild: Der Ölteppich (re.) treibt auf die US-Küste zu. (Foto: Foto: ddp/NASA/Earth Observatory/Jesse Allen) Er selbst hatte bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren verkündet, dass er sich "mit der Schärfe eines Lasers" den Sicherheitsproblemen im Unternehmen annehmen wolle. An diesem Anspruch muss sich Hayward nun messen lassen. Der Druck aus Washington wächst. Regierungsbeamte haben dem Ölmulti vorgeworfen, nach der Havarie der Bohrinsel Deepwater Horizon nicht schnell genug gehandelt zu haben. Sämtliche Kosten würde der Konzern zu bezahlen haben, darauf beharrt die US-Regierung. Experten wie der Öl-Analyst Neil McMahon von der Investmentfirma Sanford Bernstein schätzen die Gesamtkosten auf mehr als zwölf Milliarden Dollar (etwa neun Milliarden Euro), um das Öl-Desaster im Golf von Mexiko in den Griff zu bekommen. Schon gibt es Vergleiche zur Tankschiff-Katastrophe der Exxon Valdez im Jahre 1989. Für die Beseitigung der Schäden im Prince William Sound in Alaska musste der US-Ölkonzern Exxon Mobil damals etwa 3,5 Milliarden Dollar aufwenden. BP gilt als gebranntes Kind in der Branche: Im Jahre 2005 waren bei einer Explosion in einer BP-Raffinerie im US-Bundesstaat Texas 15 Mitarbeiter ums Leben gekommen. Wegen Verstößen gegen Sicherheitsvorschriften wurde der Konzern zu einer Geldbuße in dreistelliger Millionenhöhe verdonnert. Und ein Jahr später verursachte eine defekte BP-Pipeline in Alaska große Umweltschäden. Hayward lässt keinen Zweifel daran, dass BP die Verantwortung für das Desaster im Golf von Mexiko übernimmt und den Öl-Teppich beseitigen will. Die Börse reagiert nervös. Sei dem Unfall hat BP etwa 13 Prozent seiner Marktkapitalisierung verloren hat. Das sind etwa 25 Milliarden Dollar (19 Milliarden Euro). Zwar handelt es sich um einen reinen Buchverlust. Doch dies zeigt, dass das Misstrauen der Anleger groß ist, zumal die Kosten für die Beseitigung der Ölpest weitersteigen könnten. Immerhin hilft es BP, dass das Unternehmen an dem Macondo-Ölfeld im Golf von Mexiko nur einen Anteil von 65 Prozent hat. 25 Prozent entfallen auf die US-Firma Anadarko und zehn Prozent auf Mitsui of Japan. Solche Partnerschaften sind in der Branche üblich, um das Risiko von vornherein auf mehrere Schultern zu verteilen. Die gesunkene Ölplattform gehörte der Bohr-Firma Transocean, sodass für das Betreiber-Konsortium keine Wiederbeschaffungskosten (etwa 700 Millionen Dollar) anfallen. Gleichwohl muss BP anteilsmäßig mit knapp acht Milliarden Dollar rechnen, falls sich die Gesamtkosten für die Schadensbeseitigung auf gut zwölf Milliarden Dollar belaufen. Allein die geplante Entlastungsbohrung veranschlagen Experten mit 100 Millionen Dollar. Wiedergutmachung - und Strafzahlungen Finanziell noch viel gravierender werden für den Konzern die zu erwartenden Schadenersatzklagen der Fisch- und Tourismusindustrie sein. Dabei geht es vor amerikanischen Gerichten nicht nur um die Wiedergutmachung des erlittenen Schadens, sondern auch um hohe Strafzahlungen. BP-Chef Hayward steht vor einer Grundsatzentscheidung, in welchem Maße BP die Öl-Förderung im Golf von Mexiko fortsetzen soll. Erst vor kurzem hat der Konzern für sieben Milliarden Dollar große Felder der US-Firma Devon Energy erworben und damit seine Position im Golf gefestigt. Doch ist dies die richtige Strategie? Sind Tiefseebohrungen technisch beherrschbar? Das sind Fragen, mit denen sich Hayward nun auseinandersetzen muss. Die Küste zwischen den US-Bundesstaaten Texas, Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida erlebt bei der Ölförderung seit ein paar Jahren ein Comeback. Für die westlichen Öl-Konzerne ist die Region eine sichere Investition, zumal die Unternehmen im Nahen Osten, Afrika, Südamerika mit zahlreichen politischen Problemen konfrontiert sind. Ausschlaggebend ist aber auch die rasche technologische Entwicklung, die es ermöglicht, in Meerestiefen von mehr als 1500 Meter vorzustoßen. Etwa 6500 Öl- und Erdgasförderstätten gibt es derzeit in der Küstenregion - mit insgesamt etwa 60.000 einzelnen Bohrstellen. Der Meeresgrund gleiche einer Höhle von Wühlmäusen, witzeln die Ölmänner auf den Plattformen. Wie ein großes Spinnennetz haben sich die Ölleitungen auf dem Meeresboden ausgebreitet. Die Offshore-Förderung im Golf von Mexiko trägt etwa zu einem Viertel zur heimischen Ölproduktion der USA bei. Die Golfregion hat eine lange Geschichte als Öl-Eldorado. Doch erst in den neunziger Jahren gelang es, in größere Tiefen fern der Küste vorzustoßen. Doch es gibt auch Grenzen der modernen Technik, wenn es um den Schutz labiler Ökosysteme geht. Das muss jetzt auch BP-Chef Hayward erkennen.
Die Ölpest vor der US-Küste stürzt BP in eine Krise. Dabei wollte sich Chef Hayward "mit der Schärfe eines Lasers" den Sicherheitsproblemen annehmen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/oelkonzern-bp-in-not-ein-teppich-der-milliarden-kostet-1.940842
Ölkonzern BP in Not - Ein Teppich, der Milliarden kostet
00/05/2010
Frisch gesellt: United und Continental werden offenbar schon in den nächsten Tagen ihr Zusammengehen bekanntgeben. Es würde die weltweit größte Fluggesellschaft entstehen. Die Fusion von United Airlines und Continental Airlines zur weltgrößten Fluggesellschaft ist fast perfekt. Die beiden US-Konzerne hätten sich auf Details eines Zusammenschlusses per Aktientausch verständigt, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Detailansicht öffnen Die neue United käme auf knapp 90.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von fast 30 Milliarden Dollar. (Foto: Foto: AP) Das Geschäft könnte einem Bericht des Wall Street Journal zufolge bereits am Montag bekanntgegeben werden. United und Continental, die wie die Lufthansa zum Bündnis Star Alliance gehören, würden dann gemeinsam den aktuellen Weltmarktführer und heimischen Rivalen Delta Air Lines überflügeln. Gemeinsam kämen sie auf knapp 90.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von fast 30 Milliarden Dollar. Das neue Unternehmen würde den Kreisen zufolge unter dem Namen United fliegen. Continental ist die weltweit fünftgrößte Airline und damit die kleinere der beiden mit zuletzt rund 43.000 Mitarbeitern und 12,5 Milliarden Dollar Jahresumsatz. United als drittgrößte US-Fluggesellschaft beschäftigt etwa 46.000 Mitarbeiter weltweit und setzte 2009 etwa 16,3 Milliarden Dollar um. 700 Millionen Fluggäste jährlich Beide Airlines haben keine Überlappungen bei ihren Drehkreuzen und auch nicht bei ihren zehn wichtigsten einheimischen Nonstop-Flügen. Experten erwarten, dass die Wettbewerbsbehörden eine Fusion durchwinken werden. Allerdings müsste sich das neue Unternehmen wohl von einigen Routen oder Geschäftsbereichen trennen. Branchenkenner halten eine Fusion schon deshalb für sinnvoll, weil dadurch allein auf dem US-Markt mit seinen jährlich 700 Millionen Fluggästen wohl Überkapazitäten abgebaut würden. Den Kreisen zufolge sollen bei der Fusion 1,05 Aktien der United-Mutter UAL pro Continental-Anteilsschein gezahlt werden. Auf Basis des Schlusskurses der United-Aktie vom Freitag von 21,59 Dollar ergibt sich bei rund 139,6 Millionen Aktien eine Summe von drei Milliarden Dollar, die United damit in Aktien zahlen würde. Der Verwaltungsrat von United sollte den Kreisen zufolge noch am Freitag darüber beraten, das Führungsgremium von Continental zusätzlich noch am Sonntag. Geplant sei, dass UAL-Chef Glen Tilton Vorsitzender des Verwaltungsrates werde und Continental-Chef Jeff Smisek den neuen Konzern führe. Die neue Gesellschaft solle als United Airlines weiter fliegen, Sitz solle Chicago sein. Die Branche erholt sich allmählich wieder von den Folgen der Wirtschaftskrise, die zu einem Einbruch des Passagier- und Frachtgeschäfts geführt hatte. Vor allem das schlechte Business-Class-Geschäft und die Konkurrenz von Billigfliegern machten ihnen zu schaffen. Allein 2009 flog die Branche weltweit ihrem Verband IATA zufolge elf Milliarden Dollar Verlust ein. Die Krise verschärfte den Druck zur Konsolidierung. Viele Airlines sind inzwischen auf der Suche nach Partnern. Jüngst erst hatten sich British Airways und die spanische Iberia zur nach Umsatz weltweiten Nummer Drei zusammengeschlossen. Lufthansa hat sich mit der Übernahme von Swiss, Austrian, Brussels und British Midland hochgearbeitet, während Air France die niederländische KLM geschluckt und sich mit der neuen Alitalia verbündete. Für BA und Iberia ist die Fusion nur ein Schritt hin zu einer Dreierallianz mit dem Partner American Airlines im Konkurrenzbündnis der Star Alliance, Oneworld. Sie wollen von der Liberalisierung der Transatlantik-Flüge profitieren. Die Anbieter - besonders in den USA - leiden darunter, dass zu viele Flugzeuge unterwegs sind.
Frisch gesellt: United und Continental werden offenbar schon in den nächsten Tagen ihr Zusammengehen bekanntgeben. Es würde die weltweit größte Fluggesellschaft entstehen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/luftfahrt-gigant-am-himmel-1.940938
Luftfahrt - Gigant am Himmel
00/05/2010
Hugo-Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs über das Geschäft mit der Mode, Finanzinvestoren - und wie Herren-Anzüge archiviert werden. SZ: Herr Lahrs, Sie tragen natürlich einen Boss-Anzug. Werden die Ihnen eigentlich als Dienstkleidung gestellt? Detailansicht öffnen Hugo-Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs: "Der Designer muss - bei aller Wertschätzung seiner Arbeit - wissen, dass es den Kunden gibt, dass man ihn und seine Wünsche vor Augen haben muss." (Foto: Foto: dpa) Lahrs: Natürlich bezahlen wir im Vorstand alle Anzüge und Accessoires selbst. Wie alle anderen Mitarbeiter auch - ob Sportswear, Anzüge oder Schuhe, aber zu etwas günstigeren Konditionen als im freien Verkauf. SZ: Wie viele Boss-Anzüge hängen in Ihrem Kleiderschrank? Lahrs: Ich habe sie nicht gezählt, aber es sind über 40. Dazu passende Hemden, Krawatten, Schuhe . . . SZ: Und Ihre Dior-Anzüge? Haben Sie die in die Altkleidersammlung gegeben? Lahrs: Nein, nein, die sind alle archiviert. SZ: Wie archiviert man denn Herren-Anzüge? Lahrs: Reinigen, bügeln, schön abdecken und in einen Schrank hängen, wo sie als Erinnerungsstücke einen guten Platz finden. SZ: Wie unterscheidet sich Hugo Boss von Dior - so wie die Champs Elysees in Paris von der Dieselstraße in Metzingen? Lahrs: Nein. Beide Marken sind gar nicht zu vergleichen, sie haben sozusagen eine andere DNA. Dior stammt ursprünglich aus der Haute Couture für Damen und ist bei den Preisen in anderen Regionen angesiedelt. Die Wurzeln von Boss sind Herrenanzüge. Bei uns kommen heute immer noch 80 Prozent des Umsatzes aus dem Textilgeschäft, Boss ist Marktführer bei Herrenmode. Bei Dior ist es das Accessoiregeschäft mit Düften, Schmuck, Taschen und ähnlichem, das den Umsatz treibt. SZ: Was haben Sie von Dior mitgebracht? Lahrs: Eine der Erfahrungen, die ich bei Dior gemacht habe, ist: Der Designer muss - bei aller Wertschätzung seiner Arbeit - wissen, dass es den Kunden gibt, dass man ihn und seine Wünsche vor Augen haben muss. SZ: Haben Sie als Vorstandsvorsitzender das letzte Wort, bevor neue Kollektionen in die Geschäfte kommen? Lahrs: Ich schaue mir natürlich alles an, was die Designer entwickeln, aber die Entscheidung liegt immer bei den Kreativen. SZ: Würden Sie Modelle stoppen, wenn Sie Ihnen gar nicht gefallen? Lahrs: Nein, das würde ich nie machen. Aber wir prüfen dann natürlich genau die Verkaufs- und Orderergebnisse der jeweiligen Kollektionen. Da können wir sehen, was läuft und was nicht. SZ: Was war der größte Flop bei Boss? Lahrs: Einen echten Flop habe ich bei Hugo Boss noch nicht erlebt. SZ: Griechenland-Bankrott, Bankenpleite, Wirtschaftskrise - welche Farbe trägt man als Manager in den heutigen Zeiten? Lahrs: Das kommt ganz auf den Anlass an. Beim offiziellen Auftritt dominiert nach wie vor der dunkle Anzug, vielleicht kombiniert mit einer Krawatte, die farbig heraussticht. SZ: Das ist ja schon lange so. Hat sich wirklich nichts am Kaufverhalten in der Krise geändert? Lahrs: In Europa zum Beispiel geht der Trend hin zu mehr sportlicher und lässiger Mode. In den USA hingegen ist man noch sehr konventionell. Dort haben wir übrigens im Krisenjahr 2009 mehr Umsatz gemacht. Die Kunden dort wollen offenbar europäisches Design und europäische Qualität, aber zu noch erschwinglichen Preisen. Sie kaufen zurückhaltender die absoluten Luxusmarken. SZ: Trotzdem: 2009 war Ihr erstes volles Geschäftsjahr, und Hugo Boss verzeichnete erstmals seit 15 Jahren einen Umsatzrückgang - kein guter Start. Lahrs: Es stimmt, 2009 war eine Herausforderung. Aber wir haben dieses Jahr für die Neustrukturierung genutzt, um uns krisenfest zu machen. 2009 hat das Unternehmen stärker gemacht. Das ist für mich im Übrigen die beste Erfahrung seit August 2008, als ich Chef dieses Unternehmens wurde. SZ: Auch im ersten Quartal 2010 gab es keine Erholung. Wie wird 2010? Lahrs: Vom Sommer an wird es wieder aufwärts gehen. Dieses Jahr wird uns eine Umsatz- und Ergebnisverbesserung bringen. Wir sind optimistisch, es wird ein gutes Jahr für uns werden. SZ: Gerade erst haben Sie große Ziele verkündet: Der Umsatz soll bis 2015 von heute 1,6 auf dann 2,5 Milliarden Euro steigen, der Gewinn noch deutlicher. Können Sie zaubern? Lahrs: Nein, zaubern kann bei uns niemand, auch wenn wir es ab und zu versuchen. Vor allem unsere Designer, die wollen ja die Kunden verzaubern. Aber wir haben deutlich gesagt, wie wir diese Ziele erreichen wollen: Schnellere und kundennahe Kollektionswechsel, noch bessere Nutzung der Markenbekanntheit und mehr eigene Geschäfte. Außerdem setzen wir auf Auslandsmärkte, neben Europa vor allem USA und Asien. Davor aber steht harte Arbeit, keine Zauberei. Es gibt in der Modebranche nur wenige Marken, die so etwas schaffen können. Der Marke Hugo Boss trauen wir noch sehr viel zu. SZ: Marktanteile sind oft schnell erobert, nicht selten aber auf Kosten der Profitabilität. Lahrs: Wir halten uns an eine einfache kaufmännische Vorgabe, dass sich nämlich das Ergebnis immer besser entwickeln sollte als der Umsatz.
Hugo-Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs über das Geschäft mit der Mode, Finanzinvestoren - und wie Herren-Anzüge archiviert werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hugo-boss-chef-lahrs-reinigen-buegeln-schoen-abdecken-1.941053
"Hugo-Boss-Chef Lahrs - ""Reinigen, bügeln, schön abdecken"""
00/05/2010
Noch nicht mal eine Woche ist es her, dass Daimler eine Ergebnisprognose für die Pkw-Sparte Mercedes abgegeben hat. Jetzt wird sie fast verdoppelt. Daimler jubelt, die Börse feiert. Selten genug hat Daimler seine Anteilseigner zuletzt einmal positiv überraschen können. Jetzt ist es gelungen: Der Autohersteller hat das Gewinnziel für seine Sparte Mercedes-Benz-Cars in weniger als einer Woche fast verdoppelt. Detailansicht öffnen An der Börse machten die Daimler-Papiere einen mächtigen Satz nach oben. (Foto: Foto: Getty) Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde im laufenden Jahr bei 2,5 bis drei Milliarden Euro liegen, teilte das Unternehmen mit. Konzernchef Dieter Zetsche hatte am Mittwoch der vergangenen Woche auf der Hauptversammlung des Unternehmens noch ein Ziel von mehr als 1,5 Milliarden Euro ausgegeben. Im ersten Quartal hatte die wichtigste Sparte des Konzerns bei Umsätzen von 11,6 Milliarden Euro einen Gewinn von 806 Millionen Euro erzielt. "Sehr gute Ergebnisse" Der Konzerngewinn drehte laut vorläufigen Zahlen zufolge ins Plus. Nach einem Minus von 1,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr sei nun ein Plus von 1,2 Milliarden Euro erzielt worden. Getragen worden sei diese Entwicklung von "sehr guten Ergebnissen bei Mercedes-Benz-Cars". "Diese waren die Folge von hohen Verkäufen, starkem Modellmix und guter Preisdurchsetzung zusätzlich zu einer insgesamt vorteilhaften Kostenstruktur im ersten Quartal", hieß es in der Mitteilung weiter. Der Konzernumsatz lag im ersten Quartal bei 21,2 Milliarden Euro. Dabei verzeichnete die zweitgrößte Sparte, Daimler Trucks, Erlöse von 4,9 Milliarden und einen Gewinn von 130 Millionen Euro. Im Gesamtjahr soll die Sparte ein Ebit von 500 bis 700 Millionen Euro aus dem laufenden Geschäft erzielen. Investoren zeigten sich hocherfreut: Im nachbörslichen Handel bei Lang & Schwarz sprangen Daimler-Papiere auf 38,73 Euro. Im Xetra-System der Deutschen Börse hatten die Titel wenige Stunden vor der Mitteilung zum Schluss noch 36,31 Euro gekostet. Wegen der anziehenden Nachfrage nach Lastwagen beendet Daimler die Kurzarbeit in den deutschen Werken. An den Standorten Wörth und Gaggenau werde die Kurzarbeit bereits Ende Mai auslaufen und damit einen Monat früher als geplant, teilte Nutzfahrzeugchef Andreas Renschler am Montag in Stuttgart mit. In den Werken Mannheim und Kassel läuft die Regelung wie vereinbart bis Ende Juni. Ende März waren Daimler zufolge noch 11.300 Beschäftigte in der Lastwagenproduktion in Kurzarbeit.
Noch nicht mal eine Woche ist es her, dass Daimler eine Ergebnisprognose für die Pkw-Sparte Mercedes abgegeben hat. Jetzt wird sie fast verdoppelt. Daimler jubelt, die Börse feiert.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/autoindustrie-party-bei-daimler-1.936041
Autoindustrie - Party bei Daimler
00/05/2010
Die Staatsbank KfW hatte der insolventen Lehman-Bank Millionen überwiesen. Doch es passiert - nichts: Das Verfahren wird wohl eingestellt. Vor gut anderthalb Jahren, als die internationale Finanzkrise beinahe außer Kontrolle geriet, war die KfW als "Deutschlands dümmste Bank" verspottet worden. Das staatliche Kreditinstitut mit Sitz in Frankfurt, das vor allem dem Bund gehört, hatte sich eine folgenschwere Panne geleistet. Nach der Pleite des US-Investmenthauses Lehman Brothers am 15. September 2008 hatte die KfW noch 320 Millionen Euro an die insolvente Bank in New York überwiesen, statt alle Transfers sofort zu stoppen. Detailansicht öffnen Die Ermittlungen zu der folgenschwere Panne bei der staatlichen KfW sollen eingestellt werden. (Foto: Foto: AP) Empörte Bürger zeigten den KfW-Vorstand bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft an, und die begann, wegen Veruntreuung von Bankvermögen zu ermitteln. Doch das Geld war erst mal weg. "Mangels Schuld" Jetzt steht so gut wie fest: Keiner der damaligen Verantwortlichen muss vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt will nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ihre Verfahren gegen aktive und ehemalige KfW-Vorstände mangels Schuld einstellen. Das hat die zuständige Fachabteilung entschieden. Sofern die Generalstaatsanwaltschaft als vorgesetzte Behörde keinen Einspruch erhebt, werden die Akten demnächst geschlossen. Im Fokus der Strafverfolger waren zuletzt vor allem die von der KfW gefeuerten Ex-Vorstandsmitglieder Detlef Leinberger und Peter Fleischer gewesen. Sie haben jetzt gute Chancen, von der Staatsbank nachträglich Gehälter und Boni zu kassieren. Die KfW äußert sich dazu nicht. Auch die Staatsanwaltschaft schweigt; sie nimmt nicht Stellung zum Stand der Verfahrens. Leinberger und Fleischer waren bei der KfW für das Risikomanagement zuständig und nach der Panne für Mängel bei der Risikokontrolle verantwortlich gemacht und fristlos gekündigt worden. Der mit zahlreichen Politikern besetzte Verwaltungsrat der KfW, der die Staatsbank kontrolliert, wollte offenbar ein Exempel statuieren. Insbesondere der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) schimpfte lauthals über unfähige Bankvorstände. Nach umfangreichen Ermittlungen unter Mithilfe des Bundeskriminalamtes kam die Staatsanwaltschaft jetzt aber zu dem Ergebnis, der seinerzeitige Bankvorstand habe seine Amtspflichten nicht vorsätzlich vernachlässigt. Von Anklagen sei abzusehen. Auch grobe Fahrlässigkeit liegt offenbar nicht vor. Leinberger hat bei Gericht in erster Instanz bereits erfolgreich fast eine halbe Million bei der KfW eingeklagt. Und Fleischer bekam von den 2,3 Millionen Euro, die er fordert, knapp eine Million Euro zugesprochen. Beide Entscheidungen sind aber noch nicht rechtskräftig. Die Staatsbank solle nunmehr überlegen, ob ein Vergleich mit Leinberger und Fleischer sinnvoll wäre, rät die Bundestagsabgeordnete Christine Scheel von den Grünen. Die Finanzpolitikerin gehört dem Verwaltungsrat der KfW an, der sich am 10. Juni wieder trifft und dann den Fall noch einmal beraten dürfte. Scheel vermutet, die frühere Bundesregierung sei mitschuldig an der Millionenpanne.
Die Staatsbank KfW hatte der insolventen Lehman-Bank Millionen überwiesen. Doch es passiert - nichts: Das Verfahren wird wohl eingestellt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/staatsbank-kfw-millionenpanne-bleibt-ungesuehnt-1.938734
Staatsbank KfW - Millionenpanne bleibt ungesühnt
00/05/2010
Von der Hochtechnologie zu den Hochöfen: Siemens-Vorstand Hiesinger wechselt zu ThyssenKrupp. Außerdem: Adidas ist wieder in Form. Ein Siemens-Manager soll das Ruder bei dem tief in die roten Zahlen gerutschten Stahlgiganten Thyssen-Krupp übernehmen. Der 49-jährige Heinrich Hiesinger soll im Januar kommenden Jahres die Nachfolge des langjährigen Konzernchefs Ekkehard Schulz antreten. Detailansicht öffnen Hochofen von Thyssen-Krupp: Die Neubesetzung der Konzernspitze gilt als Überraschung. (Foto: Foto: Reuters) Mit dieser Mitteilung beendete Thyssen-Krupp am Dienstag eine seit Monaten schwelende Diskussion um die Nachfolge des 68- jährigen ThyssenKrupp-Chefs Ekkehard Schulz. Der studierte Elektro-Techniker Hiesinger ist derzeit im Siemens-Vorstand für den Industriesektor zuständig. Er soll am 1. Oktober zunächst als stellvertretender Vorsitzender in den Thyssen-Krupp-Vorstand eintreten. Die Nachfolge von Schulz soll Hiesinger mit Ablauf der Hauptversammlung am 21. Januar kommenden Jahres übernehmen. Neu in den Vorstand eintreten soll auch der derzeitige Thyssen-Krupp-Generalbevollmächtigte Jürgen Claassen, der dort unter anderem für Konzernentwicklung zuständig sein soll. Die Entscheidung des Personalausschusses des Aufsichtsrats war für viele Beobachter eine Überraschung. Zuvor waren für die Besetzung des Chefpostens bei dem Stahlgiganten immer wieder die Namen aus der Riege der konzerneigenen Manager genannt worden. Bei der Neubesetzung des Thyssen-Krupp-Vorstands zog offenbar Gerhard Cromme die Fäden. Er ist derzeit Vorsitzender der Aufsichtsräte von Thyssen-Krupp und Siemens. Bei Siemens zieht der geplante Wechsel von Hiesinger Neubesetzungen im Vorstand nach sich. Das Aufsichtsratspräsidium habe den bisherigen Siemens-Personalvorstand Siegfried Russwurm als Nachfolger Hiesingers für die Leitung des Industriesektors vorgeschlagen, hieß es. Zugleich soll die Chefin von Siemens Österreich, Brigitte Ederer, in den Vorstand berufen und zur neuen Personalchefin und Arbeitsdirektorin des Konzerns bestellt werden. Continental: Zurück in den schwarzen Zahlen Das hochverschuldete Unternehmen Continental fasst dank der anziehenden Autokonjunktur wieder Fuß. Der Autozulieferer hat das vergangene Krisenjahr hinter sich gelassen und im ersten Quartal einen Gewinn verzeichnet. Aufgrund weltweit anziehender Autoverkäufe und eines strikten Sparkurses stieg das Nettoergebnis zwischen Januar und März auf 228 Millionen Euro, wie der MDax-Konzern mitteilte. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 268 Millionen Euro angefallen. Der Umsatz schnellte im ersten Quartal um 39 Prozent auf knapp sechs Milliarden Euro nach oben. Vor allem in der Autozuliefersparte riss Conti das Ruder schneller herum als gedacht: Ihr Umsatz legte um fast 50 Prozent zu. Vor Zinsen und Steuern erhöhte der Reifenhersteller sein Ergebnis auf 494 Millionen Euro. Im Vorjahr war noch ein Minus von 165 Millionen Euro verzeichnet worden. Erfolge vermeldete Conti auch beim Schuldenabbau. Das Unternehmen nutzte die Erlöse aus der im Januar umgesetzten Kapitalerhöhung von rund 1 Milliarde Euro, um seine Verbindlichkeiten auf 8,2 Milliarden Euro zu senken. Durch den Kauf der Siemens-Autozuliefersparte VDO hatte der Schuldenberg Ende vergangenen Jahres noch knapp 8,9 Milliarden Euro betragen. Neben den guten Nachrichten gab es auch eine schlechte: Continental macht aus Kostengründen sein Lkw-Reifenwerk am Stammsitz Hannover endgültig dicht. Für die rund 800 Beschäftigten der Lkw-Reifenproduktion war ein Sozialplan ausgehandelt worden. Der Großteil der Mitarbeiter ist bereits in Rente oder Altersteilzeit gegangen oder in eine Qualifizierungsgesellschaft gewechselt. Zudem liefen befristete Verträge aus. Für rund 200 Beschäftigte wurden andere Jobs im Unternehmen gefunden. Die verbleibenden 210 Beschäftigten bekommen das Angebot, in eine Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln. Fußball-WM bringt Adidas in Schwung Die Fußball-Weltmeisterschaft und die Wirtschaftserholung bringen den Sportartikel-Hersteller Adidas wieder in Form. Das Management erhöhte nun auch die Umsatzprognose für 2010. Demnach erwartet der Branchenzweite hinter Marktführer Nike mittlerweile ein Plus um einen mittleren einstelligen Prozentsatz, nachdem bislang von einer niedrigen bis mittleren einstelligen Rate die Rede war. Das Verbraucherverhalten habe sich in vielen Regionen vor allem seit Ende Februar verbessert, sagte Vorstandschef Herbert Hainer. Bereits im April hatte er die Gewinnerwartungen auf 430 bis 480 Millionen Euro nach oben geschraubt. Adidas zeigt sich insgesamt etwas optimistischer als der Lokalrivale Puma. Zuversicht gibt Adidas die Entwicklung der Fußball-Sparte im WM-Jahr 2010. In dem wichtigen Segment, das für ein Fünftel der Erlöse der Kernmarke steht, fuhr der Dax-Konzern aus dem fränkischen Herzogenaurach im ersten Quartal ein währungsbereinigtes Umsatzplus von 26 Prozent ein. Hainer stellte für das zweite Quartal erneut ein hohes Wachstum in Aussicht. Im Gesamtjahr will Adidas mit Fußball-Produkten deutlich mehr als 1,3 Milliarden Euro umsetzen und damit einen Rekord aufstellen. Mit den drei Streifen laufen bei der WM zwölf Teams auf, darunter Deutschland, Argentinien, Europameister Spanien und Gastgeber Südafrika. Adidas verwies auch auf Fortschritte bei der lange krisengeplagten US-Tochter Reebok. Deren Quartalsumsatz wuchs zumindest leicht. Zugleich steigerte Reebok die Ertragskraft: Die für die Branche wichtige Bruttomarge stieg signifikant auf gut 36 Prozent, liegt damit aber noch immer deutlich unter dem Konzernwert. Lufthansa meldet rote Zahlen im Auftaktsquartal Lufthansa hat im ersten Quartal 2010 einen operativen Verlust von 330 Millionen Euro gemacht. Das Unternehmen begründete die schlechten Zahlen in der traditionell reiseschwächsten Jahreszeit mit Verlusten bei den neuen Tochtergesellschaften BMI und Austrian Airlines, die erstmals voll konsolidiert werden. Auch der besonders harte Winter und ein eintägiger Pilotenstreik hat der Fluggesellschaft zu schaffen gemacht. Im vergangenen Jahr hatte der Quartalsverlust nur 44 Millionen Euro betragen. Der Umsatz stieg von fünf auf 5,8 Milliarden vor allem wegen der neuen Tochtergesellschaften. Nicht eingerechnet sind die Kosten des Vulkanausbruches, durch den Lufthansa im April etwa vier Tage lang nicht fliegen konnte. Das Unternehmen bezifferte die Kosten auf knapp 200 Millionen Euro. Weil aber die Nachfrage sowohl im Passagierverkehr als auch bei der Fracht steigt, prognostiziert Lufthansa für das Gesamtjahr 2010 weiterhin einen operativen Gewinn über dem Vorjahresniveau, das bei 130 Millionen Euro lag.
Von der Hochtechnologie zu den Hochöfen: Siemens-Vorstand Hiesinger wechselt zu ThyssenKrupp. Außerdem: Adidas ist wieder in Form.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-neuer-thyssen-krupp-chef-kommt-von-siemens-1.944017
Wirtschaft kompakt - Neuer Thyssen-Krupp-Chef kommt von Siemens
00/05/2010
Apple ist seinen Konkurrenten meilenweit voraus und setzt Maßstäbe für eine ganze Branche. Doch was Konzerngründer Steve Jobs vollbringt, ist kein Hexenwerk. Wer kann Apple stoppen? Der kalifornische Hersteller von Computern, Musikspielern und Mobiltelefonen hat das beste Quartal jemals in der Firmengeschichte außerhalb eines Weihnachtsgeschäftes vorgelegt. Detailansicht öffnen Apple feiert mit den iPhones und den Mac-Rechnern große Erfolge. Ein Hexenwerk ist das nicht. (Foto: Foto: Getty) Der Absatz mit Mac-Rechnern stieg um ein Drittel, der von iPhones sogar um weit mehr als das Doppelte. Lediglich der Verkauf von iPod-Spielern ging leicht zurück - und selbst das ist eine Überraschung. Denn wieso sind die Verbraucher bloß so verrückt nach den MP3-Spielern, wo doch inzwischen fast jedes Handy Lieder wiedergeben kann? Analysten ebenso wie Rivalen der Hightech-Branche schauen fassungslos auf den Erfolg von Apple. Doch Hexenwerk ist es nicht, was Konzernchef Steve Jobs da vollbringt. In der Computerindustrie beispielsweise herrschte lange Einheitsdesign in Grau vor. Jobs hat die Kisten schon vor Jahren bunt gemacht und so ansehnlich, dass die junge, modische Klientel gerne im Café sitzt, um zu sehen - und um mit dem Laptop gesehen zu werden. Dafür bezahlt die Kundschaft dann gerne ein paar Hunderter pro Gerät mehr. Lange haben Firmen wie Hewlett-Packard oder Acer gebraucht, um das zu verstehen. Doch inzwischen verkaufen auch sie schicke Computer. So haben sie den Preisverfall bei den Geräten verlangsamt, wenn auch bislang noch nicht gestoppt. Eine ähnliche Entwicklung steht der Handyindustrie noch bevor: Trotz des Verkaufserfolges beim iPhone gehört Apple noch nicht zu den Großen der Branche. Niemand allerdings verdient so gut wie der US-Konzern, selbst Marktführer Nokia sieht dagegen blass aus. Die Wettbewerber schielen neidisch auf den Erfolg und versuchen ihn nachzuahmen: Schick waren Handys schon vor dem Markteintritt von Apple. Jetzt werden die Mobiltelefone auch multifunktional, einfach zu bedienen und leicht nach den eigenen Wünschen zu erweitern mit Hilfe von Mini-Applikationen. Diesen Weg wollen auch Nokia, Samsung & Co. gehen. Noch hat Apple einen Vorsprung - doch den Ingenieuren in Cupertino bleibt kaum Zeit für eine Pause. Die Rivalen holen schnell auf.
Apple ist seinen Konkurrenten meilenweit voraus und setzt Maßstäbe für eine ganze Branche. Doch was Konzerngründer Steve Jobs vollbringt, ist kein Hexenwerk.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rekordergebnis-apple-der-code-des-erfolgs-1.934674
Rekordergebnis - Apple - der Code des Erfolgs
00/05/2010
Was tun, wenn's brennt? Experten berufen sich bei der Krisenbekämpfung auf Simulationen und Berechnungen. Doch die können menschliches Ermessen nie ersetzen. Wenn mächtige Lobbys bei Entscheidungen mitreden, die zum Schutz von Menschen getroffen werden, kommt schnell der Verdacht auf, es gehe ihnen ausschließlich um ihre eigenen Interessen. So ist es jetzt, wenn Fluggesellschaften Flugverbote hinterfragen, so war es bei der Schweinegrippe-Angst, die von vielen im Nachhinein als große Kampagne der Pharma-Industrie gewertet wird, und auch bei der Banken-Rettung fragte sich so manch einer, ob die Hilfsaktionen der Bundesregierung nicht vor allem den Bedürfnissen von Ackermann und Co. entgegenkamen. Doch diese Unterstellungen greifen zu kurz, selbst wenn sie manchmal zutreffen. Detailansicht öffnen Satellitenbild der Aschewolke (gelb-rote Bereiche), die von Island her über weite Teile Europas zieht: Wer hinterfragt die Angstszenarien? (Foto: Foto: dpa) Das Problem liegt tiefer. Es liegt in einer komplexen Welt, deren Vernetzung erst in Ausnahmesituationen wie dem gegenwärtigen Vulkanausbruch oder der Pleite einer ehemaligen amerikanischen Bank namens Lehman Brothers begreifbar wird. In solchen Situationen kann niemand wirklich ermessen, welche Folgen Aktionen in einem Teil des Systems für alle anderen haben werden, und ob es die richtigen Aktionen sind. Diese Unsicherheit hat es schon immer gegeben, heute allerdings macht es moderne Computertechnologie möglich, eventuelle Auswirkungen zu berechnen. Diese Modellrechnungen gehen jedoch äußerst selten auf. Man denke an alle Prognosen zur Wirtschaftsentwicklung nach der Lehman-Pleite oder jene zu den Kosten einer Vogelgrippe-Pandemie. Und niemand sollte glauben, dass Software auch nur einigermaßen akkurat ermitteln kann, um wie viel Grad sich die Erde erwärmen wird, wenn man in 20 Jahren alle Verbrennungs- durch Elektromotoren ersetzt hat. Doch allein die Möglichkeit solcher Kalkulationen hat den Druck auf diejenigen extrem erhöht, die entscheiden müssen. Vor allem entsteht dadurch ein Gruppendruck. Welcher Einzelne traut sich noch, angesichts der vermeintlichen Datenübermacht Angstszenarien zu hinterfragen und am Ende die Verantwortung für eine falsche Entscheidung tragen zu müssen? Die Fähigkeit vieler Organisationen, mit Krisen umzugehen, hält nicht Schritt mit den Möglichkeiten, Auswirkungen von Krisen zu prognostizieren. Dieses Dilemma wird sich nicht auflösen lassen. Aber es gibt Strategien, dagegen anzugehen. Zum Beispiel dürfen Computermodelle nur als das betrachtet werden, was sie sind: Berechnungen. Weil man auf solche vertraut hat, ist im Fall der Vulkanasche offenbar viel Zeit verstrichen, bis die Suche nach echten Beweisen begonnen wurde. Wenn es nicht unmittelbar um Menschenleben geht, kann es sinnvoller sein, den Umgang mit kritischen Situation zu trainieren, als sie um jeden Preis zu vermeiden, oder Folgen abzumildern - wie gegenwärtig den Fluggesellschaften zu helfen. Vor allem aber müssen starke Krisenteams gebildet werden, in denen auch Zweifler ermutigt und gehört werden. Diesen Teams bleibt nur, nach bestem Wissen zu entscheiden. Das nimmt ihnen kein Computer ab.
Was tun, wenn's brennt? Experten berufen sich bei der Krisenbekämpfung auf Simulationen und Berechnungen. Doch die können menschliches Ermessen nie ersetzen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/umgang-mit-krisen-die-unberechenbare-wolke-1.932567
Umgang mit Krisen - Die unberechenbare Wolke
00/05/2010
"Am Rand liegengelassen": Ursula von der Leyen will alleinerziehende Mütter aus Hartz IV holen. Doch so einfach, wie die Ministerin glaubt, ist das nicht. Wenn Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen über Arbeitslose redet, spricht die CDU-Politikerin am liebsten über Alleinerziehende. Diese Gruppe, so die Botschaft der Ministerin, sei bislang "am Rand liegengelassen" worden, obwohl die meist jungen Frauen besser qualifiziert seien als der durchschnittliche Langzeitarbeitslose. Die Jobcenter müssten deshalb mehr tun, um diese Gruppe der Hartz-IV-Empfänger zu vermitteln. Detailansicht öffnen Mutter im Schlosspark von Ludwigsburg bei Stuttgart: Ungefähr 600.000 alleinerziehende Frauen sind auf Hartz IV angewiesen. (Foto: Foto: AP) Wie das gehen soll, will von der Leyen am Mittwoch präsentieren. In der Bundesagentur für Arbeit (BA) verfolgt man die Äußerungen der Ministerin allerdings schon jetzt mit einem gewissen Befremden. Mancher hat dort sogar den Eindruck gewonnen, dass "Frau von der Leyen vergessen hat, dass sie nicht mehr Familienministerin ist". Kinderbetreuung - eine Aufgabe der Kommunen Ungefähr 600.000 alleinerziehende Frauen beziehen Hartz IV. Die meisten von ihnen stehen dem Arbeitsmarkt aber gar nicht zur Verfügung. Etwa jede vierte Alleinerziehende lebt mit mindestens einem Kind unter drei Jahren in einem Haushalt - diese Mütter müssen nicht arbeiten gehen. Ein Job ist für sie laut Gesetz nicht zumutbar. Das gilt zugleich für diejenigen mit älteren Kindern, sofern sie keine Betreuungseinrichtung haben. Als nicht jobsuchend gilt auch, wer sich zum Beispiel weiterbildet. So bleiben 280.000 Hartz-IV-Empfängerinnen, die tatsächlich arbeitslos sind. Davon wiederum sind 41 Prozent schon länger als zwei Jahre ohne Stelle, obwohl nach den Erkenntnissen der BA - und anders als es die Ministerin zu wissen meint - die Qualifikation der arbeitslosen Alleinerziehenden "nicht nennenswert" von der aller Hartz-IV-Empfänger abweicht. Ein Großteil dieser tatsächlich arbeitslosen Alleinerziehenden sind Verkäuferinnen, Putzfrauen oder Köchinnen - häufig mit unregelmäßigen Arbeitszeiten. Die Öffnungszeiten in den Kitas sind jedoch oft so begrenzt, dass die Frauen nicht wie von potentiellen Arbeitgebern gewünscht samstags, abends oder sehr früh am Morgen arbeiten können. Daran aber könne die Bundesagentur nichts ändern, sagt das Vorstandsmitglied der BA, Heinrich Alt. "Für die Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen sind die Kommunen zuständig." Und deren finanzielle Mittel sind begrenzt. Begünstigt vom Sozialrecht Alt weist deshalb darauf hin, dass die öffentliche Hand viel Geld mit Unterhaltsvorschüssen verliert. Alleinerziehende haben Anspruch auf Unterhalt. Doch viele Väter zahlen nicht, weil sie selbst nichts haben, sich arm rechnen oder untergetaucht sind. Bund, Länder und Kommunen strecken deshalb gut eine Milliarde Euro im Jahr an Unterhaltsvorschüssen vor, von denen die amtlichen Alimente-Jäger nur 15 bis 30 Prozent eintreiben können. "Vielleicht könnte man von anderen Ländern lernen, die zum Teil drastische Methoden einsetzen, um das Geld von den Vätern zurückzubekommen", sagt Alt. Damit ließen sich dann Kinderbetreuungsplätze finanzieren. Diskussionen über rabiatere Formen der Geldeintreibung - von der Parkkralle, dem Führerscheinentzug bis zum Unterhaltsregister für säumige Väter - gab es immer wieder. Durchsetzen lässt sich so etwas in Deutschland wohl kaum. Hinzu kommt ein ganz anderes Problem: Der Anreiz für alleinerziehende Hartz-IV-Bezieher, eine Stelle anzunehmen, ist nicht immer hoch. Häufig ist es finanziell vorteilhafter, meist auf 400-Euro-Basis ein paar Stunden zu arbeiten: So ergänzt jede dritte dieser Hilfebedürftigen Hartz IV mit einem Erwerbseinkommen. Außerdem werden sie vom Sozialrecht begünstigt: Diejenigen mit einem Kind unter sieben Jahren erhalten einen "Mehrbedarf" von 129 Euro zum Hartz-IV-Satz von 359 Euro. Beim Einführen dieser Regelung 1985 geschah dies unter anderem mit dem Hinweis, Alleinerziehende hätten "keine ausreichende Zeit zum Preisvergleich" und müssten "die nächstgelegene Einkaufsmöglichkeit nutzen". Von so viel staatlicher Fürsorge können Mütter mit einem richtigen Job wohl nur träumen.
"Am Rand liegengelassen": Ursula von der Leyen will alleinerziehende Mütter aus Hartz IV holen. Doch so einfach, wie die Ministerin glaubt, ist das nicht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ursula-von-der-leyen-alleinerziehende-die-lieblinge-der-ministerin-1.933734
Ursula von der Leyen - Alleinerziehende - die Lieblinge der Ministerin
00/05/2010
Die Kirchen geben sich gerne fürsorglich. Nicht ganz so besorgt sind sie allerdings, wenn es um die eigenen Angestellten geht: Die Kirchen sparen die Basis kaputt. Die Laien spielen in den beiden großen Kirchen stets dann eine besondere Rolle, wenn es um die Arbeit an der Basis geht. Auch beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München sieht das derzeit nicht anders aus. Detailansicht öffnen Wären die Kirchen Wirtschaftsunternehmen, würden sie sicher der Ausbeutung bezichtigt angesichts der Selbstverständlichkeit, mit der sie unentgeltliche Arbeit einstecken. (Foto: Foto: ddp) Tausende Freiwillige helfen bei Auf- und Abbauarbeiten, sind als Einlasskontrolleure, beim Ordnungsdienst und an Infoständen dabei. Andere begleiten Menschen mit Behinderung oder versorgen Gäste, die in den Schulen der Stadt übernachten. Ohne die ehrenamtlichen Helfer wäre der Ökumenische Kirchentag nicht machbar. Die Kirchen bedienen sich ihrer aber nicht nur bei solchen gesellschaftlichen Ereignissen. Gerade so, als hätten sie ein von oben gegebenes Recht, stopfen sie mit vielen Ehrenamtlichen ihre personellen Lücken. Damit federn sie den drastischen Sparkurs ab, den sie nicht verhindern können. Weil die Zahl der Kirchenbesucher, der Steuerzahler und der Pfarrer sinkt, müssen die Kirchen rationalisieren, nicht anders als weltliche Konzerne. Also legen sie Pfarreien zusammen, streichen Gottesdienste, schließen Kindergärten und Altenheime. Qualität bleibt auf der Strecke Das spart Arbeitsplätze in den Pfarrbüros, bei Kirchenmusikern, Kirchendienern und in anderen Bereichen. Doch wie Wirtschaftsunternehmen, die den Bogen überspannen, sparen die Kirchen ihre Basis kaputt. Die Qualität ihrer Angebote - dazu gehört besonders die Seelsorge - bleibt auf der Strecke. Manche Pfarrer sind derart überarbeitet, dass sie selbst einen Seelsorger brauchen. Besonders beschämend ist, dass es viele soziale Dienste ohne unbezahlte Helfer gar nicht mehr gäbe: Besuche bei alten und kranken Menschen, Hausaufgabenhilfe für lernschwache Schüler oder die Organisation von Pfarrfesten halten die Basis zusammen. Ganz zu schweigen von den ehrenamtlichen Mitarbeitern in den Wohlfahrtsverbänden. Bei der katholischen Caritas und der evangelischen Diakonie kommt im Schnitt auf jeden hauptberuflichen Mitarbeiter ein ehrenamtlicher. Wären die Kirchen Wirtschaftsunternehmen, würden sie sicher der Ausbeutung bezichtigt angesichts der Selbstverständlichkeit, mit der sie unentgeltliche Arbeit einstecken. Auch mit ihren festen Mitarbeitern gehen die Kirchenoberen nicht immer vorbildlich um. Mit weit mehr als einer Million Beschäftigten sind die katholische und die evangelische Kirche nach dem Staat die größten Arbeitgeber Deutschlands. Doch ihr Arbeitsrecht ist in vielen Dingen nicht von dieser Welt. Die Kirchen haben ein Selbstbestimmungsrecht, das im Grundgesetz (Artikel 140) garantiert ist, damit haben sie einen in Europa einmaligen Freiraum. Die kirchlichen Arbeitgeber beschreiten daher den sogenannten dritten Weg, nennen sich nicht Arbeitgeber, sondern Dienstgeber. Ihre Mitarbeiter sind nicht Arbeitnehmer, sondern Dienstnehmer. Es gibt auch keine Arbeitsverhältnisse, sondern christliche Dienstgemeinschaften. Das klingt nach viel Fürsorge. Doch der arbeitsrechtliche Schutz der Beschäftigten ist eher gering: Tarifverträge und Betriebsverfassung werden durch kirchliche Regeln ersetzt, selbst der Kündigungsschutz unterliegt eigenen Maßstäben. Weil in der christlichen Dienstgemeinschaft die Loyalität groß geschrieben wird, ist ein Verstoß dagegen besonders gravierend. Wer durch schwerwiegende sittliche Verfehlungen auffällt, dem droht der Rausschmiss. Die katholische Kindergärtnerin, die einen geschiedenen Mann heiratet, muss mit der Kündigung rechnen. Ebenso der katholische Organist, dessen Ehe geschieden wird. Wenn es um die "freie Wirtschaft", den "ungezügelten Marktkapitalismus" geht, heben die Kirchenoberen immer gerne den Zeigefinger und verweisen auf die christliche Sozialethik. Im unmittelbaren Umgang mit ihren Angestellten verstoßen sie selbst aber leider oft gegen das Gebot der christlichen Nächstenliebe. "Damit ihr Hoffnung habt", lautet das Leitwort des Ökumenischen Kirchentages - eine Einladung für den Weg in die Ökumene. Es wäre auch ein schönes Leitwort für die Kirchenführer selbst - eine Einladung zu mehr Verständnis für die Basis und zu mehr Mut, die eigenen Regeln zu hinterfragen.
Die Kirchen geben sich gerne fürsorglich. Nicht ganz so besorgt sind sie allerdings, wenn es um die eigenen Angestellten geht: Die Kirchen sparen die Basis kaputt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kirche-als-arbeitgeber-recht-scheinheilig-1.943601
Kirche als Arbeitgeber - Recht scheinheilig
00/05/2010
Aus der Wahrnehmung der deutschen Politik wie des deutschen Stammtischs sind die Schuldigen der Eurokrise schnell ausgemacht. Zum einen sind es die bösartigen Spekulanten, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den Euro zu zerstören. Zum anderen sind es die Mitgliedsländer in Südeuropa, die nicht nur bei der Haushaltspolitik geschlampt, sondern zugleich ihre Löhne viel zu stark erhöht haben. Deutschland ist bei alledem das unschuldige Opfer, das seit Beginn der Währungsunion alles richtig gemacht hat und jetzt riesige Milliardenbeträge zur Stützung der anderen Länder aufwenden muss. Detailansicht öffnen Peter Bofinger: "Eine Währungsunion mit 16 Deutschländern wäre ein Albtraum." (Foto: Foto: ddp) Bei dieser Sichtweise ist klar, wie der Euroraum wieder genesen kann: Alle Länder müssen so tugendhaft werden wie wir. Das Problem müsse an der Wurzel angepackt werden, sagte die Kanzlerin, die Länder müssten ihre Staatsfinanzen in Ordnung bringen und sich um eine bessere Wettbewerbsfähigkeit bemühen. Doch wie würde ein Euroraum mit 16 Deutschländern aussehen? In den vergangenen zehn Jahren war die deutsche Wirtschaftspolitik darauf fixiert, die Lohnkosten möglichst gering zu halten. Dies führte dazu, dass die Arbeitnehmer nicht mehr am Anstieg des Wohlstandes teilhaben konnten und die Ausgaben im Inland - preisbereinigt - nicht mehr zunahmen. Natürlich schlug sich das in einem enormen Exportboom nieder, die Ausfuhren stiegen real um bis zu 70 Prozent. Im finanziellen Sektor führte die Kombination aus Knauserei und Exportweltmeistertum zu einer riesigen Geldersparnis, die zwangsläufig im Ausland angelegt wurden musste. Seit Beginn der Währungsunion gab Deutschland - ausweislich seines Leistungsbilanzsaldos - 895 Milliarden Euro weniger aus, als es einnahm. Wir lebten als Volkswirtschaft also nicht über, sondern wie kaum ein anderes Land unter unseren Verhältnissen. Durch ein kollektives Gürtel-enger-Schnallen in die Knie gehen Eine Währungsunion mit 16 Deutschländern wäre ein Albtraum. Gingen alle Mitgliedsländer dazu über, ihre Löhne nicht mehr zu erhöhen oder sie sogar zu senken, um so wettbewerbsfähig wie wir zu werden, würde der Euroraum geradewegs in die Deflation steuern. Diese Tendenz würde noch verstärkt, wenn alle auch noch versuchen würden, weniger auszugeben, als sie einnehmen, um genauso viel Geld zu sparen wie Deutschland. Das kann in der Summe nicht aufgehen, der Euroraum würde durch ein kollektives Gürtel-enger-Schnallen so in die Knie gehen, dass am Ende überhaupt keine nennenswerte Geldersparnis mehr möglich würde. Das heißt allerdings nicht, dass sich alle Länder nun an den Beispielen Griechenlands, Irlands oder Spaniens orientieren sollten. Für den finanzpolitischen Schlendrian Griechenlands kann es keine Entschuldigung geben. Und in den südeuropäischen Mitgliedsländern sind - ebenso wie in Irland - die Löhne stärker gestiegen, als es von der Produktivität und dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank her angemessen gewesen wäre. Das hat der Wettbewerbsfähigkeit geschadet und zu einer überzogenen Verschuldung geführt. Der Euroraum wird nur dann ins Gleichgewicht kommen, wenn sich seine Mitgliedsländer überwiegend so verhalten, dass sie mittelfristig in etwa das ausgeben, was sie einnehmen. Ein Musterbeispiel hierfür ist Frankreich, das seit Jahren eine stetig steigende Binnennachfrage aufweist, ohne dabei in eine Schieflage wie die südeuropäischen Länder geraten zu sein. Eine Währungsunion mit 16 Frankreichs wäre aus makroökonomischer Sicht keine schlechte Vorstellung.
Die Spekulanten sind schuld an der Eurokrise,und die Bundesrepublik ist ein Opfer? Alles Märchen!
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftspolitik-deutschland-lebt-unter-seinen-verhaeltnissen-1.942761
Wirtschaftspolitik - Deutschland lebt unter seinen Verhältnissen
00/05/2010
Nach mehreren Todesfällen im Zusammenhang mit verseuchtem Käse ermittelt nun die Staatsanwaltschaft gegen Lidl. Außerdem: Revolte bei Easyjet. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hat einem Bericht des Magazins Spiegel zufolge im Zusammenhang mit den Todesfällen durch verseuchten Käse Ermittlungen gegen Verantwortliche des Discounters Lidl eingeleitet. Detailansicht öffnen Die Heilbronner Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit Todesfällen durch verseuchten Käse gegen Verantwortliche von Lidl. (Foto: Foto: ddp) Ihnen werde ein möglicher Verstoß gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch vorgeworfen, hieß es in dem Bericht. Demnach solle untersucht werden, ob der Discounter den Käse des österreichischen Herstellers Prolactal verkauft hat, obwohl dieser mit Listerien verseucht war. Diese Bakterien können schwere Infektionskrankheiten auslösen. Dem Spiegel zufolge starben seit Herbst in Deutschland und Österreich mindestens sieben Menschen. Lidl hatte am Tag nach einer Warnung der Europäischen Union am 22. Januar "aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes" vor dem Verzehr des Käses gewarnt und zwei Käsesorten zurückgerufen. Drei Wochen später riet der Discounter in einer weiteren Mitteilung, den Käse auf keinen Fall zu essen. Nach dem ersten Rückruf hatte aber ein Hesse noch den Käse gegessen und war an den Folgen gestorben, berichtete das Blatt. Ein Sprecher der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch sagte dem Spiegel, es zeige sich hier, wie wenig das Verbraucherinformationsgesetz wirke. Wirksame Gesetze hätten sichergestellt, dass die Bevölkerung sofort und unmissverständlich gewarnt worden wäre. Revolte bei Easyjet Der Gründer der Billigfluglinie Easyjet, Sir Stelios Haji-Ioannou, plant eine Revolte. Aus Protest gegen die Wachstumsstrategie verließ er den Vorstand des Unternehmens. Haji- Ioannou kündigte an, ein Sondertreffen der Aktionäre einberufen zu wollen, um gegen die derzeitige Strategie des "unerbittlichen Wachstums" bei Easyjet vorzugehen. Der Streit zwischen dem Gründer und dem Management läuft schon länger. Easyjet-Aufsichtsratschef Sir Michael Rake äußerte sich nach der Ankündigung überrascht: "Ich bin bestürzt über die Entscheidung." Die Familie des Unternehmers Haji-Ioannou hält 38 Prozent der Anteile und steht den Plänen des derzeitigen Easyjet-Vorstandes, die Flotte auszubauen, kritisch gegenüber. Stattdessen wollen sie lieber den Blick auf Gewinn und Dividende lenken. "Easyjet ist gut finanziert und hat eine gute Bilanz vorzuweisen", hieß es in einer Mitteilung der Fluggesellschaft. Als eines der wenigen Unternehmen der Branche habe Easyjet es geschafft, mit einem Gewinn aus der Wirtschaftskrise zu kommen. Der Vorsteuergewinn werde sich im laufenden Geschäftsjahr vermutlich auf bis zu 150 Millionen Pfund (176,8 Mio Euro) erhöhen. Im vergangenen Geschäftsjahr (30. September) habe der Vorsteuergewinn bei rund 44 Millionen Pfund gelegen. Derzeit hat Easyjet 189 Flugzeuge. Bis Ende September 2012 sind 59 weitere bestellt. Der Strategie zufolge will die Gesellschaft ihren Anteil an europäischen Kurzstreckenflügen von derzeit sieben auf dann zehn Prozent erhöhen. Haji-Ioannou hatte die Fluggesellschaft 1995 gegründet und wehrt sich schon länger gegen die Pläne. Neben ihm trat am Freitag auch Vorstand Bob Rothenberg zurück. Im Dezember war wegen des Streits bereits Vorstandschef Andy Harrison gegangen. BMW sucht Fachkräfte im Ausland BMW will wegen des drohenden Mangels an Fachkräften stärker im Ausland um ausgebildetes Personal werben. Außerdem will der Autobauer in die Weiterbildung der Stammbelegschaft investieren. "Der demografische Wandel führt zu einem Rückgang an Ingenieuren, und der wird alle Unternehmen treffen", sagte BMW- Personalchef Harald Krüger der Automobilwoche. Im laufenden Jahr wolle BMW weltweit etwa 550 Akademiker einstellen, davon rund 400 in Deutschland. Für sein geplantes Elektrostadtauto Megacity Vehicle brauche BMW Spezialisten für Sparten "wie neue Werkstoffe, Leichtbau, Simulationstechnik, Elektrik, Elektronik, Batterie und Antriebstechnik", sagte Krüger dem Blatt. Langfristig sollten auch für die deutschen Standorte Fachkräfte aus dem Ausland geworben werden, in den kommenden Jahren aber zunächst in Einzelfällen. Neue Mitarbeiter suche BMW in allen Wachstumsregionen, etwa in China und den USA.
Nach mehreren Todesfällen im Zusammenhang mit verseuchtem Käse ermittelt nun die Staatsanwaltschaft gegen Lidl. Außerdem: Revolte bei Easyjet.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-verseuchter-kaese-ermittlungen-gegen-lidl-1.944441
Wirtschaft kompakt - Verseuchter Käse: Ermittlungen gegen Lidl
00/05/2010
Von wegen Krawall um die Asche: Ryanair macht einen Rückzieher und will seinen Passagieren nun doch alle Kosten infolge der Flugausfälle zahlen. Airline-Chef O'Leary allerdings ist "not amused". Erst sah es so aus, als ob Ryanair-Kunden auf einen Teil ihrer Auslagen durch Flugausfälle infolge der Aschewolke in den vergangenen Tagen wohl sitzenbleiben würden, doch jetzt gibt der Billigflieger Entwarnung: Die gesamten Kosten sollen erstattet werden. Detailansicht öffnen Ryanair will seinen Kunden die gesamten Kosten erstatten, weil es das EU-Recht so vorsieht. (Foto: Foto: AFP) Die Fluggesellschaft werde die Vorschriften aus der entsprechenden EU-Richtlinie umsetzen, sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary. Noch am Vortag hatte O'Leary angekündigt, sein Unternehmen werde angefallene Ausgaben etwa für Unterkunft und Verpflegung nur bis zur Höhe des gezahlten Ticketpreises erstatten. Damit wären Passagiere häufig auf einem großen Teil ihrer Kosten sitzen geblieben, wenn sie aufgrund eines späteren Rückflugs etwa ein Hotel buchen mussten. Nach EU-Recht haben Reisende bei gestrichenen Flügen Recht auf die vollständige Erstattung ihres Flugtickets einschließlich der Gebühren oder auf eine Ersatzbeförderung. Entscheidet sich ein Fluggast für letzteres - also etwa einen späteren Flug, eine Bahn- oder eine Busfahrt - muss die Fluggesellschaft auch für die etwaig notwendige Unterkunft bis zum Abflug oder zur Abfahrt aufkommen; das gilt auch für Verpflegungskosten. "Absurd und diskriminierend" Jetzt sagte O'Leary, die Ereignisse der vergangenen Tage hätten gezeigt, "wie absurd und diskriminierend" die EU-Vorgaben seien. Während Fähr-, Bus- und Bahngesellschaften Ausgaben nur bis zum gezahlten Ticketpreis erstatten müssten, kämen auf Fluggesellschaften "potentiell unbegrenzte Ausgaben" zu. Nach Auskunft der deutschen Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr müssen Bahngesellschaften sehr wohl Hotels unabhängig vom Ticketpreis zahlen - solange der Preis angemessen ist. O'Leary kritisierte die Flugverbote aufgrund der Vulkanasche-Wolke: Die Schließung des Luftraums sei "katastrophal" gewesen, die entsprechenden Entscheidungen der europäischen Regierungen und Flugaufsichten nannte der Unternehmenschef "falsch". Die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull hatte den Luftverkehr in Europa zum Großteil zum Erliegen gebracht. In etwa 30 Staaten einschließlich Deutschland mussten Zehntausende Flüge abgesagt werden.
Von wegen Krawall um die Asche: Ryanair macht einen Rückzieher und will seinen Passagieren nun doch alle Kosten infolge der Flugausfälle zahlen. Airline-Chef O'Leary allerdings ist "not amused".
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aschewolke-ryanair-zahlt-doch-rolle-rueckwaerts-am-himmel-1.933871
Aschewolke: Ryanair zahlt doch - Rolle rückwärts am Himmel
00/05/2010
Ifo-Chef Sinn über die fatalen Folgen des Euro-Rettungsschirms, das Versagen von Kanzlerin Merkel - und warum hierzulande eine Staatskrise droht. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn kritisiert den Rettungsschirm für den Euro hart. Europa drohe, eine "gewaltige Schuldenblase aufzubauen, die mit einem großen Knall platzen wird", warnt Sinn im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wirft der Ökonom vor, zu wenig für die Interessen Deutschlands getan zu haben und befürchtet dramatische Folgen: "Die deutsche Staatskrise ist vorprogrammiert." Detailansicht öffnen Ifo-Chef Hans-Werner Sinn: "Jetzt ist Europa in der Lage, eine gewaltige Schuldenblase aufzubauen, die irgendwann mit einem großen Knall platzen wird." (Foto: Foto: Schellnegger) SZ: Professor Sinn, Europas Regierungen müssen den Euro mit einer dramatischen Rettungsaktion stabilisieren. Wird die Währungsunion zum Fass ohne Boden? Sinn: Wir stürzen uns mit dem neuen Gewährleistungsgesetz in ein unkalkulierbares Abenteuer. Bei der Euro-Einführung hatte Deutschland verlangt, dass ein Rettungsfonds, wie er im Delors-Plan vorgesehen war, nicht eingerichtet wird. Wir wollten es machen wie die Amerikaner, die überschuldeten Staaten auch nicht helfen. Jetzt kommt der Fonds doch. Am Wochenende wurde die zentrale Bedingung, die Deutschland für die Aufgabe der D-Mark gesetzt hatte, in einem Handstreich kassiert, während unser Verhandlungsführer Schäuble im Brüsseler Krankenhaus lag. Jetzt ist Europa in der Lage, eine gewaltige Schuldenblase aufzubauen, die irgendwann mit einem großen Knall platzen wird. SZ: War der Euro nicht so gefährdet, dass es keine Alternative gab? Sinn: Gefährdet war nicht der Euro, sondern die Fähigkeit einiger Länder, sich weiter so billig zu verschulden, wie es unter dem Schutz des Euro bislang möglich war. Der Euro lag auf dem Höhepunkt der Krise bei 1,27 Dollar, weit über der Kaufkraftparität von 1,14 Dollar. Von Schwäche keine Spur. Die Zinsen hatten jedoch begonnen, sich wieder der Bonität der Länder anzupassen, wenn auch bei den nun zu schützenden Ländern lange nicht so stark wie vor dem Euro. Selbst Frankreich musste wieder etwas höhere Zinsen zahlen. Eine notwendige Korrektur der Zinsstrukturen, die der unterschiedlichen Bonität der Länder entsprach, wurde von den europäischen Schuldenländern zur Systemkrise hochstilisiert. SZ: Welches Interesse sollten Europas Regierungen daran haben? Sinn: Man wollte sich auf den Artikel 122 des EU-Vertrages berufen können. Nach diesem Artikel darf die EU nur helfen, wenn die Gründe für die Probleme außerhalb der Kontrolle des einzelnen Landes liegen. Sie liegen aber fast ausschließlich in der Kontrolle dieser Länder. SZ: Allein Deutschland haftet für gefährdete EU-Staaten mit 146 Milliarden Euro. Sehen wir das Geld jemals wieder? Sinn: Das neue Gesetz bedeutet ja nicht, dass wir sofort zahlen. Wir sichern zunächst nur Kredite für bedrohte Länder ab. Bevor die Verluste kommen, drohen andere Probleme. SZ: Welche? Sinn: Der Rettungspakt verzerrt den Kreditfluss über die Kapitalmärkte. Zum einen verringern wir unsere eigene Bonität, indem wir haften, und müssen in Zukunft entsprechend höhere Zinsen für deutsche Staatsschulden zahlen. Zum anderen senken wir durch unsere Bürgschaften die Zinsen der Schuldenländer. SZ: Was heißt das für die Deutschen? Sinn: Wir helfen anderen Ländern, deutsches Sparkapital abzuziehen. Schon seit Jahren fließt deutsches Geld im Übermaß nach Amerika, Irland, Spanien, Portugal und Griechenland und half dort, einen total überzogenen Immobilienboom zu finanzieren, während Deutschlands Wachstum erlahmte, weil hier nur noch sehr wenig investiert wurde. Die Wirtschaften dieser Länder wurden so in einen Rauschzustand versetzt. Aber die Korrektur durch die Kapitalmärkte wird nun von der Politik verhindert. Deutschland hilft mit seiner Bonität den europäischen Schuldenländern, weiter verbilligt an das deutsche Sparkapital zu kommen und gegenüber den deutschen Firmen und Häuslebauern, die es auch gerne hätten, die Oberhand zu behalten.
Ifo-Chef Sinn über die fatalen Folgen des Euro-Rettungsschirms, das Versagen von Kanzlerin Merkel - und warum hierzulande eine Staatskrise droht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eurokrise-hans-werner-sinn-ein-unkalkulierbares-abenteuer-1.941973
"Eurokrise: Hans-Werner Sinn - ""Ein unkalkulierbares Abenteuer"""
00/05/2010
Die Entscheidung über die Zukunft von Karstadt naht. Noch immer liebäugelt Metro-Chef Cordes damit, einige Filialen zu übernehmen - so könnte er Kritiker vorläufig ruhigstellen. So weit weg von der Konzernzentrale in Düsseldorf hat sich der Vorstand der Metro-Gruppe wohl noch nie zu einer Sitzung getroffen: Mitte Mai kommen Konzernlenker Eckhard Cordes und sein Team in Shanghai zusammen. Dass der turnusmäßige Treff diesmal in China stattfindet, hat seinen Grund. Metro sponsert den Auftritt der Stadt Düsseldorf bei der Weltausstellung Expo in Shanghai, die am 1. Mai ihre Tore öffnet. Detailansicht öffnen Wird Karstadt in Einzelteilen verkauft, könnte Konkurrent Metro zuschlagen. (Foto: Foto: getty) Hinzu kommt, dass China in der Expansionsstrategie von Metro eine besondere Rolle spielt. Bis zu acht Großhandelsmärkte will der Handelskonzern dort 2010 eröffnen. Zudem wird die Tochter Media Saturn im September in Shanghai ihren ersten Markt starten. Verläuft die Testphase erfolgreich, will Cordes in China rasch "Vollgas" geben. Gut möglich, dass sich der Metro-Vorstand bei seinem Treffen fern der Heimat auch mit der Zukunft der Konzerntochter Kaufhof beschäftigen wird. Zwar hatte Cordes das Warenhausunternehmen bereits vor zwei Jahren zum Verkauf gestellt. Aber zu den Preisvorstellungen von Metro, die eher bei drei als bei zwei Milliarden Euro liegen, wollte bisher niemand anbeißen. Die Zurückhaltung hatte freilich auch mit der ungewissen Zukunft des Konkurrenten Karstadt zu tun, der im Juni vergangenen Jahres Insolvenz anmeldete. Denn auf Dauer, da sind sich Handelsexperten sicher, ist in Deutschland nur Platz für ein Warenhausunternehmen. Jetzt aber naht eine Entscheidung über die Zukunft von Karstadt, und damit wird es auch für Kaufhof spannend. Schließlich wird jeder, der ernsthaft Interesse an Karstadt hat, auch die Chancen einer Übernahme von Kaufhof ausloten. Bis nächsten Freitag will Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg einen Käufer für Karstadt als Ganzes gefunden haben. Metro hatte frühzeitig erklärt, allenfalls an Teilen interessiert zu sein und gehörte deshalb nicht zu den Bewerbern, denen Görg im Datenraum von Karstadt Einblick in die Geschäftsbücher gewährte. Guter Draht zu Goldman Sachs Untätig ist Cordes, 59, deshalb in dieser Sache nicht. In den vergangenen Tagen habe es intensive Gespräche zwischen Metro und mehreren Investoren gegeben, die sowohl an Kaufhof als auch an Karstadt interessiert seien, heißt es in unternehmensnahen Kreisen. Außerdem hat Metro die Vorbereitungen für einen Verkauf von Kaufhof vorangetrieben. Die Daten sind dem Vernehmen nach bereits so weit sortiert, dass Kaufinteressenten jederzeit Einblick nehmen können. In dieser Gemengelage trifft es sich für Cordes gut, dass er zu Alexander Dibelius, dem Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, einen guten Draht besitzt. Beide kennen sich seit langem; man trifft sich, auch privat. Was keine großen Umstände macht, schließlich stehen die Wohnhäuser der Manager in München nicht weit voneinander entfernt. Goldman Sachs ist über einen Mehrheitsanteil am Highstreet-Konsortium an 83 der insgesamt 120 Karstadt-Häuser beteiligt. Mit einer Übernahme des Warenhausunternehmens als Ganzes könnte Goldman Sachs versuchen, den Schaden zu begrenzen, der den Karstadt-Vermietern bei einer Zerschlagung der Kette droht. Ein entsprechendes Angebot hat die Investmentbank dem Insolvenzverwalter jedoch noch nicht vorgelegt. Wird Karstadt dagegen in Einzelteilen verkauft, kommt Cordes mit Verspätung doch noch zum Ziel: Er kann sich diejenigen Häuser aussuchen, die das Filialnetz von Kaufhof sinnvoll ergänzen. Ob Metro die Integration der Karstadt-Standorte dann selbst erledigt oder die Häuser gleich zusammen mit Kaufhof in eine neue Warenhausgesellschaft einbringt, an der sich möglicherweise Goldman Sachs beteiligt, dürfte eine Frage des Preises sein. Kritik am Chef Allem medialen Rummel um Kaufhof zum Trotz - mit Blick auf das Gesamtportfolio sind die Warenhäuser für Metro fast zu vernachlässigen. Denn mit 3,5 Milliarden Euro Umsatz repräsentiert Kaufhof nur knapp fünfeinhalb Prozent der Konzernerlöse. Sollte Cordes aber eine Lösung für die Tochter finden, hätte er endlich etwas in der Hand, das er seinen Kritikern entgegenhalten kann. Denn zuletzt sind die Stimmen derjenigen immer lauter geworden, die meinen, der bei Metro seit Sommer 2007 amtierende frühere Daimler-Manager habe den Umbau der Handelsgruppe viel zu zögerlich angegangen. Gut drei Milliarden Euro hatte die Haniel-Gruppe vor knapp drei Jahren ausgegeben, um ihren Anteil bei Metro so weit aufzustocken, dass sie zusammen mit der Familie Schmidt-Ruthenbeck das Sagen hat. Mit diesem Kraftakt wollten die Großaktionäre die Voraussetzung schaffen, dass der Manager ihres Vertrauens, nämlich Cordes, die großen Werte hebt, die sie bei Metro vermuten. Aber den Preis, den Haniel damals für die Metro-Aktie zahlte, hat das Papier seitdem nie wieder erreicht. So geht es Fußball-Fan Cordes, der mit dem FC Bayern sympathisiert, wie einem glücklosen Stürmer, den sein Verein für viel Geld angeworben hat: Mit jedem Spiel, in dem er nicht trifft, wird lauter gefragt, wann sich die gezahlte Ablöse endlich verzinst. Ein erfolgreicher Kaufhof-Deal würde Cordes Luft verschaffen. Zumindest für einige Zeit. Bald wird Haniel-Chef Jürgen Kluge, der im Mai den Vorsitz im Metro-Aufsichtsrat übernimmt, aber auch nach Lösungen für die anderen Vertriebslinien fragen: Für die nur langsam genesende SB-Warenhaustochter Real, die voraussichtlich keine Zukunft bei Metro hat. Für die in Deutschland schwächelnden Großhandelsmärkte, das wichtigste Standbein des Konzerns. Und für die Elektronikkette Media-Saturn, die beim Aufbau des Online-Geschäfts spät dran ist. So verspricht der Mai sowohl für den Manager als auch für den Fußball-Fan Cordes ein spannender Monat zu werden. Schließlich kann der FC Bayern im nächsten Monat drei Titel gewinnen.
Die Entscheidung über die Zukunft von Karstadt naht. Noch immer liebäugelt Metro-Chef Cordes damit, einige Filialen zu übernehmen - so könnte er Kritiker vorläufig ruhigstellen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/metro-gedankenspiele-mit-karstadt-1.932350
Metro - Gedankenspiele mit Karstadt
00/05/2010
Thyssen-Krupp bekommt auf umstrittene Weise einen neuen Chef. Im Januar 2011 soll der Siemens-Manager Heinrich Hiesinger, 49, den Vorstandsvorsitz des Stahlkonzerns übernehmen. Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gerät wegen eines Interessenkonflikts in die Kritik. Detailansicht öffnen Gerhard Cromme. Als Aufsichtsratschef sowohl bei Thyssen-Krupp als auch bei Siemens hat er eigentlich die Interessen beider Unternehmen gleichermaßen zu wahren. (Foto: Foto: ddp) Gerhard Cromme führt seit 2001 den Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp und seit 2007 auch den von Siemens. Er gilt damit als einer der einflussreichsten Manager in Deutschland. Einen Verstoß gegen die Regeln guter Unternehmensführung sieht der selbstbewusste Manager durch die Abwerbung von Hiesinger bei Siemens nicht. Es gebe keinen Interessenkonflikt. Er werde bei Siemens kein "verbranntes Feld" hinterlassen, lässt er mitteilen. Man dürfe Hiesinger nicht dafür bestrafen, dass Cromme die beiden Aufsichtsräte führe, heißt es dazu bei Thyssen-Krupp in Düsseldorf. Ein langgedienter Siemens-Manager schüttelt aber den Kopf über die jüngste Personalentscheidung von Cromme: "Das ist unglaublich." Als Chef der Aufsichtsräte von Thyssen-Krupp wie von Siemens habe er die Interessen beider Unternehmen gleichermaßen zu wahren, schimpft der Unternehmens-Veteran. "Das ist eine grobe Illoyalität uns gegenüber." Der Vorwurf: Cromme holt mit Hiesinger einen der besten Leute von Siemens zu Thyssen-Krupp. Kritik von außen Der 67-jährige Cromme war von 2001 bis 2008 zudem Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, die Regeln für gute Unternehmensführung aufstellen soll. Besonders deswegen wird er nach der Abwerbung von Hiesinger auch von außen kritisiert. Manuel Theisen, Professor für Betriebswirtschaft und Corporate-Governance-Experte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, hält Crommes Entscheidung für fragwürdig. Der Manager befinde sich in einem Interessenkonflikt, "der ohne die Verletzung der Sorgfaltspflicht nicht zu lösen ist". Entweder schädige Cromme den Siemens-Konzern oder er füge Thyssen-Krupp Schaden zu. Die Entscheidung überrascht Hiesinger kommt als Krisenmanager in den Düsseldorfer Konzern, wo er zunächst für ein paar Monate als Stellvertreter von Schulz agieren soll, bevor er am 21. Januar 2011 auf der nächsten Hauptversammlung zum Vorstandsvorsitzenden wird. Thyssen-Krupp machte 2009 einen Verlust von über zwei Milliarden Euro und muss dringend die Abhängigkeit vom Stahlgeschäft reduzieren. Ekkehard Schulz, seit 1999 im Amt und bereits 68 Jahre alt, war zuletzt unter Druck geraten. Es überrascht, dass ein Unternehmensfremder für den Chefposten von Thyssen-Krupp berufen wurde. Es gab auch interne Kandidaten für die Schulz-Nachfolge, und zwar mehrere: Edwin Eichler, Chef der Stahlsparte, Olaf Berlin, der an der Spitze des Industriebereichs steht, sowie Finanzchef Alan Hippe. Cromme hat gleich noch eine weitere Personalie beschlossen. Er will Ende Januar auch seinen engen Vertrauten und oberste Kommunikator Jürgen Claassen zum Vorstandsmitglied mit Zuständigkeit für die Konzernentwicklung machen.
Siemens-Mann Heinrich Hiesinger wird Chef von Thyssen-Krupp. Die Personalie bringt den Strippenzieher Gerhard Cromme ins Zwielicht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hiesinger-von-siemens-zu-krupp-gerhard-cromme-sein-wille-geschehe-1.942658
Hiesinger: Von Siemens zu Krupp - Gerhard Cromme - sein Wille geschehe
00/05/2010
Die Katastrophe im Golf von Mexiko zeigt: Ölförderung wird immer riskanter - doch die Politik reagiert verantwortungslos. Die Ölförderung bleibt trotz modernster Technik ein Geschäft mit unwägbaren Risiken. Das hat der Untergang einer Ölplattform im Golf von Mexiko Ende vergangener Woche erneut bewiesen. Elf Menschen starben bei dem Unglück, der Küste des US-Bundesstaates Louisiana droht eine Umweltkatastrophe. Detailansicht öffnen Bei dem Untergang dem Untergang der Ölplattform im Golf von Mexiko starben elf Menschen. (Foto: Foto: AP) Der Unfall zählt zu den spektakulärsten der vergangenen fünf Jahre, doch er ist längst nicht der einzige. Es ist gerade einmal sechs Monate her, da sprudelte zehn Wochen lang Öl aus dem Leck eines Bohrlochs vor der Küste Westaustraliens und verschmutzte die Timorsee. Die Produzenten wittern Morgenluft Dass solche Unglücksfälle in Zukunft häufiger vorkommen und verheerendere Schäden anrichten werden als bisher, ist absehbar. Denn die Fördergebiete der Zukunft liegen in schwer zugänglichen Regionen dieser Erde, in der Tiefsee, weit entfernt von den Küsten, in der Arktis oder in den Urwäldern Kanadas, wo Ölfirmen seit einigen Jahren Teersande abbauen und ganze Landstriche zerstören. In den vergangenen zwei Jahren wurde ein Teil dieser riskanten und kostspieligen Projekte im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise vorübergehend gestoppt. Doch inzwischen wittern die Produzenten wieder Morgenluft. Die Rohstoffnachfrage zieht spürbar an, vor allem in den asiatischen Boomregionen China und Indien sowie im Mittleren Osten. Die Ära des billigen Öls scheint damit endgültig passé zu sein. Nach Meinung einiger Experten zeichnet sich sogar bereits die nächste Knappheit ab. Der Wettlauf hat längst begonnen Der Wettlauf um die letzten Ölreserven hat ohnehin längst begonnen - auch wenn die Meinungen darüber auseinandergehen, wie lange die Reserven noch reichen. Als relativ sicher gilt zumindest, dass die Länder außerhalb des Opec-Ölkartells, die 60 Prozent des Weltbedarfs liefern, ihren Produktionshöhepunkt, den sogenannten Peak-Oil, bereits überschritten haben. Nur der Nahe Osten verfügt angeblich noch über riesige Vorräte. Ob dem tatsächlich so ist, lässt sich allerdings kaum prüfen, weil diese Einschätzung allein auf den Angaben von Ländern wie Saudi-Arabien beruhen und verlässliche Daten fehlen. Vielversprechende Ölfelder wurden zuletzt vor allem in den Tiefseegebieten vor den afrikanischen und südamerikanischen Küsten entdeckt. Sie sollen in den nächsten Jahren ausgebeutet werden. Die Möglichkeiten haben sich zwar durch den technischen Fortschritt der vergangenen Jahrzehnte enorm verbessert und machen die Ölbohrungen tief im Meer sicherer. Doch die jüngsten Unglücke zeigen: Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, weil etwa trotz ernster Analyseverfahren niemand mit Gewissheit bestimmen kann, welche Druckverhältnisse in Lagerstätten herrschen, die Tausende Meter unter dem Meeresboden liegen. Umso wichtiger ist die Einhaltung maximaler Sicherheitsstandards. Doch genau hier liegt eine große Schwachstelle. Bei Tiefseefeldern innerhalb der 200-Meilen-Zone sind die jeweiligen Küstenstaaten für Umweltauflagen und Lizenzen verantwortlich. Im Golf von Mexiko mag die Aufsicht durch die US-Behörden noch relativ streng sein. Bedenkliche Signale Deutlich schlechter ist es dagegen um die Sicherheit in anderen Gewässern bestellt. Jahrzehntelang verschmutzte die Ölindustrie ungehindert das Niger-Delta, weil korrupte Behörden zur Seite schauten. Weitgehend ungeklärt ist außerdem, wer außerhalb der 200-Meilen-Zone für Sicherheit und Kontrollen zuständig ist. Die jüngsten Signale aus der Politik sind bedenklich. Trotz der Risiken soll mehr in den Ölsektor investiert werden - koste es, was es wolle. So gab US-Präsident Barack Obama erstmals die Küste Virginias für Ölbohrungen frei. Ein fatales Zeichen, das den Abschied vom Öl unnötig in die Länge ziehen wird. Auf der anderen Seite fehlen Mittel, um den Aufbruch in ein neues Energiezeitalter möglichst rasch zu bewältigen. Fehlentscheidungen wie diese werden spätere Generationen teuer zu stehen kommen. Und sie sind ein Armutszeugnis für die Politik. Mit den vollmundigen Bekenntnissen zu mehr Umwelt- und Klimaschutz ist es offenbar nicht weit her, schon gar nicht, wenn sie mit knallharten ökonomischen Interessen kollidieren.
Die Katastrophe im Golf von Mexiko zeigt: Ölförderung wird immer riskanter - doch die Politik reagiert verantwortungslos.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/oelfoerderung-die-gefahr-die-aus-der-tiefe-kommt-1.935061
Ölförderung - Die Gefahr, die aus der Tiefe kommt
00/05/2010
Das ist eine der Fragen, die jeden Menschen interessiert: Wie sieht eigentlich heute das Haus aus, in dem ich geboren wurde? Detailansicht öffnen "Wir waren gesellschaftlich geächtet" (Foto: Foto: ddp) Michael Sommer nimmt sein iPhone in die Hand, er hielt gestern Abend vor diesem Haus und hat es fotografiert. Altrosa Anstrich, Vorbau, Erker, ein Unternehmer wohnt jetzt darin. Die Genossen vom SPD-Ortsverein Meerbusch-Büderich, die ihn eingeladen hatten, waren schwer beeindruckt. Sommer hat noch im Ohr, wie einer sagte: "Mensch, das ist ja jetzt in der Schlossallee." Sommer lacht. Heute kann er darüber lachen. Aber Schlossallee? Als Michael Sommer am 17. Januar 1952 zur Welt kam, war die Villa von heute ein Haus für gefallene Mädchen; so nannte man das damals. Der Junge: ein uneheliches Kind, sein Erzeuger war Beamter in Düsseldorf, und nur unter der Bedingung, dass die Mutter ihr Kind auf der anderen Rheinseite austrug, im anderen Regierungsbezirk, erklärte er sich bereit, die Vaterschaft anzuerkennen. Daher Büderich. Michael Sommer startete eher in einer Badstraße ins Leben, der billigsten auf dem Monopoly-Feld. Man kann natürlich finden, dass sich das für einen späteren Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) genau so gehört. Man sollte aber nicht vergessen, dass jeder Mensch auch durch seine Anfänge geprägt ist - und dass im Fall von Michael Sommer die Mutter in einer Bar arbeitete, um ihn und zwei ältere Schwestern durchzubringen, die sie noch vom im Krieg vermissten Ehemann hatte. Dass der Junge zeitweise im Heim lebte und die Mutter im Jahr 1956 mit ihm nach Berlin zog, weil dort seine Schwester mit 14 Jahren gestorben war und sie nah am Grab sein wollte. Eine alleinerziehende Mutter, die nach Westberlin kommt, als dort noch Wohnungsnot ist - Michael Sommer sagt: "Wir waren gesellschaftlich geächtet."
Recht bekommen - statt nur Recht haben wollen: DGB-Chef Sommer kämpft darum, den Gewerkschaftsbund schlagkräftiger zu machen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dgb-chef-michael-sommer-wie-man-das-unregierbare-regiert-1.941068
DGB-Chef Michael Sommer - Wie man das Unregierbare regiert
00/05/2010
Radikales Umdenken in der Wirtschaftswelt: Nouriel Roubini sah schon vor Jahren die Finanzkrise voraus - seitdem ist er ein Star. Mit neuen Ideen will der US-Ökonom weitere Zusammenbrüche verhindern. Doch so einfach ist die Sache nicht. Den Namen "Dr. Doom" ("Dr. Untergang") hat er sich redlich verdient. Nouriel Roubini, der kleine Professor von der New York University mit dem strubbligen Haar und dem sorgenvollen Blick, sagte die Finanzkrise bereits 2006 voraus. Immer wieder warnte er vor dem Weltuntergang - so lange, bis die Realität seine Prognosen noch überholte. Detailansicht öffnen Nouriel Roubini ist ein Star unter den Ökonomen - entsprechend groß war der Andrang bei der Buchvorstellung. (Foto: Foto: Bloomberg) Heute ist der mittlerweile 52-jährige Ökonom ein Star. Sein Rat ist weltweit gefragt, sein Informationsdienst Roubini Global Economics (RGE) hat sich zu einem erfolgreichen mittelständischen Unternehmen entwickelt und jetzt versucht er seinen Ruhm auch noch durch ein populärwissenschaftliches Buch zu festigen ("Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft"). Es ist sein erstes dieser Art und er hat dazu eigens einen Koautor engagiert: Stephen Mihm, ein Reporter des New York Times Magazine, der im August 2008 ein großes Porträt über Roubini veröffentlicht und darin den Begriff "Dr. Doom" geprägt hatte. Wegen seiner düsteren Prognosen wird Roubini meist als Radikaler wahrgenommen. Aber das Bild stimmt so nicht. Der Ökonom ist ideologisch keineswegs festgelegt, sondern bekennender Eklektiker; er bedient sich bei der streng marktwirtschaftlichen österreichischen Schule der Nationalökonomie ebenso wie bei den Keynesianern. Auf der Liste der Wissenschaftler, die ihn beeinflusst haben, stehen die linken Nobelpreisträger Josef Stiglitz und Paul Krugman, der Angebotstheoretiker Robert Mundell und der konservative Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson. Er ließ sich auch vom Hedgefonds-Manager John Paulson beraten, der mit Wetten auf den Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes ein Milliardenvermögen machte und zuletzt bei der Klage der Börsenaufsicht SEC gegen Goldman Sachs zu zweifelhaftem Ruhm gelangte. Und er zog sich zum Schreiben in das Haus des Großinvestors und Spekulanten George Soros zurück. Roubini erzählt, wie es zur Krise kam und er stellt dabei auch fair unterschiedliche und konkurrierende Erklärungsansätze dar. Der bei weitem spannendste Teil des Buches ist jedoch der letzte: Hier setzt er sich mit den politischen Reaktionen auf die Krise auseinander. Die Gesetze nur Neuregulierung der Finanzmärkte, die Präsident Barack Obama und verschiedene europäische Regierungen auf den Weg gebracht haben, sind seiner Meinung nach im Prinzip richtig, aber sie gehen längst nicht weit genug. Wenn der Wille fehlt Zwei Fragen vor allem sieht er ungelöst: Im Zuge der Finanzkrise sind, erstens, einige Banken noch größer und mächtiger geworden: JP Morgan zum Beispiel oder die Bank of America. Damit hat sich das Problem, das im Englischen mit "Too Big to Fail" umschrieben wird, noch verschärft: Die Institute können jetzt erst recht nicht pleitegehen, ohne das gesamte Finanzsystem zu zerstören. Zweitens fehlt der Wille, das Entstehen neuer Spekulationsblasen zu verhindern. Zu beiden Fragen schlägt Roubini Reformen vor, die weit über das bisher in der Fachwelt Diskutierte hinausgehen. Zunächst die Banken: Die Forderung, man müsse Banken "zerschlagen", ist so populär wie vage. Nach welchen Kriterien sollen JP Morgan, Deutsche Bank oder UBS zerschlagen werden und was soll an deren Stelle treten? Am konkretesten ist dabei noch die "Volcker-Regel", also der Vorschlag des früheren US-Notenbankchefs und Berater von Präsident Obama, Paul Volcker, allen Geschäftsbanken spekulativen Eigenhandel zu untersagen. Das Problem dabei: Die Volcker-Regel hätte die Finanzkrise vermutlich nicht verhindert. So wäre das Geschäftsmodell der Pleite-Bank Lehman auch nach der Regel vollkommen legal gewesen. Hier geht Roubini einen großen Schritt weiter. Er teilt die Finanzwelt in drei Klassen von Instituten auf: Geschäftsbanken, Investmentbanken und Hedgefonds. Die drei Klassen sollen nicht nur streng getrennt werden, sie sollen nicht einmal Geschäfte miteinander machen dürfen. "Brandmauern" nennt Roubini dies.
Radikales Umdenken in der Wirtschaftswelt: Nouriel Roubini sah schon vor Jahren die Finanzkrise voraus - seitdem ist er ein Star. Mit neuen Ideen will der US-Ökonom weitere Zusammenbrüche verhindern. Doch so einfach ist die Sache nicht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/star-oekonom-nouriel-roubini-rezepte-des-dr-doom-1.939812
Star-Ökonom Nouriel Roubini - Rezepte des Dr. Doom
00/05/2010
Zu teuer - und womöglich ein Technik-Fiasko: das IT-System Herkules der Bundeswehr. Ein interner Bericht rechnet mit den Herstellern radikal ab. Wenn der Name Herkules bei der Bundeswehr fällt, dann denken die Soldaten nicht an einen Helden aus der griechischen Mythologie - sondern an ein ziemlich irdisches Milliardenprojekt. Detailansicht öffnen Infanteristen, aufgenommen am Bundeswehr-Stützpunkt Hammelburg: Das IT-Projekt Herkules kommt den Steuerzahler teuer zu stehen. (Foto: Foto: ddp) Das "Herkules"-Projekt besagt, dass das Verteidigungsministerium der Bundeswehr ein neues IT-System spendiert, schließlich ist die aktuelle Technik völlig veraltet. Doch die Kosten dafür sind längst schon aus dem Ruder gelaufen. Und jetzt wird offenbar auch die Funktionsweise in Frage gestellt. Investiert der Steuerzahler einen Milliardenbetrag für ein System, das nur ungenügend funktioniert? Konkret geht es um einen internen Bericht des Verteidigungsministeriums, der dem Handelsblatt vorliegt. Darin kommen Nutzer und Projektleiter, die Herkules bedienen, zu einem katastrophalen Urteil: "Keiner der Befragten ist der Meinung, dass sich die strategische Partnerschaft der Bundeswehr mit der (Kooperationsgesellschaft) BWI-IT bewährt habe." BWI-IT ist ein Zusammenschluss, an dem die Bundeswehr einen Anteil von 49,9 Prozent hält, Siemens ist mit 50,05 Prozent beteiligt, der US-Konzern IBM mit 0,05 Prozent. Im Jahr 2006 hatte der Bundestag den Auftrag zur Modernisierung des IT-Systems an Siemens und IBM vergeben. Bis Ende 2010 sollten 300.000 neue Telefone, 140.000 neue Computer und ein schnelleres Datennetz installiert werden. Doch dann lief so ziemlich alles schief. Das Vorhaben, bei dem der Münchner Konzern Siemens im Fahrerhäuschen sitzt, wird sich nun um mindestens zwei Jahre verzögern, berichtet das Handelsblatt. Und dann sind da noch die ausufernden Kosten, die in der Politik für Ärger sorgen. "Sehr häufige" Ausfälle Anfangs wurde noch mit 6,8 Milliarden Euro kalkuliert, doch diese Rechnung war schon bald darauf nicht mehr haltbar. Inzwischen ist der Aufwand gar nicht mehr zu beziffern. Im vergangenen Jahr wurde im Haushaltsausschuss des Bundestags sogar angeregt, das Ministerium solle aus der BWI-IT ganz aussteigen. Doppelt fatal wäre, wenn das ohnehin schon teure Projekt sich nun, zumindest teilweise, als unbrauchbar herausstellen sollte. Zumindest müsste dann erheblich nachgebessert werden, was das Ganze weiter verzögern würde. Denn teilweise ist das System bereits in Betrieb. In dem Praxisbericht klagen Nutzer und Projektleiter jedoch über die "sehr häufigen" Ausfälle. 30.000 Endnutzer und ihre Vorgesetzte hätten an der Befragung teilgenommen, heißt es im Handelsblatt. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte sueddeutsche.de die Existenz eines Evaluierungsberichts, der für den Haushalts- und den Verteidigungsausschuss des Bundestags bestimmt ist. Darin sollen auch der finanzielle Mehrbedarf sowie der weitere Zeitplan des Megaprojekts festgehalten sein. Über die genauen Inhalte des Papiers wollte der Sprecher keine Auskunft geben. Auch die Kooperationsgesellschaft BWI-IT äußerte sich auf Anfrage des Handelsblatts nicht. Der Bericht stehe BWI-IT noch nicht zur Verfügung, sagte eine Sprecherin. An den Milliarden-Risiken dürften gleichwohl wenig Zweifel bestehen.
Zu teuer - und womöglich ein Technik-Fiasko: das IT-System Herkules der Bundeswehr. Ein interner Bericht rechnet mit den Herstellern radikal ab.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundeswehr-it-system-ein-problem-so-gross-wie-herkules-1.934834
Bundeswehr: IT-System - Ein Problem, so groß wie Herkules
00/05/2010
Banken in der Zwickmühle: Bricht Griechenland zusammen, ist auch ihr Geld weg. Sie sollten genau überlegen, bevor sie erneut in griechische Papiere investieren. Die Schuldenprobleme Griechenlands haben die europäischen Banken und Versicherer in arge Bedrängnis gebracht. Ihnen drohen gewaltige Abschreibungen, wenn Hellas unter der Last seiner Schulden zusammenbricht. Allein die deutschen Institute haben Athen rund 45 Milliarden Dollar geliehen, in ganz Europa stehen 189 Milliarden Dollar im Feuer. Detailansicht öffnen Rund 45 Milliarden Euro haben deutsche Banken nach Griechenland verliehen. Geht das Land bankrott ist auch das Geld weg. (Foto: Foto: ddp) Damit zählen die Finanzkonzerne zu den größten Profiteuren der Nothilfe für Griechenland. Der Löwenanteil der rettenden Kredite wird in ihre Taschen fließen. Dennoch ist es keine gute Idee, wenn Finanzminister Wolfgang Schäuble jetzt die Bankmanager zur "freiwilligen Hilfe" aufruft. Mit dem Besitz und Kauf weiterer griechischer Staatsanleihen sollen sie ihr Vertrauen in das Land beweisen. Doch gegenüber solchen Symbolhandlungen sind die Finanzmärkte immun. Ihnen kommt es darauf an, dass es Griechenland gelingt, seine Haushaltsprobleme dauerhaft zu überwinden. Sollte sich aber zeigen, dass Athen dieser Aufgabe nicht gewachsen ist und am Ende doch den Staatsbankrott per Umschuldung wählen wollte, steckt Berlin in der Klemme. Haben die Politiker die Banken erst einmal in griechische Anleihen gelockt - nach dem Motto: fünf Prozent Zinsen mit Staatsgarantie -, so kommen sie aus der Nummer nur schwer wieder raus. Die Banker sollten besser den Tatsachen ins Auge blicken. Gerade erst sind einige Institute dank staatlicher Intensivmedizin dem Tod durch toxische Hypothekenpapiere entronnen. Mühsam konnten sie ihre dünne Kapitaldecke aufpolstern. Nun sehen sie sich mit einem zweiten, viel größeren Risiko konfrontiert, der Pleite überschuldeter Staaten. Die Institute sollten sich nicht noch mehr zweifelhafte Wertpapiere aufladen.
Banken in der Zwickmühle: Bricht Griechenland zusammen, ist auch ihr Geld weg. Sie sollten genau überlegen, bevor sie erneut in griechische Papiere investieren.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/griechische-staatsanleihen-kaufen-besser-nicht-1.940060
Griechische Staatsanleihen - Kaufen? Besser nicht!
00/05/2010
Auch für die Metro gilt: Wer in der Werbung damit hausieren geht, dass er saubere Geschäfte in Schwellenländern betreibt, muss damit rechnen, dass er unter besonderer Beobachtung steht. Abermals steht ein großer Handelskonzern, die Metro, in der Kritik. Und wieder geht es um die Ausbeutung von Arbeitern in Schwellenländern. Es ist kaum zwei Wochen her, da wurde der Discounter Lidl von der Hamburger Verbraucherzentrale in die Schranken verwiesen, weil die Arbeitsbedingungen bei dessen Lieferanten in Bangladesch alles andere als fair waren, obwohl die Billigkette genau damit geworben hatte. Detailansicht öffnen Handelskonzern Metro: Mit einem grünen Anstrich lässt sich wunderbar Werbung treiben. (Foto: Foto: ddp) Die Aktivitäten der großen Handelsketten rücken auch deshalb immer stärker in den Fokus, weil sie selbst dies forcieren. Mit einem sozialen und möglichst auch noch grünen Anstrich lässt sich eben wunderbar Werbung treiben. Doch wer damit hausieren geht, dass er saubere Geschäfte auf diesen Wachstumsmärkten betreibt, muss auch damit rechnen, dass er unter besonderer Beobachtung steht. Menschenrechtsorganisationen und Umweltschützer nehmen die Aktivitäten der ausländischen Konzerne schon seit einigen Jahren besonders gründlich unter die Lupe. Dass dies durchaus notwendig ist, zeigen die Tricksereien der jüngsten Zeit. Erweisen sich die Bekenntnisse zu mehr Schutz von Arbeitnehmerrechten und Umwelt als Lippenbekenntnisse, droht neben einem wirtschaftlichen Schaden ein schwerer Imageschaden, der von vielen Unternehmen unterschätzt wird. Die negativen Folgen bekam vor einigen Jahren der Coca-Cola-Konzern in Indien schmerzhaft zu spüren, als er mit einer neuen Getränkefabrik der heimischen Bevölkerung das Wasser abgrub. Der Vorfall schürte Ressentiments in der Bevölkerung und zwang die Politik zum Eingreifen. Um dies zu vermeiden, tut die Metro gut daran, die Vorwürfe rückhaltlos aufzuklären.
Auch für die Metro gilt: Wer in der Werbung damit hausieren geht, dass er saubere Geschäfte in Schwellenländern betreibt, muss damit rechnen, dass er unter besonderer Beobachtung steht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/handelskonzern-metro-gefaehrliche-tricks-1.944215
Handelskonzern Metro - Gefährliche Tricks
00/05/2010
Der Vorstandschef der in Essen ansässigen Ferrostaal AG, Matthias Mitscherlich, hat kein großes Kontor mit Vorzimmer. Er arbeitet im Großraumbüro, wie die anderen Mitarbeiter auch. Wer mit ihm sprechen möchte, linst über die Stellwand, um zu schauen, ob der Boss da ist und ob er gerade Zeit hat. Da macht mancher Chef einer Klitsche viel mehr Getue um sich. Detailansicht öffnen Ein ungewöhnlicher Konzernchef: Matthias Mitscherlich, Sohn der berühmten Psychoanalytiker Margarete und Alexander Mitscherlich, verliert seinen Job bei der Essener Ferrostaal. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn, weil er in eine Schmiergeldzahlung verwickelt sein soll. (Foto: Foto: dpa) Der Arbeitsplatz des 61-jährigen Top-Managers wird aber wohl bald verwaist sein. Anfang kommender Woche tagt der Aufsichtsrat des Konzerns, und Mitscherlich, der noch einen Vier-Jahres-Vertrag hat, soll sein Amt verlieren. Das Unternehmen, das weltweit Maschinen und vieles andere verkauft, ist in eine Korruptionsaffäre verwickelt. Ferrostaal soll etwa bei Geschäften mit U-Booten Regierungen geschmiert haben, unter anderem in Griechenland. Auch gegen Mitscherlich wird ermittelt. Aufsichtsratschef Georg Thoma, ein Düsseldorfer Anwalt, betreibt deswegen den Rauswurf des Konzernchefs. Dessen Ablösung ist beschlossene Sache. Aus dem Umfeld des Kontrollgremiums heißt es, man habe drei Kandidaten für Mitscherlichs Nachfolge, mit denen man rede. Zwei seien in der engeren Wahl, einer sei sofort verfügbar: "Es wird kein Vakuum geben." Systematische Bestechung Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen rund ein Dutzend Ferrostaal-Manager. Das Essener Unternehmen, das oftmals für andere deutsche Konzerne Großaufträge anbahnt und abwickelt, soll über Jahre hinweg 180 Millionen Euro für Berater ausgegeben haben. Auf diesem Weg war bei Siemens bestochen worden. Ob das auch für Ferrostaal gilt, ist noch unklar, doch die Münchner Ermittler sind sich ihrer Sache sicher. Ihr Kronzeuge ist ein langjähriger Ferrostaal-Angestellter aus Schwaben, der in Augsburg angeklagt ist. Er hat zugegeben, von einem kleineren Zulieferer Schmiergeld kassiert zu haben. Und er hat nach mehr als einem halben Jahr Untersuchungshaft geplaudert, wie Ferrostaal systematisch bestochen habe. In Portugal, Griechenland, Ägypten, Kolumbien, Argentinien und Indonesien. Erbitterter Machtkampf Mitscherlichs Abgang ist nicht nur deshalb eine ungewöhnliche Personalie, weil der schlaksige Hüne der Sohn der Psychologen Margarete und Alexander Mitscherlich ist, deren gemeinsam verfasste Bücher wie "Die Unfähigkeit zu trauern" Generationen beeinflusst haben. Der anstehende Rauswurf ist auch das Ende eines erbittert geführten Machtkampfs zwischen dem bisherigen Konzernchef und Aufsichtsratschef Thoma. Mitscherlich hätte Anfang des Jahres gern den in Krisen-Angelegenheiten erfahrenen ehemaligen Chef-Diplomaten Jürgen Chrobog an der Spitze des Kontrollgremiums gesehen. Thoma blieb aber, und fortan war das Klima vergiftet. Mitte April schickte Thoma dem Vorstandschef, wie aus Aufsichtsratskreisen verlautet, einen zehnseitigen Brief mit Vorhaltungen und Fragen zur Korruptionsaffäre. Wenn Mitscherlich nur einen dieser Punkte nicht ausreichend beantworten könne, müsse er mit der fristlosen Kündigung rechnen, soll ihm Thoma gedroht haben. Mitscherlich soll ausführlich geantwortet und versucht haben, die Vorwürfe zu widerlegen.
Ende eine erbitterten Machtkampfes: Matthias Mitscherlich, Sohn des berühmtesten Psychoanalytiker-Ehepaares und Ferrostaal-Chef, muss gehen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ferrostaal-chef-mitscherlich-geschasst-in-essen-1.937900
Ferrostaal-Chef Mitscherlich - Geschasst in Essen
00/05/2010
Die Arbeitslosigkeit ist im April überraschend stark zurückgegangen. Fachleute sprechen von einer "sensationellen Entwicklung". Der deutsche Arbeitsmarkt erholt sich - und zwar spürbar. Im April ist die Zahl der Arbeitslosen überraschend stark um 162.000 gesunken. Detailansicht öffnen Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im April deutlich gesunken. (Foto: Foto: ddp) Nun sind noch 3,406 Millionen Menschen ohne Job, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Die Arbeitslosenquote sank damit im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Punkte auf 8,1 Prozent. "Erfreuliche Entwicklung" "Im Vergleich zum April 2009 reduzierte sich die Zahl der Jobsuchenden um 178.000. Bereits im März war die Zahl der Arbeitslosen überraschend stark gesunken. Auf dem Arbeitsmarkt habe es im April einen "unerwartet kräftigen Frühjahrsaufschwung gegeben", sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise: "Die aktuelle Entwicklung ist erfreulich." Auch saisonbereinigt ging die Arbeitslosigkeit zurück - um 68.000. Dies lasse auf eine konjunkturbedingte Verbesserung am Arbeitsmarkt schließen, erklärte die BA. Auch Analysten sind überrascht. "Das deutsche Jobwunder setzt sich fort", sagte Analyst Heinrich Bayer von der Postbank. Dieser ausgesprochen starke Rückgang der Arbeitslosigkeit sei fast eine "sensationelle Entwicklung". Arbeitsministerin Ursula von der Leyen trat dagegen auf die Euphoriebremse. "Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist gut, aber wir sind noch nicht über den Berg", sagte die CDU-Politikerin. "Ohne die Entlastung durch die Kurzarbeit stünde der Arbeitsmarkt auch in dieser April-Bilanz nicht so gut da." Vor allem die in Europa aktiven deutschen Unternehmen müssten "mit einigen Unbekannten kalkulieren: Länderrisiken, Verhalten der Banken, Zugang zu Firmenkrediten, Solvenz von Exportkunden".
Die Arbeitslosigkeit ist im April überraschend stark zurückgegangen. Fachleute sprechen von einer "sensationellen Entwicklung".
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arbeitslosigkeit-gesunken-experten-bejubeln-deutsches-jobwunder-1.935244
"Arbeitslosigkeit gesunken - Experten bejubeln deutsches ""Jobwunder"""
00/05/2010
Gesund? Von wegen! Eine klebrige Zuckerbombe sei der Monte Drink, bemängelt Foodwatch. Verbraucher haben das Getränk nun zur fiestesten Werbelüge gekürt - der Hersteller reagiert prompt. Eine gesunde Zwischenmahlzeit sieht anders aus. Das Kindergetränk Monte Drink von Zott enthalte mehr Zucker als eine vergleichbare Menge Cola - und mehr Kalorien als Fanta. Diese wahrhaft saftige Kritik kommt von der Verbraucherorganisation Foodwatch, die regelmäßig Etikettenschwindel anprangert. Detailansicht öffnen Ein Aktivist protestiert vor der Zott-Molkerei in Mertingen. Das Zott-Produkt Monte Drink wurde von Foodwatch zur dreistesten Werbelüge gekürt. (Foto: Foto: dpa) Die dreistesten Fälle stellt Foodwatch zur Wahl - in einer Internetabstimmung lässt die Organisation dann die Verbraucher die schlimmste Werbelüge mit dem Goldenen Windbeutel auszeichnen. Mit 37,5 Prozent der Stimmen lag der Monte Drink in diesem Jahr ganz vorne. 81.000 Stimmen wurden insgesamt abgegeben. Die Verbraucher hätten erkannt, dass die Werbung für das Milchgetränk als gesunde Zwischenmahlzeit ein dreister Fall von Etikettenschwindel sei, hieß es. Das Produkt sei nichts anderes sei als eine flüssige Süßigkeit und habe im Schulranzen von Kindern nichts verloren, erklärte Anne Markwardt von Foodwatch. Der Hersteller Zott will nun die Rezeptur des Produkts ändern. Monte Drink enthält den Angaben auf der Verpackung zufolge 12,7 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Nährwerte wie Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate und Zucker seien zwar "eindeutig auf der Verpackung des Getränks deklariert", teilte das Unternehmen mit. Aber im "Hinblick auf die öffentliche Diskussion zu Zucker wird das Produkt Monte Drink Anpassungen und Verbesserungen in der Darstellung gegenüber den Verbrauchern wie in der Rezeptur erfahren." Foodwatch begrüßte die Ankündigung: Dies sei "ein echter Erfolg für die Verbraucher". Pfanner ändert Tee-Rezept Die Abstimmung im Internet lief vom 22. März bis zum 22. April auf einer von Foodwatch eingerichteten Internetseite ab. Die Verbraucherschützer wenden sich mit dieser Kampagne gegen irreführende Werbepraktiken von Lebensmittelherstellern. Dazu stellt die Organisation regelmäßig Produkte vor, die nach ihren Angaben nicht halten, was sie versprechen. Fünf dieser Produkte hatte eine Jury nun zur Abstimmung gestellt. Im vergangenen Jahr hatten sich mehr als 35.000 Teilnehmer an der Abstimmung beteiligt. Auf dem zweiten Platz bei der diesjährigen Abstimmung landete Foodwatch zufolge der Tee "Der Gelbe: Zitrone Physalis", auf dem dritten die Duett Champignon-Creme-Suppe von Escoffier. Foodwatch nominierte das Pfanner-Teegetränk, da der namensgebende Gelbe Tee nur 15 Prozent an dem Getränk ausmache. Physalis befinde sich hingegen gar nicht in dem Getränk, der Geschmack werde lediglich mit Aromen erzielt. Dies soll nun aber geändert werden: In spätestens drei Monaten werde in dem Getränk auch Physalis enthalten sein, teilte eine Pfanner-Sprecherin auf Anfrage mit. Bei der auf dem dritten Platz gelandeten Champignon-Suppe des zum Gewürze-Konzern Fuchs gehörenden Herstellers Escoffier handelt es sich der Foodwatch-Kritik zufolge um "Standard-Industrieware vollgestopft mit Zusatzstoffen", die aber überteuert als Feinkost verkauft werde. Die Suppe habe etwa die gleichen Zutaten wie eine Champignon-Creme-Tütensuppe von Maggi - koste aber dreimal so viel. Fuchs erklärte bereits im vergangenen Jahr, die Vorwürfe seien nicht nachzuvollziehen. Im Gegensatz zu Tütensuppen, die mit Wasser aufgegossen würden, bilde wie "bei allen feinen Suppen und Saucen" ein flüssiger Fond die Grundlage. Die Suppe besteht aus zwei Dosen, von denen eine mit einer Würzzubereitung und die andere mit einem flüssigen Fond gefüllt ist.
Gesund? Von wegen! Eine klebrige Zuckerbombe sei der Monte Drink, bemängelt Foodwatch. Verbraucher haben das Getränk nun zur fiestesten Werbelüge gekürt - der Hersteller reagiert prompt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/negativpreis-fuer-werbeluegen-dreist-dreister-zott-1.937826
Negativpreis für Werbelügen - Dreist, dreister, Zott
00/05/2010
Luxusunternehmen haben in der Krise stark gelitten. Jetzt herrscht in der Branche wieder Zuversicht - weil der Markt in Asien boomt. Als der Holländer Robert Polet Fischstäbchen und Eiscreme den Rücken kehrte und sich dem Verkauf von Kroko-Mokassins und kostspieligen Taschenträumen zuwandte, empfand das die Luxusmodewelt noch als Provokation. Polet übernahm 2004 nach 26 Jahren beim Konsumgüterhersteller Unilever das Kommando bei Gucci in Florenz; er verkörperte die Abkehr vom Starkult in der Glamourbranche. Detailansicht öffnen China wurde im Jahr 2009 zum größten Absatzmarkt für den italienischen Edelschneider Ermenegildo Zegna. (Foto: Foto: Reuters) In Kürze tritt nun Daniela Riccardi, China-Chefin von Procter & Gamble, bei der italienischen Luxusmarke Diesel als Vorstandsvorsitzende an. Die 49-jährige Römerin bringt nach 25 Jahren beim US-Multi mit, wonach der Unternehmensgründer Renzo Rosso lange suchte: profunde internationale Erfahrungen. Undnun, nach der Krise im vergangenen Jahr, ruft eine Quereinsteigerin wie Riccardi in der Modebranche auch keine Verwunderung mehr hervor. Denn eine Kennerin von Marken und Märkten aus dem Waschmittel- und Windelimperium Procter & Gamble passt heute selbst in Rossos coolen Markenkonzern, der aus der 1978 im Veneto-Städtchen Molvena gegründeten Jeansfirma Diesel hervorging. Es erstaunt auch nicht, dass dort - wie bei anderen Unternehmen der Branche - die Zusammenarbeit mit einem Wegweiser der Mode beendet wurde. Der Avantgarde-Designer Martin Margiela, dessen Label Rosso 2002 übernommen hatte, zog sich zurück. Das neue Jahrzehnt startet modisch ohne Experimente. Auch Riccardis China-Erfahrung dürfte eine Rolle bei ihrer Berufung gespielt haben. Als eine der wichtigsten Lehren aus dem Krisenjahr gilt, dass die Chancen der italienischen Luxusindustrie jetzt in den Schwellenländern liegen. Weltweit werden in den kommenden sechs Jahren 123 Millionen neue Reiche hinzukommen - drei Viertel davon leben 2015 in den aufstrebenden Schwellenländern. Und ein Drittel stammt aus China. Diese Berechnungen stellte das Forschungsinstitut Prometeia aus Bologna zusammen mit dem italienischen Industriellenverband Confindustria an. In der 60-seitigen Studie "Dolce Vita exportieren - neue Gelegenheiten für den italienischen Luxus" weisen die Ökonomen den Weg zum Wachstum. Die Krise - eine "phantastische" Gelegenheit Doch die Chefpersonalie bei Diesel hat nicht nur mit China zu tun. Sie ist Teil eines umfassenden Umbaus in Rossos Modereich mit dem Mohikaner-Logo. Den Posten für Riccardi hat er neu geschaffen im Zuge der Abspaltung der Markenunternehmen von der Holding Only the brave. Diesel begann 2000, neue Geschäftssparten zu eröffnen und prestigeträchtige Label wie Martin Margiela, Viktor & Rolf und Dsquared aufzukaufen. Daher nahm die Komplexität des Unternehmens stetig zu. Künftig will sich der 54-jährige Gründer als Präsident der Holding auf die Strategien konzentrieren. Die Krise hat der Bauernsohn vor mehr als einem Jahr als "phantastisch" bezeichnet. Sie böte die Gelegenheit für eine Marktbereinigung und fördere Solidität und Professionalität in der Modeszene, sagte er im Interview mit der SZ. Einige Insolvenzen und Sparrunden später kämpfen sich die italienischen Modefirmen nun aus dem Nachfrage-Tal. Die Rezession hinterließ auch in Rossos Unternehmen Bremsspuren. Der Umsatz der sonst wachstumsstarken Modeholding Only the Brave, deren Motor die Marke Diesel ist, sank 2009 um 3,5 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. "Wir zahlten die Zeche in den südeuropäischen Ländern und den USA. Die Madison Avenue wirkte gespenstisch", klagt Rosso. Die Erholung kommt nur langsam in Gang, da bleibt den Italienern nur die forcierte Expansion in neue Märkte. In China hat sich Diesel schon mit 29 Läden etabliert, nun beginnt man sich in Indien auszubreiten.
Luxusunternehmen haben in der Krise stark gelitten. Jetzt herrscht in der Branche wieder Zuversicht - weil der Markt in Asien boomt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/luxuskonzerne-italienischer-chic-fuer-china-1.940419
Luxuskonzerne - Italienischer Chic für China
00/05/2010
Neues Geschäftsmodell oder nur heiße Luft? Google investiert in erneuerbare Energien und beteiligt sich an zwei Windparks - nicht ganz uneigennützig. Für grüne Investments ist Google eigentlich nicht bekannt. Den Großteil seines Umsatzes macht der Internetkonzern mit seinem Suchmaschinenangebot und den passgenauen Werbeanzeigen. Detailansicht öffnen Google investiert knapp 40 Millionen Dollar in zwei Windparks in den USA. (Foto: Foto: AFP) Jetzt soll ein weiteres Geschäftsfeld dazukommen - eine Beteiligung an einem Erneuerbare-Energien-Projekt. Das Unternehmen beteiligt sich 38,8 Millionen Dollar (29,4 Millionen Euro) an zwei Windparks. Google teilte mit, diese beiden Windparks verfügten über eine Leistung von insgesamt 169,5 Megawatt - damit könnten 55.000 Haushalte versorgt werden. Gigantische Rechenzentren Die Windparks befinden sich im US-Bundesstaat North Dakota, dessen Ebenen Google zufolge als eine der windreichsten Regionen weltweit gelten. "Mit dieser Investition wollen wir die Verbreitung von erneuerbaren Energien vorantreiben, in einer Weise, die sich auch wirtschaftlich lohnt", gab der Konzern bekannt. Mit 38,8 Millionen Dollar ist das Investment zunächst einmal eher klein - die strategische Bedeutung ist jedoch umso größer. Denn Google betreibt mehrere gigantische Rechenzentren, die einen sehr hohen Energiebedarf haben. Das Unternehmen hat daher bereits in Solarenergie und die Nutzung von Erdwärme investiert.
Neues Geschäftsmodell oder nur heiße Luft? Google investiert in erneuerbare Energien und beteiligt sich an zwei Windparks - nicht ganz uneigennützig.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/investition-in-gruene-energien-frischer-wind-durch-google-1.939364
Investition in grüne Energien - Frischer Wind durch Google
00/05/2010
Zwei Dax-Konzerne, zwei gute Nachrichten: BMW verdient im ersten Quartal 2010 mehr als im gesamten Vorjahr - und Henkel verkauft wieder mehr Waschmittel. Nur die Börse honoriert das nicht. BMW fährt wegen der weltweit wieder wachsenden Nachfrage nach Luxuswagen zurück in die Erfolgsspur. In den ersten drei Monaten verdiente der Autohersteller mehr Geld als im gesamten Krisenjahr 2009. Auch für das zweite Quartal erwarten die Münchner einen weiteren Zuwachs und bekräftigten angesichts des Aufwärtstrends ihre Ziele für 2010. Auch der Erzrivale Audi legte deutlich zu, ebenso der Konkurrent Daimler. Detailansicht öffnen Von "einigen Risiken" spricht BMW Finanzvorstand Friedrich Eichiner. Doch mit einem Gewinn von 324 Millionen Euro übertrifft BMW im ersten Quartal das Ergebnis des gesamten Vorjahres. (Foto: Foto: AP) BMW bleibe "verhalten optimistisch", sagte Konzernchef Norbert Reithofer. Es müsse sich in den kommenden Monaten erst erweisen, wie selbsttragend der Aufschwung sei, ergänzte Finanzvorstand Friedrich Eichiner. "Ich glaube schon, dass da draußen noch einige Risiken liegen." Allerdings sei nach dem zweiten Quartal absehbarer, was in diesem Jahr erreichbar sei. Zwischen Januar und März fuhr BMW unter dem Strich einen Gewinn von 324 Millionen Euro ein und übertraf damit das Jahresergebnis 2009 von 210 Millionen Euro deutlich. Der Umsatz kletterte im ersten Vierteljahr um rund acht Prozent auf 12,4 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2009 hatte BMW noch einen Verlust um 152 Millionen Euro verbuchen müssen. Neben den steigenden Absatzzahlen habe der Konzern auch von seinen Anstrengungen profitiert, Kosten zu senken. Große Hoffnungen setzen die Münchner auf die neue 5er-Reihe, die seit Ende März auf dem Markt ist. "Wir streben im laufenden Geschäftsjahr ein Konzernergebnis an, das deutlich über dem Niveau des Vorjahres liegt", sagte Reithofer. Auch der Absatz solle wachsen. BMW wolle dabei im "soliden einstelligen Prozentbereich" zulegen und mehr als 1,3 Millionen Autos verkaufen, bekräftigte Reithofer das Absatzziel. Im Jahr 2009 hatte BMW weltweit rund 1,06 Millionen Autos abgesetzt, rund elf Prozent weniger als 2008. Im ersten Quartal dieses Jahres habe besonders in China der Absatz überraschend stark angezogen und man habe dort sehr befriedigende Margen erzielt, sagte Eichiner. Allianz trotzt Naturkatastrophen und steigert Gewinn Europas größter Versicherungskonzern Allianz sieht sich nach einem operativen Milliardengewinn im ersten Quartal auf Kurs. Die Allianz musste durch den Wintersturm Xynthia, das Erdbeben in Chile und andere Naturkatastrophen Lasten von über 500 Millionen Euro verkraften - "und damit mehr als doppelt soviel wie in einem gewöhnlichen Quartal", wie Konzernchef Michael Diekmann sagte. Doch dank deutlich besserer Ergebnisse in der Lebens- und Krankenversicherung sowie in der Vermögensverwaltung konnte der Konzern dies aber mehr als wettmachen. Das operative Ergebnis des Konzerns kletterte nach vorläufigen Zahlen zwischen Januar und März auf voraussichtlich rund 1,7 Milliarden Euro - nach 1,4 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Diekmann bekräftigte vor diesem Hintergrund die Erwartungen für dieses Jahr: "Obwohl man die Zahlen des ersten Quartals natürlich nicht auf das gesamte Jahr hochrechnen kann, sind wir aus heutiger Sicht auf dem Weg, das für das Geschäftsjahr 2010 angestrebte operative Ergebnis von 7,2 Milliarden Euro plus/minus 500 Millionen Euro im Konzern zu erreichen", sagte er. Voraussetzung dafür sei aber neben einem stabilen Zinsumfeld auch, dass es nicht zu weiteren Verwerfungen an den Kapitalmärkten komme - und dass Großschäden aus Naturkatastrophen im Jahresverlauf auf das normale Niveau zurückgehen. Diekmann sagte, es bleibe eine der Top-Prioritäten des Managements, die Kernsparte Schadens- und Unfallversicherung rentabler zu machen und dafür die Schaden/Kosten-Quote zu senken. Auch das Kapital müsse der Konzern schützen. Zukäufe seien gleichwohl nicht ausgeschlossen. "Wir werden nicht zögern, wenn sich Zukäufe abzeichnen, die zu unseren Zielen passen", erklärte er. "Aber es gibt auch keinen Druck zuzukaufen, nur weil es andere machen." Die britische Prudential hatte sich zuletzt mit dem Asiengeschäft die Kronjuwelen des in der Finanzkrise gescheiterten US-Versicherers AIG gesichert. Es war mit einem Volumen von mehr als 35 Milliarden Dollar die größte Transaktion in der Branche. Henkel: Kurs sinkt trotz starkem Quartal Der Waschmittel- und Klebstoffhersteller Henkel hat nach einem Gewinnsprung im ersten Quartal seine Jahresprognose deutlich angehoben. Mit den am Mittwoch vorgelegten Zahlen unterstreicht der Düsseldorfer Konzern den Aufwärtstrend der Branche. Anziehende Geschäfte hatten bereits Weltmarktführer Procter & Gamble, Colgate-Palmolive und L'Oréal bekanntgegeben. In der Wirtschaftskrise hatten Markenhersteller unter der Sparsamkeit der Verbraucher gelitten, die verstärkt zu billigeren Produkten griffen. "Wir sind sehr gut in das neue Geschäftsjahr gestartet", sagte Henkel-Chef Kasper Rorsted. Zulegen konnte der Hersteller von Pritt und Persil vor allem wegen besserer Ergebnisse im Waschmittelgeschäft und der Belebung in seiner konjunkturabhängigen Industrie- und Klebstoffsparte. Der Konzernumsatz stieg in den ersten drei Monaten 2010 auf 3,5 Milliarden Euro, im Vorjahr lag er bei 3,3 Millionen Euro. Das operative Ergebnis schoss von 218 Millionen im Vorjahr auf 422 Millionen, der Gewinn auf 259 Millionen Euro. Dazu trug insbesondere auch das Sparprogramm des Unternehmens bei, durch das rund 3000 Stellen weggefallen waren. Wegen der Unsicherheit über die Entwicklung der Weltkonjunktur warnte Rorsted davor, die überraschend starke Entwicklung des ersten Quartals auf das Gesamtjahr hochrechnen. Zudem erwarte Henkel deutlich höhere Rohstoffkosten im zweiten Halbjahr. Henkel schraubte das Gewinnziel deutlich herauf: Der operative Gewinn und der Gewinn je Aktie sollen nun um mehr als 15 Prozent wachsen. Obwohl Henkel mit seinen Quartalszahlen die Analystenerwartungen übertraf, sackte der Aktienkurs des Unternehmens nach anfänglichen Gewinnen deutlich ab. Am frühen Nachmittag notierten die Vorzugspapiere 2,3 Prozent im Minus. Börsianern zufolge nahmen Anleger die guten Nachrichten zum Anlass, um Gewinne mitzunehmen. Manchen seien die Geschäftsziele des Managements auch nicht ehrgeizig genug. Der Wert der Henkel-Aktien hatte sich in den vergangenen 14 Monaten mehr als verdoppelt.
Zwei Dax-Konzerne, zwei gute Nachrichten: BMW verdient im ersten Quartal 2010 mehr als im gesamten Vorjahr - und Henkel verkauft wieder mehr Waschmittel. Nur die Börse honoriert das nicht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-bmw-hakt-die-krise-ab-1.939174
Wirtschaft kompakt - BMW hakt die Krise ab
00/05/2010
Opel pocht auf Staatsgeld - doch zuvor hat die Regierung jede Menge Fragen. Die Antworten des Autoherstellers stellen Berlin jedoch nicht zufrieden. Der Konzern reagiert beleidigt. Im Kampf von Opel um deutsche Staatshilfen ist es erneut zu Unstimmigkeiten zwischen dem Autokonzern und der Bundesregierung gekommen. In einem Brief an den Wirtschaftsausschuss des Bundestages wirft Opel dem Bundeswirtschaftsministerium indirekt vor, mit falschen Angaben operiert zu haben. Detailansicht öffnen Um Staatshilfen zu bekommen, muss Opel einen Fragenkatalog ausfüllen. Der Bürgschaftsausschuss ist jedoch unzufrieden mit den Antworten. (Foto: Foto: ddp) Dabei geht es um die Fragen des Bürgschaftsausschusses, der die Entscheidung über den Antrag des Unternehmens auf eine staatliche Kreditbürgschaft vorbereiten soll. Dieser hatte einen Fragenkatalog an Opel geschickt und sich mehrfach mit den Antworten des Autoherstellers unzufrieden gezeigt. Am Mittwoch hatte das Ministerium den Abgeordneten des Ausschusses mitgeteilt, dass Opel nach wie vor die verlangten Auskünfte zu mehreren Bereichen entweder gar nicht oder nur unvollständig gegeben habe. Dies führte nun zu einer ungewöhnlichen Reaktion von Opel: In einer E-Mail an die Abgeordneten, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, listet der Autohersteller detailliert auf, wann er welche Fragen beantwortet hat. Lediglich eine Frage zur Anzahl der Opel-Händler sei unbeantwortet geblieben, diese sei aber erst diesen Mittwoch eingetroffen. Fehlende Informationen Opel fühlt sich deshalb "unfair" behandelt. In dem Schreiben des Unternehmens heißt es, man habe einen Anspruch darauf, dass die Entscheidung, ob es Staatshilfen gibt oder nicht, "auf der Basis sachlicher Informationen beruht". Das Bundeswirtschaftsministerium weist in einer Stellungnahme dagegen darauf hin, dass noch "Informationen zu den begleitenden Kreditinstituten" fehlten. Es bestehe bei den bereits übersandten Antworten "Ergänzungsbedarf". Auch gebe es nach wie vor "keine Einigung mit dem europäischen Betriebsrat über die vorgesehene Beteiligung der Arbeitnehmer an der Sanierung mit 265 Millionen Euro pro Jahr". Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) gilt als Skeptiker in Sachen Staatshilfen für Opel. Zuletzt hat er immer wieder darauf hingewiesen, dass die Opel-Mutter General Motors (GM) wie jede Firma einen Antrag auf Staatshilfe aus dem Deutschland-Fonds stellen könne. Alles weitere ergebe die Prüfung des Falles. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Garrelt Duin, forderte Brüderle am Donnerstag in einem Brief auf, zu den Widersprüchen Stellung zu nehmen. "Eine echte Möglichkeit" Duin plädiert dafür, nunmehr kurzfristig mit Vertretern der Opel-Bundesländer, Gewerkschaften und Unternehmen Gespräche zu führen, um so schnell wie möglich eine Entscheidung über die Staatshilfen treffen zu können. Die vier Ministerpräsidenten mit Opel-Werken hatten bereits im Februar die Kanzlerin gebeten, "Abstimmungsgespräche auf politischer Ebene zu führen". Der Autobauer benötigt nach eigenen Angaben 1,8 Milliarden Euro Staatshilfen von den europäischen Ländern, davon 1,3 Milliarden Euro aus Deutschland. In den USA und Kanada hat GM allerdings bereits Staatshilfen von 5,8 Milliarden Dollar zurückgezahlt. General Motors peilt nun bis Jahresende sogar die Rückkehr an die Börse an. GM-Konzernchef Ed Whitacre sagte, dies sei "eine echte Möglichkeit". Er sei auch davon überzeugt, dass die Ergebnisse für das erste Quartal "eine Menge Leute überraschen werden". Insgesamt hatte der einst weltweit größte Autokonzern Kredite der US-Regierung von etwa 50 Milliarden Dollar erhalten. Die Hilfen wurden überwiegend in Firmenbeteiligungen umgewandelt. Das Finanzministerium besitzt 61 Prozent der GM-Stammaktien.
Opel pocht auf Staatsgeld - doch zuvor hat die Regierung jede Menge Fragen. Die Antworten des Autoherstellers stellen Berlin jedoch nicht zufrieden. Der Konzern reagiert beleidigt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/opel-streit-um-staatshilfen-in-der-schmollecke-1.936288
Opel: Streit um Staatshilfen - In der Schmollecke
00/05/2010
In seinen Stiftungen gibt Vorwerk-Mann Jens Mittelsten Scheid Hilfe zur Selbsthilfe. Würde sein Beispiel Schule machen, wäre die Finanzkrise viel kleiner ausgefallen. Am Freitag erhielt Jens Mittelsten Scheid den Deutschen Stifterpreis. Die Laudatio hielt Heribert Prantl, Leiter der Redaktion Innenpolitik der "Süddeutschen Zeitung". Wir dokumentieren den Text. Detailansicht öffnen Jens Mittelsten Scheid erhält den Deutschen Stifterpreis 2010. (Foto: Foto: A. Schellnegger) Eine Laudatio beginnt üblicherweise mit einem Lob der Verdienste des Preisträgers. Ich möchte ein wenig davon abweichen. Ich habe mir vorgenommen, erst einmal über einen Urahn unseres Preisträgers zu reden. Nein, ich beginne nicht mit Carl Vorwerk, der einst in Wuppertal die Barmer Teppichfabrik Vorwerk gegründet hat; es war eine Fabrik, die bald auch Achsen, Getriebe und Grammophon-Laufwerke im Angebot hatte. Nein, ich beginne auch nicht mit dem genialen Großvater unseres Preisträgers, also nicht mit August Mittelsten Scheid, der 1907 bei den Vorwerks eingeheiratet und dann aus den zwei alten Stärken der Firma Vorwerk eine neue gemacht hat: Aus dem Grammophon-Motor und dem Fachwissen der Teppichproduktion entstand ein handlicher Staubsauger, der berühmte Staubsauger namens Kobold. Ein grandioser, kunstliebender, verschwenderischer Ritter Mit diesen Staubsaugern, mit den Küchenmaschinen namens Thermomix und den Bügelsystemen namens Felina wurde und wird das Geld verdient, das in den Stiftungen steckt, für die wir Jens Mittelsten Scheid auszeichnen. Dem Preisträger zu Ehren greift meine Laudatio nicht nur hundert oder hundertfünfzig Jahre, sondern gleich zweitausend Jahre zurück. Ich möchte Jens Mittelsten Scheid damit ehren, dass ich mit dem alten Gajus Maecenas beginne, also mit dem Ahnherrn, Namensgeber und Patron aller Stifter. Der alte Gajus Maecenas war ein grandioser, kunstliebender, verschwenderischer römischer Ritter, dem es zu verdanken ist, dass wir Horaz und Vergil kennen; Horaz, Vergil und andere Großdichter gingen bei Maecenas ein und aus. Silberne Absätze an den Sandalen Und dank diesen Dichtern, die Maecenas fürstlich protegierte und die sodann rühmend über Maecenas schrieben, ist sein Name zum Inbegriff des kunstsinnigen Wohltäters geworden. Maecenas war freilich nicht ganz so, wie man sich so ein Jahrtausend-Vorbild vorstellt, er war ein Mann, der das lockere Leben liebte. Er unterhielt einen Rennstall britischer Zucht, er war ein Lebemann, der gern Mimen, Tänzer und vor allem leichte Mädchen an seinen Tisch lud. Maecenas war erstens in den jungen Tänzer Bathyllus vernarrt, zweitens in zahllose Damen, drittens in Genuss und in Luxus. Maecenas war ein Herr, der silberne Absätze an seinen Sandalen trug, der einen Hang zum lässigen Benehmen und eine Schwäche für Tafeldelikatessen hatte, deren eine er selbst kreierte: Maultierfüllenbraten. Maecenas ließ sich von seiner Frau scheiden, heiratete sie wieder, ließ sich wieder scheiden, heiratete sie wieder - und so fort, bis zur Lächerlichkeit. Dieser Maecenas residierte auf dem Esquilin in einem turmartigen Palast, umgeben von einem phantastischen Park mit Wasserspielen, Statuen und Grotten; und auf dem Forum lief er gern mit einem luxuriösen Schal um den Hals herum. Die zwei Seiten des Maecenas Sein Lebensstil lief all dem zuwider, was der auf Zucht und Sitte achtende Kaiser Augustus predigte - aber Maecenas war die finanzstarke und unentbehrliche Eminenz im Backstage der Herrschaft des Augustus. Seneca hat über Gajus Maecenas ziemlich gelästert, er hat ihn als eitel beschrieben, als elegant bis zur Stutzerhaftigkeit. Und Mommsen nannte den Maecenas in seiner Römischen Geschichte sehr gallig den "unleidlichsten aller herzvertrockneten und wortekräuselnden Hofpoeten". Das war die eine Seite des Maecenas. Die andere: Er war großzügig, freigiebig, ja verschwenderisch, er förderte und forderte die Künstler, er gab ihnen viel und er verlangte ihnen auch viel ab. Er kitzelte dem Horaz mit opulenten Zuwendungen viele Meisterwerke heraus, unter anderem die große Schrift "über das Landleben".
In seinen Stiftungen gibt Vorwerk-Mann Jens Mittelsten Scheid Hilfe zur Selbsthilfe. Würde sein Beispiel Schule machen, wäre die Finanzkrise viel kleiner ausgefallen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stifterpreis-fuer-jens-mittelsten-scheid-mensch-hilft-mensch-1.941457
Stifterpreis für Jens Mittelsten Scheid - Mensch hilft Mensch
00/05/2010
Die Chemieindustrie vereinbart einen neuen Tarifabschluss, der IWF gibt sich mit Blick auf die Konjunktur optimistischer - und Berlin spendiert der Solarindustrie 100 Millionen Euro. Das Wichtigste im Überblick. Einmalzahlungen in der Chemieindustrie vereinbart Detailansicht öffnen Die Chemieindustrie erhält einen neuen Tarifvertrag - mit kurzer Laufzeit. (Foto: Foto: ddp) Die Chemieindustrie hat nach dem Krisenjahr 2009 einen neuen Tarifabschluss. Die 550.000 Beschäftigten der Branche erhalten eine Einmalzahlung in Höhe von pauschal 550 Euro sowie einen Bonus abhängig von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ihres Unternehmens. Der Tarifvertrag hat mit elf Monaten eine kurze Laufzeit. Das teilten die Arbeitgebervertreter und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie nach zweitägigen Verhandlungen in Würzburg mit. Die Tarifparteien verständigten sich auch über die Themen Beschäftigungssicherung und bessere Perspektiven für Berufsanfänger. Die Chemieindustrie ist die viertgrößte deutsche Industriebranche. 1900 Betriebe sind von dem Abschluss betroffen. Die Tarifparteien hatten seit Dienstag über einen neuen Tarifvertrag für die stark exportorientierte Branche verhandelt. Der Einigung nach sollen von 2011 bis 2013 bundesweit 9000 neue Ausbildungsplätze pro Jahr angeboten werden. Übernahmen von Azubis, die wegen der Krise eigentlich keinen Arbeitsplatz gehabt hätten, sollen finanziell unterstützt werden. Dazu wollen die Arbeitgeber einen sogenannten Nachwuchssicherungsfonds in Höhe von 25 Millionen Euro einrichten. Sorgenkind Staatsverschuldung Optimistisch für die Konjunktur, aber in Sorge um die Defizite: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft wegen der stärkeren Erholung in den USA, Japan und den Schwellenländern angehoben. Allerdings schaut der Fonds mit Hauptsitz in Washington mit Unbehagen auf die hohe Staatsverschuldung in vielen Ländern. "Die Hauptsorge ist, dass der Spielraum für politisches Handeln in vielen Industriestaaten weitgehend erschöpft oder stark eingeschränkt ist", teilte der Fonds mit. Deshalb sei die Erholung in vielen Ländern anfällig für neue Schocks. Der Konjunkturausblick sei außergewöhnlich unsicher. Mittelfristig müssten die meisten Industrieländer ihre ausufernden Staatsdefizite in den Griff bekommen. IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard warnte vor einer "Schulden-Explosion". Im laufenden Jahr sollten Finanz- und Geldpolitik zwar noch für Impulse sorgen. Im nächsten Jahr müssten die Industriestaaten aber weitgehend mit der Haushaltskonsolidierung beginnen, einige sogar eher. Der IWF geht davon aus, dass das globale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 4,2 Prozent zulegt. Im Januar hatte er nur plus 3,9 Prozent veranschlagt. "Die Erholung kommt schneller voran als erwartet", hieß es im Weltwirtschaftsausblick. Regierung stellt 100 Millionen Euro für Solarindustrie bereit Im Streit um die Kürzung der Subventionen für die Solarförderung versucht die Bundesregierung gut Wetter zu machen: Das Kabinett hat ein Sonderförderprogramm für die Solarindustrie in Höhe von rund 100 Millionen Euro verabschiedet, das vor allem den Herstellern in Ostdeutschland zugute kommen soll. Die Kürzung der Förderung von Solarstrom wird zudem wohl weniger hart ausfallen als bislang geplant. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) stellte die Innovationsallianz Photovoltaik nach der Kabinettssitzung vor. Danach wird die Regierung in den kommenden "drei bis vier Jahren" rund 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Über Partnerschaften mit Unternehmen würden "zusätzliche Mittel generiert", sagte Schavan. Das Ministerium rechne damit, dass ein Euro öffentliches Geld fünf Euro privates Geld mobilisiere, sagte ein Sprecher Schavans - für die Photovoltaik wäre das eine Summe von 500 Millionen Euro. Chrysler verliert Milliarden Die Kunden sind skeptisch, die Verluste sind nach wie vor hoch. Dennoch herrscht Aufbruchstimmung beim gestrauchelten Autohersteller Chrysler. Die finanzielle Lage entspanne sich zusehends und Chrysler sei auf dem Weg, seine Ziele für das laufende Jahr zu erreichen, sagte Konzernchef Sergio Marchionne. Im laufenden Jahr will er zumindest operativ in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Davon war Chrysler im vergangenen Jahr noch weit entfernt. Auch nach Verlassen der Insolvenz im Sommer schrieb das Unternehmen tiefrote Zahlen. Unterm Strich summierte sich der Verlust von Juni bis Dezember auf 3,8 Milliarden Dollar, das meiste davon fiel im Schlussquartal an. Vor allem ein Gesundheitsfonds für Pensionäre belastete das Ergebnis. Der Umsatz kam bei 17,7 Milliarden Dollar heraus. Die Insolvenz hatte viele Kunden abgeschreckt, erschwerend kam die Wirtschaftskrise hinzu. Und auch heute noch steht der kleinste der drei US-Autoherstellern am schwächsten da. Während die Verkäufe bei den Konkurrenten in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt haben, verbuchte Chrysler weiterhin Rückgänge. Die Modellpalette gilt als veraltet, neue Modelle mit technischer Hilfe von Fiat kommen nicht vor dem Jahreswechsel 2011/2012 auf den Markt. Marchionne, der gleichzeitig Fiat-Chef ist, hatte nach der überstandenen Insolvenz von Chrysler das Steuer übernommen. Fiat hält 20 Prozent an dem US-Hersteller, die Mehrheit liegt nach milliardenschweren Staatshilfen bei der Regierung. In den kommenden zwei Jahren will Marchionne den Anteil in mehreren Schritten auf 35 Prozent aufstocken - aber nur, sofern er Chrysler wieder in die Spur bringen kann. Auf dem Papier sieht die Zukunft von Chrysler rosig aus: 2010 soll der Umsatz wieder bei 40 bis 45 Milliarden Dollar liegen. Nach einem geplanten Modellfeuerwerk sollen die Erlöse bis 2014 schließlich auf 68 Milliarden Dollar steigen und operativ fünf Milliarden Dollar Gewinn herauskommen. Auch seine Schulden beim Staat will der Autohersteller bis dahin voll zurückgezahlt haben. Lidl - fair ist nicht fair genug Die Discounter-Kette Lidl muss nach einer Klage von Verbraucherschützern und Menschenrechtlern auf Werbung für Kleidung aus angeblich weltweit fairer Produktion verzichten. Lidl habe sich dazu in einer entsprechenden Unterlassungserklärung verpflichtet, teilte die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) mit. Der Discounter dürfe nun nicht mehr behaupten, seine Textilien kämen aus fairer Produktion. "Lidl muss die Werbung zurückziehen", sagte VZHH-Chef Günter Hörmann. Lidl hatte damit geworben, unter anderem Textilien nur von ausgewählten Lieferanten und Produzenten zu beziehen, die gewisse Sozialstandards einhalten. Diesem Werbeversprechen gingen zwei Menschenrechtsorganisationen - die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) und das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) - mit einer Untersuchung nach, bei der die Arbeitsbedingungen in vier für Lidl tätigen Textilfabriken im südasiatischen Bangladesch näher beleuchtet wurden. Näherinnen berichteten darin von "unmenschlichen Arbeitsbedingungen". Die VZHH wurde bei ihrer Klage gegen Lidl von den beiden Initiativen unterstützt. Der Fall Lidl beweise, wie riskant es für Unternehmen sei, "sich ein Sozialmäntelchen umzuhängen", erklärte Gisela Burckhardt von der Kampagne für Saubere Kleidung. Dennoch sei es wichtig, dass auch die Bundesregierung aktiv werde, um solch irreführende Werbeversprechen mit vermeintlich fair gehandelten Produkten zu unterbinden. Die Bundesregierung müsse Unternehmen verpflichten, "Sozialstandards in der Lieferkette einzuhalten", erklärte Burckhardt. Telekom verabschiedet sich von der Wall Street Für die Deutsche Telekom ist das Abenteuer Wall Street nach 14 Jahren beendet. Die Kosten von zehn bis zwanzig Millionen Euro im Jahr und bürokratische Auflagen der US-Behörden vergällten dem Bonner Unternehmen die prestigeträchtige Notierung an der Weltleitbörse. Die unter dem Kürzel DT gelistete Aktie verschwinde voraussichtlich am 21. Juni vom Kurszettel der New Yorker Börse, teilte die Telekom mit. Nun müsse die Telekom nicht mehr mit jedem Jahresabschluss eine 300 Seiten starke Extra-Dokumentation nur für die US-Börsenaufsicht SEC erstellen, sagte ein Sprecher. Anleger könnten auch weiter Anteile an der Telekom in den USA handeln, jedoch außerbörslich. Wie viele andere deutsche Konzerne war die Telekom mit großen Hoffnungen an die Wall Street gegangen. Mit einer Notierung an der wichtigsten Börse der Welt wollten die Vorstandschef das Vertrauen internationaler Kapitalanleger gewinnen und Weltläufigkeit demonstrieren. Und wohl jeder Unternehmenschef wollte einmal in seinem Managerleben mit der berühmten Börsenglocke den Handel einläuten. So machte auch der frühere Telekom-Chef Ron Sommer im November 1996 nicht nur den Deutschen die T-Aktie schmackhaft, sondern wagte gleichzeitig den Sprung über den Atlantik. Die Aktien wurden später sein Verhängnis. Als die weltweite Börsenblase vor rund zehn Jahren platzte und auch die Telekom-Papiere massiv an Wert verloren, musste er bald gehen. Mit ihrem Abschied vom wichtigsten Börsenplatz der Welt tritt die Telekom in die Fußstapfen einiger namhafter Dax-Größen. Im Herbst hatten bereits die Allianz und zuvor der Halbleiter-Hersteller Infineon, Bayer, BASF und Eon den Rückzug angetreten. Künftig werden nur noch fünf Dax-Unternehmen an der New Yorker Börse gelistet sein: Daimler, SAP, Siemens, die Deutsche Bank und Fresenius Medical Care. VW überrascht mit Gewinnsprung Volkswagen hat den Betriebsgewinn im ersten Quartal kräftig gesteigert und die Markterwartungen klar übertroffen. Der operative Gewinn verdreifachte sich zwischen Januar und März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast auf 848 (Vorjahr: 312) Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte der Konzern einen Verlust nur durch den Verkauf seines Geschäfts mit schweren Nutzfahrzeugen in Brasilien an MAN verhindert. Im Auftaktquartal schlug Europas größter Autohersteller weltweit ein Viertel mehr von seinen Fahrzeugen los. Der Umsatz erhöhte sich um fast 20 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro. Den Ausblick ließ VW im Gegensatz zu Daimler unverändert. Demnach sollen Auslieferungen, Umsatz und operativer Gewinn über dem Vorjahresniveau liegen. Der Stuttgarter Rivale Daimler hatte nach einer Durststrecke im vergangenen Jahr zu Jahresbeginn einen operativen Milliardengewinn erzielt und seine Prognose daraufhin kräftig angehoben. Das wurde als Anzeichen für eine Erholung der Automobilindustrie gewertet und verlieh dem deutschen Aktienmarkt Rückenwind. Die im deutschen Leitindex Dax gelistete Vorzugsaktie von Volkswagen legte nach der Bekanntgabe der Zahlen leicht zu. Toyota ruft Geländewagen in Deutschland zurück Eine Woche nach dem Bekanntwerden von Sicherheitsmängeln an Geländewagen ruft Toyota die Modelle in die Werkstätten zurück - und das auch in Deutschland. Bei einem Ausweichmanöver oder in Kurven bei hoher Geschwindigkeit könnten der Lexus GX 460 sowie der Land Cruiser Prado seitlich wegschlittern, teilte der japanische Autohersteller mit. Ursache sei das elektronische Stabilitätsprogramm (VSC), das nun verändert wird. Betroffen seien weltweit 34.000 Autos, darunter 400 bis 430 Fahrzeuge des Modells Land Cruiser in Deutschland. Wie die Kölnische Rundschau berichtet, sollen die Kunden in der ersten Maihälfte voraussichtlich angeschrieben werden. Bei einem Werkstattaufenthalt werde das elektronische Stabilitätsprogramm aktualisiert und damit verhindert, dass die Fahrzeuge in Extremsituationen ausbrechen. Vom Lexus GX 460 werden weltweit rund 13.000 Fahrzeuge in die Werkstätten gerufen, die meisten davon in den USA (rund 9400). Vom Land Cruiser sind 21.000 Fahrzeuge betroffen, aber ausschließlich solche, bei denen das Steuer links angebracht ist. Ein einflussreiches US-Magazin hatte die Frage nach der Sicherheit des Lexus-Geländewagens aufgeworfen. Toyota bestätigte die unsichere Straßenlage in Extremsituationen nach eigenen Tests. Die Geländewagen haben einen hohen Schwerpunkt, der sie anfälliger fürs Umkippen macht. Im Normalfall hält das serienmäßige elektronische Stabilitätsprogramm die Autos aber im Zaum. Unfälle wegen des Defekts sind nicht bekannt. Verglichen mit den anderen Pannen des weltgrößten Autoherstellers nimmt sich diese klein aus. Zuletzt hatte Toyota 870.000 Minivans in Nordamerika zurückgerufen, weil das Reserverad nach Rostschäden auf die Straße zu stürzen drohte. Weitere 8,5 Millionen Autos weltweit mussten wegen klemmender Gaspedale, rutschender Fußmatten und kurzzeitig aussetzender Bremsen in die Werkstätten. Das US-Verkehrsministerium hat Toyota auf dem Kieker. Minister Ray LaHood wirft dem Autohersteller vor, die Defekte über Monate verheimlicht zu haben und auch jetzt noch nicht die ganze Wahrheit zu sagen. Toyota akzeptierte am Montag eine Strafe von knapp 16,4 Millionen - ohne allerdings eine Schuld einzugestehen. Der Konzern will nach eigenem Bekunden einem langwierigen Verfahren aus dem Weg gehen. GM hat Staatshilfen komplett zurückgezahlt General Motors (GM) hat seine Schulden beim amerikanischen Steuerzahler komplett beglichen. "Wir zahlen zurück - voll, mit Zinsen, Jahre vor dem Termin", schrieb Konzernchef Edward Whitacre in einem Gastbeitrag für das Wall Street Journal. Damit flossen 5,8 Milliarden Dollar in die Kassen der USA und Kanadas. GM hatte bereits in den Monaten zuvor einen guten Teil seines insgesamt 8,4 Milliarden Dollar hohen Schuldenbergs abgetragen. Whitacre wollte dies als Zeichen der Stärke verstanden wissen, schließlich sei der Autohersteller vor nicht einmal einem Jahr der Insolvenz entronnen. Der ehemalige Telekommunikationsmanager kann einige Erfolge vorweisen. Zuletzt stiegen die Verkaufszahlen und die Verluste schrumpften. Im Gesamtjahr will Whitacre sogar wieder Gewinn erwirtschaften. Die Rückzahlung bereite auch den Weg für eine mögliche Reduzierung des Staatsanteils an GM, sagte er. Die USA und Kanada hatten den Autohersteller mit insgesamt rund 60 Milliarden Dollar vor dem Untergang gerettet - und dafür die Mehrheit übernommen. GM war von der Börse verschwunden. Über kurz oder lang soll der Konzern aber wieder in New York gelistet werden - das dürfte einer der größten Börsengänge der Geschichte werden. Eigentlich hatte GM bis 2015 Zeit, das geliehene Geld zurückzugeben. Whitacre drückt jedoch seit geraumer Zeit auf die Tube. Er wechselte große Teile des Managements aus, trieb die Entwicklung neuer Modelle voran und machte radikal Verlustbringer wie die US-Marken Pontiac, Saturn oder Hummer dicht. "Wir haben noch viel Arbeit vor uns", räumte er aber ein.
Die Chemieindustrie vereinbart einen neuen Tarifabschluss, der IWF gibt sich mit Blick auf die Konjunktur optimistischer - und Berlin spendiert der Solarindustrie 100 Millionen Euro. Das Wichtigste im Überblick.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-cash-fuer-chemiker-1.936967
Wirtschaft kompakt - Cash für Chemiker
00/05/2010
Es war nur eine kurze Liaison - und sie war nicht glücklich: Lidl-Chef Klaus Gehrig über den Ein- und den Ausstieg seines Konzerns bei der Biokette Basic. Es sind wohl ein paar der angenehmeren Minuten für Johann Priemeier, die er auf diesem Platz durchlebt. Einmal sogar lächelt der Mann, der einst Basic, die Bio-Supermarktkette, gründete und ganz nach oben bringen wollte, still in sich hinein. Wer ihn kennt, ahnt, dass er am liebsten laut herausschreien möchte: Genau, hört ihm zu, so war es, so ist es. Detailansicht öffnen Machten kurzzeitig mal gemeinsame Sache: Der Billigdiscounter Lidl und die Bio-Supermarktkette Basic. (Foto: Foto: ddp) Priemeier sitzt auf der Anklagebank des Landgerichts München, weil ihm in zwei Fällen Untreue vorgeworfen wird. Direkt vor ihm, auf dem Zeugenstuhl, hat Klaus Gehrig Platz genommen. Gehrig ist einer der ganz Großen im Geschäft, er führt den Schwarz-Konzern mit Lidl und Kaufland, und nun spricht dieser Gehrig vom "großen Mann". Gehrig meint Priemeiers Rolle in der Basic AG. Man merkt, er schätzt den geschassten Bio-Pionier noch immer. Der Lidl-Boss ist vor Gericht geladen, um Auskunft zu geben über den Bio-Deal des Jahrzehnts, der die Ökowelt aufbrachte. Wie war es, als Schwarz zur Jahreswende 2006/07 bei Basic einstieg? Wer zahlte wofür wie viel? Das Gericht unter Vorsitz von Peter Noll hat zu klären, ob Priemeier die AG und seinen Gründerkollegen Georg Schweisfurth finanziell über den Tisch gezogen hat. Unstrittig ist, dass Priemeier seine privaten Anteile wesentlich teurer verkaufte als die der AG, und Schweisfurth soll er mit einem Trick um mehrere 100.000 Euro gebracht haben. Dass Priemeier, 52, geschäftstüchtig war, ja, raffiniert gegenüber seine internen Opponenten, ist im Prozess recht klar geworden. Aber ist diese Schläue auch strafbar? Gehrig, 61, ist dem Gericht in strafrechtlicher Hinsicht wohl keine große Hilfe. In Details und die Preisfindung für einzelne Aktienpakete sei er nicht involviert gewesen, er habe sich von seinen Fachleuten die Ergebnisse nur präsentieren lassen, beteuert er. Das Bio-Einmaleins "Haken dran, in Ordnung", habe er am Ende gesagt. "Begeistert von der Idee" sei er gewesen. Der Lidl-Konzern habe das Bio-Einmaleins lernen wollen von Basic, und umgekehrt die Münchner bei Logistik und Expansion unterstützen wollen. Und mit Geld. Etwa 17 Millionen Euro war Gehrig das Engagement wert. Über eine Poolbildung wollte er eine sichere Aktienmehrheit garantieren. Anfang 2007 war der Lidl-Einstieg perfekt beim Bio-Händler, der wachsen wollte, und wie. Wachstum. Hier trafen sich zwei Brüder im Geiste. Gehrig hielt Basic für zu klein, um bestehen zu können, und Priemeier wollte von Gehrig das Wachsen lernen. Von Dutzenden neuen Märkten pro Jahr war die Rede, und das zu einer Zeit, als Basic noch nicht mal 30 Filialen unterhielt. Priemeier, damals Hauptaktionär der AG, sei "Geistesvater" von Basic, habe Basic als seine Firma betrachtet. Dies wird bei Gehrigs Aussage klar, aber Priemeier habe die "falschen Gesellschafter" gehabt. Solche wie Schweisfurth, der einem Lidl-Einstieg nie zugestimmt hätte. Überhaupt Lidl, da ist Gehrig überraschend offen. Es war damals die Zeit, als der Discounter im öffentlichen Ansehen ganz unten war, das "Schwarzbuch Lidl" war in aller Munde, der Konzern stand am Pranger wegen seines Umgangs mit Mitarbeitern. Also habe er, Gehrig, seine Bio-Partner gewarnt: "Sie müssen wissen, mit wem Sie eine Beteiligung eingehen. Da spielt auch Lidl mit eine Rolle." Er habe mit Wirbel gerechnet, wenn der zunächst als Geheimaktion geplante Deal bekannt werde, aber nicht mit jenem öffentlichen Aufschrei sowie Kunden- und Lieferantenboykott, der Basic an den Rande des Ruins führte und die Schwaben nach ein paar Monate entnervt das Handtuch werfen ließ: "Augen zu und raus", sei dann die Devise gewesen, sagt Gehrig. Der Prozess dauert an.
Es war nur eine kurze Liaison - und sie war nicht glücklich: Lidl-Chef Klaus Gehrig über den Ein- und den Ausstieg seines Konzerns bei der Biokette Basic.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gescheiterte-beziehung-lidl-und-basic-augen-zu-und-raus-1.939776
Gescheiterte Beziehung: Lidl und Basic - Augen zu und raus
00/05/2010
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt bei einer Tochter der Deutschen Bahn in einem größeren Korruptionsfall. Mitarbeiter der DB International GmbH (DBI) sollen im Ausland, unter anderem in Algerien, Ruanda und Griechenland, Entscheidungsträgern Zuwendungen gewährt haben, die bis in das Jahr 2005 zurückgehen. Das teilte die Deutsche Bahn am Freitagabend mit. Detailansicht öffnen Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt bei einer Tochter der Deutschen Bahn in einem größeren Korruptionsfall. (Foto: Foto: AP) Der Konzern hatte die Staatsanwaltschaft bereits vor einem Jahr auf die Unregelmäßigkeiten aufmerksam gemacht. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft nach Informationen der Süddeutschen Zeitung zwei Mal Privat- und Geschäftsräume in Berlin und Frankfurt durchsucht. Die letzte Durchsuchung fand am Mittwoch statt. Weil sie neue Hinweise brachte, beauftragte die Deutsche Bahn am Freitag die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer Sonderuntersuchung bei DBI. "Wir haben ein ureigenes Interesse, diese Vorgänge schnell und restlos aufzuklären", sagte Gerd Becht, Vorstand für Recht und Compliance, bei der Deutschen Bahn. DBI berät in den betreffenden Ländern bei Infrastrukturprojekten und bietet Ingenieurleistungen an. Das Volumen der fragwürdigen Zahlungen liegt nach ersten Erkenntnissen der Bahn im unteren einstelligen Millionenbereich. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte am Freitag, die Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang. Es sei bislang niemand verhaftet worden. Die Bahn hat sich von den Mitarbeitern noch nicht getrennt. Korruption ist für die Bahn schon lang ein ernstes Thema. Eine Zeit lang galt sie als vorbildlich bei der Bekämpfung dieser Straftat. Doch Anfang vergangenen Jahres stellte sich heraus, dass der Konzern es in der Vergangenheit mit seinen Kontrollen übertrieben hatte. Ohne Rücksicht auf datenschutzrechtliche Vorgaben waren massenhaft Daten von Mitarbeitern mit denen von Lieferanten heimlich abgeglichen, E-Mails überprüft und zum Teil sogar Festplatten kontrolliert worden. Im Zuge dieser Vorwürfe musste der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn Ende März seinen Hut nehmen. Sein Nachfolger Rüdiger Grube ließ die Vorgänge umfassend aufklären. Schon da setzte er auf externe Ermittler von KPMG. Inzwischen hat der Konzern ein eigenes Vorstandsressort für den Bereich Recht, Datenschutz und Compliance geschaffen. Der zuständige Vorstand Gerd Becht soll dafür sorgen, dass Korruption zwar weiterhin strikt bekämpft wird, aber nur unter strenger Wahrung aller gesetzlichen Vorschriften.
Neuer Korruptionsverdacht bei der Deutschen Bahn: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Mitarbeiter einer Tochterfirma.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/korruption-ermittlungen-gegen-bahn-tochter-1.932469
Korruption - Ermittlungen gegen Bahn-Tochter
00/05/2010