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Runter mit den Preisen: Bei den Discountern sind jetzt auch Hygieneartikel günstiger zu haben. Und: Die Aschewolke vermiest Air Berlin das Geschäft. Die Kunden wird es freuen - sie können noch günstiger einkaufen. Erneut haben die Discounter ihre Preise gesenkt. Dieses Mal wurden jedoch nicht Lebensmittel billiger, sondern vor allem Hygieneartikel. Detailansicht öffnen Aldi hat für viele Hygieneprodukte die Preise gesenkt - andere Discounter zogen prompt nach. (Foto: Foto: dpa) Der Marktführer der Billig-Supermarktketten Aldi und sein Wettbewerber Penny senkten unter anderem die Preise für Zahnpasta, Rasierschaum, Shampoo, Sonnenmilch, Damenbinden und Tampons. Auch Norma und die Supermarktkette Kaufland zogen bei der neuen Preisrunde mit. Neben den Pflegeprodukten senkten die Supermarktketten aber auch die Preise für einzelne Süßwaren und Obst aus der Konserve. Unter den Discountern tobt seit vergangenem Jahr ein Preiskrieg: Monat für Monat senken sie die Preise, da die Billig-Supermärkte in der Wirtschaftskrise um Marktanteile kämpfen. Da die Beschaffungskosten für Lebensmittel in der Krise sanken, versuchen die Unternehmen, durch günstigere Preise für ihre Produkte neue Kunden zu gewinnen. In der Regel werden Preissenkungswellen vom Marktführer Aldi eingeläutet, der Rest der Branche zieht dann nach. Aschewolke vermiest Air Berlin das Geschäft Das Flugverbot infolge der Aschewolke hat Air Berlin im April das Geschäft verhagelt. Durch den Ausfall von mehr als 3500 Flügen sei die Zahl der Passagiere um 16,5 Prozent auf knapp 2,1 Millionen gesunken, teilte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft mit. Nach der schrittweisen Wiederaufnahme von Flügen seien viele Fluggäste verunsichert gewesen und hätten mit ihrer Buchung gezögert. Die Auslastung der Maschinen sank um 3,7 Prozentpunkte auf 72,6 Prozent. Der Erlös pro Sitzplatzkilometer ging um 6,1 Prozent auf 5,55 Cent zurück. Durch den Ausbruch eines Vulkans in Island war der Luftraum über weiten Teilen Europas für rund sechs Tage gesperrt. Nach einigen Tagen nahmen die Fluggesellschaften ihren Betrieb zwar sukzessive wieder auf, erlaubt waren zunächst jedoch nur Sichtflüge mit einer Sondergenehmigung. Die Airlines hatten das Krisenmanagement der Bundesregierung daraufhin massiv kritisiert. Warren Buffett bekommt Ärger wegen Eisenbahn-Deal Warren Buffetts größtes Geschäft könnte dem legendären Investor im Nachhinein leichte Kopfschmerzen bereiten. Einem Bericht des Wall Street Journals zufolge schaut sich die US-Börsenaufsicht SEC die 26 Milliarden Dollar teure Übernahme der Eisenbahn-Gesellschaft Burlington Northern Santa Fe genauer an. Sie geht der Frage nach, ob Buffett die anderen Anteilseigner rechtzeitig über seine Kaufabsichten informiert hat. Buffetts Holding Berkshire Hathaway gehörten bereits 22,6 Prozent an der Frachteisenbahn-Gesellschaft, als er die Komplettübernahme plante. Nach den Börsenregeln in den USA musste er die anderen Aktionäre binnen weniger Tage darüber informieren. Eine genaue Zeitspanne ist aber nicht festgelegt, was Raum für Interpretationen lässt. Zwischen dem ersten Gespräch mit dem Burlington-Chef und der Bekanntgabe der Übernahme lagen laut der Zeitung elf Tage. Doch selbst, wenn die SEC ein Fehlverhalten feststellt, drohen Buffett wohl nur marginale Strafen - vor allem im Vergleich zur Größe der Übernahme: Zusammen mit den bereits gehaltenen Anteilen und den Schulden der Gesellschaft hatte das Geschäft einen Wert von 44 Milliarden Dollar. Es gilt als Krönung von Buffetts Lebenswerk. Eigentlich ist Buffetts Holding mit Sitz in Omaha (Nebraska) stark auf die Finanzbranche ausgerichtet. Neben Aktienpaketen großer Konzerne hat Berkshire Hathaway auch rund 80 eigene Tochterfirmen. Der 79-Jährige ist für unzählige Anleger in Amerika und aller Welt eine Kultfigur. Viele machte er reich.
Runter mit den Preisen: Bei den Discountern sind jetzt auch Hygieneartikel günstiger zu haben. Und: Die Aschewolke vermiest Air Berlin das Geschäft.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-zahnpasta-und-shampoo-guenstig-abzugeben-1.940937
Wirtschaft kompakt - Zahnpasta und Shampoo - günstig abzugeben
00/05/2010
Griechenland hält den ehemaligen Siemens-Vorstand Volker Jung seit fast einem Jahr fest - obwohl in der Schmiergeldaffäre nichts gegen ihn vorliegt. Die Bewohner von Paros, einer beschaulichen Insel in der Ägäis, erleben jetzt die schönste Jahreszeit dort. Nach den manchmal eisigen Winterstürmen ist es nun angenehm warm, aber noch nicht so heiß wie im Sommer. Ein bunter Blumenteppich, der herrlich duftet, überzieht fast das ganze Eiland, das zu Griechenland gehört. Doch ein Rentner aus dem Münchner Vorort Grünwald, der an der Südküste ein Haus mit Blick auf das Meer besitzt, kann das alles nicht so richtig genießen. Detailansicht öffnen Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Volker Jung wird seit fast einem Jahr von der griechischen Justiz festgehalten. (Foto: Archivfoto: dpa) Volker Jung, ehemaliges Vorstandsmitglied der Siemens AG, ist ein verbitterter alter Mann. Gegenüber Vertrauten beklagt sich der 70-Jährige mit heftigen Worten über sein Schicksal. Ihm geschehe in Griechenland großes Unrecht, er werde "unmenschlich" behandelt, er sei krank und mit seinen Nerven manchmal fast am Ende. Beweise gibt es keine Jung wird seit fast einem Jahr von der Athener Justiz wegen seiner angeblichen Verwicklung in den weltweiten Schmiergeldskandal bei Siemens festgehalten; er darf das Land nicht verlassen. Der Rentner aus Deutschland muss sich regelmäßig bei der Polizei auf Paros melden. Jung war bei Siemens vor seinem Ausscheiden im September 2003 auch für Griechenland zuständig gewesen, und der Konzern hat in Athen für lukrative Geschäfte viel Schmiergeld gezahlt. Beweise gegen den früheren Siemens-Vorstand, der acht Jahre lang zudem Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie war, gibt es aber keine. Im Gegenteil. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat die Münchner Staatsanwaltschaft Jung ausdrücklich bescheinigt, dass kein Korruptionsverdacht gegen ihn vorliege. Bei den Ermittlungen habe sich nicht nur nichts Belastendes gefunden. Wichtige Zeugen hätten ihn sogar entlastet, teilte die Staatsanwaltschaft einem seiner Anwälte auf dessen Bitte hin mit. Doch die griechische Justiz lässt sich davon nicht beeindrucken. Das nach einer Vernehmung Anfang Juni 2009 in Athen verhängte Ausreiseverbot, das einem Inselarrest gleichkommt, bleibt bestehen. Diplomatische Verwicklungen sind die Folge, und das in einer Zeit, in der das deutsch-griechische Verhältnis wegen des drohenden Bankrotts des Landes ohnehin belastet ist. Die Bundesregierung in Berlin setzt sich für Jung ein. "Das Außen- und das Justizministerium sind entsprechend tätig geworden", sagt Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Zeil hat sich der Sache angenommen, weil er einem "bayerischen Mitbürger" helfen wolle. Das Verfahren gegen Jung ziehe sich schon über einen "sehr langen Zeitraum hin", und das bisher ohne jedes Ergebnis, klagt der Minister. Zeil hat deshalb in Berlin die von seinen Parteifreunden Guido Westerwelle und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger geleiteten Ressorts für Äußeres und Justiz eingeschaltet. "Rechtsstaatlich in keiner Weise in Ordnung" Auch aus Kreisen der Union gibt es viel Zuspruch für Jung. Dafür hat vor allem Otto Wiesheu (CSU) gesorgt, der früher als bayerischer Wirtschaftsminister viel mit Siemens zu tun hatte. Wiesheu sagt, was in Griechenland geschehe, sei "rechtsstaatlich in keiner Weise in Ordnung, das ist nicht akzeptabel". Innerhalb der Europäischen Union müsse doch gewährleistet sein, dass es mit rechten Dingen zugehe. Wenn sogar die Münchner Staatsanwaltschaft Jung bescheinige, dass gegen ihn nichts vorliege, dann sei es "absolut unverständlich, was hier abläuft", schimpft Ex-Minister Wiesheu. Ein Manager als Faustpfand Die Interventionen aus Deutschland führen offenbar dazu, dass die griechische Justiz den Ex-Siemens-Manager erst recht behalten will. Ein Bekannter Jungs erzählt, diesem sei aus Athen mitgeteilt worden, "wenn Sie Ihren Aufenthalt bei uns verlängern wollen", dann solle er weiter politische Hilfe aus der Heimat organisieren. Die griechische Justiz schweigt dazu. Die zuständige Staatsanwältin in Athen äußert sich nicht. Man solle doch Jungs Anwälte fragen, sagt sie. Seine Anwälte sagen, gegen ihren Mandanten liege nichts vor. Mehr sagen sie nicht, um kein Öl ins Feuer zu gießen. Die Ermittlungen in Athen gegen den ehemaligen Konzern-Vorstand beruhen vor allem auf dem Umstand, dass Jung einst Aufsichtsratschef der Landesgesellschaft von Siemens in Griechenland war und als solcher nach Ansicht der Ankläger von der Bestechung gewusst haben müsste. Bislang ist das nur eine Annahme, bewiesen ist nichts. Als die Staatsanwaltschaft in Athen ihn Anfang Juni 2009 zur Vernehmung vorlud, war der pensionierte Manager so ehrenhaft und zugleich naiv, dass er kam; und anschließend festgesetzt wurde. Ehemalige Siemens-Manager aus Griechenland waren derweil geflohen, unter anderem nach Deutschland. Die griechische Presse vermutete, Jung werde in Athen als Faustpfand behalten, um die Auslieferung eines in Bayern gefassten Managers aus Athen zu erzwingen, der bis heute nicht zurückgekehrt ist. Inzwischen glauben auch manche Politiker in Deutschland, dass dem so sei. Jung leidet an einer seltenen Krankheit, er braucht bestimmte Nahrungsmittel, die es in Griechenland nicht gibt. Und er hat ein Rückenleiden, für das er spezielle Medikamente benötigt. Seine Frau fliegt regelmäßig nach Deutschland, um Lebens- und Arzneimittel zu besorgen. Das Haus auf Paros hat keine Heizung, es ist nur für die Sommeraufenthalte gedacht. Seinen 70. Geburtstag hat Jung Ende vergangenen Sommer auf Paros statt in München gefeiert, wegen des Inselarrests. Falls es so weitergeht, erlebt er dort auch zwangsweise den nächsten Geburtstag.
Griechenland hält den ehemaligen Siemens-Vorstand Volker Jung seit fast einem Jahr fest - obwohl in der Schmiergeldaffäre nichts gegen ihn vorliegt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-ex-vorstand-volker-jung-inselarrest-im-mittelmeer-1.934402
Siemens: Ex-Vorstand Volker Jung - Inselarrest im Mittelmeer
00/05/2010
Gerne wird in diesen Krisenzeiten eine Ohnmacht der Politik gegenüber der (Finanz-)Wirtschaft beklagt. Dabei muss man so weit gar nicht blicken. Eigentümlich genug: Im bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen wird am Sonntag gewählt, und wirtschaftspolitisch ist es ziemlich egal, wer gewinnt. Detailansicht öffnen Kandidaten in Nordrhein-Westfalen: Hannelore Kraft (links) und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers kämpfen um die Macht. (Foto: Foto: dpa) Lehrbücher preisen noch den föderalen Wettbewerb. Danach kann sich ein Bundesland durch eine kluge Wirtschaftspolitik im Wettkampf der sechzehn nach vorne schieben. In der Praxis wird überall in Deutschland eine quasi austauschbare Standortpolitik gemacht. Ob NRW beim Wirtschaftswachstum aufholt (bis 2008 lag es zwei Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt und vier Prozentpunkte unter Bayern) oder nicht, hängt mitnichten von der Frage ab, ob Ministerpräsident Jürgen Rüttgers von der CDU mit der FDP weiterregiert oder auf Grün umschwenkt; von einer großen Koalition ganz zu schweigen. Wie anders sollte das noch damals vor fünf Jahren werden, als CDU und FDP eine "Koalition der Erneuerung" bildeten. Die Regierungserklärung des neuen Ministerpräsidenten vom 13. Juli 2005 war glasklar. An die Stelle von "Staatsgläubigkeit und Korporatismus" werde "Selbstbestimmung und Selbstverantwortung" treten. "Freiheit vor Gleichheit, Privat vor Staat, Erarbeiten vor Verteilen, Verlässlichkeit statt Beliebigkeit." Und weiter: "Verteilt werden kann nur das, was vorher erwirtschaftet wird. Ein Staat, der alles an sich zieht und auf allen Feldern regelt, ist ein schwacher Staat." Das war Rüttgers 2005. Rüttgers 2010 distanziert sich von der Parole "Privat vor Staat", sieht den Staat in einer anderen Rolle, spricht vom "Scheitern des Marktradikalismus"; die SPD-Kandidatin könnte es nicht schöner sagen. Seit langem schon verwischen sich die Unterschiede zwischen den Parteien. Wirtschaftspolitik auf Landesebene heißt heute parteiübergreifend einerseits, so gut es geht, Ausgaben zu kürzen. Und andererseits verzweifelt um die wenigen Neuansiedlungen zu kämpfen. Baut der eine Großkonzern sein neues Werk in NRW? Macht der andere ein Werk zu? Die Uniformität macht nicht einmal vor den Linken halt. Als Gregor Gysi einmal Wirtschaftssenator in Berlin war, agierte er dort nicht wesentlich anders als ein SPD- oder CDU-Politiker. Auch er antichambrierte und warb um die Gunst der Investoren. So bescheiden sind wir geworden, dass als gute Wirtschaftspolitik heute schon gilt, sich redlich zu bemühen. Das hat in Bayern der Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) zwölf Jahre lang vorgemacht, und wenn sein ehrenwerter Nachfolger von der FDP weniger erfolgreich ist, liegt das nicht so sehr an einer anderen wirtschaftspolitischen Ausrichtung, sondern daran, dass er nicht mit derselben Aufopferung und Bauernschläue unterwegs ist wie der Wühler Wiesheu. Ordnungspolitik, wie sie Rüttgers 2005 postuliert hat, ist out. Das kann sich gerade in NRW mit seiner mittelständischen Basis übel rächen. Mehr als 750.000 kleinere und mittlere Unternehmen bilden das Rückgrat der Region, sie beschäftigen 70 Prozent der Arbeitnehmer. Ihnen würden Steuererleichterungen, Entbürokratisierung und Flexibilisierung beim Arbeitsrecht helfen: Maßnahmen, für die sich eine Landesregierung, soweit nicht zuständig, auf Bundesebene engagiert einsetzen könnte. Das geschieht heute nicht, und wird wohl auch nicht morgen geschehen. Die maue Unterstützung von Schwarz-Gelb durch die Wirtschaft spricht Bände. Man erwartet nichts, und man wird nichts kriegen. Ein kleiner Trost ist, dass der Wettbewerb zwischen den Bundesländern heute wenigstens mittelbar ausgetragen wird, in der Bildungs- und der Kulturpolitik. Dort haben die Bundesstaaten noch gesetzgeberische Macht, und dort entscheidet sich die Zukunft des Landes. Nur wer seine Landeskinder gut ausbildet und dank einer attraktiven Kulturwelt im Land hält, kann sich von den Wettbewerbern absetzen. Insofern hat der Wahlkampf in NRW, bei dem die Schulpolitik eine große Rolle spielt, dann doch das richtige Thema.
Bei der Nordrhein-Westfalen-Wahl ist es aus wirtschaftspolitischer Sicht egal, wer gewinnt. Denn die Unterschiede zwischen den Parteien sind längst verwischt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftspolitik-in-nrw-sozial-liberal-egal-1.939548
Wirtschaftspolitik in NRW - Sozial? Liberal? Egal!
00/05/2010
Wie in Deutschland und Italien gehen nun auch die Aufsichtsbehörden des US-Bundesstaats Massachusetts dem Verdacht nach, dass die Deutsche Bank Finanzprodukte für Kommunen zu ihrem eigenen Vorteil ausgenutzt hat. Die Wertpapieraufsicht des Bundesstaats forderte am Freitag neben der Deutschen Bank neun weitere Groß-Institute auf, Unterlagen zu solchen Kreditverträgen herauszugeben. Detailansicht öffnen Wertpapieraufsicht fordert Unterlagen von Kreditverträgen an. (Foto: Foto: dpa) Aus Europa sind noch die Schweizer UBS und die britische Barclays betroffen, aus den USA zudem Merrill Lynch sowie Bank of America, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citigroup, Wells Fargo sowie JPMorgan Chase. Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte, das Haus nehme keine Stellung zu den Ermittlungen und mache kein Geschäft mit Kommunalanleihen. Offen blieb zunächst, ob die Untersuchung in Massachusetts Teil der Ermittlungen ist, die am Donnerstag bekannt wurden. Gemeinsam mit der US-Börsenaufsicht SEC prüfen derzeit Strafverfolgungsbehörden bei sechs Großbanken Hypothekengeschäfte, wie eine Person mit Kenntnis der Ermittlungen sagte. Die sechs Banken sind auch in Massachusetts betroffen. Die Vorgänge zeigen, dass die Aufsichtsbehörden sich inzwischen immer mehr Geschäfte vornehmen, die vor der Finanzkrise keiner Kontrolle unterlagen, inzwischen aber als Brandbeschleuniger der weltweiten Turbulenzen gelten. Unabhängig von der SEC hat zudem in der vergangenen Woche die New Yorker Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen acht Banken eingeleitet und prüft, ob die Institute irreführende Angaben zu Hypothekenprodukten gemacht haben, die sie Ratingagenturen zur Bewertung vorgelegt haben. Zu dieser Gruppe gehören auch die Schweizer Credit Suisse und die französische Credit Agricole, die weder bei der US-Börsenaufsicht noch in Massachusetts im Visier sind. Die Deutsche Bank und die UBS wurden bei allen Verfahren genannt. Dokumente zu allen kommunalen Anleihen Die Aufsicht von Massachusetts räumte den zehn Banken zwei Wochen Zeit ein, die Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Sie machte keine Angaben, welche konkreten Geschäfte sie genauer unter die Lupe nehmen will. Sie verlangte die Dokumente zu allen kommunalen Anleihen, die die Banken gezeichnet haben, und zu allen Kreditausfallversicherungen (CDS), die sie möglicherweise aufgelegt haben. Vor der Finanzkrise haben Banken Städten und Gemeinden spezielle Anleihen und Zinsgeschäfte zur Finanzierung ihrer Schulden vermittelt. Viele Anlagen dieser Art platzten und bescherten den Kommunen drastische Verluste. Die Ermittler des Bundesstaats wollen prüfen, ob sich die Banken einerseits bei der Gestaltung der Produkte eine gute Rendite gesichert, andererseits aber mit den CDS auf einen Ausfall der Anleihen gewettet und damit doppelt verdient haben. Mit CDS sichern sich Investoren gegen Risiken von Finanzgeschäften ab. "Wir wollen wissen: Gab es dabei einen grundlegenden Interessenskonflikt?", sagte William Galvin von der Regierung des Bundesstaats. In Italien muss sich die Deutsche Bank am kommenden Mittwoch vor Gericht für Schuldengeschäfte mit Mailand verantworten. In dem Verfahren geht es um den Vorwurf der vorsätzlichen Täuschung beim Verkauf komplexer Wertpapiere, mit denen die Stadt ihre Zinslast verringern wollte. Angeklagt sind auch die HRE-Tochter Depfa, die UBS und JPMorgan. In Deutschland streitet sich die Deutsche Bank mit Dutzenden von Mittelständlern, Gemeinden und kommunalen Firmen über solche Geschäfte. Die bisherigen Urteile gehen in verschiedene Richtungen.
Im US-Bundesstaat Massachusetts wird gegen die Deutsche Bank ermittelt. Wurden Kommunalanleihen für den eigenen Vorteil genutzt?
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bank-verdacht-auf-brandbeschleunigung-1.942703
Deutsche Bank - Verdacht auf Brandbeschleunigung
00/05/2010
Wie viel Geld muss Deutschland nach Athen überweisen? Acht Milliarden Euro? 18? Oder noch mehr? Mehrere Wissenschaftler bereiten eine Klage vor. Tapfer verkündet Athen immer wieder, dass Griechenland keine Finanzhilfe in Anspruch nehmen müsse. Doch die griechische Regierung hat nun auch mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) Gespräche über eventuelle Beistandskredite aufgenommen. Detailansicht öffnen "Wir werden im Mai nicht auf dem Trockenen sitzen. Entweder leihen wir uns das Geld am Markt oder bei unseren Partnern" - sagt Griechenlands Finanzminister. (Foto: Foto: Reuters) An den Verhandlungen sind auch die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank beteiligt. Es wird erwartet, dass sie mindestens zehn Tage dauern werden Kredit schon im Mai? Im Mittelpunkt stehen die Bedingungen und Konditionen eines gemeinsamen Hilfspakets des IWF und der Eurozone. Nach einer Einigung sollen die Kredite erst dann fließen, wenn Griechenland die Unterstützung auch beantragt. Dass könnte allerdings schon bald der Fall sein. Im nächsten Monat muss das Land neue Kredite im Volumen von zehn Milliarden Euro aufnehmen. "Wir werden im Mai nicht auf dem Trockenen sitzen. Entweder leihen wir uns das Geld am Markt oder bei unseren Partnern", kündigte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou vorsorglich an. Doch die Anleger sind in Angst: Die Ausfallversicherungen für griechische Kredite schnellten am Mittwoch auf ein neues Rekordniveau. Eilig versicherte der Finanzminister, dass Gerüchte über eine Restrukturierung der Schulden "Unsinn" seinen. Eine Neustrukturierung hätte zufolge, dass ein Teil der Kredite nicht mehr zurückgezahlt würde. Die Regierung in Athen zieht eine Kreditaufnahme am Kapitalmarkt vor. Da die Zinsen für griechische Staatsanleihen wegen der Möglichkeit eines Staatsbankrotts allerdings drastisch gestiegen sind, würde Griechenland durch die höhere Zinslast noch tiefer in die Verschuldung geraten. Die deutschen Kredithilfen für den Mittelmeerstaat könnten daher am Ende deutlich höher ausfallen als bisher veranschlagt. Sollte Griechenland auch 2011 und 2012 weitere Finanzspritzen benötigen, müssten diese die Euroländer voraussichtlich ohne zusätzliches Kapital vom IWF stemmen. Hintergrund ist, dass der IWF stets eine Obergrenze für einen mehrjährigen Kredit einhalten muss. Der Anteil Deutschlands an einem möglichen Hilfspaket über drei Jahre könnte daher auf bis zu 18 Milliarden Euro steigen, bestätigten Koalitionskreise am Mittwoch Medienberichte in Berlin: "Das kann ein Fass ohne Boden werden." Klage vor dem Verfassungsgericht Doch die von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Hilfen für Griechenland verstoßen nach Ansicht von vier Wissenschaftlern gegen geltendes Recht. Die Experten Wilhelm Nölling, Wilhelm Hankel, Joachim Starbatty und Karl-Albrecht Schachtschneider wollen heute die Grundzüge ihrer Klage beim Bundesverfassungsgericht vorstellen, berichtet die Bild-Zeitung. Der Tübinger Wirtschaftsprofessor Starbatty sagte: "Die Hilfszusagen der Bundesregierung sind ein Verstoß gegen Artikel 125 Lissabon-Vertrag. Danach haftet kein Mitgliedstaat für die Schulden eines anderen Staates - das vielbeschworene Bail-out-Verbot." Wie die Bild weiter berichtet, soll die Klage innerhalb der nächsten zwei Wochen den Richtern in Karlsruhe zugestellt werden. Starbatty warnte zudem vor einem deutlichen Anstieg der Inflation. Das Verfassungsgericht habe festgestellt, dass die Währungsunion eine Stabilitätsgemeinschaft sein muss. Mit den angekündigten möglichen Hilfen für Griechenland drohe "aus dem Euro und der Währungsunion eine Inflationsunion zu werden", sagte Starbatty. Die gleichen Herren hatten übrigens in den neunziger Jahren ebenso aufsehenerregend wie erfolglos gegen die Einführung des Euro geklagt.
Wie viel Geld muss Deutschland nach Athen überweisen? Acht Milliarden Euro? 18? Oder noch mehr? Mehrere Wissenschaftler bereiten eine Klage vor.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/griechenland-das-kann-ein-fass-ohne-boden-werden-1.936450
"Griechenland - ""Das kann ein Fass ohne Boden werden"""
00/05/2010
SAP verschärft den Kampf mit dem Rivalen Oracle: Der Software-Konzern kauft den Datenbank-Spezialisten Sybase - und das neue Führungsduo setzt eine erste Duftmarke. Es ist der erste Übernahme-Coup des neuen SAP-Führungsduos Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe:Der deutsche Softwarekonzern kauft den kalifornischen Datenbank-Spezialisten Sybase und zahlt 5,8 Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro). Das teilten beide Unternehmen mit. Detailansicht öffnen SAP kauft den Datenbank-Spezialisten Sybase für 5,8 Milliarden Dollar. (Foto: Foto: dpa) Mit der Übernahme verschärft sich der Wettbewerb zwischen den beiden Rivalen SAP und Oracle. Denn der Hersteller der gleichnamigen Datenbank-Software hatte im vergangenen Jahr Sun Microsystems gekauft. SAP-Aktien verlieren Für jede Sybase-Aktie bietet SAP 65 Dollar. Die Transaktion soll im dritten Quartal des Jahres abgeschlossen werden. McDermott nannte den Kauf von Sybase eine "spielentscheidende Transaktion". Er sagte, dass die US-Firma neben Datenbank-Anwendungen auch Programme für den Einsatz von Unternehmenssoftware auf Mobiltelefonen herstelle. Der Zusammenschluss kombiniere "die beste Unternehmenssoftware der Welt mit der leistungsfähigsten Infrastruktur-Plattform für mobile Geräte", sagte McDermott. Die Anleger sind weniger optimistisch. An der Frankfurter Börse gehörten die SAP-Aktien mit einem Minus von 2,5 Prozent zu den Verlierern im deutschen Leitindex Dax. Dabei werteten Analysten die Übernahme grundsätzlich positiv. Allerdings habe SAP bei Zukäufen und der Nutzung der erworbenen Technologien nicht immer ein glückliches Händchen gehabt, sagte Analyst Jack Gold von J.Gold Associates. Die Papiere von Sybase schossen in Frankfurt um 57,4 Prozent auf 52,10 Euro nach oben.
SAP verschärft den Kampf mit dem Rivalen Oracle: Der Software-Konzern kauft den Datenbank-Spezialisten Sybase - und das neue Führungsduo setzt eine erste Duftmarke.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/milliardendeal-sybase-der-erste-coup-des-sap-duos-1.940630
Milliardendeal - Sybase - der erste Coup des SAP-Duos
00/05/2010
Nach wochenlangem Ringen hat die Regierungskoalition ihren Streit um Einschnitte bei der Solarförderung beigelegt. Bereits Mitte des Jahres sollen die Fördersätze trotz zähen Widerstands betroffener Bundesländer und dramatischer Appelle der Branche drastisch sinken. Detailansicht öffnen Harte Einschnitte in der Solarförderung: "Diese Energiepolitik gefährdet die Führungsrolle der deutschen Solarindustrie", sagt der Präsident des Bundesverbands Solarwirtschaft. (Foto: Foto: dpa) Die geplante Senkung der Solarförderung war zuletzt zum Zankapfel der schwarz-gelben Koalition geworden. Erst in der Nacht zum Freitag hatten sich Energie- und Umweltexperten der Koalition auf eine Lösung verständigt. Am Freitag schließlich beschlossen die Koalitionsspitzen von Union und FDP den Kompromiss der Verhandler. Das Thema ist eines der heikelsten der Koalition. Nicht nur die betroffenen Firmen wehrten sich vehement gegen die harten Einschnitte. Auch mehrere Bundesländer gingen auf die Barrikaden. Doch die Bundesregierung bleibt hart. Die Vergütung für Solarstrom soll zum 1. Juli um 16 Prozent sinken. Besitzer von Solaranlagen bekommen damit nur noch 33 Cent je eingespeiste Kilowattstunde Strom, wenn die Solarzellen auf Dächern angebracht sind. Für Solarparks auf ehemals militärisch oder industriell genutzte Flächen, die aufwendig saniert werden müssen, soll die Vergütung nur um elf Prozent sinken - auf dann 25 Cent. Die Sätze sind jeweils für 20 Jahre garantiert. Gezahlt werden sie per Umlage von allen anderen Stromkunden. "Kürzungen sind industriepolitisch verantwortungslos" Ziel sei es gewesen, die "Traumrenditen zu Lasten der Verbraucher zu beenden", hieß es in der Koalition. Auch Investoren, die auf Ackerflächen Solarparks errichten wollen, werden künftig auf jegliche Förderung verzichten müssen. Die Solarbranche reagierte am Freitag schockiert. "Kürzungen in dieser Größenordnung sind in einer Phase harten internationalen Wettbewerbs um einen der größten Zukunftsmärkte industriepolitisch verantwortungslos", sagte Günther Cramer, Präsident des Bundesverbands Solarwirtschaft. "Diese Energiepolitik gefährdet die Führungsrolle der deutschen Solarindustrie." Vergeblich hatten Spitzenmanager der Branche vor katastrophalen Folgen der Kürzung, vor dem drohenden Ende für viele Solarfirmen und der Abwanderung der Massenproduktion nach Asien gewarnt. Der Chef des mit einer Milliarde Euro Umsatz größten deutschen Solarkonzerns Solarworld, Frank Asbeck, befürchtet nun das Aus von 40.000 der 60.000 Branchenjobs.
Der Bund kürzt die Förderung für Solarenergie drastisch. Die Branche steht unter Schock.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/solarfoerderung-finanzfinsternis-fuer-sonnenstrom-1.934519
Solarförderung - Finanzfinsternis für Sonnenstrom
00/05/2010
Wirtschaftsminister Brüderle will mächtige Konzerne "entflechten". Dafür bekommt er nun Rückendeckung von der Monopolkommission. Rückendeckung für Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP): Die Monopolkommission unterstützt seine Pläne, große Konzerne bei zu starker Marktmacht zu zerschlagen. Das geht aus dem Sondergutachten der Kommission zu dem geplanten Entflechtungsgesetz des Ministers hervor. Detailansicht öffnen Zu mächtige Konzerne wird es - wenn es nach Wirtschaftsminister Rainer Brüderle geht - in Zukunft nicht mehr geben. (Foto: Foto: dpa) Die fünf Mitglieder starke Kommission berät die Bundesregierung in der Wettbewerbspolitik. Brüderle will bis Herbst 2010 ein neues Instrument im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen aufnehmen. Vorgesehen ist dabei, dass das Bundeskartellamt als letzte Möglichkeit das Recht erhalten soll, zu mächtig gewordene Unternehmen, "zum Verkauf oder zur Verselbstständigung von Vermögensteilen zu zwingen". Dies soll auch erlaubt sein, wenn ein Konzern seine Marktmacht noch nicht missbraucht hat. Das Gesetz zielt vor allem auf Energiekonzerne. Bei Wirtschaftsverbänden war dies auf scharfe Kritik gestoßen. Auch im Bundesinnenministerium gab es zunächst erhebliche juristische Bedenken. Zerschlagung unter bestimmten Bedingungen zulässig Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hatte moniert, das Gesetz könne auch Kliniken und Krankenkassen treffen. Nach Ansicht der Mehrheit in der Kommission stehen neuen Vorschriften aber keine verfassungsrechtlichen oder europarechtlichen Bedenken entgegen. Eine Entflechtungsregelung könne dazu beitragen, "Wettbewerbsprozesse in Gang zu setzen und aufrechtzuerhalten". Nach dem Gesetzesentwurf des Wirtschaftsministerium soll eine Zerschlagung von Unternehmen dann zulässig sein, wenn sich bei einem Verkauf mindestens 50 Prozent des aktuellen Marktwerts von dem abgetrennten Unternehmensteil erlösen lässt. Die Kommission schlägt nun in ihrem Gutachten vor, neben dem Verkaufserlös "eine Kompensation aus öffentlichen Mitteln" zu gewähren. Diese Leistung soll vom gutachterlich festgestellten Verkehrswert und vom Verkaufserlös abhängen.
Wirtschaftsminister Brüderle will mächtige Konzerne "entflechten". Dafür bekommt er nun Rückendeckung von der Monopolkommission.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wettbewerbspolitik-einmal-kraeftig-zerschlagen-1.937503
Wettbewerbspolitik - Einmal kräftig zerschlagen
00/05/2010
Apple ist begeistert - noch nie hat das Unternehmen in einem zweiten Quartal so viel verdient. Und: Konzernchef Jobs kündigt "außergewöhnliche Produkte" an - noch für dieses Jahr. Sie können noch so teuer sein - die Kunden reißen Apple die iPhone, iPods und Macs aus den Händen. Der Ansturm trieb die Zahlen des kalifornischen Konzerns im zweiten Quartal in neue Höhen - immerhin liegt die Bruttogewinnspanne mittlerweile bei knapp 42 Prozent. Das sind nochmals zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahresquartal. Der Gewinn verdoppelte im gleichen Zeitraum beinahe auf 3,1 Milliarden Dollar. Detailansicht öffnen Er ist kein gewöhnlicher Topmanager: Steve Jobs hat Apple zu einem außergewöhnlichen Unternehmen gemacht. (Foto: Foto: Reuters) 5000-Dollar-Handy "Wir sind begeistert, unser bestes Ergebnis der Firmengeschichte in einem Nicht-Weihnachtsquartal erzielt zu haben - mit einer Umsatzsteigerung von 49 Prozent und einem Gewinnwachstum von 90 Prozent," lobte sich Steve Jobs, CEO von Apple. Und Jobs kündigt mehr an: "Wir haben einige außergewöhnliche Produkte für dieses Jahr in der Pipeline." Im Sommer dürfte die Neuauflage des iPhone herauskommen. Erste Bilder sind schon aufgetaucht: Ein Apple-Mitarbeiter soll ein Vorseriengerät in einer Kneipe liegen gelassen haben - ein anderer Gast fand es und verkaufte es für angeblich 5000 Dollar an das Technologie-Blog Gizmodo. Das Gerät ist laut dem Gizmodo-Bericht schlanker als die aktuelle Generation, hat aber trotzdem eine längere Akku-Laufzeit. Es ist etwas kantiger und verfügt über eine zweite Kamera auf der Vorderseite, die für Videotelefonate genutzt werden könnte. Das Display sei etwas kleiner als bei der derzeitigen Gerätegeneration, seine Auflösung dafür deutlich höher. Apple verlangte den Prototypen inzwischen zurück. Analyst Gene Munster von der Finanzberatung Piper Jaffrey rechnet zudem mit einem neuerlichen Vorstoß von Apple auf den Fernsehmarkt. Die Settop-Box Apple TV gehört zu den wenigen Misserfolgen von Apple in der jüngeren Vergangenheit. Mit dem kleinen Kasten lassen sich Filme aus dem Internet auf den heimischen Fernseher bringen. Gewinnbringer des Konzerns ist momentan das iPhone. Mit 8,75 Millionen Stück verkaufte Apple mehr der Smartphones als im wichtigen Weihnachtsquartal. Das war ein Plus von 131 Prozent. Die Mac-Computer - besonders beliebt sind die Notebooks - verkauften sich 2,94 Millionen Mal und damit 33 Prozent besser. Auf dem absteigenden Ast sind weiterhin die iPods - die Verkäufe gingen um ein Prozent auf 10,89 Millionen zurück. Viele Nutzer hören ihre Musik inzwischen lieber über das iPhone. Insgesamt sprang der Umsatz um 49 Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar. Die Börsianer waren begeistert. Mit derart starken Zahlen hatten sie nicht gerechnet. Die Aktie sprang nachbörslich um knapp sieben Prozent nach oben und erreichte einen neuen Rekordstand. Vor allem die iPhone-Verkäufe überraschten. Und der gute Lauf soll andauern: Im dritten Geschäftsquartal will Apple trotz Urlaubszeit einen Umsatz von 13,0 bis 13,4 Milliarden Dollar erreichen und einen Gewinn je Aktie von 2,28 bis 2,39 Dollar. Aktuell waren es 3,33 Dollar gewesen. Anfang April hatte Apple seinen iPad herausgebracht, der sich in der ersten Woche schon mehr als eine halbe Millionen Mal verkauft hat. Ende Mai kommt der Tablet-Computer auch in Deutschland auf den Markt.
Apple ist begeistert - noch nie hat das Unternehmen in einem zweiten Quartal so viel verdient. Und: Konzernchef Jobs kündigt "außergewöhnliche Produkte" an - noch für dieses Jahr.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/apple-isprung-in-nie-gekannte-hoehen-1.932331
Apple - iSprung in nie gekannte Höhen
00/05/2010
Die Deutschland AG ist nicht tot, sie hat nur einen neuen Namen: Cromme AG. Der Chefaufseher von Siemens und Thyssen-Krupp muss mit einem ramponierten Image leben. Gerhard Cromme war mal "Mister Corporate Governance". Im Auftrag der Bundesregierung kümmerte er sich um so schöne Begrifflichkeiten wie transparente Unternehmensführung. Der Mann, der einst den Krupp-Konzern geleitet hat, erarbeitete einen Verhaltenskodex für börsennotierte Unternehmen. Detailansicht öffnen "Mister Corporate Governance" Gerhard Cromme. (Foto: Foto: ddp) In harter Wirklichkeit allerdings taugen solche Regeln nicht mal als Dämmmaterial gegen moralische Verlockungen. Und Gerhard Cromme, der Experte in Sachen Unternehmensethik, macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Wenn man es gut meint, kann man ihn ein Mulitfunktionstalent nennen. Die Deutschland AG alten Stils mag erledigt sein, aber Gerhard Cromme ist übrig geblieben. Als Vorsitzender des Aufsichtsrats, also als Chefkontrolleur, schaut er zugleich den Managern von Siemens und Thyssen-Krupp auf die Finger. Ganz nebenbei - der Mann will ja ausgelastet sein - kontrolliert er auch noch bei der Allianz und beim Axel Springer Verlag mit. Der Hüne, der in der Jugend Handball gspielt hat, ist einer der meistbeschäftigten Aufsichtsräte Deutschlands. Ein Mann, zwei Aufsichtsratschefposten - wie kann das gutgehen, wenn ein Topmanager innerhalb der Cromme-Zone wechseln will, von Konzern A zu Konzern B? Wenn es also den karrierebewussten Heinrich Hiesinger weg von Siemens hin zu Thyssen-Krupp zieht, wo er als Vorstandschef Nachfolger von Ekkehard Schulz wird? Nein, das geht nicht gut. Cromme nutzt seinen überbordenden Einfluss und hilft, einen Vorstand von Siemens zu rekrutieren - und ist am Ende in der Rolle bei Thyssen-Krupp der große Gewinner. Denn der 67-Jährige hat zwar in seinem Leben schon viel geschafft, aber der ganz große Lebenstraum, der muss sich erst noch erfüllen: Cromme will dem inzwischen 96-jährigen Berthold Beitz folgen, dem legendären Stiftungschef von Krupp. So würde er quasi Haupteigentümer des Dax-Konzerns Thyssen-Krupp werden. Das - so träumt Cromme - soll sein finaler Ritterschlag werden. Der gefürchtete Manager wäre auf einmal Ruhrbaron. Cromme ist ein Taktiker mit ausgeprägtem Machtstreben. Seinen Plan zieht er durch - gnadenlos. Man müsse die Sache industriepolitisch sehen, rechtfertigt er seinen jüngsten Coup. Das klingt nach einem krampfhaften Ausweichen auf die Metaebene. Was sollen Debatten um die eigene Person, wo es doch um das Ganze geht? Als Vollstrecker vom Dienst ist er ein Anhänger radikaler Lösungen. Für Siemens warb er im Mai 2007 den bis dato recht unbekannten Österreicher Peter Löscher bei Merck in den USA ab; der ist ihm wohl bis zur Rente zu Dank verpflichtet. Wie soll Löscher jetzt Contra geben, wenn einer seiner wichtigsten Manager wie eine Figur auf dem Schachbrett einfach von München nach Düsseldorf verschoben wird? Und was ist mit Heinrich Hiesinger? Bei Siemens stieß er an die gläserne Decke, als Chef ist Peter Löscher fest im Amt. Also hat sich der Mann einfach umgeschaut - und es hat geklappt. Schon zum 1. Oktober wechselt er den Arbeitgeber. Cromme wusste, dass sein neuester Coup Ärger bereiten würde. Darum hat der promovierte Jurist vorgesorgt und ein Gutachten schreiben lassen, das ihn absichert. Juristisch mag der Ober-Aufsichtsrat damit aus dem Schneider sein, doch sein Vorgehen zeigt: Er, Cromme, ist die Reizfigur in Corporate Germany. Viel Glaubwürdigkeit ist nun verspielt. Aus der alten Deutschland AG wurde die Cromme AG. "Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt", heißt es in der Kinderwelt der Astrid Lindgren. Gerhard Cromme kann laut mitsingen.
Die Deutschland AG ist nicht tot, sie hat nur einen neuen Namen: Cromme AG. Der Chefaufseher von Siemens und Thyssen-Krupp muss mit einem ramponierten Image leben.
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Siemens und Thyssen-Krupp - Dreist, dreister, Cromme
00/05/2010
Alleine war Palm zu schwach - jetzt hat der Smartphone-Hersteller einen starken Partner gefunden. Doch Hewlett-Packard sieht Palm vor allem als Waffe im Kampf gegen Apple. Der krisengeplagte Smartphone-Pionier Palm hat einen neuen Besitzer gefunden. Für etwa 1,2 Milliarden Dollar (0,9 Milliarden Euro) übernimmt der US-Konzern Hewlett-Packard (HP) das Unternehmen. Beide Seiten hätten dem Vorhaben bereits zugestimmt, teilten beide Firmen mit. Detailansicht öffnen Hewlett-Packard übernimmt den Smartphone-Hersteller Palm für etwa eine Milliarde Dollar. (Foto: Foto: apn) Palm ist wegen des harten Wettbewerbs - unter anderem durch das iPhone von Apple und den Blackberry von RIM - ins Hintertreffen geraten. Vergeblich hatte das Unternehmen versucht, mit dem Palm Pre die wirtschaftliche Wende zu schaffen. Dieses technisch anspruchsvolle Smartphone konnte sich nur mit Mühen gegen die massive Konkurrenz behaupten. Der für das Consumer-Geschäft zuständige HP-Manager Todd Bradley kündigte an, der neue Besitzer werde massiv in die Palm-Technik investieren. Hewlett-Packard sei auch daran interessiert, die Palm-Technik mit dem Betriebssystem WebOS für andere mobile Geräte wie einen Tablet-Computer zu nutzen. Damit könnte HP den iPad-Hersteller Apple herausfordern. Wenn die Transaktion voraussichtlich im Juli abgeschlossen wird, soll der jetzige Palm-Vorstandschef und ehemalige Apple-Manager Jon Rubinstein seine Position behalten. Überraschend hoher Preis Der Kaufpreis bewertet eine Palm-Aktie mit 5,70 Dollar. Das liegt zwar über dem Schlusskurs vom Mittwoch mit 4,63 Dollar, aber weit unter der höchsten Bewertung im vergangenen Jahr mit 18,09 Dollar. Der Analyst Ken Dulaney vom Marktforschungsinstitut Gartner sagte, sowohl Käufer als auch die Höhe des Preises seien überraschend. Er habe eher mit einer Übernahme durch den Blackberry-Hersteller RIM und mit einem Preis von weniger als 500 Millionen Dollar gerechnet. Die jetzt von beiden Seiten vereinbarte Übernahme sei das beste Ergebnis, mit dem die Palm-Aktionäre hätten rechnen können. Zu diesen gehört auch die Private-Equity-Firma Elevation Partners, die von 2007 bis 2009 nahezu ein Drittel des Palm-Kapitals erwarb, zu einem Preis von 460 Millionen Dollar. Elevation bekommt nun einen Erlös von 485 Millionen zurück. Palm wurde 1992 von Donna Dubinsky und Jeff Hawkins gegründet und entwickelte als eines der ersten Unternehmen einen Handheld-Computer, den Palm Pilot. Danach wurde Palm erst vom Modem-Hersteller U.S. Robotics und 1997 vom Netztechnikunternehmen 3Com übernommen. Nach 2000 war Palm dann wieder selbständig. Der im Juni 2009 eingeführte Palm Pre sollte dem Unternehmen einen Neustart bescheren. Dieses Smartphone hatte es jedoch schwer, sich am Markt durchzusetzen. Nach den jüngsten Quartalsdaten verkaufte Palm 408.000 Pre-Geräte, während Apple 8,75 Millionen iPhones verkaufen konnte. HP stellt ebenfalls ein Smartphone her, diese Modellreihe führt die Bezeichnung iPAQ. Der Marktanteil dieser Geräte liegt nach Angaben des Marktforschungsunternehmens IDC aber nur bei 0,1 Prozent. Mit der Unterstützung von HP habe Palm jetzt die Chance, neue Geräte in kürzerer Zeit einzuführen, sagte IDC-Experte Ramon Llamas.
Alleine war Palm zu schwach - jetzt hat der Smartphone-Hersteller einen starken Partner gefunden. Doch Hewlett-Packard sieht Palm vor allem als Waffe im Kampf gegen Apple.
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Neuer Besitzer für Smartphone-Pionier - HP erlöst Palm
00/05/2010
Der Blockbuster "Alice im Wunderland" zaubert jede Menge Geld in die Kassen von Disney. Und: Auch im Ikea-Haus darf man Nägel in die Wand hauen. Fast eine Milliarde Dollar hat "Alice im Wunderland", der Kino-Blockbuster von Regisseur Tim Burton, Walt Disney eingebracht - und damit maßgeblich zum Erfolg des amerikanischen Unterhaltungskonzerns beigetragen. Detailansicht öffnen Wie die Grinsekatze aus "Alice im Wunderland" dürfte sich auch Disney-Chef Robert Iger freuen: Der Blockbuster von Tim Burton hat einen großen Anteil am Erfolg des Unterhaltungskonzerns. (Foto: Foto: Verleih) Der Reingewinn des Unternehmens ist im zweiten Quartal um 55 Prozent auf 953 Millionen Dollar (752 Millionen Euro) gestiegen, und auch den Umsatz hat Walt Disney um sechs Prozent erhöhen können, auf 8,6 Milliarden Dollar (6,8 Milliarden Euro). Den erfreulichen Geschäftsverlauf, der leicht über den Markterwartungen lag, hat der Konzern nicht zuletzt dem Filmgeschäft zu verdanken, welches im vergangenen Jahr aufwendig umgebaut wurde. Neben dem Erfolg von "Alice in Wonderland" profitierte Disney von der Übernahme des Comic-Labels Marvel. "Der unglaubliche Kassenerfolg von 'Alice' und der Kauf von Marvel, dessen 'Iron Man 2' weltweit bereits 334 Millionen Dollar eingespielt hat, zeigt klar die Vorteile, in hochqualitative Inhalte zu investieren", sagte Konzernchef Robert Iger. Er zeigte sich zuversichtlich, mit der eingeschlagenen Strategie auf dem richtigen Weg zu sein. Allerdings entwickelten sich nicht alle Sparten gleichermaßen positiv. Im Fernsehgeschäft musste Disney mit dem Sender ABC erneut einen Verlust hinnehmen wegen eines starken Rückgangs der Werbeeinnahmen. Auch die Vergnügungsparks, die im zweiten Quartal weniger Besucher angelockt haben, waren ein Verlustgeschäft. Auch im Ikea-Haus darf man Nägel in die Wand hauen Der Möbelkonzern Ikea weist Kritik der Stiftung Warentest an seinen Boklok-Fertighäusern zurück. Natürlich dürfe man in den Häusern Nägel in die Wand schlagen oder zusätzliche Steckdosen montieren, teilte Ikea mit. Die Stiftung Warentest habe für ihren Schnelltest teils veraltete technische Beschreibungen benutzt. Eine Firmensprecherin entgegnete auch Kritik an den Kaufverträgen und der langen Vertragsbindung an einen Energieversorger. Ikea hatte die Fertighäuser, die vom Hersteller BienZenker produziert werden, Anfang März vorgestellt. Die ersten Häuser sollen in Wiesbaden und Offenbach entstehen. Deutsche Wirtschaft wächst zu Jahresbeginn Die deutsche Wirtschaft ist zum Jahresauftakt leicht gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Gleichzeitig wurde das Ergebnis für das vierte Quartal 2009 leicht nach oben korrigiert auf nun ebenfalls plus 0,2 Prozent. Damit ergibt sich auch eine Veränderung für das Gesamtjahr: 2009 ging das BIP nach neuesten Berechnungen nur noch um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Der Aufwärtstrend der deutschen Wirtschaft aus dem zweiten (plus 0,4 Prozent) und dritten Quartal 2009 (0,7 Prozent) habe sich somit zum Anfang des Jahres etwas abgeschwächt, aber trotz des vergleichsweise harten und langen Winters fortgesetzt, erklärten die Statistiker. Auch im Jahresvergleich legte die Wirtschaftsleistung nach dem Einbruch Anfang 2009 wieder zu. Das preisbereinigte BIP stieg den Angaben zufolge im ersten Quartal 2010 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,7 Prozent. Positive Impulse kamen den Statistikern zufolge im Vorquartalsvergleich unter anderem von den Ausrüstungsinvestitionen und den Exporten. "Daneben trugen auch der Vorratsaufbau und die Zunahme der staatlichen Konsumausgaben dazu bei, dass die negativen Einflüsse von Bauinvestitionen, privaten Konsumausgaben und Importen kompensiert werden konnten", hieß es. Telekom steigert Gewinn Die Deutsche Telekom hat zum Jahresauftakt die Rückkehr in die schwarze Zahlen geschafft. Im ersten Quartal wurden 767 Millionen Euro Überschuss erzielt, nach 1,1 Milliarden Euro Verlust im Vorjahreszeitraum, teilte der Konzern mit. Vor Jahresfrist war der Konzern durch hohe Sonderbelastungen in die Verlustzone gedrückt worden. Vor allem Abschreibungen von 1,8 Milliarden Euro auf die britische Mobilfunktochter T-Mobile UK schlugen negativ zu Buche. Der Umsatz sank im ersten Quartal 2010 um 0,6 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro. "Es ist ein guter Start für uns in das Jahr 2010", sagte Telekom-Chef René Obermann. Das operative Geschäft habe sich stabilisiert, zugleich sei die neue Strategie vorangetrieben worden. Der Vorstand des 260.000 Mitarbeiter starken Konzerns bestätigte die Prognose für das laufende Jahr: Bei einem Free Cash-Flow von 6,2 Milliarden Euro werde ein bereinigtes Betriebsergebnis von etwa 20 Milliarden erwartet. Davon ist aber noch der Ergebnisbeitrag des neuen Mobilfunk-Gemeinschaftsunternehmens in Großbritannien abzuziehen. Die Telekom hatte ihre schwächelnde Tochter T-Mobile UK zum 1. April mit der zur France Télécom gehörenden Orange UK zusammengelegt. Steigende Kosten, stagnierende Abo-Zahlen - Sky häuft Verluste an Der Bezahlsender Sky Deutschland sinkt immer tiefer in die roten Zahlen. Steigende Kosten bei stagnierenden Abonnenten- und Umsatzzahlen führten im ersten Quartal unter dem Strich zu einem Verlust von 97 Millionen Euro, nach 80 Millionen Euro Verlust vor einem Jahr. Eine Prognose für das Gesamtjahr gab der Fernsehkonzern nicht. Trotz einer teueren Marketingkampagne nach der Namensänderung von Premiere in Sky stieg die Zahl der Abonnenten lediglich um 1000 auf 2,471 Millionen zahlende Kunden. Der Umsatz stieg um zwei auf 235 Millionen Euro. Aber die Kosten schnellten aufgrund der höheren Ausgaben für die Bundesliga-Übertragung und andere Programmrechte und höherer Vermarktungskosten um zwölf Prozent auf 309 Millionen Euro hoch. Der operative Verlust verdoppelte sich auf 65 Millionen Euro. Sky gehört zu 45 Prozent dem Medienunternehmer Rupert Murdoch. Im vergangenen Jahr hatte Sky einen Verlust von 677 Millionen Euro aufgehäuft. Bertelsmann übersteht die Werbeflaute Die Belebung der Werbemärkte und der strikte Sparkurs haben Europas größtem Medienkonzern Bertelsmann einen guten Start ins neue Jahr ermöglicht. Im ersten Quartal konnte das Medienunternehmen sein operatives Ergebnis mehr als verdoppeln - auf 284 Millionen Euro. Der Nettogewinn lag bei 45 Millionen Euro, wie Bertelsmann mitteilte. Im Vergleichsquartal des Vorjahres hatte der Konzern noch einen Verlust von 78 Millionen Euro ausweisen müssen. Der Konzernumsatz stieg um 2,7 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Konzernchef Hartmut Ostrowski sagte, das Jahr des 175. Firmenjubiläums habe für den Konzern "erfreulich" begonnen. "Wir ernten die Früchte unserer Maßnahmen aus dem Geschäftsjahr 2009 und profitieren von der Belebung der Werbemärkte sowie der fortgesetzten Kostendisziplin." Für das Gesamtjahr 2010 erwartet Bertelsmann weiterhin eine stabile Entwicklung von Umsatz und operativem Ergebnis sowie ein deutlich höheres Konzernergebnis als im Vorjahr.
Der Blockbuster "Alice im Wunderland" zaubert jede Menge Geld in die Kassen von Disney. Und: Auch im Ikea-Haus darf man Nägel in die Wand hauen.
wirtschaft
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Wirtschaft kompakt - Disney scheffelt Geld - dank Tim Burton
00/05/2010
Das Rauchverbot - ein Todesurteil für Bars und Kneipen? Von wegen! Eine Studie zeigt, dass der Umsatz der Lokale nur minimal gesunken ist. Die Rauchverbote in Kneipen, Restaurants und Diskotheken haben sich deutlich geringer auf das Geschäft ausgewirkt als viele Gastronomen befürchtet hatten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Detailansicht öffnen Die Rauchverbote in Kneipen, Restaurants und Diskotheken haben sich geringer auf die Geschäfte ausgewirkt als erwartet. (Foto: Foto: AP) Demnach führten die von August 2007 bis Juli 2008 in allen Bundesländern eingeführten Rauchverbote im Durchschnitt zu zwei Prozent weniger Umsatz. In Bayern und Nordrhein-Westfalen, wo die Regeln oft durch sogenannte Raucherclubs umgangen wurden, sei gar kein Erlösrückgang nachweisbar, schreiben die Autoren der Studie. Auch die von vielen befürchtete Pleitewelle von Bars und Clubs ist demnach ausgeblieben. Lediglich kurz nach Einführung der Rauchverbote sei es zu deutlichen Umsatzeinbußen gekommen, später hätten sich die Gäste jedoch kaum durch die Verbote abschrecken lassen. Branchenvertreter hatten bei Einführung der Verbote dagegen vor Umsatzeinbrüchen und dem Ende vieler Lokale gewarnt. Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ernst Fischer, hatte 2008 von einem Umsatzverlust von "durchschnittlich 30 Prozent" gesprochen und gewarnt: "Tausende Kneipenwirte fürchten um ihre Existenz." Der Verband hatte deshalb eine Verfassungsklage von Gaststättenbetreibern unterstützt. Das Urteil führte zu einer Lockerung der Verbote in Baden-Württemberg und Berlin, Rauchverbote erklärte Karlsruhe aber grundsätzlich für zulässig. Laut RWI-Studie zeigt eine Umfrage des Instituts und der IHK Nürnberg und Essen unter 600 Gaststättenbetreibern, dass die Wirkung der Rauchverbote "systematisch überschätzt" worden sei. Besonders Bars und Kneipen hätten mit weniger Gästen gerechnet. Weniger Zigaretten aus Automaten Für die Untersuchung haben die RWI-Forscher die monatlichen Umsatzdaten von etwa 10.000 Gaststätten in der Zeit von Januar 2006 bis September 2008 sowie die Gewerbeabmeldungen in der Branche ausgewertet. Eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes vom Juni 2008 hatte noch stärkere Auswirkungen der Rauchverbote ergeben. Demnach gingen die Umsätze in Kneipen, Bars und Diskotheken Ende 2007 in Bundesländern mit Rauchverboten um fünf Prozentpunkte stärker zurück als in den übrigen Ländern. Angesichts der jetzt ermittelten zwei Prozent verteidigte der Co-Autor der Studie, Harald Tauchmann, die Rauchverbote. Im Vergleich zu den gesundheitlichen Nachteilen des Passivrauchens sei ein Umsatzrückgang in dieser Größenordnung zu verkraften, sagte er. Zahlreiche Studien haben die Schädlichkeit von Tabakrauch belegt. Im vergangenen September kam eine amerikanische Auswertung von 13 Studien zum Ergebnis, dass in Gemeinden mit Rauchverboten die Herzinfarktrate bereits nach einem Jahr um 17 Prozent niedriger liegt als in Kommunen, wo rauchen erlaubt ist. Einer Mitte April vorgestellten amerikanisch-kanadischen Studie zufolge fördert Zigarettenrauch zudem chronische Entzündungen der Atemwege. In einer weiteren Untersuchung zum Thema Rauchen kam das RWI zum Ergebnis, dass deutlich weniger Zigaretten aus Automaten gekauft werden. Dies habe eine Analyse der Umsatzdaten eines führenden Automatenaufstellers in Deutschland ergeben. Dies sei vor allem darauf zurückzuführen, dass Käufer am Automaten seit Januar 2007 ihr Alter nachweisen müssen, etwa durch die Nutzung einer EC-Karte.
Das Rauchverbot - ein Todesurteil für Bars und Kneipen? Von wegen! Eine Studie zeigt, dass der Umsatz der Lokale nur minimal gesunken ist.
wirtschaft
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Gastronomie und Rauchverbot - Das Märchen von der Pleitewelle
00/05/2010
Ein Tabu weniger: Erstmals in der Unternehmensgeschichte veröffentlicht Lidl Geschäftszahlen - und die zeigen deutlich die Schwachstelle der Billigkette. Für Offenheit ist Lidl bislang nicht gerade bekannt. Um Geschäftszahlen machte Deutschlands zweitgrößte Discounter-Kette immer ein großes Geheimnis - und auch sonst drang recht wenig aus der Zentrale in Neckarsulm an die Öffentlichkeit. Doch jetzt sorgt das Unternehmen für ein Novum: Erstmals in der Konzerngeschichte veröffentlicht Lidl Geschäftszahlen. Detailansicht öffnen Lidl bricht mit einem Tabu und veröffentlicht erstmals Unternehmenszahlen. (Foto: Foto: ddp) Demnach konnte der Discounter im Geschäftsjahr 2008/2009 den Umsatz um rund ein Zehntel (10,7 Prozent) auf 30,85 Milliarden Euro steigern, wie aus dem Anfang März im Bundesanzeiger veröffentlichten Konzernabschluss hervorgeht. Damit ist Lidl zwar noch immer kleiner als die beiden Regional-Gruppen des Rivalen Aldi zusammen. Jedoch überflügelte Lidl demnach die beiden Teile von Aldi jeweils für sich alleine betrachtet. Einbußen beim Gewinn Der Jahresumsatz von Aldi Süd wird auf 28 Milliarden Euro geschätzt, der von Aldi Nord auf 25 Milliarden Euro, berichtet das Magazin Focus Money. Deutliche Einbußen musste Lidl den Geschäftszahlen zufolge hingegen bei seinem Gewinn hinnehmen. Der Ertrag schrumpfte im Geschäftsjahr 2008/2009 um rund 29 Prozent auf 410 Millionen Euro, wie aus dem Bundesanzeiger hervorgeht. Grund dafür könnte der Wachstumskurs des Discounters sein. Den Angaben zufolge erhöhte sich insbesondere der Aufwand für Personal, Material und sonstige Aufwendungen. Mit der erstmaligen Veröffentlichung seiner Geschäftszahlen komme Lidl gesetzlichen Vorgaben nach, sagte eine Unternehmenssprecherin.
Ein Tabu weniger: Erstmals in der Unternehmensgeschichte veröffentlicht Lidl Geschäftszahlen - und die zeigen deutlich die Schwachstelle der Billigkette.
wirtschaft
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Geschäftszahlen veröffentlicht - Lidl bricht das Schweigen
00/05/2010
Große Agrarkonzerne haben im vergangenen Jahr am meisten von den EU-Agrarsubventionen profitiert. Mehr als 7,5 Milliarden Euro verteilte Brüssel im Vorjahr an die deutsche Landwirtschaft, fast 1,5 Milliarden davon gingen nach Bayern. Die größten Empfänger waren Molkereien, Zuckerproduzenten und Tiermastbetriebe. Kleinbäuerliche Familienbetriebe finden sich unter den Großempfängern hingegen nicht. Die höchsten Subventionen erhielt der Bremer Nordmilch-Konzern (51 Millionen Euro), gefolgt von Südzucker (42 Millionen) und dem Zuckerhändler Pfeifer und Langen (17 Millionen). Das geht aus einer Liste hervor, welche die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung am Montag veröffentlicht hat. Detailansicht öffnen Welches Bundesland hat wie viel kassiert? Zum Vergrößern bitte klicken. (Foto: SZ-Graphik) Für keinen anderen Bereich gibt die EU mehr Geld aus als für die Landwirtschaft. Etwa 56 Milliarden Euro fließen jährlich an Agrarbetriebe, jeder Deutsche zahlt knapp 100 Euro Steuern für die Landwirtschaft. Das Geld soll das Einkommen der Landwirte stabilisieren und ihnen eine Art Grundversorgung bieten. Außerdem fördert die EU damit die ländliche Entwicklung. Doch seit im vergangenen Jahr erstmals offengelegt wurde, wohin das Geld im Einzelnen fließt, wird die Kritik an den Subventionen immer lauter. Nicht die kleinbäuerliche Landwirtschaft, sondern große Agrarbetriebe würden am stärksten gefördert, klagen Umweltverbände. Eine Million Küken pro Monat Tatsächlich stehen etwa Deutschlands größter Rinderzüchter Osterhuber Agrar (3,7 Millionen Euro) sowie Europas größter Produzent von Geflügelfleisch, die französische Gruppe Doux (3,2 Millionen), die ein Werk in Nordpommern betreibt, ganz oben auf der deutschen Empfängerliste. Auch der US-Geflügelzüchter Aviagen (3,3 Millionen) erhält für seine Zuchtbrüterei bei Dresden Förderungen - nach Unternehmensangaben soll sie monatlich eine Million Küken ausliefern. Auch einheimische Großbauern zählen zu den wichtigsten Profiteuren: So erhält der Unternehmer Albert von Thurn und Taxis, der auf der Forbes-Liste der 500 reichsten Menschen der Welt steht, für die Betriebe des Fürstenhauses mehr als eine Million Euro Fördergeld. Zudem sind agrarferne Konzerne wie RWE (589.000 Euro), BASF (197.000 Euro) und der Waffenkonzern Rheinmetall (83.000 Euro) unter den Empfängern. Umstritten sind auch die sogenannten Ausfuhrerstattungen. Für Überschüsse, die Europas Bauern im Inland nicht verkaufen können, zahlt die EU Beihilfen. So werden die Produkte billiger und lassen sich auf dem Weltmarkt absetzen. Gelangen sie jedoch zu staatlich geförderten "Dumpingpreisen" in Entwicklungsländer, würden sie dort die lokale Landwirtschaft zerstören, kritisieren Entwicklungshilfe-Organisationen wie Oxfam. Besonders für den Export von Milch hat die EU im vergangenen Jahr solche Förderungen bezahlt. Große Molkereien wie Nordmilch, Omira (12,6 Millionen), die Bayerische Milchindustrie (10,8 Millionen) und Campina (2 Millionen) haben davon profitiert. "Das Eingreifen der EU in den Milchmarkt und der Kauf von Milchpulver und Butter im Wert von 47 Millionen Euro bei der Nordmilch hat im letzten Jahr das Überleben Tausender Milchbauern in Deutschland mit gesichert", sagte ein Sprecher von Nordmilch. Oxfam-Agrarreferentin Marita Wiggerthale sieht das anders: "Nordmilch hat den Bauern 2009 sehr niedrige Milchpreise gezahlt. Gleichzeitig hat der Konzern bei den Exportsubventionen dick abgesahnt", kritisiert sie. "Und dann hat der Konzern zuvor auch noch Arbeitsplätze abgebaut." Die Veröffentlichung der Profiteure befeuert die Diskussion um die Zukunft der EU-Agrarpolitik. Der neue EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos hat die Bürger Europas kürzlich zu einer breiten Debatte über die Agrarförderungen eingeladen. Im Herbst will er ein erstes Reformpapier für die Zeit nach 2013 vorlegen. Dabei ist fraglich, ob Agrarkonzerne auch künftig mit solchen Förderungen rechnen können. Vor allem die Exporthilfen sollen auslaufen und nur noch in Krisenfällen zum Einsatz kommen, heißt es aus EU-Kreisen. Die Branche befürchtet zudem, dass Brüssel künftig insgesamt weniger Geld verteilen will. Munter weiter subventionieren Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hält jedoch nichts von Kürzungen im EU-Agrarbudget. Sie will sich weiterhin für Subventionen einsetzen. Auch die Höhe der Beihilfen soll nach ihrem Willen nicht reduziert werden. Umweltverbände fordern hingegen, die Beihilfen stärker an Verpflichtungen der Bauern zu koppeln, die Umwelt zu schützen. Derzeit erhalten die zwölf Millionen Bauern in Europa den Großteil der Förderungen, solange sie sich an die allgemeinen Gesetze zum Umweltschutz halten. Wer mehr Ländereien hat, erhält mehr Geld. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen fordert hingegen, die Zahlungen davon abhängig zu machen, ob die Bauern beispielsweise Hecken und blühende Wiesen zulassen und somit die Artenvielfalt in der Natur schützen. Die Liste der Empfänger ist im Internet unter www.agrar-fischerei-zahlungen.de/Suche zugänglich. Anders als in vielen EU-Staaten gibt die deutsche Liste keine Auskunft darüber, wofür die Empfänger das EU-Geld genau erhalten haben. Nur Bayern nennt unter www.transparenz.bayern.de Details.
Die EU haut Jahr für Jahr milliardenschwere Subventionen raus. Statt der regionalen Landwirtschaft profitieren vor allem Großkonzerne.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/agrarsubventionen-prinzip-nimmersatt-grosskonzerne-sahnen-ab-1.936688
Agrarsubventionen - Prinzip Nimmersatt - Großkonzerne sahnen ab
00/05/2010
Inflation oder Euro-Crash, das sind Schreckensszenarien für Anleger. Welche Geldanlage jetzt sinnvoll ist - ein Überblick. Da ist er wieder, der Moment der Angst. Wie im Herbst 2008, als die US-Bank Lehman Brothers kollabierte und Panik unter den Sparern ausbrach. Ist mein Geld noch sicher?, fragten sie sich damals. Und sie fragen nun wieder, angesichts der Schuldenkrise. Doch dieses Mal geht es nicht um irgendeine Bank. Diesmal geht um den Euro, die eigene Währung. Die Angst sitzt tief. Detailansicht öffnen Besorgte Mienen an der Wall Street. Auch in Deutschland sind die Anleger verunsichert: Wird es zu einer Geldentwertung kommen? (Foto: Foto: AP) Sparprodukte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beruhigt zunächst: "Viele Menschen wenden sich derzeit an uns, weil sie Angst um ihr Geld haben. Doch die Ängste sind überbewertet. Das ist immer so, kurz nach dem Schockmoment." Wenn besorgte Sparer ihn derzeit fragen, ob ihr Geld jetzt gerade auf ihrem Sparbuch, dem Giro- oder Tagesgeldkonto und dem Bausparvertrag noch sicher ist, antwortet er mit gutem Gewissen: "Ja, das ist es." Es gilt, was auch nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank im Herbst 2008 galt: Diese Bankeinlagen sind sicher. Selbst wenn eine Bank zum Beispiel viel Geld in Griechenland investiert hat und deshalb ins Wanken gerät, gibt es in Deutschland Einlagensicherungsfonds. Diese Notfonds springen im Fall einer Bankenpleite ein und ersetzen dem Anleger zumindest einen Großteil seiner Einlagen. Zudem gilt seit September 2008 die sogenannte "Merkel-Garantie", da sich die Kanzlerin dafür verbürgt hat, dass die Spareinlagen der Bürger sicher sind. Doch etwas ist dieses Mal anders als 2008: "Wir haben nicht mehr nur eine Bankenkrise, sondern eine Währungs- und Schuldenkrise", sagt Verbraucherschützer Nauhauser. Die Menschen, die ihn und seine Kollegen derzeit anrufen, fragen nicht, ob das Geld bei ihrer Bank in Sicherheit ist, sondern: "Wird es nun zur Geldentwertung kommen?" Es ist die große Angst der Deutschen vor der Inflation. Und wenn es denn zu diesem Szenario kommen sollte, ist das Sparkonto wirklich der falscheste Ort für das Geld. "Denn dort wird es dann täglich weniger wert", sagt Nauhauser: "Die Frage ist dann: Wie viel können Sie sich von dem Geld überhaupt noch kaufen?" Auch wenn er die akute Angst gerade für überbewertet hält, findet er es wichtig, dass Anleger sich jetzt mit der Frage nach der Sicherheit des Ersparten beschäftigen. "Sie müssen es streuen, auf die verschiedenen Anlageklassen. So verhindert man Verluste."
Inflation oder Euro-Crash, das sind Schreckensszenarien für Anleger. Welche Geldanlage jetzt sinnvoll ist - ein Überblick.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/die-euro-krise-wo-bringt-mein-geld-noch-etwas-1.938171
Die Euro-Krise - Wo bringt mein Geld noch etwas?
00/05/2010
1. Mai im Zeichen der Finanzkrise: Die Gewerkschafter prangern "Geiz und Gier" von Spekulanten an - und fordern, die Finanzmärkte stärker zu regulieren. Bei den traditionellen Mai-Kundgebungen am Tag der Arbeit haben Gewerkschafter deutlich schärfere Regeln für die Finanzmärkte und eine Transakionssteuer gefordert. DGB-Chef Michael Sommer sagte am Samstag bei der zentralen Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Essen: "Wir müssen vorbeugen und den Schamlosen in den Arm fallen." Die nächste Krise gucke schon um die Ecke; eine zweite Krise dieser Art sei nicht beherrschbar und bedrohe letztlich Frieden und Demokratie. Detailansicht öffnen DGB-Chef Sommer kritisiert die "Schamlosigkeit" auf dem Finanzmarkt. (Foto: Foto: dpa) Sommer griff vor allem Spekulanten an: Die "Protagonisten von Geiz und Gier" wetteten "gegen ganze Staaten wie Griechenland oder Spanien, sie wetten gegen den Euro, sie wetten letztlich gegen uns". Das sei verantwortungslos und im Grunde kriminell. Jene, die "schamlose Geschäfte" gemacht hätten, müssten jetzt zur Kasse gebeten werden. Der Vorsitzende der größten Einzelgewerkschaft IG Metall, Berthold Huber, sagte in Frankfurt, bis heute seien die Krisenursachen nicht untersucht und keine Gesetze gegen Finanzmarktspekulationen erlassen worden. "Wer auf der falschen Spur ist, wer als Geisterfahrer noch Vollgas gibt, der provoziert den nächsten Crash." Verdi-Chef Frank Bsirske beklagte in Hannover, weder eine Reform noch eine Regulierung der Finanzmärkte sei in Sicht. "Bis heute zwingen die Banken ihre Belegschaften, Papiere zu verkaufen, die die Kunden weder haben wollen noch brauchen", sagte Bsirske. Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Klaus Wiesehügel, sagte in Koblenz: "Die Krise hat gezeigt, dass der Markt sich nicht selbst regeln kann und das auch nicht darf." Gleichzeitig warnte er vor einer "marktradikalen Renaissance". DGB-Chef Sommer verlangte - ebenso wie Huber und Wiesehügel - eine Steuer auf alle Finanztransaktionen. Außerdem müssten die Banken für den bisher schon angerichteten Schaden aufkommen. Dazu reiche die von der Regierung verabschiedete Bankenabgabe bei weitem nicht aus: "Die ist so lächerlich gering, dass sie nicht einmal den Bankrott einer Dorfsparkasse auffangen könnte." Bundesweit hatten die Gewerkschaften fast 450 Veranstaltungen organisiert. Sie stehen unter dem Motto "Wir gehen vor! Gute Arbeit. Gerechte Löhne. Starker Sozialstaat". Hauptthema war neben der Wirtschaftskrise die Zunahme schlecht bezahlter und unsicherer Beschäftigung. DGB-Chef Sommer sagte: "Es ist höchste Zeit, dass der Niedriglohnsektor ausgetrocknet und letztendlich abgeschafft wird." Ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro sei da "wahrhaftig nicht zu viel". IG-Metall-Chef Huber setzte sich für eine bessere Absicherung der Arbeitsverhältnisse ein. Nur noch jede dritte offene Stelle sei ein regulärer, sozial geschützter Arbeitsplatz. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, forderte eine Wertedebatte "im Interesse der arbeitenden Menschen". Sie müsse geführt werden um Mindestlöhne, das Armutsrisiko bei Kindern und Jugendlichen und darum, "wer in der Wirtschaftskrise den Karren aus dem Dreck zieht", sagte Möllenberg laut einer Mitteilung in Duisburg. In Frankfurt hatten hunderte Kapitalismuskritiker am Freitagabend mit Bannern und Sprechchören friedlich gegen Kapitalismus und Lohnarbeit demonstriert. Die Veranstalter sprachen von mehr als 1000 Teilnehmern, die Polizei von etwa 400. Ein Bündnis linker Gruppen hatte bundesweit zu der Demonstration unter dem Motto "Endlich wird die Arbeit knapp! Gegen Lohnarbeit, Leistungsterror und Konkurrenz - Kapitalismus abwracken!" aufgerufen und wollte sich damit ausdrücklich gegen die Demonstrationen der Gewerkschaften am 1. Mai abgrenzen.
1. Mai im Zeichen der Finanzkrise: Die Gewerkschafter prangern "Geiz und Gier" von Spekulanten an - und fordern, die Finanzmärkte stärker zu regulieren.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kundgebungen-zum-1-mai-attacke-auf-die-schamlosen-1.938111
"Kundgebungen zum 1. Mai - Attacke auf die ""Schamlosen"""
00/05/2010
Alarmierende Zahlen: Sollte die Jobcenter-Reform wie geplant umgesetzt werden, kommen auf den Steuerzahler hohe Mehrbelastungen zu. Wenn von 2011 an mehr Städte und Landkreise Hartz-IV-Empfänger in Eigenregie betreuen, kommen auf die Steuerzahler erhebliche Mehrkosten zu. Dies geht aus internen Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Derzeit betreuen 67 sogenannte Optionskommunen Langzeitarbeitslose und deren Familien. Detailansicht öffnen Jobcenter in Stralsund: Bei einer Erhöhung der Zahl der Optionskommunen um mehr als 40 ergibt sich ein rechnerischer Mehrbedarf von 500 Millionen Euro. (Foto: Foto: dpa) In Zukunft können es 43 mehr, also bis zu 110 sein. Die Zahl der Jobcenter, in denen Kommunen und Arbeitsagenturen sich gemeinsam um Hartz-IV-Empfänger kümmern, sinkt dadurch von 345 auf zunächst gut 300. Darauf hatten sich die Bundesregierung und die SPD-Fraktion bei der Neuordnung der Hartz-IV-Verwaltung geeinigt. Der Vorstandschef der Bundesagentur, Frank-Jürgen Weise, legte nun in einem Vortrag eine brisante Modellrechnung vor: Danach belaufen sich die Einnahmenausfälle und Mehrausgaben bei einer vollständigen Übernahme der Hartz-IV-Verwaltung durch die Kommunen auf 3,9 Milliarden Euro. Dies bestätigte die Bundesagentur der SZ. Bei einer Erhöhung der Zahl der Optionskommunen um wie geplant mehr als 40 ergibt sich daraus ein rechnerischer Mehrbedarf von knapp 500 Millionen Euro im Jahr. Kritik der Linkspartei Bei der Arbeitsmarktexpertin der Linken, Sabine Zimmermann, stößt dies auf scharfe Kritik: Durch den Jobcenter-Kompromiss werde "die Situation der Erwerbslosen nicht verbessert, aber eine einheitliche Arbeitsvermittlung geschwächt". In der Verfassung werde "ein arbeitsmarktpolitischer Flickenteppich festgeschrieben, der auch noch den Steuerzahler teuer zu stehen kommt". Weise beruft sich auf die jüngste Untersuchung, bei der im Auftrag des Arbeitsministeriums die Leistungsfähigkeit der Jobcenter mit denen der Kommunen verglichen wurde. Laut dem fast 300 Seiten starken Bericht vom Dezember 2008 gelingt es den Jobcentern besser, den Hartz-IV-Beziehern zu helfen. Die kommunalen Träger verursachten "einen fiskalischen Verlust von im Schnitt 63 Euro pro Monat und Bedarfsgemeinschaft", also Hartz-IV-Haushalt. Würde man die Optionskommunen bundesweit einführen, ergäbe sich daraus ein Mehrbedarf von 3,3 Milliarden Euro. Die BA beziffert diesen nun mit 3,9 Milliarden Euro. Auch der Bundesrechnungshof hatte den Ausbau der Optionskommunen kritisiert: Die verschiedenen Systeme würden "das Risiko zweiter Klassen erwerbsfähiger Hilfebedürftiger" bergen. Das Arbeitsministerium wies dagegen in einer Antwort auf eine Linken-Anfrage darauf hin, dass die Regierung die "politische Umsetzbarkeit berücksichtigen" müsse. Die Union hatte auf mehr Optionskommunen gedrungen. Derzeit steht der Jobcenter-Kompromiss aber wieder auf der Kippe, weil die von Union und FDP zugesagte Mittelfreigabe für die Entfristung von 3200 Vermittlerstellen in den Arbeitsagenturen bislang nicht erfolgte.
Alarmierende Zahlen: Sollte die Jobcenter-Reform wie geplant umgesetzt werden, kommen auf den Steuerzahler hohe Mehrbelastungen zu.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/jobcenter-500-millionen-euro-die-reform-wird-teuer-1.938241
500 Millionen Euro - die Reform wird teuer
00/05/2010
Werden die Förder-Milliarden für den Nahverkehr ineffizient eingesetzt? Unsinn, kontern einige Länder. Doch Verkehrsminister Ramsauer geht den Vorwürfen nach. Nach Vorwürfen über eine Verschwendung von staatlichen Geldern im Nahverkehr will Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) die Verteilung der Fördermittel zwischen den Bundesländern überprüfen. "Es passt nicht in die finanzpolitische Landschaft, wenn in einigen Gegenden leere Züge fahren und auf der anderen Seite wiederum das Geld für wichtige Verkehrsinvestitionen fehlt", sagte Ramsauer am Donnerstag zur Süddeutschen Zeitung. Detailansicht öffnen Mit sieben Milliarden Euro fördert der Bund jedes Jahr den Regionalverkehr. Eine Studie hat nun enthüllt, dass dieses Geld teilweise ineffizient eingesetzt wird. (Foto: Foto: dpa) Jährlich erhalten die Länder etwa sieben Milliarden Euro vom Bund, um den Regionalverkehr bestellen zu können. Eine Studie des Bundesverbands der Verbraucherzentralen hatte gezeigt, dass die Mittel in einigen Bundesländern deutlich ineffizienter eingesetzt werden als in anderen. "Ich bin für solche Denkanstöße dankbar", sagte Ramsauer. "Wir werden die Studie intensiv prüfen und auch mit den Ländern darüber sprechen." Schlecht abgeschnitten hatten bei der Analyse unter anderem das Saarland, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Der Verfasser der Studie, Holger Krawinkel, betonte, dass das vorhandene Zahlenmaterial nicht genüge, um die Gründe genau zu analysieren, er hielt aber vor allem zwei Erklärungen für wahrscheinlich. Zum einen würden einige Länder ihre Verkehrsaufträge häufig direkt vergeben, statt sie auszuschreiben - was die Verträge in der Regel unnötig verteuere. Zum anderen vermutete er, dass die Deutsche Bahn als Betreiberin des Schienennetzes in bestimmten Regionen überhöhte Preise für die Nutzung der Trassen verlange. Empörte Länder-Minister Die betroffenen Ländern reagierten empört auf die Studie. Thüringens Verkehrsminister Christian Carius (CDU), bezeichnete sie als unseriös. Ähnlich äußerte sich Karl-Heinz Daehre (CDU), Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt. Man könne Sachsen-Anhalt schon allein wegen der "sehr viel höheren Arbeitslosigkeit und der geringeren Bevölkerungsdichte" nicht mit Bayern vergleichen, sagte er. Bayern hatte bei den Verbraucherschützern relativ gut abgeschnitten. Der sächsische Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) wies darauf hin, dass Sachsen "deutschlandweit die höchsten Trassen- und Stationsnutzungsentgelte zu zahlen" habe. Dadurch müssten "rund 200 Millionen Euro jährlich für die Nutzung der Infrastruktur an die DB AG weitergereicht werden", sagte Morlok. Als Konsequenz aus ihrer Analyse plädieren die Verbraucherschützer für eine Umverteilung der Mittel zwischen den Ländern. Der Bund solle ihnen künftig nur noch ein Grundangebot im Nahverkehr pauschal finanzieren und alle zusätzlichen Mittel gezielt dahin leiten, wo die Verkehrsnachfrage am größten und die Mittelverwendung am effizientesten sei. Die Gesamtfördersumme solle aber unverändert bleiben, stellte Krawinkel am Donnerstag klar. Denn insgesamt sei die Finanzierung des Nahverkehrs ein Erfolg. Das Angebot sei bundesweit seit 1994 um 50 Prozent gestiegen. Allerdings hätten sich die Verkehrsleistungen in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich entwickelt. Grüne: Dringender Handlungsbedarf Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr, die öffentliche Auftraggeber vertritt, kritisierte einige Aussagen der Studie als "pauschal und wenig fundiert". Man nehme die Ergebnisse dennoch "sehr ernst". Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) warnte: Wenn man den Empfehlungen der Studie folge, bedeute das, "weite Landstriche in Deutschland vom Schienenverkehr abzuhängen". Bundesmittel würden dann nur noch in Ballungsgebiete fließen. Als "richtig" bezeichnete VCD-Chef Michael Gehrmann aber die Forderung, "staatliche Gelder stärker nach dem Erfolg am Fahrgastmarkt und der Angebotsqualität zu verteilen". Unterstützung bekamen die Verbraucherschützer von den Grünen. Die Studie zeige dringenden Handlungsbedarf auf, sagte der Grünen-Verkehrsexperte Anton Hofreiter. Seine Partei hatte bereits 2006 einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Verteilung der Fördermittel an Effizienzkriterien binden sollte. Der FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring sagte, bei der in zwei Jahren anstehenden Neuverteilung der Mittel müssten die Länder verpflichtet werden, künftig alle Verkehrsverträge auszuschreiben. Eine Umverteilung zwischen den Ländern hält auch Mofair, der Interessenverband der Privatbahnen, für unausweichlich. "Die Verteilung muss den derzeitigen ökonomischen, bevölkerungs- und eisenbahnpolitischen Bedingungen angepasst werden", sagte Mofair-Hauptgeschäftsführer Engelbert Recker. Vor allem müsse zwischen ländlichen und verdichteten Gebieten umverteilt werden.
Werden die Förder-Milliarden für den Nahverkehr ineffizient eingesetzt? Unsinn, kontern einige Länder. Doch Verkehrsminister Ramsauer geht den Vorwürfen nach.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streit-um-nahverkehr-wir-werden-die-studie-intensiv-pruefen-1.941674
"Streit um Nahverkehr - ""Wir werden die Studie intensiv prüfen"""
00/05/2010
Tag der Arbeit, Tag der Abrechnung: Gerade mal jeder fünfte Erwerbstätige ist Mitglied einer Gewerkschaft - dabei sind die Arbeitnehmervertretungen die am meisten unter Wert gehandelten Organisationen überhaupt. Manchmal verschickt jemand eine Botschaft und merkt nicht, was er eigentlich mitteilt. Die Mail, von der hier die Rede sein soll, ging an mehrere Filialleiter einer großen privaten Bank. Der Verfasser, ein Vorgesetzter aus dem mittleren Management, befasste sich damit, dass die Berater die Verkaufsvorgaben nicht erfüllt haben, weder bei Kredit- noch bei Versicherungsverträgen. "Verwunderlich, dass wir immer noch sechs Filialen unter 100 Prozent haben", fängt dieser Chef also an. Und fügt hinzu: "Zu bemerken ist auch, dass keine Filiale bisher die 200 Prozent erreicht hat." Detailansicht öffnen Schneller, höher, weiter - im übertragenen Sinn: Früher sollten Angestellte ihre Arbeit zu 100 Prozent schaffen, jetzt müssen es 200 Prozent sein, demnächst wahrscheinlich 300. Das Foto zeigt einen Bauarbeiter in Berlin. (Foto: Foto: ddp) Es ist dies ein Satz, der nicht bloß die Verrücktheiten irgendeines Managers skizziert. Auch ist er nicht allein für die Bankenbranche exemplarisch, obwohl er natürlich die allgemeine Meinung gerade über diese Branche hinreißend zu illustrieren scheint. Im Grunde aber handelt es sich um einen Satz, der das ganze Elend des Kapitalismus zusammenfasst, zumindest dessen hässliche und verhängnisvolle Seite. Es geht in diesem Wirtschaftsregime schon lange nicht mehr darum, Bedürfnisse zu befriedigen und Wohlstand zu gewährleisten. Deutschland gehört zu jenen Gegenden der Welt, in denen der Kapitalismus dies in den vergangenen hundert Jahren erreicht hat, allerdings um den Preis, dass der Planet fast geplündert ist. Das Bedrückende am Kapitalismus besteht doch darin, dass er sich längst nicht mehr als Mittel, sondern als Zweck begreift. Der frühere Verfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde nennt ihn ein "Handlungssystem", ein System, das mittlerweile jedes menschliche Handeln bestimmt und das kein Maß mehr kennt - sondern nur auf die unbegrenzte Ausdehnung seiner selbst gerichtet ist. Es ist ein System, das Menschen nicht mehr als Personen in ihrer Ganzheit sieht. Nur noch deren Funktionen nimmt es wahr. Früher sollten sie ihre Arbeit zu 100 Prozent schaffen, jetzt müssen es 200 Prozent sein, demnächst wahrscheinlich 300, und immer so weiter. "Wir gehen vor!", ist nun das Motto, mit dem der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zu seinen Maikundgebungen ruft. Es hört sich trotzig und auch ein bisschen hilflos an. Gewerkschaften gelten nicht wirklich als chic. Egal wie die Marktplätze an diesem Samstag gefüllt sein mögen: Die allermeisten Menschen dürften die Teilnahme an der Maikundgebung ungefähr so ernsthaft erwägen wie den Gedanken, am Buß- und Bettag büßen und beten zu gehen. Schön finden die Leute den 1. Mai, weil er überall ein Feiertag ist, anders als dieser protestantische Mittwoch im November. 6,3 Millionen Menschen gehören einer der acht DGB-Gewerkschaften an, insgesamt sind es rund acht Millionen, die sich in Deutschland einer Arbeitnehmer-Organisation angeschlossen haben. Das sind einerseits weitaus mehr, als alle Bundestagsparteien zusammengenommen haben; andererseits bedeutet die Zahl: Gerade mal jeder fünfte Erwerbstätige gehört einer Gewerkschaft an. Manche treten nicht ein, weil sie auch so von all den Tarifverträgen profitieren. Andere haben über diese Frage noch nie nachgedacht, wiederum andere erhalten für ihre Arbeit so wenig Geld, dass sie sich selbst den Verdi-Beitrag nicht leisten können, und dann wiederum gibt es Menschen, denen ist das Lebensgefühl, das Gewerkschafter gelegentlich ausstrahlen, zu fremd.
Tag der Arbeit, Tag der Abrechnung: Gerade mal jeder fünfte Erwerbstätige ist Mitglied einer Gewerkschaft - dabei sind die Arbeitnehmervertretungen die am meisten unter Wert gehandelten Organisationen überhaupt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gewerkschaften-der-vorrang-des-menschen-1.933129
Gewerkschaften - Der Vorrang des Menschen
00/05/2010
Die Aschewolke beschert den Airlines enorme Verluste. Dennoch sollte die Politik jetzt keine Staatshilfen verteilen. Denn Konzerne müssen selbst für Risiken einstehen - und vorsorgen. Es wird immer wieder Gründe geben, um Geld zu betteln, denn notleidend ist irgendeine Branche stets. Und das Geld sitzt ja offenbar sehr locker: Hilfsprogramme für die Banken, die Bauwirtschaft und die Autoindustrie, Steuererleichterungen für Bürger und eine vereinfachte Kurzarbeit für Firmen und Beschäftigte - die Wirtschaftskrise hat den Staat auf viele Ideen gebracht. Warum also nicht auch für wirtschaftliche Schäden einspringen, die der Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen auf Island angerichtet hat? Detailansicht öffnen Flugzeug von Air Berlin beim Anflug auf den Flughafen Berlin-Tegel: "Leben ist immer lebensgefährlich." (Foto: Foto: apn) Es gibt gute Argumente dafür, dass diesmal der Steuerzahler dafür nicht bezahlt. Die öffentlichen Kassen sind leer. Es ist kein Geld für neue Hilfsprogramme da und schon gar nicht für solche, die Schäden ausgleichen sollen, für die der Staat nichts kann. Naturkatastrophen sind unberechenbar und können verheerende Folgen haben. Es ist deshalb ökonomisch logisch, dass es viel Geld kostet, wenn sich Unternehmen gegen wirtschaftliche Ausfälle etwa wegen eines Vulkanausbruchs versichern. "Leben ist immer lebensgefährlich", dichtete Erich Kästner und übertragen auf das Wirtschaftsleben bedeutet dies: Investieren ist mit Risiken verbunden. Wer Gewinne erhofft, kann Risiken nicht ausblenden. In einer Marktwirtschaft gehört es dazu, dass Unternehmen auch für die Risiken einstehen und dafür vorsorgen. Natürlich sind die Umsatzausfälle, die das Flugverbot gerade den Fluggesellschaften beschert, immens. Der internationale Verband der Fluggesellschaften IATA schätzt, dass den Fluggesellschaften täglich Einnahmen von bis zu 200 Millionen Dollar fehlen. Daher überrascht es nicht, wenn die beiden großen deutschen Airlines Lufthansa und Air Berlin und viele andere prüfen, in welcher Form sie den Staat um Hilfe bitten könnten oder - so formuliert es Lufthansa - einen "Interessensausgleich" anstreben. Der Reflex ist alt. Auch nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sind weltweit viele Fluggesellschaften staatlich unterstützt worden. Die Nachfrage nach Flugreisen und damit auch die Umsätze waren eingebrochen, weil die Menschen aus Angst vor neuen Terroranschlägen nicht mehr ins Flugzeug stiegen. Langfristig geholfen haben die staatlichen Stützungsaktionen allerdings wenig: Trotz der Beihilfen gingen genau die Fluggesellschaften pleite, die schon vor dem Terror finanziell klamm waren. Die belgische Sabena ist das beste Beispiel dafür. Sie hatte in den achtzig Jahren ihres Bestehens stets mit Verlust gearbeitet - die Nachfrageeinbrüche von 2001 gaben ihr schließlich den Rest. Auch der belgische Staat konnte sie nicht mehr retten. Die Staatshilfen nach dem Terror von damals haben besonders deutlich gezeigt, dass sie kranke Firmen nicht gesund machen und dass es gesunde auch ohne fremde Hilfe schaffen. In vielen Fällen ist das Geld verpufft und die Steuerzahler haben vergeblich bezahlt. Das wird auch diesmal wieder der Fall sein, zumal 2009 für die Fluggesellschaften weltweit das schlechteste Jahr seit 2001 war. Die traditionellen Airlines geraten durch den scharfen Preiswettbewerb in Bedrängnis und verlieren Kunden an Billigflieger. Wer aber sein Geschäftsmodell nicht umstellt, wird untergehen - mit und ohne Finanzhilfe. Statt wieder neue Hilfspakete zu schnüren, wäre mehr Pragmatismus wünschenswert. Die Nachtflugverbote könnten vorübergehend aufgehoben werden, wenn sich der Flugverkehr normalisiert und mehr Nachfrage als sonst befriedigt werden muss. Es spürt ja nicht nur die Luftfahrtbranche die wirtschaftlichen Folgen des Vulkanausbruchs. Hochwertige Elektronik beispielsweise wird an Bord von Flugzeugen transportiert. Der Autohersteller BMW muss bereits wegen fehlender Elektronikbauteile seine Produktion in einigen deutschen Werken unterbrechen. Den volkswirtschaftlichen Schaden für deutsche Firmen schätzt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) auf etwa eine Milliarde Euro täglich. Der Staat dürfte es schwer haben zu entscheiden, wen er stützt und wen nicht. Es wäre besser, er ließe es ganz bleiben.
Die Aschewolke beschert den Airlines enorme Verluste. Dennoch sollte die Politik jetzt keine Staatshilfen verteilen. Denn Konzerne müssen selbst für Risiken einstehen - und vorsorgen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/staatshilfen-fuer-airlines-wer-investiert-riskiert-1.935635
Staatshilfen für Airlines - Wer investiert, riskiert
00/05/2010
Ärztetage sind in Debatten und Abstimmungen gegossene Rituale der Selbstvergewisserung. Bedeutsam sind inzwischen nur noch die Zusammenkünfte an sich, weniger die Beschlüsse. Es ist zwar nicht so, dass die Ärzte in dieser Woche in Dresden nur unwichtige Kleinigkeiten berieten. Das sogenannte Parlament der Ärzte widmet sich zentralen Fragen der Gesundheitspolitik: der medizinischen Vorsorgung und den Rechten der Patienten. Und dennoch sind die Beschlüsse der stolzen Medizinerschaft nur noch ein Beitrag unter vielen. Meinungsführerschaft kann der Ärztetag nicht mehr beanspruchen. Detailansicht öffnen Mit Philipp Rösler hat ein gelernter Arzt das Gesundheitsministerium übernommen - und damit jede Menge Probleme. (Foto: Foto: ddp) Ausgerechnet jetzt, da ein junger FDP-Politiker und gelernter Arzt das Gesundheitsministerium übernommen hat, steckt die organisierte Ärzteschaft in einer Krise. Der Einfluss schwindet, der Beruf verliert an Attraktivität und die Doktoren tun sich schwer, alte Strukturen zu überwinden und Platz für neues Denken zu lassen. Warum hat das Ansehen der Ärzte so gelitten? Das hat viele Gründe, manche davon sind hausgemacht. Die Ärzteschaft hat im Kampf gegen das Spardiktat der Politik seit Jahren immer wieder lautstark geklagt - über schlechte Arbeitsbedingungen, unbezahlte Überstunden und überbordende Bürokratie. Das Jammern schallte so massiv durch das Land, dass selbst überspitzte Thesen inzwischen als Wahrheit gelten. Von der Erfüllung gerade durch den Beruf des Arztes, der wie kaum ein anderer anderen Menschen hilft, war nur selten die Rede. Kein Wunder also, dass der medizinische Nachwuchs lieber ins Ausland geht oder sein Glück in der Forschung sucht. Noch mutet die These vom Ärztemangel wie eine neuzeitliche Legende an. Würde man auf einer Landkarte die Gegenden mit vielen Ärzten grün anpinseln und die mit zu wenigen rot, der Großteil der Republik wäre grün und schön. Und doch nehmen die roten Flecken zu. Es gibt ganze Regionen in Ostdeutschland, in Westfalen, in Niedersachsen aber auch in Bayern, wo es zu wenig Hausärzte gibt, von Fachärzten ganz zu schweigen. Weil viele der Doktoren bald in Ruhestand gehen, wird sich die Lage in den kommenden Jahren weiter verschlechtern - und der abgeschreckte Nachwuchs verspürt wenig Lust, in entlegenen Gegenden die Nachfolge anzutreten. Es ist Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen, die medizinische Versorgung auch in Gebieten sicherzustellen, in denen sich nur wenige Ärzte niederlassen wollen. Doch fällt es ihnen schwer, weil die jungen Mediziner anspruchsvoller geworden sind. Es geht ihnen um flexible Arbeitszeiten und um bessere Möglichkeiten, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. All das spricht gegen die klassische Solo-Arzt-Praxis und für Ärztehäuser oder medizinische Versorgungszentren. Es spricht auch dafür, dass Krankenhäuser in schlecht versorgten Gebieten die Aufgaben der niedergelassenen Kollegen übernehmen können. Die Ärzteschaft hat konkrete Vorschläge in diese Richtung gemacht. Das ist gut und seit langem überfällig. Bemerkenswert ist vor allem, dass platte Forderungen nach besserer Vergütung weitgehend in den Hintergrund getreten sind. Sie sind im Jahr eins nach der Wirtschaftskrise eh nicht zeitgemäß. Und hier muss die Sprache auf Philipp Rösler kommen. Schon in den vergangenen Wochen hat sich der neue Gesundheitsminister bemüht, auf Distanz zu den Mediziner-Kollegen zu gehen. Er versprach ihnen weniger Bürokratie, aber nicht mehr Geld. Die Mediziner können sich glücklich schätzen, wenn es dabei bleiben sollte. Denn der Minister braucht Geld. Der gesetzlichen Krankenversicherung droht im kommenden Jahr ein Defizit von elf Milliarden Euro, weitere Milliarden muss Rösler einsparen, um den Sozialausgleich für seine Kopfpauschale zumindest anteilig zu finanzieren. Es wäre erstaunlich, wenn Rösler auf der Suche nach den Milliarden die Ärzteschaft ungeschoren ließe.
FDP-Gesundheitsminister Philipp Rösler sucht nach Rezepten, wie er Milliarden sparen kann - müssen auch die Ärzte bluten?
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gesundheitspolitik-mehr-aerzte-weniger-geld-1.943056
Mehr Ärzte, weniger Geld
00/05/2010
Erst Siemens, dann MAN, Daimler und Ferrostaal: Athen will nach Affären mit deutschen Konzernen die Korruption bei Handelstransfers stoppen. Erst der Industriekonzern Siemens, dann der Lastwagen- und Bushersteller MAN, der Autobauer Daimler und jetzt das Handelsunternehmen Ferrostaal: Deutsche Unternehmen, die in Griechenland etwas verkaufen wollten, machten immer wieder dieselbe Erfahrung. Detailansicht öffnen Korruption gab es schon im antiken Griechenland: Polyneikes besticht Eriphyle mit dem Halsband der Harmonia. (Foto: Foto: oh) Ohne Korruption waren in Athen Geschäfte mit dem Staat oder mit Staatsfirmen kaum möglich. Über Schwarzgeldkonten und Scheinfirmen im Mittelmeer und in der Karibik flossen Millionen an Politiker, Beamte und Firmenchefs, dann folgten die Aufträge. Das soll sich jetzt ändern. Die griechische Regierung will Maßnahmen ergreifen, um Schmiergeldzahlungen künftig auszuschließen. Das geht aus einem Schreiben von Verteidigungsminister Evangelos Venizelos an den Stahlkonzern Thyssen-Krupp hervor, das der Athener Zeitung Kathimerini und der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Ein erster Schritt Darin kündigt Venizelos "Transparenz" bei allen Geschäften an. Jede Zahlung soll von nun an genau erfasst und dokumentiert werden, bei allen Vertragsparteien, um heimliche Geldtransfers zu verhindern. Es ist ein erster Schritt. Ob das ausreicht, wird sich freilich noch zeigen müssen. Bei Thyssen-Krupp wird das Vorhaben gutgeheißen. Die Schiffbau-Sparte des Stahlkonzerns ist von der Korruptionsaffäre bei Ferrostaal betroffen, dem neuesten derartigen Fall in der deutschen Wirtschaft. Ferrostaal hat als Zwischenhändler von 2000 bis 2002 Verträge für die Lieferung von vier U-Booten an die griechische Marine abgeschlossen. Kaufpreis: fast drei Milliarden Euro, von denen zwei Milliarden im Voraus bezahlt wurden, was ungewöhnlich war. Angebliche Mängel an U-Booten Entwickelt wurden die U-Boote bei der Werft HDW, die seit 2005 zu Thyssen-Krupp gehört. Später, als geliefert wurde, gab es Streit zwischen Griechenland und Thyssen-Krupp wegen angeblicher Mängel an den U-Booten. Bei dem Geschäft soll viel Schmiergeld geflossen sein. Ermittelt wird gegen Ferrostaal-Manager, darunter auch frühere Vorstandsmitglieder. Thyssen-Krupp ist nicht unter Verdacht, hat aber mit dem Fall zu tun, deshalb der Briefwechsel zwischen der griechischen Regierung und der Schiffbau-Sparte des Stahlkonzerns. Die seit einem halben Jahr amtierende griechische Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou steht von allen Seiten unter Druck. Das Land ist so gut wie pleite, internationale Hilfe gibt es aber nur, wenn die zwischen Adria und Ägäis übliche Schattenwirtschaft endlich konsequent bekämpft wird. Ermittlungen wie bei Siemens haben Schmiergeldpraktiken in Athen offengelegt, von denen viele Politiker und Manager wussten und die nun erstmals im Detail belegt sind. Jetzt liegen Beweise vor, wie die beiden führenden Parteien des Landes, die linke Pasok und die konservative Nea Dimokratia, sowie deren Vertraute und Günstlinge in Ministerien und Staatsfirmen systematisch kassierten. Ein korruptes Geflecht, das bis in höchste Kreise reichte, wurde offengelegt. Flucht nach vorne Der Regierung Papandreou bleibt nur die Flucht nach vorne. Verteidigungsminister Venizelos hat die Athener Staatsanwaltschaft aufgefordert, ihre im Fall Ferrostaal eingeleiteten Ermittlungen voranzutreiben. Früher hat die teilweise mit den Parteien verfilzte griechische Justiz oftmals lieber weggeschaut, um nicht gegen führende Politiker vorgehen zu müssen. Seit dem auch in den Athener Medien breit abgehandelten Korruptionsskandal bei Siemens ist der Druck der Öffentlichkeit aber enorm, nun muss ermittelt werden. Bei den von einer Thyssen-Krupp-Werft hergestellten und von Ferrostaal gelieferten U-Booten ist die griechische Finanzpolizei bereits auf verdächtige Zahlungen gestoßen, die über Österreich, die Karibik, Liberia und Zypern abgewickelt wurden. So steht es in einem Ermittlungsbericht von Ende April. Die Empfänger in Athen haben mit dem mutmaßlich schmutzigen Geld, um es zu waschen, möglicherweise Land gekauft. Verteidigungsminister Venizelos verlangt von der Athener Justiz, per Rechtshilfe alle Informationen der deutschen Ermittler über Ferrostaal und die U-Boote für Griechenland anzufordern. Die deutsche Justiz untersucht bereits verdächtige Zahlungen in Höhe von fast 100 Millionen Euro. Vieles soll über einen Geschäftsmann in Athen gelaufen sein, der früher beste Kontakte zu den damals wichtigen Leuten in Parteien und Staat hatte. Die heutige Regierung muss aufräumen. Ihr bleibt keine andere Wahl.
Erst Siemens, dann MAN, Daimler und Ferrostaal: Athen will nach Affären mit deutschen Konzernen die Korruption bei Handelstransfers stoppen.
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Korruption in Griechenland - Kampf gegen heimliche Geldtransfers
00/05/2010
Er war "der Mann auf der Leiter": Karl-Gerhard Eick führte sechs Monate lang und am Ende erfolglos Arcandor, kassierte aber das Gehalt für fünf Jahre. Jetzt spendet er, aber nicht an ehemalige Kollegen. Der goldene Handschlag, mit dem Karl-Gerhard Eick im September 2009 als Vorstandschef des insolventen Arcandor-Konzerns verabschiedet wurde, war ungewöhnlich großzügig gewesen: Der 56-Jährige verließ das Unternehmen nach nur sechs Monaten mit der Zusage, dass seine Bezüge noch viereinhalb Jahre weiterbezahlt werden. Und zwar nicht von Arcandor selbst, sondern von dessen Großaktionär, dem Bankhaus Sal. Oppenheim - so hatte es sich Eick in weiser Voraussicht garantieren lassen. Bis zum Ende seiner Vertragslaufzeit im Frühjahr 2014 kann der Kurzzeit-Chef somit Zahlungen von insgesamt bis zu 15 Millionen Euro erwarten. Detailansicht öffnen Er kam, sah - und siegte nicht: Karl-Gerhard Eick. (Foto: Foto: AP) Als diese Details am Tag seines Abschieds bekanntwurden, war die allgemeine Entrüstung groß. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich öffentlich empört über die Höhe der Summe. Dafür habe sie "absolut kein Verständnis", sagte sie. Eick versprach, ein Drittel seiner Bezüge an Mitarbeiter von Arcandor spenden zu wollen, die durch die Insolvenz ihren Arbeitsplatz verloren haben oder noch verlieren werden. Einfach mal breiter spenden Dazu wird es jedoch nicht kommen. Aber nicht, weil der ehemalige Arcandor-Chef nicht zu seinem Versprechen steht, sondern weil die von ihm favorisierte Lösung einer Stiftung nicht praktikabel ist. Eick hat sich deshalb entschlossen, aus seinen laufenden Bezügen verschiedene Organisationen zu unterstützen, die sich zum Ziel gesetzt haben, Menschen zu helfen, die unverschuldet durch Arbeitslosigkeit in Not geraten sind. Wie aus seinem Umfeld bestätigt wurde, hat der Manager bereits im ersten Quartal 150.000 Euro an Spenden zugesagt. Zu den Empfängern gehört die Stiftung der Eheleute Hans-Joachim und Mathilde Lock, die als Stiftungszweck die "Förderung mildtätiger Zwecke durch die Unterstützung unverschuldet in Not geratener und hilfsbedürftiger Menschen in der Stadt Essen" angibt. Zudem habe Eick an zwei Organisationen mit vergleichbarer Zielsetzung mit Sitz in Stuttgart und Jena gespendet, heißt es. Bei der Auswahl der Adressaten habe er sich vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft beraten lassen. Nach intensiver Prüfung hat Eick, der vor seinem Kurz-Engagement bei Arcandor sieben Jahre Finanzchef der Deutschen Telekom gewesen war, offenbar eingesehen, dass die Gründung einer Stiftung für Arcandor-Mitarbeiter wenig sinnvoll gewesen wäre: Weil das Stiftungsvermögen nicht angetastet werden darf und lediglich die Erlöse ausgeschüttet werden können, hätte diese Organisation den ehemaligen Beschäftigten des Touristik- und Handelskonzerns nicht schnell und wirksam helfen können. Bei der Entscheidung, das Geld breiter zu spenden, hat offenbar auch eine Rolle gespielt, dass eine Stiftung für notleidende Beschäftigte eines Unternehmens, das es nicht mehr gibt, Schwierigkeiten gehabt hätte, die richtigen Adressaten zu finden. Wohin es den Klavierliebhaber Eick beruflich verschlägt, ist weiter offen. Gespräche mit dem Energieversorger EnBW, wo er als Finanzvorstand im Gespräch war, haben sich dem Vernehmen nach zerschlagen.
Er war "der Mann auf der Leiter": Karl-Gerhard Eick führte sechs Monate lang und am Ende erfolglos Arcandor, kassierte aber das Gehalt für fünf Jahre. Jetzt spendet er, aber nicht an ehemalige Kollegen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arcandor-karl-gerhard-eick-wohltaeter-auf-umwegen-1.935541
Arcandor: Karl-Gerhard Eick - Wohltäter auf Umwegen
00/05/2010
Ob Fiebermittel oder Inkontinenzmaßnahmen: Apotheken beraten oft katastrophal schlecht. Und mitunter so laut, dass alle mithören können. Außerdem: Mit Volkswagen geht es steil bergauf. Der Gang in die Apotheke muss nicht der Weg der Besserung sein. Denn wie ein Test zeigte, lässt die Beratung in Apotheken oft zu wünschen übrig. Die Stiftung Warentest vergab in ihrer jüngsten Untersuchung an elf von 50 getesteten Apotheken ein "mangelhaft" und nur an sieben ein "gut". Detailansicht öffnen Im Vergleich schnitten die Vor-Ort-Apotheken etwas besser ab als die Versandapotheken. (Foto: Foto: dpa) Besonders die Versandapotheken schnitten schlechter ab als beim Test vor zwei Jahren. Von 23 getesteten erhielten nur vier die Note "befriedigend", alle anderen waren schlechter. Beratung zu Medikamenten und die Herstellung einer Rezeptur standen im Mittelpunkt des Tests. Stiftung Warentest ließ Kunden in 27 Vor-Ort-Apotheken in Berlin, Essen, Nürnberg und Augsburg den Service testen, zudem prüfte sie den Bestell- und Lieferservice, die Webseite und die allgemeine Geschäftsbedingungen der Versandapotheken. Das Ergebnis: Häufig kam die Beratung der Kunden zu kurz. Vielfach informierten Fachkräfte falsch über Arzneimittel, oder erkannten die Wechselwirkung zwischen Medikamenten trotz einfacher Problemstellung nicht. So wiesen sie zum Beispiel nicht darauf hin, dass Johanniskraut die Wirksamkeit anderer Wirkstoffe mindern könne. Beim Kauf eines fiebersenkenden Mittels für ein dreijähriges Mädchen, erkundigten sich die Mitarbeiter oft nicht einmal nach der Höhe des Fiebers. Versandapotheken hielten sich nicht an die Pflicht, Rezepturen herzustellen. Stiftung Warentest ermittelte außerdem erhebliche Preisunterschiede bei rezeptfreien Medikamenten. So kostete eine Hautcreme bei verschiedenen Anbietern zwischen 6,23 Euro und 12,90 Euro. Dabei waren Versandapotheken nicht generell günstiger als die Apotheke um die Ecke. Aufwind bei Volkswagen Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat die angestrebte Fusion mit Porsche als "historische Chance für beide Unternehmen" gewürdigt. "Ich bin überzeugt, dass Volkswagen und Porsche gemeinsam eine Wachstumsgeschichte schreiben können, wie es in der Automobilwelt bisher wenige gab", sagte der VW-Vorstandsvorsitzende bei der Hauptversammlung des Wolfsburger Konzerns. Nach einem zähen Machtkampf hatte VW im Dezember 2009 zunächst 49,9 Prozent von Porsche übernommen. Bis 2011 will der Autobauer den Stuttgarter Sportwagenhersteller ganz übernehmen. Langfristig erwarte VW durch die Übernahme große Synergieeffekte, sagte Winterkorn. Das jährliche operative Ergebnis des Konzerns werde um 700 Millionen Euro steigen. Auf der Hauptversammlung will sich der VW-Vorstand von den Anteilseignern ermächtigen lassen, in den kommenden fünf Jahren bei Bedarf Anleihen im Wert von bis zu fünf Milliarden Euro auszugeben. Erst vor wenigen Tagen hatte der Konzern eine Kapitalerhöhung abgeschlossen, die ihm durch die Ausgabe von fast 65 Millionen stimmrechtslosen Vorzugsaktien 4,1 Milliarden Euro in die Kasse spülte. Mit dem Geld will VW die geplante Übernahme von Porsche finanzieren. Mit den VW-Modellen Golf und Polo läuft es jetzt schon rund. Der Volkswagen-Konzern fuhr im Jahr 2009 mit seinem wichtigstem Modell Golf erstmals seit Jahren wieder eine "ordentliche" Rendite ein. Wie das Handelsblatt aus Kreisen des Aufsichtsrats erfuhr, kam der Golf über alle Varianten im Durchschnitt auf eine operative Umsatzrendite von knapp acht Prozent pro Fahrzeug. Dem Autohersteller seien Einspareffekte durch eine intensive Nutzung bestehender Technologien und Werkzeuge der vorherigen Reihe zugute gekommen. Für einen weiteren Schub hätten 2009 die Auslastung der Fabrik in Wolfsburg und eine ungewöhnlich hohe Bestellrate für lukrative Sonderausstattungen gesorgt, heißt es weiter in Branchenkreisen. Für beides seien die staatlichen Absatzhilfen im Krisenjahr verantwortlich. Profitiert habe davon auch der im spanischen Pamplona hergestellte neue Polo, der in seinem ersten Jahr 2009 den Aufsichtsratskreisen zufolge im Schnitt eine operative Umsatzrendite von fünf bis sechs Prozent erwirtschaftet. Die Renditen der Modelle seien unter dem Strich allerdings erheblich verwässert, hieß es weiter. Viele Gemeinkosten wie Entwicklungsleistungen würden gar nicht den Modellen zugeordnet, sondern landen in Sonderposten, bemängeln interne Kritiker. Offiziell weist der Konzern für die Marke Volkswagen PKW für das Jahr 2009 laut Handelsblatt eine operative Umsatzrendite von 0,9 Prozent aus. Im vergangenen Jahr hatte die Wirtschaftskrise bei VW zu einem dramatischen Gewinneinbruch geführt. Unter dem Strich verdiente Europas größter Autohersteller im vergangenen Jahr 911 Millionen Euro, das sind über 80 Prozent weniger als die knapp 4,7 Milliarden Euro im Jahr davor. Damit blieb VW allerdings in den schwarzen Zahlen und kam weitaus besser durch die Krise als viele Konkurrenten. Auch 2010 werde ein insgesamt schwieriges Jahr für die Autoindustrie, sagte Winterkorn in Hamburg. "Unsere Branche hat eine längere, steinige Wegstrecke vor sich. Das Absatzniveau von vor der Krise werden wir frühestens 2012 wieder erreichen." VW bleibe trotz des schwierigen Umfelds aber "in der Offensive" und wolle seine Wettbewerbsposition ausbauen sowie die Integration von Porsche zum Erfolg führen, sagte der Vorstandschef. Hoffnungen setze VW vor allem auf ein erwartetes Wachstum in den Pkw-Märkten von China, Brasilien und den USA. Die Märkte in Deutschland und in Westeuropa würden dieses Jahr dagegen schrumpfen. "Das konjunkturelle Umfeld ist und bleibt schwierig. Rückschläge sind nicht ausgeschlossen." Arriva stimmt der Übernahme durch Deutsche Bahn zu Die Deutsche Bahn hat für die geplante milliardenschwere Übernahme des britischen Transportunternehmens Arriva die Zustimmung des Managements. Wie beide Unternehmen mitteilten, empfiehlt der Arriva-Vorstand seinen Aktionären das Kaufangebot der Bahn als "fair und vernünftig". Der bundeseigene Konzern ist demnach bereit, 775 Pence pro Arriva- Aktie zu zahlen. Inklusive zu übernehmender Schulden will die Deutsche Bahn rund 2,7 Milliarden Euro aufbringen. Dies wäre ihr spektakulärster Zukauf seit der Übernahme des Logistikers Stinnes 2003. Bahnchef Rüdiger Grube erklärte, eine Übernahme von Arriva biete "exzellente Chancen" im europäischen Wettbewerb. Das börsennotierte britische Unternehmen betreibt Busse und Bahnen in zwölf europäischen Ländern, darunter in Deutschland. Nach ersten Gesprächen mit den Wettbewerbsbehörden gehe die Bahn davon aus, "dass wir in Deutschland die Eisenbahnaktivitäten von Arriva veräußern werden". Der Bahn-Aufsichtsratsvorsitzende Utz-Hellmuth Felcht erklärte, dass Deutschland weiter der Kernmarkt für den Konzern bleibe. "Für die deutschen Kunden wird es dadurch keinerlei Einschränkungen oder Abstriche geben."
Ob Fiebermittel oder Inkontinenzmaßnahmen: Apotheken beraten oft katastrophal schlecht. Und mitunter so laut, dass alle mithören können. Außerdem: Mit Volkswagen geht es steil bergauf.
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Wirtschaft kompakt - Hilflos hinterm Tresen
00/05/2010
Wer trägt die Schuld an der Ölpest? Der BP-Konzern war nicht auf den Öl-Gau vorbereitet. Auch die US-Regierung ist mitverantwortlich. Es ist ein Lichtblick, auf den BP-Chef Tony Hayward in den vergangenen Wochen gehofft hatte: Erstmals haben jetzt Ingenieure ein Absaugrohr an die beschädigte Ölleitung im Golf von Mexiko angebracht. Doch auch wenn es bald gelingen sollte, das Leck zu stopfen, wird die Ölkatastrophe für BP noch ein langes Nachspiel haben. Detailansicht öffnen Archivfoto der Öl-Förderstation Deepwater Horizon kurz vor ihrem Untergang. Ingenieure haben ein Absaugrohr an der beschädigten Ölleitung im Golf von Mexiko angebracht. (Foto: Foto: apn) Dabei geht es nicht nur um teure Schadensersatzklagen, die den zweitgrößten Ölkonzern der Welt zwar finanziell schmerzen, an denen er aber nicht zerbrechen wird. Die zentrale Frage ist, ob BP bei seinem Vorstoß in die Tiefen des Meeres den Schutz der Umwelt kruden Gewinninteressen geopfert hat. Diesem Problem muss sich die gesamte Branche stellen, die mit ihren Offshore-Bohrungen einer technischen Hybris verfallen ist. Hayward ist sicherlich kein Betonkopf wie beispielsweise der frühere Exxon-Mobil-Chef Lee Raymond, für den sich die gesellschaftliche Verantwortung von Ölkonzernen auf den Jahresausstoß in Barrel reduzierte. Der 52-jährige BP-Chef hat das Unternehmen seit dem Abgang seines autokratischen Vorgängers Lord Browne 2007 systematisch umgebaut, Hierarchien gekappt und eine neue Führungskultur etabliert. Interne Debatten über Fehler und Versäumnisse sind heute in der Firmenzentrale am Londoner St. James Square kein Tabu mehr. Nur so konnte es Hayward gelingen, die Konsequenzen aus dem Raffinerieunglück 2005 in Texas zu ziehen und Sicherheitsstandards zu etablieren, die in der Branche durchaus beispielhaft sind. Dennoch hat Hayward nicht genug getan. Er selbst hat in einem Interview angedeutet, dass sich BP besser auf einen solchen Öl-Gau hätte vorbereiten können. Dabei geht es allerdings nicht nur um ein zusätzliches Absperrventil, das vielleicht die Katastrophe verhindert hätte. Konzerne erreichen eine kritische Größe, die es immer schwieriger macht, Risiken abzuschätzen. Die Ölindustrie ist dafür besonders anfällig: Noch immer verstehen sich die Multis wie Exxon Mobil, Chevron, Shell und BP als Pioniere des technisch Machbaren. Die Ölmänner dringen in unbekannte Welten vor. Nachdem die arabischen Wüsten ausgereizt und im übrigen von Staatsunternehmen der Förderländer okkupiert worden sind, rammen sie ihre Bohrgestänge in den Permafrostboden Alaskas und in den Grund der Tiefsee. Der thrill, der Wonneschauer der Geologen und Ingenieure, paart sich mit den Gesetzen der Wall Street. Im Kampf um die ohnehin knapper werdenden Ölressourcen, wird nur das Unternehmen von Börsianern goutiert, das neben steigenden Gewinnen auch die am meisten versprechenden Reserve-Prognosen in den Bilanzen ausweisen kann. Die Ölmanager wissen, dass sie dieses Spiel in den nächsten Jahrzehnten verlieren werden. Nämlich dann, wenn der letzte Tropfen Öl herausgequetscht ist. Um so verbissener ist jedoch bis dahin der Kampf um die noch vorhandenen Felder. Das erhöht die Risiken bei der Förderung. Nur: Wer sich jetzt wie Washingtoner Politiker über das Tiefseeabenteuer von BP beklagt, lenkt von den eigenen Versäumnissen ab. Das ist ähnlich wie beim derzeit modernen banker bashing, dem Eindreschen auf Banker, die wegen ihrer Gier für die Finanzkrise verantwortlich gemacht werden. Dabei haben die Regierungen den Finanzexzessen zugeschaut und diese durch eine laxe Regulierung sogar gefördert. Das gleiche gilt für die Ölindustrie: Das Geschäft mit dem schwarzen Gold ist ebenso schmutzig wie riskant. Doch die Gier der Verbraucherstaaten, deren Volkswirtschaften nach wie vor von fossiler Energie abhängen, feuert den Ölkonsum an. Noch bis vor kurzem hat US-Präsident Barack Obama keinen Zweifel daran gelassen, dass Bohrungen vor der Küste für die Energieversorgung des Landes von zentraler Bedeutung sind. Die Konzerne sind Teil dieses Systems. Wer ihnen den Wilden Westen bietet, darf sich über die Ergebnisse nicht wundern. Die Regierungen müssen deshalb den Unternehmen sagen, was sie tun und nicht tun dürfen. Das ist für BP-Chef Hayward ebenso wichtig wie für den von der Ölpest betroffenen Fischer an der Golfküste.
Wer trägt die Schuld an der Ölpest? Der BP-Konzern war nicht auf den Öl-Gau vorbereitet. Auch die US-Regierung ist mitverantwortlich.
wirtschaft
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Ölpest im Golf von Mexiko - Die Schuld von BP und von Obama
00/05/2010
Es gehört schon einiges dazu, Ottfried Fischer wie einen Zwerg aussehen zu lassen. Die österreichische Möbelkette XXXLutz hat es geschafft. In Dirigentenfrack und Oberhemd sitzt der massige Schauspieler, als "Bulle von Tölz" bekannt, nun auf einem überdimensionierten roten Stuhl. Wer Fischer so klein aussehen lässt, muss wirklich groß sein, will die Werbung sagen. Möbel Lutz ist groß, ein Riese, und der rote Stuhl ist sein Erkennungszeichen. Dieser Stuhl ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden. So groß, dass mancher Mensch darunter sich winzig klein fühlt. Detailansicht öffnen XXXLutz-Filiale in Aschheim bei München: Mancher Mensch fühlt sich winzig klein unter dem großen Stuhl. (Foto: Foto: Ulla Baumgart) Domäne, Möbelix, Oase, Mann Mobilia, Engelhardt, Siegle, Neubert, Bierstorfer, Karstadt Theresienhöhe, Hiendl, Krügel, Emslander und zuletzt Gamerdinger. Vor allem im süddeutschen Raum hat Lutz viele Familienbetriebe geschluckt. Seit 20 Jahren ist Lutz in Deutschland. Mehr als 9300 Menschen arbeiten hier für das Unternehmen, das die Brüder Richard und Andreas Seifert vom oberösterreichischen Wels aus steuern. Europaweit gibt es 16.500 Mitarbeiter. Seit 1999 stehen drei Xe vor dem L. Sie stehen für Größe, für Wachstum. Sie stehen auch für einen Umzug, von kleinen Läden in den Innenstädten ging es hinaus in die Industriegebiete, in große Betonklötze. Gewinn macht, wer den Umsatz steigert. Die Großen liefern sich Rabattschlachten, die Kleinen können nicht mithalten. In Süddeutschland konkurrieren Höffner, Segmüller und Lutz. Einige kämpfen nicht nur mit Preisen; sie schicken auch Prominente in den Ring. Als Lutz 2008 seinen neuen Möbelpalast in Aschheim bei München eröffnete, sang Hansi Hinterseer, Alfons Schuhbeck kochte . Segmüller setzte Sarah Connor, Otto Waalkes und Marianne und Michael dagegen. Inzwischen hat Lutz mit Hollywood gekontert, Schauspieler Kevin Costner gab ein Konzert. Von der harten Konkurrenz profitieren die Kunden. Zahlen müssten die Mitarbeiter, sagt ein Branchenkenner, der anonym bleiben will. Früher, da konnte ein erfahrener Möbelverkäufer einen großen BMW vor der Tür parken. Die Zeiten seien vorbei. "Die Mitarbeiter sind für viele nur 'Humankapital'." Wer bei Lutz aufsteigen wolle, müsse "verlutzen". "Und das heißt entmenschlichen." Probleme wegen Beinbruch Vielleicht war Elisabeth G. einfach zu menschlich. Ihre Zeit als Lutz-Verkäuferin endete im Juni 2008. Die Münchnerin saß in einer Sitzgruppe gleich neben der Rolltreppe, die in weitere Verkaufsetagen des ehemaligen Karstadt-Einrichtungshauses an der Münchner Theresienwiese führt. Jeder Kunde, der auf der Rolltreppe fuhr, konnte Zeuge werden, wie sie von ihrer Vorgesetzten "in aller Öffentlichkeit eine Dreiviertelstunde lang niedergemacht" wurde, erzählt sie. Dann musste sie in den zweiten Stock, zur Geschäftsleiterin, die ihr einen Aufhebungsvertrag vorlegte. Als G. ablehnte, drückte sie ihr die Kündigung in die Hand - "betriebsbedingt". Nach fast 25 Jahren im selben Haus. An diesem Tag erhielten sieben Mitarbeiter ihre Kündigung. Mit ihren 52 Jahren war G. die Jüngste von ihnen: Vier waren 60 Jahre alt, einer 59, einer 55. Wie diese Auswahl zustande kam, will Lutz auf Anfrage nicht beantworten. Noch in den 80er Jahren galt das Münchner Karstadt-Haus als Vorzeigeobjekt. Als die Geschäfte schlechter liefen, stieg Karstadt aus dem Möbelhandel aus. 2004 kam Lutz. Die Würzburger BDSK Handels GmbH, eine Lutz-Tochter, übernahm das Haus. Sehr bald versuchte diese, Mitarbeiter zu entlassen, spielte öffentlich mit dem Gedanken, das Haus zu schließen. Die Pläne scheiterten am Widerstand der Gewerkschaften und dem Gesetz: Ein Jahr lang waren Mitarbeiter nach der Übernahme geschützt. Elisabeth G. durfte bleiben. Zunächst. Ihre Probleme begannen mit einem Beinbruch. Als sie wieder zur Arbeit kam, sollte sie plötzlich nicht mehr Schlafzimmer, Betten und Matratzen verkaufen, sondern Sofas. Statt der vertrauten Karstadt-Kollegen hatte sie nun neue, jüngere, die mit den neuen Chefs ins Haus gekommen waren, erinnert sie sich. Plötzlich sei es nicht mehr darum gegangen, den Kunden ausführlich zu beraten, sondern nur noch um den Verkauf, so schnell wie möglich. Darum konnte G. sich allerdings kaum kümmern. Die erfahrene Verkäuferin musste Schilder aufstellen, Preise erneuern, Prospekte geraderichten - Arbeiten, die früher Auszubildende erledigten. Sofas verkaufen konnte sie in dieser Zeit nicht.
In wenigen Jahren hat die Möbelkette XXXLutz den deutschen Markt aufgerollt. Doch Mitarbeiter klagen über Leistungsdruck und raue Sitten. Das Unternehmen kontert.
wirtschaft
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XXXLutz: Beschwerden von Mitarbeitern - Die unter dem roten Stuhl
00/05/2010
Noch haben Wolfgang Dollingers Monteure mehr als genug zu tun: Selbst an Samstagen müssen die Mitarbeiter des Betriebs in Oberbayern auf die Dächer ihrer Kunden steigen. Die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen ist im Moment so groß, dass selbst die Lieferanten kaum mehr nachkommen. "Der ganze Markt spielt verrückt", sagt Dollinger. Detailansicht öffnen Noch ist die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen sehr groß - doch das wird sich bald ändern, denn die Regierung wird die Solar-Förderung kürzen. (Foto: Foto: ddp) Bis Ende Juni wollen möglichst viele Hausbesitzer noch schnell ihr Kraftwerk auf dem Dach installieren, denn zum 1. Juli sinkt die Vergütung für den eingespeisten Strom um 16 Prozent. Einer entsprechenden Kürzung hat am Mittwoch der Umweltausschuss des Bundestags zugestimmt, gegen die Stimmen von SPD, Grünen und Linksfraktion. Der Betreiber einer neuen Photovoltaikanlage erhält dann nur noch 33 Cent je einspeister Kilowattstunde. Solarparks auf Äckern werden überhaupt nicht mehr gefördert. Handwerk und Solarindustrie fürchten nun um Tausende Arbeitsplätze. Denn mit der neuerlichen Kürzung der Einspeisevergütung sinken auch die Gewinne der Betreiber. In Gegenden mit hoher Sonneneinstrahlung, wie beispielsweise in Südbayern, konnten mit Photovoltaikanlagen bisher Rendite auf das eingesetzte Kapital von sechs Prozent und mehr erzielt werden. Entsprechend stark wuchs in den vergangenen Jahren die Zahl der Module auf Dächern und Äckern. Vor allem Landwirte entdeckten in der Stromerzeugung ein ebenso willkommenes wie risikoloses Zusatzeinkommen. "Industriepolitisch verantwortungslos" Die Rechnung dafür bezahlen allerdings die Stromkunden: Obwohl in Deutschland kaum mehr als ein Prozent des Stroms mit Solaranlagen erzeugt wird, erhielten deren Betreiber allein 2008 rund zwei Milliarden Euro an Einspeisevergütungen - 400 Millionen mehr als die Erzeuger von Windkraft kassierten. Das ist auch der Grund dafür, warum die Bundesregierung die Förderung nun drastisch zusammenstreicht. Bei den Nutznießern ist die Empörung nun groß: "Kürzungen in dieser Größenordnung sind industriepolitisch verantwortungslos", sagt Günther Cramer, Präsident des Bundesverbands Solarwirtschaft. Kritik kommt aber auch aus den Landwirtschaftsministerien und vom Bauernverband: Für die krisengeschüttelten Bauern falle nun eine weitere Einkommensquelle aus. Die Erzeugung von Solarstrom, befürchten sie, werde sich erst dann wieder lohnen, wenn die Hersteller die Preise für ihre Module senken. Darauf hofft auch das Handwerk, das in den vergangenen Jahren am Photovoltaik-Boom gut verdiente. Gerade Heizungsbauer trifft es nun womöglich gleich doppelt: Denn außer bei der Vergütung für Solarstrom will die Bundesregierung auch noch beim Marktanreizprogramm streichen, mit dem bisher Solarkollektoren zur Warmwasserbereitung, Bioheizungen oder Wärmepumpen gefördert wurden. Ab Juli sieht es düster aus Wegen der desolaten Haushaltslage hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) das Programm für mehr Öko-Energien beim Heizen gestoppt. Damit können vorerst keine Zuschüsse des Bundesamts für Wirtschaft mehr vergeben werden. Die Haushaltssperre umfasst 115 Millionen Euro. Gegen die Entscheidung regt sich in der Unionsfraktion allerdings Widerstand. Vor allem Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte für die Freigabe der Mittel für das Klimaschutz- und Beschäftigungsprogramm gekämpft. Die Grünen im Bundestag warfen der Regierung am Donnerstag vor, sie wolle den Klimaschutz nun endgültig abwracken: Denn jeder eingesetzte Euro zur Förderung habe sieben Euro private Investitionen nach sich gezogen. Für Geschäftsführer Dollinger und seine gut hundert Mitarbeiter werden die Entscheidungen der Regierung gravierende Folgen haben: Für die Zeit nach dem 1. Juli fehlen ihm die Aufträge. "Das wird auf jeden Fall Arbeitsplätze kosten", sagt er. Der Absatz von Pelletanlagen ist bereits seit Jahresanfang eingebrochen, Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung verkauft er nur noch vereinzelt. Dafür boomt das Geschäft mit Anlagen, die aus Gründen des Kimaschutzes aus dem Verkehr gezogen werden sollten: Koventionelle Ölheizungen, sagt Dollinger, seien bei den Kunden jetzt wieder gefragt.
Top-Renditen mit Sonnenstrom? Das war einmal. Die Regierung kürzt die Solar-Förderung um 16 Prozent - Handwerker und Bauern befürchten massive Einbußen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/solar-foerderung-gestutzt-wenn-sonnenkoenige-weinen-1.938761
Solar-Förderung gestutzt - Wenn Sonnenkönige weinen
00/05/2010
Raubkopien en masse und ein übler Geruch in der Asservatenkammer: Klaus Hoffmeister ist der oberste Produktpiratenjäger des deutschen Zolls. Zur Hannover Messe hat er besonders viel zu tun. Da drin riecht es so muffig, dass man selber stinkt, wenn man ein paar Minuten drin ist", warnt Klaus Hoffmeister, als er das Zimmer aufsperrt. Hinter der Tür sieht es aus wie in einem Trödelladen: Bohrmaschinen, Spielwaren, Sonnenbrillen, Parfüms, Sexspielzeug und T-Shirts. Lauter gefälschte Markenartikel. Beschlagnahmt von Zöllnern im ganzen Bundesgebiet und als Asservate aufbewahrt im fensterlosen Zimmer 442 der Oberfinanzdirektion München. Detailansicht öffnen Klaus Hoffmeister und lauter gefälschte Markenartikel, beschlagnahmt von Zöllnern im ganzen Bundesgebiet und als Asservate aufbewahrt im fensterlosen Zimmer 442 der Oberfinanzdirektion München. (Foto: Foto: Schellnegger) Während Klaus Hoffmeister einen grauen Metallspind mit Zigaretten-Stangen und Champagner öffnet, erzählt er vom Leiden seiner Frau, wenn die mit ihm einkaufen muss. Unlängst erst in einem Jeansgeschäft interessierte er sich wieder einmal mehr für Hosenetiketten und -knöpfe als für Länge und Passform. "Denken Sie sich nichts, mein Mann prüft nur, ob Sie Fälschungen verkaufen", sagte Frau Hoffmeister genervt, als sich die Verkäuferin wunderte. "Berufskrankheit, ich kann nicht anders", sagt Klaus Hoffmeister und lacht. Die Diagnose dürfte stimmen. Seit 1995 hat der fünffache Vater die Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz (ZGR) aufgebaut und ist seither auch ihr Leiter. "Mein Chef hat damals gesagt: Sie können machen, was Sie wollen, aber seien Sie erfolgreich", erzählt Hoffmeister, ein großgewachsenes Mannsbild von 47 Jahren. Er ist, wenn man so will, der oberste Produktpiratenjäger des deutschen Zolls. Geschätzter Schaden pro Jahr: 30 Milliarden Euro Der Erfolg lässt sich schwer in Zahlen messen. Experten schätzen den volkswirtschaftlichen Schaden durch Produktpiraterie in Deutschland auf jährlich 30 Milliarden Euro. Nicht nur bei der am Montag eröffneten Hannover Messe beklagen Markenhersteller eine rasante Zunahme von Fälschungen. Viele Firmen sind überfordert. "Bei uns kommen jede Woche mindestens zwei bis drei entsprechende Hinweise rein", sagt Sebastian Meyer, Leiter Recht und Compliance beim Stiftehersteller Schwan-Stabilo. "Aus Kosten- und Kapazitätsgründen müssen wir Prioritäten setzen, welchen Fall wir überhaupt verfolgen." Der deutsche Zoll zog "im Jahrhundertjahr 2006" (Hoffmeister) gefälschte Waren im Gesamtwert von 1,2 Milliarden Euro aus dem Verkehr. In den folgenden beiden Jahren lag das Volumen jeweils bei mehr als 400 Millionen Euro. Aktuelle Zahlen gibt Finanzminister Wolfgang Schäuble, am Donnerstag bekannt.
Raubkopien en masse und ein übler Geruch in der Asservatenkammer: Klaus Hoffmeister ist der oberste Produktpiratenjäger des deutschen Zolls. Zur Hannover Messe hat er besonders viel zu tun.
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Klaus Hoffmeister: Plagiate - Der Piratenjäger
00/05/2010
Ein schwacher Euro müsste die deutsche Wirtschaft freuen - oder nicht? Außenhandels-Präsident Anton Börner über die Gefahren des Kursverfalls und das Krisenmanagement der EZB. Der Euro fällt und fällt. Zuletzt ist die europäische Gemeinschaftswährung auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren eingebrochen. Nutznießer dieser Entwicklung ist die exportorientierte deutsche Wirtschaft, denn die Produkte werden für Investoren außerhalb des Euroraums günstiger. Anton Börner, dem Präsidenten des Außenhandelsverbands BGA, müsste der schwache Euro als Konjunkturspritze eigentlich gelegen kommen. Doch seine Antwort überrascht. Detailansicht öffnen Der Euro ist auf den tiefsten Stand seit vier Jahren eingebrochen. (Foto: Foto: dpa) sueddeutsche.de: Herr Börner, der Euro ist in den vergangenen Wochen drastisch eingebrochen. Während Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), von der "schwierigsten Situation seit dem Zweiten Weltkrieg" spricht, müsste die exportorientierte deutsche Wirtschaft eigentlich jubeln. Anton Börner: Nein, ich juble gar nicht. Das ist eine Milchmädchenrechnung, die meistens nicht aufgeht. Kurzfristig mag der schwache Euro zwar eine gewisse Entspannung bringen, weil Produkte made in Germany im Welthandel günstiger werden. Aber man darf nicht vergessen, dass Deutschland auch einer der weltgrößten Importeure ist. Und da Rohstoffe in Dollar bewertet werden, wird der Einkauf sehr teuer für uns. sueddeutsche.de: Vor sieben Jahren - damals war der Euro gerade über die Marke von 1,10 Dollar gestiegen - sagten Sie noch: "Ein Kurs von 1,10 Dollar, das tut dem Außenhandel weh." Gilt diese Aussage nicht mehr? Börner: Unser eigentliches Problem ist nicht, dass der Euro an Wert verliert, sondern die Geschwindigkeit sowie die heftigen und unerwarteten Bewegungen. sueddeutsche.de: Gegen solche Währungsschwankungen können sich Unternehmen absichern. Börner: Aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Gegen derart unerwartete und heftige Bewegungen, wie wir sie derzeit erleben, ist eine Absicherung nahezu unmöglich. Hinzu kommt, dass diese Sicherungsgeschäfte auch ein Grund für den fallenden Euro sind. Der Sinkflug des Euro ist ja nicht ein Resultat dunkler Geschäfte von irgendwelchen Hedgefonds. Nein, die Realwirtschaft muss sich gegen weiter sinkende Kurse absichern. So haben wir einen sich selbst verstärkenden Prozess, der sich noch verschärfen wird. sueddeutsche.de: Welche Folgen hat das? Börner: Problematisch wird es, wenn das Vertrauen in die europäische Währung verloren geht. Das werden wir spüren, denn ausländische Unternehmen werden dann weniger bei uns investieren. Außerdem wird die EZB die Zinsen anheben müssen, um den Euro für Investoren attraktiver zu machen. Und höhere Zinsen sind, gerade in dieser fragilen Konjunkturlage, Gift für die deutsche Wirtschaft. sueddeutsche.de: Welcher Euro-Kurs wäre denn für Sie ideal? Börner: Es gibt keine Schmerzgrenze. Wichtig ist nur, dass wir wieder Stabilität in die Märkte bekommen. sueddeutsche.de: Stabilität ist auch das Ziel der EZB. Um die Währungsunion zu retten, bricht sie sogar mit einem Tabu und kauft Ramsch-Anleihen hochverschuldeter Eurostaaten. Ist das der richtige Weg? Börner: Das ist Gift. Wir werfen bestes Geld dem schlechten hinterher. Griechenland wird seine Schulden nie bezahlen können. Am Ende wird daher doch eine Umschuldung kommen. Dann besser gleich. Dies würde zwar auch deutsche Banken und Versicherer belasten, aber dafür gibt es Stützungsmaßnahmen, wie den Rettungsfonds Soffin. sueddeutsche.de: Dann zahlt der Steuerzahler wieder die Zeche. Ist es das, was Sie wollen? Börner: Er zahlt sie wenigstens nur einmal. Im Moment zahlt er sie über die EZB-Hilfen und später über die Umschuldung, um die wir nicht herumkommen werden. Wenn wir Pech haben, dann müssen die Steuerzahler sogar noch ein drittes Mal zahlen - wenn wir in eine Verunsicherungsspirale mit Inflationsgefahr hineinkommmen. Daher: Umschulden und zwar sofort! Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Ein schwacher Euro müsste die deutsche Wirtschaft freuen - oder nicht? Außenhandels-Präsident Anton Börner über die Gefahren des Kursverfalls und das Krisenmanagement der EZB.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/euro-krise-aussenhandels-praesident-gift-fuer-die-wirtschaft-1.938593
"Euro-Krise: Außenhandels-Präsident - ""Gift für die Wirtschaft"""
00/05/2010
Der ehemalige Telekom-Chef Ricke und Ex-Aufsichtsratsvorsitzender Zumwinkel entgehen einer Anklage in der Spitzelaffäre. Außerdem: Toyota macht Gewinn - trotz massiver Rückrufe. Das Ermittlungsverfahren gegen die Topmanager Klaus Zumwinkel und Kai-Uwe Ricke wegen der Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom wird nach Informationen der Financial Times Deutschland aus Mangel an Beweisen eingestellt. Detailansicht öffnen Der ehemalige Telekomchef Kai-Uwe Ricke und der einstige Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel (Foto) stritten stets ab, in die Bespitzelung von Telekom-Aufsichtsräten, Gewerkschaftern und Journalisten verwickelt gewesen zu sein. Nun wird aus Mangel an Beweisen nicht weiter gegen sie ermittelt. (Foto: Foto: ddp) Der einstige Telekom-Aufsichtsratsvorsitzende und der frühere Telekom-Chef müssten nicht mehr mit einer Anklage rechnen, berichtete das Blatt unter Berufung auf mit den Ermittlungen vertraute Kreise. Die formale Einstellung des Verfahrens stehe unmittelbar bevor. Die Bonner Staatsanwaltschaft lehnte auf Nachfrage eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Die Sicherheitsabteilung der Deutschen Telekom hatte in den Jahren vor 2007 Aufsichtsräte des Unternehmens, Gewerkschafter und Journalisten bespitzelt. Durch den Abgleich von Telefonverbindungsdaten wollte sie einer vermuteten undichten Stelle im Aufsichtsrat auf die Spur kommen, die Medienvertreter mit brisanten internen Unterlagen versorgt hatte. Der frühere Post-Chef Zumwinkel und Ricke hatten stets bestritten in die Bespitzelung verwickelt gewesen zu sein. Die juristische Aufarbeitung des Skandals werde sich nun auf einige Telekom-Führungskräfte aus der dritten Reihe, sowie einen externen Dienstleister beschränken, berichete die Zeitung weiter. Gegen sie hätten die Staatsanwälte offenbar ausreichend Belastungsmaterial gesammelt. Gewinn trotz Rückrufaktion bei Toyota Der weltgrößte Autohersteller Toyota befindet sich nach Einschätzung seines Präsidenten noch immer in "stürmischer See". Daran habe sich nichts geändert, sagte Akio Toyoda nach der Vorstellung der Jahreszahlen. Trotz des Sturms sei aber mittlerweile auch wieder Licht am Ende des Tunnels erkennbar. Ungeachtet der Imageverluste nach einer massiven Rückrufaktion hat Toyota im ersten Quartal dieses Jahres wieder Gewinne erzielt. Der japanische Automobilkonzern wies ein Plus von 112 Milliarden Yen (926 Millionen Euro) aus. Ein Jahr zuvor, noch mitten in der globalen Automobilkrise, steckte das Unternehmen mit 766 Milliarden Yen (6,3 Milliarden Euro) in den roten Zahlen. Maßgeblichen Anteil an der Wende hatte ein Programm zur Kostensenkung. Der Quartalsumsatz schnellte um 49,2 Prozent nach oben auf 5,28 Billionen Yen (43,6 Milliarden Euro). Im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr 2009/2010 erzielte Toyota einen Gewinn von 209 Milliarden Yen (1,7 Milliarden Euro) - nach dem schlechtesten Jahr der 1937 begonnenen Unternehmensgeschichte mit einem Verlust von 437 Milliarden Yen. Der Jahresabsatz sank um vier Prozent auf 7,24 Millionen Fahrzeuge. In den vergangenen Monaten musste Toyota weltweit mehr als acht Millionen Autos zurückrufen. Wegen einer Rückrufaktion für Pickups hat Toyota derzeit neuen Ärger in den USA. Die zuständige Behörde geht der Frage nach, ob Toyota im Jahr 2005 Kleinlaster vom Typ "Hilux" wegen Problemen mit der Steuersäule rechtzeitig in US-Werkstätten zurückgerufen habe. Die Schwierigkeiten waren bereits 2004 in Japan aufgetreten, und Toyota hatte damals erklärt, das betreffe nur die im Heimatland des Herstellers verkauften Fahrzeuge. Toyota hatte sich erst im April zur Zahlung einer Geldbuße von 16,4 Millionen Dollar bereiterklärt. Dem Konzern war vorgeworfen worden, Fahrzeuge wegen Problemen mit hakenden Pedalen zu spät in die Werkstätten zurückgerufen zu haben. Toyota bestritt allerdings ein Fehlverhalten. Gläubiger bewilligen Woolworth-Verkauf Die Gläubiger von Woolworth haben dem Verkauf der insolventen Handelskette an eine Tengelmann-Holding zugestimmt. Das berichtete der Sprecher des Frankfurter Insolvenzverwalters Ottmar Hermann. Dieser informierte auch die Mitarbeiter in der Frankfurter Firmenzentrale der Billigkaufhauskette über die Zukunft ihrer Arbeitsplätze. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird Frankfurt die Zentrale verlieren. Es sei aber damit zu rechnen, dass zumindest den Mitarbeitern von Einkauf, Marketing und Vertrieb Anschlussverträge angeboten würden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. In der Woolworth-Zentrale im Stadtteil Niederrad arbeiten knapp 200 Beschäftigte. Über den Kaufpreis machte der Insolvenzverwalter weiterhin keine Angaben. Er hatte bereits am Freitag bestätigt, dass die HH-Holding den Zuschlag für die noch 162 Geschäfte erhalten hat. Insgesamt sind 4500 Beschäftigte betroffen. Ihre Verträge gelten unverändert weiter, sind aber auf ein Jahr befristet. Bei HH handelt sich um ein in Bönen bei Dortmund beheimatetes Konsortium des Handelskonzern Tengelmann mit seinen Discount-Töchtern Kik und Tedi. Für das Unternehmen hatte sich der Woolworth-Hauptvermieter Cerberus starkgemacht. In Bönen sind auch Kik und die von der Frankfurter Mutter unabhängige Woolworth-Logistiktochter beheimatet. Post steigert Gewinn und Umsatz Die Deutsche Post will in diesem Jahr den Konzernumsatz trotz des Wegfalls des Steuerprivilegs und des anhaltenden Niedergangs der Briefsparte steigern. Der Briefumsatz werde um drei Prozent hinter dem Vorjahr zurückbleiben, sagte Finanzvorstand Larry Rosen. Der Konzernumsatz werde das Vorjahr aber übertreffen. 2009 hatte die Post 46,2 Milliarden Euro umgesetzt. Am Morgen hatte die Post angekündigt, der operative Gewinn vor Sonderposten werde 2010 am oberen Ende der Spanne zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro liegen. In diesem Jahr sollen zudem die größten Projekte des Konzernumbaus abgeschlossen werden. Zwar fänden Umstrukturierungen bei einem großen Unternehmen nie ein Ende, doch werde im kommenden Jahr die bisherige Leitkennziffer operatives Ergebnis vor Sonderposten wegfallen. Im ersten Quartal hat die Deutsche Post getragen von der konjunkturellen Erholung etwas mehr umgesetzt und wegen des Sparkurses deutlich mehr verdient. Im ersten Quartal erhöhte sich der Umsatz von 11,5 Milliarden auf 12,0 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sonderposten stieg dank der Sparkur und des Konzernumbaus von 312 Millionen auf 566 Millionen Euro. Der Überschuss legte einen gewaltigen Sprung von 944 Millionen auf 1,7 Milliarden Euro hin. Grund ist die Bilanz-Umstellung auf IFRS.
Der ehemalige Telekom-Chef Ricke und Ex-Aufsichtsratsvorsitzender Zumwinkel entgehen einer Anklage in der Spitzelaffäre. Außerdem: Toyota macht Gewinn - trotz massiver Rückrufe.
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Wirtschaft kompakt - Zumwinkel entkommt Anklage
00/05/2010
Nach der Krise wollten die Fluggesellschaften durchstarten, doch die Aschewolke bringt die Airlines in Bedrängnis. Die Rufe nach Staatshilfe werden lauter - und die Politik ist gar nicht abgeneigt. Es hat genau vier Tage gedauert, bis die erste Fluggesellschaft nach Staatshilfen gerufen hat. Willie Walsh, Chef von British Airways, verspürte den branchenüblichen Reflex als Erster. "Europäische Fluggesellschaften haben die EU und die nationalen Regierungen wegen der Schließung des Luftraumes um finanzielle Entschädigung gebeten", so Walsh. Schließlich sei es unverhältnismäßig gewesen, den gesamten Luftraum zu sperren. Detailansicht öffnen Die Aschewolke aus Island hat die Fluggesellschaften viel Geld gekostet. Der Lufthansa soll ein Schaden von 200 Millionen Euro entstanden sein. (Foto: Foto: dpa) Die Debatte hat in der Branche Tradition. In fast jeder Krise wird der Ruf nach dem Staat laut, sei es, wenn die Treibstoffpreise zu hoch sind oder die Nachfrage wegen einer allgemeinen Wirtschaftsflaute einbricht. In wirtschaftlich guten Zeiten hingegen werden Walsh und seine Kollegen nicht müde, angebliche Staatshilfen für Konkurrenten wie Emirates oder europäische Wackelkandidaten wie Malev, Alitalia oder Olympic Airways zu beklagen. Ungewöhnlich ist, dass nun Manager wie Walsh und sogar Air-Berlin-Chef Joachim Hunold, Verfechter des freien Marktes, die Hilfen ansprechen. Hunold sagte in einem Radio-Interview, sein Unternehmen mache "riesige Verluste" wegen der Vulkanasche. Am Ende werde er ein Fazit ziehen und prüfen, "ob wir hier nicht eine mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vergleichbare Situation haben". Damals bekamen die Airlines einen finanziellen Ausgleich dafür, dass der amerikanische Luftraum drei Tage lang gesperrt war. In Wirtschaft und Politik gibt es aber starke Vorbehalte gegen Staatshilfen. "Staatshilfen wären definitiv das falsche Signal", sagte der Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann. Der Flugstopp über Europa sorgt dafür, dass bessere Ergebnisse im Jahr 2010 schwerer zu erreichen sein werden. Das werde einen negativen Einfluss auf das Ergebnis haben, glaubt Uwe Weinreich, Analyst bei Unicredit. Per-Ola Hellgren von der LBBW zweifelt daran, dass die Lufthansa wie erhofft 2010 wieder einen deutlichen Gewinn einfahren kann. Schreckgespenst Pleite Der weltweite Verband der Airlines, die IATA, glaubt, die Verluste betrügen rund 250 Millionen Dollar pro Tag, damit hätten sie mittlerweile die Milliardengrenze überschritten. Die Association of European Airlines (AEA) rechnet damit, dass etliche kleinere der rund 150 Fluggesellschaften in Europa in ein bis zwei Wochen pleitegehen könnten. Laut Hellgren dürfte alleine bei Lufthansa der negative Effekt bisher bei rund 200 Millionen Euro liegen. Bei British Airways sind es Unternehmensangaben zufolge 100 Millionen Pfund (114 Millionen Euro). Selbst Emirates mit Sitz in Dubai gibt an, insgesamt rund 50 Millionen Dollar verloren zu haben, obwohl nur 20 Prozent der Flotte (30 Maschinen) derzeit am Boden bleiben muss. Bis zum Dienstagmittag seien in Brüssel weder Anfragen noch Anträge auf Staatsbeihilfe eingegangen, sagte die Sprecherin von Verkehrskommissar Siim Kallas. Die Airlines hätten Kallas am Montag erklärt, Daten über die Höhe der Verluste seien nicht vor kommender Woche lieferbar. Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hatte sich bereit gezeigt, auf mögliche Anfragen der Unternehmen "ähnlich zu reagieren wie nach den Terroranschlägen 2001". Schlechter wirtschaftlicher Zustand Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) schloss nicht aus, dass die Bundesregierung staatliche Hilfen einräumen könne. Die Europäische Kommission verwies darauf, dass sie die Initiativen der einzelnen Mitgliedsstaaten koordinieren will. Das dürfte indes schwer werden. In Frankreich wollten sich schon am Dienstag Regierungsvertreter mit Abgesandten von Fluggesellschaften treffen, um zu diskutieren, in welcher Form die Wirtschaft unterstützt werden könnte. Dass Airlines öffentliche Hilfen fordern, macht auch deutlich, in welch schlechtem wirtschaftlichen Zustand sich die Branche befindet. Der Vulkanausbruch, der seit Tagen den europäischen Luftverkehr weitgehend lahmlegt, trifft die Industrie genau in dem Moment, da sie sich von der bisher schlimmsten Krise erholt. Bereits Mitte 2008 standen viele Fluggesellschaften vor der Frage, wie sie angesichts hoher Treibstoffpreise den nächsten Winter überleben können. Im Jahr 2009 wurden die Unternehmen durch die tiefe wirtschaftliche Krise gebeutelt, die meisten Airlines mussten Verluste, insgesamt zehn Milliarden Dollar, verkraften. Die IATA wird ihre Prognose für 2010, Verluste von nur drei Milliarden Dollar, voraussichtlich bald nach unten korrigieren müssen.
Nach der Krise wollten die Fluggesellschaften durchstarten, doch die Aschewolke bringt die Airlines in Bedrängnis. Die Rufe nach Staatshilfe werden lauter - und die Politik ist gar nicht abgeneigt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aschewolke-airlines-die-krise-nach-der-krise-1.933732
Aschewolke: Airlines - Die Krise nach der Krise
00/05/2010
Triton bietet für Karstadt, stellt jedoch unerfüllbare Forderungen. Es verdichtet sich der Verdacht, dass der Finanzinvestor nur die Lage sichten möchte. So sehr Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gehofft hat, ein Kaufangebot für Karstadt als Ganzes zu bekommen - die Offerte des Finanzinvestors Triton kann ihn nicht glücklich machen. Denn der Bewerber hat sein Interesse an Bedingungen geknüpft, die nicht zu erfüllen sind. Detailansicht öffnen Der US-Finanzinvestor Triton hat ein Angebot für Karstadt vorgelegt. (Foto: Foto: dpa) So sollen die Vermieter ihre Forderungen noch einmal deutlich reduzieren, und von den Beschäftigten werden weitere Zugeständnisse verlangt. Zudem plant Triton offensichtlich einen drastischen Stellenabbau. Darauf wird sich die Belegschaft kaum einlassen. Denn sie hatte ihren Beitrag zur Sanierung der Warenhauskette nach harten Verhandlungen im September an die Zusage geknüpft, dass in den nächsten drei Jahren keine Häuser geschlossen werden und es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommt. Inakzeptabel ist das Angebot von Triton deshalb, weil die Gesellschaft nicht nennenswert investieren will. Ohne Finanzspritze im hohen dreistelligen Millionenbereich kann das Warenhausunternehmen aber nicht wettbewerbsfähig werden. So verdichtet sich der Eindruck, dass die Offerte nicht mehr ist als ein Versuchsballon: Die Investoren wollen ausloten, zu welchen Zugeständnissen die Gläubiger bereit sind. Entscheidend für Karstadt ist allein, wie sich Goldman Sachs verhält. Als Miteigentümer der Immobilien muss die US-Investmentbank abwägen, wie sie den Schaden aus ihrem Investment klein halten kann, und dazu müsste sie bei Karstadt einsteigen. Die Frage ist nur, wie und mit wem. Gut möglich, dass sich Goldman Metro mit ins Boot holt, die ihre Tochter Kaufhof loswerden will. Ein Zusammenschluss dieser Warenhäuser wird erst recht zu einem Stellenabbau führen.
Triton bietet für Karstadt, stellt jedoch unerfüllbare Forderungen. Es verdichtet sich der Verdacht, dass der Finanzinvestor nur die Lage sichten möchte.
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Karstadt: Angebot von Triton - Nur ein Versuchsballon
00/05/2010
Der US-Agrarkonzern Monsanto versucht, die Herstellung von Lebensmitteln unter seine Kontrolle zu bringen - mit der Neuerfindung des Schweins. Das umstrittene Patent auf die Züchtung von Schweinen ist erst seit einigen Tagen vom Tisch, und viele Landwirte dürften erleichtert aufgeatmet haben. Möglicherweise zu früh, wie sich nun herausstellt. Denn der US-Agrarkonzern Monsanto hatte bereits seinen nächsten Versuch gestartet, um Landwirte und Verbraucher mit Patenten in der Schweinemast zur Kasse zu bitten. Nach Recherchen von Greenpeace und weiteren Organisationen will der Konzern das Fleisch von Schweinen, die mit gentechnisch veränderten Futterpflanzen von Monsanto gefüttert wurden, als Erfindung für sich beanspruchen. Detailansicht öffnen Der Agrarkonzern Monsanto will das Schwein neu erfinden - und sich bestimmte Schinken und Schnitzel patentieren lassen. (Foto: Archivfoto: dpa) Monsanto hat offenbar bereits im vergangenen Jahr bei der Weltpatentbehörde in Genf Lizenzansprüche auf Schinken und Schnitzel angemeldet. "Dahinter steckt das strategische Interesse, die gesamte Kette in der Lebensmittelproduktion unter Kontrolle zu bringen", sagte Greenpeace-Gentechnikexperte Christoph Then der Süddeutschen Zeitung. "Das ist ein Missbrauch des Patentrechtes. Schnitzel und Schinken sind keine Erfindung", behauptet er. Vom Saatgut bis zum Schweinebraten Greenpeace sowie 300 Umwelt- und Landwirtschaftsorganisationen forderten am Dienstag ein grundsätzliches Verbot der Patentierung von Pflanzen, Tieren und Lebensmitteln. "Die Politik muss hier eine Grenze ziehen", findet Then. Monsanto bestätigte zwei Anträge auf Anfrage der SZ. Würde ein solches Patent erteilt, so wäre dies nach Einschätzung von Greenpeace ein Dammbruch. Damit werde erstmals der Weg für Lizenzansprüche freigemacht, die sich vom Saatgut einer Pflanze über das Tier bis hin zu Würstchen und Schweinebraten erstrecken könnten. Monsanto reklamiert Greenpeace zufolge in dem Patentantrag für sich, dass die Verfütterung einer hauseigenen Gen-Soja-Sorte zu einer erhöhten Konzentration von ungesättigten Fettsäuren im Schwein führt. "Daher wären die entsprechenden Fleisch- und Wurst-Produkte eine exklusive Erfindung des Konzerns", ergänzt Then. Geschäftsmodell Lebensmittel-Patent Offenbar konzentrieren sich die Bemühungen Monsantos nicht nur auf die Schweinezucht. Im März 2010 folgte laut Greenpeace ein weiterer Antrag auf Fische aus Aqua-Kulturen, in dem der weltweit größte Agrarkonzern alle Fischprodukte für sich beansprucht, die mit Gen-Futterpflanzen von Monsanto hergestellt werden. Die so gefütterten Fische sollen einen höheren Anteil an Omega-3-Fettsäuren enthalten, denen unter anderem nachgesagt wird, dass sich damit das Risiko von Herzkrankheiten reduzieren lässt. Lebensmittelhersteller versprechen sich davon ein Milliardengeschäft. Nicht nur Monsanto, sondern auch der Schweizer Konzern Syngenta und die deutschen Firmen BASF und Bayer sowie andere Züchter sichern mit Patenten den Zugang zum lukrativen Lebensmittelmarkt. Allein zwischen 2007 und 2009 hat sich die Zahl der Anmeldungen auf normale Pflanzen und Saatgut verdoppelt. Das Geschäftsmodell hinter dem neuen Schweinepatent von Monsanto gilt als besonders lukrativ, weil der Patentinhaber wählen könnte, auf welcher Verarbeitungsstufe er Lizenzgebühren verlangt. Die dabei anfallenden Mehrkosten dürften vor allem an den Konsumenten hängen bleiben. Aber auch Landwirte, Züchter und Lebensmittelhersteller sind betroffen. Verstößt Monsanto gegen US-Patentrecht? Wissenschaftler monieren seit längerem die negativen Auswirkungen der wachsenden Zahl von Patenten im Agrarsektor. Dies führe zu Marktmonopolen, steigenden Preisen und einer starken Abhängigkeit von Großkonzernen, stellen sie fest. Eine Entwicklung, die inzwischen auch die amerikanische Justiz beschäftigt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg prüfen amerikanische Staatsanwälte derzeit, ob Monsanto gegen Kartellrecht verstößt. Dem Unternehmen wird demnach vorgeworfen, durch Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung die Preise für Saatgut und Spritzmittel nach oben getrieben zu haben. Hierzu äußerte sich Monsanto zunächst nicht. Ob das Patent tatsächlich erteilt wird, lässt sich schwer abschätzen, ein ähnliches, das von der Sojabohne bis zum daraus hergestellten Salatöl reicht, wurde bereits bewilligt. Sollte der Antrag von Monsanto Erfolg haben, wäre es Sache der einzelnen Länder, etwa des Europäischen Patentamtes, ein Patent zu vergeben. Dies kann zwei bis drei Jahre dauern. Auch um das gerade zurückgezogene Schweinepatent wurde lange gerungen. Zwei Jahre nach der Erteilung hat der neue Eigentümer des Patents, das von Monsanto entwickelt worden war, jedoch überraschend auf die Lizenz verzichtet, ohne die Gründe zu nennen.
Der US-Agrarkonzern Monsanto versucht, die Herstellung von Lebensmitteln unter seine Kontrolle zu bringen - mit der Neuerfindung des Schweins.
wirtschaft
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Agrarkonzern Monsanto - Das patentierte Schnitzel
00/05/2010
Die österreichische Sozialdemokratin Brigitte Ederer steigt in den Vorstand auf: Ein Beleg für die veränderte Firmenkultur des Siemens-Konzerns. In Österreich sind Dinge möglich, um die es deutsche Politiker und Manager zu recht und innig beneiden. Da ist es zum Beispiel möglich, direkt von einer Berufspolitikerkarriere in die Leitung von nennenswerten Unternehmen zu wechseln, sich dort mit eiserner Hand an die Spitze zu boxen und doch den Nimbus eines volksnahen, sozialverpflichteten Zeitgenossen zu wahren. Detailansicht öffnen Die 54-jährige Brigitte Ederer, die nichts dagegen hat, "Gitti" genannt zu werden, hatte in ihrer Heimat Österreich in der Politik Karriere gemacht. Nun wird die studierte Volkswirtin die zweite Frau im Konzernvorstand, den ihr Landsmann Peter Löscher weiblicher und internationaler machen will. (Foto: Foto: Reuters) So jemand ist Brigitte Ederer, die Generaldirektorin von Siemens Österreich, die nun als Personal- und Europachefin in die absoluten Höhen des Weltkonzerns aufrückt. Allein die Tatsache, dass selbst in bodennäheren Gesellschaftsschichten gerne die Rede von der "Gitti" Ederer ist, sagt genug: Der Hang zum Diminutiv, zur Verharmlosung, ist eines der großen Tarnmanöver österreichischer Persönlichkeiten. So betont Ederer immer, "Gitti" benannt zu werden, schmeichle ihr eher, als dass es sie störe - auch wenn man weiß, dass Österreicher mit dem Gebrauch des Necknamens gern persönliche, geradezu geheimnisvolle Nähe zu solch wichtigen Gestalten insinuieren wollen. Brigitte Ederer war und ist Sozialdemokratin und war einst eine populäre politische Gestalt. Ederer glänzt mit besonderem Adel Verbindlich in der Form, volkstümlich im Ausdruck, nicht allzu emanzipiert auftretend, verkörperte sie lange ein erfolgreiches, aber nicht zu fortschrittliches Frauenbild. Der nicht sonderlich futuristisch gestimmten Klientel der SPÖ hat das immer gefallen. Zumal Ederer einen ganz besonderen Adel aufwies: Sie entstammt einer traditionell "roten" Familie aus Floridsdorf, also aus "Transdanubien", den proletarischen Gefilden jenseits der Donau, die das hochnäsige Bürgertum nicht einmal als echtes Wien akzeptiert, was bei der Arbeiterschaft aber immer eigene Nobilität bedeutete. Alois Mock gab ihr einen Bussi Die 54-jährige Volkswirtin engagierte sich in der Arbeiterkammer, einer in Österreich hochbedeutenden Mischung aus Arbeitnehmervertretung und Verbraucherschutzorganisation. Sie brachte es politisch bis zur Staatsekretärin für Europafragen im Bundeskanzleramt zu Wien, wo sie vehement den Beitritt des Landes zur EU betrieb. Sie ist mit dem SPÖ-Europaabgeordneten Hannes Swoboda verheiratet. Legendär die Szenen, als bei den endgültigen Aufnahmezeremonien zum EU-Beitritt 1994 Ederer, Wiens Außenminister und der Bundespräsident um die Plätze am Verhandlungstisch rangelten - und am Ende der pechschwarze Außenamtschef Alois Mock, ein ausgesprochener Sozi-Fresser, der "roten Gitti" einen herzhaften Kuss auf die Wange drückte. Im Jahr 2000 ging Ederer in den Vorstand von Siemens Österreich, 2005 wurde sie dort der Boss. Sie hatte großen Anteil an der Übernahme und Integration der VA Tech, des bis zu der Übernahme durch Siemens im Jahr 2004 größten österreichischen Technologiekonzerns. So hat sie sich beim Management in München Respekt erworben.
Die österreichische Sozialdemokratin Brigitte Ederer steigt in den Vorstand auf: Ein Beleg für die veränderte Firmenkultur des Siemens-Konzerns.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neu-vorstand-brigitte-ederer-die-rote-gitti-steigt-bei-siemens-auf-1.940779
"Neu-Vorstand Brigitte Ederer - Die rote ""Gitti"" steigt bei Siemens auf"
00/05/2010
Siemens-Chefaufseher Cromme hat den Siemens-Manager Hiesinger zum neuen Vorstandschef bei Thyssen-Krupp gemacht. Hiesinger sollte nicht leiden - rechtfertigt sich Cromme. Er gilt als einer der einflussreichsten Manager in Deutschland: Gerhard Cromme. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Cromme den 49-jährigen Siemens-Manager Heinrich Hiesinger zum neuen Chef bei Thyssen-Krupp gemacht hat. Detailansicht öffnen Die Siemens-Familie rechtfertigt die Entscheidung Crommes (Bild): "Es fällt zwar schwer, einen so fähigen Mann ziehen zu lassen. Aber sollten wir ihm den Weg ganz nach oben als Vorstandsvorsitzender eines seit langer Zeit Siemens freundschaftlich verbundenen Unternehmens versagen?" (Foto: Foto: AP) Pikant daran ist, dass Cromme sowohl Chefausseher bei Siemens als auch bei Thyssen-Krupp ist. Handelt es sich also um eine klassische Abwerbung? Und hat Cromme dabei gegen die Interessen von Siemens gehandelt? Nein - behauptet Cromme in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel. Es sei keine Abwerbung gewesen. Die Personalie sei "einvernehmlich" und in "voller Transparenz" beschlossen worden. "Vor dem Hintergrund der Alterspyramide bei Siemens schied für Herrn Hiesinger ein weiterer Aufstieg dort aus. Sollte er darunter leiden, dass ich Aufsichtsratsvorsitzender in beiden Konzernen bin? Das wäre doch absurd", sagte Cromme. Siemens-Familie stellt sich hinter Cromme Die Kritik des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft an seinem Vorgehen kann der langjährige Stahlmanager nicht nachvollziehen. "Die Stellungnahme geht völlig am Problem vorbei", sagte Cromme. Die Ernennung Hiesingers sei in "voller Übereinstimmung mit dem Corporate- Governance-Kodex erfolgt". Cromme hatte als Aufsichtsratschef beider Konzerne den derzeitigen Siemens-Vorstand Hiesinger als künftigen Chef von Thyssen-Krupp installiert und war dafür heftig kritisiert worden. Als vordringliche Aufgabe des neuen Chefs bei Thyssen-Krupp nannte Cromme die Verbesserung der Produktpalette des Konzerns. So müsse vor allem der "Technologiebereich" des Stahlriesen weiter ausgebaut werden. Die Familie des Firmengründers Werner von Siemens stellte sich hinter Cromme. "Ich bin froh, dass Siemens einen Aufsichtsrat hat, der gut geführt ist und verantwortungsbewusst arbeitet", sagte Familiensprecher Gerd von Brandstein dem Nachrichtenmagazin Focus. "Das gilt an der Spitze und generell." So sei das Gremium auch vorab in den Wechsel Hiesingers zu Thyssen-Krupp eingebunden gewesen. "Es fällt zwar schwer, einen so fähigen Mann ziehen zu lassen. Aber sollten wir ihm den Weg ganz nach oben als Vorstandsvorsitzender eines seit langer Zeit Siemens freundschaftlich verbundenen Unternehmens versagen?", zitierte der Focus Brandstein.
Siemens-Chefaufseher Cromme hat den Siemens-Manager Hiesinger zum neuen Vorstandschef bei Thyssen-Krupp gemacht. Hiesinger sollte nicht leiden - rechtfertigt sich Cromme.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/cromme-umstrittene-personalie-das-leiden-der-anderen-1.939353
Cromme: Umstrittene Personalie - Das Leiden der anderen
00/05/2010
Einige Ikea-Fertighäuser weisen nach Angaben der Stiftung Warentest erhebliche Mängel auf. So seien zum Beispiel die Außenwände einzelner Häuser so geplant, dass keine Schrauben oder Nägel in die Wände eingeschlagen werden dürfen und auch keine zusätzlichen Steckdosen installiert werden können. Die Stiftung in Berlin hat nach eigenen Angaben mit Verbraucherzentralen den Bauvertrag für das Ikea-Reihenhaus in Wiesbaden-Auringen geprüft. Ikea kündigte an seinem Deutschland-Sitz in Hofheim-Wallau (Main-Taunus-Kreis) eine Untersuchung an. Detailansicht öffnen Weisen die Ikea-Fertighäuser tatsächlich Mängel auf? Die Stiftung Warentest ist überzeugt davon. (Foto: Foto: dpa) Die Warentester kritisierten außerdem, die Bauverträge enthielten unwirksame Änderungen: "Etliche Klauseln benachteiligen den Kunden gravierend." Der Käufer werde zum Beispiel in dem Vertrag verpflichtet, Strom- und Heizwärme von einem bestimmten Anbieter zu beziehen - 15 Jahre lang. Solange dürfe der Bewohner nicht zu einem günstigeren Energieversorger wechseln. "Wohn klug" - oder doch nicht? Darüber hinaus behalte sich die Baufirma Änderungen an den Bauleistungen, den Bauplänen und der Baubeschreibung vor, ohne triftige Gründe zu nennen. Ikea verlange außerdem die vollständige Schlussrate, auch wenn noch Restarbeiten ausstehen. Zudem werde die Haftung der Firma für Baumängel unzulässigerweise eingeschränkt. Einen Fertigungstermin garantiere die Firma ebenfalls nicht. Ikea kündigte in einer ersten Stellungnahme an, zunächst das Gespräch mit der Stiftung Warentest zu suchen, um Klarheit über die Grundlagen der Untersuchung zu erhalten. "Wir können viele Punkte überhaupt nicht nachvollziehen - zum Beispiel, auf welche Verträge und welche Bauleistungen sich die Stiftung Warentest dabei bezieht", sagte eine Sprecherin von Ikea Deutschland. "Die Verträge für das Ikea-Haus unterscheiden sich in keiner Weise von den Verträgen, die in der Branche üblich sind". Erste Ikea-Fertighäuser und -wohnungen sollen außer in Wiesbaden auch in Offenbach und am Sitz der Deutschland-Zentrale in Hofheim errichtet werden. Ikea hatte sein Fertighaus Boklok Anfang März präsentiert. Der Name bedeutet "Wohn klug" und soll für alles stehen, was am Hausbau klug sein kann: Geschickt geplant, energiesparend und erschwinglich. Von den Häusern stehen 4000 in Europas Norden und in Großbritannien. Jetzt will der Möbelkonzern damit den deutschen Markt erobern. Hierzulande baut der Hersteller Bien-Zenker aus Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) die Häuser. Laut Stiftung Warentest können Käufer ein Boklok-Reihenhaus ab 199.000 Euro erwerben.
Wechselverbote beim Stromanbieter und andere Merkwürdigkeiten: Die Stiftung Warentest kritisiert Baumängel und Vertragsklauseln bei den Ikea-Fertighäusern.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirbel-um-fertighaus-ikea-und-die-boklok-falle-1.941774
Wirbel um Fertighaus - Ikea und die Boklok-Falle
00/05/2010
Ist der Döner frisch? Sind die Äpfel pestizidbelastet? Diese Fragen sollten Behörden eigentlich beantworten. In der Realität hapert es damit jedoch gewaltig - wie ein SZ-Test zeigt. Als zum 1. Mai 2008 das Verbraucherinformationsgesetz in Kraft trat, war Horst Seehofer (CSU) voll des Lobes. Von einem "Meilenstein in der Geschichte des Verbraucherschutzes" sprach der damalige Bundesverbraucherschutzminister. Inzwischen sind zwei Jahre vergangen, und man kann ziemlich sicher sein: Seehofer würde seine Aussage heute nicht wiederholen. Detailansicht öffnen Bürger haben einen gesetzlichen Anspruch auf Informationen zu Lebensmitteln, Kosmetika oder Spielzeug. Doch die Behörden verhalten sich nicht gerade verbraucherfreundlich. (Foto: Foto: dpa) Dabei hatte sich alles so gut angehört: Mit dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) sollten Bürger erstmals einen gesetzlichen Anspruch auf Informationen zu Lebensmitteln, Kosmetika, Spielzeug oder Textilien bekommen. Sie sollten bei den zuständigen Behörden anfragen können, was die letzten Kontrollen ergeben haben, ob beispielsweise Pestizide in Äpfeln oder Uran in Mineralwasser gefunden wurde. Doch Verbraucherschützer haben das Gesetz in den vergangenen zwei Jahren mehrfach getestet - mit enttäuschenden Ergebnissen. Häufig reagierten die Behörden mit unverständlichen Antworten, erst nach langer Zeit, überhaupt nicht oder sie verlangten abschreckende Gebühren. Acht Anfragen Um zu prüfen, wie effektiv der neue Informationsanspruch tatsächlich ist, hat die Süddeutsche Zeitung im Dezember acht Anfragen an verschiedene Behörden in ganz Deutschland verschickt - ohne SZ-Briefkopf, sondern als Privatanfragen formuliert. Das Ergebnis ist schon allein deshalb bemerkenswert, weil es extrem unterschiedlich ausfiel. Während ein Amt allein aufgrund der Anfrage zwei Lokale kontrollieren ließ, haben drei Behörden auch nach viereinhalb Monaten immer noch nichts von sich hören lassen. Dazu zählen das Umwelt- und Verbraucherschutzamt in Köln sowie die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz in Berlin. Die Anfragen wären ohne großen Aufwand zu beantworten gewesen. So wollte eine Testerin wissen, wann ein bestimmtes Döner-Lokal in Berlin zuletzt von der Lebensmittelüberwachung kontrolliert wurde und was dabei herausgekommen ist. Auf die Antwort wartet die Testerin bis heute vergeblich. Ein Anruf bei der Senatsverwaltung am Donnerstag ergab: Die Anfrage müsse auf dem Postweg verloren gegangen sein, sie sei nirgends im Haus auffindbar, sagte eine Sprecherin. Dass es auch anders geht, zeigt das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt Bergisch-Gladbach. Dort hatte eine Testerin gefragt, ob zwei bestimmte Restaurants Schinkenimitate verwenden. Im Antwortschreiben teilte die Behörde mit, sie habe aufgrund der Nachfrage in beiden Betrieben "gezielte Kontrollen außerhalb der planmäßigen Kontrollen" veranlasst. "In beiden Fällen konnte Ihr Verdacht bestätigt werden, dass Schinkenerzeugnisse ohne korrekte Kenntlichmachung verwendet wurden." Die Behörde teilte mit, sie habe gegen die Betriebe Verfahren eingeleitet, und versprach, zu überprüfen, ob sich die Restaurants in Zukunft an die Vorschriften halten. "Zu bürokratisch, wenig transparent" Bei anderen Ämtern dagegen blieben die Antworten unbefriedigend. So fragte ein Tester in Bonn, ob bei einer Lakritz-Sorte das Schimmelpilz-Gift Ochratoxin A gefunden wurde. Als Antwort las er: Bei Süßwaren existiere "für den Gehalt an Ochratoxin A weder ein gesetzlich festgelegter Grenzwert noch ein Richtwert zur Orientierung". Ob das Gift gefunden wurde, weiß er bis heute nicht. Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch sowie der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatten festgestellt, dass die Antworten der Behörden selten hilfreich sind. Trotzdem hält die jetzige Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) das VIG für gelungen. Im ersten Jahr des Inkrafttretens seien vier Fünftel der fast 500 Anfragen kostenlos gewesen, lobte sie kürzlich. Bei 70 Prozent seien die Fristen eingehalten worden. Zum Gehalt der Antworten äußerte sie sich nicht. Mitte Mai will das Ministerium eine Bilanz ziehen. Für den FDP-Verbraucherschutzpolitiker Erik Schweickert steht jetzt schon fest: "Das Gesetz ist längst noch nicht perfekt." Es sei "zu bürokratisch, kompliziert und für den Bürger wenig transparent". Er schlägt vor, ein Smiley-System zu prüfen nach dänischem Vorbild. Dort vergeben die Lebensmittelkontrolleure Aufkleber mit Gesichtern, die freundlich oder betrübt schauen, je nach dem, wie die Kontrolle ausgefallen ist. Jedes Lokal muss das Smiley im Schaufenster veröffentlichen. Schweickert: "Umfragen belegen, dass die Bürger ein solches transparenteres System wünschen."
Ist der Döner frisch? Sind die Äpfel pestizidbelastet? Diese Fragen sollten Behörden eigentlich beantworten. In der Realität hapert es damit jedoch gewaltig - wie ein SZ-Test zeigt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/test-auskunft-von-behoerden-geheimnisvoller-apfel-1.933426
Test: Auskunft von Behörden - Geheimnisvoller Apfel
00/05/2010
Nach Infineon, BASF und Allianz verlässt nun auch die Telekom die US-Börse. Die Firmen scheuen die hohen Kosten - und die strengen Aufseher von der SEC. 1996 gab es für Anleger in Deutschland ein Aufregerthema: den Börsengang der Telekom. Von Beginn an ließ sich der Konzern an der New Yorker Börse notieren - ein Novum für ein deutsches Unternehmen. Detailansicht öffnen Mit ihrem Rückzug folgt die Telekom einer Reihe deutscher Unternehmen. Zuvor hatten die im Dax gelisteten Konzerne BASF, Bayer, Eon, Infineon und Allianz sowie - aus der zweiten Reihe - Epcos, Pfeiffer, Vaccuum und SGL Carbon der US-Börse den Rücken gekehrt. (Foto: Foto: dpa) Damals dirigierte noch Ron Sommer den Konzern und er hatte viel vor: Er wollte die Telekom zum weltweit größten Telekommunikationsanbieter formen und für die Expansion auch Gelder bei den Anlegern in den USA einsammeln; damals suchten die milliardenschweren Pensionsfonds nach sicheren Anlagemöglichkeiten. Aufwendiges Genehmigungsverfahren Mit seinem Schritt war Sommer nicht alleine. Ende der neunziger Jahre versprachen sich viele deutsche Konzernlenker von einer Notierung in den USA einen Schub für den Börsenkurs ihres Unternehmens. Dabei scheuten sie weder Kosten noch Mühen. So mussten sie die gesamte Rechnungslegung auf amerikanische Standards ändern und ein aufwendiges und langwieriges Genehmigungsverfahren durchlaufen. Es kam fast einem Ritterschlag gleich, wenn die New Yorker Börse endlich einer Notierung zustimmte. Entsprechend euphorisch wurde gefeiert: Deutsche Vorstandschefs läuteten zur Feier der Erstnotierung ihres Konzerns die traditionelle Glocke an der New Yorker Börse; zum Teil wurde das gesamte Gebäude an der Wall Street in die jeweilige Firmenfarbe gehüllt. Für die deutschen Anleger hatte der Börsengang in den USA ebenfalls Vorteile: Wegen der hohen Anforderungen der US-Börsenaufsicht SEC musste die Unternehmen mehr Informationen offenlegen. Doch mittlerweile haben sich die Zeiten geändert und die Euphorie über den Nutzen einer Börsennotierung in den USA ist bei den meisten Unternehmen längst Ernüchterung gewichen, auch bei der Telekom. Sie zieht sich nun von der New Yorker Börse zurück: Der letzte Handelstag werde voraussichtlich am 21.Juni 2010 sein, teilte die Telekom mit. Allerdings will die Telekom weiter sogenannte American Depositary Shares (ADS) ausgeben. Dabei handelt es sich um Zertifikate, deren Käufer einen Anspruch auf eine bestimmte Aktienzahl eines ausländischen Unternehmens besitzen. Solche ADS werden von US-Depotbanken ausgegeben. Erwartungen nicht erfüllt Mit ihrem Rückzug folgt die Telekom einer Reihe deutscher Unternehmen. Zuvor hatten die im deutschen Börsenbarometer Dax gelisteten Konzerne BASF, Bayer, Eon, Infineon und Allianz sowie - aus der zweiten Reihe - Epcos, Pfeiffer, Vaccuum und SGL Carbon der US-Börse den Rücken gekehrt. Die Erklärungen glichen sich: Die hochgesteckten Erwartungen waren enttäuscht worden. Dazu kam der gestiegene Aufwand für eine Börsennotierung in den USA. Nach den Skandalen um Pleitefirmen wie Worldcom oder Enron hatte die amerikanische Regierung die Regeln für gelistete Konzerne noch einmal deutlich verschärft. Für die Unternehmen ist damit der Aufwand deutlich gestiegen. So sparte die Telekom nach eigenen Angaben durch den Rückzug einen kleinen zweistelligen Millionenbetrag.
Nach Infineon, BASF und Allianz verlässt nun auch die Telekom die US-Börse. Die Firmen scheuen die hohen Kosten - und die strengen Aufseher von der SEC.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/telekom-goodbye-new-york-1.935921
Telekom - Goodbye, New York
00/05/2010
Tengelmann macht zunehmend auf billig: Neben den Discountern Kik und Tedi soll nun auch noch das Billigkaufhaus Woolworth zur Holding des Lebensmittelhändlers gehören. Die insolvente Warenhauskette Woolworth Deutschland wird offenbar an das Konsortium des Handelskonzerns Tengelmann und seiner Töchter Kik und Tedi verkauft. Ein entsprechender Vertrag sei mit dem Insolvenzverwalter Ottmar Hermann abgeschlossen worden, hieß es aus Verhandlungskreisen. Detailansicht öffnen Woolworth gehört künftig wohl zum Handelskonzern Tengelmann, soll aber als eigene Marke bestehen bleiben. (Foto: Foto: dpa) Mit der HH Holding habe der Finanzinvestor Cerberus seine Vorstellung über die Zukunft der Woolworth-Kette durchgesetzt, sagten drei mit den Verhandlungen vertraute Personen. Zuletzt noch vier Bieter Cerberus hatte als Vermieter von etwa 80 Woolworth-Häusern die HH Holding favorisiert, während Hermann lieber dem auf Einzelhandels-Sanierungen spezialisierten US-Investor Gordon Brothers den Vorzug gegeben hätte. Gordon Brothers habe seine Niederlage bereits eingestanden, hieß es in den Kreisen. Hermanns Sprecher wollte sich zu der Information nicht äußern. Zuletzt hatte es noch vier Bieter für Woolworth gegeben. Die HH Holding will Woolworth weiterführen und hat sogar eine Expansion der Billig-Warenhauskette mit ihren rund 4500 verbliebenen Mitarbeitern versprochen. Die Zukunft der gut 200 Beschäftigten in der Woolworth-Zentrale in Frankfurt-Niederrad ist allerdings fraglich. Die vom britischen Mutterhaus unabhängige Billig-Kaufhauskette Woolworth Deutschland hatte im April 2009 in Frankfurt Insolvenz angemeldet. Der Insolvenzverwalter hat nach eigenen Angaben ein neues Konzept erarbeitet, zahlreiche Filialen geschlossen und Woolworth zuletzt mit 162 Filialen und rund 4500 Mitarbeitern weitergeführt.
Tengelmann macht zunehmend auf billig: Neben den Discountern Kik und Tedi soll nun auch noch das Billigkaufhaus Woolworth zur Holding des Lebensmittelhändlers gehören.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gerangel-um-billig-kaufhaus-tengelmann-heimst-sich-woolworth-ein-1.937991
Gerangel um Billig-Kaufhaus - Tengelmann heimst sich Woolworth ein
00/05/2010
Der Kommerz hört mit dem Tod nicht auf. Welche Schamfrist muss ein Steinmetz verstreichen lassen, bevor er die trauernden Angehörigen per Werbebrief über sein Grabstein-Angebot informiert? Normalerweise hat der Wettbewerbssenat des Bundesgerichtshofs (BGH) mit dem "Durchschnittsverbraucher" zu tun. Am Donnerstag kümmerte er sich dagegen um den "Durchschnittshinterbliebenen" - und um die Frage: Welche Schamfrist muss ein Steinmetz verstreichen lassen, bevor er die trauernden Angehörigen per Werbebrief von seinem Angebot an Grabsteinen in Kenntnis setzen darf? Gebietet die Pietät drei Wochen, wie das Landgericht Gießen entschieden hatte? "Ein bisschen was hat das von Realsatire", grummelte der BGH-Senatsvorsitzende Joachim Bornkamm zum Auftakt der Verhandlung. Detailansicht öffnen Das Geschäft mit Grabsteinen ist heiß umkämpft, für die Branche ist die BGH-Entscheidung ein gutes Signal. (Foto: Foto: ddp) Am Ende rang sich der BGH doch zu einem klaren Signal an die Bestattungsbranche durch: Zwei Wochen sind genug. Bereits das Reichsgericht hatte es in den 1930er Jahren Bestattern untersagt, Angehörigen noch in der Trauerhalle ihre Dienste anzutragen. Der BGH verbot 1971 den Steinmetzen generell Vertreterbesuche an der Haustür der Hinterbliebenen; seinerzeit galt es noch als Brauch des "ehrsamen Steinmetzhandwerks", den Trauernden erst vier Wochen nach dem Todesfall seine Aufwartung zu machen. Doch die Frage der Briefwerbung - die im normalen Wettbewerb erlaubt ist - blieb umstritten. Das Oberlandesgericht Oldenburg beanstandete 1987 Postkartenwerbung für "Grabsteine zu Discount-Preisen", das Landgericht Konstanz stufte 2002 ein bald nach dem Tod versandtes "Kondolenzschreiben" als Verstoß gegen die guten Sitten ein - die beigelegte schwarze Werbemappe mit altrosafarbener Plastikrose ("Aufgestellt wird ihr Grabmal durch unsere ortsansässigen Fachkräfte") ließ an den Interessen des Absenders keinen Zweifel. Der jetzige BGH-Prozess spielte vor dem Hintergrund eines härter werdenden Wettbewerbs: Das Sterbegeld wurde 2004 gestrichen, seither nehmen Discount-Bestattungen zu. Gleichwohl sieht der BGH "kein gesteigertes Interesse" der Grabmal-Branche, unmittelbar nach dem Todesfall mit Reklame zu beginnen - zumal Grabsteine meist erst Monate später gesetzt werden. Im BGH-Fall hatte es der Steinmetz besonders eilig: Sein Brief ging an dem Tag raus, an dem die Todesanzeige erschienen war.
Der Kommerz hört mit dem Tod nicht auf. Welche Schamfrist muss ein Steinmetz verstreichen lassen, bevor er die trauernden Angehörigen per Werbebrief über sein Grabstein-Angebot informiert?
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bgh-schamfrist-schuetzt-trauernde-das-geschaeft-nach-dem-tod-1.937419
BGH: Schamfrist schützt Trauernde - Das Geschäft nach dem Tod
00/05/2010
Vor der Preisverleihung wird Jens Mittelsten Scheid mal wieder mit seiner Frau diskutieren. Die würde ihrem Gatten nur zu gerne einen neuen Anzug verpassen, wenn er an diesem Freitag in Frankfurt den Deutschen Stifterpreis für sein Lebenswerk erhält, die wichtigste Auszeichnung für deutsche Mäzene. Detailansicht öffnen Ob er sich für die Preisverleihung einen neuen Anzug kaufen wird? Konsum, sagt Jens Mittelsten Scheid, "geht mir auf den Geist." (Foto: Foto: A. Schellnegger) Doch Mittelsten Scheid wird sich für die Festveranstaltung nicht einfach so einen neuen Zweiteiler kaufen, obwohl seine Frau über die alte Garderobe schimpft. Nicht, solange die Anzüge im Schrank noch passen. "Ich habe zu jeder Beerdigung meinen Abituranzug an", erzählt der Stifter, als sei das Abitur erst gestern gewesen. Dabei ist der Mann schon 68 Jahre alt. Jens Mittelsten Scheid geht es weniger ums Geld. Der Stifter stammt aus der Vorwerk-Dynastie in Wuppertal, seit seiner Geburt hält er Anteile am Unternehmen - und ist reich. Theoretisch könnte er jede Woche von München nach Mailand jetten und italienische Anzüge im Dutzend shoppen. Doch Mittelsten Scheid will nicht. "Der ständige Konsum geht mir unglaublich auf den Geist", sagt er und nippt am Wasserglas, wie schon seit zwei Stunden. Auch Glamour nervt ihn. Dass seine Person durch den Stifterpreis an die Öffentlichkeit gezerrt wird, findet er nicht wirklich angenehm. Jeden Monat ein paar hundert Mark Viele Jahre lang hat der Millionär daher so getan, als wäre er keiner. Als käme er nicht aus einer der traditionsreichsten deutschen Unternehmerfamilien, der Familie Vorwerk, die mit Kobold-Staubsaugern und Vertreterbesuchen viel Geld gemacht hat. Auch Mittelsten Scheid schwört auf den Kobold, wie knapp jeder vierte Haushalt hierzulande. Während des Studiums aber wohnte der Unternehmersohn erst mal in einer Bude "mit Waschtisch auf dem Flur". Später lebten er und seine damalige Frau mit anderen Paaren in Wohngemeinschaften. Dort gab es eine Kasse. Jeden Monat zahlte Mittelsten Scheid ein paar hundert Mark ein, wie die Mitbewohner auch. "Ich habe so gelebt, als ob ich kaum Geld hätte", sagt er. Als er sich einer linken Studentenbewegung anschloss, verschwieg er seine Wurzeln lieber. "Da hätte mein kapitalistischer Hintergrund nur gestört." Ein Jahr Praktikum bei Vorwerk Dabei hätte ihn sein Vater, Erich Mittelsten Scheid - ein passionierter Ingenieur -, am liebsten im elterlichen Betrieb gesehen. "Die Firma war sein Ein und Alles", erzählt der Sohn über seinen Vater. "Er war außerordentlich daran interessiert, dass ich in seine Fußstapfen trete." Als sich abzeichnete, dass der Sohn andere Pläne hatte, trafen sie eine Abmachung: Nach dem Abitur absolvierte Jens Mittelsten Scheid zunächst ein Praktikum bei Vorwerk. Ein Jahr lang half er in der Buchhaltung, stellte sich in Wuppertal ans Band und assistierte dem Vater bei der Führung. Seine Haltung änderte das kaum, Unternehmer wollte er immer noch nicht werden. "Meine Leidenschaft war die Philosophie", sagt er. Wie seine Mutter, eine Physiotherapeutin, interessieren ihn soziale Belange mehr als Maschinen. Nach der Bundeswehr begann Mittelsten Scheid in Heidelberg Philosophie, Soziologie und Politik zu studieren. "Mein Vater hat das schweren Herzens akzeptiert."
Bürgerarbeit statt Glamour: Jens Mittelsten Scheid aus der Staubsauger-Dynastie Vorwerk erhält den Deutschen Stifterpreis.
wirtschaft
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Stifterpreis: Jens Mittelsten Scheid - Der Mann von Vorwerk: Konsum nervt
00/05/2010
Ein Investor für Karstadt ist gefunden - die Frage ist nur, ob er auch zum Zug kommt. Denn Triton würde massiv Jobs streichen. Und dann ist da noch die Sache mit Goldman Sachs. Es gibt einen Interessenten für Karstadt - das ist die gute Nachricht für die 26.000 Angestellten der insolventen Warenhauskette. Allerdings will der amerikanische Finanzinvestor Triton wohl 4000 Jobs streichen. Das sehe das Konzept des Interessenten vor, das am Samstag von den wichtigsten Karstadt-Gläubigern erstmals beraten worden sei, berichtete die Bild am Sonntag. Demnach ist Triton bereit, 30 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter für die Übernahme des Traditionsunternehmens zu zahlen. Detailansicht öffnen Der Finanzinvestor Triton hat ein Angebot für Karstadt vorgelegt - es sieht offenbar vor, 4000 Jobs zu streichen. (Foto: Foto: dpa) Triton ist Medienberichten zufolge der einzige Interessent, der ein konkretes Übernahmekonzept für Karstadt vorgelegt hat. Die offizielle Frist für Angebote war am Freitagnachmittag abgelaufen. Der Insolvenzverwalter des Unternehmens, Klaus Hubert Görg, hatte bestätigt, dass nur ein Angebot für das Warenhaus eingegangen sei. Neben dem Kaufpreis von 30 Millionen will Triton laut Bild am Sonntag zudem 60 Millionen Euro in das Unternehmen investieren. Triton knüpft eine Übernahme der Warenhauskette aber offenbar an Bedingungen: Neben dem Personalabbau fordert der Finanzinvestor laut übereinstimmenden Medienberichten eine Mietminderung für die Karstadt-Filialen. Einem Spiegel-Bericht zufolge will der Investor zudem an den Vereinbarungen mit den Arbeitnehmern rütteln: Die Tarifverträge für die Karstadt-Angestellten seien so nicht haltbar, berichtete das Magazin unter Berufung auf das Triton-Umfeld. Die Sache mit Kaufhof Die Karstadt-Gläubiger hatten am 12. April dem Sanierungsplan Görgs und somit einem Verkauf des Unternehmens an einen Investor zugestimmt. Der Insolvenzplan sieht vor, 13 Karstadt-Häuser mit 1200 Mitarbeitern zu schließen. In den 120 verbleibenden Filialen sollten die Arbeitsplätze der 26.000 Beschäftigten eigentlich gesichert werden. Findet sich kein Käufer für Karstadt, droht dem Unternehmen die Zerschlagung. Für diesen Fall zeigte sich in den vergangenen Monaten der Karstadt-Wettbewerber Kaufhof bereit für die Übernahme zumindest eines Teils der Warenhäuser. Nach der Triton-Offerte sind nun deren Vermieter um die US-Großbank Goldman Sachs am Zug. Sie müssen nun entscheiden, ob sie ihren Hut ebenfalls in den Ring werfen wollen. Davon dürfte abhängen, ob es zu der seit Jahren diskutierten Großfusion von Karstadt und der zum Verkauf stehenden Metro-Tochter Kaufhof zu einer Deutschen Warenhaus AG kommen kann. Wie der Spiegel berichtete, schweben Goldman Sachs zwei unterschiedliche Strategien vor. Nach der ersten würde die Investmentbank selbst bei Karstadt einsteigen, das Unternehmen sanieren und es nach zwei bis vier Jahren mit Kaufhof zusammenführen. Das zweite Szenario sieht dem Bericht zufolge vor, Kaufhof und Karstadt sofort zu verschmelzen. Dafür müsste Kaufhof zunächst seine Immobilien an das Konsortium der Karstadt-Vermieter übertragen, erst dann würden beide Warenhausketten fusionieren. Die damit verbundene Schließung von bis zu 40 Karstadt-Filialen würde Goldman aber gerne noch Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg überlassen, berichtete das Magazin.
Ein Investor für Karstadt ist gefunden - die Frage ist nur, ob er auch zum Zug kommt. Denn Triton würde massiv Jobs streichen. Und dann ist da noch die Sache mit Goldman Sachs.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/karstadt-interessent-triton-rettung-mit-schweiss-und-traenen-1.932332
Karstadt: Interessent Triton - Rettung mit Schweiß und Tränen
00/05/2010
Schon wieder droht Unfallgefahr bei Toyota. Außerdem: Die Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen bringt wohl viele Milliarden Euro und Siemens-Manager wurden verteilt. Wegen Kippgefahr in engen Kurven lässt Toyota weltweit rund 34.000 Geländewagen in die Werkstätten zurückrufen. Toyota will das elektronische Stabilitätsprogramm aktualisieren, um das Risiko, dass die Fahrzeuge in Extremsituationen ausbrechen, zu verringern. Detailansicht öffnen Nicht sicher in der Kurve: Der japanische Autohersteller Toyota ruft den Geländewagen GX 460 zurück in die Werkstätten. (Foto: Foto: AP) Betroffen sind der in Deutschland nicht verkaufte Lexus GX 460 sowie bestimmte Versionen des Land Cruiser Prado. Die Ankündigung folgt weniger als eine Woche nach der Warnung des einflussreichen US-Verbrauchermagazins Consumer Reports vor problematischen Fahreigenschaften des vor allem in den USA verkauften Lexus. Der Vorgang erinnert an den berühmt gewordenen "Elchtest" im Jahr 1997, als schwedische Testfahrer einen Mercedes der damals neuen A-Klasse mit scharfen Lenkbewegungen zum Umkippen brachten. Sie hatten das Ausweichen vor einem Elch simuliert. Bei dem Toyota-Test wurde der Wagen schnell in eine enge Kurve gefahren, dann wurde plötzlich Gas weggenommen, der Wagen brach aus. Toyota erhielt damit erneut einen tiefen Kratzer in seinem einstmals makellosen Qualitätsimage. Wegen klemmender Gaspedale, unter Pedale rutschender Fußmatten und Problemen mit der Bremsregulierung bei den hochmodernen Hybrid-Baureihen musste der führende japanische Autohersteller inzwischen rund acht Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten rufen. Erst am Montag hatte die US-Regierung mitgeteilt, Toyota habe sich bereiterklärt, eine wegen verfehlter Informationspolitik über seine Pannenserie verhängte Rekordstrafe von 16,4 Millionen Dollar (12,1 Millionen Euro) zu zahlen. Den Angaben von Toyota zufolge sind von dem jüngsten Rückruf des Lexus GX 460 insgesamt etwa 13.000 Fahrzeuge betroffen, davon rund 9400 Fahrzeuge in den USA sowie jeweils 1000 Autos in Russland und in Oman. Bei den Land Cruiser Prado geht es um insgesamt 21.000 Autos, darunter 4400 in Oman, 4000 in Russland und 1500 in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Milliarden für Mobilfunkfrequenzen Die derzeit laufende Versteigerung neuer Mobilfunkfrequenzen dürfte dem Staat Berechnungen von Wirtschaftsprüfern zufolge sechs bis acht Milliarden Euro einbringen. Dies habe eine Modellrechnung ergeben, teilte die Gesellschaft mit. Zugrunde gelegt wurden der Berechnung demnach die Daten vergleichbarer Frequenzauktionen in Westeuropa und den USA in den vergangenen zehn Jahren. Damit dürfte deutlich weniger Geld zusammen kommen als bei der Versteigerung der UMTS-Frequenzen im Jahr 2000: Damals hatte der Staat rund 50 Milliarden Euro eingenommen. Der Milliardenpoker um die neuen Mobilfunkfrequenzen hatte vor gut einer Woche begonnen. Im Angebot sind Frequenzen für die Mobilfunktechnik der vierten Generation (4G), die deutlich schnelleres Internet als bisherige Festnetz- und Mobilfunkanschlüsse bieten soll. Am Dienstag hatten die vier Bewerber T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus nach der 52. Auktionsrunde insgesamt gut 350 Millionen Euro für die Frequenzen geboten. Die Auktion dürfte somit noch länger dauern; sie endet erst dann, wenn auf keinen angebotenen Frequenzblock mehr neue Angebote abgegeben werden. Die höchsten Gebote gaben die Unternehmen bislang für die Frequenzen der sogenannten digitalen Dividende ab, die durch die Umstellung des Antennenfernsehens auf digitale Technik freigeworden ist. Diese Wellenlänge eignet sich besonders gut, um weiße Flecken auf dem Land mit schnellem Internet zu versorgen. Für diese Frequenzblöcke boten die Mobilfunker rund sieben Mal so viel wie für die übrigen freien Blöcke. Bewährungsstrafen für Siemens-Mitarbeiter Im Prozess gegen die bislang ranghöchsten Angeklagten im Siemens-Schmiergeldskandal hat das Landgericht München I Bewährungsstrafen verhängt. Der frühere Bereichsvorstand für Telekommunikation, Michael K., erhielt am Dienstag wegen Untreue zwei Jahre auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 60.000 Euro, sein Ex-Mitarbeiter Hans-Werner H. anderthalb Jahre auf Bewährung. Das Gericht folgte mit dem Urteil Vorabsprachen. Bei Siemens sollen über Jahre und über fast alle Konzernbereiche hinweg 1,3 Milliarden Euro an Schmiergeldern geflossen sein, mit denen sich das Unternehmen im Ausland Aufträge sichern wollte. Bisher wurde nur die Schmiergeldpraxis in der Telekommunikationssparte juristisch aufgearbeitet, das nun ergangene Urteil ist das dritte gegen ehemalige Mitarbeiter des Bereichs. Die beiden dort angeklagten 55-Jährigen hatten umfassende Geständnisse abgelegt, weshalb das Gericht ihnen Bewährungsstrafen gewährte. Mit K. musste sich erstmals ein Ex-Vorstand wegen der Praxis vor Gericht verantworten. "Er wusste, um was es geht, er hat hier nicht reagiert", sagte der Vorsitzende Richter Joachim Eckert zu dessen Schuld. So war K. auch an einem Treffen in einem Wirtshaus beteiligt, in der das über Jahre praktizierte Zahlen von Schmiergeld neu organisiert wurde. Das Gericht hob aber hervor, dass sich K. und sein mitangeklagter Mitarbeiter erheblich um die Aufklärung der Schmiergeldpraxis verdient gemacht hätten. K. ließ am Rande des Prozesses offen, ob er das Urteil annehmen wird. Er werde sich zunächst mit seinen Verteidigern absprechen. Dagegen sagte H., er werde das Urteil annehmen. Der Verteidiger des ehemaligen Rechnungsprüfers hatte in seinem Plädoyer gesagt, sein Mandant habe den Eindruck, in dem Skandal würden die Kleinen bestraft und die Großen laufen gelassen. H. sagte, er habe in "treuer, aber falsch verstandener Pflichterfüllung" gehandelt. Die beiden Verurteilten waren langjährige Siemens-Mitarbeiter und erhielten von dem Konzern wegen ihrer Beteiligung die Kündigung. Beide haben sich inzwischen zivilrechtlich mit Siemens geeinigt. Mit dem Urteil gegen die beiden geständigen 55-Jährigen folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft und einer im Vorfeld getroffenen Absprache. Danach muss Bereichsvorstand K. außerdem als Geldauflage 100.000 Euro an gemeinnützige Vereine zahlen. H. muss eine Geldauflage in Höhe von 40.000 Euro erfüllen. Eine kleine Flasche Bier am Tag Zum dritten Mal in Folge ist 2009 der Bierkonsum in Deutschland gesunken - dieses Mal im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 Millionen auf 86,1 Millionen Hektoliter. Im vergangenen Jahr habe jeder potentielle Biertrinker über 14 Jahre im Schnitt 121,4 Liter geschluckt, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mit. Das entspreche einer kleinen Flasche Bier am Tag. Der Spitzenwert beim jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch nach der deutschen Wiedervereinigung war 1992 gemessen worden: 171,3 Liter. In die zum Tag des deutschen Bieres am Freitag veröffentlichte Statistik fließen auch ausländische Biere und Bier-Mischgetränke.
Schon wieder droht Unfallgefahr bei Toyota. Außerdem: Die Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen bringt wohl viele Milliarden Euro und Siemens-Manager wurden verteilt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-rueckruf-reloaded-1.937747
Wirtschaft kompakt - Rückruf reloaded
00/05/2010
Mit viel Geld fördert der Bund jährlich den Regionalverkehr. Nun zeigt sich: Nicht jedes Land geht mit den Mitteln effizient um. Bei der Förderung des Nahverkehrs verschwendet die öffentliche Hand Milliarden an Euro. Das ergab eine Analyse des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Vor allem in ostdeutschen Bundesländern, aber auch im Saarland, wird demnach "mit einem überdurchschnittlichen Aufwand ein unterdurchschnittliches Ergebnis erzielt". Detailansicht öffnen Etwa sieben Milliarden Euro stellt der Bund den Ländern jährlich zur Verfügung, um damit ihren Schienenpersonennahverkehr zu bestellen. Wie sie die Mittel verwenden, bleibt ihnen überlassen. (Foto: Foto: dpa) Seit der Bahnreform 1994 ist es Aufgabe der 16 Bundesländer, den Schienenpersonennahverkehr selbst zu bestellen. Oft beauftragen sie die Deutsche Bahn damit, zunehmend jedoch auch deren Konkurrenten. Um den Verkehr finanzieren zu können, erhalten die Bundesländer jährlich insgesamt etwa sieben Milliarden Euro an sogenannten Regionalisierungsmitteln aus dem Bundeshaushalt. Wie die Länder die Mittel verwenden, bleibt ihnen überlassen. Eine Kontrolle durch den Bund findet nicht statt. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat nun erstmals auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts ausgewertet, wie wirtschaftlich die Länder mit dem Geld umgehen. Mehr Fahrgäste bei gleichem Aufwand Das Ergebnis ist ernüchternd: Bei gleichem Aufwand könnten bundesweit "20 Prozent mehr Fahrgäste im Schienenpersonennahverkehr befördert werden, wenn in den Bundesländern die Regionalisierungsmittel effektiv verwendet würden", schreibt der Verfasser, Holger Krawinkel. Besonders schlecht schneiden das Saarland, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen ab. Diese Länder bezahlen für Verkehrsleistungen deutlich mehr als andere. "Schon beim Aufwand für die eingekauften Zugkilometer liegt zwischen den effizientesten und den ineffizientesten Bundesländern eine Differenz von 50 Prozent", heißt es in der Studie. Wenn man dann noch berücksichtige, wie viele Personen mit dem Geld transportiert würden, seien die Unterschiede noch größer. So kostet es in Bayern im Schnitt elf Cent, eine Person einen Kilometer im Zug zu transportieren, in Sachsen dagegen 35 Cent. "Und das, obwohl die Siedlungsdichte in Sachsen höher als in Bayern ist", sagt Krawinkel zur SZ. Gelder angemessen verteilen Allein mit der unterschiedlichen Bevölkerungsdichte seien die Differenzen also nicht zu erklären. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die Regionalisierungsmittel anders zwischen den Ländern verteilt werden sollten. 1994 erfolgte die Verteilung nach einem Schlüssel, der nahezu unverändert bis heute gilt (siehe Grafik). Er richtete sich vorrangig nach dem damaligen Fahrplanangebot in den jeweiligen Ländern. Dieses sollte finanzierbar bleiben. Doch seit damals haben sich Nachfrage und Angebot deutlich verändert. Die Verteilung der Mittel entspreche "nicht mehr der tatsächlichen Verkehrsleistung in den jeweiligen Bundesländern", so die Studie. Im Schnitt fahren die Deutschen 573 Kilometer pro Jahr mit Regionalzügen (siehe Grafik). Die Sachsen aber legen nur 326 Kilometer zurück, die Saarländer sogar nur 250 Kilometer, während die Bayern und die Brandenburger jeweils mehr als 700 Kilometer fahren. Auffallend schlecht schneidet Nordrhein-Westfalen ab. Obwohl das Land dicht besiedelt ist, fahren die Bürger dort im Jahr nur 465 Kilometer mit Regionalzügen. Zu viele Direktvergaben Krawinkel ist überzeugt, dass im Regionalverkehr Milliarden an Euro verschwendet werden. Es müsse dringend analysiert werden, woran die Effizienz-Unterschiede lägen. Das vorhandene Zahlenmaterial reiche dafür nicht aus. Die Studie legt vor allem zwei Erklärungen nahe. Zum einen würden die Länder Aufträge zu selten ausschreiben, sondern direkt vergeben - häufig an die Bahn. "In diesem Fall nutzen die Verkehrsanbieter womöglich aus, dass das Land dank der Regionalisierungsmittel eine erhöhte Zahlungsbereitschaft aufweist", vermutet Krawinkel. Mit anderen Worten: Die Anbieter wissen, dass Geld da ist, und verlangen daher mehr für ihre Leistung. Und die Länder sind bereit zu zahlen. Denn im derzeitigen System hätten ineffizient arbeitende Länder keine Sanktionen zu befürchten, heißt es in der Studie. "Im Gegenteil müssen besonders effizient arbeitende Länder befürchten, nicht verwendete Mittel an den Bund zurückzahlen zu müssen." Überhöhte Preise für die Schienennutzung Eine zweite Erklärung für die Effizienz-Unterschiede wäre, dass die Deutsche Bahn als Betreiberin des Netzes in bestimmten Regionen von den Bahnunternehmen höhere Preise für die Schienennutzung verlangt, sodass diese ihre Leistung teurer anbieten müssen. Auch hier könnte dahinter das Motiv stecken, die Regionalisierungsmittel abzuschöpfen. Laut Studie deutet vieles auf solche "überhöhte Trassen-Entgelte" hin. Der Autor schlägt eine grundlegende Reform vor. Statt den Ländern pauschal Millionenbeträge zur Verfügung zu stellen, sollte der Bund ihnen künftig nur noch ein Grundangebot im Nahverkehr über eine feste Zusage finanzieren und alle zusätzlichen Mittel gezielt dahin leiten, "wo die Verkehrsnachfrage am größten und die Mittelverwendung am effizientesten ist". So lasse sich der größte Nutzen für Fahrgäste, Steuerzahler sowie die Klimabilanz ziehen. Voraussetzung sei, dass die Länder nachvollziehbar über die Verwendung der Mittel Auskunft geben müssen. "Es ist erstaunlich, wie lange es schon an Transparenz und Anreizen fehlt, um diese offenkundige Fehlsteuerung beim Einsatz öffentlicher Mittel abzustellen", schreibt Krawinkel.
Mit viel Geld fördert der Bund jährlich den Regionalverkehr. Nun zeigt sich: Nicht jedes Land geht mit den Mitteln effizient um.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/oeffentlicher-nahverkehr-der-staat-zahlt-die-milliarden-versickern-1.943828
Öffentlicher Nahverkehr - Der Staat zahlt - die Milliarden versickern
00/05/2010
In der Finanzwelt haben Zocker freie Bahn. Jetzt aber will die EU Investoren bändigen, die "nicht so gerne im Tageslicht arbeiten". Großinvestor Warren Buffett nannte Derivate die "Massenvernichtungswaffen" der Finanzmärkte. Es sind Finanzinstrumente, mit denen Investoren, sich gegen Kursschwankungen absichern können - mit denen es sich aber auch prächtig wetten und sepkulieren lässt. Detailansicht öffnen "Wir müssen sicherstellen, dass diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die mit diesen Papieren handeln." (Foto: Foto: dpa) Die EU-Kommission sagt nun dem Handel mit Derivaten und Kreditausfallversicherungen den Kampf an. Finanzkommissar Michel Barnier will dazu neue Gesetze vorschlagen, sagte er vor einem Treffen der Eurogruppen-Finanzminister in Brüssel. Erwogen würden Strafen für einen Missbrauch in den bislang weitgehend unregulierten Märkten. Transparenter soll der Markt durch eine Registrierungspflicht werden. "Wir möchten verstehen, was da läuft", sagte er mit Blick auf den Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS). "Arbeiten nicht so gerne im Tageslicht" Die Wetten mit CDS auf eine Staatspleite Griechenlands haben nach den Worten zahlreicher Politiker erheblich zur Euro-Krise beigetragen. "Wir müssen sicherstellen, dass diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die mit diesen Papieren handeln", sagte Barnier. "Das sind Leute, die nicht so gerne im Tageslicht arbeiten." Im Oktober werde er konkrete Gesetzesvorschläge vorlegen. Um künftig ein hektisches Krisenmanagement wie zur Zeit zu vermeiden, plant der Kommissar einen europäischen Vorsorgefonds. "Wir müssen dafür sorgen, dass der Steuerzahler nicht mehr als erster auf den Plan treten muss", sagte er unter Bezug auf den gerade aufgespannten Euro-Rettungsschirm im Volumen von 750 Milliarden Euro. Wirtschaftsminister lehnt Transaktionssteuer ab Die Finanzminister der 16 Euro-Staaten wollten am Nachmittag über das weitere Vorgehen zur Stabilisierung des Euro beraten, der am Montag zwischenzeitlich auf 1,224 Dollar und damit den tiefsten Stand seit vier Jahren gestürzt war. Zu dem Treffen wird auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erwartet. Bei der Krisensitzung vor acht Tagen musste er sich noch wegen einer Erkrankung von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) vertreten lassen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat unterdessen weiter erhebliche Vorbehalte gegen die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Die Gefahr sei, dass wieder nur eine "Illusionslösung" getroffen werde, sagte der Minister. Eine Finanztransaktionssteuer löse das Kernproblem des Euro nicht und sei allenfalls sinnvoll, wenn sie weltweit eingeführt werde. Wenn etwa eine Umsatzsteuer auf Finanzdienstleistungen und so auch auf Überweisungen von Rentnern erhoben werde, führe dies zwar zu zusätzlichen Steuereinnahmen. "Aber das Kernproblem der Neustrukturierung und der Haftungszuordnung wäre nicht gelöst", fügte der Minister hinzu. "Man muss darauf achten, dass man nicht Gefahr läuft, kurzfristige Lösungen anzupacken, die im Kern keine echten Lösungen sind, sondern nur die Stimmung temporär beruhigen." Eine echte Lösung müsse an der Struktur des Euro ansetzen. Hier habe es Versäumnisse gegeben, die korrigiert werden müssten, sagte der FDP-Politiker. Eine Möglichkeit seien etwa die Vorschläge des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu einer geordneten Insolvenz von Staaten. Die Regierungskoalition in Berlin strebt eine Bankenabgabe und eine Steuer auf Bankengewinne und Boni an. Allerdings mehren sich auch in der Koalition die Stimmen für eine Transaktionssteuer, die von der Opposition und Gewerkschaften gefordert wird. So nannte es der Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion Peter Altmeier in der "Süddeutschen Zeitung" denkbar, einer entsprechenden Forderung der SPD entgegenzukommen.
In der Finanzwelt haben Zocker freie Bahn. Jetzt aber will die EU Investoren bändigen, die "nicht so gerne im Tageslicht arbeiten".
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-finanzprodukthandel-kampf-gegen-massenvernichtungswaffen-1.942573
"EU: Finanzprodukthandel - Kampf gegen ""Massenvernichtungswaffen"""
00/05/2010
Von Konjunkturaufschwung und Jobwunder spricht Wirtschaftminister Rainer Brüderle. Andere sind da lange nicht so zuversichtlich. Die Regierung feiert sich selbst: "Deutschlands Wirtschaft wächst wieder, wir erleben so etwas wie ein kleines Jobwunder", sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Detailansicht öffnen Maschinenbau in Deutschland: Gemäß einer Studie drohen hier wie auch in anderen führenden Branchen langfristig Jobverluste. (Foto: Foto: AP) Wegen der mehrtägigen Luftraumsperre über Europa erwartet Brüderle keine ernsthaften Rückschläge für die deutsche Konjunktur. Die volkswirtschaftlichen Schäden würden sich in Grenzen halten. Die schwarz-gelbe Koalition rechnet für dieses Jahr mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,4 Prozent und leicht beschleunigtem Wachstum von 1,6 Prozent 2011. Damit gibt sich die Regierung für 2010 zurückhaltender und für 2011 optimistischer als führende Forschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten. Der wirtschaftlich stärkste Einbruch der Nachkriegszeit liegt hinter uns", sagte Brüderle. "Die erfreuliche Belebung der deutschen Wirtschaft wird von der Erholung der Weltwirtschaft, aber zunehmend auch von der Binnennachfrage getragen." Während der Krise sei der Staat in besonderem Maße gefordert gewesen. "Dies darf aber kein Dauerzustand werden", mahnte er. Maßnahmen, die der Krisenbewältigung dienten, würden schrittweise und mit Augenmaß zurückgeführt. "Der Aufschwung trägt sich mehr und mehr selbst." Rentnern droht eine Nullrunde Aufgrund der bereits beschlossenen Entlastungen werden laut Brüderle die Nettoeinkommen je Arbeitnehmer 2010 voraussichtlich um 2,5 Prozent steigen - mehr als in den vergangenen neun Jahren. Bremseffekte auf den privaten Konsum würden so im weiteren Verlauf des Jahres mehr als aufgeholt. Die Bruttolohn- und Gehaltssumme wird laut Regierungsprognose 2010 um 0,8 und 2011 um ein Prozent zulegen. Damit zeichnet sich für Rentner eine erneute "Nullrunde" ab. Der Arbeitsmarkt erweise sich als "erstaunlich robust". Die Regierung geht in ihrer neuen Prognose davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresschnitt nur um rund 10.000 auf etwa 3,4 Millionen steigt. Noch im Januar hatte Brüderle mit einem kräftigen Anstieg um 320.000 auf 3,77 Millionen gerechnet. Die positive Lage am Arbeitsmarkt schafft nach den Worten von Brüderle Spielräume für Steuersenkungen. In seiner Rechnung unterstellt der Minister, dass 100.000 Arbeitslose weniger rund zwei Milliarden Euro Staatsausgaben weniger bedeuten. Da die Arbeitslosigkeit 2010 geringer ausfalle als ursprünglich befürchtet, ergäben sich sechs bis acht Milliarden Euro weniger staatliche Ausgaben. Damit wären die von der FDP geplanten Steuerentlastungen von rund 16 Milliarden Euro bereits zur Hälfte gegenfinanziert, erklärte Brüderle. Vertreter der Union mahnten zu Geduld bei der Umsetzung von Steuersenkungen. Das vorgelegte Steuerkonzept der FDP sei ein "Schritt in die richtige Richtung", sagte Unions-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier am Dienstag in Berlin. Ob dieser Schritt ausreichend sei, lasse sich aber erst dann sagen, wenn die Daten der Steuerschätzung im Mai vorlägen. Kein belastbares Konsolidierungsprogramm Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, warf der FDP im Zusammenhang mit ihren Entlastungsplänen vor, bislang kein belastbares Konsolidierungsprogramm vorgelegt zu haben. In der Wirtschaft rechne kaum noch jemand damit, dass tatsächlich Steuern gesenkt werden. "Jeder ist froh, wenn es keine Steuererhöhung gibt." So zuversichtlich die Aussagen der Regierung auch sein mögen: Eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) zeichnet ein düsteres Bild: Wie das Manager Magazin berichtete, reiche die konjunkturelle Entwicklung nicht aus, um die Beschäftigung in Deutschland langfristig zu sichern. Auch wenn sich die Weltwirtschaft und der Außenhandel weiterhin stark erholen sollten, gehen der Studie zufolge hundertausende Arbeitsplätze verloren. Dabei wurde von zwei Szenarien ausgegangen: Im postiven Fall einer schnellen Rückkehr des deutschen Wachstums auf jährlich zwei Prozent, käme es wegen der schwachen Dynamik der Weltwirtschaft, der Produktivitätsfortschritte durch Rationalisierungen und der weiteren Globalisierung der etablierten Industriebranchen in der Autobranche, beim Maschinenbau, der Chemie und Elektrotechnik in den kommenden fünf Jahren noch immer zu einem Verlust von 250.000 Stellen. Im zweiten Szenario entwickelt sich die weltweite Nachfrage schwächer, weshalb unter diesen Bedingungen sogar bis zu 1,2 Millionen Jobs auf der Kippe stehen würden. Laut der Studie können die in Deutschland dominierende Branchen den Wohlstand nicht länger sichern, Wachstumspotentiale gäbe es in neuen, forschungsintensiven Bereichen, etwa Umwelttechnologien, aber auch Bio- und Nanotechnologie.
Von Konjunkturaufschwung und Jobwunder spricht Wirtschaftminister Rainer Brüderle. Andere sind da lange nicht so zuversichtlich.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arbeitsmarkt-ein-kleines-jobwunder-1.933571
"Arbeitsmarkt - ""Ein kleines Jobwunder"""
00/05/2010
Neue Hoffnung für Karstadt: Der Finanzinvestor Triton hat ein Angebot für die Kaufhaus-Kette vorgelegt. Außerdem: Gute Aussichten für die Konjunktur. Neue Hoffnung für die 25.000 Karstadt-Beschäftigten: Die deutsch-skandinavische Investmentfirma Triton hat ein Kaufangebot für die zahlungsunfähige Essener Warenhauskette vorgelegt. Allerdings verlangt Triton als Bedingung für einen Einstieg weitere Zugeständnisse der Mitarbeiter und der Vermieter, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Nach Angaben des Insolvenzverwalters ist es bislang das einzige Angebot. Detailansicht öffnen Der Finanzinvestor Triton hat ein Angebot für Karstadt vorgelegt. (Foto: Foto: ddp) "Wir glauben an das Unternehmen", sagte Triton-Sprecher Max Hohenberg. Zerschlagungsszenarien stünden für Triton nicht auf der Tagesordnung. Zusammen mit dem Kaufangebot habe der Investor auch ein strategisches Konzept vorgelegt. Triton wolle auch frisches Kapital in das Unternehmen stecken. Für einen Erfolg seien aber die Kooperation aller Beteiligten und weitere Zugeständnisse ihrerseits notwendig. Ziel sei eine Restrukturierung, die Karstadt zukunftsfähig mache. Zum gebotenen Kaufpreis machte der Sprecher keine Angaben. Doch betonte er, der Kaufpreis sei ohnehin zweitrangig, wichtiger sei die Re-Kapitalisierung des Unternehmens. Doch nannte er auch hier keine Summen. Der Sprecher des Insolvenzverwalters kündigte an, Insolvenzverwaltung und Geschäftsleitung würden die Angebotsunterlagen nun so zügig wie möglich und gründlich wie nötig prüfen. Ziel sei es, sobald als möglich einen Kaufvertrag zu unterzeichnen. Die vom Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gesetzte Frist für die Vorlage von konkreten Kaufangeboten war am Freitagnachmittag um 17 Uhr abgelaufen. Noch am Mittag hatte kein Kaufangebot vorgelegen. Görg will die 120 Karstadt-Warenhäuser als Ganzes verkaufen. Der Kaufvertrag soll nach seinen Plänen noch in diesem Monat unterzeichnet werden. Insgesamt sechs potenzielle Kaufinteressenten hatten in den vergangenen Monaten die Bücher geprüft. Außerdem erwog nach Medienberichten auch die US-Bank Goldman Sachs den Kauf von Karstadt. Den Berichten zufolge wollte Goldman Sachs aber nur dann ein Angebot abgeben, wenn der Insolvenzverwalter keinen anderen Käufer findet, der die Kette als Ganzes erhält. Aus Sicht von Goldman Sachs wäre der Karstadt-Kauf wohl ein Versuch der Schadensbegrenzung. Denn die Bank ist indirekt einer der größten Gläubiger sowie der wichtigste Vermieter von Karstadt. Bei einer Zerschlagung des Konzerns hätte sie deshalb viel zu verlieren. Die 1998 gegründete Investmentfirma Triton ist nach eigenen Angaben auf Unternehmensübernahmen und Restrukturierungen im Industriegüter-, Dienstleistungs- und Konsumgüterbereich spezialisiert. Nach eigenen Angaben verfügt Triton zurzeit über ein noch nicht investiertes Fondsvolumen von rund 2,5 Milliarden Euro. Wirtschaft im Frühlings-Rausch Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im April überraschend kräftig aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg deutlich auf 101,6 Punkte von 98,2 Zählern im Vormonat und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2008, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) mitteilte. "Die deutsche Wirtschaft schaltet einen Gang höher", kommentierte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn das Umfrageergebnis. Die Manager schätzten sowohl die Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate optimistischer ein als im März. Es ist die zweite Verbesserung in Folge, nachdem die Stimmung im Februar überraschend einen leichten Dämpfer erfahren hatte. Zuvor war der Index, der als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft gilt, bereits zehn Monate in Folge gestiegen. Der Lageindex kletterte von 94,5 Zählern auf 99,3 Punkte, der Index für die Erwartungen von 102,0 Zählern auf 104,0 Punkte. Der monatlich unter rund 7000 Unternehmen erhobene Ifo-Index gilt als der wichtigste Indikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Bei Amazon boomt das Geschäft Die Wirtschaft springt an, die Menschen kaufen wieder: Einer der Nutznießer ist der weltgrößte Online-Versandhändler Amazon und sein elektronisches Bücher-Lesegerät. "Kindle bleibt unser Verkaufsschlager", sagte Gründer und Unternehmenschef Jeff Bezos. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 46 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar. Der Gewinn verbesserte sich unterm Strich sogar um satte 68 Prozent auf 299 Millionen Dollar. Amazon hat die Bibliothek an elektronischen Büchern mittlerweile auf mehr als 500.000 ausgebaut. Im vergangenen Jahr hatte Amazon eine größere Variante des Lesegeräts Kindle auf den Markt gebracht. Allerdings hat der Kindle mit dem iPad von Apple scharfe Konkurrenz bekommen. Amazon spürt davon noch nichts. Vor allem das Geschäft mit Elektronikartikeln brummte. Mittlerweile setzt das Unternehmen mit Digitalkameras oder Staubsaugern mehr um als mit Büchern, CDs und DVDs. Der wichtigste Markt ist immer noch Nordamerika, doch der Rest der Welt holt auf. Am Vortag hatte bereits das rivalisierende Online-Auktionshaus Ebay gute Geschäfte vermeldet. Zwischen beiden tobt ein Kampf um die Kunden. Vielen Konsumenten scheint es sicherer und einfacher, bei Amazon zu kaufen. Obwohl beide Unternehmen von der wiedergekehrten Kauflaune der Verbraucher profitierten, sanken die Aktien. Grund war ein Ausblick, der vielen Anlegern in beiden Fällen als zu vorsichtig erschien. Amazon geht davon aus, dass das Umsatzwachstum im zweiten Quartal "nur" noch bei 31 bis 44 Prozent liegt. Auch das operative Ergebnis soll schlimmstenfalls weniger stark als zu Jahresbeginn steigen. Venezuela begleicht Schulden bei China mit Öl Venezuela will einen neuen 20-Milliarden-Dollar-Kredit von China mit Öl zurückzahlen. Über zehn Jahre lang solle China täglich 100.000 Barrel Rohöl erhalten, erklärte der venezolanische Ölminister Rafael Ramirez. Das südamerikanische Förderland liefert bereits heute jeden Tag 400.000 Barrel Öl in die energiehungrige Volksrepublik, 100.000 davon dienen zur Tilgung eines Kredits in Höhe von acht Milliarden Dollar. Der neue Kredit aus Peking soll nach Worten von Präsident Hugo Chavez zur Finanzierung langfristiger Entwicklungsprojekte dienen. Der Linksnationalist will die Ölverkäufe an China bis 2012 auf eine Million Barrel steigern, die Lieferungen an den bisherigen Hauptkunden, die USA, sollen dagegen zurückgefahren werden.
Neue Hoffnung für Karstadt: Der Finanzinvestor Triton hat ein Angebot für die Kaufhaus-Kette vorgelegt. Außerdem: Gute Aussichten für die Konjunktur.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-finanzinvestor-legt-angebot-fuer-karstadt-vor-1.935811
Wirtschaft kompakt - Finanzinvestor legt Angebot für Karstadt vor
00/05/2010
Kurz vor der Metro-Hauptversammlung am Mittwoch hat die Hilfsorganisation Oxfam dem Handelskonzern die Verletzung von Arbeitnehmerrechten in Indien vorgeworfen. Betroffen seien sowohl eigene Angestellte als auch Obst- und Gemüselieferanten in Indien, kritisierte die internationale Organisation. Bei Metros sozialer Verantwortung klaffe eine erhebliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, heißt es in der Studie von Oxfam. Detailansicht öffnen Metro steht wegen der Arbeitsbedingungen in Indien am Pranger. (Foto: Foto: Reuters) Metro-Vorstandsmitglied Frans W. H. Muller, der für das Indiengeschäft verantwortlich ist, äußerst sich im Interview mit der Süddeutschen Zeitung zu den Vorwürfen. Die Metro ist Gründungsmitglied der Business Social Compliance Initiative, einem Zusammenschluss europäischer Handelshäuser und Markenhersteller. Deren Ziel ist es, gute Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette zu garantieren. SZ: Herr Muller, die Bevölkerung in Indien sieht den Markteintritt von Firmen wie Metro durchaus kritisch, das sieht man auch an den Protesten, die es bei der Eröffnung neuer Großmärkte gibt. Frans Muller: Dieser Eindruck ist verzerrt. Bei der Eröffnung unseres Großmarktes in Kalkutta hat tatsächlich eine kleine Gruppe von Menschen protestiert, daneben stand aber eine große Menge Kunden, die darauf gewartet hat, hineingelassen zu werden. Und solch ein Ansturm ist die Regel bei Neueröffnungen. Wir haben in Kalkutta rund 15 Millionen Euro investiert, mehr als 250 Arbeitsplätze geschaffen und arbeiten eng mit lokalen Lieferanten zusammen. SZ: Oxfam wirft ihnen vor, dass Metro-Lieferanten ihren Arbeitern nur 85 Cent pro Tag zahlen. Dieser Betrag liegt unterhalb der Armutsgrenze von 94 Cent. Ist das nicht viel zu wenig? Muller: Wir fordern in Verträgen mit unseren Lieferanten, dass diese ihren Arbeitern den gesetzlichen Mindestlohn zahlen. Den legen nicht wir fest, sondern die indische Regierung. Wir prüfen dies, müssen aber auch offen sagen, dass wir die Einhaltung dieser Vorgabe nicht hundertprozentig überwachen können aufgrund der Vielzahl von Landwirten und Fischern. SZ: Sie haben also keine vollständige Kontrolle über das, was gezahlt wird. Machen Sie sich damit nicht angreifbar? Muller: Bei den Lieferanten unserer Eigenmarken haben wir eine systematische Kontrolle. In anderen Fällen arbeiten wir aber noch nicht direkt mit den Landwirten zusammen, sondern über Zwischenhändler. Ein Bauer bearbeitet in der Regel in Indien ein Grundstück, das nur 300 bis 400 Quadratmeter groß ist. Wir haben es also mit Hunderten oder gar Tausenden von Lieferanten zu tun. Unser Ziel ist es, den direkten Bezug deutlich zu erhöhen, womit wir auch eine bessere Kontrolle von Qualität und Standards hätten. In Hyderabad haben wir beispielsweise eine eigene Sammelstelle eingerichtet, wo die Bauern ihr Obst und Gemüse direkt anliefern können. Wir zahlen sie sofort aus und geben ihnen auch mehr, als sie bei lokalen Großhändlern für ihre Ware bekämen. SZ: Es ist die Rede davon, dass Arbeiterinnen nur halb so viel verdienen wie Männer. Wie lässt sich das mit dem Diskriminierungsverbot in dem von der Metro unterzeichneten Verhaltenskodex vereinbaren? Muller: Das darf nicht sein. In unseren Verträgen steht, dass Lieferanten Männer wie Frauen gleich behandeln müssen. Ist das nicht der Fall, dann liegt ganz klar ein Vertragsbruch vor. Wenn wir dies feststellen, mahnen wir den Lieferanten ab und versuchen damit, Verbesserungen zu erreichen. Wenn er darauf nicht reagiert, trennen wir uns von ihm. SZ: Ein anderer Vorwurf lautet, dass Ihre Angestellten in Großmärkten, die der Gewerkschaft angehören, benachteiligt werden. Metro hat dies in der Vergangenheit in Einzelfällen eingeräumt. Was unternimmt der Konzern, um diesen Missstand zu beseitigen? Muller: Wir begrüßen es, wenn sich unsere Mitarbeiter im Betriebsrat oder in der Gewerkschaft engagieren. Solche Tätigkeiten müssen ungehindert möglich sein. Das ist unser Standard und den haben wir auch unseren indischen Führungskräften klar vermittelt. Von möglichen Stellenstreichungen können aber organisierte wie nichtorganisierte Angestellte betroffen sein, Gewerkschaftsmitglieder werden also auf keinen Fall gezielt entlassen. SZ: Bei Hilfsorganisationen, aber auch in Indien selbst stoßen die Aktivitäten von Metro und anderen ausländischen Händlern auf Kritik, weil dadurch die Existenz vieler Einzel- und Straßenhändler gefährdet sei. Muller: Das ist Unsinn, daran haben wir gar kein Interesse. Wir sehen die kleinen Ladeneigentümer und fliegenden Händler nicht als unsere Konkurrenten, sondern als Partner der Metro; sie sind unsere wichtigsten Kunden. Wir machen mehr als 40 Prozent unseres Umsatzes in Indien mit ihnen, wir haben pro Großmarkt rund 7000 kleine Einzelhändler als Kunden. SZ: Wie profitiert Indien vom Markteintritt der Metro? Muller: Wir schaffen Arbeitsplätze und investieren. Wir straffen die Lieferkette und erreichen so, dass die Qualität der Lebensmittel steigt, etwa durch schnelleren Transport und das Einrichten von Kühlketten. Das ist für uns wichtig, weil 90 Prozent der Ware, die wir in Indien verkaufen, dort auch erzeugt wird. Bei Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius verdirbt beispielsweise ein großer Teil an frischem Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch bevor es den Konsumenten erreicht. Der Ausschuss liegt nach offiziellen Angaben bei 30 bis 40 Prozent. Wir können diese Quote mindestens um die Hälfte reduzieren. Unsere Qualitätsinitiative wird auch von der indischen Regierung unterstützt.
Miese Löhne, schlechtere Bezahlung von Frauen: Oxfam kritisiert, wie Metro in Indien mit Mitarbeitern umgeht. Nun kontert Vorstand Frans Muller.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/metro-arbeitsbedingungen-wir-koennen-nicht-alles-ueberwachen-1.940413
"Metro: Arbeitsbedingungen - ""Wir können nicht alles überwachen"""
00/05/2010
Bedenken der EZB? Interessieren nicht! Die EU-Kommission nimmt Estland als neues Mitglied der Währungsunion auf. Viele andere Kandidaten müssen draußen bleiben. Griechenland taumelt, Portugal krankt, Spanien schwächelt - die Währungsunion hat viele Probleme. Jetzt bekommt sie ein weiteres Mitglied - eines, das bisher vieles richtig gemacht hat: Estland. Detailansicht öffnen "Estland hat einen hohen Grad an dauerhafter wirtschaftlicher Konvergenz erreicht" - sagt EU-Kommissar Rehn. (Foto: Foto: dpa/Blick über die Altstadt der estnischen Hauptstadt Tallinn, dem früheren Reval.) Trotz Bedenken der EZB billigt darum die EU-Kommission den Beitritt Estlands im kommenden Jahr. "Estland hat einen hohen Grad an dauerhafter wirtschaftlicher Konvergenz erreicht und ist für die Einführung des Euro am 1. Januar 2011 bereit", erklärte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. In dem Bericht, in dem die EU-Kommission Beitrittsanwärter auf ihre Euro-Tauglichkeit beurteilt, bescheinigt die Brüsseler Behörde dem nördlichsten Land des Baltikums, alle Kriterien erfüllt zu haben. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat hingegen Vorbehalte gegen einen Beitritt. "Insgesamt gibt es Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit, mit der Estland das Konvergenzkriterium Inflation erfüllen kann", teilte die Notenbank in Frankfurt in ihrem Report mit. Viele Kandidaten fallen durch Die EZB und die EU-Kommission erstellen alle zwei Jahre unabhängig voneinander einen Bericht, in dem sie die Euro-Beitrittsanwärter beurteilen. Im Gegensatz zur EU-Kommission gibt die EZB aber keine konkrete Empfehlung ab. Die Brüsseler Behörde winkte Estlands Gesuch nun durch. Allerdings forderte Rehn das Land auf, seinen umsichtigen finanzpolitischen Kurs beizubehalten: "Auch muss es seine praktischen Vorbereitungen beschleunigen, damit die Umstellung reibungslos vonstattengehen kann." Die übrigen acht geprüften Länder fielen in dem EU-Bericht durch. Bulgarien, Tschechien, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen, Rumänien und Schweden erfüllten nicht alle Konvergenzkriterien, teilte die Kommission mit. Die endgültige Entscheidung über die Einführung des Euro in Estland trifft der Rat der EU-Finanzminister im Juli. Zuvor muss das Europäische Parlament Stellung nehmen und die EU-Staats- und Regierungschefs werden das Thema auf ihrem Gipfeltreffen im Juni erörtern. Die EZB hat jedoch Bedenken gegen einen Beitritt: In ihrer Beurteilung des Landes kommen die Währungshüter zu dem Schluss, dass Estland seine aktuell sehr niedrige Inflationsrate nicht wird halten können, wenn nach der Krise der wirtschaftliche Aufholprozess wieder einsetzt. "Wenn die Phase der Anpassung vorüber ist, dürfte es angesichts des geringen Spielraums der Geldpolitik schwierig werden, die Teuerungsrate niedrig zu halten. Der Aufholprozess dürfte die Inflation in den kommenden Jahren antreiben, vor allem wenn man berücksichtigt, dass die Wirtschaftsleistung pro Kopf und das Preisniveau in Estland nach wie vor niedriger sind als in der Eurozone." Estlands Notenbank kann nur wenig tun, um einen Anstieg der Inflation zu verhindern. Das Land trat Mitte 2004 dem sogenannten Wechselkursmechanismus II bei, dem ersten Schritt, um frühestens zwei Jahre später den Euro einzuführen. Estland, Litauen und Slowenien legten damals die Leitkurse ihrer Währungen zum Euro fest und verpflichteten sich, die Schwankungen nach oben und unten unter 15 Prozent zu halten. Das estnische Parlament hat erst im April die vollständige Unabhängigkeit der Zentralbank in ein Gesetz gegossen. Dies war eine der Bedingungen für einen Betritt zur Eurozone. Länder, die die Gemeinschaftswährung einführen wollen, müssen mehrere Kriterien erfüllen. Hervorragende Werte Erstens darf die Inflationsrate maximal 1,5 Prozent über derjenigen der drei preisstabilsten Mitgliedsländer liegen, zweitens darf das Haushaltsdefizit nicht höher sein als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts und drittens darf die Verschuldung der öffentlichen Hand nicht größer sein als 60 Prozent des BIP. Derzeit erfüllen die meisten der Euro-Länder diese Kriterien nicht. Estland hingegen erreicht überall hervorragende Werte. Die EZB räumt dies in ihrem Bericht auch ein, verweist zugleich aber auf Schwierigkeiten bei der Messung der Nachhaltigkeit der erreichten Konvergenz des Landes mit der Währungsunion. Als Maß dafür wird üblicherweise das Niveau der langfristigen Zinssätze in einer Volkswirtschaft genommen. Aber: "Das estnische Finanzsystem ist gekennzeichnet von der Abwesenheit eines gut entwickelten Marktes für langlaufende in estnischen Kronen ausgegebene Schuldpapiere." Wirtschaft und Staat nutzen bereits in vielerlei Hinsicht den Euro, was eine Beurteilung zusätzlich erschwert. Notwendig sei in jedem Fall, dass die Regierung des Landes Anstrengungen unternimmt, die Teuerung in den kommenden Jahren in Zaum zu halten, empfehlen die Experten der EZB.
Bedenken der EZB? Interessieren nicht! Die EU-Kommission nimmt Estland als neues Mitglied der Währungsunion auf. Viele andere Kandidaten müssen draußen bleiben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/waehrungsunion-estland-mitten-in-der-krise-ein-neues-euro-mitglied-1.941348
Währungsunion: Estland - Mitten in der Krise: ein neues Euro-Mitglied
00/05/2010
Wenn der Lohn nicht zum Leben reicht: Immer mehr Berufstätige müssen Hartz IV beantragen. Eine Million Deutsche erhalten Hilfe - und das kommt den Staat teuer. Immer mehr Beschäftigte sind wegen ihrer geringen Entlohnung auf staatliche Hilfe angewiesen. Nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA), die der Süddeutschen Zeitung vorliegen, erhielten 2009 im Jahresdurchschnitt 1,325 Millionen Bürger Arbeitslosengeld II (Hartz IV), obwohl sie ganz oder teilweise berufstätig waren. Für den Staat wird diese Form der Lohnsubvention zunehmend teurer: Die BA beziffert die Ausgaben mit 10,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Detailansicht öffnen Im Jahresdurchschnitt 2009 erhielten 1,325 Millionen Bürger Arbeitslosengeld II (Hartz IV), obwohl sie ganz oder teilweise berufstätig waren. (Foto: Foto: dpa) Für viele Berufstätige reicht der Job nicht mehr zum Leben. Das Problem hat sich mit der Wirtschaftskrise weiter verschärft. So ist unter den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten die Quote derjenigen, die zusätzlich Hartz IV benötigen, in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Im Juni 2005, kurz nach Einführung der rot-grünen Reformen am Arbeitsmarkt, waren es noch 1,5 Prozent. Im September 2009 lag die Quote dieser sogenannten Aufstocker bereits bei 2,6 Prozent. Dieser Trend spiegelt sich auch in den absoluten Zahlen wider: 2007 waren fast 1,22 Millionen Hartz-IV-Empfänger erwerbstätig, zwei Jahre später bereits etwa 100.000 mehr. Vor allem in der Leiharbeitsbranche, in der Gastronomie und bei Dienstleistern ist das Aufstocken von Löhnen verbreitet. Der Anteil derjenigen, die trotz Vollzeitjob weniger als das Existenzminimum verdienen, war in den vergangenen drei Jahren allerdings rückläufig: 2009 bezogen etwa 300.000 Menschen einen Bruttolohn von 800 Euro oder mehr und zugleich die staatliche Grundsicherung. DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy führt dies vor allem auf den Ausbau des Kinderzuschlags und des Wohngelds sowie auf die wachsende Zahl von Mindestlöhnen in einzelnen Branchen zurück. "Der Niedriglohnsektor wächst, aber mit ihm nicht die Zahl der Niedriglöhner, die aufstockend Anspruch auf Hartz IV haben", sagte Adamy. Stark zugenommen hat die Zahl der Hilfsbedürftigen mit einem Minijob. Im Jahresdurchschnitt 2009 war dies bei etwa 700.000 Hartz-IV-Empfängern der Fall. Das sind fast 100.000 mehr als vor zwei Jahren. Mit einem Minijob lassen sich bis zu 400 Euro im Monat verdienen. Wer die Grundsicherung bezieht, darf davon bis zu 160 Euro behalten. Der Rest wird mit dem Hartz-IV-Satz verrechnet. "Fehlanreize bei Hartz IV" Der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, sieht wegen dieser Zunahme "Fehlanreize bei Hartz IV". Die Freibetragsregelung mache es "attraktiv, sich mit geringem zeitlichen Arbeitseinsatz ein beträchtliches Taschengeld zur Grundsicherung hinzuzuverdienen". So entstehe "ein Anreiz für den dauerhaften Bezug der Fürsorgeleistung, statt über eine Vollzeittätigkeit aus der Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung zu kommen", sagte Hundt am Montag der SZ. Der Staat müsse deshalb kleine Hinzuverdienste stärker und Einkommen aus einer vollzeitnahen Tätigkeit weniger als bisher auf das Arbeitslosengeld II anrechnen, so wie dies die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag auch vorgesehen hat. DGB-Experte Adamy wies dagegen darauf hin, "dass Arbeitslose jeden Strohhalm ergreifen müssten, der sich für sie bietet". Häufig stünden aber gar keine anderen Jobs zur Verfügung. Außerdem seien gerade in Gebieten mit hoher Arbeitslosigkeit besonders viele Minijobber auf Hartz IV angewiesen - anders als in wirtschaftlich prosperierenden Regionen. Dort dienten Minijobs vielfach als Zusatzverdienst zu einem bestehenden Erwerbseinkommen, ohne dass Hilfe vom Staat notwendig wäre.
Wenn der Lohn nicht zum Leben reicht: Immer mehr Berufstätige müssen Hartz IV beantragen. Eine Million Deutsche erhalten Hilfe - und das kommt den Staat teuer.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundesagentur-fuer-arbeit-eine-million-buerger-erhalten-zusaetzliche-hilfe-1.944864
Bundesagentur für Arbeit - Eine Million Bürger erhalten zusätzliche Hilfe
00/05/2010
Das Vokabular ist martialisch geworden: Die EU-Minister sprechen von Spekulanten als "Wolfsrudeln", die "schwächere Länder zerreißen werden". Auch von Verteidigungsringen um den Euro ist die Rede. Doch gefochten wird nicht mit Waffen, sondern mit Geld. Die EU-Politiker haben in der Nacht von Sonntag auf Montag ein gigantisches Finanzpaket von bis zu 750 Milliarden Euro geschnürt. Es soll durch schiere Größe die Spekulanten abschrecken. Der Internationale Währungsfonds (IWF) stellt ein Drittel dieser Summe zur Verfügung - 250 Milliarden Euro, und das zusätzlich zu den bereits bewilligten 30 Milliarden Euro des IWF für Griechenland. Detailansicht öffnen Zur Stützung des Euro werden die Regeln des EU-Vertrages umgangen - es wird eine Zweckgesellschaft gegründet. Denn formal darf kein Euroland für die Schulden eines anderen Eurolandes einstehen. Doch eine Zweckgesellschaft darf einspringen. (Foto: Foto: dpa) Die Rettung des Euro, eine Revolution. In mehreren Punkten gibt es gravierende Änderungen. Das sind die wichtigsten Elemente. 1. EU als Nothelfer Bis zu 60 Milliarden Euro Kredite sollen von der EU-Kommission kommen, ähnlich der Zahlungsbilanzhilfen für Nicht-Euro-Länder wie Ungarn, Lettland und Rumänien. 2. EU-Vertrag und die "außergewöhnlichen Ereignisse" Grundlage für die Unterstützung aus dem EU-Gemeinschaftshaushalt ist Artikel 122 des Lissabon-Vertrags. In außergewöhnlichen Notsituationen sieht er Hilfen seitens der EU vor. Aktuell zählt die EU auch die Angriffe durch Spekulanten dazu. In dem Vertrag heißt es: "Ist ein Mitgliedstaat aufgrund von Naturkatastrophen oder außergewöhnlichen Ereignissen, die sich seiner Kontrolle entziehen, von Schwierigkeiten betroffen oder von gravierenden Schwierigkeiten ernstlich bedroht, so kann der Rat auf Vorschlag der Kommission beschließen, dem betreffenden Mitgliedstaat unter bestimmten Bedingungen einen finanziellen Beistand der Union zu gewähren." 3. Garantien der EU-Länder Sollten diese 60 Milliarden Euro nicht ausreichen, kommen bilaterale Garantien der Euro-Staaten von insgesamt bis zu 440 Milliarden Euro hinzu - es ist der zweite Verteidigungsring gegen die Euro-Spekulanten. Das Programm ist auf drei Jahre angelegt. Von den 440 Milliarden Euro müsste allein Deutschland 123,2 Milliarden Euro tragen, sofern der gleiche Verteilungsschlüssel wie zur Rettung Griechenlands angewandt wird. Diese Zahllast käme zusätzlich zu den bisher schon für Griechenland vereinbarten 22,4 Milliarden Euro auf Deutschland zu. Gesamtlast: rund 145 Milliarden Euro. 4. Eine neue Zweckgesellschaft Die Garantien sollen wiederum über eine Zweckgesellschaft ausgelegt werden - die EU würde damit eine Institution schaffen, die ähnlich der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) arbeitet. Zuvor hatte Deutschland in den Verhandlungen auf bilateralen Krediten beharrt, konnte sich mit dieser Forderung aber nicht durchsetzen. Die genaue Ausgestaltung dieser Zweckgesellschaft werde erst "in den nächsten Tagen" festgezurrt, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der den erkrankten Finanzminister Schäuble (CDU) in Brüssel bei den Verhandlungen der EU-Minister vertrat. 5. Europäische Zentralbank kauft Anleihen Die Europäische Zentralbank (EZB) ist seitens der Politik als feste Größe des Rettungsplans vorgesehen, auch wenn es in der Institution selbst Streit über die neue Rolle gibt. In der vergangenen Woche hatte die EZB bereits erste Zugeständnisse gemacht: Sie will nun auch griechische Staatsanleihen als Sicherheit für Kredite akzeptieren, selbst wenn sie von mehreren Ratingagenturen auf Ramschniveau heruntergestuft werden. Nach der Nacht von Brüssel verkündete die EZB, dass sie künftig zur Not direkt Anleihen gefährdeter Staaten am Markt kaufen wird - oder von privaten Schuldnern aus den jeweiligen Ländern. In der Finanzkrise hatte die europäische Zentralbank - anders als etwa die US-Notenbank - ein solches Vorgehen noch abgelehnt. Die neue Politk bedeutet, dass die Notenbank damit den Staaten direkt Kredit gibt - und im Grunde Geld druckt. Das treibt die Geldmenge und damit die Gefahren von Inflation. Deshalb ist das Thema innerhalb der EZB umstritten: Eilig versichert die Notenbank denn auch, dass die durch das Programm generierte zusätzliche Liquidität durch "spezifische Transaktionen" wieder vom Markt genommen und so "sterilisiert" werden soll. Die Bundesbank hat schon am Montag mit dem Kauf von Staatsanleihen begonnen. Gleichwohl kritisierte Bundesbankpräsident Axel Weber den Beschluss es EZB-Rates zum Kauf von Staatsanleihen. "Der Ankauf von Staatsanleihen birgt erhebliche stabilitätspolitische Risiken und daher sehe ich diesen Teil des Beschlusses des EZB-Rats auch in dieser außerordentlichen Situation kritisch", sagte er, der dem Gremium selbst angehört, der Börsen-Zeitung. 6. Euro-Anleihen ante portas? Nicht durchsetzen konnte sich die EU-Kommission mit ihrem Vorschlag, direkt für die Schuldenländer Kredite aufzunehmen. Sie hätte sich mit ihrer guten Bonität die Kredite zinsgünstig am Kapitalmarkt besorgt, von Euro-Staaten verbürgen lassen und dann an klamme EU-Länder mit einem Aufschlag weitergereicht. Doch Deutschland und die Niederlande sollen, so berichten Diplomaten, diese Idee abgelehnt haben: Beide Länder hätten sich gegen die zentrale Stellung der Brüsseler EU-Behörde bei der Rettungsaktion gewehrt. Auch von eigenen Euro-Anleihen war die Rede gewesen. Minister de Maizière verteidigte die deutsche Haltung: "Garantien gelten auf den ersten Blick als vielleicht nicht so gewichtig wie Kredite", sagte er: "Aber Garantien aufgenommen durch die Europäische Union (...) wären der Einstieg in eine Transfer-Union geworden und das hätten wir nicht mitgemacht." Und doch: Genau das ist jetzt geschehen. Die Eurozone verwandelt sich von einer Währungsunion in eine Transferunion - weil durch das Hilfspaket die Euro-Staaten gemeinsam haften. Aus Sicht der Märkte egalisiert die gemeinsame Bürgschaft die Unterschiede in der Kreditwürdigkeit.
Mit unvorstellbaren 750 Milliarden Euro kämpfen EU und Internationaler Währungsfonds gegen Spekulanten - und brechen Regeln. Das meiste bezahlt Deutschland. Die Details.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-hilfspaket-die-kernelemente-des-rettungsplans-1.940550
EU-Hilfspaket - Die Kernelemente des Rettungsplans
00/05/2010
Das hat bisher nur einer vor ihm geschafft: Michael Sommer wird den Deutschen Gewerkschaftsbund für eine dritte Amtszeit führen. Doch die wird heftig werden. Michael Sommer steht für weitere vier Jahre an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Auf dem DGB-Bundeskongress in Berlin votierten am Montag 94,1 Prozent der Delegierten für den 58-Jährigen, der damit seine dritte Amtszeit antritt. Detailansicht öffnen Michael Sommer bleibt vier weitere Jahre an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes. (Foto: Foto: dpa) Sommer führte das überragende Ergebnis auf den "Kurs der parteipolitischen Unabhängigkeit" zurück. Als Stellvertreter wurden Ingrid Sehrbrock, Claus Matecki, Annelie Buntenbach und Dietmar Hexel bestätigt. Der Kongress läuft noch bis Donnerstag. Sommer amtiert seit 2002 als Vorsitzender des Dachverbands der Gewerkschaften. Er erhielt vor vier Jahren 78 Prozent der Stimmen, bei seiner ersten Wahl im Jahr 2002 ebenfalls 94 Prozent. Mit seiner Wiederwahl tritt er in die Fußstapfen von Heinz-Oskar Vetter (1969-1982), der als bislang einziger DGB-Chef drei Amtszeiten bestritt. Der DGB versteht sich als politischer Arm von acht Einzelgewerkschaften, unter anderem Verdi und IG Metall. Er hat derzeit knapp 6,3 Millionen Mitglieder. Gewählt wurden auch die vier Stellvertreter von Sommer. "Das ist ein großer Erfolg" Sehrbrock (60,7 Prozent) und Matecki (53,2 Prozent) scheiden allerdings 2013 mit ihrem 65. Geburtstag aus dem Amt aus. Bessere Ergebnisse erzielten Hexel mit 80,4 Prozent und Buntenbach mit 86,6 Prozent. Sommer sagte, der "Kurs der parteipolitischen Unabhängigkeit" habe den DGB in die Lage versetzt, eigenständige Positionen zu entwickeln, sich zu profilieren und mit unterschiedlichen Regierungen zusammenzuarbeiten oder auch zu streiten. Dieser Kurs habe sich bewährt. Gerade in der Krise sei es gelungen, die Gewerkschaftsbewegung wieder zu stabilisieren und nach vorne zu bringen. "Das ist ein großer Erfolg." Er habe alles getan, "den Laden zusammenzuhalten" und dies sei mit ruhiger, konsequenter Politik gelungen. Sommer fügte hinzu, falls die Satzungsänderung, die auf eine Verschlankung des DGB abzielt, auf dem Kongress beschlossen werde, sei es seine große Aufgabe, die Gewerkschaft stärker zu strukturieren und Einsparungen vorzunehmen. "Neue Lebenserfahrungen" Ziel sei es aber, Entlassungen und betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. "Es wird sehr harte Einschnitte geben", kündigte er an. Diese würden auch die Bundesvorstandsverwaltung betreffen. Sein gutes Verhältnis zur Politik führte Sommer auf die gemeinsame Krisenerfahrung zurück. "Wir haben eine gemeinsame neue Lebenserfahrung gemacht, die wir lieber nicht hätten", erklärte er. Diese habe dazu geführt, dass man vertrauensvoller miteinander umgehe. Zudem gebe es mehr Kräfte, die auf soziale Balance setzten und den Gewerkschaften wichtige Funktionen beimessen. "Das gilt auch für die neue SPD-Spitze, nicht nur für die Kanzlerin", sagte Sommer und betonte: "Ich habe bewusst neue SPD-Spitze gesagt." Der Kongress, der unter dem Motto "Arbeit, Gerechtigkeit, Solidarität" steht, war am Sonntag von Kanzlerin Angela Merkel eröffnet worden. Insgesamt sollen 152 Anträge zu gewerkschaftlichen Themen beraten werden. Unter anderem geht es um die Erhöhung der Mindestlohnforderung um einen auf 8,50 Euro.
Das hat bisher nur einer vor ihm geschafft: Michael Sommer wird den Deutschen Gewerkschaftsbund für eine dritte Amtszeit führen. Doch die wird heftig werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dgb-chef-sommer-bestaetigt-es-wird-sehr-harte-einschnitte-geben-1.944413
"DGB-Chef Sommer bestätigt - ""Es wird sehr harte Einschnitte geben"""
00/05/2010
Die Beiersdorf-Zentrale liegt mitten in einem Hamburger Wohngebiet. Hier, an der heutigen Unnastraße, stand vor mehr als hundert Jahren schon die Apotheke von Paul C. Beiersdorf. Vorstandschef Thomas-Bernd Quaas hat sein Büro im obersten Stock, man kann den Michel und schemenhaft im Regen die Kräne des Hafens sehen. Quaas ist ganz Verkäufer, in einem Glasschrank stehen die wichtigsten Produkte seines Hauses. Die bekannteste Marke ist Nivea. Während des gesamten Gesprächs spielt Quaas mit einer kleinen blau-weißen Nivea-Dose. Der Fußballfan ist Anhänger des FC Bayern. Detailansicht öffnen Thomas-Bernd Quaas: Jogi Löw ist sehr bekannt, wir halten ihn als Typ für authentisch. (Foto: Foto: dpa) SZ: Herr Quaas, die Fußball-WM in Südafrika steht vor der Tür. Wer wird Weltmeister? Thomas-B. Quaas: Ich bin Oberpatriot, natürlich muss Deutschland ins Finale kommen. Deutschland ist eine Turniermannschaft, die steigert sich von Spiel zu Spiel. SZ: Sie sind ja wirklich ein Optimist. Aber das wäre ja auch im Interesse von Beiersdorf, Bundestrainer Joachim Löw ist Werbeträger für die neue Nivea-Kampagne, Sie zahlen ihm angeblich mehr als eine Million Euro. Warum gerade Löw? Quaas: Jogi Löw ist sehr bekannt, wir halten ihn als Typ für authentisch. Er steht für ein gepflegtes Äußeres. Das ist ein überzeugender Faktor in der einmaligen Werbekampagne für die Männerprodukte von Nivea. Außerdem finde ich es toll, wenn ein Trainer oder Vorgesetzter jungen Leuten etwas zutraut und wenn er nicht gleichzeitig alle erfahrenen Leute aufs Altenteil schiebt. SZ: Das könnte schnell umschlagen, wenn zum Beispiel das deutsche Team früh ausscheidet und Löw dafür verantwortlich gemacht wird. Quaas: Das glaube ich nicht. Der Erfolg der Nationalmannschaft bei der WM wird Nivea nicht beeinflussen. Unser Ziel ist, die Männerpflege von Nivea nach vorne zu bringen. SZ: Pflegen sich Männer zu wenig? Quaas: Beiersdorf hat die Männerpflege genau genommen erfunden. Wir wussten aus Befragungen, dass Männer sich, wenn überhaupt, mit Nivea eincremen. Oder sie greifen am Wochenende in die teuren Tiegel der Partnerin. Deshalb haben wir Nivea for Men entwickelt, so ist ein neuer Markt entstanden. SZ: Welche Creme benutzen Sie eigentlich am Morgen? Quaas: Ich probiere natürlich alles aus, nehme aber auch sehr gern die ganz klassische Nivea-Creme. SZ: Die blaue? Die ist doch zäh und fettig im Gesicht. Quaas: Das stimmt nicht. Diese Creme bietet maximale Pflege, nach einem langen Flug mit trockener Luft beispielsweise ist eine Maske mit dieser Creme ein besonderes kosmetisches Vergnügen. SZ: Sie nutzen die Basiscreme für ein paar Euro und die anderen Männer sollen teure Antifalten-Cremes kaufen? Quaas: Jeder soll das Nivea-Produkt benutzen, das er will. Nehmen Sie das Aftershave Balsam, das hinterlässt ein angenehmes Gefühl. Da gibt es nicht mehr dieses Brennen, das der Cowboy der Vergangenheit so gerne hatte. SZ: Die Marke Nivea gilt als solide, aber unspektakulär. Sie ist in die Jahre gekommen und langweilig. Warum? Quaas: Das Unspektakuläre der Marke Nivea ist gerade das Spektakuläre. Das muss man erst mal hinkriegen. Nivea soll nicht irgendetwas Glamouröses sein. Die Marke steht seit 99 Jahren für Verlässlichkeit, das schafft Vertrauen, weltweit. Das ist für mich spektakulär. SZ: Wollen Sie keine coolen Cremes und Duschgele verkaufen? Quaas: Natürlich wollen auch wir frisch und modern sein. Kontinuität und Innovation immer wieder auszubalancieren, das ist das Geheimnis der Marke. SZ: Es fällt auf, dass nur noch wenige Nivea-Produkte blau-weiß sind, die Packungen sind bunter geworden und gleichen denen der Konkurrenz. Hat Nivea die Unverwechselbarkeit verloren? Quaas: Wir ändern das gerade wieder. Wenn Sie unsere neuen Produkte und unsere Werbung anschauen, dann sehen Sie, dass wir uns auf unsere Kernwerte konzentrieren. Die Dosen und Tiegel werden wieder blau und weiß sein. SZ: Wie viel Geld stecken Sie in Marketing? Quaas: Wir investieren 36 Prozent des Umsatzes in unsere Marken, auch und gerade in wirtschaftlich etwas turbulenteren Zeiten. SZ: 2009 war für Beiersdorf ein sehr schlechtes Jahr, Anfang 2010 haben Sie Ihre Erwartungen auch nicht erreicht. Wann geht es wieder aufwärts? Quaas: 2009 war ein Krisenjahr für Beiersdorf, das habe ich in meinen 30 Jahren im Konzern noch nicht erlebt. Insgesamt haben wir uns im Marktumfeld gut gehalten. Auf dem deutschen Markt hatten wir sogar noch eine positive Entwicklung - auch dank einer offensiven Werbekampagne für das gesamte Nivea-Sortiment. SZ: 2010 soll der Konzernumsatz wieder steigen, stärker als der Markt. Was haben Sie sich vorgenommen? Quaas: Ich erwarte ein Marktwachstum zwischen zwei und drei Prozent, das werden wir übertreffen. Aber es gibt eine Menge von Unwägbarkeiten. Letztes Jahr ist eine große globale Verunsicherung entstanden, die Griechenland-Krise belastet, hoffentlich gibt das keinen Flächenbrand. SZ: Als Sie vor fünf Jahren als Chef angetreten sind, haben Sie versprochen, bis 2010 wird der weltweite Marktanteil bei 5,5 Prozent liegen. Warum haben Sie das nicht erreicht? Quaas: Durch das Krisenjahr 2009 ist vieles durcheinander geraten. 2009 hatten wir schon einen Marktanteil von etwa fünf Prozent, damit haben wir einen Riesenschritt vorwärts gemacht. 5,5 Prozent bleiben für mich ein Ziel. SZ: Das zweite kleinere Geschäft von Beiersdorf ist Tesa, der Bereich hat zuletzt besonders gelitten und sich nun wieder erholt. Ist der Verkauf für immer vom Tisch? Quaas: Die entscheidende Maßnahme war vor einigen Jahren, die Geschäfte völlig voneinander zu trennen. Tesa ist seitdem eigenständig, hat eine eigene Struktur, einen eigenen Vorstand und konzentriert sich auf industrielle Kunden. Es war frappierend, wie sofort nach der Trennung die Erfolgsgeschichte von Tesa wieder begann. Natürlich war das vergangene Jahr schwer - aber Tesa ist schon wieder auf Erfolgskurs. Wir haben keinen Grund, uns von Tesa zu trennen. SZ: Müssen Sie weitere Arbeitsplätze streichen - bei Tesa oder im Rest des Konzerns? Quaas: Wir haben eine vernünftige Struktur. Aber natürlich werden immer Möglichkeiten geprüft, die Effizienz zu steigern. Wir zeichnen uns auch dadurch aus, nicht Ewigkeiten zu warten, sondern früh genug zu handeln. Im Moment steht aber nichts an.
Beiersdorf-Chef Thomas-Bernd Quaas über Nivea, teures Marketing - und Nationaltrainer Jogi Löw.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/interview-beiersdorf-chef-quaas-die-haut-ist-doch-ueberall-gleich-1.941325
"Interview: Beiersdorf-Chef Quaas - ""Die Haut ist doch überall gleich"""
00/05/2010
Der Kampf um die Milliarden geht weiter: Die Airbus-Mutter EADS will sich nun im Alleingang um den Tankflugzeug-Auftrag des Pentagons bewerben. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS bewirbt sich nun doch um den milliardenschweren Auftrag für neue Tankflugzeuge des amerikanischen Verteidigungsministeriums. EADS gab am Dienstagabend bekannt, als möglicher Hauptauftragnehmer direkt gegen den amerikanischen Rivalen Boeing antreten zu wollen. Das Angebot muss bis zum 9. Juli abgegeben sein. Detailansicht öffnen Computergrafik eines Tankflugzeugs vom Typ KC-30 beim Auftanken eines B2-Bombers. (Foto: Foto: ddp) Die US-Luftwaffe muss hunderte von alten Tankflugzeugen ersetzen. Alleine die erste Tranche der Ersatzmaschinen umfasst 179 Flugzeuge. Der Teilauftrag hat inklusive Wartungs- und Servicedienstleistungen ein Volumen von rund 40 Milliarden Dollar, insgesamt steht aber ein dreistelliger Milliardenumsatz auf dem Spiel. Das ist eines der größten Beschaffungsvorhaben des Pentagons. EADS bietet einen Tanker auf der Basis des Airbus A330 an, Boeing setzt eine modifizierte Boeing 767 dagegen. EADS hatte sich ursprünglich gemeinsam mit dem US-Rüstungskonzern Northrop Grumman beworben. Der amerikanische Partner trat aber als offizieller Bewerber auf. Anfang März entschied Northrop Grumman, doch kein Angebot für den Mega-Auftrag abzugeben. Branchenbeobachter vermuten, dass politischer Druck hinter den Kulissen eine Rolle gespielt hat. Außerdem hatte Northrop Grumman selbst ein deutlich geringeres strategisches Interesse, den Auftrag zu gewinnen. Northrop Grumman und EADS hatten den Wettbewerb gegen Boeing 2009 bereits gewonnen. Doch der US-Konkurrent war mit einem Protest erfolgreich, so dass das Verfahren wiederholt werden musste. Sowohl Northrop Grumman als auch EADS kritisierten, dass Boeing in der Ausschreibung in unzulässiger Weise bevorteilt werde. EADS wird einem Sprecher zufolge bis Juli mit amerikanischen Firmen verhandeln, die statt Northrop Grumman die militärische Ausstattung liefern könnten. Kandidaten sind unter anderem Raytheon und L3 Communications. "Wir haben zwar noch keinen Partner, aber dafür einen Tanker", sagte ein Konzernsprecher. Der Airbus-Tanker ist im Gegensatz zum Boeing-Modell bereits in anderen Ländern im Einsatz. Das Pentagon will bis zum Herbst entscheiden, wer die Flugzeuge bauen darf.
Der Kampf um die Milliarden geht weiter: Die Airbus-Mutter EADS will sich nun im Alleingang um den Tankflugzeug-Auftrag des Pentagons bewerben.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/luftfahrtkonzern-eads-und-sie-bieten-doch-1.935626
Luftfahrtkonzern EADS - Und sie bieten doch
00/05/2010
Wer löhnt? Eigentlich haben Reisende in der EU bei gestrichenen Flügen Recht auf die vollständige Erstattung ihres Flugtickets. Ryanair wagt den Tabubruch. Der irische Billigflieger Ryanair ist immer für Überraschungen zu haben. Mal steht die Überlegung im Raum, Passagieren ein Ticket ohne Sitzplatz zu verkaufen, statt drei Toiletten nur noch ein einziges WC in die Maschine einbauen zu lassen oder einfach mal eine Klobenutzungsgebühr einzurichten. Am letztgenannten Beispiel hält Ryanair konsequent fest: Ein Pfund und damit etwas mehr als einen Euro muss demnächst löhnen, wer - nun ja - im Billigflieger auf die Toilette muss. Detailansicht öffnen Der Billigflieger Ryanair will seinen Kunden unter Umständen nur einen Teil der Kosten durch die massiven Flugausfälle der vergangenen Tage erstatten. (Foto: Foto: Getty) Und jetzt, da sich das Problem mit der Aschewolke peu à peu verzieht, überrascht Ryanair-Chef Michael O'Leary schon wieder mit einer Idee. Die Billig-Airline will seinen Kunden unter Umständen nur einen Teil der Kosten durch die massiven Flugausfälle der vergangenen Tage erstatten. Das Unternehmen berücksichtige "alle angemessenen und mit Belegen eingereichten Passagier-Auslagen der letzten Woche", sagte Ryanair-Chef O'Leary. "Diese sind in ihrer Rückzahlung jedoch begrenzt durch den eigentlich bezahlten Flugpreis jedes Passagiers", ergänzte er. Im Klartext heißt das: Wer aufgrund eines späteren Rückflugs also ein Hotel buchen musste, bleibt unter Umständen auf einem großen Teil dieser Kosten sitzen. Recht auf vollständige Erstattung Erst am Mittwoch hatte die Europäische Kommission abermals auf die Rechte von Flugpassagieren durch die Flugausfälle hingewiesen. Nach EU-Recht haben die Reisenden bei gestrichenen Flügen Recht auf die vollständige Erstattung ihres Flugtickets einschließlich der Gebühren oder auf eine Ersatzbeförderung. Entscheidet sich ein Passagier für Letzteres - also etwa einen späteren Flug, eine Bahn- oder eine Busfahrt - muss die Fluggesellschaft auch für die etwaig notwendige Unterkunft bis zum Abflug oder zur Abfahrt aufkommen. Eine Ryanair-Sprecherin sagte mit Blick auf mögliche Klagen gegen das Vorgehen des Unternehmens: "Wir werden sehen, was passiert." Sie verwies darauf, dass sich Passagiere mit Beschwerden an die jeweils zuständige Aufsichtsbehörde für Luftfahrt wenden müssen. In Deutschland ist dies das Luftfahrt-Bundesamt. Chef O'Leary sagte dem irischen Radiosender RTE, es gebe "kein Gesetz, das einer Fluggesellschaft, die 30 Euro für ein Ticket nimmt, vorschreibt, Tausende Euro für Hotels auszugeben. Das ist absurd." Bis 13 Uhr an diesem Donnerstag will der irische Billigflieger in Deutschland keine Flüge stattfinden lassen. Für später allerdings hat das Unternehmen schon vorgesorgt: Per Anzeigenkampagne buhlt das Unternehmen um neue Fluggäste. Drei Millionen Flüge, so verspricht es die in Schwarzweiß gestaltete und mit einem grobkörnigen Foto eines spuckenden Vulkans aufgemotzte Printanzeige, sollen ab drei Euro verschleudert werden - inklusive Steuern und Gebühren. "Der Staub hat sich gelegt ... Explosive Ryanair-Angebote", hat die Airline die Werbung marktschreierisch betitelt. Geschicktes Marketing oder einfach nur der Versuch, von möglichen Klagen abzulenken?
Wer löhnt? Eigentlich haben Reisende in der EU bei gestrichenen Flügen Recht auf die vollständige Erstattung ihres Flugtickets. Ryanair wagt den Tabubruch.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/folgen-der-aschewolke-ryanair-und-die-frage-nach-dem-zahlmeister-1.937050
Folgen der Aschewolke - Ryanair und die Frage nach dem Zahlmeister
00/05/2010
Henrik Enderlein ist Professor für Politische Ökonomie an der Hertie School of Governance in Berlin. Er studierte in Paris und New York, promovierte am Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und arbeitete als Ökonom bei der Europäischen Zentralbank, ehe er als Juniorprofessor für Wirtschaftswissenschaften an die Freie Universität Berlin wechselte. Detailansicht öffnen Politökonom Henrik Enderlein: "Ich gehöre nicht zu denen, die wegen Inflationsangst nachts aufwachen." (Foto: Graphik: sueddeutsche.de) sueddeutsche.de: Herr Professor Enderlein, der Euro schwächelt brutal. Folgt daraus Deutschlands Austritt aus dem Euro-Verbund - oder sollte die Gemeinschaftswährung gleich ganz abgeschafft werden? Enderlein: Der Euro schwächelt nicht brutal. Er ist nach einer Phase der Stärke jetzt unter Druck geraten. Aber er stand vor genau einem Jahr bei knapp über 1,30 Dollar, und da lag er auch vor ungefähr drei Jahren. Wenn man den Durchschnitt über die vergangenen zehn Jahre nimmt, das ist ein Wert von knapp 1,20 Dollar, dann liegt der Euro heute immer noch höher. sueddeutsche.de: Skeptiker bezeichnen den Euro als Weichwährung. Enderlein: Nein, das ist er nicht. Währungen schwanken grundsätzlich nach oben und unten, das ist ganz normal. Niemand sollte jetzt Panik bekommen, dass der Euro sich in Luft auflöst, nur weil die Märkte im Augenblick gegen diese Währung spekulieren. Es ist vollkommen müßig und überflüssig, jetzt über einen Euro-Austritt von Deutschland oder auch von Griechenland zu spekulieren. Ich habe das Gefühl, diese Diskussion wird von Ewiggestrigen angetrieben, die uns sagen: Wir hätten die D-Mark behalten sollen! Das ist unverantwortlich, das führt uns nicht weiter. Man heizt die Krise dadurch an. sueddeutsche.de: Was muss jetzt passieren? Enderlein: Wir müssen daran arbeiten, den Euro-Raum zu einem wirklichen Wirtschafts- und Währungsraum zu machen. Man darf nicht vergessen: Deutschland profitiert immens vom Euro und der Währungsintegration. Das sollte man nicht alles innerhalb kürzester Zeit aufs Spiel setzen. sueddeutsche.de: Wie viel darf die Euro-Rettung kosten? Momentan sind es 750 Milliarden Euro. Gut vorstellbar, dass die Summe weiter steigt. Enderlein: Ich nenne es das größte all-in in der Pokergeschichte. Wir werfen alles auf den Tisch, was wir an Mitteln und Geld haben. Das Ziel: Die Spekulanten sollen abgeschreckt werden. Das kann gut gehen, kann aber auch richtig schief gehen. Das ist die Krux: Wir haben alles riskiert. Es muss funktionieren, denn es gibt keinen Plan B. sueddeutsche.de: Der Zocker hat irgendwann Geld und Haus verspielt, dann ist Schluss. Bei verschuldeten Staaten steht am Ende der Steuerzahler gerade - und der zahlt und zahlt. Enderlein: Die jetzt mobilisierten 750 Milliarden Euro werden von den Finanzmärkten nicht als etwas Kleines abgetan. Das ist schon eine massive Summe. Spekulanten fragen sich: Können wir das durchhalten? Die Kombination aus dem fast unbegrenzten fiskalischen Arsenal plus die Kraft der Europäischen Zentralbank ist beeindruckend. Das schreckt die Märkte ab. sueddeutsche.de: Um die Märkte zu bändigen, hat die EZB ihre eigenen Prinzipien verraten. Sie kauft nun direkt Anleihen auf und pumpt somit Geld in den Markt. Die richtige Entscheidung?
Politökonom Enderlein über unberechtigte Inflationängste - und warum die No-bail-out-Klausel Ähnlichkeit mit Zahnpasta hat.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/henrik-enderlein-damit-uns-der-euro-nicht-um-die-ohren-fliegt-1.941008
"Henrik Enderlein - ""Damit uns der Euro nicht um die Ohren fliegt"""
00/05/2010
Das Gurtsystem funktioniert nicht richtig - daher ruft Porsche alle Panamera-Modelle zurück. Außerdem: Opel trennt sich endgültig vom Werk Antwerpen. Endgültig. Nicht nur Toyota machen Qualitätsprobleme zu schaffen - auch die Stuttgarter Sportwagenschmiede Porsche muss nun Autos zurückrufen. Detailansicht öffnen Porsche ruft 11.300 Panameras zurück. (Foto: Foto: AP) Weltweit seien rund 11.300 Fahrzeuge der neuen Baureihe Panamera betroffen, in Deutschland gut 1500 Autos der viertürigen Limousine, sagte ein Porsche-Sprecher. Nach der Verstellung der Sitze könne es zu Problemen mit den Gurtstraffern kommen, die Porsche von einem Zulieferer bezieht. "Es handelt sich um eine vorsorgliche Maßnahme", sagte der Sprecher. In die übrigen Porsche-Baureihen würden andere Gurtsysteme eingebaut. Die Porsche-Aktie gab nach der Bekanntgabe der Rückrufaktion mehr als drei Prozent nach. Zuletzt hatte vor allem der japanische Autohersteller Toyota mit dem Rückruf von weltweit rund 2,3 Millionen Pkw wegen klemmender Gaspedale, rutschender Fußmatten und defekter Bremsen Schlagzeilen gemacht. Opel trennt sich von Antwerpen Der Autohersteller Opel wird sich wie geplant zum Jahresende von seinem Werk in Antwerpen trennen. Die Mitarbeiter an dem belgischen Standort stimmten dem Sozialplan mit großer Mehrheit von 76,2 Prozent zu, wie Unternehmen und Betriebsrat mitteilten. Opel erwartet, dass "eine erhebliche Anzahl der Mitarbeiter" das Unternehmen bis Ende Juni verlassen wird. Die restlichen der 2560 Arbeitnehmer werden spätestens zum Jahresende ausscheiden. Allerdings wird noch bis Ende September nach einem Investor gesucht. Falls sich kein Interessent findet, wird das Werk geschlossen. Der US-Mutterkonzern General Motors (GM) will mit dem Schritt Überkapazitäten bei der angeschlagenen Tochter abbauen. "Diese Lösung ist ein Meilenstein in unserem Bestreben, Opel für eine erfolgreiche Zukunft aufzustellen", begrüßte Opel-Chef Nick Reilly die Zustimmung zum Sozialplan. Aus Sicht von Betriebsrat und Gewerkschaften war das vom Management einseitig angekündigte Aus des Werks Antwerpen ein entscheidendes Hindernis für eine Einigung über den Opel- Sanierungsplan. Diese Hürde sei nun aus dem Weg. Ford überrascht mit Milliardengewinn Keine Spur von Krise mehr: Der US-Autohersteller Ford hat einen exzellenten Start ins Jahr hingelegt. Im ersten Quartal überraschte der Quartal mit einem Gewinn von unterm Strich 2,1 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte hier noch ein Verlust von 1,4 Milliarden Dollar gestanden. "Unser Plan funktioniert", frohlockte Firmenchef Alan Mulally. Er hatte den Hersteller umgebaut und verstärkt kleinere Autos ins Programm aufgenommen. Mit einer derart raschen Erholung hatten Branchenkenner aber nicht gerechnet. Ford ist der einzige der drei großen US-Autokonzerne, der die schwere Krise aus eigener Kraft überlebt hatte. Die Konkurrenten General Motors und Chrysler mussten im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden, aus der sie nur mit massiver staatlicher Hilfe wieder herausfanden. Auch zuletzt fielen bei den beiden noch Verluste an. Die Kunden besonders im wichtigen Heimatmarkt honorierten Fords Stärke. Die Verkäufe sprangen an, der Konzern gewann Marktanteile hinzu. Zwischenzeitlich verkaufte Ford sogar mehr Autos in den USA als der größere Rivale GM. Im ersten Quartal stieg der Umsatz (ohne Sonderfaktoren) um 15 Prozent auf 28,1 Milliarden Dollar. Auch im zweiten Quartal soll der gute Lauf anhalten. Ford erhöhte die Produktion im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kräftig. "Wir bleiben vorsichtig optimistisch", sagte Konzernchef Mulally. Er warnte allerdings, dass die Erholung der Wirtschaft auf wackeligen Beinen stehe und dass es Überkapazitäten in der Autoindustrie gebe. Wal-Mart droht Milliarden-Klage wegen Diskriminierung Die US-Supermarkt-Kette Wal-Mart hat bei einem der größten US-Verfahren wegen der Diskriminierung von Frauen einen herben Rückschlag erlitten. Ein Bundesberufungsgericht lehnte einen Antrag von Wal-Mart ab und ordnete an, dass die Klage als Sammelklage weiter laufen kann. Mehr als eine Million Frauen könnten sich dem Verfahren anschließen. Damit könnten Milliarden an Dollar an Schadenersatzzahlungen auf den weltgrößten Einzelhändler zukommen. Wal-Mart wird vorgeworfen, seinen weiblichen Angestellten im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen systematisch weniger gezahlt und sie bei Beförderungen übergangen zu haben. Der Konzern weist dies zurück und will beim Obersten Gericht die Sammelklage anfechten lassen. Ausgegangen war die Klage 2001 von Betty Dukes, einer Angestellten einer Filiale östlich von San Francisco. Ihr schlossen sich sechs Frauen an. 2004 wurde die Klage als Sammelklage zugelassen. Alle Frauen, die seit Juni 2001 bei Wal-Mart arbeiten oder gearbeitet haben, können sich daran beteiligen. Konsumklima in Deutschland verbessert sich Das Konsumklima in Deutschland verbessert sich. Nachdem der seit November 2009 andauernde Abwärtstrend bereits im April zum Erliegen gekommen war, nahm der Konsumklima-Wert der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für Mai auf 3,8 Zähler zu. Im Vormonat hatte er noch bei revidiert 3,4 Punkten gelegen. Die Voraussetzungen stünden günstig, dass sich diese Entwicklung fortsetze, teilte die GfK mit. Die Signale für eine Erholung der deutschen Wirtschaft würden stärker, erläuterten die Konsumforscher. Es sehe so aus, als ob die deutsche Wirtschaft die Krise hinter sich gelassen habe und sich nun nach und nach aus der tiefsten Rezession der Nachkriegszeit herausarbeite. Dies nähmen auch die Verbraucher wahr und beurteilten die Konjunkturentwicklung positiver als in den Vormonaten - zumal die Zahl der erwarteten Arbeitslosen nach unten korrigiert wurde. Auch ihre eigene künftige Finanzlage schätzten die Bürger unter diesem Eindruck optimistischer ein. Die Einkommenserwartung stieg kräftig auf den höchsten Wert seit neun Jahren. Allerdings schlug sich das vorerst nicht in einer höheren Anschaffungsneigung nieder: Die Kauflaune ging aufgrund der gestiegenen Preise für Heizöl und Benzin sogar leicht zurück. Im Vergleich zum Vorjahr jedoch legte dieser Wert deutlich zu.
Das Gurtsystem funktioniert nicht richtig - daher ruft Porsche alle Panamera-Modelle zurück. Außerdem: Opel trennt sich endgültig vom Werk Antwerpen. Endgültig.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-rueckrufaktion-jetzt-auch-bei-porsche-1.935112
Wirtschaft kompakt - Rückrufaktion - jetzt auch bei Porsche
00/05/2010
Die Bänder stehen still: Da BMW aufgrund des Flugverbots keinen Nachschub mehr bekommt, stoppt der Autohersteller die Produktion in drei Fabriken. Der eingeschränkte Flugverkehr in Deutschland zieht zunehmend die Industrie in Mitleidenschaft. Der Autohersteller BMW drosselte am Dienstag in Dingolfing die Produktion, weil wichtige Bauteile nicht angeliefert wurden. Werke in München und Regensburg sollen an diesem Mittwoch folgen. Von einem Produktionsstopp in allen drei Niederlassungen wären etwa 26.000 BMW-Mitarbeiter betroffen. Der japanische Autokonzern Nissan klagt über ähnliche Probleme, und die Post muss ihre Pakete nun mit Lkw ausliefern. In Europa konnten am Dienstag die Hälfte der geplanten Flüge stattfinden. Detailansicht öffnen BMW hat Probleme aufgrund des Flugverbots. VW und Daimler sind noch nicht betroffen. (Foto: Foto: ddp) Im amerikanischen BMW-Werk Spartanburg dürfte es ebenfalls zu Produktionsstopps kommen. Kleinere Komponenten, die über Luftfracht in die USA gebracht würden, könnten nicht geliefert werden. "Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann wir die Produktion anhalten müssen", sagte ein Sprecher. Das Problem der Komponenten, zu denen Getriebe und Lederbezüge für Sitze gehörten, ist die ausgeklügelte Logistik. Die Teile werden stets erst kurz vor der Fertigstellung eines Fahrzeugs geliefert und aus Kostengründen nicht vor Ort gelagert. Probleme hat auch der japanische Autohersteller Nissan. Wichtige Sensoren, die für die Produktion in Japan dringend benötigt werden, können zurzeit nicht aus Irland geliefert werden, so der Konzern. Die Elektronikkonzerne Samsung und LG teilten mit, dass sie zurzeit auf mehr als 20 Prozent ihrer täglichen Produktexporte sitzen bleiben. Zumindest entspannt sich am Vulkan die Lage. Das Meteorologische Institut in Reykjavik teilte am Dienstag mit, dass der Vulkan unter dem Eyjafjalla-Gletscher sechs Tage nach Beginn des Ausbruchs fast nur noch Lava und Wasserdampf ausstieß, aber kaum noch für die Luftfahrt gefährliche Vulkanasche. Die Deutsche Flugsicherung verlängerte am Dienstag dennoch das Flugverbot für fast alle Airports bis Mittwoch, zwei Uhr. Die europäische Flugsicherungsbehörde Eurocontrol will im Sechs-Stunden-Rhythmus entscheiden, auf welchen Luftkorridoren welche Einschränkungen gelten. Dazu wird regelmäßig die jeweilige Konzentration von Vulkanasche in der Atmosphäre erhoben. Am Abend gab Eurocontrol bekannt, dass fast der gesamte Luftraum in Europa oberhalb von 20.000 Fuß (6100 Metern) für den Luftverkehr freigegeben sei. Ausgenommen sei lediglich Finnland. Immerhin waren für den Dienstag nach Angaben der EU-Kommission etwa 14000 Flüge geplant, also etwa die Hälfte des normalen Flugverkehrs. In Deutschland wurden zehn Prozent der sonst üblichen Flüge absolviert. Viele Großflughäfen, darunter Paris, Frankfurt und Amsterdam, nahmen zunächst den Betrieb wieder auf. Die "sich ändernde Großwetterlage und die von den europäischen Verkehrsministern beschlossenen Flugkorridore in Europa" erlaubten die Flüge, sagte eine Kommissionssprecherin. Auch fliegen viele Flugzeuge nun durch die Aschewolke, wenn auch auf Basis "kontrollierter Sichtflüge". Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) verteidigte das Vorgehen am Dienstag vor dem Verkehrsausschuss des Bundestages. Die Sichtflüge erlaubten den Fluggesellschaften mehr Flexibilität. Ungeachtet dessen behalte aber die Sicherheit oberste Priorität, sagte Ramsauer, der an diesem Mittwoch eine Regierungserklärung abgeben will. Aus der SPD wurde Kritik an seinem Krisenmanagement laut. Es sei unglaublich, dass der Krisenstab nicht im Verkehrsministerium, sondern bei der Deutschen Flugsicherung angesiedelt sei, sagte SPD-Verkehrsexperte Uwe Beckmeyer.
Die Bänder stehen still: Da BMW aufgrund des Flugverbots keinen Nachschub mehr bekommt, stoppt der Autohersteller die Produktion in drei Fabriken.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bmw-produktionsstopp-grosse-asche-pause-1.933881
BMW: Produktionsstopp - Große Asche-Pause
00/05/2010
Produkte testen, Kosmetik verkaufen, Prospekte falzen - solche Jobs locken mit einer Menge Geld in kurzer Zeit. Doch Verbraucherschützer warnen vor Betrug: Wer Geld überweist, ist es in der Regel los. In Zeiten von Kurzarbeit und hoher Arbeitslosigkeit suchen Millionen Bundesbürger nach einem Nebenverdienst. Einen gut bezahlten Job an Land zu ziehen, scheint gar nicht so schwer zu sein: In Zeitungen, im Internet, manchmal auch unterm Scheibenwischer und am Laternenpfahl wimmelt es nur so von Kleinanzeigen, die leicht verdientes Geld versprechen. Detailansicht öffnen Gutgläubige werden über's Ohr gehauen: Bevor die Interessenten Geld verdienen, sollen sie erst eimal Vorkasse leisten. Das Geld sehen sie nie wieder. (Foto: Foto: ddp) "Aufgepasst", warnt Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Je verlockender und problemloser das Angebot klinge, desto mehr Misstrauen sei angebracht. Was als lukrativer Nebenjob angepriesen wird, kommt in der Regel teuer zu stehen, mahnt auch Verbraucherschutz-Kollegin Evelyn Keßler aus Stuttgart zur Vorsicht: Schnell müsse bei solchen Jobs draufgezahlt werden. Bequeme Heimarbeit Betrüger versuchten, mit der finanziellen Not von Menschen ungeniert Kasse zu machen. Der Trick, mit dem Arbeitssuchende über den Tisch gezogen werden, funktioniert meist so: Bevor die Interessenten auch nur einen Cent verdienen, sollen sie erst einmal Vorkasse leisten. Gesucht werden beispielsweise Mitarbeiter zum Kuvertieren, Prospekte falzen oder für angeblich leichte Schreibarbeiten. Versprochen wird meist bequeme Heimarbeit. Allerdings soll man vorher noch ein Kennenlern-Set für 15 Euro anfordern oder ein "Startkapital" von Dutzenden Euro zahlen, alternativ eine Schutzgebühr, um Wundertüten zu füllen, Kugelschreiber und Alarmanlagen zusammenzubauen, Modeschmuck zu montieren, Fragebögen für Umfragen zu bekommen oder Adressen zu drucken. Aber: Wer Geld überweist, ist es in der Regel los. "Wäre das Angebot seriös, könnte man ja die Kosten vom ersten Verdienst abziehen", gibt Verbraucherschützerin Keßler zu bedenken. Andere dubiose Offerten locken mit Jobs als Produkttester für bis zu 600 Euro im Monat, mit hoch dotierter Arbeit auf einer Ölbohrinsel, Model-Auftritten für Foto, Show oder Film oder mit vermeintlich leicht verdientem Geld als Fahrer von Autos mit Werbeflächen drauf. Gebühren für wertlose Konzepte Bedingung: Man überweist vorher 99 Euro als Aufnahmegebühr in bestimmte Datenbanken, 60 Euro für Probeaufnahmen, 80 Euro für "Einschreibe"- oder Bearbeitungs- oder sonstige Gebühren. Richtig teuer kann es werden, wenn Interessenten Geräte oder Waren kaufen sollen, auf "Selbstbestellerbasis", wie es gerne heißt. Nach der Vorkasse sollen die Produkte jeweils auf eigenes Risiko weiterveräußert werden. Häufig sollen Bewerber einige Hundert oder gar Tausend Euro für den Einstieg in den Vertrieb von Gesundheitsmitteln oder für Kosmetika zahlen. Geld, das sie niemals wiedersehen. Andere sollen Gebühren für wertlose Konzepte zahlen, auf eigene Kosten einen Lehrgang besuchen, den Zugangscode zu einem Internet-Vertriebsportal respektive den Einstieg in eine unbekannte "Geschäftsidee" vorab finanzieren. Verkaufssysteme in Schneeballmanier Auch Kleinvieh macht Mist - nach diesem Motto werden massenhaft Bewerber über den Tisch gezogen, die angeblich nur über einen Telefonanruf mehr über den Nebenjob erfahren können. "Wir warnen vor dieser Gebührenschneiderei", sagt Keßler. Wer anruft, muss sich sinnlose Bandansagen anhören oder minutenlang unnötige Angaben machen - oft über eine teure Rufnummer. Vorsicht ist auch bei Internet-Offerten geboten. Häufig wird auf diesem Weg der Einstieg in sogenannte Konzepte angepriesen, die angeblich "seit vielen Jahren erfolgreich" sind und unzählige bereits zum Millionär gemacht haben. Dahinter stecken Verkaufssysteme in Schneeballmanier. Man soll Produkte im Bekannten-, Verwandten- oder Freundeskreis verkaufen: Nahrungsergänzungsmittel, Säfte, Matratzen, Versicherungen oder Telefonverträge. Wer es schafft, weitere Untervertreter anzuwerben, soll von deren Umsatz profitieren können - quasi ohne Arbeit. Finden sich aber keine neuen zahlenden Interessenten mehr, bricht die Pyramide schnell zusammen.
Produkte testen, Kosmetik verkaufen, Prospekte falzen - solche Jobs locken mit einer Menge Geld in kurzer Zeit. Doch Verbraucherschützer warnen vor Betrug: Wer Geld überweist, ist es in der Regel los.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/abzocke-bei-nebenjobs-nur-ein-dubioses-angebot-1.938684
Abzocke bei Nebenjobs - Nur ein dubioses Angebot
00/05/2010
Die vergangenen Jahre liefen schlecht für Frankreichs Winzer. Der Bordeaux geriet in Verruf. Nun setzen alle auf den neuen Jahrgang - auch die Betrüger. Ein Bordeaux kann eine echte Geldanlage sein. Je länger ein Grand Cru, ein Wein der gehobenen Klasse, lagert, desto besser kann er werden und umso höher steigt sein Preis. Und weil nach Expertenmeinung das Wetter im vergangenen Jahr den Jahrgang 2009 besonders gut hat ausfallen lassen, strömten in der vergangenen Woche Händler und Kommissionäre so zahlreich wie nie ins Bordelais. Detailansicht öffnen Immer im Frühjahr wird es spannend: Wie sind sie geworden, die Produkte aus den Weinbergen rund um Bordeaux? Fachleute reisen an und verkosten die jungen Weine. In diesem Jahr sind sich alle einig: Der 2009er wird ein "Jahrhundertwein". (Foto: Foto: Reuters) Es war die Woche der Verköstigung der "primeurs", junger Weine, deren Gärung noch nicht abgeschlossen ist. Das Spektakel gibt es nur in Bordeaux, denn nur hier haben sich die Grands Crus zu einer Geldanlage entwickelt. Es ist ein riskantes Geschäft für die Käufer. Denn sie erwerben in diesen Wochen eine Ware, die sie erst Ende 2011 erhalten und deren Qualität sie im Moment nur antizipieren können. Es ist ein Spekulationsgeschäft, eine Wette wie mit Futures. Sie basiert im Wesentlichen darauf, den Geschmacksknospen der eigenen Zunge zu vertrauen. Gut insofern, dass es Robert Parker gibt. Es ist ausgerechnet jener Amerikaner, der zur Institution und zum einflussreichsten Weinkritiker der Welt geworden ist. "Einer der besten Jahrgänge" Anfangs mokierten sich viele Franzosen, dass ein "Yankee" sich zum Richter über ihr Nationalgetränk aufwerfe. Aber das liegt mehr als 30 Jahre zurück. Inzwischen ist Parker Mitglied der Ehrenlegion und sein Urteil gefürchteter denn je. Er legt zwar keine Preise fest, entscheidet aber über deren Steigen oder Fallen. Auch diesmal reiste der 62-Jährige wieder zwei Wochen von Château zu Domaine und nippte an etlichen Gläsern. Und Ende vergangener Woche sprach er dann bedeutungsvoll: "Es ist einer der besten Jahrgänge, die ich in meiner Karriere gekostet habe." Italien löste Frankreich ab Seitdem ist die Weinwelt in Frankreich wieder in Ordnung. Händler und Kommissionäre atmeten auf. Die Winzer vergaßen für einen Augenblick all die Jahre der Rückschläge und des Wehklagens. Seit die Spekulationsblase um die Grands Crus aus dem Jahr 2005 platzte, purzelten die Preise. Schon damals wurde ein Jahrhundertjahrgang ausgerufen. 2007 löste dann Italien die stolze Weintrinker- und -exportnation Frankreich als Spitzenreiter ab. Und 2009 wurde zum wahren annus horribili.
Die vergangenen Jahre liefen schlecht für Frankreichs Winzer. Der Bordeaux geriet in Verruf. Nun setzen alle auf den neuen Jahrgang - auch die Betrüger.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wein-bordeaux-phantastisch-wunderbar-perfekt-1.942196
"Wein: Bordeaux - ""Phantastisch"", ""wunderbar"", ""perfekt"""
00/05/2010
Der japanische Autohersteller Toyota akzeptiert offenbar eine Millionenstrafe - verzichtet aber auf ein Schuldeingeständnis. Außerdem: Einigung bei Opel. Toyota hat offenbar eine Millionenstrafe der US-Regierung wegen der Pannenserie an seinen Fahrzeugen akzeptiert. Detailansicht öffnen Das US-Verkehrsministerium ist überzeugt, das Toyota mindestens vier Monate lang Probleme mit plötzlich blockierenden Gaspedalen verschwiegen hat. (Foto: Foto: AP) Der japanische Autohersteller sei zur Zahlung von 16,4 Millionen Dollar (rund 12,3 Millionen Euro) bereit und übernehme damit Verantwortung dafür, Probleme mit Gaspedalen in Autos zeitweise verheimlicht zu haben, erklärte ein US-Regierungsvertreter. Toyota bestätigte die Zahlung zunächst nicht. Eine solche Abmachung mit den US-Behörden, mit der Toyota um ein Schuldeingeständnis herumkäme, sei aber in diesen Fällen "Standard", erklärte ein US-Beamter. Ein Schuldeingeständnis würde die Position von Toyota in zivil- und strafrechtlichen Verfahren schwächen. Das Verkehrsministerium warf dem weltgrößten Autokonzern vor, mindestens vier Monate lang Probleme mit plötzlich blockierenden Gaspedalen verschwiegen zu haben, obwohl Toyota das "hohe Risiko" für die Kunden bewusst gewesen sein soll. Toyota verstieß damit nach Ansicht der Regierung gegen seine Informationspflicht. Bei den Autos bestand die Gefahr, dass sich die Gaspedale verklemmen und nicht wieder in ihre ursprüngliche Position zurückkehren. Die Maximalstrafe von 16,375 Millionen Dollar ist die höchste Strafe, welche die dem Verkehrsministerium unterstellte Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA jemals gegen einen Autohersteller wegen eines solchen Vergehens verhängte. Gegen Toyota laufen an US-Gerichten mittlerweile 97 Verfahren wegen Verletzungen oder Todesfällen im Zusammenhang mit den Gaspedal-Schwierigkeiten. In weiteren 138 Prozessen versuchen Autobesitzer Entschädigungen von Toyota zu erhalten, weil sie einen deutlich gesunkenen Wiederverkaufswert ihrer Autos befürchten. Aschewolke verhindert Verhandlungen über Hilfspaket für Athen Wegen des Chaos im europäischen Luftverkehr sind die Beratungen internationaler Experten zum Hilfspaket für das hochverschuldete Griechenland verschoben worden. "Das Treffen soll nun spätestens am Mittwoch erfolgen", sagte ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn. Je nach Lage im europäischen Flugverkehr solle auch überlegt werden, ob die Vertreter der EU, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) bereits am Dienstag in Athen zusammenkommen könnten. Die Delegationen wollten ursprünglich von diesem Montag an in Athen mit der dortigen Regierung Details der Finanzierung eines milliardenschweren Hilfspakets verhandeln. Als Grund für die Absage des Treffens nannte das Athener Finanzministerium die isländische Aschewolke, die die Anreise der Experten erschwert. Die Euro-Länder wollen Athen notfalls mit bis zu 30 Milliarden Euro im ersten Jahr unter die Arme greifen - Deutschland würde davon bis zu 8,4 Milliarden Euro übernehmen. Auf den IWF könnten zusätzlich bis zu 15 Milliarden Euro zukommen. Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou hatte am Wochenende nach Beratungen mit seinen europäischen Amtskollegen offen gelassen, wann die Regierung in Athen ein offizielles Hilfsgesuch an EU und IWF für Kredite richten werde. Währungsfonds strotzt vor Zuversicht Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr einem Zeitungsbericht zufolge auf mindestens vier Prozent erhöhen. Vor allem in vielen Schwellenländern wie China und in Südamerika komme die Erholung zügig voran, zitierte die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei IWF-Chef Strauss-Kahn. Dagegen bleibe der private Verbrauch in den USA, Japan und Europa schwach. Der IWF hatte erst im Januar seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft deutlich erhöht auf 3,9 Prozent von zuvor 3,1 Prozent. Einigung bei Opel Im Streit um die Zukunft des Opel-Werks Antwerpen steht nach Unternehmensangaben eine Einigung mit den Gewerkschaften bevor. Demnach würde sich der angeschlagene Autobauer bis Jahresende von dem Standort zurückziehen, sagte ein Opel-Sprecher. "Wir haben einen Vorschlag ausgehandelt, der den Mitarbeitern morgen oder übermorgen zur Abstimmung vorgelegt wird." Noch bis Ende September solle nach einem Investor gesucht werden. Opel erwarte, dass bis Ende Juni 1250 der 2600 Mitarbeiter den Sozialplan annehmen und das Unternehmen verlassen. "Wenn kein Investor gefunden wird, würden die restlichen Mitarbeiter das Unternehmen im Rahmen des Sozialplans bis Jahresende verlassen", sagte der Sprecher. Das Werk werde dann geschlossen.
Der japanische Autohersteller Toyota akzeptiert offenbar eine Millionenstrafe - verzichtet aber auf ein Schuldeingeständnis. Außerdem: Einigung bei Opel.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-verantwortlich-aber-nicht-schuldig-1.935608
Wirtschaft kompakt - Verantwortlich - aber nicht schuldig
00/05/2010
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt arbeitet mit Hochdruck an den Ermittlungen im neuen Korruptionsfall der Bahn. Im Fokus stünden zehn Mitarbeiter der Tochtergesellschaft DB International GmbH (DBI), sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Montag zur SZ. Sie stünden im Verdacht, mehrfach Schmiergelder an verschiedene Entscheidungsträger im Ausland gezahlt zu haben, um Aufträge für die Bahn-Tochter zu ergattern. Detailansicht öffnen Vor mehr als einem Jahr hatte die Geschäftsführung der Bahntochter DB International GmbH (DBI) Unregelmäßigkeiten in den Büchern entdeckt. Seit Anfang 2009 ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem Fall. (Foto: Foto: AFP) Am Freitag hatte die Konzernmutter Deutsche Bahn mitgeteilt, dass sie in dem Fall schon im vergangenen Jahr die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hat. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung gehören alle zehn verdächtigen Mitarbeiter dem mittleren Management bei DBI an. Beispielsweise soll es sich um Projektleiter oder auch Leiter des Bereichs Buchhaltung handeln. Die Bahn hatte am Freitag mitgeteilt, dass es um zweifelhafte Zuwendungen in Höhe eines niedrigen einstelligen Millionenbetrags gehe, die bis in das Jahr 2005 zurückreichten. Betroffen seien unter anderem die Länder Algerien, Ruanda und Griechenland. Nach SZ-Informationen geht es darüber hinaus um Zahlungen in Tansania und Libyen. Zwei der verdächtigen Mitarbeiter haben ihren offiziellen Wohnsitz in Frankreich, die anderen acht in Deutschland. Alle arbeiten entweder bei DBI in Berlin oder in Frankfurt. Erste Unregelmäßigkeiten hatte die Geschäftsführung von DBI bereits vor mehr als einem Jahr entdeckt. Zunächst versuchte die Bahn damals, die Vorfälle intern zu klären. Anfang 2009 schaltete sie die Staatsanwaltschaft ein. Mitte des vergangenen Jahres fand eine erste Durchsuchung von verschiedenen Räumlichkeiten statt, vergangenen Mittwoch folgte eine zweite. Es seien Privat- und Geschäftsräume in Frankfurt und Berlin durchsucht worden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Internes Vorstandsressort kämpft gegen Korruption Die Unterlagen würden nun ausgewertet und die Verdächtigen vernommen. "Es wird mit Sicherheit mehrere Wochen dauern, bis wir Ergebnisse haben", sagte sie. Die Bahn hat sich von den Mitarbeitern bislang nicht getrennt. "Für sie gilt die Unschuldsvermutung", sagte ein Sprecher des Konzerns. Es existiere eine Rechtsschutzversicherung, die die Bahn extra für solche Fälle abgeschlossen habe. "Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass die Mitarbeiter vorsätzlich eine Straftat begangen haben, würde die Versicherung natürlich nicht greifen." Er betonte, dass die Bahn mit der Staatsanwaltschaft kooperiere und sehr daran interessiert sei, die Fälle aufzuklären. Im vergangenen Jahr hat die Bahn eigens ein Vorstandsressort für den Kampf gegen Korruption geschaffen. DBI wurde bereits 1966 - damals noch als DE-Consult - von Deutscher Bank und Deutscher Bundesbahn gegründet. Das Unternehmen sollte Eisenbahnbetreiber und behördliche Einrichtungen in aller Welt in Fragen des schienengebundenen Transports beraten. Mit der zunehmenden Ausrichtung der Bahn auf das internationale Geschäft wurde 2007 aus DE-Consult DB International. "Bund nimmt seine Eigentümerrolle nicht ernst" Weltweit plant, berät und managt das Unternehmen im Bereich Infrastrukturprojekte. Beispielsweise hatte DBI das Schienenverkehrskonzept für das Emirat Katar mitentwickelt, das im vorigen Jahr zu einem Großauftrag für die Deutsche Bahn führte. Gemeinsam mit der katarischen Staatsfirma Qatari Diar ist DBI dafür verantwortlich, in dem Emirat ein Schienennetz für den Personen- und Güterverkehr aufzubauen. Zu den Kunden von DBI zählen öffentliche Auftraggeber, staatliche und private Bahngesellschaften oder auch Industrieunternehmen. DBI beschäftigt 750 Mitarbeiter. Auch in den fünf Ländern, die jetzt im Fokus der Staatsanwaltschaft stehen, geht es um Beratungs- und Planungsleistungen für Infrastrukturprojekte. Für Anton Hofreiter, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, zeigen die jetzt bekannt gewordenen Vorfälle "wieder einmal, dass der Bund seine Eigentümerrolle nicht ernst nimmt". Es sei zwar nicht ungewöhnlich, wenn es bei einem großen, international tätigen Konzern zu Korruption komme. "Die Vorstellung aber, dass es sich bei diesem Konzern um ein hundertprozentiges Staatsunternehmen handelt, ist geradezu unerträglich." Ohnehin frage er sich, was ein Staatskonzern, der jährlich zehn Milliarden Euro an Steuergeldern erhalte, in diesen Ländern zu tun habe.
Korruptionsskandal bei Bahntochter DB International GmbH: Millionen flossen ins Ausland, die Staatsanwaltschaft hat bereits mehrere Mitarbeiter im Visier.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bahn-korruptionsvorwuerfe-mitarbeiter-unter-verdacht-1.937786
Bahn: Korruptionsvorwürfe - Mitarbeiter unter Verdacht
00/05/2010
Der Softwaregigant Microsoft hat endlich wieder ein Betriebssystem, das die Nutzer auch haben wollen: Die Geschäfte laufen gut - aber keineswegs glänzend. Das Betriebssystem "Windows 7" macht allmählich den ungeliebten Vorgänger "Vista" vergessen. Dank kräftiger Nachfrage der Computernutzer nach dieser Software konnte Microsoft den Gewinn im dritten Geschäftsquartal um mehr als ein Drittel auf rund vier Milliarden Dollar steigern. Detailansicht öffnen Intel und Apple hatten vor wenigen Tagen die Expertenprognosen deutlich übertroffen. Viele Anleger rechneten damit, dass Microsoft es ihnen gleich tun würde. (Foto: Foto: AP) Der Umsatz kletterte um sechs Prozent auf 14,5 Milliarden Dollar und lag damit wie auch der Überschuss leicht über den Marktprognosen. Ärger mit Office Doch - es reichte nicht: Die Aktie gab nachbörslich um mehr als drei Prozent nach. Anleger hatten gehofft, dass Microsoft noch stärker von der Erholung in der Technologiebranche profitiert. Vielleicht seien aber auch die Erwartungen wegen der starken Ergebnisse der Konkurrenz und der Erholung auf dem PC-Markt etwas zu hoch gewesen, sagte Analyst Toan Tran von der Finanzfirma Morningstar. Intel und Apple hatten vor wenigen Tagen die Expertenprognosen deutlich übertroffen. Viele Börsianer rechneten damit, dass Microsoft es ihnen gleich tun würde. Doch die Einbußen bei der Büro-Software "Office" grenzten das Umsatzwachstum ein. Microsoft bereitet für Mai eine kostenlose Aktualisierung vor. Kopfschmerzen bereitete den Analysten auch das anhaltend schleppende Firmenkundengeschäft. Richtig nach oben werde es für Microsoft erst gehen, wenn die Unternehmen wieder investierten und bis zu 30.000 Computer auf einen Schlag ordern, sagte Andrew Miedler, Analyst bei Edward Jones. Mit Geschäftskunden erzielt Microsoft größere Margen, doch wegen der Wirtschaftskrise schoben viele Unternehmen die Investitionen in neue Technik vor sich her.
Der Softwaregigant Microsoft hat endlich wieder ein Betriebssystem, das die Nutzer auch haben wollen: Die Geschäfte laufen gut - aber keineswegs glänzend.
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Softwareindustrie - Microsoft lebt wieder - dank Windows 7
00/05/2010
Sorgenkind A 380: Das Prestige-Flugzeug von Airbus bereitet dem Mutterkonzern EADS Probleme. Und VW gibt der Krisentochter Seat eine letzte Chance. Getragen von einem sehr hohen Auftragspolster steuert Airbus verhältnismäßig sicher durch die Krise. Im ersten Quartal stieg der Umsatz von 5,88 auf 6,24 Milliarden Euro. Allerdings drückten ungünstige Wechselkurse und die Produktionsprobleme beim Prestige-Flieger A380 kräftig den Gewinn. Der Ertrag vor Zinsen und Steuern sank von 89 Millionen auf sieben Millionen. Das geht aus dem Quartalsbericht des Airbus-Mutterkonzerns EADS hervor. Detailansicht öffnen Airbus hat Probleme, die Produktion des Megafliegers A 380 hochzufahren. (Foto: Foto: Reuters) Der Nettogewinn von EADS schrumpfte daher im ersten Quartal um 39 Prozent auf 103 Millionen Euro. Airbus hatte das erste Exemplar des größten Passagierflugzeugs der Welt mit 18 Monaten Verspätung erstmals im Oktober 2007 ausgeliefert. Seitdem hat der Flugzeughersteller aber Probleme, die Produktion hochzufahren, und musste mehrfach seine Auslieferungsziele für die hochkomplexe Maschine korrigieren. Für dieses Jahr bestätigte EADS-Finanzvorstand Hans-Peter Ring nun aber, dass Airbus den Kunden weiter mindestens 20 A 380 liefern wolle. 2009 hatte Airbus nur zehn Maschinen geschafft - zwei weniger als 2008. Unterdessen bekräftigte EADS-Chef Louis Gallois die Vorhersagen des Konzerns. Die Gruppe geht demnach von einem "stabilen" Umsatz von etwa 42,8 Milliarden Euro und einem Ergebnis vor Steuern von rund einer Milliarde Euro aus. Deutlich angestiegen sind die Bestellungen: In den Auftragsbüchern standen zuletzt Order für 14,4 Milliarden Euro, nachdem es vor einem Jahr nur 9,3 Milliarden Euro gewesen waren. Daimler: Adele, New York! Nach der Deutschen Telekom und Allianz will auch der schwäbische Autohersteller Daimler seine Aktien nicht mehr an der New Yorker Börse handeln lassen. Sowohl die Notierung der Aktien als auch einer von Daimler garantierten Anleihe an der New Yorker Börse sollen eingestellt werden, teilte der Autokonzern mit. Aus Sicht von Daimler stehen Aufwand und Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis mehr. Der Handel mit Daimler-Aktien werde in erster Linie in Deutschland und über elektronische Plattformen abgewickelt. Das Handelsvolumen in den USA habe daher in den vergangenen zwölf Monaten deutlich unter fünf Prozent der weltweiten Transaktionen mit Daimler-Papieren gelegen. Das von Vorstand und Aufsichtsrat beschlossene Delisting und die Deregistrierung werde "zeitnah" beantragt, teilte der Konzern mit. Daimler verkauft in Nordamerika jedes vierte Fahrzeug. Zudem arbeiten dort rund zehn Prozent der weltweiten Daimler-Belegschaft von knapp 255.000 Mitarbeitern. Noch vor zwei Wochen, nachdem die Deutsche Telekom ihren Abschied von der Wall Street mitgeteilt hatte, hatte Daimler-Finanzchef Bodo Uebber Überlegungen für einen Rückzug von der New Yorker dementiert. Im vergangenen Herbst hatten bereits die Allianz, Infineon, Bayer, BASF und Eon den Rückzug von der US-Börse angetreten. Künftig werden somit nur noch vier Dax-Unternehmen in New York gelistet sein: SAP, Siemens, die Deutsche Bank und Fresenius Medical Care. Seat - der "letzte Versuch" Die VW-Krisenmarke Seat will mit einer Modelloffensive einen neuen und entscheidenden Anlauf zur Rettung unternehmen. "Das ist der letzte Versuch für die Marke", sagte Seat-Chef James Muir. Ziel sei es, binnen fünf Jahren wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Die verlustreiche spanische Marke ist seit langem das Sorgenkind des VW-Konzerns. Muir, seit dem vergangenen September Seat-Chef, will die Marke breiter aufstellen. Der Autobauer hängt seinen Worten zufolge derzeit zu sehr von seinem wichtigsten Modell Ibiza ab. Seat bereite deshalb für 2012 eine Produktoffensive beim Modell Leon vor. Die Zahl der Varianten solle erhöht werden. Der Absatz des Modells solle auf rund 200.000 mehr als verdoppelt werden und damit das Niveau des Ibiza erreichen. Außerdem wolle Seat sein Händlernetz in europäischen Metropolen verstärken. Höchste Priorität habe eine bessere Auslastung des Werks in Martorell, die derzeit bei nur 60 Prozent liege. In der Fabrik könnten 500 000 Autos im Jahr hergestellt werden. Ziel sei eine Auslastung von 90 Prozent. Mehrere Versuche, Seat zu sanieren, waren in der Vergangenheit gescheitert. Im vergangenen Jahr war die Marke noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Die Verluste lagen bei 339 Millionen Euro, mehr als viermal so viel wie im Vorjahr. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge ging um 8,5 Prozent auf 337.000 zurück. Dennoch habe Seat für seine Produktoffensive "ausreichend" Investitionsmittel, sagte Muir, ohne eine genaue Summe zu nennen. Nur mit Kostensenkungen werde der Autohersteller nicht aus den roten Zahlen herauskommen. Eine Rettung der Marke sei nur mit der Unterstützung von Volkswagen möglich. Diese sei vorhanden. "Der einzige Grund, warum Seat noch lebt, ist der VW-Konzern." Posco greift nach Daewoo International Der größte südkoreanische Stahlkonzern Posco will durch einen Zukauf in Milliardenhöhe die Versorgung mit Rohstoffen absichern. Im Bieterverfahren um einen Mehrheitsanteil am einheimischen Handels- und Ressourcenunternehmen Daewoo International erhielt der weltweit viertgrößte Stahlkocher das exklusive Verhandlungsrecht zugesprochen. Das teilte das Aufsichtskomitee für staatliche Fonds in Seoul mit. Einen Kaufpreis nannte das Gremium nicht, doch hat das Gebot Poscos nach Berichten der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap bei 3,4 bis 3,5 Billionen Won (etwa 2,5 Milliarden Euro) gelegen. Die Gläubiger von Daewoo International wollen einen Anteil in Höhe von 68,15 Prozent abstoßen. Die staatliche koreanische Vermögensverwaltungsgesellschaft (Kamco) ist mit 35,5 Prozent und andere Gläubiger, darunter die Export-Import Bank of Korea, mit 32,65 Prozent an der größten südkoreanischen Handelsfirma beteiligt, deren Geschäfte große Energieentwicklungsprojekte im Ausland umfassen. Bei einem Erfolg der Verhandlungen in den kommenden Wochen wäre es das größte Übernahmegeschäft für Posco. In Bieterverfahren stach Posco den größten Warenhausbetreiber des Landes, Lotte-Gruppe, aus. Durch den Erwerb einer Mehrheit bei Daewoo würde sich der Stahlproduzent den direkten Zugriff auf wichtige Erschließungsprojekte verschaffen. Daewoo International betreibt unter anderem ein Erdgasprojekt in Birma und hält Anteile an einer Nickelmine in Madagaskar und Kohlebergwerken in Australien.
Sorgenkind A 380: Das Prestige-Flugzeug von Airbus bereitet dem Mutterkonzern EADS Probleme. Und VW gibt der Krisentochter Seat eine letzte Chance.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kompakt-megaflieger-verhagelt-airbus-die-bilanz-1.942732
Wirtschaft kompakt - Megaflieger verhagelt Airbus die Bilanz
00/05/2010
Die Bundesregierung will ältere Arbeitslose, Jugendliche und Alleinerziehende künftig stärker bei der Jobsuche unterstützen. Das beschloss das Kabinett zusammen mit der Reform der Jobcenter und verlängerten Finanzhilfen bei der Kurzarbeit. Das bringt das Aktionsprogramm im Einzelnen: Detailansicht öffnen Her mit den Jobs! Das Instrument Kurzarbeit hat sich bewährt und wird bis März 2012 verlängert. (Foto: Foto: dpa) Kurzarbeit Die Sonderförderung für Arbeitgeber bei der Kurzarbeit wird über das Jahresende 2010 bis zum März 2012 ausgedehnt. Die Betriebe erhalten damit weiter die Sozialabgaben auf das Kurzarbeitergeld vom siebten Monat an voll von der Bundesagentur für Arbeit (BA) erstattet. Die Kosten belaufen sich auf voraussichtlich 800 Millionen Euro. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte mit Blick auf die Kritiker der Maßnahme, dies ziehe keine unerwünschten Mitnahmeeffekte nach sich. Auch werde der Strukturwandel der Wirtschaft nicht verhindert, weil Firmen nur Geld für Kurzarbeit ausgäben, wenn sie eine Zukunft für sich sähen. Jobcenter In den Jobcentern sollen auch künftig Arbeitsagenturen und Kommunen die Langzeitarbeitslosen aus einer Hand betreuen. Nötig war dafür eine Änderung des Grundgesetzes, auf die sich die Koalition mit der SPD zuvor verständigt hatte. Von 2011 an können aber die Kommunen ein Viertel der Jobcenter allein betreiben. Die Zahl dieser sogenannten Optionskommunen kann damit von derzeit 69 auf bis zu 110 steigen. Die Datenverarbeitung wird vereinheitlicht. Von der Leyen kündigte für die Jobcenter und Optionskommunen "strenge Erfolgskontrollen" an. Insgesamt betreuen die Jobcenter etwa 6,8 Millionen Hartz-IV-Empfänger in Deutschland. Alleinerziehende Etwa 40 Prozent der Alleinerziehenden beziehen Leistungen aus der Grundsicherung (Hartz IV). Für sie soll es künftig "zentrale Anlaufstellen" geben, heißt es in dem Konzept, das von der Leyen dem Haushaltsausschuss des Bundestages vorlegte. Außerdem müssen die Jobcenter Zielvereinbarungen abschließen, in denen sie sich verpflichten, wie viele Alleinerziehende sie in Arbeit bringen. Geplant ist außerdem, die Ausbildung von Tagesmüttern bis 2013 durch Bildungsgutscheine zu fördern, um die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder zu verbessern. Ältere Arbeitslose Mit dem Programm "Perspektive 50 plus - Beschäftigungspakte in den Regionen" werden bereits ältere Arbeitslose gefördert. Dies will die Bundesregierung ausbauen. 2010 sollen so 50000 ältere Jobsuchende eine Stelle erhalten. Junge Menschen Jeder Erwerbsfähige unter 25 Jahren soll innerhalb von sechs Wochen einen Ausbildungs-, einen Arbeitsplatz oder eine Arbeitsgelegenheit bekommen. Diese Frist wird gesetzlich festgeschrieben.
Der Bund will ältere Arbeitslose, Jugendliche und Alleinerziehende stärker bei der Jobsuche unterstützen. Die wichtigsten Änderungen im Überblick.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arbeitsmarkt-anlaufstelle-fuer-alleinerziehende-1.933794
Arbeitsmarkt - Anlaufstelle für Alleinerziehende
00/05/2010
Wie kommt Ware von A nach B? Wie gelangen Berater nun zum Einsatzort? Die Flugzeuge bleiben am Boden - die Reaktion der Konzerne. Am lautesten schreien die Fluggesellschaften. Die Aschewolke aus Island würde die Fluggesellschaften härter treffen als die Terroranschläge vom 11. September 2001, klagte Giovanni Bisignani, der Chef des internationalen Luftfahrtverbandes IATA. Die Flugausfälle würden die Airlines 250 Millionen Dollar pro Tag kosten. Detailansicht öffnen Manche exotischen Früchte werden mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht - hier könnte es unter Umständen bald einen Lieferengpass geben. (Foto: Foto: ddp) Die Flugbranche ist jedoch nur ein Bereich, in dem die Auswirkungen zu spüren sind. Quer durch die Republik sind die Unternehmen betroffen. BMW etwa kann derzeit wichtige Komponenten wie Getriebe nicht in die USA liefern. Im Moment sei das noch kein Problem. Sollte der Flugstopp noch einige Tage weitergehen, könne die Situation kritisch werden, sagte ein Sprecher. "Im schlimmsten Fall droht ein Bandstillstand." Auch die Maschinenbauer jammern. Es stelle sich die Frage, wie künftig die Kunden in Übersee mit wichtigen Ersatzteilen und Serviceleistungen versorgt werden könnten, sagte der Chefvolkswirt des Maschinenbauverbandes VDMA, Ralph Wiechers. Engpässe seien nicht auszuschließen, wenn Servicetechniker nicht reisen könnten wie gewohnt. Sorgen könnte der Flugstopp auch der Deutschen Telekom bereiten. Denn Geräte wie das iPhone werden von den Herstellern von den Produktionsstandorten per Luft nach Europa gebracht. Sollte sich die Situation an den Flughäfen nicht ändern, könne es durchaus sein, dass Engpässe auftreten, sagte ein Sprecher der Telekom zu sueddeutsche.de. Bei der Baumaschinenmesse Bauma, die am Morgen in München begonnen hat, waren am Mittag 80 von 3150 Ständen nicht besetzt, weil die Verantwortlichen der Aussteller noch nicht anreisen konnten. Kurzfristig seien Mitarbeiter der Messegesellschaft eingesprungen, um Visitenkarten und Kundenanfragen entgegenzunehmen, sagte Klaus Dittrich, der Geschäftsführer der Münchener Messe. Bei der weltgrößten Industriemesse, die ebenfalls am Morgen in Hannover begonnen hat, sind zehn Prozent der Stände nicht besetzt. Berater fahren Bahn "Unangenehm" ist die Situation derzeit auch für das Beratungshaus McKinsey, wie ein Sprecher zu sueddeutsche.de sagt. Etwa 1000 Berater beschäftigt der Konzern in Deutschland - und die müssen jetzt mit Bahn oder Mietwagen zu den Klienten fahren. Die Reisestelle von McKinsey sei auch am Sonntag besetzt gewesen, sagt der Sprecher - und die Mitarbeiter dort hatten jede Menge zu tun. Etliche Mitarbeiter hätten über das Wochenende nicht nach Hause fahren können, und seien daher gleich an ihrem Einsatzort geblieben. McKinsey-Berater dürfen bei der Bahn auch ein Erste-Klasse-Ticket kaufen. Oder sie führen, wie viele andere Unternehmen auch, Videokonferenzen durch. "Das ist ohnehin billiger und umweltfreundlicher", sagte der McKinsey-Sprecher. Gelassenheit herrscht bei den deutschen Handelsketten. Edeka gibt bereits Entwarnung. "Der Anteil der Flugware ist verschwindend gering", sagt ein Konzernsprecher. Probleme kann es allerdings bei manchen Fischsorten und Meeresfrüchten geben, die normalerweise mit dem Flugzeug verschickt werden. Konkurrent Metro beschafft 90 Prozent seiner Ware in Deutschland, teilte das Unternehmen mit. Lediglich Spezialitäten aus Fernost würden per Flugzeug angeliefert. Hier könne Metro aber in der Regel auf große Lagerbestände zurückgreifen. "Die Aschewolke ist derzeit kein Thema für uns", sagte ein Sprecher. Ebensowenig ist Dole, der weltgrößte Produzent und Vermarkter von frischem Obst und Gemüse, betroffen. Denn Bananen, Kiwis und andere Südfrüchte aus Mittel- und Südamerika sowie Afrika werden per Schiff nach Rotterdam, Antwerpen oder Hamburg gebracht. Von dort aus werden die Produkte mit dem Lkw weitertransportiert. Otto-Vorstände hängen fest Ganz ohne Flugzeug geht es aber doch nicht - und das spürt der Obsthändler Grundhöfer am Frankfurter Großmarkt. Fünf bis zehn Prozent der Ware, etwa Ananas und Mangos, erhält das Unternehmen über die Luft. "Sollte das Flugverbot noch einen Tag länger andauern, kann es passieren, dass diese Früchte nicht mehr im Angebot sind", sagt ein Sprecher. Auch Himbeeren, Erdbeeren oder Kirschen werden außerhalb der Saison mit dem Flugzeug transportiert, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverbands, Andreas Brügger. Auch beim Otto-Versand wird ein großer Teil der Ware per Schiff geliefert. Allerdings würden Artikel, die aufgrund großer Nachfrage spontan nachgeordert werden müssten, mitunter per Flugzeug geliefert, sagte ein Sprecher zu sueddeutsche.de. Nicht ganz so einfach sind die Probleme von einzelnen Angestellten zu lösen, die an ihrem Urlaubsort oder bei einer Dienstreise im Ausland gestrandet sind. Auch drei Vorstände hängen derzeit im Ausland fest, sagte der Sprecher. Keine Sorgen müssen sich die Kunden der Handelsgruppe machen - denn Otto liefert innerhalb Europas seine Ware per Lkw und Bahn aus. Profiteure des Flugstopps sind die Autovermieter. Europcar und Sixt haben ihre Flotten um 2000 Autos erweitert. Dass dies so spontan möglich ist, verdanken die Unternehmen flexiblen Verträgen mit den Autofirmen. So können die Vermieter Autos, die eigentlich aussortiert werden sollten, behalten und darüber hinaus zusätzliche neue Wagen erhalten. Doch der plötzliche Boom stellt die Unternehmen vor ganz neue Herausforderungen. So ist Flensburg zum Sammelplatz für Mietautos geworden. Der Grund: Viele Skandinavier haben nach den Flugausfällen ihren Leihwagen in der Grenzstadt abgegeben, weil die Gebühren der Vermieter bei Grenzüberfahrten deutlich steigen. "Wir haben viermal so viele Autos wie normal und es kommen immer mehr", sagte Wolfgang Bollrath von der Hertz Autovermietung Flensburg. Die Autos würden nun wohl mit Lastwagen abtransportiert. Die Reisenden fahren entweder mit dem Zug weiter oder nehmen sich hinter der Grenze einen neuen Mietwagen.
Wie kommt Ware von A nach B? Wie gelangen Berater nun zum Einsatzort? Die Flugzeuge bleiben am Boden - die Reaktion der Konzerne.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/flugstopp-wegen-aschewolke-wirtschaft-im-ananas-dilemma-1.933433
Flugstopp wegen Aschewolke - Wirtschaft im Ananas-Dilemma
00/05/2010
Es geschah vor wenigen Tagen: In einer wichtigen Maßeinheit der Unternehmensgröße, der Marktkapitalisierung im amerikanischen Aktienindex S&P 500, zog Apple an Microsoft vorbei. Die Meldung verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit über das Internet. Der Herausforderer hatte den Machthaber entthront. Detailansicht öffnen Die US-Wettbewerbsbehörde prüft ein Kartellverfahren gegen Apple. (Foto: Foto: AP) Nun, zwei Wochen später, erfährt Apple, was es heißt, die Nummer eins zu sein: Medienberichten zufolge prüfen die US-Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission und das Justizministerium in Washington ein Kartellverfahren gegen den kalifornischen Technologiekonzern. Die Eröffnung eines formellen Ermittlungsverfahrens sei wahrscheinlich, heißt es. Apple hat mit einer Kampagne gegen den Softwarehersteller Adobe das Misstrauen der Behörden geweckt. Die Untersuchung zielt auf die neuen Nutzerbedingungen, denen sich Programmierer unterwerfen müssen, wenn sie Apps, also Mini-Programme, für das Handy iPhone, den Musikspieler iPod oder den Tablet-Computer iPad vertreiben wollen. Apple schreibt seit kurzem vor, dass jeder App-Anbieter, der Apple-Nutzer als Kunden gewinnen will, beim Programmieren auch Werkzeuge und Software-Bausätze von Apple verwenden muss. Das Softwarehaus Adobe, das vergleichbare Hilfsmittel verkauft, und andere werden so von einem lukrativen Markt ausgesperrt. Die Feindschaft zwischen Apple und Adobe währt noch nicht lange: In den 80er Jahren hat Apple dem Softwarehaus Adobe sogar zum Durchbruch verholfen, als der Computerhersteller die Druckersprache Postscript des jungen Unternehmens Adobe für die eigenen Drucker lizenzierte. Kreativsoftware von Adobe - wie das bekannte Bildbearbeitungsprogramm Photoshop - wird von Grafikern traditionell besonders gern auf Apple-Computern eingesetzt. Doch die Freundschaft von einst hat tiefe Risse bekommen. Kürzlich wollte Adobe seine jüngste Software bewerben: ein Produkt, mit dem sich auch Mini-Programme für die Apple-Geräte entwickeln lassen. Doch wenige Tage vor der Produktvorstellung machte Apple einen Strich durch die Rechnung. Der Computerhersteller änderte seine Geschäftsbedingungen. Apps für iPhone, iPad und iPod dürfen nun nur noch mit Werkzeugen von Apple erstellt werden. In einer für seine Verhältnisse ungewöhnlich langen Stellungnahme schrieb Apple-Chef Steve Jobs vor wenigen Tagen, was er von Adobe hält. Adobe: "Verschleierungstaktik" Die Software namens Flash, mit der die meisten multimedialen Inhalte im Internet erstellt sind, werde nur von Adobe angeboten, sei also nicht frei verfügbar, dazu technisch nicht ausgereift und nicht für Geräte gemacht, die über den Bildschirm bedient werden können, heißt es kurz gesagt in der 1700-Worte-langen Erklärung. Zudem - und das sei sein wichtigstes Argument, so Jobs - könnten Programmierer mit Flash-Software keine Mini-Anwendungen erstellen, die in der gewohnten Qualität funktionierten, erklärt der Apple-Chef. Für Apple geht es bei diesen Anwendungen um viel Geld. Jeder App-Programmierer muss seine Software von Apple durchwinken und dann im Apple-eigenen App-Store bereitstellen lassen. Dafür behält das Unternehmen 30 Prozent des App-Preises ein. Mehr als 150.000 solcher Mini-Programme gibt es bereits für Apple-Geräte von externen Softwareentwicklern. Adobe-Chef Shantanu Narayen bewertet die Vorwürfe von Jobs als "Verschleierungstaktik". Die Software seines Hauses sei nicht fehlerhaft. "Wir haben verschiedene Weltanschauungen", sagte er in Richtung Jobs. Nach Informationen von US-Medien stören sich die US-Wettbewerbshüter nicht nur an dem Zwist mit Adobe, sondern auch an Vorschriften, die die Weitergabe von Kundendaten an Werbefirmen verhindern. Dadurch wird es für externe Unternehmen schwer, Anzeigen auf Apple-Geräten zu schalten. Apple hat mit iAd einen Werbedienst für die eigenen Geräte gegründet und ist offenbar entschlossen, sich hier einen Vorteil zu sichern.
Adobe unerwünscht: Apple verbietet die Software des Rivalen auf seinen Geräten. Nun hat der Konzern Ärger mit den Kartellbehörden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/apple-und-adobe-kleine-programme-grosser-streit-1.941470
Apple und Adobe - Kleine Programme, großer Streit
00/05/2010
Die Katastrophe am Golf von Mexiko erschüttert BP. Vorstandschef Tony Hayward nimmt persönlich den Kampf gegen die Ölpest auf. Doch es steht ihm eine Sicherheitsdebatte bevor. Als Tony Hayward die bohrenden Fragen des amerikanischen Radioreporters beantwortet, wirkt der BP-Chef für einen Moment müde und abgespannt. Doch er reißt sich zusammen. "Wir werden für die Aufräumarbeiten aufkommen", sagt Hayward. Detailansicht öffnen Der verzweifelte Versuch, das Auslaufen des Öls im Golf von Mexiko zu stoppen: Das Bild zeigt eine Ersatzbohrinsel. Mit ihrer Hilfe soll in der Nähe des Unglücksortes der gesunkenen Plattform ein Entlastungsbohrloch gesetzt werden. (Foto: Foto: dpa) Immer wieder hat er dies in den vergangenen Tagen so gesagt. Unzählige Male. Nun steht er mit hochgekrempelten Hemdsärmeln im BP-Krisenzentrum in der Stadt Houma an der amerikanischen Golfküste. Der 52-Jährige will hier klarmachen, dass der britische Konzern die Verantwortung für eine der größten Ölkatastrophen in der US-Geschichte übernimmt. Deshalb sucht der Topmanager das Gespräch mit aufgebrachten Fischern. In Gummistiefeln stapft er durch das seichte Wasser. Er eilt von Krisenstab zu Krisenstab, häufig begleitet von seinem engen Mitarbeiter, dem amerikanischen BP-Chef Lamar McKay. Der äußerte sich optimistisch über die Fortschritte bei der Abdichtung der drei Lecks. Eines konnten die Ingenieure jetzt schließen, obwohl sich die Menge des austretenden Öl noch nicht verringerte. Mehr Erfolg erhoffen sich die Fachleute von einer 70 Tonnen schweren Stahl-Kuppel, die an diesem Donnerstag über die Ölquelle gestülpt werden soll. Als Hayward früh morgens um 7.30 Uhr am 21. April in London die telefonische Nachricht von dem katastrophalen Brand auf der im Auftrag von BP betriebenen Plattform "Deepwater Horizon" erreichte, war dem 52-Jährigen klar, dass dies ein Wendepunkt in seiner Karriere sein wird. Er zögert nicht lange. Wenige Tage später ist Hayward vor Ort, um den Kampf gegen die Ölpest aufzunehmen. Doch mit jedem Barrel Öl, das in 1500 Meter Tiefe aus den Lecks strömt, wird die Zeit knapper. Längst steht nicht mehr nur das Image des britischen Konzerns auf dem Spiel. Die Börsen reagieren nervös. Milliardenverluste beim Börsenwert Seit Ausbruch der Katastrophe im Macondo-Ölfeld hat BP etwa 35 Milliarden Dollar - umgerechnet 27 Milliarden Euro - seines Börsenwerts eingebüßt. Das mag die Folge übertriebener Spekulanten-Panik sein. Doch es zeigt auch das Misstrauen der Anleger, zumal die Kosten für die Beseitigung der Ölpest weiter steigen könnten. Rebellische Aktionäre und Pensionsfonds wollen außerdem eine Kampagne gegen BP wegen der Umweltschäden starten. Der Konzern steht am Pranger. Und es wird teuer werden: Schon jetzt rechnen Analysten mit etwa zwölf Milliarden Dollar für die Aufräumarbeiten einschließlich Schadenersatz- und Strafzahlungen. Auf BP entfielen davon mindestens acht Milliarden Dollar, während der andere Teil wahrscheinlich von der japanische Firma Mitsui of Japan und der US-Ölgesellschaft Anadarko übernommen werden müsste, die ebenfalls an der Lizenz für das Macondo-Feld beteiligt sind.
Die Katastrophe am Golf von Mexiko erschüttert BP. Vorstandschef Tony Hayward nimmt persönlich den Kampf gegen die Ölpest auf. Doch es steht ihm eine Sicherheitsdebatte bevor.
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BP: Katastrophe am Golf von Mexiko - Von Krisenstab zu Krisenstab
00/05/2010
Hannsheinz Porst ist nach einem bewegten Leben mit 87 Jahren gestorben. Er machte Photo Porst zu einem der größten Fotohäuser der Welt. Doch mit einem bisher einmaligen sozialistischen Experiment scheiterte er. Hannsheinz Porst nannte sich selbst "Millionär und Marxist". Von Nürnberg aus baute er den väterlichen Fotohandel zu einem Firmenimperium mit zeitweise mehr als 2000 Filialen aus. Sein sozialistisches Experiment, das Unternehmen Photo-Porst ganz in die Hände der Mitarbeiter zu legen, scheiterte. Er selbst landete wegen landesverräterischer Beziehungen zur DDR im Gefängnis. Am Donnerstag starb Hannsheinz Porst im Alter von 87 Jahren an einem Herzleiden. Detailansicht öffnen Hannsheinz Porst ist tot. (Foto: Foto: dpa) Geboren wurde Porst am 8. November 1922 in Nürnberg, drei Jahre nachdem der Vater in der Stadt einen kleinen Fotoladen eröffnet hatte. Dort machte der Junior auch mittlere Reife. "Abitur brauchte ich nicht, weil der Vater auch keines hatte", merkte Porst zu einem 80. Geburtstag an. Vater Hanns hatte es auch so geschafft. Bereits in den 50er Jahren wuchs sein Unternehmen zu einem der größten Fotohäuser der Welt. Grund für den Erfolg des väterlichen Betriebs war laut Porst die grandiose Idee, dass die Kunden lediglich ein Fünftel ihrer zu entwickelnden Fotos anzahlen mussten. Der Rest konnte in bequemen Raten entrichtet werden. Nach einer Werkzeugmacher-Lehre bei Kodak fand auch Hannsheinz Porst Ende der 30er Jahre in den väterlichen Betrieb. 1960 übernahm er Photo Porst und führte die maschinelle Entwicklung ein. Während zu Vaters Zeiten noch per Hand entwickelt wurde, ging nun alles schneller, die Qualität war besser und der Preis niedriger. Porst rühmte sich später mit den Worten: "Wir waren immer die schnellsten." So sei es schon in den 60er Jahren möglich gewesen, morgens Bilder abzugeben und am Abend wieder abzuholen. Gleichzeitig baute Porst ein deutschlandweites Netz von Ladengeschäften auf - Ende der 70er Jahre zählte Photo Porst 1200 Vertriebsstellen. Während sich das Unternehmen erfolgreich entwickelte, kam Porst wiederholt in Konflikt mit dem Gesetz. Zunächst musste er Mitte der 60er Jahre wegen Steuerhinterziehung für einige Wochen ins Gefängnis. Sehr viel aufsehenerregender war jedoch seine Verurteilung wegen landesverräterischer Beziehungen zum Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR im Jahr 1969. Porst sollte zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis, wurde aber 1970 vorzeitig aus der Haft entlassen. Endlich ein Dialog Die Geschichte fing damit an, dass ein Vetter von Porst nach dem Krieg aus ideologischer Überzeugung in die DDR zog, der innige Kontakt aber bestehen blieb. In Porst reifte die Ansicht, dass die beiden deutschen Staaten eine falsche Einschätzung voneinander hatten. Er wollte, dass zwischen der Bundesrepublik und der DDR "endlich ein Dialog stattfindet", erinnerte sich Porst 2003 in einem Interview. So kam es, dass er heimlich Mitglied der SED wurde, während er gleichzeitig auch das FDP-Parteibuch führte. Außerdem traf er sich mit Markus Wolf, dem damaligen Chef-Spion der DDR. Allerdings stritt Porst vehement ab, Geheimnisse verraten zu haben: "Ich war nie ein Spion oder ein Landesverräter." Seine ideologische Nähe zum Sozialismus war kein Geheimnis. Nach seiner Entlassung führte er ein bisher einmaliges System betrieblicher Mitbestimmung ein. De facto überschrieb er sein Firmenimperium den Mitarbeitern. Alle Gewinne wurden unter diesen aufgeteilt, Porst selbst erhielt lediglich ein Gehalt. Als er sich Ende der 70er ins Privatleben zurückzog, scheiterte das Modell jedoch. Die Mitarbeiter konnten den Konzern nicht vernünftig weiterführen. Porst kehrte daraufhin noch einmal zurück. In der Folge wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Allerdings drängten immer mehr Konkurrenten mit einem eigenen Fotoversand, der Photo-Porst lange ausgezeichnet hatte, auf den Markt. Nach mehreren Eigentümerwechseln meldete die Photo Porst AG 2002 Insolvenz an und trat die Namensrechte an die Ringfoto-Gruppe ab. Der Vater von vier Kindern lebte bis zuletzt in seinem Haus im mittelfränkischen Artelshofen. Dort widmete sich der Rentner nach dem Rückzug ins Private der Zucht von Rindern und erntete Obst und Gemüse im eigenen Gewächshaus. Auch im hohen Alter unternahm er noch weite Reisen mit seinem Wohnmobil - etwa nach Peking. Hannsheinz Porst schlief am Donnerstag nach einem turbulenten Leben friedlich ein.
Hannsheinz Porst ist nach einem bewegten Leben mit 87 Jahren gestorben. Er machte Photo Porst zu einem der größten Fotohäuser der Welt. Doch mit einem bisher einmaligen sozialistischen Experiment scheiterte er.
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Hannsheinz Porst ist tot - Marxist und Millionär
00/05/2010
Das Londoner Traditionskaufhaus Harrods gehört künftig Investoren aus dem Emirat Katar. Der Geschäftsmann Mohamed Al Fayed gibt das Luxuskaufhaus im Herzen Londons ab - für 1,5 Milliarden Pfund. Der Millionär Mohammed Al-Fayed hat Medienberichten zufolge das legendäre Londoner Luxuskaufhaus Harrods verkauft. Der Konsumtempel sei für den Preis von 1,5 Milliarden Pfund (1,8 Milliarden Euro) an die arabische Qatar Holding aus dem Emirat Katar gegangen, berichteten die Sender Sky News und BBC am Samstag. Detailansicht öffnen Mohammed Al-Fayed will mehr Zeit für seine Familie haben. (Foto: Foto: Getty Images) Harrods wollte die Berichte zunächst nicht kommentieren. Der Ägypter Al-Fayed hatte das 1851 gegründete Haus in den 1980er Jahren gemeinsam mit zwei Brüdern gekauft. Laut Sky News will er sich zur Ruhe setzen. Der Ägypter habe das Kaufhaus zu einer einzigartigen, weltweit bekannten Luxusmarke gemacht, hieß es am Samstag in einer Erklärung. Inzwischen wolle er mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. In den vergangenen Jahren hat der schillernde Al-Fayed vor allem mit seinen Vorwürfen für Aufregung gesorgt, sein Sohn Dodi und dessen Partnerin Prinzessin Diana seien 1997 einem Mordkomplott des Königshauses zum Opfer gefallen. Die beiden waren bei einem Autounfall in Paris ums Leben gekommen. Das Unternehmen Qatar Holding ist der fünfte Eigentümer seit der Gründung des Kaufhauses Mitte des 19. Jahrhunderts.
Das Londoner Traditionskaufhaus Harrods gehört künftig Investoren aus dem Emirat Katar. Der Geschäftsmann Mohamed Al Fayed gibt das Luxuskaufhaus im Herzen Londons ab - für 1,5 Milliarden Pfund.
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Luxuskaufhaus - Al-Fayed verkauft Harrods
00/05/2010
Matthias Mitscherlich, Sohn des berühmtesten Psychoanalytiker-Ehepaares und Ferrostaal-Chef, ist abberufen worden. Er war wegen einer Korruptionsaffäre in die Kritik geraten. Wenn Matthias Mitscherlich im Büro aufstand, hatten ihn seine Mitarbeiter direkt vor Augen: Der Chef des 4400-Mitarbeiter-Konzerns legte keinen Wert auf Statussymbole. Sein Schreibtisch stand mit vielen anderen zusammen im Großraumbüro. Und Mitscherlich überragte mit seinen weit über 1,80 Meter die Bürotrennwände bequem. Detailansicht öffnen Ein ungewöhnlicher Konzernchef: Matthias Mitscherlich, Sohn der berühmten Psychoanalytiker Margarete und Alexander Mitscherlich, verliert seinen Job bei der Essener Ferrostaal. (Foto: Foto: dpa) Jetzt muss der schlaksige 61-jährige seinen Arbeitsplatz räumen: Angesichts der Schmiergeldermittlungen gegen rund ein Dutzend Ferrostaal-Mitarbeiter - darunter auch Mitscherlich selbst - hat der Aufsichtsrat das Vertrauen verloren. Matthias Mitscherlich ist der Sohn des berühmten Psychoanalytiker- Paares Margarete und Alexander Mitscherlich. Deren Buch "Die Unfähigkeit zu trauern" kannte eine Zeitlang jeder Gymnasiast. Intellektuelles Elternhaus Mitscherlichs intellektuelles Elternhaus hat deutliche Spuren hinterlassen: Der groß gewachsene Manager im schlichten schwarzen Anzug mag kein Machotum und lautstarkes Gehabe. Er spricht klar, aber eher leise und lächelt dazu oft so hintergründig, dass das Managermagazin sich an buddhistische Mönche erinnert fühlt. Mitscherlich ist begeisterter Klassikfreund. Vom Besuch der Essener Philharmonie hält ihn auch die aktuelle Krise nicht ab - selbst wenn ihm dabei neugierige Blicke folgen. Knallhartes Geschäft Bei aller intellektueller Ausstrahlung ist das Geschäft des promovierten Feingeistes allerdings knallhart: Mitscherlichs Firma Ferrostaal gilt traditionell als Exportdrehscheibe der deutschen Industrie auch für "schwierige Fälle": Wer Schiffe, Lastwagen oder ganze Fabriken in Länder Afrikas oder Mittelamerikas mit nicht ganz lupenreinem Ruf verkaufen will, ruft vorher in Essen an und fragt nach den Kontakten von Ferrostaal. Die Leistungen solcher "Berater" und Ansprachpartner im fernen und gelegentlich nur bedingt demokratischen Ausland wurden hoch honoriert - zu hoch, meint die Münchner Staatsanwaltschaft. Sie zweifelt Medienberichten nach "verdächtige Zahlungen" von insgesamt 180 Millionen Euro an. In den komplizierten Ermittlungen mit Bergen von Akten gibt es Vorwürfe unter anderem wegen eines U-Boot-Geschäfts mit Griechenland seit 2000, bei dem mehr als 80 Millionen Euro Beraterhonorar geflossen sein sollen. Im Sommer 2009 und Ende März dieses Jahres durchsuchten Fahnder die Essener Ferrostaal-Zentrale. Dabei fiel ihnen nach den Berichten auch eine von Mitscherlich akzeptierte Elf- Millionen-Überweisung an Berater aus der Karibik in die Hände - nach Auffassung der Staatsanwaltschaft möglicherweise Schmiergeld. Vom Unternehmen und der Staatsanwaltschaft gibt es zu den konkreten Vorwürfen keinerlei Stellungnahme. Mitscherlich hat aber in der Vergangenheit den Vorwurf von Schmiergeldzahlungen in seinem Unternehmen mehrfach zurückgewiesen. Der Bezahlung von Beratern müsse immer eine Gegenleistung gegenüberstehen, ist seine Position. Kontroversen mit dem Aufsichtsratschef Dieses Verhältnis justiziabel zu beurteilen, dürfte aber bei Großaufträgen in fernen Ländern stets schwer fallen - wer weiß schon, wie viel Einfluss der jeweilige Berater tatsächlich hat? Insider kritisieren außerdem, dass der mutmaßliche Kronzeuge der Staatsanwaltschaft selbst wegen Untreue-Verdachts in Untersuchungshaft sitzt und dass sich seine Vorwürfe in einigen Details bereits als falsch erwiesen hätten. Vielleicht gehe es diesem Ex-Ferrostaal-Mann auch schlicht um Rache, wurde gemutmaßt. Zum Verhängnis ist Mitscherlich offenbar der Eindruck geworden, bei der Aufklärung der Affäre "gemauert" zu haben: Er soll im Herbst 2009 ein frühes Vergleichsangebot der Staatsanwaltschaft abgelehnt und bei den Untersuchungen stets gebremst haben. Das führte dem Vernehmen nach zu heftigen Kontroversen mit Aufsichtsratschef Georg Thoma, einem Anwalt aus Düsseldorf. Für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell wesentlich auf Vertrauen und Kontakten beruht, ist eine monatelange Schmiergelddebatte Gift. Der Abu Dhabi-Staatsfonds IPIC - seit März vergangenen Jahres 70-Prozent-Eigentümer von Ferrostaal - soll schon über eine Rückabwicklung des Geschäfts nachdenken. Die fest eingeplante Übernahme der noch fehlenden 30 Prozent von MAN wurde jedenfalls erst mal auf die lange Bank geschoben.
Matthias Mitscherlich, Sohn des berühmtesten Psychoanalytiker-Ehepaares und Ferrostaal-Chef, ist abberufen worden. Er war wegen einer Korruptionsaffäre in die Kritik geraten.
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Ferrostaal-Chef Mitscherlich - Der Feingeist muss gehen
00/05/2010
Untätige Telefonisten in einem Potsdamer Hinterhof, aufgeregte Manager in Berlin - die Probleme der Pannenfirma Toll Collect liegen in der Struktur. (SZ vom 15.10.2003) — Das dunkelbeige verputzte, dreistöckige Bürogebäude sieht ein bisschen so aus, als ob es seine beste Zeit schon hinter sich hätte. Kalter Nebel hängt in der Luft an diesem frühen Dienstagmorgen. Eine verblühte Silberdistel wuchert vor dem Seiteneingang, das Hauptportal wirkt wie der Zugang zu einem Kühllagerhaus, steril und abweisend. Die Eingangspforte klemmt, und wer sie aufdrückt, verschwindet sogleich hinter schweren, fensterlosen Stahltüren, wie man sie aus Heizungskellern kennt. "Ganz schön langweilig" Kein Foyer gibt es im kahlen Flur, keine Empfangsdame, Publikumsbesuch ist wohl nicht vorgesehen hier im Service Center des Mautsystem-Betreibers Toll Collect. Eigentlich sollten in diesem schmucklosen Hinterhof in Potsdam, Zeppelinstraße, rund um die Uhr die Telefone klingeln. Doch es ist anders gekommen. Nur wenige Spediteure rufen an, um ihre Fragen über die Lkw-Maut und die elektronischen Boxen loszuwerden. "Ganz schön langweilig", sagt ein Beschäftigter von Toll Collect. Der junge Mann, der seinen Namen unter keinen Umständen in der Zeitung lesen will, ist einer von rund 170 Mitarbeitern, die erst geschult und dann in vier Teams aufgeteilt wurden, um in Deutsch, Englisch, Französisch und Polnisch Ratschläge darüber zu geben, wie die Mauterhebung über die Bordgeräte in den Lkws, auch On Board Units (OBU) genannt, funktioniert - wenn sie denn jemals funktioniert. Auch an diesem Dienstagmorgen stehen viele der jungen Call-Agenten vor den raumhohen Fenstern, trinken langsam ihren Kaffee, schauen nach draußen, plaudern. Es hat sich bereits herumgesprochen, was 40 Kilometer weiter östlich geschehen ist, am Potsdamer Platz in Berlin, am Firmensitz: Ihr Geschäftsführer Michael Rummel muss seinen Posten räumen. Hier in Potsdam drückt ein schlanker junger Mann, schwarzer Anzug, blaues Hemd, gerade zum vierten Mal auf die Klingel an der Eingangspforte. Er gibt sich sehr wortkarg. Sagt nicht mehr, als dass ihn Toll Collect als Berater angeheuert habe. Glaubt er, dass das Pannensystem, mit dem sich zwei deutsche Vorzeige-Konzerne gerade bis auf die Knochen blamiert haben, denn nun endlich seinen Probebetrieb aufnehmen kann? Keine Antwort, statt dessen ein spöttisches Lächeln. 1500 Mitarbeiter Inzwischen lacht die ganze Republik - und ist empört. Was zur technologischen Glanzleistung und zum Exportschlager werden sollte, geriet zum politisch-ökonomischen Desaster. Und die Firma am Potsdamer Platz, die das rund eine Milliarde Euro teure Projekt auf die Beine stellen sollte, machte den Eindruck einer rührenden Hilflosigkeit. Es schien, als sei Toll Collect ein Kind, das von seinen Eltern im Stich gelassen worden ist. Der Grund für ist in der eigenartigen Konstruktion der kleinen Gesellschaft zu suchen, die inzwischen nach eigenen Angaben insgesamt 1500 Mitarbeiter hat, von denen aber nur etwa 100 an der Entwicklung des komplizierten Systems arbeiten. Die drei Gesellschafter Deutsche Telekom, DaimlerChrysler und der französische Autobahn-Betreiber Cofiroute haben die Spitze von Toll Collect so organisiert, wie man normalerweise Parteivorstände besetzt - streng nach Proporz. Daimler und Telekom sind mit je 45 Prozent beteiligt, Cofiroute hält zehn Prozent. Jeder Gesellschafter durfte einen Vertreter in die Geschäftsführung entsenden. So wurde Michael Rummel, der technisch verantwortliche Projektleiter, von DaimlerChrysler geschickt. Der Finanzchef Dieter Häkes kam von der Telekom. Als Sprecher der Geschäftsführung beriefen die Gesellschafter Hans-Burghard Ziermann, einen "neutralen Mann", wie man sich bei Toll Collect auszudrücken pflegt. Unklare Kommandostrukturen Ziermann kam vor ein paar Monaten vom Mobilfunk-Unternehmen O2. Der Telefonmann war zwar primus inter pares, hatte aber mit der Entwicklung des Desaster-Systems nur wenig zu tun und wenig zu sagen. Auch Projekt-Chef Rummel war, wie bei Toll Collect bestätigt wird, nicht mit voller Kraft bei der Maut-Firma tätig. Er blieb noch mit einem Bein bei seinem alten Arbeitgeber DaimlerChrysler Services AG, der ebenfalls in Berlin ansässig ist, in Diensten und sollte Ende des Jahres dorthin zurückkehren. Auch die Kommandostrukturen waren unklar. Die Großgesellschafter Daimler und Telekom hielten sich gegenseitig in Schach. Dabei sind die Manager beider Konzerne bekannt dafür, dass sie machtbewusst sind und die Führung ungern anderen überlassen. Nur so ist erklärlich, warum Toll Collect wochenlang in der Öffentlichkeit zunächst gar nicht reagierte, dann ratlos wirkte und erst jetzt personelle Konsequenzen zog. "Wenn sich einer unserer Projektleiter öffentlich so dargestellt hätte, hätten wir ihn nach drei Tagen gefeuert", sagt ein Manager der Firma Siemens, die sich ebenfalls, jedoch vergebens, um das Mautsystem beworben hatte. Es ging damals um "eine Lizenz zum Gelddrucken", wie ein Toll Collect-Vertreter offen zugibt. Immerhin soll das deutsche Lkw-Mautsystem nach den Planungen von DaimlerChrysler und Telekom bis 2013 pro Jahr den beiden Hauptgesellschaftern je 410 Millionen Euro an Gewinn vor Steuern in die Kassen spülen. Traum von der Führungsrolle Mit solchen Zahlen vor den Augen haben die Verantwortlichen allerdings ihre Fähigkeiten offenbar völlig überschätzt und der ungeduldigen Regierung versprochen, was sie hören wollte. "Es wäre eine große Enttäuschung gewesen, wenn wir den Auftrag nicht bekommen hätten", gestand der jetzt geschasste Geschäftsführer Rummel. Es geht um gigantische Märkte. DaimlerChrysler wie Telekom versprechen sich vom deutschen Mautsystem den Einstieg die Geschäfte mit Telematik-Angeboten, also Technolgien der Verkehrslenkung oder Navigation. "Ziel der Deutschen Telekom ist es, europaweit die Führungsrolle im Bereich Maut und Verkehrstelematik zu erreichen", heißt es in einem internen Strategiepapier des Telefon-Konzerns. Die elektronischen Mautsysteme seien dazu der Türöffner - im Telekom-Jargon "der Enabler für die breite Penetration von Verkehrstelematik-Diensten." Die Märkte sind großzügig definiert: Alle Staaten der EU sowie die osteuropäischen Beitrittsländer. Und dann gehe es weiter in "Sekundärstaaten" wie Russland und die Türkei sowie nach Asien und Amerika, heißt es weiter in dem Papier. "Grundsätzlich müssen diejenigen Länder priorisiert gewonnen werden, durch die die größten Domino-Effekte bewirkt werden." In ganz Europa sieht die Telekom im Telematik-Geschäft Umsatzpotenziale von 76 Milliarden Euro. Ein Drittel davon hofft der Bonner Konzern in seine Kassen zu lenken. "Nichts funktioniert richtig" Vorerst ist daran nicht zu denken, die Serie technischer Pannen hat eine Inbetriebnahme des Maut-Systems in weite Ferne gerückt. Fragt man bei Fachleuten nach, wo es denn nun hakt, so erhält man viele verschiedene Antworten. Ein Telekom-Experte nennt Mängel an den Bordgeräten als Ursache, beim französischen Konsortialpartner Cofiroute heißt es, die Software sei das Problem. Und ein technischer Beraters, der für Toll Collect gearbeitet hat und deshalb anonym bleiben will, sagt: "Nichts funktioniert richtig." Er und andere Fachleute der Branche schütteln nur den Kopf darüber, wie sich Toll Collect auf das von einer steuerhungrigen Berliner Regierung diktierte knappe Zeitbudget einlassen konnte: "Jeder, der ein kompliziertes System entwickelt, weiß, dass er für die Testphase mindestens so viel Zeit braucht wie für die Entwicklung". Denn wann immer man Software oder Hardware verschiedener Firmen zusammenschaltet, stürzen fast unweigerlich die Computer ab. Und es sind viele Firmen am Projekt beteiligt: kleine Software-Unternehmen wie die Berliner Firma OMP, in deren Aufsichtsrat zufällig der geschasste Toll Collect-Chef Michael Rummel saß, ferner Siemens oder Vodafone, die als Bieter leer ausgingen und dafür mit Aufträgen getröstet wurden. "Viel zu komplex" Dabei halten Spezialisten das System nicht für prinzipiell schlecht. "Unter den Bedingungen, welche die deutsche Politik diktiert hat, ist das Konzept vernünftig", sagt Fritz Busch, Experte für Verkehrs-Telematik und Professor an der Technischen Universität München. Die Vorgabe aus Berlin war, dass die Mauterhebung automatisch und flexibel sein solle und den Verkehrsfluss nicht stören dürfe. Im Vergleich zu dem, was verlangt wurde, wirken die konkurrierenden Systeme aus der Schweiz oder Österreich jedenfalls direkt primitiv. Doch für die Allround-Technik, die der Allianz aus Politik und Wirtschaft vorschwebte, war der Zeitrahmen viel zu eng. "Es ist technisch machbar, aber eben nicht innerhalb eines Jahres, dazu ist das Ganze viel zu komplex", sagt Professor Busch. Auch nicht innerhalb der 15 Monate, die man jetzt anpeilt. Der Münchner Fachmann tippt auf Herbst 2004, bis das Mautsystem funktioniert - wenn von jetzt an alles gut läuft und die Spediteure den Probebetrieb nicht boykottieren. Ein Mann von Mannesmann Michael Rummel, der entlassene Geschäftsführer, wird es als Zaungast verfolgen können. Sein letzter öffentlicher Auftritt liegt eine Woche zurück, viel sagen durfte er schon da nicht mehr. DaimlerChrysler-Vorstand Klaus Mangold, 60, und Deutsche Telekom-Vorstand Josef Brauner, 53, hatten in den großen Sitzungsraum des DaimlerChrysler-Hauses am Potsdamer Platz in Berlin geladen. Die Manager waren alarmiert, weil die Bundesregierung mit einem Ausstieg aus dem Betreibervertrag gedroht hatte. Mangold spielte den Geschmeidigen, räumte vorsichtig den einen oder anderen Fehler ein: Man habe den engen Zeitrahmen unterschätzt, aber bitte, "viele Hightech-Projekte gelingen ja am Anfang nicht". Der 47-jährige Rummel, ein alt gedienter Daimler-Manager, saß daneben und verzog keine Miene. Sein perfekt sitzender Anzug, die dezente Krawatte, beides wirkte plötzlich wie eine Rüstung. Stets sind die anderen Schuld Sein volles Gesicht entspannte sich erst, als Mangold wortreich versuchte, die Pannenserie und die wiederholten Startverzögerungen zu erklären. Irgendwie sind für Mangold stets die anderen schuld: der Bundesverkehrsminister, Brüssel, der Bundesrat, das einst konkurrierende Konsortium Vodafone-Ages, die störrischen Spediteure, die Hersteller der Mautboxen. Logisch also, dass der DaimlerChrylsler-Vorstand und sein Partner Brauner von der Telekom personelle Konsequenzen strikt ablehnten. "Wir nehmen einen neuen Anlauf", sagte Mangold. Er selber jedenfalls darf sein Gesicht wahren und muss das Amt als Toll Collect-Aufsichtsratschef erst Mitte Dezember aufgeben - genau an dem Tag, an dem er sowie in den Ruhestand geht. Höchst ambitioniert Statt seiner soll künftig Peter Mihatsch als Aufsichtsratschef bei Toll Collect die Chose richten. "Der ist ein Supertyp", sagt ein enger Mitarbeiter von Daimler-Chef Jürgen Schrempp. Der Konzernboss, der sich während des Maut-Desasters bisher nicht zu Wort meldete, hat Mihatsch schon vor ein paar Wochen nach Berlin geschickt, um bei Toll Collect aufzuräumen. Mihatsch gilt als höchst ambitioniert und hat Erfahrungen mit technischen Großprojekten. Der inzwischen 62jährige hat dem Stahl- und Röhrenkonzern Mannesmann in den Neunzigerjahren den Einstieg in das Mobilfunk-Geschäft verschafft und damit zur Goldgrube gemacht. Er wäre auch gern Chef des Mannesmann-Konzerns geworden. Nun bekommt er es eine Nummer kleiner - dafür sind die Probleme umso größer.
Untätige Telefonisten in einem Potsdamer Hinterhof, aufgeregte Manager in Berlin - die Probleme der Pannenfirma Toll Collect liegen in der Struktur.
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Toll Collect - Technisch machbar — aber noch nicht jetzt
00/05/2010
Der hohe Ölpreis sorgt für Unruhe: Selten waren die deutschen Heizöltanks so kurz vor dem Winter so leer wie jetzt. In diesen Tagen beäugt mancher Hausbesitzer kritisch den Pegelstand seines Öltanks: Muss er nachordern, ausgerechnet jetzt, wo Heizöl nur zu Spitzenpreisen zu haben ist? Die Händler warten jetzt täglich auf den Ansturm ihrer Kundschaft, denn selten waren Deutschlands Heizöltanks so kurz vor dem Winter so leer. In Rotterdam, dem wichtigsten Beschaffungsmarkt für Deutschland, hat das sogar schon zu einer Umkehr der üblichen Preisstrukturen geführt. Diesel und Heizöl sind dort im Moment teurer als Benzin. Doch ob sich ein Hinauszögern der Bestellung lohnt oder nicht, können auch Experten nicht mit Sicherheit entscheiden. Zu viele Faktoren bestimmen die Preisentwicklung. So war Rohöl der Nordseesorte Brent in der vergangenen Woche mit mehr als 80 Dollar je Barrel so teuer wie noch nie. Rechnerisch war Öl schon weit teurer Inzwischen ist es wieder unter die Marke 80 gerutscht. Ein neuer Tropensturm, eine neue Krise in einem wichtigen Öllieferland oder eine Meldung über die Heizölvorräte der Amerikaner können jedoch binnen Minuten den Preis heftig beeinflussen. Denn ein Großteil der Preisentwicklung beruht auf Spekulationen. Liest man die Statistiken, so scheinen die Deutschen ein Volk der Lebenskünstler zu sein. Alles wird teurer, doch im Geldbeutel bleibt der Pegelstand über Jahrzehnte gleich. Vor wenigen Tagen erst brachte das "Statistische Taschenbuch" des Bundesarbeitsministeriums zutage, dass die Nettoreallöhne der deutschen Arbeitnehmer im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken sind. Gegenläufig haben sich große Blöcke der Lebenshaltungskosten entwickelt: Nach der Statistik des Mineralölwirtschaftsverbandes ist Superbenzin von 1986 bis 2006 um 133 Prozent teurer geworden, Diesel um 121 Prozent. Das Heizöl hat sich sogar um 163 Prozent verteuert. Beim Super hat übrigens der Staat am meisten von der Verteuerung profitiert: Der fiskalische Anteil im Preis ist innerhalb dieser 20 Jahre nach mehreren Mineralölsteuer- und Mehrwertsteuer-Erhöhungen um 146 Prozent gestiegen. Das Rohöl, die Basis aller Mineralölprodukte, hat von 1986 bis 2006 um 353 Prozent zugelegt. Vor 20 Jahren, mitten in einer der schwersten Ölkrisen, kostete das Barrel Nordseeöl nur 14,40 Dollar. Doch verglichen mit heute war das auch kein Schnäppchenpreis, lehren uns die Rechenexperten. Das Gegenteil ist offenbar der Fall: Die Analysten von Morgan Stanley haben ausgerechnet, dass der derzeitige Höchstpreis des Rohöls von 80 Dollar den realen Preisrekord noch gar nicht übertroffen hat. Nach heutigem Geldwert kostete Rohöl Mitte der achtziger Jahre demnach bereits mehr als 100 Dollar. Lichtblicke bei Reisen Nicht nur Ölheizungsbesitzer leiden unter der hohen Kostenbelastung: Wer eine Gasheizung hat, kann beim Blick auf die Ölpreise auch schon mal Geld zurücklegen, denn die Entwicklung des Erdgaspreises wird in sechs Monaten dem Heizöl folgen. Das habe sich so eingebürgert, sagen die Konzerne, und stammt noch aus der Zeit, als es keinen Wettbewerbspreis für Gas gab. Trotz aller Anstrengungen zur Liberalisierung des Gasmarkts und trotz mehrerer Prozesse gegen die Preispolitik der Anbieter wird an dieser Tradition bisher kaum gerüttelt. Doch trotz der schmerzhaften Verteuerungen bei den Heiz- und Spritkosten gibt es auch einen Lichtblick im langfristigen Vergleich: Das Verreisen ist für die Deutschen günstiger geworden - jedenfalls für jene, die es sich leisten können, den Urlaub etwas flexibel zu gestalten. Mit dem Vormarsch der Billigflieger ist das Fliegen mittlerweile so günstig wie noch nie. Die Urlauber haben sich darauf eingestellt und ihr Buchungsverhalten verändert: Wer nicht unbedingt auf die Schulferien festgelegt ist, sucht sich inzwischen erst einen günstigen Flug und plant danach seine Urlaubsreise. Das wiederum hat die großen Anbieter der klassischen Pauschalreisen so unter Druck gebracht, dass auch dort in den vergangenen Jahren die Preise erheblich geschrumpft sind. Ein Glück für die Deutschen, für die Angriffe auf den Urlaub fast so schlimm sind wie Angriffe aufs Autofahren ohne Tempolimit.
Der hohe Ölpreis sorgt für Unruhe: Selten waren die deutschen Heizöltanks so kurz vor dem Winter so leer wie jetzt.
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Teures Heizöl - Bestellen - oder nicht bestellen?
00/05/2010
Derzeit gibt es fast nur strahlende Gesichter bei den deutschen Banken. Nach den unerwartet freundlichen ersten drei Monaten dürfte auch das zweite Quartal bei nahezu allen Kreditinstituten gut gelaufen sein. Die Börse ging bis Juni nach oben, die Zinsen waren niedrig, die deutsche Wirtschaft wächst - beste Voraussetzungen für die Kreditwirtschaft. Detailansicht öffnen Die Deutsche Bank ist die umsatzstärkste Deutschlands. (Foto: Foto: dpa) Doch trotz des Höhenflugs bleiben die Banker vorsichtig. Sie stehen noch immer unter dem Eindruck der schweren Krise der vergangenen Jahre und wissen, wie schnell der Wind drehen kann. "Der Frühling währt nicht ewig", warnte vor kurzem auch Jochen Sanio, Chef der Bankenaufsicht Bafin. Sollte die Konjunktur einbrechen oder die Dynamik an den Börsen nachlassen, wie es bereits zu beobachten ist, werden die Banken das spüren. Die Deutsche Bank, das nach wie vor mit Abstand größte Institut in Deutschland, ist weltweit aktiv. Aber die anderen Banken sind mehr oder weniger stark auf den deutschen Markt konzentriert und damit von der Entwicklung hierzulande abhängig. Ohnehin: Betrachtet man nicht die Bilanzsumme, sondern den Börsenwert, rangieren die deutschen Kreditinstitute international weit abgeschlagen. Der Unicredit-Konzern, der im vergangenen Jahr die HypoVereinsbank übernommen hat, ist an der Börse in etwa so viel wert wie Deutsche Bank und Commerzbank zusammen. Der Marktwert des fusionierten Instituts liegt etwa zwanzig Milliarden Euro über den addierten Börsenwerten von HypoVereinsbank und Unicredit zum Zeitpunkt, als der Kauf angekündigt wurde. Analysten und Anleger honorieren den zupackenden Kurs von Unicredit-Chef Alessandro Profumo. Buhlen um jeden Kunden Dazu kommt, dass viele Institute in Deutschland noch mit Problemen zu kämpfen haben. Das Privatkundengeschäft ist hierzulande nur wenig profitabel, meist chronisch defizitär. Der Markt ist überbesetzt. Privatbanken und kostengünstige Direktbanken buhlen mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken um jeden Kunden. Mehr und mehr werden inzwischen Girokonten zum Nulltarif angeboten. Experten gehen davon aus, dass die Auseinandersetzung weiter an Schärfe gewinnen könnte. Denn auch große ausländische Konzerne werfen inzwischen einen Blick nach Deutschland und sind an einem Einstieg interessiert. Umbau Viele Institute wollen sich für den härteren Wettbewerb rüsten, indem sie umbauen. Die Dresdner Bank beispielsweise, die seit fünf Jahren zum Allianz-Konzern gehört, muss erneut 2500 Stellen streichen und hat künftig nur noch zwei große Geschäftsbereiche. Die HypoVereinsbank gleicht die Struktur an die der neuen Muttergesellschaft Unicredit an. In Deutschland soll das Geschäft mit Privatkunden forciert werden. Die Deka-Bank, die vorwiegend Fondsprodukte für die öffentlich-rechtlichen Banken anbietet und angeschlagen ist, halbiert derzeit die Führungsmannschaft. Gleichzeitig wird weiter gekauft und fusioniert. Im vergangenen Jahr gab die Commerzbank die Übernahme der größten deutschen Immobilienbank Eurohypo bekannt. Zuvor hatte die Nummer zwei der Branche, die Hypo Real Estate aus München, Interesse an Eurohypo bekundet. Doch Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller nutzte sein Vorkaufsrecht und griff zu. Sein Institut ist damit 2006 zur klaren Nummer zwei der deutschen Bankenbranche aufgestiegen. Doch die Strategie ist zweifelhaft: Denn die Commerzbank ist seit der Übernahme sehr immobilienlastig und noch dazu stark vom deutschen Markt abhängig. Die Gewinnmargen dürften verwässern. Aber angesichts der neuen Größe ist immerhin die Wahrscheinlichkeit gesunken, dass ein Ausländer einsteigen will. Übernahmen Die Postbank übernahm den Baufinanzierer BHW. Auch die Deutsche Bank, die in der Vergangenheit so stark auf das Ausland gesetzt hat, verstärkte sich in Deutschland. Erst vor wenigen Wochen kaufte Konzernchef Josef Ackermann das Regionalinstitut Berliner Bank und bezahlte dafür nahezu 700 Millionen Euro. Viele in der Branche schütteln über die Höhe des Preises nur den Kopf. Doch der Marktführer war offenbar auch daran interessiert, ein klares Signal für sein Engagement in Deutschland zu setzen. Ohnehin wird es in Berlin demnächst spannend. Denn das Land Berlin muss seine 81-Prozent-Beteiligung an der Landesbank Berlin, zu der die Berliner Sparkasse gehört, verkaufen. Die Interessenten bringen sich bereits in Stellung. Vor allem das öffentlich-rechtliche Lager will verhindern, dass ein Privater in Besitz der Sparkasse kommt. So wird schon heftig über die Markenrechte gestritten. Der Kaufpreis soll bei bis zu vier Milliarden Euro liegen. Auch bei den übrigen Landesbanken ist nach dem Wegfall der Staatsgarantien einiges in Bewegung. Die WestLB will sich von der Beteiligung an der HSH Nordbank trennen. Weitere Fusionen sind also nicht ausgeschlossen. Der Markt bleibt interessant.
Trotz guter Zahlen - die Kreditinstitute haben ihre Probleme nicht gelöst.
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Die größten Unternehmen - Riskanter Höhenflug - Die 20 wichtigsten Banken Deutschlands
00/05/2010
Fast zwölf Stunden verhandelte Manfred Stolpe mit Toll Collect über den endgültigen Vertrag zur Autobahn-Maut. Um 6 Uhr morgens legte das Betreiberkonsortium ein neues Angebot vor, das genau durchgerechnet wurde. Dann teilte ein Sprecher mit: "Es ist gibt ein Ergebnis", welches der Verkehrsminister in Kürze vorstellen will. Die zentralen Fragen der Verhandlung seien nach wie vor Haftung und Strafzahlungen für den Fall, dass das satellitengestützte Mautsystem nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt - 2005 für eine Light-Variante und 2006 für das voll funktionsfähige System - eingeführt werden kann, sagte Ministeriumssprecher Felix Stenschke nach der Vorlage des neuen Angebots. Detailansicht öffnen Wann wird sie kommen, die Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen? (Foto: Foto: AP) Der Bund verlangt bei weiteren Fehlschlägen vollen Schadensausgleich. Den wollen die hinter dem Konsortium stehenden Konzerne DaimlerChrysler, Deutsche Telekom und Cofiroute auf 500 oder allenfalls 600 Millionen Euro begrenzen. Dieser Summe stehen jedoch Einnahmeausfälle im Verkehrshaushalt von fast drei Milliarden Euro gegenüber. Bis zur Vorlage des neuen Angebots hatte es geheißen, die Wahrscheinlichkeit von Kündigung und Fortsetzung des Toll-Collect- Vertrages hielten sich die Waage. "Das Ergebnis ist noch immer offen", hatte Stenschke wenige Stunden zuvor erklärt. "Ich kann keine Prognose wagen." Monatelange Hängepartie soll beendet werden Über Stunden hatte sich die Suche nach Lösungen im Maut-Streit als äußerst schwierig erwiesen. Als sicher gilt jedoch, dass heute eine Entscheidung über Fortführung oder Kündigung des Vertrages fällt. Eine Vertagung sei nie diskutiert worden, hieß es aus Verhandlungskreisen. Nach monatelanger Hängepartie hatte Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) auch unter dem Druck des Parlaments angekündigt, er werde sich nach dieser Sitzung abschließend und endgültig äußern. Verkehrsexperte Schmidt erwartet Kündigung Trotz der Bewegung in den Mautverhandlungen rechnet der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Albert Schmidt, weiterhin mit einer Kündigung des Konsortiums Toll Collect. Das Rennen sei zwar offen, sagte Schmidt im ZDF-Morgenmagazin. "Aber das Konsortium scheint knallhart zu bleiben, so dass ich eher mit einer negativen Entscheidung rechne." Der Grund für die bisherige Kompromisslosigkeit liege darin, dass es um sehr viel Geld gehe, erläuterte der Grünen-Politiker. So habe der Bund bei betrieblichen Pannen des Mautsystems Anspruch auf eine Entschädigung von jährlich 2,8 Milliarden Euro. Denen stehe ein Angebot von nur 500, höchstens 600 Millionen gegenüber. "Da sind wirklich Welten dazwischen. Also auf solche Haftungsdeckelungen zu Lasten des Bundes können wir uns nicht einlassen. Solange ich keine bessere Ansage und Bedingungen von Toll Collect sehe, halte ich eine Kündigung für unausweichlich." Auch Vertreter des Haushaltsausschusses des Bundestags hatten Stolpe zuletzt zur Vorbereitung der Vertragskündigung aufgefordert. Verhandlungsbeginn um 21 Uhr Dem Konsortium Toll Collect werden zahlreiche technische Pannen bei der seit Ende August 2003 überfälligen Maut angelastet. Auch geht es um Leistungsminderungen und ein automatisches vom Bund abgelehntes Kündigungsrecht von Toll Collect, sofern das Unternehmen auch die neuen Maut-Einführungstermine Anfang 2005 und 2006 um mindestens jeweils ein halbes Jahr verpasst. Stolpe und die Manager von Toll Collect verhandeln seit 21 Uhr mit Unterbrechungen über die Bedingungen der Maut-Einführung, die seit August bereits zwei Mal verschoben worden ist. Über den Inhalt des neuesten Vorschlages wurde nichts bekannt. Ob die für 09:30 Uhr angesetzte Pressekonferenz stattfinden kann, hing weiterhin von den Fortschritten bei den Verhandlungen ab. Auch eine Kündigung des Vertrags wurde weiterhin nicht völlig ausgeschlossen.
Fast zwölf Stunden verhandelte Manfred Stolpe mit Toll Collect über den endgültigen Vertrag zur Autobahn-Maut. Um 6 Uhr morgens legte das Betreiberkonsortium ein neues Angebot vor, das genau durchgerechnet wurde. Dann teilte ein Sprecher mit: "Es ist gibt ein Ergebnis", welches der Verkehrsminister in Kürze vorstellen will.
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Marathon-Verhandlung über Lkw-Maut - Warten auf die Entscheidung
00/05/2010
Debitel und Talkline firmieren künftig unter einem Dach: Die Stuttgarter haben 560 Millionen Euro für Talkline bezahlt - und Freenet geht wieder leer aus. Der größte deutsche Serviceprovider Debitel übernimmt Talkline und reiht sich damit - nach Kundenzahlen betrachtet - in die Spitzengruppe der Netzbetreiber ein. Das Stuttgarter Unternehmen zahlt 560 Millionen Euro für den kleineren Wettbewerber aus Elmshorn. Das entspricht 149 Euro je Kunde, was in der Branche als ziemlich stolzer Preis gilt. Auch Freenet hatte sich für Talkline interessiert und Gespräche über eine Übernahme geführt, bestätigte eine Sprecherin. Zusammen kommen Debitel und Talkline auf einen Umsatz von mehr als drei Milliarden Euro und fast 13 Millionen Kunden (Ende erstes Quartal). Welche Synergieeffekte von dem Zusammenschluss erwartet werden, wollte der Debitel-Vorstand noch nicht sagen. Die operative Marge werde sich aber verbessern, meinte Finanzchef Joachim Preisig am Dienstag. Im vergangenen Jahr hatten beide Unternehmen zusammen vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen 240 Millionen Euro verdient. Auch was mit den beiden Marken passiert, steht offenbar noch nicht fest. In den kommenden Monaten will das Management "ein detailliertes Integrationskonzept'' erarbeiten. Sicher sei nur, das der Standort Elmshorn in der Gruppe eine wichtige Rolle spielen solle. Richtiger Vertriebsweg Als entscheidend gilt in der Mobilfunkbranche nicht so sehr die Kundenzahl, sondern der richtige Vertrieb. Debitel ist über Exklusiv-Verträge vor allem mit den Handelsketten Mediamarkt/Saturn sowie Electronic Partner verbunden. Talkline arbeitet im Wesentlichen mit Karstadt zusammen. Durch die Übernahme habe Debitel sein Risikoprofil im Vertrieb erheblich verbessert, heißt es in der Branche. Nach Angaben von Christian Winther, Vorsitzender der Geschäftsführung von Talkline, decken beide Unternehmen zusammen 20 Prozent der Neukundengewinnung im Mobilfunk ab. Damit seien sie hierzulande der größte Vermarkter. Über ein eigenes Netz verfügen in Deutschland nur T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2. Debitel und Talkline würden sich hervorragend ergänzen, sagte der Vorstandsvorsitzende von Debitel, Axel Rückert. Mit der Übernahme werde der lang erwartete Konsolidierungsprozess auf dem deutschen Mobilfunkmarkt eingeläutet. Damit seien jetzt alle Spekulationen, wer dabei die Führung übernehmen werde, vorbei. Rückert spielte damit auf Gerüchte der vergangenen Woche an, nach denen Freenet, die gerade aus der Fusion von Mobilcom mit seiner Internettochter Freenet entstanden ist, an einer Allianz mit Debitel und Talkline arbeite. "Im Moment eher unwahrscheinlich'' Dass Freenet im Nachhinein noch als Dritter zu der Gruppe stoße, sei "im Moment eher unwahrscheinlich'', sagte Debitels Vertriebs- und Marketing-Vorstand Oliver Steil. Weitere Zukäufe schließt der Vorstand allerdings nicht aus: Das sei finanziell kein Problem, Debitel sei "solide finanziert''. Debitel ist doppelt so groß wie Talkline: Der Umsatz lag 2006 bei 2,23 (Talkline: 1,0) Milliarden Euro, die Zahl der Mitarbeiter bei 2400 (850), die Zahl eigener Vertriebsstellen bei 360 (150). Die Eigentumsverhältnisse dürften den Zuschlag an Debitel befördert haben. Das Unternehmen befindet sich seit 2004 in Händen der Private-Equity-Firma Permira; die dänische Talkline-Mutter TDC gehört mehreren Hedge-Fonds, darunter auch Permira. Schon lange ist bekannt, dass sich TDC von seinem deutschen Engagement trennen will, da sich die Strategie des Unternehmens auf Dänemark und Skandinavien konzentriere. Bisher gab es keine zufriedenstellenden Angebote. Dass mit Freenet und Debitel nun gleich zwei Interessenten zur Verfügung standen, habe die Chancen auf einen guten Preis verbessert, heißt es. Talkline wird bar bezahlt und schuldenfrei übergeben.
Debitel und Talkline firmieren künftig unter einem Dach: Die Stuttgarter haben 560 Millionen Euro für Talkline bezahlt - und Freenet geht wieder leer aus.
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Millionenschwere Übernahme - Mobilfunkprovider rücken zusammen
00/05/2010
Die EU-Kommission will privaten Wettbewerbern wie dem Siemens-Konzern den Einstieg beim angeschlagenen französischen Alstom-Konzern ermöglichen. Der französische Mischkonzern Alstom mit mehr als 100.000 Mitarbeitern steckt seit längerem in finanziellen Schwierigkeiten. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti wird womöglich bereits an diesem Montag über eine Finanzhilfe von 3,2 Milliarden Euro entscheiden, die dem Bahntechnik-, Energie- und Werftunternehmen auf die Beine helfen soll. Die Genehmigung des Rettungsplans steht außer Zweifel. Dabei wird Monti nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Auflagen zur Bedingung machen, die der französischen Regierung nicht gefallen dürften. So muss sich Alstom im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahre industrielle Partner suchen, um seine Überlebensfähigkeit zu sichern. Diese Partner sollen "Technik und Geld liefern", berichten Verhandlungskreise. Damit ist der Weg für den Einstieg von privaten Wettbewerbern wie dem Münchner Siemens-Konzern frei. Minister Sarkozy verärgert Ausdrücklich will Monti festschreiben, dass die industriellen Partner keine Staatsunternehmen sein dürfen. Das durchkreuzt den Wunsch der Regierung in Paris, Alstom als rein nationales Unternehmen zu erhalten, etwa durch den Einstieg des staatlichen Nuklearkonzerns Areva. Der französische Finanzminister Nicolas Sarkozy soll über das Verbot einer staatlichen Lösung verärgert sein, ist zu hören. Der Siemens-Konzern ist vor allem am Gasturbinen-Geschäft von Alstom interessiert. Eine Beteiligung soll helfen, zum Marktführer General Electric aufzuschließen. Zeitungsberichte, wonach Siemens die komplette Verkehrstechniksparte inklusive der TGV-Schnellzüge kaufen wolle, wurden am Wochenende dementiert. "Das ist absoluter Quatsch", hieß es in Siemens-Kreisen. "Eine solche Übernahme würde die EU-Kommission aus Wettbewerbsgründen niemals genehmigen". Siemens hat mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof gedroht, falls Monti das Sanierungspaket für Alstom ohne scharfe Auflagen genehmigt. Auch Mitsubishi und GE sollen Interessen haben Ob das Münchner Unternehmen bei dem französischen Konzern zum Zug kommt, muss sich erst zeigen. Wettbewerbskommissar Monti wird in seiner Entscheidung, die am Mittwoch die ganze 20köpfige Kommissionsspitze absegnen muss, keine Namen einzelner Wettbewerber nennen, die sich an Alstom beteiligen sollen. Ihm geht es nur darum, Nachteile für Konkurrenzunternehmen durch die Finanzspritzen für Alstom zu vermeiden. Somit bleibt es dem Unternehmen und dem französischen Staat als Anteilseigner überlassen, eine zukunftsfähige Lösung für den Konzern zu finden. Interesse an Unternehmensteilen wird auch Mitsubishi oder General Electric nachgesagt. Monti erwartet offenbar, dass sich Alstom nicht nur einen industriellen Partner sucht. Selbst der Areva-Konzern könnte wieder ins Spiel kommen, wenn er privatisiert wird. Die derzeitige Unternehmenschefin wehrte sich allerdings gegen den Plan der Regierung in Paris, Areva solle Alstom ganz übernehmen. Als erste Bedingung für den Rettungsplan wird Monti fordern, dass Alstom Aktivitäten mit einem Umfang von 1,5 bis zwei Milliarden Euro abstößt. Die genaue Summe ist noch strittig, sie hängt davon ab, an welchem Geschäftsjahr sich die Entscheidung orientiert. Wie viele Aktivitäten genau abgestoßen werden müssen, war am Wochenende zwischen Brüssel und Paris noch strittig. Dieser Teil der Entscheidung gilt aber als wenig problematisch, weil er keine Zerschlagung des Konzerns bedeutet. Stattdessen muss das Unternehmen nur Randaktivitäten etwa aus dem Bahntechnik-Bereich abgeben. In Brüssel gibt es nach einem Bericht des Magazins Focus Befürchtungen, dass der französische Staat trotz der Auflagen eine stärkere Rolle bei Alstom spielen könnte als erwünscht. Als Eigentümer von 20 Prozent der Anteile (ab Herbst) könnte der Staat demnach ständig Kapital in das Unternehmen pumpen, so die Sorge, ohne dass Brüssel einschreiten könne, wenn Paris die anderen Anteilseigner zu einem ähnlichen Vorgehen überreden könne.
Die EU-Kommission will privaten Wettbewerbern wie dem Siemens-Konzern den Einstieg beim angeschlagenen französischen Alstom-Konzern ermöglichen.
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Frankreich - Siemens kann später bei Alstom einsteigen
00/05/2010
Die Bahn beantragt einstweilige Verfügungen, die Bahngewerkschaften streiten untereinander, ein Minister warnt, die deutschen Häfen werden panisch - und die Lokführer loben sich selbst. Im Tarifkonflikt der Bahn stehen die Zeichen trotz eines neuen Einigungsappells von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee weiter auf Streik. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: dpa) Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Bahn ihr Angebot nachbessern wolle, sagte eine GDL-Sprecherin. Das zuletzt offerierte Angebot von zwei Stunden bezahlter Mehrarbeit zuzüglich der 4,5 Prozent mehr Lohn lehnte die GDL ab und bekräftigte die Forderungen nach 31 Prozent und einem eigenen Tarifvertrag. Die Bahn reichte am Dienstag beim Arbeitsgericht Chemnitz Anträge auf Einstweilige Verfügungen ein, um den für Freitag geplanten Streik noch zu stoppen. "Mit Fingerspitzengefühl" Die Anträge wurden laut Gericht von den Bahntöchtern DB Regio AG, DB RegioNetz Verkehrs GmbH sowie dem Arbeitgeberverband der Mobilitäts- und Verkehrsdienstleister gestellt. Erst am Donnerstag soll aber darüber entschieden werden. Die Gewerkschaft hatte mit entsprechenden Schritten gerechnet und eine Schutzschrift an alle 121 Arbeitsgerichte in Deutschland verschickt. Mit dem 67 Seiten umfassenden Papier will die GDL erreichen, dass sie rechtzeitig vor möglichen Entscheidungen rechtliches Gehör findet. Im August hatte zuletzt das Arbeitsgericht Nürnberg Streiks der Lokomotivführer untersagt, bevor es zur Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen kam. Am Donnerstag will die GDL bekanntgeben, welche Teile der Bahn von den am Freitag beginnenden Streiks betroffen sein werden. GDL-Chef Manfred Schell betonte bereits, dass die Arbeitskampfmaßnahmen die Ausmaße der Streiks im Juli nicht übersteigen sollten. Vor zwei Monaten hatten die Ausstände zu erheblichen Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs geführt. Der SPD-Politiker Tiefensee hatte zuvor sowohl die GDL als auch die Deutsche Bahn zur Mäßigung und einer Wiederaufnahme der Gespräche aufgerufen. "Ich appelliere eindringlich an die Tarifparteien, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen", sagte der Minister der Frankfurter Rundschau. Die Tarifparteien müssten die volkswirtschaftlichen Folgen eines Streiks bedenken. "GDL hat Showdown gewollt" Es gehe auch um den Verkehrs- und Logistikstandort Deutschland, betonte Tiefensee. "Daher ist es notwendig, dass die Tarifparteien möglichst schnell an den Verhandlungstisch zurückkehren und eine tragfähige Lösung finden", wird der Verkehrsminister weiter zitiert. Der stellvertretende GDL-Vorsitzende Günther Kinscher warf unterdessen der Bahn vor, das Ergebnis der Moderatorenrunde mit den CDU-Politikern Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler "völlig ignoriert" zu haben. Die Lokführergewerkschaft sei dagegen kompromissbereit gewesen. GDL-Anwalt Ulrich Fischer nannte die für Freitag angekündigte Arbeitsniederlegung gerechtfertigt und verhältnismäßig. Schließlich handele es sich nur um einen befristeten Streik von zunächst einem Tag, der hoffentlich reichen werde, um die Deutsche Bahn zum Einlenken zu bewegen. "Es ist nur von einem befristeten Streik die Rede, und das zeigt, mit welchem Fingerspitzengefühl, mit welchem Prinzip der Verhältnismäßigkeit seitens der GDL an die Sache herangegangen wird", sagte Fischer. Der Gewerkschaft sei klar, dass gerade im Verkehrswesen Streiks mit besonderem Verantwortungsgefühl gefahren werden müssten. Hafenbetriebe appellieren an die Gewerkschaft Scharfe Kritik an der Haltung der GDL äußerten die konkurrierenden Bahngewerkschaften. Der stellvertretende Vorstandschef der Tarifgemeinschaft Transnet/GDBA, Heinz Fuhrmann, sagte, das Moderatorenverfahren in dem Tarifkonflikt sei an der Sturheit der Lokführergewerkschaft gescheitert. "Diesen Showdown, den hat die GDL gewollt, vor allen Dingen ihr Vorsitzender", sagte Fuhrmann, der auch stellvertretender Vorsitzender der GDBA ist. Jetzt zu streiken, halte er für unvernünftig. Man könne einen Arbeitgeber nicht erpressen, sondern müsse auch eine gewisse Kompromissbereitschaft haben. Unterdessen haben die deutschen Hafenbetriebe an die Lokführergewerkschaft GDL appelliert, den Schienenverkehr zu den Seehäfen von ihrem geplanten Streik auszunehmen. Der maritime Logistikstandort Deutschland dürfe keinen Schaden nehmen, schrieb der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), Klaus Heitmann, an den GDL-Vorsitzenden Manfred Schell. Allein von und zu den Häfen Bremen/Bremerhaven und Hamburg fahren täglich rund 350 Güterzüge. Sie transportieren zum einen Massengüter wie Kohle, Erze, Futtermittel und Getreide, zum anderen Container und Autos.
Die Bahn beantragt einstweilige Verfügungen, die Bahngewerkschaften streiten untereinander, ein Minister warnt, die deutschen Häfen werden panisch - und die Lokführer loben sich selbst.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streiks-bei-der-bahn-angst-vor-dem-schwarzen-freitag-1.891574
Streiks bei der Bahn - Angst vor dem Schwarzen Freitag
00/05/2010
Erstmals ist eine große britische Bank in den Sog der Hypothekenkrise geraten. Die EU-Finanzminister erwarten zunächst keine starken Auswirkungen der Krise auf Europas Konjunktur, rufen aber nach schärferen Regeln. Das hat es in Europa lange nicht gegeben: Vor Filialen der britischen Hypothekenbank Northern Rock bildeten sich am Freitag Menschenschlangen. Vereinzelt gab es Berichte über Schlägereien. "Ich will mein Geld schnellstmöglich abziehen", sagte einer der Wartenden vor einer Londoner Niederlassung. Detailansicht öffnen Besorgte Kundschaft: Vor den Filialen der britischen Hypothekenbank Northern Rock bildeten sich am Freitag lange Menschenschlangen. (Foto: Foto: AFP) Obwohl Northern Rock nicht nennenswert am zusammengebrochenen US-Markt für zweitklassige Hypothekenkredite engagiert ist, leidet die Bank, einer der größten britischen Baufinanzierer, besonders stark unter der Krise. Sie ist auf Mittel angewiesen, die sich Institute untereinander am Geldmarkt leihen. Dieser Markt ist nahezu ausgetrocknet, da die Banken einander aus Misstrauen nur noch zögerlich Geld verleihen. Dies führte bei Northern Rock zu dem Engpass. Die Aktie sackte um ein Viertel ab. Nur kurzfristige Hilfe nötig Die Bank of England betonte, Northern Rock sei zahlungsfähig und benötige lediglich kurzfristige Hilfe. Finanzminister Alistair Darling erklärte, keinem weiteren Institut müsse unter die Arme gegriffen werden. "Es gibt ausreichend Geld im System, die Banken leihen es sich nur kurzfristig untereinander nicht in dem Maße aus, wie es Institute wie Northern Rock nötig hätten", sagte er. Bankaktien gerieten an den Börsen weltweit unter Druck. In Deutschland verloren Commerzbank, Deutsche Bank und Postbank zwischen einem und vier Prozent. Die Aktie des deutschen Baufinanzierers Interhyp verlor fast ein Drittel an Wert. Interhyp hatte seine Gewinnprognosen und die Erwartung für das Finanzierungsvolumen im laufenden Geschäftsjahr nach unten korrigiert. Das Münchner Unternehmen vergibt nicht selbst Immobilienkredite, sondern vermittelt Privatkunden die für sie günstigsten Tarife. Der Interhyp-Sprecher sagte: "Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der US-Hypothekenkrise und unserem operativen Geschäft oder dem privaten Wohnungsbau in Deutschland." Eine Verbindung sei nur auf der emotionalen Seite herzustellen. Auch Kerstin Vitvar, Analystin der Unicredit, sieht in der angespannten Marktlage einen Grund für die Verluste: "Allerdings hatte Interhyp bereits im letzten Jahr Prognosen nach unten korrigiert - das ist nicht gut für das Vertrauen." Konjunkturrisiken nehmen zu Die Finanzmarktturbulenzen bestimmten auch das erste Treffen der EU-Finanzminister seit Ausbruch der Krise. "Die Risiken für die Konjunktur sind gestiegen", sagte Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker. "Die Ungewissheit nimmt zu", betonte Währungskommissar Joaquin Almunia. Zum jetzigen Zeitpunkt erwarten beide aber keine starke Bremswirkung für das Wachstum. Almunia revidierte die Konjunkturprognose für den EU-Raum für dieses Jahr leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent nach unten. Für nächstes Jahr erwartet er bisher keine Veränderungen. Der deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos befürchtet dagegen einen Dämpfer für den Aufschwung als Folge der US-Hypothekenkrise und des Euro-Höhenfluges. "Es ziehen am Konjunkturhimmel Wolken auf", sagte der CSU-Politiker am Freitag zum Abschluss der Haushaltsdebatte im Bundestag. Einige Finanzminister fordern neue Regeln, um eine Ausweitung der Krise zu vermeiden. "Die angespannte Lage am Kreditmarkt kann nur durch mehr Informationen über die hochkomplexen Finanzprodukte überwunden werden", sagte Österreichs Ressortchef Wilhelm Molterer. "Wir müssen über Regeln für mehr Transparenz diskutieren". Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, verteidigte seine Liquiditätsspritzen für den Markt. "Die Fehler einiger dürfen nicht zu Lasten vieler gehen", sagte Trichet in Anspielung auf die Investments einiger Banken in Papiere, in denen Forderungen aus riskanten Krediten gebündelt sind. Streit gab es um die französische Haushaltspolitik. Juncker forderte die französische Regierung auf, die Neuverschuldung schneller auf null zu drücken. Die EU-Finanzminister hatten im April beschlossen, ihre Haushalte bis 2010 auszugleichen. Frankreich plant einen Stopp der Neuverschuldung erst für 2012.
Erstmals ist eine große britische Bank in den Sog der Hypothekenkrise geraten. Die EU-Finanzminister erwarten zunächst keine starken Auswirkungen der Krise auf Europas Konjunktur, rufen aber nach schärferen Regeln.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/britische-bank-in-geldnot-finanzminister-pochen-auf-regelverschaerfung-1.879977
Britische Bank in Geldnot - Finanzminister pochen auf Regelverschärfung
00/05/2010
Der Kanzler und die Manager der Technologiewirtschaft - alle sind sich einig, dass die "mageren Jahre" in der Branche vorbei sind und eine Wachstumsphase bevorsteht. Schröder kündigte eine Initiative für den flächendeckenden Einsatz der elektronischen Signatur an. Wenn die deutschen IT-Firmen aber wieder Zugpferde für die gesamte Volkswirtschaft werden wollten, dann müssten sie im laufenden Jahr allerdings schon um mindestens fünf Prozent zulegen, damit die Bundesrepublik ihr gesamtwirtschaftliches Wachstumsziel für das laufende Jahr von bis zu zwei Prozent erreichen könne. In seiner Eröffnungsrede unterstrich Bundeskanzler Gerhard Schröder seine Überzeugung, dass die gesamtwirtschaftlichen Indikatoren wieder Anlass zu Optimismus gäben. Das gelte sowohl für den Export als auch für das inländische Konsumklima, das sich zunehmend aufhelle. Um diese Entwicklung in einen nachhaltigen Wachstumsprozess überzuleiten, werde die Bundesregierung nicht nur ihre Reformagenda 2010 konsequent fortsetzen, sondern auch das Land zielstrebig auf den Weg in die Informationsgesellschaft führen. Nachhaltiges Wachstum sei in Zukunft nicht mehr ohne große Anstrengungen bei Innovation und Kommunikation zu erreichen. So werde das Kabinett in Kürze eine "eCard-Iniative" beschließen, die einen flächendeckenden Rechts- und Geschäftsverkehr mit elektronischen Signaturen ermögliche. Ziel: Innovationssystem Deutschland in Schwung bringen "Wir setzen alle Hebel in Bewegung, um das Innovationssystem Deutschland in Schwung zu bringen" betonte Schröder und verwies in diesem Zusammenhang auf jüngste Vereinbarungen mit der französischen und englischen Regierung über eine intensivere Nutzung europäischer Forschungsergebnisse. Der Präsident des Spitzenverbandes Bitkom, Willi Berchtold, hatte zuvor an die Bundesregierung appelliert, als wichtige Voraussetzung für die notwendigen Innovationen in der IT-Branche den Unternehmen mehr Freiheit zu gewähren. Die Wirtschaft sei "völlig überreguliert." So fielen Telekommunikations-, Internet- und Rundfunkdienste immer noch unter völlig unterschiedliche Gesetze und das im Zeitalter der Medienkonvergenz. Die IT-Branche brauche deshalb eine einheitliche Kommunikations- und Medienordnung sowie stabile und international harmonisierte Rahmenbedingungen. Verbandschef lobt Toll Collect Lobende Worte fand Berchtold trotz aller Pannen für die von der Bundesregierung initiierte elektronische Mauterfassung. Nach seiner Einschätzung ist Toll Collect ein "visionäres Technologieprojekt", bei dem es im Kern nicht nur um die Mauterfassung, sondern mittelfristig auch um die Steuerung von mehr als 50 Millionen Fahrzeugen in Europas zentralem Transitland gehe. Der Präsident der japanischen Sony Corporation, Kunitake Ando, sprach sich in seiner Rede insbesondere für eine offene Welt mit industrieübergreifenden Standards aus, um auf diese Weise die Vision von überall empfangbaren digitalen Inhalten zu verwirklichen.
Der Kanzler und die Manager der Technologiewirtschaft - alle sind sich einig, dass die "mageren Jahre" in der Branche vorbei sind und eine Wachstumsphase bevorsteht. Schröder kündigte eine Initiative für den flächendeckenden Einsatz der elektronischen Signatur an.
wirtschaft
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Rede zur Eröffnung der Cebit 2004 - Schröder sieht Anlass für Zuversicht
00/05/2010
Rund 65.000 Videos werden täglich auf YouTube hochgeladen - doch nicht alle sind selbst produziert. Der MTV-Konzern fordert nun die Entfernung von urheberrechtlich geschützten Videos. Der US-Medienriese Viacom, zu dem unter anderem die Sender MTV, Nickelodeon und Comedy Central gehören, will, dass die populäre Website YouTube mehr als 100.000 Videoclips entfernt. Es handelt sich dabei um Mitschnitte von Sendungen der Viacom-Sender. Detailansicht öffnen YouTube - Mitbegründer Steven Chen und sein Laptop. (Foto: Foto: AP) Zuvor waren monatelange Gespräche zwischen dem von Google gekauften YouTube und Viacom über eine Vergütung ergebnislos geblieben. Nach Viacom-Angaben wurden die Clips insgesamt 1,2 Milliarden Mal angesehen. "Wir konnten es nicht so weitergehen lassen", sagte ein Sprecher dem Wall Street Journal. Mitschnitte von TV-Sendungen müssen weg Die Videos bei YouTube werden von den Nutzern ins Internet gestellt. Darunter sind nicht nur eigene Aufnahmen, sondern auch zahlreiche Mitschnitte von TV-Sendungen. Dagegen versuchen die Sender vorzugehen. Bei Google gab es auf die Forderung von Viacom vorerst keine offizielle Reaktion. Nach geltendem Recht können Medienunternehmen verlangen, dass von ihnen entdecktes urheberrechtlich geschütztes Material entfernt wird. Die Musikindustrie kämpft bereits seit geraumer Zeit gegen Urheberrechts-Verstöße im Internet. Die Verbreitung von kostenlosen Bezugsmöglichkeiten via Internet führte nach eigenen Aussagen zu erheblichen Umsatzrückgängen bei den großen Plattenfirmen, die daraufhin auf juristischem Wege versuchten, Tauschbörsen stillzulegen. Kleine Videos als großer Trend Selbstgenerierter Inhalt gilt als einer der wichtigsten Trends im so genannten Web 2.0. Täglich werden auf YouTube rund 70 Millionen Videos angesehen. Sowohl das Internet-Unternehmen Yahoo als auch die Zeitung New York Times haben angekündigt, in Zukunft verstärkt auf Videos von Usern zu setzen. Doch es liegt wieder bei YouTube, den Trend zu verstärken: Während des Weltwirtschaftsforums in Davos ließ YouTube-Gründer Chad Hurley mit der Ankündigung aufhorchen, YouTube-Nutzer könnten künftig mit ihrem eingestellten Content Geld verdienen. Die technische Realisierung sei für die kommenden Monate geplant, so Hurley. Nähere Angaben zu Art und Umfang der Verdienstmöglichkeiten machte er allerdings nicht. Der 30-Jährige selbst braucht sich um seine finanzielle Zukunft wenig Sorgen zu machen: 2006 kaufte der Suchmaschinen-Riese Google das Videoportal - für 1,65 Milliarden Dollar.
Rund 65.000 Videos werden täglich auf YouTube hochgeladen - doch nicht alle sind selbst produziert. Der MTV-Konzern fordert nun die Entfernung von urheberrechtlich geschützten Videos.
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Internet-Plattform YouTube - 100.000 illegale Videos müssen weg
00/05/2010
Andere europäische Länder sind schon weiter und finanzieren neue Autobahnen durch Public-Private-Partnerships. Anders kann der nötige Infrastrukturausbau kaum noch bewältigt werden. Die Internationalisierung der Wirtschaft und ihrer Produktionsabläufe hat großen Einfluss auf die Logistikprozesse. Wie sich die Globalisierung bisher ausgewirkt hat, analysiert die IKB Deutsche Industriebank in ihrem Branchenreport. Detailansicht öffnen Ein Radfahrer auf dem Neubauabschnitt der Ostseeautobahn A 20 zwischen Lübeck und Stettin. Bauzeit: 11 Jahre. Kosten: 1,9 Milliarden Euro. (Foto: Foto: dpa) Im Vergleich mit Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien weist Deutschland demnach mit etwa 88 Milliarden Euro die höchsten Umsätze der Logistikbranche auf. Insgesamt, so ergab die Studie, werde ersichtlich, dass die Logistikbranche in den führenden europäischen Ländern nicht nur eine wichtige Rolle als eigenständiger Wirtschaftszweig spielt, sondern auch als Katalysator für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung fungiert. Und weiter: Die internationalen Geschäftsbeziehungen zwischen Europa und anderen großen Logistikzentren weltweit, vor allem USA und Asien, gewinnen weiter an Bedeutung. Güterverkehr auf der Straße wird auch zukünftig dominieren Insgesamt habe die Straße trotz ihrer bereits dominierenden Stellung im internationalen Güterverkehr aufgrund überdurchschnittlicher Steigerungen bei der Transportleistung weiter Marktanteile gewonnen. Die Studie kommt darüber hinaus zu der Einschätzung, dass die Schiene europaweit kaum Marktanteile gewinnen konnte und mit einem Anteil von 16 Prozent zweitrangiger Verkehrsträger ist. Binnenschifffahrt und Pipelines sind danach in den meisten Ländern von untergeordneter Bedeutung. "Obwohl in allen genannten Ländern die gesamten Transportleistungen ansteigen, resultieren daraus unterschiedliche Implikationen für die Belastung der Verkehrsinfrastruktur." Aufgrund des weiter stark steigenden internationalen Handels erwartet die IKB Deutsche Industriebank ein Wachstum der Transportleistung in Europa in den nächsten Jahren um vier bis fünf Prozent. "Die Straße wird auch zukünftig ihre dominierende Stellung unter den Landverkehrsträgern behaupten, obwohl die Schiene im langfristigen Trend aufgrund der zunehmenden Liberalisierung des Bahnverkehrs leichte Marktanteilsgewinne erzielen dürfte." Infrastruktur für das erwartete Wachstum nicht gerüstet Vor allem in Osteuropa, so die Einschätzung, werde ein Großteil der weiter stark zunehmenden grenzüberschreitenden Transporte über die Straße abgewickelt, da der Schwerpunkt der geplanten Infrastrukturinvestitionen bei diesem Verkehrsträger liege. Damit die zunehmenden Güterströme bewältigt werden können, müssten die Infrastrukturplanungen der westeuropäischen Länder diese Entwicklung berücksichtigen. Allein für Deutschland wird die Größenordnung ersichtlich: Die osteuropäischen Länder Polen, Tschechien, Ungarn und Slowakei nehmen im deutschen Außenhandel einen höheren Stellenwert ein als die asiatischen Staaten China, Japan und die Republik Korea. Insgesamt verdeutlicht die Analyse, dass die Infrastruktur bisher für das erwartete Wachstum der Güterströme nicht gerüstet ist. "Haushaltsengpässe führen dazu, dass die öffentlichen Investitionen nicht mehr ausreichen, um den erforderlichen Umfang der Infrastruktur bereitstellen zu können. Daher müssen alternative Finanzierungsmodelle gefunden werden." Richtung Privatisierung Beispiel Autobahnen: Viele von ihnen sind in Europa noch zweispurig und leiden unter einer hohen Verkehrsdichte. Daher könne ohne umfassenden Ausbau das zusätzliche Verkehrsaufkommen nicht verkraftet werden. Die IKB Deutsche Industriebank weist darauf hin, dass international privatwirtschaftliche Betreibermodelle (meist sogenannte Public-Private-Partnership, PPP) für Fernstraßen zunehmend an Bedeutung gewönnen, da die für die Ausbaumaßnahmen erforderlichen öffentlichen Mittel häufig nicht zur Verfügung stünden. In Ländern mit hohem Staatshaushaltsdefizit erhöhe sich der Druck für Privatisierungsmaßnahmen. "Hier können PPP-Modelle Abhilfe schaffen, indem privates Kapital für Infrastrukturvorhaben einbezogen wird." Dies hätte zudem den Vorteil, dass in der Regel privatwirtschaftliche Betreiber Effizienzgewinne gegenüber öffentlichen Betreibern realisieren können. Allerdings, so führt die Studie aus, bestehe in einigen osteuropäischen Ländern (zum Beispiel Polen, Tschechien) eine geringe Konformität zu internationalen Standards bei Konzessionsverträgen. Dagegen würden insbesondere Großbritannien, Spanien, Frankreich und Italien über umfangreiche Erfahrungen bei PPP-Modellen im Autobahnsektor verfügen, wobei sich die Entwicklung in Deutschland erst in den Anfängen befinde.
Andere europäische Länder sind schon weiter und finanzieren neue Autobahnen durch Public-Private-Partnerships. Anders kann der nötige Infrastrukturausbau kaum noch bewältigt werden.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/oeffentliche-aufgaben-privat-finanziert-deutschland-erst-am-anfang-1.891528
Öffentliche Aufgaben privat finanziert - Deutschland erst am Anfang
00/05/2010
Wenn der Schiedsrichter zum Werbeträger wird. Oder: Wie die Bundesliga ohne die Kirch-Millionen auskommen will. (SZ vom 1.8.2003) — Noch gilt er als letzte werbefreie Bastion der Fußball-Bundesliga. Seit 40 Jahren sorgt der Schiedsrichter in deutschen Stadien reklamefrei für Ordnung. Doch nun soll die blanke Brust die Rote Karte bekommen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verhandelt dieser Tage mit einem Partner über eine neue Werbeform. Werden die letzten Details geklärt, könnten die Referees den Namen eines Hauptsponsors schon an einem der nächsten Spieltage auf ihrem Trikot tragen. Voraussichtlicher Preis: mehrere Millionen Euro. Not macht erfinderisch Not macht erfinderisch: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) sucht verzweifelt nach neuen Einnahmequellen. Denn ausgerechnet zur Jubiläumssaison, die an diesem Wochenende beginnt, steckt der Profifußball in einer schweren Krise. Die Erlöse aus den TV-Verträgen fließen nicht mehr wie gewohnt. Statt der einst mit der inzwischen insolventen Kirch-Media vereinbarten 360 Millionen Euro bekommen die Vereine für die neue Saison nur noch 290 Millionen Euro. Gleichzeitig laufen die Kosten aus dem Ruder. Seit 1999 hat sich die Bilanzsumme der Clubs im Durchschnitt von 21 auf 43,5 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Die Gesamtverschuldung der deutschen Profivereine schoss mit 600 Millionen Euro auf einen neuen Höchststand- fast 80 Prozent mehr als 1999.Zwar hat die Bundesliga mit inzwischen die Umsatz-Schallmauer von einer Milliarde Euro durchbrochen. Probleme der kleinen und mittleren Clubs Die hohen Kosten des Spielbetriebs fressen die Einnahmen jedoch wieder auf. Im Durchschnitt erzielen die Vereine nur einen mageren Gewinn von 1,7 Millionen Euro, zehn von 18 Vereinen weisen sogar einen Verlust aus. Probleme bekommen vor allem die kleinen und mittleren Clubs. Während Schalke 04 oder Bayern München weiter auf hohe Einnahmen aus Merchandisingverträgen und Eintrittkarten hoffen können, wird die Situation für die kleinen wie den SC Freiburg kritisch. Um die Schere zwischen arm und reich nicht weiter auseinander klaffen zu lassen, will die DFL, der Zusammenschluss aller Bundesliga-Vereine, nun radikal gegensteuern. Angeführt von Wolfgang Holzhäuser, dem Geschäftsführer des Bundesligisten Bayer Leverkusen, arbeiten die Mitglieder des Arbeitskreises "Finanzen" an einschneidenden Reformen. Fast 50 Prozent der Ausgaben fließen in die Lizenzspielerbereich der Vereine — zu viel glaubt die DFL. "Die Personalausgaben der Clubs sind einfach zu hoch", warnt ihr Geschäftsführer Christian Müller. Statt weiter horrende Gehälter und Transfersummen zuzulassen, würde die DFL Personalausgaben gerne durch einen festen Anteil am Vereinsbudget deckeln. Dem Arbeitskreis schwebt zudem eine Steuer für Vereine mit besonders kostspieligem Personal vor. Sie könnte als Ausgleichszahlung an finanzschwach Clubs fließen, um die sportliche Vormachtstellung der reichen Vereine einzudämmen. Um drei bis vier Spieler haben fast alle Vereine ihren Kader bereits zur Saison 2003/2004 zurechtgestutzt. Mit mehr als 30 Spielern waren viele Mannschaften einfach zu groß. Die Siegprämien fließen spärlicher als in den vergangenen Jahren, vor allem Durchschnittsfußballer müssen sich nach Auskunft der Spielergewerkschaft VdV auf deutliche Gehaltseinbußen einstellen. In einem ist auch die 40. Bundesligasaison rekordverdächtig. Mehr als 200 Profis haben keinen Verein gefunden. "So viele Arbeitslose", klagt die VdV, "gab es noch nie".
Wenn der Schiedsrichter zum Werbeträger wird. Oder: Wie die Bundesliga ohne die Kirch-Millionen auskommen will.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutscher-fussballbund-des-schiris-neue-kleider-1.914135
Deutscher Fußballbund - Des Schiris neue Kleider
00/05/2010
Die neuen Ermittlungsmöglichkeiten der Finanzämter sorgen für Aufruhr in der Politik. Nach Meldungen über millionenfache Kontenabfragen kritisierte Bayerns CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann die potenzielle Erfassung der gesamten Bevölkerung. Sowohl von Seiten der FDP als auch der CSU wird verstärkt Kritik an den umstrittenen Kontenabfragen durch die Finanzämter laut. Beim Bundesfinanzministerium weist man die Bedenken zurück. Detailansicht öffnen Bayerns CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann. (Foto: Foto: ddp) Die Meldungen sind alarmierend: Erst berichtete der Genossenschaftsverband Frankfurt von mehreren Millionen Kontenabfragen im vergangenen Jahr. Und dann veröffentlichte die Kreis- und Stadtsparkasse Erlangen, dass allein bei ihr im vierten Quartal 2005 insgesamt 72.489 Anfragen erfolgt seien. Damit sind die seit 1. April vergangenen Jahres erlaubten Kontenabfragen durch Finanzämter und andere Behörden erneut in die Kritik geraten. Datenschützer hatten schon länger vom "Schnüffelstaat" gesprochen. "Wenn mittlerweile die gesamte Bevölkerung erfasst wird, wirft das schon die Problematik 1984 auf", sagte jetzt auch Bayerns CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann. Bundesfinanzministerium dementiert die genannten Zahlen Das Bundesfinanzministerium (BMF) weist solche Vorwürfe zurück und beharrt darauf, dass die genannten Zahlen falsch seien: Behörden hätten im vergangenen Jahr ganze 10.201 Anfragen gestartet, sagt ein BMF-Sprecher, und davon seien auch nur 8689 abgearbeitet worden. Der absolut überwiegende Anteil stamme von Finanzämtern. Sozialbehörden dagegen machten von der neuen Möglichkeit bislang kaum Gebrauch. Die Differenz zu den Angaben aus der Kreditwirtschaft erklärt sich aus einer anderen Zählweise. Das Ministerium zählt das Forschen nach den Konten eines bestimmten Bürgers als eine einzige Abfrage. Da dieser eine Kontenabruf jedoch elektronisch bei sämtlichen Banken im Bundesgebiet erfolgt, sehen einige Kreditinstitute darin gleich mehrere Tausend Abfragen. Kein Informationszwang Dennoch haben die Zahlen in der Politik für Aufruhr gesorgt. Vor allem die Tatsache, dass die Bürger über eine Kontenabfrage zwar informiert werden sollen, aber nicht müssen, weckt Bedenken. Die jüngsten Entwicklungen zeigten, dass das Instrument der Kontenabfragen "vorsichtig gesagt nicht ganz rechtsstaatlich angewendet wird", sagt die FDP-Datenschutzexpertin Gisela Piltz. Deshalb müsse zumindest der Umfang der Abfragen verringert werden.
Die neuen Ermittlungsmöglichkeiten der Finanzämter sorgen für Aufruhr in der Politik. Nach Meldungen über millionenfache Kontenabfragen kritisierte Bayerns CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann die potenzielle Erfassung der gesamten Bevölkerung.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kontenabfragen-orwell-laesst-gruessen-1.906865
Kontenabfragen - Orwell lässt grüßen
00/05/2010
Der eine tankt an der Frittenbude, der andere baut seinen Treibstoff auf dem Feld an - wie immer mehr Überzeugte den hohen Spritpreisen davonfahren. Herr Lohmann verdient Geld, das ist ein Problem. Er lebt lieber ohne zu viel Geld und ohne zu viel Stress, sagt er. Aber die Kundschaft lässt ihn nicht in Ruhe, sie bedrängt ihn. Und so muss Herr Lohmann arbeiten, mehr als ihm lieb ist, ständig rufen Menschen an, die wissen wollen wie das geht, mit dem Raps und dem Auto und dem Geld sparen. Das klingt so einfach, sagen die Menschen am Telefon. Es ist so einfach, spricht Lohmann ins Telefon. Schon hat er wieder einen Kunden mehr. Es ist zum verrückt werden. Also muss Georg Lohmann arbeiten, Rapsöltanks bauen, Welt verbessern, Geld verdienen. Er ist ein bisschen genervt deswegen. Sitzt in einer kleinen Garage mitten in München, auf Brauereigrund, versteckt hinter einer Sicherheitsfirma und einem Meditationszentrum. Es nützt nichts, sie finden ihn. Je höher die Preise an den Tankstellen, umso mehr arbeiten sich vor zu ihm, dem kleinen Umrüster und Alternativspritler. Sie riecht ranzig, die Welt des Herrn Lohmann. Wenn er Recht hat, dann ist das der Duft der Zukunft. Die glücklichen Kühe Ja, die Zukunft, sagt Georg Lohmann, hinter ihm tropft Frittieröl durch ein Tuch in ein Fass. Tropft und tropft, langsam und sämig. Er hat es vom "Imbiss Gyros" um die Ecke, dort nimmt er es immer mit, wenn er mittags essen geht. Er holt sich den vollen Kanister und stellt einen leeren hin. Er fährt damit ein paar hundert Kilometer umsonst und freut sich, weil es noch ein bisschen billiger ist als das Rapsöl. Und die Leute vom Gyros freuen sich, weil sie das Zeug nicht mehr entsorgen müssen. Lohmann schüttet das Öl durch ein Tuch. Plopp, plopp. Es ist Lohmanns Melodie. Pures Geld. Wenn er an einer Tankstelle vorbei fährt, freut er sich, wenn der Diesel wieder teurer geworden ist. Bio-Diesel, Rapsöl, Bioethanol, Erd- oder Biogas, BTL-Kraftstoffe (synthetische Kraftstoffe aus Biomasse), Wasserstoff. So viele Ideen, so viele Ideologien. Manche noch weit weg von einer Realisierung. Georg Lohmann sagt, die Zukunft gehört dem Biotreibstoff. Er selbst hat schon vieles ausprobiert, auch Rindertalg und Schweineschmalz. "Man muss es nur warm machen, dann kann man alles fahren. Das hat die Natur geschaffen, als Energieträger", sagt Lohmann und kommt dann vom Fett direkt zur Weltpolitik. Er kann nicht begreifen, dass sich die Deutschen so sträuben gegen das Offensichtliche. Erdölkrise, Benzinpreiserhöhung, die Endlichkeit der Quellen. Alles kein Problem, wenn der Treibstoff auf dem Feld vom Nachbarn nachwächst. "Salatöl statt Diesel: ökonomisch, ökologisch, sozial", steht in einer Broschüre, die er verteilt an die, die sich dafür interessieren. 280.000 Kilometer ist er schon mit seinem kühlwassergeheizten Zweittank in der Reserveradmulde gefahren. Problemlos, sagt er. Nur einmal habe er Rindertalg getankt und sei damit auf eine Alm gefahren. Damals, sagt er, hätten Kühe sein Auto von oben bis unten abgeschleckt und mit ihren Kuhglocken verkratzt. Kann passieren. Auch die Menschen reagieren auf sein Auto. Sie staunen immer, wenn sie sehen, was er sich in den Tank schüttet. Und sind neugierig, wenn er mit seinem Bio-Car vorfährt, und rüsten dann, wenn überhaupt, doch meist auf Gas um. "Und warum? Weil das von oben, von der Politik kommt", sagt Georg Lohmann, der wütende Lohmann. Aber er lässt sich nicht beirren, er kämpft seit Jahren schon. An der Wand in seiner Garage hängt eine Deutschlandkarte, in der viele kleine Fähnchen stecken, die meisten im Süden. Doch die Fähnchen breiten sich aus, vermehren sich, Richtung Norden. Lauter Kunden. Aber auch wenn er sich in diesem Jahr vor Arbeit kaum retten kann, durchgesetzt hat sich Lohmann nicht. Im Winter geht das Geschäft ohnehin zurück. Die Kälte arbeitet gegen das Rapsöl. Und die Partikelfilter, die sich mit dem Rapsöl nicht vertragen. Und die Leute, die sagen, dass Rapsöl nur durch Subventionen marktfähig ist. Und die Autohersteller und Einspritzpumpenhersteller auch, sagt Lohmann. Er hat zwar die ganze Szene mit seinem Bausatz gefüttert. Aber die Szene ist klein. Rapsöl, sagt Lohmann, ist eine Sache von Spinnern und Bauern. Keiner schüttet das in einen neuen S-Klasse-Mercedes. Nicht nur, weil die Garantie verfällt. Es ist auch der Geruch, wenn man das Auto anlässt. Süßlich. Den findet einer wie Lohmann lustig, andere peinlich. Lohmann sagt: "Herrgott, da sind die Deutschen mal wieder in etwas führend, und machen nichts draus, die Knallköpfe." So einfach ist es also nicht, das mit dem Raps und dem Auto und dem Geld sparen. Im Gegenteil. Lohmann wird nicht ernst genommen. Er sieht das so: In diesem Land arbeitet die Zukunft gegen die Zukunft. Je neuer die Autos, desto weniger gut sind sie umrüstbar. Lohmann beschäftigt sich jetzt viel mit Verschwörungstheorien. Das Thema werde totgeschwiegen, weil eine Menge Leute gar kein Interesse daran hätten, dass es sich durchsetzt. Und die Bauern hätten nicht das Geld, um für ihr Produkt zu werben. Einmal sei er für einen Film bei BMW vorgefahren mit seinem Rapsauto. Schon länger her. Ein paar Ingenieure hätten sich seine Konstruktion mit dem Zweittank angeschaut, dann hätten sie rumgedruckst und gesagt, Diesel sei ohnehin nur eine Nische. Gesendet wurde es nie. Wie steht's mit Feinstaub? "Eine Nische", Lohmann lacht, wie Menschen lachen, die eigentlich schon aufgegeben haben. "Diese Ingenieure haben alle einen Röhrenblick. Wir haben ein Klimaproblem, pusten weiter Kohlenstoff in die Atmosphäre und das Zeug ist noch dazu endlich. Und dann dieses Blabla der Ahnungslosen." Dann knackst das Glas mit dem Fett am Ofen. Es ist heiß, Lohmann nimmt es in die Hand, schwenkt es wie einen Rotweinkelch. Das Fett ist jetzt flüssig. Gelblich-trüber Treibstoff. Lohmann lächelt. Vielleicht auch, weil er weiß, dass er nicht ganz alleine ist. Es gibt einige, die Geld sparen, Klima schützen, Fett verfahren wollen. Da gibt es zum Beispiel die Familie Fetz, die mit dem eigenen Frittieröl die eigenen Frittierbudenautos betankt, und es gibt den Bauern Schneider, den Rapsölproduzenten, den Besessenen, und es gibt das Gefängnis in Landshut, dort, sagt Lohmann, begreifen sie die Zukunft. Und es gibt den Widmann, mit dem Lohmann vor vielen Jahren bei McDonald's war, Frittieröl abstauben. Das mit McDonald's weiß Bernhard Widmann zwar nicht mehr. Aber eines weiß er: Auch bei ihm im staatlichen Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing geht es immer dann aufwärts, wenn der Benzinpreis steigt. Die Krise ist ihre Chance. Widmann sagt: "Aber der Kraftstoff ist offensichtlich noch nicht teuer genug. Die fahren immer noch mit ihrem Jeep zum Zigaretten kaufen." Man müsse sich das mal vorstellen. Momentan baue die Menschheit pro Jahr 500.000 Jahre Erdgeschichte ab. Wenn man ihn richtig versteht, geht das nicht mehr lange gut. Seit zwanzig Jahren forschen sie hier im Technologie- und Förderzentrum schon mit Biotreibstoffen. Zwanzig Jahre Kampf. "Möglich ist nahezu alles", sagt Widmann, aber durch setze sich leider nur, was über den Geldbeutel gehe. Auch hier kämpfen sie, wie Lohmann in seiner Garage. Hauptsächlich gegen Vorurteile. Da wird in Zeiten, in denen alle über den hohen Benzinpreis schimpfen, ein 3-Liter-Lupo eingeführt - und kaum einer kauft ihn. Und die Bild-Zeitung titelt: "Deutscher Erfinder kann aus Katzen Benzin machen." Dabei geht es nicht um Benzin sondern um Bio-Diesel und um eine Alternativmethode zur Treibstoffgewinnung: die katalytische drucklose Verölung, die mit Katzenkadavern nur so viel zu tun hat, dass man rein theoretisch auch aus ihnen Bio-Diesel herstellen könnte. "Es gab schon frustrierende Zeiten", sagt Widmann, neben ihm sitzt sein Kollegen Edgar Remmele und nickt. Remmele ist der Mann für Biotreibstoffe. Er kennt ihn gut, den Graben zwischen den Idealisten der Bioenergie und den Realisten der Industrie. Remmele ist so etwas wie der Prellbock dazwischen. Er redet mit beiden Seiten, er vermittelt, prüft, wiegelt ab. Und versucht zu verstehen. Er nimmt sie ernst, die Sorgen der Industrie. Solange noch die Möglichkeit besteht, dass mit Rapsöl betankte Autos liegenbleiben, solange die Sache noch nicht völlig ausgereift ist, kann das nicht in die Massenproduktion, das versteht er. Aber das erkläre mal einem Lohmann, dem es Spaß macht, eine Palette Schweineschmalz auszupacken und zu verfahren. In Straubing versuchen sie, die zwei Welten zueinander zu bringen. Sie sprechen mit allen, sagen der Autoindustrie, dass biodieseltaugliche Autos keine Hexerei sind und sagen den Idealisten, dass Rapsöl eher für die Land- und Forstwirtschaft und für das Speditionswesen geeignet ist, nicht aber für PKWs. Beide Seiten bocken. Und Remmele argumentiert. Erklärt, dass es keinen Sinn ergebe, die ganze Tankstellenlogistik umzustellen auf Pflanzenöl. Und auf welches? Mehr als tausend Ölpflanzen gebe es. Die Italiener bevorzugen die Sonnenblumen, die Deutschen den Raps, die Griechen die Oliven. Es gibt noch nicht einmal eine europäische Norm. Daran arbeitet Remmele zwar, es gibt jetzt den Entwurf einer Vornorm. Immerhin, das ist ein Anfang. Aber für die PKWs setzt Remmele auf Biodiesel. Gerade sind er und Widmann auf einem Biokraftstoffsymposium in Berlin gewesen: "Es brummt in der Branche, die Nachfrage ist momentan gigantisch", sagt Widmann. Rapsöl klinge fast zu einfach, um wahr zu sein, sagt er. Und noch eines müsse klar sein. Auch wenn vorne Bio reinkomme, komme noch lange nicht Bio hinten raus. Daran arbeiten sie hier in Straubing, an Qualitätssicherung, um Empfehlungen geben zu können. Sie testen Partikelgrößenverteilung und Feinstaubanteile, Einflussfaktoren und Zündwilligkeit. In ihren Hallen stehen Traktoren und Filtermaschinen. Von langjährigen Vertrauenspflänzchen redet Widmann, von Vornormen und Qualitätsparametern. Dass gerade jetzt die Diskussion um die Abschaffung der Steuerbefreiung von Biodiesel losbreche, bei der es für das Finanzministerium um 1,7 Milliarden Euro geht, sei zwar nicht hilfreich, aber sie sind Rückschläge gewohnt. Der Weg in die Zukunft ist holprig. Holprig? Hans Fetz sitzt in seinem Wohnzimmer, der Kater ist gerade nach der Kastration aus der Narkose erwacht und wankt im Zimmer herum. Fetz schaut den Kater an, dann seine Frau, dann erzählt er, wie das war, mit ihm und dem Fisch und dem Frittieröl. Zum Fisch kam er eher zufällig, vielleicht weil er Holländer ist, aber auch weil es hier in Roßlau, weit im Osten an der Elbe, mit dem Fisch eben gut ging. Zum Frittieröl kam er, weil er seinen Fisch darin brät, jeden Tag, literweise Rapsöl. Sieben Euro der Zehn-Liter-Kanister. Und dann sah er eines Tages Georg Lohmann in der Zeitung, und sah, wie der da unten in München mit Frittieröl Auto fährt. Also hat Hans Fetz Lohmann angerufen und einen Zweitmotor samt Zubehör gekauft. "Ich verfahre im Monat mehrere tausend Liter Treibstoff, da rechne mal", sagt Fetz. Dann lehnt er sich zurück, schaut seine Frau an, den Kater. Er sieht zufrieden aus. Hans Fetz ist Besitzer einer Frittierbudenkette. Und er ist berühmt in der Rapsölszene. Er gilt als der Spinner unter den Spinnern. Seine Frittierölflotte ist legendär. "Captain Lekkerbek" fährt mit dem eigenen Frittieröl vom Jahrmarkt zum Weihnachtsmarkt. Bei ihm riecht selbst das Benzin nach Fisch. Erst hätten die Leute gedacht, er sei bekloppt, dann hätten sie gelacht, sagt Fetz. Aber auch nur so lange, bis sie erfahren haben, was er einspart: pro Tank 60 Euro. Da spielt Geruch keine Rolle mehr. In seiner Lagerhalle schüttet Fetz das benutzte Frittieröl erst in ein Sieb, dann in einen Filter, dann in noch einen Filter. Dreimal gefiltert und gut abgestanden tankt er es später in seine mobilen Imbissbuden, in denen oben schon mit dem Nachschub frittiert wird. So kostet ihn der Sprit fünf Cent pro Liter. Ein Selbstläufer. Manchmal sitzt er da und kann nicht verstehen, warum keiner macht, was er macht. Können die anderen nicht rechnen? Er fährt seit Jahren Frittieröl. Bislang problemlos. Gut, die Filter müsse man öfter wechseln, und der Sohn hat alle Leitungen noch einmal zusätzlich umwickelt, wegen der Kälte, und das Salz im Frittieröl ist problematisch, deswegen müsse er dreimal filtern. Aber sonst? "Logisch, da geht es um viel Geld, deswegen blockt die Autoindustrie", sagt Hans Fetz, schaut seine Frau an, dann seinen Kater, der jetzt auf dem Rücken liegt. Er sieht nicht gut aus. Warnung vor dem Umrüsten In Frankreich machen sie mittlerweile aus Wein Treibstoff, guter Wein, bester Wein, Frankreichs Stolz. Sie lassen sich jetzt vieles einfallen, bei den Preisen. Und da Lohmann mit der Produktion nicht mehr nachkommt, hat er sich mit der Justizvollzugsanstalt Landshut zusammengetan. Dort werden in der Gefängniswerkstatt seine Zweittanks gefertigt. Sechs Tanks liegen auf dem Boden. Ein junger Mann arbeitet an Tank Nummer sieben. Spezialanfertigung. 24 Jahre ist der Gefangene alt. Kein Wort über den Grund, warum er hier ist, über seinen Namen. Aber er ist begeistert. Wenn er wieder draußen sei, dann wolle er das auch weiter machen, sagt er. Er langweile schon alle seine Freunde und Mitgefangenen mit dem Thema. So ist das, wenn man einmal damit angefangen hat. Auch Josef Schneider ist ein Infizierter. Er steht im Kuhstall in seinem Hof in Roßthal bei Nürnberg. Es ist sechs Uhr morgens, es ist kalt und finster. Er steht da, in seiner blauen Arbeitshose, Eimer in der Hand. Ein Bild von einem Bauern. Dann tätschelt er eine Kuh und lächelt. "Wir sind ausverkauft", sagt er. Draußen vor dem Kuhstall steht sein Auto. Gelb ist es. Auf der Fahrertüre steht: "Mit einem Hektar Raps einmal um die Welt." Das stimme zwar, aber so ganz glücklich sei er mit dem Spruch noch nicht, sagt Schneider. Es wisse doch außer den Bauern heutzutage keiner mehr, wie viel das ist, ein Hektar. Er wird das bald auf Fußballfelder umrechnen und das Auto neu beschriften. Fußballfelder, damit könne doch jeder etwas anfangen. Das sagt Josef Schneider, Rapsölbauer und seit 500 000 Kilometern Rapsölfahrer. Bislang problemlos, sagt er. Naja, einmal ist sein Auto liegen geblieben, aber eben nur einmal. Dann setzt er sich in die Küche, die warme, und fängt an zu erzählen, wie das war, als die Bauern anfingen, sich selbst zu helfen. Irgendjemand hatte vom Raps gehört und von den Chancen und den Motoren, die umgebaut werden. Zehn Jahren ist das jetzt her, seitdem bauen sie Raps an und versuchen, die Menschheit von ihrer Idee zu überzeugen. "Hey, wir bauen Kraftstoff an. Das war damals eine Umweltsache, der reine Idealismus." Das eine wird verfüttert, das andere verfahren. Grüner geht's nicht, sagt Schneider. Immer mehr Bauern haben sie überzeugt. Und dann haben sie bei jedem erst einmal 500 Mark pro Hektar eingesammelt, um die 300 000 Mark für die Ölpresse zusammen zu bekommen. Da sage noch einer, Bauern seien rückständig. "Juraps" nennen sie sich. Ihr Slogan ist: Die Sonne im Tank. Schön klingt das, aber die Realität war härter. Sie sind auf Messen rumgerannt, haben mit jedem geredet, haben erklärt und vorgeführt. Sie wollten ja erst einmal Geld haben für eine Sache, von der keiner wusste, wie sie ausgehen wird. "Das geht von uns aus, da bin ich stolz drauf", sagt Schneider. Aber was für ein Kampf. Vor allem die Umrüstung, das ist das Schwierigste. Mach' ja nix an deinem Schlepper, haben die Vorsichtigen gewarnt. Und wenn der Scheibenwischer bei einem Umgerüsteten kaputt war, dann war es immer gleich das Öl. "Auto umrüsten? Hey, lieber schlägt man seine Frau. Das allerheiligste Auto. So denken die doch, die Leute", sagt Schneider. Und jetzt plötzlich, wo der Benzinpreis oben ist, sind sie ausverkauft, die Bauern von Roßthal. Sie kommen nicht mehr nach mit der Produktion. Zehn Jahre ist die Sache zäh gelaufen, jetzt ist sie ein Selbstläufer. Eine neue Mühle wollen sie bauen, aber die Bauern sind vorsichtig. Weil sie wissen, wer auf der anderen Seite steht. "Ich bin Realist mittlerweile, die Industrie wird nicht reagieren", sagt Schneider. Sie haben von Anfang an alleine gestanden in dieser Sache. Doch jetzt sind sie Profiteure der Verteuerung. Und da kommen sie ihnen ausgerechnet jetzt mit den Diskussionen mit der Steuer. "Des is nix, des kommt immer wieder an den selben Punkt", sagt Schneider, dann gibt er einem noch eine Broschüre mit: "Blick in die innovative Zukunft", steht drauf, dahinter gelber Raps. Und in der Rapsölmühle ist ein leises Brummen zu hören, und ein leises Schmatzen. So hört sie sich an, die Zukunft. "Ganz genau, das ist die Zukunft", sagt Lohmann weit weg in München. Leise und eindringlich redet er. "Ich brauche Mitstreiter. Sie müssen den Widerstand überwinden, die Leute sind misstrauisch", sagt er, dann steht er auf und steckt ein neues kleines Fähnchen in die Landkarte.
Der eine tankt an der Frittenbude, der andere baut seinen Treibstoff auf dem Feld an - wie immer mehr Überzeugte den hohen Spritpreisen davonfahren.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bio-diesel-pflanzenoel-und-ein-paar-steuermilliarden-einfach-fett-gas-geben-1.902282
Bio-Diesel, Pflanzenöl und ein paar Steuermilliarden - Einfach fett Gas geben
00/05/2010
Wirtschaftsminister Michael Glos ärgert sich schon seit langem über die hohen Strompreise in Deutschland. Wie die Süddeutsche Zeitung erfuhr, will er die Netzbebetreiber von 2009 an zu weiteren Preissenkungen verpflichten. Deutschlands Verbraucher können sich in den nächsten Jahren auf fallende Gebühren für den Strom- und Gastransport freuen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will die Betreiber der Netze verpflichten, die Kosten noch einmal ordentlich zu senken. Das geht aus dem Entwurf für eine neue Energieregulierung hervor, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Demnach sollen die Kosten für die Nutzung der Energienetze zwischen 2009 und 2012 um 1,5 Prozent fallen. Einen entsprechenden Betrag, den so genannten ,,Produktivitätsfaktor'', soll die Bundesnetzagentur den Netzbetreibern künftig abziehen. Die Netzbetreiber - die rund 700 Stadtwerke und die vier großen Stromkonzerne - hatten einen Abschlag von null Prozent gefordert, da sich die Produktivität der Netze nicht mehr steigern lasse. Die effizientesten Netze werden zum Maßstab Auch an anderer Stelle nutzt der Entwurf vor allem Verbrauchern. So sollen künftig die effizientesten Stromnetze zum Maßstab vergleichbarer Netze werden. Mit anderen Worten: Ist etwa ein Stromnetz besonders teuer, darf das nicht mehr komplett auf die Kunden umgelegt werden. Die Bundesnetzagentur würde auf Grundlage der neuen Verordnung nur noch die Kosten zulassen, die auch die Kunden des effizientesten Netzbetreibers zu zahlen haben. Verschont bleiben davon nur besonders kleine Stadtwerke. Wer insgesamt weniger als 20.000 Strom- und Gaskunden hat, muss sich nicht in eine Effizienzklasse einordnen lassen; für diese Stadtwerke gilt der Bundesdurchschnitt. Verbraucherschützer zufrieden Verbraucherschützer äußerten sich am Mittwoch zufrieden über die geplante Neuregelung. ,,Da sind noch einmal deutliche Effizienzgewinne zu erwarten'', sagte Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. ,,Da wo das Netz besonders teuer ist, könnten die Strompreise durchaus um ein bis zwei Cent fallen.'' Die Netzentgelte machen rund ein Drittel des Strompreises aus. Bislang hatte die Bundesnetzagentur die Entgelte aller größeren Netzbetreiber einzeln begutachtet und zum Teil erheblich gesenkt. In einem zweiten Durchgang steht dies nun noch einmal an, ehe die ,,Anreizregulierung'' Anfang 2009 in Kraft treten soll. Seit Jahren umstritten Sie ist seit Jahren umstritten und wurde zwischenzeitlich um ein Jahr verschoben. Das Wirtschaftsministerium drängt nun zur Eile. Binnen vier Wochen soll die regierungsinterne Abstimmung abgeschlossen sein. Noch vor der Sommerpause soll die Verordnung alle Instanzen genommen haben.
Wirtschaftsminister Michael Glos ärgert sich schon seit langem über die hohen Strompreise in Deutschland. Wie die Süddeutsche Zeitung erfuhr, will er die Netzbebetreiber von 2009 an zu weiteren Preissenkungen verpflichten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftsminister-glos-gegen-stromkonzerne-staat-schaltet-strompreise-runter-1.916334
Wirtschaftsminister Glos gegen Stromkonzerne - Staat schaltet Strompreise runter
00/05/2010
Der Skandal um die Spielzeugrückrufe aus China muss neu bewertet werden: Der US-Spielwaren-Hersteller Mattel übernimmt die volle Verantwortung für die Rückrufe. Bisher galten chinesische Vorlieferanten als die Hauptschuldigen. Der US-Konzern Mattel hat die Hauptverantwortung für den Rückruf von in China hergestelltem Spielzeug übernommen. Grund für den Großteil der Mängel seien Fehler beim Spielzeug-Design, sagte Mattel-Manager Thomas Debrowski am Freitag bei einem Treffen mit dem Chef der chinesischen Qualitätskontroll-Behörde, Li Changjiang, in Peking. Debrowski entschuldigte sich im Namen von Mattel beim chinesischen Volk. Der Konzern teilte mit, dass etwa 89 Prozent der Spielzeuge wegen Fehlern beim Design zurückgerufen wurden, nur rund elf Prozent wegen bleihaltiger Farbe. Zudem erklärte Mattel, es seien womöglich zu viele Spielzeuge wegen Blei in der Farbe zurückgerufen worden. "Ich entschuldige mich bei Ihnen persönlich und dem chinesischen Volk sowie all den Kunden, die das Spielzeug gekauft haben", sagte Debrowski, Vizechef für die weltweiten Aktivitäten des Mattel-Konzerns, in Peking. Fehler beim Design Es sei "sehr wichtig" zu verstehen, dass die große Mehrheit dieser Produkte zurückgerufen werden musste, weil Mattel Fehler beim Design gemacht habe und nicht etwa die chinesischen Lieferanten bei der Herstellung, sagte er. "Wir verstehen die Auswirkungen, die dies auf den Ruf der chinesischen Hersteller hat, sehr gut", sagte Debrowski. Der Manager sagte außerdem, die weltweiten Rückrufe hätten "sehr, sehr verheerende Auswirkungen" auf den Mattel-Konzern gehabt. Mattel räumte in einer Erklärung ein, dass nur rund 2,2 Millionen Spielzeuge wegen bleihaltiger Farbe zurückgerufen wurden. Rund 17,4 Millionen Spielzeuge seien aber von den Designfehlern betroffen gewesen, die zu sich ablösenden Magneten geführt hatten. Die Rückrufe wegen der Magneten stünden nicht im Zusammenhang mit der Herstellung der Spielzeuge in China, hieß es weiter. "Sehr weit gefasst" Die Rückrufe der bleihaltigen Spielzeuge seien "sehr weit gefasst" gewesen. Es sei möglich, dass davon auch Spielzeuge betroffen gewesen seinen, deren Bleigehalt die vorgeschriebenen Werte nicht übertroffen haben. China hatte schon zuvor vor allem Mattel-Designfehler für die Rückrufe verantwortlich gemacht. Der Spielzeugkonzern hatte in diesem Sommer drei Mal Spielzeug zurückrufen müssen, das zum Teil in China hergestellt wurde, auch in Deutschland waren hunderttausende Produkte betroffen, unter anderem Barbie-Accessoires. Die Spielzeug-Rückrufe hatten weltweit Empörung ausgelöst und Besorgnis bei vielen Eltern. Für China, das sich auf dem Weg zur größten Exportnation der Welt befindet, droht die Rückrufwelle zu einem schweren Imageschaden zu führen. Chinesische Qualitätsbehörde erfreut Der chinesische Qualitätsbehörden-Chef Li sagte, er sei erfreut darüber, dass Mattel eingestanden haben, dass knapp 90 Prozent der Rückrufe auf Designfehler zurückzuführen seien und weitaus weniger auf bleihaltige Farbe, die von den chinesischen Herstellern verwendet wurde. "Ich hoffe, dass es durch unsere Zusammenarbeit und gemeinsame Anstrengungen möglich sein wird, mehr Spielzeuge von hoher Qualität für Kinder auf der ganzen Welt zu liefern", sagte Li. China geht derzeit scharf gegen Hersteller vor, bei denen Qualitätsmängel an den Spielzeugen festgestellt werden. So wurden inzwischen bereits die Lizenzen von rund 300 Herstellern eingezogen. China weltweit größter Exporteur von Spielzeugen China ist der weltweit größte Exporteur von Spielzeugen und hat im vergangenen Jahr rund 22 Milliarden Spielzeuge ins Ausland geliefert, was rund 60 Prozent der weltweiten Produktion entspricht.
Der Skandal um die Spielzeugrückrufe aus China muss neu bewertet werden: Der US-Spielwaren-Hersteller Mattel übernimmt die volle Verantwortung für die Rückrufe. Bisher galten chinesische Vorlieferanten als die Hauptschuldigen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/spielzeug-rueckrufe-mattel-entschuldigt-sich-bei-chinesen-1.891005
Spielzeug-Rückrufe - Mattel entschuldigt sich bei Chinesen
00/05/2010
Die Weltspitze soll wieder in Sichtweite kommen Die Deutsche Bank will zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres die Zahl ihrer Aktien deutlich verringern. Damit soll die Eigenkapitalrendite weiter gesteigert und der Kurs gestützt werden. Ziel von Bank-Chef Josef Ackermann ist es, den Börsenwert der Bank unter die ersten zehn weltweit zu bringen. (SZ vom 5.9. 2003) - Die Deutsche Bank hat am Donnerstag damit begonnen, zehn Prozent ihrer ausgegebenen Aktien zurückzukaufen. Bis zum September 2004 sollen bis zu 58 Millionen Anteilsscheine eingezogen werden. Die Entscheidung geht auf einen entsprechenden Beschluss der Hauptversammlung im Juni dieses Jahres zurück. Der Wert der zurückzukaufenden Papiere wurde auf Basis des Kurses vom Donnerstagmittag, 57,60 Euro, erstellt. Somit muss das Institut 3,34 Milliarden Euro für das ehrgeizige Projekt berappen. Der Rückkauf soll aus den laufenden Gewinnen sowie durch den Abbau der Risikoaktiva finanziert werden. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Bank 62 Millionen Aktien zu einem Durchschnittskurs von 48,32 Euro zurückgekauft. Das Programm wurde im April 2003 abgeschlossen. Danach bestand das Grundkapital der Bank aus knapp 582 Millionen Aktien. Hintergrund dieser Maßnahmen sind die Bemühungen von Bank-Chef Josef Ackermann, die Eigenkapitalrendite des Instituts zu verbessern. Hoffnung auf einen höheren Kurs Durch die Verringerung der emittierten Aktien trägt das Rückkaufprogramm gleichzeitig dazu bei, das Ergebnis pro Aktie zu steigern. Der dadurch in Aussicht gestellte Mehrwert soll den Anlegern zusätzliche Anreize schaffen, wieder mehr in Deutsche Bank-Aktien zu investieren. Damit ist die Hoffnung verbunden, den Kurs der Bank zu stützen und, wenn möglich, zu steigern. Ackermann hat sich nicht nur zum Ziel gesetzt, die Deutsche Bank zum "weltweit führenden Anbieter von Finanzlösungen" zu machen. Er will den Branchenprimus des deutschen Kreditgewerbes auch bei der Marktkapitalisierung in die Liste der zehn wertvollsten Geldhäuser hieven. Davon ist die Bank allerdings noch weit entfernt. Platz 20 Rangierte die Bank Anfang der 90er Jahre beim Börsenwert weltweit an der Spitze, erreicht sie heute gerade noch den 20. Platz, weit abgeschlagen hinter der amerikanischen Citigroup, die es derzeit auf eine Marktkapitalisierung von gut 200 Milliarden Euro bringt oder der britischen HSBC, die mit 110 Milliarden Euro bewertet wird. Um es unter die ersten zehn zu schaffen, fehlen der Deutschen Bank noch 14 Milliarden Euro, beinahe die Hälfte ihres derzeitigen Marktwertes von gut 33 Milliarden Euro. Dabei geht es Ackermann keineswegs nur um die Wertsteigerung an sich. Er will die Bank damit in die Lage versetzen, falls notwendig, durch Zukäufe weiter wachsen zu können. Auch gilt es, den Konzern gegen feindliche Übernahmen zu schützen. Ackermann weiß natürlich, dass er dieses Ziel mit dem nun verkündeten Aktienrückkaufprogramm allein nicht erreichen kann. Vielmehr muss die gesamte Ertragsentwicklung des Instituts weiter verbessert werden. Dass die Bank dabei bereits beachtliche Fortschritte erzielt hat, beweist ein Blick auf die Erträge im ersten Halbjahr 2003. Der Gewinn vor Steuern stieg von 1,4 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum des Jahres 2002 auf nun 4,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig stieg die Eigenkapitalrendite vor Steuern auf 17 Prozent. 2001 hatte sie noch fünf Prozent betragen. Von den Investoren ist diese Steigerung bisher aber kaum gewürdigt worden. Seit Wochen schon scheitert der Kurs der Aktie an der 60 Euro-Hürde. Der Grund, moniert Ackermann, sei die hohe steuerliche Belastung. Sie betrage derzeit 48 Prozent und liege damit doppelt so hoch wie in Großbritannien oder in der Schweiz. Gewinne mit Privatkunden Auch deshalb startete der Bankchef am Donnerstag eine Good-Will-Tour, um ausländischen Analysten und Investoren davon zu überzeugen, dass auch eine in Deutschland beheimatete Bank nachhaltig profitabel wirtschaften kann. Die Botschaft richtet sich auch an die großen Ratingagenturen, allen voran Standard & Poors, die den Ausblick für die Bank im Frühjahr von stabil auf negativ herabgestuft hat. Eine weitere Verschlechterung hätte für das noch immer mit der Note AA bewertete Geldhaus allerdings fatale Folgen. Die Bank müsste sich aus vielen Geschäften zurückziehen. Es ist deshalb kein Zufall, dass der Bankchef gleichzeitig mit dem Aktienrückkaufprogramm sein Ziel bekräftigte, die Eigenkapitalrendite der Bank auf 25 Prozent zu steigern. Ob ihm dies bereits in diesem Jahr gelingen wird, bleibt fraglich. Doch ab 2004, betont der Banker immer wieder, könne die Bank wieder nach vorne schauen. Dann soll sich auch das Privatkundengeschäft als eine sprudelnde Ertragsquelle erweisen und einen operativen Gewinn von mindestens 800 Millionen Euro abwerfen.
Die Deutsche Bank will zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres die Zahl ihrer Aktien deutlich verringern. Damit soll die Eigenkapitalrendite weiter gesteigert und der Kurs gestützt werden. Ziel von Bank-Chef Josef Ackermann ist es, den Börsenwert der Bank unter die ersten zehn weltweit zu bringen.
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Deutsche Bank - Die Weltspitze soll wieder in Sichtweite kommen
00/05/2010
Die Bundesregierung will alle zum Vervielfältigen geeigneten Geräte mit einer Abgabe belegen — darunter auch Drucker und PCs. Justizministerin Brigitte Zypries strebt eine erneute Änderung des erst im vergangenen Jahr reformierten Urheberrechts an, um geistiges Eigentum im digitalen Zeitalter besser zu schützen. Detailansicht öffnen Pauschaleg Abgaben auf PCs und Drucker sollen den Umsatzeinbußen der Musikindustrie und Verlage entgegenwirken. Foto: dpa "Die Informationstechnologie entwickelt sich sehr schnell. Diesem Tempo müssen wir das Urheberrecht anpassen", sagte Zypries der Süddeutschen Zeitung. Massive Umsatzeinbrüche in der Plattenindustrie Das Justizministerium hat deshalb in den vergangenen Monaten Gespräche mit Vertretern der Musik-, Elektronik- und Computerindustrie sowie aus dem Medienbereich geführt; auch die entsprechenden Branchenverbände wurden in die Vorbereitung des Gesetzes eingebunden. "Wir wollen eine Lösung, mit der alle Beteiligten gut leben können", sagt Zypries. So klagt die Plattenindustrie über massive Umsatzeinbrüche, weil die Kunden sich zunehmend Musikdateien kostenlos aus dem Internet herunterladen. Ausweitung des Vergütungssystems Auch fürchten Verlage um ihr Geschäft, weil Bücher und Artikel als digitale Kopien illegal verbreitet werden. Mit ihrer Reform will Zypries sicherstellen, dass die Urheber dennoch weiter eine Vergütung erhalten. Dazu soll das bestehende Vergütungssystem ausgeweitet werden. Bisher erhalten Verwertungsgesellschaften wie die Gema oder die VG Wort eine Abgabe, die pauschal im Kaufpreis von Geräten und leeren Speichermedien enthalten ist. Die Verwertungsgesellschaften verteilen das Geld an die Urheber. Konkurrenz im Blick Dieses System solle "gerechter und für alle akzeptabler" werden, sagte Zypries. "Bisher wird die Abgabe nur auf Geräte erhoben, die tatsächlich zum Kopieren bestimmt sind. Künftig ist entscheidend, ob ein Gerät generell zum Kopieren geeignet ist — und wie häufig es durchschnittlich zum Kopieren genutzt wird, soll dann für die Höhe der Abgabe maßgeblich sein." Bisher wird die Abgabe auf Kopierer, Scanner und CD-Brenner erhoben, künftig sollen zum Beispiel auch Drucker belastet werden. Die Abgabe solle aber gleichzeitig so begrenzt werden, dass der Wettbewerb nicht gestört wird.
Die Bundesregierung will alle zum Vervielfältigen geeigneten Geräte mit einer Abgabe belegen — darunter auch Drucker und PCs.
wirtschaft
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Zum Schutz von geistigem Eigentum - Jetzt trifft's auch den Drucker
00/05/2010
Das Verkehrsministerium legt einen Entwurf zum Börsengang der Bahn vor, doch vier andere Ministerien lehnen ab - sie sehen Probleme mit dem Wettbewerb und dem Grundgesetz. Die Privatisierung könnte damit kippen. Der Börsengang der Bahn gerät erneut ins Wanken. In seiner Stellungnahme zum Privatisierungsgesetz lehnt das Bundeswirtschaftsministerium den Entwurf aus dem Verkehrsressort in zentralen Punkten ab. Vorbehalte haben dem Vernehmen nach auch die Ressorts für Inneres, Justiz und Verbraucherschutz. Die Pläne für die Bahn-Privatisierung gefährdeten einerseits den Wettbewerb, enthielten aber gleichzeitig unkalkulierbare verfassungsrechtliche Risiken, moniert das Haus von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in seiner Stellungnahme. Das Gesetz "verändert die Situation im Eisenbahn- und Transportsektor grundlegend", der Einfluss des Bundes auf das Unternehmen werde "nachhaltig verringert", schreibt das Ministerium. "Nach hiesiger Ansicht sind die Risiken aus dem Kontrollverlust nicht ausreichend begrenzt". Das Ministerium fordert nun einen veränderten Entwurf. Damit könnte der Fahrplan der Bahn an den Kapitalmarkt kippen. Ursprünglich wollte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) noch vor der Sommerpause seinen Entwurf in das Kabinett einbringen. Das allerdings setzt voraus, dass sich alle Minister hinter seinem Privatisierungs-Gesetz versammeln. Das wird zunehmend schwierig. Denn neben dem Wirtschaftsministerium haben offenbar auch das Innen-, das Justiz- und das Verbraucherschutzministerium Vorbehalte angemeldet; hier geht es im Wesentlichen um die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes. Hintergrund sind die schwierigen Vorgaben, die Union und SPD im vorigen Herbst für den Gesetzentwurf aufstellten. Nachdem sie monatelang darüber gestritten hatten, ob das Schienennetz samt Bahnhöfen und Stromleitungen nun dem Bund oder der Bahn gehören soll, einigten sie sich auf einen Kompromiss: Demnach soll der Bund zwar juristischer Eigentümer des Netzes bleiben, die Bahn soll es aber in ihrer Bilanz führen dürfen, als wäre es ihres. Hier könnte der Gesetzentwurf nun in Konflikt mit dem Grundgesetz geraten. Dieses schreibt in Artikel 87e vor, dass Bau, Unterhaltung und Betreiben von Schienenwegen "im Eigentum des Bundes" stehen. Möglicher Konflikt mit dem Grundgesetz Das aber wird schwierig, so die Auffassung des Glos-Ministeriums, wenn das Netz bilanziell bei der Bahn bleiben soll. Einem Rechtsgutachten des Ministeriums zufolge "bestehen erhebliche Bedenken, dass die Bilanzierungsfähigkeit der Infrastruktur" mit dem vorliegenden Gesetzentwurf erreicht wird. Setzt sich das Wirtschaftsministerium mit dieser Einschätzung durch, verlöre das Unternehmen auf einen Schlag an Attraktivität für Investoren - denn ohne das Schienennetz wäre der Konzern erheblich weniger wert. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte jüngst erklärt, das Unternehmen könne schon im kommenden Jahr teilprivatisiert werden. Nach den bisherigen Plänen könnten 49 Prozent an der Bahn in zwei Tranchen verkauft werden. Die Preise hochtreiben Auch die Kontrolle der Bahn soll nach Auffassung des Wirtschaftsministeriums schärfer ausfallen als bislang vorgesehen. So befürchten die Beamten von Glos, dass die Bahn das Modell des Verkehrsministers nutzen könnte, die Preise für das Schienennetz hochzutreiben, die sie anderen Wettbewerbern in Rechnung stellt. "Die DB AG kann durch hohe Infrastrukturpreise (...) die Kosten und damit die Gewinnsituation der konkurrierenden Eisenbahnverkehrsunternehmen verschlechtern", schreiben sie. Die Bahn könnte die höheren Einnahmen nutzen, um andere, nicht so erfolgreiche Unternehmensbereiche zu subventionieren. "Eine solche Strategie dürfte insbesondere bei zunehmendem Wettbewerb rational sein", heißt es hierzu in dem Papier. Bahn-Wettbewerber kämpfen mit diesem Argument seit Monaten gegen die Privatisierungspläne an. Sie fordern, das Netz klar von der Bahn abzuspalten und im Staatsbesitz zu belassen oder getrennt zu veräußern. Opposition und Wettbewerber einig Dies verlangen im Bundestag auch FDP und Grüne. Die Union hatte von der Forderung einer strikten Trennung zugunsten des Koalitions-Kompromisses Abstand genommen. Nach Vorstellung des Verkehrsministeriums soll der Bund auf zweierlei Weise über die Bahn wachen. Einerseits soll die Bundesnetzagentur verhindern, dass Wettbewerber auf der Schiene vom Netzbetreiber DB diskriminiert werden. Andererseits sollen detaillierte Finanzierungs-Absprachen sicherstellen, dass die Bahn mit Mitteln des Bundes ihr Netz in Schuss hält. Das Bundesverkehrsministerium will trotzdem an seinem Zeitplan festhalten. "Die Kabinettsbefassung vor der Sommerpause steht weiterhin im Raum", erklärte eine Sprecherin am Montag. Einwände der Ressorts gegen einen Gesetzentwurf seien "ein ganz normaler Vorgang"; sie würden nun intensiv beraten. In bahnnahen Kreisen hieß es, man sehe Verfassungs-Vorbehalte gegen das Gesetz gelassen: Juristen aus der administrativen Fachebene teilten diese Kritik nicht.
Das Verkehrsministerium legt einen Entwurf zum Börsengang der Bahn vor, doch vier andere Ministerien lehnen ab - sie sehen Probleme mit dem Wettbewerb und dem Grundgesetz. Die Privatisierung könnte damit kippen.
wirtschaft
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Privatisierungsgesetz abgelehnt - Glos bremst Bahn-Börsengang
00/05/2010
Die meisten Geschäfte verzichten bei Bezahlung mit EC-Karten aus Kostengründen auf die Abfrage der PIN-Nummer. Die Folgen sind fatal. Bad Bederkesa ist eigentlich ein friedlicher Ort. Eingebettet zwischen grünen Wiesen, Elbe und Weser bietet die Samtgemeinde gute Erholungsmöglichkeiten. Im November vergangenen Jahres wurde die Idylle jedoch gestört. Gleich 30 Fällen von EC-Kartenbetrug musste die Kriminalpolizei nachgehen. Mehrere zehntausend Euro hatten unbekannte Täter von den Konten der Opfer abgehoben. Kein Einzelfall, wie die polizeiliche Kriminalstatistik lehrt. Detailansicht öffnen 50 Millionen Deutsche Besitzen eine EC-Karte (Foto: Foto: dpa) In Deutschland besitzen 50 Millionen Menschen eine EC-Karte. Der Missbrauch mit gestohlenen Karten hat dramatische Ausmaße erreicht. Allein in Nordrhein-Westfalen verdoppelte sich die Zahl der Delikte innerhalb eines Jahres von 7259 auf 15.110. Dabei entstand ein Schaden von fünf Millionen Euro. Bundesweit verzeichnete die Polizei im Jahr 2002 einen Anstieg um 59 Prozent. Auf 38,8 Millionen Euro belief sich der Schaden. Die Polizei ist verärgert Wenn sich an der "gängigen Praxis" nichts ändere, bleibe dem Missbrauch weiterhin Tür und Tor geöffnet, heißt es bei der Polizei. Die "gängige Praxis" sieht so aus: In den meisten Geschäften reicht beim Bezahlen mit der EC-Karte die Unterschrift auf dem Kassenbeleg aus. Das Lastschriftverfahren ist für den Handel billiger als eine Online-Abfrage mittels der PIN-Nummer des Kunden. Weil es an den Kassen jedoch häufig hektisch zugeht, prüfen Verkäufer nur ungenau die Identität des Käufers. Eine Ausweiskontrolle findet nur manchmal bei hohen Beträgen statt. Eine gefälschte Unterschrift fällt unter diesen Bedingungen nicht sofort auf. Diesen Umstand nutzen Betrüger aus. Mit einer einzigen gestohlenen Karte können sie zudem mehrmals unbehelligt einkaufen. Dabei müsste der Handel eigentlich ein Interesse an einer sicheren Zahlungsabwicklung haben. Denn hat ein Kunde bei Verlust die EC-Karte sperren lassen, dann bleibt der Verkäufer auf den Kosten sitzen. Dennoch ist vielen Geschäftsinhabern die Anschaffung eines Kartenlesegerätes ebenso zu teuer wie die Gebühren für die Online-Abfrage bei der Bank nach Eingabe der PIN-Nummer. "Der Handel hat die Haustüren seiner Kaufhäuser aus Gründen der Kostenminimierung ausgehängt und erwartet nun, dass die Polizei sich davor stellt, um Straftäter draußen zu halten", heißt es im nordrhein-westfälischen Landeskriminalamt angesichts von Forderungen aus dem Handelsbereich, die Polizei solle Betrugsdelikte mit gestohlenen EC-Karten stärker verfolgen. Neues System Kuno Erwartet wird, dass die Polizei die Kartendaten der Bestohlenen sammelt und an den Einzelhandel übermittelt, damit dieser dann die Karten sperrt. Ein solches System der "Kriminalitätsbekämpfung im unbaren Zahlungsverkehr unter Nutzung nichtpolizeilicher Organisationsstrukturen" (Kuno) existiert bereits seit August 2001. Ausgetüftelt hat es ein Kriminalkommissar in Dresden. Kuno funktioniert so: Bei Verlust einer EC-Karte werden die entsprechenden Daten durch die Polizei per E-Mail an den lokalen Einzelhandel übermittelt. In den Geschäften wird die Karte dann für zehn Tage gesperrt. Obwohl eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe die bundesweite Einführung von Kuno empfohlen hat, wird das Projekt nicht verwirklicht werden. Während Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland und Thüringen das System umsetzen wollen, stößt es nicht von ungefähr in den großen Flächenländern wie Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen auf Ablehnung - obwohl es dort örtliche Kuno-Pilotprojekte wie beispielsweise in Bielefeld gibt. Der Aufwand für eine flächendeckende Einführung von Kuno sei unverhältnismäßig hoch, sagt der nordrhein-westfälische Innenminister Fritz Behrens. Denn alle 50 Kreispolizeibehörden müssten mit 22 regionalen Einzelhandelsverbänden analoge Projekte entwickeln und einführen. Das könne die Polizei nicht leisten - und das sei auch nicht ihre Aufgabe, sagt der SPD-Politiker. Zudem sehen Datenschützer in der ungeschützten Übermittlung von Angaben mittels E-Mail oder Telefax erhebliche Risiken. Forderung des Handels: Banken sollen Abfrage-Tarife senken Der schnellste Weg, um den Betrug mit EC-Karten einzudämmen, wäre es, das Bezahlen mit Plastikgeld nur in Verbindung mit der Geheimnummer zu erlauben. Doch dagegen regt sich weiterhin Widerstand beim Handel, wie sich Anfang März bei einem Gespräch im Düsseldorfer Innenministerium zeigte. Allerdings deutete der Vizepräsident des Hauptverbandes Deutscher Einzelhandel, Erich Greipl, während des Treffens ein Umdenken für den Fall an, dass die Banken ihre Konditionen für das Online-Verfahren preiswerter gestalteten. In Krefeld und dem Kreis Viersen hat die Sparkasse dem örtlichen Einzelhandel bereits solche Sondertarife eingeräumt. Mit Erfolg: 84 Prozent aller Zahlungen in der niederrheinischen Stadt werden inzwischen per Eingabe der geheimen PIN-Nummer -und damit sicherer - abgewickelt.
Die meisten Geschäfte verzichten bei Bezahlung mit EC-Karten aus Kostengründen auf die Abfrage der PIN-Nummer. Die Folgen sind fatal.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ec-karten-betrueger-haben-ein-leichtes-spiel-1.905103
EC-Karten - Betrüger haben ein leichtes Spiel
00/05/2010
Die Mehrheit der Bundesbürger äußert Verständnis für die streikenden Telekom-Mitarbeiter, so eine Umfrage. Unterdessen erhöhte der Konzern den Bonus für Streikbrecher - auf 500 Euro. Der Streik der Telekom-Mitarbeiter gegen Mehrarbeit und schlechtere Bezahlung im Service ging am Dienstag in die fünfte Runde. Rund 16.000 Servicemitarbeiter waren nach Angaben von Verdi-Streikleiter Ado Wilhelm an diesem Tag dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. Schwerpunkte des bundesweiten Streiks seien erneut Nordrhein-Westfalen und Berlin/Brandenburg mit jeweils etwa 2.500 Beschäftigten. Am Montag waren bundesweit rund 15.000 Mitarbeiter der Festnetzsparte T-Com der Arbeit ferngeblieben. Am fünften Tag des Streiks beteiligten sich in Bayern ebenfalls rund 2.500 Mitarbeiter. "Wir machen so lange weiter, bis die Telekom endlich einlenkt," sagte Wilhelm. Der Streikwille sei ungebrochen. Der Ausstand, der sich gegen die Auslagerung von rund 50.000 Servicekräften in Unterfirmen richtet, hatte am Freitag mit rund 11.000 Beschäftigten begonnen und war über das Wochenende auf etwa 1.500 Mitarbeiter zurückgefahren worden. Längere Wartezeiten Bestreikt werden laut Verdi erneut Callcenter, technische Kundendienste und Bereiche der technischen Infrastruktur. Kunden müssten daher auch weiter mit längeren Wartezeiten und Störungen im Betriebsablauf rechnen, sagte ein Sprecher in Berlin. Inzwischen seien bei der Telekom erhebliche Beeinträchtigungen zu verzeichnen. Betroffen von den Streiks sind auch die technischen Vorbereitungen für den G-8-Gipfel der Industriestaaten Anfang Juni in Heiligendamm. Neue Prämie für Streikbrecher Inzwischen hat die Telekom angeboten, die bisherigen Streikbrecher-Prämien von bisher 300 Euro ab Dienstag auf 500 Euro zu erhöhen. Verdi sprach von einem Kopfgeld und nannte dies "ungeheuerlich". Zudem war von weiteren Geldprämien die Rede, mit denen die Telekom ihre Mitarbeiter zur Rückkehr zum Arbeitsplatz bewegen möchte. In einer SMS an Beschäftigte hieß es wörtlich: "Hallo Kollegen, wer ab morgen wieder seinen Dienst antritt, bekommt täglich 50 Euro solange gestreikt wird." Die Telekom bestätigte den Versand einer solchen SMS an streikende Mitarbeiter nicht. Im Konzern gebe es lediglich eine grundsätzliche Regelung, wonach Mitarbeiter bei außergewöhnlichen Belastungen mehr Geld bekommen könnten, sagte ein Sprecher. Tankgutscheine Bei der Telekom-Niederlassung Mönchengladbach sollten streikende Mitarbeiter offenbar mit Tankgutscheinen im Wert von 25 Euro zurück an den Arbeitsplatz gelockt werden. Nur ganz wenige Mitarbeiter würden an dem Streik allerdings nicht teilnehmen, sagten Beschäftigte der Niederlassung zu sueddeutsche.de. Vertreter der Gewerkschaft reagierten mit Empörung auf die Streikbrecher-Prämien: "Die Wirkung des Streiks wird in dieser Woche deutlich zunehmen", sagte Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder. "Die Leute lassen sich nicht für 50 Euro täglich kaufen, wenn sie künftig im Monat mehrere hundert Euro weniger verdienen sollen", betonte Streikleiter Wilhelm. Streikposten bedrängt Der Berliner Verdi-Fachbereichsleiter Mike Döding warf dem Unternehmen zudem vor, einzelnen Streikenden mit Entlassung gedroht zu haben. Führungskräfte hätten Streikposten auf dem Betriebsgelände bedrängt. Je länger der Protest dauere, desto mehr Arbeit bleibe liegen. Wilhelm sprach von bislang "mehreren zehntausend liegengebliebenen Aufträgen", was der Konzern nicht bestätigte. Indes äußern Bundesbürger großes Verständnis für den Arbeitskampf der Telekom-Beschäftigten. In einer Umfrage für den Stern bekundeten mehr als drei Viertel der Befragten (78 Prozent) Verständnis für den Ausstand, wie das Hamburger Magazin am Dienstag vorab berichtete. Der Streik stößt bei knapp jedem fünften Bürger (19 Prozent) auf Unverständnis. Mit "weiß nicht" antworteten drei Prozent. Für die Forsa-Erhebung im Auftrag des Magazins wurden am vergangenen Donnerstag und Freitag 1003 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger befragt. Die statistische Fehlertoleranz lag bei etwa drei Prozentpunkten.
Die Mehrheit der Bundesbürger äußert Verständnis für die streikenden Telekom-Mitarbeiter, so eine Umfrage. Unterdessen erhöhte der Konzern den Bonus für Streikbrecher - auf 500 Euro.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arbeitskampf-bei-der-telekom-bundesbuerger-haben-verstaendnis-fuer-streik-1.900569
Arbeitskampf bei der Telekom - Bundesbürger haben Verständnis für Streik
00/05/2010
Im Streit um das soziale Profil der Parteien und die Zahldauer des Arbeitslosengeldes I hat der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, auf die Kosten möglicher Beschlüsse verwiesen und klare politische Vorgaben verlangt. Weise wies darauf hin, dass der Beschluss der Koalition, den Arbeitslosenbeitrag stärker zu senken als bisher geplant, seine Behörde 2,5 Milliarden Euro kosten werde. Der Vorschlag des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU), das Arbeitslosengeld I an Erwerbslose mit vielen Beitragsjahren länger zu zahlen, würde sein Haus zusätzlich belasten. ,,Uns würde das mehr kosten'', sagte Weise. Die Politik müsse ihm dann sagen, wo gespart werden solle: ,,Will man den Beitragssatz für alle erhöhen? Oder sollen Junge weniger bekommen? Oder soll insgesamt weniger Geld für Maßnahmen fließen?'' Lange eingezahlt Angeführt von Rüttgers machen sich derzeit mehrere Unionspolitiker dafür stark, dass ältere Erwerbslose, die lange in die Sozialversicherungen eingezahlt haben, länger das in der Regel höhere Arbeitslosengeld I bekommen sollen, bevor sie auf Hartz-IV-Niveau abrutschen. Heute gibt es das Arbeitslosengeld I in der Regel ein Jahr. Die verkürzte Zahldauer war mit der Hartz-IV-Reform beschlossen worden. Die Verkürzung soll den Druck auf Arbeitslose und Vermittler bei der Jobsuche steigern. Zudem soll sie bei den Unternehmen die Anreize zur Frühverrentung senken. Weise erklärte, diese Effekte zeigten bereits Wirkung und übte damit indirekt Kritik an Rüttgers' Plänen. ,,Diese Gesamtkomposition hat dazu beigetragen, dass wir heute finanziell besser dastehen und bessere Leistung bringen'', erklärte der Manager. Weise mahnt Mut an Weise forderte von Politikern grundsätzlich den Mut, an beschlossenen Reformen mindestens drei Jahre festzuhalten. ,,Ich würde mir wünschen, dass man Dingen, die einmal entschieden sind, auch Zeit gibt, sich zu entwickeln'', sagte er. Zwischen SPD und Union setzte sich der Streit über Rüttgers Vorschlag, über den der CDU-Parteitag in Dresden Ende November abstimmen soll, ungebremst fort.
Im Streit um das soziale Profil der Parteien und die Zahldauer des Arbeitslosengeldes I hat der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, auf die Kosten möglicher Beschlüsse verwiesen und klare politische Vorgaben verlangt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streit-ueber-arbeitsmarkt-reformen-bundesagentur-warnt-vor-milliardenlasten-1.903560
Streit über Arbeitsmarkt-Reformen - Bundesagentur warnt vor Milliardenlasten
00/05/2010
Der amerikanische Pharmakonzern entscheidet sich gegen Zürich, London und Amsterdam - die bayerische Hauptstadt punktet mit ihrer guten Infrastruktur und moderaten Löhnen. Die Pharmafirmen haben in jüngster Zeit in Deutschland kräftig entlassen, doch nun gibt es einen Lichtblick: Der amerikanische Arzneimittelhersteller Merck & Co. errichtet seine neue Zentrale für Europa, den Nahen Osten, Afrika und Kanada in Haar bei München, wo sich bereits die deutsche Niederlassung MSD befindet. Detailansicht öffnen Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber ist erfreut: Ein weiterer Pharmakonzern siedelt sich in Bayern an. (Foto: Foto: AP) Bis Ende des Jahres will der Konzern aus New Jersey 30 neue Stellen aufbauen. "Wir wollen das regionale Headquarter näher zum Kunden bringen", sagte der zuständige Manager Stefan Oschmann im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Im Vorfeld der Entscheidung hatte Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber kräftig für den Standort geworben. Und so ist der Minister - trotz der geringen Stellenzahl - "euphorisch", wie er selbst sagt. "Das ist ein großer Erfolg für den Freistaat." Huber sieht in der neuen Zentrale vor allem einen Imagegewinn für Bayern. "Es ist doch gut, dass dann aus der halben Welt Leute hierher reisen." Standort München Im Großraum München haben sich, gefördert vom Freistaat, bereits mehr als 100 kleinere Biotechnologie-Firmen und einige Pharmakonzerne wie Roche und Glaxo Smith Kline angesiedelt, worauf Bayern stolz ist. Finanzielle Zugeständnisse an Merck habe es aber nicht gegeben, betonte der CSU-Politiker. Der Standort München habe sich im Wettbewerb gegen Zürich, London, Brüssel, Amsterdam und Wien durchgesetzt, sagte Merck-Manager Oschmann. "Der wichtigste Faktor für München ist die gute Verkehrsanbindung." Für eine Zentrale in Deutschland hätten im Vergleich auch die moderaten Löhne für Führungskräfte und die niedrigen Wohnkosten gesprochen. Die hohen Steuersätze hätten die Entscheidung nicht beeinträchtigt. Von München aus will Merck die Märkte in Europa, Afrika, Kanada und dem Nahen Osten steuern, von dort stammt ein Viertel des Jahresumsatzes, der mehr als 22,6 Milliarden Dollar beträgt. Mitten im Umstrukturierungsprozess Die krisengeschüttelte Pharmafirma - sie ist nicht verbunden mit dem namensgleichen Unternehmen Merck aus Darmstadt - befindet sich mitten in der Umstrukturierung. Seit Monaten verändert der siebtgrößte Arzneimittelkonzern der Welt die Geschäftsprozesse. Um die Märkte besser zu bedienen, sollen Büros in Europa, Asien und Lateinamerika entstehen. Allein in diesem Jahr wird dieser Umbau zwischen 300 und 500 MillionenDollar kosten. Bis Ende 2008 streicht der Hersteller zudem jede elfte Stelle, das entspricht 7000 Arbeitsplätzen. Die deutsche Tochterfirma MSD mit etwa 1400 Mitarbeitern sei aber nicht betroffen. "Es wird keinen weiteren Stellenabbau geben", sagte Oschmann. Intern stehen mehrere Führungswechsel an. Die erst 58-jährige, langjährige Finanzchefin Judy Lewent geht bereits im Juli in Rente. Ein Nachfolger sei noch nicht gefunden, so Oschmann. "Wir suchen intern und extern." Zu den Gerüchten, wonach der Österreicher Peter Löscher schon Ende April den 60-jährigen Firmenchef Richard Clark ablösen soll, wollte sich der Europachef nicht äußern. Hohe Verluste Merck & Co. leidet noch immer unter dem Rückzug des Schmerzmittels Vioxx im September 2004. Eine Studie hatte ergeben, dass eine langfristige Einnahme der Pille das Risiko eines Herzinfarkts verstärken kann. Es sind etwa 27.400 Vioxx-Klagen anhängig. Allein für die Prozesskosten hat Merck Rückstellungen über 858 Millionen Dollar gebildet. 2006 waren zudem die Umsätze des milliardenschweren Kassenschlagers Zocors eingebrochen, nachdem der Cholesterinsenker den Patentschutz verloren hatte. So konnte Merck den Umsatz nur um drei Prozent steigern, während der Pharmamarkt weltweit durchschnittlich doppelt so stark wuchs. Das Vorsteuerergebnis von Merck war sogar rückläufig. Bedrohung durch Generika Die Konkurrenz durch billigere Nachahmer (Generika) ist eine echte Bedrohung: Bis 2012, so schreibt die Ratingagentur Fitch, verlieren neben Zocor drei weitere umsatzstarke Medikamente den Patentschutz, betroffen seien 56 Prozent des Jahresumsatzes. Auch die in der Entwicklung befindlichen oder frisch für den Verkauf zugelassenen Arzneimittel könnten diesen Umsatzrückgang in nächster Zeit nicht komplett auffangen, meinen die Fitch-Analysten. Mercks Hoffnungen ruhen auf zwei neuen Produkten: Zum einen ein Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs für junge Mädchen. Das innovative Mittel ist seit Dezember in Deutschland zu haben. Außerdem setzt Merck auf das Arzneimittel Januvia gegen Typ-2-Diabetes, das in den nächsten Monaten auf den deutschen Markt kommt. Die Investmentbank Lehman Brothers erwartet, dass Januvia im Jahr 2012 etwa 1,5 Milliarden Dollar Umsatz einbringen wird. Für Oschmann geben auch diese beiden neuen Produkte Anlass, die neue Zentrale in Deutschland anzusiedeln. "Beide Medikamente stammen ursprünglich aus deutschen Labors", sagte er. Merck wolle künftig stärker mit jungen Biotechnologiefirmen auch in Deutschland kooperieren. "Die deutsche Pharmaforschung wird wieder stärker."
Der amerikanische Pharmakonzern entscheidet sich gegen Zürich, London und Amsterdam - die bayerische Hauptstadt punktet mit ihrer guten Infrastruktur und moderaten Löhnen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/europazentrale-merck-kommt-nach-muenchen-1.904776
Europazentrale - Merck kommt nach München
00/05/2010
Wenn es um das eigene Image geht, muss der Konkurrenzgedanke hintanstehen: Bei einem Geheimtreffen hat die Lebensversicherungsbranche offenbar eine Kapitalspritze beschlossen, um einen Kollaps des angeschlagenen Wettbewerbers Mannheimer abzuwenden. Bei einem Geheimtreffen hätten sich das Präsidium und der Hauptausschuss Lebensversicherung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Montagabend in getrennten Sitzungen darauf verständigt, die Mannheimer mit insgesamt 370 Millionen Euro zu stützen. Detailansicht öffnen Der deutsche Lebensversicherungsmarkt im Jahr 2002. (Foto: dpa) Der Betrag liegt damit sogar um 70 Millionen Euro über der bisher in Branchenkreisen veranschlagten Kapitalspritze. Die Unternehmen sollen entsprechend ihrer Marktanteile zur Kasse gebeten werden. Die 370 Mio. Euro beruhten auf den letzten Schätzungen einer Arbeitsgruppe, die sich mit dem Rettungsplan beschäftigt habe, schreibt die FTD weiter. Hochrangiges Präsidium Im 15-köpfigen Präsidium sitzen die Spitzen der deutschen Versicherungswirtschaft, darunter Münchener-Rück-Chef Hans-Jürgen Schinzler, Walter Thießen, der Chef von AMB Generali, und die Allianz-Vorstände Reiner Hagemann und Gerhard Rupprecht. Zwischenzeitlich sei es nach Angaben von Teilnehmern des Geheimtreffens zu einer kontroversen Debatte gekommen, in der sich die Gegner einer Branchenlösung aber deutlich in der Minderheit befunden hätten, heißt es in der FTD. Die Mehrheit habe hingegen den immensen politischen Schaden ins Feld geführt, den die Pleite auch nur eines einzigen Versicherers anrichten könne. "Die SPD-Linken warten doch nur darauf, dass ein Versicherer kollabiert", zitiert die FTD einen Versicherungsmanager. Teure Alternative Die Mehrheit der Sitzungsteilnehmer habe auch zu bedenken gegeben, dass die Alternative einer Rettung ebenfalls sehr teuer sei, schreibt die FTD. Denn kommt es nicht zur Hilfsaktion muss die Finanzaufsicht BaFin die Mannheimer schließen, die Verträge wanderten in die Auffanggesellschaft Protektor. Dabei fielen dann hohe Kapitalisierungs- und Anlaufkosten an, zu deren Übernahme sich alle Lebensversicherer verpflichtet haben. In der anschließenden Besprechung des Hauptausschusses Lebensversicherung seien sich die Teilnehmer denn nach 90 Minuten auch ohne größere Kontroverse über die Rettung einig gewesen, schreibt die FTD. Gefährlicher Präzedenzfall Die Befürworter der Mannheimer-Rettung eine auch der Optimismus, dass keine weiteren deutschen Lebensversicherer in Schieflage gerieten, heißt es in der FTD weiter. Sollte das allerdigns doch passieren, hätte die Branche einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen. Bei größeren Problemfällen als der Mannheimer könnte leicht zu Milliardenproblem entstehen. Verbandspräsident Bernd Michaels solle die Bereitschaft der Branche zur Rettung am Freitag mit BaFin-Präsident Jochen Sanio besprechen, heißt es in der FTD weiter. Bis das BaFin zustimme, könnten allerdings noch Wochen vergehen: Meist sind Aufsichtsratsbeschlüsse nötig, wenn sich die Firmen an anderen Gesellschaften - hier der Mannheimer - beteiligen wollen. Die Mannheimer hatte sich unter Konzernchef Hans Schreiber an der Börse verspekuliert. Schreiber, der als äußerst selbstbewusst gilt, war am vergangenen Freitag zurückgetreten und hatte dabei ein Unternehmen am Rand des Zusammenbruchs hinterlassen. Großaktionär Mangelware Ein Großaktionär, der bei der entstandenen Schieflage frisches Geld einschießen könnte, ist bislang nicht vorhanden. Die österreichische Uniqa hält 13 Prozent, die Münchener Rück zehn Prozent, sechs weitere Versicherer jeweils unter fünf Prozent.
Wenn es um das eigene Image geht, muss der Konkurrenzgedanke hintanstehen: Bei einem Geheimtreffen hat die Lebensversicherungsbranche offenbar eine Kapitalspritze beschlossen, um einen Kollaps des angeschlagenen Wettbewerbers Mannheimer abzuwenden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lebensversicherungen-angst-essen-brotneid-auf-1.914386
Lebensversicherungen - Angst essen Brotneid auf
00/05/2010
Zehntausende Hartz-IV-Empfänger überhäufen die deutschen Sozialgerichte mit Klagen, es geht ihnen oft nur um wenig Geld - und eine korrekte Behandlung. Auf dem grauen Tisch im Berliner Sozialgericht steht ein Computerbildschirm, daneben ein großer Drucker. Der Raum ist hell, die grauen Tische sind aus Plastik. Hinten stehen mehrere Reihen Stühle für Besucher. Der Raum, der wie ein Büro wirkt, ist ein Gerichtssaal. Hier wird über die Definition des Existenzminimums entschieden, über das, was ein Mensch zum Leben braucht. Richterin Ulrike Willkomm verhandelt dort an diesem Tag fünf Fälle von Hartz-IV-Empfängern. Vordergründig geht es hier um kleine Beträge: Einmal soll das Jobcenter 40 Euro Miete zusätzlich zahlen, ein altes Paar soll umziehen, weil die Wohnung zu teuer ist, ein Arbeitsloser will durchsetzen, dass die Kürzung der Unterstützung zurückgenommen wird. Der Druck ist groß Aber der Druck ist groß, wenn sich Mitarbeiter des Jobcenters und Arbeitslose hier im Gericht begegnen. Ob den Betroffenen wirklich mehr zusteht, oder sie sich nur besser stellen wollen, muss die Richterin herausfinden. Zum Leben braucht der Mensch 347 Euro. So entschied die Bundesregierung 2005 mit der Einführung des vierten Hartz-Gesetzes. Früher waren Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe getrennt und unterschiedlich hoch, heute gibt es nur noch das Arbeitslosengeld II. Von dieser Hilfe waren im Mai dieses Jahres 7,34 Millionen Menschen in Deutschland abhängig. Dazu zahlt der Staat "angemessene Miete". In Berlin sind das maximal 360 Euro, bei Paaren 444 Euro. Mit den neuen Beträgen haben sich auch die Regeln geändert. Und die Ansprüche an den Staat. 1000 Briefe und Akten erreichen das Berliner Sozialgericht pro Tag. Dafür fährt ein großer Lastwagen im Hof ein, Boten schieben Wägen voller Post durch die Flure. Kein zusätzliches Geld für Ernährung Michael Kanert, Pressesprecher des Sozialgerichts und selbst Richter, blättert eine Akte auf. Ein Mann erhält kein zusätzliches Geld für Ernährung, obwohl er krank ist. Nun klagt er. "Der Mann will, dass das Gericht die Entscheidung des Jobcenters überprüft, deshalb landet die Akte bei uns", sagt er. Dann müsse geprüft werden, ob es zu einer Verhandlung kommt. In der Poststelle türmen sich Akten in allen Farben. Die Hartz-IV-Fälle sind grün. 2005, im Jahr der Einführung der neuen Gesetze, stapelten sich auch weiße Umschläge im Berliner Sozialgericht - die grünen Hüllen waren der Verwaltung wegen der Prozessflut ausgegangen. In ganz Deutschland kämpfen die Sozialgerichte mit enormen Aktenbergen. Bundesweit stieg die Zahl der Hartz-Prozesse in der ersten Jahreshälfte 2007 auf 45.500, fast 38 Prozent mehr als 12 Monate zuvor. In Berlin bearbeitete das Sozialgericht von Anfang 2005 bis September 2007 über 30.000 Hartz-Verfahren. Allein in diesem Jahr klagten mehr als 12.800 Menschen wegen des Arbeitsmarktgesetzes. "Das sind 58 Prozent des gesamten Aufkommens an unserem Gericht", sagt Kanert. Die Jobcenter hingegen sprächen nur von etwa einem Prozent der Entscheidungen, die ans Gericht weitergereicht würden. Kanert zweifelt daran. Formfehler und ungeschultes Personal Die Klagewelle hat viele Ursachen: Formfehler und ungeschultes Personal in den Jobcentern, Unsicherheit bei der Auslegung des neuen Rechts und schlicht die Masse der Fälle, das alles nennt Richter Kanert als mögliche Gründe. Durch Hartz IV werden vor dem Berliner Sozialgericht auch die Fälle verhandelt, die früher zur Sozialhilfe gehörten. Letztere war einst bei den Verwaltungsgerichten angesiedelt. "Doch das ist kein normaler Zuwachs, der durch eine Zusammenlegung passieren kann", sagt er.
Zehntausende Hartz-IV-Empfänger überhäufen die deutschen Sozialgerichte mit Klagen, es geht ihnen oft nur um wenig Geld - und eine korrekte Behandlung.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/klagewelle-durch-hartz-iv-empfaenger-fuer-40-euro-und-ein-bisschen-wuerde-1.890777
Klagewelle durch Hartz-IV-Empfänger - Für 40 Euro und ein bisschen Würde
00/05/2010
Die jüngsten Krisenmeldungen zeigen, wie schlecht es immer noch um die Rentenkasse steht. Dennoch wird es im Wahljahr keine Renten-Minusrunde geben. Gerhard Schröder hat mehrere Optionen, wenn er 2006 die Wahl verlieren will. Er könnte die Mineralölsteuer verdoppeln. Er könnte die Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte erhöhen. Oder aber er könnte die Renten kürzen. Detailansicht öffnen Ebbe in der Kasse: Die 93-jährige Rentnerin Lisbeth Bethke schaut in ihre Geldbörse. (Foto: Foto: AP) Genau dies hat der Verband der Deutschen Rentenversicherungsträger dem Kanzler nahe gelegt. Da Schröder alles tun wird, um 2006 wieder zu gewinnen, sollte man diese Nachricht eigentlich schnell wieder vergessen: Es wird eine Renten-Nullrunde geben - aber keine Minusrunde. Gleichwohl zeigen solche Krisenmeldungen, wie schlecht es immer noch um die Rentenkasse steht. Auch nach mehrmaligem Herumdoktern an der gesetzlichen und privaten Altersvorsorge ist es Rot-Grün nicht gelungen, die Rente wieder sicher zu machen. Mit allerlei Tricks hat die Regierung sich durchgewurschtelt. Sie wird dies trotz gegenteiliger Beteuerungen auch im Wahljahr tun. Notpolster Vielleicht wird man das Notpolster der Rentenkasse aufzehren, vielleicht den Zuschuss aus dem Steuersäckel erhöhen. Beides wird Hans Eichel nicht gefallen, aber der Kassenwart musste ja schon 2002 mit seinen finanzpolitischen Wahrheiten zurückstehen, als es Schröder um die Wiederwahl ging. Deshalb wird die Koalition auch verschweigen, dass sie eine Mitschuld an der mauen Rentenentwicklung trifft. Schließlich hängt die Rentenhöhe an der Summe aller Löhne und Gehälter. Zurückhaltung bei den Löhnen Wenn die Regierung auf Zurückhaltung bei den Löhnen dringt, trifft dies auch die Rentner. Und wenn die Wirtschaft nicht in Gang kommt, weil die Arbeitsmarktreformen zu kurz greifen, spüren die Ruheständler dies ebenfalls. Doch so viel Ehrlichkeit darf man vor einer herannahenden Bundestagswahl wohl nicht erhoffen.
Die jüngsten Krisenmeldungen zeigen, wie schlecht es immer noch um die Rentenkasse steht. Dennoch wird es im Wahljahr keine Renten-Minusrunde geben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-wahrheiten-ueber-die-rente-1.916443
Kommentar - Wahrheiten über die Rente
00/05/2010
Bundesverkehrsminister Tiefensee gerät mit seinen Plänen für die Bahnprivatisierung zunehmend in die Defensive, denn die Verkehrsminister dreier Bundesländer wollen Nachbesserungen - andernfalls könne das Gesetz im Bundesrat durchfallen. Bei einem Treffen mit Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) pochten die Länderminister am Montag auf mehr Mitsprache beim geplanten Börsengang der Deutschen Bahn. "Ich kann den Verkehrsminister nur bitten, die Länderinteressen ernster zu nehmen", sagte Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre. "Der Börsengang steht auf der Kippe", warnte er. Zuvor hatten die Länder offiziell die Ergebnisse eines Gutachtens vorgestellt, das sie Anfang August in Auftrag gegeben hatten. Es sollte klären, inwieweit die Länder von dem Vorhaben betroffen wären. Dem Gutachten zufolge könne die Privatisierung mancherorts die Stilllegung von wenig genutzten Bahnhöfen nach sich ziehen. "Für Sachsen-Anhalt könnte das bedeuten, dass wir 50 Prozent unserer Stationen schließen", sagte Daehre, der das Gutachten mit seinem nordrhein-westfälischen Kollegen Oliver Wittke (CDU) und Brandenburgs Verkehrsminister Dellmann (SPD) vorstellte. Bis zu 10000 Bahn-Kilometer seien "mittelfristig stilllegungsgefährdet"; die Länder müssten zudem bis 2011 eine Milliarde Euro mehr für ihren Regionalverkehr ausgeben als bisher. Auch werfe das Gutachten "erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken" für das Gesetz auf. Sowohl Tiefensee als auch die Bahn wiesen die Erkenntnisse der Gutachter zurück. Innen- und Justizministerium hätten seinen Gesetzesentwurf "uneingeschränkt" für verfassungskonform erklärt, sagte Tiefensee. Offen ließ er, wann Bundestag und Länderkammer über die Bahn entscheiden könnten. "Ich weiß, dass man sich genügend Zeit nehmen wird." Bahnchef Hartmut Mehdorn will das Unternehmen schon kommendes Jahr an die Börse bringen. Erste Lesung am Freitag Das Gutachten ändere daran nichts, sagte Bahn-Vorstand Otto Wiesheu. "Diese Aussagen führen in der aktuellen Diskussion nicht weiter." Weder gebe es Belege für eine Mehrbelastung der Länder, noch würden 10000 Kilometer Strecke abgebaut. "Die Deutsche Bahn selbst kann keine Strecken stilllegen", sagte Wiesheu. Auch sei der Nahverkehr Sache der Länder. "Sie entscheiden, wo und wie viel Verkehr auf der Schiene in der Fläche stattfindet." Wiesheu sucht derzeit den Kontakt zu den Ländern, um deren Vorbehalte auszuräumen. Der Bundestag will schon am Freitag in erster Lesung über das Privatisierungsgesetz beraten. Es sieht vor, der Bahn das Schienennetz samt Stromversorgung und Bahnhöfen für 15 Jahre zu überlassen. Der Bund bliebe zwar juristischer Eigentümer, die Bahn könnte es allerdings in ihrer Bilanz führen. Bislang ist eine solche Konzeption in Deutschland beispiellos. Eine scharfe Regulierung und detaillierte Abmachungen über die Pflege des Schienennetzes sollen nach Vorstellung des Bundes verhindern, dass die Bahn ihren Einfluss auf das Schienennetz zu Lasten Dritter ausnutzt. Die Länder fürchten, die Bahn könnte ihre Hoheit dennoch nutzen, die Trassen-Gebühren deutlich anzuheben. "Auf Kosten der Länder würde die Netzgesellschaft höhere Gewinne machen", warnte NRW-Minister Wittke. "Und die Fläche wird von der Bahn abgekoppelt." Minister signalisiert Kompromissbereitschaft Tiefensee sagte zu, den Ländern in einigen Punkten entgegenzukommen. So sei zu klären, wie sich die Qualität der Bahn-Anlagen erhalten lasse und wie der Nahverkehr auf der Schiene noch weiter gestärkt werden könne. Auch über die Höhe der Regionalisierungsmittel, die die Länder vom Bund für den Nahverkehr erhalten, will Tiefensee verhandeln. Die Länderverkehrsminister wollen bei einer Sonderkonferenz nächste Woche das weitere Vorgehen beraten. Nach jetzigem Stand wäre unsicher, ob das Bahngesetz im Bundesrat eine Mehrheit fände. Verbraucherschützer forderten am Montag, das Projekt Börsengang grundlegend nach dem Gutachten zu überarbeiten. "Das Tiefensee-Modell ist inhaltlich wie verfassungsrechtlich nicht mehr tragbar", sagte Holger Krawinkel, Bahnexperte beim Bundesverband der Verbaucherzentralen. "Das Netz gehört weiter in staatliche Hände." Dagegen äußerte sich Unions-Fraktionschef Volker Kauder zurückhaltend. "Die Notwendigkeit eines solchen Gutachtens erschließt sich mir nicht", sagte Kauder.
Bundesverkehrsminister Tiefensee gerät mit seinen Plänen für die Bahnprivatisierung zunehmend in die Defensive, denn die Verkehrsminister dreier Bundesländer wollen Nachbesserungen - andernfalls könne das Gesetz im Bundesrat durchfallen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gutachten-laender-fuerchten-um-bahnhoefe-1.889386
Gutachten - Länder fürchten um Bahnhöfe
00/05/2010
Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation geht gegen Anbieter von Internet-Telefonie vor. Ihre Begründung: Eine Rufnummern-Misere in Deutschland. Die Kunden sind verunsichert, die Unternehmen empört. Die Anbieter dürfen von diesem Freitag an Telefonnummern nur noch lokal entsprechend der Ortsvorwahl vergeben, hat die Regulierungsbehörde in Bonn verfügt. Detailansicht öffnen Der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommuni-kation und Post, Matthias Kurth. (Foto: Foto: dpa) Die Internet-Telefonanbieter sehen dadurch mangels Alternativen ihr gesamtes Geschäft massiv behindert und vermuten staatlichen Protektionismus zu Gunsten der Deutschen Telekom. Rufnummern-Knappheit Die Regulierungsbehörde begründet ihren Schritt, von dem manches betroffene Unternehmen zuerst aus der Zeitung erfuhr, mit der Gefahr einer Rufnummern-Knappheit in Deutschland. Sollten die Internet-Telefongesellschaften ihre bundesweite Nummernvergabe aus nur wenigen Ortsnetzen schöpfen, könnten die Nummern dort eines Tages ausgehen. "Die Behörde verbietet, ohne Alternativen bereitzustellen. Sie hat die Rufnummern-Misere durch Untätigkeit selbst verursacht", erwidert Thilo Salmon, Geschäftsführer des Düsseldorfer Internet-Telefondienstes sipgate. Für eine bundesweite Rufnummern-Zuteilung verlange die Bonner Behörde 2,5 Millionen Euro Verwaltungsgebühren - in England und Österreich sei dies umsonst. Schlimmer noch: Reinen Internet-Telefonanbietern teile die Behörde gar keine Nummern zu. Vorwurf der Marktbehinderung Die Regulierungsbehörde weist den Vorwurf einer Marktbehinderung weit von sich: "Wir wollen nichts gegen den Markt machen. Wegen des Nummernproblems mussten wir aber schnell einschreiten", sagt deren Sprecher Rudolf Boll. Den Ausweg sehen die Regulierer in einer eigenen Rufnummerngasse für Internet-Telefonie, die die Vorwahl 032 bekommen soll. "Wir reden seit einem Jahr über Rufnummern und es gibt sie immer noch nicht", entgegnet Salmon. Eine eigene Vorwahl könnte sich zudem als Reinfall entpuppen: Für die klassischen Telefongesellschaften wäre es damit möglich, für die Durchleitung der ungeliebten, neuen Konkurrenz Preise zu verlangen, die den Telefonierern via Internet jeden Spaß an der neuen Technik verderben. "Die Kunden wollen ihre alten Telefonnummern zum neuen Anbieter mitnehmen. Das wäre verbraucherfreundlich und es würde auch kein Nummern-Engpass entstehen." Zum Schutz der Telekom Auch Freenet-Chef Eckard Spoerr, wie sipgate einer der großen Internet-Telefonanbieter, geht mit der Staatsaufsicht für die Telekommunikation hart ins Gericht: Die Behörde schütze die Telekom, behindere Innovationen und verlange nun sogar von den Unternehmen, ihre Angebote binnen weniger Tage vom Markt zu nehmen. Spoerr und Salmon vermissen auch in einer weiteren entscheidenden Frage beim Regulierer jede Freude am Wettbewerb: So sei die Behörde bislang nicht dagegen eingeschritten, dass die Telekom ihren schnellen DSL-Datenverkehr mit dem Telefonanschluss koppelt. Wettbewerbswidrige Kopplung "Aus unserer Sicht ist die Kopplung wettbewerbswidrig und ein Verstoß gegen das Telekommunikationsgesetz", sagt Salmon. In Norwegen etwa sei die Trennung vollzogen und die Internet-Telefonie boomt. In Japan telefonierten schon mehrere Millionen Menschen via Internet und in den USA Hunderttausende. Für kommenden Montag hat der Chef der Regulierungsbehörde, Matthias Kurth, in Bonn eine Grundsatzrede in Aussicht gestellt.
Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation geht gegen Anbieter von Internet-Telefonie vor. Ihre Begründung: Eine Rufnummern-Misere in Deutschland.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/internet-telefonie-wenn-die-nummern-knapp-werden-1.901150
Internet-Telefonie - Wenn die Nummern knapp werden
00/05/2010